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                    <text>4. Januar 1984

INHALT

DOKUMENTATION
Erklärung Reagans zum vierten Jahrestag der sowjetischen Invasion
Afghanistans
HINTERGRUNDMATERIAL
Shultz: Jahrelange Bemühungen der USA um Tendenzwende bei der UNESCO
- Schreiben des US-Außenministers an den Generalsekretär der UNESCO KVAE soll Risiko eines Überraschungsangriffes vermindern
Glaubwürdigkeit ist die Grundlage amerikanischer Auslandssendungen
- Auszüge aus einer Ansprache des Direktors von RFE und RL Chronologie der Ereignisse in Afghanistan
- 2. Halbjahr 1983 WISSENSCHAFT UND TECHNIK
US-Industrie steigert Forschungsausgaben
Superplastische Verformung mit Infrarot!icht

Um Über/endung von
DclegcKcmploicn
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

4. Januar 1984

ERKLÄRUNG REAGANS ZUM VIERTEN JAHRESTAG DER SOWJETISCHEN INVASION AFGHANISTANS

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 27. Dezember 1983 die Sowjetunion
aufgefordert, für Afghanistan eine Lösung herbeizuführen, die dem Lande seine
Unabhängigkeit und Blockfreiheit wiedergibt.

In einer Erklärung anläßlich des

vierten Jahrestages der sowjetischen Invasion Afghanistans betonte der Präsident,
die Vereinigten Staaten würden alles in ihrer Kraft Stehende tun, um zu einer
friedlichen Regelung dieses Problems beizutragen.

Der vierte Jahrestag sei ge-

kennzeichnet durch Traurigkeit und anhaltende Empörung.
Die vom Weißen Haus veröffentlichte Erklärung des amerikanischen Präsidenten
hat folgenden Wortlaut:
Wenn wir Amerikaner während dieser Feiertage dankbar sind für die Segnungen
des Friedens, so vergessen wir doch nicht, daß der tragische Krieg in Afghanistan
fortdauert.

Vier Jahre lang hat die Sowjetunion dieses unglückliche Land jetzt

schon besetzt. Aber vier Jahre lang hat sich das tapfere afghanische Volk gegen
die sowjetische Besatzungsmacht zur Wehr gesetzt.

Diese islamischen Freiheits-

kämpfer in einem fernen Land haben den Worten Mut, Entschlossenheit und Stärke
einen neuen Sinn gegeben.

Sie haben ein Zeichen gesetzt für diejenigen in aller

Welt, die die Freiheit und Unabhängigkeit hochhalten.
Die afghanischen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
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Telex: 8-85432

�Die afghanischen Freiheitskämpfer - die Widerstandskämpfer oder Mujahedin stellen eine einheimische Kraft dar, die das ganze Bergland erfaßt hat und einer
fremden Militärmacht entgegentritt, die ihre Religion und ihre ganze Lebensart
bedroht.

Die große Mehrheit des afghanischen Volkes hat trotz der Tatsache, daß

sie über nur wenige Waffen und eine schwache Organisation verfügt, bewiesen, daß
sie sich nicht beherrschen lassen will und daß sie bereit ist, ihr Leben für die
Unabhängigkeit und die Freiheit einzusetzen.
gezahlt hat, ist überhaupt nicht abzuschätzen.

Der Preis, den sie so bereitwillig
Wenn wir auch weiterhin unseren

Teil dazu beitragen werden, den amerikanisch-sowjetischen Dialog aufrechtzuerhalten
und zu verbessern, so können wir doch angesichts der Tragödie Afghanistans nicht
schweigen.

Es kann keine Frage sein, daß die sowjetische Besetzung Afghanistans

schwere internationale Spannungen hervorgerufen hat.

Es sind nicht nur die

Afghanen, die die sowjetische Besetzung ihres Landes ablehnen, sondern praktisch
die gesamte Völkergemeinschaft.
Dies hat sich ganz deutlich bei fünf aufeinander folgenden Abstimmungen in
der Vollversammlung der Vereinten Nationen erwiesen, als die überwältigende Mehrheit der Länder der Welt die Sowjetunion immer wieder aufforderte, die Besetzung
zu beenden und die Unabhängigkeit sowie den blockfreien Status Afghanistans
wieder herbeizuführen. Ja, die jüngste Resolution der Vereinten Nationen wurde
am 23. November sogar mit der bisher größten Mehrheit - 116 zu 20 Stimmen verabschiedet.
Anfang dieses Jahres hatte ich den Vorzug, im Weißen Haus eine Gruppe von
sechs afghanischen Freiheitskämpfern empfangen zu können. Ihre einfache Würde,
ihr Stolz und ihre Entschlossenheit, den Kampf um die Unabhängigkeit fortzusetzen,
haben mich sehr bewegt. Diese tapferen Männer haben inzwischen ihren Kampf fortgesetzt.
Der Kampf um ein freies Afghanistan dauert an, nicht weil es irgendeine
Manipulation von außen gibt, sondern weil es der Wunsch des afghanischen Volkes

- 2 -

�afghanischen Volkes ist, frei zu sein.

Und dieser Kampf wird fortdauern, bis

eine am Verhandlungstisch erzielte, politische Lösung gefunden werden kann, die
es dem afghanischen Volk gestattet, frei über sein eigenes Schicksal zu bestimmen.
Unser Ziel ist es, alles in unseren Kräften Stehende zu tun, um am Zustandekommen
einer friedlichen Lösung mitzuwirken, durch die die sowjetischen Streitkräfte aus
Afghanistan abgezogen, die Qual und die Zerstörung des afghanischen Volkes beendet
sowie die Unabhängigkeit und die Blindnisfreiheit des Landes wiederhergestellt
werden.

Ein neutrales und blockfreies Afghanistan wäre ganz sicher keine Bedro-

hung für den mächtigen sowjetischen Nachbarn.
Der vierte Jahrestag der sowjetischen Invasion ist zwar durch Traurigkeit
und anhaltende Empörung gekennzeichnet, aber wir sind davon überzeugt, daß eine
Regelunc möglich ist, und wir sind erfreut darüber, daß die Konsultationen im
Rahmen indirekter Gespräche der Vereinten Nationen weitergehen.

Wir fordern die

Sowjetunion auf, eine Lösung dieser Krise herbeizuführen, die Afghanistan seine
Freiheit, seine Unabhängigkeit und seine Blockfreiheit wiedergibt.
Wir alle, die wir in freien Ländern leben oder davon träumen, sollten uns
von dem Geist und dem Mut der afghanischen Patrioten inspirieren lassen.
Vertrauen wir entschlossen darauf, daß ihr Streben nach Freiheit obsiegen und
daß Afghanistan wieder ein unabhängiges Mitglied der Völkerfamilie wird.

+ + + + +

- 3 -

�4. «Januar 1984

1

SHULTZ: JAHRELANGE BEMÜHUNGEN DER USA UM TENDENZWENDE BEI DER UNESCO
- Schreiben des US-Außenministers an den Generalsekretär der UNESCO •

WASHINGTON - (AD) - In einem Schreiben an den Generaldirektor der UNESCO,
Amadou-Mahtar M'Bow, in dem die Entscheidung der Vereinigten Staaten hinsichtlich
ihres Austritts aus dieser Tochterorganisation der Vereinten Nationen erläutert
wird, erklärte der amerikanische Außenminsiter George Shultz, die USA seien
"besorgt darüber, daß Trends in Management, Politik und Haushaltsführung der
UNESCO die Effizienz der Organisation schmälern".
Das Schreiben hat folgenden Wortlaut:
Sehr geehrter Generaldirektor,
Zweck dieses Briefes ist es, Sie gemäß der Bestimmungen von Artikel II Absatz 6
der Satzung davon zu benachrichtigen, saß meine Regierung mit Wirkung vom
31. Dezember 1984 aus der UN-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur
(UNESCO) austreten wird.
Sie dürfen versichert sein, daß die Vereinigten Staaten gemäß den Bestimmungen der Satzung bestrebt sein werden, allen ihren vereinbarten finanziellen
Verpflichtungen nachzukommen.
Die Regierung

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die Regierung der Vereinigten Staaten glaubt - wie das amerikanische Volk
insgesamt - an die hehren Grundsätze, wie sie die Satzung der UNESCO zum Ausdruck
bringt.

Heute - wie auch in den Jahren der Organisation - rufen uns diese

Prinzipien zu der Verpflichtung auf, unsere Anstrengungen und Mittel dazu zu
verwenden, einen stabilen und dauerhaften Rahmen für den Frieden in der Welt
zu schaffen.

Heute - genau wie in den ersten Jahren - sind wir davon überzeugt,

daß Erziehung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation bedeutsame, ja entscheidende,
Elemente dabei sind, eine friedliche Welt zu errichten.
Aber während die Vereinigten Staaten auch weiterhin beträchtliche Mittel
zur Erreichung dieser Ziele bereitstellen, müssen sie doch auch sorgfältig die
richtigen Methoden und Mittel auswählen, die zur Verwendung dieser Mittel eingesetzt werden. Es gibt eine Vielzahl von Gruppierungen und Organisationen, mit
deren Zielsetzung wir übereinstimmen, denen es jedoch an Effizienz mangelt, wenn
es darum geht, jene Art der internationalen Zusammenarbeit zu realisieren, die
dazu beitragen würde, eine friedliche Welt zu schaffen. Gute Absichten allein
sind nicht genug.
Seit einer Reihe von Jahren schon sind wir - wie Sie aus den Erklärungen
wissen, die wir innerhalb der Generaldirektion und andernorts abgegeben haben besorgt darüber, daß Trends in Management, Politik und Haushaltsführung der
UNESCO die Effizienz der Organisation schmälern. Wir sind der Oberzeuguno, daß
diese Trends die UNESCO von den anfänglichen Grundsätzen ihrer Satzung wegführen,
Wir hatten das Gefühl, daß sie in ihrer Tendenz - absichtlich oder unabsichtlich,
jedenfalls aber in unzulässiger Weise -, den politischen Absichten einiger weniger
Mitgliedstaaten dienen. Während dieser Zeit arbeiteten wir mit aller Energie
daran, die Organisation dazu zu ermutigen, diese Trends umzukehren und wieder zu
den Zielen der Gründungszeit zurückzufinden; mit aller Kraft zu vermeiden,
Diener der einen oder anderen nationalen Politik zu werden und sich so zu organisieren, daß Effizienz belohnt, furchtlose Programmbewertung gefördert und solchen
Prioritäten gefolgt würde, die sich an dem Wert eines Programms orientieren und nicht an Gewohnheiten der Vergangenheit, an politischer Zweckdienlichkeit
oder an irgendwelchen anderen wesensfremden Überlegungen.
Gleichzeitig sahen
- 2 -

�Gleichzeitig sahen wir - und brachten unsere größten Bedenken dagegen zum
Ausdruck -, daß dieser Druck dazu führte, daß die UNESCO auf politisch motivierte
Zielsetzungen hin abgelenkt wurde, die ihren Ursprung in einzelnen Mitgliedstaaten hatten - und weniger der Organisation selbst entstammten.

Wir bemühten

uns innerhalb der Generaldirektion und bei Vollversammlungen darum, den sich
hieraus ergebenden politischen Inhalt - tendenziös und parteiisch wie er war - so
gering wie möglich zu halten oder ihn ganz aus den Entschließungen und Programmen
der UNESCO herauszulassen.
Viele dieser Anstrengungen - die Ihrigen wie die unsrigen - waren produktive,
zumindest relativ gesehen. Die Ergebnisse der letzten Vollversammlung sind hierfür Beweis, und wir würdigen die Rolle, die Sie für das Ergebnis dieser Konferenz
spielten.
In größerem Zusammenhang gesehen, zeigt die Vollversammlung jedoch etwas
anderes: Wenn die Ergebnisse der Konferenz Beweis für das Beste sind, das man
von der Organisation erwarten kann, so wie sie sich derzeitig darstellt und sie
sie sich derzeit selbst regiert, dann gibt es nur wenig Hoffnung auf eine wirkliche und überzeugte Umkehr der Organisation hin zu den Prinzipien der Anfangszeit.
Für die Vereinigten Staaten ist diese Schlußfolgerung unausweichlich. Die
Verantwortung, in Reaktion hierauf zu handeln, ist ebenfalls unausweichlich.
Sie, Herr Generaldirektor, haben unsere Wertschätzung und unsere Hochachtung,
sowie unsere Verpflichtung zur umfassenden Zusammenarbeit, damit das Jahr zwischen
diesem Brief und dem Datum unseres Austritts so harmonisch wie möglich wird. Wir
sind der Überzeugung, daß Sie auch weiterhin alles in Ihrer Macht Stehende tun
werden, um unter den schwierigen Umständen, in denen Sie tätig sind, die Arbeit
der UNESCO eine produktive sein zu lassen, die den Bedürfnissen dieser Welt,
unbefriedigt wie sie noch sind, gerecht wird.

Was uns anbelangt, so sind wir

davon überzeugt, daß wir andere Mittel und Wege der Zusammenarbeit bei Erziehung

- 3 -

�bei Erziehung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation finden werden, die den
Prinzipien besser gerecht werden, denen sich die UNESCO vor vielen Jahren verpflichtet hat.

Wir sind davon überzeugt, daß eine solche Zusammenarbeit nicht

dadurch vermindert zu werden braucht, daß man ihr politische Zielsetzungen beimengt, die jenseits ihres eigentlichen Wirkungsfeldes liegen; daß ihre Autorität
nicht geschwächt zu werden braucht durch Kompromisse bei solch klaren und erhabenen Zielen wie den Rechten des Einzelmenschen und dem ungehinderten Fluß von
Informationen.

Man könnte dann durchaus zu der Einsicht gelangen, daß unsere

gemeinsamen Ziele dadurch wirksam hätten erreicht werden können, daß man sich
an den Grundsatz hält, demzufolge einige wenige, gutgemachte Dinge mehr Wirkung
haben als die oberflächliche Untersuchung aller Übel dieser Welt.
Es ist wahrscheinlich, daß die Mittel, die wir derzeit der UNESCO zur Verfügung stellen, verwendet werden, um eine solche Zusammenarbeit zu fördern.
Alle alternativen Programme, die die Vereinigten Staaten entwickeln werden,
könnten im Prinzip als Grundlage einer künftigen Zusammenarbeit zwischen den
Vereinigten Staaten und der UNESCO dienen, falls beide Parteien dies als vorteilhaft erachten sollten.

Wir würden eine solche Möglichkeit gerne zu einem ange-

messenen Zeitpunkt in Betracht ziehen.
Hochachtungsvoll,
gez. George P. Shultz

+ + + + +

�4. Januar 1984

KVAE SOLL RISIKO EINES ÜBERRASCHUNGSANGRIFFES VERMINDERN

Der nachfolgende Artikel erschien kürzlich
in "Gist", einer Veröffentlichung des
US-Außenministeriums, die in unregelmäßiger
Folge erscheint und sich mit aktuellen
außenpolitischen Themen befaßt.

- (AD) - Am 17. Januar 1984 kommen die Vereinigten Staaten, Kanada sowie
33 europäische Länder, darunter die Mitglieder der NATO, des Warschauer Paktes
und neutrale, blockfreie Staaten, in Stockholm zur ersten Phase der "Konferenz
für Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa" (KVAE)
zusammen.

Von Frankreich im Jahre 1978 vorgeschlagen und von den anderen Staaten

unterstützt, ist dieses Treffen ein Ergebnis der kürzlich beendeten KSZE-Nachfolgekonferenz in Madrid (1980-1983), der zweiten solcher Zusammenkünfte, die
sich mit der Verwirklichung der Schlußakte von Helsinki aus dem Jahre 1975
befaßte.
Die erste Phase der Stockholmer Konferenz soll sich auf Verhandlungen über
Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen und deren Annahme
konzentrieren, um das Risiko eines Überraschungsangriffes in Europa zu vermindern

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Telex: 8-85432

�zu vermindern und die in der Schlußakte von Helsinki vorgesehenen begrenzten
Maßnahmen dieser Art zu stärken und zu erweitern.

Vertrauensbildende Maßnahmen

betreffen nicht direkt den Umfang der Waffenarsenale oder die Struktur der
Streitkräfte eines Staates. Sie sollen vielmehr die gegenseitigen Kenntnisse
und Erkenntnisse bezüglich militärischer Aktivitäten wie Manöver, Einberufungen
von Reservisten oder Alarme vertiefen und damit die Möglichkeit eines Konfliktes
reduzieren, der aus Zufall, falscher Einschätzung der Situation oder Mißverständnissen entstehen könnte.
Die amerikanische Position
Die Vereinigten Staaten bestanden auf vier Kriterien, bevor Washington die
französische Initiative unterstützte:
-

Die Stockholmer Konferenz müsse ein integraler Teil des KSZE-Prozesses bleiben,

damit ein angemessenes Gleichgewicht zwischen Menschenrechten und Sicherheitsanliegen gewahrt werde.
-

Die erste Phase der Stockholmer Konferenz solle auf Vertrauens- und sicher-

heitsbildende Maßnahmen begrenzt werden.

Weiterhin - und damit wurde die

französische Ansicht unterstützt - solle im Rahmen dieser Konferenz nicht über
nukleare Fragen verhandelt werden.
-

Die Stockholmer Konferenz dürfe sich nicht in irgendeine andere Rüstungs-

kontroi 1verhandlung einmisehen.
-

Die Vertrauens- und sicherheitsbildenden Maßnahmen müßten militärisch signifi-

kant, politisch bindend, verifizierbar und auf ganz Europa vom Atlantik bis zum
Ural anwendbar sein.
Das Mandat von Madrid unterstützt die amerikanische Position hinsichtlich
der Abhaltung der Konferenz und der Art der Maßnahmen, die dort zur Sprache
kommen sollen.

Die Konferenz wird sich mit Aktivitäten in ganz Europa befassen,

einschließlich des europäischen Teils der Sowjetunion bis hin zum Ural.

Die

vertrauensbildenden Maßnahmen, über die in Helsinki verhandelt wurde, erstreckten
sich nur auf ein Gebiet, das bis zu 250 Kilometer in die Sowjetunion hineinreicht.
Die USA

�Die USA und ihre NATO-Verbündeten hoffen, daß sie in Stockholm eine Reihe
von Vorschlägen auf den Verhandlungstisch legen können, die folgendes erreichen
sollen:
-

Verminderung des Risikos eines Überraschungsangriffs in Europa.

Die Transpa-

renz oder Offenlegung militärischer Aktivitäten soll deshalb gefördert werden;
-

eine bessere und größere Voraussagbarkeit in bezug auf friedliche militärische

Manöver, um Abweichungen von der Norm feststellen zu können;
-

Verbot jeglicher militärischer Einschüchterung oder militärischen Drucks gegen

irgendein europäisches Land;
-

Verbesserung der Krisenkommunikation.

Im Oktober 1983 fand in Helsinki ein Treffen zur Vorbereitung der Stockholmer
Konferenz statt. Auf dieser Zusammenkunft bekräftigten die KSZE-Mitglieder den
Zusammenhang zwischen der KVAE und der KSZE sowie die Notwendigkeit, daß die
Vorschläge von Stockholm die in dem Madrider Mandat festgelegten Kriterien
erfüllen müßten.
Die nächste KSZE-Folgekonferenz ist für 1986 in Wien geplant und soll sich
mit dem auf der Konferenz für Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen
erzielten Fortschafritt befassen. Auf diesem Treffen in Wien soll auch entschieden werden, ob die Arbeit auf diesem Gebiet fortgesetzt oder ob das Mandat
für eine zweite Phase erteilt werden soll, um über zusätzliche Schritte zur
Verbesserung der Sicherheit in Europa zu beraten.
KVAE und Rüstungskontrolle
Die amerikanische Beteiligung an der Konferenz für Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa ergänzt die Bemühungen der USA
in anderen Verhandlungsforen um die Erreichung von Abkommen, mit denen das
Risiko eines Überraschungsangriffes und eines Krieges aus Zufall vermindert
werden soll.

Hierzu gehören die Vorschläge für vertrauensbildende Maßnahmen,

die wir bei den Gesprächen über die Verminderung der strategischen Rüstungen

- 3 -

�strategischen Rüstungen (START), bei den Verhandlungen über nukleare Mittelstreckensysteme (INF) und bei den Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen in Europa (MBFR) auf den Tisch gelegt haben, wie
auch unsere Bemühungen um eine Verbesserung des "Heißen Drahtes" und die Schaffung
zusätzlicher direkter Kommunikationsverbindungen zwischen den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion.

Wenn die USA darauf bestehen, daß die KVAE sich auf spezi-

fische und feste Kriterien stützen muß - wie in dem Mandat vorgesehen -, dann
geschieht dies, um sicherzustellen, daß eine erfolgreiche Konferenz dieser Art
einen sinnvollen und bedeutsamen Beitrag zur Sicherheit in Europa leistet, statt
sich in leerer Propaganda und bedeutungslosen Erklärungen guter Absichten zu
ergehen.

+ + + + +

- 4-

�4. Januar 1984

GLAUBWÜRDIGKEIT IST DIE GRUNDLAGE AMERIKANISCHER AUSLANDSSENDUNGEN
- Auszüge aus einer Ansprache des Direktors von RFE und RL -

ROM - (AD) - Der Präsident der amerikanischen Rundfunksender Radio
Free Europe (RFE) und Radio Liberty (RL), James Buckley, hat in einer Ansprache
in Rom darauf hingewiesen, daß die Grundlage der an das Ausland gerichteten
Sendungen dieser Stationen die Glaubwürdigkeit sei. Vor dem amerikanischen Club
in Rom betonte Buckley am 13. Dezember, die beiden Sender erreichten rund 300
Millionen Hörer, vor allem in der UdSSR und in Osteuropa.
Die wesentlichen Auszüge aus der Ansprache haben folgenden Wortlaut:
Ich erinnere mich noch meiner amüsierten Überraschung über die Reaktion
Moskaus auf die Bekanntgabe meiner Ernennung zum Präsidenten von Radio Free
Europe und Radio Liberty im vorigen Jahr.

Die Bekanntgabe löste eine Lawine

von Artikeln und Kommentaren in der Prawda und bei TASS aus.

Ich wurde als

ein "Falke" und ein "Obskurant" bezeichnet - was immer letzteres ist - und
als ein Feind der Demokratie und der Entspannung.

Die über 1000 pflichtbe-

wußten Männer und Frauen, die für die genannten Sender in München arbeiten,

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Telex: 8-85432

�München arbeiten, wurden pauschal als eine "Bande von Radiosaboteuren" bezeichnet und die Sender selbst als "wahre Schlangennester" und subversive Instrumente des amerikanischen Imperialismus. Diese Angriffe haben sich mittlerweile ausgeweitet und schließen heute nicht nur RFE und RL ein, sondern
auch britische, deutsche und französische internationale Rundfunksendungen.
Warum diese Hysterie?

Warum betrachten es die Sowjets als notwendig,

150 Millionen Dollar und mehr pro Jahr für die Störung westlicher Sendungen
auszugeben?

Und warum übrigens betrachten es finanziell sicherlich ange-

spannte Regierungen in Großbritannien, der Bundesrepublik Deutschland, Kanada,
den Niederlanden, den Vereinigten Staaten und anderswo als so wichtig, die beträchtlichen Summen aufzuwenden, um ausländische Hörer zu erreichen?
Es steht außer Frage, internationale Rundfunksendungen sind eine ernsthafte Sache. Wir im Westen sind der Vorstellung verpflichtet, daß Menschen
das unveräußerliche Recht haben "zu wissen"; das Recht, Informationen und
Ideen "zu suchen, zu empfangen und weiterzugeben, durch und über jedes Medium
und über alle Grenzen hinweg".

So steht es jedenfalls in der Allgemeinen

Menschenrechtserklärung, die auch die Sowjetunion unterzeichnet hat.
Darüber hinaus betrachten wir das als mehr als nur ein abstraktes
Recht.

Wir halten seine Ausführung und Verwirklichung für einen fundamentalen

Stabilisator in den menschlichen Angelegenheiten und für die beste Garantie
gegen Bedrohungen des Friedens, die aus massiven Verzerrungen der Wahrheit
entstehen.
Es ist diese ausdrückliche Erkenntnis der Notwendigkeit und der sich
ergebenden Vorteile eines offenen Kommunikationsflusses unter Völkern - im
Unterschied zu ihren Regierungen - die erklärt, warum der Westen so großen
Wert auf den sogenannten Korb 3 der Schlußakte von Helsinki legt.
Natürlich ist niemand überrascht, daß die Sowjets eine solche beharrliche Feindseligkeit gegenüber dem Medium aufbringen, das in der Lage ist,

- 2 -

�Lage ist, ihre anhaltenden Bemühungen in Frage zu stellen, eine hermetisch
abgeschlossene Gesellschaft zu schaffen, innerhalb derer man die Wahrheit
manipulieren kann. Und es dürfte auch niemanden überraschen, daß ihre größte
Feindseligkeit Radio Free Europe und Radio Liberty gilt.
Alle westlichen Sendungen nach der Sowjetunion und nach Osteuropa haben
eine gemeinsame Verpflichtung zur Objektivität in Berichten und Nachrichten
- aber es sind eigentlich nur RFE und RL, die als Ersatz für freie Rundfunksender in jenen Ländern dienen, welche der Bevölkerung dort verwehrt werden.
Das ist ein grundsätzlicher Unterschied in der Funktion.

So besteht beispiels-

weise die Hauptaufgabe der Stimme Amerikas - ebenso wie die anderer offizieller
Rundfunkstationen von Regierungen - darin, aus der nationalen amerikanischen
Perspektive zu berichten und das eigene Land der übrigen Welt vertraut zu
machen.
Im Gegensatz dazu sind Radio Free Europe und Radio Liberty - obwohl
durch vom amerikanischen Kongreß bewilligte Mittel finanziert - im wesentlichen unabhängige Einrichtungen mit einer Aufgabe, die durch ihre Rolle als
Ersatz einheimischer Sender für die 21 Nationalitäten in Osteuropa und in
der Sowjetunion definiert sind, für die sie senden.

Es ist ein Zeichen ihres

Erfolges, daß sie von ihren Hörern oft als "unsere" Sender bezeichnet werden.
Ihre Hauptaufgabe besteht darin, über Ereignisse in den Ländern zu berichten,
in die sie senden, und Programme zu gestalten, die die besonderen Interessen
der Bürger dieser Länder ansprechen.
RFE und RL sind, kurz gesagt, darauf ausgerichtet, den informatorischen
und kulturellen Bedarf von über 300 Millionen Menschen zu befriedigen, die in
Gesellschaften gefangen sind, in denen der Staat die alleinige Kontrolle über
jedwede normale Quelle der Information ausübt - ein Monopol also, das an jedem Tag des Jahres in Frage zu stellen unsere Aufgabe ist. Daher verwenden
wir mehr Stunden am Tage für unsere Zuhörerschaft in Polen, der Tschechoslowakei,
Ungarn, Rumänien, Bulgarien und der Sowjetunion auf und senden in mehr Sprachen
- 21 - als irgendein anderer westlicher Sender.
Während beispielsweise
- 3 -

�Während beispielsweise die BBC nur in zwei Sprachen - Russisch und
Englisch - nach der UdSSR sendet, strahlen wir in 15 Sprachen aus, einschließlich sieben, die in den immer wichtiger werdenden islamischen Regionen der
Sowjetunion gesprochen werden.
Wir können effektiv arbeiten, weil wir ständig Informationen aus Osteuropa und der Sowjetunion erhalten und analysieren.

Wir hören ihre Rund-

funksendungen ab und interviewen Emigranten und Besucher.

Unsere Forschungs-

abteilungen, die Hunderte von osteuropäischen und sowjetischen Publikationen
halten, stellen unseren Programmgestaltern laufende, aktuelle Analysen der
Entwicklungen in Wirtschaft, Politik und Kultur sowie anderen wichtigen Aspekten des Lebens in unseren Hörergebieten zur Verfügung.

Wir besitzen tat-

sächlich die reichsten Archive über die Nachkriegsentwicklungen in Osteuropa
und der Sowjetunion, die es im Westen gibt.
Wir sind, kurz gesagt, für unsere Hörer die zuverlässigste Quelle von
Nachricjiten und Analysen, und unsere Hörer haben das erkannt. Darüber hinaus
dienen unsere Programme dazu, die amtlichen Versuche in den Empfängerländern
in Frage zu stellen, die Geschichte zu verfälschen oder kulturelle Lähmung
zu verbreiten. Wir bringen die Werke verbotener Autoren, stellen geschichtliche Ereignisse in den richten Zusammenhang, bieten ausführliche religiöse
Programme und erinnern unsere Hörer an ihr nationales und geistiges Erbe,
das über tausend Jahre älter ist als Marx - und sie mit dem reichen kulturellen Leben der westlichen und der islamischen Welt verbindet. Und schließlich
gewähren wir den Dissidenten ein Forum. Wir berichten über ihre Tätigkeiten,
zitieren aus ihren Untergrundpublikationen und bringen damit etwas zustande,
was einer Debatte über wichtige öffentliche Angelegenheiten zumindest gleicht.
Es ist diese einzigartige Identifizierung mit allen unseren Hörern und unser
Ruf der Genauigkeit, die uns einen solchen Zugang zu ihnen verschaffen. Wenn
man von den Angriffen der Regime in der Sowjetunion und in den osteuropäischen
Staaten gegen RFE und RL ausgeht, dann kommt es auf das Wort "Genauigkeit"
an. Ich glaube, man kann ohne weiteres sagen, daß - wenn überhaupt - nur wenige journalistische Unternehmen eine so große Sorgfalt auf die Auswahl dessen

_ 4 _

�Auswahl dessen verwenden, was wir als Tatsachen senden.

Schließlich ist die

Glaubwürdigkeit unser eigentliches Markenzeichen, ja die Grundlage des Vertrauensverhältnisses, das wir zu Millionen unserer Hörer hergestellt haben.
Wir dürfen nicht den Versuchen der Übertreibung unterliegen und uns auf Verzerrungen oder falsche Darstellungen einlassen, denn das würde unser Vertrauensverhältnis zerstören.
Was uns angeht, so existiert die Wahrheit auf zwei Ebenen.

Die erste

bezieht sich auf Tatsachen, und unsere Aufgabe besteht darin, diese genau
und objektiv zu beschreiben.
frage:

Hier geht es um die klassische Journalisten-

"Wer, was, wann, wo?" Aber RFE und RL sind mehr als nur journalisti-

sche Unternehmen.

Unsere Verpflichtung zur Objektivität bei der Berichter-

stattung darf aber nicht mit Neutralität bezüglich der menschlichen Werte
verwechselt werden.

Im Gegenteil, durch unser Statut sind wir zur Achtung

der Menschenwürde, der Herrschaft des Rechts und der Prinzipien der politischen,

sozialen, wirtschaftlichen und religiösen Freiheit verpflichtet,

die das Fundament der Demokratie sind.

Kurz gesagt, es gehört zu unserer

Aufgabe, als Vertreter, oder besser gesagt als Zeugen, für die Werte aufzutreten, die von so zentraler Bedeutung für uns sind.
Unser polnischer Dienst ist ein dramatisches Beispiel unserer Wirksamkeit in jüngster Zeit.

Nach dem Aufstieg der Gewerkschaft Solidarität nach

August 1980 begannen wir, einen Großteil unserer täglichen Sendezeit von 19
Stunden

in polnischer Sprache auf die innere Lage in Polen zu konzentrieren,

und waren für unsere Hörer oft die einzige Quelle der vollen und genauen Information über die Ereignisse in ihrem eigenen Lande. Obwohl die Störungen
unserer Sendungen rapide zunahmen, erhöhte sich unsere Hörerschaft von
wöchentlich 54 Prozent der erwachsenen Bevölkerung im Jahr 1979 auf 66 Prozent im Jahr 1981.
Aber Statistiken über Hörerzahlen sind nur die eine Seite der Medaille.
Information trägt unausweichlich zur Gestaltung von Ereignissen bei.

Kol-

lektive Handlungen setzen kollektive Kenntnisse voraus. Die ersten Streiks,

- 5 -

�ersten Streiks, die zur Gründung der Solidarität führten, wurden von den polnischen Medien völlig ignoriert.

Es war weitgehend der Berichterstattung von

RFE über scheinbar isolierte Maßnahmen zuzuschreiben, daß die Führung der Solidarität das nationale Ausmaß der Proteste erkannte, die stattfanden.
es ein Publizist formulierte:

Wie

"Ohne diese Programme wären die Polen sicher-

lich nicht über den Aufschwung der Arbeiterbewegung in der Solidarität informiert gewesen, noch hätten andere Osteuropäer davon etwas erfahren."
|

Es ist ebenso wahr, daß die Sendungen von RFE in polnischer Sprache zur
Stabilität beigetragen haben.

Indem wir die Situation dargestellt haben, in

der sich unsere Hörer befanden - und zwar gründlich und sorgfältig und ohne
Übertreibungen oder Auslassungen - und indem wir Gerüchten und Entstellungen
durch harte Tatsachen begegnet sind, haben die Sendungen der RFE den Hörern
die volle Information geboten, die sie für eine gesunde Beurteilung der Lage
und ein verantwortliches Handeln brauchten.
Wir bestreiten die Behauptung, man könne unseren Hörern kein eigenes
Urteil und keine eigene Entscheidung zutrauen, wie sie handeln und welche Risiken sie eingehen sollten in dem Versuch, einen Wandel herbeizuführen. Unsere Grenze ist dort, wo wir ihnen sagen würden,was sie tun sollten. Schließlich sind sie es, und nicht wir, die mit den Folgen ihres Handelns leben
müssen.
Es versteht sich von selbst, daß diese Zurückhaltung im Kreml auf keine
Gegenliebe stößt, da dieser in wachsendem Maße über die Fähigkeit internationaler Rundfunksendungen besorgt ist, die gegen unzensierte Information errichteten Schranken zu überwinden.

Als Folge haben die Sowjets nicht nur ihre

Störungen intensiviert, sondern sie haben auch eine zähe Kampagne begonnen, um
rechtliche Einschränkungen westlicher Sender und eine Begrenzung ihrer physischen Reichweiten zu erreichen.
Ein Gebiet der Angriffe zielt auf die grundlegendste Voraussetzung einer
freien Presse:

die Freiheit, Information zu sammeln, und die Freiheit, sie zu

�sie zu verbreiten.

Seit Jahren haben nun schon die Sowjets die Delegierten

aus der Dritten Welt in der UNESCO angeregt, eine Monstrosität zu verabschieden, die sich "Neue Weltinformationsordnung" nennt.

Wenn sie verabschiedet

würde, dann würde sie benutzt, um die Zulassung von Reportern zu begrenzen,
die den internationalen Medien zur Verfügung gestellten Nachrichten einzuschränken und die Störung von Rundfunksendungen aus dem Ausland zu rechtfertigen.
Einer der faszinierendsten Aspekte dieser Kampagne gegen westliche Sender ist die rührende Besorgnis der Sowjets um rechtliche Mäntelchen. So
wie die Dinge liegen, steht ihre Störtätigkeit in so eklatantem Widerspruch
zu ihren Verpflichtungen im Rahmen der Allgemeinen Menschenrechtserklärung,
der Schlußakte von Helsinki und anderen internationalen Vereinbarungen, daß
sie es sich noch nicht einmal leisten können, diese Störungen einzugestehen
- obwohl ihre über 2500 Störsender heute eine solche elektronische Verschmutzung hervorrufen, daß rund 80 Prozent des Kurzwellenspektrums während der
Hauptsendezeit am Abend in Europa beeinträchtigt werden.
An einer anderen Front versuchen die Sowjets, über internationale Foren
die Benutzung von Satelliten für Sendungen in Länder verbieten zu lassen,
deren Regierungen erklären, daß sie solche Sendungen nicht wollten.

Vor einem

Jahr ist es ihnen gelungen, in der Vollversammlung der Vereinten Nationen eine
nicht bindende Abstimmung herbeizuführen, die die vorherige Zustimmung der Regierung des Empfängerlandes erfordert, bevor Fernsehsendungen über Satellit
dorthin übertragen werden dürfen. Wie man zwischen Signalen unterscheiden will,
die von der Ionosphäre reflektiert werden, und jenen, die über einen Satelliten übertragen werden, weiß ich nicht.

Aber wenn sich der Westen der Verhän-

gung eines solchen Veto-Rechtes unterwirft, dann begibt er sich eines der
vielversprechendsten Mittel für die Zukunft, um Kommunikationskanäle zwischen
unterschiedlichen Gesellschaften offen zu halten - wenn notwendig über die
Köpfe ihrer Machthaber hinweg.
Entgegen der..

- 7 -

�Entgegen der Auffassung der sowjetischen Machthaber sind die westlichen
Sender keine destabilisierenden Faktoren, denn selbst wenn diese Sender nicht
existierten, würden die sowjetischen Bürger nach einem größeren Maß an Freiheit streben, als ihnen der Kreml zuzugestehen bereit ist. Und die Osteuropäer würden trotzdem ihre Regierungen und die Regime, unter denen sie zu leben gezwungen sind, als illegal betrachten. Es ist wirklich nicht die offene
Übermittlung von Informationen und Ideen, die heute destabilisierend wirkt,
sondern ihre Unterdrückung - eine Unterdrückung, die in geschlossenen Gesellschaften die friedliche Erörterung des Wandels und damit den friedlichen Wandel selbst unmöglich macht.

- 8 -

�4. Januar 1984

CHRONOLOGIE DER EREIGNISSE IN AFGHANISTAN
- 2. Halbjahr 1983 -

(Siehe Amerika Dienst Nr. 35
vom 31. August 1983)

(AD) 18. August 1983
Drei der sechs wichtigsten afghanischen Mujahedin-Gruppen mit Stützpunkten in Peshawar in Pakistan beendeten in Rom ein viertägiges Treffen mit Vertretern des früheren afghanischen Königs Mohammad Zahir Schah - 1973 gestürzt
und nunmehr in Rom lebend - und anderen afghanischen Führern im Exil.

Presse-

berichten zufolge kam man überein, die Bildung einer Afghanischen Verfassunggebenden Versammlung zu planen.

Die Versammlung soll den Versuch unternehmen,

alle afghanischen Parteien und Widerstandskämpfer, die sich in Opposition zum
Kabuler Regime des Babrak Karmal und zur sowjetischen Besatzung befinden, formell zu vereinen.
22. August 1983

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�22. August 1983
Der ehemalige König Mohammad Zahir Schah teilte in Rom mit, er habe
von den in der vergangenen Woche dort zusammengetroffenen afghanischen Gruppen
ein Mandat erhalten, hinsichtlich der Sache der afghanischen Widerstandsbewegung politische Kontakte auf internationaler Ebene zu knüpfen.

Der ehemalige

König, der jegliche Absicht hinsichtlich einer Rückkehr auf den Thron in Abrede stellte, half bei der Vorbereitung des Treffens verschiedener afghanischer
Gruppen in Rom.
6. September 1983
Die Unterkommission der Vereinten Nationen über die Verhütung von
Diskriminierung und den Schutz von Minderheiten nahm in Genf eine Resolution
an, die den Einsatz eines Sonderberichterstatters empfahl, "um die Menschenrechtslage in Afghanistan zu untersuchen."

Die Resolution, die über die bis-

herigen, von den Menschenrechtskörperschaften der Vereinten Nationen hinsichtlich Afghanistan verabschiedeten hinausgehen soll, wird Anfang 1984 der gesamten Kommission zur Zustimmung vorgelegt werden, wenn diese ihre Jahrestagung abhält.
15. September 1983
Das Kabul er Regime gibt die Ausweisung zweier Diplomaten der amerikanischen Botschaft - des 2. Sekretärs Hugh Turner und des Attaches Robert
Blackburn - unter der Beschuldigung der Spionagetätigkeit bekannt:

beide

hätten sich "der Aufhetzung einer Reihe konterrevolutionärer Elemente" und
ähnlicher Aktivitäten schuldig gemacht.
16. September 1983
Ein Sprecher des amerikanischen Außenministeriums in Washington nennt
die Anschuldigungen des Kabul er Regimes gegen die beiden amerikanischen Diplomaten, die ausgewiesen worden waren, "ungeheuerlich" und "absurd".
20. September 1983
Pakistan beschuldigt das Kabuler Regime, seinen Luftraum innerhalb der

- 2 -

�innerhalb der letzten zwei Tage zehnmal verletzt zu haben.

Die Bombardierung

eines Grenzdorfes in der Nähe von Parachinar - einem Gebiet, wo viele afghanische
Flüchtlinge leben - durch sowjetische MIG-Flugzeuge führte zur Verwundung von
sechs Menschen.

Ein Sprecher des Außenministeriums erklärte, es habe seit dem

1. August insgesamt 23 Verletzungen des Luftraums gegeben.
Westlichen diplomatischen Kreisen in Islamabad zufolge fanden in diesem
Monat vier Angriffe der Mujahedin statt, wobei eine große Zahl sowjetischer
Soldaten und Angehöriger der Truppen des Kabuler Regimes umgekommen sind;
außerdem seien zumindest zwei MIG-Flugzeuge, drei Hubschrauber, fünf Panzer
und eine größere Anzahl von Lastwagen zerstört worden. Ziele waren ein Treibstoffkonvoi im Bereich des Salang-Tunnels, der im Norden gelegene Maraz-eSharif-Flugplatz, sowjetische Truppen in der Shomali-Region nördlich von Kabul
und ein Militärkonvoi von 100 Lastwagen in der Logar-Provinz.
21. September 1983
Trotz Einspruches der Sowjetunion genehmigte der Lenkungsausschuß der
Vollversammlung der Vereinten Nationen, daß es über das Thema "Die Lage in
Afghanistan und ihre Auswirkungen auf den internationalen Frieden und die
internationale Sicherheit" zu einer Generaldebatte kommen solle.

Die Ver-

sammlung, die ihre Jahressitzung am 20. September eröffnete, verabschiedete
vier Resolutionen, die die Sowjetunion seit ihrer Invasion Afghanistans im
Jahr 1979 verurteilten.
29. September 1983
Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Javier Perez de Cuellar,
veröffentlichte einen Bericht über die indirekten Gespräche, die es dieses Jahr
in Genf unter Leitung der Vereinten Nationen mit Vertretern Pakistans und
des Kabuler Regimes gab. Obgleich, so der Generalsekretär, "wertvoller und
ausdrücklicher" Fortschritt erzielt worden sei, "kann ich dennoch nicht meine
tiefe Sorge über den langsamen Fortgang der Verhandlungen und die Schwierigkeiten verbergen, die es hinsichtlich der Überwindung der bestehenden Hindernisse gab."

Die Hindernisse nannte er dabei nicht. Weitere Gespräche mit

- 3 -

�Gespräche mit den Beteiligten sollen vom persönlichen Stellvertreter des
Generalsekretärs, Diego Cordovez, während der laufenden Sitzung der Vollversammlung geführt werden.

Cordovez leitete auch die Genfer Gespräche.

4. Oktober 1983
Sahabzada Yaqub Khan, der Außenminister Pakistans, erklärte vor der
Vollversammlung der Vereinten Nationen, es habe im vergangenen Jahr bei den
von den Vereinten Nationen unterstützten Afghanistan-Verhandlungen "konkreten
Fortschritt"
gegeben.

bei der Erarbeitung der Elemente für eine umfassende Regelung

Allerdings, so der Außenminister, "steht noch immer eine Reihe ent-

scheidender Fragen - insbesondere der zeitliche Rahmen für einen Abzug der
ausländischen Streitkräfte - zur Lösung an."
6. Oktober 1983
Kabuls Außenminister Schah Mohammad Dost erklärte vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen, "die bewaffnete Intervention gegen die Demokratische Republik Afghanistan

von pakistanischem Territorium aus ist die Wur-

zel und die Ursache des afghanischen Problems.

Daher sollte das Hauptziel

der Verhandlungen eine Beendigung dieser Intervention sein."
18. Oktober 1983
Westlichen diplomatischen Quellen in Neu Delhi zufolge unternahmen
sowjetische Truppen und Streitkräfte des Kabul er Regimes kürzlich umfangreiche Offensiven in sechs afghanischen Provinzen sowie eine umfassende
Durchkämmungsaktion in einer siebenten. Am schwersten von diesen intensiven
Luft- und Bodenbombardements betroffen war die historische Stadt Istalef in
der nördlich von Kabul gelegenen Shomali-Region: 40 Prozent der Gebäude des
Ortes wurden seit Beginn des Angriffs am 12. Oktober zerstört, verwundete Zivilisten und Flüchtlinge strömten danach nach Kabul (einer diplomatischen
Quelle vom 25. Oktober zufolge wurden mehrere Hundert Zivilisten getötet).
28. Oktober 1983
Die Regierung der Schweiz informierte darüber, daß ein von der afgha-

- 4 -

�afghanischen Widerstandsbewegung gefangener sowjetischer Pilot gemäß einer
Vereinbarung zwischen dem Schweizer Internationalen Ausschuß des Roten Kreuzes,
sowjetischen Regierungsvertretern und der afghanischen Widerstandsbewegung
zwecks Internierung in der Schweiz eingetroffen sei. Dem Bericht zufolge
hatte die Schweiz in Einklang mit ihrer Neutralität bis dahin bereits insgesamt acht sowjetische Kriegsgefangene als "humanitäre Geste" akzeptiert.
2. November 1983
Amnesty International, London, veröffentlichte eine Erklärung, in der
acht Zentren in Kabul genannt wurden, wo Sicherheitspolizei politisch Verdächtige gefoltert hatte; die Aussage
maliger Gefangener.

stützte sich auf Zeugenaussagen ehe-

In einigen Fällen, so der Bericht, starben die Gefangenen

nach der Folter oder erlitten schwere Verletzungen.
6. November 1983
Das Internationale Afghanistanbüro, eine private, freiwillige Gruppe in
Paris, kündigte seine Absicht an, eine Untersuchungskommission einzuberufen,
um die humanitären Probleme von Hunderttausenden von Afghanen zu untersuchen,
die als Flüchtlinge oder Vertriebene außerhalb ihres Landes leben.

Dies wurde

zum Abschluß eines dreitägigen Seminars angekündigt, das von dem Büro an der
Genfer Universität abgehalten wurde.
15. November 1983
Diplomatischen Quellen in Neu Delhi und Islamabad zufolge wurden am
8. oder 9. November in der Shomali-Region nördlich von Kabul 50 bis 80
afghanische Mujahedin getötet, als sie von sowjetischen Flugzeugen und Hubschraubern in der Nähe von Farza auf offenem Gelände entdeckt wurden. Die
Region, durch die eine äußerst wichtige Verbindungsstraße zur Sowjetunion verläuft, wurde Mitte Oktober schwer bombardiert; auch zu Beginn dieses Monats
begann noch ein weiterer sowjetisch-kabulischer Angriff.
22. November 1983
Zeitungsberichten aus Neu Delhi und Islamabad zufolge, die sich auf

- 5 -

�sich auf diplomatische Quellen beriefen, wurde der Kommandeur der 8. Heeresdivision des Kabul er Regimes, Generalmajor Mohammad Abdul Azim, sowie ein
Dutzend sowjetischer und Kabuler Regierungsvertreter getötet, als ihr Flugzeug am 15. November südlich von Kabul abstürzte, nachdem es von Schützen
der Mujahedin getroffen worden war.
23. November 1983
Zum fünftenmal seit der sowjetischen Invasion 1979 stimmte die Vollversammlung der Vereinten Nationen mit der bislang größten Mehrheit einer Resolution zu, die "den sofortigen Abzug der ausländischen Truppen aus Afghanistan"
sowie eine politische Lösung der Krise forderte.

Das Abstimmungsergebnis

brachte 116 Stimmen für und 20 Stimmen gegen die Resolution bei 17 Enthaltungen.
Von Pakistan im Namen von 44 weiteren Staaten eingebracht, verwies die Resolution auf "die Initiativen der Organisation der Islamischen Konferenz und die
Anstrengungen der Bewegung der blockfreien Staaten für eine politische Lösung der Situation."

Die Resolution forderte außerdem den Generalsekretär

auf, seine Anstrengungen zur Förderung einer politischen Regelung fortzusetzen.
30. November 1983
Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Javier Perez de Cuellar,
erklärte, daß Diego Cordovez, sein persönlicher Vertreter für die AfghanistanFrage voraussichtlich im April 1984 Konsultationen aufnehmen werde. Dabei
will er nach Islamabad, Kabul und Teheran reisen. In der Sitzungsperiode
1982-83 besuchte Cordovez das Gebiet zweimal und führte dreimal in Genf indirekte Gespräche mit Vertretern Pakistans und des Kabul er Regimes.
6. Dezember 1983
Mehrere tausend sowjetischer Soldaten begannen am 2. Dezember mit einem
Rückzug aus dem Guldara-Tag in der Shomali-Region, nachdem sie sieben Tage
lang gegen einen Verband afghanischer Widerstandskämpfer gekämpft hatten.
Westliche diplomatische Quellen erklärten, die Mujahedin - aus allen wesentlichen Widerstandsgruppen des Gebietes zusammengesetzt - hätten beim Zurück-

- 6 -

�beim Zurückschlagen der Offensive eine ganz außergewöhnlich starke und koordinierte Aktion gezeigt.

Die Verluste der Sowjets seien "schwer", die d

Mujahedin "beträchtlich" gewesen.

Die afghanische Widerstandsbewegung gab

zudem die Gefangennahme von über 20 sowjetischen Soldaten bekannt.

- 7 -

�Uli//cn/chofl
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

4. Januar 1984

US-INDUSTRIE STEIGERT FORSCHUNGSAUSGABEN

- (AD) - Wie Umfragen der amerikanischen Nationalen Forschungsstiftung (NSF)
bei Unternehmen in den Vereinigten Staaten ergaben, ist zu erwarten, daß die
Industrie im Jahr 1984 ca. 48 Milliarden Dollar für Forschung und Entwicklung
("F &amp; E") aufwenden wird.

Das sind 11 Prozent mehr als im abgelaufenen Jahr 1983,

wo insgesamt 44 Milliarden Dollar erreicht worden sein dürften.

Wie ein Mitte

Dezember 1983 veröffentlichter Bericht der NSF vermerkt, sei angesichts der für
1984 zu erwartenden positiven Geschäftsentwicklung in bestimmten Branchen anzunehmen, daß z.B. auf dem Sektor Maschinenbau die Steigerung von Ausgaben für
Forschung und Entwicklung 1983/84 im Durchschnitt 17 Prozent, und bei Computerfirmen 19 Prozent betragen werden; Gesamtaufwendungen 1984: ca. 9,8 Milliarden
Dollar.
Der ständig beschleunigte Fortschritt in der Technologie, die immer größere
Vielfalt bei der Anwendung von Computern in der amerikanischen Industrie und die
wachsende ausländigsche Konkurrenz zwangen die Computerfirmen zur Erhöhung ihres
"F &amp; E"-Etats, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Im Gegensatz dazu dürfte bei Unter-

nehmen mit Produktionsprogrammen außerhalb des Computerbereichs (u.a. landwirtschaftliche Maschinen, Hydraulikausrüstungen, Werkzeugmaschinen) im günstigsten
Fall eine nur geringfügige Steigerung der F&amp;E-Aufwendungen gegenüber 1983 zu
erwarten sein, da infolge der Rezession der Absatz stark in Mitleidenschaft gezogen wurde.
Unternehmen für

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�Unternehmen für Elektrotechnik und nachrichtentechnische Systeme beabsichtigen
eine Steigerung ihrer F&amp;E-Mittel um ca. 11 Prozent auf 9,2 Milliarden Dollar.
Im Mittelpunkt stehen dabei Neuentwicklungen auf dem Gebeit der Halbleiter, insbesondere leistungsstarker Halbleiter, und der Fernmeldetechnik.

Die Computer-

und Elektronikindustrie sind, was die Technologie angeht, aufeinander angewiesen.
Dies führte bereits zu Verflechtungen auf zahlreichen Gebieten der Forschung, aber
auch zum Zusammengehen mit Firmen der Zulieferindustrie. Angesichts der Vielfalt
und der in immer rascherem Tempo voranschreitenden Entwicklungen der Spitzentechnologie sehen sich viele Firmen zu enger Zusammenarbeit in Forschung und
Entwicklung mit anderen Unternehmen gezwungen.

Die im abgelaufenen Jahr ge-

gründete "Microelectronics and Computer Technology Corporation" dürfte das bekannteste Beispiel für gemeinsame E&amp;F-Programme sein. Jedoch gibt es eine ganze
Anzahl weiterer Fälle, in denen Computerfirmen, Halbleiterfirmen und solche für
Nachrichtensysteme sich zusammentun, um F&amp;E-Programme aufzubauen und Technologie
auszutauschen.

Nach dem Kommentar eines Unternehmens, das sich an der Umfrage

beteiligte, ist dies "eindeutig eine der bemerkenswertesten Tendenzen zu Beginn
der achtziger Jahre - und sie wird bleiben".
Auch bei der chemischen Industrie, einschließlich der pharmazeutischen
Industrie und bei Herstellern von Drogerieartikeln, ist für 1983/84 eine Steigerung der F&amp;E-Aufwendungen um ca. 11 Prozent auf insgesamt 7,2 Milliarden Dollar
anzunehmen, wobei auf dem Sektor Drogerieartikel mindestens 16 Prozent mehr
F&amp;E-Mittel verfügbar gemacht werden dürften. In Stellungnahmen der pharmazeutischen Industrie hieß es, daß man auf Grund von Entdeckungen in Verbindung mit
neuen und noch in der Entwicklung befindlichen Technologien Chancen sehe
und
daß das künftige Wachstum ihrer Unternehmen davon abhänge, Forschung und Entwicklung ständig als Schwerpunktprogramm zu behandeln.
Auf anderen Sektoren der chemischen Industrie sind die Aufwendungen für
F&amp;E unterschiedlich: Unternehmen mit Projekten aus dem Gebiet der Gen-Technologie
werden sie steigern, insbesondere im Hinblick auf vielversprechende Durchbrüche
im Bereich landwirtschaftlicher Produkte, Pflanzengenetik und Fermentation.
Dagegen gaben Unternehmen mit herkömmlicher Produktpalette wegen der Absatz- und

- 2 -

�Absatz- und Gewinneinbußen allgemein weniger für Forschung und Entwicklung aus.
Alles in allem ist hier mit einer Steigerung der Aufwendungen von 9 bis 10 Prozent
zu rechnen.
In der Kraftfahrzeugindustrie wurde 1983 ein Prozent mehr für F&amp;E als 1982
ausgegeben; für 1984 dagegen werden fünf Prozent mehr als 1983 (insgesamt ca.
4,5 Milliarden Dollar) erwartet.

Einzelne Firmen unternehmen große Anstrengungen,

um sich gegenüber der in- und ausländischen Konkurrenz zu behaupten.

Durch die

Einführung hochqualifizierter neuer Verfahren wie CAD (computergestützte Konstruktion) und die Straffung ihrer Forschungsprogramme sehen sich die Unternehmen jetzt
eher in der Lage, neue Programme in Angriff zu nehmen.
Die Luftfahrtindustrie wies in ihren Etats von 1983 etwa 13 Prozent mehr
als im Jahr zuvor für Forschung und Entwicklung aus.

Im Jahr 1984 ist eine

Steigerung in der gleichen Größenordnung vorgesehen (Gesamtaufwendungen: ca.
4,3 Milliarden Dollar).

Die Firmen sind vor allem um Modell Verbesserungen bei

Verkehrsflugzeugen, Frachtflugzeugen und Düsentriebwerken sowie Verbesserungen
bei Verbundwerkstoffen bemüht. Jedoch ist der Forschungsaufwand bei den einzelnen
Herstellern sehr unterschiedlich; er zeigt eher den jeweiligen Stand in den
längerfristigen Forschungsprogrammen des Unternehmens.
Beim Instrumentenbau erhöhten sich 1983 F&amp;E-Aufwendungen um 12 Prozent, für
1984 ist eine weitere Steigerung um 15 Prozent (auf insgesamt 4,9 Milliarden
Dollar) vorgesehen.

Dies sind Durchschnittswerte, denn Hersteller medizinischer

und anderer wissenschatlich-technischer Instrumente liegen mit Steigerungsbeträgen von 23 Prozent sowohl für 1983 als auch 1984 mit Abstand an der Spitze.
Auf dem Sektor Fotografie und fotografische Ausrüstungen betragen die Steigerungsraten 9 bzw. 12 Prozent für die beiden Jahre, wobei die rasche Veraltung von
Produkten und die starke internationale Konkurrenz nach wie vor die wichtigsten
Motive für eine Forschungsförderung sind.
Die seit 1981

- 3 -

�Die seit 1981 der US-Industrie gewährten Steuervergünstigungen zur Förderung
von F&amp;E-Projekten, die bis Ende 1985 laufen, bedeuten in zahlreichen Fällen einen
beachtlichen Anreiz, Forschungsetats zu erhöhen. Auch zeigte die NSF-Umfrage,
daß manche Unternehmen dank der Steuererleichterungen bestimmte Forschungsprojekte
überhaupt erst in Angriff nehmen konnten, die wegen Geldmangels in der Rezession
zurückgestellt worden waren.

- 4 -

�4. Januar 1984

1

SUPERPLASTISCHE VERFORMUNG MIT INFRAROTLICHT

- (AD) - Infrarot!icht von Quarzlampen benutzen Ingenieure in einem kalifornischen Werk der Fa. McDonnell Douglas für komplizierte Formgebungen von Flugzeugteilen aus Titan.

Für die sog. superplastische Verformung waren bisher hoher

Druck und Preßtemperaturen von mehr als 900 Grad Celsius erforderlich.

Dazu

kam für die Prtsse eine Vorwärmzeit von ca. 24 Stunden - hoher Energieverbrauch
war die Regel.

Beim Verformungsprozeß mit der Wärmestrahlung aus Quarzlampen

dagegen werden nur das zu verformende Metall und das Werkzeug zur unmittelbaren
Bearbeitung erhitzt, während alle übrigen Teile der Ausrüstung Raumtemperatur
behalten.

Das neue Verfahren spart nicht nur Energie, sondern auch sehr viel

Zeit.

+ + + + +

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�</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

*
4. J a n u a r 1989

INHALT

INFORMATION
Dole bringt lange Regierungserfahrung mit
- Porträt der zukünftigen Arbeitsministerin Elizabeth Dole Minister für Transport und Verkehr bringt Erfahrung mit
- Porträt von Samuel Skinner Bush nominiert Hispano-Amerikaner zum neuen Innenminister
- Porträt von Manual Lujan Designierter Chef der Umweltbehörde befürwortet weltweiten
Umweltschutz
- Porträt von William Reilly -

DOKUMENTATION
Vereinigte Staaten verhängen Handelssanktionen gegen EG
- Erklärung des Handelsbeauftragten, Kommentar des Weißen Hauses

HINTERGRUNDMATERIAL
"Zentrale Rolle" für Mujahedin in neuer afghanischer Regierung
- Bericht des US-Außenministeriums Liste der als Vergeltungsmaßnahme gegen das Fleisch-Importverbot
der EG verhängten Sanktionen
- Amerikanische Sanktionen gegen EG-Produkte -

* * * * *

United States Information Service
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�AMERIKA DIENST
Information

%r,oN^

4. Januar 1989

DOLE BRINGT LANGE REGIERUNGSERFAHRUNG MIT

- Porträt der zukünftigen Arbeitsministerin Elizabeth Dole -

WASHINGTON - (AD) - Die vom gewählten Präsidenten Bush als Arbeitsministerin in seine Administration
berufene ELizabeth Dole ist aus hohen
Regierungämtern nicht mehr wegzudenken.

dentschaftswahlkampfes 1988 nur zum
Teil spaßig gemeint, als Robert ein
echter Konkurrent von Bush war; einige vertraten die Ansicht, Elizabeth
wäre eine gute Wahl für den Posten
der Vizepräsidentin.

Dole, eine 52jährige Juristin,
hat in fünf vorherigen Administrationen bereits unter Präsident Lyndon
Johnson im Jahr 1966 gedient und leitete unter Präsident Reagan das Ministerium für Transport und Verkehr.

Elizabeth Dole nahm den Gedanken
immerhin soweit ernst, daß sie Journalisten auf die Frage, ob ihrer Ansicht nach nicht etwas an der Kandidatur von zwei Ehepartnern auszusetzen sei, antwortete:
"Theoretisch
nicht. Wir haben jeder unsere eigene
Karriere. Es wäre jedoch etwas ungewöhnlich."

Sie und ihr Gatte Robert, der den
Vorsitz der Republikaner im Senat
führt, werden häufig als "das Paar
mit der größten Macht" in Washington
bezeichnet. In der Tat war das Gerede vom "Ehepaar Dole" auf der Wahlliste in der Anfangsphase des Präsi-

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Als Bush die Nominierung seiner
Partei gewann, hielten sich die Gerüchte, Elizabeth Dole würde als Vizepräsidentin
aufgestellt.
Aber

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�schließlich wurde Senator Dan Quayle
benannt.

die Präsident Carter wegen angeblicher Falschaussagen angriff.

In North Carolina geboren und
aufgewachsen bevor sie für ihre juristische Ausbildung und Karriere in
der Bundesregierung nach Norden ging,
wurde "Liddy" Dole - sie machte sich
den weitverbreiteten Kosenamen als
junges Mädchen zu eigen - stets dem
sprichwörtlichen Charme des Südens
gerecht.

Mit der Wahl von Präsident Reagan
wurde Dole zu seiner Assistentin für
Öffentlichkeitsarbeit ernannt und damit zur ersten Frau auf einem hochrangigen Posten in seiner Administration. Zu Beginn des Jahres 1983 beförderte Reagan sie zur Ministerin
für Transport und Verkehr im Kabinett. Ihre Wahl wurde im großen und
ganzen als Bestreben angesehen, die
Benachteiligung der Frau zu verringern und die Position des Präsidenten
gegenüber Frauen im Vorfeld der Wahlen 1984 zu verbessern.

Ihr wird ein beruhigender Einfluß
auf Senator Dole nachgesagt, den sie
im Jahr 1975 heiratete und der in dem
Ruf steht, aufbrausend und scharfzüngig zu sein.
Im Anschluß an ihr Examen an der
Harvard Law School kam sie 1966 nach
Washington und begann ihre Karriere
in der Regierung als Mitarbeiterin im
Gesundheitsministerium, ein Amt, in
dem sie sich auf die Ausbildungsprobleme von Behinderten spezialisierte.
Später hatte sie Positionen als
stellvertretende Direktorin für juristische Angelegenheiten im Büro für
Konsumentenbelange
unter
Präsident
Johnson und als geschäftsführende Direktorin der Kommission zur Wahrung
von Konsumenteninteressen unter Präsident Nixon inne. Nixon berief sie
dann zu einer siebenjährigen Amtszeit
beim Bundeskartellamt (FTC), einer
unabhängigen Behörde, die sich mit
der Förderung des Wettbewerbs im Binnenhandel und der Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs, wie beispielsweise
mutwillige Täuschung durch Werbeversprechen befaßt. Ihre Amtszeit wurde
bis in die Administration von Ford
und Carter verlängert.
Demokratin, als sie nach Washington kam, wurde Dole bei ihrer Berufung zum FTC als politisch unabhängig
bezeichnet. Mit ihrem Rücktritt von
diesem Amt im Jahr 1979 hatte sie den
Übe rgang zur Republikanerin vollzogen
und
beim
Präsidentschaftswahlkampf
des Jahres 1980 war sie Vorsitzende
der Wähler für Reagan-Bush und Mitglied des "truth squad" einer Gruppe,

Zu Doles Leistungen während ihrer
Amtszeit als Transportministerin zählen der erfolgreiche Verkauf von Conrail, dem ehemals regierungseigenen
Gütertransportsystem, sowie die Übergabe von zwei Washingtoner Flugplätzen an eine regionale Behörde.
Dole trat wie auch von ihrem Amt
beim FTC von ihrem Posten als Transportministerin zurück, um eine aktive
Rolle in dem erfolglosen Präsidentschaftswahlkampf
ihres
Mannes
zu
übernehmen.
Für ihn unternahm sie
zahlreiche Reisen und Robert Dole bezeichnete sie scherzhaft als "meine
Strategie für den Süden".
Mit ihrer Ernennung zur Arbeitsministerin erfüllt Bush - vorbehaltlich der Bestätigung durch den Senat
- sein Versprechen, eine Frau in sein
Kabinett zu berufenn. Diesen Posten
hat derzeit die einzige Frau in
Reagans Kabinett - Ann McLaughlin inne.

Nachdem die Wahl auf sie gefallen
war, erklärte Dole, sie strebe "die
Verbesserung und den Schutz des Wohlergehens der amerikanischen Arbeitnehmer" an.
Dole legte ihr Examen in politischen Wissenschaften an der Universität Duke im Jahr 1958 ab und wurde
Mitglied in der studentischen Vereinigung hervorragender Akademiker (Phi

- 2 -

�Beta Kappa).
Sie studierte an der
Universität Oxford in Großbritannien,
erwarb dann den Magister in Pädagogik
und Staatskunde an der Universität
Harvard im Jahr 1960, bevor sie ihre
Studien an der juristischen Fakultät
aufnahm.
Im Jahr 1974 wählte das Time Magazine sie zu einem der 200 "Gesichter der Zukunft" Amerikas.
Sie und Senator Dole haben keine
Kinder. Der Senator hat eine Tochter, Robin, aus einer vorherigen Ehe.

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4. Januar 1989

MINISTER FÜR TRANSPORT UND VERKEHR BRINGT ERFAHRUNG MIT
- Porträt von Samuel Skinner -

WASHINGTON - (AD) - Der vom neu gewählten Präsidenten George Bush für das
Ministerium für Transport und Verkehr ausgewählte Samuel Skinner bringt sowohl
Erfahrungen auf seinem Gebiet als auch die politischen Verbindungen mit nach
Washington, die seinen Ansichten Gewicht verleihen.
Der Jurist Skinner ist seit 1984
Vorsitzender der regionalen Verkehrsbetriebe von Chicago (Chicago Regional Transit Authority - RTA), dem Betreiber von Pendlerzügen und Buslinien in und um Chicago. Die RTA sind
mit 2,4 Millionen Verkehrsteilnehmern
dem Umfang nach die zweitgrößten in
den Vereinigten Staaten nach den New
Yorker
Verkehrsbetrieben.
Skinner
ist im Besitz einer Instrumentenflugberechtigung.

"Sicherheit muß für uns immer an
erster
Stelle
stehen",
erklärte
Skinner gegenüber Journalisten auf
einer Pressekonferenz am 22. Dezember, auf der seine Nominierung und
die anderer Kabinettsmitglieder bekanntgegeben wurde. Er will das amerikanische Flugverkehrssystem verbessern und die Anstrengungen der KUstenwache unterstützen, dem Drogenverkehr in die Vereinigten Staaten
Einhalt zu gebieten.

Ferner sind Skinners enge Verbindungen zum neu gewählten Präsidenten
von Bedeutung. Er war zweiter Vorsitzender von Bush Kampagne um die
Präsidentschaft im Jahr 1980 gegen
Ronald Reagan und Anfang dieses Jahres Leiter des erfolgreichen BushWahlkampfes in Illinois.

Der 50jährige Skinner wurde unter
der Ford-Administration 1975 Staatsanwalt für den nördlichen Verwaltungsbezirk von Illinois. 1983 wurde
er Stellvertretender Vorsitzender in
der Kommission des Präsidenten gegen
das organisierte Verbrechen und gegenwärtig ist er Sozius im Chicagoer

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�Büro der internationalen Anwaltskanzlei Sidley und Austin.
Skinner begann seine Laufbahn in
der International Business Machines
Corporation (IBM), wo er von 1961 bis
1968 in der Marketingabteilung arbeitete.
1967 wurde er zusammen mit
zwei anderen Kollegen zum besten IBMVerkäufer in den Vereinigten Staaten
gewählt.
1966 legte er an der De
Paul
University
sein
Examen
in
Rechtswissenschaften
ab und wurde
1968 erster Assistent
von James
Thomson, dem damaligen Staatsanwalt
für den nördlichen Verwaltungsbezirk
von Illinois. In diesem Zeitraum erhielt er zweimal eine Auszeichnung
des Justizministeriums für hervorragende Leistungen.

Thompson hat sich als Gouverneur
von Illinois für die Berufung von
Skinner auf den Posten des Verkehrsministers stark gemacht.
Skinner war darüber hinaus Vorsitzender im Ausschuß für Kapitalentwicklung in Illinois, in der Kommission des Gouverneurs gegen Betrug und
der Arbeitsgruppe des Gouverneurs zur
Energieeinsparung und Kohleverarbeitung.
Er legte 1960 an der University
of Illinois seine Prüfung in Rechnungswesen ab und diente von 1960
bis 1961 als Offizier in der Armee.
Skinner hat drei Kinder.

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4. Januar 1989

BUSH NOMINIERT HISPANO-AMERIKANER ZUM NEUEN INNENMINISTER
- Porträt von Manual Lujan -

WASHINGTON - (AD) - Der langjährige Abgeordnete im Repräsentantenhaus,
Manual Lujan, ist für das Amt des Innenministers in der nächsten Administration nominiert worden. Der im Jahr 1968 zum ersten Mal für den Staat New
Mexico in den Kongreß gewählte Lujan bekleidet im Innenausschuß des Repräsentantenhauses bei den Republikanern die zweitwichtigste Position. Im Unterausschuß für Energie und Umwelt ist er ein wichtiges Mitglied der Minderheitsfraktion. Ferner hält er einen Sitz im Unterausschuß für Wasser- und Elektrizitätswirtschaft. Im Ausschuß für Wissenschaft, Weltraumforschung und Technologie steht er bei den Republikanern an führender Stelle.
In letzterer Funktion war er eines von vier Mitgliedern des Kongresses in der vom Präsidenten gebildeten
Nationalen Kommission für Weltraumforschung, die für die Langzeitplanung der amerikanischen Weltraumpolitik zuständig war. In dem von dieser
Kommission im Jahr 1986 veröffentlichten Bericht wurde ein 50-JahresPlan vorgeschlagen, in dessen Verlauf
permanente Stützpunkte auf dem Mond
und dem Mars eingerichtet werden
sollten, mit denen der Abbau von Bodenschätzen auf Mond und Mars ermöglicht würde.
Während der Reagan-Administration
war Lujan schon drei Mal für den Posten des Innenministers im Gespräch.
Als Kongreßmitglied blockierte er ein
Gesetz für die Verpachtung von Land

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in bestimmten noch im Urzustand belassenen Gebieten New Mexicos zum
Zweck der Erschließung von Öl- und
Erdgasvorkommen.
Letztlich stimmte
er jedoch einem Kompromißvorschlag
zu, mit dem eine solche Verpachtung
nach dem Jahr 2000 ermöglicht würde.
In bezug auf die Zuständigkeit
des Innenministeriums für Nationalparks und andere große Landflächen in
Staatsbesitz erklärte Lujan auf einer
Pressekonferenz am 22. Dezember, in
deren Verlauf Bush seine Nominierung
ankündigte: "Wie Sie wissen, engagiere ich mich sehr für den Erhalt
dieses Erbes, das uns hinterlassen
wurde und das wir unseren Kindern und
deren Kindern in besserem Zustand
vererben wollen, als wir es vorgefunden haben." Weiter sagte er, wenn

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�"ein kleines Stück des uns allen Anvertrauten entweiht wird, leiden wir
alle darunter".
Seine Bilanz im Kongreß ist konservativ. So stimmte er für Kürzungen der Haushaltsmittel für Wasserwirtschaftsprojekte und im öffentlichen Wohnungsbau.
Im allgemeinen
befürwortete er Verteidigungsvorhaben, wie etwa die Produktion der MXRakete und die Hilfe an die Contras
in Nicaragua.
Er ist ein vehementer Verfechter
der Atomenergie. Der Staat New Mexico ist einer der Hauptlieferanten
für Uran in den Vereinigten Staaten.

Lujan, der eigentlich vorgehabt
hatte, nach 20jähriger Tätigkeit im
Kongreß im Januar in den Ruhestand zu
treten, ist der zweite Amerikaner
hispanischer Abstammung im Kabinett
Bush.
Der andere, Bildungsminister
Lauro Cavazos, wird von der ReaganAdministration übernommen.
Der 60jährige Lujan studierte am
College of Santa Fe. Er ist ehemaliger
Vizepräsident
der
Republikanischen Partei im Staat New Mexico.
Ferner war er Präsident der Vereinigung selbständiger Versicherungsvertreter des Staates New Mexico. Er
hat vier Kinder.

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4. Januar 1989

DESIGNIERTER CHEF DER UMWELTBEHÖRDE BEFÜRWORTET WELTWEITEN UMWELTSCHUTZ

- Porträt von William Reilly -

WASHINGTON - (AD) - Der vom gewählten Präsidenten George Bush für
das Amt des Leiters der Umweltbehörde
(EPA) ausgesuchte
William
Reilly
bringt für diese Tätigkeit große Erfahrung in Umweltschutzfragen sowohl
auf internationalem wie auch auf heimischem Parkett mit.

ste Präsident seine Wahlkampfversprechen ernst nehmen und Umweltfragen
einen höheren Stellenwert einräumen
wird.

Die Nominierung von Reilly am 22.
Dezember 1988 wurde von fast allen
namhaften Umweltschützern in den Vereinigten Staaten begrüßt. Viele hoben Reillys Fähigkeit zum Konsens und
Ausgleich zwischen Umweltschutz- und
Wirtschaftsinteressen hervor.

Der
geschäftsführende
Direktor
des Fonds zur Verteidigung der Umwelt, Frederic Krupp, hatte - wie die
meisten UmweltSchützer - einen positiven Eindruck von Reillys Nominierung.
Ihm zufolge hat die Gemeinschaft
der
UmweltSchützer
jetzt
"Grund zum Optimismus, daß diese Administration große Fortschritte bei
der Bewältigung dieser Probleme machen wird".

Die Wahl einer Persönlichkeit,
die praktisch ihr gesamtes Berufsleben Umweltanliegen unterstützt hat,
ist ein Hinweis darauf, daß der näch-

Der Sprecher einer anderen Umweltschutzinitiative
(Environmental
Action), Dan Becker, vertrat dagegen
eine der allgemein positiven Stimmung

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�zuwiderlaufende Auffassung und äußerte sich besorgt, da Reilly in der
Vergangenheit zu viele Kompromisse
mit der Wirtschaft eingegangen sei.
Seiner Ansicht nach "wird die wichtigste von ihm zu bestehende Herausforderung darin liegen, Umweltverschmutzern gegenüber eine harte Haltung einzunehmen statt mit ihnen zu
verhandeln".

Aufstellung von Normen und Zielvorgaben bei saurem Regen und in der Erzielung von Fortschritten bei der
Entwicklung von Technologie zur Säuberung der Kohle.
Er hob hervor,
Reilly habe umfassende Kenntnisse
über das zwischen den Vereinigten
Staaten und Kanada unterzeichnete Abkommen über die Reduzierung des sauren Regens.

Der designierte Leiter der EPA
wird voraussichtlich keine leichte
Aufgabe bei der Förderung umweltpolitischer Prioritäten haben. Dies beruht teilweise darauf, daß durch das
enorme Defizit im Bundeshaushalt der
finanzielle Spielraum für Umweltprogramme eingeengt wurde.

Zu saurem Regen zählt man Niederschläge in Form von Regen, Schnee,
Nebel und sogar Staub, die über das
normale Maß hinausgehende Säurewerte
aufweisen.
Umweltschützern zufolge
wird dieses Phänomen verursacht, wenn
Emissionen bestimmter chemischer Substanzen, insbesondere Schwefeldioxyd
aus
Kohleverbrennungsanlagen
sowie
Stickoxide aus Automobilen sich in
der Atmosphäre verändern.

Ferner wird mit dem designierten
Innenminister Manuel Lujan ein Mann
dem Kabinett Bush angehören, der in
seiner 20jährigen Mitgliedschaft im
Kongreß
bei
Abstimmungen
zumeist
Wirtschaftsinteressen
vor
Anliegen
des Umweltschutzes den Vorrang gegeben hat, wie den jedes Jahr von Umwelt- und Wirtschaftsgruppen verteilten Noten für Kongreßabgeordnete zu
entnehmen ist.
Die Umweltschutzbehörde überwacht
die Einhaltung einer Reihe von Umweltschutzgesetzen, darunter die Gesetze zur Reinhaltung von Luft und
Wasser, zur Kontrolle von Pestiziden
und anderen giftigen Substanzen sowie
Sondermüll.
"Obwohl die EPA nicht im Kabinett
vertreten ist, erfüllt diese Behörde
in meinen Augen eine für die Zukunft
Amerikas immens wichtige Aufgabe",
erklärte Bush bei der Bekanntgabe
seiner Wahl für den Posten des Leiters. "Ich habe großes Interesse an
der Arbeit dieser Behörde ... (Reilly) ist sich nicht nur der zwingenden
Notwendigkeit zum Schutz unserer eigenen Umwelt bewußt, er weiß auch um
die Notwendigkeit der internationalen
Zusammenarbeit in diesem Bereich."
Der gewählte Präsident erklärte,
eines seiner Ziele bestehe in der

Saurer Regen, der häufig weit von
seinem Ursprungsort entfernt niedergeht, vermischt sich am Boden mit Erde oder Wasser. Es gibt stichhaltige
Beweise dafür, daß übersaures Wasser
Fauna und Flora der Gewässer abtötet
und übersäuerte Böden den Ertrag von
Ernten und Wäldern senken.
Eigener Einschätzung zufolge ist
Reilly der erste Vorsitzende einer
wichtigen
UmweltSchutzorganisation,
der je zum Leiter der Umweltschutzbehörde ernannt wurde. "Ich werde sehr
eng mit dem Kongreß zusammenarbeiten,
um die notwendige überparteiliche Unterstützung zur Gewährleistung wirklicher und dauerhafter Fortschritte
in der Umweltpolitik aufzubauen," erklärte Reilly.
Reilly ist seit Oktober 1985 Präsident des World Wildlife Fund in den
Vereinigten Staaten.
Damals schloß
sich diese Organisation mit der seit
1973 von ihm geführten Conservation
Foundation zusammen.
Mit Programmen in Lateinamerika,
Afrika und Asien, insbesondere in den
tropischen
Regenwäldern,
ist
der
World Wildlife Fund eine der führenden internationalen Umweltorganisati-

- 2 -

�onen. Er hat ca. 1 350 Projekte in
103 Ländern unterstützt, um gefährdete Tierarten und deren Lebensraum zu
schützen. Er zählt etwa 600 000 Mitglieder und hat ein Jahresbudget von
30 Millionen Dollar.
Die Conservation Foundation beschäftigt Wissenschaftler, Rechtsanwälte, Volkswirtschaftler, Städteplaner und Wirtschaftsexperten zu Fragen
der Landschaftsplanung, der Kontrolle
toxischer Abwässer, der Stadterhaltung und Energie. In Umweltschutzfragen strebt sie Lösungen vorwiegend
durch Verhandlungen statt durch den
Rechtsweg an.
In den Jahren 1970-72 war Reilly
führend im Rat des Präsidenten für
die Qualität der Umwelt sowie als geschäftsführender Direktor der Projektgruppe Landnutzung und städtisches Wachstum tätig.
Ferner war er stellvertretender
Direktor des Urban Policy Center und
diente als Hauptmann bei den amerikanischen Streitkräften in Europa.
Reilly,
der
in
Chicago
als
Rechtsanwaltspraktizierte, legte an
der Harvard Law School in Rechtswissenschaft und an der Columbia University in Städteplanung Examina ab.
Ferner besuchte er das College der
Yale University. Er spricht Französisch und Spanisch und hat Kenntnisse
in Deutsch und Italienisch. Er hat
zwei Kinder.

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Dokumentation

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4. Januar 1989

VEREINIGTE STAATEN VERHÄNGEN HANDELSSANKTIONEN GEGEN EG

- Erklärung des Handelsbeauftragten, Kommentar des Weißen Hauses

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten werden am Vergeltung für
einen EG-Beschluß, der Einfuhren von
hormonbehandeltem Rindfleisch aus den
USA untersagt, Handelssanktionen im
Gegenwert von 100 Millionen Dollar
gegen die Europäische Gemeinschaft
verhängen.
Einer Ankündigung des
US-Handelsbeauftragten
Clayton
Yeutter zufolge treten diese Sanktionen am 1. Januar 1989 zugleich mit
dem von der EG erklärten Einfuhrverbot in Kraft.
Obwohl der Anteil des hiervon betroffenen Handels am Gesamthandelsstrom zwischen diesen beiden Handelspartnern relativ gering ist, besitzt
das Problem alle Attribute eines Handelskrieges. Ein Vertreter des Weissen Hauses äußerte jedoch die An-

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sicht, daß beide Seiten es nicht so
weit kommen lassen werden.
"Natürlich sind wir der Ansicht,
daß wir die von uns eingenommene Position zur Handelsfrage aggressiv
vertreten müssen, aber die EG-Staaten
sind unsere Verbündeten", erklärte
die stellvertretende Pressesprecherin
des Weißen Hauses, Leslye Arsht, im
Anschluß an Yeutters Ankündigung bei
einer Pressekonferenz in Los Angeles.
"Wir sind wichtige Handelspartner.
Wir hatten vereinzelte Handelskonflikte. Wir besitzen einen Rahmen,
innerhalb dessen wir diese lösen können. Und ... es besteht kein Grund
zu der Annahme, daß dieser Streit
nicht ebenso gelöst werden kann."
Die

Vereinigten

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Staaten

werden

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�Zölle von 100 Prozent auf bestimmte
Rindfleischprodukte, Schweineschinken
und -schultern, verarbeitete oder
konservierte Tomaten, löslichen Kaffee, alkoholische Getränke mit weniger als 7% vol. Alkohol, bestimmte
Fruchtsäfte und auf einzelne verpackte, aus Getreide hergestellte Arten
von Haustierfutter verhängen.
Die Liste der Produktkategorien
bot keine Überraschungen, da sie
schon vor einem Jahr, als die EG ursprünglich die Verhängung des Einfuhrverbots für den 1. Januar 1988
angekündigt
hatte,
veröffentlicht
worden war. Allerdings verschob die
EG dann den Termin auf den 1. Januar
1989.
Die einzige in der ursprünglichen
Liste enthaltene und dieses Mal nicht
betroffene Produktkategorie waren bestimmte Tierdärme und Produkte, die
bei der Herstellung von Wurstdärmen
Verwendung finden. Auf diese wurde
Yeutter zufolge verzichtet, da die EG
die Einfuhr von hormonbehandeltem
Fleisch zur Herstellung von Haustierfutter auch weiterhin gestatten wird.
Wie US-Vertreter mitteilten, werden die Vergeltungsmaßnahmen der Vereinigten Staaten in etwa den gleichen
Wert ausmachen, wie die durch das EGVerbot verursachten Verluste bei amerikanischen Fleischexporten. Die Anhebung der Zollsätze wird solange in
Kraft bleiben, wie der amerikanische
Handel durch das Einfuhrverbot behindert wird, erklärten sie.
"Ich bedaure, daß die Vereinigten
Staaten gezwungen sind, Vergeltungsmaßnahmen gegen das von der EG verhängte Einfuhrverbot für mit Wachstumshormonen behandeltes Fleisch zu
treffen", so Yeutter.
"Wir haben
wiederholt
versucht,
diese
Frage
einem
wissenschaftlichen
Schlichtungsausschuß gemäß dem Allgemeinen
Zoll- und Handelsabkommen zu unterbreiten, um sie zu lösen. Unsere europäischen Handelspartner haben unsere Bemühungen jedoch ständig blokkiert."

"Trotz der Behauptung der EG, daß
das Verbot von Hormonen bei der Tiermast auf gesundheitlichen Bedenken
beruht, muß die EG weiterhin stichhaltige Beweise dafür vorlegen, daß
die sachgerechte Anwendung der in
Frage kommenden wachstumsfördernden
Hormone eine Gefahr für die Gesundheit des Menschen darstellt.
Aus
diesem Grund stellt der Beschluß zur
Einführung des Verbots eine unfaire
Handelspraxis dar."
Einer von Yeutters Behörde veröffentlichten Erklärung zufolge hat die
US-Lebensmittelbehörde (FDA) berichtet, daß die tägliche Produktion von
Hormonen im menschlichen Körper weit
höher ist als die minimalen Rückstände im Fleisch von behandelten Tieren.
Das Fleisch unbehandelter Tiere können einen Gehalt von natürlich vorkommenden Hormonen haben, der ebenso
hoch oder noch höher liege als
Fleisch von behandelten Tieren. Das
Ergebnis der FDA wird dieser Erklärung zufolge von einem hochkarätigen
Ausschuß
internationaler
Wissenschaftler
in
der
Ernährungs- und
Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) unterstützt,
der zu dem Schluß kam, daß bei sachgerechter Anwendung die von der EG
verbotenen Hormone keinerlei Gesundheitsrisiken darstellen.

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Hintergrundmaterial

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4. Januar 1989

'ZENTRALE ROLLE" FÜR MUJAHEDIN IN NEUER AFGHANISCHER REGIERUNG
- Bericht des US-Außenministeriums -

WASHINGTON - (AD) - Den meisten Beobachtern zufolge wird sich das Najibullah-Regime nach der im Rahmen der Genfer Vereinbarungen vorgesehenen Beendigung Abzugs der sowjetischen Truppen aus Afghanistan am 15. Februar 1989 nicht
mehr lange halten können. Ein am 27. Dezember 1988 vom US-Außenministerium
veröffentlichter Sonderbericht kommt zu dem Schluß, daß das Regime "schon zerfällt, da sich immer mehr Parteimitglieder absetzen und die Fraktionskämpfe
zunehmen, wobei jede Gruppe die andere für die drohende Krise verantwortlich
macht". Bemühungen zur Einbindung von Elementen des Widerstandes in eine Koalitionsregierung der "nationalen Aussöhnung" hätten die Widerstandsbewegung
"unbeeindruckt und uninteressiert" gelassen.
Wir veröffentlichen nachfolgend Einleitung und Zusammenfassung
richts:
Obwohl das Jahr 1988 einen Wendepunkt bedeutete, hält der blutige
Konflikt in Afghanistan unvermindert
an. Langwierige Verhandlungen unter
Schirmherrschaft der UNO wurden am
14. April mit der Unterzeichnung
einer Übereinkunft zwischen Afghanistan und Pakistan in Genf beendet;
die UdSSR und die Vereinigten Staaten
unterzeichneten als Garantiemächte.
Am 15. Mai begannen die Sowjets im
Einklang mit dem Genfer Abkommen, ihre Truppen aus Afghanistan abzuziehen; bis Mitte August hatten sie etwa
die Hälfte ihrer Truppen abgezogen.
Die Verschiebung der militärischen
Initiative zugunsten des Widerstands,
der Mujahedin, ist wahrscheinlich unumkehrbar. Aufgrund dieser Entwicklungen hat sich die Demoralisierung
des von den Sowjets unterstützten Re-

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des Be-

gimes in Kabul beschleunigt.
Falls die Sowjetunion ihrer Verpflichtung gerecht wird, bis zum 15.
Februar 1989 alle ihre Truppen abzuziehen, wird das neunte das letzte
Jahr der sowjetischen Besetzung Afghanistans
sein.
Generalsekretär
Michail Gorbatschow ist zu dem Schluß
gekommen, daß die sowjetische Verwicklung in Afghanistan eine "blutende Wunde" darstellt und arbeitete
stetig auf seine Beendigung hin.
Seine Entscheidung wurde unzweifelhaft von mehreren Gesichtspunkten beeinflußt: Im Jahr 1987 hatten die
Mujahedin in ihrem Kampf gegen die
sowjetischen und afghanischen Regierungstruppen ein Patt herbeigeführt.
Die Afghanistan-Politik Moskaus hatte
die UdSSR von den islamischen, west-

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�liehen und blockfreien Staaten entfremdet. Schließlich gelang es den
Sowjets nicht, einen ihnen treu ergebenen Führer in Kabul zu finden, der
die Loyalität des afghanischen Volkes
für sich gewinnen konnte. Des weiteren blieben über 5 Millionen Afghanen, ungefähr ein Drittel der Vorkriegsbevölkerung
des Landes, als
Flüchtlinge in Iran und Pakistan.
Trotz
systematischen
Luftterrors,
Flächenbombardements und Artilleriefeuer über die Grenze hinweg stellte
Pakistan seine Unterstützung des afghanischen Widerstands nicht ein.
Der Washingtoner Gipfel zwischen
Präsident Reagan und Generalsekretär
Gorbatschow im Dezember 1987, eine
letzte Rundreise des UNO-Unterhändlers Diego Cordovez nach Pakistan,
Afghanistan und Iran im Januar 1988
und die Ankündigung Gorbatschows vom
8. Februar 1988, er habe sich zum Abzug der sowjetischen Truppen aus Afghanistan
entschlossen,
bereiteten
den Weg für die letzte Runde der unter der Schirmherrschaft der UNO abgehaltenen Genfer Verhandlungen, die
im Jahr 1982 begonnen hatten. Die
Parteien fanden sich Anfang März zum
letzten Mal in Genf ein. Nach zweimonatigen Verhandlungen wurde am 14.
April 1988 eine Vereinbarung unterzeichnet, die am 15. Mai in Kraft
trat: Danach würde die UdSSR bis zum
15. August 1988 eine Hälfte ihrer
Truppen und bis zum 15. Februar 1989
die andere Hälfte abziehen. Afghanistan und Pakistan verpflichteten sich
zur Nichteinmischung in die inneren
Angelegenheiten des anderen.
Der ersten Phase des sowjetischen
Abzugs folgte eine Serie militärischer Rückschläge für das Regime. In
der Folge intervenierten sowjetische
Truppen, um die Eroberung von wichtigen Städten durch die Mujahedin zu
verhindern. Ende Oktober führte die
UdSSR hochmoderne Flugzeuge und Boden-Boden-Raketen in den Konflikt ein
und erklärte, sie würde den Beginn
der letzten Abzugsphase aussetzen.
Trotzdem sind die Sowjets verpflichtet, den Rest ihrer Truppen bis zum

15. Februar 1989 abzuziehen.
Den meisten Beobachtern zufolge
wird sich das Najibullah-Regime nach
dem Rückzug der Sowjets nicht mehr
lange halten können. Der Zerfall des
Regimes hat schon begonnen, da sich
immer mehr Parteimitglieder absetzen
und die Fraktionskämpfe zunehmen, wobei jede Gruppe die andere für die
drohende Krise verantwortlich macht.
Im Bemühen, Elemente des Widerstandes
in eine Koalitionsregierung der "nationalen Aussöhnung" einzubinden, haben Najibullah und sein "parteiloser"
Premierminister, Hassan Sharq, die
Rolle von Mitgliedern der Volksdemokratischen Partei Afghanistans (PDPA)
in der Kabuler Regierung ständig verringert, den Kommandeuren des Widerstands hohe Regierungsposten angeboten und den ethnischen Minderheiten
mehr Autonomie versprochen. Der Widerstand zeigt sich davon jedoch weiterhin unbeeindruckt und ohne Interesse an solch einer Koalition.
Mit einer zunehmend instabilen
Lage konfrontiert entsandte Moskau im
Oktober den Ersten Stellvertretenden
Außenminister Julij Woronzow als Botschafter nach Kabul. Eine Säuberung
der Partei und die anschließende
Kaltstellung des Führers der KhalqFraktion Gulabzoi, der als Botschafter nach Moskau geschickt wurde,
sollten die Gegner von Kompromissen
und der "nationalen Aussöhnung" entmachten und den Fraktionskämpfen innerhalb der PDPA ein Ende bereiten.
Es ist weiterhin unklar, ob die Sowjets bereit oder in der Lage sind,
die PDPA zum Rückzug zu zwingen und
die Macht auf friedlichem Wege an
eine Ubergangsregierung zu übergeben.
Falls nicht, sind Partei und Regierung als Folge einer wahrscheinlichen
militärischen Niederlage
zum Verschwinden verurteilt.
Die Konturen einer Regierung nach
Najibullah sind noch nicht erkennbar,
aber die Mujahedin sollten darin eine
zentrale Rolle spielen. Die Vereinten Nationen setzen ihre Bemühungen
für einen friedlichen Machtwechsel

- 2 -

�und die Bildung einer "Ubergangsregierung" fort. Für eine solche Regierung wurden zahlreiche Möglichkeiten vorgeschlagen, so auch von der
Widerstandsallianz in Peschawar am
31. Oktober 1988. Die Allianz schlug
die Abhaltung von Wahlen in Afghanistan zu einer großen, repräsentativen
Versammlung (Schura) vor, die einen
neuen Staatschef wählen und eine neue
Übergangsregierung bestimmen würde.
Die Einleitung
direkter Gespräche
zwischen Vertretern der Sowjets und
des Widerstandes in Taif (Saudi-Arabien) Anfang Dezember bedeutete einen
neuen Meilenstein und könnte zu einer
politischen Lösung führen.
Eine Wiederherstellung des Friedens zusammen mit einem Regierungswechsel würde zur Rückkehr von Millionen von Flüchtlingen führen. Unter der Führung des UNO-Koordinators
für die Hilfsmaßnahmen für Afghanistan, Sadruddin Aga Khan, haben Bemühungen für die Wiederansiedlung und
für den Wiederaufbau der zerstörten
Infrastruktur
Afghanistans
bereits
begonnen.

Innenpolitisch hatte der Krieg
die wirtschaftlichen und sozialen Belastungen verschärft, und die wachsende Zahl der Gefallenen und Verwundeten hatte zu vermehrter Unruhe in
der Bevölkerung geführt. Durch einen
Abzug hoffte Moskau ferner, sein Internationales Image aufpolieren zu
können, einschließlich der Verbesserung seiner Beziehungen mit den Vereinigten Staaten, dem Westen, der
Volksrepublik China und der islamischen Welt. Der Abzug stand außerdem
im Einklang mit Gorbatschows gesamter
Innen- und
Außenpolitik.
Zusammen
mit dem INF-Vertrag betrachten sie
Sowjets eine Lösung des Afghanistanproblems als Sieg von Gorbatschows
"neuem Denken". Schließlich hat Gorbatschow erklärt, die Afghanistan-Regelung sei ein Modell für andere regionale Konflikte.

Das Angebot Gorbatschows
Die von Gorbatschow in seiner Erklärung vom 8. Februar 1988 angebotenen Modalitäten des Abzugs beinhalten:
Beginn des sowjetischen Truppenabzugs am 15. Mai 1988, falls die
Vereinbarungen bis zum 15. März
unterzeichnet würden;

Die sowjetische Entscheidung zum Abzug
Der
beim
amerikanisch-sowjetischen Gipfeltreffen in Washington
Ende 1987 eingeschlagenen Richtung
folgend
verkündete
Generalsekretär
Gorbatschow am 8. Februar 1988 die
Entscheidung
Moskaus,
die
sowjetischen Truppen aus Afghanistan abzuziehen.
Die Erklärung bildete den
Höhepunkt eines langen und schwierigen Entscheidungsprozesses, der nahezu drei Jahre gedauert hatte. Die
sowjetische Führung erkannte, daß ohne eine massive Erhöhung ihres militärischen Engagements eine militärische Lösung in Afghanistan unmöglich
sei. Letztlich war Moskau nicht bereit, die für einen militärischen
Sieg notwendige Unterstützung bereitzustellen.
Für die Beendigung der
Verluste und einen Rückzug bestand
keine realistische Alternative.

Abzug innerhalb
oder weniger;
-

von

10 Monaten

Zustimmung, daß der Abzug des
Großteils der Truppen zu Beginn
des Prozesses In den Verhandlungen diskutiert werden könnte;
die Erwartung einer
der "Einmischung von
Afghanistan.

Beendigung
außen" in

Gorbatschow
erklärte
ausdrücklich, die Bildung einer Ubergangsregierung sei "eine rein afghanische
Angelegenheit", die nicht an den sowjetischen Abzug gekoppelt sei. Er
fügte hinzu, Moskau werde an Gesprächen zu diesem Thema nicht teilnehmen. Gorbatschow vermied ferner Angriffe auf die Vereinigten Staaten

- 3 -

�und Pakistan und schien - wie auch
Außenminister Schewardnadse während
seines Besuchs in Kabul im Januar seine heimische Zuhörerschaft auf
mögliche Kämpfe in Afghanistan nach
dem Abzug der sowjetischen Truppen
vorzubereiten. Insbesondere lobte er
die sowjetischen Soldaten, die in Afghanistan gedient hatten - ein Thema,
das er auch während des 19. Parteikongresses und des Moskauer Gipfeltreffens im Sommer ansprach.

* * * * *

- 4

�AMERIKA DIENST
'VON

Hintergrundmaterial

4

4. Januar 1989

LISTE DER ALS VERGELTUNGSMASSNAHME GEGEN DAS
FLEISCH-IMPORTVERBOT DER EG VERHÄNGTEN SANKTIONEN
- Amerikanische Sanktionen gegen EG-Produkte -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Handelsbeauftragte Clayton Yeutter
hat eine Liste bestimmter Produkte veröffentlicht, die von den Vergeltungsmaßnahmen der Vereinigten Staaten gegen das europäische Importverbot für hormonbehandeltes amerikanisches Rindfleisch betroffen sind. Die Maßnahmen beider
Seiten sollen am 1. Januar 1989 in Kraft treten.
Nachfolgend bringen wir die am 27. Dezember 1988 als Anhang zu der Yeutter-Erklärung veröffentlichte Liste von Produkten, auf die ein lOOprozentiger
Einfuhrzoll erhoben wird:
Anhang zur Presseerklärung des amerikanischen Handelsbeauftragten
Angeglichene Zollverordnung der Vereinigten Staaten
Kapitel 99
Abschnitt III

beint und gekocht und in luftdichten
Behältern verpackt worden sind), verarbeitet oder anderweitig bearbeitet
oder konserviert (siehe Unterüberschrift
0210.11,
1602.41.90
oder
1602.42.40).

Produkte der Europäischen Gemeinschaft
(Belgien,
Bundesrepublik
Deutschland,
Dänemark,
Frankreich,
Griechenland, Großbritannien, Irland,
Italien, Luxemburg, die Niederlande,
Portugal und Spanien):

9903.23.15.
Tomaten,
anderweitig
als mit in Kapiteln 7 oder 11 oder in
Überschrift 2002 (siehe Unterüberschrift 2002.10, 2002.90 oder 2103.20.40) festgelegten Verfahren bearbeitet oder konserviert (außer Tomatenmark) .

9903.23.00.
Rindfleisch ohne Knochen (außer Abfällen), frisch, gekühlt oder gefroren (siehe Unterüberschrift 0201.30.60 oder 0302.30.60).
9903.23.05.
Schweineschinken
und
-schulter (außer solchen, die ent-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

9903.23.20.
Löslicher Kaffee, Extrakte und Konzentrate (die keine Zumischung von Zucker, Getreide oder
anderen Zusätzen enthalten) (siehe
Unterüberschrift 2101.10.20).

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�9903.23.25.
Andere
alkoholische
Getränke, die weniger als 7% vol. Alkohol enthalten
(siehe Unterüberschrift 2206.00.90).
9903.23.30.
Nicht näher definierte
Fruchtsäfte, konzentriert oder nicht
konzentriert, gesüßt oder ungesüßt,
ungemischt und die nicht mehr als
0.5%
vol. Äthylalkohol
enthalten
(siehe Unterüberschrift 2009.80.60).
9903.23.35.
Für den Einzelhandel
verpacktes Tierfutter aus Nebenprodukten, die durch das Mahlen von Getreide, Mischfutter und MischfutterZusätzen gewonnen wurden (siehe Unterüberschrift 2309.10).

* * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dole bringt lange Regierungserfahrung mit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt der zukünftigen Arbeitsministerin Elizabeth Dole&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Minister für Transport und Verkehr bringt Erfahrung mit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt von Samuel Skinner&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bush nominiert Hispano-Amerikaner zum neuen Innenminister&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt von Manual Lujan&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Designierter Chef der Umweltbehörde befürwortet weltweiten Umweltschutz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt von William Reilly&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vereinigte Staaten verhängen Handelssanktionen gegen EG&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Handelsbeauftragten, Kommentar des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"Zentrale Rolle" für Mujahedin in neuer afghanischer Regierung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bericht des US-Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Liste der als Vergeltungsmaßnahme gegen das Fleisch-Importverbot der EG verhängten Sanktionen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Amerikanische Sanktionen gegen EG-Produkte&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>cimerikci
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

4. Januar 1995

01

MARSHALL-ZENTRUM

VERRINGERUNG DES GEMEINSAMEN
RISIKOS UND EUROPÄISCHE
SICHERHEIT
Ansprache von Senator Lugar

PORTRAT

NEWT GINGRICH - EIN MANN MIT
VISION, TAGESORDNUNG UND ZEITPLAN
Der neue Speaker des Repräsentantenhauses

CLINTON NOMINIERT NEUEN LANDWIRTSCHAFTSMINISTER
Porträt von Dan Glickman

BILDUNG

NAFTA UND WEITERFUHRENDE BILDUNG
von Philip G. Altbach

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-3341 02

�MARSHALL-ZENTRUM
4. Januar 1995

VERRINGERUNG DES GEMEINSAMEN RISIKOS
UND EUROPÄISCHE SICHERHEIT
Ansprache von Senator Lugar
GARMISCH-PARTENKIRCHEN - (AD) - Der republikanische Senator Richard G. Lugar aus Indiana hielt am
14. Dezember 1994 aus Anlaß der Verleihung akademischer Grade an die ersten Abgänger des George C.
Marshall-Zentrums in Garmisch-Partenkirchen eine Rede.
Das im Juni 1993 eingeweihte Marshall-Zentrum, das teilweise durch das Nunn-Lugar-Programm finanziert
wird, soll der Stabilisierung und Stärkung Europas nach dem Kalten Krieg dienen. Dem ersten Abschlußjahrgang des Zentrums gehören 75 führende Militärs und Zivilisten aus 23 Ländern, einschließlich der
neuen Demokratien Mittel- und Osteuropas sowie der Neuen Unabhängigen Staaten (NUS) der ehemaligen
Sowjetunion an.
Aufgabe des Marshall-Zentrums ist die Unterstützung von Außen- und Verteidigungsministerien bei der
Entwicklung nationaler Sicherheitsinstitutionen auf der Grundlage demokratischer Prinzipien. Der Lehrplan
konzentriert sich auf Planung, Organisation und Management der Verteidigungspolitik in demokratischen
Gesellschaften. Ferner fördert das Marshall-Zentrum die verteidigungspolitische Zusammenarbeit einzelner
Länder.
Nachfolgend veröffentlichen wir die von Senator Lugar bei der Abschlußfeier gehaltene Ansprache.

Der heutige Tag ist ein historisches Ereignis für das
Marshall-Zentrum - die Verleihung akademischer
Grade an die ersten Absolventen des Colleges für
strategische Studien und Verteidigungspolitik. 75
Militärs und Zivilisten aus den neuen Demokratien
Mittel- und Osteuropas sowie den Neuen Unabhängigen Staaten Eurasiens sind zusammengekommen,
um gemeinsam etwas über die Stabilisierung und
Stärkung Europas nach dem Kalten Krieg durch die
Entwicklung nationaler Sicherheitsinstitutionen und
-Systeme mit demokratischen Grundsätzen zu
lernen.
Es ist mir eine Ehre, Teil dieser Erfahrung gemeinsamen Lernens zu sein.
"Verteidigung mit anderen Mitteln"
Die Vereinigten Staaten streben traditionsgemäß
nach Sicherheit durch eine Kombination von Abschreckung und Verteidigung - durch Entsendung
der besten Mannschaften, höchste Einsatzbereitschaft und modernste Rüstungstechnologie.

AMERIKA DIENST 01

Dies ist auch in Zukunft das grundlegende Verfahren
beim Schutz der nationalen Sicherheit Amerikas.
Heute haben wir jedoch die Chance, durch zusätzliche Methoden die Vereinigten Staaten zu schützen
und die europäische Sicherheit zu stärken. Diese
Methoden könnten als "Verteidigung mit anderen
Mitteln" unter dem Konzept des "gemeinsamen
Engagements" zusammengefaßt werden.
Veränderungen im internationalen Sicherheitsumfeld
Die Ereignisse seit 1988 haben eine neue Debatte
über die Aussichten und Gefahren kollektiver Sicherheit ausgelöst. Der Begeisterung nach den
Revolutionen von 1989 folgte eine nüchternere
Erkenntnis: Die Staatengemeinschaft bleibt den
Gefahren und Instabilitäten immer noch großenteils
anarchischer Regierungssysteme ausgeliefert.
Das Ende des Kalten Krieges und die Auflösung des
Warschauer Pakts haben die Determinanten internationaler Sicherheit verändert. Die Angst vor einer

Seite 1

�massiven Invasion Europas durch die Fulda-Gap
steht nicht länger im Mittelpunkt des Interesses
westlicher Verteidigungsexperten. Anstatt nach dem
Aufbau militärischer Macht zur Eindämmung massiver konventioneller Aggression zu streben, bemühen
sich die westlichen Verteidigungsexperten um die
Lösung der Probleme von Überrüstung, Demobilmachung stehender Heere, Umstrukturierung von
Verteidigungsapparaten und Rüstungsindustrien
sowie der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und waffenfähigem Material - und das
alles ohne den Vorteil einer klaren Definition von
Organisationskonzept, Mission oder Bedrohung.
In ähnlicher Weise hat die einst vorherrschende
Angst abgenommen, Atomwaffen könnten in einem
Weltkrieg vorsätzlich zur Untermauerung des Strebens nach politischer Einschüchterung oder bei
einem kalkulierten Überraschungsangriff eingesetzt
werden. Mit dem Ende des Kalten Krieges wurde
überall anerkannt, daß Abschreckung auch mit stark
reduzierten Atomwaffenarsenalen gewährleistet
werden kann. Der sicheren Kontrolle und Handhabung von Atomwaffen wird größere Priorität eingeräumt als der ständigen Weiterentwicklung von
Grundsätzen dauerhafter Abschreckung.
Zu unterschiedlichen Zeiten während des Kalten
Krieges wurden regionale Konflikte durch den
Einfluß von Satellitenbeziehungen zwischen regionalen Mächten und um deren Schutz konkurrierenden
Supermächten entschärft oder geographisch eingedämmt. Nachdem das Gleichgewicht des Schrekkens zwischen den Supermächten an Intensität
abgenommen hat, ist es weniger wahrscheinlich, daß
regionale Konflikte zu einem Weltkrieg eskalieren.
Es ist aber auch weniger wahrscheinlich, daß sie
durch den Einfluß und die Aktionen der Großmächte
abgewendet oder eingeschränkt werden. Obwohl
also die unmittelbare Gefahr eines militärischen
Konflikts großen Ausmaßes beträchtlich abgenommen hat, sind neue Probleme beim langfristigen
Umgang mit internationalen Sicherheitskrisen entstanden. Das Drama an der Peripherie Europas, in
Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion, gekoppelt mit einem Anstieg regionaler Feindseligkeiten
aufgrund von konkurrierendem Nationalismus und
ethnischen Rivalitäten, stellt eine ernsthafte Gefahr
für die Stabilität dar und könnte den amerikanischen
und europäischen Interessen schaden.
Als Reaktion auf die Verringerung der traditionellen
strategischen Herausforderungen des Kalten Krieges
wird das amerikanische Verteidigungskonzept
umgestaltet. Den Vereinigten Staaten wird allgemein
die Fähigkeit zur weltweiten Machtausübung zugestanden. Im kommenden Jahrzehnt kann keine
andere Militärmacht eine größere Offensive außer-

Seite 2

halb ihrer Grenzen planen, ohne die Fähigkeit der
Vereinigten Staaten zu entschiedenen Gegenmaßnahmen zu berücksichtigen. Andererseits hat wegen
der Abnahme einer massiven konventionellen Bedrohung die politische Bereitschaft der Vereinigten
Staaten abgenommen, ihre überlegenen militärischen
Ressourcen und Fähigkeiten in Situationen einzusetzen, in denen die vitalen amerikanischen Interessen
nicht direkt bedroht oder eindeutig gefährdet sind.
Gemeinsame Sicherheit und Überprüfung des
nuklearen Einsatzkonzepts
Nach dem Zerfall der Sowjetunion Ende 1991 blieben
3.000 Atomwaffen auf dem Territorium Belarus',
Kasachstans und der Ukraine sowie Tausende von
Nuklearwaffen in Rußland zurück. Das Schreckgespenst von Atomwaffen in den Händen der neuen
Nationen auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion sowie die regionalen Spannungen und die
Gefahr einer weltweiten Weiterverbreitung von
Atomwaffen hätten zu einer Erhöhung der nuklearen
Vergeltungskapazitäten der Vereinigten Staaten
führen können.
Sie entschieden sich nicht für diese Option!
Im Rahmen der jüngst abgeschlossenen Überprüfung
unseres nuklearen Einsatzkonzepts, das sich mit
Politik, Doktrin, Truppenstruktur, Operationen, Sicherheit und Rüstungskontrolle befaßt, wurden drei
große Problembereiche identifiziert, in denen die
Vereinigten Staaten ihr nukleares Einsatzkonzept
umgestalten müssen:
Erstens müssen die Vereinigten Staaten angesichts der abnehmenden, jedoch realen Gefahr
eines Scheiterns der Reformen in einigen der
neuen Staaten eine atomare Absicherung beibehalten.
Zweitens müssen sich die Vereinigten Staaten
selbst angesichts freundschaftlicherer Beziehungen zu den Nachfolgestaaten der ehemaligen
Sowjetunion darüber Gedanken machen, daß der
Abbau von Nuklearwaffen in diesen Staaten
langsamer vonstatten geht als in unserem Land.
Drittens müssen sich die Vereinigten Staaten
angesichts ier mit den einschneidenden sozialen,
politischen und wirtschaftlichen Reformen in
diesen Staaten einhergehenden Instabilität insbesondere mit der Sicherheit deren nuklearer
Waffenelemente und Materialien befassen.
Der wichtigste Anlaß, sich Gedanken über die Zukunft zu machen, ist jedoch der Fortbestand von
ungefähr 25.000 Atomwaffen - mehr als genug, um

AMERIKA DIENST 01

�das nationale Überleben der Vereinigten Staaten zu
bedrohen.
Angesichts der unsicheren Zukunft und der Fortdauer dieses Vermächtnisses des Kalten Krieges
wird in der Überprüfung unseres nuklearen Einsatzkonzepts die Empfehlung gegeben, daß die Vereinigten Staaten ihre Flexibilität - eine "Absicherung"
- beibehalten, indem sie die Teile der Verteidigungsindustrie unterstützen, die für die strategischen und
andere nuklearen Systeme von einzigartiger Bedeutung sind, indem sie die Beibehaltung des Abschrekkungsarsenals gewährleisten und die Fähigkeit zur
Wiederherstellung der nuklearen Streitkräfte im
Bedarfsfall entwickeln.
Die zweite, in der Überprüfung des nuklearen Einsatzkonzepts aufgeworfene Frage war die Notwendigkeit der Zusammenarbeit mit den Staaten der
ehemaligen Sowjetunion zur Beschleunigung ihres
verzögerten Abbaus von Atomwaffen. In den letzten
sechs Jahren haben die Vereinigten Staaten ihre
atomaren Streitkräfte umgestaltet und abgebaut.
Rußland entschärfte mehr als die Hälfte seiner
ballistischen Raketen, wie in den beiden STARTVerträgen verlangt. START I trat erst letzte Woche
offiziell in Kraft. Das russische Arsenal nuklearer
nichtstrategischer Gefechtsköpfe übersteigt das der
Vereinigten Staaten bei weitem.
Die Geschwindigkeit des Abbaus und der Zerlegung
von Atomwaffen in Rußland ist teilweise auf innere
Unruhen und veraltete Ansichten über die Rolle von
Nuklearwaffen für die militärische Sicherheit zurückzuführen. Noch wichtiger ist die Tatsache, daß
Entnuklearisierung teuer und schwierig ist.
Nunn-Lugarund Verringerung des gemeinsamen
Risikos
Das direkteste Instrument zur Beschleunigung des
Abbaus russischer Atomwaffen ist das Nunn-LugarProgramm zur Verringerung des gemeinsamen
Risikos. Das Nunn-Lugar-Programm stellt Mittel
bereit, um den Abbau des Atomwaffenarsenals der
ehemaligen Sowjetunion zu unterstützen, die sowjetische Rüstungsindustrie auf zivile Produktion umzustellen und allgemein beim Abbau überflüssiger
Elemente der Streitkräftestruktur der früheren
Sowjetunion zu helfen.
Der Kongreß der Vereinigten Staaten handelte
unverzüglich, als er das Programm im Haushaltsjahr
1992 ins Leben rief und sich zunutze machte, was
Senator Nunn und ich als einen ungewöhnlichen
historischen Augenblick ansahen. Der Zerfall der
Sowjetunion rief enorme Unsicherheit über die auf
ihrem Territorium aufgestellten Waffen hervor, über

AMERIKA DIENST 01

die daraus resultierenden Gefahren von Mängeln bei
Sicherheit und Kontrolle und somit die Weiterverbreitung.
Das Nunn-Lugar-Programm bot den
Vereinigten Staaten die einzigartige Chance, ihre
eigene Sicherheit, die Rußlands und anderer Republiken zu gewährleisten, indem sie den Republiken
beim Abbau des Arsenals von Massenvernichtungswaffen der früheren Sowjetunion Beistand leisteten.
Die Notwendigkeit des Nunn-Lugar-Programms
Zum Zeitpunkt der Auflösung der Sowjetunion waren
schätzungsweise 30.000 nukleare Gefechtsköpfe auf
die sowjetischen Republiken verteilt, und außerhalb
Rußlands auf dem Gebiet von Belarus, Kasachstan
und der Ukraine befanden sich ungefähr 1.400
nukleare strategische Gefechtsköpfe. Der Zerfall der
Sowjetunion weckte das Schreckgespenst von drei
möglichen Atomstaaten in Eurasien. Ferner entstand
eine nie zuvor dagewesene Gefahr nuklearer Weiterverbreitung, da die sowjetische Rüstungsindustrie nahezu 40 Prozent der sowjetischen Volkswirtschaft veraltet war und Millionen von Atomwissenschaftlern
und in der Rüstungsindustrie Beschäftigten sich
Arbeitslosigkeit und Entwurzelung gegenübersahen.
Heute trägt die Nunn-Lugar-Hilfe zur Verteidigung
Amerikas bei, jedoch nicht durch den Aufbau weiterer
Abschreckung und defensiver Kräfte der Vereinigten
Staaten.
Das Nunn-Lugar-Programm stellt eine
Verteidigung gegen diese Gefahren dar, indem sie
sie von Grund auf beseitigt. Das Nunn-Lugar-Programm leistet einen Beitrag zu den amerikanischen
Sicherheitsinteressen, indem es dieses riesige
Arsenal abbaut, die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen verhindert und die Umgestaltung
der Rüstungsindustrie und verteidigungspolitischen
Fähigkeiten zu friedlichen Zwecken fördert.
Der START I-Vertrag und das Lissaboner Protokoll,
mit denen ich mich im Rahmen des Ratifizierungsprozesses im Senat befaßte, waren ein entscheidender Beginn dieses Prozesses. Wie Senator Nunn
und ich bei der Schaffung des Nunn-Lugar-Programms erkannten, verhinderten die zur Umsetzung
der Versprechen und Verpflichtungen dieser Abkommen erforderlichen Aktionen jedoch, daß die Staaten
der ehemaligen Sowjetunion, die sich inmitten innenpolitischer und wirtschaftlicher Revolutionen befinden,
mit einer Herausforderung ungeheurer Größenordnung konfrontiert werden. Die unter dem NunnLugar-Programm bereitgestellte technische Hilfe
gestartet den Prozeß des Abbaus von Atomwaffen in
diesen Ländern sicherer und schneller.
Das Nunn-Lugar-Programm macht die Zerlegung von
Atomwaffen nicht nur schneller und in technischer
Hinsicht sicherer, sondern bietet auch andere bedeu-

Seite 3

�tende Vorteile. Es trägt dazu bei, das Engagement
der Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion
beim Abbau von Massenvernichtungswaffen zu
erhalten und sie dabei praktisch zu unterstützen.
Das Nunn-Lugar-Programm macht die Vereinigten
Staaten zu einem kooperierenden Partner und gibt
uns eine Stimme am Tisch dieser Nationen bei
Entscheidungen über die Aufstellung ihrer Waffen,
Streitkräfte und Rüstungsproduktion.
Vor allem hat das Nunn-Lugar-Programm die Aufmerksamkeit der führenden Politiker dieser Staaten
auf die Nuklearfrage als dringende Priorität gelenkt,
wo diese sonst vielleicht ausschließlich mit ihren
eigenen politischen und ökonomischen Problemen
beschäftigt gewesen wären. Die Aussicht auf NunnLugar-Hilfe hat die politischen und wirtschaftlichen
Kosten bei schwierigen Entscheidungen über den
Abbau von auf ihrem Territorium befindlichen Waffen
in gewisser Weise verringert. Gleichzeitig spornt
unsere Hilfe diese Staaten an, zu den Bestrebungen
um einen Abbau von Atomwaffen ihre eigenen
beträchtlichen Ressourcen beizusteuern.
Die Leistungen des Nunn-Lugar-Programms
Das Nunn-Lugar-Programm hat zur Beseitigung
von über 1.600 nuklearen strategischen Gefechtsköpfen - ungefähr der Hälfte - aus den
Beständen in Rußland, der Ukraine, Belarus und
Kasachstan beigetragen.
Es unterstützt den Abzug strategischer Systeme
aus diesen vier Nationen: Aus Kasachstan
werden SS-18 abgezogen, aus Belarus SS-25,
die Ukraine hat 40 SS-19 sowie ihre gesamten
SS-24 entschärft und transportiert die Gefechtsköpfe zu ihrer Zerlegung nach Rußland. Das im
Januar geschlossene trilaterale Abkommen
zwischen Rußland, der Ukraine und den Vereinigten Staaten wäre ohne das Nunn-LugarProgramm nicht möglich gewesen.
Ungefähr 3.000 ehemalige russische Waffenforscher finden bei zivilen Projekten wieder Beschäftigung.
Die Verringerung der nuklearen Bedrohung kann
nicht unmittelbarer und direkter gestaltet werden.
Am Ende des Jahres 2003 könnte das Nunn-LugarProgramm zum Abbau strategischer Systeme mit
ungefähr 8.000 nuklearen Gefechtsköpfen beigetragen haben. Dadurch würde das russische Atomwaffenarsenal auf das in den START I- und START IIVerträgen vorgegebene Ausmaß reduziert.
Kontrolle und Nachweis von Nuklearmaterial

Seite 4

Dies führt mich zu einem dritten Anliegen der Vereinigten Staaten: Dem möglichen Verlust einer
Kontrolle über die Atomwaffen der ehemaligen
Sowjetunion, ihre Komponenten und Materialien.
Dieses Anliegen beinhaltet nicht nur die Gefahr, daß
spaltbares Material in die falschen Hände gerät,
sondern auch die Gefahr unkontrollierter taktischer
Atomwaffen wie nuklearer Artilleriegeschosse, von
denen einige so klein sind, daß sie im Kofferraum
eines Autos untergebracht werden können.
Das Nunn-Lugar-Programm wurde ins Leben gerufen,
als verantwortungsbewußte Vertreter von Militär und
Regierung Rußlands in Washington mit Senator Nunn
und mir zusammentrafen und darauf drängten, die
Vereinigten Staaten sollten sich gemeinsam mit den
Russen Gedanken über den Nachweis und die
Sicherheit dieser Atomwaffen machen.
Die außergewöhnliche Zusammenarbeit zwischen
den Vereinigten Staaten und Rußland basierte von
Anfang an auf den wichtigsten nationalen Interessen
beider Länder, Unfälle und eine Weiterverbreitung
von Atomwaffen zu verhindern.
Das Atomwaffenarsenal Rußlands übertrifft das der
Vereinigten Staaten an Anzahl und Vielfalt. Die
strategischen und nichtstrategischen Streitkräfte
Rußlands sind auf über 100 Stellen verteilt. Außerdem haben viele dieser Waffen veraltete Sicherheitsund Verschlußvorrichtungen.
Wichtig ist, daß die überschüssigen Waffen schnell
zerlegt werden und die verbleibenden Waffenbestände an möglichst wenigen Orten und unter strengsten
Bestandskontrollen gelagert werden.
Im Rahmen des Nunn-Lugar-Programms riefen die
Vereinigten Staaten mehrere Projekte ins Leben, um
die Kontrolle spaltbaren Materials und kooperative
strafrechtliche Bestrebungen zu verbessern. Diese
Programme erstrecken sich auf vier grundlegende
Gebiete:
Erstens, die Einstellung der Produktion spaltbaren
Materials. Die Vereinigten Staaten und Rußland
unterzeichneten im Juni ein Abkommen über die
Stillegung der verbleibenden Reaktoren zur
Herstellung von Plutonium bis zum Jahr 2000
sowie das Verbot der Verwendung von Plutonium
für waffenfähige Zwecke.
Zweitens, mehr Sicherheit bei der Lagerung. Die
Vereinigten Staaten sind bereit zur Zusammenarbeit mit Rußland beim Bau einer neuen Lagereinrichtung für aus zerlegten Waffen stammendes
spaltbares Material.

AMERIKA DIENST 01

�Drittens, verstärkte Zusammenarbeit. Die Vereinigten Staaten streben insbesondere die Durchführung von Programmen zur Gewährleistung der
Kontrolle und des Nachweises von Nuklearmaterial an, beispielsweise zwischen unseren Waffenlabors.
Viertens, verbesserte Bestandsaufnahmen. Die
Vereinigten Staaten favorisieren die Entwicklung
eines Regimes zur Überprüfung der Bestandsverzeichnisse über überschüssige nukleare Gefechtsköpfe und aus zerlegten Sprengköpfen
stammendes Nuklearmaterial.
Verringerung des gemeinsamen Risikos und
nationale Sicherheitsinteressen Amerikas
Im Rahmen unseres Programms zur Verringerung
des gemeinsamen Risikos wurde im vergangenen
Jahr viel erreicht. Wenn die Ukraine, Belarus und
Kasachstan sich im letzten Jahr entschlossen hätten,
unter die Atommächte zu gehen, wäre die Gefahr für
die Vereinigten Staaten und Rußland sowie die
Notwendigkeit von Verteidigungsausgaben zur
Begegnung der Bedrohung, insbesondere bei der
nuklearen Modernisierung, unvorstellbar größer
gewesen als die Gefahren, denen sich die Welt
heute gegenüber sieht. Der Prozeß der Entschärfung und des Abbaus von Atomwaffen in der Ukraine, Belarus und Kasachstan befindet sich jedoch
erst im Anfangsstadium. Zehntausende von Nuklearwaffen und große Mengen spaltbaren Materials
bleiben unter Bedingungen in Rußland, die nicht
unseren Anforderungen an Sicherheit oder Transparenz entsprechen.
Aus der Sicht der Vereinigten Staaten ist das NunnLugar-Programm einzigartig, da es uns die Chance
gibt, bescheidene Finanzmittel zum beträchtlichen
Abbau von Gefahren einzusetzen, mit denen wir
während des gesamten Kalten Krieges konfrontiert
waren, und der Entwicklung neuer Gefahren für
unsere Sicherheit zu begegnen. Das ist für die
Finanzierung der nationalen Sicherheit Amerikas
äußerst wertvoll. Fortgesetzte Unterstützung des
Nunn-Lugar-Programms ist von entscheidender
Bedeutung, um den Vereinigten Staaten dieses
starke Instrument zur Verfolgung amerikanischer
Sicherheitsziele mit den Staaten der ehemaligen
Sowjetunion zu geben. Wir müssen diesen Ländern
weiterhin zeigen, daß wir ihre langfristige Entwicklung zu friedlichen, demokratischen Staaten unterstützen und uns nicht nur für einen Abbau der
Gefahr für unsere eigene Sicherheit engagieren,
sondern auch für die Unterstützung von Programmen, die das Sicherheitsempfinden dieser Länder
verbessern.

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Schlußfolgerung: Gemeinsames Engagement und
das Marshall-Zentrum
Den weltweit entstehenden neuen Bedrohungen kann
nicht ausschließlich durch militärische Einsatzbereitschaft und Abschreckung begegnet werden. Sie
erfordern konstruktivere und ausgefeiltere Maßnahmen, die sich auch darauf konzentrieren, Druck und
Einfluß auf die anfänglichen Kriegsvorbereitungen
von Streitkräften auszuüben und Entscheidungen
über ihren Einsatz ständig zu melden und zu kontrollieren. In gewisser Weise sind militärische Einsatzbereitschaft und Investitionen anderer Nationen
für die Sicherheit und militärische Planung der
Vereinigten Staaten ebenso wichtig wie jede direkte
militärische Bedrohung. Eine der besten Möglichkeiten, mit dieser neuen Art von Sicherheitsproblem
umzugehen, ist das "gemeinsame Engagement" - die
Verpflichtung zur Regulierung des Umfangs, der
technischen Mittel, Investitionsmuster und Operationspraktiken aller Streitkräfte mit beiderseitiger Einwilligung zum beiderseitigen Nutzen.
Ebenso wie Eindämmung und Abschreckung liegt der
Nutzen gemeinsamer Sicherheit darin, Grenzen
abzustecken. Der Schwerpunkt ist, die Anhäufung
von Mitteln zur Eroberung von Gebieten oder Zerstörung lebenswichtiger Aktivposten durch weitreichende Vorrichtungen zu verhindern. Mit anderen
Worten: Gemeinsame Sicherheit richtet sich auf die
Verhinderung von Kriegsvorbereitungen, nicht nur auf
direkte Teilnahme an der Bekämpfung zwischenstaatlicher Gewaltanwendung.
Grundlage dieser Art gemeinsamer Sicherheit ist
Übereinstimmung. Vorbedingung für ihren Erfolg ist
die weitverbreitete Zustimmung zu ihren organisatorischen Vorbedingungen.
Trotz der allgemeinen
Erkenntnis, daß sich die Dinge geändert haben, ist
die Konfrontationspolitik tief in den wesentlichen
Verpflichtungen, organisatorischen Abläufen sowie
vorherrschenden Überlegungen und Gewohnheiten
der wichtigsten Regierungen sowie ihrer Außen- und
Verteidigungsministerien verwurzelt.
Dies bringt mich wieder zu der Anerkennung der
Arbeit des George C. Marshall-Zentrums und der
heutigen Anwesenheit von Militärs und Zivilisten aus
23 Ländern, die sich gemeinsam mit der Theorie und
Praxis der Demokratisierung nationaler Sicherheitsstrukturen und -politik befassen. Es ist die Aufgabe
des Zentrums, hochrangigen Politikern eine verteidigungspolitische Weiterbildung anzubieten, die
sich auf Planung, Organisation und Management der
Verteidigungspolitik in demokratischen Gesellschaften
konzentriert. Sie richtet sich auf die Stabilisierung
und Stärkung Europas nach dem Kalten Krieg, indem
sie den für Außen- und Verteidigungspolitik Ver-

Seite 5

�antwortlichen in aufstrebenden Demokratien bei der
Entwicklung nationaler Sicherheitsinstitutionen und
-Systeme auf der Basis demokratischer Grundsätze
behilflich ist.
Heute ist ein Tag von Leistungen mit Signalwirkung.
Wir sind zusammengetroffen, um Ihre Leistungen als
erste Absolventen des Colleges für strategische
Studien und Verteidigungspolitik zu feiern. Sie
kehren in Ihr jeweiliges Land zurück, um im Verteidigungs- oder Außenministerium oder in anderen
führenden Schlüsselpositionen tätig zu werden.
Sie werden Botschafter des gemeinsamen Engagements und der Verringerung des gemeinsamen
Risikos in Europa sein. Die Herausforderungen des

*

Seite 6

Übergangs zur Demokratie sind offensichtlich und
enorm, aber das Sehnen der Völker nach Freiheit
und Frieden, nach einem normalen und konstruktiven
Leben sowie nach verantwortungsbewußten und
weitblickenden Politikern ist noch viel stärker.
Wir zählen Sie zu den neuen Verfechtern der Demokratie und zu den Initiatoren jener praktischen Aktivitäten, die zu einer tiefen Verwurzelung der Demokratie führen.
Wir gratulieren Ihnen zu Ihren Leistungen und Ihrem
Erfolg. Sie werden zu einem Erfolg für uns alle, die
wir Ihren Idealismus teilen.
Ich danke Ihnen.

* * * *

AMERIKA DIENST 01

�4. Januar 1995

NEWT GINGRICH - EIN MANN MIT VISION,
TAGESORDNUNG UND ZEITPLAN
Der neue Speaker des Repräsentantenhauses
WASHINGTON - (AD) - Newt Gingrich, der neue
Speaker des Repräsentantenhauses im 104. Kongreß und Verfasser des Parteiprogramms der
Republikaner, "Vertrag mit Amerika", das derzeit in
den Buchläden der gesamten Vereinigten Staaten
verkauft wird, gelangte nicht durch Zufall zu seiner
heutigen Position.
Seit seiner ersten Wahl zum Kongreßabgeordneten
vor 16 Jahren führte Gingrich einen Kreuzzug, um
den Demokraten die Kontrolle über das Repräsentantenhaus zu entreißen und die amerikanischen
Werte neu zu definieren. Bei diesen Bestrebungen
bediente er sich moderner Kommunikationstechnologie und neuester Managementtheorie. Jetzt zahlt
sich seine Mühe aus.
Am 4. Januar wird der 51jährige Abgeordnete aus
Georgia und ehemalige Geschichtslehrer der erste
republikanische Speaker des Repräsentantenhauses
seit 40 Jahren.
Und er wird diese Rolle mit "einer Vision, einer
Tagesordnung und einem Zeitplan" übernehmen,
schreibt der Politikwissenschaftler Norman Ornstein
in Roll Call, einer auf dem Capitol Hill veröffentlichten Zeitung.
Gingrichs "risikofreudiger, kämpferischer und radikaler Ansatz hat funktioniert", so Ornstein, "und im
Repräsentantenhaus eine große Gruppe von Anhängern gefunden - kämpferische, konfrontationsfreudige, von ihrer Ideologie überzeugte, unter Zeitdruck
stehende Konservative".
Gingrichs derzeitige Berühmtheit ist das Ergebnis
des bemerkenswerten Sieges der Republikaner bei
den Kongreßwahlen Mitte November 1994, bei
denen sie die Mehrheit in beiden Kammern gewannen. In vielerlei Hinsicht hat die Vision Gingrichs
seine Partei zu ihrem kollektiven Erfolg geführt.
Gingrich kandidierte erstmals 1974 für ein Abgeordnetenmandat - im Südstaat Georgia gegen einen
Demokraten aus den Südstaaten - und verlor. 1976

AMERIKA DIENST 01

verlor er erneut, hielt jedoch durch und gewann 1978.
Seitdem wurde er alle zwei Jahre wiedergewählt.
Kurz nach seiner ersten Wahl ernannte ihn der
Vorsitzende des nationalen Kongreßausschusses der
Republikaner, der Abgeordnete des Repräsentantenhauses Guy Vander Jagt aus Michigan, der den
Wahlkampf Gingrichs aufmerksam verfolgt hatte, zum
Vorsitzenden einer Arbeitsgruppe zur Erarbeitung
eines Plans für eine republikanische Mehrheit im
Kongreß.
"Ich wählte ihn unter ungefähr 155 republikanischen
Abgeordneten für diese Aufgabe aus, und seitdem
hat er Pläne für eine republikanische Mehrheit
entwickelt", teilte Vander Jagt der Washington Post
mit.
Gingrich wurde zunächst von vielen seiner Kollegen
im Kongreß als sich selbst fördernder Politiker
betrachtet, der sich im Repräsentantenhaus unverfroren ins Bild der Fernsehkameras drängte und die
Demokraten als Verschwender bezeichnete, deren
Sozialpolitik die Zukunft des Landes gefährde. Seine
Äußerungen erreichten Millionen von Haushalten per
Kabelfernsehen, obwohl Gingrich oft der einzige
Abgeordnete im Sitzungssaal war.
Mit derZeit sah eine wachsende Gruppe von Anhängern in dem unverfrorenen jungen Kongreßabgeordneten eine potentielle Führungspersönlichkeit und
scharte sich um ihn. Zu seinen Anhängern gehörten
Republikaner außerhalb und innerhalb des Kongresses sowie eine große Anzahl wohlhabender
Konservativer im ganzen Land.
1989 wählten ihn die republikanischen Abgeordneten
des Repräsentantenhauses mit 87 zu 85 Stimmen
zum "Einpeitscher" oder stellvertretenden Vorsitzenden der Minderheitsfraktion im Repräsentantenhaus.
Gingrichs Anhänger waren der Ansicht, er würde den
Republikanern neue Energie verleihen, die ihrer
Meinung nach die demokratische Mehrheitsfraktion in
der Kammer nicht aggressiv genug angriffen.

Seite 1

�Heute, fünf Jahre später, haben die gemäßigten
republikanischen Parteiführer großenteils das Repräsentantenhaus verlassen, und ihre neugewählten
Nachfolger teilen Gingrichs konservative Ideologie
und kampfbereiten Ansatz.
Neben seinen Pflichten in der Legislative unterrichtet
Gingrich an einem College in Georgia einen Kurs
"Erneuerung der amerikanischen Zivilisation", den er
im Januar fortsetzt. Der Kurs wird wöchentlich im
Kabelfernsehen übertragen. Ferner schrieb Gingrich
mehrere Bücher und unterzeichnete vor kurzem
einen Vertrag in Höhe von 4 Millionen Dollar mit
einem großen Verlagshaus über zwei Sachbücher.
Gingrich liest viel und wurde von den Zukunftsforschern Alvin und Heidi Toffler sowie dem Managementexperten Peter Drucker beeinflußt. Seit seiner
Wahl zum Speaker des Repräsentantenhauses
drängte er die Republikaner in seiner Kammer, die
Werke dieser Autoren sowie die amerikanische
Unabhängigkeitserklärung und die Federalist Papers
zu lesen.
"Wir benötigen etwas, das die Ideen der Revolution
des Informationszeitalters, des Weltmarkts und die
klassischen Prinzipien der amerikanischen Zivilisation vereinigt", erklärte Gingrich kürzlich in einer
Rede. "Die zentrale Herausforderung der nächsten
sechs Monate besteht in der Beschleunigung unserer Kampagne, um den intellektuellen Kampf darüber
zu gewinnen, wie man ein erfolgreiches Land
definiert."
Gingrich wurde am 17. Juni 1943 in Harrisburg
(Pennsylvania) als Sohn eines Ehepaares im Teenageralter geboren. Die Eltern ließen sich scheiden,
als er noch ein Kind war. Seine Mutter heiratete
später einen Heeresinfanteristen - Robert Gingrich der den Jungen adoptierte. Die Familie, zu der drei
Halbschwestern zählen, wechselte häufig den
Wohnsitz - Kansas, Frankreich, Deutschland,
Georgia. Newt hatte eine besonders enge Beziehung zu seiner Mutter.
Mit 19 heiratete Gingrich seine sieben Jahre ältere
Geometrielehrerin Jacky Battley gegen den Willen
seines Stiefvaters und seiner Mutter.
1965 erwarb Gingrich einen Bachelor of Arts an der
Emory University in Atlanta, 1968 einen Master of
Arts in Geschichte an der Tulane University in New
Orleans und promovierte dort im Jahr 1971. Er
wurde dann Dozent an dem wenig bekannten West
Georgia College in Carrollton.

Seite 2

Gingrich und seine Frau haben zwei Töchter, und
wegen seiner familiären Verpflichtungen wurde er im
Vietnamkrieg vom Wehrdienst entbunden.
1980 reichte Gingrich die Scheidung ein, woraufhin
einige Wähler in Georgia im ihre weitere Unterstützung verweigerten. Kurz nach seiner Scheidung
heiratete er die acht Jahre jüngere Marianne Ginther,
mit der er noch verheiratet ist.
Aus einem Treffen mit dem ehemaligen republikanischen Präsidenten Richard Nixon, um das Gingrich
1982 gebeten hatte, ging die Conservative Opportunity Society (COS) hervor, eine Parteiversammlung
junger republikanischer Aktivisten, die zum Instrument
für Gingrichs nationale Berühmtheit und zur Verbreitung seiner Ideen wurde, die heute das Denken
der Republikaner im Repräsentantenhaus maßgeblich
beeinflußen.
Gingrich suchte die meisten der ersten COS-Mitglieder persönlich aus, und mit der Zeit umfaßte die
Gruppe mehrere Dutzend Kongreßabgeordnete.
Einige Mitglieder der COS fühlten sich angesichts der
Taktiken der Gruppe unbehaglich. "Newts Überzeugung, daß man, um letztlich Erfolg zu haben, das
System fast zerstören muß, damit man es wiederaufbauen kann, war für einige neue Mitglieder ziemlich
erschreckend", erinnerte sich der Kongreßabgeordnete Dan Coats aus Indiana kürzlich in einem Interview. "Ich möchte jedoch hinzufügen", so Coats,
"daß wir heute nicht wären wo wir sind, wenn Newt
nicht so vorwärts gedrängt hätte."
Und Gingrich verficht weiterhin seine Tagesordnung.
Nach seiner einstimmigen Nominierung zum Speaker
durch die Republikaner im Repräsentantenhaus
prognostizierte er, daß der erste Tag des 104.
Kongresses - der 4. Januar - der "längste Tag in der
Geschichte" wird, an dem die Republikaner eine
Reihe tiefgreifender innenpolitischer Reformen zu
verabschieden beabsichtigen.
Danach, so Gingrich, werde das Repräsentantenhaus
jeden Tag mit dem Verlesen einer Passage aus dem
"Vertrag mit Amerika" eröffnet, bis wie versprochen
über alle Verfügungen des Vertrags abgestimmt
worden sei. Gingrichs Erwartungen zufolge wird dies
die ersten 100 Tage der neuen Sitzungsperiode
beanspruchen.
Gingrich hat seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit
mit den Demokraten im Kongreß erklärt, ist jedoch
nicht geneigt, von seinen Prinzipien abzuweichen.
"Wir müssen enorm viel Arbeit leisten", stellte er im
Dezember fest. "Da wir jetzt in der Mehrheit sind,
haben wir eine sehr viel größere Verantwortung als

AMERIKA DIENST 01

�alles, mit dem wir uns bisher konfrontiert sahen. Es
ist eine sehr viel größere Herausforderung, als die
Kontrolle auszuüben."

scher Macht und Perioden ehelicher Untreue aufgewachsen. Beide haben nicht im Vietnamkrieg gekämpft."

Die Washington Post sieht "beeindruckende Ähnlichkeiten" zwischen Gingrich und Bill Clinton am
anderen Ende der Pennsylvania Avenue: "Beide
sind ohne leiblichen Vater, mit einer sie vergötternden Mutter, einer komplexen Beziehung zum Stiefvater, einem frühen und unersättlichen Wissensdrang,
obsessivem, jahrzehntelangem Streben nach politi-

"Beide kamen an die Macht, indem sie leidenschaftlich und brillant die Sache des Wandels verfochten.
Es bleibt abzuwarten, ob Gingrich sich besser als
Clinton den Enthusiasmus der Öffentlichkeit bewahren kann, wenn er nicht mehr nur den Status quo
ablehnt, sondern versucht, einen neuen zu formulieren."

*

AMERIKA DIENST 01

* * * *

Seite 3

�PORTRAT
4. Januar 1995

CLINTON NOMINIERT NEUEN
LANDWIRTSCHAFTSMINISTER
Porträt von Dan Glickman
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton hat den
Abgeordneten des Repräsentantenhauses, Dan
Glickman, einen der Architekten des Landwirtschaftsgesetzes von 1990, für das Amt des Landwirtschaftsministers nominiert.
Glickmans "Wissen und Erfahrung - sein Verständnis
für die Bedürfnisse amerikanischer Landwirte lassen ihn als geeignete Person für des Amt des
Landwirtschaftsministers im Jahr 1995 erscheinen,
wenn wir das nächste Landwirtschaftsgesetz formulieren", erklärte Präsident Clinton am 28. Dezember
1994 im Rosengarten des Weißen Hauses bei der
Bekanntgabe der Nominierung Glickmans.
Der Präsident fügte hinzu: "Er wird ein Sprachrohr
und Fürsprecher der amerikanischen Landwirte sein
und sicherstellen, daß die amerikanische Landwirtschaft beim Übergang ins 21. Jahrhundert auf einer
florierenden und soliden Grundlage steht. Die ganze
Welt beneidet uns um unser Agrarsystem, und das
muß so bleiben."
Glickman erklärte als Reaktion auf die Äußerungen
des Präsidenten, es werde seine "oberste Priorität"
sein, "dem von Ihnen gegenüber den Landwirten,
Viehzüchtern und der gesamten Landwirtschaft
Amerikas eingegangenen Versprechen nachzukommen - dem Versprechen einer stabilen Volkswirtschaft, die jedem die Chance für Wachstum und
Wohlstand bietet".
Glickman wurde 1976 in den Kongreß gewählt, wo
er den vierten Wahlbezirk von Kansas in neun
aufeinanderfolgenden, jeweils zweijährigen Amtsperioden vertrat. Er verlor sein Abgeordnetenmandat bei den Kongreßwahlen im November, bei denen
die Republikaner erstmals seit 40 Jahren die Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat erhielten.
Während seiner Zeit als Kongreßabgeordneter
spielte Glickman für die amerikanische Landwirt-

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schaft eine führende Rolle. Er war Mitglied des
Landwirtschaftsausschusses des Repräsentantenhauses sowie von zwei Landwirtschaftsunterausschüssen. Er saß dem Unterausschuß des Repräsentantenhauses für Sammelgüter vor und war
Mitglied des Unterausschusses für Operationen des
Landwirtschaftsministeriums und Nahrungsmittel, der
mit der Beaufsichtigung des Landwirtschaftsministeriums beauftragt ist. Auf den Gebieten der Nahrungsmittelsicherheit und -kennzeichnung gilt Glickman
landesweit als führender Experte.
Im Falle seiner Bestätigung für das Amt des Landwirtschaftsministers wird es Glickmans größte Aufgabe
im kommenden Jahr sein, mit dem Kongreß das
Landwirtschaftsgesetz für die nächsten fünf Jahre
auszuarbeiten. Der Kongreß entwirft alle fünf Jahre
eine umfassende Landwirtschaftsgesetzgebung für
eine Vielzahl von Programmen zur Unterstützung der
Einkommen von Landwirten und der Rohstoffpreise.
Glickman war maßgeblich am Entwurf der letzten vier
Landwirtschaftsgesetze beteiligt. 1995 wird der neue
Kongreß eine neue Landwirtschaftsgesetzesvorlage
formulieren. Die führenden Republikaner im Kongreß
wollen die staatlichen Ausgaben für Agrarsubventionen kürzen, um das Haushaltsdefizit abzubauen.
"Ich werde das von Ihnen gegebene Versprechen
erfüllen, daß den amerikanischen Verbrauchern der
weltweit reichhaltigste Vorrat gesunder Nahrungsmittel zur Verfügung steht", äußerte Glickman gegenüber dem Präsidenten, als er seine Nominierung
annahm. Im Hinblick auf die bevorstehende Debatte
über das Landwirtschaftsgesetz fügte er hinzu: "Die
heutigen Landwirtschaftsprogramme haben zur
Schaffung dieser Möglichkeiten beigetragen - diese
Lektion sollten wir nie vergessen."
"Dennoch werden viele Fragen gestellt, die die
Verantwortlichen in der Landwirtschaft zum Überdenken der grundlegenden Ziele dieser Programme

Seite 1

�bewegen. Ich begrüße diese Herausforderung. Die
Landwirtschaft ist nicht immun gegen Wandel und
sollte es auch nicht sein."
Der Kongreßabgeordnete Pat Roberts aus Kansas,
der neue Vorsitzende des Landwirtschaftsausschusses des Repräsentantenhauses, erklärte am 28.
Dezember, er sei sicher, daß Glickman mit der
neuen republikanischen Führung im Kongreß zusammenarbeiten könne.
"Ich sehe der Zusammenarbeit mit Minister Glickman
erwartungsvoll entgegen", so Roberts. "Wir waren
während unserer gemeinsamen Zeit im Landwirtschaftsausschuß des Repräsentantenhauses gute
Partner." Roberts und Glickman waren zwischen
1980 und 1994 Mitglieder des Landwirtschaftsausschusses.
Roberts fügte hinzu: "Ich werde mit Minister Glickman am Landwirtschaftsgesetz 1995 arbeiten.
Unsere Priorität wird es sein, ein Gesetz zu formulieren, das für eine gute Agrarpolitik steht."
Senator Richard Lugar, der neue Vorsitzende des
Landwirtschaftsausschusses des Senats, zeigte sich
weniger optimistisch und erklärte, bei den Anhörungen in diesem Ausschuß werde er "den Abgeordneten Glickman ausdrücklich nach seinen Plänen für
die Umsetzung der bereits per Gesetz beschlossenen Reform des Landwirtschaftsministeriums sowie
nach seinen zusätzlichen Ideen fragen".
Der Senator stellte fest, Glickman müsse vom letzten
Kongreß verabschiedete Gesetze in Kraft setzen,
"welche die Verkleinerung des Ministeriums von 43

*

Seite 2

*

auf 29 Abteilungen vorsehen sowie das Einfrieren
oder die Schließung von über 1.000 Außenstellen,
einen Abbau von ungefähr 8.000 Arbeitsplätzen und
die Durchführung operativer Kontrollen".
Lugar wird Glickman eigenen Angaben zufolge unter
anderem zu seinen Ansichten über die landwirtschaftlichen Rohstoff Programme, Ernteversicherung,
Katastrophenhilfe, Nahrungsmittelprogramme und
Exportangelegenheiten befragen. "Die Anhörungen
zu seiner Bestätigung bieten dem Kandidaten ein
ausgezeichnetes Forum um zu demonstrieren, daß er
sich Gedanken über Management und Politik seines
Verantwortungsbereichs gemacht hat", so Lugar.
Im Falle seiner Bestätigung durch den Senat tritt
Glickman die Nachfolge von Landwirtschaftsminister
Mike Espy an, der wegen Korruptionsvorwürfen mit
Wirkung vom 31. Dezember 1994 von seinem Amt
zurücktritt.
Neben seinen Ämtern im Bereich der Landwirtschaft
war der Abgeordnete Glickman im Ständigen Sonderausschuß des Repräsentantenhauses für den
Nachrichtendienst tätig und im 103. Kongreß dessen
Vorsitzender.
Er gehörte dem Wissenschafts-,
Weltraum- und Technologieunterausschuß sowie drei
Justizunterausschüssen an.
Glickman wurde am 24. November 1944 in Wichita
(Kansas) geboren. 1966 erwarb er an der University
of Wichita einen Bachelor of Arts und machte 1969
an der George Washington University seinen Abschluß als Jurist. Vor seiner Wahl als Kongreßabgeordneter stand er der Schulbehörde von Wichita vor.
Glickman ist verheiratet und hat zwei Kinder.

*

*

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�BILDUNG
4. Januar 1995

NAFTA UND WEITERFÜHRENDE BILDUNG
von Philip G. Altbach
Obwohl das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (North American Free Trade Agreement - NAFTA)
weder kulturelle noch bildungspolitische Dimensionen besitzt, spielen Bestrebungen zur Erweiterung dieser
Dimension eine wichtige Rolle bei der Stärkung der wirtschaftlichen und politischen Verbindungen des NAFTA.
Unterricht in den Sprachen und Kulturen der Hemisphäre muß in den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko
maßgeblich verbessert werden.
Philip G. Altenbach ist Dozent für weiterführende Bildung am Boston College, Chestnut Hill (Massachusetts).
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Helen Dwight Reid Educational
Foundation aus Change, Juli/August 1994, Seite 48-49. Herausgegeben von Heldref Publications, 1319 18th
Street, N.W., Washington, D.C. 20036. Copyright (c) 1994.

Das Nordamerikanische
Freihandelsabkommen
verspricht engere Wirtschaftsbeziehungen im größten Handelsblock der Welt. Im Gegensatz zu dem
bahnbrechenden Handelsabkommen, das zur
Europäischen Gemeinschaft (EG) führte, hat das
NAFTA keine kulturellen oder bildungspolitischen
Dimensionen.
Engere Wirtschaftsbeziehungen
werden jedoch unweigerlich kulturelle und bildungspolitische Auswirkungen haben. Es ist jetzt an der
Zeit nachzudenken, was die wirtschaftliche Integration Nordamerikas für andere Aspekte des komplexen Beziehungsgeflechts zwischen Mexiko, den
Vereinigten Staaten und Kanada bedeutet - insbesondere für die weiterführende Bildung. Die
Universitäten in allen drei Ländern können eine
wichtige Rolle bei der Gestaltung einer Zukunft
spielen, in der es nicht nur ein besseres Verständnis
der drei unterschiedlichen Kulturen gibt, sondern
auch die für die wirtschaftliche Integration erforderlichen Qualifikationen zur Verfügung stehen.
Bei der Planung der EG machten die Europäer von
Anfang an Bildung und Kultur zum Bestandteil der
Vision. Die beiden Komponenten waren in den
Römischen Verträgen niedergelegt und wurden
weiter verstärkt. Natürlich ging das Konzept der EG
- die vollständige politische, wirtschaftliche und
kulturelle Vereinigung Westeuropas - weit über den
Handel hinaus, obwohl Wirtschaftsbeziehungen ihr
Kernstück bildeten. Selbst wenn das NAFTA vom
Konzept her entschieden weniger ehrgeizig ist, kann
man viel aus der europäischen Erfahrung lernen.
Eine der Hauptlektionen lautet, daß die Konzentration auf Handelsbeziehungen nicht ausreicht und

AMERIKA DIENST 01

gegenseitiges Verständnis ein wesentlicher Bestandteil jeder konstruktiven Beziehung ist. Die europäische Erfahrung lehrt auch, daß bildungspolitische
Integration und Kooperation nicht leicht ist und dieser
Dimension wirtschaftlicher und politischer Arrangements beträchtliche Aufmerksamkeit gewidmet
werden muß.
In Nordamerika sind die Unterschiede und Ungleichheiten bei Bildung, Kultur und Technologie unter den
drei im NAFTA zusammengeschlossenen Ländern
enorm. Die Vereinigten Staaten beherrschen im
Hinblick auf ihr System der weiterführenden Bildung,
ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung sowie
ihre technologischen Infrastruktur nicht nur ihre
NAFTA-Partner, sondern haben das größte und
einflußreichste akademische System der Welt.
Darüber hinaus ist die dominierende Stellung der
Vereinigten Staaten durch Film, Fernsehen und die
Printmedien ebenfalls offenkundig. Die Vereinigten
Staaten bilden das Zentrum, und die beiden anderen
Länder sind von peripherer Bedeutung.
Kanada ist seit langem besorgt über die kulturelle
Dominanz der Vereinigten Staaten und hat Bestimmungen eingeführt, die eine gewisse Autonomie
bewahren sollen.
Kanada selbst ist gespalten.
Zwischen anglophonen und frankophonen Kulturen
bestehen instabile Beziehungen. Das NAFTA wird
die Aufrechterhaltung der kulturellen Autonomie
Kanadas noch schwieriger machen.
Auch Mexiko war seit jeher über die kulturelle Dominanz der Vereinigten Staaten beunruhigt. Im Hinblick

Seite 1

�auf Bildung und Kultur hat sich das Land traditionell
in mehrere Richtungen orientiert. Zusammen mit
Argentinien und Brasilien dominiert Mexiko in Lateinamerika seit langem bei Veröffentlichungen, Film
und Kultur. Obwohl dies nördlich des Rio Grande
kaum anerkannt wird, verfügt Mexiko über von
Europa und insbesondere Frankreich beeinflußte
beträchtliche bildungspolitische und kulturelle Macht.
Gleichzeitig wurde Mexiko von den Vereinigten
Staaten maßgeblich beeinflußt. Es spricht für sich
selbst, daß Ex-Präsident Carlos Salinas de Gortari
Harvardabsolvent ist und sein Nachfolger ebenfalls
seinen Abschluß an einer amerikanischen Universität
gemacht hat.
Mexikaner und Kanadier waren
traditionell stets besorgt über die amerikanische
Dominanz, und es überrascht daher nicht, daß die
mexikanischen Sozialwissenschaftler in den sechziger Jahren ein Konzept der Dependenz entwickelten,
um die wirtschaftliche Dominanz mächtiger kapitalistischer Nationen über kleinere periphere Staaten
nicht nur im Hinblick auf die Wirtschaft, sondern
auch die Kultur zu erläutern.
Bildungspolitische und kulturelle Beziehungen waren
immer einseitig und komplex.
Beispielsweise
studieren ungefähr 7.000 mexikanische Studenten
an amerikanischen Colleges und Universitäten,
während rund 2.000 Studenten aus den Vereinigten
Staaten in Mexiko studieren. Kanada betreffend
belegen die Zahlen ein noch größeres Ungleichgewicht - ungefähr 19.000 Kanadier studieren in den
Vereinigten Staaten, während nur 3.000 Amerikaner
kanadische Universitäten besuchen. In den Vereinigten Staaten hergestellte Lehrbücher, wissenschaftliche Publikationen, Computer-Software und
Datenbanken sind in ganz Nordamerika zu finden.
Gleichzeitig besteht in den Vereinigten Staaten ein
beträchtliches Maß an Ignoranz gegenüber den
wichtigsten Kulturen auf dem Kontinent außerhalb
der nationalen Grenzen. Der Lehrplan amerikanischer Colleges und Universitäten legt entschieden
mehr Betonung auf Europa und Asien, und lateinamerikanische Studien konzentrieren sich nicht
vornehmlich auf Mexiko. Obwohl Spanisch bei
amerikanischen Collegestudenten die gängigste
Fremdsprache ist, sprechen wenige fließend Spanisch und das Wissen von mexikanischer Kultur und
Geschichte ist äußerst begrenzt. Kanada wird noch
weiter vernachlässigt. Nur eine Handvoll amerikanischer akademischer Institutionen bietet auf Kanada
spezialisierte Kurse an, obwohl Kanada in Dollar
bemessen der größte Handelspartner der Vereinigten Staaten ist.
Interessanterweise ergab eine Studie internationaler
Akademiker, daß amerikanische Professoren weni-

Seite 2

ger aufgeschlossen gegenüber internationalen
akademischen Einflüssen waren als ihre mexikanischen Kollegen. Nachrichten über Kanada oder
Mexiko sind in den amerikanischen Massenmedien
gewöhnlich nicht zu finden. Jüngste Tendenzen zur
Multikultur in den Lehrplänen amerikanischer Colleges und Universitäten konzentrieren sich im allgemeinen eher auf Amerikaner mexikanischer Abstammung als auf Mexiko selbst. In Mexiko und
Kanada hat man ein entschieden größeres Wissen
über die Vereinigten Staaten. Fairerweise muß man
jedoch auch sagen, daß in den Colleges und Universitäten der beiden Länder wenig systematisch über
die Vereinigten Staaten unterrichtet wird. Es ist eine
Sache, etwas über die Vereinigten Staaten zu lernen,
indem man CNN oder "Dallas" sieht, und eine ganz
andere, Landeskunde zu studieren. Zweifelsohne
besteht ein beträchtliches Wissensdefizit, das behoben werden muß.
Es ist jetzt an der Zeit, die bildungspolitischen Brükken zu schlagen, die das erforderliche Verständnis,
Wissen und die Qualifikationen bieten, um sich mit
engeren Handelsbeziehungen zu befassen und
generell eine gewisse Sensibilität gegenüber den
komplexen Kulturen Nordamerikas zu entwickeln.
Jetzt können eine Reihe wichtiger konkreter Schritte
zur Schaffung der bildungspolitischen und kulturellen
Infrastruktur unternommen werden. Die folgenden
Vorschläge konzentrieren sich vornehmlich auf das,
was die Vereinigten Staaten tun können, um sich auf
die NAFTA-Ära vorzubereiten, aber diese Ideen sind
für alle drei Länder relevant. Ich befasse mich hier
vor allem mit der weiterführenden Bildung, allerdings
muß auch den Grund- und weiterführenden Schulen
Aufmerksamkeit gewidmet werden.
Mexiko und Kanada müssen die Zielgruppe für das
Fulbright- Programm und andere nationale Behörden
werden, die sich akademischen und kulturellen
Austauschprogrammen widmen. Entschieden mehr
Gastdozenturen, Forschungsstipendien und andere
Austauschprogramme müssen angeboten werden.
Amerikanische Colleges und Universitäten müssen
durch Austauschprogramme zwischen den Institutionen, Partnerschaftsprogramme und ähnliches Verbindungen zu entsprechenden Institutionen in Mexiko
und Kanada aufbauen. Studenten aller Fachrichtungen - vielleicht insbesondere der Bereiche Wirtschaft,
Ingenieur- und Bildungswesen - sollten zum Studium
in diesen Ländern ermutigt werden. Das Angebot
von einem "Studienjahr im Ausland" muß für Schüler
drastisch erweitert werden, die vor dem Oberschulabschluß stehen. Geographische Nähe verringert die
Kosten, und die Sprachen Spanisch und Französisch
- die im allgemeinen in den Vereinigten Staaten

AMERIKA DIENST 01

�unterrichtet werden - machen die Herausforderung
weniger erschreckend.
Studenten aus Mexiko und Kanada müssen zum
Studium in den Vereinigten Staaten ermutigt werden.
Zur Zeit stammt mehr als die Hälfte der ausländischen Studenten in den Vereinigten Staaten aus
Asien, und nur eine geringe Zahl kommt aus Kanada
oder Mexiko. Angesichts der Bedeutung unserer
NAFTA-Nachbarn sollten mehr Studenten aus Nordamerika zum Studium an amerikanischen akademischen Institutionen ermutigt werden.
Inoffizielle Kontakte zwischen Wissenschaftlern in
den drei Ländern sollten unterstützt werden. Konferenzen über die unterschiedlichen akademischen
Disziplinen, verstärkter Druck auf landesweit vernetzte Datenbanken und ähnliche Initiativen können
diese Kontakte fördern.
Mexikanischen und kanadischen Studenten muß ein
prominenterer Platz in amerikanischen akademischen Lehrplänen eingeräumt werden. Die Gründung von Zentren und die Bereitstellung von Forschungsmitteln für diese Länder sowie andere
Initiativen können helfen. Vor allem müssen Schüler
der Berufsschulen einbezogen werden.

*

AMERIKA DIENST 01

Unterricht in den in Nordamerika gesprochenen
Sprachen - vor allem Spanisch, aber in gewissem
Maße auch Französisch - muß mehr Bedeutung
beigemessen werden. In der Tat könnte man argumentieren, daß praktisch alle amerikanischen Studenten fließend Spanisch sprechen sollten angesichts
der Bedeutung der mexikanisch-amerikanischen
Beziehungen sowie der zunehmenden spanischsprechenden Minderheit in den Vereinigten Staaten.
Das NAFTA wird unvermeidbare Auswirkungen nicht
nur auf die Wirtschaftsbeziehungen, sondern auch
auf Bildung und Kultur haben. Deshalb müssen wir
jetzt anfangen darüber nachzudenken, wie Verbindungen geschaffen werden können, die Wissensbasis
verbessert und sichergestellt werden kann, daß allen
Nationen Nordamerikas das erforderliche Personal
zur Verfügung steht, um in einem regionalen wirtschaftlichen Umfeld zu operieren. Dies alles muß
nicht nur mit Verständnis für die Ungleichheiten
zwischen den drei Ländern geleistet werden, sondern
auch mit dem Engagement, diese Ungleichheiten
soweit wie möglich zu beheben. Das NAFTA könnte
schließlich alle Bewohner dieses Kontinents überzeugen, daß es gemeinsame Interessen, Probleme
und Möglichkeiten gibt.
Für die weiterführende
Bildung ist es jetzt an der Zeit, den Prozeß der
Zusammenarbeit zu beginnen.

* * *

*

Seite 3

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Marshall-Zentrum&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Verringerung des gemeinsamen Risikos und europäische Sicherheit &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von Senator Lugar&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Porträt&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Newt Gingrich - ein Mann mit Vision, Tagesordnung und Zeitplan&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der neue Speaker des Repräsentantenhauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Clinton nominiert neuen Landwirtschaftsminister&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt von Dan Glickman&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Bildung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;NAFTA und weiterführende Bildung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Philip G. Altbach&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

300

Information
und
Dokumentation

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

Nummer

4. Februar 1976

Inhalt

DOKUMENTATION
Auszüge aus do.i J&lt; hresbericht des US-Verteidigungsmilisten ums
- Rumsfeld f o r d e r t

löhere Verttidigungsausgaben -

WIRTSCHAFT
Der W i r t s c h a f t s j e r i c h t Präsident Fords
- Wortlaut Die Weltwirtschaft 1976
- Auszüge aus dem Jahresbericht des US-Wirtschaftsbeirates

Um Übersendung v o n Belegexemplaren w i r d gebeten.

�amerika dienst
United
53

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2/1976

AUSZÜGE AUS DEM JAHRESBERICHT DES US-VERTEIDIGUNGSMINISTERIUMS
- Rumsfeld fordert höhere Verteidigungsausgaben -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Donald H.
Rumsfeld hat dem Kongreß der Vereinigten Staaten am 27. Januar den Jahresbericht seines Ministeriums für das Haushaltsjahr 1976/77 vorgelegt. Auf Grund
eines im vorigen Jahr verabschiedeten Gesetzes muß der Verteidigungsminister
in Konsultation mit dem Außenminister einen schriftlichen Bericht "über die
Außenpolitik und die Struktur der Streitkräfte der Vereinigten Staaten für
das kommende Haushaltsjahr" unterbreiten, in dem der Zusammenhang zwischen
beiden dargelegt und ihre jeweilige Notwendigkeit begründet wird.
Bei der Vorlage seines - allgemein unter der Bezeichnung
Posture Statement"

"Military

bekannten - Berichtes im Militärausschuß des Repräsen-

tantenhauses bezeichnete Rumsfeld den gegenwärtigen Stand der amerikanischen
Streitkräfte als ausreichend, forderte jedoch in den nächsten Jahren Verbesserungen, um die jüngsten Rüstungsanstrengungen der Sowjets auszugleichen.
Mit der Forderung von 100,1 Milliarden Dollar für die Verteidigung im Haushaltsvoranschlag 1976/77 müsse der fallenden Tendenz der Verteidigungsausgaben während der letzten 15 Jahre Einhalt geboten werden.

Rumsfeld bezeich-

nete Westeuropa als die "entscheidend wichtige zentrale Region"

für die

Sicherheit der USA und des Westens.
Während

�Während bei früheren Berichten mehr die allgemeine Weltlage in Zusammenhang mit der Verteidigungsposition der Vereinigten Staaten gebracht wurde,
wird in diesem Jahr die Beziehung zwischen Verteidigungsstärke und Außenpolitik stärker herausgestellt.
internationale Lage"

Aus dem Kapitel

"Nationale Verteidigung und

geben wir hier wesentliche Auszüge wieder.

Außenpolitik und Verteidigung
Es muß von vornherein unterstrichen werden, daß die physische Macht der
Vereinigten Staaten einer der grundlegenden bestimmenden Faktoren der amerikanischen Außenpolitik ist ...
Man sollte auch nicht vergessen, daß das Machtpotential der Vereinigten
Staaten gewaltig und beispiellos ist. Wenn wir heute denselben Prozentsatz
des Bruttosozialprodukts für die Verteidigung aufwenden würden, wie wir das
noch 1964 getan haben, dann würden wir über 130 Milliarden Dollar oder etwa
ein Drittel mehr ausgeben, als wir für das Haushaltsjahr 1977 angesetzt haben.
Wenn wir gar mit dem gleichziehen wollten, was nach unserer Vermutung der gegenwärtige Prozentsatz der sowjetischen Verteidigungsausgaben am Bruttosozialprodukt ist, dann würde sich unser Antrag auf beinahe 200 Milliarden Dollar
belaufen. An dem einen wie dem anderen dieser willkürlichen Maßstäbe gemessen,
schlagen wir keineswegs einen übertriebenen Betrag für die Verteidigung vor.
Und ebensowenig treten wir in einen allgemeinen Wettstreit mit jenen Nationen
ein, die sich selbst zu unseren Rivalen erklärt haben. Stattdessen versuchen
wir eine klug angelegte Basis für eine Politik zu schaffen, die der Regierung
ebenso wie die wirtschaftlichen und diplomatischen Mittel immer zur Verfügung
stehen muß ...

Die

�Die amerikanische Rolle in der Welt

Die Vereinigten Staaten könnten zugegebenermaßen versuchen, sich von
der Weltpolitik zu isolieren und hätten dabei eine bessere Überlebenschance
als die meisten anderen Länder.
standard würden darunter leiden.

Aber unsere Wirtschaft und unser LebensWir würden uns auch dann fragen müssen, wo

die Linie gegen einen Eingriff von außen zu ziehen wäre.

Wir müßten einen

Verteidigungswall bauen - ohne Freunde, aber nicht notwendigerweise ohne Gegner - und wir würden uns ohne Frage in einer Situation befinden, in der wir
mehr für die Verteidigung ausgeben müßten als heute.

Ob unsere traditionellen

Freiheiten in einem solchen Garnisonsstaat überleben könnten ist fraglich ...

Eine aktive Rolle ist an und für sich noch nicht gleichbedeutend mit
der Notwendigkeit militärischer Macht oder einer bestimmten Größe und Zusammensetzung der Streitkräfte.

Noch im 19. Jahrhundert führten die Vereinigten

Staaten Verhandlungen, traten für fernab liegende Dinge ein und stritten sich
verbal mit anderen Nationen, obwohl sie nur über ein minimales militärisches
Potential verfügten.

Aber sie konnten sich diesen Luxus nur leisten, weil die

Großmächte Europas über große eigene Militärpotentiale verfügten und sich
gegenseitig derart in Schach hielten, daß sich die Vereinigten Staaten relativ
ohne große Gefahr auf verbale Kraftakte und gute Werke einlassen konnten.

Wenn ein großer Konflikt auftrat, dann konnten darüber hinaus unsere
Freunde die Fronten lange genug halten, bis die Vereinigten Staaten ihre
Stärke mobilisieren und in Obersee zum Tragen bringen konnten.

Die Vereinig-

ten Staaten profitierten also praktisch von der militärischen Macht anderer.
Diese Zeiten sind vorbei ...

Regionale Herausforderungen und Ziele

Sowjetunion:
Wohlstand und Machtpotential haben sich um die Schwerpunkte der zwei
großen kontinentalen Mächte kristallisiert:
- 3 -

USA und UdSSR.

Bei nur zwei

�zwei Mächten allererster Ordnung und solange Gewalt und Gewaltandrohung
weiterhin als Grundinstrument der Weltpolitik gelten, haben die Vereinigten
Staaten für die absehbare Zukunft keine andere Wahl, denn als Hauptgegengewicht gegen die UdSSR zu dienen,

über diese Tatsache darf es keinen Zweifel

geben.
Inwieweit das Gegengewicht militärischer Natur sein muß, hängt nicht
einfach von der Existenz einer zweiten Supermacht ab.

Worauf es hier an-

kommt, ist die Frage, ob die andere Supermacht Ambitionen hegt, die den
unsrigen zuwiderlaufen, und ob sie Gewalt und Gewaltandrohung als wesentliches
Mittel zur Lösung von Streitfragen ansieht.

Es wäre beruhigend, wenn man im

Falle der Vereinigten Staaten und der UdSSR berichten könnte, daß es keine
zuwiderlaufenden Ambitionen gäbe, und daß Gewalt in ihren Ambitionen keine
Rolle spielen würde.

Die Tatsachen sprechen deutlich für das Gegenteil.

Seit dem Zweiten Weltkrieg standen die sowjetischen Ambitionen größten Teils
im Gegensatz zu unseren eigenen.

Seit dem Zweiten Weltkrieg haben die Sowjets

eine militärische Macht aufrechterhalten, um ihre eigenen Interessen zu
schützen und die unsrigen zu bedrohen...
Von der Sowjetunion geht weiterhin die hauptsächliche politische und militärische Herausforderung der amerikanischen Interessen in der ganzen Welt aus.
Es liegt in unserem eigenen Interesse, nach Mitteln und Wegen zu suchen, um
Konfrontationen zu vermeiden. Es besteht jedoch kein Zweifel, daß zumindestens
für die absehbare Zukunft der Konvergenz unserer Politiken Grenzen gesetzt
sein werden ...
Auf amerikanischer Seite ist die Politik auf einen Abbau der militärischen
Spannungen und des Konfliktrisikos mit der UdSSR ausgerichtet, um eine allgemeine internationale Stabilität zu schaffen und unsere Sicherheit und die
unserer Verbündeten zu stärken. Wir können bereits mehrere Schritte auf
dieses Ziel hin verzeichnen, und die Vereinigten Staaten hoffen weiterhin, daß
das Übereinkommen von Wladiwostok von 1974 in einen annehmbaren Vertrag umgewandelt wird, und daß die Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene
Truppenreduzierung (MBFR) in Mitteleuropa zu Fortschritten führen werden ...

�Die Entspannung muß als das begriffen werden, was sie ist: Eine Bezeichnung für die Einstellung, mit der wir in unseren Beziehungen an andere
Nationen herangehen, die nicht unsere Freunde sind;

deren Grundsätze nicht

die unsrigen sind; bei denen wir nicht sicher sind, ob wir ihnen vertrauen
können; und die über große militärische Macht verfügen und eine Neigung gezeigt haben, sich ihrer zu bedienen.

Wir wollen Konfrontationen abbauen, Gefahren verringern, die Beziehungen
auf eine etwas solidere Basis stellen und herausfinden, ob sich nicht doch
manche gemeinsamen Interessen ergeben.

Wo

es jedoch um Ost und West geht, dürfen wir nicht vergessen, daß in

vielen der grundsätzlichsten Dinge, einschließlich des Rechts auf individuelle
Freiheit, wir uns diametral gegenüberstehen.

Entspannung beginnt, kurz ge-

sagt, mit der Erkenntnis grundsätzlicher politischer Unterschiede, Gefahren
und Spannungen ...
In einer Zeit, in der sich erst herausstellen muß, ob ein Nachlassen der
Spannung durchgehalten werden kann, entwickelt sich das gegenseitige Vertrauen
zwangsläufig langsam.
den.

Vertrauen muß sich auf Handeln, nicht auf Hoffen grün-

Wenn wir beim Abbau der Spannungen echte Fortschritte erzielen wollen,

dann müssen wir weiterhin sicherstellen, daß es den Sowjets verwehrt bleibt,
ihr militärisches Gewicht zur Erreichung politischer Gewinne, ideologischer
Durchdringung oder von Vorteilen im Falle einer Krise in die Waagschale zu
werfen.

In dieser Frage darf es keine Mißverständnisse geben.

Die US-Ver-

teidigungsstrategie und - position muß auf die großen Veränderungen in der
internationalen Umwelt reagieren können und muß vor allem fundamentale Veränderungen in unseren Beziehungen zu anderen Großmächten sehr genau beachten.
Wir dürfen uns jedoch nicht zu der Überzeugung verführen lassen, daß diese
Änderungen leicht oder rasch einträten.

Selbst in unserer heutigen schnell-

lebigen Zeit wäre es falsch zu glauben, daß nach unseren Erfahrungen der
letzten dreißig Jahre die sowjetisch-amerikanischen Beziehungen plötzlich
entspannt und freundschaftlich werden könnten.

Wir hoffen, daß wir die

schlimmsten Krisen des Kalten Krieges hinter uns gelassen

- 5 -

�gelassen haben und in eine Periode relativ ziviler Umgangsformen, vorsichtiger Verhandlungen und bewaffneter Stabilität eingetreten sind.

Unsere Be-

ziehungen zur UdSSR sind jedoch nicht so herzlich und vertrauensvoll geworden,
daß wir der Zukunft mit Gleichmut entgegensehen oder uns auf gesteigerte einseitige Rüstungsbeschränkungen einlassen könnten ...

Westeuropa:
Obwohl die sowjetische Herausforderung globale Ausmaße angenommen hat,
dürfen wir die Tatsache nicht außer acht lassen, daß ihre stärksten Elemente
auf Westeuropa konzentriert sind, die Region mit der die Vereinigten Staaten
die engsten Beziehungen haben ... Die Aufrechterhaltung eines stabilen, sicheren
und zuversichtlichen Westeuropa ist für die amerikanische Sicherheit lebenswichtig ...
Nicht weniger als in der Vergangenheit muß unsere militärische Strategie
und damit die Struktur unserer Streitkräfte heute weiterhin auf die Unterstützung des NATO-Bündnisses ausgerichtet sein. Alles andere würde von Freund und
Feind als ein Schritt zum Rückzug in jene veraltete Konzeption der Isolation
betrachtet werden. Es würde gerade die Stärke und das Vertrauen untergraben,
die wir in Westeuropa besitzen, und gleichzeitig die Sowjetunion und ihre Verbündeten im Warschauer Pakt ermutigen, jede Schwäche der Spaltung unter unseren
europäischen Verbündeten auszunutzen.
Unsere unerschütterliche Unterstützung Westeuropas ist im Hinblick auf die
politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in Europa in diesem Jahr um so
lebenswichtiger. Es ist entscheidend wichtig, daß wir unsere gegenwärtigen
Anstrengungen zur Verbesserung der Verteidigungsstärke fortsetzen, die Westeuropa schützt. Durch Programme zur stärkeren Standardisierung und Rationalisierung der Verteidigungsanstrengungen im Rahmen der NATO und durch die Steigerung der Kampfkraft unserer Streitkräfte in der NATO (ohne eine Erhöhung der
Gesamtzahl) können die Vereinigten Staaten eindeutig ihre andauernde Verpflich- 6 -

�Verpflichtung demonstrieren.

Das NATO-Bündnis ist eine Manifestation der

Interdependenz der amerikanischen und der westeuropäischen Sicherheit.

Wir

dürfen die Tatsache nicht aus den Augen verlieren, daß die NATO die Vereinigten Staaten ebenso schlitzt wie Westeuropa.

Asien:
Manche Leute vertreten die Auffassung, daß die wachsende militärische
Macht der Sowjetunion durch die anhaltenden Differenzen zwischen Moskau und
Peking beeinflußt werde. Das mag bis zu einem gewissen Grad der Fall sein,
wenngleich die Vereinigten Staaten diese Differenzen nicht vertiefen oder ausnutzen wollen ...
Wie erinnerlich, führte unsere Anpassung der amerikanischen strategischen
Konzeption für die allgemeinen Streitkräfte im Jahre 1970 zu einer Aufteilung
der Kriegsstrategie von 2,5 zu 1,5 - und stellte damit die Spaltung zwischen
der UdSSR und der Volksrepublik China in Rechnung.

In den folgenden Jahren

verringerten wir unsere aktiven Land-, See- und taktischen Luftstreitkräfte
der ersten Linie entsprechend der Veränderung des strategischen Konzepts.
Was auch immer die ursprüngliche Basis für die Änderung der Strategie
gewesen sein mag, so haben wir auf jeden Fall bereits den Maximal betrag an
vertretbaren Einsparungen aus der sino-sowjetischen Zwietracht herausgeholt,
und wir sollten jetzt sicherstellen, daß unsere Streitkräfte ausreichend sind,
um unsere Ziele in Asien zu verfolgen.

Es wäre ein Fehler, anzunehmen, daß

wir in bezug auf die Größe unseres Verteidigungspotentials auf diese gefährliche Rivalität noch mehr reagieren sollte, als dies bisher der Fall war ...
Japan, unser Hauptverbündeter in Asien spielt eine lebenswichtige Rolle
bei der Aufrechterhaltung der regionalen Stabilität. Die Fähigkeit Japans,
ohne große Streitkräfte als eine politische Führungsmacht zu agieren, ergibt
sich direkt aus dem Schutzschirm, der Japan durch seinen Sicherheitsvertrag

�Sicherheitsvertrag mit den Vereinigten Staaten geboten wird.

Sein Sicher-

heitsgefühl steht in einem direkten Verhältnis zu seinem Vertrauen in die
Stärke und Zuverlässigkeit der amerikanischen Sicherheitsgarantie.
Alle großen Mächte Asiens haben Interessen an der koreanischen Halbinsel,
wo die Vereinigten Staaten seit über 20 Jahren ihre Verpflichtung gegenüber
Südkorea eingehalten und zur Erhaltung des Friedens auf der Halbinsel beigetragen haben.

Die Präsenz unserer Landstreitkräfte ist ein greifbarer Beweis

für unsere Unterstützung der Republik Korea sowie eine beachtliche Abschreckung vor einem nordkoreanischen Angriff und ein Faktor, der dazu beiträgt, sowohl die Volksrepublik China oder auch die UdSSR davon abzuhalten,
einen solchen Angriff zu dulden oder zu unterstützen.

Da die Japaner die

Sicherheit Südkoreas in einem engen Zusammenhang mit ihrer eigenen Sicherheit
sehen, ist die amerikanische Unterstützung Südkoreas von entscheidender Bedeutung für die Stabilität in Nordostasien ...

Naher Osten:
Der Nahe Osten ist ein Gebiet von überragender Bedeutung für die Vereinigten Staaten. Ein Wiederaufleben der arabisch-israelischen Feindseligkeiten könnte eine direkte Bedrohung der amerikanischen Sicherheit darstellen,
vor allem, wenn es zu einer militärischen Konfrontation der Großmächte oder
einem neuerlichen ölembargo für den Westen kommen sollte. Politische und
militärische Instabilität im Golfgebiet selbst wäre, wenn sie zu einer Unterbrechung der Ölversorgung führen würde, den Interessen der Vereinigten
Staaten und deren Verbündeten schädlich.
Unser Ziel besteht deshalb darin, eine gerechte politische Lösung des
arabisch-israelischen Konflikts zu fördern, die Ölversorgung aus diesem Gebiet zu gewährleisten, die amerikanischen Beziehungen zu den wichtigen
Nationen dieses Gebietes zu verbessern und den sowjetischen Einfluß in
diesem Gebiet zu begrenzen. Die gegenwärtige Programme der Sicherheitshilfe
sind darauf
- 8 -

�darauf angelegt, die wichtigen Staaten in dem Gebiet mit der militärischen
Stärke auszustatten, um vor einer Aggression abschrecken zu können.
Unsere bescheidenen Seestreitkräfte im Persischen Golf reichen zusammen
mit der Sechsten Flotte im Mittelmeer aus, um unsere derzeitigen Ziele zu
unterstützen.
Wir stützen uns auf Diplomatie und Hilfsprogramme, um die Nationen des
Gebietes zu ermutigen, für eine Politik einzutreten, die in unserem beiderseitigen Interesse liegt. Wir sind jedoch auf unvorhergesehene Entwicklungen
vorbereitet. Die gegenwärtige militärische Planung für das Gebiet legt Wert
auf Flexibilität und die Aufrechterhaitur.g einer militärischen Kapazität, die
ausreicht, um mit einem weiten Bereich von Ernstfällen fertig zu werden, und
reicht von symbolischer Unterstützung der diplomatischen Bemühungen der Vereinigten Staaten bis zum großen Konflikt.

Lateinamerika:
In der Westlichen Hemisphäre streben wir eine reife Partnerschaft in
gemeinsamen diplomatischen und militärischen Anstrengungen mit unseren Nachbarn an. Der Verteidigungsaspekt dieser Partnerschaft liegt in der Verhinderung der Errichtung von Militärstützpunkten in der Hemisphäre, die unseren
gemeinsamen Interessen feindlich wären, und in der Verhinderung der Bedrohung
der regionalen Kommunikationswege. Das weiter gesteckte Ziel ist die Ausweitung der multilateralen politischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit
unter allen Ländern der Hemisphäre.
Die Bereitstellung amerikanischer Mittel für die Sicherheitshilfe hat
materiell geholfen unsere bilateralen und multilateralen Ziele in der Westlichen Hemisphäre zu erreichen und wird das auch in Zukunft tun.
Afrika:

�Da einander zuwiderlaufende Großmachtinteressen im Spiele sind, da
die Möglichkeit der Instabilität besteht, und wegen der Naturschätze sowie
der Verbindungslinien, die das Gebiet durchqueren, ist Afrika zu einem Gebiet amerikanischen Interesses geworden.

Aus der Sicht der nationalen Sicher-

heit sind wir in erster Linie über den wachsenden sowjetischen Einfluß dort
besorgt, der die Sicherheit der NATO, vor allem im Mittelmeer berühren oder
sich auf die amerikanischen Interessen im Nahen Osten auswirken könnte. Gegenwärtig stellt das sowjetische Engagement nur in zwei Gebieten über den
Küstenbereich des Mittelmeers hinaus eine wesentliche Herausforderung der
amerikanischen Interessen dar:
- Die verstärkte militärische Tätigkeit der Sowjets in Somalia, vor
allem der Ausbau ihres Stützpunktes in Berbera, wird die Flexibilität der
militärischen Operationen der Sowjets im Indischen Ozean und im Persischen
Golf erhöhen.
- Das wachsende politische und militärische Engagement der Sowjets in
Angola hat zur anhaltenden Instabilität dieser neuen Nation beigetragen.
Trotz unseres Interesses an dieser Region planen wir keinen Einsatz
militärischer Macht zur Unterstützung unserer Politik. Wie in Lateinamerika
kann eine minimale und selektive amerikanische Sicherheitshilfe zur Stabilität in dem Gebiet beitragen ...

Das amerikanische Verteidigungsprogramm
Strategisehe Nuklearstreitkräfte:
Die strategischen Nuklearstreitkräfte nehmen einen einzigartigen Platz
im Planungsprozeß ein. Auf Grund des Wirkungsgrades von Kernwaffen, des hohen
technologischen Standes der modernen Trägersysteme und der Notwendigkeit, die
Möglichkeit eines verheerenden Überraschungsangriffs über interkontinentale
- 10 -

�interkontinentale Entfernungen hinweg auszuschließen, müssen die strategischen Nuklearstreitkräfte sehr viel mehr nach den spezifischen Kapazitäten
anderer Nationen und nach unseren Abschreckungszielen ausgerichtet sein, als
nach den wechselnden Strömungen der internationalen Politik und den Taktiken
der amerikanischen Außenpolitik.
Die Tatsachen hinsichtlich der Entwicklung der sowjetischen strategischen
Streitkräfte dürften weitgehend bekannt sein. Die wachsende technische Verfeinerung der sowjetischen Waffen - mit hochwirksamen Mehrfachgefechtsköpfen
(MIRV) und rasch zunehmender Treffsicherheit - läßt ein beträchtliches
Interesse an einer ständigen Verbesserung der Streitkräfte und ihrer Flexibilität erkennen. Es ist darüber hinaus wahrscheinlich, daß die Sowjets
selbst innerhalb der Grenzen, wie sie sich durch das Übereinkommen von
Wladiwostok abzeichnen, die Modernisierung ihrer strategischen Streitkräfte
in dem gegenwärtigen raschen Tempo fortsetzen und damit die Kapazität ihrer
Streitkräfte gegenüber einem weiten Bereich von Zielen verbessern werden ...
Unter den gegenwärtigen Umständen ... sind wir der Überzeugung, daß wir
über eine ausreichende strategische Offensivstreitmacht verfügen. Selbst
nach einem gut koordinierten Überraschungsangriff könnten die Vereinigten
Staaten (wenn notwendig) mit ausreichender Macht zurückschlagen, um ihren
Gegner als moderne, funktionsfähige Gesellschaft zu vernichten. ...
Gleichzeitig erhalten ausgewählte Teile unserer Offensivstreitkräfte
die notwendige Flexibilität, um auf unterschiedlichere Angriffe reagieren
zu können. Es wächst nicht nur unser Inventar an vorgeplanten Optionen,
sondern wir sorgen auch für die Fähigkeiten der Zielumdisponierung und der
Befehlseinrichtungen, um rasch auf unvorhergesehene Ereignisse reagieren zu
können. Keine feindliche und verantwortungslose Macht kann davon ausgehen,
daß unsere Hände gebunden wären, weil wir etwa nur die Wahl hätten, auf
einen begrenzten Nuklearangriff mit Tatenlosigkeit oder dem Inferno zu
reagieren
Dieses
- 11 -

�Dieses Maß an Flexibilität, das die Abschreckung stärkt und ausweitet,
schließt notwendigerweise die Option und die Fähigkeit ein, einen genauen
Schlag gegen militärische Ziele, einschließlich einiger befestigter Anlagen,
zu führen.

Es erlaubt jedoch keine entwaffnende Erstschlagkapazität gegen

die UdSSR.

Ein solches Ziel wäre gegenwärtig ohnehin nicht zu erreichen, da

die Sowjets selbst eine Triade von Offensivstreitkräften aufrechterhalten -*
zusammen mit massiven aktiven strategischen Verteidigungsstreitkräften die die Möglichkeit eines erfolgreichen gleichzeitigen Angriffs auf alle
drei Streitkräfte ausschließt.
Wir können eine solche Politik nicht nur deshalb verfolgen, weil
jederman in der Welt weiß, daß wir keine agressiven Absichten hegen,
sondern auch weil unsere Primärkapazität für einen Zweitschlag gegen
wirtschaftliche und andere Ziele gegenwärtig garantiert ist.

Genau aus

diesen Gründen sind unsere strategischen Nuklearstreitkräfte in etwa
gleichwertig mit denen der UdSSR
Ob diese grundlegende Gleichwertigkeit während des nächsten Jahrzehnts
anhalten wird, ist eine der schwerwiegendsten Fragen, vor der wir in unseren
Entscheidungen über unsere strategischen Nukleärprogramme stehen. Wir
müssen jetzt die Modernisierungsprogramme der Streitkräfte vorantreiben, die
die Aufrechterhaltung eines strategischen Gleichgewichts für die Zukunft
gewährleisten und damit unsere Ziele bei den SALT-Verhandlungen unterstützen. Die Schwierigkeiten, die wir in diesem Zusammenhang erwarten, sind
von besonderer Bedeutung.
Die erste Schwierigkeit besteht darin, daß unsere Streitmacht an
schweren Bombern und nukleargetriebenen Raketen-Unterseebooten veraltet.
Die Programme für die B-l und die Trident bieten uns eine gesunde Grundlage
für die Modernisierung dieser beiden wesentlichen Bestandteile unserer
strategischen Triade.
Die zweite Schwierigkeit ist schwerwiegender.

- 12 -

Die gegenwärtig im Gang

�Gang befindliche Modernisierung der sowjetischen InterkontinentalraketenStreitmacht erhöht die Verwundbarkeit unserer Interkontinentalraketen vom
Typ Minuteman.

Wir würden es vorziehen, jede Gefährdung beider Interkon-

tinentalraketen-Streitkräfte durch gegenseitiges Übereinkommen auszuschalten.

Wenn uns das jedoch nicht gelingt, dann müssen wir uns ent-

scheiden, was wir hinsichtlich der Minuteman-Raketen tun werden.

Eine

der auf den ersten Blick verlockendsten Optionen wäre, festeingebaute, harte
Interkontinentalraketen ohne Ersatz außer Dienst zu stellen.

Das würde

jedoch die Verwundbarkeit unserer anderen Streitkräfte erhöhen und uns der
exakten Leitfunktionen, Zielumdisponierung und Treffsicherheit berauben, die
so wichtige Eigenschaften der Minuteman sind.

Wir würden damit die Mittel

und Möglichkeiten der Reaktion auf begrenztere Nuklearangriffe, die wir
einkalkulieren müssen, verringern, und unser Abschreckungsschirm wäre
weniger vollständig

Allgemeine Streitkräfte:
Unsere allgemeinen Mehrzweckstreitkräfte brauchen nicht so eng nach
ihrem Gegenstück in der UdSSR ausgerichtet zu sein, wie unsere strategischen
Nuklearstreitkräfte. Das liegt zum Teil daran, daß unsere Verbündeten
große nichtnukleare Beiträge leisten. Es liegt aber auch daran, daß die
Sowjets gegenwärtig einen beträchtlichen Teil ihrer Mehrzweckstreitkräfte
auf die Volksrepublik China hin orientieren, Wir konzentrieren uns daher
auf die Aufrechterhaltung zweier starker Hauntdislozierungspunkte außerhalb
der westlichen Hemisphäre - in Mitteleuropa und in Nordostasien - und auf
unsere Fähigkeit, im Zusammenwirken mit Verbündeten eine vorgeschobene
Verteidigungslinie gegen einen großen Angriff auf dem einen oder anderen
Kriegsschauplatz zu halten
Wir sind der Auffassung, daß einem konventionellen Angriff mit
konventionellen Mitteln entgegengetreten werden sollte, daß wir jedoch auch
eine nukleare Gefechtsfeldkapazität zur Unterstützung aufrechterhalten
sollten - nicht als Ersatz für nichtnukleare Streitkräfte

sondern als

Abschreckung vor dem Einsatz von Kernwaffen und als ein Schutzwall gegen
- 13 -

�gegen ein Versagen unserer konventionellen Verteidigung ...
Es ist wesentlich, daß wir sowohl in Europa als auch in Nordostasien
Positionen der Stärke aufrechterhalten»

Da die beiden großen Schauplätze

von fundamentaler Bedeutung für die Sicherheit der Vereinigten Staaten sind,
müssen wir starke Mehrzweckstreitkräfte zur Verfügung haben, um einen
größerei Ernstfall zusammen mit anderen auf zumindest einem dieser Schauplätze begegnen zu können, während wir zur Aufrechterhaltung einer VorneVerteidigung auf dem anderen beitragen.

Da wir jedoch den Einsatz von

Mehrzweckstreitkräften auf anderen Schauplätzen und für andere Zwecke nicht
ausschließen können, muß das Grundziel unserer Planung darin bestehen, die
Streitmacht zur Abschreckung vor einem großen nichtnuklearen Konflikt zu
stellen, und im Rahmen dieses Prozesses die Flexibilität zu gewinnen, mit
Ernstfällen geringeren Ausmaßes fertig werden zu können....
Obwohl unsere See- und Landungsstreitkräfte uns mit einer gewaltigen
Reichweite und Flexibilität ausstatten, müssen wir in erster Linie im
Zusammenhang mit einem Ernstfall in Europa bemessen, inwieweit sie ausreichen,, Es muß auch unterstrichen werden, daß ein Krieg in Europa sich
auf andere Gebiete ausdehnen könnte, und daß wir, selbst wenn die tatsächlichen Kampfhandlungen enger begrenzt wären, uns auch um den Schutz
der Seewege nach Nordostasien kümmern und gegen die sowjetische Pazifikflotte
Wache halten und den Zugang zum Persischen Golf gewährleisten müßten.
Diese Aufgaben verlangen viel von uns, wir sind jedoch der Überzeugung,
daß die kombinierten amerikanischen jnd alliierten Seestreitkräfte sie
gegenwärtig erfüllen könnten. Nach unserer Beurteilung dürften unsere
Streitkräfte ihren Gegenspielern in der Sowjetunion und im gesamten
Warschauer Pakt zumindest gleichwertig bleiben. Die sowjetische Marine
unterhält mit Überwasserschiffen, Unterseebooten und Langstreckenflugzeugen
weiterhin eine starke Verteidigung des russischen Territoriums und der
anlegenden Gewässer gegen seegestützte taktische Luft- und Landungsstreitkräfte, Sie baut weiterhin ihr Potential aus, die amerikanische und

- 14 -

�und alliierte Schiffahrt zu unterbinden.
Auch wenn die NATO wahrscheinlich bei einem Seekrieg qroße Verluste
hinnehmen müßte, so wären diese Verluste - soweit wir das sagen können doch nicht prohibitiv, und die Auswirkung auf unsere eigene Kampfkraft wäre
zwar ernst, jedoch nicht lähmend. Die vorhandenen amerikanischen und
alliierten Seestreitkräfte dürften in der Lage sein, den Unterseebooten und
Überwasserschiffen des Gegners schwere Verluste zuzufügen und innerhalb
eines annehmbaren Zeitraums die volle Kontrolle der Seewege im Atlantik
und im Pazifik wiederzugewinnen.

- 15 -

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2/1976

DER WIRTSCHAFTSBERICHT PRÄSIDENT FORDS
- Wortlaut -

Präsident Ford hat dem amerikanischen Kongreß
am 26. Januar seinen Wirtschaftsbericht vorgelegt, der einen Rückblick auf die wirtschaftlichen Entwicklungen des letzten Jahres und
einen Ausblick auf die Wirtschaftspolitik der
USA im neuen Jahr gibt. Den Ausführungen des
Präsidenten ist der Bericht des Wirtschaftsbeirates beigefügt, der an Hand von zahlreichen Tabellen und Statistiken ein umfassendes Bild von der gegenwärtigen Lage der amerikanischen Wirtschaft gibt. Der Bericht des
Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Zu Beginn des Jahres 1976 sieht sich die amerikanische Bevölkerung
immer noch mit ihren beiden größten persönlichen Sorgen konfrontiert: Inflation und Arbeitslosigkeit. So berechtigt diese Besorgnis auch ist, so dürfen
wir es doch nicht zulassen, daß sie den im letzten Jahr erzielten echten Fortschritt überschattet. Die grundlegende Tatsache in unserer Wirtschaft ist, daß
sie ganz stetig immer mehr gesundet. Meine Politik für 1976 ist darauf abgestellt, daß wir uns auf diesem Weg nach oben weiter voranbewegen.
Vor einem Jahr stand die Wirtschaft mitten in einer ernsten Rezession,
und es war kein baldiges Ende in Sicht.

Ganz ungewöhnlich starke inflatio-

�inflationistische Kräfte begannen gerade erst nachzulassen und die Aussichten,
der Arbeitslosigkeit Einhalt zu gebieten, waren nicht gerade gut.
Es ist heute klar, daß wir einen beachtlichen Fortschritt erzielt haben.
Die schwerste Rezession seit Ende des Zweiten Weltkrieges hat die Talsohle im
Frühjahr des letzten Jahres durchschritten und eine wesentliche Wiedererholung
ist jetzt im Gange.

Im Dezember standen 85,4 Millionen Amerikaner in Arbeit,

1,3 Millionen mehr als im März 1975.

Obwohl die Arbeitslosenrate noch immer

viel zu hoch ist, beginnt sie sich langsam in der richtigen Richtung zu bewegen.

Wir haben ebenfalls bedeutende Fortschritte bei der Verringerung der In-

flationsrate gemacht.

Die Zunahme des Indexes der Verbraucherpreise von De-

zember 1974 bis Dezember 1975 betrug 7 Prozent - ein Rückgang gegenüber einer
Rate von über 12 Prozent in den vorangegangenen 12 Monaten.
Bei einem Blick zurück auf 1975 sollte man auch an die große Zahl potentiell ernster Wirtschaftsprobleme denken, die sich nicht materialisiert
haben. Die von einigen vorausgesagte Finanzkrise trat nicht ein. Die Rezession wettete sich nicht zu einer kumulierenden Depression aus. Es gab keinen
Zusammenbruch des internationalen Handels und der internationalen Investitionen. Der Brotpreis ist niemals auf einen Dollar angestiegen, genausowenig
wie der Benzinpreis. Wir haben keinerlei störende soziale Unruhen als Folge
unserer wirtschaftlichen Schwierigkeiten erlebt. Wenn wir auch die Entwicklungen des Jahres 1975, gleichgültig nach welchem Maßstab wir sie messen,
nicht als voll befriedigend betrachten, so sollten wir es doch beruhigend finden, daß unser Wirtschaftssystem ernsten Belastungen standgehalten und in
diesem Jahr eine innere Stärke gezeigt hat. Ich bin zuversichtlich, daß wir
für die Zukunft mit einer verantwortungsbewußten und richtigen Politik einen
stetigen wirtschaftlichen Fortschritt erreichen können.
Leider gibt es keine einfache Formel - und auch keine Einzelmaßnahme -,
die schnell eine volle wirtschaftliche Gesundung herbeiführen kann. Es dauerte
mehrere Jahre, um durch starke überhitzung zusammen mit Schocks von außen,
wie die Verfünffachung des internationalen ölpreises, die wirtschaftlichen

�wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Jahre 1974 und 1975 heraufzubeschwören,
und es wird mehrere Jahre dauern, bis eine gesunde Politik ein stetiges
nicht-inflationistisches Wachstum wieder erreichen kann. Wir müssen die
Stärke der amerikanischen Wirtschaft so rasch, wie wir dies können, wieder
herstellen; aber dabei dürfen wir nicht die Gefahren einer Wiederbelebung
der inflationistischen Kräfte ignorieren, denn eine ungezügelte Inflation
schließt stetiges Wachstum und Vollbeschäftigung aus. Die Ereignisse der
letzten Jahre haben erneut überzeugend demonstriert, daß eine galoppierende
Inflation zu Instabilität und Zerrüttung führt, Arbeitslosigkeit mit sich
bringt und schließlich jeden echten Wohlstand unmöglich macht.
Es ist oftmals gesagt worden, daß wir uns zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit entscheiden müßten, und daß der einzige Weg zu einem Abbau der Arbeitslosigkeit darin besteht, eine chronische Inflation oder starre Kontrollen
zu akzeptieren. Ich weise diese Ansichten zurück. Inflation und Arbeitslosigkeit sind keine Gegensätze, sondern verwandte Symptome einer ungesunden
Volkswirtschaft. Die letzten Monate des Jahres 1974 zeigen, welche Beziehungen zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit bestehen. Scharf anziehende
Preise schufen eine Atmosphäre der Unsicherheit und waren zum Teil die Ursache dafür, daß die Kaufkraft der auf Sparkonten oder in Investmentanteilen
angelegten Gelder der Verbraucher so stark zurückging. Dies wiederum führte
dazu, daß die Verbraucher ihre Ausgaben einschränkten. Und die Folge davon
war, daß die durch spekulative Kaufe aufgeblähten Lagerbestände den Markt
blockierten. In den ersten Monaten des Jahres 197E führte dies zu scharfen
Einschränkungen bei Produktion und Beschäftigtenstand. So hat die Inflation
wesentlich zu einem Rückgang der Beschäftigung beigetragen, und sollte es
zu einer neuen Inflationsrunde kommen, so dürfte diese noch mehr Arbeitslosigkeit bringen. Eine chronisch hohe Arbeitslosigkeit ist eine Vergeudung menschlicher Hilfsquellen, die nicht hingenommen werden darf, und führt zu einem
Rückgang der Gütererzeugung, der nicht mehr tragbar ist. Es ist ganz klar,
wir müssen gegen Inflation und Arbeitslosigkeit gleichzeitig vorgehen; unsere
Politik muß ausgewogen sein. Mein Wirtschaftsprocramm für 1976 hat drei
Teile: 1.) Fortsetzung der langfristigen Bemühungen um eine Wiederbelebung

- 3 -

�Wiederbelebung der amerikanischen Wirtschaft;

2.) Durchführung der zahl-

reichen Programme, die notwendig sind, um für die Arbeitslosen während des
Übergangs zu einer gesunden Wirtschaft Erleichterung zu schaffen; und 3.)
Ausschaltung aller Regierungsmaßnahmen und -institutionen, die einer Flexibilität der Preise und einem dynamischen Wettbewerb im Wege stehen.
I. Mein wirtschaftliches Hauptziel ist die Schaffung einer Atmosphäre
für die Wirtschaft, in der ein stetiges nicht-inflationäres Wachstum erreicht
werden kann.
Solange die privaten Ausgaben niedrig sind, kann die Regierung durchaus
die privaten Spargelder absorbieren, und der Wirtschaft einen fiskalischen
Anreiz geben. Auf lange Sicht jedoch ist eine kräftige und stetige Steigerung
des Wohlstandes nur möglich, wenn wir einen dynamischen privaten Sektor haben.
Meine Politik soll das langfristige Wachstum der Wirtschaft dadurch stärken,
daß sie eine Atmosphäre schafft, in der der private Sektor aufblühen kann.
Um unsere langfristigen Ziele - Vollbeschäftigung und nicht-inflationistisches
Wachstum - zu erreichen, ist eine verstärkte Kapitalbildung notwendig. Obwohl
es bei den industriellen Kapazitäten im Augenblick keinerlei Engpaß gibt, erfordern zahlreiche unserer derzeitigen Prioritäten - um auf dem Energiesektor
unabhängig zu werden, um die Umwelt zu verbessern, um mehr Arbeitsplätze zu
schaffen und um unseren Lebensstandard zu erhöhen - vermehrte Investitionen.
Dies bedeutet, daß der Anteil der Wirtschaftsinvestitionen in Anlagen und
Ausrüstungen am Bruttosozialprodukt steigen muß. Wir müssen ferner das Anwachsen der Bundesausgaben in den unmittelbar vor uns liegenden Jahren verlangsamen, damit nicht die zunehmende Beanspruchung unserer wirtschaftlichen
Hilfsquellen durch die Bundesregierung einen ausreichenden Fluß von Spargeldern
in die Kapitalinvestitionen verhindert.

Daher empfehle ich, daß die Einsparungen im Haushalt über Steuersenkungen
an die amerikanischen Steuerzahler weitergegeben werden.

Ich habe eine jähr-

liche Steuersenkung von 28 Milliarden Dollar gemessen am Stand von 1974 mit
Wirkung vom 1. Juli 1976 vorgeschlagen.

Wenn wir uns in den kommenden Jahren

�Jahren weiterhin der Zurückhaltung bei den Haushaltsausgaben befleißigen,
wie ich sie vorschlage, wird eine erneute große Steuersenkung 1979 möglich
sein.

Ich bin der Überzeugung, daß der einzelne Arbeitnehmer ein Recht hat,

sein Geld für die Güter und Dienstleistungen auszugeben, die er haben möchte,
und nicht dafür, daß die Regierung über die Verfügung seines Einkommens noch
stärkere Kontrolle gewinnt.
II. Leider braucht e^ne vclle Wiedererholung der Wirtschaft Zeit. Ein
zu rasches Wachstum könnte zu einen; erneuten Aufleben der Inflation führen,
sodaß es schließlich in sich selbst zusammenbrechen würde. In der Zwischenzeit müssen wir an die denken, die ihre Arbeitsplätze verloren haben oder
die einer. Verlust ihrer gegenwärtigen Arbeitsplätze befürchten. Zwar kann
das Problem der Arbeitslosigkeit nur durch Wiederherstellung der grundlegenden
Stärke der Volkswirtschaft gelöst werden, die Härten einer Arbeitslosigkeit
uro eines unsicheren Arbeitsplatzes erfordern jedoch sofortiges Handeln. Im
Dezember 1974 und in ;iärz 1975 habe ich zwei wichtige Gesetze unterzeichnet,
durch die die Dauer der Arbeitslosenversicherung und der Kreis der Begünstigten erweitert werden. Diese Änderungen haben die finanzielle Eelastung für
die 3,6 Millionen Amerikaner gemildert, die einen Teil des letzten Jahres arbeitslos waren. Die Programne in meinem Haushalt für das Finanzjahr 1977
werden 3,6 Millionen Amerikanern Möglichkeiten für eine Ausbildung und eine
Beschäftigung bieten.
Diese Hilfen für die Arbeitslosen sollten nur als vorübergehende Lösung
betrachtet werden.

Sie sind kein Ersatz für einen produktiven Arbeitsplatz

in der Privatwirtschaft.

Der einzige Weg zur Schaffung solcher Arbeitsplätze

ist die Wiederherstellung der Lebensfähigkeit der privaten Industrie, die heute
fünf von sechs amerikanischen Arbeitnehmern beschäftigt.
III. Ein Erfolg bei der Förderung eines gesunden Wirtschaftswachstums und
einer dynamischen Privatwirtschaft hängt weitgehend davon ab, daß Regierung
und staatliche Institutionen alles unterlassen, was den Wettbewerb beeinträchtigt.

Das amerikanische System hat sich bei der Organisation der Produktion
- 5 -

�Produktion sowie der Förderung des wirtschaftlichen Fortschritts schon immer
des Wettbewerbs bedient. Die Regierung hat jedoch durch Kontrolle von Preisen
und Qualität der Dienstleistungen Unzulänglichkeiten beim Wettbewerb zu korrigieren versucht.

Dieser Versuch war alles andere als ein voller Erfolg.

Sol-

che Kontrollen waren nützlich, um dem Preisgebaren bestimmter Monopole Grenzen
zu setzen und das Wachstum neuer Industrien zu fördern, wie die Flugzeugindustrie in den vierziger und fünfziger Jahren. Sie haben ebenfalls dazu beigetragen, sicherzustellen, daß solchen öffentlich verkündeten sozialen Zielen
wie reine Luft und sichere Arbeitsbedingungen entsprochen wird.

Aber in ver-

schiedenen Industrien wurden solche Kontrollen auch dazu benutzt, das Wachstum
etablierter Firmen zu schützen und zu unterstützen, statt den Wettbewerb zu
fördern.
Im Laufe der Jahre hatten die von der Regierung erlassenen Kontrollen
zahlreiche weitere unerwünschte Nebenwirkungen. Es wurde nicht nur in vielen
Fällen der Wettbewerb eingeschränkt, sondern den betroffenen Firmen wurden
auch große Belastungen auferlegt, die zu einem Anstieg der Produktionskosten
und der Verbraucherpreise führten.
Der immer schärfere Wettbewerb auf den Weltmärkten und die Notwendigkeit
einer Aufrechterhaltung und Anhebung des Lebensstandards einer wachsenden Bevölkerung erfordern eine ständige Verbesserung des amerikanischen Vermarktungssystems. Aus diesem Grunde habe ich den Kongreß um Verabschiedung grundlegender Änderungen in unseren Gesetzen für die Eisenbahnen, die Luftfahrtgesellschaften und das Transportgewerbe ersucht. Auf Grund dieser Änderungen werden
diese Gesellschaften künftig flexibler den Gegebenheiten des Marktes entsprechen können. Ich habe ferner die Freigabe der Preise für Erdgas gefordert
und für die Erdölindustrie und die Energieversorgungsunternehmen die erforderliche größere Flexibilität bei der Preisgestaltung angestrebt. Wir werden
die erforderlichen Schutzmaßnahmen auf dem Gebiet des öffentlichen Gesundheitswesens und der Sicherheit weiter verbessern, gleichzeitig aber jede unnötige
Kostenerhöhung für die Öffentlichkeit zu vermeiden suchen. Mein Ziel ist es,
eine bessere Kombination von Wettbewerb auf dem Markt und verantwortungsbewußter Kontrolle seitens der Regierung zu erreichen. Das von mir in der. letzten
- 6 -

�letzten Monaten vorgelegte Programm hat ein solches Gleichgewicht zum Ziel
und ich werde 1976 auf diesem Weg weiter fortfahren.
Die Verwirklichung eines solchen neuen regulierenden Gleichgewichts
wird voraussichtlich während einer Übergangszeit gewisse wirtschaftliche
und soziale Kosten mit sich bringen, und die Änderungen müssen daher sorgfältig abgestuft werden.

Auf lange Sicht jedoch wird ein dynamisches Ver-

marktungssystem für die Bevölkerung wesentliche Vorteile, unter anderem auch
niedrigere Preise, bringen.
Obwohl unsere Politik sich in erster Linie auf die amerikanische Wirtschaft konzentriert, sind wir uns jedoch auch klar darüber, daß unsere Interessenbereiche nicht an unseren Küsten ender,. Die anderen großen Länder der
Welt erleben gegenwärtig ebenfalls eine Wiedererholung von der schwersten Rezession, die sie seit den dreißiger Jahren erlitter; haben. Für sie - wie
für uns - ist auf wirtschaftlichem Gebiet oberste Priorität, ihre Wirtschaft
wieder auf einen sich selbst tragenden, nicht-inflationistischer VJachstumskurs
zurückzuführen. Ein Erfolg bei diesen Bemühungen wird mehr als alles andere
den Industriestaaten wie auch den Entwicklungsländern helfen, einer, höheren
Lebensstandard zu erreichen.
In den letzten Jahren hatten die Volkswirtschaften der meisten Länder
unter ungewöhnlich hohen Inflationsraten zu leiden, die zu einem großen Teil
auf die Verfünffachung des internationalen Erdölpreises zurückzuführen waren;
und dann glitten sie in eine schwere Rezession. Die Gleichzeitigkeit dieses
Vorganges zeigt erneut die starke Interdenenc'enz der Volkswirtschaften der
Welt. Die einzelnen Länder sind immer stärker voneinander abhängig geworden,
je v.ehr ein freierer Fluß von Güterr,s Dienstleistungen und Kapital zu größerem
Wohlstand überall auf der Welt geführt hat. Auf Grund dieser wachsenden Interdependenz lassen sich jedoch die innenpolitischen Ziele nicht wirksam erreichen 3 es sei denn, wir tragen auch den wirtschaftlichen Veränderungen und
cien politischen Zielsetzungen in anderen Ländern Rechnung.
Ancesichts
- 7 -

�Angesichts unserer wachsenden Interdependenz habe ich mich eingehend
mit den Chefs der anderen Regierungen, einzeln und mit allen zusammen, beraten.

Auf dem Wirtschaftsgipfel in Rambouillet im November letzten Jahres

bin ich mit den Regierungschefs von fünf anderen großen Industriestaaten zusammengetroffen.

Dort haben wir die Grundlagen für eine engere Abstimmung

und engere Konsultationen auf wirtschaftspolitischem Gebiet gelegt.

Im

Jahre 1975 haben wir ferner Gespräche über eine internationale Zusammenarbeit
sowohl mit den Industriestaaten als auch mit den Entwicklungsländern aufgenommen.

Dieser Dialog wird zu einem besseren gegenseitigen Verständnis un-

serer Probleme und unserer Bestrebungen führen.

Schließlich habe ich mit

meinen ausländischen Kollegen vereinbart, daß wir zur Schaffung der richtigen
Voraussetzungen für ein dauerhaftes und stabiles Wachstum wichtige kooperative
Schritte auf den Gebieten der Währungen, des Handels und der Energie unternehmen müssen.

Wir haben unsere maßgebenden, für Handelsfragen zuständigen

Beamten angewiesen, auf einen baldigen Abschluß der gegenwärtig andauernden
Verhandlungen über eine Liberalisierung des Handels hinzuarbeiten.

In diesem

Monat haben wir auf Jamaica bedeutsame Abkommen über eine Stärkung des internationalen Währungssystems sowie über die Gewährung vermehrter Hilfe an die
Entwicklungsländer erreicht.

Wir haben ferner eine engere Zusammenarbeit

mit den erdölverbrauchenden Ländern aufgenommen, um weniger abhängig von importierter Energie zu werden.

Ich beabsichtige, diesen Prozeß 1976 zu kon-

solidieren und auf ihm aufzubauen.
Von zentralem Interesse hier und im Ausland ist die amerikanische Energiepolitik. Ohne eine dynamische und wachsende Industrie zur Bereitstellung von
Energie im Inland wird ein großer Teil unserer industriellen Entwicklung in
den nächsten zehn Jahren nicht gesichert sein. Und sofern wir unsere Abhängigkeit vom Nahostöl nicht verringern können, werden wir über keine gesunde Basis für eine internationale Zusammenarbeit bei der Erschließung neuer
fossiler Brennstoffe und anderer Energiequellen verfügen.
Als einen ersten Schritt in Richtung auf eine stärkere Selbstversorgung
habe ich im Dezember 1975 das Gesetz über Energiepolitik und Energieeinsparung
unterzeichnet.

Ich sagte, daß dieses Gesetz, obwohl auf einigen Gebieten un_2
- 8 -

�unzulänglich, uns ein Werkzeug in die Hand gab, um uns unseren energiepolitischen Zielen näher zu bringen.

Nach diesem Schema darf der Erdölpreis

steigen, wenn dadurch die Versorgung aus inneramerikam'sehen Queller, gefördert und der Verbrauch eingeschränkt wird.

In vierzig Monaten kann ich dann

auf Grund des Gesetzes die Preiskontrollen alle aufheben, und ich werde die
Bestimmungen des Gesetzes so rasch wie möglich und im Einklang mit unseren
umfassenderen wirtschaftlichen Zielen nutzen, um zu einem freien Erdölmarkt
zurückzukehren.

Das Gesetz gibt eine gewisse Flexibilität, von der ich be-

reits Gebrauch gemacht habe, um Preiskontrollen und Zuteilungsvereinbarungen
auf solchen Brennstoffmärkten abzubauen, auf denen keinerlei Verknappungen
bestehen.

Das Gesetz schafft ferner eine nationale strategische Erdölreserve,

die unsere Energieversorgung sicherer machen und den Anreiz für andere Länder
verringern wird, ein Erdölembargo gegen uns zu verhängen.
Für unsere künftige Energieversorgung sind jedoch noch entscheidend
wichtige Maßnahmen zu verabschieden. Die Beseitigung der Kontrollen bei
Erdgas ist gegenwärtig die dringendste Energievorlage im Kongreß. Die Verknappungen nehmen von Jahr zu Jahr zu, während das Land auf weitere Anhörungen über Versorgung und Bedarf oder auf äußerst kostspielige, neue synthetische Gaswerke wartet, die die durch Preiskontrollen abgewürgte Erdgasgewinr.ung ersetzen sollen. Ich fordere den Kongreß dringend auf, die Beseitigung
der Kontrollen bei neuem Erdgas zu einer seiner ersten Aufgaben im Jahre 1976
zu machen. Das von mir vorgeschlagene Gesetz, das eine ausreichende Brennstoffversorgung für Kernkraftwerke sicherstellen soll, ist ebenfalls von entscheidender Wichtigkeit. Wenn wir unsere Energiesituation verbessern wollen,
sind diese Maßnahmen notwendig. Sie werden ebenfalls unsere Bemühungen verstärken, jede unnötige und schädliche staatliche Einmischung in die Wirtschaft
dort zu beseitigen, wo der Verbraucher durch die Marktkräfte ausreichend geschützt ist.

Vor einem Jahr habe ich erklärt: "1975 muß das Jahr werden, in dem wir
unseren wirtschaftlichen Problemen ins Auge sehen und den Weg zu echten Lö-

- 9 -

�Lösungen beginnen".

Ich bin mit dem von uns gemachten Anfang zufrieden.

Der

Weg ist lang, aber die Vorteile, die er für alle Amerikaner verheißt, sind
es wert, ihn zu beschreiten.

1976 muß ein Jahr werden, in dem wir unseren

Fortschritt in Richtung auf ein besseres Leben für alle Amerikaner fortsetzen.
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2/1976

DIE WELTWIRTSCHAFT 1976
- Auszüge aus dem Jahresbericht des US-Wirtschaftsbeirates -

Der Jahresbericht des Wirtschaftsbeirates
Präsident Fords befaßt sich in dem Kapitel
"Die Weltwirtschaft 1975" eingehend mit
den außenwirtschaftlichen Entwicklungen
des letzten Jahres. Wir bringen Ihnen im
folgenden aus diesem Kapitel die wesentlichen Teile zum Thema internationale
Währungsfragen:

Internationale Währungsfragen
Im Rahmen der umfassenderen internationalen Währungsverhandlungen haben
die Vereinigten Staaten und Frankreich während des Wirtschaftsgipfels Einvernehmen über einen gemeinsamen Standpunkt bezüglich einer Änderung der das
Wechselkurssystem betreffenden Statuten des Internationalen Währungsfonds
(IWF) erzielt. Dies hat im Januar 1976 eine Übereinstimmung im IWF-Interimsausschuß über das gesamte Änderungspaket für die IWF-Statuten erleichtert ...
Die Hauptpunkte dieses Paketes sind - neben der Änderung des die Wechselkurse
betreffenden IWF-Artikels - eine Erhöhung der Bestände des IWF an Sonderziehungsrechten um 33,6 Prozent auf 39 Milliarden, wie sie bei der sechsten
Quotenüberprüfung beschlossen worden war; die zurückgehende Bedeutung des
Goldes bei IWF-Transaktionen und bei sonstigen, auf Gold lautenden Absprachen

�Absprachen sowie die Errichtung eines Treuhandfonds zugunsten der ärmeren
IWF-Mi tgliedstaaten.
Die Übereinstimmung bei den wichtigen, im IWF bisher strittigen Fragen
trägt wesentlich dazu bei, sicherzustellen, daß die internationalen Finanzierungsvereinbarungen angesichts der anhaltenden großen Zahlungsbilanzüberschüsse der erdölexportierenden Länder ausreichen.

Wenn jetzt die wirt-

schaftliche Wiedererholung an Boden gewinnt, werden die laufenden Konten der
erdölimportierenden Länder als Gruppe stärker ins Defizit geraten.
Diese Entwicklung wird für einige Länder immer stärkere finanzielle Belastungen bringen und könnte zu einer Politik führen, die eventuell die Wieder
erholung zum Stillstand bringt oder in anderer Weise allen zum Schaden gereicht.

Es ist daher wichtig, für Sicherheiten zu sorgen, um zu verhindern,

daß unabwendbare finanzielle Schwierigkeiten durch eine international unangebrachte Politik noch vergrößert werden.

Daher kommt der kooperativen inter-

nationalen Haltung, die den im Januar 1976 erreichten Vereinbarungen zugrundeliegt, ganz besondere Bedeutung zu.
Die Übereinkunft über die Änderung der Weltwechselkursbestimmungen der
IWF-Statuten, die zuerst von den Vereinigten Staaten und Frankreich ausgearbeitet und später vom IWF-Interimausschuß angenommen worden war, erkennt an,
daß die jeweils bestehende wirtschaftliche und finanzielle Situation das Ausmaß der Wechsel kursstabilitat bestimmt, das möglich ist. Die teilnehmenden
Mitgliedstaaten erklären sich darin zu Bemühungen bereit, ihre Wirtschaftsund Finanzpolitik auf die Erreichung eines stetigen Wirtschaftswachstums bei
angemessener Preisstabilität abzustellen; sie erkennen an, daß normale wirtschaftliche und finanzielle Verhältnisse Voraussetzung für die Stabilität
sind; sie sind bereit, keine Manipulationen der Wechselkurse oder des internationalen Währungssystems vorzunehmen, um dadurch wirksame Zahlungsbilanzanpassungen zu verhindern oder sich einen unfairen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen, und sie sind gewillt, eine Wechsel kurspolitik zu verfolgen, die mit
diesen Forderungen in Einklang steht ...
Die
- 2 -

�Die Revision der Statuten würde den IWF ermächtigen, bei Billigung durch
eine Mehrheit von 85 Prozent ein System von Wechselkursvereinbarungen zu
schaffen, das auf stabilen, aber anpaßbaren Paritäten basiert, sobald die
internationalen wirtschaftlichen Bedingungen dies zulassen.

Praktisch könnte

ein solches System ohne die Zustimmung der Vereinigten Staaten nicht errichtet
werden, auf die nach den vorgeschlagenen neuen Quoten rund 20 Prozent der
Stimmen entfallen.

Was die Vereinigten Staaten anbetrifft, so wird es in

überschaubarer Zukunft für unwahrscheinlich gehalten, daß geeignete Bedingungen
für die Schaffung eines Paritätensystems oder die Festsetzung von Paritäten
und Bandbreiten gegeben sind, in denen sich der Dollarkurs bewegen müßte.

Die

Politik zielt darauf ab, stabile wirtschaftliche Bedingungen zu erreichen. Der
Fortschritt bei der Annäherung der unterschiedlichen Inflationsraten in den
verschiedenen Ländern ist langsam, und es läßt sich auch nicht sicherstellen,
daß der einmal erzielte Fortschritt von Dauer sein wird.

Schockwirkungen von

außen, denen die einzelnen Volkswirtschaften weiterhin ausgesetzt sind, fordern
ebenfalls ein beträchtliches Maß an Flexibilität des Währungssystems.

Die Interventionen der Zentralbanken werden sich auf das beschränken,
was notwendig ist, um unmäßigen Bedingungen oder ungewöhnlichen Fluktuationen
zu begegnen.

Jedes Land wird selbst darüber befinden, was eine ungewöhnliche

Fluktuation seines Wechselkurses ist.
Um das Erreichen eines international kooperativen Verhaltens auf dem Devisenmärkten zu erleichtern, n'st von französischer und von amerikanischer
Seite eine Verstärkung der Konsultationsvereinbarungen zwischen den Regierungen
und den Zentralbanken der großen Länder vorgeschlagen worden.

Mitglieder der

Zentralbanken werden täglich Informationen über die Devisenmärkte und über ihre
Interventionstätigkeit austauschen.

Vertreter der Finanzminister und der

Zentralbanken werden in kürzeren Zeitabständen die Wechselkursveränderungen
und die Interventionstätigkeiten überprüfen, und sowohl die zugrundeliegenden
wirtschaftlichen und finanztechnischen Bedingungen als auch die Auswirkungen
der Politik auf diese Bedingungen erörtern.

Auf Grund ihrer Vereinbarungen

wird es vielleicht zu häufigeren Interventionen als in der Vergangenheit kommen.
- 3 -

Wichtig
*

�Wichtig ist jedoch vor allem, daß Entscheidungen über Interventionen
auf den Devisenmärkten künftig auf besseren Informationen beruhen werden,
und daß sich auch ein wachsendes Verständnis dafür entwickeln wird, daß
ein Beeinflussen der Wechselkurse, nicht aber der Wirtschaft, zur Entwicklung eines Ungleichgewichts und damit zur Fehlleitung der Hilfsquellen führen
könnte ...
Die Goldvereinbarungen zeigen, daß das vereinbarte Ziel, die Rolle des
Goldes im internationalen Währungssystem abzubauen, allgemein akzeptiert
worden ist.

Darüber hinaus dürfte das Gold - im Zusammenhang mit dem vorge-

sehenen Verkauf eines Teils der IWF-Goldbestände zur Finanzierung des Treuhandfonds - ganz allmählich aus dem Währungssystem in private Hände übergehen.
Einige Beobachter haben behauptet, daß diese neuen Vereinbarungen zu
einer Neubewertung der offiziellen Goldbestände, etwa auf einen marktgerechten Preis, führen oder eine häufigere Verwendung von Gold für einen Ausgleich
zwischen den Zentralbanken fördern würde.
Es ist weiter gesagt worden, daß dies - zusammen mit dem Transfer von
IWF-Gold an die Mitgliedstaaten - dazu führen wird, daß die großen Länder
über höhere Goldbestände verfügen und damit auch über eine höhere Liquidität,
und daß dies möglicherweise dann den weltweiten inflationistischen Druck erhöhen und so die Möglichkeit verringern würde, daß weitere Zuteilungen von
IWF-Sonderziehungsrechten gebilligt werden.
Die Zentralbanken haben jedoch seit einiger Zeit die Möglichkeit gehabt,
ihre Goldbestände auf dem freien Markt zu verkaufen, oder diese Bestände zu
marktgerechten Preisen zu bewerten. Nur eine ausländische Zentralbank hat
tatsächlich ihre Goldbestände aufgewertet, und es liegt kein Hinweis dafür
vor, daß andere Zentralbanken dies ebenfalls zu tun beabsichtigen. Darüber
hinaus besteht auch kein Grund zu der Annahme, daß die Vereinbarungen zu beträchtlichen Goldtransaktionen zwischen den Währungsbehörden führen werden.
Tatsächlich sollten diese Vereinbarungen durch Aufhebung des offiziellen Gold-

�Goldpreises für den IWF, durch Verstärkung der Aussicht auf künftige Verkäufe
staatlicher Goldbestände auf dem freien Markt und durch die Festlegung vorübergehender Bestimmungen gegen eine Preisstützung vor einer weit verbreiteten
Neubewertung der offiziellen Goldbestände entmutigen und die mit Transaktionen
zwischen den Währungsbehörden verbundenen Risiken erhöhen.
Wenn die Bedeutung des Goldes für die internationalen staatlichen Transaktionen jetzt zurückgeht, so verringert sich auch die Gefahr, daß einige
Währungsbehörden den Goldpreis zu stabilisieren versuchen könnten. Außerdem
würden Währungsbehörden, die den Goldpreis - trotz der entgegengesetzten Vereinbarung zwischen den großen Ländern - zu stützen versuchen, feststellen, daß
sich ein solcher Versuch als außerordentlich kostspielig erweisen könnte, was
die für derartige Operationen erforderlichen Devisenguthaben anbetrifft. Die
Kosten würden umso höher sein, je kleiner die Zahl der Beteiligten ist.
Schließlich hat die Kreditausweitung auf der Welt während der letzten
Jahre es unwahrscheinlich werden lassen, daß neue IWF-Sonderziehungsrechte in
naher Zukunft ausgegeben werden.

Daher ist auch die Restitutionsbestimmung

von einigen Entwicklungsländern begrüßt worden, die 28 Prozent (ihr Quotenanteil) des zur Verteilung gelangenden Betrages erhalten werden.

Weiter ermög-

lichen die Goldvereinbarungen die Errichtung eines Treuhandfonds, der von entscheidender Bedeutung für die ärmsten Entwicklungsländer ist - vor allem
jetzt, wo die ölfazilität des IWF ausläuft.
Ferner wird eine große Zahl von Entwicklungsländern keinen nominellen
Beitrag zu dem Treuhandfonds leisten, dagegen jedoch den Gewinnanteil an den
IWF-Goldverkäufen direkt erhalten, der ihrem Quotenanteil im Treuhandfonds entspricht. Somit werden von den 25 Millionen Unzen IWF-Gold, die zum Verkauf
gelangen, die Gewinne, die auf etwa sechs bis sieben Millionen Unzen entfallen,
direkt an die Entwicklungsländer gehen und die Gewinne bei den restlichen 18
bis 19 Millionen Unzen werden dem Treuhandfonds zukommen ...
r

&gt;ie

- 5 -

�Die gegenwärtige finanzielle Lage der Entwicklungsländer, die über kein
Erdöl verfügen
Die Schwierigkeiten, die sich für die Entwicklungsländer bei der Anpassung an die höheren ölpreise ergeben, sind noch durch das Ausmaß der Rezession
vergrößert worden, zu der die Erhöhung der ülpreise selbst beigetragen hat.
Bisher konnte die Finanzierung der großen Zahlungsbilanzdefizite seit 1973
in den Entwicklungsländern, die über kein Erdöl verfügen, mit wesentlich geringeren Anspannungen bewerkstelligt werden, als ursprünglich befürchtet worden war ...

Das Gesamtdefizit bei Gütern und Dienstleistungen wird für diese

Entwicklungsländer für 1975 auf etwa 35 Milliarden Dollar veranschlagt.

Der

Gesamtfinanzierungsbedarf würde sich jedoch in einer Größenordnung zwischen 40
und 45 Milliarden Dollar bewegen, da noch die planmäßige Schuldentilgung hinzukommt.
Dieser Finanzierungsbedarf wurde zum Teil über staatliche Hilfe wie auch
über Finanzierungsmöglichkeiten gedeckt, die die IWF-Ölfazilitat bot. Bis
Mitte 1975 konnten die meisten Entwicklungsländer den Restbedarf ohne größere
Rückgriffe auf ihre Haupthilfsquellen abdecken. Die Reserven, die in den
Jahren 1972 bis 1973 durch die Rohstoffinflation wesentlich gestiegen waren,
und die normalen IWF-Ressourcen wurden nicht in erheblichem Maße angegriffen.
Neben der staatlichen Hilfe waren Bank- und Handelskredite die Hauptfinanzierungsquellen - ein Zeichen dafür, daß ein großer Teil dieser Länder nach
Ansicht privater Geldgeber weiter kreditwürdig war. Zahlreiche Entwicklungslänger bevorzugten Bankkredite, weil ein Rückgang ihrer eigenen Reserven oder
ihrer Reserven beim IWF ihre Kreditwürdigkeit hätte beeinträchtigen können.
1976 könnte sich die Gesamtposition der Entwicklungsländer, die über
kein eigenes Erdöl verfügen, erstmals verbessern.

Die Rezession hat dazu ge-

führt, daß die Außenbilanzen der Industriestaaten 1975 nach hohen Defiziten
wieder Überschüsse aufwiesen.

Und entsprechend diesen Veränderungen ver-

schlechterten sich die ZahlungsbilanzDositionen der Entwicklungsländer.

1976

sollte sich diese Entwicklung, wenn die Wiedererholung weiter voranschreitet,
zu einem Teil wieder ändern ...
Die

�Die Importe

(der nicht ölexportierenden Entwicklungsländer)

1976 wenig, wenn überhaupt irgendein, Wachstum zeigen.

dürften

Daher dürfte der Fi-

nanzierungsbedarf für dieses Jahr bei Güter- und Dienstleistungen eine Größenordnung von 30 bis 33 Milliarden Dollar, und bei Berücksichtigung der Schuldentilgung eine Größenordnung von 35 bis 40 Milliarden Dollar erreichen.

Private Stellen scheinen bereit zu sein, ihre Kredite an eine Reihe dieser Länder auszuweiten.

Obwohl ihre Schuldenlast seit 1973 nominell beträcht-

lich gestiegen ist, hat die Inflation eine Reduzierung ihrer realen Schuldenposition bewirkt.

Daher dürfte die Schuldenlast real nicht mehr zu weit ent-

fernt von dem Stand des Jahres 1972 liegen

Die Tatsache, daß Finanz-Katastrophen oder drastische Reduzierungen der
Entwicklungspläne und des Wirtschaftswachstums bei dem größeren Teil der Entwicklungsländer, die über kein Erdöl verfügen, bisher vermieden werden konnten,
bedeutet nicht, daß ihre Situation mit Gleichmut betrachtet werden kann.
finanzielle Position einiger Länder ist tatsächlich prekär.

Die

Es werden beträcht-

liche Mengen an staatlicher Hilfe benötigt, vor allem, weil ihre Probleme im
Laufe der Zeit noch schwieriger werden dürften.

Aber eine solche Hilfe sollte von der Annahme einer geeigneten Politik
abhängig gemacht werden, die es ermöglicht, das vorhandene Wachstumspotential
voll zum Tragen kommen zu lassen.

Für die anderen Länder sind die Aussichten

ermutigender, zum Teil auf Grund ihrer Natur- und Bodenschätze, zum Teil auf
Grund eines wirksameren Managements in der Binnenwirtschaft, oder auch aus anderen Gründen.

Für diese Länder dürfte die bereits eingeleitete Erhöhung der

staatlichen Finanzierungsmittel neben ihrem Zugang zu privaten Finanzierungsquellen ausreichen.

Es ist jedoch klar, daß gewährleistet sein muß, daß diese

Finanzierungsmöglichkeiten auch umgehend verfügbar sind.

Die erweiterte Fazilität des IWF besteht bereits.

Diese Fazilität bietet

im Zusammenhang mit Programmen, die auf größere strukturelle Änderungen abzielen, wesentlich liberalere Finanzierungsmöglichkeiten, als dies bei den regu- 7 -

�regulären IWF-Ressourcen der Fall ist - sowohl in bezug auf die verfügbaren
Kreditbeträge wie auch auf deren Fälligkeit.

Außerdem wird der Treuhandfonds

bereits Anfang dieses Jahres seine Tätigkeit aufnehmen;

das gleiche gilt

auch für die Liberalisierung der ausgleichenden Finanzierungs- und Lagerhaitungsfazilitäten des IWF ...
Diese Fazilitäten und der erweiterte Zugang zu den regulären Ressourcen
des IWF stellen eine wichtige Sicherheit in bezug auf Finanzierungsprobleme
dar, die sich 1976 ergeben könnten.

+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Auszüge aus dem Jahresbericht des US-Verteidigungsministeriums&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rumsfeld fordert höhere Verteidigungsausgaben -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Wirtschaftsbericht Präsident Fords&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Weltwirtschaft 1976&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus dem Jahresbericht des US-Wirtschaftsbeirates -&lt;/em&gt;</text>
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4. Februar 1977

INHALT

DOKUMENTATION
Präsident Carter richtet Ansprache an die amerikanische Nation
- Auszüge aus seinem ersten "Kamingespräch" am 2. Februar HINTERGRUNDMATERIAL
Der Amtsantritt Carters: Zeremoniell und tiefere Bedeutung
von Hugh Sidey - Chef des Washingtoner Büros des Nachrichtenmagazins
"Time"
Erfolgreiche amerikanisch-sowjetische Zusammenarbeit auf dem Gebiet
des Umweltschutzes
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
VIKING-Geräte sondieren weiter
Zweite Beobachtungsphase mit neuen Projekten - Programme bis Oktober 1977
Neues Bordkontroll System schafft Raum im Cockpit

Um Uber/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Dokumentation

I 3

United States Information Service

2/1977

PRÄSIDENT CARTER RICHTET ANSPRACHE AN DIE AMERIKANISCHE NATION
Auszüge aus seinem ersten"Kamingespräch" am 2. Februar

Washington - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat sich am 2. Februar in
einer Fernsehansprache an das amerikanische Volk gewandt und darin eine Reihe
vor allem innenpolitischer - Probleme behandelt. Fs war die erste Ansprache
in einer Serie von ihm geplanter zwangloser "Kamingespräche" aus dem Weißen
Haus. Der Präsident befaßte sich mit dem aufgrund der gegenwärtigen Kältewelle in den USA besonders dringlichen Energieproblem,mit seinem Wirtschaftsprogramm, der Straffung und Reorganisation der Bundesregierung sowie mit
sozialpolitischen Fragen. Kurz ging er auch auf die amerikanische Außenpolitik ein.
Energiepolitik
Zum Energieproblem führte der Präsident unter anderem folgendes aus:
"Eines unserer dringendsten Projekte ist die Entwicklung einer nationalen
Energiepolitik. Wie ich schon im Wahlkampf erklärte, sind die Vereinigten
Staaten die einzige wichtige Industrienation ohne eine langfristige Energiepolitik.

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�T

t

Das außerordentlich kalte Wetter in diesem Winter hat unsere Vorräte an
Erdgas und Heizöl in gefährlicher Weise schwinden lassen und Hunderttausende
von Arbeitern gezwungen, ihren Arbeitsplatz zu verlassen.

Ich beglückwünsche

den Kongreß zu seiner raschen Maßnahme hinsichtlich des Erdgas-Notstandgesetzes, das heute verabschiedet und am Abend unterzeichnet wurde.
Aber das wahre Problem - die Tatsache, daß wir nicht für die Zukunft
planten oder die Energieeinsparung nicht ernst nahmen - begann schon lange
vor diesem Winter, und um es zu lösen, wird eine längere Zeit notwendig
sein.

Ich bin mir darüber im klaren, daß viele von Ihnen nicht geglaubt

haben, daß wir wirklich ein Energieproblem haben.

Aber dieser Winter hat

uns allen klargemacht, daß wir handeln müssen.
Der Kongreß hat bereits zahlreiche Vorbereitungen für eine Energie-Gesetzgebung getroffen.

Der Energieberater des Präsidenten, Dr. James

Schlesinger, ist dabei, die Bemühungen um die Entwicklung einer nationalen
Energiepolitik zu leiten.

Das geht zahlreiche Gruppen von Amerikanern an.

Bis zum 20. April werden wir die Planung?" für unser Energieprogramm abgeschlossen haben und den Kongreß dann um seine Mithilfe bei der Verabschiedung
einer verantwortungsbewußten Gesetzgebung ersuchen.
Unser Programm wird den Nachdruck auf Einsparungen legen. Was jetzt an
Energie verschwendet wird und eingespart werden könnte, ist mehr als die
Gesamtenergiemenge, die wir jetzt aus dem Ausland einführen. Wir werden
ferner Nachdruck auf die Erschließung unserer reichhaltigen Kohlereserven legen - und zwar in umweltfreundlicher Weise -, die Forschung in bezug auf
die Sonnenenergie und andere sich nicht erschöpfende Energiequellen vorantreiben und strikte Sicherheitsbestimmungen für die notwendige Erzeugung von
Atomenergie aufrechterhalten.
Die Verantwortung für die Gestaltung der Energiepolitik ist derzeit unter
über 50 verschiedenen Behörden, Ministerien und Regierungsdienststellen aufgeteilt.

Ich werde noch in diesem Monat den Kongreß um seine Unterstützung

�Unterstützung ersuchen, um diese Dienststellen in einem neuen Energieministerium zusammenzufassen, um Ordnung in dieses Chaos zu bringen.
Führende Vertreter des Kongresses arbeiten schon eine ganze Zeit daran

"

Wirtschaftspolitik
über seine wirtschaftspolitischen Pläne sagte Präsident Carter wörtlich:
"Ich habe im Wahlkampf auch erklärt, daß unsere Administration alles in
ihren Kräften stehende tun würde, um wieder eine gesunde amerikanische
Wirtschaft herzustellen.
Unsere Nation ist auf dem Grundsatz der Arbeit, nicht der Wohlfahrt, der
Produktivität, nicht der Stagnation aufgebaut. Ich übernahm mein Amt jedoch
in der Mitte der schlimmsten Rezession in den letzten 40 Jahren, über 7,5
Millionen Menschen suchen Arbeit und können keine finden. Wegen der hohen
Arbeitslosigkeit und stilliegender Fabriken hat die amerikanische Durchschnittsfamilie im Jahr 1800 Dollar an Einkommen verloren, und das Steueraufkommen des Bundes liegt um 40 Milliarden Dollar niedriger als in einer
blühenden Wirtschaft.
Auch die Inflation trifft uns alle, überall im Lande müssen wir, ob wir
einen Arbeitsplatz haben oder einen suchen, uns beeilen, um mit dem
ständigen Preisanstieg Schritt zu halten.
Die Inflation trifft uns nicht bei den Luxusgütern am härtesten, sondern
beim Grundbedarf: Lebensmittel, Energie, Gesundheit, Wohnung. Sie merken es
jedesmal, wenn Sie einkaufen gehen. Ich bin mir darüber im klaren, daß
Arbeitslosigkeit und Inflation etwas ganz Reales sind und vielen amerikanischen Familien wehtun.
Nichts macht es schwerer, unserer Bevölkerung eine vernünftige Gesundheitsfürsorge, vernünftige Wohnungen und eine vernünftige Ausbildung zu
garantieren, unsere Umwelt zu schützen oder unser 7iel eines ausgewogenen
- 3 -

�r
i

ausgewogenen Haushalts zu erreichen, als eine stagnierende Wirtschaft.
Sofort nach meiner Wahl begannen die führenden Vertreter des Kongresses
und meine eigenen Berater mit mir zusammen einen Vorschlag für einen
wirtschaftlichen Wiederaufschwung auszuarbeiten.

Wir waren von dem Grundsatz

geleitet, daß jeder, der arbeiten kann, auch arbeiten soll; daß unsere
wirtschaftliche Stärke in einem gesunden, produktiven privatwirtschaftlichen
Sektor liegt; daß wir denjenigen die größte Hilfe zukommen lassen müssen,
die ihrer am meisten bedürfen; und daß es ein vorhersehbares und stetiges
Wachstum unserer Wirtschaft geben muß.
Vor zwei Tagen habe ich diesen Plan dem Kongreß unterbreitet.

Es ist ein

ausgewogener Plan mit vielen Elementen, um den vielen Ursachen unserer
wirtschaftlichen Probleme zu Leibe zu rücken.
Ein Element ist die Senkung der Steuern, r : einmalige Steuersenkung,
die für eine vierköpfige Durchschnittsfamilie mit einem Einkommen von
10 OOOüollar jährlich 200 Dollar beträgt, stellt eine 30prozentige Senkung
der diesjährigen Steuern dar.
Mein oberstes Anliegen sind Arbeitsplätze, und diese Steuererleichterungen
sind der einzige rasche und effektive Weg, Geld in die Wirtschaft zu pumpen
und diese Arbeitsplätze zu schaffen.
Gleichzeitig senken wir die Steuern auf lange Sicht, indem wir die
normale Abschreibung erhöhen, die die meisten Steuerzahler in Anspruch nehmen
können. Eine vierköpfige Familie mit einem Einkommen von 10 000 Dollar wird
bei den Steuern in den nächsten Jahren 133 Dollar - rund 20 Prozent - sparen.
Das wird ein weiterer Schritt zur Vereinfachung der Steuer sein und es
75 Prozent aller Steuerzahler ermöglichen, den normalen Frei betrag in
Anspruch zu nehmen und eine ganz einfache Steuererklärung abzugeben.

Wir

�Wir werden auch den Unternehmen Steueranreize gewähren, um sie zur
Bekämpfung der Inflation durch Ausweitung der Produktion und die Einstellung
von Arbeitssuchenden zu ermutigen.

Ich meine, es ist sinnvoller, wenn die

Regierung dazu beiträgt, daß Arbeiter ihren Arbeitsplatz behalten, als sie
zu Empfängern von Arbeitslosenunterstützung zu machen.

Ein großes

öffentliches Arbeitsprogramm wird den Bau ausgewühlter Projekte ermöglichen, d
am dringendsten nötig sind.
Dabei wird es sich nicht um Arbeitsbeschaffungsprogramme handeln.

Sie

werden von besonderem Wert für Gemeinden sein, in d°nen Haushaitskürzunqen
zu einem Abbau der öffentlichen Dienstleistungen geführt haben, und sie
werden eine Erhöhung der Gemeindesteuern abwehren helfen.
Da die Arbeitslosigkeit bei bestimmten Gruppen unseres Volkes am
schlimmsten ist - bei Jugendlichen, Behinderten und Minderheiten - werden
wir unser Ausbildungsprogramm auf diese konzentrieren.
Die höchste Dringlichkeitsstufe in unseren Berufsbildungsprogrammen
werden die jungen Teilnehmer des Vietnamkrieges erhalten. Die Arbeitslosigkeit ist unter Kriegsteilnehmern wesentlich höher als unter den anderen
Angehörigen dieser Altersgruppe, die nicht in Vietnam gedient haben. Ich
hoffe, daß die Rückführung Tausender von Veteranen in den Arbeitsprozess
ein weiterer Schritt sein wird, um die Wunden der Kriegsjahre zu heilen
und jenen zu helfen, die in den vergangenen Jahren unserem Lande geholfen
haben.
Ich bin mir darüber im klaren, daß nur ganz wenige Menschen diesen
Gesamtwirtschaftsplan für perfekt halten. Viele Gruppen würden lieber mehr
Hilfe der einen und weniger der anderen Art sehen. Ich bin jedoch überzeugt, daß es der ausgewogenste Plan ist, den wir für die wirtschaftliche
Gesundung unseres Landes insgesamt aufstellen können.

Er
- 5 -.

�Er wird ein stetiges, ausgewogenes und anhaltendes Wachstum hervorrufen.
Er läßt bei der Lösung des Arbeitslosenproblems die Inflation nicht außer
acht- und umgekehrt.

Er verlangt nicht von einer Gruppe, daß sie allein

für die anderen Opfer bringt.

Er fordert uns alle auf, mitzumachen und

unseren Anteil zu leisten, um unser Land wieder auf den Weg zur Vollbeschäftigung zu bringen.
Er ist eine ausgezeichnete Investition in die Zukunft."
Außenpolitik
In dem außenpolitischen Teil seiner Ansprache erklärte Carter:
"Ich habe außerdem Versprechungen hinsichtlich der Außenpolitik gemacht.
Als Oberbefehlshaber bin ich entschlossen, eine starke, gestraffte und
wirksame Streitmacht zu erhalten.

Unsere Politik sollte auf einer engen

Zusammenarbeit mi:. unseren Verbündeten sowie auf der weltweiten
Respektierung der Menschenrechte beruhen, und sie muß immer unsere eigenen
moralischen Werte widerspiegeln.

Ich möchte, daß Sie auf die Maßnahmen

unserer Nation stolz sein können.
Gestern ist Vizepräsident Mondale von seinem zehntägigen Besuch bei
führenden Staatsmännern Westeuropas und Japans zurückgekehrt. Ich hatte ihn
gebeten, diese Reise zu unternehmen, um unsere Absicht zu dokumentieren,
unsere traditionellen Verbündeten in allen wichtigen Fragen zu konsultieren,
Ich war über seinen Bericht erfreut. Der Vizepräsident wird mein ständiger
und enger Berater sein.
In einem Geiste der internationalen Freundschaft werden wir hier in
Kürze die führenden Staatsmänner verschiedener Länder begrüßen; den Anfang
werden unsere Nachbarn, Kanada und Mexiko, machen.
In diesem Monat wird Außenminister Cyrus Vance nach dem Nahen Osten
reisen, um nach Mitteln und Wegen für die Schaffung eines echten Friedens

�Friedens zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn zu suchen.
Unser Botschafter bei den Vereinten Nationen, Andrew Young, ist gestern
zu einem Besuch Afrikas abgereist, um den afrikanischen Völkern unsere
Freundschaft zu demonstrieren sowie unser Eintreten für friedliche Veränderungen auf dem Wege zur Mehrheitsregierung im südlichen Afrika.
Ich werde mich ebenfalls darum bemühen, unsere Beziehungen zur Sowjetunion und zur Volksrepublik China zu verbessern; dabei spll unsere Sicherheit gewahr"-, bleiben, während gleichzeitig versucht wird, die Risiken eines
Konflikte:, zu vermindern.
Wir werden auch weiterhin unsere Besorgnisse über die Verletzung von
Menschenrechten zum Ausdruck bringen,- wie wir dies in der vergangenen Woche
getan haben -, ohne dadurch unsere Bemühungen um freundliche Beziehungen
zu anderen Ländern zu stören.

Zu einem späteren Zeitpunkt werde ich Ihnen

einen umfassenden Bericht über außenpolitische Fragen geben."

+ + + + +

- 7

T

�2/1977

ERFOLGREICHE AMERIKANISCH-SOWJETISCHE

ZUSAMMENARBEIT

AUF DEM GEBIET DES UMWELTSCHUTZES

Washington - (AD) - Das Abkommen über die Zusammenarbeit beim Umweltschutz, das zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion im Mai 1972
geschlossen wurde, hat sich als wirksames Instrument für die Inangriffnahme
und Durchführung von Projekten erwiesen, die nicht nur für die beiden Länder,
sondern für die ganze Welt von Bedeutung sind.

Bisher wurden 40 Projekte

auf 11 verschiedenen Gebieten in Angriff genommen; Hauptpunkte in dem Ende
vorigen Jahres von den obersten Gremien beider Länder verabschiedeten fünften
Jahresbericht sind u. a.
- Eine gemeinsame Analyse amerikanischer und sowjetischer Wissenschaftler
der seismischen Aktivität, die durch die Füllung des Nurek-Stausees hinter dem
größten Erddamm der Welt und den dazugehörigen Wasserkraftwerken in der
tadschikischen Sowjetrepublik verursacht wird. Die Untersuchung zeigte, daß
in drei Gebieten Bebenherde existieren, einer davon direkt unter dem Stausee,
das bereits bis zur 200 m-Marke gefüllt ist: Die Analyse ist für die Standortwahl und den Bau von Stauanlagen in seismisch aktiven Gebieten rund um
die Erde von Bedeutung.

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�t

- Amerikanische und sowjetische Forscher analysierten die Anomalien
der Radon-Emission als Verboten von Erdbeben. (Radon ist das schwerste
Edelgas; es rntsteht als Zwischenprodukt beim Zerfall von Uran,Thorium
und Actinium.) Die Anomalien wurden im Mai 1976 beobachtet, als sich
ein Erdbeben im Raum Gazli in der Sowjetunion ereignete.
- Gemeinsame Experimente in Menlo Park (Kalifornien) zur Frage der
Bedeutung von Hohlräumen bzw. Rissen im Bereich einer geologischen Verwerfung für Gleitvorgänge zeigte, daß erste Rißbildungen vor dem eigentlichen Beben in bestimmten "Mustern" auftreten. Diese Erkenntnis macht
es eher möglich, geringfügige Bodenveränderungen als Vorboten von größeren
Erdbeben zu deuten.
- Im Juli 1976 unternahmen amerikanische und sowjetische Experten den
zweiten gemeinsamen Ballonversuch in Laramie (US-Bundesstaat Wyoming) zur
Messung von Aerosolen in der Stratosphäre. Zweck der Versuche ist die
Untersuchung von Veränderungen der Strahlungseigenschaft der Stratosphäre,
die durch Schmutz- und Schadstoffe in der Atmosphäre hervorgerufen werden.
Außerdem will man die Auswirkung solcher Veränderungen auf das Klima
ermitteln.
- Amerikanische und sowjetische Ingenieure erprobten gemeinsam ein
elektrostatisches System amerikanischer Bauart zur Entstaubung und Rauchnasreinigung bei Heizkraftwerken sowie eine sowjetische Anlage, die im
Naßverfahren arbeitet.
- Die Sowjetunion schickte insgesamt 26,5 Tonnen von gelöschtem Koks und
von der als Ausgangsmaterial benutzten Kohle als Proben in die Vereinigten
Staaten, wo von Mitgliedfirmen des Industrieverbandes für Eisen und Stahl
Tests mit dem Ziel durchgeführt werden, für die Koks- und Stahlproduktion
umweltfreundlichere Verfahren zu entwickeln.

- 2-

�\ -

•

•»

- Beide Länder tauschten Mikrobenkulturen und Kulturen bestimmter
anderer Organismen aus, die unschädlich sind und in der Landwirtschaft zur
biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden könnten.
- Ein amerikanischer Wissenschaftler nahm an einer Fahrt des sowjetischen
Forschungsschiffes MUSSON im MitteUtlantik teil, auf der u. a. Verfahren
zur internationalen Standardisierung chemischer Analysenmethoden 'ür die
Bestimmung von öl und Mineral öl Produkten in Meerwasser getestet wurden.
- Die beiden Länder tauschten zum ersten Mal Expertendelegationen aus,
die Planung und Bau von Rohrleitungen in Dauerfrostgebieten wie Alaska und
Sibirien unter dem Gesichtspunkt untersuchen, Umweltschäden im Ökosystem
des hohen Nordens so gering wie möglich zu halten.

+ + + +

- 3 -

+

�I

Wi//en/chaft
imö Technik
United States Information Service

2/1977

VIKING-GERÄTE SOI-iJIEREN WEITER

Zweite Beobachtungsphase mit neuen Projekten
Programme bis Oktober 1977

- (AD) - Ein "höchst ungewöhnliches Ereignis" registrierte das Seismometer von VIKIH 2 am 7. November H
gegen 1900 Uhr. Unter normalen
Umständen könnten die über ca. 30 Minuten aufgezeichneten Meßdaten als
Marsbeben der Stärke 6 nach der Richterskala interpretiert werden, dessen
Epizentrum in etwa 7000 km Entfernung vom Standort der Sonde lag. Das
Kurvenbild ähnelt auffallend den Meßdaten von seismischer Aktivität auf dem
Mond. Dr. Don L. Anderson, Chef des seismologisehen Instituts der
Technischen Universität Kalifornien in Pasadena und Leiter des SeismologieProjekts im VIKING-Programm, warnt jodoch vor voreiligen Schlüssen. Die
Aufzeichnung war die erste dieser Aru, die auf dem Mars gemacht wurde. Im
Januar 1977 wurde erneut eine schwache Erschütterung registriert. Die
Bestätigung durch eine zweite Station gibt es noch nicht, weil nur das VIKING 2
Seismometer arbeitet. Man hofft allerdings, das seit der Landung im Juli
1976 festgeklemmte Gerät von VIKING 1 in den nächsten Wochen doch noch
lösen und betriebsbereit machen zu kennen.

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�Das "Ereignis", über das Dr. Anderson im Januar 1977 berichtete,
fiel bereits in die insgesamt fünfwöchige Nachrichtenpause von November/
Dezember 1976, während der die Sonne die Sicht von der Erde zum Mars verdeckte.

Deshalb erfuhren die Wissenschaftler im Jet Propulsion

Laboratory (JPL), der VIKING-Flugleitzentrale, erst nach der Wiederaufnahme der Funkverbindungen zu den beiden Orbiter- und VIKING-Landegeräten
in der zweiten Dezemberhälfte davon, als sie die in der Zwischenzeit von
den VIKING-Sonden gespeicherten Meßdaten und Fotos abriefen.
Angesichts der riesigen Vulkane und der oft Hunderte von Kilometern
weiten Felder erstarrter Lava auf dem Mars, die durch die Fotos der
VIKING-Orbiter immer besser bekannt werden, wäre die Erfassung tektonischer
Vorgänge für die Wissenschaft von größtem Interesse. Seismische Aktivität
gibt Anhaltspunkte für den Aufbau eines Planetenkörpers und die Temperaturbereiche im Innern. Sie könnte die Frage beantworten helfen, ob der Mars
im geologischen Sinne noch aktiv oder ein bereits "ausgebrannter",
sterbender Planet ist. Wie "lebendig" z.B. unsere Erde noch immer ist,
zeigen die Erdbeben und Vulkanausbrüche an der Oberfläche, auf festem
Land und unter den Meeren. Druckkräfte auf Grund der Vorgänge im heißen
Erdinnern waren und sind noch immer die Ursache für das Aufbrechen und Auseinanderdriften der Kontinente, für das Werden und Vergehen großer Meere.
Der Wind bläst nach der Uhr
Meßdaten des VIKING 2-Seismometers verraten außerdem, wie stark die
täglichen Luftbewegungen den Roboter in der Utopia-Ebene vibrieren lassen.
Der Wind setzt um die Mittagszeit ein, verstärkt sich gegen 14 Uhr und
flaut gegen 17 Uhr ab, um eine Stunde später fast ganz zu erlöschen. Man
könnte, so Dr. Anderson, "die Uhr danach stellen". In Abständen von ca.
45 Minuten wird der Wind für etwa eine Viertelstunde stark böig. Die
größte Windstärke, die VIKING 2 bisher gemessen hat, sind 46 km pro Stunde.
Weder Wind noch mögliche Erschütterungen durch den Betrieb anderer Bordinstrumente vermögen nach den bisherigen Erfahrungen die Meßgenauigkeit des
Seismometers zu beeinträchtigen.
Die
- 2 -

�Die Bewährungsprobe im Staubsturm steht allerdings noch aus. Von
früheren Fernbeobachtungen weiß man, daß Staubstürme mit enormer Energie
über die Marsoberfläche dahingegen. Die ersten werden Anfang April erwartet; wie die Kameras und der Greifarm mit seinem empfindlichen
Mechanismus auf Staubbombardements reagieren werden, bleibt abzuwarten.
Änderungen im Wettergeschehen kündigten sich schon Ende Oktober an. Am
Standort von VIKING 1 in der Chryse-Region ging der Luftdruck von 7,7
Millibar (z.Zt. der Landung am 20. Juli 1976) auf 6,5 Millibar zurück, an
dem ca. 7000 km entfernten und 1400 km näher zum Nordpol gelegenen Standort
von VIKING 2 (auf der anderen Seite der Nordhalbkugel) sank er von 7,74 auf
7,4 Millibar. Eine durchziehende "Wetterfront" verursachte in der UtopiaRegion fünf Tage lang einen weiteren Luftdruckabfall. Der bis dahin mit der
Tageszeit umlaufende leichte Wind verstärkte sich um 18 - 35 km/st und blies
nun stetig aus Nordost. Nach Ansicht von Prof. Seymour Hess (Universität
Florida), der das VIKING-Meteorologieprogramm leitet, sind auf dem Mars bis
April noch "dramatische Veränderungen" im Wettergeschehen zu erwarten.
Kohlendioxideis am "Winterpol"
Als Ursache für die in der Zwischenzeit eingetretene Stabilisierung des
Luftdrucks vermuten die Wissenschaftler das Ende einer Periode der
Kondensation von atmosphärischem Wasserdampf, vor allem aber von Kohledioxid in dem in tiefem Winter liegenden Südpolgebiet. Daß demgegenüber
die noch vorhandenen Reste der Eisdecke am Nordpol, w,o der Sommer allmächlich
zur Neige geht, hauptsächlich aus Wassereis bestehen, wurde mit Hilfe der
Meßgeräte des VIKING 2-0rbiters bereits nachgewiesen. Um die Polregionen
künftig noch besser unter die Lupe nehmen zu können, hat man die Umlaufbahn
von Orbiter 2 so geändert, daß sich die Sonde im unteren Bahnbereich dem
Mars auf 800 km anstatt, wie bisher, nur auf 1500 km nähert.
"Das Radiometer", erklärter. Gerald Soffen (VIKING-Projektleiter
während der ersten Beobachtungsphase. Ende Dezember 1976 für die "erweiterte" Phase durch Dr. Calvin Broome abgelöst.),"hat uns die Augen für
Kondensationsprozesse an den Polen geöffnet, an die zuvor überhaupt niemand

�niemand dachte."

Offenbar wird Kohlendioxid (CO2) nur am jeweiligen

"Winterpol" als Eis deponiert.

Dieses Reservoir löst sich wieder auf,

sobald die Eiskappe im Sommer abzuschmelzen
Teil des Wassereises zurückbleibt.

beginnt, während der größte

Durch besondere sorgfältige Messungen

der Druck- und Temperaturwerte im Verlauf des Jahres 1977 hofft man,
Anhaltspunkte für die Menge des am Winterpol abgelagerten KohlendioxidEises zu bekommen.
Die beiden Orbiter sollen außerdem den Veränderungen der Wasserdampfkonzentration in der gesamten Marsatmosphäre auf der Spur bleiben.

Denn

es zeigte sich, daß diese je nach Breitengrad, Tages- oder Jahreszeit stark
variiert: Während der Sommermonate lag auf der Nordhalbkugel die Konzentration in der Nordpolregion um etwa das Tausendfache höher als in Südpolnähe.
"Wir haben Dunst, wolkenähnliche Schwaden und Nebel gesehen, wo später
Sanddünen zum Vorschein kamen", sagt Dr. Soffen.

Messungen zur vertikalen

Verteilung von Wasser haben gezeigt, daß die stärkste Konzentration am
Boden zu finden ist.

Jetzt geht es u. a. darum, genauer festzustellen, wo

sich die Dauerfrostgebiete auf dem Planeten befinden und wieweit sie
reichen.

Vielleicht ergeben sich sogar Hinweise darauf, wie es - bei

höheren Temperaturen und wesentlich dichterer Atmosphäre, die im übrigen
Bestandteile wie die Erdatmosphäre aufweist - zu den Stromsystemen und zu
den massiven Überschwemmungen kam, die den Mars einst heimgesucht haben
müssen.
Auf einem Nordpolfoto des Orbiter 2 von En^e Oktober 1976 sind am
Rande von Gletschern mit verhältnismäßig dünnem Eis steile, ca. 500 m
tiefe Abhänge zu erkennen. Sie sind terrassenförmig gegliedert, einzelne
"Stufen" könnten bis zu 50 m hoch sein. Die Regelmäßigkeit der Schichten
läßt Zusammenhänge mit periodischen Veränderungen der Rotationsachse und der
Marsumlaufbahn um die Sonne vermuten, etwa von einer Kreis- zu einer
Ellipsenbahn und umgekehrt. Sie dürften auch die Frequenz und Intensität
von Staubstürmen und somit die Mengen von Material beeinflussen, aus denen

- 4 -

�denen Sedimentschichten im Terrain entstehen.

Auch dieErde ist solchen

periodischen Veränderungen ausgesetzt, die möglicherweise auch den Rhythmus
von Eiszeiten und Warmperioden mitbestimmen.

Nach den neuesten

Erkenntnissen der Forschung scheint dabei die Massenanziehung des Jupiter,
des "Königs der Planeten" in unserem Sonnensystem, eine wichtige Rolle zu
spielen.

Es sieht ganz so aus, als verdankten wir auf der Nordhalbkugel

der Erde die wärmeren Perioden nach einer Eiszeit der Einwirkung des
Jupiter.
Die Foto-Aufklärung der Nordpolregion des Mars ist gegenwärtig stark
beeinträchtigt, weil über dem Gebiet eine "Haube" aus Wasserdunst liegt.
"Das haben wir jetzt am Nordpo' erwartet", meint Dr. Michael Carr vom
Geologischen Bundesamt der USA. "Völlia überrascht wurden wir jedoch von
der Ausbildung einer ähnlichen Nebelhaube über dem Südpo"." Die Beobachtung
des Wassertransports innerhalb der Marsatmosphäre schält sich immer mehr als
eine Aufgabe von größter Bedeutung heraus, wenn sie auch nie soviel öffentliche Beachtung finden wird wie etwa die Frage nach der Existenz von Leben
auf dem Mars.
Mikroben im Kälteschlaf?
Für die Apparaturen der biologischen Labors an Bord der beiden VIKINGLander wurden angesichts der verblüffenden und teilweise unerklärlichen
Ergebnisse der ersten dreieinhalb Forschungsmonate einige Arbeitsprogramme
geändert. Die Frage, ob es Leben auf dem Mars gibt oder jemals gegeben
haben könnte, läßt sich vorläufig weder mit "Ja" noch mit "Nein" beantworten.
Die Wissenschaftler haben bei einem der Experimente die Inkubationszeit für
Bodenproben, in der vielleicht doch vorhandene Organismen aus einem Kälteschlaf geweckt werden könnten, von 90 auf 200 Tage verlängert. Das Modell
dazu lieferten Reaktionen, die man in Bodenproben aus der Antarktis und
Arktis beobachten konnte: Die darin enthaltenen Mikroben machten sich erst
nach mehr als sechs Monaten bemerkbar.
Dr. Harold Klein,
—

- 5 -

.11-

—

I.

—

—

—

•

•

,

-

-

,,,,,

�Dr. Harold Klein, Chefbiologe des VIKING-Programms, berichtet, daß
bei einem der recht komplizierten Inkubationsexperimente unter Zusatz
einer Nährlösung und mit anschließendem chemischen Aufbrechen des Produkts
durch Erhitzen eine "zwar sehr geringe, aber doch bemerkenswerte Menge von
organischem Material" gefunden worden sei.

Das Ergebnis habe gezeigt, daß

"bei diesem Experiment etwas vor sich gegangen ist".

Aber die Synthese der

winzigen Menge von organischem Material im Licht und von einer noch kleineren
Menge in Dunkelheit wurde durch eine geringe Menge Wasser sofort zum Stillstand gebracht.

"Sollte es sich um biologische Vorgänge gehandelt haben", so

Dr. Klein, "wäre es eine höchst eigenartige Biologie, wenn Wasser sie
auslöschen kann."
Die Entdeckung durch die VIKING-Landegeräte, daß die kohlendioxidreiche
Marsatmosphäre auch molekularen Stickstoff (dazu Stickstoffoxid) und Sauerstoff enthält, nährt erneut den Verdacht auf die Entwicklung von Leben auf
dem Mars. Eine weitere Überraschung war der ungewöhnlich hohe Anteil von
Sauerstoff im Bodenmaterial. Am Standort von VIKING 1 wie von VIKING 2 ist
die Konzentration 20 Mal größer als erwartet. Die Bodenproben wirken wie
Oxydantien, wenn sie mit den Nährlösungen im Biolabor zusammengebracht
werden - es kommt zu Reaktionen, die sowohl chemischer als auch biologischer
Natur sein könnten. Die Auffindung des eisenreichen Tonminerals Montmorillorit, das häufigste aller Mineralien überhaupt, führte außerdem die
Forscher auf eine neue Spur: Montmorillorit wäre z. B. ein ausgezeichneter
Katalysator, um Aminosäuren zu Proteinen zu verbinden. Dies hatte der
Chemiker Aram Katchalski vom Weizmann-Institut in Israel mit seinen
Forschungen bereits nachgewiesen. Sie zeigen einen der Wege auf, den
die biologische Evolution unter Verwendung toter Materie gegangen sein
könnte.

+ + + + +

- 6 -

�I

Wi//cn/chaft
und Technik
United States Information Service

2/1977

NEUES BORDKONTROLLSYSTEM SCHAFFT RAUM IM COCKPIT

- (AD) - Nach zweijähriger Erprobung in einem Flugsimulator wird im
Laufe dieses Jahres zum ersten Mal an Bord einer Boeing 737 ein neuartiges
elektronisches Sicherungssystem für Passagier- und Frachtflugzeuge getestet,
das den Piloten und den Fluginqenieur ohne jede Verzögerung mit Informationen über den jeweiligen Zustand der Bordsysteme versorgt. Wie H.W.
Withington, Technischer Direktor der Boeing-Flugzeugwerke, auf einer
Tagung des "American Institute for Astronautics and Aeronautics" (AIAA) in
Washington berichtete, genügt für die Cockpitbesatzung der Blick auf einen
Bildschirm, um sofort die Störquelle zu erkennen und Korrekturmaßnahmen zu
treffen.
Das Herz des Systems ist ein Digitalcomputer, der Informationen von
zahlreichen Sensoren im Flugzeug in eine Form umsetzt, die das Ablesen der
Ergebnisse vom Signal schirm zweier Kathodenröhren ermöglicht. Ober eine
Tastatur unterhalb der Schirme kann der Pilot auch einzelne Informationsgruppen, etwa die Checklisten vor Start und Landung, die Druckwerte in den
hydraulichen Systemen, die Treibstoff-Förderung, Abgastemperaturen und
andere wichtige Daten abrufen.

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesbergl

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�%

Das neue System würde zahlreiche Meßuhren, Anzeigegeräte und Bedienungsknöpfe überflüssig machen, mit denen ^as Cockpit eines modernen Flugzeuges
vollgestopft ist.

Die Folge: Viel bessere Übersicht für Piloten und Flug-

ingenieur bei geringerer Beanspruchung, mehr Raum im Cockpit, Einsparung von
Gewicht und, alles in allem, mehr Sicherheit.

Bei Störungen in einem der

Bordsysteme leuchtet sofort das Alarmsignal auf; gleichzeitig wird die
Fehlerquelle angegeben.

Daraufhin wählt der Pilot die entsprechende Prüf-

liste an, die ihm auch Instruktionen zur bestmöglichen Beseitigung der
Störung erteilt.

Auch Störungen innerhalb des Überwachungssystems werden

sofort signalisiert.
Militärflugzeuge wie die F-14 sind bereits mit solchen Anzeigesystemen
ausgerüstet.

Die kommerzielle Luftfahrt sieht sich allerdings erst jetzt

in der Lage, sie zu übernehmen, da nunmehr Größe und Preis der Dicjitalcomputer soweit reduziert sind, daß der Einbau der für ein Großflugzeug
erforderlichen Systeme auch vom wirtschaftlichen Standpunkt aus tragbar
erscheint.

+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter richtet Ansprache an die amerikanische Nation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus seinem ersten "Kamingespräch" am 2. Februar -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Amtsantritt Carters: Zeremoniell und tiefere Bedeutung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Hugh Sidey - Chef des Washingtoner Büros des Nachrichtenmagazins "Time"&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erfolgreiche amerikanisch-sowjetische Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Umweltschutzes&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;VIKING-Geräte sondieren weiter&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zweite Beobachtungsphase mit neuen Projekten - Programme bis Oktober 1977&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neues Bordkontrollsystem schafft Raum in Cockpit</text>
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Information
und
Dokumentation

£•1

31
_

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

^M

4. Februar 1980

INHALT

DOKUMENTATION

Haushaltsvoranschlag Präsident Carters für 1980/81
- Auszüge aus der Haushaltsbotschaft an den Kongreß
Auszüge aus dem Haushaltsvoranschlag 1981
- Verteidigungshaushalt - Internationale Angelegenheiten -

HINTERGRUNDMATERIAL
Rekordetat für Wissenschaft und Technik
- Präsident Carter fordert mehr als 38 Milliarden Dollar für 1981
Einsparung - Kohle - Sonnenenergie
- Schwerpunkte auf dem Energiesektor im neuen US-Haushalt -

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren wird
gcbcccn

Postfach 20 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 4 0
Telex:08-85432

�8

4. Februar 1980

HAUSHALTSVORANSCHLAG PRÄSIDENT CARTERS FÜR 1980/81
- Auszüge aus der HaushaKsbotschaft an den Kongreß -

WASHINGTON

- (AD) -

Präsident Jimmy Carter hat am 28. Januar

1980

dem amerikanischen Kongreß seinen Haushaltsvoranschlag für das Finanzjahr
1980/81 - vom 1. Oktober 1980 bis 30. September 1981 - übermittelt, der mit
Ausgaben von rund 615,8 Milliarden Dollar eine Erhöhung um 9 Prozent vorsieht.

Hohe Priorität im Haushaltsjahr 1981 wird der Verteidigung einge-

räumt, für die über 5 Prozent mehr - insgesamt 161,8 Milliarden Dollar aufgewandt werden sollen, aber auch die Mittel für Forschung und Entwicklung
sind beträchtlich - auf über 38 Milliarden Dollar - erhöht worden.

Immerhin

sind aber auch die Sozialbereiche und der Schuldendienst mit 37 Milliarden
Dollar mehr bedacht worden.

Für Energieprogramme - unter anderem Ausgaben

für das Energieministerium und für das Erdöl-Lagerhaltungsprogramm - sind
insgesamt rund 8,1 Milliarden Dollar angesetzt. Alle übrigen Programme
bleiben in etwa auf dem gleichen Stand wie im Vorjahr.

Das Haushalts-

defizit wird mit rund 16 Milliarden Dollar veranschlagt - verglichen mit
rund 40 Milliarden Dollar für das laufende Haushaltsjahr.

Steuersenkungen

sind im Haushaltsjahr 1981 nicht vorgesehen.
Die

�Die wesentlichen Auszüge aus der Haushaltsbotschaft des Präsidenten
an den Kongreß haben folgenden Wortlaut:
"Dieser Haushalt für 1981 ist umsichtig und verantwortungsbewußt.
Er hält an der Strategie der Zurückhaltung fest, die ich vorgeschlagen
habe und die der Kongreß für den Haushalt 1980 akzeptiert hat. Gleichzeitig schlägt er jedoch ausgewählte wesentliche Erhöhungen auf Gebieten
hoher Priorität und großer nationaler Anliegen vor.
Auf diese Weise versucht er, einen Ausgleich zwischen der Notwendigkeit der haushaltsmäßigen Zurückhaltung und der Notwendigkeit
bestimmter Ausgaben zu schaffen.

Ich rechne damit, daß der Kongreß

ihn unterstützen wird.
Die in diesem Haushalt 1981 veranschlagten Ausgaben belaufen sich
auf insgesamt 615,8 Milliarden Dollar, was eine Erhöhung um 9 Prozent
bedeutet.

Nach Berücksichtigung der Inflation liegt dieser Haushaltsvor-

anschlag jedoch praktisch auf der gleichen Höhe wie die Ausgaben im Haushaltsjahr 1980. Die Gesamteinnahme für das Haushaltsjahr 1981 werden
auf insgesamt 600 Millionen Dollar veranschlagt.

Im Hinblick auf die der-

zeitige Wirtschaftslage ist der einzige große Steuervorschlag im Haushalt
die von mir vorgeschlagene Situationsgewinn-Steuer (Windfall Profit Tax),
die der Kongreß gegenwärtig behandelt.

Gesamthaushalt

- 2 -

�Gesamthaushalt
(in Milliarden Dollar)
1979

1980

1981

1982

1983

VORANSCHLAG

Einnahmen

466

524

600

691

799

Ausgaben

494

564

616

686

774

Defizit oder Überschuß

-28

-40

-16

+5

+25

Ausgabeermä'chti gungen

557

654

696

775

868

Damit veranschlage ich ein Defizit von 15,8 Milliarden Dollar, also
das niedrigste seit sieben Jahren. Das Defizit wird gegenüber dem Haushalt
1980 um 60 Prozent gesenkt. Und was noch wichtiger ist, es liegt rund
50 Milliarden Dollar niedriger als zu der Zeit, als ich mich zum erstenmal
um die Präsidentschaft bewarb. Als Prozentsatz des Haushaltsvoranschlages
und des Bruttosozialprodukts ist das Defizit das zweitniedrigste der letzten
zehr. Jahre.
Dieser Haushalt wird stark von den wirtschaftlichen Aussichten
beeinflußt. Es sieht heute so aus, daß der lange wirtschaftliche Wiederaufschwung während meiner ersten Amtszeit in diesem Jahr nachlassen könnte.
Ich bin daher davon ausgegangen, daß im Laufe des Jahres 1980 ein Rückgang
des Bruttosozialprodukts eintreten wird, auf den 1981 wieder ein mäßiges
Wachstum folgen dürfte. Daher werden die Haushaltseinnahmen geringer
werden, und bestimmte Ausgaben werden automatisch steigen. Daher ist
mein Haushalt 1981 im Defizit. Wenn entgegen unserer Annahmen die Wirtschaftstätigkeit stark genug sein wird, um die Arbeitslosenrate auf dem

- 3-

�dem gegenwärtigen Stand zu halten, dann würde der Haushalt 1981 einen
Überschuß aufweisen.
Wir müssen die wirtschaftliche Entwicklung genau beobachten. Wenn
die Wirtschaftstätigkeit merklich nachlassen sollte, dann werde ich
Steuersenkungen und temporäre Ausgabenprogramme für die Schaffung von
Arbeitsplätzen erwägen, die sich gezielt auf besonders belastete Sektoren
der Wirtschaft richten. Die derzeitige Wirtschaftslage spricht jedoch
nach meiner Auffassung für eine fiskalische Zurückhaltung.
Nach meiner Ansicht gehen diese Beurteilung und dieser Haushalt
davon aus, daß eine vertretbare fiskalische Zurückhaltung von entscheidender
Bedeutung in unseren Anstrengungen zur Bekämpfung der Inflation ist; daß
die Arbeitslosen nicht die Kosten für unsere anti-inflationären Maßnahmen
tragen sollten; und daß wir vor allem weiterhin die Ziele der Vollbeschäftigung,
der Preisstabilität und des ausgewogenen Wachstums anstreben. Die in
diesem Haushalt veranschlagten fiskalischen und programmatischen Maßnahmen
sind nach meiner Überzeugung wesentlich, wenn wir in den achtziger Jahren
die genannten Ziele rasch erreichen wollen.
Die in diesem Haushalt vorgeschlagene Zurückhaltung ist sogar
von entscheidender Bedeutung für die Erreichung dieser Ziele. Die derzeitige unerträglich hohe Inflationsrate ist eindeutig auf viele, tief
verwurzelte, langfristig wirkende Kräfte zurückzuführen. Die Bekämpfung
dieser Inflation erfordert anhaltende Maßnahmen auf einem weiten Spektrum:
- Wir müssen unsere Abhängigkeit von ausländischem öl verringern.
t

-

Wir müssen die Produktivität unserer Wirtschaft steigern.

- Wir müssen unsere Anstrengungen zur Förderung des Wettbewerbs
und der Innovation durch weitere Abschaffung von Verordnungen

- 4 -

�Verordnungen fortsetzen.
-

Wir müssen die weitere Einhaltung der Lohn- und Preisrichtlinien
der Regierung sicherstellen.

Keine dieser Anstrengungen kann jedoch zum Erfolg führen, wenn
wir nicht die Ausgaben des Bundes unter Kontrolle halten. Durch die
Fortsetzung einer klaren und kontinuierlichen Politik der Zurückhaltung
stellt der Voranschlag 1981 sicher, daß der Bundeshaushalt keine inflationäre
Kraft in der Wirtschaft sein wird.
Obwohl ich dafür gesorgt habe, daß die Ausgaben real nicht steigen
werden, hielt ich es für notwendig, die Mittel auf einigen wenigen kritischen
Gebieten zu erhöhen. Die wichtigsten dieser Gebiete sind die Verteidigung,
die Energie, die Grundlagenforschung und die Ausbildung und Beschäftigung
der jungen Menschen in unserem Lande.
Verteidigung:

Der Rückgang in den realen Verteidigungsausgaben,

der im Jahre 1969 begann, ist ins Gegenteil verkehrt worden.

Die unsichere

und gelegentlich feindselige Welt, in der wir leben, erfordert, daß wir
unsere Verteidigungsstreitkräfte wieder verstärken.

Die Vereinigten Staaten

werden auch weiterhin danach streben, internationale Streitigkeiten mit
friedlichen Mitteln beizulegen.

Aber wir können die großen Erhöhungen

der sowjetischen Militärausgaben nicht ignorieren, die in den letzten
zwanzig Jahren unerbittlich stattgefunden haben.

Ich kann unsere Ver-

pflichtung gegenüber unseren NATO-Verbündeten zu allseitigen realen Erhöhungen unserer Investitionen in die nationale Verteidigung nicht ignorieren.
Ich kann die Auswirkungen des Terrorismus im Iran und der sowjetischen
Aggression in Afghanistan nicht ignorieren.
Daher sieht mein Haushaltsvoranschlag für 1981 ein Verteidigungsprogramm von 158,2 Milliarden Dollar an Ausgabeermächtigungen vor, was

- 5 -

�was eine Erhöhung um real 5 Prozent bedeutet.

Die Ausgaben für die

Verteidigung werden 142,7 Milliarden Dollar betragen, was eine reale
Steigerung um über 3 Prozent bedeutet.
Darüber hinaus habe ich mich im Rahmen des politischen Grundsatzprogramms zu einer weiteren realen Steigerung der Verteidigungsausgaben
bekannt,
erhöhen.

und ich plane, meine Verteidigungshaushalte bis 1985 zu
Nach meinem Vorschlag soll das Verteidigungsprogramm der

Vereinigten Staaten in dem Zeitraum von 1981 bis 1985 um insgesamt 90
Milliarden Dollar zunehmen.
Energie:

Dieser Haushalt läßt die wichtigen Fortschritte erkennen,

die meine Administration in Richtung auf ein umfassendes und praktikables
Programm zur Lösung der Energieprobleme gemacht hat, vor denen unser Land
in den nächsten zehn Jahren stehen wird.

Ich bin überzeugt, und der

Haushalt 1981 geht davon aus, daß der Kongreß zu Anfang der Sitzungsperiode 1980 die entscheidenden Maßnahmen verabschieden wird, die ich im
vorigen Jahr vorgeschlagen habe:

die Besteuerung der Situationsgewinne

(Windfall Profit Tax), die Gesellschaft zur Sicherung der Energieversorgung,
die Einsparungsmaßnahmen und das Amt für Energiemobilisierung.
Mit diesem Haushalt müssen wir ein Energieprogramm verwirklichen,
das aus den folgenden Elementen zusammengesetzt ist:
1.

Realistische Preisgestaltung und faire Besteuerung: Meine
Entscheidung über die Abschaffung von Preiskontrollen vom April
vorigen Jahres ist jetzt in Kraft. Sie ist schmerzlich, und
niemand kann so tun, als ob das nicht so wäre. Aber wir können
kein Energieprogramm brauchen, das Illusionen nährt. Energie
ist nicht billig, und diese Tatsache müssen wir akzeptieren.

Meine

- 6 -

�Meine Situationsgewinnsteuer, die Anfang dieses Jahres verabschiedet werden soll, behält einen Teil der Erhöhungen des
Energiepreises für die Öffentlichkeit ein.

Das wird sicher-

stellen, daß erhöhte Energiepreise zu neuen öffentlichen
Investitionen in die Energieerzeugung führen werden.

Sie wird

ferner gewährleisten, daß die Lasten höherer Energiekosten fair
verteilt werden.
2.

Einsparung:

Der Haushalt 1981 stellt Mittel für steuerliche

Anreize, subventionierte Anleihen zu niedrigen Zinsen und
andere Maßnahmen bereit, um zu weiteren Einsparungen anzuregen.
Einsparung ist der rascheste und billigste Weg, um mit unserem
Energieproblem fertig zu werden.
3.

Erzeugung:

Dieser Haushalt sieht die Schaffung der Gesellschaft

für Energiesicherung vor, um die Entwicklung synthetischer
Brennstoffe und ein großes neues Gasohol-Programm zu fördern.
Es unterstützt ferner weitere neue Investitionen in jene EnergieInitiativen, die in den beiden vorigen Haushalten begonnen wurden.
Wir werden unsere Ausgaben für fossile Brennstoffe, Sonnenenergie und Kernfusion beträchtlich erhöhen.

Auf der anderen

Seite geht die Kernfusionsforschung zurück, und zwar in dem
Maße, in dem größerer Nachdruck auf die Lösung der gegenwärtigen
Probleme der Kernkraft gelegt wird.
4.

Schutz: Wenn wir uns den neuen Realitäten der Energiesituation
anpassen, dann müssen wir weiterhin jene schützen, die am meisten
verwundbar sind.

Der Haushalt 1981 stellt weiterhin Mittel für

die ärmere Bevölkerung zur Wärmedämmung ihrer Häuser und Wohnungen
bereit - Mittel, um die am meisten benachteiligten Amerikaner in
die Lage zu versetzen, mit den steigenden Energiekosten fertig
zu werden;

und Mittel für Hilfe bei Energiekrisen.
Mein
- 7 -

�Mein Energieprogramm ist notwendigerweise langfristig angelegt.
Aber wenn wir es durch das neue Jahrzehnt durchhalten, dann
werden wir den Verbrauch drosseln, die Produktion aus einheimischen
Quellen steigern und alternative Energieformen fördern.

Wir

werden unsere gefährliche Abhängigkeit von ausländischem öl
wesentlich verringern.

Wir werden eine der Hauptquellen der

Inflation beseitigen.

Unsere Wirtschaft und unser Land werden

aus den achtziger Jahren stärker hervorgehen, als wir jetzt sind.
Grundlagenforschung:

Auf lange Sicht hängt das Wirtschaftswachstum

entscheidend von der technologischen Entwicklung ab.

Viele Jahre lang

war unser Land in der Entwicklung neuer Technologie führend.
Gefahr, diese Führung zu verlieren.

Wir laufen

Der Haushalt 1981 schreibt meine

seit langem bestehende Verpflichtung zur Umkehr dieses Trends der letzten
zwei Jahrzehnte fort und stellt Mittel für große und anhaltende Erhöhungen über die Inflationsrate hinaus - in den Forschungs- und Entwicklungsprogrammen
bereit.

Die Zuweisungen für Forschung und Entwicklung werden um 13 Prozent

steigen, für die Grundlagenforschung um 12 Prozent.

Seit 1978 werden

die Zuweisungen für die Grundlagenforschung um 40 Prozent gestiegen sein.
Dies sind nach meiner Überzeugung mit die wichtigsten Ausgaben, die wir
machen können.

Der Ertrag ist, vor allem was die Grundlagenforschung

angeht, langfristig, aber gewaltig.

Wir profitieren schon heute - in

neuen Industrien, in Millionen von Arbeitsplätzen, in geretteten Leben und
in verlängerten Leben - von den Investitionen in die Wissenschaft, die vor
Jahrzehnten getätigt wurden.

Wir müssen solche Investitionen heute fort-

setzen, um morgen solche Erträge zu ernten.
Menschliche Hilfsquellen:

Mein Haushalt sieht - so zurückhaltend

er ist - die notwendige Untersützung für jene Amerikaner vor, die am
stärksten Not leiden.

Die meisten Erhöhungen im Haushalt 1981 gegenüber

1980 sind auf die automatische Erhöhungen zur Angleichung an die gestiegenen
Lebenshaltungskosten in den Programmen für die Armen und alten Menschen

�Menschen zurückzuführen.
bessert.

Ich habe diese Programme fortgesetzt und ver-

Darüber hinaus habe ich je nach Bedarf Erhöhungen in einem

weiten Bereich von Programmen vorgeschlagen, die denjenigen in unserer
Gesellschaft zugute kommen, die am meisten benachteiligt sind.

Der Haushalt sieht 687 Millionen Dollar für die Ausweitung der Gesundheitsdienste für die Armen und unterversorgten Menschen vor...
Ferner ist eine 24prozentige Erhöhung der Ausbildungsprogramme für die
Benachteiligten auf der Grund- und Sekundarstufe vorgesehen.

Insgesamt

empfehle ich eine Erhöhung der Unterstützung für die Armen und ihren Schutz
vor den Auswirkungen der Inflation um 7 Milliarden Dollar.

Gleichzeitig schlage ich eine große neue Initiative vor, die die
benachteiligten Jugendlichen in unserem Lande in die Lage versetzen
wird, eine gute Grundausbildung zu erhalten und Arbeitsplätze zu finden
und zu behalten...

Landwirtschaft:

Wegen der Aggression der Sowjetunion in Afghanistan

habe ich beschlossen, daß wir es jetzt nicht zulassen können, daß die UdSSR
von unserer produktiven Landwirtschaft profitiert.

Am 4. Januar habe ich

die Aussetzung der Lieferungen von Getreide, Sojabohnen und ihren Nebenprodukten an die Sowjetunion bekanntgegeben.

Dieser Haushalt sieht die

notwendigen Schritte vor, um die verheerenden Wirkungen zu verhindert,
die diese Maßnahme für unsere Farmer und Getreideexporteure haben könnte.
So wird der Landwirtschaftsminister insbesondere

- Kontrakte mit der Sowjetunion zu Preisen übernehmen, wie sie am
4. Januar gegolten haben oder darüber lagen;

-

wenn notwendig das Eigentumsrecht an dem Getreide erwerben,
das für den Export in die Sowjetunion bestimmt ist, und es aus
dem Markt nehmen;
bis
- 9 -

�bis zu vier Millionen metrische Tonnen Weizen für eine internationale Lebensmittel- und Hilfsreserve aufkaufen;
-

das Anleiheniveau für Futtergetreide und Weizen um je 10 und
15 Cent pro Bushel (3,68 Dollar und 5,51 Dollar pro metrische
Tonne) erhöhen;

-

und

die im Besitz der Farmer befindliche Getreidereserve modifizierens
um die Farmer zu ermutigen, noch mehr Getreide in die Reserve
einzubringen.

Am 19. Januar habe ich als zusätzliche Schritte zur Vermeidung
der Auswirkungen unserer Aussetzung der Lieferungen bekanntgegen, daß
die Regierung:
-

die Programme im Rahmen des öffentlichen Gesetzes 480 (Lebensmittelhilfe, Anm. der Redaktion) für 1980 und 1981 erhöhen
wird, um die Getreidelieferungen nach Obersee zu steigern; und

-

Mais direkt am Erzeugungsort aufkaufen wird, um die Barverkaufsmärkte zu stabilisieren und Transportprobleme zu erleichtern.

Ich bin jederzeit bereit, weitere Maßnahmen zu ergreifen, wenn sich
die genannten als unzureichend erweisen sollten.
Sonstige Verpflichtungen:

Auf anderen wichtigen Gebieten spiegelt

der Haushalt 1981 die Reorganisationserfolge der Administration wider;
setzt den bereits erreichten bedeutsamen Fortschritt in der Städte- und
Gemeindeentwicklung fort;

bringt meine Verpflichtung zur Reform des

Wohlfahrtswesens und zu einem nationalen Gesundheitsplan zum Ausdruck Programme, die in künftigen Haushaltsjahren anlaufen werden;

und be-

kräftigt mein Bekenntnis zur verbesserten Gestaltung und Verwaltung des

- 10 -

�des Bundeshaushaltes...
...Dieser Haushalt enthält wichtige politische Entscheidungen wesentliche Abweichungen, neue Initiativen, größere und längerfristige
Verpflichtungen. Jede für sich ist die Sache wert. Zusammengenommen
können all diese Vorschläge auch allgemeiner charakterisiert werden.
Sie spiegeln einen Reifeprozeß der Administration in den grundlegenden,
zusammenhängenden, fundamentalen Themen der Politik wider: Zurückhaltung
in der Veranschlagung der Dollar des Steuerzahlers; die Stärkung unserer
Verteidigung; Sicherung der Energieversorgung für die Zukunft; Verbesserung
der Chancen für die jungen Menschen in unserem Lande und Verbesserung der
Funktion der Regierung.
Wir sind ein großes und komplexes Land. Die heutige Gestaltung
unserer Gesellschaft ist das Ergebnis schwieriger, nicht immer miteinander
im Einklang stehender Entscheidungen der Vergangenheit, die aus einem
demokratischen Volk hervorgegangen sind. Der Wandel vollzieht sich manchmal
langsam, da er auf Übereinstimmung beruht. Aber eine intelligente,
folgerichtige Führung, die nachhaltig zum Tragen gebracht wird, kann
einen Wandel in der Politik herbeiführen und das Wohlergehen unserer
Gesellschaft und ihrer Menschen fördern. Ich bin der Überzeugung, daß
dieser Haushalt, und jene Haushalte, die ich in der Vergangenheit unterbreitet habe, die grundlegende Politik tragen, die Amerika auf das kommende
Jahrzehnt vorbereiten wird."

+ + + + +

- 11 -

�I

Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

4. Februar 1980

AUSZÜGE AUS DEM HAUSHALTSVORANSCHLAG 1981
- Verteidigungshaushalt -

WASHINGTON

- (AD) - Der Haushaltsvoranschlag des Präsidenten

für den Bereich der Verteidigung, dem ein langes Kapitel gewidmet ist,
macht die Absicht der Regierung Carter deutlich, die Verteidigungsausgaben
bis ins Jahr 1985 zu erhöhen.
Als grundlegend werden dabei die folgenden Verteidigungserfordernisse
angesehen:
" - Das amerikanische Volk, seine Institutionen und sein Land vor
ausländischen Aggressionen zu schützen;
- das gegenwärtige militärische Gesamtgleichgewicht zwischen
den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten sowie der Sowjetunion und ihren Verbündeten zu verbessern;

vor

Postfach 20 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�-

vor einem Kernwaffenangnff auf die vereinigten Staaten oder
ihre Streitkräfte oder auf andere Länder, deren Sicherheit für
die Vereinigten Staaten von Bedeutung ist, abzuschrecken und sicherzustellen, daß die Vereinigten Staaten im Fall des Fehlschlagens
der Abschreckung der Sowjetunion im Zug der Vergeltung unannehmbaren Schaden zufügen können;

-

zusammen mit unseren Verbündeten eine ausreichende Militärmacht
zu unterhalten, um weltweit jeden Angriff abwehren zu können;

-

internationale Abkommen zur Rüstungsbegrenzung und -Verminderung
anzustreben, die Proliferation von Kernwaffentechnologie zu
verhindern, den Waffenhandel einzuschränken, Streitfragen auf
friedlichem Weg beizulegen und die internationale Stabilität
zu stärken.

Um diesen nationalen Bedürfnissen zu entsprechen, sieht der Haushalt
1981 für die Landesverteidigung eine Ausgabenermächtigung in Höhe von
161,8 Milliarden Dollar vor. Dabei werden die Ausgaben für die Aufgaben
der nationalen Verteidigung auf 146,2 Milliarden im Jahr 1981 geschätzt,
für 1982 eine Steigerung auf 165,5 Milliarden veranschlagt.

Verteidigungsministerium
Die Grundziele der nationalen Sicherheit für die Vereinigten Staaten
bestehen darin, für ihre physische Sicherheit als freie Nation Sorge zu
tragen; ihre fundamentalen Institutionen und Werte zu erhalten und die
Interessen der Vereinigten Staaten in der Welt zu fördern und zu schützen.
Um diese Ziele zu erreichen, müssen wir imstande sein, vor Angriffen auf
die Vereinigten Staaten, auf ihre Verbündeten und Freunde abzuschrecken;

�abzuschrecken;

andere daran zu hindern, den Vereinigten Staaten ihren

politischen Willen durch militärische Mittel aufzuzwingen;

auf die

weltpolitischen Angelegenheiten aus einer Position anerkannter Stärke
Einfluß zu nehmen und - wenn notwendig - mit Erfolg zu kämpfen.

Wir

sind bemüht, vor einem bewaffneten Konflikt abzuschrecken, die internationale
Sicherheit durch Rüstungskontrolle und andere internationale Abkommen zu
fördern und die Proliferation von Kernwaffen zu verhindern.
Unsere nationale Sicherheit hängt nicht allein von den Streitkräften
ab, die wir aufbieten können; sie wird vielmehr auch durch die Stärke
der gegnerischen Streitkräfte, die diesen entgegentreten könnten, bestimmt.
Unsere Streitkräfte sind ausreichend, um uns gegen heute drohende Gefahren
zu schützen, aber die militärische Kapazität der Sowjets nimmt weiter
zu. Unsere Streitkräfte müssen verstärkt werden, wenn sie die sowjetische
Aggression im Zaum halten und unsere Sicherheit auch in Zukunft weiterhin
gewährleisten sollen. Das wird eine anhaltende Anstrengung über eine
Reihe von Jahren erfordern. Die Vereinigten Staaten und ihre NATO-Verbündeten
haben sich hierzu verpflichtet, wobei jeder zugesagt hat, seine Verteidigungsausgaben real um drei Prozent oder mehr pro Jahr zu erhöhen.
Die Vereinigten Staaten haben diese Verpflichtung auf ein dreiprozentiges Wachstum während der vergangenen zwei Jahre erfüllt. Angesichts der internationalen Entwicklungen geht der Haushalt 1981 über
diese Verpflichtung hinaus. In ihm spiegelt sich eine reale Erhöhung
des Programms in der Gesamtausgabeermächtigung und der Haushaltsermächtigung
von mehr als fünf Prozent wider. Von 1981 bis einschließlich 1985 ist
ein realer Programmzuwachs von mehr als vier Prozent jährlich vorgesehen.
Hierin zeigt sich ein großer - aber eindeutig notwendiger - Einsatz zur
Stärkung unserer Verteidigungskapazität. Die für die Jahre 1981 bis zum
Ende 1985 vorgesehenen Gesamtaufwendungen für die Verteidigung liegen
kumulativ um etwa 100 Milliarden Dollar über den Beträgen, die notwendig
wären, um lediglich das Niveau von 1980 in realen Werten beizubehalten.

Das
- 3 -

�Das erhöhte Niveau an Verteidigungsmitteln, das für 1981 vorgeschlagen
wird, wird dazu beitragen, die strategische Abschreckung zu erhalten,
die Kampfkraft und Bereitschaft unserer NATO-Streitkräfte zu steigern und
unsere Fähigkeit zu vermehren, durch die rasche Dislozierung von Streitkräften weltweit vor Konflikten abzuschrecken.
Die Gesamtausgabeermächtigung (TOA) für die militärischen Aufgaben
des Verteidigungsministeriums ist für 1981 auf 158,7 Milliarden Dollar
angesetzt und für das Jahr 1982 auf 180 Milliarden Dollar.

Die Ausgaben

werden für 1981 auf 142,7 Milliarden Dollar geschätzt, was ein Anstieg
um 15,3 Milliarden Dollar gegenüber 1980 und ein Zuwachs in realen Werten
von ungefähr 3,3 Prozent darstellt.
Die wichtigsten Vorschläge, wie sie im Haushalt 1981 zum Ausdruck
kommen, sind:
•

-

Qualitative Verbesserung unserer strategischen Streitkräfte,
damit der Beginn eines Nuklearkrieges auch weiterhin für die
Sowjetunion nachteilig bleibt.

-

Verbesserung der Fähigkeit unserer Streitkräfte, in Zusammenarbeit
mit unseren NATO-Verbündeten rasch mobil zumachen und wirksam
für die Verteidigung Europas zu kämpfen, um den Beginn eines
konventionellen Kriegs für die Sowjetunion und ihre Verbündeten
des Warschauer Pakts eindeutig als unvorteilhaft erscheinen zu
lassen.

-

Verstärkung unserer Kapazität, vor Krisen außerhalb Europas
abzuschrecken und, wenn notwendig, ihnen vor allem in so kritischen
und potentiell instabilen Gebieten wie Nordostasien, dem Mittleren
Osten und dem Persischen Golf zu begegnen.
Fortführung

�-

Fortführung der Modernisierung unserer Seestreitkräfte, um
die Freiheit der Meere zu gewährleisten, die Seeverbindungswege
zu erhalten und unsere Fähigkeit zur Durchführung militärischer
Operationen zu vergrößern, wo immer wir herausgefordert werden.

-

Beibehaltung unserer Fähigkeit zur Überwachung ausländischer
militärischer Entwicklungen und Aktivitäten und zur Verifikation
von Rüstungskontrollabkommen mit einem hohen Maß an Zuverlässigkeit.

-

Verbesserung der Besoldung, um auch in den kommenden Jahren genug
erfahrenes Militärpersonal zu interessieren und zu halten.

-

Weitere Verbesserung der Effizienz des militärischen Betriebes
durch stärkeren Wettbewerb im Beschaffungsprozeß, durch Reformen
des Nachschubsystems sowie durch wirksameren Einsatz von Zivilpersonal .

Diese Haushaltsvorschläge stehen mit den von der NATO vereinbarten
Zielsetzungen für Verteidigungsausgaben in Einklang. 1977 und erneut
1979 stimmten die NATO-Verbündeten den amerikanischen Vorschlägen zu,
daß jedes Mitglied auf eine jährliche Erhöhung der Verteidigungsausgaben
um ungefähr 3 Prozent über die Inflationsrate hinaus hinzielen sollte, um
den Abschreckungswert der NATO-Streitkräfte beizubehalten und den starken
Erhöhungen der sowjetischen Verteidigungskapazität zu begegnen.
Budget geht über das Ziel hinaus.

Dieses

Viele Jahre lang erlaubten die wachsenden sowjetischen Militärausgaben einen ständigen Anstieg in Umfang und Kampfkraft der sowjetischen
Streitkräfte.

Dieser Anstieg fand größtenteils in einer Periode statt,

in der die amerikanischen Verteidigungsausgaben nach einem Höhepunkt im
Vietnamkrieg real ständig sanken. Mitte der siebziger Jahre wurde augenscheinlich, daß die NATO-Mitglieder ihre Verteidigungsanstrengungen erhöhen

- 5 -

�erhöhen mußten, um den Streitkräften des Warschauer Paktes nicht eine
Position militärischer Überlegenheit zu ermöglichen

Strategische Streitkräfte
Die größte Bedrohung unserer Sicherheit ist ein Atomkrieg.

Die

Möglichkeit eines solchen Krieges wurde durch den Abschreckungseffekt
unserer Triade strategischer Nuklearstreitkräfte sehr gering gehalten.
Diese müssen in der Lage sein, mit vernichtender Wirkung zu vergelten,
sogar nachdem sie einen Erstschlag erlitten haben. Außerdem müssen sie
in einer Weise antworten können, die den verschiedenen Angriffsstufen
angemessen ist. Dies stellt sicher, daß die sowjetische Führung keinen
Anreiz dazu hat, einen Kernwaffenangriff gegen die Vereinigten Staaten
in die Wege zu leiten; außerdem wird ihr die Drohung mit einem Nuklearangriff keinerlei Vorteil in einem konventionellen Konflikt verschaffen.
Zu diesem Zweck schlägt der Haushalt 1981 die Modernisierung
jeder Komponente der strategischen Triade vor. Unsere landgestützten
ballistischen Interkontinentalraketen werden durch die größere, treffsicherere und weniger verwundbare MX verstärkt.
Das Budget unterstützt auch Programme zur Dislozierung von Marschflugkörpern auf modernisierten B-52 Bombern.
Für 1981 wird die Ermächtigung für das neunte TRIDENT
gefordert.

U-Boot

Die TRIDENT U-Boote werden die POLARIS und POSEIDON U-Boote

ersetzen, deren Nutzungszeit zu Ende geht.
Unsere in Europa stationierten Kernwaffen mittlerer Reichweite
dienen zur Abschreckung gegen eine mögliche militärische Aggression der

�der Sowjets. Um diese Abschreckung auch weiterhin zu garantieren,
müssen wir die sowjetische Dislozierung der neuen SS-20 Nuklearraketen,
die auf Westeuropa gerichtet sind, ausgleichen.

In Zusammenarbeit mit

unseren NATO-Verbündeten beginnen wir mit der Modernisierung der NATOKernwaffen von mittlerer Reichweite durch die Dislozierung landgestützter
Marschflugkörper und neuer ballistischer Raketen vom Typ PERSHING II
Obwohl die Vereinigten Staaten die größeren wirtschaftlichen und
technischen Möglichkeiten haben, die zur Dislozierung noch umfangreicherer
Nuklearstreitkräfte notwendig sind, so liegt dies doch nicht in unserem
Interesse, solange wir ausgewogene und verifizierbare Begrenzungen beim
strategischen Wettbewerb mit der Sowjetunion erzielen können.

Allgemeine Streitkräfte
Der große Teil des Verteidigungshaushaltes ist für die konventionellen
Streitkräfte vorgesehen, die dabei helfen, vor einer nichtnuklearen
Aggression abzuschrecken oder ihr zu begegnen. Der Haushalt des Jahres 1981
schlägt eine Erhöhung von 6,7 Milliarden Dollar gegenüber der Haushaltsermächtigung von 1980 vor. Die aktiven Streitkräfte umfassen 16 Heeresdivisionen, 3 Marinedevisionen (Marinekorps), 3 Luftgeschwader des Marinekorps, 26 Geschwader der taktischen Luftwaffe und 295 Kriegsschiffe,
einschließlich 12 Flugzeugträgern und 12 trägergestützten Luftgeschwadern
Die Heerestruppen sind dazu bestimmt, die Schwerste aller Aufgaben
der allgemeinen Streitkräfte zu bestehen - einen Konflikt zwischen den
Mitgliedern der NATO und den Ländern des Warschauer Pakts -, müssen
aber gleichzeitig die Flexibilität besitzen, mit anderen Ernstfällen fertigwerden zu können, die amerikanische Interessen anderswo bedrohen.
Zu

- 7 -

�Zu den für 1981 vorgeschlagenen Verbesserungen gehören:
-

Modernisierung der Ausrüstung, einschließlich der Einführung
neuer Panzertypen, Infanteriekampfwagen, Hubschrauber und neuer
Luftverteidigungssysteme;

-

Lagerung zusätzlicher Ausrüstung in Europa, um in einem Ernstfall
die rasche amerikanische Verstärkung der NATO zu erleichtern;
•

-

Erhöhung der Einsatzbereitschaft von in Europa stationierten
Kampfeinheiten und ausgewählten Kampfeinheiten in den Vereinigten
Staaten;

-

verbesserte Lebens- und Arbeitsbedingungen für unsere Soldaten; und

-

Verbesserung der Fähigkeit unserer Streitkräfte, nuklearen,
biologischen und chemischen Angriffen widerstehen zu können.
•

Der Kampfpanzer XM-1 bedeutet für das Heer eine wesentliche Steigerung
der Überlebensfähigkeit und der Beweglichkeit auf dem modernen Schlachtfeld.
Dank seiner neuartigen Panzerung kann der XM-1 direkte Treffer überstehen
und weiterhin kampfeinsatzfähig bleiben.

Stärkere Motoren und verbesserte

Laufketten verleihen dem XM-1 auch in schwierigem Gelände eine größere
Schnelligkeit als andere Panzer.

Das Budget sieht die weitere Anschaffung

von XM-1 Panzern im Jahre 1981 vor.

Das neue Infanterie-Kampffahrzeug des

Heeres, das ebenfalls in das Budget für 1981 aufgenommen wurde, wird der
Infanterie die Schnelligkeit, den Schutz und die Feuerkraft geben, die
notwendig sind, um im Verband mit dem XM-1 Panzer zu kämpfen.
Das Patriot-Raketensystem zur Luftabwehr wird einen wirksamen
Schutz für wichtige Ziele wie Depots, Brücken und Flugplätze bieten.
Dieses System kann gegen massierte Luftangriffe auf längere Entfernungen

�Entfernungen und größere Höhen als die bisherigen Systeme eingesetzt
werden.
Die Fähigkeit der Kampf- und Nachschubeinheiten zu wirksamen Gegenmaßnahmen, falls dies erforderlich ist, hängt von dem Zustand der Ausrüstung und dem Vermögen gutausgebildeter Kampfeinheiten ab, mit Zuversicht,
Geschick und koordiniert vorzugehen. Um unsere militärischen Streitkräfte
in einem Zustand hoher Bereitschaft zu erhalten, sieht der Haushalt 1981
eine ständig*Steigerung der Ausbildung für die Einheiten und eine weitere
Entwicklung der nationalen Ausbildungszentren für Landstreitkräfte vor.
Größere Mengen von Waffensystemen, die längst zur Wartung und Überholung
anstehen, werden gemäß den Vorschlägen dieses Haushalts reduziert werden.
Die ErsatzteiHager werden ausgebaut werden, um die Kampfeinsatzfähigkeit
der Waffensysteme und Ausrüstung unserer Streitkräfte zu verbessern.
Angesichts der jüngsten Beschlüsse zum Ausbau der militärischen Stärke
Nordkoreas kommt die Entscheidung des Präsidenten, den Abzug der zweiten
Infanteriedivision aus Korea zu verschieben, auch im Budget zum Ausdruck.
Dies wird dazu beitragen, die Stabilität in Nordostasien zu erhalten.

Die taktischen Flugzeuge der Luftwaffe müssen in der Lage sein,
die Luftüberlegenheit zu erringen, den Landstreitkräften direkte Unterstützung zu gewähren, die feindlichen Kräfte hinter der Front zu stören
und die Luftangriffe auf Streitkräfte und Anlagen der Verbündeten zu
begrenzen.
Das Budget 1981 schlägt die Beschaffung folgender taktischer Flugzeuge und Geräte vor:
-

F-15-Kampfflugzeuge für die Sicherung der Luftüberlegenheit;

-

F-16-Mehrzweckkampfflugzeuge für die Sicherung der Luftüberlegenheit und den Angriff von Bodenzielen;
Verbesserte
- 9 -

�-

Verbesserte Versionen der Sidewinder- und Sparrow-Luft/LuftRaketen für Kampfflugzeuge;

-

EF-lllA-Flugzeuge zur Störung der gegnerischen Radarabwehrsysteme;

-

A-10 Angriffsflugzeuge zur direkten Unterstützung unserer Landstreitkräfte durch Bekämpfung von Panzern und ähnlichen Zielen;

-

K-10-Tankflugzeuge zur Betankung von Kampfflugzeugen, Bombern und
Transportmaschinen über größere Entfernungen;

-

und

TR-1-Taktische Aufklärer mit neuartigen Radareinrichtungen zur
Verbesserung unserer Fähigkeit, gegnerische Streitkräfte im
Gelände auszumachen.

Die taktischen Einheiten der Luftwaffe werden weiterhin in voller
Bereitschaft stehen, um rasch nach Übersee an jeden möglichen Gefahrenherd
entsandt zu werden.

Alle neuen Kampfflugzeuge sind mit Lufttankanlagen

versehen, die eine solche Dislozierung erleichtern.

Reale Erhöhungen

werden für die taktischen Operationen der Luftwaffe vorgeschlagen, um eine
größere Einsatzbereitschaft und ein realistischeres Training zu ermöglichen.
Die Verteidigung der NATO wird durch die Dislozierung der neuen Frl5Kampfflugzeuge und der A-10-Angriffsflugzeuge nach Europa verstärkt.
Außerdem werden viele Luftstützpunkte der Verbündeten verbessert,
damit sie im Mobilisierungsfall von den Vereinigten Staaten benützt werden
können und so die amerikanische Flexibilität erhöhen.

Schließlich werden

im Haushalt weitere Mittel für die amerikanische Beteiligung am Fliegenden
Frühwarn- und KontrollSystem (AWACS) gefordert.

Seestreitkräfte

- 10 -

�Seestreitkräfte
Die Seestreltkräfte stellen ein sichtbares Symbol der Unterstützung
unserer Verbündeten und ein Mittel der Abschreckung vor einem militärischen
Angriff in Friedenszeiten und in Zeiten der Krise dar...

Um unsere maritime

Überlegenheit aufrechtzuerhalten, ist eine laufende Modernisierung dieser
Waffensysteme erforderlich.

Deshalb fordert der 5-Jahres-Plan der Jahre

1981-85 für den Schiffbau in Höhe von 45 Milliarden Dollar den Bau von
97 neuen Schiffen, sechs TRIDENT U-Boote eingeschlossen.

Der Haushalt von

1981 umfaßt die Beschaffung folgender neuer Kriegsschiffe:
-

zwei große Kriegsschiffe (Zerstörer), ausgerüstet mit dem AEGISLuftabwehrsystem, um die Flotte vor Flugzeug- und Raketenangriffen
zu schützen;

-

vier kleinere Schiffe (Fregatten), um Militärkonvois und Flotten
zu schützen;

-

zwei Transportschiffe zur Verschiffung der Kampfausrüstung des
Marinekorps als Teil unserer Schnellen Eingreiftruppen und ein
amphibisches Landungsschiff;

-

ein nuklear angetriebenes Angriffs-U-Boot und fünf Überwachungsschiffe zur Abwehr feindlicher U-Bootbedrohung;

-

und

ein Bergungsschiff für getroffene Schiffe oder Flugzeuge.

Der Haushalt fordert Mittel zum Entwurf neuer Schiffe, die verhältnismäßig preiswert sind und in Mengen beschafft werden können, um die
amerikanische Überlegenheit zur See aufrechtzuerhalten

Durch die

Verwendung eines einzigen Flugzeugtyps für einen großen Teil der Kampfund Angriffsunternehmen werden die Marine und das Marinekorps die Beschaffungs-

- 11 -

�Beschaffungs- und Unterhaltskosten für eine den nationalen Sicherheitsbedürfnissen entsprechende Zahl von Flugzeugen herabsetzen können.

Schließlich

soll auch die verfügbare Kapazität an Flugzeugträgern wirkungsvoller genutzt
Men.
.

Luft- und Seebrückenstreitkräfte
Die Luft- und Seebrückenstreitkräfte garantieren die tägliche Neuversorgung der in Übersee stationierten amerikanischen Streitkräfte in
Friedenszeiten und müssen in der Lage sein, Soldaten und Gerät rasch in
die Kampfzonen zu verlegen.

Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten

sind für das Durchhalten ihrer Streitkräfte von raschem Transport und
rascher Neuversorgung abhängig.

Aggressionen gegen mit den Vereingten

Staaten befreundete Länder können nur dadurch abgewendet werden, daß sich
der Gegner der amerikanischen Fähigkeit der raschen Verstärkung und Neuversorgung bewußt ist.
Der große Teil der für die Luft- und Seebrückenstreitkräfte angeforderten Ausgabeermächtigungen in Höhe von 2,4 Milliarden Dollar ist
für den täglichen Betrieb und die Wartung vorgesehen.
Es werden verschiedene Maßnahmen ergriffen, um sicherzustellen, daß
amerikanische Streitkräfte rasch an jeden Punkt der Welt disloziert
werden können. Das C-54-Transportflugzeug wird modifiziert, um schwerste
Frachten zu transportieren und über das Jahr 2000 hinaus im Dienst zu
bleiben. Die C-141-Flugzeuge werden modifiziert, damit sie im Flug
aufgetankt werden können und dadurch ihre Reichweite zunimmt. Außerdem
wird ein neues Langstreckenflugzeug, die CX, entworfen, um unsere Fähigkeit
zu verbessern, im Krisenfall rasch zu reagieren....
Forschung
- 12 -

�nicht nur hart getroffen, sondern auch von der Steigerung der Preise
flir andere Produkte und von den verminderten Exporterlösen als Folge
des langsamen Wirtschaftswachstums in den Entwicklungsländern.
Im Vergleich zu den Erfordernissen für Hilfszwecke, ist der Betrag
von 7,5 Milliarden Dollar an Ausgabeermächtigungen klein,... der 1981
für Zwecke der wirtschaftlichen und finanziellen Auslandshilfe vorgeschlagen
wird.

Deshalb wird der Verbesserung der Wirksamkeit und der Hilfsprogramme

große Sorgfalt gewidmet.

BEDARF FÜR DIE PFLEGE INTERNATIONALER BEZIEHUNGEN
(in Millionen Dollar)
Voranschlag
Hauptprogramme

1979
(tatsächlich)

1980
(geschätzt)

1981
(geschätzt)

1821
2515
806
99

1989
3234
840
106

2225
1666
1129
119

2321

2152

2106

227

496

567

Einnahmen aus Zahlungsausgleich,
Schuldendienst und Tilgung

-310

-306

-356

Zwischensumme der Wirtschaftlichen
und Finanziellen Auslandshilfe

7479

8512

7456

Ausgabenermächtigungen
Wirtschaftliche und Finanzielle
Auslandshilfe:
Amt für internationale Zusammenarbeit und Entwicklung
Multilaterale Entwicklungsbanken
Lebensmittelhilfe (Gesetz 480)
Friedenskorps
Fonds für wirtschaftliche Unterstützung/ Maßnahmen zur Erhaltung
des Friedens
Flüchtlingshilfe

- 15 -

�1979

1980

1981

(tatsächlich)

(geschätzt)

(geschätzt)

Militärhilfe
Nichtzurückzahl bare Militärhilfe

209

110

105

34

28

32

1024

669

714

800

236

Einnahmen aus Zahlungsausgleich,
Schuldendienst und Tilgung

-274

-273

-258

Zwischensumme der Militärhilfe

1793

770

594

Gesamtsumme der Auslandshilfe

9272

9282

8050

Militärische Ausbildung Ausländischer
Soldaten
Ausland-Soldaten
Militärische Lieferungen ins Ausland
auf Kredit
Verlegung militärischer Einrichtungen
(Israel)

...Wegen des jüngsten sowjetischen Vorgehens in Afghanistan, das
Pakistan bedroht, wird im Haushaltsvoranschlag eine zusätzliche Bewilligung
für Pakistan in Höhe von 100 Millionen Dollar für 1980 vorgeschlagen.

Eine

Ergänzung des Haushalts wird für Pakistan auch für 1981 vorgeschlagen werden,
Die jüngsten Ereignisse haben die Notwendigkeit rascher amerikanischer
Schritte in Reaktion auf mit der Sicherheit zusammenhängende unvorhersehbare
Erfordernisse unterstrichen.

Um eine unmittelbare amerikanische Reaktion in

derartigen Situationen zu gewährleisten, enthält der Haushaltsvoranschlag
1981 einen Betrag von 50 Millionen Dollar, der nicht zweckgebunden ist.
Diese Mittel werden dem Präsidenten zugewiesen und dienen als Reserve für
unvorhersehbare Erfordernisse

Militärhilfe

16

�Forschung und Entwicklung

...Der Haushalt 1981 sieht für Forschung und Entwicklung eine
Steigerung von 3 Milliarden Dollar gegenüber der Haushaitsermä'chtigung
von 1980 vor, um unsere technologische Basis zu verstärken..."

Die wesentlichen Forschungs- und Entwicklungsprogramme beschäftigen
sich mit der umfassenden Entwicklung des neuen landgestützten ballistischen
Interkontinental-Raketensystems MX und - im taktischen Bereich - mit der
Entwicklung neuer Luftverteidigungssysteme des Heeres sowie mit dem Fernmeldebereich und der Elektronik.

Für die in den Bereich des Energie-

ministeriums fallenden Aufgaben der nuklearen Verteidigung - darunter
Forschung und Entwicklung, Erprobung und Herstellung von Kernwaffen, Lagerung
von nuklearen Abfällen aus Verteidigungsprogrammen und die Entwicklung
von Kernreaktoren für Kriegsschiffe - sind 3,4 Milliarden Dollar gegenüber
3,0 Milliarden Dollar im Haushalt 1980 vorgesehen.

- Internationale Angelegenheiten -

Die wesentlichen Auszüge aus dem Abschnitt "Internationale Angelegenheiten hagen folgenden Wortlaut:
"Die Vereinigten Staaten spielen eineaktive Führungsrolle in den
internationalen Angelegenheiten, weil unser Wohlergehen als Nation zum
Teil von Ereignissen jenseits unserer Grenzen abhängt.

Unsere nationalen

Erfordernisse in der Weltpolitik umfassen den Schutz der amerikanischen
Interessen im Ausland sowie die Schaffung von Verhältnissen überall in der

- 13 -

�der Welt, die jenen Interessen förderlich sind.

Die amerikanische

Außenpolitik erstrebt eine Welt, die im Frieden lebt und gemeinsam akzeptierte
Regeln des Völkerrechts einhält - eine Welt, die Völkern überall auf der
Erde Gelegenheit bietet, ihre menschlichen Grundbedürfnisse zu befriedigen,
eine Welt, die die Menschenrechte und die Würde des Menschen respektiert....
Die in diesem Haushaltsvoranschlag enthaltenen Schätzwerte sind
so gehalten, daß sie den Vereinigten Staaten die Fortführung ihrer langfrsitigen Führungsrolle in der Weltpolitik gestatten. Obwohl die angeführten Gesamtziffern dem Wandel in der Weltpolitik Rechnung tragen,
können die jüngsten Ereignisse im Iran und in Afghanistan weitere Anpassungen in unseren Ausgabenansätzen für internationale Angelegenheiten
erforderlich machen.

Diese werden nachgereicht werden, sobald die Er-

fordernisse klar erkenntlich werden, und sie werden durch die Positionen
für Notstandssituationen abgedeckt

Wirtschaftliche und finanzelle Auslandshilfe
Aufgabe der wirtschaftlichen und finanziellen Auslandshilfe ist es:
-

humanitäre Hilfe an notleidende Menschen im Ausland zu leisten;

• •'- die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern; und
-

die außenpolitischen Interessen der Vereinigten Staaten zu stützen.
•

Die Notwendigkeit amerikanischer Hilfe zur Lösung dieser Aufgabe
wächst. Eine Handvoll Entwicklungsländer, die meisten von ihnen mit einer
kleinen Bevölkerung, profitiert erheblich von den öl Preiserhöhungen. Die
Mehrheit aber der Länder der Dritten Welt wird von der Energiesituation nicht

- 14 -

�Militärhilfe
Die internationale Sicherheitshilfe ist ein wesentliches Instrument
für die Erreichung unserer außenpolitischen Ziele. Sie besteht aus der
Militärhilfe und der sicherheitsbezogenen Wirtschaftshilfe (Fonds für
wirtschaftliche Unterstützung und Maßnahmen zur Friedenssicherung). Diese
Programme geben die Grundlage für die Fähigkeit unseres Landes ab, Verbündeten
und befreundeten Nationen bei der Aufrechterhaltung notwendiger Verteidigungskräfte zu helfen und die wirtschaftliche Stabilität in Gebieten zu fördern,
in denen die Vereinigten Staaten besondere Sicherheitsinteressen haben.
Die Militär- und die sicherheitsbezogene Wirtschaftshilfe werden auch im
Zusammenhang mit amerikanischen Militärbasen und Einrichtungen im Ausland
herangezogen. Diese Programme werden die Vereinigten Staaten auch künftig
in die Lage versetzen, sich für den Frieden im Nahen Osten einzusetzen,
Südostasien rechtzeitig Hilfe zu gewähren, die Südostflanke der NATO zu
stärken, zur Aufrechterhaltung eines stabilen Kräftegleichgewichts auf der
koreanischen Halbinsel beizutragen und die Länder Lateinamerikas in dem
Streben zu unterstützen, die Bedrohungen ihrer Unabhängigkeit und demokratischen Institutionen abzuwehren. Sie werden von entscheidender Bedeutung
auch für den Erfolg unserer Anstrengungen sein, den Herausforderungen zu
begegnen, die die Ereignisse in Afghanistan und in anderen Gebieten der
Erde darstellen

Das Schwergewicht der Militärhilfeprogramme wird sich weiterhin
von nichtrückzahlbaren Zuschüssen auf Kredite verlagern - ein Trend, der
neben der verbesserten militärischen Fähigkeit einiger Empfängerstaaten,
die geleistete Hilfe zu bezahlen, den Auftrag des Kongresses widerspiegelt,
die nichtrückzahlbare Militärhilfe um rund 1 Milliarde Dollar zu kürzen

Internationale

- 17 -

�Internationale Finanzierungsprogramme
Zweck unserer internationalen Finanzierungsprogramme ist es, die
amerikanischen Interessen durch Verbesserung der Funktionsweise des
internationalen Finanzierungssystems zu fördern und die amerikanische
Beteiligung am Welthandel zu erleichtern.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

wurde das internationale Finanzierungssystem durch eine engere Zusammenarbeit unter den Regierungen gestärkt.

Dennoch bestehen manche Probleme

und Marktschwächen fort, die staatliche Maßnahmen zur Erleichterung der
amerikanischen kommerziellen Ausfuhren und der militärischen Lieferungen
ins Ausland erforderlich machen.

Darüber hinaus besteht das Bedürfnis,

das Eigenkapital des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu erhöhen, um
ihn in die Lage zu versetzen, wirtschaftliche Programme zu fördern, die
Mitgliedstaaten in der Absicht unternehmen, Zahlungsbilanzschwierigkeiten
zu beseitigen um auf diese Weise zur weltweiten Währungsstabilität beizutragen.

Die Mitgliedstaaten des IWF haben sich auf eine 50prozentige

Erhöhung ihrer Einlagen im IWF geeinigt, die im Kalenderjahr 1980 erfolgen
soll.

Die Administration ersucht den Kongreß um die Billigung der

amerikanischen Beteiligung an dieser Kapitalerhöhung.

Beim derzeitigen

Wechselkurs wird die amerikanische IWF-Quote von 11 Milliarden auf 16,5
Milliarden Dollar aufgestockt.
Im Einklang mit der Politik der Ausfuhrförderung des Präsidenten
erfuhren die Programme der Export-Importbank eine beträchtliche Ausweitung.
Das geplante Ausleiheplafonds wird beibehalten; es wird der Bank gestatten, Finanzierungen durch den privaten Sektor der Wirtschaft zu ergänzen und, wo erforderlich, in Wettbewerb mit staatlichen Krediten zu
treten."

+ + + + +

- 18 -

�- Reform des Patentrechts und Einschränkung des staatlichen Verordnungswesens sowie bestimmter Steuern, um die industrielle Forschung und Entwicklung zu fördern.

50 Millionen Dollar sind für Innovationsaktivitäten

der Industrie, einschließlich der Einrichtung von Technologiezentren, vorgesehen; mit 13 Millionen Dollar des Betrages ist die Forschungsaktivität von Kleinbetrieben zu unterstützen.
- Mit 4,011 Milliarden Dollar für Forschungs- und Entwicklungsprojekte auf
dem Gebiet des Gesundheitswesens werden ca. 17 400 Kontrakte mit privaten
Institutionen und Universitäten sowie Projekte an Bundesinstituten wie
dem Krebsinstitut der Medizinischen Bundesforschungsanstalten (NIH) in
Bethesda (Maryland) finanziert.
- Um neue Bewilligungen in Höhe von 5,106 Milliarden Dollar für Forschung
und Entwicklung hat das Energieministerium ersucht. Dieser Betrag soll
unabhängig von Forschungsmitteln aus der sog. Situationsgewinnsteuer
(Windfall Profits Tax) zur Verfügung gestellt werden. Wie Dr. Press erklärte, seien aus diesem Fonds nach Verabschiedung des Gesetzes durch
den Kongreß mindestens 4,6 Milliarden Dollar für Energieforschungszwecke
zu erwarten.
- Von den für die Nationale Wissenschaftsstiftung (NSF) vorgesehenen
1,056 Milliarden Dollar sind ca. 80 Prozent für Grundlagenforschung an
Universitäten und privaten Institutionen bestimmt. Außerdem dürfte das
US-Verteidigungsministerium seine Zuwendungen an Universitäten für Auftragsforschungen um 25 Prozent erhöhen.
Im neuen Bundeshaushalt sind außerdem zahlreiche Beträge in Millionenhöhe
für Sonderprojekte vorgesehen: z.B. pflanzliche und tierische Agrarforschung,
Umweltforschung, die Anstellung von wissenschaftlichen und technologischen Beratern bei der Verwaltung größerer Städte und die Ausbildung von Oberschülern
aus Minderheitengruppen an naturwissenschaftlichen Universitätslaboratorien
(1000 Schüler im Jahr 1980, 2000 im Jahr 1981).
Auf
- 3 -

�Auf dem Gebiet der internationalen Zusammenarbeit wird die Kooperation
mit chinesischen Wissenschaftlern ausgeweitet - ein Projekt, das mit zusätzlich zwei Millionen Dollar finanziert werden soll. Ein neues Abkommen mit
der Volksrepublik China sieht gemeinsame Studien in der Erdbebenforschung und
die Teilnahme Chinas am amerikanischen LANDSAT-Programm (Satelliten zur Fernerkundung der Erde) vor. China beabsichtigt den Kauf einer Bodenstation für
den Direktempfang von LANDSAT-Daten. Die beiden Länder werden auch die Möglichkeiten für künftige neue Gemeinschaftsprojekte auf so verschiedenartigen
Gebieten wie Umwelt, Verkehr, Grundlagenforschung, Luftfahrt, Nuklearenergie,
Elektronik und Fernmeldewesen sondieren. Die bereits bestehende Zusammenarbeit auf Gebieten wie Raumfahrttechnik, Aeronomie, Medizin und öffentliches
Gesundheitswesen wird fortgesetzt.

+ + + + +

�ml-

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

4. Februar 1980

REKORDETAT FÜR WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Präsident Carter fordert mehr als 38 Milliarden Dollar für 1981 -

WASHINGTON - (AD) - In dem Haushaltsvoranschlag Präsident Carters für 1981
sind mehr als 38 Milliarden Dollar für Wissenschaft und Forschung vorgesehen.
Mit dieser Summe werden - inflationsbereinigt und bezogen auf das Gesamtbudget •
die Rekordaufwendungen vom Jahr 1968, als sich das APOLLO-Programm auf seinem
Höhepunkt befand, zum ersten Mal übertroffen. Mehr als zwei Milliarden Dollar
sind für Institutsbauten und Forschungsausrüstungen, 20 Millionen Dollar für
die Modernisierung von Laboratorien vorgesehen. Der Rest von über 36,1 Milliarden Dollar, 13 Prozent mehr als im Haushaltsjahr 1980, dient der in Bundesregie oder im Regierungsauftrag durchgeführten Aktivitäten von Forschung und
Entwicklung. Davon entfallen fast 5,1 Milliarden Dollar auf die Grundlagenforschung.
Wie Dr. Frank Press, der Wissenschaftsberater Präsident Carters, berichtet, sieht der Präsident in der Grundlagenforschung ein wichtiges Instrument
zur Sicherung der Zukunft auf wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Gebiet.
Seit der Vorlage seines ersten Budgets für das Finanzjahr 1978 wurde dieser
Posten um 40 Prozent erhöht (inflationsbereinigt: 9 Prozent), während die
Steigerung für das Gesamtbudget bei ca. fünf Prozent liegt. Sie beträgt für

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�für das Haushaltsjahr 1981 gegenüber dem Vorjahr im Durchschnitt 12 Prozent;
auf die einzelnen Fachgebiete entfallen Erhöhungen zwischen neun und 28 Prozent.

Diese Aufteilung läßt Schwerpunkte erkennen - so soll die Computerfor-

schung mit 28 Prozent, die mathematische und physikalische Grundlagenforschung
mit 16,7 Prozent mehr Mitteln ausgestattet werden.
Zu den wichtigen Einzelprojekten, die aus dem Wissenschaftsetat finanziert werden sollen, gehören:
- Ein Weltraumobservatorium für den Gammastrahlenbereich zur Beobachtung
von Objekten und Prozessen im Universum mit der höchsten Energieumsetzung
- Neutronensterne, explodierende und pulsierende Sterne, Quasare,
Galaxien, kollidierende Galaxien und sog. schwarze Löcher.
- Neuartiger Satellit für die Datenmessung über den Weltmeeren - ein Gemeinschaftsprojekt der Marine, der Weltraumbehörde NASA und der Bundesbehörde
für Meeres- und Atmosphärenforschung (NOAA).
- Erster Testflug des Raumtransporters (Space Shuttle) auf orbitaler Bahn.
Das NASA-Budget wurde gegenüber 1980 um 16 Prozent erhöht.
- Wissenschaftliches Zehnjahres-Programm zur Erforschung und Bestimmung der
Art der Sedimente in der Grenzzone zwischen Kontinentalabfall und Tiefseeboden. Für diese Gemeinschaftsaufgabe der Nationalen Wissenschaftsstiftung (NSF) und der amerikanischen Ölindustrie wird die GLOMAR EXPLORER
mit Bohrausrüstungen versehen, die bei Suchbohrungen im Meer ein Durchgehen der Quelle beim Anzapfen eines ölfeldes verhindern. Die GLOMAR
EXPLORER kann bei Wassertiefen bis 4000 m als Bohrschiff operieren und die
Bohrung etwa 2400 m in die Erdkruste vortreiben.
- Ein mit 1 Milliarde Dollar ausgestattetes Zehnjahres-Projekt gemeinschaftlicher Fahrzeugforschung von Industrie, Verkehrsministerium und NSF.
- Reform

�4. Februar 1980

8

EINSPARUNG - KOHLE - SONNENENERGIE
Schwerpunkte auf dem Energiesektor im neuen US-Haushalt

WASHINGTON - (AD) - In seinem Haushaltsvoranschlag für das Finanzjahr
1981 ersucht Präsident Carter den amerikanischen Kongreß, mehr Geld für Projekte zur Energieeinsparung, für Kohle- und Solarenergie-Forschung bereitzustellen.

Dagegen sollen die Mittel für Forschungen auf dem Gebiet der Kern-

spaltung gekürzt werden, was vor allem mit der Beendigung des Brutreaktor-Projekts Clinch River in seiner ursprünglichen Form in Zusammenhang steht. Mit
einem auf 50 Prozent gekürzten Etat wird nur noch ein Basisprogramm weitergeführt, das die Verfügbarkeit und Verbesserung der Brütertechnologie für den
Fall sichert, daß sie später gebraucht wird.
nächsten Jahrhunderts eintreten.

Dies dürfte kaum vor Beginn des

Und bis dahin könnten auf diesem Gebiet neue

Entwicklungen so weit gediehen sein, daß der Brutreaktor keine Gefahrenquelle
mehr für die mögliche Weiterverbreitung von Kernwaffen darstellt.

Im Gegen-

satz zum Brutreaktor wird jedoch der Leichtwasserreaktor auch künftig, und
zwar mit aufgestockten Mitteln, gefördert.

Auch für die nukleare Entsorgung

hat Präsident Carter mehr Geld angefordert, ebenso für Kernbrennstoff-Studien
zur Verringerung des Uran-Anreicherungsgrades, was ebenfalls der nuklearen
Proliferation entgegenwirken könnte.
Alles

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Alles in allem ersucht Präsident Carter um eine Aufstockung der Mittel
für das Energieministerium um acht Prozent.

Die tatsächlichen Aufwendungen

für Energieprogramme jeder Art seitens der amerikanischen Regierung im Finanzjahr 1981 werden auf 8,1 Milliarden Dollar geschätzt - 400 Millionen Dollar
mehr als im laufenden, am 30. September 1980 endenden Haushaltsjahr, und 1,3
Milliarden Dollar mehr als im Jahr davor.

Die Aufwendungen sollen künftig

sprunghaft weiter steigen und z.B. 1983 ca. 13,5 Milliarden Dollar erreichen.
Inwieweit jedoch der für 1981 zusätzlich angeforderte Betrag von 2,4 Milliarden Dollar für den Ausbau der strategischen ölreserve

in unterirdischen

Lagern benötigt wird, hängt nach Aussage von Energieminister Charles Duncan
von der Verfügbarkeit zusätzlicher ölmengen und Verhandlungen der USA mit
ihren internationalen Partnern ab. Aus dem Haushaltsentwurf ausgeklammert
blieben jedoch die 20 Milliarden Dollar, die für die erste Phase eines Programms zur Produktion synthetischer Brennstoffe und einige andere Aktivitäten
auf dem Energiesektor vorgesehen sind.

Denn deren Finanzierung soll aus der

Situationsgewinnsteuer (Windfall Profit Tax) für die Mineralölindustrie erfolgen, über die der Kongreß gegenwärtig abschließend befindet.
Maßnahmen zur Energieeinsparung werden zum ersten Mal mit einem Betrag
finanziert, der die Einmilliarden-Dollarmarke überschreitet.

Duncan bezeich-

net diese Aktivitätten als "den Eckstein" des Programms des Energieministeriums
für 1981. Sie umfassen Forschung, Beihilfen und Steuererleichterungen für private Haushalte und Betriebe, die energiesparende Maßnahmen durchführen,sowie
ein Programm zur Information der Öffentlichkeit.
Der größte Einzelposten im Energie-Forschungsetat von mehr als vier Milliarden Dollar entfällt mit einer Milliarde Dollar auf die Kohleforschung.
Dazu gehören auch zwei Demonstrationsanlagen für die Gewinnung synthetischer
Flüssigbrennstoffe nach dem SRC-Verfahren. Ein drittes Projekt hat die Umwandlung von Kohle in Gas der Qualität von Fernleitungsgas zum Ziel. Andere
Forschungs- und Entwicklungsprojekte z.B. die Wirbelbettverbrennung zur Verwertung stark schwefelhaltiger Kohle bei verstärkter Schadstoff-Abfilterung,
werden fortgesetzt.
Mehr
- 2 -

�Mehr Mittel als im laufenden Haushaltjahr sollen für elektrische Energiesysteme und die Energiespeicherung eingesetzt werden. Dies gilt vor allem für
fotoelektrische Systeme mit Sammlerplatten, die Stromerzeugung aus Wind und
Wärme, supraleitende Kabel und Studien über Umweltauswirkungen. Auch die Entwicklung von besseren Batterien und von Schwungradbremsen für Elektroautos
zählen dazu. Insgesamt sind für Sonnenenergie, geothemische Energie und Wasserkraft 870 Millionen Dollar vorgesehen (1980: 770 Millionen Dollar). Die
Summe schließt Forschungsmittel für bessere Umwandlungssysteme bei der Nutzung
von Biomassen und neue Technologien zur Energiegewinnung aus kaltem Tiefenwasser im Meer vor den Küsten Hawaiis ein. Stärker als bisher sollen Forschungsprojekte gefördert werden, die zum Ziel haben, mittels magnetischer Fusion
elektrischen Strom auf sichere, billige und umweltfreundliche Weise zu erzeugen.

+ + + + +

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erste Pressekonferenz von Präsident Reagan&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Außenpolitische Fragen im Vordergrund -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Haig zeigt die Grundlinien der US-Außenpolitik auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erste Pressekonferenz des neuen US-Außenministers -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Donald T. Regan zur amerikanischen Wirtschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Der neue Finanzminister umreißt die Politik der Regierung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Countdown für "Columbia"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Vorbereitungen zum Start des Raumtransporters laufen auf Hochtouren -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Gerd Weiss&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>&lt;&lt;fc°s*&lt;

AMERIKA DIENST

VoN**

4 . Februar 1987
.

I N H A L T

DOKUMENTATION
Der Trugschluß des "Großen Kompromisses'
- Rede von Kenneth L. Adelman in Bonn -

WIRTSCHAFT
Reagan: Handel und Landwirtschaft wichtigste Probleme im Jahr 1987
- Jahreswirtschaftsbericht des Präsidenten -

HINTERGRUNDMATERIAL
Strategie zur Nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten
- Bericht der Reagan-Administration an den Kongreß (Teil I und II)
Rh

U

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Lehrbeispiel "VOYAGER"
- Experimentierflugzeug aus metallfreiem Verbundmaterial gibt
Luftfahrttechnik neue Impulse -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

"VoN^

4. Februar 1987

DER TRUGSCHLUSS DES "GROSSEN KOMPROMISSES"
- Rede von Kenneth L. Adelman in Bonn -

BONN - (AD) - In einer Rede vor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige
Politik in Bonn hat der Direktor des US-Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) , Kenneth L. Adelman, am 2. Februar 1987 davor gewarnt, SDI in
einer Art "Großem Kompromiß" gegen Rüstungskontrolle zu tauschen. Dies habe
schon einmal, nämlich im Falle des ABM-Vertrages von 1972, trotz erheblicher
Beschränkungen für Verteidigungssysteme zu einer erheblichen Vermehrung der
Offensivwaffenpotentiale geführt. Dagegen würden "wirksam und angemessen ausgelegte Verteidigungssysteme... stabilisierend wirken. Sie würden die Stabilität in Krisen erhöhen," erklärte Adelman.
Die Ansprache von Kenneth L. Adelman hat folgenden Wortlaut:

Heute nachmittag möchte ich mit
Ihnen über das weitaus interessanteste Thema im Bereich der Nationalen
Sicherheit
und
Rüstungskontrolle
sprechen, über die Strategische Verteidigungsinitiative.
Seit Präsident
Reagan im März 1983 seine Idee einer
Verteidigung gegen ballistische Flugkörper verkündete, sind wir Zeuge eines bemerkenswerten
Denkwandels im
Bereich nationaler Sicherheit und Rüstungskontrolle geworden.
Neue und
aufregende Möglichkeiten haben sich
ergeben. Ich glaube, daß viele Men-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

schen nun dank SDI anfangen, unserer
Zukunft hoffnungsvoller entgegenzusehen.
Sicherlich
hält die Zukunft
noch interessantere Möglichkeiten bereit.
Ich möchte
lung nehmen:
Erstens:

zu vier

Fragen

Stel-

Wird SDI funktionieren?

Zweitens: Sollten wir, indem wir
die Initiative im Austausch für Rüstungsverringerungen auf einen sogenannten "Großen Kompromiß" beschrän-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ken, SDI den Sowjets überlassen?
Drittens:
Wird die strategische
Verteidigung gegen ballistische Raketen die nukleare Stabilität fördern
oder schädigen, und auf welche Weise
wird sie das tun?
Und schließlich:
Sind Verteidigungssysteme mit der Rüstungskontrolle vereinbar?
Zur ersten Frage: Wird SDI funktionieren?
Sind Verteidigungssysteme
machbar?
Der
Zweck
des
SDI-Programms, das in völliger Übereinstimmung mit allen seitens der Vereinigten Staaten in Verträgen eingegangenen Verpflichtungen,
einschließlich
derer des ABM-Vertrages von 1972,
durchgeführt wird, wird diese Frage
beantworten. Ich möchte betonen, daß
dieses Programm uns alle im westlichen Bündnis angeht. Wir glauben,
daß darin ein großes Versprechen zur
Anhebung der Sicherheit all unserer
Länder, einzeln wie auch zusammengenommen, liegt; ein Versprechen, das
durch die getrennten Beiträge der
verbündeten Staaten zu dieser gemeinsamen Anstrengung wahr gemacht wird.
Der Vorteil, den wir demokratischen
Verbündeten auf unserer Seite haben,
besteht in der Dynamik und Kreativität unserer Technik.
wir haben mit
unseren Verbündeten auf diesem Gebiet
weitgehende Konsultationen unternommen und werden das auch weiterhin
tun.
Es versteht sich von selbst,
daß bei unserem gemeinsamen Vorgehen
in bezug auf dieses Programm wie auch
bei unseren gesamten Verteidigungsanstrengungen die ungeteilte Sicherheit
der Verbündeten weiter besteht.
Die
Sowjets
sagen
natürlich
"nein" zur Frage der Durchführbarkeit
von SDI. Wenigstens sagen sie das in
der Öffentlichkeit. Zu uns sagen sie
nein, aber die Antwort würde bei ih-

nen selbst anders lauten.
Tatsachlich haben sie im Verlauf der letzten
zehn Jahre 150 Milliarden Dollar in
verschiedene Verteidigungssysteme und
in die Forschung für die Verteidigung
gepumpt - etwa fünfzehnmal soviel wie
die Vereinigten Staaten. Das ist für
die Sowjets viel Geld, um es angesichts
ihrer
bescheidenen
Wirtschaftslage für ein Projekt auszugeben, das keinen Erfolg verspricht.
Taten sind in diesem Fall vielsagender als Worte. Ironischerweise waren
eine Reihe von Wissenschaftlern, die
öffentlich an ihre westliche Kollegen
appelliert
haben, sich
gegen
das
westliche SDIProgramm zu wenden
Wissenschaftler
wie Velikow, Basow
und Prokorow - hinter den Kulissen
erheblich mit der sowjetischen Version von SDI befaßt.
Auch
einige
westliche
Wissenschaftler sagen "nein" zur Frage der
Anwendbarkeit
einer
strategischen
Verteidigung.
Nicht etwa alle Wissenschaftler, aber doch einige. Interessant ist dabei, daß einige derselben
amerikanischen
Wissenschaftler, die jetzt argumentieren, die
strategische Verteidigung funktioniere nicht, vor fünfzehn Jahren behaupteten, die Sowjets könnten amerikanische
landgestützte
Raketen nicht
gegenüber einem Präventivschlag verwundbar machen, wenn wir den ABM-Vertrag
unterzeichneten.
Diesen Fall
haben sie wohl unterschätzt.
Die Technik ist tatsächlich nur
schwer vorhersehbar und die Menschen
neigen dazu, sie zu unterschätzen.
Ich möchte ihnen einige Aussagen von
Wissenschaftlern und anderen Persönlichkeiten vortragen, die sie sicher
amüsant finden werden.
Der
Edison:

erste

Satz

ist

von

Thomas

�"Das Spiel mit dem Wechselstrom
ist reine Zeitverschwendung. Niemand
wird ihn jemals verwenden; er ist zu
gefährlich...
Gleichstrom ist viel
sicherer" .
Simon Newcomb schrieb 1903:
"Der Flug durch die Luft gehört
zu den Problemen, die die Menschheit
niemals bezwingen wird".
Lee DeForrest argumentierte 1926:
"Obwohl das Fernsehen theoretisch
und technisch machbar
ist, glaube
ich, daß es finanziell und kommerziell unmöglich wäre; eine Entwicklung, mit deren Traum wir nicht unsere Zeit verschwenden sollten".
Admiral William Leahy, Präsident
Truman's Stabschef, warnte 1945:
"Die
(Atom-)Bombe wird
hochgehen; ich spreche als
stoff experte" .

niemals
Spreng-

Und hier ein abschließender Satz,
den ein Wissenschaftler 1932 schrieb:
"Es gibt nicht den leisesten Hinweis darauf, daß wir jemals (Kern-)
energie erhalten könnten. Das würde
bedeuten, wir müßten das Atom auf Befehl spalten".
Der Wissenschaftler
Einstein.

hieß

Albert

Tatsache ist, daß seit unserer
letzten Debatte über eine Verteidigung gegen ballistishe Flugkörper vor
siebzehn Jahren eine technische Revolution stattgefunden hat. Sie können
die Anzeichen dieser Revolution überall in Ihrer Umgebung feststellen in Ihrem Büro, in den Klassenzimmern
Ihrer Kinder, in Ihrem Wohnzimmer, am
Armaturenbrett Ihres Wagens. Es gibt

Schreibmaschinen, die Sie daran erinnern, was Sie geschrieben haben und
Ihnen mitteilen, wenn Ihnen ein Tippfehler unterlaufen ist; kleine Computer, die Sie auf die Knie setzen und
die dieselbe Kapazität haben wie die
gewaltigen
Maschinen der
fünfziger
Jahre und Tausende von Schritten in
der Minute durchführen können; Armaturenbretter,
die
sprechen
können
(auch wenn sie noch nicht viel Interessantes zu sagen haben) - die Auswirkungen
der
Mikrocomputer-Revolution sind allgegenwärtig.
Dasselbe
technische
Wunderwerk,
das dem Lehrer einen neuen Apfel
(apple) auf das Pult gelegt hat - einen Apple-Computer - hat uns einer
Sache nähergebracht, die vor einigen
Jahren noch absurd schien: eine Kugel
mit einer Kugel zu treffen. Tatsache
ist, daß dieser Trick mit Hilfe moderner Technik durchführbar ist. In
dem von den Vereinigten Staaten vor
einigen Jahren durchgeführten Zielüberlappungsexperiment ist es uns gelungen, einen Gefechtskopf im All zu
treffen.
Techniken der Präzisionssteuerung verwandeln die militärische
Landschaft.
Sie
lassen
uns
auch
Hoffnung
schöpfen.
Das
wollte
Präsident
Reagan im März 1983 darlegen.
Wenn
wir westlichen Einfallsreichtum walten lassen, könnte die Technik der
Präzisionssteuerung sogar das im August 1945 aufgestellte eherne Gesetz
widerlegen, daß der Angriff gegenüber
der Verteidigung
immer
im Vorteil
ist. Werden die Sowjets Gegenmaßnahmen gegen eine strategische Verteidigung entwerfen? Natürlich werden sie
das tun; sie werden es zumindest versuchen. Aber wir sollten immer daran
denken: Gegenmaßnahmen
haben
ihren
Preis. Es ist einfacher und kostengünstiger, auf dem Papier Gegenmaßnahmen zu erarbeiten als diese in der

- 3 -

�Praxis durchzuführen.
Und Gegenmaßnahmen könnten sich am Ende als gar
nicht wirkungsvoll erweisen. Wie alle anderen Systeme brauchen auch offensive Gegenmaßnahmen Zeit zur Entwicklung und Stationierung, und die
recht starre Abwicklungspraxis seitens der Sowjets könnte eine Anpassung ihrer Offensive an unsere Verteidigung zu einem schwierigen Problem werden lassen. Wenn es mittels
SDI gelingt, beide Seiten zu zwingen,
ihre besten
technischen
Bemühungen
auf ein Verteidigungssystem hin zu
orientieren, das Waffen zerstört, und
nicht auf offensive Waffen, die Menschen zerstören, wird dieses System
einen positiven Beitrag geleistet haben.
Kurz gesagt: über die Frage, ob
eine strategische Verteidigung durchführbar sei, ist das letzte Wort noch
nicht gesprochen.
Aber ich bin da
recht optimistisch.
Frage zwei: Sollten wir an diesem Punkt SDI gegen Rüstungskontrolle
in einer Art "Großem Kompromiß" eintauschen?
Es heißt, daß diejenigen,
die die Geschichte vergessen, gezwungen sind, sie zu wiederholen.
Nur
wenige sind sich darüber im klaren,
daß wir schon einmal die Taktik des
"Großen Kompromisses" bei den Sowjets
angewandt haben, und es hat nicht besonders gut funktioniert.
Den ersten "Großen Kompromiß" gab
es 1972, als die Sowjets und wir den
ABM-Vertrag unterzeichneten.
Es ist
der wichtigste Zweck des ABM-Vertrages, den Weg für eine sinnvolle Rüstungskontrolle bei Offensivwaffen zu
bereiten. Das Konzept besteht darin,
daß wir, indem wir das Recht zur Stationierung einer landesweiten Verteidigung
gegen
ballistische
Raketen
aufgeben, bei den Offensivwaffen ein
Wettrüsten vermeiden und wahren Ver-

ringerungen
in nuklearen Arsenalen
Vorschub leisten würden.
Beschränkungen bei der Verteidigung galten
als Schlüssel für Verringerungen bei
den offensiven Nulearwaffen.
Die Präambel des ABM-Vertrages
enthält ausdrücklich dieses Ziel von
"Verringerungen" bei Offensivwaffen.
Einer meiner Vorgänger bei (der amer ikanischen
Rüstungskontrollbehörde)
ACDA und Leiter der amerikanischen
Delegation, die diesen Vertrag aushandelte, Gerard Smith, gab im Mai
1972 im Namen der amerikanischen Regierung eine Erklärung ab, in der es
hieß, daß 'höchstrangige Interessen'
der
Vereinigten
Staaten
gefährdet
sein könnten und wir uns vom Vertrag
zurückziehen
müßten, wenn
es
uns
nicht gelänge, innerhalb von fünf
Jahren umfassendere Beschränkungen zu
erlangen. Das war 1972.
Trotz der Tatsache, daß wir unserer Verteidigung erhebliche Beschränkungen auferlegten, ist es uns niemals wirklich gelungen, die andere
Hälfte des Handels zu verwirklichen.
Im
Jahr
1977
schickte
Präsident
Carter
seinen
Außenminister
Cyrus
Vance mit Vorschlägen für einschneidende Verringerungen bei Offensivwaffen nach Moskau.
Hier gab es also
die Art von Rüstungskontrolle, auf
die alle gehofft hatten - wahre Verringerungen bei nuklearen Offensivwaffen.
Aber es war nichts zu machen. Die Sowjets wollten Vance mit
solchen Vorschlägen kaum anhören, und
Präsident Carter legte sie zur Seite.
Als der SALT II-Vertrag schließlich
1979 unterzeichnet wurde, erlaubte er
erhebliche Steigerungen für die Arsenale beider Seiten.
Als es um die Beschränkung des
Wettbewerbs bei Offensivwaffen ging,
ließen sich die Sowjets ebensowenig
von unserem Beispiel beeindrucken wie

�schon vorher von unseren Vorschlägen
für einen Rüstungsabbau.
Trotz der
Tatsache, daß die militärischen Ausgaben der Vereinigten Staaten Ende
der siebziger Jahre real zurückgingen, stiegen die sowjetischen Ausgaben und die Stationierungen von Nuklearwaffen weiter an.
1979 fasste
der
damalige
Verteidigungsminister
unter Präsident Carter, Harold Brown,
das vergangene Jahrzehnt
zusammen.
"Wenn wir aufrüsten, rüsten sie auch
auf; wir wir abrüsten, rüsten sie
trotzdem weiter auf...".
1970, als die Idee des ABM-Vertrages zur Diskussion stand, erklärte
ein Wissenschaftler vom MIT namens
Bernard Feld vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats zu den Vorteilen einer Einschränkung der strategischen
Verteidigung:
Die Entscheidung bezüglich einer
Raketenabwehr ist äußerst wichtig
für die gesamte Zukunft der Rüstungskontrolle, weil sie zu einer Zeit getroffen wird, in der
beide Seiten sich bei der Zahl
ihrer Nuklearwaffen auf Niveaus
eingependelt zu haben scheinen,
die in allen Fällen so beschrieben werden können, daß sie ungefähren
Gleichstand
aufweisen,
wenn es auch der Gleichstand einer gigantischen Möglichkeit des
"Overkill" auf beiden Seiten ist.
Das war die typische Meinung von
1970 - die Verteidigung zurückzuhalten, um dann in der Lage zu sein, Offensivwaffen
abzubauen oder wenigstens deren Zahl auf einem stabilen
Niveau zu halten. Was glauben Sie,
ist mit den sowjetischen Arsenalen
offensiver
Nuklearwaffen
geschehen,
seitdem wir
zugestimmt haben, die
strategische Verteidigung durch die
Unterzeichnung des ABM-Vertrages im
Jahr 1972 einzuschränken?
Das so-

wjetische Inventar strategischer Nuklearwaffen - Gefechtsköpfe ballistischer Raketen und Bomber - hat nicht
nur zugenommen, es hat sich vervierfacht.
Und die Waffen sind zielgenauer geworden, haben eine größere
Zerstörungskraft und gefährden amerikanische landgestützte Interkontinentalraketen.
Im selben Zeitraum hat
sich unser Arsenal strategischer Waffen etwa verdoppelt. So viel zur Annahme, daß die Beschränkung der Verteidigung der Schlüssel zum Abbau von
Offensivwaffen
ist.
Soviel
zum
"Gleichstand".
Der Große Kompromiß von 1972 hat
nicht zum Abbau von Offensivwaffen
geführt. Er war - wenigstens auf sowjetischer Seite - auch nicht besonders wirkungsvoll bei der Beschränkung
der
Verteidigung.
Bei
der
grundlegenden Haltung der Sowjets zum
Wert einer Verteidigung hat sicher
nur ein geringer Wandel stattgefunden.
Ich habe bereits auf unsere
beste Schätzung der sowjetischen Ausgaben der vergangenen zehn Jahre für
die Luft- und strategische Verteidigung hingewiesen - 150 Milliarden
Dollar gegenüber zehn Milliarden auf
amerikanischer Seite.
Auf Drängen des Kongresses haben
die Vereinigten Staaten auf die ABMVereinbarungen
der Jahre 1972 und
1974 reagiert, indem sie ihr kleines
erlaubtes
Versuchsgelände
für
ABM
schlössen und die Mittel zur Forschung im Bereich der Raketenabwehr
drastisch kürzten. Aus welchen Gründe auch immer nahmen die Vereinigten
Staaten die Haltung "Keine Verteidigung" an.
Die Sowjets taten nichts dergleichen.
Während wir unsere Verteidigung außer Kraft setzten, haben im
Gegenteil die sowjetische Forschung
und ihre Aktivitäten zur Raketenab-

- 5 -

�wehr stetig zugenommen - letztlich
sogar in dem Ausmaß, daß sie den ABMVertrag auf eine ernstliche und sehr
offensichtliche Art und Weise verletzten. Was haben sie getan?
Die Sowjets haben zunächst, wie
dies auch der Vertrag erlaubt, ihr
Raketenabwehrsystem
um Moskau aufrechterhalten und weiter ausgebaut sie haben tatsächlich ein neues System geschaffen. Es besteht Besorgnis darüber, daß die Fließbänder, die
Bestandteile
dieses
neuen
Systems
herstellen, auch dazu verwendet werden könnten, eine breiter angelegte
Stationierung von Raketenabwehrsystemen zu unterstützen könnten.
Zweitens haben die Sowjets, wie dies auch
im ABM-Vertrag erlaubt ist, ihr Netz
der mit Frühwarnsystem ausgerüsteten
Radaranlagen erweitert und ausgebaut.
Neun neue Radaranlagen sind im Bau,
von denen drei in diesem Jahr entdeckt worden sind.
Eine dieser Radaranlagen in der Nähe von Krasnojarsk in Sibirien stellt in ihrem
Aufbau und in ihrer Ausrichtung die
eindeutige Verletzung einer Schlüsselbestimmung des ABM-Vertrages dar.
Die Errichtung solcher großen Radaranlagen mit phasengesteuerter Abtastung (LPARs) seitens der Sowjets
und das vertragswidrige Auftreten einer dieser Radaranlagen - in Krasnojarsk, tief im Inneren der Sowjetunion - erhöhen die Besorgnis über
die sowjetische Fähigkeit zum "Ausbruch" aus dem ABM-Vertrag.
Solche
LPARs könnten die Produktion und die
Stationierung solcher Komponenten einer
landesweiten Verteidigung, die
eine lange Vorbereitungszeit erfordern, bedeuten.
Diese großen Radaranlagen mit phasengesteuerter Abtastung sind schlagkräftiger und leistungsfähiger als amerikanische Frühwarn-LPARs gegen ballistische Raketen.

Die auf sowjetischer Seite offensichtlich
betriebene Erprobung
und
Staionierung der für ein ABM-System
erforderlichen Komponenten, die eher
in Monaten als in Jahren auf einem
bestimmten
Gelände zu stationieren
wären, könnten ebenfalls zum "Ausbruch" aus dem ABM-Vertrag führen.
Darüber hinaus weckt die mögliche Erprobung von Komponenten der Luftverteidigung im Rahmen von ABM und die
mögliche ABM-Fähigkeit eines modernen
Boden-Luft-Raketen Systems die weitere Besorgnis darüber, daß die Sowjetunion eine ABM-Verteidigung ihres nationalen
Territoriums
vorbereiten
könnte. Wenn die sowjetischen Komponenten der Luftverteidigung als Ergebnis dieser Aktivitäten mit ABM-Fähigkeiten
ausgerüstet würden, böte
solch eine Entwicklung einen neuen
Weg zum "Ausbruch" aus dem ABM-Vertrag.
Die sowjetischen Komponenten
für
eine
Luftverteidigung
sind
schnell stationierbar, und ihre Leistungsfähigkeit könnte durch die den
großen Radaranlagen mit phasengesteuerter Abtastung immanenten Fähigkeiten verbessert werden.
Zusammengenommen ergibt dies kurz
gesagt ein weites Netz sowjetischer
ABM- und mit ABM in Zusammenhang stehender Aktivitäten oder Stationierungen - in einigen Fällen zulässig, oft
in Frage zu stellen und in einem Fall
eindeutig illegal - die darauf hinweisen, daß die Sowjets eine Verteidigung ihres nationalen Territoriums
vorbereiten.
Das ist genau das Ergebnis, das der ABM-Vertrag verhindern sollte.
Somit war also unser erster Versuch in Sachen Großer Kompromiß nicht
besonders erfolgreich. Statt die Tür
zum Abbau offensiver Waffen zu öffnen, haben wir der Verletzbarkeit unseren eigenen bodengestützten Waffen
Tür und Tor geöffnet.

�Auch aus anderen Gründen wäre die
Grundannahme der vielfach vorgeschlagenen Formel des Großen Kompromises
zu hinter fragen - die Idee, daß weitere Beschränkungen der Verteidigung
unsere Sicherheit verbessern würden
und gleichzeitig zu bedeutungsvollen
Verringerungen bei den Offensivwaffen
führt.
Zunächst einmal sollten wir uns
darüber im klaren sein, daß auch ein
50prozentiger Abbau von Offensivwaffen uns immer noch in einem schrecklichen Ausmaß der nuklearen Vernichtung aussetzen würde. Wir müssen den
Abbau in seinem Umfeld sehen.
Die
Idee einer strategischen Verteidigung
mit nur 90prozentiger
Effektivität
wird weithin kritisiert.
Es heißt,
eine 90prozentige Effektivität reiche
nicht aus.
Aber historisch gesehen
wäre bereits ein in einem Rüstungskontrollabkommen
niedergelegter
50prozentiger
Abbau nuklearer Offensivwaffen ein sehr kühnes Ergebnis.
Auch wenn wir die Arsenale auf ein
Niveau von 50 Prozent beschränken
könnten, so würden Verteidigungssysteme hierzu einen erheblichen Beitrag leisten und die mögliche Zerstörung noch weiter verringern.
Zweitens tendieren die Anhänger
des Großen Kompromisses zu der Annahme, daß wir bei niedrigen Offensivwaffenniveaus keine Verteidigung benötigen. Aber das ist ganz einfach
falsch. Wir würden im Gegenteil mehr
Verteidigungssysteme
benötigen.
Im
Zuge einer Reduzierung der Offensivwaffen würde auf sowjetischer Seite
der Anreiz zur Täuschung wachsen, da
auf niedrigerem Niveau schon eine geringfügige Vermehrung der Waffen einen größeren Effekt hätte. Verteidigungssysteme würden ein Polster und
eine
Versicherung
gegen
Täuschung
bieten.
Nach
einer
Stationierung
- 7

strategischer
Verteidigungssysteme
würde ein potentieller Betrüger aus
einer heimlichen Erweiterung seines
Arsenals weniger Nutzen ziehen. Auch
Drittländer würden von der Stationierung
eigener
ballistischer
Raketen
weniger profitieren - eine Option,
die in einer Welt, in der die beiden
größten Nuklearmächte ihre Arsenale
stark reduziert hätten, sonst sehr
attraktiv erscheinen könnte.
Schließlich
sollten
wir
immer
daran denken, daß Abschreckung dynamisch ist. Nicht nur das bestehende
Gleichgewicht ist bedeutsam, sondern
auch die Trends. In der vorhersehbaren Zukunft wird die Abschreckung natürlich hauptsächlich in der offensiven Vergeltung
bestehen.
Bedenken
Sie, daß die von uns heute getroffenen Entscheidungen in bezug auf Verteidigungssysteme die Optionen schmälern könnten, die uns auf längere
Sicht zur Verfügung stehen.
Obwohl
es uns bis jetzt gelungen ist, die
Stabilität zu gewährleisten, ist der
Trend
beim strategischen Gleichgewicht nicht gerade beruhigend verlaufen. Während der vergangenen eineinhalb Jahrzehnte ist es den Sowjets
gelungen, die landgestützten Interkontinentalraketen
der
Vereinigten
Staaten gegen Präventivschläge verwundbar
zu
machen.
Strategische
Flugzeuge waren immer schon in gewissen Maß verwundbar gegen Zerstörung
am Boden und wären in jedem Fall einer massiven sowjetischen Luftverteidigung
ausgesetzt.
Mobile
Raketen
wären weniger verwundbar, aber sie
wären nicht immun gegen einen Präventivschlag. Und die Sowjets setzen
weiterhin energisch ihre Anstrengungen fort, eine Methode zum Aufspüren
unserer Raketen-U-Boote zu perfektionieren - das einzig verbleibende unverwundbare Standbein unserer Triade.
Die

Technologie

entwickelt

sich

�weiter. Mit oder ohne neue Rüstungsabkommen kann erwartet werden, daß
die sowjetischen Bemühungen, unsere
nukleare
Abschreckung
zunichte
zu
machen, weitergehen.
Wenn man die
Möglichkeit von Fortschritten bei der
Bekämpfung von U-Booten und anderen
Technologien
berücksichtigt,
dann
können Verteidigungssysteme eines Tages nicht nur hilfreich sondern entscheidend für die Erhaltung unseres
Abschreckungspotentials
sein.
Vergessen wir nicht, daß wir im Begriff
sind, durch die von uns heute und in
den nächsten Jahren getroffenen strategischen Entscheidungen eine vielversprechende technologische Zukunft
zu gestalten und zu erschließen.
Ich habe versucht, zwei Fragen zu
beantworten: die nach der Machbarkeit
von SDI und die nach der Ratsamkeit
des
"Großen Kompromisses".
Lassen
Sie mich nun auf die dritte Frage zu
sprechen
kommen:
werden
Verteidigungssysteme die Stabilität erhöhen
oder schmälern?
Hier scheint mir die Antwort ganz
eindeutig.
Wirksame und angemessen
ausgelegte Verteidigungssysteme würden stabilisierend wirken. Sie würden die Stabilität in Krisen erhöhen.
Vielleicht werden sie sogar die Stabilität bei Anzahl und Gleichgewicht
der Streitkräfte erhöhen. Was meine
ich damit?
Einige argumentieren, daß strategische Verteidigungssysteme
automatisch zu einer Zunahme der Offensivraketen führen werden.
Werden Sie
dies wirklich?
Es stimmt, daß das
offensichtlichste
Gegenmittel
gegen
Verteidigungssysteme in mehr Offensivwaffen besteht. Bedenken Sie jedoch, daß im Jahr 1972 viele Experten
voraussagten, die Begrenzungen
des
ABM-Vertrages würden auf beiden Seiten den Wunsch nach Stationierung

neuer
Offensivwaffen
abschwächen.
Die Experten hatten unrecht. Die Erfahrung lehrt vielmehr, daß das einfache Modell "Aktion-Reaktion" für
den
Rüstungswettlauf
ein
recht
schlechter Indikator für sowjetisches
Verhalten ist.
Es gibt in der Geschichte eine
andere Analogie, die es wert ist, untersucht zu werden.
In den fünfziger Jahren besaßen
die Vereinigten Staaten umfangreiche
Luftverteidigungssysteme
gegen
sowjetische Bomber. In jenen Tagen gaben wir für unsere Luftverteidigung
ungefähr zwei Drittel so viel aus wie
für unsere Offensivkapazitäten.
Im
Jahr 1960 waren unsere Ausgaben für
Verteidigungssysteme sogar höher als
für Angriffssysteme. Es ist interessant, daß die Sowjets, als wir so
viel für die Luftverteidigung ausgaben, damit aufhörten, Bomber zu bauen
und begannen, Raketen zu produzieren.
Als wir später unsere Ausgaben für
die Luftverteidigung reduzierten, begannen die Sowjets wieder damit, Bomber zu bauen, was keine Überraschung
ist.
Anders
gesagt:
Es
ist
nicht
klar, daß die Stationierung von Verteidigungssystemen gegen ballistische
Raketen die Sowjets dazu veranlassen
wird, die Zahl ihrer ballistischen
Systeme
zu
erhöhen.
Langfristig
führt sie vielleicht zu einer verringerten Stützung auf ballistische Raketen seitens der Sowjets. Stattdessen mögen sie dazu veranlaßt werden,
in Bomber und Marschflugkörper zu investieren.
Dies bedeutet Vorteile
für uns. Bomber und Marschflugkörper
sind langsamer.
Sie können weniger
verwundbar gemacht werden, indem man
sie in die Luft bringt, was deshalb
in Krisen weniger leicht zu einer
Haltung des "benutz sie oder verlier

�sie" führen kann. Eine Abschreckung,
die primär auf Bombern und langsam
fliegenden Marschflugkörpern beruht,
wird generell stabiler sein als eine
Abschreckung,
die
sich
auf
ein
Gleichgewicht bei ballistischen Raketen gründet.
Verteidigungssysteme bieten noch
weitere Vorteile. Fast jede gut geplante
Verteidigung
würde,
selbst
wenn sie nicht perfekt ist, dazu tendieren, das Kalkül für einen Aggressor,
der
einen
Präventivangriff
plant, zu komplizieren. Dies ist der
entscheidende Punkt, und deshalb würde ein größeres Vertrauen auf defensive Technologien dazu führen, die
Krisenstabilität oder Kriegsverhinderung grundsätzlich zu stärken.
Ein
Angreifer, der Atomwaffen benutzt,
rechnet damit, einen schockierenden,
entscheidenden
Schlag
auszuführen.
Er muß sicher sein können, daß er lebenswichtige militärische Ziele vernichten wird.
Ohne diese Sicherheit
ist der Anreiz für den Angriff beseitigt.
Selbst
Verteidigungssysteme
von begrenzter Wirksamkeit würden dazu beitragen, dem Angreifer diese Gewißheit zu nehmen. Bei den breitgefächerten, vielfältigen Systemen, die
wir erforschen, um unsere Nation und
unsere Verbündeten zu schützen - Systeme die, wie man sagt, einen großen
"Fußabdruck" hinterlassen - besteht
einer der Hauptvorteile darin, daß
das eigene Vergeltungspotential vergleichweise gut geschützt wird.
In
jedem Fall sind Verteidigungssysteme
die beste Methode, um den destabilisierenden Trend in Richtung auf zunehmende Verwundbarkeit unseres Vergeltungspotentials
umzukehren,
den
wir seit den früheren siebziger Jahren beobachten mußten.
Was hat es mit der sowjetischen
Behauptung
auf
sich,
strategische
Verteidigungssysteme seien darauf an-

gelegt, die Erstschlagfähigkeit der
Vereinigten Staaten zu unterstützen?
Lassen Sie mich eines ganz klar feststellen:
die
Vereinigten
Staaten
streben nicht nach der Erstschlagfähigkeit; wir möchten stattdessen dasselbe, was wir während der letzten
eineinhalb Jahrzehnte der Gespräche
über strategische Waffen angestrebt
haben - mehr Stabilität. Wir haben
mehr getan, als bei den Rüstungskontrollgesprächen
einfach
sowjetische
Behauptungen zurückzuweisen; wir haben den Sowjets konkrete Vorschläge
unterbreitet, um den von ihnen zum
Ausdruck gebrachten Anliegen Rechnung
zu tragen. Bei einer beideitigen Annahme dieser Vorschläge würde der Annahme, strategische Verteidigungssysteme unterstützten Erstschlagstrategie, jede Grundlage entzogen.
Erstens haben wir angeboten, die
in einer kontrollierten Ubergangsphase zur Stationierung von Verteidigungssystemen benötigte Mischung aus
offensiven und defensiven Systemen zu
diskutieren, um sichern zu helfen,
daß die Krisenstabilität
in jeder
Phase des Übergangs gewährleistet ist
d.h., daß für keine Seite eine
Erstschlaggefahr
besteht.
Zweitens
haben wir radikale Reduzierungen vorgeschlagen, die zur Abschaffung genau
der bei einer Erstschlagstrategie benutzten Offensivsysteme führen würden
- den offensiven ballistische Raketen. Dieser Abbau sollte in Verbindung mit einem Übergang zu Verteidigungssystemen
durchgeführt
werden.
Ohne offensive ballistische Raketen
wäre ein erfolgreicher Erstschlag unmöglich.
Dies war der Hauptgrund,
warum Präsident Reagan in Reykjavik
den Vorschlag für eine Null-Lösung
bei ballistischen Raketen vorlegte:
um Generalsekretär
Gorbatschow die
konkrete Gewißheit zu verschaffen,
daß SDI kein Element einer Erstschlagstrategie ist. Drittens unter-

- 9 -

�breitete Präsident Reagan die Initiative
der
"offenen
Laboratorien",
durch die es Wissenschaftlern aus den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
ermöglicht
würde, die Forschungsstätten für strategische Verteidigungssysteme im jeweils anderen
Land zu besuchen.
Wir glauben, daß Verteidigungssysteme beiden Seiten dabei helfen können, sich auf ein Ziel hin zubewegen,
das wir
in der
Rüstungskontrolle
schon seit vielen Jahren verfolgen:
eine Bewegung weg von schnell fliegenden, potentiellen Erstschlagwaffen
und hin zu langsamer fliegenden, stabilisierenderen Systemen.
Präsident
Reagan hat sein Äußerstes getan, um
Generalsekretär
Gorbatschow
klarzumachen, daß dies die Richtung ist, in
die wir uns bewegen möchten.
Zusätzlich zur Stärkung der Stabilität
würden
wirksame Verteidigungssysteme auch die Möglichkeiten
nuklearer Erpressung verringern. Eine auf Verteidigung gegründete Welt
bedeutet für die Mächte des Status
Quo einen strategischen und psychologischen vorteil. Seit den fünfziger
Jahren ist die landgestützte ballistische Rakete die bevorzugte Waffe zur
nuklearen Einschüchterung.
Die Sowjets waren die ersten, die im Jahr
1957, dem Jahr, in dem sie den Sputnik starteten, Interkontinentalraketen
testeten
und
stationierten.
Chruschtschow
stellte
übertriebene
Behauptungen über die Zahl der Raketen im Besitz der UdSSR auf, und im
Westen bekam man Angst.
Chruschtschows Drohungen führten zur Bildung
einer Anti-Atomwaffenbewegung - der
"Weg mit der Bombe"-Bewegung der späten fünfziger Jahre. Wirksame strategische Verteidigungssysteme können
nuklearer Erpressung entgegenwirken,
indem
sie der
Raketendrohung
die
Spitze nehmen.
- 10

Strategische Verteidigungssysteme
würden eine Versicherung gegen einen
nichtautorisierten
oder
versehentlichen Raketenabschuß darstellen.
Schließlich würde eine defensive
Orientierung
unserer
Strategie ein
klares, einendes Ziel verleihen: dieses Ziel würde darin bestehen, die
Abschreckung zu verbessern und unser
überleben sowie das unserer Freunde
und Verbündeten in dem Rahmen zu sichern, wie ihn unsere Technologie zuläßt.
Dies, so scheint mir, ist
nicht
nur
ein
vernünftigeres
und
praktischeres Ziel als das eines einfachen Strebens nach Aufrechterhaltung eines Verhältnisses gegenseitiger Verwundbarkeit zur Sowjetunion,
das immer prekär sein wird.
Dieses
Ziel ist auch psychologisch eher lebensfähig. Es ist politisch attraktiver - eine sehr wichtige Überlegung
für Demokratien, die bei Verteidigungssystemen auf die Unterstützung
der Öffentlichkeit angewiesen sind.
Langfristig gesehen wird dies, so
glaube ich, auch sicherer sein, da
unabhängig von allen erzielten Abrüstungsvereinbarungen
die
Sowjets
hinter der Bühne immer danach streben, die Verwundbarkeit des Westen zu
erhöhen und wir permanent dazu gezwungen sind, Gegenmaßnahmen zu unternehmen, um dies zu verringern.
Meine vierte und letzte
heute abend lautet: Ist diese
nung von Verteidigungssystemen
einbar mit Rüstungskontrolle?
lut nicht.

Frage
BetounverAbso-

Erstens haben wir unsere Erfahrung.
Hat Ihrer Meinung nach seit
der Schaffung der Strategischen Verteidigungsinitiative
die
Intensität
der Abrüstungsverhandlungen zu- oder
abgenommen? Natürlich hat sie an Intensität zugenommen. Als SDI im Ja-

�nuar 1984 formell ins Leben gerufen
und im Haushaltsansatz berücksichtigt
wurde, fanden überhaupt keine Rüstungskontrollverhandlungen
statt.
Die Sowjets hatten Ende 1983 den Verhandlungstisch verlassen - gänzlich
ungerechtfertigt, wie
ich anmerken
möchte. Es war nicht klar, wann sie
zurückkehren würden. Nur kurze Zeit
nachdem das SDI-Programm angekündigt
worden und Haushaltsmittel breitgestellt worden waren, forderten die
Sowjets neue Verhandlungen über Weltraumwaffen.
Bald darauf nahmen die
Verhandlungen
ihren Fortgang.
SDI
erregte
ihre
Aufmerksamkeit.
Es
brachte sie an den Verhandlungstisch
zurück. Schließlich führte SDI dazu,
daß sie zum ersten Mal in der Geschichte über tiefgehende Reduzierungen der Atomwaffenarsenale verhandelten.
Bitte erinnern Sie sich daran,
daß die Sowjets im Jahr 1977 ohne
weiteres
amerikanische
Vorschläge
einschneidender Reduzierungen bei den
Offensivwaffen
ablehnten.
Kürzlich
jedoch, in Reykjavik, haben die Sowjets endlich begonnen, über einschneidende Reduzierungen zu verhandeln - was weitgehend auf Präsident
Reagans Festigkeit und Hartnäckigkeit
während der vergangenen sechs Jahre
und auf SDI zurückzuführen ist. Ob
diese Gespräche zu Ergebnissen führen
werden - zu gleichgewichtigen, wirksam zu verifizierenden Vereinbarungen, die die Sowjets vollständig einhalten werden - ist ungewiß. Schließlich besitzen wir keine Kontrolle
über ihre Entscheidungen.
SDI hat
sie jedoch dazu angespornt, zum ersten Mal ernsthaft über mögliche Abkommen zu verhandeln, die ihr riesiges und weiter wachsendes Atomwaffenarsenal reduzieren würden.
Es ist
also hilfreich
für
die Rüstungskontrolle gewesen.

Und es kann weiterhin hilfreich
sein.
SDI ist vielleicht nicht nur
für unsere zukünftige Sicherheit notwendig, sondern auch dafür, den Sowjets bei allen Abkommen, die wir mit
ihnen abschließen, Ehrlichkeit aufzuerlegen. SDI ist vielleicht notwendig, um die Sowjets weiterhin konstruktiv in den Rüstungskontrollprozeß einzubeziehen. SDI zu beseitigen
würde tatsächlich bedeuten, die Gans
zu töten, die goldene Eier legt.
Zumindest besteht kein logischer
Widerspruch
zwischen
Fortschritten
bei der Rüstungskontrolle und Bewegung
zu verstärkter
Stützung
auf
strategische
Verteidigungssysteme.
Es gibt kein eisernes Gesetz, das besagt, daß wir nicht in der Lage sein
können, auf beiden Seiten eine Mischung aus Verteidigungsund Offensivsystemen zu besitzen.
Es gibt kein
ehernes Gesetz, das besagt, Rüstungskontrolle funktioniere nur dann, wenn
man
die
Verteidigungssysteme
beschränkt.
Ja, die Erfahrung lehrt
eigentlich das Gegenteil: als wir die
Verteidigungssysteme
einschneidenden
Beschränkungen unterwarfen, gelang es
uns nicht, die erhofften Reduzierungen bei den Offensivwaffen zu erreichen.
Das Hauptproblem
bei
der
Rüstungskontrolle bestand nie in Verteidigungs- oder
Offensivsystemen
per se, sondern in den politischen
Absichten.
Die grundsätzliche Frage
ist diese: sind die Sowjets bereit,
eine echte und dauerhafte Reduzierung
ihrer Drohung gegen uns im Austausch
für eine echte Reduzierung unserer
Bedrohung
gegen
sie
vorzunehmen?
Dies ist immer der springende Punkt
gewesen.
Entweder sind die Sowjets
bereit, eine Reduzierung der Bedrohung zuzulassen oder nicht.
Wenn

- 11 -

sie

dazu

bereit

sind, dann

�ist die Stationierung von Defensivsystemen auf beiden Seiten sehr sinnvoll.
Wenn
nicht, dann
ist
es
schwierig zu erkennen, wie die Rüstungskontrolle uns jemals zu einer
sichereren Welt führen wird.
Wenn
die Sowjets nicht bereit sind, uns zu
erlauben, unsere Verwundbarkeit durch
eine gemeinsame Stationierung strategischer Verteidigungssysteme zu reduzieren, welche Basis könnte es dann
für die Annahme geben, daß sie eine
echte und dauerhafte Reduzierung unserer Verwundbarkeit durch Rüstungskontrolle erlauben würden.
Bis jetzt haben strategische Rüstungskontrollvereinbarungen auf der
Grundlage der gegenseitigen Verwundbarkeit ihr Ziel verfehlt: sie sind
mit gewaltigen Zunahmen der Offensivwaffen in beiden Arsenalen und einem
unverhältnismäßigen Anstieg der amerikanischen Verwundbarkeit einhergegangen. Und es gab sowjetische Täuschungsmanöver .
Logisch und strategisch gesehen
gibt es also für beide Seiten keine
bessere Methode zur Erzielung erhöhter Sicherheit als eine Hinwendung zu
strategischen
VerteidigungsSystemen
zusammen mit tiefgreifenden Reduzierungen der Offensivwaffen. Verteidigungssysteme sind nicht Teil des Problems bei der Rüstungskontrolle - sie
sind Teil der Lösung.
Ich werde Ihnen die Beantwortung
einer Frage selbst überlassen: Würden Sie unsere Sicherheit lieber auf
westlicher Genialität oder auf sowjetischer Integrität gegründet sehen?
Wenn wir die Verteidigungssysteme preisgeben, werden wir vielleicht stark auf das letztere vertrauen müssen.
Andererseits: wenn
wir die defensive Option aktiv verfolgen, besteht die Möglichkeit, daß
wir uns gleichzeitig auf die Statio-

nierung von Verteidigungssystemen und
die Reduzierung von Offensivsystemen
zubewegen.
Auf
diese
Weise
kann
westliche Genialität als Versicherung
dienen: Verteidigungssysteme
können
dazu beitragen, sowohl unsere eigene
Sicherheit wie auch die sowjetische
Integrität zu garantieren, indem sie
eine entscheidende Versicherung gegen
sowjetische Aggression und gegen sowjetische Täuschung bei Rüstungskontrollvereinbarungen
liefern.
Dies,
so scheint mir, ist die Art von Versicherung, die wir in einer von Atomwaffen geprägten Welt brauchen und
dies ist die Richtung, in die wir zu
gehen versuchen sollten.
Lassen Sie mich mit einer kleinen
Geschichte enden. Heinrich VIII. von
England betraute Thomas Morus einmal
damit, dem König von Frankreich eine
ärgerliche Botschaft zu überbringen.
Morus, der wußte, wie gewalttätig der
französische König war, setzte Heinrich von seiner Befürchtung in Kenntnis, daß diese Mission ihn den Kopf
kosten könnte.
"Habe keine Angst",
sagte Heinrich, "wenn die Franzosen
dir den Kopf abschneiden, dann werde
ich jeden Franzosen in London einen
Kopf kürzer machen."
"Ich bin Eurer
Majestät zu Dank verpflichtet", antwortete
Morus, "aber
ich
fürchte
sehr, daß keiner ihrer Köpfe auf meinen Rumpf passen wird." Morus wußte,
was wir alle verstehen: Verteidigung
ist besser als Vergeltung - moralisch, strategisch und in der Praxis.
Rüstungskontrolle sollte einer mehr
auf Verteidigung orientierten
Welt
nicht im Wege stehen; sie sollte dabei helfen, uns dahin zu bringen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft

VION #

4. Februar 1987

REAGAN:

HANDEL UND LANDWIRTSCHAFT WICHTIGSTE PROBLEME IM JAHR 1987
- Jahreswirtschaftsbericht des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Der Abbau des amerikanischen Handelsdefizits, die Reform teurer staatlicher Unterstützungsprogramme für die Landwirtschaft und die
Kontrolle der Bundesausgaben werden dem von Präsident Reagan am 29. Januar
1987 dem Kongreß zugeleiteten Jahreswirtschaftsbericht zufolge im Jahr 1987
für die Reagan-Administration die wichtigsten Punkte sein. "Der Abbau unseres
Handelsdefizits bleibt eine der bedeutendsten Herausforderungen für die amerikanische Wirtschaft," erklärt der Präsident darin.
"Wir können dies jedoch
nicht erreichen oder die Wettbewerbsfähigkeit amerikanische Firmen erhöhen,
indem wir im Protektionismus Zuflucht suchen. Protektionismus ist wachstumsfeindlich. Er würde unsere Wettbewerbsfähigkeit schwächen, nicht stärken."
Der Wirtschaftsbericht des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

An den KongreB der Vereinigten
Staaten:
Seit sechs Jahren verfolgt meine
Administration eine Politik, die auf
Förderung eines stetigen, nichtinflationären Wachstums und auf Verbesserung der Chancen für alle Amerikaner
ausgerichtet ist. Wir haben eine Politik verankert, die langfristig gesehen im besten Interesse der Nation
liegt, eine Politik, die der unserer
Wirtschaft immanenten Vitalität und
ihrer Fähigkeit, Ressourcen effizient
zu
verteilen
und
wirtschaftliches
Wachstum zu schaffen, aufbaut.
Es

United States Information Service
Embassy of the United States of America

ist ein
gewesen,
Zaum zu
erheben,
zu viele

Hauptelement dieser Politik
die Neigung der Regierung im
halten, zu hohe Steuern zu
zu viel Geld auszugeben und
Vorschriften zu erlassen.

Der gegenwärtige Konjunkturaufschwung
Unsere
marktorientierte
hat sich ausgezahlt.
Wir
uns nunmehr im fünften Jahr
junkturellen Aufschwungs und
le Wachstumsrate
unseres

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Politik
befinden
des kondie reaBruttoso-

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�zialprodukts wird sich 1987 wahrscheinlich auf 3,2 Prozent erhöhen.
Im Oktober wird der gegenwärtige Aufschwung der längste in der Nachkriegszeit geworden sein.
Seit Beginn dieses Aufschwungs
hat die Wirtschaft über 12 Millionen
neuer Arbeitsplätze geschaffen.
In
jedem der letzten beiden Jahre war
der Prozentsatz von Menschen im arbeitsfähigen Alter mit Arbeitsplätzen
der höchste jemals verzeichnete. Obwohl ich mich durch den Rückgang der
Arbeitslosenquote insgesamt auf 6,6
Prozent ermutigt
fühle, werde ich
nicht eher zufrieden sein, bis nicht
alle Amerikaner, die arbeiten wollen,
einen Arbeitsplatz finden können.
Unsere Bemühungen zur Senkung von
Steuern und Inflation sowie zur Beseitigung übertriebener Vorschriften
haben ein günstiges Klima für Investitionen in neue Fabriken und Anlagen geschaffen.
Der Anteil fester
Anlagen der Unternehmen am Bruttosozialprodukt erreichte in den Jahren
1984 und 1985 Rekordhöhen und bleibt
historisch gesehen weiterhin hoch.
Trotz der enormen Fortschritte
der Wirtschaft bei Beschäftigung und
Produktion ist die Inflation in den
vergangenen fünf Jahren unter oder
nahe 4 Prozent stehen geblieben und
im Jahr 1986 auf die niedrigste Rate
der letzten 25 Jahre abgesunken. Obwohl die niedrige Inflationsrate des
vorigen
Jahres
teilweise
den beträchtlichen
Rückgang
der Energiepreise widerspiegelt, erwarten wir
für das Jahr 1987, daß die Teuerung
weiterhin so bescheiden zunimmt, wie
wir dies in den ersten drei Jahren
des Aufschwungs erlebt haben.
Auf
den Finanzmärkten sind unsere Fortschritte beim Abbau der Inflation von
zweistelligen Raten zur Kenntnis genommen worden, und die Zinssätze san- 2

ken im Jahr 1986 auf das niedrigste
Niveau der vergangenen neun Jahre.
Um diese Entwicklungen zu stützen,
sollte die Bundesbank eine Geld- und
Kreditpolitik verfolgen, die den gemeinsamen
Zielen von Wachstum und
Preisstabilität dient.
Kurz gesagt: seit 1982 haben wir
die wirtschaftlichen Probleme vermieden, die uns in der jüngeren Vergangenheit
zusetzten - Beschleunigung
der Inflation, steigende Zinsen und
einschneidende Rezessionen.
Produktion und Beschäftigung sind stark angestiegen während die Inflation niedrig blieb und die Zinsen sanken.
Dieser Aufschwung hat jetzt schon bedeutende Fortschritte im Hinblick auf
unser langfristiges Ziel des stetigen
Wirtschaftswachstums und der Preisstabilität erreicht.

Die wirtschaftliche Rolle des
Staates
Der Staat sollte in der Wirtschaft eine begrenzte Rolle spielen.
Die Bundesregierung sollte eine stabile Wirtschaft fördern, in der die
Menschen Entscheidungen aufgrund von
Informationen
treffen können.
Sie
sollte ihnen diese Entscheidungen weder abnehmen, noch willkürlich die
wirtschaftlichen
Wahlmöglichkeiten
durch die Art der Besteuerung oder
Vorschriften in bezug auf die Produktion verzerren. Sie sollte und kann
nicht weiterhin übermäßig Geld ausgeben, ihre Macht zur Besteuerung mißbrauchen und Geld leihen, um über ihre Verhältnisse zu leben.
Die Bundesregierung sollte gewisse Güter und Dienstleistungen bereitstellen, die ihrem Charakter nach öffentlich und ihrem Anwendungsbereich
nach national sind und die von Privatfirmen
nicht effektiv
geliefert

�werden können - aber sie sollte nicht
versuchen,
öffentliche
Güter
und
Dienstleistungen
zur
Verfügung
zu
stellen, die von den Einzelstaaten
oder den Gemeinden besser geliefert
werden können.
Wenn der Staat dem
Einzelnen und den privaten Unternehmen Entscheidungen
abnimmt, werden
Produktionsanreize
unterdrückt
und
verzerrt; Wachstum, Produktivität und
Beschäftigung werden davon in Mitleidenschaft gezogen. Deshalb sollte der
Staat so weit wie möglich verantwortungsbewußte Maßnahmen des Einzelnen
fördern und auf die Initiative des
privaten Sektors vertrauen.

Arbeitsplätzen
führen.
Schließlich
wird durch die Steuerreform das Besteuerungssystem gerechter. Die einfachere,
niedrigere
Steuerstruktur
wird die Befolgung leichter und Steuerhinterziehung weniger attraktiv gestalten.
Die Amerikaner werden wissen, daß jetzt jeder seinen fairen
Anteil zahlt und kein Einkommen in
Schlupflöchern oder unproduktiven Nischen versteckt. Insbesondere werden
Millionen von ärmeren Arbeitnehmern
von der Steuerreform profitieren, indem sie aus den Steuerlisten gestrichen werden.

Verbleibende Herausforderungen der
Wirtschaftspolitik

Die Steuerreform
In meiner Botschaft zur Lage der
Nation im Jahr 1984 erklärte ich die
Steuerreform zur nationalen Priorität. Nach über zwei Jahren überparteilicher Bemühungen haben wir unser
Ziel im vergangenen Herbst erreicht,
als ich das Steuerreformgesetz von
1984 unterzeichnete.
Die Steuerreform erweitert die Besteuerungsgrundlagen der Einkommensteuer für Privatpersonen und Unternehmen und reduziert die Steuersätze beträchtlich.
Von diesen Veränderungen profitieren
die Amerikaner dreifach.
Erstens, durch die Senkung des
Spitzensteuersatzes erhöht die Steuerreform die Anreize, zu arbeiten, zu
sparen und zu investieren. Zweitens,
durch den Abbau von Disparitäten bei
den Steuersätzen für Einkommen aus
langfristigen Kapitalanlagen fördert
die
Steuerreform eine effizientere
Verwendung von Anlagekapital. Investitionsentscheidungen
werden
eher
die produktiven Vorzüge einer Aktivität als ihre steuerlichen Konsequenzen widerspiegeln und dadurch zu einer effizienteren Verteilung von Ressourcen, zu höherem Wachstum und mehr

Wir haben das Steuerrecht erfolgreich reformiert, die Inflation unter
Kontrolle gebracht und staatliche Interventionen in der Wirtschaft abgebaut. Das Ergebnis bestand in einer
Ausweitung von Produktion und Beschäftigung, die nun im fünften Jahr
anhält und von der wir erwarten, daß
sie im Jahr 1987 verstärkt andauern
wird.
Obwohl schon viel erreicht
wurde, müssen und wollen wir uns den
verbleibenden
Herausforderungen
für
die Wirtschaft widmen.
Wir müssen
weiterhin das Defizit des Bundeshaushalts durch
Zurückhaltung bei den
Ausgaben reduzieren. Wir müssen das
Handelsdefizit reduzieren und gleichzeitig
Protektionismus
vermeiden.
Wir
müssen
die
Produktivität
und
Wettbewerbsfähigkeit Amerikas in der
Weltwirtschaft stärken. Und wir müssen die teuren, unwirksamen und unfairen
Landwirtschaftsprogramme
reformieren.

Kontrolle der Bundesausgaben
Zum ersten Mal seit 1973 werden
die Bundesausgaben im Jahr 1987 real

- 3 -

�sinken. Deshalb wird das Bundeshaushaltsdefizit gegenüber dem Niveau von
1986 um fast 50 Milliarden Dollar abnehmen. Mein Haushalt für 1988 wird
diesen Prozeß fortsetzen, indem er
das durch Gramm-Rudman-Hollings gesetzte Defizit-Ziel von 108 Milliarden Dollar einhält.
Der Abbau des Defizits muß weitergehen und durch die Eindämmung des
Wachstums bei den Bundesausgaben erreicht werden - nicht durch Steuererhöhungen, die Wachstum und Chancen
vermindern würden.
Große und hartnäckige Bundesdefizite verlagern die
Last der Zahlungen für die heutigen
Bundesausgaben auf künftige Generationen. Ein durch Zurückhaltung bei
den Ausgaben erreichter Abbau des Defizits ist unverzichtbar, wenn wir
die beträchtlichen Vorteile dieses
Abbaus bei den Steuersätzen und der
Reform
der
Steuergesetze
erhalten
wollen; sie ist ebenso unverzichtbar
zur Reduzierung unseres Zahlungsbilanzdefizits.
Und schließlich überschreiten die Ausgaben bei vielen
Programmen
die
Summen, die
nötig
sind, um die grundlegenden Dienstleistungen des Bundes kostenwirksam
bereitzustellen.
Neben der Zurückhaltung bei den
Ausgaben müssen wir das Budgetverfahren so reformieren, daß der Macht der
Bundesregierung, zu hohe Steuern zu
erheben und zu viel Geld auszugeben,
Zügel angelegt werden.
Ich unterstütze einen Zusatz zur Verfassung,
der
ein
ausgeglichenes
Budget
in
Friedenszeiten vorschreibt, und ich
fordere den Kongreß auf, dem Präsidenten das gleiche Recht zu gewähren,
das 43 Gouverneuren zusteht - das
Recht, bei Bewilligungsmaßnahmen gegen einzelne Titel ein Veto einzulegen.

Aufrechterhaltung von freiem und
fairem Handel
Eine der bedeutendsten noch verbleibenden Herausforderungen für die
Wirtschaft
der Vereinigten
Staaten
ist der Abbau unseres Handelsdefizits. Wir können jedoch weder dies
erreichen, noch die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Unternehmen erhöhen, indem wir beim Protektionismus
Zuflucht suchen. Protektionismus ist
wachstumsfeindlich.
Er würde unsere
Wettbewerbsfähigkeit
mindern, nicht
stärken. Durch ihn würden keine Arbeitsplätze geschaffen. Er würde im
Interesse einiger weniger den meisten
Amerikanern schaden. Er würde unsere
Handelspartner zur Vergeltung aufrufen. Langfristig würde uns der Protektionismus in den Bereichen unserer
Wirtschaft gefangen halten, in denen
wir vergleichsweise schwach sind, anstatt uns Wachstum in den Bereichen
zu gestatten, in denen wir relativ
stark sind.
Wir können durch Protektionismus
nichts gewinnen. Aber wir können gewinnen, indem wir uns standhaft darum
bemühen, unfaire Handelspraktiken zu
beseitigen und die Märkte in der ganzen Welt zu öffnen. Ich werde mich
in diesem Jahr weiterhin dafür stark
machen, ausländische Märkte zu öffnen
und unfairen Handelspraktiken, wo immer
sie bestehen mögen, energisch
entgegentreten.
Außerdem werde ich
den Kongreß bitten, das Verhandlungsmandat des Präsidenten für die Uruguay-Runde
unter
dem
Allgemeinen
Zoll- und Handelsabkommen
(GATT) zu
erneuern. Diese Gespräche bieten eine
wichtige
und
vielversprechende
Chance für die Liberalisierung des
Handels auf Gebieten, die für die
Vereinigten
Staaten
lebenswichtig
sind; den Handel mit Dienstleistungen, den Schutz geistigen Eigentums,
faire Regeln für internationale Inve-

�stitionen und den Welthandel mit Agrarprodukten.
Hier in den Vereinigten Staaten
müssen wir Zurückhaltung bei den Bundesausgaben üben.
Unsere Handelsdefizit bei Gütern und Dienstleistungen
spiegelt die Tatsache wider, daß wir
in den letzten Jahren mehr ausgegeben
als produziert haben - und wir haben
aufgrund der Verschwendungssucht der
Bundesregierung zu viel ausgegeben.
Wenn der Kongreß meinen Haushalt für
1988 in Augenschein nimmt, sollte er
dabei bedenken, daß ein Votum für höhere Regierungsausgaben ein Votum gegen die Korrektur unsere Handelsdefizits darstellt.

Stärkung von Produktivität
bewerbsfähigkeit

und Wett-

Wir müssen uns bemühen, um unsere
internationale
Wettbewerbsfähigkeit
durch ein größeres Wachstum bei der
Produktivität zu verbessern. Die Abwertung des Dollar seit Anfang 1985
hat viel dazu beigetragen, unsere
Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen. Wir wollen uns jedoch nicht allein auf Bewegungen der Wechselkurse
stützen.
Das Wachstum der Produktivität liefert das Mittel, mit dem wir
unsere
Wettbewerbsfähigkeit
stärken
und gleichzeitig Einkommen und Chancen erhöhen können.
Seit 1981 ist
die amerikanische Produktivität
im
Industriebereich um 46 Prozent gestiegen, schneller
als
im Durchschnitt der Nachkriegszeit. Dies ist
eine solide Leistung, aber es muß
noch mehr getan werden. Wir müssen
ein
dauerhaftes
Produktivitätswachstum in der Industrieproduktion und
in anderen Sektoren unserer Wirtschaft ermutigen.
Ein Weg
zur
Stärkung
unserer
weltweiten
Wettbewerbsfähigkeit
ist

die Befreiung der amerikanischen Produzenten von unnötigen gesetzlichen
Vorschriften.
Meine
Administration
hat sich darum bemüht, Vorschriften
für Industrien abzubauen, bei denen
vermehrter Wettbewerb größere Vorteile für Verbraucher und Hersteller mit
sich bringt.
Ebenso hat sie die
Struktur der von der Bundesregierung
erlassenen
Vorschriften
gestrafft.
Die Amerikaner haben bedeutende Vorteile aus der Deregulierung des Flugverkehrs, der finanziellen Dienstleistungen, der Eisenbahnen und des LkwVerkehrs gezogen. ich werde mich jedem Versuch widersetzen, bei diesen
Industrien die Entwicklung wieder zurückzudrehen. Unsere Wirtschaft wird
weitere Vorteile erringen, wenn wir
die Preiskontrollen für Erdgas, verbleibende Vorschriften für den LkwSektor und unnötige Einschränkungen
für den Arbeitsmarkt beseitigen. Ohne Schaden für die Luftqualität in
unserem Land sollten wir die Tendenzen unserer gegenwärtigen Luftreinhaltungsgesetze beseitigen, die saubereren und effizienteren neuen Fabriken und Kraftwerken entgegenstehen. Wo Vorschriften notwendig sind,
sollten ihre Kosten gegen die Vorteile aufgewogen werden, um sicherzustellen, daß regulative Schritte dort
vorgenommen werden, wo sie wirklich
Positives leisten und um zu vermeiden, daß amerikanischen Unternehmen
auf dem Weltmarkt Wettbewerbsnachteile entstehen.
Durch
Privatisierung
wird
die
Produktion von Gütern und Dienstleistungen vom Staat auf den Privatsektor verlagert.
Durch Privatisierung
kann
auch die
Wettbewerbsfähigkeit
Amerikas verbessert werden, weil Privatfirmen Güter und Dienstleistungen
besserer
Qualität
produzieren
und
diese dem Verbraucher preiswerter zur
Verfügung
stellen
können
als
der
Staat. Aus diesen Gründen profitie-

- 5 -

�ren die Amerikaner, wenn der Staat
sich zurückzieht.
Wie die Abschaffung von Vorschriften und Zentralismus verkörpert die Privatisierung die
Überzeugung
meiner
Administration,
daß die Bundesregierung ihre Eingriffe in den Markt und lokale Verwaltungen auf ein Minimum beschränken sollte. Wir müssen zunehmend Regierungsfunktionen auf den wettbewerbsfähigen
Markt
zurückverlagern,
indem
wir
staatliche
Firmen
verkaufen
oder
übertragen.
Im Jahr 1986 hat der
Kongreß das Verkehrsministerium ermächtigt, Conrail der Öffentlichkeit
zum Kauf anzubieten, was, wie wir
hoffen, dieses Jahr stattfinden wird.
Andere für eine Privatisierung geeignete Unternehmen sind zum Beispiel
die National Petroleum Reserves, die
Alaska
Power
Administration
und
Amtrak.

Reform der Agrarpolitik
Eine weitere Priorität des Jahres
1987 muß in der Reform unserer Agrarprogramme bestehen.
Neben der Tatsache, daß diese Programme allein in
diesem Jahr den Steuerzahler 34 Milliarden Dollar kosten, entziehen sie
Land, Arbeitskraft und andere Ressourcen einer produktiven Verwendung.
Die meisten Landwirtschaftsprogramme
sind teuer und unfair, weil sie in
der Tat relativ wenigen Einzelpersonen und Firmen Millionen von Dollar
verschaffen, während viele Familienbetriebe, meist diejenigen, die wirklich Hilfe benötigen, wenig bekommen.
Schließlich
führen
Landwirtschaftsprogramme bei vielen Nahrungsmitteln
zu Preiserhöhungen für alle Amerikaner, reich und arm.
Die Unterstützung landwirtschaftlicher Einkommen sollte nicht durch
direkte Subventionen oder Preisstützung für landwirtschaftliche Produkte
- 6

mit der Produktion verbunden sein.
Meine Administration wird ein marktorientiertes
Reformpaket
verfolgen,
das zwei Ziele hat: eine schrittweise
Trennung der Unterstützung landwirtschaftlicher Einkommen von landwirtschaftlicher Produktion und die Konzentrierung dieser Unterstützung auf
diejenigen Familienbetriebe, die sie
am nötigsten haben.

Zusammenfassung
Die Wirtschaftspolitik meiner Administration hat mehr wirtschaftliche
Freiheit und Chancen für Männer und
Frauen, für Privatfirmen und die Regierungen der Einzelstaaten und Gemeinden geschaffen, um ihre eigenen
Interessen zu verfolgen und ihre eigenen
Entscheidungen
zu
treffen.
Diese Politik hat zu einem stetigen
Wirtschaftsaufschwung
mit
niedriger
Inflation, niedrigeren Steuern und
einem vereinfachten Steuergesetz, der
Befreiung der Industrie von gesetzlichen Vorschriften, einem scharfen
Anstieg bei den Investitionausgaben
und mehr als 12 Millionen neuen Arbeitsplätzen geführt.
Das amerikanische Volk verlangt
eine gesunde, produktive und wachsende Wirtschaft.
Deshalb werde ich
weiterhin eine Politik verfolgen, die
das Wachstum fördert, das Defizit des
Bundeshaushalts abbaut, das Handelsdefizit korrigiert und die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Produzenten
stärkt.
Das
amerikanische
Volk wird eine Wiederholung der gescheiterten
Wirtschaftspolitik
der
Vergangenheit nicht dulden.
Deshalb
werde ich mich allen Vorschlägen zur
Einführung
einer
Wirtschaftspolitik
widersetzen, die die Errungenschaften
der
Steuerreform
preisgeben,
das
Wachstum lähmen, die Inflation anheizen, unnötige staatliche Eingriffe in

�den Markt bewahren oder den Protektionismus fördern. Mit der Hilfe und
Kooperation des Kongresses können wir
den gegenwärtigen Konjukturaufschwung
aufrechterhalten und stärken und die
wirtschaftlichen Errungenschaften der
letzten sechs Jahre erhalten und ausbauen.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
%

Hintergrundmaterial

^ &lt;£

4. Februar 1987

STRATEGIE ZUR NATIONALEN SICHERHEIT DER VEREINIGTEN STAATEN
- Bericht der Reagan-Adminstration an den Kongreß Teil I und II

Dem im vergangenen Jahr verabschiedeten Gesetz zur Reorganisation der Verteidigung zufolge wird in Zukunft jährlich vom Präsidenten zusammen mit der
Haushaltsvorlage ein Bericht über die "Strategie zur Nationalen Sicherheit der
Vereinigten Staaten" vorgelegt.
Der diesjährige Bericht kam am 28. Januar zur Vorlage und wurde gleichzeitig veröffentlicht.
Er faßt zur Verbreitung in der Öffentlichkeit und
erstmals unter einem Titel die wesentlichen Bestandteile der Strategie zur nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten wie folgt zusammen:

Nationale Interessen und Zielsetzungen der Vereinigten Staaten,
Wichtige
Bedrohungen
scher Interessen,

amerikani-

Die Außenpolitik der Vereinigten
Staaten (ihre Prinzipien und deren regionale Anwendung)
Die internationale Wirtschaftspolitik der Vereinigten Staaten,
Die Verteidigung und militärische
Strategie der Vereinigten Staaten,

United States Information Service
Embassy of the United States of America

- Die integrierte Verwendung amerikanischer Mittel zur Unterstützung
dernationalen
Sicherheitsstrategie
Der
Bericht
rekapituliert
die
heutige amerikanische Politik und beschreibt die Art und Weise, in der
verschiedene
politische
Maßnahmen
durchgeführt werden, die sich zur Erlangung amerikanischer Ziele gegenseitig unterstützen.
Er gibt keine
neuen Maßnahmen oder Initiativen bekannt.

Postfach 20 03 00
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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Die
entsprechenden
Abteilungen
und Behörden waren an der Erstellung
dieses Berichts beteiligt. Obwohl es
ein Bericht des Präsidenten ist, haben der Außenminister, der Verteidigungsminister, der Vorsitzende, die
Vereinigten Stabschefs und der Berater für Fragen der Nationalen Sicherheit des Präsidenten an seiner Entstehung mitgewirkt.
Von hochrangigen Beamten bei Anhörungen im Streitkräftsausschuß des
Senats gehaltene Referate über eine
nationale Strategie vervollständigen
und erweitern Teile des Berichts.
Der Bericht geht auf
Punkte im einzelnen ein:

folgende

- Die grundlegenden Interessen der
Vereinigten Staaten an: dem überleben der Vereinigten Staaten und
ihrer freien Institutionen; einer
gesunden und wachsenden amerikanischen Wirtschaft; der weltweiten Ausbreitung von Demokratie
und
freien
marktwirtschaftlich
orientierten Wirtschaftssystemen.
- Wie unsere Strategien versuchen,
aus amerikanischen
Stärken und
sowjetischen Schwächen Nutzen zu
ziehen.
- Den Charakter
der
Abschreckung
und wie unsere strategischen und
konventionellen Streitkräfte dazu
beitragen.
- Die Einbettung unserer Zielsetzungen im Bereich der Rüstungskontrolle
in
unsere
weitergespannten strategischen Ziele.
- Die
Möglichkeiten
der
Strategischen
Verteidigungsinitiative,
das strategische Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und
- 2 -

der Sowjetunion grundlegend umzuwandeln und die Abschreckung auf
eine sicherere und gefestigtere
Grundlage zu stellen.
- Die
Strategie
der
Vereinigten
Staaten zur Behandlung von Konflikten mit niedriger Intensität.
- Maßnahmen, die unternommen werden, um durch bessere Planung und
Anleitung die Effizienz bei der
Durchführung dieser Strategie zu
verbessern; dazu gehört auch die
Vorlage eines zwei Jahre umfassenden Verteidigungshaushalts im
Finanzjahr 1988/89.
- Der
Bericht
beschreibt
ferner
wichtige Defizite bei den Mitteln
zur Durchführung dieser Strategie, hier besonders:
- Die Krise bei der Finanzierung
von Entwicklungshilfe, die durch
erhebliche Kürzungen seitens des
Kongresses im Finanzjahr 1987 zustande kam und die Fähigkeit der
Vereinigten Staaten zum Gebrauch
dieses rentablen Mittels zur Unterstützung einer Reihe wichtiger
nationaler
Sicherheitsinteressen
erheblich einschränkte.
Der Bericht erbittet die eindeutige Unterstützung
des Kongresses für
die anhängige Zusatzforderung, um
einen
Teil
der
Mittel
wieder
freizugeben.
- Angesichts des geringen Wachstums
bei den Vorlagen zum Verteidigungshaushalt
der
letzten
zwei
Jahre erbittet der Bericht Unterstützung für einen gemäßigten Zuwachs bei den Investitionen in
die Verteidigung, um die Aufgabe
des Wiederaufbaus der amerikanischen Verteidigung zu vollenden
und die für den wirkungsvollsten
Gebrauch der Verteidigungsmittel

�notwendige programmatische
lität zu fördern.

- Schließlich fordert der Bericht
die Unterstützung beider Parteien
im Kongreß für diese Strategie
und ihre Zielsetzungen wie auch
deren enge Zusammenarbeit, um sicherzustellen, daß die Mittel für
dessen
Durchführung
angemessen
sind.

I.

gen moralischen Unterschiede zwischen Totalitärismus und Demokratie herauszuarbeiten;

Stabi-

Eine amerikanische Perspektive

Seit Beginn dieser Regierung haben wir den Grundstein für eine konstruktivere und positivere amerikanische Rolle in der Welt gelegt, indem
wir die wesentlichen Bestandteile der
amerikanischen
Außen- und Verteidigungspolitik klar darlegten.
In der Zwischenzeit haben wir unsere Politik und unsere Leistungen
auf der Weltbühne objektiv betrachtet, um sicherzustellen, daß sie die
Dynamik einer komplexen und sich ewig
wandelnden
Welt widerspiegeln.
Wo
Kursanpassungen notwendig wurden, habe ich Änderungen angeordnet.
Aber
wir sind nicht vom Kurs abgewichen
und werden auch nicht von den weitgesteckten Zielen abrücken, die Amerikas Rolle in der heutigen Welt bestimmen:
- Starke und enge Beziehungen
unseren Bündnispartnern auf
ganzen Welt;

mit
der

- Aktive Unterstützung jener, die
für ihre Selbstbestimmung, Freiheit, einen annehmbaren Lebensstandard und für ihre Entwicklung
kämpfen;
- Bereitschaft
zu einer
realistischen
Sichtweise
der
Sowjetunion, um öffentlich die wichti-

- Suche nach bedeutsamen Wegen einer
Zusammenarbeit
mit sowjetischen Politikern, um einen Krieg
zu vermeiden und die Welt zu einem friedlicheren Ort zu machen.
Die zu Anfang dieser Regierung
gelegte
Grundlage
einer
gesunden
Strategie zur Nationalen Sicherheit
hat fest gegriffen und uns gute Dienste geleistet.
unsere wirtschaftliche, politische und
militärische
Macht lebt wieder auf.
Die westlichen Demokratien sind neu belebt
und auf der ganzen Welt wenden sich
Nationen demokratischen Ideen und den
Prinzipien der freien Marktwirtschaft
zu. Bei all diesen Bemühungen unterstützen die Vereinigten Staaten auch
weiterhin all jene, die sich die Vorteile unseres demokratischen Lebensstils zu eigen machen wollen.
Obwohl
den Vereinigten
Staaten
seit Ende des Zweiten Weltkrieges in
der freien Welt eine Führungsrolle
zufällt, haben wir doch nie allein
gehandelt.
Während des Krieges und
in den darauffolgenden vier Jahrzehnten gründete sich unsere Strategie
auf die Partnerschaft mit solchen
Ländern, die unsere Ziele teilen.
Da sich die Welt mit den Jahren
gewandelt hat, sind die Unterschiede
zwischen Ländern, die danach streben,
demokratische Institutionen hervorzubringen und solchen, die der totalitär istischen Fahne
folgen, in den
Mittelpunkt unseres Blickfeldes gerückt. Da die Veränderungen der Zukunft in den Bereichen der Menschenrechte, der modernen Technik, der Lebensqualität und der Weltwirtschaft
stattfinden, wird unser Beispiel weiterhin erheblichen Einfluß auf die

- 3 -

�Menschheit ausüben.
Die Vereinigten
Staaten befinden sich in diesem historischen Wettstreit auf der richtigen Seite und wir haben versucht, einen bleibenden Rahmen zur Förderung
dieses positiven Wandels zu schaffen.
Der Bericht über die Strategie
zur Nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten baut auf den Bemühungen dieser Regierung, des Kongresses
und des amerikanischen Volkes in den
vergangenen sechs Jahren auf. Aber
jedes Papier für eine Strategie kann
nur ein Leitfaden sein. Um Wirkung
zu zeigen, muß es fest in weitgespannten
nationalen
Interessen und
Zielsetzungen verwurzelt, von einer
angemessenen Bereitstellung von Mitteln begleitet sein und alle relevanten Bereiche nationaler Macht einschließen, um unsere nationalen Zielsetzungen zu verfolgen.
Es muß ein
Gerüst erstellen, in dem besondere
Einzelziele von den mit der Überwachung bestimmter Bestandteile nationaler Macht beauftragten Behörden erkennbar sind. Und er sollte eine Anleitung
zur
Erstellung
besonderer
Pläne zur Erlangung genau dieser Einzelziele geben.
Aus
diesen
Grund
spielen die
jährlichen Vorlagen des Außen- und
des Verteidigungsministers
vor dem
Kongreß eine Schlüsselrolle zur Unterstützung der in diesem Bericht näher
beschriebenen
Zielsetzungen.
Beide entwickeln in ihren jeweiligen
Bereichen der Außen- und der Verteidigungspolitik detaillierte Aktionspläne, um unsere nationale Strategie
zu unterstützen, amerikanischen Interessen Vorschub zu leisten und, was
am wichtigsten ist, das Risiko für
uns und unsere Verbündeten zu verringern.
Nachfolgend werden die Bemühungen
dieser Administration dargelegt, eine

Strategie zur Nationalen Sicherheit
der Vereinigten Staaten vorzulegen einen Entwurf für Freiheit, Frieden
und Wohlstand in unserer Zukunft.

II. Grundlagen der Strategie zur
Nationalen Sicherheit der Vereinigten
Staaten
Die
Sicherheit
der Vereinigten
Staaten in einer komplexen und sich
wandelnden Welt
In den Jahren nach dem Zweiten
Weltkrieg sahen sich die Vereinigten
Staaten zum ersten Mal einer unausweichlichen Verantwortung für die Angelegenheiten der Welt gegenübergestellt.
Die Vereinigten Staaten waren nicht länger durch die fast perfekte Festung der Meere geschützt,
nun mit vom Krieg zerstörten Ländern
verbündet, sahen sich unumstößlichen
Beweisen expansionistischer Bemühungen der Sowjets gegenüber und nahmen
angesichts dessen die doppelte Last
auf sich, die Wiederherstellung der
weltwirtschaftlichen Ordnung zu erleichtern und der Verbreitung von sowjetisch geprägtem Totalitärismus und
Kommunismus Einhalt zu gebieten.
Die Vereinigten Staaten reagierten auf die von Moskau ausgehenden
Bedrohungen mit einer Politik des
"Containment".
"Containment" umfaßt
als Strategie
für den Weltfrieden
drei verschiedene Elemente.
Zum ersten Element, der amerikanischen Verteidigungspolitik, gehörte
die weitere Stationierung von Streitkräften, die notwendig sind, um eine
militärische Expansion seitens der
Sowjets in ihre Schranken zu verweisen
("contain") und abzuschrecken.
Für die Praxis bedeutet dies, daß wir
zum ersten Mal in unserer Geschichte
große militärische Formationen im Ge-

- 4 -

�biet der Verbündeten in Westeuropa
und Ostasien unterhalten.
Mit dem
Zuwachs an sowjetischen Trägersystemen für Nuklearwaffen wurden auch umfangreiche strategische Streitkräfte
notwendig, um die durch die konventionellen Streitkräfte der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten geschaffene Abschreckung
zu erhöhen.
Somit konzentrierte sich unser militärisches
Sicherheitssystem
vorwiegend auf zwei Regionen, Europa und
Ostasien, und wurde von unserer nuklearen Abschreckungsstreitmacht gestützt.
Das zweite Element, die internationale Wirtschaftspolitik der Vereinigten Staaten, umfaßte wirtschaftliche Wiederaufbauprogramme für Westeuropa und Japan. Es erforderte ferner eine Führungsrolle der Vereinigten Staaten bei der Einrichtung und
Leitung des internationalen Währungssystems und bei der Ermutigung regionaler und globaler Freihandelsabkommen.
Das dritte Element, die amerikanische Politik in der Dritten Welt,
umfaßt sowohl Hilfe für die Wirtschaft als auch für die Sicherheit.
Es beinhaltet auch eine grundlegende
politische Komponente: die Entkolonialisierung,
Selbstbestimmung
und
Unterstützung
für eine Entwicklung
hin zur Demokratie. Die Sowjetunion
trat uns in der Dritten Welt mit einer Politik "nationaler Befreiungskriege" entgegen, mit deren Hilfe sie
die mangelnde Stabilität sich bildender Nationen auszubeuten sucht um
marxistisch-leninistische Regime nach
sowjetischem Modell zu errichten.
In den drei Nachkriegsjahrzehnten
waren bei unserer nationalen Strategie wichtige Erfolge zu verzeichnen.
Ein Weltkrieg wurde vermieden. Europa und Japan gelangten mit Hilfe mas-

siver
amerikanischer
Unterstützung
wieder zu Wohlstand, und im größten
Teil der Dritten Welt ging die Kolonialzeit zu Ende. "Containment" hatte jedoch seinen Preis. Aber da die
Vereinigten Staaten den Löwenanteil
der
weltwirtschaftlichen
Macht der
Industrieländer
auf sich vereinte,
konnten wir die Last tragen.
Die Nachkriegszeit ging in den
siebziger Jahren zuende. Einmal veränderte
die
amerikanische
Wirtschaftspolitik in Europa und Ostasien
die Verteilung von Macht und Wohlstand in unserem Bündnissystem erheblich.
Gegenüber Westeuropa und dem
Land am Rande Ostasiens hatten die
Vereinigten Staaten nicht länger eine
herausragende
wirtschaftliche
Stellung. Und unser Erfolg bei der Abschreckung einer sowjetischen militärischen Aggression in diesen beiden
strategisch wichtigen Regionen schuf
in der Öffentlichkeit zunehmend die
Meinung, eine direkte sowjetische Aggression in diesen beiden Regionen
sei weniger wahrscheinlich.
Zweitens
erforderten
die militärische Aufrüstung der Sowjets und
die Verlagerung
sowjetischer
Macht
nach Kuba, Nicaragua, den Mittleren
Osten, Südost- und Südwestasien und
Afrika eine Änderung bei der Strategie zur Anwendung unserer Politik des
'Containment'.
Besondere
Bedeutung
kam der Tatsache zu, daß die Sowjets
im Bereich strategischer Nuklearwaffen einen Gleichstand mit den Vereinigten Staaten erreichten.
Drittens führte das aufkommende
politische Bewußtsein in der Dritten
Welt zu Bürgerkriegen und zu regionalen Konflikten, die die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion in eine
direkte militärische Konfrontation zu
verwickeln drohten.
Darüber hinaus
trugen wirtschaftliche Entwicklungen,

- 5 -

�besonders im Energiebereich, zu politischer Instabilität bei und hatten
auf das internationale Währungssystem
einen destabilisierenden Effekt.
In solch einer grundverschiedenen
Welt mußten die Grundlagen der strategischen Planung neu überdacht werden.
Es besteht keine militärische
Überlegenheit der Vereinigten Staaten
mehr bei den strategischen Streitkräften und die unausgesetzte Zunahme
sowjetischer
Fähigkeiten, die sich
gegen Europa, den Persischen Golf und
andere wichtige Gebiete richten könnten, stellt eine fortgesetzte Bedrohung der regionalen Sicherheit dar.
Es ist heute wichtiger denn je,
daß unsere Strategie zur Nationalen
Sicherheit
auf einem soliden Verständnis
amerikanischer
Interessen
und Zielsetzungen basiert wie auch
auf einer realistischen Methode zur
Behandlung der Sowjetunion und anderer Bedrohungen für die Sicherheit
der Vereinigten Staaten.

Die Interessen der Vereinigten
Staaten
Die Strategie zur Nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten ist
ein Abbild unserer nationalen Interessen und bildet einen weitgesteckten
Plan zur Erlangung nationaler Zielsetzungen, die diese Interessen unterstützen.
Die nationalen Schlüsselinteressen, die unsere Strategie
sichern und schützen will, umfassen:
1. Das Überleben der Vereinigten
Staaten als freie und unabhängige Nation, mit ihren intakten grundlegenden Werten und Institutionen.
2. Eine gesunde und wachsende
Wirtschaft der Vereinigten Staaten.

- 6

3. Die Heranbildung von Freiheit,
demokratischen
Institutionen
und
freien Marktwirtschaften auf der ganzen Welt, verbunden mit einem gerechten und offenen internationalen Handelssystem.
4. Eine stabile und sichere Welt,
frei von erheblichen Bedrohungen amerikanischer Interessen.
5. Gesunde und starke Bündsnisbeziehungen der Vereinigten Staaten.

Wichtige Ziele bei der Unterstützung amerikanischer Interessen
Die Zielsetzungen in der Sicherheitspolitik der Vereinigten Staaten
sind Erklärungen weitgesteckter Ziele
zur Unterstützung und Förderung nationaler Interessen. In diesem Sinne
sollen sie nicht mechanisch oder automatisch angewandt werden, sondern
bilden
allgemeine
Richtlinien
zur
Entwicklung einer Politik für besondere Situationen, die eine koordinierte Anwendung nationaler Macht erfordern.
Die wichtigsten Ziele zur
Unterstützung unserer nationalen Interessen sind folgende:
1. Die Erhaltung der Sicherheit
unserer Nation und unserer Verbündeten. Die Vereinigten Staaten müssen
in Zusammenarbeit mit ihren Verbündeten versuchen, jegliche Aggression
abzuwenden, die diese Sicherheit bedrohen könnte, im Falle versagender
Abschreckung bereit sein, einen jeden
militärischen Angriff zu verhindern
oder zunichte zu machen und den Konflikt in einem für die Vereinigten
Staaten, ihre Interessen und ihre
Verbündetnen günstigen Sinne zu beenden.
Im einzelnen heißt das:

�- Abschreckung feindlicher Angriffe
auf die Vereinigten Staaten, ihre
Bürger, Streitkräfte oder
ihre
Verbündenten und Sieg bei einem
feindlichen Angriff, wenn die Abschreckung versagt.
- Erhaltung der Stärke und Lebensfähigkeit der Beziehungen zu den
amerikanischen Bündnispartnern.
- Wirksame Behandlung von Bedrohungen der Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihrer Bürger, bei
denen es nicht zum bewaffneten
Konflikt
kommt.
Hierzu
zählt
auch die Bedrohung durch den Terrorismus.
- Verhinderung
der Weiterverbreitung nuklearer Waffen.
- Langfristiger Abbau unserer Stützung
auf
Nuklearwaffen
durch
Stärkung unserer konventionellen
Streitkräfte, die Verfolgung ausgewogenener
und
verifizierbarer
Rüstungskontrollabkommen und die
Entwicklung von Technologien zur
strategischen Verteidigung.
- Sicherung
des
uneingeschränkten
amerikanischen
Zugangs
zu
den
Meeren und zum Weltall.

Volksrepublik China.

2. Reaktionen auf die Herausforderungen in der Weltwirtschaft. Gegenseitige wirtschaftliche Abhängigkeit hat den Vereinigten Staaten erhebliche Vorteile verschafft, stellt
sie aber auch vor neue Schwierigkeiten bei der Vorgehensweise, die gelöst werden müssen. Da unsere Abhängigkeit
von
Rohstoffen
zugenommen
hat, ist die potentielle Verwundbarkeit der Versorgungswege ein Anlaß zu
großer Besorgnis.
Obgleich das anhaltende Wirtschaftswachstum der Vereinigten Staaten dazu beiträgt, die
Welt aus der Rezession zu führen,
verlangsamt sich das Wirtschaftswachstum vieler Länder. Wir müssen unsere Aufmerksamkeit auf wichtige Probleme in der Welt richten, die amerikanische Interessen in Zukunft beeinträchtigen könnten, wenn sie keiner
Lösung zugeführt werden oder keine
Beachtung finden. Viele dieser Probleme, wie etwa die Schulden der
Dritten
Welt,
der
internationale
Rauschgifthandel und der zunehmende
Protektionismus haben im Augenblick
Auswirkungen auf die Interessen der
Vereinigten Staaten.
Das heißt, wir müssen:

- Verhinderung einer Dominanz des
eurasischen Raums durch die UdSSR
(oder
eine
andere
feindliche
Macht oder einen Zusammenschluß
verschiedener Mächte).

- in den Vereinigten Staaten eine
starke, florierende und wettbewerbsfähige Wirtschaft im Zusammenspiel mit einer stabilen und
wachsenden Weltwirtschaft fördern.

- Wir müssen die Sowjetunion zwingen, die Kosten für ihr wirtschaftliches Defizit zu tragen,
um weitere übertriebene Ausgaben
der Sowjets im militärischen Bereich und deren Abenteuerlust auf
der ganzen Welt zu entmutigen.

- den Zugang der Vereinigten Staaten zu ausländischen Märkten sichern und den Vereinigten Staaten
und ihren Verbündeten und Freunden den Zugang zu Energiequellen
und Erzvorkommen sichern.

- Förderung beserer Beziehungen

zur
- 7

- ein gut funktionierendens internationales Wirtschaftssytem
mit

�kleinstmoglichen Verzerrungen bei
Handel und Investitionen wie auch
stabile Währungen und weithin akzeptierte und respektierte Regeln
zur Behandlung
und Lösung von
Streitigkeiten fördern.

3. Verteidigung und Förderung der
Sache der Demokratie, Freiheit und
Menschenrechte auf der ganzen Welt.
Eine Außenpolitik, die das Schicksal
von Millionen nach Freiheit strebenden Menschen auf der ganzen Welt ignoriert, wäre ein Verrat an unserem
nationalen Erbe. Unsere eigene Freiheit
und
die
unserer
Verbündeten
könnte niemals in einer Welt sicher
sein, in der Freiheit überall sonst
bedroht wäre.
Das heißt

Konfliktes in sich.
Konflikte oder
Versuche, befreundete Regierungen zu
stürzen, die von den Sowjets oder ihren Satellitenstaaten angefacht oder
unterstützt werden, stellen eine besonders ernstliche Bedrohung für die
Interessen
der Vereinigten
Staaten
dar.
Insbesondere müssen wir:
- ein stabiles globales und regionales militärisches Gleichgewicht
gegenüber der Sowjetunion und den
mit ihr verbündeten Staaten aufrechterhalten.
- bedrohten Staaten beim Widerstand
gegen sowjetische und sowjetisch
geförderte Subversion und Aggression Hilfe leisten.

im einzelnen, wir müs-

sen:
- die Entwicklung nationaler Unabhängigkeit und freier Institutionen auf der ganzen Welt fördern.

- wo immer es möglich ist, die Ursachen
regionaler
Instabilität,
die das Risiko eines größeren
Krieges in sich bergen, zu beheben.

- Hilfs-, Handels- und
Investitionsprogramme ermutigen und unterstützen, die eine wirtschaftliche Entwicklung und die Heranbildung
freier, humaner politischer und sozialer Ordnungen in
der Dritten Welt fördern.

- die Bemühungen der
Sowjetunion
neutralisieren, ihren Einfluß in
der Welt auszuweiten und die zwischen der UdSSR und ihren Satellitenstaaten in der Dritten Welt
bestehenden
Verbindungen
schwächen.

- Liberalisierungstendenzen
innerhalb der Sowjetunion und ihrer
Satellitenstaaten ermutigen.

- Bedrohungen der Stabilität befreundeter Regierung und Institutionen
durch
Unterminierung,
staatlich unterstützten Terrorismus und den internationalen Drogenhandel bekämpfen helfen.

4. Friedliche Lösung von Streitfällen, die amerikanische Interessen
in unruhigen Regionen der Welt beeinträchtigen. Regionale Konflikte, die
Verbündete oder Freunde der Vereinigten Staaten einbeziehen, könnten die
Interessen
der Vereinigten
Staaten
bedrohen und tragen vielfach das Risiko einer weiteren Eskalation dieses

5. Aufbau wirkungsvoller und günstiger Beziehungen mit allen Staaten,
mit denen uns gemeinsame Probleme
verbinden. In der Welt gibt es heute
150 Nationen, von denen keine den
Vereinigten
Staaten
an
Macht
und

�Wohlstand gleichkommt, aber dennoch
jede einzelne souverän ist und mit
vielen, wenn nicht mit allen amerikanischen Interessen direkt oder indirekt in Berührung kommt.
Im einzelnen heißt das, wir sollten:
- die
Bildung
von
Vereinigungen
solcher Staaten, die den amerikanischen
Interessen
freundlich
gegenüberstehen unter Verwendung
der
ganzen Bandbreite diplomatischer, politischer, wirtschaftlicher und informeller Kontakte
fördern
- wichtige internationale Institutionen
wirkungsvoller
machen,
wenn es darum geht, den Frieden,
die Weltordnung
und den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt zu fördern.
- die Möglichkeit verbesserter Beziehungen mit uns feindlich gesinnten Nationen zu untersuchen,
um die Möglichkeiten zukünftiger
Konflikte abzubauen.
- den Einfluß der Vereinigten Staaten auf der ganzen Welt erhöhen.
Unsere Strategie zur Nationalen
Sicherheit muß amerikanische Interessen und Zielsetzungen einhellig unterstützen.
Sie muß weiterhin die
vielfachen Bedrohungen und die mangelnde Stabilität der heutigen komplexen und sich wandelnden Welt in
Betracht ziehen.

Die
Hauptbedrohungen
amerikanischen Interessen

für

die

Die wichtigste Bedrohung amerikanischer Sicherheit und nationaler
Interessen ist die weltweite Heraus-

forderung
durch
die
Sowjetunion.
Während nur eine Handvoll Politbüromitglieder berechtigterweise behaupten kann, die präzisen kurzfristigen,
taktischen Pläne der Kreml zu kennen,
ist
die
langfristige
strategische
Richtung der sowjetischen Außenpolitik eindeutiger.
Motiviert von den
Forderungen
eines
politischen
Systems, das von der marxistisch-leninistischen Ideologie und der sie repräsentierenden politischen Partei zusammengehalten und beherrscht wird,
versucht Moskau, das bestehende internationale System zu verändern und
eine globale sowjetische Hegemonie
aufzubauen.
Diese langfristigen sowjetischen Ziele bilden den allgemeinen konzeptionellen Rahmen der sowjetischen Außen- und Verteidigungspolitik.
Grundsätzliche
Unterschiede
bei
den wirtschaftlichen, sozialen und
politischen Überzeugungen und Zielen
führen zu einem grundlegend gegensätzlichen Verhältnis
zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.
Beide Seiten haben trotzdem
mit der Vermeidung einer direkten
Konfrontation und dem Abbau der Bedrohung durch einen Nuklearkrieg ein
gemeinsames Ziel.
Die wahre Herausforderung
an
die
amerikanische
Staatskunst besteht darin, wie diese
Gemeinsamkeit der Interessen zur Erhaltung des Friedens am besten verwirklicht werden kann, ohne daß unsere
nationale
Sicherheit
gefährdet
oder
unsere Verpflichtung
an
die
Sache der Freiheit und Gerechtigkeit
aufgegeben werden.
Zur Durchführung ihrer expansionistischen Politik hat sich die UdSSR
ein innenpolitisches System zentralistischer totalitärer Kontrolle bewahrt und dieses System zur Unterstützung ihrer internationalen Ziele
mobilisiert und organisiert. Auf in-

- 9 -

�ternationaler Ebene haben die Sowjets
fortgefahren, Gruppen zu helfen, die
sogenannte "nationale Befreiungskriege" führen, internationale terroristische Gruppen mit Waffen und Ausbildung zu unterstützen, regionale Instabilität zu fördern und auszunutzen
sowie einen aggressiven und ungesetzlichen Krieg in Afghanistan zu führen.
An vielen weiteren Orten der
Welt haben sich sowjetische Berater
und Kampftruppen ebenfalls eines Verhaltens befleißigt, das internationale Vereinbarungen verletzt.
Die Sowjets haben eine noch nie
dagewesene Aufrüstung betrieben, die
eine andauernde Bedrohung der Vereinigten Staaten und unserer Verbündeten darstellt. Die sowjetische Führung mißt ihrer militärischen Stärke,
die die Hauptquelle für den Einfluß
der UdSSR im internationalen Bereich
bildet, eindeutig größten Wert bei.
Jahrzehntelang hat die UdSSR einen
unverhältnismäßig
hohen Anteil des
Nationaleinkommens für die Aufrüstung
ihrer Streitkräfte eingesetzt.
Sie
unterhält
gegenwärtig
eine Streitmacht von über fünf Millionen Uniformierten
(ausschließlich
über
eine
Million Grenzwachen und andere Sicherheitskräfte) . Es wird geschätzt,
daß die Ausgaben für das Militär gegenwärtig etwa 15-17 Prozent des gesamten sowjetischen BSP ausmachen.
Die sowjetische Militärmacht erlaubt es Moskau, eine starke Verteidigung der Heimat zu gewährleisten
und gleichzeitig die direkte und indirekte
Beteiligung
an
regionalen
Konflikten
außerhalb
sowjetischer
Grenzen
zu
erleichtern.
Außerdem
werden
zunehmend militärische Ressourcen der Sowjets dazu benutzt, die
Politik anderer Länder zu beeinflussen und Instabilität zu fördern.
Die

Beweise

für

die

Beziehungen

zwischen der Sowjetunion und der Zunahme des weltweiten Terrorismus sind
heute schlüssig.
Obwohl die Sowjetunion
keine unmittelbare
Kontrolle
über
die
meisten
terroristischen
Gruppen besitzt, liefert sie große
Mengen an Waffen, Geld und Beraterhilfe an revolutionäre Kräfte, die an
terroristischen Aktivitäten beteiligt
sind.
Die Sowjets versuchen, diese
Unterstützung durch das Vorschieben
von Mittelsmännern zu verschleiern radikale Regierungen wie etwa in Kuba, Nordkorea, Nicaragua, Syrien und
Libyen, die direkte Beziehungen zu
radikalen Terroristen
und Aufständischen
unterhalten.
Gleichgültig,
ob Moskau direkte oder indirekte Unterstützung bereitstellt, die eigentlichen Ziele des radikalen Terrorismus sind die Vereinigten Staaten,
Westeuropa, Japan und andere gemäßigte, prowestliche Regierungen.
Die Sowjetunion ist in den letzten Jahren bei der Verwendung ihrer
nationalen
Machtinstrumente
wesentlich subtiler geworden.
Trotz beträchtlicher Schwächen in der sowjetischen Wirtschaft benutzt das Politbüro wirtschaftliche Instrumente aktiv in seiner globalen Strategie. Es
nutzt den Westhandel, um wirtschaftliche Druckmittel, Technologie und
Devisen zu bekommen. Der Erwerb militärisch nutzbarer moderner Technologie mit legalen und illegalen Mitteln ist für die Sowjets insbesondere
wichtig, um die Entwicklungszeit für
Waffen zu verkürzen, die Kosten zu
reduzieren und die Schwächen der sowjetischen Wirtschaft zu kompensieren.
Die Beschaffung von Produktionstechnologie ist für die Sowjets
besonders wichtig, um die Effizienz
ihrer
Rüstungsindustrie
zu verbessern.
Zugang zu westlichen Produktionsausrüstungen, -verfahren
und
Know-How hat die sowjetischen Rüstungsfabriken in die Lage versetzt,

- 10 -

�einige moderne Waffen bis zu fünf
Jahre eher in Produktion gehen zu
lassen als dies sonst der Fall gewesen wäre. Die Sowjets versuchen außerdem langfristige Wirtschaftsabkommen abzuschließen, die Abhängigkeiten
von der UdSSR schaffen (z. B. solche,
die die Versorgung Westeuropas mit
Energie betreffen) .
Zusätzlich haben die Sowjets einen massiven Apparat zur politischen
Einflußnahme
aufgebaut.
Zu diesem
Apparat
gehört
die
umfangreichste
Propagandamaschinerie der Welt, einschließlich offener und geheimer Aktivitäten in den Medien, Finanzierung
und Unterstützung ausländischer kommunistischer Parteien und Frontorganisationen; politischer und ideologischer Indoktrinierung ausländischer
Studenten, Beamter, Terroristen und
Angehöriger des Militärs sowie die
Beeinflussung ausländischer Besucher
in der UdSSR. Dazu gehören getrennte
Bemühungen zur Durchführung "aktiver
Maßnahmen", darunter Desinformation,
Fälschungen, die Benutzung politisch
einflußreicher
Persönlichkeiten
und
andere Täuschungsmanöver.
Obwohl die Sowjets nicht als Anstifter aller revolutionären Bewegungen gebrandmarkt werden können, besteht ihre Strategie doch eindeutig
darin, innenpolitische wunde Schwachpunkte in anderen Ländern auszunutzen, um die Bildung von Regimen zu
fördern, die unter sowjetischem Einfluß oder sowjetischer Kontrolle stehen. All dies wird unter dem Etikett
der "friedlichen Koexistenz" mit den
Vereinigten Staaten und dem Westen
insgesamt erreicht und als ein andauernder Wettstreit definiert, in dem
alle Formen des Kampfes außer einem
offenen Krieg erlaubt sind.

sen

Obwohl wir uns weiterhin angemesmit der sowjetischen Bedrohung

befassen, dürfen wir andere destabilisierende internationale Bedrohungen
und Probleme nicht vernachlässigen,
die ernsthaft den amerikanischen Interessen schaden können, wenn sie
nicht in geeigneter Weise angegangen
werden. Dazu gehören nichtkommunistische Staaten mit repressiven Regierungen und Ideologien, die unserer
entgegenstehen;
internationale wirtschaftliche Probleme wie die massive
Weltverschuldung,
Handelsungleichgewichte und Verlagerungen des vergleichsweisen Vorteils in unserem von
wechselseitiger Abhängigkeit bestimmten Weltwirtschaftssystem; die weltweite Bevölkerungsexplosion und die
damit zusammenhängenden Probleme der
Versorgung
mit Nahrungsmitteln
und
Wasser sowie der Armut; die Ausbreitung von Atomwaffen; Drogenhandel und
Menschenrechtsverletzungen,
um
nur
einige zu nennen.
Eine zusätzliche Bedrohung, die
ihrem Charakter nach heimtückisch und
von wachsendem Ausmaß ist, stellte
der internationale Terrorismus der ein weltweites Phänomen, das zunehmend häufig, wahllos und mit staatlicher
Unterstützung
auftritt.
Höchstwahrscheinlich wird der Terrorismus für den Rest dieses Jahrhunderts ein wichtiger Bestandteil der
internationalen
Landschaft
bleiben.
Er greift unmittelbar unsere demokratischen Werte an, untergräbt unsere diplomatischen Bemühungen um die
friedliche Lösung von Konflikten und
zersetzt die Grundlagen der zivilisierten Gesellschaften. Die effektive Bekämpfung des Terrorismus ist ein
wichtiges Ziel für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten.
Ein fundiertes Verständnis unserer nationalen Interessen und Ziele
ist in Anbetracht der großen Bedrohungen dieser Interessen unabdingbar,
um vernünftige Strategien zu ent-

- 11 -

�wickeln. in den beiden nächsten Kapiteln werden die Hauptelemente unserer
Außen- und
Verteidigungspolitik
sowie die Wege behandelt, auf denen
diese zur Erlangung unserer nationalen Sicherheitsziele beitragen.
Die
effektive Einbettung unserer Außenund Verteidigungspolitik liefert die
Grundlage unserer Nationalen Sicherheitsstrategie.
(wird fortgesetzt)

* * * * *

12

�AMERIKA DIENST
VON

**

Wissenschaft und Technik

4 . Februar 1987

LEHRBEISPIEL "VOYAGER"
Experimentierflugzeug aus metallfreiem Verbundmaterial gibt
Luftfahrttechnik neue Impulse -

WASHINGTON - (AD) - Pioniertat
und kaum vorstellbare Rekordleistung
dazu
war
die
Erdumkreisung
von
Richard Rutan (48) und Jeana Yeager
(34) mit dem experimentellen Flugzeug
VOYAGER. Neun Tage, drei Minuten und
44 Sekunden nach ihrem Start am 14.
Dezember 1986 von "Edwards Air Force
Base" in Kalifornien erreichten die
beiden wieder die Ausgangsbasis und
landeten am 23. Dezember sicher auf
einem ausgetrockneten Salzsee in der
Mojavewüste.
Ohne ein einziges Mal
aufzutanken und ohne Zwischenlandung
waren sie um die ganze Erde geflogen.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Im letzten Drittel der 40 240 km langen Reise half zeitweise starker Rükkenwind, die ursprünglich auf zehn
bis 12 Tage angesetzte Flugdauer um
einen Tag zu verkürzen.
Tropische
Stürme über dem Pazifischen und Indischen Ozean machten eine Verlegung
der Route, die u.a. den Norden Australiens und den Süden Afrikas berühren sollte, in äquatornähere Regionen erforderlich. Im allerletzten
Abschnitt wurde, vom Atlantik her
über Venezuela kommend, der Weg entgegen früheren Plänen nicht über den
Golf von Mexiko und den Südwestteil

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Telex: 8-85432

�der
Vereinigten
Staaten
genommen.
Vielmehr führte er nun direkt nach
Westen über Costa Rica und, nach Erreichen der lateinamerikanischen Pazifikküste, in leicht nordöstlicher
Richtung
an Mexiko entlang zurück
nach Kalifornien.
Formgebung,
Konstruktion
und
Werkstoffe - alles ist außergewöhnlich bei VOYAGER, wenn auch nicht
ausnahmslos neu: Ein relativ kurzer,
schmaler Mittelrumpf mit je einem Motor an Bug und Heck, weit ausschwingende,
leicht
vorwärts
gekrümmte
Tragflächen, die hinter der in den
Mittelteil
verlegten
Pilotenkabine
ansetzen, zwei Außenrümpfe in einigen
Metern Abstand vom Hauptrumpf.
sie
sind um ein gutes Drittel länger als
ec und tragen ein großes Leitwerk am
Heck. Vorne sind sie durch Stummelflügel, in der Mitte noch einmal über
die Tragflächen mit ihm verbunden.
Diesen geben sie zusätzlichen Halt,
was dringend notwendig ist. Denn die
Spannweite ist mit 33,7 Metern (das
Vierfache der Mittelrumpflänge) sogar
noch größer als die Flügelspannweite
moderner Passagierflugzeuge wie z.B.
der Boeing 727.
Konstrukteur Burt
Rutan, der Bruder des Testpiloten,
berücksichtigte für die Tragflächen
eine Wölbungsfreiheit bis zu neun Metern.
Als Höhenleitwerk
fungieren
die
"canards", d.h.
die
vorderen
Stummelflügel. Gleichzeitig stabilisieren sie gegen Überziehen.
Beim Flug des Fluggeräts setzte
der Konstrukteur seinen großen Erfahrungsschatz nicht nur auf dem Gebiet
der Aerodynamik, sondern auch bei der
Verwendung super leichter Verbundwerkstoffe ein.
Die Schale besteht aus
sandwichähnlichem Material mit einem
sechseinhalb Millimeter dicken "Kern"
in Bienenwabenstruktur, ummantelt von
zwei harten Schichten.
Sie bestehen
aus
Kohlefasern,
eingebettet
in

Epoxydharz. Die sechsflächigen Waben
im Innern aus einem papierähnlichen
Polymer sind mit Kunstharz überzogen.
Die hochfeste Kombination besitzt eine siebenmal höhere Zähigkeit als
Aluminium, heute noch der wichtigste
Werkstoff im Flugzeugbau. Gleichzeitig ist sie um ein Fünftel leichter
als das Material. Was das Verbundmaterial tatsächlich auszuhalten vermag, zeigte sich schon beim Start,
als eine der Tragflächen während des
Anrollens mit der Spitze Bodenberührung bekam. Die Unterseite wurde dadurch von außen her ca. 40 cm weit
abgeschliffen. Gleichzeitig riß eine
kleine Klappe an der Flügelspitze ab.
Rutan
bekam
daraufhin
Anweisung,
durch eine leichte Kippbewegung auch
die andere Tragfläche kurz zu Boden
zu bringen - während des Beschleunigungsvorgangs auf der Rollbahn ein
Versuch, dort ebenfalls die Klappe
loszuscheuern.
Der Versuch gelang,
die "Symmetrie" war hergestellt. Der
Verlust der Klappen war für die Flugstabilität ohne Bedeutung.
Außer für die Verschraubung der
Tragflächenteile wurde beim Bau von
VOYAGER kein Metall verwendet.
Deshalb beträgt das Leergewicht der Zelle, die zu etwa 90 Prozent aus Kohlefaser und Verbundwerkstoffen besteht,
nur ganze 425,8 kg. Komplett ausgerüstet, einschließlich der beiden Motoren, kam man auf 1253 kg, und voll
aufgetankt beim Start auf 4431 kg.
So hob das Fluggerät mehr als das
Zehnfache seines Leergewichts in die
Lüfte.
Das robuste Material ist gut zu
bearbeiten und ergibt z.B. für Tragflächen eine glatte und dabei gut
versteifte Oberfläche.
Aerodynamisch
ist dies für die Ausnutzung der natürlichen laminaren Strömung an den
Tragflächen von Bedeutung. Der Luftwiderstand ist geringer, und damit

�auch
der
Tceifstoffverbrauch.
Das
VOYAGER-Experiment
hat die Eignung
der Werkstoffe und der Konstruktion
überzeugend demonstriert.
Das Fluggerät bewährte sich auch in sehr
starken Tubulenzen.

Fliegender Tank
"Fliegender Tank" wurde VOYAGER
zu Recht genannt. Den Treibstoffvorrat nahmen insgesamt 17 Kavernen in
allen drei Rumpfkörpern, in den Tragflächen und selbst in den Stummelflügeln auf.
Die Kavernen hatten Verbindungsleitungen,
damit
umgepumpt
werden konnte, wenn in turbulenten
Regionen durch höheren Treibstoffverbrauch aus einem größeren Tankbereich
eine Schwerpunktverlagerung und damit
Beeinträchtigung der Manövrierfähigkeit drohte.
Der
Bugmotor
wurde
außer
bei
Start und Landung meist nur zum Manövrieren eingesetzt. Einmal zwangen
beispielsweise
widrige
Wetterbedingungen
dazu, die übliche Flughöhe
zwischen 2 100 und 3 300 m zu verlassen und in mehr als 6 000 m Höhe zu
gehen. Die Schubleistung des Heckmotors reichte aus, um eine durchschnittliche Fluggeschwindigkeit von
ca. 185 km pro Stunde zu halten.

Auf engstem Raum
Die beiden Piloten hatten während
der 216 Stunden Flugdauer so gut wie
keine Bewegungsfreiheit in ihrer winzigen Kabine. Wenigstens ermöglichten Kuppel und Seitenfenster Sichtverbindung nach draußen - der Funkkontakt von und nach Kalifornien war
über alle nur erreichbaren Leitungswege gesichert, Unterstützung gab es
auch von Seiten der NASA und militärischen Stellen.
Steuern war nur in

halb sitzender Position möglich, weil
die 2,30 m lange, an ihrer weitesten
Stelle 1,20 m breite Kabine nichts
anderes zuließ, als daß der andere
die Zeit, in entgegengesetzter Richtung liegend, zubrachte. Die beiden
Piloten wechselten sich in allen Aufgaben ab und hielten nach Möglichkeit
regelmäßig Ruhepausen ein.
Nach dem vorausgegangenen Probeflug im Juli 1986, der viereinhalb
Tage dauerte, wurde Rutan gefragt, ob
solches Eingepferchtsein überhaupt zu
ertragen sei.
"Der Mensch ist ein
anpassungsfähiges
Wesen",
war
die
Antwort.
Habe man die ersten zwei
Tage hinter sich, spiele die Dauer
kaum mehr
eine Rolle.
Allerdings
machten während der Erdumfliegung im
Dezember
Müdigkeit und
körperliche
Anstrengungen in Turbulenzzonen den
beiden Piloten mehr zu schaffen, als
ihnen lieb war. Dennoch überstanden
sie ihr Abenteuer gut, wie auch die
ärztliche
Untersuchung
nach
der
glücklichen
Landung
ergab.
Wenige
Tage später erhielten sie zusammen
mit dem Konstrukteur aus der Hand
Präsident Reagans die Bürgermedaille.

Modell
Das Fluggerät VOYAGER, von einer
kleinen Gruppe begeisterter Ingenieure und Techniker unter der Mithilfe
nur weniger bezahlter Arbeitskräfte,
aber ohne jeglichen staatlichen Zuschuß gebaut, könnte der Flugzeugtechnik neue Anstöße geben. Das gilt
nicht nur für die Anwendung leichter
und dabei hochfester Verbundwerkstoffe aus nichtmetallischem Material,
sondern auch von technischen Prinzipien, die die Aerodynamik verbessern.
Darüber hinaus könnten Fluggeräte im
Stil der VOYAGER, bemannt oder unbemannt, z.B. für Aufgaben großräumiger
Fernerkundung über mehrere Tage für

- 3 -

�die Fischerei oder für Umweltbeobachtungen zu Lande eingesetzt werden und
damit eine wichtige Ergänzung zu Satellitendaten erbringen.
Flugzeugfirmen in den USA prüfen
bereits ob sich die Technik Burt
Rutans auf den Bau von Privatjets anwenden läßt - sowohl in bezug auf
Werkstoffe als auch auf die Tragflächenkonstruktion.
Und ein Flugforschungsinstitut der NASA plant in Zusammenarbeit mit den beiden größten
amerikanischen Flugzeugfirmen Untersuchungen zu der Frage, inwieweit die
von Rutan angewandte Strömungstechnik
bei den Oberflächen von Großflugzeugen einsetzbar ist.

- 4

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-NATO-Botschafter fordert gemeinsame Anstrengungen des Westens&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von W. Tapley Bennet, Jr. vor der Deutschen Atlantischen Gesellschaft in München -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA veröffentlichen Dokumente über kommunistische Einmischung in El Salvador&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut des Begleitberichts des US-Außenministeriums -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Außenministerium berichtet über Stand der Reformprogramme in El Salvador&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hilfe der Vereinigten Staaten für El Salvador&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bericht des US-Außenministeriums -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neue Trends in der US-Energiepolitik&amp;nbsp;</text>
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