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Information

HM

BTTT3T

•i iL

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

27. April 1983

18

INHALT

DOKUMENTATION
Erklärung des US-Präsidenten zur MX-Entscheidung
- Reagan möchte 100 "Friedenswahrer"-Raketen Shultz:

USA wollen Demokratie, Reform und Menschenrechte

in Mittelamerika

HINTERGRUNDMATERIAL
Die sowjetische Strategie in Europa
- Von Fritz W. Ermarth -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Simulatorprogramme für TDRS-Bahnkorrektur
- Rettungsaktion schwieriger als zunächst angenommen Neuartiges Antriebsaggregat für Raumtransporter-Nutzlasten

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�18

27. April 1983

ERKLÄRUNG DES US-PRÄSIDENTEN ZUR MX-ENTSCHEIDUNG
- Reagan möchte 100 "Friedenswahrer"-Raketen -

WASHINGTON - (AD) - In einer Erklärung vom 19. April 1983 stellte sich
Präsident Ronald Reagan hinter die Empfehlungen der überparteilichen
Kommission, die sich mit der Problematik der strategischen Streitkräfte auseinandergesetzt und ihm ihren Bericht vergangene Woche vorgelegt hatte.
Reagan erklärte, die Vorschläge der Kommission würden eine "stabile Abschreckung" bewahren und für die amerikanischen Verhandlungen über Rüstungsverminderungen mit den Sowjets "solide Anreize und Glaubwürdigkeit" bedeuten.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich werde noch heute dem Kongreß einen Bericht zusenden, der die
Empfehlungen der überparteilichen Kommission für die strategischen Streitkräfte unterstützt und der auf rasche Reaktion des Kongresses und auf Unterstützung durch ihn drängt.
Die Empfehlungen dieser hervorragenden Gruppe sind aus zweierlei Gründen
wichtig.

Die von ihr vorgeschlagenen Maßnahmen werden eine stabile Abschreckung

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�stabile Abschreckung bewahren und dadurch den Frieden sichern.

Und sie

werden unseren Anstrengungen zur Aushandlung von Rüstungsverminderungen, die
den Weg zu einer sichereren und friedlicheren Zukunft ebnen sollen, weitere
solide Anreize und Glaubwürdigkeit bringen.
Am 23. März habe ich zum amerikanischen Volk über unser Programm zur
Stärkung der Sicherheit dieses Landes und der unserer Verbündeten gesprochen
und eine langfristige Forschungsanstrengung angekündigt, damit eines Tages
die Bedrohung verringert wird, die die Atomraketen darstellen.
Eine Woche später habe ich in Los Angeles unsere Anstrengungen zur
Begrenzung und Verringerung dieser Gefahr mittels verläßlicher, verifizierbarer
und stabilisierender Rüstungskontroi labkommen dargelegt.
Beide Wege führen auf ein gemeinsames Ziel zu: Die Verhinderung eines
Konfliktes, Verringerung des Kriegsrisikos und Bewahrung des Friedens.
Alle amerikanischen Präsidenten haben die Erreichung dieses entscheidenden
Zieles als ihre oberste Pflicht akzeptiert. Aber die Bewahrung des Friedens
erfordert mehr als Wunschdenken und vage gute Absichten. Es bedarf der
konkreten,positiven Schritte, um die Welt von dem Gespenst eines Atomkrieges
zu befreien. Und eben darum werden wir auch weiterhin unermüdlich daran
arbeiten, eine nukleare Stabilität auf dem niedrigst möglichen Niveau zu
erreichen. Unsere Worte, unsere Politik und unser Handeln zeigen der Welt
deutlich die tiefempfundene Überzeugung unseres Landes, daß ein Atomkrieg
jedweden Umfangs eine Tragödie von noch nie dagewesenem Ausmaß wäre.
Immer wieder hat Amerika einseitig Zurückhaltung, guten Willen und eine
ernsthafte Verpflichtung zu wirksamer Rüstungskontrolle an den Tag gelegt.
Leider haben uns diese Maßnahmen allein noch nicht wirklich sicherer gemacht,
und sie haben auch die Gefahr eines Atomkrieges nicht verringert. So haben
zum Beispiel die Sowjets im vorigen Jahr mehr als 1200 Gefechtsköpfe für

- 2 -

�1200 Gefechtsköpfe für Interkontinentalraketen disloziert - mehr als das
gesamte "Friedenswahrer"-Programm vorsieht.
Die Geschichte der amerikanischen Beteiligung an der Rüstungskontrolle
zeigt uns, was möglich ist und was nicht. Tatsache ist, daß in der Vergangenheit unsere einseitige Zurückhaltung und unser einseitiger guter Wi le es
nicht vermochten, ähnliche Zurückhaltung und ähnlichen guten Willen bei der
Sowjetunion zu fördern. Und beide erbrachten auch keine sinnvolle Rüstungskontrolle. Aber die Geschichte lehrt uns zugleich, daß es zu einer stabilisierenden Rüstungskontrolle kommt, wenn die Vereinigten Staaten Entschlossenheit zeigen und stark bleiben.
Ende der sechziger Jahre unternahmen wir eine große Anstrengung, mit der
Sowjetunion einen Raketenabwehr-Raketenvertrag (ABM-Vertrag) auszuhandeln.
Nachdem die sowjetische Führung deutlich ihr mangelndes Interesse demonstriert
hatte, stimmte der Kongreß der Finanzierung eines Programms zum Bau von
Raketenabwehr-Raketen zu. Das Ergebnis war vorauszusehen. Als die Sowjets
erst einmal erkannten, daß wir damit beginnen würden, kamen sie an den Verhandlungstisch,und wir handelten eigenen "ertrag aus. Er wurde ratifiziert und
ist noch heute in Kraft.
Offensichtlich ist der beste Weg zu nuklearer Stabilität und zu einem
dauerhaften Frieden der Verhandlungsweg. Und dies ist auch der Kurs, den wir
abgesteckt haben. Und wenn wir unsere Entschlossenheit zeigen, kann er zum
Erfolg führen.
Vor diesem Hintergrund setzte ich im vergangenen Jahr eine überparteiliche
Kommission für die strategischen Streitkräfte ein und wies sie an, das
strategische Programm für die Streitkräfte der Vereinigten Staaten mit besonderer Betonung auf die Interkontinentalraketen und ihre Stationierung zu
überprüfen.
Eine hervorragende

- 3 -

�Eine hervorragende, Überpartei liehe Gruppe von Amerikanern, die entweder
in der Kommission selbst arbeiteten oder ihr als Berater dienten, hat dem
Land einen großen Dienst erwiesen,und wir alle schulden ihr große Dankbarkeit.
Brent Scowcroft, der Vorsitzende der Kommission, weitere Mitglieder der
Kommission sowie Harold Brown und die Berater sind heute hier.

Ich möchte

ihnen allen meine Anerkennung für eine schwere Aufgabe zum Ausdruck bringen,
die außerordentlich gut bewältigt wurde.
Im besten Geist der Überparteilichkeit ist die Kommission einstimmig zu
klaren und wichtigen Empfehlungen hinsichtlich einiger der schwierigsten
Fragen unserer Zeit gelangt. Während der vergangenen drei Monate kam die
Kommission zu Dutzenden von Sitzungen und in zahlreichen kleinen Konferenzen
zusammen.

Mit über 200 technischen Experten wurden Gespräche geführt,

der

Kongreß wurde eng konsultiert.
Die Mitglieder der Kommission hatten ein gemeinsames Ziel - nämlich ein
höheres Maß an nationaler Obereinstimmung hinsichtlich unserer Haltung gegenüber der Modernisierung der strategischen Streitkräfte und der Rüstungskontrolle, wobei der Bericht der Kommission dies so umschreibt: "Wenn es uns
gelingt, uns selbst bei der Behandlung dieser Fragen nicht als politische
Parteigänger oder als Kreuzzügler für eine bestimmte Lösung eines Teils dieses
zu
komplexen Problemkreises/sehen, sondern vielmehr als Bürger einer großen
Nation mit einer zur Bescheidenheit gemahnenden Verpflichtung, in der langwierigen Aufgabe fortzufahren, Frieden und Freiheit für die Welt zu sichern,
so dürfte schließlich eine gemeinsame Perspektive gefunden werden."
Diese Worte waren für die Arbeit der Kommission richtungsweisend. Es
ist meine glühende Hoffnung, daß sie uns alle leiten werden, wenn wir auf
eine Lösung einer schwierigen und langwierigen Frage hinarbeiten.
Die Kommission hat ihre Arbeit beendet und mir vorige Woche ihren Bericht

�ihren Bericht vorgelegt.

Er wurde, wie Sie wissen, sofort der Öffentlichkeit

zugänglich gemacht. Nach Durchsicht des Berichtes traf ich mit dem Nationalen
Sicherheitsrat zusammen.

Er unterstützte die Empfehlungen der Kommission

genau so wie alle Mitglieder des Gemeinsamen Stabes. Auch ich tue dies.
Als erstes drängt uns die Kommission, mit dem strategischen Modernisierungsprogramm fortzufahren, das ich Oktober 1981 angekündigt hatte.

Dies

bekräftigt, daß die Notwendigkeit für Verbesserungen bei Kommando, Kontrolle
und Kommunikation unserer strategischen Streitkräfte sowie für eine Fortführung unserer Bomber-,Unterseeboot- und Marschflugkörperprogramme fortbesteht.
Als zweites dringt die Kommission auf eine Modernisierung unserer Interkontinentalraketen-Streitmacht. Wir sollten sofort mit der Entwicklung und
der Produktion der "Friedenswahrer"-Rakete fortfahren und 100 davon in bestehenden MINUTEMAN-Silos in der Nähe des Luftwaffenstützpunktes Warren in
Wyoming dislozieren.
Gleichzeitig empfiehlt uns die Kommission, mit der Entwicklung einer
kleinen Rakete mit einem Gefechtskopf zu beginnen.

Wenn es die strategischen

und technischen Überlegungen ermöglichen, könnte diese Rakete Anfang der
neunziger Jahre einsatzbereit sein.
Nebenbei gesagt wird dieses Modernisierungsprogramm 1984 zu Einsparungen
von ungefähr 1,5 Milliarden Dollar führen - und noch mehr in den beider darauffolgenden Jahren.
Drittens empfiehlt die Kommission umfassende Forschungsanstrengungen bei
der strategischen Verteidigung und ein sorgfältiges Forschungsprogramm bei der
Silohärtung, wodurch unsere landgestützten Raketensysteme sicherer werden
sollen.
Diese Modernisierungsanstrengung ist die letzte Komponente unseres umfassenden strategischen Programms.

Es wird ein geschützteres und sichereres

- 5 -

�und sichereres Amerika bedeuten.

Und es wird für die Sowjetunion ein klarer

Beweis dafür sein, daß es in ihrem eigenen besten Interesse ist, in gutem
Glauben und mit ernsthafter Zielsetzung mit uns zu verhandeln.
All dies summiert sich zu einem wichtigen Anstoß bei Rüstungskontrolle
und Abschreckung, bei Frieden und Sicherheit jetzt und bis weit hinein in die
Zukunft.
Schließlich unterstreicht die Kommission die Notwendigkeit ehrgeiziger
Rüstungskontroll Verhandlungen - Verhandlungen, die zu Abkommen führen würden,
die ausgewogen sind, die Stabilität in Krisenzeiten fördern und sinnvolle,
verifizierbare Verringerungen zur Folge haben.
Genau dies aber sind die Ziele unserer Rüstungskontrollvorschläge, die
derzeit in Genf auf dem Tisch liegen.

Ich möchte hier noch einmal betonen,

daß wir in Genf ausgewogene, verläßliche Abkommen anstreben, die echte Verringerungen bringen.
Daher besteht die vor uns liegende Aufgabe darin, unsere Entschlossenheit,
unseren nationalen Willen und unseren guten Glauben zu demonstrieren. Dies
ist sowohl für die Aufrechterhaltung einer wirksamen Abschreckung als auch
für die Erzielung erfolgreicher Rüstungsverringerungen von entscheidender
Bedeutung. Daß wir uns hier nicht täuschen: Solange wir nicht unsere landgestützten RaketenSysteme modernisieren, hat die Sowjetunion keinen echten
Grund, sinnvolle Verringerungen auszuhandeln. Wenn wir jetzt nicht handeln,
können wir vernünftigerweise nicht erwarten, daß es bei unseren Rüstungskontroll Verhandlungen zu einem annehmbaren Resultat kommt, und wir werden
außerdem die Abschreckungssituation schwächen, die den Frieden über eine
Generation lang bewahrt hat.
Daher appelliere ich an den Kongreß, sich mir jetzt bei der Unterstützung
dieses überparteilichen Programms zur Verfolgung von Rüstungskontrollabkommen
anzuschließen, die die Stabilität fördern, um heute den Erfordernissen unserer
Interkontinentalraketen(ICBM)-Streitmacht gerecht zu werden und in Zukunft
- 6 -

�in Zukunft auf eine stabilere ICBM-Struktur hinzuarbeiten.

Um den Empfehlungen

der Kommission nachzugehen, habe ich Brent Scowcroft in seiner Eigenschaft als
Vorsitzenden gebeten, mich genauestens auf dem laufenden zu halten, während
diese Frage ihrer Lösung zugeführt wird - insbesondere in Beziehung auf die
Rüstungskontrolle.
Über ein Jahrzehnt lang haben vier Administrationen Vorschläge zur Rüstungskontrolle und -modernisierung unterbreitet. Unglücklicherweise wurde jede in
die politische Kontroverse hineingezogen. Die Kommissionsmitglieder, der Verteidigungsminister, die Chefs des Gemeinsamen Stabes und ich - alle mußten
unsere früheren Positionen aus neuer Sicht betrachten. Aber trotz der unterschiedlichen Betrachtungsweisen, die diese Gruppen in der Vergangenheit hatten,
haben wir jetzt ein Programm, das unsere einhellige Unterstützung findet.
Unterstützung durch den Kongreß und das amerikanische Volk für diese übereinstimmende Meinung wird uns in unserer gemeinsamen Suche nach Wegen einen,
unsere nationale Sicherheit zu stärken, das Kriegsrisiko zu verringern und
schließlich den Umgang der Kernwaffen zu verringern. Wir können uns keine
weiteren Verzögerungen mehr leisten. Jetzt ist die Zeit zum Handeln gekommen.
Ich danke Ihnen alle für Ihre Anwesenheit und danke der Kommission noch
einmal für ihre gute Arbeit.

+ + + + +

- 7 -

�18

27. April 1983

SHULTZ: USA WOLLEN DEMOKRATIE, REFORM UND MENSCHENRECHTE
IN MITTELAMERIKA

DALLAS, TEXAS - (AD) - Der amerikanische Außenminister George Shultz
bezeichnete es als das Hauptziel der Vereinigten Staaten, in Mittelamerika
Demokratie, Reform und den Schutz der Menschenrechte zu unterstützen. In
einer Rede vor dem privaten Rat für weltpolitische Angelegenheiten und der
Handelskammer in Dallas, Texas, am 15. April gab Außenminister Shultz einen
umfassenden überblick über die Mittelamerikapolitik der Vereinigten Staaten.
Die Rede des Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Wenn man über Mittelamerika spricht, dann muß man sich drei Fragen zuwenden:
Warum kümmern wir uns eigentlich um Mittelamerika?
Was geht dort vor?
Was sollten wir dazu tun?
Diese Fragen

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Telex: 8-85432

�Diese Fragen sind wichtig, und ich werde versuchen, sie klar und deutlich zu beantworten.
Ich meine zunächst einmal, daß niemand die Bedeutung Mittelamerikas für
die Vereinigten Staaten bestreiten kann.
Mittelamerika liegt so nahe, daß seine Schwierigkeiten automatisch auf
uns übergreifen; so nahe, daß die strategische Position seiner Länder die unsrige berührt; so eng, daß die Leiden der dortigen Völker auch uns Schmerzen
bereiten.
Ich brauche Texaner

nicht daran zu erinnern, daß nur die Stabilität

unserer Nachbarn einen beispiellosen Strom von Flüchtlingen nordwärts in

unser

Land verhindern kann. Vor allem heute, da eine in Schwierigkeiten befindliche
Weltwirtschaft die Unruhe förmlich herausfordert, müssen wir in unserer unmittelbaren Nachbarschaft Demokratie und Stabilität gewährleisten,
Ich habe das Wort "strategisch" nicht leichtfertig benutzt. Trotz der
Raketenkrise in Kuba von 1962 und trotz des Krieges zwischen Argentinien und
Großbritannien im vorigen Jahr glauben die meisten Amerikaner, daß Lateinamerika im strategischen Gleichgewicht der Welt keine Rolle spiele. Die Leute
wissen natürlich, daß Kuba in Afrika militärisch interveniert hat, aber sie
wissen wahrscheinlich nicht, daß die kubanischen Armee heute dreimal so groß
ist wie 1962 oder daß heute 40 000 kubanische Soldaten in Afrika stationiert
sind oder daß sich 2000 kubanische Militär- und Sicherheitsberater in Nicaragua
aufhalten.
Manche von Ihnen mögen auch gehört haben, daß der Verteidigungsminister
Nicaraguas am 9. April erklärte, Nicaragua würde die Annahme sowjetischer Raketen in Erwägung ziehen, wenn es darum ersucht würde.
In der großen Debatte, wie unsere Interessen am Panamakanal am besten
geschützt werden könnten, war der einzige Punkt, auf den sich alle Seiten einigen konnten, der, daß der Kanal von entscheidender Bedeutung ist und offen- 2 -

�ist und offengehalten und verteidigt werden muß. Die Sicherheit des Panamakanals wird jedoch durch die Stabilität und Sicherheit Mittelamerikas unmittelbar berührt.
Der Kanal selbst ist nur eine Strecke von 50 Meilen von Tausenden von
Meilen Seewege durch die Karibik.

In Friedenszeiten passieren 44 Prozent der

gesamten Außenhandelstonnage und 45 Prozent des Rohöls nach den Vereinigten
Staaten die Karibik.

Im Falle eines Krieges in Europa würden 65 Prozent un-

seres Mobilisierungsnachschubs von Häfen am Golf von Mexiko in See stechen
und durch die Straße von Florida nach Europa gehen.
Während des Zweiten Weltkrieges

- nur um Sie daran zu erinnern - war

unsere Verteidigung so schwach und unsere Lebensadern so entblößt, daß in den
ersten Monaten 1942 eine Handvoll feindlicher Unterseeboote in der Karibik
und im Golf von Mexiko Hunderte, von Schiffen versenkte - und das leichter und
schneller als Hitlers ganze Flotte im Nordatlantik.

Die Karibik war ein bes-

seres Ziel für sie. Vor fast genau 41 Jahren wurde ein mexikanischer Tanker
- mit vollen Lichtern, wie das damals bei Neutralen üblich war - vor Miami
versenkt.

Im Juni jenes Jahres hat ein einziges Unterseeboot, die U-159, in

vier Tagen acht amerikanische Schiffe versenkt, zwei davon direkt vor der Einfahrt in den Panamakanal.
Und wir dürfen nicht vergessen, Hitlerdeutschland besaß keine Stützpunkte in der Karibik, ja hatte nicht einmal Zugang zu Häfen zum Tanken und
zur Versorgung.
Die meisten Amerikaner sind davon ausgegangen, wir hätten, weil die
Sowjetunion weiß, daß wir die Stationierung von strategischen Waffen auf Kuba
nicht akzeptieren werden, nichts mehr zu befürchten.
Kuba keine Kernwaffen sind.

Es ist richtig, daß auf

Und es ist richtig, daß sich die Utopie der ku-

banischen Kommunisten als eine solche wirtschaftliche Katastrophe erwiesen hat,
daß Kuba völlig von massiver sowjetischer Hilfe abhängig ist - in einer Größenordnung von vier Milliarden Dollar jährlich.

- 3 -

Aber das hat Kuba nicht abge-

�nicht abgehalten, sich als Vorkämpfer einer besseren Zukunft darzustellen und
einen Feldzug zu führen, um in Mittelamerika neue kommunistische Diktaturen zu
errichten.
Ich weiß, es gibt Leute, die glauben, daß wir in der Regierung die Gefahr übertrieben darstellen.

Ich möchte Ihnen jedoch ein Zitat verlesen:

"Der revolutionäre Prozeß in Mittelamerika ist ein einziger
Die Triumphe des einen sind die Triumphe des anderen...
wird kommen;
erleben.

die Stunde von Honduras.

Prozeß.

Die Stunde Guatemalas

Auch Costa Rica wird seine große Stunde

Der erste Ton war in Nicaragua zu vernehmen."

Falls Sie sich fragen sollten, derjenige, der das sagte, war kein Sprecher unserer Regierung.

Die vertrauensvolle Voraussage stammt von Cajetano

Carpio, dem wichtigsten Führer der Guerilla in El Salvador.

Nachzulesen in

der Ausgabe vom 25. August 1980 der mexikanischen Zeitschrift "Proceso".
Unsere Analysen, unsere Strategie und unsere Erwartungen bezüglich der
Zukunft

Mittelamerikas gehen von zwei Vorstellungen aus. Die eine ist, daß

die Demokratie nicht gedeihen kann, wenn es extreme Ungleichheiten beim Landerwerb, bei den Lebenschancen und bei der Rechtsprechung gibt.

Die zweite

Vorstellung ist die, daß Herr Carpio und seine Verbündeten solche Ungerechtigkeiten für antidemokratische Ziele ausnützen.
Ich

habe einen Terroristenführer

zitiert, weil es gerade solche Ober-

zeugungen - gestützt auf bewaffnete Gewalt - sind, die unseren Freunden in
Mittelamerika solche Sorgen machen:

In Costa Rica, wo Demokratie und Achtung

der Menschenrechte eine alte Tradition haben; in Honduras, wo demokratische
Institutionen Fuß fassen; in El Salvador, wo die Demokratie zu funktionieren
beginnt; ja selbst in Nicaragua, wo die Enttäuschung
Fragen Sie die Menschen, die dort leben.

an der Tagesordnung

Sie werden Ihnen sagen, so

wie sie es uns gesagt haben, - durch ihre Regierungen, in den öffentlichen

- 4 -

ist.

�den öffentlichen Meinungsumfragen und in den Leitartikeln ihrer Zeitungen
und Rundfunksender - daß die Revolution, derer sich Carpio rühmt, ein erschreckendes Phänomen ist:
Wohlergehens.
machen sollten.

eine direkte Bedrohung ihrer Demokratie und ihres

Sie werden Ihnen sagen, daß auch wir Nordamerikaner uns Sorgen
Nicht, weil etwa Herr Carpio morgen ein Bataillon über den

Rio Grande (die Grenze der Vereinigten Staaten, Anm. der Redaktion) führen
wird, sondern weil die Sache der Demokratie und der Menschenrechte auch unsere
Sache ist.
Ich bin ganz dieser Meinung.

Wir können nicht guten Gewissens weg-

sehen, wenn Demokratie und Menschenrechte in Ländern in Frage gestellt werden,
die nahe bei uns liegen - in Ländern, die von uns Hilfe erwarten.
Reagan hat es im vorigen Monat treffend ausgedrückt:

Präsident

"Menschenrechte heißt,

an Problemen arbeiten, nicht vor ihnen davonlaufen."
Die entscheidende Frage ist also, was sollen wir tun?
Ein Hauptelement unserer Strategie muß die Unterstützung von Demokratie,
Reform und der Schutz der Menschenrechte sein. Man kann davon ausgehen, daß
Demokratien ihre Nachbarn weniger wahrscheinlich bedrohen - oder ihre eigenen
Bürger mißbrauchen - als Diktaturen.
Der Kräfte der Demokratie gibt es viele und vielfältige.

Manche sind

tief verwurzelt, wie in Costa Rica, das seit 35 Jahren nichts anderes als Demokratie kennt. Andere sind zerbrechlicher, aber sind ständig gewachsen in
dem Maße, in dem die wirtschaftliche Entwicklung die Mittelklasse gestärkt hat
und in dem Gewerkschaften und Bauernorganisationen den Pluralismus verwirklicht
haben.

Die katholische Kirche hat ebenfalls wichtige Beiträge zur Demokratie

und zum sozialen Fortschritt geleistet.

Und das gleiche gilt für die Vereinig-

ten Staaten beispielsweise durch Kultur und in jüngerer Zeit auch durch Diplomatie.
Die Kräfte

�Die Kräfte der Diktatur bestehen aus zwei Arten.
andere ist neu.

Die eine ist alt, die

Die alte Spielart ist die der wirtschaftlichen Oligarchie,

des politischen Despotismus und der militärischen Unterdrückung.

Außer in

Costa Rica war das die traditionelle Methode des gesellschaftlichen Aufbaus
während des größten Teils der Geschichte Mittelamerikas.

Die neue Form der

Diktatur besteht in einer gelenkten Wirtschaft, einer selbsternannten elitären FUhrungsgruppe und einem Guerilla-Krieg.

Die Basis ist Nicaragua; das

Ziel ist ganz Mittelamerika.
Ehe die Sandinisten 1979 in Nicaragua an die Macht kamen, versprachen
sie freie Wahlen, politischen Pluralismus und Blockfreiheit.
alle diese Versprechen gebrochen.

Heute haben sie

Erst machten sich die Sandinisten daran,

die Demokratien aus der Regierungsjunta zu verdrängen; dann, jede politische
Opposition, alle Pressefreiheit und die Unabhängigkeit der Kirche einzuschränken; dann, Streitkräfte aufzubauen, die heute die größten in der Geschichte
Mittelamerikas sind; schließlich, sich mit der Sowjetunion und mit Kuba zur
Unterwanderung ihrer Nachbarn zu verbünden.
Das erste Ziel wurde El Salvador. Im Jahr 1980 wurden auf Anweisung
Kubas mehrere extremistische Gruppen El Salvadors in Managua zusammengeschlossen, wo sich heute noch ihr Einsatzhauptquartier befindet. Kuba und seine
Verbündeten aus dem Sowjetblock sorgten dann für Ausbildung und Nachschub,
der heimlich durch Nicaragua nach El Salvador floß, um den bewaffneten Aufstand zu schüren. Die kommunistische Intervention brachte die Guerilla zwar
nicht an die Macht, kostete aber Tausenden von Menschen das Leben und weitete
einen bereits bitteren Konflikt aus. Heute hängt El Salvador in der Schwebe,
wobei die reformwilligen Demokraten mit den Kräften der alten und neuen Diktatur kämpfen müssen.
Der Kampf um die Demokratie wird noch weiter erschwert durch das schwere
Erbe von Jahrzehnten der sozialen und wirtschaftlichen Ungerechtigkeit.

Und

in El Salvador hat - wie auch andernorts in der Welt - die Weltrezession mit
verheerender Wirkung zugeschlagen.
Wir müssen

�Wir müssen daher auch die wirtschaftliche Entwicklung unterstützen.
Unterentwicklung, Rezession - und der andauernde "Verlängerte Krieg" der
Guerilla gegen die Wirtschaft El Salvadors - verursachen menschliches Elend
und Leiden, die von den Feinden der Demokratie in zynischer Weise ausgebeutet
werden.

Drei Viertel der Mittel, die wir für die Unterstützung unserer Mittel-

amerikapolitik ausgeben, werden für Wirtschaftshilfe aufgewandt.
Wirtschaftsprogramm geht über die traditionelle Hilfe hinaus:

Und unser

Die Initiative

des Präsidenten für das Karibische Becken soll dazu dienen, Handel und Investitionen mächtige Anreize zu geben, um diesen Ländern zu helfen, ein sich selbst
erhaltendes wirtschaftliches Wachstum zu erreichen.
Aber wie alle Reformen für sich allein keinen Frieden bringen können,
solange die Guerilla der Überzeugung ist, sie könne einen militärischen Sieg
davontragen, so wird keine Wirtschaftshilfe ausreichen, solange Guerillaeinheiten Straßen, Brücken, Kraftwerke und Ernten immer wieder ungestraft zerstören können.
Wir müssen also auch die Sicherheit El Salvadors und der anderen bedrohten Ländern der Region unterstützen.
Und schließlich müssen wir, mit einer schweren, sich über die ganze
Region erstreckenden Krise konfrontiert, regionale Friedenslösungen anstreben.

Wir versuchen, die Sandinisten davon zu überzeugen, an den Verhandlungs-

tisch zu kommen - in der Bereitschaft, mit ihren Nachbarn und mit ihrer eigenen zunehmend beunruhigten Gesellschaft zu einem Einvernehmen zu kommen.
Werfen wir nun einen Blick darauf, wie diese Strategie in der Praxis
funktioniert. Zunächst El Salvador:
Grundtatsache hinsichtlich El Salvadors ist heute, daß sein Volk Frieden wünscht.

Und weil es dies will, hat es die wesentlichen Grundlagen für

nationale Versöhnung und Erneuerung geschaffen.
Erlauben Sie

�Erlauben Sie mir einige Details:
Erstens:
Menschenrechten.

Sogar inmitten des Guerillakrieges wächst die Achtung vor den
Zwar ist die Gewalt gegenüber Zivilisten noch immer hoch,

aber sie ist merklich zurückgegangen, seit wir vor drei Jahren mit unserer
Hilfe begonnen haben.

Das System der Strafverfolgung bleibt ein Hauptanlie-

gen und ich werde darauf gleich zurückkommen.
Zweitens:

Innerhalb von drei kurzen Jahren und trotz der entschiedenen

Ablehnung durch die Guerilla hat die Regierung von El Salvador über 20 Prozent des Ackerlandes neu verteilt.

Rund 450 000 Menschen - etwa jeder zehnte

El Salvadorianer - haben unmittelbar davon profitiert und haben einen persönlichen Anteil an einer sicheren Zukunft.
Drittens: Die allgemeine Wirtschaftslage ist schlecht. Allein um
dieses Jahr in etwa das Niveau zu halten, braucht El Salvador beträchtliche
Wirtschaftshilfe zur Einfuhr von Saatgut, Düngemittel und Schädlingsbekämpfungsmittel für die Landwirtschaft und Rohstoffe für die Fabriken.
Die Wirtschaftskrise rührt zum Teil von der internationalen Rezession
her, die einen Preisdruck auf die landwirtschaftlichen Exporte - Kaffee,
Baumwolle, Zucker • ausübt, von denen El Salvador hinsichtlich seiner Devisen abhängt. Aber das weit ernsthaftere Problem ist der Guerillakrieg gegen
die Wirtschaft. Teile des fruchtbaren Bodens können wegen der Guerillaangriffe
nicht bestellt werden. Durch sie wurden 55 der 260 Brücken des Landes zerstört und viele weitere wurden beschädigt. Die Wasserwerke müssen 112 Wasserversorgungsanlagen reparieren, die durch Guerillaangriffe beschädigt wurden.
249 Angriffe auf das Telefonsystem haben Schäden mit sich gebracht, die in
die Millionen Dollar gehen. In den 22 Monaten bis Ende November vorigen Jahres gab es durch die Guerilla über 5000 Unterbrechungen der Stromversorgung durchschnittlich acht pro Tag. Die gesamten Ostgebiete des Landes hatten sowohl 1981 als 1982 jährlich über ein Drittel Stromausfall. Allein 1982 zerstörte die Guerilla über 200 Busse. Weniger als die Hälfte der Eisenbahn- 8 -

�der Eisenbahnwaggons ist einsatzfähig.

Kurz:

Da sie nicht in der Lage ist,

die Loyalität des Volkes von El Salvador auf freiwilliger Basis zu erringen,
entzieht die Guerilla ihm absichtlich und systematisch Nahrungsmittel, Wasser,
Transport, Elektrizität, sanitäre Anlagen und Arbeit.
Das sind die Leute, die behaupten, ihr Ziel sei Hilfe für das gemeine
Volk.
Das bringt mich auf einen vierten Punkt.
Die drei

Bataillone Regierungstruppen, die wir ausgebildet haben, ver-

halten sich auf dem Schlachtfeld wie auch im Umgang mit Zivilisten soldatisch
einwandfrei.

Aber nur jeder zehnte salvadorianische Soldat hat unsere Ausbil-

dung erfahren - weniger als die vielen "Guerilleros", die von Nicaragua und
Kuba ausgebildet werden.
Worum es letztlich in El Salvador geht, ist die Sache der Demokratie.
Ich kann diesen Punkt nicht genug betonen.
trächtlich.

Und hier ist der Fortschritt be-

Die Verfassungsgebende Versammlung, vor einem Jahr gewählt, hat

eine neue Verfassung ausgearbeitet, hat eine gemäßigte Regierung der nationalen Einheit unterstützt und die Bodenreform fortgeführt.
Ich erinnere Sie an die Wahlen vor gerade einem Jahr mit ihren 80 Prozent Wahlbeteiligung - keine schlechte Beteiligung angesichts der gewaltsamen
Anstrengungen, mit Waffengewalt die Menschen davon abzuhalten, zu den Wahlurnen zu gehen.
Am wichtigsten ist vielleicht die Tatsache, daß die Politiker und die
Parteien, die an den Wahlen vom März 1982 teilnahmen und die nunmehr in der
Versammlung repräsentiert sind, damit begonnen haben, bei der Suche nach einer
politischen Lösung für die Probleme ihres Landes gemeinsame Ziele abzustecken.
Den konkretesten Hinweis auf das Selbstvertrauen und die wachsende
Stärke der neuen demokratischen Führer El Salvadors gab es im vergangenen
- 9 -

�im vergangenen Monit unter der Anwesenheit seiner Heiligkeit Papst Johannes
Paul II. Am 6. März kündigte der Präsident von El Salvador, Alvaro Magana,
an, daß es in diesem Jahr nationale Wahlen geben wird und daß sie allen politischen Parteien und Gruppierungen offenstünden.
Es bedarf aber einigen Vertrauens in den demokratischen Prozeß, um
solche Wahlen abzuhalten und zu sagen:

Gut, lassen wir den Wahlprozeß dar-

über entscheiden, wer Präsident sein soll.
Am 17. März schlug die Friedenskommission von El Salvador, bestehend
aus einem katholischen Geistlichen und zwei Laien, Gesetze für eine allgemeine Amnestie vor, die nunmehr der Verfassungsgebenden Versammlung
gen.

vorlie-

Und der Präsident der Verfassungsgebenden Versammlung hat die wich-

tigste politische Gruppierung der Guerilla - die Frente Democratico Revolucionario (FDR) - aufgefordert, sich an den Wahlen zu beteiligen.
Wie Präsident Reagan klargestellt hat, unterstützen wir Verhandlungen,
die darauf abzielen, die Beteiligung in den demokratischen Institutionen auszuweiten - alle Parteien dazu zu bringen, an freien und gewaltfreien Wahlen
teilzunehmen. Wir werden keine Verhandlungen unterstützen, die eben diesen
demokratischen Prozeß zerstören, der sich herauszubilden versucht; wir werden
keine Machtanhäufung hinter dem Rücken des Volkes zulassen, wie dies in
Nicaragua geschehen ist. Ich bin durch die Vorschläge schockiert, die ich
manchmal höre, wenn ich vor dem Kongreß aussage, wonach wir nämlich - nachdem wir gesehen haben, wie diese Leute mit Gewalt versuchen, die Abhaltung
von Wahlen zu verhindern - zulassen sollten, daß diese Leute mit Gewalt und
mit unserer Zustimmung mit Hilfe der Gewehre an die Regierung kommen. Das
kommt nicht in Frage! Wir werden solche Aktivitäten nicht unterstützen.
Wir werden El Salvador dabei helfen, die persönliche Sicherheit der
Kandidaten und ihrer Anhänger zu gewährleisten, Zwang und Einschüchterung
zu verhindern und dazu beitragen, den Zugang zu den Medien und eine ehrliche
Auszählung sowie - schließlich - die Achtung vor der Entscheidung des Volkes
sichern zu helfen.
Lassen Sie
- 10 -

�Lassen Sie mich einen Augenblick auf das zutiefst beunruhigende Problem
des ineffizienten Systems der
Hier muß vieles besser werden.

Strafverfolgung von El Salvador zurückkommen.
Die Gerichte müssen ihre Fälle innerhalb einer

vernünftigen Frist zu einem unparteiischen Abschluß bringen.
dies ihnen gegenüber eindeutig klarstellen.

Und wir müssen

Ich darf mitteilen, daß Justiz-

minister Bill Smith heute in El Salvador ist, und eine Gruppe von Juristen
dort war, und daß wir alles versuchen, um in dieser Hinsicht behilflich zu
sein.
Lassen Sie mich nun auf Nicaragua zu sprechen kommen.
Immer mehr Nicaraguaner kommen zu dem Schluß, daß sie in ihrem Kampf
um die Demokratie betrogen worden sind.

Der große Held der Revolution gegen

Somoza, Eden Pastora, der als "Commandante Zero" die Machtübernahme in der Nationalversammlung Somozas 1978 anführte, befindet sich heute im Exil.

Des-

gleichen Alfonso Robelo, eines der wichtigsten Mitglieder der regierenden
Junta, die Somozas Platz einnahm.

Außerdem Brooklyn Rivera, der Führer der

Miskito-Indianer; und schließlich Adolfo Calero, Geschäftsmann und SomozaGegner, der drei Jahre lang versuchte, in Nicaragua die Rolle der "loyalen
Opposition" zu spielen.

Sie und Tausende anderer innerhalb und außerhalb

Nicaraguas sind Zeuge dafür, daß das, was als eine außergewöhnliche nationale
Koalition gegen Somoza begann, unter der Manipulation einer Handvoll von Ideologen, unterstützt durch Militärberater aus Kuba und aus dem Sowjetblock, zusammengebrochen und verkümmert ist.
Aber es gibt eine Antwort auf die Probleme Nicaraguas.
El Salvador ist es eine politische Antwort.

Und wie bei

Im vergangenen Oktober forderten

acht demokratische Staaten der Region in San Jose, Costa Rica, Nicaragua auf,
den friedlichen demokratischen Gruppierungen ebenfalls

Handlungsfreiheit

zu gewähren und dadurch zu einem Ende der Guerillagewalt über die Grenzen
hinweg sowie zu einem Einfrieren des Anwachsens der militärischen Arsenale
zu gelangen.

Wie Präsident Reagan gesagt hat, unterstützen wir solche Ver-

bindungen, um die Demokratie zu stärken, der Subversion Einhalt zu gebieten,

- 11 -

�zu gebieten, den Waffenstrom zu stoppen, die Grenzen zu respektieren und
alle ausländischen Militärberater - die sowjetischen, die kubanischen,

die

ostdeutschen, die der PLO genau wie unsere eigenen - aus dieser Region entfernt zu sehen.

Die Annahme der Vorschläge von San Jose brächte eine Verrin-

gerung der Ost-West-Spannungen in Mittelamerika und würde zu einer regionalen
politischen Lösung führen.
Leider hat sich Nicaragua bislang geweigert, auch nur über diese Grundsätze zu sprechen -

genau wie es vorher unsere eigenen Anstrengungen unter-

graben hat, eine bilaterale Vereinbarung zu erreichen, durch die die beiderseitigen Besorgnisse hätten angesprochen werden können.
Unsere Verpflichtung zu Frieden und Demokratie in Mittelamerika ist
natürlich nicht nur auf El Salvador und Nicaragua begrenzt- Genau wie wir
haben auch Costa Rica und Honduras noch nicht die Hoffnung aufgegeben, daß
Nicaragua zu den Grundsätzen von Demokratie und Frieden zurückfindet, für die
sein Volk 1979 gekämpft hat. Aber als Nicaraguas unmittelbare Nachbarn erfahren sie ganz unmittelbar die Auswirkungen der Militarisierung und der zunehmenden inneren Unruhe in Nicaragua. Derzeit leben 6000 Nicaraguaner im Exil
in Costa Rica. In Honduras nimmt der Zustrom von Flüchtlingen aus Nicaragua
weiter zu. Allein im vorigen Jahr flohen etwa 15 000 Miskito-Indianer nach
Honduras, um der erzwungenen Umsiedlung durch die nicaraguanische Regierung
zu entgehen.
Bis eine friedliche Lösung gefunden ist, müssen wir Honduras und Costa
Rica auch weiterhin unterstützen. Beides sind demokratische Staaten. Beide
werden wirtschaftlich schwer durch die regionalen Unruhen und durch die weltweite Rezession getroffen. Und beide sind dem von Nicaragua aus gelenkten
Terrorismus ausgesetzt. Wir wollen diese Demokratien stärken und ihnen dabei
helfen, ihren Völkern auch inmitten der Krise dieser Region Stabilität und
Hoffnung zu bieten.
Es kann in Mittelamerika nicht über Nacht zu demokratischen Verhältnissen
kommen.

Und es kann nicht ohne anhaltende amerikanische Unterstützung zu
- 12 -

�Unterstützung zu einer Demokratie kommen. Zur Unterstützung unserer Zielsetzungen in Mittelamerika - Demokratie, Entwicklung, Gerechtigkeit und Sicherheit, um sie möglich zu machen - hat der Kongreß eine beträchtliche Wirtschaftshilfe genehmigt. Allerdings hält

die Kontroverse über militärische Hilfe für

El Salvador an - für das Land, dem im wahrsten Sinn des Wortes die Pistole auf
die Brust gesetzt wird.
Die Sicherheitshilfe, um die wir ersuchen, soll eine disziplinierte,
gutausgebildete Streitmacht erstellen helfen, die als Schild für Demokratisierung und Entwicklung dient. Wir planen keine Amerikanisierung der Kämpfe
und wir beabsichtigen nicht, moderne schwere Waffen - wie etwa Nicaraguas
sowjetische Panzer - nach El Salvador zu schicken. Wir werden den Streitkräften El Salvadors dabei helfen, ihre Mobilität zu erhöhen und im notwendigen Umfang Munition, Ersatzteile, technische Ausrüstungen und Material der
medizinischen Versorgung zu beschaffen. Aber unsere Hauptbetonung liegt auf
einer umfassenderen Ausbildung für die salvadorianischen Soldaten. Wie ich
bereits erwähnt habe, hat nur jeder zehnte Soldat unsere Ausbildung erhalten.
Diejenigen, die eine solche erhielten, erbringen eine bessere Leistung; wenn
wir also das Ausbildungsniveau verbessern, können wir auch erwarten, daß die
Leistung steigt.
Zeit ist ein wichtiger Faktor.

Um mit Senator Henry Jackson zu sprechen:

"Wenn die Wahlurnen frei und offen zugänglich sein sollen, dann muß es einen
Schutzschild geben, hinter dem das Volk an den Wahlen teilnehmen kann."
Ob wir in der Lage sein werden, diesen Schutz rechtzeitig zu stellen,
hängt vom Kongreß ab. Inmitten eines Krieges hat der Kongreß die Sicherheitshilfe auf einen Umfang beschnitten, der um zwei Drittel unter dem des vorausgegangenen Haushaltsjahres liegt. So sieht es also aus: Da steht die Armee,
sie kämpft, und plötzlich geht der Zufluß dessen, was sie zum Kämpfen braucht,
um zwei Drittel zurück. Und dann wird gesagt: "Warum ist diese Armee nicht
besser?" So etwas ist ein furchtbarer Schlag.
Die Administration
- 13 -

�Die Administration versucht, diese Mittel wieder zur Vergügung zu stellen.

Das Volk von El Salvador braucht das Vertrauen, daß wir bis zum Ende

des Kampfes zu ihm stehen, weil sonst die Hoffnung auf Demokratie nicht überleben könnte.
Lassen Sie mich zusammenfassend wiederholen, daß es für uns viele Gründe
gibt, uns darum zu sorgen, was in Mittelamerika geschieht.
Einer ist strategischer Natur.

Und wir sollten uns hieran erinnern.

Was in Mittelamerika geschieht, könnte unsere eigene Sicherheit und die unserer Freunde überall im Karibischen Becken gefährden - von Mexiko bis zum
Panamakanal.
Ein gleichwichtiger Grund ist moralischer Natur. Wie können wir im
Namen der Menschenrechte unsere Nachbarn der brutalen militärischen Machtübernahme durch eine totalitäre Minderheit überlassen? Wenn unser Anliegen die
Freiheit ist: Wird ein kommunistischer Sieg sie bringen? Wenn unser Anliegen
eine faire Rechtsprechung ist: Wird ein kommunistisches Regime eine solche
bringen? Wenn wir uns um die Armut sorgen: Wird ein kommunistisches Wirtschaftssystem Wohlstand bringen?
Das amerikanische Volk und seine gewählten Vertreter stehen vor einer
schwierigen Wahl. Es ist leicht, den Demagogen zu spielen und es ist verlockend, harte Entscheidungen zu vermeiden. Aber wenn wir uns an dieser Herausforderung vorbeidrücken, werden wir nicht nur all jene in Mittelamerika
im Stich gelassen haben, die sich nach Demokratie sehnen, sondern wir werden
uns selbst verraten haben. Wir können nicht nur im abstrakten Sinn für Freiheit und Menschenrechte sein. Wenn unsere Ideale einen Sinn haben sollen,
dann müssen wir sie verteidigen, wenn sie bedroht sind.
Stellen wir uns unserer Verantwortung.
+ + + + +

- 14 -

�18

27. April 1983

DIE SOWJETISCHE STRATEGIE IN EUROPA
- Von Fritz W. Ermarth •

Fritz Ermarth ist Experte für Verteidigungsfragen und ehemaliger Mitarbeiter
des Nationalen Sicherheitsrates der USA.

(AD) - Warum hat die Sowjetunion die gewaltige Militärmacht aufgebaut,
die sich in Europa von der Elbe bis weit hinter Moskau und von der Arktis bis
zur Türkei und dem Kaukasus erstreckt?

Was beabsichtigt sie mit dieser Darstel

lung ihrer militärischen Macht, die so viele Male größer ist als die Armee
Hitlers, die im Jahr 1941 in Rußland einfiel?

Was auch immer die Absicht ist,

für die Männer, die in Moskau die Entscheidungen treffen, muß sie überaus wichtig sein.

Denn die Sowjetunion ist ein armes Land und könnte gut und gern die

enormen Mittel, die sie in ihrer Militärmaschinerie in Europa steckt, für andere Ziele und Zwecke verwenden.
tärische Probleme:

Darüber hinaus hat Moskau noch weitere mili-

Die Sowjetunion sieht sich einem feindlich eingestellten

China sowie ihrem hauptsächlichen strategischen Nukleargegner, den Vereinigten
Staaten, jenseits des Nordpols und der Ozeane gegenüber.

Und doch ist der An-

teil ihrer militärischen Anstrengung, der gegen den alten Kontinent Europa ge-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Europa gerichtet ist - nukleare und konventionelle Streitkräfte, Armeen, Luftstreitkräfte und Marine - bei weitem der größte.
Werden all diese Streitkräfte in erster Linie benötigt, um die Sowjetunion gegen eine Invasion aus dem Westen zu verteidigen?

Eine solche Kapazität

haben sie natürlich. Aber diese Verteidigungskapazität ist ohne Frage nebensächlich und zweitrangig gegenüber dem wahren Ziel dieser militärischen Macht.
Die sowjetischen Politiker sind pragmatische Leute.

Sie wissen, daß die NATO

militärisch zu schwach ist, um realistische Offensivoperationen gegen den
Warschauer Pakt zu führen.

Im übrigen wäre es den sowjetischen Marschällen -

hätten sie einen entsprechenden Befehl erhalten - nicht schwergefallen, eine
hauptsächlich defensive militärische Position in Europa aufzubauen, die für
den Westen weit weniger beängstigend wäre, die die sowjetische Wirtschaft weit
billiger unterhalten könnte und die gegen einen westlichen Angriff absolut wirksam wäre.
Dient die sowjetische Militärmacht in Europa in erster Linie der Kontrolle
der unruhigen Bevölkerung Osteuropas und dazu, deren unpopuläre Herrscher an
der Macht zu halten? Auch dieses Ziel ist nur zweitrangig, ist Nebenwirkung
der sowjetischen Militärmacht, nicht aber Hauptziel. Was haben SS-20-Raketen
mit Mehrfachgefechtsköpfen, gewaltige Luftflotten taktischer Jagdbomber und
große offensive Panzerdivisionen damit zu tun, Leute wie Lech Walesa in ihre
Schranken zu weisen? Nein, wäre die politische Kontrolle Osteuropas das Hauptziel, dann hätten die sowjetischen Marschälle eine ganz andere, ganz anders
dislozierte und viel billigere militärische Position in Europa aufgebaut.
Und zur weiteren Erleichterung ihrer Aufgabe hätten sie die Armeen ihrer osteuropäischen Satelliten nur mit Polizeiwaffen ausgerüstet statt mit Panzern,
Artillerie und Flugzeugen, den Hilfsmitteln einer generell offensiv ausgelegten Position.
Vielleicht wollen die Sowjets nur, daß ihre militärische Position ein
sichtbares Gegengewicht zur amerikanischen Militärmacht in Europa bildet, um
damit der Welt den Eindruck zu vermitteln, daß die UdSSR eine den Vereinigten
Staaten gleichwertige Supermacht ist. Wenn dem so wäre, warum haben die
- 2 -

�haben die Sowjets darauf bestanden, so viel mehr von jeder Art militari scher
Kapazität zu dislozieren,als die Vereinigten Staaten und die NATO zusammen in
Europa besitzen - mehr Soldaten unter Waffen, mehr Divisionen, mehr Panzer,
mehr Geschütze, mehr taktische und strategische Flugzeuge, mehr Raketen, mehr
Kernwaffen - alle von durchaus vergleichbarer technischer Qualität und ohne
Frage nicht als Aushängeschild gedacht.

In einigen Fällen, wie etwa bei Pan-

zern, die für offensive Operationen heute so wichtig sind, sind die Sowjets
und ihre Verbündeten der NATO zahlrenmäßig um ein Vielfaches überlegen.
Haben die Sowjets diese gewaltige Militärmaschinerie aufgebaut, um in
Westeuropa einzumarschieren und es zu erobern?

Vom rein militärischen Stand-

punkt aus gesehen ist die Antwort "Ja". Die Invasion und die Eroberung Westeuropas ist genau das, wofür die sowjetischen Streitkräfte aufgebaut, ausgebildet und disloziert worden sind.

Wenn man alle Fakten sorgsam militärisch

analysiert, kann man zu keinem anderen Schluß kommen.
Die Position der sowjetischen Streitkräfte in Europa ist darauf angelegt und ausgerüstet, rasche und weitreichende offensive Operationen durchzuführen. Die taktischen Luftstreitkräfte der Sowjets sind darauf ausgerichtet,
die Luftverteidigung der NATO auszuschalten und die Dislozierungen der NATO in
den ersten Stunden eines Angriffs unmöglich zu machen. Gemischt bewaffnete
Armeen von Panzerdivisionen und gepanzerten Infanteriedivisionen, unterstützt
von massiver Artillerie, um die Panzerabwehr der NATO auszuschalten, sind
darauf ausgerichtet, die Front der NATO zu durchbrechen und große Vormarschwege zu öffnen. Schnelle, bewegliche operative Eingreifgruppen in Divisionsstärke sind dafür ausgebildet, durch Lücken in der Vorneverteidigung zu brechen und tief in den rückwärtigen Raum der NATO einzudringen, um die Logistik der NATO und ihre Versuche zu stören, eine Verteidigung aus der Tiefe
aufzubauen.
Die Fähigkeit der sowjetischen Streitkräfte, allein schon mit konventionellen Waffen offensive Operationen durchzuführen, ist gewaltig.

Dazu

kommt jedoch die tiefgestaffelte Nuklearkapazität der Sowjets vom Gefechts-

- 3 -

�vom Gefechtsfeld bis in das Zentrum Rußlands, um, wenn möglich, vor einem
Versuch der NATO abzuschrecken, eine konventionelle Offensive durch den Einsatz von Kernwaffen zu stoppen und, wenn notwendig, einen solchen Versuch
der NATO durch einen massiven sowjetischen Präventivschlag mit Kernwaffen
gegen ein breites Spektrum von Zielen in Westeuropa niederzuschlagen.
Die militärische Doktrin und die Manöver der Sowjets in Europa legen
eindeutig den Nachdruck auf rasche Offensivoperationen, die auf entscheidende
Siege östlich, aber auch westlich des Rheins bis zum Atlantik abzielen.
Sowjetische Übungen sehen nach ersten Durchbrüchen einen Vormarsch der Streitkräfte in einem Tempo von bis zu 100 km pro Tag, ständigen Tag- und Nachteinsatz, zahlreiche Flußüberquerungen von Ost nach West und insgesamt ein Angriffstempo vor, das so schnell wäre, daß die Fähigkeit der NATO, eine Verteidigung

aufzubauen, zusammenbrechen würde. Nach der sowjetischen Doktrin

würde der Einsatz von chemischen Waffen und Kernwaffen auf dem Gefechtsfeld
zwar sehr zerstörerisch sein, aber doch am ehesten der offensiven Seite der
Sowjets nützen, die für einen Kampf unter solchen Bedingungen besser ausgerüstet ist.
Aber wie steht es denn mit der Verpflichtung der

Vereinigten Staaten,

als NATO-Mitglied und führende Nation des Bündnisses, ihre interkontinentalen
und Mittelstrecken-Kernwaffen so früh wie notwendig einzusetzen, um die UdSSR
zu zerstören, die eine Aggression gegen Europa entfesselt hat?
Diese Gefahr und ihre abschreckende Wirkung kann durch keine noch so
große Zahl von Panzern und kluge Planung der sowjetischen Seite ausgeschaltet
werden. Aber die Aufrüstung der UdSSR an eigenen interkontinentalen Nuklearstreitkräften mit Interkontinentalraketen und unterseebootgesützten Raketen
dient der Absicht der Sowjets, diese Gefahr auf immer in Schach zu halten,
oder zumindest so lange, bis die sowjetischen Armeen so weit vorgerückt sind,
daß weder eine der europäischen Regierungen, einschließlich jener mit eigenen
Nuklearstreitkräften, noch der amerikanischen Präsident einen Sinn darin sähen,
eine nukleare Katastrophe wegen eines Europa herbeizuführen, das bereits den
sowjetischen Waffen erlegen ist.
Dies zur
- 4 -

�Dies zur militärischen Seite der sowjetischen Strategie. Aber wie sieht
es mit der politischen Seite aus?

Sollen wir davon ausgehen, daß die Sowjets

planen, eines Tages einen Angriffskrieg gegen die NATO

zu entfesseln, wenn

die Computer ihres Generalstabs berechnen, die Situation sei reif?
nicht ihre Absicht ist, was wir

Wenn dies

sicherlich hoffen, warum dann diese so teure

und so destabilisierende militärische Offensivkapazitöt, deren Existenz es den
NATO-Ländern sehr schwer macht, an die Möglichkeit eines Verhältnisses echter
Entspannung und Kooperation mit dem Osten zu glauben?

Um diese Frage zu beant-

worten, bedarf es einer subtileren politischen Analyse.
Eine solche Analyse wurde uns schon oft von ernstzunehmenden Kennern
der Sowjetunion gegeben. Zu den beredtsten und überzeugendsten gehört die
eines Russen und echten Europäers, eines früheren Mitglieds des sowjetischen
Establishments, der es vorgezogen

hat, heute im Westen zu leben:

Michael S.

Voslenski, der Autor des Buches "Nomenklatura" (Die herrschende Klasse in der
Sowjetunion).

Er erinnert uns daran, daß die UdSSR von einer geschlossenen

Elitegruppe beherrscht wird, die eine herrschende Klasse in jedem Sinne des
Wortes ist, wie es Marx benutzt hat.

Diese Klasse, die Nomenklatura-Klasse,

besitzt die Produktionsmittel, beutet die Arbeiterklasse aus und kontrolliert
jeden relevanten Aspekt des sowjetischen Lebens - nicht um des wirtschaftlichen
Profits im üblichen Sinne willen, sondern um die eigene Macht und die eigenen
Privilegien auszuweiten.

In der UdSSR und im Sowjetblock strebt diese herr-

schende Klasse nach totaler Macht und betrachtet jede alternative Machtquelle
als eine tödliche Bedrohung des eigenen Fortbestandes.

Die herrschende Klasse

der politischen Bürokraten in der Sowjetunion betrachtet die Außenwelt in
gleicher Weise. Und daher strebt sie geduldig und stetig danach, ihre Macht
über die Außenwelt auszudehnen, wo immer sie das zu einem annehmbaren Risiko
tun kann.
Westeuropa stellt eine besonders schwere Herausforderung und Gefahr für
die herrschende Klasse in der Sowjetunion dar.

Kulturell, historisch und

ethnisch steht Westeuropa vielen der von Moskau beherrschten Völkern nahe.
Allein

schon durch seine Existenz demonstriert das freie Europa erfolgreich,

- 5 -

�Europa erfolgreich, daß Demokratie und Freiheit wirtschaftlichen Wohlstand
und Sicherheit hervorbringen können, und stellt damit eine Bedrohung der
Existenz der herrschenden Klasse in der Sowjetunion dar.

Wenn diese Klasse

überleben will, dann muß sie früher oder später Europa unterjochen - eine
Oberzeugung, die in Moskau seit Lenins Tagen bis heute vertreten wird.
Moskau besitzt jedoch keine wirtschaftliche,
ja nicht einmal diplomatische

ideologische,

Werkzeuge, um dieses Ziel zu erreichen, obwohl

diese Werkzeuge als Hilfsmittel angewandt werden.
zeug

kulturelle,

Das einzige wirkliche Werk-

für die Unterjochung Westeuropas zu vertretbaren Kosten ist die poli-

tische Einschüchterung, gestützt auf militärische Bedrohung.

Durch ihre ge-

waltige Aufrüstung - unterstützt durch Propaganda und Diplomatie - versuchen
die Sowjets, Verhältnisse zu schaffen, unter denen sich die Westeuropäer verpflichtet fühlen, erstens

alle Schritte zu vermeiden, die die westliche Sicher-

heit erhöhen und damit Moskau vor den Kopf stoßen würden, wie etwa die Verbesserung der nuklearen und konventionellen Streitkräfte der NATO; zweitens,
ihre Außenpolitik nach sowjetischen Wünschen auszurichten und drittens, ihre
Innenpolitik nach den Erfordernissen der herrschenden Klasse in der Sowjetunion zu gestalten.

Jenseits aller Nuancen und scharfsinnigen Analysen gibt

dies im wesentlichen die sowjetische Strategie
beschreiben, ist der Begriff "Finnlandisierung"

in Europa wieder. Um sie zu
benutzt worden.

Der Begriff

ist unzureichend, denn Finnland, das gezwungen ist, die Wünsche Moskaus bis
zu einem gewissen Grad zu erfüllen, kann noch immer seine Freiheit schützen,
weil weiterhin ein freies und mächtiges Europa, verbündet mit Amerika, existiert.
Wenn Europa in den Bann der Sowjetunion geraten sollte, dann würde sich der
Begriff Finnlandisierung wie ein anachronistischer Witz anhören.
Muß sich Westeuropa dem
Schicksal unterwerfen?

ihm

von der sowjetischen Strategie vorgesehenen

Das braucht es keineswegs.

Die Sowjets wissen, daß

neben ihrer großen militärischen Macht ihr größter Pluspunkt die öffentliche
Meinung im Westen ist, die entweder nicht genug weiß, um die Notwendigkeit des
Widerstandes gegen die sowjetische Macht zu erkennen, oder zu viel Angst hat,
die günstigen Aussichten eines solchen Widerstands zu begreifen.

Wie Voslenski,

Solschenizyn und viele andere, die die herrschende Klasse der Sowjetunion aus
- 6

�Sowjetunion aus eigener Erfahrung kennen, immer wieder sagen, wollen die
sowjetischen Machthaber den Sieg ohne Krieg.

Sie benehmen sich vorsichtig,

manchmal sogar feige, gegenüber jenen, die ihrem Druck mit ruhigem Mut und
ausreichender Stärke widerstehen.
Es ist keine Frage, daß es sich die NATO politisch und wirtschaftlich
leisten kann, militärische Verhältnisse zu schaffen, die sie gegen die
sowjetische Taktik des Crucks schützen können.

Die NATO kann ohne weiteres

modernisieren und kann damit praktisch die Nuklearstreitkräfte verringern,
die sie braucht, um der nuklearen Erpressung durch die Sowjets zu widerstehen.
Gleichzeitig kann die NATO durch den Einsatz neuer Technologien und einfallsreiche militärische Taktiken ihre konventionellen Streitkräfte stärken, um
sich gegen sowjetische Panzerarmeen und Luftflotten zu verteidigen.
für

seine militärische Sicherheit sorgt und auch eine politische

Indem er
und mora-

lische Standhaftigkeit zeigt, die die übelsten Manifestationen der sowjetischen
Macht in Osteuropa verurteilt, kann der Westen gleichzeitig die politische Entschlossenheit an den

Tag legen, die so wichtig ist, um dem sowjetischen Druck

zu widerstehen und den Weg für eine echte Entspannung bereiten.
Der Westen möchte eine Situation herbeiführen, in der das folgende Gespräch im Kreml stattfinden könnte:
Generalsekretär Andropow wendet sich seinem Verteidigungsminister Ustinow
zu und fragt:
"Können wir darauf vertrauen, die NATO in einem raschen, begrenzten
Konflikt zu besiegen?"
Ustinow antwortet:

"Leider nein".

Dann wendet sich Andropow seinem Außenminister Gromyko zu und fragt:
"Können wir

�"Können wir denn die Westeuropäer und die Amerikaner so verängstigen
oder verwirren, daß sie ihr Bündnis
Und Gromyko antwortet:

vielleicht stufenweise aufgeben?"

"Leider ist genau das

Darauf sagt Andropow abschließend:

Gegenteil der Fall."

"Wenn dem so ist, dann sollten wir

vielleicht eine Politik versuchen, die echte Entspannung und Rüstungskontrolle
anstrebt."
Die Bedingungen für ein solches Gespräch im Kreml sind derzeit nicht
ideal.

Aber wir haben noch Zeit und Gelegenheit, sie zu schaffen.

Freiheit und der Frieden selbst hängen davon ab, daß wir

- 8 -

Unsere

es rasch tun.

�27. April 1983

SIMULATORPROGRAMME FÜR TDRS-BAHNKORREKTUR
- Rettungsaktion schwieriger als zunächst angenommen -

- (AD) - Alle Antennen und nachrichtentechnische

Systeme des von der

Raumfähre CHALLENGER abgesetzten TDRS-Satelliten funktionieren gut.

Aber

die Möglichkeiten zum Einsteuern des Geräts auf seinen vorgesehenen Standort in 36 000 km Höhe über der Nordostspitze Brasiliens beurteilt jetzt das
US-Amt für Luft- und Raumfahrt (NASA) mit "vorsichtigem Optimismus".

Denn

bei dem gestörten Ablauf von Zünden und Absprengen der fast 15 Tonnen schweren
Haupttriebwerke des Nachrichtensatelliten scheinen,

so vermuten Ingenieure

und Techniker der NASA, einige Steuerungsdüsen an der Unterseite beschädigt
worden zu sein.
Mit Hilfe dieser Steuerungsdüsen, die normalerweise nur für Bahnkorrekturen und Standortveränderungen im Orbit während der mehrjährigen Betriebsdauer dienen, sollte TDRS, mit 2,2 Tonnen Masse der bisher schwerste und größte Nachrichtensatellit für die Parkbahn 36 000 km über der Erde, den restlichen
Teil des Aufstiegs überwinden.

Noch immer befindet er sich infolge der Fehl-

funktionen des eigenen Antriebssystems in der elliptischen Übergangsbahn zum
sogenannten geostationären Orbit, in dem die Umlaufgeschwindigkeit eines
Satelliten auf einer kreisförmigen Bahn der Rotationsgeschwindigkeit der Erde

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Telex: 8-85432

�der Erde entspricht.

Deshalb scheint er, von der Erdoberfläche aus gesehen,

am Himmel stillzustehen.

In einer solchen Position "übersieht" er etwa ein

Drittel der gesamten Erdoberfläche und ist umgekehrt auch aus einer so großen
Region ansprechbar.
Für das bemannte wie unbemannte Raumfahrtprogramm der
Staaten haben die auf bestimmten

Vereinigten

Positionen über dem Äquator stehenden be-

sonders leistungsfähigen"Relaisstationen" aus der neuen TDRS-Serie den Vorteil,
mit dem Raumtransporter und seiner Besatzung und mit bis zu 40 unbemannten
Satelliten (davon 26 gleichzeitig) ständig Verbindung halten zu können. Die
Funkverbindung war bisher nur im "Sichtbereich" der rund um die Erde verteilten
Bodenstationen möglich.

Für die Raumtransporter-Besatzung bedeutete dies nur

einen Anteil von 15 Prozent der für eine Erdumkreisung benötigten Zeit.
Von besonderer Bedeutung ist das TDRS-System beim Einsatz der Raumfähre in Verbindung mit dem Europäischen Weltraumlabor SPACELAB ab September
1983. Die dabei anfallende Datenflut wäre nach dem "alten" System gar nicht
zu bewältigen. Deshalb soll im August TDRS-2 mit CHALLENGER (STS-8), ein paar
Monate später noch ein drittes Gerät zur Reserve gestartet werden.
Die US-Luftstreitkräfte, auf deren Initiative das Antriebssystem für den
TDRS-Satelliten entwickelt wurde, haben jetzt gemeinsam mit der NASA eine
Kommission zur Untersuchung der Panne und Ermittlung der Schäden an TDRS
gebildet. Seinen Bericht über die möglichen Funktionsstörungen bei der
"Inertial Upper Stage" (IUS) wird der sechsköpfige Expertenausschuß in etwa
einem Monat vorlegen können. Gleichzeitig arbeiten Ingenieure und Wissenschaftler bei TRW Systems, der Herstellerfirma des TDRS-Satelliten, Computerprogramme für Simulatorversuche aus, um die gegenwärtig beobachteten Bewegungen des 100 Millionen Dollar teuren TDRS-Geräts im Weltraum besser zu
verstehen und um schließlich seine Bahn doch noch korrigieren zu können.
Darüber können noch gut drei Wochen vergehen.
TDRS ist

�TDRS ist mit 24 Steuerungsdlisen versehen, als Treibstoff dient Hydrazin.
Mit acht an den Seiten des Satellitenkörpers angebrachten Düsen wird er in der
Nord-Siidrichtung gesteuert.

Die übrigen 16 Düsen regeln die Seiten-» die Höhen-

und die Richtungsstabilität. Zwei der für

die Steuerung der Seitenstabilität

wichtigen Düsen, die an der Unterseite angebracht sind, scheinen während des
Absprengens des IUS-Systems beschädigt worden zu sein. Jetzt geht es darum,
Bewegungsimpulse durch Zünden der noch funktionsfähigen Düsen genau zu ermitteln und ihre Gesamtwirkungen zu berechnen.

+ + + + +

- 3

�Wi//en/ch&lt;ift
und Technik

»

United States Information Service
Embassy of the United States of America

18

27. April 1983

NEUARTIGES

ANTRIEBSAGGREGAT FÜR RAUMTRANSPORTER-NUTZLASTEN

- (AD) - Das amerikanische Privatunternehmer) "Orbital Systems Corporation"
entwickelt ein Antriebssystem für Nutzlasten, die von der Raumfähre im Weltraum
abgesetzt werden und höhere Umlaufbahnen erreichen sollen. Die neue "Transfer
Orbit Stage" (TOS - Transferstufe für die Beförderung einer Nutzlast in die für
sie vorgesehene Umlaufbahn) soll ab 1986 einsatzfähig sein. Dies sieht das
jetzt vom US-Amt für Luft- und Raumfahrt (NASA) mit der Firma unterzeichnete
Abkommen vor. Wie dazu Generalmajor James A. Abrahamson, der Leiter des Raumtransporterprogramms der NASA, erklärte, werde damit das von der NASA aus Bundesmitteln finanzierte TOS-Programm beendet. Die Aktion sei ein Beispiel für
die Bestrebungen der US-Regierung, die Privatwirtschaft zu ermutigen, sich bei
lohnenden Raumfahrtprojekten stärker als bisher zu engagieren.
TOS bedeutet eine Erweiterung der Angebotsbreite für den Einsatz von
Nutzlasten privater Firmen oder von Regierungen im Zusammenhang mit den Raumtransporterflügen.

Gegenwärtig

lasten zur Verfügung.

stehen der NASA zwei Antriebssysteme für Nutz-

Das eine sind "Payload Assist Modules" (PAM), wie sie

für die Weiterbeförderung des kanadischen Nachrichtensatelliten ANIK
amerikanischen privaten Nachrichtensatelliten SBS in einen
Orbit im November 1982 verwendet

und des

geostationären

wurden, nachdem die Raumfähre COLUMBIA

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Raumfähre COLUMBIA die Satelliten auf ihrer Umlaufbahn abgesetzt hatte.
Das andere ist das zweistufige IUS-System, mit dem die TDRS-Satelliten ausgestattet sind.
Mit dem PAM-System läßt sich aus der Umlaufbahn der Raumfähre eine Masse
bis zu 990 kg auf eine geostationäre Bahn bringen, Kostenpunkt:

18 000 Dollar

pro Kilogramm, d.h. 17,82 Millionen Dollar für die Antriebs- und Einsteuerungsausrüstung.

Im Vergleich dazu vermag die Europa-Rekate ARIANE bis zu 945 kg

schwere Nutzlasten

bei einem Kostenaufwand von ca. 15,1 Millionen Dollar,

d.h. 16 000 Dollar pro Kilogramm Masse, zu transportieren. TOS wird in der
Lage sein, Massen bis zu 3060 kg aus dem Shuttle-Orbit auf eine geostationäre
Bahn zu bringen (Kostenpunkt: 12 000 Dollar pro Kilogramm Masse, Gesamtkosten
36,7 Millionen Dollar).

TOS ist außerdem in Verbindung mit der

neuen Version

der TITAN 34D-Trägerrakete einsetzbar, die jedoch, ebenso wie ARIANE, im Gegensatz zum Raumtransporter nicht wiederverwendbar ist, also zu den sog. Verlustgeräten zählt.

+ + + + +

- 2 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des US-Präsidenten zur MX-Entscheidung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Reagan möchte 100 "Friedenswahrer"-Raketen -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shultz: USA wollen Demokratie, Reform und Menschenrechte in Mittelamerika&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die sowjetische Strategie in Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Fritz W. Ermarth -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Simulatorprogramme für TDRS-Bahnkorrektur&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rettungsaktion schwieriger als zunächst angenommen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neuartiges Antriebsaggregat für Raumtransporter-Nutzlasten</text>
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20. April 1983

INHALT

DOKUMENTATION
Erklärung Präsident Reagans zum Bericht über den "Heißen Draht"
- Vorschläge des US-Verteidigungsministers zur Verringerung des
Atomkriegsrisikos USA streben friedliche Lösung in Mittelamerika an
- Erklärung von Unterstaatssekretär Enders vor Senatsausschuß

HINTERGRUNDMATERIAL
Die PERSHING II-Rakete
- Von Richard Burt Unterstaatssekretär für europäische Angelegenheiten im amerikanischen
Außenministerium
Fünfzig Jahre amerikanisch-sowjetischer Dialog
- Von Arthur Hartman, Botschafter der USA in Moskau Internationale Konferenz in Atlanta befaßt sich mit Bekämpfung des
Drogenmißbrauchs

Um Übei/endung von
ßckgcKcmploren
wird gebeten

P&lt;
D 5300 Bo

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

17

20. April 1983

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT REAGANS ZUM BERICHT ÜBER DEN "HEISSEN DRAHT"
- Vorschläge des US-Verteidigungsministers
zur Verringerung des Atomkriegsrisikos -

WASHINGTON - (AD) - Anläßlich der Veröffentlichung eines Berichts des
amerikanischen Verteidigungsministeriums über Maßnahmen zur Verbesserung der
Kommunikation ziwschen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion unterstrich
Präsident Reagan in einer diesbezüglichen Erklärung am 12. April 1983, daß diese Vorschläge "in vollem Einklang mit unserem Ziel einer Verringerung der Gefahr
eines Nuklearkrieges" stehen.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich stelle mit Genugtuung die Fertigstellung des Berichts des Verteidigungsministers über direkte Kommunikationsverbindungen und andere Maßnahmen
zur Erhöhung der Stabilität fest.

Ich bin davon überzeugt, daß die Vorschläge

in diesem Bericht, der in Übereinstimmung mit dem Gesetz 97-252 erstellt wurde,
in vollem Einklang mit unserem Ziel einer Verringerung der Gefahr eines Nuklearkrieges stehen.
Der Bericht

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Der Bericht des Verteidigungsministeriums empfiehlt eine Reihe von neuen
Maßnahmen.

Von besonderer Bedeutung sind jene Maßnahmen, die vorgeschlagen

wurden, um die Fernmeldeverbindungen zu verbessern und Vertrauen zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion zu schaffen.

Dazu gehören die zusätz-

liche Ausstattung der direkten Fernmeldeverbindung (des Heißen Drahtes) mit
einer Hochgeschwindigkeits-Teletextanlage, die es ermöglichen würde, ganze Seiten von Texten, Karten und Graphiken zu übermitteln;

Errichtung einer gemein-

samen militärischen Fernmeldeverbindung in Form einer HochgeschwindigkeitsTeletextanlage zwischen dem nationalen militärischen Kommandozentrum

der Ver-

einigten Staaten und der entsprechenden sowjetischen Stelle; und schließlich
die Verbesserung der bestehenden diplomatischen Fernmeldekanäle mit Hilfe
rascherer Datenübertragung.

Der Bericht enthält außerdem einen Vorschlag für

ein,für alle Staaten offenes Abkommen, das von den Unterzeichnerstaaten verlangt, sich im Fall eines nuklearen Vorkommnisses, bei dem eine terroristische
Grippe beteiligt ist, zu konsultieren.
Die Empfehlungen des Verteidigungsministeriums vervollständigen die
Rüstungsverminderungsvorschläge, die die Vereinigten Staaten der Sowjetunion
bereits sowohl bei den Verhandlungen über eine Verringerung der strategischen
Rüstungen (START) als auch bei den Verhandlungen über nukleare Mittel Streckensysteme (INF) unterbreitet haben.
Die Initiativen vervollständigen ferner die Vertrauensbildenden Maßnahmen,
die die Vereinigten Staaten der Sowjetunion bei den START- und INF-Verhandlungen vorgeschlagen haben. Diese Maßnahmen würden die Gefahr verringern, daß
sich jemals ein Atomkrieg aus Zufall, falscher Beurteilung oder Fehlberechnung
ergeben könnte. Dazu gehören Vorschläge, wonach beide Seiten einander im voraus über alle Abschüsse von Interkontinentalraketen sowie unterseebootgestützten
und landgestützten Mittelstreckenraketen benachrichtigen sollen. Darüber hinaus
müßten alle Parteien größere militärische Manöver, bei denen Kernwaffen beteiligt sind, vorher ankündigen und Informationen in neuem Umfang und Detail über
ihre strategischen und ihre Mittelstreckenraketen austauschen. In den nächsten
Wochen werde ich den Empfehlungen des Berichts des Verteidigungsministeriums
mein ganzes Augenmerk schenken.
+ + + + +

- 2 -

�17

20. April 1983

USA STREBEN FRIEDLICHE LÖSUNG IN MITTELAMERIKA AN
Erklärung von Unterstaatssekretär Enders vor Senatsausschuß -

WASHINGTON - (AD) - Der Unterstaatssekretär für interamerikanische
Angelegenheiten im State Department, Thomas 0. Enders, hat am 12. April 1983
in einer längeren Erklärung vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats betont, daß die Vereinigten Staaten ihre Bemühungen um eine friedliche Lösung
in Mittelamerika nicht aufgeben werden.

Bisher seien alle Versuche der USA,

aber auch anderer Staaten der Region, mit den Sandinisten in Nicaragua zu
einem Übereinkommen zu gelangen, fehlgeschlagen.
Die Ausführungen von Unterstaatssekretär Enders haben folgenden Wortlaut:
Seit dem Zusammenbruch des Somoza-Regimes und der Machtübernahme der
Sandinisten hat sich die amerikanische Politik gegenüber Nicaragua darauf
konzentriert, Nicaragua davon zu überzeugen:
- die Unterstützung für Aufstände in benachbarten Ländern aufzugeben;
- auf sein

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�- auf sein Streben nach einer beherrschenden Militärmacht in Mittelamerika
zu verzichten; und
- durch die Schaffung demokratischer Institutionen mit seiner eigenen Bevölkerung ins reine zu kommen.
Im Juni 1979 versprach die kurz vor der Machtübernahme stehende Junta
der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) förmlich, daß ihre Ziele demokratisch und friedlich seien.

Die Vereinigten Staaten, ja, die ganze interna-

tionale Gemeinschaft, akzeptierten dieses Versprechen und leiteten Programme
des friedlichen Wiederaufbaus ein, zu denen üblicherweise wesentliche Hilfszuwendungen außerhalb der jährlichen Haushaltszuweisungen gehören.
Im Verlauf der nächsten Monate wurde jedoch immer deutlicher, daß sich
die Sandinisten als die bewaffnete Vorhut einer mittel amerikaweiten

Bewegung

betrachteten.
Die neue Armee Nicaraguas, die Ejercito Populär Sandinista (EPS), wurde
1979 gegründet.

Bis Ende 1982 ist sie nach Auskunft ihres Befehlshabers

"viermal so groß und achtmal so stark geworden" wie die Guardia Nacional
Somozas.

Die EPS hat eine Stärke von schätzungsweise 20 000 Mann erreicht,

verstärkt durch Miliz und Reserven von rund 80 000 Mann.

In der genannten

Zeitspanne hat Nicaragua allein von der Sowjetunion militärisches Gerät und
Nachschub im Werte von schätzungsweise 125 Millionen Dollar erhalten.

Es be-

sitzt die bei weitem schwersten Panzer in ganz Mittelamerika, schwere Artillerie,Luftabwehrwaffen,Angriffshubschrauber, Raketenwerfer und Schnellboote.
Während die Piloten und Besatzungen in Bulgarien und anderen osteuropäischen
Staaten ausgebildet wurden, wurden in Nicaragua Flugplätze für moderne Düsenjäger gebaut.

Und, was noch wichtiger ist, eine große Zahl ausländischer Mi-

litär- und Sicherheitsberater kam ins Land.

Gegenwärtig dürften sich schät-

zungsweise rund 2000 Kubaner, 50 Sowjets, 35 Ostdeutsche und 50 Angehörige
der PL0 und Libyer zu Sicherheitsaufgaben in Nicaragua aufhalten.

Das ist

rund ein Berater auf 1000 Nicaraguaner.
Im Jahr

�Im Jahr 1980 brachten kubanische Agenten (so wie Castro 1978 in
Havanna die drei Hauptfraktionen der Sandinisten zusammengeführt hatte)
in Managua fünf Fraktionen der Guerilla aus El Salvador zusammen, arbeiteten einen Einigkeitspakt aus, führten dann einen gemeinsamen Befehls- und
Kontrollapparat im Gebiet von Managua ein und organisierten schließlich den
Nachschub und die Ausbildung auf nicaraguanischem Boden.

Seit diesem Zeit-

punkt kam der größte Teil der Waffen und Munition der Aufständischen in El
Salvador über Nicaragua herein.
In der Zwischenzeit errangen die Sandinisten ein Machtmonopol in Nicaragua selbst. Wahlen wurden lächerlich gemacht und verschoben.
ment der Anti-Somoza-Front nach dem anderen wurde ausgeschaltet.

Ein EleDie be-

rühmte Zeitung "La Prensa" wurde zensiert, unabhängige Rundfunk- und Fernsehstationen wurden eingeschränkt, die Gewerkschaften eingeschüchtert, der Privatsektor neutralisiert, die katholische Kirche wiederholten Provokationen und
Spaltungsversuchen unterworfen und die Miskitos und andere indianische Minderheiten in Nicaragua verfolgt.
Heute liegt die Südgrenze Nicaraguas 300 Meilen vom Panamakanal - getrennt nur durch Costa Rica, das seit fast 35 Jahren keine Armee mehr besitzt.
Seine Nordgrenze liegt 300 Meilen von Mexiko.

Dazwischen befinden sich zwei

Staaten, El Salvador und Guatemala - bereits von der Gewalt der Guerilla heimgesucht - und Honduras, dessen sich erst entwickelnde Demokratie unter täglichem Druck aus Nicaragua steht.
Man braucht nicht viel Phantasie, um zu begreifen, wie sich die sandinistische "Revolution ohne Grenzen" ausbreiten oder wie sich ihre Ausbreitung auf unsere Sicherheit auswirken könnte.
fließt durch die Karibik.

Die Hälfte unseres Handels

Und wir sind von der Stabilität unserer Nachbarn

abhängig, um das zu vermeiden, was unter bestimmten Umständen ein beispielloser Strom von Flüchtlingen nach Norden zu unserem Lande werden könnte.

Vor

allem heute, da eine sich in Schwierigkeiten befindliche Weltwirtschaft zur
Unruhe einlädt, müssen wir Demokratie und Stabilität in unserer unmittelbaren
Nachbarschaft sichern helfen.
Wir alle

�i

Wir alle haben ausbeuterische Diktaturen der Rechten wie der Linken erlebt:

Deutschland unter Hitler; die Sowjetunion unter Stalin und danach. Al-

lerdings gibt es eine Schule, die den Expansionismus linker Diktaturen auf einen
Druck von außen zurückführt.

Nach dieser Auffassung ist die Aggressivität der

Sowjetunion nichts weiter als eine Reaktion auf die Schaffung eines Netzes von
Bündnissen um sie herum:

Castro wurde durch die Konfrontation der USA zum

Kommunisten gemacht, und Vietnam wurde durch fremde Armeen radikalisiert.
Was auch für oder gegen diese Argumente sprechen mag, so möchte ich darauf hinweisen, daß der Fall Nicaragua genug Beweise liefert, um die gewöhnlich
aus dieser Behauptung resultierende Politik in Frage zu stellen - daß nämlich
linke Radikalisierung und Aggressivität durch politische Unterstützung und wirtschaftliche Hilfe seitens der Demokratien verhindert werden könne.
Nicaragua ist ein Land mit rund 2,5 Millionen Einwohnern. Seit 1979 hat
es von den Demokratien und multilateralen Einrichtungen 1,6 Milliarden Dollar
- oder 640 Dollar pro Mann, Frau und Kind - an Wirtschaftshilfe erhalten. Allein die Vereinigten Staaten stellten 125 Millionen Dollar zur Verfügung. Politisch haben solche demokratischen Staaten wie Mexiko sowie die Mitglieder
der Sozialistischen Internationale ständig Unterstützung geboten.
Und doch ist diese Zeitspanne durch den starken Aufbau der EPS, durch
die direkte Unterstützung von Gewalt in El Salvador und die Konsolidierung der
inneren Unterdrückung gekennzeichnet.
Es liegt auf der Hand, daß das konstruktive Engagement in Nicaragua
nichts bewirkt hat.
Bisher haben Verhandlungen auch nicht mehr bewirkt.
mühungen gegeben.

Es hat viele Be-

Einige davon dauern heute noch an.

Ich war an einem ersten solchen Versuch beteiligt und reiste im August
1981 nach Managua, um mir die Anliegen der Sandinisten anzuhören.
- 4 -

Sie sagten

�Sie sagten mir, daß sie sich an die Besetzung durch Soldaten des amerikanischen Marinekorps in den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts erinnerten;
daß sie eine amerikanische Invasion befürchteten und deshalb eine große Armee
brauchten; und daß wir verstehen müßten, daß die salvadorianischen Guerilleros
wichtig seien als ein "Schild", um Nicaragua zu schützen.
Wir sagten also:

In Ordnung, wollen wir uns euren Anliegen zuwenden.

Laßt uns ein zweiseitiges Nichtangriffsabkommen schließen.

Die Vereinigten

Staaten könnten ihren Einfluß geltend machen, um die in Amerika im Exil lebenden Nicaraguaner zu einer Mäßigung ihres Verhaltens zu bewegen.
Vereinigten Staaten könnten ihre Wirtschaftshilfe wieder aufnehmen.

Und die
Als Ge-

genleistung baten wir die Sandinisten, die Ausbildung und Versorgung der salvadorianischen Guerilla einzustellen, dem Pluralismus in ihrem eigenen Lande
eine Chance zu geben - wie sie das der OAS im Jahr 1979 versprochen hatten und ihre Aufrüstung zu begrenzen - vielleicht durch Abkommen mit anderen mittelamerikanischen Ländern.
Wir haben diese Vorschläge schriftlich unterbreitet.

Im Oktober 1981

lehnte Managua sie formell als "steril" ab. Gleichzeitig logen die Sandinisten
bezüglich der weiteren Belieferung der salvadorianischen Guerilla und erklärten, sie würden ihre Aufrüstung niemals einschränken.
Ein zweiter Vorschlag zu verhandeln fand im Frühjahr 1982 statt, dieses Mal auf Vorschlag des mexikanischen Präsidenten Lopez Portillo.
Wiederum unterbreiteten wir schriftlich konkrete Vorschläge; dieses Mal
in acht Punkten aufgegliedert und durch unseren Botschafter in Managua überreicht.

Und wieder gab es keine konkrete Antwortend man ging auf die Punkte

nicht ein.

Nicaragua antwortete lediglich, daß, bevor eine Antwort erfolgen

könne, ein Treffen auf höherer Ebene in Mexiko stattfinden müsse.

Dieses Mal

schien es uns, als ob die Sandinisten sich den Anschein geben wollten zu verhandeln, ohne aber wirklich zu verhandeln.
Wir beschlossen,

�Wir beschlossen, es ein drittes Mal zu versuchen.

Unter Führung von

Costa Rica kam im Oktober 1982 eine Gruppe demokratischer Staaten in San Jose
zusammen, um ein umfassendes Paket von Friedensvorschlägen für Mittelamerika
insgesamt auszuarbeiten.

Lassen Sie mich kurz auf diese Vorschläge eingehen,

weil sie weiterhin das Wesentliche dessen sind, was wir und die demokratischen
Nachbarn Nicaraguas zu erreichen versuchen.
Erstens, die San Jose-Gruppe kam überein, daß das Gebiet aus der Konkurrenz zwischen Ost und West herausgenommen werden sollte. Der Weg, um das
zu erreichen, bestand nach Auffassung der Demokratien darin, daß alle ausländischen Militärberater und Ausbilder aus Mittelamerika abgezogen werden - die
Kubas,die der Sowjetunion, die Bulgariens, die Ostdeutschlands,die der PLO
und die unsrigen.
Zweitens, die mittelamerikanischen Staaten müßten einen Weg finden, ohne
Furcht miteinander zusammenzuleben. Zu diesem Zweck schlug die San Jose-Gruppe
gegenseitige und verifizierbare Abkommen über ein Verbot der Einfuhr schwerer
Offensivwaffen, den Verzicht auf die Unterstützung von Aufständischen auf Nachbarterritorium und die Einrichtung einer internationalen Überwachung der Grenzen vor.
Drittens, jeder mittelamerikanische Staat müsse einen Weg finden, um
demokratische Institutionen zu schaffen, die oppositionellen Elementen offen
sind. Mittel amerikanische Demokratien, an der Spitze Costa Rica, sprachen
sich ganz besonders klar über die Notwendigkeit der Demokratisierung aus.
Nur so könnten sie darauf vertrauen, daß sie sich nicht irgendwann in der Zukunft einem aggressiven Nachbarn gegenübersähen, der nicht von den Grenzen
gezügelt würde, die die Demokratie auferlegt.
Als Vertreter der
Nicaragua zu treten, um
sätze eintreten würde.
Vorschläge ab - mit dem

San Jose-Gruppe versuchte Costa Rica, in Kontakt zu
es zu fragen, ob es in einen Dialog über diese GrundDie Sandinisten lehnten schon die Entgegennahme der
Argument, sie hätten an ihrer Formulierung nicht mitge-

- 6 -

�nicht mitgewirkt und sähen sich daher nicht verpflichtet, sich mit ihnen zu
befassen.
Daher wird jetzt ein vierter Versuch unternommen, um zu Verhandlungen
zu kommen.

Im Januar 1983 kamen Mexiko, Kolumbien, Venezuela und Panama auf

der Insel Contadora zusammen, um eine Bemühung um Vermittlung in dem Konflikt
Mittelamerikas zu unternehmen.

Honduras, Costa Rica und El Salvador antworte-

ten, indem sie vorschlugen, daß die fünf mittelamerikanischen Staaten - einschließlich Nicaraguas - in Anwesenheit der Contadora-Gruppe zusammenkommen
sollten.

Dies würde Nicaragua

in die Lage versetzen, an der Ausarbeitung

der Vorschläge teilzunehmen - was es in San Jose nicht konnte.

Und um die

Chancen, daß Nicaragua teilnehmen würde, so groß wie möglich zu gestalten,
schlugen sie vor, daß die Vereinigten Staaten nicht anwesend sein sollten.
Das würde auch allen Behauptungen die Spitze nehmen, daß die Konferenz von
den Vereinigten Staaten beherrscht wäre.
Aber Nicaragua ging auch darauf nicht ein. Stattdessen ging es vor
den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen und behauptete, es wolle mit den
Vereinigten Staaten und mit Honduras bilateral zusammenkommen, nicht regional.
Praktisch sagt Nicaragua, daß es die Beschuldigungen Nicaraguas gegen Honduras
und die Vereinigten Staaten erörtern will - aber nicht die Besorgnisse seiner
Nachbarn über die Militarisierung, Diktatur und Intervention Nicaraguas in
El Salvador.
Ich habe diese Geschichte einigermaßen ausführlich dargestellt, um
Ihnen einen Eindruck von den außergewöhnlichen Schwierigkeiten zu geben, die
damit verbunden sind, sich mit der Sandinisten-Führung auseinanderzusetzen.
Die Sandinisten haben ihre Geringschätzung gegenüber einem echten Dialog
- und echten Verhandlungen - ziemlich deutlich werden lassen.

Vor einem Monat

konnten wir sehen, wie sie den Papst in dem durchdachten Versuch der Einschüchterung unterbrachen; dem folgte ein Verbot der Ausstrahlung von Ostergottesdiensten durch die Sandinisten.

In der vergangenen Woche nannte Innen-

minister Tomas Borge in einem Interview mit dem kubanischen Fernsehen die
- 7 -

�Fernsehen die Themen, über die sein Land nicht verhandeln würde:

Er sagte,

Nicaragua werde nicht über die Prinzipien der sandinistischen Revolution diskutieren; es werde nicht in einen Dialog über die allgemeine Lage Mittelamerikas
eintreten; und es werde nicht über "Konterrevolutionäre" sprechen.

Man könnte

hinzufügen, daß die Sandinisten davor zurückscheuen, diese Fragen überhaupt offen anzugehen - weder mit dem eigenen Volk noch mit den Nachbarn Nicaraguas,
die in zunehmendem Maße besorgt sind.

Daher ist es eher traurig als überraschend,

daß Borge seinen kubanischen Fernsehzuschauern erklärt, das vorgeschlagene Treffen
der Außenminister Mittelamerikas sei "diplomatische Demagogie".
Trotz all dem werden wir nicht aufgeben.
kundig

Die Sandinisten sind offen-

noch nicht zu der Einsicht gelangt, daß sie entweder mit ihren Nach-

barn oder mit ihren inneren Kritikern zur Sache verhandeln müssen.

Vielleicht

glauben sie immer noch, daß sich etwas ändern wird, wenn sie nur geschickt genug
manövrieren, daß die Vereinigten Staaten dann ihre Unterstützung für die demokratischen Regierungen in Costa Rica, El Salvador und Honduras verringern oder
gar einstellen

und daß dann der Weg wieder offen sein wird für die "Revolution

ohne Grenzen". Wir müssen sie davon überzeugen, daß dies nicht der Fall ist,
daß die Vereinigten Staaten ihre Freunde in Mittelamerika nicht im Stich lassen
werden.

Gleichzeitig müssen wir auch weiterhin nach Wegen suchen und Möglich-

keiten vorschlagen, wie wir die alten Gegensätze überwinden können, bis die
Sandinisten uns ihre Bereitschaft anzeigen, zu einem fairen und ausgewogenen
Dialog zu kommen.
Inzwischen haben die Nicaraguaner die Sache in die eigene Hand genommen.
Die Unnachgiebigkeit der Sandinisten hat zu einem Aufruhr geführt, den die
Sandinisten selbst eine Bedrohung nennen.
Derzeit sind in Nicaragua mehrere tausend Guerillakämpfer aktiv. Enttäuschte Miskito-Indianer operieren in einem Großteil ihres Stammesgebietes
in den atlantischen Ebenen. In den östlichen und nördlichen Grenzgebieten
von Jinotega, Nueva Segovia, Madriz, Esteli und Zelaya greifen Streitkräfte
der Aufständischen Regierungsposten an und überfallen Militärkonvois. Auch
aus der Provinz Matagalpa, einem zentralen Kaffeeanbaugebiet, wird von
- 8 -

�wird von Guerillaaktivitäten berichtet.

In diesem Monat gab es zum ersten-

mal auch Berichte über bewaffnete Dissidentenbewegungen im Süden.

Wo immer

diese oppositionellen Gruppen auftauchen, scheinen sie lokale Unterstützung
zu erhalten und scheint ihre Zahl zuzunehmen.
Angesichts jüngster Beschuldigungen in den Medien werden Sie mich sofort fragen, ob diese Aufstände durch die Vereinigten Staaten bewirkt
unterstützt werden.

oder

Noch nie hat eine amerikanische Administration diese Art

von Behauptungen diskutiert - außer in den eigens zu diesem Zweck eingesetzten
Ausschüssen des Senats und des Repräsentantenhauses -, und auch diese wird es
nicht anders tun. Aber ich werde die nicaraguanischen Oppositionsbewegungen
beschreiben; dadurch sollte Ihnen deutlich werden, daß sie entstehen und zunehmen in Reaktion auf ernsteste Gründe zur Klage gegenüber den Sandinisten.
Wer sind diese Menschen, die es wagen, Managuas Ideologen herauszufordern?

Was wollen sie?

des gesagt werden:
und Seele.

Gestützt auf das, was wir wissen, kann hierzu folgen-

Es sind, dies ist das Wichtigste, Nicaraguaner mit Leib

Es gibt zwei Hauptgruppen.

Democratico Nacional (FDN).

Die eine, die größere, ist die Frente

Obgleich ihre Hauptstärke innerhalb Nicaraguas

liegt, hat die Unterdrückung durch die Sandinisten doch die meisten ihrer Führer
nach Honduras und Costa Rica vertrieben.

Das Direktorium der FDN besteht aus

Lucia Salazar, der Witwe von Jorge Salazar - einem Geschäftsmann, der sich
schon gegen Somoza gewandt hatte und der 1980 von den Sandinisten ermordet
wurde; Alfonso Callejas, einem ehemaligen Vizepräsidenten von Nicaragua, der
1978 in einem Versuch, Somoza aus dem Amt zu treiben, eindeutig mit diesem
brach; Edgar Chamorro, einer bislang unpolitischen Führungspersönlichkeit des
Privatsektors; Indalecio Rodriguez, ehemals Vizerektor der Mittelamerikanischen
Universität; Enrique Bermudez, früher Oberst der Nationalgarde, den Somoza
dadurch von Nicaragua fernhielt, daß er ihn von 1975 bis 1979 als Militärattache nach Washington schickte (und dem die Sandinisten selbst zugestanden,
er habe sich nicht an der Unterdrückung durch das Somoza-Regime beteiligt);
Marco Zeledon, einer geachteten Führungspersönlichkeit des Privatsektors, der
keinerlei Beziehungen zu den Somozas unterhielt; und Adolfo Calero, zeit seines
Lebens Gegner der Somozas und von Somoza 1978 ins Gefängnis gebracht.
Sie alle haben öffentlich erklärt, daß es ihr Ziel sei, die Demokratie

�die Demokratie nach Nicaragua zu bringen, nicht aber eine Rückkehr des Somozatums.

Soziologisch gesehen repräsentieren diese Personen die Angehörigen der

freien Berufe und der Lehrer sowie der kleinen Gewerbetreibenden und der Bauern.
Zu ihrer Gefolgschaft gehören enttäuschte Bauern, ehemalige Kleinbauern, MiskitoIndianer und andere Gruppen, die von den Ideologen Managuas vertrieben oder einfach unterdrückt wurden.

Unseren Schätzungen nach stehen in den Reihen der FDN

über tausend Guerillaangehörige; ehemalige Mitglieder der Nationalgarde - zum
größten Teil Unteroffiziere - führen viele dieser Guerilla-Einheiten an, die
meisten der Mitglieder stammen jedoch aus der Landbevölkerung oder sind ehemalige Kleinbauern.
Die Erklärungen der FDN bringen ihren Abscheu vor der Somoza-Vergangenheit zum Ausdruck und bekräftigen die nationalistischen und patriotischen Prinzipien von Sandino.

Ich bin sicher, daß sich dieser Ausschuß der Tatsache be-

wußt ist, daß die FDN am 13. Januar 1983 einen Friedensplan vorlegte, in dem
eine Einstellung der Feindseligkeiten vorgeschlagen wurde, falls unter anderem
die GRN bis September 1983 international überwachte Wahlen abhält, den Ausnahmezustand in Nicaragua beendet und die öffentliche Verwaltung von den parteilichen und ideologischen Aktivitäten trennt.
Die zweite Hauptgruppe, angeführt von Eden Pastora, der sich im Kampf
gegen Somoza hervorgetan hat, ist die ARDE - die Alianza Revolucionaria
Democratica. Zum Führungskreis der ARDE gehören so bekannte Leute wie das
ehemalige Junta-Mitglied der Nach-Somoza-Zeit Alfonso Robelo, der MiskitoIndianer-Führer Brooklyn Rivera und Fernando "Negro" Chamorro, der ebenfalls
gegen Somoza gekämpft hatte. Pastora, der der erste Vizeverteidigungsminister
der Sandinisten war, hat wiederholt auf den Betrug der Revolution hingewiesen,
die seiner Meinung nach von kubanischen Agenten verursacht wurde, um einen Ausverkauf an die Sowjetunion zu erzwingen. Die meisten ARDE-Erklärungen werden
in Costa Rica veröffentlicht. Der Friedensvorschlag der ARDE vom 2. Februar
fordert bis zum Juni 1983 Wahlen für eine Verfassungsgebende Versammlung, um
das Versprechen der sandinistischen Revolution einzuhalten.
Durch die
- 10 -

�Durch die Größe der Opposition, die ihr gegenübersteht, aus dem Gleichgewicht gebracht, hat die nicaraguanische Regierung versucht, ihre Opponenten
als "Somocistas" zu diskreditieren,und will sie dadurch mit den Verbrechen der
früheren Regierung in Verbindung bringen.

Der derzeitige Propagandaplan der

Sandinisten - wir haben das Memorandum der FSLN vom 24. März gesehen - weist
ihre politischen Kader an, "den amerikanischen Imperialismus" für die Probleme
des Landes verantwortlich zu machen, Adolfo Calero - eine Führungsperson der
Demokratisch-Konservativen Partei, mit dem sie zuvor noch verhandelt hatten und Alfonso Robelo - ein ehemaliges Mitglied ihrer eigenen Junta - als "Verräter" zu schmähen und die Opposition so darzustellen, als ziele diese gegen
Nicaragua - und nicht vielmehr gegen seine derzeitigen Herrscher.
Nun haben die Commandantes zwar bislang unsere Vorschläge nicht akzeptiert, aber ich würde sie doch gern darauf drängen - bevor sie zu weit gehen
und Calero von der FDN und Robelo von der ARDE "Verräter" nennen -, sich daran
zu erinnern, daß sie es im vergangenen Jahr auch nicht geschafft haben, ihr eigenes Volk davon zu überzeugen, daß Eden Pastora, ein Mann, der sich immer
noch stolz "einen echten Sandinisten" nennt, ein Verräter am nicaraguanischen
Volk oder an den ursprünglichen Idealen der sandinistischen Revolution sei.
Die Sandinisten behaupten, daß die einzige Alternative zu dem, was sie
geschaffen haben, "Somocismo" sei. Nichts könnte vereinfachter oder falscher
sein. Der "Somocismo" war eine ungemein personengebundene Diktatur alten Stils,
die mit Somoza starb. Sie könnte nicht wieder geschaffen werden, selbst wenn
es jemanden gäbe, der dies möchte. Die Sandinisten wissen, daß die meisten
Nicaraguaner die Demokratie, den Frieden und ein Ende des kubanischen Einflusses wollen. Tatsächlich ist dies auch das Programm, das dem nicaraguanischen Volk 1979 versprochen worden war. Und es ist das Programm, das die
Sandinisten heute immer wieder unter den Teppich zu kehren suchen, den sie
"Somocismo" nennen. Das Volk von Nicaragua kennt seine Geschichte. Auch
wir sollten es.
Noch ist

- 11 •)

:t

i

�Noch ist nicht klar, wie der Verlauf des Kampfes in Nicaragua sein wird.
Sicher ist nur:

Solange Nicaragua die legitime Opposition im Innern dazu

zwingt, zu Mitteln der Gewalt zu greifen, und solange es auch weiterhin seine
Nachbarn bedroht und destabilisiert, wird weder dieses Land selbst, noch Mittelamerika stabil werden.
Es ist vorstellbar, daß Kuba oder die Sowjetunion versucht sein könnten,
den Konflikt zu eskalieren, moderne Kampfflugzeuge oder sogar kubanische Kampftruppen herbeizuholen.

Es ist offenkundig, daß sich hieraus eine gefährliche

Lage entwickeln würde - unannehmbar nicht nur für Mittelamerika, sondern für
die amerikanischen Staaten insgesamt.

Wir haben Moskau und Havanna wissen las-

sen, wie gefährlich ein solcher Schritt sein würde.

Vorstellbar ist auch, daß

die Sandinisten in einem Versuch, die Aufmerksamkeit von ihren innenpolitischen
Problemen abzulenken, auf ihre Nachbarn
angreifen.

losschlagen und Costa Rica oder Honduras

Seit über einem Jahr bereits unternimmt Managua terroristische Ope-

rationen in San Jose

und läßt Guerillakämpfer in die nördlichen Provinzen von

Costa Rica einsickern.

Auch mit Honduras ist es bereits zu einer Reihe von

Grenzzwischenfällen gekommen.

Obgleich Journalisten, die das Gebiet bereist

haben, von keiner Aktivität auf honduranischer Seite berichten, hat Nicaragua
kürzlich seine militärischen Einheiten an der Grenze verstärkt.

Noch einmal:

Ich glaube, die Sandinisten begreifen, daß sie nichts durch einen Angriff auf
ihre Nachbarn gewinnen können.

Es ist auch wichtig zu betonen, daß alle Mittel

interamerikanischer Diplomatie, einschließlich natürlich derjenigen dieses
Landes, zur Verfügung stünden, um einen solchen Ausbruch zu verhindern.
Aber es gibt einen besseren Weg.
Verhandlung.

Und es ist der Weg über Dialog und

Wir fordern die Sandinisten auf, an das nicaraguanische Volk zu denken.
Trotz aller Auslandshilfe sind die Nicaraguaner in Stadt und Land viel schlechter gestellt als vor der Revolution.
und ihre Geistlichkeit.

Sie sind gegen den Druck auf ihre Kirchen

Sie mißtrauen dem sandinistischen Machtmonopol, und

sie haben eine Abneigung dagegen, denn sie haben schon zuvor unter einem solchen System gelebt.

Wir fordern
- 12 -

�Wir fordern die Sandinisten auf, sich Gedanken über den Aufruhr in
ihrem eigenen Land zu machen. Trotz (oder ist es wegen?) der Präsenz all
dieser bewaffneten Kubaner nimmt der Widerstand im Volk zu. Sie könnten
dann zu dem Schluß gelangen, daß der Dialog, den sie so viele Male zurückgewiesen haben, dem immer stärkeren Hader unter der Bevölkerung vorzuziehen ist.
Wir fordern die Sandinisten auf, über den Aufruhr nachzudenken, den sie
in El Salvador unterstützen. Wenn es dort legitimen Grund zur Klage gibt, so
kann dem durch demokratische Institutionen nachgegangen werden. Die internationale Gemeinschaft ist bereit und in der Lage, die Sicherheit und andere
Garantien für die Wahlen zu bieten, die auch dort die richtige Antwort wäre.
Alle Elemente der mittel amerikanischen Problematik stehen miteinander
in Beziehung. Gleich, wieviel Bodenreform, wie viele offene Wahlen oder
wieviel Verbesserung bei den Menschenrechten: Es wird kein Ende des Konflikts
in El Salvador geben, wenn Nicaragua ihn auch weiterhin schürt. Die Demokratie
wird in den Nachbarstaaten Nicaraguas nicht gedeihen, solange sie nicht auch
in Nicaragua praktiziert wird. Und Nicaragua wird nicht frei sein von der
Feindseligkeit
seines eigenen Volkes und seiner Nachbarn, solange es nicht
damit beginnt, sich um deren Sorgen hinsichtlich Demokratie und Sicherheit
zu kümmern.
Daher lautet die Antwort: Demokratisierung und Dialog zwischen den
Nachbarn. Ziel der amerikanischen Politik in diesem Gebiet ist es, Bedingungen zu schaffen, unter denen das Gebiet aus dem Ost-West-Konflikt herausgenommen werden kann, die Einfuhr von Offensivwaffen und die wechselseitige
Unterstützung für Aufruhr beendet wird und die demokratische Umwandlung der
Gesellschaften erreicht ist. Verhandlungen zwischen allen mittelamerikanischen
Staaten und Verhandlungen innerhalb der Länder könnten allen Gruppen die Möglichkeit bieten, an den Wahlurnen in einen Wettstreit einzutreten - und nicht
auf dem Schlachtfeld.
+ + + + +

- 13 -

�Hintergrundmateriell
United States Information Service
Embassy of the United States of America
20. April 1983

17

DIE PERSHING II-RAKETE
- Von Richard Burt Unterstaatssekretä'r für europäische Angelegenheiten im
amerikanischen Außenministerium

(Nachdruck mit freundlicher Genehmigung
der Washington Post)

Die Vereinigten Staaten werden, wenn es bei den Genfer Verhandlungen
zu keinem R'üstungskontrollabkommen kommt, das einen solchen Schritt unnötig
machen würde, Ende dieses Jahres mit der Dislozierung einer neuen Mittelstrekkenrakete in Europa beginnen - der PERSHING II. Wie die landgestützten Marschflugkörper, deren Dislozierung ebenfalls für dieses Jahr vorgesehen ist, hat
die PERSHING II eine Reichweite, die für Ziele in der Sowjetunion ausreicht.
Die Dislozierung der PERSHING II-Raketen würde eine amerikanische Verpflichtung gegenüber unseren NATO-Verbündeten erfüllen, um auf die massive
Aufrüstung der Sowjets mit SS-20-Raketen zu antworten.

Sie wäre natürlich

nicht nötig, wenn die Sowjets das Angebot von Präsident Reagan akzeptieren

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Reagan akzeptieren würden, diese ganze Klasse von Kernwaffen zu beseitigen.
Die Sowjetunion wünscht sich - wen wundert es - ein anderes Ergebnis:
möchte ihre Raketen behalten, und wir sollen keine dislozieren.

Sie

Die Sowjets

haben eine große politische und propagandistische Kampagne gestartet, um die
Dislozierung der PERSHING II zu verhindern.

Sie haben behauptet, diese Rakete

sei eine einmalig gefährliche Terrorwaffe; sie habe eine "Erstschlag"-Kapazität gegen die strategischen Streitkräfte der Sowjetunion; und die Sowjetunion müsse als Folge einer Dislozierung der PERSHING II eine Politik des
"Halt oder ich schieße" einführen.
Keine dieser Behauptungen hält einer ernsthaften Überprüfung stand.
Daß die Sowjetunion diese Art der

Argumentation gewählt hat, läßt je-

doch einiges davon erkennen, was sie von Westeuropa hält und in welches Verhältnis sie die Sicherheit Europas zur Sicherheit der Sowjetunion bringen
möchte.
Natürlich ist jede Nuklearrakete eine schrecklich zerstörerische Waffe, und deswegen müssen die angeblichen Besorgnisse der Sowjets über die
PERSHING II in die richtige Perspektive gerückt werden. Diese amerikanische
Rakete hat weit weniger Zerstörungskraft als die SS-20. Sie hat eine sehr
viel kürzere Reichweite: 1800 km gegenüber 5000 km. Sie ist nur mit einem
Gefechtskopf bestückt, verglichen mit den drei Gefechtsköpfen der SS-20.
Dieser eine Gefechtskopf der PERSHING II hat weniger Zerstörungskraft als
ein einziger der drei der SS-20. Die PERSHING II fliegt nicht schneller
als die SS-20. Sie könnte Ziele in der Sowjetunion nicht schneller erreichen,
als landgestützte Raketen der Sowjets heute Ziele irgendwo in Westeuropa
oder seegestützte Raketen der Sowjets heute Ziele in den Vereinigten Staaten
erreichen können. Und schließlich würde es nach Abschluß der amerikanischen
Dislozierungen nur 108 PERSHING II-Raketen mit 108 Gefechtsköpfen geben.
Heute aber gibt es schon 351 SS-20-Raketen mit 1053 Gefechtsköpfen, und die
Zahl wächst ständig weiter. Die PERSHING II hat also keinesfalls etwas einmalig Bedrohendes an sich.
Die sowjetische

�Die sowjetische Behauptung, die PERSHING II stelle eine Erstschlag-Bedrohung dar, entbehrt noch mehr der Grundlage. Rund 90 Prozent der strategischen Streitkräfte der Sowjetunion werden sich außerhalb der Reichweite der
PERSHING II befinden und ebenso die in Moskau konzentrierten Befehls- und
Kontroll Zentren. Im übrigen sind die für die Dislozierung vorgesehenen 108
PERSHING II zahlenmäßig so wenige, wenn man sie mit den gegenwärtig dislozierten 2350 strategischen Raketen der Sowjets vergleicht, daß die Vorstellung,
man könnte die PERSHING II für einen Präventivschlag gegen die strategischen
Streitkräfte der Sowjetunion benutzen, einfach lächerlich ist.
Es fällt einem daher schwer, die sowjetische Drohung, man werde aufgrund der Dislozierungen von PERSHING II zu einer Politik des "Halt oder ich
schieße" übergehen, wirklich ernstzunehmen. Wenn man die viel größere Verwundbarkeit der amerikanischen Interkontinentalraketen gegenüber den sowjetischen strategischen Raketen bedenkt, dann kann man sich kaum vorstellen, daß
Amerikaner sehr viel Mitgefühl für die verhältnismäßig kleinen Erschwernisse
aufbringen werden, die sich für die strategischen Planer der Sowjetunion aus
der PERSHING II ergeben werden.
Die sowjetischen Argumente zielen jedoch auch gar nicht darauf ab, die
Amerikaner so weit zu bringen, die Produktion der PERSHING II einzustellen.
Ihre Argumente sollen vielmehr die Europäer so weit bringen, die Dislozierung
der Rakete zu verhindern. Man hat speziell die PERSHING II für diese Bemühung
ausgesucht, weil sie im Gegensatz zu den Marschflugkörpern, deren Aufstellung
für dieses Jahr in Italien und in Großbritannien und in den folgenden Jahren in
Belgien, den Niederlanden und in der Bundesrepublik Deutschland vorgesehen ist,
nur in einem Land, nämlich in der Bundesrepublik,disloziert werden soll. Wenn
es den Sowjets gelänge, die Dislozierung von PERSHING II in der Bundesrepublik
zu verhindern, dann hätten sie ein wesentliches Element des NATO-Doppelbeschlusses vom Dezember 1979 zu Fall und sich selbst in eine viel günstigere
Position gebracht, die Dislozierung der Marschflugkörper in den anderen der
genannten Länder, einschließlich der Bundesrepublik, zu blockieren.
Die Argumente
- 3 -

�Die Argumente der Sowjets gegen die PERSHING II und gegen das ganze
Konzept der INF-Dislozierung der NATO laufen im wesentlichen darauf hinaus,
daß es für sie unannehmbar ist, vor einer Bedrohung aus Westeuropa zu stehen,
die der entspräche, die für Westeuropa von ihnen ausgeht.

Für die Sowjets

sind der Bau und die Dislozierung neuer Raketen mit der Aufgabe, Ziele in ganz
Westeuropa von sowjetischem Boden aus zu treffen, aus ihrer Sicht eigentlich
mehr oder weniger eine Selbstverständlichkeit, mit der sich Westeuropa abfinden muß. Wenn die NATO darauf reagiert, indem sie Raketen vergleichbarer Kapazität in Westeuropa stationiert, dann ist das irgendwie eine "Provokation",
die die Sowjetunion nicht akzeptieren kann.

Westeuropa müsse einsehen, darauf

besteht die Sowjetunion, daß seine Sicherheit weniger wichtig ist als die der
Sowjetunion.

Im sowjetischen Denken ist die Sicherheit F.uropas der Sicherheit

der Sowjetunion ausdrücklich untergeordnet.
Die sowjetische Auffassung von europäischer Sicherheit macht die Reaktion
der Sowjets auf den NATO-Beschluß von 1979, amerikanische Mittelstreckenraketen in Europa zu dislozieren, eher verständlich. Das gegenwärtige Ziel der
sowjetischen Politik besteht darin, den geopolitischen Vorteil der UdSSR und
ihre regionale nukleare Überlegenheit zu nutzen, um Westeuropa einzuschüchtern und die Westeuropäer zu zwingen, sich sowjetischen Interessen unterzuordnen. Die Dislozierung von insgesamt 572 neuen amerikanischen Flugkörpern, die
in der Lage sind, begrenzte Teile der Sowjetunion zu erreichen, hat auf das
amerikanisch-sowjetische Kräfteverhältnis nur wenig Auswirkung, wenn man bedenkt, daß beide Seiten über 10 000 Gefechtsköpfe besitzen, die kurzfristig
auf jeden Ort des anderen Landes abgefeuert werden können. Wenn jedoch die
Macht Amerikas mit der Sicherheit Europas fest verknüpft wird, dann wird diese
Dislozierung die Sowjetunion daran hindern, Westeuropa als nukleare Geisel zu
benutzen und ihr Ziel zu erreichen, die Unterordnung der Sicherheit Europas
unter die Sicherheit der Sowjetunion zu erzwingen.
Das ist der Grund, warum die Sowjetunion so nachhaltig auf den NATOBeschluß von 1979 reagiert hat. Das ist der Grund, warum die Sowjetunipn
sich so sehr gegen die Dislozierung von 108 PERSHING II-Raketen gewandt hat,

- 4 -

�gewandt hat, was nicht einleuchtend ist und sonst unerklärlich wäre.

Das

ist der Grund, warum Führer des Westens aus der Erkenntnis der wirklichen
sowjetischen Beweggründe heraus so viel von ihrem eigenen politischen Kapital eingesetzt haben, um die 1979 vereinbarte Entscheidung aufrechtzuerhalten.
Die Sowjetunion versucht, ihre Auffassung von der Sicherheit Europas Europa
aufzuzwingen.

Die Führer Europas sind jedoch entschlossen, endweder durch

Rüstungskontrolle oder durch Dislozierung dafür zu sorgen, daß der Sicherheit Europas keine geringere Priorität eingeräumt wird als der Sicherheit
der einen oder anderen Supermacht.

+ + + + +

- 5 -

�17

20. April 1983

FÜNFZIG JAHRE AMERIKANISCH-SOWJETISCHER DIALOG
Von Arthur Hartman, Botschafter der USA in Moskau

Der folgende Artikel wurde am 11. April 1983
amerikanischen und westeuropäischen Korrespondenten in Moskau zur Verfügung gestellt;
vorher war er der sowjetischen Parteizeitung
"Prawda" als Leserbrief angeboten worden,
die ihn jedoch nicht veröffentlichte.

- (AD) - Der November dieses Jahres bringt für die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion einen bedeutsamen Meilenstein: den 50. Jahrestag der
Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern.
Dieses Jubiläum hat natürlich für die beiden Länder eine unterschiedliche
Bedeutung. Aber wenn dieser Jahrestag eines bedeutet, dann dies: fünfzig Jahre
Dialog. Seit einem halben Jahrhundert haben meine Regierung und die Regierung
der Sowjetunion die Bedeutung der Kommunikation zwischen unseren Völkern anerkannt.
In der jüngsten Vergangenheit ist mir klar geworden, welchen Wert die
Sowjetunion - oder doch zumindest ihre einflußreichsten Sprecher - darauf legt,
dem amerikanischen Volk ihre Ansichten zu unterbreiten.

In der Presse der

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Presse der Vereinigten Staaten, über unseren Rundfunk und über unser Fernsehen
hat eine veritable Reihe der bekanntesten sowjetischen Kommentatoren, Akademiker
und anderer Persönlichkeiten bewundernswerte Arbeit dabei geleistet, die
sowjetischen Standpunkte zu wichtigen bilateralen und internationalen Fragen
darzulegen.
Wir in den Vereinigten Staaten sind schon seit langem der Ansicht, daß
eine gut informierte Öffentlichkeit Voraussetzung für eine effektive Demokratie
und eine kluge Außenpolitik ist. Die Tatsache, daß sowjetische Repräsentanten
einen solchen freien Zugang zu den amerikanischen Medien haben, ist ein Beweis
für das Festhalten Amerikas am Ideal eines freien Gedankenaustausches.
In einem echten Dialog müssen natürlich beide Seiten - nicht nur eine zu Wort kommen.

Ich hoffe daher, daß ich durch Ihre Zeitung Gelegenheit

haben werde, einige der wichtigen Fragen anzusprechen, vor denen unsere beiden
Länder stehen, und den sowjetischen Lesern die amerikanischen Ansichten darzulegen - wie auch unsere Medien die Darlegung sowjetischer Ansichten für die
amerikanische Öffentlichkeit begrüßt haben.
Was erfahren wir Amerikaner, wenn wir sowjetischen Sprechern zuhören?
Vieles und manch Kritisches zu einem Bereich von Fragen, der zu weitgehend
ist, als daß man sich in einem einzigen Artikel damit befassen könnte. Ich
möchte mich daher mit drei wesentlichen Dingen befassen, die die sowjetische
Seite immer wieder zum Ausdruck bringt:
- Erstens, daß die Vereinigten Staaten nicht nur ihr Eintreten für den
Frieden aufgegeben hätten, sondern daß sie sich vielmehr aktiv auf den Krieg
vorbereiteten;
- Zweitens, daß die Vereinigten Staaten, um ihre militärischen Vorbereitungen zu rechtfertigen, die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen künstlich
verschlechterten, indem sie nichtrelevante Fragen ins Spiel brächten;
- Drittens, daß die amerikanischen Rüstungskontrollvorschlage nicht nur

�nicht nur nicht seriös, sondern auch darauf abgestellt seien, die Sowjetunion
zu einer einseitigen Abrüstung zu veranlassen.
Wenn man solche Ansichten hört, dann - das muß ich gestehen - ist es
überaus schwer, nicht zu dem Schluß zu gelangen, daß diejenigen, die so
etwas aussprechen, uns überhaupt nicht zuhören.

Lassen Sie uns doch einmal

die Tatsachen untersuchen.
Erstens, unsere Verpflichtung, den Frieden zu wahren.

So unangenehm

dies für einige auch sein mag: Die historischen Fakten zeigen, daß die
Vereinigten Staaten bei den Bemühungen, die Gefahr eines Krieges über dreißig
Jahre hinweg zu vermindern, immer an vorderster Front standen.
Schon 1946, als die USA zwar nicht über die gewaltige militärische
Überlegenheit verfugten, die erlangen zu wollen man uns heute beschuldigt, aber
doch über das absolute Monopol an Kernwaffen und Technologie, schlugen wir
im Rahmen des Baruch-Planes vor, daß alle Aspekte der nuklearen Entwicklung
unter internationale Aufsicht gestellt werden sollten.

Die Sowjetunion

wies diesen Vorschlag zurück, und eine große Gelegenheit, das nukleare Wettrüsten im Keime zu ersticken, war vertan.
Aber unsere Haltung hat sich auch in den folgenden Jahren nicht geändert.
In Genf und in Wien hat die Regierung Präsident Reagans eine ganze Reihe von
Initiativen ergriffen, die alle darauf abzielen, den sinnlosen nuklearen
Rüstungswettlauf zu stoppen und die Möglichkeit eines Konfliktes, nuklear
wie konventionell, entscheidend zu verringern.
Die Geschichte hat uns jedoch gelehrt, daß wir uns nicht ausschließlich
auf Verhandlungen verlassen können, um den Frieden zu bewahren.

Wir, wie

auch die Sowjetunion, mußten 1941 erfahren, daß militärische Schwäche oder was andere dafür fielten - der kürzeste Weg zum Krieg sein kann.

Daher

haben wir in der gesamten Nachkriegszeit die Maßnahmen ergriffen, die nach

- 3 -

�die nach unserer Ansicht notwendig waren, um vor Angriffen auf uns und unsere
Verbündeten abzuschrecken.

Die gegenwärtige Modernisierung unserer Streit-

kräfte, die die sowjetischen Sprecher angeblich so beunruhigt, rührt aus
dieser Auffassung her und - das darf ich hinzufügen - erfolgt nach einem
Jahrzehnt der amerikanischen Zurückhaltung hinsichtlich der Dislozierung
neuer Waffensysteme.
Abschreckung.

Unser Ziel ist - wie schon in der Vergangenheit - die

Präsident Reagan hat klargemacht, daß wir keine militärische

Überlegenheit gegenüber der Sowjetunion oder irgendeinem anderen Land anstreben.
Aber wir können es uns auch nicht erlauben, der Zweitbeste zu sein.
Zweitens, die Behauptung, die Vereinigten Staaten erhöhten künstlich
die Spannungen gegenüber der Sowjetunion.

Es kann kein Zweifel bestehen, daß

es bilaterale Spannungen gibt und daß diese in den letzten Jahren größer geworden sind.

Dies rührt zum Teil aus der Tatsache her, daß die USA und die

Sowjetunion auf internationalem Gebiet Rivalen sind und es für die absehbare
Zukunft auch bleiben werden.
Das ist keine Wahl, die wir getroffen haben, sondern es ist weitgehend
ein Abbild der unterschiedlichen Grundprinzipien, auf denen unsere beiden
Länder gegründet sind. Aber es hat doch Auswirkungen darauf, wie wir uns in
der Welt zueinander verhalten.
Wir erwarten nicht, daß die Sowjetunion in ihrer Haltung gegenüber den
Vereinigten Staaten ihre Prinzipien oder Interessen aufs Spiel setzt. Aber
genauso haben wir nicht die Absicht, die unsrigen aufs Spiel zu setzen.
Was nun die Prinzipien selbst angeht, so gibt es ein Gebiet, auf dem an
unserer Entschlossenheit kein Zweifel bestehen sollte: die Frage der Menschenrechte.

Wir hören häufig, daß unsere Menschenrechtspolitik eine Einmischung

in die inneren Angelegenheiten der Sowjetunion darstelle. Wir können eine
solche Charakterisierung nicht akzeptieren, die eine grobe Unkenntnis dessen
verrät,was die Vereinigten Staaten als Volk motiviert.
Aufgrund der
- 4 -

�Aufgrund der Bedeutung, die die Menschenrechte für uns haben - denn darauf
wurde ja unsere Republik 1776 gegründet ^sympathisieren wir natürlich in der
Sowjetunion und anderswo mit all jenen, denen ihre Rechte verweigert werden.
Wir unterstützen sie und werden es immer tun.
Aber es geht hier auch um einen gleichermaßen entscheidenden - und
vielleicht auch pragmatischeren - Punkt. Wenn ein Land seinen Bürgern
systematisch die ihnen im Rahmen internationaler Abkommen zustehenden Rechte
verweigert, dann stellt sich uns ernsthaft die Frage, was es dann mit der
Verläßlichkeit eines solchen Landes als internationaler Partner auf sich hat.
Wir drängen nur darauf, daß die Sowjetunion sich an ihre internationalen Verpflichtungen auf dem Felde der Menschenrechte hält.
Ähnlich ist die Situation im Hinblick auf die Vorstellung, die wir von
unseren Interessen haben. Es wird uns oft gesagt, wir sollten es nicht zulassen,
daß kleinere regionale Konflikte sich störend auf bilaterale Anstrengungen auf
so entscheidend wichtigen Gebieten wie der Rüstungskontrolle auswirken. Ein
solches Argument können wir ebenfalls nicht akzeptieren. Wenn wir aus der
jüngeren Geschichte etwas gelernt haben, dann dies, daß die Sicherheit die
gesamte weltpolitische Situation umfaßt.
Wenn wir sehen, daß sowjetische Truppen Afghanistan besetzen, um eine
Regierung zu unterstützen, die sich offensichtlich selbst nicht halten kann wenn wir sehen, daß die Vietnamesen in Kampuchea mit sowjetischer Unterstützung
eine ähnliche Rolle spielen - wenn wir sehen, wie den polnischen Arbeitern
die Rechte verwehrt werden, die ihnen zuvor durch die eigene Regierung zugestanden wurden - wenn eine große Demokratie in Asien (Japan) von der Sowjetunion mit nuklearer Vergeltung bedroht wird, weil dieses Land seine eigene
Sicherheit gewährleisten will, dann können wir nicht umhin, gewisse Rückschlüsse
hinsichtlich der Auswirkungen solcher Maßnahmen auf unsere eigene Sicherheit
zu ziehen, und wir müssen entsprechende Schritte ergreifen. Es ist doch nur
natürlich, daß wir bemüht sein sollten, solche Fragen in den amerikanisch-

- 5 -

�den amerikanisch-sowjetischen Dialog mit einzubeziehen.
Drittens, die Frage der Aufrichtigkeit unserer Haltung in der Rüstungskontrolle.

Wenn die amerikanische Haltung so hingestellt wird, als ziele sie

auf eine einseitige Abrüstung der Sowjetunion ab, so mag das als Technik in
der Debatte ganz wirkungsvoll sein, aber es führt einen nicht an die Wurzeln
des Problems heran.
Die Vorschläge Präsident Reagans in Genf andererseits spiegeln eine
ehrliche und vernünftige Haltung wider, mit der zwei grundlegende Ziele erreicht werder sollen: Die Wahrscheinlichkeit zu verringern, daß die eine oder
die andere Seite jemals versucht sein wird, als erste Kernwaffen einzusetzen,
und zum anderen, die nuklearen Arsenale abzubauen.
Wir möchten dies auf dreifache Weise erreichen:
Erstens haben wir vorgesch^gen, daß beide Seiten die Anzahl ihrer nuklearen Gefechtsköpfe auf Interkontinentalraketen um ein Drittel verringern.
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion verfügen beide gegenwärtig über
ungefähr 7 000 solcher Gefechtsköpfe - die Sowjetunion hat tatsächlich einige
hundert mehr davon.

Die neue Höchstgrenze würde also 5 000 betragen.

Wir

konzentrieren uns auf diese Raketen, weil ihre hohe Geschwindigkeit sie für
Überraschungsangriffe besonders geeignet macht.
Zweitens haben wir vorgeschlagen, daß nicht mehr als die Hälfte der
5 000 verbleibenden Gefechtsköpfe auf landgestützte Interkontinentalraketen
montiert wird.

Auch hier ist unser Leitsatz wiederum, die Versuchung, einen

Erstschlag zu führen, zu verringern.

Wegen ihrer festen Stationierung sind

solche Raketen, was ihre Zerstörung durch einen Überraschungsangriff angeht,
besonders verwundbar.

Die Versuchung, sie für den Fall einer Angriffswarnung

einzusetzen, wäre also sehr stark, und das Risiko eines zufälligen und unbeabsichtigten Abschusses wird vergrößert.

Gleichzeitig machen ihre Zielge-

nauigkeit und ihre große Nutzlast sie zu idealen Waffen für einen Erstschlag.

- 6 -

�einen Erstschlag.

Dadurch, daß beide Seiten sich weniger auf derartige Systeme

stützen, würde unser Vorschlag die Möglichkeit eines Kriegsausbruches wesentlich
verringern.
Drittens haben wir die Beseitigung einer gesamten Kategorie von Waffen
vorgeschlagen, nämlich der landgestützten Mittelstreckenraketen.

Gegenwärtig

verfügt nur die Sowjetunion über solche Systeme, deren einziger Zweck trotz
aller gegenteiligen sowjetischen Behauptungen darin besteht, eine ganze Reihe
von Ländern an den Grenzen der Sowjetunion und darüber hinaus nuklear zu
bedrohen.

Da viele dieser Staaten Verbündete oder Freunde der USA sind, rufen

diese Systeme eine ernsthafte Gefahr der Eskalation auf eine strategische
Ebene hervor.
Die Vereinigten Staaten und ihre NATO-Verbündeten haben ihre Absicht klargemacht, das Gleichgewicht im Hinblick auf diese Streitkräfte in Europa wiederherzustellen. Sollte es notwendig sein, so sind wir darauf vorbereitet,
entsprechende eigene Streitkräfte zu dislozieren. Wir würden jedoch vorziehen - und das haben wir immer wieder erklärt -,daß das Problem durch ein
bilaterales Abkommen zur völligen Beseitigung dieser Systeme vom Antlitz der
Erde gelöst wird.
Ein sowjetischer Kommentator hat in einem vor kurzem in Amerika veröffentlichten Artikel erklärt, daß er - wenn er auch das Gegenteil lieber
hätte - wenig Hoffnung habe, im gegenwärtigen Zeitpunkt mit den USA ins Geschäft zu kommen. Wie ich schon vorher gesagt habe, kann man da nur sagen,
daß er nicht auf das gehört hat, was wir immer wieder erklären.
Wir sind bereit, unverzüglich und in günstigem Sinne auf positive Maßnahmen der Sowjetunion zu reagieren.

Das heißt keineswegs, wie manchmal

behauptet wird, daß wir auf einseitige Konzessionen aus sind.

Es heißt

allerdings, daß wir Beweise dafür sehen möchten, daß die Sowjetunion bereit
ist, sich uns bei der Suche nach gerechten beiderseitig akzeptablen Lösungen

- 7 -

�akzeptablen Lösungen der uns konfrontierenden Probleme anzuschließen.
Sollte es diese Beweise geben, dann würden diejenigen, die der Meinung
sind, es gäbe keine Möglichkeit für bilaterale Fortschritte, überrascht sein,
wie rasch sich ihre Ansichten als irrig erweisen.

+ + + + +

8 -

�17

20, April 1983

INTERNATIONALE KONFERENZ IN ATLANTA BEFASST SICH MIT BEKÄMPFUNG
DES DROGENMISSBRAUCHS

- (AD) - Eine Zusammenarbeit der Eltern und Angehörigen von Jugendlichen auf breiter internationaler Basis lasse am ehesten hoffen, junge Menschen vor der Drogengefahr schützen zu können.

Dies war das Fazit einer Kon-

ferenz über "Drogen und Jugend" vom 7, - 9. April 1983 in Atlanta (Georgia),
an der mehr als 500 Vertreter von Elternverbänden, Pädagogen, Juristen, Arzte,
Biochemiker, Psychologen und Sozial heifer aus den Vereinigten Staaten und 12
anderen Ländern teilnahmen,

Sie wurde von PRIDE veranstaltet ("Parents'

Resource Institute on Drug Education" - Institut für Elternberatung zur Bekämpfung des Drogenproblems).

Die 1977 gegründete Organisation versorgt

Elternvereinigungen mit den neuen Informationen, einschließlich der Erkenntnisse medizinischer Forschung, über Rauschgiftmißbrauch,

Mittlerweile haben

sich ihr mehr als 3000 Vereinigungen in allen 50 amerikanischen Bundesstaaten
angeschlossen.

Juan Negrete von der Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen
(WHO) gab in seinem Vortrag eine Zusammenfassung des WHO-Berichtes über Drogenabhängigkeit.

Er befaßt sich vor allem mit der Erforschung von Gesundheits-

schäden und Verhaltensänderungen als Folge des Marihuana-Konsums.

Robert

DuPont, Professor für Psychiatrie an der Georgetown Medical School (Washington),

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�Medical School (Washington), forderte, daß der Aktivierung der Eltern und
Angehörigen von Jugendlichen rund um die Welt zur Bekämpfung des Drogenmißbrauchs "höchste Priorität" eingeräumt werde.

Prof. DuPont ist Präsident

des Amerikanischen Rates für Marihuana und andere psychoaktive Drogen.
Drogenproblem sei "eine Weltseuche", erklärte er.

Das

Die Drogenchemie kenne

keine nationalen Grenzen.
PRIDE begann im Jahr 1977 damit, Eltern über die neuesten Erkenntnisse
zu den biologischen Auswirkungen von Marihuana und anderen Drogen auf Heranwachsende zu informieren und ihnen bei der Schaffung landesweiter Verbände
zu helfen, mit denen dem Druck und dem Einfluß jugendlicher Drogenabhängiger
auf ihre Altersgenossen begegnet werden sollte.

Diese Initiativen hätten,

so DuPont, "die Einstellung in den Vereinigten Staaten zu Drogen verändert
und die Nation in die Lage versetzt, sich mit der Rauschgiftseuche gründlich auseinanderzusetzen."
Wegen ständig wachsender Anfragen aus anderen Ländern zur Vermittlung
einschlägiger Informationen und der Bitte um Unterstützung bei der Inangriffnahme von Projekten durch Elternverbände erhielt die diesjährige PRIDE-Konferenz ausgesprochen internationalen Charakter. Nach Ansicht DuPonts komme
"die größte Bedrohung im kommenden Jahrzehnt... wahrscheinlich von Entwicklungsländern". Diese seien unglaublich anfällig und besäßen nur eine sehr
begrenzte Fähigkeit, das Problem überhaupt anzupacken. In vielen Ländern der
Dritten Welt gebe es keine Regelung des Verkehrs mit Arzneimitteln und keine
Möglichkeit zur Kontrolle verschreibungspflichtiger Präparate wie Valium, von
Schlafmitteln oder von Stimulanzien. Sie werden wie jede andere Ware frei
verkauft.
Beispielhaft für Information, Erziehung und Vorbeugung gegen die Drogen-r
gefahr seien Schweden und Norwegen, erklärte Prof. DuPont. Dies sei vor allem Nils Bejeret zu verdanken. Bejeret ist Professor für Sozialmedizin am
Karolinska-Institut in Stockholm. Er habe in zahlreichen Artikeln und wissenschaftlichen Arbeiten zum Drogenmißbrauch Wege zu dessen Kontrolle und zu

- 2 -

�und zu wirksamer Vorbeugung aufgezeigt.
Nach Ansicht von Keith Manatt Schuchard, Mitbegründerin und Forschungsdirektorin von PRIDE, sei der illegale Drogenhandel als die nahezu "größte
finanzielle Operation in der Welt einzuschätzen - größer als das öl- und größer als das Autogeschäft".
ziellen

Er entwickle sich jetzt zur wichtigsten finan-

Basis für den internationalen Terrorismus, geheime Waffenlieferungen

und Gewaltakte in der ganzen Welt.

Dennoch könne die Elternbewegung gegen

diese Macht wirksam werden, erklärte Frau Schuchard, weil ihr die Kraft des
Naturinstinkts innewohne, den Nachwuchs vor Schaden zu bewahren.

Diese Kraft

sei in jeder menschlichen Gemeinschaft lebendig.
In 15 Arbeitsgruppen wurden Sonderthemen wie die Behandlung Abhängiger,
Gruppenführung, Gesetzesvollzug oder Ideenaustausch unter Elternverbänden erörtert. Neueste Literatur, Filme und anderes Informationsmaterial stand den
Teilnehmern zur Verfügung.

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Reagans zum Bericht über den "Heißen Draht"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Vorschläge des US-Verteidigungsministers zur Verringerung des Atomkriegsrisikos -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA streben friedliche Lösung in Mittelamerika an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung von Unterstaatssekretär Enders vor Senatsausschuss -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die PERSHING II-Rakete&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Richard Burt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Unterstaatssekretär für europäische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fünfzig Jahre amerikanisch-sowjetischer Dialog&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Arthur Hartman, Botschafter der USA in Moskau -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Internationale Konferenz in Atlanta befasst sich mit Bekämpfung des Drogenmissbrauchs&amp;nbsp;</text>
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13. April 1983

INHALT

DOKUMENTATION
Botschafter Bennett:

Die NATO ist die echte Friedensbewegung

- Vortrag im Amerika Haus Stuttgart -

HINTERGRUNDMATERIAL
Erläuterungen zum INF-Vorschlag Präsident Reagans
Verteidigungssysteme auf der Basis von Strahlungsenergie
- Erläuterungen zu dem neuen Verteidigungskonzept
Präsident Reagans -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Schwertransport in den Weltraum
- US-Raumfähre CHALLENGER vom ersten Einsatz zurück
Roboter mit vielen Augen
- Fernerkundung aus dem Weltraum erleichtert
Entwicklungsprojekte -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�16

13. April 1983

BOTSCHAFTER BENNETT:

DIE NATO IST DIE ECHTE FRIEDENSBEWEGUNG

- Vortrag im Amerika Haus Stuttgart -

STUTTGART - (AD) - Der ständige Vertreter der Vereinigten Staaten im
Nordatlantikrat, Botschafter W. Tapley Bennett, Jr., hat am 12. April 1983
auf die Bedeutung einer engen Verbindung zwischen Amerika und Westeuropa hingewiesen, die vor einer Aggression aus dem Osten abgeschreckt und den Frieden
in der Nordatlantischen Gemeinschaft seit über einer Generation gesichert hat.
Die NATO, so sagte er in einem Vortrag im Amerika Haus Stuttgart, "ist die
echte Friedensbewegung unserer Zeit".
Die Ausführungen Bennetts haben folgenden Wortlaut:
Seit mehr als 35 Jahren - eine lange Zeit in diesem 20. Jahrhundert leben die Länder Westeuropas in Frieden und in Freiheit. Was immer es an
großen und kleinen Unruhen und Kriegen in anderen Erdteilen (seit 1945 waren
es ungefähr 150) sowie an Unterdrückung und Verletzung der Menschenrechte jenseits der Elbe gab, so erlebte man hier, im Herzen Westeuropas, eine Periode
von Freiheit und friedlicher Entwicklung ohnegleichen.
Ein junger

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Ein junger Journalist - er war etwas über 30 - fragte mich unlängst in
einem Interview:

"Was soll eigentlich all das Gerede über die NATO?

gab es schon immer.

Was ist denn so Besonderes an der NATO?"

seine Generation stimmt das:

Die NATO gab es schon immer.

ration haben immer in Frieden gelebt, weil es die NATO gibt.

Die NATO

Und für ihn und

Er und seine GeneWir hören in die-

sen Tagen viel von Friedensbewegungen; aber ich möchte Ihnen sagen, daß sich
die NATO als die echte Friedensbewegung unserer Zeit erwiesen hat.
Im Westen befinden wir uns heutzutage wieder einmal an einem Zeitpunkt
der Entscheidung.

In den Mitgliedsstaaten des Atlantischen Bündnisses geht

die Debatte darüber hin und her, was wir tun müssen, um den Frieden in Freiheit, den die NATO bis jetzt gesichert hat, weiterhin zu wahren.
Debatte ist in der NATO nichts Neues.

Eine solche

Seit ihrer Gründung ist die Strategie

des Bündnisses immer wieder ein Thema von Analysen und Argumenten gewesen.
Und so soll es auch sein.
Heute erfaßt diese Diskussion mehr Schichten unserer Gesellschaften,
mehr Menschen als je zuvor. Man kann leicht verstehen, warum dies so ist.
Angesichts der heutigen Herausforderung sind die Abschreckung vor einem Krieg
und der Schutz des Friedens dringender als je zuvor. Und es ist richtig und
gut, daß die Öffentlichkeit darauf hingewiesen wird. In unseren Demokratien
kann sich der Bürger nur durch Kenntnis der derzeitigen Weltlage, des Kräfteverhältnisses und der strategischen Erfordernisse ein vernünftiges, verantwortungsvolles Urteil bilden. Und der Bürger hat das Recht, von der politischen
Führung eine ständige, offene und ernsthafte Prüfung der Frage der Sicherheit
zu erwarten, die schließlich die Grundlage für alle anderen Aspekte unseres
Lebens bildet. Ohne grundlegende nationale Sicherheit kann kein anderer Bereich des nationalen Lebens wachsen und gedeihen. Eine Nation ohne Sicherheit
ist eine Nation ohne Stabilität - eine Nation ohne Zukunft unter eigener
Kontrolle. Verliert eine Nation ihre Sicherheit, dann verliert sie zugleich
alle anderen Aspekte ihres Lebens als Nation.
Die notwendige

- 2 -

�Die notwendige Diskussion von Sicherheitsfragen in der Öffentlichkeit
kann nur produktiv sein, wenn die Fragen genau definiert und objektiv angesprochen werden. Eine Debatte, die sich nur auf eine oder einige wenige Aspekte des Problems konzentriert und alle anderen Aspekte außer acht läßt,
wird nicht zur Einsicht der Öffentlichkeit führen, und ebenso wenig wird das
einer Diskussion gelingen, bei der es um Schlagworte und Emotionen statt um
Fakten geht - wie wir das heute oft bei der sogenannten Friedensbewegung erleben.

Die Abschreckungsstrategie der NATO
Es wird oft gesagt, daß die NATO ein Verteidigungsbündnis ist, und das
stimmt selbstverständlich. Die NATO häuft keine überflüssigen Waffen für Angriffskriege an; sie marschiert nicht in Nachbarländer ein, wie die Sowjetunion das in Afghanistan getan hat, und benutzt nicht die Androhung von Waffengewalt für politische Zwecke, wie die Sowjetunion es regelmäßig in der andauernden polnischen Krise getan hat. Die NATO hat immer wieder klar gemacht zum Beispiel in der Bonner Erklärung vom letzten Juni, beim Treffen der führenden Staatsmänner der NATO - daß sie ihre Streitkräfte nur zur Selbstverteidigung als Antwort auf einen Angriff einsetzen würde. Der Nordatlantikvertrag
verweist ausdrücklich auf Artikel 51 der Charta der Vereinten Nationen, der
die Selbstverteidigung gestattet.

Der Zweck des Zusammenschlusses im Bündnis bestand jedoch nicht lediglich darin,für den Fall eines Krieges eine stärkere Verteidigung zu sichern,
sondern in erster Linie den Ausbruch eines Krieges zu verhindern.
ist also im Grunde ein Abschreckungsbündnis.

Die NATO

Indem sie eine mächtige verein-

te Front bildet, hat die NATO wirksam vor einer Aggression gegen irgendeines
ihrer Mitglieder abgeschreckt, weil sie keinen Zweifel daran ließ, daß ein
Aggressor es mit der ganzen kollektiven Streitmacht des Bündnisses aufnehmen
muß und nicht ein Land nach dem anderen einzeln bedrohen kann.
Niemand, der

�r

Niemand, der mit der europäischen Geschichte, mit Geopolitik oder mit
der Koalitionstheorie vertraut war, hätte den außerordentlichen Erfolg der Abschreckungsstrategie der NATO in der Erhaltung des Friedens über mehr als drei
Jahrzehnte voraussagen können.
Ein Kontinent, der fast ständig Kriege erlebte, die in dem barbarischen
Blutbad zweier Weltkriege in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts gipfelten,
wurde zu einem der friedlichsten und stabilsten Gebiete der Erde.
Westeuropa, dem relativ engen und strategisch schwierigen, vom Meer umgebenen Anhängsel der eurasischen Landmasse - überschattet von der massiven
Größe und Stärke des neuen sowjetischen Imperiums -, ist es dennoch gelungen,
sich militärischer Sicherheit, politischer Freiheit und beispiellosen sozialen
und wirtschaftlichen Fortschritts zu erfreuen.
Die Verbindung zwischen Europa und Nordamerika, zunächst als Vereinbarung
in Kriegszeiten gegen Hitler und Mussolini gedacht, hat wiederholt Krisen und
Streitigkeiten überlebt und hat sich zum dauerhaftesten Bündnis souveräner Staaten in Friedenszeiten in der Geschichte entwickelt.
Das Grundziel der Abschreckungspolitik der NATO hat sich seit 1949 nicht
geändert. Es sind jedoch starke Änderungen in der Zusammensetzung der Streitkräfte und der militärischen Doktrin eingetreten, um den Veränderungen der Bedrohung des Bündnisses gerecht zu werden. Als das Bündnis gegründet wurde,
hatten beispielsweise die Vereinigten Staaten eine überwältigende Führungsstelle
bei Atomwaffen und Trägersystemen inne. Die Androhung einer atomaren Vergeltung wurde deshalb als eine wirksame Abschreckung an sich angesehen. Später,
als die Sowjets ihre Atomwaffen und Trägersysteme entwickelten, erkannte die
NATO, daß eine glaubwürdige Abschreckung nicht einzig und allein auf die Androhung atomarer Vergeltung gegründet werden könne. Es war jetzt vielmehr eine
Fähigkeit notwendig, auf einer Vielfalt von Ebenen antworten zu können, um die
Sowjets vor die Ungewißheit zu stellen, wie der Westen genau antworten würde
- aber vor die Gewißheit, daß die NATO auf eine Weise antworten könnte und würde,
die die Sowjets viel mehr kosten würde, als sie hoffen könnten, aus einer
- 4 -

�aus einer Aggression zu gewinnen.

Diese Strategie hängt von der Verbindung

der konventionellen, taktisch-nuklearen und strategisch-nuklearen Streitkräfte
der NATO untereinander ab. Sie erfordert als wesentlichsten Punkt die unlösbare Verkuppelung der Vereinigten Staaten und Europas, damit die Sowjetunion
nie die Hoffnung hegen könnte, einen Angriff gegen Europa allein richten zu
können.

Die Kritik an der NATO-Strategie
Die NATO-Strategie der flexiblen Antwort ist aus verschiedenen Richtungen angegriffen worden. Keiner dieser Angriffe hat jedoch je eine ernsthafte Alternative geboten, die die Sicherheit und die Freiheit des Westens bewahren würde.
Die Strategie wurde einmal von Leuten angegriffen, die die scheinbare
Klarheit und Automatik der Doktrin der massiven Vergeltung der fünfziger Jahre
vorzogen - und heute noch angeblich vorziehen -, nämlich die Doktrin: "Wenn
du diese Linie überschreitest, wirst du in Flammen aufgehen."

Diese Kritiker

argumentieren, daß es als ein Zeichen der Schwäche angesehen würde, wenn man
konventionelle oder Mittel Streckenoptionen überhaupt nur in Erwägung zöge.

Es

liegt jedoch heute für die meisten Beobachter auf der Hand, daß eine solche
vereinfachte Bedrohung nicht glaubwürdig ist. Die Abschreckung hängt vielmehr
von einer ununterbrochenen Kette von Kapazitäten ab, bei der die Stärke und
Wirksamkeit eines jeden Gliedes die ganze Kette stärkt und ihr Glaubwürdigkeit
verleiht.

Die Vereinigten Staaten spielen auf allen drei Ebenen ihre Rolle

mit über 300 000 Soldaten in Europa; mit der Unterstützung des Doppelbeschlusses
zur Modernisierung und Rüstungskontrolle der nuklearen Mittel Streckensysteme
sowie mit den Anstrengungen, die Überlebensfähigkeit und Wirksamkeit unserer
strategischen Vergeltungsstreitkräfte zu gewährleisten.

Alle anderen Mitglie-

der des Bündnisses haben ebenfalls ihre Rolle zu spielen.
Eine zweite

�Eine zweite Art von Kritik an der NATO-Strategie konzentriert sich auf
die physischen und moralischen Folgerungen des Einsatzes von Kernwaffen.

Diese

Kritiker stellen zurecht fest, daß die Gewalt der Kernwaffen ungeheuer ist und
ihr Einsatz zu massiven Verlusten führen könnte. Das Argument springt dann von
dieser unbestrittenen Tatsache zu der völlig unlogischen Schlußfolgerung, daß
eine Abschreckungsstrategie, zu deren Repertoire diese Waffen gehören, unmoralisch und unannehmbar sei. Dieses Argument läuft praktisch auf die Beschuldigung hinaus, daß unsere führenden Politiker gerne einen Atomkrieg hätten, was
natürlich einfach nicht stimmt. Wie Präsident Reagan schon oft unterstrichen
hat:

Niemand will den nuklearen Konflikt.

flikt muß verhütet werden.

Er muß verhütet werden. Jeder Kon-

Die Frage ist, ob es, wenn wir uns der Kernwaffen

entledigen, dazu beitragen würden,einen gewaltsamen Konflikt zu verhindern, oder
ob es ihn wahrscheinlicher machen würde. Angesichts des großen Übergewichts
der konventionellen Streitkräfte zugunsten der Sowjetunion, und angesichts des
Potentials der Sowjetunion auf der nuklearen Seite ist es offenkundig, daß Kernwaffen im Westen nötig sind, um eine wesentliche, stabilisierende Rolle zu spielen.

Die Entdeckung des Atoms kann nicht wieder rückgängig gemacht werden.

Wir müssen die Macht des Atoms weiterhin beherrschen und durch unsere Abschrekkungspolitik sie zwingen, dem Frieden zu dienen.
Eine dritte Art der Kritik arbeitet mit einem auf den ersten Blick mehr
ausgewogenen Argument. Statt auf Kernwaffen überhaupt zu verzichten, wollen
diese Kritiker einfach auf die Option der NATO verzichten, sie gegen einen
sowjetischen Angriff einzusetzen, wenn die Sowjets nicht selbst als erste Kernwaffen eingesetzt haben: Die "no first use"-Doktrin (Verzicht auf Ersteinsatz).
Nach dieser Auffassung sollte sich die NATO ausschließlich auf ihre konventionellen Streitkräfte verlassen, um vor einem konventionellen sowjetischen Angriff abzuschrecken und, wenn notwendig, ihn niederzuschlagen. Und sie sollte die notwendigen zusätzlichen Mittel aufbringen, um ihre konventionellen
Streitkräfte so weit aufzubauen, daß sie dazu in der Lage sind.
Es stimmt, daß man mehr tun kann und mehr tun sollte, um die konventionellen Streitkräfte der Allianz zu verbessern.

Im Westen entwickeln sich neue

Technologien, die neue konventionelle Waffensysteme in Aussicht stellen - 6 -

�Aussicht stellen - Systeme die, falls von der NATO eingeführt, die Strategie
der Vorneverteidigung viel glaubwürdiger machen würden.

Und wie General Rogers,

der Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte in Europa, erklärt hat, haben
die westlichen Verbündeten bestimmt die finanziellen Mittel, um solche Technologien zu vollenden und die daraufhin hergestellten konventionellen Waffen zu
kaufen.

Daraus folgt jedoch nicht, daß wir auf eine mögliche nukleare Option

verzichten können, denn ein solcher Verzicht würde in einem potentiellen Konflikt die Wahl der Strategie den Sowjets überlassen.

Er würde ihnen erlauben,

die Risiken einzuengen, die sie bei jeder Art von Aktion eingehen werden - sei
es eine ausgewachsene Invasion oder ein Schritt zur Erreichung eines begrenzten Zieles, wie etwa die türkischen Meerengen oder Berlin.

Und durch eine Sen-

kung der Risiken könnte eine solche Politik eine Entscheidung der Sowjets zu
militärischem Handeln begünstigen.
tärischen Handelns senken.

Sie würde dadurch die Schwelle des mili-

Wie wir in Afghanistan und anderswo erlebt haben,

hat die sowjetische Bereitschaft, militärisch einzugreifen, wenn die Risiken
gering zu sein scheinen, in den letzten Jahren zugenommen.

Die NATO darf sich

keine sich selbst einschränkenden Politik zulegen, die diese sowjetische Tendenz weiter stärken würde.
Alle Kritiker der Abschreckungsstrategie der NATO sind letztlich an dem
fundamentalen Erfordernis jeder ernsthaften geistigen Anstrengung gescheitert:
Sie haben keine wirksame und glaubwürdige Alternative geboten.

Ein hoher mo-

ralischer Anspruch und persönliche Aufrichtigkeit genügen allein nicht als
Grundlage für eine Sicherheitsstrategie.

Und ebensowenig

können das verein-

fachte Formeln, die mehr die Öffentlichkeit ansprechen als die Wirklichkeit
spiegeln.

Eine Strategie kann nur auf der Basis einer ernsthaften und ständig

auf dem neuesten Stand gehaltenen Prüfung der Lage beruhen.
Maginot-Linie

mußten diese schmerzliche Erfahrung machen.

Die Erbauer der
Und so ging es den

jungen Männern in England, die in den dreißiger Jahren beschlossen, nie mehr
für Gott und das Vaterland zu kämpfen - nur um sich ein Jahr später völlig unvorbereitet im Krieg zu befinden.

Im Atomzeitalter können wir uns solche Irr-

tümer und Illusionen nicht erlauben.
Trotz intellektueller

�Trotz intellektueller und praktischer Unzulänglichkeiten ist die öffentliche Kritik an Doktrin und Position der NATO leider oft in oberflächliche Rezepte für die Rüstungskontrolle umgesetzt worden, die, wenn sie tatsächlich
verwirklicht würden, außerordentlich gefährlich wären.

So gibt es beispiels-

weise Leute, die sich um die Aufrechterhaltung der nuklearen Abschreckung
nicht kümmern oder dagegen sind und die bei verschiedenen Gelegenheiten während der Diskussion über Mittel Streckensysteme darauf drängen, der Westen solle
den wiederholten sowjetischen Vorschlag eines Moratoriums hinsichtlich der
Dislozierung neuer nuklearer Mittel Streckensysteme annehmen - wobei sie schlicht
vergessen, daß dadurch die Sowjets über ein Monopol von Waffen dieser Art verfügen würden - die meisten davon in Richtung Westeuropa aufgestellt.

Heute haben

die Sowjets ungefähr 1300 nukleare Gefechtsköpfe auf landgestützten Mittelstrekkenraketen disloziert, von denen 1053 auf den modernen und mobilen SS-20-Raketen montiert sind,

(Jede SS-20-Rakete hat drei Gefechtsköpfe; bisher haben

die Sowjets 351 dieser Raketen disloziert, mit also insgesamt 1053 Gefechtsköpfen.) Weitere 248 Gefechtsköpfe auf den alten SS-4- und SS-5-Raketen der Sowjets
sind gegen Europa disloziert»
Als der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt im Herbst 1977 in seiner
Londoner Rede den Westen zum erstenmal vor den SS-20-Raketen warnte, vor dieser gefährlichen und destabilisierenden neuen sowjetischen Waffe, hatten die
Sowjets in dieser Zeit 27 Gefechtsköpfe disloziert. Im Dezember 1979 war die
Zahl der Gefechtsköpfe - jeder davon mit zwanzigmal der zerstörenden Kraft der
Hiroshima-Bombe - auf 450 gestiegen. Heute, im April 1983, sind es 1053. Die
NATO hat keine vergleichbaren Waffen.
Kein Wunder, daß sie den Vorschlag eines Moratoriums befürworten. Eine
so nachlässige Haltung unsererseits gegenüber den Realitäten würde jedoch die
Aussichten für Rüstungskontrolle untergraben, da die Sowjets keinerlei Anreiz
hätten, über eine Begrenzung oder einen Abbau ihrer Systeme zu verhandeln. Und
was am wichtigsten ist: Sie schwächt ernsthaft die Abschreckung vor einem Krieg,
weil dadurch eine stabile ausgewogene Lösung unmöglich wird.
Die gegenwärtige
- 8 -

�»

Die gegenwärtige Anstrengung der NATO
Im Mai 1982 wurde eine umfassende Studie über die Streitkräfte der NATO
und des Warschauer Paktes für die Öffentlichkeit freigegeben,

Es war das

erste Mal, daß die NATO einen so detaillierten Vergleich veröffentlicht hat.
Die Studie vergleicht die Mannschaftsstärke, die Kampfeinheiten, die Ausrüstung
der Landstreitkräfte, die Flugzeuge, die Flotten und die nuklearen Trägersysteme
beider Bündnisse.
ernüchternd.

Die Lehren, die wir aus diesem Dokument ziehen können, sind

Jeder hat schon immer vage Vorstellungen gehabt, daß die Sowjet-

union in Europa über größere Streitkräfte verfüge als die NATO. Aber wieviele
Leute wissen, daß das Verhältnis an konventionellem Großgerät

sich während der

letzten zehn Jahre, also während der Periode eben der Entspannung und RüstungskontrollVerhandlungen, wesentlich verschlechtert hat, daß das Verhältnis an
Panzern des Warschauer Paktes und an Panzern der NATO sich von 3:1 auf 4:1 zu
Ungunsten der NATO verschoben hat oder daß sich das Verhältnis bei der Artillerie von 2:1 auf 3:1 verschoben hat?

Diese Zahlen sind entmutigend.

Aber die NATO hat gezeigt, daß sie über Mittel und den politischen Willen
verfügt, das Nötige zu tun, um ein Gleichgewicht der Abschreckung aufrechtzuerhalten.

Auf der nuklearen Seite wird der NATO-Doppelbeschluß vom Dezember

1979 ein wichtiges Element des militärischen und politischen Vorteils der
Sowjets beseitigen, indem er entweder zum Abbau der vorhandenen sowjetischen
SS-20-, SS-4- und SS-5-Raketen durch Verhandlungen über eine Null-Option führt
- was wir ganz sicher vorziehen würden - oder zur Dislozierung eines militärischen Gegengewichts. Am liebsten würden wir diese ganze Gattung nuklearer
Waffen beseitigen, wenn die Sowjets schließlich ihre Zustimmung geben.
Bisher haben wir bei westlichen Vorschlägen für echte und praktische
Schritte zur Abrüstung schon so oft erlebt, daß die Sowjets nicht mitmachen.
Bis jetzt haben sie die Null-Lösung abgelehnt.
Wir haben nun, nach engen Beratungen und mit voller Unterstützung unserer
Verbündeten in der NATO, den sowjetischen Verhandlungsführern in Genf einen

- 9 -

�Genf einen neuen Vorschlag unterbreitet.

Wir sagten ihnen, daß wir bereit sind,

über ein Zwischenabkommen zu verhandeln und die Zahl unserer geplanten Dislozierungen zu verringern, wenn die Sowjets ihre entsprechenden Gefechtsköpfe auf
einen gleichen Stand reduzieren.

Unser Vorschlag für Null auf beiden Seiten

besteht natürlich weiter als unser Endziel. Gleichzeitig bleiben wir - wie
schon seit Beginn der Verhandlungen - für jeden ernsthaften Gegenvorschlag offen.
In einer Stellungnahme zu den Verhandlungen erklärte Präsident Reagan
in seiner Rede vom 31. März:

"Ich bedaure daß die Sowjetunion bisher nicht be-

reit war, die völlige Beseitigung dieser Systeme auf beiden Seiten zu akzeptieren.

Die Frage, die ich jetzt der sowjetischen Regierung stelle, ist, auf

welchen gleichen Stand sie zu verringern bereit ist, wenn sie nicht zur Beseitigung bereit ist."
Die sogenannten Friedensmarschierer - und ich benutze das Wort "sogenannte", weil ich keineswegs überzeugt bin, daß diese Gruppen wirklich dazu
beitragen, die Welt dem Frieden in Freiheit näherzubringen, ja,ich befürchte
sogar das Gegenteil - und die Grünen erklären uns laut, daß sie gegen alle
Atomwaffen seien. Warum demonstrieren sie dann nicht für die Null-Lösung?
Warum unterstützen sie nicht diese Friedensbemühung der NATO - die Beseitigung
einer ganzen Kategorie gefährlicher Kernwaffen - einen einfachen, direkten,
moralischen Vorschlag für echte Abrüstung? Warum unterstützen sie nicht wenigstens eine Zwischenlösung der Verringerung?
Diese Leute scheinen mehr besorgt zu sein wegen der Pläne für 572 NATOWaffen, die den Krieg verhindern und den Frieden für diese Generation bewahren sollen - Waffen, die noch nicht einmal produziert sind - als wegen der
doppelten Zahl von sowjetischen Waffen - weit über 1000 - nämlich der tödlichen
nuklearen Gefechtsköpfe auf den SS-20-Raketen, die bereits disloziert und genau auf die Straßen und Plätze gerichtet sind, auf denen sie demonstrieren gegen das Bemühen der NATO, den Frieden zu bewahren. Vergleichen wir doch
ihr Recht zu demonstrieren mit der Lage jenseits der Elbe. Das ist eben die
Freiheit - und der Frieden -, die wir verteidigen.
Die sehr
- 10 -

�Die sehr komplizierte Diskussion über die Strategie der Abschreckung
ist oft gekennzeichnet durch übermäßige Vereinfachung der Tatsachen und durch
Wunschdenken bezüglich der möglichen Ergebnisse von RüstungskontrollVerhandlungen.

Es ist daher angebracht, hier zwei Punkte klarzustellen, die in der

öffentlichen Debatte und in der Behandlung dieser Frage in den Medien offensichtlich sehr durcheinander gebracht werden.
Der erste ist jener Aspekt des NATO-Doppelbeschlusses vom Dezember 1979,
bei dem es um die Modernisierung der nuklearen Mittel Streckensysteme der NATO
geht. Ich möchte mit allem Nachdruck darauf hinweisen, daß es sich bei dieser
Entscheidung für eine Modernisierung um den Ersatz bestehender Verteidigungswaffen durch modernisierte und wirksamere PERSHING-Raketen und Marschflugkörper
handelt, für den Fall, daß ein Fehlschlag der Rüstungskontrollverhandlungen in
Genf dies notwendig macht. Es besteht kein Plan, auch nur eine einzige zusätzliche Waffe hinzuzufügen. Es handelt sich um Ersatz, nicht um zusätzliche
Waffen.
Zum Doppelbeschluß der NATO vom Dezember 1979 gehörte sogar die Verpflichtung, 1000 nukleare Gefechtsköpfe aus Europa abzuziehen.

Dieser Abzug ist be-

endet, aber auf den Plakaten der Friedensmarschierer sieht man leider keine
Anerkennung dieses Abbaus von Kernwaffen durch die NATO.

Müßte man das Moder-

nisierungsprogramm durchführen, dann hätte die NATO am Ende des Programms weniger Kernwaffen in Europa, als sie im Jahr 1976 hatte. Wir arbeiten an einem
Abbau der Kenrwaffen in Europa, keinem Aufbau.
Einen zweiten Punkt will ich klarstellen;
plan eventuell notwendiger Dislozierungen.

er bezieht sich auf den Zeit-

Durch die Debatte in der Öffent-

lichkeit und in den Medien könnte man leicht zu dem Schluß kommen, alle 572
modernisierten PERSHING-Raketen und Marschflugkörper würden plötzlich irgendwie herbeigezaubert, um dann zu Ende dieses Jahres fertig an Ort und Stelle zu
stehen.

Das stimmt einfach nicht, und es war auch nie so gedacht.

Der Ersatz

vollzieht sich - sollte er durch einen Fehlschlag in Genf notwendig werden im Rahmen eines FünfJahresprogramms.
sich um nur wenige Waffen.

Bei der ersten Dislozierung handelt es

Sollte dann später in Genf ein Abkommen erreicht
- 11 -

�Abkommen erreicht werden, würden weitere Dislozierungen der NATO in Übereinstimmung mit dem Abkommen gestoppt.

Spätere Stadien des Dislozierungsprogramms

werden vielleicht nie notwendig sein.

Es wäre zu hoffen, daß ein Abkommen so-

gar den Abzug von bereits stationierten Raketen möglich machen würde.
Wir dürfen nicht vergessen, daß es die Sowjetunion ist - und nicht der
Westen -, die darauf besteht, diese Klasse von nuklearen Mittel Streckenwaffen
beizubehalten.

Die NATO ist voll und ganz für den Abbau dieser Waffengattung.

Präsident Reagan hat angeboten, sich zu jeder Zeit und an jedem Ort mit Generalsekretär Andropow zu treffen, um ein Abkommen zu unterzeichnen, das diese Waffenklasse aus der Welt schaffen würde. Dieses Angebot von Präsident Reagan gilt
noch immer.
Ein weiteres Problem kompliziert das Verständnis der Öffentlichkeit:
Die falschen Informationen und die irreführenden Vorschläge, die die sowjetische Regierung dauernd in diesen Prozeß einbringt. Ein Beispiel dafür ist
Andropows Vorschlag vom 21. Dezember des vergangenen Jahres, der weit publiziert wurde und dessen Ziel es war, die Genfer Verhandlungen zu beeinflussen,
Er erweckte den Anschein, eine Beschränkung der sowjetischen SS-20-Raketen auf
162 - die Gesamtzahl der französischen und britischen Waffen dieses Typs - anzubieten. Zunächst einmal war das sowjetische Angebot äußerst vage; es enthielt zum Beispiel kein konkretes Versprechen, diese gefährlichen Waffen auch
tatsächlich zu zerstören. Mobile Waffen lediglich hinter den Ural zurückzuziehen bedeutet wenig: Dieselben mobilen Waffen könnte man zum Einsatz gegen
den Westen leicht wieder in ihre Stellungen zurückverlegen.
Außerdem gibt es zwei weitere, durchsichtige Fehlinformationen in
Andropows Vorschlag. Die französischen und britischen Waffensysteme sind zum
einen nicht Teil der bilateralen Genfer Verhandlungen zwischen der Sowjetunion
und den USA. Es handelt sich hier um Systeme, die sich Frankreich und Großbritannien letztlich für ihre eigene Verteidigung reservieren. Beide Länder
haben den Einschluß ihrer Systeme in die INF-Verhandlungen in Genf zurückgewiesen. Die Mitglieder der NATO sind - im Gegensatz zu den Staaten des

- 12 -

�Staaten des Warschauer Paktes - völlig souveräne Staaten.

Die Vereinig-

ten Staaten sind einfach nicht in der Lage, über das Eigentum anderer Staaten
zu verhandeln.

Die Russen wissen das genau.

Sogar wenn die Vereinigten Staaten in der Lage wären, Verhandlungen über
die französischen und britischen Waffen zu führen - was sie nicht sind -, enthält das sowjetische Angebot noch eine weitere Enttäuschung.

Wenn die Russen

nämlich vorschlagen, 162 französische und britische Raketen gegen 162 SS-20Raketen aufzuwiegen, so übersehen sie geflissentlich die Tatsache, daß die
meisten der französischen und britischen Raketen nur jeweils einen Gefechtskopf haben. Jede SS-20 aber hat drei Gefechtsköpfe. Laut Vorschlag Andropows
hätten die Sowjets durch diesen Handel also 486 Gefechtsköpfe gegen weniger als
300 britische und französische - und keinen einzigen für die NATO.

Keit schlech-

tes Geschäft für sie!
Noch ein Beispiel sowjetischer Taktik:

Vor fast genau einem Jahr, am

15. März 1982, kündigte Generalsekretär Breschnew ein Moratorium bei der weiteren Dislozierung von SS-20-Raketen an. Disloziert hatten die Russen zu jenem Zeitpunkt etwa 900 SS-20-Gefechtsköpfe.

Jetzt, am 12. April 1983, beträgt

die Anzahl der sowjetischen SS-20-Gefechtsköpfe über 1050. Soviel über das
sowjetische Versprechen, mit ihrer Dislozierung von SS-20-Raketen aufzuhören und all dies fand zur gleichen Zeit statt wie die INF-Verhandlungen in Genf.
Die Sowjets rufen ein Moratorium aus, aber fahren mit der Dislozierung der
SS-20-Raketen fort - und rufen dabei immer wieder nach Abrüstung.
Auf ihrem jüngsten Treffen in Portugal, sagten die Verteidigungsminister
der NATO am 23. März folgendes über die sowjetische Verhandlungsposition in
Genf:

"Die sowjetischen Vorschläge haben sich seit dem Verhandlungsbeginn

grundsätzlich nicht geändert. Tatsächlich hätte der jüngste Vorschlag der
Sowjetunion folgende Konsequenzen.

Er würde der Sowjetunion mehr SS-20-Raketen

lassen, als sie bei Beginn der Verhandlungen hatte; er würde der NATO das Recht
verwehren, ihr Potential zur Abschreckung dieser Bedrohung zu modernisieren;
er würde der Sowjetunion eine unbegrenzte Zahl von mobilen SS-20 ostwärts
des Ural

erlauben, die weiterhin NATO-Europa bedrohen würden; und er würde

fast alle Flugzeuge der Vereinigten Staaten vom europäischen Kontinent ver- 13 -

�Kontinent verbannen, die für die konventionelle Verteidigung der NATO unentbehrlich sind.

Das Ergebnis wäre, daß das sowjetische Monopol bei den land-

gestützten INF-Flugkörpern größerer Reichweite aufrechterhalten bliebe, die
Koppelung zwischen dem strategischen Abschreckungspotential der Vereinigten
Staaten und der Verteidigung NATO-Europas ernsthaft untergraben und das langfristige sowjetische Ziel der Spaltung des Bündnisses gefördert würde."
Die heutige Debatte enthält eine Gefahr.

Es besteht das Risiko, daß das

viele Diskutieren über technische Einzelheiten bei Rüstung und Rüstungskontrolle
- wie Abschußeinrichtungen, Raketen, Gefechtsköpfe und ähnliches - die zentrale
Frage zur Nebensache macht.
nicht geändert.

Diese Frage aber hat sich seit einer Generation

Es geht um das anhaltende sowjetische Bemühen, einen Keil

in die westliche Einheit zu treiben und Amerika von Europa zu trennen.

Die

Sowjetunion, die neue und gefährliche Raketen mit dem Ziel disloziert hat,
Westeuropa einzuschüchtern, versucht jetzt, die Verbindung zwischen den Vereinigten Staaten und ihren NATO-Verbündeten zu zerbrechen - unsere Sicherheit
abzutrennen, um dadurch unsere Freiheit umso leichter anzugreifen.
Das sowjetische Endziel in Europa ist, die Länder Westeuropas zu zwingen, sich dem sowjetischen Interesse zu sowjetischen Bedingungen zu fügen.
Wir alle wissen, wie diese Bedingungen aussehen.

Wir brauchen nur auf die Ge-

biete jenseits der Elbe zu blicken - oder auf die Mauer, die das Herz von
Berlin durchschneidet.

Sie, liebe Zuhörer, werden als Deutsche die sowje-

tischen Bedingungen besser verstehen als viele andere.
Es ist die Verbindung zwischen Amerika und Westeuropa - die Einheit
des Westens - die vor einer Aggression aus dem Osten abschreckt und den Frieden in der nordatlantischen Gemeinschaft seit über einer Generation gesichert
hat. Die NATO ist die echte Friedensbewegung unserer Zeit.
Wie wir wissen, hat der Frieden seinen Preis - keinen niedrigen Preis.
Dean Rusk, Außenminister unter den Präsidenten Kennedy und Johnson, hat darauf hingewiesen:

Die Freiheit gibt es nicht umsonst.

- 14 -

Wir im Westen sind

�Westen sind bereit, einen hohen Preis zu zahlen, um den Frieden mit Freiheit
zu sichern - damit wir uns weiterhin der großen Aufgabe widmen können, eine
bessere Welt für uns und unsere Kinder zu schaffen.

+ + + + +

15

�16

13. April 1983

ERLÄUTERUNGEN ZUM INF-VORSCHLAG PRÄSIDENT REAGANS

WASHINGTON - (AD) - Im Zusammenhang mit der Erklärung des amerikanischen
Präsidenten vom 30. März 1983 über die neue INF-Initiative der Vereinigten
Staaten veröffentlichte das amerikanische Außenministerium folgende Erläuterungen.

Der Präsident kündigte am 30. März 1983 an, daß die Vereinigten Staaten
in Genf einen neuen Vorschlag für ein Zwischenabkommen vorgelegt haben, demzufolge die Vereinigten Staaten ihre geplante Dislozierung von PERSHING II-Raketen und landgestüzten Marschflugkörpern um ein Beträchtliches reduzieren würden, vorausgesetzt, die Sowjetunion verringert die Anzahl ihrer Waffen bei den
INF-Raketen größerer Reichweite auf weltweit gleichen Umfang. Die Vereinigten
Staaten sehen in diesem Vorschlag einen ernsthaften ersten Schritt in Richtung
auf eine vollständige Beseitigung dieser Waffenklasse und hoffen, daß sich die
Sowjetunion dieser unserer Ansicht anschließt.
Im Dezember 1979 kamen die NATO-Staaten in einem Doppelbeschluß hinsichtlich der Problematik nuklearer Mittel Streckensysteme (INF) zu einer Einigung.
In Reaktion auf die zunehmende Bedrohung durch sowjetische INF-Systeme - insbesondere die Dislozierung der neuen sowjetischen SS-20-Raketen - kamen die
Verbündeten überein, 108 PERSHING II-Raketen und 464 landgestützte Marschflug-

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�landgestützte Marschflugkörper (GLCM) in Europa zu dislozieren.

Gleichzeitig

drängten die Verbündeten auf Rüstungskontroilanstrengungen, um diese und vergleichbare sowjetische INF-Raketensysteme zu begrenzen.

Am 18. November 1981 unterbreitete Präsident Reagan nach entsprechenden
Konsultationen innerhalb des Bündnisses einen weitreichenden Vorschlag als
Grundlage der amerikanischen Position bei den INF-Verhandlungen, die am 30.
November 1981 begannen.

Dieser Vorschlag forderte die völlige Beseitigung

der gesamten Klasse amerikanischer sowie sowjetischer landgestützter, weitreichender INF-Raketen - mit anderen Worten:
auf beiden Seiten.

Keinerlei Raketen dieses Typs

Die Vereinigten Staaten sind auch weiterhin der Überzeu-

gung, daß dies das beste und moralischste Ergebnis dieser Verhandlungen wäre.
Dadurch würde sowohl die Sicherheit des Ostens als auch die des Westens erhöht
werden.

Leider unterscheidet sich die sowjetische Haltung in diesen Verhandlungen hiervon sehr.

Die Sowjets weigerten sich bislang hartnäckig, unseren

"Null-Null"-Vorschlag ernsthaft in Erwägung zu ziehen oder mit einer anderen
annehmbaren Alternative zu kommen.

Die sowjetische Position in diesen Ver-

handlungen würde das derzeitige Monopol der Sowjetunion bei diesen Waffen erhalten.

Ihrem jüngsten Vorschlag zufolge würden die Sowjets weiterhin über

486 Gefechtsköpfe auf 162 SS-20-Raketen allein in Europa verfügen, während
die Vereinigten Staaten keine einzige Rakete hätten.

Hunderte von Gefechts-

köpfen auf sowjetischen SS-20-Raketen im Fernen Osten würden keinerlei Begrenzung erfahren.

Das Urteil der NATO über die derzeitige sowjetische Position in Genf
spiegelt sich im Kommunique der Verteidigungsminister der NATO wider, das am
23. März im Anschluß an ihr jüngstes Treffen in Portugal veröffentlicht wurde:

"Im Widerspruch zu kürzlich aufgestellten Behauptungen sowjetischer
Führer haben sich die sowjetischen Vorschläge seit dem Verhandlungsbeginn grundsätzlich nicht geändert.

- 2 -

Tatsächlich hätte der jüngste

�der jüngste Vorschlag der Sowjetunion folgende Konsequenzen.

Er

würde der Sowjetunion mehr SS-20-Raketen belassen, als sie bei Beginn der Verhandlungen hatte; er würde der NATO das Recht verwehren, ihr Potential zur Abschreckung dieser Bedrohung zu modernisieren; er würde der Sowjetunion eine unbegrenzte Zahl von mobilen
SS-20 ostwärts des Ural

erlauben, die weiterhin NATO-Europa be-

drohen würden; und er würde fast alle Flugzeuge der Vereinigten
Staaten vom europäischen Kontinent verbannen, die für die konventionelle Verteidigung der NATO unentbehrlich sind.

Das Ergebnis

wäre, daß das sowjetische Monopol bei den landgestützten INF-Flugkörpern größerer Reichweite aufrechterhalten bliebe, die Koppelung
zwischen dem strategischen Abschreckungspotential der Vereinigten
Staaten und der Verteidigung NATO-Europas ernsthaft untergraben
und das langfristige sowjetische Ziel der Spaltung des Bündnisses
gefördert würde."
Der neue amerikanische Vorschlag wurde nach umfangreichen Konsultationen
mit unseren NATO-Verbündeten und nach Gesprächen mit anderen Freunden, einschließlich Japans, unterbreitet.

Er wurde am 29. März auf der Abschlußsit-

zung dieser Verhandlungsrunde überreicht.

Bei Vorlage dieses Vorschlages

forderten die Vereinigten Staaten die Sowjetunion auf, ihn während der Verhandlungspause sorgfältig in Erwägung zu ziehen,und machten den Vorschlag,
daß die Delegationen ihre Verhandlungen um einige Wochen eher als vorher geplant wieder aufnehmen sollten.

Die Sowjets haben sich zu einer Wiederauf-

nahme am 17. Mai bereiterklärt.
Der neue amerikanische Vorschlag wird den Kriterien gerecht, die der
Präsident für ein Abkommen festgelegt hat:
- Gleiche Rechte und Beschränkungen für die Vereinigten Staaten und die
UdSSR;
- keine Kompensation

�- keine Kompensation für die Waffen von Drittländern;
- weltweite Höchstgrenzen;
- keine negativen Auswirkungen auf die konventionelle Verteidigungskapazität der NATO; und
- wirksame Maßnahmen zur Verifizierung.
Bei den weiteren Diskussionen über diesen Vorschlag werden die Vereinigten Staaten wie bisher so flexibel wie möglich sein, um in Genf zu einem Abkommen zu gelangen, das den oben genannten Kriterien gerecht wird.
Die Vereinigten Staaten sehen den neuen Vorschlag als einen Zwischenschritt in Richtung auf die vollständige Beseitigung der amerikanischen wie
sowjetischen landgestützten INF-Raketensysteme größerer Reichweite an.

Soll-

te ein Zwischenabkommen erreicht werden, so sind die Vereinigten Staaten der
Meinung, daß diese Verhandlungen mit dem Ziel fortgesetzt werden sollten, die
vollständige Beseitigung dieser Systeme zu erreichen.

Mit der Unterbreitung

dieser neuen Initiative bleibt der derzeitige amerikanische Vorschlag für eine
Beseitigung der gesamten Klasse landgestützter INF-Raketen größerer Reichweite
in Genf auf dem Verhandlungstisch.

Die Vereinigten Staaten sind nach wie vor

der Überzeugung, daß keine Raketen auf beiden Seiten das beste Ergebnis dieser
Verhandlungen wären.

+ + + + +

- 4-

�13. April 1983

16

VERTEIDIGUNGSSYSTEME AUF DER BASIS VON STRAHLUNGSENERGIE
Erläuterungen zu dem neuen Verteidigungskonzept Präsident Reagans

- (AD) - Zu dem von Präsident Reagan angekündigten neuen Forschungsund Entwicklungsprogramm für Abwehrsysteme gegen ballistische Waffen gehört
u.a. die Entwicklung von Defensivwaffensystemen mit sogenannter "gerichteter
Energie".

Die beiden wichtigsten Formen gerichteter Energie sind Laser- und

Partikel strahlen hoher Energiedichte.
Bei den Laserstrahlen handelt es sich um Wellen aus dem sogenannten
optischen Bereich des von Funkwellen bis zur Gammastrahlung reichenden elektromagnetischen Spektrums, dem Frequenzen vom Infrarot bis zum Ultraviolett
zugeordnet werden. Nach heutigem Verständnis ist "Licht" sowohl als Korpuskularstrahlung wie als Strahlung mit Wellencharakter zu definieren.
Den Laserstrahl kennzeichnet eine spezielle Form der Ausbildung elektromagnetischer Wellen:

Die als Energieträger fungierenden Lichtquanten

(Photonen) schwingen in gleicher Phase.

Daraus ergeben sich Wellen gleicher

und "reiner"Frequenz, die sich nicht überlagern und somit frei sind von Interferenzen.

Das Licht ist "kohärent", in einem scharf gebündelten Strahl

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�gebündelten Strahl konzentriert und im Strahlquerschnitt außerordentlich
energiereich.
Laser ist ein Kunstwort, gebildet aus den Anfangsbuchstaben von "Light
Amplification by .Stimulated Emission of Radiation", d.h. Lichtverstärkung
durch induzierte Emission von Strahlung.

Ein Lasergerät ist ein Generator,

der Licht erzeugt, welches im Weltraum kaum gestreut wird und blitzartig
riesige Entfernungen überwindet.

Und wie sein Vorläufer, der Maser (d.h. Ver-

stärkung von - niedriger frequenten - Mikrowellen durch induzierte Emission
von Strahlung), ist er geeignet, elektromagnetische Strahlung um ein Vielfaches
zu verstärken.

Beim Laser geschieht dies durch direkte Wechselwirkungen mit

fester, flüssiger oder gasförmiger Materie.
Photonen bewegen sich im Vakuum mit fast 300 000 km pro Sekunde - der
größten in der Natur zu beobachtenden Geschwindigkeit.

Diese Lichtgeschwin-

digkeit verringert sich infolge Streuung oder Brechung beim Durchgang durch
ein Medium, z.B. die irdische Atmosphäre, und Absorptionsprozesse schwächen
dabei die Intensität des Lichts. Photonen haben keine Ruhemasse - im Gegensatz zu den Energieträgern von Partikelstrahlen wie Elektronen, Protonen
oder Ionen, die außerdem elektrische Ladung besitzen.

Wenn solche Partikel-

strahlen hohe Energie gewinnen sollen, müssen sie beschleunigt werden, wie
es z.B. in Teilchenbeschleunigern mit Hilfe von Magnetfeldern geschieht. Dabei werden Werte erreicht, die der Lichtgeschwindigkeit sehr nahe kommen.
Die große Fortbewegungsgeschwindigkeit bedeutet, daß der Laser- oder
Partikel strahl einer Abwehrwaffe - im letztgenannten Fall vorzugsweise Elektronenstrahl - sein Ziel blitzartig und nahezu augenblicklich erreicht.
überwindet 1000 Meter in einer 3,7-millionstel Sekunde.

Er

Ein mit doppelter

Schallgeschwindigkeit fliegender feindlicher Bomber käme in dieser Zeit kaum
mehr als 2 Millimeter voran.

Selbst eine mit sechsfacher Schallgeschwindig-

keit sich bewegende Feindrakete hätte, bis ein in 1600 km Entfernung ausgelöster Laserblitz sie träfe, höchstens 2,7 Meter zurückgelegt.
Da die

�Da die Strahlung von Laserwaffensystemen von der Erdanziehungskraft praktisch unbeeinflußt bleibt, könnte sie mit extremer Präzsion auf Ziele gerichtet
werden und diese mit großer Genauigkeit treffen.

Wenn solche Abwehrwaffen-

systeme erst einmal voll entwickelt sind, wäre es möglich, selbst aus einer
Gruppe nicht-feindlicher Objekte einzelne, sich dazwischen bewegende Feindobjekte herauszusuchen und zu vernichten.

Auch könnte man davon ausgehen, eine

große Zahl von Ziel Objekten vernichten zu können, selbst wenn diese aus allen
Richtungen kämen.
Für jeden "Schuß" mit einem Laser- oder Partikel strahl wird verhältnismäßig wenig "Brennstoff" verbraucht, weshalb in einem Waffensystem eine Vielzahl von "Schüssen" gespeichert werden könnte. Da außerdem der Laserstrahl
durch bewegliche Spiegel gesteuert würde, wäre durch ein solches Waffensystem
die Möglichkeit gegeben, über einen weiten Sichtbereich hinweg rasch hintereinander ein Feindobjekt nach dem anderen abzuwehren.
Im Weltraum hätten Laserstrahlen nahezu unbegrenzte Reichweite. In geringeren Höhen über der Erde würden sie jedoch, wie jedes Licht, durch Wolken
und Nebel gestreut und mehr oder weniger stark absorbiert. Partikel strahlen
wiederum würden vom Erdmagnetfeld und der Gravitation beeinflußt. Jedoch soll
es bereits Forschungs- und Entwicklungsprojekte für Partikel strahl-Waffensysteme mit Wasserstoffgas geben, bei denen diese Einflüsse weniger problematisch wären.
Eine militärische Laserstation im Weltraum könnte gegnerische Raketen
großer Reichweite schon während ihres Aufstiegs ausmachen und vernichten. Sie
besäße eine wesentlich größere Effektivität als jedes bodengestützte Abwehrsystem. Ein Laserstrahl muß sein Zielobjekt mit höchster Präzision erfassen,
aber auch lange genug im Visier behalten, um sich durch die Hülle zu brennen
und wesentliche Teile wie das Leitsystem zu zerstören oder den Gefechtskopf
oder Treibstoff zur Explosion zu bringen. Ein mit hoher Geschwindigkeit auf
das Ziel auftreffender Partikel strahl würde die Metall hülle durchdringen und
dabei einen großen Teil seiner Energie auf das Zielobjekt übertragen. Zu Beginn

- 3 -

�Zu Beginn würde die Elektonik funktionsunfähig werden, dann würden - infolge
der Energieübertragung - Treib- und Explosivstoffe gezündet und Zerstörungen
am Raketenkörper verursacht.
Obgleich solche Abwehrsysteme noch nicht existieren, halten es Forscher
in privaten und regierungseigenen Instituten offenbar für möglich, daß ihre
Entwicklung in 20 bis 25 Jahren durchführbar wäre.

+ + + + +

�16

13. April 1983

SCHWERTRANSPORT IN DEN WELTRAUM
US-Raumfähre CHALLENGER vom ersten Einsatz zurück

- (AD) - Beim Einschweben über Kalifornien von den Kameras zunächst als
dunkler Schatten erfaßt, rollte wenig später eine leuchtend weiße CHALLENGER
auf der für sie vorgesehenen Betonpiste des Edward-Luftstützpunktes in der
Mojavewü'ste aus. Der erste Weltraumeinsatz der amerikanischen Raumfähre
Nummer Zwei war kurz vor Vollendung der 81. Erdumrundung am 9. April 1983
um 20.54 Uhr MEZ nach fünf Tagen, 23 Minuten und 42 Sekunden beendet.
Kommandant Paul Weitz brachte den Raumgleiter schon ca. 2 000 Meter nach
dem Aufsetzen auf der Rollbahn zum Stehen. Er und Kopilot Karo! Bobko sowie
die beiden Missionsspezialisten Story Musgrave und Donald Peterson wurden
begeistert empfangen. Am Ende des nächsten Fluges, der für Mitte Juni vorgesehen ist, soll CHALLENGER als erster Raumtransporter auf einer neu angelegten,
4,8 km langen Betonbahn nahe dem Startplatz auf dem Kennedy-Raumfahrtzentrum
in Florida landen.
Experten der NASA (US-Amt für Luft- und Raumfahrt) äußerten sich außerordentlich befriedigt über den Verlauf und die bisher zu übersehenden Ergebnisse der Mission, die sich wegen der beim Durchprüfen entdeckten technischen
Mängel um mehr als zwei Monate (vom 20. Januar bis 4. April) verzögert hatte.

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�verzögert hatte. Mit der Lösung eines Problems sind allerdings Ingenieure
in der neuen Bodenstation White Sands (New Mexico) noch beschäftigt: Es
geht um das weitere "Anheben" des von der CHALLENGER-Besatzung im Weltraum
abgesetzten TDRS-Nachrichtensatelliten auf eine Kreisbahn, die in
ca. 36 000 km Höhe über dem Äquator liegt, und schließlich um das Einsteuern
des 2,2 Tonnen schweren Roboters auf seinen vorgesehenen Standort über der
Nordostspitze von Brasilien.
Das Absetzen dieses neuartigen Nachrichtensatelliten etwa zehn Stunden
nach dem Start war eine der wichtigsten Aufgaben beim Unternehmen STS-6.
TDRS ("Tracking and Data Relay Satellite" - Satellit für Bahnbeobachtung
und Datenübermittlung) ist das erste Gerät eines Dreiersystems, das für den
Funkverkehr mit bemannten Raumschiffen eine Reihe von Bodenstationen rund um
die Erde überflüssig macht und die Kontaktmöglichkeiten mit der Besatzung
von 15 auf über 80 Prozent der für einen Erdumlauf benötigten Zeit erweitert.
Außerdem können TDRS-Satelliten die Daten von 40 unbemannten Satelliten
abfragen und Funkbefehle an sie übermitteln, wobei 26 Satelliten gleichzeitig "bedient" werden.

Der gesamte Funkverkehr läuft, wenn das mit

2,2 Milliarden Dollar entwickelte System erst einmal komplett ist, über
die Hauptstation White Sands mit ihren mehr als 400 Mitarbeitern.

Die

Projektwissenschaftler und Techniker für die in das System einbezogenen
unbemannten Satelliten erhalten so ständigen Kontakt mit "ihrem" Gerät und
brauchen nicht zu warten, bis es wieder in Sichtweite einer Bodenstation
kommt.
- Dramatische Rettungsaktion Die Aufregung war groß, als etwa sechs Stunden nach dem problemlosen
Absetzen von TDRS plötzlich der Funkkontakt mit dem Nachrichtensatelliten
abriß. Für die Funkbefehle zur Aktivierung seiner beiden Antriebsstufen
(IUS, Gewicht ca. 15 Tonnen) war eine Bodenstation der US-Luftwaffe in
Kalifornien zuständig. Die erste Stufe hatte normal gezündet. Jetzt sollte

- 2 -

�Jetzt sollte die Oberstufe zum zweiten Mal gezUndet werden, um den
Satelliten aus seiner elliptischen Aufstiegsbahn in die kreisförmige
Umlaufbahn in 36 000 km Höhe zu bringen.
Die Leute in White Sands setzten das für diesen Fall (wie für alle
erdenklichen anderen Störfälle) vorbereitete Rettungsprogramm in Gang.
Als erstes mußte festgestellt werden, ob die Oberstufe des IUS-Systems
Liberhaupt ein zweites Mal gezündet hatte und abgesprengt worden war.
Das Kontroll personal schickte "blind" Funksignale ins All, um zu versuchen,
die Verbindung mit dem Satelliten wieder aufzunehmen und seine Position zu
ermitteln.

Darüber verging nur kurze Zeit - "aber es war, als hätte es

Stunden gedauert", meinte George Harris, Flugdirektor für TDRS in White
Sands.

Ergebnis der Sondierung: Der Satellit war ins Taumeln geraten.

Auch dafür war eine über Funkbefehle zu bewerkstelligende "Kur" vorbereitet.

Es gelang den Satelliten zu stabilisieren, seine Sonnenenergie-

Kollektoren (Leistung: 1700 Watt) auszufahren, die Tests mit den drei verschiedenen Antennen durchzuführen, ihn auf Herz und Nieren durchzuprüfen,
und schließlich seine Position zur Sonne

zu fixieren.

Bei diesen

Operationen wurde das Team in White Sands von Kollegen im Goddard Space
Flight Center in der Nähe von Washington unterstützt.

Ein Rätsel ist nach

wie vor die Ursache der Störung im IUS-System, die dafür verantwortlich ist,
daß dem bisher größten Nachrichtensatelliten der Welt, der im geostationären
Orbit in 36 000 km Höhe ca. 10 Jahre lang arbeiten soll, etwa 640 km an
Höhe fehlen.
Gegenwärtig wird mit Hilfe seiner Steuerungsdüsen, die eigentlich nur
für Positionskorrekturen im Orbit gedacht sind, versucht, ihn allmählich
doch noch in die vorgesehene Bahn zu bringen.

Harris schätzt, daß darüber

Tage, vielleicht sogar ein paar Wochen vergehen und von den 585 kg flüssigen
Hydrazintreibstoff an Bord etwa 405 kg verbraucht werden.

- 3 -

Der verbleibende

�Der verbleibende Treibstoff dürfte dennoch ausreichen, um die auf zehn
Jahre angesetzten normalen Operationen durchzuführen.

Bei ihrem über-

nächsten Flug (STS-8) soll CHALLENGER den zweiten Schwertransport vornehmen.

Das Gesamtgewicht der 11 m langen Kombination TDRS-IUS beträgt

immerhin 18 Tonnen.

Für TDRS-2 ist ein Standort über Hawaii vorgesehen.

- Astronauten an der Leine Am vierten Flugtag (7. April) unternahmen Musgrave und Peterson eine
Exkursion. Mit den neuentwickelten Schutzanzügen hielten sie sich drei
Stunden und vierzig Minuten außerhalb der Druckkabine auf - verrichteten
Arbeiten mit und ohne Werkzeug, inspizierten die 18 m lange offene Ladebucht, wo der TDRS-Satellit verstaut war, und einen Teil der Außenwände
ihres Raumtransporters, über Rollen laufende 15 m lange Sicherungsleinen
am Rand der Ladebucht, an denen sie angehakt waren, bewahrten sie vor dem
Abdriften in der Schwerelosigkeit.
Vier Fernsehkameras an der CHALLENGER, dazu je eine am Schutzhelm
montierte Minikamera, übertrugen den Verlauf der Exkursion, zeigten gestochen scharf die Bewegungen der Astronauten. Aus der Druckkabine filmte
und fotografierte Kopilot Bobko den Ausflug der beiden. Er diente der
gründlichen Erprobung der (im Vergleich zu den zuletzt vor neun Jahren im
APOLLO- und SKYLAB-Programm benutzten) leichteren und sehr viel mehr
Bewegungsfreiheit gebenden Schutzanzüge. Sie sollen eine Lebensdauer von
mindestens 15 Jahren haben. Jeder hat im Tornister Vorräte an Sauerstoff,
Batteriestrom und Kühlmittel für einen Außenaufenthalt von sieben Stunden.
Der 112 kg schwere, 2,15 Millionen Dollar teure Anzug mit gut beweglichen
Hand-, Finger-, Ellbogen, Knie- und Fußgelenken besteht aus mehreren, teilweise auch aluminisierten Schichten von Teflon, Nylon, Polyurethan und
anderen Kunstfasern. Der Innendruck beträgt nur knapp ein Viertel des in
der Raumtransporterkabine herrschenden Normaldrucks. Und während dort die

- 4 -

�dort die Astronauten Luft einer an der Erdoberfläche üblichen Zusammensetzung
atmen, gibt es im Schutzanzug nur reinen Sauerstoff.

Dies erforder vor allem

vor der Exkursion ein Umstellen des Organismus auf Sauerstoffatmung, wobei
im mehrstündigen Aufenthalt in einer Luftschleuse das Blut von Stickstoff
frei gemacht werden muß.
Im Schutzhelm gibt es einen kleinen Beutel mit Trinkwasser, dazu mit
dem Mund leicht zu erreichende Happen mit Trockenfrüchten.

Jeder Raumanzug,

von dem aus auch ständiger Funksprechverkehr mit der Pilotenkabine geführt
wird, hat seinen eigenen Mikroprezessor-Computer, der alle lebenswichtigen
Funktionen überwacht. Stimmt etwas nicht, alarmiert er sofort den Träger
und kann auch Anweisungen zur Korrektur eines Problems geben.

Der erste

"Großeinsatz" für die neuen Raumanzüge ist beim Flug STS-13 im April 1984
vorgesehen, wenn ein 1980 gestarteter, nicht mehr voll funktionsfähiger
Satellit zur Sonnenbeobachtung repariert werden soll.
- Wichtige Neuerungen Die Raumfähre CHALLENGER ist um mehr als 1,1 Tonnen leichter als das
Schwesterschiff COLUMBIA!

Die Schleudersitze für den Notfall in der Start-

phase wurden samt Schienen entfernt, ebenso eine Anzahl von Testinstrumenten.
Außerdem hat der große Außentank 4,5 Tonnen weniger Gewicht, ebenso wurden
die beiden großen Feststoffraketen um 1,8 Tonnen "erleichtert". Gleichzeitig ist die Motorleistung der Haupttriebwerke vier Prozent größer als
bei der COLUMBIA.

Dadurch wurde die Aufnahmekapazität der COLUMBIA für

Nutzlasten erheblich vergrößert.
- Wissenschaftliches Programm Das schon seit einigen Raumfährenflügen laufende Elektrophorese-Projekt
zur Erprobung von Verfahren für die Gewinnung hochreiner Medikamente und
Impfstoffe in Schwerelosigkeit wurde fortgesetzt.

- 5 -

Dabei handelt es sich um

�sich um ein Gemeinschaftsunternehmen der Firmen McDonnell Douglas Aeronautics
Company und Ortho Pharmaceutical Corporation.

Drei biologische Substanzen -

Albumin, Blut und eine Blutzellenkultur - werden im elektrischen Feld bei
sogenannter Mikrogravitation getrennt. Der erzielte Reinheitsgrad ist um
ein Vierfaches höher, als er unter den an der Erdoberfläche herrschenden
Bedingungen erreicht werden kann. Außerdem ist nach bisherigen Erfahrungen
die Mengenkapazität für eine Verarbeitung im Weltraum 5000 Mal größer.
Auch die Experimente zur Herstellung einheitlich winziger Latex-Kügelchen
als Träger für bestimmte Substanzen in Medikamenten liefen beim Flug STS-6
weiter - ein Gemeinschaftsversuch von Wissenschaftlern der NASA und der
Lehigh-Universität.
Die Astronauten machten Fotos von Blitzen und Gewittern als Beitrag
zur Verbesserung von Wettersensoren in Satelliten und zur Verbesserung der
Wettervorhersage. Bei einem der drei "Getaway-Specials" (genormte Kanister
mit Experimenten von NASA-Kunden) ging es um uas Sammeln von Erfahrungen
über die Einwirkung von Schwerelosigkeit, Temperaturveränderungen und
kosmischen Strahlung auf 46 verschiedene Arten von pflanzlichen Samen ein Experiment der Fa. George W. Park Seed Company, das für die Gebühr
von 3 000 Dollar mitgenommen wurde. Am 19. April, wenn CHALLENGER nach
Florida zurücktransportiert wird, ist auch der Kanister an Bord, um von
der Fa. Park in Empfang genommen zu werden. Die Samen sollen sofort eingesetzt, ihr Keimen und das Wachsen der Pflänzchen vor allem unter dem
Gesichtspunkt von möglichen Mutationen,beschleunigtem oder verzögertem
Wachstum beobachtet werden.

+ + + + +

�16

13. April 1983

ROBOTER MIT VIELEN AUGEN
Fernerkundung aus dem Weltraum erleichtert Entwicklungsprojekte

- (AD) - Mindestens 45 Entwicklungsländer machen von der Beobachtung
und Fernerkundung ihres Gebietes durch amerikanische LANDSAT-Satelliten Gebrauch.

Dem ersten im Jahr 1972 gestarteten Gerät dieses Typs folgten in-

zwischen drei weitere, zuletzt LANDSAT 4 im Juli 1982 mit einem hochempfindlichen neuartigen Sensor an Bord.

Der sogenannte "Thematic Mapper" arbeitet

auf sieben Spektralbändern (im Gegensatz zum Multispektral-Scanner, bei dem
die aufgefangenen Lichtbündel auf vier Sensoren aufgeteilt werden) und liefert erstmals Erdaufnahmen in natürlichen Farben.

Demgegenüber sind zur Her-

stellung von Farbbildern aus den Meßdaten seiner Vorläufer Farbfilter für die
Umsetzung der Original-Schwarz-Weiß-Aufnahmen und spezielle Kopiertechniken
erforderlich.

Dank des hohen Bildauflösungsvermögens des neuen Instruments

kann man (aus 700 km Höhe) Objekte von 30'm,in Einzelfällen sogar von 12 m
Durchmesser ausmachen, während die Bildauflösung der ersten drei LANDSATSatell iten bei ca. 80 m liegt.

Auch das Unterscheidungsvermögen für Hellig-

keitsstufen ist viermal größer - allerdings befindet sich der "mapper" noch
in der Erprobung.
Für den

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Für den regulären Bilderdienst stehen die Aufnahmen von LANDSAT
allen interessierten Ländern zur Verfügung.

1-3

Die Geräte registrieren und mes-

sen die Energie (Licht- oder Wärmestrahlung), die von der Vegetation, von Landflächen und landnahen Gewässern reflektiert oder ausgesandt wird.

Welche wich-

tigen und z. T. überraschenden Erkenntnisse Entwicklungsländer durch die Auswertung von LANDSAT-Aufnahmen erzielten, wurde kürzlich auf einer internationalen Konferenz an der Columbia-Universität in New York (4. - 5. Februar 1983)
erörtert:
- In den sechziger Jahren hatte das US-Amt für Internationale Entwicklung
(AID) ein ehrgeiziges Kartierungs-Projekt der thailändischen Regierung
mittels Luftaufnahmen unterstützt. Zehn Jahre später ergab die Auswertung der LANDSAT-Bilder, daß das Land in einem einzigen Jahrzehnt 20
Prozent seines Waldbestandes verloren hatte. Strenge Gesetze und spezielle Schutzvorkehrungen sollen nunmehr die Wälder erhalten helfen.
- Professor Klaus Itten von der Universität Zürich berichtete aus Sri
Lanka, daß zwischen 1956 und 1979 etwa 50 Prozent der Wälder durch Rodungen für Reisfelder vernichtet worden waren.

LANDSAT-Fotos (die Aus-

wertung wurde mit Unterstützung schweizer Wissenschaftler vorgenommen)
hatten die Regierung alarmiert, die sich jetzt um Maßnahmen zur Verbesserung des ökologischen Gleichgewichts

bemüht. Auch Vorhersagen für

Reisernte-Erträge seien durch Fernerkundung möglich geworden.
- Weniger als 18 Prozent der Landmassen Lateinamerikas seien zuverlässig
kartiert, erklärte Pierre Adrien von der Interamerikanischen Entwicklungs
bank. So bereite die Durchführung von Entwicklungsprojekten Schwierigkeiten, weil man die vorhandenen Ressourcen nicht kenne. Von den Landflächen Perus seien 60 Prozent, von Costa Rica 40 Prozent unzureichend
kartographisch aufgenommen. In Bolivien habe sich nach Anfertigung einer
Karte für die Bodennutzung gezeigt, daß weniger als ein Prozent des kultivierbaren Bodens regulär bebaut werde. Bodenschätze: Mit der Fernerkundungstechnik seien in diesem Land u.a. Lithium- und Kaliumvorkommen

- 2 -

�und Kaliumvorkommen ausgemacht worden.

- In Pakistan wurden LANDSAT-Daten für die Suche nach einem geeigneten
Gebiet für die Anlage eines neuen Hafens in Kasin herangezogen, um den
Hafen von Karachi zu entlasten.

In vielen (.ändern bestehe dringender Bedarf an der Nutzbarmachung von
Fernerkundungstechniken zur Auffindung von Ressourcen, jedoch gelten Erziehungs- und Gesundheitswesen noch immer als vorrangig, erklärte der Syrer Abd
Al-Wahab Kabakibo.
bereits ausgiebig

Manche Länder, z. B. Indien und Brasilien, nutzen jedoch
die technischen Möglichkeiten zur Auswertung und Nutzung

der via Satelliten erlangten Bildinformationen.

Sie haben Spezialisten aus-

bilden lassen und eigenständige Programme entwickelt, die Computer-Datenverarbeitung und Pläne für eigene Satelliten umfassen.

AID gibt seit 1973 jährlich mehr als sieben Millionen Dollar für die
Unterstützung von Fernerkundungsprojekten in der Dritten Welt aus.

Alles in

allem investierten Argentinien, Brasilien, die Bundesrepublik Deutschland,
Frankreich, Italien, Japan, Kanada, Schweden und die Vereinigten Staaten in
den zehn Jahren seit Beginn des LANDSAT-Programms zwei Milliarden Dollar, um
in der ganzen Welt geeignete Projekte, u.a. unter Einschaltung von AID, Weltbank, UN-Entwicklungsprogrammen, Interamerikanischer Entwicklungsbank und FAO
(UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft), auf- und auszubauen.

Einige europäische Länder erweitern gegenwärtig eigene Programme und
bieten sie gemeinsam mit den USA Entwicklungsländern an.

So wird Frankreich

im Jahr 1984 den Fernerkundungssatelliten S.P.O.T. starten.

Mitte der acht-

ziger Jahre werden der kanadische RADARSAT, ein Fernerkundungssatellit der
europäischen Raumfahrtorganisation ESA für die Rohstoffsuche und zwei japanische Satelliten hinzukommen.

Auch Indien, Brasilien, China und die UdSSR

sind dabei, entsprechende eigene Satellitensysteme zu entwickeln.

Daß die

Radar-Sondierung aus dem Weltraum sogar für die Archäologie Bedeutung haben
kann, zeigten Resultate mit einem Gerät, das die Raumfähre COLUMBIA an Bord

�an Bord hatte:

Im Jahr 1981 wurden damit unbekannte, in einigen Tausend

Jahren unter Wüstensand verschwundene Wasserläufe in der Sahara entdeckt, im
vergangenen Jahr reiche Silber- und Molybdänvorkommen auf der mexikanischen
Halbinsel Niederkalifornien.
LANDSAT 4 gibt der Fernerkundung der Erde eine neue Dimension.

Seine

besondere Stärke ist die Fähigkeit, kontinuierlich Panorama-Aufnahmen von der
Oberfläche mit sehr hohem Auflösungsvermögen zu liefern.

Da ein bestimmtes

Gebiet jeweils alle 16 Tage unter gleichen Aufnahmebedingungen überflogen und
abgetastet wird, werden z.B. Veränderungen erkennbar, die sich - etwa bei der
Vegetation durch Trockenheit und Schädlinge oder in der Belastung der Umwelt
mit Schadstoffen - in der Zwischenzeit ergeben haben oder sich gerade anbahnen.
Vincent V. Salomonson, NASA-Projektwissenschaftler für LANDSAT 4, verweist u.a.
auf die neuen Möglichkeiten infolge der Einbeziehung des mittleren Infrarotbereichs in das "thematic mapper"-Instrument.

Dank der so gewonnenen Daten sei

man jetzt in der Lage, nicht nur zwischen Wildvegetation und bebauten Feldern,
sondern zwischen Getreide- und Feldfruchtr.rten wie Mais und Reis, Reis und
Sojabohnen zu unterscheiden und deren jeweiligen Gesundheits- und Reifezustand
zu analysieren.
Im Jet Propulsion Laboratory (Pasadena, Kalifornien) sind Wissenschaftler z. Zt. dabei, LANDSAT 4-Aufnahmen und Meßciaten mit Computern unter geologischen Gesichtspunkten aufzubereiten und auszuwerten.

Die bessere Bildauf-

lösung (z. B. lassen sich Unterschiede in der Bodenart erkennen oder Asphalt
von Beton, städtische von ländlichen Baugebieten unterscheiden) will man für
die Auffindung von tonführenden Schichten nutzen.
wichtige Mineral vorkommen leichter zu lokalisieren.
industrie wäre dies von großer Bedeutung.

Wenn dies gelingt, sind
Für die Mineral- und Öl-

Zunächst gehe es aber, wie Salomonson

erklärte, noch um die Entwicklung optimaler Programme für die Auswertung und
die Interpretation

der Bilder.

Ein zweites LANDSAT-Gerät des neuen Typs soll 1935 nestartet werden.
Der Betrieb der LANDSAT-Satelliten wurde im Januar 1933 von der NASA (US-Amt
für Luft- und Raumfahrt) an die NOAA (U; -Amt für See und Atmosphäre) abgegeben,
- 4 -

�abgegeben, die auch für die amerikanischen Wetterbeobachtungssatelliten zuständig ist. Von der US-Regierung wird derzeit erwogen, beide Programme
zu privatisieren.

Einer der Interessenten ist das Unternehmen COMSAT, das

die kommerziellen amerikanischen Nachrichtensatelliten betreibt.

+ + + + +

- 5 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Botschafter Bennett: Die NATO ist die echte Friedensbewegung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Vortrag im Amerika Haus Stuttgart -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erläuterungen zum INF-Vorschlag Präsident Reagans&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Verteidigungssysteme auf der Basis von Strahlungsenergie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erläuterungen zu dem neuen Verteidigungskonzept Präsident Reagans -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Schwertransport in den Weltraum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Raumfähre CHALLENGER vom ersten Einsatz zurück -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Roboter mit vielen Augen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Fernerkundung aus dem Weltraum erleichtert Entwicklungsprojekte -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Amerika Dienst&#13;
&#13;
Information&#13;
und&#13;
Dokumentation&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
15&#13;
&#13;
6. April 1983&#13;
&#13;
I N H A L T&#13;
&#13;
DOKUMENTATION&#13;
Präsident Reagan legt Vorschlag für eine Zwischenlösung in Genf dar&#13;
- Ansprache des US-Präsidenten am 30. März 1983 Rede des US-Präsidenten in Los Angeles am 31. März 1983&#13;
- Wortlaut US-Senator:&#13;
&#13;
Zukunft ist nur gemeinsam zu bewältigen&#13;
&#13;
- Berlin-Rede von Senator Mathias -&#13;
&#13;
HINTERGRUNDMATERIAL&#13;
Die USA verteidigen die Menschenrechte in El Salvador und weltweit&#13;
- Von Elliot Abrams Unterstaatssekretär für Menschenrechtsfragen im US-Außenministerium&#13;
&#13;
WISSENSCHAFT UND TECHNIK&#13;
Poliklinik für Zuckerkranke&#13;
&#13;
Um Ubcr/cn Jung von&#13;
ßclcocxcmplorcn&#13;
wird gebeten&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 22 40&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�15&#13;
&#13;
6. April 1983&#13;
&#13;
PRÄSIDENT REAGAN LEGT VORSCHLAG FÜR EINE ZWISCHENLÖSUNG IN GENF DAR&#13;
- Ansprache des US-Präsidenten am 30. März 1983 -&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat in einer Fernsehansprache&#13;
an das amerikanische Volk am 30. März 1983 seinen Vorschlag für eine Zwischenlösung bei den INF-Verhandlungen in Genf dargelegt.&#13;
Die Ansprache hat folgenden Wortlaut:&#13;
Als ich in der vorigen Woche über die Entspannungsprogramme dieser Administration zum amerikanischen Volk sprach, habe ich unsere Entschlossenheit&#13;
zum Ausdruck gebracht, unsere Abhängigkeit von der schrecklichen Kraft von Kernwaffen zur Gewährleistung des Friedens zu verringern.&#13;
&#13;
Und heute möchte ich&#13;
&#13;
einige Worte zu diesem entscheidend wichtigen Aspekt unserer Sicherheitspolitik und zu unseren Bemühungen sagen, die Arsenale, die das Leben unserer eigenen Bürger, unserer Freunde und Verbündeten und sicherlich auch unserer Gegner so belasten, drastisch zu verringern.&#13;
Wie Sie wissen, hat diese Administration während der letzten anderthalb&#13;
Jahre ein umfassendes und weitreichendes Rüstungskontroilprogramm entwickelt,&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�Rüstungskontrollprogramm entwickelt, das darauf abzielt, tiefgreifende Verringerungen der Kernwaffen herbeizuführen, die Welt von chemischen Waffen zu&#13;
befreien und den Umfang der konventionellen Streitkräfte in Europa zu verkleinern.&#13;
&#13;
Ich werde in meiner Rede morgen zu diesen Initiativen mehr sagen, aber&#13;
&#13;
heute vormittag möchte ich mich auf eine dieser Verhandlungen konzentrieren.&#13;
&#13;
Ich bin gerade mit den Botschaftern der Länder des Nordatlantischen&#13;
Bündnisses zusammengetroffen.&#13;
&#13;
Wir haben sie hierher eingeladen, weil die Bür-&#13;
&#13;
ger ihrer Länder mit den Amerikanern eine tiefe Hoffnung auf Erfolg der Genfer Verhandlungen über nukleare Mittel Streckensysteme (INF) in Genf teilen.&#13;
Die Streitkräfte, über die in den INF-Verhandlungen gesprochen wird, berühren&#13;
direkt die Sicherheit unserer Verbündeten.&#13;
&#13;
Wie ich Ihnen vorige Woche sagte,&#13;
&#13;
hat die Sowjetunion Hunderte von mächtigen neuen SS-20-Raketen disloziert,&#13;
die mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgerüstet und in der Lage sind, die Städte&#13;
und Verteidigungseinrichtungen in Europa und die unserer Freunde und Verbündeten in Asien zu treffen.&#13;
&#13;
Die Sowjets haben diese Streitkräfte aufgebaut,&#13;
&#13;
obwohl keine vergleichbare Bedrohung von der NATO ausging.&#13;
Unterlaß disloziert.&#13;
&#13;
Sie haben sie ohne&#13;
&#13;
Heute existieren über 350 SS-20-Raketen mit über 1000&#13;
&#13;
nuklearen Gefechtsköpfen.&#13;
&#13;
Die NATO wird mit der Dislozierung einer spezi-&#13;
&#13;
fischen Abschreckung vor dieser Bedrohung erst Ende dieses Jahres beginnen,&#13;
es sei denn, es kommt - wie wir hoffen - ein Abkommen über die Beseitigung&#13;
solcher Waffen zustande, das diese Dislozierung unnötig machen würde.&#13;
&#13;
Die Vereinigten Staaten verhandeln mit der vollen Unterstützung unserer&#13;
Verbündeten seit über einem Jahr in Genf, um die Sowjetunion zu überzeugen,&#13;
daß es für beide Seiten ein weit besserer Kurs wäre, sich auf die Beseitigung&#13;
dieser gesamten Waffenkategorie zu einigen.&#13;
und weitreichend.&#13;
&#13;
Ein solches Abkommen wäre fair&#13;
&#13;
Es würde die Sicherheit der Sowjetunion ebenso fördern wie&#13;
&#13;
die Sicherheit der NATO.&#13;
&#13;
Und es würde die Hoffnungen und Wünsche der Menschen&#13;
&#13;
1fl ganz Europa und Asien auf eine Beendigung der Bedrohung erfüllen, die durch&#13;
diese Raketen gegeben ist.&#13;
Bisher hat&#13;
&#13;
�Bisher hat die Sowjetunion diesen Vorschlag abgelehnt, und sie hat&#13;
bisher versäumt, eine ernsthafte Alternative zu bieten.&#13;
&#13;
Die Sowjets beharren&#13;
&#13;
auf der Erhaltung ihres gegenwärtigen Monopols bei diesen Waffen.&#13;
&#13;
Gemäß ihrem&#13;
&#13;
jüngsten Vorschlag würden die Sowjets allein fast 500 Gefechtsköpfe auf ihren&#13;
SS-20-Raketen in Europa behalten und Hunderte weiterer im Fernen Osten, während wir weiterhin Null hätten.&#13;
&#13;
Ihr Vorschlag würde ihnen tatsächlich mehr&#13;
&#13;
SS-20-Raketen belassen, als sie zu Beginn der Gespräche im Jahr 1981 hatten.&#13;
Zudem haben die Sowjets eine Propagandakampagne begonnen, die offenkundig&#13;
darauf abzielt, Amerika von seinen Verbündeten zu trennen und die Verbündeten&#13;
untereinander.&#13;
&#13;
Seit Beginn dieser Verhandlungen vor nunmehr fast 18 Monaten habe ich&#13;
die Sowjets mehrmals darauf gedrängt, auf unseren Vorschlag einer Null-NullLösung mit einem eigenen Vorschlag zu reagieren.&#13;
&#13;
Ich habe zudem unsere Be-&#13;
&#13;
reitschaft wiederholt, einen jeglichen ernsthaften Alternativvorschlag in Erwägung zu ziehen.&#13;
&#13;
Das Ausbleiben eines solchen Vorschlags ist Quelle tiefer&#13;
&#13;
Enttäuschung bei uns allen, die wir den Wunsch hegen, daß diese Waffen beseitigt oder zumindest um ein Beträchtliches vermindert werden.&#13;
&#13;
Aber ich habe&#13;
&#13;
nicht die Absicht, diesen Schatten, der auf die Genfer Verhandlungen gefallen&#13;
ist, unsere Suche nach dem Frieden noch weiter verdunkeln zu lassen.&#13;
&#13;
Was die nuklearen Mittelstreckenraketen in Europa angeht, so wäre es&#13;
besser, keine zu haben, als auch nur einige; aber wenn es denn einige geben&#13;
muß, so ist es besser, einige wenige zu haben, als viele.&#13;
&#13;
Wenn die Sowjets&#13;
&#13;
jetzt nicht einer vollständigen Beseitigung dieser Waffen zustimmen, so hoffe&#13;
ich doch, daß sie sich uns zumindest bei einem Zwischenabkommen anschließen&#13;
werden, das diese Waffen beträchtlich und bis zu einem gleichen Umfang auf&#13;
beiden Seiten verringern würde.&#13;
&#13;
Zu diesem Zweck hat Botschafter ?aul Nitze&#13;
&#13;
seinen sowjetischen Gesprächspartner darüber informiert, daß wir bereit sind,&#13;
ein Zwischenabkommen auszuhandeln, bei dem die Vereinigten Staaten ihre geplante Dislozierung von PERSHING II-Raketen und landgestützten Marschflugkörpern&#13;
um ein Beträchtliches verringern würden, vorausgesetzt, die Sowjetunion reduziert die Anzahl der Gefechtsköpfe ihrer weiterreichenden nuklearen Mittelstreckenraketen weltweit bis auf den gleichen Umfang.&#13;
&#13;
Botschafter Nitze&#13;
&#13;
�Botschafter Nitze hat dargelegt, daß die Vereinigten Staaten diesen Vorschlag als einen ernsthaften ersten Schritt zur totalen Beseitigung dieser&#13;
Waffenklasse betrachten,und hat meine Hoffnung übermittelt, daß die Sowjetunion sich uns in dieser Auffassung anschließen wird.&#13;
Unser Vorschlag für die gesamte Beseitigung dieser Systeme bleibt auf&#13;
dem Tisch.&#13;
&#13;
Wir haben vorgeschlagen, daß die Verhandlungen einige Wochen früher&#13;
&#13;
als ursprünglich geplant wieder aufgenommen werden sollen.&#13;
&#13;
Die Sowjets haben&#13;
&#13;
dem zugestimmt, und die Verhandlungen werden am 17. Mai weitergehen.&#13;
&#13;
Ich&#13;
&#13;
hoffe, daß diese Initiative zu einem baldigen Abkommen führen wird.&#13;
Wir sind weiterhin bereit, alle ernsthaften sowjetischen Vorschläge zu&#13;
prüfen, die den fundamentalen Anliegen entsprechen, die wir zum Ausdruck gebracht haben.&#13;
Ich habe die NATO-Botschafter heute nicht nur deshalb hierher eingeladen, um mit ihnen diese Entwicklungen zu besprechen, sondern auch um zum Ausdruck zu bringen, wie sehr ich die feste Unterstützung schätze, die die Verbündeten unseren Verhandlungsbemühungen in Genf entgegengebracht haben, und&#13;
ich kann ihnen versichern, daß ich mich persönlich zu engstmöglichen Konsultationen mit ihnen über INF verpflichtet fühle. Dieser Konsultationsprozeß hat&#13;
sich bereits als der intensivste und produktivste in der Geschichte des Nordatlantischen Bündnisses erwiesen. Er hat die heute verkündete Initiative zu&#13;
einer B'ündnisinitiative im besten Sinne des Wortes gemacht. Und während des&#13;
vergangenen Monats haben wir und unsere Verbündeten uns intensiv über die INFVerhandlungen konsultiert. Ich stand in häufigem und engem Kontakt mit anderen Regierungschefs. Vizepräsident Bush führte während seiner Europareise&#13;
sehr produktive Gespräche mit den Führern unseres Bündnisses über INF. Außenminister Shultz und Verteidigungsminister Weinberger haben einen Meinungsaustausch mit ihren Kollegen in Regierungen von Bündnisländern geführt, und&#13;
die Sonderberatungsgruppe der NATO ist in regelmäßigen Abständen zusammengetreten, um über die Verhandlungen zu sprechen und Kriterien zu prüfen, die die&#13;
Grundlage für den Standpunkt des Bündnisses zu INF bilden sollen.&#13;
Die bei&#13;
&#13;
�Die bei diesen Konsultationen zum Ausdruck gebrachten wohlerwogenen&#13;
Auffassungen der Verbündeten waren eine wesentliche Hilfe bei der Gestaltung dieser neuen Initiative.&#13;
&#13;
Dieser Prozeß ist ein Modell dafür, wie ein&#13;
&#13;
Bündnis freier und demokratischer Nationen in kritischen Fragen zusammenarbeiten kann und muß.&#13;
&#13;
Er ist die Quelle unserer Einigkeit und verleiht uns&#13;
&#13;
eine Stärke, der etwas Gleichwertiges entgegenzusetzen niemand hoffen kann.&#13;
Und er gibt mir großes Vertrauen in den schließlichen Erfolg unserer Bemühungen in Genf, eine sicherere, ja sicherere Welt für alle Völker der Erde zu&#13;
schaffen.&#13;
Ich danke Ihnen.&#13;
&#13;
- 5 -&#13;
&#13;
�15&#13;
&#13;
6. April 1983&#13;
&#13;
REDE DES US-PRÄSIDENTEN IN LOS ANGELES AM 31. MÄRZ 1983&#13;
- Wortlaut -&#13;
&#13;
LOS ANGELES - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 31. März 1983 in&#13;
einer Grundsatzrede vor dem World Affairs Council (Rat für weltpolitische Fragen) die Abrüstungspolitik der Vereinigten Staaten erläutert und noch einmal&#13;
die Bedeutung seines am Vortag unterbreiteten Vorschlags für eine Zwischenlösung bei den INF-Verhandlungen in Genf unterstrichen.&#13;
&#13;
Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:&#13;
&#13;
In der vorigen Woche habe ich zum amerikanischen Volk über unsere Pläne&#13;
zur Gewährleistung unserer Sicherheit und der unserer Verbündeten gesprochen.&#13;
Ich kündigte eine langfristige Anstrengung in unserer wissenschaftlichen Forschung an, um eines Tages der Bedrohung durch offensive Nuklearraketen begegnen&#13;
zu können.&#13;
&#13;
Was ich vorgeschlagen habe, ist, daß Nationen ihre besten Energien&#13;
&#13;
darauf verwenden sollten, von dem nuklearen Schreckgespenst wegzukommen.&#13;
&#13;
Wir&#13;
&#13;
dürfen nicht einfach resignieren und uns mit einer Zukunft abfinden, in der die&#13;
Sicherheit beider Seiten davon abhängt, daß das Leben von Millionen von unschuldigen Männern, Frauen und Kindern bedroht wird.&#13;
Heute möchte&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�Heute möchte ich über einen weiteren lebenswichtigen Aspekt unserer&#13;
nationalen Sicherheit sprechen - unsere Bemühungen, die Gefahren moderner&#13;
Waffen zu begrenzen und zu verringern.&#13;
&#13;
Wir leben in einer Welt, in der ein totaler Krieg die Katastrophe bedeuten würde.&#13;
&#13;
Und wir leben in einer Welt, die durch eine große moralische&#13;
&#13;
Auseinandersetzung zerrissen wird - zwischen der Demokratie und ihren Gegnern,&#13;
zwischen dem Geist der Freiheit und jenen, die die Freiheit fürchten.&#13;
&#13;
In den letzten 15 Jahren - und schon länger - hat die Sowjetunion eine&#13;
unablässige militärische Aufrüstung durchgeführt und die Vereinigten Staaten&#13;
auf vielen wichtigen Gebieten der militärischen Macht überholt, indem sie&#13;
sich eine nur als offensiv zu bezeichnende militärische Kapazität zugelegt&#13;
hat.&#13;
&#13;
All die moralischen Werte, die unser Land liebt - Freiheit; Demokratie;&#13;
&#13;
das Recht der Völker und Nationen, ihr eigenes Schicksal selbst zu bestimmen;&#13;
nach eigener Wahl zu leben, zu reden und zu schreiben - all diese Grundrechte&#13;
werden durch einen mächtigen Gegner in Frage gestellt, der nicht will, daß&#13;
diese Werte fortbestehen.&#13;
&#13;
Das ist unser Dilemma - und es ist ein schwieriges:&#13;
die Freiheit verteidigen als auch den Frieden erhalten.&#13;
&#13;
Wir müssen sowohl&#13;
&#13;
Wir müssen fest zu&#13;
&#13;
unseren Prinzipien und unseren Freunden stehen, während wir eine Katastrophe&#13;
verhindern.&#13;
Die westliche Verpflichtung zum Frieden durch Stärke hat Europa die&#13;
längste Friedenszeit seit einem Jahrhundert beschert.&#13;
&#13;
Wir können nicht so tun,&#13;
&#13;
als ob die spezifische Gefahr der Kernwaffen nicht existiere.&#13;
&#13;
Aber wir dürfen&#13;
&#13;
auch nicht zulassen, daß dieses Problem uns lähmt - und uns unsere moralische&#13;
Pflicht vergessen läßt.&#13;
Das ist die Herausforderung, die uns die Geschichte übertragen hat.&#13;
&#13;
Wir&#13;
&#13;
Menschen aus dem 20. Jahrhundert, die wir so stolz darauf sind, selbst die&#13;
Kräfte der Natur zu meistern, sind gezwungen, mit einer der schwersten mora-&#13;
&#13;
�schwersten moralischen Herausforderungen zu ringen, vor der je eine Generation&#13;
stand.&#13;
&#13;
Meine Ansichten über die Sowjetunion sind wohlbekannt, auch wenn ich&#13;
&#13;
sie manchmal nicht wiedererkenne, wenn sie an mich zur'ückvermittelt werden,&#13;
und unser Programm für die Aufrechterhaltung, Stärkung und Modernisierung unserer nationalen Verteidigung ist klar dargelegt worden.&#13;
&#13;
Heute möchte ich&#13;
&#13;
Ihnen etwas zu dem sagen, was wir tun, um die Gefahr eines Atomkrieges zu verringern.&#13;
&#13;
Mas Amerika bisher getan hat&#13;
&#13;
Seit Ende des Zweiten Weltkrieges sind die Vereinigten Staaten in den&#13;
internationalen Bemühungen, über Begrenzungen der Kernwaffen zu verhandeln,&#13;
führend.&#13;
&#13;
Im Jahr 1946, als die Vereinigten Staaten das einzige Land der Welt waren,&#13;
das diese furchtbaren Waffen besaß, haben wir nicht andere mit der Androhung&#13;
ihres Einsatzes erpreßt, und wir haben unsere gewaltige Macht auch nicht dazu&#13;
benutzt, Land zu erobern, unsere Position voranzutreiben oder die Herrschaft&#13;
über andere zu suchen.&#13;
&#13;
Widerlegt nicht allein schon unsere Geschichte die Be-&#13;
&#13;
schuldigung, wir würden eine Überlegenheit anstreben oder wir würden eine Bedrohung des Friedens darstellen?&#13;
&#13;
Wir haben den Baruch-Plan für eine interna-&#13;
&#13;
tionale Kontrolle aller Kernwaffen und aller Kernenergie vorgeschlagen - alles, was mit dem nuklearen Bereich zu tun hatte, sollte einer internationalen&#13;
Behörde unterstellt werden.&#13;
&#13;
Das wurde von der Sowjetunion abgelehnt.&#13;
&#13;
Einige&#13;
&#13;
Jahre später, 1955, legte Präsident Eisenhower seinen Plan der "Offenen Himmel"&#13;
vor:&#13;
&#13;
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sollten Pläne von militärischen&#13;
&#13;
Einrichtungen austauschen und Luftaufklärung zulassen, um die Gefahr eines&#13;
Überraschungsangriffs zu bannen.&#13;
&#13;
Auch das wurde von der Sowjetunion abgelehnt.&#13;
&#13;
Seither ist ein gewisser Fortschritt erzielt worden - weitgehend auf&#13;
amerikanische Initiative hin.&#13;
&#13;
Der begrenzte Teststoppvertrag von 1963 verbot&#13;
&#13;
Kernwaffenversuche in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser.&#13;
&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
Die Ein-&#13;
&#13;
�Die Einrichtung des "heißen Drahtes" im Jahr 1963 - verbessert im Jahr 1971 bietet eine direkte Kommunikation zwischen Washington und Moskau, um Fehleinschätzungen während einer Krise zu verhindern.&#13;
&#13;
Der Nichtweiterverbreitungs-&#13;
&#13;
vertrag von 1966 soll die Ausbreitung von Kernwaffen verhüten.&#13;
&#13;
Im Jahr 1971&#13;
&#13;
erreichten wir ein Abkommen über besondere Kommunikationsverfahren, um uns gegen die ungewollte oder nicht genehmigte Anwendung von Kernwaffen zu sichern,&#13;
und wir schlössen einen Meeresbodenvertrag ab, der die Stationierung von Kernwaffen auf dem Meeresboden verbietet.&#13;
&#13;
Die Abkommen über eine Begrenzung der&#13;
&#13;
strategischen Rüstungen von 1972 begrenzten die Raketen-Raketenabwehrsysteme&#13;
(ABM) und die Zahl der strategischen Offensivraketen.&#13;
&#13;
Und die Konvention über&#13;
&#13;
das Verbot biologischer Kriegführung von 1972 verbietet - oder sollte eigentlich verbieten - die Entwicklung, Produktion und Lagerung von biologischen und&#13;
toxischen Waffen.&#13;
Aber obwohl wir viele Abkommen erreicht haben, haben wir auch viele Enttäuschungen erlitten. Das amerikanische Volk hatte gehofft, durch diese Maßnahmen die Spannungen zu verringern und mit dem Aufbau eines konstruktiven Verhältnisses zur Sowjetunion zu beginnen.&#13;
Statt dessen haben wir erlebt, daß die militärischen Arsenale der Sowjets&#13;
weiterhin in praktisch allen wichtigen Bereichen wachsen. Wir haben eine Darstellung der sowjetischen Macht rund um den Erdball erlebt. Und wir haben den&#13;
sowjetischen Widerstand gegen wesentliche Verringerungen und gegen Maßnahmen&#13;
einer wirksamen Verifizierung erlebt - vor allem das letztere. Und ich muß&#13;
leider sagen, daß es zunehmend ernstere Gründe gibt, daran zu zweifeln, daß&#13;
die Sowjets die Rüstungskontroi labkommen einhalten, die sie bereits unterzeichnet und die einzuhalten wir uns beide verpflichtet haben. Dazu werde ich in&#13;
naher Zukunft wahrscheinlich einiges zu sagen haben.&#13;
Als ich mein Amt antrat, habe ich dem amerikanischen Volk zwei Versprechen bezüglich Frieden und Sicherheit gegeben:&#13;
&#13;
Ich versprach, unsere ver-&#13;
&#13;
nachlässigte Verteidigung wiederherzustellen, um den Frieden zu erhalten und&#13;
zu stärken; und ich versprach, verläßliche Abkommen anzustreben, um die Kern- 4 -&#13;
&#13;
�die Kernwaffen zu verringern.&#13;
&#13;
Diese beiden Versprechen werden eingehalten.&#13;
&#13;
Heute hängen nicht nur der Frieden, sondern auch die Chancen für eine&#13;
echte Rüstungskontrolle von der Wiederherstellung des militärischen Gleichgewichts ab.&#13;
&#13;
Wir wissen, daß es die Ideologie der sowjetischen Führer nicht&#13;
&#13;
zuläßt, daß sie irgendeine Schwäche des Westens unausgenützt oder ein Vakuum&#13;
der Macht unausgefüllt lassen.&#13;
&#13;
Man könnte meinen, daß für sie Verhandlung&#13;
&#13;
nichts weiter ist als eine andere Form des Kampfes.&#13;
&#13;
Und doch glaube ich, daß&#13;
&#13;
die Sowjets dazu bewogen werden können, ihre Arsenale abzubauen - aber nur&#13;
wenn sie erkennen, daß es absolut notwendig ist.&#13;
&#13;
Nur wenn die Sowjets die&#13;
&#13;
Entschlossenheit des Westens erkennen, seine eigenen Streitkräfte zu modernisieren, werden sie einen Anreiz verspüren, über ein verifizierbares Abkommen&#13;
zu verhandeln, das einen gleichen niedrigeren Stand herstellt.&#13;
&#13;
Und das ist&#13;
&#13;
ganz einfach einer der Hauptgründe, warum wir unsere Verteidigungsstärke wieder aufbauen müssen.&#13;
&#13;
Die gesamte Modernisierung unserer strategischen Streitmacht ist vom&#13;
Kongreß gebilligt worden - mit Ausnahme des landgestützten Pfeilers der&#13;
Triade.&#13;
&#13;
Wir rechnen damit, die Billigung dieses endgültigen Programms durch&#13;
&#13;
den Kongreß später in diesem Frühjahr zu erhalten.&#13;
&#13;
Ein Programm für die Mo-&#13;
&#13;
dernisierung der strategischen Streitkräfte muß sich auf einen nationalen, überparteilichen Konsens stützen.&#13;
&#13;
Während des letzten Jahrzehnts haben viele auf-&#13;
&#13;
einanderfolgende Administrationen Vorschläge für die Rüstungskontrolle und die&#13;
Modernisierung unterbreitet, die in die Wirren der politischen Kontroverse geraten sind.&#13;
&#13;
Niemand hatte etwas von dieser inneren Spaltung.&#13;
&#13;
Wir alle müssen&#13;
&#13;
unsere früheren Standpunkte aus einer neuen Perspektive betrachten.&#13;
&#13;
Ich siche-&#13;
&#13;
re Ihnen zu, daß ich mich an einer solchen neuen Betrachtungsweise beteiligen&#13;
werde und entschlossen bin, zur Herstellung einer neuerlichen überparteilichen&#13;
Übereinstimmung beizutragen.&#13;
&#13;
Meine andere Priorität auf dem Gebiet der nationalen Sicherheit bei&#13;
meinen Amtsantritt war eine gründliche Überprüfung des gesamten Rüstungskontrollbereiches.&#13;
&#13;
Seither haben wir in Koordination mit unseren Verbündeten&#13;
&#13;
- 5-&#13;
&#13;
�unseren Verbündeten das umfassendste Programm von Rüstungskontroll initiativen vorgelegt, das je unterbreitet wurde.&#13;
&#13;
Noch nie in der Geschichte hat&#13;
&#13;
eine Nation so viele große gleichzeitige Anstrengungen unternommen, um die&#13;
Instrumente des Krieges zu begrenzen und zu verringern:&#13;
- Im vorigen Monat hat der Vizepräsident in Genf die Vereinigten Staaten&#13;
verpflichtet, ein totales und verifizierbares Verbot chemischer Waffen&#13;
auszuhandeln.&#13;
&#13;
Solche unmenschlichen Waffen, wie auch toxische Waffen,&#13;
&#13;
werden unter Verletzung des internationalen Rechts in Afghanistan, Laos&#13;
und Kampuchea eingesetzt.&#13;
- Zusammen mit unseren Verbündeten haben wir einen umfassenden neuen Vorschlag für eine beiderseitige und ausgewogene Verringerung der konventionellen Streitkräfte in Europa unterbreitet.&#13;
- Wir haben kürzlich der Sowjetunion eine Reihe weiterer Maßnahmen vorgeschlagen, um das Risiko eines Krieges durch Zufall oder Fehleinschätzung zu verringern. Und wir überlegen bedeutsame neue Maßnahmen, die&#13;
zum Teil aus Konsultationen mit mehreren bedeutenden Senatoren herrühren.&#13;
- Wir haben gemeinsam mit unseren Verbündeten eine Konferenz über Abrüstung&#13;
in Europa vorgeschlagen.&#13;
&#13;
Auf der Basis eines ausgewogenen Ergebnisses&#13;
&#13;
des Madrider KSZE-Folgetreffens soll eine solche Konferenz neue Mittel&#13;
und Wege erörtern, um die Stabilität und Sicherheit in Europa zu fördern.&#13;
- Wir haben der Sowjetunion die Verbesserung der Verifizierungsbestimmungen zweier Abkommen über die Begrenzung von Nuklearversuchen unter der&#13;
Erde vorgeschlagen, aber die Antwort war bisher negativ.&#13;
&#13;
Wir werden es&#13;
&#13;
weiter versuchen.&#13;
- Und was am wichtigsten ist, wir haben weitreichende Vorschläge gemacht&#13;
- auf die ich nachher kurz eingehen möchte - für einschneidende Verringerungen der strategischen Waffen und für die Beseitigung einer gesamten&#13;
- 6 -&#13;
&#13;
�einer gesamten Klasse von Mittel Streckenwaffen.&#13;
&#13;
Ich bin entschlossen, eine echte Rüstungskontrolle zu erreichen - verläßliche Abkommen, die sich im Laufe der Zeit bewähren werden, keine kosmetischen Abkommen, die große Erwartungen wecken, um dann die Hoffnungen nur&#13;
umso grausamer zu enttäuschen.&#13;
&#13;
Bei all diesen Verhandlungen wird unsere Politik von bestimmten Grundprinzipien geleitet:&#13;
&#13;
- Erstens, unsere Bemühungen um Rüstungskontrolle sollen zu wesentlichen&#13;
Verringerungen auf beiden Seiten führen.&#13;
&#13;
- Zweitens, wir beharren darauf, daß Rüstungskontrollabkommen gleich und&#13;
ausgewogen sein müssen.&#13;
- Drittens, Rüstungskontroi labkommen müssen wirksam verifizierbar sein.&#13;
Wir können die Sicherheit unseres Volkes und der Völker der Welt nicht&#13;
aufs Spiel setzen.&#13;
&#13;
- Viertens, wir gehen davon aus, daß Rüstungskontrolle kein Selbstzweck&#13;
ist, sondern ein lebenswichtiger Teil einer breit angelegten Politik,&#13;
die auf die Stärkung von Frieden und Stabilität abzielt.&#13;
&#13;
Mit diesen festen Prinzipien im Auge ist diese Administration in die Verhandlungen über die mächtigsten Waffen in den amerikanischen und sowjetischen&#13;
Arsenalen eingetreten - die strategischen Kernwaffen.&#13;
&#13;
Verhandlungen über&#13;
&#13;
- 7 -&#13;
&#13;
�Verhandlungen über die Verringerung der strategischen Rüstungen (START)&#13;
Im Juni 1983 trafen in Genf amerikanische und sowjetische Delegationen&#13;
zusammen, um die Verhandlungen über die Verringerung der strategischen Rüstungen, die wir als START bezeichnen, zu beginnen.&#13;
&#13;
Wir haben versucht, ein Ab-&#13;
&#13;
kommen auszuarbeiten, das den Stand der strategischen Waffen auf beiden Seiten&#13;
verringert.&#13;
&#13;
Ich habe vorgeschlagen, die Zahl der Raketen um die Hälfte und&#13;
&#13;
die Zahl der Gefechtsköpfe um ein Drittel zu verringern.&#13;
&#13;
Nicht mehr als die&#13;
&#13;
Hälfte der verbleibenden Gefechtsköpfe dürfte auf landgestützten Raketen montiert sein.&#13;
&#13;
Das würde beiden Seiten eine größere Sicherheit auf gleichem und&#13;
&#13;
niedrigerem Stand der Streitkräfte gewähren.&#13;
Dies würde nicht nur die Zahl verringern - es würde auch genau jenen&#13;
Typen von Kernwaffen spezifische Grenzen setzen, die die größte Gefahr darstellen.&#13;
Die Sowjets haben einen Gegenvorschlag unterbreitet.&#13;
Reihe schwerer Bedenken gegen diesen Vorschlag geäußert.&#13;
&#13;
Wir haben eine&#13;
Aber - und das ist&#13;
&#13;
wichtig - die Sowjets haben das Konzept der Verringerungen akzeptiert.&#13;
&#13;
Ich&#13;
&#13;
nehme an, daß das auf die feste Entschlossenheit zurückzuführen ist, die wir&#13;
an den Tag gelegt haben.&#13;
&#13;
In der gegenwärtigen Verhandlungsrunde haben wir&#13;
&#13;
ihnen das Grundelement eines Vertrages über umfassende Verringerungen der strategischen Arsenale unterbreitet.&#13;
&#13;
Die Vereinigten Staaten haben bei den START-&#13;
&#13;
Verhandlungen kürzlich ferner einen Vertragsentwurf für eine Reihe bedeutsamer&#13;
Maßnahmen eingebracht, die Vertrauen bilden und das Risiko eines Konflikts verringern sollen.&#13;
&#13;
Diese Verhandlungen werden auf unsererSeite unter der fähigen&#13;
&#13;
Leitung von Botschafter Edward Rowney geführt.&#13;
&#13;
Nukleare Mittel Streckensysteme (INF)&#13;
Wir verhandeln in Genf auch über die Beseitigung einer ganzen Klasse&#13;
neuer Waffen vom Angesicht der Erde.&#13;
Seite Mitte&#13;
&#13;
�Seit Mitte der siebziger Jahre disloziert die Sowjetunion eine nukleare&#13;
Mittelstreckenrakete, die SS-20, mit der Rate von einer Rakete pro Woche.&#13;
Heute gibt es 351 dieser Raketen, von denen jede drei höchst treffsichere Gefechtsköpfe trägt, die in der Lage sind, Städte und militärische Stützpunkte&#13;
in Westeuropa, Asien und im Nahen Osten zu zerstören.&#13;
&#13;
Die NATO besitzt keine vergleichbare Waffe.&#13;
&#13;
Und die NATO hat auch diese&#13;
&#13;
neue beispiellose Eskalation in keiner Weise provoziert.&#13;
&#13;
Es war vielmehr so,&#13;
&#13;
daß wir 1000 nukleare Gefechtsköpfe von Gefechtsfeldwaffen aus Europa abgezogen haben,während die Sowjets ihre SS-20-Raketen dislozierten.&#13;
&#13;
Diese&#13;
&#13;
wesentliche&#13;
&#13;
Verlagerung im militärischen Kräfteverhältnis in&#13;
&#13;
Europa veranlaßte unsere westeuropäischen Verbündeten, selbst vorzuschlagen,&#13;
daß die NATO ein Mittel finden solle, um das Gleichgewicht wiederherzustellen.&#13;
Im Dezember 1979 verkündete&#13;
&#13;
sie einen kollektiven Doppelbeschluß:&#13;
&#13;
- Erstens in Westeuropa 572 landgestützte Marschflugkörper und PERSHING&#13;
II-Raketen zu dislozieren, die die Sowjetunion erreichen können - zu&#13;
dem Zweck, den sowjetischen SS-20-Raketen etwas Gleichwertiges entgegenzusetzen und eine Abschreckung zu schaffen.&#13;
&#13;
Die erste Dislozierung&#13;
&#13;
dieser NATO-Waffen ist für Ende dieses Jahres vorgesehen.&#13;
&#13;
- Zweitens Verhandlungen mit der Sowjetunion über die beiderseitige Verringerung dieser Mittelstreckenraketen anzustreben.&#13;
&#13;
Im November 1981 haben die Vereinigten Staaten in Abstimmung mit unseren&#13;
Verbündeten einen umfassenden neuen Vorschlag unterbreitet.&#13;
&#13;
Die NATO würde&#13;
&#13;
auf ihre eigenen Dislozierungen verzichten, wenn die Sowjets ihre Raketen abschaffen.&#13;
&#13;
Die Sowjetunion weigerte sich und setzte im Westen eine intensive&#13;
&#13;
Kampagne in Gang, um die NATO-Dislozierungen zu blockieren, die noch nicht&#13;
einmal begonnen hatten.&#13;
&#13;
In der Zwischenzeit wächst die Zahl der sowjetischen&#13;
&#13;
Raketen weiter.&#13;
&#13;
Unser Vorschlag&#13;
- 9 -&#13;
&#13;
�Unser Vorschlag bedeutete keineswegs ein "Alles oder Nichts".&#13;
&#13;
Wir&#13;
&#13;
sind bereit, jeden sowjetischen Vorschlag zu prüfen, der den folgenden&#13;
Normen der Fairness entspricht:&#13;
&#13;
- Ein Abkommen muß zu gleichen Zahlen der sowjetischen und amerikanischen&#13;
Mittelstrecken-Streitkräfte führen.&#13;
&#13;
- Die Nuklearstreitkräfte anderer Länder, wie die britischen und französischen, sind unabhängig und sind nicht Teil der bilateralen amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen.&#13;
&#13;
Es handelt sich dabei um strate-&#13;
&#13;
gische Waffen, und die strategischen Arsenale der Sowjets wiegen sie&#13;
mehr als auf.&#13;
&#13;
- Weiter darf ein Abkommen die Bedrohung nicht von Europa nach Asien verlagern.&#13;
&#13;
Bei der Reichweite und der Mobilität der SS-20-Raketen müssen&#13;
&#13;
sinnvolle Begrenzungen dieser Raketen und vergleichbarer amerikanischer&#13;
Systeme weltweit gelten.&#13;
&#13;
- Ein Abkommen muß wirksam verifizierbar sein.&#13;
&#13;
- Und ein Abkommen darf schließlich nicht die Fähigkeit der NATO untergraben, sich selbst mit konventionellen Streitkräften verteidigen zu&#13;
können.&#13;
Wir haben uns eng mit unseren atlantischen Verbündeten konsultiert,&#13;
und sie stehen nachdrücklich hinter diesen Prinzipien.&#13;
&#13;
Anfang dieser Woche&#13;
&#13;
habe ich unseren Verhandlungschef in Genf, Botschafter Paul Nitze, angewiesen, die sowjetische Delegation von einem neuen amerikanischen Vorschlag in&#13;
Kenntnis zu setzen, der die volle Unterstützung unserer Verbündeten hat.&#13;
&#13;
Wir sind bereit, ein Zwischenabkommen auszuhandeln, um unsere geplanten Dislozierungen zu verringern, wenn die Sowjetunion ihre entsprechenden&#13;
Gefechtsköpfe auf einen gleichen Stand reduziert.&#13;
&#13;
- 10 -&#13;
&#13;
Dies würde alle amerikanischen&#13;
&#13;
�, alle amerikanischen und sowjetischen Waffen dieser Klasse einschließen, wo&#13;
immer sie stationiert sind.&#13;
Unser Angebot einer Null-Lösung für beide Seiten wird selbstverständlich&#13;
als unser Endziel auf dem Tisch bleiben.&#13;
&#13;
Gleichzeitig bleiben wir, wie wir&#13;
&#13;
dies von Anbeginn waren, für ernsthafte Gegenvorschläge offen.&#13;
Die sowjetischen Verhandlungsführer sind jetzt nach Moskau zurückgekehrt,&#13;
wo unser neuer Vorschlag, so hoffen wir, während dieser Verhandlungspause sorgfältige Prüfung erfahren wird.&#13;
&#13;
Botschafter Nitze hat vorgeschlagen, die Ver-&#13;
&#13;
handlungen Mitte Mai, also mehrere Wochen früher als geplant, wieder aufzunehmen, und die Sowjets haben dem zugestimmt.&#13;
Ich bedaure es, daß die Sowjetunion bisher nicht bereit war, die völlige Beseitigung dieser Systeme auf beiden Seiten zu akzeptieren.&#13;
&#13;
Die Frage,&#13;
&#13;
. die ich jetzt der sowjetischen Regierung stelle, ist, auf welchen gleichen&#13;
Stand sie zu verringern bereit ist, wenn sie nicht zur Beseitigung bereit ist.&#13;
&#13;
Nonproliferation&#13;
Der neue Vorschlag soll dazu dienen, in Genf zu einem baldigen und echten Fortschritt zu führen. Wenn die Rüstungskontrolle jedoch wirklich vollständig sein und die Sicherheit der Welt gestärkt werden soll, dann müssen wir&#13;
auch unsere Bemühungen steigern, der Ausbreitung von Kernwaffen Einhalt zu gebieten.&#13;
Jedes Land, das eine friedliche Weltordnung schätzt, muß das seinige&#13;
dazu tun.&#13;
&#13;
Unsere Verbündeten haben - als wichtige Nuklearexporteure - auch&#13;
&#13;
eine sehr große Verantwortung, die Ausbreitung von Kernwaffen zu verhindern.&#13;
Um diesem Ziel zu dienen, sollten wir alle umfassende&#13;
&#13;
Sicherheitsvorkehrungen&#13;
&#13;
als eine Vorbedingung für künftige Lieferverpflichtungen auf dem nuklearen Sektor einführen.&#13;
&#13;
In den kommenden Tagen werde ich mit anderen führenden Staats- 11 -&#13;
&#13;
�führenden Staatsmännern der Welt über die Notwendigkeit einer dringlichen&#13;
Behandlung dieser Dinge und andere Maßnahmen gegen die nukleare Proliferation&#13;
sprechen.&#13;
&#13;
Das Einfrieren von Kernwaffen&#13;
&#13;
Das sind die Dinge, die wir bisher auf dem Gebiet der Rüstungskontrolle&#13;
getan haben.&#13;
&#13;
Unsere Vorschläge sind fair, weitreichend und umfassend, aber&#13;
&#13;
wir sind noch weit von unserem Ziel entfernt.&#13;
&#13;
Wir Amerikaner sind manchmal ungeduldige Menschen.&#13;
&#13;
Ich vermute, daß&#13;
&#13;
das ein Symptom unseres traditionellen Optimismus, unserer traditionellen&#13;
Energie und unseres traditionellen Geistes ist. Oft ist es eine Quelle der&#13;
Stärke.&#13;
&#13;
Bei Verhandlungen kann jedoch Ungeduld ein echter Nachteil sein. Oe^&#13;
&#13;
der von uns, der schon einmal mit Verhandlungen zwischen den Sozialpartnern&#13;
oder irgendwelchen anderen Lohnverhandlungen zu tun hatte, weiß, daß Geduld&#13;
die Verhandlungsposition stärkt.&#13;
&#13;
Wenn eine Seite zu ungeduldig oder zu hem-&#13;
&#13;
mungslos zu sein scheint, dann hat die andere Seite keinen Grund, einen Kompromiß anzubieten, und jeden Grund,abzuwarten - in, der Erwartung,daß die ungeduldigere Seite als erste nachgeben wird.&#13;
&#13;
Das ist nun einmal eine Grundtatsache des Lebens, die aus dem Auge zu&#13;
verlieren wir uns nicht leisten können, wenn wir mit der Sowjetunion verhandeln.&#13;
net.&#13;
&#13;
Deren Verhandlungsposition war niemals von Großzügigkeit gekennzeichEine solche würde der grundlegend militanten Einstellung der marxistisch-&#13;
&#13;
leninistischen Ideologie zuwiderlaufen.&#13;
&#13;
Es ist also lebenswichtig, daß wir Geduld, Entschlossenheit und vor&#13;
allem nationale Einigkeit an den Tag legen.&#13;
&#13;
Wenn wir zerstritten erscheinen&#13;
&#13;
- wenn die Sowjets vermuten, daß innenpolitischer Druck und innenpolitische&#13;
Forderungen unsere Position untergraben werden, dann werden sie sich auf die&#13;
Hinterbeine stellen.&#13;
&#13;
Und das kann nur ein Abkommen verzögern und könnte sogar&#13;
&#13;
- 12 -&#13;
&#13;
�könnte sogar unsere Hoffnungen auf ein Abkommen zerstören.&#13;
&#13;
Darum mache ich mir solche Sorgen über den Vorschlag eines nuklearen&#13;
Einfrierens, wie er gegenwärtig im Repräsentantenhaus behandelt wird.&#13;
&#13;
Die&#13;
&#13;
meisten derjenigen, die für das Einfrieren sind, haben sicherlich die besten&#13;
Absichten und machen sich Sorgen über das Wettrüsten und die Gefahren eines&#13;
Atomkrieges.&#13;
&#13;
Niemand teilt ihre Besorgnis mehr als ich. Aber so gut ihre&#13;
&#13;
Absichten auch sein mögen, diese Vorschläge für ein Einfrieren würden mehr&#13;
schaden als nützen.&#13;
&#13;
Sie scheinen eine einfache Lösung zu bieten.&#13;
&#13;
gibt keine einfachen Lösungen für komplizierte Probleme.&#13;
&#13;
Aber es&#13;
&#13;
Wie H.L. Mencken ein-&#13;
&#13;
mal trocken bemerkte, gibt es für jedes Problem eine Lösung, die einfach, elegant und falsch ist.&#13;
&#13;
Das Konzept des Einfrierens ist aus vielerlei Gründen&#13;
&#13;
gefährlich:&#13;
&#13;
- Es würde den heutigen hohen, ungleichen und instabilen Stand der Nuklearstreitkräfte festschreiben und dadurch die sowjetischen Anreize, über&#13;
echte Verringerungen zu verhandeln, verkleinern.&#13;
- Es würde unseren Verhandlungsführern in Genf den Teppich unter den Füßen&#13;
wegziehen, wie sie selbst gesagt haben.&#13;
&#13;
Denn warum sollten schließlich&#13;
&#13;
die Sowjets verhandeln, wenn sie schon ein Einfrieren in einer Position&#13;
des Vorteils für sich erreicht hätten?&#13;
&#13;
- Obwohl manche Leute der Meinung sind, daß man sich über ein Einfrieren&#13;
leicht einigen könnte, brächte es doch gewaltige und komplizierte Probleme mit sich im Hinblick darauf, was denn nun eingefroren werden soll,&#13;
wie dies erreicht und vor allem, wie dies verifiziert werden kann.&#13;
&#13;
Der&#13;
&#13;
Versuch, diese entscheidend wichtigen Einzelheiten auszuhandeln, würde&#13;
uns nur von dem Ziel ablenken, über Verminderungen Einigung zu erzielen&#13;
- und wer weiß für wie lange.&#13;
&#13;
- Der Einfrierungsvorschlag wäre darüber hinaus weit sinnvoller, wenn eine&#13;
ähnliche Bewegung gegen Atomwaffen einen ähnlichen Druck auf die sowje-&#13;
&#13;
- 13 -&#13;
&#13;
�die sowjetischen Führer in Moskau ausüben würde.&#13;
&#13;
Wie es der frühere&#13;
&#13;
amerikanische Verteidigungsminister Harold Brown formuliert hat:&#13;
&#13;
Das&#13;
&#13;
Einfrieren zielt darauf ab, "Druck auf die Vereinigten Staaten, nicht&#13;
jedoch auf die Sowjetunion auszuüben".&#13;
&#13;
- Und schließlich würde ein Einfrieren die Sowjets für eine 15jährige&#13;
Aufrüstung belohnen, während wir auf unsere heutige Ausrüstung festgelegt würden, die in vielen Fällen veraltet ist und dringend der Modernisierung bedarf.&#13;
&#13;
Drei Viertel der sowjetischen strategischen Gefechts-&#13;
&#13;
köpfe befinden sich auf Einsatzsystemen, die fünf Jahre oder weniger alt&#13;
sind, während sich drei Viertel der amerikanischen strategischen Gefechtsköpfe&#13;
&#13;
auf Systemen befinden, die 15 Jahre alt oder noch älter sind.&#13;
&#13;
Es kommt natürlich einmal der Zeitpunkt, an dem alles veraltet ist nur, das Problem ist, daß dieser Zeitpunkt für uns weitaus früher&#13;
kommt als für die Sowjets.&#13;
&#13;
Und nach einem Einfrieren könnten wir daran&#13;
&#13;
überhaupt nichts mehr ändern.&#13;
&#13;
Unsere strategischen Bomber vom Typ B-52 sind älter als viele der Piloten, die sie fliegen; wären dies Automobile, würde man sie als antik bezeichnen.&#13;
&#13;
Ein Einfrieren würde uns auf absolute Überalterung festschreiben.&#13;
&#13;
Es&#13;
&#13;
ist einfach zuviel verlangt, von den Männern und Frauen in unseren Streitkräften&#13;
zu fordern, daß sie ihr Leben mit überholten Ausrüstungen aufs Spiel setzen.&#13;
Die zwei Millionen patriotischen Amerikaner in unseren Streitkräften verdienen&#13;
die beste und modernste Ausrüstung, um sie - und um uns - zu schützen.&#13;
&#13;
Ich bin sicher:&#13;
&#13;
Jeder Präsident hat davon geträumt, die Welt sicherer&#13;
&#13;
zu gestalten, als er sie vorgefunden hat.&#13;
&#13;
Ich versichere Ihnen, es ist mein&#13;
&#13;
Ziel - und die Überzeugung ist mir heilig -.Fortschritte in Richtung auf&#13;
Rüstungsverminderungen bei jeder der Verhandlungen zu erzielen, die gegenwärtig&#13;
stattfinden.&#13;
&#13;
Ich appelliere an alle Amerikaner - in beiden Parteien und in allen&#13;
Zweigen unserer Regierung -,sich mir in diesem Bemühen anzuschließen.&#13;
&#13;
Wir&#13;
&#13;
dürfen es nicht zulassen, daß unsere Meinungsverschiedenheiten oder unsere&#13;
- 14 -&#13;
&#13;
�oder unsere Parteipolitik uns davon abhalten, den Frieden zu stärken und die&#13;
Rüstungen zu vermindern.&#13;
&#13;
Ich spreche gegenüber unseren Verbündeten und Freunden in Europa und&#13;
Asien die Verpflichtung aus: Wir werden uns auch weiterhin eng mit Ihnen&#13;
konsultieren.&#13;
&#13;
Wir sind uns bei den Verhandlungen mit unseren Gegnern über&#13;
&#13;
Fragen, die für Sie, Ihre Sicherheit und Ihr Wohlergehen von Belang sind,&#13;
unserer Verantwortung bewußt.&#13;
&#13;
Den Führern und dem Volk der Sowjetunion rufe ich zu:&#13;
&#13;
Schließen Sie&#13;
&#13;
sich uns an auf dem Weg zu einer friedlicheren und sichereren Welt.&#13;
&#13;
Lassen&#13;
&#13;
Sie uns wetteifern im Bereich der Ideen, auf dem Gebiet der friedlichen&#13;
Konkurrenz.&#13;
&#13;
Lassen Sie die Geschichte einmal die Feststellung treffen, daß&#13;
&#13;
wir unsere Theorien durch menschliche Erfahrungen erprobt und daß wir nicht&#13;
einander zerstört haben im Namen der Rechtfertigung unserer jeweiligen Lebensart.&#13;
&#13;
Und lassen Sie uns in unserem internationalen Verhalten Zurückhaltung&#13;
&#13;
üben, so daß eines Tages ein beiderseitiges Vertrauen und ein sicherer Friede&#13;
an die Stelle des gegenwärtigen Klimas des Mißtrauens treten können.&#13;
&#13;
Gibt es einen besseren Zeitpunkt, um uns diesem Vorhaben erneut zu verpflichten, als die Osterzeit, in der Millionen von Menschen in aller Welt demjenigen huldigen, der uns Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen&#13;
gelehrt hat?&#13;
&#13;
Dies, meine amerikanischen Mitbürger, ist das Ziel aller demokratischen&#13;
Nationen - ein Ziel, das Festigkeit, Geduld und Verständnis erfordert.&#13;
die Sowjetunion in diesem Geiste reagiert, dann stehen wir bereit.&#13;
&#13;
Wenn&#13;
&#13;
Und wir&#13;
&#13;
können unserer Nachwelt das Vermächtnis des Friedens übermitteln - Frieden&#13;
und Freiheit sind die größten Gaben, die eine Generation der anderen vermachen&#13;
kann.&#13;
&#13;
+ + + + +&#13;
- 15 -&#13;
&#13;
�I&#13;
&#13;
Dokumentation&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
6. April 1983&#13;
&#13;
15&#13;
&#13;
US-SENATOR: ZUKUNFT IST NUR GEMEINSAM ZU BEWÄLTIGEN&#13;
- Berlin-Rede von Senator Mathias -&#13;
&#13;
BERLIN - (AD) - Der republikanische Senator Charles McC. Mathias, Jr.&#13;
aus Maryland hat auf der 12. deutsch-amerikanischen Zwei Jahreskonferenz der&#13;
Atlantik-Brücke und des American Council on Germany in Berlin seine feste&#13;
Überzeugung zum Ausdruck gebracht,daß die westlichen Nationen ihre Zukunft&#13;
nur gemeinsam bewältigen können.&#13;
Die Ansprache des Senators vom 25. März 1983 hat folgenden Wortlaut:&#13;
Es ist mir eine Ehre, auf der 12. Zweijahreskonferenz des American&#13;
Council on Germany und der Atlantik-Brücke sprechen zu dürfen.&#13;
&#13;
Es ist eine&#13;
&#13;
Freude, mit so vielen Freunden zusammen zu sein.&#13;
Wir werden diese Freundschaft brauchen, um diese Diskussionen durchzustehen.&#13;
&#13;
Ich möchte sie aber jetzt nicht beurteilen, indem ich auf unsere&#13;
&#13;
Probleme eingehe und unsere Meinungsverschiedenheiten bedauere, ich möchte&#13;
vielmehr auf unsere gemeinsamen Zielsetzungen zu sprechen kommen.&#13;
Ich will&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�Ich will diese meine Gedanken nicht zum Trost vortragen, sondern weil&#13;
ich der Überzeugung bin, daß wir, je klarer wir unsere beiderseitigen Interessen definieren, desto weitgefaßter unsere Politiken und Maßnahmen in Einklang bringen können.&#13;
&#13;
Die Notwendigkeit einer solchen Kooperation ist immer&#13;
&#13;
vorhanden und ist nach meiner Meinung einfach zwingend geworden.&#13;
Wenn wir unsere gemeinsamen Ziele fördern wollen, dann müssen wir mit&#13;
der Einsicht beginnen, daß die in Amerika und in Deutschland verankerte Atlantische Gemeinschaft durch etwas mehr fundiert ist als durch die gegenseitige Verpflichtung ihrer Mitglieder, einander im Falle eines Angriffs zu helfen.&#13;
&#13;
Dieses Versprechen ist selbstverständlich die Grundlage.&#13;
&#13;
len geholfen, den Frieden in Europa zu bewahren.&#13;
&#13;
Es hat uns al-&#13;
&#13;
Das ist zwar der Kern unseres&#13;
&#13;
Verhältnisses, aber es ist nicht die Seele unseres Bündnisses.&#13;
Der Pakt, den wir vor mehr als einer Generation geschlossen haben, ist&#13;
mehr als eine Abmachung für kollektive militärische Sicherheit.&#13;
&#13;
Dieser Pakt&#13;
&#13;
ist defensiv in dem Sinne, daß er keine Aggression androht, aber er ist auch&#13;
in die Zukunft gerichtet.&#13;
&#13;
Nach Artikel 2 des Nordatlantikvertrages kamen wir&#13;
&#13;
zusammen, um "zur weiteren Entwicklung friedlicher und freundschaftlicher internationaler Beziehungen bei(zu)tragen", und zwar indem wir die "freien Einrichtungen festigen... und... die Voraussetzungen für die innere Festigkeit&#13;
und das Wohlergehen fördern."&#13;
&#13;
Wir haben also keine enggefaßte, statische&#13;
&#13;
Auffassung unserer Pflichten niedergelegt, sondern eine aktive, expansive&#13;
Vorstellung unserer Chancen und Aufgaben.&#13;
Wir haben nicht nur vom Krieg verwüstete Länder wieder aufgebaut, sondern wir haben auch neue Institutionen geschaffen - die OECD, das GATT, die&#13;
Weltbank und den Internationalen Währungsfonds sowie die Europäische Gemeinschaft -, um das wirtschaftliche Wachstum zu fördern und die Welt gegen neues&#13;
Unheil zu stärken. Zu Anfang unseres Bündnisses schufen wir so ein vernünftiges Gleichgewicht der Verteidigungsanforderungen und der Förderung des Wohlstandes. Wir schmiedeten Schwerter und Pflugscharen, um vor einem Krieg abzuschrecken und den Frieden zu sichern.&#13;
Über 20 Jahre&#13;
- 2 -&#13;
&#13;
�über 20 Jahre lang haben uns die beiden sich ergänzenden Strategien&#13;
mit beachtlichem Erfolg immer weiter gebracht.&#13;
&#13;
Aber etwa im letzten Jahr-&#13;
&#13;
zehnt ließ nicht nur unser Schwung nach, sondern unsere Wege gingen auch auseinander - weniger innerhalb der NATO als außerhalb ihres Bereichs, aber doch&#13;
eigentlich in beiden Bereichen.&#13;
&#13;
Es gibt viele Erklärungen für das, was geschehen ist.&#13;
&#13;
Daß die Sowjets&#13;
&#13;
die nukleare Parität erreichten und daß Amerika so lange und tragisch in&#13;
Vietnam verwickelt war, hat viele Berechnungen der militärischen und politischen Stärke über den Haufen geworfen.&#13;
&#13;
Und die ölschocks von 1973 und 1979&#13;
&#13;
warfen ebenso viele wirtschaftliche Annahmen über den Haufen.&#13;
&#13;
Und schließlich&#13;
&#13;
hat die sich hinausziehende internationale Rezession der letzten Jahre uns&#13;
viel von unserem Vertrauen zu uns selbst und zu anderen genommen.&#13;
&#13;
Solche Entwicklungen - und ich habe nur einige der ganz offensichtlichen&#13;
erwähnt - haben eine tiefe Auswirkung auf die gegenwärtigen Verhältnisse und&#13;
unsere Zukunftserwartungen.&#13;
&#13;
Leider waren unsere Antworten auf diese Entwick-&#13;
&#13;
lungen zu oft zu kurzatmig und improvisiert - ein Versuch, die Position gerade&#13;
noch zu halten.&#13;
&#13;
Manchmal sah es so aus, als ob wir Hegel recht geben wollten,&#13;
&#13;
wenn er sagt, daß unter dem Druck großer Ereignisse ein allgemeines Prinzip&#13;
nicht viel hilft.&#13;
&#13;
Ich stimme dem nicht zu.&#13;
&#13;
Genau dann, wenn Ereignisse uns besonders be-&#13;
&#13;
lasten, sollten wir in allgemeinen Prinzipien Hilfe suchen.&#13;
&#13;
Und die Regel,&#13;
&#13;
an die wir uns nach meiner Auffassung wieder halten müssen, ist die, daß das&#13;
Wachstum wieder unser Hauptanliegen als Nationen und als Verbündete sein muß.&#13;
&#13;
Eine geschlossene Gesellschaft kann es sich vielleicht eine Zeitlang&#13;
leisten, ihre Untertanen in ihren Hoffnungen und Wünschen einzuschränken.&#13;
Aber ein solches System kann nicht gleichzeitig die Optionen einschränken&#13;
und kreative Energie freisetzen.&#13;
&#13;
Selbst ein Weltreich, das so riesig und so&#13;
&#13;
reich ist wie das, über das Moskau herrscht, kann Zeichen der Stagnation erkennen lassen, wenn es sich selbst zu eng gegen den Wandel verfestigt und Neu-&#13;
&#13;
- 3,-&#13;
&#13;
�und Neugier, Ausdruck und Experiment unterdrückt.&#13;
Aus anderen aber ebenso zwingenden Gründen müssen Demokratien ständig&#13;
den Blick ihrer Bürger zu weiten suchen. Unsere Regierungen können kurze Zeitspannen der Einschränkung überstehen, aber nicht den unbegrenzten Aufschub&#13;
von wirtschaftlichem und sozialem Fortschritt. Wir sind wie Radfahrer auf&#13;
einem Hochseil, die ihren Schwung behalten müssen, um ihr Gleichgewicht zu&#13;
behalten.&#13;
&#13;
Stabilität kann für uns nur durch Vorwärtsbewegung garantiert werden.&#13;
&#13;
Zweifellos kann unser Wachstum nicht länger territorial gesehen werden.&#13;
Noch wird es durch neu entdeckte Rohstoffreserven beschleunigt werden. Was&#13;
wir am meisten brauchen werden, ist Einfallsreichtum, und das ist glücklicherweise eines der Bestandteile des Wachstums, das in unbegrenzter Menge vorhanden ist. Unsere Aufgabe besteht darin, Verhältnisse zu schaffen, die unsere&#13;
erfinderischen Fähigkeiten am besten anregen - ein politisches, soziales und&#13;
wirtschaftlichem Universum, das uns große Chancen bietet und uns die größtmögliche Freiheit des Handelns läßt.&#13;
Im physischen Sinne existiert dieses Universum bereits, aber es ist weniger ein einziges System als eine Konstellation dreier, ungleicher und wenig&#13;
gefestigter Galaxien. Die uns am nächsten liegende und strahlendste besteht&#13;
aus den modernen, industrialisierten Demokratien des Westens. Die größte zumindest was die Bevölkerungszahl und das unausgeschöpfte Potential angeht liegt jenseits des südlichen Horizonts. Und die dritte steht unter einem roten Stern, der ein unheimliches Licht wirft - die kommunistischen Staaten Europas und Asiens.&#13;
Wir können die Geographie oder die Geschichte nicht ändern, die diese&#13;
drei getrennten und ungleichen Ganzheiten geschaffen haben. Aber wir können&#13;
mehr tun, um zu verhindern, daß sie miteinander kollidieren. Wir müssen sehr&#13;
viel mehr tun, um breitere, stabilere und produktivere Verbindungen unter ihnen&#13;
zu schaffen, damit sie - zur Koexistenz gezwungen - auch zur Kooperation gelangen.&#13;
Kooperation beginnt&#13;
- 4 -&#13;
&#13;
�Kooperation beginnt bei uns selbst.&#13;
&#13;
Innerhalb unserer eigenen Gemein-&#13;
&#13;
schaft ist kein einziges Land, nicht einmal die Vereinigten Staaten, groß&#13;
oder reich genug, um allein zu florieren.&#13;
&#13;
Wir könnten uns vielleicht in der&#13;
&#13;
Isolation eben am Leben erhalten, aber wir könnten uns gewiß nicht sicher&#13;
fühlen oder sicher sein ohne sowohl die kollektive Verteidigung als auch den&#13;
umfassenden Handel•&#13;
Diese Realität hat unser Bündnis über drei Jahrzehnte lang geleitet.&#13;
Sie sollte heute nicht bestritten werden.&#13;
wir voneinander&#13;
&#13;
abhängig sind.&#13;
&#13;
Wir kommen nicht darum herum, daß&#13;
&#13;
Es gibt keine ehrenhafte Alternative zur ge-&#13;
&#13;
genseitigen Unterstützung.&#13;
Und doch sind heute mächtige Kräfte am Werk, die diese Richtschnur nicht&#13;
mehr gelten lassen wollen. Manche Leute suchen wirtschaftliche Rettung im Protektionismus. Manche hängen einer Illusion des Friedens nach - eines Friedens,&#13;
der durch Verweigerung der notwendigen Maßnahmen der kollektiven Verteidigung&#13;
gewonnen werden soll, oder eines Friedens, der durch übertriebene Investitionen&#13;
in Waffen auferlegt werden soll.&#13;
All diese Leute, ob Amerikaner oder Europäer, ob Protektionisten, Pazifisten oder Unilateralisten,erliegen einem gemeinsamen Irrtum.&#13;
&#13;
Sie bestreiten&#13;
&#13;
die unumstößliche und unbequeme Tatsache der gegenseitigen Abhängigkeit - in&#13;
der Überzeugung, daß es für ein Land allein machbar wäre, das Verhalten anderer&#13;
zu kontrollieren oder sich selbst gegen dieses Verhalten immun zu machen.&#13;
se Überzeugung ist fehl am Platze.&#13;
&#13;
Die-&#13;
&#13;
Ihr zu folgen wäre töricht, ja vielleicht&#13;
&#13;
sogar tödlich.&#13;
Ihr nicht zu folgen, vor allem nicht den sehr starken wirtschaftlichen&#13;
Interessengruppen in unseren Ländern, wird auch nicht leicht sein. Manche dieser Interessengruppen haben nicht nur tiefverwurzelte Überzeugungen, sondern&#13;
auch beträchtliche politische Macht.&#13;
&#13;
Sie üben eien großen Einfluß aus, und in&#13;
&#13;
vielen Fällen steht ihre Stärke jetzt im Dienste der Bestrebungen gegen den Wandel und einer Politik, die uns auf den Weg der Stagnation weist.&#13;
Wir müssen&#13;
&#13;
�Wir müssen deshalb überzeugender sein, wenn wir das Evangelium des&#13;
Wachstums predigen.&#13;
&#13;
Wir müssen unsere Bürger und die Organisationen, die sie&#13;
&#13;
vertreten, überzeugen, daß die Schmerzen der Anpassung durch den Lohn des&#13;
Wachstums von morgen gestillt werden.&#13;
&#13;
Wenn wir dieser Botschaft in allen unseren Ländern Gehör verschaffen wollen, dann müssen wir sie auf alle anwendbar machen.&#13;
&#13;
Amerikanische Industrie-&#13;
&#13;
arbeiter - um nur ein Beispiel zu nehmen - werden nicht leicht auf neue Schutzmaßnahmen für sich selbst verzichten, wenn sie nicht erleben, daß die Europäer&#13;
und Japaner alte Handelsschranken, die sie errichtet haben, abbauen.&#13;
&#13;
Jene,&#13;
&#13;
die Zugeständnisse machen, werden dafür eine faire Behandlung erwarten.&#13;
&#13;
Frei-&#13;
&#13;
willige Opfer werden gemeinsameOpfer sein müssen.&#13;
&#13;
Und in dem gleichen Maß, in dem wir gemeinsam die Konsequenzen eines freien internationalen Marktes bei Gütern und Dienstleistungen zu tragen haben, müssen wir auch die Anstrengungen koordinieren, die wir unternehmen, um unsere&#13;
Binnenmärkte zu stimulieren.&#13;
&#13;
Die OECD-Staaten sind einander die besten Kunden&#13;
&#13;
und zugleich die stärksten Konkurrenten.&#13;
&#13;
Durch die Gestaltung ihrer Währungs-&#13;
&#13;
politik und durch die Behandlung der Nachfrage müssen sie gleichfalls zu engeren Partnern werden, damit sie sich nicht gegenseitig des Kapitals berauben,&#13;
das notwendig ist, um durch Investitionen neue Arbeitsplätze zu schaffen.&#13;
&#13;
Wir&#13;
&#13;
können nicht auf der einen Seite des Atlantik Männern und Frauen wieder Arbeit&#13;
beschaffen, während die Arbeitslosigkeit auf der anderen Seite so hoch bleibt,&#13;
daß eine gesteigerte Produktion keine Käufer findet.&#13;
&#13;
Wenn ich diese Vorschläge in solch verkürzter Weise vortrage, so will ich&#13;
damit nicht unterstellen, es gäbe einfache Antworten auf unsere wirtschaftlichen&#13;
Probleme.&#13;
&#13;
Ganz im Gegenteil:&#13;
&#13;
Der industrialisierte Westen steht vor einer Pe-&#13;
&#13;
riode des schmerzhaften strukturellen Wandels bei der Arbeit, die wir tun, sowie bei Fähigkeiten und bei Organisationsweisen, derer wir bedürfen, um sie zu&#13;
tun.&#13;
&#13;
Mein Argument ist lediglich, daß wir uns durch diesen Sturm nicht auf ver-&#13;
&#13;
schiedenen Wegen schlagen sollten.&#13;
&#13;
Wir können aber auch nicht versuchen, abzu-&#13;
&#13;
warten, bis er vorüber ist, indem wir einen stillen Hafen ausfindig machen, wo&#13;
&#13;
- 6 -&#13;
&#13;
�machen, wo wir Schutz zu finden meinen.&#13;
&#13;
Wir müssen im Konvoi segeln und un-&#13;
&#13;
sere Maschinen stärker unter Dampf setzen, um einen beständigen Kurs in Riehtung Wachstum zu halten.&#13;
&#13;
Die von uns im Rahmen unseres eigenen Systems ergriffenen Maßnahmen werden dabei natürlich nicht angemessen sein, auch nur unsere eigene Erholung&#13;
und Expansion zu sichern, sollten die Entwicklungsländer zusammenbrechen, während wir unsere Stärke wiederfinden.&#13;
&#13;
Wir sehen natürlich, daß ein Bankrott un-&#13;
&#13;
serer wichtigsten Schuldnerländer - die ja auch wichtige Kunden und in einigen&#13;
Produktionsbereichen unsere Rivalen sind - unser finanzielles Haus gleichfalls&#13;
zum Einsturz bringen würde.&#13;
&#13;
Aus Gründen des wirtschaftlichen und politischen&#13;
&#13;
Eigeninteresses müssen wir die Staaten der Dritten Welt so behandeln, als hinge&#13;
unser überleben von ihrem ab.&#13;
&#13;
Denn das tut es.&#13;
&#13;
Sogar im Falle der Vereinigten Staaten, bei denen die Ausfuhren erst in&#13;
jüngerer Zeit einen bedeutsameren Anteil des Bruttosozialproduktes auszumachen&#13;
begannen, nehmen nunmehr die nicht der OPEC angehörenden Entwicklungsländer&#13;
fast ein Drittel dessen auf, was wir im Ausland verkaufen.&#13;
&#13;
Sie kaufen von uns&#13;
&#13;
mehr als die Europäische Gemeinschaft insgesamt bzw. mehr als unsere drei größten Handelspartner Kanada, Japan und Mexiko.&#13;
&#13;
Wenn ihre Nachfrage schrumpft -&#13;
&#13;
oder gar in einem Chaos von Zahlungseinstellung und beendeter Kreditgewährung&#13;
ganz verschwindet -, verschwinden auch die Aussichten auf eine Wiedergesundung&#13;
in den Vereinigten Staaten.&#13;
&#13;
Die von uns gewünschte Expansion zu Hause muß so gelenkt werden, daß sie&#13;
auch Expansion in der Dritten Welt einschließt.&#13;
&#13;
Auch hier müssen wir unsere&#13;
&#13;
Maßnahmen koordinieren - sowohl die Rettungsmaßnahmen der internationalen Finanzinstitutionen, wo bereits ein guter Anfang gemacht wurde, als auch die langfristigen, öffentlichen und privaten Anstrengungen bei Investitionen zur Schaffung stärkerer Grundlagen eines anhaltenden Wachstums in den Entwicklungsländern.&#13;
Es geht nicht darum, gutes Geld hinter schlechtem herzuwerfen oder unkluge westliche Banken vor den Folgen ihres Handelns zu schützen.&#13;
&#13;
Aber selbst wenn auch&#13;
&#13;
dies zu den Ergebnissen gehören würde, so wäre unser Ziel dennoch das gleiche ein Desaster zu vermeiden, weil unser gemeinsames Heil in einer wachsenden,&#13;
&#13;
�einer wachsenden, nicht in einer zerschlagenen Weltwirtschaft liegt.&#13;
&#13;
Und wie steht es um unsere Beziehungen zum kommunistischen System in&#13;
einer Periode solch hoher Anspannung bei Ressourcen und unserem politischen&#13;
Willen?&#13;
&#13;
Können wir, da unser Haus in Unordnung geraten ist, von unseren&#13;
&#13;
abenteuerlichen Rivalen etwas anderes erwarten als Schadenfreude und Schritte,&#13;
die auf Vorteile aus unserer Verwirrung und unseren Sorgen aus sind?&#13;
&#13;
Bei der&#13;
&#13;
Antwort hierauf hängt viel von der Geschwindigkeit und von der Entschlossenheit ab, mit der wir uns in Bewegung setzen.&#13;
&#13;
Aber was eine Krise für den&#13;
&#13;
Westen ist, ist noch lange nicht eine großartige Gelegenheit für den Osten.&#13;
Tatsächlich ist auch die kommunistische Welt aus dem Gleichgewicht geraten,&#13;
und durch unsere gleichzeitigen Konfrontationen mit neuen Gefahren könnten wir&#13;
- ich will nicht allzu optimistisch sein -, aber könnten wir in der Lage sein,&#13;
ein besseres Verständnis zu schaffen.&#13;
&#13;
Von der Sowjetunion können wir derzeit mit Gewißheit nur sagen, daß&#13;
ihre neue Führung vor einigen grundlegenden Alternativen steht, vor politischen&#13;
Entscheidungen, die durch die politische Sklerose der letzten Breschnew-Jahre&#13;
hinausgeschoben wurden.&#13;
&#13;
Wir können nicht sagen, welche Entscheidung getroffen&#13;
&#13;
werden wird, und auch nicht, wie bald sie getroffen wird.&#13;
&#13;
Aber ich glaube,&#13;
&#13;
wir dürften zurecht skeptisch hinsichtlich der dauerhaften Vorteile sein, die&#13;
sich für das Regime aus seinem derzeitigen Bemühen um Disziplin ergeben werden.&#13;
Es ist schwer, aus Drohung eine Verbindlichkeit zu machen.&#13;
&#13;
Auch wenn es mög-&#13;
&#13;
lich wäre, die Arbeiter dazu zu bringen, rechtzeitig an ihrem Arbeitsplatz zu&#13;
erscheinen, dürften sich doch mit nachlassender Zunahme der verfügbaren Arbeitskraft, mit dramatischer Überalterung der Industrieanlagen, mit schwierigerer&#13;
Erschließung und kostspieligerem Transport der Rohstoffe sowie mit dem, Rückgang&#13;
der Deviseneinnahmen aus dem Energieexport zusammen mit dem Absinken der OPECPreise selbst die sprachgewaltigen Wirtschaftspropheten Moskaus an die freudlosen Realitäten anzupassen haben.&#13;
&#13;
Auch die sowjetische Führung muß Wachstum anstreben, wenngleich nicht&#13;
im selben Ausmaß wie die Führungen im Westen.&#13;
&#13;
Wenn ich auch nicht an der an-&#13;
&#13;
haltenden Bereitschaft der ersteren zweifle, im Ausland Unfrieden zu säen,&#13;
- 8 -&#13;
&#13;
�zu säen, so kann ich mir doch nicht vorstellen, daß die Sowjets bei ihren&#13;
Abenteuern in der Karibik, in Asien und in Afrika im Lauf der Jahre mehr verdient haben als Wirtschaftsdefizite.&#13;
&#13;
Ich würde nicht gern ihre Rechnungen in&#13;
&#13;
Kuba, Vietnam oder Afghanistan zu zahlen haben.&#13;
tionen in Osteuropa abzuschätzen haben.&#13;
&#13;
Noch möchte ich ihre Subven-&#13;
&#13;
Und ich wäre überrascht, wenn Moskau,&#13;
&#13;
hätte es die Wahl, sich dafür entscheiden würde, die immer höheren Rechnungen&#13;
für seine Klienten zu begleichen, wenn ein kräftigeres und offeneres internationales Wirtschaftssystem diesen Abfluß seiner Reserven etwas verringern würde.&#13;
&#13;
Die Frage ist, ob wir im Westen den Kommunisten eine solche Alternative&#13;
bieten können oder nicht.&#13;
&#13;
Wenn wir der Meinung sind, ihr System nähere sich&#13;
&#13;
dem Zusammenbruch - und ich bin nicht dieser Meinung -, dann müßten wir natürlich wünschen, seine Selbstzerstörung zu beschleunigen, obgleich die damit verbundenen Explosionen zu einem Niederschlag führen würden, der auch für uns weit&#13;
tödlicher als saurer Regen wäre.&#13;
&#13;
Wenn wir jedoch davon ausgehen, daß die sowje-&#13;
&#13;
tische Götterdämmerung weder bevorsteht noch unvermeidlich ist, dann könnte&#13;
jetzt ein besserer Zeitpunkt denn je sein, ein neues Rahmenwerk einer Zusammenarbeit anzustreben, die sich auf gemeinsame wirtschaftliche Interessen gründet.&#13;
&#13;
Die Vereinigten Staaten machten dem Osten ein solches Angebot zu Beginn&#13;
des Marshall-Plans, in der aufgeheizten Atmosphäre des frühen Kalten Krieges.&#13;
Stalin wies den Vorschlag zurück, und auch Andropow dürfte noch nicht bereit&#13;
sein, den Preis zu zahlen - eine echte Offenlegung der wirtschaftlichen Konten&#13;
und einen offenen politischen Umgang miteinander -, den eine jede wirksame Zusammenarbeit zwischen unserem System der Marktwirtschaft und ihrem kontrollierten Planwirtschaftssystem erfordern würde.&#13;
&#13;
Wir werden die Antwort ohnehin&#13;
&#13;
erst dann erfahren, wenn wir versuchen, sie ihm zu entlocken.&#13;
&#13;
Und wir können&#13;
&#13;
nicht wissen, wohin dieser Weg Ost und West führen würde, wenn wir nicht versuchen, auf ihm voranzugehen.&#13;
&#13;
Zu lange haben wir uns bei der politischen Kommunikation mit den kommunistischen Mächten auf Fragen der Rüstungskontrolle und der Zurückhaltung in&#13;
der Dritten Welt oder bei den Menschenrechten konzentriert.&#13;
&#13;
- 9 -&#13;
&#13;
Dies sind lebens-&#13;
&#13;
�sind lebenswichtige Themen, aber der Dialog neigt dazu, in einer Atmosphäre&#13;
stattzufinden, die eher zu Propaganda und Paranoia als zum Fortschritt anregt.&#13;
Würden wir bei unserer Erforschung der gegenseitigen Interessen auch die Möglichkeiten eines erweiterten Handels mit einbeziehen, würden wir zumindest&#13;
einen andersartigen Kontaktbereich eröffnen, einen Weg, der von der Konfrontation fortführt.&#13;
Ich überschätze die Aussichten auf produktive Beziehungen nicht.&#13;
&#13;
Ich&#13;
&#13;
unterschätze auch nicht die Schwierigkeiten, eine westliche Haltung gegenüber&#13;
einem solchen Unterfangen zu koordinieren.&#13;
&#13;
Und ich glaube nicht, daß wir sehr&#13;
&#13;
lange ein Arrangement aufrechterhalten können, bei dem die Vereinigten Staaten&#13;
aufgefordert sind, ihre Mittel auf die gemeinsame Verteidigung zu konzentrieren,&#13;
während die Europäer Schrittmacher dabei sind, in den Wettstreit um kommerzielle&#13;
Vorteile im Osten einzutreten.&#13;
&#13;
Genau wie bei der Politik, die es zu verfolgen&#13;
&#13;
gilt, um unsere eigenen Volkswirtschaften wiederzubeleben und um zu einem anhaltenden Wirtschaftswachstum in der Dritten Welt anzuregen, müssen wir auch&#13;
hier im Gleichschritt, in Harmonie und gerüstet auf unsere gemeinsamen Ziele&#13;
zugehen.&#13;
Aber bewegen müssen wir uns. Stillstehen würde bedeuten, Boden zu verlieren. 300 Jahre ist es her, daß Deutsche - 34 Memmoniten an Bord eines Schiffes mit dem Namen "Concord" - zum erstenmal nach Amerika kamen. Sie wagten&#13;
sich ins Unbekannte, suchten die Freiheit und die Chance auf ein besseres Leben.&#13;
Die gleichen Motive - und ein ähnlicher Glaube an unsere Fähigkeiten, uns ein&#13;
solch besseres Leben und eine sicherere Zukunft zu schaffen,- sollten auch heute&#13;
unsere Gemeinschaft in ein neues, bahnbrechendes Unterfangen führen.&#13;
Damals gingen unsere Vorfahren die Risiken als einzelne ein. Jetzt müssen wir sie als Nationen eingehen. Wenn wir uns dieser Herausforderung stellen, tun wir gut daran, uns an einen anderen Satz von Hegel zu halten, an einen,&#13;
bei dem wir, wie ich meine, alle einig sind. Er schrieb: "Das Leben hat nur&#13;
dann einen Wert, wenn es etwas Wertvolles als ein Ziel hat." Frieden, Sicherheit und Wachstum in Freiheit sind unsere Ziele. Gehen wir sie gemeinsam an,&#13;
+ + + + +&#13;
- 10 -&#13;
&#13;
�15&#13;
&#13;
6. April 1983&#13;
&#13;
DIE USA VERTEIDIGEN DIE MENSCHENRECHTE IN EL SALVADOR UND WELTWEIT&#13;
- Von Elliot Abrams Unterstaatssekretär für Menschenrechtsfragen im US-Außenministerium&#13;
&#13;
- (AD) - In einem Vortrag im Chatham House in London im Frühjahr 1982&#13;
lenkte der frühere amerikanische Außenminister Henry Kissinger die Aufmerksamkeit auf eine, wie er es nannte, "ironische Umkehr" in den europäischamerikanischen Beziehungen. In der Vergangenheit, so meinte er, hätten die&#13;
Amerikaner zu der Ansicht geneigt, die Tatsache, daß sie sich nicht in die&#13;
europäische Machtpolitik einmischten, sei ein Zeichen überlegener moralischer&#13;
Tugend. Geschützt durch zwei Ozeane, seien sie in der glücklichen Lage, sich&#13;
über ihre europäischen Freunde zu erheben, weil diese sich so sehr mit Machtpolitik befaßten und weil sie angeblich gegenüber moralischen Normen so indifferent seien. Aber, so fuhr Kissinger fort, heute ist es so, daß die Vereinigten Staaten häufig von einigen ihrer europäischen Freunden beschuldigt&#13;
werden, von Machtpolitik besessen und gegenüber moralischen Normen, d.h. den&#13;
Menschenrechten, indifferent zu sein. Diese Besetzung von geistigen Positionen, die die jeweils andere Seite aufgegeben hat, wird, so schließt&#13;
Kissinger, besonders deutlich in Fragen, die in irgendeiner Form mit der&#13;
sogenannten Dritten Welt zu tun haben, wo sich so viele strittige Menschenrechtsfragen stellen.&#13;
Es ist&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�Es ist jetzt über zwei Jahre her, daß Prsäident Reagan sein Amt übernommen hat, und es mag manche Beobachter überraschen:&#13;
&#13;
Wir haben wirklich&#13;
&#13;
eine Menschenrechtspolitik.&#13;
&#13;
Nach meiner Auffassung hat diese Politik zwei Ziele:&#13;
&#13;
die Menschenrechts-&#13;
&#13;
bedingungen in einer großen Zahl von Gebieten in der ganzen Welt zu verbessern, damit die Menschen, die dort leben, etwas davon haben; und die Verpflichtung der Vereinigten Staaten für die Sache der Freiheit in der ganzen Welt&#13;
deutlich zu machen.&#13;
&#13;
Diese Ziele sind natürlich nicht nur nicht widersprüch-&#13;
&#13;
lich, sondern sie sind untrennbar.&#13;
&#13;
Und doch ist es außerordentlich schwer,&#13;
&#13;
daraus in der Praxis eine Politik zu formulieren, die beide Ziele erreicht.&#13;
&#13;
Wir leben nicht in einer idealen Welt, und wir haben auch kaum die Wahl,&#13;
uns je für das Ideale zu entscheiden.&#13;
&#13;
In der realen Welt haben wir meist&#13;
&#13;
nicht einmal die Wahl zwischen Gut und Böse, sondern nur zwischen Schlecht&#13;
und noch Schlechter; oder vielleicht noch genauer gesagt dazwischen, daß es&#13;
so bleibt oder daß es noch schlechter wird.&#13;
&#13;
Die Ereignisse in Vietnam und&#13;
&#13;
im Iran haben gezeigt, daß schlechte Lagen sich noch verschlechtern können,&#13;
und es scheint, daß man Nicaragua jetzt auch auf diese Liste setzen kann.&#13;
Viele demokratische Gegner von Präsident Thieu oder des Schahs lebten unter&#13;
jenen Regimen in Furcht, aber sie lebten und setzten ihre Oppositionstätigkeit fort.&#13;
Exil.&#13;
&#13;
Unter den Nachfolgerregimen sind sie tot, im Gefängnis oder im&#13;
&#13;
All das dürfte sich jetzt in Nicaragua wiederholen.&#13;
&#13;
Diese Frage ist nicht ganz so beunruhigend, wenn die Opposition gegen&#13;
einen Diktator demokratisch ist und unsere Unterstützung verdient.&#13;
&#13;
Aber wenn&#13;
&#13;
sie weitgehend antidemokratisch ist, dann wird die Sache höchst schwierig.&#13;
Denn ein schlechtes Regime durch ein noch schlechteres zu ersetzen, kann keine&#13;
vernünftige Menschenrechtspolitik sein.&#13;
&#13;
Diese Frage wird noch schwieriger, wenn man an Mächte denkt, die Menschenrechtsverletzungen über ihre Grenzen hinweg exportieren.&#13;
beispielsweise die Regierung von Haiti nur Einwohner Haitis.&#13;
&#13;
- 2 -&#13;
&#13;
So unterdrückt&#13;
Die Diktatur&#13;
&#13;
�Die Diktatur Kubas unterdrückt aber nicht nur Kubaner, sondern bedroht auch&#13;
die Freiheit in der Karibik und in Mittelamerika und arbeitet auf der ganzen&#13;
Welt gegen die Demokratie.&#13;
&#13;
Es ist also nur ein erster Schritt, wenn man Menschenrechtsverletzungen&#13;
kritisiert und auf sie aufmerksam macht.&#13;
rechtsgruppen eine unschätzbare Rolle.&#13;
&#13;
Hier spielen die privaten MenschenEine Regierung muß jedoch weiter gehen&#13;
&#13;
und eine realistische Politik entwickeln, die darauf abzielt, mit gegebenen&#13;
Weltproblemen fertig zu werden, einschließlich möglicher Nachfolgerregime&#13;
und deren Bedrohung der Menschenrechte.&#13;
&#13;
Ich hoffe, daß es auf der Hand liegt, mit welchem Ernst sich die ReaganAdministration mit den Menschenrechtsfragen befaßt.&#13;
&#13;
Wir sind der Auffassung,&#13;
&#13;
daß sich eine wirklich ernsthafte Menschenrechtspolitik mit den fundamentalen&#13;
Fragen befassen muß, wie die Vereinigten Staaten bei dem immer komplizierter&#13;
werdenden Prozeß der Entwicklung demokratischer Institutionen helfen können unter Berücksichtigung der Tatsache, daß die Freiheit auf der Linken wie auf&#13;
der Rechten viele Feinde hat.&#13;
&#13;
Wir meinen, daß man nur dann, wenn diese Fragen&#13;
&#13;
berücksichtigt werden, sagen kann, daß man wirklich versucht, eine Menschenrechtspolitik zu formulieren, die wirksam sein kann.&#13;
&#13;
Die gegenwärtige Kontroverse zwischen der Reagan-Administration und&#13;
einigen unserer europäischen Freunde wegen der amerikanischen Politik in El&#13;
Salvador muß in diesem Zusammenhang untersucht werden.&#13;
&#13;
Aus unserer Sicht ist unser Ziel in El Salvador ein doppeltes:&#13;
&#13;
Einmal&#13;
&#13;
wollen wir den Prozeß der Versöhnung durch Demokratie sowie politische und wirtschaftliche Reform fördern, und zum andern wollen wir der Armee bei der Bekämpfung der Guerilla helfen.&#13;
dies:&#13;
&#13;
Denn wenn eines sicher ist in El Salvador, dann&#13;
&#13;
Die bewaffneten Gruppen der Guerilla, die von Kommunisten geführt wer-&#13;
&#13;
den, die mit Moskau, Havanna und Managua verbündet sind, kämpfen nicht für die&#13;
Menschenrechte.&#13;
&#13;
Sie kämpfen um die Macht.&#13;
&#13;
Und von den Modellen, die sie zu&#13;
&#13;
verbreiten suchen, wissen wir, daß sie Macht für sich selbst meinen und diese&#13;
&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
�und diese Macht niemals mit der Bevölkerung von El Salvador teilen wollen.&#13;
&#13;
Eine beträchtliche Zahl unserer europäischen Kritiker sieht die Dinge&#13;
jedoch anders.&#13;
&#13;
Sie beschuldigen umgekehrt die Vereinigten Staaten, sie seien&#13;
&#13;
in gefährlicher Weise von "Ost-West"-Fragen "besessen";&#13;
&#13;
sie seien hoffnungs-&#13;
&#13;
los mit einem archaischen und ungerechten Status quo verheiratet; und sie seien&#13;
gegenüber der Sache des Friedens, der sozialen Gerechtigkeit und der Reform&#13;
in El Salvador indifferent - wenn nicht gar feindlich.&#13;
&#13;
El Salvador steht heute mitten in einem blutigen Guerilla-Krieg.&#13;
hat er begonnen?&#13;
&#13;
Wie&#13;
&#13;
El Salvador ist das kleinste und am dichtesten besiedelte&#13;
&#13;
Land Mittelamerikas und ein Land mit einer langen Geschichte der Gewalt, Armut und Unterdrückung.&#13;
&#13;
Im Oktober 1979 stürzte eine Gruppe junger Offiziere&#13;
&#13;
in mittleren Rängen die Regierung von General Carlos Romero und stieß zwei&#13;
Drittel der Offiziere in einem höheren Rang als Major aus den Streitkräften&#13;
aus.&#13;
&#13;
Die revolutionäre Proklamation der Armee verpflichtete die neue Regie-&#13;
&#13;
rung auf freie Wahlen, ein demokratisches politisches System, grundlegende&#13;
wirtschaftliche und soziale Reformen und Frieden mit Honduras.&#13;
&#13;
Die Grund-&#13;
&#13;
lage der Verpflichtung der neuen Armeeführung war die Überzeugung, daß die&#13;
beherrschende Rolle, die die Armee von 1932 bis 1979 in der Politik El Salvadors&#13;
gespielt hatte, für das Land schlecht gewesen war, für die Armee schlecht gewesen war und für die meisten Offiziere schlecht gewesen war.&#13;
&#13;
Die neue Füh-&#13;
&#13;
rung war überzeugt, daß das Bündnis zwischen Armee und der Oligarchie der&#13;
Grundbesitzer gelöst werden müsse und die Armee eine Berufsarmee werden sollte.&#13;
&#13;
Die Armee schuf eine neue Regierung, der sich solche progressiven Kräfte&#13;
wie Ungo und seine Partei anschlössen.&#13;
&#13;
Der hoffnungslose Zank in dieser neuen&#13;
&#13;
Regierung machte sie handlungsunfähig, und im Januar 1980 ging die christlichdemokratische Partei, die traditionell&#13;
&#13;
stärkste Oppositionspartei, eine vor-&#13;
&#13;
sichtige Partnerschaft mit der Armee ein, die Napoleon Duarte seinen Sieg in&#13;
den Präsidentschaftswahlen von 1972 verwehrt und ihn für sieben Jahre ins Exil&#13;
nach Venezuela verbannt hatte.&#13;
Regierungsjunta.&#13;
&#13;
Zusammen bildeten sie jetzt die Revolutionäre&#13;
&#13;
Viele glaubten, diese Ehe werde nicht lange halten. Aber sie&#13;
&#13;
- 4 -&#13;
&#13;
�Aber sie hielt und brachte eine Reihe drastischer und weitreichender wirtschaftlicher und sozialer Reformen hervor, einschließlich der Verstaatlichung&#13;
aller Banken und eines der massivsten Landverteilungsprogramme in der Geschichte Lateinamerikas, und führte zu den Wahlen im Oktober 1982.&#13;
&#13;
Genau zu dem Zeitpunkt, an dem diese Reformen verabschiedet wurden,&#13;
schlössen sich fünf marxistisch-leninistische Gruppen in El Salvador mit Hilfe&#13;
Fidel Castros zusammen, gründeten die Faribundo Marti Volksbefreiungsfront&#13;
(FMLN) und schufen ein internationales Netz von politischen Helfern und militärischen Lieferanten.&#13;
&#13;
Irgendwie gelang es der FMLN, eine Handvoll prominenter&#13;
&#13;
salvadorianischer Demokraten für sich zu gewinnen, von denen einige in der&#13;
ersten Revolutionsregierung mit der Armee gewesen waren, weil man dachte, daß&#13;
die Mitwirkung dieser Leute der Bewegung einen gemäßigten Anstrich geben würde.&#13;
Die Demokraten, die unter den Aufständischen im eigenen Land keinerlei Macht&#13;
ausüben, wurden nach Lateinamerika, Europa und den Vereinigten Staaten entsandt, um für internationale Unterstützung zu werben.&#13;
&#13;
Die FMLN befehligt die&#13;
&#13;
Guerilla, beschafft Waffen und Mittel und Ausbildung durch ihre Verbindungen&#13;
zu Havanna, Moskau, Managua und der PLO und ist entschlossen, einen marxistischleninistischen Staat nach dem Muster der Sowjetunion zu errichten.&#13;
&#13;
Die Gründung der FMLN im Mai 1980 kann als der Beginn des gegenwärtigen&#13;
Kampfes in El Salvador angesehen werden.&#13;
&#13;
Die FMLN, das muß hervorgehoben wer-&#13;
&#13;
den, begann ihren Krieg nachdem die revolutionäre Regierungsjunta an die Macht&#13;
gekommen war, nachdem die Landreform begonnen hatte und nachdem sich die Regierung auf ein demokratisches politisches System verpflichtet hatte.&#13;
&#13;
In Gesellschaften wie in El Salvador,wo die Mehrheit der Bevölkerung&#13;
nicht in der Stadt lebt, ist eine Schicht landbesitzender Bauern wohl das wirksamste Hindernis gegen eine kommunistische Machtübernahme.&#13;
&#13;
Rund 20 Prozent des&#13;
&#13;
bebaubaren Landes in El Salvador ist bereits an frühere Pächter verteilt worden - gegen den Widerstand der alten Oligarchie.&#13;
&#13;
Ein landbesitzender Bauer&#13;
&#13;
war genau das, was die neue Regierung in El Salvador wollte.&#13;
&#13;
Ist es ein Wun-&#13;
&#13;
der, daß die fünf kommunistischen Gruppen, aus denen die FMLN besteht, sich ange-&#13;
&#13;
- 5 -&#13;
&#13;
�sich angesichts einer solchen Entwicklung verpflichtet fühlten, ihre ideologischen Differenzen zu begraben und sich zu vereinen, um die Regierung z;u&#13;
stürzen, bevor deren Programme voll verwirklicht waren?&#13;
Die Motive, der FMLN, El Salvador in einen bitteren Krieg zu stürzen,&#13;
hatten mit den berechtigten Anliegen des salvadorianisehen Volkes nichts zu&#13;
tun.&#13;
&#13;
Sie hatten lediglich zu tun mit dem Wunsch einer Handvoll Fanatiker d$r&#13;
&#13;
totalitären Linken, nach dem Muster ihrer Helfer in Kuba und in der Sowjetunion und trotz all der Gewalttätigkeit und des wirtschaftlichen Schadens,&#13;
die damit verbunden sind, die absolute Macht zu erringen.&#13;
Daher stand die amerikanische Regierung 1981 vor einer großen politischen Entscheidung: Sollten wir der Regierung von El Salvador Militärhilfe gewähren oder nicht? Einige unserer Freunde in der Sozialistischen&#13;
Internationale drängten uns dazu, nicht in der Politik von El Salvador zu&#13;
"intervenieren". Man sagte uns, wir sollten das salvadorianische Volk seine&#13;
eigene Zukunft selbst bestimmen lassen. Nun hat aber schon vor über einem&#13;
Jahrhundert John Stuart Mill darauf hingewiesen, daß "die Doktrin der Nichtintervention, soll sie ein legitimes Moralprinzip sein, von allen Regierungen&#13;
akzeptiert werden muß. Die Despoten müssen genauso wie die freien Staaten ihre&#13;
Zustimmung dazu geben, von ihm gelenkt zu werden. Geschieht dies nicht, so&#13;
führt seine Einhaltung durch die freien Länder lediglich zu der miserablen&#13;
Tatsache, daß die Unrechten zwar den Unrechten helfen können, aber die Gerecht&#13;
ten nicht den Gerechten helfen dürfen." Denn gerade weil es dem salvadorianischen Volk nicht möglich war, über seine Zukunft selbst zu bestimmen, weil&#13;
Kuba, Nicaragua, die PLO, Äthiopien, Nordkorea, Libyen, Vietnam und die Sowjetunion alle die FMLN unterstützen und weil im Konflikt von El Salvador die unrechte Seite gewaltige Mengen an Militärhilfe, Ausbildung und logistischer&#13;
Unterstützung erhielt, sahen die Vereinigten Staaten ihre moralische Verpflichtung darin, der gerechten Seite zu helfen - der neuen salvadorianischen Regierung. Nichts, was sich seit 1981 zugetragen hat, macht diese moralische Verpflichtung weniger zwingend. Ja, die Ergebnisse der Wahlen des letzten Jahres&#13;
machen sie nur noch zwingender.&#13;
Die Menschen&#13;
- 6 -&#13;
&#13;
�Die Menschen dort gingen unter ungeheuer schwierigen Bedingungen zur&#13;
Wahl.&#13;
&#13;
Die marxistische Führung beschloß, eine konzertierte Kampagne durchzu-&#13;
&#13;
führen, um den Volkswillen daran zu hindern, sich zu äußern - eine Kampagne,&#13;
die Guerillaangriffe auf Wahllokale einschloß.&#13;
&#13;
Trotz all dieser Hindernisse&#13;
&#13;
ging das Volk von El Salvador in einem Umfang zu den Wahlurnen, der alle Vorhersagen übertraf.&#13;
&#13;
Nahezu 1,5 Millionen Menschen wählten, wahrscheinlich mehr&#13;
&#13;
als 80 Prozent der Wahlberechtigten.&#13;
&#13;
Wegen der von der Guerilla kommenden Ge-&#13;
&#13;
walt gingen die Wähler manchmal meilenweit zu sichereren Wahllokalen oder standen - sogar unter Beschuß - stundenlang Schlange für die Möglichkeit, ihre&#13;
Stimme für die Zukunft von El Salvador abzugeben.&#13;
&#13;
Das salvadorianische Volk zeigte in seiner überwältigenden Mehrheit durch&#13;
die Weigerung, auf die Warnungen der FMLN zu reagieren, sowie dadurch, daß die&#13;
Menschen mit ihrer Wahlbeteiligung ihr Leben aufs Spiel setzten, daß dieses&#13;
Volk nicht von marxistisch-leninistischen Insurgenten beherrscht werden möchte.&#13;
Es zeigte damit auch seine Überzeugung, daß eine gewählte Regierung, nicht die&#13;
Diktatur einer kommunistischen Elite,die größte Hoffnung auf den Schutz seiner&#13;
grundlegenden Menschenrechte bietet.&#13;
&#13;
Es ist die gewählte Regierung von Prä-&#13;
&#13;
sident Magana, die sich jetzt der Drohung eines gewaltsamen Sturzes durch eine&#13;
gutausgerüstete, von außen unterstützte marxistisch-leninistische Guerilla&#13;
stellen muß.&#13;
&#13;
Natürlich wurden die Wahlergebnisse angefochten, aber Jose Napoleon&#13;
Duarte, der aufgrund des Wahlergebnisses sein Amt verlor, erklärte selbst,&#13;
daß diese Beschuldigungen Teil einer Kampagne seien, die Wahlen zu verunglimpfen.&#13;
&#13;
Es waren internationale Beobachter eingeladen worden, Wahl kämpf&#13;
&#13;
und Wahlen zu überwachen,&#13;
&#13;
über 200 Beobachter aus über 40 Staaten waren an-&#13;
&#13;
wesend, und mehr als 700 Journalisten dienten praktisch ebenfalls als Beobachter.&#13;
&#13;
Diese Beobachter waren im großen und ganzen der Meinung, daß der Wahl-&#13;
&#13;
prozeß ordnungsgemäß, fair und - von den Guerillaangriffen abgesehen - auch&#13;
friedlich war.&#13;
&#13;
Und obgleich es Vorwürfe hinsichtlich eines Druckes von Re-&#13;
&#13;
gierungsseite gab, bemerkte Erzbischof Rivera y Damas in bezug auf die Wahlen,&#13;
daß, "falls es Druck gegeben hat, dieser nicht von der Regierung kam, sondern&#13;
von denjenigen, die die Wahlen nicht wollten."&#13;
Mit dem&#13;
- 7 -&#13;
&#13;
�Mit dem Argument, Parteien, die die FMLN repräsentierten, seien nicht&#13;
auf den Stimmzetteln erschienen, wurden die Wahlen zusätzlich diskreditiert.&#13;
Dabei waren sie dazu aufgefordert worden, gleichfalls anzutreten, hatten dies&#13;
jedoch mit der Begründung abgelehnt, ihre persönliche Sicherheit sei gefährdet und sie seien generell gegen die Abhaltung von Wahlen.&#13;
&#13;
Wäre aber die&#13;
&#13;
Sicherheit ihr eigentliches Anliegen gewesen, so hätten sie darüber mit Präsident Duarte und dem Wahlleiter Bustamante verhandeln können.&#13;
&#13;
Statt dessen&#13;
&#13;
wiesen sie solche Verhandlungen nicht nur zurück, sondern griffen Wähler und&#13;
Wahllokale an.&#13;
&#13;
Dadurch wird klar, daß sie etwas anderes am meisten fürchte-&#13;
&#13;
ten - und die Wahlergebnisse bestätigten diese Befürchtung auf dramatische&#13;
Weise - nämlich die öffentliche Bestätigung der Unpopularität der FMLN in&#13;
El Salvador.&#13;
&#13;
Haben die Wahlen, hat die derzeitige Regierung Fortschritte bei den&#13;
Menschenrechten mit sich gebracht, die sich den wirtschaftlichen Reformen anschließen?&#13;
&#13;
Fortschritt bei den Menschenrechten ist zu verzeichnen - wenn-&#13;
&#13;
gleich auch langsam.&#13;
&#13;
Todesfälle unter der Zivilbevölkerung,&#13;
&#13;
die von poli-&#13;
&#13;
tischer Gewalt von allen Seiten herrühren, gingen von rund 800 je Monat gegen&#13;
Ende 1980 auf 200 je Monat im letzten Halbjahr 1982 zurück.&#13;
&#13;
Mängel bei der&#13;
&#13;
militärischen Disziplin werden ebenfalls langsam abgestellt - durch zunehmenden Professionalismus und Ausbildung im Menschenrechtsbereich, durch verbesserte Kommunikation und Befehlsanweisungen, die die Achtung vor den Nichtkombattanten betonen.&#13;
&#13;
Repräsentative Institutionen, geschaffen durch allge-&#13;
&#13;
meines Wahlrecht, sind federführend beim Entwurf einer modernen Verfassung&#13;
und bei den Vorbereitungen für die Präsidentschaftswahlen, die später im Jahr&#13;
stattfinden sollen.&#13;
&#13;
Alle Parteien befürworten die Einsetzung der neuen Frie-&#13;
&#13;
denskommission, zu deren Aufgaben die Arbeit an einem Amnestiegesetz sowie&#13;
Verhandlungen über die Beteiligung der Opposition an den nächsten Wahlen gehören. Es sollte ganz deutlich gesagt werden, daß die Regierung der Vereinigten Staaten solche Verhandlungen wünscht.&#13;
Es sollte jedoch auch deutlich sein, daß der Fortschritt - solange der&#13;
Aufruhr anhält - auch weiterhin eher in Metern als in Meilen gemessen werden&#13;
dürfte.&#13;
&#13;
Der von der FMLN im Mai 1980 begonnene Hader hat eine Kettenreaktion&#13;
- 8 -&#13;
&#13;
�eine Kettenreaktion der Gewalt und der Gegengewalt in Gang gesetzt, die die&#13;
salvadorianische Gesellschaft in ihrer Gesamtheit miteinbezogen hat und die&#13;
das Ausmaß der Menschenrechtsverletzungen in El Salvador gewaltig erhöht hat.&#13;
Wenn diese Kettenreaktion unter Kontrolle gebracht werden soll, dann muß das&#13;
Kämpfen unter Kontrolle gebracht werden.&#13;
&#13;
Einige Kritiker der Reagan-Administration fordern, wir sollten die Regierung von El Salvador dazu zwingen, in Verhandlungen mit der FMLN einzutreten - nicht hinsichtlich der Teilnahme an Wahlen, sondern mit dem Ziel, ihr&#13;
mehrere Ministerien und einen Anteil an der Staatsmacht anzubieten.&#13;
&#13;
Egal, so&#13;
&#13;
sagen jene, ob die Guerillaangriffe seit 1980 das Töten gewaltig verstärkt haben; egal, ob die Guerilla versucht hat, die Wahlen zu sabotieren und vielleicht auch die Präsidentschaftswahlen im Dezember attackiert und egal, ob&#13;
die Guerilla über eine größere Anhängerschaft in El Salvador verfügt oder&#13;
nicht.&#13;
&#13;
Sie hat Verhandlungen angeboten, und wenn erst die salvadorianische&#13;
&#13;
Regierung zustimmt, dann wird das Töten aufhören.&#13;
&#13;
Aber die jüngste Geschichte Südostasiens allein schon hat uns eine bittere Lektion hinsichtlich der Verhandlungen mit Kommunisten gelehrt.&#13;
&#13;
Wenn&#13;
&#13;
wir die Regierung von El Salvador dazu zwingen würden, mit der Guerilla als&#13;
gleichem Partner zu verhandeln, würden wir ihren Zusammenbruch riskieren.&#13;
Und wenn die sich hieraus ergebende Anarchie zu einem Sieg der Guerilla führen&#13;
würde, könnten wir sicher sein, daß das Schicksal des salvadorianischen Volkes&#13;
ein Leben ohne Freiheit und ohne Respektierung seiner Menschenrechte wäre.&#13;
&#13;
Die Guerilla rechnet mit der Möglichkeit, daß die Vereinigten Staaten&#13;
unter dem zunehmenden Druck unserer westeuropäischen Freunde schließlich die&#13;
Regierung von El Salvador doch dazu zwingen, Macht an die Guerilla abzugeben - ohne Wahlen, durch Verhandlungen.&#13;
Strategie einer "guerra prolongada" geht.&#13;
&#13;
Das ist es, worum es bei der FMLNSie ist davon überzeugt, daß die&#13;
&#13;
öffentliche Meinung des Westens - der deus ex machina der extremen Linken ihr schließlich doch den Sieg bringen wird, den an der Wahlurne zu bekommen&#13;
sie sich nicht einmal erträumen könnte - wenn sie nur den militärischen Druck&#13;
&#13;
- 9 -&#13;
&#13;
�militärischen Druck beibehält. Zudem kann die Guerilla einem ermutigenden&#13;
Modell folgen:&#13;
&#13;
Sie weiß, daß das leidenschaftliche Interesse an der Menschen-&#13;
&#13;
rechtssituation in El Salvador verglimmen wird, wenn sie erst einmal den Sieg&#13;
davongetragen hat. Denn wie interessiert ist in diesem Tagen die "aufgeklärte&#13;
öffentliche Meinung des Westens an der Menschenrechtssituation in Kuba, in&#13;
Vietnam, sogar in Kampuchea?&#13;
&#13;
Es gibt bestimmt keinen verünftigen Menschen,&#13;
&#13;
der behauptet, die Siege der Guerilla in diesen Ländern habe zugleich ein&#13;
Ende der Menschenrechtsverletzungen mit sich gebracht.&#13;
Aber es gibt einen Weg, um das Töten in El Salvador zu beenden.&#13;
&#13;
Die&#13;
&#13;
Spitze der FMLN, die den Krieg 1980 begann, könnte ihn genauso gut 1983 einstellen.&#13;
&#13;
Sie könnte einen Waffenstillstand ausrufen.&#13;
&#13;
teiligung an den bevorstehenden Wahlen zustimmen.&#13;
&#13;
Sie könnte einer Be-&#13;
&#13;
Sie könnte ihre Streit-&#13;
&#13;
kräfte zu ihren Basen und Ausbildungslagern in Nicaragua&#13;
&#13;
zurückschicken. Sie&#13;
&#13;
könnte die Amnestievorschläge diskutieren, die die kürzlich eingesetzte salvadorianische Friedenskommission vorbereitet.&#13;
&#13;
Sie könnte der Regierung von&#13;
&#13;
El Salvador die Chance geben, die von ihr begonnenen Reformen zu vollenden.&#13;
Sie könnte in gutem Glauben über eine sichere Beteiligung an den kommenden&#13;
Wahlen verhandeln, anstatt das Versprechen abzugeben, auf die Wähler zu&#13;
schießen.&#13;
Halte ich es für wahrscheinlich, daß die FMLN solche Entscheidungen&#13;
treffen wird? Nein, nicht solange die "aufgeklärte" öffentliche Meinung des&#13;
Westens die Reagan-Administration weiterhin dazu drängt, die Regierung von&#13;
El Salvador zu Verhandlungen zu zwingen. Unter diesen Umständen hat die FMLN&#13;
keinen Anreiz, die guerra prolongada zu beenden.&#13;
Ich fürchte sehr, daß viele unserer Kritiker, sogar uns freundschaftlich gesonnener Kritiker, bei ihrer Beurteilung der gegenwärtigen amerikanischen Politik zu El Salvador eine Art selektiver Moral haben. Die Vereinigten Staaten und die Regierung von El Salvador werden an den anspruchsvollsten&#13;
Menschenrechtsmaßstäben gemessen, während man die FMLN und ihre Verbündeten&#13;
entschuldigt, überhaupt irgendwelchen Maßstäben gerecht zu werden. Tatsache&#13;
ist, daß wir in den Vereinigten Staaten der Meinung sind, es sei unsere&#13;
- 10 -&#13;
&#13;
�sei unsere Pflicht, den Versuch zu machen, an diese Ideale heranzureichen;&#13;
aber wir sind zugleich der Meinung, daß diese Maßstäbe ohne Unterschied gelten müssen.&#13;
&#13;
Solange sie dies nicht tun, bleiben sie willkürliche politische&#13;
&#13;
Haltungen, die sich lediglich als Menschenrechte ausgeben.&#13;
&#13;
Vor einer Generation kam Stephen Spender zu der gleichen Erkenntnis,&#13;
als in Spanien der tragische Bürgerkrieg tobte.&#13;
Sympathien der republikanischen Seite.&#13;
&#13;
Zunächst galten alle seine&#13;
&#13;
Aber im Verlauf mehrerer Reisen in&#13;
&#13;
dieses Land erkannte er, daß die schrecklichen Untaten nicht nur Monopol&#13;
einer einzigen Seite&#13;
&#13;
wäre - es gab derer viel zu viel auf beiden Seiten.&#13;
&#13;
Und er schrieb etwas, was ihm stets zur Ehre gereichen wird:&#13;
&#13;
"Ich erkannte,&#13;
&#13;
daß es mir eigentlich gar nicht wirklich um die ermordeten Kinder ging, solange ich mich nicht unterschiedslos um jedes ermordete Kind kümmerte."&#13;
&#13;
Wir versuchen, in El Salvador zum Aufbau eines demokratischen Systems&#13;
beizutragen, in dem Kinder in Frieden leben können.&#13;
&#13;
Es gibt in El Salvador&#13;
&#13;
zu viele Menschen mit Gewehren, aber die Gewehre der einen Seite schützen die&#13;
Wahllokale, während die Gewehre der anderen Seite auf sie zielen.&#13;
&#13;
Können wir&#13;
&#13;
wirklich zögern, auf welcher Seite wir stehen wollen?&#13;
&#13;
In vielen Ländern sind heutzutage die Menschenrechte sowohl von repressiven Regierungen als auch von einer mörderischen Guerilla bedroht, die öffentlich ihre Verachtung für die Demokratie zum Ausdruck bringt.&#13;
&#13;
Die Aufgabe,&#13;
&#13;
eine Regierung zu reformieren, ist frustrierend, schwierig und langwierig;&#13;
aber niemand, der es mit den Menschenrechten ernst meint, kann eine Politik&#13;
verfolgen, die schließlich die Macht in die Hände von leninistischen Banden&#13;
legt,die sich über die Menschenrechte lustig machen und offenkundig keine Unterstützung im Volk haben.&#13;
&#13;
Sowohl die radikale Rechte als auch die radikale&#13;
&#13;
Linke in El Salvador sehen in den Vereinigten Staaten das Haupthindernis auf&#13;
ihrem Weg zur Macht - und diese Tatsache ist in sich selbst Beweis dafür,&#13;
daß zumindest sie unsere Politik der Unterstützung der Mitte begreifen.&#13;
&#13;
Denn das&#13;
&#13;
- 11 -&#13;
&#13;
�Denn das ist unsere Politik - der Mitte beim Aufbau der Demokratie zu&#13;
helfen.&#13;
&#13;
Dies ist keine hektische oder modische Menschenrechtspolitik, aber&#13;
&#13;
die Menschenrechtspolitik ist auch keine Schrulle und keine Modesache.&#13;
&#13;
Sie&#13;
&#13;
ist eine Anstrengung, sich mit der verwickelten Lage in hundert Ländern und&#13;
mit hundert verschiedenen Situationen, in denen Männer und Frauen Leben oder&#13;
Freiheit verwehrt wird, auseinanderzusetzen.&#13;
&#13;
Dies erfordert von uns, un-&#13;
&#13;
sentimental und unromantisch in unserem Denken zu sein und statt dessen klar&#13;
und ernst.&#13;
Ich komme aus einem Land, in dem zu viele unserer Landsleute ihr Leben&#13;
für die Menschenrechte gegeben haben - für das Leben und für die Freiheit anderer -, um eine Verpflichtung einzugehen, die geringer tyäre.&#13;
&#13;
- 12 -&#13;
&#13;
�ä&#13;
&#13;
Wi//cn/chaft&#13;
und Technik&#13;
&#13;
II M 111V&#13;
&#13;
• il 111 Li i&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
15&#13;
&#13;
6. April 1983&#13;
&#13;
POLIKLINIK FÜR ZUCKERKRANKE&#13;
&#13;
- (AD) - Eine speziell auf die Erfordernisse von Diabetikern abgestellte&#13;
Poliklinik wurde Anfang dieses Jahres am Klinikum der Stanford-Universität&#13;
(Kalifornien) eröffnet.&#13;
&#13;
Wie ihr Leiter, Dr. Frederic Kraemer, erklärte, sei&#13;
&#13;
damit endlich eine Idee verwirklicht worden, die Ärzte verschiedener Fachrichtungen schon lange hegten.&#13;
&#13;
Denn angesichts der vielen und verschiedenartigen&#13;
&#13;
Komplikationen, die bei Diabetes-Patienten auftreten können, sei es bisher&#13;
"... nicht möglich gewesen, Diagnosen und Therapieprogramme so umfassend auszuarbeiten, wie wir es gerne gesehen hätten".&#13;
&#13;
Kraemer ist Endokrinologe. Die&#13;
&#13;
neue Poliklinik für Diabetes und Stoffwechselkrankheiten wurde der Abteilung&#13;
für Endokrinologie (Lehre von der Funktion innersekretorischer Drüsen) angeschlossen.&#13;
&#13;
An der Diabetes-Poliklinik sind u.a. Fachärzte für Neurologie, Nephrologie, Augenkrankheiten, Rheumakrankheiten und Gicht sowie Ernährungswissenschaften stationiert.&#13;
&#13;
Bisher wurden Diabetiker mit Erkrankungen des Nerven-&#13;
&#13;
systems, der Augen, mit Störungen der Nierenfunktion oder Gefäßkrankheiten an&#13;
die jeweiligen Spezialkliniken weiterverwiesen.&#13;
&#13;
Jetzt soll in enger Zusammen-&#13;
&#13;
arbeit der Spezialisten nach der optimalen medizinischen "Ganzheitsbetreuung"&#13;
des Diabetikers gesucht werden.&#13;
Vor allem&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 22 40&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�Vor allem gehe es darum, so Dr. Gerald Reaven, Professor für innere&#13;
Medizin und Chef der Abteilung für Gerontologie, Komplikationen wie z.B. Erkrankungen des peripheren Gefäßsystems so rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln, daß es nicht zum Absterben von Gewebe und zu&#13;
muß.&#13;
&#13;
Amputationen kommen&#13;
&#13;
Die Tätigkeit aller Arzte und das medizinische Personal ist auf den Dia-&#13;
&#13;
betiker konzentriert; die bisher übliche Aufsplitterung der Therapie mit Spezialbehandlung an verschiedenen Spezialkliniken soll der Vergangenheit angehören.&#13;
Besonderer Wert wird auf die Schulung der Patienten gelegt, z. B.&#13;
Zuckerwerte regelmäßig selbst zu bestimmen oder sich strikt an die vorgeschriebene Diät zu halten.&#13;
&#13;
Die insulin-abhängigen und nicht insulin-abhän-&#13;
&#13;
gigen Patienten erhalten Therapiepläne für die Weiterbetreuung durch den Hausarzt.&#13;
&#13;
Bei der zweiten Gruppe wird nur in manchen Fällen Insulin angewandt;&#13;
&#13;
häufig reicht jedoch die Einhaltung von Diät oder die Einnahme von Tabletten&#13;
für die Behandlung aus. Die Ursachen dieser zwei Diabetes-Formen sind verschieden, jedoch können sie zu denselben Komplikationen führen. Auch Nichtdiabetiker mit Störungen des Fettstoffwechsels, z. B. mit zu hohem Cholesterinspiegel, werden an der neuen Poliklinik betreut.&#13;
&#13;
+ + + + +&#13;
&#13;
- 2 -&#13;
&#13;
�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan legt Vorschlag für eine Zwischenlösung in Genf dar&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache des US-Präsidenten am 30. März 1983 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rede des US-Präsidenten in Los Angeles am 31. März 1983&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Senator: Zukunft ist nur gemeinsam zu bewältigen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Berlin-Rede von Senator Mathias -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die USA verteidigen die Menschenrechte in El Salvador und weltweit&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Elliot Abrams -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Unterstaatssekretär für Menschenrechtsfragen im US-Außenministerium&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Polikinik für Zuckerkranke</text>
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                    <text>30. März 1983

14

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan fordert Verteidigungsprogramm für die Zukunft
- Rede des US-Präsidenten vom 23. März 1983 Das Atlantische Bündnis:

Die Tatsachen und Lehren der Geschichte

- Berlin-Rede des Stellvertretenden US-Außenministers -

INFORMATION
William Ruckeishaus Direktor der Umweltschutzbehörde

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
CHALLENGER-Start für 4. April vorgesehen

Um Uber/endurtQ von
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

14

30. März 1983

REAGAN FORDERT VERTEIDIGUNGSPROGRAMM FÜR DIE ZUKUNFT
- Rede des US-Präsidenten vom 23. März 1983 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan forderte in einer vielbeachteten Fernsehrede an das amerikanische Volk am 23. März 1983 ein intensives Forschungsprogramm auf dem Gebiete der Verteidigung, das eines Tages
offensive Atomraketen unwirksam und überflüssig machen soll.

Diese neue Ver-

teidigungstechnik werde jedoch erst im kommenden Jahrhundert wirksam werden,
und deshalb müsse sich der Westen für die nächste Zukunft weiterhin auf eine
wirksame Abschreckung verlassen.

Die Rede des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Ich danke Ihnen, daß Sie sich heute abend Zeit für mich nehmen.

Das

Thema, das ich mit Ihnen besprechen möchte, Frieden und Sicherheit, ist sowohl aktuell als auch wichtig - aktuell, weil ich eine Entscheidung getroffen habe, die für unsere Kinder im 21. Jahrhundert neue Hoffnung bietet eine Entscheidung, auf die ich gleich eingehen werde - und wichtig, weil
es um eine sehr große Entscheidung geht, die Sie für sich selbst treffen
müssen.

Dabei geht es um die grundsätzliche Pflicht, die jeder Präsident

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�jeder Präsident und jeder Mensch hat - die Pflicht, den Frieden zu schlitzen und zu stärken.
Anfang dieses Jahres habe ich dem Kongreß einen Verteidigungshaushalt
vorgelegt, der meinem besten Urteil und dem bestem Wissen der Experten
und Spezialisten, die mich beraten, bezüglich dessen entspricht, was wir und
unsere Verbündeten tun müssen, um unsere Völker in den kommenden Jahren zu
schützen.
Dieser Haushalt ist mehr als nur eine lange Liste von Zahlen, denn
hinter all diesen Zahlen steht die Fähigkeit Amerikas, die größte aller
menschlichen Tragödien zu verhindern und unsere freie Lebensform in einer
manchmal gefährlichen Welt zu bewahren. Er ist Teil eines sorgfältigen
langfristigen Planes, Amerika nach zu vielen Jahren der Nachlässigkeit und
der Fehler wieder stark zu machen. Unsere Anstrengungen, die Verteidigung
Amerikas wieder aufzubauen und den Frieden zu stärken, begannen vor zwei
Jahren, als wir eine wesentliche Erhöhung des Verteidigungsprogramms forderten. Seither sind die Beträge für diese zunächst geforderten Erhöhungen
durch Verbesserungen im Management und in der Beschaffung sowie durch andere
Einsparungen um die Hälfte verringert worden. Der Haushaltsvoranschlag,
der jetzt dem Kongreß vorliegt, ist bis an die Grenzen der Sicherheit gestrafft worden. Weitere tiefe Einschnitte können nicht gemacht werden, ohne
die Sicherheit der Nation ernsthaft zu gefährden. Die Entscheidung liegt
bei den Männern und Frauen, die Sie in den Kongreß gewählt haben - und das
heißt, die Entscheidung liegt bei Ihnen.
Ich möchte Ihnen heute abend darlegen, um was es bei dieser Verteidigungsdebatte geht
vorliegende

und warum ich überzeugt bin, daß der jetzt dem Kongreß

Haushaltsantrag notwendig und verantwortungsbewußt ist und Ihre

Unterstützung verdient.

Und ich möchte Ihnen für die Zukunft Hoffnung

machen.
Aber lassen

�Aber lassen Sie mich zuerst erklären, um was es bei der Verteidigungsdebatte nicht geht.

Es geht nicht um ein Ausgabenzahlenspiel.

Ich weiß,

daß Sie in den letzten Wochen mit Zahlen und Prozentzahlen überschüttet
worden sind.

Manche Leute sagen, wir brauchten nur eine fünfprozentige Er-

höhung unserer Verteidigungsausgaben.

Der sogenannte "Alternativhaushalt",

der von Liberalen im Repräsentantenhaus unterstützt wird, würde die Zahl sogar auf zwei bis drei Prozent senken und unsere Verteidigungsausgaben in
den nächsten fünf Jahren um 163 Milliarden Dollar kürzen.

Das Problem mit

all diesen Zahlen ist, daß sie uns wenig genug über die Art von Verteidigungsprogramm sagen, das Amerika braucht, oder über Vorzüge im Sinne der
Sicherheit und Freiheit, die unsere Verteidigungsanstrengung für uns erkauft.
Was bei dieser ganzen Debatte offensichtlich außer acht gelassen wird,
ist die einfache Tatsache, wie ein Verteidigungshaushalt zustande kommt.
Er wird nicht dadurch aufgestellt, daß man entscheidet, eine bestimmte Menge
Dollar auszugeben. Die großen Töne, die gelegentlich zu vernehmen sind
und mit denen behauptet wird, die Regierung versuche ein Sicherheitsproblem
einfach durch Geldausgeben zu lösen, bedeuten nichts anderes als Lärm aus
Unwissenheit heraus.
Wir beginnen damit, uns zu überlegen, was getan werden muß, um den
Frieden zu sichern, und prüfen alle möglichen Bedrohungen unserer Sicherheit.

Dann müssen wir uns auf eine Strategie zur Stärkung des Friedens und

der Verteidigung gegen all diese Bedrohungen einigen.

Und schließlich müs-

sen unsere Verteidigungseinrichtungen dahingehend überprüft werden, festzustellen, was notwendig ist, um uns gegen irgendeine oder alle dieser potentiellen Bedrohungen zu schützen.

Am Schluß wird ausgerechnet, was es kostet,

all diese Ziele zu erreichen, und das Ergebnis ist der nationale Verteidigungshaushalt.
Es ist logisch nicht möglich, einfach zu sagen, wir wollen soundsoviel x Milliarden Dollar weniger ausgeben.

Man kann höchstens sagen, auf

welchen Teil unserer Verteidigungsmaßnahmen wir nach unserer Meinung ver-

- 3 -

�Meinung verzichten könnten und noch immer gegen alle Ernstfälle gesichert
wären.

Jeder, der im Kongreß für eine Kürzung der Verteidigungsausgaben

um einen bestimmten Prozentsatz oder um eine bestimmte Dollarsumme eintritt,
sollte sagen müssen, welchen Teil unserer Verteidigung er streichen möchte;
und er sollte freimütig genug sein, zuzugeben, daß diese Kürzungen eine Kürzung

unserer Verpflichtung gegenüber unseren Verbündeten oder ein größeres

Risiko oder beides zusammen bedeuten würden.

Die Verteidigungspolitik der Vereinigten Staaten basiert auf einer
einfachen Prämisse:

Die Vereinigten Staaten beginnen keinen Krieg. Wir

werden niemals ein Aggressor sein.

Wir halten unsere Stärke aufrecht, um

vor einer Aggression abzuschrecken und uns gegen sie zu verteidigen - um
die Freiheit und den Frieden zu erhalten.

Seit dem Anbruch des Atomzeitalters haben wir danach gestrebt, das Risiko eines Krieges zu verringern, indem wir eine starke Abschreckung aufrechterhalten und indem wir eine echte Rüstungskontrolle anstreben. "Abschreckung" bedeutet einfach:

Sicherstellen, daß jeder Gegner, der an einen

Anqriff auf die Vereinigten Staaten oder unsere Verbündeten oder unsere lebenswichtigen Interessen denkt, zu dem Schluß kommt, daß die Risiken für ihn
alle möglichen Gewinne überwiegen.
angreifen.

Wenn er das begreift, dann wird er nicht

Wir erhalten den Frieden durch unsere Stärke; Schwäche lädt nur

zur Aggression ein.

Diese Strategie der Abschreckung hat sich nicht geändert.
niert weiterhin.

Sie funktio-

Aber was es braucht, um die Abschreckung aufrechtzuerhal-

ten, hat sich geändert.

Es bedurfte einer ganz anderen Art von Streitkräften,

um vor einem Angriff abzuschrecken, als wir noch sehr viel mehr Kernwaffen
besaßen als irgendeine andere Atommacht.

Es bedarf einer ganz anderen Streit-

macht heute, da die Sowjets beispielsweise über genügend treffsichere und
mächtige Kernwaffen verfügen, um praktisch alle unsere landgestützten Raketen
zu vernichten.

Damit soll nicht gesagt werden, daß die Sowjetunion einen

Krieg gegen uns plant.

Und ich glaube auch nicht, daß ein Krieg unausweich-

- 4 -

�Krieg unausweichlich ist - ganz im Gegenteil.

Aber was wir einsehen müssen,

ist die Tatsache, daß unsere Sicherheit darauf basiert, daß wir vorbereitet
sind, allen Bedrohungen zu begegnen.

Es gab eine Zeit, da wir uns auf Küsten-

befestigungen und Geschützbatterien verließen, weil beim damaligen Stand der
Bewaffnung jeder Angriff von See gekommen wäre.

Wir leben heute in einer

anderen Zeit, und unsere Verteidigung muß auf der Erkenntnis und dem Bewußtsein beruhen, wie im Atomzeitalter der Stand der Rüstungen anderer Länder
ist.

Wir können uns den Glauben nicht leisten, niemals bedroht zu werden.
Allein in meinem Leben hat es zwei Weltkriege gegeben.

Wir haben sie nicht

angefangen, ja, wir taten alles, was wir nur konnten, um nicht in sie hineingezogen zu werden.

Aber wir waren für beide schlecht vorbereitet - wären

wir besser vorbereitet gewesen, hätte der Frieden vielleicht bewahrt werden
können.

Seit 20 Jahren häuft die Sowjetunion eine gewaltige militärische Macht
an.

Und sie hörte damit auch dann nicht auf, als ihre Streitkräfte alle An-

forderungen einer legitimen Verteidigungskapazität überstiegen.

Und sie hat

damit immer noch nicht aufgehört, auch jetzt noch nicht.

Während der vergangenen eineinhalb Jahrzehnte haben die Sowjets ein umfangreiches Arsenal neuer strategischer Kernwaffen aufgebaut - Waffen, die
die Vereinigten Staaten direkt treffen können.

Um ein Beispiel zu nennen:

Die Vereinigten Staaten führten ihre letzte

neue Interkontinentalrakete (ICBM),die MINUTEMAN III, im Jahr 1969 ein, und
derzeit bauen wir unsere sogar noch älteren TITAN-Raketen ab.
die Sowjetunion in eben diesen Jahren getan?

Was aber hat

Nun, seit 1969 hat die Sowjet-

union fünf neue Klassen von ICBM gebaut und diese achtmal verbessert. Als
Ergebnis dessen sind ihre Raketen viel schlagkräftiger und treffsicherer, als
sie es noch vor einigen Jahren waren - und sie fährt damit fort, noch weitere
zu entwickeln,

während unsere in immer größerem Maß veraltet sind.
Gleiches hat
- 5-

�Gleiches hat sich in anderen Bereichen zugetragen.

Im gleichen Zeit-

raum hat die Sowjetunion vier neue Klassen von unterseebootgestützten
ballistischen Raketen und über 60 neue Raketen-Unterseeboote gebaut.

Wir

bauten zwei neue Typen unterseebootgestützter Raketen und zogen dabei zehn
Unterseeboote von ihrer strategischen Mission ab. Die Sowjetunion hat über
200 neue BACKFIRE-Bomber gebaut, und ihr brandneuer BLACKJACK-Bomber ist
derzeit in der Entwicklung.

Wir haben keine neuen Langstreckenbomber mehr

gebaut, seit unsere B-52 vor etwa einem Viertel Jahrhundert disloziert wurden, und wir haben bereits mehrere 100 davon aufgrund ihres Alters aus dem
Dienst gezogen.

Trotz all

dem, was viele Leute glauben, kosten unsere stra-

tegischen Streitkräfte lediglich etwa 15 Prozent des Verteidigungshaushaltes.
Ein weiteres Beispiel dafür, was sich derzeit zuträgt: 1978 hatten die
Sowjets 600 landgestützte nukleare Mittelstreckenraketen und fingen damit an,
die SS-20 hinzuzufügen - eine neue, überaus treffsichere, mobile Rakete mit
drei Gefechtsköpfen. Wir hatten überhaupt keine. Seither haben die Sowjets
ihre Führung ausgebaut. Ende 1979, als Generalsekretär Breschnew erklärte,
"es existiert jetzt ein Gleichgewicht", verfügten die Sowjets über mehr als
800 Gefechtsköpfe. Wir hatten noch immer keine. Diesen Monat vor einem Jahr
schlug Herr Breschnew ein Moratorium, ein Einfrieren, bei der Dislozierung
der SS-20 vor. Aber vergangenen August waren aus ihren 800 Gefechtsköpfen
über 1200 geworden. Wir hatten noch immer keine. Das ist schon ein "Einfrieren". Zu diesem Zeitpunkt kündigte der sowjetische Verteidigungsminister
Ustinow an, daß "auch weiterhin eine annähernde Gleichheit der Streitkräfte
existiert". Doch noch immer fügen ihnen die Sowjets durchschnittlich drei
neue Gefechtsköpfe pro Woche hinzu; sie haben jetzt 1300. Diese Gefechtsköpfe können ihre Ziele innerhalb von wenigen Minuten erreichen. Und wir
haben noch immer keine. Bislang sieht es so aus, als sei die sowjetische
Definition von Parität mit Glück irgendwo zwischen 1300 und Null zu finden zu ihren Gunsten.
Zusammen mit unseren NATO-Verbündeten beschlossen wir daher 1979, beginnend in diesem Jahr, als Abschreckung gegenüber ihren SS-20 und als An-

�als Anreiz für die Sowjetunion, uns in ernsthaften RlistungskontrollVerhandlungen entgegenzukommen, neue Waffen zu dislozieren. Wir werden mit dieser
Dislozierung gegen Ende dieses Jahres beginnen.

Gleichzeitig sind wir jedoch

bereit, unser Programm zu streichen, wenn die Sowjets ihre Waffen abbauen.
Das ist es, was wir die Null-Lösung genannt haben. Jetzt sitzen die Sowjets
am Verhandlungstisch - und ich glaube, man kann zurecht sagen, daß sie ohne
unsere geplanten Dislozierungen nicht dort säßen.
Wenden wir uns jetzt den konventionellen Streitkräften zu. Seit 1974
haben die Vereinigten Staaten 3050 taktische Kampfflugzeuge gebaut.
satz hierzu hat die Sowjetunion doppelt so viele hergestellt.

Im Gegen-

Bei den An-

griffs-Unterseebooten haben die Vereinigten Staaten 27 von Stapel gelassen,
die Sowjetunion 61. Bei den gepanzerten Fahrzeugen haben wir, einschließlich
der Panzer, 11 200 gebaut, die Sowjetunion 54 000 - ein Verhältnis also von
5 : 1 zu ihren Gunsten.

Die Artillerie schließlich:

Hier haben wir 950

Artillerie- und Raketenabschußgeräte gebaut, während die Sowjets mehr als
13 000 herstellten - ein erschreckendes Verhältnis von 14 : 1.
Es gab eine Zeit, da wir in der Lage waren, die größeren sowjetischen
Zahlen durch höhere Oualität auszugleichen. Aber heute bauen sie Waffen,
die genau so technisch ausgeklügelt und modern sind wie die unsrigen.
Mit der Zunahme ihrer militärischen Stärke wurden die Sowjets dazu ermutigt, sie auch auszuweiten. Sie dehnen ihren militärischen Einfluß auf eine
Weise aus, die eine unmittelbare Herausforderung unserer vitalsten Interessen
und der unserer Verbündeten bedeutet. Die folgenden Luftaufnahmen, die meisten
davon bis heute geheim, verdeutlichen diese Tatsache in bezug auf ein Gebiet,
das von entscheidender Bedeutung - und unserem Land sehr nahe - ist: Mittelamerika und das Karibische Becken. Es sind keine dramatischen Aufnahmen,
aber ich glaube, sie können dazu beitragen, Ihnen ein besseres Verständnis
von dem zu vermitteln, worüber ich spreche.
Diese Einrichtung des sowjetischen Nachrichtendienstes für das Sammeln
von Informationen

weniger als 100 Meilen von unserer Küste entfernt ist die
- 7 -

�ist die größte ihrer Art auf der ganzen Welt. Hektar um Hektar von Antennenfeldemund Monitorstationen sind auf amerikanische Militäreinrichtungen und
Vorgänge von hohem Geheimhaltungswert ausgerichtet.

In dieser Anlage in

Lourdes auf Kuba sind 1500 sowjetische Techniker beschäftigt, und die Satelliten-Bodenstation ermöglicht die direkte Kommunikation mit Moskau.

Die Anlage

- m i t einer Größe von 28 Quadratmeilen - wurde im vergangenen Jahrzehnt hinsichtlich ihrer Größe und Leistungsfähigkeit um mehr als 60 Prozent ausgeweitet.
Im Westen Kubas sehen wir hier diesen Militärflugplatz mit seinen modernen, in der Sowjetunion gebauten MIG-23 Flugzeugen.

Die Sowjetunion be-

nutzt diesen kubanischen Flugplatz für ihre eigenen Langstrecken-Spionagemissionen, und zu Beginn dieses Monats begannen zwei moderne sowjetische
Flugzeuge zur Bekämpfung von Unterseebooten von dort aus zu operieren.

Die

sowjetischen Waffenexporte nach Kuba in den vergangenen zwei Jahren lassen
sich in ihrem Ausmaß lediglich mit der Zeit der kubanischen Raketenkrise von
vor 20 Jahren vergleichen.
Das dritte Foto, das als einziges aus dieser Serie bereits veröffentlicht wurde, zeigt sowjetische Militärmaterial, das nach Mittelamerika gebracht wurde. Dieser Flugplatz mit seinen MIG-8-Hubschraubern, seinen Flugabwehrgeschützen und seinen Flugzeugschutzbunkern ist nur eine aus einer Reihe
von militärischen Anlagen in Nicaragua, die sowjetisches Material erhalten
haben, das über Kuba dorthin gelangt ist, und zeigt die massive militärische
Aufrüstung, die in diesem Land betrieben wird.
Auf der kleinen Insel Grenada am südlichen Ende der Karibischen Kette
sind die Kubaner mit sowjetischer Finanzierung und Unterstützung dabei, einen
Flugplatz mit einer Landebahn von 10 000 Fuß Länge zu bauen. Grenada hat
noch nicht einmal eine Luftwaffe. Wozu dient er also? Die Karibik ist eine
sehr wichtige Durchgangsstraße für unseren internationalen Handel und für militärische Kommunikationslinien, über die Hälfte aller amerikanischen öleinfuhren geht durch die Karibik. Der rasche Ausbau des militärischen Potentials
Grenadas steht in keinem Verhältnis zu welcher Bedrohung auch immer, der sich
- 8 -

�der sich dieser Inselstaat mit seinen weniger als 110 000 Einwohnern konfrontiert sehen könnte, und steht in völligem Widerspruch zu den Verhaltensmustern anderer Staaten der östlichen Karibik, von denen die meisten völlig
unbewaffnet sind.

Die sowjetisch-kubanische Militarisierung Grenadas kann,

kurz gesagt, also nur als Machtprojektion in diese Region angesehen werden.
Und es ist die wirtschaftliche und strategische Bedeutung dieses Gebiets, die
uns den Versuch unternehmen läßt, den Regierungen in El Salvador, Costa Rica,
Honduras und anderen Staaten bei ihrem Kampf um Demokratie gegen die Guerilla
zu helfen, die von Kuba und Nicaragua unterstützt wird.
Diese Aufnahmen geben nur einen kleinen Teil der Geschichte wieder.
Ich wünschte, ich könnte Ihnen mehr zeigen, ohne unsere sensitivsten Nachrichtenquellen und -methoden zu kompromittieren.

Aber die Sowjets unter-

stützen auch die kubanischen Mil itärstreitkrä'fte in Angola und Äthiopien.
Sie haben Basen in Äthiopien und im Südjemen, nahe den ölfeldern des Persischen Golfs. Sie haben den von uns in Cam Ranh Bay in Vietnam gebauten
Hafen übernommen, und nunmehr ist die sowjetische Marine - zum erstenmal
in der Geschichte - eine Kraft, mit der im Südpazifik zu rechnen ist.
Manche mögen noch immer fragen, ob die Sowjets wohl jemals ihre gewaltige Militärmacht einsetzen würden? Nun, auch hier: Können wir uns den
Glauben leisten, sie würden es nicht? Da ist Afghanistan, und auch in Polen
verwehren die Sowjets dem Volk, seinen freien Willen zu äußern, und zeigen dadurch der ganzen Welt, wie ihre militärische Macht auch dazu verwendet werden
könnte, andere einzuschüchtern.
Die letzte Tatsache ist, daß die Sowjetunion etwas aufbaut, was man nur
als offensive Militärmacht ansehen kann.

Sie baut auch weiterhin weit mehr

Interkontinentalraketen, als sie überhaupt zur Abschreckung eines Angriffs
benötigt.

Ihre konventionellen Streitkräfte sind nicht so sehr zur Abwehr

eines Angriffes ausgebildet und ausgerüstet, als vielmehr dafür, plötzliche
Überraschungsangriffe zu ermöglichen.
Unsere NATO-

�Unsere NATO-Verbündeten haben eine große Verteidigungslast auf sich
genommen - einschließlich der Wehrpflicht in den meisten Ländern.

Wir ar-

beiten mit ihnen und anderen Freunden überall auf der Welt dabei zusammen,
noch mehr zu tun.

Unsere Verteidigungsstrategie bedeutet, daß wir Streit-

kräfte brauchen, die sehr beweglich sind - Streitkräfte, die über die Ausbildung und die Einsatzbereitschaft verfügen, auf jeden Krisenfall zu reagieren.
Jedes einzelne Objekt unseres Verteidigungsprogramms - unsere Schiffe,
unsere Panzer, unsere Flugzeuge, unsere Mittel für Ausbildung und für Ersatzteile - ist für den einen wichtigen Zweck gedacht: den Frieden zu bewahren.
Unglücklicherweise hat ein Jahrzehnt der Vernachlässigung unserer Streitkräfte unsere Fähigkeit, dies auch zu tun, in Frage gestellt.
Als ich im Januar 1981 mein Amt antrat, war ich entsetzt über das, was
ich vorfand: Amerikanische Flugzeuge, die wegen fehlender Ersatzteile, wegen Mangel an ausgebildetem Personal, wenen fehlendem Treibstoff und Munition
für wichtige Übungen nicht fliegen,und Schiffe, die desv/egen nicht in See
stechen konnten. Unvermeidliches Ergebnis all dessen war eine schlechte
Moral unserer Streitkräfte, Schwierigkeiten bei der Pekrutierung vielversprechender junger Amerikaner für den Dienst in Uniform und Schwierigkeiten
dabei, unser Militärpersonal mit der größten Erfahrung davon zu überzeugen,
seinen Dienst fortzusetzen.
Es erhob sich somit die konkrete Frage, wie gut wir eine Krise überstehen könnten. Und es war offenkundig, daß wir mit einem umfassenden Modernisierungsprogramm beginnen mußten, um sicherzustellen, daß wir vor einer
Aggression abschrecken und den Frieden in den kommenden Jahren bewahren könnten.
Es mußten sofort Schritte unternommen werden, um die grundsätzliche Einsatzbereitschaft und das Standvermögen unserer konventionellen Streitkräfte
zu verbessern, damit sie mit einer Krise fertig werden v/ürden - und dadurch
zu deren Verhütung beitragen könnten. Wir mußten verlorene Investitionsjahre
aufholen, indem wir einen langfristigen Plan zur Vorbereitung unserer Streit- 10 -

�unserer Streitkräfte darauf

verwirklichten, den militärischen Fähigkeiten

unserer Gegner entgegenzuwirken, die diese für die Zukunft entwickelten.
Ich weiß, daß Sie alle den Frieden wollen - und das will auch ich.
Ich weiß auch, daß viele von ihnen ernstlich daran glauben, daß ein Einfrieren der Kernwaffen der Sache des Friedens dienlich wäre. Aber ein solches
Einfrieren zu diesem Zeitpunkt würde uns weniger sicher - und nicht sicherer machen und würde die Gefahr eines Krieges erhöhen, aber nicht vermindern. Es
wäre zu einem großen Teil unverifizierbar und würde unsere Verhandlungen über
eine Rüstungsverringerung ernsthaft untergraben. Es würde die Sowjets für
ihre massive militärische Aufrüstung belohnen und uns gleichzeitig daran hindern, unsere veralteten und immer verwundbareren Streitkräfte zu modernisieren. Warum sollten sie mit ihrer derzeitigen Überlegenheitsmarge Rüstungsverringerungen zustimmen - wissend, daß wir daran gehindert wären, gleichzuziehen?
Glauben Sie mir, es war nicht angenehm für jemanden, der nach Washington
mit dem Entschluß kam, die öffentlichen Ausgaben zu senken, aber wir mußten
mit der Aufgabe vorangehen, unsere Verteidigung zu reparieren, oder wir hätten
unsere Fähigkeit verloren, jetzt und in Zukunft vor Konflikten abzuschrecken.
Wir mußten jedwedem Gegner demonstrieren, daß eine Aggression keinen Erfolg
haben kann und daß die einzig wirkliche Lösung in einer konkreten, ausgewogenen und wirksam verifizierbaren Rüstungsverringerung besteht • der Art, wie
wir sie derzeit in Genf erarbeiten.
Dank Ihrer starken Unterstützung und dank der überparteilichen Unterstützung durch den Kongreß

haben wir damit begonnen, einen Umschwung herbei-

zuführen-. Schon lassen sich einige sehr ermutigende Ergebnisse erkennen.

Die

Rekrutierung von qualifizierten Bewerbern und der Verbleib bei den Streitkräften nehmen gewaltig zu - immer mehr Schul- und Hochschulabgänger wählen die
militärische Karriere, und immer mehr erfahrenes Militärpersonal entscheidet
sich dafür, zu bleiben.

Unsere Männer und Frauen in Uniform bekommen endlich

die Werkzeuge und die Ausbildung, die sie brauchen, um ihre Arbeit zu tun.
Fragen Sie
- 11 -

�Fragen Sie nach im Lande, vor allem unter den jungen Menschen, und ich
glaube, Sie werden eine völlig neue Haltung gegenüber dem Dienst für ihr Land
finden.

Dies spiegelt mehr wider als nur bessere Bezahlung, bessere Aus-

rüstung und bessere Führung.

Sie haben, das amerikanische Volk hat diesen

jungen Menschen ein Zeichen gegeben, daß es wieder eine Ehre ist, die Uniform
zu tragen.

Das ist nicht etwas, was man mit Haushaltszahlen messen kann, aber

es ist ein sehr realer Teil der Stärke unserer Nation.
Es wird noch länger dauern, die Art von Ausrüstung zu schaffen, die
wir brauchen, um den Frieden auch in der Zukunft zu bewahren, aber wir haben
einen guten Anfang gemacht.
Wir haben 21 Jahre lang keinen neuen Langstreckenbomber mehr gebaut.
Jetzt bauen wir die B-l. Wir haben seit 17 Jahren kein neues strategisches
Unterseeboot mehr vom Stapel gelassen. Jetzt bauen wir pro Jahr ein TRIDENTUnterseeboot. Unsere landgestützten Raketen sind in zunehmendem Maß von den
vielen, riesigen, neuen sowjetischen Interkontinentalraketen gefährdet. Wir
sind dabei, herauszufinden, wie wir dieses Problem lösen. Gleichzeitig führen wir die START- und INF-Verhandlungen mit dem Ziel, umfangreiche Verringerungen bei den strategischen Arsenalen und den nuklearen Mittel Streckensystemen auf beiden Seiten zu erreichen.
Wir .laben ebenfalls mit der seit langem erforderlichen Modernisierung
unserer konventionellen Streitkräfte begonnen. Die Armee erhält ihren ersten
neuen Panzer seit 20 Jahren. Auch die Luftstreitkräfte werden modernisiert.
Wir bauen ferner unsere Flotte wieder auf, die von 1000 Schiffen Ende der sechziger Jahre auf 453 Schiffe im Laufe der siebziger Jahre geschrumpft war.
Unser Land benötigt eine überlegene Marine, um unsere Streitkräfte und unsere lebenswichtigen Interessen in Übersee unterstützen zu können. Wir sind
jetzt dabei, eine Flotte von 600 Schiffen zu schaffen und die amphibische
Kapazität unserer Marineinfanteristen zu verstärken, die im Augenblick für
die Sache des Friedens im Libanon Dienst tun. Und wir bauen eine reale Kapazi
tat zur Unterstützung unserer Freunde in dem überaus wichtigen Bereich des
Indischen Ozeans und des Persischen Golfs auf.
Dies alles
- 12 -

�, Dies alles ist eine größere Anstrengung, und sie ist nicht billig.
Sie kommt zu einer Zeit, da unser Haushalt unter manch anderem Druck steht
und das amerikanische Volk während der Rezession bereits große Opfer bringen
mußte.

Aber wir dürfen uns nicht durch jene in die Irre führen lassen, die

die Verteidigung wieder einmal zum Sündenbock des Bundeshaushaltes machen
möchten.
Tatsache ist, daß wir in den letzten Jahrzehnten eine dramatische
Verlagerung in den Ausgaben der amerikanischen Steuerzahler erlebt haben.
Noch 1955 betrugen die Personal kosten etwa 20 Prozent des Bundeshaushaltes.
Im Verlaufe von nahezu drei Jahrzehnten stiegen diese Ausgaben ständig, und
in diesem Jahr werden sie sich auf 49 Prozent des Haushaltes belaufen.

Dem-

gegenüber nahm die Verteidigung im Jahr 1955 mehr als die Hälfte des Bundeshaushaltes ein.

1980 waren diese Ausgaben auf 23 Prozent gesunken.

Selbst

mit der Erhöhung, um den ich in diesem Jahr ersuche, wird die Verteidigung
nur 28 Prozent des Haushaltes ausmachen.
Die Forderungen nach einer Verminderung des Verteidigungshaushaltes
sehen rein zahlenmäßig ganz gut aus. Solche schönen Reden haben die Demokraten
in den dreißiger Jahren veranlaßt, die Verteidigung zu vernachlässigen, und
haben den Weg für die Tragödie des Zweiten Weltkrieges geebnet.

Wir dürfen

es nicht zulassen, daß sich durch Apathie oder Vernachlässigung dieses schreckliche Kapitel der Geschichte wiederholt.
Deswegen spreche ich heute abend zu Ihnen - um Sie mit allem Nachdruck
aufzufordern, Ihren Senatoren oder Kongreßabgeordneten zu sagen, daß Sie wissen, daß wir mit dem Wiederaufbau unserer militärischen Stärke fortfahren
müssen.
Wenn wir mittendrin aufhören, dann geben wir damit Freunden und Gegnern
gleichermaßen ein Signal des Nachlassens, des verminderten Willens.

Freie

Menschen müssen sich freiwillig, durch die offene Debatte und mit demokratischen Mitteln den Herausforderungen entgegenstellen, die durch die totalitären Mächte aufgrund von Zwang entstehen.
Es liegt
- 13 -

�Es liegt an uns - an unserer Zeit -,eine Entscheidung zu treffen zwischen der schweren, aber notwendigen Aufgabe, den Frieden und die Freiheit
zu bewahren, und der Versuchung, unsere

Pflicht einfach zu verleugnen und

das Beste zu hoffen, während die Feinde der Freiheit Tag für Tag stärker
werden.
Die Lösung liegt durchaus in unserer Reichweite.

Um sie jedoch zu er-

reichen, gibt es einfach keine Alternative, als weiterhin in diesem Jahr,
mit diesem Haushalt, die Mittel zur Verfügung zu stellen, die wir zur Wahrung des Friedens und zur Sicherung unserer Freiheit benötigen.
Bisher habe ich Ihnen heute abend meine Gedanken über die Probleme der
nationalen Sicherheit dargelegt, denen wir uns gemeinsam stellen müssen. Meine
Vorgänger im Weißen Haus sind bei anderen Gelegenheiten vor Ihnen erschienen,
um Ihnen die von der sowjetischen Macht ausgehende Bedrohung aufzuzeigen, und
haben Maßnahmen vorgeschlagen, um dieser Bedrohung zu begegnen. Aber seit
der Existenz von Kernwaffen richteten sich diese Maßnahmen in immer stärkerem
Maße auf die Abschreckung vor einer Aggression durch die Ankündigung der
Vergeltung. Diese Methode, Stabilität durch Offensivandrohung zu erreichen,
hat funktioniert. Uns und unseren Verbündeten ist es gelungen, über drei
Jahrzehnte hinweg einen Atomkrieg zu verhindern. In den letzten Monaten jedoch haben meine Berater, insbesondere auch die Chefs des gemeinsamen Stabes,
die Notwendigkeit unterstrichen, aus einer Zukunft auszubrechen, die sich im
Hinblick auf unsere Sicherheit ausschließlich auf offensive Vergeltung stützt.
Im Verlauf dieser Diskussionen wurde ich immer fester davon überzeugt,
daß der menschliche Geist in der Lage sein müsse, sich darüber zu erheben,
mit anderen Nationen und Menschen dadurch umzugehen, daß man ihre Existenz
bedroht. Aus diesem Gefühl heraus bin ich zu der Überzeugung gelangt, daß
wir jede Möglichkeit zum Abbau der Spannungen und zur Einführung einer größeren
Stabilität im strategischen Kalkül beider Seiten gründlich prüfen müssen.
Einer der wichtigsten Beiträge, die wir leisten können, ist natürlich eine
Senkung des Standes aller Rüstungen, vor allem der Nuklearrüstungen. Wir
führen derzeit eine Reihe von Verhandlungen mit der Sowjetunion, um eine
- 14 -

�um eine beiderseitige Verringerung der Waffen zu erreichen.

Ich werde Ihnen

morgen in einer Woche über meine Überlegungen in dieser Hinsicht berichten.
Wenn sich die Sowjetunion unseren Bemühungen anschließen wird, große
Rüstungsverringerungen herbeizuführen, dann wird es uns gelungen sein, das
nukleare Gleichgewicht zu stabilisieren.

Trotzdem wird es weiterhin notwen-

dig sein, sich auf das Schreckgespenst der Abschreckung zu verlassen - auf
die gegenseitige Bedrohung, und das ist ein schlimmer Kommentar zum Zustand
des Menschen.
Wäre es nicht besser, Menschenleben zu retten, als sie zu rächen? Sind
wir nicht in der Lage, unsere friedlichen Absichten zu demonstrieren, indem
wir all unsere Fähigkeiten und unseren 'Einfallsreichtum einsetzen, um eine
wirklich dauerhafte Stabilität zu erreichen? Ich glaube, wir können es,
ja wir müssen es!
Nach sorgfältiger Konsultation mit meinen Beratern, einschließlich der
Chefs des gemeinsamen Stabes, bin ich zu der Überzeugung gekommen, daß es
einen Weg gibt. Teilen Sie mit mir eine Vision der Zukunft, die Hoffnung
bietet.

Sie besteht darin, daß wir ein Programm in die Wege leiten, um der

schrecklichen sowjetischen Raketenbedrohung mit Maßnahmen zu begegnen, die
defensiv sind.

Wollen wir uns auf eben die Stärken unserer Technologie be-

sinnen, die unsere große industrielle Basis hervorgebracht und uns die Lebensqualität geschenkt hat,

der

wir uns heute erfreuen.

Wie wäre es, wenn freie Menschen sicher leben könnten in dem Wissen,
daß ihre Sicherheit nicht auf der amerikanischen Drohung einer sofortigen
Vergeltung beruht, um vor einem sowjetischen Angriff abzuschrecken; daß wir
strategische Raketen abfangen und vernichten könnten, bevor sie unseren Boden oder den unserer Verbündeten erreichen?
Ich weiß, daß das eine gewaltige technische Aufgabe ist - eine Aufgabe,
die nicht vor Ende dieses Jahrhunderts bewältigt sein dürfte.

Und doch hat

die derzeitige Technologie einen Stand der Verfeinerung erreicht, daß es
- 15 -

�daß es durchaus vernünftig ist, wenn wir uns an diese Aufgabe machen.

Es

wird jahrelanger, vielleicht jahrzehntelanger Anstrengungen auf vielen Gebieten bedürfen.

Es wird Fehlschlage und Rückschläge geben, aber es wird

auch Erfolgs und Durchbrüche geben.

Und während wir an diesen Dingen arbei-

ten, müssen wir in der Erhaltung der nuklearen Abschreckung und der Aufrechterhai tung einer soliden Fähigkeit für die flexible Antwort konstant
bleiben.

Aber ist das nicht alle die Investitionen wert, die die freie Welt

wegen der Drohung eines Atomkrieges machen muß?

Wir wissen, daß es das wert

ist.
In der Zwischenzeit werden wir weiterhin wirkliche Verringerungen der
Kernwaffen anstreben, indem wir aus einer Position der Stärke heraus verhandeln, die nur durch eine Modernisierung unserer strategischen Streitkräfte
gehalten werden kann. Gleichzeitig müssen wir Schritte unternehmen, um das
Risiko eines konventionellen militärischen Konflikts zu verringern, der zu
einem Nuklearkrieg eskalieren könnte, indem wir unsere nichtnuklearen Kapazitäten stärken. Amerika besitzt - heute - die Technologien, um ganz bedeutsame Verbesserungen der Wirksamkeit unserer konventionellen, nichtnuklearen
Streitkräfte zu erreichen. Wenn wir diese neuen Technologien kühn nutzen,
können wir einen etwaigen Anreiz, den die Sowjetunion haben könnte, mit einem
Angriff auf die Vereinigten Staaten oder ihre Verbündeten zu drohen, wesentlich verringern.
Wenn wir unser Ziel der Defensivtechnologien verfolgen, dann sind wir
uns darüber im klaren, daß unsere Verbündeten sich auf unsere strategische
Offensivmacht stützen, um vor einem Angriff gegen sie abzuschrecken. Ihre
lebenswichtigen Interessen und die unsrigen sind unauflöslich miteinander
verbunden - ihre Sicherheit und die unsrige sind eins. Und kein Wandel in
der Technologie wird diese Tatsache ändern. Wir müssen und werden unsere Ver
pflichtungen weiterhin erfüllen.
Ich bin mir völlig darüber im klaren, daß Verteidigungssysteme Grenzen
haben und bestimmte Probleme und Unsicherheiten aufwerfen. Wenn sie mit
Offensivsystemen gepaart werden, dann könnten sie als Nährboden einer aggres- 16 -

�einer aggressiven Politik betrachtet werden, und das will niemand.
Aber unter genauer Berücksichtigung all dieser Überlegungen rufe ich
die Gemeinschaft der Wissenschaftler, die uns die Kernwaffen gegeben haben,
auf, ihre großen Talente der Sache der Menschheit und des Weltfriedens zu
widmen; uns die Mittel an die Hand zu geben, um diese Kernwaffen unwirksam
und übet flüssig zu machen.
Heute abend unternehme ich - in Übereinstimmung mit unseren Verpflichtungen des ABM-Vertrages (Vertrag über Raketen-Abwehrraketen) und eingedenk
der Notwendigkeit enger Konsultationen mit unseren Verbündeten - einen ersten
wichtigen Schritt. Ich gebe die Anweisung zu einer umfassenden und intensiven Anstrengung, ein langfristiges Forschungs- und Entwicklungsprogramm auszuarbeiten, um unserem Endziel näher zu kommen, die Bedrohung durch strategische
Nuklearraketen zu beseitigen. Das würde den Weg für Rüstungskontrollmaßnahmen
zur Beseitigung der Waffen selbst ebnen. Wir erstreben weder militärische
Überlegenheit noch politische Vorteile. Unser einziges Ziel - das alle Menschen
teilen - ist das Streben nach Mitteln und Wegen, um die Gefahr eines Atomkrieges
zu verringern.
Meine amerikanischen Landsleute, wir nehmen heute eine Sache in Angriff,
die die Verheißung in sich trägt, den Kurs der menschlichen Geschichte zu verändern.

Es wird Risiken geben, und Ergebnisse brauchen ihre Zeit.

bin sicher, mit Ihrer Unterstützung werden wir es schaffen.

+ + + + +

- 17 -

\ber ich

�14

30. März 1983

DAS ATLANTISCHE BÜNDNIS: DIE TATSACHEN UND LEHREN DER GESCHICHTE
- Berlin-Rede des Stellvertretenden US-Außenminisrers -

BERLIN - (AD) - Der stellvertretende US-Außenminister, Kenneth
W. Dam, der sich gegenwärtig auf einer Europareise befindet, gab
am 25. März 1983 in einer Rede vor der Atlantik-Brücke und dem
American Council on Germany in (Isrlin einen Überblick über die
Bündnispolitik der Vereinigten Staaten. Die Rede hat folgenden
Wortlaut:
Wie i le wissen, feiern wir in diesem Jahr den 300. Jahrestag
der deutschen Einwanderung in die Vereinigten Staaten, was ein
Ausdruck der Wertschätzung des gewaltigen Beitrags ist, den
Deutsche für Amerika geleistet haben.
Deutsche, die sich in meinem Lande niederließen, haben dessen Literatur, Kunst, Wissenschaft, Gelehrsamkeit, Industrie,
Handel, Religion, Philosophie, Küche und alle Dimensionen des
amerikanischen Lebens bereichert - ganz abgesehen vom amerikanischen Bier. Im 19. Jahrhundert entstanden in Amerika Universitäten
und Hochschulen nach dem Muster von Einrichtungen der höheren Bildung in Deutschland. Erfinder wie George Westinghouse und Karl
Steinmetz, Unternehmer wie John Jacob Astor, Staatsmänner wie Carl
Schurz - die Liste ließe sich beliebig fortsetzen - haben den Stempel ihres Genies aufgedrückt. Es ist besonders angebracht, vor der

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�vor der Atlantik-Brücke darauf hinzuweisen, daß ein Gebiet, auf
dem deutschstämmige Ingenieure einen besonders bemerkenswerten
Beitrag geleistet haben, der Brückenbau war.
Dieses Erbe ist nur ein Ausdruck von vielen dafür, daß
Deutschland, Europa und Amerika heute das Produkt einer
gemeinsamen Geschichte sind und vor einem gemeinsamen Schicksal
stehen.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird das

durch nichts deutlicher symbolisiert als durch die Stadt
Berlin.

Es ist eine zutiefst bewegende Erfahrung für jeden

Amerikaner, diese Stadt zu besuchen.

Für alle Menschen meiner

Generation bleibt Berlin immer die Stadt der Luftbrücke, die
Stadt, die so grausam durch eine Mauer geteilt ist, die den
moralischen und politischen Kampf unserer Zeit so augenfällig
macht; die Stadt, wo Präsident Kennedy vor 20 Jahren meine
Landsleute erneut verpflichtete, zur Erhaltung der Freiheit
ihrer tapferen Bewohner beizutragen.
Deutschland und Berlin bedeuten einen wichtigen Abschnitt
meines Lebens. Ich habe hier gelebt, und meine Erfahrungen
haben sich tief in meine Erinnerung eingegraben. Ich werde
niemals ein friedliches Wochenende vergessen, das ich 1961 nur eine Woche vor dem Mauerbau - in Berlin verbrachte. Und
ich werde auch nicht den Sommer 1976 vergessen, den ich in
Zehlendorf verbrachte, als mein fünfjähriger Sohn jeden Morgen
an der Mauer entlanggehen musste, um zu seinem Kindergarten zu
kommen.
Für einen Amerikaner bedeutet ein Aufenthalt in Berlin
nicht nur, von einigen Illusionen über die Welt Abschied nehmen
zu müssen, sondern auch neuerwachten Stolz auf den Mut und den
Glauben an die Sache der Freiheit, den unsere deutschen Freunde
bewiesen haben.

Aus all diesen -

historischen, politischen,

moralischen und persönlichen - Gründen bin ich stolz, auf

- 2 -

�stolz, auf dieser Konferenz in dieser Stadt sprechen zu dürfen.
Das Atlantische Bündnis:

Vergangenheit und Zukunft

Dieses Jahr feiern wir auch das 34. Jahr eines gemeinsamen
historischen Unterfangens - unseres Atlantischen Bündnisses.
"Es liegt auf der Hand, daß der Atlantikpakt keine
Inprovisation ist", so sagte einst Aussenminister Dean Acheson,
"er ist eine Feststellung von Tatsachen und Lehren der
Geschichte."

Acheson wusste, daß die Tatsachen und Lehren der

Geschichte nur Richtschnur zum Handeln sind; sie garantieren
noch kein Handeln.

Acheson, der an der Schaffung des

Bündnisses mitwirkte, wusste, daß es geschaffen werden musste.
Es kam nicht von allein; es bedurfte der Klugheit und einigen
Mutes, es zustande zu bringen.

Jetzt, in einer neuen Ära der

Geschichte, liegt es an uns, die gleiche Klugheit und den
gleichen Mut zu beweisen, um seinen Fortbestand zu sichern.
Ich bin heute hier, um Sie der anhaltenden Verpflichtung
meines Landes zu versichern, mit all seinen Verbündeten daran
zu arbeiten, unsere gemeinsame Sicherheit, Freiheit und das
gemeinsame Wohlergehen für die kommenden Generationen zu
gewährleisten.
Aber wir können nicht umhin, uns daran zu erinnern, daß die
Geschichte von vielen Bündnissen zu berichten weiss, die längst
vergangen sind.

Thukydides schrieb einsichtsreich über die

Probleme und die Unsicherheit von Zusammenschlüssen.

Seit den

Anfängen des europäischen Staatensystems bedeutete das
Überleben in einer Welt konkurrierender Mächte, daß das Konzept
der Souveränität sich wohl oder übel mit der Notwendigkeit von
Bündnissen abfinden musste.

Die Geschichte der europäischen

Diplomatie ist voller Beispiele von Bündnissen, die gebildet
wurden, um unterschiedlichen politischen, militärischen oder

- 3 -

�militärischen oder

sogar religiösen Zielen zu dienen.

Und

viele von ihnen hielten nicht lange.
Im Vergleich dazu stellt das Atlantische Bündnis eine
bemerkenswerte, ja einzigartige Leistung dar.

Es ist ein

freiwilliger Zusammenschluss von Demokratien, die sich
vereinigt haben nicht nur zu dem Zweck, ihr Territorium,
sondern auch ihre Grundsätze und Werte zu verteidigen, die eine
ganze Zivilisation versinnbildlichen.

Artikel 2 des

Nordatlantikvertrages nennt als gemeinsame Zielsetzungen nicht
nur die kollektive Sicherheit, sondern auch die Festigung
freier Institutionen , die Förderung der Voraussetzungen für
Stabilität und Wohlergehen, die Beseitigung von Gegensätzen in
ihrer internationalen Wirtschaftspolitik sowie die Förderung
der wirtschaftlichen Zusammenarbeit.

In der ersten Zeit nach

dem Weltkrieg sahen sich die westlichen Demokratien
Herausforderungen gegenüber, die gegen all
Zielsetzungen gerichtet waren.

diese gemeinsamen

Ihre Reaktion war schöpferisch

und mutig.
So hatte zum Beispiel der Marshall-Plan weit mehr als
lediglich ökonomische Bedeutung.

Die Führer Europas und der

Vereinigten Staaten nahmen sich eine der bitteren Lektionen zu
Herzen, die der Friede nach dem Ersten Weltkrieg gelehrt hatte,
und erinnerten sich daran, daß die wirtschaftliche
Wiedergesundung Deutschlands von entscheidender Bedeutung für
die wirtschaftliche - und politische - Wiedergesundung des
übrigen Europas war.

Sie erkannten, daß die europäische

Wirtschaft ein geographisches Ganzes war und nicht einfach nur
auf der Grundlage des nationalstaatlichen Denkens
wiederaufgebaut werden konnte.

Die amerikanische

Wirtschaftshilfe wurde unter der Bedingung zur Verfügung
gestellt, daß die europäischen Staaten bei ihrer Zuweisung
zusammenarbeiteten.

Als Antwort schufen sie die ersten

- 4 -

�die ersten Institutionen der wirtschaftlichen Integration
Europas.

Unsere Führer schufen auch die NATO unter denselben

kooperativen Vorstellungen, um so einen Schutzschild gegen
Aggression ins Leben zu rufen.

Hinter diesem Schild begann und

beschleunigte sich der wirtschaftliche Wiederaufschwung.

Diese

Nachkriegsordnung in Europa sicherte der Freien Welt eine
beispiellose Ära der Sicherheit, des Wohlstandes und des
menschlichen Fortschritts.
Aus den Tatsachen und Lehren dieses Teils der jüngeren
Geschichte ergibt sich zweierlei.

Zum einen:

Unsere

wirtschaftlichen, politischen und militärischen
Herausforderungen sind miteinander eng verwoben.
wichtigere Lehre ist die:

Eine noch

Die Demokratien können nur dann

solch gewaltige Herausforderungen bestehen, wenn sie den
Weitblick und Willen besitzen, gemeinsam zu handeln.

Trotz

dieses stolzen historischen Hintergrundes - und vielleicht auch
wegen der Selbstgefälligkeit, die ein solcher Erfolg mit sich
brachte - ist das Bündnis heute das Ziel von Kritik und von
nicht geringem Pessimismus.

Eine Generation nach seiner

Gründung fragen manche Leute, ob es noch den radikal neuen
Bedingungen angemessen sei.

Andere wiederum fragen, ob seine

Mitglieder noch immer die gemeinsamen Interessen an vielen
Fragen teilen.

Manche zweifeln daran, daß die freien Nationen

noch den Willen haben, ihre Solidarität zu bewahren.

Die

Gefahren, vor denen wir heute stehen, scheinen nicht so
dramatisch wie die wirtschaftliche Verwüstung, die politische
Instabilität und die offenen militärischen Bedrohungen, die uns
ursprünglich Ende der vierziger Jahre zusammenführten.

Und

dennoch könnten sie gerade aus diesem Grund heimtückischer und
nicht weniger bedrohlich für unsere Lebensweise und für die uns
allen gemeinsamen Werte sein.

Wir müssen uns bewußt zu neuer

Hingabe aufraffen, um diese neuen Gefahren bewältigen zu
können.

Wenn wir so tun, als ob nichts wäre, dann könnte das

- 5 -

�könnte das fatal sein.
Wie Ende der vierziger Jahre erstrecken sich die Probleme, vor
denen wir stehen, auf weite Bereiche:
Im Bereich der Wirtschaft stehen wir vor der Gefahr eines
wachsenden Protektionismus, zunehmender Schulden, niedrigen
Wachstums und erschreckend hoher Arbeitslosigkeit.
Im Bereich der Sicherheit müssen wir auf eine beispiellose
militärische Aufrüstung der Sowjets reagieren.
Im Bereich der Politik gab es bei zu vielen Fragen
Meinungsverschiedenheiten.

Hier besteht die Notwendigkeit,

eine neue gemeinsame Strategie auszuarbeiten, um der
sowjetischen Herausforderung zu begegnen und die uns allen
gemeinsamen Werte zu sichern.
Unsere Aufgabe ist es, diese Probleme mit Nüchternheit,
Vernunft und Kreativität anzupacken.

Unsere Aufgabe ist es,

sicherzustellen, daß unsere Vielfalt unser Bündnis bereichert,
anstatt es zu schwächen.
selbst lösen.

Die Probleme werden sich nicht von

Dennoch bin ich zuversichtlich, daß wir durch

staatsmännisches Handeln und durch eine gemeinsame Anstrengung
diese Hindernisse überwinden können - genau wie wir so viele
andere überwunden haben.

Dies erinnert mich an eine Zeile aus

Lessings "Minna von Barnhelm":

"Mann spricht selten von der

Tugend, die man hat; aber desto öfter von der, die uns fehlt."
Lassen Sie mich nun auf die drei Problemkreise eingehen,
vor denen wir stehen - die wirtschaftlichen, die militärischen
und die politischen - sowie auf deren inneren Zusammenhang, um
dann einige Vorschläge zu machen, wie wir sie gemeinsam einer
Lösung zuführen können.

�zuführen können.
Die wirtschaftliche Dimension
Das tägliche Leben unserer Bürger wird durch unsere
Probleme im wirtschaftlichen Bereich auf das Unmittelbarste
berührt.

Wir kommen jetzt aus einer Rezession heraus, die 17

Monate dauerte.

Die Rezession war die längste seit Ende des

Zweiten Weltkriegs.

Die Wirtschaftstätigkeit in Nordamerika

und Europa ging zurück; Japans industrielle Produktion flachte
ab; das Wachstum in mehreren Entwicklungsländern stagnierte
unter dem Gewicht von 700 Milliarden Dollar internationaler
Schulden.

Die Arbeitslosigkeit ging steil in die Höhe - in den

24 Industrieländern der Organisation für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sind 32 Millionen
Menschen ohne Arbeit.
Wir wissen alle, daß diese wirtschaftlichen Schwierigkeiten
Not verursacht haben.

Und was ebenso bedeutsam ist:

Sie haben

in einigen Ländern das demokratische System belastet und in
anderen politische Umwälzungen hervorgerufen.
Protektionistischer Druck und Handelsstreitigkeiten haben die
politischen Bande zwischen alten Verbündeten auf die Probe
gestellt.

In einigen Ländern haben die wirtschaftlichen

Belastungen die Fähigkeit - oder zumindest die Bereitschaft geschwächt, auf die gefährliche militärische Aufrüstung der
Sowjetunion zu reagieren, und haben zu etwas geführt, was
manche unter uns als ein unglückliches Maß an Abhängigkeit vom
Handel mit Osteuropa und der Sowjetunion erachten.
In der siebziger Jahren waren die Demokratien nach dem
ersten Ö'lschock klug genug, in einem beachtlichen Maß
zusammenzuarbeiten.

Bei fallenden Wachstumsraten, bei

steigender Inflation, bei zunehmender Arbeitslosigkeit und bei

- 7 -

�und bei explodierenden Energiekosten überstanden wir die
Umwandlung des internationalen Währungssystems von festen zu
floatenden Wechselkursen.

Wir haben Vorkehrungen dafür

getroffen, wie in Krisenzeiten die Energievorräte aufgeteilt
werden.

Wir sind - wie unvollkommen auch immer - mit den

Auswirkungen der gewaltigen Verschiebungen bei der Verteilung
der Reichtümer dieser Welt fertig geworden, die aus dem Anstieg
des Ölpreises herrührten.
Heute stehen wir nach der durch den zweiten Ölschock
hervorgerufenen Wirtschaftskrise vor der Aussicht auf eine
anhaltende, langfristige Wiedergesundung.
In einigen der wichtigsten Industrieländer erkennen wir die
ersten Anzeichen eines neuen kraftvollen und nichtinflationären
Wachstum. So ging zum Beispiel in den Vereinigten Staaten die
Inflation - am Verbraucherpreisindex gemessen - von 12,4
Prozent im Jahr 1980 auf lediglich 3,8 Prozent in den diesen
Januar abgelaufenen 12 Monaten zurück. Die Primarate liegt
nunmehr bei 10,5 Prozent - bei etwa der Hälfte gegenüber ihrem
jüngsten Höchststand von 21,5 Prozent. Die Firmenaufträge
stiegen im Januar um 2,4 Prozent, während seit einem Jahr der
Überhang bei den Lagerbeständen Schritt für Schritt
zurückgeht. Schließlich hat der Aktienindex von Dow-Jones zum
erstenmal in der Geschichte die 1100-Grenze überschritten.
Der kürzliche Rückgang bei den Ölpreisen wird uns allen
dabei helfen, unsere Gewinne gegenüber der Inflation zu
konsolidieren, und dies sogar, während wir in eine
wirtschaftliche Expansionsphase eintreten. Aber unsere
Aussichten auf Wiedergesundung werden durch zwei drohend
aufragende Probleme verdunkelt, die allein durch kooperative
Maßnahmen aus der Welt geschafft werden können.

- 8 -

�werden können.
Das erste ist das Schuldenproblem.
Anfang gemacht.

Wir haben einen guten

Die Fälle Brasilien, Mexiko und Argentinien

haben gezeigt, daß die Schuldenlast in den Griff zu bekommen
ist.

Eine erfolgreiche Strategie umfaßt eine Kombination

kurzfristiger Überbrückungsfinanzierung sowie
Anpassungsprogramme, die in Verbindung mit dem Internationalen
Währungsfonds (IWF) und den Handelsbanken durchgeführt werden.
Um die für ein künftiges Wirtschaftswachstum so
lebensnotwendigen Mittel bereitzustellen, unterstützen die
Vereinigten Staaten mit Nachdruck die vorgeschlagene Erhöhung
der IWF-Quoten um 47,5 Prozent. Wir drängen darauf, daß diese
Quotenerhöhung 1983 - anstatt 1985 - in Kraft treten soll. Wir
unterstützen gleichfalls die Aufstockung der Allgemeinen
Kreditvereinbarungen (General Arrangements to borrow - GAB) von
7 Milliarden Dollar auf 19 Milliarden Dollar. Diese
aufgestockten Mittel werden all den IWF-Mitgliedern zur
Verfügung stehen, deren Liquiditätsprobleme das Finanzsystem
als Ganzes bedrohen. Wir fordern die Privatbanken auf, auch
weiterhin durch ein ausreichendes Maß an privater Kreditvergabe
ihr Teil dazu beizutragen, die Liquidität der Kreditnehmer jnd dadurch die Chancen auf eine Erholung - nicht abzuwürgen.
Das zweite - und schwerwiegendere - Problem, vor dem wir
stehen, ist die Gefahr des Protektionismus.

Das Volumen des

Welthandels stagnierte 1981 und ging 1982 um geschätzt zwei
Prozent zurück.

Wir wissen alle, daß Protektionismus den

Handel noch zusätzlich behindern, die Wiedergesundung
sabotieren und die Arbeitslosigkeit erhöhen würde.

In den

Vereinigten Staaten hängt jeder siebente Arbeitsplatz vom
Export ab.

In Europa ist das Verhältnis noch krasser.

Die Aussicht auf Erholung wird von konzertiertem Handeln
- 9 -

�konzertiertem Handeln zur Bewahrung des offenen Handelssystems
abhängen.

Die Ministertagung des Allgemeinen Zoll - und

Handelsabkommens (GATT) im November vorigen Jahres hat das
GAfT-System zusammengehalten und es in eine, wenn auch noch so
langsame, Bewegung in positive Richtung versetzt.

Die Minister

verpflichteten sich, davon Abstand zu nehmen, irgendwelche
Maßnahmen zu ergreifen oder beizubehalten, die mit dem GATT
unvereinbar sind.
Die Reagan-Administration wird mit ihren Partnern daran
arbeiten, daß bei dieser Verpflichtung zu offenem Handel aus
Worten auch Taten werden. Wir werden jedoch die
handelsverzerrenden Praktiken anderer Staaten nicht einfach
hinnehmen - besonders auf dem Sektor der Landwirtschaft und der
Dienstleistungen, wo wir uns vergleichsweise gewisser Vorteile
erfreuen. Die Vereinigten Staaten sehen keinen Unterschied
zwischen dem Handel auf diesen Sektoren und dem Handel mit
anderen Gütern. Wir betrachten den massiven Einsatz von
landwirtschaftlichen Subventionen in der Europäischen
Gemeinschaft als unfairen Wettbewerb. Während die Preise für
landwirtschaftliche Erzeugnisse in den Vereinigten Staaten seit
1973 real zurückgegangen sind, hat der Gemeinsame Markt die
Preise von einigen wesentlichen Erzeugnissen auf einen Preis
hochgetrieben, der um das Doppelte über dem in den Vereinigten
Staaten liegt. Die sich dadurch ergebenden Überschüsse werden
dann mit Hilfe von Subventionen exportiert. Die Vereinigten
Staaten haben auf diese Praxis mit ernsthaften Verhandlungen
und mit selektiven Maßnahmen geantwortet - so haben wir
kürzlich subventioniertes Weizenmehl nach Ägypten verkauft.

Es ist offensichtlich, daß es für das Problem des Handels
mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen keine einseitige Lösung
gibt.

Die Sicherung der Einkommen der Landwirte ist für

jedermann ein schwieriges Problem.

Wir müssen in unseren

Anstrengungen fortfahren, eine für alle Seiten annehmbare

- 10 -

�Seiten annehmbare Lösung zu finden.

üas Problem des

Protektionismus ist ein wirtschaftliches Problem.

Aber es ist

auch eine politische Forderung, es zu lösen, bevor es
grundlegendere gemeinsame Interessen bedroht.

Das ist der

konstruktive Geist, in dem meine Regierung an diese Probleme
herangeht.

Ich bin zuversichtlich, daß unsere Partner ein

Gleiches tun werden.
Verteidigung, Sicherheit und Frieden
Unser wirtschaftliches Wohlergehen lässt sich nicht von der
weitergefassten Frage unserer Sicherheit trennen.
Inmitten all der historischen Veränderungen, die in der
Generation seit Gründung des Bündnisses stattgefunden haben,
bleibt die Tatsache bestehen, daß der Frieden in Europa die
Aufrechterhaltung des Gleichgewichts der Kräfte erfordert. Die
anhaltende Notwendigkeit der kollektiven Sicherheit wird von
der Realität, nicht von Gefühlen diktiert. Die zentrale
Prämisse des Nordatlantikvertrages, wie sie in Artikel 5 zum
Ausdruck kommt, bleibt weiterhin gültig: Ein bewaffneter
Angriff gegen ein Mitglied des Bündnisses wird als ein Angriff
gegen alle angesehen.
Diese gegenseitige Verpflichtung hat seit über drei
Jahrzehnten den Frieden bewahrt.

Seit 38 Jahren erfreut sich

der europäische Kontinent eines Friedens in Freiheit und eines
beispiellosen Wohlstandes.

Man muss weit zurückgehen in der

Geschichte Europas, um einen so langen Zeitraum zu finden, in
dem kein einziger, noch so kleiner, Krieg auf diesem Kontinent
ausgetragen wurde.
Sie und ich wissen sowohl intuitiv als auch
verstandesmässig, daß dies kein Zufall ist.

Man kann sich

nicht ernsthaft mit den Erfahrungen der Menschheit hinsichtlich
- 11 -

�Menschheit hinsichtlich der Beziehungen unter Nationen
befassen, ohne zu erkennen, daß ein Gleichgewicht der Kräfte
eine Voraussetzung für Stabilität ist.

Wenn man jetzt, nach 38

Jahren des Friedens, sagen wollte, man könne in den
Anstrengungen zur Aufrechterhaltung des militärischen
Gleichgewichts nachlassen, dann würde man ein gefährliches
Experiment vorschlagen.

Die Beweislast müsste bei denen

liegen, die die Verhältnisse, welche den Frieden eine ganze
Generation lang bewahrt haben, aufheben oder grundlegend ändern
wollen.

Die NATO hat sich jedenfalls als die wahre

Friedensbewegung erwiesen.
Auf der anderen Seite dürfte auf der Hand liegen, daß ein
Gleichgewicht der Kräfte, so notwendig es ist, allein nicht
genügt.

Die Demokratien des Westens haben seit langem in

vielen Erklärungen des Bündnisses deutlich gemacht, daß wir zu
einem Abbau der Spannungen mit unseren Gegnern auf der Basis
echter Gegenseitigkeit bereit sind.

Wir Verbündeten haben uns

einem stabilen militärischen Gleichgewicht verschrieben, um
jede Versuchung oder jeden Anreiz zur Aggression zu
verhindern.

Aber wir sind auch zu einem konstruktiven Dialog

mit unseren Gegnern bereit, um die Ursache von Spannungen und
das Risiko der Aggression zu beseitigen.

Präsident Reagan hat

sich den anderen Staats- und Regierungschefs auf dem Bonner
NATO-Gipfel in der Erklärung angeschlossen, in der der Wunsch
des Westens zum Ausdruck kommt, "durch Dialog, Verhandlungen
und beiderseits vorteilhafte Zusammenarbeit ein konstruktives
Ost-West-Verhältnis herzustellen, soweit dies durch das
sowjetische Verhalten ermöglicht wird."
Das Schreckgespenst der thermonuklearen Waffen gibt unserem
Zeitalter eine ganz neue Qualität.

Präsident Reagan hat

bekräftigt, daß "ein Nuklearkrieg nicht gewonnen werden kann
und niemals geführt werden darf."

Zu diesem Zweck hat er das

kühnste und umfassendste Programm für die nukleare
- 12 -

�die nukleare Rüstungskontrolle angeboten, das je unterbreitet
wurde.
Im Jahre 1931 schlug Präsident Reagan die völlige
Abschaffung einer ganzen Klasse von weiterreichenden,
landgestützten INF-Raketen vor.

Dieser Vorschlag wurde in

Unterstützung des NATO-Doppelbeschlusses von 1979 vorgelegt,
eine Begrenzung der sowjetischen INF-Streitkräfte zu erreichen
und Gegenkräfte zu dislozieren, sollte es bei den Verhandlungen
nicht gelingen, die sowjetische Bedrohung zu beseitigen.

Wir

sind zutiefst überzeugt, daß die völlig Beseitigung dieser
ganzen Waffenklasse das beste und moralischste Ergebnis der
Genfer INF-Verhandlungen wäre.

Trotzdem hat Präsident Reagan

deutlich gemacht, daß unser Vorschlag kein "Alles-oder-Nichts"Vorschlag ist, und er hat unsere Verhandlungsführer angewiesen,
"in Genf jede vorgeschlagene Lösung zu prüfen", die mit den von
unseren Verbündeten unterstützten Prinzipien in Einklang
steht.
Diese Prinzipien besagen, daß ein faires Abkommen auf einem
Gleichstand der amerikanischen und sowjetischen Streitkräfte
fussen muss; daß die britischen und französischen nationalen
strategischen Systeme per definitionem nicht Teil der
Verhandlungen sind; daß Vorschläge, die die sowjetische
Bedrohung lediglich von Europa nach Asien verlagern würden,
nicht als annehmbar betrachtet werden; und daß schliesslich ein
faires Abkommen wirksame Verifizierungsmassnahmen enthalten
muss und nicht unsere Fähigkeit untergraben darf, die NATO mit
konventionellen Streitkräften zu verteidigen.
Präsident Reagan hat auch einen weitreichenden Vorschlag
für die Verhandlungen über eine Verringerung der strategischen
Rüstungen (START) unterbreitet.

Er schlug vor, die

strategischen Arsenale um über die Hälfte und die Zahl der
Raketengefechtsköpfe um ein Drittel zu verringern mit gleichen

- 13 -

�mit gleichen festgelegten Höchstgrenzen der verbleibenden
Waffen auf beiden Seiten.

Diese starken Kürzungen würden sich

vor allem auf die bedrohlichsten Systeme - landgestützte
Interkontinentalraketen - konzentrieren.

Die START- Vorschläge

des Präsidenten würden die Stabilität fördern, indem für jeden
Angreifer der Anreiz verringert würde, einen Erstschlag ins
Auge zu fassen, der den Gegner entwaffnen würde.

Auf der

anderen Seite liegt, wie der Präsident gesagt hat, alles auf
dem Tisch.

Wir sind bereit, jeden vernünftigen Gegenvorschlag

zu prüfen.
Wir haben auf vielen anderen Gebieten grosse
Rüstungskontrollinitiativen vorgetragen:
Im vorigen Sommer haben die NATO-Verbündeten in Wien einen
umfassenden neuen Vorschlag für die beiderseitige und
ausgewogene Verringerung der konventionellen Streitkräfte in
Europa (MBFR) unterbreitet.
Im Juni vorigen Jahres schlug der Präsident hier in Berlin
ein Paket von Maßnahmen für die vorherige Ankündigung von
Versuchsstarts von Raketen und grosser Manöver vor.

Ferner

regte er Maßnahmen für einen verstärkten Austausch von
Informationen über strategische und INF-Streitkräfte an.
Erst kürzlich haben die Vereinigten Staaten im
40-Nationen-Abrüstungsausschuss (in Genf) einen Vorschlag für
ein totales Verbot chemischer Waffen unterbreitet.
Die Erfahrung lehrt, daß die Sowjets umsonst keine
Zugeständnisse machen.

Nur wenn sie erkennen, daß der Westen

entschlossen ist, seine eigenen Modernisierungspläne zu
verfolgen - ob auf dem Gebiet der strategischen Streitkräfte

- 14 -

�strategischen Streitkräfte oder der Mittelstreckensysteme werden die Sowjets einen Anreiz haben, ein Abkommen über einen
niedrigeren, aber gleichen Stand auszuhandeln.

Die Vereinigten

Staaten sind dabei, ihre strategischen Streitkräfte zu
modernisieren, was wesentlich ist, um den Sowjets einen Anreiz
zu bieten, bei START ernsthaft zu verhandeln.

Das Bündnis ist

verpflichtet, INF-Raketen zu dislozieren, wenn in Genf kein
Abkommen erreicht wird.

Diese Verpflichtung muss

aufrechterhalten werden.

Sie bietet die besten Aussichten für

ein wirksames INF-Abkommen.
Die politische Dimension
Es ist natürlich, daß freie Nationen, die sich freiwillig
zusammengeschlossen haben, zu manchen Problemen
unterschiedliche Ansichten haben.

Unsere Vielfalt ist eine

Quelle unserer Lebenskraft; die Freiheit, Meinungsverschieden heiten zu haben, ist eine der Freiheiten, die wir verteidigen.
Die NATO ist nicht der Warschauer Pakt.

Innerhalb einer freien

Gesellschaft werden verschiedene Ansichten vertreten.

Aber an

einem gewissen Punkt gibt es dann eine Lösung und eine
gemeinsame Politik, oder aber die Gesellschaft wird von ihren
Herausforderungen überwältigt.

Dasselbe gilt für ein Bündnis.

Einmütigkeit ex ante ist nicht zu erwarten, aber eine Einigung
auf eine gemeinsame Politik nach einer freien Debatte ist von
entscheidender Bedeutung.
Dieser Grundsatz wird in den kommenden Jahren im Hinblck
auf viele Fragen auf die Probe gestellt werden.

Der

Ost-West-Handel, der in der jüngsten Vergangenheit eine
entscheidende Frage gewesen ist, ist eines der wichtigen
Themen, die gegenwärtig geprüft werden.
wir nicht ausweichen.

Dieser Frage können

Das ist ein Thema, das an dem

- 15 -

�an dem entscheidend wichtigen Schnittpunkt der
wirtschaftlichen, militärischen und politischen Dimensionen des
Bündnisses steht.

Es ist unsinnig, das militärische Potential

eines Gegners zu stärken, dem gegenüber wir Milliarden
ausgeben, um uns zu verteidigen.

Es ist von entscheidender

Bedeutung, in dieser strategischen Frage einen neuen Konsens
formulieren.
Zusammenfassung
Unser Bündnis hat so lange bestanden, glaube ich, weil die
Demokratien trotz aller Streitigkeiten wissen, daß sie
letztlich gemeinsame Werte haben.

Es sind die hervorragenden

moralischen und politischen Ideale, zu deren Verteidigung unser
Bündnis geschaffen wurde - Redefreiheit, Religionsfreiheit,
Versammlungsfreiheit, die Rechte des einzelnen, die Konzeption,
daß die Macht von der Zustimmung der Regierten herrührt.

Wie

Präsident Reagan vor fast einem Jahr in London erklärt hat:
"Die letzte Entscheidung in dem gegenwärtigen Ringen in der
Welt wird nicht von Bomben und Raketen herbeigeführt. Sie
läuft vielmehr auf eine Bewährungsprobe des Willens und der
Ideen hinaus, auf die Erprobung der geistigen
Entschlußkraft und der Werte, die wir schätzen, des
Glaubens, den wir hochhalten, und der Ideale, denen wir uns
weihen."
Bei einer solchen Bewährungsprobe, davon bin ich überzeugt,
wird der Westen obsiegen. Diese Konferenz hier zeigt unsere
Ideale in der Praxis - die unbehinderte offene Debatte freier
Männer und Frauen über wichtige Fragen der öffentlichen
Politik. Diejenigen, die die Mauer gebaut haben, wissen, wie
mächtig diese Ideale sind. Sie haben keinen Zweifel an der Art

- 16 -

�der Art einer Gesellschaft, in der zu leben Männer und Frauen
sich entscheiden würden, wenn man ihnen eine solche Wahl
ließe.

Der Geist der Freiheit ist stärker als jeder, der ihn

unterdrücken möchte.
Wir haben ein Recht, zuversichtlich zu sein. Aber wir
haben auch eine schwere Pflicht. Die Geschichte kennt sowohl
die Tragödie als auch die Hoffnung. Wenn Völker in ihrer
Wachsamkeit nachgelassen haben, wenn Nationen selbstgefällig
wurden, wenn Bündnisse aufgrund fehlender Entschlossenheit
geschwächt wurden, dann ist in der Geschichte stets die
Dunkelheit angebrochen.
Das Nordatlantische Bündnis wird mit wirtschaftlichen,
militärischen und politischen Problemen ringen müssen, die
manchmal zwischen uns stehen werden.

Wir müssen uns unseren

Problemen stellen und sie lösen.
Vor einer Generation haben die Menschen dieser Stadt alle
freien Völker gelehrt; was es heißt, Mut zu zeigen. Und andere
demokratische Länder - und ich sage mit Stolz, darunter auch
mein Land - haben Berlin nicht im Stich gelassen. Auch heute
ist es nicht genug, zu wissen, was unsere Pflicht ist. Es
kommt darauf an, daß wir sie erfüllen.

- 17 -

�^ ^

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1

'J71
1 *l 1

DlIE11

14

Information
United States Information Service
Embassy of the United States of America

30. März 1983

WILLIAM RUCKELSHAUS DIREKTOR DER UMWELTSCHUTZBEHÖRDE

- (AD) - Mit der Berufung von William Ruckeishaus zum neuen Chef der
amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA wurde dem Nachfolger von Ann Burford,
die am 9. Mä'rz 1983 zurücktrat, dieses Amt zum zweitenmal übertragen. Er
hatte die Behörde aufgebaut und von ihrer Gründung im Jahr 1970 bis 1973
schon einmal geleitet. Seit 1975 war er Vizepräsident von Weyerhaeuser
Company, einem der größten Unternehmen der Welt für Holzprodukte mit Sitz
im US-Bundesstaat Washington. Beeindruckt von dem Engagement Präsident
Reagans für die Funktionsfähigkeit der EPA entschloß sich Ruckeishaus,wie
er am 22. März in Washington vor EPA-Mitarbeitern erklärte, kurzfristig zur
Annahme des Angebots. Ihm sei genügend freie Hand bei der Durchführung der
notwendigen Aufgaben zugesichert worden. Wichtigster Daseinszweck der Umweltschutzbehörde sei der Schutz menschlichen Lebens und der Schutz dessen,
was Leben erhalte - und das sei die natürlich Umwelt. Das könne nicht in
einem Vakuum geschehen. Vielmehr müsse "dieser Schutz mit unseren gesellschaftlichen Zielen in Einklang gebracht werden und unsere Wirtschaft sowie
die Produktion ausreichender Energie in geeigneter Form einbeziehen".

William Ruckeishaus

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�William Ruckeishaus äußerte die Überzeugung, daß die Art und Weise, wie
eine freie Gesellschaft die chronischen Probleme modernen Daseins wie Umweltverschmutzung, die Nutzung natürlicher Hilfsquellen bis zu ihrer Erschöpfung
und Übervölkerung angehe, darüber entscheide, ob sie sich ihre Freiheit bewahre.

"Diese chronischen und hartnäckigen Probleme können zu äußerst konträ-

ren Meinungen führen und eine sehr emotionale Angelegenheit werden... Was
jetzt nottut, ist, die Dinge besser in den Griff zu bekommen", erklärte
Ruckeishaus.
William Ruckeishaus (50) wurde nach dem Amtsantritt der Regierung Nixon
Anfang 1969 als Unterstaatssekretär in das US-Justizministerium berufen und
im November 1970 zum Leiter der neugeschaffenen Umweltschutzbehörde bestellt.
In der EPA sollten alle einschlägigen Aufgabenbereiche zusammengefaßt werden,
die bis dahin auf eine ganze Anzahl von Behörden verteilt waren. Mit Umweltschutz und Schadstoffkontrollen wurde Ruckeishaus Anfang der sechziger Jahre
vertraut, als er - hoher Beamter im Justizministerium des Bundesstaates
Indiana - den Entwurf für das staatliche Gesetz von 1963 zur Reinhaltung der
Luft ausarbeitete und Gerichtsverfahren gegen Firmen und Stadtverwaltungen
aufgrund von Verstößen gegen die entsprechenden Bestimmungen einzuleiten
hatte.

Im Jahr 1973 war William Ruckeishaus außerdem amtierender Direktor

des Bundeskriminalamtes (FBI) und stellvertretender Justizminister der Vereinigten Staaten.

Nach Meinungsverschiedenheiten mit dem damaligen Präsidenten

Nixon im Zusammenhang mit der Watergate-Affäre trat er im Oktober 1973 zurück.
William Ruckeishaus studierte an den Universitäten Princeton und Harvard
Rechtswissenschaften. Im. Jahr 1960 wurde er zum stellvertretenden Justizminister des Bundesstaaten Indiana ernannt und war ab 1963 Oberster Rechtsberater
des Ministeriums. Sein Einstieg in die Politik begann 1966 mit einem eindrucksvollen Votum für ihn bei der Wahl zum Repräsentantenhaus von Indiana. Schon
während seines ersten Jahres als Abgeordneter wurde er zum Fraktionsführer
der Parlamentsmehrheit gewählt - ein Novum in der parlamentarischen Praxis.
Im Jahr 1968 bewarb er sich als Konkurrent von Birch Bayh um einen Sitz im
US-Senat. Damals gewann sein Mitbewerber die Wahl.
Im Jahr

�Im Jahr 1962 heiratete William Ruckeishaus, dessen erste Frau Anfang
1961 verstorben war, Jill Elizabeth Strickland.
Töchter und zwei Söhne hervor.

+ + + ++

- 3 -

Aus dieser Ehe gingen drei

�•ITraT

Uli//cn/ch(ifl
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

30. März 1983

14

CHALLENGER-START FÜR 4. APRIL VORGESEHEN

- (AD) - Die amerikanische Raumfähre CHALLENGER soll am 4. April 1983
zu ihrem Jungfernflug starten.

Der ursprünglich für Ende Januar vorgesehene

Termin mußte verschoben werden, nachdem zunächst technische Mängel an den
drei Haupttriebwerken des zweiten US-Raumtransporters entdeckt worden waren
und nach einem heftigen Sturm am Kap Canaveral Ende Februar Sand- und Staubpartikel an der Nutzlast festgestellt wurden.
Bei dieser Nutzlast handelt es sich um einen kostspieligen und fUr künftige bemannte wie unbemannte Raumfahrtprojekte wichtigen Nachrichtensatelliten.
Der TDRS (Tracking and Data Relay Satellite - Satellit für Bahnbeobachtungen und Datenübermittlung) ist das erste Gerät für ein neues System,
das in Verbindung mit nur einer großen Bodenstation die kontinuierliche Beobachtung der Raumfähre und ihrer Besatzung während einer Flugmission ermöglicht. Die Mängel an den Triebwerken - Haarrisse in Treibstoffleitungen für
Wasserstoff- und Sauerstoffgas sowie an einem Wärmeaustauscher - wurden durch
Austauschen bestimmter Segmente beseitigt. Der Chef des Raumtransporterprogramms der NASA (US-Bundesamt für Luft- und Raumfahrt), Generalmajor James A.
Abrahamson, ist zuversichtlich, daß CHALLENGER nunmehr am 4. April um 19.30
Uhr MEZ vom Kennedy-Raumfahrtzentrum (Florida) aus zu ihrem ersten Flug

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�ersten Flug starten kann.

Die Ergebnisse der zahlreichen Tests» die in den

letzten Tagen durchgeführt wurden, seien ausgezeichnet.
Der Flug soll fünf Tage dauern.
Paul J. Weitz.

Chefpilot ist der erfahrene Astronaut

Sowohl für den Kopiloten Karol J. Bobko als auch für die

beiden Wissenschaftsastronauten Donald H. Peterson und Story Musgrave wird
das Unternehmen STS-6 der erste Raumflug sein. Musgrave, ursprünglich Herzspezialist und Chirurg, und Peterson, Ingenieurwissenschaftler mit den Fachgebieten Kerntechnik und Raumfahrtgerätekonstruktion, sollen den "Weltraumspaziergang" in der geöffneten Ladebucht nachholen, der beim Flug STS-5 im
November 1982 gestrichen werden mußte.

- 2 -

�</text>
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                    <text>23. März 1983

13

INHALT

DOKUMENTATION
Reagan fordert Moskau zur Beendigung des Blutvergießens in
Afghanistan auf
- USA begingen "Afghanistan-Tag" Wirtschaftsgipfel soll Wachstum in den Mittelpunkt stellen
- Rede des Stellvertretenden US-Außenministers in Genf -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Arbeitsmarkt für Naturwissenschaftler und Ingenieure
- Berufliche Weiterbildung für bestimmte Berufsgruppen immer
wichtiger Hämodialyse bei Erythematodes-Fällen mit Nierenkomplikation

Um Uber/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

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�Dokumentation

i

United States Information Service
Embassy of the United States of America

13

23. März 1983

REAGAN FORDERT MOSKAU ZUR BEENDIGUNG DES BLUTVERGIESSENS IN
AFGHANISTAN AUF
- USA begingen "Afghanistan-Tag" -

WASHINGTON - (AD) •• Präsident Ronald Reagan hat die Sowjetunion aufgefordert, das Blutvergießen in Afghanistan zu beenden, damit ein unabhängiges
Land endlich wieder seinen Platz in der Völkergemeinschaft einnehmen könne.
Der Appell des amerikanischen Präsidenten ist in einer Erklärung zum
"Afghanistan-Tag" enthalten, der am 21. März 1983 mit Kundgebungen und Protestmärschen zur Unterstützung des afghanischen Volkes in allen Teilen der
Vereinigten Staaten und der freien Welt begangen wurde.
Die Erklärung Reagans hat folgenden Wortlaut:
"Heute, am 21. März 1983, wird in vielen Teilen der moslemischen Welt
der Neujahrstag begangen.

Neujahr sollte natürlich eine Gelegenheit zum

Feiern sein. Aber für die moslemischen Menschen in Afghanistan, das von
der sowjetischen Armee angegriffen und besetzt wurde, ist dieser Tag eine
bittere Erinnerung an ein nationales Unglück, das vor mehr als drei Jahren
über dieses Volk hereinbrach.

Um die Aufmerksamkeit der Welt auf dieses Ver-

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�dieses Verbrechen gegen ein unschuldiges und tapferes Volk zu lenken, begehen wir heute zum zweitenmal

ien 'Afghanistan-Tag'.

In Afghanistan sind Zehntausende getötet worden, Millionen Menschen
haben ihr Heim und ihren Unterhalt verloren.
anderen Grausamkeiten unterworfen.

Andere waren Folterungen und

Und viele andere mehr wurden Opfer der

schrecklichen chemischen und biologischen Waffen, einschließlich des 'gelben
Regens' - Waffen, die die Sowjets unter Verletzung internationaler Abkommen
eingesetzt haben.

Die Folgen und Auswirkungen dieses Unglücks erstrecken

sich auch auf Pakistan, das die Last der Unterbringung und Versorgung von
nahezu drei Millionen Flüchtlingen auf sich genommen hat.
Doch während wir die Ereignisse in Afghanistan mit allem Nachdruck verurteilen, sind wir nicht ohne Hoffnung.

Wenn man sieht, wie die mutigen

afghanischen Freiheitskämpfer mit einfachen Handfeuerwaffen gegen moderne Arsenale ankämpfen, dann ist dies ein Ansporn für alle, die die Freiheit lieben.

Der Mut dieser Menschen lehrt uns etwas Großes:

Daß es Dinge auf die-

ser Welt gibt, die es wert sind, verteidigt zu werden.
Dem afghanischen Volke rufe ich im Namen aller Amerikaner zu, daß wir
sein Heldentum, seinen Einsatz für die Freiheit und seinen unermüdlichen
Kampf gegen seine Unterdrücker bewundern.
Das sowjetische Volk hat große Leiden erfahren. Mehr als jedes andere
Volk sollte es in der Lage sein, angesichts des schrecklichen Leids des
afghanischen Volkes Mitgefühl zu empfinden. Im Namen der Humanität appelliere ich an die sowjetischen Führer: Beendet das Blutvergießen, damit ein
unabhängiges Afghanistan seinen Platz in der Völkergemeinschaft wieder einnehmen kann. Wir führen gegen Afghanistan nichts im Schilde. Wir bedrohen
Euch weder dort noch irgendwo anders auf der Erde. Alles, was wir wollen,
ist die Wiederherstellung des Friedens und der Freiheit für ein edles und
tapferes Volk, dem unsere Gedanken heute gewidmet sind."
In einer

�In einer gesonderten Botschaft an die Teilnehmer einer Kundgebung anläßlich des "Afghanistan-Tages" in Washington betonte der amerikanische Präsident, solche öffentlichen Proteste bekräftigten die Unterstützung des
amerikanischen Volkes für die afghanische Freiheitsbewegung.

Diese Botschaft Reagans hat folgenden Wortlaut:

"Ich freue mich, den Organisatoren und Teilnehmern dieser Kundgebung aus
Anlaß des zweiten 'Afghanistan-Tages' meine herzlichen Grüße übermitteln zu
können.

Dieser Tag, der mit dem afghanischen Neujahrstag zusammenfällt, ist

ein überaus angemessener Zeitpunkt, um die tapferen Menschen zu ehren, die
gegen eine überwältigende Übermacht ankämpfen, um ihre Freiheit wiederzuerlangen.

Ich glaube, dieser Anstrengung, die Sie sowie andere Organisationen in
allen Teilen der Vereinigten Staaten anläßlich dieses Tages unternehmen,
kommt eine sehr große Bedeutung zu.

Sie zeigt die breite öffentliche Unter-

stützung in diesem Lande für die afghanische Widerstandsbewegung in ihrem
Kampf gegen die sowjetische Aggression auf.

Sie zeigt den tapferen Freiheits-

kämpfern, daß sie in ihrer Verteidigung der Freiheit nicht alleinstehen
und daß das amerikanische Volk weder ihre Opfer vergessen, noch ihre Sache
im Stich lassen wird.

Der Sowjetunion ist es nicht gelungen, Afghanistan zu unterwerfen,
weil das afghanische Volk einen so unglaublichen Geist, Mut und eine solche
Harträckigkeit bewiesen hat.

Diesen Freiheitskämpfern und allen, die sie

unterstützen, übermittle ich meine besten Wünsche für das neue Jahr.

Es

ist meine eindringliche Hoffnung, daß das neue Jahr dem,Afghanistan von der
Sowjetunion auferlegten Leiden ein Ende setzen und die Wiederherstellung der
Freiheit und der Unabhängigkeit des Landes bringen wird.

Ich spreche Ihnen meine Glückwünsche und meinen Dank aus, die Sie heute
hier versammelt sind, um Ihre Solidarität mit der großen Mehrheit des

- 3 -

�Mehrheit des afghanischen Volkes zu bekräftigen, das um seine Freiheit
kämpft; und meine Glückwünsche und mein Dank gelten auch dem Komitee für
ein freies Afghanistan, das diese Kundgebung organisiert hat."

Abrams fordert internationale Unterstützung für Afghanistan
Für eine internationale Unterstützung des afghanischen Freiheitskampfes
setzte sich auf der Kundgebung der Unterstaatssekretär für Menschenrechte und
humanitäre Fragen im State Department, Elliott Abrams, ein.
Seine Ausführungen haben folgenden Wortlaut:
"Wir sind heute hier, um uns daran zu erinnern, daß dieses Land und
sein Volk niemanden bedroht. Wir sind heute hier, um uns daran zu erinnern,
daß seine nationale Unabhängigkeit von der Sowjetunion in brutaler Weise vernichtet wurde.

Wir sind heute hier, um uns ins Gedächtnis zurückzurufen, daß

ein Fünftel seiner Bevölkerung aus dem Land vertrieben wurde, um im Exil und
meist in Not leben zu müssen.

Wir sind heute hier, um unsere Besorgnis für

jene Flüchtlinge zum Ausdruck zu bringen sowie unsere anhaltende Verpflichtung, sie mit Nahrungsmitteln, Kleidung und Unterkunft zu versorgen.

Ihre

Tapferkeit ist erstaunlich, genauso erstaunlich wie die Tapferkeit der
Mujahedin, die für Afghanistan kämpfen.
Seit drei Jahren haben über 100 000 Soldaten auf Männer und Frauen, auf
Kinder, ja, auf Säuglinge geschossen, sie bombardiert und niedergemetzelt,
wobei jedes Element der sowjetischen Kriegsmaschinerie eingesetzt wurde,
einschließlich chemischer Waffen, die die gesamte Zivilisation geächtet hat.
Zu Tausenden sind Unschuldige gestorben - Kinder an der Hand ihrer Mütter,
Mütter, die sich in ihren Häusern aufhielten - die jüngsten Opfer des sowjetischen Imperialismus und der sowjetischen Brutalität. Noch vor zwei Wochen
hat unser Präsident das sowjetische System als Sammelpunkt des Bösen in der
Welt bezeichnet. Niemand, der sich an Afghanistan erinnert, kann daran zweifeln, daß er recht hat.
. f Greuel

�Auf Greuel folgen Greuel; Mord zieht Mord nach sich; auf Angriffe folgen Gegenangriffe.

Afghanistan wurde niedergebrannt, seine Dörfer wurden

dem Erdboden gleichgemacht, seine Bevölkerung wurde vertrieben oder getötet,
Es ist ein Abbild sowjetischer Unmenschlichkeit und sowjetischen Verbrechens,
das jeden von uns in die Verzweiflung treiben könnte.

Aber dies muß nicht sein - nicht, wenn wir dem Mut des afghanischen
Volkes Achtung zollen.
lung.

Denn, an was dieses Volk zuletzt denkt, ist Verzweif-

Es denkt ans überleben, an den Widerstand und an eine Zukunft, die

seine nationale Eigenständigkeit wiederherstellt.
nicht gewonnen.

Denn die Sowjets haben

Die Afghanen haben einen sowjetischen Sieg nicht zugelassen.

Sie werden sich nicht unterwerfen, und sie werden nicht kapitulieren.

Von ihnen können wir nur lernen.
gend

Die sowjetische Macht ist furchterre-

- aber man kann ihr widerstehen, wie dies die Afghanen tun - im Namen

der Unabhängigkeit und Gottes.
Sie kämpfen für einen Abzug der sowjetischen Truppen, für eine Rückkehr der Flüchtlinge, für ein unabhängiges Land.

Sie müssen wissen, daß zivilisierte Männer und Frauen überall auf der
Welt auf ihrer Seite stehen - bei den Vereinten Nationen, auf der Konferenz
über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, in der Bewegung der Blockfreien, auf der islamischen Konferenz und natürlich hier in Washington heute.
Wir sehnen die Zeit herbei, da der 'Afghanistan-Tag1 nicht darauf abzielt, Flüchtlingen und Kriegern zu helfen, sondern begangen wird als eine
Erinnerung an ein tapferes Volk, das Widerstand leistete und Erfolg hatte.
Wir wissen nicht, ob der Tag des Friedens nahe ist, aber wollen wir doch entschlossen sein, ihn durch unsere Unterstützung Afghanistans näherzubringen.
Denn ihr Kampf gegen den sowjetischen Imperialismus, gegen schändliche Brutalität, gegen unmenschliche Waffen, ihr Kampf für die nationale Unabhängigkeit,
für eine Rückkehr in ihre Heimat und für den Frieden ist genauso auch unsere
Sache."
+ + + + +
- 5 -

�13

23. März 1983

WIRTSCHAFTSGIPFEL SOLL WACHSTUM IN DEN MITTELPUNKT STELLEN
- Rede des Stellvertretenden US-Außenministers in Genf -

GENF - (AD) - Der Stellvertretende amerikanische Außenminister Kenneth
Dam erklärte in Genf, die Vereinigten Staaten erwarteten von dem Wirtschaftsgipfel im Mai in Williamsburg, daß die Führer der westlichen Industrienationen ein geordnetes und nichtinflationäres Wachstum als oberstes Ziel setzen
werden. In einer Rede am 21. März 1983 vor dem Institut für fortgeschrittene
internationale Studien vertrat Dam die Auffassung, ein solches Wachstum sei
die "einzige dauerhafte Lösung" für die wirtschaftlichen Probleme der westlichen Welt. Der nächste Wirtschaftsgipfel findet vom 28. bis 30. Mai auf
Einladung der amerikanischen Regierung in Williamsburg im Staate Virginia
statt.
Dam befindet sich derzeit auf einer Europareise - vom 18. bis 27. März -,
deren Stationen Genf, Oslo, Kopenhagen, Bonn, Berlin und Budapest sind.
Seine Rede in Genf hat folgenden Wortlaut:
In Erwartung

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�In Erwartung von Williamsburg:

Die internationale Wirtschaftspolitik der USA

Die Schweiz ist die erste Station auf einer Reise, die mich noch nach
Norwegen, Dänemark, die Bundesrepublik Deutschland und Ungarn führen wird.
Der Zweck meiner Reise nach Westeuropa ist es, mit unseren Partnern in den
demokratischen Industriestaaten über die vor uns stehenden Herausforderungen
zu sprechen.

Diese Herausforderungen sind militärischer, politischer und

wirtschaftlicher Natur:
- Wir müssen auf die sowjetische Aufrüstung wo notwendig durch die Modernisierung unserer Abschreckung reagieren und wo möglich eine wirksame
Rüstungskontrolle erreichen.
- Wir müssen unsere demokratischen Werte im eigenen Lande bewahren und im
Ausland unterstützen.
- Und wir müssen ein nichtinflationäres Wachstum fördern und das offene
Handelssystem erhalten, von dem dieses abhängt.
Der letzte dieser Punkte, die Notwendigkeit eines weltweiten Wachstums,
ist heute mein Thema.
Wir kommen aus einer Rezession heraus, die 17 Monate dauerte. Diese
Rezession war die längste seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Die Wirtschaftstätigkeit in Nordamerika und Europa ging zurück; Japans industrielle Produktion flachte ab; das Wachstum in mehreren Entwicklungsländern stagnierte unter
dem Gewicht von 700 Milliarden Dollar internationaler Schulden. Die Arbeitslosigkeit ging steil in die Höhe - in den 24 Industrieländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sind 32 Millionen Menschen ohne Arbeit.
Wir wissen alle, daß die Rezession nicht nur materielle Belastungen
gebracht hat. Sie hat in einigen Ländern die Demokratie belastet und in
- 2 -

�und in anderen politischen Umsturz hervorgerufen.

Die Beziehungen unter

alten Verbündeten wurden durch Handelsstreitigkeiten belastet.

Die Rezes-

sion hat die Fähigkeit des Westens in Frage gestellt, mit der sowjetischen
Aufrüstung gleichzuziehen, und die Abhängigkeit vom Handel mit Osteuropa
und der Sowjetunion gefördert.
Wir wurden während dieser Rezession von dem Grundprinzip alliierter
Zusammenarbeit geleitet: Wenn einer von uns versuchen sollte, seine Probleme zu umgehen, indem er sie seinen Partnern aufbürdet, dann werden wir alle
Schiffbruch erleiden.
In einigen Industrieländern gibt es heute Anzeichen einer Neubelebung
der Wirtschaft. Diese Anzeichen dürften Ende Mai noch deutlicher sein. Zu
jenem Zeitpunkt werden die Staats- und Regierungschefs der sieben größten
Industrienationen und der Präsident der EG-Kommission in dem historischen
Williamsburg in Virginia zusammenkommen.
Ich möchte heute darüber sprechen, daß der Gipfel in Williamsburg in
Ton und Inhalt eine Abkehr von den bisherigen Wirtschaftsgipfeln darstellen wird. Die früheren Gipfeltreffen waren durchstrukturiert und formell.
Williamsburg soll flexibel und informell werden. Auf früheren Gipfeltreffen
standen antiinflationäre Politiken im Mittelpunkt. In Williamsburg wird
sich der Nachdruck auf Politiken verlagern, die Wachstum fördern - ohne die
Inflation neu anzufachen.
Bei der Erörterung der Fragen, mit denen sich die Partner auf dem
Gipfeltreffen zu befassen haben werden, möchte ich meine Ausführungen in
drei Kapitel unterteilen: Erstens, eine Analyse der Ursachen der weltweiten
Rezession; zweitens, eine Beschreibung ihrer Heilung - weltweites Wirtschaftswachstum; und drittens, einen überblick über die Fragen, die wir nicht außer
acht lassen dürfen, wenn wir den Wiederaufschwung festhalten wollen, der in
unserer Reichweite liegt.
Die Rezession

- 3 -

�Die Rezession
Der gegenwärtige Zustand der Weltwirtschaft hat seine Wurzeln in den
sechziger und siebziger Jahren.

Steigende Inflation Ende der sechziger

Jahre änderte die Wettbewerbslage der Industrien in Europa, Japan und den
Vereinigten Staaten und untergruben das System der festen Wechselkurse.
Dem Schritt zu floatenden Wechselkursen im Jahr 1973 folgten innerhalb
eines Jahres eine Vervierfachung der Weltölpreise und eine Verlagerung der
Verteilung des Reichtums der Welt.
Nach 1973 erreichte die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC)
einen Oberschuß in der Leistungsbilanz, und die öl importierenden Länder hatten ein entsprechendes Defizit.

Von 1974 bis 1980 standen die Industrie-

staaten vor Leistungsbilanzdefiziten, die im Schnitt 20 Milliarden Dollar
pro Jahr betrugen.

Die kein öl besitzenden Entwicklungsländer verzeichneten

jährliche Defizite von 47 Milliarden Dollar.

Diese Defizite stellten unge-

heure Kapitalanforderungen an die Geldmärkte.

Handelsbanken wurden die das

Risiko tragenden Vermittler zwischen der OPEC und den Kreditnehmerländern.
Als Ergebnis stieg der Stand der internationalen Verschuldung der heute bei
700 Milliarden Dollar liegt - von 1972 bis 1982 um das Siebenfache.

In den

gleichen zehn Jahren stieg die Verschuldung an private Kreditgeber von 40
auf 60 Prozent der Verschuldung der Entwicklungsländer (LDC).
Es wäre jedoch falsch, das Erbe der Jahre des ölschocks als ein Schuldenproblem zu bezeichnen. Wir stehen heute vor einem Einkommensproblem.
Sicherlich haben die Entwicklungsländer in den siebziger Jahren viel Geld
geborgt, aber auch Privatfirmen borgen viel. Der Unterschied besteht darin,
daß Unternehmen in Produktivkapazität investieren, um Einkommen zu schaffen,
mit dem sie ihre Schulden zurückzahlen. Einige Entwicklungsländer neigten
jedoch dazu, in Konsum statt in Produktion zu investieren, d.h., sie pumpten,
um interne Einkommensverlagerungen zu finanzieren. Diese fragwürdige Strategie konnte so lange toleriert werden, wie die Exporterlöse rasch genug
stiegen, um für den Schuldendienst aufzukommen. Das war von 1975 bis 1979

- 4 -

�bis 1979 der Fall, als die Exporte der Entwicklungsländer jährlich um
22 Prozent stiegen und damit in etwa mit dem Wachstum der Verschuldung
dieser Länder um jährlich 25 Prozent Schritt hielten.
Nach dem zweiten ülschock 1979/80 führten jedoch die wichtigsten Industriestaaten eine restriktivere Währungspolitik ein. Diese Politik
bremste die Inflation, steigerte die Realzinsen und setzte eine Abkehr
von den wirtschaftlichen Exzessen der siebziger Jahre in Gang. Der Durchschnittspreis für ein Barrel OPEC-Öl stieg von 13 Dollar Ende 1978 auf 35
Dollar 1981. Diese Erhöhung fraß drei Prozent oder 200 Milliarden Dollar
vom Nationaleinkommen der OECD-Länder auf. Die entsprechende Verringerung
der realen Nachfrage im Westen verringerte die Exporterlöse der Entwicklungsländer und drückte auf die Preise ihrer Rohstoffe. Gleichzeitig erhöhten
steigende Zinssätze und ein starker Dollar die Kosten der Entwicklungsländer für den Schuldendienst von 18 Prozent ihrer Gesamtexporte von 1980
auf 24 Prozent ihrer Exporte 1982.
Das Problem, vor dem die hochverschuldigen Entwicklungsländer stehen,
ist ernst. Steigende Kosten des Schuldendienstes verbrauchen einen wachsenden Anteil an rückläufigen Exporterlösen. Viele Entwicklungsländer
kämpfen heute darum, ihre Exporte zu steigern und ihre Importe zu senken.
Um mit ihren Schuldenproblemen fertig werden zu können, brauchen sie den
Zugang zu unseren Märkten. Das kommt zu einer Zeit, in der wir im Westen
Rekordhöhen der Arbeitslosigkeit, schlechtere Handelsbilanzen und ein geringeres Realeinkommen erleben. Als Ergebnis stehen die internationalen
Finanz-, Handels- und Währungssysteme unter schwerer Belastung.

Das Heilmittel: Weltweites Wirtschaftswachstum
Aber wenn man das Schuldenproblem lösen wollte, ohne das Weltwirtschaftsproblem zu lösen, dann wäre das, als ob man die Glut im Aschenbecker
löschen und das Zimmer in Flammen stehen lassen würde. Die einzige dauer-

- 5 -

�einzige dauerhafte Lösung für das Einkommensproblem der Entwicklungsländer
wie auch für die ernsten wirtschaftlichen Probleme der Industriestaaten ist
anhaltendes weltweites Wachstum.

Ein solches Wachstum wird eine vernünftige

Binnenwirtschaftspolitik erfordern, die die Inflation niedrig hält und Produktion und Investitionen anregt.
Mehrere große Industrieländer sind im Begriff, mit einer Expansion
der Weltwirtschaft voranzugehen.

So ist beispielsweise in den Vereinigten

Staaten die Inflationsrate - gemessen am Verbraucherpreisindex - von 12,4
Prozent 1980 auf nur noch 3,8 Prozent in den diesen Januar abgelaufenen 12
Monaten zurückgegangen.

Die Primarate liegt jetzt bei 10,5 Prozent - der

Hälfte des kürzlichen Höchststandes von 21,5 Prozent.

Im Februar stieg die

Industrieproduktion im dritten Monat hintereinander auf einen Stand von
1,8 Prozent über dem Tiefstand vom November 1981. Und schließlich hat der
Aktienindex von Dow-Jones zum erstenmal in der Geschichte die 1100-Grenze
überschritten.

Der Chef der Volkswirtschaftsabteilung in unserem Handels-

ministerium bezeichnete das als "erstaunlich gute Nachrichten."
Der kürzliche Rückgang der öl preise ist eine weitere gute Nachricht.
So wie die öl Preiserhöhungen in den siebziger Jahren deflationär wirkten,
so dürfte der Preisrückgang expansiv wirken. Man hat geschätzt, daß ein
Rückgang um fünf Dollar pro Barrel das Bruttoinlandsprodukt im OECD-Gebiet
in diesem Jahr um ein halbes Prozent steigern und die Inflationsrate um
einen Prozentpunkt senken und auch zu einer Senkung der Zinsen führen
wird. Niedrigere öl preise mögen einigen öl Produzenten, wie Mexiko, Venezuela
und Nigeria, schaden. Aber der Nutzen aus niedrigeren Zinssätzen und stärkerem wirtschaftlichem Wachstum dürfte weltweit sehr viel größer sein.
Wir stehen jetzt an einem Neubeginn.

Inflation und Energiepreise, die

beiden Hemmschuhe des Wachstums seit Anfang der siebziger Jahre, drücken
nicht mehr so sehr.

In Ottawa und Versailles lag der Nachdruck auf Anti-

inflationspolitik.

In Williamsburg wird sich der Nachdruck verlagern, aber

deutlicher werden.

Die demokratischen Industriestaaten in Nordamerika,

- 6 -

�in Nordamerika, Europa und Asien müssen eine Wirtschaftsstrategie für ein
anhaltendes Wachstum entwickeln, das die Gewinne nicht gefährdet, die wir
in den letzten Jahren errungen haben.

Eine solche Strategie müßte sich

auf vier Gebiete konzentrieren:
Erstens, Stärkung des offenen Handelssystems;
zweitens, Unterstützung des internationalen Finanzsystems;
drittens, Verbesserung des Währungssystems; und
viertens, Entwicklung eines gemeinsames Ansatzes des Bündnisses für die
Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ost und West.

Stärkung des offenen Handelssystems
Der Ministertagung des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT)
im November vorigen Jahres ist es nicht gelungen, alles zu schaffen, was
wir uns vorgenommen hatten.

Aber sie hat das GATT-System zusammengehalten

und es in eine, wenn auch noch so langsame, Bewegung in positive Richtung
versetzt.

Die Minister verpflichteten sich, davon Abstand zu nehmen, irgend-

welche Maßnahmen zu ergreifen oder beizubehalten, die mit dem GATT unvereinbar sind.

Diese Verpflichtung, den offenen Handel von Worten in konkretes

Handeln zu übersetzen, ist heute schwieriger und wichtiger denn je.
Das Wirtschaftswachstum stockte Mitte der siebziger Jahre und hat sich
seit 1980 drastisch verlangsamt. In den Jahren 1980 bis 1982 stieg das Realprodukt im OECD-Gebiet nur um zwei Prozent. Entsprechend dieser Verlangsamung des Wachstums ging der Welthandel - der 1981 in seinem Volumen stagnierte - im Jahr 1982 um schätzungsweise zwei Prozent zurück.
Der Schlüssel zum Wiederaufschwung ist verstärkter Handel, nicht weniger Handel.

Doch haben die Rezession und die hohen Arbeitslosenzahlen im

Westen verständlicherweise den protektionistisehen Druck verstärkt. So wird
z. B. in den Vereinigten Staaten der 98. Kongreß auf eine Gesetzgebung
- 7 -

�eine Gesetzgebung drängen, die den einheimischen Anteil an Erzeugnissen zufriedenstellend regelt, wird landwirtschaftliche Subventionen sowie protektionistische Maßnahmen fordern, die die am härtesten getroffenen Sektoren
wie Stahl und Autos betreffen. Auch Europa sündigt. Aufgrund von existierenden freiwilligen Beschränkungsabkommen können jährlich nur 11 von 100
britischen Autokäufern (und nur 3 von 100 französischen) ein neues japanisches Auto wählen.
Diese protektionistischen Maßnahmen drohen, den Prozeß der Wiedergesundung abzuwürgen.

Quoten, Zölle und andere Handelsbarrieren bringen uns

höhere Kosten und verwehren den Kreditnehmerstaaten die Einnahmen in harter
Währung, die sie benötigen, um ihrem Schuldendienst nachzukommen und unsere
Exporte zu kaufen. Umgekehrt bewirkt das offene Handelssystem, daß die
Ressourcen auf produktivste Weise eingesetzt und dadurch mehr Arbeitsstellen
geschaffen als zerstört werden. Folgerichtig hat Präsident Peagan versichert,
daß die Vereinigten Staaten sich nicht von den Prinzipien eines offenen Handelssystems abwenden werden.
Dies bedeutet jedoch nicht, daß wir den handelsverzerrenden Praktiken
anderer Staaten gewissermaßen die andere Wange hinhalten - vor allem bei jenen, die auf Sektoren - wie Landwirtschaft und Dienstleistungen - zu finden
sind, bei denen wir uns vergleichsweise gewisser Vorteile erfreuen. Die
Vereinigten Staaten erkennen keinen Unterschied zwischen Handel auf diesen
Sektoren und Handel mit anderen Gütern.
Die gegen den Wettbewerb gerichteten Praktiken - wie etwa die Exportsubventionen der Europäischen Gemeinschaft - dauern jedoch unvermindert an.
Während die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse in den Vereinigten
Staaten real seit ihrem Höhepunkt im Jahr 1973 stetig zurückgegangen sind,
hat die Landwirtschaftspolitik der Europäischen Gemeinschaft die Preise von
einigen wesentlichen Erzeugnissen künstlich auf einen Preis hochgetrieben,
der um das Doppelte über dem in den Vereinigten Staaten liegt, und dadurch
zu einer hohen Produktion angereizt. Die sich dadurch ergebenden Überschüsse

- 8 -

�ergebenden Überschüsse werden dann mit Hilfe umfangreicher Subventionen
exportiert.

Diese Praxis hat dazu beigetragen, daß die europäischen Bauern

ihren Anteil an Märkten von Drittländern auf Kosten der amerikanischen
Farmer ausgeweitet haben.

Die Vereinigten Staaten sind sich der Probleme bewußt, vor denen die
Führungen in Europa bei der Ausformulierung ihrer Landwirtschaftspolitik
stehen.

Wir haben auf EG-Subventionen mit ernsthaften Verhandlungen und

mit selektiven Maßnahmen geantwortet - so haben wir kürzlich subventioniertes Weizenmehl an Ägypten verkauft.

Das Problem des Protektionismus ist ein wirtschaftliches Problem.

Aber

es ist eine politische Forderung, es zu lösen, bevor es grundlegendere gemeinsame Interessen bedroht.

Außenminister Shultz formulierte es bei einer

Anhörung vor dem amerikanischen Kongreß so:

"Temporäre...

Maßnahmen wie die des Weizenmehl Verkaufs können mit dem

Argument gerechtfertigt werden, daß 'es dumm wäre, vernünftig zu sein, wenn
die ganze Welt verrückt ist'.

Aber die Geschichte hat uns gelehrt, daß tem-

poräre Maßnahmen dahin tendieren, dauerhaft zu werden - und der Vergeltung
wohnt eine Tendenz zur Eskalation inne.

Konstruktive Verhandlungen, bei

der der Unvernunft die Vernunft gegenübergestellt wird, bieten die einzige
dauerhafte Lösung für die Probleme des Protektionismus."
in dem meine Regierung an diese Probleme herangeht.

Dies ist der Geist,

Wir hoffen, daß unsere

Partner ein Gleiches tun.

Unterstützung des internationalen Finanzsystems
Ein starkes offenes Handelssystem wird mehr tun als lediglich die Arbeitslosenproblesnatik der Industriestaaten zu entschärfen.
die Schuldenprobleme der Entwicklungsländer verringern.

Es würde außerdem

Einfuhrbeschränkun-

gen bei den Schuldnerstaaten können nur eine gewisse Menge an harter Währung

- 9-

�harter Währung freistellen; es ist der Zuwachs an Ausfuhren, der den Weg hin
zu ihrer wirtschaftlichen Wiedergesundung weist.
Die Fälle Brasilien, Mexiko und Argentinien haben gezeigt, daß die
Schuldenlast in den Griff zu bekommen ist.

Eine erfolgreiche Strategie um-

faßt eine Kombination kurzfristiger überbrückungsfinanzierung sowie Anpassungsprogramme, die in Verbindung mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF)
und den Handelsbanken durchgeführt werden.
Allerdings verringern die Privatbanken nunmehr ihren Anteil an Neukrediten für die Entwicklungswelt.

Neue Bankkredite stiegen zwischen dem ersten

Halbjahr 1981 und dem ersten Halbjahr 1982 nicht mehr an; und Schätzungen
für die zweite Hälfte des Jahres 1982 zeigen einen starken Rückgang neuer
Kreditgewährung.
Ein abrupter Rückgang neuer Kreditvergabe würde die Wiedergesundung
der Schuldnerländer gefährden.

Weniger Kredite würden auch die Erholung in

Amerika und Europa verzögern, da dann die Einfuhren der Entwicklungsländer
aus dem Westen zurückgehen würden.

Die Morgan Guaranty Trust Company schätzt,

daß das Wachstum der OECD im Jahr 1983 nur 1,8 Prozent betragen würde, wenn
die Kapitalströme in die Entwicklungsländer um 25 Milliarden Dollar beschnitten würden - wobei bereits ein Unterschied von einem halben Prozentpunkt ein
beträchtlicher Rückgang wäre.
Die Studie der Morgan Guaranty hat zwar hypothetischen Charakter; aber
Einfuhrrückgänge sind bereits Wirklichkeit.
von Mexiko.

Ein dramatischer Fall ist der

Im Jahr 1982 gingen die mexikanischen Importe aus den Vereinig-

ten Staaten gegenüber 1981 um 37 Prozent zurück.

Infolgedessen ging in einem

einzigen Jahr der amerikanische Warenhandel mit Mexiko von einem 3,7 Milliarden Dollar-Überschuß in ein 4,5 Milliarden Dollar-Defizit über.

Dieser

Umschwung hat nachteilige Auswirkungen auf unsere Wirtschaft und auf unsere
Beschäftigungslage.
Die Weltwirtschaft
- 10 -

�Die Weltwirtschaft ist gegenüber einem Rückgang viel zu anfällig, als
daß man eine fortdauernde Verringerung der Kreditvergabe an die Dritte Welt
zulassen dürfte.

Die Privatbanken in den Vereinigten Staaten, Europa und

Japan haben ein gemeinsames Interesse daran, genug neue Geldmittel zur Verfügung zu stellen, damit die Entwicklungsländer in die Lage versetzt werden,
ihrem Schuldendienst nachzukommen.

Die westlichen Regierungen haben des-

gleichen ein Interesse daran, daß die Entwicklungsländer über das Kapital
verfügen, um für ihre Einfuhren zu bezahlen, die wiederum die Produktivität
in ihren Ländern erhöhen und zum weltwirtschaftlichen Wachstum beitragen.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, ihren Teil zu tun. Die ReaganAdministration unterstützt mit Nachdruck die vorgeschlagene Erhöhung der IWFQuoten um 47,5 Prozent. Wir unterstützen gleichfalls die Aufstockung der
Allgemeinen Kreditvereinbarungen (General Arrangements to borrow - GAB) von
7 Milliarden Dollar auf 19 Milliarden Dollar. Die Vereinigten Staaten drängen
darauf, daß der Quotenanstieg 1983 - anstatt 1985 - in Kraft treten soll.
Diese Mittel sind nicht erforderlich, um die Entwicklungsländer in die Lage
zu versetzen, alte Schulden abzutragen. Diese Mittel sind notwendig, um
zu einer soliden Politik zu ermutigen - um die Inflation einzudämmen, die
öffentlichen Ausgaben zu kürzen und die Mittel vom Konsum hin zu den Investitionen zu verlagern. Durch die Bereitstellung zusätzlicher Mittel zur Erleichterung dieses Anpassungsprozesses trägt der IWF zur Aufrechterhaltung
der wirtschaftlichen und politischen Stabilität in der Entwicklungswelt bei.
Ich bin zuversichtlich, daß der amerikanische Kongreß sich der engen Verbindung zwischen unserem eigenen Wohlergehen und dem Wachstum der Entwicklungsländer bewußt ist und rasch reagieren wird, damit dem Quotenanstieg
zugestimmt wird.

Verbesserung des Währungssystems
Hilfe für die wirtschaftliche Expansion, die für die Wiederbelebung des
Westens und für die Verringerung der Schuldenlast der Entwicklungsländer not-

- 11 -

�Entwicklungsländer notwendig ist, könnte von einer Stabilität der Devisenmärkte kommen - etwas, was wir in den vergangenen Jahren nicht mehr gehabt
haben.
Finanzströme haben z. B. gewaltige Auswirkungen auf die Bewegungen bei
den Wechselkursen.
Schwierigkeiten.

Dies bedeutet -

vom Standpunkt des Handels aus gesehen -

Im Jahr 1982 führten die Geldströme in die Vereinigten Staa-

ten zur größten Aufwertung des Dollar seit dem Beginn des Floatens bei den
Wechselkursen.

Der starke Dollar erhöhte den Preis amerikanischer Exporte

und verringerte die Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen Industrie im
Kostenbereich.

Die Wirkung der Aufwertung des Dollar in den anderen Industrie-

staaten bestand in einem Rückgang des Wechselkurses ihrer Währungen und höherer Inflation.

Der starke follar dürfte auch 1983 das amerikanische Han-

delsdefizit erhöhen.
Ein weiteres Problem, vor dem wir beim internationalen Währungssystem
stehen, ist die große Unbeständigkeit der Wechselkurse. So wurde z. B. zwischen Mai und November 1982 der Yen gegenüber dem Dollar von 230 Yen auf
276 Yen abgewertet. Diese Abwertung erhöhte den Preis amerikanischer Ausfuhren nach Japan und auf die Märkte von Drittländern und verringerte den
Preis japanischer Güter für Importe in der ganzen Welt. Zum Jahresende jedoch war der Yen auf sein früheres Niveau von 230 zurückgestiegen.
Die Ursachen für diese Unbeständigkeit von Wechselkursen sind vielgestaltig und komplex. Das Problem geht zu einem großen Teil auf die unterschiedliche Inflation, die unterschiedlichen Kreditzinsen und Zinsen für Spareinlagen in den wichtigsten Industrieländern zurück. Die Vereinigten Staaten
sind der Überzeugung, daß eine Konvergenz der zugrundeliegenden Wirtschaftspolitiken notwendig ist, um eine größere Stabilität bei den Wechselkursen zu
erreichen. Glücklicherweise könnte die auf dem Wirtschaftsgipfel von Versailles vereinbarte multilaterale Überwachungsinitiative dazu beitragen, im
Verlauf der Gesundung enge Konsultationen über die Wirtschaftspolitiken
sicherzustellen.
Wirtschaftsbeziehungen zwischen
- 12 -

�Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ost und West
Ich habe diese Diskussion damit begonnen, die grundlegenden wirtschaftlichen, militärischen und politischen Ziele zu erwähnen, vor denen die westlichen Demokratien stehen.

Diese Ziele sind nicht voneinander getrennt, son-

dern stehen miteinander in Beziehung.

Eine Sicherstellung der wirtschaft-

lichen Expansion verstärkt zugleich unsere anderen Ziele - die Sicherung des
Friedens und die Unterstützung demokratischer Wertvorstellungen sowie die
Tatsache, daß die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten sich über die Notwendigkeit einig geworden sind, eine gemeinsame Haltung bei den Ost-West-Beziehungen einzunehmen.
Am 13. November 1982 kündigte Präsident Reagan an, daß die wichtigsten
Industriestaaten des Westens sich "der Notwendigkeit bewußt sind, ihre Beziehungen zur UdSSR und zu Osteuropa auf der Grundlage einer globalen und umfassenden Politik zu gestalten, die dazu entworfen ist, ihren gemeinsamen,
grundlegenden Interessen zu dienen". Als ein Ergebnis wurde mit unseren Verbündeten Konsens darüber erzielt,
- in keine Handelsvereinbarungen einzutreten, die zum militärischen oder
strategischen Vorteil der Sowjetunion beitragen könnten;
- der gewaltig militarisierten Sowjetunion keine Präferenzhilfe zu gewähren; und
- keine neuen Erdgasverträge mit der Sowjetunion zu unterzeichnen, bis
eine neue Studie des Bündnisses über Energiealternativen vorliegt.
Auf der anderen Seite kamen wir überein, die bestehenden Kontrollen
über den Transfer von strategischen Gütern in die Sowjetunion zu verstärken
und zu untersuchen, ob unsere gemeinsame Sicherheit nicht auch neue Kontrollen in bestimmten Bereichen der Hochtechnologie - einschließlich Erdöl- und
Erdgasausrüstung - erforderlich macht.

Wir erzielten auch Einigkeit darüber,

- 13 -

�Einigkeit darüber, auf eine Harmonisierung unserer Exportkreditpolitiken
hinzuarbeiten.
Es ist jedoch wichtig, festzustellen, daß die Vereinigten Staaten nicht
einer Wirtschaftskriegführung das Wort reden.

Wir sind vielmehr ganz ein-

fach der Ansicht, daß Handel mit der Sowjetunion innerhalb eines gemeinsamen
Rahmens betrieben werden sollte, der in Einklang mit unseren politischen und
sicherheitspolitischen Zielvorstellungen steht.

Als Folge dessen hegen die

Vereinigten Staaten den Wunsch nach Aufrechterhaltung eines gegenseitig vorteilhaften Ost-West-Handels auf soliden kommerziellen Grundlagen, während
gleichzeitig strategische Exporte und andere Handelsvereinbarungen begrenzt
werden, die die militärischen Kapazitäten der Sowjetunion erhöhen würden.
Die Studien, die die Verbündeten vereinbart haben, werden vorangetrieben. Wir hoffen, daß erste Ergebnisse rechtzeitig für das Gipfeltreffen
von Williamsburg zur Verfügung stehen werden. Es herrscht zunehmender Konsens über die grundlegenden Prinzipien, die die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ost und West leiten sollten. Die westlichen Regierungen sollten nunmehr die Politik entwickeln, die diesem Konsens konkret Ausdruck verleiht.

Schlußfolgerung
Williamsburg in Virginia spielt in unserer Geschichte eine einzigartige
Rolle. Die Erklärung der Menschenrechte von Virginia (Virginia Bill of Rights)
wurde 1776 in Williamsburg unterzeichnet. Diese Erklärung leitet sich aus
der britischen Magna Charta her; sie fand ihren Widerhall in der französischen
Erklärung der Menschenrechte; und sie hält jene Ideale hoch, die wir im Westen
gemeinsam haben:
"daß alle Menschen von Natur aus gleichermaßen frei und unabhängig sind";
"daß alle Macht im Volke ruht und sich von ihm ableitet";
"daß die
- 14 -

�"daß die Regierung eingesetzt ist oder eingesetzt werden soll

um

des gemeinsamen Wohles, Schutzes und der Sicherheit des Volkes willen".
Wenn sich die Partner des Gipfeltreffens in Williamsburg im Mai einfinden werden, werden wir Gelegenheit haben, diese Ideale erneut zu bekräftigen.

Wir haben die ölschocks, die Inflation und die Rezession überstanden.

Ich bin zuversichtlich, daß wir auch die neuen Herausforderungen meistern
werden,
- das Prinzip eines offenen Handelssystems zu unterstützen;
- die internationalen Währungs- und Finanzsysteme zu stärken; und
- einen neuen Konsens bei den Ost-West-Beziehungen zu entwickeln.
Unsere Aufgabe wird es sein, eine Strategie für nichtinflationäres
Wachstum zu entwerfen. Unser Triumph wird darin bestehen, die Fähigkeit
unserer freien Märkte und demokratischen Regierungen dabei zu demonstrieren,
für das gemeinsame Wohl, den Schutz und die Sicherheit zu sorgen.

- 15 -

�Wi//cn/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of Arnerica

13

23. März 1983

ARBEITSMARKT FÜR NATURWISSENSCHAFTLER UND INGENIEURE
Berufliche Weiterbildung für bestimmte Berufsgruppen immer wichtiger

- (AD) - Computerspezialisten bleiben in den USA auch künftig gesuchte
Leute.

Für die Angehörigen aller übrigen naturwissenschaftlich-technischen

Berufe dagegen pendelt sich seit dem vergangenen Jahr ein Gleichgewicht zwischen Stellenangeboten und Stellennachfrage weitgehend ein.

Dies geht aus

der jüngsten Übersicht der Nationalen Forschungsstiftung (NSF) der Vereinigten Staaten hervor, die im Februar 1P83 veröffentlicht wurde.

Sie basiert

auf einer Reihe von Befragungen und statistischen Erhebungen bei Industrie,
Universitäten, Regierungsbehörden und Berufsverbä'nden, wie sie seit 1984
regelmäßig durchgeführt werden.
Im Vergleich zu einem durchschnittlichen Beschäftigungsanstieg um fünf
Prozent pro Jahr in der Zeit zwischen 1976 und 1980 lagen die Zahlen für 1981
um acht Prozent höher, wobei fünf Prozent auf Ingenieurberufe, aber 11 Prozent auf naturwissenschaftliche Berufe entfielen. Hier wiederum ergab sich
für Computerspezialisten die größte Steigerungsrate, nämlich mehr als 20 Prozent. Auch der Anstieg bei Mathematikern und Ökologie-Spezialisten lag über
dem Durchschnitt, wofür vor allem der Bedarf an Statistikern unf Fachleuten
auf dem Gebiet der Atmosphärenforschung verantwortlich war. Statistiker wurden

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Statistiker wurden dringend gebraucht, weil die Privatwirtschaft immer größeren Wert auf Qualitätskontrolle und Trendbeobachtung sowie auf die Straffung von Management-Techniken legt.

Der Grund für den wachsenden Bedarf an

Meteorologen und Spezialisten verwandter Fachrichtungen hatte zum Teil mit
einer intensiveren Suche nach Umweltschutzmaßnahmen und alternativen einheimischen Energiequellen zu tun.

Im Gegensatz dazu lag der Bedarf an Kräften

der Fachgebiete physikalische Wissenschaften und Psychologie weit unter dem
Durchschnitt.

Auch bei den Fachgruppen aus den Ingenieurwissenschaften waren

große Unterschiede erkennbar:

Auf Chemie- und Elektroingenieure - sie mach-

ten etwa ein Viertel aller Ingenieure aus - entfielen zwei Fünftel der Wachstumsrate für die Beschäftigung in diesen Berufszwei gen.
Alles in allem waren im Jahr 1981 von 2,8 Millionen Angehörigen naturund ingenieurwissenschaftlicher Berufe 47 Prozent (1,3 Millionen) im Ingenieurfach, 14 Prozent (400 000) als Computerspezialisten und 39 Prozent
(1,1 Millionen) in natur- und sozialwissenschaftlichen Berufen tätig.

Der

Anteil derjenigen, die außerhalb ihres Fachgebietes beschäftigt waren, blieb
mit 11 Prozent stabil.

Für Arbeitslosigkeit unter Natur- und Ingenieur-

wissenschaftlern wurde ein Prozent (1976: zwei Prozent) ermittelt, d.h. der
Anteil lag weit unter den Zahlen für andere Arbeitnehmer mit beruflicher
Spezialisierung und generell für die amerikanische Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter.

Allgemein sei festzustellen, so der Bericht, daß jeder

Natur- und Ingenieurwissenschaftler, der arbeiten wollte, dies auch konnte,
obgleich nicht ausnahmslos in seinem jeweiligen Fachgebiet von Naturwissenschaft oder Technik.
In einer Tabelle schlüsselt die NSF die prozentuale Verteilung von
Arbeitsplätzen folgendermaßen auf:

- 2 -

�Fachgebiet

Wirtschaft u.
industrie

Ausbildungsinstitutionen

insgesamt

60

18

Ingenieure
insgesamt

77

Naturwiss.
insgesamt

44

29

10

17

53
36
75
50
29
15
24

25
43
10
19
40
40
36

9
11
6
16
14
2
13

13
10
9
15
17
43
28

physik. Wiss.
mathem. Wiss.
Comput. Spez.
Umwelt
Biomed. Wiss.
Psychologen
Sozialwiss.

Bundesbehörden

Andere

13

11

Etwa 28 Prozent aller unselbständig beschäftigten Naturwissenschaftler
und Ingenieure waren 1981 in erster Linie in Forschung und Entwicklung (R?.E),
weitere sieben Prozent für PM-Management tätig. Getrennt betrachtet ergaben
sich jedoch erhebliche Unterschiede: Von der erstgenannten Gruppe waren
17 Prozent in der Forschung, sieben Prozent in der Entwicklung, sechs Prozent
für R&amp;E-Management, 11 Prozent im Management, 15 Prozent als Lehrer, neun Prozent in Produktion und Inspektion eingesetzt. Bei den Ingenieuren dagegen
betrugen die entsprechenden Anteile fünf Prozent, 27 Prozent, neun Prozent,
18 Prozent, zwei Prozent und 19 Prozent.
Seit Mitte 1982 gehen die Stellenangebote der Industrie für Hochschulabsolventen in Natur- und Ingenieurwissenschaften aller akademischen Grade
zurück.

Ausgenommen sind diplomierte Elektroingenieure ("master's degree").

Für den einzelnen bedeutet allerdings der gegewnärtige Trend keine Dauergarantie auf Beschäftigung.

Die

einschlägigen Probleme wurden Ende vergan-

genen Jahres am Massachusetts Institute of Technology (MIT) von ca. 800 Ver- 3 -

�800 Vertreter aus Industrie, Regierungsbehörden und Universitäten erörtert.
Schon für die 35- bis 40jährigen bedeuten die nachrückenden Hochschulabgänger
wegen ihrer auf neueste Entwicklungen abgestellte Fachkenntnisse eine ernste
Konkurrenz. Gegenwärtig wechselten jährlich bereits fünf Prozent der Elektroingenieure ihr Arbeitsgebiet,weil sie sich den Anforderungen nicht mehr gewachsen fühlten.

Dennoch sei ab 1985 speziell in dieser Berufssparte ein

großer Arbeitskräftemangel zu erwarten.

Da die Hochschulen ihre Aufnahme-

kapazität bereits voll ausschöpften, erhalte die regelmäßige berufliche Weiterbildung der Elektroingenieure immer größeres Gewicht.

Es wurde empfohlen,

dafür jährlich mehrwöchige Kurse vorzusehen, die von Hochschullehrern, sofern
nur irgend möglich, in den Betrieben abgehalten werden sollten.

+ + + + +

- 4 -

�Wi//en/chcift
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

13

23. März 1983

HÄMODIALYSE BEI EP.YTHEMATODES-FÄLLEN MIT NIERENKOMPLIKATION

- (AD) - Mit mehrwöchiger Hämodialyse, d.h. Blutwäsche über die künstliche Niere, vermochten Pr. Robert S. Swenson und Dr. Norman S. Coplon vom
Klinikum der Stanford-I.'niversität, (Standord, Kalifornien) Patienten zu helfen, die an Erythematodes nit bestimmten nefährlichen Komplikationen leiden.
Erythematodes ist eine chronische Hauterkrankung unterschiedlicher Schweregrade. In ihrem Verlauf kommt es bei manchen Patienten nicht nur zu Schwellungen und Schmerzen an Gelenken und in der Muskulatur, sondern auch zu Schädigungen innerer Organe vne T'ieren, Herz und Leber. Die herkömmliche
Therapie besteht in der Verabreichung von Steroidhormonen wie Prednison,
die je nach dem Zustand des Patienten oft in sehr hohen Dosen gegeben werden
müssen. Bei Daueranwendung können diese Präparate jedoch eine Anzahl unerwünschter, ja gefährlicher Nebenwirkungen haben.
Die meisten Arzte lehnen bei schweren Erythematodes-Fällen mit einer
Nieren-Komplikation angesichts der Kosten und des ohnehin geschwächten Zustandes der Patienten, der zusätzliche physische und psychische Belastungen
nicht ratsam erscheinen läßt, die Anwendung der Dialyse ab.

Die beiden

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die beiden Mediziner der Standord-Universität beobachteten damit jedoch,
wie sie im "New England Journal

of Medicine" (Ausgabe 27. Januar 1983)

berichten, im Verlauf von nunmehr 13 Jahren auffallend günstige Ergebnisse.
Bei insgesamt 28 Fällen, in denen - was allerdings relativ selten vorkommt die Nierenfunktion aufs schwerste beeinträchtigt war und die Steroid-Dosis
noch hätte angesetzt werden müssen, wurden die Patienten über einige Monate
regelmäßig an die künstliche Niere angeschlossen.

Mit Beginn der Dialyse-

Therapie wurden die Steroide abgesetzt.
Im Verlauf dieser Behandlung verbesserten sich die Nierenfunktionen
bei acht der Patienten soweit, daß sie z. T. für lange Zeitabschnitte von
der künstlichen Niere völlig unabhängig wurden.

Und bei 25 der 28 Patienten

waren nach der Dialyse die typischen Erythematodes-Symptome an der Haut verschwunden.

Weshalb, sei noch ein Rätsel, erklärte Swenson, denn die Dialyse

beseitige nur giftige Produkte als Folge des Nierenversagens, nicht aber
Erythematodes-Toxine. Möglicherweise habe der Mechanismus weniger direkt
mit der Dialyse als mit dem Abbau chemischer Nebenprodukte des schweren
Nierenversagens etwas zu tun.
Die beiden Wissenschaftler hoffen, wie sie erklären, Kollegen für
diese Therapie zu interessieren, wenn bei Erythematodes-Patienten die Nierenfunktionsstörungen einen bestimmten Grad erreicht haben. Prednison-Therapie
sollte in der dann erforderlichen überaus hohen Dosierung schon deshalb nicht
angewandt werden, weil sie die Patienten sehr anfällig für Infektionen mache,
von anderen Nebenwirkungen wie Ödembildung und Knochenentkalkung einmal ganz
abgesehen.
In den Vereinigten Staaten leiden etwa 110 000 Menschen an Erythematodes,
einer wahrscheinlich genetisch bedingten chronischen Erkrankung.

Besonders

häufig sind Frauen im dritten und vierten Lebensjahrzehnt betroffen.

Aber

nur bei einem kleinen Prozentsatz trete die Komplikation des Nierenversagens
auf, erklärte Swenson, und nur in solchen Fällen sei eine Dialyse-Therapie
angezeigt.
+ + + + +

- 2 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan fordert Moskau zur Beendigung des Blutvergießens in Afghanistan auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USA begingen "Afghanistan-Tag" -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wirtschaftsgipfel soll Wachstum in den Mittelpunkt stellen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des Stellvertretenden US-Außenministers in Genf -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Arbeitsmarkt für Naturwissenschaftler und Ingenieure&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Berufliche Weiterbildung für bestimmte Berufsgruppen immer wichtiger -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hämodialyse bei Erythematodes-Fällen mit Nierenkomplikation</text>
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United States Information Service

16. März 1983

12

I N H A L T

DOKUMENTATION

Die menschliche Seite der deutsch-amerikanischen Beziehungen
- Rede des US-Botschafters in Hamburg Reagan:

Sieg der Demokratie in El Salvador oberstes Ziel

- Rede des US-Präsidenten vom 10. März 1983 -

HINTERGRUNDMATERIAL
US-Präsident proklamiert "exklusive Wirtschaftszone"
- Ressourcen im 200-Seemeilen-Bereich unter amerikanischer
Zuständigkeit -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Haarriß mit Kettenreaktion
- CHALLENGER-Startverschiebung schafft Probleme für andere
Weltraumprogramme - Von G. Weiss -

i Uber/c

00 Tel.: 0228-339 22 40

�12

16. März 1983

DIE MENSCHLICHE SEITE DER DEUTSCH-AMERIKANISCHEN BEZIEHUNGEN
- Rede des US-Botschafters in Hamburg -

HAMBURG - (AD) - Der amerikanische Botschafter in der
Bundesrepublik Deutschland, Arthur F. Burns, ging in einer
Rede vor dem Übersee-Club in Hamburg am 14. März 1983 auf
die menschliche Seite der deutsch-amerikanischen Beziehungen ein und verwies auf die wesentlichen Beiträge der deutschen Einwanderer zur Entwicklung der Vereinigten Staaten.
Die Rede von Botschafter Burns hat folgenden Wortlaut:
Als Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika in
der Bundesrepublik Deutschland habe ich oft über die politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern gesprochen. Heute
abend möchte ich mich einem noch grundsätzlicheren Thema zuwenden - den menschlichen Beziehungen zwischen Ihrem Lande
und dem meinigen.
Wir begehen in diesem Jahr den 300. Jahrestag der
Ankunft der ersten Siedler aus Deutschland in Nordamerika. Die 13 Mennoniten- und Quäkerfamilien, die
sich im Jahr 1683 in Germantown niederließen, das heute

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�das heute ein Teil von Philadelphia ist, kamen auf der
Suche nach Freiheit - der Freiheit, nach ihrem religiösen
Glauben zu leben, und der Freiheit, ein wirtschaftlich
besseres Los für sich und ihre Kinder zu finden. Beides
haben sie gefunden. Ich darf sagen, daß eine große
Mehrheit der Vorfahren der schätzungsweise 60 Millionen
Amerikaner, die sich heute auf eine deutsche Herkunft
berufen, auf der Suche nach den gleichen Zielen kam persönliche Freiheit und wirtschaftliche Chancen.
Amerika ist im Laufe der Jahrhunderte mit diesen
grundlegenden menschlichen Bestrebungen identifiziert
worden. Unsere Unabhängigkeitserklärung und unsere
Verfassung bringen diese Ideale beredt zum Ausdruck und
haben in allen Teilen der Welt als eine Richtschnur für
Menschen gedient, die für sich selbst ein neues Leben
erstreben - ein Leben, das ihnen ermöglicht, frei zu reden
oder zu schreiben, Gott auf ihre Weise zu dienen und
wirtschaftliche Chancen zu nutzen, ohne durch starre
Gepflogenheiten oder autoritäre Herrschaft eingeschränkt
zu werden.
Die menschliche Bedeutung dieses jahrhundertealten
Stromes von Einwanderern nach Amerika - zuerst aus
Westeuropa, später aus Ost- und Südeuropa und noch später
aus Lateinamerika, Asien und anderen Teilen der Welt kann kaum überschäzt werden. Amerikaner können zu Recht
mit Stolz feststellen, daß ihr Land ein Land der Hoffnung
und des Willkommens für entwurzelte Menschen geblieben ist
- daß es selbst heute noch viel mehr Einwanderer aufnimmt
als die übrige Welt. Noch immer kommen die meisten dieser
Menschen auf der Suche nach persönlicher Freiheit und
wirtschaftlichen Chancen für sich selbst und ihre Kinder.
Umgekehrt haben

-2-

�Umgekehrt haben auch die Vereinigten Staaten ständig
Nutzen aus dem unaufhörlichen Strom der Einwanderer
gezogen. Selbst wenn sie gelegentlich soziale Probleme
verursachten, so haben sie doch letztlich unser
industrielles, politisches und kulturelles Leben
bereichert. Mein Land hätte sich nicht in der Weise
entwickeln können, wie es dies getan hat, noch hätte sich
dort die Gesellschaft so entfalten können, wie sie sich
heute darbietet, wenn nicht der moralische Mut und die
geistigen und technischen Fähigkeiten gewesen wären, die
unaufhörlich aus der Alten Welt, und vor allem aus Ihrem
Lande, zu uns gebracht wurden.
Die Namen vieler deutscher Einwanderer nach Amerika
sind auf beiden Seiten des Atlantik wohlbekannt, und wenn
ich heute einige erwähne, dann sollen sie nur als Beispiel
für all jene dienen, die das Leben und die Kultur Amerikas
bereichert haben. Da ist - um ihn als ersten zu nennen Franz Daniel Pastorius, der Gründer von Germantown, eine
prophetische Gestalt, die eine klare Vision von dem
aufgezeigt hat, was die Vereinigten Staaten als Land
werden sollten. Durch sein Eintreten für die Trennung von
Kirche und Staat, für Toleranz der religiösen und
ethnischen Vielfalt und für die Abschaffung der Sklaverei
war er seiner Zeit weit voraus. Ein anderer war William
Rittenhouse, Geistlicher und zugleich Papierhersteller,
aus Mühlheim an der Ruhr, dessen Urenkel, David
Rittenhouse, der erste Direktor der amerikanischen Münze
war und bleibenden Ruhm als Mathematiker, Astronom und
Erfinder erwarb. Thomas Jefferson war von ihm so angetan,
daß er sagte: "Er hat zwar keine Welt geschaffen, aber er
ist ihrem Schöpfer sehr viel näher gekommen als irgendein

-3-

�als irgendein Mensch, der je gelebt hat." Dann war da der
Drucker, Journalist und Verleger Christopher Säur, der als
erster die Bibel in einer europäischen Sprache in Amerika
gedruckt hat. Ein noch berühmterer Einwanderer war John
Peter Zenger, der heute noch in den Vereinigten Staaten
als der "Schutzheilige" der Pressefreiheit bekannt ist.
Und dann gab es Hans Nikolaus Eisenhauer, einen
Einwanderer aus Eiterbach im heutigen Südhessen, der Mitte
des 18. Jahrhunderts in Amerika eintraf und weder Reichtum
noch Ruhm erwarb, aber der Vorfahre von Dwight David
Eisenhower wurde - dem 34. Präsidenten der Vereinigten
Staaten.
Und es gab auch noch - wenn ich fortfahren darf - die
Helden des Revolutionskrieges Johann de Kalb und Friedrich
Wilhelm von Steuben; die politischen Denker und Reformer
Friedrich Hecker, Carl Schurz, John Altgeld und Robert
Wagner; den Brückenbauer John Augustus Roebling; den
Orgelbauer Henry Steinway; die Unternehmer John Jacob
Astor und Levi Strauss; die Künstler Emanuel Leutze und
Albert Bierstadt; den politischen Zeichner Thomas Nast;
die Musiker und Komponisten Leopold Damrosch, Arnold
Schoenberg, Bruno Walter, Kurt Weill; den
Sprachwissenschaftler Maximilian Berlitz; den Bankier und
Philanthropen Paul Moritz Warburg; den Theologen Paul
Tillich; die Architekten Ludwig Mies van der Rohe und
Walter Gropius; den Wissenschaftler Albert Einstein; die
Schrifsteller Thomas Mann und Hannah Arendt; und - um
diese eindrucksvolle Liste abzurunden - Ihren und meinen
Freund, Henry Kissinger. Wo stünde Amerika heute, ja, man
darf sicher sagen, wo stünde die Welt heute ohne die
gewaltigen Beiträge dieser deutschen Einwanderer?
Diese Männer

�Diese Männer und Frauen, ihre Kinder und Kindeskinder die 60 Millionen Amerikaner, die sich heute auf ihre
deutsche Herkunft berufen - schmiedeten die Kette, die
unsere beiden Gesellschaften verbindet. Diese Bande
hatten nichts zu tun mit politischen Verträgen,
Sicherheitsabkommen oder Handelsvereinbarungen. Sie haben
sogar schwere Belastungen in den politischen Beziehungen
unserer beiden Länder überlebt - ja selbst zwei
schreckliche Kriege. Das vielleicht beste Beispiel der
Stärke und Dauerhaftigkeit dieser menschlichen Bindungen
zeigte sich darin, wie rasch und engagiert die Bevölkerung
meines Landes nach dem Zweiten Weltkrieg das deutsche Volk
unterstützte.
Es war in erster Linie die Wechselwirkung zwischen
unseren beiden Völkern, die der Bundesrepublik Demokratie
und physischen Wiederaufbau gebracht und die Partnerschaft
zwischen unseren beiden Gesellschaften geschaffen hat, die
heute besteht. Der Marshall-Plan war ohne Frage ein
entscheidend wichtiges Instrument für den Wiederaufbau der
zerrütteten Wirtschaft Westdeutschlands. Der
Nordatlantik-Vertrag bot die entscheidende Sicherheitsgarantie vor einer Aggression. Andere Maßnahmen - wie
etwa die Berliner Luftbrücke - waren weitere Zeichen der
Entschlossenheit der Vereinigten Staaten, sich am Schutz
der jungen Demokratie zu beteiligen, die aus der Asche des
Zweiten Weltkrieges erstanden war. Aber die treibende
Kraft hinter all diesen begrüßenswerten politischen
Entwicklungen war das Netz menschlicher Beziehungen, das
durch die Millionen Amerikaner deutscher Herkunft und die
zahlreichen deutschen Flüchtlinge geschaffen wurde, die
unsere Küsten in den dreißiger Jahren erreichten, durch

-5-

�erreichten, durch die Hunderttausende von deutschen
Kriegsgefangenen, die jahrelang in den Vereinigten Staaten
lebten, durch die Zehntausende von Amerikanern und
Deutschen, die beim Wiederaufbau der demokratischen
Gesellschaft zusammengearbeitet haben, wie sie heute in
der Bundesrepublik Deutschland besteht, und durch die
Legion von Fulbright-Stipendiaten und Austauschstudenten.
Es war ihr gemeinsames Wirken, das die Grundlagen für die
Partnerschaft zwischen unseren beiden Ländern schuf - eine
Partnerschaft, die sich als stark genug erwies, um alle
möglichen temporären wirtschaftlichen Irritationen und
politischen Meinungsverschiedenheiten zu überstehen.
Diese Amerikaner und Deutschen, die zusammengelebt und
-gearbeitet haben, fanden Verständnis und Wertschätzung
füreinander. Sie wußten oder erkannten bald, daß sie
durch gemeinsame Werte und Überzeugungen miteinander
verbunden waren - durch die Achtung vor den
Menschenrechten, durch den Glauben an die Demokratie,
durch die Hingabe an die Herrschaft des Rechts. Und sie
gaben diese Erkenntnisse an jene ihrer Landsleute weiter,
die keine direkten Kontakte mit dem jeweils anderen Volk
hatten. Aber Ende der sechziger und Anfang der siebziger
Jahre schied diese schöpferische Generation von Deutschen
und Amerikanern mehr und mehr aus Führungspositionen und
einflußreichen Stellungen aus. Das Netz menschlicher
Beziehungen, das unsere Gesellschaften so eng verband,
wurde damit lockerer. Die an ihre Stelle tretende
Generation war nicht durch ähnliche Erfahrungen geformt
worden und zeigte daher weniger persönliches Engagement
für das»deutsch-amerikanische Verhältnis.
In den

�In den letzten Jahren hat das dichte Netz gemeinsamer
Werte zwischen unseren beiden Völkern nachgegeben - zum
Teil, weil wir uns nicht mehr so nahekommen. Gleichzeitig
begannen andere Entwicklungen die optimistische Stimmung
in unseren Ländern zu verdüstern, vor allem bei den jungen
Menschen. Dazu gehörten der verblassende Glanz des
schönen Traumes von einem vereinten Europa, der anhaltende
Hunger und die Verzweiflung in vielen der weniger
entwickelten Teilen der Welt, der Vietnam-Krieg, in den
die Vereinigten Staaten unglücklicherweise verwickelt
wurden, die Bürgerrechtsunruhen in meinem Lande, die
gewaltige militärische Aufrüstung der Sowjets in den
siebziger Jahren angesichts einer angeblichen Entspannung,
die politischen Abenteuer der Sowjets in Asien und Afrika
und ihre Invasion Afghanistans, die Unterdrückung der neu
erworbenen Rede- und Versammlungsfreiheit in Polen, die um
sich greifende Inflation und steigende Arbeitslosigkeit in
der westlichen Welt, und - nicht zuletzt - die wachsende
Erkenntnis in der Bundesrepublik Deutschland, daß ihr
"Wirtschaftswunder" vorüber war.
All diese Faktoren, die zwar nicht direkt mit dem
deutsch-amerikanischen Verhältnis zu tun haben, warfen
ihre Schatten auf diese Beziehungen. Es ist eine
unausweichliche Tatsache, daß das Verhältnis zwischen
unseren Völkern weniger eng wurde. Das Bildungssystem,
das den Verlust der direkten persönlichen Erfahrung
zwischen Deutschen und Amerikanern zum Teil hätte ersetzen
können, hat diese Aufgabe nicht erfüllt. Es war für die
junge Generation wenig dienlich, daß unsere Schulen den
Fächern Geschichte und Ethik sowie den Grundlagen unserer
westlichen Kultur nur geringe Aufmerksamkeit geschenkt
haben.
Das Verständnis

�Das Verständnis zwischen den Menschen ist immer
unvollkommen. Das ist das Los des Menschen auf Erden.
Wir wissen das aus unserem täglichen leben. Eltern
verstehen nicht immer ihre Kinder und Kinder nicht immer
ihre Eltern. So ist es auch zwischen Ehemann und Ehefrau,
zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, zwischen Vermieter
und Mieter, zwischen Bankier und Kreditnehmer, zwischen
Professor und Student. Aber wenn schon Mißverständnisse
in unseren Familien, Schulen und Betrieben bestehen, dann
entstehen sie noch sehr viel leichter und gedeihen sogar
unter Nationen, da Unterschiede in der Geschichte und
Sprache zusammen mit begrenzten direkten Kontakten
zwischen Menschen ein Nährboden des Mißverständnisses und
leider gelegentlich sogar Mißtrauens sind. Der
diplomatische Dienst ist keine ganz neue Karriere mehr für
mich. Meine Tätigkeit als Botschafter in Ihrem Lande geht
jetzt schon gut in das zweite Jahr. Aber ich muß
gestehen, daß ich noch immer erstaunt bin über die
seltsamen Meinungen, die hochgestellte Europäer
gelegentlich über die Vereinigten Staaten zum Ausdruck
bringen - und ich möchte hinzufügen, daß es auch umgekehrt
so ist. Muß man sich also wundern, daß viele junge
Menschen in Ihrem Lande und in dem meinigen so wenig
Verständnis für die Gesellschaft des jeweils anderen
Landes haben?
Ich habe viele Stunden mit jungen Menschen in Ihrem
Lande verbracht, wie auch früher mit jungen Menschen in
meinem Lande. Ich bewundere ihre Intelligenz, ihren
Idealismus, ihren Horror vor der Rüstung und ihr Mitgefühl
für die Erniedrigten. Aber ich bin auch erschrocken über
das Unwissen, das so viele sogar bezüglich der Geschichte

-8-

�der Geschichte ihres eigenen Landes an den Tag legen, von
ihrem Unwissen über die Vereinigten Staaten ganz zu
schweigen. Und ich bin vor allem beunruhigt über ihren
offensichtlichen Mangel an Wertschätzung dessen, was es
bedeutet, in einer Demokratie zu leben.
Es ist ein verwirrendes und beunruhigendes Kennzeichen
unserer Zeit, daß viele unserer jungen Menschen - in Ihrem
Lande vielleicht noch mehr als in meinem - nicht imstande
zu sein scheinen, zwischen der moralischen und politischen
Ordnung des Westens und dem unterdrückerischen
Totalitarismus des Sowjetblocks zu unterscheiden.
Schließlich sind die Werte der westlichen Demokratien
keine abstrakten oder verschwommenen Konzepte. Die
Freiheit des einzelnen, zu reden, zu schreiben, zu beten
und sich mit anderen zu versammeln; die Gleichheit aller
vor dem Gesetz; der Schutz jeden Bürgers vor Willkürakten
der Regierung; die Freiheit, zwischen wirtschaftlichen,
sozialen, kulturellen Alternativen zu wählen - diese
Grundwerte der westlichen Demokratien sind eine
praktischen Wirklichkeit, die jeder intelligente Mensch zu
erfassen in der Lage sein sollte. Sie werden ganz
sicherlich zutiefst verstanden und geschätzt von jenen,
die unter kommunistischer Herrschaft leben und sich dieser
Werte nicht erfreuen können.
Der Grund, warum so viele junge Menschen in Europa und
in Amerika die Grundwerte des Westens als
selbstverständlich betrachten, muß darin liegen, daß sie
niemals ohne sie gelebt haben. Sie scheinen nicht zu
begreifen, daß ihr Recht, für ein Einfrieren von
Kernwaffen zu demonstrieren, ihre Freiheit, öffentlich

-9-

�Freiheit, öffentlich eine einseitige Abrüstung zu fordern,
ihr Recht, gegen das auf die straße zugehen, was sie für
eine falsche amerikanische Politik in Mittelamerika halten
- daß all diese Privilegien ihnen in einem demokratischen
System zugestanden werden, das auch sie eigentlich vor
jenen schützen sollten, die ihnen diese Privilegien
wegnehmen würden, so wie sie den jungen und alten Menschen
in Polen, in der Tschechoslowakei, in Ungarn, in
Afghanistan und in vielen anderen Ländern weggenommen
wurden. Junge Menschen mit durchschnittlicher Intelligenz
sollten in der Lage sein, zwischen den Triebkräften zu
unterscheiden, die Amerika bewegen, und jenen, die die
Sowjetunion beherrschen. Sie sollten in der Lage sein, zu
erkennen, daß die erbetene Präsenz amerikanischer Truppen
in Europa Ausdruck der Bereitschaft ist, die Werte unserer
westlichen Zivilisation schützen zu helfen, während die
sowjetischen Armeen, die vor 35 Jahran willkürlich
Osteuropa besetzt haben, dort stehen, um die Unterdrückung
jener Freiheiten sicherzustellen, nach denen sich die
Bürger dort bis heute sehnen.
Die Realität und die Anziehungskraft unserer
westlichen Werte sollten, so scheint es mir, jedem
einleuchten, der das Leben der unglücklichen Menschen
unter sowjetischer Herrschaft bedauert, die, wo immer das
möglich war, mit den Füßen abgestimmt haben, weil sie
nicht auf andere Weise wählen können. Es gibt Millionen
Menschen, die aus Ostdeutschland, Polen, Vietnam,
Kambodscha, Afghanistan, Kuba und anderen kommunistischen
Ländern geflohen sind. Aber hat je irgend jemand etwas
von einem Strom - ja nur von einem Rinnsal - von
Flüchtlingen in auch nur eines dieser Länder gehört?
Die fehlgeleiteten

-10-

�Die fehlgeleiteten Auffassungen junger Menschen - und
manche sind sogar nicht einmal mehr so jung - werden oft
der Beharrlichkeit und Kraft der sowjetischen Propaganda
zugeschrieben. Ich höre das immer wieder von meinen
Freunden. Diese Erklärung ist jedoch eine Flucht vor der
Realität. Die Sowjets nutzen sicherlich jede Gelegenheit,
unsere westlichen Gesellschaften zu diffamieren und die
Wahrheit über ihre eigene zu verschleiern. Aber daß sie
dies mit Erfolg tun können, entspringt im wesentlichen der
Tatsache, daß es weder Eltern noch Lehrern in unseren
Ländern gelungen ist, den Kindern eine ausreichend gesunde
moralische und historische Bildung angedeihen zu lassen,
damit sie die demokratischen Institutionen schätzen
könnten, die zu erben sie das Glück hatten.
In den demokratischen Systemen, die in Westeuropa und
in den Vereinigten Staaten herrschen, gibt es sicherlich
Mängel und Mißbräuche. Das Bemerkenswerte an einer
Demokratie ist jedoch ihre Fähigkeit, sich zu verbessern
und zu erneuern. Offene Kritik, Weiterentwicklung von
Institutionen und geordneter Wandel nach den die
Gesellschaft regierenden Gesetzen gehören zum Wesen des
demokratischen Systems. Im Gegensatz dazu macht das
sowjetische System jeden Versuch seiner Bürger, es
wesentlich zu ändern, durch Terror und Unterdrückung
zunichte.
Die jungen Menschen in Westeuropa müssen erkennen, daß
sie sich, wenn sie ihre Freiheiten erhalten und sich der
Grundrechte einer demokratischen Gesellschaft erfreuen
wollen, als Teil dieses demokratischen Systems fühlen und
daher bereit sein müssen - wenn es je notwendig werden

-11-

�notwendig werden sollte - es zu verteidigen. Als Eltern,
Lehrer und Politiker haben wir auf beiden Seiten des
Atlantik die Pflicht, dafür zu sorgen, daß die
demokratischen Werte, die uns im Nordatlantischen Bündnis
vereinen, von jenen begriffen und geschätzt werden, die
einmal nach uns kommen.
Wie können wir das tun? Ich kann auf eine lange
Lehrtätigkeit zurückblicken und schätze natürlich die
Vorzüge einer guten Bildung. Ich bin mir darüber im
klaren, daß wir sehr viel Besseres leisten müssen, um
unsere jungen Menschen Ethik, Geschichte, Sprachen und
politische Wissenschaften zu lehren. Das erfordert unter
anderem, daß wir uns als Eltern und Erzieher sehr viel
mehr der Unzulänglichkeiten unseres formalen
Bildungsapparates bewußt werden, vor allem in dem
Gymnasien Ihres Landes und den High Schools in den
meinigen. Die Lehrbücher, die in deutschen und
amerikanischen Schulen benutzt werden, sind oft veraltet
und tragen schon allein aus diesem Grunde dazu bei,
ernsthaft falsche Informationen über unsere jeweiligen
Länder zu vermitteln. Lehrer für Geschichte und
politische Wissenschaften haben eine besondere
Verpflichtung, objektiv und auf dem neuesten Stand zu
sein. Man kann ihnen bei der Erfüllung dieser Aufgabe
durch ein Bildungssystem helfen, das jene Lehrer ermutigt
und belohnt, die fleißig an ihrer eigenen Bildung
weiterarbeiten.
Ich kann auch auf eine lange Tätigkeit im
internationalen Finanzwesen zurückblicken. Das ist für
mich vertrauter Boden einer relativen Ordnung und
Voraussagbarkeit. Internationale Politik und Diplomatie

-12-

�und Diplomatie sind dagegen ein neues Fach für mich. Ich
betrachte es als ein Universum, das planlos von Klatsch,
Emotionen und sogar Argwohn erfüllt ist - eine Welt, in
der die Vorstellung von Tatsachen oft die Tatsachen selbst
verdunkelt. Dies, so gebe ich gerne zu, ist die Situation
in meinem Lande wie in dem Ihrigen, und ich bin mir
darüber im klaren, daß ein Botschafter alles in seinen
Kräften Stehende tun muß, um dieses Gestrüpp von Emotionen
und falschen Vorstellungen auszuräumen, das gelegentlich
das Verhältnis zwischen seiner Regierung und der Regierung
trübt, bei der er akkreditiert ist.
Wenn jedoch eine echte Verständigung zwischen zwei
Regierungen Zustandekommen soll, dann hangt das im Grunde
von der Art des Verhältnisses ab, das zwischen ihren
Völkern besteht - und nicht zwischen Außenministern oder
Botschaftern. Regierungen in demokratischen Ländern sind
immer in weitgehendem Maße Ausdruck des Denkens ihrer
Bürger und spiegeln dieses wider. Es ist daher äußerst
wichtig, daß Verbesserungen in unseren jeweiligen
Bildungssystemen durch ein weitaus größeres Netz
persönlicher Kontakte zwischen den Völkern unserer beiden
Länder ergänzt werden. Unser gemeinsames Ziel sollte es
sein, ein besseres gegenseitiges Verständnis für unsere
jeweiligen Institutionen der Arbeit und der Freizeit, für
unser Leben zu Hause und in der Gemeinde sowie für die
Hoffnungen und Ängste unserer Völker zu schaffen. Ich
kenne keinen anderen Weg, die Kameradschaft und das
Verständnis wiederherzustellen, das nach dem Zweiten
Weltkrieg zwischen Amerikanern und Deutschen existierte eine Kameradschaft, aus der die Partnerschaft unserer
Regierungen zur Förderung des Friedens und zum Schutze der
Freiheit entstand.
Was wir

-13-

�Was wir jetzt brauchen, ist eine dramatische
Ausweitung der Programme, in deren Rahmen Amerikaner für
einige Zeit in Ihrem Lande studieren, lehren oder arbeiten
können, während sich gleichzeitig Deutsche entsprechend
mit meinem Lande befassen. Um dies zu erreichen, werden
unsere Länder größere Mittel - sowohl was die aktive
Mitarbeit als auch die privaten und öffentlichen Gelder
anbelangt - für menschliche Kontakte und Austauschprogramme aufbringen müssen. Wie ich höre, gibt die
amerikanische Regierung gegenwärtig etwa 115 Millionen
Dollar pro Jahr für ihre Austauschprogramme mit anderen
Ländern aus, und nur ein kleiner Teil dieser Summe ist für
die Bundesrepublik Deutschland gedacht. Die privaten
Aufwendungen für Austauschtätigkeiten sind sehr viel
größer, aber ich bin überzeugt, daß weder die private noch
die öffentliche Finanzierung dieser lebenswichtigen
Anstrengung auch nur annähernd groß genug ist. Ich möchte
hoffen, daß in fünf Jahren der amerikanische Botschafter
in der Lage sein wird, Ihnen zu berichten, daß die Gelder,
die sein Land für Austauschprogramme mit anderen Ländern,
und vor allem mit der Bundesrepublik Deutschland,
aufbringt, sich zumindest verzehnfacht haben. Damit will
ich sagen, für wie wesentlich ich diese Austauschprogramme
für die Freiheit, Sicherheit und Prosperität der
westlichen Welt halte.
Lassen Sie mich nun speziell auf die
Austauschtätigkeiten zwischen unseren beiden Ländern
eingehen, an die ich denke. Gegenwärtig werden zahlreiche
akademische Austauschprogramme unter privaten Auspizien
durch ein gemeinsam von den Regierungen der Vereinigten
Staaten und der Bundesrepublik Deutschland durchgeführtes

-14-

�Deutschland durchgeführtes akademisches Austauschprogramm
ergänzt. Dieses Programm entstand vor vielen Jahren, als
ein weitblickender Amerikaner, Senator J. William
Fulbright aus Arkansas, sich Sorgen um eine geistige Lücke
machte und daran ging, sie dadurch zu schließen, daß er
ein Bildungsaustauschprogramm zwischen den Vereinigten
Staaten und anderen Ländern ins Leben rief. Ziel und
Zweck dieses Programms wurden von dem Senator überzeugend
zum Ausbruck gebracht, als er einige Jahre später schrieb:
"Die vielleicht größte Kraft des Bildungsaustauschs
besteht in der Fähigkeit, aus Nationen einzelne Menschen
zu machen und Ideologien in Hoffnungen und Wünsche dieser
Menschen zu verwandeln. Ich glaube nicht, daß ein
Bildungsaustausch notwendigerweise freundschaftliche
Gefühle zwischen Völkern hervorruft, und das ist auch
keine seiner wesentlichen Zielsetzungen. Es genügt
vollständig, wenn er zum Gefühl einer gemeinsamen
Humanität beiträgt, zu einem gefühlsmäßigen Bewußtsein,
daß andere Länder nicht von Doktrinen bevölkert werden,
die wir fürchten, sondern von Menschen, die wie wir Freude
und Schmerz fühlen, Grausamkeit und Freundlichkeit, ebenso
wie die Menschen, mit denen wir in unserem eigenen Lande
aufgewachsen sind."
Das Fulbright-Austauschprogramm hat seit seiner
Einführung rund 130 000 Amerikaner und Bürger anderer
Länder in die Lage versetzt, im Ausland zu studieren, zu
lehren oder zu forschen und damit das Verständnis zwischen
den Völkern zu verbessern. Das höchst erfolgreiche
deutsch-amerikanische Bildungsaustauschprogramm ist ein
gutes Beispiel. Zu Beginn wurde es gänzlich von den
Vereinigten Staaten finanziert, aber mit der Zeit
überzeugte seine Nützlichkeit die deutsche Bundesregierung

-15-

�deutsche Bundesregierung so sehr, daß sie jetzt fast
Dreiviertel der jährlichen Gesamtkosten trägt. Dieses so
sinnvolle Programm verdient auch von meiner Regierung
verstärkte Unterstützung, und ich freue mich, Ihnen
berichten zu können, daß diese Auffassung heute in
Washington weitgehend geteilt wird.
Auch für ein stark ausgeweitetes Jugendaustauschprogramm besteht eine vitale Notwendigkeit. Wenn man von
der künftigen Führung unserer Gesellschaften Qualität
erwartet, dann ist es ganz offensichtlich wichtig, in
einem frühen Stadium ihrer geistigen Entwicklung einen
vernünftigen Dialog zwischen jungen Menschen zu fördern.
Die Einstellungen in unseren beiden Gesellschaften werden
oft geformt, bevor die jungen Menschen an die
Universitäten gehen oder ins Arbeitsleben eintreten. Aus
diesem Grunde wäre es besonders nützlich, den Teenagern,
also jungen Menschen zwischen 16 und 19 Jahren etwa,
größere Möglichkeiten zu bieten, eine Zeit im Partnerland
zu verbringen. Ich denke an Aufenthalte, die lang genug
wären, um Jugendlichen zu ermöglichen, zur Schule zu
gehen, in einer Privatfamilie zu leben und am
Gemeindeleben im anderen Land teilzunehmen. Ein junger
Mensch, der vielleicht ein Jahr in der Schule des
Partnerlandes verbracht hat, hat eine echte Chance, die
Gesellschaft dieses Landes kennenzulernen und zu
verstehen. Diese Erfahrung und dieses Wissen werden ihm
oder ihr ein Leben lang bleiben. Ich erwarte nicht, daß
alle Jugendlichen von ihrem Partnerland begeistert sein
werden, aber ihre Zweifel oder Kritik werden zumindest
durch einiges Wissen aus erster Hand geformt werden.
Präsident Reagan

-16-

�Präsident Reagan hat kürzlich eine internationale
Jugendinitiative verkündet, die sich auf diese besondere
Notwendigkeit mit dem Weitblick und der Verpflichtung
konzentriert, die kennzeichnend war für den Vorschlag von
Senator Fulbright, damals im Jahr 1948. Die Parlamente
unserer beiden Länder - der Bundestag und der
amerikanische Kongreß - haben keine Zeit verloren, um das
Prinzip der Ausweitung des Jugendaustauschs zu billigen,
und unsere beiden Regierungen arbeiten bereits daran, die
parlamentarischen Beschlüsse in die Praxis umzusetzen. So
wird beispielsweise gegenwärtig ein Plan ausgearbeitet,
nach dem jedes Mitglied des Bundestages und jedes Mitglied
des amerikanischen Kongresses die Möglichkeit haben wird,
einen Teenager aus seinem oder ihrem Wahlbezirk dafür
vorzuschlagen, ein Schuljahr im Partnerland zu
verbringen. Dieses Projekt könnte im übrigen unsere
gewählten politischen Vertreter anregen, sich persönlich
um Austauschtätigkeiten zu kümmern, wodurch Verfahren
geschaffen würden, die unseren beiden Demokratien in der
nächsten Generation zum Segen gereichen dürften. Aber
nicht nur das. Es ist immer wieder festgestellt worden,
daß die Bande der Freundschaft, die von Jugendlichen,
welche an einem Austauschprogramm teilgenommen haben, mit
ihren Gastfamilien geknüpft wurden, über ihre eigenen
Eltern, Verwandte und Mitschüler noch weiter verstärkt
wurden. Es ist genau dieser Nährboden der menschlichen
Kontakte, den wir brauchen, um den herzlichen Geist der
Partnerschaft wiederherzustellen, der Ende der vierziger
und in den fünfziger Jahren zwischen unseren beiden
Völkern bestand.
Eine weitere

-17-

�Eine weitere Austauschtätigkeit, die reiche Ernte der
Verständigung bringen könnte, würde junge Deutsche und
Amerikaner betreffen, die bereits in Industrie oder
Landwirtschaft, als Journalisten oder Kleriker, als Lehrer
oder Beamte und Gewerkschafter in den Arbeitsprozeß
eingetreten sind. Auch sie werden eines Tages eine Rolle,
ja vielleicht sogar eine wichtige Rolle, in der Führung
unserer jeweiligen Gesellschaften spielen, und einige von
ihnen sollten die Möglichkeit bekommen, ihre
Lebensperspektive zu erweitern, indem sie eine Zeit lang
in einem anderen Lande arbeiten. Ich freue mich,
berichten zu können, daß wir in den Vereinigten Staaten
auf einen Vorschlag der deutschen Bundesregierung hin
damit begonnen haben, bei den Mitteln und Wegen der
Zusammenarbeit mit Ihrem Lande zu prüfen, ob nicht auch
die im Arbeitsprozeß stehenden Jugendlichen in die
erweiterte Austauschtätigkeit zwischen unseren Völkern
einbezogen werden können, wie dies jetzt ins Auge gefaßt
wird - eine Austauschtätigkeit, die unsere Familien,
Schulen, Universitäten, Kirchen und Berufe einschließen
sollte. Nur wenn wir die menschlichen Beziehungen
zwischen unseren Völkern stärken, können wir unsere
gemeinsamen Werte aufrechterhalten.
Erlauben Sie mir, daß ich zum Abschluß dieser
Darlegungen meine Botschaft an Sie noch einmal
zusammenfasse. Wirksame politische, wirtschaftliche und
sicherheitspolitische Interaktion zwischen den Vereinigten
Staaten und der Bundesrepublik Deutschland ruht auf einem
Fundament menschlicher Beziehungen zwischen den Menschen
Ihres Landes und des meinigen. Unsere Bürger haben Werte
gemeinsam, in deren Mitte die persönliche Freiheit, die

-18-

�Freiheit, die Freiheit der Wahl und die Herrschaft des
Rechts stehen - Werte, die sich über einen Zeitraum von
drei Jahrhunderten entwickelt haben. Diese Werte müssen
von unseren Bürgern begriffen und akzeptiert werden, wenn
unsere politischen, wirtschaftlichen und
sicherheitspolitischen Bindungen erhalten bleiben sollen.
Um diese Werte zu begreifen und zu schätzen, müssen unsere
Bürger einander und die Gesellschaft des jeweils anderen
begreifen. Um das zu erreichen, müssen wir unsere Schulen
verbessern und den Austausch unserer jungen Menschen
verstärken. Unsere beiden Länder sind voll und ganz in
der Lage, die Mittel für eine vielfältige Verstärkung des
Jugendaustausches bereitzustellen und damit zu vermeiden,
zu spät zu wenig zu tun. Das sind wir uns selbst schuldig,
und das sind wir all jenen gegenüber schuldig, die nach
uns kommen werden.
Der beste Weg - ja der einzige Weg - zum
internationalen Frieden führt, wie Präsident Reagan
kürzlich erklärt hat, "über die Verständigung unter
Nationen und Völkern." Ich wage zu behaupten, daß das
gleiche für die Erhaltung unserer westlichen Zivilisation
gilt.

-19-

�12

16. März 1983

REAGAN: SIEG DER DEMOKRATIE IN EL SALVADOR OBERSTES ZIEL
- Rede des US-Präsidenten vom 10. März 1983 -

WASHINGTON - (AD) - In einer Rede vor dem amerikanischen Herstellerverband unterstrich Präsident Reagan am 10. März 1983 die große Bedeutung Mittelamerikas - so fließt die Hälfte des amerikanischen Außenhandels entweder
durch den Panamakanal oder über andere Seewege der Karibik - und ersuchte
den amerikanischen Kongreß um 130 Millionen Dollar an Sicherheits- sowie um
168 Millionen Dollar an Wirtschaftshilfe.
Der vorbereitete Text der Rede hat folgenden Wortlaut:
Sie wissen, daß wir nicht gerade zu einem idealen Zeitpunkt nach Washington
gekommen sind und daß wir sicherlich auch unsere Probleme hatten.
Zeichen des Wiederaufschwungs machen sich liberall bemerkbar.

Aber die

Die Tatsache

läßt sich nicht bestreiten, daß Amerika doch endlich auf dem Weg der Besserung ist - und der Mut und Weitblick der Menschen und der Institutionen, die
heute hier vertreten sind, verdienen einen großen Teil der Anerkennung für
diese Wiederbelebung, die schwer erkämpft und inflationsfrei ist. Deshalb sage

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Deshalb sage ich Ihnen Dank im Namen all Ihrer Mitbürger, die nunmehr befreit sind von den Übeln einer galoppierenden Inflation und die jetzt auf
eine bessere Zukunft und auf neue Möglichkeiten blicken können.
Amerika stellt sich ohne Frage zuhause seinen Herausforderungen.

Aber

es gibt auch noch andere Herausforderungen, die von gleicher Bedeutung sind,
und denen wir uns gleichfalls stellen müssen.

Und ich möchte zu Ihnen über

eine davon sprechen.
Ende vorigen Jahres besuchte ich Mittelamerika.

Vor ein paar Wochen

reiste Jeane Kirkpatrick, unsere Botschafterin bei den Vereinten Nationen,
ebenfalls durch dieses Gebiet.

Und in den letzten Tagen bin ich mit führenden

Mitgliedern des Kongresses zusammengetroffen, um die jüngsten Ereignisse in
Mittelamerika und unsere Politik hinsichtlich dieses leidgeprüften Teils der
Welt zu besprechen.

Ich möchte Ihnen deshalb heute über diese Konsultationen

berichten und darlegen, warum sie für uns alle so wichtig sind.
Die Staaten Mittelamerikas gehören zu unseren engsten Nachbarn.

So

liegt beispielsweise El Salvador näher an Texas als Texas an Massachusetts.
Mittelamerika ist ganz einfach zu nahe,und es geht für uns in strategischer
Hinsicht um viel zu viel, als daß wir die Gefahr ignorieren könnten, daß
dort Regierungen die Macht ergreifen, die ideologische und militärische Verbindungen zur Sowjetunion haben.
Lassen Sie mich Ihnen sagen, wie wichtig Mittelamerika ist.
An der Basis Mittelamerikas liegt der Panamakanal. Die Hälfte des Außenhandels der Vereinigten Staaten geht auf seinem Weg von oder zu unseren Häfen
entweder durch diesen Kanal oder über andere karibische Seewege.
Im Norden davon liegt Mexiko, ein Land von gewaltigem Potential an Menschen und Material, ein Land, mit dem wir 1800 Meilen gemeinsamer, friedlicher
Grenze haben.
Zwischen Mexiko
- 2 -

�Zwischen Mexiko und dem Kanal liegt Mittelamerika. Während ich heute zu
Ihnen spreche, befinden sich die dortigen Staaten inmitten der ernstesten
Krise ihrer Geschichte.

Die aufgestauten Mißstände sowie sozialer und wirt-

schaftlicher Wandel stellen eine Herausforderung des überlieferten dar.
Neue Führer mit neuen Zielen sind aufgetreten, die für ihre Völker ein neues
und besseres Leben wollen.

Das ist gut.

Das Problem besteht darin, daß eine aggressive Minderheit sich auf Gedeih und Verderb mit den Kommunisten verbündet hat und nach den Sowjets und
deren kubanischen Handlangern schaut, damit diese ihnen dabei helfen, politischen Wandel durch Gewalt zu erreichen.
worden.

Nicaragua ist zu ihrer Basis ge-

Diese Extremisten machen kein Geheimnis aus ihren Zielen.

digen die Doktrin einer "Revolution ohne Grenzen".

Sie pre-

Ihr erstes Ziel ist

El Salvador.
Warum ist El Salvador wichtig?

Nun, man muß zuerst ganz einfach die

menschliche Tragödie sehen. Tausende sind bereits umgekommen, und wenn der
Konflikt nicht auf demokratische Weise zu einem Ende kommt, könnten noch Millionen weiterer Menschen in der ganzen Hemisphäre betroffen sein.
von El Salvador hat bewiesen, daß es die Demokratie will.

Das Volk

Aber wenn die Ge-

walt der Guerilla obsiegt, wird es die Demokratie nicht bekommen.

El Salvador

wird zusammen mit Kuba und Nicaragua zu einer Basis werden, von der aus sich
neue Gewalt in Guatemala, Honduras, sogar in Costa Rica ausbreiten wird.

Das

Morden wird zunehmen - genau wie die Bedrohung Panamas, des Kanals und schließlich Mexikos.

Dabei werden viele Männer, Frauen und Kinder ihr Heim verlie-

ren, ihre Heimat und ihr Leben.

Daß wir uns nicht mißverstehen: Wir wollen

dasselbe, was die Menschen in Mittelamerika wollen - ein Ende des Tötens.
Wir wollen, daß die Freiheit dort erhalten bleibt, wo es sie jetzt gibt,
und daß sie dort ersteht, wo es sie nicht gibt.

Der kommunistische Plan da-

gegen beabsichtigt, das Leiden der Menschen in Mittelamerika auszunützen, um
das Herz der westlichen Hemisphäre zu treffen.

Durch Verhinderung von Re-

form und durch Einführung ihrer eigenen Art von Totalitarismus können sie die
Freiheit und den Frieden bedrohen und unsere nationale Sicherheit schwächen.
Ich weiß,

�Ich weiß, daß viele Leute fragen, warum wir uns Sorgen machen sollten,
ob in Nicaragua, El Salvador oder den anderen Ländern wie Costa Rica, Honduras,
Guatemala und den Inseln der Karibik kommunistische Regierungen an die Macht
kommen.

Vorige Woche argumentierte ein Kolumnist, wir sollten uns keine Sor-

ge machen, denn die dortigen Produkte seien für unsere Wirtschaft doch gar
nicht so bedeutsam.
Das ähnelt dem Argument eines anderen sogenannten Experten, wonach wir
uns keine Sorgen darüber machen sollten, daß Castro die Kontrolle über die
Insel Grenada erhält - ihr einziges wichtiges Produkt sei doch nur die Muskatnuß.
Leute mit solchen Argumenten haben in letzter Zeit nicht mehr richtig
auf die Landkarte gesehen und auch nicht die außergewöhnliche Aufrüstung der
sowjetischen und kubanischen Militärmacht in der Region verfolgt oder die
Diskussionen der Sowjets darüber gelesen, warum die Region für sie wichtig
ist und wie sie sie zu nützen beabsichtigen.
Mittelamerika nicht um Muskatnuß.

Es geht in der Karibik und in

Es geht um die nationale Sicherheit der

Vereinigten Staaten.
Die sowjetischen Militärtheoretiker wollen unsere Fähigkeit zerschlagen,
Westeuropa im Krisenfall zu versorgen. Sie wollen unsere Aufmerksamkeit und
unsere Streitkräfte an unsere eigene Südgrenze fesseln und dadurch unsere
Kapazität begrenzen, an entfernter gelegenen Schauplätzen wie Europa, dem
Persischen Golf, dem Indischen Ozean und dem Japanischen Meer zu handeln.
Jene sowjetischen Theoretiker haben bemerkt, was wir nicht bemerkt
haben - daß die Karibik und Mittelamerika die vierte Grenze unseres Landes
bilden. Wenn wir uns selbst gegen eine große, feindliche Militärpräsenz an
unserer Grenze verteidigen müssen, wird unsere Handlungsfreiheit andernorts,
unsere Fähigkeit, anderen zu helfen, sowie strategisch lebenswichtige Seewege und Ressourcen zu schützen, drastisch verringert.
Das wissen

�Das wissen sie.

Und sie haben darüber geschrieben.

Wir haben lange gebraucht, um zu begreifen, daß die Verteidigung der
Karibik und Mittelamerikas gegen eine marxistisch-leninistische Einvernahme
für unsere nationale Sicherheit auf eine Weise lebenswichtig ist, wie wir
bisher nicht zu denken gewohnt waren. Während der letzten drei Jahre haben
die Vereinigten Staaten unter zwei Präsidenten Anstrengungen unternommen,
den Vormarsch des Kommunismus in Mittelamerika dadurch aufzuhalten, daß sie
das taten, was wir am besten können - sie unterstützen die Demokratie. Drei
Jahre lang bestand unser Ziel darin, den grundlegenden Wandel in der Region
zu unterstützen - Armut durch Entwicklung zu ersetzen, Diktatur durch Demokratie.
Diese Ziele sind nicht leicht zu erreichen, aber wir sind auf dem rechten
Weg. Costa Rica gibt - selbst inmitten einer wirtschaftlichen Krise und angesichts nicaraguanischer Einschüchterung - auch weiterhin ein demokratisches
Beispiel. In Honduras wurde die Militärherrschaft durch eine freigewählte
Zivilregierung abgelöst. Trotz unglaublicher Hindernisse hält sich die demokratische Mitte in El Salvador, verwirklicht die Landreform und arbeitet
daran, eine Politik des Todes durch eine lebendige Demokratie zu ersetzen.
Die gute Nachricht ist also, daß unsere neue Politik Wirkung zeigt. Die
überwältigende Mehrheit der Mittelamerikaner hat eine eindeutige Wahl getroffen - für freie Wahlen, freie Gewerkschaften, Religionsfreiheit und Achtung
vor der Unversehrtheit des einzelnen. Tatsächlich möchte niemand außer Kuba
und seinen Anhängern eine Machtergreifung der Guerilla in El Salvador - weder
eine der Regierungen noch irgendein bedeutender Sektor der Öffentlichkeit in
dieser Hemisphäre.
Die schlechte Nachricht ist, daß der Kampf um die Demokratie noch lange
nicht vorüber ist.
Trotz der Erfolge, die es dabei gab, den politischen Einfluß der Guerilla
in den Bevölkerungszentren zu einem großen Teil auszuschalten, und trotz einiger
- 5 -

�trotz einiger Verbesserung bei der Bewaffnung und der Mobilität des Militärs,
bleibt das Volk von El Salvador auch weiterhin unter dem starken Druck der
bewaffneten Guerilla, die von Extremisten kontrolliert wird, die kubanischsowjetisch beeinflußt sind.
i

Die militärischen Kapazitäten dieser Guerilla - und ich möchte "militärische Kapazitäten" betonen, denn es handelt sich hier nicht um ländliche
Aufständische, sondern um ausgebildete Streitkräfte - haben verhindert, daß
der politische und wirtschaftliche Fortschritt in den Frieden übergeht, den
das Volk von El Salvador so offenkundig wünscht.
El Salvador ist interner Natur.

Ein Teil des Problems in

Aber ein wichtiger Teil ist externer Natur:

Die Verfügbarkeit über Ausbildung, taktische Lenkung und militärische Versorgung, die über das marxistische Nicaragua nach El Salvador gelangt.
Ich bin sicher, Sie haben in der Presse darüber gelesen, daß die Guerilla
Gewehre von Einheiten der Regierungstruppen raubt; das ist kürzlich geschehen.
Aber für Guerillaoperationen viel entscheidender sind die Versorgung und die
Munition, die über Land. Meer und Luft nach El Salvador gelangen - mittels
Lastesel, mit kleinen Booten, in kleinen Flugzeugen.

Ober diese Versorgungs-

wege wird die Offensive der Guerilla angeheizt und die Oberzeugung ihrer extremistischen Führung am Leben erhalten, daß die Macht letztlich aus ihren
Gewehrläufen käme.
All dies geschieht nun in El Salvador zu einem Zeitpunkt, da eine Verfassung geschrieben wird, offene Präsidentschaftswahlen vorbereitet werden
und eine in der vorigen Woche ernannte Friedenskommission damit beginnt, auf
Amnestie und nationale Versöhnung hinzuarbeiten, damit alle sozialen und politischen Gruppen in den demokratischen Prozeß einbezogen werden. Es sind die
Militanten der Guerilla, die sich bislang geweigert haben, zu demokratischen
Mitteln zu greifen, die die Stimme des Volkes von El Salvador ignorieren und
zu Terror, Sabotage und Kugeln greifen, anstatt an die Wahlurne zu gehen.
Während der vorigen Woche haben wir all diese Fragen und vieles mehr mit
der Führung und den Mitgliedern des Kongresses besprochen. Ihre Ansichten
haben zu unserer eigenen Bewußtseinsbildung beigetragen, und ich glaube, wir

�glaube, wir haben einen gemeinsamen Kurs entworfen, dem wir folgen können.
Hier sind einige der Fragen, die am häufigsten aufgeworfen wurden:
Erstens, wie schlecht ist die militärische Situation?
gut.

Sie ist nicht

Die salvadorianischen Soldaten haben bewiesen, daß sie das Volk vor

Guerillaangriffen schützen können, wenn sie gut ausgebildet, geführt und
ausgerüstet sind.

Aber bislang konnten amerikanische Ausbilder nur jeden

zehnten Soldaten ausbilden.

Es herrscht Mangel an erfahrenen Offizieren;

die Versorgung ist unsicher.
macht.

Die Guerilla hat sich diese Mängel zunutze ge-

Zumindest im Moment hat sie die taktische Initiative ergriffen - ge-

rade in einem Augenblick, da die eng begrenzten Mittel, die der Kongreß bislang gebilligt hat, auslaufen.
Eine zweite entscheidende Frage lautet: Werden wir amerikanische Soldaten in den Kampf schicken? Die Antwort ist ein klares Nein.
Eine dritte Frage:

Werden wir den Krieg mit vielen amerikanischen Kampf-

beratern amerikanisieren?

Wieder ist die Antwort nein.

Nur Salvadorianer

führen diesen Kampf, genau wie nur die Salvadorianer über die Zukunft El
Salvadors entscheiden können.

Was wir tun können, ist, dabei behilflich

zu sein, sie mit den Fähigkeiten und dem Material auszustatten, die sie benötigen, um die Arbeit selbst zu machen.
das zum größten Teil:

Ausbildung.

Militärisch gesprochen, bedeutet

Ohne selbst eine Rolle im Kampf zu spie-

len und ohne salvadorianische Einheiten in den Kampf zu begleiten, können
die amerikanischen Spezialisten der salvadorianischen Armee dabei helfen, deren

Operationen zu verbessern.

Während des vorigen Jahres haben wir trotz

der offenkundigen Notwendigkeit für mehr Ausbildung unsere Ausbildungsaktivitäten peinlich genau ein gutes Stück unter dem selbstauferlegten Limit,
was die Anzahl der Ausbilder anbelangt, gehalten.

Wir überprüfen derzeit,

was wir tun können, um die Ausbildung zu bieten, die so wirkungsvoll ist
wie nur möglich, um die Mindestzahl an benötigten Ausbildern festzulegen
und um herauszufinden, wo diese Ausbildung am besten erfolgen sollte.

Wir

sind der Meinung, daß es das Beste wäre, diese Ausbildung außerhalb von
El Salvador anzubieten - in den Vereinigten Staaten oder andernorts, aber das
- 7 -

�aber das bedeutet weit höhere Kosten.

Daher wird die Anzahl der amerika-

nischen Ausbilder in El Salvador von den zur Verfügung stehenden Mitteln abhängen.
Frage vier:
an?

Streben wir eine politische oder eine militärische Lösung

Trotz allem, was ich und andere gesagt haben, scheinen manche Leute noch

immer zu denken, unser Ersuchen um Sicherheitshilfe bedeute, daß wir uns lediglich um eine militärische Lösung bemühen.

Das ist Unsinn.

Geschosse sind

keine Antwort auf wirtschaftliche Ungleichheit, auf soziale Spannungen oder
politische Meinungsverschiedenheiten.

Die Demokratie ist die Antwort.

Was

wir wollen,ist, die Salvadorianer in die Lage zu versetzen, das Töten und
die Sabotage zu beenden, damit die wirtschaftlichen und politischen Reformen
Wurzeln schlagen können.

Eine wirkliche Lösung kann nur politischer Natur sein.

Diese Tatsache führt unmittelbar zu einer fünften Frage: Warum kein
Ende des Tötens und dafür ein Beginn von Gesprächen? Warum keine Verhandlungen? Nun, Verhandlungen sind bereits wesentlicher Bestandteil unserer Politik. Wir unterstützen Verhandlungen zwischen allen Staaten der Region zur
Stärkung der Demokratie, zur Beendigung der Subversion, zur Eindämmung des
Waffenzustroms, zur Achtung der Grenzen und zum Abzug aller ausländischen
Militärberater - der sowjetischen, der kubanischen, der ostdeutschen, derjenigen der PLO sowie unserer eigenen - aus der Region. Es entwickelt sich derzeit eine regionale Friedensinitiative. Wir sind in engem Kontakt mit ihren
Befürwortern,und wir wünschen ihren Erfolg. Außerdem unterstützen wir Verhandlungen zwischen den Staaten, die auf eine verstärkte Beteiligung an den
demokratischen Institutionen abzielen - den Versuch, alle Parteien zu einer
Beteiligung an freien und gewaltfreien Wahlen zu veranlassen.
Wogegen wir uns stellen, sind Verhandlungen, die lediglich als zynisches
Mittel dafür benutzt werden, die Macht hinter dem Rücken des Volkes aufzuteilen.

Wir können keine Verhandlungen unterstützen, die versuchen, die De-

mokratie zu zerstören, anstatt sie zu kräftigen - Verhandlungen, die die
Macht ohne die Zustimmung des Volkes von El Salvador unter bewaffneten Gruppierungen aufteilen würden.

Wir begingen diesen Fehler vor einigen Jahren in

Laos, als wir die laotische Regierung darauf drängten, in eine Partnerschaft
- 8 -

�eine Partnerschaft mit den Pathet Lao einzutreten - einer bewaffneten Guerilla, die damals genau das tat, was die Guerilla jetzt in El Salvador tut. Sie
ruhte nicht, bis sie die totale Kontrolle der Regierung von Laos übernommen
hatte.

Die Abertausenden von Salvadorianern, die bei der Wahl im vorigen Jahr

ihr Leben riskierten, sollten nicht erleben, wie ihre Wahlzettel dieses Jahr
in den Mülleimer wandern, indem man zuläßt, daß eine winzige Minderheit am
Rande eines weiten und vielfältigen politischen Spektrums sich ihren Weg an
die Macht freischießt. Nein, der einzig legitime Weg zur Macht, der einzige
Weg, den wir unterstützen können, ist der über die Wahlurne, damit das Volk
seine eigene Wahl treffen kann, daß es, wie Seine Heiligkeit der Papst an
diesem Sonntag sagte, wählen kann "weg vom Terror und in einem Klima demokratischer Geselligkeit".

Das ist eine grundlegende Sache, und es ist eine

moralische sowie auch eine praktische Überzeugung, die von allen freien Menschen der beiden Amerikas geteilt wird.
Lassen Sie mich nunmehr, nach Konsultation mit dem Kongreß, mitteilen,
wo wir jetzt stehen und was wir in den kommenden Tagen tun wollen.

Wir werden

einen umfassenden, vollständigen Plan für Wirtschafts- und Militärhilfe für
Mittelamerika vorlegen.
Erstens werden wir die bei der Militärhilfe bestehende Lücke schließen.
Unsere Berechnungen für den Betrag an Militärhilfe, der für El Salvador notwendig ist, sind über die letzten zwei Jahre hinweg relativ stabil geblieben.
Jedoch führt die überbrückung des (noch nicht verabschiedeten) Haushalts im
Kongreß vom Dezember vorigen Jahres dazu, daß die amerikanische Sicherheitshilfe für El Salvador für das Jahr 1983 unter dem Betrag blieb, den wir beantragt hatten, und auch unter dem, was wir 1982 zur Verfügung hatten,sowie
unter dem, was wir für 1984 angefordert haben.

Ich schlage daher vor, daß

60 Millionen Dollar der Gelder, die bereits für unsere weltweiten Militärhilfeprogramme bewilligt sind, sofort für El Salvador zur Verfügung gestellt
werden.

Um jene Art von disziplinierter, ausgebildeter Armee aufzubauen, die

die Initiative ergreifen und aufrechterhalten kann - und gleichzeitig die
Rechte des Volkes respektiert -, werde ich außerdem meine derzeit dem Kongreß
vorliegende zusätzliche Forderung dadurch abändern, daß ich noch zusätzliche
- 9 -

�noch zusätzliche 50 Millionen Dollar für El Salvador anweise.
Diese Mittel werden angefordert, ohne daß der Gesamtbetrag der dem
Kongreß bereits unterbreiteten Ergängzungsvorlage erhöht wird.

Und wie ich

bereits gesagt habe, bleibt der Kernpunkt der Unterstützung weiterhin die
Ausbildung von Salvadorianern, damit sie sich selbst verteidigen können.
Weil die Sicherheitsprobleme El Salvadors in dieser Region nicht allein
dastehen, werde ich ferner um zusätzliche 20 Millionen Dollar an regionaler
Sicherheitshilfe ersuchen.

Diese Mittel sollen verwendet werden, um Staaten

in der Nachbarschaft bei der Wahrung ihrer nationalen Sicherheit zu unterstützen, und sie unterliegen natürlich einer umfassenden Überprüfung durch
den Kongreß.
Zweitens werden wir uns mit allem Nachdruck für die Unterstützung von
Reformen, der Menschenrechte und der Demokratie in El Salvador einsetzen.
Am vergangenen Donnerstag hat die Regierung von El Salvador das Landreformprogramm erweitert, in dessen Rahmen bereits 20 Prozent des bebaubaren Landes
verteilt worden und über 65 000 Landarbeiter zu Landbesitzern geworden sind.
Man bittet uns um unsere anhaltende wirtschaftliche Unterstützung, während
das Programm abgeschlossen wird. Wir werden diese Unterstützung gewähren.
Wir erwarten, daß mit unserer Hilfe der ständige Fortschritt in Richtung auf
eine gerechte Verteilung des Wohlstandes und der Macht in El Salvador andauern wird.
Drittens werden wir uns - ich wiederhole das - für die Menschenrechte
einsetzen. Der Fortschritt auf diesem Gebiet war bisher langsam und manchmal enttäuschend. Menschenrechte bedeuten aber, daß man die Probleme anpackt,
nicht ihnen ausweicht. Um größere Fortschritte zu erzielen, müssen wir weiterhin unsere Unterstützung und unseren Rat für die Bevölkerung und die demokratischen Führer El Salvadors gewähren. Gesetzesbrecher müssen zur Verantwortung gezogen werden, und die Herrschaft des Rechts muß bei der Lösung von
Streitfällen an die Stelle der Gewalt treten. Der Schlüssel zur Beendigung
von Menschenrechtsverletzungen ist die Schaffung einer stabilen und arbeitsfähigen Demokratie. Demokratien sind ihren Bürgern verantwortlich. Und wenn
- 10 -

�Und wenn in einer Demokratie Mißbräuche vorkommen, dann können sie nicht
verschleiert werden.

Wir erwarten, daß die Regierung mit unserer Unter-

stützung in der Lage sein wird, Fortschritte bei der Belangung von Schuldigen sowie beim Aufbau eines Strafrechtssystems zu erzielen, das auf alle angewendet wird und letztlich den gewählten Vertretern des Volkes verantwortlich ist.
Viertens schlägt die Regierung von El Salvador vor, ihre Probleme auf
die einzige Weise zu lösen, auf die sie gerecht gelöst werden können, nämlich dadurch, daß das Volk entscheidet.

Präsident Magana hat gerade landes-

weite Wahlen für dieses Jahr angekündigt und alle - Gegner wie Freunde - aufgefordert, sich daran zu beteiligen.

Um politischen Gegnern bei der Betei-

ligung an diesen Wahlen zu helfen, hat er eine Friedenskommission eingesetzt,
der auch ein römisch katholischer Bischof sowie zwei Unabhängige angehören.
Und er hat die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) sowie die internationale Gemeinschaft aufgerufen, zu helfen.

Wir waren sehr erfreut, daß

wir zusammen mit anderen demokratischen Ländern als Beobachter an den Wahlen
für eine Verfassungsgebende Versammlung im März vorigen Jahres teilnehmen
konnten.

Wir wären in gleicher Weise erfreut, wenn wir erneut zu jedem inter-

nationalen Bemühen - vielleicht in Verbindung mit der OAS - beitragen könnten, der Regierung bei der Sicherstellung einer möglichst breiten Beteiligung an den bevorstehenden Wahlen zu helfen - mit Garantien dafür, daß alle
Beteiligten, auch Kritiker und Gegner, vollen Schutz genießen.
Lassen Sie mich ein paar Worte zu den Wahlen vom März vorigen Jahres
sagen.

Mit Hilfe einer weltweiten Propagandakampagne wurde die Guerilla

über ein Jahr lang als irgendwie repräsentativ für die Menschen in El Salvador
dargestellt.

Immer und immer wieder sagte man uns, daß die Regierung das Volk

unterdrücke.
Dann kamen die Wahlen, und plötzlich war es die Guerilla, die jeden mit
dem Tode bedrohte, der wählen wollte,

über 200 Busse und Lastkraftwagen

wurden angegriffen, um die Wähler vom Gang an die Urnen abzuhalten.

Aber

sie gingen trotzdem, sie legten oft große Entfernungen zurück und warteten
- 11 -

�und warteten stundenlang vor den Wahllokalen; mehr als 80 Prozent der Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab.

Ich glaube nicht, daß wir hier in den

Vereinigten Staaten, wo eine Abstimmung so leicht ist, im letzten halben
Jahrhundert jemals eine solche Wahlbeteiligung erlebt haben.

Sie wählten

die gegenwärtige Regierung , und sie gaben ihre Stimme für Ordnung, Frieden
und die Herrschaft der Demokratie ab.
Und schließlich müssen wir weiterhin dem Volk von El Salvador und dem
übrigen Mittelamerika sowie der Karibik bei der Erreichung wirtschaftlichen
Fortschritts helfen,

über 75 Prozent unserer Hilfe für diese Region erfolgt

auf dem wirtschaftlichen Sektor.

Weil die wirtschaftliche Entwicklung für

dieses Gebiet so wichtig ist, werde ich den Kongreß um 65 Millionen Dollar
an neuen Mitteln sowie um die Umprogrammierung von 103 Millionen Dollar an
bereits bewilligten Geldern als verstärkte Wirtschaftshilfe für Mittelamerika
ersuchen.

Und um sicherzustellen, daß diese Hilfe so produktiv wie möglich

ist, werde ich weiterhin mit dem Kongreß dafür arbeiten, daß die langfristigen
Möglichkeiten für Handel und freie Maßnahmen schnellstens verwirklicht werden,
die die Initiative für das Karibische Becken beinhaltet.

In El Salvador und

im übrigen Lateinamerika gibt es heute Tausende von kleinen Geschäftsleuten,
Bauern und Arbeitern, die ihre Produktivität und ihre geistigen Kräfte aufrechterhalten haben angesichts persönlicher Gefahr, der Sabotage durch die
Guerilla und ungünstiger wirtschaftlicher Bedingungen.

An ihrer Seite stehen

unzählige nationale und örtliche Repräsentanten, militärische und zivile Persönlichkeiten und Priester, die sich weigern, auf die Demokratie zu verzichten.

Ihr Kampf um eine bessere Zukunft verdient unsere Unterstützung.

Wir

sollten stolz sein, dies anbieten zu können, denn letztlich kämpfen wir auch
für uns.
Wenn wir verantwortungsbewußt handeln und kurzsichtige Maßnahmen vermeiden, können wir sowohl loyal sein gegenüber unseren Freunden als auch ehrlich gegenüber unseren demokratischen Prinzipien. Der Charakter einer Nation
wird an ihren Beziehungen zu ihren Nachbarn gemessen. Wir brauchen starke
und stabile Nachbarn, mit denen wir zusammenarbeiten können. Und wir werden
sie nicht im Stich lassen.
Unsere Nachbarn
- 12 -

�Unsere Nachbarn riskieren Kopf und Kragen, um ihr Leben zu verbessern,
ihren Boden ertragsfähiger zu machen und die Demokratie aufzubauen.

Alles,

um das sie uns bitten, ist unsere Unterstützung und unser Verständnis angesichts gefährlicher und bewaffneter Feinde der Demokratie.

Und sie bitten

uns darum, daß unsere Hilfe so beharrlich ist wie ihre eigene Verpflichtung
und ihr eigener Einsatz. All dies wird nicht funktionieren, wenn wir ermüden
oder in unserer Unterstützung nachlassen.

Ich glaube nicht, daß das amerika-

nische Volk dies will, und dies ist auch nicht, was unsere Traditionen oder
unser Glaube erfordern.

Der Kampf unserer Nachbarn um eine bessere Zukunft

verdient unsere Unterstützung, und wir sollten wirklich stolz sein, dies anbieten zu können.
Wir würden tatsächlich eine Zweibahnstraße eröffnen.

Wir sind uns nie-

mals völlig über das große Potential dieser westlichen Hemisphäre im klaren
gewesen.

Ja, ich weiß, daß wir in der Vergangenheit über Pläne gesprochen

haben, die unsere Nachbarn im Süden betrafen, aber dies war unser Plan, den
wir ihnen auferlegen würden - der große Koloß aus dem Norden.
Auf meiner Reise nach Mittel- und Südamerika habe ich um Ideen und Vorstellungen der dortigen Menschen gebeten.
Erbe hingewiesen.

Ich habe auf unser gemeinsames

Wir seien alle als Pioniere zu diesen beiden großen

Kontinenten gekommen.

Wir beteten zu demselben Gott, und wir hätten länger

miteinander in Frieden gelebt als die meisten Menschen in anderen Teilen der
Welt.
Es gibt über 600 Millionen Menschen, die sich Amerikaner nennen - Nord-,
Mittel- und Südamerikaner. Wir haben noch nicht einmal begonnen, die riesigen Ressourcen dieser beiden Kontinente zu erschließen.
Ohne unsere Souveränität, unsere Kultur und unseren Stolz zu opfern,
könnten wir als Nachbarn diese westliche Hemisphäre - unsere Hemisphäre zu einer Kraft des Guten machen, wie sie die Alte Welt niemals gesehen hat.
Aber alles
- 13 -

�Aber alles beginnt mit dem Wort: Nachbar.
Am vorigen Sonntag hat Papst Johannes Paul II dafür gebetet, daß die von
Präsident Magana angekündigten Maßnahmen zu einem "ordnungsgemäßen und friedlichen Fortschritt" in El Salvador beitragen würden - zu einem Fortschritt,
"der sich auf die Achtung der Rechte aller gründet, und daß alle die Möglichkeit haben, in einem Klima echter Demokratie zur Förderung des gemeinsamen
Guten zusammenzuarbeiten."
Meine amerikanischen Mitbürger, wir in den Vereinigten Staaten schließen
uns diesem Gebet für Demokratie und Frieden in El Salvador an, und wir bringen
unsere moralische und materielle Unterstützung ein, um dem salvadorianischen
Volk bei der Verwirklichung einer gerechteren und friedlicheren Zukunft zu
helfen. Und indem wir das tun, stehen wir sowohl für die höchsten Werte unserer freien Gesellschaft als auch für unsere eigenen lebenswichtigen Interessen ein.

+ + + + +

- 14 -

�12

16. März 1983

US-PRÄSIDENT PROKLAMIERT "EXKLUSIVE WIRTSCHAFTSZONE"
Ressourcen im 200-Seemeilen-Bereich unter amerikanischer Zuständigkeit

- (AD) - Eine "exklusive Wirtschaftszone (EEZ)" von 200 Seemeilen Ausdehnung vor den Küsten der Vereinigten Staaten - das Commonwealth von Puerto
Rico, das Commonwealth der nördlichen Marianen gemäß der von den USA übernommenen UN-Treuhandschaft, die überseeischen Territorien und Besitzungen
eingeschlossen - proklamierte Präsident Ronald Reagan am 10. März 1983.
Die Gesamtfläche umfaßt ca. 8,6 Millionen qkm.

Bei Überschneidungen mit

dem Anspruchsbereich eines anderen Staates soll das betreffende Gebiet durch
eine Mittellinie geteilt werden.
Die neuen Richtlinien für die Seerechtspolitik der USA basieren auf einer
gemeinsamen Oberprüfung des Fragenkomplexes durch alle zuständigen amerikanischen Behörden.

Die Proklamation bestätigt die Hoheits- und Kontrollrechte

der Vereinigren Staaten über die lebenden und nichtlebenden Ressourcen von
Meeresbett, Untergrund und Wasserbereichen jenseits der Hoheitszone, jedoch
innerhalb von 200 Seemeilen vor den Küsten der Vereinigten Staaten. Sie
umfaßt im besonderen neue Rechtstitel auch in bezug auf alle Mineralien
(z.B. Erzknollen und Sulfide) in der Zone, die sich nicht mehr auf dem
Kontinentalsockel, aber innerhalb der 200-Meilen-Grenze befinden.

Vorkommen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Vorkommen von Metall Sulfiden und Kobalt-Mangan-Krusten in diesen Gebieten
wurden erst in jüngster Zeit entdeckt, es dürfte jedoch Jahre dauern, bis
sie kommerziell abgebaut werden können. Allerdings könnten sie eine wichtige
Quelle für strategisch wichtige und andere Mineralien darstellen.
In einer gesondert zu der Proklamation abgegebenen Erklärung verweist
der Präsident u.a. darauf, daß die Vereinigten Staaten auch künftig das Gleichgewicht der Interessen bei der herkömmlichen Nutzung der Weltmeere, z.B. durch .
Schiffahrt und überfliegen der betreffenden Gebiete, akzeptieren und die
Rechte anderer Staaten in den Gewässern vor den amerikanischen Küsten, wie
in der UN-Seerechtskonvention zum Ausdruck gebracht, anerkennen, solange die
Rechte der USA und anderer Staaten, auch das auf die Freiheit der Meere, im
Rahmen des internationalen Rechts von den Küstenstaaten anerkannt werden.
Der Begriff der "exklusiven Wirtschaftszone" ist im internationalen Recht,
dem die Proklamation des Präsidenten entspricht, bereits anerkannt. Mehr als
50 Staaten haben bereits eine "EEZ" proklamiert.

In manchen Fällen geschah

dies in Übereinstimmung mit dem internationalen Recht, in anderen nicht.
Das EEZ-Konzept wurde in den kürzlich abgeschlossenen Seerechts-Verhandlungen
weiterentwickelt und fand in der Konvention ihren Niederschlag.

Die EEZ ist

nicht mit der Hoheitszone identisch und reicht über die territoriale Zuständigkeit des jeweiligen Küstenstaates hinaus.
In den langjährigen Bemühungen der Vereinigten Staaten um den Ausbau und
die Aktualisierung des Seerechts ging es den USA um eine Rechtsordnung, die
u.a. die friedliche internationale Nutzung der Weltmeere erleichtern sowie
eine gerechte und wirksame Bewirtschaftung und Erhaltung von Meeresressourcen
ermöglichen sollte.

Da aber mehrere wichtige Punkte in den Bestimmungen der

neuen UN-Seerechtskonvention zum Tiefseebergbau den Interessen und Prinzipien
von Industrienationen nicht entsprechen und die Bestrebungen von Entwicklungsländern nicht realisieren helfen, gaben die Vereinigten Staaten am 1. Juli
1982 bekannt, ihre Unterschrift zu der seit dem 10. Dezember 1982 zur Unterzeichnung aufliegenden Konvention zu verweigern.

- 2 -

Sie stehen damit nicht

�damit nicht allein, wie Präsident Reagan erklärte. Einige wichtige Verbündete
und befreundete Staaten haben ebenfalls nicht unterzeichnet.

Und selbst einige

der Signatarstaaten hätten Bedenken wegen der erwähnten Probleme.
Die Vereinigten Staaten werden künftig ihre Schiffahrts- und überflugrechte
weltweit wahrnehmen, wie es dem Interessengleichgewicht im Sinne der Konvention
entspricht.

Sie werden einseitigen Handlungen anderer Staaten nicht nachgeben,

die auf eine Begrenzung der Rechte und Freiheiten der internationalen Gemeinschaft in der Schiffahrt und beim überfliegen sowie bei anderen Nutzungsmöglichkeiten der Hochseegebiete abzielen.
Alle Nationen werden auch weiterhin die Rechte auf die Freiheit der Meere
innerhalb der amerikanischen EEZ wahrnehmen können, sofern sie nicht auf
Ressourcen bezogen sind. Für die gegenwärtige Politik der Vereinigten Staaten
in bezug auf Kontinentalsockel, Meeressäuger und Fischfang wird sich durch die
Proklamation nichts ändern. Das gilt auch für Tunfischarten, die weite Wanderzüge unternehmen. Die Vereinigten Staaten werden sich auch künftig für internationale Abkommen zur Erreichung wirksamer Maßnahmen hinsichtlich dieser Spezies
einsetzen.
- Meeresforschung und Umweltschutz Das internationale Recht sieht für Aufgaben der Meeresforschung die Zuständigkeit der Anrainerstaaten innerhalb der 200-Meilen-Zone vor.
Proklamation wird dieses Recht jedoch nicht geltend gemacht.

In der

Präsident Reagan

begründet dies mit dem besonderen Interesse, das die Vereinigten Staaten an
einer Ermutigung zu Meeresforschung und an der Vermeidung jedweder unnötigen
Belastung der internationalen Beziehungen haben. Gleichwohl erkennen die USA
das Recht anderer Küstenstaaten auf Zuständigkeit für Meeresforschung innerhalb ihrer 200-Meilen-Zone an, wenn diese Zuständigkeit vernünftig in einer
dem internationalen Recht entsprechenden Weise gehandhabt wird.
Die EEZ versetzt

- 3 -

�Die EEZ versetzt die Vereinigten Staaten auch in die Lage, zusätzliche
Schritte - wenn auch begrenzt - zum Schutz der marinen Umwelt zu unternehmen,
über die Internationale Seeschiffahrtsorganisation und andere geeignete internationale Institutionen streben die USA einheitliche internationale Maßnahmen
zum Schutz der marinen Umwelt ohne ungebührliche Belastungen für die kommerzielle
Schiffahrt an.
- Respektierung der UN-Seerechtskonvention In der Proklamation des amerikanischen Präsidenten werden die Rechte aller
Nationen auf "Freiheit der Meere" jenseits der Hoheitsgewässer der Vereinigten
Staaten innerhalb ihrer EEZ (Ressourcen ausgenommen) bestätigt.

Die bisherige,

drei Seemeilen breite Hoheitszone der USA wurde beibehalten und nicht ausgedehnt.
Die Vereinigten Staaten werden die Ansprüche

anderer Staaten auf Hoheitsge-

wässer von mehr als drei Seemeilen Breite - maximal 12 Seemeilen - anerkennen,
die in der Hoheitszone den USA ihre vollen Rechte nach internationalem Recht
zugestehen.

Ungestörte Aktivitäten von kommerziellen und militärischen See-

fahrzeugen sowie überfliegen sind für das nationale Interesse der Vereinigten
Staaten von entscheidender Bedeutung.

Die USA sind bereit, die maritimen

Ansprüche anderer, - auch auf Wirtschaftszonen -, welche mit dem in der Konvention zum Ausdruck kommenden internationalen Recht übereinstimmen, zu respektieren,
wenn die Rechte und Freiheiten der Vereinigten Staaten in solchen Gebieten nach
internationalem Recht von dem betreffenden Küstenstaat respektiert werden.
Die Proklamation und die bekanntgegebenen Richtlinien für die amerikanische «
Politik zeigen die Entschlossenheit des amerikanischen Präsidenten, die maritimen
Interessen der USA in einer Weise zu schützen und zu fördern, die mit dem inter- "
nationalen Recht in Einklang steht.

Die Anwendung der gegenwärtigen amerika-

nischen Gesetze in bezug auf die hohe See oder die Zuständigkeit amerikanischer
Regierungsbehörden wird von den neuen Entscheidungen nicht berührt.

Die Ver-

einigten Staaten werden weiterhin mit anderen Staaten zusammenarbeiten, um für
den Abbau von Tiefseemineralien außerhalb nationaler Zuständigkeiten

eine

Rechtsordnung zu entwickeln, die frei ist von unnötigen politischen und
- 4 -

�politischen und wirtschaftlichen Beschränkungen.

Der Tiefseebergbau bleibe,

so der Präsident, eine berechtigte Anwendung des Rechts auf die Freiheit der
Meere, die allen Nationen offenstehe.

Die Vereinigten Staaten werden ameri-

kanischen Firmen auch künftig erlauben, Aktivitäten zur Exploration dieser
Ressourcen und, wenn der Markt es zuläßt,

zu ihrer Ausbeutung zu unternehmen.

In der Gesetzgebung zur Realisierung der neuen politischen Vorschläge wird
die US-Regierung mit dem Kongreß eng zusammenarbeiten.
- Hintergrund James Malone, Unterstaatssekretär für Meere

sowie internationale Umwelt-

und Forschungsfragen im amerikanischen Außenministerium, umriß im Zusammenhang
mit der Proklamation der EEZ, wie gegenwärtig Hoheitsrechte über natürliche
Ressourcen außerhalb der Hoheitsgewässer, jedoch innerhalb einer 200 Seemeilen
breiten Wirtschaftszone vor den Küsten gehandhabt werden.

Die historische

Grundlage für einen solchen Rechtstitel ist die Proklamation Präsident Trumans
von 1945 bezüglich der Zuständigkeit und Kontrolle für natürliche Ressourcen
des Kontinentalsockels.

In dieser Proklamation beanspruchten die USA das Recht

auf Zuständigkeit und Kontrolle über die Ressourcen des Kontinentschelfs bei
gleichzeitiger Wahrung herkömmlicher Rechte auf "Freiheit der Meere" in dem
Gebiet.

Im Jahr 1976 erhielten die sich entwickelnden Praktiken der Staaten

hinsichtlich der 200-Meilen-Zone für Ressourcen und juristische Zuständigkeit
durch die Schaffung der amerikanischen Fischerei-Schutzzone weiteren Auftrieb.
Heute werden im internationalen Gewohnheitsrecht die Rechte und Zuständigkeiten der Küstenstaaten sowohl über das Kontinentalschelf als auch die 200Meilen-Fischereizone anerkannt.

Die EEZ gilt allgemein als rechtmäßig.

Der

Begriff der exklusiven Wirtschaftszone wurde während der Verhandlungen zur
Seerechtskonvention umfassend entwickelt.

Gegenwärtig wird die EEZ über

200 Seemeilen von 56 Staaten beansprucht; weitere 23 Staaten, u.a. die USA,
beanspruchen die 200-Seemeilen-Fischereizone.

Die Proklamation einer EEZ durch

den amerikanischen Präsidenten entspricht internationalen Gepflogenheiten.
+ + + + +
- 5 -

�16. März 1983

12

HAARRISS MIT KETTENREAKTION
CHALLENGER-Startverschiebung schafft Probleme für andere Weltraumprogramme
Von G. Weiss

- (AD) - Wie eng inzwischen verschiedene Weltraumprogramme miteinander
verflochten sind, zeigen die Schwierigkeiten, die sich als Folge der mehrfachen Verschiebung des Starts der Raumfähre CHALLENGER ergeben können.
Beim Flug STS-6 soll der Raumtransporter als wichtigste Nutzlast einen
TDR-Satelliten mitnehmen und in der Umlaufbahn absetzen - einen neuartigen
Nachrichtensatelliten, den bisher größten und leistungsstärksten dieser Art.
Im Juli, spätestens August 1983 müßte bereits das zweite TDRS-Exemplar in
den Weltraum gebracht werden, wenn der Startplan für das europäische Weltraumlabor SPACELAB mit der Raumfähre (an Bord der bis zum Herbst für die
Aufnahme von SPACELAB umgerüsteten COLUMBIA) realisiert werden soll. Die
Datenflut aus dem SPACELAB ist ohne TDRS gar nicht zu bewältigen.

Außerdem

sind im Weltraumlaboratorium 72 Experimente zu betreuen, die wegen ihrer
Abhängigkeit vom Sonnenstand ein bestimmtes "Startfenster" benötigen. Das
wäre vom 15. Oktober 1983 an für mehrere Monate wieder geschlossen. Und
das Startfenster für CHALLENGER selbst wird derzeit immer enger: Im Januar
betrug der Spielraum für den Start noch drei Stunden am Tag - derzeit sind
es nur noch 18 Minuten. Auch für die reibungslose Datenübertragung von
fast 30 anderen, unbemannten Erdsatelliten zu bestimmten Bodenstationen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�bestimmten Bodenstationen werden die beiden TDRS-Satelliten dringend gebraucht.
Mit der Entdeckung eines 19 mm langen Haarrisses in einem Leitungsstutzen für Wasserstoffgas an einem der Haupttriebwerke begann das Dilemma.
Dann wurden noch an anderen Stellen, und dies bei allen drei Haupttriebwerken
der CHALLENGER, winzige Risse gefunden.
konnte ausdringen.

Sowohl Wasserstoff als auch Sauerstoff

Ein Spezialistenteam des Herstellerwerks arbeitet seit

Ende Januar zusammen mit NASA-Experten im Kennedy-Raumfahrtzentrum daran, die
Gefahrenquellen zu beseitigen,

übergroße Vorsicht könnte, wie jetzt die

Fachleute meinen, mit im Spiel gewesen sein: Im Hinblick auf eine Triebwerksleistung, die frühestens 1984, vielleicht erst 1985 gebraucht würde, sollten
den CHALLENGER-Motoren neun Prozent mehr Schubleistung als jenen der COLUMBIA
abverlangt werden.

Da eine höhere Vibrationsbelastung zu erwarten war,

entschlossen sich NASA-Ingenieure dazu, Leitungen für heißes Gas, die einen
relativ dünnen Querschnitt haben, von außen zu verstärken.

Das aber machte die

Rohre an einigen Stellen so unelastisch, daß bei Brenntests Haarrisse entstanden.
Der Leiter des Raumtransporterprogramms, Generalleutnant James A.
Abrahamson, erwartet nun den ersten CHALLENGER-Start für Ende März, eventuell
Anfang April. Eine weitere Verzögerung würde jedoch eine ganze Kette von
Problemen nach sich ziehen, weil z.B. für die Mitnahme und das Absetzen von
Nachrichtensatelliten anderer Länder und für den deutschen Rückkehrsatelliten
SPAS-1 für das laufende Jahr feste Buchungen vorliegen.
Auch das Projekt SPACELAB, Beitrag der Europäischen Weltraumorganisation
ESA zum amerikanischen Raumtransporterprogramm, würde hart betroffen.

Der

erste Start des in Bremen gebauten Weltraumlabors ist mit der COLUMBIA für
den 30. September oder in den ersten Oktobertagen 1983 vorgesehen.

Die

Kapazität dieses Vielzwecklabors im Weltraum kann aber nur genutzt werden,
wenn zwei der neuartigen TDRS-Satelliten funktionsbereit sind.

Ihre Akti-

vierung und Oberprüfung durch Spezialpersonal in zwei großen amerikanischen

- 2 -

�großen amerikanischen Bodenstationen erfordert allein schon vier Wochen Zeit.
- Vielzwecksystem TDRS ist die Abkürzung für "Tracking and Data Relay Satellite".

Er ist

für Aufgaben der Bahnbeobachtung und Datenübermittlung in Verbindung mit verschiedenen Satelliten-Typen der NASA und mit einigen militärischen Nachrichtensatelliten bestimmt.

In 36 000 km Höhe stationiert, vermag er zu 28 anderen

Satelliten in Erdumlaufbahnen zu "sprechen".

TDRS ist Relaisstation für deren

Funkdaten, die er an die zuständigen Bodensationen weitergibt, oder auch für
Funkbefehle und Sendungen, die über diese Satelliten an bestimmte Empfänger
weiterzuleiten sind.
Im SPACELAB allein - von seinem Transportgefährt Space Shuttle einmal
ganz abgesehen - fallen pro Sekunde 32 Millionen "bits" Informationseinheiten
an.

Hochleistungs-Datensammler an Bord nehmen sie auf, müssen sie aber auch

schnell wieder

loswerden. Andernfalls wären die Wissenschaftsastronauten

gezwungen, alle 24 Minuten die Magnetbänder zu wechseln - eine übergroße
zusätzliche Belastung bei ihrer Arbeit, die ohnehin viel Konzentration und
minutengenaue Termineinhaltung, auch im Hinblick auf den Ablauf von Experimenten samt Datenübermittlung an TDRS, erfordert.
Als Standorte der ersten beiden TDRS-Geräte ist je eine Position über
dem Atlantik und östlichen Pazifik auf erdsynchroner Bahn vorgesehen. "Erdsynchron" bedeutet, daß die Umlaufgeschwindigkeit des Satelliten der Geschwindigkeit der Erddrehung an der Oberfläche
Bahnhöhe von knapp 36 000 km der Fall.

entspricht.

Und das ist bei einer

Für einen Beobachter auf der Erde

scheint dann der Satellit seinen Standort nicht zu verändern.
über das TDRS-System kann praktisch lückenloser Funkkontakt zum Raumtransporter, der in knapp 300 km Höhe um die Erde kreist,und dem in seiner Ladebucht verstauten Weltraumlabor gehalten werden.

- 3 -

Auch der Funksprechverkehr

�der Funksprechverkehr mit den Astronauten läuft über TDRS.

Bisher waren

13 Bodenstationen, rund um die Erde verteilt, notwendig, um mit den Astronauten
Verbindung zu halten.

Dennoch war sie stets für längere Zeit unterbrochen,

sobald sich die Raumfähre aus dem "Sichtbereich" der einer, Station entfernt
und den der nächsten noch nicht erreicht hatte.

Für den Flug STS-6 mit TDRS

als Nutzlast werden in Zusammenarbeit mit mehreren Bodenstationen drei
Kontroll Zentren eingesetzt, von denen eines für den Antriebsteil des TDRS,
ein zweites für den Nachrichtensatelliten selbst zuständig ist.
befindet sich in White Sands (New Mexico).

Letzteres

Es hat 400 Mann Personal und ist

die komplizierteste Bodenstelle, die in den USA bisher errichtet wurde.
TDRS ist ein 2,2-Milliarden-Dollar-Projekt mit insgesamt sechs der neuartigen Nachrichtensatelliten. (Ober die Verwendung von vier der Geräte wurde
noch nicht entschieden). Sie übertreffen an Gewicht alle "Konkurrenten", die
bisher in der 36 000 km-Bahn stationiert worden sind. Dem Raumtransporter
beschert TDRS eine Zuladung von fast 18 Tonnen, dazu weitere 2,3 Tonnen für
seine Wärmeisolierung an Bord, so daß die Fracht beim ersten CHALLENGER-Flug
einer Masse entspricht, wie sie von den SATURN V-Raketen transportiert wurde.
Allerdings beträgt das Endgewicht des TDRS-Satelliten an seinem Standort nur
noch etwa drei Tonnen. Die Differenz entfällt auf die zwei eigenen Antriebsstufen, die ihn aus der Umlaufbahn der CHALLENGER zur Arbeitsposition befördern.
Der Nachrichten-Satellit, der keine Daten verarbeitet, sondern ausschließlich als Relaisstation dient, hat drei Meter Durchmesser, ist 5,77 Meter hoch,
wird mit Sonnenenergie versorgt und hat bei ausgefahrenen Kollektorplatten
17,3 m Spannweite.

In der Querachse zu den Solarzellenplatten sind die beiden

Hauptantennen für Übertragungen auf S- und K-Band angebracht.

Es sind Para-

bolantennen von je 4,9 m Durchmesser, die die Spannweite in dieser Achse auf
14 m bringen.

Nahe einer der beiden Kollektorplatten sitzt eine 2 m-Parabol-

antenne, über die die Funkbefehle der Bodenstation laufen.

Eine vierte,

noch kleinere Parabolantenne war ursprünglich für Übermittlungen auf dem

- 4 -

i

�auf dem kommerziellen C-Band gedacht, wird aber nach Umstellung der Pläne für
den Einsatz der ersten beiden TDRS-Geräte, die jetzt ausschließlich mit NASASatelliten sowie bestimmten militärischen Nachrichtensatelliten Verbindung
halten sollen, nur im Rahmen regierungseigener Aufgaben verwendet.
- Komplizierte Startmanöver Um TDRS aus dem CHALLENGER-Orbit erfolgreich starten zu können, sind
diffizile Manöver und die minutengenaue Einhaltung von Vorbereitungsprogrammen
erforderlich. Die letzte Absetz-Gelegenheit ergäbe sich 24 Stunden nach dem
Start der Raumfähre während ihrer 20. Erdumkreisung. Denn danach wären die
Batterien, die einige Heizgeräte für die Nutzlast mit Strom speisen, wahrscheinlich erschöpft. Wenn aber die Bodenzentralen, die die Antriebsstufen
und den Nachrichtensatelliten getrennt überprüfen, schon früher grünes Licht
geben, könnte das Absetzen im achten Erdumlauf (10 Stunden nach Start der
Raumfähre in Cape Canaveral), dann eineinhalb und drei Stunden später versucht werden. Gelingt es weder in dieser Zeit noch während des 20. Orbits,
muß TDRS zur Erde zurückgebracht werden.
Während der ersten fünfeinhalb Stunden fliegt CHALLENGER in Rückenlage,
die geöffnete Ladebucht zur Erde gerichtet, um den TDRS-Satelliten vor Sonneneinstrahlung zu schützen. Dann aber wird ein Rollmanöver erforderlich, damit
das Sternenpeilgerät an der zweiten Antriebsstufe des TDRS seine beiden Leitsterne für eine eventuell notwendige Korrektur der Steuerungskreisel finden
kann. Das Absetzmanöver wird von Astronaut Musgrave, sofern der erste Zeitpunkt eingehalten werden kann, 10 Stunden und 1 Minute nach dem CHALLENGERStart von Hand eingeleitet - im Dunkeln über dem Atlantik, außerhalb einer
Verbindung zu einer Bodenstation. Sechs Federmechanismen werden gelöst und
setzen das fast 11 m lange Ungetüm von dem auf 59 Grad Neigung eingestellten
Tisch frei. Es entfernt sich äußerst langsam, mit nur 7,3 m pro Minute, von
der Raumfähre. Chefpilot Weitz setzt diese schon eine Minute nach dem Absetzen tiefer und durch Kurskorrekturmanöver 19 Minuten später bis auf
51 km Abstand zurück. TDRS wird dabei vom Raumtransporter aus optisch verfolgt
Ca. 55 Minuten nach der Trennung zündet die erste Stufe der beiden Feststoffraketen, die TDRS auf seine geostationäre Umlaufbahn befördern.
+ + + +
- 5 -

�</text>
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die menschliche Seite der deutsch-amerikanischen Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Botschafters in Hamburg -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Sieg der Demokratie in El Salvador oberstes Ziel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Präsidenten vom 10. März 1983 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Präsident proklamiert "exklusive Wirtschaftszone"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ressourcen im 200-Seemeilen-Bereich unter amerikanischer Zuständigkeit -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Haarriß mit Kettenreaktion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- CHALLENGER-Startverschiebung schafft Probleme für andere Weltraumprogramme -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von G. Weiss -&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;</text>
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                    <text>9. März 1983

DIE SOWJETISCHE MILITÄRMACHT 1983
Neue Dokumentation des US-Verteidigungsministeriums

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

�WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Verteidigungsministerium hat am
9. März 1983 eine neue,107seitige Dokumentation über die sowjetische Militärmacht veröffentlicht, aus der die anhaltenden Rü'stungsanstrengungen der UdSSR
hervorgehen. Die Dokumentation stellt eine Ergänzung des am 29. September
1981 veröffentlichten Berichtes des Verteidigungsministeriums mit neuem Material dar.
Ein hoher Vertreter des Pentagon betonte bei der Vorstellung des Berichtes vor der Presse, die sowjetische Aufrüstung lasse das "Streben nach
Weltherrschaft" erkennen. Seit 1981 habe die Sowjetunion auf allen militärischen Bereichen die Modernisierung, Ausweitung und Vornedislozierung der
Kampftruppen weitergetrieben. Vergleiche zwischen den Entwicklungen in den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion sowie in der NATO und im Warschauer
Pakt ließen keinen Zweifel daran, daß die UdSSR nach militärischer Überlegenheit auf allen Gebieten strebe.
Die sowjetische Streitmacht wird heute mit 4,9 Millionen Mann angegeben, einschließlich der in 191 Divisionen gegliederten Landstreitkräfte.
In seinem Vorwort zu der Broschüre gibt der amerikanische Verteidigungsminister Caspar Weinberger einen Überblick über die sowjetische Aufrüstung
während der letzten Jahre:
Bezüglich der sowjetischen Militärmaschinerie gibt es nichts Hypothetisches. Ihre Ausweitung, Modernisierung und ihr Beitrag zur Darstellung
von Macht über die sowjetischen Grenzen hinaus liegen auf der Hand. Eine
klare Erkenntnis der sowjetischen Streitkräfte, ihrer Doktrin, ihrer Kapazität und ihrer Stärken und Schwächen ist wesentlich für die Gestaltung und
Aufrechterhaltung wirksamer Streitkräfte der Vereinigten Staaten und ihrer
Verbündeten.
Diese Formulierungen

�Diese Formulierungen aus dem im September 1981 veröffentlichten Bericht
über die sowjetische Militärmacht bieten einen geeigneten Ausgangspunkt für
diese auf den neuesten Stand gebrachte zweite Ausgabe.

Die Broschüre "Die

sowjetische Militärmacht 1983" berichtet über den zahlenmäßigen Umfang, die
Fähigkeit und die Dislozierung der sowjetischen Streitkräfte und dokumentiert
die Verbesserungen und die Forschung und Entwicklung, die zu den erhöhten
Kapazitäten der strategischen Raketenstreitmacht, der Luftabwehrkräfte, der
Landstreitkräfte, der Luftwaffe und der Marine der Sowjets beitragen - Streit- *
kräfte, die sich auf insgesamt über 4,9 Millionen Mann belaufen.
i

Seit Ende 1981:
- hat die UdSSR die Flugerprobung von zwei neuen landgestützten Interkontinentalraketen begonnen und gleichzeitig die Modernisierung der
dislozierten Interkontinentalraketen vom Typ SS-17, SS-18 und SS-19
fortgesetzt;
- hat die UdSSR die Flugerprobung einer neuen Generation von strategischen
bemannten Bombern begonnen - des Bombers mit der Bezeichnung Blackjack,
der größer ist als der amerikanische Bomber vom Typ B-l:
- hat
und
bei
tät

die UdSSR die Flugerprobung einer neuen Generation von land-, seeluftgest'ützten Marschflugkörpern (Cruise Missiles) begonnen, die
Reichweiten von über 1600 km nuklearfähig sind und die Flexibilider strategischen Optionen der Sowjets wesentlich steigern;

- hat das erste der strategischen Raketen-Unterseeboote der UdSSR der
Typhoon-Klasse mit 25 000 to seine unterseebootgestützten nuklearfähigen, mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgestatteten Raketen erprobt;
ein zweites Boot der Typhoon-Klasse ist vom Stapel gelaufen;
- sind die Modernisierung und Vornedislozierung einer steigenden Zahl
nuklearer Mittel Streckensysteme der Sowjets - land-, see- und luftge-

�und luftgestutzt - mit beispiellosem Tempo vorangetrieben worden;
- sind über 330 mobile Abschußeinrichtungen für die SS-20 - eine weiterreichende Mittelstreckenrakete (LRINF) mit drei nuklearen Gefechtsköpfen und Nachladeraketen für jede Abschußeinrichtung - gegen Westeuropa, den Nahen Osten, Teile Afrikas und einen Großteil Asiens, einschließlich Chinas und Japans, gerichtet;
i,

- sind Kampfflugzeuge für die Bodenunterstützung vom Typ SU-24 Fencer
in Ländern Osteuropas und Grenzstützpunkten in Asien vorwärts disloziert worden, wodurch der Einsatzradius dieser neuen nuklearfähigen
Kampfflugzeuge auf Japan und den größten Teil von NATO-Europa ausgedehnt wird;
- hat die UdSSR zusätzliche nuklearfähige Waffensysteme bei ihren vornedislozierten Divisionen in Osteuropa eingeführt; die neue mobile Kurzstreckenrakete SS-21 ist in Osteuropa ebenso einsatzbereit wie die
152 mm-Kanone auf Selbstfahrlafette, was die Optionen der Sowjets für
konventionelle, chemische und nukleare Kriegführung vermehrt;
- wird der sowjetische Kampfpanzer T-80, der 1981 noch in der Entwicklung war, an sowjetische Panzerdivisionen in der UdSSR und in Osteuropa
ausgeliefert, was die Kampfkraft der über 190 sowjetischen Heeresdivisionen weiter stärkt;
- sind jetzt drei sowjetische Flugzeugträger der KIEW-Klasse einsatzbereit - 1981 waren es zwei; eine vierte Einheit ist vom Stapel gelaufen:
die Entwicklung einer neueren, größeren Flugzeugträgerklasse geht weiter;
- geht auf den Werften der Ostsee und des Schwarzen Meeres die Serienproduktion von vier neuen Klassen von Oberwasserkriegschiffen weiter - einer
neuen Generation nuklear und konventionell angetriebener Kreuzer und
Lenkwaffen-Zerstörer, wodurch die Kapazität der sowjetischen Marine für

- 4 -

�Marine für die Luftverteidigung, die Unterseebootbekämpfung und den
Einsatz von Marschflugkörpern und den überwassergefechtseinsatz verstärkt wird;
- haben fünf sowjetische Werften weiterhin neue Angriffs-Unterseeboote
für die größte Unterseebootstreitmacht der Welt gebaut; im Jahr 1980
lief das erste der neuen außerordentlich großen Boote der Oscar-Klasse
der Lenkwaffen-Unterseeboote vom Stapel - ein Boot, das in der Lage
ist, in getauchtem Zustand bis zu 24 weitreichende Marschflugkörper
gegen Schiffsziele abzufeuern;
- hat das militärisch ausgerichtete Weltraumprogramm der UdSSR zugenommen an bemannten Raumfahrten, an Aufklärungs-, überwachungs- und Ziel leitsatelliten sowie an Antisatellitensystemen;
- hat sich der Kampfeinsatz der UdSSR in Afghanistan ausgeweitet und umfaßt heute über 105 000 sowjetische Soldaten und einige der modernsten
sowjetischen Waffen;
- hat die UdSSR weiterhin von Indochina bis in die Karibik ihre globale
militärische Präsenz ausgeweitet; so hat beispielsweise eine Einsatzgruppe der sowjetischen Marine von November 1982 bis Februar 1983 in
der Karibik und im Golf von Mexiko operiert;
- entsprach die Ausweitung der Technologie und der Basis der industriellen
Produktion der UdSSR dem Wachstum und der Dislozierung ihrer Streitkräfte, was eine oberste Priorität der Investitionen in die Verteidigungsproduktion erkenen läßt - unterstützt vom ständigen Erwerb westlicher
Technologie; und
- hat die UdSSR trotz wirtschaftlicher Schwierigkeiten schätzungsweise
15 Prozent ihres Bruttosozialproduktes in die Rüstung gesteckt, was
eine Steigerung gegenüber den 12 bis 14 Prozent bedeutet, die 1981 ge-

�die 1981 gemeldet wurden - aber wiederum eine Fortsetzung des Trends
der letzten 21 Jahre darstellt...
Wir leben in einer freien Gesellschaft; die Menschen in der Sowjetunion
nicht.

Die in diesem Bericht dargelegten und auf den neuesten Stand gebrach-

ten Tatsachen lassen keinen Zweifel daran, daß die UdSSP nach einer militärischen Überlegenheit auf allen Gebieten strebt.
Es ist unsere Pflicht, uns des Wachstums, der Modernisierung und der
Kapazitäten der sowjetischen Streitkräfte voll und ganz bewußt zu werden
und unsere Verteidigungsstreitkräfte und unsere Abschreckungskapazitäten dementsprechend zu gestalten. Wir dürfen nicht weniger tun, wenn wir voll und
ganz und klug für unsere Sicherheit und die unserer Verbündeten sorgen wollen. Wir stehen vor einer gewaltigen Aufgabe, die noch durch ein Jahrzehnt
eigener Versäumnisse gegenüber zwei Jahrzehnten massiver sowjetischer Aufrüstung erschwert wird. Aber wir und unsere Verbündeten können diese Aufgabe
lösen, wenn wir über den Willen, den Mut und die Entschlossenheit verfügen,
die unsere Vorgänger, die die Freiheit gewannen und sie für uns alle bewahrt
haben, in so großem Maße besaßen. Das ist unser kostbarstes Erbe und unsere
feierlichste Verpflichtung für die Nachwelt.
Kapitel I - Soviet Military Power - geht allgemein auf die anhaltende
Verstärkung und Modernisierung der sowjetischen Militärmacht ein, "die einen
kurzfristigen offensiven Einsatz erlauben". Gerade die ständige Aufrüstung
der Sowjetunion mache die volle Unterrichtung der Öffentlichkeit notwendiger
denn je.
Weiter heißt es:

"Im Atomzeitalter bauen die Sowjets weiterhin weit

größere Zahlen von Paketen und Gefechtsköpfen, als für eine glaubwürdige Abschreckungskapazität notwendig ist.

Die konventionellen Streitkräfte der

Sowjets haben ihre Offensivkapazität erhöht, und die Sowjets haben detaillierte Pläne für einen offensiven Einsatz dieser Streitkräfte erkennen lassen.
Die taktischen Luftstreitkräfte und die Paketenstreitkrfäte der Sowjets

- 6 -

�der Sowjets beschaffen weiterhin moderne Waffensysteme und Unterstützungssysteme, die für die Durchführung großangelegter Luftoffensiven geeignet
sind.

Die Modernisierung, Dislozierung und Ausbildung der sowjetischen

Landstreitkräfte

erlauben einen raschen und anhaltenden Vormarsch von

Friedensstandorten aus nach Zielen, die weit jenseits der Grenzen der Sowjetunion und des Warschauer Paktes liegen.

Gleichzeitig lassen die strate-

gischen Planungen und Operationen der Sowjetunion erkennen, daß die Schiffe
und Flugzeuge der Marine die Aufgabe haben, gegnerische"! Flotten das Befahren
angrenzender Meere zu verwehren und Angriffe gegen gegnerische Landziele zu
führen...
Zwei grundlegende wichtige Überlegungen haben jetzt zu diesem aktualisierten Bericht "Die sowjetische Militärmacht 1P83" geführt: Erstens, die
UdSSR hat während des vergangenen Jahres die Modernisierung, Vergrößerung
und Vornedislozierung ihrer Streitkräfte in noch größerem Maße vorangetrieben als bisher. Zweitens, das amerikanische Volk und die freien Völker überall auf der Welt sind weiterhin an neuesten Informationen über die militärischen
Entwicklungen in der Sowjetunion sowie an Informationen interessiert,, die
einen Vergleich zwischen den Streitkräften des Warschauer Paktes und den Streitkräften der Vereinigten Staaten und anderen NATO-Ländern erlauben, um den ganzen Umfang der sowjetischen Aufrüstung begreifen zu können...
Die Waffenproduktion ist beispielsweise ein Indikator für die Änderung
des Kräfteverhältnisses während des letzten Jahrzehnts. Die Sowjets haben
etwa 2000 Interkontinentalraketen, 54 000 Panzer und Panzerfahrzeuge, 6000
taktische Kampfflugzeuge, 85 Öbirwasserkriegsschiffe und 61 Angriffsunterseeboote hergestellt - wobei der größte Teil dieses Geräts in der Qualität
mit entsprechenden amerikanischen Systemen vergleichbar ist. Die amerikanische
Produktion im gleichen Zeitraum ist wesentlich geringer: etwa 350 Interkontinentalraketen, 11 000 Panzer und Panzerfahrzeuge, 3000 taktische Kampfflugzeuge, 72 Oberwasserkriegsschiffe und 27 Angriffsunterseeboote."
In dem Bericht wird auf den "Kräftevergleich MAT0 und Warschauer Pakt"
verwiesen, den die NATO am 4. Mai 1982 veröffentlicht hat und aus dem hervor-

�dem hervorgeht, wie sich das Kräfteverhältnis während der letzten 20 Jahre
ständig zu Ungunsten des Westens verändert hat.
Kapitel II beschreibt den anhaltenden Ausbau der "Strategischen Streitkräfte", der seit Chruschtschow unaufhaltsam vorgenommen wurde.

"Das Haupt-

ziel dieser Streitkräfte", so heißt es in dem Bericht, "ist es, in Friedenszeiten Kapital aus der Hebelwirkung starker Nuklearstreitkräfte zu schlagen
und in den freien Gesellschaften Lähmung hervorzurufen und Verwirrung zu
schaffen.

In Kriegszeiten betrachten die Sowjets den Einsatz dieser Streit-

kräfte als den Schlüssel für ihr Oberleben und ihren Sieg...
Die Streitkräfte und Programme, die bestehen oder in aktiver Entwicklung sind, um diese Aufgaben zu erfüllen, sind unter anderem:
- Verbunkerung brechende

Interkontinentalraketen und weiterreichender

nuklearer Mittel Streckensysteme (LRINF);
- Bomber, die in der Lage sind, amerikanische Verteidigungssysteme zu
durchdringen, und unterseebootgestützte Raketen, die auf kurzen Flugzeiten herangebracht werden können;
- Unterseebootbekämpfungskräfte, die in der Lage sind, amerikanische Raketen-Unterseeboote anzugreifen;
- Luft- und Raketenabwehreinrichtungen, darunter Frühwarnsatelliten und
-radar, Abfangjäger, Boden-Luft-Raketen, ABM-Radar und Abfangraketen
sowie Flugabwehrkanonen;
- passive Verteidigungsstreitkräfte, einschließlich der Zivilverteidigung sowie Truppen und Gerät zur Täuschung anfliegender Maschinen; und
- verbunkerte Anlagen, die in die Tausende gehen, Befehlsfahrzeuge sowie
Evakuierungspläne zum Schutz der Spitzen von Partei, Militär, Regierung

- 8 -

�Militär, Regierung und Industrie, wichtiger Arbeitskräfte und - soweit möglich - der Bevölkerung...
Trotz umfassender Ziele der Kriegführung und ehrgeiziger Entwicklungsund Dislozierungsprogramme in all den Jahren setzen die Sowjets die Modernisierung aller Aspekte ihrer strategischen Streitkräfte fort.
Viel von dem, was sie seit September 1981 getan haben, betrifft die
Durchführung von Programmen, die in den siebziger Jahren begonnen wurden,
und läßt Anzeichen neuer Programme erkennen, die dazu dienen sollen, noch
verbliebene Schwächen zu beheben, und die es ihnen ermöglichen sollen, angesichts zu erwartender westlicher Programme ihre eigenen Ziele zu erreichen.
Zu den ältesten Programmen gehören:
- Ersatz alter Raketen durch Interkontinentalraketen der Typen SS-19
Modell 3 und SS-18 Modell 4 mit Mehrfachgefechtsköpfen - die tödlichsten
Interkontinentalraketen der Welt;
- Bau von Raketen-Unterseebooten der Klasse DELTA III mit je 16 unterseebootgesteuerten Raketen des Typs SS-N-18 mit Mehrfachgefechtsköpfen,
wobei Raketen-Unterseeboote der Klasse YANKEE und HOTEL mit der Zeit
außer Dienst gestellt werden;
- Fortsetzung des Erprobungsprogramms der unterseebootgestützten Rakete
vom Typ SS-NX-20 mit Mehrfachgefechtsköpfen; (das Waffensystem
TYPHOON/SS-NX-20 wird 1983 einsatzbereit);
- Fortsetzung der Produktion des BACKFIRE-Bombers;
- Fortsetzung der Dislozierung der Tieffliegerabwehrrakete des Typs
SA-10 um Moskau und überall in der UdSSR;

�- Erstproduktion des fliegenden Frühwarn- und -kontrollSystems
II-76/MAINSTAY;
- Fortsetzung der Dislozierung einer Hochgeschwindigkeits-Raketen-Abwehrrakete (ABM) und einer veränderten Version der älteren Abwehrrakete (GALOSH);
- Bau weiterer großer Weitwinkelradaranlagen um die ganze UdSSR herum;
- Fortsetzung des Baus verbunkerter Anlagen und Befehlsstellen für die
passive Verteidigung.
Zu den neuen Programmen seit 1981 gehören:
- erste Versuche mit einer neuen Interkontinentalrakete mit Feststoffantrieb, die in Größe und Wurfgewicht der amerikanischen MX-Rakete
ähnelt;
- Ersterprobung einer neuen kleinen Interkontinentalrakete mit Feststoffantrieb, die auf mobilen Abschußeinrichtungen disloziert werden kann;
- Vorbereitung der Erprobung weiterer neuer Interkontinentalraketen voraussichtlich im Jahr 1983;
- Entwicklung einer Reihe von weitreichenden Marschflugkörpern, die land-,
luft- und seegestützt eingesetzt werden können;
- Vorbereitungen für die Erprobung einer weiteren neuen unterseebootgestützten Rakete voraussichtlich 1983;
- erste Flugerprobungen des neuen strategischen Bombers vom Typ BLACKJACK;
- Dislozierung neuer Raketen-Abwehrraketeneinrichtungen (ABM) um Moskau
herum, einschließlich neuer überweitwinkel-Radaranlagen und neuer Ra- 10 -

�neuer Raketen-Abfangraketen;
- Erprobung eines neuen Hochenergie-Lasersystems für land- und seegestützte Luftabwehr;
- Erprobung einer mobilen Version der Luftabwehrrakete SA-10;
- Erstdislozierung des FOXHOUND-Abfangsystems, das sehr viel tiefer
fliegende Ziele orten und erfassen und Luft-Luft-Paketen gegen solche
Ziele abfeuern kann; und
- Erprobung zweier weiterer neuer Abfangjäger für die Luftverteidigung.
Während all diese Anstrengungen fortgesetzt werden, hat die sowjetische Führung eine Kampagne aktiver Maßnahmen zur Beeinflussung in Gang
gesetzt, um die bestehenden Antiatombewegungen im Westen zu unterstützen
und zu vergrößern und damit die Entwicklung von Nuklearprogrammen im Westen
zu beeinflussen, zu verzögern oder zu verhindern.

Indem Moskau auf diesen

beiden Wegen vorgeht, versucht es, einen neuen Vorteil im relativen Kräfteverhältnis zu gewinnen - trotz der Anstrengungen westlicher Regierungen,das
während der letzten zehn Jahre entstandene Ungleichgewicht zu beheben...
Neue Interkontinentalraketen (ICBM) in der Entwicklung:

Bei den sowje-

tischen ICBM stehen weiterhin die Verbesserungen im Vordergrund, die seit
Anfang der sechziger Jahre zu beobachten waren: Treffsicherheit, Mehrfachgefechtsköpfe, Zuverlässigkeit, Überlebensfähigkeit. Gegenwärtig werden
zwei neue ICBM mit Feststoffantrieb entwickelt; eine davon hat etwa die
Größe der amerikanischen MX-Rakete und ist für verbunkerte Silos vorgesehen;
die andere ist eine kleinere Pakete, die wahrscheinlich für die Dislozierung
auf mobilen Abschußeinrichtungen vorgesehen ist, ähnlich wie die für die SS20-Raketen verwendeten... Erprobungsprogramme für ein oder zwei weitere ICBM,
wahrscheinlich auf der Basis der SS-18 und SS-19, dürften im Jahr 1983 beginnen. .."
Die Streitkräfte

�Die Streitkräfte nach Schauplätzen aufgeteilt
In Kapitel III der Broschüre werden die sowjetischen Streitkräfte nach
Schauplätzen aufgeteilt dargestellt - während die erste Dokumentation 1981
eine Übersicht nach Waffengattungen gab. Die Sowjets haben Eurasien militärisch in drei Schauplätze oder Regionen aufgeteilt: Westen, Süden und
Fernost.
In der Broschüre heißt es weiter: "Die für den Einsatz gegen die NATO
aufgestellten Streitkräfte haben weiterhin höchsten Vorrang, was die Ausrüstung mit neuesten und fähigsten Systemen angeht. So haben die Sowjets
beispielsweise seit 1981 allein 4500 Panzer, darunter T-80, bei den der NATO
gegenüberstehenden Streitkräften disloziert. Während der gleichen Zeit haben sie neue Erdkampfflugzeuge und gepanzerte Kampffahrzeuge in Afghanistan
eingeführt und modernisieren ihre Streitkräfte im Fernen Osten...
Der westliche Schauplatz schließt ganz Europa ein. Da dort jene Länder
liegen, die einen wesentlichen Teil des Wohlstandes, der Technologie, der
Industriekapazität und der Militärmacht der Welt besitzen, ist er der zentrale Punkt der strategischen Planung der Sowjets. Das sowjetische Ziel auf
dem westlichen Schauplatz besteht darin, das Atlantische Bündnis bis zu dem
Punkt zu schwächen, an dem es keine lebensfähige militärische Ganzheit mehr
darstellt. Im Kriegsfalle bestünde das Hauptziel der Sowjets darin, rasch
die Initiative zu ergreifen und die NATO-Streitkräfte zu besiegen, bevor
diese umfassend mobilisiert und verstärkt werden könnten...
Der südliche Schauplatz umfaßt Südwestasien, einschließlich der Arabischen Halbinsel. Auf diesem Schauplatz sind von besonderem Interesse Syrien,
der Irak, der Iran und Afghanistan, da sie nahe der sowjetischen Grenze und
nahe den Erdölreserven im Persischen Golf liegen...
Zum Fernostschauplatz gehören China, Japan, Korea und Südostasien.

Das

politische Ziel der Sowjets dort ist, die Beziehungen zur Volksrepublik China

- 12 -

�Volksrepublik China auf Kosten der amerikanisch-chinesischen Beziehungen
zu verbessern; eine Erhöhung des Beitrags Japans zur westlichen Sicherheit
zu verhindern; Korea unter kommunistischer Herrschaft wieder zu vereinen
und den sowjetischen Einfluß in Sü'dostasien auszudehnen.

Im Kriegsfälle

würden die Sowjets die Kontrolle des westlichen und nordöstlichen China anstreben; eine Beteiligung Japans an einem Krieg in Asien zu verhindern und
die amerikanischen und koreanischen Streitkräfte in Südkorea zu besiegen
suchen.
i

Der westliche Schauplatz
Die sowjetischen Streitkräfte auf dem westlichen Schauplatz

sind jene,

die die direkteste Bedrohung der NATO darstellen und zu denen alle Streitkräfte gehören, die im Westen der UdSSR und in Osteuropa stationiert sind.
Sowjetische Streitkräfte aus anderen Gebieten der UdSSR können selbstverständlich zum Einsatz gegen die NATO verlegt werden.
Die nachfolgende Darstellung des Modernisierungsprogramms der sowjetischen Streitkräfte für den westlichen Schauplatz zeigt, daß die Sowjets
ihre konventionellen und nuklearen Streitkräfte auswiegen, um in einem ganzen
Bereich von Konflikten kämpfen zu können.
Sowjetische nukleare Mittelstreckensysteme (INF): Die Sowjets werden
diese Systeme einsetzen, um strategische Ziele auf dem Schauplatz zu erreichen. Seit Ende 1977 hat sich die Feuerkraft der weiterreichenden INFRaketen (LRINF) der Sowjets mehr als verdoppelt, obwohl die Gesamtzahl der
Abschußeinrichtungen zurückgegangen ist. Diese ausgesprochene Erhöhung der
Feuerkraft ist auf die Dislozierung der SS-20-Rakete zurückzuführen mit
ihren drei unabhängig ziel geplanten Gefechtsköpfen (MIRV). Die heute vorhandenen sowjetischen LRINF-Raketen - bestehend aus 248 älteren Abschußeinrichtungen für SS-4 und SS-5 sowie über 330 mobilen Abschußeinrichtungen für
die SS-20 - können eine erste Salve von rund 1250 Nukleargefechtsköpfen ab-

- 13 -

i.

�Nukleargefechtsköpfen abfeuern.

Von der Gesamtzahl der Abschußeinrichtungen

sind derzeit über zwei Drittel in NATO-Reichweite disloziert und fast ein
Viertel davon seit 1981. Die Treffsicherheit und Reaktionszeit der SS-20
stellen eine einschneidende Verbesserung gegenüber den älteren Systemen dar.
Darüber hinaus erhöht die Mobilität der SS-20 ihre Überlebensfähigkeit ganz
wesentlich.

Ferner sind für jede SS-20-Einheit Nachladeraketen - eine pro

Abschußeinrichtung - vorgesehen, und jede Nachladerakete hat drei Gefechtsköpfe.
Landstreitkräfte:

Die ganze Auswirkung der Verbesserung der der NATO

gegenüberstehenden sowjetischen Landstreitkräfte muß im Zusammenhang mit den
zur Verfügung stehenden Gesamtlandstreitkräften gesehen werden.

Von den ins-

gesamt über 190 aktiven sowjetischen Divisionen sind 94 gegenüber der Mittelund Nordregion der NATO stationiert.

Weitere 20 sind in den Militärdistrik-

ten Transkaukasus und Nordkaukasus stationiert.

Diese Divisionen könnten

gegen die Türkei oder Südwestasien eingesetzt werden.

Etwa 16 weitere Di-

visionen, die für Kampfeinsätze in Europa herangezogen werden könnten, stellen die strategische Reserve dar, die zentral disloziert ist.

Die sechs

Verbündeten der Sowjetunion im Warschauer Pakt unterhalten insgesamt 55 aktive Divisionen.

Im Jahr 1982 haben die NATO-Verbündeten in ihrem Kräftever-

gleich insgesamt 173 Divisionen der Sowjetunion und des Warschauer Paktes gezählt, die gegen die NATO mobilisiert werden können.

Diese Zahl ist weiter

gestiegen.
Die Sowjets haben seit 1978 große quantitative und qualitative Verbesserungen ihrer Landstreitkräfte vorgenommen. Die technologischen Verbesserungen des Geräts dauern zwar bei den gesamten sowjetischen Streitkräften unvermindert an, doch wird den Streitkräften gegenüber der N/&gt;T0 höchste Priorität
eingeräumt, um sie in die Lage zu versetzen, rasche Offensivoperationen durchzuführen, die durch Überraschungsangriff, massive Feuerkraft und hohe Mobilität gekennzeichnet wären. Die jüngsten Verbesserungen der Landstreitkräfte
auf dem westlichen Schauplatz werden besonders deutlich auf den Gebieten der
Boden-Luft-Raketen, der Boden-Boden-Raketen, der Panzer, Artillerie und Hub-

- 14 -

�In der Dokumentation wird angeführt, daß bei den Boden-Boden-Raketen
die SS-21 mit einer Reichweite von 120 km und größerer Treffsicherheit an
die Stelle der FR0G-7 (mit einer Reichweite von 70 km) tritt; die SS-23 mit
einer Reichweite von 500 km an die Stelle der SCUD mit einer Reichweite von
300 km und die SS-22 mit größerer Treffsicherheit an die Stelle der SS-12/
SCALEBOARD - beide mit rund 900 km Reichweite.

Die taktische Luftverteidi-

gung wurde durch eine ganze Reihe neuer Abwehrraketen (SAM), elektronische
Abwehreinrichtungen, Flugabwehrkanonen, entsprechende
sentlich verbessert.

Padaranlagen usw. we-

Auf dem Gebiet der Panzer hat seit Mitte der sechziger

Jahre - seit dem T-64 - eine stetige Modernisierung stattgefunden, die in
dem neuesten Modell - T-80 - gipfelt.

Dieser Panzer, von dem bereits einige

hundert an die sowjetische Streitkkrä'ftegruppe

Osteuropa ausgeliefert wur-

den, hat besondere Schutzeinrichtungen gegen nukleare, biologische und chemische Kriegführung und verstärkte Feuerkraft und Überlebensfähigkeit.
Die Sowjets verfolgen ferner ein massives Programm der Verbesserung und
Verstärkung der Artillerie.

Einige Geschütze, darunter zwei neue 152 mm-

Kanonen, sind nuklearfähig, und auch ein neuer Paketenwerfer - 220 mm-Mehrfachwerfer - wurde eingeführt.
Was die Flugzeuge für den Erdkampf angeht, so haben die Maschinen der
Typen FENCER A/C, FL0GGEP J und FITTER H die Offensivkapazität besonders erhöht. Das gegenwärtig in Afghanistan eingesetzte Erdkampfflugzeug SU-25/
FR0GF00T dürfte auch auf dem westlichen Schauplatz disloziert werden. Die
Kampfflugzeuge MIG-29/FULCRUM und SU-27/FLANKEP - zweistrahlige Düsenmaschinen befinden sich gegenwärtig in der Erprobung. Während die Zahl der Kampf- und
Erdkampfflugzeuge der NATO und des Warschauer Paktes mit 1950 als gleich angeben wird, ist das Verhältnis bei Abfangjägern mit 740 bei der NATO und
4370 beim Warschauer Pakt wesentlich ungünstiger. Bei Aufklärern ist das
Verhältnis 285 (NATO) zu 600 (Warschauer Pakt), während die NATO den 350
Bombern (BACKFIPE) des Warschauer Paktes nichts entgegenzusetzen hat.
Ein eigenes Kapitel der Dokumentation (IV) befaßt sich mit den sowjetischen Weltraumsystemen. "Das sowjetische Streben nach militärischer Ober- 15 -

�militärischer Überlegenheit ", so heißt es in dem Bericht, "hat sich in den
Weltraum ausgedehnt.

Mit der Entwicklung und dem Einsatz einer orbitalen

Antisatellitenwaffe (ASAT) (in der Umgangssprache als "Killersatellit" bezeichnet, Anm. der Redaktion) vor über einem Jahrzehnt hat die Sowjetunion
klar signalisiert, daß sie den Weltraum als einen Bereich der möglichen
Kriegführung betrachtet.
In den letzten zehn Jahren hat die UdSSR mehr als 75 Weltraumflugkörper
pro Jahr gestartet, eine Rate von vier- bis fünfmal so viel wie die Vereinigten Staaten.
erhöht.

In den letzten Jahren hat sich die Rate auf fast 100 jährlich

Die jährlich in eine

Umlaufbahn gebrachte Nutzlast der Sowjets ist

noch eindrucksvoller - 660 000 Pfund - d.h. zehnmal so viel wie die Vereinigten Staaten...
Die Einführung, Anwendung und bekannte künftige Entwicklung von Weltraumwaffensystemen durch die UdSSR läßt ein koordiniertes Programm erkennen,
zu dem gehören:
- die gegenwärtige Generation von Antisatelliten-Flugkörpern (ASAT), die
im Betrieb sind und dazu dienen sollen, Satelliten mit einer niedrigen Umlaufbahn zu zerstören;
- ein sehr großes, gezieltes Energieforschungsprogramm, einschließlich
der Entwicklung von Laserstrahl-Waffensystemen, die entweder in der UdSSR,
an Bord der nächsten Generation sowjetischer ASAT oder an Bord der nächsten
Generation sowjetischer bemannter^Kaumschiffe stationiert werden könnten.
Das ASAT-System, das jetzt einsatzfähig ist, hat die Fähigkeit, amerikanische Weltraumsysteme in erdnaher Umlaufbahn aufzuspüren und zu zerstören.
Die Sowjets führen jedes Jahr Versuche durch, um das Abfangen von Satelliten
zu praktizieren und das ASAT-System zu verfeinern..."
Kapitel V,

- 16 -

�Kapitel V, Ressourcen und Technologie, geht auf die wichtige Rolle
des sowjetischen politischen Geheimdienstes KGB und des militärischen Geheimdienstes GRU bei der Beschaffung westlicher Technologie ein.

Dazu heißt es:

"Zu dem sowjetischen Ziel der Weltf'uhrung in Wissenschaft und Technologie gehört ein hoher Einsatz von Ressourcen, der im wesentlichen auf die
Integration zweier Ansätze hinausläuft:
- Die Schaffung und Ausweitung einer großen einheimischen Basis für
Technologie und Produktion, um die industriellen und militärischen Entwicklungsprogramme zu fördern.
- Die Beschaffung und Anpassung westlicher Technologien, um Zeit, Kosten
und Risiko bei der Förderung eigener industrieller und militärischer Programme zu verringern. Die sowjetischen politischen und militärischen Geheimdienste - KGB und GRU r bilden seit Jahren Wissenschaftler und Techniker aus,
um moderne, militärisch nutzbare Technologie in den Vereinigten Staaten,
Westeuropa, Japan und anderswo auszumachen und zu beschaffen. Auf diese
Weise haben die Sowjets Technologie im Werte von vielen Milliarden Dollar beschafft - einiges durch legalen oder illegalen Kauf oder durch Diebstahl,
Spionage, Bestechung, wissenschaftlichen Austausch und durch Auswertung
offen zugänglicher amerikanischer Literatur. Die UdSSR ist dadurch in der
Lage, neue sowjetische Waffen zu entwickeln und zu produzieren, viel Zeit,
Mühe und Ressourcen für die Entwicklung zu sparen...
Das Ergebnis war eine starke Einengung der Technologielücke zwischen
den USA und der UdSSR."
In dem Bericht werden vor allem hochtechnologische Gebiete wie Radar
und Antriebssysteme als Beispiele für die illegale sowjetische Beschaffungstätigkeit genannt.
Ein eigenes

- 17 -

j

�Ein eigenes Kapitel (VI) ist der "Darstellung der Macht" gewidmet.
Darin heißt es:

"Die Entwicklung zunehmend starker sowjetischer Streit-

kräfte hat die Fähigkeit Moskaus erhöht, westliche Interessen an fast allen
Ecken der Erde herauszufordern...

Das langfristige Ziel der Sowjets ist

relativ konsequent geblieben - überragenden Einfluß auf die Weltpolitik zu
gewinnen.

Um dieses Ziel zu erreichen, haben die Sowjets mit allen Mitteln

versucht, das westliche Bündnissystem zu untergraben, in der Dritten Welt
Instabilität zu schaffen und die Ausbreitung kommunistischer Gesellschaften
zu beschleunigen.

Die sowjetischen Techniken zur Verwirklichung dieser Ge-

samtstrategie sind zahlreicher und immer flexibler, ausgefeilter und pragmatischer geworden.
Die Dritte Welt hat sich zu einem vitalen Gebiet der Verwirklichung
der Globalstrategie der Sowjets entwickelt, da sie gute Chancen für die Expansion mit weniger Hemmnissen und geringerem Risiko der Konfrontation der
Supermächte bietet...
Die Sowjets betrachten Machtdarstellung (power projection) als dynamische Anwendung verschiedener Mittel, einschließlich militärischer Gewalt, Diplomatie, Militärberater und Militärhilfe, Verträge und rechtlicher
Bindungen, Wirtschaftshilfe sowie Kultur-, Medien und Bildungsaustausch."
Auch hier wird auf die Rolle des Zentralkomitees der KPdSU, des politischen Geheimdienstes KGB und des militärischen Geheimdienstes GRU bei der
direkten und indirekten Unterstützung terroristischer und antiwestlicher
Gruppen in aller Welt hingewiesen. Auch die sogenannten "aktiven Maßnahmen",
d.h. Versuche der politischen Einflußnahme durch Frontorganisationen, Falschinformationen, Fälschungen, Manipulationen der Medien und Einflußagenten als
Mittel der sowjetischen Außenpolitik, werden hervorgehoben. Eine besondere
Unterstützung bei den sowjetischen Bemühungen in Lateinamerika leistet das
kommunistische Kuba.
In dem abschließenden Kapitel VII, "Die Herausforderung" heißt es unter
anderem:
"Als Ergebnis
- 18 -

�"Als Ergebnis der 20jährigen Aufrüstung der Streitkräfte der UdSSR
hat sich das weltweite militärische Kräfteverhältnis stetig zuungunsten
der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten verschoben.

Wie der NATO-Ge-

neralsekretär in seinem Vorwort zu der amtlichen NATO-Publikation von 1982
'Kräftevergleich NATO und Warschauer Pakt1 betonte, ist die Abschreckungsmacht des Atlantischen Bündnisses zunehmend gefährdet.

Darüber hinaus sind

Regionen, die bisher frei waren von der Bedrohung durch sowjetische Streitkräfte, jetzt unter deren gefährlichen Schatten geraten.

I
Generalsekretär Andropow hat in seiner ersten Erklärung vor einer Versammlung der obersten Führungsspitze der UdSSR nach seiner Wahl zum Nachfolger Breschnews die Kontinuität der grundlegenden militärischen Ziele der
Sowjets bekräftigt...
- Ihre ICBM-Streitmacht wird weiterhin durch die Dislozierung der SS-18
Modell 4 und SS-18 Modell 3 in

supergehärteten Silos modernisiert; die Flug-

erprobung zweier neuer ICBM mit Feststoffantrieb hat begonnen.
- Ihre Raketen-Unterseebootstreitmacht wird durch den Bau weiterer
Einheiten der TYPHOON-Klasse mit 20 Nuklearraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen des Typs SS-NX-20 pro Boot weiter modernisiert.
- Ihre Bomberstreitmacht wird durch die Entwicklung des neuen strategischen Langstreckenbombers BLACKJACK und die weitere Produktion des BACKFIREBombers modernisiert.
- Ihre strategische Verteidigung wird durch Verbesserung des RaketenAbwehrraketenkomplexes (ABM), Boden- Luft-Raketen, Weitwinkel-Radarnetze,
neue Abfangjäger und den Bau gehärteter unterirdischer Bunker für Befehlsstellen modernisiert.
Die Sowjets setzen die Dislozierung der SS-20 mit drei Gefechtsköpfen
auf dem westlichen und dem fernöstlichen Schauplatz fort und werden wahrscheinlich noch zusätzliche Komplexe über die bereits im Bau befindlichen
- 19 -

»

�'

Bau befindlichen hinaus errichten.
- Ihre Landstreitkräfte werden durch den Panzer T-80, die nuklearfähige
Kanone SP-152 auf Selbstfahrlafette, verbesserte gepanzerte Mannschaftswagen
und Angriffshubschrauber der Typen HIND und HIP sowie besseres Fernmeldegerät
und Gerät für elektronische Kriegführung gestärkt.
- Ihre Luftwaffe wird in zunehmendem Maße schlagkräftiger durch die anhaltende Dislozierung der Maschinen vom Typ FLOGGER und FENCER, die Produktion des Erdkampfflugzeuges FR0GF00T sowie die Flugerprobung der Hochleistungsabfangjäger FLANKER und FULCRUM.
- Ihre Marine wird verbessert und zahlenmäßig verstärkt durch weitere
Einheiten der Flugzeugträger der KIEW-Klasse, der Kreuzer der KIROW-Klasse
und der KRASINA-Klasse sowie der Zerstörer der SOWREMENNYY-Klasse und der
UDALOY-Klasse. Die Flotte ihrer modernen Angriffsunterseeboote wächst
weiterhin mit der Indienststellung von Marschflugkörper-Einheiten der OSCARund VIDTOR-Klasse. Darüber hinaus geht die Entwicklung eines größeren,
kampfstärkeren Flugzeugträgers weiter.
- Mit einem bereits einsatzfähigen Antisatellitensystem (ASAT) geht
die Entwicklung noch modernerer Anwendungen der sowjetischen Militärmacht
im Weltraum weiter.

Die Antwort
Die Tatsachen liegen auf der Hand.
der Hand.

Was sie bedeuten, liegt ebenso auf

Militärische Macht wird weiterhin das Hauptinstrument der sowjetischen
Expansionspolitik sein...
Die Verteidigungsprogramme,
- 20 -

�Die Verteidigungsprogramme, die wir in Gang gesetzt haben, werden dazu
beitragen, die negativen Trends im militärischen Kräfteverhältnis umzukehren
und sicherzustellen, daß die Sowjetunion aus der Macht ihrer Streitkräfte
kein Kapital für politische Vorteile schlagen kann.

Unsere Programme fördern

daher die Sicherheit und Stabilität der Weltgemeinschaft...
Wir müssen eine Kontinuität unserer eigenen Programme demonstrieren.
Und was ebenso wichtig ist, wir müssen die Entschlossenheit besitzen, unermüdlich an der Sicherheit aller freien Nationen zu arbeiten.

Nur dann wer-

den die Sowjets überzeugt sein, daß ihre militärische Aufrüstung nutzlos ist,
und der Weg für die Wiederherstellung des Friedens auf dem niedrigsten Stand
der Rüstungen wird geebnet werden."

+ + + ++

- 21 -

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                <text>Die sowjetische Militärmacht 1983&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Neue Dokumentation des US-Verteidigungsministeriums -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>^^^^v^^H

nrormouon
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

11

9. März 1983

INHALT

WIRTSCHAFT
Reagan kündigt Exportförderung großen Stils an
- Absage an den Protektionismus -

HINTERGRUNDMATERIAL
Sondermarke zum 300. Jahrestag deutscher Siedlung in den
Vereinigten Staaten
Sieben fragwürdige Behauptungen in der Raketendebatte
- Von Gregory Flynn USA unterstützen Dialog zur Beendigung der Gewalt in El Salvador
- Interview mit der US-Chefdelegierten Jeane Kirkpatrick «

Die Arbeitslosigkeit in Detroit im großen Zusammenhang gesehen
Rauschgiftkonsum geht in den USA zurück
- Verstärkte internationale Anstrengungen zur Bekämpfung des
Drogenproblems gefordert -

Um Über/endung von
ßclcgcxcmplcwcn
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�11

9. März 1983

REAGAN KÜNDIGT EXPORTFÖRDERUNG GROSSEN STILS AN
- Absage an den Protektionismus -

SAN FRANCISCO - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat in einer Rede vor
dem Commonwealth Club in San Francisco am 4. März 1983 die Zielsetzungen
seiner Außenhandelspolitik dargelegt und sich für Exportförderung, aber
auch gegen jeden Protektionismus ausgesprochen.
Die Rede des Präsidenten hat - mit unwesentlichen Kürzungen

folgenden

Wortlaut:
Ich bin nicht hierher gekommen, um in den Chor der Halbherzigen einzustimmen, die lasch im Glauben an amerikanischen Tatendrang und Erfindungsreichtum sind. Sie blasen zum Rückzug und nehmen ihre Zuflucht zum rostigen Rüstzeug einer gescheiterten protektionistischen Vergangenheit. Ich aber glaube,
wie auch Sie meiner Meinung nach glauben, daß die Welt Führung und Wachstum
wünscht und daß Amerika fähig ist, ihr beides zu bieten. Meine Botschaft
lautet, daß meine Administration dafür kämpfen wird, Ihnen die Werkzeuge an
die Hand zu geben, derer Sie bedürfen, weil wir wissen, daß Sie die uns gestellte Aufgabe bewältigen können...
Im Umgang

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Im Umgang mit unserer Wirtschaft geht es um mehr als Prosperität. Letztlich stehen Frieden und Freiheit auf dem Spiele. Die Vereinigten Staaten stellten sich nach dem Zweiten Weltkrieg an die Spitze der Bemühungen um die Schaffung eines internationalen Handels- und Finanzsystems, das die Fähigkeit der
Regierungen einschränkt, die internationalen Handelsströme zu beeinflussen.
Wir taten dies, weil uns die Geschichte gelehrt hatte, daß je freier die Handel sströme über Grenzen hinweg fließen, umso größer der wirtschaftliche Fortschritt der Welt und die Friedenssehnsucht fcind. Die Verlangsamung der Wirtschafts- '
tätigkeit in den Vereinigten Staaten und in der übrigen freien Welt während
der siebziger Jahre aber führte zu einem Schwund der Sicherheit des Westens
und des Vertrauens der Menschen in der freien Welt. Allzu viele ansonsten
freie Länder machten sich eine Politik staatlicher Eingriffe in das Marktgeschehen zu eigen. Viele Leute begannen zu glauben, Risiko und Wachstum seien
miteinander unvereinbar. Sie plädierten für wachstumsfreie Gesellschaften,
für politische Maßnahmen, die freie Märkte aushöhlen und die kollektive Sicherheit gefährden.
Es kann aber ohne eine starke Wirtschaft im Westen keine wirkliche Sicherheit geben. Und es kann keine Freiheit geben, wenn wir nicht das offene und
wettbewerbsorientierte Handels- und Finanzsystem bewahren, das wir nach dem
Zweiten Weltkrieg geschaffen haben. Prosperität allein aber kann die Zuversicht nicht wiederherstellen und unsere grundlegenden Werte nicht schützen.
Wir müssen auch unserer Zielsetzungen des Friedens und der Freiheit eingedenk bleiben. Dann können wir eine Prosperität erreichen, die es uns gestattet, das Haupt wieder stolz zu erheben und unseren Geist zu erneuern.
Ich möchte die Probleme, vor die wir uns gestellt sehen, nicht verkleinern, ebenso wenig wie den langen und beschwerlichen Weg, den wir zurücklegen
müssen, um sie zu lösen.
Ein ViertelJahrhundert nach dem Zweiten Weltkrieg exportierten wir Jahr
für Jahr mehr Waren nach der übrigen Welt.als wir von dort importierten. Wir
sammelten Devisenüberschüsse an, die wir im In- und Ausland investierten und
mit deren Hilfe wir Arbeitsplätze schufen und eine zunehmende wirtschaft- 2 -

�zunehmende wirtschaftliche Prosperität errangen.

Im letzten Jahrzehnt aber

begannen wir mehr zu importieren,als wir selbst exportierten.

Seit 1976

übersteigen die Einfuhren in jedem Jahr die Ausfuhren,und unser Handelsbilanzdefizit wird 1983 voraussichtlich einmal mehr stark zunehmen.
In den letzten Jahren haben hohe Realzinsen die Investitionen behindert,
den Dollarkurs stark in die Höhe getrieben und unsere Waren weniger wettbewerbsfähig gemacht. Hohe Zinsen spiegeln die Skepsis der Geldmärkte wider,
ob unsere Regierung den Mut aufbringen wird, die Inflation durch Einschränkung
der öffentlichen Verschuldung niedrig zu halten.
Jeder Bürger hat eine Rolle in dem Bemühen zu spielen, den Vereinigten
Staaten dabei zu helfen, den Herausforderungen auf den Auslandsmärkten in den
achtziger Jahren zu begegnen - und für jeden steht dabei viel auf dem Spiel.
Wir brauchen neue Arbeitsplätze. Eine der bestmöglichen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen ist die große nationale Kampagne zur Ausweitung der Exporte - und
diese wiederum ist Teil unseres Programms.
Wir brauchen nur den Blick über die Grenzen hinweg zu richten.
Wachstumspotential ist gewaltig.

Das

Ein Zwei-Billiarden-Dollar-Markt vor der

Tür mit der Aussicht, Millionen neue Arbeitsplätze und größere Einkommenssicherheit für unser Volk schaffen zu können.
dieses Eisbergs gesehen.

Wir haben kaum die Spitze

Vier von fünf Arbeitsplätzen, die in den letzten

fünf Jahren in der Fertigungsindustrie neu geschaffen wurden, entfielen auf
exportaktive Betriebe - dabei exportieren 90 Prozent aller amerikanischen Produzenten

überhaupt nicht.

Meiner Überzeugung nach bieten Zehntausende

amerikanische Herstellerfirmen Waren an und Dienstleistungen, die auch im
Ausland wettbewerbsfähig wären.
triebe.

Viele von ihnen sind Klein- und Mittelbe-

Meine Administration hat einen positiven Plan, den Herausforderungen

im Bereich des Außenhandels an drei entscheidenden Fronten zu begegnen. Erstens,
feste Grundlagen für ein nichtinflationistisches Wachstum zu schaffen, die auf
dauerhaften wirtschaftlichen Prinzipien basieren:
Disziplin, Wettbewerb,
wandte Mühe.

fiskalischer und monetärer

Sparanreizen und einem angemessenen Lohn für aufge-

Zweitens, die Fähigkeit amerikanischer Hersteller und Industrie-

�und Industrieunternehmen zu verbessern, auf fairer und gleichberechtigter
Basis auf den internationalen Märkten zu konkurrieren und mit unseren Handelspartnern gemeinsam offenstehende Fragen wie den Zugang zum Markt zu klären und neue Wege für einen fairen und freien Handel in der Zukunft festzulegen.

Drittens, die FUhrung in dem Bemühen zu übernehmen, die interna-

tionalen Finanz- und Handelsinstitutionen in ihren Anstrengungen zu unterstützen, das Weltwirtschaftswachstum zu festigen und die Kräfte der Freiheit und Demokratie zu beflügeln.

Alles in allem werden diese Aktionen den

Vereinigten Staaten ein positives Rahmenwerk an die Hand geben, die amerikanischen Produzenten und unsere Handelspartner auf den Weg zu offeneren
Märkten,zu größerer Freiheit und zu rascherem menschlichen Fortschritt zu
führen.
Fortschritt aber beginnt im eigenen Lande. Unsere Wirtschaftsreformen
stützen sich auf altbewährte Grundsätze: Mäßigung bei den Staatsausgaben
und in der Geldpolitik, um die Inflationsraten und die Zinssätze zu senken
und den Kapitalgebern Vertrauen in die langfristige Preisstabilität zu geben; weniger regulatorische Eingriffe des Staates, um einen Anreiz für einen stärkeren Wettbewerb zu bieten; und das Wachstum der Unternehmen und der
Beschäftigung durch Steueranreize zu fördern, die zu Arbeit, Sparsamkeit und
Produktivität ermutigen.
Wir leiden unter einer langwierigen und schmerzlichen Rezession, die
durch mehr als ein Jahrzehnt der fortwährenden übermäßigen Besteuerung, allzu hoher Ausgaben und - jawohl - allzu großer staatlicher Eingriffe gekennzeichnet war. Die Rezession aber beginnt den Anzeichen eines Wiederaufschwungs
zu weichen, die das Wiedererstarken der Wirtschaft reflektieren. Amerika ist
auf dem Wege der Besserung.
Die Inflationsrate fiel von 12,4 Prozent im Jahr 1980 auf 3,8 Prozent
während der letzten 12 Monate. Wir bauen auf Vernunft im staatlichen Bereich,
wir vertrauen auf den Wettbewerb, nicht aber auf Marktkontrollen. Vor zwei
Jahren haben wir die Aufhebung der Rohöl Preiskontrollen beschleunigt und handelten uns dafür den Vorwurf ein, wir würden damit die Inflation weiter an- 4 -

�weiter anheizen.

Im Landesdurchschnitt zahlte man zur Zeit meines Amts-

antritts 1,27 Dollar für die Gallone (rund 3,79 1) Benzin; heute können Sie
die gleiche Menge an vielen Orten für weniger als einen Dollar kaufen.
Die "Prime Rate" (Zinssätze für "erste Adressen") belief sich damals
auf 21,5 Prozent und ging in der Zwischenzeit auf 10,5 Prozent zurück; die
Steuersätze wurden ermäßigt; die Reallöhne steigen; die Spar- und die Produktivitätsraten tendieren nach oben; die Börsenkurse erreichten Rekordhöhen ebenso wie die Investitionen von Risikokapital.
Die Produktion auf dem Bausektor, im Automobil bau und in der Stahlindustrie steigt kräftig an...
Mag sein, daß ich altmodisch bin - aber ich glaube nicht, daß es in der
Absicht der Gründerväter lag, einen Teil des Volkes gegen einen anderen auszuspielen.

Unsere Nation wurde nicht auf ein Fundament aus Neid und Abnei-

gung gegründet.
Sie alle sollen wissen, daß wir uns nicht von den Grundsätzen unseres
Wiederaufbauprogramms abwenden werden - und von den Prinzipien des Freihandels am allerwenigsten.

Der große englische Historiker Thomas Babington

Macaulay schrieb vor mehr als einem Jahrhundert, der Freihandel, eine der
größten Segnungen, die ein Staat seinem Volk angedeihen lassen könne, sei
in fast jedem Land unpopulär.
überhaupt nicht geändert.

Die Zeiten haben sich in mancher Hinsicht

Es herrscht ein großes Geschrei und Gezeter,

wir sollten den protektionistischen Pressionen nachgeben.

Ich bin alt genug,

mich daran zu erinnern, daß wir, als wir das bisher einmal in diesem Jahrhundert
zöllen

getan haben - im Smoot-Hawley-Gesetz über die Einführung von Schutzzu Beginn der Depression - einen Albtraum erlebten.

Der Welthandel

ging um 60 Prozent zurück, was zur großen Wirtschaftskrise beitrug und die
politische Unruhe auslöste, die zum Zweiten Weltkrieg führte.
mit unseren Handelspartnern im selben Boot.

Wir sitzen

Wenn einer von ihnen ein Loch

in dessen Boden schießt, ist es dann sinnvoll, wenn ein anderer Partner noch
ein zweites Loch in den Boden schießt?
- 5 -

Es gibt Leute, die diese Frage mit

�Frage mit "Ja" beantworten und das Ganze "sich stark machen" nennen.
nenne das, "sich naß machen" - von oben bis unten.

Ich

Wir müssen vielmehr das

Loch im Boden der offenen Märkte und des freien Handels stopfen und wieder
Segel in Richtung Prosperität setzen.

Niemand möge unsere Entschlossenheit

mißdeuten, unsere gesamte Macht und unseren gesamten Einfluß dazu zu benutzen, jedweden daran zu hindern, das Boot zu zerstören und uns alle zum Sinken zu bringen.
Es besteht ein grundlegender Unterschied zwischen der positiven Förderung legitimer amerikanischer Interessen und Rechte im Bereich des Welthandel s und dem negativen Verhalten der Protektionisten.

Der Freihandel

kann nur überleben, wenn alle Beteiligten die gleichen Grundregeln befolgen.
Wir sind entschlossen, gleiche Chancen auf unseren Märkten zu gewährleisten.
Unsere Arbeitnehmer und Industrien vor unfairen und räuberischen Handelspraktiken zu schützen,ist nicht Protektionismus; es ist ein legitimes Vorgehen nach amerikanischem wie auch nach internationalem Recht.
Ein Beispiel für einen protektionistischen Gesetzesakt, der die Wiedergesundung der Wirtschaft rasch sabotieren könnte, wäre die Bestimmung über
den heimischen Anteil (Local Content Rule). Die im Kongreß eingebrachte
Vorlage zu einem diesbezüglichen Gesetz würde heimische und ausländische
Produzenten von Automobilen, die in den Vereinigten Staaten verkauft werden
sollen, zwingen, ihre Fahrzeuge mit einem steigenden Anteil von Teilen amerikanischer Fertigung auszurüsten und unter Einsatz eines zunehmenden Anteils
an amerikanischen Arbeitskräften zu montieren. Das Haushaltbüro im Kongreß
aber kam zu der Schlußfolgerung, daß ein solches Gesetz mehr Arbeitsplätze
vernichten als retten würde. Das ist richtig. Und es würde Neuwagen erheblich verteuern.
Worauf die Verfechter einer solchen Bunker-Mentalität niemals hinweisen,
ist die Tatsache, daß die Kosten des Protektionismus für eine Arbeitnehmergruppe stets und immer auf andere, noch schlechter gestellte Arbeitnehmergruppen abgewälzt werden. Tritt ein solches Gesetz erst in Kraft, werden
andere Industrien ebenfalls zum Ziel ausländischer Vergeltungsmaßnahmen. Wir
- 6 -

�Vergeltungsmaßnahmen.

Wir würden unseren Partnern weniger abkaufen»und

sie würden weniger Waren von uns beziehen, der Kuchen der Weltwirtschaft
würde schrumpfen und die Aussichten auf politische Unruhen würden sich
deutlich vervielfachen.
Statt angsterfüllt mit einer Politik der Bereicherung auf Kosten anderer zu reagieren, wollen aus unserer Stärke und aus unserem Glauben an die
Leistungsfähigkeit der amerikanischen Wirtschaft heraus im In- und im Ausland darauf hinarbeiten, die Fähigkeit amerikanischer Produzenten und Industrien zu stärken, auf den internationalen Märkten auf fairer und gleichberechtigter Basis Handel zu treiben.
Wir sind beglückt über ein richtungsweisendes Gesetz, das ich im
vorigen Jahr - hier in Kalifornien - unterzeichnet habe: das Gesetz über
die Bildung von Außenhandelsgesellschaften (Export Trading Company Act).
Es basiert auf einer innovativen Idee und auf dem Gedanken der Teamarbeit.
Ich hoffe, daß diese Idee Tausende von Geschäftsleuten - von denen einige
hier mitten unter uns in diesem Saal sitzen dürften - zu neuen Exporteuren
machen und für den Exporthandel interessieren wird.

Das Gesetz soll Her-

stellerfirmen, Exportunternehmen, Banken, Spediteure und andere Exportdienstleistungsfirmen zu gemeinsamen Anstrengungen anregen, Auslandsmärkte
zu erobern.
Das amerikanische Handelsministerium veranstaltete im ganzen Land
eigene Seminare, um dieses Gesetz bekannt zu machen, und stößt dabei auf ein
bemerkenswertes Interesse.

Tausende Teilnehmer interessierten sich bereits

für die Seminare,und in manchen Städten war die Nachfrage so groß, daß nicht
alle Interessenten zur Teilnahme zugelassen werden konnten...
Weitere Firmen werden auf dem Exportmarkt Fuß fassen wollen, wenn sie
erst einmal erkennen, daß die Regierung nicht ihr Gegner, sondern ihr Partner
ist - und nicht etwa der Partner, der das Sagen hat.

Wir haben die Steuern

auf im Ausland erwirtschaftete Erträge gesenkt und eine 25prozentige Steuerabschreibung auf Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen eingeführt.
- 7 -

Wir sind

�Wir sind ferner dabei, das Gesetz über korrumpierende Praktiken im Ausland
zu reformieren: Nicht um die Sicherheitsvorkehrungen gegen Korruptionspraktiken abzubauen, sondern mit dem Ziel, Hindernisse zu beseitigen, die geeignet sind, vor legitimen geschäftlichen Transaktionen im Ausland abzuschrecken.
Ein weiteres Handelshindernis sind Exportkontrollen im Bereich der
Technologien.

Als ich mein Amt übernahm, lag ein Stau von 2000 unerledig-

ten Exportanträ'gen vor.

Wir haben diese aufgearbeitet und die Exportkontrol-

len bei Produkten mit geringwertiger Technologie vereinfacht, deren Ausfuhr
die nationale Sicherheit nicht gefährdet.

Dennoch gibt es Grenzen hierfür.

Ich vertraue darauf, daß dies von jedermann verstanden wird:

Wir müssen es

vermeiden, jene, die uns übel wollen,dergestalt zu stärken, daß wir auf
Kosten der Sicherheit der freien Welt kurzfristigen Gewinnen hinterherjagen.
Der Handel muß der Sache der Freiheit dienen - nicht aber den Feinden der
Freiheit.
Um mehr exportieren zu können, müssen wir mehr für die Absatzförderung
tun. Wir stärken unsere Export-Kredit-Programme durch Erhöhung des Plafonds
der Export-Import-Bank für Exportgarantien. Wir haben ferner eine Steueralternative für die Heimische Internationale Absatzgesellschaft (Domestic
International Sales Corporation) entwickelt, die die bestehenden Anreize
für unsere Exporteure voll und ganz beläßt. Wir haben für unsere Farmer eine
Warenkreditgesellschaft in Verbindung mit einem Warenkreditprogramm eingerichtet - und dies zusätzlich zur diesjährigen Aufstockung des normalen Kreditgarantieprogramms zur Ausweitung des Handels mit amerikanischen landwirtschaftlichen Produkten.
Um Amerikas technologischen Vorsprung aufrechterhalten zu können - für
den es keinen größeren Beweis als Silicon Valley in Kalifornien gibt - und
um unsere Führungsrolle im Bereich der Fertigungsindustrien wiederzuerlangen,
betreiben wir eine Forschungs- und Entwicklungspolitik, die darauf abzielt,
die Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen Industrie innerhalb der Weltwirt-

- 8 -

�der Weltwirtschaft zu steigern.

In unserem Haushaltsentwurf für das Finanz-

jahr 1984 suchen wir um eine erhebliche Anhebung der Ausgaben für die Grundlagenforschung nach. Wir bemühen uns auch um mehr Mittel zur Verbesserung
des naturwissenschaftlichen und mathematischen Unterrichts an den Sekundärschulen, damit die Arbeitnehmerschaft von morgen besser zum wirtschaftlichen
Wachstum beizutragen vermag.

Wir werden versuchen - und Schritte einleiten -

um zu einem engeren schöpferischen Zusammenwirken zwischen Hochschulforschung
und industrieller Forschung und Entwicklung anzuregen - durch ganz ähnliche
Programme, wie sie die Firma Hewlett Packard und die Stanford-Universität eingerichtet haben.
Schließlich treffen wir Vorkehrungen, die industrielle Forschung und
Entwicklung durch Änderungen unserer Steuer- und Karteilgesetzgebungspolitik
zu ermutigen; und wir werden ferner versuchen, gesetzliche Hindernisse abzubauen, die zu Investitionen in neue Technologien bereite Kapitalgeber daran
zu hindern vermögen, die Früchte ihrer Erfingungen zu ernten.
Amerikanische Produzenten zu fördern, gibt uns die Mittel an die Hand,
unsere Handelspartner zu einer Politik freierer und offenerer Märkte zu drängen.
Wir kämpfen gegen die unfairen Praktiken Japans und der Europäischen Gemeinschaft
auf dem Gebiet des Agrarhandels an. Und wir stecken einen neuen Kurs für die
Produkte von morgen ab. Wir sagen "Ja" zu einem Arbeitsprogramm, in dessen
Rahmen in Zusammenarbeit mit der japanischen Regierung die Handels- und Investitionshindernisse für hochtechnologische Industrien.beseitigt werden sollen.
Wir haben ferner gemeinsam mit den Japanern eine Arbeitsgruppe eingerichtet,
die die Möglichkeiten zur Entwicklung reichlich vorhandener Energievorkommen
prüfen soll.
Durch Wiederherstellung der Stärke unserer Wirtschaft und Förderung der
Fähigkeit unserer Produzenten, mit anderen zu konkurrieren, wird Amerika seinen
Handelspartnern auf dem Weg zu erneutem Wachstum überall auf der Welt vorangehen.

Die Weltwirtschaft machte, wie unsere eigene Wirtschaft, zuletzt eine

Schleuderphase durch: ein Jahrzehnt der Inflation, sprunghaft steigender

- 9 -

�sprunghaft steigender Staatsausgaben und zunehmender Zwänge, die die produzierende Wirtschaft einschnürten.

Andere Länder, darunter auch viele Ent-

wicklungsländer, unternehmen nunmehr größere Anstrengungen, um die Inflation
einzudämmen und das Wachstum wieder in Gang zu bringen.

Die Vereinigten

Staaten begrüßen diese Anstrengungen, und wir drängen im Internationalen
Währungsfonds darauf, die Rolle wirksamer binnenwirtschaftspolitischer Maßnahmen für das Wachstum und die Stabilität der Weltwirtschaft stets im Auge
zu behalten.
Der Welthandel und die internationalen Finanzströme sind für alle Länder
äußerst wichtig. Entweder schreitet die freie Welt weiter voran und setzt
das die ganze Nachkriegszeit über verfolgte Streben nach immer offeneren
Märkten fort, oder wir laufen Gefahr, in die tragischen Fehler der dreißiger
Jahre zurückzuverfallen, als sich die Regierungen einredeten, daß sich Bürokraten besser auf die Lösung der sich stellenden Aufgaben verstünden als die
Unternehmer. Die Wahl, die wir treffen, berührt nicht nur unsere Prosperität,
sondern auch Friede und Freiheit. Wenn wir von dem Prinzip abgehen, den Einfluß des Staates auf die Weltwirtschaft möglichst klein zu halten, werden
sich die politischen Konflikte vervielfachen und wird der Friede Schaden nehmen. Das aber ist keine echte Wahl.
Die Vereinigten Staaten werden Bannerträger des Freihandels und eines
verantwortungsbewußten Finanzsystems sein. Das waren die großen Prinzipien
in Bretton Woods, New Hampshire, im Jahr 1944, und sie bleiben auch weiterhin
Kern der amerikanischen Politik. Wir handeln dabei im vollen Bewußtsein der
Tatsache, daß sich im internationalen Handels- und Währungssystem in der Zwischenzeit vieles geändert hat.
Im Handel haben wir beispielsweise praktisch jene Schranken beseitigt,
die Industriestaaten an ihren Grenzen gegen Fertigwaren aufrichten. Heute
beziffern sich die Zölle unter diesen Staaten im Durchschnitt auf noch nicht
einmal fünf Prozent. Probleme ergeben sich vielmehr aus den nichttarifären
Handelsschranken, die oftmals grundlegende Unterschiede in der Binnenwirt-

- 10 -

�der Binnenwirtschaftspolitik und in der Wirtschaftsstruktur der einzelnen
Länder widerspiegeln.

Diese Hindernisse sind schwerer zu überwinden.

bleiben aber entschlossen, staatliche Eingriffe möglichst zu vermeiden

Wir
und

überall dort, wo dies unrealistisch wäre, auf eine enge Begrenzung solcher
Eingriffe zu bestehen.
Im Handel mit Entwicklungsländern andererseits spielen Zölle und Quoten
noch immer eine bedeutsame Rolle. Hier geht es darum, einen Weg zu finden,
diese Länder in die liberale Handelsordnung niedriger Zölle und abgebauter
Quoten zu integrieren. Sie müssen erst noch der vollen Vorteile und Verantwortlichkeiten des Systems teilhaftig werden, das den Industrieländern eine
beispiellose Prosperität eingebracht hat. Wir haben uns an die Spitze dieser
Bestrebungen gestellt und die Initiative für das Karibische Becken vorgeschlagen, um die armen Länder und auch die Länder mit mittleren Einkommen
dazu zu ermutigen, mehr Handel zu treiben. Und wir schlugen eine Nord-SüdRunde von Handelsverhandlungen vor, um den weiter fortgeschrittenen unter
den Entwicklungsländern expandierende Handelschancen zu gewährleisten. Wir
sind bemüht, um des Friedens, der Prosperität und der Demokratie willen eine
kollektive Handelspartnerschaft mit allen Entwicklungsländern einzugehen.
Auf der GATT-Ministertagung im November vorigen Jahres ergriffen die
Vereinigten Staaten die Initiative, um sich dem Protektionismus zu widersetzen, die vorhandenen Institutionen zu stärken und die wichtigsten Zukunftsprobleme anzupacken.

Auch wenn wir mit den Ergebnissen jener Konferenz

nicht restlos zufrieden waren, werden wir in unserem Eintreten für
freie und gleiche Handelschancen für alle Länder fortfahren.
Den Handel auszuweiten ist auch die Antwort auf das vordringlichste
internationale Finanzproblem - die zunehmende Verschuldung vieler Entwicklungsländer.

Ohne die Gelegenheit, mehr zu exportieren, werden die stark ver-

schuldeten Länder Schwierigkeiten haben, die Zinsen für ihre gewaltigen Schulden aufzubringen oder gar Rückzahlungen zu leisten.

Zunächst einmal werden

die Vereinigten Staaten die Bemühungen der internationalen Finanzwelt unter-

- 11 -

�Finanzwelt unterstützen, ausreichende Finanzierungsmittel zur Verfügung zu
stellen, um den Handel aufrechtzuerhalten und die Entwicklungsländer in den
Bemühungen zu unterstützen, die grundlegenden Elemente ihrer binnenwirtschaftlichen Programme zu verbessern.
Anfang dieser Woche habe ich dem Kongreß eine Gesetzesvorlage betreffend
die verstärkte Unterstützung des Internationalen Währungsfonds (IWF) durch
die Vereinigten Staaten zugeleitet.

Die Ausleihetätigkeit des IWF zeitigt

direkte Auswirkungen auf die Beschäftigung in Amerika und stützt die anhaltende Ausleihetätigkeit der kommerziellen Banken ab. Sollten diese ihre Ausleihungstätigkeit einstellen, würde das für die amerikanische Wirtschaft sehr
negative Auswirkungen haben.
In diesem Frühjahr - im Mai - werden die Vereinigten Staaten Gastgeber
des Jahres-Wirtschaftsgipfels der wichtigsten Industriestaaten sein, der in
Williamsburg, Virginia,stattfindet.

Die führenden Staatsmänner der großen

Demokratien werden hier in der Stille Gelegenheit finden, die kritischsten
Fragen der Binnen- und der Außenwirtschaftspolitik zu erörtern und sich Gedanken über ihre persönliche und kollektive Verantwortung gegenüber freien
Völkern überall auf der Welt zu machen.

Williamsburg wird kein Forum für Ent-

scheidungen sein. Jeder führende Politiker ist in erster Linie seiner eigenen
Wählerschaft verantwortlich.

Durch den Meinungsaustausch aber können poli-

tische Führer zu einem besseren Verständnis dessen gelangen, inwieweit die
Zukunft ihres eigenen Volkes von der anderer Völker abhängt.
Ich begann heute mit der Feststellung, daß wir, wenn wir an unsere Tüchtigkeit glauben

und zusammenarbeiten, Amerika zur mächtigsten Handelsnation

der Erde machen können... Mein Traum von Amerika, und ich weiß, daß Sie sich
mit mir in diesen Traum teilen, ist es, den Erfolg aufzugreifen und ihn mit
einer Million zu multiplizieren.
uns:

Das können wir. Albert Einstein lehrte

"Alle großen und inspirierenden Dinge werden von Einzelmenschen ge-

schaffen, die in Freiheit arbeiten." Mit klugem Sinn und liebendem Herzen
wollen wir unsere ganze Kraft aufbieten

und die vor uns liegenden Jahre zu

den größten Ja':ren machen, die Amerika je erlebt hat.

+ + + + +
- 12 -

�11

9. März 1983

SONDERMARKE ZUM 300. JAHRESTAG DEUTSCHER SIEDLUNG IN DEN VEREINIGTEN STAATEN

WASHINGTON - (AD) - Die Entwürfe für die amerikanischen und deutschen
Sondermarken zur Feier des 300. Jahrestages deutscher Einwanderung in Amerika
wurden am 4. März 1983 in Washington vorgestellt, während an vielen Orten in
den Vereinigten Staaten die Vorbereitungen für die Feierlichkeiten, die sich
aus diesem Anlaß über das ganze Jahr erstrecken werden, weitergingen.
Im Rahmen einer Zeremonie in Washington betonte Richard V. Allen, der
Vorsitzende der Präsidialkommission für die deutsch-amerikanische Dreihundertjahrfeier, daß mehr Bürger der Vereinigten Staaten ihre Abstammung auf Deutschland zurückführen können als auf irgendein anderes Land.
Allen, Mitglied der "Heritage Foundation" und ehemaliger Sicherheitsberater der Reagan-Administration, verwies dabei auf einen Bericht des Statistischen Bundesamtes, demzufolge 28 Prozent - etwa 60 Millionen - aller
amerikanischen Bürger deutscher Abstammung sind.
Sowohl der amerikanische als auch der deutsche Sondermarkenentwurf zeigt
das Segelschiff "Eintracht", das die ersten 13 deutschen Familien im Oktober
1683 nach Amerika brachte; alle waren Mennoniten aus Krefeld.

Sie gingen in

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�gingen in der Nähe des heutigen Philadelphia an Land und gründeten die Siedlung Germantown.
Bei der Zeremonie waren Charles Wick, der Direktor des US-Informationsamtes und zugleich persönlicher Repräsentant von Präsident Reagan in der für
den Jahrestag zuständigen Kommission, zugegen sowie Peter Hermes, der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland,und William Böiger, der amerikanische
Postminister.
Wick erklärte, landesweit würden die Amerikaner die "großartigen Beiträge, die zahllose Deutschamerikaner zum Wachstum und zur Entwicklung" der Vereinigten Staaten beigetragen hätten, würdigen; auch Allen unterstrich die
"gewaltigen Beiträge", die von den deutschen Einwanderern für ein "besseres
Amerika" geleistet worden seien. Botschafter Hermes meinte bei Betrachtung
der Abbildung des Segelschiffes "Eintracht": "Sie war ein solides Schiff...
genau so solide wie die deutsch-amerikanische Freundschaft, die uns in die Zukunft tragen wird",und fügte hinzu, die Tatsache, daß die Amerikaner ihrer
europäischen Wurzeln gedächten, "schafft eine transatlantische Dimension, die
von Herzen kommt."
William Böiger, der den Entwurf für die amerikanische Briefmarke enthüllte, unterstrich: "Wir sind ein Land der Völkerschaften, in der Tat eine
echte Nation von Nationen." Er sagte: "Unsere Menschen waren stets unser
großartigster Import - unsere größte Stärke - unser größter Stolz. Wenn wir
die Briefmarke herausgeben... .wird die Reise der 'Eintracht' Teil der Philatelie sein, und die Menschen auf der ganzen Welt werden an unsere Dankbarkeit
und unseren Respekt für die wertvollen und hervorragenden Beiträge unserer
frühen deutschen Siedler erinnert werden."
Die amerikanische Marke und ihr deutsches Gegenstück werden am 5. Mai
in Germantown herausgegeben.
1983 werden

�1983 werden außerdem eine Reihe von Deutschamerikanern durch Sondermarken
geehrt:
- John Augustus Roebling, dessen Konstruktion der Brooklyn-Brücke als
"achtes Weltwunder" gepriesen wurde.

Sein Brlickenentwurf wird auf einer

Sondermarke zu sehen sein, die am 17. Mai ausgegeben wird;
- Babe Ruth, der legendäre Baseball Spieler,wird durch eine Marke geehrt,
die im Zusammenhang mit dem 50. Jahrestag des "All-Star Game" in Chicago
im Juli herausgegeben wird;
- Charles Proteus Steinmetz, der die führende Persönlichkeit der General
Electric Company war und über 200 Erfindungen patentieren ließ, wird mit
einer Briefmarke geehrt, die am 21. September in der Ruhmeshalle der
Erfinder herausgegeben wird;
- Carl Schurz, amerikanischer Emissär in Spanien, Senator aus Missouri
und Innenminister unter Präsident Hayes.wird ebenfalls in der Briefmarkenserie "Große Amerikaner" geehrt.
Die Dreihundertjahrfeiern werden ihren Höhepunkt am 6. Oktober in Philadelphia erleben; nahe der Landungsstelle werden sowohl Präsident Reagan als
auch Bundespräsident Carstens an den Feierlichkeiten teilnehmen.

+ + + + +

- 3 -

�11

9. März 1983

SIEBEN FRAGWÜRDIGE BEHAUPTUNGEN IN DER RAKETENDEBATTE
- Von Gregory Flynn -

Der Autor des nachfolgenden Artikels ist
Stellvertretender Direktor des Atlantischen
Instituts in Paris; der Artikel erschien in
der "International Herald Tribüne"; Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des
Blattes.

Der Plan der NATO, zu Ende dieses Jahres PERSHING II-Raketen und Marschflugkörper zu stationieren, wenn die Genfer Verhandlungen über Euroraketen
(INF) in Genf fehlschlagen sollten, hat eine heftige Debatte ausgelöst.
Es geht dabei sowohl um die Art der westlichen Abschreckungsposition als
auch um die Fähigkeit politischer Systeme des Westens, schwere Verteidigungsentscheidungen zu treffen. Die Debatte wird jedoch durch fragwürdige Behauptungen - Märchen - überspitzt, die es erschweren, die wirklichen Sicherheitsinteressen des Westens zu erkennen.
Behauptung Nr. 1:

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�Behauptung Nr. 1: "Das Wettrüsten und die Zunahme der Geschwindigkeit
und der Treffsicherheit der Nuklearraketen haben die Zeit vermindert, die
dem Osten wie dem Westen zur Verfügung steht, um zu unterscheiden, ob das,
was sich auf ihren Radarschirmen zeigt, eine atmosphärische Störung oder
den Weltuntergang bedeutet."
Ob die PERSHING II nun nur acht oder zwölf Minuten braucht, um Ziele in
der Sowjetunion zu erreichen - wie die Sowjets behaupten - oder länger, die
Tatsache bleibt bestehen, daß die Vorwarnzeit für beide Seiten kurz ist, und
zwar schon seit einiger Zeit, und auch kurz bleiben wird.

Das hat überhaupt

nichts mit den Modernisierungsplänen der NATO zu tun.
Die sowjetischen SS-20, die älteren SS-4 und SS-5 sowie der ganze Bereich der Interkontinentalraketen - SS-17, SS-18 und SS-19 - sind seit langem in der Lage, Westeuropa praktisch ohne Vorwarnzeit zu erreichen. Je nach
der Abschußposition würde das gleiche auch für die unterseebootgestützten Raketen der Sowjets (SLBM) gelten, die auf die Vereinigten Staaten gerichtet
sind. Die Flugzeiten der britischen und französischen Systeme sowie der
unterseebootgestutzten Raketen der Vereinigten Staaten unterscheiden sich in
ihren Flugzeiten wenig von denen der PERSHING II.
Behauptung Nr. 2: "Die Stationierung von PERSHING II und Marschflugkörpern ist Teil eines Komplotts der Supermächte, um einen auf Europa begrenzten Atomkrieg zu ermöglichen, um das eigene amerikanische und sowjetische
Territorium zu schonen."
Ironischerweise soll der sogenannte NATO-Doppelbeschluß genau dazu dienen,
einen begrenzten Atomkrieg auszuschließen. Der einzige militärische oder politische Zweck der sowjetischen Mittel Streckensysteme, wie der SS-20, kann
doch nur sein, eine nukleare Bedrohung Westeuropas - oder auch Chinas oder
Japans - zu ermöglichen, ohne die Vereinigten Staaten zu bedrohen - also mit
einem weit geringeren Risiko der Vergeltung gegen sowjetisches Territorium.
Es ist unbestritten, daß die derzeitigen sowjetischen Raketendislozierungen
bereits das Risiko eines auf Europa begrenzten Atomkrieges erhöhen. NATO-Dis- 2 -

�NATO-Dislozierungen würden dieses Risiko verringern.
Behauptung Nr. 3:

"Jene Länder, in denen die neuen amerikanischen Ra-

keten stationiert werden sollen, werden wahrscheinlich Ziele eines sowjetischen
Nuklearschlages."
Eine solche Behauptung hätte nur dann einen Sinn, wenn man davon ausginge, daß sie nicht bereits Ziele wären.

Die sowjetische Zielplanung schließt

ganz sicherlich alle strategisch relevanten Punkte im Westen ein - ob militärisch oder nicht.

Jedes Mitgliedsland

des Bündnisses hat viele solche Punk-

te und hätte sie genau so, auch wenn Westeuropa überhaupt keine Kernwaffen
hätte.

In einer so dichtbesiedelten und geographisch eng begrenzten Region

wie Europa würde kein Gebiet den Folgen eines Atomkriegs entgehen, selbst
wenn es nicht unmittelbares Ziel wäre.
Behauptung Nr. 4:

"Die Sowjets können die von Präsident Reagan vorge-

schlagene Null-Option einfach nicht annehmen, weil sie sich durch die vorhandenen britischen und französischen Systeme bedroht fühlen."
Die Sowjets brauchen keine Mittelstreckenraketen, um Frankreich und
Großbritannien zu bedrohen. Ihre Interkontinentalraketen und unterseebootgestützten Raketen, die zwar eine größere Reichweite haben, können das genau
so. Sie zielen sicherlich bereits auf Europa ebenso wie auf die Vereinigten
Staaten. Die Arsenale jeder der Supermächte sind so reichlich gefüllt, daß
sie sicherlich die kleinen nuklearen Kapazitäten von Drittländern kompensieren
können.
Der Vorschlag von Juri Andropow vom Dezember läuft im Wesen darauf hinaus, die von Europa ausgehende Bedrohung auf die vorhandenen französischen
und britischen strategischen Systeme zu begrenzen, indem man etwas von der
sowjetischen Überfülle "opfert".

Für Verbündete, die keine Nuklearmächte

sind, sieht der Handel schlechter aus:

Es würde der Sowjetunion eine Option

mit ihren SS-20-Raketen zugestanden, auf die die einzige Antwort der Einsatz

- 3 -

�der Einsatz der zentralen amerikanischen Systeme wäre,die in diesem Zusammenhang nicht länger als verläßlich angesehen werden.
Ein Kommentar drückte es so aus:

"Die Sowjets fühlen sich irgendwie

gleicher als andere, wenn es um das Streben nach gleicher Sicherheit geht".
Sie wollen einen zusätzlichen Ausgleich für die französischen und britischen
Arsenale, obwohl sie selbst bereits mehr als genug haben.
Behauptung Nr. 5:

"Da die Sowjets wahrscheinlich niemals die Null-

Option akzeptieren werden, ist eine Gesamtbegrenzung der auf Westeuropa gerichteten sowjetischen Raketen ein möglicher Kompromiß."
Das Problem der nuklearen Mittel Streckensysteme ist nicht nur ein Problem für Europa.

Die Sowjetunion verfügt heute über rund 240 SS-20-Raketen,

die Westeuropa erreichen können.

Und im Fernen Osten stehen etwa 90 weitere.

Wenn nicht diese gesamte Kategorie von Waffensystemen begrenzt wird ohne Bezugnahme auf eine geographische Region, dann könnten die mobilen SS-20 im
Falle einer Krise in ein oder zwei Tagen verlegt werden.

Das heißt mit an-

deren Worten, die Vereinigten Staaten würden die Bedrohung von einer Gruppe
von Verbündeten auf eine andere Gruppe ablenken.
Behauptung Nr. 6:

"Die Vereinigten Staaten zwingen diese neuen Raketen

ihren Verbündeten einfach auf - gegen den Willen der dortigen Bevölkerung."
Wie kurz ist das Gedächtnis, wenn Emotionen ins Spiel kommen.

Keiner

anderen Entscheidung in der Geschichte des Atlantischen Bündnisses gingen so
gründliche Konsultationen voraus, keine wurde so gründlich analysiert und ausgehandelt wie der Doppelbeschluß der NATO.

Die Initiative ging von Europa aus,

das befürchtete, daß die SALT II-Verhandlungen sich nicht auf die neuen sowjetischen Systeme erstrecken würden, die auf Westeuropa gerichtet sind.

Die

Vereinigten Staaten waren zunächst skeptisch, aber die Verbündeten kamen
kollektiv zu einer einstimmigen Entscheidung und maßen diesem Beschluß große
symbolische Bedeutung bei.
Wenn es
- 4 -

�Wenn es bei dieser ganzen Entwicklung Kommunikationsprobleme gab, dann
zwischen einigen europäischen Regierungen und Teilen ihrer Bevölkerung.

Die

Parteien, die an der Regierung waren, als 1979 der Beschluß gefaßt wurde, sind
jetzt zum großen Teil in der Opposition.

Statt heute zu erklären, warum sie

sich damals an der Entscheidung beteiligten, argumentieren sie jetzt, Regierungen müßten auf Anliegen der Bevölkerung hören und ihre Politik ändern.
Behauptung Nr. 7: "Die Bevölkerung der westlichen Länder ist nicht länger bereit, die nukleare Abschreckung zu unterstützen, weil die potentiellen
Kosten zu hoch sind."
Wenn auch die Ängste in der Bevölkerung gewachsen sind, so liegt keineswegs auf der Hand, daß die Öffentlichkeit wirklich von der Atomfrage besessen
sei. Vor die Wahl gestellt, ob sie neue Raketen wollen oder nicht, werden
die meisten gesunden Menschen dem Befrager antworten, daß sie keine wollen.
Was fehlt, ist eine Messung, wie dringlich die Menschen diese Frage betrachten. Das Atlantische Institut für Internationale Angelegenheiten, die
"International Herald Tribüne" und das Meinungsforschungsinstitut Louis
Harris-France haben im vorigen Herbst versucht, diese Dringlichkeit in Westeuropa zu messen, und herausgefunden, daß in den Ländern, in denen Befragungen stattfanden, nur in den Niederlanden und in Norwegen die Angst vor Nuklearwaffen so groß war, daß sich Fragen bezüglich der militärischen Strategie
stellen würden.
Die gut organisierten Proteste hatten erstaunlicherweise eine größere
Auswirkung auf die Politik als auf die öffentliche Meinung generell.

Das

mag daher rühren, daß Politiker Winkelzüge machen, um Kapital aus Emotionen
zu schlagen.

Die Frage selbst ist ernst genug.

Die Behauptungen - Märchen -

können nur dazu dienen, die Ängste der Öffentlichkeit zu vergrößern.

Diese

Ängste sind real vorhanden, wie auch die politische Polarisierung, die in vielen
Ländern zu verzeichnen ist, aber die Öffentlichkeit folgt, sie führt nicht an.
Verantwortliche Staatsmänner können es sich nicht leisten, ihre eigene Öffentlichkeit mehr zu erschrecken, als es die Sowjets tun.
+ + + + +
- 5 -

�9. März 1983

11

USA UNTERSTÜTZEN DIALOG ZUR BEENDIGUNG DER GEWALT IN EL SALVADOR
- Interview mit der US-Chefdelegierten Jeane Kirkpatrick -

WASHINGTON - (AD) - In einem Fernsehinterview mit dem Korrespondenten
Henry Trewhitt vom US-Informationsamt (USIA) unterstrich Jeane Kirkpatrick,
die Ständige Vertreterin der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen,
daß die USA den Dialog als Mittel zur Beendigung der Gewalt in El Salvador
unterstützen, jedoch nur dann, wenn die Guerilla ihre Waffen niederlege.
Die wichtigsten Auszüge des Interviews mit Botschafterin Kirkpatrick
haben folgenden Wortlaut:
FRAGE:

Sie sind kürzlich von einer Reise durch mehrere mittel amerika-

nische Staaten zurückgekehrt.

Könnten Sie uns die amerikanische Politik ge-

genüber jener Region darlegen und uns sagen, ob Sie der Meinung sind, sie
sei wirksam?
ANTWORT:

Es ist leicht, diese Politik darzustellen.

Es ist ganz ein-

fach so, daß die Vereinigten Staaten in dieser Region - wie in vielen anderen Regionen der Welt - die nationale Unabhängigkeit unterstützen, die Achtung der territorialen Integrität, sowie die Selbstbestimmung und die Selbst-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
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Telex: 8-85432

�die Selbstregierung dieser Länder.

Wir unterstützen nachdrücklich eine Lö-

sung von Konflikten und Meinungsverschiedenheiten durch andere Mittel als
durch Gewalt - durch Verhandlungen, durch Konsultationen - und wir widersetzen uns nachdrücklich den Anstrengungen bestimmter Gruppen zur Infiltration, zur Subversion und zur gewaltsamen Destabilisierung benachbarter Länder.
Wir sind natürlich auch sehr an der Entwicklung demokratischer Regierungen in dieser Region interessiert; wir unterstützen eine Demokratisierung
der Region.

Wir sind jedoch bedauerlicherweise zu dem Schluß gekommen, daß

es in den letzten drei oder vier Jahren zu einer konzentrierten Anstrengung
gekommen ist, einige dieser Regierungen zu destabilisieren; und diese Anstrengung wird gefördert, materiell unterstützt, ausgebildet und bewaffnet durch
den sowjetisch-kubanischen Block.
Dies führte erstens zur Machtübernahme in Nicaragua und zur Konsolidierung der Macht durch die sandinistische Regierung in Nicaragua, sowie zweitens zu wachsenden Anstrengungen, El Salvador zu destabilisieren und eine
Guerillabewegung innerhalb von El Salvador zu festigen.
Wir haben versucht, jenen Regierungen zu helfen, die dieseirAngriffen
ausgesetzt sind, um ihr Recht zu erhalten, ihr Geschick unabhängig von äußeren
Kräften zu gestalten.
FRAGE: Sie haben Panama, Costa Rica, Honduras, El Salvador und Venezuela
besucht. Können Sie die Reaktion der Regierungen dieser Länder gegenüber dem
von Ihnen gerade umrissenen Programm zusammenfassen?
ANTWORT: Ich glaube, sie stehen ihm alle positiv gegenüber. Darüber
gibt es keinen Zweifel. Es mag hieiiind da marginale Meinungsunterschiede
geben, aber es herrscht sicherlich eine breite Unterstützung für die Art von
Anstrengung, die wir zu machen versuchen, um dabei zu helfen, den Frieden und
die Demokratie in der Region zu stärken oder wiederherzustellen, indem wir
diesen Regierungen in gewissem Umfang mit Waffen, Beratern und Wirtschaftshilfe beistehen.
Wir gewähren

�Wir gewähren eine ganze Menge mehr an Wirtschaftshilfe als an militärischer Hilfe in dieser Region.
FRAGE:

Wie würden Sie auf die Behauptung antworten, daß es nur zu lang-

sam zu Ergebnissen kommt?
ANTWORT: Es ist für eine Gesellschaft wie die in El Salvador - und auch
jede andere - sehr schwer, gegen eine gut organisierte, gut ausgerüstete und
gut bewaffnete Terroristen-Guerillakampagne anzukämpfen. Eine Gesellschaft
ist ein sehr komplexer, subtiler Mechanismus von miteinander in Beziehung
stehenden Teilen, und es bedarf nicht sehr vieler Gewalt, gezielt ausgerichtet auf Schlüsselbereiche einer Gesellschaft, um verheerende Folgen herbeizuführen. Man bombardiert z. B. sehr wichtige Brücken, sprengt Elektrizitätswerke und -leitungen in die Luft und zerstört Landstraßen, die die verschiedenen Landesteile verbinden - man kann dies mit verhältnismäßig wenig Leuten
tun und dennoch gewaltige Verheerung bewirken.
FRAGE: Erscheint es Ihnen realistisch, daß Präsident Alvaro Magana in
einem Jahr freie Wahlen abhalten lassen kann, die wirklich etwas bedeuten?
Seine Entschlossenheit hierzu scheint er ja gezeigt zu haben.
ANTWORT: Ja, es wurde allgemein behauptet, daß es im vorigen Jahr unmöglich gewesen wäre, in El Salvador freie Wahlen abzuhalten, daß die Menschen unter dem Terror nicht wählen würden. Die Guerilla tat ja auch ihr
Bestes, um die Menschen dort so zu terrorisieren, daß sie nicht zur Wahl gehen würden.
Aber das Volk von El Salvador ging zur Wahl - jedenfalls eine außergewöhnlich große Zahl der Bewohner.

Rund 85 Prozent der wahlberechtigten Be-

völkerung wählten, und das ist mehr - fast doppelt so viel - als bei unseren
Wahlen.

Sie standen stundenlang Schlange, sie standen da, sogar, wenn auf

sie geschossen wurde.

Sie zeigten all jenen in der Welt, die es sehen woll-

ten, daß das salvadorianische Volk entschlossen war, sich selbst zu regie-

- 3 -

�zu regieren.

Es wird beim zweitenmal nicht mehr so schwer sein wie beim

erstenmal.
FRAGE:

Es gab Vorschläge in Richtung auf einen sogenannten zweigleisi-

gen Prozeß, bei dem auf eine langfristige politische Lösung abgezielt wird,
die es der Guerilla ermöglicht, in Verhandlungen einzutreten.

Die Reagan-

Administration ist der Meinung, sie könne es der Guerilla nicht erlauben,
sich den Weg an die Macht freizuschießen, daß sie aber einen Dialog unterstützen würde.
ANTWORT:

Könnten Sie darauf etwas eingehen?
In einem sehr konkreten Sinn gab es für uns und die Salvadori-

aner immer einen zweigleisigen Prozeß:

Die Regierung in El Salvador mußte

mit militärischen Mitteln auf die militärische Aggression der Guerilla reagieren; zugleich ludt sie die Guerilla ein, in vollem Umfang am Wahlprozeß
teilzunehmen und ermutigte sie dazu, die Waffen niederzulegen.
Sie machte in Erklärungen wiederholt und öffentlich deutlich, daß alle
Parteien zur Teilnahme an den Wahlen berechtigt seien - vorausgesetzt, sie
stellten das Schießen ein. Niemand konnte gleichzeitig schießen und an den
Wahlen teilnehmen - aber jeder war willkommen, der bereit war, das Schießen
einzustellen und sich am friedlichen politischen Wettbewerb an der Wahlurne
zu beteiligen.
Dies war stets der Fall.
haben.

Und ich glaube, jeder würde dies am liebsten

Man könnte es den Verhandlungsweg zur Demokratie hin nennen.

Manche ziehen es vor, sich den Weg in die Regierung freizuschießen und
beanspruchen einen Teil der Regierungsgewalt, um die bei demokratischen Wahlen sich zu bewerben sie nicht bereit waren.

So etwas ist unannehmbar - ins-

besondere, da es in El Salvador eine Amnestie für die Guerilla gab.
für sie Möglichkeiten der Teilnahme an den Wahlen.

Es gab

Sie hat wiederholt jede

Art von Waffenstillstand und alle Angebote zur Beteiligung am demokratischen
Prozeß verweigert.
Was wir
- 4 -

�Was wir unter diesen Umständen tun können, ist, das Angebot aufrechtzuerhalten und zu hoffen, daß sie ihre Meinung ändert.
FRAGE:

Wie sieht das Risiko von der anderen Seite aus?

Welche Gefahr

- wenn Liberhaupt eine - kommt für diese Leute von der Rechten?
ANTWORT: Ich glaube, daß es eigentlich keine ernste Gefahr gibt. Wir
würden im Zusammenwirken mit der Regierung von El Salvador und anderen bereit
sein, die verschiedensten Arten von Garantie für ihre Sicherheit zu bieten - dies
kann garantiert werden. Alles, was zu tun ist, ist die Entscheidung, darin
einzuwilligen, daß man mit dem Stimmzettel anstatt mit Patronen kämpft, daß
man in den Wahl kämpf anstatt in den militärischen Kampf zieht.
FRAGE: Aus Ihren Worten ist zu schließen, daß wir als Amerikaner bereit wären, diese Garantie zu geben?
ANTWORT:

Natürlich würden wir das. Wir würden gemeinsam mit anderen

auch Garantien ausarbeiten, die wirksam sind und entsprechende Absicherungen
bieten.

Das große Problem, wenn ich es so sagen darf, besteht darin, daß

die Guerilla noch nicht daran gedacht hat, daß sie bei Wahlen sehr gut abschneiden könnte.
FRAGE: Wie beurteilen Sie die destabilisierenden Kräfte - in dem Umfang, in dem es sie gibt - der Rechten im allgemeinen Demokratisierungsprozeß?
ANTWORT: Was es während der gesamten neueren Geschichte in El Salvador
gab und noch immer gibt, ist eine relativ schwache Regierung... einschließlich einer bisweilen unzureichend kontrollierten Nationalgarde und Polizei.
Diese Situation hat sich sicherlich während der letzten zwei oder drei Jahre
sehr verbessert.
Natürlich würde niemand sagen, daß es nunmehr in El Salvador eine geeinte
Gesellschaft gibt, in der die Rechte, die Linke und das Zentrum, alle, bereit
- 5 -

�alle, bereit sind, in Frieden miteinander zu leben.

Es ist sehr bedeutsam,

daß die Kreise, die als die Rechte El Salvadors angesehen werden - nämlich
die Vertreter des Privatsektors, die Geschäftswelt, die Landbesitzer - gewillt sind, am Wahlprozeß, am demokratischen Prozeß teilzunehmen.

Wir meinen,

daß dies sehr positiv ist und hoffen, daß dies auch weiterhin der Fall sein
wird.
FRAGE:

Vielleicht wäre es gut, an dieser Stelle etwas über Nicaragua

zu sagen, das ja aus amerikanischer Sicht wirklich ein Ort der Unterstützung
für den Aufruhr in El Salvador ist.
ANTWORT:
FRAGE:

Kuba.
Was geschieht derzeit Ihrer Ansicht nach in Nicaragua?

es sich weiter nach links?

Bewegt

Wird die Repression dort stärker?

ANTWORT: Nicaragua ist heute ganz einfach eine Militärdiktatur - eine
Regierung, in der neun militärische Kommandeure eine Junta gebildet und ihre
Macht in sehr wirkungsvoller Weise gefestigt haben und versuchen, fast alle
Sektoren der Gesellschaft zu beherrschen.
Sie haben eine Art Belagerungszustand verhängt. Die Pressefreiheit
wurde fast völlig beseitigt. Die einst blühende unabhängige Gewerkschaftsbewegung in Nicaragua ist weitgehend zum Erliegen gekommen. Der Kirche in
Nicaragua wurden schwere Beschränkungen auferlegt. Es handelt sich um eine
Militärdiktatur, in der die Macht über die Wirtschaft, das kulturelle Leben
und die Gesellschaft in zunehmendem Maße unter der Kontrolle von neun militärischen Diktatoren konzentriert wird.
FRAGE:

Klar ist, daß nach Ansicht der Vereinigten Staaten der Einfluß

in dieser ganzen Angelegenheit von der Sowjetunion ausgeübt wird - und zwar
über Kuba und Nicaragua nach El Salvador und andere Gebiete in der westlichen
Hemisphäre...
ANTWORT:
- 6 -

Leider

�ANTWORT:

Leider hat Nicaragua es zugelassen, daß es als eine vorgescho-

bene Militärbasis der Sowjetunion im Bereich dieser mittelamerikanischen Länder benutzt wird.
FRAGE:

Sehen Sie dies als Teil eines großangelegten Planes oder zielt

das Ganze mehr auf sich gerade ergebende Zielpunkte mit der Absicht der Destabilisierung ab?
ANTWORT:

Ich habe eigentlich niemals geglaubt, daß die Sowjets eine

Art umfassenden Plan für die Eroberung der Welt-haben.

Andererseits bin ich

überzeugt, daß sie ständig auf der Lauer nach Möglichkeiten sind, um ihre
Macht über andere Länder auszudehnen und auszuweiten.
FRAGE:

Wenn das der Fall ist, dann muß man doch mit der Wahrscheinlich-

keit rechnen, daß - sollte die Bemühung, eine Unterminierung El Salvadors zu
verhindern, keinen Erfolg haben -, dieses Bestreben dann auch anderswo in
verstärktem Maße fortgesetzt wird?
ANTWORT:
FRAGE:

Das ist richtig.
Gibt es hier dann einen Domino-Effekt?

ANTWORT: Absolut. Hiervon wird von den Menschen in dieser Region immer
wieder gesprochen; sie erwarten dann so etwas. Beispielsweise gibt es bereits
Anzeichen, die darauf hindeuten, daß Honduras zu einem Ziel der Destabilisierung gemacht werden soll. Die Bildung einer dieser betrügerischen nationalen Befreiungsfronten wurde bekanntgegeben; einige Waffenverstecke wurden
gefunden. Selbst in Costa Rica, das mit seinen Nachbarn in bewundernswerter
Weise immer zu leben verstand, wurden befestigte Verstecke und einige Waffenlager entdeckt. Es gab auch Einschüchterungsversuche seitens Nicaraguas.
Und nach Guatemala werden regelmäßig Waffen sowie Guerilleros eingeschleust.
FRAGE:

Die Erklärung von San Jose hat in der amerikanischen Presse nicht

gerade eine breite Behandlung erfahren.
- 7 -

Halten Sie es aufgrund Ihrer Erkennt-

�Ihrer Erkenntnis für denkbar, daß man Nicaragua jemals in einen solchen
Prozeß hineinbringen kann?
ANTWORT:

Ich glaube, amerikanische Journalisten sind oft ein wenig

zynisch in bezug auf demokratische Symbole und Erklärungen und oft schrecklich romantisch - oder sogar naiv - in bezug auf revolutionäre Deklarationen
oder Symbole.
Die Erklärung von San Jose war meiner Meinung nach aufrichtig.

Sie

fordert freie Wahlen, innere Aussöhnung sowie wirtschaftliche Entwicklung
und bietet eine sehr gute Grundlage für die demokratische Entwicklung in
diesem Raum.
Würden nun die militärischen Diktatoren in Nicaragua ihren Traum von
der exklusiven Macht aufgeben, das Risiko einer Wahl eingehen und diese exklusive Macht verlieren wollen? Ich weiß es nicht. Diktatoren geben eine
solche Macht wirklich nicht gerne auf. Die Nicaraguaner haben davon gesprochen, im Jahr 1985 irgendeine Art von Wahl durchzuführen, wobei immer
unterstrichen wurde, daß dies keine Wahl sein werde, wie sie die bourgeotsen
Demokratien gewohnt seien.
Andererseits liegt die Wirtschaft dort darnieder - trotz der sehr
großen Beträge an internationaler Hilfe. Seit Juli 1979, als die sandinistischen Militärdiktatoren an die Macht gelangten, hat Nicaragua 1,6 Milliarden
Dollar an Wirtschaftshilfe von westlichen Ländern erhalten - die Vereinigten
Staaten waren das Hauptgeberland - und etwa 400 Millionen Dollar an Wirtschaftshilfe vom Sowjetblock. Das ist eine Menge Wirtschaftshilfe, zwei Milliarden Dollar für ein so kleines Land. Der größte Teil davon wurde leider
für den Aufbau der jetzt größten Militärmaschine in dieser Region verwendet.
Die Wirtschaft dort ist wirklich fix und fertig.
Es herrschen dort wirklich große innere Unzufriedenheit, Uneinigkeit
und Unruhe. Manche Leute glauben, daß die Sandinisten schließlich ein Opfer

�ein Opfer der gleichen Art innerer Uneinigkeit werden könnten wie das SomozaRegime.
FRAGE:

Ich möchte gerne wissen, ob Sie mit unseren Freunden gesprochen

haben, die dem Sandinista-Regime Wirtschaftshilfe gewährt haben?
ANTWORT:

Wir gehören auch dazu.

Die Vereinigten Staaten haben den

Sandinisten während der ersten 18 Monate ihrer Amtszeit mehr Unterstützung
gewährt als irgendein anderes Land.

Wir haben ferner mit großem Nachdruck

ihre Anträge auf Anleihen und Kredite durch internationale Banken usw. unterstützt, bis dann schließlich die Administration Präsident Carters entschied,
daß wir ihnen aufgrund unserer Gesetze keine Wirtschaftshilfe mehr gewähren
könnten,

weil sich das Land zweifelsfrei nicht als eine Demokratie entwickelte.

Ja, wir haben mit einigen unserer Freunde gesprochen. Aber wir waren
insbesondere besorgt über die Militärhilfe für die sandinistische Regierung.
Wir haben nicht den Versuch unternommen, andere Länder dazu zu überreden,
ihnen keine Wirtschaftshilfe zukommen zu lassen, aber wir haben auf die Nachteile einer Gewährung von Militärhilfe für ein Land hingewiesen, das bereits
über die größte und mächtigste Armee in dieser Region verfügt und das eine
Menge drohender und bedrohlicher Aktivitäten gegenüber seinen Nachbarn durchführt.

+ + + + +

- 9 -

�Hinter
materiell

fc

United States Information Service
•
Embassy of the United States of America

11

9. März 1983

DIE ARBEITSLOSIGKEIT IN DETROIT IM GROSSEN ZUSAMMENHANG GESEHEN

DETROIT - (AD) - Die wirtschaftliche Lage in Detroit ist, wie man in
allen Medien vernehmen kann, ernst. Die Arbeitslosenraten liegen bei etwa
25 Prozent - bei Minderheiten bei 40 Prozent und bei Jugendlichen zwischen
16 und 24 Jahren sogar bei 70 Prozent. Nach der Volkszählung von 1980 (in
den USA findet alle zehn Jahre eine Volkszählung statt) liegen die Einkommen
von 20 Prozent der Einwohner unterhalb der sogenannten "Armutsgrenze",die
beispielsweise für eine vierköpfige Familie bei 4 700 Dollar (umgerechnet
rund 10 000 DM) pro Jahr liegt. Etwa ein Drittel der Bevölkerung von Detroit
empfängt in irgend einer Form Sozialunterstützung - sei es Arbeitslosenunterstützung, Kindergeld, Sozialhilfe, Lebensmittelgutscheine oder kostenlose
Gesundheitsfürsorge.
Die unmittelbaren Probleme von Detroit müssen im größeren Zusammenhang
mit dem nationalen und internationalen Rückgang der Wirtschaft gesehen werden.
Da Detroit in so großem Maße von der Automobilindustrie und deren Zulieferindustrien abhängig ist, wurde es von dem deutlichen Rückgang des Absatzes
von Neuwagen in den USA besonders hart betroffen.

Daß die Amerikaner weniger

neue Autos gekauft haben, hing mit der weltweiten Rezession zusammen, die

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�zusammen, die besonders durch die rapide Erhöhung der öl preise verschärft
wurde.

Zum Teil ist das Dilemma von Detroit sicherlich auch den Einbrüchen

ausländischer Autos, vor allem japanischer Herkunft, auf den amerikanischen
Markt zuzuschreiben.
Und schließlich ist die gegenwärtige Wirtschaftslage in Detroit auch ein
Ausdruck breiterer wirtschaftlicher und demographischer Trends in den USA,
wie des wachsenden Nachdrucks auf Dienstleistungsindustrien, des Wachstums
auf dem Elektronik-Sektors und der damit verbundenen Abwanderung von Arbeitskräften aus traditionellen Industriegebieten wie Detroit nach den Schwerpunkten
der neuen Industriezweige.
Selbst bei wohlwollender Erwägung all dieser Ursachen des Problems - und
der Tatsache, daß viele Länder mit solchen Problemen zu kämpfen haben - , könnte
ein Beobachter zu der Auffassung kommen, daß wenig oder gar nichts getan werde,
um den Menschen in Detroit zu helfen.

Dieser Eindruck ist falsch, öffentliche

Einrichtungen und private Organisationen auf lokaler, einzelstaatlicher und
Bundesebene setzen alles daran, um den Menschen in Detroit zu helfen, die unter
der Rezession leiden - und um auf lange Sicht wieder für ein Wachstum in dieser
Region zu sorgen.

Die

Einwohner der Stadt und des Bundesstaates Michigan

setzen sich mit einer großen Vielfalt von freiwilligen Hilfsprogrammen dafür
ein, dem Nächsten zu helfen.
Der Bürgermeister von Detroit, Coleman Young, hat einen überparteilichen
"Nothilfefonds des Bürgermeisters" eingerichtet. Aus vielen kleinen Beiträgen
sind bereits über 50 000 Dollar zusammengekommen. Unter Heranziehung städtischer
und privater Einrichtungen ist ein Notspeisungsprogramm eingerichtet worden.
Hilfe leisten ferner 16 Stadtteil Zentren sowie zahlreiche private Hilfsstellen.
Allein von privater Seite sind über 110 000 Pfund Lebensmittel zur Verfügung
gestellt worden. Rund 120 private Stellen geben Essen aus. Das amerikanische
Landwirtschaftsministerium hat eine halbe Million Pfund Käse und eine halbe
Million Pfund Trockenmilch zur Verfügung gestellt und weitere Mengen stehen

- 2 -

�Mengen stehen bereit; Butter aus Lagerbestä'nden wird freigegeben.

Schätzungs-

weise 40 000 Familien haben durch Regierungsprogramme Lebensmittelgutscheine
erhalten.

Große Anstrengungen werden unternommen, um die Wohnungsnot zu

lindern; einige tausend Menschen erhalten vorläufige Unterkünfte.
Eine Delegation des Kongresses des Staates Michigan arbeitet mit der
Bundesregierung zusammen, um die Bundeshilfe für Detroit und die schwer getroffene Umgebung zu beschleunigen und auszuweiten.

Gouverneur Milliken hat

Detroit und neun Kreise des Staates Michigan zu Notstandsgebieten erklärt, um
die Aufmerksamkeit auf den Ernst der wirtschaftlichen Probleme zu lenken und
Abhilfe zu schaffen.
Detroit erlebt aufgrund der komplexen wirtschaftlichen Probleme einen
schmerzlichen Anpassungsprozess, aber die Führung und die Bürger der Stadt
und des Bundesstaates Michigan bemühen sich nachhaltig, das Problem zu überwinden.

Sie haben ihre tiefe Dankbarkeit für die Anteilnahme im Ausland zum

Ausdruck gebracht und für die materielle und finanzielle Unterstützung aus
Europa.

Sie sind jedoch voll und ganz überzeugt, daß sie selbst in der Lage

sind, die Probleme zu lösen, und daß genügend amerikanische Mittel zur Verfügung stehen.
Im übrigen bereiten der amerikanische Kongreß und die Administration eine
Notstandsgesetzgebung vor, um die Arbeitslosenunterstützung für besonders hart
betroffene Arbeiter zu verlängern und vom Bund geförderte Projekte voranzutreiben,
die neue Arbeitsplätze bieten.

Führende Vertreter beider großen Parteien im

Kongreß glauben, daß diese Gesetzgebung bis Anfang März verabschiedet und von
Präsident Reagan unterzeichnet sein wird.

Der Bundesstaat Michigan hat eine

Arbeitsgruppe eingesetzt, die sich um die Ansiedlung neuer Firmen aus dem
Bereich der Hochtechnologie in dem Staat bemühen soll.

In diesen Bereich

fällt eine Partnerschaft einzelstaatlicher Stellen, der Universitäten des
Staates und privater Unternehmen.
Es ist wichtig

- 3 -

�Es ist wichtig zu beachten, daß die wirtschaftlichen Probleme Detroits oder anderer amerikanischer Städte, die vor einem ähnlichen Dilemma stehen - ,
keineswegs daher rühren, daß die nationale Sorgfaltspflicht für die Bürger
vernachlässigt worden wäre.
weiter.

Ein vielfältiges soziales Netz bestand und besteht

Was verabschiedet wurde und was behandelt wird, ist eine Verringerung

der Wachstumsraten einiger dieser Programme. Wenn in den Vereinigten Staaten
über Prioritäten debattiert wird, dann geht es im wesentlichen um die relative
Höhe von Ausgaben, um Mittel und Wege, um Schwerpunkte und um die Abwägung
der Verantwortung zwischen Bund, Einzelstaat und Privatsektor.

Das sind alles

sicherlich ernste Fragen und es wird heftig darüber diskutiert - aber niemand
sollte glauben, daß das eine Umkehr in der gemeinsamen Sorge der Amerikaner
für das Wohlergehen des ganzen Volkes sei. Der Präsident geht davon aus, daß
die Nation auf lange Sicht sozial besser und wirksamer versorgt sein wird, wenn
die Programme wirtschaftlicher durchgeführt und einige Verlagerungen der Schwerpunkte und Zuständigkeiten vorgenommen werden - und vor allem, wenn die wirtschaftliche Gesundheit des Landes wiederhergestellt ist.

+ + + + +

- 4-

�United States Information Service
Embassy of the United States of America

11

9. März 1983

RAUSCHGIFTKONSUM GEHT IN DEN USA ZURÜCK
Verstärkte internationale Anstrengungen zur Bekämpfung
des Drogenproblems gefordert -

- (AD) - Der Rauschgiftkonsum in den Vereinigten Staaten scheint jetzt
im Gegensatz zu der Tendenz in den siebziger Jahren rückläufig zu sein. Zu
diesem Ergebnis kamen vier Studien, die kürzlich veröffentlicht wurden.
Dennoch machen Beamte des öffentlichen Gesundheitsdienstes ausdrücklich
darauf aufmerksam, daß Rauschgift und Suchtstoffe nach wie vor die Ursache
schwerwiegender medizinischer und gesundheitlicher Probleme sind.
Zwei Untersuchungen, die vom amerikanischen Nationalen Institut zur Erforschung von Drogenmißbrauch (NIDA) durchgeführt wurden, ergaben eine Abnahme der Zahl von Amerikanern, die Marihuana, Tranquilizer, Halluzinogene
und Methaqualon (Wirkstoff in Schlafmitteln) konsumieren.

Demnach ging der

Anteil der Bevölkerung in den Altersgruppen ab 12 Jahren, die Marihuana nehmen, von 13 Prozent im Jahr 1979 auf 11 Prozent im Jahr 1982 zurück. Der
Kokain-Konsum, der in den Altersgruppen der 18- bis 25jährigen zwischen 1976
und 1979 von zwei auf neun Prozent hochgeschnellt war, lag 1982 bei sieben
Prozent.

Allerdings seien einer Erhebung bei 820 Krankenhäusern zufolge 1982

mehr Notaufnahmen wegen Kokain- und Heroin-Oberdosierung

als im Vorjahr not-

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Vorjahr notwendig geworden, erklärte Dr. Edward Brandt, Jrv, Unterstaatssekretä'r im US-Ministerium für Gesundheit und Sozialwesen»

Dr. Brandt führt

dies auf höhere Opiatkonzentrationen in den Suchtstoffen und auf gefährlichere
Methoden ihrer Anwendung zurück.
Die an Schülern der letzten Oberschul-Klassen jedes Jahr durchgeführte
NIDA-Studie läßt für 1983 erkennen, daß etwa jeder 16. täglich oder fast täglich Marihuana nimmt; 1978 tat dies jeder neunte.

Der Anteil der Schüler,

die ca. einmal im Monat zur Marihuana-Zigarette greifen, ging von 37 Prozent
im Jahr 1978 auf 29 Prozent im Jahr 1982 zurück.

Lloyd Johnston von der

Universität Michigan, der mit der Untersuchung beauftragt war, nimmt als wichtigen Faktor in dieser Entwicklung die wachsende Besorgnis unter Jugendlichen
über Gesundheitsschäden durch den ständigen Marihuana-Konsum und die Tatsache
an, daß im Kreis der Gleichaltrigen das Interesse an Marihuana nachläßt.
Auch seien "Eltern, Schulen und andere Institutionen in ihren Anstrengungen
zur Verhinderung des Rauschgiftkonsums aktiver geworden, die Maßnahmen sind
besser durchdacht", sagt Johnston.

Beim Konsum von Kokain, Methaqualon,

Stimulantien, Sedativa und Halluzinogenen sei 1981 und 1982 in diesen Altersgruppen ebenfalls ein Rückgang zu verzeichnen gewesen.
Die Ergebnisse der beiden Studien werden durch Umfragen, die das GallupInstitut und der Verlag für "Who's Who unter amerikanischen Oberschülern" veranstalteten, erhärtet. Von den von "Who's Who" befragten Teenagern erklärten
83 Prozent, noch nie Marihuana, und 97 Prozent, noch nie Kokain genommen zu
haben. Der Gallup-Umfrage zufolge sind 74 Prozent der Jugendlichen gegen eine
Legalisierung des Marihuana-Konsums und 60 Prozent (1981: 57 Prozent) für die
Bestrafung des Besitzes von Marihuana. Johnston und andere Experten unterstreichen jedoch, daß der gegenwärtige Rückgang des Suchtstoffgebrauchs unter
Jugendlichen kein Anlaß für verminderte Anstrengungen sei. Schon allein angesichts der Vorgeschichte - oder auch im Vergleich zu vielen anderen Ländern - "haben wir noch einen weiten Weg vor uns".
Mehr internationale

- 2 -

�Mehr internationale Anstrengungen notwendig
An Kanada, Westeuropa und Japan appellierte Dominick Dicarlo, Unterstaatssekretär im amerikanischen Außenministerium für Internationale Rauschgiftfragen (INM), mehr für die Kontrolle des Anbaues von Rauschgiftpflanzen
in Südwest- und Südostasien zu tun und das UN-Programm zur Kontrolle der
Coca-Pflanzungen in Südamerika stärker zu unterstützen. Der im Jahr 1971
geschaffene Fonds der Vereinten Nationen für die Bekämpfung des Drogenmißbrauchs (United Nations Fund for Drug Abuse Control - UNFDAC) ist ein Instrumentarium für die Realisierung von Anbaukontrollen, Vollzugsmaßnahmen
und von Programmen zur Reduzierung des Verbrauchs. Beauftragte der Vereinten Nationen können auch in Gebieten tätig sein, wo die Vereinigten Staaten
aus politischen oder anderen Erwägungen nicht eingreifen können. Die USA
stellen mit 2,5 Millionen Dollar im Haushaltjahr 1984 dem Fonds ein Viertel
dessen zur Verfügung, was UNFDAC für die Durchführung der geplanten Programme
benötigt.
Vor einem Senatsunterausschuß begründete Dicarlo am 1. März 1983 die
(gegenüber 1982/83 um über 13 Millionen Dollar höhere) Anforderungen von
53 Millionen Dollar im neuen US-Haushalt für die Aufgaben seines Amtes.
Demnach sollen 57 Prozent der Mittel in Lateinamerika verwendet werden.
Aus diesem Raum komme das gesamte Kokain.
Allein für die Verminderung
der Coca-Produktion in Bolivien seien 7,67 Millionen Dollar vorgesehen.
Das Gebiet sei außerdem die Hauptquelle für den Marihuana-Import. Aus
Kolumbien kommen 79 Prozent des nach "den USA verbrachten Marihuanas und 75
Prozent des Kokains, außerdem sei es der Hauptumschlagplatz für Methaqualon.
Die amerikanischen Geldmittel für die Zerstörung des kolumbianischen Cannabis
felder und die Kontrolle des Cocastrauch-Anbaues sollen angesichts dieser
Sachlage im neuen Haushaltjahr auf 8,945 Millionen Dollar erhöht werden.
Mit amerikanischer Unterstützung intensivierten die kolumbianischen
Behörden in letzter Zeit ihre Gegenmaßnahmen ganz erheblich:

Sie beschlag-

nahmten 1981 und 1982 ca. 3310 t bzw. 3408,7 t Marihuana, 66,4 Millionen

- 3 -

�66,4 Millionen bzw. 41,3 Millionen Einheiten Methaqualon sowie (1982) 881, 2 kg
Kokain; 8,5 Millionen Cannabis-Pflanzen und 19,7 Millionen Coca-Sträucher
wurden vernichtet.

Kolumbien begann auch die Einfuhr der Grundsubstanzen für

die Methaqualon-Produktion zu kontrollieren und die Ausfuhr dieses Opiats zu
drosseln.

Mit Bolivien wurden Verhandlungen über eine einschneidende Redu-

zierung der enorm großen Coca-Pflanzungen auf die für den legalen Kokain-Gebrauch notwendigen Flächen aufgenommen.
Während die Durchführung der im Jahr 1981 mit der Regierung von Peru
getroffenen Vereinbarungen über die Zerstörung von Coca-Pflanzungen (gekoppelt mit einem Sonderprogramm des US-Amtes für Internationale Entwicklung
- AID - für Landgebiete) nur schleppend in Gang kommt, sei Mexiko sehr aktiv.
Dicarlo berichtete von umfassenden, mit amerikanischer Unterstützung vorgenommenen Vernichtungsaktionen der mexikanischen Regierung von Anpflanzungen
durch chemische Sprühmittel in Flugzeugeinsätzen.

Von Dezember 1981 bis De-

zember 1982 wurden 15 956 (943 Hektar) Opiumfelder und 11 046 (788 Hektar)
Marihuanafelder zerstört.

Für Maßnahmen in Mexiko sind 8,5 Millionen Dollar

vorgesehen.

Südwestasien
Während noch Mitte der siebziger Jahre der größte Teil des in die USA
verbrachten Heroins aus Mexiko stammte, stellt heute für mehr als die Hälfte
Südwestasien die Opiumquelle dar. Da mit Afghanistan und dem Iran keine Abmachungen existieren, konzentrieren sich die amerikanischen Bemühungen auf
Pakistan als ein Land, in dem Opium und Heroin produziert und raffiniert wird
und das außerdem als Rauschgift-Umschlagplatz dient. In Verhandlungen und umfangreichen Vereinbarungen mit der pakistanischen Regierung ging und geht es
um wichtige Details - u.a. Einschränkung oder Unterbindung des SchlafmohnAnbaues in bestimmten Provinzen, ländlichen Entwicklungsprogramme über AID
zur Erschließung neuer Einkommensquellen für die Bauern und Umstellung der
Feldkulturen, Aushebung oder Schließung von Heroinküchen (was im November 1982
- 4 -

�November 1982 an der Nordwestgrenze zum ersten Mal unter aktiver Mitwirkung
von Stammesführern geschah), und Schulung von Oberwachungspersonal.

Zu den

Abmachungen gehören auch Klauseln, die die pakistanische Regierung verpflichtet, Gebiete vom Mohnanbau freizuhalten, die sich für Projekte amerikanischer
Wirtschaftshilfe eignen.

Daß der Staatsapparat bereits wirksam arbeiten kann,

zeigte im Dezember 1982 die Beschlagnahme von 396 kg Heroin nahe Peshawar.
Wie Dicarlo ausführte, sind für die Bekämpfung der Opium- und Heroinproduktion und des Handels mit Rauschgift in Pakistan 3,95 Millionen Dollar beantragt.

Die Türkei kontrolliere zwar die Opiumproduktion im Lande, sei aber

nach wie vor für Südwestasien eine Schlüsselregion zum Transit von Opium und
Heroin.

Deshalb sei eine Million Dollar zur Verbesserung der Überwachungs-

maßnahmen vorgesehen.

Südostasien
Schätzungsweise zehn Prozent des in den USA konsumierten Heroins kommen
aus Südostasien.

In den Jahren 1981 und 1982 wurden im sogenannten Goldenen

Dreieck 600 Tonnen Opium produziert - weitaus mehr als noch kurz zuvor.

Ver-

mutlich werden südostasiatische Rauschgifthändler jetzt versuchen, einen größeren Anteil am amerikanischen Heroinmarkt zurückzugewinnen.

Der Umstand,

daß Heroin aus Südostasien billig und leicht zu erlangen ist, zwingt das USAußenministerium erneut, in Gesprächen mit den Regierungen dieser Region darauf zu bestehen, daß der Anbaukontrolle Priorität einzuräumen sei.

Aber

auch Schließung und Verbot von Heroinküchen muß Teil des Programms für die
Region sein - schon allein aus dem Grund, weil Laos der Kontrolle entzogen
ist, die meisten Mohnanbaugebiete in Burma außerhalb des Einflußbereichs der
Regierung liegen und die Entdeckung von Heroinküchen nahe der thailändischburmesischen Grenze solche bereits bewährten Maßnahmen erfordert.
Aus burmesischen Berichten geht hervor, daß Bodentruppen über eine Luftbrücke zur Vernichtung von Mohnanpflanzungen in Gebieten eingesetzt werden,
wo die kommunistische Partei Burmas am Rauschgifthandel beteiligt ist. Zur

- 5 -

�ist.

Zur Unterstützung solcher Aktionen, für Schulungszwecke und die Ver-

besserung des Nachrichtenwesens sind für Burma 5,795 Millionen Dollar vorgesehen.
Die thailändische Regierung übt seit Januar 1982 in umfangreichen militärischen Aktionen gegen die im Grenzgebiet zu Burma operierende "Vereinigte
Shan-Armee", auf die der Hauptanteil des Rauschgifthandels entfällt, und andere in illegalen Drogenhandel und Rauschgiftherstellung verwickelte Gruppen
in diesem Raum Druck mit beachtlichem Erfolg aus. Auch gelang es ihr, die
Mengen an angebotenen Zwischenprodukten zu vermindern, so daß dort weniger
Heroin und Morphinbase produziert werden.

Da jedoch diese Stoffe jetzt in

zunehmendem Maße aus anderen Quellen angeboten werden, beabsichtigen die
USA, so Dicarlo, striktere Kontrollen in der gesamten Region über die Zwischenprodukte zu unterstützen.
Sofern sich auch die thailändische Regierung zur Anbaukontrolle verpflichte, werden die USA entsprechende Entwicklungsprojekte weiterhin fördern. Bisher hat es Thailand versäumt, dem Schlafmohnanbau in Gebieten ein
Ende zu bereiten, die Umstellungshilfe erhielten, versprach jedoch ab 1983
Kontroll maßnahmen zu ergreifen. Sie sollen mit 2,75 Millionen Dollar unterstützt werden.

+ + + + +

- 6 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan kündigt Exportförderung großen Stils an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Absage an den Protektionismus -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sondermarke zum 300. Jahrestag deutscher Siedlung in den Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sieben fragwürdige Behauptungen in der Raketendebatte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Gregory Flynn -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA unterstützen Dialog zur Beendigung der Gewalt in El Salvador&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview mit der US-Chefdelegierten Jeane Kirkpatrick -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Arbeitslosigkeit in Detroit im großen Zusammenhang gesehen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rauschgiftkonsum geht in den USA zurück&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Verstärkte internationale Anstrengungen zur Bekämpfung des Drogenproblems gefordert -&lt;/em&gt;</text>
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mIERlIK

Information
und
Dokumentation

1

Dl ElN!ST

^

United States Information Service
Embassy of the United States of America
2. März 1983

10
INHALT

DOKUMENTATION
Rede von Präsident Reagan vor der "American Legion"
- Wortlaut Weinberger:

Einfrieren der Kernwaffen würde Stillstand der

Rüstungskontroi 1verhandlungen bedeuten
- Rede des US-Verteidigungsministers vor dem amerikanischen
Kriegsteilnehmerverband "American Legion" -

HINTERGRUNDMATERIAL
Initiativen Präsident Reagans zur Rüstungsverminderung
- Eine Chronologie Admiral Howe zu den Abrüstungsverhandlungen
- Erklärung des Direktors des Büros für politisch-militärische
Angelegenheiten im US-Außenministerium WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Verstärkung der Strahlenempfindlichkeit von Tumoren
- FDA genehmigt klinische Erprobung eines neuen Medikaments Schwefelsäurewolken in der Stratosphäre
- Vulkanausbruch beeinflußt vermutlich jahrelang Sonneneinstrahlung

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

2. März 1983

10

REDE VON PRÄSIDENT REAGAN VOR DER "AMERICAN LEGION"
Wortlaut

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 22. Februar 1983 vor
dem amerikanischen Kriegsteilnehmerverband "American Legion" in einer vielbeachteten Rede einen Oberblick über die Politik der Vereinigten Staaten während der ersten zwei Jahre seiner Amtszeit gegeben.

Amerika, so betonte der

Präsident, gehe mit einem "neuen Gefühl des Vertrauens" in die Zukunft.
Die Rede von Präsident Reagan hat folgenden Wortlaut:
Ich möchte Ihnen heute über den Fortschritt berichten, den wir in den
letzten zwei Jahren in unserem Streben nach Frieden und Freiheit in einer unsicheren Welt gemacht haben.
In den letzten Tagen habe ich Berichte von vier leitenden Mitgliedern
dieser Administration erhalten, die von einer weltweiten Mission zurückgekehrt
sind.

Vizepräsident Bush fand eine herzliche Aufnahme in Europa, wo er dazu

beitrug, viele falsche Vorstellungen bezüglich der amerikanischen Politik auszuräumen.

Außenminister Shultz unternahm eine lange Reise durch den Fernen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�den Fernen Osten.

Unsere Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Jeane

Kirkpatrick, kehrte von einer Mission in Süd- und Mittelamerika zurück. Und
mein Berater für nationale Sicherheit, Bill Clark, berichtete von Konferenzen mit unseren Rüstungskontroll Unterhändlern Paul Nitze und Ed Rowny.

Das Erbe der Vergangenheit
Die Berichte all dieser fähigen Regierungsvertreter haben uns einen
Überblick über den aktuellen Stand der internationalen Szene gegeben.

Es

ist ein ermutigender Überblick, der einen wesentlichen Fortschritt seit
jenem Tag im August 1980 erkennen läßt, als ich Sie um Unterstützung bat
und diese erhielt.

Die internationale Lage war damals wirklich besorgnis-

erregend für all jene, die sich Sorgen machten um Amerika und die Sache
des Friedens und der Freiheit.
Unser Land war das Ziel zahlloser politischer und terroristischer Angriffe auf der ganzen Welt.

In den Augen vieler unserer Freunde waren wir

ein unsicherer Verbündeter geworden.

In den Augen potentieller Gegner wa-

ren wir zu einer fragwürdigen Abschreckung vor einer Aggression geworden.
Unsere Position in den Vereinigten Staaten war bis auf einen unerträglichen
Stand gesunken, und unsere Stärke als Weltmacht war, an allen Maßstäben moralisch, politisch, militärisch, wirtschaftlich - gemessen,in einem solchen Maße zurückgegangen, daß die Feinde der Demokratie und der internationalen Ordnung glaubten, sie könnten diese Schwäche ausnützen.

Die Sowjets

haben ihre kubanischen Söldner nach Angola und Äthiopien entsandt; chemische
Waffen gegen unschuldige Laoten und Kambodschaner eingesetzt und sind in
Afghanistan einmarschiert - das alles ungestraft.

Das erniedrigendste Symbol

dieser traurigen Situation war das Schauspiel iranischer Terroristen, die
amerikanische Geiseln nahmen und sie und unser Land über ein Jahr lang demütigten.
Wie konnte

�Wie konnte all das geschehen?

Die Antwort ist:

aufgehört, ein Führer der Welt zu sein.

Amerika hatte einfach

Das war nicht die ausschließliche

Schuld eines Politikers oder einer Partei - und es wird einer wirklich überparteilichen Anstrengung bedürfen, das alles wieder in Ordnung zu bringen.
Zu lange bestand unsere Außenpolitik aus Reaktionen auf Krisen, Reaktionen auf politische Programme anderer und aus Reaktionen auf feindselige Handlungen der Gegner von Freiheit und Demokratie.

Wir standen immer im Wettbe-

werb auf dem Felde, das unsere Gegner wählten, mit Themen und Zeitpunkten
ihrer Wahl.

Und niemand weiß besser als Kriegsteilnehmer, daß man, wenn man

in der Defensive ist, nicht vorrücken kann.

Die einzige Bewegung, die einem

bleibt, ist der Rückzug.
Manche unserer Meinungsmacher hatten aufgehört, daran zu glauben, daß
wir eine Macht für das Gute in der Welt sind. Sie schämten sich, weil Amerika
reich war in einer Welt mit so viel Armut. Sie erklärten viel zu selten,
wenn überhaupt, daß Amerikas Reichtum nicht aus Ausbeutung oder vom bloßen
Glück stammt, sondern aus der harten Arbeit des amerikanischen Volkes, aus
der Risikofreudigkeit amerikanischer Investoren, aus dem schöpferischen Geist
amerikanischer Erfinder und Unternehmer und aus einem freien System der Anreize.
Zu viele unserer führenden Persönlichkeiten sahen die Sowjets als ein
Spiegelbild ihrer selbst. Wenn wir nur abrüsteten, dann würden die Sowjets
ein Gleiches tun. Sie verbrachten all ihre Zeit damit, die Welt so zu sehen,
wie sie sehen wollten, nicht, wie sie wirklich war und ist. Und so kann man
den Frieden nicht sichern.
Ihre Einstellung ließ den zentralen Bezugspunkt der Politik außer acht
- das Denken, die Herzen, die Sympathien, die Hoffnungen und Wünsche nicht
der Regierungen, sondern der Völker. Das 20. Jahrhundert hat die wachsende
Beteiligung aller Völker an der internationalen Politik gebracht - und Amerika war auf dem Weg dahin führend. Und doch haben selbst in diesem Zeitalter

- 3 -

�diesem Zeitalter der Massenkommunikation zu viele unserer Führer diese entscheidende Dimension außer acht gelassen.
Zu viele unserer verantwortlichen Politiker hatten den Bezug zu den
sich verändernden Realitäten der Welt verloren.

Ihnen fehlte die Einsicht,

daß Amerika, wenn es heute eine wirksame Macht des Friedens sein sill, erfolgreich um die Sympathien der Weltbevölkerung - der weltweiten Wählerschaft werben muß.

Wir können nicht einfach nur gegen dies und gegen das sein.

Wir

können nicht einfach nur defensiv auf die politischen Vorschläge anderer reagieren, sie manchmal kritisieren, uns manchmal mit ihnen abfinden, ohne positive Alternativlösungen für Grundprobleme des Menschen anzubieten.
Kurz gesagt, sie ließen unsere Pflicht außer acht, für den konstruktiven
Wandel zu arbeiten, nicht einfach nur den Status quo zu erhalten.

Ein Konsens für erneute amerikanische Führung
Glücklicherweise spürte das amerikanische Volk, wohin diese gefährliche
Reise ging. Und 1980 setzte ein nationales Wiedererwachen ein - ein Wiedererwachen, das zu einem neuen Pflichtgefühl führte, einem neuen Gefühl des
Vertrauens in Amerika und die universalen Prinzipien und Ideale, auf denen
unser freies System ruht. Es handelt sich hier nicht um eine arrogante Forderung, daß sich andere unserer Lebensweise anpassen sollen; es handelt sich
um die realistische Überzeugung, daß das amerikanische Experiment relativ und
erwiesenermaßen Erfolg gehabt hat. Was wir in Amerika heute erleben - trotz
der vielen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, mit denen wir zu kämpfen haben ist die erneute Überzeugung, daß unser System richtig ist. Das System hat
uns nie im Stich gelassen. Wir haben das System im Stich gelassen, jedesmal
wenn wir die fundamentalen Prinzipien vergaßen, auf denen es beruht.
Wenn Amerika die ihm zustehende Rolle in der Welt spielen sollte, dann
mußten wir erst unser eigenes Haus in Ordnung bringen.

- 4 -

1

Ersten

und höchsten

�und höchsten Vorrang hatte die Wiederherstellung einer gesunden wirtschaftlichen Basis hier in unserem eigenen Lande.

Wir mußten der Inflationsspirale

Einhalt gebieten, die unser Land jahrelang heimgesucht hat, Not unter jenen
verbreitend, die von festen Einkommen leben müssen; die Märkte für langfristiges Kapital zerstörend; und die Zukunft unserer Kinder und Enkel verpfändend.
Dann mußten wir die Grundlage für einen Wiederaufschwung schaffen, der auf anhaltendem Wachstum beruht, ohne das Gespenst der Inflation wieder gegen uns
und die Welt loszulassen.
Wir haben unser erstes wirtschaftliches Ziel erreicht, und wir sind
der Erreichung des zweiten ein gutes Stück näher gekommen.

Die Inflation,

die 1979 und 1980 noch zweistellig war, betrug 1982 nur 3,9 Prozent und war
im letzten Quartal auf eine auf Jahresbasis umgerechnete Rate von nur 1,1 Prozent gesunken.
Die andere wesentliche Vorbedingung einer gestärkten und zielstrebigen
Außenpolitik war der Wiederaufbau der Grundlage unserer militärischen Stärke.
"Für den Krieg vorbereitet zu sein", so sagte George Washington, "ist... das
wirksamste Mittel, um den Frieden zu erhalten."

Gerade weil wir dem Frieden

verpflichtet sind, haben wir die moralische Pflicht, die Glaubwürdigkeit der
Verteidigung Amerikas zu gewährleisten.
Ich bin mir durchaus im klaren, daß viele wohlmeinende Menschen die
Ausgabe gewaltiger Summen Geldes für militärische Zwecke in einer Zeit wirtschaftlicher Schwierigkeiten bedauern.

Ähnliche Stimmen wurden auch in den

dreißiger Jahren laut, als die wirtschaftlichen Verhältnisse sehr viel schlimmer waren als das, was wir heute mitmachen.

Aber weil man diesen Stimmen

nachgab, entstand ein katastrophales militärisches Ungleichgewicht, das die
Kräfte der Tyrannei und des Bösen in Versuchung führte und die Welt in einen
ruinösen Krieg stürzte.

Manche von Ihnen werden sich noch daran erinnern,

wie sie mit Holzgewehren exerzierten und Manöver mit Panzern aus Pappe abhielten.

Diese Erfahrung dürfen wir nicht noch einmal machen.
Zwei Jahrzehnte

�Zwei Jahrzehnte lang hat die Sowjetunion nichts anderes getan, als die
mächtigsten Streitkräfte in der Geschichte der Menschheit aufzubauen.

In

diesem Zeitraum begrenzten die Vereinigten Staaten ihre eigenen Militärausgaben bis zu dem Punkt, an dem unsere Investitionen in die Verteidigung
real zurückgingen, während sich die militärischen Investitionen der Sowjets
während der siebziger Jahre auf fast das Doppelte unserer eigenen beliefen.
Weder unsere Selbstbeschränkung, noch der Verzicht auf wichtige Waffensysteme,
noch die Ernte eines Jahrzehnts an Rüstungskontroi labkommen und -Verhandlungen
haben dem Streben der sowjetischen Führung nach weltweiter militärischer Überlegenheit Einhalt geboten, ja es nicht einmal verlangsamt.
Vor zwei Jahren haben wir mit der langen und schweren Aufgabe begonnen,
die amerikanische Verteidigung nach diesen Jahren der Unterfinanzierung und
Vernachlässigung wieder aufzubauen.

Heute stehen wir kurz davor, ein Ver-

teidigungsprogramm einzusetzen, das unsere Sicherheitserfordernisse erfüllt.
Wenn wir die Entschlossenheit zeigen, die militärischen Ausgaben auf dem notwendigen Stand zu halten, dann können wir das Gleichgewicht und die Abschrekkung wiederherstellen und den Frieden besser schützen.

Amerikas Ziel in den achtziger Jahren
Ich möchte mich jetzt unserer außenpolitischen Strategie zuwenden. Das
erste, was diese Administration tat, war das, was das amerikanische Volk nach
unserer Meinung von uns erwartete - nämlich eine realistische Betrachtungsweise der Welt und unserer Gegner einzuführen und die unverfälschte Wahrheit
über sie zu sagen. Wenn man schlechtes Benehmen auch noch entschuldigt, dann
ermutigt man die Leute, die sich schlecht benehmen,und lädt zur Aggression ein.
Wenn wir eine Politik der Ehrlichkeit und des Realismus gegenüber den
Sowjets verfolgen, dann heißt das nicht, daß keine produktiven Beziehungen
zwischen unseren beiden Ländern möglich wären. Was für solche Beziehungen notwendig ist, sind Zurückhaltung und Gegenseitigkeit.

- 6 -

Zurückhaltung muß in

�muß in Taten und nicht nur in Worten geübt werden. Wir achten das Völkerrecht und die Unabhängigkeit anderer Völker.

Alles was wir wollen, ist, daß

sich die Sowjets genauso verhalten.

Wiederherstellung der Beziehungen zu Verbündeten
Glücklicherweise ist Amerika in seinem Streben nach einer friedlichen,
gedeihlichen und humanen internationalen Ordnung keineswegs allein. Neben
uns stehen unsere Freunde und Verbündeten, vor allem die Demokratien Europas,
Lateinamerikas, Asiens und des Pazifik. Mit uns sind im Geiste auch Millionen von Menschen in Polen und anderen sowjetisch beherrschten Ländern, wie
auch im sowjetischen Imperium selbst. Ich habe dieser Tage ein Foto gesehen,
das aus Polen herausgeschmuggelt wurde. Das Foto zeigt einen kleinen Jungen
und ein ganz kleines Mädchen, die ein Pappschild tragen, auf dem steht:
"Unser Vater ist im Gefängnis für die Solidarität".
Die Aufrechterhaltung unserer Bündnispartnerschaften ist ein Schlüssel
unserer Außenpolitik. Der Grundpfeiler der Sicherheit Europas ist und bleibt
das NATO-Bündnis. Die NATO ist mehr als nur ein Militärbündnis. Sie ist ein
freiwilliger politischer Zusammenschluß freier Männer und Frauen auf der Basis
gemeinsamer Prinzipien und einer gemeinsamen Geschichte. Die Bindungen, die
uns mit unseren europäischen Verbündeten verknüpfen, sind nicht die harten
Bindungen der reinen Nützlichkeit oder die schweren Handschellen des Zwangs.
Sie sind so etwas wie das, was Abraham Lincoln das "mystische Band der Erinnerung" nannte, das Völker verbindet, die eine gemeinsame Vision haben.
Möge niemand auf der einen wie auf der anderen Seite des Atlantik daran zweifeln: Die Freiheit und die Unabhängigkeit der Verbündeten Amerikas sind
und bleiben uns so teuer wie die unsrigen.
Das fundamentale Ziel der sowjetischen Außenpolitik ist es, die Bande
zu zerbrechen, die uns mit unseren NATO-Partnern verbinden. Die wachsende
nukleare Bedrohung Europas, vor allem seit Mitte der siebziger Jahre, hat

- 7 -

�Jahre, hat ein politisches wie auch ein militärisches Ziel - die bewußte
Steigerung eines Gefühls der Unsicherheit unter den Völkern Westeuropas und
die Forderung nach Anpassung an die sowjetische Macht.
Das letztliche Ziel der Sowjets in Europa ist es, die Länder zu zwingen,
sich den sowjetischen Interessen zu sowjetischen Bedingungen anzupassen. Wir
sollten eigentlich alle wissen, wie diese Bedingungen aussehen. Wir brauchen
nur bis zur Berliner Mauer und bis zum Eisernen Vorhang zu gehen. Die Wahrheit ist etwas, was wir und unsere NATO-Verbündeten ohne Zögern einsetzen
sollten, um den Vorwürfen und Drohungen gegen uns zu begegnen. Die Wahrheit
zu sagen, war eine der Hauptaufgaben, die Vizepräsident Bush auf seiner kürzlichen Europareise erfüllt hat. Er hat die Luft von Falschinformationen gereinigt - ja von bewußten Fälschungen.
- Er bekräftigte die fundamentale Verpflichtung Amerikas zum Frieden. Wir
betreiben keinen Imperialismus, keine Aggression oder Eroberung. Wir
bedrohen niemanden. Die sowjetischen Führer wissen nur zu gut, daß es
in den Vereinigten Staaten oder sonstwo im Westen keine politische Wählerschaft gibt, die für eine militärische Aktion wäre.
- Vizepräsident Bush bekräftigte unsere Verpflichtung zu ernsthaften,
beiderseitigen und verifizierbaren Rüstungsverringerungen. Unser Vorschlag ist ernst gemeint und brächte wirkliche Verringerungen der Waffen und nicht nur ein Festschreiben des bestehenden Standes der Bewaffnung auf beiden Seiten.
- Der Vizepräsident hat auch meine Bereitschaft übermittelt, jederzeit
und überall mit Generalsekretär Andropow zusammenzutreffen und ein Abkommen zu unterzeichnen, das eine ganze Klasse von Waffen vom Antlitz
dieser Erde verbannen würde. Dieses Angebot gilt weiterhin.
- Und schließlich hat er unsere Überzeugung vermittelt, daß ein Erfolg
in den Bemühungen, die strategischen Arsenale beider Seiten wesentlich

•;&lt;
»

I

�Seiten wesentlich zu verringern, von der anhaltenden Einigkeit im
Bündnis und von der Entschlossenheit abhängt, die Wahrheit über die
Bedrohung zu sagen, vor der wir stehen.
Ich bin eine starke persönliche Verpflichtung eingegangen, bei den Verhandlungen in Genf über nukleare Mittel Streckensysteme ein Rüstungsverminderungsabkommen zu erreichen.

Wir und unsere Verbündeten sind uns voll und

ganz einig, daß mein Vorschlag für die völlige Beseitigung einer ganzen Klasse
von weiterreichenden, landgestützten INF-Raketen die beste und moralischste
Lösung ist und bleibt.

Wir verhandeln in Genf in gutem Glauben und wir nehmen

keineswegs eine "Alles oder Nichts"-Position ein.

Unsere Verhandlungen in

Genf gehen von vernünftigen Prinzipien aus, die nach langen und eingehenden
Konsultationen von allen unseren Verbündeten unterstützt werden.

Zu diesen

Prinzipien gehören:
- Die einzige Basis, auf der ein faires Abkommen erreicht werden kann,
ist die der Gleichheit der Rechte und Begrenzungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.
- Daraus folgt, daß britische und französische strategische Systeme per
definitionem nicht Bestandteil dieser bilateralen Verhandlungen sind
und daher nicht über sie verhandelt werden kann.
- Ferner können sowjetische Vorschläge, die die Bedrohung lediglich von
Europa nach Asien verlagern würden, nicht als vernünftig betrachtet
werden.
- Und schließlich wird es, wie auf allen Gebieten der Rüstungskontrolle,
entscheidend wichtig sein, daß ein INF-Abkommen durch wirksame Verifizierungsmaßnahmen garantiert wird.
Wir betrachten diese Vorschläge als ein Angebot der besten Hoffnung
auf die Gewährleistung von Frieden und Stabilität durch die Verringerung der
INF-Systeme.

Zu diesem Zweck hat Botschafter Nitze die Anweisung, in Genf

�in Genf alle vorgeschlagenen Lösungen zu sondieren, die im Einklang mit den
Prinzipien stehen, hinter denen das Bündnis steht.
Wenn wir von Bündnissen, Freunden und Anliegen der Vereinigten Staaten
sprechen, dann müssen wir Asien besondere Aufmerksamkeit schenken.

Die ame-

rikanisch-japanischen Beziehungen sind und bleiben das Kernstück unserer
Asienpolitik.

Zusammen können die Vereinigten Staaten und Japan einen gewal-

tigen Beitrag zur wirtschaftlichen Dynamik und zum technologischen Fortschritt
leisten, die wir für das wirtschaftliche Wachstum und die wirtschaftliche Entwicklung in der ganzen Welt brauchen.

In Asien selbst werden wir weiterhin

unsere Partnerschaft zur Unterstützung des Friedens stärken.

Ministerpräsi-

dent Nakasone und ich haben während seines kürzlichen Besuches-in Washington
unsere Verpflichtung zu dieser Partnerschaft bekräftigt - und der Besuch von
Außenminister Shultz in Tokio hat das unterstrichen.
Unser Verhältnis zur Volksrepublik China ist ein weiterer wichtiger
Punkt - nicht nur für den Frieden und die Stabilität in Asien, sondern in
der ganzen Welt.

Während seines Besuches in Peking hat Außenminister Shultz

viele Stunden lang offene und nützliche Gespräche mit chinesischen Führern
geführt.

Das wichtigste Ergebnis dieser Gespräche war die Erkenntnis, daß

trotz unserer offenkundigen Differenzen beide Seiten diese Beziehung schätzen
und sich verpflichtet fühlen, sie zu verbessern.
Wenn wir unsere Beziehungen zu China ausbauen, dann werden wir unsere
anderen Freunde in diesem Gebiet nicht vergessen. Wir sind verpflichtet,
unsere Beziehungen zur Bevölkerung Taiwans zu pflegen, mit der wir eine lange
und ehrenhafte Verbindung haben. Unsere Bindungen zur Republik Korea bleiben
fest, und Truppen unserer beiden Länder schützen gemeinsam das geteilte Land
gegen eine drohende Aggression aus dem Norden.
In Südostasien arbeitet die Vereinigung Südostasiatischer Nationen
(ASEAN) zusammen, um das wirtschaftliche, kulturelle und bildungspolitische
Wachstum der Region zu fördern. Unser Land hat enge gegenseitige Bindungen
zur ASEAN und ihren einzelnen Mitgliedern. Der ANZUS-Pakt mit Australien und
- 10 -

�Australien und Neuseeland gehört zu den wichtigsten Beziehungen, die wir in
der heutigen Welt haben.

Die Erhaltung des Friedens
In vielen wichtigen Teilen der Welt fordern aktive Konflikte das Leben
unschuldiger Menschen, hemmen das wirtschaftliche Wachstum und blockieren
den wirtschaftlichen Fortschritt.

Die Vereinigten Staaten besitzen eine

einmalige Fähigkeit und die Pflicht, in diesen Regionen für den Frieden zu
arbeiten.
Im Nahen Osten arbeiten wir daran, die Völker dieses Gebietes zu überzeugen, daß dauerhafter Frieden und dauerhafte Sicherheit nur durch direkte
Verhandlungen und nicht durch die Anwendung bewaffneter Gewalt zustande kommen können. Ein sicherer und dauerhafter Frieden für Israel und seine arabischen Nachbarn, einschließlich einer Lösung des Palästinenserproblems, die
die legitimen Rechte dieses Volkes befriedigt, ist ein grundlegendes Ziel
unserer Außenpolitik. Wir haben eine neue Initiative eingebracht, die dazu
dienen soll, den in Camp David begonnenen Verhandlungsprozeß zu beschleunigen und auszuweiten. Dieser Prozeß erfüllte das Prinzip, besetztes Territorium für den Frieden zwischen Israel und Ägypten einzutauschen. Heute
möchte ich meinen Appell an die arabische Welt wiederholen, die Existenz
Israels und die Realität anzuerkennen, daß Frieden und Gerechtigkeit nur
durch direkte Verhandlungen gewonnen werden können. König Hussein sollte
in seinen Bemühungen unterstützt werden, ein gemeinsames jordanisch-palästinensisches Team zusammenzubringen, um über die Zukunft von Westjordanland, Gaza und Jerusalem zu verhandeln.

Wir arbeiten auch weiterhin an dem totalen Abzug aller ausländischen
Streitkräfte aus dem Libanon, damit dieses Land wieder ein unabhängiger, souveräner Staat werden kann.

Wir appellieren an Syrien, die PLO und Israel,

ihre Truppen so rasch wie möglich aus dem Libanon abzuziehen.

Eine weitere

Besetzung des Libanon durch diese Streitkräfte kann nur den Interessen jener
- 11 -

�Interessen jener dienen, die die Sache des Friedens untergraben wollen.
Diese Administration ist bereit, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen,
um die Sicherheit der Nordgrenze Israels nach einem vollständigen Abzug
der israelischen Armee zu garantieren.

Wahrer Frieden kann nur aus frei

ausgehandelten Abkommen entstehen - nicht aus Lösungen, die mit Gewalt aufgezwungen werden.

Stärkung des internationalen Wirtschaftssystems
Die Welt erlebt eine Periode großer wirtschaftlicher Instabilität einer Instabilität, die sogar beträchtliche Gefahren für die Sicherheit
der Welt in sich birgt.

Wir und unsere Verbündeten müssen den politischen

Mut zeigen, bei der Durchführung der notwendigen Gegenmaßnahmen zusammenzuarbeiten, vor allem, wenn diese Gegenmaßnahmen kurzfristig Opfer fordern.
Noch nie hat es so gestimmt, daß wir alle jeder für sich hängen werden, wenn
wir nicht zusammenhängen.
Ein wesentliches Element unseres Verhältnisses zu Ländern in der ganzen
Welt ist die wirtschaftliche Verbindung, die uns mit Handelspartnern vereint.
Ich möchte heute nicht auf die Details unserer internationalen Handels- und
Wirtschaftspolitik eingehen, aber einen Punkt möchte ich doch hervorheben,
daß es unsere Politik ist und weiterhin sein wird, uns dem Protektionismus
im eigenen Land und im Ausland zu widersetzen und für die Fortführung des
freien Handels einzutreten, der der Welt so gute Dienste geleistet hat.

Fortschritt für die Entwicklungsländer
In engem Zusammenhang mit der Handels- und Wirtschaftskomponente unserer Außenpolitik steht unser Verhältnis zu den Entwicklungsländern. Ich
bin überzeugt, daß die Zeit für unser Land und für andere Länder gekommen
ist, sich den Problemen der Entwicklungsländer in einer direkteren und wenigefr

- 12 -

�und weniger "väterlichen" Weise zuzuwenden.

Tatsache ist, daß massive Zufüh-

rung von Auslandshilfe sich nicht nur als unwirksam erwiesen hat, die wirtschaftlichen Entwicklung der Dritten Welt anzuregen - in vielen Fällen war
sie sogar kontraproduktiv.

Diese Art Auslandshilfe ist nichts anderes als

Wohlfahrtszahlung in globalem Ausmaß - und genau so unwirksam und entwürdigend.

Unsere Wirtschaftshilfe muß sorgfältig gezielt sein und muß die Ener-

gien und Anstrengungen des privaten Sektors maximal nutzen.
Diese Denkweise kommt in der Initiative für das Karibische Becken zum
Ausdruck, die ich voriges Jahr verkündet habe. Ihr Ziel besteht darin, Handel, Hilfe und Investitionsanreize in einer ausgewogenen Vereinbarung zu kombinieren, die die Selbsthilfe der Menschen im Karibischen Becken anregt.
Immer wieder haben mir die Führer dieser Länder gesagt, daß sie keine Almosen
haben wollen, sondern Hilfe, um ihr eigenes Leben durch eigene Anstrengungen
zu verbessern.
Ein wichtiger Teil dieser Hilfe ist die Einführung wirksamer ManagementPraktiken und wirtschaftlichen Denkens, die so viel zur erfolgreichen Entwicklung in fortgeschrittenen Volkswirtschaften beigetragen wie der unsrigen.
Es gibt keine gefährlichere Fehleinschätzung als die Vorstellung, der Kapitalismus sei ein Wirtschaftssystem, in dem nur die Reichen profitieren. Wirtschaftliche Freiheit ist der stärkste Antrieb der Welt zu Wohlstand und sozialer Gerechtigkeit. Sie hat in unserem Lande mehr Wohlstand geschaffen und ihn
breiter unter unser Volk verteilt als irgendeine andere bekannte Gesellschaftsform der Menschheit. Die Entwicklungsländer müssen ermutigt werden, mit der
wachsenden Vielfalt von Möglichkeiten der Gewinnbeteiligung und der Ausweitung des Kapitalbesitzes zu experimentieren, die wirtschaftliche Verbesserungen für ihre Bevölkerung bringen können.
Natürlich sind die wirtschaftlichen Probleme nicht die einzigen Probleme,
mit denen sich die Entwicklungsländer auseinandersetzen müssen. Die schwankende Mischung von Armut und sozialer und politischer Instabilität macht
viele dieser Länder zum natürlichen Ziel der Subversion durch den neuen Kolonialismus der totalitären Linken. Wenn Länder ihre ohnehin knappen Mittel von
- 13 -

�Mittel von der wirtschaftlichen Entwicklung abzweigen müssen, um gegen importierten Terrorismus oder Guerillakrieg zu kämpfen, dann bleibt der wirtschaftliche Fortschritt auf der Strecke.

Daher ist die Sicherheitshilfe ein

integraler Bestandteil unserer Hilfspolitik gegenüber Lateinamerika und der
Entwicklungswelt allgemein.
In Mittelamerika stehen wir vor einer besonderen Bedrohung, die ein
Risiko für unsere nationale Sicherheit darstellt.

Mittelamerika liegt zu

nahe bei uns, und es geht bei den Seewegen in der Karibik und beim Panamakanal um zu viel, als daß wir die Realität außer acht lassen könnten.

Das

Gespenst marxistisch-leninistisch kontrollierter Regierungen in Lateinamerika
mit ihren ideologischen und politischen Abhängigkeiten von Kuba und der
Sowjetunion stellt eine direkte Herausforderung dar, auf die wir reagieren
müssen.

Armut zusammen mit sozialer und politischer Instabilität stellen

eine schwankende Mischung dar, die der neue Kolonialismus der totalitären
Linken für seine eigenen zynischen Zwecke auszunutzen versucht.
Die Bestätigung der Demokratie in Costa Rica durch die dortigen Wahlen
im vorigen Jahr, der Obergang von einer Militärherrschaft zu einer gewählten Zivilregierung in Honduras und der Beginn einer Demokratie in El Salvador
mit den erfolgreichen Wahlen im März vorigen Jahres beweisen, daß wir auf
dem richtigen Wege sind.
Dank dieses Fortschritts wird die marxistische Revolution nicht mehr
als die unausweichliche Zukunft für Mittelamerika betrachtet. Die überwältigende Mehrheit der Mittelamerikaner spricht sich klar für Demokratie mit
freien Wahlen,freien Gewerkschaften, Religionsfreiheit und der Achtung der
Unantastbarkeit des Einzelmenschen aus.
Aber wirtschaftliche Reform braucht Zeit, um Fuß zu fassen, und die
Demokratie bedarf der besonderen Pflege in Ländern, in denen sie keine alte
Tradition hat. Wir müssen sicherstellen, daß die Regierungen in El Salvador
und anderen mittel amerikanischen Staaten sich selbst gegen die marxistische
Guerilla verteidigen können, die Waffen, Ausbildung und Geld über Kuba und
- 14 -

�Kuba und Nicaragua erhält.

Die Vereinigten Staaten können und werden nicht

zulassen, daß marxistischer Terror und marxistische Subversion in Mittelamerika die Oberhand gewinnen.
Gleichzeitig werden wir weiterhin durch unsere eigenen Bemühungen die
Anstrengungen anderer Demokratien unterstützen, alle Möglichkeiten der Versöhnung und des Friedens in Mittelamerika auszuschöpfen.
mand täuschen:

Aber möge sich nie-

Wir werden unsere Freunde niemals verlassen.

Und wir wer-

den niemals unsere Oberzeugung aufgeben, daß legitime politische Macht nur
aus freien, offenen und regulären Wahlen hervorgehen kann.
Botschafterin Kirkpatrick hat auf ihrer jüngsten Lateinamerikareise
eingehende Konsultationen mit Führern der Region gepflogen und ihnen versichert, daß wir an unseren gemeinsamen Anstrengungen festhalten, die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern, die Sicherheitsanliegen zu unterstützen
und die Kräfte der Freiheit zu stärken.

Weltweite Förderung demokratischer Institutionen
Als ich im Juni vorigen Jahres vor dem britischen Parlament sprach,
habe ich das allumfassende Ziel unserer Außenpolitik aufgezeigt.

Ich be-

merkte, daß Amerikaner eine positive Vorstellung von der Zukunft der Welt
haben- eine realistische und eine idealistische Vorstellung.

Wir wollen

eine Welt, die mit Zustimmung der Regierten in Frieden und Freiheit lebt.
Bisher haben wir und die anderen Demokratien jedoch unsere Aufgabe nicht
sehr gut erfüllt, den aufstrebenden Nationen Demokratie und freie Wirtschaft
zu erklären.
Manche Leute argumentieren, daß jeder Versuch, das zu tun, eine Einmischung in die Angelegenheiten anderer bedeute - einen Versuch, anderen
die eigene Lebensweise aufzuzwingen.

Das ist es überhaupt nicht.

tion hat das Recht, ihr eigenes Schicksal selbst zu bestimmen.

Jede Na-

Aber zu be-

streiten, daß demokratische Werte für die heutige Entwicklungswelt eine echte
- 15 -

�eine echte Bedeutung haben

oder für die Millionen von Menschen, die vom

Kommunismus unterdrückt werden, hieße, die universelle Bedeutung des grundlegenden zeitlosen Glaubensbekenntnisses negieren, daß alle Menschen gleich
geschaffen sind - und daß sie vom Schöpfer mit bestimmten unveräußerlichen
Rechten ausgestattet worden sind.
Menschen, die heute in Afrika, Lateinamerika oder in Zentralasien leben, besitzen die gleichen unveräußerlichen Rechte, ihre eigene Regierung zu
wählen und über ihr eigenes Schicksal selbst zu bestimmen, wie wir.
Indem sie die zeitlosen Werte und Wahrheiten miteinander verbanden,
haben Amerikaner immer die Realitäten der heutigen Welt hochgehalten und die
fange einer fundamental neuen Ausrichtung der amerikanischen Außenpolitik
geschaffen - einer Politik, die sich nicht schämt oder entschuldigt zu erklären, wie unsere kostbaren freien Institutionen funktionieren, und den
sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt zu beschreiben, den sie in so einmaliger Weise fördern.
Geschichte ist kein Weg in die Dunkelheit, der unausweichlich zur
Tyrannei führt, wie uns die Kräfte des Totalitarismus glauben machen möchten. Im Gegenteil, eines zeichnet sich im Weltgeschehen deutlich ab - und
hat sich in jedem Jahr dieses Jahrhunderts immer deutlicher abgezeichnet -,
daß der Weg in die entgegengesetzte Richtung geht. Es ist die wachsende Entschlossenheit der Männer und Frauen aller Rassen und Herkunft, ihr Schicksal
selbst in die Hand zu nehmen und sich von Willkürherrschaft zu befreien.
Mehr als jede andere menschliche Triebfeder ist dies die treibende Kraft,
die die Menschheitsfamilie heute vereint - der brennende Wunsch, unbehindert
in einer Welt zu leben, die die Rechte des einzelnen und der Nationen achtet.
Ich würde zugeben, daß wir Unrecht hätten, wenn wir Stacheldraht spannen
müßten, um unsere Bürger daran zu hindern, das Land zu verlassen.
Nichts macht mich stolzer auf das Land, dem ich diene, als die Tatsache, daß Amerika wieder an der Spitze dieser Bewegung steht.

- 16 -

Wollen wir

�Wollen wir nicht mehr auf jene Stimmen hören, die uns nur zu lange unter
dem Gewicht eines Schuldkomplexes gebeugt sehen wollten.
Es ist Amerika, das die Beseitigung einer ganzen Klasse von Kernwaffen
vom Antlitz der Erde vorgeschlagen hat - das eine fünfzigprozentige Verringerung der strategischen Interkontinentalraketen vorgeschlagen hat.
Es ist Amerika, das zur Beendigung der Belagerung von Beirut beigetragen hat und aktiv daran arbeitet, den Friedensprozeß im Nahen Osten auszuweiten.
Es ist Amerika, das eng mit den afrikanischen Frontstaaten und unseren
europäischen Verbündeten zusammengearbeitet hat, um Frieden in Afrika zu
bringen - und das unermüdlich mit Großbritannien und Argentinien daran gearbeitet hat, eine friedliche Lösung des Konflikts im Südatlantik zu erreichen.
Es ist Amerika, das in Lateinamerika und anderswo in der Welt den Trend
zur Demokratie ermutigt - und mit den moslemischen und all den anderen Ländern zusammenarbeitet, die eine Beendigung der brutalen Besetzung Afghanistans
durch die Sowjets wollen.
Es ist Amerika, das sich anderen freien Völkern in der Forderung nach
Versöhnung und Beendigung der Unterdrückung in Polen anschließt.
Und, jawohl, es ist Amerika, das führend in der Welt ist, was die Beiträge zu humanitären und Flüchtlingsprogrammen sowie die Unterstützung von
Programmen anbetrifft, um den weniger glücklichen Ländern der Welt zu helfen.
Es ist an der Zeit, daß wir wieder eine unbestreitbare Wahrheit bekräftigen - daß Amerika die größte Friedensmacht in der heutigen Welt ist und
bleibt.
Trotz all
- 17 -

�Trotz all der Belastungen und Mühen der jüngsten schweren Prüfungen
sind die Vereinigten Staaten noch immer eine junge Nation - eine Nation,
die nicht nur aus ihrem materiellen Oberfluß und ihrer wirtschaftlichen
Macht immer wieder neue Stärke schöpft, sondern auch aus freien Idealen,
die heute noch so voller Leben sind wie sie vor zwei Jahrhunderten waren,
als eine kleine, aber tapfere Schar, die wir unsere Gründervä'ter nennen,
ihr Leben, ihr Schicksal und ihre heilige Ehre in die Schanze schlugen, um
Freiheit und Unabhängigkeit zu gewinnen.
Meine Mitlegionäre, der amerikanische Traum lebt - nicht nur in den
Herzen und Hirnen unserer eigenen Landsleute, sondern auch von Millionen
von Menschen auf der Welt in freien und unterdrückten Gesellschaften, die
von uns eine Führung erwarten. Solange dieser Traum lebt, solange wir ihn
verteidigen, hat Amerika eine Zukunft - und die ganze Menschheit hat Grund
zu hoffen.

+ + + + +

- 18 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

10

2. März 1983

WEINBERGER: EINFRIEREN DER KERNWAFFEN WÜRDE STILLSTAND DER
RÜSTUNGSKONTROLLVERHANDLUNGEN BEDEUTEN
• Rede des US-Verteidigungsministers vor dem amerikanischen
Kriegsteilnehmerverband "American Legion" -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Caspar
Weinberger erklärte am 25. Februar 1983 im Pentagon vor Mitgliedern des
amerikanischen Kriegsteilnehmerverbandes "American Legion Auxiliary",
daß ein Einfrieren der Kernwaffen zum gegenwärtigen Zeitpunkt "alle Hoffnungen auf bedeutsame Rüstungsverringerungen mit den Sowjets zunichte
machen würde."
Die wichtigsten Teile der Rede Weinbergers haben folgenden Wortlaut:
Blicken wir auf die Sowjetunion, so erkennen wir, daß sie seit 20
Jahren ständig eine immer gewaltigere militärische Macht aufhäuft.

Diese

Aufrüstung ließ in ihrem Tempo auch dann nicht nach, als sich die Vereinigten Staaten entschlossen, ihre eigenen Militärausgaben einzuschränken dies ging so weit, daß sie praktisch fast während der gesamten siebziger
Jahre real sogar zurückging.

Die Sowjets hingegen haben das Tempo auch

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Tempo auch bis jetzt noch nicht verlangsamt.

Ergebnis ihrer Aufrüstung

und unserer Vernachlässigung ist ein gefährliches Umkippen des militärischen
Gleichgewichts, das für die Aufrechterhaltung der Abschreckung und für die
Friedenssicherung von so entscheidender Bedeutung ist.
Es ist von äußerster Wichtigkeit, daß wir die grundlegenden Fakten des
militärischen Gleichgewichtes begreifen - daß die sowjetischen Investitionen
in zukünftige militärische Kapazitäten rund doppelt so hoch sind wie die unsrigen; daß die Sowjets den Vereinigten Staaten in fast jeder Waffenkategorie
weit voraus sind.

Aber wir müssen auch über die schlichten Zahlen hinaus-

gehen und fragen, was die sowjetische Aufrüstung tatsächlich bedeutet - oder
bedeuten könnte.

Und wenn wir sie unter diesem Aspekt betrachten, entdecken

wir zwei Tatsachen der militärischen Kapazitäten der Sowjetunion, die uns
frösteln lassen und die über jeden Vergleich von Zahl gegen Zahl hinausgehen.
Die erste Tatsache ist, daß die Sowjetunion etwas entwickelt hat, was
man nur als eine offensive Militärstreitmacht interpretieren kann.
Im Bereich der Kernwaffen bauen die Sowjets z.B. auch weiterhin weit
mehr Interkontinentalraketen, als sie lediglich zur Vergeltung eines Angriffes
benötigen. Sie haben außerdem die Fähigkeit entwickelt, einige dieser Raketen
erneut zu laden und abzuschießen. Sie haben die Treffgenauigkeit ihrer Kernwaffen stark verbessert - zu einem großen Teil, wie ich hinzufügen muß, als
Folge der Technologien, die sie von uns übernommen haben - und sind nunmehr
in der Lage, die meisten unserer eigenen landgestützten Raketen durch einen
Erstschlag zu zerstören. Sie haben uns gegenüber angedeutet, daß sie glauben,
einen verlängerten Krieg austragen zu können - durch Verhärtung ihrer Raketensilos und durch den Schutz ihrer Hauptziele mit Hilfe einer großangelegten
Luftverteidigung. Schließlich weisen ihre Schriften, ihre militärische Doktri
und ihre Manöver darauf hin, daß sie die Möglichkeit der Führung eines tatsächlichen Atomkrieges in ihre Überlegungen einbeziehen.
Die gleiche

�Die gleiche offensive Entwicklung läßt sich bei ihren konventionellen
Streitkräften erkennen und bei ihrer Strategie für den Einsatz dieser Streitkräfte.

Die Streitkräfte der Sowjetunion und des Warschauer Paktes, die

einst langsam und schwerfällig waren, werden heute für plötzliche und überraschende Bewegungen weit über die eigenen Grenzen hinaus modernisiert,
disloziert und ausgebildet.

Die taktischen Luft- und Raketenstreitkräfte

der Sowjets werden rasch mit modernen Systemen ausgerüstet, die großangelegte Luftoffensiven führen können.

Die sowjetische Marine ist in Umfang und

moderner Ausrüstung in augenfälliger Weise erweitert worden und hat in zunehmendem Maße die Fähigkeit, unseren Handel zur See zu unterbrechen.
Die zweite Tatsache bezüglich der militärischen Macht der Sowjets ist
die, daß sie heute die ganze Welt umspannt. Gerade in den letzten Jahren
haben wir erlebt, daß die Sowjets zahlreiche Sicherheits- und Kooperationsabkommen in Afrika, Lateinamerika, im Nahen Osten und in Asien ausgehandelt
haben. Sie erwerben Stützpunkte in Übersee und pumpen massive Waffenlieferungen in die Dritte Welt - doppelt so viel, wie wir von 1977 bis 1981 geliefert haben. Sie setzen in Mittelamerika und in Afrika kubanische, ostdeutsche
und libysche Stellvertreter ein. Und in dem dramatischsten Fall sind sie
in Afghanistan einmarschiert und haben diesem Volk das Elend chemischer und
toxischer Waffen gebracht.
Es ist, kurz gesagt, der Sowjetunion erlaubt worden, ein einseitiges
Wettrüsten ohne jede Rücksicht auf uns durchzuführen.

Wäre diese Verlagerung

des Gleichgewichts weitergegangen, dann wären die Sowjets bald in der Lage
gewesen, uns zu bedrohen oder tatsächlich anzugreifen - aus der Gewißheit
heraus, daß wir nicht fähig wären, zu antworten.

Wir haben in Polen,

Afghanistan, in Osteuropa und anderswo erlebt, daß die Sowjetunion nicht
zögert, Schwäche auszunutzen.

Wir dürfen nicht zulassen, daß die Sowjet-

union glaubt, sie könnte mit uns einen Krieg anfangen und wir nicht die Kraft
und die Streitkräfte zur Vergeltung hätten.

Vor allem dürfen wir nicht zu-

lassen, daß die Sowjetunion glaubt, sie könnte einen Atomkrieg gegen die
Vereinigten Staaten führen und gewinnen.
Aus diesem
- 3 -

�Aus diesem Grunde ist unsere Administration der Oberzeugung, daß ein
Einfrieren der Kernwaffen zum jetzigen Zeitpunkt und unter den jetzigen Umständen gefährlich wäre.

Wir sind uns darüber im klaren, daß der Vorschlag,

die Kernwaffen auf dem jetzigen Stand einzufrieren, einer tiefen Ablehnung
des Krieges und einer tiefen Angst vor einem Atomkrieg entsprang.

Unsere

Administration teilt diese Gefühle voll und ganz. Aber wir sind überzeugt,
daß ein Einfrieren nicht nur die Möglichkeit eines Krieges nicht verringern,
sondern die Gefahren,vor denen wir alle stehen, stark erhöhen würde.
Ein Einfrieren zum jetzigen Zeitpunkt würde unseren obersten und ersten
Zielen von Frieden und Sicherheit zuwiderlaufen.

Es würde die Vereinigten

Staaten und ihre Verbündeten auf eine Position ständiger militärischer Unterlegenheit festlegen zu einer Zeit, da die Sowjetunion nicht nur ihr Arsenal
täglich vergrößert, sondern auch durch alle vorhandenen Anzeichen klar erkennen läßt, daß sie glaubt, einen Atomkrieg gegen die Vereinigten Staaten
gewinnen zu können.

Und dieser militärische Nachteil oder das Ungleichge-

wicht, wenn Sie so wollen, unterhöhlt die Abschreckung, die nach unserer Oberzeugung den Frieden bewahrt hat.
Aber ein Einfrieren der Kernwaffen würde nicht nur die Abschreckung
untergraben.

Der zweite, ebenso zwingende Grund, daß ein Einfrieren der Kern-

waffen zum gegenwärtigen Zeitpunkt unklug wäre, ist der, daß dies alle Hoffnungen auf bedeutsame Rüstungsverringerungen mit den Sowjets zunichte machen
würde.
Wenn wir echte Rüstungsverringerungen erreichen wollen, dann sind
mehrere Dinge notwendig: Beide Seiten müssen bereit sein, zu verhandeln,
und das heißt, beide Seiten müssen überzeugt sein, daß es in ihrem Interesse liegt, in Verhandlungen einzutreten. Das ist kein übler Trick. Wir
haben dies zu Anfang der Carter-Administration erlebt, als Außenminister
Vance mit dem Vorschlag nach Moskau reiste, die Kernwaffen zu verringern.
Die Sowjets weigerten sich, überhaupt darüber zu sprechen. Aber in diesem
Jahr, als Präsident Reagan viel weitergehende RüstungsVerminderungen vorschlug,

- 4 -

�Rüstungsverminderungen vorschlug, zeigten sich die Sowjets sofort bereit,
darüber zu verhandeln.
Heute sitzen die Sowjets in Genf mit uns am Verhandlungstisch und sprechen mit uns über die Beseitigung der bedrohlichsten und destabilisierendsten
nuklearen Mittel Streckensysteme in Europa - die landgestützten Raketen.

Sie

kommen in Genf mit uns zusammen, um über Verringerungen unserer Nuklearstreitkräfte zu verhandeln.
Der Grund für diesen grundlegenden Unterschied liegt nach unserer Überzeugung darin, daß die Sowjets ganz richtig begriffen haben, daß wir die lange und schwere Aufgabe begonnen haben - und fortzusetzen gedenken -, die Wirksamkeit unserer Abschreckung wiederzugewinnen.
Aber sich an den Verhandlungstisch zu setzen, ist erst der erste Schritt.
Diese Verhandlungen werden nicht zu den von uns gewünschten Ergebnissen führen, wenn die Sowjets keinen Anreiz haben, zu Abkommen zu gelangen. Darum
müssen wir unser Programm zur Wiederherstellung unserer Verteidigung fortsetzen.

+ + + + +

- 5 -

�2. März 1983

10

INITIATIVEN PRÄSIDENT REAGANS ZUR RÜSTUNGSVERMINDERUNG
- Eine Chronologie -

WASHINGTON - (AD) - 18. November 1981: In der ersten großen außenpolitischen
Rede seiner Präsidentschaft schlägt Ronald Reagan ein umfassendes Rahmenwerk für
neue Rüstungskontrollverhandlungen vor, das sich auf die Notwendigkeit umfassender
Verringerungen bei allen Waffentypen konzentriert - ein Schritt vorwärts von den
Gesprächen über eine Begrenzung der strategischen Rüstungen (SALT) zu Gesprächen
über eine Verringerung der strategischen Rüstungen (START).
Als einen ersten Schritt drängt Reagan auf amerikanisch-sowjetische Gespräche
über die nuklearen Mittel Streckensysteme (INF). Er kündigt die Bereitschaft der
Vereinigten Staaten an, auf eine Dislozierung von 572 PERSHING II-Raketen und landgestützten Marschflugkörpern (GLCM) in Westeuropa zu verzichten, wenn die Sowjetunion ihre SS-20, SS-4 und SS-5-Raketen abbaut.
Reagan stellt fest, daß die Sowjets in den vergangenen sechs Jahren - während
die Vereinigten Staaten keine neuen Mittelstreckenraketen dislozierten und
1000 nukleare Gefechtsköpfe aus Europa abzogen - 750 Gefechtsköpfe auf mobilen,
treffgenauen Raketen dislozierten.
Der Präsident schlägt für Anfang 1982 die Eröffnung der START-Verhandlungen
vor. Er verpflichtet sich zu Vorschlägen über "wirklich ernsthafte Kernwaffenverit dem Ergebnis, daß es zu einem beiderseitig ausgewogenen und

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�ausgewogenen und verifizierbaren Waffenniveau kommt".
Außerdem fordert der Präsident Anstrengungen, auch bei den konventionellen
Streitkräften in Europa zu Gleichheit auf niedrigerem Niveau zu gelangen.

Er

erklärt:" Die Verteidigungserfordernisse der Sowjetunion lassen kaum den Unterhalt
von heute mehr Kampfdivisionen in der DDR notwendig erscheinen, als die gesamte
Invasionsstreitmacht der Alliierten bei der Landung in der Normandie hatte".
Er unterstützt einen westlichen Vorschlag auf der Konferenz über Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) über eine Abrüstungskonferenz in Europa.
30. November 1981: In Genf beginnen die INF-Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.

ChefUnterhändler sind Paul H. Nitze auf

amerikanischer und Yuli A. Kwisinski auf sowjetischer Seite.
9. Mai 1982: In einer Rede am Eureka-College kündigt Reagan an, daß die STARTVerhandlungen am 29. Juni in Genf beginnen werden.

Er setzt sich für eine schritt-

weise Reduzierung ein, die sich auf die destabilisierendsten Elemente der Nuklearwaffen konzentrieren soll.
In einer ersten Phase würde die Gesamtzahl der Gefechtsköpfe auf Raketen um
ein Drittel auf etwa 5000 verringert werden; außerdem würde die Anzahl der Gefechtsköpfe auf Interkontinentalraketen (ICBM) auf die Hälfte dieser Zahl begrenzt werden;
schließlich würde die Gesamtmenge der Raketen auf ein beiderseits gleiches Niveau etwa auf die Hälfte des derzeitigen amerikanischen Umfangs - gesenkt werden.
In einer zweiten Phase würden die Vereinigten Staaten weitere Verringerungen bei der
Gesamtzerstörungskraft der Arsenale beider Seiten anstreben - und dies auf einen
beiderseitig gleichen Umfang -, einschließlich einer jeweiligen Obergrenze beim
Wurfgewicht der Raketen unterhalb dem derzeitigen amerikanischen Umfang.
Die Vereinigten Staaten würden außerdem Bomber und andere strategische Systeme
auf gleiche Weise behandeln.
9. Juni 1982:

Reagan unterbreitet neue Vorschläge für die beiderseitigen und

ausgewogenen Truppenverringerungen (MBFR) in Mitteleuropa.
- 2 -

Diese Vorschläge, die

�Diese Vorschläge, die daraufhin von den westlichen Verbündeten am 8. Juli 1982 bei
den MBFR-Gesprä'chen in Wien dargelegt wurden, fordern Verringerungen bei den jeweils
entsprechenden Landstreitkräften des Nordatlantikpaktes und des Warschauer Paktes
in verifizierbaren Schritten auf insgesamt 700 000 Mann sowie auf eine Stärke von
900 000 für Land- und Luftstreitkräfte zusammengenommen.
11. Juni 1982: In seiner Berlin-Rede erklärt Reagan, daß Washington seine
Anstrengungen intensivieren wird, um Möglichkeiten für eine Verbesserung des Verständnisses und der Kommunikation zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in Friedens- und Krisenzeiten zu untersuchen. Er unterstreicht, daß die
Vereinigten Staaten an Moskau mit Vorschlägen zur Vertrauensbildung herantreten
werden. Hierzu gehören ein Austausch auf Gebieten wie der vorherigen Benachrichtigung über größere strategische Manöver, die sonst falsch interpretiert werden
könnten, Vorabinformation bei Abschüssen von Interkontinentalraketen innerhalb wie
außerhalb der nationalen Grenzen sowie ein erweiterter Austausch von Daten über
die strategischen Streitkräfte.
17. Juni 1982: Auf der Sondersitzung der Vereinten Nationen für Abrüstung
schlägt Reagan eine internationale Konferenz über Militärausgaben vor, um auf den
Arbeiten der Vereinten Nationen aufzubauen, durch die ein gemeinsames System für
Berechnung und Berichterstattung entwickelt werden soll.
14. Januar 1983: Auf einer Pressekonferenz betont Reagan die Bereitschaft
der Vereinigten Staaten "so lange am Verhandlungstisch zu bleiben, wie es auch nur
die geringste Chance gibt, Rüstungsverringerungen herbeizuführen, denn es ist dies
das wichtigste Problem, vor dem diese Generation steht." Er betont, daß Washington
"jeden ernsthaften Vorschlag in Erwägung ziehen wird", den Moskau zur Frage der
Rüstungsverringerung vorlegt.
31. Januar 1983:

Botschafter Edward Rowny, Chef der amerikanischen START-

Delegation, erklärt, daß die Sowjets "positives Interesse" an den von Reagan vorgeschlagenen vertrauensbildenden Maßnahmen gezeigt haben.

- 3 -

Ein amerikanisd-sowjetisches

�Ein amerikanisch-sowjetisches Abkommen über solche Maßnahmen würde, so Rowny,
"sehr hohe Priorität" auf seiner Tagesordnung für die Verhandlungen mit seinem
sowjetischen Gesprächspartner Viktor Karpow haben.
31. Januar 1983: Vizepräsident Bush verliest in Berlin einen "offenen Brief"
Präsident Reagans an Europa, in dem der Präsident dem sowjetischen Generalsekretär
Juri Andropow vorschlägt, daß "er und ich uns treffen, wo immer and wann immer es
ihm recht ist, um ein Abkommen zu unterzeichnen, welches gewährleistet, daß alle
amerikanischen und sowjetischen landgestützten Kernraketenwaffen mittlerer Reichweite von diesem Erdball verschwinden."
30. Januar - 10. Februar 1983: Bush besucht sieben westeuropäische Länder,
um die engstmögliche Koordination bei den Rüstungsverringerungsinitiativen zu
gewährleisten. Dabei erklärt er wiederholt, daß der amerikanische INF-Vorschlag
"kein Vorschlag des Alles-oder-Nichts ist".
Um diesen Aspekt zu unterstreichen, trifft Bush am 4. Februar in Genf mit den
sowjetischen Unterhändlern zusammen und drängt ihnen gegenüber darauf, einen ausgewogenen, gleichwertigen Vorschlag für eine einschneidende, verifizierbare Verringerung der sowjetischen und amerikanischen Kernwaffen vorzulegen.

+ + + + +

- 4 -

�2. März 1983

10

ADMIRAL HOWE ZU DEN ABRÜSTUNGSVERHANDLUNGEN
- Erklärung des Direktors des Büros für
politisch-militärische Angelegenheiten im US-Außenministerium

WASHINGTON - (AD) - Am 17. Februar 1983 gab Admiral Jonathan T. Howe,
Direktor des Büros für politisch-militärische Angelegenheiten im Außenministerium, vor dem Außenpolitischen Ausschuß des amerikanischen Repräsentantenhauses, folgende Erklärung ab:
Im vorigen Jahr begannen wir zwei großangelegte bilaterale Verhandlungen mit der Sowjetunion zur Begrenzung sowohl der strategischen Nuklearwaffen als auch der nuklearen Mittel Streckenwaffen.

Bei der Formulierung

unserer Vorschläge für die START- und die INF-Verhandlungen hielten wir uns
an vier wesentliche Grundsätze - Gleichheit, Stabilität, Verifizierbarkeit
und militärisch bedeutsame Verringerungen.
Wir streben Vereinbarungen an, die zu einer gleichen Stärke der Streitkräfte auf beiden Seiten führen würden.

Wir streben Abkommen an, die die

strategische Stabilität dadurch vergrößern würden,daß eine besondere Betonung auf jene Systeme gelegt wird, die die größte Bedrohung für das überleben der Abschreckungsstreitkräfte darstellen.

In unserem Streben nach mili-

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�nach militärisch bedeutsamen Verringerungen gehen wir über die bisherigen
Vereinbarungen hinaus, die den Umfang der Streitkräfte auf beiden Seiten
lediglich auf dem bestehenden, hohen Niveau festschrieben.

Durch unser Be-

harren auf wirksame Verifizierung zielen wir auf die Behebung des Problems
an, das uns schon lange bei den bestehenden Abkommen ärgert, nämlich unserer
Unfähigkeit, die Einhaltung durch die andere Seite sicherzustellen.
Wir gehen an diese Verhandlungen mit dem größten Ernst der Zielsetzung
heran.

Wie der Präsident sagte, besteht unser höchstes Ziel darin, das Ri-

siko eines Atomkrieges zu mindern.

Wir sind der Überzeugung, daß diese Ver-

handlungen sowie die Vorschläge, die die Botschafter Nitze und Rowny in Genf
vorlegen, die beste Möglichkeit zur Erlangung dieses Zieles bieten.

Natür-

lich wird unser Erfolg in großem Maß davon abhängen, ob die Sowjets mit den
gleichen ernsten Absichten verhandeln wie wir.

Lassen Sie mich nun auf den

derzeitigen Verhandlungsstand zu sprechen kommen.

START
Unsere START-Delegation unter der Führung von Botschafter Rowny ist
eben zur dritten Verhandlungsrunde nach Genf zurückgekehrt.

Während der

ersten beiden Runden haben beide Seiten ihre ursprünglichen Vorschläge dargelegt und die jeweils andere Seite um Erklärung von Einzelheiten ersucht.
Wie Botschafter Rowny Ihnen gesagt hat, war die Atmosphäre bei den Gesprächen
bislang ernsthaft und sachlich.
Unser START-Vorschlag eröffnet auf bedeutsame Weise neue Wege.

Zum

erstenmal schlagen wir direkte Begrenzungen bei den Gefechtsköpfen von ballistischen Raketen vor.

Die Gesamtzahl von Raketengefechtsköpfen ist eine

wichtige Maßeinheit der strategischen Kapazität, die bei SALT I oder SALT II
nicht begrenzt wurde.

Wir haben bei START vorgeschlagen, die Anzahl der auf

Raketen dislozierten Gefechtsköpfe auf 5000 zu reduzieren.

Würde dieser Vor-

schlag in die Tat umgesetzt, wäre eine Verminderung der Anzahl der Raketengefechtsköpfe um ein Drittel die Folge.
Die Interkontinentalraketen
- 2 -

�Die Interkontinentalraketen (ICBM) mit Mehrfachgefechtsköpfen werden
allgemein als die destabilisierendsten strategischen Offensivwaffen angesehen.

Es ist zum Beispiel die sowjetische SS-18-ICBMjmit ihren zehn

großen, unabhängig voneinander auf Ziele ausrichtbaren Gefechtsköpfen, die
am meisten dazu beigetragen hat, die amerikanischen landgestützten ICBMSysteme verwundbar zu machen, und die dadurch die strategische Stabilität
untergraben 'hat.

Wir haben daher vorgeschlagen, daß nicht mehr als die

Hälfte der erlaubten Anzahl von Raketengefechtsköpfen (d.h. 2500) auf Interkontinentalraketen disloziert werden sollten.
Außerdem haben wir vorgeschlagen, daß die Vereinigten Staaten und die
UdSSR die Anzahl ihrer dislozierten Raketen auf rund die Hälfte des gegenwärtigen amerikanischen Umfangs reduzieren sollten. Eine solche Verringerung
würde weit über die Begrenzungen hinausgehen, die in SALT II abgesprochen
worden waren.
Der amerikanische Vorschlag hält sich voll und ganz an das Prinzip
der Gleichheit. Er ist nicht getrieben von dem Wunsch nach strategischer
Überlegenheit; er fordert vielmehr ein gleiches Niveau bei Raketen und bei
Gefechtsköpfen auf beiden Seiten. Aufgrund der Asymmetrie der amerikanischen
und der sowjetischen Streitkräfte - letztere verfügen über eine größere Zahl
von ICBM - wird es notwendig sein, daß sie bei ihrer ICBM-Streitmacht größere
Reduktionen vornehmen, damit sie auf das beiderseitige gleiche Niveau an Gefechtsköpfen kommen. Ihrerseits werden die Vereinigten Staaten eine größere
Anzahl von Gefechtsköpfen beseitigen, die auf unterseebootgestützten Raketen
disloziert sind.
Der amerikanische START-Vorschlag würde die Abschreckung beträchtlich
erhöhen, und jeden Anreiz zum Beginn eines Atomkrieges vermindern.

Auch wenn

die Gefahr eines durch Zufall oder Fehleinschätzung ausbrechenden Atomkrieges
äußerst gering ist, müssen wir doch mit unseren Anstrengungen fortfahren,
eine solche Möglichkeit noch weiter zu verringern.

Aus diesem Grund haben

wir bei START eine Reihe Vertrauensbildender Maßnahmen vorgeschlagen.

Dazu

gehört die Vorankündigung von Abschüssen von Raketen, die vorherige Benach-

�vorherige Benachrichtigung über größere Manöver und ein Datenaustausch über
die strategischen Nuklearstreitkräfte.

Auch die Sowjets sind an Vertrauens-

bildenden Maßnahmen interessiert und wir hoffen, daß es in diesem Bereich zu
Fortschritten kommt.
Natürlich haben die Sowjets ihren eigenen START-Vorschlag auf den Tisch
gelegt, einen Vorschlag, dessen Elemente sie in einem Prawda-Artikel im Dezember veröffentlicht haben.

Ihr START-Vorschlag umfaßt die folgenden Ele-

mente :
- Verringerung der Anzahl schwerer Bomber und Raketenabschußeinrichtungen
auf 1800;
- Gesamtbegrenzung von Kernwaffen oder Gefechtsköpfen (die sie nicht im
einzelnen dargelegt haben);
- Verbot von Marschflugkörpern großer Reichweite; und
- Vertrauensbildende Maßnahmen nach eigenem Vorschlag.
Ich finde es ermutigend, daß die Sowjets Verringerungen bei Raketenabschußeinrichtungen und Bombern vorgeschlagen haben, die unter dem hohen Niveau von SALT II liegen. Auch könnte ihre erklärte Bereitschaft zur Begrenzung von Kernwaffen indirekt die Tatsache anerkennen, daß Begrenzungen bei
Raketenabschußeinrichtungen allein (wie bei SALT I und SALT II) nicht genügen.
Allerdings gibt es bei unseren Vorschlägen beträchtliche Unterschiede.
Die sowjetische Begrenzung auf 1800 bleibt erheblich hinter den Verringerungen
des amerikanischen Vorschlages zurück; außerdem haben die Sowjets bislang noch
nicht ihre vorzuschlagenden Begrenzungen der Gefechtsköpfe enthüllt. Ein Verbot von Marschflugkörpern ist für die Vereinigten Staaten unannehmbar. Generell haben die Sowjets sich geweigert, unser Grundprinzip zu akzeptieren,
demzufolge manche Waffen, wie etwa ICBM, eine ernsthaftere Bedrohung der Ab-

- 4 -

�der Abschreckung und der Stabilität darstellen als andere.
Wir hegen jedoch die Hoffnung, daß wir mit Geduld, in gutem Glauben
und mit der Unterstützung des Kongresses, der amerikanischen Öffentlichkeit
und unseren Verbündeten zu einem Abkommen gelangen können, das einen großen
Beitrag zur Verringerung eines Atomkriegsrisikos leisten wird.

Sollten die

Sowjets an diese Verhandlungen mit einer gleich positiven Haltung herangehen,
so sind wir zuversichtlich, daß echte Fortschritte erzielt werden können.

INF
Neben den vier grundlegenden Verhandlungsprinzipien der Gleichheit,
der Stabilität, der Verifizierbarkeit und der wesentlichen Verringerung, wie
sie oben erwähnt wurden, haben die Vereinigten Staaten und ihre NATO-Verbündeten für ein INF-Abkommen einige spezifische Kriterien festgelegt, die sich
aus den ganz besonderen Umständen dieser Verhandlungen herleiten lassen.
Wir haben klargestellt, daß ein solches Abkommen nicht die Systeme von Drittstaaten einbeziehen oder kompensieren kann, die nicht Verhandlungspartei
sind; daß es nicht europäische Sicherheitsprobleme nach Asien exportieren
darf; und daß es zu allererst und vor allen Dingen die Systeme begrenzen
soll, die beiden Seiten die größte Sorge bereiten, nämlich die landgestützten
INF-Raketen größerer Reichweite.
Wie Sie wissen, ergab sich die INF-Problematik als Ergebnis eines einseitigen, sowjetischen Ausbaus der Kernwaffen mittlerer Reichweite im Verlauf
der vergangenen sechs Jahre - insbesondere bei der neuen, mobilen, überaus
treffsicheren, mit drei Gefechtsköpfen bestückten SS-20-Rakete. Seit 1977
haben die Sowjets 333 dieser Raketen mit insgesamt rund 1000 Gefechtsköpfen
disloziert, einschließlich 99 Raketen mit 297 Gefechtsköpfen im Osten der
Sowjetunion. Zudem vervollständigen noch immer große Mengen an älteren SS-4und SS-5-Raketen vergleichbarer Reichweite diese SS-20-Streitmacht.
Diese INF-Dislozierungen
- 5 -

�Diese INF-Dislozierungen der Sowjetunion drohten, eine regionale Militärhegemonie der Sowjets zu schaffen.

Die Reaktion hierauf war der NATO-

Doppelbeschluß von 1979, wobei sich das Bündnis verpflichtete, 572 amerikanische PERSHING II und landgestützte Marschflugkörper (GLCM) zu dislozieren,
während gleichzeitig mit der Sowjetunion ein Abkommen angestrebt werden sollte, die INF-Systeme auf beiden Seiten zu begrenzen.

Die ersten NATO-Dislo-

zierungen sollen dem Plan zufolge gegen Ende dieses Jahres einsetzen, sollte
es bis dahin nicht zu einer INF-Vereinbarung kommen, die diese Dislozierungen
überflüssig machen würde.
Die Vereinigten Staaten haben ein INF-Abkommen vorgeschlagen, das die
Notwendigkeit von NATO-Dislozierungen beseitigen und die nukleare Bedrohung
für beide Seiten gewaltig verringern würde, indem alle landgestützten INFRaketen größerer Reichweite, woimmer aufgestellt, verboten würden.

Unsere

NATO-Verbündeten haben mit uns bei der Entwicklung dieser Position zusammengearbeitet und sie von Anfang an unterstützt.

Wir sind mit ihnen darin einig,

daß diese Lösung das wünschenswerteste INF-Ergebnis darstellt und daß wir unsere Anstrengungen fortsetzen sollten, es zu erreichen.
Gleichzeitig sind wir bereit, jedweden ernsthaften sowjetischen Vorschlag
in Erwägung zu ziehen. Der Präsident wiederholte diesen wichtigen Punkt in
seinem Bericht zur Lage der Nation, und Vizepräsident Bush bekräftigte ihn
durch die Unterstützung, die er während seines jüngsten Europabesuchs von
unseren Verbündeten erhielt.
Bislang werden die sowjetischen Vorschläge den grundlegenden Kriterien
für ein annehmbares Abkommen nicht gerecht - insbesondere dem Kriterium der
Gleichheit. Die sowjetische Taktik zielt - am Verhandlungstisch wie bei ihrer
machtvollen Propagandakampagne - darauf ab, die massiven sowjetischen Raketendislozierungen beizubehalten, die trotz eines sogenannten "einseitigen Moratoriums" andauern, das die Sowjets im März 1982 verkündet hatten, während
sie gleichzeitig die NATO von deren Dislozierungen abhalten will, die dieser
Bedrohung begegnen sollen. So besteht der von Andropow am 21. Dezember unter-

- 6 -

�21. Dezember unterbreitete Vorschlag auch weiterhin auf dem sowjetischen
Recht auf ein Monopol bei den INF-Raketen, einschließlich der uneingeschränkten Dislozierung östlich des Urals.
Am 27. Januar begann die vierte Runde der INF-Gespräche. Seit Beginn
der Runde hat unsere Delegation daran gearbeitet, mit den Sowjets die legitimen NATO-Sicherheitsbedenken zu untersuchen, die die sowjetischen Vorschläge unbeantwortet gelassen haben, und nach Zeichen echter Flexibilität
Ausschau zu halten, um auf diese NATO-Besorgnisse zu reagieren.
Es ist noch zu früh zu sagen, ob die Sowjets daran interessiert sind,
in dieser Runde einen ernsthaften Vorschlag zu unterbreiten oder ob sie lediglich politisch motivierte Erklärungen abgeben - in einer Anstrengung, das
Bündnis zu spalten und die NATO-Dislozierungen zu verhindern. Es bleibt unsere große Hoffnung, daß die Anstrengungen von Botschafter Nitze auf eine
positive sowjetische Reaktion treffen - rechtzeitig für ein Abkommen, bevor
die NATO-Dislozierungen Ende dieses Jahres beginnen. Sollten die Sowjets
jedoch noch nicht zu ernsthaften Verhandlungen bereit sein, dann sollte es
keinen Zweifel daran geben, daß wir und unsere Verbündeten entschlossen sind
- wie dies während der jüngsten Reise des Vizepräsidenten demonstriert wurde -,
mit unseren geplanten Dislozierungen fristgerecht zu beginnen.

+ + + + +

- 7 -

�2. März 1983

10

VERSTÄRKUNG DER STRAHLENEMPFINDLICHKEIT VON TUMOREN
FDA genehmigt klinische Erprobung eines neuen Medikaments

- (AD) - Ein als Verstärker für die Strahlenempfindlichkeit von Tumoren
wirkendes neues Präparat hat jetzt die amerikanische Aufsichtsbehörde für
Nahrungs- und Arzneimittel (FDA) für die erste Phase einer klinischen Erprobung am Menschen freigegeben.

Es wurde von Dr. Martin Brown, Professor für

Radiologie an der Stanford-Universität in Palo Alto

(Kalifornien), gemein-

sam mit William Lee vom Internationalen SRI (Stanford Research Institute) in
Menlo Park (Kalifornien) im Jahr 1978 entwickelt und inzwischen in zahlreichen
Tierversuchen getestet.

Vorläufig trägt es noch die bei Experimentierprä-

paraten übliche Nummernbezeichnung, und zwar "SR-2508".
Sein Verstärkungseffekt zur Zerstörung von Tumorzellen durch ionisierende
Strahlung beruht auf dem Umstand, daß es, wie Brown erklärt, "Sauerstoff in
der Zelle vortäuscht".
selrolle.

Sauerstoff spiele in der Strahlentherapie eine Schlüs-

Bei der herkömmlichen Therapie schlägt die das Krebsgewebe durch-

dringende Röntgenstrahlung "Löcher" in den Molekül verband der DNS (Desoxyribonucleinsäure), d.h. in das genetische Material, das es der Zelle ermöglicht,
zu leben und sich zu vermehren.

Wenn sich Sauerstoff an die DNS-Bruchstellen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�DNS-Bruchstellen anhänge

- und Sauerstoff ist in den meisten Zellen reich-

lich vorhanden -, sei eine bleibende Schädigung gewährleistet, so daß die
Tumorzelle abstirbt.

Aber schon vor etwa 25 Jahren erkannte man auch, daß

es in vielen, vielleicht sogar in allen Tumoren Zellen gibt, die keinen
Sauerstoff enthalten.

Und diesen Zellen kann Strahlung nichts anhaben, sie

erweisen sich gegen Radiotherapie resistent.

Aus ihnen kann der Tumor wie-

der zu wachsen beginnen, es kommt zu einem Rezidiv.

"Wenn man es mit Krebs

zu tun hat", so Brown, "genügt es nicht, den Tumor zu 99 Prozent zu zerstören.

Er muß in seiner Gesamtheit erreicht werden."
Man versuchte dieses Problem z. B. zu lösen, indem die Bestrahlung in

Kammern mit reiner Sauerstoffatmosphäre bei dreifachem Normaldruck vorgenommen wurde in der Hoffnung, auf diese Weise mehr Sauerstoff in die kritischen Zellen einzuschleusen.

Auch die Verwendung anderer Strahlenarten,

etwa von Pi-Mesonen oder von Neutronen, bei denen die Zerstörung von Krebszellen nicht vom Sauerstoff abhängig ist, sollte die Effektivität erhöhen.
Zwar verbessern solche Verfahren die Erfolgsrate, sind aber überaus kostspielig und in manchen Fällen auch gefährlich.
Im Jahr 1974 entwickelten britische Wissenschaftler eine Verbindung
(Misonidazole), die den Durchbruch zu bringen schien.

Sie imitiert die Wir-

kungen von Sauerstoff in den Tumorzellen und macht sie gegen Strahlen
empfindlich, ohne gleichzeitig normales Gewebe zu beeinträchtigen.

Aber Un-

tersuchungen in der Folgezeit zunächst an Versuchstieren, dann auch am Menschen, zeigten, daß es bei der erforderlichen hohen Dosierung zu toxischen
Schädigungen an Gehirn- und Nervenzellen kommt.

Schmerzhaftes Prickeln und

Stechen in Händen und Füßen, Hörverlust und Desorientierung waren Nebenwirkungen, die die Anwendung des Präparats verbieten.
Brown und Lee vermochten die toxischen Nebenwirkungen ganz erheblich
zu vermindern.

Dies gelang ihnen durch eine Modifizierung der chemischen

Struktur von Misonidazole in der Weise, daß die Verbindung jetzt in Fett
so gut wie unlöslich ist.

Das bedeutet, daß sie auch die sog. Blut-Hirn-

Schranke nicht passieren kann.

Dies ist jenes System im Organismus, das den
- 2 -

�das den Stoffaustausch zwischen dem Blut und dem zentralen nervösen Organ
ermöglicht und aufgrund bestimmter Gegebenheiten reguliert.

Studien an tie-

rischem und menschlichem Gewebe zeigten inzwischen, daß das neue Präparat
SR-2508 ebenso wirksam wie Mesonidazole als "Sensibilisator" für die Zerstörung von Tumorzellen mittels Bestrahlung, aber fünf- bis zehnmal weniger
toxisch für Nervengewebe ist.
Norman Coleman, Assistenzprofessor für Radiologie, leitet die jetzt beginnende klinische Studie an der Stanford-Universität. Ob und inwieweit die
bei den Tierversuchen beobachteten sehr günstigen Ergebnisse auch beim Menschen möglich sind, bleibe abzuwarten. Voraussagen hierzu seien jedenfalls
nicht möglich. In die erste Phase der klinischen Erprobung sind insgesamt
150 Patienten aus allen Teilen der USA einbezogen, die sich nach Beratung
mit ihrem Arzt zur Verfügung gestellt haben. Als Beobachtungszentren für die
Studie wurden neben dem Klinikum der Stanford-Universität die Washington-Universität in St. Louis (Missouri), die Universität Kalifornien in San Francisco,
das Nationale Krebsinstitut in Bethesda (Maryland) und das Cross-Krebsinstitut in Edmonton (in der kanadischen Provinz Alberta) ausgewählt.

+ + + + +

- 3 -

�2. März 1983

10

SCHWEFELSÄUREWOLKEN IN DER STRATOSPHÄRE
• Vulkanausbruch beeinflußt vermutlich jahrelang Sonneneinstrahlung

- (AD) - Eine ausgedehnte neue Schicht aus winzigen Schwefelsäuretröpfchen, die in Höhen zwischen 29 000 und 35 000 m um die Erde zieht, entdeckten Wissenschaftler der Universität Wyoming in Laramie Ende Januar 1983 mit
Hilfe einer Ballonsonde. Wie die Nationale Forschungsstiftung der USA (NSF)
mitteilte, wurde mit einem am 1. Februar 1983 aufgelassenen zweiten Ballon
die vier Tage zuvor gemachte Entdeckung bestätigt. Der erste, mit 8400 cbm
Helium gefüllte Ballon erfaßte mit seinen Meßinstrumenten u.a. Partikel zwischen einem Millionstel und zwei Zehntausendstel Millimetern Größe, mit der
zweiten Ballonsonde wurden Partikel bis zu zwei Millionstel Millimetern
Durchmesser ermittelt. Die Dichte der Wolke, die eine Ausdehnung von mindestens 9000 km hat, ist mit ca. 500 Tröpfchen pro Kubikzentimeter anzunehmen. Normalerweise werden in diesem Höhenbereich Konzentrationen von nur
ein bis zwei Tröpfchen pro Kubikzentimeter gemessen.
Wie Dr. David J. Hofmann und Dr. James M. Rosen, beide Professoren
für Physik und Astronomie an der Universität Wyoming, im Zusammenhang mit
ihrer Entdeckung berichten, sei die Schicht deshalb erst jetzt registriert

Postfach 20 03 OO Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�jetzt registriert worden, weil zum einen die Tröpfchen noch zu klein seien,
um Laser-Licht, mit dem von der Erde aus die Atmosphäre zur Feststellung von
Aerosolen sondiert wird, zurückzustreuen.

Zum anderen hätten sich die Wolken

erst in all erjüngster Zeit gebildet.
"Ausgangsstoff" war Schwefeldioxid, das beim Ausbruch des Vulkans
El Chichon in Südostmexiko im April 1982 in riesigen Mengen bis in die Strato
Sphäre getragen wurde.

Die Schwefeldioxidmassen aus der explosionsartigen

Eruption zogen zunächst in Richtung der nördlichen Polarregion, wo sie, wie
die Wissenschaftler vermuten, im September oder Oktober ankamen.

In der

Stratosphäre wird das Schwefeldioxid in Schwefelsäuredampf umgewandelt.

Aus

dem Dampf entstehen winzige Tröpfchen von Schwefelsäure - ein Prozeß, der
durch die niedrigen Temperaturen im Winter intensiviert wird.

Nach Meinung

Prof. Hofmanns wurden dann die über der nördlichen Polarregion gebildeten
Partikel mit den Luftmassen um die Erde transportiert.. Die Auswirkungen der
El Chichon-Eruption auf die Stratosphäre hinsichtlich des Ausstoßes von
Schwefeldioxid seien ungefähr vierzigmal größer gewesen als die vom Ausbruch
des Vulkans Mount St. Helens im US-Bundesstaat Washington im Jahr zuvor.
Partikel wölken in der Stratosphäre als Folge des Vulkanausbruchs in
Mexiko hatte man bisher nur in knapp 26 000 m Höhe ermittelt. "Diese neuen
Tropfchenschwaden, die mit ca. 90 km pro Stunde dahintreiben, wurden vermutlich erst jetzt gebildet", meint Dr. Hofmann. "Sie werden sich zu größeren
Partikeln zusammenballen, so daß die Dichte auf etwa 100 Tröpfchen pro Kubikzentimeter zurückgeht. Allerdings bleibt die Konzentration groß genug, um
die Schwaden auch künftig orten zu können. Angesichts der geringen Partikelgröße werde es Jahre dauern, bis das Material in tiefere Luftschichten und
schließlich zur Erdoberfläche absinke.
Vorläufig seien, wie Dr. Hofmann erklärte, von den Schwefel Säureschwaden
in der Stratosphäre keine klimatischen Auswirkungen zu erwarten.

Wenn die

Tröpfchen aber verklumpen und z.B. um das Zehnfache größere Partikel bilden,
könnten sie "optisch aktiv" werden - d.h., sie könnten das Sonnenlicht streuen und bewirken, daß sich die Sonneneinstrahlung an der Erdoberfläche ver- 2 -

�Erdoberfläche verringert. Gegenwärtig sei noch nicht abzuschätzen, wann
damit zu rechnen sei und ob sie überhaupt größere Partikel bilden. Jedoch
bestehe die Möglichkeit, daß die Schwaden vorübergehend die Temperaturen
absinken lassen. Sie werden zu überaus farbenprächtigen Sonnenuntergängen
beitragen, weil sie auf Grund ihrer großen Höhe noch lange Zeit nach dem
Versinken der Sonne hinter dem Horizont ihr Licht reflektieren.

+ + + + +

- 3 -

�</text>
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