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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

5. September 1990

35

GOLFKRISE

BUSH FORDERT KOORDINIERTE HILFE IN DER
GOLFKRISE
Erklärung des Präsidenten
ISOLIERUNG DES IRAKS EINZIGES MITTEL
ZUR FRIEDLICHEN KONFLIKTLÖSUNG
US-Außenminister Baker vor dem Auswärtigen
Ausschuß des Repräsentantenhauses
DIE GOLFKRISE: EINE CHRONOLOGIE
Stand: 28. August

KONGRESS

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

KONGRESS UNTERSTUTZT BUSHS
MASSNAHMEN IN DER GOLFKRISE
Erklärungen führender Persönlichkeiten
aus dem Kongreß

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392366
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
5. September 1990

BUSH FORDERT KOORDINIERTE HILFE
IN DER GOLFKRISE
Erklärung des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat am 30. August 1990 im Rahmen einer Pressekonferenz erklärt, daß
die Vereinigten Staaten die Führungsrolle bei der Koordinierung von Hilfsmaßnahmen für Länder übernehmen
werden, deren Wirtschaft durch die irakische Invasion in Kuwait geschädigt wurde. Darüber hinaus kündigte er
die Entsendung von Außenminister Baker und Finanzminister Brady in den Nahen Osten, nach Europa und Asien
an, um diese Bemühungen zu beschleunigen. Der Plan erfordere "erhebliche Wirtschaftshilfe" für die Türkei,
Ägypten und eine Reihe anderer Länder.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Präsidenten im Wortlaut.

Zusammen mit der überwältigenden Mehrheit der
Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen engagieren
sich die Vereinigten Staaten für kollektive Anstrengungen, um die Folgen der irakischen Aggression zu
beseitigen. Unsere Ziele, die in fünf Resolutionen des
Sicherheitsrats der Vereinten Nationen dargelegt
wurden, sind eindeutig: der unverzügliche und bedingungslose Abzug der irakischen Streitkräfte aus Kuwait,
die Wiedereinsetzung der legitimen Regierung Kuwaits, die Stabilität Saudi-Arabiens und am Persischen Golf sowie der Schutz amerikanischer Staatsbürger.
In dieser Angelegenheit steht wahrhaft viel auf dem
Spiel - die Verläßlichkeit des amerikanischen Engagements für unsere Freunde und Verbündeten, die
Gestaltung der Welt nach der Nachkriegszeit, die
Ablehnung von Aggression, die mögliche Beherrschung
der für die gesamte Welt entscheidenden Energiequellen. Diese Bemühungen waren von Beginn an wahrhaft international. Viele andere Länder leisten ihren
Beitrag. Zuletzt hatten 22 Länder entweder der Bitte
Saudi-Arabiens entsprochen, zur Abschreckung weiterer Aggression beizutragen oder gemäß der Resolution 665 des UNO-Sicherheitsrats Marinestreitkräfte
entsandt. Andere Staaten erbringen ihren Beitrag in
Form finanzielle) und materieller Unterstützung für
diese Verteidigungsanstrengungen oder für Länder,
deren Volkswirtschaften unter den Sanktionen oder
höheren Ölpreisen zu leiden haben. Und noch andere
zahlen einen hohen wirtschaftlichen Preis für die Einhaltung der UNO-Sanktionen.

AMERIKA DIENST 35

Es ist unabdingbar, daß die erheblichen von diesen
Bemühungen verursachten Belastungen auch von
denjenigen getragen werden, die verteidigt werden
und von denen, die vom freien ölfluß profitieren.
Jeder, der ein Interesse an der Weltordnung hat, muß
auch daran interessiert sein, unser aller Erfolg sicherzustellen.
Für die Vereinigten Staaten ist das Gleichgewicht von
großer Bedeutung, und sie sind damit in Einklang
stehende Verpflichtungen eingegangen. Wir sind mehr
als bereit, unseren fairen Anteil an den Lasten zu
tragen. Dazu gehören vor allem die Tausende von
Männern und Frauen unserer Streitkräfte, die heute
am Golf stehen, aber wir erwarten auch von anderen,
daß sie ihren fairen Anteil tragen.
Eine Reihe von Ländern hat schon ihre Bereitschaft
erklärt, denen zu helfen, die durch dieses Unterfangen
wirtschaftlich benachteiligt werden. Hierbei muß es
sich jedoch zwangsläufig um konzertierte und koordinierte Maßnahmen handeln, an denen sich alle betroffenen Länder beteiligen. Es ist wichtig, die richtigen
Prioritäten zu setzen und sicherzustellen, daß diejenigen, die unsere Hilfe am meisten benötigen, diese
auch bekommen und diejenigen, die am ehesten dazu
in der Lage sind, ihren Beitrag leisten.
Aus diesem Grund habe ich eine interministerielle
Arbeitsgruppe angewiesen, eine Strategie zur Verwirklichung dieses Ziels zu entwickeln. Der Bericht
dieser Gruppe wurde beim gestrigen Treffen des

Seite 1

�Nationalen Sicherheitsrats vorgelegt, und ich habe
heute morgen einen Aktionsplan genehmigt. Unser
Ansatz fordert erhebliche Wirtschaftshilfe für diese
Staaten - ich möchte hier insbesondere die Türkei und
Ägypten nennen, die einen großen Teil der von den
Sanktionen und höheren Ölpreisen verursachten Lasten
zu tragen haben. Der Plan führt darüber hinaus noch
weitere Länder auf, darunter Jordanien, die Staaten
Osteuropas und andere, die besonderer Hilfe bedürfen. Die Vereinigten Staaten werden ferner eine
Verteilung der aus ihren eigenen Anstrengungen resultierenden Lasten anstreben.
Wir werden gleichzeitig andere Regierungen, darunter
die Japans, Südkoreas, der Bundesrepublik Deutschland, Saudi-Arabiens, der Emirate, des freien Kuwait
und anderer Staaten ersuchen, sich uns anzuschließen und den Ländern, die am meisten unter der
gegenwärtigen Lage zu leiden haben, finanzielle sowie
gegebenenfalls Energieressourcen zur Verfügung zu
stellen.
Um dieses Unterfangen zu beschleunigen, habe ich
Außenminister Baker und Finanzminister Brady gebeten, an der Spitze hochrangiger Delegationen zum
Persischen Golf, nach Europa und Asien zu reisen. Ich
werde ferner direkten Kontakt mit den Staats- und
Regierungschefs dieser Länder aufnehmen, bevor die
Minister Baker und Brady dort eintreffen, um ihnen
unsere allgemeinen Ziele zu erläutern.
Abschließend möchte ich wiederholen, was ich bereits
gestern bei meinem Treffen mit führenden Politikern
des Kongresses erklärt habe. Unsere Politik liegt im
Grundsatz fest. Das irakische Regime steht in Opposition zur gesamten Welt und den Interessen des
irakischen Volkes. Der Irak stellt sich wahrhaft gegen
die gesamte Welt. Ich möchte jedoch klarstellen, daß

*

*

wir keinen Streit mit dem irakischen Volk haben.
Die Sanktionen beginnen bereits zu greifen. In der
Zwischenzeit möchten wir sicherstellen, daß die Länder, die zu dieser einmaligen kollektiven Antwort beitragen, darunter nicht leiden müssen. Was ich heute
verkündet habe und was in den folgenden Tagen
verwirklicht werden soll, wird dazu beitragen, ein Umfeld
zu schaffen, in dem die Sanktionen gegen den Irak mit
den beabsichtigten Folgen aufrechterhalten werden
können.
Eine weitere Maßnahme einmaliger internationaler
Solidarität war die Bereitschaft der OPEC, den durch
das Embargo gegen irakisches und kuwaitisches ö l
entstandenen Produktionsausfall wettzumachen. In
diesem Zusammenhang habe ich mich heute morgen
mit unseren Energieberatern getroffen, die den ö l markt sehr genau beobachten. Wir begrüßen den Beschluß der OPEC, die Verringerung der ölfördermenge teilweise aufzufangen. Obwohl wir uns meiner
Meinung nach in einer Übergangsphase befinden,
scheint die Lage kontrollierbar zu sein.
Wir erwarten zur Zeit keine größeren Verwerfungen
auf dem Ölmarkt. Wir besitzen jedoch unsere bewährte Strategische ölreserve, die zur Verfügung steht,
wenn dies wirklich erforderlich ist. Unsere Energiepolitik hat darüber hinaus eine verstärkte Erdölförderung
sowie eine Umstellung auf Erdgas und andere Brennstoffe zur Folge. Ich möchte ferner meinen früheren
Appell an die Amerikaner wiederholen, Energie zu
sparen. Ich fordere alle Beteiligten auf, sich verantwortungsbewußt zu verhalten. Gegenwärtig ist die Lage
meines Erachtens relativ stabil, und ich bin sehr zufrieden mit der Koordinierung, die mit vielen Ländern zur
Aufrechterhaltung einer angemessenen Brennstoftversorgung stattgefunden hat.

*

*

AMERIKA DIENST 35

�GOLFKRISE
5. September 1990

ISOLIERUNG DES IRAKS EINZIGES MITTEL
ZUR FRIEDLICHEN KONFLIKTLÖSUNG
US-Außenminister Baker vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats
WASHINGTON - (AD) - Außenminister Baker zufolge ist die "koordinierte und umfassende internationale
Isolierung des Iraks der einzig friedliche Weg" zur Beendigung der Golfkrise.
"Auf diplomatischem Wege haben wir von Anfang an versucht, eine konzertierte internationale Reaktion auf die
irakische Aggression zu fördern", erklärte Baker am 4. September 1990 vor dem Auswärtigen Ausschuß des
Repräsentantenhauses. Er bezeichnete die Ergebnisse als außerordentlich und einmalig.
Dem US-Außenminister zufolge verspüren die Vereinigten Staaten Genugtuung über die im UNO-Sicherheitsrat geleistete "verantwortungsbewußte und produktive Arbeit" und über die "Unterstützung seitens der
Arabischen Liga und der Blockfreien".
Als Erklärung für das, was im Golf auf dem Spiel steht, nannte Baker folgende Punkte:
"Iraks nichtprovozierte Aggression ist ein politischer Prüfstein, wie die Welt nach dem kalten Krieg
funktioniert."
"Einschüchterung und Gewalt sind keine erfolgreichen Mittel, um mit dem unbeständigen Nahen Osten
- oder irgendeiner anderen Region - umzugehen."
Die Weltwirtschaft ist von den Energieressourcen am Golf abhängig.
Nachfolgend veröffentlichen wir Bakers Ansprache im Wortlaut:

Ich bin heute hierhergekommen, um vor Ihnen - und
damit vor dem amerikanischen Volk- über die Krise am
Persischen Golf und ihre Auswirkungen auf die Vereinigten Staaten zu sprechen.

und wir sind darüber hinaus verpflichtet, unsere Pläne
zur Verwirklichnug dieses Ziels zu erläutern, um unsere langfristigen Interessen am Golf und anderswo zu
fördern.

Ich möchte diese Krise im Rahmen meiner Rede in
einen großen Zusammenhang stellen. Die ganze Welt
ist mobilisiert, um die Aggression gegen ein kleines,
weit entferntes Land abzuwenden. Natürlich zahlen
wir jetzt schon höhere Preise an der Tankstelle. Sie
haben darüber hinaus darauf hingewiesen, daß Tausende unserer besten jungen Männer und Frauen jetzt
in der Hitze des Persischen Golfs Wache halten.

Ich möchte mit Erläuterungen darüber beginnen, was
auf dem Spiel steht. Zunächst ist die nichtprovozierte
Aggression des Iraks ein politischer Prüfstein, wie die
Welt nach dem kalten Krieg funktioniert. Inmitten der
Revolutionen, die die Welt bewegt haben und der
Veränderungen der Ost-West-Beziehungen befinden
wir uns nunmehr an einem kritischen Wendepunkt der
Geschichte. Die irakische Invasion Kuwaits ist einer
der wichtigsten Augenblicke einer neuen Ära, eines
neuen Zeitalters voller Hoffnungen, das aber darüber
hinaus viele Herausforderungen bereithält.

Der Präsident hat eindeutig erklärt, daß wir dem
amerikanischen Volk gegenüber eine klare Verpflichtung haben. Um es offen zu sagen, wir sind verpflichtet
auszusprechen, was infolge von Saddam Husseins
Invasion in Kuwait auf dem Spiel steht. Wir sind in der
Tat verpflichtet, unserem Volk zu erklären, welche
unmittelbaren Ziele wir in diesem Konflikt verfolgen,
AMERIKA DIENST 35

Während die im kalten Krieg aufgestellten Regeln
letztlich den Frieden zwischen Ost und West in Europa
bewahrt haben, besteht die Aufgabe jetzt darin, einen
dauerhaften Frieden zu schaffen, der weltweit gilt,
Seite 1

�nicht nur auf Europa beschränkt ist und seine Ursprünge nicht in Konfrontation und Spannungen hat.
Wenn wir einen stabilen und umfassenderen Frieden
schaffen wollen, müssen wir auf die charakteristischen
Momente dieser neuen Ära reagieren und die sich für
uns ergebenden Gefahren erkennen. Wir treten in ein
Zeitalter ein, in dem ethnische und religiöse Konflikte
leicht neue Gewalt und neue Konflikte hervorbringen
können. Dies ist ein Zeitalter, in dem neue Feindseligkeiten und Bedrohungen auftreten können, wenn fehlgeleitete Politiker ihre regionale Vormachtstellung sichern
wollen, bevor Grundsätze einer neuen Ordnung akzeptiert werden können.
Demgemäß stehen wir vor einer einfachen Wahl.
Wollen wir in einer Welt leben, in der Aggression
weniger wahrscheinlich ist, weil darauf eine eindeutige
Reaktion der internationalen Staatengemeinschaft
erfolgt, einer Welt, in der zivilisierte Verhaltensregeln
gelten? Oder wollen wir in einer Welt leben, in der
Aggression sich unkontrolliert ausbreiten kann, wo sie
Erfolg hat, weil wir nicht soviel gemeinsame Willenskraft aufbringen können, um ihr die Stirn zu bieten?
Leider wird Saddam Husseins Angriff auf Kuwait nicht
der letzte Akt der Aggression sein, dem sich die
internationale Staatengemeinschaft stellen muß.
Solange ruchlose Aggressoren weiter wirken können,
ist es nur folgerichtig, daß solche Übergriffe von Zeit zu
Zeit auch stattfinden. Aber mit der gegenwärtigen
Krise bietet sich erstmals die Gelegenheit, eine solche
Gefahr zu begrenzen, die Maßstäbe zivilisierten Verhaltens zu stärken, wie sie in der UNO-Charta verankert sind und eine friedlichere internationale Ordnung
zu schaffen, die auf den hoffnungsvollen jüngsten
Tendenzen in Europa und anderswo beruht. Unsere
Ansicht lautet, daß wir die Gelegenheit ergreifen müssen,
um die Grundregeln der neuen Ordnung auf ein solides
Fundament zu stellen.
Zweitens müssen wir vom strategischen Standpunkt
zeigen, daß Einschüchterung und Gewalt keine erfolgreichen Mittel sind, um mit dem unbeständigen Nahen
Osten - oder irgendeiner anderen Region - umzugehen. Die Kombination ungelöster regionaler Konflikte,
turbulenter sozialer und politischer Veränderungen,
Massenvernichtungswaffen und das Vorhandensein
eines großen Teils der Weltenergievorräte macht den
Nahen Osten besonders explosiv. Niemand kann sich
Konflikten im Nahen Osten entziehen. Und niemand
kann sich sicher fühlen, wenn die Gefahr eines im
Nahen Osten eskalierenden Kriegs so groß ist.
Wenn wir friedliche Veränderungen fördern und die
Sicherheit all unserer Freunde in der Region erhalten
wollen, müssen wir ein verläßlicher Partner für den
Frieden bleiben. Wir müssen demonstrieren, daß
Saddam Husseins gewaltorientiertes Vorgehen ein
Anachronismus und kein Kurs für die Zukunft ist.

Seite 2

Drittens und vielleicht am offensichtlichsten steht eine
wirtschaftliche Komponente auf dem Spiel, die Abhängigkeit der Welt vom Zugang zu Energieressourcen
des Persischen Golfs. Die Auswirkungen auf unsere
Wirtschaft und die Menschen sind bereits spürbar.
Aber wir sprechen hier nicht vom Preisanstieg einer
Gallone Benzin an unseren Tankstellen. Die Frage
des Ölflusses aus Kuwait und dem Irak spielt nur eine
untergeordnete Rolle. Es geht hier um die Frage nach
einem Diktator, der allein und ohne Herausforderungen die Weltwirtschaftsordnung zerrütten und per Erlaß
verfügen könnte, ob wir alle eine Rezession oder sogar
eine Depression hinnehmen müssen.
Eine anhaltende ölpreisspirale ähnlich der Ereignisse
in den Jahren 1973 und dann wieder 1979 könnte
weltweit zu höherer Inflation und höheren Zinsen führen, wobei wir alle in die Rezession abgleiten würden.
Die Belastung könnte sich insbesondere auf die neuen
Demokratien in Osteuropa auswirken und drohen, die
demokratischen Revolutionen von 1989 rückgängig zu
machen. Auch in den ärmeren Ländern Mittelamerikas, Südasiens und Afrikas bekämen es diejenigen zu
spüren, die jetzt marktorientierte Reformen verwirklichen und den Lebensstandard ihrer verarmenden
Millionen zu verbessern suchen.
Einfach gesagt ist dies der Einsatz, der durch die
irakische Invasion gegen Kuwait auf dem Spiel steht.
Die Frage lautet also meiner Ansicht nach, wie wir und
die internationale Staatengemeinschaft darauf reagiert haben.
Für die Vereinigten Staaten hat der Präsident vier Ziele
definiert.
Erstens den unverzüglichen, vollständigen und bedingungslosen Abzug aller irakischen Truppen aus Kuwait, wie er in Resolution 660 des UNO-Sicherheitsrats
gefordert wird.
Zweitens die Wiedereinsetzung der rechtmäßigen
Regierung Kuwaits.
Drittens der Schutz des Lebens amerikanischer Bürger, die vom Irak sowohl dort als auch in Kuwait als
Geiseln gehalten werden.
Viertens ein Engagement für die Sicherheit und Stabilität der Region des Persischen Golfs.
Unsere Strategie besteht darin, die Führungsrolle in
einem weltweiten politischen Bündnis zu übernehmen,
um den Irak politisch, wirtschaftlich und militärisch zu
isolieren. Im Hinblick darauf sind wir bestrebt, daß der
Irak einen so hohen Preis für seine Aggression zahlen
muß, daß er gezwungen ist, aus Kuwait abzuziehen
und Amerikaner und andere als Geiseln festgehaltene
Menschen freizulassen.

AMERIKA DIENST 35

�Dies würde im Gegenzug zur Wiedereinsetzung der
rechtmäßigen Regierung Kuwaits führen. Es würde
auch die Möglichkeiten für langfristige Sicherheit und
Stabilität im persischen Golf auf eine Weise verbessern, die auf den einmaligen internationalen Konsens
baut, der sich bereits gebildet hat.
Unsere Strategie hat sich aus zwei Wegen zu diesem
Ziel ergeben, die sich gegenseitig verstärken. Ich
möchte Ihnen unsere Bestrebungen darlegen. Auf
diplomatischem Wege haben wir von Anfang an versucht, eine konzertierte internationale Reaktion auf die
irakische Aggression zu fördern. Die Ergebnisse waren,
wie auch Sie, Herr Vorsitzender, ausgeführt haben,
außerordentlich und man kann sie schon als einmalig
bezeichnen. Fünf einstimmige Resolutionen des UNOSicherheitsrats sind verabschiedet worden, und es ist
nur fair zu sagen, daß der Irak inzwischen geächtet
wird.
Die Vereinigten Staaten verspüren Genugtuung über
die im UNO-Sicherheitsrat geleistete verantwortungsbewu ßte und produktive Arbeit, die wir gemeinsam mit
den anderen Ständigen Mitgliedern, Großbritannien,
Frankreich, der Sowjetunion und der Volksrepublik
China geleistet haben und über die Unterstützung der
Arabischen Liga und der Blockfreien.
Wie Mr. Broomfield bereits erläuterte, hat sich insbesondere die Sowjetunion als verantwortungsbewußter
Partner erwiesen und neue Möglichkeiten für eine
aktive Zusammenarbeit der Supermächte bei der
Bewältigung regionaler Konflikte aufgezeigt. Der
Präsident wird sich bei seinem Treffen mit Präsident
Gorbatschow in Helsinki am kommenden Sonntag (9.
September) bemühen, unsere partnerschaftlichen
Bindungen weiter zu verstärken.
Langfristig sollten wir uns daran erinnern, wie dieser
Konflikt ausgesehen hätte, wenn die sowjetische Politik im Persischen Golf immer noch durch das althergebrachte Nullsummendenken bestimmt würde. Die
NATO, die Europäische Gemeinschaft und die Westeuropäische Union haben sich in großartiger Weise
beteiligt. Unser NATO-Verbündeter Türkei sollte wegen
seiner raschen, effektiven und sehr mutigen Zusammenarbeit besonders herausgehoben werden.
Schließlich hat eine breite regionale Koalition, zu der
Ägypten, Saudi-Arabien, Kuwait, die Golfstaaten und
Syrien gehören, viel getan, um die internationale
Geschlossenheit zu fördern. In dieser Hinsicht möchte
ich noch einen entscheidenden Punkt zur Sprache
bringen. Seit ihrem Amtsantritt hat diese Administration mit unseren Freunden in Asien und Europa, mit
den Sowjets und mit Organisationen wie der NATO
und der Europäischen Gemeinschaft konzertierte
Anstrengungen unternommen, um sich den regionalen Konflikten innewohnenden explosiven Gefahren zu
widmen. Bei der Antwort auf die Invasion des Iraks

AMERIKA DIENST 35

konnten wir uns auf die neuen internationalen Bindungen stützen, die aufgrund dieser Strategie entstanden
sind.
Die Kuwaiter selbst verdienen unser Mitgefühl und
unseren Respekt. Sie mußten eine brutale Invasion,
die Plünderung ihres Landes und eine traumatische
Erfahrung erdulden. Es kam zu tragischen Verlusten
an Menschenleben, und Tausende von Kuwaitern
flohen in Nachbarstaaten und konnten in vielen Fällen
nur mit dem, was sie auf dem Leibe trugen, entkommen.
Aber die Kuwaiter wehren sich, und sie wehren sich
heldenhaft. Sie kollaborieren nicht mit dem Irak.
Sämtliche Teile der kuwaitischen Bevölkerung, von
den religiösen Konservativen bis zu den säkular eingestellten Liberalen haben ihre Unterstützung für die
Wiedereinsetzung der Regierung bekundet. Im Land
selbst hat sich ein Widerstand formiert. Er führt den
Kampf gegen die irakische Aggression innerhalb Kuwaits.
Darüber hinaus stellt die kuwaitische Exilregierung
finanzielle Hilfe bereit, um unsere militärischen Bemühungen zu unterstützen und zur Beseitigung wirtschaftlicher Probleme beizutragen, die Staaten wie
Ägypten entstanden sind.
Kurzum: Kuwait ist besetzt worden - aber Kuwait
wurde nicht erobert.
Die in dem Grundsatz vereinte politische Koalition, daß
Saddam Hussein nicht die Früchte seiner Aggression
ernten darf, hat unter dem Schirm der Vereinten Nationen ein Wirtschaftsembargo verwirklicht, das voll und
ganz wirksam ist. Die importabhängige Volkswirtschaft des Iraks spürt schon die Auswirkungen, und
der internationale Druck wird mit der zunehmenden
Verknappung weiter anwachsen. Sanktionsverletzer
könnten, wie dies in solchen Lagen stets der Fall ist,
durch große finanzielle Profite in Versuchung geführt
werden, aber die Resolution 665 des UNO-Sicherheitsrats, die eine Durchsetzung des Embargos mit
allen angemessenen Mitteln vorsieht, sollte gewährleisten, daß die Möglichkeiten des Iraks zum Export
seines Öls und zum Import wichtiger Waren mit der
Zeit stark eingeschränkt werden.
Saddam Husseins Aggression hat Ländern in der
Region und in der ganzen Welt enorme Kosten verursacht. Die Zerstörung der kuwaitischen Volkswirtschaft durch die irakischen Angreifer hat große wirtschaftliche Verwerfungen bei befreundeten Staaten in
der Region zur Folge gehabt. Dies betrifft insbesondere Ägupten und die Türkei. Andere Länder, die wirtschaftlich auf schwachen Füßen stehen, besonders in
Osteuropa, müssen einen sehr hohen Preis bezahlen.
Auch die Notwendigkeit, die Lasten unserer eigenen
militärischen Bemühungen auszugleichen, muß angesprochen werden. Wie der Präsident am vergangenen
Donnerstag (30. August) verkündete, haben wir einen

Seite 3

�Aktionsplan beschlossen, um diesen Erfordernissen
gerecht zu werden. Unsere Freunde in der ganzen
Welt haben darauf reagiert und tun dies auch weiterhin. Saudi-Arabien bestreitet einen Großteil der Treibstoffkosten für unsere Bemühungen, und andere Golfstaaten stellen den betroffenen Staaten Brennstoffe
und Finanzmittel zur Verfügung.
Der Präsident hat Finanzminister Brady und mich
gebeten, wichtige Staaten am Golf, in Europa und
Asien zu besuchen, um die internationalen Bemühungen zu mobilisieren und koordinieren. Wir werden
bestrebt sein zu gewährleisten, daß Kosten und Verantwortlichkeiten gleichmäßig verteilt werden und unsere
Anstrengungen einander auf verschiedenen Ebenen
ergänzen. Das Ziel ist die Wahrung der lebenswichtigen Interessen der beteiligten Parteien und die Aufrechterhaltung der Solidarität der internationalen
Koalition. Die Zeit kann auf der Seite der internationalen Staatengemeinschaft sein. Der Diplomatie kann
zum Erfolg verholten werden.
Auf der militärischen Ebene stellen heute 25 Staaten
Soldaten und Material zur Unterstützung der Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats bereit. Die amerikanischen Ziele sind die Abschreckung eines irakischen
Angriffs auf Saudi-Arabien sowie die Gewährleistung
der wirksamen Einhaltung der UNO-Sanktionen. Unsere
Streitkräfte sind darüber hinaus dort anwesend, um
das Leben amerikanischer Bürger zu schützen und
eine effektive und entschiedene militärische Reaktion
sicherzustellen, falls der Irak seine Aggression zu
aktiven Gefechten mit der multinationalen Streitmacht
eskaliert.
Wenn jedoch die gegenwärtige Gefahr vorüber ist,
können wir ihre Lehren nicht unbeherzigt lassen. Wir
stehen in der Verantwortung, dem amerikanischen
Volk zu versichern, daß nicht zehn Jahre später seine
Söhne und Töchter gefährdet werden, weil wir es
versäumt haben, langfristige Lösungen für die Probleme am Golf zu finden. Der von uns zustande gebrachte historische internationale Konsens kann eine solide
Grundlage sein, um unsere unmittelbaren Ziele zu
verwirklichen und eine sicherere Zukunft aufzubauen.
Er kann ein künftiges Umfeld am Golf fördern, das
unsere Interessen schützen und uns helfen wird, eine
Wiederholung solcher massiven diplomatischen und
militärischen Anstrengungen in der Zukunft zu vermeiden.
Langfristig streben wir einen stabilen Golf an, an dem
die Staaten dieser Region und deren Völker in Frieden
und ohne Furcht vor Nötigung leben können. Wir
streben eine Region an, in der Veränderungen stattfinden können und darüber hinaus legitimen Sicherheitsanliegen auf friedlichem Wege Rechnung getragen
wird. Ferner streben wir eine Region an, in der
Energielieferungen frei fließen können. Wir werden
mit den Regierungen am Golf und außerhalb zusammenarbeiten müssen, um eine dauerhaftere Ordnung
zu schaffen.
Seite 4

Wir möchten gewährleisten, daß unsere Freunde in
der Region die Mittel besitzen, um Aggressionen
abzuschrecken und sich zu verteidigen, damit die
Notwendigkeit verringert wird, amerikanische Männer
und Frauen zu ihrer Unterstützung zu entsenden. Wir
werden mit den andere Mitgliedern der regionalen und
internationalen Staatengemeinschaft zusammenarbeiten, um weiteren irakischen Expansionsbestrebungen
sowie irakischen Bemühungen, Massenvernichtungswaffen zu erwerben und zu produzieren, Einhalt zu
gebieten.
Die Bewältigung der heutigen Bedrohung könnte ferner zur Ausgangsbasis für dauerhafte internationale
Bemühungen werden, um die Verbreitung chemischer,
biologischer und atomarer Waffen und ballistischer
Raketen in der Region und andernorts zu verhindern.
Sie kann ein Sprungbrett für neue Versuche zur Lösung von Konflikten werden, die einer solchen Verbreitung zugrundeliegen, einschließlich des schwelenden
Konflikts zwischen Israel und seinen palästinensischen und arabischen Nachbarn. Es reicht nicht aus
zu zeigen, daß sich Aggression und Einschüchterung
nicht auszahlen. Wir müssen auch zeigen, daß es
einen Weg zu Aussöhnung und Frieden gibt, der mit
gutem Willen und Vertrauen auf allen Seiten beschritten werden kann. Abschließend möchte ich Saddam
Husseins Überfall auf Kuwait in eine historische Perspektive stellen.
Seit über vierzig Jahren stand der Konflikt zwischen
Ost und West im Mittelpunkt der internationalen Beziehungen. Der kalte Krieg erfaßte den ganzen Erdball
und betraf jeden. Ein Großteil der amerikanischen
Außenpolitik wurde entweder von unseren Bemühungen zur Eindämmung der stalinistischen Aggression
bestimmt oder leitete sich daraus her.
Heute hat die zentrale Auseinandersetzung der Nachkriegszeit, der Ost-West-Konflikt über die Zukunft
Europas, einen Umbruch erfahren. Die Volksrevolutionen des vergangenen Jahres in Mittel- und Osteuropa haben die Diktaturen der Vergangenheit hinweggefegt. An ihrer Stelle finden die Menschen nun die
Freiheit. Europa wird ungeteilt und frei, Deutschland
wird in Frieden und Freiheit vereint werden. Eine
aufgeklärte sowjetische Führung hat zu friedlichen,
demokratischen Veränderungen als einzig legitimem
Weg zum Fortschritt ermutigt.
Diese Administration hat aktiv auf die Verfechter des
neuen Denkens und der Reformen in der Sowjetunion
eingewirkt. Zusammen entdecken wir gemeinsame
Interessen, die Ost und West vereinen werden. In
dieser Beziehung wird Konflikt durch Partnerschaft
abgelöst.
Wie ich bereits viele Male erklärt habe, ist die Rolle der
Vereinigten Staaten in diesem gewaltigen Umbruch in
der Weltpolitik sehr aufrichtig. Wir müssen nicht nur
den kalten Krieg hinter uns lassen, sondern auch die
ihm zugrundeliegenden Konflikte.
AMERIKA DIENST 35

�Und das ist der Grund, warum, wie der Präsident
erklärt hat, die Aggression des Iraks nicht Bestand
haben kann.
Die Linie im Sand Arabiens bedeutet auch eine Linie in
der Zeit. Durch seinen Einfall in Kuwait tat Saddam
Hussein einen gefährlichen Schritt zurück in die Vergangenheit. Vielleicht dachte er nur, die Welt würde
Kuwait für entbehrlich halten, wir würden es lediglich
als kleines, weit entferntes Land betrachten, von dem
wir wenig wissen und das uns ziemlich egal sei.
Vielleicht erinnerte er sich an die dreißiger Jahre, als
der Völkerbund es versäumte, entschieden auf die
Aggression Mussolinis gegen Abessinien, dem heutigen Äthiopien, zu reagieren. Sicher dachte Saddam
Hussein, sein Verbrechen werde sich auszahlen, aber
die Welt hat sich anders entschieden. Es darf ihm nicht
gestattet werden, seine Beute zu behalten.
Der Präsident hat unsere Haltung klargestellt. Die
Welt muß gemeinsam dafür sorgen, daß die in der
Charta der Vereinten Nationen verankerten Prinzipien
verteidigt werden. Bei diesen Bemühungen, Herr
Vorsitzender und verehrte Ausschußmitglieder, müssen die Vereinigten Staaten führen, und unser Volk

*

AMERIKA DIENST 35

muß das verstehen. Wir bleiben die einzige Nation, die
das erforderliche politische, militärische und wirtschaftliche Instrumentarium besitzt, um eine erfolgreiche
kollektive Antwort der internationalen Staatengemeinschaft zu fördern.
Geographisch liegen wir von großen Teilen der Erde
weit entfernt, da wir durch den Atlantik und den Pazifik
getrennt sind. Politisch, wirtschaftlich und strategisch
gibt es jedoch keine Ozeane, und in einer Welt ohne
Ozeane ist eine Politik des Isolationismus keine Option. Nur durch amerikanisches Engagement kann die
friedliche Welt aufgebaut werden, die sich unser Volk
so sehnsüchtig wünscht.
Wir gehen davon aus, daß diese koordinierte und
umfassende internationale Isolierung des Iraks der
einzig friedliche Weg ist, um die vom Präsidenten
verkündeten Ziele zu erreichen. Unsere Anstrengungen werden jedoch Zeit erfordern, und darum bitten wir
insbesondere das amerikanische Volk. Bleiben Sie
fest. Haben Sie Geduld. Bleiben Sie vereint, auf daß
wir zusammen zeigen können, daß sich Aggression
nicht auszahlt.

* * *

*

Seite 5

�GOLFKRISE
5. September 1990

DIE GOLFKRISE: EINE CHRONOLOGIE
Stand: 28. August
Als Unterzeichner der Charta der Vereinten Nationen haben sich sowohl der Irak als auch Kuwait verpflichtet,
"in ihren internationalen Beziehungen auf Androhung oder Einsatz von Gewalt gegen die territoriale Integrität
oder politische Unabhängigkeit eines Staates zu verzichten".
Irak erkannte den unabhängigen Staat Kuwait im Jahr 1963 offiziell an und verpflichtete sich, seine Souveränität zu respektieren. Die folgende Chronologie schildert die Ereignisse, die auf die Verletzung dieser bindenden
Erklärung durch den Irak mit seiner Invasion und Annexion Kuwaits folgten. Angeführt vom Sicherheitsrat der
Vereinten Nationen hat die internationale Staatengemeinschaft diesen Bruch von Gesetzen und Prinzipien
verurteilt, die friedliche Beziehungen zwischen den Nationen regeln.

16. Juli: Der irakische Außenminister Aziz legt dem
Sekretariat der Arabischen Liga in Tunis ein Schreiben
vor, in dem Kuwait und die Vereinigten Arabischen
Emirate der "direkten Agression" gegen Irak beschuldigt werden. Zu den Vorwürfen gehören Übergriffe auf
irakisches Territorium und überhöhte Ölproduktion.
17. Juli: Der irakische Präsident Saddam Hussein
beschuldigt Kuwait und die Vereinigten Arabischen
Emirate, die von der OPEC festgesetzten Produktionsgrenzen zu überschreiten und damit den Rohölpreis niedrigzuhalten. Hussein zufolge gingen Irak
durch dieses Vorgehen Öleinnahmen in Höhe von 14
Milliarden Dollar verloren. Er droht, die Überproduktion notfalls mit Gewalt zu stoppen.
18. Juli: Saddam Hussein bekräftigt den irakischen
Anspruch auf Öl in einem umstrittenen Grenzgebiet in
Kuwait. Er erklärt, Kuwait habe Rohöl im Gegenwert
von 2,4 Milliarden Dollar aus den dortigen Ölquellen
gestohlen und fordert Rückzahlung.
Die kuwaitische Nationalversammlung beschließt,
mehrere hochrangige Regierungsvertreter in arabische Hauptstädte zu entsenden, um die kuwaitische
Position darzulegen. Der saudiarabische König Fahd
telefoniert mit Saddam Hussein und drängt auf Zurückhaltung.
Das US-Außenministerium wiederholt, die amerikanische Politik am Golf bestehe darin, "den ungehinderten Öltransfer durch die Straße von Hormus sicherzustellen und den Grundsatz der Freiheit der Schiffahrt
zu verteidigen".

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19. Juli: Der kuwaitische Außenminister übermittelt
der Arabischen Liga ein Antwortschreiben auf die
irakischen Vorwürfe und bittet um Schlichtung der
Grenzstreitigkeiten durch die Arabische Liga.
20. Juli: Die kuwaitischen Streitkräfte werden in
Alarmbereitschaft versetzt.
21. Juli: Der Generalsekretär der Arabischen Liga,
Klibi, reist zu Konsultationen nach Kuwait. Saddam
Hussein spricht mit dem ägyptischen Präsidenten
Mubarak.
22. Juli: Der irakische Außenminister kommt mit
Präsident Mubarak in Kairo zusammen. In Kuwait
akkreditierte Militärattaches der NATO berichten nach
Besuchen im Irak von Panzerverlegungen auf Eisenbahnwaggons nach Süden und 2 000 bis 3 000 Lastwagen, die 30 000 Soldaten zur Grenze bringen.
23. Juli: Saudiarabische Streitkräfte im nördlichen
und östlichen Kommandobereich werden in Alarmbereitschaft versetzt. Der ägyptische Staatspräsident
Mubarak und König Hussein von Jordanien beraten
über die Spannungen am Golf.
24. J uli: Mubarak reist als Vermittler nach Bagdad und
Kuwait und schlägt ein Treffen der arabischen Außenminister in Kairo vor. Das Pentagon bestätigt, daß die
amerikanische Marine gemeinsam mit den Vereinigten Arabischen Emiraten eine Ausbildungsoperation
im Golf durchführt. Das kuwaitische Militär wird von
Alarmbereitschaft in den niedrigeren Bereitschaftszustand "erhöhte Wachsamkeit" versetzt. Bei einer

Seite 1

�OPEC-Sondersitzung in Genf einigen sich die Unterhändler rasch auf Produktionsgrenzen, die für alle 13
Mitgliedstaaten akzeptabel sind.
25. Juli: Der Aufmarsch irakischer Streitkräfte wird
fortgesetzt, das kuwaitische Militär wieder in Alarmbereitschaft versetzt. Der amerikanische Botschafter
April Glaspie trifft in Badgad mit Saddam Hussein
zusammen, der erklärt, er hoffe auf eine friedliche
Lösung des Konflikts und den Botschafter von seinen
Plänen zu Gesprächen mit Kuwait unterrichtet. Er
verspricht, fürdie Dauer der Vermittlungsbemühungen
werde militärisch "nichts unternommen". Saddam
erklärt Mubarak gegenüber, der Irak plane keinen
Angriff auf Kuwait.

Der kuwaitische Botschafter in den Vereinigten Staaten verurteilt Iraks Invasion seines Landes aufs Schärfste und richtet einen Appell für Militärhilfe an alle
Nationen der Welt. "Meines Erachtensistdie Intervention der Vereinigten Staaten zu diesem Zeitpunkt von
vorrangiger Bedeutung", erklärt er.
Präsident Bush verurteilt die Invasion als "nackte
Aggression" und fordert den "unverzüglichen und
begingungslosen Abzug" irakischer Truppen. Bush
unterzeichnet eine Durchführungsverordnung zur
Unterbindung jeglichen Handels mit Irak, dem Einfrieren der irakischen und kuwaitischen Vermögenswerte
und fordert andere Regierungen auf, entsprechende
Schritte zu unternehmen.

26. Juli: Die OPEC-Vereinbarungen über Produktionsdrosselung und Exportbeschränkungen werden
offiziell festgelegt. Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate verpflichten sich zur Einhaltung des
Abkommens.

Die Mitglieder des amerikanischen Kongresses bringen ihre Empörung über die irakische Invasion zum
Ausdruck. Sowohl der Senat als auch das Repräsentantenhaus verurteilen Bagdads Vorgehen und unterstützen Präsident Bushs Embargo.

27. Juli: Der amerikanische Senat stimmt für die
Sperrung aller landwirtschaftlichen Kredite an Irak und
verbietet den Transfer von Munition und militärisch
anwendbarer Technologie.

3. August: Das irakische Heer stößt in Richtung
Saudi-Arabien vor. Präsident Bush läßt dem Irak eine
ernste Warnung zukommen, nicht in das Königreich
einzumarschieren, bezeichnet die Besetzung Kuwaits
als "inakzeptabel" und erklärt, eine weitere Ausweitung "wäre noch weniger akzeptabel". Bush zufolge
werden sich die Vereinigten Staaten alle Optionen
offenhalten und "wären zu jeder nur denkbaren Hilfe
bereit", wenn Saudi-Arabien um Hilfe bitten sollte. Der
amerikanische Präsident führt Telefongespräche mit
arabischen Regierungsvertretern.

31. Juli: Nachrichtendienstliche Quellen berichten
von einem enormen irakischen Truppenaufmarsch,
bei dem nahezu 100 000 Mann entlang der Grenze zu
Kuwait massiert werden - was ungefähr fünfmal der
Größe des kuwaitischen Heeres entspricht. Vertreter
des Iraks und Kuwaits treffen sich in Saudi-Arabien,
um Verhandlungen über die Ölfelder entlang der Grenze aufzunehmen, die jedoch nach zwei Stunden abgebrochen werden. Das amerikanische Außenministerium bekräftigt die Unterstützung der diplomatischen
Bemühungen durch die Vereinigten Staaten zur "Entschärfung der Spannung" am Golf.
1. August: Der irakische Botschafter in Washington
wird zu Konsultationen mit Abteilungsleiter John Kelly
ins Au ßenministerium gerufen, der "die amerikanische
Überzeugung einer friedlichen Beilegung" des Konflikts zwischen Irak und Kuwait bekräftigt.
2. August: Im Laufe der Nacht überqueren Hunderte
von irakischen Panzern in Begleitung von Tausenden

von Landstreitkräften die Grenze nach Kuwait und
besetzen den Palast des Emirs sowie andere Regierungsgebäude und strategische Einrichtungen.
In einer Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrats der
Vereinten Nationen wird das irakische Vorgehen mit
14:0 Stimmen verurteilt, ein Waffenstillstand und der
Abzug irakischer Truppen aus Kuwait gefordert. Die
Sowjetunion, ein Hauptlieferant von Waffen an den
Irak, stimmt für die Resolution und verkündet ein
Waffenembargo gegen dieses Land.

vSeite 2

Saddam Hussein kündigt eine Zusammenkunft mit
dem kuwaitischen Emir in zwei Tagen an und verspricht den Abzug der irakischen Truppen zu Beginn
dieses Tages. Bagdad fängt an, internationale Rundfunksendungen einschließlich der arabischen Sendungen der Stimme Amerikas zu stören.
US-Au ßenminister Baker und sein sowjetischer Amtskollege Schewardnadse veröffentlichen erstmals eine
gemeinsame Erklärung, in der sie die Invasion Kuwaits
durch den Irak verurteilen.
Belgien, Frankreich, Großbritannien und Luxemburg
schließen sich Bestrebungen an, kuwaitische Vermögenswerte in ihren Ländern einzufrieren. Die irakische
Invasion wird von der Europäischen Gemeinschaft,
Luxemburg, Österreich, Griechenland, Spanien und
Brasilien verurteilt.
4. August: Satellitenfotos deuten auf eine Verstärkung, keinen Abzug irakischer Truppen aus Kuwait
hin.
Kanada verhängt ein Embargo auf ölimporte aus
Kuwait und dem Irak und bereitet neben anderen

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�Sanktionen Exportkontrollen für den Irak vor. Das
stark von importiertem Öl abhängige Japan erklärt, es
werde Ölimporte aus dem Irak und Kuwait ebenso wie
Exporte in diese Länder boykottieren. Die Europäische Gemeinschaft spricht sich für die Verhängung
ähnlicher Sanktionen aus.
6. August: König Fahd bittet befreundete Streitkräfte
zur Verstärkung seiner Verteidigung nach Saudi-Arabien, Bush entsendet ein Geschwader von Kampfflugzeugen des Typs F-15 und die 82. Luftlandedivision
auf einen saudiarabischen Luftstützpunkt.
Die Vereinten Nationen stimmen 13:0 für ein obligatorisches Embargo gegenüber dem Irak. Der Gesandte
der US-Botschaft, Joseph Wilson, trifft Saddam Hussein in Bagdad und bekräftigt Washingtons Forderung
nach einem Abzug irakischer Truppen aus Kuwait.
Saddam verkündet, seine Annexion Kuwaits sei "nicht
rückgängig zu machen".
7. August: Die Truppenbewegungen von US-Streitkräften werden der Öffentlichkeit bekanntgegeben und
Tausende von Soldaten bereiten ihre Verlegung auf
saudiarabische Luftstützpunkte vor.
Zum ersten Mal in ihrer Geschichte trifft die neutrale
Schweiz die Entscheidung, sich der Staatengemeinschaft anzuschließen und verhängt Sanktionen gegen
den Irak.
Venezuela informiert Washington, die OPEC werde
die durch das internationale Embargo gegen den Irak
und Kuwait verursachten ölengpässe ausgleichen.
8. August: In einer Fernsehansprache gibt Bush
offiziell die Stationierung von Truppen im Nahen Osten
bekannt und bittet US-Bürger um ihre Unterstützung
für diese Maßnahme, denn "die souveräne Unabhängigkeit Saudi-Arabiens ist von entscheidendem Interesse für die Vereinigten Staaten." Er betont, "Appeasement - eine Beschwichtigungspolitik - funktioniert
nicht".
Bush erklärt die vier Grundsätze amerikanischer Politik: die Forderung nach Abzug irakischer Truppen aus
Kuwait, Wiedereinsetzung der rechtmäßigen Regierung Kuwaits, das amerikanische Engagement für
Frieden und Stabilität am Persischen Golf und der
Schutz des Lebens amerikanischer Bürger in der Region.
Der Irak verkündet die Annexion Kuwaits.
Großbritannien entsendet zusätzliche Luftwaffen- und
Marineeinheiten zur Verteidigung Saudi-Arabiens.
9. August: Arabische Führer treffen sich in Kairo in
dem Versuch, die Lage unter sich zu lösen, aber die
Gespräche werden um einen Tag verschoben. Das
US-Außenministerium bringt seine wachsende Sorge
über die 3 000 Amerikaner zum Ausdruck, die durch
die Invasion in Kuwait festgehalten werden. Ein Spre-

AMERIKA DIENST 35

cher des Außenministeriums bekräftigt, die irakische
Regierung habe sich am 2. August verpflichtet, die
Sicherheit amerikanischer Bürger und anderer Ausländer zu garantieren.
Präsident Bush unterrichtet den Kongreß offiziell über
die Vornestationierung der Truppen im Nahen Osten.
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen erklärt die
irakische Annexion Kuwaits einstimmig für "null und
nichtig". Ein Sonderausschuß wird zur Überwachung
der Einhaltung von Sanktionen gegenüber dem Irak
gebildet.
10. August: Der Irak fordert zum "heiligen Krieg"
gegen Amerikaner und Israelis auf und verfügt die
Schlie ßung aller Botschaften in Kuwait. Die Arabische
Liga vereinbart die Entsendung von Friedenstruppen
nach Saudi-Arabien. Zwölf von zwanzig Mitgliedern
stimmen dafür, drei dagegen (Irak, Libyen und die
PLO), zwei enthalten sich der Stimme (Jemen, Algerien), und ein Mitglied ist nicht anwesend (Tunesien).
Jordanien, Mauretanien und Syrien bringen ihre "Vorbehalte" zum Ausdruck.
Die NATO-Minister in Brüssel versichern der Stationierung im Golf ihre "einhellige Unterstützung" und erklären Maßnahmen von Mitgliedern, etwa das Engagement der Marine Frankreichs und Gro ßbritanniens und
die Entscheidung Italiens, Spaniens und Portugals zur
Bereitstellung von Luftstützpunkten für gerechtfertigt.
Bush erweitert alle Sanktionen gegenüber dem Irak
auf Kuwait.
11. August: Ägyptische und marokkanische Truppen
landen in Saudi-Arabien, um der Bedrohung einer
irakischen Invasion vorzubeugen. Vertreter Syriens
erklären, Damaskus werde sich wahrscheinlich an den
gemeinsamen islamischen Bestrebungen beteiligen.
12. August: Präsident Bush erklärt, er werde USTruppen anweisen, irakische ölexporte und alle Importe in dieses Land außer einige Nahrungsmitteltransporte abzufangen. London gibt bekannt, ein britischer Geschäftsmann sei bei dem Versuch, aus dem
Irak zu fliehen, erschossen worden.
13. August: König Hussein von Jordanien beschuldigt
die Vereinigten Staaten, im Nahen Osten eine "explosive" Lage zu schaffen. Vertreter der Vereinigten
Staaten erklären, der jordanische Hafen Akaba solle
geschlossen werden (Jordanien hatte erklärt, es würde sich den UNO-Sanktionen anschließen).
Pakistan äußert seine Bereitschaft, der islamischen
Streitmacht in Saudi-Arabien beizutreten.
14. August: Diplomatische Bestrebungen zur Lösung
der Golfkrise werden verstärkt und Gespräche zwischen amerikanischen und europäischen Außenministern, kuwaitischen Vertretern im Exil, irakischen

Seite 3

�Vertretern und den Ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen aufgenommen. Die
Amerikaner und Briten im Irak werden als "Festgehaltene" bezeichnet. Immer mehr Bürgern anderer Nationalitäten wird die Ausreise verwehrt.
Saddam Hussein bietet an, "endgültig Frieden" mit
dem Iran schließen, Territorium zurückgeben und
Kriegsgefangene austauschen zu wollen.
16. August: Nach der Zusammenkunft mit dem jordanischen König Hussein erklärt Präsident Bush, Jordanien bekräftige seine Verpflichtung zur Einhaltung der
UNO-Sanktionen. Bush weist die US-Marine an, die
Schiffahrt von und nach dem Irak und Kuwait zu
unterbinden. Die irakische Regierung befiehlt Amerikanern und Briten in Kuwait, sich in bestimmten Hotels
einzufinden.
17. August: Der Sprecher des irakischen Parlaments
Sadi Mahdi erklärt, Bürger "aggressiver" Länder würden nicht freigelassen, bis die Bedrohung eines Kriegs
gegen den Irak endet.
18. August: Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verabschiedet einstimmig Resolution 664 mit der
Forderung, daß der Irak die unverzügliche Ausreise
der Ausländer aus Kuwait und dem Irak "gestattet und
erleichtert". Darüber hinaus fordert die Resolution, der
Irak solle keine Schritte unternehmen, um die Sicherheit oder das Wohlergehen dieser Bürger aus Drittstaaten zu gefährden, den unmittelbaren und ständigen Zugang von Konsularbeamten gewährleisten, seinen
Befehl zur Schließung diplomatischer und konsularischer Vertretungen in Kuwait und Aufhebung der
Immunität von Botschaftspersonal zurückziehen.
19. August: Der irakische Präsident Hussein bietet
die Freilassung der Internierten an, wenn Präsident
Bush schriftlich garantiert, daß die amerikanischen
Streitkräfte aus Saudi-Arabien abgezogen werden und
der Wirtschaftsboykott gegen den Irak eingestellt wird.
Er läßt keinen Zweifel daran, daß die Ausländer als
Schutzschild benutzt würden. "Ihre Präsenz und die
irakischer Familien an lebenswichtigen Zielen kann
eine militärische Aggression verhindern," erklärt er.
Besorgt über Berichte, denenzufolge französische
Bürger widerrechtlich in Bagdad festgehalten werden,
weist die französische Regierung ihre Flotte in der
Golfregion an, gegebenenfalls Gewalt anzuwenden,
um die Einhaltung der UNO-Sanktionen gegen den
Irak sicherzustellen.
20. August: Präsident Bush nennt die irakischen
Beschränkungen gegenüber "unschuldigen Zivilisten
aus zahlreichen Ländern" unannehmbar und eine
"Verletzung aller internationalen Verhaltensnormen".
Er fordert die Führung des Iraks auf, "alle Ausländer
unverzüglich freizulassen" und ihnen das Recht zu

Seite 4

geben, "zu kommen und zu gehen wann sie wollen".
Zum ersten Mal seit Beginn der Krise bezeichnet Bush
die festgehaltenen Ausländer als "Geiseln".
21. August: Der irakische Präsident Saddam Hussein
fordert Präsident Bush auf, eine friedliche Lösung der
Golfkrise anzustreben, andernfalls werde er ein weltweites "Desaster" verursachen. Gleichzeitig betont
AußenministerTarik Aziz die Bereitschaft des Iraks zu
Gesprächen mit den Vereinigten Staaten, solange ein
Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait keine Vorbedingung sei. In einer Erklärung in Amman fordert
Aziz die Vereinigten Staaten auf, mit dem Irak Verhandlungen über alle Aspekte der Krise aufzunehmen.
Das Weiße Haus antwortet dem Irak unverzüglich, daß
keine Gespräche möglich sind, bevor der Irak nicht
bedingungslos die Forderung der Vereinten Nationen
nach Abzug seiner Truppen aus Kuwait erfüllt.
22. August: Die Außenminister der 12 EG-Mitgliedstaaten lehnen die vom Irak für die Schließung der
ausländischen Botschaften in Kuwait gesetzte Frist bis
zum 24. August ab.
23. August: Der irakische Präsident Saddam Hussein
tritt mit britischen Geiseln im irakischen Fernsehen
auf.
Die Europäische Gemeinschaft kündigt an, daß sie 1,3
Millionen Dollar bewilligt hat, um Flüchtlinge aus Jordanien auszufliegen. Die Türkei und andere Staaten,
deren Volkswirtschaften besonders stark unter der
Golfkrise leiden, erhalten Finanzhilfen.
24. August: In Anerkennung der Lasten, die Jordanien durch die Zehntausende von Flüchtlingen aus
dem Irak und Kuwait aufgebürdet werden, bewilligen
die Vereinigten Staaten eine Million Dollar, um dringende humanitäre Erfordernisse in Jordanien zu erfüllen.
25 Staaten haben sich geweigert, den irakischen Forderungen nach Schließung ihrer Botschaften in Kuwait
nachzukommen. Mindestens neun, darunter die Missionen der Vereinigten Staaten und Großbritanniens,
sind von Truppen umstellt, nachdem die Diplomaten
eine irakische Anordnung zur Schließung mißachten.
Über 100 amerikanische Botschaftsangehörige, darunter etwa 30 Kinder, verlassen Kuwait und reisen
nach Bagdad.
24. August: Der sowjetische Präsident Gorbatschow
sendet Saddam Hussein eine dringende Botschaft mit
der Warnung, daß die Situation im Persischen Golf
"extrem gefährlich" sei. Mit dem Bruch seines Schweigens zur Durchsetzung der Sanktionen gegen den Irak
signalisiert Gorbatschow, daß er bereit ist, zusätzliche
Maßnahmen zur Verschärfung des UNO-Embargos
zu unterstützen.

AMERIKA DIENST 35

�25. August: In einer überwältigenden Abstimmung
von 13:0 bei Stimmenthaltung von Jemen und Kuba
verabschiedet der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen die Resolution 665, die "Maßnahmen... die gegebenenfalls notwendig sind", einschließlich militärischer
Maßnahmen, vorsieht, um das Wirtschaftsembargo
gegen den Irak durchzusetzen.

»

Der Irak sichert zu, die in Bagdad festgehaltenen
Familienmitglieder der amerikanischen Diplomaten aus
Kuwait ausreisen zu lassen. Der irakische Botschafter
in den Vereinigten Staaten erklärt, daß die in Kuwait
akkreditierten Diplomaten nicht freigelassen werden
können, "weil sie keinen diplomatischen Status haben".
26. August: Der sowjetische Außenminister Eduard
Schewardnadse erklärt, Moskau werde sich zwar dem
Einsatz militärischer Mittel zur Unterstützung des UNOEmbargos durch andere Staaten, einschließlich der
Vereinigten Staaten, nicht widersetzen, aber die Sowjets
hätten "keine Pläne zur Anwendung von Gewalt oder
Beteiligung an einer solchen Maßnahme".
Die Vereinten Nationen kündigen an, daß Generalsekretär Perez de Cuellar am 30. August in Jordanien mit
dem irakischen Außenminister zusammentreffen werde,
um die Golfkrise zu erörtern.
Der Irak gestattet 55 Frauen und Kindern als Familienmitgliedern amerikanischer Diplomaten an der USBotschaft in Kuwait die Reise von Bagdad in die Türkei

*

AMERIKA DIENST 35

in einem Autokonvoi. Bei Erreichen der Grenze wird
nur 52 die Ausreise in die Türkei erlaubt. Drei junge
Männer, die vom US-Außenministerium als Familienangehörige amerikanischer Diplomaten bezeichnet
werden, werden ohne Erklärung nach Bagdad zurückgeschickt.
27. August: Als Antwort auf die illegale Anordnung
des Iraks zur Schließung der amerikanischen Botschaft in Kuwait kündigt das US-Außenministerium an,
daß "das zulässige Personal an der irakischen Botschaft in Washington von gegenwärtig 55 auf 19
verringert" wird. Die amerikanische Maßnahme stehe
"peinlich genau mit amerikanischem und internationalem Recht in Einklang".
28. August: Ein nicht identifizierter Amerikaner, der
im Irak als Geisel gehalten wird, verstirbt nach Angaben des US-Außenministeriums, das sich auf die
irakischen Behörden beruft. Der Amerikaner, angeblich ein Mann Mitte 50, soll in Basra an einem Herzanfall gestorben sein. Die irakische Regierung erklärt,
sein Leichnam werde der amerikanischen Botschaft in
Bagdad übergeben.
Das US-Außenministerium kündigt ferner an, daß der
Irak als Antwort auf die amerikanische Entscheidung
vom 27. August, 36 irakische Botschaftsangehörige
bis 30. August aus den Vereinigten Staaten auszuweisen, eine ungenannte Anzahl amerikanischer Diplomaten in Bagdad ausweisen wolle.

* * *

*

Seite 5

�GOLFKRISE
5. September 1990

KONGRESS UNTERSTÜTZT PRÄSIDENT BUSHS
MASSNAHMEN ZUR GOLFKRISE
Erklärungen führender Persönlichkeiten aus dem Kongreß

WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush genießt für
seine Politik zur Eindämmung der irakischen Aggression im Nahen Osten breite überparteiliche Unterstützung im Kongreß.

Der demokratische Senator John Kerry aus Massachussetts stellte vor Reportern fest, daß seiner Meinung nach "die Unterstützung des Kongresses (für die
Politik Präsident Bushs) sehr, sehr stark" ist.

Presseberichten zufolge unterstützen die meisten
Parlamentarier Bushs grundsätzlich harte Haltung in
der Region. Nach einem Treffen mit dem Präsidenten
im Weißen Haus am 28. August 1990 wird er jedoch
zunehmend gedrängt, sich um mehr finanzielle Unterstützung von Verbündeten für den US-Militäreinsatz
am Golf zu bemühen.

Am 29. August erklärte Kerry in einem Fernsehinterview, "Meiner Ansicht nach zollten meine Kollegen bei
dem gestrigen Informationsgespräch der Art und Weise,
wie der Präsident bisher vorgegangen ist, einmütig
Respekt, wenn nicht sogar Bewunderung".

Der republikanische Senator Richard Lugar aus Indiana, ein einflußreiches Mitglied des Auswärtigen Ausschusses des Senats, nahm eine weit härtere Haltung
ein als Bush, indem er den Sturz Saddam Husseins
und die Zerstörung der irakischen Chemiewaffen und
nuklearen Anlagen forderte.
Selbst nach einem Abzug des Iraks aus Kuwait, so
Lugar, müssen die irakischen Chemiewaffen und die
potentiellen nuklearen Fähigkeiten des Landes "als
Bedrohung beseitigt werden. Andernfalls müßten die
Vereinigten Staaten und andere Mitglieder der Vereinten Nationen zweifelsohne lange Zeit in Saudi-Arabien
und anderen Ländern des Nahen Ostens bleiben."
Lugar erklärte, er sei "pessimistisch" im Hinblick auf
Möglichkeiten, den Rücktritt Saddam Husseins auf
dem Verhandlungsweg zu erreichen.
Die Invasion in Kuwait hat Lugar zufolge dem Irak "die
Kontrolle über Preis und Verfügbarkeit" eines großen
Teils der Weltölversorgung verschafft. Deshalb besitze Saddam Hussein heute die "Fähigkeit, andere zu
erpressen und ihm die Mittel zu liefern, die er benötigt,
um nicht nur Saudi-Arabien, sondern auch Teile Europas, die Sowjetunion und Asien zu terrorisieren".
AMERIKA DIENST 35

"Senator Lugar und ich teilen wohl die Ansicht, daß es
sich hierbei um eine außerordentlich bedeutsame
Entwicklung handelt ... das Vorgehen der Vereinten
Nationen und der weltweite Konsens, der mit Beteiligung der Sowjetunion erarbeitet wurde ... all dies
drängt zu einer Lösung in der Region", fügte er hinzu.
Kerry fuhr fort, "hierin Massachusetts befindet sich die
Volkswirtschaft in einer Krise, und zwar in vielen Teilen
des Landes. Es fällt uns schwer, das Geld (für die
Militäroperation) aufzubringen, andererseits hat der
Präsident jedoch eindeutig klargestellt, daß er auf eine
größere Lastenverteilung und intensivere Beteiligung
anderer Länder drängt. Meines Erachtens wird dies
geschehen, und ich glaube, es ist sehr wichtig, so
vorzugehen. Wir sollten nicht die Volkswirtschaften
anderer Länder aussparen und unserer eigenen schaden."
Aber "die Kritik, die ich vom Mann auf der Straße höre",
erklärte der Kongreßabgeordnete William S. Broomfield aus Michigan, "kommt von denjenigen, die fragen,
'Was tut die Bundesrepublik?', 'Was tut Japan?'. Diese
beiden Länder profitieren am meisten von Ölkrise."
Auch die demokratische Vertreterin des Repräsentantenhauses Patricia Schroeder aus Colorado betonte
die wirtschaftlichen Bedenken des Kongresses und
Seite 1

�stellte fest, "Ich frage mich wirklich, wie wir es anstellen, abgesehen von Stimmabgaben in den Vereinten
Nationer; sehte Unterstützung durch unsere Verbündeten zu erhalten. Es geht hier darum, die Wirtschaft
unseres Landes zu schützen, und wenn wir unsere
Wirtschaft ruinieren, während wir die Volkswirtschaften alier anderen Länder aussparen, wäre das nicht
sonderlich klug.
Der Vorsitzende der demokratischen Mehrheit im
Repräsentantenhaus Richard Gephardt aus Missouri
fügte hinzu, "Wenn bisher Einigung über den Haushalt
erforderlich war, benötigen wir sie noch dringlicher,
seit dies passiert ist."
"Wenn wir die Verteidigungsausgaben zu dem hinzuaddieren, was bereits vorhanden war," erklärte
Gephardt, "dann müssen wir uns beim Haushalt zweifelsohne dahingehend einigen, daß Einsparungen an
anderer Stelle vorgenommen werden müssen oder
irgendetwas auf der Einnahmenseite geschehen muß."
Der demokratische Senator Patrick Leaky aus Vermont erklärte gegenüber Journalisten, er habe den
Präsidenten aufgefordert, eine neue Sondersteuer zu
erheben, um den Truppenaufmarsch am Golf zu finanzieren und "der Welt zu demonstrieren, daß wir uns
dort langfristig engagieren".
Presseberichten zufolge erklärte Bush den Abgeordneten, seine Strategie laute jetzt, abzuwarten, ob das
von den Vereinten Nationen gebilligte Embargo aus-

*

Seite 2

*

reicht, um den Irak "ohne weitere Gewaltanwendung"
zum Abzug aus Kuwait zu zwingen.
Der demokratische Mehrheitsführer im Senat, George
Mitchell aus Maine, erklärte, der Präsident "hat die
richtige Entscheidung getroffen", als er US-Streitkräfte zur Verteidigung Saudi-Arabiens und Durchsetzung
des Embargos gegen den Irak entsandte, aber er
antwortete auf die Frage, ob Bush einen "Blankoscheck" von den Politikern erhalten habe, "eine Zustimmung zu den bisherigen Aktionen ist keine automatische Zustimmung zu allen künftigen Aktionen,
wenn der Charakter dieser Aktion nicht bekannt ist".
Der Sprecher des Repräsentantenhauses, der demokratische Senator Thomas S. Foley aus Washington,
erklärte, Bush habe bis jetzt "den Einsatz von Gewalt
klugerweise eingeschränkt". Der Abgeordnete Jim
Leach, ein Republikaner aus Iowa, stimmte zu, daß
"bis jetzt keine einzige Kritik an der Aktion laut geworden ist"., obwohl "schwierige Entscheidungen anstehen".
Der demokratische Senator Claiborne Pell aus Rhode
Island verwies darauf, es sei "ein glücklicher Umstand", daß bei diesem Problem "die Vereinten Nationen Geschlossenheit zeigen".
Das amerikanische Volk sollte darüber informiert werden,
daß es keine Patentlösungen gibt und "wir einen
langen Weg vor uns haben", fügte der republikanische
Senator John H. Chafee aus Rhode Island hinzu.

*

*

AMERIKA DIENST 35

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                <text>&lt;strong&gt;1. Golfkrise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush fordert koordinierte Hilfe in der Golfkrise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Isolierung des Iraks einziges Mittel zur friedlichen Konfliktlösung &lt;br /&gt;&lt;em&gt;US-Außenminister Baker vor dem Auswärtigen Ausschuß des Repräsentantenhauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Golfkrise: eine Chronologie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stand 28. August&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Kongress&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kongress unterstützt Bushs Maßnahmen in der Golfkrise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärungen führender Persönlichkeiten aus dem Kongreß&lt;/em&gt;</text>
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&lt;§ntassy of the United States of America
Libtsry Services
Deichmanns Aue 29

0
*

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dienet

6300 Bonn 2
U. S. I nformation Service
Embassy of the United States of America

12. September 1990

36

GOLFKRISE

BUSH: IRAKISCHE AGGRESSION "WIRD NICHT
BESTAND HABEN"
Rede im Kongreß
BAKER: JEDE AGGRESSION AM GOLF
ZUM SCHEITERN VERURTEILT
Pressekonferenz des US-Außenministers
in Brüssel

DEUTSCHLANDPOLITIK

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

EIN GEEINTES DEUTSCHLAND
IM EUROPÄISCHEN KONTEXT
Rede von Botschafter Walters in München

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�GOLFK RISE
36

12. September 1990

BUSH: IRAKISCHE AGGRESSION
"WIRD NICHT BESTAND HABEN"
Rede im Kongreß
»
WASHINGTON - (AD) - In einer Rede vor beiden Häusern des Kongresses hat Präsident Bush am 11.
September 1990 erklärt, "eine neue Partnerschaft der Nationen" stehe gemeinsam gegen die irakische
Besetzung Kuwaits. Er bekräftigte, daß die Vereinigten Staaten diese Aggression nicht hinnehmen werden.
Bush forderte erneut den "unverzüglichen und bedingungslosen" Rückzug des Iraks und die Wiederherstellung
der rechtmäßigen Regierung in Kuwait. Darüber hinaus erklärte der Präsident: "Wir erleben heute einen
einzigartigen und historischen Moment. Die Krise am Persischen Golf, so ernst sie ist, bietet auch eine seltene
Gelegenheit, einer historischen Periode der Zusammenarbeit näherzukommen. Aus diesen schwierigen Zeiten
... kann eine neue Weltordnung entstehen."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Präsidenten im Wortlaut.

Herr Präsident, Herr Vorsitzender, Mitglieder des
Kongresses, verehrte Gäste, liebe amerikanische
Mitbürger,
wir haben uns heute abend hier versammelt, um die
bedeutsamen und tragischen Ereignisse am Persischen Golf zu erörtern. Nach Verhandlungen und
Versprechungen des irakischen Diktators Saddam
Hussein, keine Gewalt anzuwenden, überfiel in den
frühen Morgenstunden des 2. August eine mächtige
irakische Armee den vertrauensvollen und erheblich
schwächeren Nachbarstaat Kuwait. Innerhalb von
drei Tagen standen 120 000 irakische Soldaten mit
850 Panzern in Kuwait und marschierten nach Süden,
um Saudi-Arabien zu bedrohen. Das war der Zeitpunkt, an dem ich beschloß, dieser Aggression entgegenzutreten.
Heute halten die mutigen Angehörigen unserer Streitkräfte in jenen fernen Wüsten und auf fernen Meeren
Wache, Seite an Seite mit Streitkräften aus über 20
anderen Ländern.
Sie gehören zu den besten Männern und Frauen der
Vereinigten Staaten von Amerika. Und sie leisten
hervorragende Arbeit.
Diese tapferen Amerikaner waren augenblicklich be-

AMERIKA DIENST 36

reit, ihre Ehegatten und Kinder zurückzulassen, um an
einer Front zu dienen, die eine halbe Weltreise entfernt
liegt. Sie erinnern uns daran, worin die Stärke der
Vereinigten Staaten liegt. Das tun sie.
Unter den schwierigen Bedingungen am Golf ist die
Moral unserer Soldaten außergewöhnlich gut. Im
Angesicht der Gefahr sind sie mutig, gut ausgebildet
und engagiert.
Ein Soldat, der Obergefreite Wade Merrit aus Knoxville
in Tennessee, der heute in Saudi-Arabien stationiert
ist, schrieb seinen Eltern von seinen Ängsten, seiner
Liebe zu seiner Familie und seinen Hoffnungen auf
Frieden. Er schrieb aber auch: "Ich bin stolz auf mein
Land und seinen festen Standpunkt gegenüber einer
unmenschlichen Aggression. Ich bin stolz auf meine
Armee und ihre Männer. ... Ich bin stolz darauf,
meinem Land zu dienen."
Wade, ich möchte Ihnen nur sagen, daß die Vereinigten Staaten stolz auf Sie sind. Unser Dank gebührt
jedem Soldaten, Matrosen, Marineinfanteristen und
Flieger, der am Persischen Golf im Dienste des Friedens steht.
Ich möchte darüber hinaus dem Vorsitzenden der
Vereinigten Stabschefs, General Powell, den Stabschefs selbst, unserem Kommandeur am Persischen
Seite 1

�Golf, General Schwartzkopf, und den Männern und
Frauen des Verteidigungsministeriums danken - Sie
haben eine solch hervorragende Arbeit geleistet.

zu vereiteln.

Ich wünschte, ich könnte sagen, ihre Arbeit sei getan.
Wir alle wissen jedoch, daß dies nicht der Fall ist.

Wir erleben heute einen einmaligen und außerordentlichen Moment. Die Krise am Persischen Golf, so ernst
sie ist, bietet auch eine seltene Gelegenheit, einer
historischen Periode der Zusammenarbeit näherzukommen. Aus diesen schwierigen Zeiten kann unser
fünftes Ziel - eine neue Weltordnung - entstehen: eine
neue Ära, freier von der Bedrohung des Terrorismus,
stärker im Streben nach Gerechtigkeit und sicherer in
der Suche nach Frieden. Ein Zeitalter, in dem die
Staaten der Welt, Ost und West, Nord und Süd, in
Harmonie gedeihen und leben können.

Wenn es jemals an der Zeit war, sein Land über sich
selbst zu stellen und Patriotismus über eine Partei,
dann ist diese Zeit jetzt gekommen. Ich möchte allen
Amerikanern für ihre Unterstützung unserer Streitkräfte und ihres Auftrags danken, besonders den in diesem Hause versammelten.
Diese Unterstützung wird in der kommenden Zeit noch
wichtiger sein.
Heute abend möchte ich Ihnen deshalb erläutern, was
auf dem Spiel steht - was wir gemeinsam unternehmen
müssen, um zivilisierte Werte in der ganzen Welt zu
verteidigen und unsere wirtschaftliche Stärke im Inland zu erhalten.
Unsere Ziele am Persischen Golf sind eindeutig, sie
sind definiert und allseits bekannt:
Der Irak muß sich vollständig, unverzüglich und
bedingungslos aus Kuwait zurückziehen.
Die rechtmäßige Regierung Kuwaits muß
wiederhergestellt werden.
Die Sicherheit und Stabilität des Persischen
Golfs muß gesichert werden.
Amerikanische Bürger im Ausland müssen
geschützt werden.
Dies sind nicht nur unsere Ziele. Sie wurden vom
UNO-Sicherheitsrat in den vergangenen Wochen fünfmal
gebilligt. Die meisten Länder teilen unsere Sorge um
Prinzipien, und zahlreiche Staaten haben ein Interesse
an der Stabilität des Persischen Golfs. Es handelt sich
eben nicht, wie Saddam Hussein es gerne hätte, um
die Vereinigten Staaten gegen den Irak. Der Irak steht
gegen die Welt.
Wie Sie wissen, bin ich gerade von einem sehr produktiven Treffen mit dem sowjetischen Präsidenten Gorbatschow heimgekehrt. Ich freue mich, daß wir zusammenarbeiten, um ein neues Verhältnis aufzubauen. Unsere gemeinsame Erklärung von Helsinki hat
der Welt gegenüber unsere gemeinsame Entschlossenheit bekräftigt, der irakischen Bedrohung des Friedens entgegenzutreten. Ich zitiere: "Wir sind gemeinsam der Überzeugung, daß die Aggression des Iraks
nicht toleriert werden darf. Eine friedliche Weltordnung
ist unmöglich, wenn größere Staaten ihre kleineren
Nachbarn verschlingen können."
Es ist eindeutig, daß sich kein Diktator mehr auf die
Ost-West-Konfrontation verlassen kann, um eine
gemeinsame Aktion der UNO gegen eine Aggression

Seite 2

Eine neue Partnerschaft der Nationen hat begonnen.

Hunderte von Generationen haben diesen verschlungenen Pfad zum Frieden gesucht, während Tausende
von Kriegen tobten. Heute kämpft eine neue Welt
darum, geboren zu werden. Eine Welt, die sich von der
uns bekannten stark unterscheidet. Eine Welt, in der
die Herrschaft des Rechts das Gesetz des Dschungels
ablöst. Eine Welt, in der die Nationen ihre gemeinsame Verantwortung für Freiheit und Recht anerkennen.
Eine Welt, in der der Starke die Rechte des Schwachen achtet.
Die vor uns liegende Prüfung ist groß - und das gleiche
gilt für den Einsatz, der auf dem Spiel steht. Dies ist der
erste Angriff auf die von uns angestrebte neue Welt,
die erste Prüfung unseres Muts. Hätten wir nicht mit
klarer Entschlossenheit auf diese erste Provokation
reagiert und würden wir unsere Entschlossenheit nicht
weiterhin unter Beweis stellen, wäre dies ein Signal für
gegenwärtige und potentielle Despoten in der ganzen
Welt.
Die Vereinigten Staaten und die Welt müssen gemeinsame lebenswichtige Interesse verteidigen. Und sie
werden es tun.
Die Vereinigten Staaten und die Welt müssen die
Herrschaft des Rechts unterstützen. Und sie werden
es tun.
Die Vereinigten Staaten und die Welt müssen sich
gegen Aggressionen zur Wehr setzen. Und sie werden es tun.
Und noch eines - beim Streben nach diesen Zielen
werden sich die Vereinigten Staaten nicht einschüchtern lassen.
Lebenswichtige Grundsatzfragen stehen auf dem Spiel.
Saddam Hussein versucht tatsächlich, einenStaat von
der Landkarte zu tilgen.
Wir übertreiben nicht. Und wir übertreiben auch nicht,
wenn wir sagen: Saddam Hussein wird scheitern.
Darüber hinaus stehen lebenswichtige Wirtschaftsinteressen auf dem Spiel. Der Irak selbst kontrolliert
etwa 10 Prozent der Welterdölreserven. Mit Kuwait

AMERIKA DIENST 36

�kontrolliert der Irak die doppelte Menge. Ein Irak, dem
es gestattet wäre, Kuwait zu schlucken, würde die
wirtschaftliche und militärische Macht, aber auch die
Arroganz besitzen, seine Nachbarn einzuschüchtern
und unter Druck zu setzen - Nachbarn, die den Löwenanteil der übrigen Welterdölreserven kontrollieren. Wir
können es nicht zulassen, daß solch lebenswichtige
Bodenschätze von jemandem beherrscht werden, der
so rücksichtslos handelt. Und wir werden es nicht
zulassen.
Die jüngsten Ereignisse haben eindeutig gezeigt, daß
es für die amerikanische Führungsrolle keinen Ersatz
gibt. Im Angesicht der Tyrannei sollte niemand Zweifel
an der amerikanischen Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit haben.
Niemand sollte an unserer Ausdauer zweifeln. Wir
werden unseren Freunden zur Seite stehen.
Auf die eine oder andere Weise muß der Führer des
Iraks diese grundsätzliche Wahrheit lernen.
Von Beginn an haben wir uns Hand in Hand mit
anderen darum bemüht, eine möglichst breite internationale Reaktion auf die irakische Aggression herbeizuführen. Das Ausmaß der weltweiten Zusammenarbeit und Verurteilung des Iraks ist einmalig.
Streitkräfte von Ländern aus vier Kontinenten sind dort
auf Bitten König Fahds von Saudi-Arabien anwesend,
um oinen Angriff abzuschrecken und. falls nötig, abzuwehren. Moslems und Nicht-Moslems, Araber und
Nicht-Araber, Soldaten aus vielen Ländern stehen
Seite an Seite, entschlossen gegen die Ambitionen
Saddam Husseins.
Wir können nun auf fünf Resolutionen des UNOSicherheitsrats bauen, in denen die irakische Aggression verurteilt, der unverzügliche und bedingungslose
Abzug des Iraks und die Wiederherstellung der rechtmäßigen Regierung Kuwaits gefordert und der zynische und egoistische Versuch des Iraks, Kuwait zu
annektieren, kategorisch abgelehnt wird.
Schließlich haben die Vereinten Nationen die Freilassung aller ausländischen Staatsbürger verlangt, die
gegen ihren Willen und unter Verletzung des Völkerrechts festgehalten werden. Es spricht jedem menschlichen Anstand Hohn, diese Menschen als "Gäste" zu
bezeichnen. Sie sind Geiseln, und die ganze Welt
weiß es.
Premienninisterin Thatcher hat es treffend gesagt:
"Wii schachern nicht um Geiseln. Wir werden nicht auf
das Niveau herabsinken, daß wir Menschen als Tauschobjekte benutzen. Niemals."
Natürlich sind wir mit unseren Herzen bei den Geiseln
und ihren Familien. Aber unsere Politik kann sich nicht

AMERIKA DIENST 36

ändern, und sie wird sich nicht ändern. Die Vereinigten
Staaten und die Welt werden sich nicht erpressen
lassen.
Heute sind Vereinte Nationen in greifbare Nähe gerückt, die so handeln, wie sich das ihre Gründer
vorgestellt hatten. Vieles davon verdanken wir der
hervorragenden Führung von Generalsekretär Perez
de Cuellar. Die Vereinten Nationen verleihen ihren
Worten durch Maßnahmen Nachdruck. Der Sicherheitsrat hat bindende Wirtschaftssanktionen gegen
den Irak verhängt, mit denen der Irak um die Beute
seiner illegalen Eroberung gebracht werden soll. Der
Sicherheitsrat hat femer den entscheidenden Schritt
unternommen, den Einsatz aller notwendigen Mittel zu
billigen, um die Einhaltung der Sanktionen zu gewährleisten.
Zusammen mit unseren Freunden und Verbündeten
befinden sich heute Schiffe der amerikanischen Marine auf Patrouille in nahöstlichen Gewässern. Sie
haben bereits über 700 Schiffe gestoppt, um die
Sanktionen durchzusetzen. Drei führende Politiker in
der Region, mit denen ich gestern gesprochen habe,
versicherten mir, daß die Sanktionen funktionieren.
Der Irak fühlt den Druck.
Wir hoffen weiterhin, daß die Führung des Iraks noch
einmal nachrechnen wird, was ihre Aggression sie
gekostet hat. Das Land ist vom Welthandel abgeschnitten. Es ist nicht in der Lage, sein Öl zu verkaufen. Und nur ein Bruchteil der Waren kommt durch.
In den Vereinigten Staaten können die tatsächlichen
Kosten unserer Führungsrolle äußerst hoch sein. Aus
diesem Grund sind Außenminister Baker und Finanzminister Brady mit Staats- und Regierungschefs aus
aller Welt zusammengetroffen, um zu unterstreichen,
daß die Lasten dieser gemeinsamen Bemühungen
geteilt werden müssen. Wir sind bereit, unseren
Beitrag und noch mehr zu leisten, um diese Last zu
tragen, aber wir bestehen darauf, daß auch andere
ihren Anteil übernehmen.
Die meisten unserer Freunde und Verbündeten haben
darauf positiv reagiert. Um die Kosten zu bestreiten,
haben sich die Führungen Saudi-Arabiens, Kuwaits
und der Vereinigten Arabischen Emirate bereit erklärt,
unsere dort stationierten Truppen mit soviel Nahrungsmitteln und Treibstoff zu versorgen, wie sie benötigen.
Darüber hinaus wird den tapferen Staaten an der
Frontlinie, wie etwa der Türkei und Ägypten, großzügige Hilfe geleistet.
Es rührt mich persönlich, berichten zu können, daß
diese internationale Reaktion auch die bedürftigsten
Opfer dieses Konflikts einbezieht - die Flüchtlinge. Wir
haben unsererseits 28 Millionen Dollar Hilfe bereitgestellt. Das ist jedoch nur ein Teil von dem, was benötigt

Seite 3

�wird. Ich möchte in diesem Zusammenhang insbesondere auf Saudi-Arabien, Japan und einige europäische
Länder verweisen, die uns bei diesen humanitären
Bestrebungen unterstützt haben.
Darüber hinaus müssen auch die Belastungen im
Energiebereich getragen werden. Die ölproduzierenden Länder fangen bereits den Produktionsausfall im
Irak und in Kuwait auf. Mehr als die Hälfte des Ausfalls
konnte ersetzt werden. Wir können mit hervorragender Kooperation rechnen. Wenn die Förderländer,
einschließlich der Vereinigten Staaten, weiterhin Schritte zum Ausbau der Öl- und Gasförderung unternehmen, können wir die Preise stabil halten und uns vor
Härten schützen. Darüber hinaus haben wir zusammen mit unseren Verbündeten die Möglichkeit, ö l aus
unserer Treibstoffreserve für strategische Zwecke
abzuleiten, wenn die Umstände dies erfordern. Ich
habe bereits darauf verwiesen, wie wichtig Sparsamkeit ist, um unseren Energiebedarf so gering wie
möglich zu halten. Wir müssen aus einer größeren
Bandbreite unserer Energiequellen Nutzen ziehen:
Kohle, Erdgas, Wasser und Atomkraft. Unsere Vernachlässigung dieser Bereiche hat dazu geführt, daß
wir abhängiger von ausländischem Öl sind als je zuvor.
Außerdem sollte niemand es auch nur wagen, von
dieser Krise zu profitieren.
Ich kann nicht vorhersagen, wie lang es dauern wird,
um den Irak von einem Abzug aus Kuwait zu überzeugen. Sanktionen werden Zeit brauchen, bevor ihre
beabsichtigte Wirkung durchschlägt. Wir werden
weiterhin alle Optionen mit unseren Verbündeten
erwägen, aber eins sollte klar sein: Wir werden diese
Aggression nicht dulden.
Unser Interesse und unser Engagement im Golf haben
keinen vorübergehenden Charakter. Sie bestanden
bereits vor der Aggression Saddam Husseins und
werden sie überdauern. Lange nachdem all unsere
Truppen zurückkehren, werden die Vereinigten Staaten Hilfe für die Länder am Persischen Golf als permanente Aufgabe betrachten. Unsere Aufgabe besteht
unter anderem darin, eine künftige Aggression abzuschrecken. Unsere Aufgabe ist es, unseren Freunden
bei ihrer Selbstverteidigung zu helfen. Und wir wollen
die Weiterverbreitung chemischer und biologischer
Technologie sowie ballistischer Raketen und vor allem
Nukleartechnologie einzudämmen.
Ich möchte aber betonen, daß die Vereinigten Staaten
dem irakischen Volk nicht feindlich gegenüberstehen.
Unser Streit betrifft den irakischen Diktator und seine
Aggression. Die Annexion Kuwaits wird dem Irak nicht
gestattet werden. Das ist keine Drohung oder Großtuerei, sondern Tatsache.
Unsere Fähigkeit, als Großmacht im Ausland etwas
bewirken zu können, hängt von unserem Verhalten im
Inland ab. Unsere Wirtschaft, unsere Streitkräfte,
unsere Energieabhängigkeit und unser Zusammen-

Seite 4

halt bestimmen, ob wir unseren Freunden helfen und
uns unseren Gegnern stellen können.
Wenn Amerika führen will, muß es stark und vital
bleiben. Unsere Führungsrolle in der Welt und unsere
innenpolitische Stärke beruhen auf Gegenseitigkeit
und verstärken sich gegenseitig; sie sind seit jeher eng
verknüpft.
Um unsere Führungsrolle zu erhalten, müssen wir
unser Haushaltsdefizit ansprechen - nicht nach der
Wahl oder im nächsten Jahr, sondern jetzt.
Höhere ölpreise verlangsamen unser Wachstum, urtd
höhere Verteidigungsausgaben würden unser Defizitproblem nur verschlimmern. Dieses Defizit ist bereits
umfangreicher als es sein sollte - geschätzte 232
Milliarden Dollar im nächsten Jahr. Es muß - und wird
- abgebaut werden.
Meine Freunde im Kongreß, wir müssen noch in diesem Monat gemeinsam handeln - bevor das nächste
Haushaltsjahr am 1. Oktober beginnt - um das wirtschaftliche Haus Amerikas in Ordnung zu bringen. Die
Situation im Golf läßt uns zu der Erkenntnis gelangen,
daß wir wirtschaftlich verwundbarer sind als wir das
jemals hätten sein sollen. Die Amerikaner dürfen nie
mehr in eine - wirtschaftliche oder militärische - Krise
geraten und dabei in solchem Maße abhängig von
ausländischem ö l sein und eine so überwältigende
Schuldenlast tragen.
Die meisten Amerikaner sind der endlosen Kämpfe im
Kongreß und zwischen den einzelnen Bereichen der
Regierung über Haushaltsprobleme müde. Es ist an
derZeit, daß wir zusammenhalten - und unsere Aufgabe erfüllen. Es ist an uns, dies wieder in den Griff zu
bekommen.
Diese Aufgabe besteht aus vier Teilen.
Erstens: Der Kongreß sollte noch in diesem Monat im
Rahmen eines Haushaltsabkommens wachstumsorientierte Steuermaßnahmen verabschieden - um
eine Rezession in naher Zukunft zu vermeiden und um
langfristig Spareinlagen, Investitionen, Produktivität
und Wettbewerbsfähhigkeit zu steigern. Diese Maßnahmen umfassen die Ausweitung von Anreizen für
Forschung und Entwicklung, Steuererleichterungen
für Hauskäufer, die Einrichtung von steuerlich begünstigten Sparplänen für Familien, Anreize für die Schaffung von Gewerbegebieten und Initiativen zur stärkeren Ölförderung im Inland sowie eine Senkung der
Kapitalertragssteuer.
Zweitens: Der Kongreß sollte noch in diesem Monat
ein durchdachtes mehrjähriges Verteidigungsprogramm
verabschieden - das nicht nur die Verbesserung der
Ost-West-Beziehungen, sondern unsere umfassendere Verantwortung widerspielt, mit den permanenten
Risiken gesetzloser Aktionen und regionaler Konflikte
fertigzuwerden. Auch angesichts unserer Verpflich-

AMERIKA DIENST 36

�tungen am Golf kann ein fester Verteidigungshaushalt
real reduziert werden, und wir sind bereit, das zu
akzeptieren. Aber einen Abbau der Verteidigung über
einen Punkt hinaus, an dem unsere Sicherheit bedroht
wird, kann ich niemals akzeptieren.

Sie muß das Wachstum der verdeckten Staatsschulden ansprechen.

Die Welt ist immer noch gefährlich. Zumindest das ist
eindeutig. Die Stabilität ist nicht gesichert. Amerikanische Interessen sind weitreichend. Die wechselseitige Abhängigkeit ist gestiegen. Regionale Instabilität
kann weltweite Auswirkungen haben. Dies ist nicht die
Zeit, um Amerikas Fähigkeit zum Schutz seiner lebenswichtigen Interessen zu aufs Spiel zu setzen.

Ich fordere den Kongreß auf, mir ein umfassendes
Fünfjahresprogramm zum Defizitabbau als Gesetzespaket an die Hand zu geben - inklusive Maßnahmen,
die gewährleisten, daß es vollständig durchgeführt
werden kann. Amerika ist der halbherzigen Defizitreduzierungen, des Ich-verspreche-heute-und-zahlemorgen müde. Genug ist genug. Es ist Zeit für ein
Programm, das glaubwürdig und reell ist.

Drittens: Der Kongreß sollte noch in diesem Monat
Maßnahmen zur Förderung der heimischen Energiegewinnung und -einsparung verabschieden, um die
Abhängigkeit von ausländischem Öl zu vermindern.
Diese Maßnahmen sollten meine Vorschläge einbeziehen, die Anreize für inländische Öl- und Gasgewinnung zu erhöhen, auf andere Treibstoffe auszuweichen und die Entwicklung der Energievorkommen in
Alaska ohne Schaden für die Tierwelt zu beschleunigen.
Wie Sie wissen, haben die Vereinigten Staaten zurZeit
des Ölembargos Anfang der siebziger Jahre fast 6
Millionen Barrel Öl pro Tag importiert. Vor der irakischen Invasion in diesem Jahr waren die Ölimporte der
Vereinigten Staaten auf fast 8 Millionen Barrel pro Tag
gestiegen. Wir haben die falsche Richtung eingeschlagen. Wir müssen jetzt etwas unternehmen, um
diesem Trend gegenzusteuern.
Viertens: Der Kongre ß sollte noch in diesem Monat ein
Fünfjahresprogramm verabschieden, im Rahmen
dessen die geschätzte Schuldenlast und das Defizit
um 500 Milliarden Dollar - eine halbe Billion - reduziert
werden kann. Wenn wir gemeinsam mit dem Kongreß
bis Ende des Monats ein zufriedenstellendes Programm erarbeiten können, können wir die Axt der
"Zwangsmaßnahmen" - einschneidende Kürzungen,
die unsere militärische Fähigkeit bedrohen und erhebliche Störungen im Inland hervorrufen würden - abwenden.
Ich möchte dem amerikanischen Volk mitteilen können, daß wir das Defizitproblem ein für allemal gelöst
haben. Damit ich das tun kann, muß eine Haushaltsvereinbarung folgende Bedingungen erfüllen:
Sie muß die von mir empfohlenen Maßnahmen umfassen, um das Wirtschaftswachstums anzukurbeln und
die Abhängigkeit von ausländischem Öl zu verringern.
Sie muß gerecht sein. Alle sollten einen Beitrag
leisten, aber die Belastung sollte nicht für bestimmte
Programme oder Personengruppen überdurchschnittlich ausfallen.

AMERIKA DIENST 36

Sie muß den Haushaltsprozeß reformieren und weiterhin muß sie reell sein.

Schließlich muß das Programm zum Defizitabbau
zwar neue Einnahmequellen erschließen, aber jede
Maßnahme vermeiden, die das Wirtschaftswachstum
bedroht oder uns in die Tage zurückversetzt, als
Einkommenssteuern bestrafenden Charakter hatten.
Das ist ein Weg, den wir nicht einschlagen sollten.
Ich bin mit den jüngsten Fortschritten sehr zufrieden,
auch wenn es dabei nicht immer reibungslos zuging.
Aber jetzt ist es an der Zeit, etwas zu tun.
Ich hoffe, daß wir einen verantwortungsbewu ßten Plan
ausarbeiten können. Aber mit oder ohne Vereinbarung vom Haushaltsgipfel fordere ich beide Häuser
des Kongresses auf, bis zum 28. September eine klare
und eindeutige Entscheidung über ein Paket zum
Defizitabbau im Umfang von 500 Milliarden Dollar zu
treffen.
Wenn der Kongreß mir keinen Haushalt geben kann,
werden die Amerikaner unweigerlich harte Zwangsmaßnahmen hinnehmen müssen.
Ich hoffe und vertraue jedoch darauf, daß der Kongreß
das tun wird, was er tun muß. Wir in der Exekutive
werden das unsrige tun.
Unsere Fähigkeit, unseren Pflichten im Ausland nachzukommen, hängt letztlich auch vom politischen Willen
und vom Konsens im Inland ab. In Demokratien - wo
wir nur mit der Zustimmung der Regierten regieren - ist
es niemals einfach Und obwohl freie Menschen in
einer freien Gesellschaft ein Recht auf Differenzen
haben, haben Amerikaner in Zeiten, wo sie angegriffen
oder herausgefordert wurden, immer zusammengestanden.
Wieder einmal sind Amerikaner hervorgetreten, um
mit ihren Familien einen tränenreichen Abschied zu
feiern, bevor sie zu feindlichen und fernen Ufern aufbrachen. In diesem Augenblick dienen sie gemeinsam
mit Arabern, Europäern, Asiaten und Afrikanern, um
den Grundsatz und den Traum von einer neuen Weltordnung zu verteidigen. Deshalb schwitzen sie und
quälen sich im Sand und der Hitze und der Sonne.

Seite 5

�Wenn man sich trotz aller Gegensätze zusammenschließen kann, wenn alte Gegner wie die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten für eine gemeinsame
Sache kämpfen, dann können wir, die wir das Glück
haben, in diesem Hause - aus Demokraten, Republi-

kanern, Liberalen und Konservativen - anwesend zu
sein, erst recht zusammenfinden, um unsere Pflicht
hier zu erfüllen.
Ich danke Ihnen, guten Abend und Gott schütze Amerika.

* * * *

Seite 6

*

AMERIKA DIENST 36

�GOLFKRISE
36

12. September 1990

BAKER: JEDE AGGRESSION AM GOLF
ZUM SCHEITERN VERURTEILT
Pressekonferenz des US-Außenministers in Brüssel
BRÜSSEL - (AD) - Au ßenminister Baker zufolge ist der Überfall des Iraks auf Kuwait ebenso wie alle zukünftigen
Aggressionen Bagdads am Golf zum Scheitern verurteilt. "Saddam Husseins Aggression gegen Kuwait kann
nicht Bestand haben, und die Welt mu ß sicher sein, daß er auch in Zukunft zu keinerlei Aggressionen in der Lage
ist," erklärte Baker am 10. September 1990 nach einer Sondersitzung des Nordatlantikrats in Brüssel.
Darüber hinaus stellte Baker klar, daß "die Kosten für die Vereitelung der irakischen Aggression zweifelsohne
von uns allen getragen werden müssen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz von Außenminister Baker in leicht gekürzter Fassung:
BAKER: Bevor ich Ihre Fragen entgegennehme,
möchte ich Ihnen kurz die wichtigsten Punkte unserer
heutigen Gespräche erläutern.
Erstens, wie ich vergangene Woche vor dem Kongreß
und heute vor dem Nordatlantikrat erklärt habe, sind
wir der Meinung, daß die nichtprovozierte Invasion und
andauernde Besetzung Kuwaits durch den Irak ein
politischer Prüfstein für das Funktionieren der Welt
nach dem kalten Krieg ist.
Die Art und Weise, in der wir und eine Koalition
demokratischer Staaten reagieren, wird ein Maßstab
dafür sein, wie gut sich die westlichen Sicherheitsorganisationen, also NATO und WEU, auf die Gefahren
von heute und die Bedrohungen von morgen einstellen
können.
Zweitens habe ich die Mission zur Teilung von Verantwortung erläutert, mit der unser Finanzminister und ich
uns in der vergangenen Woche befaßt haben. Wir
bezeichnen diese Mission aus gutem Grund als "Teilung von Verantwortung".
Die Kosten für die Vereitelung der irakischen Aggression müssen zweifelsohne von uns allen getragen
werden. Die übergeordnete Verantwortung für den
Aufbau einer friedlicheren Welt rechtfertigt solche Lasten
durchaus.
Meine Reise in die Goifstaaten und nach Ägypten war
- so denke ich - besonders produktiv: politisch, militärisch und wirtschaftlich. Ich fand eine regionale Koalition vor, die sich entschlossen der irakischen Aggres-

AMERIKA DIENST 36

sion entgegenstellt. In Ägypten ist Präsident Mubarak
sowohl politische als auch militärische Verpflichtungen
eingegangen, um eine regionale Allianz gegen Saddam Hussein zu unterstützen. Die Golfstaaten haben
ein besonders wichtiges Engagement zugesagt.
Nachdem ich während meiner Anreise zur NATO
soeben mit unseren Botschaftern in Saudi-Arabien
und den Vereinigten Arabischen Emiraten gesprochen
habe, freue ich mich, ankündigen zu können, daß sich
Saudi-Arabien, Kuwait und die Vereinigten Arabischen
Emirate verpflichtet haben, bis zum Jahresende annähernd 12 Milliarden Dollar zur Verfügung zu stellen.
Dazu gehört auch Wirtschaftshilfe an Länder wie Ägypten
und die Türkei, die beim Wirtschaftsembargo gegen
den Irak an vorderster Front stehen.
Nahezu die Hälfte dieser 12 Milliarden Dollar wird
eingesetzt, um die Kosten des amerikanischen militärischen Engagements am Golf zu tragen. Ein erheblicher Teil dieses Beitrags wird in materiellen Leistungen bestehen: Treibstoff, Wasser, Verpflegung und
anderes unentbehrliches Material.
Damit komme ich zu einer meines Erachtens zentralen
Tatsache bei der Teilung von Verantwortung, nämlich,
daß Geld allein nicht ausreichend ist. Die zugesagten
Milliarden Dollar können nicht hoch genug veranschlagt werden, aber alles Geld der Welt kann nicht die
Luft- und Seetransportfähigkeiten ersetzen, die heute
benötigt werden, um schwer bewaffnete Einheiten zu
ihrem Einsatzort und Flüchtlinge nach Hause zu transportieren. Die demokratischen Industriestaaten Europas und Asiens, die umfangreiche Luft- und See-

Seite 1

�transportfähigkeiten besitzen, können helfen, indem
sie Schiffe und Flugzeuge für diesen lebenswichtigen
Bedarf zur Verfügung stellen. Von meinen hier versammelten Kollegen habe ich heute morgen vernommen, daß die Bereitschaft zu einer positiven Antwort in
diesem Bereich besteht.
Drittens habe ich das gestrige Treffen Präsident Bushs
mit Präsident Gorbatschow erläutert. Ich möchte
zunächst feststellen, daß die Sowjets in der weltweiten
Koalition, die Saddam Hussein erfolgreich isoliert hat,
stets sehr verläßliche Partner waren.
In seinen Gesprächen mit Präsident Bush bekräftigte
Präsident Gorbatschow sein Engagement für die
Vereitelung der irakischen Aggression. Es bestanden
wirklich keine substantiellen Meinungsverschiedenheiten über die Bewältigung des Golfkonflikts zwischen den beiden Präsidenten. Insbesondere möchte
ich hier die sowjetische Unterstützung für den Grundtenor hervorheben, wie er in der gestrigen gemeinsamen Erklärung zum Ausdruck kommt: "Nichts unterhalb der vollständigen Erfüllung der Resolutionen des
UNO-Sicherheitsrats ist akzeptabel." Auch hier am
Konferenztisch der NATO haben sich unsere Kollegen
ausnahmslos hinter dieses Prinzip gestellt, das Teillösungen ausschließt.
Zum Schluß habe ich meine Kollegen auf die Notwendigkeit hingewiesen, in die Zukunft zu blicken. Wenn
unsere kurzfristigen Ziele erfüllt und insbesondere
dieser besondere Fall der irakischen Aggression gelöst ist, werden wir weiterhin zusammenstehen, um
jede zukünftige Aggression des Iraks zu verhindern.
Sicherlich werden die friedliebenden Regierungen am
Persischen Golf und die internationale Staatengemeinschaft kreative, multilaterale Vereinbarungen in
Erwägung ziehen müssen, um sich gegen künftige
Aggressionen abzusichern.
Zusammen mit den Ständigen Mitgliedern des UNOSicherheitsrats müssen die Regierungen in der Region
einschneidende international gebilligte Maßnahmen
und Verfahren prüfen, um die von den irakischen
Massenvernichtungswaffen ausgehende Bedrohung
zu verringern. Der Nichtverbreitungsvertrag muß
eindeutig gestärkt werden, und möglicherweise werden weitere Maßnahmen erforderlich sein, wenn ein
Gesetzloser wie Saddam Hussein in wenigen Jahren
in den Besitz von Atomwaffen gelangen kann.
Die Grundlinie ist also ganz klar folgende: Saddam
Husseins Aggression gegen Kuwait kann nicht Bestand haben, und die Welt muß sicher sein, daß er
auch in Zukunft zu keinerlei Aggressionen in der Lage
ist.
Frage: Herr Außenminister, zunehmende Erwartungen deuten darauf hin, daß Sie Syrien besuchen
werden. Können Sie uns über den Zweck dieses
Besuchs Auskunft geben und erklären, ob die Syrer
Seite 2

Militär- oder Finanzhilfe odereine Kombination daraus
erhalten werden? Die Ägypter haben eine solche
Kombination bekommen. Die Saudis werden Waffen.
erhalten. Sie haben gerade von der Verbreitung von
Waffen gesprochen. Eines der Länder, über die sich
die Vereinigten Staaten in der Vergangenheit in Zusammenhang mit der Verbreitung von Waffen Sorgen
machten, war Syrien. Könnten Sie dazu Stellung
nehmen?
Antwort: Um auf den Kern der Frage einzugehen, so
liegen mir Informationen vor, daß einige Golfstaaten
Syrien gegenüber bereits gewisse Verpflichtungen
eingegangen sind. Zweitens hat der Präsident mich
gebeten, nach Damaskus zu reisen, und ich werde von
Moskau aus dorthin fliegen, wahrscheinlich am Donnerstag abend. Die Gespräche werden dann am
Freitag stattfinden.
Meines Erachtens gibt es keinen schlagenderen Beweis
für die Isolation Saddam Husseins in der arabischen
Welt als die Ablehung des irakischen Überfalls auf
Kuwait durch Syrien. Das Land hat bedeutende Streitkräfte für den multinationalen Truppenaufmarsch bereitgestellt. Diese Präsenz ist wichtig. Die Haltung des
Landes in dieser Frage ist sicherlich bedeutsam, da es
an den nördlichen Irak angrenzt und über substantielle
Streitkräfte verfügt.
Die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten
und Syrien waren in der Vergangenheit nicht gut, und
wir würden eine Verbesserung dieser Beziehungen
begrüßen. Eine solche Verbesserung hängt jedoch
noch von anderen Faktoren ab als von der Tatsache,
daß wir uns heute in dieser Frage auf der gleichen
Seite befinden. Wir haben weiterhin bestimmte Differenzen mit Syrien, und wir erwarten, daß diese Differenzen ebenso wie unser beiderseitiges Interesse
daran zur Sprache kommt, die Isolation Saddam
Husseins aufrechtzuerhalten und diese nichtprovozierte Aggression zunichte zu machen.
Frage: Worum werden Sie Hafis al-Assad bitten?
Wollen Sie irgendetwas Bestimmtes von ihm? Was ist
der wirkliche Zweck Ihrer Reise?
Antwort: Wie ich bereits andeutete, sind wir der
Meinung, daß die Position Syriens in dieser ganzen
Angelegenheit sehr wichtig ist. Das Land hat Truppen
in die Region entsandt. Offengestanden sind wir sehr
an der syrischen Einschätzung der Lage und insbesondere der Position von anderen arabischen Ländern
interessiert. Der Präsident war der Ansicht, daß es ein
wichtiger Zeitpunkt sei, um einen direkten Dialog mit
der Führung Syriens aufzunehmen.
Frage: Um zu unterstreichen, was er getan hat?
Antwort: Nun, Syrien hat sehr zu den internationalen
Bemühungen beigetragen, Saddam Hussein zu isolieren. Das Land hat die UNO-Resolutionen offen unterstützt, und es unterstützt heute die Tatsache der
AMERIKA DIENST 36
5

�amerikanischen Präsenz in Saudi-Arabien. Es ist
wichtig, daß wir ein direktes Gespräch über die Lage
am Golt und darüber tühren, wie wir zusammenarbeiten könnten, um gemeinsame Ziele zu erreichen.
Frage: Das US-Außenministerium hat Syrien aut die
Liste von Staaten gesetzt, die den Terrorismus unterstützen. Syrien ist vom US-Außenministerium und
dem CIA der Verwicklung in den Bombenanschlag auf
eine Maschine der Pan Am bei Lockerbie bezichtigt
worden. Bis heute entsprach es der Politik des Außenministeriums, Syrien zu isolieren. Ich verstehe nicht,
wie Sie - weil das Land uns in dieser einen Frage
unterstützt - plötzlich all das beiseiteschieben können,
eine Kehrtwendung machen und Syrien durch Ihren
Besuch aufwerten - den ersten Besuch eines hochrangigen US-Vertreters seit Jahren.
Antwort: Ich habe gerade erklärt, daß wir weiterhin
Schwierigkeiten mit Syrien haben. Sie haben auf
einige der wichtigsten Probleme verwiesen, und wir
wei den diesen Besuch nutzen, um diese Probleme zur
Sprache zu bringen. Mir scheint es außerordentlich
wichtig zu sein, daß wir in einer Lage, wie wir sie am
Golf derzeit haben, mit einem wichtigen arabischen
Land zusammenarbeiten, das in diesem Fall dieselben
Ziele verfolgt wie wir. Das bedeutet nicht, daß die
früher belasteten Beziehungen über Nacht gut werden, und es bedeutet nicht, daß wir nicht auch weiterhin einige Meinungsverschiedenheiten haben werden.
Ich bin ziemlich sicher, daß Syrien auch weiterhin
einige Probleme mit den Vereinigten Staaten haben
wird. Aber bei diesen Fragen und zu diesem äußerst
wichtigen Problem, was getan werden muß, um die
nichtprovozierte Aggression durch den Irak zu vereiteln, verfolgen wir dieselben Ziele.
Frage: Werden Sie Syrien unter anderem darum
bitten, die PFLP-GC auszuweisen, jene terroristische
Gnippe, die für den Anschlag auf die Pan Am-Maschine verantwortlich ist?
Antwort: Wir werden mit den Syrern weiterhin über
die PFLP-GC sprechen, und wir werden ihnen weiterhin die Probleme erläutern, die sich für uns aus der
Anwesenheit dieser Gruppe in Syrien ergeben sowie
die Schwierigkeiten, die uns die Präsenz der Gruppe
überhaupt bereitet. Ich möchte Sie daran erinnern,
daß ich vor einem Jahr bei den Vereinten Nationen ein
Gespräch mit dem syrischen Außenminister hatte und
daß wir die Syrer auch weiterhin durch unseren Botschafterin Damaskus über unsere Haltung in Kenntnis
setzen. Wir unterhalten ja Beziehungen mit Syrien.
Frage: Haben Sie Ihre Partner heute um die Entsendung von Bodentruppen gebeten? Haben Sie dabei
um die Entsendung eines symbolischen Kontingents
gebeten, oder was genau haben Sie gewollt? Und wie
war die Reaktion darauf, welche Reaktion hatten Sie
sich erhofft?

AMERIKA DIENST 36

Antwort: Erstens sollten wir uns alle der Tatsache
bewußt sein, daß zwei NATO-Länder eine erhebliche
landgestützte Präsenz in der Region unterhalten: die
Vereinigten Staaten von Amerika und die Türkei. Zwei
weitere NATO-Länder haben ebenfalls Bodentruppen
in der Region: Großbritannien und Frankreich. Ich
habe erklärt, daß wir zusätzliche Bodentruppen in der
Region begrüßen würden, wenn andere am Konferenztisch vertretene Länder es als angemessen betrachten würden, sie zu entsenden. Wir würden dies
begrüßen, selbst wenn es sich nur um symbolische
Kontingente handelte. Dies waren meine Worte.
Frage: Herr Au ßenminister, vielleicht konnten Sie das
Interview des NATO-Oberbefehlshabers, General
Galvin, in einer Londoner Zeitung lesen, der es jetzt als
unvermeidlich bezeichnete, daß die NATO ihre Operationen nach außerhalb ihres Bündnisgebiets in die
Region verlagern müsse. Sind Sie der Meinung, daß
die NATO direkt in die neuen Sicherheitsvereinbarungen nach Bewältigung der Irak-Krise, die Sie vorhin
erwähnten, eingebunden werden sollte?
Antwort: Ich habe das Interview mit General Galvin
nicht gelesen. Ich möchte hier nur darauf verweisen,
daß die rechtliche Frage, ob es sich bei der Irak-Krise
um eine Angelegenheit handelt, die außerhalb des
Bündnisgebiets der NATO liegt, nicht zur Sprache
gekommen ist. Es gab eine breite Diskussion über die
Krise. Vollständige Konsultationen. Sie sind über
unsere Bitten informiert. Einige standen mit den
NATO-Streitkräften im Mittelmeer in Zusammenhang,
einige mit AWACS, einige mit einer Vielzahl anderer
Dinge.
Niemand war jedoch der Meinung, es sei unangemessen, daß wir uns treffen, um über die Reaktion auf
diese Krise zu sprechen. Man kann einzeln reagieren
und kollektiv, indem man Konsultationen und politische Diskussionen über die Bedeutung der Krise und
unsere Reaktion darauf abhält. Das haben wir gemeint, das haben wir im Verlauf des vergangenen
Jahres gemeint, wenn wir gesagt haben, die politische
Komponente des Bündnisses sollte gestärkt werden,
und genau das findet jetzt statt.
Ich habe General Galvins Erklärung nicht kommentiert. Ich möchte dies nicht tun, weil ich sie nicht
gelesen habe. Ich möchte Ihnen jetzt noch die Liste
unserer Anfragen vorlesen.
Erstens haben wir im Hinblick auf militärische Aktivitäten darum ersucht, daß der Oberausschuß für Zivile
Verteidigungsplanung, vielleicht in Zusammenarbeit
mit der WEU, die ziemlich umfangreichen Beiträge für
den Luft- und Seetransport koordiniert. An dieser
Stelle möchte ich noch anmerken, daß mir am Konferenztisch heute weitere Luft- und Seetransportkapazitäten angeboten wurden, die über frühere Offerten
hinausgehen.

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�Zweitens habe ich um eine Erweiterung des Einsatzbereichs des Marineeinsatzverbands für das Mittelmeer nach Osten gebeten, um eine Präsenz im östlichen Mittelmeer zu gewährleisten und damit zum
Schutz der Flanken beizutragen.

Dänemark hat mir während des Treffens eine Notiz
zukommen lassen, derzufolge das Land zwei Frachter
für den Transport ägyptischer Truppen bereitstellen
werde. Und das sind die einzigen Angebote, die ich
hier mit gutem Gewissen bekanntgeben kann.

Im Hinblick auf die Zusammenarbeit bei der Aufklärung
habe ich eine Erweiterung des AWACS-Erfassungsbereichs in der südlichen Region vorgeschlagen, die
sich auf die Stationierungen in der Türkei stützen kann.

Frage: Gerade haben Gespräche zwischen Bagdad
und Teheran stattgefunden. Ich würde gern erfahren,
ob die amerikanische Regierung die Möglichkeit einer
Aufhebung des Embargos durch den Iran in Erwägung
gezogen hat?

In bezug auf die Türkei haben wir die Mitgliedstaaten
gebeten, sich soweit wie möglich daran zu beteiligen,
um die gegenwärtigen Bemühungen zur Erleichterung
der wirtschaftlichen Belastungen zu unterstützen, die
der Türkei durch die Krise entstehen.
Was Ägypten betrifft, so haben wir die Mitgliedstaaten
darum gebeten, auf bilateraler Grundlage Wirtschaftsund Militärhilfe zu leisten, Transportkapazitäten und
logistische Unterstützung für den Transport ägyptischer Streitkräfte nach Saudi-Arabien bereitzustellen.
Darüber hinaus haben wir Luft- und Seetransportkapazität für diejenigen Länder erbeten, die um solche
Hilfe zur Evakuierung ihrer Flüchtlinge aus Jordanien
ersuchen.
Sodann haben wir die Mitgliedstaaten aufgefordert,
den Staaten Mittel- und Osteuropas, deren Volkswirtschaften durch die Einhaltung der Sanktionen geschädigt werden, weitere Wirtschaftshilfe zu gewähren.
Zum Schluß haben wir alle Mitgliedstaaten gebeten,
ihre Bemühungen zur Einhaltung der Sanktionen noch
zu verstärken, damit das Embargo so undurchlässig
wie möglich ist. Möchten Sie, daß ich auch noch die
Dinge aufzähle, die am Konferenztisch zusätzlich
genannt wurden?
Frage: Ja.
Antwort: Im Hinblick auf die Bundesrepublik Deutschland hat deren Außenminister von zusätzlicher Luftund Seetransportkapazität gesprochen.
Von den Niederlanden wurde zusätzliches Material
zum Schutz vor chemischer und biologischer Kriegführung genannt.
In bezug auf Belgien war die Rede von belgischen
Flugzeugen für Ägypten, zum Heimtransport von Flüchtlingen aus Kuwait. Femer von zusätzlicher Nahrungsmittelhilfe an Ägypten, insbesondere der Lieferung von
20 000 Tonnen Weizen.
Norwegen erklärte, es werde zusätzliche humanitäre
Hilfe für Flüchtlinge bereitstellen und nach parlamentarischen Konsultationen auf unsere speziellen Wünsche eingehen. Die griechische Handelsmarine stellt
drei Schiffe für den Seetransport im Rahmen der
multinationalen Bemühungen zur Verfügung.

Seite 4

Antwort: Der Iran hat konsequent erklärt, daß er die
UNO-Resolutionen zu befolgen gedenkt. Der Iran
steht mit dem Irak in Friedensverhandlungen oder kurz
vor deren Abschlu ß. Die arabischen Regierungen, mit
denen wir gesprochen haben, gehen nicht davon aus,
da ß die alte Feinschaft verschwunden ist, daß die alten
Animositäten ausgeräumt wurden. Sie sind deshalb
der Meinung, daß sich der Iran auch weiterhin an den
internationalen Konsens halten und das Embargo
beachten wird.
Frage: Bei ihren Äußerungen über chemische und
biologische Massenvernichtungswaffen im Irak - ich
nehme an, das schlie ßt atomare Waffen ein - haben sie
zwei Dinge gesagt. Eines war die Verwendung des
Wortes einschneidend - einschneidende international
sanktionierte Verfahren. Ferner haben sie am Ende
dieser Äußerung etwas über andere Mittel gesagt, die
über die Vereinbarungen zur Nichtverbreitung hinausgehen. Können Sie erklären, was Sie mit einschneidenden Maßnahmen meinen und was diese anderen
Mittel sein könnten?
Antwort: Wenn ich im einzelnen hätte erläutern
wollen, was diese anderen Mittel sind, so hätte ich das
im einzelnen dargelegt und nicht im allgemeinen. Ich
möchte darauf nicht näher eingehen. Ich möchte
lediglich sagen, daß es nun an der Zeit ist, uns Gedanken darüber zu machen, wie wir in Zukunft im Hinblick
auf andere Länder eine Wiederholung dieser Ereignisse verhindern können oder daß er sich eine atomare
Fähigkeit verschafft. Weithin wird ja angenommen,
daß er nicht mehr weit davon entfernt ist. Einschneidend, damit meine ich Vor-Ort-Inspektionen und ähnliche Dinge. Wir müssen uns einfach Gedanken
darüber machen, wie wir der Weiterverbreitung von
atomaren, chemischen und biologischen Waffen sowie
Raketensystemen in der ganzen Welt Einhalt gebieten
können.
Frage: Vor wenigen Tagen hat der dänische Außenminister nach dem Treffen der EG-Außenminister in
Rom erklärt, Europa sollte sich jetzt zusammenreißen
und bereit sein, in Zukunft gemeinsam militärisch zu
handeln und die Rolle des Weltpolizisten nicht länger
nur den Vereinigten Staaten zu überlassen. Was
halten sie von dieser Erklärung?

AMERIKA DIENST 36

�Antwort: Wir begrüßen die Bemühungen aller, die
uns bei der Lösung dieses Problems helfen wollen, und
so weit ich sagen kann, arbeitet die internationale
Staatengemeinschaft ausgesprochen gut zusammen,
wobei nahezu alle Staaten je nach ihren Fähigkeiten
substantielle und bedeutsame Beiträge leisten. Ich
werde nachher mit der EG sprechen. Wir haben heute
morgen den italienischen Außenminister gehört, der
sowohl als Außenminister Italiens als auch aufgrund
der gegenwärtigen EG-Präsidentschaft seines Landes Stellung genommen hat. Ich gehe davon aus, daß
man dort einige wichtige Dinge beschließen wird, aber
es ist natürlich ihre Sache zu verkünden, welche
Schritte das sein werden.
Frage: Ich möchte noch einmal auf Syrien zurückkommen, denn soweit ich sagen kann, hat jeder hier auf die
eine oder andere Weise versucht, anzudeuten, daß
wir, wenn wir Syrien in unseren Schirm einbeziehen, in
gewisser Weise eine Linie überschreiten - denn in der
Tat ist doch Syrien ebenso wie der Irak ein gesetzloser
Staat, der bereits wesentlich länger auf unserer Terrorismusliste steht als der Irak. Das dortige Regime hat
in der Stadt Hama 20 000 seiner eigenen Bürger
massakriert. Und wenn man jetzt sozusagen erklärt,
Syrien beteilige sich irgendwie an der internationalen
Koalition gegen den Irak aufgrund seiner Besorgnis
über das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit, so ist dies
wirklich unaufrichtig. Dieses Regime hat eine...
Antwort: Das habe ich nicht behauptet. Sie haben
niemals eine solche Behauptung von mir vernommen.
Frage: Aber ich meine, sind Sie nicht besorgt...
Antwort: Ich sage nur, daß sie da sind.
Frage: Sie sind da, aber machen Sie sich keine
Sorgen darüber, da ß wir dadurch, da ß wir sie einbeziehen, unsere eigene moralische Glaubwürdigkeit in
dieser Frage schwächen?
Antwort: Ich weiß nicht, was sie mit "einbeziehen"
meinen. Wir werden uns zusammensetzen und mit
ihnen direkte Gespräche führen, ebenso wie wir mit
einer Reihe anderer Regierungen gesprochen haben,
mit denen wir weniger formelle Beziehungen unterhaltei i als sie mit Syrien schon seit langem bestehen. Wir
sprechen mit Vietnam. Wir sprechen mit Phnom Penh.
Wir reden mit vielen Leuten aus vielen unterschiedlichen Gründen. Und ich habe Ihnen gegenüber die
Gespräche qualifiziert, die ich in Syrien führen werde.
Frage: Um noch einmal auf Ihre Bemerkung über die
Isolierung des Iraks zurückzukommen. An der anderen Flanke des Iraks befindet sich der Iran, und ich
frage mich, ob die von Ihnen erläuterten Prinzipien
über Gespräche mit Syrien auch auf den Iran zutreffen? (unverständlich) ein Signal an den Iran zu senden, daß wir diese Hürden dort überwinden möchten?

AMERIKA DIENST 36

Würden wir beispielsweise in Betracht ziehen, iranisches Öl zu kaufen? Wie steht es mit der Geiselfrage
als noch zu lösendem Problem?
Antwort: Wir würden alle Maßnahmen des Iran
begrüßen, die zur Isolierung des Iraks beitragen. Darauf
können Sie wetten. Wurde dem Iran diese Botschaft
übermittelt? Darauf können Sie wetten. Würden wir
heute nach Teheran reisen? Nein. Aus Gründen, die
jedermann gut bekannt sind, unterhalten wir mit dem
Iran überhaupt keine Beziehungen. Wir haben Beziehungen zu Syrien, obwohl diese nicht gut sind. Wir
haben dort eine Botschaft. Wir haben schon seit
langem einen Botschafter dort, und das ist eine völlig
andere Lage. Wir haben jedoch Kanäle, über die wir
mit dem Iran sprechen, und ich möchte feststellen, daß
wir die Tatsache begrüßen, daß der Iran sich zur
Einhaltung der Sanktionen der internationalen Staatengemeinschaft gegen den Irak und der UNO-Sanktionen bekannt hat.
Frage: Als Sie diese Botschaft sandten, haben Sie
danach über diese Kanäle eine Antwort vom Iran
erhalten?
Antwort: Ja.
Frage: Und wie lautete diese Botschaft?
Antwort: Vielen Dank für Ihre Botschaft.
Frage: Zur Frage der Bodentruppen haben Sie uns
lediglich mitgeteilt, was Sie im Rat erklärt haben,
nämlich, daß Sie eine zusätzliche Präsenz begrüßen
würden, selbst wenn sie nur symbolisch wäre. Haben
Sie am Tisch eine Antwort, irgendwelche Reaktionen
vernommen?
Antwort: Wir haben über bilaterale Kanäle Antworten
erhalten, und ich habe lediglich erwähnt, daß wir
zusätzliche Bodentrupen begrüßen würden. Zwei
Länder unterhalten bereits erhebliche landgestützte
Kampftruppen in der Region. Ich erwähnte die Vereinigten Staaten und die Türkei. Auch Großbritannien
und Frankreich haben dort Bodentruppen. Wir würden
weitere landgestützte Streitkräfte begrüßen, selbst
wenn sie nur symbolisch wären.
Frage: Welche Antworten haben Sie bilateral erhalten?
Antwort: Wir befinden uns noch im Diskussionsprozeß.
Frage: Berichten zufolge haben die Sowjets einen
neuen KSE-Vorschlag unterbreitet, der wesentlich
niedrigere Streitkräfteniveaus vorsieht. Sind Sie darüber informiert? Werden Sie darüber in Moskau
sprechen? Nehmen Sie diesen Vorschlag ernst? Und
wie wird er Ihre Bemühungen beeinflussen, einen
Vertrag noch dieses Jahr zu erreichen?

Seite 5

�Antwort: Ich habe diesen Vorschlag nicht gesehen.
Ich kenne ihn nicht. Vor nicht allzu langer Zeit gab es
Andeutungen, daß sie ein Niveau für die - amerikanischen - Truppen definieren würden, das sie für angemessen halten. Vielleicht haben sie das in Wien
getan. Ich habe diesen Vorschlag noch nicht gesehen.
Durch die zwischen der Bundesrepublik Deutschland
und der Sowjetunion getroffenen Vereinbarungen
über den Umfang der Bundeswehr und den vollständigen Abzug der sowjetischen Truppen aus Deutsch-

land sind die Beschlüsse von Ottawa überholt worden.
Diese Beschlüsse sind nicht mehr gültig. Wir, die
Vereinigten Staaten und die Sowjets, haben darüber
gesprochen, zuletzt in Irkutsk. Die Frage der amerikanischen Truppenstärke ist noch nicht gelöst. Möglicherweise werden die Sowjets einseitig Ideen im Hinblick darauf präsentieren, was ihrer Meinung nach ein
angemessener Umfang unserer Streitkräfte sein sollte. Ich nehme an, daß wir darüber in Moskau sprechen
werden, wenn sie in dieser Beziehung etwas vorgelegt
haben.

*

Seite 6

*

AMERIKA DIENST 36

�DEUTSCHLANDPOLITIK
12. September 1990

EIN GEEINTES DEUTSCHLAND
IM EUROPÄISCHEN KONTEXT
Rede von Botschafter Walters
MÜNCHEN - (AD) - Anläßlich einer lägung der Katholischen Akademie in Bayern erklärte Botschafter Walters
am 7. September 1990 in München, die Entwicklung einer neuen Politik hänge "vielleicht in geringerem Maße
von uns ab als von der Rolle, die ein neuvereintes Deutschland in der Welt spielen will - ein Thema, das sicher
in den kommenden Monaten debattiert werden wird und auch im Hinblick auf die gegenwärtige Krise am Golf
höchst aktuell ist". Botschafter Walters zufolge ist es in diesem Zusamenhang besonders wichtig, "Institutionen,
die zum Erfolg unserer Politik beigetragen haben, neu zu gestalten und den neuen Realitäten in Europa
anzupassen".
Walters nahm insbesondere auch zur Vereinigung beider deutscher Staaten Stellung und bekundete seine
Zuversicht, daß der östliche Teil Deutschlands in nicht allzu ferner Zukunft an der florierenden Wirtschaft der
Bundesrepublik teilhaben wird. Der Botschafter erklärte: "Darüber hinaus müssen wir Sorge tragen, daß die
politische Mauer, die 45 Jahre lang Ost und West voneinander trennte, nicht durch eine wirtschaftliche Mauer
ersetzt wird. Diese wirtschaftliche Führungsrolle sollte und wird die Bundesrepublik Deutschland meines
Erachtens nicht ausschlagen."
Nachfolgend veröffentlichen wir Botschafter Walters's Rede im Wortlaut. (Es gilt das gesprochene Wort)

Es ist mir eine besondere Ehre, als Teilnehmer an
dieser Vortragsreihe zur aktuellen politischen Lage in
Ihrer schönen Stadt zu weilen. Insbesondere freue ich
mich über die Gelegenheit, diese Konferenz mit einer
Rede über ein geeintes Deutschlands im europäischen Kontext eröffnen zu dürfen.
In gewisser Weise habe ich hier in Schwabing erst
Freundschaft mit Deutschland und seinen Menschen
geschlossen. Nach einem Skiunfall landete ich hier im
Krankenhaus und entschloß mich, in der langen Zeit
der Genesung Deutsch zu lernen. In dieser Zeit
machte ich die erste Bekanntschaft mit den Freuden
und Unwägbarkeiten Ihrer Sprache. Inzwischen habe
ich all die kleinen Eigenarten akzeptieren gelernt, aber
Sie müssen zugeben, daß es für einen Ausländer
schwierig ist, eine Sprache zu begreifen, in der, grammatisch gesehen, "die Männlichkeit" weiblichen Geschlechts, "der Feminismus" aber männlich ist. Um
die Verwirrung zu erhöhen, ist "das Weib" sächlich,
obwohl dies dem Selbstverständnis der deutschen
Frauen bestimmt nicht entspricht.
AMERIKA DIENST 36

Ebenso wie eine gemeinsame Sprache verbindet,
können gemeinsame Werte und Grundsätze Menschen zusammenführen. Deshalb freue ich mich
besonders, bei der Katholischen Akademie über ein
Thema sprechen zu dürfen, das uns alle gleichermaßen angeht: die Bewahrung des Friedens in Europa.
Vierzig Jahre lang hat man ein solches Thema relativ
sicher bearbeiten können, weil die amerikanische
Deutschlandpolitik demselben Grundmuster folgte.
Unsere Politik basierte auf der Annahme ständiger
Konfrontation zwischen Ost und West, der erfolgreichen Zusammenarbeit westlicher Demokratien und
dem besonderen Verhältnis zur Bundesrepublik, wie
es sich nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt hatte.
Dieses Verhältnis besteht natürlich ebenso weiter wie
die Zusammenarbeit. Aber eine Grundvoraussetzung
unserer Politik hat sich glücklicherweise überholt. Die
Teilung Deutschlands und Europas ist beendet, und
damit ist zum Teil auch dieser Politik die Basis entzogen. Die Entwicklung einer neuen Politik hängt viel-

Seite 1

�leicht in geringerem Maße von uns ab als von der Rolle,
die ein neuvereintes Deutschland in der Welt spielen
will - ein Thema, das sicher in den kommenden Monaten debattiert werden wird und auch im Hinblick auf die
gegenwärtige Krise am Persischen Golf höchst aktuell
ist.
Diese neuen Gegebenheiten erfordern jedoch wahrscheinlich keine neue amerikanische Deutschlandpolitik - wie ich sie definiert habe. Es ist meines Erachtens
viel wichtiger, Institutionen, die zum Erfolg unserer
Politik beigetragen haben, neu zu gestalten und den
neuen Realitäten in Europa anzupassen.
Wie Sie wissen, war ich sowohl beobachtend als auch
aktiv an manchen großartigen Ereignissen im Europa
des zwanzigsten Jahrhunderts beteiligt, aber die Zeit,
in der wir heute leben, ist wirklich einzigartig. Ich
möchte Ihnen heute sowohl aus dem Blickwinkel eines
amerikanischen Bürgers als auch aus der Perspektive
des Regierungsvertreters darlegen, wie wir die jetzige
Situation in Europa einschätzen und welchen Kurs wir
in bezug auf diese Institutionen steuern werden.
Es ist noch nicht einmal ein Jahr her, seit die Völker
Osteuropas eines nach dem anderen auf friedliche Art
und Weise ihre stalinistische und kommunistische
Vergangenheit zugunsten von Freiheit und freier
Marldwirtschaft abgeschüttelt haben. Aber diese atemberaubenden Ereignisse scheinen heute bereits weit
zurückzuliegen.
Es dauerte mehr als vierzig Jahre, bis die unmenschliche Teilung Europas nach dem Zweiten Weltkrieg
überwunden werden konnte. Ich muß Ihnen ferner in
aller Bescheidenheit sagen, daß ich sehr stolz auf die
führende Rolle bin, die mein Land beim Zustandekommen dieser positiven Entwicklung gespielt hat. Viele,
die in den vergangenen 45 Jahren unsere Politik
kritisierten, hatten im letzten Jahr Grund, sich von der
Klugheit des von uns gesteuerten Kurses zu überzeugen. Einige waren ehrlich genug, mir das einzugestehen. Wir haben erreicht, was der chinesische Philosoph Sun Tsu vor 2 000 Jahren als den größten aller
Siege bezeichnete: Einen Gegner zu besiegen, ohne
gegen ihn zu kämpfen.
Der kalte Krieg ist jetzt vorbei. Demokratie ist jetzt die
gewählte Regierungsform aller Menschen in Osteuropa, einschlie ßlich der Sowjetunion, die immer noch mit
ihrem Übergang zu einer neuen Gesellschaftsform zu
kämpfen hat.
Wir im Westen erkennen, daß Michail Gorbatschow
eine entscheidende Rolle gespielt hat, indem er eine
Dynamik in Gang setzte, mit der die politische Landschaft Osteuropas verändert werden konnte. Aber der
Versuch, sein eigenes Land zu einer glaubwürdigen
Demokratie westlicher Art umzugestalten, ist Herrn
Gorbatschow bei weitem noch nicht gelungen. Auch
die Perestrojka kam nicht aus heiterem Himmel. Sie ist

Seite 2

vielmehr die Politik eines klugen und kreativen Politikers, aber auch das Ergebnis zweier anderer Faktoren: der Unmöglichkeit, ein stolzes Volk dauerhaft zu
unterjochen und der Entschlossenheit und Opferbereitschaft des Westens, sich der Ausbreitung des
Kommunismus zu widersetzen. Die Bereitschaft des
amerikanischen Volkes, jährlich zur Verteidigung der
Freiheit 300 Milliarden Dollar zur Verfügung zu stellen,
hat Gorbatschow eindeutig gezeigt, daß sein Land mit
dieser Entschlossenheit nicht konkurrieren kann.
Was die Wirtschaft betrifft, muß der Kreml noch einen
weiten Weg zurücklegen, bevor er die Perestrojka
verwirklicht und das sowjetische Volk überzeugt hat,
daß sie funktioniert. Im Zuge der neuen Offenheit
treten lang unterdrückte Konflikte zwischen einzelnen
Volksgruppen zutage, und die vor langer Zeit zwangsweise erfolgte Neugliederung der Republiken bedroht
gegenwärtig den Zusammenhalt der Sowjetunion.
Ungeachtet der Ergebnisse von Gorbatschows Experiment können wir sicher sein, daß die Gestalt der
künftigen Sowjetunion erhebliche Auswirkungen auf
die Sicherheitsinteressen Europas und damit auch auf
die der Vereinigten Staaten haben wird. Auch wenn
sich die Sowjetunion in einzelne Staaten aufspalten
sollte, würde allein Rußland weiterhin eine wichtige
Rolle im militärischen Kräftegleichgewicht Europas
spielen. General De Gaulle hat dazu erklärt, die
Geographie sei eine der Konstanten der Geschichte,
und deshalb wird Europa immer mit einem großen,
mächtigen Land an seiner Ostgrenze rechnen müssen.
Die Vereinigten Staaten und tatsächlich die gesamte
westliche Welt haben stets betont, daß zwischen der
Teilung Berlins, Deutschlands und Europas ein enger
Zusammenhang besteht. Es ist weder eine Überraschung noch ein Zufall, daß die Wiedervereinigung an
all diesen Fronten gleichzeitig stattfindet. Wir haben
unser politisches Ziel der Überwindung dieser Spaltungen erreicht - mit Beharrlichkeit, Entschlossenheit und
einem festen Glauben an unsere Gesellschaften und
gemeinsamen Werte.
Wir in den Vereinigten Staaten sind sehr stolz darauf,
bei der Bestimmung des Kurses der Ost-West-Beziehungen nach dem Zweiten Weltkrieg eine führende
Rolle gespielt zu haben. Wir haben nicht nur viel Geld
in den Wiederaufbau Europas und die Sicherheit
Deutschlands gesteckt, sondern auch uns selbst eingebracht. Wir haben die Freude geteilt, die in den
Tagen nach dem 9. November in Deutschland zu
spüren war, als die Mauer fiel und die Deutschen nach
so vielen Jahren der Trennung wieder vereint waren.
Wir haben immer hinter Ihnen gestanden und stehen
Ihnen weiterhin auf dem komplexen Pfad zur Einheit
bei. Manche behaupten, daß die Wiedervereinigung
zu schnell komme, wir in den Vereinigten Staaten sind
jedoch der Ansicht, daß die deutsche Einheit seit
langem überfällig ist.

AMERIKA DIENST 36

�Unser gemeinsamer Ansatz zur Verwirklichung dieses
Ziels wird vielleicht in dem von den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich und der Bundesrepublik unterzeichneten Deutschlandvertrag von 1954 am
deutlichsten ausgedrückt. Dort heißt es in Artikel 7,
Absatz 2: "Bis zum Abschluß der friedensvertraglichen Regelungen werden die Unterzeichnerstaaten
zusammenwirken, um mit friedlichen Mitteln ihr gemeinsames Ziel zu verwirklichen: Ein wiedervereinigtes Deutschland, das eine freiheitlich demokratische
Verfassung, ähnlich wie die Bundesrepublik, besitzt
und das in die Europäische Gemeinschaft integriert
ist."
Niemand hätte zu der Zeit einen genauen Plan aufstellen können, wie der Prozeß der deutschen Einheit
verlaufen sollte. Dennoch haben die Westmächte und
die Bundesrepublik ihre Ziele entschlossen und eindeutig dargelegt und die Grundsätze für einen solchen
Prozeß definiert.
Unmittelbar vor der Vereinigung beider deutscher Staaten
sollte uns das Wissen darüber mit Stolz erfüllen, daß
der Prozeß so friedlich verlaufen ist, wie es im Sinne
des Deutschlandvertrags lag. Diese Leistung sollte
nicht unterschätzt werden, weil sie ein einmaliges
Kapitel der europäischen Geschichte bezeichnet. Es
ist das erste Mal seit Menschengedenken, daß die
Grenzen Europas konfliktfrei verändert wurden. Historisch gesehen ist dies eine Leistung von gro ßer Bedeutung, die uns Hoffnung macht, tatsächlich etwas aus
den tragischen Fehlern der Vergangenheit lernen zu
können.
Im Hinblick auf das zweite erklärte Prinzip von Artikel
7, Absatz 2, wird ein vereinigtes Deutschland nicht nur
eine liberal-demokratische Verfassung wie die der
Bundesrepublik Deutschland erhalten, sondern eben
das Grundgesetz haben, das der Bundesrepublik so
gute Dienste geleistet hat. Und schließlich wird ein
vereinigtes Deutschland fest in der Europäischen
Gemeinschaft verankert sein, als Eckpfeiler von NATO
und EG.
Die Führung einer echten Demokratie beinhaltet das
politische Mandat, Maßnahmen zu verwirklichen, die
Frieden und Wohlstand garantieren. In den Vereinigten Staaten sind wir uns sehr wohl bewußt, daß
wirtschaftlicher Wohlstand und politische Stabilität im
Inland Hand in Hand gehen. Die Stärke des politischen
und wirtschaftlichen Systems eines Landes hat dann
wiederum einen heilsamen Effekt auf die Fähigkeit der
internationalen Staatengemeinschaft, Frieden zu
bewahren.
Wir stehen heute an der Schwelle zur Umgestaltung
unserer Sicherheitsstrukturen und damit auch unserer
politischen Strukturen, um uns den neuen Herausforderungen und Risiken der Zukunft zu stellen. Präsident Bush und Außenminister Baker haben bei verschiedenen Gelegenheiten über eine neue Architektur

AMERIKA DIENST 36

in Europa gesprochen. Bei dieser Debatte geht es um
mehr als den Modus, in dem die Vereinigten Staaten
ihre Beziehungen zum neuen Europa in den kommenden Jahrzehnten definieren. Sie betreffen den Kern
dessen, wie die Länder Europas ihre Beziehungen als
zum ersten Mal ungeteilter und freier Kontinent neu
gestalten wollen.
Wenn ich anspreche, wie Veränderungen in Zukunft
gehandhabt werden sollen, möchte ich die aktuellen
Strukturen in Europa ansprechen, die meiner Ansicht
nach weiter eine wichtige Rolle spielen werden, wenn
sie sich der neuen politischen und wirtschaftlichen
Landschaft anpassen. Ich möchte in diesem Zusammenhang insbesondere auf die Rolle der NATO, den
KSZE-Prozeß und die EG eingehen. Obwohl wir all
diese Strukturen einzeln behandeln können, möchte
ich darauf verweisen, daß sie in einem zunehmend
interdependenten Europa enger verknüpft sein werden als je zuvor.
Es heißt, ewige Wachsamkeit sei der Preis der Freiheit, und ich habe keinen Zweifel daran, daß Streitkräfte bei der Bewahrung des Friedens weiterhin eine
entscheidende Rolle in der Zukunft Europas spielen
werden. Das trifft auf nationale Armeen ebenso zu wie
auf militärische Bündnisse. Gleichzeitig bin ich davon
überzeugt, daß Europa und Nordamerika ein größeres
Maß an Sicherheit mit niedrigeren Streitkräfteniveaus
anstreben.
Als Voraussetzung für einen solchen Zustand jedoch
müssen alle Länder - große und kleine - äußerste
Vorsicht walten lassen, um zu gewährleisten, daß eine
Streitkräftereduzierung niemanden in eine nachteilige
militärische Lage bringt. Aus diesem Grund erscheinen mir die laufenden Rüstungskontrollverhandlungen, insbesondere die Wiener Verhandlungen über
konventionelle Streitkräfte, als ein wichtiger Faktor bei
der Gestaltung der künftigen Sicherheitsordnung in
Europa.
Meines Erachtens liegt es im Interesse Europas, daß
die Vereinigten Staaten ihre Präsenz hier aufrechterhalten. Die amerikanische Präsenz in Europa - sowohl
in Form des atomaren Schutzschilds als auch unserer
auf europäischem Territorium stationierten Truppen war, wie Sie mir wohl zustimmen werden, einer von
mehreren Faktoren, die zur Bewahrung des Friedens
seit 1945 beigetragen haben. Mir scheint, daß die
Sowjetunion, wenn sie die Stabilität und ein berechenbares Sicherheitssystem in Europa aufrechterhalten
will, das Interesse an einer anhaltenden US-Präsenz in
Europa teilt. Es ist ein ermutigendes Zeichen für unser
verbessertes Verhältnis zur Sowjetunion, daß Moskau
diese Realität heute öffentlich und in vertraulichen
Gesprächen anerkennt.
Damit komme ich zum Eckpfeiler der transatlantischen
Beziehungen - der NATO. Zu Beginn des Jahres habe
ich eine Rede über die amerikanische Deutschland-

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�politik gehalten, in der ich äußerte, daß die weitere
Mitgliedschaft eines vereinigten Deutschlands in der
NATO ein Grundprinzip unseres Verhältnisses sei.
Dies löste Kontroversen aus, da vielfach behauptet
wurde, die Sowjetunion könne ein vereinigtes Deutschland in der NATO niemals akzeptieren. Nun, wir haben
gesehen, daß das nicht der Wahrheit entsprach. Darüber
hinaus sollte niemand auch nur eine Minute lang davon
ausgehen, die sowjetische Zustimmung zur Mitgliedschaft Deutschlands in der NATO sei gegen die wohlverstandenen Interessen der UdSSR erteilt worden.
Wenn es um ihre Interessen geht, sind die Sowjets
ausgesprochen zäh.
Es wurde ferner viel von Veränderungen der NATO
gesprochen - einige fordern, die NATO solle angesichts der abnehmenden Bedrohung durch den Osten
eine weniger militärische und mehr politische Rolle
spielen. Hier mag eine andere Auffassung vorherrschen, aber aus der Sicht der Vereinigten Staaten hat
die NATO stets eine grundsätzlich politische Rolle
gespielt. Da die NATO niemals einen Krieg führte, hat
sie sich in der Tat ausschließlich mit Sicherheitspolitik
befaßt.
Wird sich die NATO verändern? Ich bin sicher, daß sie
dies tun wird. Falls Sie es noch nicht getan haben, so
empfehle ich Ihnen, sowohl die von den Außenministern zum Abschluß des Nordatlantikrat-Treffens in
Schottland am 7. und 8. Juni 1990 verabschiedete
"Botschaft von Turnberry" als auch die Londoner
Erklärung zum Abschluß des NATO-Gipfels vom 6.
Juli 1990 zu lesen. Die NATO sucht eine neue militärische Strategie, um sich den Realitäten von heute
anzupassen. Die führenden Vertreter der NATO haben
eine Liste von Vorschlägen zur Stärkung der KSZE
vorgelegt, und als Symbol der sich abzeichnenden
Veränderungen wird Präsident Gorbatschow wahrscheinlich bis Ende des Jahres das NATO-Hauptquartier in Evere besuchen.
Ich habe häufig gehört - und es entspricht den Tatsachen - wenn es die NATO nicht gegeben hätte, hätten
die Staaten des Westens etwas schaffen müssen, um
ihre Kernfunktion zu erfüllen. Die Grundpositionen des
Westens sind durch den Konsultationsmechanismus
der NATO formuliert und entwickelt worden.
Der erfolgreiche Abschluß des INF-Abkommens, die
anhaltenden Fortschritte beim KSZE-Prozeß sowie
die Formulierung gemeinsamer Positionen in den
gegenwärtig stattfindenden Wiener Verhandlungen
wären ohne die NATO undenkbar. Und all dies zusätzlich zu den kollektiven Sicherheitsmaßnahmen, die
unter dem Dach der NATO entwickelt wurden. Offen
gesagt, es fällt mir schwer, mir ein stabiles und friedliches Europa ohne die NATO vorzustellen. Ferner ist
es meine persönliche Überzeugung, daß der amerikanische Kongreß einer fortgesetzten US-Militärpräsenz
in Europa nur im Rahmen der NATO zustimmen würde. Sie ist kein müder alter Wachhund, der darauf

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wartet, eingeschläfert zu werden, sondern einer, der
ein paar neue Tricks lernen kann und lernen wird.
Seit nahezu vierzig Jahren wird von einigen Pessimisten der Verfall der NATO beschworen. Betrachtet
man ihre Anpassungsfähigkeit und ihren erprobten
Wert als Institution, so bin ich sicher, daß die NATO
nicht nur überleben, sondern gedeihen wird. Jedes
Mitglied des Bündnisses und auch die europäischen
Staaten, die nicht Mitglied der NATO sind, sind sich
eindringlich der Tatsache bewußt, daß Europa ohne
eine kraftvolle und effektive Bündnisstruktur zur gefährlichen Tradition bilateraler Sicherheitsabmachungen zurückkehren könnte. Es ist zweifelhaft, ob solche
Sicherheitsstrukturen im künftigen Interesse Europas
liegen.
Die KSZE hat bis heute aus einer Serie von Konferenzen und Zusammenkünften bestanden - mit einem
Wort: aus einem Prozeß. In den vergangenen Monaten sind mehrere Vorschläge zur Institutionalisierung
der KSZE unterbreitet worden, um ihr neue Substanz
und eine strukturelle Grundlage als Sicherheitsorgan
der Zukunft zu geben. Die Hauptanziehungskraft der
KSZE besteht darin, daß sie alle Nationen aus Ostund Westeuropa zusammenführt. Sie hat eine stolze
Bilanz vorzuweisen. Die Vereinigten Staaten unterstützen die Weiterentwicklung des KSZE-Prozesses
und bemühen sich, jeden der drei Körbe der KSZE mit
neuer Substanz zu füllen.
Es besteht zunehmend Konsens darüber, daß die
KSZE künftig eine wichtigere Rolle spielen soll, um Ost
und West institutionell einander näher zu bringen.
Einer möglichen sicherheitspolitischen Rolle der KSZE
wird viel Aufmerksamkeit gewidmet. Die politisch
Verantwortlichen der NATO-Staaten forderten in ihrer
Londoner Gipfelerklärung einen KSZE-Gipfel im November, auf dem Wege zum Ausbau und zur Institutionalisierung der KSZE erörtert werden sollen. Darüber
hinaus schlugen sie die Schaffung eines KSZE-Zentrums zur Konfliktverhütung vor.
Als ehemaliger US-Botschafter bei den Vereinten
Nationen bin ich mir der Nachteile einer großen multilateralen Organisation besonders bewußt, bei der viele
Nationen praktisch ein Vetorecht besitzen. Beschlüsse und Resolutionen einer solchen multilateralen
Organisation, sei es die UNO oder die KSZE, spiegeln
den kleinsten gemeinsamen Nenner wider. Je größer
die Organisation, desto kleiner der Nenner, und die 35
in der KSZE vertretenen Staaten repräsentieren ein
breites Spektrum von Interessen und Anliegen, die nur
schwer unter einen Hut zu bringen sind. Heute läßt
sich lediglich sagen, daß die KSZE ein großes Potential besitzt. Die Vereinigten Staaten messen der KSZE
beim Aufbau eines neuen Europas eine bedeutende
Rolle bei. Wir sind jedoch nicht der Ansicht, daß die
KSZE die Möglichkeit in sich birgt, die NATO ersetzen
zu können. Es wird Aufgabe der 35 Mitgliedstaaten
sein, eine institutionelle Struktur zu entwickeln, die

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�Probleme nicht nur ansprechen, sondern auch lösen
kann. Gegenwärtig ist es schwierig vorherzusagen,
welche Form die KSZE in der Zukunft annehmen wird.
Da sie jedoch in den vergangenen 15 Jahren eine solch
bedeutsame Rolle bei der Überwindung der Teilung
Europas gespielt hat, besitzt sie das Potential, gemeinsame Werte zu vertiefen und ein größeres Maß
an konstruktiver Interdependenz zwischen den europäischen Staaten zu schaffen.
Schließlich möchte ich noch kurz auf die Europäische
Gemeinschaft und den Europäischen Binnenmarkt
eingehen. Die Vereinigten Staaten gehen davon aus,
daß die Europäische Gemeinschaft eine zentrale Rolle
bei der Gestaltung des künftigen Europas - und in
erheblichem Maß auch der Welt insgesamt - spielen
wird. Betrachtet man unser Handelsvolumen mit der
EG von 364 Milliarden Dollar pro Jahr, so liegt es auf
der Hand, daß die Entwicklung dieser Organisation für
uns von lebenswichtigem Interesse ist.
Die Herausforderungen sind enorm. Heute, da die
politische Teilung zwischen Ost und West in den
Hintergrund tritt, bleibt eine riesige wirtschaftliche Kluft
bestehen, die geschlossen werden muß, wenn Frieden und Stabilität in Europa von Dauer sein sollen.
Ebenso wie das Nachkriegseuropa Hilfe zum Wiederaufbau seiner Volkswirtschaften benötigte, erfordern
die noch schwachen Demokratien Osteuropas Beistand beim Aufbau der wirtschaftlichen Grundlagen
künftiger politischer Stabilität. In Zusammenarbeit mit
den Vereinigten Staaten und anderen Industrieländern
ist die EG in einer idealen Position, um diese Aufgabe

zu erfüllen.
Obwohl ein vereintes Deutschland mit der dringenden
Aufgabe konfrontiert sein wird, die Wirtschaft in der
einstigen DDR zu sanieren, werden die anderen europäischen Staaten von Deutschland die Übernahme
einer Führungsrolle bei diesem wirtschaftlichen Wiederaufbau Europas erwarten. Berücksichtigt man den
au ßergewöhnlichen Flei ß und das Organisationstalent
des deutschen Volkes, so hege ich persönlich keinerlei
Zweifel, daß der östliche Teil Deutschlands in nicht
allzu ferner Zukunft an der florierenden Wirtschaft der
Bundesrepublik teilhaben wird. Darüber hinaus müssen wir Sorge tragen, daß die politische Mauer, die 45
Jahre lang Ost und West voneinander trennte, nicht
durch eine wirtschaftliche Mauer ersetzt wird. Diese
wirtschaftliche Führungsrolle sollte und wird die Bundesrepublik Deutschland meines Erachtens nicht
ausschlagen.
Die für 1992 geplante Einführung des EG-Binnenmarkts erhält angesichts der Entwicklungen in Osteuropa im vergangenen Jahr zusätzliche Bedeutung. Wir
sind der Meinung, daß er als Triebfeder für die Förderung und Durchführung marktwirtschaftlicher Prinzipien in den heruntergewirtschafteten Teilen Europas
dienen kann. Außenminister Baker hat in seiner
Berliner Rede vom 12. Dezember 1989 dazu ausgeführt:
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"Zwischen dem Prozeß der europäischen Integration und erweiterter Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Gemeinschaft und ihren
Nachbarländern in Ost und West sehen wir
keinen Interessenkonflikt. Unseres Erachtens
hängt die Attraktivität der Europäischen Gemeinschaft für die Länder des Ostens vor allem
von ihrer kontinuierlichen Lebensfähigkeit ab.
Und die Lebensfähigkeit der Europäischen
Gemeinschaft hängt wiederum von ihrem anhaltenden Engagement für das Ziel eines geeinten Europas ab, wie es seine Gründerväter
vorgesehen hatten - frei, demokratisch und seinen
nordamerikanischen Partnern eng verbunden."
Ich möchte hinzufügen, daß Sicherheit und Stabilität in
Europa nicht allein davon abhängen, was die Europäer
für ihre eigenen Gesellschaften tun. Im vergangenen
Jahr hat sich die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit in
der Bundesrepublik verständlicherweise auf die erstaunlichen Entwicklungen in Europa konzentriert, ich
möchte jedoch darauf verweisen, daß die Führungsrolle des Westens zur Lösung größerer internationaler
Probleme und zur Gewährleistung der Stabilität in
unseren Ländern erforderlich ist.
Präsident Bush hat häufig erklärt, daß die Vereinigten
Staaten diese Last nicht allein tragen könnten und die
aktive Beteiligung ihrer demokratischen Verbündeten
an der Lösung weltweiter Probleme anstreben, die uns
alle angehen.
Im vergangenen Monat wurden wir im Anschluß an die

irakische Invasion Kuwaits am 2. August Zeuge der
Eskalation von Spannungen im Nahen Osten. Die
internationale Staatengemeinschaft hat diesen ruchlosen Akt der Aggression zu Recht mit einer Reihe von
Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats aufs schärfste
verurteilt. Angeführt von meinem Land wurden massive internationale Bestrebungen in die Wege geleitet,
um den Irak zum Abzug seiner Truppen aus Kuwait zu
zwingen und weitere Aggression der irakischen Streitkräfte zu verhindern.
Abgesehen von der Gefährdung der kontinuierlichen
Ölversorgung - die für alle unsere Volkswirtschaften
von grundlegender Bedeutung ist -, haben die aggressiven Aktionen des Iraks im Nahen Osten direkte
Konsequenzen für unserer Sicherheitsinteressen. Wir
haben auf diese irakische Bedrohung reagiert, werden
dies auch in Zukunft tun und erwarten Solidarität unter
unseren Verbündeter» bezüglich der Ziele unserer Politik.
Wirtschaftssanktionen können nur funktionieren, wenn
die gesamte Staatengemeinschaft sie befolgt. Der
Boykott des Iraks wird praktisch weltweit anerkannt
und hat bereits Folgen gezeitigt. Die Vereinigten
Staaten haben darüber hinaus die Führungsrolle bei
der Entsendung von über Hunderttausend Soldaten
nach Saudi-Arabien zum Schutz vor weiterer Aggression übernommen. An diesen kollektiven Sicherheits-

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�bestrebungen sind jedoch nicht nur amerikanische
Truppen und Gerät beteiligt. Kleine und große Nationen einschließlich zahlreicher arabischer Länder haben ihren Beitrag zur Bekämpfung der irakischen
Bedrohung geleistet, indem Soldaten und Waffen
entsandt wurden. Saddam Hussein erhält eine unmi ßverständliche Lektion über den Preis von Aggression
gegen einen friedlichen Nachbarn.
Unter Bezugnahme auf das, was ich zu Beginn meiner
Ausführungen über europäische Institutionen gesagt
habe, möchte ich feststellen, daß die NATO-Mitgliedstaaten zur Erörterung der Entwicklungen im Nahen
Osten und Koordinierung ihrer Aktivitäten im Verteidigungsbereich täglich Sitzungen anberaumt haben. Es
gibt keinen besseren Beweis für die anhaltende Bedeutung der NATO für die Europäische Gemeinschaft.
Kein anderes Forum ist so erfahren und war so erfolgreich bei der Suche nach Konsens zu entscheidenden
Aspekten unserer gegenseitigen Sicherheit.
Am 21. August veröffentlichte die Europäische Gemeinschaft eine der am schärfsten formulierten Erklärungen, die ich je gesehen habe. Darin wurde der Irak
verurteilt, weil er westliche Staatsbürger gegen ihren
Willen im Irak und in Kuwait festhielt und festgestellt,
daß die Europäische Gemeinschaft die Irakis persönlich für jegliche Beeinträchtigung des Wohlergehens
der Geiseln verantwortlich machen würde. Am gleichen Tag legte die Westeuropäische Union eine Erklärung über zusätzliche Schritte zur Unterstützung des
Militäreinsatzes vor. Diese Art von Entschlossenheit,
Solidarität und getreuer Einhaltung von Prinzipien wird
sicherstellen, daß wir uns auch in Zukunft an Frieden
und Wohlstand erfreuen können.
Meines Erachtens sollte jedoch nochmals betont werden, daß unsere Sicherheitsinteressen heute nicht
länger national definiert sind. Der Überfall auf Kuwait
belegt eindeutig, daß die weltweiten Ereignisse direkten Einfluß auf unsere Gesellschaften haben. Wir
dürfen uns weder den Luxus erlauben noch haben wir
die Option, die Hände in den Scho ß zu legen und nichts
zu tun.
In diesem Zusammenhang möchte ich eine Reihe von
Problemkreisen ansprechen, die im Inland Anlaß zur
Sorge geben, jedoch internationales Vorgehen für eine
Lösung erforderlich machen:
Umweltverschmutzung ist nicht länger ein lokales
Phänomen. Die Vergrößerung«des Ozonlochs über
der Antarktis und der kontinuierliche Raubbau an den
tropischen Regenwäldem haben unmittelbare Konsequenzen auf die Umwelt der übrigen Welt.
Drogen sind eine Geißel der Menschheit. Sie trifft
besonders die jüngere Generation und stellt eine
Bedrohung unserer Stabilität im Inland dar. Internationale Zusammenarbeit im Justizwesen und bei der
Strafverfolgung muß sich auf diejenigen konzentrie-

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ren, die mit dieser todbringenden Geißel Handel treiben. Drogen findet man dort, wo das Geld für ihren
Kauf vorhanden ist - und Europa ist zweifelsohne nicht
immun.
Die Bedrohung des Terrorismus existiert immer noch,
und nur durch die kluge Kombination von politischem
Aktivismus und wirksamer Zusammenarbeit im Bereich der Sicherheit können wir Terroranschlägen gegen
unsere Bürger im In- und Ausland auch in Zukunft
Einhalt gebieten.
Die wirtschaftliche Kluft zwischen den wohlhabenden
Nationen des Nordens und den armen Entwicklungsländern des Südens wird breiter. Wir müssen mit
großen Völkerwanderungen vom Süden in den Norden
auf der Suche nach einem besseren Leben rechnen.
Flüchtlingsströme werden meiner Prognose nach eines der Hauptprobleme des nächsten Jahrhunderts
sein.
Und schließlich leben wir in einer Welt, in der Waffen
mit enormer Vernichtungsfähigkeit allzu leicht in die
falschen Hände geraten können. Die potentielle Zerstörung, die ein aggressiver Diktator wie Saddam
Hussein mit solchen Waffen nicht nur an seinem
eigenen Volk, sondern in der ganzen Welt anrichten
kann, gibt allen Ländern Anlaß zu großer Sorge. Die
Vereinigten Staaten haben die Führungsrolle dabei
übernommen, der Weiterverbreitung von chemischen
und atomaren Waffen ein Ende zu setzen.
Dies sind in der Tat Herausforderungen, denen wir uns
in den kommenden Jahren stellen müssen. Heute
werden wir in vielfältiger Weise Zeuge der Schaffung
einer neuen Friedensordnung in Europa. Um Präsident Bush zu zitieren, besteht unsere Aufgabe darin,
"diese friedliche Revolution zu konsolidieren und die
Strukturen für dauerhaften friedlichen Wandel bereitzustellen".
Die Instrumente und Strukturen für westliche Zusammenarbeit müssen diesen neuen Realitäten angepaßt
werden. Es ist an uns, eine neue Architektur für ein
neues Zeitalter zu entwerfen und in die Praxis umzusetzen. Diese neue Architektur muß Raum für vertraute, bewährte Strukturen wie die NATO bieten und der
Tatsache Rechnung tragen, daß sie auch neue Aufgaben erfüllen können.
Vielleicht bin ich nur ein unverbesserlicher Optimist,
aber meines Erachtens haben wir keinen Grund zur
Sorge über Veränderungen. Wir begrüßen sie, und
zweifelsohne haben die Millionen von Menschen in
Osteuropa und der Sowjetunion lange genug darauf
gewartet. Entwicklung und Aufbau einer neuen Architektur für Europa sind keine einfache Aufgabe. Sie
muß jedoch vollbracht werden, weil wir keine akzeptable Alternative haben. Weder Europa noch die Vereinigten Staaten können sich einen Fehlschlag leisten.
Ich bin davon überzeugt, daß die Kombination von uns

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�derzeit zur Verfügung stehenden Strukturen und Institutionen zusammen mit weiteren, noch zu entwickelnden Strukturen uns zu einer vielversprechenderen
Zukunft für die gesamte Menschheit führen wird. Die

Geschichte und nachfolgende Generationen werden
uns nicht verzeihen, wenn wir diese au ßerordentliche
Gelegenheit ungenutzt verstreichen lassen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 36

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19. September 1990

GOLFKRISE

BUSH: EINMALIGES AUSMASS DER
ZUSAMMENARBEIT GEGEN DEN IRAK
Pressekonferenz mit regionalen Medienvertretern
VEREINIGTE STAATEN BEFRIEDIGT ÜBER
WELTWEITEN DRUCK AUF IRAK
Pressekonferenz von US-Außenminister Baker
DEMOKRATEN UNTERSTÜTZEN BUSHS
POLITIK GEGENÜBER DEM IRAK
Erklärung von Richard Gephardt

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
19. September 1990

BUSH: EINMALIGES AUSMASS DER
ZUSAMMENARBEIT GEGEN DEN IRAK
Pressekonferenz mit regionalen Medienvertretern
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush zufolge steht der irakische Diktator Saddam Hussein gegen ein
"Ausmaß an weltweiter Zusammenarbeit... das einfach einmalig ist".
Vor regionalen Medienvertretern erklärte Bush am 17. September 1990, daß Angehörige von Streitkräften "aus
vier Kontinenten Verteidigungsstellungen bezogen haben", um weitere irakische Aggressionen abzuschrecken.
Darüber hinaus habe der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen den Irak erneut für sein kriegerisches Verhalten
gerügt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz des Präsidenten in gekürzter Fassung.

Bush: Ich möchte zunächst eine Erklärung abgeben
und werde dann gerne Ihre Fragen beantworten.
Ich habe gerade von Verteidigungsminister Cheney
und Roger Porter erfahren, daß Sie sowohl die internationale Lage als auch Haushaltsfragen erörtert haben.
Wenn Sie gestatten, möchte ich dazu noch ein oder
zwei Anmerkungen machen und danach auf Ihre Fragen eingehen. Wie ich dem amerikanischen Volk und
dem Kongreß bereits am Dienstag (11. September) in
meiner Ansprache vor beiden Häusern erklärt habe, ist
das Ausmaß der weltweiten Zusammenarbeit gegen
die irakische Aggression einfach einmalig. Über 20
Nationen haben sich uns angeschlossen. Bis heute
haben auf Bitten König Fahds von Saudi-Arabien
Streitkräfte aus vier Kontinenten Verteidigungsstellungen bezogen.
In den vergangenen Tagen haben wir gehört, daß
Großbritannien eine ganze Panzerbrigade - die berühmten Wüstenratten - entsenden wird. Frankreich
hat angekündigt, daß es auch eine bedeutende Landstreitmacht entsenden wird. Japan und die Bundesrepublik Deutschland haben erklärt, sie würden Milliardenbeträge für die multilateralen Bemühungen und
damit zusammenhängende Maßnahmen aufbringen,
um wirtschaftliche Einbußen der am stärksten betroffenen Staaten zu mildern - für die Staaten, die die
UNO-Sanktionen befolgen. Am vergangenen Wo-

AMERIKA DIENST 37

chenende hat der UNO-Sicherheitsrat Saddam Hussein für das empörende Eindringen in diplomatische
Vertretungen in Kuwait erneut scharf verurteilt.
Damit die Vereinigten Staaten ihre Pflichten im Ausland erfüllen können, müssen die Vereinigten Staaten
stark und vital bleiben. Wie ich bereits in der vergangenen Woche sagte, sind unsere weltweite Führungsrolle und unsere Stärken im Innern miteinander verknüpft und verstärken einander. Deshalb habe ich ein
großes Interesse an den gegenwärtig stattfindenden
Haushaltsverhandlungen und fordere die Unterhändler von Kongreß und Administration auf, ihre Anstrengungen zur Erlangung eines Haushaltsabkommens zu
verdoppeln.
Ich stelle mir einen wachstumsorientierten Haushalt
vor - auch diesen Punkt habe ich in meiner Rede im
Kongreß vergangene Woche betont. Einen Haushalt,
der Anreize wie die Senkung der Kapitalertragsteuer
enthält, die meiner festen Überzeugung nach zur
Schaffung neuer Arbeitsplätze beiträgt. Darüber hinaus muß der Kongreß echte Ausgabenkürzungen
verfügen. Nicht diese Art von oberflächlichen Kürzungen, mit denen die Ausgaben nie in dem Maß gesenkt
werden, wie es auf dem Papier steht. Der Kongreß
muß sicherstellen, daß eine Reform des Haushaltsverfahrens stattfindet. Sein Fünfjahresplan muß sich als
absolut durchsetzbar erweisen.

Seite 1

�Schließlich muß der Kongreß einen mehrjährigen
Verteidigungshaushalt beschließen, der den Bedürfnissen dieses Landes gerecht wird. Nicht nur in bezug
auf die Verbesserung der Ost-West-Beziehungen,
sondern auch angesichts unserer umfassenderen
Pflichten in anderen Teilen der Welt - Pflichten, die uns
die Golfkrise erneut vor Augen geführt hat.

hende Beziehungen, und meines Erachtens stellen
sich die französische Regierung und der französische
Präsident die Frage: Warum um alles in der Welt
benimmt er sich so? Es besteht also eine Ungewißheit, auf die er vielleicht angespielt hat. Ich hatte
jedoch nicht das Gefühl, daß keine Chance mehr für
eine friedliche Lösung besteht.

Ich habe bereits früher eine klare Entscheidung über
ein umfassendes 500-Milliarden-Dollar-Paket zur
Reduzierung des Haushaltsdefizits mit oder ohne ein
Haushaltsabkommen bis zum 28. September gefordert. Unser Land ist nur noch 13 Tage von den
drastischen Konsequenzen der Zwangskürzungen
entfernt, die erforderlich werden, wenn der Kongreß
bis dahin keinen Haushalt vorlegen kann.

Frage: Haben die Äußerungen von General Dugan
Sie in eine schwierige Verhandlungsposition gegenüber dem Irak gebracht, und wieviel Schaden hat er
angerichtet?

Wir in der Administration sind bereit, unseren Teil
beizutragen. Ich bin zuversichtlich, daß der Kongreß
seinen Teil beitragen wird. Ich habe mit Freude
festgestellt, daß wir in den jüngsten Haushaltsgesprächen Fortschritte erzielt haben, aber es ist jetzt wirklich
an der Zeit, zu einer Übereinkunft zu kommen. Ich
denke, daß wir dies dem amerikanischen Volk schulden. An beiden Fronten geschieht also eine ganze
Menge. Das sind die Ausführungen, die ich machen
wollte. Ich werde jetzt gerne ein paar Fragen beantworten.
Frage: Um auf das Thema Irak zurückzukommen nach dem Eindringen in die Residenz des französischen Botschafters am Freitag (14. September) wurde
der französische Präsident Mitterrand mit den Worten
zitiert: "Der Irak gibt keine Anzeichen, die auf die
Vermeidung eines militärischen Konflikts hinauslaufen." Der französische Präsident will damit anscheinend sagen, daß unsere Chancen, eine bewaffnete
Auseinandersetzung durch Gespräche zu vermeiden,
immer geringer werden. Könnten Sie dazu bitte Stellung nehmen?
Antwort: Ich habe gestern (16. September) von Camp
David aus mit ihm gesprochen. Es war ein gutes
Gespräch. Wie ich bereits andeutete, befinden wir uns
bei den meisten Aspekten dieses Problems in Übereinstimmung. Wir waren sehr dankbar, daß Frankreich
Maßnahmen ergriffen hat. Ich hatte bereits ein paar
Tage zuvor mit ihm telefoniert, um ihm unser Mitgefühl
zu dem Übergriff auf die Botschaft mitzuteilen. Ich
muß sagen, daß er mir bei den zwei Kontakten in den
vergangenen beiden Wochen nicht das Gefühl vermittelte, er habe die Hoffnung auf eine friedliche Lösung
aufgegeben.
Wenn man aber dann Aktionen sieht, wie die gegen die
französische Botschaft, dann fragt man sich, welche
Motive dahinterstehen. Historisch gesehen, unterhielt
Frankreich ziemlich enge Beziehungen zum Irak. Man
hat dort jedoch keine Terrorhandlungen oder einige
der Geschehnisse im iranisch-irakischen Krieg gutgeheißen. Aber Frankreich hat dort seit langem beste-

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Antwort: Nein, das ist nicht der Fall. Ich habe dazu
nichts zu sagen, außer, daß ich unseren Verteidigungsminister uneingeschränkt unterstütze. Er wird
bei einer in wenigen Minuten stattfindenden Pressekonferenz mehr über die Einzelheiten sagen können.
Meines Erachtens können wir dies zum gegenwärtigen
Zeitpunkt jedoch noch nicht abschließend beurteilen.
Frage: Dazu noch eine Zusatzfrage. Sind unsere
Truppen heute aufgrund dieser Äußerungen stärker in
Gefahr?
Antwort: Ich würde nicht sagen, daß wir heute
weniger gut in der Lage sind, unsere Truppen in SaudiArabien zu schützen. Wir werden das tun, und ich bin
darüber nicht besorgt.
Frage: Sind Sie der Ansicht, daß das amerikanische
Volk die Politik in der Golf krise ebenso stark unterstützen würde wie zu Beginn, wenn Tausende dabei
umkämen, was ja im Falle von Kämpfen wahrscheinlich wäre?
Antwort: Das weiß ich nicht. Ich tendiere jedoch zu
der Überzeugung, daß wir einen sehr guten Anfang
gemacht haben. Ich meine, daß Ihre Hypothese
darauf anspielte. Ich möchte jedoch keine Vorhersage
darüber wagen, wie das amerikanische Volk darauf
reagieren würde.
Ich bin alt genug, um mich an einen ganz klaren Fall zu
erinnern, unter anderen Umständen und zu einer anderen
Zeit - den Zweiten Weltkrieg. Viele der hier Anwesenden sind zu jung, um sich an die Auswirkungen zu
erinnern, die dieser Krieg auf die amerikanische öffentliche Meinung hatte. Es gab jedoch viel Leid und
Trauer. Jeder identifizierte sich mit den Familien, die
Angehörige verloren hatten. Aber das Land blieb
ziemlich geschlossen.
Zum jetzigen Zeitpunkt gehe ich davon aus, daß das
amerikanische Volk angesichts dieser Aggression eine
außergewöhnliche Geschlossenheit zeigt. Es wäre
jedoch zu hypothetisch, wenn ich Aussagen machen
würde, die darüber hinaus gehen.
Frage: Es wird auch der Gedanke ins Spiel gebracht,
daß die amerikanische Öffentlichkeit lang andauernde
Pattsituationen traditionell nicht unterstützt. Wird die

AMERIKA DIENST 37

�Unterstützung allmählich geringer werden, wenn sich
dies zu einem langen Sitzkrieg entwickelt?
Antwort: Ich weiß es nicht. Ich lese eine Menge
Prognosen von Leuten, die das behaupten, aber ich
hoffe, daß das nicht geschieht. Aber auch dies ist ein
wenig hypothetisch, denn man muß auch immer berücksichtigen, was sonst noch geschieht. Aber was
heißt zu lange? Ich denke über diese Fragen nach,
aber ich kann es nicht definieren. Ich möchte, daß
diese Soldaten so bald wie möglich da herauskommen. Ich möchte, daß sie alle da heraus kommen. Und
doch kann ich nicht sagen, wann das der Fall sein wird.
Was wir versuchen, sind diese umfassenden weltweiten Bemühungen auf der diplomatischen Seite. Und
ich möchte, daß das funktioniert. Man hat ja verschiedene interessante Gesprächspartner - Regierungschefs, die einem auf verschiedene Art und Weise
erklären, wie effektiv die Sanktionen ihrer Meinung
nach sein werden. Einige sind absolut davon überzeugt, daß diese Sanktionen nicht nur funktionieren,
sondern kurzfristig sehr effektiv sein werden. Andere
meinen, es werde länger dauern. Ich glaube jedoch, es
wäre nicht gut, mich in eine solche Debatte einzulassen, weil ich selber nicht genau sagen kann, wie lange
diese Art von Unterstützung anhalten wird.
Frage: Das Wall Street Journal hat kürzlich berichtet, daß sich noch am Tage vor der irakischen Invasion
in Kuwait Mitglieder Ihrer Administration hinter den
Kulissen gegen einen Gesetzentwurf des Kongreßabgeordneten Howard Berman gewendet hätten, der die
Iraker auf die Finger geschlagen hätte - darin wurden
Sanktionen wegen ihres zunehmend aggressiven
Verhaltens vorgeschlagen. Dieser Gesetzentwurf und
weitere Beispiele der Unterstützung des Irak durch die
Administration - bedauern Sie diese Dinge angesichts
der Invasion?
Antwort: Sicherlich, im Lichte dieser Invasion. Es
bestanden jedoch Gründe zu der Annahme, daß dieses Verhalten durch verbesserte Beziehungen mit
dem Westen modifiziert würde. Angesichts der Invasion bedaure ich es natürlich. Wenn jeder im nachhinein urteilen könnte, dann würde jeder über viele Dinge
anders urteilen. Aber ich bin nicht sicher, daß das die
Absicht Saddam Husseins zur Annexion Kuwaits
geändert hätte.

Frage: Aber wenn Saddam Hussein nicht zurechnungsfähig ist, kann er dann überhaupt logisch oder
rational auf das Embargo reagieren?
Antwort: Das ist eine gute Frage. Und ich weiß nicht,
wie man darauf antworten sollte, weil er eindeutig
irrational handelte, wenn er geglaubt hat, sich damit
den Zorn der Vereinigten Staaten und 20 anderer
Länder - tatsächlich der ganzen Welt in den Vereinten
Nationen - zuzuziehen.
Aber ich bin davon überzeugt, daß die Sanktionen in
gewissem Sinne greifen. Ich kann Ihnen nicht definitiv
sagen, wie effektiv sie in diesem Augenblick sind. Wir
wollen sie in jedem Fall strenger anwenden, gemeinsam mit anderen Ländern, um diesem Ansatz die
bestmögliche Erfolgschance zu sichern, und dann
werden wir weitersehen. Es könnte ihm außer Kontrolle geraten, weil niemand seiner Wirtschaft den absoluten Stillstand bescheren will. Und Sie sollten daran
denken, daß 90 Prozent seiner Deviseneinkünfte aus
dem Ölgeschäft stammen, und das hat sich noch
verschärft. Tatsächlich denke ich, daß es keine Ausnahmen dazu gibt.
Frage: Sind Sie der Ansicht, daß vielleicht ein Luftembargo Saddam Hussein dazu bringen kann, rationaler
auf die Sanktionen zu reagieren?
Antwort: Ich kann Ihnen nicht mit Sicherheit sagen,
wieviel auf dem Luftweg geliefert wird. Wir wollen auf
jeden Fall die UNO-Sanktionen verschärfen, so daß
überhaupt nichts geliefert wird. Das ist relativ schwierig, wenn Sie an die Überflüge denken und daran, daß
einige Länder eher bereit sind als andere, die Sanktionen zu umgehen. Aber ich weiß, daß Francois Mitterand dazu Stellung genommen hat, und das verstehe
ich. Ich bin bereit, mit jedem zusammenzuarbeiten,
um diese zusätzliche Hürde bei den Sanktionen aufzustellen.
Frage: Dazu noch eine Frage: Denken Sie, daß Ihre
Botschaft an das irakische Volk dort Auswirkungen auf
die öffentliche Meinung hat? Berichten zufolge hatten
die Trickfilme mehr Zuschauer.

Frage: Unterlag die amerikanische Politik einer Fehleinschätzung?

Antwort: Es war eine gute Übung für die Demonstranten, die aufgefordert worden waren zu demonstrieren,
bevor sie gehört hatten, was ich sagen wollte. Es hielt
sie in Bewegung, und sie schrien gegen die Vereinigten Staaten. Wenn ihnen das geholfen hat, ihre
Frustrationen loszuwerden, umso besser.

Antwort: Ich glaube nicht, daß dies auf einer Fehleinschätzung durch die amerikanische Politik beruhte.
Ich glaube, es wurde durch eine Fehleinschätzung von
Saddam Hussein verursacht. Und ich denke, daß die
Bevölkerung der Vereinigten Staaten das voll und
ganz versteht.

Was damit objektiv bewirkt wurde, ist eine Botschaft an
die anderen arabischen Länder, daß nicht Saddam
Hussein und der Rest der arabischen Welt gegen die
Vereinigten Staaten kämpft, sondern daß es um etwas
anderes geht. Wenn das auch nur zwei irakische
Bürger hören, war es die Mühe wert. Wer weiß? Die

AMERIKA DIENST 37

Seite 3

�Wahrheit ist gut, und es ist gut, ihr im Irak Gehör zu
verschaffen. Sie bekommen so wenig davon. Meiner
Ansicht nach war es der Mühe wert. Und es wurde mir
berichtet, daß die Reaktion in anderen Bereichen ganz
gut war. Es ist noch zu früh, um Beurteilungen
abzugeben. Aber ich denke, sie waren vielleicht ein
bißchen in Sorge darüber, weil die Demonstranten mit
ihren fertigen Schildern - zumindest nach meinen
Informationen - bereits zu ihrem Sammelpunkt marschierten, bevor sie überhaupt wu ßten, was ich sagen
wollte. Woher wollten sie wissen, was ich sagen
wollte?
Frage: Sind Sie im Hinblick auf die Frage der nationalen Einheit als Reaktion auf die Golfkrise besorgt, daß
die politischen Auseinandersetzungen über den Haushaltsgipfel sich verselbständigen?
Antwort: Nein. Das ist eine gute Frage. Ich sehe
dafür überhaupt keine Anzeichen. Und das ist meiner
Ansicht nach sehr gut.. Es eint Liberale, Konservative,
Demokraten und Republikaner. Die Unterstützung ist
vorhanden, und ich sehe keine Anzeichen dafür, daß
Äußerungen über den Gipfel, beim Gipfel oder im
Rahmen der Gipfeltreffen die Unterstützung zum Beispiel im Kongreß oder im amerikanischen Volk beeinträchtigt haben. Und ich denke, das darf auch nicht
geschehen.
Frage: Wie denken Sie über Irans scheinbar enge
Beziehungen zum Irak und deren Auswirkungen auf
die Lage im Golf?
Antwort: Der Iran hat fast alles, was er wollte, vom
Irak bekommen. Das hat jedoch nicht Saddam Husseins Position im Irak gefestigt. Hunderttausende
Menschen mußten auf beiden Seiten ihr Leben lassen.
Und der Sieg geht jetzt an den Iran.
Wir erhielten indirekt die Zusage vom Iran, daß sie die
Einhaltung und Durchführung dieser Sanktionen wünschen. Bis ich sehe, daß der Iran diese Sanktionen
verletzt, werde ich nicht glauben können, daß sie
geheime Verbindungen zur Umgehung der Sanktionen eingegangen sind.
Frage: Auch nicht aufgrund der Erklärung iranischer
Geistlicher, der Fundamentalisten, daß jetzt die Zeit
gekommen ist, um einen Heiligen Krieg gegen die
Vereinigten Staaten zu führen?
Antwort: Niemand hat behauptet, daß zwischen
einzelnen Gruppen im Iran und den Vereinigten Staaten Harmonie und Freundlichkeit aufkommen werden.
Aber lesen Sie seine Worte aufmerksam. Experten
haben mich darauf aufmerksam gemacht, daß er nicht
zum Djihad aufgerufen hat. Aber man muß es sehr
sorgfältig analysieren. Es wird Gruppierungen innerhalb des Iran geben, die sich weiterhin allen Verbesserungen in den Beziehungen zwischen Iran und den
Vereinigten Staaten widersetzen werden, und wir
verstehen das.
Seite 4

Aber das wichtigste ist meiner Ansicht nach im Augenblick, daß der Iran das tut, wozu er sich öffentlich
bekannt hat, und das ist die Einhaltung der internationalen Sanktionen. Das haben sie in der Öffentlichkeit
bekanntgegeben.
Frage: Sie haben mit Befriedigung darauf verwiesen,
daß unsere Freunde und Verbündeten auf der ganzen
Welt uns im Golf helfen, und auch jene Länder, die ihre
Verfassung daran hindert - wie Deutschland und Japan - Soldaten zu entsenden, haben Geld bewilligt.
Zur gleichen Zeit sind die Kostenvoranschläge für
unsere Präsenz ebenso schnell gestiegen wie die Zahl
unserer Soldaten, und Verteidigungsminister Cheney
hat darauf verwiesen, daß die Stationierungen noch
nicht beendet sind. Sollten wir als Steuerzahler nicht
besorgt darüber sein, daß für die Krise am Persischen
Golf gewissermaßen ein Blankoscheck ausgestellt
wurde?
Antwort: Wissen Sie, was ich darüber denke? Ich
denke, das amerikanische Volk will, daß ich genau das
tue, was wir gegenwärtig tun sollten, um unsere vier
Ziele dort zu erfüllen. Und wenn das hei ßt, wir müssen
andere um Hilfe bitten, um bestimmte Aspekte auf eine
Weise abzudecken, die Lasten verteilt, werden wir das
tun. Aber meiner Ansicht nach hat das amerikanische
Volk Vertrauen in die von uns getroffenen Entscheidungen, und ich denke nicht, daß es alle Bemühungen
zunichte machen will, auch wenn die Haushaltslage
gegenwärtig kompliziert ist.
Frage: Die Bürgermeister von Großstädten haben
über eine Friedensdividende gesprochen. Es könnte
sich dabei um ein Phantom handeln.
Antwort: Ich war immer der Ansicht, es handele sich
hierbei um ein Phantom, weil ich nicht die Meinung
vertrete, daß man eine Dividende haben kann, wenn
man mit Verlust arbeitet. Und wir haben ein ungeheures Defizit. Ich hoffe also, sie haben die Annahme
aufgegeben, es stehe viel Geld zum Ausgeben zur
Verfügung. Aber ich denke, ein Bürgermeister einer
Gro ßstadt würde sich hier ungeachtet der Schwere der
Probleme in seiner Stadt neben mich stellen und
erklären, daß wir die militärischen Bestrebungen nicht
verringern wollen. Wenn wir schon Menschen dorthin
entsenden, sollten wir das tun, was notwendig ist, um
ihnen volle Unterstützung zu leisten. Genau so würden sie reagieren.
Frage: Zu Beginn der Krise wurden Forderungen laut,
sie sollten die Ölreserve für strategische Zwecke
anzapfen, um den Ölpreis niedrig zu halten. Wie soll
Ihrer Ansicht nach diese Ölreserve angemessen genutzt werden, und sind Sie zufrieden mit ihrem jetzigen
Stand?
Antwort: Wenn es echte Engpässe bei einem Produkt gibt oder ein bestimmtes Ereignis auf einen
Engpaß schließen läßt, sollte die ölreserve für strate-

AMERIKA DIENST 37

�gische Zwecke genutzt werden. Meiner Meinung nach
besteht zum gegenwärtigen Zeitpunkt kein solcher
Engpaß.
Es heißt, daß eine demonstrative, wenn auch nicht
umfassende Nutzung dieser Reserve einen Markt
beruhigen könnte, der starken Schwankungen unterworfen ist. Wir würden dazu sagen, die Spekulanten,
die mit dem Ölpreis bis in den Oktober hinein spekulieren, sollten das auf eigenes Risiko tun. Und man
könnte das Argument vorbringen, was ich auch in
meiner Regierung und im Kongreß höre, daß das
Anzapfen einer kleinen Menge Spekulationen in Zukunft vorbeugen könnte. Dieses Argument entbehrt
nicht einer gewissen Logik. Aber der Grund, warum wir
nicht auf die Ölreserve für strategische Zwecke zurückgegriffen haben, ist, daß wir keinen Engpaß sehen. Wenn es ihn geben würde, dann zu einer Zeit, in
der wir über ausreichende Vorräte verfügen.
Sie sehen also, daß die Fluktuation nicht von den
Kräften des Marktes oder Angebot und Nachfrage
diktiert wird, sondern von Spekulationen, was in Zukunft sein könnte, und ich denke, das würde sich auch
nicht durch Rückgriffe auf die Ölreserve für strategische Zwecke regeln lassen. Es gibt andere Umstände,
unter denen man eindeutig darauf zurückgreifen müßte.
Ich denke, wenn wir Saudi-Arabien unverteidigt gelassen hätten und wenn Saddam Hussein Panzer von
Kuwait City an die südliche Grenze entsandt und damit
etwa Dharan eingeschlossen hätte, wäre damit eine
Situation geschaffen, wo die Vorräte auf dem Markt
noch einige Tage ausreichen würden, aber es wäre ein
echter Notfall. In einem solchen Fall würde jeder
Präsident auf die Ölreserve für strategische Zwecke
zurückgreifen.

AMERIKA DIENST 37

Frage: Wer trifft die Entscheidung, wie Truppen aus
anderen Ländern in Saudi-Arabien stationiert werden?
Wo die Syrer stationiert werden? Die Ägypter? Franzosen? Briten? Wird es ein einziges Kommando
geben?
Antwort: Angesichts der Größenordnung der USStreitkräfte gibt es aktive Konsultationen mit unserem
dortigen Oberbefehlshaber General Schwarzkopf. Wir
haben diesem Offizier nicht das Recht entzogen,
Kontrolle über US-Streitkräfte auszuüben, und das
haben die Franzosen - die noch nicht in vollem Umfang
dort stationiert sind -, die Briten oder andere auch nicht
getan. Aber es findet eine enge Koordinierung mit dem
Gastgeberland statt.
Aber ich möchte die Bedeutung von General Schwarzkopf bei der Streitkräftestationierung auch nicht herunterspielen. Sicherlich kann er die Wüstenratten nicht
an einen bestimmten Punkt befehligen. Aber in enger
Zusammenarbeit mit seinem Amtskollegen bei den
britischen Streitkräften sind all diese Punkte durch
eingehende Konsultationen geklärt worden, im Einklang mit einem Gesamtplan, den wir mit den Befehlshabern der Streitkräfte in der Region erarbeitet haben.
Es handelt sich hierbei also um koordinierte Bestrebungen. Und ich möchte nicht zögern, den Eltern oder
Familien der Kinder dort zu sagen, wenn etwas geschehen sollte, das Kampfhandlungen erfordert, wird
die Kommandostruktur reibungslos und einwandfrei
funktionieren. Wir werden auch nicht abwarten müssen, bis jemand anders die Entscheidungen trifft, ob
eine Provokation vorliegt.

Seite 5

�GOLFKRISE
19. September 1990

VEREINIGTE STAATEN BEFRIEDIGT ÜBER
WELTWEITEN DRUCK AUF IRAK
Pressekonferenz von US-Außenminister Baker
BONN - (AD) - Bei einer Pressekonferenz auf dem Flughafen Köln/Bonn erklärte US-Außenminister Baker am
15. September 1990, seinen Reisen in den Nahen Osten und Europa sei ein hohes Maß an Erfolg beschieden
gewesen. Sie haben Baker zufolge das Ziel verfolgt, mehr multinationale Unterstützung dafür zu gewinnen, den
Irak zum Abzug aus Kuwait und zur Wiedereinsetzung der rechtmäßigen Regierung zu zwingen. "Die einfache
Aussage, wir sind mit den Ergebnissen der Reise zufrieden, wäre ... eine Untertreibung", erklärte Baker.
Baker erörterte die finanziellen und militärischen Zusagen, die er auf seinen Reisen erhielt und verwies darauf,
Saddam Hussein sei nunmehr signalisiert worden, daß "seine Isolierung und der auf ihn ausgeübte Druck"
zunehmen werden.
Der US-Außenminister hatte zum Zeitpunkt seiner Pressekonferenz gerade Gespräche mit Bundeskanzler
Helmut Kohl und Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher abgeschlossen. Er berichtete von der Zusage
Deutschlands, 3,3 Milliarden DM an wirtschaftlicher und finanzieller Hilfe zur Verfügung zu stellen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz im Wortlaut.

Meine Damen und Herren, wie Präsident Bush eindeutig erklärt hat, wollen wir diesen Konflikt vorzugsweise
mit diplomatischen Mitteln lösen. Dazu benötigen wir
weiterhin die internationale Solidarität. Der einmalige
internationale Konsens muß beibehalten, und Sanktionen müssen in vollem Umfang durchgeführt werden.
Darüber hinaus muß die Verantwortung gerecht aufgeteilt werden.
Unsere Reise hatte zum Ziel, den internationalen
Konsens zu stärken und Maßnahmen zu seiner Erhaltung zu ergreifen. Darüber hinaus wollten wir Saddam
Hussein signalisieren, da ß seine Isolierung und der auf
ihn ausgeübte Druck eher zu- als abnehmen wird.
Die einfache Aussage, wir sind mit den Ergebnissen
der Reise zufrieden, wäre meines Erachtens eine
Untertreibung. Wir haben finanzielle Zusagen erhalten, mit denen die Belastung derjenigen Länder verringert wird, die bei der Durchführung der Sanktionen
einen sehr hohen Preis zahlen. Ihre Handlungsweise
läßt sich deshalb eher aufrechterhalten.
Wir haben von den Ländern der Region ebenso wie
von unseren europäischen Verbündeten einmalige
militärische Zusagen erhalten - Soldaten, Schiffe,
AMERIKA DIENST 37

Flugzeuge und andere Unterstützung. Und mit dieser
Unterstützung sind auch politische Verpflichtungen
eingegangen worden - Verpflichtungen, kein Ende der
Krise zu akzeptieren, das nicht Iraks bedingungslosen
Abzug und die Wiedereinsetzung der rechtmäßigen
Regierung Kuwaits vorsieht sowie Verpflichtungen,
weitere Schritte in Erwägung zu ziehen.
Die internationale Staatengemeinschaft hat dem Begriff
"geteilte Pflichten" echte Bedeutung verliehen. Wir
vermitteln gemeinsam den Eindruck, daß in diesem
neuen Zeitalter eine Teilung der Pflichten über Bündnisse hinaus stattfindet, alte Freunde und andere
Staaten einbezieht.
Um Ihnen einen Eindruck davon zu vermitteln, wie die
internationale Staatengemeinschaft diesen einmaligen Konsens verwirklicht und weiterhin Druck auf
Saddam Hussein ausübt, möchte ich Ihnen kurz die
mir gegebenen Zusagen darlegen.
Wir waren natürlich zuerst in den Golf Staaten - wo die
Führungen Saudi-Arabiens, Kuwaits und der Vereinigten Arabischen Emirate für das laufende Jahr ingesamt 12 Milliarden Dollar an Beiträgen zugesagt haben.
Seite 1

�Damit wird sowohl ein Zuschuß zu den Verteidigungsausgaben der Vereinigten Staaten als auch Wirtschaftshilfe für die wichtigen Anrainerstaaten - insbesondere
Ägypten und die Türkei - geleistet, ferner andere
wichtige Länder, die Truppen bereitstellen oder von
den durch die irakische Agression entstandenen wirtschaftlichen Erschütterungen stark betroffen sind.
Wir haben soeben unsere Gespräche mit den Spitzen
der Bundesregierung beendet, und wie ich Ihnen bereits vor dem Haus des Bundeskanzlers andeutete,
hat die Bundesregierung für das laufende Jahr 1990
Wirtschaftshilfe und Zuschüsse zu den Militärausgaben im Umfang von 3,3 Milliarden DM bewilligt, eine
Maßnahme und eine Verpflichtung, die wir als sehr
positiv und sehr großzügig betrachten und mit der wir
sehr zufrieden sind.
Die Europäische Gemeinschaft wird erwartungsgemäß bald ihr Engagement durch ihre Beiträge und die
ihrer Mitgliedstaaten bekunden.
Wie Sie wissen, hat uns die italienische Regierung in
Rom erklärt, den Anrainerstaaten zunächst 145 Millionen Dollar an bilateraler Wirtschaftshilfe gewähren zu
wollen.
Damit betragen die von uns erhaltenen Zusagen einschließlich der Unterstützung zu den US-Verteidigungsausgaben und Wirtschaftshilfe an die Anrainerstaaten
insgesamt über 16 Milliarden Dollar. Wenn Sie dazu
noch den Beitrag Japans von 4 Milliarden Dollar zählen, ergibt sich ein Gesamtbetrag von mehr als 20
Milliarden Dollar.
Ich möchte in diesem Zusammenhang kurz auf die
militärischen Angebote eingehen. Wie Sie wissen,
wird Großbritannien zusätzlich zu den dort bereits
befindlichen Flugzeugen und Schiffen der Royal Navy
Bodentruppen in Form einer Panzerbrigade und eines
dritten Tornadogeschwaders nach Saudi-Arabien
entsenden. Frankreich hat heute erklärt, eine leichte
Panzerbrigade und darüber hinaus Kampfflugzeuge
zu entsenden. Das geschieht zusätzlich zu Kampfhubschraubern und Kommandos, die bereits in der
Region sind und zusätzlich zu der bereits erheblichen
Präsenz der französischen Marine im Golf.
Kanada hat gestern angekündigt, zusätzlich zu den
beiden bereits entsandten Zerstörern ein Geschwader
von CF-18-Flugzeugen zu entsenden, Italien schickt
ein Geschwader von 8 Tornados und eine weitere
Fregatte zusätzlich zu den anderen bereits entsandten
Schiffen. Wie Sie von meinem Besuch in Ägypten
wissen, wird das Land zwei Divisionen in Saudi-Arabien stationieren. Unser Aufenthalt in Damaskus hat
deutlich gemacht, daß Syrien mindestens eine Streitmacht in Divisionsstärke entsenden wird.
Die Ihnen hier dargelegte Zusammenfassung zeigt
eindeutig, daß die ganze Welt auf eine nie dagewesene Art und Weise auf die irakische Aggression reagiert.
Seite 2

Diese Sache ist einmalig und vermittelt meiner Ansicht
nach eine klare Botschaft. Sie lautet, daß die Welt
diese Aggression nicht tolerieren wird.
Frage: Herr Außenminister (unverständlich) des
massiven Einsatzes von Ländern auf der ganzen Welt
macht der Irak weiter. Er hat Botschaften besetzt. Ist
dieses Problem ohne Krieg zu lösen?
Antwort: Nun, ich habe ganz am Anfang meiner
Erklärung bekundet, daß wir es eindeutig vorziehen,
dieses Problem ohne Krieg zu lösen. Wir stellen uns
eine diplomatische, politische und friedliche Lösung
vor. Ich habe aber auch zu Beginn meiner Ausführungen erklärt, daß dies von einer strengen Durchführung
der Sanktionen und der Aufrechterhaltung dieses einmaligen Konsenses abhängt. Mir scheint jedoch aus
den dargelegten Fakten eindeutig hervorzugehen, daß
wir uns in diese Richtung bewegen.
Frage: (Unverständlich). Wenn Sie eine militärische
Entscheidung treffen müßten, wie wird sich diese
logistisch darstellen, wenn so viele Streitkräfte beteiligt
sind?
Antwort: Viele Streitkräfte sind bereits dort. Inzwischen sind 26 Nationen in der Region - mit Schiffen,
Flugzeugen oder Bodentruppen - präsent, und die
Führungs- und Kommunikationsmodalitäten müssen
auf dem Boden organisiert werden. Im Hinblick auf die
frühzeitig dort eingetroffenen Streitkräfte sind diese
Führungs- und Kommunikationsmodalitäten verwirklicht worden. Was diejenigen betrifft, die noch dort
eintreffen werden, so wird sich dies finden.
Frage: Haben Sie mit Assad die Integration seiner
Streitkräfte erörtert?
Antwort: Ich habe weder mit Präsident Mubarak noch
mit Präsident Aassad die Einzelheiten der Führungsund Kommunikationsmodalitäten erörtert. Das fällt in
den Zuständigkeitsbereich der Militärs untereinander,
wenn sie dort mit den Bodentruppen zusammentreffen.
Frage: Herr Außenminister, Präsident Mubarak hat
vergangenen Samstag andeuten wollen, obwohl Ägypten, Saudi-Arabien und einige andere Länder den
diplomatischen Weg einschlagen wollen, könne dies
nicht immer so weitergehen. Haben Sie einen bestimmten Zeitrahmen, innerhalb dessen Saddam
Hussein zeigen muß, daß er die Sanktionen spürt und
eine Lösung auf dem Verhandlungswege anstrebt?
Wie sieht dieser Zeitrahmen in etwa aus?
Antwort: Wir haben von Anfang an erklärt, daß es
keinen solchen Zeitrahmen gibt, aber ich muß Ihnen
sagen, daß ich persönlich der Ansicht bin, die Dinge
nehmen den richtigen Kurs. Wenn Sie die Unterstützung aus allen Teilen der Welt betrachten, in Form
politischen Engagements, militärischer und wirtschaftlicher Zusagen, scheinen die Dinge den Verlauf zu

AMERIKA DIENST 37

�nehmen, wie ihn diejenigen, die diese Aggression
umkehren wollen, anstreben.
Frage: Herr Außenminister, wir haben zunehmend
Grund zu der Annahme, daß der Iran nunmehr eine
Reihe von Schritten entgegen dem internationalen
Konsens - zumindest symbolisch - unternimmt, die
dem Irak dienen. Es gibt Gerüchte, das Land hätte auf
dem Weltmarkt mehr Nahrungsmittel und Getreide
erwerben wollen, als es benötigt. Können Sie uns
etwas dazu sagen, oder sind Sie der Ansicht, daß sie
eventuell mit dem Konsens brechen wollen, und wie
stehen Sie dazu ...?
Antwort: Ich habe bereits klar zum Ausdruck gebracht, daß wir das Embargo genau beobachten. Wir
glauben, daß es grundsätzlich greift. Wir waren uns
aber immer im klaren, daß es Schlupflöcher gibt. Das
traf von Anfang an zu, aber es greift unserer Ansicht
nach. Wir haben erklärt, daß die Erklärungen der
iranischen Regierung weiterhin die Invasion verdammen, den Abzug den Iraks fordern und darauf hinweisen, daß die iranische Regierung die UNO-Resolutionen einzuhalten gedenkt.
Frage: Sie haben viel Zeit und Mühe darauf verwandt,
um Unterstützung zu bitten und Druck auf Saddam
Hussein auszuüben. Könnten Sie uns sagen, ob bei
Ihren Zusammentreffen auch die Möglichkeit diplomatischer Lösungen zur Sprache kam?
Antwort: Wir haben darüber gesprochen, daß eine
friedliche und politische Lösung vorzuziehen ist. Wir
müssen jedoch von Anfang an klar definieren, was wir
damit meinen. Wir meinen damit nicht, daß Umfang
und Tragweite der einstimmig verabschiedeten Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats preisgegeben, verwässert oder in irgendeiner Form verringert werden.
Eine conditio sine qua non ist also der Rückzug des
Irak und die Wiedereinsetzung der legitimen Regierung von Kuwait. Alle Regierungen, mit denen wir
gesprochen haben, sind ausnahmslos und uneingeschränkt unserer Meinung.
Frage: Sind Sie der Ansicht, daß es noch zu früh und
weiterer Druck erforderlich ist, bevor er vielleicht Fühler
ausstrecken kann oder die Möglichkeit eines Rückzugs, eines Auswegs anbietet?
Antwort: Ich glaube, niemand kann mit Sicherheit
voraussagen, welche Maßnahmen er ergreift. Es ist
wohlbekannt, daß er ziemlich unberechenbar ist, und
die Ereignisse in Kuwait sind dafür ein schlagender
Beweis.
Frage: Sie werden in etwa einer Woche an der
Generalversammlung der Vereinten Nationen teilnehmen. Wegen des Zeitpunkts wird dies für Sie eine
ungewöhnliche Möglichkeit sein, Leute zu treffen, mit
denen Sie sich auf einer solchen Reise vielleicht nicht
treffen können. Denken Sie zur Zeit an Schritte, die
nach Ansicht der Vereinigten Staaten von den VereinAMERIKA DIENST 37

ten Nationen entweder im Rahmen der Generalversammlung oder im Sicherheitsrat unternommen werden sollten...?
Antwort: Nein, wir werden mit unseren Partnern im
UNO-Sicherheitsrat in enger Verbindung bleiben.
Darüber hinaus werden wir weiterhin in engem Kontakt
mit einer ganzen Reihe anderer UNO-Mitgliedstaaten
stehen. Gegenwärtig denken wir nicht an bestimmte
Schritte, obwohl ich in den vergangenen Tagen einige
Dinge genannt habe, die zu einem künftigen Zeitpunkt
vielleicht erwogen werden sollten.
Frage: Herr Minister, wenn man die enormen Anstrengungen betrachtet, die Sie und andere investiert
haben, um an diesen Punkt zu gelangen, wie lange läßt
sich dies vernünftigerweise aufrechterhalten? Wie Sie
im Verlauf dieser Reise angedeutet haben, gehen
einige der Leute, mit denen Sie gesprochen haben,
davon aus, daß sich dies nicht langfristig aufrechterhalten läßt und daß langfristig - oder selbst kurzfristig
- eine Militäraktion erforderlich ist. Wie lange können
Sie solch enorm konzentrierte Anstrengungen aufrechterhalten, wie Sie sie bisher zustande gebracht
haben?
Antwort: Angesichts einiger der eingegangenen
Verpflichtungen - politischer, militärischer und wirtschaftlicher Art -, über die ich Ihnen gerade berichtet
habe, können wir sie weitaus länger aufrechterhalten,
als viele zu Anfang dachten. Ich bin offengestanden
der Meinung, daß sich die Dinge zugunsten derjenigen
entwickeln, die eine Umkehrung der Aggression erwirken möchten. Und ich gehe davon aus, daß sich die
Dinge zugunsten derjenigen entwickeln, die eine friedliche und politische Lösung wünschen. Aber wir haben
andere Optionen nicht ausgeschlossen und werden
dies auch nicht tun.
Frage: Entnehmen Sie den während Ihrer Reise von
den NATO-Staaten getroffenen Maßnahmen sowie
Ihren Gesprächen mit NATO-Vertretern, daß es in der
NATO einen Einstellungswandel gegenüber einem
Engagement bei Ereignissen in der dritten Welt gibt?
Das ist ja bis jetzt von den Franzosen blockiert worden,
aber die Franzosen selbst sind plötzlich ungemein
aktiv.
Antwort: Würde ich jetzt mit ja antworten, so würden
morgen die Schlagzeilen lauten "NATO-Verantwortung außerhalb des Bündnisgebiets". Ich werde also
dazu nicht Stellung nehmen.
Frage: Das haben Sie gerade getan.
Antwort: Nein, das habe ich nicht getan. Ich gehe
nämlich davon aus, daß viele NATO-Mitglieder der
Ansicht sind, daß die NATO außerordentlich gut und
effektiv funktioniert hat, indem sie sich an ihr Mandat
hielt und daß eine Erweiterung dieses Mandats ziemlich umfangreiche Debatten und Konsultationen voraussetzen würde. Ich werde Ihnen nicht sagen, daß
Seite 3

�dies niemals geschehen kann, aber darauf wurde ja
bereits angespielt. Ich kann Ihnen jedoch nicht mitteilen, daß ich dies zum jetzigen Zeitpunkt als Bestrebung innerhalb des Bündnisses empfinde.

andere Maßnahme, an die ich mich gegenwärtig nicht
erinnere. Ich habe jedoch dazu Stellung genommen
und möchte Sie auf das Protokoll verweisen. Ich
stimme dem also nicht zu.

Frage: Ein Schiff mit Nahrungsmitteln ist gegenwärtig
auf dem Weg in den Irak, mit Nahrungsmitteln, die
unter Aufsicht der Vereinten Nationen verteilt werden
sollen. Der Irak sagt, er werde die Verteilung von
Nahrungsmitteln durch eine internationale Behörde
nicht erlauben. Wenn es wirklich zu einer Krise kommt,
bei der Menschen verhungern, sollten Nahrungsmittel
dann nicht auf jeden Fall verteilt werden?

Frage: Behaupten Sie denn, daß die Berichte unzutreffend sind, daß April Glaspie Saddam Hussein nicht
den Eindruck vermittelt hat, wir betrachteten dies als
innerarabische Angelegenheit und daß sie nicht die
Sprachregelung verwendet hat, wie berichtet wurde?
Wollen Sie sagen, daß sie nicht auf Ihre Anweisung hin
gehandelt hat, oder wollen Sie sagen, daß sie Ihren
Anweisungen folgte und daran nichts Schlechtes war?

Antwort: Nun, es gibt eine Ausnahme aus humanitären Gründen. Meines Wissens ist diese Schiffsladung
mit Nahrungsmitteln aufgrund von Maßnahmen des
Sanktionsausschusses der Vereinten Nationen unterwegs. Die Aktion des Sanktionsausschusses ist jedoch auf Lieferung und Verteilung unter internationaler
Aufsicht beschränkt, und meines Erachtens sollte das
Mandat des Sanktionsausschusses geachtet und befolgt
werden. Ich möchte nicht auf hypothetische Fragen
antworten - was geschieht, wenn der Irak daran festhält, keine internationale Aufsicht zu gestatten, ob wir
dann trotzdem Nahrungsmittel liefern werden. All dies
ist Spekulation, wir sind noch nicht soweit.

Antwort: Ich möchte nur sagen, daß die Andeutung,
die Vereinigten Staaten hätten direkt oder indirekt zu
der irakischen Aggression gegen Kuwait beigetragen,
absurd ist. Zum Inhalt diplomatischer Korrespondenz
gebe ich keinen Kommentar ab.

Frage: Unsere Botschafterin in Bagdad, April Glas
pie, ist zu Hause in Washington wegen eines Fernschreibens und ihres Gesprächs mit Saddam Hussein
eine Woche vor der Invasion ins Kreuzfeuer der Kritik
geraten. Sie soll dort unabsichtlich den Eindruck
erweckt haben, daß sich die Vereinigten Staaten einer
irakischen Invasion in Kuwait nicht in den Weg stellen
würden. Ich bin sicher, Sie haben die Berichte gesehen und frage Sie nun, wie Sie darauf reagieren?
Antwort: Meine Reaktion ist identisch mit der des
Weißen Hauses. Meiner Ansicht nach ist die Frage
absurd. Botschafter Glaspie ist eine engagierte Beamtin, die hervorragende Arbeit für ihr Land geleistet hat,
und ich meine, es ist einfach lächerlich, in irgendeiner
Weise zu behaupten, die Vereinigten Staaten hätten
zu der irakischen Invasion in Kuwait beigetragen.
Frage: Man könnte die Frage etwas anders formulieren. Würden Sie nicht zustimmen, daß es vor der
Invasion am 2. August Punkte gab, daß das Wirtschaftsministerium und verschiedene Teile der Regierung - vielleicht sogar Teile des Außenministeriums nicht eine solch harte Haltung gegenüber Saddam
Hussein einnahmen, wie dies später der Fall war?
Antwort: Ich glaube nicht, und ich habe dies vor dem
Kongreß erklärt, und Sie waren ja dort möglicherweise
anwesend. Ich habe drei bestimmte Maßnahmen
angeführt, die wir noch vor den ersten Anzeichen eines
militärischen Aufmarschs getroffen hatten. Wir hatten
Exportkontrollen für den Irak eingeführt. Wir hatten
Schritte eingeleitet, um den Transport oder Export
dieses Ofens zu untersagen, und da war noch eine
Seite 4

Frage: Haben Sie im Rahmen Ihrer Gespräche der
vergangenen 11 Tage irgendwelche Länder- die Europäer, die Bundesrepublik Deutschland, die EG oder
sonst jemanden - gebeten, Hilfsmittel für Syrien ebenso wie für die Türkei Und Ägypten abzuzweigen?
Antwort: Nein, das habe ich nicht getan, weil ich
zunächst prüfen und herausfinden möchte, ob wir
angesichts der Tatsache, daß dieses Land auf der
Terrorismusliste steht, eine solche Maßnahme im
Rahmen geltenden Rechts treffen können. Und zweitens, ob dies als eine politische Angelegenheit ein
Schritt ist, den wir tun sollten. Ich habe mit den Sowjets
über Transportmöglichkeiten für die syrische Division
gesprochen.
Frage: Herr Außenminister, in Ihrer Rede bei der
NATO schlugen Sie vor, daß die NATO-Staaten den
Ländern Osteuropas helfen sollten, die ähnlich wie
Ägypten und die Türkei wirtschaftlich betroffen sind.
Haben Sie diesen Punkt während Ihrer Reise energisch verfochten und ist ein Teil dieser von Ihnen
erwähnten 20 Milliarden Dollar für Polen, Ungarn oder
andere Staaten vorgesehen?
Antwort: Keiner der von mir erwähnten Beiträge ist
bisher für diese Länder vorgesehen, aber ich denke,
ein Teil dieser Gesamtsumme ist noch nicht verplant.
Wir haben über die Schwierigkeiten gesprochen, die
sich für einige der Staaten Mittel- und Osteuropas aus
der Einhaltung der Sanktionen ergeben.
Frage: Während Ihrer gesamten Reise haben Sie zumindest bis heute - kein einziges Mal Jordanien als
einen der Anrainerstaaten genannt, die von dieser
Hilfe profitieren sollen. Ganz gewiß nicht in Zusammenhang mit den arabischen Staaten, die Sie besucht
haben. Betrachten die Vereinigten Staaten Jordanien
in diesem Sinne als Anrainerstaat, der Hilfe verdient,
was ist unsere Haltung? Warum wurde das Land von
der Liste entfernt?

AMERIKA DIENST 37

�Antwort: Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß sich Jordanien in einer besonder schwierigen Lage befindet. Wir gehen davon aus, daß Jordanien aufgrund seiner geographischen Lage Nachteile
entstehen. Wir betrachten Jordanien als hilfswürdig,
wenn das Land weiterhin die Sanktionen befolgt und
die volle Durchsetzung der Resolutionen des UNOSicherheitsrats verlangt. Für Jordanien wurden Hilfsmittel der Europäischen Gemeinschaft, insbesondere
aus der Bundesrepublik Deutschland, sowie Mittel aus
Japan vorgesehen.

Antwort: Ich weiß es nicht. Wir müssen abwarten.
Wir haben früher bereits erklärt, daß die Haltung der
Sowjetunion in dieser Angelegenheit von uns und allen
anderen beteiligten Länder begrüßt wurde. Die Sowjets haben öffentlich erklärt, daß sie nur unter dem
Kommando der Vereinten Nationen Truppen in die
Region entsenden würden. Und das haben sie uns
auch in vertraulichen Gesprächen erklärt. Ich meine
also, daß wir abwarten müssen. Die Sowjets haben
jedoch politisch mit uns zusammengearbeitet, und
offengestanden können wir nicht mehr verlangen.

Frage: Wie beurteilen Sie die Chancen für eine
Beteiligung der Sowjetunion an den militärischen
Bemühungen zu Lande - entweder durch Streitkräfte
oder vielleicht Transportmittel?

Frage: Haben Sie um Hilfe beim Luft- und Seetransport gebeten, und haben sie darauf geantwortet?

*

AMERIKA DIENST 37

Antwort: Nur, daß sie darüber nachdenken würden.

* * *

*

Seite 5

�GOLFKRISE
19. September 1990

DEMOKRATEN UNTERSTÜTZEN BUSHS POLITIK
GEGENÜBER DEM IRAK
Erklärung von Richard Gephardt
WASHINGTON - (AD) - Die demokratische Mehrheit im amerikanischen Kongreß hat am 11. September erklärt,
sie unterstütze die Politik Präsident Bushs gegenüber der Aggression des Iraks. Der Vorsitzende der
demokratischen Fraktion im Repräsentantenhaus stellte in diesem Zusammenhang fest: "Der Präsident hat um
unsere Unterstützung gebeten. Er hat sie." Man könne und werde es "den Invasionstruppen eines fanatischen
Regimes nicht gestatten, die Hälfte der Erdölreserven zu kontrollieren, die für die Weltwirtschaft lebenswichtig
sind".
Die Erklärung von Gephardt hat folgenden Wortlaut.

Ich bin gebeten worden, die Antwort der Demokraten
auf die Ansprache des Präsidenten bekanntzugeben.
Heute abend in dieser Krise sind wir jedoch weder
Republikaner noch Demokraten. Wir sind nur Amerikaner, und darauf sind wir stolz.
Der Präsident hat um unsere Unterstützung gebeten.
Er hat sie. Die Bemühungen werden nicht leicht sein.
Sie schließen Lasten und mutige Taten ein, und dies
vielleicht in größerem Ausmaß, als wir uns das heute
vorstellen können. Das Ende des "langen Kampfes im
Zwielicht", wie Kennedy es nannte, hat der Dunkelheit
von Aggressionen und Konflikten kein Ende gesetzt.
Als Amerikaner treten wir jedoch mit einem bemerkenswerten Maß an Entschlußkraft und Zuversicht in
diese neue Welt ein. In unserem eigenen Land sind
das Gefühl der Geschlossenheit und das Fehlen einer
breiten Opposition gegen diese Aktion am Persischen
Golf Beweise für unsere machtvolle, instinktive Überzeugung, daß diese Sache es wert ist, sich dafür
einzusetzen und zu kämpfen.
Wir setzen uns ein - und werden gegebenenfalls
kämpfen -, weil ein lebenswichtiges nationales Interesse auf dem Spiel steht. Wir können und werden es den
Invasionstruppen eines fanatischen Regimes nicht
gestatten, die Hälfte der Erdölreserven zu kontrollieren, die für die Weltwirtschaft lebenswichtig sind.
Und doch geht es hier um mehr als um nationale
Interessen, so wichtig diese auch sein mögen. Die

AMERIKA DIENST 37

amerikanische Außenpolitik hatte stets eine moralische Komponente, und das muß auch in Zukunft der
Fall sein. Bisweilen wurde dies als Schwäche kritisiert,
aber in Wahrheit ist es unsere größte Stärke. Wenn
unsere Politik einen moralischen Kern hat, erlangen
wir dadurch eine unerschütterliche Entschlossenheit,
die sich auf die Tatsache gründet, daß wir für etwas
einstehen, an das wir glauben.
Wir stehen deshalb heute nicht einfach wegen des Öls
am Golf oder um Emire und Könige zu retten, sondern
um die unerläßlichen Grundwerte einer stabileren und
menschenwürdigeren Welt zu verteidigen. Wir verteidigen Grundrechte - von Familien auf Unverletzlichkeit
der Wohnung, von Nationen auf Sicherheit innerhalb
ihrer Grenzen, von Einzelpersonen auf Freizügigkeit
und Reisen ohne Furcht.
Der Tyrann, der Kuwait verwüstet hat, hat auch seine
eigenen Bürger mit Giftgas ermordet, er hat Pläne zur
Beschaffung von Atomwaffen geschmiedet, Völkermord gegen eine Minderheit begangen und jetzt Tausende von Männern, Frauen und Kindern als Geiseln
genommen.
Ihm auf dem Bildschirm zuzuschauen, wie er die Köpfe
von als Geiseln genommenen Kindern streichelt, erschüttert und empört uns.
Fest, eindeutig und umißverständlich müssen wir
Saddam Hussein sagen: Laß unsere Menschen gehen. Laß Kuwait gehen. Und wenn Sie einen Krieg

Seite 1

�vom Zaun brechen, sollen Sie wissen, daß wir ihn bis
zum Ende führen werden.
Wir haben in der Vergangenheit bereits erfahren, daß
die großen Konflikte, die sich auf die gesamte Welt
ausbreiten, aus kleinen, ungeahndeten Aggressionen
entstehen. Hätte die zivilisierte Welt weggeschaut,
dann hätte die irakische Kriegsmaschinerie die gesamte arabische Halbinsel überrollen können. Es
wäre nur eine Frage der Zeit gewesen, bis der Irak
ballistische Raketen mit chemischen, biologischen und
nuklearen Gefechtsköpfe besessen hätte, die Israel,
Ägypten und selbst Europa erreichen können.
Jetzt aber haben auch andere Staaten rechtzeitig
gehandelt. Zu ihnen gehört die Sowjetunion, ein Land,
das wir in den Jahren des kalten Krieges nicht oft
gelobt haben. Vom Gipfel in Helsinki, auf dem Präsident Gorbatschow und Präsident Bush ihre gemeinsame Entschlossenheit bekundeten, konnten wir über
den heute auf den Nahen Osten fallenden Schatten
des Krieges hinweg eine neue Weltordnung erblicken,
in der die Starken zusammenarbeiten, um Aggressionen abzuschrecken und aufzuhalten.
Genau dies war Franklin Roosevelts und Winston
Churchills Vision vom Frieden für die Nachkriegszeit.
Ihre Hoffnung, die in nahezu fünfzig Jahren des kalten
Krieges in den Hintergrund getreten war, ist in dieser
neuen, nachkommunistischen Ära zu neuem Leben
erwacht.
Die Vereinigten Staaten sind weiterhin die führende
Kraft - die einzige Macht, die in der Lage ist, eine große
und weltweite Allianz von der Größenordnung aufzubieten, wie wir sie bei der Operation Wüstenschild
erleben. Es reicht jedoch nicht aus, wenn andere
Staaten unser Engagement teilen. Sie müssen auch

die Lasten teilen.
Wenn Bangladesh Truppen bereitstellt, um dem Verderben Einhalt zu gebieten, so sollten unsere mächtigen und wohlhabenden Verbündeten dasselbe tun.
Wenn Japan, die Bundesrepublik Deutschland und
andere NATO-Länder wesentlich stärker vom ö l des
Nahen Ostens abhängig sind als wir, dann können und
sollten sie zur Verteidigung ihrer eigenen vitalen Interessen am Persischen Golf beitragen.
Wenn Länder wie Ägypten an unserer Seite stehen
können, wenn junge Amerikaner an der Frontlinie nur
wenige Meilen von der Bedrohung durch Giftgas entfernt stehen, dann ist das Mindeste, was Japaner und
Deutsche tun können, uns zu unterstützen - und nicht
nur mit Worten. Sie müssen auf unsere möglichen
Opfer an Menschenleben zumindest mit eigenen finanziellen Opfern reagieren.
Wir stehen dort, weil es richtig ist. Es ist jedoch ebenso
richtig, unseren Freunden zu sagen, daß auch sie sich
internationaler Verwerflichkeit und Aggression in den

Seite 2

Weg stellen müssen. Die Vereinigten Staaten werden
ihren Teil dazu beitragen - und wir werden auch darauf
bestehen, daß andere Länder ihren Anteil an diesem
Kampf tragen.
Wir haben unsere Aufgabe noch nicht erfüllt, aber wie
machtvoll sind die Anzeichen für den Anbruch einer
neuen Welt. Heute erleben wir, wie ägyptische und
saudische Soldaten ungarische Gasmasken tragen
oder russische Gewehre, wie sie neben dem Gefreiten
aus Pittsburgh in der Wüste stehen, der in Israel
hergestellte ABC-Schutzkleidung trägt. Die Infamie
Saddam Husseins hat uns in der Tat zu Vereinten
Nationen gemacht.
Damit die Vereinigten Staaten aber letztlich ihrer
Führungsrolle in der Welt gerecht werden können,
müssen wir unsere Wirtschaft in Ordnung bringen.
Denn, wie ein anderer Präsident uns einmal in Erinnerung rief: "Wir können nicht im Ausland stark sein,
wenn wir zu Hause schwach sind."
Seit über einem Jahrzehnt gibt es in den Vereinigten
Staaten keine tragfähige Energiepolitik. Es ist an der
Zeit, für Energiesicherheit zu sorgen - mehr Produktion
und mehr Energieeinsparung, mehr Unterstützung für
neue Brennstoffe. Unser Ziel kann jedoch nicht darin
bestehen, die Vereinigten Staaten reif für den Isolationismus zu machen. Stattdessen müssen wir die
Fähigkeit der Vereinigten Staaten sicherstellen, in
Übersee zu handeln, ohne größere Schäden durch ein
ölembargo zu erleiden. Unser Land muß nicht auf
Dauer mit der Wahl konfrontiert sein, einer Aggression
entgegenzutreten oder lange Schlangen an den Tankstellen zu erdulden.
Wirtschaftliche Stärke erfordert darüber hinaus Maßnahmen gegen das Haushaltsdefizit. Um dem Präsidenten bei der Erarbeitung eines Haushalts zu helfen,
haben wir Demokraten Kürzungen bei bestimmten
Inlandsprogrammen angeboten, während wir gleichzeitig versuchen, die wichtigsten zu schützen. Aber wir
werden niemals die Sache der Arbeitnehmerfamilien
aufgeben. Sie haben am wenigsten von den achtziger
Jahren profitiert, und sie sollten nicht diejenigen sein,
die in den neunziger Jahren am meisten opfern müssen. Sie zahlen bereits an den Staat, ihre Schüler- und
Studentendarlehen wurden bereits gekürzt, und ihre
Söhne und Töchter sind am Persischen Golf in Gefahr.
Auch Präsident Bushs Verpflichtung zur Erhöhung von
Steuern muß mit dem Maßstab der Fairneß betrachtet
werden. Die arbeitende Bevölkerung, die von den
Steuererleichterungen der Vergangenheit fast keine
Vorteile hatte, darf nicht aufgerufen werden, den
Löwenanteil an den Steuererhöhungen von heute zu
tragen. Ebenso wie wir die reichen Nationen auffordern, ihren fairen Anteil zur Abschreckung der Aggression beizutragen, müssen wir die reichen Amerikaner
auffordern, ihren fairen Anteil zu tragen, um eine
Rezession abzuwenden und unsere Schulden zu senken.

AMERIKA DIENST 37

�Darüber hinaus müssen wir energisch an die Gestaltung der Verteidigungspolitik herangehen, die wir heute
benötigen - eine Politik, die zeitgemäßer und reaktionsfähiger ist.
Wir können und werden uns die Systeme leisten, die
für eine Operation im Stile von Wöstenschild entscheidend sind: Panzer, präzisionsgesteuerte Raketen und
schneller Seetransport.
Aber Krieg der Sterne, der B-2 Bomber und die MXRakete sind kostspielige Systeme, die für den kalten
Krieg geplant waren, den wir bereits gewonnen haben.
Wir können und müssen den Teil des PentagonHaushalts reduzieren, der lediglich ein Schattenboxen
mit der Vergangenheit darstellt.
Für uns alle gilt heute abend jedoch die größte Sorge
den grundsätzlichsten Realitäten - den Hunderten von
amerikanischen Familien, die einen Angehörigen haben,
der als Geisel festgehalten wird, den 100 000 jungen
Amerikanern in Uniform: Töchtern, Söhnen, Ehemännern, Ehefrauen und Freunden, die so rasch nach
Saudi-Arabien entsandt wurden. Bei einer Reise in
dieses Land konnte ich vor wenigen Tagen selbst
feststellen, wie sie den weglosen Wüstensand zu einer
Frontlinie der internationalen Verteidigung machten.
Ich sprach mit einem Soldaten, der mir beschrieb, wie
Telefonleitungen in der saudischen Sonne zerschmolzen. Piloten erzählten mir, daß die Temperaturen im
Cockpit bis zu 60 Grad Celsius erreichen.
Ein anderer junger Mann wollte eigentlich am nächsten
Sonntag heiraten. Diese Hochzeit muß warten. Bevor
er seiner Braut zuprostet, muß er jeden Tag über 20

*

AMERIKA DIENST 37

*

Liter Wasser trinken, nur um in der unbarmherzigen
Hitze zu überleben.
Keiner von den jungen Soldaten, mit denen ich sprach,
hatte Zweifel an seinem Auftrag. Sie stellen sich auf
Probleme wie das Eindringen von Sand in Maschinen
oder Getriebe mit jener bemerkenswerten amerikanischen Improvisationsgabe ein und reagieren auf
Rückschläge mit ihrem unverwüstlichen amerikanischen Humor. Am meisten machen sie sich darüber
Sorgen, daß ihre Familien sich Sorgen machen.
Randy King aus Arkansas überreichte mir eine hingekritzelte Botschaft für seine Mutter: "Mir geht's gut.
Keine Probleme. Schreib bitte. Ich liebe Dich, Randy."
Und Ronald Lloyd aus Idaho sprach für die meisten
Soldaten, als er mich bat, seiner Familie auszurichten,
sie solle "Briefmarken und Plätzchen schicken - und
von beidem jede Menge".
Ihr Mut gebietet unsere Unterstützung. Wir werden als
eine unteilbare Nation hinter ihnen stehen.
Wir werden andere Länder dazu auffordern, mit ihrer
Entschlossenheit und Opferbereitschaft gleichzuziehen.
Wir werden versuchen, diese Krise auf friedlichem
Wege zu bewältigen, aber ohne Beschwichtigungspolitik.
Und wenn unsere Soldaten kämpfen müssen, dann
werden wir sicherstellen, daß sie gewinnen.

Heute abend gilt unsere gemeinsame Entschlossenheit und unser Gebet ihnen und unserem Land.

*

*

Seite 3

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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Unfted States Information Sende»
Embassy of the United States of Americ»
Libpsry Services
Deichmanns Aue 29

5300 Bonn 2

26. September 1990

38

GOLFKRISE

INTERNATIONALE REAKTIONEN AUF DIE
IRAKISCHE INVASION KUWAITS
Übersicht über wirtschaftliche
und politische Maßnahmen

NATO

TAFT ERÖRTERT EUROPAISCHE
SICHERHEITSSTRUKTUR
Rede von Botschafter Taft bei der NATO

IWF/WELTBANK

VEREINIGTE STAATEN PRÜFEN LINDERUNG
DER SCHULDENLAST FÜR ÄRMERE LÄNDER
Rede von Finanzminister Brady beim
Gemeinsamen Entwicklungsausschuß

OSTEUROPA

INITIATIVEN DES PRÄSIDENTEN FÜR
MITTEL- UND OSTEUROPA
Der neueste Stand

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
26. September 1990

INTERNATIONALE REAKTIONEN AUF DIE
IRAKISCHE INVASION KUWAITS
Übersicht über wirtschaftliche und politische Maßnahmen
Die nachfolgende Übersicht über die von der internationalen Staatengemeinschaft als Reaktion auf die Invasion
des Iraks in Kuwait ergriffenen Maßnahmen stützt sich auf am 21. September 1990 verfügbare Informationen
und ist gegebenenfalls unvollständig.

NATO
Die 16 Bündnispartner nehmen unmittelbar nach der
irakischen Invasion Kuwaits noch immer andauernde
Konsultationen auf. Die Außenminister treffen am 10.
August 1990 im NATO-Hauptquartier zusammen, um
die Reaktion der Bündnispartner auf die Krise zu
erörtern und die Verpflichtung der NATO zur Verteidigung der Türkei im Falle eines Angriffs durch den Irak
zu bekräftigen. Die wichtigsten Ausschüsse der NATO
kommen weiterhin regelmäßig - zum Teil täglich zusammen, um die Maßnahmen zu koordinieren, Informationen und nachrichtendienstliche Erkenntnisse
auszutauschen.
NATO-Mitgliedstaaten
Belgien
Entsendung von zwei Minensuchbooten und einem
Versorgungsschiff ins Mittelmeer, Ölembargo, Einfrieren der irakischen und kuwaitischen Vermögenswerte.
Bereitstellung von 30 Tonnen Zucker und Mehl, 20 000
Tonnen Weizen und zwei C-130 für den Rückflug
ägyptischer Flüchtlinge aus Kuwait.
Bundesrepublik Deutschland
Entsendung von Minensuchbooten und einem Versorgungsschiff zum Schutz der Seewege ins Mittelmeer
und Angebot zusätzlicher Luft- und Seetransportunterstützung. Angebot an die Vereinigten Staaten zur
Nutzung von Stützpunkten für Operationen gegen den
Irak. Ölembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte. Am 16. August 1990 stellt die Bundespost
alle Brief- und Paketsendungen an Irak und Kuwait
ein. Die Bundesregierung und führende WirtschaftsAMERIKA DIENST 38

verbände versprechen, alles in ihrer Macht Stehende
zu tun, um das Embargo gegen den Irak "wasserdicht"
zu machen. An Flüchtlingshilfe stellt die Bundesrepublik 4,5 Tonnen an Nahrungsmitteln, 55 Zelte und zwei
Krankenwagen bereit.
Dänemark
Erlaubt die Nutzung seiner Handelsschiffe im Golf als
Versorgungsschiffe der multinationalen Streitmacht in
Saudi-Arabien. Unterstützt Sanktionen der EG gegen
den Irak; ölembargo. Das dänische Parlament genehmigt die Entsendungen einer Korvette in den Golf.
Geplante Unterstützung der Flüchtlinge in Jordanien in
Höhe von 830 000 Dollar.
Frankreich
Präsident Mitterand verkündet am 15. September 1990
die Entsendung von 4 000 Mann Bodentruppen nach
Saudi-Arabien als Vergeltung für den irakischen Angriff auf die Residenz des französischen Botschafters
in Kuwait. Geplante Aufstockung der französischen
Marine im Golf, Verstärkung zweier Kriegsschiffe im
Golf durch bereits entsendete Marineeinheiten einschließlich einem Flugzeugträger. Order an die 3 000
Mann starke Marine, gegebenenfalls Gewalt zur Durchsetzung des Embargos anzuwenden. Landgestützte
Aufklärungseinheiten des französischen Heeres sind
Teil eines Truppenkontingents, das die Regierung auf
die arabische Halbinsel entsenden will. Geplante
Entsendung einer nachrichtendienstlichen Einheit des
Heeres in die Vereinigten Arabischen Emirate. Frankreich schließt sich der UNO-Resolution über wirtschaftliche Sanktionen gegen den Irak an. Öl- und
Waffenembargo, Einfrieren der irakischen Vermögens-

Seite 1

�werte, Unterbindung des Handels mit Ausnahme von
Arznei- und Nahrungsmitteln für humanitäre Zwecke.
Das französische Außenministerium fordert die uneingeschränkte Durchsetzung des Embargos. Vier französische Gewerkschaften (CFDT, CFTC, CGC und
FEN) verurteilen die Festsetzung von Ausländem durch
den Irak und fordern ihre unverzügliche und bedingungslose Freilassung. Drastische Einschränkung
der Bewegungsfreiheit einer Gruppe irakischer Offiziere und Staatsbürger aus Sicherheitsgründen, die in
Frankreich in der Bedienung von militärischem Gerät
und Radaranlagen ausgebildet wurden.

Island
Erklärung der uneingeschränkten Unterstützung der
UNO-Sanktionen gegen den Irak.
Italien

Ölembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte, Erlaubnis zum Überfliegen für Kriegsflugzeuge der
Vereinigten Staten und verbündeter Länder auf dem
Weg in den Golf. Uneingeschränkte Zusammenarbeit
bei Flugzeugstationierungen (Landung/Auftanken).
Bereitstellung der Hafenanlagen für verbündete Seestreitkräfte. Griechenland stellt der multinationalen
Streitmacht drei Schiffe für den Transport von Kriegsgerät zur Verfügung.

Vollständiges Handelsembargo. Einfrieren irakischer
und kuwaitischer Vermögenswerte. Entsendung von
fünf Schiffen ins östliche Mittelmeer. Geplante Entsendung von drei Schiffen in den Golf. Verbot irakischkuwaitischer Luft- und Seetransportdienste. Erlaubnis der Nutzung von US-Stützpunkten in Italien. Bereitstellung von 40 Tonnen an Hilfsgütern einschließlich Decken, Wasserkanistern, Müdcontainern, Zeltplanen, Werkzeugen und Küchengerät als Flüchtlingshilfe. Vereinbart die Bereitstellung von zivHen Transportschiffen zur Verlegung amerikanischer Truppen
und Versorgungsgüter. Genehmigt Hilfsleistungen in
Höhe von 160 Millionen Dollar für Länder, die unmittelbar von der Blockade des Iraks betroffen sind. Gibt die
geplante Entsendung eines Geschwaders von acht
"Tornados" und eines vierten Schiffes in den Golf
bekannt.

Großbritannien

Kanada

Die in den Golf entsendeten britischen Marine- und
Luftwaffeneinheiten belaufen sich am 14. September
1990 auf insgesamt 4 000 Mann. Die Unterstützung
mit Material umfaßt folgende Posten: Königliche Marine
- ein Zerstörer, zwei Fregatten bereits im Golf, drei
Minensuchboote, ein Zerstörer auf dem Weg. Königliche Luftwaffe - ein Geschwader Jaguar-Kampfbomber, VC 10-Tankflugzeuge und Nimrod-Seepatrouillenflugzeuge, alle mit Bodenunterstützungspersonal
der Königlichen Luftwaffe. Darüber hinaus gibt der
britische Verteidigungsminister King am 14. September die Absicht bekannt, die 7. Panzerbrigade mit über
6 000 Mann aus der Bundesrepublik nach SaudiArabien zu entsenden. Die Brigade "Wüstenratten"
wurde im Nordafrikafeldzug des Zweiten Weltkriegs
berühmt. Großbritannien wird Schiffe im Golf abfangen, die versuchen, die UNO-Sanktionen gegen den
Irak zu umgehen. Öl- und Waffenembargo, Einfrieren
der kuwaitischen und irakischen Vermögenswerte.
Verpflichtung zu militärischer Unterstützung der Vereinigten Staaten in Saudi-Arabien, Angebot an die Vereinigten Staaten zur Benutzung der Stützpunkte für
Operationen gegen den Irak. Entsendung eines Zerstörers aus Großbritannien und dreier Minenräumschiffe aus dem östlichen Mittelmeer zur Verstärkung
von drei britischen Kriegsschiffen im Persischen Golf.
Verpflichtung zur Bereitstellung von 980 000 Dollar an
Flüchtlingshilfe für das Internationale Komitee vom
Roten Kreuz. Premierministerin Thatcher verspricht
Zahlungen an einen von den Vereinigten Staaten
gegründeten Fonds zur Verteilung der Kosten der
Golfoperation gegen den Irak.

Premierminister Mulroney gibt am 14. September 1990
die Entsendung eines CF-18-Geschwaders an den
Golf bekannt und verspricht Hilfsleistungen in Höhe
von 75 Millionen Dollar für die Türkei, Ägypten und
Jordanien. Entsendung von zwei Zerstörern und einem Versorgungsschiff zur Verstärkung der multinationalen Streitmacht im Golf. Abbruch der Wirtschaftsund Handelsbeziehungen mit Irak. Verpflichtung zur
Bereitstellung von 2,2 Millionen Dollar in bar, die als
Flüchtlingshilfe zwischen dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz und zwischenstaatlichen Organisationen aufgeteilt werden sollen.

Griechenland

Seite 2

t

Luxemburg
Ölembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte.
Niederlande

«

Uneingeschränkte Finanzsanktionen gegen den Irak,
Ölembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte. Geplante Entsendung von zwei Fregatten in den
Golf. Verpflichtung zur Bereitstellung von 1,1 Millionen
Dollar, von denen die Hälfte als Flüchtlingshilfe für die
Maßnahmen unter der Schirmherrschaft der EG verwendet werden. Angebot für zusätzliche Schutzausrüstung gegen chemische und biologische Kampfführung.
Norwegen
Entsendung eines Kriegsschiffs der Küstenwache zur
Versorgung der dänischen Korvette, die es in den GoK

AMERIKA DIENST 38

t

�begleiten wird. Angebot von Dekontaminierungsgerät
für den Bedarfsfall sowie Schutzgerät gegen C-Waffen
an die Golfstreitmacht. Entsendung eines Schiffs zur
ständigen NATO-Streitmacht im Atlantik und Angebot
der Bereitstellung von zwei weiteren Schiffen für die
NATO-Streitkräfte im Atlantik und Ärmelkanal, um die
Verlegung verbündeter Schiffe in den Golf auszugleichen. Voraussichtliche Aufstockung der Flüchtlingshilfsleistungen an Jordanien über die anfänglichen,
schon bereitgestellten 343 000 Dollar hinaus. Handelsembargo mit Ausnahme von Arznei- und Nahrungsmitteln für humanitäre Zwecke; Ölembargo.
Umfassende Sanktionen, die Seetransporte ausdrücklich einschließen. Einfrieren kuwaitischer und irakischer Vermögenswerte. Bereitstellung von 40 Tonnen
hochproteinhaltiger Kekse als Fluchlingshilfe.
Portugal
Erlaubnis zur Nutzung amerikanischer Stützpunkte in
Portugal, Öl- und Waffenembargo. Embargo bei Dienstleistungen wie Schiffswartung. (Die Wartung eines
irakischen Schiffs in Portugal war vorgesehen).
Spanien
Handelsembargo. Spanien unterstützt den Transit
amerikanischer Militärflugzeuge auf dem Weg in die
Golfregion. Geplante Entsendung einer Fregatte zur
Straße von Hormus und zweier Korvetten zur Patrouille im Roten Meer in Koordination mit anderen Marineeinheiten der Westeuropäischen Union.
Türkei
Einfrieren irakischer Vermögenswerte. Verweigert die
Verladung irakischen Öls am Ende der irakischen
Pipeline. Untersagt die Entladung zweier Schiffe mit
Nahrungsmitteln für den Irak im südlichen Hafen Mersin.
Handelsembargo mit Ausnahme von Nahrungs- und
Arzneimitteln. Das Parlament ermächtigt die Regierung im Falle eines Angriffs durch den Irak zur
Kriegserklärung, zur Entsendung von Kampftruppen
und zum Einsatz ausländischer Truppen auf türkischem Hoheitsgebiet.
Vereinigte Staaten
Entsendung amerikanischer Militäreinheiten nach SaudiArabien, um dieses Land gegen einen möglichen irakischen Angriff zu schützen. Zur Zeit befinden sich neun
Kriegsschiffe und zwei Flugzeugträger im Golf. Verhängung eines vollständigen Embargos gegen den
Irak und das besetzte Kuwait sowie gegen kommerzielle Nahrungsmittellieferungen. Aussetzung der
Kredite, Anleihen und Zuschüsse. Modifizierung des
Embargos, so da ß es das Verbot von Exporten an jede
vom Irak - direkt oder indirekt - aus betriebene oder von
der irakischen Regierung kontrollierte oder in deren
Besitz befindliche Körperschaft einschließt. Einfrieren
der irakischen und kuwaitischen Vermögenswerte.
Amerikanische Zollbeamte beschlagnahmen für den

AMERIKA DIENST 38

Irak und Kuwait bestimmte Ersatzteile, Satelliten- und
Computergeräte. Das FBI versiegelt die Büros der
irakischen Fluggesellschaft in New York, Detroit und
Los Angeles. Die Vereinigten Staaten planen das
Abfangen irakischer Öllieferungen in die Golfregion als
Unterstützung der UNO-Sanktionen. Als Reaktion auf
die illegale Schließung der amerikanischen Botschaft
in Kuwait durch den Irak weisen die Vereinigten Staaten 36 der 55 zuvor an der irakischen Botschaft in
Washington akkreditierten Personen aus. Die Vereinigten Staaten leisten Flüchtlingshilfe in Höhe von 1
Million Dollar einschließlich Zelten, Wasserkanistern,
Nahrungsmitteln sowie Beiträgen an die Internationale
Organisation für Auswanderung. Die Vereinigten Staaten
leiten Initiativen zur Unterstützung der durch die Golfkrise wirtschaftlich betroffenen Länder sowie zur Verteilung der Kosten der Militäroperationen im Golf in die
Wege.
Andere europäische Nationen
Andorra
Verbietet Importe und Exporte jeglicher Vermögenswerte aus und in den Irak und Kuwait, sowie die
Bereitstellung von Dienstleistungen und Krediten.
Bulgarien
Unterbindung aller Lieferungen militärischer Güter an
den Irak und Erweiterung der Wirtschaftssanktionen.
Deutsche Demokratische Republik
Geplante Beteiligung an Wirtschaftssanktionen. Nur
Nahrungs- und Arzneimittel für humanitäre Zwecke
werden weiterhin geliefert.
Finnland
Unterstützung der Resolution des UNO-Sicherheitsrats über Sanktionen, vollständige Durchführung der
UNO-Maßnahmen einschließlich eines uneingeschränkten Handelsembargos. Ernennung des finnischen
Botschafters bei der UNO zum Leiter der Gruppe von
Ländern, die die Einhaltung der UNO-Sanktionen gegen
Irak überwachen. Verpflichtung zur Zahlung von 135 000
Dollar an Flüchtlingshilfe an das Internationale Komitee vom Roten Kreuz.
Irland
Ölembargo.
Jugoslawien
Verurteilung der irakischen Invasion in Kuwait, fordert
den Irak auf, alle Truppen aus Kuwait abzuziehen.
Weigerung, die irakische Annexion Kuwaits anzuerkennen. Unterstützt die Wirtschaftssanktionen der
UNO gegen den Irak. Einstellung aller Lieferungen in
den Irak, Aussetzung von Importen aus dem Irak,
Reduzierung jugoslawischer Arbeitskräfte in Irak und
Kuwait, Einfrieren irakischer Vermögenswerte.
Seite 3

�Liechtenstein
Einfrieren kuwaitischer und irakischer Vermögenswerte, Handelsembargo mit Ausnahme von Arznei- und
Nahrungsmitteln für humanitäre Zwecke.
Malta
Keine Vergabe von Aus- oder Einfuhrgenehmigungen
für Handel mit Irak und Kuwait, vor Verhängung der
Sanktionen erteilte Genehmigungen werden widerrufen.
Österreich
Durchsetzung der UNO-Wirtschaftssanktionen gegen
den Irak, Waffenembargo, Einfrieren irakischer Vermögenswerte. Geplante Erlaubnis zum Überfliegen
amerikanischer Militärflugzeuge über Österreich.
Polen
Waffenembargo.
N.B.: Der polnischen Botschaft in der Bundesrepublik
Deutschland zufolge hält sich Polen auch in allen
anderen Bereichen strikt an die Sanktionen der UNO.

verwirklichen. Verabschiedung einer gemeinsamen
Erklärung mit Japan am 5. September mit der Aufforderung an den Irak, alle ausländischen Geiseln freizulassen und seine Truppen aus Kuwait abzuziehen.
Tschechoslowakei
Waffenembargo, Verurteilung der irakischen Aggression. Verzögerung der Abreise des neuen tschechoslowakischen Botschafters im Irak nach Bagdad.
Durchführung der UNO-Sanktionen einschließlich
Unterbindung aller Exporte und Importe aus und nach
Irak und Kuwait.
Ungarn
&gt;
Öl- und Handelsembargo.
Vatikan
Lobt die Resolution der Vereinten Nationen zu den
Sanktionen gegen den Irak.
Zypern
Unterstützung der Sanktionen gegen Irak.

Rumänien

Andere Organisationen - regional und international

Wird U NO-Sanktionen gegen den Irak befolgen.

Arabische Liga

Schweden

Die arabische Liga spricht sich (mit 12:3 Stimmen von
20 Mitgliedstaaten) für die Entsendung einer arabischen Streitmacht nach Saudi-Arabien aus, um das
Land gegen eine mögliche irakische Aggression zu
schützen. Jordanien, Mauretanien und der Sudan
stimmen für die Resolution, machen jedoch "Bedenken" geltend. Der Irak, Libyen und die PLO stimmen
dagegen. Der Jemen und Algerien enthalten sich.
Tunesien ist nicht vertreten. Die Resolution bekräftigt
darüber hinaus die Resolutionen 660,661 und 662 des
UNO-Sicherheitsrats.

Verbot von Aus- und Einfuhren nach oder aus Kuwait
und Irak, mit Ausnahme von Waren für humanitäre
oder medizinische Zwecke sowie Presseerzeugnissen. Verbot der Lieferung von Waren für Wirtschaftsaktivitäten, die im Irak oder Kuwait oder von dort aus
betrieben werden. Verbot von Maßnahmen, die Geschäfte mit dem Irak oder Kuwait fördern würden, wie
etwa Instandsetzung, Be- oder Entladen; Einstellung
des Zahlungs- und Kreditverkehrs mit Irak und Kuwait.
Zahlt 8,7 Millionen Dollar in bar für die Flüchtlingshilfe.
Schweiz
Öl- und Waffenembargo. Einfrieren von Vermögenswerten, Beschränkungen für den sonstigen Handel.
Die Schweiz beteiligt sich zum ersten Mal an UNOWirtschaftssanktionen. Entsendet ein Hilfsteam für
Flüchtlinge.
Sowjetunion
Verurteilung der Annexion Kuwaits durch den Irak,
Waffenembargo. Entsendung zweier Kriegsschiffe in
den Golf. Würde unter Aufsicht der Vereinten Nationen die Abriegelung des Golfs für irakische Schiffe in
Erwägung ziehen. Erlaß eines Dekrets an alle Ministerien und Behörden, die für den Handel mit dem Irak
oder sonstige Beziehungen mit diesem Land zuständig sind, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, um
die Wirtschaftssanktionen der Vereinten Nationen zu

Seite 4

*

Europarat
Beim Außenministertreffen des Europarats wird am
12. September eine Resolution verabschiedet, in der
die irakische Verletzung des Völkerrechts und die Geiselnahme verurteilt werden. Er fordert die Anwendung
der UNO-Sanktionen gegen den Irak durch alle Staaten und appelliert an die Mitglieder des Europarats,
Ländern beizustehen, die unbeabsichtigt von diesen
Sanktionen betroffen sind. Die Erklärung widmet sich
besonders humanitären Problemen der zahlreichen
Menschen, die durch die Krise zur Flucht gezwungen
wurden und bedauert die Weigerung des Iraks, mit
dem IKRK zusammenzuarbeiten.
Europäische Gemeinschaft
Die EG erklärt am 17. September die Ausweisung aller
irakischen Militärattaches sowie die Einschränkung
der Bewegungsfreiheit der anderen irakischen Diplo-

AM ER»KA Dlfi'MST 38

«

»

�maten, die in den Hauptstädten der 12 Mitgliedstaaten
akkreditiert sind. Verhängt allgemeines Embargo gegen
den Handel mit Irak und dem besetzten Kuwait. Einfrieren von Vermögenswerten auf ihrem Hoheitsgebiet
sowie Einstellung jeglicher Zusammenarbeit mit Irak
und dem besetzten Kuwait. Unterstützt die Resolutionen 660, 661, 662, 664, 665, 666 und 667 des UNOSicherheitsrats. Über die Botschafter der gegenwärtigen Präsidentschaft (Irland, Italien und Luxemburg)
hat die EG Demarchen in Bagdad unternommen, um
die bedingungslose Freilassung der Ausländer in Irak
und Kuwait zu unterstützen. Die EG stellt 27 Millionen
Dollar in Form von Transport, Nahrungsmitteln und
humanitärer Hilfe für Flüchtlinge bereit.
Europaparlament
Verabschiedung einer Resolution am 14. September,
in der "die Invasion und Annexion Kuwaits durch den
Irak... und die gezielte Geiselnahme von Ausländern
durch den Irak energisch verurteilt" wird. Die Resolution fordert "den unverzüglichen Rückzug der irakischen Truppen aus Kuwait, um dessen legitime Autorität und Souveränität wiederherzustellen...".
Golf-Kooperationsrat
Verurteilung der irakischen Aggression gegen Kuwait
und Forderung nach Rückzug der irakischen Truppen.
Hat Truppen in Saudi-Arabien stationiert. Saudi-Arabien bittet die Vereinigten Staaten und andere Länder
um militärische Hilfe zur Verteidigung gegen eine
mögliche irakische Aggression. Saudi-Arabien verpflichtet sich darüber hinaus zu höherer Ölförderung,
um die Produktionsausfälle im Irak und in Kuwait
wettzumachen. Verweigert einem irakischen Tanker
das Anlegen an einem saudischen Verladeterminal im
Roten Meer. Die Vereinigten Arabischen Emirate
öffnen ihre militärischen Einrichtungen für die multinationale Streitmacht und verweigern einem irakischen
Tanker die Einfahrt in den Hafen von Dubai. Katar stellt
seine militärischen Einrichtungen der multinationalen
Streitmacht zur Verfügung. Berichten zufolge öffnen
auch Bahrain und Oman ihre militärischen Einrichtungen. Der Golf-Kooperationsrat ist eine regionale Organisation, die aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien, Bahrain, Oman, Katar und Kuwait
besteht.
Internationale Arbeitsorganisation
Die Internationale Arbeitsorganisation, eine Unterorganisation der UNO, appelliert an den Irak, unverzüglich Schritte zur Freilassung aller in Irak und Kuwait
festgehaltenen ausländischen Arbeitnehmer zu ergreifen.
Bewegung der Blockfreien

Nordischer Rat
Verabschiedung einer Erklärung, in der die irakische
Weigerung, Staatsbürgern der nordischen Staaten
und anderen Ausländern das Verlassen des Irak und
Kuwaits zu gestatten, scharf verurteilt und festgestellt
wird, daß "die Entscheidung des Irak eine Verletzung
des Völkerrechts und der UNO-Menschenrechtserklärung darstellt". Der Nordische Rat ist eine regionale
Organisation, die sich aus Vertretern Dänemarks,
Finnlands, Islands, Norwegens und Schwedens zusammensetzt.
Die nordischen Außenminister
Verabschiedung einer Erklärung zur Golfkrise am 11.
September, in der "die brutale Invasion und der Versuch der Annexion Kuwaits" scharf verurteilt und die
Rolle des UNO-Sicherheitsrats bei der Aufrechterhaltung des internationalen Drucks auf den Irak hervorgehoben werden.
OPEC
Verständigung auf einen Plan, der den OPEC-Mitgliedern eine Erhöhung ihrer Produktion über die vereinbarten Quoten hinaus gestattet, um den durch das
Embargo gegen den Irak verursachten Ausfall von 4
Millionen Barrel täglich wettzumachen. Saudi-Arabien
und Venezuela haben ihre ölproduktion bereits erhöht. Die Vereinigten Arabischen Emirate, Nigeria,
Gabun und Ecuador werden ihre Fördermenge wahrscheinlich in Kürze erhöhen. Der Iran und Libyen
stimmen gegen die Resolution, planen jedoch angeblich auch eine Erhöhung ihrer eigenen Produktion.
Organisation Amerikanischer Staaten
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und
Ablehnung der Annexion Kuwaits. Unterstützt alle
diesbezüglichen Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats gegen den Irak. Weist die Benutzung ausländischer Geiseln in Bagdad als "menschliche Schutzschilde im Konflikt" zurück. Bietet ihre guten Dienste
für die in Irak und Kuwait festgehaltenen Staatsbürger
aus Mitgliedstaaten an. Die OAS ist eine regionale
Organisation mit Vertretern der Karibikstaaten sowie
aller Staaten Mittel-, Süd- und Nordamerikas außer
Kuba.
Koordinationsrat der Gewerkschaften des Südlichen Afrikas
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und
Forderung nach unverzüglichem Abzug der Invasionstruppen. Unterstützt die UNO-Wirtschaftssanktionen
gegen den Irak. Bittet die Gewerkschaften des südlichen Afrikas, jeglichen Bruch des Embargos zu melden und zu verurteilen.

Verurteilung des Einsatzes von Gewalt durch den Irak
sowie Forderung nach Rückzug der Invasionstruppen.

AMERIKA DIENST 38

Seite 5

�Vereinte Nationen

Afghanische Interimsregierung

Der UNO-Sicherheitsrat verabschiedet Resolutionen,
in denen die irakische Invasion in Kuwait verurteilt und
der unverzügliche Rückzug der Invasionsstreitkräfte
gefordert, ein Handels- und Finanzembargo gegen
den Irak und Kuwait angeordnet, die irakische Annexion von Kuwait für null und nichtig erklärt, die Freilassung aller Ausländer durch den Irak verlangt und der
internationalen Staatengemeinschaft das Recht gegeben wird, das Wirtschaftsembargo gegen den Irak
durchzusetzen, indem die Schiffahrt nach und aus
diesem Land unterbunden wird. Die UNO legt enge
Grenzen für die Lieferung humanitärer Güter in den
Irak und das besetzte Kuwait fest. Verurteilung des
Irak aufgrund von Gewalttaten gegen ausländische
Botschaften und deren Personal im besetzten Kuwait.

Das Kabinett der AIG beschließt formell die Entsendung eines Kontingents von 2 000 Mujahedin nach
Saudi-Arabien zur Verstärkung der multinationalen
Streitmacht.

Westeuropäische Union
Die Außen- und Verteidigungsminister der neun Mitgliedstaaten der WEU erörtern während eines Treffens in Paris am 18. September weitere Möglichkeiten
zur Koordinierung ihrer Maßnahmen am Golf. Sie
verurteilen "uneingeschränkt die jüngsten Angriffe des
Irak auf das Völkerrecht und die Unverletzlichkeit von
Personen" und verleihen ihrer Entschlossenheit Ausdruck, das vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen
verhängte Embargo mit all seinen Elementen anzuwenden und für seine Anwendung zu sorgen. Bei
früheren Maßnahmen verständigen sich die neun WEUMitgliedstaaten darauf, die Marineoperationen im Nahen
Osten auszuweiten und "ihre Operationen eng miteinander abzustimmen". Darüber hinaus erklären sie
sich bereit, zusammen mit den Vereinigten Staaten
Verantwortung für die Durchsetzung der UNO-Sanktionen gegen den Irak zu übernehmen. Vier WEUMitglieder - die Niederlande, Belgien, Italien und Spanien - sowie Griechenland, das kein Mitglied der WEU
ist, kündigen die Entsendung von Kriegsschiffen in den
Nahen Osten an, die sich den bereits dort stationierten
französischen und britischen Einheiten anschließen
sollen. Die WEU ist eine politische Organisation mit
Vertretern aus Belgien, der Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Luxemburg,
den Niederlanden, Portugal und Spanien.

Argentinien
Verurteilt die Invasion Kuwaits durch den Irak und
fordert den Rückzug der Invasionstruppen. Befolgt die
Wirtschaftssanktionen gegen den Irak. Stellt finanzielle Transaktionen mit Irak und Kuwait ein. Entsendet
zwei Kriegsschiffe mit zwei Flugzeugen, einer Infanterieeinheit sowie Luftwaffen- und Kommunikationspersonal an den Golf, um das UNO-Embargo gegen den
Irak zu unterstützen.
Aruba
Wirtschaftssanktionen gegen den Irak.
Australien
Teilnahme am gemeinsamen Marineeinsatz. Entsendung zweier Lenkwaffenfregatten und eines Versorgungsschiffs zum Persischen Golf. Zusage, den Golf
für irakische Schiffe abzuriegeln, um die UNO-Sanktionen zu unterstützen, ö l - und Waffenembargo.
Einfrieren von Vermögenswerten.
Bahamas
Einfrieren irakischer und kuwaitischer Vermögenswerte.
Bahrain
Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrats verurteilt Bahrain die irakische Invasion in
Kuwait und fordert den Rückzug der Invasionstruppen.
Gestattet die Benutzung seiner Luftstützpunkte durch
die multinationale Streitmacht.
Bangladesh
Prinzipielle Entscheidung, bei einer Konfrontation mit
dem Irak Truppen nach Saudi-Arabien zu entsenden.
Belize

Nichteuropäische Staaten
Ägypten
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der Resolutionen 660, 661 und 662 des Sicherheitsrats der
Vereinten Nationen und spricht sich für die Entsendung einer arabischen Streitmacht nach Saudi-Arabien aus. Hat bereits 5 000 Soldaten zur Verstärkung
der multinationalen Streitmacht nach Saudi-Arabien
geschickt. Geplant ist die Entsendung von zusätzlichen 15 000 Soldaten zusammen mit Panzern und
Schützenpanzern.

Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und
Forderung nach Rückzug der Invasionstruppen.
Benin
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und
Forderung nach unverzüglichem Rückzug der Invasionstruppen.
Bermuda
Schließt sich den britischen Wirtschaftssanktionen
gegen den Irak an. Verhängt eigene Finanzsanktionen.
-

Seite 6

AMERIKA DK N'ST 38

�Bolivien

Iran

Unterstützt die Sanktionen der Vereinten Nationen
gegen den Irak.

Ablehnung der Annexion Kuwaits durch den Irak. Der
Iran erklärt, die Ölförderung ankurbeln zu wollen, um
die Ausfälle im Irak und in Kuwait auszugleichen.

Brasilien
Öl- und Waffenembargo. Abbruch sämtlicher Handelsbeziehungen, einschließlich von Nahrungsmittellieferungen.
Chile
Wirtschaftssanktionen, Waffenembargo.
China

Jamaica
Verurteilt die Invasion und befolgt die UNO-Sanktionen gegen den Irak. Unterstützt die von der Organisation Amerikanischer Staaten ins Leben gerufene Initiative, im Rahmen derer die irakische Invasion in Kuwait
auf das schärfste verurteilt wird.
Japan

Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und fordert
den Abzug der Truppen.

Ölembargo, Einstellung des Handels und der Hilfe.
Wird Nahrungsmittel, Wasser, Arzneimittel und 100
Ärzte und Krankenpfleger zur arabischen Halbinsel
entsenden. Liefert Geräte wie Kühlschränke und
Klimaanlagen, um die befreundeten Truppen am Golf
vor der Hitze der Wüste zu schützen. Finanziert das
Chartern nichtjapanischer Flugzeuge und Schiffe, die
Nachschub und Helfer, militärische Ausrüstung und
Soldaten an den Golf transportieren. Leistet der
Türkei, Ägypten und Jordanien finanzielle Hilfe, um
wirtschaftliche Härten auszugleichen, die durch Maßnahmen gegen die irakische Invasion in Kuwait hervorgerufen wurden. Leistet einen Beitrag von zunächst 10
Millionen Dollar für die Versorgung kuwaitischer Flüchtlinge in Jordanien. Veröffentlicht am 5. September
1990 gemeinsam mit der Sowjetunion eine Erklärung,
mit der die Aufforderung an den Irak ergeht, alle
ausländischen Geiseln freizulassen und seine Truppen aus Kuwait abzuziehen.

Guatemala

Jemen

Verbietet Exporte nach und Importe aus dem Irak,
stoppt alle finanziellen Transaktionen, Zahlungen und
Kredite an den Irak und Kuwait.

Hält die UNO-Sanktionen gegen den Irak ein.

Verurteilt den irakischen Einmarsch in Kuwait und
fordert den Rückzug der Invasionstruppen. Unterstützt die UNO-Resolutionen gegen den Irak.
Waffenembargo.
Costa Rica
In Unterstützung der UNO-Resolutionen gegen den
Irak verurteilt Costa Rica den irakischen Einmarsch in
Kuwait, die Annexion Kuwaits und die irakische Anordnung zur Schließung der Botschaften.
Cote d'lvoire
Öl- und Handelsembargo.
Gambia

Haiti
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait.
Honduras
Lehnt die irakische Invasion in Kuwait ab und fordert
den Abzug der Invasionstruppen.
Hongkong
Friert irakische und kuwaitische Vermögenswerte ein.
Indien

Jordanien
Beteiligt sich an den UNO-Sanktionen gegen den Irak.
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNOResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus, jedoch unter "Vorbehalten".
Katar
Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrats verurteilt Katar die irakische Invasion in
Kuwait und fordert den Abzug der Invasionstruppen.
Stimmt zu, der multinationalen Streitmacht seine militärischen Einrichtungen zur Verfügung zu stellen.

Fordert den Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait.
Premierminister Singh erklärt, Indien werde zu seiner
in den Vereinten Nationen gegebenen Zustimmung zu
Wirtschaftssanktinoen gegen den Irak stehen.

Vizepräsidentschaft des UNO-Sanktionsausschusses,
der die Einhaltung der Sanktionen überwacht.

Indonesien

Korea (Rep.)

Einstellung des Handels mit dem Irak, Ölembargo.

Waffen- und Ölembargo, Einstellung des Handels außer

AMERIKA DIENST 38

Kolumbien

Seite 7

�mit Gütern für medizinische oder humanitäre Zwecke.

Neuseeland

Kuba

Verbot von Exporten in den Irak, geplantes Verbot der
Importe. Umleitung der Nahrungsmittellieferungen,
die sich auf dem Weg in den Irak befinden. Ölembargo,
friert irakische Vermögenswerte ein. Stellt den Vereinten Nationen für den Einsatz am Golf zwei Transportflugzeuge zur Verfügung. Spendet Milchpulver für
Flüchtlinge aus Irak und Kuwait. Bietet dem Internationalen Roten Kreuz eine zivile medizinische Versorgungseinheit für den Einsatz in Saudi-Arabien an.

Befolgung der UNO-Sanktionen gegen den Irak.
Libanon
Fordert den Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait.
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNOResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus.
Macao

Nicaragua

Befolgt die UNO-Sanktionen.

Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait und fordert
den Abzug der Invasionstruppen.

Malaysia

Nigeria

Unterstützt die UNO-Resolution über Sanktionen gegen
den Irak. Wird seine Maßnahmen mit den Sanktionen
abstimmen, friert kuwaitische Vermögenswerte ein.
Wird die Ölproduktion auf 10 000 Barrel pro Tag
steigern, um den Bedarf der Länder zu decken, die von
irakischem und kuwaitischem Öl abhängen. Spendet
für die Flüchtlingshilfe in Jordanien Nahrungsmittel im
Wert von 100 000 Dollar.

Verurteilt die irakische Invasion in Kuwaits und forciert
den Truppenabzug, plant eine Steigerung der ölförderung um 200 000 Barrel pro Tag (vorbehaltlich der
Zustimmung anderer OPEC-Staaten).

Malediven
Fordern den Abzug irakischer Truppen aus Kuwait.

Oman
Die omanische Botschaft in Kuwait bleibt geöffnet, und
das Sultanat erkennt die irakische Besetzung Kuwaits
in keiner Weise an. Oman hat der Arabischen Liga und
den UNO-Resolutionen seine Unterstützung versichert, verurteilt die irakische Invasion und fordert den
Abzug der Invasionstruppen.

Mauritius
Pakistan
Verurteilt die irakische Invasion und Annexion Kuwaits, fordert den Abzug der Invasionstruppen und die
Freilassung aller Ausländer im Irak und in Kuwait.
Unterstützt und befolgt die Resolutionen des UNOSicherheitsrats zum Irak und hat konkrete Maßnahmen ergriffen, um alternative Versorgungsquellen von
bisher aus Kuwait importiertem Öl zu sichern.
Marokko
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNOResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus. Hat Truppen nach Saudi-Arabien entsandt und beteiligt sich damit an der multinationalen
Streitmacht. Weist zwei irakische Beamte aus Marokko aus, als Vergeltung für die irakische Entscheidung
zur Schließung der marokkanischen Botschaft in Kuwait
und die Festsetzung seiner Diplomaten im Irak.
Mexiko
Plant die Steigerung der Ölförderung um 100 000
Barrel pro Tag in den nächsten zwei Monaten.
Nepal

Bekundet seine Absicht zur Durchführung der UNOSanktionen gegen den Irak. Entsendet ein Kontingent
von 1 800 Soldaten seines Heeres nach Saudi-Arabien, unter anderem ein verstärktes Infanteriebataillon
und ein provisorisches Unterstützungsbataillon.
Panama
Unterstützt Sanktionen. Verbietet Handelsschiffen die
Ladung oder Entladung jeder Art von Waren aus dem
Irak oder Kuwait. Die Bankaufsichtsbehörde hat Vorschriften für die Behandlung irakischer und kuwaitischer Vermögenswerte veröffentlicht. Der irakischen
Schiffahrt wird die Durchquerung des Panamakanals
gestattet.
Papua Neuguinea
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits aufs schärfste
und unterstützt die UNO-Resolutionen, mit denen die
Souveränität und Integrität Kuwaits wiederhergestellt
werden sollen.
Paraguay
Verurteilt die Invasion Kuwaits durch den Irak.

Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait.

Seite 8

AMERIKA DIENST 38

�Philippinen
Erkennen den bindenden Charakter der Sanktionen
an, Ölembargo.
Salomonen
Führen Wirtschaftssanktionen gegen den Irak durch.
Saudi-Arabien
Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrats hat Saudi-Arabien die irakische Invasion in
Kuwait verurteilt und den Abzug der Invasionstruppen
gefordert. Es erging die Bitte an die Vereinigten
Staaten und andere Länder um Unterstützung zur
Verteidigung Saudi-Arabiens. Plant die Ankurbelung
der Ölförderung, um die Ausfälle im Irak und in Kuwait
auszugleichen. Weist einen irakischen Tanker ab, der
an einem saudischen Hafen im Roten Meer anlegen
wollte. Stellt 60 Millionen Dollar für Flüchtlingshilfe zur
Verfügung. Will die im Land entstehenden Kosten der
auf saudischem Territorium stationierten US-Soldaten
übernehmen, unter anderem für Treibstoff, Wasser,
Transport sowie andere Kosten.
Senegal

chen Schritte unternehmen, um die Bestimmungen
der Resolution einzuhalten", die Wirtschaftssanktionen gegen den Irak fordern.
Sudan
Der Sudan "zollt der Charta der Vereinten Nationen
Respekt und bekundet seine Verpflichtung zu den
Resolutionen" 660, 661, 663 und 665.
Surinam
Verurteilt die irakische Invasion und Annexion Kuwaits. Führt die UNO-Resolutionen 661 und 665
ebenso durch wie das Wirtschafts- und Finanzembargo gegenüber dem Irak.
Syrien
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNOResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus. Syrien unterhält 4 000 Soldaten der
Bodentruppen in Saudi-Arabien und den Vereinigten
Arabischen Emiraten als Teil der multinationalen Streitmacht. Zusätzlich werden 10 000 Soldaten und 300
Panzer entsandt.

Gewährt seine "vorbehaltlose Zustimmung" zu den
Maßnahmen, die Saudi-Arabien und andere Golfstaaten zum Schutz ihrer Sicherheit gegen eine mögliche
irakische Aggression unternommen haben. Plant die
Entsendung von Truppen nach Saudi-Arabien.

Taiwan

Simbabwe

Bekundet seine Ablehnung der irakischen Invasion in
Kuwait und fordert den unverzüglichen Abzug der
Invasionstruppen.

Stellt den Handel mit dem Irak und dem besetzten
Kuwait ein, setzt alle bilateralen Abkommen mit dem
Irak außer Kraft, unter anderem das Sechsjahresabkommen über Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit und die Abkommen über kulturelle, technische
und bildungspolitische Zusammenarbeit. Die Maßnahmen bleiben in Kraft bis sich der Irak aus Kuwait
zurückzieht.
Singapur
Verbietet Exporte nach und Importe aus dem Irak und
aus Kuwait. Allen Banken und Finanzinstitutionen wird
der Transfer irakischer und kuwaitischer Vermögenswerte ohne vorherige Zustimmung der Finanzbehörden in Singapur verboten. Transaktionen der legitimen
Eigentümer kuwaitischer Vermögenswerte, die bestimmte Kriterien erfüllen, sind erlaubt. Die Reeder in
Singapur wurden instruiert, sich an die UNO-Sanktionen zu halten. Die Hafenbehörde von Singapur sperrt
alle Schiffe unter irakischer Flagge aus.

Spricht sich für die Unterstützung der UNO-Sanktionen gegen den Irak aus, Ölembargo.
Tansania

Togo
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait.
Trinidad/Tobago
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait und fordert
den Abzug der Invasionstruppen. Unterstützt die
UNO-Resolutionen 660, 661 und 662.

Tunesien
Fordert den Abzug irakischer Truppen aus Kuwait.
Uruguay
Präsident LaCalle verhängt ein Dekret zur Durchführung der UNO-Sanktionen gegen den Irak. "Kompetente Behörden" werden instruiert, die effektive Durchführung der Sanktionen zu gewährleisten.

Sri Lanka

Vereinigte Arabische Emirate

In einem Brief an den Generalsekretär der Vereinten
Nationen hat die Regierung Sri Lankas betont, sie sei
sich "ihrer Verpflichtungen gemäß der Charta der
Vereinten Nationen bewußt und wird alle erforderli-

Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrates verurteilen die Vereinigten Arabischen
Emirate die irakische Invasion in Kuwait und fordern
den Abzug der Invasionstruppen. Gewähren den US-

AMERIKA DIENST 38

Seite 9

�Truppen Zugang zu militärischen Einrichtungen. Ver- Venezuela
hindern das Anlegen eines irakischen Tankers im
Hafen von Dubai, um die UNO-Sanktionen gegen den Wird die UNO-Sanktionen gegen den Irak unterstützen. Plant die Steigerung der ölförderung um 400Irak zu unterstützen.
500 000 Barrel pro Tag, wobei Konsultationen mit den
OPEC-Staaten stattfinden.
Vanuatu
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait und forciert
den Abzug der Invasionatruppen. Erklärt die vollständige Einhaltung aller UNO-Sanktionen gegen den Irak.

* *

Seite 10

AMERIKA DIENST 38

�NATO
26. September 1990

TAFT ERÖRTERT EUROPÄISCHE
SICHERHEITSSTRUKTUR
Rede von Botschafter Taft bei der NATO
BRÜSSEL- (AD) - Im Rahmen der Konferenz "Atlantische Sicherheit: Die NATO im Umbruch" hielt der Ständige
Vertreter beim Nordatlantikrat, Botschafter William Taft, am 20. September 1990 eine Rede über die Aufgaben
der NATO in einer sich verändernden Welt und legte in diesem Zusammenhang die Bedingungen einer neuen
Sicherheitsstruktur für Europa dar. Die Konferenz wurde unter anderem veranstaltet von der US-Vertretung bei
der NATO, dem Stabschef des Heeres und dem Institut für Nationale Strategische Studien an der National
Defense University.
Nachfolgend veröffentlichen wir Botschafter Tafts Rede im Wortlaut.

Gemeinsam mit Generalsekretär Wörner möchte ich
Sie zur sechsten Jahrestagung der Institute für Strategische Studien willkommen hei ßen, die unter anderem
von der US-Vertretung bei der NATO veranstaltet wird.
Darüber hinaus freue ich mich, daß auch das Büro des
Stabschefs der US-Army und das Institut für Nationale
Strategische Studien an der National Defense University beteiligt sind.
Im vergangenen Jahr hat die NATO voller Hoffnung für
die Zukunft ihr 40jähriges Bestehen gefeiert. Diese
Hoffnungen sind heute weitgehend verwirklicht, auch
wenn wir immer wieder Feuerproben bestehen müssen. Wir haben einen Entwicklungsprozeß durchlaufen. Tatsächlich hat ein Umbruch stattgefunden. Aber
diese Umstrukturierung ist noch nicht beendet. Wir
begrüßen Ihre Beteiligung und Ihren Beitrag bei der
Weiterentwicklung einer Institution, die sich zum Ziel
gesetzt hat, "die Freiheit, das gemeinsame Erbe und
die Zivilisation" unserer Völker zu schützen.
Eindrücke der letzten Jahrzehnte
Heute und morgen sollten wir über die Zukunft sprechen, wie sich die Architektur in Europa darstellen wird
und auf welche Weise sich bestehende und neue
Institutionen an die neuen Zeiten anpassen müssen.
Es könnte dabei von Nutzen sein, sich einige Bilder aus
der Vergangenheit ins Gedächtnis zurückzurufen. Ich
möchte Ihnen einige vor Augen führen, die mir gerade
einfallen.

AMERIKA DIENST 38

Als erstes Bild steht mir Polen im Sommer 1980 vor
Augen. Nach der Entscheidung der Regierung, die
Fleischpreise zu erhöhen, kommt es zu Streiks. Arbeiter in Gdansk und anderen Städten fordern Lohnerhöhungen. Noch vor Ende des Sommers wird Lech
Walesa zum Führer eines Streikkomitees gewählt. Die
Solidarität ist geboren.
Ich erinnere mich auch an ein anderes Bild. Der
gesundheitlich angeschlagene Breschnew, dem Andropow, Tschernenko und 1985 Gorbatschow folgen ein Mann, mit dem wir, wie Margaret Thatcher gesagt
hat, ins Geschäft kommen können.
Das nächste Bild aus meinem Gedächtnis zeigt Washington im Dezember 1987. Reagan und Gorbatschow unterzeichnen den INF-Vertrag - den ersten
Vertrag zwischen Supermächten, mit dem eine ganze
Waffenkategorie beseitigt wird.
Ein Jahr später, im Dezember 1988, schlägt die NATO
eine 50prozentige Reduzierung von Panzern und Artillerie in Europa vor. Gorbatschow spricht bei den
Vereinten Nationen und kündigt den einseitigen Abzug
von 50 000 Soldaten aus Osteuropa an.
Im Mai 1989 feiern westliche Staats- und Regierungschefs beim NATO-Gipfel das 40jährige Bestehen der
NATO und fordern ein Ende der Teilung Europas.
Kurz darauf wird die Geschichte gewaltig beschleunigt, nachdem sich Tausende von DDR-Bürgern, von
Seite 1

�mehr als einem ungewöhnlich warmen September
getrieben, zu einer Verlängerung ihres Urlaubs in
Ungarn entschließen.

Im Dezember 1989 steht Schewardnadse auf der
Schwelle des NATO-Hauptquartiers und verurteilt den
kommunistischen Machthaber Rumäniens für die brutale
Unterdrückung seines Volkes.

aber nicht nur das. Es besteht die Notwendigkeit zu
handeln, um die Situation zu nutzen, die sich uns auf
so dramatische Weise stellt. Und unser Denken, wie
gründlich es auch sein mag, muß sich den Ereignissen
anpassen und berücksichtigen, ob sich eine bestimmte Politik bewährt oder nicht. Im vergangenen Jahr hat
sich angesichts des schnellen Laufs der Geschichte
ein flexibler, pragmatischer Ansatz bewährt, und das
wird auch weiterhin der Fall sein. Wir sollten also bei
allem Nachdenken flexibel bleiben.

Im Frühjahr 1990 kommen die NATO-Verteidigungsminister in Kananaskis überein, daß die Bedrohung
geringer geworden ist und entschließen sich zu einer
Überprüfung der Nuklearpolitik. Bald darauf vereinbaren sie in Brüssel eine Überprüfung der Militärstrategie
und kommen zu dem Schluß, daß die Einsatzbereitschaft verringert werden kann. Beim Außenministertreffen in Turnberry im Juni wird den Mitgliedstaaten
des Warschauer Pakts eine symbolische Hand der
Freundschaft ausgestreckt.

Die Hauptmerkmale unseres Ansatzes für die neue
atlantische Architektur hat Außenminister Baker im
Dezember letzten Jahres in Berlin dargelegt, und sie
finden sich auch im Kommunique des NATO-Ministertreffens wieder, das zur gleichen Zeit stattfand. Wir
betrachten die NATO, die Europäische Gemeinschaft
und die KSZE als wichtigste Institutionen für eine neue
Ordnung auf dem Kontinent, wobei die NATO eine
politischere Ausrichtung haben und die KSZE stärker
institutionalisiert werden soll.

November 1989 - die Berliner Mauer fällt. Das Ende
der Teilung Europas ist in Sicht.

Im Juli 1990 treffen sich die Staats- und Regierungschefs in London. In einer weitreichenden Erklärung
laden sie die Länder Osteuropas und die Sowjetunion
zur Aufnahme normaler diplomatischer Beziehungen
mit der NATO ein. Das Bündnis gelobt, den in Europa
40 Jahre lang genossenen Frieden zu einer Partnerschaft mit früheren Gegnern ausbauen zu wollen. Die
Antwort kommt schnell und fällt positiv aus. Die
Sowjetunion stimmt der Mitgliedschaft eines vereinten
Deutschlands in einer neuen NATO zu.
Am 2. August fällt Saddam Hussein in Kuwait ein. Am
nächsten Tag verurteilt die NATO die Invasion und
nimmt intensive politische Konsultationen auf, die den
ganzen Tag dauern.
Am 12. September unterzeichnen die beiden deutschen Staaten und die Alliierten des Zweiten Weltkriegs einen Vertrag, der die Souveränität eines vereinten Deutschlands wiederherstellt.
Die Umgestaltung der NATO ist im Augenblick unserer
Zusammenkunft bei dieser Konferenz in vollem Gange. Zur gleichen Zeit im letzten Jahr haben wir den
ersten osteuropäischen Teilnehmer bei unserer Jahrestagung begrüßt. In diesem Jahr freuen wir uns,
Wissenschaftler und Regierungsvertreter aus der
Sowjetunion, Polen, Ungarn, Rumänien, Bulgarien
und der Tschechoslowakei - und einen Teilnehmer,
der immer noch einen DDR-Pass besitzt - begrü ßen zu
können.
Ein Aktionsplan
Ich habe uns diese Bilder nicht nur vor Augen geführt,
um uns an den schnellen Lauf der Geschichte zu
erinnern, sondern um uns die Möglichkeiten zu vergegenwärtigen, die vor uns liegen. Dies ist eine Zeit, um
besonnene Überlegungen für die Zukunft anzustellen,

Seite 2

Die vom Außenminister geforderte neue, politischere
NATO hat sich in den vergangenen neun Monaten
rasch zu der ganz anderen Institution von heute entwickelt. Sie bleibt grundlegendes Sicherheitsforum für
Nordamerika und Europa, aber auch wenn sie ihren
Mitgliedstaaten in einer immer noch unsicheren Welt
weiterhin kollektive Sicherheit bietet, wird sie doch
zunehmend zum wichtigsten Ort sicherheitspolitischer
Diskussionen zwischen Ost und West.
Auch die EG und die KSZE entwickeln sich weiter,
obwohl ich glaube, mit Fug und Recht sagen zu
können, in weniger dramatischem Tempo als die NATO.
Die Aufgaben, mit denen sich die EG im Hinblick auf
ihre Struktur konfrontiert sieht, sind extrem vielschichtig, und ihre Lösung wird noch einige Zeit beanspruchen.
Diese internen Probleme müssen gelöst werden, bevor
eine weitergehende Definition für das Verhältnis der
EG zum übrigen Europa gefunden werden kann. Dies
kam zumindest teilweise darin zum Ausdruck, daß die
Aufnahme neuer Mitglieder zunächst vertagt wurde.
Wie ich bereits feststellte, unterstützen die Vereinigten

Staaten seit langem und weiterhin einen stärkeren
wirtschaftlichen und politischen Zusammenschluß
Europas. Darüber hinaus unterstützen sie auch eine
sicherheitspolitische Rolle der EG. Insbesondere fördern wir eine sicherheitspolitische Perspektive, die
nach au ßen gerichtet ist und nicht nur Europa, sondern
auch dessen NATO-Partner umfaßt.
Die NATO hat in Europa die Praxis entwickelt und
gepflegt, eine kontinentale Perspektive in die Sicherheitspolitik einzubringen. Im weiteren Verlauf hat sie
darüber hinaus einen nicht unbedeutenden Beitrag zur
Verwirklichung eines vereinten Europas geleistet, wie
es die EG darstellt. In diesem Sinn war die NATO stets

AMERIKA DIENST 38

�eine Ergänzung und kein Konkurrent der EG - und
meines Erachtens wird dieser ergänzende Charakter
auch in Zukunft bestehen bleiben.
Ich möchte die präzise Rolle der EG zu diesem Zeitpunkt nicht definieren - ich möchte hier überhaupt
nichts präjudizieren, sondern nur anregen und prüfen-, aber im Hinblick auf die EG gibt es den weiteren
Grund, daß solche Angelegenheiten besser den Europäern selbst überlassen werden sollten. Ich würde
jedoch eine Evolution der EG im sicherheitspolitischen
Bereich begrüßen, da Europa seine militärische Identität innerhalb des Bündnisses weiterentwickelt.
Auf der anderen Seite verdient die KSZE ein paar
Worte mehr. Die Artikel 21 und 22 der Londoner
Erklärung haben eine ehrgeizige Rolle für die KSZE
definiert, einschließlich jährlicher Treffen der Staatsund Regierungschefs, eines ständigen Sekretariats,
eines Mechanismus' zur Beobachtung von Wahlen,
der Einrichtung eines Zentrums zur Konfliktverhinderung und eines parlamentarischen Gremiums.
Die Vereinigten Staaten stehen voll und ganz hinter
diesem Ansatz zur Stärkung einer Institution. Diese
kann weiterhin die sicherheitspolitische Rolle der NATO
ergänzen, indem sie Mittel und Wege zur Förderung
von Dialog und Zusammenarbeit zwischen den Unterzeichnern der KSZE-Schlußakte bereitstellen kann.
Darüber hinaus kann sie die Prinzipien der Schlußakte
in die Praxis umsetzen, da wir die vergangene politische Teilung Europas überwinden.
Ausblick in die Zukunft
Wir haben Sie natürlich hierher eingeladen, um nach
vorne zu blicken, nicht zurück. Was den Blick in die
Zukunft angeht, so bin ich optimistisch für Europa und
die Welt.
Selbst angesichts der Herausforderung für den Westen am Golf, wer kann sich an einen solch hoffnungsvollen Augenblick erinnern? An eine Zeit, in der die
Institutionen, die für Stabilität in der Welt sorgen,
zielbewußter und effizienter zusammengearbeitet hätten:
UNO, NATO, EG und WEU. Dies ist auch eine Zeit, in
der Europa bald ungeteilt und frei sein wird.
Unser Erfolg bei der Schaffung einer dauerhaften,
stabilen weltweiten Sicherheitsstruktur wird nur von
unserer Vorstellungskraft begrenzt. Um uns dabei zu
helfen, die Angewohnheiten der Vergangenheit und
bürokratische Trägheit abzustreifen, laden wir Sie
dazu ein, diese Phantasie hier bei dieser Konferenz mit
einem Plan für die Zukunft anzuregen.
Dieser Plan sollte meines Erachtens folgende Elemente umfassen:
Eine stärkere europäische Rolle in der Sicherheitspolitik;

AMERIKA DIENST 38

aktive, auf Konsultation gegründete Beziehungen mit den Staaten Osteuropas;
regelmäßige Konsultationen mit den anderen
demokratischen Industriestaaten, einschließlich
Japans;
die Entwicklung eines Konsenses über die
Behandlung von Bedrohungen außerhalb des
Bündnisgebiets;
verbesserte Zusammenarbeit bei militärischer
Forschung, Entwicklung und Beschaffung;
Verbesserung des Krisenmanagements der
NATO.
Obwohl es mir zeitlich nicht gestattet ist, auf diese
Elemente im einzelnen einzugehen, bin ich zuversichtlich, daß Sie sie während Ihrer Gespräche nicht außer
acht lassen werden. Ich möchte gleichwohl zwei
dieser Bereiche kurz erörtern.
Erstens, Konsultationen mit den Ländern Osteuropas.
Seit dem Londoner Gipfel hat das Bündnis zur Förderung der Verpflichtung, normale diplomatische Verbindungen zu diesen Staaten herzustellen, mehrmals
osteuropäische Vertreter ins NATO-Hauptquartier
eingeladen. Darüber hinaus hat die amerikanische
Vertretung zu verschiedenen Anlässen Informationsgespräche angeboten, und dasselbe trifft auch auf
andere Missionen zu. Wir erwarten, daß die NATO in
Zukunft ihre Kontakte ausweiten wird, obwohl wir zum
gegenwärtigen Zeitpunkt nicht sicher sind, wie weit
und wie schnell dies gehen wird. Das wird teilweise
von unseren Gesprächspartnern abhängen.
Ich hoffe jedoch, daß wir zumindest weit über den
Gedanken hinausgehen, diese neuen Freunde lediglich über die wichtigsten Entwicklungen auf dem laufenden zu halten. Diese Verbindungen dienen sicherlich einem weitergehenden Zweck - in Kontakt zu
bleiben, bevor wichtige Schritte unternommen werden
und aus Konsultationen mit unseren Gesprächspartnern Nutzen zu ziehen, bevor Entscheidungen gefällt
werden.
Das erscheint mit jedenfalls als Zweck solcher Verbindungen - die Entwicklung eines echten Dialogs über
europäische Sicherheitsfragen, die uns ebenso sehr
angehen wie die Staaten, mit denen wir nun kooperieren möchten, anstatt gegeneinander zu arbeiten. In
diesem Geist möchte ich erklären, wie sehr wir die
Beiträge der hier anwesenden osteuropäischen und
sowjetischen Teilnehmer begrüßen. Ihre Beteiligung
wird uns helfen, eine gemeinsame Zukunft zu schaffen.
Ich möchte darüber hinaus kurz auf die Konsultationen
mit anderen Nicht-NATO-Staaten eingehen. Wie Sie
wissen, haben die US-Mission und die NATO dieses

Seite 3

�Frühjahr eine große japanische Delegation zu einer
Konferenz über weltweite Sicherheitsfragen eingeladen. Es war die erste Veranstaltung ihrer Art. Es mag
ein Klischee sein, von einer kleiner werdenden Welt zu
sprechen, aber die Ereignisse am Golf erinnern uns
heute daran, daß wir global betrachtet verletzlich sind
und daß wir weltweite Pflichten haben.
Im Zuge der Umstrukturierung der NATO erscheint es
mir notwendig, daß ihre Vision über die traditionelle
Rolle hinaus erweitert werden muß. Wir müssen über
den Atlantik hinausgehen, um die gewonnene und
bewahrte Freiheit aufrechtzuerhalten. Wir sollten Japan
und andere demokratische Industriestaaten in unsere
Diskussionen über die Weltsicherheit einbinden. Deshalb
begrüße ich die japanische Vertretung bei dieser
Konferenz.
Schluß
Abschließend möchte ich sagen, daß wir eine Sicherheitsstruktur in Europa anstreben, die Probleme bei
ihrer Entstehung lösen kann, bevor sie sich zu Krisen
entwickeln. Wir streben Freiheit in Stabilität an. Und
was wir für diese Stabilität benötigen, ist eine veränderte NATO, wie sie sich nun entwickeln muß, eine

*

Seite 4

*

gestärkte und umfassend integrierte EG sowie einen
KSZE-Prozeß, der selbst die seit Helsinki erzielten
beträchtlichen Errungenschaften übertrifft.
Ich habe vorgeschlagen, wir sollten uns nicht zu ausführlich mit der Definition von Grenzen und Funktionen
zwischen diesen Institutionen beschäftigen, die in diesen
neuen Zeiten noch vielfach unerprobt sind. Wir können die Freiheit nicht dadurch gewährleisten, daß wir
unseren Horizont beschränken. Ebenso wenig können wir die Stabilität garantieren, indem wir starre
Formen anordnen. Stattdessen streben wir eine reiche, locker miteinander verbundene und dynamische
Beziehung zwischen diesen Institutionen an - ein System,
das Erschütterungen abfedern kann.
Wir sollten mit dem gelegentlichen Ausfall einer Komponente, die sich einer bestimmten Aufgabe widmet,
rechnen und gleichzeitig die Integrität des Ganzen
gewährleisten. Mit Logik können wir nur einen Anfang
machen, das Ziel werden wir durch Erfahrung erreichen.
Alle Ihre Beiträge - planerische Modifikationen, strukturelle Verbesserungen, erweiterte Funktionen - sind
willkommen und werden sorgfältig geprüft werden.

*

*

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�I W F/ W E LT BANK
26. September 1990

VEREINIGTE STAATEN PRÜFEN LINDERUNG DER
SCHULDENLAST FÜR ÄRMERE LÄNDER
Rede von Finanzminister Brady beim Gemeinsamen
Entwicklungsausschuß
WASHINGTON - (AD) - Dem US-Finanzminister Nicholas Brady zufolge werden die Vereinigten Staaten
zusätzliche Optionen prüfen, um die Schuldenlast der Entwicklungsländer zu lindern, "einschließlich der
jüngsten Vorschläge über Hilfe für die ärmsten Länder".
In einer Rede - die der Unterabteilungsleiter im Finanzministerium, John Niehuss, am 24. September 1990 in
Bradys Namen beim Gemeinsamen Entwicklungsausschuß des Internationalen Währungsfonds und der
Weltbank hielt - forderte Brady unter anderem Brasilien auf, "seine Zahlungsrückstände bei den Geschäftsbanken zu bewältigen und ein IWF-Programm zu verabschieden", um "eine solide Grundlage für Verhandlungen mit
den Gläubigerbanken zu schaffen".
Der Finanzminister forderte die Weltbank auf, eine aktivere Rolle bei der Entwicklung des Privatsektors zu
übernehmen. Er appellierte ferner an Sie, neue Programme zum besseren Schutz der tropischen Regenwälder
zu entwickeln.

Nachfolgend veröffentlichen wir Bradys Rede im Wortlaut.

Einführung
Beim Frühjahrstreffen des Entwicklungsausschusses
habe ich vorgeschlagen, daß der Ausschuß bei dieser
Tagung das Problem der Förderung des Privatsektors
anspricht, weil dieser Frage im Prozeß der Gesamtentwicklung entscheidende Bedeutung zukommt. Ich
danke dem Vorsitzenden und den Mitgliedern für ihre
Bereitschaft zur Erörterung dieses Themas. Ich möchte
diese Gelegenheit ergreifen, um die Auffassung der
Vereinigten Staaten darzulegen, welche Rolle die
Weltbankgruppe und der IWF zu Beginn der neunziger
Jahre bei der Förderung des Privatsektors spielen
können. In diesem Zusammenhang möchte ich auch
den Stand der verbesserten Schuldenstrategie und
Umweltprobleme ansprechen.
Privatsektor
Ich denke, wir sind uns einig, daß der Privatsektor eine
entscheidende Rolle im Prozeß der Entwicklung spielen muß. Wir stimmen wohl auch überein, daß wir die
Rolle der Weltbankgruppe stärken müssen, wenn es

AMERIKA DIENST 38

darum geht, den Privatsektor in Entwicklungsländern
zu fördern. Tatsächlich fordert das im Frühjar 1990
veröffentliche Kommunique "die Weltbankgruppe und
den Fonds auf, ihre Bestrebungen zur Förderung der
Entwicklung des Privatsektors weiter auszubauen".
Das Kommunique verweist ferner darauf, daß "Mitglieder die Bank beauftragten, bei ihrer Vorgehensweise der Entwicklung des Privatsektors hohe Priorität
einzuräumen, den Umfang ihrer Maßnahmen in diesem Bereich zu erweitern, und sich dabei gegebenenfalls neuer Ansätze und Instrumente zu bedienen..."
Wir wünschen uns, daß Weltbank und IWF diesem
Mandat ernsthaft und schnell entsprechen. Wir unterstützen nach wie vor die Arbeit beider Institutionen,
wünschen uns aber eine stärkere Förderung der Entwicklung des Privatsektors.
Die Aufgabe des IWF besteht darin, einen Grundstein
zu legen, indem er einzelnen Ländern hilft, ein solides
makroökonomisches Umfeld zu schaffen, in dem die
marktorientierte Entwicklung des Privatsektors gefördert und nicht durch unangemessene staatliche Politik
vereitelt wird.
Seite 1

�Im Einklang mit dem in diesem Kommunique festgelegten Mandat für die Weltbank würde ich es begrüßen, wenn die Entwicklung des Privatsektors in den
neunziger Jahren Vorrang bei der Arbeit der Weltbank
hätte. Dieser Schwerpunkt würde die Impulse aus
Osteuropa, Lateinamerika und anderen Ländern aufgreifen, als effektivstes Mittel zur Gewährleistung wirtschaftlichen Wohlstands Volkswirtschaften zu öffnen
und privates Unternehmertum zu fördern. Das Papier
des Entwicklungsausschusses zum Privatsektor stellt
die Frage, ob die Weltbankgruppe in den Bereichen
eine aktive Role bei der Förderung des Privatsektors
spielen sollte, in denen der Staat dominiert. Diese
Frage kann mit einem klaren Ja beantwortet werden.
Dennoch müssen wir mehr tun als nur die Bedeutung
des Privatsektors anzuerkennen. Wir müssen Maßnahmen ergreifen, die sicherstellen, daß die Weltbankgruppe bei der Förderung des Privatsektors einen
umfassenden und schlüssigen Ansatz verfolgt. Darüber hinaus muß es eine eindeutige Leitung geben, die
den innerhalb der Weltbankgruppe vorhandenen umfangreichen und ergiebigen Schatz der Ressourcen
und Instrumente koordiniert und sichtbar macht. Die
Bank könnte unter anderem folgende Maßnahmen
ergreifen, um dem Privatsektor größere Priorität einzuräumen und innerhalb ihrer Organisation die Vorgehensweise zu verbessern:
Sie könnte den Aktionsplan zur Entwicklung des
Privatsektors bestätigen und energischere
Schritte zu seiner Durchführung ergreifen, so
daß die Belange des Privatsektors in allen Bereichen der Weltbank berücksichtigt werden.
Sie könnte die Auswirkungen der bestehenden
Aktivitäten der Bank auf dem Privatsektor durch
bessere Koordination von Programmen der Internationalen Finanz-Korporation (IFC), der
Multilateralen
Investitionsgarantie-Agentur
(MIGA), des Beratungsdienstes für Auslandsinvestitionen (FIAS) und eigener Kreditvergabeaktivitäten der Bank maximieren.
Stärkere Betonung des Privatsektors bei den
Forschungsarbeiten sowie der makroökonomischen und sektoralen Tätigkeit der Bank.
Stärkung und Beschleunigung von Programmen, einschließlich einer stärkeren Betonung
von Krediten für den Investitionssektor, mit denen
Hemmnisse abgebaut und ein Klima geschaffen
wird, das privaten Investitionen im In- und Ausland
förderlich ist. Damit würde Präsident Bushs
Initiative "Enterprise for the Americas" sowie
die von der Interamerikanischen Entwicklungsbank im Bereich Investitionsreformen geleistete
Arbeit ergänzt.
Verbesserung von Effizienz und internationaler
Wettbewerbsfähigkeit der Finanzsektoren und

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Kapitalmärkte der Entwicklungsländer, um im
Inland angelegte Ersparnisse wirksamer zu
mobilisieren und für internationale Anlagen attraktiv zu werden, die zur Finanzierung von
Investitionen und Wachstum des Privatsektors
erforderlich sind.
Überprüfung des Humankapitals der Bank, um
einen qualifizierten Mitarbeiterstab mit solider
Erfahrung im Privatsektor und wirtschaftlichen
Fachkenntnissen aufzubauen.
Verstärkte Konzentration auf Maßnahmen des
Privatsektors in den länderspezifischen Kreditvergabestrategien der Bank. Es muß sichergestellt werden, daß bei Gesprächen des zuständigen Ausschusses die Entwicklung des Privatsektors angemessen berücksichtigt wird, und
zwar systematisch über die ganze Bandbreite
der Programme der Weltbankgruppe.
Schritte, mit denen sichergestellt wird, daß die
Kreditvergabe der Bank die Entwicklung privater Märkte nicht durch subventionierte Kredite
oder eine Verfestigung nicht konkurrenzfähiger
öffentlicher Unternehmen untergräbt.
Förderung der Privatisierung öffentlicher Unternehmen und Einstellung der Unterstützung für
Industrien im Staatsbesitz in Bereichen, in denen
der Privatsektor solche Dienste erfüllen kann.
Die IFC sollte in diesem Bereich eine aktivere
Rolle spielen. (Die Kreditvergabe der Bank ist
häufig dazu benutzt worden, die Effizienz staatlicher Unternehmen zu verbessern, ohne den
letzten Schritt einer Überleitung dieser Unternehmen in private Hände zu tun.)
Überprüfung der Kreditvergabe der Bank an
Entwicklungsfinanzierungsinstitutionen (DFIs),
wobei eine stärkere Beteiligung der IFC berücksichtigt werden muß.
Berücksichtigung der Interessen des Privatsektors bei Weltbankmissionen durch verstärkte
Kontakte der Weltbankmitarbeiter.
Fortsetzung der bereits angelaufenen Gespräche über den Schwerpunkt der IFC-Maßnahmen und ihren Kapitalbedarf in den neunziger
Jahren.
Dies sind nur einige Vorschläge. Ich fordere die Bank
und den Fonds auf, jetzt in diesem Bereich zu handeln.
Schulden
Darüber hinaus sind starke Privatsektoren, attraktive
Investitionsregelungen und die Rückkehr privaten
Fluchtkapitals unerläßlich, damit die Entwicklungsländer ihre Schuldenlast bewältigen können. Wir sind
erfreut über die Fortschritte, die im Rahmen der inter-

AMERIKA DIENST 38

�nationalen Schuldenstrategie erzielt wurden und plädieren dafür, sie weiterzuverfolgen.
Im vergangenen Jahr haben sechs Länder ihre Reformbemühungen intensiviert und im Rahmen der
verbesserten Schuldenstrategie Abkommen mit den
Handelsbanken geschlossen. Mehrere andere Länder
- darunter Bolivien, Ecuador, Polen und Uruguay haben Gespräche mit den Handelsbanken aufgenommen. Wir ermutigen sie zum baldigen Abschluß von
Vereinbarungen. Die Maßnahmen Brasiliens zur
Bewältigung seiner Zahlungsrückstände bei den Handelsbanken und zur Verabschiedung eines IWF-Programms werden ebenfalls eine solide Grundlage für
Verhandlungen mit den Gläubigerbanken schaffen.
Die Kombination von Reduzierung der Schulden bei
den Handelsbanken und wichtigen Wirtschafts- und
Investitionsreformen haben in mehreren Ländern zu
beachtlichen Ergebnissen geführt. Mexiko, Chile und
Venezuela ernten bereits die Früchte in Form neuer
Investitionszuflüsse.
Darüber hinaus tragen wir den Bedürfnissen von Staaten Rechnung, die hauptsächlich bei staatlichen Gläubigern verschuldet sind. Die amerikanische Initiative
"Enterprise for the Americas" wird einen drastischen
Abbau von Schulden derjenigen lateinamerikanischen
und karibischen Länder gegenüber den Vereinigten
Staaten zur Folge haben, die einschneidende Wirtschafts- und Investitionsreformen einleiten. Die Initiative wird ferner die Erweiterung des Handels ermutigen
und den Schutz der Umwelt unterstützen. Ebenso begrü ßen wir die jüngste Vereinbarung des Pariser Clubs
über die Verlängerung von Fälligkeiten und Umschuldungsaktionen für hochverschuldete Länder mit niedrigem mittlerem Einkommen. Wir engagieren uns
darüber hinaus für die Untersuchung weiterer Optionen zur Bewältigung der Schuldenlast, einschließlich
jüngster Vorschläge zur Hilfe an die ärmsten Staaten.
Zahlungsrückstände bei den multilateralen Entwicklungsbanken
Wir danken der Weltbank sowie der Afrikanischen,
Asiatischen und Interamerikanischen Entwicklungsbank für das Papier über Maßnahmen und Verfahren
zur Behandlung von Zahlungsrückständen bei den
multilateralen Entwicklungsbanken. Die Vereinigten
Staaten haben einige Vorschläge zur Verbesserung
von Maßnahmen der Weltbank im Hinblick auf die
Zahlungsrückstände unterbreitet und hoffen, daß diese Angelegenheit weiterverfolgt wird.
Umwelt
Zum Thema Umwelt beglückwünschen wir den Bankvorstand zum ersten Jahresbericht über die Umwelt.
Dieser Bericht ist umfassend. Er belegt eindeutig, daß
die Bank in einer zunehmenden Zahl von Bereichen
Fortschritte erzielt hat und bei der Bewältigung von
Umweltproblemen immer aktiver und effektiver wird.
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Über die Durchführung von Analyseverfahren zur
Schadwirkung von Stoffen sowie die Aufstockung an
Personal und intensivierte Ausbildung zur Bearbeitung
von Umweltfragen sind wir besonders erfreut.
Wir würden es begrüßen, wenn die Bank bei der
Erarbeitung neuer Programme zum besseren Schutz
der tropischen Regenwälder eine wesentlich aktivere
und innovativere Rolle spielen würde:
bei der Reform und Verbesserung der Aktionsplans zu tropischen Regenwäldern,
bei der Überarbeitung ihrer eigenen Maßnahmen, so daß Erhaltung und Gründung von Institutionen größere Aufmerksamkeit gewidmet wird,
bei der Entwicklung von Normen zur Bewertung
von Projekten, die negative Auswirkungen auf
tropische Regenwälder haben könnten,
bei der unverzüglichen Erarbeitung eines umfassenden Pilotporgramms in Brasilien, und
bei häufigerem Schuldennachlaß als Ausgleich
für die Erhaltung tropischer Regenwälder.
Ferner vertreten wir die Auffassung, daß die Bank
Energiesparprogrammen im kommenden Jahr höhere
Priorität einräumen sollte. Neues Personal mit besonderer Erfahrung und Fachwissen in diesem Bereich
sollte eingestellt werden. Das Verwaltungsprogramm
für den Energiesektor sollte im Hinblick auf eine Betonung der Minimalkostenplanung in den Schuldnerländern und umfassendere Anwendung erneuerbarer
Ressourcen neu belebt und verbessert werden. Diese
Aktivitäten sollten sich entschieden wirksamer in den
Darlehensprogrammen der Bank niederschlagen.
Es herrscht weitgehende Übereinstimmung über die
Notwendigkeit, beim Schutz von Wäldern und der
Förderung von Energiesparmaßnahmen raschere
Fortschritte zu erzielen. Beim Wirtschaftsgipfel in
Houston maßen die Staats- und Regierungschefs diesen
Bereichen hohe Priorität bei. Wir fordern die Bank auf,
einen Bericht über ihre Fortschritte in diesen zwei
Bereichen zu erarbeiten und ihn bei unserer
Frühjahrstagung zur Disposition zu stellen.
Schlußbemerkung
Abschließend möchte ich meinen Appell an die Weltbankgruppe und den IWF wiederholen, ihre Bemühungen auf dem Privatsektor zu intensivieren und den
Privatsektor zum Schlüsselthema der neunziger Jahre
zu machen. Die Bank hat mit ihrem Aktionsplan zur
Entwicklung des Privatsektors einen Anfang gemacht,
aber es muß noch mehr getan werden, um sicherzustellen, daß das Ziel der Entwicklung des Privatsektors
systematisch und automatisch in alle Bankaktivitäten
integriert wird. Hiermit habe ich einige Bereiche angesprochen, denen die Bank vermehrte Aufmerksamkeit
widmen könnte. Ich hoffe, dieser Ausschuß, die Bank
Seite 3

�und der Fonds werden andere spezifische und innovative Wege aufzeigen, um die Entwicklungsbestrebungen der Weltbankgruppe für den Privatsektor zu verbessern.

Zum Thema Umwelt beglückwünsche ich die Bank zu
der von ihr bisher geleisteten Arbeit und fordere sie auf,
mehr zu tun, insbesondere in den Bereichen Schutz
der tropischen Regenwälder und Energieeinsparung.

Im Hinblick auf die Schuldenprobleme müssen wir
weiterhin zusammenarbeiten, um die Schuldenlast der
Entwicklungsländer weiter zu reduzieren.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 38

�OSTEU ROPA
26. September 1990

INITIATIVEN DES PRÄSIDENTEN FÜR
MITTEL- UND OSTEUROPA
Der neueste Stand
Die US-Regierung hat zur Förderung von Demokratie und freier Marktwirtschaft in Mittel- und Osteuropa
beispiellose Initiativen für den öffentlichen und den Privatsektor ins Leben gerufen. Die nachfolgend veröffentlichte neueste Ausgabe der Reihe "Focus on Central and Eastern Europe", die über den neuesten Stand dieser
Initiativen berichtet, wurde am 7. September 1990 vom US-Außenministerium herausgegeben.

Bulgarien
Rechtsstaatlichkeit

Ein Seminar für Führungskräfte

Am 1. August 1990 trafen sich fünfzig Juristen, Mitglieder der internationalen Vereinigung für Menschenrechtsgesetzgebung, zu Gesprächen über amerikanische Hilfe bei der Erarbeitung rechtsstaatlicher Grundlagen für Mittel- und Osteuropa. Den Vorsitz dieser
Gespräche führten der Abteilungsleiter für Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten, Richard
Schifter, und der Stellvertretende Leiter des US-Informationsamtes (USIA), Walter Raymond. Beide Vorsitzende betonten die Notwendigkeit zur Förderung
besonderer Bedürfnisse der Länder Mittel- und Osteuropas. Darüber hinaus wiesen sie darauf hin, daß
Verfassungsgesetze, Strafrecht und Verwaltungsrecht
vorrangig bearbeitet werden sollten.

Die USIA-Außenstelle in Sofia und das bulgarische
Ministerium für au ßenwirtschaftliche Zusammenarbeit
veranstalteten vom 28. Mai bis 8. Juni 1990 ein Seminar für Führungskräfte, an dem vier Wirtschaftsexperten aus den Vereinigten Staaten und 35 Vertreter aus
der bulgarischen Industrie teilnahmen.

Journalisten untersuchen die amerikanische freie
Presse
Fünfzehn Journalisten aus Mittel- und Osteuropa haben
an einem von USIA und den amerikanischen Zeitschriftenverlegern geförderten Austauschprogramm
teilgenommen. Sie haben ein zehnwöchiges Praktikum in den Zeitschriftenredaktionen der führenden
Verlagshäuser in New York absolviert, wo sie die
Arbeit der amerikanischen freien Presse aus erster
Hand kennenlernen konnten. Zum Abschluß ihres
Programms trafen die Journalisten in Washington den
Direktor von USIA, Bruce Gelb, und hochrangige
Vertreter von National Endowment for Democracy,
U.S. News and World Report und National Geographie.

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Ungarn
Ungarische Parlamentarier besuchen die Vereinigten
Staaten
Sechs ungarische Parlamentarier besuchten im August mit einem USIA-Stipendium die Vereinigten Staaten, um dort etwas über Kommunalverwaltungen zu
lernen. USIA-Vertreter informierten die Gruppe über
die Bedeutung, die der Stärkung der Kommunalverwaltung in Mittel- und Osteuropa von der US-Regierung beigemessen wird. Die USIA-Vertreter verwiesen auf den Wunsch der US-Regierung, in Ungarn das
Gegenstück zu dem bereits in Polen mit dem Minister
für die Reform der Kommunalverwaltungen Jerzy
Regulski ins Leben gerufenen Programm zu schaffen.
Polen
Ausbildung von Angestellten im Dienstleistungsbereich
Die polnische Regierung prognostiziert, daß 10 Prozent der Arbeitnehmer bis Ende des Jahres 1990
arbeitslos sein werden. Um den Polen bei der Bewäl-

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�tigung ihrer zahlreichen Probleme im Zusammenhang
mit der Arbeitslosigkeit zu helfen, veranstaltet das USArbeitsministerium ein Ausbildungsprogramm auf freiwilliger Basis für künftige Berater. Es wird in erster
Linie solche Berater ausbilden, die Arbeitslosen als
Anlauf-und Informationsstelle dienen. Zu den Teilnehmern werden Mitglieder der Gewerkschaft Solidarität,
Beamte der Arbeitsämter und ehrenamtliche Helfer
der Kirchen zählen. Ihre Ausbildung wird Probleme
betreffen wie finanzielle Schwierigkeiten, Lebensmittelknappheit, psychischen Stress, Partnerschaftsprobleme, Alkohol- und Drogenmißbrauch, Bedarf des
öffentlichen Nahverkehrs und Arbeitsplatzbeschaffung.
Bei dem Projekt handelt es sich um ein Joint Venture
des Arbeitsministeriums, der AFL-ClOund Union Way
International, und es funktioniert ähnlich wie das Beraterprogramm des Gewerkschaftsdachverbandes AFLCIO, in dessen Rahmen vierzig Jahre lang Freiwillige
in den Vereinigten Staaten ausgebildet wurden. Soeben ist eine Planungsgruppe aus Polen zurückgekehrt,
und die Ausbildung soll bald beginnen.
Technologietransfer bei moderner Bautechnik für
Polen
Als Teil gemeinsamer Bestrebungen des US-Arbeitsministeriums, der dem Dachverband AFL-CIO angeschlossenen Gewerkschaft des US-Baugewerbes und
der Gewerkschaft Solidarität wurde in Praga (einem
Vorort von Warschau) ein neues Ausbildungszentrum
für Bauberufe errichtet. Im Zentrum wird auf der Basis
des Technologietransfers für Bauberufe ausgebildet.
Die erste Phase des Programms findet vom 4. September bis zum 7. November statt. Zehn polnische
Handwerker werden zu einer dreimonatigen Ausbildung die Vereinigten Staaten besuchen, dann in
Begleitung von fünf amerikanischen Handwerkern der
Gewerkschaft nach Polen zurückkehren, die den Polen bei der Ausbildung weiterer Handwerker helfen
werden. Der Coca-Cola-Fonds für Ausbildung im
gewerblichen Bereich stellt den polnischen Arbeitern
für ihren Aufenthalt in den Vereinigten Staaten Stipendien im Umfang von 150 000 Dollar zur Verfügung.
Neueste Entwicklungen in der ungarischen Wirtschaft
Das BSP sank im Jahr 1989 um 1,8 Prozent. Die
Industrieproduktion in den Staatsbetrieben lag in der
ersten Hafte des Jahres 1990 um 8 bis 10 Prozent
niedriger als vor einem Jahr. Für 1990 prognostiziert
die ungarische Regierung einen Rückgang des BSP
um 2 Prozent.
Die Verbraucherpreise stiegen 1989 um 18 Prozent.
Der Verbraucherpreisindex stieg 1989 um 18 Prozent.
Er war in der ersten Hafte des Jahres 1990 um 28

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Prozent höher als vor einem Jahr.
Die offizielle Arbeitslosenquote betrug 1989 weniger
als 0,5 Prozent. Die Arbeitslosigkeit steigt und wird
erwartungsgemäß Ende 1990 2 Prozent betragen.
Handel in harter Währung und Schuldenlast
Ungarn verzeichnete 1989 einen Handelsüberschuß
in harter Währung von 660 Millionen Dollar und ein
Leistungsbilanzdefizit von 1,4 Milliarden Dollar. In der
ersten Hafte des Jahres 1990 hatte Ungarn einen
Handelsüberschuß von 550 Millionen Dollar und einen
Leistungsbilanzüberschuß von 200 Millionen Dollar.
Ein Rückgang sowjetischer Ölexporte und höhere
Ölpreise auf dem Weltmarkt werden sich in der zweiten
Hälfte des Jahres 1990 negativ auf die Zahlungsbilanz
auswirken.
Ungarns Bruttoverschuldung beträgt etwa 20 Milliarden Dollar, davon 2 Milliarden Dollar bei internationalen Finanzinstitutionen, 2 Milliarden Dollar an bilateralen staatlichen Schulden, 15 Milliarden bei den Handelsbanken und 500 Millionen an sonstigen privaten
Schulden. Schuldendienst wird im Umfang von 40
Prozent geleistet. Die Devisenreserven betragen etwa
1 Milliarde Dollar.
Handel mit der UdSSR
Ungarn importiert den größten Teil seines Öls, mehr
als die Hälfte von Gas, Elektrizität und Rohstoffen
sowie bestimmte Maschinen und Geräte aus der UdSSR.
Ungarn exportiert Maschinen, Geräte, Busse, Verbrauchsgüter und landwirtschaftliche Produkte.
Durch die Umstellung der Wirtschaft auf harte Währung wird sich das Austauschverhältnis im Außenhandel für Ungarn 1991 um etwa 1 Milliarde bis 2 Milliarden
Dollar verschlechtem, wobei 720 Millionen Dollar durch
Ungarns Vorrat an sowjetischen Rubeln ausgeglichen
werden kann.
Der Stand der Reformen in der Wirtschaft
Die Regierung drängt auf schnelle Durchführung von
Reformen. Schwache internationale Finanzen und
eine Aversion gegen Umsetzungen wirken Sofortmaßnahmen entgegen.
Die Privatisierung wird zu Anfang im Einzelhandel und
der verbraucherorientierten Dienstleistungen und in
etwa 40 Großbetrieben aus verschiedenen Branchen
stattfinden. Die Privatisierung von Agrarflächen wird
auf der Basis der Eigentumsverhältnisse von 1947
stattfinden. Private Unternehmensgründungen werden unterstützt. Die volle Konvertibilität des Forint soll
in drei Jahren hergestellt sein.

*

AMERIKA DIENST 38

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                <text>&lt;strong&gt;1. Golfkrise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Internationale Reaktionen auf die irakische Invasion Kuwaits&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht über wirtschaftliche und politische Maßnahmen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Taft erörtert europäische Sicherheitsstruktur&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Taft bei der NATO&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. IWF/Weltbank&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vereinigte Staaten prüfen Linderung der Schuldenlast für ärmere Länder&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Finanzminister Brady beim gemeinsamen Entwicklungsausschuß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Osteuropa&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Initiativen des Präsidenten für Mittel- und Osteuropa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der neueste Stand&lt;/em&gt;</text>
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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

39

DEUTSCHE EINHEIT

üntted States InformstJon Ssrvte»
Embassy ot tne Uniteti Jüatos &lt;.•: .-vnefica
Library Services
Deichmanns Aue 29
5300Bonn2

3. Oktober 1990

BUSH LEITET VERTRAG ÜBER
VEREINIGUNG DEUTSCHLANDS
DEM SENAT ZU
Erklärung des Präsidenten, Text des Schreibens

SENAT ERÖRTERT DEN VERTRAG
ÜBER DIE ABSCHLIESSENDE REGLUNG
IN BEZUG AUF DEUTSCHLAND
Anhörung von Robert Zoellick im Senat

GOLFKRISE

UNO-REAKTIONEN AUF IRAKS
AGGRESSION "BEISPIELLOS"
Rede von Präsident Bush vor der
UN-Generalversammlung
BAKER: ÜBERGANG ZUR TAGESORDNUNG
MIT DEM IRAK UNMÖGLICH
Rede vor dem UN-Sicherheitsrat

KSZE

BUSH DRÄNGT KSZE ZU KONSOLIDIERUNG
DER FREIHEIT
Ansprache beim KSZE-Treffen in New York

WETLBANK/IWF

BUSH: ERFOLG DER GATT-RUNDE
UNABDINGBAR
Rede des Präsidenten bei Weltbank und IWF

SOWJETISCHE
MILITÄRMACHT

PENTAGON: SOWJETISCHE MILITÄRMACHT
IMMER NOCH "ENORM"
Auszüge aus "Die sowjetische Militärmacht 1990"

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�DEUTSCHE

EINHEIT
3. Oktober 1990

BUSH LEITET VERTRAG ÜBER VEREINIGUNG
DEUTSCHLANDS DEM SENAT ZU
Erklärung des Präsidenten, Text des Schreibens
WASHINGTON - (AD) - In einer Zeremonie im Rosengarten des Weißen Hauses hat Präsident Bush am 25.
September 1990 ein Schreiben an den Senat unterzeichnet, in dem dieser um die Zustimmung zum Vertrag über
die Vereinigung der beiden deutschen Staaten gebeten wird.
Nachfolgend veröffentlichen wir die von Präsident Bush aus diesem Anlaß abgegebene Erklärung sowie das
Schreiben an den Senat im Wortlaut.

Herr Botschafter, ich heiße Sie nochmals im Weißen
Haus willkommen. Außenminister Baker, verehrte
Gäste, ich freue mich, Sie alle zu diesem historischen
Ereignis begrüßen zu können.
In wenigen Minuten werde ich ein Schreiben an den
Senat der Vereinigten Staaten unterzeichnen, in dem
ich um seinen Rat und seine Zustimmung zur Ratifizierung des Vertrags über die abschlie ßende Regelung in
bezug auf Deutschland bitte. Dieser Vertrag bildet den
Höhepunkt sechsmonatiger Verhandlungen zwischen
den sechs Unterzeichnerstaaten - den beiden deutschen Staaten sowie den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich und der Sowjetunion. Darüber
hinaus bildet erden Höhepunkt von über vierzig Jahren
westlicher Entschlossenheit, von den dunkelsten Stunden des kalten Krieges bis zu den strahlenden neuen
Horizonten, die sich heute vor uns eröffnen.
Dieser Vertrag wird die künstliche Teilung Deutschlands und Berlins beenden. Er wird ferner die Souveränität Deutschlands über sein gesamtes Staatsgebiet
wiederherstellen und alle Rechte und Pflichten der Vier
Mächte aufheben. Dieser Vertrag macht den Weg zur
Erlangung des Ziels frei, das wir Amerikaner seit
langem mit dem deutschen Volk gemeinsam haben ein vereinigtes, demokratisches und souveränes
Deutschland.
Ich beglückwünsche Bundeskanzler Kohl und das so
lange geteilte deutsche Volk sowohl im Osten als auch
im Westen Deutschlands und in Berlin, daß sie ihren

AMERIKA DIENST 39

Traum von nationaler Selbstbestimmung so lange
lebendig erhalten haben. Zusammen mit unseren
Partnern im Atlantischen Bündnis sind wir Amerikaner
stolz darauf, Ihnen bei Ihrer langen Wacht zur Seite
gestanden zu haben. Wir sind besonders stolz darauf,
daß wir im vergangenen Jahr mit Ihnen auf das gemeinsamen Anliegen der Einheit Deutschlands hingearbeitet haben.
Unsere Politik, unser Engagement ist mit der Annäherung an dieses Ziel niemals schwankend geworden.
Heute teilen Deutsche und Amerikaner die Früchte
unserer Freundschaft, und gemeinsam mit unseren
deutschen Freunden blicken wir mit Hoffnung und
Zuversicht in die Zukunft des Neuanfangs, der durch
diesen Vertrag ermöglicht wird.
Stellvertretend für das amerikanische Volk und meine
Vorgänger im Amt des Präsidenten, die diese gemeinsame Entschlossenheit aufrechterhielten, freue ich
mich, dieses Schreiben unterzeichnen zu können, mit
dem dieses historische Dokument dem Senat zur
Beratung und Zustimmung zugeleitet wird.
Ich möchte besonders Außenminister Baker meinen
Dank aussprechen, der sich so intensiv dafür eingesetzt hat und noch einmal erklären, daß es mir ein
Vergnügen war, mit Bundeskanzler Kohl und anderen
Persönlichkeiten aus Deutschland bei dieser wichtigen
Frage zusammenzuarbeiten.
(Ende der Erklärung des Präsidenten)

Seite 1

�Text des Schreibens an den Senat:
An den Senat der Vereinigten Staaten
Ich leite hiermit den Vertrag über die abschließende
Regelung in bezug auf Deutschland und eine vereinbarte Protokollnotiz, die von den Vereinigten Staaten,
der Bundesrepublik Deutschland, der Deutschen
Demokratischen Republik, der Französischen Republik, der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken
und dem Vereinigten Königreich von Großbritannien
und Nordirland am 12. September 1990 in Moskau
unterzeichnet wurden, dem Senat zur Beratung und
Ratifizierung zu. Zur Information des Senats unterbreite ich ferner einen Bericht des Au ßenministeriums
zu diesem Vertrag.
Der von mir heute unterbreitete Vertrag bildet den
Höhepunkt sechsmonatiger Verhandlungen zwischen
den sechs Unterzeichnerstaaten, die als "Zwei-plusVier"-Forum bekanntgeworden sind, das zu diesem
Zweck im Februar 1990 in Ottawa ins Leben gerufen
wurde. Mit dieser Vereinbarung wird die künstliche
Teilung Deutschlands und Berlins beendet. Sie sieht
den vollständigen Abzug aller sowjetischen Streitkräfte innerhalb der nächsten vier Jahre vor. Darüber
hinaus hebt sie sämtliche verbleibenden Rechte und
Pflichten der Vier Mächte für Berlin und Deutschland
als Ganzes auf. Sie schafft deshalb die Grundlage für
die Entstehung einer vereinten, demokratischen und
souveränen Bundesrepublik Deutschland, die in der
Lage und bereit ist, volle und aktive Partnerschaft im
Nordatlantischen Bündnis, der Europäischen Gemeinschaft und den vielen anderen Foren internationaler
Zusammenarbeit zu übernehmen, zu denen die Bundesrepublik Deutschland bereits bedeutende Beiträge
geleistet hat.
Der Vertrag legt fest, daß die gegenwärtigen Grenzen
der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen
Demokratischen Republik die endgültigen und definitiven Grenzen des vereinigten Deutschlands sein werden. Sämtliche Regelungen in bezug auf die Grenzen
Deutschlands mit Polen wurden mit Beteiligung und
Zustimmung der polnischen Regierung ausgehandelt.
Der Vertrag legt fest, daß das Recht eines vereinten
Deutschlands, Bündnissen mit allen daraus resultierenden Rechten und Pflichten anzugehören, nicht
durch irgendwelche Bestimmungen des Vertrags
beeinträchtigt werden soll.
Der Vertrag sieht den Abzug aller sowjetischen Truppen von Gebiet eines vereinigten Deutschlands bis
Ende 1994 vor. Darüber hinaus verbleiben laut Vertrag
auf Antrag der deutschen Regierung die britischen,
französischen und amerikanischen Truppen während
der Übergangszeit in Berlin. Während dieser Zeit hat
die deutsche Regierung völlig freie Hand bezüglich der
Stationierung territorialer Verteidigungseinheiten ihrer
Streitkräfte auf dem Gebiet der ehemaligen Deutschen
Demokratischen Republik. Diese Streitkräfte gehören
Seite 2

nicht der integrierten militärischen Kommandostruktur
der NATO an. Im Anschluß an den Abzug der sowjetischen Truppen im Jahr 1994 wird es keine weiteren
Begrenzungen im Hinblick auf den Standort der deutschen Streitkräfte in ganz Deutschland und ihre Integration in NATO-Strukturen geben. Nichtdeutsche
verbündete Streitkräfte und Kemwaffensysteme werden nicht auf den Territorium der heutigen Deutschen
Demokratischen Republik stationiert oder disloziert.
Die vereinbarte Protokollnotiz - die ich Ihnen ebenfalls
zur Beratung und Zustimmung vorlege - definiert
bestimmte Vorschriften für die Anwendung des Terminus "disloziert".
Der Vertrag enthält eine Reihe von im Namen eines
vereinigten Deutschlands von der Bundesrepublik
Deutschland und der Deutschen Demokratischen
Republik gegebenen Zusicherungen. Unter ihnen sind
die Bekräftigung ihres Verzichts auf nukleare, biologische und chemische Waffen sowie ihre erklärte Absicht, die Personalstärke der deutschen Streitkräfte im
Verlauf von drei oder vier Jahren auf 370 000 Mann zu
reduzieren.
Schließlich sieht der Vertrag die Aufhebung aller verbleibenden Rechte und Pflichten der Vier Mächte für
Berlin und Deutschlands als Ganzes vor.
Darüber hinaus möchte ich die Aufmerksamkeit des
Senats auf den Wortlaut von drei Briefen lenken, die im
Zusammenhang mit sich aus der Vereinigung der
beiden deutschen Staaten ergebenden Fragen ausgetauscht wurden (dem Bericht des Außenministeriums
als Anlage beigefügt). Bei dem ersten Schreiben
handelt es sich um einen Brief von Außenminister
Baker an den Außenminister der Bundesrepublik
Deutschland, Hans-Dietrich Genscher, mit Datum vom
11. September 1990. Das zweite Schreiben ist ein
Brief von Außenminister Genscher und dem Ministerpräsidenten und Au ßenminister der Deutschen Demokratischen Republik, de Maiziere, an ihre Amtskollegen bei den Zwei-plus-Vier-Verhandlungen mit Datum
vom 12. September 1990. Das dritte Schreiben datiert
vom 18. September 1990 und wurde von Außenminister Genscher an seinen Amtskollegen Baker gerichtet.
In ihrem Schreiben vom 12. September an ihre Amtskollegen bei den Zwei-plus-Vier-Verhandlungen übermitteln der Außenminister der Bundesrepublik Deutschland, Genscher, und der Ministerpräsident undAußenminister der Deutschen Demokratischen Republik, de
Maiziere, offiziell mehrere zusätzliche Zusicherungen.
Darin enthalten ist ihre Erklärung, daß die Verfassung
eines vereinigten Deutschlands die freie demokratische Ordnung wahren und die dauerhafte Grundlage
zum Verbot von Parteien und Vereinigungen mit nationalsozialistischen Zielen bieten wird. In seinem Schreiben mit Datum vom 18. September an Außenminister
Baker stellt Au ßenminister Genscher ferner unmi ßverständlich fest, daß die Regierung eines vereinigten

AMERIKA DIENST 39

�Deutschlands die Verantwortung für die Abwicklung
ungeklärter Ansprüche gegen die Deutsche Demokratische Republik übernimmt und zwar sowohl von
amerikanischen Staatsbürgern als auch von jüdischen
Opfern des Naziregimes. In seinem Schreiben verpflichtet er seine Regierung, unmittelbar nach der
Vereinigung die unverzügliche und befriedigende Erfüllung von Ansprüchen jüdischer Opfer des Naziregimes gegen die Deutsche Demokratische Republik
anzustreben. In demselben Schreiben stellt er fest,
daß die Bundesrepublik Deutschland unmittelbar nach
der Vereinigung in Verhandlungen mit der Regierung
der Vereinigten Staaten von Amerika die Ansprüche
amerikanischer Staatsbürger, die zuvor mit der Deutschen Demokratischen Republik erörtert wurden, erledigen wird. Die in diesen beiden Schreiben enthaltenen Verpflichtungen sind ein weiterer Beweis, daß die
Regierung eines vereinigten Deutschlands die beispielhafte Bilanz der Bundesrepublik Deutschland bei
der Förderung demokratischer Werte aufrechterhalten
und weiter ausbauen wird.
Der Vertrag symbolisiert eine herausragende Errungenschaft für unsere deutschen Verbündeten, die die
Vergangenheit oder die Rolle, die Deutschland einstmals bei den Schrecken von 1933 bis 1945 gespielt
hat, nicht vergessen haben, die jedoch in über vier
Jahrzehnten unerschütterlicher Unterstützung für
Demokratie und das westliche Bündnis demonstriert
haben, was die Welt von einem vereinigten Deutschland erwarten kann.
Der Vertrag ist ferner ein Tribut an den Mut und die
Entschlossenheit des deutschen Volkes, Einheit in

*

AMERIKA DIENST 39

Frieden, Freiheit und im Einvernehmen mit seinen
Nachbarn zu erlangen.
Das Entstehen eines freien, vereinigten und demokratischen Deutschlands, das den Vereinigten Staaten
und seinen europäischen Nachbarn durch unlösbare
Bande der Freundschaft, gemeinsamer Werte und
gegenseitiger Interessen verbunden und das bereit ist,
als vollständig einbezogener Partner in einer größeren
Gemeinschaft demokratischer Nationen zu handeln,
war seit über 40 Jahren das beständige Ziel amerikanischer Außenpolitik. Kaum jemals hat ein Präsident
das Privileg gehabt, dem Senat ein Abkommen zur
Beratung und Zustimmung vorzulegen, das so uneingeschränkt unsere nationalen Ziele verwirklicht. Dieses Abkommen ist das Ergebnis jahrzehntelanger
unerschütterlicher Bestrebungen und Entschlossenheit ehemaliger Präsidenten und Kongresse sowie
unserer Verbündeten. Es ist eine Leistung, auf die wir
stolz sein können.
Es ist voll und ganz angebracht, daß die Deutschen
ihren Status als vereinigtes Land zum frühestmöglichen Zeitpunkt offiziell und unumkehrbar, ungehindert
durch heute veraltete und unnötige Rechte der Vier
Mächte erlangen, zu denen auch die Sowjetunion
gehört. Aus diesem Grund bitte ich den Senat, unverzüglich zu handeln, und über den Vertrag und die
vereinbarte Protokollnotiz zu beraten und seine Zustimmung zur Ratifizierung zu erteilen.

(Unterzeichnet) George Bush

* * *

*

Seite 3

�DEUTSCHE

EINHEIT
3. Oktober 1990

SENAT ERÖRTERT DEN VERTRAG ÜBER DIE
ABSCHLIESSENDE REGELUNG IN BEZUG
AUF DEUTSCHLAND
Anhörung von Robert Zoellick im Senat
WASHINGTON - (AD) - Robert Zoellick, Verhandlungsführer des Außenministeriums, gab dem Senat gegenüber am 28. September 1990 die Empfehlung ab, den "Vertrag über die abschlie ßende Regelung in bezug auf
Deutschland" zu ratifizieren.
In einer Anhörung vor dem Senatsausschuß für auswärtige Angelegenheiten erklärte Zoellick, "diese Regelung
symbolisiert die Verwirklichung eines beständigen Ziels der amerikanischen Außenpolitik: die Erlangung eines
vereinigten, demokratischen, souveränen Deutschlands."
Bei der Anhörung konzentrierte sich die Aufmerksamkeit vornehmlich auf die Artikel des Vertrags, die sich auf
eine Begrenzung der deutschen Streitkräfte und den bevorstehenden Abzug sowjetischer Streitkräfte aus der
damaligen Deutschen Demokratischen Republik beziehen.
Nachfolgend veröffentlichen wir Zoellicks Rede im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, verehrte Ausschußmitglieder,
ich danke für diese Gelegenheit, den Vertrag über die
abschließende Regelung in bezug auf Deutschland
heute vor diesem Ausschuß erörtern zu können. Insbesondere möchte ich Ihnen und Ihren Kollegen meinen Dank dafür aussprechen, daß sie diese Vereinbarung in einer Zeit dichtgedrängter Termine vorrangig
behandeln.
Es ist mir eine Ehre, dem Senat diesen Vertrag vorzulegen.
Diese Regelung symbolisiert die Verwirklichung eines
beständigen Ziels der amerikanischen Außenpolitik:
die Erlangung eines vereinigten, demokratischen,
souveränen Deutschlands.
Dieses Deutschland wird die fundamentalen politischen und wirtschaftlichen Werte der Vereinigten Staaten
teilen und ein Deutschland sein, das uns als Verbündeter zur Seite steht.

Es ist ein Triumph für den Präsidenten, der im Jahr
1948 unerschütterlich blieb, als Stalin seine Vertreter
anwies, den Alliierten Kontrollrat zu verlassen und die
Berlinblockade anordnete.
Es ist ein Triumph für den Präsidenten, der den Deutschen versicherte, sie seien nicht allein, indem er der
Welt gegenüber verkündete: "Ich bin ein Berliner."
Es ist ein Triumph für den Präsidenten, der forderte:
"Reißen Sie diese Mauer nieder."
Es ist ein Triumph für den Präsidenten, der die internationale Staatengemeinschaft bei der Unterstützung
Deutschlands anführte, als wir im vergangenen Jahr
an der Sicherstellung der friedlichen Vereinigung eines
demokratischen Deutschlands in einem ungeteilten
und freien Europa arbeiteten.
Es ist ein Triumph für diesen und alle vorherigen
Kongresse, die sich unerschütterlich gegen Aggression gewandt und für Freiheit eingesetzt haben.

Dies ist ein Triumph vierzigjähriger Arbeit.

AMERIKA DIENST 39

Seite 1

�Aber vor allem ist es ein Triumph für das amerikanische Volk, das einem ehemaligen Gegner beim Aufbau einer starken Demokratie und dem Wiederaufbau
einer florierenden Wirtschaft geholfen hat, und das
dann bereit war, gemeinsam mit dem deutschen Volk
Opfer auf sich zu nehmen, um dessen Freiheit zu
schützen. Und weil das amerikanische Volk weiß, daß
Freiheit unteilbar ist, haben auch wir niemals die
Hoffnung aufgegeben, daß ganz Deutschland eines
Tages frei sein würde.
Gelegentlich - und selbst in diesen Zeiten - behaupten
Kommentatoren und Kritiker im In- und Ausland, den
Vereinigten Staaten mangele es an Entschlußkraft
und Durchhaltevermögen. Während wir dieses Kapitel
des kalten Krieges schließen, hoffe ich, daß wir auch
etwas über den Platz der Vereinigten Staaten in der
Welt nach dem kalten Krieg sagen können: Die
Vereinigten Staaten können die Sache der Freiheit
anführen und erhalten - wenn wir geschlossen für unsere gemeinsamen Interessen eintreten.
Dieser abschließenden Regelung liegt jedoch noch
eine andere Geschichte zugrunde.
Es ist die Geschichte eines Volkes, das im Jahr 1953
den ersten Volksaufstand gegen eine neue Tyrannei
anführte.
Auch das deutsche Volk hat in der friedlichen Revolution von 1989 durchgehalten und gelitten und sich
erhoben. Sein Wunsch nach Selbstbestimmung hat
eine Mauer niedergerissen. Und das deutsche Volk ist
der Grund, warum ich Sie heute bitte, die letzten
Relikte der Rechte und Pflichten der Vier Mächte über
ein souveränes Deutschland aufzuheben.
Das Tempo der Ereignisse hat sich seit der Befreiung
des deutschen Volkes am 9. November vergangenen
Jahres erheblich beschleunigt.
Am 28. November 1989 legte Bundeskanzler Kohl
einen Ansatz dar, mit dem das Streben der Deutschen
nach Frieden und Freiheit verwirklicht werden sollte.
Sechs Tage später bekräftigte Präsident Bush seinen
Amtskollegen bei der NATO gegenüber, daß sich die
Vereinigten Staaten und die NATO seit 40 Jahren für
die Vereinigung der beiden deutschen Staaten eingesetzt hätten und wir niemals von diesem Ziel abweichen würden.
Der Präsident stellte als Leitfaden für unsere Politik
vier Prinzipien auf, die Außenminister Baker in seiner
Berliner Rede vom 12. Dezember 1989 weiter ausführte:
Erstens muß die Selbstbestimmung des deutschen
Volkes ungeachtet des Ergebnisses erfolgen.
Zweitens sollte die Wiederherstellung der Einheit im
Rahmen deranhaltenden Verpflichtung Deutschlands
gegenüber der NATO und der Europäischen Gemeinschaft erfolgen.
Seite 2

Drittens muß die Wiederherstellung der Einheit im
Interesse der allgemeinen europäischen Stabilität friedlich und schrittweise erfolgen.
Viertens sollten Grenzfragen gemäß den in der Schlußakte von Helsinki niedergelegten Grundsätzen gelöst
werden.
Diese Punkte fanden die Zustimmung der deutschen
Regierung und anderer Verbündeter, die gemeinsam
mit uns die erneuten Hoffnungen auf die deutsche
Einheit unterstützt haben.
Ich freue mich berichten zu können, daß die von uns
dem Senat unterbreitete abschließende Regelung diesen
vier Grundsätzen voll und ganz gerecht wird.
Nachdem die Vereinigten Staaten bei der Kursbestimmung im Hinblick auf die äußeren Aspekte der Vereinigung maßgeblich beteiligt waren, mußte ein Prozeß
geschaffen werden, der den entscheidenden Parteien
die Lösung der wichtigsten Fragen gestattete. Bis zum
Januar dieses Jahres hatte sich die innere Vereinigung
schon "am Boden" vollzogen. Wir wollten nichts tun,
was den Eindruck erwecken konnte, von außen würde
versucht, die Selbstbestimmung der Deutschen zu
verweigern oder zu verzögern. Der Vollzug der deutschen Einheit erforderte jedoch den vollständigen
Verzicht auf die Rechte und Pflichten der Vier Mächte.
Darüber hinaus verstärkte das Tempo der Ereignisse
"am Boden" die Ängste mancher der Vier Mächte,
insbesondere der Sowjetunion.
Um den gemeinsamen Interessen aller Parteien gerecht zu werden, brachten wir Ende Januar und Anfang
Februar dieses Jahres den Gedanken des Zwei-plusVier-Mechanismus' ins Spiel.
Am 13. Februar gaben wir in Ottawa die Einigung auf
diesen neuen Prozeß bekannt. Die "zwei" Deutschlands und ihr innerer Vereinigungsprozeß standen an
erster Stelle. Der "Zwei-plus-Vier"-Prozeß sollte es
ihnen jedoch ermöglichen, die äußeren Aspekte der
Vereinigung mit den Vier Mächten zu erörtern. Er
verschaffte uns einen Rahmen, innerhalb dessen wir
über die Aufhebung der verbleibenden Einschränkungen der Souveränität Deutschlands verhandeln und
damit die Vereinigung Deutschlands erleichtern konnten. Der Zwei-plus-Vier-Prozeß war femer flexibel
genug, um den besonderen Umständen Rechnung zu
tragen, insbesondere durch die Einladung an Polen, an
unseren Gesprächen über die Grenzen Deutschlands
teilzunehmen.
Wir haben dem Ausschuß den historischen Ablauf des
Zwei-plus-Vier-Prozesses schriftlich dargelegt, und
ich will deshalb in meiner Erklärung nicht mehr auf die
Einzelheiten eingehen. Ich wende mich nun statt
dessen der abschließenden Regelung zu, die den Höhepunkt unserer Arbeit darstellt.

AMERIKA DIENST 39

�Wir sind davon überzeugt, daß der Ihnen vorliegende
Vertrag ein gutes Abkommen ist. Sie haben den
Wortlaut des Vertrags, der vereinbarten Protokollnotiz
sowie von drei Briefen über andere Fragen von möglichem Interesse in Händen. Ich möchte kurz auf die
wichtigsten Artikel dieses Abkommens eingehen.
Die Präambel begrüßt den Entschluß des deutschen
Volkes, in einem demokratischen, vereinigten Staat zu
leben, erkennt die Veränderungen an, die zu einem
ungeteilten und freien Europa geführt haben und erläutert die Prinzipien, die den Kurs Europas nach Beendigung des kalten Krieges bestimmen sollten.
Artikel 1 bestätigt den endgültigen Charakter der Grenzen
des vereinigten Deutschlands. Der polnische Außenminister nahm an dem Treffen teil, bei dem diese
Grundsätze formuliert wurden, und am 15. September
1990 verkündete die polnische Regierung, sie sei mit
diesem Vertrag voll und ganz einverstanden.
Artikel 2 bekräftigt den Willen Deutschlands, daß von
deutschem Boden nur Frieden ausgehen wird.
In Artikel 3 bekräftigt Deutschland seinen Verzicht auf
Herstellung und Besitz von und Verfügungsgewalt
über atomare, biologische und chemische Waffen.
Der Artikel nimmt darüber hinaus Kenntnis von der in
vollem Einvernehmen mit der DDR abgegebenen
Erklärung der Bundesrepublik Deutschland, daß die
Streitkräfte des vereinigten Deutschlands innerhalb
von drei bis vier Jahren nach Inkrafttreten des ersten
KSE-Vertrags auf 370 000 Mann reduziert werden.
Artikel 4 regelt den Abzug der sowjetischen Truppen
von deutschem Boden bis zum Jahr 1994.
Artikel 5 betrifft die Stationierung von Streitkräften in
Berlin und der ehemaligen Deutschen Demokratischen
Republik. Er gestattet die Stationierung von NATOStreitkräften in der ehemaligen DDR nach dem sowjetischen Truppenabzug und erlaubt die Stationierung
deutscher Verbände der Territorialverteidigung, die
nicht in die Bündnisstrukturen integriert sind. Auf
Wunsch der deutschen Regierung werden amerikanische, britische und französische Truppen in dieser
Übergangsperiode in Berlin verbleiben. Nach diesem
Zeitraum dürfen ausländische Streitkräfte in der ehemaligen DDR weder stationiert noch dorthin verlegt
werden. In der vereinbarten Protokollnotiz wird verdeutlicht, daß alle Fragen in bezug auf die Anwendung
des Wortes "verlegt" im letzten Satz dieses Artikels
von der Regierung des vereinten Deutschlands entschieden werden.
Artikel 6 erlaubt die volle Mitgliedschaft Deutschlands
in der NATO. Er legt dar, daß das Recht des vereinigten Deutschlands auf Zugehörigkeit zu Bündnissen mit

* *

AMERIKA DIENST 39

allen sich daraus ergebenden Rechten und Pflichten
von diesem Vertrag nicht berührt wird.
Die übrigen Artikel regeln die Aufhebung der Rechte
der Vier Mächte, das Ratifizierungsverfahren, das
Inkrafttreten und die Hinterlegung der Urschrift des
Vertragstextes.
Die Begleitschreiben enthalten zusätzliche deutsche
Verpflichtungen im Hinblick auf ausstehende Forderungen amerikanischer Staatsbürger und Juden (und
zwar amerikanische Staatsbürger und Nichtamerikaner) gegen die DDR, die Erhaltung von Denkmälern für
die Opfer des Krieges und der Gewaltherrschaft, das
Verbot nationalsozialistischer Parteien und die Erörterung der von der DDR abgeschlossenen völkerrechtlichen Verträge. Ich möchte insbesondere den vom 18.
September datierten Brief von Außenminister Genscher betonen, der zur zügigen und befriedigenden
Regelung von Ansprüchen amerikanischer Staatsbürger und jüdischer Opfer des Holocaust gegen die DDR
verpflichtet.
Herr Vorsitzender, Deutschland wird sich am 3. Oktober vereinigen. Dies wird ein großer Tag für Deutschland, für seine Verbündeten und für Europa sein.
Die Parlamente der Vier Mächte haben die Ratifizierung dieses Vertrags in die Wege geleitet, der die
Rechte der Vier Mächte beendet. Das Parlament des
vereinigten Deutschlands wird sich nach der Vereinigung diesem Vertrag als absolut vordringlicher Frage
widmen. Wir hoffen, nächste Woche ein Dokument zu
unterzeichnen, das die Rechte der Vier Mächte in einer
Interimszeit zwischen der Vereinigung Deutschlands
und der Ratifizierung des Vertrags durch den letzten
Unterzeichnerstaat aufhebt.
Ich fühle mich deshalb von den Äußerungen Senator
Mitchells und einer Reihe anderer Senatoren aus
diesem Ausschuß stark ermutigt, die unser Engagement zur zügigen Behandlung dieses Vertrags teilen.
Wir möchten diese letzten Nachkriegsbeschränkungen so bald wie möglich beenden, damit wir unser
Verhältnis zum vereinigten Deutschland mit derselben
Achtung und Freundschaft beginnen können, die unsere Beziehungen auf dem langen Weg zum 3. Oktober gekennzeichnet haben.
Es ist daher ein besonderes Privileg, den Senat um
seinen Rat und seine Zustimmung zu diesem Vertrag
zu bitten, um die erfolgreiche Partnerschaft zwischen
Kongreß und Regierung zu besiegeln. Diese Partnerschaft hat dem gesamten deutschen Volk geholfen,
das Wort des ersten Kanzlers der Bundesrepublik
Deutschland neu zu fassen: Die Devise lautet nicht
länger "Freiheit über Einheit", sondern "Freiheit und
Einheit".

* *

*

Seite 3

�GOLFKRISE
3. Oktober 1990

UNO-REAKTION AUF IRAKS
AGGRESSION "BEISPIELLOS"
Rede von Präsident Bush vor der UN-Generalversammlung
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Präsident Bush zufolge war die "entschlossene Reaktion der Sicherheitsrats der
Vereinten Nationen auf die unprovozierte Aggression des Irak beispiellos" und fand in der Verabschiedung von
acht wichtigen Resolutionen im Hinblick auf die Lage am Persischen Golf ihren Niederschlag.
Alle hofften, daß die zur Durchsetzung der UN-Sanktionen gegen Irak und zur Verteidigung Saudi-Arabiens in
den Golf entsandten Streitkräfte nicht eingesetzt werden müssen und "unmittelbar nach Beendigung der Mission
nach Hause zurückkehren können". Die Vereinigten Staaten strebten eine "friedliche, diplomatische Lösung"
am Golf an, erklärte Präsident Bush vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen am 1. Oktober 1990.
"Die Hauptaufgabe der Welt besteht vornehmlich - heute und in allen Zeiten - darin, zu demonstrieren, daß
Aggression nicht toleriert oder belohnt wird".
Bush zufolge bietet sich heute eine "echte Möglichkeit, die Vereinten Nationen ihrem eigentlichen Zweck
entsprechend zu nutzen - als Zentrum für internationale kollektive Sicherheit". Er fuhr fort, die in der Sowjetunion stattfindenden Veränderungen hätten maßgeblich zur Stärkung der Vereinten Nationen beigetragen. "Die
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen haben endlich Containment und Konfrontation überwunden, und heute
versuchen wir, das Versprechen gegenseitigen Verständnisses zu erfüllen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Präsident Bush im Wortlaut.

Es ist mir eine große Ehre, heute zur Eröffnung einer
historischen Sitzung der Generalversammlung der
Vereinten Nationen zu Ihnen sprechen zu können.
Vor 45 Jahren, als die Feuer eines tragischen Krieges
noch über zwei Ozeane und zwei Kontinente fegten,
begann eine kleine Gruppe von Männern und Frauen
inmitten der Ruinen nach Hoffnung zu suchen. Sie
kamen in San Francisco zusammen, ließen die Schrekken hinter sich, um eine neue Struktur zu schaffen, mit
der vielleicht ein alter Traum realisert werden könnte.
Ungeheuer idealistisch und dennoch vom Krieg geprägt, versuchten sie eine neue Art von Brücke zu
bauen, eine Brücke zwischen Nationen, eine Brücke
die dazu beitragen könnte, die Menschheit von ihrer
dunkelsten Stunde zu ihrem strahlendsten Tag zu
leiten.
Die Gründung der Vereinten Nationen verkörperte
unsere tiefsten Hoffnungen auf eine friedliche Welt.
Und im vergangenen Jahr sind wir der Verwirklichung
dieser Hoffnungen näher als jemals zuvor gekommen.
Wir wurden Zeuge, wie im Verlauf dieses von Drohungen und Stacheldraht gekennzeichneten Jahrhunderts
AMERIKA DIENST 39

der Weg für ein neues Zeitalter von Frieden, Zusammenarbeit und Freiheit freigemacht wurde.
Die Revolution von 1989 fegte mit ungeahnter Eigendynamik über die Welt hinweg, von einem neuen Wind
der Freiheit getragen, der das politische Klima von
Mitteleuropa bis nach Mittelamerika veränderte und
praktisch jeden Winkel des Globus erreichte.
Dieser Wind wurde von einer einfachen, fundamentalen Tatsache entfacht, die heute praktisch weltweit
anerkannt ist: Der menschliche Geist kann nicht für
immer und ewig eingeschlossen werden. Tatsache ist,
daß die Menschen überall auf der Welt durch dieselben
Dinge motiviert werden: Die Chance, ein erfülltes
Leben zu leben - sich selbst für ein Leben zu entscheiden, in dem sie und ihre Kinder lernen, gesund aufwachsen, ungehindert ihre Religion ausüben und durch
ihrer Hände Arbeit zu Wohlstand gelangen können.
Wir sprechen nicht von der Macht der Nationen, sondern von der Macht des einzelnen. Der Macht, Entscheidungen zu treffen, Risiken einzugehen, der Macht
zum Erfolg.

Seite 1

�Dies ist eine neue und andere Welt. Erstmals seit 1945
sehen wir eine reale Möglichkeit, die Vereinten Nationen ihrem eigentlichen Zweckentsprechend zu nutzen
- als Zentrum für internationale kollektive Sicherheit.
Die in der Sowjetunion stattfindenden Veränderungen
haben maßgeblich zur Stärkung der Vereinten Nationen beigetragen. Die amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen haben endlich Containment und Konfrontation überwunden, und heute versuchen wir, das
Versprechen gegenseitigen Verständnisses zu erfüllen.
Der lange Kampf, der 45 Jahre lang Europa, unsere
beiden Nationen und einen Großteil der Welt gespalten hat, ist beendet. In den vergangenen zwei Jahren
hat sich sehr viel verändert. Die Sowjetunion hat
zahlreiche drastische und entscheidende Schritte
unternommen, um voll und ganz Mitglied der internationalen Staatengemeinschaft werden zu können.
Als die Sowjetunion so vielen von uns bei der Verurteilung der irakischen Aggression zustimmte, konnte kein
Zweifel daran bestehen, daß wir in der Tat vier Jahrzehnte der Geschichte hinter uns gelassen hatten.
Wir hoffen, daß das Instrumentarium der Vereinten
Nationen nicht länger durch die Zwietracht behindert
wird, die wir im Verlauf des kalten Kriegs erleben
mußten. Nun endlich können wir neue Brücken bauen
und alte Mauern niederreißen.
In zwei Tagen wird die Welt Zeuge, wie der kalte Krieg
in Berlin offiziell beendet wird. Und in dieser Zeit der
Prüfungen muß eine grundlegende Frage gestellt
werden. Eine Frage - nicht an eine einzelne Nation sondern an die Vereinten Nationen.

Diese Frage

lautet: Können wir in einer neuen Partnerschaft der
Nationen zusammenarbeiten? Kann die kollektive
Stärke der internationalen Staatengemeinschaft, die in
den Vereinten Nationen ihren Niederschlag findet, uns
bei Abschreckung und Verteidigung gegen Aggression
vereinigen?
Denn der im kalten Krieg geführte Kampf der Ideen ist
nicht der letzte dramatische Kampf dieses Jahrhunderts. Vor zwei Monaten, in den letzten Wochen eines
der hoffnungsvollsten Sommer der Geschichte wurde
die endlose, stille Schönheit der friedlichen kuwaitischen Wüste durch Dieselgestank und den Lärm von
Panzern verpestet. Wiederum verhallte das Grollen
eines entfernten Donners im wolkenlosen Himmel.
Und wiederum erwachte die Welt, um in Gewehrläufe
zu blicken.
Aber dieses Mal war die Welt bereit. Die entschlossene Reaktion des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen auf die unprovozierte Aggression des Irak war
beispiellos. Seit der Invasion am 2. August hat der
Sicherheitsrat acht wichtige Resolutionen verabschiedet, in denen die Bedingungen für eine Lösung der
Krise festgelegt sind.
Seite 2

Das irakische Regime muß sich den Tatsachen stellen. Wie ich bereits im vergangenen Monat gesagt
habe: Die Annexion Kuwaits wird nicht Bestand haben. Das ist nicht allein die Ansicht der Vereinigten
Staaten. Es ist die Ansicht eines jeden Kuwaiters, der
Arabischen Liga und der Vereinten Nationen. Die
irakische Führung sollte wissen: Der Irak hat den Rest
der Welt gegen sich. Ich möchte diese Gelegenheit
ergreifen, die Politik meiner Regierung zu verdeutlichen. Die Vereinigten Staaten unterstützen die Anwendung von Sanktionen, um die irakische Führung
zum unverzüglichen und bedingungslosen Abzug aus
Kuwait zu zwingen. Darüber hinaus unterstützen wir
die Lieferung von Arznei- und Nahrungsmitteln für
humanitäre Zwecke, solange die Verteilung entsprechend überwacht werden kann. Wir liegen nicht mit
dem irakischen Volk im Kampf. Wir wollen nicht, daß
es leidet. Die Welt kämpft gegen den Diktator, der die
Invasion befohlen hat.
Gemeinsam mit anderen Ländern haben wir Streitkräfte zur Durchsetzung der Sanktionen, zur Abschrekkung und gegebenenfalls Verteidigung gegen weitere
Aggression in die Region entsandt. Wir handeln nicht
aus Eigennutz, und unsere Streitkräfte sollen keinen
Tag länger als nötig in Saudi-Arabien bleiben. Die
amerikanischen Streitkräfte wurden auf Bitte der saudiarabischen Regierung entsandt. Das amerikanische
Volk - und dieser Präsident - wollen, daß jeder amerikanische Soldat unmittelbar nach Beendigung der
Mission nach Hause zurückkehrt.
Darüber hinaus möchte ich nochmals betonen, daß wir
alle hier bei den Vereinten Nationen hoffen, die Streitkräfte mögen niemals zum Einsatz kommen. Wir
streben ein friedliche, diplomatische Lösung an. Und
noch etwas - ich bin fest davon überzeugt, daß es im
Anschlu ß an den bedingungslosen Abzug des Irak aus
Kuwait Möglichkeiten geben wird: Für die endgültige
Beilegung der Streitigkeiten zwischen Irak und Kuwait,
für die Staaten am Golf, ein neues Stabilitätsgefüge
aufzubauen und für alle Staaten und Völker der Region, den Konflikt zu lösen, der Araber und Israelis
trennt. Die Hauptaufgabe der Welt besteht jedoch
vornehmlich - heute und in allen Zeiten - darin zu
demonstrieren, daß Aggression nicht toleriert oder
belohnt wird.
Durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ist
der Irak von einem Geschworenengericht ihm Ebenbürtiger - den Nationen der Welt - verurteilt worden.
Heute steht das Regime isoliert und als Anachronismus da, von der zivilisierten Welt nicht durch Raum,
sondern durch Jahrhunderte getrennt.
Die unprovozierte Aggression des Irak ist ein Rückfall
in ein anderes Zeitalter, ein dunkles Relikt einer finsteren Zeit. Der Irak hat Kuwait geplündert, unschuldige
Bürger terrorisiert und selbst Diplomaten als Geiseln
genommen. Der Irak und seine Führung müssen für
diese Verbrechen der Mißachtung und Zerstörung zur

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�Rechenschaft gezogen werden. Aber diese empörende Mißachtung grundlegender Menschenrechte kam
nicht völlig überraschend. Tausende von Irakern wurden
aus politischen und religiösen Gründen exekutiert und
noch mehr durch einen völkermörderischen, gegen
Iraks kurdische Dorfbewohner geführten Krieg unter
Einsatz chemischer Waffen.

Wenn wir in die Zukunft blicken, bietet der Kalender
einen Meilenstein, eine Meßlatte, an der wir unseren
Fortschritt als internationale Staatengemeinschaft
messen können.
Das Jahr 2000 markiert einen Wendepunkt, an dem
nicht nur ein neues Jahrzehnt, nicht nur ein neues
Jahrhundert, sondern ein neues Jahrtausend anbricht.

Als internationale Staatengemeinschaft sind wir zum
Handeln verpflichtet - nicht nur, um den Einsatz unmenschlicher Waffen wie Senf- und Nervengas abzuschrecken - sondern, um solche Waffen endgültig
abzuschaffen. Aus diesem Grund habe ich vor einem
Jahr der Generalversammlung neue Vorschläge über
ein vollständiges Verbot dieser schrecklichen Waffen
unterbreitet.

In zehn Jahren, bei der 55. Sitzung der Generalversammlung, werden sich wiederum viele von uns in
diesem Saal einfinden, die Haare etwas mehr ergraut,
vielleicht mit etwas weniger schwungvollem Gang.
Aber wir werden nicht von weniger Hoffnung oder
Idealismus, oder weniger Vertrauen in den endgültigen
Triumph der Menschheit geleitet sein.

Ich habe versprochen, die Vereinigten Staaten würden
in den ersten acht Jahren des Vertrags über ein Verbot
chemischer Waffen über 98 Prozent ihres Bestands
zerstören und 100 Prozent in 10 Jahren, wenn alle
Nationen mit C-Waffenfähigkeit den Vertrag unterzeichnen.

Ich sehe eine Welt der offenen Grenzen, des offenen
Handels und - was am wichtigsten ist - der geistigen
Offenheit. Eine Welt, die sich des gemeinsamen
Erbes erfreut, das allen Menschen auf der Welt gehört,
die nicht nur auf ihren Heimatort oder ihr Heimatland
stolz sind, sondern auf die Menschheit als Ganzes.

Wir haben dieses Versprechen eingehalten. Im Juni
haben die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion ein
bahnbrechendes Abkommen über die Einstellung der
Produktion und die Zerstörung eines Gro ßteils unserer
Bestände unterzeichnet. Heute werden die chemischen Waffen der Vereinigten Staaten zerstört.

Ich sehe eine Welt, in der ein olympischer Geist
herrscht: Gegründet nicht auf einen Wettstreit aus
Furcht, sondern auf Freude und Ausgelassenheit und
wahres Streben nach herausragenden Leistungen.

Aber die Zeit läuft uns davon. Dies ist nicht nur ein
bilaterales Anliegen. Die Golf krise beweist, wie wichtig
gemeinsames - und unverzügliches - Handeln ist, um
ein absolutes, weltweites Verbot dieser Waffen zu
verwirklichen. Wir müssen darüber hinaus unsere
Anstrengungen verdoppeln, die Verbreitung von Kernwaffen, biologischen Waffen und ballistischen Raketen einzudämmen, die Vernichtung für weit entlegene
Völker bedeuten können.
Die Vereinten Nationen können dazu beitragen, einen
neuen Tag herbeizuführen, einen Tag, an dem diese
schrecklichen Waffen - und die schrecklichen Despoten, die sie zum Einsatz bringen - ein Relikt der
Vergangenheit sein werden. Es ist an uns, diese
dunkle Maschinerie hinter uns zu lassen, in den dunklen Zeiten, in die sie gehören und darauf zu drängen,
eine historische Entwicklung zu einer neuen Weltordnung und einem langen Zeitalter des Friedens zu
einem krönenden Abschluß zu bringen.
Wir haben die Vision einer neuen Partnerschaft der
Nationen, die über den kalten Krieg hinausgeht. Einer
auf Konsultationen, Kooperation und kollektivem Handeln
- insbesondere in internationalen und regionalen Organisationen - gegründeten Partnerschaft. Einer durch
Prinzipien und Rechtsstaatlichkeit und durch gerechte
Verteilung von Kosten und Pflichten getragenen Partnerschaft. Einer Partnerschaft, die mehr Demokratie,
Wohlstand, Frieden und weniger Waffen zum Ziel hat.

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Ich sehe eine Welt, in der die Demokratie weiterhin
neue Freunde gewinnt und alte Feinde umstimmt, in
der alle Teile Amerikas - Norden, Mitte und Süden - ein
Modell für die Zukunft der Menschheit schaffen können - die erste vollkommen demokratische Hemisphäre der Welt.
Und ich sehe eine Welt, die auf dem entstehenden
neuen Modell der europäischen Einheit aufbaut. Nicht
nur Europa, sondern die ganze Welt - "ungeteilt und
frei".
Gerade aus diesem Grund ist die Aggression am Golf
nicht nur eine Bedrohung für die Sicherheit der Region
selbst, sondern für die Vision der ganzen Welt von
unserer Zukunft. Sie droht, den Traum von einer
neuen internationalen Ordnung in einen grauenhaften
Alptraum der Anarchie zu verwandeln, wo das Gesetz
des Dschungels das Völkerrecht verdrängt.
Aus diesem Grund haben die Vereinten Nationen mit
solch historischer Einigkeit und Entschlossenheit reagiert. Und aus diesem Grund ist diese Herausforderung eine Prüfung, bei der wir nicht scheitern dürfen.
Ich bin zuversichtlich, daß wir uns durchsetzen werden. Der Erfolg wird dauerhafte Folgen haben - die
Stärkung zivilisierter Normen des internationalen Verhaltens, die Schaffung eines Präzedenzfalles für internationale Zusammenarbeit, die Verbesserung der
Aussichten unserer Vision von der Zukunft.
Es sind noch zehn Jahre bis zum Ende dieses Jahrhunderts. Zehn Jahre, um die Kämpfe des 20. Jahrhunderts für immer hinter uns zu lassen. Zehn Jahre,
Seite 3

�in denen wir eine neue Partnerschaft zwischen den
Nationen einleiten können. Und in diesen zehn Jahren
kommt den Vereinten Nationen von heute an eine neue
und vitale Rolle beim Aufbau dieser neuen Partnerschaft zu. Im vergangenen Jahr hat uns die Generalversammlung gezeigt, wie wir größere Fortschritte zu
pragmatischeren und erfolgreicheren Vereinten Nationen machen können. Zum ersten Mal beginnt der UNSicherheitsrat so zu funktionieren, wie es von Anfang
an gedacht war.

Wie freie Wahlen, so betrachte ich auch die allgemeine
UNO-Mitgliedschaft aller Staaten als entscheidend für
die Zukunft dieser Organisation und der neuen Partnerschaft, über die wir gesprochen haben. Zur Unterstützung dieses Prinzips und in Zusammenhang mit
Bemühungen der UNO zum Abbau regionaler Spannungen befürworten die Vereinigten Staaten uneingeschränkt die UNO-Mitgliedschaft der Republik Korea.
Wir tun dies, ohne das Endziel der Wiedervereinigung
der koreanischen Halbinsel in Frage zu stellen und
ohne eine gleichzeitige Mitgliedschaft der Volksrepublik Korea abzulehnen.

Heute ist die Zeit gekommen, alte Debatten, alte
Verfahren, alte Kontroversen und alte Resolutionen
beiseitezulegen. Es ist an der Zeit, polemische Angrif- Zur Entwicklung dieser und anderer Initiativen müssen
fe durch pragmatische Maßnahmen zu ersetzen.
wir uns alle in einem neuen Bund zusammenschließen, um die Vereinten Nationen in das 21. Jahrhundert
Wir haben bewiesen, daß die Vereinten Nationen auf zu führen. Ich rufe heute zu umfassenden und langfridie kollektive Stärke der internationalen Staatenge- stigen Bemühungen dafür auf. Wir sollten auf dem
meinschaft zählen können. Wir haben bewiesen, daß Erfolg unseres verehrten Generalsekretärs, meines
sich die Vereinten Nationen der Herausforderung von alten Freundes und Kollegen, Javier Perez de Cuellar,
Aggression stellen können, wie ihre Gründer dies aufbauen. Wir sollten nach mehr Effektivität und
erhofft hatten. Und heute in dieser Zeit der Prüfung Effizienz der Vereinten Nationen streben.
müssen wir darüber hinaus beweisen, daß die Vereinten Nationen der Ort sind, um internationale Unterstüt- Die Vereinigten Staaten verpflichten sich, ihren Teil
zung und einen Konsens zu bilden, damit die anderen beizutragen, um weltweite Sicherheit aufrechtzuerhalvor uns liegenden Herausforderungen bewältigt wer- ten und Demokratie und Wohlstand zu fördern. Meine
den.
Administration engagiert sich uneingeschränkt für die
Unterstützung der Vereinten Nationen und dafür, zu
Die Welt bleibt ein gefährlicher Ort. Unsere Sicherheit bezahlen, wozu wir uns aufgrund der Charta verpflichund unser Wohlergehen hängen häufig - zumindest tet haben. Weltfrieden und -Sicherheit - sowie internateilweise - von Geschehnissen ab, die sich weit ent- tionale Freiheit und Wohlstand - erfordern dies.
fernt zutragen. Wir brauchen ernsthafte, internationale und kooperative Bemühungen, um Fortschritte bei Die Welt muß wissen und verstehen: Von dieser
Bedrohungen der Umwelt, beim Terrorismus, bei der Stunde, von diesem Tage an, aus diesem Saal schreiBewältigung der Schuldenlast, beim Kampf gegen die ten wir nach vorn mit einer neuen Zielstrebigkeit,
Geißel des internationalen Drogenhandels und bei einem neuen Gefühl für Möglichkeiten. Wir stehen
Flüchtlings- und Friedenssicherungsbemühungen auf zusammen, sind bereit, gegen den Strom zu schwimder ganzen Welt zu erreichen.
men, Hindemisse zu überwinden, die schwierigen
Herausforderungen in Angriff zu nehmen, die sich uns
Die Welt bleibt jedoch auch ein Ort der Hoffnung. stellen werden - nicht nur als Vereinte Nationen, sonForderungen nach Demokratie und Menschenrechten dern als Nationen der Welt, die vereint stehen.
leben überall wieder auf. Diese Forderungen sind
Ausdruck der Unterstützung für die in der UNO-Charta Vom letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts soll einverankerten Werte. Sie ermutigen unsere Hoffnungen mal gesagt werden können: Dies war eine Zeit, in der
auf eine stabilere, friedlichere und wohlhabendere die Menschheit endlich mit sich ins reine kam. Als wir
Welt.
aus dem Ruß und Rauch des Industriezeitlaters heraustraten, um eine Revolution des Geistes zu verwirkFreie Wahlen sind die Grundlage demokratischer lichen und eine Reise zu einem neuen Tag, einem
Regierungen und können tiefgreifende Erfolge bewir- neuen Zeitalter und einer neuen Partnerschaft der
ken, wie wir in Namibia und Nicaragua feststellen Nationen anzutreten.
konnten. Die Zeit ist gekommen, um der Rolle der
UNO bei solchen Bemühungen eine formalere Struk- Die Vereinten Nationen erfüllen heute dieses Verspretur zu verleihen. Ich schlage deshalb heute vor, daß chen als Friedensparlament der Welt. Ich beglückdie Vereinten Nationen einen Sonderkoordinator für wünsche Sie. Ich unterstütze Sie. Und ich wünsche
Wahlhilfe ernennen, dem eine UN-Wahlkommission Ihnen Gottes Segen für die kommenden Herausfordezur Seite stehen soll, die sich aus renommierten Fach- rungen.
leuten in aller Welt zusammensetzt.
* * * * *

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AMERIKA DIENST 39

�GOLFKRISE
3. Oktober 1990

BAKER: ÜBERGANG ZUR TAGESORDNUNG
MIT DEM IRAK UNMÖGLICH
Rede vor dem UNO-Sicherheitsrat
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Angesichts der vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gegen den Irak
verhängten neuen Sanktionen erklärte US-Außenminister Baker, mit dem Regime des irakischen Präsidenten
Saddam Hussein "kann man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen", bis seine "brutale Aggression"
gegenüber Kuwait zunichte gemacht worden sei.
"Tatsächlich kann es überhaupt keine Wirtschaftsbeziehungen mit dem Irak geben", erklärte Baker, nachdem
der Sicherheitsrat mit einer Abstimmung von 14 zu 1 Stimme seine achte Resolution seit Saddam Husseins
Invasion und Besetzung des benachbarten Kuwait am 2. August verabschiedete, in der der Irak verurteilt wird.
Die Resolution verbietet den gesamten zivilen Flugverkehr mit dem Irak und dem besetzten Kuwait, außer zu
humanitären Zwecken.
Der Irak ist "unter Quarantäne gestellt, weil seine Vorgehensweise ihn von der Staatengemeinschaft isoliert hat",
erklärt der US-Außenminister in Sicherheitsrat. "Wir befinden uns in einem Kampf, in dem unsere Willenskraft
auf die Probe gestellt wird. Wir dürfen nicht zulassen, daß unsere Hoffnungen und Wünsche vom Ehrgeiz oder

den Drohungen eines Diktators zertreten werden."
Die Verabschiedung der Resolution 670 "demonstriert erneut, daß die internationale Staatengemeinschaft bereit
ist, zugunsten der Isolation des Irak jedes Schlupfloch zu stopfen", erklärte Baker.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenminister Baker im Wortlaut.

Unsere heutige Zusammenkunft ist außergewöhnlich.
Dies ist erst das dritte Mal in der 45jährigen Geschichte
dieser Organistion, daß alle Außenminister der fünf
Ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats zusammenkommen. Die Vereinten Nationen sind kaum jemals
mit einem so dreisten Akt der Aggression konfrontiert
worden wie der irakischen Invasion in Kuwait. Kaum
jemals hat die internationale Staatengemeinschaft eine
solche Einigkeit und Entschlossenheit demonstriert,
daß Aggression nicht zum Erfolg führen sollte.

Nationen würde an Wert verlieren - genau in dem
Augenblick, in dem sie ihrer Verwirklichung näher ist
als jemals zuvor in ihrer Geschichte.

Aktionen haben Konsequenzen! Wenn die internationale Staatengemeinschaft dem Irak gestatten würde,
einen kleinen Nachbarn zu überwältigen und von der
Landkarte auszuradieren, würde damit eine verheerende Botschaft vermittelt. Die Hoffnungen der Welt
auf ein neues, friedlicheres Zeitalter nach dem kalten
Krieg würden schwinden. Die Charta der Vereinten

Elementare Gerechtigkeit und eine besonnene Verfolgung unserer eigenen Interessen haben in dieser
Angelegenheit einmalige Solidarität hervorgebracht.
Wir befinden uns in einem Kampf, in dem unsere
Willenskraft auf die Probe gestellt wird. Wir dürfen
nicht zulassen, daß unsere Hoffnungen und Wünsche
vom Ehrgeiz oder den Drohungen eines Diktators
zertreten werden.

AMERIKA DIENST 39

Im Namen der Vereinigten Staaten möchte ich dem
Rat erklären, daß wir tatsächlich Hoffnungen auf eine
bessere Welt hegen. Die Charta der Vereinten Nationen steht für die Werte des amerikanischen Volkes
und aller Menschen, die wissen, daß Macht allein kein
Recht schaffen darf.

Seite 1

�Unser Ziel muß eindeutig sein und von allen, auch der
irakischen Regierung und dem irakischen Volk richtig
verstanden werden. Die Resolutionen 660 und 662
des Sicherheitsrats weisen den Weg zur Beilegung
des Konflikts: den vollständigen, unverzüglichen und
bedingungslosen Abzug des Irak aus Kuwait, die
Wiedereinsetzung der rechtmäßigen kuwaitischen
Regierung und die Freilassung aller Geiseln. Bis dahin
wird die internationale Staatengemeinschaft mit Resolution 661 und den nachfolgenden Resolutionen für
jeden Tag, an dem die irakische Aggression andauert,
eine hohe und steigende Strafe verhängen.
Die Strafen zeigen erste Auswirkungen, und die kriegerische Sprache aus Bagdad kann die Gefahren der
Isolation nicht überdecken. Drohungen verlängern nur
unnötig die Leiden des irakischen Volkes. Der Irak ist
unter Quarantäne gestellt worden, weil seine brutale
Vorgehensweise ihn von der internationalen Staatengemeinschaft abgesondert hat. Man kann nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Tatsächlich kann
es überhaupt keine Wirtschaftsbeziehungen mit dem
Irak geben.
Heute unterstützen die Vereinigten Staaten zusammen mit anderen Mitgliedern dieses Rats eine neue
Resolution und zusätzliche Maßnahmen:
Erstens verweist der Rat ausdrücklich darauf, daß
Resolution 661 des UNO-Sicherheitsrats auch den
zivilen Flugverkehr umfaßt. Dies demonstriert erneut,
daß die internationale Staatengemeinschaft bereit ist,
zugunsten der Isolation des Irak jedes Schlupfloch zu
stopfen.
Zweitens kommen wir überein, Maßnahmen gegen
jede Regierung zu ergreifen, die einen Versuch zur
Aufhebung der internationalen Quarantäne unternehmen könnte. Keine Versuchung noch so minimaler
Vorteile sollte irgendeine Regierung zur Komplizenschaft mit dem irakischen Angriff auf internationale
Gerechtigkeit und Anstand veranlassen. Ich würde
sogar sagen, je effektiver die Durchführung der Sanktionen , desto wahrscheinlicher ist der friedliche Verlauf
dieses Konflikts.
Drittens erinnern wir die Regierung des Irak daran, daß
es nicht in ihrem Ermessen steht, internationale Verpflichtungen, insbesondere die humanitären Bestimmungen der vierten Genfer Konvention, zu mißachten.
Jeder Tag, an dem irakische Vertreter Grundregeln
des Anstands außer acht lassen, erschwert dem Irak
die Wiederaufnahme in der internationalen Staatengemeinschaft und die Wiedergutmachung des angerichteten Schadens. An diesem Punkt möchte ich auf die
Forderung der Arabischen Liga nach Reparationen
verweisen.
Darüber hinaus sind Tausende unschuldiger Menschen heimatlos geworden. Aus diesem Grund unterstützen die Vereinigten Staaten koordinierte und ein-

Seite 2

heitliche Bestrebungen der Flüchtlingshilfe. Die Ernennung von Saddrudin Aga Kahn ist ein wichtiger
Schritt in diese Richtung.
Viertens unterrichtet der Rat die irakische Regierung
davon, daß ihre anhaltende Nichteinhaltung weitere
Maßnahmen, unter anderem nach Kapitel VII, nach
sich ziehen wird. Die internationale Staatengemeinschaft hat eindeutig ihren Wunsch nach Ausschöpfung
aller friedlichen Möglichkeiten zur Lösung dieser Angelegenheit im Einklang mit den Prinzipien der UNOCharta zum Ausdruck gebracht. Aber wir sind uns alle
sehr wohl bewußt, daß die Charta die Möglichkeit
weiterer einzelner und kollektiver Maßnahmen in Betracht zieht, um sich gegen Aggression und eindeutige
Verletzung internationaler humanitärer Grundsätze zu
verteidigen.
Eduard Schewardnadse hat für uns alle gesprochen,
als er heute erklärt hat: "Dies ist ein massiver Affront
gegen die Menschheit. Im Lichte der jüngsten Ereignisse sollten wir diejenigen, die Aggression als akzeptables Verhalten betrachten, daran erinnern, daß die
Vereinten Nationen über die Macht zur Unterdrückung
von Akten der Aggression verfügen. Es besteht ausreichend Grund zu der Annahme, daß sie von diesem
Recht Gebrauch machen werden. Das wird geschehen , wenn die illegale Besetzung Kuwaits fortbesteht."
Es ist wichtig, zu betonen, daß die von uns verhängten
Sanktionen auf eine Umkehrung der aggressiven Politik
der irakischen Regierung abzielen. Sie richten sich
nicht gegen das irakische Volk, das gezwungen ist, mit
den Konsequenzen einer fehlgeleiteten Politik zu leben.
Der Rat erkennt, daß seine Sanktionen - wie alle
unvorhergesehenen Ereignisse - zahlreiche Mitgliedstaaten teuer zu stehen kommen können. Wir haben
die Pflicht zu gewährleisten, daß kein Land gelähmt
wird, weil es für die Grundsätze der internationalen
Ordnung einsteht. Die Vereinigten Staaten arbeiten
mit anderen Ländern an der Koordinierung internationaler Bestrebungen, um denjenigen Hilfe zu leisten,
die sie am dringendsten benötigen.
Herr Präsident, Mitglieder des Rats, das Ende des
kalten Kriegs hat viele Bedeutungen - vor allem eine
Wiedergeburt der Hoffnung. Die Horizonte der Demokratie, Menschenrechte, nationaler Würde und wirtschaftlichen Fortschritts haben sich ständig erweitert.
Das Ergebnis war auch die Wiedergeburt der Vereinten Nationen. Plötzlich scheinen die Vision der Charta
und die Verwirklichung internationaler Kooperation in
greifbarer Nähe zu liegen. In Mittelamerika, in Namibia
und vielleicht bald in Kambodscha und Afghanistan
setzt diese Organisation mit ihrem Beitrag als Friedensstifter Signale. Zumindest bringen wir erstmals
die Ausbreitung von großen und kleinen Konflikten
unter Kontrolle, die der Menschheit einen so hohen
Preis abfordern.

AMERIKA DIENST 39

�Jetzt sehen wir uns alle zusammen einer ungeheuren
Herausforderung an die Vereinten Nationen und alles,
wofür sie steht, gegenüber. Wenn die Vereinten
Nationen ihre Mission erfüllen und wenn der Frieden
Bestand haben soll, dann darf der irakische Führer von

seinem Angriff auf Anstand und menschliche Grundwerte nicht profitieren dürfen. Wir müssen das tun,
was Gerechtigkeit, Ehre und der Weltfrieden uns
abverlangen: Saddam Husseins brutale Aggression
zunichte machen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 39

Seite 3

�KSZE
3. Oktober 1990

BUSH DRÄNGT KSZE ZU KONSOLIDIERUNG
DER FREIHEIT
- Ansprache beim KSZE-Treffen in New York NEW YORK - (AD) - Präsident Bush hat am 1. Oktober 1990 die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) aufgefordert, den Zuwachs an Freiheit zu "konsolidieren", der "in dem enormen politischen
Umbruch, der das Angesicht Europas verändert hat", seinen Niederschlag gefunden habe.
In einer Ansprache bei der ersten KSZE-Konferenz außerhalb Europas erklärte Bush vor den Außenministern
der 35 Staaten, die Schlußakte von Helsinki aus dem Jahr 1975 - die Gründungscharta der KSZE - sei "Ursprung
und Katalysator" der Veränderungen in Osteuropa gewesen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten beim New Yorker KSZE-Treffen im Wortlaut.

Stellvertretend für das amerikanische Volk ist es mir
eine große Ehre, Sie alle in den Vereinigten Staaten
willkommen zu heißen. Es ist besonders angemessen, daß diese Zusammenkunft der Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa - die erste
auf amerikanischem Boden - in dieser Zeit tiefgreifender Veränderungen stattfindet. Europa tritt in ein
neues und vielversprechendes Zeitalter ein, und dasselbe gilt für die amerikanischen Beziehungen zu
Europa.
Wir Amerikaner sind mit Europa durch ein gemeinsames Erbe, eine gemeinsame Geschichte und durch
gemeinsame kulturelle Bande verknüpft. Durch das
Atlantische Bündnis und die umfassendere Partnerschaft, die unsere beiden Kontinente und unsere Völker verbinden, haben wir zusammen das Ende der
Teilung Europas bewirkt und unseren Blick auf ein
neues, ungeteiltes und freies Europa gerichtet. Zusammen können wir eine neue transatlantische Partnerschaft in der KSZE schmieden - einen Staatenbund
freier Nationen, der den zwischen uns liegenden Ozean
überbrückt.
Im vergangenen Jahr haben wir eine Welt im Wandel
erlebt. Deutschlands lang erwarteter Freudentag bildet den Höhepunkt eines Jahres der Veränderungen,
die einen Kontinent umgestaltet haben. Dieser Umbruch legt Zeugnis ab von der Macht der in der Charta
der KSZE - der Schlußakte von Helsinki - verankerten
Prinzipien. Darin - in den vor 15 Jahren in Helsinki
AMERIKA DIENST 39

niedergelegten Menschenrechten und Grundfreiheiten - erkennen wir Ursache und Katalysator dessen,
was ich als die Revolution von 1989 bezeichne.
In den dunkelsten Tagen der Diktatur strahlten diese
Prinzipien weiter - als leuchtender Stern, der gewöhnliche Menschen zu außergewöhnlichen Taten inspirierte. Denken Sie an Walesa, den Vater der Solidarität. An Sacharow - und seine unbeugsame Menschlichkeit im Angesicht der Repression. An Havel,
Mazowiecki und Antall: Unlängst noch politische
Gefangene - heute Präsident und Ministerpräsidenten
von dreien der jüngsten Demokratien der Welt. Und
Schelew, ein weiterer ehemaliger Häftling, heute Präsident Bulgariens. Denken Sie an all die Millionen
einfacher Männer und Frauen: Endlich frei, ihre Meinung zu äußern - frei, zu leben, arbeiten und glauben,
wie sie möchten.
Die KSZE hat Anteil an diesem gewaltigen Triumph
des menschlichen Geistes. Unsere Herausforderung
besteht jetzt darin, mit dem enormen politischen Umbruch
Schritt zu halten, der das Angesicht Europas verändert
hat - eine KSZE zu schaffen, die diesen großen
Zuwachs an Freiheit konsolidieren und Ost und West
einander näher bringen kann. In Ost- und Mitteleuropa soll diese KSZE dazu beitragen, schwer errungene
demokratische Prinzipien zu verankern und zu stärken. Eine KSZE, die Anteil daran hat, eine solide
Grundlage der Freiheit in dem neuen Europa zu sichern, das heute entsteht.
Seite 1

�Beim Londoner Gipfel im Juli haben die politisch Verantwortlichen des Atlantischen Bündnisses eine Reihe
von Vorschlägen unterbreitet, deren Ziel die Stärkung
der KSZE und die Bündelung ihrer Energien in neue
Richtungen ist.
Wir fordern die Mitgliedstaaten der KSZE auf:
Ein Zentrum zur Konfliktverhütung ins Leben zu
rufen - um auf dem Erfolg der KSZE bei der
Schaffung Vertrauens- und sicherheitsbildender
Maßnahmen aufzubauen, die so viel dazu beigetragen haben, das Risiko eines Krieges aus
Versehen oder aufgrund von Fehleinschätzungen zu reduzieren.
Ein kleines ständiges Sekretariat zu schaffen,
das der KSZE dienen soll - ein Sekretariat, das
einen beschleunigten Fahrplan für KSZE-Konsultationen und Folgekonferenzen unterstützen
könnte.
Ein KSZE-Wahlbüro zu schaffen - um freie und
faire Wahlen zu fördern, das grundlegende demokratische Prinzip, aus dem alle anderen folgen.
Für die Vereinigten Staaten möchte ich die Hoffnung
zum Ausdruck bringen, daß diese neuen Institutionen
- zum gegebenen Zeitpunkt - in den neuen Demokratien Mittel- und Osteuropas angesiedelt werden.
Beim Londoner Gipfeltreffen haben wir darüber
hinaus eine Einladung an die Mitgliedstaaten
ausgesprochen, eine "Europäische Versammlung" einzuberufen: ein Parlament, in dem die
wachsende Familie der Demokratien einen

gemeinsamen Kurs zu diesem neuen, ungeteilten und freien Europa ausarbeiten kann.
Heute, da wir die Vorbereitungen für einen Gipfel der
KSZE-Staaten treffen, appelliere ich an die Minister,
dieses Treffen zu einem Meilenstein in der Geschichte
der KSZE zu machen.
Aus diesem Grund möchte ich noch einen Bereich
ansprechen, in dem rasche Fortschritte entscheidende Bedeutung haben: die andauernden Verhandlungen über die konventionellen Streitkräfte in Europa.
Ein Abkommen zur Reduzierung der konventionellen
Streitkräfte bildet weiterhin den Eckpfeiler einer neuen
Sichei heitsarchitektur für Europa. Aus diesem Grund
gehen die Vereinigten Staaten davon aus, daß ein
Abkommen über die konventionellen Streitkräfte eine
Grundvoraussetzung für einen KSZE-Gipfel bildet.
Ich fordere deshalb heute die Unterhändler in Wien
auf, ihre Anstrengungen in den kommenden Wochen
zu verdoppeln. Wir müssen die noch ausstehenden
Fragen lösen und eine Übereinkunft erzielen, damit
dieses Jahr ein Gipfeltreffen stattfinden kann.
Vor 15 Jahren - in einem in Ost und West gespaltenen
Europa - bot die KSZE eine Vision eines vereinten
Europas - ungeteilt und frei. Heute, da dieses Europa
in greifbare Nähe gerückt ist, bleibt die KSZE von
entscheidender Bedeutung für all das, was Europa
werden kann.
Ich möchte Sie nochmals willkommen heißen. Möge
der Geist, der Europa auf dem Weg nach vorn geführt
hat, auch Ihre Gespräche leiten - und möge Ihrem
Treffen Erfolg beschieden sein.

* * * *

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*

AMERIKA DIENST 39

�IWF/WELTBANK
3. Oktober 1990

BUSH: ERFOLG DER GATT-RUNDE UNABDINGBAR
Rede des Präsidenten bei Weltbank und IWF
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush zufolge können die derzeit unter der Schirmherrschaft des Allgemeinen
Zoll- und Han&lt; Jelsabkommens (GATT) abgehaltenen Handelsgespräche der Uruguay-Runde "die Triebfeder für
Wirtschaftswachstum sein, das uns ins 21. Jahrhundert führt".
In seiner Ansprache vor der Jahresversammlung von Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) am
25. September 1990 forderte Bush die Nationen der Welt auf, ihren Teil beizutragen. In einem ungewöhnlich
starken Appel' für einen erfolgreichen Abschluß der Handelsgespräche warnte der Präsident, ein Scheitern der
Verhandlungen werde "unweigerlich zunehmenden protektionistischen Druck und politische Instabilität ermutigen", etwas, das - so Bush "wir uns schlecht leisten können während wir eine neue Partnerschaft der Nationen
gegen die Aggression am Persischen Golf schmieden."
Bush gab die Gründung einer neuer Finanzkoordinierungsgruppe unter dem Vorsitz des amerikanischen
Finanzministers Nicholas Brady bekannt, die Hilfsleistungen an die von der Golfkrise am meisten betroffenen
Länder weiterleiten soll. Der Präsident forderte die Bank und den Fonds darüber hinaus auf, Maßnahmen zur
Unterstützung der weltweiten Entwicklung zu freien Märkten zu erarbeiten und unterstrich das amerikanische
Engagement ;:ur Förderung von Entwicklung und Wachstum in den aufstrebenden Demokratien in Lateinamerika, Mittel- und Osteuropa, Afrika und Asien.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Präsident Bush im Wortlaut.

Es ist mir eine Ehre und ein Vergnügen, auch in diesem
Jahr wieder mit Ihnen zusammenzutreffen und Sie in
Washington zu diesem bedeutsamen Ereignis willkommen heißen zu dürfen. Und es ist mir eine
besondere Ehre, heute die neuen Mitglieder aus Bulgarien, der Tschechoslowakei, Namibia und natürlich
die Gäste aus der Sowjetunion begrüßen zu können.
Ihre Anwesenheit führt uns vor Augen, wie die Ereignisse des vergangenen Jahres eine neue Partnerschaft der Nationen hervorbringen - und dies ist ein
grundlegender und in der Tat ermutigender Wandel in
der politischen und wirtschaftlichen Ordnung der Welt.
Der in den achtziger Jahren bereits starke Trend zu
demokratischer Herrschaft beschleunigte sich während der sogenannten Revolution von 1989. Die
Rechte des einzelnen wurden bekräftigt und die Rechtsstaatlichkeit besser gewahrt.
Die Freiheit, politisch Verantwortliche - und selbst
politische Systeme - zu wählen, hat in den Ländern
tiiumphiert, die noch vor einem Jahr von Einparteienregimen regiert wurden. Und im Einklang damit begann sich auch wirtschaftliche Freiheit zu entwickeln.
AMERIKA DIENST 39

Heute sehen die politisch Verantwortlichen der Welt in
den Marktkräften das Mittel zur Befriedigung der
Bedürfnisse ihrer Völker. Natürlich hat sich dieser
Wandel nicht problemlos vollzogen. Aber wie ich vor
einem Jahr - bei derselben Veranstaltung - gesagt
habe: "Die Geschworenen haben ihre Entscheidung
gefällt. Die Geschichte hat entschieden." Und heute
sind die Ergebnisse dieses weltweiten Experiments
unmißverständlich. Heute herrscht Konsens, daß
Regierungen allein keinen Wohlstand schaffen können.
Vielmehr macht Wirtschaftswachstum den einzelnen
frei - frei, Risiken einzugehen, Entscheidungen zu
treffen, seine Initiative und Fähigkeiten auf dem Markt
einzusetzen. Wir beobachten dies beispielsweise bei
der Wiederherstellung von Privateigentum in Ländern,
in denen der Staat einst jeden Aspekt des Wirtschaftslebens kontrollierte. Für effiziente Produktion ist Privateigentum immer noch der stärkste Anreiz, den es
gibt.
Zusammen mit der Verjüngung der Märkte ist die
Fähigkeit, individuelle Wirtschaftsentscheidungen zu
Seite 1

�treffen, der schnellste, wirksamste Weg, breitgefächertes Wirtschaftswachstum zu erzielen und erhalten. Aus diesem Grund leiten die politisch Verantwortlich überall auf der Welt schwierige Wirtschaftsreformen in die Wege, bauen stärkere, flexiblere Privatsektoren auf, verbessern die Effizienz und machen die
Entscheidungsfindung der Regierungen rationaler.
Dieser Prozeß erfordert Zeit. Wirtschaftliche Anpassung ist häufig schwierig. Und in den vergangenen
Monaten ist eine neue Herausforderung aufgetreten,
die diesen Prozeß des Wandels behindern könnte: Die
illegale und nicht provozierte Aggression des Irak
gegen den souveränen Staat Kuwait.
Kuwait und seinem Volk wird eindeutig der größte
Schaden zugefügt. Als die saudi-arabische Grenze
geöffnet wurde, berichteten die neu angekommenen
Flüchtlinge aus Kuwait von neuen Greueltaten und
Schrecken, denen sich das kuwaitische Volk und
Ausländer durch die Besatzungstruppen Saddam
Husseins ausgesetzt sahen.
Heute müssen andere Länder, die sich bereits mit
einem schmerzlichen wirtschaftlichen und politischen
Umbruch konfrontiert sehen, zusätzliche Härten in
Kauf nehmen. Länder, die durch die Unwägbarkeiten
der Ölversorgung, im Handel, durch die Entlassung
von Arbeitnehmern und Flüchtlingsströme erschüttert
werden, sehen sich ernsthaften Herausforderungen
gegenüber.
Diese wachsende Bürde, die auf den am härtesten
betroffenen Ländern lastet, erfordert eine großzügige
Reaktion der internationalen Staatengemeinschaft. Aus
diesem Grund haben wir bereits begonnen, Finanzmittel für die Frontstaaten zu mobiliseren und verantwortungsvolle Lastenteilung unter den Gläubigerländern
sicherzustellen. Die erste Reaktion auf diese Bestrebungen war beeindruckend. Damit Verpflichtungen
jetzt in konkrete Beiträge umgemünzt werden können,
ist es mir eine Ehre, in diesem Zusammenhang die
Gründung der Golf krise-Finanzkoordinierungsgruppe
unter dem Vorsitz von Finanzminister Brady bekanntgeben zu dürfen, die wirksame, rechtzeitige und kontinuierliche finanzielle Unterstützung dieser am härtesten betroffen Länder zum Ziel hat.
Wir dürfen jedoch eine noch größere Gruppe von hier
anwesenden Ländern nicht außer acht lassen, die
unter höheren Ölpreisen und anderen wirtschaftlichen
Engpässen leiden wird.
Obwohl sich die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit zu recht auf die Länder am Krisenherd gelenkt hat,
die die schwerste Wirtschaftslast tragen, darf ich Ihnen
versichern, da ß die übrige Welt sicherlich nicht vergessen wurde und wird.
Diese Zusammenkunft führender Vertreter der Finanzwelt bietet uns eine Gelegenheit zur Erörterung,

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wie wir zusammenarbeiten können, um die besondere
Finanzlast dieser Krise zu bewältigen, und zwar so,
daß der dramatische, weltweite Übergang zu freien
Märkten nicht gefährdet wird.
Der IWF und die Weltbank sind - angesichts ihrer
Schlüsselrolle in der Weltwirtschaft - das Instrument,
das uns allen durch diese Situation hindurchhelfen
kann, indem sie eine Kombination von politischem Rat
und Finanzhilfe bereitstellen. Die politische Führung
der UNO muß durch die wirtschaftliche Führung von
IWF und Weltbank ergänzt werden.
Finanzminister Brady wird in seiner Rede einige spezifische Vorschläge für mögliche Wege zur wirksameren Nutzung laufender IWF- und Weltbankprogramme machen. Ich möchte jedoch nochmals wiederholen: Wir sind entschlossen, den historischen Prozeß
demokratischen Wandels nicht durch das brutale
Verhalten eines Aggressors unterminieren oder die
Entwicklung zu marktorientierten Wirtschaftssystemen
aus dem Ruder laufen zu lassen.
Ich möchte mit einer Vision von der Rolle der Vereinigten Staaten und der Weltwirtschaft fortfahren, an der
wir alle teilhaben können.
Erstens sind wir der Überzeugung, daß die Vereinigten
Staaten zu wirtschaftlicher Stabilität und Wachstum
beitragen sollten. Der größte Beitrag, den die Vereinigten Staaten vielleicht zu einer gesunden Weltwirtschaft leisten können, ist, unser eigenes Haus in
Ordnung zu bringen. Unser Haushaltsdefizit muß
unter Kontrolle gebracht und abgebaut werden.
Zweitens sind die Vereinigten Staaten der Förderung
von Entwicklung und Wachstum in den aufstrebenden
Demokratien in Lateinamerika, Mittel- und Osteuropa,
Afrika und Asien aufs stärkste verpflichtet. In allen vier
Regionen arbeiten wir im Rahmen des Bradyplans an
der Linderung der Schuldenlast. Auf unserem Kontinent, wo der Schuldenüberhang Fortschritt verhindert,
haben wir die Initiative "Enterprise for the Americas" in
die Wege geleitet, um Wirtschaftswachstum durch
Ausbau von Handel und Investitionen zu fördern,
Schulden gegenüber der US-Regierung abzubauen
und Mittel für notwendige Umweltprojekte vor Ort
bereitzustellen. In Osteuropa, wo eine massive
Umstrukturierung erforderlich ist, arbeiten wir mit anderen
Nationen zusammen, um den aufstrebenden Demokratien Hilfsleistungen in Milliardenhöhe zur Verfügung zu stellen. Im immer noch unterentwickelten
Afrika haben viele der Länder mit den niedrigsten
Einkommen bereits vom Schuldennachlaß gegenüber
den Vereinigten Staaten profitiert.
Drittens verpflichten sich die Vereinigten Staaten zur
Schlüsselrolle von IWF und Weltbank bei der Verwirklichung von Wirtschaftsreformen. Reformbestrebungen können nur Erfolg haben, wenn die Länder ihren
Teil der Verantwortung übernehmen. Und das bedeu-

AMERIKA DIENST 39

�tet die Durchführung von Reformen und Privatisierung,
solide makroökonomische Maßnahmen und Strukturpolitik sowie offene Grenzen für Handel und Investitionen.
Aus diesem Grund ist Ihre Arbeit in dieser Woche in
Washington so wichtig. Seit über 40 Jahren haben der
Fonds und die Bank in aller Stille die Talente und
Energien von Industrie- und Entwicklungsländern in
den weltweiten Kampf gegen die Armut eingebracht.
Und heute, in einer Welt, die nicht mehr durch Ideologien und Supei machtblöcke geteilt ist, sind Bank und
Fonds zum Paradebeispiel internationaler Zusammenarbeit geworden. Insbesoidere würdigen wir Ihre
Arbeit an einer Studie über die sowjetische Volkswirtschaft von beispiellosem Unifang. Diese Studie bildet
die Grundlage für Wirtschafts-, Finanz- und Strukturreformen.
Im Verlauf der kommenden Woche wird ein Teil Ihrer
Aufgabe auch darin bestehen, die Zukunft ihrer beiden
renommierten Institutionen :u planen. Ich verpflichte
mich zur kontinuierlichen Unterstützung der Vereinigten Staaten füi eine Weltbank und einen IWF, die so
eindeutig unseren gemeinsamen Kampf zur Verbesserung der Lebensqualität i Her Menschen voranbringen.
Aus diesem G und unterstützen wir die IWF-Quotenaufstockung nnd verbesserte Maßnahmen im Hinblick auf die Zahlungsrückstände beim IWF. Darüber
hinaus möchten wir beide Institutionen auffordern, ihre

Aufmerksamkeit verstärkt auf die Schaffung dynamischer Privatsektoren in den Mitgliedstaaten zu konzentrieren - dem wichtigsten Stimulans zur Belebung
dieser neuen Marktwirtschaften.
Ferner möchten wir die Weltbank bitten, drei anderen
für gesundes und anhaltendes Wachstum unabdingbaren Bereichen hohe Priorität beizumessen. Erstens
dem Umweltschutz. Wie ich im letzten Jahr bereits
gesagt habe: Zerstörung der Umwelt kennt keine
Grenzen. Zweitens muß die Ausmerzung der Armut
weiterhin ein zentrales Anliegen der Bank sein. Und
drittens unterstützen wir Bestrebungen zur Integration
von Frauen in den Entwicklungsprozeß uneingeschränkt.
Nicht zuletzt müssen wir bei unserer Zukunftsplanung
am Edolg einer anderen wichtigen internationalen
Wirtschaftsinstitution zusammenarbeiten - dem GATT.
Von heute an sind es weniger als 70 Tage, die der
vierjährigen Uruguay-Runde internationaler Handelsgespräche verbleiben. Dauerhafte Reformen sind für
Industrie- und Entwicklungsländer gleichermaßen
unabdingbar. Sie sind der Schlüssel zu einer erfolgreichen Runde, die neue Reoeln und Chancen für alle
Länder schafft. Diese Verhandlungen sind eine der
größten wirtschaftlichen Chancen der Welt in diesem
Jahrzehnt. Aber es bleibt noch viel zu tun.
Die Runde behandelt nicht nur Handels- sondern auch
AMERIKA DIENST 39

Wachstumsprobleme. Ui ld sie ist nicht nur eine Übung
für Bürokraten in Genf. Die Handelsgespräche sind
der "letzte Zug, der abfährt", und alle Länder der Welt
müssen aufspringen. Sie können die Triebfeder für
Wirtschaftswachstum sein, das uns ins 21. Jahrhundert führt.
Die Runde verspricht, Hemmnisse in vier entscheidenden Bereichen aus dem Weg zu räumen, die in den
vorhergehenden Runden nicht behandelt wurden:
Dienstleistungen, Investitionen, geistiges Eigentum
und Landwirtschaft. In der Tat sind Agrarreformen
nach wie vor der größte Hemmschuh und drohen die
übrigen Themen der Runde zum Scheitern zu bringen.
Wir müssen die Bauern mit den Bauern konkurrieren
lassen statt mit den tiefen Taschen der Regierungen.
Wir benötigen eine erfolgreiche Lösung der Agrarfragen, wenn wir ein Abkommen erzielen wollen.
Wenn die Länder der Welt in der verbleibenden Zeit
nicht den politischen Mut zur Bewältigung dieser schwierigen Themen aufbringen, werden wir neue Märkte für
unsere Wirtschaftstätigkeit verlieren, unseren Verbrauchern höhere Preise auferlegen und auf neue
Arbeitsplätze und höhere Einkommen für Arbeitnehmer in allen Ländern verzichten müssen.
Und das schlimmste ist, wir werden das vitale, erprobte
Gefüge internationaler Zusammenarbeit gefährden.
Ein Scheitern der Runde wird unweigerlich zunehmenden protektionistischen Druck und politische Instabilität ermutigen. Das ist etwas, was wir uns schlecht
leisten können während wir eine neue Partnerschaft
der Nationen gegen die Aggression am Persischen
Golf schmieden.
Ich bitte Sie, innerhalb Ihrer Regierungen aktiv an der
Sicherstellung des Erfolgs mitzuarbeiten. Und ich bitte
meine Amtskollegen weltweit - wie wir es beim Wirtschaftsgipfel in Houston getan haben - ihre Unterhändler anzuweisen, bis Dezember alle Aspekte der Uruguay-Runde zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen.
Bei all diesen Bestrebungen steht viel auf dem Spiel.
Vor nahezu 35 Jahren nahm Präsident Eisenhower
zum ersten Mal am Treffen von IWF und Weltbank teil.
Er sprach von den Lektionen, die er gelernt hatte,
während er einen Krieg führte, der so viele Soldaten
aus so unterschiedlichen Ländern zusammenführte.
Eisenhower stellte - so wie ich jetzt - fest, daß unter den
Teilnehmern Verbündete bei dieser vornehmen Aufgabe waren. Ich zitiere:
"Eines haben wir schnell herausgefunden: Ohne das
Herz, ohne den Enthusiasmus für die Sache, an der wir
arbeiteten, war keine Zusammenarbeit möglich. Mit
diesem Enthusiasmus - alles andere hinter das Voranbringen der Sache zu stellen -, war Zusammenarbeit
ein leichtes."

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�Wie die Geschlossenheit in den Vereinten Nationen in
den vergangeren zwei Monaten belegt hat, ist der
weltweite Enthusiasmus für die vornehme "Sache"
von heute - die Sache, die ich als "neue Partnerschaft
der Nationen" bezeichnet habe - nicht nur beispiellos

sondern wahrhaft bemerkenswert. Und ich bitte Sie,
bei ihren Sitzungen in dieser Woche solchen Enthusiasmus aufzubringen, um die für den Erfolg erforderlichen neuen Ebenen der Zusammenarbeit hervorzubringen.

* * * * *

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Saite 4

\M ?F 'KA DIENST 39

�SOWJETISCHE

MILITÄRMACHT
3. Oktober 1990

PENTAGON: SOWJETISCHE MILITÄRMACHT
IMMER NOCH "ENORM"
- Auszüge aus "Die sowjetische Militärmacht 1990" WASHINGTON - (AD) - Die sowjetische Militärmacht ist "enorm und weiterhin gegen die Vereinigten Staaten
und ihre Verbündeten gerichtet". Dieses Fazit zieht US-Verteidigungsminister Cheney im Vorwort des jährlichen
Pentagon-Berichts über die sowjetische Militärmacht, der am 25. September 1990 der Öffentlichkeit vorgestellt
wurde. Cheney zufolge "deutet alles darauf hin, daß sich an dieser Tatsache nichts ändern wird".
Obwohl es "in bezug auf die künftige Tendenz der sowjetischen Bedrohung sicherlich Anlaß zu Optimismus gibt",
so Cheney, "lassen die Fakten lediglich den Schluß zu, daß die Sowjetunion eine enorme militärische
Supermacht bleibt. Die Absichten dieses Regimes verändern sich. Aber Absichten allein reichen nicht aus, um
dramatische Veränderungen bei unserem Grad der Einsatzbereitschaft zu unterstützen."
Im Schlußkapitel des Pentagon-Berichts wird festgestellt, daß die freie Welt heute "möglicherweise vor ihrer
schwersten und ernsthaftesten Bewährungsprobe steht: Wie soll sie auf ein sich rasch veränderndes Umfeld
reagieren, in dem sich die Bedrohungen, auf die unsere sicherheitspolitische Haltung über 40 Jahre lang
zugeschnitten war, verringert haben, während neue Instabilität und potentielle Gefahren neue Anforderungen
stellen."
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus dem Vorwort zu "Die sowjetische Militärmacht 1990" und dem
Schlußkapitel mit dem Titel "Aussichten für die Zukunft".

(Vorwort von Verteidigungsminister Cheney)
Die neunte Ausgabe von "Die Sowjetische Militärmacht" wird in einer Zeit beispielloser wirtschaftlicher
und politischer Unruhen in der Sowjetunion veröffentlicht. Diese Unruhen haben ein ungewöhnlich hohes
Maß an Unsicherheit über den künftigen Kurs der
enormen Militärstruktur des Kreml ausgelöst. Jeder
maßgebliche Bericht über die Streitkräfte Moskaus
und die von ihnen ausgehende Bedrohung erfordert
eine wesentlich stärkere Genauigkeit und Bereitschaft,
Nuancen wahrzunehmen, als jemals zuvor. Weder
diejenigen, die fest daran glauben, daß die Sowjets
keine westlichen Interessen mehr bedrohen, noch
diejenigen, die die sowjetische Bedrohung als weitgehend unverändert betrachten, werden sich durch "Die
sowjetische Militärmacht 1990" bestätigt fühlen.
Das uneinheitliche Bild der Bedrohung umfaßt wesentlich mehr als die Sowjetunion selbst. Mit der sich
verringernden Möglichkeit eines weltweiten Konflikts

AMERIKA DIENST 39

nehmen die Gefahren in den Entwicklungsländern zu.
Herausforderungen unserer nationalen Sicherheit
werden diffuser und komplexer. Die Instabilität im
Nahen Osten und andernorts, Terrorismus, Rauschgifthandel und Verbreitung von Waffen gehören zu den
Bedrohungen, die wir bei der Umstrukturierung unserer Verteidigung berücksichtigen müssen.
Gleichzeitig ist es ein Gebot der Klugheit, daß wir uns
auf die gefährlichste Herausforderung unserer nationalen Sicherheit konzentrieren. Die Militärmacht der
Sowjetunion ist enorm und bleibt weiterhin gegen die
Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten gerichtet.
Alles deutet darauf hin, daß sich an dieser Tatsache
nichts ändern wird. Darüber hinaus ist die Bedrohung
nicht mehr eindeutig umrissen. Die Folgen des Wandels in der Sowjetunion sind noch ungewiß.
Eine Einschätzung der sowjetischen Macht wird schwieriger, die Notwendigkeit verstärkt sich, den Modifizierungen der sowjetischen Militärdoktrin und militäri-

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�sehen Fähigkeiten breiteren Raum zu geben. In
einigen Fällen ist der Wandel grundlegender Natur. So
hat zum Beispiel aufgrund des Zusammenbruchs der
sowjetischen Kontrolle über Osteuropa und der mangelnden Bereitschaft des Kreml, die Praktiken der
Vergangenheit fortzusetzen und seine Macht mit Gewalt
aufrechtzuerhalten, im Warschauer Pakt ein Auflösungsprozeß eingesetzt. Infolgedessen hat sich die
Drohung eines Überraschungsangriffs auf die NATO
drastisch verringert. Zur Verteidigung der Handlungsweise seiner Regierung, die es Osteuropa gestattete,
seinen eigenen Weg zu gehen, erklärte der sowjetische Außenminister Schewardnadse: "Ein Block, den
man mit Gewalt davon abhalten muß, sich aufzulösen,
war bei ernsten Angelegenheiten keine Stütze und
kann dies auch in Zukunft nicht sein." Der vorliegende
Bericht beschreibt im Detail, was sich in bezug auf das
sowjetische Einsatzkonzept in Europa verändert hat
und was nicht. Darüber hinaus wird der Charakter der
sowjetischen Bedrohung gegenüber der NATO erörtert.
In anderen Fällen bietet die sowjetische Militärmacht
jedoch weiterhin einen bedrohlichen Anblick. Dies wird
nirgends deutlicher als bei den strategischen Nuklearstreitkräften und der strategischen Verteidigungsfähigkeit. Die Sowjets setzen die Modernisierung ihrer
strategischen Streitkräfte fort, die eine auf die Bedrohung unserer strategischen Streitkräfte ausgerichtete
Doktrin unterstützen. Die öffentlichen Äußerungen
Präsident Gorbatschows über Reformen stehen im
Hinblick auf die strategischen Streitkräfte in krassem
Gegensatz zu den tatsächlich durchgeführten militärischen Stationierungen. Dies ist keine Überraschung.
Wenn ihre militärischen Fähigkeiten nicht durch das
umfangreichste Atomwaffenarsenal der Welt gestützt
würden, könnte die Sowjetunion nicht mehr als Supermacht gelten. Obwohl Gorbatschow von Umgestaltung spricht, kann er sicherlich nicht die Absicht hegen,
sein Land zu einer zweitklassigen Macht zu reformieren.
Die sowjetische Bedrohung wandelt sich, aber sie
verschwindet nicht. Bei der Beobachtung dieses
Wandels kommt der emotionslosen Analyse höhere,
nicht etwa geringere Bedeutung zu. Die sowjetische
Militärmacht 1990 erörtert deshalb das ganze Spektrum von Faktoren, die auf die sowjetischen Streitkräfte Einfluß ausüben.
Seit der letzten Ausgabe haben wir zusätzliche Erkenntnisse über den Charakter des sowjetischen Militärs gewonnen. "Glasnost im militärischen Bereich" ist
nicht weit genug gegangen, aber es besteht bei der
politischen und militärischen Führung größere Bereitschaft, Probleme und Meinungsverschiedenheiten
öffentlich zu erörtern. Dies mag der Reformatmosphäre oder der Tatsache zuzuschreiben sein, daß die
Schwierigkeiten so groß sind, daß man sie einfach
nicht geheimhalten kann.

Seite 2

So wird zum Beispiel die innenpolitische Unterstützung für den Militärdienst zunehmend in Frage gestellt.
Hauptsächlich aufgrund der baltischen Sezessionsbewegungen, der Kampagnen gegen das Militär und die
Wehrpflicht sowie des offenen Widerstandes einiger
Regierungen (etwa von Armenien) gegen die Wehrpflicht, drücken sich mehr und mehr Sowjetbürger vor
der Wehrpflicht. So gab Verteidigungsminister Jasow
zu, daß zum Einberunfungstermin im Frühjahr mehrere tausend Rekruten nicht angetreten waren. In Armenien kam fast niemand seiner Wehrpflicht nach.
Darüber hinaus bestehen innerhalb des sowjetischen
Militärs eindeutig Meinungsverschiedenheiten über eine
Vielzahl grundsätzlicher Fragen, darunter der Verfall
des sowjetischen Einflusses in Osteuropa, das Tempo
der Reformen in der militärischen Struktur und Glasnost selbst. Viele der jüngeren und mittleren Offiziere
möchten am liebsten die Wehrpflicht überhaupt abschaffen und das Militär von polizeilichen Aufgaben im
Innern entbinden. Elemente des sowjetischen Oberkommandos hingegen lehnen viele Reformbestrebungen Präsident Gorbatschows ab. Wie der vorliegende
Bericht zeigt, ist vieles, was einstmals in bezug auf das
sowjetische Militär als selbstverständlich galt, heute
Gegenstand offener Debatten. Es ist unklar, wie diese
Debatten ausgehen werden.
Ein weiterer Bereich, über den wir neue Erkenntnisse
gewinnen, ist die Verteidigungslast für die sowjetische
Wirtschaft. Schätzungen der Nachrichtendienste zufolge sind die sowjetischen Verteidigungsausgaben in
den vergangenen 25 Jahren kontinuierlich gestiegen
und erreichten in den achtziger Jahren einen Anteil von
1 5 - 1 7 Prozent am geschätzten Bruttosozialprodukt
(BSP). Dagegen vertraten die Sowjets offiziell die
Position, daß die Verteidigungsausgaben - und damit
auch die Belastungen - wesentlich niedriger lägen.
Selbst der von Gorbatschow im Jahr 1989 bekanntgegebene "revidierte" Verteidigungshaushalt (mit dem
die früheren Zahlen vervierfacht wurden) würde bedeuten, daß die Sowjets 9 Prozent ihres BSP für
Verteidigungszwecke aufwenden. Erst kürzlich deuteten die Sowjets an, daß die Lasten in Wirklichkeit höher
liegen. Präsident Gorbatschow hat selbst Ausgaben
zwischen 13 und 15 Prozent des BSP für Verteidigungszwecke zugegeben, während einige sowjetische Wirtschaftswissenschaftler spekuliert haben, daß
die Lasten noch erheblich höher liegen und vielleicht
bis zu 25 Prozent des sowjetischen BSP betragen
könnten.
Dies sind furchteinflö ßende Zahlen für eine Regierung,
die ihren Bergleuten noch nicht einmal genug Seife
liefern kann. Dagegen wurden in den Vereinigten
Staaten in einem Zeitraum beispiellosen Wirtschaftswachstums zwischen 5 und 6 Prozent des BSP für
Verteidigungszwecke bereitgestellt.
Es gibt Hinweise, wonach dieses erstaunliche Ausmaß sowjetischer Ausgaben verringert wird. Zu BeAM ERIKA DIENST 39

�ginn des Jahres 1989 kündigte Präsident Gorbatschow Ausgabenreduzierungen von 14,2 Prozent bis
1991 an. Wir schätzen, daß die sowjetischen Militärausgaben im Jahr 1989 real um 4 bis 5 Prozent gefallen
sind. Selbst angesichts dieser Kürzungen sind die
sowjetischen Verteidigungsaufwendungen höher als
zu dem Zeitpunkt, an dem Gorbatschow an die Macht
kam. Noch wichtiger ist die Tatsache, daß die Ausgaben auf einem Niveau verharren, das eine erhebliche
Modernisierung der sowjetischen Streitkräfte erlauben
wird.
Diese Modernisierung ist besonders bemerkenswert
im Hinblick auf das Atomwaffenarsenal und die strategische Verteidigungsfähigkeit Moskaus. Die sowjetische Interkontinentalstreitmacht (ICBM) wird von Grund
auf verbessert. Dazu gehört die fortgesetzte Stationierung der SS-24, einer mit Mehrfachgefechtsköpfen
ausgerüsteten Rakete, von der es sowohl eine stationäre als auch eine mobile Version gibt, der mobilen
SS-25 und der neuen Version der SS-18, die mit zehn
Gefechtsköpfen ausgerüstet ist. Durch die verbesserte Überlebensfähigkeit der mobilen Systeme, die bei
der neuen SS-18 mit grö ßerer Sprengkraft und Zielgenauigkeit einhergeht, werden die Sowjets eine glaubwürdige Erstschlagfähigkeit gegenüber den amerikanischen silogestützten ICBMs und nicht in Alarmbereitschaft befindlichen Streitkräften beibehalten, selbst
wenn ein START-Vertrag unterzeichnet wird.
Die Modernisierung der Bomberstreitkräfte des Kremls
schließt neue BEAR-H und BLACKJACK-Maschinen
ein, die mit Marschflugkörpern mit verlängerter Reichweite ausgerüstet sind. In der Gesamtzahl der sowjetischen Bomberflotte werden wir wahrscheinlich eine
Verringerung beobachten, da veraltete Bomber außer
Dienst gestellt werden und der Schwerpunkt auf qualitative Verbesserungen, etwa bei den Marschflugkörpern, verlagert wird.
Dasselbe gilt für die sowjetische U- Bootstreitmacht mit
ballistischen Systemen. Die Stationierung der DELTA
IV und TYPHOON, die mit jeweils 16 oder 20 Atomraketen bestückt sind, untermauert die Gesamttendenz
zu Qualität anstatt Quantität.
Die sowjetischen Investitionen in strategische Verteidigungssysteme liegen etwa auf dem gleichen Niveau
wie die Investitionen in offensive Nuklearprogramme.
Die Sowjets haben ihren Schutzgürtel um Moskau zur
Verteidigung gegen ballistische Raketen zu einem
zweistufigen System modernisiert, das in der ganzen
Welt seinesgleichen sucht. Darüber hinaus unterhält
Moskau eine Antisatelliten-Fähigkeit, darunter Systeme, die Satelliten in niedrigen Umlaufbahnen zerstören können.
Forschungsarbeiten über moderne Systeme, wie etwa
Laser, unterstreichen das starke sowjetische Interesse an der militärischen Nutzung des Weltraums. Betrachtet man den anscheinend scharfen Wettbewerb

AMERIKA DIENST 39

um Mittel für die Verteidigung, so sind die sowjetischen
Ausgaben für strategische Verteidigung in der Tat
beeindruckend und deuten auf ein beständiges Engagement zur Entwicklung eines umfassenden Raketenabwehrsystems hin.
Keine gründliche Analyse des sowjetischen Militärs
kann ein einfaches Bild der gegenwärtigen Bedrohung
vermitteln. Debatten über die Zukunft der kommunistischen Partei, die Struktur der Wirtschaft und das
Militär sind weitverbreitet. In einer solchen Atmosphäre ist es schwer vorauszusagen, was im nächsten
Monat, geschweige denn im nächsten Jahr geschehen
wird. In bezug auf die sowjetische Militärmacht gibt es
jedoch einige grundlegende Schritte, die der Kreml
selbst angesichts dieser Ungewißheit ergreifen könnte, um den Westen von der Ernsthaftigkeit seines
Wunschs nach Abbau der Bedrohung zu überzeugen.
Die Vereinigten Staaten würden es beispielsweise
begrüßen, wenn sich die Sowjetunion weniger auf das
Militär stützen würde. Das würde ein Militär erfordern,
das nur über einen vernünftigen Teil des nationalen
Reichtums verfügt. Darüber hinaus sollte der Kreml
seine massiven Militärhilfeprogramme einstellen, die
sich im vergangenen Jahr auf insgesamt 15 Milliarden
Dollar beliefen und Regimen in Afghanistan, Nordkorea, Libyen, Angola, Vietnam, Syrien und besonders
Kuba zugutekommen. Letzteres liegt nur 90 Meilen
von der amerikanischen Küste entfernt. Dies würde
erheblich dazu beitragen, uns zu überzeugen, daß es
der Kreml mit dem "neuen Denken" ernst meint und
seine inneren wirtschaftlichen Probleme in Angriff nimmt,
anstatt weiterhin seine traditionellen geopolitischen
Manöver zu verfolgen.
Jede ernsthafte Analyse des sowjetischen Militärs
enthüllt sowohl ein Bild intensiver innerer Debatten und
ungewisser Absichten als auch von Wandel und Instabilität. Was nicht enthüllt wird, auch wenn wir uns das
sehnlichst wünschen, ist eine ausgedünnte sowjetische Streitkräftestruktur und eine schwächer werdende Bedrohung. Die Wahrheit ist jedoch wesentlich
komplexer. Sicherlich gibt es in bezug auf die künftige
Tendenz der sowjetischen Bedrohung Anlaß zu Optimismus. Die Fakten lassen jedoch lediglich den Schluß
zu, daß die Sowjetunion eine enorme militärische
Supermacht bleibt. Die Absichten dieses Regimes
verändern sich. Aber Absichten allein reichen nicht
aus, um dramatische Veränderungen bei unserem
Grad der Einsatzbereitschaft zu unterstützen. Wir
müssen grundlegende und dauerhafte Veränderungen sowohl bei den Fähigkeiten als auch im Charakter
der sowjetischen Militärmacht feststellen.
(Ende des Vorworts von Verteidigungsminister Cheney)
(Beginn des Schlußkapitels)
Heute steht die freie Welt möglicherweise vor ihrer
schwersten und ernsthaftesten Bewährungsprobe: Wie
Seite 3

�soll sie auf ein sich rasch veränderndes Umfeld reagieren, in dem sich die Bedrohungen, auf die unsere
sicherheitspolitische Haltung über 40 Jahre lang zugeschnitten war, verringert haben, während neue Instabilität und potentielle Gefahren neue Anforderungen
stellen. Die Herausforderung ist so schwerwiegend,
weil die Fragen so komplex und paradox sind, sie ist
ernst, weil eine falsch kalkulierte Antwort eine Weltordnung hervorbringen könnte, die unsere Bestrebungen
nach einem zunehmend friedlichen und sicheren internationalen Umwelt zunichte machen könnte. Ungefähr die einzige Gewißheit, die wir gegenwärtig haben,
ist die Gewißheit weiterer Veränderungen.
Die Rolle der Sowjetunion in einer zunehmend unsicheren Welt ist schwer vorherzusagen. Mehr als vier
Jahrzehnte lang waren die Sowjetunion, ihre Verbündeten und Stellvertreter Hauptbedrohung für Weltfrieden und Sicherheit. Moskau hat seine Macht zur
Einschüchterung, Aggression, versuchter Beherrschung
und Expansion eingesetzt. Echte und dauerhafte
Veränderungen in der sowjetischen Bedrohung können nur aus einer grundlegenden Abkehr Moskaus von
der historischen Anlehnung an Gewalt und deren
Androhung als Instrumente der Außenpolitik entstehen. Dies wäre, um die Worte von Präsident Gorbatschow zu benutzen, eine "revolutionäre Transformation" des sowjetischen Staates.
Im vergangenen Jahr sind ermutigende Ereignisse
eingetreten, die darauf hindeuten, daß sich die Sowjetunion in Richtung einer solchen revolutionären Transformation bewegt, jedoch steckt dieser Prozeß noch in
den Kinderschuhen, und das Endergebnis ist weiterhin
unklar. Die Sowjetunion sieht sich auf dem Weg zu
dieser Umwandlung in ein dauerhaft weniger bedrohliches Land mit erheblichen Hindernissen konfrontiert.
Jahrzehnte wohlbegründeten Argwohns haben im
sowjetischen Volk und auch in der internationalen
Staatengemeinschaft ihre Spuren hinterlassen.
Die sowjetische Militärmacht 1990 beschreibt die vielen Bereiche, in denen sich Veränderungen der sowjetischen Politik, Doktrin und Beziehungen mit der übrigen Welt vollzogen haben. Es ist jedoch noch nicht
klar, in welchem Maß diese Veränderungen dauerhafte Reformen bedeuten. Die grundsätzliche Frage
lautet, ob die Sowjetunion eine Regierung schaffen
wird, die wirklich ihren Bürgern gegenüber und dem
Prinzip der Rechtsstaatlichkeit gemäß rechenschaftspflichtig ist - im Hinblick auf Freiheit, demokratischen
Pluralismus und die allgemeine Achtung der Menschenrechte.
Obwohl es nicht möglich ist, die künftige Form und
Richtung der sowjetischen Politik vorherzusagen, lassen sich eindeutige Veränderungen ausmachen, von
denen einige positive, andere unbekannte Folgen haben
werden:

Seite 4

Reduzierungen und Abzug von Streitkräften
haben zusammen mit der fortschreitenden
Auflösung des Warschauer Pakts die Fähigkeit
der Sowjets erheblich verringert, einen multinationalen, unverstärkten konventionellen Angriff
auf Westeuropa durchzuführen.
Die sowjetische Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten bei den Verhandlungen über
wichtige Abkommen birgt große Chancen zur
Reduzierung der strategischen, konventionellen und chemischen Bedrohung.
Das Aufleben nationalistischer Gefühle in der
Sowjetunion und das damit einhergehende Unabhängigkeitsstreben einiger Republiken stellt
den künftigen Zusammenhalt der UdSSR selbst
in Frage.
Die radikale Umwandlung, die ein fehlgeschlagenes wirtschaftliches und politisches System
auffangen mußte, spaltet die kommunistische
Partei.
Die Sowjets haben einen konstruktiveren Ansatz in bestimmten Bereichen ihrer Außenpolitik
demonstriert, wie der Abzug sowjetischer Truppen aus Afghanistan und die Reduzierung der
Unterstützung für zahlreiche radikale Regime in
Ländern der Dritten Welt bewiesen haben.
Trotz aller positiven Anzeichen für Veränderungen
bleiben beunruhigende Aspekte bestehen.
Die Sowjetunion modernisiert weiterhin ihr strategisches Atomwaffenarsenal, was im allgemeinen zu noch einsatzfähigeren Streitkräften führt.
Die Sowjets sind nach wie vor die einzige Macht
auf der Welt, die in der Lage ist, die Vereinigten
Staaten und ihre Verbündeten zu zerstören.
Infolge grundlegender geographischer und
demographischer Gegebenheiten im Verbund
mit immer noch massiven Militärausgaben verfügt die Sowjetunion über das größte militärische Potential, das jemals ein einzelnes Land
auf dem eurasischen Kontinent besessen hat,
geeignet, um eine Armee von etwa drei Millionen Mann und Waffen mit Tausenden von nuklearen Gefechtsköpfen zu unterhalten.
Die Sowjets stellen weiterhin etwa 15 Milliarden
Dollar zur Verfügung, um die bedrohlichen Aktivitäten einiger Vasallen, wie etwa Kuba, Afghanistan, Vietnam, Kambodscha und Äthiopien zu
unterstützen.
Diese Faktoren haben in der Tat bedeutende Auswirkungen. Wir werden Zeuge eines Übergangs von der
bipolaren Konfrontation, von der die internationalen

AMERIKA DIENST 39

�Beziehungen der Nachkriegszeit geprägt waren. Obwohl
sich die Vorwarnzeit eines konventionellen sowjetischen Angriffs auf Westeuropa erheblich verlängert
hat, stellt der Umfang der verbleibenden militärischen
Fähigkeiten der Sowjets eine ernsthafte Bedrohung für
unsere Zukunftsplanungen dar. Es gibt nach wie vor
unterschiedliche Quellen militärischer Bedrohungen.
Die sowjetische Militärmacht muß vor dem Hintergrund dieser Realitäten bewertet werden. Die Demokratisierung Osteuropas und die zunehmende Auflösung des Warschauer Pakts sind positive Entwicklungen, aber es ist nicht klar, welche Auswirkungen die
anhaltende Modernisierung der strategischen Atomwaffenarsenale der Sowjets und die inneren Unruhen
in der Sowjetunion auf die Sicherheit des Westens
haben. Die unmittelbare Bedrohung eines sternförmig
ausgeführten Angriffs des Warschauer Pakts, der die
NATO in den Atlantik stößt, besteht fast nicht mehr.
Was bleibt, ist eine Sowjetunion mit modernen, zunehmend einsatzfähigen konventionellen und nuklearen
Waffen und der Fähigkeit zu chemischer und biologischer Kampfführung. Diese Waffen werden von einer
Regierung kontrolliert, die sich zunehmenden Herausforderungen im Inland gegenübersieht und die bei
offensiven Operationen nicht auf Unterstützung ihrer
ehemaligen Verbündeten zählen kann. Eine Reaktion
auf die Bedrohung wird nunmehr verkompliziert durch
den unsicheren Fortgang der Ereignisse in der Sowjetunion. Die Reaktion des Westens muß von einer
Vision geleitet sein, die auf den Lehren der Geschichte
basiert. Sie wird moderne, flexible und sichere Streitkräfte erfordern, die in der Lage sind, auf Unerwartetes
zu reagieren.

*

AMERIKA DIENST 39

Das neue Umfeld bedeutet für die Vereinigten Staaten
und den Westen neue Chancen und neue Risiken. Wir
haben die Möglichkeit, zur Verfestigung positiver
Tendenzen für Freiheit und Zusammenarbeit beizutragen zu helfen und negative Trends in günstigere Ergebnisse umzuwandeln. Dennoch bleiben Risiken bestehen im Hinblick auf die massive militärische - konventionelle und nukleare - Fähigkeit, die von einem Sowjetstaat kontrolliert wird, der sich tiefgreifenden Problemen gegenübersieht.
Unsere eigene Sicherheitspolitik muß dieser Unsicherheit Rechnung tragen. Einseitige westliche Abrüstung, die unsere Flexibilität im Umgang mit schwierigen Szenarien unter instabilen neuen Bedingungen
internationaler Sicherheit beseitigt, würde die weltweite Abschreckung schwächen und der Instabilität auf
der Welt Vorschub leisten.
Dies ist ein außergewöhnlicher Augenblick in der
Geschichte. Von den Vereinigten Staaten oder der
Sowjetunion getroffene Entscheidungen werden den
Kurs der Weltpolitik bestimmen. Die Entscheidungen
von heute werden die Aussichten für Sicherheit und
Entwicklung der Freiheit der nächsten Generationen
bestimmen. Die Vereinigten Staaten müssen weiterhin positive Veränderungen fördern und gleichzeitig
die Fähigkeit und Flexibilität behalten, in einem Augenblick der Unruhe und Unsicherheit mit immer noch
ungeheuren militärischen Fähigkeiten der Sowjets
fertigzuwerden - und sie abzuschrecken.

*

Seite 5

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                <text>&lt;strong&gt;1. Deutsche Einheit&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush leitet Vertrag über Vereinigung Deutschlands dem Senat zu&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten, Text des Schreibens&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Senat erörtert den Vertrag über die abschließende Regelung in Bezug auf Deutschland&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anhörung von Robert Zoellick im Senat&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Golfkrise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;UNO-Reaktionen auf Iraks Aggression "beispiellos"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Präsident Bush vor der UN-Generalversammlung&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Baker: Übergang zur Tagesordnung mit dem Irak unmöglich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede vor dem UN-Sicherheitsrat&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. KSZE&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Bush drängt KSZE zu Konsolodierung der Freiheit&lt;br /&gt; &lt;em&gt;Ansprache beim KSZE-Treffen in New York&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Weltbank/IWF&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Bush: Erfolg der GATT-Runde unabdingbar&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten bei Weltbank und IWF&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Sowjetische Militärmacht&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pentagon: Sowjetische Militärmacht immer noch "enorm"&amp;nbsp; &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus "Die sowjetische Militärmacht 1990"&lt;/em&gt;</text>
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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
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10. Oktober 1990

40

DEUTSCHE EINHEIT

BUSH: USA UND DEUTSCHLAND
ALS PARTNER IN DER FÜHRUNG
Rede des Präsidenten zur deutschen Einheit
BUSH WÜRDIGT VEREINIGUNG
DEUTSCHLANDS
Erklärung bei Feierstunde

DEUTSCHAMERIKANISCHER TAG

PRÄSIDENT BUSHS PROKLAMATION
ZUM DEUTSCH-AMERIKANISCHEN TAG

KSE

BAKER: KSE WIRD NEUE EUROPÄISCHE
ORDNUNG BESCHLEUNIGEN
Pressekonferenz des Außenministers

US-AUSSENPOLITIK

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

NEUE AKZENTE IN DER AMERIKANISCHEN
AUSSENPOLITIK
Rede des Gesandten George F. Ward

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�DEUTSCHE

EINHEIT
10. Oktober 1990

BUSH: USA UND DEUTSCHLAND ALS PARTNER
IN DER FÜHRUNG
Rede des Präsidenten zur deutschen Einheit
WASHINGTON - (AD) - Zum Tag der deutschen Einheit erklärte Präsident Bush am 2. Oktober 1990, den
Vereinigten Staaten und Deutschland werde bei der Bewältigung der neuen Herausforderungen und Verantwortlichkeiten der Zukunft Erfolg beschieden sein.
"Aufbauend auf unseren gemeinsamen Werten werden wir Partner in der Führung sein", stellte der Präsident
in einer Botschaft an das deutsche Volk anläßlich der Feiern zum Tag der deutschen Einheit fest.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache von Präsident Bush im Wortlaut.

Ich freue mich, Bundeskanzler Helmut Kohl und dem
deutschen Volk in diesem historischen Augenblick
meine Glückwünsche übermitteln zu dürfen. Und es ist
mir eine große Ehre, dem Volk eines vereinigten
Deutschlands eine Botschaft zu überbringen.
In Berlin und Bonn, von Leipzig im Osten bis hin zu
Städten im Westen entlang des Rheins, feiern die
Menschen den Tag, auf den ganz Deutschland 45
lange Jahre gewartet hat.
Für die Welt waren es 45 Jahre der Spannungen und
des Aufruhrs. Zu Ihrer Nation war das Schicksal
besonders grausam. Im Herzen eines geteilten Kontinents lag 45 Jahre lang ein geteiltes Deutschland.
Durch die Trennungslinie zwischen Ost und West
wurde ein Volk in zwei Welten gespalten.
Das ist vorüber. Heute wird ein neues Kapitel in der
Geschichte Ihrer Nation aufgeschlagen. 45 Jahre des
Konflikts und der Konfrontation zwischen Ost und
West liegen jetzt hinter uns. Endlich ist der Tag
gekommen. Deutschland ist vereinigt. Ganz Deutschland ist endlich frei.
Die Vereinigten Staaten sind stolz darauf, gemeinsam
mit Ihnen das Fundament der Freiheit gelegt zu haben,
stolz, beim Streben nach einem ung stellten und freien
Deu tschland ein verlä ßlicher Partnei gewesen zu sein.
Die Vereinigten Staaten sind stolz, sich heute und in
Zukunft zu den Freunden und Verbündeten eines
freien Deutschlands zählen zu dürfen.
AMERIKA DIENST 40

Unsere Völker sind durch gemeinsame kulturelle Bande
und ein gemeinsames Vermächtnis der Geschichte
verbunden. Niemals zuvor waren diese Bande offenkundiger als im vergangenen Jahr, während wir gemeinsam auf das Ziel der deutschen Einheit hinarbeiteten. Heute genießen wir gemeinsam die Früchte
unserer Freundschaft.
Im vergangenen Jahr wurden wir Zeuge einer Welt im
Wandel - für die Vereinigten Staaten, ein vereinigtes
Deutschland und für das Atlantische Bündnis, dem wir
angehören. Und selbst während Deutschland diesen
Neubeginn feiert, besteht kein Zweifel daran, daß die
Zukunft neue Herausforderungen und Verantwortlichkeiten bereithält.
Ich bin sicher, daß unsere beiden Nationen diese
Herausforderungen wie bisher auch - durch gemeinsame Freiheitsliebe vereint - bewältigen werden. Aufbauend auf unseren gemeinsamen Werten werden wir
Partner in der Führung sein.
Dieserf ür Deutschland so bedeutsame Tag ist auch für
die Welt von großer Bedeutung. Nur wenige Meter von
den Mauern des alten Reichstags, dem Schauplatz der
ersten Sitzung des gesamtdeutschen Parlaments,
entfernt, stand die Berliner Mauer - als schreckliches
Mahnmal des Konflikts und kalten Kriegs. Jahrzehntelang träumten freie Menschen überall auf der Welt
von dem Tag, an dem die Berliner Mauer fallen würde.
An dem eine Welt ohne die Mauer ein wieder ungeteiltes Deutschland bedeuten würde. An dem ein vereiSeite 1

�nigtes und souveränes Deutschland in vollem Umfang stark genug ist, den menschlichen Geist zu ersticken
als Kraft für Frieden und Stabilität am Weltgeschehen und keine Mauer je die Seele einer Nation unter sich
teilhaben würde.
begraben kann.
Heute liegt die Mauer in Trümmern. Und unsere Augen
blicken auf eine neue Welt der Hoffnung. Heute ist
Deutschland erneut vereinigt. Die Mauer spaltet eine
Nation und die Welt nicht länger in zwei Lager. Die
letzten Relikte der Mauer stehen im Herzen eines
freien Berlins - ein düsteres Monument aus Beton und
Stacheldraht - als Beweis dafür, daß keine Mauer je

Heute tritt die deutsche Nation in ein neues Zeitalter
ein. Ein Zeitalter, um die Worte Ihrer Nationalhymne
zu zitieren, von "Einigkeit und Recht und Freiheit".
Während wir in diesem feierlichen Augenblick gemeinsam mit Ihnen voller Hoffnung und Zuversicht in die
Zukunft blicken, möchte ich im Namen aller Amerikaner sagen: Möge Gott das deutsche Volk schützen.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 40

�DEUTSCHE

EINHEIT
10. Oktober 1990

BUSH WÜRDIGT VEREINIGUNG DEUTSCHLANDS
Erklärung bei Feierstunde
WASHINGTON - (AD) - Anläßlich einer Feierstunde im Rosengarten des Weißen Hauses zur Vereinigung
Deutschlands und zum Deutsch-Amerikanischen Tag gab Präsident Bush am 3. Oktober 1990 folgende
Erklärung ab:

Ich habe gerade mit Bundeskanzler Helmut Kohl telefoniert. Dabei habe ich ihm an diesem ganz besonderen Tag die herzlichsten Glückwünsche des amerikanischen Volkes an alle Deutschen übermittelt. Zu
dieser Stunde, in der wir uns hier im Rosengarten
versammelt haben, feiern die Deutschen von Berlin bis
Bonn, von München bis Bremen und von den Plätzen
Leipzigs bis zu den goldenen Weinbergen am Rhein
ihre neue Einheit.
Überall in dieser erneut vereinten Nation feiern die
Deutschen einen wunderbaren Augenblick, der nahezu ein halbes Jahrhundert verzögert wurde. Als Teil
dieser Feierlichkeiten habe ich dem deutschen Volk
eine Fernsehbotschaft gesandt - Empfindungen, die
ich Ihnen hier kurz erläutern möchte.
45 Jahre lang lebte im Herzen eines gespaltenen
Kontinents ein geteiltes Volk. Eine grausame Mauer
aus Beton schnitt im wahrsten Sinne des Wortes
Nachbar von Nachbar ab, Männer von ihren Frauen,
Kindern von ihren Eltern, und eine Nation von sich
selbst. An dieser Trennungslinie des Ost-West-Konflikts wurde ein Volk in zwei Welten geteilt. Und als das
deutsche Volk diese lange Prüfung durchlitt, waren wir
Amerikaner mehr - viel mehr - als mitfühlende Beobachter. Denn wir sind durch kulturelle Bande miteinander verknüpft, die bis in die frühe Kolonialzeit zurückreichen, als Deutsche zum ersten Mal zu DeutschAmerikanern wurden.
Auf Einladung von William Penn trafen Deutsche in
Amerika ein, um ein neues Leben zu beginnen. Dieses
Leben war hart. Ihre ersten Unterkünfte waren Erdhöhlen. Aber ihre Entschlossenheit war unerschütterlich. Sie bauten eine Gemeinde auf - Germantown in

AMERIKA DIENST 40

Pennsylvania -, die weitere Millionen motivierte, ihnen
zu folgen und weiterzubauen.
Deutsch-Amerikaner gründeten Hagerstown und Frederick in Maryland, Mecklenburg County in North
Carolina, New Braunfels in meinem Heimatstaat Texas, Frankfort in Kentucky, Berlin in Wisconsin, Anaheim in Kalifornien. Sie leisteten darüber hinaus einen
Beitrag zum Bau großer Städte der Vereinigten Staaten: Philadelphia, Cincinnati, St. Louis, Milwaukee.
Und die 60 Millionen Amerikaner, die Söhne und
Töchter dieser deutschen Pioniere sind, fühlten sich wie alle Amerikaner- mit beiden deutschen Staaten tief
verbunden. Der eine war eine junge Demokratie im
Herzen Europas, der andere kämpfte um seine Freiheit.
Auch unser Land hat einmal Unterdrückung erdulden
müssen. Wir erinnern uns an John Peter Zenger,
einen jungen deutsch-amerikanischen Zeitungsredakteur, der es schon im Jahr 1734 wagte, die Staatsmacht herauszufordern. Es war derselbe deutsche
Einwanderer, der Amerika dazu verhalf, unsere am
meisten geschätzte Tradition zu verankern - die Redefreiheit.
Deshalb, Herr Botschafter Ruhfus, teilte das amerikanische Volk Ihren Widerstandsgeist, als die Bevölkerung der DDR für ihre abweichenden Meinungen bestraft wurde. Und als Deutsche erschossen wurden,
weil sie versuchten, in die Freiheit zu fliehen, teilten wir
Ihren Abscheu. Als die politisch Verantwortlichen in
der Bundesrepublik es wagten, auf ein in Freiheit
vereintes Deutschland zu hoffen, teilten wir Ihren
Traum.

Seite 1

�Wir sind heute hier zusammengekommen, um zu
bekräftigen, daß Träume bisweilen wirklich wahr werden. Deutschland ist vereinigt, Deutschland ist frei.
Dieser Tag entspricht voll und ganz den Gedanken
Konrad Adenauers, der einmal erklärte, daß die Lösung für ein geteiltes Deutschland nur mit Hilfe seiner
Freunde möglich sei. Adenauers Vision von der Freundschaft zwischen Deutschland und den Vereinigten
Staaten, zwischen Deutschland und den freien Völkern der Welt ist nach Jahrzehnten jetzt Wirklichkeit
geworden. Dieser Moment ist gekommen, weil die
Amerikaner der Bevölkerung Berlins zur Seite standen
- von den todesmutigen Piloten der Luftbrücke bis zu
einem jungen Präsidenten, der im Angesicht der Mauer
eine kühne Erklärung abgab.
Dieser Moment ist auch aufgrund der Entschlossenheit bundesrepublikanischer Politiker eingetreten,
Deutschland ungeteilt und frei zu machen. Nicht nur
Adenauer, sondern auch Ernst Reuter, Ludwig Erhard,
Willy Brandt, Helmut Schmidt und natürlich der heutige
Bundeskanzler Helmut Kohl setzten sich dafür ein.
Und dieser Tag ist gekommen, weil das deutsche Volk
im Jahr 1989 für die Freiheit standgehalten hat.
Die Vereinigten Staaten sind stolz darauf, Ihren Landsleuten beim Aufbau der Fundamente der Freiheit geholfen
zu haben. Stolz, bei Ihren Bestrebungen ein beständiger Partner gewesen zu sein. Die Vereinigten Staaten sind darüber hinaus stolz, sich heute und für alle
Zeit zu den Freunden und Verbündeten eines freien
Deutschlands zu zählen.
Dies war ein Jahr des Wandels für die Vereinigten
Staaten, für ein vereinigtes Deutschland und für das

laments, entfernt stand die Berliner Mauer. Jahrelang
träumten freie Menschen in der ganzen Welt von dem
Tag, an dem die Berliner Mauer nicht mehr existieren
würde. An dem eine Welt ohne die Mauer ein Deutschland bedeuten würde, das erneut ungeteilt ist. Und an
dem ein vereinigtes und souveränes Deutschland seinen
uneingeschränkten Beitrag als Kraft für Frieden und
Stabilität in die Weltpolitik einbringen würde.
Heute liegt die Mauer in Trümmern, und unsere Augen
blicken auf eine neue Welt der Hoffnung. Die letzten
Relikte der Mauer bleiben als trauriges Monument aus
Beton und Stacheldraht im Herzen des freien Berlins
stehen, zum Beweis, daß keine noch so starke Mauer
den menschlichen Geist ersticken kann. Daß keine
Mauer jemals die Seele eines Volkes zerstören kann.
Und dies ist meine Botschaft an das deutsche Volk,
und das entspricht auch dem tief empfundenen Gefühl
der amerikanischen Bevölkerung.
Bevor ich nun dieses Dokument unterzeichne, mit dem
dieser ganz besondere Deutsch-Amerikanische Tag
proklamiert wird, möchte ich noch etwas hinzufügen.
Am vergangenen Sonntag nahm ich am Weltkindergipfel der Vereinten Nationen teil. Über 70 Staats- und
Regierungschefs waren dort anwesend. Wir sprachen
über viele äußerst wichtige Probleme: Gesundheitswesen, Bildung und zahlreiche andere. Was uns aber
besonders berührte, war die Tatsache, daß wir die
Zukunft unserer Nationen in die Hände einer anderen
Generation legen müssen. Und wenn ich die heute
hier versammelten Kinder betrachte, so glaube ich die
Zukunft des neuen Deutschlands sehen zu können.
Eine Zukunft der Freiheit und Führung, des guten
Willens und der Größe.

Atlantische Bündnis, dem wir beide angehören. Ich bin

sicher, daß unsere beiden Nationen die Herausforderungen der Zukunft ebenso wie bisher als Partner in
der Führung bewältigen werden. Dieser für Deutschland so bedeutungsvolle Tag stellt auch eine Motivation für die Welt dar. Nur wenige Meter von den
Mauern des Reichstages, des ersten deutschen Par-

Ich wünsche dem Volk dieses vereinigten Deutschlands noch einmal von Herzen alles Gute. Ich kann
wirklich darauf vertrauen, für alle Amerikaner zu sprechen. Vielen Dank, daß Sie heute hierher gekommen
sind.

* *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 40

�DEUTSCH-AMERIKANISCHER

TAG
10. Oktober 1990

PRÄSIDENT BUSHS PROKLAMATION ZUM
DEUTSCH AMERIKANISCHEN TAG 1990
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Proklamation des Präsidenten zum "DeutschAmerikanischen Tag" am 6. Oktober 1990 im Wortlaut.

Am 6. Oktober 1683 gingen in der Nähe von Philadelphia die ersten deutschen Einwanderer an Land. Diese
kleine Gruppe von Männern, Frauen und Kindern war
auf der Suche nach freier Religionsausübung und
einer vielversprechenderen Zukunft in der Neuen Welt
über den unendlichen, tückischen Atlantik gesegelt.
Weitere sieben Millionen Deutsche folgten ihnen. Diese
mutigen und fleißigen Menschen und ihre Nachfahren
haben maßgeblich dazu beigetragen, die Geschichte
der Vereinigten Staaten zu schreiben.

Die Wiederherstellung der deutschen Einheit gibt auch
anderen, insbesondere den baltischen Völkern, zu
Hoffnungen Anlaß, daß ein friedlicher aber entschlossener Kampf um nationale Selbstbestimmung sogar
scheinbar unüberwindbare Hindernisse aus dem Weg
räumen kann. Die Vereinigten Staaten halten an ihrer
Politik der Nichtanerkennung der Annexion der baltischen Staaten ebenso unerschütterlich fest wie an
ihrer Unterstützung der deutschen Einheit selbst in den
dunkelsten Stunden des kalten Kriegs.

Das reiche Vermächtnis, das wir jedes Jahr am
Amerikanischen Tag würdigen, besteht nicht nur aus
kulturellen, familiären und historischen Banden, sondern gründet sich auch auf gemeinsame Werte und gemeinsames Streben. Seit General Friedrich von Steuben an vorderster Front beim Kampf dieser Nation um
Freiheit und Unabhängigkeit stand, haben die deutschen Einwanderer und ihre Angehörigen - durch
Worte, Taten und Opfer - Tag für Tag ihre ungeteilte
Verpflichtung zu demokratischen Idealen unter Beweis gestellt.

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs stand das
amerikanische Volk bei der Bewahrung unserer Freiheit und der Förderung unserer gemeinsamen Interessen Seite an Seite mit den Bürgern der Bundesrepublik
Deutschland. Der Geist der Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen den Völkern der Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland findet in
einem breiten Spektrum von Austauschprogrammen
und anderen über die Jahre hinweg geknüpften Kontakten seinen Niederschlag.

Der Deutsch-Amerikanische Tag 1990 sucht in der
Geschichte seinesgleichen, denn in diesem Jahr geht
die Gedenkfeier mit der Verwirklichung eines Ziels
einher, das Amerikaner und Deutsche seit langem gemeinsam hatten: ein vereinigtes, demokratisches und
souveränes Deutschland. Im vergangenen Jahr hat
das deutsche Volk die künstlichen Schranken niedergerissen, die sein Land schon zu lange auf grausame
Weise teilten. Die Berliner Mauer, die einstmals als
düsteres und sogar todbringendes Symbol der Teilung
stand, liegt jetzt in Trümmern - ein angemessenes
Mahnmal des diskreditierten Regimes, das ihren Bau
vor29 Jahren befahl. Heute befindet sich Deutschland
im Frieden mit seinen Nachbarn und - an diesem Tag
der deutschen Einheit - im Frieden mit sich selbst.

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Von diesem Tag an wird ein neues, vereintes Deutschland unser Partner bei der Führung sein. Wir Amerikaner - und vor allem die Amerikaner deutscher Abstammung - sind stolz auf die Rolle, die wir bei der Unterstützung der deutschen Einheit gespielt haben. Wir teilen
die Freude des deutschen Volkes an diesem Tag und
feiern die jahrhundertealten Beziehungen zwischen
Deutschen und Amerikanern.
Mit der gemeinsamen Entschließung 469 hat der
Kongreß den 6. Oktober 1990 zum "Deutsch-Amerikanischen Tag" erklärt und den Präsidenten ermächtigt
und ersucht, zur Würdigung dieses Tages eine Proklamation zu erlassen.
Aufgrund dessen erkläre ich, George Bush, Präsident
der Vereinigten Staaten von Amerika, hiermit den

Seite 1

�6.Oktober 1990 zum Deutsch-Amerikanischen Tag. Unterzeichnet am 3. Tag des Oktober, im Jahr des
Ich bitte die Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika, Herrn 1990 und im 215. Jahr der Unabhängigkeit der
diesen Tag mit angemessenen Feiern und Veranstal- Vereinigten Staaten von Amerika,
tungen zu begehen.
(Unterzeichnet) George Bush

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 40

�KSE
10. Oktober 1990

BAKER: KSE WIRD NEUE EUROPÄISCHE
ORDNUNG BESCHLEUNIGEN
Pressekonferenz des Außenministers
WASHINGTON - (AD) - Außenminister Baker zufolge wird die Durchführung eines Vertrags über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE) "die Errichtung einer neuen, stabileren und rechtmäßigen europäischen Ordnung
im politischen und militärischen Bereich" beschleunigen.
Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus am 4. Oktober 1990 erklärte Baker ferner, KSE "wird der erste
Vertrag über konventionelle Rüstungskontrolle unter Einbeziehung der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
in der Nachkriegszeit sein. ... Im Rahmen des Vertrags werden die Sowjets Zehntausende von Waffensystemen
zerstören, und er wird durch Bestimmungen über genaueste Überwachung und Inspektionen die Sicherheit in
Europa erhöhen."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz des Außenministers im Wortlaut.

Zunächst möchte ich Ihnen vier der aus meiner Sicht
wichtigsten Auswirkungen des KSE-Vertrags nennen,
auf den wir uns jetzt grundsätzlich geeinigt haben. Wie
der Präsident gerade ausgeführt hat, können wir erstens die politischen Revolutionen des vergangenen
Herbstes in Mittel- und Osteuropa jetzt durch eine
militärische Revolution ergänzen. Die Errichtung einer
neuen, stabileren und rechtmäßigen europäischen
Ordnung im politischen und militärischen Bereich wird
durch die Durchführung dieses Vertrags beschleunigt.
Zweitens wird KSE der erste Vertrag über konventionelle Rüstungskontrolle unter Einbeziehung der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in der Nachkriegszeit sein. Die bisherigen Bestrebungen, die eine
Stabilisierung des europäischen militärischen Gleichgewichts zum Ziel hatten, zogen sich über 17 Jahre
hin.
Drittens werden die Sowjets im Rahmen des Vertrags
Zehntausende von Waffensystemen zerstören müssen. Auf diese Weise wird ein sichereres und stabileres militärisches Gleichgewicht in Europa festgeschrieben.
Selbst wenn die Zukunft unsicherere Zeiten brächte,
würden viertens die im Vertrag enthaltenen Bestimmungen über genaueste Überwachung und InspektioAMERIKA DIENST 40

nen die Sicherheit in Europa erhöhen. Wo bisher
Tausende von sowjetischen Panzern für eine Offensive stationiert waren, werden jetzt Hunderte von Inspektoren stehen, und damit werden Stabilität und
eine Vorwarnzeit gewährleistet, falls sich die politischen Gegebenheiten ändern sollten.
Gestern konnten wir Ihnen bedauerlicherweise noch
keine Einzelheiten des Vorschlags nennen, da wir
noch keine Gelegenheit zu Konsultationen mit den
Verbündeten hatten. Diese Konsultationen haben
jetzt stattgefunden. Ich möchte Ihnen daher die wichtigsten Bestandteile des Vertrags erläutern.
Erstens legt er Obergrenzen für jedes Bündnis fest also für die NATO und den Warschauer Pakt. Bei
Panzern beträgt die Obergrenze 20 000, bei Artillerie
20 000, bei gepanzerten Kampffahrzeugen 30 000,
bei Hubschraubern 2 000. Wie ich bereits gestern
erwähnte, haben wir uns bei Kampfflugzeugen noch
nicht auf eine Obergrenze einigen können, da in dieser
Frage noch Gespräche mit den Verbündeten auf beiden Seiten geführt werden müssen.
Im Rahmen dieser Obergrenzen kann jedes Land des
jeweiligen Bündnisses folgende Bestände unterhalten: 13 300 Panzer, 13 700 Artilleriegeschütze, 20 000
gepanzerte Kampffahrzeuge, 1 500 Hubschrauber und
Seite 1

�5 150 Kampfflugzeuge. Bei dieser Zahl hatten wir die
größten Schwierigkeiten, uns zu einigen, und sie erforderte die meiste Zeit.
Sie können sich die Prozentsätze selbst ausrechnen.
Ich kann sie ganz kurz erwähnen, wenn Sie möchten,
denn das meinen wir, wenn wir vom "vernünftigen und
ausreichenden Niveau" sprechen. Der Prozentsatz
für Panzer beträgt 33,3 Prozent, für Artillerie 34,3, für
gepanzerte Kampffahrzeuge 33,3 und für Hubschrauber 37,5 Prozent. Für Bodengerät liegt der Prozentsatz bei 33,6 Prozent.
Frage: Diese Zahlen, das ist eher wie ...
Antwort: Ja, ich weiß, was Sie meinen. Aber die
Prozentsätze beziehen sich auf die Gesamtzahl beider
Büdnisse. Und wenn Sie es aus dieser Sicht betrachten, werden Sie feststellen, daß sie ganz genau zutreffen.
Frage: Sie haben erklärt, die sowjetischen Panzer
würden verschrottet, aber Sie haben nicht erwähnt,
was mit unserem überschüssigen Gerät geschieht.
Antwort: Wir werden nicht sehr viel beseitigen müssen, weil die Sowjets uns im Hinblick auf Zahlen enorm
überlegen sind. Die Sowjetunion wird also sehr viel
größere Verpflichtungen bezüglich der Zerstörung von
Gerät übernehmen müssen als die NATO oder irgendein NATO-Mitgliedstaat einschließlich der Vereinigten
Staaten. Wir werden im Rahmen der NATO 4 000
Panzer zerstören müssen. Der Warschauer Pakt wird
19 000 Panzer verschrotten müssen. Dies trifft auch
auf andere Kategorien zu und sieht in diesen Kategorien für uns sogar noch günstiger aus.
Frage: Wir werden sie verschrotten, und nicht an
irgendjemand weitergeben oder weiterverkaufen?
Antwort: Nein. Der Vertrag legt fest, daß das am Tag
der Vertragsunterzeichnung bestehende Gerät durch
Zerstörung beseitigt werden muß. Außer einigen
Ausnahmen wie bei Mannschaftstransportwagen, die
für zivile Zwecke umgerüstet werden können. Ein
bestimmter Teil dieses Geräts wird zur Umrüstung für
zivile Zwecke freigegeben.
Frage; Werden Sie ohne ein paktweites Abkommen
über Kampfflugzeuge nach Paris reisen? Und wann
erwarten Sie die Einigung auf ein solches Abkommen.
Antwort: Nein. Wir gehen davon aus, daß der
Abschluß eines solchen Abkommens nicht sehr lange
dauern wird. Aber offen gesagt - den Sowjets war sehr
daran gelegen, sich nicht auf eine endgültige Zahl
bezüglich des Niveaus des Warschauer Pakts zu
einigen, bevor sie nicht Gelegenheit hatten, sich intensiv mit den Warschauer-Pakt-Staaten zu beraten.
Frage: Was bedeutet das Abkommen im Hinblick auf
Truppenreduzierungen?

Seite 2

Antwort: Dieses Abkommen bezieht Truppenstärken
nicht ein. Es ist möglich und in der Tat sogar wahrscheinlich, daß wir Truppenstärken in den Folgeverhandlungen im Anschluß an dieses Abkommen über
konventionelle Rüstungen behandeln werden.
Frage: Was geschieht mit der Verlegung oder dem
Abzug sowjetischer Panzer, Artillerie und gepanzerter
Kampffahrzeuge vor der tatsächlichen Durchführung
des Vertrags? Sie verlegen Tausende dieser Waffensysteme aus den zu bestimmenden Zonen zurück in
ihr Land.
Antwort: Wir haben diese Angelegenheit mit ihnen
erörtert - und es handelt sich hierbei um die Verlegung
von durch den Vertrag abgedecktem Gerät, bevor der
Vertrag in Kraft tritt oder vor seiner Durchführung. Wir
haben um Aufstellungen gebeten, wie sie mit ihrem
Gerät verfahren werden und diese auch erhalten. Das
gleiche trifft auch auf uns zu. Wir werden einiges Gerät
an unsere NATO-Verbündeten weitergeben. Und wir
sagen den Sowjets, was wir tun, ebenso wie sie uns
sagen, was sie tun. Dies führt zu einem weiteren
wesentlichen Aspekt - einem Abkommen, auf das man
sich im Grundsatz einigt. Der Zeitplan, im Rahmen
dessen solche Verhandlungen fortgeführt werden
können, ist sehr kurz.
Frage: Ich möchte eine Frage zum Persischen Golf
stellen. Kennen Sie den Inhalt der Botschaft, die
Präsident Gorbatschows Emissär in Bagdad überbringen soll? Glauben Sie, daß die Chancen für eine
diplomatische Lösung besser oder schlechter werden?
Antwort: Ich möchte die Begriffe besser oder schlechter hier nicht verwenden. Meines Erachtens würde
nahezu jeder eine diplomatische, friedliche und politische Lösung vorziehen, und es gibt Bemühungen in
diese Richtung. Wir verbringen bei den Vereinten
Nationen eine Menge Zeit damit, über andere Dinge zu
sprechen, die im Rahmen dieses Mechanismus' getan
werden könnten.
Was die Botschaft von Herrn Primakow angeht, so
kann ich darüber nicht mehr sagen als das, was Herr
Schewardnadse gestern erklärt hat, als er meinte, sie
seien über ihre Staatsbürger dort besorgt, und das war
alles, was er dazu sagte.
Frage: Können Sie uns mitteilen, ob Präsident Mitterrand in seinem Schreiben an Präsident Bush seinen
Friedensplan erläutert hat? Und falls ja, können Sie
uns etwas über den Inhalt seiner Vorschläge sagen?
Antwort: Meines Erachtens gehen die Franzosen
davon aus, daß sich unsere Positionen decken, daß
keine Meinungsverschiedenheiten in bezug auf das
weitere Vorgehen bestehen, und das weitere Vorgehen beinhaltet die uneingeschränkte Verwirklichung
der Sanktionen des UN-Sicherheitsrats. Dies wurde

AMERIKA DIENST 40

�mir vom französischen Außenminister erklärt, und ich
vertraue darauf, daß dies der Ansicht der Franzosen
entspricht.
Frage: Bei der Erläuterung des KSE-Vertrags erwähnten Sie, einer seiner Werte bestehe darin, daß er
einen Schutz gegen negative politische Veränderungen in der Sowjetunion biete, also mehr Vorwarnzeit
und so weiter. Tag für Tag hört man Gerüchte, daß es
innerhalb der Sowjetunion Gruppen gibt, etwa das
Militär oder andere, die nach Wegen suchen, solch
negative Veränderungen mit einem Putsch oder etwas
ähnlichem herbeizuführen. Können Sie uns sagen, ob
Sie davon ausgehen, daß es solche Vorgänge wirklich
gibt? Machen Sie sich gegenwärtig über die politische
Stabilität in der Sowjetunion Sorgen?
Antwort: Nun, das entspricht nicht der Geschichte der
Sowjetunion. Und gegenwärtig haben wir keine Sorgen in dieser Hinsicht. Wir sind seit einiger Zeit besorgt
über die Stabilität in der Sowjetunion und haben dies
auch öffentlich erklärt. Wir haben die Haltung vertreten, daß Stabilität in der Sowjetunion sehr in unserem
Interesse und im Interesse der Welt liegt und daß
demgegenüber Instabilität überhaupt nicht unserem
und dem Interesse der übrigen Welt entspricht. Wir
würden es also vorziehen, wenn die recht erheblichen
und tiefgreifenden politischen und ökonomischen
Reformen in der Sowjetunion stabil ablaufen würden.
Frage: Aber gegenwärtig bestehen keine Sorgen in
bezug auf diese Frage der Instabilität?
Antwort: Sorgen wäre hier das falsche Wort. Wir
haben sensibel auf die Tatsache reagiert, daß es sich
hier um dramatische Veränderungen handelt. Wir
haben schon vor langer Zeit unsere Hoffnung und
unseren Wunsch zum Ausdruck gebracht, daß sie
friedlich und stabil ablaufen. Sicherlich gibt es beträchtliche Probleme. Dabei denke ich vornehmlich an
Wirtschaftsprobleme. Ich habe aber gerade erklärt,
daß wir dabei gegenwärtig keine besondere Rolle für
das Militär sehen.
Frage: Wird die heutige Entscheidung des Kongresses über den Haushaltskompromiß Auswirkungen auf
die Außenpolitik haben? Ich beziehe mich hier nicht
auf Zwangskürzungen, sondern vielmehr auf die Tatsache, daß in einer Zeit, in der Sie diplomatisch
erfolgreich an der Neugestaltung der amerikanischen
Rolle im Zeitalter nach dem kalten Krieg arbeiten, es
gleichzeitig so aussieht, als ob die Vereinigten Staaten
ihre Wirtschaft nicht in Ordnung bringen können, insbesondere, wenn dieses Haushaltspaket scheitern
sollte. Ich denke, Sie wissen, was ich sagen will.
Antwort: Meines Erachtens ist es sehr wichtig, daß
dieses Haushaltsabkommen verabschiedet und diese
Vereinbarung gesetzlich verankert werden. Dies war
meine Meinung im Jahr 1987, als wir ein Haushaltsabkommen hatten. Es war nicht die einfachste Sache der
Welt, es zu verabschieden, und auch bei dem vorlieAMERIKA DIENST 40

genden Abkommen wird es nicht leicht sein, aber in
Anbetracht der allgemeinen internationalen Wirtschaftslage ist es wichtig. Sicherlich gibt es dabei auch eine
außenpolitische Dimension.
Frage: Sie werden morgen einige der Probleme bei
START in Angriff nehmen. Können Sie uns erklären,
warum die START-Gespräche mit Schewardnadse
den KSE-Gesprächen hinterherzuhinken scheinen?
Antwort: Das einzige Problem, zu dem wir gestern
nach Abschluß der KSE-Gespräche noch gekommen
sind, war die Nichtumgehung von START. Wir haben
Gespräche darüber aufgenommen. Dies ist eine Nuß,
die wir noch knacken müssen. START hinkt hinterher,
wie Sie es nennen, weil diese Fragen viel Zeit in
Anspruch nehmen, und wir scheinen in Zeitnot zu
geraten. Wir haben bewußt KSE zuerst behandelt - als
ich in New York war, habe ich mich dort dreimal mit
Außenminister Schewardnadse getroffen. Bei KSE ist
der Termindruck wesentlich stärker. Wir haben uns
also darauf konzentriert und werden uns morgen mit

START beschäftigen.
Frage: Sind Sie der Meinung, daß Sie jetzt die
Unterstützung der Vereinten Nationen für eine militärische Option am Golf besitzen? Haben Sie bereits eine
Resolution entworfen, die...
Antwort: Wie ich bereits andeutete, haben wir darüber nach Abschluß der KSZE-Konferenz gesprochen.
Es wäre unklug, wenn wir nicht alle Optionen erwägen
würden. Wir tun dies also. Wir untersuchen, welche
Optionen in unseren Gesprächen mit anderen Staaten
erörtert werden könnten. Und ich gehe davon aus, daß
es heute mehr Unterstützung für eine Aktion dieser Art
geben könnte als etwa bei UN-Treffen vor einer Woche
oder 10 Tagen. Eine Reihe von Ländern haben ihr
Interesse bekundet, zumindest zu prüfen, was dies
beinhalten würde, wie man es machen sollte und so
weiter. Das ist der Stand der Dinge.
Frage: Glauben Sie, daß wir heute einer diplomatischen Lösung näher sind, und ist dies der Grund für
Präsident Mitterrands...
Antwort: Das führt wiederum auf die vorige Frage
zurück. Meines Erachtens kann man diese Dinge nicht
in Stunden oder Tagen messen. Ob man einer friedlichen politischen Beilegung näher ist oder ob man
einer Lösung näher ist, bei der Gewalt angewendet
würde. Meines Erachtens neigen wir zu sehr dazu,
jeden Tag nach Signalen Ausschau zu halten. Wir
können die andere Option nicht ausschließen. Aber
wir und die meisten anderen Länder haben klargemacht, daß wir eine friedliche diplomatische und politische Lösung bei weitem vorziehen würden.
Frage: Ist dies in Mitterrands Schreiben enthalten?
Drängt er den Präsidenten, in die Richtung zu gehen,
die er vorgeschlagen hat, obwohl er die Sanktionen
befürwortet?
Seite 3

�Antwort: Ich möchte den Inhalt eines bestimmten friedlichen oder politischen Losung. Ich glaube jedoch
Briefs nicht im einzelnen kommentieren. Die Äu ßerun- nicht, da ß die Franzosen einen anderen Ansatz kategen Präsident Mitterrands vor den Vereinten Nationen gorisch und unwiderruflich ausgeschlossen haben,
beziehen sich auf Möglichkeiten einer diplomatischen,

* * * * *

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AMERIKA PIENST 40

�US-AUSSENPOLITIK
10. Oktober 1990

NEUE AKZENTE IN DER AMERIKANISCHEN
AUSSENPOLITIK
Rede des Gesandten George F. Ward
HAMBURG - (AD) - Dem Gesandten bei der amerikanischen Botschaft in Bonn, George F. Ward, zufolge haben
die revolutionären Ereignisse der jüngsten Vergangenheit "die Überarbeitung der weltpolitischen Tagesordnung
noch dringlicher gemacht. Wir können nicht länger in völlig überholten Kategorien denken."
In einer Rede in Haus Rissen in Hamburg betonte Ward am 8. Oktober 1990, dabei gebe es für die Vereinigten
Staaten "keinen wichtigeren Partner als die Bundesrepublik Deutschland. Seit 1949 sind unsere beiden Länder
durch gemeinsame Interessen, gemeinsame Werte und gemeinsame Ziele verbunden..." Die Vereinigten
Staaten seien zuversichtlich, daß das vereinigte Deutschland seine "neugewonnene Macht" zur Stabilisierung
Europas einsetzen werde.
Die Rede des Gesandten in Haus Rissen hat folgenden Wortlaut:

*

Vor fast genau einem Jahr hatte ich bereits das Privileg, vor dieser Gruppe zu sprechen. Damals erschienen die Gezeiten des Wandels als unwiderstehlich. In
ihrem Sog waren viele der vertrauten Gefahren entweder verschwunden oder traten in veränderter Form
zutage, während andernorts neue Probleme auftauchten. Angesichts dieses Umbruchs in der Weltpolitik
hatte Haus Rissen seiner Jahreskonferenz einen provokativen Titel gegeben: "Herausforderungen der
Weltinnenpolitik." Meine eigene Rede bei jener Tagung war überschrieben: "Neue Herausforderungen
für die amerikanische Außenpolitik [am Ende des
Zwanzigsten Jahrhunderts]." Sicherlich verspürten
wir alle die Notwendigkeit, uns Gedanken über die
Zukunft zu machen und die Tagesordnung der Weltpolitik zu überprüfen.
Und doch übertrafen die Ereignisse der Wochen danach alle Erwartungen. Um Vaclav Havel zu zitieren:
"die Geschichte beschleunigte sich". Wir wurden nicht
nur Zeuge des Zusammenbruchs von Regimen, sondern der rapiden Erosion einer ganzen Ordnung, von
Moskau bis nach Managua. Selten in der Geschichte
haben Frieden und Demokratie in so kurzer Zeit solch
große Fortschritte erzielt. Was Deutschland anbelangt, so trugen diese Veränderungen zur Erfüllung
eines Traumes bei: das schönste Bild unseres Zeitalters ist vielleicht das des jungen Mannes, der seine

AMERIKA DIENST 40

Freiheit feiert, indem er Betonbrocken aus der Berliner
Mauer schlägt.
Solch revolutionäre Ereignisse haben die Überarbeitung der weltpolitischen Tagesordnung noch dringlicher gemacht. Wir können nicht länger in völlig überholten Kategorien denken. Heute sind wir gezwungen
Probleme zu lösen, die es gestern noch gar nicht gab.
Wer hätte sich vor einem Jahr träumen lassen, daß im
Jahr 1990 Diplomaten über den Abzug der sowjetischen Truppen aus einem vereinigten Deutschland
verhandeln würden?
Doch selbst heute sind dem Wandel Grenzen gesetzt.
Ein amerikanischer Senator kleidete diese Tatsache in
die Formulierung, Saddam Hussein habe uns aufgeweckt. Seine Handlungsweise führt uns vor Augen,
daß Macht und die Bereitschaft, sie zu benutzen,
weiterhin wichtige Faktoren in der Weltpolitik sind. Das
gilt auch für Europa. Sicherlich, der kalte Krieg zwischen zwei ideologisch konträren Blöcken ist vorbei.
Doch die Sowjetunion ist nach wie vor eine gewaltige
und unberechenbare geopolitische Macht an der
Schwelle Europas. Osteuropa setzt sich mit uralten
inneren Streitigkeiten auseinander.
Bitte mißverstehen Sie mich nicht. Die amerikanische
Außenpolitik blickt mit Optimismus in die Zukunft.
Präsident Bush selbst hat erklärt, daß wir die NachSeite 1

�kriegszeit hinter uns lassen und über die Politik des
Containment hinausgehen. Wir verwechseln jedoch
nicht Wunsch und Wirklichkeit. Vergangenes Jahr
habe ich die These meines Kollegen Francis Fukuyama in Frage gestellt, der Sieg des demokratischen
Kapitalismus über den Marxismus bedeute das Ende
der Geschichte. Er bedeutet lediglich das Ende eines
Kapitels der Geschichte, und obwohl ich nicht behaupten kann zu wissen, was das nächste Kapitel bringen
wird, ziehen sich Konflikte wie ein roter Faden durch
die Geschichte der Menschheit. Ihr Wiederaufflammen sollte also niemanden verwundern. Aus diesem
Grund dürfen wir keine Strukturen aufgeben, die sich
bewährt haben.
Es gibt für uns keinen wichtigeren Partner als die
Bundesrepublik Deutschland. Seit 1949 sind unsere
beiden Lander durch gemeinsame Interessen, gemeinsame Werte und gemeinsame Ziele verbunden einschließlich der gemeinsamen Verpflichtung, die
Teilung des Kontinents zu überwinden. Zyniker haben
oftmals behauptet, der Westen unterstütze die Vereinigung Deutschlands nur so lange sie unmöglich sei.
Die amerikanische Politik der vergangenen zwölf Monate
beweist das Gegenteil. Für uns ist der deutsche
Wunsch nach Einheit etwas natürliches, und unser
Vertrauen in dieses Land hat niemals gewankt. Es
wurde in der Tat noch stärker, nachdem wir die bisher
unbekannten Deutschen - aus dem Osten - besser
kennenlernten und entdeckten, daß ihre Sehnsucht
nach Freiheit und persönlicher Erfüllung den amerikanischen Traum verkörperten.
Natürlich kann niemand die geopolitische Dimension
der deutschen Einheit in Abrede stellen. Seit letzter
Woche ist das politische Gewicht Deutschlands größer
geworden. Wir sind zuversichtlich, daß diese neugewonnene Macht zur Stabilisierung Europas beitragen
wird. Wir sind ebenso sicher, daß ein vereinigtes
Deutschland weiterhin die Logik von Macht und Politik
anerkennt. Wie Konrad Adenauer häufig erklärte,
kann eine Nation von der Größe Deutschlands in der
Mitte Europas nicht die passive Rolle einnehmen, die
von kleineren oder peripheren Staaten gespielt wird.
Für ein Land von der Bedeutung Deutschlands ist
selbst eine Entscheidung, nicht zu handeln, eine
Handlung mit Folgen. Aus diesem Grund fühlen sich
die Vereinigten Staaten durch die herausragende Rolle
Deutschlands in europäischen Fragen und sein zunehmendes Engagement in der Weltpolitik bestärkt. Eine
solche Tatkraft bildet die Grundlage für unsere Partnerschaft bei der Führung.
Ich möchte nun im einzelnen auf die Herausforderungen eingehen, mit denen unsere beiden Länder konfrontiert sind. Ich werde die europäische Sicherheit,
Sicherheitsfragen außerhalb Europas und andere
Angelegenheiten erörtern, die über das Thema Sicherheit hinausgehen. In jedem Bereich werde ich neue
Akzente in der amerikanischen Außenpolitik und die

Seite 2

Rolle der deutsch-amerikanischen Zusammenarbeit
betonen.
Europa bleibt zentraler Schwerpunkt der amerikanischen Außenpolitik. Auch wenn der Blick der Vereinigten Staaten auf den Golf gerichtet ist, heißt das nicht,
daß die politisch Verantwortlichen dort Europa übersehen. Im Gegenteil: unsere intensiven Bemühungen im
Nahen Osten leiten sich in nicht geringem Maß aus
unserem Engagement in Europa ab. Würde man
Saddam Hussein erlauben, Preis und Angebot des Öls
zu diktieren, wäre dies für Westeuropa teuer und für
Osteuropa katastrophal. InderinterdependentenWelt
von heute ist Stabilität unteilbar: die Interessen keiner
Region lassen sich von Ereignissen andernorts abschotten.
Die amerikanische Politik bleibt also eurozentrisch. In
Washington wird keine wichtige Entscheidung gefällt,
ohne die Auswirkungen auf diese Region zu berücksichtigen, die immer noch für die Sicherheit der Vereinigten Staaten am wichtigsten ist. Trotz des drastischen Rückgangs der Spannungen zwischen Ost und
West ist das amerikanische Engagement in Europa für
jegliche Hoffnung auf dauerhafte Stabilität von entscheidender Bedeutung.
Sicherlich ist die sicherheitspolitische Bedrohung in
ihrer klassischen Form verschwunden. Mit dem Vollzug der deutschen Einheit sind die Chancen für einen
dauerhaften Frieden drastisch gestiegen. Wenn den
Reformen in der Sowjetunion und Osteuropa Erfolg
beschieden ist, wird dies einen weiteren gewaltigen
historischen Schritt nach vorn markieren.
Das "wenn" ist jedoch das entscheidende Wort. Da
sich die sowjetische Wirtschaft in desolatem Zustand
befindet, ist der Erfolg der Perestrojka bei weitem nicht
gesichert. Jeder Ruf nach Reformen stößt auf einen
Chor von Kritikern: einigen gehen die Veränderungen
zu schnell, anderen zu langsam. Jeder Versuch des
Kreml, dem Föderalismus wirkliche Bedeutung zu
verleihen, führt zu neuen Forderungen nach Selbstbestimmung einzelner Nationalitäten. Zahlreiche Elemente der sowjetischen Gesellschaft, auf der Rechten
wie auf der Linken, sind über den Zusammenbruch der
russischen Macht aufgebracht; sie könnten handeln.
Gorbatschow selbst hat bereits von Notstandsgesetzen gesprochen.
Selbst wenn die Wirtschaftsreformen greifen und das
sowjetische Reich Bestand hat, ist es denkbar, daß
Anhänger des alten Denkens das Experiment torpedieren könnten, um der UdSSR in der Weltpolitik
erneut eine eher traditionelle, interventionistische Rolle
zu verschaffen.
Niemand erwartet die Wiederbelebung des Stalinismus. Das schiere Machtpotential der Sowjetunion ist
jedoch eine zentrale Tatsache der Geopolitik. Obwohl
wir die drastische Reduzierung der Streitkräfteniveaus

AMERIKA DIENST 40

�und der Vorwarnzeit begrüßen, stellt die sowjetische
Macht, wenn sie in die falschen Hände gerät, weiterhin
eine Gefahr für ihre Nachbarn und eine Quelle der
Instabilität für den gesamten Kontinent dar.
Dies gilt noch mehr, wenn die Reformen in Osteuropa
scheitern. Die amerikanische Politik engagiert sich
moralisch und materiell für ihren Erfolg. Aber die
Einführung von Demokratie und freier Marktwirtschaft
praktisch über Nacht ist ein beispielloses Experiment.
Bei vielen wird vielleicht die Realität nicht den Erwartungen gerecht, andere könnten bei diesem Prozeß zu
Verlierern werden, und ein ungleichmäßiges Reformtempo könnte innere Unruhen auslösen. Spannungen
zwischen den osteuropäischen Staaten, einschließlich
der Sowjetunion, sind nicht auszuschließen: die Landkarte ist in dieser Region unglücklich gestaltet worden,
und die Reformen führen bereits zum Wiederaufleben
alter Animositäten.
Selbstverständlich hoffen wir auf den Erfolg der Reformen. Eine kluge Politik muß jedoch Hoffnung als Ziel
und nicht als Tatsache betrachten. Darüber hinaus
sind diese Szenarien zwar keine Entschuldigung für
das Festhalten an überholten Konzepten, aber sie
erinnern uns daran, daß Stabilität Europa nicht in die
Wiege gelegt wurde. Sie ist die Folge eines Gleichgewichts, und seit 1949 ist die amerikanische Präsenz
ein entscheidender Faktor dieser Balance. Die europäische und die amerikanische Sicherheit haben gleichermaßen davon profitiert.
Es gibt sogar einen noch zwingenderen Grund, warum
die Vereinigten Staaten eine Macht in Europa bleiben
müssen und werden: sie sind per definitionem eine
europäische Macht. Die Vereinigten Staaten sind
durch ein gemeinsames Erbe, gemeinsame Werte und
Ziele mit diesem Kontinent verbunden. Ihre besten
Verbündeten beim Streben nach einer stabilen Weltordnung befinden sich hier. Einem alten Sprichwort
zufolge haben Staaten keine dauerhaften Freunde,
sondern nur dauerhafte Interessen. Die Erfahrung
lehrt uns jedoch auch, daß den vitalen Interessen
jedes Staates durch lange bestehende Freundschaften gut gedient ist.
Seit 1949 verbindet die NATO die Vereinigten Staaten
mit Europa. Es gibt keinen Grund, warum sich dies
ändern sollte. Natürlich entwickelte sich die NATO
während des kalten Krieges als Teil der Bemühungen
zur Eindämmung der sowjetischen Expansion. Aus
gutem Grund wird die Sowjetunion jedoch im Nordatlantikvertrag mit keinem Wort erwähnt. Dieser Vertrag
ist zudem unbefristet. Denn der grundsätzliche Zweck
der NATO ging über die Politik des Containment
hinaus: eine transatlantische Sicherheitspartnerschaft
sollte dem langfristigen Ziel dienen, eine stabile Sicherheitsstruktur in Europa zu gewährleisten. Die
NATO bei Verwirklichung dieses Ziels preiszugeben,
würde nicht mehr Sinn ergeben als die Abschaffung
der EG beim Aufbau des europäischen Binnenmarkts.
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Niemand bestreitet, daß sich die NATO ändern muß.
Wie Außenminister Baker erklärt hat, wird sie neue
politische Aufgaben und einen mehr politischen Schwerpunkt entwickeln. All dies ist jedoch eine Frage der
Betonung, nicht der Substanz: das westliche Bündnis
war stets eine politische Institution, ein Forum der
Koordinierung und des Dialogs von Staaten mit gemeinsamen Interessen. Die sich verändernden Bedingungen von heute bedeuten, daß neue Punkte auf
seiner Tagesordnung erscheinen werden: Verbreitung von Raketen, Verifizierung von Rüstungskontrollabkommen und regionale Konflikte. Unsere Konsultationen zu Osteuropa und der Golfkrise unterstreichen
den Wert der NATO in dieser Hinsicht.
Die NATO ist jedoch mehr als ein Forum. Sie ist eine
Institution, die handeln kann. Einige behaupten gern,
die Anfangsbuchstaben des Bündnisses in Englisch
stünden für "NoAction;TalkOnly." Wiederum lehrt die
Geschichte, daß solche Zyniker zwar oft clever daherreden, aber selten im Recht sind. Nichts beweist die
Fähigkeit der NATO zum Handeln besser als der
NATO-Doppelbeschluß zu INF, mit dem der sowjetischen Führung vor Augen geführt wurde, daß es für sie
außer Verhandlungen keine Option gab. Dies öffnete
den Weg zu einer echten Annäherung zwischen Ost
und West.
Der politische Einfluß der NATO kann nicht wachsen,
wenn man ihre grundlegende militärische Komponente nicht bewahrt. Natürlich haben wir angesichts der
wachsenden Friedensaussichten damit begonnen,
unsere Truppenstärke zu verringern, Stützpunkte zu
schließen und auf die Modernisierung unserer Nuklearstreitkräfte zu verzichten. Auch die Strategie ist
nicht sakrosankt. Die Londoner Erklärung stellt eindeutig fest, daß Vomeverteidigung und flexible Reaktion der grundlegenden Überarbeitung bedürfen. Darüber
hinaus müssen die Nuklearstreitkräfte der NATO als
Waffen behandelt werden, die nur als allerletztes Mittel
eingesetzt werden.
Bestimmte militärische Elemente lassen sich jedoch
nicht reduzieren. Die US-Militärpräsenz in Europa ist
ein wichtiger Schutz vor Instabilität. Amerikanische
Nuklearwaffen geben der transatlantischen Sicherheit
Gewicht und tragen dazu bei, daß Krieg undenkbar
wird: solche Waffen müssen in der einen oder anderen
Form in Europa stationiert bleiben. Darüber hinaus
gewinnt das Bündnis seinen einzigartigen Einfluß durch
den in der Geschichte einmaligen Grad militärischer
Integration und gemeinsamer Formulierung der Politik
innerhalb der NATO. Die Umstrukturierung von NATOTruppen zu multilateralen Korps könnte diese Merkmale des Bündnisses verbessern.
Natürlich begrüßen wir die im Hinblick auf den langersehnten zweiten Eckfpeiler erzielten Fortschritte. Die
Neubelebung der WEU ist ein wichtiger Schritt in diese
Richtung, und ihre Charta verbindet sie ja mit der
NATO. Darüber hinaus wertet Washington die 1990
Seite 3

�zwischen Bonn und Paris ins Leben gerufene Initiative
für eine EG-Sicherheitsunion als weiteren Schritt in
Richtung auf einen besseren Zusammenhalt des
Westens und nicht als Alleingang.
Die Politik der Vereinigten Staaten berücksichtigt die
wachsende Bedeutung der KSZE. Hierbei handelt es
sich um einen entscheidenden Prozeß, der unterschiedlich gearteten Ländern die Möglichkeit bietet,
bei vielen - auch sicherheitspolitischen - Fragen eine
gemeinsame Basis zu finden und den Ländern Osteuropas das Gefühl vermittelt, in den Sicherheitsdialog
einbezogen zu werden. Artikel 21 und 22 der Londoner
Erklärung beschreiben neue Aufgaben, unter anderem Vertrauensbildung und Konfliktlösung. Die weitere Institutionalisierung der KSZE kann ihre Rolle als
Forum stärken.

Man soll einem alten Spruch zufolge keine offenen
Türen einrennen, und ein Vertreter der amerikanischen Regierung muß die meisten Deutschen - und
vor allem dieses Publikum - kaum auf die Bedeutung
der NATO hinweisen. Er muß sie auch nicht zur
Erhaltung der transatlantischen Bindungen auffordern.
Bundeskanzler Kohl hat unser Bündnis bei unzähligen
Gelegenheiten als unverzichtbar bezeichnet, sich gegen
einen Prozeß der vollständigen Entmilitarisierung
ausgesprochen und vor der Errichtung einer Festung
Europa gewarnt.
Dennoch ist in Europa die Versuchung groß, alle
bestehenden Strukturen als überholt zu betrachten.
Manche möchten die NATO abschaffen, andere möchten
sie als Fassade mit geringer politischer und keiner
militärischen Bedeutung behalten. Auch wenn damit
erneut ein Beispiel aus der Architektur zitiert wird, so
erinnern diese Reformeiferer an Stadtplaner, die solide alte Bauten eilig abreißen, um an ihrer Stelle neue,
aber instabile Gebäude zu errichten.

Die eigentliche Stärke der KSZE - ihr Streben nach
einem Konsens inmitten dieser Vielfalt - bedeutet, daß
nicht immer westliche Sicherheitsinteressen zum Zuge
kommen. Es liegt ein Kömchen Wahrheit in den
scherzhaften Worten des israelischen Staatsmanns
Abba Eban, bei einem Konsens sagten alle gemeinsam etwas, woran kein einzelner glaubt. Länder mit
unterschiedlichen Interessen finden oftmals nur einen
gemeinsamen Nenner, indem sie Differenzen notdürftig übertünchen. Selten werden auf der Basis eines
solch brüchigen Konsenses konkrete Maßnahmen
ergriffen, erst recht nicht im Bereich der Sicherheit.

Die Vereinigten Staaten und das vereinte Deutschland
sind Partner bei der Führung. Jedes künftige Sicherheitsgefüge braucht ihre Beteiligung und ihre Zustimmung. Wir sind zuversichtlich, daß die politische
Führung dieses Landes ihr traditionelles Engagement
für transatlantische Institutionen beibehalten und sich
einer Politik widersetzen wird, die solche Institutionen
ihrer Inhalte berauben würde.

Kurzum: bei der KSZE handelt es sich um ein Forum
für die Suche nach gemeinsamen Interessen, während die NATO ein Bündnis ist, in dem auf der Grundlage bereits bestehender gemeinsamer Interessen
gehandelt wird. Damit ergänzen sich beide Organisationen auf natürliche Weise und leisten somit beide
einen wichtigen Beitrag für die europäische Stabilität
der Zukunft.

Europa ist heute ein Abbild des Erfolgs gemeinsamer
sicherheitspolitischer Bestrebungen. Es lehrt viele
Lektionen für die Politik an anderen Orten. Denn das
Ende des kalten Krieges heißt nicht, daß die Bedrohungen für die Sicherheit verschwinden, es erfordert
und ermöglicht vielmehr neue Methoden zur Entschärfung solcher Bedrohungen. Hierfür liefert die Golfkrise
ein anschauliches Beispiel.

In der europäischen Politik werden oftmals Beispiele
aus der Architektur verwendet. Denken Sie nur an
Metaphern wie den zweiten Eckpfeiler der NATO und
Präsident Gorbatschows gemeinsames Haus. Nur
zögernd würde man noch eine weitere nennen, die
aber ein eindeutiges Bild vermittelt. Angesichts des
herannahenden Jahres 1992 ist viel von der Festung
Europa die Rede, die um den Binnenmarkt errichtet
wird. Ich werde im folgenden noch darauf eingehen,
wie wichtig der Kampf gegen den Protektionismus
schon aus wirtschaftlichen Erwägungen ist. Überdies
würde eine Mauer der Handelshemmnisse, die Amerika von Europa trennt, unweigerlich die transatlantischen Sicherheitsbeziehungen schwächen, denn wenn
in ganz Europa die Mauern fallen, wird die Errichtung
einer neuen Mauer ziemlich sinnlos. Der Schutz vor
einer solchen Mauer ist ein Ziel der institutionalisierten
Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und
der EG und darüber hinaus Gegenstand regelmäßiger, in diesem Jahr aufgenommener Gespräche zwischen dem Rat und der Kommission.

Präsident Bush hat mit der unverzüglichen Entsendung von US-Truppen nach Saudi-Arabien den ersten
und wichtigsten Schritt unternommen, um der irakischen Aggression entgegenzutreten. Diese konkrete
Maßnahme hat jede mögliche Expansion irakischer
Macht über Kuwait hinaus vereitelt und Saddam Hussein ein unmißverständliches Signal gegeben, daß
seine Aggression ins Auge gegangen ist.

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Aber trotz der Tatsache, daß die Vorgehensweise der
Vereinigten Staaten irakischen Ambitionen schnell die
Spitze nahm, konnte und kann sie allein keine Stabilität
in der Golfregion hervorbringen. Die Amerikaner sind
vereint in ihrer Bereitschaft, der irakischen Aggression
entgegenzutreten. Dennoch mißtraut die öffentliche
Meinung einer langanhaltenden, einsamen Wacht auf
fernen Posten. Insbesondere in einer Zeit der Engpässe im Haushalt und einer offensichtlichen relativen
Abschwächung der wirtschaftlichen Stärke der Vereinigten Staaten wäre eine US-Aktion am Golf oder
andernorts in unserem Land schwer zu rechtfertigen.

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�Die Amerikaner wollen vielmehr, daß ihre Anstrengungen Teil einer gemeinsamen Reaktion sind.

i

^

Darüber hinaus hat das Ende des kalten Krieges zu
einem neuen strategischen Konzept in Amerika geführt. Angesichts der geringen Wahrscheinlichkeit
eines kurzfristig angezettelten weltweiten Konflikts
wollen wir sobald wie möglich - bis 1995 - unsere
aktiven Streitkräfte um 25 Prozent reduzieren. Unsere
Strategie ist zunehmend auf schnelle Reaktion auf
regionale Konflikte ausgerichtet. Ein solcher Ansatz
vertraut auf materielle und politische Unterstützung
von Freunden und Verbündeten.
Um es mit Präsident Bushs Worten zu sagen: "Allein
können die Vereinigten Staaten viel tun - gemeinsam
mit ihren Freunden und Verbündeten können sie noch
sehr viel mehr für Frieden und Gerechtigkeit tun."
Die internationale Solidarität gegen Saddam Hussein
war und ist daher unverzichtbar. Die beste Hoffnung
auf eine Beilegung dieses Konflikts bieten die historische im vergangenen Monat in Helsinki erzielte amerikanisch-sowjetische Übereinstimmung, der Konsens
gemäßigter arabischer Staaten und die Hilfe aus
Westeuropa und Japan. Nur mit Hilfe dieser Solidarität
kann der Irak von wirtschaftlicher, militärischer und
politischer Unterstützung abgeschnitten und gleichzeitig in den Vereinigten Staaten Unterstützung für die
Operation Wüstenschild gewonnen werden.

)

i

Dieser Konsens zeigt sich deutlich bei den Vereinten
Nationen. Dieses internationale Gremium und seine
Unterorganisationen spielen seit langem eine unverzichtbare Rolle bei der Bewältigung von Krankheit,
Hunger, Armut, Analphabetentum und Flüchtlingsproblemen. Im Golfkonflikt demonstrieren sie jetzt ihre
Fähigkeit, ernsthafte sicherheitspolitische Maßnahmen zu ergreifen. Saddam Husseins Aggression ist
eine solch massive Bedrohung des Prinzips der Rechtsstaatlichkeit, daß der Sicherheitsrat mit beispielloser
Entschlossenheit gehandelt hat. Die U NO-Sanktionen
einschließlich des jetzt verhängten Luftverkehrembargos spielen eine wichtige Rolle. Die Billigung dazu,
Sanktionen gegebenenfalls mit militärischen Mitteln
durchzuführen, ist beispiellos. Präsident Bush hat es
ausdrücklich als amerikanische Politik bezeichnet, diesen
Sanktionen Geltung zu verschaffen.
Natürlich hoffen wir, daß diese Solidarität schließlich
den Bunker in Bagdad durchdringt und Saddam Hussein zum Rückzug zwingt. Dennoch liefern die UNOEntscheidungen lediglich den Rahmen für internationale Maßnahmen, sie können und dürfen kein Ersatz
für Taten sein. Wenn wir auf das internationale Gremium als ausführendes Organ der Politik gesetzt hätten, stünde Saddam Hussein heute vielleicht in Riad.
Wenn wir darauf bauen, daß die Sanktionen von allein
greifen, dann ist das eine Selbsttäuschung.
Die einzige friedliche Lösung der Krise besteht in
effektiver Abschreckung und wirksamen Sanktionen,
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beide hängen von konkreten Maßnahmen zur Durchsetzung ab, und diese Durchsetzung erfordert wiederum eine koordinierte militärische Reaktion. Die Teilung der Verantwortung ist daher entscheidend.
Die arabische Präsenz in Saudi-Arabien ist politisch
unverzichtbar und militärisch wertvoll. Wir müssen
Wege aufzeigen, wie eigene Verteidigungsfähigkeiten
von Ländern wie Saudi-Arabien und Ägypten zu steigern sind. Es gibt keine Pläne für eine NATO des
Nahen Ostens. Aber erweiterte Zusammenarbeit und
mehr Waffenverkäufe werden Sicherheit und Stabilität
am Golf fördern.
Angesichts dessen, was für die Stabilität am Golf auf
dem Spiel steht, müssen sich die Länder des westlichen Bündnisses die Verantwortung teilen. Sie verfügen über die Ressourcen, sie sind gewohnt, auf der
Basis gemeinsamer Interessen zu handeln, sie haben
Mechanismen für regelmäßige Konsultationen und
Zusammenarbeit entwickelt. Nahezu alle NATO-Länder
haben ein bestimmtes Streitkräftekontingent in der
Golf-Region. Die Türkei spielt natürlich eine besonders entscheidende Rolle in dieser Region.
Niemand schlägt eine Erweiterung des Mandats der
NATO vor. Der Operationsbereich der NATO ist der
Nordatlantik. Dennoch verbietet kein Passus im Vertrag von 1949 Konsultationen über Fragen außerhalb
dieses Gebiets, insbesondere wenn solche Bestrebungen dem übergeordneten NATO-Ziel der kollektiven Sicherheit dienen. Zumindest müssen wir zusammenarbeiten, um Streitkräfteverschiebungen auszugleichen, die Südflanke zu stärken und die Einhaltung
der Sanktionen zu überwachen.
Dieser Konflikt trifft uns an einem kritischen Punkt der
deutschen Geschichte. Man hat inzwischen Verständnis für Zeitungsredakteure: der Platz auf der Titelseite
reicht nicht aus für all die dramatischen Schlagzeilen.
Dennoch sind die deutsche Einheit und die Golfkrise
als Themen nicht so verschieden wie es scheint: mit
dem zunehmenden Gewicht Deutschlands in Europa
steigt auch sein Gewicht in der Welt. Die Golfkrise ist
eine große Herausforderung an die Weltordnung und
die wirtschaftliche Stabilität, und der Status Deutschlands als wichtige politische und wirtschaftliche Macht
macht es unvermeidlich, daß Deutschland eine Rolle
spielt.
Bonns im letzten Monat getroffene Entscheidung, den
betroffenen Ländern Wirtschaftshilfe zu gewähren und
die militärischen Bestrebungen der Vereinigten Staaten indirekt zu unterstützen, ist ein wichtiger erster
Schritt. Angesichts all der Rechnungen, die sich auf
dem Schreibtisch des Bundeskanzlers stapeln, war es
keine leichte Entscheidung, diese Mittel für den Nahen
Osten bereitzustellen.
Obwohl wir anerkennen, daß die Deutschen offiziell
den Wunsch geäußert haben, mehr tun zu können, hat
schon dieser erste Beitrag Kritik entfacht. In einigen
Seite 5

�Kreisen weist man auf die Möglichkeit hin, daß der
Beitrag in Höhe von 3,3 Milliarden Mark schon das
ganze Ausmaß der deutschen Beteiligung darstellen
könnte. Solche Haltungen stehen mit Deutschlands
zunehmender Bedeutung als internationale politische
und militärische Macht wohl kaum in Einklang.
Verbündete und Nachbarn würden eine etwas größere
Rolle Deutschlands begrü ßen, um die Stabilität au ßerhalb des Einflußbereichs der NATO zu erhalten. Fragwürdige Interpretationen der Geschichte sollten es
nicht davon abhalten, multilaterale Bestrebungen zu
unterstützen, um der dreisten Agression entgegenzutreten.
Allgemein anerkannten Auslegungen der Verfassung
zufolge wäre ein solches Vorgehen verfassungswidrig, und zweifelsohne kann aktive Politik niemals die
breite Unterstützung der Bevölkerung gewinnen, wenn
nicht die überwiegende Mehrheit der Deutschen davon
überzeugt ist, daß sie im Einklang mit dem Grundgesetz steht. Aus diesem Grund haben der Bundeskanzler und zahlreiche andere politisch Verantwortliche
eine Verfassungsänderung gefordert, um ein militärisches Engagement au ßerhalb des Atlantiks zu ermöglichen. Viele unterstützen diese Änderung unter der
Voraussetzung, daß Aktionen "in bündnisfremden
Gebieten" nur im Rahmen der UNO bei Einsätzen wie
derzeit am Golf gestattet werden.
Die deutschen "Blauhelme" wären willkommen, aber
die Rolle der Friedenstruppen - wie mutig auch immer
- ist kaum entscheidend bei der Bewahrung regionaler,
ganz zu schweigen von weltweiter Stabilität. Eine "Lex
Saddam" kann daher in Frage gestellt werden. Es ist
absolut möglich, ja sogar wahrscheinlich, daß künftige
Krisen deutsche Interessen direkt betreffen werden
oder die stabile Weltordnung gefährden, an der Deutschland noch mehr interessiert ist. Es ist jedoch unwahrscheinlich, daß diese Einsätze solch ein einhellig unterstütztes und eindeutiges Mandat zu Handlungen
der UNO hervorbringen wie das durch die dreiste Aggression des Irak hervorgerufene. An irgendeinem
Punkt - entweder im Verlauf dieser Krise oder in
Zukunft - wird die Bundesrepublik entscheiden müssen, ob sie direkte Schritte, gegebenenfalls mit Einsatz
von Militärmacht, unternimmt.

rungen oder Ozonschwund entziehen. Niemand kann
hoffen, die Elbe oder die Ostsee alleine zu reinigen.
Die jüngsten internationalen Bestrebungen sind ermutigend. Bei der diesjährigen Londoner Ozonkonferenz
wurde die Verpflichtung des Protokolls von Montreal
aus dem Jahr 1987 verstärkt. Die Teilnehmer einigten
sich ferner darauf, den ersten internationalen Umweltfonds zu gründen. Beim Wirtschaftsgipfel im Juli in
Houston widmeten die G-7 ihre Aufmerksamkeit nicht
nur Wirtschafts- sondern auch Umweltfragen. Vertreter aus den Vereinigten Staaten und der EG kamen
bereits im vergangenen Monat überein, das bei der
Londoner Konferenz vereinbarte Ozon-Abkommen in
die Praxis umzusetzen. Darüber hinaus werden sie im
Januar Konsultationen über die energiewirtschaftlichen Aspekte der Klimaveränderungen abhalten.
Meilensteine in Europa sind die Ost- und Nordseekonferenzen sowie das von den Vereinigten Staaten und
der EG finanzierte regionale Umweltzentrum für Osteuropa in Budapest. Beim Londoner NATO-Gipfeltreffen wurde ferner eine Rolle der KSZE in Umweltfragen
vorgeschlagen.
Wir wissen, unsere Partner in Bonn wollen rasche
Fortschritte erzielen. Die Betonung der amerikanischen Politik liegt jedoch darauf, daß wirksame langfristige Lösungen für diese Probleme richtiges Verständnis ihrer Ursachen erfordern. Gemeinsame Forschung
und Datenaustausch wie wir sie auf bilateraler Ebene
haben, sind daher die vielversprechendste Form multilateraler Zusammenarbeit. Aus diesem Grund plant
Präsident Bush in diesem Winter im Weißen Haus ein
zweites internationales Ministertreffen zu Umweltfragen.
Handel ist eine der ältesten Formen von Interaktion
zwischen Staaten. Dennoch halten allzu viele noch
immer an der Illusion des Protektionismus fest, im
Glauben, sie könnten von Exporten profitieren und
gleichzeitig irgendwie wirtschaftliche Unabhängigkeit
erlangen. Sie ignorieren eine Lehre, die durch den
Zusammenbruch des Ostblocks erneut bestätigt wurde: Mauern um die Volkwirtschaft einer Nation ersticken Wachstum ebenso wie Mauern um das Volk einer
Nation die Freiheit ersticken.

Sicherheit ist nach wie vor das herausragende Thema
unserer Zeit, aber keinesfalls das einzige. Wie wir
letztes Jahr unter dem Titel "Herausforderungen der
Weltinnenpolitik" erörterten, hat eine interdependentere Welt neue Probleme aufgeworfen, die ebenfalls
multilaterale Lösungen erfordern. Ich möchte vier
davon erörtern: Ökologie, Handel, Terrorismus und
Flüchtlinge.

Multilaterale Zusammenarbeit muß darauf abzielen,
jegliche Form von Handelsbeschränkungen abzubauen. In sieben Runden hat das GATT seit 1946 die
Zollsätze drastisch um 75 Prozent gesenkt. Infolgedessen explodierte der Handel von nur 60 Milliarden
Dollar im Jahr 1950 auf einen Rekordstand von 4
Billionen Dollar 1989. Nirgendwo waren die Profite
größer als in der EG - der größten Handelseinheit der
Welt.

Die Bedrohung der Umwelt macht nicht an den Grenzen halt. Daher ist es nur angemessen, daß Ökologie
heute weit oben auf der Tagesordnung der internationalen Politik steht. Kein Land kann sich Klimaverände-

Dennoch sind weitere 1,3 Billionen Dollar an Handel
mit Gütern und Dienstleistungen durch die bestehenden Regeln nicht angemessen abgedeckt. Abbau

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�dieser Restriktionen ist das Ziel der Uruguay-Runde in
Genf.
Die Vereinigten Staaten haben bei derGATT-Runde in
Genf alle Handelspraktiken auf den Verhandlungstisch gelegt. Bedauerlicherweise könnte Europas
unbeugsamer Widerstand gegen Agrarreformen die
Runde zum Scheitern verurteilen. Mit ihrem anachronistischen Festhalten an Subventionen zahlt die EG
Landwirten, die Weizen anbauen, beispielsweise 10
Prozent pro Tonne mehr als den tatsächlichen Marktwert. Diese Intervention in den freien Handel erhöht
die Kosten für den Verbraucher und bestraft Bauern in
den Entwicklungsländern.
Die Uruguay-Runde kann die Zölle drastisch um ein
Drittel kürzen und Regeln für fairen Wettbewerb festlegen. Dennoch hängt ihr Erfolg vom schrittweisen
Abbau der Agrarsubventionen ab. Falls die Runde
scheitert, wird die Welt Millionen an erhöhter Produktion verlieren, was für einen Gro ßteil der Entwicklungsländer und Osteuropas den Ruin bedeuten könnte.
Wenn es uns darüber hinaus nicht gelingt, den Handel
multilateral zu regeln, werden viele von uns einseitige
Maßnahmen ergreifen - einschließlich des amerikanischen Kongresses, der die Macht hat, den Handelsverkehr zu bestimmen.
Es erübrigt sich, den Wert des freien Handels in Bonn
und Washington zu unterstreichen. Unsere beiden
Länder wetteifern gerade deshalb um den Titel des
größten Exporteurs der Welt, weil wir von offenen
Märkten und fairem Wettbewerb profitieren. Aus diesem Grund ist es umso zwingender für Bonn, bei der
Entwicklung einer flexibleren Haltung der EG in multilateralen Foren eine Führungsrolle zu übernehmen.
Terroristen machen sich Grenzen zunutze. Sie verüben in einem Land Terroranschläge und suchen Zuflucht hinter den Grenzen eines anderen. Gelegentlich
werden sie vom zweiten Staat gedeckt, wie in dem
Falle, als Stasi-Beamte den vermutlichen RAF-und
Nahostterroristen Schutz gewährten. Häufig wird jedoch
hinter den Bestimmungen und Praktiken eines anderen Staates Zuflucht gesucht.
Multilaterale Maßnahmen können zur Bekämpfung
dieser Bedrohung beitragen. Wir müssen vereint
Druck auf staatlich geförderten Terrorismus ausüben.
Durch koordinierte Bestrebungen müssen wir darüber
hinaus sicherstellen, daß kollidierende Wirtschaftinteressen, Rechtsvorschriften und politische Programme Terroristen nicht unbeabsichtigt ein Schlupfloch
bieten, in dem sie sich verstecken können. Gute Absichten allein sind nicht genug.
Die bis heute unternommenen internationalen Bestrebungen sind ermutigend, sie reichen jedoch noch nicht
aus. Die Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats über
Geiselnahme sind nur ein Anfang. Die unerschütterliche Haltung der Weltöffentlichkeit gegen die Aggres-

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sion am Golf gibt zu der Hoffnung Anlaß, daß sie schon
bald über die bloß formale Mißbilligung terroristischer
Aktivitäten hinausgehen wird. Entschiedenes Vorgehen in diesem Bereich wird die UNO zu einem wahrhaft
entscheidenden Faktor in den internationalen Beziehungen machen.
Kontinuierliche enge Zusammenarbeit zwischen den
G-7 und der europäischen Trevigruppe ist unabdingbar. Wir ermutigen die Europäische Gemeinschaft als
Ganzes, über koordinierte Sicherheitsmaßnahmen
hinauszugehen und entscheidende Schritte gegen
staatlich geförderten Terrorismus zu unternehmen.
Zumindest muß der Export von sicherheitsempfindlicher Technologie in Staaten wie Libyen unterbunden
werden.
Deutsch-amerikanische bilaterale Koordinierung des
Austauschs polizeilicher Erkenntnisse hat dem Terrorismus Hindernisse in den Weg gelegt und dazu beigetragen, Verdächtige wie Mohammed Hammadi vor
Gericht zu bringen. Ein vereintes Deutschland kann
jetzt in stärkerem Maße dazu beitragen, daß eine
starke EG eine feste Haltung gegenüber staatlich
gefördertem Terrorismus einnimmt. Iraks Drohung,
Terroristen einzusetzen, macht die Zusammenarbeit
noch entscheidender.
Iraks brutale Aggression wirft ein Schlaglicht auf ein
weiteres Problem, das eine multilaterale Lösung erfordert. 15 Millionen Flüchtlinge, vornehmlich Frauen und
Kinder, sind bereits in entlegenen, öden Wüstenlagern

angekommen, haben ihre jämmerlichen Boote in asiatischen Häfen festgemacht oder stiegen am Bahnhof
Friedrichstraße aus dem Zug.
Es wäre für wohlhabendere Länder moralisch inakzeptabel, einfach ihre Grenzen zu schließen. Lagerhausartige Camps sind wenig besser. Aus diesem Grund
haben die Vereinigten Staaten ihre Einwanderungsquote erhöht. Unsere Erfahrungen zeigen, daß Neuankömmlinge aus unterschiedlichen Teilen der Welt
das kulturelle Leben eines Landes bereichern und sein
Wirtschaftspotential erhöhen. Führende Politiker in
Europa haben ebenfalls eine flexiblere Einwanderungspolitik gefordert.
Dennoch benötigen wir auch internationale Bestrebungen wie die der UNO-Flüchtlingskommission und der
Internationalen Indochinakonferenz.
Die Staaten
müssen gedrängt werden, mehr legale Einwanderer
aufzunehmen, so daß die Verzweiflung nicht zur Tragödieführt. Über die Rückführung der Flüchtlinge, von
denen die Mehrheit nur den einen Wunsch hat, nach
Hause zurückzukehren, müssen Abkommen geschlossen werden.
Regionale politische Krisen und wirtschaftliche Miseren in den Entwicklungsländern sind schuld an der
Verzweiflung, die Menschen veranlaßt, aus ihrem
Heimatland zu fliehen. Letztlich wird nur die Lösung

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�dieser grundlegenden Probleme diese zweite Völkerwanderung verlangsamen. Dies ist nur umso mehr
Grund für ein intensiviertes amerikanisch-deutsches
Engagement bei den Bestrebungen, internationale
Sicherheit und Wohlstand zu gewährleisten.
Zusammenfassend erscheint die Feststellung fast wie
eine Binsenwahrheit, daß die Umgestaltung der Weltpolitik schwindelerregend war. Vielleicht waren wir
bereits durch das Tempo des Wandels benommen:
einige Ereignisse, die noch vor zehn Jahren als epochemachend erachtet worden wären, werden heute in
den Abendnachrichten nicht einmal mehr erwähnt.
Dennoch sollten wir dankbar sein, daß unsere Kinder
in dieser Welt aufwachsen und nicht in der, die wir
vierzig Jahre lang kannten: der Spielraum zur gemeinsamen Bewältigung von Problemen schien noch nie so
groß.
Angesichts der zahlreichen verbleibenden Probleme
wäre Selbstgefälligkeit jedoch fehl am Platze. Die
Tagesordnung der internationalen Politik wird viele

Punkte umfassen - teils vertraut, teils neu, teils unvorhersehbar. Die Vereinigten Staaten und Deutschland
müssen die Grundlagen der europäischen Stabilität
erhalten, auch während sie versuchen, die Herausforderungen und Probleme in den Griff zu bekommen, die
über diesen Kontinent und das Sicherheitsgefüge
hinausgehen. Sie alle erfordern unsere Aufmerksamkeit und Zusammenarbeit miteinander. Denn in einer
Welt wachsender Interdependenz gibt es keine isolierten Probleme und keine einseitigen Lösungen.
Partnerschaft bei der Führung ist nicht nur ein Schlagwort, sondern eine Beschreibung der Realität. Unsere
beiden Länder üben Führungsrollen aus und unsere
sehr eng koordinierte Beziehung ist nach wie vor ein
großer Gewinn für Europa und in der Tat für die ganze
Welt. Seit vierzig Jahren hat die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit in jedem Bereich - Wirtschaft,
Politik und Verteidigung - Wohlstand, Stabilität und
Frieden hervorgebracht. Dies muß so bleiben, während wir uns der Zukunft stellen.

* * * *

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Embassy of the United States of America

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17. Oktober 1990

JP

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USA-EUROPA

ENGE AMERIKANISCH-EUROPAISCHE
ZUSAMMENARBEIT BEI GOLFKRISE
Abteilungsleiter Seitz zur Entwicklung in Europa

GOLFKRISE

INTERNATIONALE REAKTIONEN AUF DIE
IRAKISCHE INVASION KUWAITS
Übersicht über wirtschaftliche und
politische Maßnahmen
DIE GOLFKRISE
Chronologie für September 1990

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�USA-EUROPA
17. Oktober 1990

ENGE AMERIKANISCH-EUROPÄISCHE
ZUSAMMENARBEIT BEI GOLFKRISE
Abteilungsleiter Seitz zur Entwicklung in Europa
WASHINGTON - (AD) - Dem Leiter der Abteilung für europäische und kanadische Angelegenheiten im USAußenministerium, Raymond G. H. Seitz, zufolge arbeiten die Vereinigten Staaten und Europa bei der
Bewältigung der Golf krise eng zusammen. Vor dem Unterausschu ß des Repräsentantenhauses für Europa und
den Nahen Osten erklärte Seitz am 9. Oktober 1990, die Veränderungen in der Sowjetunion und der daraus
resultierende Abbau der Ost-West-Spannungen führe zum ersten Mal dazu, daß die Vereinigten Staaten und
die Sowjetunion eine Krise "als Partner bei umfassenden Bemühungen zur Eindämmung einer Bedrohung für
die internationale Staatengemeinschaft" angehen könnten.
Die Vereinten Nationen funktionierten nun "im Sinne ihrer Begründer", die NATO habe eine "neue und
überzeugende Chance, ihren Wert unter Beweis zu stellen" und die Türkei habe ihre geopolitische Bedeutung
bekräftigt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Seitz vor dem Unterausschuß im Wortlaut.

Ich begrüße diese Gelegenheit, zu einer erneuten
Stellungnahme vor diesem Ausschuß.
Als ich im Juli das letzte Mal zu Ihnen sprach, habe ich
die bis dahin in der Europapolitik dieser Administration
erzielten Leistungen erläutert: den Durchbruch bei der
Vereinigung Deutschlands, die Stärkung der NATO
beim Londoner Gipfel, weitere Bemühungen in Wien
zum Abschluß eines bahnbrechenden Abkommens
über konventionelle Streitkräfte in Europa sowie die
Vorbereitungen für ein im November in Paris geplantes
Gipfeltreffen der Konfei enz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa. Diese politischen Initiativen
versprachen, im Herbst einen neuen Höhepunkt zu
erreichen.
Auf dem Weg zur Verwirklichung unserer erklärten
Ziele wurden ermutigende Fortschritte erreicht. Deutschland vollendete am 3. Oktober 1990 seine Einheit, und
das ist zu einem großen Teil auf unseren Erfolg bei den
Verhandlungen über den Zwei-plus-Vier-Vertrag zurückzuführen, der am 12. September 1990 unterzeichnet wurde. Die NATO beschäftigt sich aktiv mit der
beim Juli-Gipfel in London verabschiedeten ehrgeizigen Tagesordnung. Die Londoner Beschlüsse - zur
Überprüfung der NATO-Strategie, Einleitung von
AMERIKA DIENST 41

Verhandlungen über atomare Kurzstreckenraketen
(SNF), Schaffung eines neuen Verhältnisses zum
Warschauer Pakt und Neubelebung der KSZE - bildeten den Schlüssel zur raschen Wiederherstellung der
deutschen Einheit zu unseren Bedingungen. Die
NATO ist ein unerläßliches Gerüst bei der Planung der
neuen europäischen Architektur.
Vergangene Woche haben wir in New York prinzipiell
Einigung bei den wichtigsten noch offenen Fragen der
KSE-Verhandlungen erzielt, und wir erwarten die
Unterzeichnung dieses Vertrags bis Mitte November.
Der KSZE-Gipfel in Paris wird deshalb bei weiteren
wichtigen Beschlüssen für die Zukunft Europas auf
einem bahnbrechenden Abkommen zur Begrenzung
der konventionellen Streitkräfte aufbauen können.
Das gerade in New York beendete Ministertreffen - das
erste jemals in den Vereinigten Staaten abgehaltene
KSZE-Treffen - hat unsere Ziele in der KSZE gefördert: Erweiterung der politischen Konsultationen,
regelmäßige Veranstaltung von Folgekonferenzen sowie
die Gründung eines Konfliktverhütungszentrums, eines kleinen ständigen Sekretariats, eines Wahlbüros
und einer Europäischen Versammlung.

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�Das große neue Element für uns und unsere europäischen Partner seit meiner letzten Erklärung vor diesem Unterausschuß ist die Krise am Persischen Golf.
Aus der internationalen Reaktion auf die irakische
Aggression haben wir wichtige Lehren gezogen, von
denen ich einige heute morgen erörtern möchte.
Mit der Abwehr des irakischen Einmarschs in Kuwait
steht die internationale Staatengemeinschaft vor ihrer
ersten großen Bewährungsprobe in der Welt nach dem
kalten Krieg. Die Ereignisse der vergangenen beiden
Monate haben gezeigt, daß das alte Muster des kalten
Kriegs durchbrochen wurde. Der Wandel in der Sowjetunion und der daraus resultierende Abbau derOstWest-Spannungen haben die Spielregeln verändert.
Zum ersten Mal gehen die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion eine Krise als Partner bei umfassenden
Bemühungen zur Eindämmung einer Bedrohung für
die internationale Staatengemeinschaft an. Das Gipfeltreffen in Helsinki im vergangenen Monat symbolisierte und festigte das Ende der automatischen Konfrontationen zwischen den Supermächten.
Ein Ergebnis besteht darin, daß die Vereinten Nationen endlich wieder im Sinne ihrer Begründer funktionieren. Befreit von vetobedingten Pattsituationen kann
der Sicherheitsrat in Krisenzeiten internationale Maßnahmen veranlassen. In einer gemeinsamen Erklärung sind die UdSSR und wir in der vergangenen
Woche in New York speziell auf das Potential für eine
verstärkte Rolle der UN bei der Lösung von Konflikten
und Unterstützung von Wahlen eingegangen. Die acht
Resolutionen des UN-Sicherheitsrats zur Golfkrise
sind Vorboten der erweiterten Rolle, die die UNO in
Zukunft spielen kann. Infolge des neuen Konsenses
bei der UNO können die politisch Verantwortlichen in

den Vereinigten Staaten gemeinsame Interessen mit
guten Aussichten auf breite internationale Unterstützung und Beteiligung verteidigen.
Auflösung regionaler Pattsituationen
In der Vergangenheit konnten regionale Störenfriede
Ressourcen und Handlungsspielraum erlangen, indem sie die Rivalität zwischen den Supermächten
ausnutzten. Durch den Rückgang der Ost-WestKonfrontation ist die Behandlung und Lösung regionaler Probleme per se wahrscheinlicher geworden. Der
sowjetische Experte für Außenpolitik, Georgij Arbatow, hat dies folgendermaßen formuliert: "Die Golfkrise wird einigen Leuten - denjenigen, die ebenfalls
abenteuerliche Wünsche hegen und zu rücksichtslosen Handlungen bereit wären - ins Bewußtsein rufen,
daß sie die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
nicht mehr gegeneinander ausspielen können. Statt
dessen werden sie sich wahrscheinlich mit der Zusammenarbeit zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten konfrontiert sehen."

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Das Ende der Lähmung durch den kalten Krieg
Die Spaltung Europas in feindliche Lager hat die
Europäer häufig daran gehindert, die Rolle zu spielen,
die ihnen von ihrer Geschichte und Wirtschaftskraft
zugewiesen wurde. Heute sehen die Europäer auf
beiden Seiten der ehemaligen Trennungslinie klarer,
daß sie ein gemeinsames Interesse daran haben, sich
direkt bei Weltkrisen zu engagieren. Die Osteuropäer
lernen, ihre Interessen unabhängig abzuwägen und
dementsprechend zu handeln. Sie erwarten von uns
eine Führungsrolle und Hilfe, und wir beginnen sie als
Partner einzubinden. Die Osteuropäer haben direkte
Beiträge zu den Bemühungen am Golf geleistet; Polen, die Tschechoslowakei und Rumänien durch das
Angebot von Sanitätseinheiten, Ungarn durch den
Lufttransport von Versorgungsgütem für Flüchtlinge in
Jordanien. Wir dürfen nicht zulassen, daß die Golf krise uns von unseren Chancen und Verpflichtungen in
Osteuropa ablenkt.
Die Golfkrise hat der NATO eine neue und überzeugende Gelegenheit verschafft, ihren Wert unter Beweis zu stellen. Die umgehenden und effektiven
Konsultationen der NATO zur Golfpolitik sind ein hervorragendes Beispiel dafür, was wir unter der politischen Rolle der NATO verstehen. Wir und unsere
Verbündeten haben mit einer Stimme gegen die irakische Handlungsweise Stellung genommen. Ohne den
politischen Konsens der NATO wäre unsere Fähigkeit,
militärisch zu reagieren, erheblich eingeschränkt worden. Die Stützpunktstruktur der NATO ermöglichte die
von uns durchgeführte massive und noch andauernde
Verlegung von Truppen. Ohne voll funktionsfähige
NATO-Stützpunkte wären die nordatlantischen Demokratien in diesem und anderen, ähnlich gelagerten
Fällen erheblich in ihrer Fähigkeit eingeschränkt, ihre
vitalen Interessen zu schützen.
Unter unseren Verbündeten handelten besonders die
Briten in beeindruckender Weise, indem sie unverzüglich die Notwendigkeit einer festen Haltung erkannten
und ohne zu zögern umfangreiche Streitkräfte zur
Verfügung stellten. Wenn es hart auf hart kommt, ist
dieses besondere Verhältnis mehr als ein Gefühl. Die
Franzosen bauen eine Militärpräsenz von über 10 000
Mann und einem Dutzend Kriegsschiffen, mit Panzern
und Flugzeugen auf. Die deutsche Regierung hat
zugesagt, ihre Bemühungen zur Lastenteilung zu
verstärken. Insbesondere Bonn wird über eine Milliarde Dollar zur Unterstützung der amerikanischen Anstrengungen und eine gleich hohe Summe für die drei
am schwersten betroffenen Frontstaaten aufwenden.
Italien, das gegenwärtig die EG-Präsidentschaft innehat, war besonders effektiv bei der Koordinierung der
europäischen Bemühungen.
Insgesamt beteiligen sich 13 unserer NATO-Partner
an der Seeblockade. Griechenland, Belgien, die Nie-

AMERIKA DIENST 41

�derlande, Norwegen, Kanada und andere haben Schiffe entsandt. Portugal hat ein Schiff angeboten. Luxemburg trägt zur Finanzierung des Marineeinsatzes
der Westeuropäischen Union bei. Die Deutschen
haben Schiffe ins östliche Mittelmeer entsandt, um
heute im Golf befindliche Einheiten zu ersetzen.
Die Verbündeten tragen aber auch auf andere Weise
bei. Die Türkei hat eine Pipeline geschlossen, ihre
Truppen in Bereitschaft versetzt und ihre Zustimmung
zur Stationierung weiterer amerikanischer Flugzeuge
und AWACS-Systeme der NATO erteilt. Mehrere
Verbündete haben kostenlosen Seetransport angeboten. Die europäischen Stützpunkte - insbesondere in
Deutschland und Spanien - sind die wichtigsten Ausgangspunkte für unsere Dislozierungen. Großbritannien, Frankreich, Kanada und Italien verlegen Luftwaffeneinheiten.
Die Unterstützung der Europäischen Gemeinschaft für
die Wirtschaftssanktionen kam unverzüglich, die Zusammenarbeit bei deren Durchsetzung war hervorragend. Die 12 Mitgliedstaaten haben Zusagen für
Hilfsleistungen im Wert von über 2 Milliarden Dollar an
die Türkei, Jordanien, Ägypten und andere betroffene
Staaten gegeben, einschließlich der reformwilligen
osteuropäischen Länder, die heute mit massiv gestiegenen Energiepreisen konfrontiert sind. Die EG hat
nahezu 200 Millionen Dollar an humanitärer Hilfe für
Personen gestiftet, die durch die Invasion in Kuwait zu
Flüchtlingen wurden.
Auf unsere Initiative hin wurde ein informeller Mechanismus geschaffen, um alle Hilfsmaßnahmen in Zusammenhang mit der Golfkrise zu koordinieren, Erfahrungen auszutauschen und Überschneidungen zu
vermeiden. Von den Europäern werden Deutschland,
Frankreich, Italien, Großbritannien und die EG-Kommission daran teilnehmen. Das erste Treffen der
Finanzkoordinierungsgruppe zur Golfkrise fand am
26. September in Washington statt, das zweite Treffen
wird voraussichtlich nächste Woche abgehalten.
Die Türkei spielt nach wie vor eine Schlüsselrolle als
Verbündeter unter erneuter Bekräftigung ihrer geopolitischen Bedeutung und ihres Engagements gegenüber dem Westen. Präsident Özal, der die Vereinigten

*

AMERIKA DIENST 41

Staaten im vergangenen Monat besuchte, hat unter
erheblichen Kosten für seine Volkswirtschaft mutige
Entscheidungen getroffen. Wir müssen sicherstellen,
daß die Türkei in vollem Umfang anerkannt wird und
ihre Bedürfnisse erfüllt werden. Wir werden unsere
europäischen Partner ermutigen, der Türkei die Hand
entgegenzustrecken, wie sie es mit der Einladung zur
Teilnahme der Türkei an der Koordinierungssitzung
der WEU am 21. August 1990 getan haben.
Die irakische Invasion Kuwaits hat der internationalen
Staatengemeinschaft die der Verbreitung moderner
Waffensysteme - insbesondere chemischer, biologischer und nuklearer Waffen sowie ballistischer Raketen - immanenten Gefahren überdeutlich vor Augen
geführt. Wie Außenminister Baker im vergangenen
Monat im NATO-Hauptquartier erklärte, beweist die
Existenz einer gutausgerüsteten, eine Million Mann
starken, nur wenige Jahre von Nuklearfähigkeiten
entfernten Armee im Irak ohne jeden Zweifel, daß der
Nichtverbreitungsvertrag verbessert werden muß. Wir
müssen einschneidende, international sanktionierte
Verfahren entwickeln, um die durch Massenvernichtungswaffen in den Händen von Diktatoren geschaffene Bedrohung im Keim zu ersticken. Die europäische
Zusammenarbeit ist hierbei von entscheidender Bedeutung.
Herr Vorsitzender, ich habe versucht, einige der Konsequenzen der Golfkrise für unsere Beziehungen zu
Europa aufzuzeigen. Meines Erachtens können die
Leistungen der vergangenen Monate in Europa dazu
beitragen, eine neue, friedlichere internationale Ordnung zu schaffen, in der wir gemeinsam mit unseren
Freunden und ehemaligen Gegnern Verantwortung
tragen. Wir begrüßen die Chance eines stärkeren,
verantwortungsvolleren Beitrags zu unseren gemeinsamen Bestrebungen durch Europa. Gleichzeitig wurde
durch die Golfkrise eindeutig belegt, daß die Welt bei
der Übernahme der Führungsrolle auf uns zählt. Wir
können auf die amerikanische Führungsrolle stolz
sein. Wir müssen zusammenarbeiten - Kongreß und
Administration - um ihre Zukunft sicherzustellen.
Herr Vorsitzender, ich danke Ihnen.

* * *

*

Seite 3

�GOLFKRISE
17. Oktober 1990

INTERNATIONALE REAKTIONEN AUF DIE
IRAKISCHE INVASION KUWAITS
Übersicht über wirtschaftliche und politische Maßnahmen
Die nachfolgende Übersicht über die von der internationalen Staatengemeinschaft als Reaktion auf die Invasion
des Iraks in Kuwait ergriffenen Maßnahmen stützt sich auf am 10. Oktober 1990 verfügbare Informationen und
ist gegebenenfalls unvollständig.

NATO
Die 16 Bündnispartner nehmen unmittelbar nach der
irakischen Invasion Kuwaits weiterhin andauernde

Konsultationen auf. Die Außenminister treffen am 10.
August 1990 im NATO-Hauptquartier zusammen, um
die Reaktion der Bündnispartner auf die Krise zu
erörtern und die Verpflichtung der NATO zur Verteidigung der Türkei im Falle eines Angriffs durch den Irak
zu bekräftigen. Die wichtigsten Ausschüsse der NATO
kommen weiterhin regelmäßig - zum Teil täglich zusammen, um die Maßnahmen zu koordinieren, Informationen und nachrichtendienstliche Erkenntnisse
auszutauschen. Die Außenminister der NATO-Partner kommen am 10. September 1990 zusammen, um
die Koordinierung zu intensivieren.
NATO-Mitgliedstaaten
Belgien
Ölembargo, Einfrieren der irakischen und kuwaitischen
Vermögenswerte. Entsendung von zwei Minensuchbooten und einem Versorgungsschiff in den Golf von
Oman. Zwei C-130 wurden für den Heimflug ägyptischer Flüchtlinge aus Kuwait zur Verfügung gestellt, 4
weitere C-130 werden zur Begleitung und zum Schutz
von Schiffen, die die Durchsetzung des Embargos
gewährleisten, zum Golf entsandt. Bereitstellung von
30 Tonnen Zucker und Mehl, 20 000 Tonnen Weizen.
Bundesrepublik Deutschland
Entsendung von Minensuchbooten und einem Versorgungsschiff zum Schutz der Seewege ins Mittelmeer
AMERIKA DIENST 41

und Angebot zusätzlicher Luft- und Seetransportunterstützung. Angebot an die Vereinigten Staaten zur
Nutzung von Stützpunkten für Operationen gegen den
Irak. Ölembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte. Am 16. August 1990 stellt die Bundespost
den Brief- und Paketverkehr mit dem Irak und Kuwait
ein. Die Bundesregierung und führende Wirtschaftsverbände versprechen, alles in ihrer Macht Stehende
zu tun, um das Embargo gegen den Irak "wasserdicht"
zu machen. An Flüchtlingshilfe stellt die Bundesrepublik 4,5 Tonnen Nahrungsmittel, 55 Zelte und zwei
Krankenwagen bereit.
Dänemark
Korvette der dänischen Marine im Golf eingetroffen.
Dänische Regierung bewilligt 4 Millionen Dollar zur
Unterstützung von Flüchtlingen aus Irak und Kuwait.
Die Privatreederei A. P. Moeller stellt zwei Schiffe zum
Transport amerikanischen Geräts an den Golf zur
Verfügung. Erlaubt die Nutzung seiner Handelsschiffe
im Golf als Versorgungsschiffe der multinationalen
Streitmacht in Saudi-Arabien. Unterstützt Sanktionen
der EG gegen den Irak; Ölembargo.
Frankreich
Die französische Marine unterhält 12 Schiffe und 1 500
Mann in der Golf region. Eine schwere Heeresbrigade
mit 4 300 Mann, 48 Hubschraubern, 48 Panzern und
64 gepanzerten Fahrzeugen bezieht in Saudi-Arabien
Stellung.
Die französischen Luftwaffeneinheiten
umfassen 24 Mirage- und Jaguar-Jagdflugzeuge, 5
Transport- und 2 Tankflugzeuge sowie insgesamt 800

Seite 1

�Mann. Darüber hinaus hat Frankreich 300 Mann in den
Vereinigten Arabischen Emiraten, 150 Mann in Katar
sowie eine ständige Streitmacht von 4 000 Mann in
Dschibuti stationiert. Frankreich schließt sich der UNResolution über wirtschaftliche Sanktionen gegen den
Irak an. ö l - und Waffenembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte, Unterbindung des Handels
mit Ausnahme von Arznei- und Nahrungsmitteln für
humanitäre Zwecke. Das französische Au ßenministerium fordert die uneingeschränkte Durchsetzung des
Embargos. Vier französische Gewerkschaften (CFDT,
CFTC, CGC und FEN) verurteilen die Festsetzung von
Ausländern durch den Irak und fordern ihre unverzügliche und bedingungslose Freilassung. Drastische
Einschränkung der Bewegungsfreiheit einer Gruppe
irakischer Offiziere und Staatsbürger aus Sicherheitsgründen, die in Frankreich in der Bedienung von militärischem Gerät und Radaranlagen ausgebildet wurden.
Griechenland
Entsendung der Fregatte "Limnos" ins Rote Meer.
Unbürokratische Bereitstellung von drei unter griechischer Flagge fahrenden Schiffen für militärische Transporte. Ölembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte, Überflugerlaubnis für Militärflugzeuge der
Vereinigten Staaten und verbündeter Länder auf dem
Weg zum Golf. Uneingeschränkte Zusammenarbeit
bei Zwischenlandungen und Auftanken von Flugzeugen. Bereitstellung der Hafenanlagen für verbündete
Seestreitkräfte.
Großbritannien
Die in den Golf entsendeten britischen Landstreitkräfte
belaufen sich auf 10 - 12 000 Mann, davon sind 6 8 000 in Saudi-Arabien stationiert. Entsendung von
120 Panzern des Typs Challenger, mit Rapier-Flugabwehrraketen ausgerüsteten Einheiten, 4 Kampfschiffen mit Unterstützungseinheiten, einem Geschwader
Tornado-Kampfflugzeuge, einem Geschwader JaguarKampf bomber, VC 10-Tankflugzeugen und NimrodSeeaufklärern, 2 Schiffen für den Seetransport. Bewilligt
10,8 Millionen Dollar an Flüchtlingshilfe, wovon 4,2
Millionen im Rahmen des EG-Beitrags zur Verfügung
gestellt werden. Einfrieren kuwaitischer und irakischer
Vermögenswerte.
Island
Erklärung der uneingeschränkten Unterstützung der
UN-Sanktionen gegen den Irak.
Italien
Entsendung von acht "Tornados" in die Vereinigten
Arabischen Emirate. Zum ersten Mal seit dem Zweiten
Weltkrieg werden italienische Militärflugzeuge außerhalb des italienischen Luftraums eingesetzt. Vier
Marineschiffe werden in die Golfregion verlegt. Regierung verkündet am 17. September die Ausweisung der

Seite 2

irakischen Militärattaches und dfe Einschränkung der
Bewegungsfreiheit irakischer Diplomaten. Vollständiges Handelsembargo. Einfrieren irakischer und kuwaitischer Vermögenswerte. Verbot irakischer/kuwaitischer Luft- und Seetransportdienste. Erlaubnis der
Nutzung von US-Stützpunkten in Italien. Bereitstellung von 40 Tonnen an Hiffsgütern einschfießfich Decken,
Wasserkanistern, Müllcontamem, Zeltplanen, Werkzeugen und Küchengerät als FlüchtHhgshflfe. Sagt die
Bereitstellung von zivilen Transportschiffen zur Verlegung amerikanischer Truppen und Versorgungsgüter
zu. Genehmigt Hilfsleistungen in Höhe von 160 Millionen Dollar für Länder, die unmittelbar von der Blockade
des Iraks, betroffen sind.
Kanada
Premierminister Mulroney gibt am 14. September 1990
die Entsendung eines CF-18-Geschwaders an den
Golf bekannt und verspricht Hilfsleistungen in Höhe
von 75 Millionen Dollar für die Türkei, Ägypten, Jordanien, die Philippinen, Sri Lanka und Bangladesh.
Entsendung von zwei Zerstörern und einem Versorgungsschiff zur Verstärkung der multinationalen Streitmacht im Golf. Abbruch der Wirtschafts- und Handelsbeziehungen mit Irak. Verpflichtung zur Bereitstellung von 2,2 Millionen Dollar in bar, die als FKichtlingshilfe zwischen dem Internationalen Komitee vom
Roten Kreuz und zwischenstaatlichen Organisationen
aufgeteilt werden sollen.
Luxemburg
Die Regierung stellt vorläufig 2 Millionen Dollar als
Beitrag zu den Transportkosten für Männer und Material in die Region bereit. Diese Mittel werden für die
Hilfsleistungen der WEU-Partner Belgien, Niederlande und Portugal gewährt. Weitere 2 Millionen Dollar
werden für die EG-Bemühungen in der Region und 1,3
Millionen Dollar für Hilfe an die Türkei, Jordanien,
Ägypten und Bangladesh zur Verfügung gestellt.
Ölembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte.
Niederlande
Uneingeschränkte Finanzsanktionen gegen den Irak,
Ölembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte. Entsendung von zwei Fregatten in den Golf.
Werden im November ein Versorgungsschiff dorthin
verlegen. Angebot zur Entsendung eines Geschwaders von 18 F-16 in die Golfregion. Lieferung von
50 000 ABC-Schutzanzügen im Gesamtwert von 20,4
Millionen Dollar in die Türkei. Bereitstellung von 3
Millionen Dollar Flüchtlingshilfe. Eine weitere Million
wird von privaten Geldgebern gespendet.
Norwegen
Humanitäre Hilfe in Höhe von 126 Millionen Kronen,
darunter 30 Millionen an die Türkei, Ägypten und
Jordanien sowie 20 Millionen für die Repatriierung von

AMERIKA DIENST 41

�Flüchtlingen. Mittel werden ferner für Bangladesh,
Indien, Pakistan und Sri Lanka zur Verfügung gestellt,
um die für diese Länder durch die Krise entstehenden
Kosten zu mildern. Militärische Lufttransportmittel
werden für den Transport von Nahrungsmitteln und
medizinischer Ausrüstung nach Jordanien und von
Flüchtlingen nach Kairo bereitgestellt. Angebot von
Dekontaminierungsgerät für den Bedarfsfall sowie ABCSchutzkleidung an die multinationale Streitmacht. Das
Schiff "Andenes" der norwegischen Küstenwache wird
Mitte Oktober zur Unterstützung der dänischen Korvette "Olfert Fischer" im Golf eintreffen. Sechs Luftabwehrraketen des Typs Sea Sparrow wurden der dänischen Marine zur Verfügung gestellt, und 9 Freund/
Feind-Erkennungssysteme wurden an Großbritannien
ausgeliehen. Einfrieren kuwaitischer und irakischer
Vermögenswerte. Bereitstellung von 40 Tonnen hochproteinhaltiger Kekse als Flüchlingshilfe.
Portugal
Vollständige Einhaltung des UN-Embargos. Den
Vereinigten Staaten wird die Nutzung des Stützpunktes Lajes auf den Azoren für Truppentransporte gestattet. Bereitstellung eines Marinetransportschiffes
durch die WEU. Zwei Handelsschiffe werden an die
American Maritime AuthorityfürTransportoperationen
vermietet. Portugiesisches Ärzteteam wird in jordanische Flüchtlingslager entsandt, Regierung bietet ein
Feldlazarett, Medikamente sowie deren Transport an.
C-130 der Luftwaffe wird zur Unterstützung des Transports ägyptischer Flüchtlinge aus Jordanien bereitgestellt. Öl- und Waffenembargo. Embargo bei Dienstleistungen für irakische Schiffe.
Spanien
Entsendung einer Fregatte und zweier Korvetten in die
Straße von Hormuz und ins Rote Meer als Teil der
WEU-Bemühungen zur Durchsetzung des Embargos.
Einfrieren irakischer Vermögenswerte und Handelsembargo. Erhebliche Unterstützung für den Transit
amerikanischer Einheiten durch Nutzung militärischer
Einrichtungen in Spanien. Benutzung spanischer Häfen
für logistische Unterstützung und Reparatur von Transportschiffen. Spanische Luftwaffe liefert humanitäre
Hilfsmittel für Flüchtlinge in Jordanien und hilft bei der
Repatriierung ägyptischer und asiatischer Flüchtlinge
aus Jordanien.
Türkei
Einfrieren irakischer Vermögenswerte. Verweigert die
Verladung irakischen Öls am Ende der irakischen
Pipeline. Untersagt die Entladung zweier Schiffe mit
Nahrungsmitteln für den Irak im südlichen Hafen Mersin.
Handelsembargo mit Ausnahme von Nahrungs- und
Arzneimitteln. Das Parlament ermächtigt die Regierung im Falle eines Angriffs durch den Irak zur Kriegserklärung, zur Entsendung von Kampftruppen und
zum Einsatz ausländischer Truppen auf türkischem
Hoheitsgebiet.
AMERIKA DIENST 41

Vereinigte Staaten
Entsendung von über 175 000 Soldaten von Heer,
Marine und Luftwaffe nach Saudi-Arabien, um dieses
Land gegen einen möglichen irakischen Angriff zu
schützen. Zur Zeit befinden sich 13 Kriegsschiffe und
zwei Lazarettschiffe im Persischen Golf. 26 Schiffe,
darunter der Flugzeugträger "Independence" befinden sich im Norden des Arabischen Meers und 10
Schiffe, darunter der Flugzeugträger "Kennedy", im
Roten Meer. Verhängung eines vollständigen Embargos gegen den Irak und das besetzte Kuwait sowie
gegen kommerzielle Nahrungsmittellieferungen.
Aussetzung der Kredite, Anleihen und Zuschüsse.
Modifizierung des Embargos, so daß es das Verbot
von Exporten an jede vom Irak - direkt oder indirekt aus betriebene oder von der irakischen Regierung
kontrollierte oder in deren Besitz befindliche Körperschaft einschließt. Einfrieren der irakischen und
kuwaitischen Vermögenswerte. Amerikanische Zollbeamte beschlagnahmen für den Irak und Kuwait
bestimmte Ersatzteile, Satelliten- und Computergeräte. Das FBI versiegelt die Büros der irakischen Fluggesellschaft in New York, Detroit und Los Angeles. Die
Vereinigten Staaten werden zur Unterstützung der
UN-Sanktionen irakische öllieferungen in der Golfregion abfangen. Als Reaktion auf die illegale Schließung der amerikanischen Botschaft in Kuwait durch
den Irak weisen die Vereinigten Staaten 36 der 55
zuvor an der irakischen Botschaft in Washington akkreditierten Personen aus. Die Vereinigten Staaten
leisten Flüchtlingshilfe in Höhe von 1 Million Dollar
einschließlich Zelten, Wasserkanistern, Nahrungsmitteln sowie Beiträgen an die Internationale Organisation für Auswanderung. Die Vereinigten Staaten leiten
Initiativen zur Unterstützung der durch die Golfkrise
wirtschaftlich betroffenen Länder sowie zur Verteilung
der Kosten der Militäroperationen im Golf in die Wege.
Andere europäische Nationen
Andorra
Verbietet Importe und Exporte jeglicher Vermögenswerte aus und in den Irak und Kuwait sowie die
Bereitstellung von Dienstleistungen und Krediten.
Bulgarien
Unterbindung aller Lieferungen militärischer Güter an
den Irak und Erweiterung der Wirtschaftssanktionen.
Finnland
Unterstützung der Resolution des UN-Sicherheitsrats
über Sanktionen, vollständige Durchführung der UNMaßnahmen einschließlich eines uneingeschränkten
Handelsembargos. Ernennung des finnischen Botschafters bei den Vereinten Nationen zum Leiter der
Gruppe von Ländern, die die Einhaltung der UNSanktionengegen Irak überwachen. Verpflichtung zur

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�Zahlung von 135 000 Dollar an Flüchtlingshilfe an das
Internationale Komitee vom Roten Kreuz.
Irland

kehrs mit Irak und Kuwait. Ab 20. Oktober Sperrung
des schwedischen Luftraums für Flugzeuge mit Gütern für oder aus Irak und Kuwait. Stellt 20 Millionen
Dollar an Flüchtlingshilfe bereit.

Ölembargo.

Schweiz

Jugoslawien

ö l - und Waffenembargo. Einfrieren von Vermögenswerten, Beschränkungen für den sonstigen Handel.
Die Schweiz beteiligt sich zum ersten Mal an UNWirtschaftssanktionen. Entsendet ein Hilfsteam für
Flüchtlinge.

Verurteilung der irakischen Invasion in Kuwait, fordert
den Irak auf, alle Truppen aus Kuwait zurückzuziehen.
Weigerung, die irakische Annexion Kuwaits anzuerkennen. Unterstützt die Wirtschaftssanktionen der UN
gegen den Irak. Einstellung aller Lieferungen in den
Irak, Aussetzung von Importen aus dem Irak, Abbau
jugoslawischer Arbeitskräfte in Irak und Kuwait, Einfrieren irakischer Vermögenswerte.
•

Liechtenstein
Einfrieren kuwaitischer und irakischer Vermögenswerte, Handelsembargo mit Ausnahme von Arznei- und
Nahrungsmitteln für humanitäre Zwecke.
Malta
Keine Vergabe von Aus- oder Einfuhrgenehmigungen
für Handel mit Irak und Kuwait, vor Verhängung der
Sanktionen erteilte Genehmigungen werden widerrufen.
Österreich
Vollständige Einhaltung der UN-Wirtschaftsanktionen
gegen den Irak, Waffenembargo für die Region. Blokkiert den Transfer irakischer Vermögenswerte. Erlaubnis zum Überfliegen amerikanischer militärischer
Transportflugzeuge über Österreich. Beitrag von etwa
einer Million Dollar an Hilfe für Ägypten, Jordanien und
die Türkei. Bereitstellung weiterer Finanzmittel wird
erwogen.
Polen
Vollständige Einhaltung des Handelsembargos gegen
den Irak. Waffenembargo, Verurteilung der Annexion
Kuwaits. Strikte Einhaltung der Resolutionen des UNSicherheitsrats. Regierung kündigt Entsendung eines
Lazarettschiffs und eines Feldlazaretts zur Unterstützung der multinationalen Streitmacht an.

Sowjetunion
Verurteilung der Annexion Kuwaits durch den Irak,
Waffenembargo. Entsendung zweier Kriegsschiffe
zur Straße von Hormuz. Kündigt Absicht zum Abzug
von 1 700 technischen Experten aus dem Irak im
nächsten Monat an. Hat alle Familienangehörigen aus
Kuwait und viele aus dem Irak repatriiert. Einstellung
des Exports militärischen Nachschubs. Würde unter
Aufsicht der Vereinten Nationen die Abriegelung des
Golfs für irakische Schiffe in Erwägung ziehen. Erlaß
eines Dekrets an alle Ministerien und Behörden, die für
den Handel mit dem Irak oder sonstige Beziehungen
mit diesem Land zuständig sind, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, um die Wirtschaftssanktionen
der Vereinten Nationen zu verwirklichen. Verabschiedung einer gemeinsamen Erklärung mit Japan am 5.
September mit der Aufforderung an den Irak, alle
ausländischen Geiseln freizulassen und seine Truppen aus Kuwait abzuziehen.
Tschechoslowakei
Waffenembargo, Verurteilung der irakischen Aggression. Verzögerung der Abreise des neuen tschechoslowakischen Botschafters im Irak nach Bagdad.
Durchführung der UN-Sanktionen einschließlich Unterbindung aller Exporte und Importe aus und nach Irak
und Kuwait.
Ungarn
Öl- und Handelsembargo.
Vatikan

Rumänien

Lobt die Resolution der Vereinten Nationen über
Sanktionen gegen den Irak.

Wird UN-Sanktionen gegen den Irak befolgen.

Zypern

Schweden

Unterstützung der Sanktionen gegen den Irak.

Vollständige Durchführung und Einhaltung sämtlicher
UN-Sanktionen. Verbot von Aus- und Einfuhren nach
oder aus Kuwait und Irak, mit Ausnahme von Waren für
humanitäre oder medizinische Zwecke nach Genehmigung durch die Regierung. Verbot von Maßnahmen, die Geschäfte mit dem Irak oder Kuwait fördern
würden; Einstellung des Zahlungs- und Kreditver-

Andere Organisationen • regional und international

Seite 4

Afghanische Interimsregierung
Offizielle Zustimmung des Kabinetts zur Entsendung
von 2 000 Mujahedin nach Saudi-Arabien zur Unterstützung der multinationalen Streitmacht.

AMERIKA DIENST 41

�Arabische Liga
Die arabische Liga spricht sich (mit 12:3 Stimmen von
20 Mitgliedstaaten) für die Entsendung einer arabischen Streitmacht nach Saudi-Arabien aus, um das
Land gegen eine mögliche irakische Aggression zu
schützen. Jordanien, Mauretanien und der Sudan
stimmen für die Resolution, machen jedoch "Bedenken" geltend. Der Irak, Libyen und die PLO stimmen
dagegen. Der Jemen und Algerien enthalten sich.
Tunesien ist nicht vertreten. Die Resolution bekräftigt
darüber hinaus die Resolutionen 660,661 und 662 des
UN-Sicherheitsrats.
Europarat
Das Außenministertreffen des Europarats verabschiedet am 12. September eine Resolution, in der die
irakische Verletzung des Völkerrechts und die Geiselnahme verurteilt werden. Sie fordert die Anwendung
der UN-Sanktionen gegen den Irak durch alle Staaten
und appelliert an die Mitglieder des Europarats, Ländern beizustehen, die ohne eigenes Verschulden von
diesen Sanktionen betroffen sind. Die Erklärung widmet sich besonders humanitären Problemen der zahlreichen Menschen, die durch die Krise zur Flucht
gezwungen wurden und bedauert die Weigerung des
Irak, mit dem IKRK zusammenzuarbeiten.
Europäische Gemeinschaft
Die EG erklärt am 17. September die Ausweisung aller
irakischen Militärattaches sowie die Einschränkung
der Bewegungsfreiheit der anderen irakischen Diplomaten, die in den Hauptstädten der 12 Mitgliedstaaten
akkreditiert sind. Verhängt allgemeines Handelsembargo gegen den Irak und das besetzte Kuwait. Einfrieren von Vermögenswerten auf ihrem Hoheitsgebiet
sowie Einstellung jeglicher Zusammenarbeit mit dem
Irak und dem besetzten Kuwait. Unterstützt alle bis
jetzt in Zusammenhang mit der Golfkrise verabschiedeten UN-Resolutionen. Über die Botschafter der
gegenwärtigen Präsidentschaft (Irland, Italien und
Luxemburg) hat die EG Demarchen in Bagdad unternommen, um die bedingungslose Freilassung der
Ausländer in Irak und Kuwait zu unterstützen. Die EG
stellt 78 Millionen Dollar in Form von Transport, Nahrungsmitteln und humanitärer Hilfe für Flüchtlinge bereit.
Europaparlament
Verabschiedung einer Resolution am 14. September,
in der "die Invasion und Annexion Kuwaits durch den
Irak ... und die gezielte Geiselnahme von Ausländern
durch den Irak energisch verurteilt" wird. Die Resolution fordert "den unverzüglichen Rückzug der irakischen Truppen aus Kuwait, um dessen legitime Autorität und Souveränität wiederherzustellen..."

Hat Truppen in Saudi-Arabien stationiert. Saudi-Arabien bittet die Vereinigten Staaten und andere Länder
um militärische Hilfe zur Verteidigung gegen eine
mögliche irakische Aggression. Saudi-Arabien verpflichtet sich darüber hinaus zu höherer Ölförderung,
um die Produktionsausfälle in Irak und Kuwait wettzumachen. Verweigert einem irakischen Tanker das
Anlegen an einem saudischen Verladeterminal im
Roten Meer. Die Vereinigten Arabischen Emirate
öffnen ihre militärischen Einrichtungen für multinationale Streitkräfte und verweigern einem irakischen Tanker
die Einfahrt in den Hafen von Dubai. Katar stellt seine
militärischen Einrichtungen den multinationalen Streitkräften zur Verfügung. Berichten zufolge öffnen auch
Bahrain und Oman ihre militärischen Einrichtungen.
Der Golf-Kooperationsrat ist eine regionale Organisation, die aus den Vereinigten Arabischen Emiraten,
Saudi-Arabien, Bahrain, Oman, Katar und Kuwait
besteht.
Internationale Arbeitsorganisation
Die Internationale Arbeitsorganisation, eine Unterorganisation der UN, appelliert an den Irak, unverzüglich
Schritte zur Freilassung aller in Irak und Kuwait festgehaltenen ausländischen Arbeitnehmer zu ergreifen.
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit
in Europa (KSZE)
Die Außenminister der KSZE-Staaten verabschieden
am 2. Oktober in New York eine Erklärung, mit der sie
sich den Vereinten Nationen "bei der Verurteilung der
irakischen Invasion und Besetzung von Kuwait" anschließen. Darüber hinaus fordern sie die Regierung
des Irak zum unverzüglichen und bedingungslosen
Abzug aus Kuwait auf und erklären ihre volle Unterstützung für die UN-Resolutionen zur Verurteilung des
Irak. Sie bringen ferner ihre Entschlossenheit zum
Ausdruck, "die vollständige und wirksame Durchsetzung" der UN-Sanktionen zu gewährleisten und unterstützen "die Länder, die aufgrund der vom Irak herbeigeführten Krise besonders gelitten haben".
Koordinationsrat der Gewerkschaften des Südlichen Afrikas
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und
Forderung nach unverzüglichem Abzug der Invasionstruppen. Unterstützt die UN-Wirtschaftssanktionen
gegen den Irak. Bittet die Gewerkschaften des südlichen Afrikas, jeglichen Bruch des Embargos zu melden und zu verurteilen.
Bewegung der Blockfreien
Verurteilung des Einsatzes von Gewalt durch den Irak
sowie Forderung nach Rückzug der Invasionstruppen.

Golf-Kooperationsrat

Nordischer Rat

Verurteilung der irakischen Aggression gegen Kuwait
und Forderung nach Rückzug der irakischen Truppen.

Verabschiedung einer Erklärung, in der die irakische
Weigerung, Staatsbürgern der nordischen Staaten

AMERIKA DIENST 41

Seite 5

�und anderen Ausländern das Verlassen des Irak und
Kuwaits zu gestatten, scharf verurteilt und festgestellt
wird, daß "die Entscheidung des Irak eine Verletzung
des Völkerrechts und der UN-Menschenrechtserklärung darstellt". Der Nordische Rat ist eine regionale
Organisation, die sich aus Vertretern Dänemarks,
Finnlands, Islands, Norwegens und Schwedens zusammensetzt.
Die nordischen Außenminister
Verabschiedung einer Erklärung zur Golfkrise am 11.
September, in der "die brutale Invasion und der Versuch der Annexion Kuwaits" scharf verurteilt und die
Rolle des UN-Sicherheitsrats bei der Aufrechterhaltung des internationalen Drucks auf den Irak hervorgehoben werden.
OPEC
Verständigung auf einen Plan, der den OPEC-Mitgliedern eine Erhöhung ihrer Erdölförderung über die
vereinbarten Quoten hinaus gestattet, um den durch
das Embargo gegen den Irak verursachten Ausfall von
4 Millionen Barrel täglich wettzumachen. Saudi-Arabien und Venezuela haben ihre ölproduktion bereits
erhöht. Die Vereinigten Arabischen Emirate, Nigeria,
Gabun und Ecuador werden ihre Fördermenge wahrscheinlich in Kürze erhöhen. Der Iran und Libyen
stimmen gegen die Resolution, planen jedoch angeblich auch eine Erhöhung ihrer eigenen Produktion.
Organisation Amerikanischer Staaten
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und
Ablehnung der Annexion Kuwaits. Unterstützt alle
diesbezüglichen Resolutionen des UN-Sicherheitsrats
gegen den Irak. Weist die Benutzung ausländischer
Geiseln in Bagdad als "menschliche Schutzschilde im
Konflikt" zurück. Bietet ihre guten Dienste für die in
Irak und Kuwait festgehaltenen Staatsbürger aus Mitgliedstaaten an. Die OAS ist eine regionale Organisation mit Vertretern der Karibikstaaten sowie aller Staaten Mittel-, Süd- und Nordamerikas außer Kuba.
Vereinte Nationen
Der UN-Sicherheitsrat verabschiedet Resolutionen, in
denen die irakische Invasion in Kuwait verurteilt und
der unverzügliche Rückzug der Invasionsstreitkräfte
gefordert, ein Handels- und Finanzembargo gegen
den Irak und Kuwait angeordnet, die irakische Annexion von Kuwait für null und nichtig erklärt, die Freilassung aller Ausländer durch den Irak verlangt und der
internationalen Staatengemeinschaft das Recht gegeben wird, das Wirtschaftsembargo gegen den Irak
durchzusetzen, indem die Schiffahrt nach und aus
diesem Land unterbunden wird. Die Vereinten Nationen legen enge Grenzen für die Lieferung von Arzneiund Nahrungsmitteln für humanitäre Zwecke in den
Irak und das besetzte Kuwait fest. Verurteilung des
Irak aufgrund von Gewalttaten gegen ausländische

Seite 6

Botschaften und deren Personal im besetzten Kuwait.
Verhängung eines Luftverkehrsembargos gegen den
Irak.
Westeuropäische Union
Die Außen- und Verteidigungsminister der neun Mitgliedstaaten der WEU erörtern während eines Treffens in Paris am 18. September weitere Möglichkeiten
zur Koordinierung ihrer Maßnahmen am Golf. Sie
verurteilen "uneingeschränkt die jüngsten Angriffe des
Irak auf das Völkerrecht und die Unverletzlichkeit von
Personen" und verleihen ihrer Entschlossenheit Ausdruck, das vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen
verhängte Embargo mit all seinen Elementen anzuwenden und für seine Anwendung zu sorgen. Bei
früheren Maßnahmen verständigen sich die neun WEUMitgliedstaaten darauf, die Marineoperationen im Nahen
Osten auszuweiten und "ihre Operationen eng miteinander abzustimmen". Darüber hinaus erklären sie
sich bereit, zusammen mit den Vereinigten Staaten
Verantwortung für die Durchsetzung der UN-Sanktionen gegen den Irak zu übernehmen. Vier WEUMitglieder - die Niederlande, Belgien, Italien und Spanien - sowie Griechenland, das kein Mitglied der WEU
ist, kündigen die Entsendung von Kriegsschiffen in den
Nahen Osten an, die sich den bereits dort stationierten
französischen und britischen Luft- und Marineeinheiten anschließen sollen. Die WEU ist eine politische
Organisation mit Vertretern aus Belgien, der Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Großbritannien,
Italien, Luxemburg, den Niederlanden, Portugal und
Spanien.
Nichteuropäische Staaten
Algerien
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait. Einhaltung
der UN-Sanktionen gegen den Irak, ausgenommen
Lieferungen von Nahrungsmitteln und Medikamenten
aus humanitären Gründen.
Ägypten
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der Resolutionen 660, 661 und 662 des Sicherheitsrats der
Vereinten Nationen und spricht sich für die Entsendung einer arabischen Streitmacht nach Saudi-Arabien aus. Hat bereits 5 000 Soldaten zur Verstärkung
der multinationalen Streitmacht nach Saudi-Arabien
geschickt. Geplant ist die Entsendung von zusätzlichen 15 000 Soldaten zusammen mit Panzern und
Schützenpanzern. Ausweisung des irakischen Verteidigungsattaches und zweier weiterer irakischer Diplomaten.
Argentinien
Verurteilt die Invasion Kuwaits durch den Irak und
fordert den Rückzug der Invasionstruppen. Befolgt die
Wirtschaftssanktionen gegen den Irak. Stellt finanziel-

AMERIKA DIENST 41

�Brasilien

le Transaktionen mit Irak und Kuwait ein. Entsendet
zwei Kriegsschiffe mit zwei Flugzeugen, einer Infanterieeinheit sowie Luftwaffen- und Fernmeldepersonal
an den Golf, um das UN-Embargo gegen den Irak zu
unterstützen.

Öl- und Waffenembargo. Abbruch sämtlicher Handelsbeziehungen, einschließlich Nahrungsmittellieferungen.

Aruba

Chile

Wirtschaftssanktionen gegen den Irak.

Wirtschaftssanktionen, Waffenembargo.

Australien

China

Teilnahme am gemeinsamen Marineeinsatz. Entsendung zweier Lenkwaffenfregatten und eines Versorgungsschiffs sowie eines Sanitätsteams zum Persischen Golf. Zusage, den Golf für irakische Schiffe
abzuriegeln, um die UN-Sanktionen zu unterstützen.
Öl- und Waffenembargo. Einfrieren von Vermögenswerten.

Verurteilt den irakischen Einmarsch in Kuwait und
fordert den Rückzug der Invasionstruppen. Unterstützt die UN-Resolutionen gegen den Irak. Waffenembargo.

Bahamas
Verurteilung der irakischen Invasion in Kuwait und
Forderung nach Rückzug der Invasionsstreitmacht.
Einfrieren irakischer und kuwaitischer Vermögenswerte.

Costa Rica
In Unterstützung der UN-Resolutionen gegen den Irak
verurteilt Costa Rica den irakischen Einmarsch in
Kuwait, die Annexion Kuwaits und die irakische Anordnung zur Schließung der Botschaften.
Cote d'lvoire
Öl- und Handelsembargo.

Bahrain

Gabun

Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrats verurteilt Bahrain die irakische Invasion in
Kuwait und fordert den Rückzug der Invasionstruppen.
Gestattet die Benutzung seiner Luftstützpunkte durch
die multinationalen Streitkräfte.

Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait, unterstützt
alle UN-Sanktionen gegen den Irak.

Bangladesh
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait.
Entsendet über 2 000 Soldaten nach Saudi-Arabien
zur Unterstützung der multinationalen Streitmacht.
Durchführung der UN-Sanktionen gegen den Irak,
einschließlich des Handels mit Waren und Dienstleistungen und der Lieferung von Tee.
Belize
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und
Forderung nach Rückzug der Invasionstruppen.

Gambia
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und fordert
den Abzug der Truppen.
Guatemala
Völliges Wirtschaftsembargo gegen den Irak und das
besetzte Kuwait.
Haiti
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait.
Honduras
Lehnt die irakische Invasion in Kuwait ab und fordert
den Abzug der Invasionstruppen.

Benin
Hongkong
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und
Forderung nach unverzüglichem Rückzug der Invasionstruppen.
Bermuda
Schließt sich den britischen Wirtschaftssanktionen
gegen den Irak an. Verhängt eigene Finanzsanktionen.

Bolivien

Schließt sich den britischen Wirtschaftssanktionen
gegen den Irak an. Friert irakische und kuwaitische
Vermögenswerte ein.
Indien
Fordert den Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait.
Premierminister Singh erklärt, Indien werde zu seiner
in den Vereinten Nationen gegebenen Zustimmung zu
Wirtschaftssanktionen gegen den Irak stehen.

Unterstützt die Sanktionen der Vereinten Nationen
gegen den Irak.
AMERIKA DIENST 41

Seite 7

�Indonesien
Einstellung des Handels mit dem Irak, Ölembargo.
Verstärkung der eigenen Erdölförderung.
Iran
Ablehnung der Annexion Kuwaits durch den Irak. Der
Iran erklärt sich zur Steigerung der Ölförderung bereit,
um die Ausfälle im Irak und in Kuwait auszugleichen.
Israel
Unterstützt die UN-Sanktionen gegen den Irak.
Jamaica
Verurteilt die Invasion und befolgt die UN-Sanktionen
gegen den Irak. Unterstützt die von der Organisation
Amerikanischer Staaten ins Leben gerufene Initiative,
im Rahmen derer die irakische Invasion in Kuwait auf
das schärfste verurteilt wird.
Japan
Ölembargo, Einstellung von Handel und Hilfe. Einfrieren kuwaitischer Vermögenswerte in Japan. Stellt
Finanzhilfe in Höhe von 4 Milliarden Dollar bereit,
davon 2 Milliarden Dollar für die multinationale Streitmacht. Dazu gehören Beiträge zur Unterstützung von
Streitkräften, Ausrüstung und Kriegsmaterial. Entsendet medizinisches Personal auf die Arabische Halbinsel, das bis zu 100 Personen umfassen wird. Die
restlichen 2 Milliarden Dollar sind als Finanzhilfe für die
Türkei, Ägypten und Jordanien bestimmt, um die durch
die irakische Invasion in Kuwait verursachten wirtschaftlichen Härten zu mildern. Stellt weitere 22
Millionen Dollar an Flüchtlingshilfe bereit. Veröffentlichung gemeinsamer Erklärungen mit der Sowjetunion
und Großbritannien, in denen der Irak zur Freilassung
aller ausländischen Geiseln und zum Abzug seiner
Truppen aus Kuwait aufgefordert wird. Stellt gegenwärtig ein Korps zur Zusammenarbeit mit den Friedensbemühungen der Vereinten Nationen auf, das die
Entsendung ausgewählten Personals nach Übersee
gestatten würde, um die Operationen zur Erhaltung
des Friedens zu unterstützen.

Kuwait und fordert den Abzug der Invasionstruppen.
Stellt der multinationalen Streitmacht seine militärischen Einrichtungen zur Verfügung.
Kolumbien
Vizepräsidentschaft des UN-Sanktionsausschusses,
der die Einhaltung der Sanktionen überwacht.
Korea (Rep.)
Waffen- und ölembargo, Einstellung des Handels außer
mit Gütern für medizinische oder humanitäre Zwecke.
Bietet den Vereinigten Staaten und der multilateralen
arabischen Streitmacht gegen den Irak Transportmöglichkeiten an.

Befolgung der UN-Sanktionen gegen den Irak.
Laos
Verurteilt in einer Erklärung den irakischen Einsatz von
Gewalt und fordert den unverzüglichen Abzug des Irak
aus Kuwait.
Libanon
Fordert den Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait.
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus.
Macao
Befolgt die UN-Sanktionen.
Malaysia

Jemen
Wird UN-Sanktionen gegen den Irak einhalten.

Malediven

Jordanien

Fordern den Abzug irakischer Truppen aus Kuwait.

Beteiligt sich an den UN-Sanktionen gegen den Irak.
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus, jedoch unter "Vorbehalten".

Mali

Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrats verurteilt Katar die irakische Invasion in

Seite 8

i

Kuba

Unterstützt die UN-Resolution über Sanktionen gegen
den Irak. Vollständige Einhaltung der Sanktionen,
friert kuwaitische Vermögenswerte ein. Erhöht die
Ölproduktion um 55 000 Barrel pro Tag auf die Höchstmenge von 650 000 Barrel pro Tag, um den Bedarf der
Länder zu decken, die von irakischem und kuwaitischem Öl abhängen. Spendet für die Flüchtlingshilfe
in Jordanien Nahrungsmittel im Wert von 900 000
Dollar.

Katar

\

Verurteilt den irakischen Einmarsch in Kuwait.
Mauritius
Verurteilt die irakische Invasion und Annexion Kuwaits, fordert den Abzug der Invasionstruppen und die
Freilassung aller Ausländer im Irak und in Kuwait.
Unterstützt und befolgt die Resolutionen des UN-

AMERIKA DIENST 41

\

'

�Sicherheitsrats zum Irak und hat konkrete Maßnahmen ergriffen, um alternative Versorgungsquellen für
bisher aus Kuwait importiertes Öl zu sichern.
Marokko

f

Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus. Hat etwa 1 200 Soldaten nach SaudiArabien und 5 000 in die Vereinigten Arabischen Emirate
zur Verstärkung der multinationalen Streitmacht entsandt. Weist zwei irakische Beamte aus Marokko aus,
als Vergeltung für die irakische Entscheidung zur
Schließung der marokkanischen Botschaft in Kuwait
und die Festsetzung ihrer Diplomaten im Irak. Bemüht
sich auf diplomatischem Wege aktiv um eine Lösung
der Krise, die den Forderungen der Vereinten Nationen gerecht wird.
Mexiko
Plant die Steigerung der Ölförderung um 100 000
Barrel pro Tag in den nächsten zwei Monaten.
Myanmar
Wird die Resolutionen der Vereinten Nationen zum
Irak einhalten.
Nepal
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait.
Niederländische Antillen

rung um 200 000 Barrel pro Tag (vorbehaltlich der
Zustimmung anderer OPEC-Staaten).
Oman
Die omanische Botschaft in Kuwait bleibt geöffnet, und
das Sultanat erkennt die irakische Besetzung Kuwaits
in keiner Weise an. Oman hat der Arabischen Liga,
dem Golf-Koopeationsrat und den UN-Resolutionen
seine Unterstützung versichert, verurteilt die irakische
Invasion und fordert den Abzug der Invasionstruppen.
Pakistan
Bekundet seine Absicht zur Durchführung der UNSanktionen gegen den Irak. Entsendet ein Kontingent
von 1 800 Soldaten seines Heeres nach Saudi-Arabien, unter anderem ein verstärktes Infanteriebataillon
und ein provisorisches Unterstützungsbataillon.
Panama
Unterstützt Sanktionen. Verbietet Handelsschiffen die
Ladung oder das Löschen jeder Art von Waren aus
dem Irak oder Kuwait. Die Bankaufsichtsbehörde
erläßt Vorschriften für die Behandlung irakischer und
kuwaitischer Vermögenswerte. Der irakischen Schiffahrt
wird die Durchquerung des Panamakanals gestattet.
Papua Neuguinea
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwaits aufs schärfste und unterstützt die UN-Resolutionen, mit denen die
Souveränität und Integrität Kuwaits wiederhergestellt
werden soll.

Einfrieren irakischer Vermögenswerte, Einstellung des
Zahlungsverkehrs mit dem Irak und dem besetzten
Kuwait.

Verurteilt die Invasion Kuwaits durch den Irak.

Neuseeland

Peru

Verbot von Exporten in den Irak, geplantes Verbot von
Importen. Umleitung der Nahrungsmittellieferungen,
diesichauf dem Weg in den Irakbefinden. Ölembargo,
friert irakische Vermögenswerte ein. Stellt den Vereinten Nationen für den Einsatz am Golf zwei Transportflugzeuge zur Verfügung. Spendet Milchpulver für
Flüchtlinge aus dem Irak und Kuwait. Übernimmt die
Wartung von Transportflugzeugen fürdie Evakuierung
von Flüchtlingen nach Pakistan und Manila. Bietet den
Vereinten Nationen zwei zivile Flugzeuge mit Besatzungen und dem Internationalen Roten Kreuz ein
40köpfiges ziviles medizinisches Versorgungsteam
für den Einsatz in Saudi-Arabien an.

Unterstützung und Einhaltung aller Resolutionen der
Vereinten Nationen zum Irak.

Nicaragua
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait und fordert
den Abzug der Invasionstruppen.
Nigeria
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und fordert
den Truppenabzug, plant eine Steigerung der ÖlfördeAMERIKA DIENST 41

Paraguay

Philippinen
Erkennen den bindenden Charakter der Sanktionen
an, Ölembargo.
Salomonen
Führen Wirtschaftssanktionen gegen den Irak durch.
Saudi-Arabien
In internationalen Foren, in der Arabischen Liga und im
Golf-Kooperationsrat hat Saudi-Arabien die irakische
Invasion in Kuwait verurteilt und den bedingungslosen
und unverzüglichen Abzug der Invasionstruppen gefordert. Bittet eine multinationale Streitmacht, darunter Streitkräfte der Vereinigten Staaten, um Unterstützung zur Verteidigung Saudi-Arabiens. Der Transport
irakischen Erdöls durch Saudi-Arabien wird eingestellt. Erhöht die ölförderung, um die Ausfälle in Irak

Seite 9

�und Kuwait auszugleichen. Saudi-Arabien hat sämtliche von der UN gegen den Irak verhängten Sanktionen
ohne wenn und aber verwirklicht.
Senegal

Taiwan
Spricht sich für die Unterstützung der UN-Sanktionen
gegen den Irak aus, ölembargo.
Tansania

Verurteilt den irakischen Einmarsch in Kuwait und
fordert den bedingungslosen Rückzug der Invasionstruppen sowie die Wiederherstellung der legitimen
Regierung Kuwaits. Entsendet am 17. September 500
Soldaten nach Saudi-Arabien. Einhaltung der UNSanktionen, Einfrieren irakischer und kuwaitischer
Vermögenswerte, ausgenommen der Mittel für den
Weiterbetrieb der Botschaften.

Bekundet seine Ablehnung der irakischen Invasion in
Kuwait und fordert den unverzüglichen Abzug der
Invasionstruppen. Unterstützt die UN-Sanktionen gegen
den Irak.
Togo
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait.

Simbabwe

Trinidad/Tobago

Stellt den Handel mit dem Irak und dem besetzten
Kuwait ein, setzt alle bilateralen Abkommen mit dem
Irak außer Kraft.

Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait und fordert
den Abzug der Invasionstruppen. Unterstützt die UNSanktionen gegen den Irak.

Singapur

Tunesien

Wirtschaftsembargo gegen den Irak und das besetzte
Kuwait. Transaktionen der rechtmäßigen Besitzer
kuwaitischer Vermögenswerte werden bei Erfüllung
bestimmter Kriterien gestattet.

Fordert den Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait.
Uruguay

Sri Lanka

Verurteilt den Einsatz von Gewalt durch den Irak,
befolgt die Sanktionen der Vereinten Nationen gegen
den Irak.

Wird alle erforderlichen Schritte unternehmen, um die
Wirtschaftssanktionen der Vereinten Nationen gegen
den hak durchzusetzen.

Vereinigte Arabische Emirate

Sudan
Der Sudan "zollt der Charta der Vereinten Nationen
Respekt und bekundet seine Verpflichtung zu den
Resolutionen" 660, 661, 665 und 665.
Surinam
Verurteilt die irakische Invasion und Annexion Kuwaits. Wird die Wirtschafts- und Finanzsanktionen
der Vereinten Nationen gegen den Irak einhalten.
Syrien
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus. Syrien unterhält 4 000 Soldaten der
Bodentruppen in Saudi-Arabien und den Vereinigten
Arabischen Emiraten als Teil der multinationalen Streitmacht. Zusätzlich werden 10 000 Soldaten und 300
Panzer entsandt.

* *

Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrates verurteilen die Vereinigten Arabischen
Emirate die irakische Invasion in Kuwait und fordern
den Abzug der Invasionstruppen. Gewähren befreundeten Streitkräften, darunter auch denen der Vereinigten Staaten, Zugang zu militärischen Einrichtungen.
Verhindern das Anlegen eines irakischen Tankers im
Hafen von Dubai, um die UN-Sanktionen gegen den
Irak zu unterstützen.
Vanuatu
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait und fordert
den Abzug der Invasionstruppen. Erklärt die vollständige Einhaltung aller UN-Sanktionen gegen den Irak.
Venezuela
Unterstützt die UN-Sanktionen gegen den Irak. Wird
im Dezember 1990 die Ölförderung auf 500 000 Barrel
pro Tag erhöhen.

* *

*

•

Seite 10

AMERIKA DIENST 41

�GOLFKRISE
17. Oktober 1990

DIE GOLFKRISE
Chronologie für September 1990
Nachfolgend veröffentlichen wir eine Chronologie der wichtigsten Ereignisse in Zusammenhang mit der Golf krise
im September 1990.

4. September
Dem kuwaitischen Botschafter bei den Vereinten
Nationen, Mohammad Abulhasan, zufolge haben die
irakischen Besatzungsstreitkräfte in Kuwait eine
Operation "zur Ausplünderung" des Landes begonnen, mit der "die vollständige Beiseiteschaffung sämtlicher kuwaitischer Wertgegenstände erreicht werden
soll". In einem Schreiben an UN-Generalsekretär
Perez de Cuellar erklärt Abulhasan ferner, die Operation sein "unter der sorgfältigen und bewu ßten Aufsicht
der irakischen Besatzungsbehörden" durchgeführt
worden.
Präsident Diouf kündigt an, daß sich senegalesische
Truppen an der multilateralen Streitmacht in SaudiArabien beteiligen werden.
5. September
Der irakische Präsident Saddam Hussein ruft zum
Heiligen Krieg gegen die amerikanischen Streitkräfte
am Golf und zum Sturz des saudi-arabischen Königs
auf.
Großbritannien sagt die Beteiligung an einem Fonds
zu, der einen Teil der Kosten der Golfoperation zur
Verteidigung Saudi-Arabiens gegen den Irak abdekken soll.
Japan verabschiedet zusammen mit der Sowjetunion
eine äußerst seltene gemeinsame Erklärung, in der
der Irak zur Freilassung aller Geiseln und zum Abzug
seiner Truppen aus Kuwait aufgefordert wird. Es ist
das erste Mal seit über 50 Jahren, daß diese beiden
Länder eine gemeinsame Erklärung zu einem internationalen Problem beschließen.

AMERIKA DIENST 41

Die Exilregierung Kuwaits legt einen Gesetzentwurf
vor, um bis zu 55 Millionen Dollar monatlich für die
Lebenshaltungskosten kuwaitischer Flüchtlinge bereitzustellen. Kuwaitischen Regierungsvertretern zufolge befinden sich 160 000 Kuwaiter in Saudi-Arabien
und 60 000 in anderen Golfstaaten im Exil.
6. September
Weiteren Frauen und Kindern aus westlichen Ländern
wird die Ausreise aus dem Irak und dem besetzten
Kuwait gestattet, doch Hunderte werden immer noch
festgehalten. Die Zahl der in beiden Staaten festsitzenden Staatsbürger westlicher Länder wird auf 11 000
geschätzt.
Außenminister Baker erklärt in Dschidda, es müsse
"eine Art regionale Sicherheitsstruktur" geschaffen
werden, um künftiger Aggression und Instabilität in der
Region vorzubeugen. Seines Erachtens müsse ein
solches Sicherheitsarrangement "in voller Zusammenarbeit mit den in der Region befindlichen Staaten"
erarbeitet werden.
7. September
Die Vereinigten Staaten setzen den Irak auf die Liste
der Staaten, die den Terrorismus fördern.
Auf einer Sondersitzung bewilligen die Außenminister
der Europäischen Gemeinschaft Hilfsmittel zur Rettung der Volkswirtschaften der am stärksten von der
Krise betroffenen Länder. Der spanische Außenministererklärt vor Reportern, das Hilfspaket der EG werde
Jordanien, Ägypten und der Türkei zugute kommen.

Seite 1

�Der jordanischen Nachrichtenagentur zufolge sind seit
der Invasion über 600 000 Menschen aus Irak und
Kuwait geflohen.

rung, den Freundschaftsvertrag des Landes mit dem
Irak aus dem Jahre 1972 auszusetzen und alle Militärberater aus dem Irak abzuziehen.

10. September

13. September

Präsident Bush und der sowjetische Präsident
Gorbatschow warnen zum Abschluß ihres Treffens in
Helsinki Saddam Hussein, daß sie nicht näher definierte "zusätzliche" Schritte gegen den Irak in Betracht
ziehen werden, falls er die UN-Forderungen nach
Rückzug seiner Armee aus Kuwait weiterhin ignoriert.

Die Vereinigten Staaten kündigen in Genf an, daß sie
bis zu 28 Millionen Dollar an humanitärer Hilfe bereitstellen werden, um die Not der aus dem Irak und
Kuwait Geflohenen zu lindern.

Iran und Irak einigen sich auf die Wiederaufnahme
voller diplomatischer Beziehungen.
11. September
Amerikanische, europäische und arabische Marinekommandeure sowie Regierungsvertreter aus 20
Staaten kommen überein, Patrouillenfahrten im Golf
zu koordinieren, um die Sanktionen der Vereinten
Nationen gegen den Irak besser durchzusetzen.
Aus Sorge, der irakische Präsident Saddam Hussein
werde die ausländischen Staatsbürger aushungern,
formuliert der Sanktionsausschuß ein Verfahren, um
Nahrungsmittellieferungen zu humanitären Zwecken
in den Irak und das besetzte Kuwait zu ermöglichen.
Der Ausschuß reagiert auf eine Bitte Indiens, Nahrungsmittel an im Irak und in Kuwait festsitzende Inder
und andere Asiaten liefern zu dürfen. Die indischen
Behörden schätzen, daß sich immer noch Hunderttausende von Indem in der Region befinden und kaum
Zugang zu Nahrungsmitteln haben.

Der UN-Sicherheitsrat verabschiedet Resolution 666,
in der die Kriterien für humanitäre Nahrungsmittellieferungen an die Zvilbevölkerung des Irak und Kuwaits
festgelegt werden.
Japan sagt zusätzliche drei Milliarden Dollar zur Unterstützung der internationalen Bemühungen gegen den
Irak am Golf zu. Damit erhöht sich die Gesamtsumme
japanischer Militär- und Wirtschaftshilfe auf vier Milliarden Dollar.
14. September
Irakische Soldaten dringen in die Residenz des französischen Botschafters in Kuwait ein und verschleppen
unter Verletzung der Genfer Konvention und des Völkerrechts den Militärattache und mehrere Zivilisten.
Der Militärattache wird später wieder freigelassen.
Presseberichten zufolge ist der Status der anderen
Verschleppten zu diesem Zeitpunkt unklar.
Die britische Premierministerin Thatcher ordnet die
Verlegung der 7. Panzerbrigade und von Unterstützungsflugzeugen nach Saudi-Arabien an.
15. September

Griechenland und die Schweiz ziehen ihre verbliebenen Diplomaten aus dem besetzten Kuwait zurück.
Die Schweiz beschuldigt die irakische Armee, Plünderungen und den Verfall von Recht und Gesetz in Kuwait
zu tolerieren.
Präsident Bush erklärt vor beiden Häusern des Kongresses, daß "eine neue Partnerschaft der Nationen"
gemeinsam gegen die irakische Besetzung Kuwaits
stehe und verspricht, daß "diese Aggression nicht
Bestand haben wird". Er fordert erneut den "unverzüglichen und bedingungslosen" Abzug des Irak aus
Kuwait und die Wiedereinsetzung der legitimen kuwaitischen Regierung.
12. September
Das religiöse Oberhaupt des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, ruft zum Heiligen Krieg gegen die amerikanische Präsenz in der Golfregion auf.
UN-Vertretern zufolge verweigern die Iraker die direkte Lieferung von Nahrungsmitteln an im Irak und in
Kuwait festgehaltene ausländische Staatsbürger.
Das russische Parlament - das höchste Gremium der
Russischen Föderation - drängt die sowjetische FühSeite 2

Frankreich ordnet die Entsendung weiterer Truppen
nach Saudi-Arabien an. Die Gesamtstärke der französischen Truppen in der Golfregion steigt auf 13 000.
16. September
Der UN-Sicherheitsrat verabschiedet einstimmig
Resolution 667, mit der die irakischen Übergriffe auf
diplomatische Vertretungen in Kuwait verurteilt werden.
Das irakische Fernsehen strahlt das Viedeoband mit
der Rede Präsident Bushs an das irakische Volk aus,
in der die Gründe für die weltweite Verurteilung der
irakischen Invasion in Kuwait erläutert werden.
17. September
Etwa 500 senegalesische Soldaten werden vom Senegal nach Saudi-Arabien verlegt, um zur Verteidigung
des Landes beizutragen.
Die EG-Staaten weisen die irakischen Militärattaches
aus, um gegen die irakischen Übergriffe auf die diplomatischen Vertretungen Frankreichs, Belgiens und
der Niederlande in Kuwait zu protestieren.

AMERIKA DIENST 41

�Großbritannien weist einen Teil des irakischen Botschaftspersonals aus.
19. September
Irak beschlagnahmt die Vermögenswerte der Staaten,
die das Embargo unterstützen.
20. September

y

{

Saddam Hussein erklärt, er sei auf einen jahrelangen
Krieg vorbereitet. Jordanien legt einen neuen Friedensplan für den Golf vor.
Französische Truppen werden nach Saudi-Arabien
verlegt, um sich der multinationalen Streitmacht anzuschließen.
Der Irak wird von der Teilnahme an den Asienspielen
in Peking ausgeschlossen.
21. September
Der Irak verfügt die Ausweisung zahlreicher westlicher
und ägyptischer Diplomaten.
22. September
Die Ölpreise erreichen den höchsten Stand seit neun
Jahren.
Saudi-Arabien stellt die Öllief erungen an Jordanien ein
und verfügt die Ausweisung jordanischer und jemenitischer Diplomaten aufgrund von "Aktivitäten, mit denen
die Sicherheit des Königreiches untergraben wird und
die mit den diplomatischen Verhaltensregeln unvereinbar sind".
23. September

t
»

Der Irak droht, er werde einen totalen Krieg gegen die
multinationalen Streitkräfte beginnen, die in defensiven Stellungen gegen den Irak stehen, falls er zu dem
Schluß kommen sollte, das Handelsembargo der
Vereinten Nationen werde das irakische Volk "erdrosseln". Das irakische Kommunique nennt Israel und die
Ölfelder im Nahen Osten als potentielle Ziele.
Ein von den Zielländern gechartertes irakisches Flugzeug befördert 150 Frauen und Kinder aus westlichen
Ländern nach London. Dies ist der letzte Flug einer
Luftbrücke, mit der Tausende evakuiert wurden.
Westlichen Nachrichtendiensten zufolge hat der Irak
360 000 Soldaten in und um Kuwait stationiert.
24. September
Der französische Präsident Mitterrand verurteilt den
Irak für dessen Invasion in Kuwait. Vor der UNGeneralversammlung erklärt er, Regierungen würden
der Anarchie weichen, falls es gestattet werde, daß die
Aggression Saddam Husseins Bestand hat.

AMERIKA DIENST 41

Der Irak erklärt den kuwaitischen Dinar für ungültig und
zieht ihn aus dem Verkehr. Der Irak erklärt, Inhaber
dieser Währung könnten ihr Geld in irakische Dinar
umtauschen.
Die iranische Nachrichtenagentur IRNA berichtet, 29
Personen seien bei dem Versuch festgenommen
worden, Nahrungsmittel in den Irak zu schmuggeln.
25. September
Mit 14 zu 1 Stimme verabschiedet der UN-Sicherheitsrat Resolution 670, mit der alle Mitgliedstaaten verpflichtet werden, ein Luftverkehrsembargo gegen den
Irak und das besetzte Kuwait zu verhängen. Die
Gegenstimme kommt von Kuba. Die Resolution wird
gemeinsam von den Vereinigten Staaten, Cote d'lvoire, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Kanada,
Rumänien, der Sowjetunion und Zaire eingebracht.
In einer Rede vorder UN-Generalversammlung fordert
der sowjetische Außenminister Schewardnadse den
Irak auf, "zur Besinnung zu kommen". Die unrechtmäßige Besetzung Kuwaits werde nicht toleriert, und die
Vereinten Nationen besäßen "die Macht, Akte der
Aggression zunichte zu machen".
Der Präsident der Weltbank, Barber Conable, kündigt
ein Nothilfeprogramm an, um die Rückführung Hunderttausender von Flüchtlingen aus dem Irak und dem
besetzten Kuwait zu unterstützen.
26. September
Bei einem Treffen der EG-Staaten und der Sowjetunion in New York wird eine gemeinsame Erklärung
veröffentlicht, in der "praktische Maßnahmen" in
Zusammenhang mit Friedensbemühungen zur Lösung der Golf krise, zur Eindämmung des Wettrüstens
und zur Verhinderung der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen in der Region gefordert werden.
27. September
Die Außenminister der Europäischen Gemeinschaft
und des Golf-Kooperationsrates kommen in New York
zusammen und verabschieden eine gemeinsame
Erklärung, in der sie ihre energische Verurteilung der
irakischen Invasion in Kuwait bekräftigen. Die Erklärung unterstreicht die Zusage zu diplomatischer und
politischer Zusammenarbeit mit dem Ziel, Frieden,
Recht, Stabilität und Sicherheit am Golf wiederherzustellen.
Der Irak erklärt, er werde westliche Diplomaten, die
Ausländern Zuflucht gewähren, nicht aufhängen, wie
eine an die Botschaften gerichtete offizielle Note angedeutet hatte.
Der Irak erklärt, Ausländer würden ab 1. Oktober keine
Bezugsscheine für rationierte Lebensmittel mehr erhalten.

Seite 3

�In einer Rede vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen fordert der Emir von Kuwait, Scheich
Jabir al-Ahmad al-Sabah, die Wiederherstellung von
Regierung, Volk und Staatsgebiet von Kuwait. Die
Generalversammlung applaudiert ihm mit einer stehenden Ovation. Die irakische Delegation verläßt vor
Beginn der Rede des Emirs den Saal.

28. September
In Washington trifft der Emir von 'Kuwait 'mit Präsident
Bush, anderen amerikanischen Regierungsvertretern
und führenden Mitgliedern des Kongresses zusammen.

* * * * *

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AMERIKA DlEfoSt 41

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24. Oktober 1990

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USA-UDSSR

BAKER: AMERIKANISCH-SOWJETISCHE
ZUSAMMENARBEIT BEI REGIONALEN
KONFLIKTEN ERFORDERLICH
Rede über die amerikanischsowjetischen Beziehungen

GOLFKRISE

BAKER: IRAK POLITISCH UND
WIRTSCHAFTLICH ISOLIERT
Der Außenminister vor dem
Auswärtigen Ausschuß des Senats
INTERNATIONALE REAKTIONEN AUF DIE
IRAKISCHE INVASION KUWAITS
Übersicht über wirtschaftliche und
politische Maßnahmen

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�USA-UDSSR
24. Oktober 1990

BAKER: AMERIKANISCH-SOWJETISCHE
ZUSAMMENARBEIT BEI REGIONALEN
KONFLIKTEN ERFORDERLICH
Rede über die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
WASHINGTON - (AD) - In einer Rede vor dem amerikanischen Komitee für die Amerikanisch-Sowjetischen
Beziehungen erklärte Au ßenminister Baker am 19. Oktober 1990, daß "die Verhütung regionaler Konflikte zum
Ziel der amerikanisch-sowjetischen Zusammenarbeit werden muß". Beide Staaten benötigten "Wege und
Mechanismen zur Bewältigung neuer Bedrohungen für die sich abzeichnende Weltordnung".
Darüber hinaus betonte Baker, daß "die brutale Unterjochung Kuwaits durch den Irak keinen Zweifel daran
bestehen läßt, daß trotz der verringerten amerikanisch-sowjetischen Konfrontation die Welt nach wie vor ein
gefährlicher Ort ist. Die Verurteilung des Irak durch die internationale Staatengemeinschaft demonstriert ferner,
daß andere voraussichtlich folgen werden, wenn die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion die Führung
übernehmen."
Nachfolgend veröffentlichen wir Bakers Rede im Wortlaut:

Botschafter Kennan, Vorsitzender Kendali, meine
Damen und Herren,
ich fühle mich geehrt, vor diesem auserlesenen Kreis
sprechen zu dürfen und zusammen mit meinem Freund
Eduard Schewardnadse den George-Kennan-Preis
entgegenzunehmen.
Es ist eine Ehre, weil Botschafter Kennan seinem Land
lange und in hervorragender Weise als Diplomat und
Historiker gedient hat.
Botschafter Kennan, Sie waren Augenzeuge und
Beteiligter bei den historischen Ereignissen unserer
Zeit: der Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit
den Bolschewiken, der Schaffung des Marshallplans
sowie der Höhen und Tiefen des kalten Kriegs.
Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir jedoch
eine Stelle in ihren Memoiren, an der Sie jenen Frühjahrstag im Moskau des Jahres 1945 beschreiben, an
dem Sie eine ausgelassene Menschenmenge umschwärmte, nur weil Sie Amerikaner waren und der
Krieg vorbei war. Ihre Worte in Russisch brachten

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diesen Moment auf den Punkt: "Ich gratuliere zum Tag
des Sieges. Alle Ehre gebührt den sowjetischen
Allierten."
Aber jener Moment, jener Frühling, erwiesen sich als
flüchtig. Durch die Exzesse des Stalinismus erstarrten
sie schon bald zu Eis. Die große Allianz und ihre
Hoffnungen auf eine Nachkriegsordnung verwandelten sich in einen langen, kalten Krieg.
Heute leben wir in aussichtsreichen Zeiten. Die Epoche des kalten Kriegs ist vorbei. Alle noch verbliebenen Zweifel wurden von den Ereignissen der vergangenen Monate ausgeräumt.
Der kalte Krieg in Europa wurde am 1. Oktober 1990 in
New York in aller Stille beendet: Außenminister Schewardnadse und ich unterzeichneten zusammen mit
unseren Kollegen aus Deutschland, Frankreich und
Großbritannien die Aufhebung der Rechte der vier
Siegermächte des Zweiten Weltkriegs. Wir erkannten
damit ein neues, vereinigtes Deutschland und das
Vertrauen zwischen ehemaligen Gegnern an, das dies
ermöglicht hatte.

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�Der Teil des kalten Kriegs, der in anderen Erdteilen
ausgetragen wurde, endete dramatischer. Er wurde
durch die von Präsident Bush und Präsident Gorbatschow beim Gipfel in Helsinki geschmiedete Partnerschaft gegen die irakische Aggression abgeschlossen.
Das neue Zeitalter steckt jedoch noch in den Kinderschuhen. Ein entscheidender Faktor wird dabei der
Wandel in der Sowjetunion selbst sein - eine Revolution, die sowohl die sowjetische Außenpolitik als auch
die sowjetische Gesellschaft umformen wird. Während das Volk der Vereinigten Staaten zu Recht stolz
darauf sein kann, daß sein Land während des kalten
Kriegs als Treuhänder der Freiheit wirkte, erkenne ich
darüber hinaus gerne an, daß Präsident Gorbatschows
Revolution des neuen Denkens und der Perestrojka
zum großen Teil das Ende des kalten Kriegs bewirkt
hat. Und aus diesem Grund hat Präsident Gorbatschow den Friedensnobelpreis so sehr verdient.
Vom Containment zu Punkten beiderseitigen Vorteils
Vor fünf Jahren führten die inneren Widersprüche der
erfolgreich eingedämmten stalinistischen Macht zum
Beginn einer Entwicklung, die Botschafter Kennan
einmal als "Milderung" bezeichnete und die Präsident
Gorbatschow "Perestrojka", "Glasnost" und "neues
Denken" nennt.
Vor achtzehn Monaten gab Präsident Bush auch unserer
Regierung einen neuen Kurs. Er sagte uns, wir sollten
die Politik des Containment überwinden.
Und in dieser Woche vor genau einem Jahr gab ich
Einzelheiten des vom Präsidenten eingeschlagenen
neuen Kurses bekannt. Vor der Foreign Policy Association in New York trat ich dafür ein, daß die Vereinigten Staaten eine kreative Suche nach Punkten beiderseitigen Vorteils mit der Sowjetunion aufnehmen sollten. Dies war meines Erachtens der sicherste Weg,
um die Aussichten der Perestrojka und des neuen
Denkens in die Realität einer für den Westen vorteilhaften sowjetischen Politik umzusetzen. Wenn wir die
Hände in den Schoß legen würden, so meine Prämisse, würden wir nichts gewinnen und diese Chance
verpassen, die Ost-West-Beziehungen umzugestalten.
Gemeinsam leiteten wir also eine Revolution in den
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen ein. Wir trugen
zum Ende des kalten Kriegs bei.
Wir müssen uns jedoch Gedanken über die Zeit nach
dem kalten Krieg machen: Wir begannen mit der
Suche nach Punkten beiderseitigen Vorteils. Als
nächstes müssen wir Wege der Zusammenarbeit
markieren, um die Herausforderungen des Zeitalters
nach dem kalten Krieg anzugehen. Dies könnte sich
als einzigartige historische Chance erweisen.

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Ich möchte zunächst erläutern, wie unsere Suche
nach Punkten beiderseitigen Vorteils Ergebnisse hervorbrachte, auf denen wir aufbauen können. Im Verlauf des vergangenen Jahres haben wir unser Verhältnis zur Sowjetunion erweitert und vertieft, indem wir
uns auf fünf Themenbereiche konzentrierten: Schaffung eines ungeteilten und freien Europas, Beilegung
regionaler Konflikte, Stabilisierung und Reduzierung
des Rüstungswettlaufs, Förderung der Menschenrechte und demokratischer Institutionen sowie Hilfe für
Wirtschaftsreformen. In jedem dieser Bereiche haben
wir tiefgreifende Veränderungen eingeleitet.
Erstens könnten die Veränderungen des vergangenen
Jahres in Europa die aussichtsreichsten dieses gesamten Jahrhunderts sein. Deutschland hat sich in
Frieden und Freiheit vereinigt. Die Menschen in
Warschau, Budapest, Prag, Sofia und sogar Bukarest
bemühen sich energisch, Demokratien aufzubauen
und wirtschaftliche Freiheit zu gewährleisten.
Diese Bewegung vom, durch und für das Volk hätte
ohne die mutige, vorausschauende Zusammenarbeit
von Präsident Gorbatschow, Außenminister Schewardnadse und anderen Vertretern des neuen Denkens in Moskau nicht friedlich zum Erfolg führen können. Sie waren die ersten führenden sowjetischen
Persönlichkeiten, die verstanden, daß Sicherheit letztlich auf einer Legitimität beruht, die nur durch die
Zustimmung der Regierten verliehen werden kann.
Dies wurde jedoch auch deshalb erreicht, weil gleichzeitig die Vereinigten Staaten und andere im Westen
Moskau die Hand entgegenstreckten.
Wir entwickelten einen neuen Mechanismus und veränderten seit langem bestehende Institutionen, um
diesen sensiblen Übergang zu bewältigen. So regten
wir zum Beispiel den Zwei-plus-Vier-Mechanismus an,
um miteinander konkurrierende Interessen in einem
gemeinsamen europäischen Interesse zu versöhnen.
Präsident Bush forderte einen Anpassungsprozeß der
NATO, in dessen erster Phase - die in der Erklärung
des Londoner Gipfels ihren Höhepunkt erreichte - er
selbst die Führung übernahm. Wir unterstützten die
vom Volk getragenen Revolutionen in Mittel- und
Osteuropa in einer Art und Weise, die Moskau zusicherte, daß ein freies Europa den wahren sowjetischen Interessen dienlicher wäre als ein Eiserner
Vorhang oder eine Betonmauer. Wir haben uns darum
bemüht, den KSZE-Prozeß - das Gewissen des Kontinents - zu stärken, damit er politische und wirtschaftliche Freiheit von Nordamerika bis zur Sowjetunion
besser unterstützen kann.
Zweitens haben wir große Fortschritte bei der Lösung
regionaler Konflikte außerhalb Europas erzielt.
Am bemerkenswertesten war die Solidarität zwischen
Moskau und uns nach dem irakischen Einmarsch in

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�Kuwait, die insbesondere in der gemeinsamen Erklärung von Helsinki ihren Niederschlag fand. Darin
legten Präsident Bush und Präsident Gorbatschow die
grundsätzliche Haltung der internationalen Staatengemeinschaft fest: "Nichts unterhalb der vollständigen
Durchführung der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats ist akzeptabel."
Der Irak ist jedoch nur das auffälligste Beispiel einer
Politik zur Lösung regionaler Konflikte, die wir seit dem
Frühjahr 1989 Schritt für Schritt entwickelt haben.
Unsere ersten wirklichen Bemühungen galten Mittelamerika, wo wir einen diplomatischen amerikanischen
Ansatz in Nicaragua mit einer Begrenzung der sowjetischen Waffenlieferungen verbanden, um dem Volk
dieser verwundeten Nation eine Chance zu geben,
seine eigene Zukunft zu bestimmen. Die Sowjets
teilten unsere Verpflichtung, sowohl den Wahlprozeß
als auch dessen Resultat zu achten. Das Ergebnis
waren Frieden und Demokratie. Heute versuchen wir,
auch dem Töten in El Salvador ein Ende zu bereiten,
um der Demokratie auch dort eine Chance zu geben.
In Afrika führten unsere gemeinsamen Bemühungen
mit Moskau zur vollständigen Unabhängigkeit Namibias. Heute arbeiten wir zusammen daran, einen
Waffenstillstand und Wahlen mit mehreren Parteien in
Angola zu erreichen. Darüber hinaus haben wir versucht, grundlegende humanitäre Hilfe am von Kriegen
zerrissenen Hörn von Afrika zu leisten.
In Asien haben wir einen Proze ß unter Aufsicht der fünf
Ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats eingeleitet, um die kambodschanischen Fraktionen zu einem
weiteren Plan für freie Wahlen zu bewegen. In Südwestasien haben wir unsere Meinungsverschiedenheiten zu Afghanistan eingegrenzt und bemühen uns,
einen Weg zu finden, um diesen Konflikt unter Aufsicht
der UNO vom Schlachtfeld zu den Wahlurnen zu
bringen. Ich habe die Hoffnung, daß dies bald der Fall
sein wird.
Drittens kommen unsere Punkte beiderseitigen Vorteils vielleicht am besten in der konventionellen Rüstungskontrolle zum Ausdruck. Das sowjetische
Übergewicht bei den konventionellen Streitkräften,
das seit Jahrzehnten die Furcht vor einer Offensive auf
dem ganzen Kontinent geschürt hat, wird durch einen
KSE-Vertrag verschwinden. Zehntausende von Waffensystemen werden zerstört werden. Eine militärische Revolution in diesem Herbst wird der politischen
Revolution des vergangenen Herbstes gleichkommen.
Darüber hinaus erzielen wir Fortschritte bei START einem Abkommen, in dem erhebliche Reduzierungen
festgeschrieben werden, darunter ein etwa 50prozentiger Abbau der destabilisierendsten Kernwaffen.
Ferner wurden Atomtestverträge, die seit 15 Jahren in
der Schwebe waren, jetzt endlich ratifiziert.

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Vielleicht noch wichtiger für die Welt nach dem kalten
Krieg ist die Tatsache, daß die Sowjetunion und die
Vereinigten Staaten konzertierte Anstrengungen unternehmen, um die Probleme der Verbreitung von
Massenvernichtungswaffen zu behandeln. Wir arbeiten bei der Verwirklichung der Chemiewaffeninitiative
zusammen, die der Präsident im vergangenen Jahr bei
den Vereinten Nationen unterbreitete. Die bilaterale
amerikanisch-sowjetische Vernichtung des Großteils
der Chemiewaffen in den Arsenalen unserer beiden
Länder wird uns auf dem realistischen Weg zu unserem gemeinsamen Ziel - einem weltweiten Verbot
dieser Waffen des Schreckens - ein gutes Stück
voranbringen. Unsere beiden Länder arbeiten darüber
hinaus multilateral an der Kontrolle der Raketentechnologie.
Viertens haben wir die politischen Reformen in der
Sowjetunion unterstützt. Wir haben echte Fortschritte
bei der Erledigung von Menschenrechtsfällen erzielt,
obwohl unsere Arbeit noch nicht beendet ist. Ferner
haben wir Programme institutionalisiert, um den Sowjets beim Aufbau demokratischer Institutionen und
der Schaffung rechststaatlicher Verhältnisse zu helfen.
Schließlich haben wir ein breites Spektrum wirtschaftlicher Kontakte initiiert. Technisch erstreckt sich unsere Wirtschaftszusammenarbeit bereits auf eine große
Bandbreite von Maßnahmen - von marktwirtschaftlicher Ausbildung zur Entwicklung von Kleinunternehmen. Wir bemühen uns um die Einführung amerikanischer Unternehmer in der Sowjetunion sowie darum,
die Sowjets über Maßnahmen zu informieren, die ein
günstiges Klima für Privatinvestitionen herbeiführen.
Einige Unternehmen helfen ferner bei der Ausbildung
sowjetischer Führungskräfte. Mit der Zeit hoffen wir,
unsere Bemühungen ausweiten zu können, um auch
führenden Persönlichkeiten auf Republik- und Gemeindeebene zu helfen. Im internationalen Bereich
haben wir dazu beigetragen, den Sowjets Möglichkeiten zu eröffnen, um an den internationalen Marktinstitutionen teilzunehmen und von ihnen zu lernen.
Von Punkten zu Wegen beiderseitigen Vorteils
Unsere Suche nach Punkten beiderseitigen Vorteils
war produktiv. Und die Suche mu ß fortgesetzt werden
- in neuen, ehrgeizigen Dimensionen. Heute müssen
wir unsere Hoffnungen für die Zukunft nach dem kalten
Krieg weiterverfolgen. Wir müssen eine neue internationale Ordnung schaffen - was der Präsident als
"neue Partnerschaft der Staaten" bezeichnet hat.
Jede Politik gegenüber der Sowjetunion muß jedoch
bei einer nüchternen Einschätzung der beiden gegenwärtig stattfindenden, miteinander verknüpften Revolutionen ansetzen: die erste betrifft die Beziehungen
der sowjetischen Regierung mit der Außenwelt, die
zweite die Veränderungen innerhalb der sowjetischen
Gesellschaft.

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�Ich werde mit der äußeren Revolution beginnen - der
Umgestaltung der sowjetischen Außen- und Verteidigungspolitik. Das neue Denken und die Theorie vom
ausreichenden Niveau sind zu grundlegenden Elementen der Politik dieser Führung geworden. Nie hat
es größere Möglichkeiten für die Zusammenarbeit
zwischen unseren beiden Ländern gegeben.
Die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen werden
immer einzigartigen Chakter haben. Unsere Beziehungen könnten jedoch mehr den Beziehungen ähneln, die wir mit vielen anderen Regierungen unterhalten. Zusammenarbeit könnte die Norm werden, und
Meinungsverschiedenheiten könnten auf bestimmte
Streitfälle begrenzt werden. Ein "normales" Verhältnis
- vielleicht sogar eine echte Partnerschaft - könnten in
greifbare Nähe gerückt sein.
Bei unserer Suche nach Punkten beiderseitigen Vorteils haben wir geprüft, ob das neue Denken die
Leitlinie der sowjetischen Politik sein könnte, selbst
wenn sie vor schwierige Entscheidungen gestellt würde.
Die sowjetische Führung hat bewiesen, daß sie die
richtigen schweren Entscheidungen treffen kann.
Heute müssen wir eine andere Frage stellen: Können
wir auf unseren Punkten beiderseitigen Vorteils aufbauen, um etwas dauerhafteres zu schaffen, etwas,
das unsere Fähigkeit stärkt und verbessert, Ergebnisse zum beiderseitigen Vorteil zu erzielen?
Eine Antwort auf diese Frage wird in hohem Maß von
der Fortdauer des neuen Denkens in Moskau abhängen.
Wir aber hoffen unsererseits, auf der Grundlage dieser
Punkte Wege beiderseitigen Vorteils aufbauen zu
können.
Das Bild von den Wegen setzt voraus, daß andauernde, ja dauerhafte Zusammenarbeit möglich ist, nicht
nur periodische oder kurzfristige Abkommen. Dieser
Gedanke geht davon aus, daß Zusammenarbeit in
regelmäßiger, nahezu alltäglicher Form ablaufen kann,
um Probleme bereits im Entstehen zu bewältigen. Ein
Weg setzt voraus, daß durch Zusammenarbeit künftige Probleme verhindert und bereits bestehende gelöst
werden können. Das Konzept der Wege geht davon
aus, daß Mechanismen und Prozesse - auf der Grundlage demokratischer Werte und Praktiken - der Schlüssel zur Aufrechterhaltung der amerikanisch-sowjetischen Zusammenarbeit sind, während wir Antworten
auf die komplexen Probleme der Zukunft suchen.
Kurzum: Dieses Konzept geht von der Voraussetzung
aus, daß Zusammenarbeit die Norm, nicht die Ausnahme wird, gemeinsame Probleme am besten zusammen, nicht im Alleingang gelöst werden können und
viele unserer Schwierigkeiten ihre Ursache nicht in den
amerikanisch-sowjetischen Differenzen, sondern in
Komplikationen haben, die sich aus der Absage an den

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kalten Krieg und dem Aufbau einer neuen internationalen Ordnung ergeben.
In drei umfassenden Bereichen könnten wir Wege und
Mechanismen der Zusammenarbeit aufbauen: beim
Abbau der Relikte des kalten Kriegs, der Bewältigung
der neuen Bedrohungen für die Ordnung in der Zeit
nach dem kalten Krieg sowie bei Maßnahmen gegen
grenzüberschreitende Gefahren für alle Menschen der
Welt.
Erstens müssen wir Wege aufzeigen, um die Relikte
des kalten Kriegs abzubauen und das Wiederaufflammen von Konflikten zu verhindern, die ihm vorausgingen. Einige dieser Anliegen werden bei KSE und den
Folgekonferenzen behandelt. Darüber hinaus müssen NATO und EG an die neuen Bedürfnisse angepaßt
sowie die KSZE politisch und institutionell gestärkt
werden.
Durch Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten und
den aufstrebenden Demokratien in Europa können wir
mehr erreichen. Wir können unseren Dialog mit den
Sowjets zu einem regelmäßigen Gedankenaustausch
über die europäischen Herausforderungen vertiefen,
die uns alle betreffen. Wir sollten unseren Dialog
darauf konzentrieren, wie Demokratie, wirtschaftliche
Freiheit, Aussöhnung und Toleranz im Rahmen der
KSZE in ganz Europa gefördert werden können. Darüber
hinaus könnten wir unser gemeinsames Interesse an
der Erleichterung des wirtschaftlichen Umbruchs in
den aufstrebenden Demokratien in Mittel- und Osteuropa ansprechen, die sich unter anderem mit Problemen der Energiewirtschaft, Versorgungsengpässen
und Verschuldung konfrontiert sehen.
Der kalte Krieg könnte in weitere Ferne rücken - wie ich
im vergangenen Herbst in einer Rede in San Francisco
betonte - indem wir unseren Dialog erweitern, um
einen anderen Aspekt des Rüstungswettlaufs besser
zu erforschen: Strategie und Doktrin. Dies wäre eine
natürliche Ergänzung unserer Versuche, destabilisierende militärische Fähigkeiten zu begrenzen oder
abzubauen.
Bei den amerikanisch-sowjetischen
Rüstungskontrollverhandlungen arbeiten wir an der
Begrenzung und Reduzierung von Waffensystemen.
Wir sollten einen ergänzenden Mechanismus erarbeiten, um mehr über die Doktrin und Strategie in Erfahrung zu bringen, die die Sowjets in Friedens- wie in
Kriegszeiten beim Einsatz dieser Waffen verfolgen.
Aus diesem Grund werde ich Außenminister Schewardnadse den Vorschlag unterbreiten, auch eine
Arbeitsgruppe für Abschreckung, Vergewisserung und
Stabilität ins Leben zu rufen. Dadurch würden die vom
Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs und dem
Verteidigungsminister mit ihren Amtskollegen geführten Gespräche ergänzt.
Unser Dialog muß darüber hinaus durch Gespräche
über die Umrüstung von Verteidigungssysemen erwei-

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�tert werden. Der Verteidigungsminister wird dieses
Thema bei den für diese Woche in Moskau anberaumten Treffen eruieren. Ein Dialog mit den Sowjets über
die Umrüstung von Waffensystemen kann ein Weg zu
größerer Offenheit sowie dem weiteren Abbau der
Möglichkeit eines zukünftigen Krieges sein.

»

Zweitens benötigen die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion Wege und Mechanismen zur Bewältigung neuer Bedrohungen für die sich abzeichnende
Weltordnung. Die brutale Unterjochung Kuwaits durch
den Irak läßt keinen Zweifel daran bestehen, daß trotz
der verringerten amerikanisch-sowjetische Konfrontation die Welt nach wie vor ein gefährlicher Ort ist. Die
Verurteilung des Irak durch die internationale Staatengemeinschaft demonstriert ferner, da ß andere voraussichtlich folgen werden, wenn die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion die Führung übernehmen.
Amerikanisch-sowjetische und multilaterale Zusammenarbeit müssen regionale Konflikte antizipieren und
sie zu lösen versuchen, bevor sie zu einem Krieg
führen. Die Verhütung regionaler Konflikte muß zum
Ziel amerikanisch-sowjetischer Zusammenarbeit werden.
Hand in Hand mit dieser Erörterung regionaler Konflikte beabsichtigen wir, die von mir im vergangenen
Oktober im einzelnen dargelegte Tagesordnung im
Bereich der Sicherheit entschiedener in Angriff zu nehmen. Die noch in den Kinderschuhen steckenden
Nuklearprogramme des Irak und Nordkoreas sind das
beste Argument, daß unsere Bestrebungen zur Nichtverbreitung neuen Auftrieb benötigen, um die neue
Gefahrzu bewältigen. Wir können die Verbreitung von
Kernwaffen nicht nach dem Motto "business as usual"
angehen. Ich glaube, Außenminister Schewardnadse
stimmt mit mir überein.

*

Wir sehen beide die Weiterverbreitung von Kernwaffen als die größte Herausforderung für die Sicherheit
der neunziger Jahre. Wir sind einer Meinung, daß es
unzumutbar ist, daß der Irak - mit einer Führung, die
chemische Waffen gegen ihr eigenes Volk eingesetzt
hat - in der Lage sein sollte, in Zukunft Atomwaffen zu
beschaffen. Und wir stimmen überein, daß das Verbot
und die Bekämpfung der Weiterverbreitung zentraler
Bestandteil unseres Programms sein müssen.
Durch Zusammenarbeit könnten wir auch einen umfassenderen Ansatz zur Verbreitung nuklearer, chemischer und biologischer Waffen finden. Ebenso wie
unser bilaterales Abkommen über die Vernichtung
chemischer Waffenbestände ein Beispiel gesetzt hat und ein weltweites Verbot in greifbarere Nähe rückt können wir beide jetzt dazu beitragen, den Weg zur
Beseitigung der anderen Massenvernichtungswaffen
zu ebnen.
Wir müssen mit anderen zusammenarbeiten, die
bestehenden Mechanismen verbessern und neue

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entwickeln, um den Nachschub der erforderlichen
Technologie zu unterbinden und die Nachfrage nach
Massenvernichtungswaffen zu verringern. Unsere bei
der Entwicklung Vertrauensbildender Maßnahmen
(VBM) in Europa gemachten Erfahrungen könnten
sich auch in anderen Regionen der Welt als nützlich
erweisen und eventuell Mechanismen für den schrittweisen Abbau der bereits erfolgten Verbreitung von
Kernwaffen bieten.
Darüber hinaus werden wir mit den Sowjets bei der
Prüfung bilateraler und multilateraler Sanktionen zusammenarbeiten, die gegen Staaten verhängt werden
könnten, die internationale Normen der Nichtverbreitung verletzen oder Massenvernichtungswaffen einsetzen.
Die gemeinsame Erarbeitung von Leitlinien zur Bekämpfung der Gefahr einer Verbreitung nuklearer,
chemischer und biologischer Waffen und Raketen wird
für jede neue friedliche Ordnung unabdingbar sein.
Auch hierfür schlage ich eine Arbeitsgruppe auf Ministerebene vor, um den Informationsaustausch sicherzustellen und kontinuierliche Zusammenarbeit zu fördern.
Ein Instrument zur Gestaltung einer neuen internationalen Ordnung sind die Vereinten Nationen. Der
irakische Konflikt hat gezeigt, wie viel der Sicherheitsrat tun kann, wenn seine fünf Ständigen Mitglieder insbesondere die ehemaligen Gegner Vereinigte Staaten und Sowjetunion - einer Meinung sind. Über die
gemeinsame amerikanisch-sowjetische Erklärung zu
den Vereinten Nationen, die wir während der Generalversammlung in New York verabschiedet haben, sind
wir besonders erfreut. Wir hoffen, in den kommenden
Monaten darauf aufbauen zu können.
Drittens müssen wir Leitlinien zur Bewältigung der
grenzüberschreitenden Gefahren entwickeln, die alle
Völker und alle Nationen bedrohen. Aus diesem Grund
habe ich der offiziellen amerikanisch-sowjetischen
Tagesordnung Anfang 1989 grenzüberschreitende
Probleme wie Drogenhandel, Terrorismus und Umweltverschmutzung hinzugefügt. Wir müssen jedoch
bessere Ergebnisse erzielen.
Wir sollten die Idee eines internationalen Zentrums für
Ökologische Forschung am Baikalsee prüfen. Das
Zentrum sollte als Schrittmacher für präzisere Kenntnisse unserer Umwelt für sowjetische, amerikanische
und andere Wissenschaftler dienen. Am Baikalsee,
dem größten Süßwasserreservoir der Welt gelegen,
könnte es symbolisch für unser Engagement stehen,
der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen durch
den Menschen Einhalt zu gebieten.
Darüber hinaus schlage ich verbesserte Energienutzung als Diskussionsthema vor. Dadurch könnten die
Aussichten für Wirtschaftswachstum verbessert, die
Umweltverschmutzung begrenzt und unsere Anfällig-

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�keit für Versorgungsengpässe verringert werden. Wir
würden den Privatsektor und zwischenstaatliche Organisationen einladen und neue amerikanisch-sowjetische Austauschprogramme entwickeln. Die Ölförderung könnte eine weiteres mögliches Diskussionsthema sein.
Wir werden ferner weiterhin mit der Sowjetunion
Möglichkeiten der Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des internationalen Terrorismus erarbeiten. Im
Bereich der zivilen Luftfahrt haben wir bereits Gespräche über Verfahren zur Bewältigung von Krisen wie
Flugzeugentführungen aufgenommen. Darüber hinaus prüfen wir Möglichkeiten der Zusammenarbeit bei
der Unterbindung von staatlich gefördertem Terrorismus.
Leitlinien für einen demokratischen Dialog
Ich möchte mich jetzt der anderen Revolution in der
Sowjetunion zuwenden - den Veränderungen in der
sowjetischen Gesellschaft.
Im Gegensatz zum neuen Denken in der Außen- und
Verteidigungspolitik ist die Revolution im Inneren eine
völlig andere Herausforderung für die amerikanische
Politik. Und sie ist eine neue Chance für das amerikanische Volk.
Wie die meisten Revolutionen ist die Perestrojka zu
einer Mischung paradoxer Elemente geworden. Auf
der einen Seite sehen wir beachtliche, vorher undenkbare Fortschritte. Der Oberste Sowjet bekräftigt seine
parlamentarische Macht. In wichtigen Städten und
Regionen nehmen Demokraten die Regierungsgeschäfte wahr. Die Kommunistische Partei hat offiziell
ihr Machtmonopol aufgegeben und alternative Parteien bilden sich. In Wirtschaftsgesprächen macht sich
allmählich der Gedanke an Privateigentum und Marktwirtschaft in der Sowjetunion breit. Und Moskau gibt
das stalinistische Prinzip des Reichs - in dem alles vom
Zentrum diktiert wurde - auf und scheint auf dem
Verhandlungswege zu einer Konföderation bereit zu
sein.
All dies ist grundsätzlich ein Gewinn. Es symbolisiert
die "Normalisierung" der sowjetischen Gesellschaft:
Pluralisierung der politischen Macht, Dezentralisierung des Wirtschaftslebens und die längst überfällige
Anerkennung der Notwendigkeit einer freiwilligen
multinationalen Union.
Bedauerlicherweise geht diese "Normalisierung" Hand
in Hand mit einer Verschlechterung der sowjetischen
Lebensbedingungen. In zahlreichen politischen Debatten in der Sowjetunion ist Zersplitterung ebenso
häufig, wenn nicht sogar noch häufiger als Pluralisierung. Der Lebensstandard verschlechtert sich, Versorgungsengpässe werden größer und die Ernte verrottet. Die Freiheit hat jahrhundertealte Nationalitätenkonflikte freigesetzt, die häufig die zur Toleranz mahnenden Stimmen übertönen.
Seite 6

Diese andere, dunklere Seite der sowjetischen Revolution beunruhigt alle in den Vereinigten Staaten. Wir
müssen Verständnis für die Härten haben, die ein
großes Volk jetzt erdulden muß. Hierbei müssen wir
uns alle daran erinnern, daß demokratischer Wandel
mit friedlichen, demokratischen Mitteln herbeigeführt
werden muß - wie Andrej Sacharow, ein weiterer
Nobelpreisträger, uns so häufig vor Augen geführt hat.
Das im kalten Krieg vorherrschende Bild eines einzigen totalitären Monoliths ist verschwunden und durch
ein verwirrendes, ungeordnetes Mosaik ersetzt worden, das sowohl Gefahr als auch Hoffnung birgt.
Die Gefahr ist, daß der Zusammenbruch des alten
stalinistischen Systems die Entwicklung eines neuen auf universelle demokratische Werte und Rechtsstaatlichkeit aufgebauten - Systems vereitelt. Die Hoffnung
ist, daß Dezentralisierung politischer Autorität und
wirtschaftlicher Macht über Verschlechterung und Verfall
siegen werden.
Wie Präsident Gorbatschow offen gesagt hat, hängt
die Zukunft der Sowjetunion letztlich von den Entscheidungen ab, die das sowjetische Volk trifft. Er hat
Recht. Das Volk muß selbst entscheiden. Der Aufbau
eines neuen Systems wird all den Mut, die harte Arbeit
und Hoffnung erfordern, die Männer und Frauen in der
Sowjetunion aufbringen können.
Aber ihre Entscheidung wird nicht ganz so schwierig
sein, wenn wir im Westen ihnen zur Seite stehen.
Unser Einfluß mag nur marginal sein. Aber Hilfe - wie
marginal auch immer - kann dennoch einen Unterschied bewirken. Das amerikanische Volk kann einen
Unterschied bewirken.
Und so können wir helfen.
Auf dem Höhepunkt des kalten Kriegs war Dialog
praktisch unmöglich. Der Eiserne Vorhang war nur
wenig durchlässig. Daher mu ßten die meisten Kontakte mit der Sowjetunion über unsere Diplomaten in
Washington mit den sowjetischen Politikern in Moskau
erfolgen. Offizielle Kontakte auf Regierungsebene
waren häufig der einzige Weg.
Wir wußten jedoch immmer, daß dies unnormal war. In
der Tat war die Entschlossenheit Stalins und seiner
Nachfolger, das sowjetische Volk von normalem Austausch und Dialog mit der Außenwelt abzuschotten,
Dreh- und Angelpunkt der stalinistischen Repression.
Und dies ist vielleicht der Hauptgrund für die Rückständigkeit und Armut, in der ein Großteil der sowjetischen
Wirtschaft heute verhaftet ist.
Glasnost und Demokratisierung haben eine Chance
hervorgebracht, die unser Volk seit langem suchte:
Die Chance, direkt auf das sowjetische Volk zuzugehen. Der kalte Krieg hat viel zerstört, jedoch nie den
guten Willen oder die Hoffnung unserer Völker - Völ-

AMERIKA DIENST 42

�ker, die im Zweiten Weltkrieg gemeinsam gekämpft
haben und gefallen sind.
Praktisch von der ersten Minute dieser Regierung an
habe ich auf der Seite der Hoffnung gestanden Hoffnung für eine auf demokratischen Werten aufgebaute Sowjetunion. Ich beabsichtige, weiterhin dort zu
stehen. Aus diesem Grund fordere ich heute das
amerikanische Volk - zusammen mit den Regierungen
der Bundesstaaten und Gemeinden - auf, mit uns
gemeinsam auf die Sowjetunion zuzugehen und dem
sowjetischen Volk beim Aufbau eines besseren Lebens
behilflich zu sein.
Wir können eine Bresche zwischen Völkern schaffen eine Bresche, die auf gegenseitiger Achtung der universellen demokratischen Werte und dem gemeinsamen Interesse an Freiheit, Sicherheit, Wohlstand und
Gerechtigkeit beruht. Eine Bresche für einen echten
demokratischen Dialog.
Die dadurch eröffneten Wege sollten sich auf allen
Ebenen kreuzen: Menschen, Gruppen, Firmen, Institutionen, Städten und Staaten. Indem wir uns auf
lokaler oder städtischer Ebene vereinigen, können wir
dazu beitragen, Vorbilder oder Erfolgserlebnisse zu
schaffen. Wir können Hoffnung vermitteln.
Um diesen Bestrebungen Auftrieb zu verleihen, möchte ich heute die Entscheidung des Präsidenten bekanntgeben, die Sowjetunion in das Tätigkeitsfeld des
Bürgerkorps Demokratie aufzunehmen.
Wir wissen, daß ein ungeteiltes und freies Europa die
Sowjetunion einbeziehen muß. Wir wissen, daß die
sowjetischen Reformen durch verstärkte Kontakte mit

*

AMERIKA DIENST 42

* *

dem amerikanischen Volk beschleunigt werden können. Durch das Bürgerkorps Demokratie werden wir
versuchen, den politisch Verantwortlichen in der neuen Sowjetunion zu helfen, indem wir ihr Wissen über
demokratische Prozesse und Marktwirtschaft vertiefen, Möglichkeiten des Austauschs mit unseren Bürgern und Institutionen verbessern und ihnen vor allem
mehr Hoffnung geben.
Nach dem kalten Krieg
Herr Botschafter Kennan, ich habe meine Ausführungen mit einem Exkurs in eine andere Zeit der Hoffnung
vor 45 Jahren begonnen.
Heute befinden wir uns am Ende eines anderen Kriegs
- des kalten Kriegs.
Aber heute gehören Stalin und seine perverse Ideologie endgültig der Vergangenheit an.
Statt dessen heißen uns neue sowjetische Politiker
willkommen. Sie laden uns ein, mit den Völkern der
Sowjetunion an einer neuen Revolution teilzunehmen
- einer Revolution der Offenheit und des zunehmenden
demokratischen Wandels.
Wir sollten ihre Einladung annehmen.
Denn wenn ihre Welt durch unser Beispiel und unsere
Hilfe besser wird, werden sowohl unsere Völker als
auch unsere Regierungen besser.
Und wenn wir durch unsere Arbeit Werte wie individuelle Freiheit, Initiative und Toleranz neu beleben,
wird auch das ein Gewinn sein.

*

*

Seite 7

�GOLFKRISE
24. Oktober 1990

BAKER: IRAK POLITISCH UND
WIRTSCHAFTLICH ISOLIERT
Der Außenminister vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats
WASHINGTON - (AD) - Au ßenminister Baker zufolge ist der Irak aufgrund seiner Aggression gegen Kuwait jetzt
"politisch und wirtschaftlich isoliert", und "die Kosten und Verantwortung für die Durchsetzung seiner Isolation
sind unter allen Nationen der Welt gerecht verteilt".
"Im Hinblick auf die Wirtschaft gibt es nur wenige undichte Stellen", erklärte Baker in einer Stellungnahme vor
dem Auswärtigen Ausschu ß des Senats am 17. Oktober 1990, in der er die amerikanischen und multilateralen
Bestrebungen bei der Golfkrise zusammenfaßte und hinzufügte, "die irakische Wirtschaft wird schwer leiden,
und auch die irakische Kriegsmaschinerie wird betroffen sein".
Bezüglich der militärischen Aspekte stellte Baker fest, daß Soldaten und Matrosen aus 25 Ländern einschließlich größerer Einheiten aus Ägypten und Syrien jetzt am Golf stationiert seien, "um einen irakischen Angriff auf
Saudi-Arabien abzuschrecken und die wirksame Durchsetzung der UN-Sanktionen sicherzustellen".
Der Außenminister mahnte, man müsse sich in Geduld fassen, während die Sanktionen gegen Irak spürbar
würden und "Einigkeit nach wie vor unabdingbar und darüber hinaus die beste Hoffnung für eine friedliche
Lösung dieses Konflikts ist".
Nachfolgend veröffentlichen die Rede von Außenminister Baker und die Eröffnungsansprache von Senator Pell
im Wortlaut sowie die anschließende Aussprache in Auszügen.

Vor sechs Wochen hatte ich die Ehre, vor diesem
Ausschuß und durch Sie zum amerikanischen Volk
über die irakische Aggression gegen Kuwait zu sprechen. Damals habe ich die Ziele des Präsidenten
erläutert:
Erstens den unverzüglichen, vollständigen und bedingungslosen Abzug aller irakischen Streitkräfte aus
Kuwait, wie in Resolution 660 des UN-Sicherheitsrats
verfügt.
Zweitens die Wiedereinsetzung der rechtmäßigen
Regierung Kuwaits.
Drittens das Leben der als Geiseln vom Irak sowohl im
Irak als auch in Kuwait festgehaltenen amerikanischen
Staatsbürger zu schützen, und
viertens die Verpflichtung zu Sicherheit und Stabilität
am Persischen Golf.
Darüber hinaus habe ich die Strategie zur Verwirklichung dieser Ziele umrissen.
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Das Schlüsselelement dieses Ansatzes ist die amerikanische Führungsrolle in einer internationalen Allianz, die Irak isoliert - politisch, wirtschaftlich und
militärisch.
Heute möchte ich mit Ihnen erörtern, was wir zur
Durchführung dieser Strategie seit Anfang September
getan haben, wie die Verantwortung geteilt und welche
Ergebnisse erzielt wurden.
Aufrechterhaltung der Koalition
Erstens ist es uns dank dem UN-Sicherheitsrat gelungen, den Irak politisch zu isolieren und seine Weigerung, die UN-Resolutionen einzuhalten, zu bestrafen.
Während der Rat die zehnte Resolution zur Golfkrise
in Erwägung zieht, dauern diese Bestrebungen an.
Zweitens konnten wir maßgebliche Unterstützung seitens
der Sowjetunion feststellen. Wir haben diesen Konflikt
als die erste wirkliche Krise in der Zeit nach dem kalten
Krieg bezeichnet. Der positive Ansatz der Sowjetunion

Seite 1

�rechtfertigt diese Bezeichnung. In ihrer gemeinsamen
Erklärung von Helsinki stellten die Präsidenten Bush
und Gorbatschow fest: "Wir sind einhellig der Überzeugung, daß die irakische Aggression nicht toleriert
werden darf. Eine friedliche internationale Ordnung ist
unmöglich, wenn größere Staaten sich ihre kleineren
Nachbarländer einverleiben können."

nationalen Streitmacht nach Saudi-Arabien entsandt
und gewähren den amerikanischen Streitkräften Zugang zu ihren Einrichtungen und Dienstleistungen.
Unterstützungsleistungen des Aufnahmestaats für
unsere dort stationierten Streitkräfte umfassen kostenlose Benutzung der Häfen, logistischen Einrichtungen, Stützpunkte und Treibstoff.

Seitdem bin ich mehrfach in Moskau und New York mit
Außenminister Schewardnadse zusammengetroffen
und habe häufig mit ihm telephoniert. Die Sowjets
unterstützen die Ziele der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats weiterhin.

Großbritannien hat über 6 000 Kampftruppen, 50
Flugzeuge und 12 Kriegsschiffe stationiert.

Von Anfang an haben wir drittens der Tatsache Rechnung getragen, daß die Aufrechterhaltung einer solchen beispiellosen internationalen Koalition besonderer Bemühungen bedarf. Die Vereinigten Staaten
konnten - und mußten - eine Führungsrolle übernehmen, aber wir sollten die Verantwortung nicht alleine
tragen. Das Prinzip der geteilten Verantwortung mußte
gewahrt werden.

Japan hat 4 Milliarden Dollar angeboten: 2 Milliarden
Dollar als Unterstützung der Militäroperationen plus 2
Milliarden Dollar an Wirtschaftshilfe. Wir hoffen, daß
diese Verpflichtung unverzüglich und in direkt einsetzbarer Form erfolgt.

Wir müssen uns der militärischen Bedrohung gemeinsam stellen. Aber wir müssen auch gemeinsam handeln, um die zahlreichen Nationen zu unterstützen, die
das Wirtschaftsembargo einhalten oder Streitkräfte
zur Verteidigung Saudi-Arabiens entsenden. Wegen
der Ausplünderung Kuwaits durch den Irak werden
immer noch Hunderttausende arbeitslos, was auf Kosten
der Ressourcen der Nachbarländer und der labilen
Volkswirtschaften ihrer Heimatländer geht.
Unmittelbar nach der Anhörung vor diesem Ausschuß
im vergangenen Monat habe ich im Auftrag des Präsidenten unsere wichtigsten Verbündeten und Partner
auf der arabischen Halbinsel, in der Europäischen
Gemeinschaft, Italien und Deutschland besucht, um
die Teilung der Verantwortung in die Praxis umzusetzen. Der Finanzminister reiste in derselben Mission
nach London, Paris, Tokio und Seoul. Dank dieser
geteilten Verantwortung konnten Ressourcen im Wert
von 20 Milliarden Dollar bereitgestellt werden, die
gleichmäßig zwischen Unterstützung für die Frontstaaten Ägypten, Türkei und Jordanien sowie die
multinationalen Militäroperationen aufgeteilt wurden.
Dies beinhaltet auch einen beachtlichen Teil unserer
gestiegenen Verteidigungsausgaben, die sich heute
auf rund 1 Milliarde Dollar pro Monat belaufen.
Ich möchte die Ergebnisse unserer anhaltenden
Bemühungen folgendermaßen beschreiben:
54 Nationen haben Militär-und/oder Wirtschaftshilfe
zur Bewältigung der Golfkrise geleistet oder angeboten.
Die drei Golfstaaten Saudi-Arabien, Kuwait und die
Vereinigten Arabischen Emirate haben vereinbart, im
Jahr 1990 über 12 Milliarden Dollar für diese Bestrebungen bereitzustellen. Alle Staaten des Golf-Kooperationsrats haben Truppen zur Verstärkung der multiSeite 2

Frankreich hat über 4 000 Kampftruppen, 30 Flugzeuge und 12 Kriegsschiffe entsandt.

Deutschland hat sich zur Zahlung von 2 Milliarden
Dollar verpflichtet: 1 Milliarde Dollar als Unterstützung
der Militäroperationen und 1 Milliarde Dollar an Wirtschaftshilfe.
Die Europäische Gemeinschaft hat sich zur Bereitstellung von 670 Millionen Dollar an Wirtschaftshilfe verpflichtet. Hinzu kommen weitere Zahlungen der Mitgliedstaaten in Höhe von 1,3 Milliarden Dollar.
Italien hat 4 Kriegsschiffe und 8 Flugzeuge disloziert.
Korea hat sich zur Zahlung von 220 Millionen Dollar
verpflichtet: 95 Millionen Dollar als Unterstützung der
Militäroperationen und 125 Millionen Dollar an Wirtschaftshilfe.
Zur Koordinierung rechtzeitiger und wirksamer Wirtschaftshilfe an die Frontstaaten hat der Präsident am
25. September 1990 die Finanzkoordinierungsgruppe
initiiert. Diese Gruppe vereinigt die Hauptgeberländer
Europas, Asiens und der Golfregion unter amerikanischem Vorsitz, während IWF und Weltbank technische Unterstützung beisteuern. Wir sehen sie als
wichtiges Instrument zur Aufrechterhaltung der internationalen Koalition.
Der deutlichste Beweis für das Engagement der Vereinigten Staaten zur Unterstützung der wirtschaftlichen Stabilität unserer Verbündeten in der Krisenregion ist der Vorschlag des Präsidenten, Ägyptens
durch den Erwerb von Waffensystemen der Vereinigten Staaten aufgelaufene Schulden zu erlassen. Kein
anderes Signal könnte unseren Freunden in der Region so deutlich vermitteln, daß wir ihnen selbst bei den
schwierigsten Problemen entschlossen zur Seite stehen. Die Ermordung des ägyptischen Parlamentssprechers am 11. Oktober führt uns in tragischer
Weise vor Augen, wie weit Ägyptens Feinde bereit sind
zu gehen, um Präsident Mubarak von seinem verantwortungsbewußten und mutigen Kurs abzubringen.
Die entschlossene Unterstützung des Kongresses zum
Schuldenerlaß für Ägypten wäre eine entscheidende
AMERIKA DIENST 42

�wirtschaftliche Erleichterung für Ägypten sowie ein
starkes und angebrachtes Signal, daß die Vereinigten
Staaten ihren Freunden zur Seite stehen.
Herr Vorsitzender, der Irak ist politisch und wirtschaftlich isoliert. Die Kosten und Verantwortung für die
Durchsetzung seiner Isolation sind unter allen Nationen der Welt gerecht verteilt. Im Hinblick auf die
Wirtschaft gibt es nur wenige undichte Stellen. Die
irakische Wirtschaft wird schwer leiden, und auch die
irakische Kriegsmaschinerie wird betroffen sein.
Der militärische Aspekt
Die Erörterung der diplomatischen und Wirtschaftssanktionen sollte uns jedoch nicht blind für einen
anderen wesentlichen Aspekt unserer Politik machen:
den Militäraufmarsch am Golf. Ich habe Ihnen gerade
die von unseren Verbündeten geleisteten Beiträge
einschließlich Kampfeinheiten, Flugzeugen und Kriegsschiffen aufgezählt. Darüber hinaus entsenden die
arabischen Staaten Ägypten und Syrien größere Einheiten. Inzwischen sind viele tausend arabische und
moslemische Soldaten zur Verstärkung der multinationalen Streitmacht in und um Saudi-Arabien stationiert.
Und natürlich ist eine große Zahl amerikanischer
Marineinfanteristen, Soldaten, Matrosen und Flieger
bereits vor Ort. Insgesamt entsenden über 25 Nationen Truppen oder Material zur Unterstützung der
Resolutionen des Sicherheitsrats.
Unser militärisches Ziel ist die Abschreckung eines
irakischen Angriffs auf Saudi-Arabien und die Gewährleistung der wirksamen Durchsetzung der UN-Sanktionen. Wirtschaftssanktionen gegen einen Aggressor
wie Saddam Hussein wären unwirksam, wenn die
internationale Staatengemeinschaft nicht zur Sicherheit von Nationen wie Saudi-Arabien und der Türkei
beitragen würde, die diese Sanktionen anwenden
müssen. Unsere Streitkräfte sind dort auch stationiert,
um das Leben amerikanischer Staatsbürger zu schützen und wirksam und entschlossen zu reagieren, sollte
der Irak seine Aggression zu offenen Kampfhandlungen mit der multinationalen Streitmacht eskalieren
lassen.
Saddam Hussein muß sich bewußt sein, daß es ihm
nicht nur an der politischen und wirtschaftlichen Option
mangelt, Kuwait zu halten, sondern auch an der militärischen Option, mit seiner Aggression Erfolg zu haben.
Die politischen, wirtschaftlichen und militärischen
Aspekte unserer Strategie ergänzen und verstärken
einander.
Der Zeitfaktor
Während unsere Strategie Wirkung zeigt, sehen wir
uns mit einer schwierigen Aufgabe konfrontiert. Wir
müssen unerschütterlich zu unseren gesteckten Zielen und unserer Konzentration auf die ruchlose Aggression des Irak stehen. Wir müssen uns in Geduld

AMERIKA DIENST 42

fassen, während die Sanktionen gegen Irak immer
stärker spürbar werden.
Einige drängen auf Aktionen um der Aktion willen.
Aber die einzig wirksam Maßnahme, die wir jetzt
ergreifen können, ist die politische, wirtschaftliche und
militärische Isolation des Irak zu verschärfen. In
Washington, New York und in der Region setzen wir
jeden Tag unsere Suche nach einer friedlichen Lösung
fort.
Aktionen, die zu einer Teillösung führen, wären Augenwischerei.
Und falls irgendwelche Zweifel an den verheerenden
Konsequenzen einer Teillösung bestehen sollten, rate
ich, sich einmal genauer zu betrachten, was Saddam
Hussein dem kuwaitischen Volk antut. Da Saddam
Hussein die wahre Geschichte über Kuwait verschweigt,
kann diese Geschichte garnicht oft genug erzählt
werden. Ich möchte in diesem Zusammenhang die
Bemühungen des Kongresses lobend erwähnen,
Augenzeugenberichte über die stattfindenden Greueltaten einzuholen.
Es ist eine Vergewaltigung Kuwaits. Krankenhäuser
wurden unter Mißachtung der Kranken geplündert.
Eltern wurden vor den Augen ihrer Kinder gefoltert und
exekutiert. Kinder wurden vor den Augen ihrer Eltern
gefoltert und exekutiert. Selbst nach der militärischen
Eroberung hat Saddam dem kuwaitischen Volk weiter
den Krieg erklärt.
Um es ganz offen zu sagen: Saddam Hussein ist aus
reiner Selbstverherrlichung in ein friedliches arabisches Nachbarland einmarschiert und hat dessen
Bevölkerung gefoltert. Er vergewaltigt Kuwait nicht um
der Sache der Palästinenser willen.
Wir dürfen nicht zulassen, daß dieses gewalttätige
Vorgehen zum Zukunftstrend im Nahen Osten wird.
Saddam Hussein muß scheitern, wenn Frieden Erfolg
haben soll. Die Aussichten für einen gerechten und
dauerhaften Frieden zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn werden zunichte gemacht, wenn er
an der Macht bleibt.
Es ist an der Zeit, ein für allemal die Beziehung
zwischen Saddams Aggression gegenüber Kuwait und
anderen Konflikten und Problemen in der Region klarzustellen. Mit anderen Worten: Zieht irgend jemand
ernsthaft in Erwägung, daß die Aussichten für Frieden
zwischen Israel und den Palästinensern besser werden, wenn dieser Aggression Erfolg beschieden ist?
Kann irgend jemand ernstlich der Überzeugung sein,
daß es leichter wäre, chemische, biologische oder
Nuklearwaffen aus der Region zu verbannen, wenn
der Irak diese Machtprobe mit der internationalen
Staatengemeinschaft gewinnt?
Natürlich nicht.

Seite 3

�Jede Hoffnung auf Frieden in dieser von Konflikten
erschütterten Region hängt davon ab, Iraks Aggression Einhalt zu gebieten und seine Fähigkeit zu künftiger Aggression zu entschärfen.

konzertierte diplomatische Maßnahmen zur Isolierung
des Irak eingesetzt hat. Der Präsident hat zur Geduld
geraten, während das Embargo den Irak immer mehr
einschnürt und die diplomatische Offensive das Land
isoliert.

Bekämpfung der Aggression
Lassen Sie mich rekapitulieren.
Seit unserem letzten Zusammentreffen hat sich eine
große Koalition von Nationen versammelt, um den Irak
und seinen Diktator zu isolieren. Wo Saddam Hussein
vor seiner Aggression noch Gleichgesinnte fand, trifft
er heute keine mehr an. Wo die irakische Wirtschaft
vor der Invasion noch bedeutende internationale Verbindungen hatte, bestehen heute keine mehr. Und wo
einstmals Aussichten für eine erfolgreiche irakische
Aggression gegen Saudi-Arabien bestanden, gibt es
heute keine mehr.
Einigkeit ist nach wie vor unabdingbar. Meines Erachtens wären wir nicht so weit gekommen, wenn nicht die
Mehrheit der Nationen mit Präsident Bush übereingestimmt hätte, daß wir alle Interesse an einer Welt
haben, in der Konflikte friedlich beigelegt werden. Und
daß in politischen, wirtschaftlichen und militärischen
Begriffen wiedergespiegelte Einigkeit nach wie vor die
beste Hoffnung für eine friedliche Lösung auch dieses
Konflikts ist.
Herr Vorsitzender, es ist erfreulich, daß die große
Mehrheit der Amerikaner bei der Unterstützung unserer Ziele und unserer Strategie am Persischen Golf
hinter dem Präsidenten gestanden hat. In der Tat
stand praktisch die ganze Welt hinter ihm. Saddam
Hussein darf die Region nicht ruinieren. Er darf diese
Zeit der Hoffnung der Welt auf eine sicherere und
wohlhabendere Zukunft nicht zunichte machen. Es
gibt eine Moral unter den Nationen, und diese Moral
muß aufrechterhalten werden.
(Ende der Rede von Außenminister Baker)
Erklärung des demokratischen Senators Claiborne Pell aus Rhode Island
Herr Minister, wir begrüßen Sie herzlich und gratulieren Ihnen zu Ihrer hervorragenden Arbeit, multilaterale
Unterstützung einer energischen Haltung gegen die
irakische Aggression zu gewinnen. Unser Land und
der Kongreß unterstützen die bis heute von der Administration getroffenen Maßnahmen gegen die irakische Besetzung Kuwaits.

Ich gehe davon aus, daß diese Maßnahmen gepaart
mit Geduld sehr wahrscheinlich unsere Ziele erreichen
werden, und ich applaudiere dem Präsidenten, weil er
dem Rat derjenigen widerstanden hat, die eine einseitige Militäraktion befürworten. Am Persischen Golf
besteht eine gefährliche Lage, und selbstverständlich
können militärische Maßnahmen gegen den Irak nicht
ausgeschlossen werden.
Falls ein militärisches Eingreifen notwendig werden
sollte, so sollte der Präsident meines Erachtens in
einem multilateralen Kontext und im Rahmen eines
UN-Mandats handeln. Der UNO-Ansatz ist bis heute
erfolgreich gewesen, und wir sollten diesen Kurs bei
allen künftigen Schritten, einschließlich militärischer,
beibehalten.
Darüber hinaus sollte ein formeller Mechanismus für
Konsultationen mit dem Kongreß für den Fall entwickelt werden, daß militärische Optionen erwogen werden. Es liegt im Interesse der Administration, daß der
Kongreß die Verantwortung teilt, wenn das Land in
einen Krieg eintritt. Wenn es eine eindeutige Lehre aus
dem Vietnamkrieg gibt, dann die, daß die Unterstützung des amerikanischen Volkes, die von dessen
Vertretern im Kongreß bekundet wird, lebenswichtig
ist. Noch grundlegender ist die Tatsache, daß die
Teilung von Verantwortung den Absichten unserer
Gründerväter entspricht, und wir sollten diesen Absichten gegenüber loyal sein.
Abschließend möchte ich die Administration auffordern, eine Untersuchung von Politik und Maßnahmen
der Vereinigten Staaten vor der Aggression Saddam
Husseins durchzuführen. Wir alle wissen, daß der
Senat in den zwei Jahren vor dem Einmarsch in Kuwait
bei vier Gelegenheiten Gesetzentwürfe verabschiedet
hat, mit denen Sanktionen gegen den Irak aufgrund
seiner wiederholten Verletzungen des Völkerrechts,
darunter der Einsatz von Giftgas gegen eigene Staatsbürger, verhängt wurden. Leider wurden diese Sanktionen von den Administrationen Reagan und Bush
erfolgreich abgewiesen, ohne daß dies zu einer Besserung im Verhalten des Irak geführt hätte.

Ich habe diese Anhörung angesetzt, weil viele Amerikaner besorgt sind - und wir teilen diese Sorge -, daß
wir in Kürze in einen Krieg am Persischen Golf verwikkelt werden. Wir sollten uns klarmachen, daß ein Krieg
mit dem Irak den Tod Tausender Amerikaner und
Militärausgaben in Milliardenhöhe verursachen würde.

Ich erwähne dieses Thema nicht etwa, um voreilige
Schuldzuweisungen vorzunehmen, sondern weil ich
der Meinung bin, daß die Administration profitieren
könnte, wenn sie ermitteln würde, warum die Politik
des business as usual mit dem Irak fehlgeschlagen ist.
Antworten auf diese Frage könnten dazu beitragen,
daß Fehler der Vergangenheit nicht wiederholt werden.

Bis heute hat Präsident Bush einen beständigen Kurs
gesteuert, indem er harte Wirtschaftssanktionen und

Dies sind gefährliche Zeiten, Herr Minister, und wir, der
Präsident und der Kongreß müssen zusammenarbei-

Seite 4

AMERIKA DIENST 42

�ten, um einen überparteilichen Konsens hervorzubringen, der die Krise zu einem erfolgreichen Ende bringt.
Senator Helms: Herr Minister, ich habe hier ein
historisches Dokument. Es handelt sich um das Protokoll der Anhörung zur Nominierung von James A.
Baker III vom 17. Januar 1989. Sie mögen sich
vielleicht erinnern, daß ich damals ein Thema anschnitt, das ich heute erneut aufgreifen möchte.

vielleicht die Unverfrorenheit - besessen, chemische
Waffen gegen seine eigenen Staatsbürger einzusetzen, in Kuwait einzumarschieren und die Greueltaten
zu begehen, über die wir alle sprechen und laut lamentieren.

Der Senat hat zweimal - das eine Mal mit 92:0 Stimmen
- Gesetzentwürfe verabschiedet, um harte Sanktionen
gegen ausländische Firmen zu verhängen, die solche
Geschäfte machen. Ich habe Ihr Schreiben erhalten,
An jenem Tag erklärte ich: "Herr Minister, werden Sie in dem Sie andeuteten, sie würden dem Präsidenten
dem Ausschu ß erklären - und ich wei ß, sie werden dies empfehlen, sein Veto gegen dieses Gesetz einzulegerne tun -, ob Sie auch der Meinung sind, daß diese gen. Also, Herr Minister, falls dies wirklich geschieht,
Firmen tatsächlich an den Chemiewaffenprogrammen welches Signal senden wir dann all diesen Firmen, die
Libyens oder des Irak beteiligt waren?"
erwägen, dem Irak zu helfen, wenn die Administration
damit droht, gegen harte Gesetze zu Chemiewaffen ihr
Nun, dieses Thema ist irgendwie in Vergessenheit
Veto einzulegen?
geraten, und es gab da ein hin und her. Aber, Herr
Minister, hier habe ich wieder eine Liste ausländischer
Baker: Senator Helms, von wann datiert dieses
Firmen, die als Helfer Saddam Husseins bei der ErlanSchreiben, und über welchen Gesetzentwurf genau
gung der Fähigkeit identifiziert wurden, unsere Trupsprechen Sie, denn es gibt ja drei Gesetzentwürfe?
pen am Persischen Golf mit Giftgas zu bedrohen. Dies
bleibt für mich ein äußerst wichtiges Anliegen. Ich Helms: Nun, es traf gestern ein, am 16. Oktober.
nenne sie Saddams "Fremdenlegion", und eine ähnliDarin heißt es: "Lieber Jesse, Sie und Ihre Kollegen
che Liste wurde unlängst vom Wiesenthal-Zentrum werden sich in Kürze mit unterschiedlichen Gesetzentveröffentlicht.
würfen des Senats und des Repräsentantenhauses zu
Sanktionen in Zusammenhang mit dem ExportkonNun hat der Präsident am Montag vorgeschlagen, man trollgesetz befassen. Ich möchte diese Gelegenheit
solle die irakische Führung vor ein Kriegsverbrecher- ergreifen, um Ihnen unmittelbar die Haltung der Admitribunal vergleichbar den Nürnberger Prozessen stelnistration zu diesen Vorlagen mitzuteilen. Wir haben
len. Das ist eine gute Idee. Ich möchte dazu aber noch
Ihrem Stab detaillierte Kommentare zu den Unterausführen, daß bei den Nürnberger Prozessen - ich bin schieden zwischen beiden Vorlagen zukommen lasja alt genug, um mich daran erinnern zu können - au ßer sen."
hochrangigen Nazis auch Unternehmer abgeurteilt
wurden, die den Nazis halfen.
Baker: Natürlich habe ich dieses Schreiben unterzeichnet, aber ich möchte doch feststellen, daß ich
Es erhebt sich also die Frage, ob es bei der Forderung mich nicht an jeden einzelnen Satz darin erinnern
nach einem Kriegsverbrechertribunal, das sich mit den kann, aber wir unterstützen die Vorlage des RepräsenGreueltaten des Irak befaßt, der Absicht des Präsiden- tantenhauses zu diesem Zweck, und wir unterstützen
ten entspricht, daß wie bei den Nürnberger Prozessen die Vorlage des Senats nicht.
auch Unternehmer zur Rechenschaft gezogen würden, die den Irak beliefert haben?
Helms: Erklären Sie mir, warum.
Baker: Herr Senator, dies würde meines Erachtens
voll und ganz davon abhängen, inwieweit sich diese
Firmen unter bestimmten Umständen bewu ßt schuldig
gemacht haben. Ich kann Ihnen darauf keine allgemeingültige Antwort geben. Ich glaube, niemand kann
das.
Helms: Nun, ich denke doch, daß man das in Anbetracht der Beweise könnte, Herr Minister. Es entspricht doch den Tatsachen, daß ihnen das von unserem Land immer wieder zur Kenntnis gebracht wurde,
daß sie dem Irak tödliche Waren lieferten. Und irgendwann müssen wir doch bei diesem Thema einmal ernst
machen und entscheiden, ob wir meinen, was wir
sagen.
Ohne die Hilfe dieser ausländischen Firmen hätte
Saddam Hussein jedenfalls kaum die Mittel und den
Mut, wenn Sie dies so nennen möchten - besser wäre

AMERIKA DIENST 42

Baker: Weil sie dem Präsidenten der Vereinigten
Staaten überhaupt keinen Spielraum einräumt, um
bestimmte Tatsachen und Umstände zu würdigen, die
im Einzelfall eine Rolle spielen könnten. Wir unterstützen seit geraumer Zeit, schon seit vor der Golfkrise,
das vom Repräsentantenhaus letzten Sommer verabschiedete überparteiliche Sanktionsgesetz. Es ist also
meines Erachtens nicht korrekt zu behaupten, wir
seien gegen Sanktionsgesetze - das trifft nicht zu. Wir
unterstützen den Gesetzentwurf des Repräsentantenhauses. Wir meinen, daß es der bessere Entwurf ist.
Es ist also nicht so, daß wir überhaupt gegen ein
solches Gesetz sind, sondern wir sind für einen Gesetzentwurf, den wir für besser halten als den, der von
diesem Gremium verabschiedet wurde.
Helms: Ich möchte mit Ihnen keine Debatte über
dieses Thema beginnen, aber wir beschäftigen uns

Seite 5

�seit langer Zeit damit, und alles, was wir vom Außenministerium zu dem Gesetzentwurf des Vorsitzenden
und zu meinem Entwurf gehört haben, war Ablehnung
- mir sind keine Vorschläge zu deren Abmilderung oder
Modifizierung bekannt.
Baker: Eines der Probleme, die wir mit den hier in den
Vereinigten Staaten in der Vergangenheit eingebrachten Gesetzentwürfen hatten, ist deren Einseitigkeit in
Umfang und Wirkung. Sanktionen funktionieren nicht,
wenn man nicht ein relativ hohes Maß an Beteiligung
von Ländern in der ganzen Welt bekommt. Wenn wir
nämlich Exporte amerikanischer Firmen untersagen,
werden die Leute woanders hingehen und das Material
von anderen erwerben. Das ist ein Grund, warum wir
die heutigen Anstrengungen in der Golfregion als so
erfolgreich erachten, weil wir nämlich dafür eine solch
breite Unterstützung erhalten. Wir werden also Sanktionsgesetze unterstützen, die unserer Meinung nach
angemessen und vernünftig sind.
Helms: Noch einmal, Herr Minister, ich möchte nicht
mit Ihnen debattieren. Sie sprechen von Sanktionen
gegen Länder, ich spreche von Sanktionen gegen
Firmen. Und darin liegt ein Unterschied. Nun, die
Länder, Deutschland zum Beispiel, sagten: "Potzblitz,
davon haben wir gar nichts gewu ßt", und sie zögerten,
weil diese Finnen enorme Summen für politische Zwecke
spendeten, nehme ich an. Vielleicht hatten sie eine
Lobby oder so etwas. Und sie haben nichts unternommen, bis sie gedrängt und gedrängt und gedrängt
wurden, und dann fanden sie heraus: Oh ja, sie haben
es getan. Ich spreche von Firmen, Sie sprechen von
Ländern.
Baker: Nein, ich sprach von beiden, und ich sage, daß
wir umfassende internationale Bemühungen benötigen . Wir brauchen alle Länder, die daran beteiligt sind.
Und meines Erachtens bietet sich uns nach den Ereignissen in Kuwait eine hervorragende Gelegenheit für
eine multilaterale Initiative, die wirklich effektiv sein
könnte. Das ist alles, was ich sage.
Senator Biden: Ich möchte Sie aus einem anderen
Blickwinkel fragen, obwohl es vielleicht dasselbe ist,
was mein Kollege aus North Carolina sagt. Und das ist
die Idee, alle Länder in der Region dazu zu bringen, ein
Nichtverbreitungsabkommen zu unterzeichnen, das
alles von Ihnen genannte umfaßt. Wie steht es jedoch
mit der Idee, die Länder, mit denen wir es zu tun haben,
zu einer Unterzeichnung zu bewegen. Vergessen Sie
eine Unterzeichnung durch die Staaten in der Region...
Baker: Absolut.
Biden: Und wie steht es um die Möglichkeit, unseren
europäischen Freunden und unseren neuen sowjetischen Kollaborateuren - um einen Begriff aus der
Vergangenheit einmal positiv zu verwenden - zu sagen, sie sollten sich daran beteiligen in der Hoffnung,
daß eines Tages sogar die Chinapolitik irgendwelche

Seite 6

Erfolge zeitigen wird, was den Nachschub angeht?
Ich meine, was geschieht in diesem Bereich? Welche
Art von Kooperation bekommen wir? Finden diese
Diskussionen bereits statt? Setzen wir uns mit den
Deutschen zusammen und sagen: "Nicht noch einmal, wenn Ihr das tut, dann werdet Ihr große Probleme
haben, wenn Ihr irgendwelchen Firmen erlaubt..."?
Baker: Was ich gerade zur Beantwortung der Frage
von Senator Helms erklärte, ist nicht auf Bemühungen
der Länder in der Region begrenzt. Wovon ich rede
und was wir ernsthaft in Erwägung ziehen sollten, sind
umfassende Bemühungen zur Nichtverbreitung in der
Region, die so viele Länder einbeziehen würden, wie
möglich.
Und nach all dem, was dort geschehen ist und wenn
man sich das Mißverhältnis zwischen der Militärmacht
des Irak und der anderen Staaten der Region betrachtet und die Art, wie diese Macht eingesetzt wurde und
die Massenvernichtungswaffen, die dort angehäuft
wurden, so sollte dies eine Grundlage für ernsthafte
Fortschritte sein. Dies wäre jedoch nicht auf die
Länder in der Region begrenzt.
Biden: Herr Minister, worauf ich eigentlich hinauswill,
ist die Frage, welche Verhandlungen zwischen den
Vereinigten Staaten und Deutschland stattfinden, um
zu sagen: "Ob irgendjemand unterschreibt oder nicht,
Deutschland, sind wir uns einig? Keine Chemiewaffentechnologie mehr in diese Region, Punkt. Sind wir
uns darüber einig, Deutschland?"
Und dann wenden wir uns an die Franzosen. "Keine
Raketentechnologie mehr" - nehmen wir einmal an, sie
liefern sie in die Region -, "sind wir uns einig?" Ich

frage dies, Herr Minister, weil jeder hier behauptet:
Natürlich darf Saddam Hussein nicht von dieser Aggression profitieren." So weit, so gut.
Dann sagt jeder: "Und wenn dies vorbei ist, darf
Saddam Hussein nicht mehr in der Lage sein, weiterhin
die Region einschüchtern zu können, ob er sich nun
zurückzieht oder nicht."
Und daraus ergeben sich meines Erachtens drei

Möglichkeiten. Korrigieren Sie mich, wenn ich mich
irre. Erstens, Saddam Hussein rüstet einseitig ab - er
zieht sich zurück und rüstet einseitig ab. Nummer eins.
Zweitens, die Vereinigten Staaten - hoffentlich zusammen mit anderen, wenn dies geschieht -, die Vereinigten Staaten marschieren mit 250 000 Soldaten in der
Region dort ein, um den Ausdruck zu benutzen, der
heutzutage in dieser Stadt so leichthin gebraucht wird
- pusten Saddam Hussein weg und stürzen ihn, demontieren seine Streitkräfte und alles wird gut sein au ßer, daß wir meines Erachtens für den Rest unseres
Lebens dort bleiben werden. Drittens gibt es die
Möglichkeit, daß das Embargo bei Saddam Husseein
Wirkung zeigt. Er zieht sich zurück, und dann wird ein
neues Embargo gegen ihn verhängt, daß es ihm
AMERIKA DIENST 42

�unmöglich macht, Streitkräfte in diesem Umfang aufrechtzuerhalten, weil er keine Unterstützung mehr von
außen bekommt.
Meine Frage lautet also im Hinblick auf die dritte
Möglichkeit, wie ich sie sehe - vielleicht bin ich der
einzige, der dies so betrachtet -, welche Verhan dlungsbemühungen finden gegenwärtig mit den Lieferstaaten statt, um a) die Lieferungen sofort einzustellen und
b) die Verpflichtung zu erhalten, daß in Zukunft keinerlei Technologie oder Waffen - konventioneller oder
anderer Art - geliefert werden?
Baker: Ich möchte darauf mit der Feststellung antworten, daß es schon seit langem viele Diskussionen über
die sofortige Einstellung aller Waffenlieferungen an
den Irak gibt. Und es gibt keine Waffen, es gibt keine
Ersatzteile, kein Gerät - nichts dieser Art wird dorthin
geliefert, außer vielleicht durch einige sehr winzige
Schlupflöcher. Diese Diskussionen waren, wie ich
bereits in meiner einleitenden Erklärung festgestellt
habe, sehr erfolgreich in dem Sinn, daß wir einen

*

AMERIKA DIENST 42

weltweiten Konsens in dieser Frage haben.
Wie Sie wissen, finden gegenwärtig in Genf Gespräche statt, bei denen erhebliche Fortschritte auf dem
Weg zu einem weltweiten Verbot chemischer Waffen
erzielt werden, hauptsächlich aufgrund der Tatsache,
daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion in der
Lage waren, sich auf einen Ansatz zu einigen, der uns
eine relistische Chance gibt, auch zahlreiche andere
Länder zu beteiligen. Diese Gespräche dauern an.
Sie haben einen Punkt erwähnt, der besprochen worden ist, Senator Biden, und das ist die Idee, daß selbst
nach einem Abzug - wenn man davon ausgeht, daß
dieser Abzug ohne die Zerstörung der un verhältnismäßigen militärischen Fähigkeiten des Irak erfolgt - die
Aufrechterhaltung eines internationalen Waffenembargos gegen ein Land erwogen werden sollte, das
eine solch unverhältnismäßige Macht in der Region
besitzt und die Bereitschaft gezeigt hat, sie zu benutzen, darunter Massenvernichtungswaffen. Es hat
einige informelle Gespräche in diese Richtung gegeben.

* * *

*

Seite 7

�GOLFKRISE
24. Oktober 1990

INTERNATIONALE REAKTIONEN AUF DIE
IRAKISCHE INVASION KUWAITS
Übersicht über wirtschaftliche und politische Maßnahmen
Die nachfolgende Übersicht über die von der internationalen Staatengemeinschaft als Reaktion auf die Invasion
des Iraks in Kuwait ergriffenen Maßnahmen stützt sich auf am 23. Oktober 1990 verfügbare Informationen und
ist gegebenenfalls unvollständig.

NATO
Die 16 Bündnispartner nehmen unmittelbar nach der
irakischen Invasion Kuwaits weiterhin andauernde
Konsultationen auf. Die Au ßenminister treffen am 10.
August 1990 im NATO-Hauptquartier zusammen, um

die Reaktion der Bündnispartner auf die Krise zu
erörtern und die Verpflichtung der NATO zur Verteidigung der Türkei im Falle eines Angriffs durch den Irak
zu bekräftigen. Die wichtigsten Ausschüsse der NATO
kommen weiterhin regelmäßig - zum Teil täglich zusammen, um Maßnahmen zu koordinieren und Informationen sowie nachrichtendienstliche Erkenntnisse auszutauschen. Die Außenminister der NATOPartner kommen am 10. September 1990 zusammen,
um die Koordinierung zu intensivieren.
NATO-Mitgliedstaaten
Belgien
Ölembargo, Einfrieren der irakischen und kuwaitischen
Vermögenswerte. Entsendung von zwei Minensuchbooten und einem Versorgungsschiff in den Golf von
Oman. Zwei C-130 wurden für den Heimflug ägyptischer Flüchtlinge aus Kuwait zur Verfügung gestellt,
eine Fregatte wird zur Begleitung und zum Schutz von
Schiffen, die eine Durchsetzung des Embargos gewährleisten, zum Golf entsandt. Weitere vier C-130
werden den WEU-Ländern zur Verfügung gestellt.
Bundesrepublik Deutschland
Setzt das Embargo des UN-Sicherheitsrats unverzüglich in Kraft und friert irakische Vermögenswerte ein.
Entsendung von Minensuchbooten und einem Versor-

AMERIKA DIENST 42

gungsschiff zum Schutz der Seewege und um die
Verlegung von Schiffen der NATO für den Einsatz im
Golf zu ermöglichen, ins östliche Mittelmeer. Genehmigt die Nutzung von amerikanischen Stützpunkten in
Deutschland zur Unterstützung der Golfmission und
beschleunigt die Abwicklung von Überfluganträgen.
Am 16. August 1990 stellt die Bundespost den Briefund Paketverkehr mit dem Irak und Kuwait ein. ölembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte. An
Hilfsleistungen fürdie Flüchtlinge in Jordanien stellt die
Bundesrepublik zunächst 4,5 Tonnen Nahrungsmittel,
Zelte und Krankenwagen sowie zwei Charterflugzeuge für den Rückflug von Ägyptern aus Jordanien bereit.
Leistet Zahlungen in Höhe von 187 Millionen Dollar an
den EG-Fonds für die Golfkrise. Verpflichtet sich zur
Zahlung weiterer 2,2 Milliarden Dollar an zusätzlichen
Hilfsleistungen, die folgendermaßen aufgeschlüsselt
werden: Militärisches Gerät im Wert von 1,1 Milliarden
Dollar, das den Streitkräften am Golf zur Verfügung
gestellt werden kann, zusätzliche Hilfsleistungen in
Höhe von 835 Millionen Dollar an die Frontstaaten
sowie 275 Millionen fürdie Verlegung von Streitkräften
und Gerät. Im Rahmen der militärischen Unterstützung hat die Bundesrepublik für die unverzügliche
Abwicklung von Anfragen der Vereinigten Staaten
nach Gerät gesorgt. Auf Kosten der Bundesrepublik
werden 60 Fuchs-Fahrzeuge zum Aufspüren von Giftgas aus den Beständen der Bundeswehr abgezogen
und zum Einsatz in der Golfregion modernisiert und
umgerüstet. Darüber hinaus stellt sie Ausbildung und
logistisches Material zur Verfügung und übernimmt die
Kosten. Die Kosten für dieses gesamte Paket "Fuchs"
belaufen sich auf schätzungsweise 100 Million Dollar.

Seite 1

�Dänemark

Griechenland

Die Korvette "Olfert Fischer" ist im Golf eingetroffen.
Die Kosten der Operation belaufen sich bis Ende 1990
auf schätzungsweise 22,5 Millionen Kronen (1 Dollar
entspricht 5,74 Kronen). Das Parlament hat 7 Millionen Kronen als Anschubf inanzierung für ein Lazarettschiff bewilligt, das gegebenenfalls im Golf eingesetzt
werden soll. Die dänische Regierung trägt 4 Millionen
Dollar zur Unterstützung von Flüchtlingen aus dem
Irak und Kuwait bei. Erlaubt die Nutzung seiner
Handelsschiffe im Golf als Versorgungsschiffe der
multinationalen Streitmacht in Saudi-Arabien. Die
Regierung stellt darüber hinaus Seetransportdienste
zur Verlegung von ägyptischen Truppen und Material
an den Golf zur Verfügung. Dänemark hat ferner seine
Bereitschaft zur Teilnahme an einer eventuellen UNFriedensmission im Golf erklärt. Hat positiv auf die
Bitte reagiert, ABC-Schutzanzüge an die saudiarabische Regierung zu liefern. Will darüber hinaus Lücken
in der NATO-Verteidigung schließen, die sich aus der
Verlegung von Gerät der Bündnispartner an den Golf
ergeben könnten, insbesondere der Seestreitkräfte.
Unterstützt Sanktionen der EG gegen den Irak und das
UN-Ölembargo.

Entsendung einer Fregatte ins Rote Meer. Unbürokratische Bereitstellung von drei unter griechischer Flagge fahrenden Schiffen für militärische Transporte.
Ölembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte, Überflugerlaubnis für Militärflugzeuge der Vereinigten Staaten und verbündeter Länder auf dem Weg zum
Golf. Uneingeschränkte Zusammenarbeit bei Zwischenlandungen und Auftanken von Flugzeugen.
Bereitstellung der Hafenanlagen für verbündete Seestreitkräfte.

Frankreich
Die französische mit Hubschraubern bestückte Korvette LA MOTTE-PIQUET ist als Ersatz für die Fregatte MONTCALM aus Brest in die Straße von Hormuz
ausgelaufen, um das internationale Embargo gegen
den Irak durchzusetzen. Voraussichtliche Ankunft der
LA MOTTE-PIQUET in der Straße von Hormuz ist der
31. Oktober 1990. Zwei WeBen Kampfflugzeuge wurden
am 14. Oktober von Toul nach Saudi-Arabien entsandt. Aufgrund des irakischen Angriffs auf die Residenz des französischen Botschafters in Kuwait gibt
Präsident Mitterand am 15. September die Entsendung von 4 000 Mann Bodentruppen nach SaudiArabien bekannt. Marineeinheiten einschließlich eines Flugzeugträgers verstärken die zwei bereits in den
Golf entsandten Kriegsschiffe. Befehl an die 3 000
Mann starken Seestreitkräfte, gegebenenfalls Gewalt
zur Durchsetzung des Embargos einzusetzen. Auf klärungstruppen des französischen Heeres sind Teil eines Truppenkontingents, das die Regierung auf die
Arabische Halbinsel verlegen wird. Nachrichtendienstliche Einheiten des Heeres sollen in die Vereinigten
Arabischen Emirate entsandt werden. Frankreich
schließt sich der UN-Resolution über wirtschaftliche
Sanktionen gegen den Irak an. ö l - und Waffenembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte, Unterbindung des Handels mit Ausnahme von Arznei- und
Nahrungsmitteln für humanitäre Zwecke. Drastische
Einschränkung der Bewegungsfreiheit einer Gruppe
irakischer Offiziere und Staatsbürger aus Sicherheitsgründen, die in Frankreich in der Bedienung von militärischem Gerät und Radaranlagen ausgebildet wurden.

Seite 2

Großbritannien
Die in den Golf entsandten britischen Landstreitkräfte
belaufen sich auf 10 - 12 000 Mann, davon sind 6 8 000 in Saudi-Arabien stationiert. Verlegung von 120
Panzern des Typs Challenger, mit Rapier-Flugabwehrraketen ausgerüsteten Einheiten, 4 Kampfschiffen mit Unterstützungseinheiten, einem Geschwader
Tornado-Abfangjäger, einem Geschwader TornadoKampfflugzeuge, einem Geschwader Jaguar-Kampfbomber, VC 10-Tankffugzeugen und Nimrod-Seeaufklärern, 2 Schiffen für den Seetransport. Bewilligt 10,8
Millionen Dollar an Flüchtlingshilfe, wovon 4,2 Millionen im Rahmen des EG-Beitrags zur Verfügung gestellt werden. Einfrieren kuwaitischer und irakischer
Vermögenswerte.

Island
Erklärung der uneingeschränkten Unterstützung der
UN-Wirtschaftssanktionen gegen den Irak. Gibt die
Bereitstellung von 2,5 Millionen Dollar an Flüchtlingshilfe bekannt, die folgendermaßen aufgeteilt werden
sollen: Isländisches Rotes Kreuz, Nahrungsmittel und
Versorgungsgüter für Flüchtlinge in Jordanien und
Ägypten, die Persischer-Golf-Mission des Roten Kreuzes auf Zypern, Flüchtlingshilfe kirchlicher Stiftungen
und noch zu benennende andere Kanäle.
Italien
Entsendung von acht Tornado-Kampfflugzeugen in
die Vereinigten Arabischen Emirate. Vier Marineschiffe werden in die Golfregion verlegt. Gibt die Ausweisung der irakischen Militärattaches und die Einschränkung der Bewegungsfreiheit irakischer Diplomaten
bekannt. Vollständiges Handelsembargo. Einfrieren
irakischer und kuwaitischer Vermögenswerte. Verbot
irakischer/kuwaitischer Luft- und Seetransportdienste.
Erlaubnis zur Nutzung von US-Stützpunkten in Italien.
Bereitstellung von Hilfsgütern als Flüchtlingshilfe. Sagt
die Bereitstellung von zivilen Transportschiffen zur
Verlegung amerikanischer Truppen und Versorgungsgüter zu. Genehmigt Hilfsleistungen in Höhe von 160
Millionen Dollar für die Frontstaaten, die unmittelbar
von der Blockade des Iraks betroffen sind.

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�Kanada
Entsendet ein CF-18-Geschwader an den Golf und
verspricht Hilfsleistungen in Höhe von 75 Millionen
Dollar für die Türkei, Ägypten, Jordanien, die Philippinen, Sri Lanka und Bangladesch. Entsendung von
zwei Zerstörern und einem Versorgungsschiff zur
Verstärkung der multinationalen Streitmacht im Golf.
Abbruch der Wirtschafts- und Handelsbeziehungen
mit Irak. Verpflichtung zur Bereitstellung von 2,2
Millionen Dollar in bar, die als Flüchtlingshilfe zwischen
dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz und
zwischenstaatlichen Organisationen aufgeteilt werden
sollen.
Luxemburg
Die Regierung stellt vorläufig 2 Millionen Dollar als
Beitrag zu den Transportkosten für Männer und Material in die Region bereit. Diese Mittel werden für die
Hilfsleistungen der WEU-Partner Belgien, Niederlande und Portugal gewährt. Weitere 2 Millionen Dollar
werden für die EG-Bemühungen in der Region und 1,3
Millionen Dollar für Hilfe an die Türkei, Jordanien,
Ägypten und Bangladesch zur Verfügung gestellt.
Ölembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte.
Niederlande
Uneingeschränkte Finanzsanktionen gegen den Irak,
Ölembargo, Einfrieren irakischer Vermögenswerte.
Entsendung von zwei Fregatten in den Golf. Werden
im November ein Versorgungsschiff dorthin verlegen.
Angebot zur Entsendung eines Geschwaders von 18
F-16 in die Golfregion. Lieferung von 50 000 ABCSchutzanzügen im Gesamtwert von 20,4 Millionen
Dollar in die Türkei. Bereitstellung von 3 Millionen
Dollar Flüchtlingshilfe. Eine weitere Million wird von
privaten Geldgebern gespendet.
Norwegen
Humanitäre Hilfe in Höhe von 126 Millionen Kronen,
darunter 30 Millionen an die Türkei, Ägypten und
Jordanien sowie 20 Millionen für die Repatriierung von
Flüchtlingen. Mittel werden ferner für Bangladesch,
Indien, Pakistan und Sri Lanka zur Verfügung gestellt,
um die für diese Länder durch die Krise entstehenden
Kosten zu mildern. Militärische Lufttransportmittel
werden für den Transport von Nahrungsmitteln und
medizinischer Ausrüstung nach Jordanien und von
Flüchtlingen nach Kairo bereitgestellt. Angebot von
Dekontaminierungsgerät für den Bedarfsfall sowie ABCSchutzkleidung an die multinationale Streitmacht. Ein
Schiff der norwegischen Küstenwache wird Mitte Oktober
zur Unterstützung der dänischen Korvette im Golf
eintreffen. Sechs Luftabwehrraketen wurden der

AMERIKA DIENST 42

dänischen Marine zur Verfügung gestellt und 9 Freund/
Feind-Erkennungssysteme an Großbritannien ausgeliehen. Einfrieren kuwaitischer und irakischer Vermögenswerte. Bereitstellung von Nahrungsmitteln für die
Flüchtlinge.
Portugal
Vollständige Einhaltung des UN-Embargos. Den
Vereinigten Staaten wird die Nutzung der Stützpunkte
auf den Azoren für Truppentransporte gestattet. Bereitstellung eines Marinetransportschiffes durch die
WEU. Zwei Handelsschiffe werden an die American
Maritime Authority für Transportoperationen vermietet. Portugiesisches Ärzteteam wird in jordanische
Flüchtlingslager entsandt, Regierung bietet ein Feldlazarett, Medikamente sowie deren Transport an. Die C130 der Luftwaffe wird zur Unterstützung des Transports ägyptischer Flüchtlinge aus Jordanien bereitgestellt. Ol- und Waffenembargo.
Spanien
Entsendung einer Fregatte und zweier Korvetten in die
Straße von Hormuz und ins Rote Meer als Teil der
WEU-Bemühungen zur Durchsetzung des Embargos.
Einfrieren irakischer Vermögenswerte und Handelsembargo. Erhebliche Unterstützung für den Transit
amerikanischer Einheiten durch Nutzung militärischer
Einrichtungen in Spanien. Benutzung spanischer Häfen
für logistische Unterstützung und Reparatur von Transportschiffen. Spanische Luftwaffe liefert humanitäre
Hilfsmittel für Flüchtlinge in Jordanien und hilft bei der
Repatriierung ägyptischer und asiatischer Flüchtlinge
aus Jordanien.
Türkei
Einfrieren irakischer Vermögenswerte. Verweigert die
Verladung irakischen Öls am Ende der irakischen
Pipeline. Untersagt die Entladung zweier Schiffo mit
Nahrungsmitteln für den Irak im südlichen Hafen Mersin.
Verweigert die Einfahrt eines aus Iran kommenden für
Irak bestimmten mit Natriumzyanid beladenen Schiffes in den Hafen Mersin. Vollständiges Handelsembargo mit Ausnahme von dringenden Nahrungs- und
Arzneimitteln. Vollständige Einhaltung des Flugverkehrsembargos. Hat mindestens zwei zivile Flugzeuge mit Ziel Irak aufgehalten und ihnen die Benutzung
des türkischen Luftraums untersagt. Eröffnet ein
Auffanglager in Habur, um Tausenden von Flüchtlingen (zumeist aus Bangladesch und Pakistan), die Irak
auf dem Landweg verlassen, Unterkunft und Verpflegung zu bieten. Das Parlament ermächtigt die Regierung im Falle eines Angriffs durch den Irak zur Kriegserklärung, zur Entsendung von Kampftruppen und
zum Einsatz ausländischer Truppen auf türkischem
Hoheitsgebiet.

Seite 3

�Vereinigte Staaten

Liechtenstein

Entsendung amerikanischer Streitkräfte nach SaudiArabien. Zur Zeit befinden sich 9 Kriegsschiffe und
zwei Flugzeugträger im Golf. Verhängung eines vollständigen Handelsembargos einschließlich kommerzieller Nahrungsmittellieferungen gegen den Irak und
das besetzte Kuwait. Aussetzung der Kredite, Anleihen und Zuschüsse. Einfrieren der irakischen und
kuwaitischen Vermögenswerte. Die Vereinigten Staaten werden zur Unterstützung der UN-Sanktionen irakische Öllieferungen in der Golfregion abfangen. Weisen
36 der 55 zuvor an der irakischen Botschaft in Washington akkreditierten Personen aus, verfügen die
Ausweisung von drei weiteren Diplomaten bis zum 28.
Oktober. Die Vereinigten Staaten verpflichten sich zu
Hilfsleistungen in Höhe von 28 Millionen Dollar für die
Flüchtlinge in der Region. Die Vereinigten Staaten
leiten Initiativen zur Unterstützung der durch die Golfkrise wirtschaftlich betroffenen Länder sowie zur Verteilung der Kosten der Militäroperationen im Golf in die
Wege.

Einfrieren kuwaitischer und irakischer Vermögenswerte, Handelsembargo mit Ausnahme von Arznei- und
Nahrungsmitteln für humanitäre Zwecke.

Andere europäische Nationen
Andorra
Verbietet Importe und Exporte jeglicher Vermögenswerte aus und in den Irak und Kuwait sowie die
Bereitstellung von Dienstleistungen und Krediten.
Bulgarien
Unterbindung aller Lieferungen militärischer Güter an
den Irak und Erweiterung der Wirtschaftssanktionen.
Finnland
Unterstützung der Resolution des UN-Sicherheitsrats
über Sanktionen, vollständige Durchführung der UNMaßnahmen einschließlich eines uneingeschränkten
Handelsembargos. Ernennung des finnischen Botschafters bei den Vereinten Nationen zum Leiter der
Gruppe von Ländern, die die Einhaltung der UNSanktionengegen Irak überwachen. Verpflichtung zur
Zahlung von 11,2 Millionen Dollar an Mitteln für humanitäre Zwecke und Wirtschaftshilfe für die Golfregion.
Irland
Irland unterstützt die vom UN-Sicherheitsrat im Zusammenhang mit der Golfkrise bereits verabschiedeten Resolutionen. Hält die Wirtschafts- und Handelssanktionen der Europäischen Gemeinschaft voll und
ganz ein.
Jugoslawien
Verurteilung der irakischen Invasion in Kuwait, fordert
den Irak auf, die Invasionstruppen abzuziehen. Weigerung, die irakische Annexion Kuwaits anzuerkennen. Unterstützt die Wirtschaftssanktionen der UN
gegen den Irak.

Seite 4

Malta
Verbot aller Ex- und Importe aus und nach Irak und
Kuwait.
Österreich
Vollständige Einhaltung der UN-Sanktionen gegen
den Irak, Waffenembargo für die Region. Blockiert den
Transfer irakischer Vermögenswerte. Erlaubnis zum
Überfliegen amerikanischer militärischer Transportflugzeuge über Österreich. Beitrag von etwa einer
Million Dollar an Hilfe für Ägypten, Jordanien und die
Türkei.
Polen
Vollständige Einhaltung des Handelsembargos gegen
den Irak. Waffenembargo, Verurteilung der Annexion
Kuwaits. Strikte Einhaltung der Resolutionen des UNSicherheitsrats. Regierung kündigt Entsendung eines
Lazarettschiffs und eines Feldlazaretts zur Unterstützung der multinationalen Streitmacht an. Am 10.
Oktober berichtete die regierungstreue Tageszeitung
"Rzeczpospolita": "Der stellvertretende Außenminister Jam Majewski gibt die Entscheidung der Außenministeriums bekannt, den Betrieb der Botschaft der
Polnischen Republik vorübergehend einzustellen. Dies
erfolgt nur, weil der normale Betrieb der Botschaft
unmöglich ist. Strom und Wasser wurden abgesperrt,
die Telephonverbindungen unterbrochen und Wachen
der irakischen Armee verweigern den Zugang zum
Gebäude. Unser Vorgehen hat keinerkei Einfluß auf
die erklärte Position Polens im Hinblick auf die irakische Aggression in Kuwait und die Annexion dieses
Landes, die wir nicht anerkennen, und wir bekräftigen
unsere uneingeschränkte Unterstützung der entsprechenden Sanktionen des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen. Der Charge d'Affaires Janusz Dworak
hat Kuwait am 6. Oktober verlassen."
Rumänien
Wird UN-Sanktionen gegen den Irak befolgen.
Schweden
Vollständige Durchführung und Einhaltung sämtlicher
UN-Sanktionen. Wirtschaftsembargo gegen den Irak
mit Ausnahme von Gütern für humanitäre oder medizinische Zwecke. Verbot von Aus- und Einfuhren
nach oder aus Kuwait und Irak, mit Ausnahme von
Waren für humanitäre oder medizinische Zwecke. Ab
20. Oktober Sperrung des schwedischen Luftraums
für Flugzeuge mit Gütern für oder aus Irak und Kuwait.
Stellt 20 Millionen Dollar an Flüchtlingshilfe bereit.

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�Schweiz
Öl- und Waffenembargo. Einfrieren von Vermögenswerten, Beschränkungen für den sonstigen Handel.
Die Schweiz beteiligt sich zum ersten Mal an UNWirtschaftssanktionen. Entsendet ein Hilfsteam für
Flüchtlinge.
Sowjetunion
Verurteilung der Annexion Kuwaits durch den Irak,
Waffenembargo. Entsendung zweier Kriegsschiffe in
den Golf. Würde unter Aufsicht der Vereinten Nationen die Abriegelung des Golfs für irakische Schiffe in
Erwägung ziehen. Führt die UN-Wirtschaftssanktionen gegen den Irak durch. Verabschiedung einer
gemeinsamen Erklärung mit Japan am 5. September
mit der Aufforderung an den Irak, alle ausländischen
Geiseln freizulassen und seine Truppen aus Kuwait
abzuziehen.
Tschechoslowakei
Waffenembargo, Verurteilung der irakischen Aggression. Durchführung der UN-Sanktionen einschließlich
Unterbindung aller Exporte und Importe aus und nach
Irak und Kuwait. Präsident Havel erklärt die Bereitschaft seiner Regierung zur Entsendung einer 200
Mann starken Abwehrtruppen für chemische Waffen
zur Verstärkung der multinationalen Streitmacht in
Saudi-Arabien. Eine 170 Mann starke Heereseinheit
wird zu Verteidigungs- und humanitären Zwecken nach
Saudi-Arabien verlegt.
Ungarn
Öl- und Handelsembargo. Die Regierung schlägt dem
Parlament die Entsendung eines Sanitätsteams in die
Golfregion vor.
Vatikan
Lobt die Resolution der Vereinten Nationen über
Sanktionen gegen den Irak.
Zypern
Unterstützung der Sanktionen gegen den Irak.
Andere Organisationen • regional und international
Arabische Liga
Die arabische Liga spricht sich (mit 12:3 Stimmen von
20 Mitgliedstaaten) für die Entsendung einer arabischen Streitmacht nach Saudi-Arabien aus, um das
Land gegen eine mögliche irakische Aggression zu
schützen. Jordanien, Mauretanien und der Sudan
stimmen für die Resolution, machen jedoch "Bedenken" geltend. Der Irak, Libyen und die PLO stimmen

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dagegen. Der Jemen und Algerien enthalten sich.
Tunesien ist nicht vertreten. Die Resolution bekräftigt
darüber hinaus die Resolutionen 660,661 und 662 des
UN-Sicherheitsrats.
Bewegung der Blockfreien
Verurteilung des Einsatzes von Gewalt durch den Irak
sowie Forderung nach Rückzug der Invasionstruppen.
Europäische Gemeinschaft
Die EG erklärt am 17. September die Ausweisung aller
irakischen Militärattaches sowie die Einschränkung
der Bewegungsfreiheit der anderen irakischen Diplomaten, die in den Hauptstädten der 12 Mitgliedstaaten
akkreditiert sind, aus Protest gegen die irakische
Besetzung der diplomatischen Missionen Frankreichs,
Belgiens und der Niederlande in Kuwait. Verhängt
allgemeines Handelsembargo gegen den Irak und das
besetzte Kuwait. Einfrieren von Vermögenswerten auf
ihrem Hoheitsgebiet sowie Einstellung jeglicher Zusammenarbeit mit dem Irak und dem besetzten Kuwait. Unterstützt alle bis jetzt in Zusammenhang mit
der Golfkrise verabschiedeten UN-Resolutionen und
fordert die Freilassung der als Geiseln in Irak und
Kuwait festgehaltenen Ausländer. Die EG stellt 78
Millionen Dollar in Form von Transport, Nahrungsmitteln und humanitärer Hilfe für Flüchtlinge bereit.
Golf-Kooperationsrat
Verurteilung der irakischen Aggression gegen Kuwait
und Forderung nach Rückzug der irakischen Streitkräfte. Hat Truppen in Saudi-Arabien stationiert. SaudiArabien bittet die Vereinigten Staaten und andere
Länder um militärische Hilfe zur Verteidigung gegen
eine mögliche irakische Aggression. Saudi-Arabien
verpflichtet sich darüber hinaus zu höherer ölförderung, um die Produktionsausfälle in Irak und Kuwait
wettzumachen. Verweigert einem irakischen Tanker
das Anlegen an einem saudischen Verladeterminal im
Roten Meer. Die Vereinigten Arabischen Emirate
öffnen ihre militärischen Einrichtungen für multinationale Streitkräfte und verweigern einem irakischen Tanker
die Einfahrt in den Hafen von Dubai. Katar stellt seine
militärischen Einrichtungen den multinationalen Streitkräften zur Verfügung. Berichten zufolge öffnen auch
Bahrain und Oman ihre militärischen Einrichtungen.
Der Golf-Kooperationsrat ist eine regionale Organisation, die aus den Vereinigten Arabischen Emiraten,
Saudi-Arabien, Bahrain, Oman, Katar und Kuwait
besteht.
Internationale Arbeitsorganisation
Die Internationale Arbeitsorganisation, eine Unterorganisation der UN, fordert den Irak auf, unverzüglich
Schritte zur Freilassung aller in Irak und Kuwait festgehaltenen ausländischen Arbeitnehmer zu ergreifen.

Seite 5

�Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit
in Europa (KSZE)
Die Außenminister der KSZE-Staaten verabschieden
am 2. Oktober in New York eine Erklärung, mit der sie
sich den Vereinten Nationen "bei der Verurteilung der
irakischen Invasion und Besetzung Kuwaits" anschließen. Darüber hinaus fordern sie die Regierung des
Irak zum unverzüglichen und bedingungslosen Abzug
aus Kuwait auf und erklären ihre volle Unterstützung
für die UN-Resolutionen zur Verurteilung des Irak. Sie
bringen ferner ihre Entschlossenheit zum Ausdruck,
"die vollständige und wirksame Durchsetzung" der
UN-Sanktionen zu gewährleisten und unterstützen
"die Länder, die aufgrund der vom Irak herbeigeführten Krise besonders gelitten haben". Die KSZE umfaßt 34 Nationen, darunter die Vereinigten Staaten, die
Sowjetunion und praktisch ganz Europa.
Koordinationsrat der Gewerkschaften des Südlichen Afrikas
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und
Forderung nach unverzüglichem Abzug der Invasionstruppen. Unterstützt die UN-Wirtschaftssanktionen
gegen den Irak. Bittet die Gewerkschaften des südlichen Afrikas, jeglichen Bruch des Embargos zu melden und zu verurteilen.
Nordischer Rat
Verabschiedung einer Erklärung, in der die irakische
Weigerung, Staatsbürgern der nordischen Staaten
und anderen Ausländern das Verlassen des Irak und
Kuwaits zu gestatten, scharf verurteilt wird. Der Nordische Rat ist eine regionale Organisation, die sich aus
Vertretern Dänemarks, Finnlands, Islands, Norwegens und Schwedens zusammensetzt.
OPEC
Verständigung auf einen Plan, der den OPEC-Mitgliedern eine Erhöhung ihrer Erdölförderung über die
vereinbarten Quoten hinaus gestattet, um den durch
das Embargo gegen den Irak verursachten Produktionsausfall von 4 Millionen Barrel täglich wettzumachen. Saudi-Arabien und Venezuela haben ihre Ölförderung bereits erhöht. Die Vereinigten Arabischen
Emirate, Nigeria, Gabun und Ecuador werden ihre
Fördermenge wahrscheinlich in Kürze erhöhen. Der
Iran und Libyen stimmen gegen die Resolution, planen
jedoch angeblich auch eine Erhöhung ihrer eigenen
Produktion.
Organisation Amerikanischer Staaten
Verurteilung der irakischen Invasion und der Annexion
Kuwaits. Unterstützt alle diesbezüglichen Resolutionen des UN-Sicherheitsrats gegen den Irak. Fordert
die Freilassung aller ausländischen Geiseln im Irak.

Seite 6

Die OAS ist eine regionale Organisation mit Vertretern
der Karibikstaaten sowie aller Staaten Mittel-, Südund Nordamerikas außer Kuba.
Organisation der Islamischen Konferenz - OIC
Am 1. Oktober veröffentlichten die Außenminister bei
den Vereinten Nationen das Schlußkommunique des
jährlichen Koordinationstreffens, in dem die OIC die
irakische Invasion und Besetzung Kuwaits "auf das
schärfste verurteilt", die Annexion Kuwaits durch den
Irak für null und nichtig erklärt und die Entschlossenheit der Mitgliedstaaten bekräftigt, die Durchführung
der UN-Resolutionen zu dieser Krise anzustreben.
Der Irak wird ferner aufgefordert, "seine Truppen
vollständig, unverzüglich und bedingungslos abzuziehen", alle Geiseln freizulassen sowie seinen internationalen Verpflichtungen im Hinblick auf diplomatische
und konsularische Vertretungen nachzukommen. Die
"volle Unterstützung und Solidarität" der OIC mit SaudiArabien und anderen Mitgliedstaaten in der Golf region
wird bekräftigt.
Vereinte Nationen
Der UN-Sicherheitsrat verabschiedet Resolutionen, in
denen die irakische Invasion in Kuwait verurteilt und
der unverzügliche Rückzug der Invasionstruppen gefordert, ein Handels- und Finanzembargo gegen den
Irak und Kuwait angeordnet, die irakische Annexion
Kuwaits für null und nichtig erklärt, die Freilassung aller
Ausländer durch den Irak verlangt und der internationalen Staatengemeinschaft das Recht gegeben wird,
das Wirtschaftsembargo gegen den Irak durchzusetzen, indem die Schiffahrt nach und aus diesem Land
unterbunden wird. Die Vereinten Nationen legen strenge Verfahrensweisen für die Lieferung von Arznei und Nahrungsmitteln für humanitäre Zwecke in den
Irak und das besetzte Kuwait fest. Verurteilung des
Irak aufgrund von Gewalttaten gegen ausländische
Botschaften und deren Personal im besetzten Kuwait.
Verhängung eines Luftverkehrsembargos gegen den
Irak.
Westeuropäische Union
Die neun Mitgliedstaaten der WEU verständigen sich
darauf, die Marineoperationen im Nahen Osten auszuweiten und "ihre Operationen eng aufeinander abzustimmen". Darüber hinaus erklären sie sich bereit,
zusammen mit den Vereinigten Staaten Verantwortung für die Durchsetzung der UN-Sanktionen gegen
den Irak zu übernehmen. Vier WEU-Mitglieder - die
Niederlande, Belgien, Italien und Spanien - sowie
Griechenland als Nichtmitglied der WEU kündigen die
Entsendung von Kriegsschiffen in den Nahen Osten
an, die sich den bereits dort stationierten französischen und britischen Luft- und Marineeinheiten anschließen sollen. Die WEU ist eine politische Organi-

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�sation mit Vertretern aus Belgien, der Bundesrepublik
Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien,
Luxemburg, den Niederlanden, Portugal und Spanien.
Nichteuropäische Staaten
Afghanische Interimsregierung
Das Kabinett der Afghanischen Interimsregierung stimmt
der Entsendung eines Kontingents von 2 000 Mujahedin nach Saudi-Arabien offiziell zu, mit dem die multilateralen Streitkräfte unterstützt werden sollen.
Ägypten
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der Resolutionen 660, 661 und 662 des Sicherheitsrats der
Vereinten Nationen und spricht sich für die Entsendung einer arabischen Streitmacht nach Saudi-Arabien aus. Hat bereits 5 000 Soldaten zur Verstärkung
der multinationalen Streitmacht nach Saudi-Arabien
geschickt. Geplant ist die Entsendung von zusätzlichen 15 000 Soldaten zusammen mit Panzern und
Schützenpanzern. Ausweisung des irakischen Verteidigungsattaches und zweier weiterer irakischer Diplomaten.
Algerien
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait. Einhaltung
der UN-Sanktionen gegen den Irak, ausgenommen
Lieferungen von Nahrungsmitteln und Medikamenten
aus humanitären Gründen.
Argentinien
Verurteilt die Invasion Kuwaits durch den Irak und
fordert den Rückzug der Invasionstruppen. Befolgt die
Wirtschaftssanktionen gegen den Irak. Stellt finanzielle Transaktionen mit Irak und Kuwait ein. Entsendet
zwei Kriegsschiffe mit zwei Flugzeugen, einer Infanterieeinheit sowie Luftwaffen- und Fernmeldepersonal
an den Golf, um das UN-Embargo gegen den Irak zu
unterstützen.
Aruba
Wirtschaftssanktionen gegen den Irak.
Australien
Teilnahme am gemeinsamen Marineeinsatz. Entsendung zweier Lenkwaffenfregatten und eines Versorgungsschiffs sowie eines Sanitätsteams zum Persischen Golf. Abriegelung des Golfs für irakische Schiffe, um die UN-Sanktionen zu unterstützen. Öl- und
Waffenembargo. Einfrieren von Vermögenswerten.
Bahamas
Verurteilung der irakischen Invasion in Kuwait und
Forderung nach Abzug der Invasionsstreitmacht.
Einfrieren irakischer und kuwaitischer Vermögenswerte.

AMERIKA DIENST 42

Bahrain
Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrats verurteilt Bahrain die irakische Invasion in
Kuwait und fordert den Rückzug der Invasionstruppen.
Gestattet die Benutzung seiner Luftstützpunkte durch
die multinationalen Streitmacht im Golf.
Bangladesch
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait.
Entsendet über 2 000 Soldaten nach Saudi-Arabien
zur Unterstützung der multinationalen Streitmacht.
Durchführung der UN-Sanktionen gegen den Irak,
einschließlich des Handels mit Waren und Dienstleistungen und der Lieferung von Tee.
Belize
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und
Forderung nach Rückzug der Invasionstruppen.
Benin
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und
Forderung nach unverzüglichem Rückzug der Invasionstruppen.
Bermuda
Schließt sich den britischen Wirtschaftssanktionen
gegen den Irak an. Verhängt eigene Finanzsanktionen.
Bolivien
Unterstützt die Sanktionen der Vereinten Nationen
gegen den Irak.
Brasilien
Öl- und Waffenembargo. Abbruch sämtlicher Handelsbeziehungen, einschließlich Nahrungsmittelüoferungen.
Chile
Wirtschaftssanktionen, Waffenembargo.
China
Verurteilt den irakischen Einmarsch in Kuwait und
fordert den Rückzug der Invasionstruppen. Unterstützt die UN-Resolutionen gegen den Irak. Waffenembargo.
Costa Rica
In Unterstützung der UN-Resolutionen gegen den Irak
verurteilt Costa Rica den irakischen Einmarsch in
Kuwait, die Annexion Kuwaits und die irakische Anordnung zur Schließung der Botschaften.

Seite 7

�Cote d'lvoire

Israel

Öl- und Handelsembargo.

Unterstützt die UN-Sanktionen gegen den Irak.

Ecuador

Jamaica

Präsident Borja und Außenminister Cordovez haben
die Absicht ihrer Regierung bekräftigt, alle UN-Resolutionen zur Golfkrise vollständig zu befolgen, einschließlich der Wirtschaftssanktionen. Ecuador unterhielt vor
der Krise jedoch keine Handelsbeziehungen zum Irak,
und es hat keine Kenntnis von irakischen oder kuwaitischen Firmen oder Vermögenswerten im Land.

Verurteilt die Invasion und befolgt die UN-Sanktionen
gegen den Irak. Unterstützt die von der Organisation
Amerikanischer Staaten ins Leben gerufene Initiative,
im Rahmen derer die irakische Invasion in Kuwait auf
das schärfste verurteilt wird.

Gabun

Ölembargo, Einstellung von Handel und Hilfe. Einfrieren kuwaitischer Vermögenswerte in Japan. Zieht
seine Einladung an den Irak zurück, am 12. November
an der Krönung von Kaiser Akihito teilzunehmen,
aufgrund der irakischen Invasion und Annektion Kuwaits "und anderer Maßnahmen" - Berichten zufolge
werden 139 Japaner in wichtigen Einrichtungen als
"menschliche Schutzschilde" festgehalten. Stellt Finanzhilfe in Höhe von 4 Milliarden Dollar bereit, davon
2 Milliarden Dollar für die multinationale Streitmacht.
Dazu gehören Beiträge zur Unterstützung von Streitkräften, Ausrüstung und Gerät. Entsendet medizinisches Personal auf die Arabische Halbinsel, das bis zu
100 Personen umfassen wird. Die restlichen 2 Milliarden Dollar sind als Finanzhilfe für die Türkei, Ägypten
und Jordanien bestimmt, um die durch die irakische
Invasion in Kuwait verursachten wirtschaftlichen Härten zu mildern. Stellt weitere 22 Millionen Dollar an
Flüchtlingshilfe bereit. Veröffentlichung gemeinsamer
Erklärungen mit der Sowjetunion und Großbritannien,
in denen der Irak zur Freilassung aller ausländischen
Geiseln und zum Abzug seiner Truppen aus Kuwait
aufgefordert wird. Stellt gegenwärtig ein Korps zur
Zusammenarbeit mit den Friedensbemühungen der
Vereinten Nationen auf, das die Entsendung ausgewählten Personals nach Übersee gestatten würde, um
die Operationen zur Erhaltung des Friedens zu unterstützen.

Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait, unterstützt
alle UN-Sanktionen gegen den Irak.
Gambia
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und forciert
den Abzug der Truppen.
Guatemala
Uneingeschränktes Wirtschaftsembargo gegen den
Irak und das besetzte Kuwait.
Haiti
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait.
Honduras
Lehnt die irakische Invasion in Kuwait ab und fordert
den Abzug der Invasionstruppen.
Hongkong
Schließt sich den britischen Wirtschaftssanktionen
gegen den Irak an. Friert irakische und kuwaitische
Vermögenswerte ein.
Indien
Fordert den Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait.
Premierminister Singh erklärt, Indien werde zu seiner
in den Vereinten Nationen gegebenen Zustimmung zu
Wirtschaftssanktionen gegen den Irak stehen. Der
Leiter der Au ßenhandelsstelle verkündete am 5. Oktober ein vollständiges Handelsverbot mit dem Irak und
Kuwait, au ßer für "Lieferungen für medizinische Zwekke und Nahrungsmittel, sofern sie zu humanitären
Zwecken bereitgestellt werden".
Indonesien
Einstellung des Handels mit dem Irak, Ölembargo.
Verstärkung der eigenen Erdölförderung.
Iran
Ablehnung der Annexion Kuwaits durch den Irak. Der
Iran erklärt sich zur Steigerung der Ölf örderung bereit,
um die Ausfälle im Irak und in Kuwait auszugleichen.
Seite 8

Japan

Jemen
Wird UN-Sanktionen gegen den Irak einhalten.
Jordanien
Beteiligt sich an den UN-Sanktionen gegen den Irak.
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus, jedoch unter "Vorbehalten".
Katar
Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrats verurteilt Katar die irakische Invasion in
Kuwait und fordert den Abzug der Invasionstruppen.
Stellt der multinationalen Streitmacht seine militärischen Einrichtungen zur Verfügung.

AMERIKA DIENST 42

�Kolumbien
Vizepräsidentschaft des UN-Sanktionsausschusses,
der die Einhaltung der Sanktionen überwacht.
Korea (Rep.)
Waffen- und Ölembargo, Einstellung des Handels außer
mit Gütern für medizinische oder humanitäre Zwecke.
Bietet den Vereinigten Staaten und der multilateralen
arabischen Streitmacht Transportmöglichkeiten an.
Kuba
Befolgung der UN-Sanktionen gegen den Irak.
Laos
Verurteilt in einer Erklärung den irakischen Einsatz von
Gewalt und fordert den unverzüglichen Abzug des Irak
aus Kuwait.
Libanon

Freilassung aller Ausländer im Irak und in Kuwait.
Befolgt die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats zum
Irak und hat konkrete Maßnahmen ergriffen, um alternative Versorgungsquellen für bisher aus Kuwait importiertem Öl zu sichern.
Marokko
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus. Hat etwa 1 200 Soldaten nach SaudiArabien und 5 000 in die Vereinigten Arabischen Emirate
zur Verstärkung der multinationalen Streitmacht entsandt. Ausweisung zweier irakischer Beamter aus
Marokko als Vergeltung für die irakische Entscheidung
zur Schließung der marokkanischen Botschaft in Kuwait
und die Festsetzung ihrer Diplomaten im Irak. Bemüht
sich auf diplomatischem Wege aktiv um eine Lösung
der Krise, die den Forderungen der Vereinten Nationen gerecht wird.

Fordert den Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait.
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus.

Mexiko

Macao

Wird die Resolutionen der Vereinten Nationen zum
Irak befolgen.

Befolgt die UN-Sanktionen.
Madagaskar
Präsident Ratsiraka verurteilt am 5. August die irakische Invasion Kuwaits und bekundet seine Zustimmung zu den Maßnahmen des Sicherheitsrats.
Malaysia
Unterstützt die UN-Resolution über Sanktionen gegen
den Irak. Vollständige Einhaltung der Sanktionen,
Einfrieren kuwaitischer Vermögenswerte. Erhöht die
Ölproduktion um 55 000 Barrel pro Tag auf die Höchstmenge von 650 000 Barrel pro Tag, um den Bedarf der
Länder zu decken, die von irakischem und kuwaitischem Öl abhängen. Spendet für die Flüchtlingshilfe
in Jordanien Nahrungsmittel im Wert von 900 000
Dollar.

Plant die Steigerung der Ölförderung um 100 000
Barrel pro Tag in den nächsten zwei Monaten.
Myanmar

Nepal
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait.
Niederländische Antillen
Einfrieren irakischer Vermögenswerte, Einstellung des
Zahlungsverkehrs mit dem Irak und dem besetzten
Kuwait.
Neuseeland

Verurteilt den irakischen Einmarsch in Kuwait.

Verbot von Exporten in den Irak, geplantes Verbot von
Importen. Umleitung der Nahrungsmittellieferungen,
die sich auf dem Weg in den Irak befinden, ölembargo,
friert irakische Vermögenswerte ein. Stellt den Vereinten Nationen für den Einsatz am Golf zwei Transportflugzeuge zur Verfügung. Spendet Milchpulver für
Flüchtlinge aus dem Irak und Kuwait. Übernimmt die
Wartung von Transportflugzeugen für die Evakuierung
von Flüchtlingen nach Pakistan und Manila. Bietet den
Vereinten Nationen zwei zivile Flugzeuge mit Besatzungen und dem Internationalen Roten Kreuz ein
40köpfiges ziviles medizinisches Versorgungsteam
für den Einsatz in Saudi-Arabien an.

Mauritius

Nicaragua

Verurteilt die irakische Invasion und Annexion Kuwaits, fordert den Abzug der Invasionstruppen und die

Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait und fordert
den Abzug der Invasionstruppen.

Malediven
Fordern den Abzug irakischer Truppen aus Kuwait.
Mali

AMERIKA DIENST 42

Seite 9

�Nigeria
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und fordert
den Truppenabzug, plant eine Steigerung derölförderung um 200 000 Barrel pro Tag (vorbehaltlich der
Zustimmung anderer OPEC-Staaten).
Oman
Die omanische Botschaft in Kuwait bleibt geöffnet, und
das Sultanat erkennt die irakische Besetzung Kuwaits
in keiner Weise an. Oman hat der Arabischen Liga,
dem Golf-Kooperationsrat und den UN-Resolutionen
seine Unterstützung versichert und fordert den Abzug
der Invasionstruppen.

Pakistan
Bekundet seine Absicht zur Durchführung der UNSanktionen gegen den Irak. Entsendet ein Kontingent
von 1 800 Soldaten nach Saudi-Arabien, unter anderem ein verstärktes Infanteriebataillon und ein provisorisches Unterstützungsbataillon.
Panama
Unterstützt Sanktionen. Verbietet Handelsschiffen die
Ladung oder das Löschen jeder Art von Waren aus
dem Irak oder Kuwait. Die Bankaufsichtsbehörde
erläßt Vorschriften für die Behandlung irakischer und
kuwaitischer Vermögenswerte. Der irakischen Schiffahrt
wird die Durchquerung des Panamakanals gestattet.
Papua Neuguinea
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits aufs schärfste
und unterstützt die UN-Resolutionen, mit denen die
Souveränität und Integrität Kuwaits wiederhergestellt
werden sollen.
Paraguay
Verurteilt die Invasion Kuwaits durch den Irak.

und unverzüglichen Abzug der Invasionstruppen gefordert. Bittet die multinationale Streitmacht, darunter
Streitkräfte der Vereinigten Staaten, um Unterstützung zur Verteidigung Saudi-Arabiens. Der Transport
irakischen Erdöls durch Saudi-Arabien wird eingestellt. Erhöht die Ölförderung, um die Ausfälle in Irak
und Kuwait auszugleichen. Saudi-Arabien hat sämtliche von der UN gegen den Irak verhängten Sanktionen
ohne wenn und aber verwirklicht.
Senegal
Verurteilt den irakischen Einmarsch in Kuwait und
fordert den bedingungslosen Rückzug der Invasionstruppen sowie die Wiederherstellung der legitimen
Regierung Kuwaits. Entsendet am 17. September 500
Soldaten nach Saudi-Arabien. Einhaltung der UNSanktionen, Einfrieren irakischer und kuwaitischer
Vermögenswerte, ausgenommen der Mittel für den
Weiterbetrieb der Botschaften.
Simbabwe
Stellt den Handel mit dem Irak und dem besetzten
Kuwait ein, setzt alle bilateralen Abkommen mit dem
Irak außer Kraft.
Singapur
Wirtschaftsembargo gegen den Irak und das besetzte
Kuwait. Transaktionen der rechtmäßigen Besitzer
kuwaitischer Vermögenswerte werden bei Erfüllung
bestimmter Kriterien gestattet.
Südafrika
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und forciert
den unverzüglichen Abzug irakischer Truppen. Präsident de Klerk bekräftigt später im Weißen Haus, daß
Südafrika gegen die irakische Aggression Einspruch
erhebt.
Sri Lanka

Peru

Wird alle erforderlichen Schritte unternehmen, um die
Wirtschaftssanktionen der Vereinten Nationen gegen
den Irak durchzusetzen.

Unterstützung und Einhaltung aller Resolutionen der
Vereinten Nationen zum Irak.

Sudan

Philippinen
Erkennen den bindenden Charakter der Sanktionen
an, Ölembargo.

Der Sudan "zollt der Charta der Vereinten Nationen
Respekt und bekundet seine Verpflichtung zu den
Resolutionen" 660, 661, 663 und 665.
Surinam

Salomonen
Führen Wirtschaftssanktionen gegen den Irak durch.
Saudi-Arabien
In internationalen Foren, der Arabischen Liga und im
Golf-Kooperationsrat hat Saudi-Arabien die irakische
Invasion in Kuwait verurteilt und den bedingungslosen

Seite 10

Verurteilt die irakische Invasion und Annexion Kuwaits. Wird die Wirtschafts- und Finanzsanktionen
der Vereinten Nationen gegen den Irak einhalten.
Swasiland
Bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen
erklärt Premierminister Diamini am 5. Oktober seine

AMERIKA DIENST 42

�uneingeschränkte Unterstützung für die Resolutionen
des Sicherheitsrats zur Golfkrise. Er verurteilt die
irakische Invasion und Geiselnahme und fordert den
Irak zum Abzug aus Kuwait auf.
Syrien

Trinidad/Tobago
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait und fordert
den Abzug der Invasionstruppen. Unterstützt die UNSanktionen gegen den Irak.
Tunesien

Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus. Syrien unterhält 4 000 Soldaten der
Bodentruppen in Saudi-Arabien und den Vereinigten
Arabischen Emiraten als Teil der multinationalen Streitmacht. Zusätzlich werden 10 000 Soldaten und 300
Panzer entsandt.

Fordert den Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait.
Uruguay
Verurteilt den Einsatz von Gewalt durch den Irak,
befolgt die Sanktionen der Vereinten Nationen gegen
den Irak.
Vereinigte Arabische Emirate

Taiwan
Erhebt entschlossen Einspruch gegen die irakische
Invasion in Kuwait und spricht sich für die Unterstützung der UN-Sanktionen gegen den Irak aus. Erklärt,
in Taiwan befänden sich keine irakischen Vermögenswerte, stoppt die Lieferung aller in Taiwan hergestellten Waren in den Irak, unterbindet Erdölimporte aus
dem Irak. Erklärt am 24. September, daß Taiwan den
Frontstaaten im Nahen Osten - Jordanien, der Türkei
und Ägypten - Direkthilfe in Höhe von 30 Millionen
Dollar gewähren wird.
Tansania
Bekundet seine Ablehnung der irakischen Invasion in
Kuwait und fordert den unverzüglichen Abzug der
Invasionstruppen. Unterstützt die UN-Sanktionen gegen
den Irak.
Togo

Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrates verurteilen die Vereinigten Arabischen
Emirate die irakische Invasion in Kuwait und fordern
den Abzug der Invasionstruppen. Gewähren befreundeten Streitkräften, darunter auch denen der Vereinigten Staaten, die Nutzung der militärischen Einrichtungen. Verhindern das Anlegen eines irakischen Tankers im Hafen von Dubai, um die UN-Sanktionen
gegen den Irak zu unterstützen.
Vanuatu
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait und fordert
den Abzug der Invasionstruppen. Erklärt die vollständige Einhaltung aller UN-Sanktionen gegen den Irak.
Venezuela
Unterstützt die UN-Sanktionen gegen den Irak. Wird
im Dezember 1990 die ölförderung auf 500 000 Barrel
pro Tag erhöhen.

Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait.

*

AMERIKA DIENST 42

*

Seite 11

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                <text>&lt;strong&gt;1. USA-UDSSR&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker: amerikanisch-sowjetische Zusammenarbeit bei regionalen Konflikten erforderlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede über die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Golfkrise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker: Irak politisch und wirtschaftlich isoliert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der Außenminister vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Internationale Reaktionen auf die irakische Invasion Kuwaits&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht über wirtschaftliche und politische Maßnahmen&lt;/em&gt;</text>
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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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Deichmanns Aue 29
43

GOLFKRISE

5300 Bonn 2

31. Oktober 1990

BAKER SCHLIESST MILITÄR EIN SATZ GEGEN
DEN IRAK NICHT AUS
Rede beim World Affairs Council in Los Angeles

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom 1. bis 15. Oktober
UMWELT

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

KONGRESS VERABSCHIEDET UMFASSENDES
GESETZ ZUR REINHALTUNG DER LUFT
Unterzeichnung durch Präsident Bush erwartet

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
31. Oktober 1990

BAKER SCHLIESST MILITÄREINS ATZ
GEGEN DEN IRAK NICHT AUS
•V

Rede beim World Affairs Council in Los Angeles
LOS ANGELES - (AD) - US-Außenminister Baker zufolge sind die Vereinigten Staaten vordringlich an einer
friedlichen Beilegung der Golfkrise interessiert und nutzen gegenwärtig alle zur Verfügung stehenden diplomatischen Mittel, um einen Frieden ohne weiteres Blutvergießen zu erreichen, prüfen darüber hinaus jedoch auch
alle anderen Optionen. "Es darf kein Zweifel daran bestehen", erklärte Baker am 29. Oktober 1990 in einer Rede
beim World Affairs Council in Los Angeles, daß "wir den möglichen Einsatz von Gewalt nicht ausschließen, falls
der Irak weiterhin Kuwait besetzt hält".
Baker verwies darauf, daß die Vereinigten Staaten und 27 weitere Staaten Truppen oder Kriegsmaterial an den
Golf geschickt hätten, um die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats zur Verurteilung der irakischen Aggression
gegen seinen Nachbarstaat zu unterstützen.
Baker stellte fest, daß die UNO-Sanktionen gegen den Irak bereits Wirkung zeigten, indem das Land keine
Einnahmen aus dem Verkauf seines Öls erziele und der Mangel an Ersatzteilen "seinen Tribut von der irakischen
Industrie und - was noch wichtiger ist - der irakischen Kriegsmaschinerie fordern".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede Bakers im Wortlaut.

Herr Stegemeir, meine Damen und Herren,
bevor ich beginne, möchte ich Sie wissen lassen, daß
ich Ihre Einladung mit einigen Befürchtungen angenommen habe.
Im vergangenen Oktober sollte ich eine Rede in San
Francisco halten, und dann gab es ein Erdbeben.
Letzte Woche kündigte ich einen Besuch in Kalifornien
an, um erneut eine Rede zu halten, und wieder gab es
ein Erdbeben.
Heute befinde ich mich nun in Los Angeles, und wenn
es nochmals einen Erdstoß gibt, so werden die Wissenschaftler in der Erdbebenstation von Berkeley
wahrscheinlich sagen: "Also, wir haben zwar keinen
stichhaltigen wissenschaftlichen Beweis, daß Bakers
Reden diese Erdbeben verursachen, aber... vielleicht
sollte man ihn das nächste Mal bitten, an einem Ort zu
sprechen, wo ein Erdbeben wirklich angebracht wäre
- etwa in Washington."
Nun, dies sind Tage gro ßer Erschütterungen, und über
eine der wichtigsten möchte ich heute zu Ihnen sprechen: die Lage am Persischen Golf. Als Mitglieder des
World Affairs Council sind Sie sich seit langem der
AMERIKA DIENST 43

Tatsache bewußt, wie uns weit entfernte Ereignisse in
unserem Land betreffen können. Ich möchte aber
heute an dieser Stelle feststellen, daß es selten ein
Ereignis wie die irakische Invasion Kuwaits gegeben
hat, das eine größere Herausforderung für unsere
Zukunft und die Zukunft zahlreicher anderer Staaten
darstellte.
In diesem Moment stehen viele Tausend Amerikaner
in den Wüsten Saudi-Arabiens auf Wacht. Vielleicht ist
Ihr Sohn oder Ihre Tochter - ein Marineinfanterist oder
eine Soldatin, ein Matrose oder ein Flieger, die in Fort
Ord, Camp Pendieton oder der Alameda Air Station
stationiert waren oder in 29 Palms ausgebildet wurden
- unter ihnen. Vielleicht kennen Sie einen Nachbarn,
dessen Arbeitsplatz von den wirtschaftlichen Auswirkungen des Konflikts betroffen ist. Und sicherlich
zahlen wir alle einen höheren Preis an den Zapfsäulen.
Wir haben diesen Konflikt nicht gesucht. Aber er wird
nicht von allein verschwinden. Es handelt sich um
einen entscheidenden Kampf, in dem wir und die
internationale Staatengemeinschaft die Oberhand
behalten müssen.

Seite 1

�Was auf dem Spiel steht
Ich möchte Ihnen erläutern, was auf dem Spiel steht.
Erstens ist die irakische Aggression eine Herausforderung für den Weltfrieden. Wir leben in einer jener
seltenen Zeiten geschichtlichen Umbruchs. Der kalte
Krieg ist vorbei, und ein vielversprechendes Zeitalter
hat begonnen. Erst diesen Monat haben wir ein neues
in Frieden und Freiheit vereinigtes Deutschland begrüßt. Die Völker Mittel- und Osteuropas haben sich
durch demokratische, friedliche Revolutionen befreit.
Nach Jahrzehnten des Konflikts stellen die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion neue Regeln der Zusammenarbeit auf. Nach einer langen Periode der Stagnation werden die Vereinten Nationen zu einer effektiveren Organisation. Die Ideale der UNO-Charta werden
Wirklichkeit.
Dies ist jedoch auch ein Zeitalter voller Herausforderungen und Gefahren. Ethnische und religiöse Konflikte verschärfen sich. Atomare, chemische und biologische Waffen sowie deren moderne Trägersysteme
finden immer weitere Verbreitung. Terrorismus und
Drogen sind Geißeln ohne Grenzen oder Schranken.
Die Aggression Saddam Husseins erschüttert die Vision
einer besseren Welt nach dem kalten Krieg. Wie
Präsident Bush und Präsident Gorbatschow in Helsinki erklärt haben: "Keine friedliche Weltordnung ist
möglich, wenn größere Staaten ihre kleineren Nachbarn verschlingen können."
Der Rest der Welt versucht, in die Zukunft der neunziger Jahre zu gehen. Saddam Hussein jedoch versucht, uns alle in die dreißiger Jahre zurückzuziehen.
Und wir wissen, was das bedeutet: Den verlockenden
Weg zur Beschwichtigung von Diktatoren in der Hoffnung, daß sie keine weiteren Aggressionen begehen
werden. Den selbstzerstörerischen Weg, die Augen
vor der Realität zu verschließen, während kleine Staaten erobert und große Staaten bedroht wurden. Und
dann schließlich ein Krieg mit ungeheuren Opfern.
In den dreißiger Jahren wurden die Aggressoren beschwichtigt. Im Jahr 1990 hat der Präsident unsere
Haltung eindeutig klargestellt: Bei dieser Aggression
wird es kein Appeasement geben.
Während sich die internationale Staatengemeinschaft
bemüht, nach dem Ende des kalten Krieges einen
Neuanfang zu machen, scheint Saddam Hussein fest
zu einer Wiederbelebung des heißen Krieges entschlossen zu sein. Er vereinigt dabei seine althergebrachte Verachtung zivilisierter Herrschaftsformen mit
modernen Methoden derZerstörung: chemischen und
biologischen Waffen, ballistischen Raketen und - wenn
er dazu in der Lage wäre - Kernwaffen.
Welche langfristige Bedeutung können die umfangreichen Programme des Irak zur Entwicklung chemischer
und biologischer Waffen haben? Warum gibt der
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irakische Diktator Milliarden Dollar aus, um Massenvernichtungswaffen zu bauen, einschließlich der Atombombe? Und warum hat er Bagdad zu einem Schlupfwinkel für internationale Terroristen gemacht? Sicherlich nicht, weil er diese Aggression - erst gegen den
Iran, jetzt gegen Kuwait - als seine letzte betrachtet.
Die irakische Invasion Kuwaits ist also eine eindeutige,
ja historische Herausforderung für den Rest der internationalen Staatengemeinschaft.
Wenn wir diese Aggression zunichte machen, werden
wir dazu beitragen, eine Welt zu definieren, die den
kalten Krieg hinter sich läßt und in der zivilisierte
Verhaltensregeln Bestand haben.
Tun wir das nicht, so könnten die vielversprechenden
Aussichten des Zeitalters nach dem kalten Krieg von
neuen Gefahren, neuen Unruhen und einer wesentlich
weniger friedlichen Zukunft überschattet werden.
Zweitens stellt die irakische Aggression eine regionale
Herausforderung dar. Zwar ist die Herrschaft von
Macht über Gesetz überall eine schlechte Politik, aber
im Nahen Osten ist sie besonders gefährlich. Ebenso,
wie der Zeitpunkt eines Ereignisses diesem größere
Bedeutung geben kann, gilt dies auch für den Ort. Wie
wir wissen, erzeugen bereits eine Reihe ungelöster
Konflikte, religiöser und sozialer Streit sowie ein erhebliches wirtschaftliches Gefälle Unruhe im Nahen Osten. Fügt man dem noch Massenvernichtungswaffen
und einen Großteil der Weltenergievorräte hinzu, so
erhält man eine explosive Mischung. Heute steht der
Nahe Osten wahrhaft am Scheideweg. Ein Weg führt
zum Frieden, der andere zum Krieg.
Wenn wir eine Lektion gelernt haben, so die, daß
niemand gegen die Auswirkungen der Konflikte im
Nahen Osten immun ist. Es gibt keine Hoffnung auf
Lösung anderer Probleme in der Region, wenn friedlicher Wandel künftig nicht zur Richtschnur im Nahen
Osten und am Golf wird. Aber Saddam Husseins Weg
ist nicht der Weg des Friedens. Sein Weg führt
unweigerlich in den Krieg. Und ich möchte folgendes
deutlich sagen: wenn er sein Verhalten nicht ändert,
wird es keine Hoffnung auf Frieden in der Region
geben.
Drittens stellt die irakische Aggression für die Weltwirtschaft eine Herausforderung dar. Offensichtlich müssen
wir mehr tun, um unsere Abhängigkeit von bestimmten
Energiequellen abzubauen. Aber was auch immer
geschieht - der Zustand der Weltwirtschaft wird in
absehbarer Zukunft vom gesicherten Zugang zu den
Energiequellen des Persischen Golfs abhängen. Weder
wir noch der Rest der internationalen Staatengemeinschaft kann es sich leisten, daß ein einzelner Diktator
diesen Zugang kontrolliert.
Denken wir nur an die Auswirkungen. Wenn die ganze
Welt durch den irakischen Würgegriff um die Energiequellen am Golf in eine tiefe Rezession gestürzt würde,
AMERIKA DIENST 43

�wären die amerikanische Industrie, die Farmer und
Kleinbetriebe besonders hart betroffen. Dasselbe gilt
für die demokratischen Reformstaaten Osteuropas.
Ebenso die anderen aufstrebenden Demokratien in
Lateinamerika, Afrika und Asien. Jeder würde tiefgreifende Rückschläge in seiner Fähigkeit erleiden, das
erforderliche Wirtschaftswachstum zu erzielen, mit
dem sich Vertrauen in den demokratischen Prozeß
schaffen läßt.
Wir alle würden durch diese wirtschaftliche Tyrannei
nur Verluste erleiden. Und wir alle wissen, daß Saddam Hussein seine wirtschaftliche Macht zugunsten
seiner weitreichenderen Ambitionen ausbauen würde.
Maßnahmen der internationalen Staatengemeinschaft
Unter Führung der Vereinigten Staaten erkennt die
internationale Staatengemeischaft diese entscheidenden Prämissen. Präsident Bush hat für unsere Politik
vier Ziele definiert.
Erstens den unverzüglichen, vollständigen und
bedingungslosen Abzug aller irakischen Streitkräfte aus Kuwait gemäß der Resolution 660
des UN-Sicherheitsrats,
zweitens die Wiedereinsetzung der rechtmäßigen Regierung in Kuwait,
drittens der Schutz des Lebens amerikanischer
Bürger, die sowohl im Irak als auch in Kuwait
vom Irak als Geiseln gehalten werden und
viertens das Engagement für Sicherheit und
Stabilität am Persischen Golf.
Zur Verwirklichung dieser Ziele streben wir gemeinsam mit unseren internationalen Verbündeten eine
Isolierung des Irak an - politisch, wirtschaftlich und
militärisch.
Lassen Sie mich das, was wir bis heute erreicht haben,
in einen Zusammenhang stellen.
Auf diplomatischer Ebene hat der UN-Sicherheitsrat
nunmehr zehn Resolutionen verabschiedet, die letzte
davon erst heute. Mit jeder wurde der Druck auf den
Irak verstärkt. Die Verabschiedung der heutigen
Resolution des Sicherheitsrats bekräftigt die internationale Empörung über die Annexion Kuwaits durch
den Irak und ruft nach weiteren Schritten, die unter
Umständen erforderlich sind, um die irakische Aggression zunichte zu machen.
Zeit ihres Bestehens ist das Potential der Vereinten
Nationen als Kraft für Frieden und Stabilität niemals
deutlicher zutage getreten. Das ist zu einem nicht
unerheblichen Teil auf die einmalige Zusammenarbeit
zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion zurückzuführen - eine Zusammenarbeit, wie sie zu
Zeiten des kalten Kriegs undenkbar gewesen wäre.
AMERIKA DIENST 43

Darüber hinaus beruht es auf der Unterstützung der
Arabischen Liga und der Bewegung der Blockfreien
und auf der nahezu einmütige Haltung der internationalen Staatengemeinschaft.
Niemals in der jüngeren Vergangenheit haben soviele
Länder zusammen gehandelt, um Aggression und
Grausamkeit zu verurteilen.
Das Ergebnis ist die politische und wirtschaftliche
Isolation des Irak. Die Wirtschaftssanktionen gegenüber dem Irak zeitigen erste Auswirkungen. Der Irak
hat keine Öleinnahmen mehr. Der Mangel an Ersatzteilen wird seinen Tribut von der irakischen Industrie
und - was noch wichtiger ist - von der irakischen
Kriegsmaschinerie fordern. Die Sanktionen brauchen
Zeit, um zu greifen, aber wenn sie das tun, wird die
importabhängige irakische Wirtschaft einen hohen Preis
zahlen müssen.
Bagdad ist sich dessen bewußt, deshalb sucht es
verzweifelt Schwachstellen zu finden, die internationale Koalition zu spalten und die Sanktionen zu umgehen. Und deshalb müssen wir weiterhin fest zusammenstehen - bis Saddam Hussein es aufgibt, die
Sanktionen brechen zu wollen und wieder Mitglied der
zivilisierten Gesellschaft wird, indem er die Resolutionen des Sicherheitrats befolgt.
Auf militärischer Ebene haben wir zur Förderung der
Resolutionen des Sicherheitrats gemeinsam mit 27
anderen Ländern Truppen oder Gerät an den Golf
entsandt. Viele tausend arabische und moslemische
Soldaten stehen in Saudi-Arabien jetzt Seite an Seite
mit Amerikanern und Europäern. Und diese multinationalen Landstreitkräfte werden von starken multinationalen Truppen zur See und in der Luft unterstützt.
Zum Vergleich - im Koreakrieg stellten lediglich 14
Länder Streitkräfte bereit.
Wir müssen unsere militärische Mission eindeutig
darlegen. Unser militärisches Ziel besteht in der
Abschreckung eines irakischen Angriffs auf SaudiArabien, dem Schutz des Lebens amerikanischer Bürger
und der Gewährleistung der effektiven Verwirklichnug
der Resolutionen des Sicherheitrats. Ohne diese
Streitkräfte wären die irakischen Nachbarn unter
Umständen Angriffen ausgesetzt, wenn sie die Wirtschaftssanktionen durchzuführen versuchten.
Unsere Streitkräfte sind ebenfalls zu einer effektiven
und entschiedenen militärischen Reaktion bereit, wenn
die Situation dies erfordern sollte.
Saddam Hussein muß erkennen, daß die Geduld der
internationalen Staatengemeinschaft Grenzen hat.
Darüber hinaus muß er sich darüber im klaren sein,
daß ein potentieller Einsatz chemischer oder biologischer Waffen sehr ernsthafte Konsequenzen nach
sich ziehen wird.

Seite 3

�Der Präsident hat unsere Position eindeutig dargelegt:
Wir ziehen natürlich eine friedliche Lösung vor, die im
Einklang mit dem Mandat der Resolutionen des Sicherheitsrats steht. Wir schöpfen alle erdenklichen
diplomatischen Möglichkeiten aus, um ohne weiteres
Blutvergießen zu einer solchen Lösung zu kommen.
Dennoch werden alle Optionen in Erwägung gezogen.
Und es darf kein Zweifel daran bestehen: Wir werden
den möglichen Einsatz von Gewalt nicht ausschließen,
falls der Irak weiterhin Kuwait besetzt hält.
Seit der Invasion bin ich viel gereist, um unsere Verbündeten und Freunde zu besuchen und ihnen die
Botschaft zu überbringen, daß es unsere gemeinsame
Pflicht ist, diese Sache zu Ende zu führen. Und sie
haben reagiert. Unsere Freunde am Golf, in Europa
und Asien haben zusätzliche 20 Milliarden Dollar bereitgestellt, um sowohl die wirtschaftlich am stärksten
betroffenen Frontstaaten - Ägypten, die Türkei und
Jordanien - als auch unseren eigenen militärischen
Aufmarsch zu unterstützen. Wir sind zuversichtlich,
daß weitere Unterstützung hinzukommt, wenn der
Konflikt bis 1991 fortdauern sollte. Insgesamt leisten
54 Länder ihren militärischen oder wirtschaftlichen
Beitrag zu den Bestrebungen gegen die irakische
Aggression.
Wir haben also den Stein ins Rollen gebracht. Jeden
Tag bei Sonnenuntergang ist der Irak schwächer.
Jeden Tag, wenn die Sonne aufgeht, verpflichtet sich
die internationale Staatengemeinschaft zur Durchführung der Resolutionen des Sicherheitsrats. Früher
oder später - wir alle hoffen früher - muß auch der
irakische Diktator bemerken, daß er in ernsthaften
Schwierigkeiten steckt und daß diese Schwierigkeiten
täglich zunehmen.
Früher oder später, auf die eine oder andere Weise,
muß der Irak die Resolutionen des Sicherheitsrats
befolgen. Wenn er das tut, werden die Aussichten für
den Frieden am Golf und im Nahen Osten zweifellos
steigen. Wenn er das tut, werden sich auch die
Aussichten für eine friedliche Weltordnung verbessern.
In der Zwischenzeit widersetzen sich die Vereinigten
Staaten Versuchen, dem Irak seine Aggression zu
lohnen - auch wenn er den Sirenengesamg einer
"Teillösung" anstimmt.
Sollten Zweifel über die furchtbaren Konsequenzen
einer Teillösung aufkommen, möchte ich Sie zu einer
genauen Betrachtung dessen auffordern, was Saddam Hussein dem kuwaitischen Volk antut. Weil er
den Zugang zur wahren Geschichte Kuwaits kontrolliert, kann diese Geschichte nicht oft genug erzählt
werden.
Es ist eine Geschichte der Barbarerei in ihrer ursprünglichsten und schrecklichsten Form, der Vergewalti-

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gung Kuwaits. Viele Berichte kann man kaum glauben. Zum Beispiel den Bericht eines Elternpaares, das
zwei kranke Kinder ins Krankenhaus bringen will. Auf
ihrem Weg dorthin mußten sie eine irakische Streife
passieren. Als sie um Gnade und darum baten, ihren
Weg fortsetzen zu dürfen, erschoß der irakische Soldat beide Kinder, er "heilte sie", um mit seinen Worten
zu sprechen.
Und denken Sie an den Zoo von Kuwait. Irakische
Soldaen ließen die Löwen und Tiger frei und nahmen
sie dann als Zielscheibe für Schießübungen. Sie
hatten jedoch nicht immer Erfolg. Ein Löwe entkam
und zerfleischte ein junges kuwaitisches Mädchen.
Auch unseren noch in Irak und Kuwait befindlichen
Mitbürgern hat er einen politischen und wirtschaftlichen Krieg erklärt. In strategischen Einrichtungen
werden über 100 amerikanische Staatsbürger als
menschliche Schutzschilde festgehalten.
Diese
Amerikaner sind gezwungen, auf von Ungeziefer verseuchten Betonböden zu schlafen. Sie werden tagsüber im Dunkeln gehalten und nur bei Nacht ins Freie
gelassen. Sie erhalten nur zwei Mahlzeiten pro Tag.
Viele von ihnen werden krank während sie diese
schreckliche Prüfung erdulden müssen. Der bloße
Gedanke an Amerikaner als menschliche Schutzschilde ist unerträglich.
Das Leben derjenigen, die Saddams Soldaten entkommen sind, ist genauso schrecklich. Ihre Tage sind
von Terror erfüllt. Nahrungsmittel und Wasser zu
beschaffen - und damit die grundlegendsten menschlichen Bedürfnisse zu erfüllen - kann tödlich sein.
Wir alle leiden mit diesen Menschen - unschuldigen
Amerikanern und anderen Staatsbürgern, die in Saddam Husseins tödlichen Ambitionen gefangen sind. In
den meisten Fällen können wir diesen Amerikanern
unsere Sorgen und unser Mitgefühl nicht direkt übermitteln. Aber das mindert weder den Schmerz, den wir
angesichts ihrer Notlage empfinden noch unseren
Wunsch, alle Aspekte der irakischen Aggression zunichte zu machen.
Wir verstehen die Sorgen ihrer Angehörigen hier zu
Hause. Der Mut, den sie angesichts Saddam Husseins Manipulation bewiesen haben, ist beeindrukkend. Wir beglückwünschen sie zu ihrer Entschlossenheit und Haltung, ihrer Einheit angesichts allen
Unglücks. Wir werden auch sie nicht vergessen.
Diese Aggression betrifft nicht nur unsere Staatsbürger, sondern auch die kleine Gruppe amerikanischer
Diplomaten, die immernoch die amerikanische Flagge
über Kuwait wehen lassen. Ihnen werden Nahrungsmittel, Wasser und Strom verweigert. Aber der Mut hat
sie nicht verlassen. Seit dem 2. August habe ich häufig
mit Botschafter Howell gesprochen, zum letzten Mal in
der vergangenen Woche. Er und unsere anderen
Diplomaten in Kuwait dienen unserer Nation nach wie

AMERIKA DIENST 43

�vor in herausragender Weise. Sie schlagen immer
noch zurück.
Sie geben genausowenig auf wie wir.
Der Golf und die Rolle der Vereinigten Staaten in
der Welt

den die Augen davor verschließen. Kein Diktator darf
denken, wir seien taub gegenüber der Alarmglocke,
wenn unsere Prinzipien angegriffen werden. Und
niemand sollte glauben, daß die Vereinigten Staaten
auf ihre internationale Führungsrolle verzichten werden, weil der kalte Krieg vorüber ist.

Zu Beginn dieses Konf linkts mu ßten sich der Präsident
und ich ebenso wie alle anderen, die mit diesem
Problem konfrontiert sind, dieselben Fragen stellen
wie Sie jetzt: Warum müssen die Vereinigten Staaten
die Führungsrolle übernehmen? Warum müssen unsere
Kinder da draußen in der Wüste sein? Nun da der kalte
Krieg vorüber ist, können wir diesen nicht einfach
übergehen?

Ich darf Sie daran erinnern, daß das Engagement der
Vereinigten Staaten in der Weltpolitik aus der Überzeugung herrührt, die sich auf harte und schreckliche
Erfahrungen gründet. Wir sind nicht im Spiel, nur um
einen Schlag zu führen und dann nach Hause zu
gehen. Wir müssen uns für die Zukunft einen langen
Atem bewahren. Und was immer die Neinsager von
sich geben - unsere moralischen Prinzipien und materiellen Interessen machen uns zu einem Führer.

Meine Damen und Herren, dieser Kampf geht um die
Welt, in der wir leben wollen, die Nation, die wir sind
und das Vermächtnis, das wir unseren Kindern hinterlassen wollen.

Aus diesem Grund sind wir am Golf, und aus diesem
Grund müssen wir dort bleiben.

Der kalte Krieg ist vorbei, das ist richtig. Wir haben
über 40 Jahre lang gekämpft und Opfer gebracht, weil
wir keine Welt dulden wollten, die für Josef Stalin und
seinesgleichen sicher war.
Das amerikanische Volk ist nicht diesen langen, schweren Weg gegangen, um die Welt für Saddam Hussein
und seinesgleichen sicher zu machen.
Keine Nation darf denken, sie könne sich eine andere
Nation einverleiben, und die Vereinigten Staaten wür-

Werden wir den Mut und die Kraft haben, für das
einzustehen, was wir im Grunde unseres Herzens für
richtig halten? Ist Saddam Husseins Welt das Vermächtnis, das wir unseren Kindern hinterlassen wollen? Haben sich die Nationen der Welt umsonst
versammelt, um die Grundsätze der UN-Charta zu
verteidigen?
Ich glaube, Sie kennen die Antwort auf diese Fragen.
Es gibt eine Moral unter den Nationen. Aggression darf
kein Erfolg beschieden sein.
Die Vereinigten Staaten werden das richtige tun.

* *

AMERIKA DIENST 43

*

Seite 5

�UMWELT
31. Oktober 1990

KONGRESS VERABSCHIEDET UMFASSENDES GESETZ
ZUR REINHALTUNG DER LUFT
Unterzeichnung durch Präsident Bush erwartet

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Senat und
das Repräsentantenhaus haben mit überwältigender
Mehrheit eine einschneidende Gesetzesvorlage verabschiedet, die mittels einer Reihe innovativer Maßnahmen die Verbesserung der Luftqualität zum Ziel
hat.
Die Gesetzesvorlage ist jedoch Schätzungen des
Weißen Hauses zufolge mit beträchtlichen Kosten rund 25 Milliarden Dollar - für die amerikanische Industrie verbunden, von denen ein Großteil erwartungsgemäß auf die Verbraucher umgelegt wird.
Der Gesetzentwurf wurde vom Repräsentantenhaus
am 26. Oktober 1990 mit 401 zu 25 Stimmen und vom
Senat am 27. Oktober mit 89 zu 10 Stimmen verabschiedet.
"Dies ist ein bedeutender Meilenstein bei der Erhaltung der natürlichen Ressourcen der Vereinigten Staaten und ich sehe der Unterzeichnung der Gesetzesvorlage gern entgegen", erklärte Bush im Anschluß an die
Abstimmung im Senat.
Der Gesetzentwurf stellt eine Erweiterung des Gesetzes zur Reinhaltung der Luft aus dem Jahr 1970 und das
Ende nahezu 10jähriger fruchtloser Versuche zur
Verschärfung dieses Gesetzes dar.
Das Abkommen sieht neue Kontrollmaßnahmen zur
Erlangung einer bestimmten Luftqualität in verschmutzten Gebieten vor, ruft Programme für vermehrten
Einsatz sauberer Brennstoffe in diesen Gebieten ins
Leben, verschärft die Abgasnormen für Automobile,
schafft ein Programm zu Verringerung des sauren
Regens und fordert das schrittweise Verbot von Produktion und Einsatz von Chemikalien, mit denen die
Ozonschicht der Atmosphäre abgebaut wird. Darüber
hinaus sieht es ein Programm zur Umschulung und
Abfindung von Arbeitnehmern vor, die ihren ArbeitsAMERIKA DIENST 43

platz infolge der Einhaltung des Gesetzes zur Reinhaltung der Luft verlieren.
Im folgenden die wesentlichen Bestandteile des Gesetzes:
Normen zur Luftqualität in verschmutzten Gebieten
Dem amerikanischen Umweltschutzamt (EPA) zufolge erfüllen derzeit 96 Gebiete der Vereinigten Staaten
die Bundesnormen für bodennahes Ozon - dem Hauptbestandteil städtischen Smogs - nicht. Ferner erfüllen
41 Gebiete laut EPA die Kohlenmonoxidnormen nicht,
und 70 Gebiete liegen unterhalb der Normen für kleine
Partikel (Staub, Schmutz, Ruß und Rauch).
Im Rahmen der Bundesgesetzgebung müßten sich
alle außer neun Bereichen bis November 1999 an
diese Normen halten, alle au ßer Los Angeles, Baltmore und New York bis November 2005, Baltimore und
New York bis November 2007 und Los Angeles bis
November 2010. Die Nichtbefolgung könnte zu einer
Kürzung bestimmter Bundesmittel führen.
Um stetige Fortschritte bei der Verwirklichung der
Bundesozonnormen zu erzielen, müssen alle mäßig
oder stärker verschmutzten Gebiete die Smogkonzentration innerhalb von sechs Jahren um 15 Prozent
senken. Danach müßten die stark oder mehr verschmutzten Gebiete alle drei Jahre weitere Reduzierungen um 9 Prozent vornehmen, bis sie den Bundesnormen entsprechen.
Luftqualitätsnormen für "mobile Einheiten"
Mobile Einheiten - Autos, Lastwagen, Busse und andere
Fahrzeuge - verursachen etwa die Hälfte des gesamten Smogs/der Ozonverschmutzung in den Städten
des Landes und sind für etwa 90 Prozent der Kohlenmonoxidbelastung verantwortlich.
Seite 1

�Ab 1995 müssen in den neun Städten mit der schlimmsten Ozonverschmutzung sauberere Treibstoffe verfügbarsein. In etwa 25 Städten mit den gravierendsten
Smogproblemen müssen die Autohersteller mindestens 150 000 Kraftfahrzeuge jährlich produzieren, die
mit alternativen, sauberen Treibstoffen fahren können.

von anderen Versorgungswerken und Industrieeinrichtungen ausgestoßen. Stickoxide fallen bei Kraftwerken, industriellen Verursachem, Pkw, Lkw und
Bussen an. Zur Zeit gibt es keine gesetzlichen Beschränkungen der Emissionen, die den sauren Regen
zur Folge haben.

Bis 1994 müssen 40 Prozent aller in den Vereinigten
Staaten verkauften Neufahrzeuge strengere Maßstäbe bei den Abgasen erfüllen - eine 30prozentige Reduzierung des gegenwärtigen Stands der Kohlenwasserstoffemission und eine 60prozentige Minderung der
Stickoxidemissionen. Bis 1998 müssten alle Neufahrzeuge den neuen Normen entsprechen. Frühere
Abgasnormen werden bis zu 50 000 Meilen oder fünf
Jahren beibehalten. Dieser Zeitraum würde nach der
neuen Gesetzgebung auf zehn Jahre oder 100 000
Meilen verlängert.

Das neue Gesetz sieht bis zum Jahr 2000 eine Reduzierung der Schwefeldioxidemissionen um 10 Millionen Tonnen pro Jahr und der Stickoxide um über zwei
Millionen Tonnen pro Jahr vor. Die Emissionen würden in zwei Phasen abgebaut. In Phase 1 müßten 111
Kraftwerksblöcke, die gegenwärtig die höchsten Schwefeldioxidmengen ausstoßen, diese Emissionen bis zum
Jahr 1995 auf einen bestimmten Anteil pro erzeugter
Energieeinheit verringern. Für Kraftwerke, die zur
Einhaltung dieser Grenzwerte Filter installieren, wird
die Frist zur Einhaltung der neuen Normen bis 1997
verlängert. In Phase 2 müssen die großen Kraftwerke
bis zum Jahr 2000 ihre Emissionswerte nochmals
verringern. Diese Frist würde bei Werken, die neue
Technologien zur reineren Kohleverbrennung einsetzen, bis zum Jahr 2004 verlängert. Das Gesetz legt
eine Höchstgrenze für den Gesamtausstoß an Schwefeldioxidfest, die nach dem Jahr 2000 von Elektrizitätswerken produziert werden dürfen. Die Elektrizitätswerke müssen darüber hinaus vom Jahr 1995 an die
Stickoxidemissionen um zwei Millionen Tonnen jährlich - etwa 25 Prozent - verringern.

Toxische Luftschadstoffe
Chemische Fabriken sind die größten Verursacher
industrieller Emissionen toxischer Luftschadstoffe und
für etwa 35 Prozent der Gesamtemissionen verantwortlich. Andere wichtige Verursacher sind die Papier-, Plastik-, Gummi-, Auto und Metallindustrie. Das
Gesetz zur Luftreinhaltung von 1970 verpflichtet das
EPA, Luftschadstoffe zu benennen, die den Tod oder
schwere Krankheiten verursachen und Emissionsnormen für diese Schadstoffe aufzustellen. Bis jetzt hat
der EPA für weniger als 10 toxische Schadstoffe Emissionsnormen aufgeteilt.
Das neue Gesetz setzt 189 solcher Schadstoffe auf
eine verbindliche Liste und fordert das EPA auf, Normen für alle Kategorien wichtiger Verursacher aufzustellen - diejenigen, die über 10 Tonnen eines jeden
aufgelisteten Schadstoffs oder über 25 Tonnen einer
beliebigen Kombination dieser Schadstoffe jährlich
emittieren. In den nächsten zehn Jahren müssen
umweltverschmutzende Betriebe die beste verfügbare
Technologie nutzen, um.- gemessen am Stand von
1987 - die Emissionen der wichtigsten toxischen
Chemikalien um 90 Prozent zu reduzieren.
Nach dem Einbau dieser Technologie müßte das EPA
noch schärfere Normen erlassen, falls das Krebsrisiko
über ein bestimmtes Niveau hinaus ansteigt.
Saurer Regen
Zwei chemische Stoffe, Schwefeldioxid und Stickoxide, bilden die wichtigsten Ursachen des "sauren
Regens". Diese Verbindungen steigen in die Luft auf,
vermischen sich mit Feuchtigkeit und fallen dann in
Form von saurem Regen oder Schnee häufig Hunderte von Kilometern von der Quelle entfernt. Etwa 50
Prozent der Schwefeldioxidemissionen in den Vereinigten Staaten stammen aus großen Kohlekraftwerken in neun Staaten des Mittelwestens, der Rest wird

Schutz des stratosphärischen Ozons
Das Gesetz sieht die völlige Einstellung der Herstellung und Anwendung von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) und anderer die Ozonschicht schädigender chemischer Stoffe vor. Bis zum Jahr 2000 muß
die Herstellung der fünf zerstörerischsten FCKW-Typen,
der drei zerstörerischsten Halone sowie von Kohlentetrachlorid eingestellt werden. Die Produktion von
Methylchloroform muß bis zum Jahr 2002 eingestellt
werden.
Das Gesetz gestattet eine begrenzte Produktion von
Methylchloroform bis zum Jahr 2004 für den unerläßlichen Bedarf, falls kein sicherer und wirksamer Ersatzstoff erhältlich ist. Es gestattet ferner die begrenzte Herstellung anderer oben aufgeführter Stoffe bis
zum Jahr 2009 für den Export in Entwicklungsländer,
die das Montrealer Protokoll von 1987 (mit dem ein
internationales Programm zur Halbierung der ozonschädigenden Chemikalien bis zum Jahr 1998 eingeführt wurde) unterzeichnet haben.
Für eine andere Kategorie weniger gefährlicher chemischer Stoffe, gegenwärtig 33 spezifizierte FCKW, würden
die Produktionsniveaus bis zum Jahr 2015 eingefroren
und bis zum Jahr 2030 vollständig abgebaut. Eine
begrenzte Verlängerung ist für solche FCKW vorgesehen, die für medizinische Geräte oder den Export in
Entwicklungsländer vorgesehen sind.
* *

Seite 2

*
AMERIKA DIENST 43

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Golfkrise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker schließt Militäreinsatz gegen den Irak nicht aus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede beim World Affairs Council in Los Angeles&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Golfkrise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Chronologie der Ereignisse vom 1. bis 15. Oktober&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kongress verabschiedet umfassendes Gesetz zur Reinhaltung der Luft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Unterzeichnung durch Präsident Bush erwartet&lt;/em&gt;</text>
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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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7. November 1990

44

GOLFKRISE

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse
vom 1. bis 15. Oktober 1990
DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse
vom 17. bis 30. Oktober 1990

TERRORISMUS

IRAKS UNTERSTÜTZUNG DES TERRORISMUS
Übersicht des Weißen Hauses

UMWELT

DAS GESETZ ZUR LUFTREINHALTUNG UND
SEINE AUSWIRKUNGEN AUF
KRAFTFAHRZEUGE, INDUSTRIE
UND KRAFTWERKE
Eine Übersicht

Die in der vergangene Woche angekündigte Chronologie der Ereignisse am Golf vom
1.-15. Oktober wird aufgrund eines technischen Versehens in der heutigen Ausgabe
nachgeliefert

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
7. November 1990

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom 17. bis 30. Oktober 1990
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend führen wir die Chronologie der Ereignisse am Golf für die Zeit vom 17. bis
30. Oktober fort.

17. Oktober
Außenminister Baker erklärt vor dem Auswärtigen
Ausschuß des Senats, die Iraker "löschen Kuwait als
Land und als Gesellschaft aus". Die Vereinigten
Staaten streben Baker zufolge nach einer "friedlichen
politischen und diplomatischen Lösung" für die Lage
am Golf. "Wir können die Möglichkeit des Einsatzes
von Gewalt nicht ausschließen ... wir haben sie aber
auch nicht bewußt herbeigeführt."
18. Oktober
In einem nach einem zweitägigen Arbeitsbesuch in
Nigeria veröffentlichten gemeinsamen Kommunique
fordern Präsident Gnassingbe Eyadema aus Togo und
Präsident Ibrahim Babangidaaus Nigeria den Irak zum
Abzug aus Kuwait auf und bekunden ihre Unterstützung für die Resolution des UN-Sicherheitsrats, in der
alle friedlichen Bestrebungen zur Lösung der Golfkrise
begrüßt werden.
19. Oktober
Einer amtlichen Bekanntmachung aus Bagdad zufolge
stellt der Irak Ausländern, die im irakisch besetzen
Kuwait leben, ein zweiwöchiges Ultimatum, um sich
bei den Einwanderungsbehörden registrieren zu lassen, andernfalls würden sie bestraft. Gründe für diese
Maßnahme werden nicht genannt.
20. Oktober
Die Interparlamentarische Union (IPU) fordert den
"unverzüglichen Abzug der irakischen Truppen aus
Kuwait" und fordert "alle Parlamentarier und Regierungen" auf, die neun bisher verabschiedeten Resolutionen des UN-Sicherheitsrats zu unterstützen und

AMERIKA DIENST 44

das Embargo gegenüber Bagdad strikt zu befolgen.
Die IPU ist eine der ältesten internationalen Organisationen der Welt. Mehr als 450 Parlamentsabgeordnete
aus 88 Ländern trafen sich in Montevideo. Die Resolution der IPU bezeichnet Iraks Invasion als "Akt der
Aggression", der"die Integrität jedes Landes der internationalen Staatengemeinschaft bedroht".
22. Oktober
König Fahd erklärt, Saudi-Arabiens Haltung gegenüber "Iraks krimineller Aggression gegenüber Kuwait
ist entschlossen, unwiderruflich, eindeutig und unzweifelhaft." Dem König zufolge ist diese Haltung in all
ihren Punkten kein Gegenstand von Verhandlungen.
Der französische Verteidigungsminister Chevenement
und US-Verteidigungsminister Cheney erklären in einer
gemeinsamen Pressekonferenz, die Vereinigten Staaten und Frankreich seien gleichermaßen der Meinung,
daß Saddam Hussein im Einklang mit den UN-Resolutionen zum Persischen Golf seine Streitkräfte aus
Kuwait abziehen muß.
23. Oktober
Präsident Bush bekräftigt in seinen Reden in New
Hampshire und in Vermont, im Hinblick auf die irakische Aggression "kann es niemals einen Kompromiß
geben". Er beschuldigt Saddam Hussein, "kleine
Botschaften in Kuwait auszuhungern" und erklärt, der
Akt "ist eine grobe Verletzung der Menschenwürde".
Bush nennt die irakischen Greueltaten "Verbrechen
gegen die Menschlichkeit", die Grundlage von Gerichtsverfahren im Stil der Nürnberger Prozesse nach
dem Zweiten Weltkrieg sein könnten, in denen die
Nazi-Kriegsverbrecher abgeurteilt wurden.

Seite 1

�25. Oktober

29. Oktober

Verteidigungsminister Cheney erklärt, die Vereinigten
Staaten würden unter Umständen zusätzliche Truppen an den Golf schicken.

Mit 13:1 Stimmen bei Enthaltung von Kuba und Jemen
verabschiedet der UN-Sicherheitsrat die Resolution
674, seine zehnte Resolution mit dem Ziel, den Irak
zum Abzug aus Kuwait zu zwingen. Diese Maßnahme
26. Oktober
fordert ein sofortiges Ende der Geiselnahmen und
appelliert an den Irak, für unverzüglichen Zugang zu
CIA-Direktor William Webster erklärt, der Golf könne
Nahrungsmitteln, Wasser und elementaren Dienstleisolange nicht sicher sein, wie Saddam Hussein den
stungen zu sorgen, die zum Schutz von Kuwaitern und
Irak regiert. Er deutet an, daß es zur Aufrechterhaltung
Angehörigen von Drittstaaten, einschließlich von Dides Friedens erforderlich sein könnte, das Waffenarplomaten, in Kuwait erforderlich sind. Die Resolution
senal des Irak zu zerstören. Vertreter des Pentagon
stellt fest, daß der Irak für sämtliche durch die Invasion
stellen fest, die Vereinigten Staaten beabsichtigten bis
Kuwaits verursachten Verluste haftbar gemacht wird.
zum Jahresende die Entsendung von mindestens 50 000
Sie betont die dringende Notwendigkeit des unverzügbis vielleicht sogar 100 000 zusätzlichen Soldaten
lichen und bedingungslosen Abzugs aller irakischen
sowie mehreren hundert weiteren Panzern in den
Truppen aus Kuwait, der Wiederherstellung von SouNahen Osten.
veränität, Unabhängigkeit und territorialer Integrität
Das bulgarische Parlament beschließt, eine aus Frei- Kuwaits sowie der Autorität seiner legitimen Regiewilligen bestehende Militäreinheit zu entsenden, die rung.
sich als Teil der UN-Bemühungen gegen den Irak der
multinationalen Streitmacht am Golf anschließen soll. Außenminister Baker erklärt, daß der irakische PräsiDie Freiwilligen, zu denen auch Ärzte und Sanitätsper- dent Saddam Hussein "sich der Tatsache bewußt
sonal gehören werden, sollen eine Einheit für Abwehr- werden muß, daß der Geduld der internationalen
Staatengemeinschaft Grenden gesetzt sind". In einer
maßnahmen gegen chemische Kriegführung bilden.
Rede in Los Angeles stellt Baker fest, Saddam HusDie Generalversammlung der Internationalen Zivilluft- sein müsse darüber hinaus erkennen, daß er im Falle
fahrtorganisation (ICAO) verabschiedet eine einmüti- eines Einsatzes von chemischen oder biologischen
ge Resolution, derzufolge die Mitgliedstaaten weder Waffen "mit den schlimmsten Folgen rechnen muß.
Ersatzteile noch Dienstleistungen für die nach der Wir können den möglichen Einsatz von Gewalt nicht
Invasion Kuwaits durch den Irak beschlagnahmten 15 ausschließen, falls der Irak Kuwait weiterhin besetzt
kuwaitischen und 1 britisches Flugzeug zur Verfügung hält."
stellen dürfen. Diese technische UNO-Behörde mit
Sitz in Montreal, die alle Aspekte der internationalen 30. Oktober
Zivilluftfahrt regelt, verurteilt die Plünderung des interDie Gründung einer neuen irakischen Oppositionsparnationalen Flughafens von Kuwait durch den Irak seit
tei, der Ummah-Partei, in der die meisten der 17
der Invasion am 2. August.
irakischen politischen Gruppierungen außerhalb des
Irak zusammengeschlossen sind, wird von ihrem
27. Oktober
Präsident, Sad Salih Jabr, bekanntgegeben. In einer
Der amerikanische Kongreß stimmt einem Schulden- in London veröffentlichten Presseerklärung bekräftigt
moratorium für Ägypten bis zum 31. März 1991 zu und Jabr "de Ablehnung der Übergriffe von Saddam Hussein
ermächtigt den Präsidenten, Ägypten sämtliche Schul- sowohl innerhalb als auch außerhalb Kuwaits durch
den einseitig zu erlassen, falls er zu dem Schluß das irakische Volk". Ziel der neuen Ummah-Partei ist
kommt, daß dies lebenswichtig für die nationale Si- Jabr zufolge die Gewährleistung individueller und
cherheit der Vereinigten Staaten ist und unter Berück- gesellschaftlicher Freiheit sowie die Achtung der
sichtigung der wirtschaftlichen Auswirkungen der Nachbarstaaten des Irak und des Völkerrechts.
Golfkrise auf die ägyptische Volkswirtschaft.

*

Seite 2

*

* *

AMERIKA DIENST 44

�GOLFKRISE
31. Oktober 1990

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom 1. bis 15. Oktober
Nachfolgend veröffentlichen wir eine Chronologie der wichtigsten Ereignisse im Zusammenhang mit der
Golfkrise für den Zeitraum vom 1. bis 15. Oktober 1990.

1. Oktober
Der US-Senat verabschiedet eine Resolution, in der
Präsident Bushs Bestrebungen, "die irakische Aggression abzuschrecken", unterstützt werden.
3. Oktober
Die bei den Vereinten Nationen zusammentretenden
Außenminister der Organisation der Islamischen
Konferenz (OIC) verurteilen die irakische Invasion
Kuwaits auf das schärfste, erklären die Annexion für
null und nichtig und fordern die Befolgung der Resolutionen des Sicherheitrats durch den Irak.

Amnesty International beschuldigt irakische Soldaten,
seit der irakischen Invasion Kuwaits am 2. August
unzählige Menschen gefoltert und exekutiert zu haben, unter anderem halbwüchsige Jungen. Der Bericht basiert auf Interviews mit vielen Menschen, die
aus Kuwait geflohen sind sowie mit Opfern und Augenzeugen von Mißhandlungen, die von zwei Vertretern
von Amnesty International in Bahrain interviewt wurden.
4. Oktober
Das irakische Fernsehen zeigt Saddam Hussein bei
seiner angeblich ersten Reise in das besetzte Kuwait.

Im Abschlußkommunique der OIC erklären die Minister ihre einhellige Unterstützung und Solidarität für
den Emir von Kuwait, das Königreich Saudi-Arabien
und andere Golf Staaten, die ausländische Streitkräfte
um Hilfe zur Verteidigung ihres Landes ersucht haben.

In einem Brief an den UN-Generalsekretär beschuldigt
die kuwaitische Exilregierung die irakischen Besetzer
der Durchführung einer Kampagne zur Veränderung
der Bevölkerungsstrukturen in Kuwait.

Das Kommunique fordert den Irak weiterhin auf, "seine
Repressionskampagne im besetzten kuwaitischen
Territorium unverzüglich aufzugeben, umgehend alle
festgehaltenen Bürger von Drittstaaten und Geiseln
freizulassen und deren sichere und ehrenvolle Rückkehr in ihre Heimatländer zu veranlassen".

Mehr als 100 Außenminister und Leiter von UN-Delegationen der Blockfreien-Bewegung veröffentlichen
eine Erklärung, in der die irakische Vorgehensweise
am Golf als "unannehmbar" bezeichnet und der unverzügliche und bedingungslose Abzug aus Kuwait gefordert wird. Alle Länder werden darin aufgefordert, "die
Bestimmungen der einschlägigen Resolutionen des
Sicherheitsrats streng zu befolgen".

Die Stimme Amerikas (VOA) überträgt erstmals täglich Botschaften der Familien an die im Irak und Kuwait
festgehaltenen Amerikaner.
Ein Abgesandter des sowjetischen Präsidenten Gorbatschow fährt in den Nahen Osten. Tass zufolge wird
General Jewgeni Primakow sowohl Bagdad als auch
Amman besuchen, wo er mit König Hussein und PLOChef Arafat zusammentreffen soll.

AMERIKA DIENST 43

5. Oktober
Der sowjetische Sonderbotschafter Jewgeni Primakow, Mitglied von Michail Gorbatschows Präsidialrat,
überbringt beim zweiten Treffen hochrangiger Vertreter beider Länder seit der irakischen Invasion in Kuwait
einen Brief des sowjetischen Präsidenten an den irakischen Präsidenten Saddam Hussein.

Seite 1

�Die Palästinensische Volksarmee/Schwarze- PantherEinheit erklärt in Zypern, ein Angriff auf den Irak werde
die "unverzügliche Vergeltung zu Lande, zur See und
in der Luft" zur Folge haben. Die in Bagdad ansässige
Arabische Befreiungsfront stellt fest, sie werde "energisch und unverzüglich mit machtvollen Schlägen
antworten".

Flüchtlingen aus Kuwait, die über irakische Gewalttaten gegen Kuwait und gegen irakische Staatsbürger
berichten.

Zum Abschluß eines sechstägigen Besuchs in den
Vereinigten Staaten auf Einladung des Vorsitzenden
der Vereinigten Stabschefs, Colin Powell, erklärt der
sowjetische Generalstabsschef Michail Moissejew, die
Sowjets unterstützten die von den Vereinten Nationen
gegen den Irak verhängten Wirtschaftssanktionen,
einschließlich der Luftblockade.

10. Oktober

Verteidigungsminister Cheney stellt fest, daß der Irak
"mehr als 350 000 Soldaten - über 20 Divisionen" im
besetzten Kuwait und im südlichen Irak stationiert hat.
Cheney erklärt, daß sich 25 Staaten - darunter Ägypten, Syrien, Marokko und andere arabische Staaten an der Stationierung von Luft-, See- und Landstreitkräften beteiligt haben.
9. Oktober
In einer von Radio Bagdad ausgestrahlten Botschaft
behauptet Saddam Hussein, der Irak habe eine neue
Rakete (die Steinschleuder oder AI Hajar) entwickelt,
die mit ihrer Reichweite in der Lage sei, die 300 000 zur
Verteidigung des Landes gegen eine mögliche irakische Aggression in Saudi-Arabien stationierten Soldaten der multinationalen Streitmacht zu treffen. Er tut
dies nach Zusammenstößen zwischen israelischen
Sicherheitskräften und palästinensischen Demonstranten in Jerusalem am 8. Oktober und fordert Israel und
die Vereinigten Staaten auf, sich aus arabischen
Gebieten zurückzuziehen.
Das US-Außenministerium berichtet, daß die Iraker
weitere drei Amerikaner im besetzten Kuwait festgenommen haben und jetzt mindestens 104 Amerikaner
vom Irak festgehalten werden.
Japan widerruft seine Einladung an den Irak zur Entsendung eines hochrangigen Vertreters zur Inthronisierung Kaiser Akihitos am 12. November. Ein Sprecher des Außenministeriums erklärt, "angesichts der
irakischen Invasion und Annexion Kuwaits sowie anderer
Handlungen wurde die Einladung an den Irak zurückgezogen".
Der kuwaitische Botschafter in den Vereinigten Staaten, Scheich Saud Nasir al-Sabah, berichtet dem
amerikanischen Kongreß, daß irakische Soldaten die
Zivilbevölkerung Kuwaits terrorisieren, sich an Massenexekutionen ohne Gerichtsverfahren, Vergewaltigungen sowie der Plünderung und Verwüstung seines
Landes beteiligten. AI Sabah sagt vordem Menschenrechtsausschuß des Repräsentantenhauses aus,
zusammen mit Zeugen von Amnesty International und

Seite 2

Bolivien kündigt an, daß das Land aufgrund eines
Überfalls irakischer Truppen im vergangenen Monat
seine Botschaft in Kuwait schließen wird.

Dem US-Außenministerium zufolge holen die irakischen Behörden 17 amerikanische Staatsbürger und
deren Familienangehörige aus einer Chartermaschine, mit der Amerikaner und Ausländer aus Kuwait und
dem Irak evakuiert werden. Die übrigen 271 Amerikaner und deren Familienangehörige fliegen an Bord des
von der US-Regierung gecharterten Flugzeugs der
Iraqi Airways nach London.
12. Oktober
Der kuwaitische Botschafter Mohammad Abulhasan
bittet den UN-Generalsekretär, die Lieferung von dringend benötigten Medikamenten nach Kuwait zu veranlassen. Abulhasan zufolge ist die kuwaitische Regierung "alarmiert über die Zahl der Todesfälle infolge
mangelnder Arzneimittel", insbesondere Insulin, Antibiotika und Blutplasma, da die Arzneimittelvorräte in
der Woche nach der Invasion von den irakischen
Streitkräften beschlagnahmt wurden.
13. Oktober
Die politisch Verantwortlichen in Kuwait kommen vom
1 3 . - 1 5 . Oktober 1990 in Dschidda (Saudi-Arabien)
zusammen, um Wege zur Befreiung ihres Landes zu
erörtern und dem irakischen Präsidenten Saddam
Hussein zu signalisieren, daß die irakische Invasion
und Annexion Kuwaits keinen Bestand haben wird.
"Wir sollten unsere Aufmerksamkeit auf das Kuwait
der Zukunft lenken", erklärt der Emir von Kuwait vor
1 200 kuwaitischen Zuhörern beim Volkskongreß und
betont, daß demokratische Reformen in die Wege
geleitet werden. 700 ehemalige Minister und Parlamentsmitglieder, andere gewählte Vertreter der Regierung, Industrie, Gewerkschaften und Pädagogen
waren besonders zur Teilnahme am Kongreß eingeladen worden.
Die derzeitige Lage in Kuwait ist "entschieden schlimmer als wir erwartet haben", erklärt einer der kuwaitischen Organisatoren des zivilen Widerstands gegen
die irakische Invasion, Tareq AI Suwaidan, vor Reportern in Dschidda.
Ihm zufolge wurden in der vergangenen Woche rund
50 Exekutionen vorgenommen. Laut AI Suwaidan hält
der zivile Ungehorsam an und das Volk weigert sich, in
irgendeiner Weise mit dem Regime zusammenzuarbeiten. Es befinden sich noch zwischen 200 000 und
250 000 Kuwaitis im Land, vor der Invasion waren es
700 000.

AMERIKA DIENST 43

�14. Oktober
Premierminister Saad a-Abdallah al Salim al-Sabah,
der am zweiten Tag zu über 1 000 Kuwaitis beim
Volkskongreß in Dschidda spricht, erklärt, die kuwaitische Regierung werde keine andere Lösung als die
vollständige Durchführung der Resolutionen des UNSicherheitsrats akzeptieren, die den unverzüglichen
und bedingungslosen Abzug der irakischen Streitkräfte von kuwaitischem Territorium fordern. Er stellt fest,
die kuwaitische Regierung "behält sich weiterhin das
Recht vor, Entschädigung vom irakischen Regime für
den materiellen und moralischen Schaden an unserem
Volk und Land sowie für all das Kuwait gestohlene
Geld zu verlangen".
15. Oktober
Über 1 000 im Exil lebende Kuwaitis, unter ihnen
Studenten, Intellektuelle und Geschäftsleute geloben
dem Emir bei Beendigung des Kongresses in Dschidda Einheit als "eine Familie". In ihrem Schlußkommunique verurteilen sie die irakische Besetzung Kuwaits

*

AMERIKA DIENST 43

als kriminelle Aggression und Verletzung des Völkerrechts, einschließlich der Charta der Arabischen Liga
und der Vereinten Nationen. Das Kommunique fordert
alle im Exil lebenden Kuwaitis auf, "an der Befreiung
ihres Heimatlandes und der Vertreibung der Aggressoren zu arbeiten".
Die kuwaitische Regierung, die Kuwait beim Einmarsch
der irakischen Streitkräfte am 2. August verlassen
hatte, erklärt ihre Bereitschaft zur Erörterung aller
ungelösten Streitigkeiten mit Bagdad, sobald die
Besatzungstruppen das Emirat verlassen, erklärt
Ölminister Rashid Salem al-Ameeri bei einer Pressekonferenz in Dschidda.
Iran und Irak nehmen nach einem Jahrzehnt der
Feindseligkeiten wieder diplomatische Beziehungen
auf, und die Botschaften in den beiden Hauptstädten
werden erneut geöffnet, berichtet die offizielle iranische Nachrichtenagentur der Islamischen Republik.

*

Seite 3

�TERRORISMUS
7. November 1990

IRAKS UNTERSTÜTZUNG DES TERRORISMUS
Übersicht des Weißen Hauses
Nachfolgend bringen wir eine Übersicht über Maßnahmen des Irak zur Unterstützung des internationalen
Terrorismus, die am 5. November 1990 vom Büro für Öffentlichkeitsarbeit im Außenministerium veröffentlicht
wurde.

Iraks Unterstützung der Terroristen
Saddam Hussein hat einen Djihad oder "Heiligen
Krieg" gegen diejenigen gefordert, die die Verurteilung
des Irak durch die UN unterstützen. Als Reaktion auf
die Erklärung Präsident Bushs, er werde den Irak für
alle terroristischen Anschläge gegen die Vereinigten
Staaten verantwortlich machen, warnte das irakische
Außenministerium am 13. September, die amerikanische Militärpräsenz am Persischen Golf würde "eine
natürliche Reaktion der arabischen und islamischen
Massen zur Folge haben". Zu einem früheren Zeitpunkt hatte der irakische Außenminister Tariq Asis
erklärt, Bagdad habe keine moralische Verpflichtung,
von terroristischen Anschlägen abzusehen, wenn es
von den Regierungen Frankreichs, Großbritanniens
und der Vereinigten Staaten bedroht werde.
Der Irak verfügt über ein weltweites Netz zur Unterstützung terroristischer Operationen. In der Vergangenheit hat Bagdad Angehörige ziviler und militärischer
Nachrichtendienste, diplomatische Einrichtungen, die
Büros irakischer Fluggesellschaften und irakische
Kulturzentren sowohl zur Unterstützung seiner eigenen, vornehmlich gegen regionale Rivalen - Iran und
Syrien - und irakische Dissidenten gerichteten Operationen als auch zur Unterstützung der Operationen
nichtirakischer Gruppen genutzt. Darüber hinaus bietet
Bagdad palästinensischen Terroristengruppen seine
Unterstützung an. Viele dieser Gruppen erklären, sie
seien zur Unterstützung des Irak bereit, indem sie
Anschläge gegen Einrichtungen und Bürger westlicher, gemäßigter arabischer Staaten und Israels durchführen.

AMERIKA DIENST 44

Mehrere Hundert Zivilisten - vor allem aus den Vereinigten Staaten, Westeuropa und Japan - wurden in
strategische Einrichtungen im ganzen Land verschleppt,
und Tausenden anderer Zivilisten wurde die Ausreisegenehmigung verweigert. Einige, die Kuwait und den
Irak verlassen konnten, erklären, sie seien mit Gewalt
aus ihren Häusern geholt und von ihren Familien
getrennt worden.
Staatlich geförderter Terrorismus
Der Irak hat wiederholt unter Beweis gestellt, daß er
Terrorismus als legitimes Mittel zum Schlag gegen
seine aus- und inländischen Gegner ansieht. Während der siebziger Jahre gewährte Bagdad Elementen
der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO)
ebenso Unterstützung wie anderen Gruppen, die den
bewaffneten Kampf gegen Israel und den Westen
befürworteten. Bagdad hat Elementen der PLO-Sicherheitsorganisation AI Fatah und auch Abdullah alHamid Labib (Oberst Hawari) Unterschlupf gewährt,
der in den achtziger Jahren mit einer Welle von Bombenanschlägen in ganz Europa in Verbindung gebracht wurde. Im Jahr 1988 wurde er in Abwesenheit
von einem französischen Gericht für seine Rolle beim
Anlegen eines Waffendepots in Paris verurteilt.
Saddam Hussein hat seit Jahren terroristische Anschläge gegen politische Gegner seines Regimes
verüben lassen. Bagdad ist für die Ermordung von drei
im Exil in Großbritannien, dem Sudan und Norwegen
lebenden Dissidenten verantwortlich.
Der Irak gewährt Dissidentenorganisationen Unterschlupf, die Terroranschläge gegen die Regierungen

Seite 1

�von Syrien und dem Iran verübten und nutzt diese
Verbindungen, um in Zeiten verschärfter Spannungen
den Druck auf seine Rivalen zu erhöhen. In den späten
achtziger Jahren bildeten sechs von Irak aus operierende Dissidentenorganisationen die Syrische Nationale Heilsfront, die den bewaffneten Kampf als Mittel
gegen das Assad-Regime befürworten. Die prominenteste Gruppe innerhalb der Syrischen Nationalen
Heilsfront ist die militante Moslembruderschaft, die
bewaffnete Zellen in Syrien unterhält und Berichten
zufolge im Jahr 1989 Anschläge gegen dessen Diplomaten im Ausland und erneut Anfang 1990 in Brüssel
verübte. Der Irak unterstützt offen die am engsten mit
Terroranschlägen in Verbindung gebrachte iranische
Dissidentengruppe Mudschahedin Khalq und liefert
deren nationaler Befreiungsarmee Waffen.
Der Irak hat historische Verbindungen zu den radikalen Palästinensergruppen, einschließlich der Abu Nidal
Organisation (ANO), Splittergruppen der Volksfrontfür
die Befreiung Palästinas von George Habbash (PFLP)
wie der Volksfront zur Befreiung des Palästinensischen Sonderkommando (PLFP-SC) und der von dem
Bombenspezialisten Abu Ibrahim geführten Organisation 15. Mai. Die Gruppe 15. Mai war für eine Reihe von
Anschlägen verantwortlich, einschließlich der Bombenexplosion an Bord eines Pan Am-Flugzeugs über
Honolulu im Jahr 1982, mehrere Anschläge auf israelische Botschaften und El AI-Büros sowie auf Kaufhäuser in London, Paris und Brüssel. Im Jahr 1979
machten die Vereinigten Staaten den Irak in Abschnitt
6 (j) des Exportkontrollgesetzes für staatlich geförderten Terrorismus verantwortlich.
Der Irak zeigte während des Krieges mit dem Iran von
1980 bis 1988 ein geringeres Interesse an Terroranschlägen gegen westliche Ziele. Anfang des Jahres
1980 unternahm Bagdad eine Annäherung an die
Politik seiner gemäßigten arabischen Nachbarn, indem es seine Unterstützung für nichtpalästinensische
Terroristen teilweise aufgab und vielen Palästinensergruppen Beschränkungen auferlegte. Daraufhin wurde der Irak 1982 von der in den Vereinigten Staaten
geführten Liste der Staaten gestrichen, die den Terrorismus fördern. Als weiteres Beispiel seiner geänderten Politik wies der Irak 1983 die Abu Nidal Gruppe
aus.
Unmittelbar nach dem Krieg mit dem Iran verfolgte
Saddam Hussein seine weitreichenden Ambitionen in
der arabischen Welt weiter. Im Libanon leistete Bagdad mehr Hilfe an antisyrische Gruppen (die libanesische Miliz und syrische Dissidenten) und an palästinensische Terroristengruppen mit historischen Verbindungen in den Irak - der Palästinensischen Befreiungsfront PLF und Oberst Hawari. Anfang August
1990 intensivierte der Irak Kontakte mit mehreren
palästinensischen Terroristengruppen - einige haben
öffentlich mit terroristischen Übergriffen gegen die
Gegner Bagdads gedroht. Am 1. September 1990

Seite 2

setzte die US-Regierung infolge der neuerlichen Unterstützung des Iraks für terroristische Vereinigungen
und seiner Verhaftung von Ausländern den Irak erneut
auf die Liste der Länder, die den Terrorismus unterstützen.
Palästinensische Terroristengruppen sagen dem
Irak Unterstützung zu
Der Irak versucht, seine Unterstützung für palästinensische Gruppen, auch wenn sich sich für den Terrorismus einsetzen, damit zu rechtfertigen, daß sie im
Einklang mit der Politik für den Kampf um einen
Palästinenserstaat stünde. Darüber hinaus sieht der
Irak seine Hilfe als Mittel, das Ansehen des Landes zu
verbessern und vor allem Syrien davon abzuhalten,
die Bewegung für ein unabhängiges Palästina unter
Kontrolle zu bekommen. Bisher haben sich die meisten Palästinensergruppen revanchiert, indem sie dem
Irak politische Unterstützung im Krieg mit dem Iran
anboten, und einige haben dem Irak geholfen, sich
gegen Syrien zu wenden.
In den letzten Wochen haben die Führer verschiedener palästinensischer Terroristengruppen Saddam
Hussein Tribut gezollt und im Falle einer militärischen
Intervention gegen Bagdad Anschläge auf eine große
Bandbreite von Zielen angedroht. Die Kampfbereitschaft des Irak und die Hoffnung auf Unterstützung
haben Gruppen auf den Plan gerufen, die seit langem
den Einsatz von Gewalt zur Lösung des arabischisraelischen Konflikts propagieren.
Palästinensergruppen, einschließlich der PLO-Mitglieder haben gelobt, "jedes verfügbare Mittel" einzusetzen, um Truppen der Vereinigten Staaten und anderer
Länder zum Abzug aus Saudi-Arabien zu bewegen.
Der Führer der Palästinensischen Befreiungsfront,
Abu Abbas, hat den Irakern ausdrücklich seine Unterstützung versichert. Nur wenige Tage nach Bagdads
Invasion in Kuwait forderte er seine Anhänger auf,
"überall das Feuer auf den amerikanischen Feind zu
eröffnen. La ßt die Erde unter den Fü Ben der Amerikaner, der NATO-Invasoren und der Kollaborateure
erbeben." Am 1. Oktober droht Abu Abbas, ein
amerikanisches Flugzeug abzuschießen, falls eine
irakische Maschine im Rahmen der von der UNO
verordneten Luftblockade zur Landung gezwungen
würde. (Die Gruppe unter Abu Abbas hat 1985 das
italienische Kreuzfahrtschiff Achille Lauro entführt und
im Mai 1990 vom Meer einen erfolglosen Angriff auf
Zivilisten an israelischen Stränden geführt. Abu Abbas
Bekenntnis zu diesem Angriff wurde vom irakischen
Rundfunk übertragen.)
Einige von Syrien aus operierende Palästinensergruppen haben ihre Bereitschaft bekundet, Saddam Hussein in einem Konflikt mit den Vereinigten Staaten zu
unterstützen. Ihre Gründe liegen möglicherweise eher
im Enthusiasmus für ihre Organisation begründet als in
der Unterstützung für Bagdads regionale Ambitionen.

AMERIKA DIENST 44

v

&gt;

�Der Leiter der PFLP, George Habbash, hat öffentlich
erklärt, im Irak ein Büro zur Unterstützung Saddam
Husseins eröffnen zu wollen. Er erklärte ferner, seine
Organisation werde im Falle einer militärischen Konfrontation Angriffe gegen die Vereinigten Staaten und
andere Gegner des Iraks führen. In den siebziger und
frühen achtziger Jahren tötete die PFLP im Nahen
Osten und in Europa Zivilisten bei ihren Anschlägen
auf Flugzeuge und Busse.

*

Ahmed Jabrils stark prosyrische Volksfront für die
Befreiung Palästinas - Generalkommando (PFLP-GC)
und die Organisation Abu Musa haben sich vor kurzem
zu Saddam Hussein bekannt. Ende September empfing
Saddam Hussein den Führer der Bewegung des Palästinensischen Islamischen Djihad (PIJ), Scheich AlTamini, der den Irak seiner Unterstützung versicherte.
Die PIJ übernahm die Verantwortung fürden Anschlag
auf einen ägyptischen Bus im Februar 1990, bei dem
es neun Tote und 16 Verletzte gab.
Die Gruppe Abu Nidal gewinnt an Einfluß
Den Vereinigten Staaten zufolge schickt die Gruppe
Abu Nidal (ANO) - eine der gefährlichsten Terroristengruppen - Anhänger ihrer Organisation aus Libyen
zurück nach Bagdad. Seit Gründung der ANO im Irak
im Jahr 1974 haben ihre Mitglieder mehr als 900
Menschen in drei Erdteilen getötet oder verwundet.
Als Gegenleistung für einen sicheren Unterschlupf,
logistische Unterstützung und finanzielle Hilfe führte
die Gruppe jahrelang ihre Operationen mit Hilfe dreier
Länder durch, die den Terrorismus unterstützen - Irak,
Syrien und Libyen. In den letzten Monaten haben
ANO-Führer in mörderischen Kämpfen viele Mitglieder
getötet.
Der Führer der ANO, Sabri al-Banna, war bis 1974
Vertreter der PLO in Bagdad und brach dann zusammen mit anderen Mitgliedern mit der Fatah, weil er die
diplomatischen Bemühungen der PLO-Führung zur
Lösung des arabisch-israelischen Konflikts verurteilte.
In den siebziger Jahren führte die ANO ihre Anschläge
von ihrem Hauptquartier im Irak aus - zumeist gegen
die PLO, syrische und jordanische Ziele. 1980 verfolgten der Irak und die ANO nicht mehr die gleichen Ziele.
Die ANO führte eine Reihe schrecklicher Anschläge
auf Synagogen in Europa durch, die für die Organisation typisch werden sollten. Die Anschläge standen im
Gegenstz zu Bagdads Versuchen, für seinen Krieg mit
dem Iran Unterstützung aus Europa zu gewinnen.
Möglicherweise aufgrund des Drucks aus den Vereinigten Staaten und Europa bestand Bagdad darauf,
daß die ANO ihre Operationsbasis aus dem Irak verlegte.
Syrien hat der Gruppe von Sabri al Banna - bisweilen
mit Hilfe syrischer Geheimdienstoffiziere - gestattet,
ihre Operationen in Europa und Nahost auszuweiten.
Mitte der achtziger Jahre führte die ANO Anschläge in
den Flughäfen von Rom und Wien durch, setzte ihre

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Bomben- und Maschinengewehrattacken gegen Synagogen in Europa und der Türkei fort und beging über
ein Dutzend Anschläge gegen jordanische Ziele, darunter Diplomaten in Ankara und Bukarest sowie Büros
der jordanischen Fluglinie in Europa.
Nach öffentlichen Enthüllungen im Hinblick auf die
syrische Verwicklung in Terroranschläge in Europa
wurde für Syrien der Preis für seine Unterstützung des
Terrorismus höher als der Gewinn. In der britischen
Anklage gegen Nezar Hindawi - den Mann, der versucht hatte, eine Bombe in eine El AI-Maschine zu
schmuggeln - wurden Angehörige des syrischen Luftwaffengeheimdienstes, der syrischen Fluglinie und
der syrischen Botschaft belastet. Daraufhin brach
Großbritannien die diplomatischen Beziehungen zu
Syrien ab, die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutschland beriefen ihre Botschafter zurück,
und die Europäische Gemeinschaft beschloß verschiedene politische und wirtschaftliche Sanktionen gegen
Syrien. Auf Druck der Vereinigten Staaten sowie
europäischer und befreundeter arabischer Staaten
veranlaßten die Syrer im Juni 1987 die ANO zur
Verlegung ihrer Zentrale nach Libyen. Syrien gestattete es jedoch Terroristen der ANO weiterhin, im
syrisch kontrollierten Bekaa-Tal im Libanon zu operieren.
Die ANO, die erhebliche finanzielle und logistische
Unterstützung (einschließlich von Waffen und Reisedokumenten) aus Libyen erhält, führte im Juli 1988
einen Anschlag gegen das griechische Kreuzfahrtschiff City of Porös durch, bei dem neun Zivilisten
getötet und 98 verletzt wurden. Darüber hinaus tötete
die ANO im Mai 1988 acht Personen und verletzte 21
bei ihren Anschlägen auf das Hotel Acropole und den
British Sudan Club in Khartum.
Die ANO hat Stützpunkte im Irak, im Libanon, in
Libyen, Nordafrika und Europa, die für Operationen
gegen die Gegner der irakischen Invasion Kuwaits
benutzt werden konnte. Glaubwürdigen Quellen zufolge sind bereits Agenten der ANO auf dem Weg nach
Europa und Ländern des Nahen Ostens, wo die Behörden Maßnahmen treffen, um terroristische Anschläge
zu verhindern.
Eine internationale Reaktion auf den Terrorismus
Präsident Bush und Außenminister Baker haben
unmittelbar auf die irakische Aggression und die Androhung von Terroranschlägen auf Amerikaner und
Bürger anderer Länder reagiert. Die amerikanische
Regierung arbeitet ferner mit der internationalen Staatengemeinschaft zusammen, um den Irak und die von
ihm unterstützten Gruppen von Geiselnahmen und
Übergriffen auf Zivilisten abzubringen. Zu dieser
Zusammenarbeit gehören auch über diplomatische
Kanäle vorgebrachte Bitten an diejenigen, die bei
Bagdad und den palästinensischen Terrorgruppen
Einfluß haben, diesen zu nutzen, um einem Ausbruch

Seite 3

�internationaler terroristischer Gewalt entgegenzuwir-

mationsaustausch bis zur Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen gegen terroristische Anschläge.

Die Drohung terroristischer Anschläge wird ernstgenommen. Sowohl die Regierung des Irak als auch die
von ihr unterstützten Gruppen haben bereits in der
Vergangenheit solche Operationen durchgeführt. Sie
besitzen die Mittel und Infrastruktur für weitere Aktionen dieser Art. Die amerikanische Regierung gibt
Warnungen für Reisen und Gefahrenhinweise heraus,
mit denen die amerikanische Öffentlichkeit und andere, einschließlich ausländischer Regierungen, auf diese
Bedrohung aufmerksam gemacht werden. Die internationale Staatengemeinschaft bemüht sich daraufhin, die Zusammenarbeit bei der Abwehr des Terrorismus auf Operationsebene zu verbessern - von Infor-

Die Vereinigten Staaten haben klargestellt, daß sie
den Irak für von ihm selbst durchgeführte Terroranschläge wie auch für in seinem Auftrag verübte Anschläge verantwortlich machen. Für den Terrorismus
gibt es keine moralischen Argumente. Die Vereinigten
Staaten werden sich weiterhin zusammen mit anderen
Nationen darum bemühen, rechtlichen, wirtschaftlichen und anderen Druck auf Bagdad auszuüben,
damit der Irak seine Geiselnahme von Zivilisten und
seine Unterstützung für terroristische Gruppen einstellt, die Zivilisten mit Bombenanschlägen, Ermordung und anderen Gewalttaten bedrohen.

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�UMWELT
7. November 1990

DAS GESETZ ZUR LUFTREINHALTUNG
UND SEINE AUSWIRKUNGEN AUF
KRAFTFAHRZEUGE, INDUSTRIE UND KRAFTWERKE
Eine Übersicht
WASHINGTON - (AD) - Im folgenden veröffentlichen wir eine Zusammenfassung der wichtigsten Bestimmungen des am 27. Oktober 1990 vom Kongreß verabschiedeten Gesetzes zur Luftreinhaltung, das sich auf
Unterlagen des Senatsausschusses für Umwelt und öffentliche Versorgungsbetriebe stützt.

Titel I: Bestimmungen für Fälle, bei denen nicht
die Gesundheitsnormen für alle Schadstoffe erfüllt werden
Gegenwärtig entsprechen in den Vereinigten Staaten
über 100 Regionen nicht den Gesundheitsnormen, wie
sie im Gesetz zur Luftreinhaltung von 1970 für Ozon
(Smog) festgelegt wurden, mehr als 40 Regionen
erfüllen nicht die Normen für Kohlenmonoxid, und in
schätzungsweise 58 Regionen übersteigt die Zahl der
Partikel (particulate matter - PM-10) den gesundheitlich unbedenklichen Wert. Die Regierungen der Bundesstaaten und Gemeinden sind zur Durchführung
von Maßnahmen verpflichtet, mit denen die Umweltverschmutzung auf ein Niveau abgebaut wird, das
keine gesundheitliche Bedrohung darstellt. Die Bundesregierung definiert bestimmte Mindestanforderungen und stellt sicher, daß die einzelnen Staaten ihren
Verpflichtungen nachkommen.
Titel I des Gesetzes von 1990 teilt Regionen, die nicht
unter die oben genannten Normen für Umweltverschmutzung fallen, in Kategorien ein, die von der
Dringlichkeit des Problems abhängen und legt für jede
Kategorie unterschiedlich strenge Regeln fest.
Je nach Dringlichkeit des Problems der Umweltverschmutzung müssen Regionen, die nicht die Gesundheitsnormen für alle Schadstoffe erfüllen (sogenannte
"non-attainment areas") innerhalb von 5,10,15 oder
17 Jahren den gesundheitlich unbedenklichen Ozonwert erreicht haben. Im Fall Los Angeles, der Stadt mit
der landesweit höchsten Luftverschmutzung, sollen es
20 Jahre sein.

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Regionen, die nicht die Gesundheitsnormen für jeden
einzelnen Schadstoff erfüllen, müssen vom gegenwärtigen Zeitpunkt bis zur Erfüllung der Norm bestimmte
Zuwachsraten erreichen. Mit dieser neuen Regel wird
ein sofortiger Ozonabbau sichergestellt und zum ersten Mal ein stetiger Fortschritt bis zur Erfüllung der
Norm gewährleistet. Im Fall Ozon müssen einzelne
Regionen die Emission flüchtiger organischer Verbindungen, einer Vorstufe des Ozons, bis zur Erfüllung
der Norm um jährlich 3 Prozent reduzieren (wobei
unter bestimmten Voraussetzungen Ausnahmen zulässig sind).
In Regionen mit überhöhten Ozonwerten müssen
Tankstellen mit einem Umsatz über 380 000 Litern
(bei Kleinbetrieben 190 000 Litern) Benzin monatlich
ihre Pumpen so umrüsten, daß die Emission flüchtiger
organischer Verbindungen reduziert wird.
Programme zur Inspektion und Wartung von Kraftfahrzeugen müssen in ozon- und kohlenmonoxidbelasteten Regionen verbessert und in möglichst vielen
Regionen, wo sie noch nicht existieren, eingeführt
werden.
Das Umweltschutzamt (Environmental Protection
Agency - EPA) muß eine der folgenden Strafen verhängen, wenn eine Region keinen Plan zur Erlangung
einer gesundheitlich unbedenklichen Luftqualitätsnorm
erarbeitet oder durchführt: es muß die Verwendung
von Mitteln aus den Fonds für Bundesautobahnen
kürzen oder bestimmen, daß neue Industrieunternehmen ihre Emissionen um die Hälfte reduzieren.

Seite 1

�Die Definition von Großanlagen wird in der neuen
Gesetzgebung modifiziert, so daß auch kleinere Emittenten flüchtiger organischer Verbindungen ihre Emissionen kontrollieren müssen (45 Tonnen in mäßig oder
stark belasteten Regionen, 22,5 Tonnen in stark belasteten Regionen und 9 Tonnen in extrem stark belasteten Regionen).
Wenn ein Bundesstaat keinen Plan erarbeitet, der die
Gesetzesbestimmungen berücksichtigt, muß das
Umweltschutzamt eine Durchführungsverordnung der
Bundesregierung verfügen.
Das Umweltschutzamt muß für eine Reihe von Verursachem der Umweltverschmutzung, auch für Handelsware und Komsumgüter, Regeln zu deren Kontrolle aufstellen.
Titel II: Bestimmungen für Kraftfahrzeuge
Autos und Lastwagen sind gegenwärtig für 50 Prozent
der Ozonbelastung und 90 Prozent der Kohlenmonoxidbelastung in amerikanischen Städten verantwortlich. Darüber hinaus sind sie die Ursache erheblicher
Emissionen toxischer Schadstoffe. Es sind nicht nur
die Kraftfahrzeuge, sondern ihre Treibstoffe, die zur
Umweltverschmutzung führen.
Das Gesetz beschreibt folgende Maßnahmen zur
Schadstoffreduzierung:
Neue Zusammensetzung des Benzins
Eine saubere Benzin verbrennung mit neu zusammengesetztem Benzin wäre ab 1995 in den neun Städten
mit der stärksten Ozonbelastung Pflicht. Einzelne
Staaten könnten wählen, ob die Regel auch in anderen
Städten mit problematischer Ozonbelastung gelten
soll.
Verglichen mit herkömmlichem Benzin müßte die neue
Zusammensetzung bis 1995 um 15 Prozent niedrigere
Emissionen flüchtiger organischer Verbindungen und
toxischer Stoffe und bis zum Jahr 2000 um 20 bis 25
Prozent niedrigere Werte zur Folge haben. Das Gesetz
enthält darüber hinaus zusätzliche Normen für Sauerstoff, Benzol und Duftstoffe.
Die Vereinbarung sieht ab 1992 in 44 kohlenmonoxidbelasteten Städten einen Sauerstoffgehalt von 2,7
Prozent vor. Diese Bestimmungen werden zur Verwendung von sauerstoffhaltigen Additiven wie Äthanol
und MTBE, einem Naturgasprodukt, ermutigen.
Abgasnormen für Kraftfahrzeuge und Lastwagen
Autohersteller müssen die Abgasemissionen von
Kohlenwasserstoffen und Stickoxiden, die Smog verursachen, jeweils um 35 Prozent und 60 Prozent
abbauen, angefangen bei 40 Prozent der 1994 verkauften Kraftfahrzeuge und gesteigert auf 100 Prozent
bei den 1998 verkauften Kraftfahrzeugen. Vergleichbare Senkungen werden für leichte Lastwagen, wie
Kleintransporter und Pickups gefordert.

Seite 2

Der Zeitraum, in dem Kraftfahrzeuge zurückgerufen
werden können, wenn sie nicht den Emissionsnonnen
entsprechen, würde sich auf 10 Jahre oder 160 000
Kilometer verdoppeln, je nachdem, welcher Stand
eher erreicht wird.
Eine zusätzliche Reduzierung der Kraftfahrzeugemissionen, eine 50prozentige Reduzierung unter die für
Mitte der neunziger Jahre angestrebten Nonnen wäre
nach dem Jahr 2003 erforderlich, wenn das Umweltschutzamt zu dem Schluß gelangt, daß diese neue
Norm notwendig und technisch durchführbar ist.
Andere Regeln
Autohersteller müssen Systeme einbauen, die den
Fahrer alarmieren, wenn ein Emissionskontrollsystem
nicht funktioniert.
Autohersteller müssen ab 1995 in Kraftfahrzeugen
Kanister einbauen, um Kohlenwasserstoffe aufzufangen, die sonst während des Tankens in die Atmosphäre entweichen. Wenn diese Geräte vom Umweltschutzamt und dem Verkehrsministerium als sicher
eingestuft werden, müssen sie stufenweise innerhalb
von drei Jahren eingebaut werden.
Ab 1994 müssen neue Transitbusse mit sauberen
Kraftstoffen wie etwa Erdgas oder Methanol fahren,
um den Normen für Partikel zu enstprechen. Das
Gesetz fördert Emissionen von sauberem Diesel und
neue Testverfahren für Dieselfahrzeuge.
Wie beim gegenwärtigen Gesetz können andere Staaten die Autonormen von Kalifornien übernehmen und
durchführen.
In den am stärksten belasteten Regionen muß eine
verbesserte Inspektion von Kraftfahrzeugen stattfinden. Jährliche, zentral durchgeführte Inspektionsprogramme oder andere Programme, die ebensolche
Reduzierungen in den am stärksten belasteten Regionen, die nicht die Gesundheitsnormen für alle Schadstoffe erfüllen, zur Folge haben, werden Pflicht.
Flottenfahrzeuge
Die Vereinbarung umfaßt ein Programm für Flottenfahrzeuge. Flottenfahrzeuge würden im Rahmen des
Programms erheblich sauberer als konventionelle
Fahrzeuge.
Das vereinbarte Flottenprogramm wird die kalifornischen Normen für Fahrzeuge mit geringen Emissionen (low emission vehicle - LEV) bis 1998 für Lieferfahrzeuge und kleine Lastwagen mit einem Gewicht
unter 2 700 Kilo zwingend vorschreiben, wenn diese
Fahrzeuge in Kalifornien verkauft werden sollen. Bis
zum Jahr 2001 müssen Fahrzeuge diese Normen
erfüllen, auch wenn sie nicht in Kalifornien vertrieben
werden. Die Abgasnorm für diese Fahrzeuge beinhaltet eine Beschränkung auf 0,047 Gramm nicht methanhaltigen Kohlenwasserstoffs, verglichen mit 0,156
Gramm bei konventionellen Kraftfahrzeugen.

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�Das Umweltschutzamt muß eine gleichartige "umfassende" Norm (für Emissionen aus Abgasen, Verdampfung und Tanken zusammengenommen) für LEVs
unter 3 825 Kilo erlassen. Die umfassende Norm muß
sich auf LEVs stützen, die mit neu zusammengesetztem Benzin fahren. Die Entscheidung, ob sie die
Abgasnorm oder die umfassende Norm anlegen wollen, bleibt den Autoherstellern überlassen.
Schwerlastflottenfahrzeuge mit einem zulässigen
Gesamtgewicht von 3,8 bis 11,7 Tonnen müssen eine
kombinierte Stickoxid-Kohlenwasserstoff-Emissionsnorm von 3,15 Gramm pro gebremster PS-Stunde
erfüllen, was einem 50prozentigen Abbau gegenüber
den geschätzten Emissionen eines Schwerlastdieselmotors Baujahr 1994 entspricht. Sollte das EPA
feststellen, daß diese Norm für einen mit schadstoffarmem Diesel betriebenen Motor nicht möglich ist, könnte sie durch eine nur 30prozentige Verringerung ersetzt werden.
Die Garantiezeit für die Abgasreinigungskomponenten der meisten PKW und leichten LKW wird ab 1995
auf 2 Jahre oder 38 400 Kilometer verkürzt, für über
200 Dollar kostende größere Bauteile (wie etwa Katalysatoren, Borddiagnosegeräte und elektronische
Kontrollsysteme) jedoch auf 8 Jahre oder 128 000
Kilometer verlängert. Diese Änderung gilt nur für PKW
und leichte LKW.
Pilotprogramm für Kalifornien
Für Kalifornien wurde ein Pilotprogramm ins Leben
gerufen. Ab 1996 müssen 150 000 mit sauberem
Kraftstoff betriebene Fahrzeuge pro Jahr für den Verkauf in Kalifornien produziert werden. Bis 1999 muß
diese Zahl auf 300 000 erhöht werden. Diese Fahrzeuge müssen die kalifornische TLEV-Übergangsnorm (transitional low emissions vehicle - Übergangsnorm für schadstoffarme Fahrzeuge) von 0,078 Gramm/
km nicht methanhalöger organischer Gase, 0,25 Gramm/
km Stickoxid, 2,125 Gramm/km Kohlenmonoxid und
0,009 Gramm/km Formaldehyd bis zum Jahr 2000
erfüllen, ab dem sie den Grenzwerten für Schadstoff arme Fahrzeuge von 0,047 Gramm/km nicht methanhaltiger organischer Gase, 0,125 Gramm/km Stickoxid,
2,125 Gramm/km Kohlenmonoxid und 0,009 Gramm/
km Formaldehyd entsprechen müssen. Kalifornien
muß sicherstellen, daß ausreichend schadstoffarme
Treibstoffe produziert, geliefert und für alle LEVs
angeboten werden, damit diese in dem von dem Programm abgedeckten Gebiet ausschließlich mit solchen Brennstoffen betrieben werden können. Falls es
Kalifornien nicht gelingt, ein diese Anforderungen erfüllendes Brennstoffprogramm zu verabschieden, muß
das EPA binnen drei Jahren ein solches Programm ins
Leben rufen.
Andere Bundesstaaten mit gravierender, schwerer
oder extremer Ozonbelastung können die kalifornischen Normen einführen. Diese freiwillige Option darf
Produktion oder Verkauf von Fahrzeugen oder Brenn-

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stoffen nicht erzwingen, sondern muß statt dessen
deren Verkauf und Betrieb ermutigen.
Titel III: Bestimmungen über toxische Luftschadstoffe
Emissionen von Großanlagen
Die Chemie-, Papier-, Plastik-, Gummi-, Auto- und
Metallindustrie sind die größten Verursacher industrieller Emissionen toxischer Luftschadstoffe. Das Gesetz
zur Reinhaltung der Luft aus dem Jahr 1970 verpflichtet das EPA, Luftschadstoffe zu benennen, die den
Tod oder schwere Krankheiten verursachen und Emissionsnormen für diese Schadstoffe aufzustellen. Bis
heute hat das EPA für weniger als 10 toxische Schadstoffe Emissionsnormen aufgestellt.
Das neue Gesetz setzt 189 solcher Chemikalien auf
eine verbindliche Liste und fordert das EPA auf, Normen für alle Kategorien wichtiger Verursacher aufzustellen. Rund 250 solcher Kategorien werden geregelt. Für unterschiedliche Kategorien werden unterschiedliche Normen angewendet. Das EPA wird für
jede Kategorie von Verursachern eine Norm bekanntgeben, die vom Verursacher dieser Kategorie die
Einführung der MACT-Technologie (maximum achievable control technology - maximal erreichbare Meßund Steuerungstechnologie) fordert. Die MACT ist
unter Berücksichtigung der Kosten für gewöhnlich die
beste verfügbare Kontrolltechnologie.
Alle Normen müssen binnen 10 Jahren bekanntgegeben werden, wobei für 41 Kategorien von Verursachern binnen 2 Jahren Normen festgelegt werden.
Die derzeitigen Verursacher müssen die MACT-Normen binnen drei Jahren nach ihrer Bekanntgabe erfüllen (ein Jahr Verlängerung ist möglich).
Bei der Auflistung von Schadstoffen und Festsetzung
von Normen muß das EPA die Auswirkungen auf die
Umwelt ebenso berücksichtigen wie diejenigen für die
menschliche Gesundheit.
Jeder Verursacher, der einen freiwilligen Abbau der
Emissionsmenge von 1987 um 90 Prozent vornimmt,
erhält eine 6jährige Verlängerung der MACT-Frist.
Unter bestimmten Umständen gewährt die MACT nicht
genügend Schutz für die öffentliche Gesundheit. Falls
nach Einführung der MACT ein beträchtliches Risiko
bestehen bleibt, muß das EPA die Normen 8 Jahre
nach der erstmaligen Bekanntgabe der MACT-Normen verschärfen.
Die Schutznorm beinhaltet "einen breiten Sicherheitsrahmen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit", es
sei denn, schärfere Normen zum Schutz der Umwelt
werden erforderlich.
Das EPA muß solche Normen für "Restrisiken" bei
Schadstoffen festlegen, die Krebs verursachen können, wann immer das Risiko für eine den Emissionen
einer Kategorie von Verursachern ausgesetzten Per-

Seite 3

�son der Gesamtbevölkerung größer als 1 zu 1 Million
ist.
Jeder unter diese Normen fallende Verursacher muß
gemäß Titel IV des Gesetzes eine Genehmigung
beantragen. Das Genehmigungsverfahren wird von
den Bundesstaaten gehandhabt solange sie die staatlichen Mindestvorschriften erfüllen.
Kokereien, die strikte Schadstoffkontrollen verwirklichen, können für eine Verlängerung der Frist für Normen von Restrisiken bis zum Jahr 2020 in Frage
kommen.
Kraftwerksemissionen von toxischen Luftschadstoffen werden erst nach Prüfung durch das EPA und nur
dann geregelt, wenn das EPA feststellt, daß eine
solche Regelung gerechtfertigt ist.
Das EPA muß die toxische Belastung der Großen
Seen prüfen, die Folge der atmosphärischen Ablagerungen von Metallen und anderen toxischen Partikeln
ist. Das EPA muß Maßnahmen zum Schutz der
Wasserqualität der Gro Ben Seen und der Chesapeake
Bay ergreifen.
Emissionen von Kleinanlagen
Anhand der obengenannten Liste von Schadstoffen
kann das EPA ferner Kategorien von Kleinanlagen
(Reinigungen, Tankstellen, Holzöfen, kleine Verbrennungsanlagen usw.) ebenso auflisten wie das Amt
Kategorien von Großanlagen aufführt und die MACT
vorschreibt. Das EPA muß genügend Kategorien von
Verursachern auflisten, um sicherzustellen, daß 90
Prozent der Emissionen der 30 wichtigsten Kleinanlagen geregelt werden.
Es gibt ein alternatives Kontrollprogramm für diejenigen Kleinanlagen, die ein beträchtliches Gesundheitsrisiko darstellen, für die jedoch die beste verfügbare
Technologie zu teuer ist.
Das EPA muß ein breites Spektrum von Schadstoffen
in Städten mit über 250 000 Einwohnern überwachen,
um festzustellen, welche Schadstoffe in den Städten
das größte Risiko darstellen.
5 Jahre nach Inkrafttreten mu ß das EPA eine nationale
Strategie zur Verminderung toxischer Luftschadstoffe
in den Städten unterbreiten, um das mit toxischen
Luftschadstoffen in den Städten verbundene Krebsrisiko um 75 Prozent zu verringern. Das EPA muß in
Acht- und Zehnjahresintervallen über den erzielten
Abbau berichten.
Versehentliche Freisetzungen
Das Gesetz enthält Bestimmunge zur Verhütung von
Unfällen in der chemischen Industrie.
Diese Bestimmungen verpflichten den Besitzer oder
Betreiber einer Einrichtung, in der extrem gefährliche
Substanzen verarbeitet werden, zum sicheren Betrieb
der Einrichtung.

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Das EPA muß eine Liste von mindestens 100 extrem
gefährlichen Luftschadstoffen veröffentlichen, von denen
rund 20 im Gesetz enthalten sind.
Jeder Besitzer einer Einrichtung, in der extrem gefährliche Substanzen verarbeitet werden, mu ß eine Analyse der Einrichtung vornehmen, um mögliche Gefahren
für die öffentliche Gesundheit aufzuzeigen. Diese
Studie würde der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Das Gesetz sieht die Gründung einer Kommission für
chemische Sicherheit, ähnlich der Kommission für
Verkehrssicherheit vor, die Chemieunfälle prüfen soll.
Das EPA ist ermächtigt, Bestimmungen zur Unfallverhütung bekanntzugeben.
Gemeindeverbrennungsanlagen
Das Gesetz enthält Bestimmungen zur Kontrolle der
Emissionen von Gemeinden, Krankenhäusern sowie
anderer kommerzieller und industrieller Verbrennungsanlagen.
Titel IV: Bestimmungen über sauren Regen
Saurer Regen stellt weiterhin eine Bedrohung für die
öffentliche Gesundheit und die Umwelt dar. Das
Gesetz hat die Reduzierung der Schwefeldioxidemissionen (So2) um neun Millionen Tonnen pro Jahr zum
Ziel und sieht eine nationale Obergrenze für So2Emissionen vor. Dieser Titel ist ferner darauf ausgerichtet, die Emissionen von Stickoxid (NOx) um etwa
1,8 Millionen Tonnen jährlich zu senken.
Vorschriften zur Reduzierung von Schwefeldioxid
Das Gesetz schreibt die Reduzierung der Schwefeldioxidemissionen um neun Millionen Tonnen unter
dem Stand von 1980 vor.
Der jährliche Ausstoß von Schwefeldioxid wird vom
Jahr 2000 an begrenzt.
Verkäufliche Quoten
Zusätzlich zur Genehmigung zum Ausstoß einer bestimmten Menge an Schadstoffen werden jeder Emissionsquelle bestimmte "Quoten" zugeteilt, die dem
zulässigen Schadstoffausstoß entsprechen. Diese
Quoten sind verkäuflich und entsprechen einer Emissionsmenge von je 0,9 Tonnen Schwefeldioxid.
Wenn eine Schadstoffquelle ihre Emissionen um mehr
als das gesetzlich vorgeschriebene Maß verringert,
kann sie den verbleibenden Teil ihrer Quoten an eine
andere Schadstoffquelle verkaufen. Diese zweite
Quelle würde somit Schadstoffe über das gesetzlich
vorgeschriebene Maß ausstoßen dürfen und trotzdem
das Gesetz einhalten. Damit soll sichergestellt werden, daß die Gesamtreduzierung auf kostengünstigstem Wege erzielt und die Kosten der Reduzierung
gerecht verteilt werden.
Phase I
In der am 1. Januar 1995 beginnenden Phase I müssen Kraftwerke mit einer Emissionsmenge über 1,125

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�Kilogramm Schwefeldioxid pro Million britische Wärmeeinheiten (Btu) ihre Emissionen auf 1,125 kg pro
Million Btu reduzieren, multipliziert mit deren durchschnittlichem Brennstoffverbrauch aus den Jahren
1985-87. Etwa 111 Kraftwerke fallen in diese Kategorie.
Kraftwerke, die bestimmte Technologien zur Schadstoffreduzierung anwenden, um ihren Reduzierungsverpflichtungen in Phase I gerecht zu werden, können
eine Verlängerung dieser Frist bis 1997 oder einen
Bonus erhalten, falls sie die Reduzierung zwischen
1995 und 1997 erreichen. Darüber hinaus wird allen
Phase I-Kraftwerken, die bestimmte Technologien zur
Kontrolle des Schadstoffausstoßes anwenden, ein
Guthaben von zwei-zu-eins für jede reduzierte Tonne
unter einem Niveau von 0,54 kg pro Million Btu eingeräumt.
Eine Sonderzuteilung von 200 000 Jahresquoten wird
in jedem der fünf Jahre von Phase I den Kraftwerken
in Illinois, Indiana und Ohio eingeräumt, die Reduzierungen gemäß den Bestimmungen für Phase I durchführen müssen. Viele der schmutzigsten Kraftwerke
stehen im Mittleren Westen. Deshalb wären die Kosten für die Reduzierung in diesen Staaten am höchsten, und diese Regelung dient dazu, die Kosten etwas
abzumildern.
Phase II
In der am 1. Januar 2000 beginnenden Phase II
müssen alle Kraftwerke, deren Emissionen den Grenzwert von 0,54 kg pro Million Btu überschreiten, ihren
Schadstoffausstoß auf diesen Grenzwert von 0,54 kg
pro Million Btu reduzieren, der mit ihrem durchschnittlichen Brennstoffverbrauch von 1985-87 multipliziert
wird.
Landesweit dürfen Kraftwerke, die Schwefeldioxidmengen unter 0,54 kg pro Million Btu ausstoßen, ihre
Emissionen von heute bis zum Jahr 2000 um etwa 20
Prozent erhöhen. Danach gilt dieser Grenzwert auch
für sie. Diese Regelung ist notwendig, um die landesweite Obergrenze für Schwefeldioxidemissionen aufrechtzuerhalten.
Bonusquoten werden eingeräumt, um dem Zuwachs
an Einheiten in denjenigen Staaten gerecht zu werden,
in denen die durchschnittlichen Emissionswerte unter
0,36 kg pro Million Btu liegen. Kraftwerke, deren
Nutzung in den letzten fünf Jahren zugenommen hat,
erhalten ebenfalls Bonusquoten.

Gegenwärtig im Bau befindliche Kraftwerke werden
entweder Quoten erhalten, um ihre Emissionen auszugleichen, oder sie werden völlig von dem Programm
zur Schadstoffbegrenzung ausgenommen.
Das EPA wird Quoten versteigern, um ihre Verfügbarkeit für Versorgungsbetriebe sicherzustellen, die nicht
in der Lage sind, diese auf dem freien "Quotenmarkt"
zu erwerben.
Stickoxidemissionen der Kraftwerke
Bis 1993 muß das EPA bestimmte Leistungsnormen
erarbeiten, denenzufolge Kraftwerke, die zur Reduzierung der Schwefeldioxidemissionen in Phase I verpflichtet sind, auch ihren Stickoxidausstoß abbauen
müssen, und zwar aufgrund von Leistungsnormen für
bestimmte Kesseltypen. Grundlage dieser Emissionsnormen wird die Technologie für Brenner mit niedrigem Stickoxidausstoß sein.
Bis 1997 muß das EPA Leistungsnormen für alle
übrigen Kraftwerkskessel festlegen. Diese Normen
müssen dann bis zum Ende der Phase II eingehalten
werden. Diese Normen werden ebenfalls auf der
Grundlage der Brennertechnologie mit niedrigem Stikkoxidausstoß festgelegt und mit der Entwicklung neuer
Technologien weiter verschärft.
Im Hinblick auf Kraftwerkskessel muß das EPA eine
überarbeitete Leistungsnorm für neue Stickoxidquellen erlassen.
Das Programm wird flexibel gehandhabt werden, weil
es Bestimmungen über Durchschnittswerte für Emissionen sowie eine Fristenverlängerung für Kraftwerke
zuläßt, deren Schadstofffilterdie Normen nicht erfüllen
oder die mit Lieferengpässen bei der Beschaffung der
erforderlichen Technik konfrontiert sind.
Titel V: Genehmigungsvorschriften
Verschiedene Verursacher von Luftschadstoffen müssen
Betriebsgenehmigungen einholen, mit denen die Einhaltung der einschlägigen Bestimmungen des Gesetzes zur Luftreinhaltung sichergestellt werden. Dieses
Genehmigungsprogramm orientiert sich an dem bereits bestehenden Programm im Rahmen des Wasserschutzgesetzes.

50,000 Bonusquoten pro Jahr werden den Kraftwerken in zehn Staaten des Mittleren Westens zugeteilt,
die Reduzierungen gemäß Phase I durchführen.

Das EPA muß innerhalb eines Jahres Bestimmungen
für die Erteilung von Betriebsgenehmigungen erarbeiten. Danach müssen die Bundesstaaten Programme
entwickeln, die mit diesen Bestimmungen in Einklang
stehen. Die Programme würden innerhalb von vier
Jahren in Kraft treten, und die Verpflichtung zum
Besitz einer Genehmigung würde in den folgenden drei
Jahren eingeführt.

Einheiten, in denen Energie eingespart wird oder die
erneuerbare Energien einsetzen, werden besondere
Vergünstigungen für die frühzeitige Reduzierung der
Schwefeldioxidemissionen erhalten.

Das EPA erhält das Recht, die von einem Staat
vorgeschlagenen Genehmigungen zu überprüfen und
Einspruch gegen Genehmigungen einzulegen, die das
Gesetz zur Luftreinhaltung verletzen. Das EPA würde

AMERIKA DIENST 44

Seite 5

�darüber hinaus die Möglichkeit haben, auf die Überprü- der Ozonschutzschild in den oberen Schichten der
fung von Genehmigungen für kleine Schadstoff quellen Atmosphäre abgebaut wird. Der Einsatz von Fluorchzu verzichten.
lorkohlenwasserstoffen, Halonen und Tetrachlorkohlenstoff wird bis 1999, der von Methylchloroform bis
Falls das EPA gegen eine Genehmigung, die das
2001 beendet.
Gesetz zur Luftreinhaltung verletzt, keinen Einspruch
einlegt, kann jedermann sich auf dem Petitionsweg an Hydrofluorchlorkohlenwasserstoffe bilden eine wenidas EPA wenden, um einen solchen Einspruch einzu- ger große Gefahr für die Ozonschicht. Ihre Produktion
legen. Die Petition muß sich auf Bedenken stützen, die wird bis zum Jahr 2015 eingefroren und bis zum Jahr
während der Frist für die Anhörung der Öffentlichkeit 2030 eingestellt. Vom Jahr 2015 an wird ihr Einsatz
vorgebracht wurden, außer, der Antragsteller legt allgemein begrenzt, außer bei Verwendung als Kühlglaubhaft dar, daß die in der Petition enthaltenen mittel für Haushaltsgeräte, wobei die Begrenzung im
Gegenargumente zu jener Zeit nicht geltend gemacht Jahr 2020 beginnt.
werden konnten (oder daß deren Vorbringung nicht
praktikabel war). Die Petition hat keine aufschiebende Den Vereinigten Staaten wird gestattet, Beiträge in
Wirkung für eine bereits erteilte Genehmigung. Das den internationalen Fonds einzuzahlen, der zur UnterEPA muß innerhalb von 60 Tagen nach Eingang der stützung von Entwicklungsländern bei der AbschafPetition entscheiden und gegebenenfalls Einspruch fung dieser zerstörerischen Verbindungen eingerichgegen eine Erlaubnis einlegen, wenn der Antragsteller tet wurde.
beweisen kann, daß die Genehmigung nicht in Ein- Studien über die Quellen und Optionen für die Kontrolklang mit dem Gesetz steht.
le von Methanemissionen werden ebenfalls genehmigt.
Titel VI: Schutz des stratosphärischen Ozons
Das Gesetz enthält Kompromißbestimmungen, um
den Einsatz von Verbindungen einzustellen, mit denen

* * * *

Seite 6

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        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 07.11.1990</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Golfkrise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Golfkrise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Chronologie der Ereignisse vom 1. bis 15. Oktober 1990&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Golfkrise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Chronologie der Ereignisse vom 17. bis 30. Oktober 1990&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Terrorismus&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Iraks Unterstützung des Terrorismus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Gesetz zur Luftreinhaltung und seine Auswirkungen auf Kraftfahrzeuge, Industrie und Kraftwerke&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht&lt;/em&gt;</text>
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