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inIEREIKft
Dl Ell tt*

Information
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

13. J u l i 1983

28
INHALT

INFORMATION
Erste Jugendaustauschgruppen im Rahmen der Reagan-Initiative

HINTERGRUNDMATERIAL
State Department zur Politik der USA in Mittelamerika
Kirkpatrick:

USA unterstützen ein freies, demokratisches

Mittelamerika
Moskau verfolgt in Afghanistan langfristige Ziele

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Spitzentechnologie
- US-Industrie im internationalen Wettbewerb Neuer Flug des Raumtransporters in Vorbereitung
- Nachrichtensatellit TDRS für SPACELAB einsatzbereit

Um Übcr/cnJung von
ßckgcKcmplorcn
wird gebeten

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�13. Juli 1983

28

ERSTE JUGENDAUSTAUSCHGRUPPEN IM RAHMEN DER REAGAN-INITIATIVE

WASHINGTON - (AD) - Mitte Juli dieses Jahres werden die ersten Gruppen,
die im Rahmen der internationalen Jugendaustauschinitiative Präsident Reagans
andere Staaten kennenlernen sollen, in ihren Gastländern eintreffen.
Zu den ersten gehören sechs junge amerikanische Indianer, die drei
Wochen in der Bundesrepublik leben werden; außerdem 32 italienische Studenten, die sechs Monate an amerikanischen Universitäten verbringen sollen, und
34 Jugendliche aus der Bundesrepublik, Großbritannien, Frankreich, Italien,
Kanada und Japan, die im Rahmen eines Sommerprogramms des amerikanischen
Roten Kreuzes in die USA kommen.
Die Initiative zu einem internationalen Jugendaustausch, die von Präsident Reagan im Mai 1982 während des Versailler Wirtschaftsgipfels vorgeschlagen worden war, hat zum Ziel, im Lauf der nächsten drei Jahre die Zahl
der jungen Leute, die zwischen den sieben Gipfel Staaten ausgetauscht werden
sollen, beträchtlich zu erhöhen.

Die drei bevorstehenden Austauschaktionen

wurden teilweise auch durch das US-Informationsamt (USIA) finanziell ermög-

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�finanziell ermöglicht - der Bundesbehörde, die auch die Initiative des Präsidenten in den Vereinigten Staaten koordiniert.
"Die Ankunft dieser Gruppen stellt den Beginn einer wichtigen neuen internationalen Anstrengung dar," erklärte USIA-Direktor Charles Z. Wick,

"Die

Partnerstädten des Gipfeltreffens sind der Meinung, daß einer der besten
Wege zur Stärkung ihrer Bindungen darin besteht, mehr ihrer eigenen jungen
Menschen in die Partnerländer zu schicken, damit diese das Leben dort selbst
kennenlernen."
Bundeskanzler Kohl und der japanische Premierminister Nakasone bekräftigten erst kürzlich wieder ihre Unterstützung für Jugendaustauschprogramme.
In einer Rede in Krefeld anläßlich des 300. Jahrestages der Ankunft deutscher Siedler in Amerika rief Bundeskanzler Kohl die jungen Menschen in der
Bundesrepublik dazu auf, "das Gespräch mit den Altersgenossen in den USA zu
suchen, sich zu bemühen, die Unterschiede zwischen unseren Ländern zu verstehen und die Gemeinsamkeiten zu erkennen."
Die Bundesrepublik und die Vereinigten Staaten, so der Bundeskanzler,
"haben besondere Anstrengungen - auch finanzieller Art - unternommen, um
vor allem den Jugendaustausch auszuweiten."
"Wir wissen, daß die Erfahrungen des Kennenlernens nicht durch Unterricht und Medien ersetzt, höchstens ergänzt werden können," sagte Kohl und
fügte hinzu:

"Ich freue mich, daß der Leiter der amerikanischen Behörde,

die auf amerikanischer Seite den Jugendaustausch fördert, MrT Charles Wick,
heute hier unter uns ist.

Kein Land, keine Regierung ist heute noch stark

genug, die Zukunft allein zu meistern.

Aber gemeinsam haben Deutsche und

Amerikaner, Europäer und Amerikaner die Kraft, die Aufgaben unserer Zeit
zu bewältigen."
Nakasone sprach zu einer Gruppe von 100 amerikanischen SchUlern, die
gerade zu einem zweimonatigen Aufenthalt in Japan angekommen waren,und erklärte, der Jugendaustausch biete die Gelegenheit, aus erster Hand etwas
- 2 -

�Hand etwas über die Unterschiede der Kulturen zu erfahren.
"Sie haben viel Glück, eine solche Gelegenheit zu haben, die es Ihnen
ermöglichen wird, sich selbst aus neuer Perspektive zu sehen.

Es wird Ihre

Erfahrungen bereichern und sich als überaus hilfreich für Ihr ganzes Leben
erweisen."

Auf die Erfahrungen eingehend, die seine eigene Tochter im Rah-

men eines Austausches in den Vereinigten Staaten gemacht hatte, sagte
Nakasone, sie habe "die unschätzbare Möglichkeit gehabt, zu einer umfassenden Sicht eines anderen Teils der Welt zu gelangen und die gemeinsamen Bande
zwischen Völkern schätzen zu lernen."
Nakasone verwies auf die "äußerst engen und freundlichen" Beziehungen
zwischen den Vereinigten Staaten und Japan.

"Damit dies andauert, ist es

wichtig, daß die Menschen unserer beiden Länder ihr gegenseitiges Verständnis stärken und die Freundschaft auf allen Ebenen ausweiten."
Die sechs jungen amerikanischen Indianer, die eine der ersten Gruppen
darstellen, die im Rahmen des Austauschprogramms teilnehmen werden, sollen
am 21. Juli in der Bundesrepublik ankommen.
Sie nehmen an einem dreiwöchigen Austauschprogramm teil, das von Arrow,
Inc. organisiert wurde, einer Privatorganisation, die sich der Förderung
und Wahrung der Kultur der amerikanischen Indianer verschrieben hat.
Die jungen Leute - aus den Navajo-, Lagua-, Komantschen-Osage und KiowaStämmen - werden in Frankfurt, Stuttgart, München, Bonn und Westberlin mit
Jugendlichen zusammentreffen.
Deanna Martinez, Direktor des Arrow-Projektes und selbst amerikanische
Indianerin, erklärte:

"Die internationale Jugendaustauschinitiative des

Präsidenten stellt den idealen Mechanismus dar, um junge amerikanische Indianer in eine einmalige kulturelle und erzieherische Lage zu versetzen den internationalen Austausch.

Die jungen Leute werden sich durch das Pro-

- 3 -

�das Programm nicht nur in erhöhtem Maß einer anderen Kultur bewußt werden,
sondern werden auch Bürgern anderer Staaten ein genaueres Bild der amerikanischen Indianer vermitteln."
Die 32 italienischen Studenten werden am 16. Juli in Washington, D.C.
eintreffen.

Nach sechs Wochen der Orientierung und eines Englischkurses

werden sie sich für ein Semester an verschiedenen amerikanischen Colleges
und Universitäten einschreiben. Als Studenten der politischen Wissenschaften, der Wirtschaft, der Geschichte und der Landwirtschaft wurden sie für
dieses Programm mittels eines landesweiten Wettbewerbs ausgewählt.
Zum Zweck einer ähnlichen Erfahrung wird eine Gruppe amerikanischer
Studenten im September in Italien eintreffen. Dieser Austausch wird sowohl
von der italienischen als auch der amerikanischen Regierung getragen.
Am 11. Juli kamen 34 junge Mitglieder von Gliederungen des Roten Kreuzes
in der Bundesrepublik, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Italien und Japan
in Washington, D . C , an, um als Gäste von 40 örtlichen Sektionen des Roten
Kreuzes eine sechswöchige Tour der Vereinigten Staaten zu unternehmen.

Die

Jugendlichen werden dabei Bürgermeister und andere städtische Repräsentanten
kennenlernen, in Krankenhäusern hospitieren,, beim Katastrophenschutz mitarbeiten, Blutspendeaktionen miterleben und an vielen anderen Aktivitäten
teilhaben.
In den Vereinigten Staaten bemüht sich der Rat des Präsidenten für internationalen Jugendaustausch darum, 10 Millionen Dollar an Spenden des Privatsektors zu bekommen, die zu den 10 Millionen Dollar hinzukommen sollen, die
die amerikanische Regierung für diese Anstrengung zur Verfügung stellen will.
Die Mittel werden jenen Austauschorganisationen zufließen, die sich dieser
Arbeit schon seit langem widmen und die ihre Programme dadurch so ausweiten
können, daß die neuen Zielsetzungen beim Austausch verwirklicht werden
können.
+ + + + +

- 4-

�28

13. Juli 1983

STATE DEPARTMENT ZUR POLITIK DER USA IN MITTELAMERIKA

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium hat dieser Tage
den folgenden zusammenfassenden überblick über die Politik der Vereinigten
Staaten in Mittelamerika veröffentlicht.

Mittelamerika: Die Politik der USA
Hintergrund:

Die Probleme der fünf Krisenstaaten in Mittelamerika

(Costa Rica, El Salvador, Guatemala, Honduras und Nicaragua) berühren direkt
die Sicherheit und das Wohlergehen der Vereinigten Staaten.

Diese Länder

bilden einen Teil der Region des Karibischen Beckens, dessen strategische Bedeutung durch die Tatsache deutlich wird, daß nahezu die Hälfte des amerikanischen Außenhandels, einschließlich des üls, durch den Panamakanal und die
Karibische See geht. Anfang 1942 versenkten Nazi-Unterseeboote in der Karibik
mehr Tonnage als im gesamten Atlantischen Ozean - und das, ohne einen Stützpunkt in diesem Gebiet zu haben.

Sollte heute in Europa eine Krise entstehen,

dann würde zumindest die Hälfte der Nachschubgüter für die NATO an Kuba vorbeigehen, wo eine sowjetische Kampfbrigade stationiert ist und wo sich militärische Luftstützpunkte befinden, die regelmäßig von sowjetischen Militär-

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�sowjetischen Militärmaschinen angeflogen werden, sowie ein U-Bootstützpunkt, der sowjetische Unterseeboote versorgen könnte.

DarUber hinaus kön-

nen wir moralisch gesehen unsere Nachbarn nicht einfach der militärischen
Machtübernahme durch eine totalitäre Minderheit aussetzen.
Die amerikanische Strategie!

Die Strategie der USA basiert auf zwei Vor-

stellungen:
- Die Demokratie kann in Mittelamerika nicht gedeihen, wenn es dort Ungerechtigkeiten im Hinblick auf den Erwerb von Land, die Ausnutzung der
Chancen oder das Rechtswesen

gibt;

- bestehende Ungerechtigkeiten werden von Guerilla-Bewegungen, die von
außen Unterstützung erhalten, für anti-demokratische Ziele ausgenutzt.
Demokratien dürften weit weniger als Diktaturen ihre Nachbarn bedrohen
oder ihre Bürger mißbrauchen. Die Kräfte der Demokratie sind in Costa Rica
tief verwurzelt - in einem Land, das sich seit 35 Jahren eines demokratischen
Systems erfreut. Honduras hat sich von einer Militärherrschaft zu einer demokratischen Regierungsform hinbewegt. Guatemala hat sich demselben Kurs
verpflichtet. Obwohl immer noch zerbrechlich, sind die demokratischen Kräfte
stetig gewachsen, während gleichzeitig die wirtschaftliche Entwicklung die
Mittelklasse gestärkt hat und Gewerkschaften wie Bauernorganisationen den
Pluralismus zu einer Realität machen. Die katholische Kirche hat ebenfalls
zur Demokratie und zu sozialem Fortschritt beigetragen. Die USA haben durch
ihr Beispiel und durch ihre diplomatische Unterstützung wie durch ihre Auslandshilfe ein Gleiches getan.
Die Formen der Diktatur in Mittelamerika sind zweifach - eine alte und
neue neue.

Die alte stützte sich auf wirtschaftliche Oligarchie, politi-

schen Despotismus und militärische Unterdrückung.

Costa Rica ausgenommen,

trifft dies auf den größten Teil Mittelamerikas und auf die Art und Weise
der sozialen Organisation zu.

Die neue Form der Diktatur stellt sich als

- 2 -

�sich als eine mit Gewalt aufgezwungene

Wirtschaft und eine

elitäre

Avant-

garde dar, die sich selbst eingesetzt hat und auf den Guerillakrieg zurückgreift.

Nicaragua ist ihr Stützpunkt und Mittelamerika ihr Ziel.

Es ist

das Ziel der professionellen Guerillabewegungen, die gesamte Region vom
Panamakanal bis hin zu Mexiko zu destabilisieren.
Die Ziele der USA: Präsident Reagan hat am 27. April 1983 auf einer gemeinsamen Sitzung des US-Kongresses vier Grundziele der Vereinigten Staaten zur
Verhinderung eines kommunistischen Sieges und zur Bekämpfung der Armut in
Mittelamerika aufgezeigt.
Die USA wollen:
- die demokratischen Systeme, die bereits bestehen, unterstützen und
den Ländern in dieser Region helfen, die demokratischen Ziele rasch
zu erreichen. Wahlen müssen fair, sicher und für alle offen sein.
Die Vereinigten Staaten werden auch weiterhin die Menschenrechtsprobleme lösen helfen;
- die wirtschaftliche Entwicklung unterstützen.

Rund 77 Cent von jedem

Dollar, den die USA in diesem Jahr in Mittelamerika ausgeben, werden
für Nahrungsmittel, Düngemittel und andere wichtige Dinge für das
wirtschaftliche Wachstum und die Entwicklung ausgegeben.

Die Initia-

tive für das Karibische Becken sieht darüber hinaus große Handelsund Investitionsanreize vor.

Die gewaltige und wachsende Technologie

der USA soll sich auf die Gesundheitsfürsorge, die Landwirtschaft und
die Industrie in der Region konzentrieren;
- die Sicherheit der bedrohten Länder in dieser Region unterstützen.
Die Sicherheitsunterstützung ist ein Schutzschild für die Demokratisierung, die wirtschaftliche Entwicklung und die Diplomatie.

Noch so viele

Reformen werden keinen Frieden bringen, solange die Guerilla glaubt,
mit Gewalt siegen zu können;
- Dialog und
- 3 -

�- Dialog und Verhandlungen unterstützen - sowohl unter den Ländern der
Region als auch innerhalb eines jeden Landes. Die Vereinigten Staaten
werden auf politische Lösungen in Mittelamerika hinarbeiten, die den
Interessen des demokratischen Prozesses dienen.
Die amerikanische Zusagen:

Um diese diplomatischen Ziele zu unterstützen,

hat Präsident Reagan vier Zusagen angeboten.

Die USA wollen:

- jedes Abkommen unter mittel amerikanischen Ländern über den Abzug aller
ausländischen Militär- und Sicherheitsberater und Truppen - unter voll
verifizierbaren Bedingungen und auf der Basis der Gegenseitigkeit unterstützen;
- oppositionellen Gruppen helfen, sich in allen Ländern in den politischen
Prozeß einzureihen und mit Wahlzetteln statt mit Kugeln zu konkurrieren;
- jedes verifizierbare, auf der Basis der Gegenseitigkeit beruhende Abkommen unter mittelamerikanischen Staaten über den Verzicht der Unterstützung von Aufständischen auf Nachbarterritorien unterstützen;
- Mittelamerika dabei helfen, sein kostspieliges Wettrüsten zu beenden,
und jedes verifizierbare, auf der Basis der Gegenseitigkeit beruhende
Abkommen über die Nichteinführung offensiver Waffen unterstützen.
Präsident Reagan hat einen Sonderbotschafter für Mittelamerika eingesetzt, der die Anstrengungen der Regierungen in dieser Region, Frieden zu
schaffen, unterstützen und eng mit dem amerikanischen Kongreß hinsichtlich
einer überparteilichen Koordinierung der Politik zusammenarbeiten soll.
Reagan stellte ferner klar, daß nicht daran gedacht sei, amerikanische Kampftruppen nach Mittelamerika zu entsenden. "Sie werden dort nicht gebraucht,"
so sagte Präsident Reagan, "ja, sie sind auch nicht angefordert worden. Alles,
worum uns unsere Nachbarn bitten, ist Unterstützung für Ausbildung und Waffen,
um sich selbst zu schützen, während sie dabei sind, ein besseres und freieres Leben zu schaffen".
Der Präsident
- &amp; -

�Der Präsident erklärte ferner:

"Die nationale Sicherheit der beiden

Amerika steht in Mittelamerika auf dem Spiel. Wenn wir uns dort nicht
verteidigen können, dann können wir auch nicht damit rechnen, uns anderswo behaupten zu können.

Unsere Glaubwürdigkeit würde zusammenbrechen, un-

sere Blindnisse würden zerbröckeln, und die Sicherheit unseres Heimatlandes
wäre in Gefahr."

- 5 -

�28

13. Juli 1983

KIRKPATRICK: USA UNTERSTÜTZEN EIN FREIES, DEMOKRATISCHES MITTELAMERIKA

WASHINGTON - (AD) - Die amerikanische UN-Botschafterin Jeane Kirkpatrick
unterstrich am 8. Juli 1983 die Bedeutung der Entwicklung in Mittelamerika
für die Vereinigten Staaten und die Welt.
Vor Mitarbeitern der "Washington Times" betonte die ständige Vertreterin
der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen, daß es hierbei für jeden
Staat um die Verteidigung der grundlegendsten Prinzipien der beiden Amerika,
der UN-Charta, der amerikanischen Verfassung und der gesamten zivilisierten
Welt gehe.

Die strategische Bedeutung des salvadorianischen Konflikts für

die Menschen in Nord- und Südamerika könne "moralisch, militärisch und wirtschaftlich... kaum überschätzt werden", erklärte sie. Die Vereinigten Staaten, so die Botschafterin, "unterstützen heute die gleichen Prinzipien, die
uns über Jahrhunderte hinweg inspiriert haben".
"Wir unterstützen den Gedanken zweier Amerika, die frei sind von Einmischung durch ausländische Mächte, welche von außen in diese Hemisphäre
drängen",und "wir unterstützen die Grundsätze der nationalen Unabhängigkeit,
der Selbstbestimmung... der Freiheit, der Gleichheit, der Verfassungsmäßigkeit, der Herrschaft des Gesetzes und der Demokratie."
In ihrer

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�In ihrer Eröffnungserklärung ging Frau Kirkpatrick auf die Entwicklung
in Nicaragua unter dem sandinistischen Regime ein, das nicht in der Lage gewesen sei, seinen Versprechungen gerecht zu werden, die Menschenrechte zu
achten und bürgerliche Gerechtigkeit walten zu lassen.

Sie sprach auch über

Nicaraguas Beziehungen zur Sowjetunion und wies auf die Kontrollen hin, unter
denen die Kirche und die Presse in Nicaragua stünden.
nahmen gegen die Kirche sei

Der Gipfel dieser Maß-

mit dem Verhalten der nicaraguanischen Regierung

während des Papst-Besuches erreicht worden.

Die Behandlung der Miskito-In-

dianer und der Indianer an der Atlantikküste durch die nicaraguanische Regierung sei "in ihrer Brutalität einzigartig".

Die Miskitos "stellten sich

konsequent gegen die Sandinisten - und sie litten schrecklich."
Bezugnehmend auf die militärische Aufrüstung in Nicaragua sagte Frau
Kirkpatrick, es befänden sich derzeit mehr Ausländer in Nicaragua, als man
zu denken wage.

Es gebe dort Waffen und Munition aus"praktisch allen Ländern

des Ostblocks."

Nicaraguas Stärke bringe dessen Nachbarn in eine "sehr un-

angenehme Lage", und es sei "nicht mehr länger möglich..., an dem politischen,
militärischen Charakter der Regierung Nicaraguas zu zweifeln."
Auf die amerikanische Position hinsichtlich der Frage der Ablehnung
einer "Machtaufteilung" in El Salvador angesprochen, sagte Frau Kirkpatrick,
die Vereinigten Staaten glaubten an "die breiteste Machtaufteilung durch
freie demokratische Wahlen; und mit freien demokratischen Wahlen meinen wir
Wahlen mit der breitesten Beteiligung, mit der Freiheit für alle Beteiligten
und offenkundig auch die Sicherheit, die notwendig ist, um an dieser Macht
teilzuhaben."
Sie unterstrich zugleich, daß die Vereinigten Staaten nicht der Meinung
seien, daß "kleine Gruppen - Nordamerikaner oder Mittelamerikaner - sich
zusammentun und darüber entscheiden sollten, wer in El Salvador herrschen
sollte."
"Wir sind

�"Wir sind der Ansicht, daß die El Salvadorianer dies selbst durch freie,
demokratische Prozesse entscheiden sollten."
Zur Frage der Machtbeteiligung der salvadorianischen Guerilla erklärte
Frau Kirkpatrick:

"Wir sind der Meinung, daß die Guerilla auf dem Schlacht-

feld nicht das gewinnen darf, was sie an der Wahlurne nicht gewinnen kann...
Wir sind der Meinung, daß ihr erlaubt werden sollte, an der Wahlurne so viel
zu gewinnen, wie sie nur kann."
Die Vereinigten Staaten, so fügte sie hinzu, glauben an Verhandlungen,
um die Demokratie zu fördern, und an Verhandlungen unter den betroffenen
Parteien. "Dies sind die Salvadorianer", erklärte sie.
Die UN-Botschafterin unterstrich auch die Notwendigkeit langfristiger
Hilfsprogramme fü&gt; Mittelamerika im humanitären, sozialen, wirtschaftlichen
und sicherheitspolitischen Bereich, um die Armut und Not der Menschen in
dieser Region zu lindern.

- 3 -

�13. Juli 1983

28

MOSKAU VERFOLGT IN AFGHANISTAN LANGFRISTIGE ZIELE

WASHINGTON - (AD) - Die afghanischen Widerstandskämpfer haben die
sowjetischen Besatzungstruppen wie auch die Streitkräfte des Regimes in
Kabul nun schon über ein Jahr lang in "ein sehr dauerhaftes militärisches
Patt" gedrängt, ohne daß es zu einem massiven Aufmarsch sowjetischer Verstärkungen gekommen wäre. Wie aber sieht dann Moskaus Strategie aus?
Einem Afghanistan-Spezialisten im amerikanischen Außenministerium zufolge lautet die Antwort so:
"Ich glaube, die sowjetischen und die Kabul-Machthaber verlassen sich
auf eine langfristige Situation, in der sie sich allmählich installieren
und eine neue Generation von Afghanen heranbilden, die in der Lage ist,
die Situation Stück für Stück zu meistern und das Land zu kontrollieren."
Der Vertreter des Außenministeriums

wies

auf mehrere Aspekte hin, die

diese Analyse untermauern und die am 8. Juli 1983 in Washington im "Foreign
Press Center" den Journalisten dargelegt wurden.
Einer dieser

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�Einer dieser Aspekte ist die Indoktrinierung und die Ausbildung dieser
"neuen Generation Afghanen".

Zwischen 10 000 und 20 000 Afghanen wurden als

Studenten in die Sowjetunion geschickt. Außerdem werden alle drei Monate
Gruppen von 800 jungen Afghanen zur Information durch die Kommunistische Partei abgestellt.

"Dies ist ein wesentliches Element der sowjetischen Strate-

gie", erklärte der Vertreter des Außenministeriums.
Ein weiterer Aspekt bezieht sich auf selektive, doch intensive Luftund Bodenoffensiven gegen größere Orte und Bereiche des Widerstandes. Dadurch wurde der Widerstand in manchen Gebieten ausgeräumt, wo die Widerstandskämpfer auf die Unterstützung der Dorfbewohner angewiesen waren. Als Beispiele nannte der Beamte des Außenministeriums das Panschir-Tal und die
Schomali-Region nördlich von Kabul. Unter den Tausenden von Afghanen, die
über Afghanistans Grenzen flohen, war die "westlich orientierte Mittelklasse",
insbesondere von Kabul und anderen Städten.
Trotz der Strafen, der die Städte und Dörfer unterzogen werden, kommt
der afghanische Widerstand in die Gebiete zurück, aus denen er mit Gewalt
vertrieben wurde. Erwähnt wurde in diesem Zusammenhang Kandahar, die zweitgrößte Stadt des Landes, die von den Sowjets schwer bombardiert wurde. Die
Widerstandskämpfer kamen dieses Jahr zurück und wurden von der dortigen Bevölkerung "willkommen geheißen", obgleich die Aktivitäten der Widerstandsbewegung weitere grausame Vergeltungsmaßnahmen gegen die Stadt hervorrufen
dürften. Dem Vertreter des Außenministeriums zufolge ist auch der Widerstand in der Schomali-Region, die in diesem Jahr unter heftigsten Angriffen
zu leiden hatte, wieder "aktiv und zahlreich".
"Ober die letzten zwei Jahre hinweg war ich beeindruckt von dem sehr
dauerhaften Patt in Afghanistan.

Und ich war vor sechs Monaten noch nicht

so beeindruckt, wie ich es heute bin."
Die sowjetische Strategie scheint zu sein, militärisch die Linie zu
halten, während gleichzeitig verschiedene langfristige Kräfte am Werk sind,

- 2 -

�Werk sind, die zu Moskaus Vorteil wirken.

Derzeit ist der sowjetische Ein-

satz in militärischer Hinsicht begrenzt.

Die sowjetischen Streitkräfte, der-

zeit rund 105 000 Mann, wurden seit über einem Jahr nicht verstärkt.
Der Beamte des Außenministeriums bezog sich dabei auf eine Erklärung,
die - wie er sagte - verläßlich einem hohen sowjetischen Offizier in Afghanistan zugeschrieben wird.

Der Russe erklärte, Aufgabe des sowjetischen

Militärs sei es, die Kommunikationslinien zwischen den wichtigsten Punkten
des Landes freizuhalten und gegenüber der Widerstandsbewegung nur dann zuzuschlagen, wenn dieses Ziel gefährdet sei.
Die schweren Bombardierungen von Städten und Dörfern könnten sich jedoch als im Widerspruch zu jenen langfristigen Kräften erweisen, die sowjetischer Ansicht nach in Afghanistan am Werk sind, wie der Vertreter des
Außenministeriums meinte.

"Die Entfremdung der afghanischen Bevölkerung

durch diese selektiven, aber intensiven militärischen Schläge ist nicht abzuwägen," erklärte er.

+ + + + +

- 3 -

�13. Juli 1983

28

SPITZENTECHNOLOGIE
US-Industrie im internationalen Wettbewerb -

- (AD) - Die Aufwendungen der Vereinigten Staaten für Forschung und Entwicklung sind höher als die Japans, Großbritanniens.. Frankreichs und der Bundesrepublik zusammengenommen.

Dies erklärte kürzlich Edward Harper, Referent im

Beraterstab Präsident Reagans für politische Entwicklungen, in einem Interview
mit Jim Füller vom US-Informationsamt (USIA) in Washington.

Jedoch sei es Sache

der Privatwirtschaft, ob Firmen oder Industriebranchen auch künftig die wachsende
Herausforderung aus dem Ausland annehmen.
Wir bringen im folgenden den zweiten Teil des Interviews (der erste Teil
erschien in unserer Ausgabe vom 6. Juli 1983]:
FRAGE: Wie stehen Sie zu der Studie des Handelsministeriums aus jüngster
Zeit, die besagt, daß die führende Position Amerikas in der Spitzentechnologie
durch die Auslandskonkurrenz ernsthaft attackiert wird?
ANTWORT: Ich meine, daß Herausforderung und Wettbewerb niemals etwas
Negatives sind.

Es hält uns in Schwung.

Andererseits vergißt man leicht, wenn

von relativen Statistiken bei Forschung und Entwicklung (F &amp; E) die Rede ist,

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�die Rede ist, daß die Vereinigten Staaten tatsächlich mehr für F &amp; E ausgeben als
Japan, England, Frankreich und Deutschland zusammengenommen.

Man fordert uns

heraus, und wir pumpen eine Menge Geld in Forschung und Entwicklung.
Was mir vielleicht mehr Sorgen macht, ist die Tatsache, daß unsere Konkurrenten im Ausland auf einigen Wirtschaftssektoren mehr für F &amp; E ausgeben als wir.
Ich glaube, das sollte uns schon ein bißchen zu denken geben.

Denn es könnte

bedeuten, daß wir künftig weniger neue Ideen hervorbringen, die ja bisher eine
unserer Stärken waren.

Und das wäre meines Erachtens nicht gut.

So gehen

beispielsweise bei japanischen Elektrofirmen - wenn ich mich recht erinnere mehr als 5,5 Prozent des Umsatzertrages in Forschung und Entwicklung.
sind es im Durchschnitt weniger als 2,5 Prozent.

Bei uns

Ich meine, es liegt an uns,

der Herausforderung zu begegnen, und ich meine, wir können dies auch.

Aber die

Entscheidung muß auf der Ebene der Privatwirtschaft getroffen werden.
FRAGE: Welche Schritte müssen nach Ihrer Ansicht unternommen werden, um die
Probleme zu lösen, die sich durch Schwerpunkt-Industriepolitik ergeben?
ANTWORT: Das ist ein großes und kontroverses Problem. Ich glaube, es muß
auf die Frage zurückgeführt werden: "Können wir eine Gruppe von Leuten zusammenbringen, die besser als der Wettbewerb auf dem Markt herausfinden könnten, wer
die Gewinner, wer die Verlierer sein sollen?" Die Idee, bestimmte Industrien
herauszupicken und zu sagen: ''Okay - ihr seid die Verlierer", ist mit einer marktorientierten Grundeinstellung überhaupt nicht zu vereinbaren. Zwar spricht
manches dafür, daß die Industriepolitik Japans sehr erfolgreich war. Aber es
gibt auch Anzeichen dafür, daß die Industriepolitik an realen Entwicklungen
vorbeigeht.
So gilt beispielsweise der Computerchip 64 K-RAM als das eindrucksvolle
Beispiel, wie erfolgreich die Japaner Schwerpunktpolitik in der Industrie betreiben.

Ob das nun tatsächlich das besondere Ergebnis industrieller Schwerpunkt-

- 2 -

�industrieller Schwerpunktpolitik ist oder möglicherweise auf das Gespür japanischer Firmen und Geschäftsleute für künftige Entwicklungen zurückzuführen ist,
auf die man sich konzentrieren sollte, ist eine offene Frage.
Betrachten wir einmal ein anderes Schwerpu

ojekt, bei dem die Industrie

der Verlierer war: MITI (das japanische Ministerium für Außenhandel und Industrie)
erklärte den japanischen Autoherstellern: "Seht her, ihr solltet das amerikanische
Beispiel kopieren.

Es gibt in Japan sieben Herstellerfirmen für Kraftfahrzeuge.

Zu viele. Reduziert sie auf zwei.

Konzentriert euch auf den Binnenmarkt.

Vergeßt die Möglichkeit, nach Amerika zu verkaufen, denn wir wissen ja, die
Amerikaner haben gerne große und sichere Wagen, über den Kraftstoffverbrauch
machen sie sich wenig Gedanken, und sie mögen nun einmal den amerikanischen Stil."
Natürlich hat die Bezinkrise das alles verändert.

Die Position der japa-

nischen Autohersteller auf dem amerikanischen Markt ist nicht das Ergebnis von
Industriepolitik.

Sie entwickelte sich trotz der in Japan betriebenen Industrie-

politik.
Sie sehen das auch bei anderen Ländern, in denen Industriepolitik betrieben
wird. In England war eines der zugunsten der Industrie gesetzten Ziele - ebenso
in Frankreich -, das Passagierflugzeug CONCORDE zu bauen. Nicht viele behaupten,
daß dies eine überwältigend erfolgreiche Industriepolitik war.
uich versuchte viele Jahre lang, die Mikroelektronik- und Computerfirmen zu unterstützen,
indem ihr Gebiet als besonders zukunftsträchtig bezeichnet wurde. Heute gilt
das Programm nicht als eines, das neue Fortschritte oder dramatische neue Produkte
oder Verfahren in der Mikroelektronik- und Computertechnik hervorgebracht hat.
Ich meine, dieses Setzen von Schwerpunkten in der Industrie dürfte kein Beispiel
für ein erfolgreiches Vorgehen sein.
Wenn wir uns also in der Welt umsehen und alle die anderen Beispiele für
die Schaffung von Industrieschwerpunkten betrachten, so ist ihr Erfolg doch recht
begrenzt. Und den Vereinigten Staaten ist es in der Tat gelungen, sich ihre
Wettbewerbsstärke zu erhalten.
FRAGE: Könnten Sie
- 3 -

�FRAGE: Könnten Sie die Idee der begrenzten Partnerschaft bei Forschung und
Entwicklung noch etwas ausführlicher behandeln - d.h. privatwirtschaftliche
Vereinbarungen, welche Firmen eine Zusammenarbeit in F &amp; E erlauben?
ANTWORT: Nun, dabei gibt es zwei Aspekte.

Bei der begrenzten F &amp; E-Partner-

schaft handelt es sich um eine steuerrechtliche Vereinbarung im Hinblick auf
die Investitionskosten für F &amp; E; außerdem verringert sie dank der Kooperation
die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung.

Der Präsident hält es für

wichtig, daß amerikanische Firmen grundsätzlich die gleiche Basis haben wie
ausländische Firmen, denen in einigen Fällen in Bezug auf F &amp; E gemeinsame
Unternehmungen erlaubt sind.

Bill Baxter, stellvertretender Justizminister

und zuständig für Anti-Trust-Fragen, hat unsere Pläne für eine gewisse gesetzliche Abklärung durchgearbeitet, so daß amerikanischen Firmen die Bildung von
Gemeinschaftsunternehmen für F &amp; E, die von gemeinsamem Interesse für die
Beteiligten sind, erlaubt wird.
Die Grundregeln solcher Aktivitäten besagen, daß Firmen, die ein Gemeinschaftsunternehmen schaffen, in bezug auf ein bestimmtes Produktgebiet nicht
mehr als die Hälfte des Marktanteils besitzen dürfen und daß es zum mindesten
vier weitere Konkurrenten auf dem Markt gibt. Wichtig ist, mutwillig inszenierte,
auf Schädigungen abzielende Klagen bei Gericht gegen solche Vereinbarungen durch
Leute zu unterbinden, die sich daran (d.h. an einem Gemeinschaftsunternehmen)
beteiligen wollten, dies aber nicht konnten.
FRAGE: Trifft die Regierung noch andere spezielle Maßnahmen, um die Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten Staaten im Geschäft mit Produkten der Spitzentechnologie zu stärken?
ANTWORT: Die Regierung hat beispielsweise unseren F &amp; E-Etat um etwa
17 Prozent erhöht. Unser Etat für Grundlagenforschung liegt ca. zehn Prozent
höher. Das bedeutet, daß unser Gesamtbudget für Forschung und Entwicklung jetzt
rund 37 Milliarden Dollar und das Budget für Grundlagenforschung 6,6 Milliarden
Dollar beträgt.
Wir versuchen

�Wir versuchen außerdem, die Verwendung der Ausgaben für F &amp; E effektiver
zu machen.

Eine der Befürchtungen, die wir in der Vergangenheit hatten, war

die, daß Regierungsgelder manchmal zur Entwicklung marktfähiger Produkte verwendet
werden, die jemand anders kommerziell nutzt und damit Gewinne macht.

Statt dessen

sollten unseres Erachtens jene Projekte mit Bundesmitteln gefördert werden, von
denen die Gesellschaft deutlich protitieren würde, bei denen aber die Risiken so
groß sind

und die Aussichten auf Rentabilität so weit in der Zukunft liegen,

daß keine privatwirtschaftliche Organisation sich an solche Forschungen heranwagt.
Das ist die Definition für Grundlagenforschung - Forschung, die die wissenschaftlichen Erkenntnisse erweitert. Mit dem vom Präsidenten initiierten Steuergesetz
von 1981 zugunsten einer Erholung der Wirtschaft konnten wir außerdem den Kongreß
dazu bringen, einer Steuerentlastung von 25 Prozent für zusätzliche Forschungsund Entwicklungsvorhaben des privaten

Sektors zuzustimmen.

FRAGE: Was erwarten Sie auf weite Sicht von Spitzentechnologie?
ANTWORT: Ich glaube nicht, daß wir genau vorhersagen können, wie sie sich
weiterentwickeln wird.

Aber es wird Entwicklungen geben, die unsere Industrie

produktiver machen, als sie je zuvor war.

Und ich meine auch, daß der Faktor,

der unser Wirtschaftswachstum, der die vor uns liegenden faszinierenden Ereignisse in der Spitzentechnologie mehr als irgendein anderer verzögern könnte,
Protektionismus in seinen verschiedenen Erscheinungsformen wäre.

Protektionismus

würde nicht nur bedeuten, daß unsere Ressourcen im La"de weniger wirksam
genutzt würden, daß unsere Verbraucher höhere Preise zahlen, daß unsere Steuerzahler auf die eine oder andere Weise Industrien subventionieren müßten. Er würde
auch bedeuten, daß die weniger entwickelten Nationen,die die amerikanischen
Märkte brauchen und tatsächlich die größten Abnehmer für viele unserer Produkte
sind, - daß diese nicht nur nicht in der Lage wären, von uns zu kaufen, sondern
daß sie auch nicht in der Lage wären, die Kredite zurückzuzahlen, die wir ihnen
schon in der Vergangenheit einräumten, damit sie von den Vereinigten Staaten
Waren kaufen konnten.
Und so ist es

- 5 -

�Un so ist es wichtig, daß wir für die Zukunft freie Märkte beibehalten.
Eine richtige Industriepolitik für die Vereinigten Staaten besteht, wie wir es
sehen, darin, eine feste

Basis zu schaffen, eine gute, solide Geld- und Steuer-

politik zur Durchführung solcher Investitionen zu haben •- für die Ausbildung
unserer Schüler in den Grund- und höheren Schulen, für die Ausbildung unserer
Collegeprofessoren, die Fortbildung stellenloser Arbeiter, die Ausbildung in
der Privatwirtschaft und für Investitionen auf dem Gebiet der Forschung.

Dies

sind Dinge, die die Bundesregierung tun kann, die einzelstaatliche und kommunale
Regierungen auch im Bildungsbereich leisten können. Und es sind die Dinge, die
eine feste Grundlage für ein beständiges und langfristiges Wirtschaftswachstum
schaffen, welches allen Amerikanern ein

besseres Leben beschert.

Es schafft

auch die Voraussetzungen für eine gesünoere Weltwirtschaft - und damit für eine
friedlichere Welt.

.+rf-+ + +

�7

Uli/zen/chofl
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

28

13. Juli 1983

NEUER FLUG DES RAUMTRANSPORTERS IN VORBEREITUNG
Nachrichtensatellit TDRS für SPACELAB einsatzbereit -

- (AD) - Die Raumfähre CHALLENGER ist wieder im Weltraumbahnhof Kap
Canaveral angelangt und wird gegenwärtig auf ihre nächste Reise ins All vorbereitet.
gesehen.

Der Start für den Flug STS-8 ist jetzt für Mitte August 1983 vorDa wegen schlechten Wetters bei der Rückkehr vom Flug STS-7 (18.

bis 24. Juni 1983) die Landung in Florida nicht möglich war, sondern wie zuvor in Kalifornien erfolgte, verschob sich der neue Starttermin um ca. eine
Woche.
Nach der Landung an der amerikanischen Westküste unternahmen die Ingenieure und Techniker sofort eine erste Überprüfung der Bordsysteme. Die
gründliche Inspektion aller Triebwerke sowie der gesamten Bordelektronik geschieht jedoch im Kennedy-Raumflugzentrum von Florida.

Ungefähr 100 Kacheln

des Hitzeschildes sind beschädigt und müssen entweder ausgetauscht oder repariert werden.

Die beiden mächtigen Feststoffraketen, die den Raumtransporter

beim Start von der Erde abheben, und der Außentank, der die flüssigen Treibstoffe (Wasserstoff und Sauerstoff) für den Aufstieg zur Erdumlaufbahn aufnimmt, erwarten bereits den Orbiter in der Montagehalle am Kap.
Die wichtigste

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Die wichtigste Nutzlast beim nächsten Flug ist INSAT 1-B, ein Nachrichten- und Wetterbeobachtungssatellit für Indien.
vor dem Start in der Ladebucht des Orbiters verstaut.

Er wird schon Wochen
Wie bei vorangegan-

genen Unternehmen, wo im Auftrag Kanadas, Indonesiens und amerikanischer
Firmen Nachrichtensatelliten abgesetzt wurden, wird auch INSAT 1-B in die
Umlaufbahn in 296 km Höhe mitgenommen und ausgeladen, um anschließend mit
eigenem Antrieb bis in die geostationä're Bahn in 36 000 km Höhe aufzusteigen.
Da dort die Umlaufgeschwindigkeit ebenso groß ist wie die Rotationsgeschwindigkeit der Erde, scheint der Satellit in seiner Position über der Erdoberfläche "verankert" zu sein und steht für den Nachrichtenverkehr in der betreffenden Region ständig zur Verfügung.
Beim nächsten CHALLENGER-Flug sind außerdem Versuche mit einer Satelliten-Attrappe von 2250 kg Masse vorgesehen.

Sie dient als Testobjekt für den

Einsatz des mehrgliedrigen, 15 m langen Roboterarms, den Kanada zum amerikanischen Raumtransporterprojekt beigesteuert hat.

Er macht es möglich, Lasten

verschiedenster Größe und Form im Orbiter-Frachtraum umzusetzen oder in den
Weltraum zu expedieren sowie Objekte aus dem Weltraum an Bord der Raumfähre
zu holen, sobald diese sich ihnen durch entsprechende Rendezvousmanöver weit
genug genährt hat.

Im Gegensatz zu dem deutschen Satelliten SPAS-01, der

beim Flug STS-7 mehrmals abgesetzt und wieder eingeholt wurde, enthält das
bei STS-8 verwendete Testobjekt keine Ausrüstungen für die Durchführung von
Forschungsaufgaben.
Im Rahmen der wissenschaftlichen Experimente während des nächsten
CHALLENGER-Fluges soll u.a. die Wechselwirkung von Sauerstoff mit den verschiedensten Materialien untersucht werden. Dies dient der Erforschung der
Auswirkungen von Korrosionserscheinungen unter Weltraumbedingungen.
Die Missionsspezialisten Dale A. Gardner, William E. Thornton und
Guion S. Bluford, Jr., werden die zahlreichen Experimente betreuen und den
indischen Nachrichtensatelliten absetzen.

Das Kommando bei STS-8 hat Richard

H. Truly, Kopilot ist Daniel C. Brandenstein.

- 2 -

Mit Guion Bluford schickt das

�schickt das US-Amt für Luft- und Raumfahrt (NASA) den ersten schwarzen Astronauten auf eine Weltraumreise.
Nach dem Unternehmen STS-8 wird CHALLENGER erst wieder für die Flüge
10 und 11 benutzt.

Flug 9, der am 30. September 1983 beginnen soll und des-

sen Hauptprojekt die Erprobung des europäischen Weltraumlabors SPACELAB ist,
wird wieder mit COLUMBIA, dem ersten Raumtransporter der Welt, durchgeführt.
Das Fluggerät wurde eigens umgebaut, um SPACELAB aufnehmen zu können. An dem
neuntägigen Flug nimmt u.a. der deutsche Physiker Ulf Merbold als Wissenschaftsastronaut teil.
Mit der Mission 12, die für März 1984 vorgesehen ist, wird der Orbiter
DISCOVERY seinen Jungfernflug unternehmen.

Die amerikanische Raumtransporter-

flotte besteht dann aus drei Fluggeräten.
TDRS, der größte Nachrichtensatellit der Welt, steht nunmehr für

seine

vorgesehenen Aufgaben auch im Zusammenhang mit bemannten Flügen zur Verfügung.
In z.T. sehr komplizierten Manövern, die sich über Wochen hinzogen, ist es
nun doch gelungen, ihn auf die vorgesehene Bahnhöhe von 36 000 km zu bringen
und über Brasilien zu stationieren.
abgesetzt worden.

Er war im April 1983 aus der CHALLENGER

Die erste Stufe des eigenen Antriebssystem für den 2,2

Tonnen schweren Koloß zündete ordnungsgemäß, die zweite Stufe versagte jedoch, so daß TDRS-1 in eine zu niedrige und stark elliptische Umlaufbahn gelangte.

Mit Computerhilfe arbeiteten daraufhin Wissenschaftler der Hersteller-

firma TRW Systems in Kalifornien einen Plan aus, um möglicherweise durch Aktivierung der mehr als 20 Lageregelungsdüsen am Satellitenkörper die Fehler
wettmachen zu können.

Der Versuch gelang.

sich TRDS-1 in der vorgesehenen Position.

Seit dem 29. Juni 1983 befindet
Normalerweise sind die kleinen

Triebwerke mit 0,45 kg Schubleistung nur für Positionskorrekturen im Verlauf
der zehn Betriebsjahre auf der geostationären Bahn gedacht.

Der noch ver-

bliebene Treibstoff dürfte jedoch auch dafür noch ausreichen.
TDRS macht es möglich, Verbindung zu 26 anderen Satelliten auf Erdumlaufbahnen und zu deren Bodenstationen zu halten, sowie diese Satelliten auch
- 3 -

�Satelliten auch miteinander über Funk zu verbinden.

Bei der Erprobung des

SPACELAB im September/Oktober 1983, bei der Meßdaten in bisher nie dagewesener Menge anfallen, spielt er eine sehr wichtige Rolle.

Sobald ein zweiter

gestartet und über dem Pazifik stationiert sein wird, ist ständiger Sprechkontakt zu den Besatzungen der Raumfähren gewährleistet.

Zur Zeit ist die

Verbindung unterbrochen, sobald der Orbiter den Empfangsbereich der einen
Bodenstation verläßt und den der nächsten noch nicht erreicht hat.

Die TDRS-

Satelliten sind nichts anderes als Relaisstationen im Weltraum mit sehr hoher
Arbeitsgeschwindigkeit; für Aufgaben der Informationsverarbeitung sind sie
nicht ausgerüstet.

Sie sind Eigentum der Firma "Space Communication Company"

und werden an die NASA vermietet.

+ + + + +

- 4-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erste Jugendaustauschgruppen im Rahmen der Reagan-Initiative&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;State Department zur Politik der USA in Mittelamerika&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kirkpatrick: USA unterstützen ein freies, demokratisches Mittelamerika&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Moskau verfolgt in Afghanistan langfristige Ziele&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Spitzentechnologie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Industrie im internationalen Wettbewerb -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neuer Flug des Raumtransporters in Vorbereitung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Nachrichtensatellit TDRS für SPACELAB einsatzbereit -&lt;/em&gt;</text>
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III M \ kr
• il I i i Li ri

Information
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

6. J u l i 1983

27
INHALT

DOKUMENTATION
Reagan würdigt Bedeutung des Atomsperrvertrages
- Erklärung zum 15. Jahrestag der Unterzeichnung Botschaft Präsident Reagans zum amerikanischen Unabhä'ngigkeitstag
- Amerikanische Unabhängigkeit eine philosophische Revolution -

HINTERGRUNDMATERIAL
Westliche Sicherheit und Rüstungskontrolle
- Von Colin S. Gray Ein Indianerdorf flieht nach Costa Rica
- Vor. unserer Korrespondentin Paula Tarnapol

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Erster wiederverwendbarer Satellit im Weltraumtest
- Raumtransporter CHALLENGER mit SPAS-01 wieder zurück
Spitzentechnologie
"Neue Ideen" erhalten die Wettbewerbsfähigkeit
- USIA-Interview mit Edward Harper Kranke Bäume schlagen Alarm
- Pheromone als Warnsubstanz -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�I

Dokumentation
- BH

I

r .

United States Information Service
Embassy of the United States of America

6. Juli 1983

27

REAGAN WÜRDIGT BEDEUTUNG DES ATOMSPERRVERTRAGES
• Erklärung zum 15. Jahrestag der Unterzeichnung

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 1. Juli 1983 anläßlich des
15. Jahrestages der Unterzeichnung des Vertrages über die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen (Nonproliferation) auf die Bedeutung

dieses Vertrages

hingewiesen.und alle Staaten aufgerufen, sich erneut der Erfüllung der Zielsetzungen dieses Abkommens zu verpflichten.
Die Erklärung des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Heute vor 15 Jahren unterzeichneten die Vereinigten Staaten, die Sowjetunion, Großbritannien sowie 58 weitere Staaten den Vertrag über die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen.

Dieser Vertrag hat mit jetzt 119 Unter-

zeichnern die größte Anzahl von Vertragspartnern, die irgendein Rüstungskontroi 1 abkomme/i. jemals, in der Geschichte hatte.

Sowohl die NATO-Staaten

wie die Staaten des Warschauer Paktes, Kernwaffenländer wie Nicht-Kernwaffenländer, Industrieländer wie Entwicklungsländer, Staaten aus jeder Region der
Welt - sie alle haben sich diesem Vertrag und seinen Zielsetzungen verpflichtet.
. .

Die Kernwaffenländer,

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�»

Die Kernwaffenländer, die diesen Vertrag unterzeichnet haben, sind übereingekommen, Nicht-Kernwaffenländer

beim Erwerb von nuklearen Sprengstoffen

nicht zu unterstützen, und die Nicht-Kernwaffenländer haben sich verpflichtet,
derartige Sprengstoffe nicht zu erwerben.

Diese beiderseitige Verpflichtung

trägt der Tatsache Rechnung, daß die Weiterverbreitung von Kernwaffen alle
Nationen bedroht.
Dieser Vertrag ruft seine Unterzeichner ferner auf, die Entwicklung
der friedlichen Anwendung der Kernenergie zu fördern, insbesondere in den
Nicht-Kernwaffenländern, die dem Vertrag beigetreten sind.

Die friedliche

Nutzung der Kernenergie ist für das Wohlergehen zahlreicher anderer Länder
wichtig, und die Vereinigten Staaten nehmen ihre Verpflichtung hinsichtlich
einer Zusammenarbeit auf diesem Gebiet ernst. Wir haben lange an der vor^
dersten Front jener gestanden, die auf nuklearem Gebiet technische Unterstützung und andere Zusammenarbeit geleistet haben, und wir verpflichten uns,
diese Zusammenarbeit unter angemessenen Sicherheiten fortzusetzen.
Die Vereinigten Staaten sind sich gemäß diesem Vertrag auch ihrer Verpflichtung bewußt, in gutem Glauben Verhandlungen über wirksame Maßnahmen
fortzusetzen, die mit der nuklearen Abrüstung zusammenhängen. Dies ist eine
Frage von größter Sorge und größtem Interesse für alle Länder. Ich fühle
mich persönlich verpflichtet, jeden notwendigen Schritt zu unternehmen, um
die Wahrscheinlichkeit wirklicher und beträchtlicher Fortschritte in Richtung
auf ein Abkommen zu vergrößern, das bedeutsame Verringerungen der amerikanischen und sowjetischen Nukleararsenale auf einen gleichen und stabileren
Stand beinhaltet und das im nationalen Sicherheitsinteresse beider Seiten
liegen würde. Die Vereinigten Staaten werden auch keine Mühe scheuen, um
ein gerechtes und verifizierbares Abkommen über Mittelstreckenraketen auszuhandeln, das das Risiko eines Krieges in Europa und weltweit verringern
würde.
Die Vereinigten Staaten haben eine wichtiae Rolle bei den Verhandlungen
über den Nichtweiterverbreitungsvertrag gespielt, und fünf amerikanische Prä-

- 2 -

�amerikanische Präsidenten haben ihr Leben lang diesen Vertrag als einen
Grundstein des internationalen Bemühens nachdrücklich unterstützt, die Weiterverbreitung von nuklearen Kernsprengstof^en in zusätzliche Länder zu verhindern.

Wenn wir nun die wichtige Überprüfungskonferenz dieses Vertrages im

Jahr 1985 planen, werden die

e'~einigten Staaten auch weiterhin danach stre-

ben, die Lebensfähigkeit des Nichtweiterverbreitungsvertrages zu stärken.
Ich appelliere an alle Länder, die dies bisher noch nicht getan haben, sich
dem wachsenden Konsens gegen die weitere Verbreitung von nuklearen Sprengstoffen anzuschließen, indem sie diesem Vertrag beitreten.

Im Juli 1981 legte ich meine Politik zur Verhinderung der Proliferation
nuklearer Sprengstoffe dar und erklärte, daß diese Frage von entscheidender
Bedeutung für den Weltfrieden sowie für die regionale und globale Stabilität
sei.

Aber wenn wir bei der Verhinderung der Ausbreitung von Kernwaffen Er-

folg haben wollen, dann müssen die Länder dieser Welt zusammenarbeiten.

Wie

ich schon bei früheren Gelegenheiten erklärt habe, wäre es ein wichtiger
Schritt, wenn die nuklearen Lieferländer darin übereinstimmten, daß umfassende
Sicherheiten erforderlich sind als Bedingung für jedwede bedeutsame neue
nukleare Lieferungsverpflichtung.

Dies ist keine Politik, die eine nukleare

Unterstützung verwehrt, es ist vielmehr eine Politik, die eine Unterstützung
von vernünftigen Beweisen dafür abhängig macht, daß das gesamte Programm eines
Nicht-Kernwaffenlandes der friedlichen Nutzung der Kernenergie dient.

Die-

ser Beweis ist bereits von den 116 Nicht-Kernwaffenländern erbracht worden,
die den Nichtweiterverbreitungsvertrag unterzeichnet haben.

Ich hoffe, daß

bald über diese Maßnahme eine Einigung erzielt werden kann, um das internationale Verhalten im Hinblick auf die Nichtweiterverbreitung zu stärken.

An diesem 15. Jahrestag der Unterzeichnung des Nichtweiterverbreitungsvertrages sollten sich alle Staaten erneut der Erfüllung der Zielsetzungen
dieses wichtigen Dokumentes sowie der Sicherung seiner fortdauernden Lebensfähigkeit verpflichten.

Das ist sowohl unsere gemeinsame Verantwortung als

auch ein Beitrag zum Frieden für kommende Generationen.

+ + + + +
- 3 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

6. Juli 1983

27

BOTSCHAFT PRÄSIDENT REAGANS ZUM AMERIKANISCHEN UNABHÄNGIGKEITSTAG
- Amerikanische Unabhängigkeit eine philosophische Revolution -

WASHINGTON - (AD) - Zum Tag der amerikanischen Unabhängigkeit am 4. Juli
erklärte Präsident Reagan, die amerikanische Revolution habe "das Konzept des
Regierens als solches verändert".

Daher solle der 4. Juli stets daran er-

innern, "daß in diesem Land die Entscheidung darüber fiel, daß alle Männer
und Frauen mit bestimmten, von Gott verliehenen Rechten geboren sind" und
"daß die Regierung lediglich eine vom Volk geschaffene und betriebene Einrichtung ist".
Die Botschaft des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Für jemanden, der in einer Kleinstadt geboren wurde und dort aufgewachsen ist, umgibt den 4. Juli eine ganz besondere Art der Nostalgie.
Ich erinnere mich daran, daß es ein Tag war, auf den man sich freute
wie auf Weihnachten.

Das kam unter anderem von all den Feuerwerkskörpern

und den bunten Plakaten in den Schaufenstern, mit denen in lebhaften Bildern
dafür Reklame gemacht wurde.
Aber es

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Aber es geht mir - wie allen Amerikanern - beim 4. Juli um mehr als
Nostalgie.

Irgendwann bei unserem Heranwachsen wurden wir uns der Bedeutung

dieses besonderen Tages bewußt.

Denn wenn Amerika im Leben eines jeden un-

serer Mitbürger etwas anderes bedeutet, so glaube ich doch, daß wir als Volk
die Tatsache anerkennen, daß es heute vor allem um eines geht:

um die Frei-

heit, die wir haben, um unser Leben zu gestalten.
Es gibt da eine kleine Geschichte über den Tag der Geburt unserer Nation
in jener kleinen Halle in Philadelphia - einen Tag, an dem bereits über Stunden hinweg heiß debattiert worden war.
werte Leute, unterdrückt

Die dort Versammelten waren ehren-

von einem König, der eben jene Gesetze verhöhnte,

die sie einzuhalten bereit waren.

Und dennoch war die Erklärung der Unabhän-

gigkeit solch ein unwiderruflicher Schritt, daß Worte wie "Verrat" und "An
den Galgen" von den Wänden widerhallten und das Thema Besorgnis und Bedenken
bestehen ließ.
Die Geschichte berichtet uns, daß an diesem Punkt ein Mann aufstand und
zu sprechen begann. Er wird als jemand beschrieben, der kein junger Mann mehr
war und der all. seine Energie für einen leidenschaftlichen Einspruch zusammennehmen mußte. Er verwies auf die Leiden, die sie hier zusammengebracht hatte,
und sagte schließlich mit gesenkter Stimme: "Sie mögen jeden Baum in einen
Galgen verwandeln und jedes Loch in ein Grab - und doch werden die Worte dieses Pergaments nie sterben. Dem Handwerker in seiner Werkstatt werden sie
Hoffnung geben; dem Sklaven im Bergwerk Freiheit. Unterschreibt dieses Papier. Unterschreibt, auch wenn im nächsten Augenblick die Schlinge um euren
Hals liegt, denn dieses Pergament wird für alle Zeiten das Lehrbuch der Freiheit sein, die Bibel der Menschenrechte."
Er fiel erschöpft zurück. Die Delegierten, von seiner Eloquenz überwältigt, stimmten für das Dokument, das so unsterblich werden sollte, wie es
nur ein Menschenwerk sein kann. Als sie sich ihm wieder zuwandten, um ihm
ihren Dank für seine so rechtzeitige Rede zu sagen, war er nicht mehr aufzufinden, und es gab weder jemanden, der ihn kannte, noch jemanden, der wußte,

- 2 -

�der wußte, wie er durch die verschlossenen und bewachten Türen herein- und
hinausgekommen war.
Nun, dies ist nur eine Legende - aber wir wissen mit Sicherheit, daß
56 Menschen - eine kleine Gruppe so einzigartiger Leute, wie es sie seither
nicht mehr gegeben hat - ihr Leben, ihr Hab und Gut und ihre heilige Ehre
aufs Spiel setzten.

Viele setzten auch in dem darauffolgenden Krieg ihr Le-

ben ein, die meisten verloren ihr Vermögen, aber alle bewahrten ihre heilige
Ehre.
Was für Menschen waren sie?

25 waren Rechtsanwälte und Juristen, 13

waren Kaufleute und Händler und neun waren Bauern.

Es waren Männer mit lei-

ser Stimme, die meisten von Besitz und Ausbildung; es war kein ungewaschener
Pöbel.

Sie hatten sich eine sichere Position geschaffen, aber sie schätzten

die Freiheit höher.

Ihre Geschichte ist noch lange nicht umfassend darge-

stellt worden.
John Hart wurde von der Seite seiner todkranken Frau getrieben.

Mehrere

Monate lebte er im Wald und in Höhlen. Als er aus seinem Versteck zurückkam,
war seine Frau tot, seine Kinder waren verschwunden und sein Eigentum zerstört.
Carter Broxton aus Virginia, Vater von 18 Kindern, verlor alle seine
Schiffe und fast sein ganzes anderes Eigentum.
Und von Thomas Nelson wird berichtet, daß er selbst Washington drängte,
auf sein Haus zu schießen und es zu zerstören, als es zum Hauptquartier von
General Cornwallis wurde. Nelson starb in Armut.
Aber Helden wie diese gründeten eine Nation, die wuchs, um von einem
Ozean zum anderen zu reichen - eine Nation der Farmen, der stillen Dörfer,
der Städte, die niemals schlafen; dreieinhalb Millionen Quadratmeilen von
Wald, Feld, Berg und Wüste; 230 Millionen Menschen mit einem Stammbaum, der das

- 3 -

�der das Blut aller Völker dieser Welt enthält.
In den letzten Jahren aber denke ich bei diesem Tag an mehr, als nur an
den Geburtstag einer Nation.

Mit ihm wird eine echte philosophische Revolu-

tion in der Geschichte begangen.
Ja, es gab Revolutionen vor und nach der unsrigen.

Aber zu viele dieser

Revolutionen ersetzten lediglich einen Herrscher durch einen anderen.

Unsere

Revolution hat das Konzept des Regierens als solches verändert.
Möge uns der 4. Juli immer daran erinnern, daß in diesem Land die Entscheidung darüber fiel, daß alle Männer und Frauen mit bestimmten, von Gott
verliehenen Rechten geboren sind, daß die Regierung lediglich eine vom Volk
geschaffene und betriebene Einrichtung ist und keine anderen eigenen Rechte
hat außer denen, die ihr freiwillig vom Volk verliehen wurden.
Die Stärke dieser freien Gedanken liegt darin, daß sie nicht nur für
Amerikaner gelten, sondern für jedermann, und in diesem Sinne möchte ich den
Männern und Frauen, die die Freiheit lieben, überall einen glücklichen 4. Juli
wünschen.

- 4 -

�6. Juli 1983

27

WESTLICHE SICHERHEIT UND RÜSTUNGSKONTROLLE
- Von Colin S. Gray -

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung
der Los Angeles Times
Copyright (c) 1982 Los Angeles Times

Präsident Reagan sollte trotz wachsenden Drucks im Inland und im Ausland an dem Kurs festhalten, den er für die RListungskontrollVerhandlungen
mit der Sowjetunion abgesteckt hat, wie auch an der Modernisierung der strategischen Streitkräfte der Vereinigten Staaten.
Man darf nicht vergessen, daß die großen Modernisierungsprogramme der
Administration auf dem Gebiet der strategischen Waffen und der Infrastruktur
- wie die MX-Interkontinentalrakete, der B-1-Bomber, die Marschflugkörper
und die Modernisierung des Kommando-, Kontroll- und Kommunikationssystems keineswegs neue amerikanische Initiativen für ein Wettrüsten, sondern die
reichlich verspätete Antwort auf die sowjetische Herausforderung einer fast
20jährigen stetigen Vergrößerung und qualitativen Verbesserung der Streitkräfte der UdSSR sind.

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Im wesentlicnen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Im wesentlichen verfolgt die Sowjetunion Rüstungskontroll Verhandlungen
aus drei Gründen:
- Sie hofft damit in den Demokratien Selbstzufriedenheit zu wecken.

Da

sie wissen, daß sie in militärischer Hochtechnologie nicht mit den Vereinigten Staaten konkurrieren können, benutzen die Sowjets RüstungskontrollVerhandlungen, um wohlmeinende aber leichtgläubige Menschen zu
überzeugen, daß sich Amerika nicht so anzustrengen brauche, wie es dies
tut.
- Solche Verhandlungen bieten der sowjetischen Diplomatie eine Gelegenheit, das westliche Bündnis zu spalten. Je mehr die Verbündeten ihre
Entscheidungen über die Dislozierung von Waffen von Fortschritten in
der Rüstungskontrolle abhängig machen, je mehr Chancen bieten sie den
Sowjets, sich in die westliche Verteidigungspolitik einzumischen, ja,
sie zu manipulieren.
- Die Sowjets integrieren ihre Rüstungskontroi 1 politik und ihre strategische Planung in einer Weise, daß sie in der Lage sind, die Verhandlungen als ein Instrument ihrer strategischen Planung zu benutzen.

Sie

suchen durch Rüstungskontrolle strategische Vorteile zu erringen, die
sie durch einseitige Anstrengungen nicht erreichen könnten.
Es gibt keine sowjetische Rüstungskontrolltheorie, die auch nur annähernd
mit der zu vergleichen wäre, die im Westen existiert. Die letztere besteht
darin, daß solche Verhandlungen dem Zweck dienen sollen, die nukleare Abschreckung beider Seiten zu stabilisieren.
Für die Sowjets ist Rüstungskontrolle nur als ein Werkzeug zur Förderung
ihrer eigenen Interessen nützlich.

Die sowjetische Regierung ist sich jedoch

zutiefst darüber im klaren, daß westliche Demokratien dazu neigen, einfache
diplomatische Tätigkeit - bei der "Fortschritt" in erreichten übereinkommen
gezählt wird, gleichgültig, wie diese Abkommen im einzelnen aussehen - mit
Frieden gleichzustellen.
So muß
. 2 -

�So muß sich die Reagan-Administration ständig gegen die absurde Beschuldigung verteidigen, daß es ihr nicht ernst sei mit der Rüstungskontrolle.
Ja, noch schlimmer, die Administration steht unter dem Druck, um eines Abkommens willen Kompromisse einzugehen, selbst wenn das Ausmaß des erforderlichen Nachgebens den eigentlichen Zweck des ganzen Unternehmens untergräbt der in amerikanischen Augen darin besteht, die Stabilität der Abschreckung
zu stärken, um das Risiko eines Krieges zu verringern.
Genau die Gründe, warum die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
ihre gegenseitige Abschreckung unbedingt stabilisieren müssen, sind auch
die Gründe, warum es so schwer ist, zu solchen Abkommen zu gelangen.

Rüstungs-

kontrolle ist nur unter solchen Staaten leicht zu erreichen, die sie nicht
brauchen.
Die Sowjets haben den Vereinigten Staaten immer wieder erklärt, daß
sie weder Pazifisten noch Philantropen seien.

Die Vereinigten Staaten dürf-

ten durch Rüstungskontrolle nur das erreichen, was ihnen aufgrund ihrer einseitigen Bemühungen zusteht und das nur durch sorgfältige Beachtung vernünftiger Grundsätze der Verhandlungsführung.
So versucht also die Reagan-Administration,die strategische Abschreckung
zu stabilisieren, indem sie die strategischen Nuklearstreitkräfte und die
nuklearen Mittel Streckensysteme der Vereinigten Staaten modernisiert, damit
die Sowjetunion gewiß sein kann, daß eine Aggression fehlschlagen würde.
Um das zu erreichen, ist vorgesehen, entscheidend wichtigen sowjetischen
Vorteilen, in der Fähigkeit zur Kriegsführung auf den Gebieten der Gegenstreitkräfte, der Wirksamkeit der Luftverteidigung und der Fähigkeit, amerikanische Kommando- und Kontrollfunktionen zu lähmen, durch die Dislozierung
sicher stationierter MX-Raketen, des B-1-Bombers, der Marschflugkörper und
neuer strategischer Unterstützungssysteme zu begegnen.
Diese Dislozierungen

- 3 -

�Diese Dislozierungen garantieren nicht den Erfolg der Verhandlungen
über die Verringerung strategischer Rüstungen (START) oder Verhandlungen
über nukleare Mittelstreckensysteme (INF) - und können das auch nicht -,
aber da sie die beiderseitige Abschreckung stabilisieren werden, können sie
doch Abkommen dieser Art ermöglichen.
Die Vereinigten Staaten verringern das Risiko eines Krieges - das
oberste Ziel jeder Rüstungskontrolle -, indem sie den Sowjets jede plausible Aussicht auf einen militärischen Erfolg verwehren.
Die Existenz von Rüstungskontroi labkommen an sich hat noch keinerlei .
Bedeutung.

Was zählt, ist die Frage, ob solche Rüstungskontroi labkommen

jene Art von strategischem Gleichgewicht herbeiführen, die für eine Abschreckung notwendig ist und echtes Vertrauen einflößt. Solche Abkommen
können entweder einfach die Tatsache wettstreitender Programme beider Seiten
registrieren, oder sie können wirklich eine - gleichermaßen - einschneidende
Wirkung auf die strategische Rüstung haben.
Ein Abkommen jedoch, das die Neigungen des sowjetischen General Stabs
wirklich zügeln würde, ist nicht billig zu haben. Die Sowjets müssen überzeugt werden, daß ihrer Sicherheit mit einem Abkommen besser gedient ist
als ohne ein Abkommen.
Die MX-Rakete, der B-1-Bomber, die Trident D-5-Rakete und der strategische Marschflugkörper bieten die notwendigen Anreize für die sowjetischen
Führer, sich ernsthaft die Vorteile formaler bilateraler Einschränkungen zu
überlegen.

+ + + + +

�6. Juli 1983

27

EIN INDIANERDORF FLIEHT NACH COSTA RICA
Von unserer Korrespondentin Paula Tarnapol

PUERTO LIMON, COSTA RICA - (AD) - Die gesamte Einwohnerschaft eines
Miskito-Dorfes, die im Schutz der Dunkelheit auf offene See geflüchtet ist,
um dem sandinistischen Terror zu entkommen, hat sich.jetzt Tausenden anderer n;icaraguanischer Flüchtlinge angeschlossen, die bereits in diesem Land
leben. Viele andere Nicaraguaner sind nordwärts nach Honduras geflüchtet,
wo die meisten in Lagern untergebracht werden.
Das Dorf Set Net Point in Nicaragua existiert nicht mehr.
kleines Dorf an der Atlantikküste, 56 Kilometer von Bluefields

Es war ein
entfernt,

dessen Einwohner - zum größten Teil Miskito-Indianer - ihren bescheidenen
Lebensunterhalt

durch Fischfang bestritten.

Ihre Welt waren das Dorf und

die wenigen umliegenden Gemeinden.
Am 19. Juni erklärte sich ein Kapitän der staatlichen Fischereigesellschaft, für die die Mehrheit der Dorfbewohner arbeitete, dazu bereit, die
• Einwohner, rund 100 Männer, Frauen und Kinder, in den Süden nach Costa Rica
zu bringen.

Sie verließen Set Net Point um Mitternacht; nur wenige Stunden

blieben für die Vorbereitung.

18 Stunden später kamen sie in dem costari-

canischen Hafen Limon an, denn sie mußten weit aufs Meer hinaussegeln, um die

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�um die Patrouillen der Sandinisten zu umgehen.

Ihr ganzer Besitz, ihre

Ernten, ihre Fischerboote, ihre kleinen Häuser und die Kirche blieben zurück.

Ihr vorläufiges Zuhause ist ein verlassenes Baulager in der Nähe von

Limon, das unter Aufsicht der Regierung steht.
Die Menschen von Set Net Point, die Englisch und Miskito sprechen, erklären, sie seien aus Angst geflüchtet.

Die Sandinistas seien mit zunehmen-

der Regelmäßigkeit in Set Net Point eingetroffen, erzählte ein Mann - normalerweise alle vier oder fünf Tage.

"Sie hielten dir eine Pistole in den

Rücken und zwangen dich, rauszugehen und 'dasheen' (süße Kartoffeln) auszugraben.

Wir mußten sie kochen und den Sandinistas bringen", sagte er.

hatten kaum selbst etwas zum Essen, aber das war ihnen egal."

"Wir

Manchmal be-

zahlte die Fischereigesellschaft sie für den Fisch, den sie lieferten; manchmal gab sie ihnen dafür Waren, und manchmal wurden sie auch gar nicht bezahlt.
Das Dorf hatte sich nicht an der 1979er Revolution beteiligt, die das
Somoza-Regime stürzte, und - von wenigen Ausnahmen abgesehen - waren die
Dorfbewohner nicht in "contra"-Aktivitäten verwickelt, auch wenn sie gegen
die Exzesse der Sandinisten waren.

Das aber hatte die Sandinisten nicht da-

von abgehalten, sechs der Dorfbewohner über einen Monat lang einzusperren
und sie über "contra"-Aktivitäten zu vernehmen.
"Sie wollten, daß ich über die "contras" berichte, wann sie kommen,
was sie tun", sagte einer, der in einer Zelle in Managua festgehalten wurde,
bis man ihn nach fünf Wochen endlich frei ließ. "Ich wußte es nicht. Ich
weiß es nicht, aber sie wollten mir nicht glauben."
Der Mann, der Lehrer an der kleinen katholischen Kirche von Set Net Point
war, wurde von seinen Bewachern während der Fahrt von seinem Dorf bis Managua
gefesselt.

Dort teilte er eine Zelle mit vier anderen Gefangenen.

"Wir

mußten eine Schale Reis und Bohnen durch fünf teilen. Das war das einzige
Essen," sagte er.
Das Ereignis,
- 2 -

�Das Ereignis, das den Massenexodus auslöste, war jedoch die Ermordung
eines Mitglieds der sandinistischen Miliz in dem Nachbarort Tasbapauni.

Der

Mord ereignete sich, als sandinistische Truppen und Contras aufeinanderstießen.
Als die Dorfbewohner von der Drohung der Sandinisten hörten, die ganze Gegend
für den Anschlag zu bestrafen, entschlossen sie sich sofort, gemeinsam zu
fliehen.
über die Dorfbewohner war schon einmal der Tod durch die Sandinisten
gekommen - und dies nur, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen
waren.

Vor 18 Monaten wurden drei Dorfbewohner auf ihrem Weg nach Tasbapauni,

wo sie Einkäufe machen wollten, von einer sandinistischen Patrouille erschossen.

Die Witwen und Kinder wurden von den Bewohnern von Set Net Point auf-

genommen und versorgt.

Dieses Mal aber beschlossen die Menschen in Set Net

Point, nicht erst abzuwarten, um zu sehen, was mit ihnen geschehen würde.
Die 134 Flüchtlinge - einschließlich derer, die aus anderen Gemeinden
kamen und bereits im Lager Limon lebten -, sind nur Teil eines ständigen
Flucht!ingsstroms von Nicaragua nach Costa Rica - im Boot, im Bus und zu
Fuß.

Es gibt noch weitere 300 Flüchtlinge in einem Lager in Tilaran im Nord-

westen von Costa Rica. Auch für ein weiteres Lager im Süden haben die Arbeiten begonnen, wo der größte Teil nicaraguanischer Flüchtlinge einmal untergebracht werden soll.

Die Lager werden von der UN-Hochkommission für Flücht-

linge (UNHCR) finanziert und von der Regierung Costa Ricas verwaltet.
Dennoch sind die Flüchtlinge im Lager nur ein winziger Prozentsatz der
Tausenden von Flüchtlingen aus Nicaragua, El Salvador, Kuba und andernorts.
Es gibt ungefähr 16 000 Flüchtlinge im Rahmen der UNHCR-Programme Costa Ricas
allein in der Gegend von San Jose, und die Regierung des Landes schätzt, daß
es möglicherweise bis zu 185 000 Ausländer geben könnte, die im Land leben
und arbeiten und über die es keinerlei offizielle Nachweise gibt. Obwohl die
Verfassung von Costa Rica allen jenen, die vor Unterdrückung fliehen, politisches Asyl garantiert, machen die wirtschaftlichen Gegebenheiten dieses
traditionelle Ideal zu einer immer größeren Bürde.
+ + + + +
- 3 -

�27

6. Juli 1983

ERSTER WIEDERVERWENDBARER SATELLIT IM WELTRAUMTEST
- Raumtransporter CHALLENGER mit SPAS-01 wieder zurück -

- (AD) - Nach einem sechstägigen Flug, bei dem die Erde 98 Mal umrundet
wurde, kehrte die amerikanische Raumfähre CHALLENGER am 24. Juni 1983 zur
Erde zurück.

Sie landete, geführt von Kommandant Robert Crippen und Kopilot

Frederick Hauck, um 16.47 Uhr MEZ

auf einer Hartpiste des Edwards-Flug-

platzes in Kalifornien. Mit knapp zwei zusätzlichen Erdumkreisungen mußte
CHALLENGER dorthin dirigiert werden, weil die ursprünglich zum ersten Mal
auf der neuen Betonbahn in Kap Canaveral vorgesehene Landung wegen besonders
ungünstiger Wetterverhältnisse nicht riskiert werden konnte.
Dies war der einzige wichtige Programmpunkt, der beim jüngsten Flug
(STS-7) nicht erfüllt wurde.

Für die fünfköpfige Besatzung, darunter die

Physikerin Dr. Sally Ride, war ebenso wie für viele Beobachter des Flugverlaufs in den USA und in der Bundesrepublik das Experiment mit SPAS-01 der
Höhepunkt des Unternehmens.

Handelte es sich doch um den ersten wiederver-

wendbaren Satelliten der Welt, der mit acht Forschungsexperimenten verschiedenster Art bestückt, von Bord der CHALLENGER im Weltraum ausgesetzt und
wieder eingeholt wurde. Als Hebe- und "Angelgerät" diente ein 15 m langer

�15 m langer mehrgliedriger Roboterarm.

Er war mit einem Kostenaufwand von

100 Millionen Dollar vom Nationalen Forschungsrat von Kanada entwickelt und
gebaut und 1981 schon einmal im Weltraum erprobt worden.

Er gibt (computer-

gesteuert) den Astronauten die Möglichkeit, massive Nutzlasten in den Weltraum zu dirigieren, ohne die Orbiter-Kabine verlassen zu müssen.
SPAS ist eine Entwicklung des deutschen Unternehmens MesserschmittBölkow-Blohm (MBB) in Ottobrunn b. München (Kosten: ca. 32 Millionen DM bzw.
13 Millionen Dollar).

Das Projekt wurde vom deutschen Bundesministerium für

Forschung und Technologie als Pilotprojekt für eine künftige ausgiebige Nutzung des Weltraums zu kommerziellen Zwecken gefördert.
SPAS-01 ist knapp 4,5 m breit (dies entspricht dem Innendurchmesser
des Frachtraums im Raumtransporter), 1,5 m lang und wiegt mitsamt dem Bordcomputer und dem eigenen Antriebssystem 1500 kg. Der Satellit vermag in
mehreren "Etagen" eine ganze Anzahl von Experimenten aufzunehmen, die sowohl
während der Stationierung im Raumfähren-Frachtraum als auch erst nach dem
Absetzen und Einsteuern in eine eigene Bahn aktiviert werden können. Wie
Konrad Moritz, Programm-Manager bei MBB für SPAS, in Houston erklärte, sei
die Basisstruktur des wiederverwendbaren Satelliten für etwa 20 Einsätze
geeignet. Die Elektronik müsse allerdings schon früher ausgetauscht werden.
"Mit fünf Missionen haben wir unsere Investition wieder hereingeholt", meinte
er. Zur SPAS-Ausrüstung gehört u.a. eine voll elektronische Fernsehkamera,
die während des Freifluges des MBB-Satelliten zum ersten Mal Aufnahmen vom
Orbiter in der Umlaufbahn zur Erde übertrug. Dabei betrug der Abstand zwischen Orbiter und SPAS-01 zeitweise mehr als 300 Meter. Kommandant Crippen
setzte CHALLENGER zunächst zurück, zog über und unter SPAS vorbei, so daß
von dort aus die Raumfähre aus verschiedenen Blickwinkeln aufgenommen wurde.
Das neuneinhalbstündige Manöver mit SPAS am vierten Flugtag, bei dem der
Satellit dreimal aus dem Frachtraum gehoben, abgesetzt und wieder eingeholt
wurde, war eine Vorübung für den Raumtransporterflug STS-13 im April 1984.
Dann soll mit dem beschädigten Forschungssatelliten "SOLAR MAX" ein Rendezvous

- 2 -

�ein Rendezvous versucht werden, um ihn an Bord zu holen, zu reparieren und
wieder abzusetzen.

Als CHALLENGER sich zum zweiten Mal SPAS näherte, um den

Satelliten einzuholen, zündete Crippen das Triebwerk in neun verschiedenen
Positionen.

Man wollte feststellen, wie der Abgasstrahl SPAS bei nur 10 bis

30 Metern Entfernung beeinflußte.

Solche Tests helfen den NASA-Ingenieuren,

Bewegung und Verhalten des Orbiters und anderer Flugkörper im Weltraum besser
zu verstehen, die sich nur in geringem Abstand von der Raumfähre befinden.
Während zu Beginn der Freiflugphase der Greifroboter SPAS-01 für einen
Augenblick losließ und dann wieder faßte, bewegte sich der wiederverwendbare
Satellit beim zweiten Mal über drei Stunden lang frei im Raum.

Es stand

nicht im Programm, daß dabei Dr. Norman Thagard, der Arzt im Astronautenteam,
anstelle von John Fabian den Roboterarm bediente.

"Ihr könnt dem Doktor (im

Kontroll Zentrum Houston) sagen, daß ich seinen kleinen Monitor angelegt habe
und mein systolischer Blutdruck beim Greifen von 117 bzw. 124 auf 149 hochging", meldete Thagard.

Als CHALLENGER am 22. Juni in der Morgendämmerung

über Houston hinwegzog, standen viele Mitarbeiter des Johnson-Raumfahrtzentrums und zahlreiche Journalisten im Freien, um die Raumfähre als kleines
leuchtendes Objekt am Himmel zu betrachten.
STS-7 war ein Flug mit vielen internationalen Aufgaben und Experimenten.
Noch am Starttag, am 18. Juni, wurde der kanadische Nachrichtensatellit ANIK
(im Auftrag von Telesat Canada) abgesetzt, einen Tag später der indonesische
Nachrichtensatellit PALAPA.

Beide stiegen mit eigenem Antriebssystem zu

ihrem "Betriebsorbit" in 36 000 km Höhe auf.

Ein deutsch-amerikanisches Ge-

meinschaftsexperiment (OSTA-2) galt vor allem der Erforschung von Werkstoffen für die Elektronik und der Fabrikation von Spezialgläsern in bestimmten
Produktionsphasen unter Schwerelosigkeit.

Andere, von Firmen, Studenten und

Oberschülern aus den USA und der Bundesrepublik ausgearbeitete Experimente
- 22 an der Zahl - waren in sieben genormten Kanistern (sog. Getaway Specials)
untergebracht, für deren Mitnahme im Orbiter-Frachtraum an die NASA "Platzmiete" bezahlt wird.

Sie umfaßten ein weites Spektrum spezieller naturwissen-

schaftlicher Untersuchungen - von der Biologie bis zur Physik.
Beim jüngsten
- 3 -

�Beim jüngsten Orbiter-Flug wurde der Kabinendruck, der normalerweise
der gleiche wie auf der Erdoberfläche ist (1 at), auf 0,72 at gesenkt. Man
wollte Erfahrungen über die Auswirkung von reduziertem Druck über längere
Zeit auf das Befinden und die Arbeitsfähigkeit der Astronauten gewinnen.

Die

Auswertung wird zeigen, ob sich daraus Nachteile ergeben. Wenn nicht, würde
man auf die langwierige Umstellung auf reine Sauerstoffatmung vor Außenbordmanövern verzichten können.
Dr. Sally Ride hat für den Einsatz weiblicher Astronauten bei der NASA
eine Bresche geschlagen.

Frisch und fit kam sie nach der Landung von

CHALLEN6ER die Treppe herab - ein sportlicher Typ, der mit den physischen
und psychischen
wurde.

Belastungen auch in der langen Vorbereitungszeit gut fertig

Seit Abschluß ihres Studiums an der Stanford-Universität und der

Promotion im Jahr 1978 sind die Spezialgebiete der heute 32jährigen Wissenschaftlerin Röntgenastronomie und die theoretischen Grundlagen für das weite
Feld der Lasertechnik.

+ + + + +

�»

T

Uliz/cn/choft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

27

6. Juli 1983

SPITZENTECHNOLOGIE
"Neue Ideen" erhalten die Wettbewerbsfähigkeit
- USIA-Interview mit Edward Harper -

- (AD) - "Die Vereinigten Staaten sind bestrebt, die Vorrangstellung
ihrer Industrie auf dem Gebiet der Spitzentechnologie auch künftig zu erhalten", erklärte kürzlich Edward Harper, Referent im Beraterstab Präsident
Reagans für politische Entwicklungen.

In einem Interview mit Jim Füller vom

US-Informationsamt (USIA) verwies er darauf, daß die Industrie die Notwendigkeit zur Anwendung von Spitzentechnologie sowohl in der Fabrikation als auch
auf dem Marketingsektor erkannt habe. Außerdem habe der amerikanische Markt
für Risikokapital in den letzten 15 Jahren viel dazu beigetragen, neue Technologien ausfindig zu machen und sie für die Anwendung innerhalb und außerhalb der Vereinigten Staaten zu entwickeln.

Allerdings könne Spitzentechno-

logie allein kein Wirtschaftswachstum garantieren.

Vielmehr sei eine aus-

balancierte Wirtschaft mit einem starken Technologiesektor, mit produktiven
und auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähigen Grundindustrien und einem Dienstleistungssektor notwendig, der "jene Art von Dienstleistungen bereitstellt,
die eine moderne Wirtschaft braucht".
Wir bringen

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Wir bringen im Folgenden das Interview im Wortlaut:
FRAGE:

Würden Sie bitte erklären, was mit Spitzentechnologie gemeint

ist, und weshalb Sie hinsichtlich ihrer Zukunft in den USA so optimistisch
sind?
ANTWORT:

Grundsätzlich ist zu sagen, daß die Vereinigten Staaten seit

langem in der Spitzentechnologie führen.
auch künftig halten können.

Ich meine, daß wir diese Führung

Dies ergibt sich zum Teil aus der amerikanischen

Kultur - aus Unternehmergeist, Individualismus und dem Selbstverständnis, daß
Leute mit Eigeninitiative und eigenen Interessen auf neue Ideen kommen und
sie vermarkten können.
So hat beispielsweise der Einsatz von Risikokapital in den Vereinigten
Staaten, ein Phänomen etwa der letzten 15 Jahre, wesentliche Anstöße dazu
gegeben, neue Technologien zu identifizieren, zu entwickeln und sie nicht
nur in den USA, sondern auch in der übrigen Welt auf den Markt zu bringen.
Die Technologien reichen von der Halbleiter-Herstellung nach neuen Verfahren bis zur sog. Software für Roboter und andere Ausrüstungen.
Die amerikanische Industrie ist sich, wie ich es sehe, der Notwendigkeit bewußt geworden, sich mehr um Spitzentechnologie zu kümmern, sie in
der Fabrikation, für Absatz und Verteilung und bei anderen Aktivitäten mehr
einzusetzen. So werden wir auch künftig neue Ideen haben, wie sie schon bisher die Stärke des amerikanischen Wettbewerbs waren. Spitzentechnologie
heute ist wohl ein klein wenig anders als vielleicht vor fünf oder zehn Jahren. Der erste große Computer beispielsweise, der im Jahr 1946 herauskam,
war eine tonnenschwere Apparatur. Heute kann man auf einem einzigen, pfenniggroßen Chip eines Mikroprozessors Funktionseinheiten unterbringen, die dasselbe leisten.
Meines Erachtens umfaßt Spitzentechnologie die auf den Markt kommenden
Produkte, die mehr oder weniger das Beste und Leistungsfähigste darstellen,

- 2 -

�Leistungsfähigste darstellen, was es heute gibt.

Einige machen zwischen

Spitzentechnologien und den Grundindustrien einen Unterschied.
zu einem gewissen Grade berechtigt.

Das ist bis

Gleichzeitig aber ist der größte Be-

nutzerkreis für Spitzentechnologie in jenen doch wesentlich älteren Grundindustrien zu finden.

So sind beispielsweise Roboter und computergesteuerte

Fabrikationssysteme in der Automobilindustrie am meisten verbreitet.
FRAGE: Was bedeutet Spitzentechnologie für die älteren amerikanischen
Industriebranchen wie Stahl-, Textil- und Maschinenbauindustrie?
ANTWORT:

Nun, für die Stahl- und Maschinenbauindustrie bedeutet sie

höhere Produktionseffizienz.

Sie bedeutet, daß diese Industriezweige auf

den Weltmärkten konkurrenzfähiger als in der Vergangenheit sein werden.
Letztlich bedeutet Spitzentechnologie mehr Produktivität, und das heißt,
daß wir als Nation weniger Ressourcen benötigen, um die gleichen Waren zu
produzieren und die gleichen Dienstleistungen zu erbringen.

Demgegenüber

tun jedoch einige Industrien sehr wenig für Forschung und Entwicklung und
möchten sich statt dessen auf protektionistische Maßnahmen gegen Auslandskonkurrenz verlassen.

Dies ist ein unbefriedigender Weg zur Lösung ihres

Problems, und er ist auch im Hinblick auf die Interessen des amerikanischen
Verbrauchers unbefriedigend.
FRAGE:

Sehen Sie in Computern und anderen Produkten fortgeschrittener

Technologien ein Mittel, das Wirtschaftswachstum zu beleben?
ANTWORT:

Ich meine, daß Spitzentechnologie eine notwendige, aber

nicht ausreichende Bedingung ist, um Wirtschaftswachstum zu garantieren.
Ohne solche Fortschritte der Produktivität würde meines Erachtens unser Wirtschaftswachstum verlangsamt.

Aber Computer allein - die ja Spitzentechnolo-

gie repräsentieren - schaffen kein derartiges Wachstum.

Wir brauchen eine

ausgewogene Wirtschaft, die einen starken Sektor Spitzentechnologie besitzt,
von dem auch künftig neue Ideen ausgehen.

Wir brauchen im Umfang reduzierte,

starke, produktive Grundindustrien, die auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig

- 3 -

�Weltmarkt wettbewerbsfähig sind.

Wir müssen auch weiterhin über den produk-

tivsten Agrarsektor in der Welt verfügen.

Und alles dies wird vom Dienst-

leistungssektor gestützt - zu diesem gehören Verkehrswesen, Bank-, Versicherungs-, Finanzwesen und all die anderen Dienstleistungsbranchen, die sich in
einer modernen Wirtschaft finden.
Wissen Sie, es ist schon interessant, daß manche sagen:

"Ist es nicht

eine Schande, daß der Dienstleistungssektor unserer Wirtschaft derartige Ausmaße annimmt?" tatsächlich macht er ja 66 Prozent unseres Bruttosozialproduktes aus, und etwa 65 Prozent unserer arbeitenden Menschen sind in Dienstleistungsgewerben beschäftigt. Hier lohnt sich ein geschichtlicher Rückblick.
Die Vereinigten Staaten besaßen nie eine Fabrikationswirtschaft - d.h. die Mehrheit unserer Bevölkerung verdiente sich ihren Lebensunterhalt nie durch Tätigkeiten in der Fabrikation.

Von der Zeit der ersten europäischen Siedler auf

diesem Kontinent bis zum Ersten Weltkrieg hatten wir eine reine Agrarwirtschaft.

Erst dann wurde der Dienstleistungssektor zum größten Arbeitgeber

in unserer Wirtschaft und ist es seitdem geblieben.

Die Zahl der Beschäf-

tigten in der Landwirtschaft ging immer weiter zurück, die Anzahl der Beschäftigten im Dienstleistungsgewerbe stieg ständig weiter an, und die Beschäftigtenzahl in der Fabrikation hielt sich in der Mitte.

Die Tatsache,

daß wir eine Dienstleistungswirtschaft haben, sollte nicht als Schwäche, sondern als die Bestätigung für die Umstrukturierung unserer Wirtschaft angesehen werden.
FRAGE: Kritiker behaupten, daß Automation und die Ausbreitung der
Computer Arbeitskräfte verdrängen und unsere Probleme der Arbeitslosigkeit
ausweiten. Was meinen Sie dazu?
ANTWORT: Nun, ich bin nicht sicher, daß sie die Arbeitslosenprobleme
vergrößern werden. Ich denke, daß das Beschäftigungsniveau in den Grundindustrien zurückgehen könnte. In den Industrien mit Spitzentechnologie wird
es etwas ansteigen. Aber wir würden uns meines Erachtens einer Illusion hingeben, wenn wir annähmen, daß alle diejenigen, die durch erhöhte Produktivität,

�erhöhte Produktivität, Automation - sagen wir einmal, in den Grundindustrien ihren Arbeitsplatz verlieren, neue Beschäftigung auf den Gebieten der Spitzentechnologie finden werden.

Das glaube ich nicht.

Statt dessen vermute ich,

daß viele schließlich auf dem Dienstleistungssektor Arbeit finden werden.
Als wir durch Mechanisierung und Automation in der Landwirtschaft in
der Zeit zwischen dem Zweiten Weltkrieg und 1970 Produktionssteigerungen erreichen wollten, gaben sechs Millionen Menschen ihre Arbeit in der Landwirtschaft auf.

Wir brauchten sie dort nicht mehr.

Die Produktivität erhöhte

sich ständig, und wir brauchten dort immer weniger Leute.

Das klingt so, als

habe es sich damals um ein schreckliches Problem gehandelt.

In Wahrheit aber

schuf unsere Wirtschaft in der gleichen Zeit 27 Millionen neue Arbeitsplätze.
Wir stellten fest, daß es auf dem Dienstleistungssektor viele neue Arbeitsplätze gab.

Wir fanden auch, daß es auf den Gebieten der Spitzentechnologie

neue Arbeitsmöglichkeiten gab.

Dies bewirkte die Dynamik unserer Wirtschaft.

Es mag Übergangsprobleme geben - aber ich glaube nicht, daß dies zwangsläufig
zu langfristigen Problemen von Arbeitslosigkeit führt.
FRAGE:

Was wird in den Vereinigten Staaten gegen den landesweiten

Mangel an Wissenschaftlern und Ingenieuren, was zur Qualitätsverbesserung
bei den technischen Arbeitskräften getan?
ANTWORT:

Die schwächste Stelle dürfte, wie ich es sehe, wahrscheinlich

unser Bildungswesen sein, und aus diesem Grund schlug der Präsident vor,
diese Lücke zu schließen. Nach unseren Schätzungen fehlen derzeit etwa
34 000 qualifizierte Lehrer für Grundschulen und höhere Schulen. Durch ein
auf ca. vier Jahre angelegtes Programm und die Aufwendung von einigen Hundert
Millionen Dollar dürften wir in der Lage sein, diese Lücke wirksam zu
schließen.
Ähnlich müssen wir auf College- und Universitätsniveau die offenen
Professorenstellen in den Ingenieurwissenschaften

besetzen.

Gegenwärtig

sind ca. 15 bis 20 Prozent der Ingenieur-Lehrstühle im Lande unbesetzt.

- 5 -

�Lande unbesetzt.

Ein Grund dafür ist der, daß wir nicht genug neue Lehrer

für diese Fächer ausbilden, ein zweiter der Sog durch die Privatwirtschaft.
Hier ist zweierlei zu tun:

Zum einen müssen wir die Mittel für die Gradu-

iertenförderung in den Natur- und Ingenieurwissenschaften un mehr als zehn
Prozent erhöhen - wir werden, anstatt wie bisher 9400 Graduierte dieser Fachgebiete, weit über 10 000 fördern.

Und außerdem schlagen wir im Hinblick

auf das Problem der nicht besetzten Lehrstühle das vom Präsidenten initiierte
Programm für Nachwuchsforscher vor, das jedes Jahr Forschungsmittel mit einem
jährlichen Kostenaufwand von 100 000 Dollar für bis zu 200 Doktoranden über
einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren vorsieht.

Und wir hoffen, daß dies

praktisch die "Goldenen Fesseln" liefern wird, um die besten und brilliantesten Lehrer auf den Gebieten Ingenieur-, Mathematik- und Naturwissenschaften an den Universitäten zu halten.

Dies wäre eines der Schlüsselelemente,

um unsere Wettbewerbsstärke in der Spitzentechnologie zu halten.
Ich bin außerdem überzeugt, daß wir die Programme durchführen müssen,
die der Präsident für die Umschulung der von Betrieben der Grundindustrien
entlassenen Arbeiter vorgeschlagen hat. Möglicherweise gibt es andere Arbeitsplätze, und zwar Arbeitsplätze mit mehr Technologie, für die sie sich
bei zusätzlicher Ausbildung qualifizieren könnten. Wenn diese Fortbildung
vom privaten Sektor gelenkt wird, wie es bereits nach den Bestimmungen des
Gesetzes über Partnerschaft zur Ausbildung am Arbeitsplatz geschieht, für
dessen Verabschiedung sich Präsident Reagan im vergangenen Jahr so eingesetzt
hat, können wir meines Erachtens über ein sehr wirksames Ausbildungsprogramm
für ausgestellte Arbeitskräfte verfügen. Auch sollten wir nicht übersehen,
daß der private Sektor selbst ein massives Ausbildungsprogramm gestartet
hat. Die Privatwirtschaft gibt jährlich zwischen 30 und 40 Milliarden Dollar
aus, um ihre Arbeitskräfte weiterzubilden. Hinsichtlich der Qualität unserer
Arbeitskräfte in den kommenden Jahren bin ich optimistisch.

+ + + + +

- 6 -

�k

Uliz/cn/chofl
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

27

6. Juli 1983

KRANKE BÄUME SCHLAGEN ALARM
• Pheromone als Warnsubstanz

- (AD) - Daß Pflanzen auf Schallwellen und Musik reagieren, wurde
schon mehrfach experimentell bestätigt. Nun fanden Ökologen der Universität des Bundesstaates Washington in Seattle heraus, daß Bäume in der
Lage sind, bei akuter Gefahr durch Schädlinge ihre noch nicht betroffenen
Nachbarn zu warnen. Sie produzieren Pheromone, die das Blattwerk für
Schädlinge wie z.B. Raupen unattraktiv und zum Teil ungenießbar machen,
und veranlassen ihre benachbarten, noch nicht befallenen Artgenossen, das
gleiche zu tun.
Pheromone sind leichtflüchtige Stoffe, die auf Individuen gleicher
Art wirken. Zu ihnen gehören beispielsweise die Duftmarkierungen bei
Hummeln und Wespen, Sexuallockstoffe weiblicher Insekten zum Anlocken
der Männchen oder Warnstoffe, wie sie Blattschneiderameisen absondern.
Einige dieser komplizierten Verbindungen werden bereits als Synthesepräparate für die Insektenbekämpfung eingesetzt.
Wie Dr. Gordon H. Orians und Dr. David F. Rhoades jetzt berichteten,
vermuten sie auf Grund der Ergebnisse ihrer von der Nationalen Forschungsstiftung der USA (NSF) finanzierten Studien, daß von Schädlingen attakierte

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Telex: 8-85432

�Schädlingen attakierte Bäume ebenfalls solche "sozialen Wirkstoffe"
produzieren. Sie beobachteten dies bei Zuckerahorn und einer Weidenart,
deren Laubwerk von Zeltraupen und einer Spannerraupe dezimiert worden
war. Als Reaktion auf den Raupenfraß produzierten die befallenen Bäume
leicht flüchtige Stoffe, die offenbar die nicht befallenen Bäume gleicher
Art in der Umgebung ebenfalls zur Bildung dieser Verbindungen anregten.
Dadurch wurde die Qualität von deren Blattwerk als Futter für Raupen
erheblich gemindert. In kontrollierten Laborversuchen, bei denen befallene und gesunde Weiden in gasdichten Kammern gemeinsam gehalten werden,
will man nun versuchen, die chemischen Emissionen der kranken Bäume zu
isolieren und zu identifizieren - jener Emissionen, die chemische Veränderungen bei benachbarten gesunden Bäumen bewirken und deren Laub für
Raupen weniger attraktiv machen.

"Wenn unsere Hypothese richtig ist, müßten die geschädigten Pflanzen
leicht flüchtige chemische Verbindungen abgeben, die sich nach Art und
Menge von den Ausdünstungen der gesunden Bäume unterscheiden," meinen die
beiden Forscher. In ihren seit 1979 laufenden Feldversuchen war es zunächst
um die Klärung der Frage gegangen, wie sich die Futterqualität von Laubwerk für Insekten verändert, nachdem der Baum von Schädlingen befallen
worden ist. Orians und Rhoades hatten zu diesem Zweck Kolonien von Zeltund Spannerraupen auf Laubbäumen ausgesetzt und in regelmäßigen Abständen
die biologische und chemische Qualität des Laubes untersucht. Dabei beobachteten sie u.a. vermindertes Wachstum und andere Beeinträchtigungen
im Vergleich zu gesunden, nicht von Raupenfraß geschädigten Kontrollbäumen. "In einer Reihe von Fällen gab es aber Hinweise darauf", so
Orians, "daß sowohl die geschädigten Testbäume als auch benachbarte besunde Kontroll bäume ihre Laubqualität als Reaktion auf das Aussetzen von
Schädlingskolonien auf den Testbäumen veränderten. Demnach mußten gesunde
Pflanzen Signale von kranken Pflanzen in der Nähe erhalten und darauf
reagiert haben". Das auch künftig von der NSF finanzierte Versuchsprojekt wird jetzt in einem wesentlich größeren Rahmen weitergeführt.

+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan würdigt Bedeutung des Atomsperrvertrages&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung zum 15. Jahrestag der Unterzeichnung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Botschaft Präsident Reagans zum amerikanischen Unabhängigkeitstag&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Amerikanische Unabhängigkeit eine philosophische Revolution -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Westliche Sicherheit und Rüstungskontrolle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Colin S. Gray -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Indianerdorf flieht nach Costa Rica&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserer Korrespondentin Paula Tarnapol -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erster wiederverwendbarer Satellit im Weltraumtest&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Raumtransporter CHALLENGER mit SPAS-01 wieder zurück -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Spitzentechnologie&lt;br /&gt;"Neue Ideen" erhalten die Wettbewerbsfähigkeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USIA-Interview mit Edward Harper -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kranke Bäume schlagen Alarm&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pheromone als Warnsubstanz -&lt;/em&gt;</text>
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mIERi 1*1 ^

Dl Ell

Information
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

26

29. Juni 1983

INHALT

DOKUMENTATION
Erklärung Präsident Reagans zur deutsch-amerikanischen
Dreihundertjahrfeier
Rede von US-Vizepräsident Bush zur deutsch-amerikanischen
Dreihundertjahrfeier in Krefeld
Die europäische Sicherheit und die deutsch-amerikanische
Partnerschaft
- Von Robert W. Dean -

HINTERGRUNDMATERIAL
-

Präsident Reagan;

Um Übersendung von
DelegeHCfliplaren
wird gebeten

Es darf niemals zu einem Atomkrieg kommen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

26

29. Juni 1983

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT REAGANS ZUR DEUTSCH-AMERIKANISCHEN DREIHUNDERTJAHRFEIER

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan würdigte in einer am 25.
Juni 1983 vom Weißen Haus veröffentlichten Erklärung die deutsch-amerikanische
Freundschaft anläßlich der Dreihundertjahrfeier der ersten deutschen Siedlung
in Amerika. Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Samstag, der 25. Juni, ist ein besonderer Tag für Deutschland und Amerika.
In Krefeld an den Ufern des Rheins vertrat Vizepräsident Bush alle Amerikaner
bei einer historischen Feier. Aus Krefeld brachen vor 300 Jahren die ersten
deutschen Einwanderer nach Amerika auf. Jene 13 Mennonitenfamilien kamen auf
der Suche nach religiöser Freiheit.
ten Germantown in Pennsylvania.

Sie landeten in Philadelphia und gründe-

Von diesem Moment an hat Deutschland viel zu

unserer Lebensweise beigetragen.
Heute nimmt etwa jeder vierte Amerikaner - oder rund 50 Millionen von
uns - zumindest eine teilweise deutsche Abkunft für sich in Anspruch.
Was hat dies für Amerika bedeutet?

Den Planwagen und die Kenntucky-

Rifle; Blue Jeans, die Brooklyn-Brücke und Snoopy; die erste luftdichte
Büchse und viele unserer beliebten Biersorten; Dwight David Eisenhower und

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Telex: 8-85432

�Eisenhower und Wernher von Braun; Chrysler-Automobile und Boeing-Flugzeuge;
deutsche Farmer haben bei uns im Mittelwesten den Winterweizen eingeführt.
Und kein Amerikaner sollte je vergessen, daß in Valley Forge General
von Steuben, ein deutscher Freiwilliger, die demoralisierten Truppen von
George Washington in eine disziplinierte Armee verwandelt hat, die in der
Lage war, unseren Kampf um Unabhängigkeit zu gewinnen.
Einige unserer hervorragendsten Schriftsteller wie John Steinbeck und
H. L. Mencken, Sportler wie Babe Ruth und Jonny Weissmueller; Erfinder wie
Charles Steinmetz und George Westinghouse; Staatsmänner wie Carl Schurz und
George Shultz, unser derzeitiger Außenminister, sind deutscher Abkunft.
Die Deutschen haben 300 Jahre mitgeholfen, Amerika aufzubauen.
Amerika hat auch gegeben und nicht nur bekommen.

Aber

Nach dem Zweiten Weltkrieg,

als Deutschland besiegt darniederlag, hat Amerika durch den Marshall-Plan
und die Berliner Luftbrücke materielle Hilfe geleistet.

Und was mindestens

ebenso wichtig - wenn nicht noch wichtiger - ist, wir haben die Inspiration
gegeben, aus den Ruinen des Totalitarismus freie Institutionen aufzubauen.
Heute ist die Bundesrepublik Deutschland ein Bollwerk der Demokratie im
Herzen eines geteilten Europas. Sie erfreut sich einer Prosperität, von der
1945 niemand träumte, und ihr politisches System ist stabil und stark.
Westdeutsche und Amerikaner sind zu Recht stolz auf unsere gemeinsamen
Werte und unser gemeinsames Erbe. Heute stehen wir Schulter an Schulter im
NATO-Bündnis zur Verteidigung der Freiheit und der Bewahrung des Friedens.
Drei Jahrzehnte deutsch-amerikanischer Partnerschaft waren ein Angelpunkt
des Bündnisses.

Dank dieses Bündnisses ist in Westeuropa eine ganze Genera-

tion frei von den Verheerungen des Krieges und verschont von der Unterdrückung,
die die Europäer im Osten erleiden müssen, aufgewachsen.
Aber Freiheit

�Aber Freiheit bringt Verantwortung - nicht zuletzt die Verantwortung,
hinter vereinfachten Schlagworten die Wahrheit in lebenswichtigen Fragen wie
Sicherheit und Abrüstung zu sehen.

Ich hoffe, daß die junge Generation in

Deutschland und in Amerika ehrlich über all das nachdenken wird, was wir tun,
um abzuschrecken und das Risiko des Krieges zu verringern.
Angesichts einer großen militärischen Aufrüstung der Sowjets an konventionellen und nuklearen Waffen sind die Vereinigten Staaten, die Bundesrepublik
Deutschland und unsere europäischen Verbündeten übereingekommen, unsere veraltenden Streitkräfte zu modernisieren, um eine wirksame Abschreckung zu gewährleisten. Gleichzeitig unternehmen wir in der Hoffnung, die großen Ausgaben
für die Modernisierung von Waffen vermeiden zu können, eine ernsthafte Anstrengung, große und wirksam verifizierbare Verringerungen der sowjetischen und
amerikanischen Nuklearstreitkräfte auf einen niedrigeren und stabileren Stand
auszuhandeln.
In Genf haben wir weitreichende Vorschläge unterbreitet, um die Nukleararsenale abzubauen und Vertrauen aufzubauen. Wir haben die globale Beseitigung einer ganzen Klasse von landgestützten Mittelstreckenraketen vorgeschlagen und unsere Bereitschaft zum Ausdruck gebracht, jedem Vorschlag zuzustimmen, der einen Gleichstand der Zahl der Gefechtsköpfe auf solchen amerikanischen und sowjetischen Raketen herbeiführt.
In den Verhandlungen über eine Verringerung der strategischen Waffen,
die wir als START bezeichnen, habe ich innerhalb der letzten zwei Wochen neue
Anweisungen erteilt, die die Empfehlungen der überparteilichen Scowcroft-Kommission einschließen und unseren Verhandlungsführern bei ihrer Aufgabe einen
größeren Spielraum geben. Junge Menschen in Deutschland und in den Vereinigten Staaten dürfen unseren Einsatz für die Aufrechterhaltung des Friedens
nicht bezweifeln. Wir teilen mit ihnen den Traum, daß eines Tages die Zeit
kommen wird, da nirgendwo auf der Erde Kernwaffen existieren werden.
Die Ideen,

�Die Ideen, die unsere Völker gemeinsam haben, der Wunsch nach Freiheit
und Frieden verbindet die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutschland in so vielfältiger Weise.

Auf dem aufbauend haben wir eine gemeinsame

Anstrengung in Angriff genommen, um mehr Kontakte zwischen unseren Völkern
und den Generationen zu schaffen.

In unserem Lande sind 22 Bundesministerien

und Behörden an dieser Anstrengung beteiligt.

Die Pläne reichen vom tradi-

tionellen Austausch bis zu einem Luftbrückenprogramm, das deutsche Herzpatienten in eines unserer hervorragenden Krankenhäuser für Bypass-Operationen
bringen und mehr deutsche Ärzte ausbilden wird, um diese lebensrettenden Operationen durchzuführen.
In diesem Herbst wird ein Deutscher mit der Raumfähre der NASA fliegen
- der erste Ausländer, der dies unternimmt.

Zusammen werden Deutsche und

Amerikaner den Verlauf des Fluges auf ihren Bildschirmen verfolgen, und alle
werden für eine erfolgreiche Durchführung und sichere Landung beten.
Deutsche und Amerikaner deutscher Abkunft können auf ihre Vorfahren besonders stolz sein. Aber alle Amerikaner haben Nutzen aus den Beiträgen gezogen, die Deutsch-Amerikaner für unser Land geleistet haben - und wir sollten uns alle daran beteiligen, dieses Erbe zu ehren.

+ + + + +

�29. Juni 1983

26

REDE VON US-VIZEPRÄSIDENT BUSH ZUR DEUTSCH-AMERIKANISCHEN
DREIHUNDERTJAHRFEIER IN KREFELD

KREFELD - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident George Bush hat am 25.
Juni 1983 in einer Ansprache auf einem Festakt in Krefeld anläßlich der Dreihundertjahrfeier der deutschen Einwanderung in Amerika auf den Beitrag dieser
Einwanderer zum Aufbau der Vereinigten Staaten hingewiesen und die Gemeinsamkeit der Werte und Zielsetzungen beider Völker hervorgehoben.
Die Rede des Vizepräsidenten hat folgenden Wortlaut:
Herr Bundespräsident, Herr Bundeskanzler, Herr Oberbürgermeister, meine
Damen und Herren:
Ich danke für die sehr, sehr herzliche Begrüßung.

Sie verstehen es

wirklich, alles so einzurichten, daß sich Menschen hier ganz zuhause fühlen.
Als der Bundeskanzler und ich aus, dem Auto stiegen, spürten wir die Herzlichkeit des Willkommens.

Das war so deutlich und klar zu spüren, und ich möchte

der Bevölkerung von Krefeld dafür danken.
Als wir

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�Als wir den Flugplatz anflogen, blickten der Kanzler und ich aus dem
Fenster, und wir konnten sehen, daß sehr viele deutsche und amerikanische
Fahnen zusammen wehten; und, wie es in unserer Nationalhymne heißt, "stolz
wehten"; und da fühlte ich mich daheim.

Ihnen, Herr Oberbürgermeister,

möchte ich besonders danken, denn sicherlich haben Sie großen Anteil daran.
Und ich möchte mich Ihrem hervorragenden Bundespräsidenten zuwenden.
Sie sehen in ihm den Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland, aber ich
sehe in ihm den Mitkommilitonen der Yale-Universität.

Was den Bundeskanzler

anbetrifft, so finde ich keine Worte, wie meine Frau und ich ihm und seiner
reizenden Gattin danken können für die Gastfreundschaft, die sie uns hier, i
London und in den Vereinigten Staaten haben zukommen lassen.

Wir danken aus

ganzem Herzen dafür.
Es ist mir wirklich eine Ehre, eingeladen worden zu sein, um hier zu
sprechen, und wir freuen uns, daß Bundespräsident Carstens die deutschamerikanische Dreihundertjahrfeier durch einen Besuch in unserem Lande auszeichnen wird.

Ich möchte so viele, wie es ermöglichen können - vor allem

junge Menschen - einladen, in diesem Jahr des Gedenkens nach Amerika zu
kommen.
Vor drei Jahrhunderten kamen nach einer 75jährigen Seereise auf einem
engen Schiff 32 Mennoniten und Quäker aus Krefeld und zwei Kleinkinder, die
auf der überfahrt geboren worden waren, an der Ostküste der Neuen Welt an.
Es war Oktober, die Luft war frisch, und die Herbstregen hatten begonnen.
Erschöpft und krank nach ihrer Reise schleppten sich die Deutschen von
Philadelphia, damals eine Siedlung mit zwei Dorfstraßen, sechs Meilen durch
dichten Wald, um eine eigene Siedlung zu gründen.
Als der Winter nahte, fällten sie viele Bäume und bauten ihre ersten
Blockhäuser. "Man kann es weder beschreiben noch glauben", so schrieb Franz
Daniel Pastorius, der Führer der Krefelder, "unter welchen Bedingungen der
Not und Armut... diese deutsche Siedlung gegründet wurde".
Aber die

�Aber die Deutschen hatten das gefunden, was sie suchten, nämlich Religionsfreiheit, und in bescheidener Weise begann ihre Siedlung bald zu gedeihen.

Die Leute bauten Flachs an, züchteten Schafe für die Wolle und wurden

in den amerikanischen Kolonien für ihre Weberei bekannt.

Die Nachricht von

ihrem Erfolg ermutigte andere Deutsche, die Alte Welt mit der Neuen zu vertauschen.
Als im Jahre 1776 der amerikanische Unabhängigkeitskrieg ausbrach, waren
über 200 000 Deutsche nach Amerika gekommen.

Die Napoleonischen Kriege lösten

eine neue Welle der Einwanderung aus, die etwa 1825 begann.

Ganze Dörfer in

Bayern und Württemberg verkauften ihr Land, ihre Häuser und ihr Vieh und machten sich nach Amerika auf, Pfarrer und Lehrer mitnehmend.

In der zweiten

Hälfte des vorigen Jahrhunderts begann eine weitere Einwanderungswelle»und
während der zwei Jahrzehnte von 1880 bis zur Jahrhundertwende betrug die Zahl
der in Amerika ankommenden Deutschen jedes Jahr durchschnittlich über 100 000.
Bis zur Jahrhundertwende waren über 5 Millionen Deutsche in die Vereinigten
Staaten gekommen.
Nach ihrer Ankunft siedelten die Deutschen nicht nur an der Ostküste,
sondern drangen auch nach Westen vor. Sie reisten zu Fuß, auf dem Maultier
und zu Pferd, auf Kähnen und in den berühmten Conestoga-Wagen (Planwagen),
die von Deutschen erfunden wurden, und später in überfüllten, stinkenden
Eisenbahnwaggons quer durch das Land. Sie kamen in ihrer neuen Heimat mit
nichts an - ohne Möbel, ohne Ersparnisse, und oft nur mit den Kleidern, die
sie während der langen überfahrt aus Deutschland auf dem Leibe trugen.
Ich sagte eben, die Deutschen kamen mit nichts an.
korrigieren.

Lassen Sie mich das

Sie kamen mit nichts an außer ihrem Glauben.

Denn die Deutschen

brachten in ihre neue Heimat den tiefen Glauben an Gott, an die Familie und an
die Güte der Erde, der so fest war wie die Alpen und so beständig wie der
Rhein.

Und sie brachten einen weiteren Glauben mit, den Glauben an die Ar-

beit-harte, ehrliche Arbeit.
Und sie

�Und sie haben gearbeitet.
Sie fällten Bäume in Minnesota und Wisconsin, sie rodeten die Ebenen
von Illinois.

Sie eroberten die Weiden meines Heimatstaates Texas.

Sie

pflügten das Land, säten Getreide, züchteten Schweine, melkten die Kühe und
züchteten Rinder.

Wo immer die Deutschen sich niederließen und das Land be-

bauten, entstanden blühende Siedlungen: Frankfort, Indiana; Bismarck, North
Dakota; New Munich, Minnesota; New Braunfels, Texas; New Holstein, Wisconsin.
Die Deutschen, die später kamen, zogenin die Großstädte Amerikas.
St. Louis und Milwaukee wurden für ihre Deutschen bekannt; um 1900 hatte
Chicago eine deutschsprechende Bevölkerung, die größer war als die des damaligen Frankfurt, und die Deutschen in New York waren zahlenmäßig mehr als die
Bewohner Münchens.
Gerber oder Metzger.

Diese deutschen Stadtbewohner wurden tüchtige Schreiner,
Sie gründeten Zeitungen, Textilfabriken und Brauereien.

Heinz revolutionierte die Lebensmittel Verarbeitung; Strauss stellte Blue
Jeans her; Roebling baute Brücken, einschließlich der schönsten amerikanischen
Brücke, der Brooklyn-Brücke.
Die deutschen Frauen arbeiteten so hart wie ihre Männer, zogen große
Familien auf und versuchten, die Stadtwohnungen und Farmhäuser mit Lehmböden
sauber zu halten. Sie kochten, nähten und putzten für Familien, in denen
ein Dutzend Kinder nichts Ungewöhnliches waren. Die Frau eines Farmers oder
Arbeiters mußte um sechs Uhr aufstehen, um ihrem Mann das Frühstück zu machen,
dann das Frühstück für die Kinder und dann am Mittag und am Abend wieder das
Mahl für alle zu bereiten. Und immer waren Kleider zu flicken.
Die Arbeit, die reine, unermüdliche Arbeit dieser deutschen Einwanderer
half, lebendige Industrien aufzubauen und Ackerland zu roden, das zu den
reichsten der Welt gehörte.
Und diese deutschen Einwanderer gaben Amerika nicht nur Farmen und Fabriken, sondern auch ihre Kinder.
Zu Beginn
- 4 -

�Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts kam Burkhardt Mencken aus Sachsen
nach Amerika.

Burkhardt selbst gewann weder Reichtum noch Ruhm, aber sein

Enkel, H. L. Mencken, wurde der für seine Unerschrockenheit berühmte Herausgeber der "Baltimore Sun", der Bücher über Politik, Literatur und Musik veröffentlichte und im ganzen Lande als "der Weise von Baltimore" bekannt wurde.
In den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zog eine deutsche Familie in Baltimore einen Jungen auf, der gerne Baseball spielte.

Sein Name war

Babe Ruth, und als er größer wurde, wurde er der berühmteste Baseballspieler
in der Geschichte, der 714 Home Runs erzielte und für jeden Amerikaner, einschließlich meiner selbst, ein Held wurde.
Als vor 300 Jahren jene erste Reise von Krefeld in die Neue Welt begann,
war unter den Reisenden ein Mann namens Thones Kunders. Acht Generationen
später hatte sich der Nachname von Kunders in Conrad verändert,und Charles
Conrad Jr., ein direkter Nachfahre von Thones, wurde Astronaut und spazierte
auf dem Mond.
Heute sind 60 Millionen Amerikaner, d.h. mehr als jeder vierte, Nachkommen deutscher Einwanderer, und sie bewohnen ein Land, das zu einem großen
Teil durch die Arbeit deutscher Hände blühend und frei gemacht wurde. Als gerade vor einer Generation Deutschland selbst in Not geraten war, reagierte
Amerika - wie sollte es bei dieser Geschichte auch anders sein - natürlich
entsprechend. Der Marshall-Plan half der neuen deutschen Demokratie, sich
aus den Trümmern des Krieges zu erheben und wieder zu einer bedeutenden Nation
zu werden. Die Berliner Luftbrücke war eine Demonstration der amerikanischen
Verpflichtung zur Verteidigung des demokratischen Deutschland, als West-Berlin,
das sich noch immer vom Krieg erholen mußte, vor brutalen Bedrohungen aus dem
Osten stand.

Die Geschichte unserer beiden Länder ist unauflöslich miteinander verwoben.

Wir tragen heute zum Handel des anderen bei und erfreuen uns an der

Kultur des anderen, für die wir heute ein Beispiel erleben.

- 5 -

Unsere Werte

�Unsere Werte - Frieden, Freiheit und Menschenwürde - sind die gleichen.
Aber wir dürfen nicht vergessen, daß unser Frieden und unser Wohlergehen
ständig von feindlichen Ideologien und Staaten bedroht werden.

Die Hauptbe-

drohung unserer Demokratie kommt, wie Sie wissen, weiterhin von der Sowjetunion.

Um eine feste Verteidigung gegen die sowjetische Herausforderung zu

errichten,

hat sich zu Ende des Zweiten Weltkrieges eine Reihe der Demo-

kratien in Europa mit den Vereinigten Staaten und Kanada zusammengeschlossen,
um das NATO-Bündnis zu gründen.

Die Bundesrepublik Deutschland und die Ver-

einigten Staaten arbeiten jetzt schon rund drei Jahrzehnte in diesem Bündnis
zusammen.
In Zeiten des Friedens und des materiellen Wohlstandes, wie den heutigen,
vergißt man nur zu leicht, daß die Freiheiten, derer wir uns erfreuen, von
unserer Wachsamkeit abhängen.
Unsere beiden Regierungen gründen sich auf die Achtung der Menschenrechte, und beide bleiben als Demokratien immer der Reform offen. Das
sowjetische System besitzt im Gegensatz dazu keine funktionierenden Mittel
und Wege der Reform, sucht all seinen Bürgern einen einzigen, starren Willen
aufzuzwingen; es hat in den letzten Jahren Afghanistan 'überrannt und besetzt,
giftige Chemikalien auf die unschuldigen Völker Afghanistans und Südost-Asiens
herabgeregnet und alle Versuche niedergeschlagen - in Ost-Deutschland, Ungarn,
der Tschechoslowakei und Polen -, wenigstens ansatzweise die Menschenrechte
zu erlangen.
Sicherlich erlegt die Mitgliedschaft im NATO-Bündnis Bürden auf. So
mußten biespielsweise die Vereinigten Staaten rund 300 000 Soldaten in Europa
stationieren, und die Bundesrepublik wiederum mußte zum Unterhalt einer großen
Zahl amerikanischer Soldaten auf ihrem Boden beitragen. Aber auch die Länder
Osteuropas müssen mit einer großen Zahl ausländischer Soldaten auf ihrem Boden
leben, und wir dürfen nicht vergessen, wie sehr sich die Umstände in beiden
Fällen unterscheiden. Arthur Burns, der amerikanische Botschafter in der

�in der Bundesrepublik Deutschland, hat es kürzlich so ausgedrückt:

"Die er-

betene Präsenz amerikanischer Soldaten in Europa dient dem ausdrücklichen
Zweck, die Werte unserer westlichen Zivilisation schützen zu helfen, während
die sowjetischen Armeen, die Osteuropa seit 35 Jahren hartnäckig besetzt halten, dort stehen, um die Unterdrückung der Freiheiten zu gewährleisten, nach
denen sich ihre Bürger bis zum heutigen Tag sehnen".

Die Geschichte geht, wie Sie wissen, keinen geraden Weg und überträgt
unterschiedlichen Nationen zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche
Pflichten.

Heute stellen die Stärke der Bundesrepublik Deutschland, der

Vereinigten Staaten und der anderen NATO-Länder den notwendigen Unterbau
dar, um die freie Welt frei zu erhalten.

Seit Jahrhunderten hat uns das

deutsche Volk in der Alten und in der Neuen Welt Beispiele der Stärke und
des Mutes gegeben.

Laßt uns diesen Beispielen folgen.

Laßt uns die notwen-

digen Opfer bringen, um unsere Verteidigung stark zu erhalten.

Denn letztlich ist es die Freiheit, die uns verbindet - freie Wahlen,
eine freie Presse, Religionsfreiheit, Redefreiheit und die Freiheit, anderer
Meinung zu sein.

Unsere Freiheit stärkt uns, verschönt unser Leben und gibt

uns die Hoffnung auf die Zukunft.

Wollen wir heute und in den kommenden Mo-

naten, wenn wir in Deutschland und in Amerika diese Freiheit feiern, die uns
vereint, jedoch nicht die Pflicht vergessen, die die Freiheit fordert.

Und

wollen wir mit dem gleichen Nachdruck unsere Pflicht tun, wie jene Handvoll
Menschen aus Krefeld, die nach Amerika kamen.

Ich danke Ihnen sehr, sehr herzlich.

+ + + + +

- 7 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

26

29. Juni 1983

DIE EUROPÄISCHE SICHERHEIT UND DIE DEUTSCH-AMERIKANISCHE PARTNERSCHAFT
Von Robert W. Dean

BONN - (AD) - Der Stellvertretende Direktor der Abteilung für politische
und militärische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium,
Robert W. Dean, ging in einem Vortrag vor der Sicherheitskonferenz der
Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn am 24. Juni 1983 auf Fragen der europäischen
Sicherheit und der deutsch-amerikanischen Partnerschaft ein.

Die Ansprache

hat folgenden Wortlaut:
Meine Damen und Herren,
es ist ein Privileg, heute im Namen der Administration zu dieser bedeutsamen
Versammlung sprechen zu dürfen.

Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat einen wohlver-

dienten Ruf, wichtige Jahreskonferenzen abzuhalten, die im Lauf der Jahre ein
Forum für die Erörterung amerikanisch-europäischer Sicherheitsfragen von großer
Bedeutung geboten haben.

Dieses Jahr ist keine Ausnahme, wenn man die Probleme

bedenkt, vor denen das Bündnis steht.
Mein eigenes Thema

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Mein eigenes Thema, "Die europäische Sicherheit und die deutsch-amerikanische Partnerschaft", führt uns fast unmittelbar zu einer Diskussion über
nukleare Mittel Streckensysteme (INF).

Aber das Thema kann nicht aus dem

weiteren historischen und politischen Zusammenhang herausgerissen werden.

Nur

aus dieser Perspektive kann man zu vernünftigen Schlüssen bezüglich der heute
in der INF-Debatte anstehenden Fragen kommen.
Zunächst einige Gedanken zu den deutsch-amerikanischen Beziehungen.

Die

deutsch-amerikanische Partnerschaft ist ein wesentliches - manche Leute sagen:
das wesentliche - Element der europäischen Sicherheit.

Diese Bindung, ihre

Festigkeit und ihre Kraft spielen bei der Erhaltung des Friedens seit weit über
einem Drittel Jahrhundert eine zentrale Rolle. Es wäre gänzlich falsch, unser
Verhältnis nur durch die INF-Brille zu betrachten.

Nach dem, was derzeit in

der Presse zu lesen ist, könnte man glauben, die deutsch-amerikanischen
Beziehungen würden durch das INF-Problem bestimmt. Wir unsererseits haben
uns in den Vereinigten Staaten Mühe gegeben, zu unterstreichen, daß das, was
heute in der europäischen Öffentlichkeit zum Ausdruck kommen mag, nicht die
grundsätzlichere Einstellung zum Bündnis ausdrückt. Meinungsbefragung nach
Meinungsbefragung hat gezeigt, daß sich das Ausmaß der Unterstützung für
diese oder jene Politik verschieben mag, die Unterstützung des Bündnisses
aber - und in Ihrem Lande die Unterstützung starker deutsch-amerikanischer
Bindungen innerhalb des Bündnisses - fest, tief und unerschütterlich bleibt.
Wenn wir auf fast vier Jahrzehnte zurückblicken, dann sehen wir, daß sich
die deutsch-amerikanische Partnerschaft weiterentwickelt hat.

Ein am Boden

liegendes Land entwickelte sich zu einem Wirtschaftsgi ganten; brachte nacheinander politische Führungen der höchsten Qualität und Reife in einem stabilen
demokratischen politischen System hervor; und übernahm die Rolle eines wahrhaft
gleichberechtigten Partners im Bündnis und gegenüber den Vereinigten Staaten.
So wie sich diese Partnerschaft im Laufe einer Generation weiterentwickelt
hat, so hat sich auch Deutschland selbst verändert.

- 2 -

Da ist beispielsweise die

�beispielsweise die veränderte Beziehung zur Deutschen Demokratischen Republik
zu nennen.

Die beiden politischen Systeme sind heute nicht weniger gegensätzlich

als zuvor, aber der, Anfang der siebziger Jahre eingeleitete, schrittweise Abbau
der Spannungen hat dazu beigetragen, viele menschliche Beziehungen wiederherzustellen, die durch die politische Teilung zerrissen waren.
Eine zweite Veränderung in der Bundesrepublik war das Heranwachsen einer
neuen Führungsgeneration.

Diese jungen Menschen wurden - abgesehen von ihrer

politischen Zugehörigkeit - begreiflicherweise von andersartigen Erfahrungen
geprägt als die unmittelbare Nachkriegsgeneration, die ihnen vorangegangen war.
Sie sind Ausdruck und Produkt einer neuen Einstellung der Öffentlichkeit.
Interessanterweise haben sie in vieler Hinsicht die gleichen Erfahrungen gemacht
wie ihre amerikanischen Kollegen.

Eine gewisse Skepsis gegenüber der politischen

Autorität, das Erbe der Erfahrungen aus Vietnam und Watergate, sind in Ihrem
Lande so real wie in dem meinigen. Sorgen um die Umwelt und Nachdruck auf Lebensqualität sind ebenfalls Veränderungen in der Einstellung, die in unseren beiden
Gesellschaften zu verzeichnen sind.

Eine weitere wichtige Veränderung in Deutsch-

land ist nach meiner Ansicht, daß es eine vielleicht tiefer denn je empfundene
Sorge um soziale Gerechtigkeit im eigenen Land und in der Welt gibt, verbunden
mit einem Mißtrauen, ja einer Langeweile, gegenüber politischen Ideologien.
In jedem dieser Fälle sind in den Vereinigten Staaten ähnliche Haltungen zu
verzeichnen.
Damit ist die Liste der Veränderungen noch nicht erschöpft, die mit dem
Aufrücken einer neuen Generation in die Verantwortung eingetreten sind. In jedem
Fall sollten die zugrundeliegenden Kräfte, die sie ausgelöst haben, darauf hinwirken, unsere beiden Länder zu einen. Wo Differenzen bestehen mögen, sind sie
eine natürliche und gesunde Eigenschaft eines Bündnisses freier Demokratien, in
denen unterschiedliche Meinung und der freie Ausdruck von Ideen geheiligte
Rechte sind. Aber solche Meinungsverschiedenheiten sollten als das erkannt
werden, was sie wirklich sind - unterschiedliche Auffassungen bezüglich der
Mittel, nicht des Ziels.
Auch auf
- 3 -

�Auch auf dem Gebiet der nationalen Sicherheit haben sich auf beiden Seiten
des Atlantik Veränderungen in der Einstellung vollzogen. Das Schwarz-Weiß-Bild
der fünfziger und sechziger Jahre wird von der jungen Generation und ihren
Führern nicht mehr unkritisch hingenommen.

Das bedeutet eine neuerliche

Verpflichtung der Regierungen, zuzuhören und zu überzeugen.

Wir sollten diese

Herausforderung begrüßen, denn in der atlantischen Partnerschaft haben einige
Grundwahrheiten ihre Gültigkeit behalten. Sie stellen das Fundament unserer
gemeinsamen Anstrengung dar, die Unterstützung für das Bündnis und seiner Ziele
bei den einzigen aufzubauen und zu erhalten, die es legitimieren - nämlich bei
den Völkern, denen wir verantwortlich sind.
Tatsache ist, daß sich das Bündnis außerordentlich gut gehalten hat. Es hat
den Frieden, die Stabilität und die Freiheit in Europa über einen längeren Zeitraum bewahrt, als sich irgend jemand zu seinen Lebzeiten erinnern kann.
praktische, politische Bedeutung war und ist gewaltig.

Seine

Für die Bundesrepublik

Deutschland garantierte die Mitgliedschaft im Bündnis einen stabilen politischen
Halt und eine starke Sicherheitsposition, um die Nachkriegsdifferenzen mit dem
Osten beilegen zu können, ein erfolgreiches neues Verhältnis zur DDR herzustellen
und damit viel von der menschlichen und kulturellen Tragödie der politischen
Teilung der Nation zu lindern.

Es waren eine starke, militärisch sichere und

politisch zusammenhaltende NATO sowie eine im Bündnis fest verwurzelte deutsche
Außenpolitik, die diese Fortschritte möglich machten. Man braucht sich nur an
die wiederholten Bekräftigungen von Bundeskanzler Brandt erinnern, daß das
Bündnis und die Mitgliedschaft der Bundesrepublik im Bündnis das sine qua non
der Ostpolitik seien.
Aber es ist hier, wie auch in meinem Lande, wieder ein beliebtes und nur
allzu bekanntes Lamento geworden, die NATO stecke in einer Krise: "Europa und
die Vereinigten Staaten sind sich nicht mehr völlig einig"; "Sie treiben auseinander"; "Die NATO zerfällt".

Solche Behauptungen sind heute die gängige Münze

in den Leitartikeln auf beiden Seiten des Atlantik.

Sie verraten eine Schwäche

für das, was intellektuell gerade en vogue ist. Wenn man solchen Behauptungen

�solchen Behauptungen jedoch nicht entgegentritt, könnten sie die zerstörerische
und demoralisierende Wirkung einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung haben.
Ein Blick auf die vergangenen drei Jahrzehnte zeigt, warum die Phrase,
"Die NATO steckt in der Krise" so abgedroschen ist:
- Im Jahre 1956 drängten die Vereinigten Staaten Großbritannien und Frankreich,
ihre Suez-Intervention aufzugeben.
werde auseinanderfallen.

Schlaue Leute erklärten damals, das Bündnis

Sie hatten unrecht.

- Im Jahre 1958 wurde das Bündnis durch die Debatte über die Stationierung
der Thor- und Jupiter-Raketen - in der Türkei, Großbritannien und Italien - und
anderer Kernwaffen in Europa erschüttert - eine Debatte, die übrigens auch in
Ihrem Bundestag lebhaften Ausdruck fand. Manche Leute fragten sich, ob das
Bündnis überleben werde.

Es hat überlebt.

- Im Jahre 1966 zog sich Frankreich aus der integrierten militärischen Befehlsstruktur der NATO zurück - die Lösung des Knotens im Drama einer weiteren Nukleardebatte im Bündnis.

Die Propheten des Untergangs verkündeten das Ende der NATO.

Und wieder hatten sie unrecht.
- Mitte der sechziger Jahre tobte die Kontroverse über die Strategie der
flexiblen Antwort.

Sogenannte "Weise" sahen wieder den Tod der NATO voraus.

Aber das Bündnis bewies seine Spannkraft.
- Im Jahre 1973 fanden sich die Vereinigten Staaten uneins mit den meisten
ihrer NATO-Verbündeten bezüglich des Oktober-Krieges im Nahen Osten und des
arabischen ölembargos.

Wieder sahen einige den Anfang vom Ende. Aber sie waren

kurzsichtig.
Die ganze Geschichte der NATO könnte praktisch als eine Reihe von Krisen
dargestellt werden.

Oder anders und richtig gesehen, sie könnte als eine Reihe

von Herausforderungen dargestellt werden, die immer wieder durch den gemeinsamen
Willen zur Aufrechterhaltung des Bündnisses und der Demokratien, die es so
erfolgreich erhalten hat, gemeistert wurden.
des Bündnisses sind seine Hauptmerkmale.

Denn Kontinuität und Spannkraft

Die Kassandrarufe der letzten drei

Jahrzehnte erinnern mich an den großen amerikanischen Humoristen Mark Twain,

- 5 -

�Mark Twain, der oft zu Beginn seiner Lesungen zu bemerken pflegte:
über mein Ableben sind stark übertrieben".

Die Gerüchte

Es ist eine einfache Wahrheit, daß

das Atlantische Bündnis fortbesteht und gedeiht, weil es ein Ausdruck unserer
politischen und strategischen

Bindungen ist. Diese sind heute noch so gültig

wie im Jahre 1949, und sie werden zu unseren Lebzeiten gültig bleiben.

Diese

Realitäten sind einfach und liegen auf der Hand, aber der gegenwärtige Zustand
der Ängstlichkeit wegen der Zukunft des Bündnisses deutet darauf hin, daß sie
immer wieder wiederholt werden müssen.
Die sowjetische Bedrohung
Man sagt uns oft, daß das, was das Bündnis wirklich in Unruhe versetze,
die eigentliche Quelle der transatlantischen Meinungsverschiedenheiten und der
europäischen Unzufriedenheit, die grundsätzlich verschiedene Betrachtungsweise
der sowjetischen Bedrohung und der sowjetischen Politik sei. Wie sieht die
Wirklichkeit aus?
Die siebziger Jahre schienen die Beziehungen der Sowjetunion zum Westen zu
verwandeln.

Die Anerkennung des Status quo nach dem Kriege In Mitteleuropa

durch Verhandlungen leiteten eine Periode der Annäherung zwischen Ost und West
ein, die weitgehende Unterstützung in der Wählerschaft fand.

Die Abkühlung von

Spannungen wurde weithin als zusätzliche Sicherheitsgarantie betrachtet, die
durch die Ausweitung der Bindungen zwischen Ost und West auf allen Ebenen verstärkt werden könnte.

Dieses vielversprechende Klima wurde noch zusätzlich

durch eine Neuordnung der strategischen Beziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion im SALT-Prozeß und die Kodifizierung der Menschenrechtsnormen zusammen mit Sicherheitszielen in der Schlußakte von Helsinki von
1975 verbessert.

Auf allen Gebieten, auf die man sich einließ - Rüstungskontrolle,

wirtschaftliche Zusammenarbeit, humanitärer Austausch -, entwickelte sich der
politische Schwung bis zu dem Punkt, an dem man begann, eine solche Kooperation
als einen natürlichen Aspekt der Ost-West-Beziehungen zu betrachten.
Aber heute

�Aber heute haben wir unseren Dämpfer; heute betrachten wir die Entspannung
nüchterner.

Die sowjetische Invasion Afghanistans, die Instrumentierung der

Unterdrückung der Gewerkschaft Solidarität und der Hoffnungen des polnischen
Volkes und eine Poli'tik der Intervention in der Dritten Welt haben Anlaß zu
einem neuerlichen Gefühl der Besorgnis über eine globale Anmaßung der Sowjets
gegeben.
Der Mangel an Zurückhaltung und die mangelnde Bereitschaft, sich innerem
Wandel anzupassen, haben zu Zweifeln an der Dauerhaftigkeit und Berechenbarkeit
der sowjetischen Außenpolitik im allgemeinen geführt. Vor allem hat es die anhaltende Expansion der militärischen Macht der Sowjets, die gegen Westeuropa
aufgereiht ist - einschließlich, aber nicht ausschließlich, der Dislozierung
der SS-20 - in einen neuen und beunruhigenden Zusammenhang gestellt.
In dem gleichen Jahrzehnt,in dem die Hoffnungen auf sowjetische Zurückhaltung und Kontinuität in den Ost-West-Beziehungen so groß waren, nahm Moskau
die Modernisierung und Verstärkung seiner Streitkräfte vor.

Die strategischen

Nuklearstreitkräfte der Sowjets wurden dramatisch verbessert.

Die Europa gegen-

überstehenden sowjetischen Armeen profitierten von einem gewaltigen Zustrom
neuer Waffen.

Ende der siebziger Jahre erkannten selbst die unparteiischsten

Beobachter einen Widerspruch zwischen der Diplomatie des Kremls, die den Nachdruck
auf den Abbau von Spannungen und der Möglichkeit eines bewaffneten Konflikts in
Europa legte, und der anhaltenden Beschaffung eindrucksvoller militärischer
Offensivkapazitätei..
Die zahlenmäßige Steigerung der sowjetischen Waffen visa-vis der NATO wurde
durch qualitative und operative Verbesserungen ergänzt. All das deutet darauf
hin, daß die Sowjets die Möalichkeit offensiver Operationen gegen die NATO weit
ernster nehmen, als ihre Diplomatie zugeben möchte.

Es deutet darauf hin, daß

ihre konventionellen Streitkräfte - im Gegensatz zur defensiven Natur der NATOPlanung - auf die Offensive als klares Ziel ausgerichtet sind, und daß ihre
gegen Europa dislozierten Nuklearstreitkräfte dazu dienen sollen, diese konventionelle Offensivkapazität zu ergänzen.
Gleichzeitig erkennen
- 7-

�Gleichzeitig erkennen wir, daß das Vertrauen der Sowjets in ihre militärische
Position nicht eisern feststehen kann.

Sie müssen mit den Ungewißheiten der

politischen und militärischen Zuverlässigkeit ihrer Verbündeten und der Sicherung
des rückwärtigen Gebietes in Osteuropa rechnen - das von wesentlicher Bedeutung
für den Sieg bei einem raschen Vorstoß ist, der vermeidet, daß man in einen
Abnutzungskrieg verwickelt wird, sev/ie mit der Unvorh^rsehbarkeit und den schwere«
Risiken einer nuklearen Eskalation,
Aber die Sowjets geben sich nicht damit zufrieden, mit diesen Ungewißheiten
zu leben.

Ihr Streben, ihre konventionellsn Streitkräfte zu verstärken, ihre

Qualität zu verbessern, eine Doktrin zu entwickeln, die von einem raschen Ansichreißen der Offensive ausgeht, die Qualität und Quantität ihrer nuklearen Einsatzkräfte zu verbessern, die auf NATQ-Europa zielen-i'Tl das läßt erkennen, daß
die sowjetische Führung sir1-. zutiefst unwohl fühlt mit Ungewißheiten, die für eine
mehr defensiv eingestellte Macht durchaus akzeptabel wären.
Weif-.- politische Eedeutung hat die militärische Postion der Sowjets?

Die

Kap?ntäten, in die sie so große Mittel investiert haben, haben wichtige
politische Auswirkungen in Friedenszeiten, vor allem für die Krisenbewältigung,
Sollte es in der Zukunft zu einer Cst-|rest-Konfrontation kommen, dann würde die
sowjetische Führung versuchen, diese militärische Position entweder aktiv oder
vorsichtig in einen politischen Hebel umzusetzen, um das Ergebnis zu ihren
Gunsten zu beeinflussen.
All das soll nicht heißen, daß die sowjetische Neigung, einen Konflikt in
Europa auszulösen oder selbst zu riskieren, heute größer wäre, als sie vqr zehn
oder fünfzehn Jahren war.

Aber es bedeutet, daß die Sowjets in wichtigen psycho-

logischen und politischen Dimensionen der Krisenbewältigung glauben könnten, daß
sie durch die anhaltende Beschaffung eindrucksvoller militärischer Macht einen
nützlichen Spielraum zu ihren Gunsten erreicht haben.
Das sind die

�Das sind die blanken Tatsachen und die harte Logik des militärischen Kräfteverhältnisses in Europa.
Aber diese Tatsachen sprechen offensichtlich nicht für sich selbst.
-

zum Teil wegen der Wirksamkeit der öffentlichen Diplomatie der Sowjets.

Die Sowjets spielen die Bedeutung der militärischen Kapazitäten systematisch
und aktiv herunter.

Ihr diplomatischer Nachdruck auf Rüstungskontrolle und

friedliche Absichten soll dazu dienen, die Vorstellung zu nähren, daß die gegen
Westeuropa aufgestellten Streitkräfte freundlicher Natur seien und nur defensiven
Zwecken dienten.

Das Ziel Moskaus besteht darin, Europa daran zu gewöhnen, die

militärische Vorherrschaft der Sowjets als einen natürlichen Stand der Dinge zu
akzeptieren und in der europäischen Öffentlichkeit den Gedanken zu zerstreuen,
die sowjetischen Streitkräfte könnten irgendeine militärische Bedrohung darstellen.
Unsere Auffassung von der sowjetischen Bedrohung und der Natur der sowjetischen Politik ist auch durch das Verhalten der Sowjets außerhalb der Grenzen
Europas geprägt worden. Die Sowjets haben in Gebieten der Dritten Welt eine
Vorwärtsstrategie verfolgt, eine Politik des strategischen Zupackens, die als
Herausforderung der westlichen Interessena^esehen werden muß. Moskau hat sich
alle Mühe gegeben, seine Politik in Europa von der Politik zu unterscheiden,
die sie in der Dritten Welt verfolgt, und hat unterstrichen, daß die Beziehungen
in Europa nichts mit dem zu tun hätten, und getrennt von dem betrachtet werden
müßten, was die Sowjets als regionale "Plätze der Spannung" bezeichnen.
Die INF-Problematik
Der Doppelbeschluß des Jahres 1979 wurde gefaßt vor diesem Hintergrund der
sowjetischen Aufrüstung, von der die SS-20-Rakete ein wesentlicher Bestandteil
ist, sowie in Erkenntnis der möglichen politischen Folgen für den Fall, daß
die NATO nicht in der Lage sein sollte, die notwendigen Gegenmaßnahmen zu
ergreifen.
Sollte es in

- 9 -

�Sollte es in Genf nicht zu einem befriedigenden Ergebnis kommen, stehen wir
in den kommenden Monaten vor der Aufgabe, unseren gemeinsamen Beschluß zu verwirklichen.

Mit dem Ansteigen der politischen Temperaturen tun wir gut daran,

uns selbst und der Öffentlichkeit unserer Länder noch einmal die ursprüngliche
Begründung für diesen Beschluß in Erinnerung zu rufen.
gültig.

Er ist heute wie damals

Angesichts der Tatsache, daß Mitte der siebziger Jahre sich zwischen

den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion eine strategische Parität entwickelt
hatte, brachten Beobachter auf beiden Seiten des Atlantik ihre Besorgnis zum
Ausdruck, daß die Dislozierung neuer sowjetischer nuklearer Mittelstreckenraketen
die Sowjets zu dem Glauben ermutigen könnte - wie fälschlich auch immer -, daß
sie diese Waffen einsetzen, oder mit ihrem Einsatz drohen, könnten, um westeuropäisches Territorium zu treffen, ohne das Risiko der strategischen Vergeltung
durch die Vereinigten Staaten gegen sowjetisches Gebiet fürchten zu müssen.
Eine solche falsche Vorstellung würde die Abschreckung schwächen und könnte im
Lauf der Zeit das politische Vertrauen untergraben, das von der glaubwürdigen
Abschreckungshaltung unseres Bündnisses abhängt.

Führer in Europa wie in Amerika

waren sich dieses Problems bewußt; ja, mit am überzeugendsten war hier der frühere
Bundeskanzler Helmut Schmidt.
Der Entschluß, eine begrenzte Anzahl von landgestützten weiterreichenden
INF-Raketen zu dislozieren und dadruch eine begrenzte, glaubwürdige militärische
Kapazität zu schaffen, war der deutlichste Beweis dafür, daß die Vereinigten
Staaten ohne Vorbehalt der strategischen Verteidigung Westeuropas verpflichtet
sind. Mit der Dislozierung amerikanischer Kernwaffen in Europa, die in der Lage
sind, Vergeltungsschläge dirkt gegen sowjetisches Territorium zu führen,könnte
keine sowjetische Führung einen Angriff auf Westeuropa in Erwägung ziehen, ohne
gleichzeitig die Vereinigten Staaten anzugreifen. Auf diese Weise setzt der
Doppelbeschluß von 1979 die territoriale Sicherheit der Vereinigten Staaten mit
derjenigen
,NATO-Europas gleich und sichert so die Abschreckung.
Um mit den nichtprovozierten sowjetischen Dislozierungen fertig zu werden,
wurde noch eine zweite Möglichkeit vorgesehen: Das Bündnis verpflichtete sich

- 10 -

�verpflichtete sich zu dem Versuch, auf dem Weg der Rüstungsbegrenzungen eine
Lösung für die neue Bedrohung auszuhandeln.

Die neue amerikanische Administration

wandte ihre Aufmerksamkeit sogleich dem Rüstungskontrollaspekt des Problems zu.
Unsere Beratungen darüber, welche Postion wir bei diesen Verhandlungen einnehmen
sollten, wurden von einer Reihe allgemeinerer Rüstungskontroilgrundsätze geleitet.
Erstens, die Rüstungskontrolle muß hauptsächlich ein Instrument der nationalen
Sicherheit - und nicht ein Ersatz dafür - sein. Vorschläge und Abkommen können
kein "Selbstzweck" sein, sondern müßten an dem Beitrag gemessen werden, den sie
für unsere militärische Sicherheit leisten.

Die militärische Bedeutsamkeit

jeglicher Rüstungskontrollabmachungen muß im Sinne der Wirkung bewertet werden,
die sie auf die Sleeitkräftelage und die militärischen Kapazitäten beider Seiten
haben.
Zweitens, Abkommen müssen gleichwertig und ausgewogen sein.

Dabei geht es

am offenkundigsten um Gleichheit bei den numerischen Begrenzungen und Rechten.
Aber Gleichgewicht bedeutet mehr als Zahlen - worum es geht, ist die Fähigkeit
der jeweiligen Seite, durch militärische Operationen oder die Drohung mit
militärischen Operationen entscheidende Gewinne zu erzielen.

Die Rüstungskontrolle

kan - und sollte - den Anreiz verringern, militärische Macht einzusetzen oder ihren
Einsatz anzudrohen - insbesondere in Krisensituationen.
Drittens, Abkommen müssen umfangreiche Verringerungen bewirken, die die
militärischen Bedrohungen begrenzen. Rüstungskontrollvereinbarungen, die im
wesentlichen die bestehenden Arsenale kodifizieren oder ihr Anwachsen zulassen,
untergraben lediglich dieses Ziel - wie dies bei SALT II mit der öffentlichen
Unterstützung für den Vertrag selbst der Fall war.
Viertens, Abkommen müssen verifizierbar sein und die Verifizierbarkeit muß
über die nationalen technischen Mittel hinausreichen.
Schließlich kann man selbst von einer soliden Rüstungskontrolle nicht erwarten,
daß sie militärische Probleme löst, auch wenn sie auf diese entschärfend wirkt.
- 11 -

�entschärfend wirkt. Rüstungskontrolle ist ein Ersatz für eine Streitkräftemodernisierung. Mit veränderten Bedrohungen, mit veraltenden Systemen bedeutet
die Aufrechterhaltung der Gleichheit, der Ausgewogenheit und daher auch der
Abschreckung, daß eine Modernisierung notwendig ist. Vor diesem Problem stehen
wir ganz unmittelbar bei unseren strategischen Streitkräften.
In der internationalen Politik sind Prinzipien von entscheidender Bedeutung
für die Führung von Verhandlungen, und wir haben in dieser Hinsicht einen festen
Stand.

Abkommen sind, das wissen wir alle, Ergebnis des beiderseitigen Handelns,

der beiderseitigen Beweglichkeit und des praktischen Kompromisses. Auch hier
haben die Vereinigten Staaten und das Bündnis einen festen Stand.

Wir stehen

den Verhandlungen realistisch und beweglich gegenüber. Ja, wir haben einen
Vorschlag unterbreitet, der maximale Flexibilität verrät und der der sowjetischen
Seite letztlich sagt: Es liegt an euch, jetzt die gleiche Zahl amerikanischer
und sowjetischer INF-Systeme größerer Reichweite zu wählen.
die eigenen Sicherheitsansprüche entscheiden.

Laßt euer Gefühl für

Erkennt lediglich an, daß auch

die NATO legitime Sicherheitsansprüche hat.
Die sowjetische Reaktion hierauf,ja die sowjetische Einstellung zu den
Verhandlungen von Anbeginn an, deutete nicht darauf hin, daß man sich uns auf
der Suche nach einem vernünftigen Gleichgewicht dieser Waffen anschließen wollte.
Vielmehr ging es der Sowjetunion darum, die Tatsache ihres bestehenden Monopols
bei den LRINF-Systemen dadurch auszunützen, daß sie ihre Bedingungen für ein
Abkommen stetig wiederholte.

Ihr Ziel bleibt, die NATO-Dislozierungen durch

politische Mittel zu verhindern, die Verhandlungen als Mittel zu diesem Zweck
zu benützen und die öffentliche Meinung zu manipulieren und dadurch die Position
der europäischen Regierungen zu beeinflussen.

Was es von der Sowjetunion bislang

hinsichtlich INF gab, war eine Reihe dramatischer öffentlicher Ankündigungen,
jede dazu da, den Eindruck von Flexibilität zu erwecken, ohne bei den wesentlichen
Punkten auch nur eine Spur ihrer Position zurückzustecken. In einem sehr konkreten
Sinn ist der Kreml davon überzeugt, daß er über die Köpfe der NATO-Regierungen
hinweg verhandeln kann. Die Sowjets waren stets darum bemüht, die Themen der

- 12 -

�Themen der öffentlichen Debatte zu bestimmen, indem sie behaupteten, es existiere
nunmehr ein nukleares Gleichgewicht; die britischen und französischen Systeme
müßten legitimerweise mit einbezogen werden; das Pershing-il-System stelle eine
"Stativ neue Erstschlagdrohung dar -, und die SS-20-Raketen, östlich des
Urals disloziert, stellten keine Bedrohung der NATO dar.

Dies sind Hauptargumente

der sowjetisehen Postion - sowohl öffentlich als auch am Verhandlungstisch.

Sie

sind darauf angelegt, die Vereinigten Staaten in Gegensatz zu Europa zu bringen;
die europäischen Nichtnuklearstaaten zu den Nuklearstaaten und die NATO-Mitglieder
zu den asiatischen Freunden und Verbündeten.

Weder das eine noch das andere ist

legitim oder gerecht, d • "Yünde dafür sind eine Wiederholung wert:
Es gibt kein grundlegenderes Element der amerikanischen Verhandlungsposition weder bei INF noch bei START - als unser Bestehen auf Gleichheit zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.

Dies akzeptierten die Sowjets als Grund-

eines Abkommens in der Vergangenheit. Unserer Risition gegenüber, wonach
"gleiche Rechte und Begrenzungen" für beide Seiten ein jegliches Abkommen
beherrschen müssen, behaupten die Sowjets, daß "Gleichheit und gleiche Sicherheit"
sich darin zeige, wie das Gleichgewicht berechnet wirf

Daher

men sich die

Sowjets das Recht, INF-Systeme von einem Umfang zu unterhalten wie alle anderen
potentiellen Nukleargegner zusammengenommen - wodurch sie umfangreicher si
als diejenigen aller anderen, einschließlich jener der Vereinigten Staaten.
Dieser Gedanke der Kompensation für nichtamerikanische Nuklearstreitkräfte ist
eine Vorstellung, die noch von keiner amerikanischen Regierung akzeptiert wurde.
Denn das würde bedeuten, daß die Vereinigten Staaten zum Beispiel für den Fall,
cie Franzosen wollten aufgrund souveräner Entscheidung ihre nationalen Streitkräfte ausbauen, ihre eigenen Streikräfte verringern müßten, um das Gesamtgleichgewicht aufrechtzuerhalten.
Die Sowjets behaupten, es existiere in Europa ein Gleichgewicht bei den
Nuklearsystemen mittlerer Reichweite

Für ihre Berechnungen verwenden sie eine

Grenze der Reichweite von 1000 Kilometern.
Der Anspruch

- 13

�Der Anspruch wird auf verschiedene Weise vorgetäuscht: Indem amerikanische
Flugzeuge, wie etwa die F-4, die weit unter die 1000 km-Reichweite fällt, mitgezählt werden während die sowjetischen Flugzeuge gleicher oder größerer Kapazität,
wie der Fencer, nicht mitgezählt werden; indem amerikanische A-6- und A-7-Flugzeuge auf Flugzeugträgern mitgezählt werden, aber sowjetische Seeflugzeuge nicht;
und indem die britischen und französischen Systeme als Teil des amerikanischen
Gesamtbestandes eingerechnet werden. Je.' objektive Zählung zeigt ein wesentliches
Ungleichgewicht zugunsten der Sowjets.
Dies gilt sogar, wenn man das sowjetische Kriterium der 1000 km-Reichweite
akzeptiert, das an sich ein Argument ist, das nur Propagandazwecken dienen soll.
Der Vorsprung der Sowjets an Raketen dieser Reichweite liegt auf der Hand.

Sie

besitzen 351 mobile SS-20 mit jeweils drei Gefechtsköpfen und zuzüglich
250 SS-4- und SS-5-Raketen, was einen Gesamtbestand von etwa 600 Raketen oder
1300 Gefechtsköpfen bedeutet.
keine Raketen dieser Kategorie.

Die Vereinigten Staaten und die NATO besitzen
Was die Flugzeuge anbelangt, so ist das einzige

relevante System auf amerikanischer Seite - wenn man von dem sowjetischen
Kriterium des Bereichs ausgeht - die F-lll, von der 165 in Großbritannien stationiert sind.

Dagegen müssen die 550 Bomber vom Typ Badger, 200 Flugzeuge vom

Typ Blinder und 300 Fencer - insgesamt 1050 sowjetische Flugzeuge in Europa aufgerechnet werden, was eine Überlegenheit an Flugzeugen von fast 6,5 zu 1 bedeutet.

Wenn wir den Backfire-Bomber einschließen, der über seine Interkonti-

nentalkapazität hinaus auch eine Gefechtsfeldrolle hat, dann wäre die Disparität
sogar noch größer.
Mag es bei den Zahlen Widerspruch geben, die Schlußfolgerung ist eindeutig:
Die Sowjetunion hat einen überwältigenden Vorteil. Weder die vorhandenen
französischen und britischen Gefechtsköpfe, noch die zukünftigen 572 amerikanischen Gefechtsköpfe können diesen Vorteil ernsthaft verändern.
Meine Damen

- 14 -

�Meine Damen und Herren, wir müssen einen klaren Kopf behalten und das
bestehende Ungleichgewicht als das sehen, das es ist.

Die sowjetische Behauptung,

wonach ein Gleichgewicht besteht, ist falsch, unredlich und gründet sich auf
Fantasiezahlen.
Abkommen.

Sie verschleiert die wirklichen Probleme und den Weg zu einem

Wir sind während der Verhandlungen nicht darauf eingegangen, und wir

dürfen auch nicht zulassen, daß die Öffentlichkeit bei uns dazu verleitet wird,
sie deshalb zu akzeptieren, weil es uns nicht gelungen ist, sie als unwahr aufzuzeigen.
Ein weiteres Argument der Sowjets lautet, die britischen und französischen
Streitkräfte müßten für das Gleichgewicht mitberechnet werden.

Her Gromyko hat

trocken gefragt, welchen Unterschied es für die Sowjetunion mache, ob ein angreifender Gefechtskopv die französische Trikolore, den britischen Union Jack
oder die amerikanischen Stars and Stripes trage.
täuschende Art, das Problem darzustellen.

Das ist eine schlaue, aber

Und auch hier müssen wir uns wieder

fragen, ob wir alles in unserer Macht Stehende tun, um unsere Öffentlichkeit
davon zu überzeugen, daß die britischen und französischen Systeme keinen Platz
in einem Abkommen haben, das ein echtes Gleichgewicht kodifizieren soll.
Angesichts des bestehenden numerischen Übergewichts der Sowjetunion sind die
162 britischen und französischen Gefechtsköpfe nahezu irrelevant bei einer
fairen Berechnung des Gleichgewichts.

So würden beispielsweise die Sowjets selbst

bei einer amerikanischen Dislozierung ein übergewicht behalten.

Daher sollten

sie nach allen objektiven Maßstäben des Gleichgewichts und der Gleichheit kein
Hindernis für das Erreichen eines Abkommens sein.

Die Sowjetunion bemühte sich

ausdauernd darum, während der ersten Phase der SALT I- wie SALT II-Verhandlungen
die britischen und französischen Systeme miteinzubeziehen, erkannte schließlich
aber das Prinzip amerikanisch-sowjetischer Gleichheit an und ließ das Thema der
Bündnissysteme fallen.

Das ist auch jetzt der angemessene Kurs.

Denn es handelt

sich hier um souveräne, nationale Streitkräfte, über die die Vereinigten Staaten
nicht verhandeln können und für die wir keine Kompensation geben werden.
haben strategische Aufgaben.

Sie

Sie sind nicht mit den LRINF-Raketen vergleichbar,

die Thema der Verhandlungen sind.
Schließlich - und
- 15 -

�Schließlich - und das ist vielleicht am wichtigsten: Sie haben nichts mit
dem

Schutz der Bundesrepublik oder anderer Nichtnuklearstaaten der NATO zu tun.

Es wäre äußerst gefährlich, dem Prinzip zuzustimmen, wonach das Gleichgewicht
in sowjetischen Systemen einerseits und britischen und französischen Systemen
andererseits errechnet werden sollte, denn ein solches Prinzip ignoriert die
Rolle der amerikanischen Systeme beim Schutz Europas und bei der Abschreckung
der Sowjetunion.

Hierum aber geht es doch in Wirklichkeit, und das ist ein

Punkt, den man nicht oft genug wiederholen kann.

Die oberflächliche Logik der

sowjetischen Argumentation zi akzeptieren, ist gefährlich; die britischen und
französischen Systeme mitzuzählen ist gleichbedeutend mit einer Abkopplung der
amerikanischen strategischen Streitkräfte von der Verteidigung Europas.
Ein weiteres sowjetisches Argument lautet, daß die 108 Pershing-II-Raketen
eine neue und ganz besondere Bedrohung darstellen würden; daß sie aufgrund ihrer
kurzen Vorwarnzeit zum Einsatz als Erstschlagwaffen vorgesehen seien.

Tatsache

ist, daß die 11 bis 14 Minuten Flugzeit der Pershing II vergleichbar sind mit
der Flugzeit von fast 1000 Gefechtsköpfen ballistischer Raketen der Sowjetunion,
die derzeit in Stellung sind, um auf NATO-Europa abgefeuert zu werden.

Und sie

sind auch vergleichbar mit der Flugzeit unterseebootgestützter Raketen der
Sowjetunion, die seit Jahren vor den amerikanischen Küsten in Position liegen.
Die Pershing-II wurde speziell für eine Reichweite von 1800 Kilometern
entworfen und macht sie damit unfähig, Moskau zu erreichen. Sie wurde in die
ursprüngliche Streitkräftemischung einbezogen, weil der Eindruck entstanden war,
man müsse eine vergleichbare ballistische Kapazität gegen eine drohende sowjetische Streitmacht dislozieren, die von ihrem Charakter her durchweg ballistisch
ist. Angesichts des dichten Luftabwehrnetzes der Sowjetunion, das den landgestützten Marschflugkörpern gegenüberstehen würde, brauchte die NATO zudem ein
ballistisches System, dessen Durchdringungsfähigkeit gesichert war.
Wie beurteilt

- 16 -

�Wie beurteilt der sowjetische iiuklearplaner wirklich die Pershing II?
Glaubt er wirklich daran, daß sie eine entwaffnende Erstschlagdrohung darstellt?
Das kann er gar nicht.

Denn 108 Gefechtsköpfe bringen nur einen kleinen Teil

der gesamten landgestützten ICBM-Streitmacht der Sowjetunion in Reichweite - und
einen noch weit kleineren Teil der gesamten strategischen Raketenstreitmacht der
Sowjetunion.

Zudem ist nur ein kleiner Teil der Befehls- und Kontroll anlagen

der strategischen Raketenstreitmacht der Sowjetunion ein Ziel, das durch die
zentralen strategischen Streitkräfte der Vereinigten Staaten abgedeckt werden
könnte.

Daher ist die Behauptung, die Pershing II könne in einem nuklearen

"Enthauptungs"-Schlag genützt werden und damit die sowjetische Fähigkeit zur
Koordinierung und Durchführung eines eigenen Nuklearschlages beseitigen, falsch.
Diese Kapazität würde Tausende weiterer treffsicherer Gefechtsköpfe auf
ballistischen Raketen erfordern, ja, weit mehr als es bei der gesamten strategischen Streitmacht der Vereinigten Staaten gibt. Wie die Sowjets zu argumentieren, die Pershing II verleihe uns die Fähigkeit, einen Erstschlag von Europa
aus zu führen, ist einfach trügerisch.

Ihr einziger Zweck ist, zu demonstrieren,

daß die Sowjetunion, sollte sie eine Aggression gegen Europa in Erwägung ziehen,
nicht hoffen könnte, eine solche isoliert zu halten. Mit anderen Worten: Sie
zwingt die Sowjets zu der Überlegung, daß der Preis eines Angriffes ."uf Europa
ein Angriff auf die Vereinigten Staaten selbst wäre.
Es ist viel über die informellen Sondierungen geredet worden, die im vorigen
Sommer in Genf stattgefunden haben, und die letztlich von der sowjetischen Seite
abgelehnt wurden. Es wäre nicht angebracht, sich im Detail dazu zu äußern, aber
die groben Umrisse dieser Gespräche sind in der Presse dargestellt worden. Sie
waren deshalb bemerkenswert, weil sie eine Einstellung zur Begrenzung von
LRINF-Systemen erkennen ließen, die im Gegensatz zu dem steht, was die Sowjets
öffentlich verkündet haben.
Zunächst einmal werden Sie sich daran erinnern, daß die britischen und französischer Systeme nicht erwähnt wurden und man nicht darauf beharrte, sie einzuschließen. Zweitens akzeptierte die sowjetische Seite bei der Festlegung gleicher
Begrenzungen für LRINF-Systeir.e das Prinzip der amerikanisch-sowjetischen Gleichheit,
das die Grundlage aller früheren Rüstungskontroi labkommen war. Und schließlich
- 17 -

�Und schließlich akzeptierten die Sowjets bei der Festlegung dieser Begrenzungen
die Tatsache neuer amerikanischer Dislozierungen. Der Realismus dieses Standpunktes war ermutigend, und er spricht Bände bezüglich der Nebelwand falscher
und zweckdienlicher Behauptungen, die die öffentliche Haltung der Sowjets
charakterisiert.
Schlußfolgerung
Meine Damen und Herren, in den kommenden Monaten wird die Administration
in engster Konsultation mit ihren NATO-Partnern alles in ihrer Macht Stehende
tun, um in Genf zu einem fairen Abkommen zu gelangen, das den Kriterien gerecht
wird, die wir vereinbart haben.

Wenn kein Abkommen erreicht wird, wird gegen

Ende dieses Jahres mit der Dislozierung begonnen.
fest zu diesem Punkt.

Die NATO-Regierungen stehen

Wir können keine einseitigen Abkommen akzeptieren, die

nur im Interesse politischer Zweckdienlichkeit liegen.

Nur Standhaftigkeit,

politische Einigkeit des Bündnisses und die sichere Aussicht auf Dislozierung
geben der Sowjetunion den Anreiz

mit uns zu einer Einigung zu kommen.

Sollte

die Dislozierung beginnen, so werden die Anstrengungen zur Begrenzung der Anzahl
mittels Verhandlungen ernsthaft fortgesetzt.
realistisc, e Position.

Wir haben in Genf eine solide und

Wir sind zu keinem Zeitpunkt in diese Verhandlungen auf

der Grundlage des "Alles-oder-Nichts" gegangen - das sollte nunmehr wirklich
jedem deutlich geworden sein.

Die Sowjets haben sich bislang als kategorisch,

sich ständig wiederholend und unnachgiebig erwiesen.
Wir zweifeln nicht daran, daß der Zusammenhalt und die Entschlossenheit des
Bündnisses sich - wie in der Vergangenheit - auch in der vor uns liegenden Zeit
zeigen werden.

Man darf und wird der Sowjetunion nicht erlauben, dem NATO-Bünd-

nis seine Sicherheitspolitik zu diktieren.

Wir werden auch weiterhin einer

klugen Verteidigungspolitik folgen, die die Abschreckung zu ihrem Alleinziel
hat.

Wir werden sicherstellen, daß unsere Streitkräfte für unsere Verteidigung

angemessen sind, und wir werden diese Streitkräfte gemäß dieser gemeinsamen
Verteidigungszielsetzung modernisieren - nichts weiter.

Der Doppelbeschluß von

1979 spiegelt diese Zielsetzung wieder - nichts weiter.

Die Strategie der

- 18 -

�Die Strategie der Vereinigten Staaten und des Bündnisses für die Verteidigung
von Europa hat sich nicht geändert; was sich geändert hat, ist die sowjetische
Bedrohung, die uns zu umwälzenden Änderungen unserer eigenen Streitkräfte zwingt.
Ich habe meine Bemerkungen mit einem Überblick über das deutsch-amerikanische
Verhältnis begonnen und dabei auf die Ähnlichkeiten hingewiesen, die bei einigen
der Verhaltensveränderungen in beiden Ländern zu beobachten sind, wie auch die
gemeinsamen Interessen, die der Partnerschaft ihre Kraft geben.

In beiden

Ländern findet eine heftige Debatte über die Kernwaffen statt, wie es dies bislang noch nicht gegeben hat.

Dies erschwert das Leben jener von uns, die mit

der Verwirklichung der Politik beauftragt sind, die Ziel der Kritik sind.

Gleich-

zeitig hat diese Debatte in Amerika eine große Zahl von Menschen informiert.
Ich finde es bemerkenswert, daß wir hier in Gespräche über einst so geheimnisvolle
Themen wieNuklearstrategie, Wurfgewicht und Treffgenauigkeit von Gefechtsköpfen
mit einfachen Menschen in Orten wie Akron in Ohio oder Little Rock in Arkansas
eintreten.
Ich weiß, daß in der Bundesrepublik die Debatte gleichermaßen lebendig und
leidenschaftlich ist.

In Amerika hat die Administration die Diskussion begrüßt,

weil sie davon überzeugt ist, daß ihre Rüstungskontroll- und Verteidigungspolitik solide ist, und daß sie letztlich die Unterstützung der überwältigenden
Mehrheit finden wird.

Sie ist gleichermaßen von der Notwendigkeit überzeugt,

zuzuhören, denn Überzeugung ergibt sich aus dem Dialog, nicht aus Verkündigungen.
Ich weiß, daß wir in diesem Geiste bezüglich der strategischen Rüstungskontrolle
und der Modernisierung weiter vorangekommen sind.

Auf der Grundlage des Scowcroft-

Berichtes ist es uns gelungen, einen neuen, überparteiischen nationalen Konsens
herbeizuführen.

Nach unserer Vorstellung besteht keine Frage, daß dies der Weg

zum Erfolg bei den START-Verhandlungen ist.

Der Weg zum Erfolg bei den INF-Ver-

handlungen ist Einigkeit; es ist der Zusammenhalt in beiden Teilen des Doppelbeschlusses von 1979, wie er ursprünglich vereinbart wurde. Dem Gedanken, wie
er heute vormittag von Horst Ehmke zum Ausdruck gebracht wurde, daß die Kosten
der Durchführung größer sein werden als die Kosten, den Beschluß nicht

- 19 -

�Beschluß nicht durchzuführen, können und dürfen wir nicht zustimmen. Wenn wir
den Beschluß wegen der politischen Probleme, vor denen wir stehen, nicht durchführen, dann würden wir praktisch die Sowjetunion in die Lage versetzen, unsere
Sicherheitspolitik jetzt und in der Zukunft zu beeinflussen. Wenn&gt;.. das
zulassen, wenn wir den Sowjets erlauben, unsere demokratischen politischen
Meinungsverschiedenheiten auszubeuten, dann würden wir unsere gemeinsame
Zukunft gefährden.

+ + + r +

20

�26

29. Juni 1983

PRÄSIDENT REAGAN: ES DARF NIEMALS ZU EINEM ATOMKRIEG KOMMEN

CHICAGO - (AD) - Präsident Reagan hat am 23. Juni 1983 erneut unterstrichen, daß "ein Atomkrieg nicht gewonnen werden kann und niemals einer
ausgetragen werden darf."
Vor den Delegierten der Amerikanischen Medizinischen Gesellschaft verlas der Präsident eine Botschaft, die er einer Gruppe von Medizinern in den
Niederlanden zugesandt hatte und in der er erneut bekräftigte, er würde in
einem nuklearen Schlagabtausch keine Gewinner geben.
"Dies war meine Botschaft an die internationale Ärztegruppe", erklärte
der Präsident vor den amerikanischen Medizinern, "daß nämlich ein Atomkrieg
nicht gewonnen werden kann und niemals einer ausgetragen werden darf." Er
habe der niederländischen Gruppe gegenüber betont, daß "wir eine noch nie
dagewesene Möglichkeit haben, die Nukleararsenale zu verringern" und verwies
dabei auf die beiden getrennten Verhandlungen über die nuklearen Mittelstreckenraketen (INF) und die Verringerung der strategischen Waffen (START) in Genf.
"Keine Aufgabe", so unterstrich der Präsident in bezug auf diese Gespräche,
"hat für uns, unsere Verbündeten und für die ganze Welt eine größere Bedeutung."
Der internationalen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Der internationalen Ärztegruppe gegenüber hatte der Präsident betont,
die Verhandlungen "verdienen die volle Unterstützung all derjenigen, die
einen echten Fortschritt in Richtung auf den Frieden anstreben." Der Präsident erwähnte der Gruppe gegenüber auch, er habe dem ChefUnterhändler bei
den START-Gesprächen,Edward Rowny, neue Flexibilität ermöglicht, um mit der
Sowjetunion zu verhandeln und "Bedenken in Rechnung zu stellen, die die
Sowjets uns gegenüber zum Ausdruck gebracht haben."

+ t + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Reagans zur deutsch-amerikanischen Dreihundertjahrfeier&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rede von US-Vizepräsident Bush zur deutsch-amerikanischen Dreihundertjahrfeier in Krefeld&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die europäische Sicherheit und die deutsch-amerikanische Partnerschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Robert W. Dean -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan: Es darf niemals zu einem Atomkrieg kommen</text>
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J1 1^

f gl
DlEll

Information
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

22. Juni 1983

25
I
*

INHALT

INFORMATION
PhiTadelphiade - Krefeld 1983
- Auszüge aus dem Festprogramm: 300 Jahre Krefelder in Amerika

HINTERGRUNDMATERIAL
Seit drei Jahrhunderten: Deutsche in Amerika
- Von Prof. Dr. Frederick C. Luebke - Universität von Nebraska

Um Uber/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�22. Juni 1983

25

PHILADELPHIALE - KREFELP 1983
Auszüge aus dem Festprogramm: 300 Jahre Krefelder in Amerika

Freitag, 24. Juni 1983
18.00 Uhr
Theaterplatz

Das Fest beginnt
Es sprechen Oberbürgermeister Dieter Pützhofen
und Hans Kockers.
Krefelder Fanfarenkorps / Blasorchester und
Spielmannszug TV Jahn Bockum.

18.15 - 21.00

american sound

Theaterplatz

Die Chorgruppen Darktown-Singers, Mikel Singers,
Singing Aspiration und Songs Today eröffnen die
Philadelphiade mit amerikanischen Songs. Mit
Dixie-Band.

19.00 - 22.00

Deutsch-amerikanische Musikschau

Grotenburg-

Mit der 33. US-Army Band Heidelberg, der US-Air

Stadion

Force Band Ramstein, dem Luftwaffenmusikkorps 3
Münster, dem Heeresmusikkorps 2 Kassel, dem Bergmannsorchester von Rheinbraun und einem großen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�einem großen Musikzug der Polizei Orchester Essen
und Wuppertal. Außerdem: Spezial-Fallschirmspringer der Bundeswehr und der US-Army und die Landesturnriege der nordrhein-westfälisehen Polizei.
Samstag, 25. Juni 1983
10.00 - 13.00

Buntes Programm

Theaterplatz

Armeekorps der 33. US-Army Band Heidelberg, Krefelder Fanfarenkorps, flusikzug des TV Jahn Bockum,
Oberschlesische Volkstanzgruppe, Bläserkorps des
Jagd-Verbandes.

11.00 - 13.00

Festakt

Seidenweberhaus

Mit US-Vizepräsident George Bush, Bundespräsident
Professor Dr. Karl Carstens und Bundeskanzler
Dr. Helmut Kohl.

11.00 - 13.00
Theaterplatz

Konzert
Combo und Trio der US-Air Force Band Ramstein.

11.00 - 13.00
Innenstadt

Street-Parade
Fahnenschv/enker, Disneyland-Figuren, Planwagen,
New Yorker Feuerwehrwagen, Straßenkreuzer.
Veranstalter: Westdeutsche Zeitung Krefeld.

13.00 - 13.30

I like to be in America

Theaterplatz

Theaterballett-

13.00 - 15.00

Rock Jazz

Theaterplatz

Gruppe Rosewood.
13.30 - 14.00

�13.30 - 14.00

Cowboy-Show

Theaterplatz

1. Majoretten-Corps Krefeld,

14.00 - 15.00

Amerikanische Lieder

Theaterplatz

Girls Chorus San Francisco.

15.00 - 19.00

Jugenddisco
Square Dance, Rock and Roll

16.00 - 17.00

Konzert

Theaterplatz

Combo und Trio der US-Air Force Band Ramstein.

19.30 - 23.30

River-Boat-Shuffle

Uerdingen,

Veranstalter: Rheinische Post Krefeld.

Luwen-Steiger

20.00 - 22.00

Konzert

Theaterplatz

Combo der US-Air Force Band Ramstein,

Sonntag, 26. Juni 1983
10.00 - 12.00

Platzkonzert

Theaterplatz

33. US-Army Band Heidelberg, US-Air Force
Band Ramstein.

12.00 - 13.00

Deutsch-Amerikanische Folklore.

Theaterplatz

12.00 - 14.00

Kutschenkorso

Innenstadt,

70 Kutschen, historische Kostüme.

Stadtwald
15.30 - 18.00

- 3-

�15.30 - 18.00

Seniorenmittag

Seidenweberhaus

Volkstümliches Konzert unter Mitwirkung vieler Krefelder Künstler.

16.00

Hofkonzert

Haus Sollbrüggen,

Girls Chorus San Francisco, Schüler der Musik-

Uerdinger Straße 500

schule Krefeld.

Montag, 27. Juni 1983

KINDER-PHILADELPHIADE

10.00 - 18.00

Auf dem Theaterplatz:
Werkstattecke, Burgspiele, Pfadfinderlager, Kutschenfahrten, Indianerarbeiten, historisches Rol'
lenspiel, Square Dance.

10.00 - 18.00

Im Seidenweberhaus:
Deutsch-Amerikanisches Museum, Filme, Schattenspiel , Talkshow.

18.00 - 19.00

Mini-Steuben-Parade:
Theaterplatz - Königstraße - Gartenstraße Schneiderstraße - Rathaus - Carl-Wilhelm-Straße
- Theaterplatz.

19.00 - 21.00

Jugend-Disco im Seidenweberhaus.

+ + + + +

�25

22. Juni 1983

SEIT DREI JAHRHUNDERTEN: DEUTSCHE IN AMERIKA
- Von Prof. Dr. Frederick C. Luebke Universität von Nebraska

Das Jahr 1983 brachte den drei hundertsten Jahrestag der Einwanderung
von 13 Quäker- und Mennoniten-Familien aus Krefeld nach Pennsylvanien
und die Gründung ihrer Siedlung Germantown, eines ehemals ländlichen Ortes, der heute Teil der Großstadt Philadelphia ist. Zwar gab es auch andere Deutschstämmige, die in dem vorangegangenen halben Jahrhundert in
der einen oder anderen amerikanischen Kolonie lebten, aber sie kamen als
Einzelpersonen und bildeten keine geschlossene Siedlung, wie dies die Krefeider des Jahres 1683 taten.
Während des darauffolgenden Jahrhunderts - bis zur amerikanischen
Revolution - emigrierten annähernd 75 000 Deutsche nach Amerika. Die
große Mehrheit kam aus dem Rheintal und wurde in Amerika gewöhnlich "Palatines" (Pfälzer) genannt. Die Pfalz war in der Tat ein wichtiger Ausgangspunkt, aber viele Menschen kamen auch aus Hessen, Baden und Württemberg. Wieder andere emigrierten aus dem Elsaß und der Schweiz, ebenso wie aus den Gegenden des Niederrheins, einschließlich der Niederlande.
Die deutschen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die deutschen Siedler lebten hauptsächlich in Pennsylvanien sowie
in den benachbarten Bundesstaaten New York, Maryland und Virginia. Einige zogen weiter nach Süden und gründeten dort in North Carolina erste
bedeutendere Siedlungen. Obgleich die Mehrheit - wie die meisten Amerikaner jener Zeit - Bauern waren, lebten einige auch in den Städten, wo
sie sich oft als Ladenbesitzer und Handwerker niederließen.
Die religiöse Überzeugung war für diese frühen Deutsch-Amerikaner
von großer Bedeutung. Die meisten waren Lutheraner oder Reformierte,
aber die Mennoniten, die Böhmischen Brüder, die Tunker oder Brüder und
andere religiöse Gruppierungen zogen aufgrund ihrer besonderen Eigenarten und Überzeugungen viel Aufmerksamkeit auf sich. Obgleich keine dieser Gruppen mit Absicht versuchte, die deutsche Sprache und die deutschen
Gepflogenheiten um ihrer selbst willen zu erhalten, so hielten sie diese
doch für die Bewahrung ihres Glaubens für wichtig. Da sie in so großer
Zahl eingewandert waren, und weil sie natürlich die Tendenz hatten, eng
beieinander zu leben, waren ihre Siedlungen nahezu unvermeidlicherweise
Inseln in einem Meer Englisch sprechender Menschen.
Dennoch paßten sich die meisten deutschen Einwanderer rasch der Kolonialgesellschaft an. Sie lernten Englisch zu sprechen, genug zumindest,
um sich durchzuschlagen, und übernahmen viele englische Wörter in ihren
rheinischen Dialekt, der sich in Amerika schließlich zum "Pennsylvania
Dutch" entwickelte. Auch Namen wurden schnell anglisiert oder übersetzt.
Aus Schmidt wurde Smith, aus Zimmermann wurde Carpenter, auch wenn die
Träger dieser Namen nicht unbedingt sprachlich oder kulturell besonders
assimiliert waren. Gegen Ende der Besiedlungsperiode stellten die Deutschen etwa acht oder neun Prozent der Gesamtbevölkerung.
Nach der amerikanischen Revolution hörte die Einwanderung aus Europa
50 Jahre lang fast völlig auf. Erst in den Jahren nach 1830 stieg die
Zahl der Neuankömmlinge wieder erkennbar an. Wieder kamen die meisten

�die meisten aus den deutschen Staaten des Rheintals, zusätzlich aber
noch eine große Anzahl aus Bayern, Sachsen und Hannover. Im Gegensatz
zu der früheren Bewegung umfaßte diese Emigration auch einen großen
Teil Katholiken.
Die traditionellen Einschiffungsplätze wie Rotterdam und Le Havre
behielten zwar ihre Bedeutung bei, aber mit der Ausweitung der Auswanderungstendenzen nach Norden und Osten zogen die großen deutschen Häfen
Hamburg und Bremen einen immer größeren Anteil dieses "Geschäftes" an
sich. Die meisten deutschen Einwanderer erreichten die Vereinigten Staaten in New York, Philadelphia und Baltimore, aber auch New Orleans entwickelte sich zu einem wichtigen Ankunftshafen, da viele Neuankömmlinge
den Mississippi hinauffuhren, um sich in den gerade erst organisierten
Bundesstaaten Missouri, Illinois, Ohio und Wisconsin niederzulassen.
Wieder andere zogen westwärts nach Texas. Obgleich New York niemals seine Position als

d i e

Stadt mit der größten Anzahl deutschstämmiger

Einwanderer verlor, wurden Städte in dem Mittleren Westen wie Chicago,
St. Louis, Cincinnati und Milwaukee Zentren großer deutsch-amerikanischer Bevölkerungsgruppen.
Während des 19. Jahrhunderts wanderten annähernd fünf Millionen
Deutsche in die Vereinigten Staaten aus. Höhepunkte waren hierbei die
Jahre 1854 und 1882, als in einem einzigen Jahr zwischen 200 000 und
250 000 Deutsche dort ankamen. Wegen der Gefahren, die eine Reise über
den Atlantik zu einer Zeit mit sich brachte, als noch Segelschiffe verwendet wurden, kamen nur wenige Auswanderer jemals wieder nach Europa
zurück; als aber nach 1860 die Dampfschiffe auftauchten, stieg auch die
Zahl der Rückkehrer und anteilmäßig ging auch die Zahl der Familien zurück, die aus Deutschland emigrierten.
Im 19. Jahrhundert hing die Emigration eng mit den wirtschaftlichen
Bedingungen in Europa und den Vereinigten Staaten zusammen. Wegen der

- 3 -

�Wegen der technischen Fortschritte bei Transport und Landwirtschaft war
Deutschland 1875 zu einem Weizen-Einfuhrland geworden, und andere Staaten
bemühten sich erfolgreich um den deutschen Markt. Diese Entwicklung hatte
verheerende Konsequenzen für die deutschen Bauern wie für die Ladeninhaber und Handwerker der Dörfer, die von dieser Kundschaft abhingen.
Die Folge war in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts eine Auswanderungsflut nach Amerika von noch nie dagewesenen Ausmaßen - besonders
aus den nördlichen und östlichen Gebieten wie Mecklenburg, Pommern und
Ostpreußen. In den neunziger Jahren jedoch ging die Auswanderung drastisch auf durchschnittlich nur 30 000 Personen pro Jahr zurück, da die
industrielle Entwicklung in Deutschland den Bauern und landwirtschaftlichen Arbeitern Beschäftigung bot.
Ende des 19. Jahrhunderts gab es ungefähr 8 Millionen Deutsche der
ersten und zweiten Generation in den Vereinigten Staaten. Das waren rund
zehn Prozent der Gesamtbevölkerung. Zwei Drittel davon lebten in Gemeinden mit 2 500 oder mehr Einwohnern, die übrigen auf Farmen oder in Dörfern.
Hinsichtlich ihrer beruflichen Tätigkeit wurden die Deutsch-Amerikaner besonders vom Molkereiwesen und in den Städten von den verschiedensten Nahrungsmittelindustrien und dem Brauereiwesen angezogen. Auch als Händler
und Facharbeiter waren viele tätig. Andere wiederum fanden im Dienstleistungsgewerbe ihren Platz, viele aber gehörten auch zu der Kategorie
der ungelernten Arbeiter. Es blieb nicht aus, daß die Deutschen in Berufen unterrepresentiert waren, die eine gute Beherrschung des Englischen
erforderten. Am bedeutsamsten war jedoch, daß die Deutschen genau so vielfältig waren wie die amerikanische Gesellschaft selbst - mit Reichen und
Armen, Gebildeten und Ungebildeten, mit Stadt- und Landbewohnern und mit
einer Vielzahl religiöser Überzeugungen. In dieser Hinsicht hatten die
Deutschen einen eindeutigen Vorteil gegenüber anderen ethnischen Gruppen,
die weit deutlicher auf die unteren Berufs- und Einkommensgruppen konzentriert waren.
Mit dem

�Mit dem Ersten Weltkrieg kam eine Zeit der Schwierigkeiten für die
Deutsch-Amerikaner. Es war eine Zeit, als Eürger deutscher Abstammung
belästigt und verfolgt wurden, als das amerikanische Volk von einer Welle antideutscher Gefühle überschwemmt wurde. Tatsächlich gab es für kurze Zeit in den Vereinigten Staaten einen Krieg gegen die deutsche Sprache und Kultur, Dieses Phänomen läßt sich zumindest teilweise durch das
Verhalten deutsch-amerikanischer Kulturchauvinisten erklären - besonders
der Herausgeber und Redakteure deutschsprachiger Zeitungen -, die in der
Zeit der amerikanischen Neutralität von 1914 - 1917 eine überspannte prodeutsche Haltung einnahmen. Im Jahr 1916 opponierten sie nachdrücklich
gegen die Wiederwahl Präsident Wilsons, der ihrer Meinung nach den Alliierten gegenüber große Sympathien zeigte. Als dann die Vereinigten
Staaten 1917 Deutschland den Krieg erklärten, fanden sich viele Amerikaner deutscher Geburt, oder Abstammung dem Verdacht ausgesetzt, unloyal
zu sein. Hunderte deutschsprachiger Zeitungen stellten ihr Erscheinen ein,
zahllose soziale und kulturelle Vereine lösten sich auf und viele deutschamerikanische Schulen gingen rasch zur Verwendung der englischen Sprache
über.
Nach dem Krieg machten einige Deutsch-Amerikaner Anstrengungen, um
das deutsche ethnische Leben in den Vereinigten Staaten wiederzubeleben,
waren jedoch dabei nicht sehr erfolgreich, auch wenn es zu Beginn der
zwanziger Jahre zu einem gewaltigen Wiederaufschwung der deutschen Einwanderung kam. Erfüllt mit Bitterkeit und Groll nach dem Trauma des
Ersten Weltkriegs versuchten manche, durch vereinte politische Aktionen
die Achtung zurückzugewinnen. Nachdem diese Strategie in den zwanziger
Jahren mehrmals zu keine: Ergebnis führte, wurde die Betonung auf das
Kulturelle verlegt. Aber auch diese Anstrengung schlug fehl, weil sich
die Programme auf elitäre Werte gründeten, die im Widerspruch zu jenen
standen, die der deutsche Durchschnittseinwanderer jener Zeit vertrat.
Während der Großen Depression der dreißiger Jahre trat diese Kulturidee
immer mehr in den Hintergrund, zumal deutsch-amerikanische Nazis mit
ihrer Strategie des Blutes die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich

- 5 -

�auf sich zogen. Dieses rassistische Streben nach ethnischer Einheit
war für die große Mehrheit der Deutsch-Amerikaner unannehmbar. Als die
Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg eintraten, vermieden sie
sorgfältig die Fehler des früheren Konfliktes. Diesmal wurden nicht wieder deutsch-amerikanische Ressentiments geschürt und auch die Unterdrückung wie zur Zeit des Ersten Weltkriegs wiederholte sich nicht.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es eine weitere große Welle deutscher Einwanderung nach Amerika. Nahezu 1 Million Menschen kamen an vor allem in den fünfziger Jahren. Sie hofften, den mit dem wirtschaftlichen, sozialen und politischen Wiederaufbau in Europa verbundenen Problemen zu entkommen und in Amerika ein besseres Leben zu finden. Wie
bei der großen deutsch-jüdischen Emigration der dreißiger Jahre umfaßte
diese Nachkriegsbewegung einen unverhältnismäßig hohen Anteil von Wissenschaftlern, Technikern und anderen gut ausgebildeten Personen. Dann
gab es die Bräute amerikanischer Soldaten in Deutschland, wieder andere
waren Vertriebene - Flüchtlinge deutscher Abstammung aus Osteuropa, die
1945 vor den Sowjetarmeen in den Westen geflohen waren.
Wie den Einwanderern der zwanziger Jahre war auch diesen Emigranten aus Deutschland sehr daran gelegen, sich so rasch wie möglich der
amerikanischen Gesellschaft und Kultur anzupassen. Nur wenige wollten
die deutsche Sprache und Kultur in Amerika beibehalten. Daher kam es
auch nicht wie vor dem Ersten Weltkrieg zu einem organisierten Deutschtum. Stattdessen hält sich deutsches Volkstum in örtlichen Vereinen, die
es noch immer in den großen Zentren deutsch-amerikanischer Bevölkerung
- wie New York, Chicago, Cleveland sowie Kalifornien und Florida - gibt.
Solche Organisationen in den Vereinigten Staaten finden die Beteiligung
nur eines kleinen Teils in Deutschland geborener Personen. Gruppierungen
dieser Art bringen Menschen zusammen, deren Bezug zur deutschen Sprache
und Kultur mehr gefühls- als verstandesmäßig ist, mehr gesellschaftlich
als politisch. Sie bieten eine Atmosphäre, in der Deutsch-Amerikaner

�Deutsch-Amerikaner miteinander reden, essen, spielen, singen und tanzen
können, die gleiche Werte und gleiche Einstellungen vertreten.
Die Wirkung von 300 Jahren deutscher Einwanderung in die Vereinigten Staaten ist insgesamt gesehen gewaltig. Der Volkszählung von 1980
zufolge stammen ungefähr 52 Millionen der insgesamt 226 Millionen Menschen zählenden amerikanischen Bevölkerung von deutschen Einwanderern
ab. Sie sind sicher die größte Einzelgruppe und übertreffen hierbei sowohl die Iren als auch die Engländer. Kein Wunder, daß Amerikaner deutscher Abstammung Männer und Frauen von gewaltiger Bedeutung für das politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Leben hervorgebracht
haben - zu denen berühmte Staatsmänner, Militärs, Wissenschaftler, Bankiers, Industrielle, Musiker, Maler, Schriftsteller und viele andere gehören. Ihr Gesamtbeitrag zum Leben und zur Kultur Amerikas ist unschätzbar.

+ + + + +

- 7 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Philadelphiade - Krefeld 1983&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus dem Festprogramm: 300 Jahre Krefelder in Amerika -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Seit drei Jahrhunderten: Deutsche in Amerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Prof. Dr. Frederick C. Luebke - Universität von Nebraska -&lt;/em&gt;</text>
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24

15. Juni 1983

INHALT

DOKUMENTATION
Reagan-Erklärung zu den neuen START-Vorschlägen
- Empfehlungen der Scowcroft-Kommission berücksichtigt -

HINTERGRUNDMATERIAL
Weinberger-Interview zu den START-Verhandlungen
- Konzentration auf Gefechtsköpfe als weit wirksamer bezeichnet
Der Weltfriedensrat im Dienste Moskaus gegen INF-Dislozierung

1

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Am 18. Juni: US-Raumfähre trägt deutschen Satelliten ins All

i

Stress bei Pflanzen
- Indikator für Wasserbedarf -

wird gebeten

D 5300 Bonn 2

22 40
Telex: 8-85432

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Dokumentation

ii

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24

United States Information Service
Embassy of the United States of America

15. Juni 1983

REAGAN-ERKLÄRUNG ZU DEN NEUEN START-VORSCHLÄGEN
Empfehlungen der Scowcroft-Kommission berücksichtigt

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat in einer Erklärung am
8. Juni 1983, dem Tag der Wiederaufnahme der START-Verhandlungen in Genf,
bekanntgegeben, daß sein revidierter Vorschlag für die Verhandlungen über die
Verringerung der strategischen Rüstungen (START) den Empfehlungen der ScowcroftKommission folgte

und eine größere Flexibilität der amerikanischen Position

böte.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut: Die Verhandlungen
über die Verringerung der strategischen Rüstungen (START) sind heute in Genf
offiziell wieder aufgenommen worden. Ich möchte kurz über meine Hoffnungen
für diese wichtigen Verhandlungen und über Änderungen sprechen, die in unserem
START-Vorschlag vorzunehmen wir beschlossen haben. Diese Änderungen geben
Besorgnisse und Empfehlungen der Scowcroft-Kommission, des Kongresses und
anderer wieder. Sie bieten die Aussicht auf neuen Fortschritt zu einem STARTAbkommen.
Neuer Konsens

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�*

Neuer Konsens und neuer Fortschritt
Bevor ich auf Einzelheiten zu sprechen komme, möchte ich auf etwas eingehen, was ich als eine sehr positive Entwicklung sowohl hier im eigenen Land
als auch im Ausland betrachte. Id. freue mich,sagen zu können, daß heute ein
wachsendes Gefühl besteht, daß wir Fortschritte machen. Ich bin gerade in
Williamsburg mit den Führern der wichtigsten Industriestaaten zusammengetroffen
und war dort nicht nur von den Fakten und Zahlen beeindruckt, die auf einen
wirtschaftlichen Wiederaufschwung hindeuten, sondern auch von dem Geist des
Optimismus und der Zusammenarbeit, der beachtlich war. Dieser gleiche Geist
ist in unseren Erörterungen von Sicherheitsräten sichtbar. In der NATO
herrscht, wie in unseren anderen Bündnissen, ein neues Gefühl der Partnerschaft. Das Atlantische Bündnis ist lebendig und in gutem Zustand, und die
dortigen engen Konsultationen sind eine Quelle der Stärke und der Mitwirkung
eines jeden Mitgliedstaates.
Die Scowcroft-Kommission
Mindestens ebenso wichtig und erfreulich für mich ist der neue Geist
der Überparteilichkeit in Fragen der nationalen Sicherheit, der in beiden
Häusern des Kongresses immer deutlicher wird. Als ich die Scowcroft-Kommission
einsetzte, konnte ich die Wirkung noch nicht voraussehen, die dieses ausgezeichnete Gremium ausüben würde. Die Arbeit der Kommission, die über die MXRakete hinausging und sich entscheidenden Fragen der Abschreckung und
Rüstungskontrolle zuwandte, ist eindeutig zu einem starken Anreiz für das
überdenken der nationalen Politik geworden. Der Bericht der Kommission
stellt einige Lieblingsannahmen in Frage und fordert Änderungen in unserer
strategischen Planung. Gleichzeitig unterstützt er die Ziele der Rüstungskontrolle, die meiner Administration am meisten am Herzen liegen: einschneidende Verringerungen, Modernisierung um der Stabilität will et und Beseitigung
- 2 -

�der Erstschlag-Drohung.
Ich habe dem Kongress meine volle Unterstützung der Empfehlungen der
Scowcroft-Kommission und meine ..o^icht zugesichert, -ie in unseren STARTVorschlag einzubauen. Damit wir auch weiterhin von ihrem klugen Rat profitieren können, habe ich die Kommission gebeten, ihre Arbeit fortzusetzen.
Ihre überparteiliche Mitgliedschaft wird sie in die Lage versetzen, mir zur
rechten Zeit mit Rat zur Seite zu stehen, sowohl was die Übernahme ihrer
Vorschläge in unser Verteidigungsprogramm als auch in unsere Rüstungspolitik
angeht.
Konsultationen mit dem Kongress
Der Bericht der Scowcroft-Kommission bietet uns eine neue Chance für
Fortschritt. Er bietet einen konsequenten und zusammenhängenden Rahmen als
Richtschnur für unsere Überlegungen bezüglich der grundlegenden Elemente
unserer nationalen Sicherheitspolitik: Abschreckung, Verteidigung und Rüstungskontrolle. Aber darüberhinaus bietet er die Basis für eine neuerliche überparteiliche Unterstützung dieser Politik.
Um diese entscheidende Chance zu nutzen, habe ich auf der Basis der
Ergebnisse der breitestmöglichen Beratung

neue Schritte angeordnet, um einen

Fortschritt bei der Erzielung echter RüstungsVerringerungen bei den STARTVerhandlungen zu erzielen. Diese an Botschafter Ed Rowny, unseren Chefunterhändler bei den START-Verhandlungen, ergangenen Anweisungen haben den Zweck,
die amerikanische START-Position anzupassen und sie in Übereinstimmung mit
den Empfehlungen der Scowcroft-Kommission zu bringen, und unseren Verhandlungsführern bei der Verfolgung unserer Grundziele zusätzliche Flexibilität
zu geben.
Obwohl wir

�Obwohl wir einen umfassenden Vorschlag über die Begrenzung strategischer
Raketen und Bomber vorgelegt haben, ist jnd bleibt es unser Hauptziel bei den
START-Verhandlungen, die Bedrohung zu verringern, die von den am meisten destabilisierenden Systemen, nämlich den ballistischen Raketen ausgeht. Um
dieses Ziel zu erreichen, sind Maßnahmen nötig, die Zahl, Zerstörungskraft
und Potential von Raketengefechtsköpfen einschränken. Die von uns vorgeschlagene Begrenzung auf insgesamt 5000 Raketengefechtsköpfe - eine Verringerung
des gegenwärtigen Standes um ein Drittel - bleibt das zentrale Element der
amerikanischen START-Position.
Die in früheren Gesprächsrunden unterbreitete amerikanische Verhandlungsposition schließt eine weitere Einschränkung ein. Sie hätte nämlich jede
Seite auf nicht mehr als 850 dislozierte Raketen begrenzt. Diese Maßnahme
wurde allerdings nie als eine so nützliche oder wichtige Einschränkung angesehen wie die Begrenzung der Gesamtzahl der Raketengefechtsköpfe. Der Bericht
der Scowcroft-Kommission hat ausdrücklich vorgeschlagen, daß dieses überprüft werden sollte, da es die von uns angestrebte Entwicklung zu kleinen
Interkontinentalraketen mit einem einzigen Gefechtskopf einschränken könnte.
Auf die Empfehlung der Scowcroft-Kommission hin habe ich jetzt unsere
Verhandlungsführer angewiesen, unsere Position bezüglich dislozierter
Raketen anzupassen und in unserem gegenwärtigen Vorschlag für eine Begrenzung
auf 850 dislozierte Raketen nachgiebig zu sein. Gleichzeitig bleiben die
Vereinigten Staaten in dem Punkt fest, daß die Zerstörungskraft und das
Potential von Raketen bei den START-Verhandlungen angesprochen werden muß.
Zu unserer gegenwärtigen Position gehört ein Netz von Einschränkungen, die
geeignet sind, zu einem stabileren strategischen Gleichgewicht auf einem
niedrigeren Stand der Streitkräfte zu führen - und gleichzeitig das Zerstörungspotential von Raketen anzusprechen. Die Sowjets und andere haben
sich beschwert, daß diese Einschränkungen geeignet seien, den Aufbau der
sowjetischen Streitkräfte nach amerikanischen Normen zu diktieren. Aber dies
- 4 -

�Aber dies ist nicht der fall. Wir sind genau wie die Scowcrofi-Kommission der
Überzeugung, daß die Stabilität durch Begrenzungen der Zerstörungskraft und
des Potentials von Raketen erhöht werden kann. Deshalb werden wir auch weiterhin solche Einschränkungen vorschlagen, die indirekt, das Problem des Wurfgewichts berühren, während wir gleichzeitig den Sowjets unsere Bereitschaft
klarmachen, direkt über die damit zusammenhängende Zerstörungskraft zu
sprechen, wenn sie das vorzieht.
Es gibt wahrscheinlich mehr als einen Weg, um unser Ziel der größeren
Stabilität auf einem niedrigeren Stand der Rüstung zu erreichen. Ich habe
Botschafter Rowney instruiert, der sowjetischen Delegation unsere Verpflichtung zu unseren fundamentalen Zielen klarzumachen, aber ich habe ihm auch
die Flexibilität gegeben, alle geeigneten Wege zur Erreichung unserer Ziele
zu prüfen. Ich hoffe zutiefst, daß die Sowjetunion mit einer entsprechenden
Flexibilität antworten wird.
Und schließlich wird mit hoher Priorität die Arbeit fortgesetzt, wie
das Konzept eines beiderseitigen und garantierten Abbaus, wie es von mehreren
amerikanischen Senatoren vorgeschlagen wurde, in unser Streben nach bedeutsamen
und stabilisierenden Verringerungen der strategischen Rüstung eingebaut werden
kann.
Zusammenfassung
Diese Maßnahmen spiegeln einen überparteilichen Konsens in der Rüstungskontrolle und eine neue Flexibilität in den Verhandlungen wider - Schritte,
die von den Sowjets und allen anderen, denen es um den Weltfrieden geht,
ernsthaft geprüft werden sollten. An die Führer der Sowjetunion appelliere
ich, daß diese neue Chance nicht verpaßt wird. Den Freunden und Verbündeten
Amerikas in der ganzen Welt erkläre ich, daß ihre unerschütterliche Unterstützung der Ziele der Abschreckung und Rüstungskontrolle entscheidend für
- 5 -

�entscheidend für die Zukunft ist. Dem Kongress und dem amerikanischer, Volke
sage ich, daß man in der Zukunft von diesen Tagen als jener Zeit sprechen
wird, in der Amerika einen bedeutsamen Schritt getan hat. Wollen wir unsere
Differenzen vergessen. Wollen wir maßvolle Flexibilität in unserer Einstellung
demonstrieren, während wir in unserer Entschlossenheit stark bleiben, unsere
Ziele der Rüstungsverringerung, Stabilität und Sicherheit zu erreichen.
Wollen wir die Führer in der Sache des Friedens sein.

+ + + + +

�15. Juni 1983

WEINBERGER-INTERVIEW ZU DEN START-VERHANDLUNGEN
- Konzentration auf Gefechtsköpfe als weit wirksamer bezeichnet -

WASHINGTON - (AD) -

Der amerikanische Verteidigungsminister Caspar Wein-

berger erklärte in einem Fernsehinterview der Gesellschaft ABC am 8. Juni 1983,
Präsident Reagans Schritt, bei den Gesprächen über die Verringerung der strategischen Rüstungen (START) nicht die Anzahl der Raketen, sondern die der Gefechtsköpfe in den Mittelpunkt zu rücken, sei "ein weitaus wirkungsvollerer Weg zur
Bemessung der Zerstörungskraft".

Das Interview hat folgenden Wortlaut:

FRAGE: Allen Berichten zufolge scheint sich unsere neue Verhandlungsposition
bei den Langstreckenraketen zu verlagern: Von der Anzahl der Raketen hin zu der
Anzahl der Gefechtsköpfe.

Wie bedeutsam ist diese Veränderung?

ANTWORT: Ich glaube, es ist dies ein viel besserer Weg, ein weitaus wirkungsvollerer Weg zur Bemessung der Zerstörungskraft, denn Raketen können eine sehr
große Zahl von Gefechtsköpfen tragen, und wenn man lediglich die Raketen bemißt,
dann erhält man keine echten Aussagen über die Gesamtzerstörungskraft.

Das

war ja eines der Probleme mit SALT II; was dabei zu begrenzen, nicht einmal zu
verringern, versucht wurde, waren die Abschußeinrichtungen.

Aber dies ist kein

sehr wirksamer Maßstab für die Gesamtzerstörungskraft, vor der wir stehen.

�FRAGE: Der Präsident stellt nunmehr fest, unsere Position sei flexibler,
er werde so flexibel wie nötig sein. Was bedeutet das?
ANTWORT: Ich glaube, im Wesentlichen bedeutet es dies: In Verhandlungen ist
es sehr schwer, wenn alles, was ein Unterhändler tun kann, darin besteht, daS er
etwas von einem Stück Papier abliest und dann, wenn sein Gesprächspartner erklärt:
Tun wir doch dieses, unternehmen wir doch jenes, einfach nur erwidert: Nein, ich
kann nichts anderes tun, als nur eben von meinem Papier etwas abzulesen.
Umgekehrt hat er mehr Bewegungsspielraum zum Verhandeln, um letztlich dem
Präsidenten die Ergebnisse seiner Verhandlungen vorzulegen - auch wenn diese
natürlich erst dann verbindlich sind, wenn der Präsident die entsprechenden
Schritte unternimmt. Aber in den Verhandlungen selbst - so sehe ich es - gibt
es mehr Flexibilität.
FRAGE: Akzeptieren wir jetzt den Grundsatz, von den großen Raketen mit den
Mehrfachgefechtsköpfen abzugehen und zu vielleicht weniger bedrohlichen, weniger
destabilisierenden Raketen mit nur einem Gefechtskopf zu kommen?
ANTWORT: Ich glaube, das ist einer der zentralen Punkte des ScowcroftBeric(ites; das ist eines der Dinge, die wir tun; wir müssen eine solche Rakete
entwickeln. Die Sowjets haben bereits eine in der Erprobung. Wir müssen eine
solche Rakete entwickeln, und wir konzentrieren uns hier im Pentagon auf die
nötige Organisation in einer Weise, daß die verschiedenen Anstrengungen, die in
verschiedenen Bereichen hierzu gemacht wurden, sich nun auf dieses eine Ziel in
diesem Raketenbereich konzentrieren.
FRAGE: Was wären die Folgen hinsichtlich der Stabilisierung des Wettrüstens?
ANTWORT: Sollten wir zu einer guten Abrüstungsvereinbarung kommen, die
Parität auf beiden Seiten bringt und etwas auf die Zusammensetzung der Streit- 2 -

�der Streitkräfte beider Seiten eingeht, dann dürfte diese kleine Rakete
- auch wenn es davon natürlich eine ganze Reihe geben wird - einen stabilisierenden Effekt haben, denn jede dieser Raketen wäre sozusagen ein etwas
geringerwertiges Ziel. Es wird also bei diesen schwierigen Gleichungen, mit
denen wir hier jeden Tag umgehen, um die Abschreckung aufrechtzuerhalten und
das Gleichgewicht zu bewahren, eine beträchtlich stabilere Lage geben. Ich
bin sicher, daß wir in der Lage sind, diese kleine, leichtgewichtige Rakete
mit einem Gefechtskopf zu entwickeln.
FRAGE: Welche Botschaft versucht der Präsident mit dieser neuen Haltung
der Sowjetunion zu übermitteln?
ANTWORT: Er versucht, eine Botschaft zu übermitteln, wie er dies nun
schon seit fast zwei Jahren tut, daß wir nämlich dringend eines wünschen:
Ein Abkommen, das umfangreiche Verringerungen auf beiden Seiten bringt, kein
Abkommen -wie SALT II-, das lediglich eine Expansion in etwa auf der Linie erlaubt,die die Sowjets möchten. Dies hier wäre ein Abkommen, das die Kernwaffen
beträchtlich auf ein Niveau der Gleichheit verringern würde und voll verifizierbar wäre. Genau dies wollte der Präsident immer - sowohl bei den Mittelstreckenwaffen als auch bei den Kernwaffen großer Reichweite, ja auch bei
den konventionellen Waffen.
Frage: Sie kommen gerade von Gesprächen mit den NATO-Verbündeten zurück,
und da besteht natürlich die Frage nach der Dislozierung von nuklearen Mittelstreckenraketen später in diesem Jahr; die Übereinkunft hierzu wurde auf dem
Gipfel von Williamsburg bekräftigt. Gibt es eine Möglichkeit für ein Abkommen
mit den Sowjets über nukleare Mittelstreckenraketen in Europa, das unsere
Dislozierung der neuen Raketen noch in diesem Jahr unnötig machen würde?
ANTWORT: Das hoffen
- 3 -

�ANTWORT: Das hoffen wir alle. Aber sicherlich gibt es bislang seitens der
Sowjets kein Anzeichen dafür, daß wir ein solches Abkommen in dieser Zeit
erreichen könnten, auch wenn wir alle dies wirklich hoffen. Erinnern Sie sich
doch daran, daß der Präsident einen Vorschlag unterbreitet hat, den alle aus
unserer Sicht heraus für den besten halten - nämlich eine Verringerung auf Null dem haben die Sowjets bislang nichts entgegengesetzt. Um flexibel zu sein und
um zu zeigen, daß wir wirklich ein Abkommen wollen, hat der Präsident einen
anderen Weg aufgezeigt, um auf Null zu kommen - eine Zwischenlösung - : die
Sowjets reagierten auch hierauf nicht. Dabei ist nicht mehr viel Zeit, denn
planmäßig ist die Dislozierung der Rakete für Ende dieses Jahres vorgesehen
und wir sind absolut bereit, dies einzuhalten. Was wir also hoffen, ist ein
Abkommen vor der Dislozierung; aber wir handeln so, daß es eben auch keines
geben könnte - und fahren daher mit unseren Produktionsplänen fort.

+ + + + +

�Hintergrund
matcriol

I
24

United States Information Service
Embassy of the United States of America

15. Juni 1983

DER WELTFRIEDENSRAT IM DIENSTE MOSKAUS GEGEN INF-DISLOZIERUNG

WASHINGTON - (AD) - In der Woche vom 21. bis 26. Juni 1983 werden
sich einige Tausend Menschen in Prag versammeln, um an der "Weltversammlung für Frieden und Leben gegen den Atomkrieg" teilzunehmen, den der
Weltfriedensrat und die Kommunistische Partei der Tschechoslowakei gemeinsam veranstalten. Das Hauptziel der Veranstaltung in Prag ist die
Stärkung der Opposition gegen die geplante Dislozierung von amerikanischen Mittel Streckensystemen (INF) in Europa durch die NATO, wenn die
Verhandlungen mit den Sowjets in Genf kein Ergebnis zeitigen.
Der Weltfriedensrat wurde im Jahre 1949 als "Weltkomitee der Friedenspartisanpn" gegründet und hat seit 1968 seinen Sitz in Helsinki.
Es handelt sich ur. eine cypische Frontorganisation der Sowjets, die
sich aus über 135 nationalen Mitgliedsgruppen zusammensetzt, darunter
der Amerikanische Friedensrat, das Sowjetische Komitee für die Verteidigung des Friedens und die Britische Friedensversammlung. Der Weltfriedensrat unterhält auch Verbindungen zu anderen kommunistischen Frontorganisationen, die sich als Gewerkschafts-, Studenten-, Jugend- oder
Kirchengruppen ausgeben.
Die Sowjetunion

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die Sowjetunion hat seit ihrer Gründung versucht, durch solche Frontorganisationen, die angeblich ein breites Meinungsspektrum repräsentieren,
Unterstützung für ihre Politik zu finden. Die Sowjetunion hofft mit Hilfe
solcher Organisationen, ihrer Politik einen Anstrich von Achtbarkeit,
Glaubwürdigkeit und öffentlicher Unterstützung zu geben, der sonst nicht
existierte, wenn ihre Unterstützung in der ganzen Welt lediglich aus eingeschworenen kommunistischen Quellen käme.
Die Frontorganisationen behaupten zwar, keine Verbindung zu kommunistischen Parteien oder Ländern zu haben, werden jedoch praktisch völlig
von Kommunisten kontrolliert, und ihre Tätigkeiten werden bewußt in den
Dienst sowjetischer Interessen gestellt. Solche Gruppen, die nach außen
aussehen wie andere Massenorganisationen, versuchen im allgemeinen, ihre
Mitglieder dadurch anzuziehen, daß sie den Nachdruck auf Themen wie Abrüstung und Antikolonialismus legen.
Der Weltfriedensrat ist eine typische Frontorganisation. Er ist ein
großer internationaler Schirm, dessen Führung an der Spitze geschickt die
Untergruppen des Weltfriedensrates in ihrem Sinne zur Unterstützung der
sowjetischen Politik einsetzt, wobei die Tätigkeiten meist von den örtlichen kommunistischen Parteien organisiert werden, jedoch unter Teilnahme
einiger Nichtkommunisten. Der Weltfriedensrat unterstützte die sowjetische Invasion Ungarns im Jahre 1956, die sowjetisch angeführte Invasion
der Tschechoslowakei im Jahre 1968 und die sowjetische Invasion Afghanistans im Jahre 1979.
Nichtkommunistische Organisationen und Einzelpersonen, die an den
Kampagnen und Versammlungen des Weltfriedensrates teilnehmen, finden es
unmöglich, ihre Auffassungen zur Geltung zu bringen, wenn diese von dem
prosowjetischen Standpunkt abweichen, wie er von der Führung des Weltfriedensrates formuliert wurde. Diese Kontrolle wird durch organisatorische und finanzielle Mittel aufrechterhalten.
Organisatorisch kontrolliert
- 2 -

�Organisatorisch kontrolliert das Zentralkomitee der kommunistischen
Partei der Sowjetunion den Weltfriedensrat durch das Büro für internationale gesellschaftliche Organisationen der Internationalen Abteilung,
das für Frontorganisationen zuständig ist. Diese Sonderabteilung gehört
in den allgemeinen Aufgabenbereich von Vi tau Schaposchnikow, einem Stellvertretenden Leiter der Internationalen Abteilung und Mitglied des Präsidialausschusses des Weltfriedensrates. Juri Schukow, ein Vizepräsident
des Weltfriedensrates, ist auch Kandidat des Zentralkomitees der KPdSU
und Vorsitzender des sowjetischen Komitees für die Verteidigung des Friedens, also des sowjetischen Zweiges des Weltfriedensrates, Durch solche
direkte Verbindungen über führende. Mitglieder des Weltfriedensrates wie
auch durch eine starke Vertretung der pro-Moskau eingestellten Kommunisten in den leitenden Gremien des Weltfriedensrates kontrolliert die
KPdSU die Entscheidungen über Projekte und Tätigkeiten des Weltfriedensrates wie auch den Inhalt von Erklärungen und Kommuniques. So sind beispielsweise von den 26 Vizepräsidenten im Präsidialausschufi des Weltfriedensrates allein 11 Mitglied einer kommunistischen Partei. Der langjährige Präsident des Weltfriedensrates, Romesh Chandra, ist Mitglied
des Zentralkomitees der kommunistischen Partei Indiens und Träger des
Lenin-Friedenspreises.
Der Weltfriedensrat behauptet, finanziell durch Beiträge der nationalen Friedenskomitees, Spenden für seinen Weltfriedensfonds und Sammlungen und auch Beiträge angeschlossener Organisationen und Einzelpersonen
getragen zu werden. Seine beträchtlichen Ausgaben lassen sich jedoch mit
solchen Mitteln nicht decken. Die meisten seiner Ausgaben werden von der
Sowjetunion und ihren osteuropäischen Verbündeten übernommen. So überweist beispielsweise der sowjetische Friedensfonds Geld an das Hauptquartier des Weltfriedensrates in Helsinki. Darüber hinaus erhalten
zahlreiche Gruppen des Weltfriedensrates Unterstützung direkt von sowjetischen Parteien des jeweiligen Landes. Im Jahre 1981 wurde der Weltfriedensrat gezwungen, seinen Antrag auf konsultativen Status der Kategorie I beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen zurück- 3 -

�Nationen zurückzuziehen, weil er die Herkunft seiner Mittel nicht aufdecken wollte und sich weigerte, seine Bücher unabhängigen Prüfungen zu
unterwerfen.
In zahlreichen sowjetischen und ostdeutschen amtlichen Erklärungen
und Veröffentlichungen ist die Verhinderung der Dislozierung amerikanischer nuklearer Mittel Streckensysteme als "die entscheidende Aufgabe für
1983" bezeichnet worden.
Man kann davon ausgehen, daß die Prager Versammlung 1983 unter Führung des Weltfriedensrates
*

- die amerikanische Verhandlungsposition bei den Genfer INF-Verhandlungen angreifen und die Öffentlichkeit in den Ländern Westeuropas
aufstacheln wird, sich der Dislozierung amerikanischer INF-Raketen
zu widersetzen. Die amerikanische Position, die die volle Unterstützung unserer Verbündeten findet, bietet den Verzicht auf die
Dislozieruna amerikanischer Mittel Streckensysteme an, wenn die Sowjets ihre nuklearen Mittel Streckensysteme beseitigen, oder, wenn
man sich darüber nicht einigen kann, wesentliche Reduzierungen auf
einen gleichen Stand der Gefechtsköpfe auf nuklearen Mittel Streckensystemen beider Seiten ausgehandelt werden; und
- die sowjetische Position in Genf unterstützen wird. Die sowjetische
Position würde eine Modernisierung der nuklearen Mittelstreckensysteme der NATO verhindern, den Abzug praktisch aller amerikanischen
Flugzeuge mit Doppelkapazitat, die gegenwärtig für die konventionelle Verteidigung der NATO gebraucht werden, erfordern und es der
Sowjetunion erlauben, wesentliche SS-20-Streitkräfte in Europa und
Asien beizubehalten.
Das diesbezügliche

�Das diesbezügliche Engagement des Weltfriedensrates, wie in seinem
Aktionsprogramm für 1983 niedergelegt, ist ein weiterer Beweis für die
langjährigen Bemühungen, jedes unmittelbare Ziel der sowjetischen Außenpolitik zu unterstützen.
+ + + + +

�24

15. Juni 1983

AM 18. JUNI: US-RAUMFÄHRE TRÄGT DEUTSCHEN SATELLITEN INS ALL

WASHINGTON - (AD) - Die amerikanische Raumfähre "Challenger" wird
während ihrer am 18. Juni 1983 beginnenden, sechstägigen Mission nach
Informationen der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA auch einen deutschen Satelliten an Bord haben ("Space-Pallet Satellite - SPAS").
Der Start von "Chanenger" - es ist der zweite Flug dieser Raumfähre in der. Weitraum - ist für 11.33 MEZ vom Kennedy-Raumfahrtzentrum
in Florida aus vorgesehen. Zum erstenmal wird eine Shuttle auch wieder
im Kennedy-Zentrum landen - voraussichtlich fünf Tage, 23 Stunden und
20 Minuten später, am 24. Juni um 10.53 MEZ.
Die von der Firma Messerschmitt-Bölkow-Blohm entwickelte Plattform
wird am vierten Tag der Mission durch den Roboter-Arm der Raumfähre für
etwa 9 1/2 Stunden in den Weltraum gebracht werden. Dabei wird der 13
Millionen Dollar teure Satellit zehn Experimente durchführen, die von
der Bundesrepublik, der Europäischen Raumfahrtbehörde (ESA) und von der
NASA vorbereitet wurden. Neben der Analyse von Reibungsvorgängen und
chemischen Verunreinigungen im All wird SPAS auch benutzt für die ShuttleManöver der Mission 13 - wenn Astronauten den derzeit im All kreisenden,
beschädigten Satelliten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�beschädigten Satelliten "Solar-Max" zwecks Reparatur aufnehmen werden.
Die Experimente sollen innerhalb wie außerhalb des Frachtbereichs
von "Challenger" stattfinden.
In diesem Frachtraum wird sich zudem eine Ladung aus Materialien befinden, die der amerikanisch-deutschen Zusammenarbeit entstammen: Sie
dienen Untersuchungen, die praktische Bedeutung für die Elektronik- und
Glasindustrie haben werden.
Teil der Experimente sind auch sieben Kanister ("Getaway Specials"),
mit deren Hilfe Interessenten - Länder, Firmen oder Einzelpersonen - die
Auswirkung der Schwerelosigkeit in den verschiedensten wissenschaftlichen
Bereichen untersuchen können. Die sieben Behälter - die größte Anzahl, die
bislang bei einem Shuttle-Flug mitgeführt wurde - geben Raum für 22 verschiedene Experimente. So enthält einer fünf Experimente, die im Verlauf
eines Bundeswettbewerbs unter Gymnasiasten in der Bundesrepublik ausgewählt wurden; ein anderer wiederum enthält eine lebende Ameisenkolonie,
die von amerikanischen Studenten aus Camden in New Jersey eingesandt wurde. Das California Institute of Technology wird in einem Behälter untersuchen, wie Rettich-Samen auf ein schwereloses Umfeld reagieren; die
Purdue-University in Indiana schließlich wird analysieren, wie sich flüssiges Mercurium verhält, wenn es in eine andere Flüssigkeit gelangt.

+ + + + +

- 2 -

�24

8. Juni 1983

STRESS BEI PFLANZEN
Indikator für Wasserbedarf

- (AD) - Nicht Trockenheit des Bodens, sondern der "Stress" für die
Pflanzen infolge ungenügender Wasserzufuhr zum Blattwerk ist ein guter
Maßstab dafür, wann ein Feld künstlich bewässert werden muß. Zu diesem
Schluß kam eine Gruppe von Agrarwissenschaftlern der Universität Kalifornien bei längerer Beobachtung von BaumwollPflanzungen im Bereich einer
landwirtschaftlichen Außenstation in Kings County (Kalifornien). Es zeigte
sich u.a., daß bei sorgfältiger Beachtung dieser Anzeichen die Zeitintervalle zwischen der Bewässerung von zehn auf fünfzehn Tage verlängert werden konnten, ohne daß der Ertrag beeinträchtigt wurde.
Um den Stress für die Pflanzen zu messen, benutzten Blaine Hanson und
Sidney Kite eine "Druckkammer", mit der der Feuchtigkeitsgehalt des Blattwerks ermittelt wird. Sofern es stehendes Grundwasser in nicht allzu
großer Tiefe gibt, können Baumwollsträucher einen großen Teil ihres Wasserbedarfs von dort her decken. Da aber flaches Grundwasser häufig für einen
guten Pflanzenwuchs zu viel Salz enthält, ist mancherorts trotz guter Bodenfeuchtigkeit Oberflächenbewässerung notwendig, um die Salzkonzentration im Wurzelbereich der Anpflanzungen zu verdünnen.

+ + + ++

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan-Erklärung zu den neuen START-Vorschlägen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Empfehlungen der Scowcroft-Kommission berücksichtigt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weinberger-Interview zu den START-Verhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Konzentration auf Gefechtsköpfe als weit wirksamer bezeichnet -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Weltfriedensrat im Dienste Moskaus gegen INF-Dislozierung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Am 18. Juni: US-Raumfähre trägt deutschen Satelliten ins All&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Stress bei Pflanzen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Indikator für Wasserbedarf -&lt;/em&gt;</text>
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23

1. Juni 1983

I N H A L T

DOKUMENTATION

Reagan: Sowjets sollen Rüstungsverminderungen zustimmen
- Erklärung des US-Präsidenten zur Bewilligung von MX-Geldern
Weinberger gibt Überblick über die amerikanische
Verteidigungspolitik

HINTERGRUNDMATERIAL
Kernwaffen:

Der Trend zeigt abwärts

- Von Gregory S. Jones -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Bioelektrisches Feld leitet den Hai zur Beute

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Dokumentation

I

United States Information Service
Embassy of the United States of America

23

1. Juni 1983

REAGAN: SOWJETS SOLLEN RÜSTUNGSVERRINGERUNGEN ZUSTIMMEN
- Erklärung des US-Präsidenten zur Bewilligung von MX-Geldern -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat die Sowjetunion am
25. Mai 1983 in einer Erklärung aufgefordert, sich den USA in ihren Bemühungen um eine Rüstungskontrolle anzuschließen und gerechten und verifizierbaren Verringerungen der nuklearen Arsenale zuzustimmen. Gleichzeitig
begrüßte er die Einigkeit Amerikas in Verteidigungsfragen, wie sie durch
die Bewilligung von 625 Millionen Dollar für die Weiterentwicklung der
MX-Rakete durch den amerikanischen Kongreß zum Ausdruck kam. Nach dem Repräsentantenhaus hatte auch der Senat am 25. Mai 1983 mit 59 gegen 39
Stimmen die vom Präsidenten beantragten Mittel bewilligt.
Präsident Reagan gab dazu folgende Erklärung ab:
Mein Gruß gilt den republikanischen und demokratischen Mitgliedern
des Repräsentantenhauses und des Senats, die einen entscheidenden historischen Beitrag zur Sicherheit unserer Nation geleistet haben. Dank ihrer erfreut sich heute Amerika einer neuen überparteilichen Einigkeit,
die uns stärker und sicherer machen kann als zuvor.
Wenn wir

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�Wenn wir uns jetzt auf Williamsburg vorbereiten, um mit anderen Führern der freien Welt zusammenzukommen, dann kann ich mir keine erfreulichere Botschaft vorstellen, die ich ihnen bringen könnte, als die, die der
Kongreß mir gerade gegeben hat: geschlossene Stimmen des Vertrauens in
die Empfehlungen der Scowcroft-Kommission für die Modernisieruna unserer
strategischen Streitkräfte und das Weitergehen auf dem Wege zu

echten

Rüstungsverminderungen.
In den kommenden Wochen werden die Mitglieder des Kongresses ersucht
werden, ihre Stimmen von gestern und heute zu bekräftigen. Ich sichere
ihnen meine volle Kooperation und Konsultation r". Ich verpflichte mich
ferner, auch weiterhin in dem Streben nach einer Verringerung der nuklearen Arsenale eng mit dem Kongreß zusammenzuarbeiten.
Wir kennen die vor uns liegende Aufgabe. Wir haben unsere Einigkeit
und unseren Mut gezeigt. Wir haben Grund, auf eine sicherere und friedlichere Zukunft zu hoffen. Mein tiefster Wunsch ist die schließliche Beseitigung von Kernwaffen. In diesem Geiste appelliere ich an die Sowjets,
sich uns in Genf bei diesem ersten gewaltigen Schritt anzuschließen
einem gerechten und verifizierbaren Abkommen, das den Stand der nuklearen
Arsenale auf beiden Seiten wesentlich verringert.
Es ist an der Zeit für Fortschritte bei den Verhandlungen. Die Bürger der Welt wollen nichts mehr - und sie verdienen nicht weniger.

+ + + + +

�amIE RlIK h
I D l ElN2ST3

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

23

1. Juni 1983

WEINBERGER GIBT ÜBERBLICK ÜBER DIE AMERIKANISCHE VERTEIDIGUNGSPOLITIK

BONN - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Caspar Weinberger
hat am 30. Mai 1983 in einer Ansprache auf einer Veranstaltung der Deutschen
Gesellschaft für Auswärtige Politik in Bonn die Grundlinien der Verteidigungspolitik der Vereinigten Staaten dargelegt.
Die Rede Weinbergers hat folgenden Wortlaut:
Ich fühle mich zutiefst durch die Einladung geehrt, vor einer so hervorragenden Gruppe führender Persönlichkeiten aus Regierung, Wirtschaft und aus
dem akademischen Leben der Bundesrepublik Deutschland zu sprechen. So viele
von Ihnen verdienten eine besondere Erwähnung, da3 ich meine ganze Redezeit
auf ihre Begrüßung verwenden könnte. Das werde ich nicht tun, aber nehmen Sie
bitte zur Kenntnis, wie sehr ich Ihr Interesse schätze, gemeinsam die Fragen
anzugehen, vor denen wir im Atlantischen Bündnis stehen.
Ich möchte heute über ein Thema sprechen, das für jeden Mann, jede Frau
und jedes Kind heute wie für alle künftigen Generationen von größter Bedeutung ist, nämlich über die Drohung eines Atomkrieges. Seit fast 40 Jahren

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�40 Jahren leben wir in einer Welt mit Kernwaffen und haben versucht, einen
Weg zur Verhütung eines Atomkrieges zu finden.

Und es ist uns gelungen.

Aber heute stehen wir vor Entscheidungen neuer Art über Kernwaffen, und
wieder fragen wir uns, wie wir auch weiterhin einen Atomkrieg verhüten können.
Es ist wichtig, daß wir uns diese Fragen stellen, denn die Entscheidungen, die
wir treffen werden, dürften aller Wahrscheinlichkeit nach den Kurs der Geschichte der Menschheit bestimmen.

Es ist auch wichtig, daß wir - als Einzel-

personen, als Nationen und als Bündnis - die verschiedenen Lösungen, die für
diese Fragen angeboten werden, sorgfältig prüfen, denn wir können es uns nicht
leisten, Fehler zu machen.

Wenn es um die Verhütung eines Atomkrieges geht,

können wir uns keinen Fehlerspielraum leisten.
Wir haben in letzter Zeit genug Bilder vom Krieg gesehen und viele von
uns haben zu ihren Lebzeiten viel zu viel vom Krieg selbst erlebt.

Ich

möchte daher lieber die Vision vom Frieden aufzeigen, auch wenn ich sie in
einer unbestreitbar turbulenten Welt zu einem höchst gefährlichen Zeitpunkt
unserer Geschichte anbiete.
Im ersten Teil von Homers Ilias trifft Hektor sein Weib Andromache mit
ihrem Kind Astyanax auf den Mauern Trojas.

Erschreckt durch die Rüstung

und den Helm seines Vaters beginnt der kleine Sohn zu weinen.

Hektor nimmt

seinen Helm ab und die Eltern lachen, als der Sohn seinen Vater erkennt;
dann hebt Hektor Astyanax hoch, hält ihn über seinen Kopf und die Familie erlebt einen Augenblick gemeinsamen Friedens.
Das ist ein Bild vom Leben, wie wir es uns wünschen - nicht das schreckliche Gemetzel, das sich auf den Ebenen vor Troja abspielte, ja nicht einmal
den glorreichen Ruhm jener Helden, die die J ü a s preist. Der Kontrast, den
uns Homer mit diesen Szenen von Krieg und Frieden zeigen will, ist so lebendig wie die Wahl, die jede Generation treffen mußte.
Wir haben

j

�wir haben uns für den Frieden entschieden - nicht, weil wir Amerikaner
oder Deutsche sind.

Wir wollen Frieden, weil wir Bürger demokratischer Län-

der und zivilisierte Völker sind.
Gewalt anwenden.

Wir werden niemals die ersten sein, die

Wir lehnen den Krieg als bewußtes Instrument der Außenpoli-

tik ab, weil wir ihn moralisch ablehnen.

Der Krieg hindert den

Menschen

daran, sein Leben in der Weise zu führen, wie unsere demokratischen Regierungen es zu schützen und zu fördern berufen sind.

Als zivilisierte Menschen

lehnen wir den Krieg ab, weil er Soldaten und Zivilisten in gleicher Weise
tötet und verstümmelt und das Leben selbst zerstört.
Die Politik der amerikanischen Regierung und die Politik des NATO-Bündnisses besteht darin, vor Kriegen jeder Art, aber vor allem vor einem Atomkrieg abzuschrecken.

Präsident Reagan hat es in einer Rundfunkansprache an

das amerikanische Volk so ausgedrückt:

"Jene, die Amerika im Atomzeitalter

regieren, und wir, die wir es heute regieren, mußten und müssen erkennen,
daß ein Atomkrieg nicht gewonnen werden kann und niemals geführt werden darf."
Es ist jetzt unsere Pflicht, unser Äußerstes zu tun, um einen solchen Krieg
zu verhüten.

Und Präsident Reagan hat bei mehreren Gelegenheiten betont:

Niemand spürt mehr als er die Notwendigkeit des Friedens.
Aber Frieden ist ein Ziel.

Frieden ist das, auf was wir am Ende unserer

Reise hoffen; er beschreibt weder die Schritte, die wir tun müssen, noch die
Wege, denen wir folgen sollten, um jenes Ziel zu erreichen.
Präsident Reagan, seine Administration und die Vereinigten Staaten von
Amerika sind unwiderruflich verpflichtet, gleichzeitig zwei Wege zum Frieden
zu verfolgen - Abschreckung und Rüstungsverringerung, denn das sind die beiden
einzigen Wege, die es gibt.
Seit das Zeitalter der Kernwaffen angebrochen ist, haben die Vereinigten Staaten und unsere NATO-Verbündeten danach gestrebt, den Krieg zu verhüten, indem wir davor abschreckten, daß er jemals beginne. Wir besitzen
Kernwaffen, um vor einem Krieg abzuschrecken - sei er konventionell oder
nuklear -, der gegen uns oder unsere Verbündeten geführt werden sollte. Aber

�sollte.

Aber um erfolgreich vor einem Krieg abzuschrecken, müssen wir die

Fähigkeit besitzen, gegen jeden potentiellen Aggressor zurückzuschlagen, und
diese Fähigkeit muß erkennbar sein.
ist ganz einfach:

Der Gedanke, auf dem Abschreckung beruht,

Es geht darum, die Kosten des Anzetteins eines Atomkrieges

für einen Aggressor zu hoch anzusetzen, als daß sie durch einen möglichen Vorteil, den er zu erreichen hoffen könnte, gerechtfertigt würden.

Wenn die

sowjetische Führung im voraus weiß, daß ein Angriff auf die Vereinigten Staaten und unsere Verbündeten eine rasche nukleare Vergeltung bringen könnte,
dann wird sie erst gar nicht angreifen.

Sie würde davor abgeschreckt, jemals

einen Atomkrieg zu beginnen.
An unserer Politik der Abschreckung ist nichts Neues.

Sie wird durch

die politischen Prozesse der demokratischen Staaten, die sie schützt, seit
mindestens 1950 gebilligt.

Und - was am bedeutsamsten ist - sie funktioniert.

Sie funktionierte angesichts großer internationaler Spannungen, in die die
Großmächte verwickelt waren und sie hat angesichts des Krieges selbst funktioniert.
Zwar hat die Politik der Abschreckung ihre zeitliche Bewährungsprobe
und die Bewährungsprobe ihrer Nützlichkeit bestanden. Aber in dem Maße, in
dem sich das Streben der Sowjets nach nuklearer Überlegenheit zu realisieren
begann, haben sich die Dinge geändert, die wir tun müssen, um die Abschreckung
aufrechtzuerhalten. Die militärische Fähigkeit, die wir brauchten, um vor
dem Krieg unter ganz bestimmten Bedingungen abzuschrecken, ist nicht die
gleiche, die wir benötigen, um unter einer veränderten Bedingungslage vor
einem Krieg abzuschrecken. Abschreckung ist ein dynamischer, kein statischer
Zustand.
Wenn die Abschreckung auch in Zukunft erfolgreich sein soll, dann müssen
wir Schritte ergreifen, um die sowjetische Aufrüstung auszugleichen und das
nukleare Gleichgewicht wiederherzustellen, das nach unserer Überzeugung den
Frieden erhalten hat.

Wenn wir jetzt nicht unser Arsenal modernisieren, wie

die Sowjets das seit über 20 Jahren getan haben, dann hätten wir in wenigen
Jahren nicht mehr die Fähigkeit zur Vergeltung.
- 4 -

Und ohne diese Fähigkeit

�diese Fähigkeit hätten wir nicht länger die Gewähr, daß wir vor einem Krieg
abschrecken könnten.
Dann wäre die Sowjetunion in einer Position, uns zu bedrohen oder tatsächlich anzugreifen - in der Gewißheit, daß wir zu einer Antwort nicht mehr
in der Lage wären.

Wir haben in Polen, in Afghanistan, in Osteuropa und an-

derswo erlebt, daß die Führung der Sowjetunion nicht zögert, Schwäche auszunützen.

Wir dürfen nicht zulassen, daß die sowjetischen Führer denken, sie

könnten einen Atomkrieg mit uns anfangen und ihn gewinnen oder uns mit der
Androhung eines Atomkrieges erpressen - im Wissen, wir wären gezwungen, uns
ihren Forderungen zu beugen.
Das bringt mich auf den gleichermaßen wichtigen Weg zum Frieden - ausgehandelte Rüstungsverringerungen. Wir sind uns im klaren, daß es nicht
leicht sein wird, mit der Sowjetunion echte und bedeutsame Rüstungsverringerungen zu erreichen, damit wir beide weitaus niedrigere Bestände besäßen
und miteinander pari stünden. Wir sind während der letzten 15 Jahre alle
Zeuge der Schwierigkeiten gewesen, Rüstungskontroi labkommen zu erreichen.
Es gibt zwei Schritte, um echte Rüstungsverringerungen zu erreichen:
Erstens, beide Seiten müssen bereit sein, zu verhandeln, und zweitens, beide
Seiten müssen überzeugt sein, daß es in ihrem eigenen Interesse liegt, in
Verhandlungen einzutreten.

Das ist keine einfache Sache. Wir haben das zu

Anfang der Carter-Administration erlebt, als Außenminister Vance mit einem
Vorschlag für eine Verringerung der Kernwaffen nach Moskau reiste.

Die

Sowjets haben sich geweigert, überhaupt darüber zu sprechen und wir haben
diese Weigerung akzeptiert. Aber im vorigen Jahr, als Präsident Reagan
trotz der Proteste einiger Leute, die ihn an die Carter-Vorschläge erinnerten und warnten, die Sowjets würden nicht einmal an den Verhandlungstisch
kommen, sehr viel weitreichendere Rüstungsverringerungsvorschläge anbot,
willigten die Sowjets ein, zu verhandeln.
Heute sitzen die Sowjets mit uns in Genf am Verhandlungstisch und sprechen
über die Verringerung und schließliche Beseitigung der bedrohlichsten und de-

�bedrohlichsten und destabilisierendsten nuklearen Mittelstreckensysteme in
Europa - der landgestützten Raketen, vor allem der mobilen sowjetischen
SS-20-Rakete.

Und sie kommen auch in Genf mit uns zusammen, um über wesent-

liche Verringerungen unserer strategischen Nuklearstreitkräfte zu sprechen.
Dieser Wandel in der Haltung der Sowjets ist auf die Tatsache zurückzuführen, daß sie jetzt Anreize für Verhandlungen haben.

Die von der NATO ge-

plante Dislozierung von PERSHING II-Raketen und Marschflugkörpern in Europa
hat der Sowjetunion eindeutig einen Anreiz geboten, über Verringerungen der
nuklearen Mittel Streckensysteme zu verhandeln.

Und die Pläne der Vereinigten

Staaten für die Modernisierung unserer strategischen Nuklearstreitkräfte haben
der Sowjetunion einen Anreiz geboten, über Verringerungen unserer strategischen
Nuklearstreitkräfte zu verhandeln.
Aber sich zu Verhandlungen zusammenzusetzen, ist nur der erste Schritt.
Der zweite besteht darin, die Verhandlungen zum frühestmöglichen Zeitpunkt
mit Abkommen abzuschließen, die die Zahl der Kernwaffen auf beiden Seiten
wesentlich verringern und die ausreichende Mittel der Verifikation enthalten
- die Gewähr, daß beide Seiten sich an die Bestimmungen der Abkommen halten.
Die gegenwärtig geführten Verhandlungen werden nicht die von uns gewünschten
Ergebnisse bringen, wenn die Sowjets keinen Anreiz haben, zu Abkommen zu gelangen. Darum müssen wir unser Programm zur Wiederherstellung unserer Verteidigung, nicht der Überlegenheit, fortsetzen. Wenn wir jetzt, noch vor
der, von der NATO geplanten Dislozierung von Mittelstreckenraketen oder vor
der Modernisierung der strategischen Nuklearstreitkräfte der Vereinigten Staaten Halt machen würden, dann würden wir damit den Sowjets ein deutliches Signal geben. Wir würden ihnen damit sagen, daß sie keinen Grund hätten, mit
uns zu einer Übereinkunft zu gelangen, ihre Waffen zu verringern, weil wir
einseitig auf die Waffen verzichtet hätten, die sie am meisten fürchten.
Warum sollten sie dann gleichzeitig mit uns ihre Streitkräfte ändern,
d.h. verringern wollen?

Wenn wir zuließen, daß das gegenwärtige Ungleichge-

wicht zu ihren Gunsten fortbesteht, dann hätten die Sowjets nicht den geringsten Anreiz, die großen und bilateralen Verringerungen vorzunehmen, die

�vorzunehmen, die wir haben müssen, v/enn wir die heute bestehende Gefahr
verringern wollen.
Aus diesen Gründen haben wir in der NATO beschlossen, unsere Nuklearstreitkräfte zu modernisieren und das nukleare Gleichgewicht wieder herzustellen - nicht, weil wir eine Aufrüstung um der Aufrüstung
willen wollen oder weil wir glauben, ein Atomkrieg könne gewonnen werden. Wir unternehmen diese Schritte, weil wir der Überzeugung sind,
daß sie, indem sie diese schrecklichen Gleichungen ausgeglichen halten,
unsere Fähigkeit stärken werden, vor dem Krieg abzuschrecken. Ich gebe
zu, daß die Abschreckung ein Weg ist, der schwer zu gehen ist - es ist
ein unbequemer Weg zur Erhaltung des Friedens. Aber die Abschreckung
hat während der letzten 38 Jahre funktioniert und sie funktioniert
auch heute. Damit ist die Aufrechterhaltung der Abschreckung - so schwierig das auch sein mag - nicht nur ein politisches Gebot, sie ist auch
ein moralisches Gebot.
Aber gleichzeitig werden die Vereinigten Staaten und die NATO einen
zweiten Weg zum Frieden verfolgen und im gesamten Waffenbereich auf
echte, bedeutsame und verifizierbare Rüstungsverringerungsabkommen mit
der Sowjetunion drängen.
Ich bringe Ihnen heute eine Botschaft von Präsident Reagan - eine
feierliche Verpflichtung, der wir uns alle anschließen: ich selbst,
wie auch Außenminister Shultz und die ganze amerikanische Regierung.
Sie lautet, daß Präsident Reagan persönlich und zutiefst der Verringerung der Kernwaffen verpflichtet ist. Rü'stungsverminderung und Aufrechterhai tung der Abschreckung wiegen in seinem Denken gleich schwer.
Und er wird alles in seiner Macht Stehende tun, um eine beiderseitige
Verringerung der nuklearen Rüstungen zu erreichen. Ich habe mit einem
Bild aus der Ilias angefangen. Es gibt, wie ich meine, eine weitere Metapher in der Reaktion von Astyanax auf seinen behelmten Vater. Und

- 7 -

�Vater. Und zwar die, daß die jungen und vielleicht sogar die nicht mehr
ganz so jungen gelegentlich nicht erkennen können, was sie eigentlich
schützt. Wir sind zu alt und wie ich hoffe, zu weise, als daß wir beim
Anblick unserer Beschützer zu weinen anfangen. Und wir sind zu jung,
um unsere Hoffnungen der Verzweiflung oder unsere Grundsätze der Angst
zu unterwerfen.

j

Die Ilias ist das erste große literarische Werk in einer langen
, Tradition, die über die Zeiten hinweg bis zu uns reicht. Sie ist ein
Buch vom Krieg, aber sie stellt den Krieg in Frage, sie stellt die Politik in Frage und sie stellt das Leben in Frage. Dieses Infrcgestellen ist
eines der nobelsten Merkmale unserer Zivilisation und ist an meiner Alma
mater, Harvard, unter der Rubrik "gesunde Skepsis" niedergelegt. Andere
nennen es Freiheit. Wir sind es unseren Vorvätern und dem vor uns liegenden Zeitalter schuldig, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um sicherzustellen, daß diese Zivilisation erhalten bleibt - und erhalten bleibt in
Frieden und Freiheit.
Ich danke Ihnen.
+ + + + +

- 8 -

i

�23

1. Juni 1983

KERNWAFFEN: DER TREND ZEIGT ABWÄRTS
- von Gregory S. Jones -

Der Autor, der sich bei dem kalifornischen Forschungsunternehmen Pan
Hen&gt;-ir+TCS m-jt d e r Analyse langfristiger politischer Entwicklungen beschäftigt, verweist darauf, daß die
Vereinigten Staaten seit 1967 für jede neue Kernwaffe zwei alte außer
Dienst gestellt haben. Dieser Abwärtstrend, so der Autor, verringert di'
Möglichkeit einer nuklearen Auseinandersetzung.
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der Los Angeles Times. (C)
Gregory S. Jones.

"Dieser Wahnsinn muß aufhören!" - das ist die Überzeugung, die im
Mittelpunkt der gegenwärtigen Antiatombewegung steht und Ergebnis der
weitverbreiteten Ansicht ist, daß wir uns immer mehr auf die nukleare
Vernichtung zubewegen. Ein Großteil der Motivation der Bewegung für
ein Einfrieren der Kernwaffen entstammt dem Versuch, diesen Trend auf-

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�Trend aufzuhalten und dafür zu sorgen, daß alles nicht noch schlimmer
wird. Aber es sind eben doch keine Verrückten, die die Verantwortung
für unsere Nuklearprogramme tragen. Veränderungen bei unseren Nuklearsystemen seit Mitte der fünfziger Jahre haben vielmehr die Möglichkeit
einer Atomkatastrophe vermindert. Ein Einfrieren der Kernwaffen wäre
unsinnig, denn es w;jrde uns daran hindern, uns eben jene Optionen offenzuhalten, die die Möglichkeit eines Krieges noch weiter verringern
sollen.
Die Meinung, daß die nukleare Vernichtung immer wahrscheinlicher
werde, gründet sich zum Teil auf die Vorstellung, daß wir uns in einem
atomaren Wettrüsten befanden, dessen Ergebnis eine ständige Zunahme
der Anzahl und der Zerstörungskraft (der Megatonnen) der amerikanischen
Kernwaffen sei. Das ist von der Wahrheit weit entfernt. Im Jahr 1980
verfügten die Vereinigten Staaten über annähernd 25 Prozent weniger
Kernwaffen, als sie auf dem Höhepunkt dieser Entwicklung im Jahr 1967
hatten. Das Megatonnengewicht der amerikanischen Kernwaffen betrug im
Jahr 1980 etwa ein Viertel dessen des Jahres 1960. Das ist eine bedeutsame Tatsache, da das Megatonnengewicht von Kernwaffen in unmittelbarer
Beziehung zu den apokalyptischen Auswirkungen eines Atomkrieges steht.
Dieser Trend ist weithin unbemerkt geblieben, zum Teil wohl wegen
der Tendenz, sich auf die Nuklearsysteme zu konzentrieren, die aufgestellt werden, und dabei jene zu ignorieren, uie abgebaut wurden. So
sind die Vereinigten Staaten derzeit dabei, 54 alte und störanfällige
TITAN II-Raketen außer Dienst zu stellen, wobei diese Tatsache bei weitem
nicht so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat wie der Plan 100 MXRaketen zu bauen. So überraschend es auch klingen mag: Seit 1967 haben
die Vereinigten Staaten in etwa für jede Kernwaffe, die sie ihrer Streitmacht hinzufügten, zwei Kernwaffen außer Dienst gestellt. Diese neuen
Waffen sind im Durchschnitt von geringerer Reichweite, weitaus gesicherter gegenüber einer ungewollten Zündung und gegenüber mißbräuchlichem Einsatz und wurden auf viel über!ebensfähigeren Nuklearsystemen

- 2 -

�überlebensfähigeren Nuklearsystemen disloziert als die Waffen, deren
Ersatz sie sind.
Ein weiterer Grund dafür, daß der Abwärtstrend bei unseren Nuklearstreitkräften unbeachtet beblieben ist

liegt darin, daß man dazu neigt,

die Aufmerksamkeit auf den Zugang zu konzentrieren, während gleichzeitig
die Tatsache außer acht gelassen wird, daß die Anzahl der Waffen bei allen Kategorien der taktischen wie der strategisch-defensiven Kernwaffen
zurückging. Dies hat unter dem Strich zu einer Verringerung bei der Gesamtzahl aller Waffen geführt. Da zu diesen abnehmenden Kernwaffenkategorien auch jene gehören, die bei einem Atomkrieg am ehesten zum Einsatz
gelangen würden, wird deutlich, daß das Militär sich in immer geringerem
Maße auf Kernwaffen stützt.
Die Ursachen dafür, daß man sich in immer geringerem Umfang auf
Kernwaffen stützt, sind komplex und vielgestaltig. So machten es die
technischen Verbesserungen möglich, daß die Wirksamkeit konventioneller Waffen erhöht wurde und diese nunmehr eine Reihe von Aufgaben erfüllen könnten, bei denen es bislang der Kernwaffen bedurft hätte. Viele Tausende von Kernwaffen bei der Luftabwehr und für den Flotteneinsatz wurden auf diese Weise ersetzt.
Ein Einfrieren der Kernwaffen würde daher die Möglichkeit eines
Atomkrieges sogar erhöhen, da dadurch die Tendenz zum Stillstand käme,
sich in immer geringerem Maße auf Kernwaffen zu stützen. Ein Einfrieren würde auch viele konventionelle Waffensysteme behindern, da sie ja
für den Einsatz von Kernwaffen verwendet werden könnten. So würde ein
Einfrieren zum Beispiel die Entwicklung der Marschflugkörper verhindern, wobei doch gerade die sehr ziel genauen Marschflugkörper uns die
Möglichkeit geben könnten, viele unserer weitreichenden Kernwaffen
durch konventionelle Waffen zu ersetzen. Außerdem würde ein Einfrieren uns davon abhalten, die Sicherheit und die Überlebensfähigkeit
unserer Kernwaffen zu erhöhen. Diejenigen, die der Meinung sind, daß
- 3 -

�sind, daß wir uns in einem immer hektischeren Atomwaffen-Wettlauf befinden, werden wahrscheinlich behaupten, daß die Sowjetunion früher oder
später die gleichen Verbesserungen durchführen wird. Aber wenn die
Sowjets viele ihrer Kernwaffen durch konventionelle ersetzen und ihre
Atomwaffen sicherer und überlebensfähiger machen, so ist dies alles
nur gut.
Dieses Argument ist der Reagan-Administration ebensowenig vertraut
wie ihren Anfiatomkritikern. Die Administration argumentiert, wir müßten unsere Streitkräfte modernisieren, bevor es ein Einfrieren geben
kann. Aber genauso, wie der technologische Wandel es in der Vergangenheit möglich machte, unsere Nuklearsysteme zu verbessern, so wird künftiger technologischer Wandel Möglichkeiten bieten, sie noch weiter zu
verbessern. Es ist klar, daß ein Einfrieren der Kernwarfen zu keinem
Zeitpunkt sinnvoll ist.
Das bedeutet nicht, daß alles, w=s in der Vergangenheit getan wurde, und alles, was für die Zukunft vorgeschlagen is + . auch notwendigerweise stets von Nutzen ist. So ist es zum Beispiel in einer Zeit, in
der die Verwundbarkeit von landgestützten Raketen es für besonders angeraten erscheinen läßt, sie mobil zu machen, schwer, den Bau einer so
unbeholfenen Rakete wie der MX zu rechtfertigen. Eine viel kleinere Rakete mit einem einzigen Gefechtskopf dürfte wahrscheinlich eine bessere
Alternative sein.
Wichtigster Punkt ist jedoch, daß keine Verrückten für die Entscheidungen über unsere Kernwaffen zuständig sind. Diese Entscheidungen werden von Männern und Frauen getroffen, die versuchen, die uns zur Verfügung stehenden Optionen so zu nützen, daß wir uns immer weniger auf
Kernwaffen zu stützen brauchen und dafür über sicherere, ü^erlebensfähigere und weniger zerstörerische Systeme verfügen. Es liegt jetzt an
jenen, die sich für ein Einfrieren der Kernwaffen stark machen, sich
diesem Prozeß anzuschließen
+ + + + +

- 4-

�»

Wi//en/chcift
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

23

1. Juni 1983

BIOELEKTRISCHES FELD LEITET DEN HAI ZUR BEUTE

- (AD) - Die Ergebnisse neuer Verhaltensstudien an Haien und anderen
Knorpelfischen, zu denen z.B. auch Rochen und Stechrochen gehören, zeigen,
daß im Nahbereich das von der Beute erzeugte bioelektrische Feld deren
genaue Lokalisierung ermöglicht. Wie Adrianus J Kalmijn vom ScrippsInstitut der Universität Kalifornien in San Diego bei Untersuchungen im
Labor und auf See nachweisen konnte, haben diese Meerestiere einen ganz
besondere: "Spürsinn" für noch so schwache elektrische Felder. Er hilft
ihnen nicht nur, die Beute exakt aufzuspüren, sondern auch, sich im Meer
zu orientieren.
Bei Experimenten im Meer mit Klein- und Blauhaien wurden zum Anlocken
der Tiere und Auslösen von Attacken Spannungsfelder künstlich erzeugt.
Die Haie reagierten bereits dann überaus empfindlich, wenn der Spannungsunterschied im Feld nur ein Fünftausendstel Mikrovolt pro Zentimeter betrug. Alle im Wasser lebenden Tiere haben ein bioelektrisches Feld. Die
besondere Empfindlichkeit der Knorpelfische dafür befähigt sie selbst
dann zum Aufspüren der Beute, wenn sie sich im Sand vergraben hat. Auch
habe es den Anschein, so Kalmijn, daß das "elektrische Organ" diesen Tieren Informationen über die Driftströmung im Meer vermittelt. Bei Labor-

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�Bei Laborversuchen fanden z.B. Stechrochen exakt zu bestimmten Nahrungsquellen, wenn sie durch elektrische und magnetische Felder "geleitet"
wurden, die den natürlichen Feldern im Meer ähnlich waren. Weitere Experimente auf See sollen nun helfen, das Ausmaß zu ermitteln, in dem Knorpelfische diese Fähigkeiten zur Orientierung in Bezug auf Meeresströmungen
und als "Navigationshilfe" benutzen.
Die Tiere erfassen die schwachen, niederfrequenten elektrischen Felder
mit Hilfe der hochempfindlichen Sensororgane in der weit vorgezogenen Kegelschnauze, die über ein Netzwerk von Hautporen direkten Kontakt nach
außen haben. Während zahlreicher Experimente steuerten Haie direkt auf die
EVktroden zu, mit denen das bioelektrische Feld von Beutetieren simuliert
wurde. "Damit konnten wir gut demonstrieren", berichtete Kalmijn, "daß
durch den Geruch angelockte Haie ihre Beute mit Hilfe ihres "elektrischen
Spürsinns" endgültig lokalisieren und dann angreifen. Das ist nicht nur
unter besonders günstigen Laborbedingungen der Fall, sondern gilt auch für
die sehr viel komplizierteren Umweltbedingungen im Meer. Auf größere Entfernung wurden die Tiere vom Geruch geleitet. In geringem Abstand jedoch
erwiesen sich bioelektrische Felder als sehr viel stärkerer Reiz. Haie
scheinen nach Aufnahme einer Geruchsspur sich über das elektrische Sensororgan genauere "Informationen" zu verschaffen, um ihre Beute exakt auszumachen und sich ihrer dann mit einer schnellen Bewegung zu bemächtigen."
Die Forschungsergebnisse von Kalmijn, über die die Universität Kalifornien in einer Pressemitteilung berichtete, deuten auch darauf hin, daß
Angriffe von Haien auf Menschen und Unterwasserausrüstungen ebenfalls
durch elektrische Felder, die den bioelektrischen Feldern üblicher Beutetiere ähnlich sind, insbesondere nach einer Verletzung der Haut, im Wasser
bioelektrische Felder, die Haie spätestens in 90 bis 100 cm Abstand erfassen. Die galvanischen Felder metallischer Objekte im Meerwasser sind
gewöhnlich noch stärker. Die Tiere werden durch sie entweder angezogen,
oder sie verlieren die Orientierung.
+ + + + +

- 2 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Sowjets sollen Rüstungsverminderungen zustimmen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Präsidenten zur Bewilligung von MX-Geldern -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weinberger gibt Überblick über die amerikanische Verteidigungspolitik&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kernwaffen: Der Trend zeigt abwärts&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Gregory S. Jones -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bioelektrisches Feld leitet den Hai zur Beute</text>
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nroimocion
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

22

25. Mai 1983

I N H A L T

DOKUMENTATION
Ikle: Sowjetunion bringt jährlich 100 neue Objekte in den
Weltraum
- Darlegung des Staatssekretärs im US-Verteidigungsministerium
vor Senatsausschuß -

HINTERGRUNDMATERIAL
Unannehmbare Einmischung:

"Aktive Maßnahmen" der Sowjets

- Von Lawrence S. Eagleburger Staatssekretär für Politische Angelegenheiten im amerikanischen
Außenministerium
»

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Sorgfältige Schwangerenbetreuung bei Diabetes
- Angeborene Defekte gehen merklich zurück -

Um Übcr/cn Jung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Dokumentation

l

United States Information Service
Embassy of the United States of America

22

25. Mai 1983

IKLE: SOWJETUNION BRINGT JÄHRLICH 100 NEUE OBJEKTE IN DEN WELTRAUM
- Darlegung des Staatssekretärs im US-Verteidigungsministerium
vor Senatsausschuß -

WASHINGTON - (AD) - Der Staatssekretär für politische Angelegenheiten
im amerikanischen Verteidigungsministerium, Fred Ikle, erklärte am 18, Mai
1983 vor dem außenpolitischen Ausschuß des US-Senats, daß die Sowjetunion
in den vergangenen Jahren fast 100 neue Objekte jährlich in den Weltraum
transportiert habe. Diese Zahlen zeigten deutlich, welche Bedeutung Moskau
seinen Weltraumprogrammen beimesse.
Die Ausführungen Ikles haben folgenden Wortlaut:
Ich begrüße die Gelegenheit zur Diskussion über die Bedeutung, die der
Weltraum und die jüngste Initiative des Präsidenten über die Verteidigung
mit ballistischen Raketen für die nationale Sicherheit haben.
Die technologischen Revolutionen bei der potentiellen Nutzung des Weltraums haben der nationalen Verteidigung neue Möglichkeiten - wie auch neue
Drohungen - gebracht. Sowohl die Streitkräfte der Vereinigten Staaten als
auch die der Sowjetunion setzen Satellitensysteme ein.
Die militärischen

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Telex: 8-85432

�Die militärischen Weltraumobjekte der Vereinigten Staaten dienen der
Unterstützung militärischer Operationen - bei Kommunikation, Kommando und
Kontrolle, bei Warnung, Navigation und bei Wettervorhersagen.

Die Weltraum-

systeme werden in der Tat in zunehmendem Ma3 für Kommando, Kontrolle und
Kommunikation eingesetzt.
Unsere Satelliten, die Raketenstarts signalisieren, sowie unsere strategischen Warnsysteme leisten einen Beitrag zu unserer nuklearen Abschrekkung.

Weltraumsysteme ermöglichen es uns auch, die Einhaltung von Rüstungs-

kontroll Vereinbarungen zu überwachen.
Es bedarf nicht des Hinweises, daß die militärische Nutzung des Weltraums durch die Vereinigten Staaten in Einklang mit dem Völkerrecht steht.
Unsere militärischen Weltraumprogramme sind nicht lediglich eine Reaktion auf die Weltraumaktivitäten der Sowjetunion, sondern sind Ergebnis unserer ständigen Überlegungen hinsichtlich der Art und Weise, wie wir die
Ziele unserer nationalen Sicherheit am besten erreichen. Wir sehen den Weltraum als ein Gebiet, in dem militärische Unterstützungsoperationen durchgeführt werden können. Obgleich unsere Programme keine Reaktion auf die sowjetischen sind, müssen wir selbstverständlich die sowjetischen Weltraumaktivitäten in Rechnung stellen. Wie in anderen Bereichen auch, unterscheidet
sich die sowjetische Haltung hinsichtlich des Weltraums von der unseren erheblich.

Die sowjetischen Weltraumaktivitäten
Mit der Entwicklung und der Bereitstellung einer orbitalen Antisatellitenwaffe vor über einem Jahrzehnt hat die Sowjetunion ein deutliches Zeichen dafür gesetzt, daß sie den Weltraum als eine Arena der Kriegsführung ansieht.
In den

�In den vergangenen zehn Jahren hat die UdSSR jährlich über 75 Weltraumobjekte gestartet, vier bis fünfmal mehr als die Vereinigten Staaten. Während der letzten Jahre stieg die Zahl sogar auf annähernd 100 pro Jahr.
Die jährliche Nutzlast, die die Sowjets in eine Erdumlaufbahn brachten, ist
mit 660 000 Pounds zehnmal größer als die der Vereinigten Staaten.
Diese Anstrengungen spiegeln die Bedeutung wider, die die Sowjets
ihren Weltraumprogrammen beimessen. Allerdings könnten sie ebenso eine gewisse technologische Schwäche hinsichtlich der Dauerhaftigkeit und Flexibilität ihrer Weltraumobjekte widerspiegeln. Die militärischen und militärbezogenen Raumfahrtprogramme der Sowjetunion reichen von ausgedehnten bemannten
Missionen bis zu meteorologischen Kommunikations-, Navigations-, Aufklärungs-, überwachungs-, Ziel- und Antisatellitenmissionen.
Seit dem erfolgreichen Start des SPUTNIK I im Jahre 1957 haben die Sowjets sin tatkräftiges und methodisches Programm der Nutzung des Weltraums
für militärische Zwecke verfolgt. Zum erstenmal zeigte sich die Nutzung des
Weltraums für militärische Zwecke durch die Sowjetunion im Jahr 1961 beim
Start ihres ersten Fotcaufklärungssatelliten. über die sechziger und siebziger Jahre hinweg weiteten sich die militärischen Weltraumprogramme der
Sowjetunion sowohl hinsichtlich des Umfangs als auch der Anzahl aus. Mittlerweile sind aus diesen Programmen reife, integrierte Systeme für die direkte und indirekte Unterstützung der sowjetischen Streitkräfte geworden, die
die Fähigkeit haben, die niedrigfliegenden Satelliten der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten zu bedrohen.
Ständig befinden sich zwischen 70 und 110 Satelliten auf ihrer Umlaufbahn, wobei über die Hälfte hauptsächlich militärischen Zwecken dient. Etwa
85 Prozent aller sowjetischen Weltraumstarts sind hauptsächlich militärische oder militärisch-zivile Missionen.
Es hat

�Es hat den Anschein, als entwickelten die Sowjets ein wiederverwendbares Raumfahrtsystem, dem der amerikanischen Weltraumfähre ähnlich, sowie ein kleineres Weltraumflugzeug. Probeflüge dieses kleineren Flugapparates in Erdumlaufbahn haben bereits stattgefunden. Diese Systeme könnten
innerhalb eines Jahrzehnts in regulärem Einsatz sein und werden die militärische Flexibilität und Kapazität der sowjetischen Weltraumanstrengungen weiter vergrößern.
Die bemannten Weltraumflüge der Sowjets werden immer umfangreicher
und stellen das weitläufigste Element des sowjetischen Raumfahrtprogramms
dar. Nachdem die Sowjets in den frühen sechziger Jahren eine ganze Reihe
von

Erstflügen schafften - einschließlich des ersten Menschen im Welt-

raum -, wurde das bemannte Programm der Sowjetunion zeitweilig von den bemannten Programmen der Vereinigten Staaten Ende der sechziger Jahre überflügelt.

Seit 1971 haben die Sowjets sieben Raumstationen in eine Erdum-

laufbahr gebracht. Die erste bemannte Raumstation - SALYUT I - wurde 197i
gestartet. Ein zweiter Typ davon wurde 1973 gestartet. Beide waren in der
Lage, militärische Forschungen durchzuführen. 1977 hatten die Sowjets die
Fähigkeit entwickelt, die Besatzung ihrer SALYUT-Raumstationen neu zu versorgen und auszutauschen. Dreimal haben die Sowjets bemannte Missionen
durchgeführt, die bis zu sechs Monaten dauerten. Mit der Beendigung einer
211-Tage-Mission im Jahre 1982 schafften die Sowjets eine neue Höchstleistung.
Das sowjetische Engagement im Hinblick auf das bemannte Weltraumprogramm wächst weiter. Die Entwicklung einer großen, bemannten Raumstation
bis etwa 1990 zur Erlangung einer militärischen Präsenz im Weltraum ist
unserer Meinung nach eines der Ziele der neuen schubkräftigen Startsysteme, die sich derzeit in der Entwicklung befinden. Die Sowjets werden
außerdem weitere Hilfssysteme von großer Schubleistung einsetzen, um noch
größere Raumstationen und Raummodule vor Ende des Jahrhunderts in eine
Umlaufbahn zu bringen. Diese Raumstationen könnten über 100 Tonnen wiegen

- 4 -

�Tonnen wiegen und in der Lage sein, eine größere Mannschaft über einen
längeren Zeitraum hinweg ohne Neuversorgung aufzunehmen.
Die Einführung, Anwendung und bekannte zukünftige Entwicklung von
sowjetischen Weltraumwaffensystemen weisen auf ein koordiniertes Programm
hin, das folgendes umfaßt:
- Die derzeitige Generation von AntiSatellitenkörpern, die jetzt einsatzfähig sind und dazu entworfen wurden, Satelliten in niedriger
Umlaufbahn zu zerstören.
- Ein sehr umfangreiches Forschungsprogramm über gelenkte Energie, einschließlich der Entwicklung von Laserstrahlwaffensystemen, die entweder auf dem Erdboden disloziert oder an Bord der nächsten Generation
der sowjetischen AntiSatellitensysteme oder auf bemannte sowjetische
Weltraumstationen verbracht werden könnten.
Das bereits aufgestellte sowjetische Antisatellitensystem hat die Fähigkeit, amerikanische Weltraumsysteme in erdnaher Umlaufbahn zu zerstören.
Die Sowjets veranstalten alle Jahre Tests, um den Satellitenabfang zu proben
und das Antisatellitensystem zu verfeinern. Wir sind der Überzeugung, daß
eines der Ziele des sowjetischen Weltraumwaffenprogramms die Entwicklung
und Dislozierung von im Weltraum stationierten Lasern ist.
Die Sowjets könnten den prsten Prototypen einer kleinen, im Weltraum
stationierten Antisatelliten-Laserwaffe Ende der achtziger oder Anfang
der neunziger Jahre starten. Ein System, das in der Lage wäre, andere
Satelliten im Abstand von einigen tausend Kilometern anzugreifen, könnte
in den neunziger Jahren möglich sein. Im Weltraum stationierte ABM-Systeme könnten in den neunziger Jahren erprobt werden, würden allerdings
wahrscheinlich nicht vor der Jahrhundertwende einsatzbereit sein.
Seit Anfang

�Seit Anfang der sechziger Jahre haben die Sowjets ihre Anstrengungen
bei der Foto- und Elektronikaufklärung im Weltraum ständig verstärkt. Jedes Jahr werden mehr als 50 dieser Satelliten gestartet, um die Streitkräfte mit täglichen Informationen auf dem Laufenden zu halten. Das Raumfahrtprogramm des sowjetischen Militärs spiegelt zudem die immer stärkere
Nutzung des Weltraums für weltweite Überwachung und Vorwarnung wider. Durch
diese im ,feltraum stationierten Systeme haben die Sowjets einen erheblichen Teil der Streitkräfte der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten
unter Beobachtung. Die Überwachungssatelliten umfassen ein System, mit dem
Abschüsse von Interkontinentalraketen entdeckt werden können, sowie Meeresüberwachungssysteme wie die beiden atomangetriebenen Satelliten, die während
ihres Funktionsendes und ihres Wiedereintritts in die Erdatmosphäre 1978
und Anfang 1983 weltweiten Alarm hervorriefen.
Die sowjetischen Anstrengungen auf dem Gebiet der Beobachtung werden
allen Erwartungen zufolge zu einem Mehrfachsatellitensystem der Aufklärung,
Beobachtung und Angriffswarnung gegen ballistische Raketen strategischer
wie nichtstrategischer Art und möglicherweise auch gegen Bomber führen.
Die Sowjets verstärken auch ihren Einsatz von Weltraumsystemen zum
Zweck von Kommando, Kontrolle und Kommunikation. Seit dem Start ihres
ersten Fernmeldesatelliten Mitte der sechziger Jahre hat die UdSSR ihre
Programme für Kommunikationssatelliten zur Unterstützung ihrer politischen Führung sowie ihrer militärischen, diplomatischen und nachrichtendienstlichen Missionen verbessert und ausgeweitet.
Die Sowjets führen eine ehrgeizige Ausweitung ihres Kommunikationssatellitenprogramms durch, das ihre weltweite Kommando-, Kontroll- und
Kommunikationskapazität beträchtlich verbessern wird. Im Lauf der nächsten zehn Jahre werden die Sowjets eine noch fortgeschrittenere Serie
von Kommunikationssatelliten entwickeln und dislozieren, von denen
einige, von bemannten Kommando- und Kontroll Plattformen in Erdumlaufbahn

- 6 -

�in Erdumlaufbahn übermittelte Daten weitergeben könnten.

Die Weltraumaktivitäten des amerikanischen Verteidigungsministeriums
Gestatten Sie mir, nun auf unsere eigenen Aktivitäten einzugehen. Im
Dienst unserer nationalen Sicherheit beschafft und betätigt das Verteidigungsministerium Weltraumsysteme und betreibt weltraumbezogene Forschung
und technologische Entwicklungsprojekte.
Wie erwähnt, bringt die sowjetische Entwicklung einer einsatzfähigen
AntiSatellitenkapazität die Möglichkeit mit sich, daß der Weltraum zu
einem feindlichen Umfeld wird. Aus diesem Grund bestimmt die Weltraumpolitik des Verteidigungsministeriums, daß die militärischen Weltraumsysteme,
einschließlich der wesentlichen Bodenelemente wie der Objekte im Weltraum,
auf ihrer Erdumlaufbahn so entworfen, entwickelt und betrieben werden,
daß ihre Überlebensfähigkeit und ihre Dauerhaftigkeit verstärkt werden.
Seit 1977 ist es die Politik der Vereinigten Staaten, die Entwicklung
einer einsatzfähigen, nichtnuklearen Antisatellitenkapazitat zu verfolgen.
Wenn wir eine glaubwürdige Vergeltungskapazität besitzen, dann sind wir
besser in der Lage, vor Angriffen gegen unsere Weltraumsysteme abzuschrekken.
Wir sind derzeit Signarstaat von wenigstens drei Verträgen, die gewisse militärische Aktivitäten im Weltraum berühren: Dem Weltraumvertrag,
dem Teil Verbotsabkommen für Nuklearversuche und dem Raketen-Abwehrraketenvertrag (ABM-Vertrag). Unsere vertraglichen Verpflichtungen umfassen:
- Haftung bei Schäden durch Tätigkeiten im Weltraum;
- Aufrechterhaltung des sicheren Zugangs zum Weltraum und zu Operationen in ihm;
- Nichteinmischung in
- 7 -

�- Nichteinmischung in die nationalen technischen Mittel der Verifizierung (ABM-Vertrag, SALT I, SALT II).
- Der Weltraumvertrag verbietet außerdem die Errichtung von Militärstützpunkten, von militärischen Installationen und Befestigungen auf
dem Mond und

anderen Himmelskörpern sowie die Erprobung jedweder

Waffentypen sowie das Abhalten von militärischen Manövern daselbst.
Dieser Vertrag verbietet außerdem das Einbringen in die Erdumlaufbahn, die Installation auf dem Mond oder anderen Himmelskörpern oder
die Stationierung im Weltraum von jedwedem Objekt, das Atomwaffen oder
irgend andere "Waffen der Massenvernichtung" trägt. Die Erprobung
oder das Einbringen von Waffen, die konventionelle Explosivstoffe mit
sich führen, in eine Erdumlaufbahn ist nicht verboten.
- Der ABM-Vertrag von 1972 verbietet die Entwicklung, Erprobung und
Dislozierung von weltraumgestützten ABM-Systemen und Teilen davon
(Artikel V ) . Sollte eine zukünftige Technologie neue ABM-Systeme hervorbringen, die "sich auf andere physikalische Prinzipien stützen" wie etwa Laser- oder Teilchenstrahlen gegenüber jenen, die in den
derzeitigen Systemen verwendet werden - so die Übereinkunft, so würde in Einklang mit den Zusatzbestimmungen des Vertrags eine Begrenzung solcher Systeme vor ihrer Dislozierung erörtert werden.
Lassen Sie mich zum Abschluß ein paar Worte über die Initiative des
Präsidenten auf dem Gebiet der strategischen Verteidigung sagen. Der Präsident hat beschlossen, daß wir ein Programm in Angriff nehmen, das der
sowjetischen Raketenbedrohung mit Maßnahmen begegnet, die defensiven Charakter haben. Er ordnete eine umfassende und intensive Anstrengung an, um
ein langfristiges Forschungs- und Entwicklungsprogramm in Richtung auf
das Ziel zu entwerfen, die Bedrohung aus der Welt zu schaffen, die die
Atomraketen darstellen. Diese Entwicklung könnte - ja, sollte - durch
Rüstungskontrollmaßnahmen vervollständigt werden.
In Einklang

�In Einklang mit der Entscheidung des Präsidenten hat das Verteidigungsministerium in Zusammenarbeit mit anderen Behörden eine doppelte
Anstrengung angeregt: Einerseits die Erforschung und die Klassifizierung
entsprechender Technologien, andererseits die Entwicklung und Festlegung
von politischen und strategischen Optionen.
Uns geht es nicht um ein einziges System des Abfangens und der Verteidigung gegen jedweden Raketenangriff. Unsere Forschung richtet sich auf die
Analyse eines Verteidigungsnetzwerkes - einer Reihe von Systemen, die sich
nicht notwendigerweise auf die gleichen technischen oder physikalischen
Prinzipien stützen-, das in seiner Gesamtheit für uns und unsere Verbündeten eine wirksame Verteidigung gegen Atomraketen bietet. Wir sind uns der
Tatsache voll bewußt, daß es sich hierbei um eine langfristige Anstrengung
handelt, deren Früchte möglicherweise erst im nächsten Jahrhundert zur Verfügung stehen.
Da es sich um eine solche langfristige Anstrengung handelt, müssen wir
uns - wie der Präsident erklärt hat - darüber im klaren sein, daß wir uns
in der Zwischenzeit auch weiterhin auf die Abschreckung verlassen müssen,
um den Frieden zu bewahren. Wir müssen - und wir wollen - auch weiterhin
vertraglich vereinbarte Verringerungen bei den Kernwaffen verfolgen, die
ausgewogen und verifizierbar sind. Da unsere Suche nach defensiven Technologien das Ziel hat, die Bedrohung durch die ballistischen Raketen zu
vermindern, steht sie in vollem Einklang mit den Rüstungsverringerungsanstrengungen, die wir derzeit bei den START-Verhandlungen verfolgen.
Sie unterstützt jene Anstrengungen, indem sie die Aussicht bietet,
daß die Wirksamkeit und die Rolle der ballistischen Raketen in Zukunft
deutlich verringert wird. Die Initiative des Präsidenten ist natürlich
auch in völliger Übereinstimmung mit den bestehenden Rüstungskontrollvereinbarungen. Während der ABM-Vertrag zwar die Entwicklung, die Erprobung oder die Dislozierung von ABM-Systemen verbietet, so erlaubt er

- 9 -

�erlaubt er doch die Forschung.
Das Wesentliche der Entscheidung des Präsidenten hinsichtlich der
strategischen Verteidigung besteht in meiner Sicht darin, daß sie andere
Wege eröffnet, um den Frieden im Atomzeitalter zu wahren. Die Nachfolger
von Präsident Reagan - im nächsten Jahrzehnt oder im ersten Jahrzehnt
des nächsten Jahrhunderts - sollten ihre Optionen nicht durch die strategischen Vorstellungen eingeengt wissen, die in den siebziger Jahren Mode
waren.
Unsere strategische Planung war viel zu sehr durch den Gedanken eingeschränkt, daß Defensivsysteme schlecht seien und wir für unbegrenzte
Zeit in eine Konfrontation der allgewaltigen, offensiven Raketenstreitkräfte eingebunden sein könnten und müßten. Wir schulden es der nächsten
Generation, entschlossen die Suche nach besseren Alternativen aufzunehmen.

+ + + ++

- 10 -

�22

25. Mai 1983

UNANNEHMBARE EINMISCHUNG:
"AKTIVE MASSNAHMEN" DER SOWJETS
von Lawrence S. Eagleburger
Staatssekretär für Politische Angelegenheiten
im amerikanischen Außenministerium

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der "NATO REVIEW"

Seit einiger Zeit ist der sowjetische Begriff "Aktive Maßnahmen" Aktivnyye Meropriyatiya - in das Bewußtsein der Öffentlichkeit gerückt.
Dieser Begriff schließt eine ganze Reihe von Techniken der Irreführung
ein - wie sogenannte Frontgruppen (d.h. Gruppen, die nach außen nicht als
kommunistisch erscheinen), Falschinformationen, Fälschungen, Pressemanipulation und sogenannte Einflußagenten (d.h. politische Einflußnahme).
All das gehört routinemäßig zur Außenpolitik der Sowjetunion. In keiner
anderen Sprache läßt sich die Bedeutung des Begriffs "aktive Maßnahmen" "Active Measures" - genau wiedergeben. Am nächsten kommt vielleicht

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�kommt vielleicht der Begriff "psychologische Kriegführung" aus dem Zweiten
Weltkrieg.
Aktive Maßnahmen werden gegen praktisch alle Länder außerhalb des
Sowjetblocks angewandt - Länder wie Nordkorea und China sind ebenso Ziel
dieser Maßnahmen wie NATO-Länder. Zur Illustration nur einige wenige
Beispiele solcher Tätigkeiten, die in der Öffentlichkeit bekannt wurden:
- Ein sowjetischer Botschafter wurde 1980 aus Neuseeland ausgewiesen,
nachdem er dabei ertappt worden war, daß er der dortigen moskautreuen kommunistischen Partei Geld gab.
- Ein französischer Autor und Journalist wurde verurteilt, weil er
fast 20 Jahre lang als sowjetischer Einflußagent tätig war.
- Eine großangelegte Falschinformationskampagne in den Medien wurde
unternommen, um die von den Vereinigten Staaten geförderten Bemühungen zur Lösung des Namibia-Konflikts zunichte zu machen.
- Allein 1982 wurden über ein Dutzend Fälschungen - meist von amerikanischen Dokumenten oder Schreiben - aufgedeckt.
- Eine Kampagne in den Medien - z.T. mit heimlich untergeschobenen Berichten und Fälschungen - sollte den Eindruck erwecken, die Vereinigten Staaten hätten den Staatsstreichversuch im Novembe
1981 auf den Seychellen unterstützt.
- Rundfunkstationen gaben vor, für oppositionelle politische Fraktionen in China und im Iran zu sprechen, sendeten aber in Wirklichkeit
von unbekannten Orten in der Sowjetunion aus.

- 2 -

�Aus der Sicht des Fachmanns
Die obige Liste von öffentlich bekanntgewordenen aktiven Maßnahmen
ließe sich lange fortsetzen, aber den Geheimdiensten in der ganzen Welt
sind noch sehr viel mehr Fälle bekannt, die die Öffentlichkeit nicht erfahren hat, entweder weil empfindliche Quellen nicht bloßgestellt werden sollen oder weil politische oder diplomatische Überlegungen gegen
eine Veröffentlichung sprechen.
Aktive Maßnahmen sind auch kein neues Mittel im politischen Repertoire der Sowjets. Schon in den zwanziger Jahren infiltrierten politische
Agenten der Sowjets russische Emigrantenorganisationen und brachten sie
zum Streit untereinander. In den dreißiger Jahren manipulierten sowjetische Agenten eine ganze Reihe von Frontgrupper.. in denen die Hand Moskaus
geschickt verborgen blieb, bis es im August 1939 zum Hitler-Stalin-Pakt
kam. Zu jener Zeit sprach ein altgedienter Organisator in der Komintern,
Willi Mlinzenberg, von diesen Gruppen zynisch als "Klubs der Unschuldigen". Eine sowjetische Falschinformationskampagne bald nach dem Zweiten
Weltkrieg versuchte die Vereinigten Staaten der "bakteriologischen Kriegführung" im Korea-Krieg zu beschuldigen.
Gelegentlich erhalten wir einen kleinen Einblick in die aktiven Maßnahmen von sowjetischer Seite. Eine solche Gelegenheit bot sich, als
der ehemalige KGB-Major Stanislaw Lewtschenko überlief, der von 1975 bis
1979 die aktiven Maßnahmen in Japan koordinierte - offiziell als Korrespondent für die Zeitschrift "Neue Zeiten" tätig - und eine Zeitlang
der Stellvertretende Leiter der KGB-Gruppe für aktive Maßnahmen in Japan.
Lewtschenko beschreibt in seinen vor einiger Zeit veröffentlichten Aussagen vor dem amerikanischen Kongreß mehrere erfolgreiche Fälschungen
und Falschinformationen. Er erklärt, daß der KGB in den siebziger Jahren die Politik in Japan durch zahlreiche Einflußagenten beeinflußt
hat, einschließlich eines früheren Kabinettsministers, Mitgliedern des

- 3 -

�Mitgliedern des Parlaments und prominenter Journalisten. Nach Schätzungen Lewtschenkos hat der Resident des KGB in Tokio im Jahr einige hundert
Anweisungen für aktive Maßnahmen erhalten. Von diesen ist es nach Lewtschenko gelungen, etwa ein Drittel erfolgreich durchzuführen.
Ein weiterer Überblick bietet die Aufdeckung der heimlichen Beziehungen zwischen dem KGB und dem Autor und Journalisten Arne Herloev Petersen durch dänische Behörden. Im ~ommer 1981 gaben die Sowjets Petersen
das Geld, für das dieser eine Reihe von Anzeigen aufgab, in denen dänische
Künstler ihre Unterstützung für eine Nordische Kernwaffenfreie Zone zum
Ausdruck brachten. In einem anderen Fall überbrachte Petersen der nordkoreanischen Botschaft außenpolitische Dokumente, die ihm die sowjetische
Botschaft lieferte und die er auf Anweisung der Sowjets als v i einer amerikanischen Quelle stammend deklarierte. In einem weiteren typ-sehen Zug der
Falschinformation veröffentlichte Petersen eine Broschüre, in der er die
britische Premierministerin Margaret Thatcher angriff. Den Text dieser
Broschüre erhielt er jedoch von der sowjetischen Botschaft. Wie in der dänischen Stellungnahme zu diesem Fall erklärt wird, war es für diese Anstrengungen zur Beeinflusssung der öffentlichen Debatte typisch, daß die sowjetische Herkunft verheimlicht wurde, um ihre Wirksamkeit nicht zu verringern. Als Geheimkontakt Petersens wurde der KGB-Offizier Wladimir
Merkulow - Zweiter Sekretär an der Sowjetbotschaft in Kopenhagen - enttarnt und

,n Oktober 1981 als persona non grata aus Dänemark ausgewiesen.

Großer bürokratischer Unterbau
Die aktiven Maßnahmen werden von einem
Unterbau in der UdSSR getragen. Das geheime
ist der Dienst A des Ersten Chefdirektorats
KGB. Im Außendienst kann jeder KGB-Offizier
Durchführung aktiver Maßnahmen herangezogen

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großen organisatorischen
Organ der aktiven Maßnahmen
(Auslandsgeheimdienst) des
oder Geheimagent für die
werden, und in den größeren

�den größeren KGB-Residenzen, wie in Tokio, gibt es Spezialgruppen, die sich
mit diesen Geheimoperationen befassen. Die Techniken aktiver Maßnahmen
sind integraler Bestandteil der Ausbildung aller KGB-Offiziere.
Bei der Ausarbeitung dieser Operationen arbeitet der Dienst A eng mit
der Internationalen Abteilung und der Internationalen Informationsabteilung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei zusammen. Andere Elemente ues sowjetischen Apparates, wie Zeitschriften, Rundfunkstationen,
und die amtliche Luftverkehrsgesellschaft Aeroflot, werden je nach Bedarf
herangezogen.
Die Internationale Informationsabteilung überwacht die sowjetische
Propagandatätigkeit im Ausland und ist damit von entscheidender Bedeutung
für die Durchführung aktiver Maßnahmen. So verbreitet beispielsweise die
sowjetische Propagandamaschinerie üblicherweise irreführende oder tendenziöse Berichte, die von Agenten des KGB in der ausländischen Presse untergebracht worden waren. Diese Technik erlaubt es den sowjetischen Propagandisten, Falschinformationen die größte Verbreitung zu verschaffen, deren
angebliche Echtheit kaum in Zweifel gestellt wird, da sie ja aus ausländischen - und daher ganz offensichtlich unvoreingenommen - Presseorganen
stammen. Die Propagandaorgane unterstützen die Durchführung aktiver Maßnahmen auch dadurch,daß sie Themen der Kampagnen der Frontgruppen laut
hinausposaunen. Publikationen wie "New Times" (Neue Zeiten) stehen ebenso
voll im Dienst der Sache wie Radio Moskau und der angeblich nichtamtliche
Sender Frieden und Fortschrift.
Die Internationale Abteilung ist zuständig für die Verbindung zu den
kommunistischen Frontorganisationen im Ausland. Sie insinuiert oder befiehlt kommunistischen Parteien im Ausland, politische und propagandistische Maßnahmen zur Unterstützung bestimmter Kampagnen aktiver Maßnahmen
durchzuführen. Frontgruppen, wie die verschiedenen sowjetischen Freundschaftsgesellschaften, die Solidaritätsorganisation afro-asiatischer Völker

- 5 -

�afrc asiatischer Völker und der Weltgewerkschaftsbund werden über die
entsprechenden sowjetischen Organisationen durch die Internationale Abteilung kontrolliert.
Eine Frontorganisation, der Weltfriedensrat (WPC), wurde aus Frankreich und ös^rreich wegen Tätigkeiten gegen das Gastland ausgewiesen.
Schließlich gelang es ihm 1957, in Helsinki ein Hauptquartier zu errichten. Seit über 30 Jahren sind die Stellungnahmen des Weltfriedensrates
zu internationalen Fragen im^er wieder deckungsgleich mit dem Standpunkt
der Sowjetunion: Der Weltfriedensrat hat die früheren militärischen Interventionen der Sowjets in Ungarn und in der Tschechoslowakei ebenso gebilligt wie die sowjetische Invasion und Besetzung /""ghanistans. Die Unterstützung sowjetischer Aggressionen hat den Weltfriedensrat nicht abgehalten, bei einer Reihe von "Friedens"-Bewegungen als sowjetisches trojanisches Pferd zu dienen - angefangen von dem Stockholmer Appell zum "Verbot der Bombe" im Jahre 1950 über die Kampagne gegen die "Neutronenbombe"
im Jahre 1977 bis zur heutigen Agitation gegen die INF-Modernisierung.
Da der Großteil der Mittel des Weltfriedensrates aus sowjetischen
Quellen kommt, haben die Anhänger einiger nichtkommunistischer Friedensbewegungen praktisch indirekt sowjetische Unterstützung angenommen, indem sie die Mitwirkung des WPC bei ihren Tätigkeiten akzeptiert haben.
Es ist bedrückend, daß Moskau in der Lage ist, sich in die öffentliche Debatte im Westen über diejenigen Verteidigungsmaßnahmen einzumischen, die
notwendig sind, um der sowjetischen Bedrohung zu begegnen, und das noch
mit Hilfe so durchsichtiger Medien wie des Weltfriedensrates.

Die Wirkung aktiver Maßnahmen
Wie wirksam sind die aktiven Maßnahmen? Diese Frage ist nicht leicht
zu beantworten. Es ist nicht nur unmöglich, ein kontrolliertes Experiment
durchzuführen, sondern die in den aktiven Maßnahmen innewohnende Täuschung

- 6 -

�innewohnende Täuschung erschwert jede Beurteilung. Im übrigen werden aktive
Maßnahmen nicht für sich allein angewandt, sondern koordiniert mit anderen
Elementen der sowjetischen Außenpolitik, wie diplomatischen, handelspolitischen, informationspolitischen und militärpolitischen Tätigkeiten. Es ist
nicht leicht, den Beitrag der aktiven Maßnahmen zum Gesamtergebnis isoliert
darzustellen.
Daß die sowjetische Führung an die Wirksamkeit glaubt, liegt auf der
Hand. Es bedarf eines großen Aufwandes an Menschen und Geld, um eine weltweite Infrastruktur von Frontorganisationen und Agenten für aktive Maßnahmen
aufzubauen und zu betreiben. Wir gehen davon aus, daß die sowjetische Kampagne gegen die "Neutronenbombe" - die die Sowjets als eine ihrer erfolgreichsten betrachten - rund 100 Millionen Dollar gekostet hat. Aus sowjetischer Sicht war dieses Geld gut angelegt. Es ist der UdSSR gelungen, die
öffentliche Debatte über dieses Thema in ihrem Sinn zu beeinflussen und die
Aufmerksamkeit von der massiven sowjetischen Bedrohung der Sicherheit Europas durch die konventionellen Streitkräfte des Warschauer Paktes abzulenken
- eine Bedrohung, der die Waffen mit verstärkter Strahlung (Neutronenwaffe)
so wirksam begegnen kann. Aber abgesehen von den finanziellen Kosten sind
die Sowjets auch bereit, Prestige und guten Willen aufs Spiel zu setzen, da
ihre Beteiligung an aktiven Maßnahmen zwangsläufig immer wieder ans Tageslicht kommen muß. Dieser indirekte Preis, den die Sowjets bezahlen müssen,
geht über eine momentane Verärgerung hinaus. Auf lange Sicht erhöhen diese
fiachenschaften zur Täuschung und Manipulation die Enttäuschung über da: sowjetische Modell.
Auch wenn die Sowjets offensichtlich glauben, daß das Spiel den Einsatz
wert sei, sollten wir doch versuchen, zu einem eigenen unabhängigen Urteil
zu kommen. Aktive Maßnahmen sind keine Wundermittel, und es ist keineswegs so, daß die ganze Welt nach einer heimlichen sowjetischen Pfeife tanzt.
Moskau beherrscht die politischen Prozesse in den westlichen Demokratien
nicht. Trotzdem sind die beharrlichen Versuche der Sowjets, unser politi-

- 7 -

�unser politisches Geschehen zu beeinflussen, nicht immer ohne Wirkung.
Dies gilt besonders, wenn aktive Maßnahmen der Sowjets darauf ausgerichtet
sind, die ernsthaften Besorgnisse nichtkommunistischer Kritiker der amtlichen Politik westlicher Regierungen aufzublähen und in die richtigen
Kanäle zu lenken. Solche Bemühungen dienen weiter dazu, interne Spaltungen in unseren Gesellschaften zu verschärfen - ein altes sowjetisches
Ziel.
In den Entwicklungsländern ist die Wirkung größer. Die dortigen Regierungen - oft instabil, wirtschaftlich unter Drucl und ohne bewährte politische Institutionen - sind der heimlichen Manipulation gegenüber anfälliger.
Abgesehen von dem gelegentlichen Beitrag aktiver Maßnahmen zu den Bemühungen, eine Moskau hörige Regierung an die Macht zu bringen, tragen diese
Techniken dazu bei, die Unsicherheit legitimer Regierungen zu erhöhen und
die Aufmerksamkeit ihrer Führer von ihrer Hauptaufgabe - der Entwicklung abzulenken. Der zerbrechliche Zustand der freien Presse in vielen Ländern
und die einfache Tatsache, daß Journalismus in den weniger entwickelten
Ländern oft ein wenig einträglicher Beruf ist, bietet gute Ansatzpunkte für
sowjetische Manipulationen.

Steter Tropfen höhlt den Stein
In Industrieländern wie in Entwicklungsländern haben, abgesehen von
dem Erfolg oder Mißerfolg bestimmter aktiver Maßnahmen, diese eine aushöhlende Wirkung auf die politischen Systeme offener Gesellschaften. Die
Verwirrung, die durch Manipulation der Medien, Fälschungen, gezielte Gerüchte, gefälschte Quellenangaben von Rundfunksendungen und die Tätigkeit
von Einflußagenten hervorgerufen wird, kann mit der Zeit das Vertrauen
der Öffentlichkeit in politische Institutionen und Prozesse untergraben.
Angesichts dessen

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�Angesichts dessen, was die Geschichte bisher gezeigt hat, und aufgrund des großen bürokratischen Apparates, der hinter diesen Tätigkeiten
steht, dürfen wir nicht davon ausgehen, .aß sich das sowjetische Programm
der aktiven Maßnahmen nach Schwankungen des internationalen Klimas richten
wird. Sie ließen

beispielsweise auf dem Höhepunkt der Entspannungsperiode

in den siebziger Jahren nicht merklich nach. Die Anwendungen dieser offensiven Techniken, die Ländern schaden sollen, die die Sowjets als Gegner
ansehen, sind eher ein Hinweis auf den Grad der unterschwelligen Feindseligkeit. Die aktiven Maßnahmen müssen ein Anlaß zur Sorge für das Bündnis
sein. U^ekehrt würde die Einstellung dieser Tätigkeiten ein wesentliches
Hindernis für bessere Beziehungen beiseite räumen.
Bevor wir uns der Frage zuwenden, wie wir den aktiven Maßnahmen der
Sowjets begegnen können, ist es angebracht, über eine Haltung zu sprechen, die nach Auffassung der amerikanischen Regierung wenig nützlkch ist.
Gemeint ist die "Na-wenn-schon"-Reaktion auf sowjetische aktive Maßnahmen, die meist in solchen Formulierungen zum Ausdruck kommt: "Wir alle
wissen, daß die Sowjets schmutzige Tricks anwenden, das ist nichts Neues.
Warum sollen wir uns also darüber aufregen?" Das heiß' nichts anderes, als
daß es naiv wäre, sich wegen solcher Tätigkeiten Sorgen zu machen, da sie
ein unabänderliches, aber triviales Element des internationalen Verhaltens
der Sowjets darstellen.
Diese Einstellung bedeutet ein voreiliges Urteil über die Frage der
Bedeutung sowjetischer aktiver Maßnahmen, und da man die Bedeutung von
vornherein bestreitet, steht sie einer realistischen Beurteilung im Wege.
Aktive Maßnahmen beinhalten per definitionem Täuschung, und ihre Wirksamkeit und Ernsthaftigkeit sind von Zeit zu Zeit und von Ort zu Ort unterschiedlich. Nur eine sorgfältige Untersuchung kann zu einem ausgewogenem
Urteil führen. Eine Verniedlichung des Problems gefährdet die notwendigen
Anstrengungen, um die Wirksamkeit sowjetischer aktiver Maßnahmen einzudämmen .
Es lohnt
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�Es lohnt sich, einen Blick auf die deutliche Unausgewogenheit der
Lage in Ost und West bezüglich aktiver Maßnahmen zu werfen. Das straff
kontrollierte politische System der Sowjets läßt wenig Raum für heimliche
Manipulationen. Es würde Einflußagenten wohl kaum gelingen, in die Strukturen des "demokratischen Zentralismus" einzudringen und diese fehlzuleiten.
Die kontrollierte Presse der UdSSR bietet kaum Möglichkeiten für einen Einfluß von außen. Westliche Gesellschaften sind dagegen für alle möglichen
politischen Einflüsse offen - einschließlich jener, die in trügerischer
Absicht im Dienste der sowjetischen Außenpolitik eingebracht werden. In
den Ländern des Westens unterliegen die Durchführungen der meisten aktiven
Maßnahmen nicht einmal strafrechtlicher Verfolgung - aus Angst, damit könnten der legitimen politischen Betätigung Grenzen gesetzt werden. Und wenn
im übrigen eine heimliche Bemühung in der totalitären Gesellschaft der
Sowjetunion fehlschlüge, dann gäbe es - im Gegensatz zum Westen - keine politische Opposition, die sich die Verlegenheit der Machthaber zunutze machen könnte, und eine gehorsame Presse würde der Öffentlichkeit eine solche
Schande vorenthalten. Die Antwort auf jene berühmte Reaktion, "das tun
doch alle", ist, daß aktive Maßnahmen ein Gebiet sind, auf dem der Westen
nicht effektiv konkurrieren kann.
In Demokratien - ganz sicherlich in den Vereinigten Staaten - sind alle
Meinungen, auch solche, die für Standpunkte eintreten, die den Standpunkten
von ausländischen Gegnern entsprechen, vom Gesetz unbedingt und völlig geschützt. Bemühungen, Interventionen durch aktive Maßnahmen einzudämmen,
sollten sich, außer in Fällen ungesetzlicher Handlungen zugunsten einer
ausländischen Macht, auf ausländische Einflußagenten konzentrieren und
nicht auf eigene Staatsbürger, die exotische Meinungen vertreten. Wir betrachten sogar die freie Konkurrenz der Ideen - woher sie auch stammen mögen - nicht nur als einen fundamentalen Anziehungspunkt unserer Gesell"
schaften, sondern auch als das Lebenselixier demokratischer Kraft. Daß
die Sowjetunion und ihre Stellvertreter zu aktiven Maßnahmen greifen, ist
ein stillschweigendes Eingeständnis ihrer Schwäche. Weil eben ihre Ideolo-

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�ihre Ideologie nicht aus sich selbst überzeugen kann, müssen sie im Wettbewerb in der internationalen Arena so stark zu Täuschung und psychologischer
Kriegführung greifen.

Notwendigkeit beharrlicher Antwort
Die vernünftigste Reaktion auf die aktiven Maßnahmen der Sowjets ist,
daß wir ausgewogen bleiben. Es wäre sicherlich ebenso unklug, die Bedrohung
zu ignorieren als von der Vorstellung einer ganz großen sowjetischen Verschwörung besessen zu sein, die unsere wichtigen politischen Prozesse manipuliere. Wir dürfen nicht vergessen, daß aktive Maßnahmen nur ein Aspekt
unserer komplexen Beziehung zur Sowjetunion sind.
Grundlage einer vernünftigen Antwort auf aktive Maßnahmen muß sein,
daß wir das Problem erkennen. Dazu gehört die Sammlung und Analyse von reT
levanten Informationen. Das ist keineswegs nur eine Sache der Geheimdienste, da die aktiven Maßnahmen sowohl politische als auch psychologische Aspekte
haben. Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, daß aktive Maßnahmen über
Landesgrenzen hinweg wirken. Eine Fälschung, die den Interessen eines bestimmten Landes schaden soll, kann auf der anderen Seite des Globus auftauchen. Falschinformationskampagnen zielen auf die Medien vieler Länder.
Diese und andere Probleme sind jedoch keine unüberwindlichen Hindernisse
für ein viel besseres Verständnis des weltweiten Musters der aktiven Maßnahmen. Wir müssen nur unsere Antennen richtig auf die Herausforderung
ausrichten.
Da die Sowjets die aktiven Maßnahmen zu einem regulären Instrument
ihrer Außenpolitik gemacht haben, müssen wir de. Ganze als ein langfristiges Problem betrachten. Plötzliche Begeisterung, ihre schmutzigen Tricks
aufzudecken, gefolgt von Zeiten der Apathie, sind keine Antwort. Eine vernünftige und wirksame Antwort muß beharrlich und anhaltend sein. Das wird
am besten erreicht durch eine wachsende Aufklärung der Öffentlichkeit

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�der Öffentlichkeit und einen zunehmenden Konsens über die Bedeutung dieser
Tätigkeiten. Auch Regierungen haben die Pflicht, ihre Souveränität vor
Verzerrungen durch aktive Maßnahmen zu schützen, indem sie die ausländischen
Instrumente der Intervention enthüllen und entfernen - wie etwa den Diplomaten, der seinen Status mißbraucht, oder den ausländischen Journalisten,
der als Deckadresse für Falschinformationstätigkeit dient.
Aber unsere Antwort darf sich nicht auf eine wirksame Abwehr beschränken, so wichtig diese ist. Wir müssen aktiven Maßnahmen dadurch begegnen,
daß wir sie öffentlich enthüllen. Das sind Krankheiten, die nur im Dunkeln
gedeihen, und Sonnenlicht ist das beste Desinfektionsmittel. Die Regierungen sollten die Öffentlichkeit soweit wie möglich an unseren wachsenden
Erkenntnissen der sowjetischen Praxis teilhaben lassen. Es braucht nicht gesagt zu werden, daß solche Enthüllungen sowjetischer Manipulationen ein
Höchstmaß an Genauigkeit haben müssen.
Publizität dient mehreren Zwecken. Unsere Öffentlichkeit braucht die
besten Informationen, um ihren demokratischen Pflichten nachkommen zu können. Darüber hinaus hilft die Erkenntnis sowjetischer Praktiken unseren
Bürgern, daß sie nicht Opfer spezifischer aktiver Maßnahmen werden. Publizität schwächt auch den Anreiz für die Sowjets, da sie zunehmende Enthüllungen fürchten müssen. Umgekehrt würde einf stillschweigende Hinnahme des
sowjetischen Einsatzes aktiver Maßnahmen die UdSSR zu immer kühneren Aktionen ermutigen.
Zusammengefaßt kann man sagen, die Sowjetunion setzt aktive Maßnahmen in großem Umfang ein und hat einen großen bürokratischen Apparat für
die Durchführung dieser Maßnahmen geschaffen. Wenn sie auch keine unmittelbare, tödliche Bedrohung des Westens darstellen, so sind die aktiven Maßnahmen doch schädlich - in welchem Ausmaß läßt sich nicht ohne weiteres
feststellen. Welche Gefahr die aktiven Maßnahmen auch darstellen, ihr anhaltender Einsatz allein ist ein offensichtliches Hindernis für bessere

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�für bessere Beziehungen zur Sowjetunion. Wir sind uns zwar darüber im klaren,
daß die aktiven Maßnahmen nur ein Aspekt unseres komplexen Verhältnisses
sind, aber der gesunde Menschenverstand gebietet uns, diesen Übergriffen
nicht nur durch wirksame Abwehr, sondern auch dadurch entgegenzutreten,
daß wir unsere Bürger so umfassend wie möglich über diese Täuschungspraktiken informieren, denen sie ausgesetzt sind. So sehr wir auch wünschten,
die aktiven Maßnahmen würden aus der Außenpolitik verschwinden, so müssen
wir doch als Realisten mit den Folgen dieser feindseligen sowjetischen
Tätigkeiten leben und sie, so gut wir können, eindämmen.

+ + + + +

- 13 -

�22

25. Mai 1983

SORGFÄLTIGE SCHWANGERENBETREUUNG BEI DIABETES
- Angeborene Defekte gehen merklich zurück -

- (AD) - Obgleich angeborene Defekte und Mißbildungen bei Babies diabetischer Frauen zwei- bis fünfmal häufiger als bei Babies nicht zuckerkranker Mütter zu beobachten waren, ist Diabetes heute kein Grund mehr,
von einer Schwangerschaft abzuraten, "ei richtiger Betreuung der werdenden Mutter, so Dr. Larry Cousins, Gynäkologe am Klinikum der Universität
Kalifornien in San Diego, und bei sorgfältiger Überwachung der Entwicklung des Kindes sei kaum mehr mit Anomalien zu rechnen. Diese betrafen in
erster Linie Gehirn, Wirbelsäule, Herz, Nieren und Skelett sowie lebenswichtige Stoffwechselprozesse.
Dr. Cousins macht aber besonders darauf aufmerksam, daß bei nichtdiabetischen Frauen eine Schwangerschaft Zuckerkrankheit auslösen könne*
Schwangerschaftsdiabetes sei eine Folge der hormonalen Veränderungen in
dieser Zeit und verschwinde in den meisten Fällen nach der Entbindung
wieder. Aber die Erkrankung sei oft das Anzeichen für eine genetisch bedingte Disposition für Zuckerkrankheit und ein Signal, daß diese im späteren Lebensalter manifest werden könne. Auf jeden Fall sollten stets

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�sollten stets Tests auf Schwangerschaftsdiabetes durchgeführt und eine
entsprechende Behandlung eingeleitet werden.
Am Universitätsklinikum in San Diego werden regelmäßig Informationsprogramme über "Schwangerschaft" und "Diabetes der Frau" angeboten, in
denen u.a. Schwangerschaftsdiabetes und Risikoschwangerschaften eingehend
erörtert werden. Es gibt keine klinischen Symptome dafür, daß sich bei
einer Fr u Schwangerschaftsd'abetes entwickelt. Jedoch können gewisse Faktoren wie Korpulenz, familiär gehäuftes Auftreten von Diabetes, Lebensalter (älter als 25 Jahre) oder die Tatsache, daß die Schwangere bereits
sehr schwere Babies von mehr als 3 800 Gramm Gewicht zur Welt gebracht hat,
ein erhöhtes Risi«o bedeuten. Eine Schwangerschaft diabetischer Frauen
verlangt eine besonders sorgfältige Überwachung von Mutter und Kind und
Vorsorge für spezielle Maßnahmen zur Geburt. Häufig wird noch vor Ablauf
der normale; 40-Wochen-Frist die Geburt künstlich eingeleitet.
Laut Cousins sei bei angemessener vorgeburtlicher Betreuung zu vermeiden, daß Babies diabetischer Mütter zu groß und zu schwer werden, was
die Geburt kompliziert. Die schwangeren Diabetikerinnen erhalten regelmäßige diätetische Beratung, ihre medikamentöse Behandlung ist ganz auf
die jeweiligen individuellen Gegebenheiten zugeschnitten. Auch werden die
Frauen gründlich darin unterwiesen, zu Hause den Blutzuckerspiegel regelmäßig zu kontrollieren. Für die Untersuchung der Neugeborener steht ein
Team besonders geschulter Ärzte zur Verfügung.

- Eltern lernen Mund-zu-Mund-Beatmung Babies, die auf der Frühgeborenen-Intensivstation des Universitätsklinikums gepflegt werden mußten, dürfen von ihren Eltern erst dann nach
Hause genommen werden, wenn diese einen Spezialkursus über Herzmassage

- 2 -

�über Herzmassage

und Mund-zu-Mund-Beatmung erfolgreich absolviert haben.

Wenn Säuglinge das Leben in einer Intensivstation beginnen, haben sie gewöhnlich Untergewicht, sind nicht voll entwickelt und sehr krankheitsanfällig. Tod während des ersten Lebensjahres ist bei ihnen doppelt so häufig wie bei gesunden Babies; bei Frühgeborenen ist der sogenannte plötzliche Kindstod sogar achtmal häufiger.
Entgegen anfänglicher Bedenken bei Ärzten und Schwestern, daß eine
Schulung der Eltern in Wiederbelebungsmaßnahmen bei Atem- oder Herzstillstand solcher gefährdeten Babies sie noch mehr verunsichern oder verängstigen könne, erwiesen sich als völlig unbegründet. Vielmehr ist gerade
dieses Programm eine wichtige psychologische Hilfe. Die Eltern haben nun
die Gewißheit, im Notfall zunächst selbst das Richtige zun zu können, bis
der Arzt eintrifft oder die weitere Behandlung in der Klinik gesichert ist.
Im Verlauf der letzten Monate wurde im Einzugsbereich des Klinikums sieben
Babies auf diese Weise das Leben gerettet. Die Methode ist speziell auf
die Gegebenheiten bei dem winzigen Körper abgestellt. Die Eltern der Babies erlernen die Technik überraschend schnell und erweisen sich in der
Regel in der Anwendung als sehr geschickt.

+ + + + +

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ikle: Sowjetunion bringt jährlich 100 neue Objekte in den Weltraum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Darlegung des Staatssekretärs im US-Verteidigungsministerium vor Senatsausschuss -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Unannehmbare Einmischung: "Aktive Maßnahmen" der Sowjets&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Lawrence S. Eagleburger -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Staatssekretär für Politische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

I

United States Information Service

21

18.Mai 1983

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan: USA sind dem Ziel der Nichtweiterverbreitung von
Kernwaffen verpflichtet
- Botschaft des Präsidenten an den amerikanischen Kongreß
Schreiben Reagans an Mitglieder des Senats zum Thema
Rüstungskontrolle
- Wortlaut Ziel der Sowjetunion ist die Zerstörung der NATO
- US-Verteidigungsminister Weinberger im Gespräch mit
europäischen Journalisten Offener Brief Trudeaus zur Erprobung der Marschflugkörper
in Kanada
- Wortlaut -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neuer Katalysatortyp steigert Ausbeute an synthetischen
Kohlenwasserstoffen

Um Uber/endung von
ßckgcHcmpfcwcn
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40

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1

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

21

18. Mai 1983

REAGAN: USA SIND DEM ZIEL DER NICHTWEITERVERBREITUNG VON
KERNWAFFEN VERPFLICHTET
• Botschaft des Präsidenten an den amerikanischen Kongreß

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 11. Mai 1983 unterstrichen,
daß die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen (Nonproliferation) ein grundlegendes Sicherheitsziel der Vereinigten Staaten ist.
In einer Botschaft an den amerikanischen Kongreß erklärte der Präsident,
seine Regierung habe dieses Ziel aktiv verfolgt, indem die wesentlichen Maßnahmen zur Nichtweiterverbreitung verstärkt und neue Mittel und Wege erarbeitet wurden, um diese Interessen der USA zu fördern.
Die Botschaft Reagans, die dem Kongreß zusammen mit einem Bericht über
die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen übermittelt wurde, hat folgenden
Wortlaut:
Die Verhinderung der Weiterverbreitung von Kernwaffen ist ein seit langem bestehendes und grundlegendes Sicherheitsziel.

Meine Regierung ist

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Meine Regierung ist diesem Ziel mit allem Nachdruck verpflichtet und hat es
aktiv verfolgt, indem sie die wesentlichen Maßnahmen zur Nichtweiterverbreitung verstärkt und neue Mittel und Wege erarbeitet hat, um unsere Interessen
der Nichtweiterverbreitung gegebenenfalls zu fördern.
Wie ich in meiner Erklärung vom 31. März betont habe, müssen die Bemühungen, der Weiterverbreitung von Kernwaffen Einhalt zu gebieten, verstärkt
werden, soll die Rüstungskontrolle umfassend sein und die Sicherheit der Welt
gefördert werden.

Wir setzen unsere Anstrengungen mit anderen Ländern im Hin-

blick auf die Notwendigkeit dringender Schritte fort, die Maßnahmen gegen eine
Weiterverbreitung von Kernwaffen zu stärken.
Die Maßnahmen der amerikanischen Regierung bezüglich der Nichtweiterverbreitung und der friedlichen nuklearen Zusammenarbeit im Jahr 1982 sind
in dem Bericht aufgeführt, der aufgrund des Abschnittes 601 des Gesetzes über
die nukleare Nichtweiterverbreitung aus dem Jahr 1978 (Public Law 95-242)
vorgelegt werden muß.
Der Bericht wurde vom Außenministerium in Zusammenarbeit mit anderen
zuständigen Ministerien und Behörden erstellt.

+ + + + +

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Sl

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

21

18. Mai 1983

SCHREIBEN REAGANS AN MITGLIEDER DES SENATS ZUM THEMA ROSTUNGSKONTROLLE
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 12. Mai 1983 in
einem Schreiben an die Senatoren Charles Percy, Sam Nunn und William
Cohen erklärt, daß das Prinzip einer beiderseitigen Rüstungsverringerung
- Verschrottung einer höheren Anzahl alter Waffen als die Anzahl der neu
dislozierten - nützlich sei, wenn es flexibel formuliert und angewandt
sowie im Kontext des modifizierten START-Vorschlags ausgehandelt werde.
Das Schreiben des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich danke Ihnen für Ihren jüngsten Brief zum Thema unseres strategischen Modernisierungsprogramms und seines Verhältnisses zu unseren Rüstungsvorschlägen. Ihr Schreiben zeigt jenen überparteilichen Geist, der
meiner Meinung nach dazu beitragen wird, unsere gemeinsamen Ziele zu erreichen: Die Sicherstellung wirksamer Abschreckungsstreitkräfte und ausgeglichene und verifizierbare Rüstungsverringerungen.
Grundlegendes Ziel der Vereinigten Staaten bei den Verhandlungen, die
die Rüstungsverringerung betreffen, und insbesondere bei unserer Haltung

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�unserer Haltung in den START-Verhandlungen, ist es, Vereinbarungen anzustreben, die die Sicherheit und die Stabilität durch eine Verringerung
des Gesamtumfangs der Streitkräfte erhöhen und gleichzeitig die für eine
glaubwürdige Abschreckung notwendige Modernisierung der amerikanischen
Streitkräfte erlauben würde.
Wie Sie wissen, hat die Scowcroft-Kommission festgestellt, daß Elemente unserer START-Vorschläge mit den Ergebnissen der Kommission in
Einklang stehen und diese unterstützen. Ich stimme von ganzem Herzen dem
zentralen Thema der Kommission hinsichtlich der Rüstungskontrolle zu:
Erzielen einer Stabilität auf dem niedrigstmö'glichen Umfang der Streitkräfte.
Die Empfehlungen der Scowcroft-Kommission zu Modernisierung und Rüstungskontrolle stehen in organischer Beziehung zueinander. Unsere Maßnahmen im Hinblick auf diese Empfehlungen müssen gleichermaßen umfassend sein.
Aus diesem Grund wird derzeit von mir eine Überprüfung unseres START-Vorschlags in der Absicht durchgeführt, Änderungen zu entwerfen, wie sie notwendig sind, um die von mir geteilte Haltung der Kommission widerzuspiegeln.
Um nur ein Beispiel zu nennen: Der Bericht der Kommission empfiehlt,
daß die vorgeschlagene Begrenzung bei den dislozierten ballistischen Raketen, wie sie derzeit in der amerikanischen START-Position enthalten ist,
einer Überprüfung unterzogen wird, da sie nicht in Einklang mit der wünschenswerten Entwicklung in Richtung auf kleine Interkontinentalraketen
(ICBM) mit nur einem Sprengkopf steht.
Zur Einarbeitung dieser und anderer Empfehlungen der Kommission in
unsere Position hinsichtlich der Rüstungsverringerungen steht uns eine
ganze Reihe von alternativen Möglichkeiten zur Verfügung. Bei der Modifizierung unseres START-Vorschlags werde ich auch weiterhin Stabilität
auf dem niedrigstmöglichen Streitkräfteumfang anstreben.
Die von

�Die von meiner Administration vorgeschlagene Dislozierung der
"Friecenswahrer"-Raketesteht im Einklang mit der langfristigen Zielsetzung
des Berichtes der Scowcroft-Kommission. Die "Friedenswahrer"-Rakete, disloziert in einer Mischung mit kleinen ICBM mit nur je einem Gefechtskopf,
würde es uns ermöglichen, die Wirksamkeit unserer Abschreckung beizubehalten und die Stabilität zu erhöhen.
Lassen Sie mich gleichzeitig betonen, daß wir keine Erstschlagkapazität anstreben. Zu diesem Zweck haben wir die von uns für eine Dislozierung geplante Menge von "Friedenswahrer"-Raketen auf ein Mindestmaß begrenzt, wie sie nötig ist, um die Wirksamkeit unserer Abschreckung zu garantieren - nichts weiter.Unsere Aufgabe war

natürlich viel leichter,

wenn die Sowjets einer Zusammenarbeit mit uns zustimmen würden, um das Verhältnis von treffgenauen Gefechtsköpfen zu Raketensilos zu verringern.
Es liegt auf der Hand, daß der Gesamtumfang der "Friedenswahrer"Dislozierung im Einklang mit den Erfordernissen unserer nationalen Sicherhiet von den strategischen Programmen der Sowjets und von den Vereinbarungen über Rüstungsverminderungen beeinflußt wird.
Außerdem bin ich mir voll der zentralen Rolle bewußt, die die kleinen, nur mit einem Gefechtskopf bestückten ICBM bei dem in dem Bericht
der Scowcroft-Kommission empfohlenen Gesamtmodernisierungsprogramm spielen.
Wir werden sogleich eine umfassende Anstrengung unternehmen, um den Vorschlag einer kleinen, nur mit einem Gefechtskopf ausgerüsteten Interkontinentalrakete mit höchster Priorität zum Tragen zu bringen.
Bei ihren Erwägungen hinsichtlich der Durchführung des ICBM-Modernisierungsprogramms in seinen wesentlichen Teilen kam die Scowcroft-Kommission zudem zu der Ansicht, daß in den kommenden Monaten eine Reihe von
Entscheidungen - sowohl der Exekutive als auch des Kongresses - notwendig
seien, um die künftige Gestalt unserer ICBM-Streitmacht festzulegen.
Weiterhin stellte
- 3 -

�Weiterhin stellte sie fest, daß nicht alle diese Entscheidungen im
Jahre 1983 getroffen werden könnten oder sollten. Die wohl abgewogene Art
der Entscheidungsfällung, wie sie von einer Reihe von Kongreßmitgliedern
vorgeschlagen wurde, steht voll in Einklang mit den Intentionen des Berichtes der Scowcroft-Kommission. Ich bin mir völlig der Tatsache bewußt,
daß ein dauerhafter Konsens bei einer solch wichtigen Frage sorgfältig
hergestellt werden muß, und ich beabsichtige, mir die Zeit zu nehmen, um
einen solchen dauerhaften Konsens zu schaffen.
Ich möchte jedoch alle Betroffenen darauf hinweisen, daß sie an eines
denken sollten: Wenn wir unsere kritischen Elemente des Entscheidungsfindungsprozesses unnötig lange währen lassen, so werden wir die Sowjets nur
dazu ermutigen, die Verhandlungen zu verzögern, während sie gleichzeitig
mit ihren eigenen Waffenmodernisierungsprogrammen fortfahren.
Um dies zu verhindern, erbitte ich vom Kongreß ein deutliches Zeichen
der Unterstützung, um die Entschlossenheit der Vereinigten Staaten zu signalisieren. Hierzu gehört die offenkundige Notwendigkeit, rasch die Mittel
zu bewilligen, um die "Friedenswahrer"-Raketen zu beschaffen. Gemeinsam
sollte dies erreichbar sein, während gleichzeitig unserem beiderseitigen
Wunsch entsprochen wird, die Probleme de; Dislozierung, wann immer möglich,
auf sorgfältige, überlegte Weise zu lösen.
Sie haben erwähnt, daß bestimmte zusätzliche Initiativen dabei hilfreich sein könnten, uns auf unsere Ziele der Sicherheit und Stabilität bei
einem verminderten Streitkräfteumfang hinzuführen. Eine der hervorstehendsten dieser Initiativen ist der Gedanke eines "garantierten Abbaus".
Das Prinzip eines beiderseitigen Abbaus, wenn flexibel formuliert
und angewendet sowie im Kontext unseres modifizierten START-Vorschlags
ausgehandelt, wäre ein nützliches Mittel, um die Verringerung zu erreichen,
die wir alle anstreben.
Es würde

�Es würde, wenn korrekt angewendet, unsere Absicht unterstützen, die
Anzahl der Gefechtsköpfe bei ballistischen Raketen auf beiden Seiten zu
begrenzen und beide Seiten dazu zu bringen, dieses Niveau im Laufe der
Zeit stetig und beträchtlich herabzusetzen.
Es könnte von beiden Seiten flexibel und mit einem vernünftigen Spielraum angewendet werden, um die Streitkräfte ausgewogen zu machen, die disloziert und reduziert werden. Je nach Notwendigkeit würden variable Bezugsgrößen eher zu stabilisierenden als zu weniger stabilisierenden Systemen
ermutigen.
Es könnte auch in Verbindung mit einer vereinbarten Untergrenze angewendet werden, die - wäre sie einmal erreicht - eine Aufhebung der AbbauVereinbarung und damit Neuverhandlungen auslösen würde.
Wie auch Sie darauf hinweisen, muß ein jegliches Konzept des Abbaus
die Bedeutung der strategischen Modernisierung und die Notwendigkeit anerkennen, während des Abbauprozesses ein Gleichgewicht aufrechtzuerhalten,
um der Tatsache der Asymmetrie zwischen den amerikanischen und den sowjetischen Streitkräften Rechnung zu tragen.
Erforderlich wären natürlich auch Vereinbarungen über wirksame Verifizierungsmaßnahmen - einschließlich Zähl regeln für alle Systeme.
Meine Administration untersucht derzeit die Struktur eines Abbau-Vorschlags, der diesen Kriterien gerecht und ein START-Abkommen erleichtern
würde, das beträchtliche Verringerungen bei den Nuklearwaffen umfaßt. Ich
werde mit Ihnen und Ihren Kollegen bei der Entwicklung eines solchen Vorschlags zusammenarbeiten.
Zum Schluß möchte ich noch den ganz außergewöhnlichen Beitrag erwähnen, den die Scowcroft-Kommission geleistet hat. Er bot die Gelegenheit für die überparteiliche Analyse einer überaus schwierigen Frage als

- 5 -

�Frage als ersten Schritt in Richtung auf die notwendige Liberparteiliche
Unterstützung der dringend notwendigen Modernisierung unserer strategischen Streitkräfte.
Ohne Einzelheiten oder den zeitlichen Ablauf vorzuschreiben, unterbreitet der Bericht der Kommission Richtungen, die bei der weiteren Entwicklung unserer ergänzenden Strategie für die Rüstungsverringerung eingeschlagen werden könnten. Kurzfristig werden weiterführende Vereinbarungen,
zu denen Mitglieder der Kommission herangezogen werden, sowie eine enge
Koordination mit dem Kongreß sowohl technisch als auch politisch äußerst
hilfreich sein, wenn es darum geht, diese Entwicklung zu Ende zu denken.
Wir werden natürlich sorgfältig abwägen, um herauszufinden, welche Vereinbarungen unseren gemeinsamen Zielen am besten gerecht werden.
In dieser Hinsicht scheint mir ein Ausschuß überparteilicher Zusammensetzung und mit wechselnder Besetzung das Beste zu sein, um in diesem
Bereich Rat und Kontinuität sicherzustellen.
Ich werde, auf der Erfahrung der Scowcroft-Kommission aufbauend, mit
dem Kongreß zusammenarbeiten, um den Konsultativ- und Beratungsprozeß zu
stärken und zu ergänzen, damit im Bereich der Rüstungskontrollinitiativen
ein dauerhafter, nationaler, überparteilicher Konsens sichergestellt wird
- ein Konsens, der es verdient, von einer Administration zur nächsten gewahrt zu werden.
+ + + + +

- 6 -

�18. Mai 1983

ZIEL DER SOWJETUNION IST DIE ZERSTÖRUNG DER NATO
US-Verteidigungsminister Weinberger im Gespräch mit
europäischen Journalisten

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Caspar
W. Weinberger erklärte bei einem Informationsgespräch mit eurnDäischen
Korrespondenten am 27. April 1983 in Washington, das größte Ziel der Sowjetunion sei die Zerstörung des Atlantischen Bündnisses.

Weinberqer

gab seiner Überzeugung Ausdruck, daß Moskau "nahezu alles tun werde",
um die Dislozierung von neuen Raketen des Typs PERSHING II und von bodengest'ützten Marschflugkörpern in Europa zu verhindern, die zur Modernisierung des Waffenarsenals der NATO vorgesehen sind.
Die Sowjetunion, betonte Weinberger in einem Gespräch mit den
Journalisten, möchte ihr Monopol bei den weitreichenden Mittelstreckenraketen aufrechterhalten.
Die Fragen der Journalisten und die Antworten Weinbergers haben,
um einige weniger wesentliche Fragen und Antworten gekürzt, folgenden
Wortlaut:
Frage: Gestatten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Frage: Gestatten Sie mir, einen Satz aus Vizepräsident Walter
Mondales gestriger Ansprache vor Zeitungsverlegern herauszugreifen, in
der er sagte, das atomare Wettrüsten könne niemals gewonnen werden. Meine
Frage geht dahin: Fassen Sie je den Stop eines solchen Wettrüstens ins
Auge, oder werden sie ihn je ins Auge fassen? Wenn ich das frage, möchte
ich damit nicht Antwort: Ob ich was je ins Auge fassen werde?
Antwort: Eine Art von Stop, wenn Sie es so wollen, der Eskalation des Antwort: Des Wettrüstens?
Frage: Ja!
Antwort: Ja, gewiß. Wir haben zwei Punkte in Genf auf dem Verhandlungstisch; Vorschläge, die die weitere Ansammlung von Kernwaffen auf beiden Seiten beenden oder ganz erheblich vermindern würden; und das gilt auch für konventionelle Waffen und für Mittelstreckenraketen. Dies sind Methoden, das
Wettrüsten aufzuhalten. Aber man kann solche Verhandlungen nur mit Erfolg
führen, wenn man über genügend Stärke verfügt, um den Sowjets einen Anreiz
fü; Reduzierungen zu bieten, Ich bin der festen Meinung, daß dies möglich
ist. Ich meine, es muß geschehen. Und ich möchte sehr hoffen, daß die Sowjets in einigen dieser Verhandlungen eine entgegenkommendere Haltung einnehmen werden, als bisher ....
Frage: Ich möchte Ihnen eine Frage im Zusammenhang mit dem Problem der
Gefechtsköpfe stellen, die unter anderem von der Scowcroft-Kommission aufgeworfen wurde. Viele Leute meinen, daß es im gegenwärtigen Augenblick
ein wesentlicher Fortschritt wäre, wenn man sich angesichts der Situation
bei der Kernwaffen auf Raketen mit nur einem Gefechtskopf einigen würde.
Damit würden die Kernwaffenarsenale wesentlich verringert und gleichzeitig die Stabilität verbessert werden. Was ist Ihre Meinung hierzu?
Antwort: Es

�Antwort: Es handelt sich um die kleine, mit nur einem Gefechtskopf
ausgestattete Rakete, nicht wahr?
Frage: Nicht nur das, sondern darüber hinaus auch um andere Raketen
mit nur einem Gefechtskopf.
Antwort: Mit nur einem Gefechtskopf.
Frage: Fortfall der MIRVs, der Mehrfachgefechtsköpfe?

Antwort: Sie sollten sich allem voran, meine ich, die grundlegenden
Kriterien vor Augen halten, die der Präsident aufgestellt hat. Sie besagen,
daß wir nachdrücklich für eine Verringerung der Kernwaffen, in der Tat aller Waffen, auf einen Umfang sind, der uns die Parität oder Gleichgewichtig
keit einbringt und vollkommen verifizierbar ist. Das Abgehen von den Gefechtsköpfen, von Mehrfachgefechtsköpfen, und der Übergang auf Einzelgefechtsköpfe wurde als ein Schritt empfohlen, der durch die Scowcroft-Kommission sehr sorgfältig und gründlich sondiert werden müsse; und das geschieht gegenwärtig. Wir verfügen im Augenblick über keine leichte,

mobile

Rakete mit nur einem Gefechtskopf. Wir müßten eine solche von interkontinentaler Reichweite erst noch entwicklen. Man wird - wie wir hoffen - die
Scowcroft-Kommission, will sagen ihren Bericht, akzeptieren. Und wir werden mit der Entwicklungsarbeit beginnen. Dabei ist zu bedenken, daß die
Zahl der Gefechtsköpfe mehr oder weniger eine Funktion der Zahl der Ziele
ist. Deshalb gilt es, den Blick auf die Zahl der Ziele zu richten, die zu
erfassen sind, um eine wirksame Abschreckung aufrechtzuerhalten. Das soll
nicht besagen, daß wir je auf diese Ziele zu feuern oder sie je zu treffen
wünschen. Wir müssen aber in der Lage sein, die andere Seite zu überzeugen.
Die Abschreckung besteht darin, was sich die Sowjets vorstellen. Die Sowjets müssen sich also vorstellen können, daß wir über die Fähigkeit
verfügen, ihnen nach einem Ertsschlag durch sie - wir würden einen Erstschlag nie ausführen - hinreichend Schaden zuzufügen vermögen. Aber auch
- 3 -

�Aber auch nach einem Erstschlag durch sie, darüber müssen sie sich klar
sein, verfügen wir über genügend Stärke, über genügend Vergeltungsstärke,
um ihnen so großen Schaden zuzufügen, daß sie den Erstschlag besser unterlassen. Das läßt sich auf mehreren Wegen dartun. Es läßt sich über Mehrfachgefechtsköpfe erreichen oder über eine größere Zahl von Raketen mit
Ei nzelgefechtsköpfen.
Raketen mit Einzelgefechtsköpfen bieten in einem gewissen Sinne mehrere Vorteile, insofern als jede einzelne Rakete ein weniger kostspieliges
Ziel darstellt als eine Rakete mit zehn Gefechtsköpfen - oder im Falle der
Sowjetunion mit 20 Gefechtsköpfen. Das also kann man als einen Vorteil
ansehen.
Die wirkliche Lösung ist aber meiner Meinung nach sogar einfacher.
Sie ist vielleicht schwerer zu erreichen, ja sie wird sicher schwerer zu
erreichen sein. Eine wirkliche Lösung liegt darin, eine drastische Verminderung der Atomrüstung auf beiden Seiten - der Gefechtsköpfe, der Traglasten und der Sprengkraft zu erreichen - was nach meinem Dafürhalten die
wirksamste Methode zur Bemessung und Verwirklichung wäre drastische Verringerung auf beiden Seiten bis herab zu dem Punkt zu erreichen, an dem
Gleichheit eintritt und an dem sie verifizierbar werden. Das aber bedeutet
Verifizierung an Ort und Stelle, die wir immer angeboten haben und in die
die Sowjets nie eingewilligt haben. Das ist die Methode, nach der wir
meiner Meinung nach einen wirklichen Fortschritt im Abbau der Bedrohung
durch diese Waffen erlangen können.
Und was die Langstreckenraketen auf lange Sicht angeht,- und damit gehe ich weit von Ihrer spezifischer Frage ab - steht alles in den Sternen.
Und damit meine ich die Zahl der Jahre, die es dauern wird - dies und
nichts anderes - bis es uns, wie wir zuversichtlich hoffen, gelingen wird,
eine brauchbare Verteidigung gegen diese Ar + von Raketen zu entwickeln,
und daß diese Verteidigung zuverlässig genug ist, um die Bedrohung, die

- 4 -

�Bedrohung, die sie in die Welt getragen haben, den Terror und die Schrekken abzuwenden. Das ist eine Frage, an der wir weiter arbeiten müssen
und auf di\ wir uns weiter konzentrieren müssen. Wir sind uns aber darüber
im klaren, daß sie erst in einer Reihe von Jahren akut wird, daß wir gegenwärtig über eine solche Möglichkeit nicht verfügen und daß wir unsere Abschreckungskräfte als einen strategischen Schirm die ganze Zeit über beibehalten werden. Wir arbeiten daran, und wir haben eine Menge Arbeit
geleistet. Auch die Sowjets haben eine Menge Arbeit geleistet;

es han-

delt sich um ein erreichbares Ziel, nicht aber um ein Ziel, das wir schon
erreicht haben.
Ich halte den Aufruf des Präsidenten, weitere Schritte zu unternehmen
und diesem Projekt höhere Priorität einzuräumen, für äußerst wichtig. Hier
zeigt sich uns eine Angelegenheit, die ihn - wie ich weiß - seit Jahren,
seit vielen Jahren schon interessiert: die Verteidigung. Das ist einer der
Gründe, aus denen er sich für die Methode der Stationierung in dichten Bündeln entschieden hatte, weil diese Methode angesichts des derzeitigen Standes der Abwehr ballistischer Raketen die ist, die sich am besten für Verteidigungszwecke eignet. Das liegt aber alles weit weg von unserer Ausgangsfrage nach den Raketen mit nur einem Gefechtskopf. Die Beschränkung auf
nur einen Gefechtskopf ist eine weitere Methode, die Abschreckung zu gewährleisten; sie erfordert allerdings sehr weiträunige Dislozierungen und
eine sehr große Zahl von solchen Raketen. Wir müßten dann aber unsere Haltung in einigen der Gespräche über den Rüstungsabbau, bei denen man sich
bisher auf Startanlagen anstatt auf die Zahl der Gefechtsköpfe konzentrierte, in mancher Hinsicht ändern.
Frage: Herr Minister, ich habe eine Frage. Trifft die Feststellung zu,
daß die Doktrin der flexiblen Antwort aufgrund des relativ niedrigen Grades des Vorbereitetseins der NATO auf dem Gebiet der konventionellen
Waffen Schwachstellen aufweist?
Antwort: Die

�Antwort: Die NATO bedarf größerer Stärke im Bereich der konventionellen Verteidigung. Das ist einer der Gründe dafür, daß wir nach neuen Technologien suchen, sehen wir doch darin eine Möglichkeit, die Stärke im konventionellen Bereich zu mehren, ohne die Mannschaftsstärken zu erhöhen
und sehr große stehende Heere zu erhalten, was die Völker in unserer Art
von Ländern, was unsere Gesellschaften nicht so gerne hätten. Wir brauchen aus einer Reihe von Gründen eine stärkere konventionelle Verteidigung.
Einer von ihnen ist genau der gleiche, der für die Abschreckung gilt und das schon, wie ich meine, seit Jahren. Eine der großen Stärken der
NATO besteht darin, daß sie ein Maß an Abschreckungsstärke beibehalten hat,
sowohl bei den strategischen als auch bei den konventionellen Waffen, das
vor einem Krieg abzuschrecken vermochte - und zwar seit 34 Jahren.
Von entscheidender Bedeutung ist, daß dies weiter so bleibt.
Gefährlich ist, daß die Sowjets, sollten sie auf irgendeinem Gebiet
einen hinreichenden Vorsprung erlangen, meinen könnten, das Risiko eines
Vorstoßes wäre nicht allzu groß. Man muß diese Dinge ständig vom Standpunkt
der sowjetischen Planer aus betrachten: Was reicht aus, sie davon zu überzeugen, daß sie einen Erstschlag besser nicht auslösen sollten.
Das andere Problem, das mit dem Versäumnis einhergeht, hinreichende
konventionelle Stärken aufrechtzuerhalten, ist die Tatsache, daß viele Leute in der Vergangenheit meinten, die sowjetische konventionelle Stärke sei
so groß, daß ein sowjetischer Angriff mit konventionellen Waffen in kurzer
Zeit schor zu einer Entgegnung mit nuklearen Waffen eskalieren müsse; das
wiederum wollen wir auf keinen Fall. Wir wollen ein hinreichendes Maß an
konventioneller Stärke aufrechterhalten - vor Ort und auch interkontinental -, damit es zu einem derartigen Angriff erst gar nicht kommt.
Frage: Darf ich Ihnen zwei Fragen stellen, als eine Art Anschlußfrage
im Zusammenhang mit Ihrem Wunsch, unsere konventionelle Verteidigung zu
stärken: Welches Ergebnis erwarten Sie von der Überprüfung der taktischen
nuklearen Arsenale, die die NATO gegenwärtig hinsichtlich der vorhandenen

�der vorhandenen Typen, der Bestände und der Zeitplanung unternimmt - können Sie dazu etwas sagen?
Antwort: Ich halte es für wichtig, daß man die Kapazitäten in allen
Bereichen überprüft. Eine fortgesetzte Überprüfung ist angezeigt. Ich halte jede uns zu Gebote stehende neue Technologie als Stärkung unserer konventionellen Bewaffnung für wichtig, um unsere Streitkräfte auf diese Art
und Weise gewissermaßen multiplizieren zu können; das ist die wohl beste
Methode. Was die taktischen Nuklearwaffen angeht, so haben die Sowjets
solche. Wichtig ist, daß auch wir moderne und wirksame Waffen in diesem Bereich bereithalten - nicht notwendigerweise in großen Mengen oder so.
Was wir aber tun müssen - und hier handelt es sich um einen fortwährend notwendigen Prozeß der Überprüfung - was wir also tun müssen ist, das
aufrechtzuerhalten, was ich diese schrecklichen Gleichungen nenne. Wir müssen fortgesetzt überprüfen, was die Sowjets haben. Nicht wir haben diese
Welt geschaffen. Wir verbergen nichts, und wir in der NATO hegen keine aggressiven Wünsche oder Absichten. Wir müssem versuchen, manchmal fast täglich, eine Gesamtrechnung aufzustellen, was wir auch tatsächlich zu tun versuchen: Grad der Stärke, Ausmaß der Abschreckung, Stärke der Vergeltung
und alles, was notwendig ist, einen eventuellen Angriff zum Stillstand zu
bringen - und das auf allen Ebenen. Die Sowjets haben sehr große taktische
Gefechtsfeld-Nuklearkapazitäten. Wir müssen dem etwas entgegenzusetzen haben. Wir wissen, daß sie einige Verträge auf dem Gebiet der chemischen und
biologischen Kriegführung gebrochen haben, und deshalb müssen wir, zögernd
zwar, auch auf diesem Gebiet gewisse Kapazitäten unterhalten.
Ich kann Ihnen keine spezifischen Zahlen nennen. Ich möchte nur sicherstellen, daß sich die Überprüfung der Stärken durch die NATO an der
Vorstellung dessen orientiert, was wir bedürfen, um einen Grad der Vergeltungsstärke aufrechtzuerhalten und leider so gut wie fortwährend, weil die
Sowjets sehr viel auf diesem Gebiet investieren. Diese Überprüfung hält

- 7 -

�Diese Überprüfung hält nun schon seit über 21 Jahren an, und nichts deutet darauf hin, daß wir sie je einstellen könnten. Was auch immer geschieht, die Wirtschaft, die Gallup-Umfragen bezüglich der Sowjetunion
oder die Anhörungen

durch den Kongreß und alle diese Dinge, sie kennen

keinen Stillstand. Und deshalb haben wir diese Überprüfungen als Fakcor
in unsere Gleichungen von den Entgegnungsmöglichkeiten einbezogen.
Frage: Darf ich Ihnen noch die andere Frage zum Thema der Mittelstreckenraketen stellen? Welche Faktoren sehen Sie als entscheidend für
die zeitliche Abfolge und die Art einer ernsthaften sowjetischen Eingehung auf unseren Vorschlag einer Zwischenlösung,auf die sogenannten Interimsvorschläge, vor? Wie meinen Sie, daß sich die Dinge hier entwickeln
werden?
Antwort: Ich weiß nicht. Voraussagen sind sehr schwer zu treffen.
Ich kann noch nicht einmal vorhersagen, was der Kongreß tun wird, ganz
zu schweigen, was die sowjetischen Verhandlungsführer tun werden?
Frage: Verzeihung. Was ich meine ist, daß jeder VerhandlungsfUhrende eine gewisse Vorstellung davon haben muß, was sein Gegenüber am Verhandlungstisch denkt.
Antwort: Nähme ich an den Verhandlungen teil - und nach meinem Dafürhalten denken einige unserer Leute so -, ginge ich davon aus, daß praktisch nichts geschehen wird, bis die bodengestützten Marschflugkörper und
die PERSHING II disloziert sind, daß die Sowjets am Verhandlungstisch bleiben und reden werden, daß sie uns aber nicht auf nützliche oder wirksame
Art und Weise entgegenkommen werden. Bisher jedenfalls haben sie das
nicht getan. Eine weitere Runde steht uns ja noch im Mai bevor. Ich hoffe,
daß ich mich irre - es würde mich freuen, sollte ich mich irren -, aber
nach meinem Dafürhalten sind die bisherigen öffentlichen Verlautbarungen
zu der vom Präsidenten vorgeschlagenen Zwischenlösung, der InterimsMethode, zur Erreichung der Null-Lösung nicht besonders günstig ausgefallen.

- 8 -

�günstig ausgefallen. Es gibt eine Menge Leute, die da meinen, Hauptziel
der Sowjets sei es, die Dislozierung der als Gegengewicht zur SS-20 vorgesehenen Waffen zu verhindern. Werden diese wirklich disloziert, und es ist
ganz klar, daß die Dislozierung nach Plan erfolgt, werden wir vielleicht
tatsächlich eine Art Gegenvorschlag erhalten. Das scheint logisch, weil die
Sowjets von einer Vereinbarung über eine Verminderung ihrer SS-20 etwas
profitieren müssen. Sie besitzen gegenwärtig nach der letzten von uns publizierten Zählung 351 SS-20 Raketen, und es kommen immer neue dazu. Jede von
ihnen hat drei Gefechtsköpfe. Sie sind sämtlich motorisiert und wiederverwendungsfähig. Die Sowjets haben es nicht nötig, irgendeiner Regelung zuzustimmen oder irgendwelche Verminderung vorzunehmen, solange es keine Gegenwaffe gibt; und es gibt sie wirklich nicht. Deshalb meine ich, daß wir diese
Dislozierungen vornehmen und klarmachen müssen, daß sie planmäßig voranschreiten, ehe wir auf etwas wie eine vernünftige oder nützliche entgegenkommende Antwort rechnen können.
Das diesbezügliche große Ziel der Sowjets steht vollkommen im Einklang
mit dem, was sie immer beabsichtigt haben. Sie versuchen, die NATO zu zerstören - schon von ihrer Gründung an, da dies eines ihrer Hauptprinzipien
ist. Die Versuche, die Vereinigten Staaten von Europa abzukoppeln, sind ein
weiterer Teil ihrer diesbezüglichen Anstrengungen. Sie versuchen ferner,
die Dislozierung jeder möglichen Gegenwaffe zu blockieren, um ihr Monopol
auf dem Gebiet der Mittelstreckenraketen aufrecherhalten zu können. Das
ist noch immer ihr Ziel, das zu verfolgen, sie nicht müde werden. Sie ändern
ihre Politik nicht alle drei oder vier Jahre und sie bewegen sich direkt auf
diesem Pfad voran
Frage: Ich möchte Sie nach zwei Dingen fragen. Begrüßen Sie die Tendenz, von der in Frankreich und in Europa sehr viel die Rede ist, nämlich
die europäischen Verteidigungskapazitäten von Jahr zu Jahr aufzustocken,
damit in Europa immer weniger von den Vereinigten Staaten abhängig wird,
und glauben Sie, daß die neuen französischen Militärprogramme in diesem
Rahmen einen Weg in diese Richtung oder einen Weg zurück in die NATO dar-

- 9-

�NATO darstellen?
Antwort: Zum ersten Teil der Frage scheint mir wichtig, daß wir alle
mehr hinsichtlich unserer Selbstverteidigung tun sollten, mehr, um uns
selbst stark zu machen, und mehr auch, um wirksame Verteidigungskräfte
aufzubauen. Nach meinem Dafürhalten bietet die NATO eine vorzügliche
Möglichkeit hierzu. Sie funktioniert und sie ist ein starkes Bündnis aus
freien, souveränen Ländern. Es wird natürlich immer Meinungsverschiedenheiten geben; das war in den 34 Jahren ihres Bestehens so und wird auch
in Zukunft so sein. Die NATO ist ein starker freier Zusammenschluß unabhängiger selbständiger Länder und als solches ein Bollwerk des Friedens
in Europa.
In dem Ausmaß, in dem ein Mitgliedland seine eigene Stärke mehrt,
ist dem meines Erachtens nur Beifall zu zollen. Ich sehe dies aber nicht
als einen Weg an, der die Vereinigten Staaten in die Lage versetzt, sich
zurückzuziehen oder irgendetwas derartiges zu tun. Ich glaube wir werden
uns immer, wir werden uns immer gegenseitig brauchen. Ich kann mir nicht
vorstellen, daß die Vereinigten Staaten in einer Welt fortbestehen könnten,
in der Europa überrannt worden ist. Und ich halte es für wichtig, daß jeder von uns auf einer völlig unabhängigen, aber in die Wechselseitigkeit
eingebundenen Basis die Verteidigung aller zu stärken hilft. In dem Maße,
in dem ein Land seine eigene Verteidigung stärkt, verbessert es seine
eigene Situation, gewiß aber auch die Weltsituation.
Nach meinem Dafürhalten besteht die wirksamste Methode, dies zu tun,
in einem geeinten und starken Bündnis, und ich meine und hoffe, daß wir
in Einsicht und Stärke fortbestehen und weiter wachsen können. Darin
liegt meines Erachtens für uns alle die beste Hoffnung, das abzuschrekken, was sich als eine gewaltige und rasch wachsende Stärke der Sowjets
auf allen Gebieten erwiesen hat, vor allem auf dem Gebiet der offensiven
Stärke, und so halte ich dafür, daß damit alles gesagt ist
Frage: Kennen
-10-

�Frage: Kennen Sie die genaue Zahl der SS-20, die gegen Ziele in
Europa und Asien gerichtet sind?
Antwort: Es gab nach unserer letzten, der Öffentlichkeit mitgeteilten Zählung 351 SS-20 mit je drei Gefechtsköpfen. Inzwischen wurden es
mehr. Neue SS-20 werden in stetig gleicher Zahl disloziert. Einige von
ihnen stehen östlich des Urals und sind gegenwärtig gegen Asien gerichtet. Die Mehrzahl von ihnen aber steht in Gebieten, von denen aus sie jedes Ziel in Europa zerstören können. Sie sind motorisiert und können innerhalb weniger Stunden an einen anderen Ort verbracht werden. Ihr tatsächlicher momentaner Standort ist mithin nicht so wichtig. Zudem besteht
noch die Möglichkeit der Wiederverwendung. Ältere Zählungen sind mithin
nicht gerade sehr relevant.
Die SS-20 ist eine tödliche Waffe, eine sehr zielgenaue Waffe, eine
Waffe ohne Gegenwaffe mit vergleichbarer Reichweite im Bereich der Mittelstreckenraketen und so halte ich es für entscheidend wichtig, daß wir
ein Gegengewicht für sie schaffen und daß wir die entsprechenden Raketen
so schnell wie möglich an Ort und Stelle bringen.
Die Bedrohung aber ist eine Bedrohung für ganz Europa. Sie ist eine
Bedrohung, die potentiell und tatsächlich heute auch gegen Asien disloziert ist. Die genaue Zahl an diesem oder jenem Ort ist wegen ihrer Mobilität irrelevant. SS-20 können rasch von einem Ort an einen anderen verlegt werden, und alle Angebote, eine gewisse Zahl von ihnen aus Europa
fortzuschaffen und nur auf Ziele in Asien zu richten, sind nicht nur irrelevant, sondern beunruhigen verständlicherweise die Asiaten.
Frage: Wie ernst ist Ihrer Meinung nach dip von den sowjetischen
Medien ausgesprochene Drohung, Raketenabschußbasen unweit der Vereinigten Staaten zu errichten, sofern die amerikanischen Raketen in Europa
disloziert werden und wie würden die Vereinigten Staaten und die NATO
auf diese Bedrohung reagieren oder antworten, sollte sie Wirklichkeit

- 11 -

�sie Wirklichkeit werden?
Antwort: Das sind Drohungen, die zuvor schon mehrmals ausgesprochen
worden sind, und ich habe keine Vorstellung davon, welcher Ernst ihnen zukommt. Wie schon gesagt, die Sowjets tun nach meinem Dafürhalten fast alles,
um die Dislozierung von Gegenwaffen zur SS-20 zu blockieren, weil sie ihr
Monopol behalten wollen. Wenn sie das sagen, versuchen sie allem voran jede
mögliche Art von Opposition dagegen auszulösen. Und nun erklären sie vor
einer Reihe unterschiedlicher Foren - offiziell und inoffiziell, abgesehen
davon, daß, wie ich vermute, alles, was von dort kommt, offiziell ist daß es zu weiteren Dislozierungen kommen werde, wenn die Dislozierung in
Europa erfolgt. Ich sehe keine Möglichkeit zu beurteilen, wie ernst dies
ist.
Und was das angeht, was wir tun würden, wenn die Sowjets mehr täten
als nur davon sprechen, darf ich sagen: Wir haben eine solche Situation
schon einmal gemeistert und ich kann mir vorstellen, daß wir abermals damit fertig werden.

+ + + + +

- 12-

�21

18. Mai 1983

OFFENER BRIEF TRUDEAUS ZUR ERPROBUNG DER MARSCHFLUGKÖRPER IN KANADA
- Wortlaut -

- (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den Wortlaut eines offenen
Briefes des kanadischen Ministerpräsidenten Trudeau an die Öffentlichkeit
seines Landes, der am 10. Mai 1983 in zahlreichen Zeitungen Kanadas erschien.
Er befaßt sich mit der vorgesehenen Erprobung von Marschflugkörpern in
Kanada.
Der offene Brief hat folgenden Wortlaut:
In den letzten Monaten habe ich eine große Anzahl von Briefen und Petitionen erhalten, in denen gegen die eventuelle Erprobung von Marschflugkörpern in Kanada protestiert wird.

Weil es mir physisch unmöglich ist, all

denen persönlich zu antworten, die mir ihre Besorgnisse ausgedrückt haben,
erwiderte ich darauf in aller Öffentlichkeit, als ich im vergangenen Monat
anläßlich eines Essens zu Ehren von Vizepräsident Bush dazu Stellung nahm.
Weil diese ganze Frage auch weiterhin schwer auf dem Gewissen von Vertretern der Regierung und der Öffentlichkeit lastet, habe ich mich jetzt

�mich jetzt entschlossen, mich direkt mit Hilfe eines offenen Briefes an
die Kanadier zu wenden.

Zweck dieses Briefes ist es, die Position der kana-

dischen Regierung zur Erprobung der Marschflugkörper sowie zu der weitergehenden Frage der Abrüstung darzulegen.
Einleitend möchte ich darauf hinweisen, daß die Freiheit, solche Fragen zu erörtern und sich mit ihnen auseinanderzusetzen, unserer Demokratie
ihre Größe und Stärke verleiht; aber genau diese Freiheit kann uns angesichts
des sowjetischen Totalitarismus verwundbar erscheinen lassen.
In den letzten Jahren hat die Sowjetunion Hunderte von neuen SS-20-Raketen disloziert - jede mit drei nuklearen Gefechtsköpfen ausgestattet und
in der Lage, alle großen Städte in Westeuropa zu erreichen.

Und dennoch

hat es keinen bedeutsamen Protest der öffentlichen Opposition gegeben - weder innerhalb noch außerhalb der Sowjetunion.
Daß die sowjetische Bevölkerung gegen diese Maßnahme ihrer Führung nicht
protestiert hat, überrascht niemanden.

Was allerdings überrascht, ist die

Tatsache, daß diejenigen Kreise im Westen, die gegen neue Kernwaffen opponieren, relativ schweigsam waren im Hinblick auf die Stationierung der SS-20.
Ganz im Gegenteil:

Sie gehen nunmehr auf die Straße, um gegen die mögliche

Dislozierung von amerikanischen PERSHING II-Raketen und von Marschflugkörpern
zu protestieren, die Europa gegen die sowjetische Nukleardrohung schützen
sollen.
Was in Kanada insbesondere überrascht, ist die Tatsache, daß die Demonstranten gegen die mögliche Erprobung von Marschflugkörpern auf kanadischem Territorium protestieren, aber nicht dagegen, daß ähnliche Raketen
bereits in der Sowjetunion erprobt werden, wie dies im Dezember letzten
Jahres von Generalsekretär Andropow bestätigt worden ist.
Weil die Menschen in der freien Welt nicht die Macht haben, die Führung der Sowjetunion zu beeinflussen, liegt die Versuchung sehr nahe, ihre

�nahe, ihre Ängste und Besorgnisse mit aller Kraft gegen die einzigen Entscheidungsträger zu richten, die sensitiv gegenüber der öffentlichen Meinung sind, nämlich gegen die führenden Politiker der demokratischen Länder.
Nachdem sie zu der Überzeugung gelangt sind, daß es nutzlos ist, die SS-20Raketen zu verurteilen, finden diese Menschen es meiner Ansicht nach einfacher, sie schlicht zu vergessen.

Das merkwürdige Ergebnis dieser Vergeß-

lichkeit ist, daß es jetzt irgendwie möglich wird, die Sowjetunion nicht als
Aggressor hinzustellen, sondern als unschuldige Zielscheibe,, Dies zeugt von
einer merkwürdigen Bewußtseinsstörung und bedeutet eine völlige Umkehr der
Rollen - und die sowjetische Führung war sehr schenll dabei, dies für ihre
eigenen Zwecke auszunutzen.
Sie hofft offenbar, daß einseitige Informationen und einseitige Proteste zu einer einseitigen Abrüstung des Westens führen werden.

Ja, es gibt

schon in der öffentlichen Meinung Westeuropas Teile, die sich diese Politik
zu eigen gemacht haben.
Während der ersten Sondersitzung der Vereinten Nationen über Abrüstung
habe ich im Namen Kanadas eine Strategie des Im-Keine-Erstickens vorgeschlagen.

Diese Strategie sollte - selbst schon im Laboratorium - die Entwicklung

neuer Kernwaffensysteme zunichte machen.

Es lag auf der Hand, daß mein Vor-

schlag für beide Seiten oder für keine Gültigkeit haben mußte.

Ganz ohne

Frage wollte ich mit meinem Vorschlag nicht andeuten, daß der Westen einseitig abrüsten sollte.
Weil diese Strategie, die Dinge im Keime zu ersticken, von der Sowjetunion abgelehnt wurde, wie ja die anhaltende Dislozierung von SS-20-Raketen
zeigt - einer Waffe, die den SS-4- und den SS-5-Raketen weit überlegen ist -,
konnte natürlich nicht darauf gedrängt werden, daß die NATO-Länder allein
diese Strategie akzeptieren. Deshalb haben wir uns der Strategie des Doppelbeschlusses unserer NATO-Partner angeschlossen. Die beiden Teile des Beschlusses zielen einmal auf Verhandlungen über die Beseitigung der sowjetischen SS-20-Raketen und zum anderen auf die Vorbereitung der Dislozierung

- 3 -

�der Dislozierung neuer amerikanischer Raketen in Europa ab, um erstens die
Sowjets zu ernsthaften Verhandlungen zu drängen und um zweitens unsere europäischen Verbündeten nicht in einer verwundbaren Position zu belassen, sollten die Verhandlungen über die nuklearen Mittel Streckensysteme fehlschlagen.
Nachdem wir unsere Unterstützung für den Doppelbeschluß erklärt haben,
sollte Kanada seinen fairen Anteil an den Lasten tragen, die eine solche Politik dem NATO-Bündnis auferlegt.
Es ist kaum fair, sich auf den Schutz des Westens durch die Amerikaner
zu verlassen, sich andererseits aber zu weigern, sie zu unterstützen, wenn
sich die Dinge schwierig gestalten.

So gesehen grenzt der Antiamerikanismus

einiger Kanadier an Heuchelei. Sie sind zwar bestrebt, Schutz unter dem
amerikanischen Schirm zu suchen, möchten diesen Schirm aber nicht mithalten.
Wenn wir moralische Prinzipien hinsichtlich dieser Frage anwenden wollen, dann kann man sich sehr leicht in Positionen gefangen finden, die entweder zu kompliziert oder zu einfach sind. Die erstere kann uns lähmen, mit
der zweiten können wir uns etwas vorgaukeln.
In die Falle der Überkompliziertheit geraten jene, die darauf beharren, daß keine moralische Position gültig sei, die nicht jeden nur möglichen
künftigen Durchbruch auf dem Gebiete der nuklearen Waffentechnologie in Rechnung stellt und jede mögliche künftige Schwierigkeit bei der Aufdeckung der
Aktionen der anderen Seite. In die Falle der Übervereinfachung geraten jene,
die sich damit zufriedengeben, nur darüber zu sprechen, wieviel Schüsseln
voll Reis für die Kosten einer Rakete beschafft werden könnten, oder die die
Regierungen dafür verurteilen, daß sie überhaupt etwas für die Verteidigung
ausgeben.
Ich bestreite nicht, daß es ein Element der Wahrheit und der Gültigkeit
in einer bedingungslosen pazifistischen Position gibt.

Ich sage lediglich,

daß es allzu einfach ist, die reale, komplizierte und oft unmoralische Welt

- 4 -

�unmoralische Welt zu ignorieren, auf die unsere moralischen Entscheidungen
angewandt werden müssen.

Der Papst selbst hat dieser Tatsache in einer Bot-

schaft Rechnung getragen, die er im Juni vergangenen Jahres an die zweite
Abrüstungssondersitzung der Vereinten Nationen sandte.

"Unter den gegenwär-

tigen Verhältnissen", so schrieb er, "mag die auf Gleichgewichtigkeit gestützte Abschreckung - sicherlich nicht als Selbstzweck, sondern als Schritt
in Richtung auf eine progressive Abrüstung - immer noch als moralisch akzeptabel beurteilt werden."
Ich glaube, daß die sowjetischen Völker genauso den Frieden wünschen
wie die Völker der freien Welt.
schwer bewaffnet sind.

Aber ich weiß auch, daß die Sowjets überaus

Unter diesen Umständen wäre es nahezu selbstmörde-

risch für den Westen, eine Politik der einseitigen Abrüstung zu verfolgen
oder eine Politik, die die Entwicklung neuer Mittel der Selbstverteidigung
gegen die sowjetischen SS-20 im Keime ersticken würde.

Dies ist eine Art

der heroischen moralischen Entscheidung, die zwar ein Einzelmensch in seinem
persönlichen Leben trifft - aber hat irgendjemand das Recht, diese Entscheidung einer gesamten Nation oder der Gemeinschaft freier Länder aufzuerlegen?
Wenn es um die Entscheidung zwischen Standhaftigkeit oder Schwäche angesichts des Totalitarismus geht, dann sollte uns die Geschichte gelehrt haben,
daß die Weigerung, sein Leben für die Verteidigung der Freiheit zu riskieren,
bedeutet, den Verlust der Freiheit zu riskieren - ohne jede Garantie, daß
man dadurch sein Leben rettet.
Aus diesem Grunde hat die kanadische Regierung sich entschieden - nicht
ohne Besorgnisse oder ohne die volle Erkenntnis des Risikos -, sich unseren
NATO-Partnern bei der Verfolgung einer Politik der Stärke gegenüber der Sowjetunion anzuschließen.
Bei der Unterstützung des Doppelbeschlusses des Atlantischen Bündnisses
werden wir darauf bestehen, daß Fortschritte gleichzeitig im Hinblick auf
beide Teile dieses Beschlusses gemacht werden.

- 5 -

Diese Kombination von Stand-

�von Standhaftigkeit der Zielsetzung und der Bereitschaft, zu verhandeln,
scheint Früchte zu tragen, wie das jüngste Angebot von Generalsekretär
Andropow zeigt, die Anzahl der Gefechtsköpfe wie der Raketen in Rechnung
zu stellen.
Müssen wir nun annehmen, daß diese neue Flexibilität Andropows ein
ehrliches Zeichen des guten Willens ist?

Müssen wir ernsthaft glauben,

daß bei zwei Gelegenheiten seit dem Dezember vergangenen Jahres die Sowjets
öffentlich eine Reduzierung ihrer nuklearen Streitkräfte in Erwägung gezogen hätten, falls wir in unserer Entschlossenheit nachgelassen hätten?
Für mich ist die Antwort klar.

Es ist absolut wichtig, daß die Ver-

einigten Staaten mit ihren Anstrengungen fortfahren, über die Beseitigung
der SS-20-Raketen im Austausch gegen die Nichtdislozierung neuer amerikanischer Raketen in Europa zu verhandeln, oder zumindest doch über eine kleinere Anzahl von Raketen auf beiden Seiten.
Ich hoffe, daß meine Darlegung unserer Politik deutlich gemacht haben
wird, daß, wenn wir einer Zusammenarbeit bei der Erprobung des Leitsystems
der Marschflugkörper zustimmen, dies aufgrund unserer Solidarität mit den
anderen westlichen Demokratien geschieht - in einer Welt, die sich gegenüber der von uns vorgeschlagenen Strategie, diese Dinge im Keime zu erstikken, taub gezeigt hat.
Nachdem ich dies ausgeführt habe, möchte ich jedoch hinzufügen, daß
wir die Hoffnung auf die Beendigung des nuklearen Wettlaufs nicht aufgeben
sollten. Alle Menschen der Welt, ob sie nun Freunde oder Gegner sind, wollen ihr eigenes Leben sowie das Leben jener, die sie lieben, erhalten. Wenn
die Entdeckung der schrecklichen Geheimnisse des Atoms uns die Macht verleiht, unseren gesamten Planeten zu zerstören, dann gibt es doch noch eine
größere und mächtigere Kraft, die ihn retten kann:
Kindern und die Liebe zum Leben.

Unsere Liebe zu unseren

Daher bin

�Daher bin ich weiterhin der Überzeugung, daß unsere Strategie des
Im-Keime-Erstickens die beste Strategie ist.
gern sich, sie jetzt zu akzeptieren.

Die Großmächte der Welt wei-

Aber das wird uns nicht davon abhal-

ten, bei jeder sich bietenden Gelegenheit unseren Vorschlag zu wiederholen,
bis die Anerkennung seiner Wahrheit uns alle von moralischen Nöten und von
Furcht befreit.

+ + + + +

7 -

�18. Mai 1983

NEUER KATALYSATORTYP STEIGERT AUSBEUTE AN SYNTHETISCHEN
KOHLENWASSERSTOFFEN

- (AD) - Die Kohlehydrierung zur Gewinnung von synthetischen ölen
und von Benzin aus Kohle, eine Erfindung des deutschen Chemikers und Nobelpreisträgers Friedrich Bergius aus dem Jahr 1912, erhielt erst nach der
Einführung von Katalysatoren in den Prozeß durch Fischer und Tropsch im
Jahr 1925 und die technischen Weiterentwicklungen der Folgezeit wirtschaftliche Bedeutung. Während des Zweiten Weltkrieges war in Deutschland Kohle
die wichtigste Quelle für Kraftfahrzeug- und Flugzeugtreibstoffe, die nach
dem Fischer-Tropsch-Verfahren erzeugt wurden. Wie kürzlich Robert Huggins,
Professor für Werkstoffwissenschaften und Werkstoff techni'- an der StanfordUniversität (Kalifornien),erklärte, verlange heute der große Bedarf nicht
nur an öl und Treibstoffen, sondern auch an synthetischen Fasern und anderen Materialien neue Anstrengungen, um die Kohle als chemischen Grundstoff
besser zu nutzen. "Fast alle Synthesefasern werden derzeit aus Erdöl hergestellt. Wird dieses knapp, brauchen wir andere Ausgangsmateri lien sowohl für Fasern als auch für Kunststoffe."

Eine ganz wichtige Rolle in der sog. Kohleverflüssigung spielt der
Katalysator, der beim Fischer-Tropsch-Verfahren aus Nickel besteht, übri

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�besteht, übrigens kommen alle wichtigen Katalysatoren aus einer Gruppe
chemischer Elemente, die leicht Elektronen aufnehmen oder abgeben; es sind
Elemente der sog. Nebengruppe im periodischen System. In Anwesenheit von
Nickel werden Moleküle von Kohlenmonoxyd und Wasserstoff in großer Zahl
aufgebrochen, und Einzelatome von Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauersotff
lagern sich an der Oberfläche des Katalysators ab. Normalerweise gehen diese
Atome dann ohne besondere Schwierigkeiten Verbindungen ein und bilden Kohlenwasserstoffe (mit Methan als einfachster Verbindung) sowie Wasser.
An diesem Punkt setzten die neuen Entwicklungen von Professor Huggins
und seinem ehemaligen Schüler und jetzigen Mitarbeiter Turgut Gus ein mit
dem Ziel, die Ausbeute an Kohlenwasserstoffen zu vergrößern. Als Katalysator benutzten sie einen ""ig. Ionenleiter - einen Feststoff mit besonderer
Kristallstruktur, in dem Ionen (Atome mit elektrischer Ladung) den Stromfluß besorgen. Im Gegensatz dazu tun dies bei den Metallen und Halbleitern
die sehr viel kleineren Elektronen.
Huggins legt eine Spannung am Ionenleiter an. Dies bewirkt, daß die
an der Oberfläche des Nickelkatalysators haftenden Sauerstoffatome eine
elektrische Ladung bekommen, noch ehe sie Zeit hätten, sich mit Wasserstoff zu Wasser zu verbinden. Sie werden zu Sauerstoffionen. Man kann sie
nun von der Nickeloberfläche lösen und durch Anlegen einer elektrischen
Spannung durch den Ionenleiter "hindurchziehen". Schließlich werden sie
als Sauerstoffgas auf der anderen Seite freigesetzt.
Dieses kontinuierliche Entfernen oder "Pumpen" von Sauerstoff von der
Katalysatoroberfläche steuert den Umfang der Gesamtreaktion. Mit relativ
niedriger Spannung an der "Ionenpumpe" läßt sich die KohlenwasserstoffProduktion außerordentlich beschleunigen. Ein weiterer Vorteil dieses Verfahrens besteht darin, daß neben Kohlenwasserstoffen reiner Sauerstoff
als Nebenprodukt anfällt. Dieser ist, technisch gesehen, sehr viel wertvoller als das bei dem alten Verfahren anfallende Wasser.
Allerdings ist
- 2 -

�Allerdings ist der neue Prozeß nach Meinung von Professor Huggins
von einer kommerziellen Anwendung noch weit entfernt. Das Hauptproblem
liege gegenwä'rtig darin, daß der bisher benutzte Ionenleiter nur bei Temperaturen über 600 Grad Celsius optimal funktioniert.Aber in diesem Temperaturbereich sind mit Ausnahme von Methan alle Kohlenwasserstoffe instabil. Desha"^ müssen Ionenleiter-Materialien gefunden werden, die bei niedrigeren Temperaturen einsatzfähig sind, um die Gewinnung schwererer Produkte
zu ermöglichen.
Das zum Teil mit Geldern der Nationalen Forschungsstiftung (NSF) der
USA finanzierte Projekt geht auf Forschungen von Professor Huggins zur
katalytischen Zersetzung von Stickoxyden in Auspuffgasen zurück.

+ + + + +

- 3 -

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                <text>Amerikadienst 18.05.1983</text>
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: USA sind dem Ziel der Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen verpflichtet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Botschaft des Präsidenten an den amerikanischen Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schreiben Reagans an Mitglieder des Senats zum Thema Rüstungskontrolle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ziel der Sowjetunion ist die Zerstörung der NATO&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Verteidigungsminister Weinberger im Gespräch mit europäischen Journalisten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Offener Brief Trudeaus zur Erprobung der Marschflugkörper in Kanada&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neuer Katalysatortyp steigert Ausbeute an synthetischen Kohlenwasserstoffen&lt;/p&gt;</text>
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11, Mai 1983
I N H A L T

DOKUMENTATION
Erklärung Reagans zur Freeze-Resolution des Kongresses
Aktuelle Entwicklungen des Atlantischen Bündnisses
- Von Botschafter Tapley Bennett -

WIRTSCHAFT
US-Außenminister umreißt Fragen des Ost-West-Handels
- Shultz bei der OECD in Paris -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Physik im Dienst der Medizin
- "SQUID"-Apparatur mißt Eisenspiegel

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40

�11. Mai 1983

ERKLÄRUNG REAGANS ZUR FREEZE-RESOLUTION DES KONGRESSES

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 5. Mai 1983 mit
Genugtuung festgestellt, daß eine große Zahl von Kongreßmitgliedern die Gefahren
erkannt habe, die mit einem sofortigen Einfrieren der Kernwaffen verbunden wären.
Die Resolution, die das amerikanische Repräsentantenhaus am 4. Mai verabschiedet
hatte und in der ein beiderseitiges Einfrieren der Kernwaffen in den Vereinigten
Staaten und in der Sowjetunion gefordert wird, stelle, so betonte Reagan, jedoch
"keine Antwort auf die Rüstungskontrolle dar, die ich verantwortungsbewußt
unterstützen könnte".
Die vom Weißen Haus veröffentlichte Erklärung des Präsidenten hat folgenden
Wortlaut:
Vor fast zwei Monaten begann das Repräsentantenhaus eine ernsthafte Debatte
über alternative Wege zur Rüstungskontrolle.

Die Debatte, eine der längsten

in der Geschichte des Repräsentantenhauses, hat nicht nur das Verständnis für
diese Fragen vertieft, sondern auch klargemacht, daß die Fragen selbst äußerst
komplex sind.

Es gibt keine leichten Antworten auf die Frage der Rüstungs-

kontrolle.
Während der Debatte

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Während der Debatte begannen mehr und mehr Mitglieder des Repräsentantenhauses einzusehen, daß ein sofortiges Einfrieren - das zwar äußerlich ansprechend
zu sein scheint - grundlegende Fehler hätte,

über 30 Jahre lang haben wir den

Weltfrieden bewahrt, weil die Vereinigten Staaten wirksame Abschreckungsstreitkräfte unterhalten.
gefährden.

Wir dürfen unsere Fähiakeit, den Frieden zu erhalten, nicht

Ebensowenig können wir die Vereinigten Staaten auf eine Position

der Unterlegenheit festlegen.

Und wir dürfen keine Schritte unternehmen, die

die hoch sensitiven RüstungskontrollVerhandlungen in Genf stören würden.
Ich freue mich, daß eine große Zahl von Mitgliedern des Kongresses die
Gefahren erkannt hat, die mit einem einfachen Einfrieren verbunden wären, und
Änderungen durchgesetzt hat, die eine Verbesserung der endgültigen Resolution
bewirkten, die vom Repräsentantenhaus verabschiedet wurde.

Besonders begrüßens-

wert war die Levitas- Änderung, weil sie die Bedeutung der Rüstungsverringerung
für die Erreichung echter Rüstungskontrolle hervorhebt.
Die Quintessenz der gestern abend verabschiedeten Resolutioi. ist zwiespältig,
ja innerlich so widersprüchlich, daß eine Interpretation schwer fällt. So
fordert die Resolution beispielsweise ein Einfrieren, während sie gleichzeitig
die Notwendigkeit der Aufrechterhaltung einer Gleichwertigkeit und ein stabiles
internationales Gleichgewicht unterstreicht. Diese Administration stimmt - wie
sie das schon so oft zum Ausdruck gebracht hat - zu, daß die Aufrechterhaltung
eines Rüstungsgleichgewichts wesentlich ist. Alles in allem stellt die endgültig vom Repräsentantenhaus verabschiedete Resolution - wenn auch mit großen
Verbesserungen - keine Antwort auf die Rüstungskontrolle dar, die ich verantwortungsbewußt unterstützen könnte.
Sollte diese Debatte jetzt im Senat weitergehen, dann bin ich sicher, daß
die Zweifel an und die Opposition gegenüber einem einfachen Einfrieren jetzt
weiter wachsen werden. In der Zwischenzeit wird diese Administration sich am
Verhandlungstisch mit allem Nachdruck für Rüstungsverringerungen einsetzen, die
nach meiner Meinung die beste und wahre Hoffnung auf Frieden und Stabilität
darstellen.
+ + + + +

�Dokumentation

1

United States Information Service
Embassy of the United States of America
11. Mai 1983

AKTUELLE ENTWICKLUNGEN DES ATLANTISCHEN BÜNDNISSES
- Von Botschafter Tapley Bennett •

HEIDELBERG - (AD) - Der Ständige Vertreter der Vereinigten Staaten im
Nordatlantikrat, Botschafter Tapley Bennett, hat am 11. Mai 1983 in Heidelberg
ein positives Bild des Atlantischen Bündnisses gezeichnet. Auf einer Veranstaltung der Deutschen Atlantischen Gesellschaft betonte Botschafter Bennett
jedoch die Notwendigkeit, daß das Bündnis "standhaft an seinem Doppelbeschluß
festhält". Nur dann seien Fortschritte bei den R'üstungskontrollVerhandlungen
mit den Sowjets zu erwarten.
Die Rede von Botschafter Tapley Bennett hat folgenden Wortlaut:
Das Atlantische Bündnis ist in das 35. Jahr seines Bestehens eingetreten.
Seit über einer Generation hat es jetzt den Frieden in Europa bewahrt - ein
beispielloser Rekord in modernen Zeiten. Es ist ein demokratisches Bündnis
souveräner Staaten, und in einem Bündnis von 16 freien und demokratischen Mitgliedstaaten muß es unausweichlich nationale Unterschiede geben. Aber heute
erfreut sich die NATO einer ausgezeichneten politischen Gesundheit. Das Bündnis
hält sich in dieser gegenwärtigen Periode der Bewährung sehr gut, was sowohl
die militärischen als auch die wirtschaftlichen Aspekte unserer transatlantischen
Beziehung angeht.
Mitte 1982 beherrschten wirtschaftliche Spannungen zwischen Europa und

^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ .: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Schlagzeilen der westlichen Presse. Es schien ungewöhnlich schwierig, die
Differenzen zu überbrücken, die die westeuropäischen Staaten mit ihren starken
Verpflichtungen zur "Ostpolitik" und "Entspannung" von den Bemühungen Washingtons
trennten, in die Abwicklung des Handels mit der Sowjetunion größeren Realismus
und größere Vorsicht einzubringen - Kontrollen im Handel mit Waren einzuführen,
die direkt zur Stärkung der militärischen Macht der Sowjets beitragen und
umgekehrt zusätzliche Verteidigungsausgaben der westlichen Länder verursachen,
um das stetige Anwachsen der sowjetischen Rüstung auszugleichen.

Kenner atlan-

tischer Angelegenheiten behaupteten, daß die NATO "in Unordnung" sei. Sie hatten
nicht recht - denn selbst auf dem Höhepunkt der Kontroverse über die Erdgasleitung
verliefen die politischen und sicherheitspolitischen Funktionen des Bündnisses
völlig normal. Man kam jedoch in der NATO zu der wachsenden Einsicht, daß die
Meinungsverschiedenheiten über die Erdgasleitung unter Kontrolle gebracht werden
mußten, weil sie sonst früher oder später durchaus einen negativen Einfluß auf
den Zusammenhalt des Bündnisses haben könnten.

Hier erwiesen sich die außergewöhnlich guten Kenntnisse von Außenminister
Shultz in internationalen Wirtschaftsfragen als besonders nützlich, als es galt,
Mittel und Wege zur Überwindung dieser Belastungen zu finden - zuerst durch
sondierende Erörterungen mit seinen Kollegen im Bündnis bei den informellen
Gesprächen der NATO-Außenminister auf dem Oktober-Treffen in La Sapiniere in
Kanada und dann später im Laufe seines Europa-Besuches im Rahmen der NATO-Ministertagungen im Dezember und seinen anschließenden Besuchen in Hauptstädten von
Bündnisländern. Man kam dann überein, eine Reihe von Studien über Probleme des
Ost-West-Handels bei den geeigneten internationalen Einrichtungen in Brüssel und
Paris durchzuführen, und dies ermöglichte es Washington, die amerikanischen
Sanktionen im Zusammenhang mit der Erdgasleitung aufzuheben. Aber darüber hinaus
gab die Entscheidung, die Ost-West-Studien in Angriff zu nehmen, den nordamerikanisch-westeuropäischen Beziehungen gerade rechtzeitig Auftrieb, um die Einigkeit
des Bündnisses zu Beginn dieses kritischen Jahres zu fördern, in dessen Mittelpunkt
die Rüstungskontroll Verhandlungen in Genf und Raketenfragen stehen - die Durchführung des NATO-Doppelbeschlusses von 1979. In vielen Aspekten der Ost-West-

- 2 -

�der Ost-West-Studien sind gute Fortschritte erzielt worden, und die Ergebnisse
werden den Teilnehmern des Wirtschaftsgipfels in Williamsburg und den kommenden
Ministertagungen der OECD und der NATO in Paris in Bälde zur Verfügung stehen.
Der Besuch von Vizepräsident Bush Anfang dieses Jahres in Europa und seine
Gespräche mit wichtigen Führern des Bündnisses ließen Einigkeit des Willens
und der Zielsetzung erkennen, beide Teile des INF-Beschlusses vom Dezember 1979
standhaft durchzuführen - also in Genf ernsthaft mit den Sowjets auf der Basis
der Rüstungskontrollvorschläge zu verhandeln, durch die versucht werden soll,
den Stand der INF-Konfrontation so niedrig wie möglich zu halten, mit dem Endziel
der Null-Lösung für beide Seiten; und zweitens im Falle, daß die Genfer Verhandlungen zu keinen Ergebnissen führen, mit der Dislozierung der PERSHING II-Waffen
und der landgestützten Marschflugkörper zu beginnen. Man darf nicht vergessen,
daß die PERSHING II-Raketen an die Stelle der PERSHING I-Raketen in der Bundesrepublik treten und nicht zusätzlich disloziert werden.

Ferner dürfen wir nicht

die Tatsache übersehen, daß die Entscheidung der NATO von 1979 zum Abzug von
1000 nuklearen Gefechtsköpfen aus Europa geführt hat. Die NATO wird also am Ende
dieses Programms, sollte seine Durchführung notwendig werden, weniger Kernwaffen
auf europäischem Boden haben als 1976.
Vizepräsident Bush hat die Auffassungen der Verbündeten nach Washington
mitgenommen, daß Präsident Reagan eine Modifizierung der Nul1-Nu!1-Option ins
Auge fassen sollte, die den Verzicht der NATO auf die Dislozierung aller amerikanischen PERSHING II- und landgestützten Marschflugkörper im Austausch für die
sowjetische Beseitigung der SS-20 - nicht lediglich ihrer Neudislozierung in
die östlichen Gebiete der Sowjetunion, von wo sie leicht an die westliche Front
zurückverlegt werden könnten

- anbot. Am 30. März 1983 gab der Präsident

bekannt, daß er den westeuropäischen Forderungen nach einer "Zwischenlösung" für
die INF-Dislozierung der NATO nachkommen würde - so wie die Vereinigten Staaten
auf die Anliegen im Bündnis eingegangen waren, die zuerst von dem damaligen
Bundeskanzler Schmidt 1977 zum Ausdruck gebracht worden waren, innerhalb der
NATO zusammenzuarbeiten, um das Gleichgewicht der Macht in Europa wiederherzustellen, das durch die sowjetische Aufrüstung mit der SS-20 umgestoßen worden war.
An diesem entscheidenden

�An diesem entscheidenden Punkt ist es von lebenswichtiger Bedeutung, daß
das Bündnis standhaft an seinem Doppelbeschluß festhält - in dem Teil der
Rüstungskontrolle, um festzustellen, ob es möglich sein wird, mit den Sowjets
zu Abkommen zu gelangen, um den Stand der INF-Konfrontation zu senken, wo ein
Gleichgewicht gewährleistet werden muß; und in dem Teil der Dislozierung, um
die Entschlossenheit zu zeigen, die notwendig ist, um unseren sowjetischen Verhandlungspartnern klarzumachen, daß bei den Genfer Verhandlungen ein ausgewogenes
und verifizierbares Ergebnis erreicht werden muß.
Die INF-Frage ist zwar das bei weitem überragende Problem des Bündnisses
im gegenwärtigen Zeitpunkt, aber wir führen mit der NATO auch enge Konsultationen
über den Fortschritt bei den Verhandlungen über die Verringerungen der strategischen Rüstungen (START) und bei den Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen (MBFR) durch.

Bei diesen drei Verhandlungen geht es

um die Triade der NATO-Streitkräfte - strategisch-nukleare, nukleare Mittelstreckensysteme und konventionelle Streitkräfte - die entscheidend wichtig sind,
um unserer Strategie der "flexiblen Antwort" Glaubwürdigkeit zu verleihen - der
Strategie der Abschreckung, die den Frieden in Europa erhalten hat.
Die Verbündeten haben in allen diesen Verhandlungsbereichen richtungsweisende
Vorschläge unterbreitet. Bei den START-Verhandlungen in Genf hat sich die Aufmerksamkeit weitgehend auf amerikanische Vorschläge für umfangreiche Verringerungen der amerikanischen und sowjetischen strategischen Systeme konzentriert,
vor allem der höchst destabilisierenden landgestützten Interkontinentalraketen.
Die VereinictBn Staaten haben eine Verringerung der gegenwärtigen Zahl der
Gefechtsköpfe um etwa ein Drittel und ein Abkommen über eine niedrigere Zahl der
Trägerwaffen gefordert. Bei den MBFR-Verhandlungen in Wien steht bei den Verbündeten ihr Vertragsentwurf vom Juli 1982 im Mittelpunkt der Erörterungen.
Die Verbündeten wollen den Stand der konventionellen Streitkräfte, was die Zahl
der Soldaten in Heer und Luftwaffe angeht, auf beiden Seiten verringern. Die
engen und häufigen Konsultationen über diese Frage im Nordatlantikrat waren
erschöpfend und umfassend. Sie sind für alle von uns wertvoll,-und hier sind
die Bundesrepublik Deutschland und die Vereinigten Staaten besonders engagiert.
Auf der Madrider

�Auf der Madrider Nachfolgekonferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa - der Überprüfung der Schlußakte von Helsinki von 1975 - arbeiten die

Ver-

bündeten zusammen, um den Entwurf des Schlußdokuments zu verbessern, den die
neutralen und blockfreien Staaten vorgelegt haben. Alle Verbündeten kamen vor
der Wiederaufnahme der Madrider Verhandlungen im November vorigen Jahres überein,
daß in dem Schlußdokument, das von den neutralen und blockfreien Staaten unterbreitet wurde, mehrere

Änderungen vorgenommen werden müßten, bevor die Verhand-

lungen, die im Herbst 1980 begannen, zu einem annehmbaren Abschluß gebracht
werden können.
Die Vereinigten Staaten stehen fest hinter dem übereinkommen des Bündnisses
vom November vorigen Jahres und sind nach wie vor besorgt, daß die Sowjetunion
weiterhin bewußt einen weiten Bereich von Bestimmungen der Schlußakte von Helsinki
verletzt. Wir sind besonders besorgt darüber, daß sich die Sowjets weigern, die
Menschenrechtsbestimmungen der Übereinkommen von Helsinki einzuhalten oder sich
an Geist oder Buchstaben der Bestimmungen über den Gewaltverzicht zu halten, wie
dies durch das Verhalten der Sowjets gegenüber ihren Nachbarn in Afghanistan und
Polen zum Ausdruck kommt.
Bezüglich Polens hat das Bündnis auf die Verhängung des Kriegsrechts vom
Dezember 1981 reagiert, indem es eine Sondersitzung der Außenminister im Januar
1982 einberufen hat, auf der man sich einigte, drei Kriterien für eine Rückkehr
zu normalen Beziehungen des Westens zu Warschau anzuwenden:

Erstens, Freilassung

aller Internierten; zweitens, Aufhebung des Kriegsrechts; und drittens, Wiederaufnahme des Dialogs zwischen dem Regime, den Kirchen und der Gewerkschaft
Solidarität.

Vor dem Hintergrund dieser drei Kriterien verfolgt das Bündnis

auch weiterhin die Ereignisse in Polen mit großer Aufmerksamkeit.
Das Bündnis hat überdies die sogenannte "Prager Erklärung" geprüft, die
auf dem Gipfeltreffen des Warschauer Paktes im Januar veröffentlicht wurde.
Diese Erklärung scheint in gewissem Maße eine Antwort auf Appelle an den Osten
zu sein, die auf dem Gipfeltreffen in Bonn im Mai 1982 von der NATO ausgingen.
Das Kernstück der Prager Erklärung, nämlich der Vorschlag für einen Nichtangriffspakt

- 5 -

�einen Nichtangriffspakt zwischen Ost und West, ist nichts Neues.

Zumindest seit

1958, also vor 25 Jahren, haben die Sowjets wiederholt diese Idee vorgebracht.
Aber was sollen wir heute davon halten, wo die Rote Armee in Afghanistan praktisch
eine Agression durchführt?

Darüberhinaus unterstützen die Sowjets ohne Zögern

die Aggression vietnamesischer Streitkräfte gegen ihre Nachbarn in Südostasien,
und in der westlichen Hemisphäre helfen die Sowjets dem marxistisch orientierten
Regime in Nicaragua bei dessen Bemühen, die demokratisch gewählte Regierung in
El Salvador zu stürzen.

Ohne Frage sollten wir in der NATO uns Zeit nehmen und

unsere Augen offen halten, wenn wir die Prager Erklärung bewerten.

Zweifellos

wird das Kommunique zum Abschluß der NATO-Ministerratssitzung in Paris im Juni
im Lichte der gegenwärtigen Gegebenheiten in angemessener Weise auf die Vorschläge des Warschauer Paktes eingehen.
Wegen der potentiell gefährlichen Herausforderung der lebenswichtigen
Interessen des Bündnisses in Regionen der Welt außerhalb des Vertragsgebietes
der NATO, hat die Allianz seit 1980 in zunehmendem Maß damit begonnen, Mittel
und Wege der Zusammenarbeit zu erwägen, um mit solchen Herausforderungen fertigzuwerden. Obwohl unsere Hauptsorge sich im Augenblick auf die Bedrohung Westeuropas durch die SS-20-Raketen konzentriert, die mehr als 1000 Gefechtsköpfe
tragen, werden wir uns vielleicht demnächst überaus ernsthaft damit befassen
müssen, wie wir dem Problem der Herausforderungen außerhalb unseres Vertragsgebietes begegnen können. Insbesondere gibt es Gründe für legitime Besorgnisse
hinsichtlich der westeuropäischen und amerikanischen strategischen Interessen
in Südwestasien. Die großangelegte sowjetische Truppendislozierung in Afghanistan
ist ein Beweis für die Bereitschaft Moskaus, bewaffnete Macht in diesem Gebiet
einzusetzen. Das fundamentalistische iranische Regime des Ayatollah Khomeini
setzt inzwischen seine Bemühungen fort, die irakische Regierung zu stürzen
und droht damit, den benachbarten arabischen Staaten, die immer noch einen
Großteil des Öls für Westeuropa liefern,Khomeinis Version des Islam aufzudrängen.
Es liegt also auf der Hand, daß die Verbündeten auf mögliche zukünftige Krisen
in diesem überaus unruhigen Teil der Welt vorbereitet sein müssen.
Dieser kurze Überblick

�Dieser kurze überblick kann natürlich kaum auch nur einige der immer
stärker werdenden politischen Herausforderungen erfassen, denen sich das Bündnis
gegenübersieht.

Der Westen wird auch weiterhin auf unbegrenzte Zeit in einem sich

hinziehenden politischen und militärischen Wettstreit mit dem sowjetischen Imperium
leben.

Anstrengungen und Zurückhaltung auf beiden Seiten sind notwendig, um eine

Entspannung zu erreichen, die die Interessen beider respektiert.

Die bittere

Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, daß wir im Westen den Worten des Staatsund Parteichefs Breschnew nicht genug Aufmerksamkeit zollten, der im Jahre 1967
erklärte: "Entspannung bedeutet nicht im geringsten, daß die Gesetze des Klassenkampfes abgeschafft werden".

Trotz der unnachgiebigen militärischen Aufrüstung

der Sowjets - weit über die Erfordernisse einer Verteidigungsposition hinaus bin ich zuversichtlich, daß die NATO über die Fähigkeit und über den politischen
Willen verfügt, sich weiterhin wirksam für das übergreifende Ziel einzusetzen:
Die Wahrung des Friedens in Freiheit.
Es sollte mit größtem Nachdruck unterstrichen werden, daß das Bündnis nicht
nur besteht, um den Frieden zu sichern, sondern um auch unsere Freiheiten zu
bewahren. Irgendwie gibt es auch Frieden in Osteuropa, aber das ist ein Friede
unter schwerster Repression. Dies ist das Faktum, das die NATO am meisten
vom Warschauer Pakt unterscheidet, wo die fundamentalen Freiheiten unter sowjetischer Vorherrschaft systematisch unterdrückt werden. Das gegenwärtige Drama
in Polen ist nur das jüngste, augenfälligste Beispiel für den unauslöschlichen
menschlichen Wunsch nach Freiheit in Osteuropa. Es sind nun 15 Jahre ins Land
gegangen seit dem kurzen Prager Frühling, als Dubcek versuchte, ein größeres
Maß an Freiheit für das tschechoslowakische Volk zu erlangen, und wegen seiner
Bemühungen ausgeschaltet wurde. In dem davorliegenden Jahrzehnt kämpfte Ungarn
für die Freiheit. Die Freiheitskämpfer wurden auch dort in brutaler Weise
unterdrückt -- und man sollte sich daran erinnern, daß Andropow damals der
sowjetische Botschafter in Budapest war. Ja, Anstrengungen, auch nur ein
bißchen an fundamentaler Freiheit zu erlangen, werden in allen Staaten des
Warschauer Paktes deutlich, auch in der Sowjetunion des Dr. Sacharow. Diese
anhaltenden Auseinandersetzungen sind ein Beweis für die endemische politische

- 7 -

�endemische politische Schwäche im sowjetischen System.

Die Unterdrückung und

die politische Stagnation in den Ländern jenseits der Elbe stehen in krassem
Gegensatz zur Vitalität unseres Bündnisses demokratischer Nationen.
Zusammenfassend möchte ich - da ich mich jetzt darauf vorbereite, meine
Mission bei der NATO nach über sechs Jahren zu beenden - sagen, daß ich optimistisch bin hinsichtlich der Zukunft des westlichen Bündnisses.

Unsere Mitglied-

staaten, deren Bevölkerung und industrielle Stärke zusammengenommen

die mensch-

lichen und materiellen Ressourcen des Warschauer Paktes weit übertreffen, müssen
nur den Willen aufbringen, der sowjetischen Herausforderung zu begegnen.

Es

ist eine entschlossene Herausforderung - daran besteht kein Zweifel - aber wir
können und müssen Moskau unmißverständlich klarmachen, daß ein Angriff auf die
NATO, auf welcher Ebene auch immer, einen unannehmbaren Preis für die Sowjetunion mit sich bringen würde.

Es ist die Abschreckung, die den Frieden wahrt.

Ich habe überhaupt keinen Zweifel hinsichtlich des Endergebnisses eines friedlichen Wettstreits zwischen Ost und West.
Wenn wir uns der Zukunft mit Realismus stellen und unsere Ressourcen klug
einsetzen, haben wir allen Grund, zuversichtlich zu sein, daß die NATO - bereits
jetzt das erfolgreichste Bündnis in der Weltgeschichte - auch weiterhin die
Vorteile der Freiheit und der Demokratie für die Generationen bewahren kann,
die nach uns kommen. Der Freiheit gehört die Zukunft - vorausgesetzt wir halten
uns immer vor Augen, daß der Preis der Freiheit stete Wachsamkeit ist.

+ + + + +

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United States Information Service
Embassy of the United States of America

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20

11. Mai 1983

US-AUSSENMINISTER UMREISST FRAGEN DES OST-WEST-HANDELS
- Shultz bei der OECD in Paris -

PARIS - AD - Der amerikanische Außenminister George Shultz hat am
9. Mai 1983 auf der Ministertagung der Organisation für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris dazu aufgerufen, den Handel
mit dem Osten auf kommerzieller Basis zu betreiben. Es gehe nicht um einen
- sinnlosen - Wirtschaftskrieg gegen die Sowjetunion, sondern um die Erhaltung der Gesundheit der internationalen Wirtschaft und der Sicherheit
und Prosperität der demokratischen Nationen. Aus amerikanischen Regierungskreisen verlautet in diesem Zusammenhang, daß die Vereinigten Staaten
einen "Dialog" in Fragen des internationalen Handels und keine spezifischen
Verpflichtungen anstrebten. Wo kein Konsens existiere, könne man kein Übereinkommen aufzwingen.
An der Ministertagung der OECD nahmen auf amerikanischer Seite neben
Außenminister Shultz Finanzminister Donald Regan, Handelsminister Mal com
Baldrige, der Vorsitzende des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten, Martin
Feldstein, sowie der Sonderbeauftragte für Handelsverhandlungen, William
Brock, teil.Brock warnte vor einem neuen Protektionismus, denn der Wiederaufschwung der Weltwirtschaft sei mit einer Liberalisierung des Handels
verknüpft.
Die Ausführungen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die Ausführungen des amerikanischen Außenministers haben folgenden
Wortlaut:
Ich freue mich, nach zehn Jahren wieder einmal bei der Organisation
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zu sein. Ich begrüße diese Gelegenheit, Ihnen die Auffassung meiner Regierung bezüglich
der heutigen Zusammenkunft mitzuteilen.
Wir kommen in einer Zeit der Hoffnung für die Weltwirtschaft zusammen.
Wie Finanzminister Regan dargelegt hat, ist der wirtschaftliche Wiederaufschwung im Gange. Nach einigen sehr schwierigen Jahren der Rezession und
der Schwierigkeiten in all unseren Ländern stehen die Vereinigten Staaten
im Jahre 1983 vor einem eindeutigen und wesentlichen Wachstum. Wir wissen,
daß der Aufschwung in Amerika - wie in der Vergangenheit - ein wichtiger
Faktor für den Anreiz des Wiederaufschwungs im ganzen OECD-Gebiet und in
der Entwicklungswelt sein wird. Nachdem wir die Inflation aus unserem System herausgepreßt haben - und wenn wir alle die notwendige Disziplin in unserer nationalen Politik üben - könnte die Welt vor einer langen Periode anhaltender, nichtinflationä'rer Expansion stehen.
Dieser Trend des Aufschwungs hat eine symbolische wie auch eine wirtschaftliche Bedeutung: Er erinnert uns an die außerordentliche Elastizität
der freien politischen und wirtschaftlichen Institutionen, über die wir alle
verfugen. Trotz aller zeitweiligen Rückschläge haben die freien Wirtschaften seit 1945 eine Generation des Wachstums und der Prosperität hervorgebracht, die in der Geschichte beispiellor ist. Auf der anderen Seite dieses
so grausam geteilten (europäischen) Kontinents sind die wirtschaftlichen
Probleme struktureller und systematischer Natur. Die mangelnde Leistung
liegt in der Sache; die Innovation wird gehemmt; die Stagnation ist allgemein verbreitet; und jede wirksame wirtschaftliche Reform würde den Griff
der starren zentralen politischen Kontrolle lockern und kommt daher nicht
in Frage. Unsere wirtschaftlichen Probleme sind hauptsächlich Probleme der

2-

�Probleme der Selbstdisziplin, des besser^

Managements der Hausnalts-

und Währungspolitik; die Probleme der anderen liegen in der

Sache und

sind grundsätzlicher Natur.
Daraus ergeben sich zwei Schlußfolgerungen: Erstens, die demokratischen Industriestaaten, die in dieser Organisation vertreten sind, dürfen
nicht vergessen, daß sie ein kostbares Erbe haben; und zweitens, daß wir
alle, wie mir scheint, eine besondere Verantwortung haben, das Problem der
Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ost und West mit einiger Vorsicht anzupacken.
Es ist kein Zufall, daß die Ministertagung im Mai vorigen Jahres und
die Staats- und Regierungschefs auf dem Wirtschaftsgipfel im vorigen Jahr
übereinkamen, daß die OECD Aie wirtschaftlichen und finanziellen Beziehungen zwischen Ost und West prüfen solle.
Ich freue mich, sagen zu können, daß seither die OECD und die Internationale Energieagentur (IEA) wertvolle Forschungsarbeit und Analysen geleistet haben, die unser Verständnis des Ost-West-Handels und seine Auswirkungen erweitern.

Wir appellieren an diese Organisationen, ihre wichtige

Arbeit fortzusetzen. Ich werde gleich auf Gebiete für künftige Untersuchungen zu sprechen kommen. Lassen Sie mich zunächst die Auffassungen meiner
Regierung zu den Hauptpunkten darlegen, um die es geht.

Das Problem des Ost-West-Handels
Wenn das Verhältnis zwischen Ost und West ein normales Verhältnis zwischen Staaten wäre, dann säßen wir nicht hier, um über dieses Thema zu
sprechen. Solange die gegenwärtigen Verhältnisse bestehen, sind diese Beziehungen nicht normal und können nicht als normal behandelt werden - aus
vielen wirtschaftlichen und politischen Gründen. Es geht nicht darum,
einen "Wirtschaftskrieg" gegen die Sowjetunion zu führen, was sinnlos wäre,

- 3 -

�sinnlos wäre, sondern unter den einzigartigen Bedingungen des Ost-WestVerhältnisses die Gesundheit der internationalen Wirtschaft zu bewahren,
die wesentlich ist.
Natürlich gibt es Sicherheitsbedenken. Wir haben aus der Erfahrung
gelernt, daß manche wirtschaftlichen Transaktionen mit der Sowjetunion und
Osteuropa strategische Vorteile weitergeben, Engpässe in der Verfügbarkeit
von Ressourcen beheben oder gar Abhängigkeiten schaffen können. Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten prüfen einige dieser Fragen in anderen
Gremien.
Aber die Anliegen, die wir in der OECD vorbringen wollen, sind ganz
richtige wirtschaftliche Anliegen. Die Bemerkung des Generalsekretärs zu "
diesem Thema, die ich begrüße, bietet eine ausgezeichnete Analyse der Komplikationen, die der Ost-West-Handel im Weltwirtschaftssystem verursacht.
Die Vereinigten Staaten sind der Überzeugung, daß die wirtschaftlichen Beziehungen zum Osten zumindest nach gesunden wirtschaftlichen Prinzipien abgewickelt werden müssen, damit sie nicht die Sicherheit oder die Prosperität demokratischer Nationen gefährden. Die OECD muß eine legitime und wesentliche Rolle bei der Schaffung und Aufrechterhaltung solcher Prinzipien spielen. Es ist recht und billig, hier der sehr guten Studie über die
Sicherung der Energieversorgung Hochachtung zu zollen, die gerade von der
OECD und der IEA gemeinsam fertiggestellt wurde. Ich hoffe, daß wir auf dieser Sitzung diese Studie billigen werden.
Jede Problemanalyse muß mit der Einsicht beginnen, daß ein fundamentaler Unterschied zwischen dem Weltmarkt auf der einen und den gelenkten
Planwirtschaften und den Staatshandelssystemen des Ostens auf der anderen
Seite besteht, lit einigen Ausnahmen ging es bei dem Ost-West-Handel
traditionell erweise um den Austausch von relativ fortschrittlicher Technologie gegen Rohstoffe und Halbfertigfabrikate aus dem Osten. Die Maschinen und Ausrüstungen, die wir ihnen verkaufen, bringen ihnen mehr als nur
eine einfache Aufstockung ihrer Kapitalgüter. Diese höchst modernen Erzeug-

- 4-

�modernen Erzeugnisse unserer technologischen Entwicklung enthalten einen
Teil unseres geistigen Kapitals, der dem Osten einen bestimmten Vorteil
vermittelt - einen Vorteil, der durch die Rohstoffe und Halbfertigfabrikate, die wir dafür erhalten, nicht ausgeglichen wird. Die Unfähigkeit
des Ostens, d^'e Fähigkeiten dieses Geräts voll auszunutzen, unterstreicht
nur dieses Ungleichgewicht.
Es besteht also eine grundsätzliche Unverträglichkeit zwischen den
Wirtschaften des Ostens und des Westens. Wie der Generalsekretär ausführte,
liegen die Hauptursachen für den niedrigen Stand des Ost-West-Handels in
den strukturellen Unzulänglichkeiten der zentralen Wirtschaftsplanung der
Kommunisten. Aus diesem Grunde hat sich zwischen Ost und West nicht das
Maß an Ergänzung und Interdependenz entwickelt, wie es sich zwischen Nord
und Süd entwickelt hat - und kann sich wahrscheinlich auch nicht entwickeln.
Es ist einfach eine Tatsache, daß im Osten hergestellte Fertigwaren häufig
im Westen nicht konkurrenzfähig sind, und die Kapazität der Länder des
Ostens, zusätzliche Rohstoffe zu exportieren, ist begrenzt.
Diese Fakten legen den Schluß nahe, daß der Ost-West-Handel seinen geringen Umfang beibehalten hätte, gäbe es nicht die Subventionen und die anderen Formen politischer Intervention, die ihn auf ein künstlich überhöhtes
Niveau brachten. Den Gesetzen des verhältnismäßigen Vorteils zufolge ist eine
solche Praxis ihrer Definition nach ineffizient und verzerrt das richtige
Funktionieren der Weltwirtschaft. Daher ist das dringlichste Problem, vor
dem wir heute stehen, nicht die den Ost-West-Handel beschränkende politische Einmischung, sondern die ihn aufrechterhaltende politische Einmischung.
Sollten die in dieser Organisation vertretenen Regierungen unterschiedliche Vorstellungen von den politischen Implikationen des Ost-West-Handels
haben, so würde der gerechteste - und wirtschaftlich effizienteste - Kompromiß in der Übereinkunft bestehen, solide wirtschaftliche Prinzipien
herrschen zu lassen.
Solide wirtschaftliche
- 5 -

�Solide wirtschaftliche Prinzipien sagen uns auch etwas über das
Schuldenproblem. Die Schwierigkeiten der Ostländer bei

ihrem Schulden-

dienst dem Ausland gegenüber werden verstärkt, wenn nicht hervorgerufen,
durch ihre Unfähigkeit, auf den Weltmärkten wettbewerbsfähig zu sein. Im
Rückblick wird deutlich, daß in den siebziger Jahren bei der Kreditvergabe an bestimmte osteuropäische Länder mehr Klugheit hätte walten sollen.
Die Gesamtverschuldung der Sowjetunion und Osteuropas an harten Währungen
stieg von 8 Milliarden Dollar 1971 auf 90 Milliarden Dollar 1981 - eine
Zuwachsrate von 24 Prozent jährlich.
Heute sind wir uns der Gefahren einer solchen überzogenen Aufblähung
voll bewußt und haben eint Lektion dadurch gelernt: Wir sollten im Hinblick auf unsere Wirtschaftsbeziehungen mit dem Osten die gleichen vorsichtigen Handels- und Finanzkriterien anwenden, die wir auch bei allen
anderen gesellschaftlichen Unternehmungen anlegen. Daß diese Risiken noch
immer vorhanden sind, zeigt das Zögern des Privatsektors bei neuen Finanzierungen. Bisweilen gibt es gute Gründe für finanzielle Unterstützung
bestimmter östlicher Länder durch den Westen. Als generelle Regel gilt jedoch, daß der sicherste Weg der ist, die Tatsache anzuerkennen, daß es
seinen Preis hat, wenn dieserart wirtschaftliche Aktivität künstlich und
unter Nichtachtung der Urteilskraft des Marktes von Regierungen stimuliert
wi rd.
Ein drittes Problem der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ost und West
besteht in dem Versuch der Staatshandelsländer des Ostens, ihre monopolistische Macht dazu einzusetzen, die Lage zu ihrem Vorteil zu verändern, indem
sie westliche Lieferer gegeneinander ausspielen, um Vorzugskredite, Rückkauf svereinbarungen und andere spezielle Vorteile zu erhalten. Diese gegen
den Wettbewerb gerichteter Praktiken können unsere Länder gewaltig schädigen. Wir alle müssen Mittel und Wege finden, um mit diesem Problem fertig
zu werden - ohne natürlich selbst zu wettbewerbsverzerrenden Praktiken zu
greifen, die das Wirtschaftssystem nur noch weiter beeinträchtigen würden.

Angesichts dieser
- 6 -

�Angesichts dieser Herausforderungen, die der Handel mit dem Osten
stellt, kann die OECD viel tun, um uns dabei zu helfen, unsere Interessen
und unsere Volkswirtschaften zu schützen. Lassen Sie mich in dieser Hinsicht
einige konkrete Vorschläge machen.

Die OECD und ihr Arbeitsprogramm
Im Verlauf des vergangenen Jahres haben diese Organisation und ihre
Ausschüsse in diesem Bereich viel nützliche Arbeit geleistet. Ich habe bereits
den vorzüglichen Bericht der gemeinsam von der OECD und der IEA erarbeiteten Studie über Energiesicherheit erwähnt. Und Fortschritte wurden auch in
Richtung auf die Entwicklung eines neuen Konsens bei der Exportkreditpolitik erzielt.
Die Anmerkungen des Generalsekretärs zum Thema des Ost-West-Handels
und der entsprechenden Finanzbeziehungen sind eine wertvolle Zusammenfassung des derzeitigen Zustandes dieser Beziehungen. Seine wirtschaftliche
Analyse ist ausgewogen und objektiv, sicher verankert in den Ergebnissen
des Handelsausschusses. Die Schlußfolgerungen sind zwingend und erhellen
die Tatsache, daß die Regierungen bei ihrer Ost-West-Wirtschaftspolitik
Vorsicht walten lassen müssen.
Wir unterstützen mit Nachdruck die Schlußfolgerungen des Generalsekretärs sowie seine Vorschläge für die weitere, von dieser Organisation
zu leistende Arbeit.
Bei der Überwachung der Verhaltensmuster und der Trends bei den Handels- und Finanzbehiehungen des Westens mit dem Osten spielt die OECD
eine wesentliche Rolle. Nur wenn den Regierungen diese Art von Informationen zur Verfügung

stehen, könne

vir ,amit beginnen, die kommerziel-

len Vorteile abzuwägen und zu überlegen, welche Schritte unternommen
werden können, um die westlichen Interessen zu schützen. Zum Beispiel:

- 7 -

�Zum Beispiel:
- Die östlichen Länder versuchen angesichts ausbleibender Exporte, ihren
immer größeren Anteil an Importen mit Kompensationsgeschäften oder mit
Tauschvereinbarungen zu bezahlen. Wir alle haben ein Interesse daran»

daß diese ineffizienten Praktiken durch die OECD überwacht werden.

- Ich habe bereits die

ersuche der Staatshandelsländer erwähnt, um

spezieller Vorteile willen die West-Lieferer gegeneinander auszuspielen. Um sich gegen solche Manipulationen zu schützen, haben die Vereinigten Staaten darauf hingewiesen, daß es im allgemeinen Interesse
der westlichen Staaten liege, Informationen über größere Projekte auszutauschen, die mit dem Osten geplant sind. Dabei braucht es nicht
um eigentumsrechtliche Informationen zu gehen. Wir sind der Meinung,
daß die OECD für eine solche

Rolle die richtige S eile und hierfür

bestens geeignet ist.
.:;• hoffen, daß ^iie OECD nicht vor dieser, von mir beschriebenen aktiveren Rolle zurückschreckt. Der Stab der OECD-Experten ist eine einmalige
Hilfsquelle. Er sollte nicht auf das simple Sammeln und die einfache Analyse von Daten beschränkt sein. Wir sollten uns ständig darum bemühen, Art
und Umfang von Informationen zu erweitern, die wir gemeinsam zum Thema
Ost-West-Handel haben, um dadurch in die Lage zu gelangen, die jeweiligen
Vorteile für Ost und West zu beurteilen. Wir werden dann in der Lage sein,
Unausgewogenheiten in diesem Handel zu korrigieren und - einzeln wie kollektiv - Politiken zu formulieren, die unsere gemeinsamen Interessen schützen.
Frau Vorsitzende, wir hoffen, daß als Schritt in diese Richtung
eindeutige Schlußfolgerungen aus den heutigen Gesprächen gezogen werden
und sich in unserem Kommunique widerspiegeln. Wir sind der Meinung, daß
die vom eneralsekretär in seinem Vortrag vorgeschlagenen Schlußfolgerungen ein guter Ausgangspunkt für unsere Diskussionen sind. Wir unter-

- 8 -

�Wir unterstützen auch die Vorschläge des Generalsekretärs für die Stärkung des Arbeitsprogramms der Organisation, die auf eine Verbesserung der
Qualität unserer Urteile und unserer politischen Schlußfolgerungen abzielen.
Frau Vorsitzende, diese außergewöhnliche Organisation demokratischer
Nationen gibt Raum für eine Vielzahl unterschiedlicher Einstellungen hinsichtlich des Themas der Beziehungen mit dem Osten.
Es wird hier keine Einstimmigkeit bezüglich der sicherheitspolitischen, der politischen oder auch nur der wirtschaftlichen Dimensionen des
Problems geben. Dies ist auch nicht der Zweck dieser Organisation. Aber
für uns alle gelten dieselben wirtschaftlichen Tatsachen. Wir stehen vor
einem gemeinsamen Problem, und es gibt vieles, was wir zusammen tun können,
•,rn imsere gemeinsamen Interessenund das Wohlergehen unserer Völker zu
schützen. Dies erfordert ganz einfach die Klugheit. Wir alle kennen den
alten Ausspruch: Caveat emptor: Käufer, sei wachsam! Auch manche Verkäufer
sollten wachsam sein.
Wenn man alles zusammennimmt, so haben wir in diesem Saal weit mehr
gemein als uns trennt. Wir teilen die Hingabe an wirtschaftliche und politische Freiheit, an das Wohlergehen unserer Völker und an die Sache de.
Friedens. Wir haben inzwischen gelernt, daß in einer interdependenten Weltwirtschaft keine Nation allein mit den Herausforderungen fertig werden kann.
Und andererseits kann viel durch Zusammenarbeit erreicht werden. Die Vereinigten Staate sind bereit, hier mit Ihnen in diesem Geist zusammenzuarbeiten.
+ + + + +

- 9 -

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IN

Jk

il 111 Lii

Uliz/cn/chofl
vnö Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

20

11. Mai 1983

PHYSIK IM DIENST DER MEDIZIN
"SQUID"-Apparatur mißt Eisenspiegel -

- (AD) - Ausrüstungen zur Erzeugung starker Magnetfelder und die Analyse
natürlicher Magnetfelder, im menschlichen Körper sind für die moderne Medizin
Hilfsmittel, um Funktionen und Fehlfunktionen von Leber, Herz, Gehirn und von
Nervenzellen besser zu verstehen. Auf der Tagung der Amerikanischen Physikalischen Gesellschaft (American Institute of Physics) in Baltimore (Maryland)
vom 18. - 21. April 1983 berichtete Dr. David E. Farrell von der Case Western
University (Cleveland, Ohio), daß man im "Memorial General Hospital" in
Cleveland durch Magnetfeldmessungen mit der "SQUID"-Apparatur bei Patienten
mit Lebererkrankungen das in der Leber gespeicherte Eisen exakt bestimme.
("SQUID" ist die Abkürzung für "Superconducting Quantum Interference Device";
die hochempfindliche Apparatur zur Erfassung von Feldstärken selbst schwächster
Magnetfelder wurde in den siebziger Jahren für Präzisionsmessungen in der experimentellen Physik entwickelt.)
Der gesunde menschliche Körper enthält ca. vier Gramm Eisen.

Etwa 120

bis 300 Milligramm davon sind in der Leber gespeichert, während der Rest als
Bestandteil des Hämoglobins (Farbstoff der roten Blutzellen) und des Myoglobins

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�des Myoglobins (roter Farbstoff der Muskulatur) den Organismus mit Sauerstoff
versorgt.

Ein zu niedriger Eisenspiegel ist häufig das Anzeichen für innere

Blutungen, falsche Ernährung, unzureichende Verwertung der Nahrung oder Erkrankungen wie z.B. Krebs. Eine zu hohe Konzentration dieses lebenswichtigen
Elements kann auf gewisse, meist genetisch bedingte Krankheiten hindeuten.
Zu diesen zählt z.B. Hämochromatose; es kommt dabei zu pathologischen Eisenablagerungen im Körper infolge einer Fehlregulation der Eisenaufnahme in der
Form einer zu starken Resorption dieses Spurenelements.
Bisher war die Leberbiopsie (Entnahme einer Gewebeprobe aus der Leber)
die einzige Möglichkeit, für diagnostische Zwecke den Eisengehalt dieses Organs zu ermitteln. Jedoch gibt die Untersuchung der Probe nur Auskunft über
die lokale Konzentration im Entnahmebereich. Farrell und seine Kollegen in
Cleveland haben inzwischen bei 130 Patienten, insbesondere in Fällen zu hoher
Resorption, die SQUID-Messung durchgeführt. Die neue Methode habe, wie
Farrell betonte, den großen Vorteil, daß man damit die gesamte Leber abrasten
könne und der Vorgang nur 30 Minuten dauere. Auf den operativen Eingriff
zur Vornahme einer Biopsie könne ganz verzichtet werden.
Bei weiterer Verbesserung der Meßempfindlichkeit könnte das Verfahren
nach Meinung Farrells auch zur Erkennung und Diagnose von Anämien eingesetzt
werden. Bei Patinenten, die wegen Blutverlust, Anämien und anderen, mit
dem Eisenspiegel in Zusammenhang stehenden Problemen im Krankenhaus behandelt werden müssen, könnte künftig innerhalb weniger Minuten schon unmittelbar nach der Aufnahme die exakte Eisenbestimmung durchgeführt werden.

Zellen werden magnetisch markiert
Dr. Joseph Brain von der Akademie für öffentliches Gesundheitswesen
an der Harvard-Universität in Cambridge (Massachusetts) schloß kürzlich eine
Studie ab, bei der mit Hilfe von mikroskopisch kleinen Eisenpartikeln herausgefunden werden sollte, über welche Wege die Lungen sich selbst reinigen.

- 2 -

�selbst reinigen.

Zunächst in Tierversuchen, dann auch am Menschen wurde

eine pulverisierte Eisenverbindung, insgesamt etwa ein Milligramm, zum Inhalieren gegeben.

Die winzigen Staubpartikel sickern in die fein verästel-

ten Lungenwege des Bronchiensystems ein.

Durch ein relativ schwaches Magnet-

feld, das man am Probanden vorbei führt, werden die Eisenoxidteilchen in der
Lunge magnetisiert.

Die magnetischen Eigenschaften, die sie dann zeigen,

vermag ein SQUID-Gerät zu "lesen".

Mit Hilfe dieses Verfahrens läßt sich

der Weg dieser Partikel verfolgen - wie sie von den Makrophagen (Zellen, die
leicht fremde Körperchen, Erreger und andere Zellen aufnehmen) aufgesaugt,
die Lungenwege nach außen bis zum hinteren Rachen transportiert und dann hinunter

geschluckt werden,

über Magen und Darm verlassen sie schließlich den

Körper mit den Ausscheidungen.

Die Methode demonstrierte eindrucksvoll die

Aktivität der Makrophagen bei dem Reinigungsprozeß, erklärte Brain.

Sie

könne der Medizin helfen, Lungenerkrankungen als Folge von Zigarettenrauchen
oder Einatmen von kieselsäurehaltigem Staub und Asbeststaub, das bestimmte
Berufskrankheiten verursacht, besser zu verstehen.

Auch vermittle sie mehr

Erkenntnisse über Krankheiten, die zu anomaler Funktion von Makrophagen in
der Lunge und in anderen Organen, wie z.B. der Leber, führen.

Die magnetische Markierung sei, wie Brain berichtete, in mancherlei
Hinsicht oft günstiger als die radioaktive Markierung (Verwendung von Radioisotopen ) , weil die magnetisierten Partikel über einen längeren Zeitraum
verfolgt werden könnten.

Radioisotope mit sehr kurzer Halbwertszeit dagegen

(bei manchen beträgt diese z.B. nur eine Minute) seien dann für diagnostische
Zwecke bald wertlos, so daß bei langwierigen Beobachtungen der Patient stets
von Neuem einer, wenn auch schwachen, Radioaktivität ausgesetzt werden müsse.

Dr. John Wikswo von der Vanderbilt-Universität in Nashville (Tennessee)
entwickelte Verfahren zur Messung natürlicher Magnetfelder in verschiedenen
Teilen des Körpers, wobei die Tatsache genutzt wird, daß Elektrizität und
Magnetismus verwandte Phänomene sind.

Wikswos Methode zufolge werden die Er-

gebnisse der Messung elektrischer Felder im Körper (Bioelektrizität) unter
Verwendung eines SQUID-Geräts mit Magnetismus verglichen.

Der Chirurg kann

auf diese Weise beispielsweise den Schädigungsgrad und das Sprossen neuer
- 3 -

�Sprossen neuer Fasern von verletzten Nerven besser erkennen, ohne das empfindliche Gewebe direkt sondieren oder freilegen zu müssen.

Indem man eine

magnetische Meßvorrichtung nahe dem Bereich stationiert, in dem die Verletzung liegt, läßt sich der elektrische Impuls und somit die Funktion des Nerven an Hand des resultierenden Magnetfeldes messen.
Wikswo verwies darauf, daß es in den Vereinigten Staaten bei schätzungsweise 30 Prozent aller Industrieunfälle zu Schäden an Gliedmaßen komme und
bei etwa der Hälfte dieser Fälle wichtige Nervenleitungen zerstört oder beeinträchtigt seien.

Er hoffe, das Magnetmeßverfahren eines Tages auch beim

Herzen, der "elektrischen Batterie" des Körpers, anwenden zu können.
Versuche an der Universität New York demonstrierten, daß das menschliche
Gehirn nach Magnetfeldern "kartiert" werden könne. Wie Dr. Lloyd Kaufman
berichtete, führte man z.B. Magnetfeldmessungen mit SQUID in der Zeit durch,
in der die Versuchsperson optischen oder akustischen Reizen ausgesetzt wurde.
Dabei konnten die Zonen im Gehirn exakt ermittelt werden, in denen die Reaktionen auf solche Reize entstehen.
Das Gehirn ist ja ein ungemein komplexes System, von dem aus Denken,
Wahrnehmungen, Empfindungen und Bewegung bestimmt werden. Therapien für Erkrankungen können nur dann wirksam sein, wenn der Arzt genau die Region im
Gehirn kennt, von der die Erkrankung oder Fehlfunktionen ihren Ausgang nehmen. Nach Ansicht Kaufmans ergebe sich z.B. die Möglichkeit, aufgrund seiner
Untersuchungen die Quelle und die Ursache von Sensibilitätsstörungen, wie
sie bei älteren Menschen häufig auftreten, herauszufinden, oder die Epilipsiebehandlung zu verbessern.

+ + + + +

- 4-

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Reagans zur Freeze-Resolution des Kongresses&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aktuelle Entwicklungen des Atlantischen Bündnisses&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Botschafter Tapley Bennett -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Außenminister umreißt Fragen des Ost-West-Handels&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Shultz bei der OECD in Paris -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Physik im Dienst der Medizin&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- "SQUID"-Apparatur misst Eisenspiegel -&lt;/em&gt;</text>
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4. Mai 1983

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan fordert Unterstützung seiner Mittelamerikapolitik
- Rede des Präsidenten vor dem US-Kongreß Burt:

Sowjetunion braucht Anreiz für Verhandlungen

- Rede des US-Unterstaatssekretärs in Hamburg -

WIRTSCHAFT
Der Welthandel und die internationalen Finanzen
- Ein Interview mit dem Sonderbeauftragten Präsident Reagans
für Handelsverhandlungen -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Mechanische Ohren lauschen ins All
- Natürliches oder künstliches Radiosignal? Verbesserte
Apparaturen sollen Unterscheidung ermöglichen -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebelen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�19

4. Mai 1983

REAGAN FORDERT UNTERSTÜTZUNG SEINER MITTELAMERIKAPOLITIK
- Rede des Präsidenten vor dem US-Kongreß •

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 27. April 1983 in
einer Ansprache vor beiden Häusern des amerikanischen Kongresses die Unterstützung seiner Mittel amerikapolitik gefordert.

In der Rede, die vom amerika-

nischen Fernsehen übertragen wurde, betonte Reagan, es gehe um die Sicherheit
ganz Amerikas.

Wenn Mittelamerika falle, hätte das ernste Konsequenzen für

die Stellung der Vereinigten Staaten in der Welt.
Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
In den letzten Jahren sind mehrmals die Mitglieder des Kongresses und
ein Präsident so zusammengekommen, um eine Krise zu lösen. Ich habe um dieses Zusammentreffen heute gebeten in der Hoffnung, daß wir eine Krise verhüten
können.
Es wäre sicherlich schwer, viele Amerikaner zu finden, die sich nicht bewußt sind, um was es im Nahen Osten, im Persischen Golf oder an der NATO-Linie geht, die die freie Welt vom kommunistischen Block trennt.

Und das könnte

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Und das könnte man auch bezüglich Asiens sagen.

Aber obwohl - oder viel-

leicht gerade weil - so viel von Ländern wie Nicaragua und El Salvador die
Rede ist und so konzertierte Propaganda getrieben wird, fällt es vielen von
uns schwer zu glauben, daß uns die Probleme im Zusammenhang mit diesen Ländern
etwas angehen.

Nur zu viele Menschen hier haben geglaubt, Mittelamerika liege

irgendwo weit unten hinter Mexiko und könne doch ganz sicherlich keine Bedrohung unseres eigenen Wohlergehens darstellen.
Darum habe ich um diese Sitzung des Kongresses gebeten.

Die Probleme

Mittelamerikas betreffen direkt die Sicherheit und das Wohlergehen unseres
eigenen Volkes.

Und Mittelamerika liegt viel näher bei den Vereinigten Staa-

ten als viele andere Unruheherde in der Welt, die uns beschäftigen.

Wenn wir

an der Wiederherstellung unserer eigenen Wirtschaft arbeiten, dann können wir
es uns nicht leisten, unsere Nachbarn im Süden aus den Augen zu verlieren.
El Salvador liegt näher bei Texas als Texas bei Massachusetts. Nicaragua
liegt so nahe bei Miami, San Antonio, San Diego und Tucson wie diese Städte
von Washington entfernt sind, wo wir heute zusammengekommen sind.
Aber die Nähe auf der Landkarte sagt überhaupt nichts über die strategische Bedeutung Mittelamerikas, das an die Karibik grenzt, unsere Lebensader zur Außenwelt. Zwei Drittel unseres Außenhandels und unseres Erdöls
passieren den Panamakanal und die Karibik. Im Falle einer Krise in Europa
würde mindestens die Hälfte unseres Nachschubs für die NATO auf dem Seewege
diese Gebiete passieren. Man sollte sich daran erinnern, daß Anfang 1942
eine Handvoll von Hitlers Unterseebooten hier mehr Tonnage versenkt hat als
im ganzen Atlantischen Ozean. Und sie tat das ohne einen einzigen Marinestützpunkt in dem ganzen Gebiet.
Heute ist die Situation anders. Kuba ist Aufnehmerland einer sowjetischen Kampfbrigade, eines Unterseebootstützpunktes, der in der Lage ist,
sowjetische Unterseeboote zu versorgen, und militärischer Luftstützpunkte,
die regelmäßig von sowjetischen Militärflugzeugen angeflogen werden.
Wegen seiner
- 2 -

�Wegen seiner Bedeutung ist das Karibische Becken ein Magnet für Abenteurer.

Wir wissen alle von den libyschen Frachtflugzeugen, die vor einigen

Tagen auf ihrem Flug nach Nicaragua - um medizinische Güter dorthin zu bringen - in Brasilien aufgetankt haben.

Die brasilianischen Behörden entdeck-

ten, daß es sich bei den sogenannten medizinischen Gütern in Wirklichkeit um
Munition handelte, und unterbanden ihre Auslieferung.

Sie mögen sich erin-

nern, daß ich, als ich vorigen Monat im Fernsehen sprach, die Luftaufnahme
eines Flugplatzes zeigte, der auf der Insel Grenada gebaut wird.

Wenn die-

ser Flugplatz fertig gewesen wäre, hätten diese Flugzeuge dort auftanken und
ihre Reise beenden können.
Wenn die Nazis im Zweiten Weltkrieg die Karibik und Mittelamerika als
von lebenswichtiger Bedeutung für unsere Interessen erkennen konnten, und
die Sowjets dies heute können, sollten wir das dann nicht auch erkennen?
Seit einigen Jahren haben die Vereinigten Staaten unter zwei Administrationen ihre Verteidigung der Freiheit im Karibischen Becken verstärkt.

Und

ich kann Ihnen heute abend sagen, daß die Demokratie in El Salvador Wurzeln
zu schlagen beginnt, das noch bis vor kurzem nur Diktatur kannte.

Die neue

Regierung beginnt, ihre Versprechen auf Demokratie, Reformen und freie Wahlen
zu erfüllen.

Es war nicht leicht, und es gab Widerstand gegen viele der ver-

suchten Reformen mit der Ermordung von Reformern.

Guerilla-Banden und Stadt-

terroristen wurden in einer weltweiten Propagandakampagne als Freiheitskämpfer dargestellt, die das Volk verträten.

Zehn Tage bevor ich mein Amt

antrat, startete die Guerilla ihre, wie sie es nannte, "Endoffensive", um
die Regierung zu stürzen.

Ihr Rundfunksender

rahlte, daß unsere neue Ad-

ministration zu spät käme, um ihren Sieg zu verhindern.

Sie haben erfahren,

daß die Demokratie nicht so leicht besiegt werden kann.
Präsident Carter zögerte nicht,
El Salvador.
kas.

Er bewilligte Waffen und Munition für

Die Guerilla-Offensive schlug fehl, nicht aber der Wille Ameri-

Jeder Präsident, der sein Amt ausübte, seit dieses Land globale Ver-

antwortungen übernommen hat, wußte, daß diese Verantwortungen nur erfüllt

- 3 -

�nur erfüllt werden konnten, wenn wir eine überparteiliche Außenpolitik verfolgten.
Wie ich eben gesagt habe, hält die Regierung von El Salvador ihre Versprechen, wie etwa das Landreformprogramm, durch das Tausende von Pächtern
zu Landbesitzern werden.

In etwas über drei Jahren wurden 20 Prozent des

landwirtschaftlich nutzbaren Landes in El Salvador an über 450 000 Menschen umverteilt; d.h. etwa einer von zehn Salvadorianern hat direkt von diesem Programm profitiert.
El Salvador hat seine Bestrebungen um die Schaffung einer geordneten
und demokratischen Gesellschaft fortgesetzt. Die Regierung hat freie Wahlen
zugesagt. Am 28. März 1982, vor etwas über einem Jahr, hat das leidende Volk
von El Salvador nach monatelangerr, Wahlkampf einer Vielfalt von Kandidaten
die Chance gehabt, zu wählen - die Art von Regierung zu wählen, die es wollte. Plötzlich wurden die sogenannten Friedenskämpfer in den Bergen als das
entlarvt, was sie wirklich sind - eine kleine Minderheit, die nach der Macht
für sich und ihre Hintermänner strebt, nicht nach Demokratie für das Volk.
Die Guerilla drohte jedem den Tod an, der zur Wahl ging. Sie zerstörte Hunderte von Bussen und Lastwagen, um die Menschen daran zu hindern, zu den Wahllokalen zu gelangen. Ihre Parole war brutal: "Wähle heute, stirb heute
abend". Aber am Wahltag trotzten überraschenderweise 80 Prozent der Wahlberechtigten allem Hinterhalt und Gewehrfeuer und gingen meilenweit, um die
Freiheit zu wählen.

Dem können wir niemals den Rücken kehren.

Mitglieder dieses Kongresses, die als Beobachter nach El Salvador reisten,
erzählten mir von einer Frau, die auf dem Weg zum Wahllokal durch Gewehrfeuer
verwundet wurde und sich weigerte, aus der wartenden Schlange herauszutreten
und ihre Wunde verbinden zu lassen, bevor sie gewählt hatte. Einer anderen
Frau wurde von Guerilleros gesagt, sie würde getötet, wenn sie von der Wahl
zurückkomme.

Sie sagte darauf zu den Guerilleros:

"Ihr könnt mich töten,

ihr könnt meine Familie töten, ihr könnt meine Nachbarn töten, aber ihr könnt
uns nicht alle töten". Als die wirklichen Friedenskämpfer von El Salvador

- 4 -

�El Salvador erwiesen sich die Menschen jenes Landes - die jungen, die alten
und alle anderen - über eine Million von ihnen aus einer Gesamtbevölkerung
von fünf Millionen.

Die Welt sollte diesen Mut anerkennen und nicht zulas-

sen, daß er geschmälert oder vergessen wird.

Hier kann ich nur noch einmal

guten Gewissens sagen, daß wir dem niemals den Rücken kehren können.
Die demokratischen politischen Parteien und Gruppierungen in El Salvador
kommen in dem gemeinsamen Ziel zusammen, eine politische Losung für die Probleme ihres Landes zu finden.

In diesem Jahr werden neue nationale Wahlen

abgehalten, die für alle politischen Parteien offenstehen.

Die Regierung

hat die Guerilla dazu eingeladen, an diesen Wahlen teilzunehmen und bereitet
derzeit ein Amnestiegesetz

vor.

Das Volk von El Salvador verdient seine

Freiheit, und es verdient zu seinem Schutz unsere moralische und materielle
Unterstützung.
Ja, noch gibt es große Probleme hinsichtlich der Menschenrechte, hinsichtlich des Systems der Rechtsprechung und hinsichtlich der Gewalt gegen
die Zivilbevölkerung.

Und wie das übrige Mittelamerika steht auch El Salvador

vor schwerwiegenden wirtschaftlichen Problemer'. Aber zusätzlich zum Problem
der Preise bei den wichtigsten landwirtschaftlichen Exporten, die durch die
Rezession gedrückt werden, kommt die Tatsache, daß El Salvadors Wirtschaft
mutwillig sabotiert wird.
Heute kann aufgrund der unbarmherzigen Guerillaangriffe in El Salvador
ein großer Teil des nutzbaren Bodens nicht mehr kultiviert werden; nur noch
weniger als die Hälfte der Eisenbahnwaggons kann noch eingesetzt werden;
Brücken, Wasserleitungen, Telefon- und Stromsysteme wurden zerstört oder beschädigt.

In einem Zeitraum von 22 Monaten gab es 5000 Unterbrechungen bei

der Stromversorgung.

Eine Region war vier Monate ohne Elektrizität.

Ich glaube, Außenminister Shultz hat es kürzlich sehr treffend ausgedrückt: "Da sie nicht in der Lage ist, die Loyalität des Volkes von El Salvador
auf freiwilliger Basis zu erringen, entzieht die Guerilla ihm absichtlich und
- 5 -

�absichtlich und systematisch Nahrungsmittel, Wasser, Transport, Elektrizität,
sanitäre Anlagen und Arbeit.

Das sind die Leute, die behaupten, ihr Ziel sei

Hilfe für das Volk."
Sie will keine Wahlen, denn sie weiß, daß sie dabei verlieren würde.
Aber die vorigen Wahlen haben gezeigt, daß der Wunsch des Volkes von El
Salvador nach Demokratie nicht besiegt werden kann.
Die Guerilla:

Das sind keine in Schlachtordnung aufgestellte Bauern,

mit Musketen ausgerüstet.

Es sind professionelle Leute, manchmal mit besserer

Ausbildung und mit besseren Waffen, als die Soldaten der Regierung sie haben.
Die Bataillone von El Salvador, die amerikanische Ausbildung genossen haben,
verhalten sich auf dem Schlachtfeld und im Umgang mit der Zivilbevölkerung
korrekt.

Aber bislang haben wir nur so viel Geld zur Verfügung gestellt, um

jeden zehnten salvadorianischen Soldaten auszubilden - und das sind weniger
als die Zahl der Guerilleros, die von Nicaragua und Kuba ausgebildet werden.
Und lassen Sie mich auch ein klares Wort über Nicaragua sagen - ein Land,
das an El Salvador grenzt. 1979, als die neue Regierung nach einer Revolution
die Geschäfte in Nicaragua übernahm, durch die das autoritäre Regime Somozas
gestürzt wurde, hoffte jedermann auf ein Gedeihen der Demokratie. Auch wir in
den Vereinigten Staaten. Im Januar 1981 beliefen sich unsere Nothilfe und
unsere Mittel für den Wiederaufbau an Nicaragua auf 118 Millionen Dollar mehr, als jedes andere Industrieland zur Verfügung stellte. In der Tat gaben
die Vereinigten Staaten in den ersten beiden Jahren der Sandinisten-Herrschaft
direkt oder indirekt an Nicaragua fünfmal mehr Hilfe, als sie in den beiden
Jahren vor der Revolution gegeben hatten. Kann irgendjemand Zweifel hegen
hinsichtlich der Großzügigkeit und des guten Glaubens des amerikanischen Volkes?
Dies waren kaum Maßnahmen eines Landes, das unversöhnliche Feindschaft
gegen Nicaragua hegt. Und doch behandelt uns die Regierung von Nicaragua wie
einen Feind. Sie weist unsere wiederholten Friedensanstrengungen zurück.
Sie bricht ihre Versprechen gegenüber uns und der Organisation amerikanischer

- 6 -

�Organisation amerikanischer Staaten sowie» was am bedeutsamsten ist, gegenüber dem Volk von Nicaragua.
Kaum war der Sieg errungen, hinderte eine kleine Clique jene anderen,
die gleichfalls an der Revolution teilgenommen hatten, daran, ihre Stimme in
der Regierung zu Gehör zu bringen.

Humberto Ortega, der Verteidigungsminister,

erklärte, daß der Marxismus-Leninismus die Leitlinie sei - und so geschah es.
Die Regierung Nicaraguas hat eine neue Diktatur errichtet; sie weigert
sich, die Wahlen abzuhalten, die sie versprochen hat; sie hat die Kontrolle
über die meisten Medien ergriffen und unterwirft alle Medien einer strengen
Zensur; sie verwehrt den Bischöfen und Priestern der römisch-katholischen
Kirche das Recht, während der heiligen Woche im Radio Messen abzuhalten; sie
beleidigte den Papst und machte sich über ihn lustig; sie hat die Miskito-Indianer aus ihrer Heimat vertrieben, ihre Dörfer niedergebrannt, ihre Ernten
zerstört und sie dazu gezwungen, in Internierungslagern fernab ihrer Heimat
zu leben; sie schreitet gegen den Privatsektor und gegen freie Gewerkschaften
ein; sie hieß Aktionen der Straße gegen die unabhängige Menschenrechtskommission Nicaraguas gut und trieb den Direktor dieser Kommission ins Exil.
Kurz: Ist es nach all diesen Akten der Unterdrückung durch die Regierung ein Wunder, daß sich eine Opposition formiert? Im Gegensatz zur Propaganda sind diejenigen, die sich gegen die Sandinisten wenden, keine hartnäckigen Anhänger des früheren Somoza-Regimes. Vielmehr sind viele von ihnen
Helden, die im Kampf gegen Somoza neben den Sandinisten kämpften, um die Regierung Somozas zu stürzen. Jetzt wird ihnen jede Beteiligung an der neuen
Regierung verweigert, weil sie ernsthaft für Nicaragua Demokratie wollten und dies auch jetzt noch tun. Wieder andere sind Miskito-Indianer, die um
ihre Heimat, ihren Boden und ihr Leben kämpfen.
Aus der sandinistischen Revolution in Nicaragua wurde schließlich nichts
anderes als die Auswechselung eines autokratischen Herrschers durch einen anderen, und noch immer hat das Volk keine Freiheit,

- 7 -

keine demokratischen Rechte

�demokratischen Rechte - aber mehr Armut.

Noch schlimmer als ihr Vor-

gänger hilft diese Regierung Kuba und den Sowjets dabei, unsere Hemisphäre
zu destabilisieren.
Währenddessen sieht sich die Regierung von El Salvador, die alle Anstrengungen unternimmt, um Demokratie, freie Gewerkschaften, Religionsfreiheit und
eine freie Presse zu garantieren, den Angriffen einer Guerilla ausgesetzt,
die derselben Philosophie verpflichtet ist, wie sie in Nicaragua, Kuba und,
ja, auch in der Sowjetunion herrscht.
kel Nicaraguas.

Gewalt ist der wichtigste Exportarti-

Es ist der Gipfel der Heuchelei, wenn die nichtgewählte

nicaraguanische Regierung uns unterstellt, wir strebten ihren Sturz an, während sie gleichzeitig alles in ihrer Macht Stehende tut, um die gewählte Regierung von El Salvador zu stürzen.

Die Guerillaangriffe werden von einem

Hauptquartier in Managua aus gelenkt - der Hauptstadt Nicaraguas.
Aber lassen Sie mich deutlich sein hinsichtlich der amerikanischen Haltung gegenüber der Regierung von Nicaragua. Wir wollen nicht ihren Sturz.
Wir wollen sicherstellen, daß sie ihre Nachbarn nicht durch den Export von
Subversion und Gewalt ansteckt. In Einklang mit amerikanischem und internationalem Recht ist es unsere Absicht, den Waffenstrom nach El Salvador,
Honduras, Guatemala und Costa Rica zu verhindern. Wir haben versucht, mit
der Regierung Nicaraguas ins Gespräch zu kommen, aber sie setzt ihre Anstrengungen fort, Gewalt zu säen.
Wir wollen nicht - und wir werden nicht - die nicaraguanische Regierung
vor dem Zorn ihres eigenen Volkes schützen. Aber wir sollten auf diplomatischem Weg eine Alternative anbieten. Und während Nicaragua sei e Optionen
abwägt, können und werden wir - mit allen Mitteln der Diplomatie
alle Länder Mittelamerikas vor der Gefahr eines Krieges schützen.
Sogar Costa Rica, Mittelamerikas älteste und stärkste Demokratie, mit
seiner Regierung, die so friedfertig ist, daß sie nicht einmal eine Armee
unterhält, ist Ziel der Einschüchterung und der Bedrohung durch Nicaraguas
- 8 -

�durch Nicaraguas Diktatoren.
Die Nachbarn Nicaraguas wissen, daß die Versprechen der Sandinisten
auf Frieden, Bündnisfreiheit und Nichtintervention nicht eingehalten worden
sind.

Rund 36 Militärstützpunkte wurden

errichtet - nur 13 gab es in den

Jahren Somozas.
Die neue Armee Nicaraguas zählt 25 000 Mann, unterstützt durch eine Miliz von 50 000. Es ist dies die größte Armee in Mittelamerika, ergänzt durch
2000 kubanische Militär- und Sicherheitsberater. Sie ist mit den modernsten
Waffen ausgerüstet, mit Dutzenden von sowjetischen Panzern, 800 Lastwagen vom Sowjetblock geliefert - mit sowjetischen 152-mm-Haubitzen, 100 Flugabwehrkanonen sowie Flugzeugen und Hubschraubern. Außerdem gibt es noch Tausende
von zivilen Beratern aus Kuba, der Sowjetunion, aus Ostdeutschland, Libyen
und von der PLO. Und wir werden angegriffen, weil wir 55 Militärausbilder
in El Salvador haben.
Das Ziel der professionellen Guerillabewegungen in Mittelamerika ist
ebenso einfach wie unheilvoll - Destabilisierung der gesamten Region vom
Panamakanal bis Mexiko. Wenn Sie dieses mein Argument bezweifeln, so bedenken Sie doch, was Cayetano Carpio, der jetzt tote salvadorianische Guerillaführer, Anfang des Monats gesagt hat. Carpio sagte, daß nach dem Fall von
El Salvador Nicaragua und El Salvador "Arm in Arm für die völlige Befreiung von Mittelamerika kämpfen werden." Nicaraguas diktatorische Junta, die
selbst den Krieg von Basen in Honduras und Costa Rica aus führte und dadurch
an die Macht kam, behauptet heute gern, sie werde von Kräften angegriffen,
die in Honduras ihre Stellungen hätten. Tatsache ist, daß Nicaraguas Regierung Honduras bedroht - und nicht umgekehrt.
Es ist Nicaragua, das schwere Panzer nahe an die Grenze verlegt hat,
und Nicaragua spricht von Krieg.

Es war der nicaraguanische Rundfunk, der am

8. April die Schaffung eines neuen, vereinten revolutionären Koordinierungsausschusses ankündigte, um den marxistischen Kampf in Honduras voranzutreiben.
Nicaragua, unterstützt
- 9 -

�Nicaragua, unterstützt durch die Waffen und die anderen militärischen
Mittel, die der kommunistische Block bereitstellt, unterdrückt sein eigenes
Volk, weigert sich, Frieden zu schließen und fördert einen Guerillakrieg gegen El Salvador.
Die Worte von Präsident Truman sind heute noch genauso passend wie 1947,
als auch er vor einer gemeinsamen Sitzung des Kongresses sprach:
"In diesem Augenblick der Weltgeschichte muß fast jedes Land zwischen
alternativen Lebensformen entscheiden.

Und oft genug ist diese Wahl

nicht frei.
Die eine Lebensform gründet sich auf den Willen der Mehrheit und zeichnet sich durch freie Institutionen, repräsentative Regierung, freie
Wahlen, Garantien der Freiheit des einzelnen, Rede- und Religionsfreiheit sowie Freiheit von politischer Unterdrückung aus.
Die zweite Lebensform gründet sich auf den Willen einer Minderheit,
der der Mehrheit gewaltsam aufgezwungen wurde. Sie verläßt sich auf
Terror und Unterdrückung, auf eine kontrollierte Presse und einen
kontrollierten Rundfunk, auf vorbestimmte Wahlen und auf die Unterdrückung der persönlichen Freiheiten.
Ich bin der Meinung, daß es die Politik der Vereinigten Staaten sein

muß, freie Völker zu unterstützen, die den Versuchen der Unterwerfung
durch bewaffnete Minderheiten oder durch Druck von außen widerstehen.
Ich bin der Oberzeugung, daß wir den freien Völkern helfen müssen,
ihr eigenes Geschick auf ihre eigene Weise zu bestimmen.
Ich bin der Oberzeugung, daß unsere Hilfe in erster Linie Wirtschaftsund Finanzhilfe sein sollte, die für die wirtschaftliche Stabilität und
für ordnungsgemäße politische Abläufe von entscheidender Bedeutung sind.
... Der Zusammen_ 10 -

�... Der Zusammenbruch der freien Institutionen und der Verlust der Unabhängigkeit wäre nicht nur für sie katastrophal, sondern für die ganze
Welt.

Entmutigung und mögliches Versagen würde rasch das Los für die

benachbarten Völker sein, die sich darum bemühen, ihre Freiheit und ihre Unabhängigkeit zu bewahren."
Die Staaten Mittelamerikas sind kleiner als die Länder, die Ursache
für diese Botschaft von Präsident Truman waren.

Aber es geht politisch und

strategisch um das gleiche. Wird unsere Reaktion - in wirtschaftlicher, sozialer, militärischer Hinsicht - ebenso angemessen und erfolgreich sein wie
Mr. Trumans mutige Lösungen für die Probleme Europas in der Nachkriegszeit?
Manche Leute haben die Erfolge jener Jahre vergessen - und die Jahrzehnte des Friedens, des Wohlstands und der freiheit, die dadurch möglich
wurden.
Manche Leute reden, als ob die Vereinigten Staaten nicht zu wirkungsvollem Handeln im internationalen Rahmen fähig wären, ohne einen Krieg zu
riskieren oder jenen zu schaden, denen wir helfen wollen.
Sind Demokratien dazu aufgefordert, passiv zu bleiben, während die
Bedrohungen ihrer Sicherheit und ihres Wohlstandes sich häufen?

Müssen wir

die Destabilisierung einer ganzen Region vom Panamakanal bis nach Mexiko
und zu unserer südlichen Grenze einfach hinnehmen?

Müssen wir einfach zu-

sehen, während unabhängige Staaten dieser Hemisphäre in das aggressivste
Imperium einbezogen werden, das die moderne Welt kennt?
Müssen wir einfach abwarten, während Mittelamerikaner aus ihren Häusern
vertrieben werden - wie die über eine Million Menschen, die aus Afghanistan
geflohen sind, oder jene eineinhalb Millionen, die aus Indochina geflohen
sind, oder die mehr als eine Million Kubaner, die aus Castros karibischem
Utopia geflüchtet sind? Müssen wir durch unsere Unterlassung dem Volk von
El Salvador nur die Wahl lassen, aus seiner Heimat zu fliehen und einen

- 11 -

�und einen weiteren, tragischen menschlichen Exodus herbeizuführen?
Ich glaube nicht, daß eine Mehrheit im Kongreß oder im Land zu Passivität, Resignation, Defätismus rät - angesichts dieser Herausforderung für
Frieden und Sicherheit in unserer eigenen Hemisphäre.
Ich glaube nicht, daß eine Mehrheit im Kongreß oder im Land bereit ist,
passiv zuzuschauen, während die Menschen Mittelamerikas dem Totalitarismus
ausgeliefert und wir selbst neuen Gefahren gegenüber verletzlich werden.
Erst letzte Woche wiederholte ein Vertreter der Sowjetunion Breschnews
Drohung, Atomraketen in dieser Hemisphäre zu dislozieren - fünf Minuten von
den Vereinigten Staaten entfernt.

Wie ein Echo bestätigte Nicaraguas

"Commandante", Daniel Ortega, daß sein Land, würde es darum ersucht, überlegen würde, ob es solche Raketen akzeptieren sollte.

Soviel man hört,

überdenken sie das heute vielleicht doch noch einmal.
Bevor ich weitergehe, möchte ich noch zu jenen etwas sagen, die die
Erinnerung an Vietnam wachrufen: Es wird nicht daran gedacht, amerikanische
Kampftruppen nach Mittelamerika zu schicken; sie werden nicht gebraucht ja, man hat von dort keine angefordert. Alles, was unsere Nachbarn von uns
wollen, ist Hilfe bei Ausbildung und bei Waffen, um sich selbst zu schützen,
während sie sich ein besseres, freieres Leben schaffen.
Wir müssen weiterhin zum Frieden unter den Ländern Mittelamerikas ermutigen. Wir müssen die regionalen Bemühungen unterstützen, die jetzt im
Gange sind, um Lösungen regionaler Probleme herbeizuführen.
Wir können nicht sicher sein, ob die marxistisch-leninistischen Gruppen, die glauben, der Krieg sei ein Instrument der Politik, sich so leicht
entmutigen lassen werden. Wichtig ist, daß nicht wir entmutigt werden, bevor sie entmutigt sind. Sonst wird die Freiheit der Region verloren sein
und unsere Sicherheit in einer Weise geschädigt werden, daß es kaum vorstell -

- 12 -

�kaum vorstellbar ist.
Wenn Mittelamerika fällt, was wären dann die Folgen für unsere Stellung in Asien und in Europa und für Bündnisse wie die NATO?

Wenn die Ver-

einigten Staaten nicht in der Lage wären, auf eine Bedrohung nahe ihrer eigenen Grenzen zu reagieren, warum sollten Europäer oder Asiaten glauben,
daß wir uns ernsthafte Gedanken über Bedrohungen machen, die gegen sie gerichtet sind?

Wenn die Sowjets davon ausgehen könnten, daß nichts außer

einem direkten Angriff auf die Vereinigten Staaten eine amerikanische Reaktion auslösen könnte, welcher Verbündete, welcher Freund wird uns dann noch
trauen?
Der Kongreß trägt sowohl die Macht als auch die Verantwortung für unsere Außenpolitik mit.
Heute abend möchte ich Sie, den Kongreß, auffordern, sich mir in einer
kühnen und großzügigen Anstrengung zur Lösung der Probleme von Frieden und
Armut, Demokratie und Diktatur in der Region anzuschließen. Folgen Sie mir
in einem Programm, das auf kurze Sicht einen kommunistischen Sieg verhindert,
aber weit darüber hinausgeht, um für die unterprivilegierten Menschen dieses
Gebietes die Realität des gegenwärtigen Fortschritts und die Aussicht auf
weiteren Fortschritt zu sichern.
Legen wir die Grundlagen für eine überparteiliche Anstrengung, um die
Unabhängigkeit und die Freiheit der Länder Mittelamerikas aufrechtzuerhalten.
Wir werden in Mittelamerika vier Grundziele anstreben:
- Erstens, als Antwort auf Jahrzehnte der Ungerechtigkeit und Gleichgültigkeit werden wir Demokratie, Reform und menschliche Freiheit unterstützen.

Das bedeutet, daß wir unsere Hilfe, unsere Überzeugungskraft

und unsere legitimen "Hebel" einsetzen, um menschliche, demokratische
Systeme zu unterstützen, wo sie bereits bestehen, und Ländern auf ihrem

- 13 -

�auf ihrem Weg zu dem Ziel zu helfen, diesen Prozeß so rasch abzuschließen, wie menschliche Institutionen geändert werden können.

Wahlen - in

El Salvador und auch in Nicaragua - müssen allen offen stehen und fair
und sicher sein.

Hier muß die internationale Gemeinschaft helfen.

Wir

werden an den Menschenrechtsproblemen arbeiten, nicht vor ihnen davonlaufen.
- Zweitens, als Antwort auf die Herausforderung der weltweiten Rezession
und im Fall von El Salvador auf die nicht nachlassende Kampagne der
wirtschaftlichen Sabotage durch die Guerilla werden wir die wirtschaftliche Entwicklung unterstützen. Das Verhältnis unserer Wirtschaftshilfe zur Militärhilfe ist zwei zu eins. Rund 77 Cent von jedem Dollar,
den wir dieses Jahr in dem Gebiet ausgeben, werden für Nahrungsmittel,
Düngemittel und andere wichtige Dinge für das wirtschaftliche Wachstum
und die Entwicklung ausgegeben werden. Und unser Wirtschaftsprogramm
geht über die traditionelle Hilfe hinaus: Die bereits im Repräsentantenhaus eingebrachte Initiative für das Karibische Becken sieht mächtige
Handels- und Investitionsanreize vor, um diesen Ländern dabei zu helfen,
ein sich selbst tragendes wirtschaftliches Wachstum ohne den Export amerikanischer Arbeitsplätze zu erreichen. Unser Ziel muß es sein, sich
auf unsere gewaltige und wachsende Technologie zu konzentrieren, um Gesundheitsfürsorge, Landwirtschaft und Industrie zu fördern, um sicherzustellen, daß wir, die wir diese voneinander abhängige Region bewohnen,
uns besser kennen- und verstehenlernen, ohne unsere unterschiedlichen
Identitäten aufzugeben und unter Achtung unserer unterschiedlichen Traditionen und Institutionen.

- Drittens, als Antwort auf die militärische Herausforderung aus Kuba
und Nicaragua - auf ihren bewußten Einsatz von Gewalt zur Ausbreitung
der Tyrannei - werden wir die Sicherheit der bedrohten Länder der Region unterstützen. Wir betrachten Sicherheitshilfe nicht als Selbstzweck, sondern als einen Schutzschild für Demokratisierung, wirtschaftliche Entwicklung und Diplomatie. Noch so viele Reformen werden keinen

- 14 -

�werden keinen Frieden bringen, solange die Guerilla glaubt, mit Gewalt
siegen zu können.

Noch so viel Wirtschaftshilfe wird nicht ausreichen,

wenn Guerillaeinheiten immer wieder ungestraft Straßen, Brücken, Kraftwerke und Ernten zerstören.

Aber mit besserer Ausbildung und materieller

Unterstützung können sich unsere Nachbarn der Guerilla erwehren und der
demokratischen Reform genug Zeit geben, Wurzeln zu schlagen.
- Viertens, wir werden Dialog und Verhandlungen unterstützen - sowohl
unter den Ländern der Region als auch innerhalb jedes Landes, über Bedingungen für die Teilnahme an Wahlen kann man reden.
ein leuchtendes Beispiel der Demokratie.

Costa Rica ist

Honduras hat den Schritt von

der Militä'rherrschaft zu einer demokratischen Regierung getan.
hat sich dem gleichen Weg verschrieben.

Guatemala

Die Vereinigten Staaten werden

auf eine politische Lösung in Mittelamerika hinarbeiten, die den Interessen des demokratischen Prozesses dient.
Um diese diplomatischen Ziele zu unterstützen, biete ich folgende Zusagen:
- Die Vereinigten Staaten werden jedes Abkommen unter mittel amerikanischen
Ländern über den Abzug aller ausländischen Militär- und Sicherheitsberater und Truppen - unter voll verifizierbaren Bedingungen und auf der
Basis der Gegenseitigkeit - unterstützen,
- Wir wollen oppositionellen Gruppen helfen, sich in allen Ländern in
den politischen Prozeß einzureihen und mit Wahlzetteln statt mit Kugeln
zu konkurrieren.
- Wir werden jedes verifizierbare: auf der Basis der Gegenseitigkeit
beruhende Abkommen unter mittelamerikanischen Ländern über den Verzicht
der Unterstützung von Aufständischen auf Nachbarterritorien unterstützen.
- Und schließlich

- 15 -

�- Und schließlich wollen wir Mittelamerika dabei helfen, sein kostspieliges Wettrüsten zu beenden, und werden jedes verifizierbare, auf der
Basis der Gegenseitigkeit beruhende Abkommen darüber unterstützen, keine
Offensivwaffen einzuführen.
Um uns auf dem Weg zu diesen Zielen rascher voranzubringen, gebe ich
heute abend meine Absicht bekannt, einen Sonderbotschafter als meinen persönlichen Vertreter für Mittelamerika zu ernennen.
den Außenminister Bericht erstatten.

Er oder sie wird mir durch

Die Aufgabe des Botschafters wird es

sein, den Bemühungen von Regierungen der Region, dem unruhigen Gebiet Frieden
zu bringen, die Unterstützung der Vereinigten Staaten zu verleihen und eng
mit dem Kongreß zusammenzuarbeiten, um die engstmögliche, überparteiliche Koordination unserer Politik gegenüber der Region zu gewährleisten.
Um was ich bitte, ist die rasche Billigung der vollen Wiedereinsetzung
von Mitteln für entscheidend wichtige laufende Wirtschafts- und Sicherheitshilfeprogramme durch den Kongreß, damit die Völker Mittelamerikas der von
außen unterstützten Aggression paroli bieten können. Darüber hinaus ersuche
ich um eine rasche Behandlung des zusätzlichen Antrages für diese gleichen
Gebiete, um uns über das laufende Haushaltsjahr hinwegzuhelfen und um eine
baldige und günstige Behandlung meiner Anträge für das Haushaltsjahr 1984
durch den Kongreß. Und schließlich möchte ich darum ersuchen, daß der überparteiliche Konsens, der im vorigen Jahr hinsichtlich der Handels- und Steuerbestimmungen der Initiative für das Karibische Becken im Repräsentantenhaus
bestand, wieder zustandekommt, um diesen lebenswichtigen Vorschlag vor das
Plenum beider Häuser zu bringen. Und, wie ich bereits sagte, der größte
Teil dieser beantragten Mittel, ist für wirtschaftliche und humanitäre Hilfe
vorgesehen, nicht für Militärhilfe.
Was die Administration im Namen der Freiheit Mittelamerikas fordert,
ist im Verhältnis zu dem,was auf dem Spiele steht, ganz wenig, ja minimal.
Der Gesamtbetrag der beantragten Hilfe für ganz Mittelamerika beträgt für
1984 rund 600 Millionen Dollar; das ist weniger als ein Zehntel dessen,

- 16 -

�Zehntel dessen, was Amerikaner in diesem Jahr für Mlinzvideospiele ausgeben
werden.
Zusammenfassend möchte ich Ihnen heute abend sagen, daß außer Frage
steht:

In Mittelamerika geht es um die nationale Sicherheit aller amerika-

nischen Staaten. Wenn wir uns dort nicht verteidigen können, können wir
nicht erwarten, uns anderswo durchzusetzen.

Unsere Glaubwürdigkeit würde

zusammenbrechen, unsere Bündnisse würden einstürzen und die Sicherheit unseres Heimatlandes würde gefährdet.
Wir haben ein lebenswichtiges Interesse, eine moralische Pflicht und
eine feierliche Verpflichtung.
Das ist keine Frage der Parteipolitik. Das ist die Frage, ob wir unserer moralischen Verpflichtung gegenüber uns selbst, unseren Freunden und
der Nachwelt nachkommen. Diese Pflicht ist uns allen auferlegt - dem Präsidenten, dem Kongreß und dem Volke. Wir müssen sie gemeinsam erfüllen.
Wer unter uns möchte die Verantwortung dafür tragen müssen, daß wir unserer
gemeinsamen Verpflichtung nicht nachgekommen sind?

+ + + + +

- 17 -

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Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

19

4. Mai 1983

BURT: SOWJETUNION BRAUCHT ANREIZ FÜR VERHANDLUNGEN
- Rede des US-Unterstaatssekretärs in Hamburg -

HAMBURG - (AD) - Der Unterstaatssekretä'r für europäische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Richard Burt, erklärte am 25. April 1983 in Hamburg, die Dislozierung neuer amerikanischer Raketen in Europa
sei "der beste und einzige Weg", um die Sowjets dazu zu bewegen, in gutem
Glauben über Rüstungskontrolle zu verhandeln. Auf einer von der amerikanischen Zeitschrift Time Magazine veranstalteten Konferenz über das Atlantische Bündnis hob Burt hervor, daß die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten an beiden Teilen des NATO-Doppelbeschlusses festhalten würden.
Die Ausführungen des amerikanischen Unterstaatssekretärs haben folgenden Wortlaut:
Diese Konferenz könnte zu keiner passenderen Zeit stattfinden.

Und die

Notwendigkeit, die transatlantischen Entwicklungen mit Sorgfalt zu betrachten, könnte nicht größer sein. Als ehemaliger Journalist bin ich mir darüber
im klaren, daß jene außerhalb der Regierung eine einmalige Möglichkeit haben,
die Ebbe und Flut der laufenden Entwicklungen zu beobachten.

Als Regierungs-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Als Regierungsvertreter bin ich mir jedoch auch darüber im klaren, daß diese
Gelegenheit nicht immer so genutzt wird, wie sie genutzt werden könnte. Aus
diesem Grunde verdienen das Time Magazine und die Organisatoren dieser Konferenz unseren aufrichtigen Dank und unsere höchste Wertschätzung.

Jene von

uns, die mitten im täglichen Getriebe des politischen EntScheidungsprozesses
stecken, brauchen die Kritik und die Vision von Menschen wie Ihnen und solche
Zusammenkünfte.

Wenn die Dinge nicht in das richtige Licht gerückt werden,

dann sind wir wahrscheinlich weniger in der Lage, geschichtliche Kräfte zu
gestalten, als durch sie gestaltet zu werden.
Ich glaube, wir sind an einem kritischen Scheideweg in den Annalen des
Atlantischen Bündnisses angelangt.

Lassen Sie mich ganz rasch hinzufügen, daß

das nicht daher kommt, daß wir etwa in einer tiefen Krise steckten, wie manche uns glauben machen wollen., Wir stehen vielmehr inmitten einer großen Debatte, wie man es nennen könnte.

Es ist eine Debatte, bei der es um das ei-

gentliche Wesen des Atlantischen Bündnisses geht - um seine Zielsetzung, seine Gestalt und seine Zukunft.
Es ist wohl kaum das erstemal, daß sich das Bündnis in den schmerzlichen Zuckungen der Selbstprüfung und der Selbstkritik befindet.
nis ist sogar mitten aus der Kontroverse entstanden.

Das Bünd-

Die ganze Vorstellung

eines Engagements in den Angelegenheiten Europas in Friedenszeiten ging gegen den Strich der amerikanischen Geschichte,

Dem Nachkriegsamerika lag al-

les daran, seine Jungs wieder nach Hause zu holen und sich einen bequemen
Frieden in Wohlstand zu schaffen.
Aber die Gründungsjahre des Bündnisses waren auch für die Europäer nicht
leicht. An erster Stelle im Denken eines jeden standen Wiederaufbau und Wiederaufschwungt

Die Bewaffnung zur Verhütung eines weiteren Krieges forderte

Mittel, die nur zu knapp waren.

Bande des Vertrauens mit Feinden von gestern

zu schaffen, forderte den geistigen Mut, nach vorn zu blicken statt zurück.
Aber auf beiden Seiten des Atlantik trafen die ungewöhnlichen Männer der unmittelbaren Nachkriegsperiode schwere und manchmal unpopuläre Entscheidungen.

- 2 -

�unpopuläre Entscheidungen.

In den Vereinigten Staaten hatten zwei Welt-

kriege nur zu deutlich die Torheit des Isolationismus gezeigt. Man begriff,
daß George Washingtons berühmte Verfügung gegen den Abschluß "verstrickender
Bündnisse" keinen Ewigkeitswert hatte.

In Europa begriff man, daß die Sicher-

heit des Kontinents vor der entstehenden sowjetischen Bedrohung einen ständigen Zusammenschluß mit einer außerhalb des Kontinents liegenden Macht erforderte. Aus dieser doppelten Einsicht entstand das Bündnis. Die erste
Debatte war entschieden.
Das Bündnis der fünfziger Jahre war ein überwältigend von den Vereinigten Staaten beherrschtes Bündnis. Die Abschreckung hing von der nuklearen
Überlegenheit der Vereinigten Staaten ab, um ein Gegengewicht gegen die Rote
Armee zu bieten, die niemals demobilisiert wurde.

Die Entscheidungen wurden

meist in Washington getroffen und durch die NATO in Paris weitergegeben.
Meist war es so, daß wir sprachen und die Europäer zuhörten; wir führten,
Europa folgte.
In den sechziger Jahren wurde immer deutlicher, daß eine solche Formel
nicht mehr paßte.

Europa lag nicht mehr am Boden. Der wirtschaftliche

Wiederaufschwung war gelungen.

Das Bündnis beruhte nicht länger auf einer

einfachen Sicherheitsgarantie, sondern hatte sich zu einer echten militärischen Koalition mit integrierten nationalen Streitkräften entwickelt.
Und die Europäer waren immer weniger bereit, die amerikanische Führung fraglos hinzunehmen.

Die Bedingungen für eine zweite große Debatte waren ent-

standen.
Viele der Belastungen, die diese Entwicklungen mit sich brachten,
traten

im

nuklearen Bereich auf.

Damals wie heute traf die Nuklearpolitik

den Kern des Bündnisses.
In der Nukleardebatte der sechziger Jahre ging es um zwei Hauptfragen.
Das Problem war einmal ein militärisches.

Die amerikanische Garantie war

nicht mehr so überzeugend angesichts der großen Schritte, die die Sowjets

- 3 -

�die Sowjets zum Ausbau ihres nuklearen Arsenals unternahmen.

Wie konnte die

strategische Abschreckung der Vereinigten Staaten einen Ausgleich für konventionelle Schwäche bieten und gleichzeitig vor den strategischen Streitkräften
der Sowjets abschrecken?

Und das Problem war auch ein politisches.

Die Euro-

päer wollten ein Mitspracherecht bei den Entscheidungen hinsichtlich der Kernwaffen, bei denen es um Leben und Tod ging.
Was Washington zur Lösung dieser Probleme vorschlug - die Multilaterale
Nuklearstreitmacht der NATO, kurz MLF - trug nur zur Verschärfung der Spannungen bei.
fekt.

Glücklicherweise hatte die letztliche Lösung den gegenteiligen Ef-

Die 1967 vom Bündnis formell eingeführte Doktrin der flexiblen Ant-

wort (flexible response) sah ein Kontinuum an - konventionellen, taktisch
nuklearen und strategisch nuklearen - Streitkräften vor, durch das die Abschreckung auf allen Ebenen aufrechterhalten werden konnte, und es wurde eine
neue Einrichtung, die Nukleare Planungsgruppe, geschaffen.

An der Gestal-

tung der Nuklearpolitik sollte es nun eine verantwortliche Mitwirkung geben.
Die grundlegende atlantische Solidarität wurde aufrechterhalten.
Aber nach bester Tradition Hegelscher Logik hat die Synthese von gestern
der Antithese von heute Raum gegeben. Darin liegt eine gewisse Ironie. In
den siebziger Jahren ließen die Besorgnisse der Europäer erkennen, daß man
ein Nachlassen der Verpflichtung der Vereinigten Staaten sah, die amerikanische
Nukleargarantie aufrechtzuerhalten. In den achtziger Jahren betrachten die
sich am lautesten artikulierenden Elemente in Europa mit Alarm die Bemühungen der Vereinigten Staaten, die Glaubwürdigkeit eben dieser Nukleargarantie
zu gewährleisten. Also hören wir 1983 wieder einmal von vielen Seiten, daß
das Bündnis nicht länger relevant oder lebensfähig oder gar beides sei; daß
nur eine Radikal Operation das Leben des Patienten retten könne. Wenn ich die
Zeichen der Zeit richtig erkenne, dann ist eine dritte große Debatte im Gange.
Die Gründe dafür, daß dies gerade jetzt geschieht, sind vielfältig:
Erstens, der Lauf der Zeit hat den ersten atlantischen Impuls gedämpft; das
Bündnis scheint bezüglich der Anliegen junger Menschen mit Vorstellungen, die

- 4 -

�Vorstellungen, die durch die Erfahrungen geprägt sind, welche sich grundsätzlich von denen der Nachkriegszeit unterscheiden, nicht mehr so relevant.
Zweitens, die europäischen Staaten und Institutionen haben in Kapazität,
Wohlstand und Unabhängigkeit Fortschritte gemacht.

Es gibt viele Leute auf

beiden Seiten des Atlantik, die das Bündnis als einen Anachronismus betrachten - als Produkt einer Ära amerikanischer Stärke und europäischer Schwäche,
die nicht länger existiert.
Drittens, amerikanische und europäische Interessen sind nicht immer identisch, ja, sie ergänzen sich manchmal nicht einmal. Häufig sind wir wirtschaftliche Konkurrenten. Wir haben oft unterschiedliche Auffassungen über
die Dritte Welt oder regionale Krisen. Gelegentlich beurteilen wir die Sowjetunion, die Bedrohung, die sie darstellt, und wie wir die Ost-West-Beziehungen
am besten in den Griff bekommen körnen, unterschiedlich.
Viertens, eine sich hinziehende Periode wirtschaftlicher Rezession verstärkte die Konkurrenz um Haushaltszuteilungen.

Der Anspruch auf höhere Ver-

teidigungsmittel und die Entscheidung, wieviel jedes Mitglied des Bündnisses
aufbringen sollte, sind zunehmend umstritten.
Und fünftens, die Verlagerung im militärischen Gleichgewicht und das Entstehen einer strategischen Parität zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion haben vor allem erneut die Frage der amerikanischen Zuverlässigkeit aufgeworfen.

Die Glaubwürdigkeit der strategischen Abschreckung der

Vereinigten Staaten wird manchmal bezweifelt.

Das Entstehen der sowjetischen

Überlegenheit auf dem Gebiet der nuklearen Mittel Streckensysteme hat neue
Fragen bezüglich der Verkopplung der Verteidigung Europas und der strategischen Abschreckung der Vereinigten Staaten aufgeworfen.

Daß aus solchen

Umständen eine große Debatte über die Zukunft des atlantischen Bündnisses entsteht, sollte eigentlich nicht verwunderlich sein; es wäre sogar verwunderlicher, wenn sie nicht stattfände.

Es ist nicht überraschend, daß wir oft

die Herausforderungen für das atlantische Grundmodell von allen Seiten des

- 5 -

�Seiten des politischen Spektrums kommen sehen.

Vertreter auf beiden Seiten

des Atlantik nehmen teil, und ich möchte gerne meinen bescheidenen Beitrag zu
dieser Debatte leisten.
In den Vereinigten Staaten ist es wichtig, daß wir kein Wiederauferstehen des traditionellen Isolationismus erleben.
Amerika

Der Begriff der Festung

wird nicht als ein Modell amerikanischen Wohlergehens herausgehoben.

Diese Vorstellung ist vielleicht einfach zu sehr in Mißkredit geraten, um
noch eine große Anziehungskraft zu haben.

Wahrscheinlich haben die meisten

von uns einfach die Erkenntnis akzeptiert, daß die Vereinigten Staaten von der
übrigen Welt zu abhängig und in einer gegenseitigen Abhängigkeit sind, um diese vereinfachte und gefährliche Option zu verfolgen.

Aber es gibt noch andere

Herausforderungen für die atlantische Verbindung.
So gibt es beispielsweise eine amerikanische Lehrmeinung, die als "globaler Unilateralismus" bekanntgeworden ist. Anhänger dieser Lehre beginnen mit
einer Hervorhebung des globalen Ausmaßes der amerikanischen Interessen. Sie
weisen auf den weiten Bereich möglicher Bedrohungen der Vereinigten Staaten
hin. Und sie wollen die amerikanische Verpflichtung gegenüber Europa abbauen,
damit unsere Flexibilität, anderswo zu handeln, größer würde.
Diese Einstellung ist voller Fehler. Nicht alle Interessen sind lebenswichtig und nicht alle Interessen sind gleich. Das Gleichgewicht der Macht
in Europa ist von zentraler Bedeutung für die Stabilität in der Welt, und das
amerikanische Engagement in Europa ist von zentraler Bedeutung für das dortige
Gleichgewicht. Darüber hinaus kann der ganze Bereich unserer kommerziellen
und kulturellen Bindungen nicht durch andere ersetzt werden, und wir können
auch nicht darauf verzichten. Die Wirklichkeit ist, daß es keinen billigen
Weg gibt, diese Interessen zu schützen. Wenn die Abschreckung glaubwürdig
sein soll, dann erfordert dies eine starke kontinentale Verpflichtung der Vereinigten Staaten, und es erfordert auch, daß wir gemeinsam in einer echten Koalition handeln. Eine zweite Herausforderung ist Ihnen vielleicht bekannter.
Weil es keinen besseren Ausdruck dafür gibt, nenne ich sie "atlantische Rekon-

- 6 -

�"atlantische Rekonstruktion".
Sie

manifestiert sich an verschiedenen Orten - vor allem im Kongreß

und in den Medien - und auf verschiedene Weise, indem beispielsweise angedroht wird, Truppen abzuziehen oder keine Mittel für Verteidigungsprogramme
bereitzustellen, die von entscheidender Bedeutung für die Verteidigung Europas
sind.
Die Wurzeln dieser amerikanischen Bewegung finden sich in dem Boden der
Verärgerung und des Ressentiments.

In den Vereinigten Staaten wächst

die Überzeugung, daß die Europäer nicht ihren Anteil leisten, sei es
sich selbst zu verteidigen oder die gemeinsamen Interessen in der ganzen Welt
zu verteidigen.

Mit dieser Auffassung ist gelegentlich die Überzeugung ver-

bunden, daß die Verpflichtung Europas zur Entspannung seine Verpflichtungen
gegenüber dem Bündnis bei weitem überwiegt; daß sich Europa mehr Sorgen um
sein wirtschaftliches Wohlergehen als um die westliche Verteidigung macht.
Die Rekonstruktionisten wollen diesem angeblichen "Trittbrettfahren"
ein Ende bereiten.

Sie wollen Europa ein Signal geben, sich um eine größere

europäische Verteidigungsanstrengung zu bemühen.
Wie es oft der Fall ist, stimmen weder die Analysen noch die Rezepte.
Daß wir alle mehr tun müssen, um die Abschreckung zu stärken, liegt auf der
Hand.

Es muß mehr getan werden, und die Reagan-Administration hat schwer ge-

arbeitet, um die Verteidigungsausgaben auf beiden Seiten des Atlantik zu erhöhen.

Gleichzeitig haben wir versucht, falschen Vorstellungen bezüglich der

Beiträge der Bündnispartner zur gemeinsamen Verteidigung zu begegnen.

So ist

beispielsweise nicht genügend bekannt, daß im Falle eines Konfliktes in Europa
90 Prozent der Landstreitkräfte der NATO und 75 Prozent ihrer See- und Luftstreitkräfte europäische Streitkräfte wären.
Und dann gibt es jene, die behaupten, daß wir die Situation verbessern
könnten, indem wir die amerikanischen Anstrengungen beschneiden.

Ich hege

keinen Zweifel, daß die Vereinigten Staaten, wenn sie in Europa weniger täten,
- 7 -

�weniger täten, tatsächlich "ein Signal setzen" würden.
falsche Signal, das zum falschen Ergebnis führen würde.

Leider wäre es das
Im Namen der Erhö-

hung der Abschreckung und der Verteidigung könnten jene, die den Beitrag
Amerikas beschneiden möchten, genau das Gegenteil erreichen.

Ein Abbau der

amerikanischen Stärke und die Infragestellung der amerikanischen Verpflichtung
sind wohl kaum die richtigen Mittel und Wege, um Frieden und Stabilität zu fördern.

Auf dieser Seite des Atlantik findet eine noch größere Debatte statt.

Damit mußte man rechnen, wenn man bedenkt, wie die Menschen hier unmittelbar
von den Fragen berührtwerden.

Lassen Sie mich kurz darauf eingehen, was ich

als die Hauptalternativei betrachte, die geboten werden.
Drei Lehrmeinungen scheinen zu dominieren.
mit der Neutralität vertauschen.

Die erste würde das Bündnis

Menche gehen sogar so weit, daß sie glauben,

dieser Neutralismus könne ganz Europa - West und Ost - einschließen.

Es wird

argumentiert, daß ein Europa ohne Zugehörigkeit zum einen oder anderen Block
und ohne bedeutsame Streitkräfte ein sichererer Hafen werde und weniger wahrscheinlich in eine Konfrontation zwischen den beiden Supermächten hineingezogen würde»

Etwas unterschiedlich wird behauptet, daß Europa - und vor al-

lem Deutschland - seinen wichtigsten Beitrag zum Frieden leisten könnte, wenn
es als Brücke zwischen den beiden Supermächten diene und der einen über die
andere Aufschluß gäbe.
Das sind romantische Vorstellungen. Ein schwaches und neutrales Westeuropa würde mit oder ohne seine östlichen Nachbarn in den Bann der stärksten
europäischen Kontinentalmacht, der Sowjetunion, geraten. Was wir für den Frieden brauchen, ist weniger eine Brücke als ein Bollwerk. Unsere Probleme mit
der UdSSR werden nicht durch einen Mangel an Kommunikation verursacht, obwohl
Kommunikation natürlich wichtig ist. Unsere Probleme mit der UdSSR werden
durch einen Mangel an sowjetischer Zurückhaltung, Achtung und Respekt vor
den Interessen und dem Wohlergehen anderer hervorgerufen.
In Anerkennung dieser Realitäten argumentieren andere wiederum für ein
starkes und von den Vereinigten Staaten unabhängiges Europa, das in der Lage

- 8 -

�der Lage wäre, selbst voll für seine eigene Sicherheit zu sorgen.

Es wird

ein Bild der militärischen Einheit Europas projiziert, das sich an die politische Zusammenarbeit und wirtschaftliche Integration Europas anlehnt.

Bei

diesem Modell wäre Europa in der Lage, aus einer Position der Stärke heraus
zwischen den beiden Großmächten zu vermitteln und die eine abzuschrecken, ohne
an die andere gebunden zu sein.
Interessen nützen würde.

Uns wird gesagt, daß dies den europäischen

Ich kann diese Denkrichtung nicht besser beschrei-

ben als mit einem Zitat von Hedley Bull von der Universität Oxford.

Er sagt:

"Der Kurs, den die westeuropäischen Staaten jetzt erforschen sollten, könnte
'europaistisch' genannt werden.

Dabei müßten die Staaten Westeuropas sich

enger aneinander schließen, ihre Verteidigungsanstrengungen erhöhen und Schritte in Richtung auf eine Verringerung ihrer militärischen Abhängigkeit von
Amerika unternehmen."
Aber auch Professor Bulls Vorstellung mangelt es an Realismus.

Dem der-

zeitigen Europa fehlt die erforderliche politische Grundlage für die Erstellung eines solchen kollektiven Managements seiner Sicherheit.

Unklar ist,

ob die europäischen Staaten bereit wären, die notwendigen politischen Verpflichtungen einzugehen und die notwendigen wirtschaftlichen Investitionen
zu tätigen.

Und es ist überhaupt nicht sicher, ob das Auftauchen eines unab-

hängigen, bewaffneten Europas - bewaffnet mit konventionellen wie mit nuklearen Waffen - ohne Krise oder gar Konflikt vor sich gehen könnte.
Tatsächlich könnten die Sicherheit und die Stabilität, die wir alle
kennen und derer wir uns derzeit alle erfreuen, durch eine solche Entwicklung
gefährdet werden.
Eine dritte Variante ist in den Vorschlägen enthalten, die derzeit von
den Oppositionsparteien in Nordeuropa ausgehen.

In vieler Hinsicht sind die-

se Ideen Spiegelbild der Vorschläge, die von den amerikanischen Rekonstruktionisten angeboten wurden.
Die europäischen

- 9 -

�Die europäischen Rekonstruktionsten haben mehrere Ziele: Verminderung
des Einflusses der Vereinigten Staaten, Verringerung der Möglichkeit eines
Atomkrieges in Europa, Betreiben einer unabhängigeren Politik gegenüber Moskau
und Förderung der europäischen Interessen in der ganzen Welt nach eigenem Gutdünken.

Ihr Ziel ist nicht, das Bündnis zu verlassen, sondern vielmehr, es von

innen heraus zu verändern.
Aber sogar eine solche "reformistische" Politik hat ihre großen Schwierigkeiten, ja, sie stützt sich auf einige der schlechtesten Aspekte der eben besprochenen beiden Alternativen.

Wir sollten uns hier nicht täuschen.

konventionelle Verteidigung bedarf der Stärkung.

Die

Aber kraftvollere Anstren-

gungen bei der konventionellen Verteidigung machen die Atomwaffen weder irreievant noch überflüssig.

Die sowjetischen Vorteile bei den konventionellen

wie bei den nuklearen Waffen müssen ausgeglichen werden - bei Dislozierungen,
bei Rl'stungsverringerungen oder bei beidem.

Die Verbindung zwischen den Streit-

kräften in Europa und der strategischen Abschreckung der Vereinigten Staaten
muß aufrechterhalten werden.

Gleichzeitig werden sich Verbesserungen bei den

konventionellen Streitkräften als kostspielig erweisen, Obereinstimmung hinsichtlich eines größeren Anstiegs der Verteidigungsanstrengungen muß erst noch
erreicht werden.

Und eine stärkere europäische Unabhängigkeit von den Ver-

einigten Staaten birgt Risiken; die Europäer können nicht wählen, wann sie
sich der Früchte des Bündnisses erfreuen wollen und wann nicht.

Es gibt Raum

für Meinungsverschiedenheiten und für unterschiedliche Ansichten innerhalb
des Bündnisses, aber nicht für selektive Verpflichtung.
Neutralismus, bewaffnete Unabhängigkeit, Rekonstruktion - dies sind
grundsätzlich die drei europäischen Alternativen zum derzeitigen "atlantischen"
Rahmenwerk der westlichen Sicherheit.

Alle drei Varianten durchziehen ver-

schiedene Themenkreise, die gleichfalls die derzeitige atlantische Brücke in
entscheidender Weise verändern würden.
Die Antiatomströmung ist ein solcher Gedanke. Ziel ist eine Verringerung
oder, wenn möglich, eine Beseitigung der Atomwaffen in Europa und damit der Gefahr eines Atomkrieges. Die glühendsten Verfechter dieser Position würden dies
- 10 -

�würden dies auch einseitig tun in der Hoffnung, eine ähnliche sowjetische Zurückhaltung zu bewirken und Waffen zu beseitigen, die abgeschossen werden
könnten oder gegen die wiederum andere abgeschossen werden könnten.
Aber ich stimme den Beobachtungen von Harold Brown über den amerikanischsowjetischen Rüstungswettbewerb zu:
Sowjetunion.

"Wenn wir etwas bauen, baut es auch die

Aber wenn wir nichts bauen, baut die Sowjetunion trotzdem."

Zu-

dem würden einseitige Maßnahmen des Westens unsere besten Möglichkeiten für
sinnvolle RüstungskontrollVerhandlungen untergraben.
der:

Und noch schwerwiegen-

Einseitige atomare Abrüstung würde die Abschreckung gefährden und zu-

gleich die Verletzbarkeit des Westens erhöhen.
Es kann auch keine Politik des "Nichtersteinsatzes" von Kernwaffen geben.
Folge wäre auch hier die Abkopplung und dadurch eine Untergrabung, nicht eine
Erhöhung, der Abschreckung.

Es ist die Aussicht auf den Einsatz von Kernwaf-

fen und auf das volle Gewicht der amerikanischen Macht, die zur Wahrung des
Friedens in Europa beitragen.
Wunschdenken hinsichtlich des Nichteinsatzes von Atomwaffen ist nicht genug. Deklarationen sind lediglich Worte. Dagegen sind die konventionellen,
die chemischen und die atomaren Kapazitäten der Sowjets real und nehmen zu.
Würde das Bündnis eine Politik des Nichtersteinsatzes von Atomwaffen betreiben, so würde sich die Gefahr eines konventionellen Krieges - der in unserem
Zeitalter unglaublich zerstörerisch wäre - erhöhen - und damit zugleich die
Möglichkeit einer nuklearen Tragödie. Im Zweiten Weltkrieg kamen über 50 Millionen Menschen um; wir können keine Politik betreiben, die die Gefahr eines
konventionellen Krieges in Europa - von einem Atomkrieg ganz zu schweigen vergrößern würde.
Schließlich gibt es diejenigen, die innerhalb des Bündnisses oder des
"Atlantischen Hauses" bleiben wollen und all ihre Hoffnungen auf die Rüstungskontrolle setzen - sei das Allheilmittel für Europas Dilemma nun irgendeine
Version des Einfrierens von Kernwaffen oder breiter angelegte Verhandlungen.

- 11 -

�angelegte Verhandlungen.

Nur die Rüstungskontrolle, so wird gesagt, bietet

die Möglichkeit, die Bedrohung zu begrenzen, den Waffenumfang und die damit
verbundenen Ausgaben zu verringern und eine erneuerliche Entspannung zu fördern.
Aber solche Hoffnungen können nicht in der Isolation gedeihen.

Die

Rüstungskontrolle wird nur dann vorangehen, wenn die Sowjets einen Anreiz
zu Verhandlungen haben; hierzu ist auf unserer Seite eine solide militärische
Grundlage erforderlich.

Man kann von der Rüstungskontrolle auch nicht erwar-

ten, daß sie die sowjetische Führung dazu bringt, die Anwendung von Gewalt
aufzugeben:

Die sowjetische Politik im Innern wie im Ausland hängt zu sehr

von ihr ab.

Die Rüstungskontrolle bietet die Möglichkeit, unsere Sicherheit

und die Abschreckung zu stärken; sie kann jedoch nicht an die Stelle unserer
kollektiven Anstrengungen treten, eben dieses zu tun.
In normaleren Zeiten wären Debatten über verschiedene Konzeptionen der
Sicherheit des Bündnisses willkommen, über Jahre oder gar Jahrzehnte hinweg
könnten wir vielleicht einen neuen Konsens finden. Aber 1983 ist keine normale Zeit, Ganz im Gegenteil: 1983 könnte sich als das wichtigste Jahr in
der Geschichte des Atlantischen Bündnisses seit seiner Gründung erweisen.
Der Grund hierfür liegt auf der Hand. Die Entschlossenheit und die
Glaubwürdigkeit des Bündnisses werden in einem Maße auf die Probe gestellt,
wie dies in keinem anderen Jahr seit 1949 der Fall war. Die Art und Weise,
wie wir den Beschluß vom Dezember 1979 über die nuklearen Mittel Streckenwaffen
durchführen, wird große Auswirkungen auf unsere Zukunft haben. Diejenigen,
die ihre abstrakten oder idealisierten Vorstellungen darüber anbringen, wie die
atlantischen Beziehungen am besten strukturiert sein sollten, um das Ergebnis
der INF-Debatte zu bestimmen, sollten dies nur in voller Erkenntnis dessen
tun, was auf dem Spiel steht. Es ist nicht überraschend, daß eine gewisse
Versuchung besteht. Es gibt Kreise in den Vereinigten Staaten, die sich fragen, warum wir uns so sehr darum bemühen sollten, zur Durchführung dieses Beschlusses zu kommen. Sie sind unglücklich darüber, daß so viele Aspekte der
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen zur Geisel der INF-Entscheidung gemacht
- 12 -

�INF-Entscheidung gemacht werden, und erwähnen die Möglichkeit, daß die Dislozierung der amerikanischen Raketen in Europa die Gefahr eines direkten sowjetischen Atomangriffs auf ihre Heimat Amerika vergrößern könnte,
Auf dieser Seite des Atlantik gibt es jene •• besonders die neuen Neutralisten -die genau das Gegenteil behaupten.

Ihrem Argument zufolge würden die

neuen, auf dem Kontinent stationierten amerikanischen Waffen die Vereinigten
Staaten in die Lage versetzen, einen nuklearen Schlagabtausch zwischen Ost
und West auf Europa zu lokalisieren oder zu begrenzen.

Andere argumentieren

lediglich, daß die neuen Raketen nicht notwendig sind, weil die Sowjetunion
nicht beabsichtige, ihr derzeitiges INF-Monopol auszunützen; eine weitere Variante bilden jene, die bereit sind, unbegrenzt lange auf Rüstungskontrolle
zu warten, um die Sicherheitsprobleme zu lösen, die durch die Dislozierung
der SS-20 aufgetreten sind.

In jedem Fall ist man bestrebt, sich von der

Durchführung des Beschlusses von 1979 zurückzuziehen.
Einstellungen ist offenkundig.

Das Trügerische dieser

Die Vereinigten Staaten können nicht mehr lan-

ge in einer Welt sicher sein, in der

Westeuropa es nicht ist. Jene Amerika-

ner, die die amerikanische Nukleargarantie schwächen oder beseitigen wollen,
würden die Aussicht auf Stabilität und Frieden überall gefährden.

Um das

Risiko für sich selbst zu verringern, hätten sie es für alle erhöht.
Auch die europäischen Gegner der Dislozierung haben unrecht.

Nicht die

Begrenzung oder die Lokalisierung eines nuklearen Schlagabtausches auf Europa
wäre die Folge der amerikanischen Raketen, sondern vielmehr seine Verhinderung.
Denn tatsächlich tragen wir doch zu einem Teil durch die Drohung mit einer Eskalation und umfassender amerikanischer Einbeziehung dazu bei, Stabilität und
Abschreckung in Europa zu fördern.

Es gibt keinen besseren Beweis für diese

Tatsache als den jüngsten Kommentar von Verteidigungsminister Ustinow, daß
die Sowjetunion auf einen Schlag seitens amerikanischer Systeme in Europa mit
einem unmittelbaren Angriff auf die Vereinigten Staaten reagieren würde.
dies nicht Ankopplung ist, dann weiß ich nicht, was es überhaupt ist.
Diejenigen, die

- 13 -

Wenn

�Diejenigen, die behaupten, man brauche keine neuen Dislozierungen - sei
es, weil sie sich auf den guten Willen der Sowjets oder auf die Aussichten
der Rüstungskontrolle verlassen -, täuschen sich ganz einfach selbst.

Es ist

vielleicht wahr, daß Westeuropa mit einem Übergewicht an sowjetischer Macht
leben könnte; aber zu erwarten, daß die Sowjets nicht jeden Vorteil für ihre
eigenen paranoischen politischen Zwecke ausnützen, bedeutet, alle Lektionen
der Geschichte zu ignorieren.

In ähnlicher Weise kann man von der UdSSR nicht

erwarten, beim Fehlen aller Anreize ernsthaft zu verhandeln.

Die Dislozierung

- als Absicht oder als Tatsache - bleibt für uns der beste und einzige Weg,
die Sowjets dazu zu bringen, in gutem Glauben an Verhandlungen teilzunehmen.
Kurz gesagt:

Die Durchführung des INF-Doppelbeschlusses ist zum Eckstein

der westlichen Sicherheit in den achtziger Jahren geworden.

Dieser Beschluß

hat auch weiterhin eine solide politische und eine solide militärische Begründung.

Er wurde in Reaktion auf eine nichtprovozierte sowjetische Aufrüstung

gefaßt, die noch immer unvermindert anhält.

Er stellt die fortdauernde Ver-

pflichtung des Bündnisses zu einem Konzept der Abschreckung dar, gegründet
auf der Vorstellung, daß amerikanische Macht - mit Europa verknüpft - der
beste Weg ist, um Stabilität und Frieden Europas zu fördern.

Die Verpflich-

tung der Reagan-Administration und der Regierungen des Bündnisses zur Durchführung beider Teile des Doppelbeschlusses von 1979 - Rüstungskontrolle und,
falls nötig, Dislozierung - ist nunmehr unerschütterlich.
Meine Unterstützung für Entscheidungen, die vor rund dreieinhalb Jahren
gefällt wurden, sowie meine Kritik der verschiedenen Alternativen innerhalb
des Bündnisses sollten nicht als Selbstgefälligkeit ausgelegt werden. Die
Brüchigkeit der verschiedenen von mir beschriebenen Alternativen sollte nicht
als totale Ablehnung ihrer Gültigkeit betrachtet werden, genauso wenig, wie
es als völlige Bekräftigung des Status quo angesehen werden sollte. Wenn ich
ein altes amerikanisches Sprichwort für meine heutigen Zwecke hier modifizieren darf, so möchte ich lediglich davon abraten, das Bündnis stärker zu
reparieren, als es geschädigt ist, oder, um ein anderes Bild zu wählen, ich
dränge Sie darauf, keine Medikamente zu verwenden, die gefährlicher sind als
die Krankheit.
Dies soll
- 14 -

�Dies soll nicht heißen, daß wir auf der Stelle stehenbleiben.
darf der Reform.

Und es bedarf der engen Konsultationen.

Es be-

Wir müssen nicht

nur unsere nukleare Abschreckung verbessern, sondern auch unsere konventionellen Streitkräfte.

Es muß mehr dafür getan werden, die gemeinsamen Inter-

essen außerhalb des formellen Vertragsgebietes zu sichern.

Wir müssen sicher-

stellen, daß unsere Handelsbeziehungen mit dem Osten in Einklang mit unseren
politischen und sicherheitspolitischen Erfordernissen stehen.

Und wir müssen

auch weiterhin einfallsreich und beweglich sein bei unserer Suche nach sinnvollen Rüstungskontrollabkommen.
Aber wir müssen vorsichtig dabei sein, wie wir vorgehen. Europa ist in
den 30 Jahren seit dem Zweiten Weltkrieg ein bewaffneter Konflikt erspart
geblieben. Wir haben ein Maß an Wohlstand und an Freiheit erlangt, wie es in
der Geschichte ohne Beispiel ist. Es steht zu viel auf dem Spiel, um übereilt oder unbesonnen vorzugehen. Das Bündnis und das zugrundeliegende atlantische Modell bzw. seine Struktur bleibt relevant und lebensfähig. Nur
innerhalb seines Rahmens können wir die Kräfte des Westens in einer Weise
nutzbar machen, die die Wirksamkeit so groß und die Last unserer freien Gesellschaft und ihrer angespannten Volkswirtschaften so gering wie möglich sein
läßt.
Es gibt einen schönen

Satz in dem Roman "Der Leopard" des italienischen

Autors Giuseppe di Lampedusa.

"Wenn wir wollen, daß die Dinge so bleiben,

wie sie sind, dann müssen sich die Dinge ändern."

Das ist recht wahr.

In

der Tat besteht die Geschichte des Bündnisses aus einer Reihe von Anpassungen
an sich entwickelnde

Umstände.

Das Bündnis des Jahres 1983 ist nicht das

Bündnis von 1949.
Aber es muß auch Grenzen für unsere anderen Wege geben.

Das Wesentliche

des atlantischen Modells, welches das Bündnis darstellt, hat uns gut gedient
und sollte erhalten bleiben.

Das Bündnis kann auch weiterhin unsere Inter-

essen schützen, wenn wir hinsichtlich dessen, was wir bewahren, ebenso klug
sind wie hinsichtlich dessen, was wir verändern.
+ + + + +

- 15 -

�19

4. Mai 1983

DER WELTHANDEL UND DIE INTERNATIONALEN FINANZEN
Ein Interview mit dem Sonderbeauftragten Präsident Reagans
für Handelsverhandlungen -

WASHINGTON - (AD) - In einem Interview, das
der Sonderbeauftragte Präsident Reagans für
Handelsverhandlungen, William E. Brock, unserem Washingtoner Korrespondenten Jon
Schaffer gegeben hat, verwies er auf die Notwendigkeit, den Welthandel und die internationalen Finanzen stärker als bisher miteinander
zu verknüpfen und den Handlungsspielraum des
GATT auszuweiten. Den Ausführungen Brocks
kommt angesichts der Tagung der Wirtschaftsund Finanzminister von sieben großen Exportländern in Paris am 11. und 12. Mai und dem
Weltwirtschaftsgipfel in Williamsburg vom
28. bis 30. Mai besonderes Gewicht zu. Durch
Stärkung des -institutionellen Rahmens für den
Welthandel und die internationalen Finanzströme, des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) U nd des Internationalen Währungsfonds (IWF) sollte in der ganzen Welt
ein besseres allgemeines Wirtschaftsklima geschaffen werden, das den Warenaustausch zwischen
den Völkern begünstigt und damit die unerläßliche Voraussetzung für die Beseitigung der
weltweiten Arbeitslosigkeit schafft.
Das Interview Brocks hat, um einige weniger
bedeutende Fragen und Antworten gekürzt, folgenden Wortlaut:

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�FRAGE: Vor einigen Monaten erklärte Präsident Reagan, protektionistische
Maßnahmen gefährdeten die wirtschaftliche Erholung in aller Welt und den Weltfrieden.

Wieviel politisches Kapital würde die Regierung Reagan aufwenden,

um den Kongreß am Erlaß protektionistischer Gesetze zu hindern?
ANTWORT: Meinem Dafürhalten nach

sind wir bereit, so gut wie alles

politische Kapital aufzuwenden, über das wir verfügen, um nicht nur unser Land,
sondern die ganze Welt auf dem Weg zu wirtschaftlicher Erholung zu halten.
Der Protektionismus kann unsere Bemühungen, die Beschäftigung ohne
Inflation wieder auf den früheren Stand zu bringen, sowohl in unserem Lande
als auch in der ganzen Welt mit einem Schlag zunichtemachen.

Deshalb werden

wir jede nur erdenkliche Anstrengung unternehmen, um sicherzustellen, daß der
Kongreß keine aggressiven protektionistischen Gesetze erläßt, die unseren
Handelspartnern - und offen gesagt - langfristig auch den Vereinigten Staaten
Schaden zufügen.
FRAGE: Einschließlich der Einlegung des Vetos durch den Präsidenten?
ANTWORT: Ja, wenn es notwendig werden sollte. Meiner Meinung nach hat
der Präsident dies bereits demonstriert: Vor genau einem Jahr hat er ein
anderes protektionistisches Gesetz mit seinem Veto belegt.
FRAGE: Beamtete und auch private Handelsanalytiker sind übereinstimmend
der Auffassung, daß kurzfristig die größten Gewinne aus der Liberalisierung
des internationalen Handelssystems über bilaterale - nicht multilaterale Anstrengungen zu erreichen sind. Trifft dies Ihrer Auffassung zu? Besteht
nach Auffassung der Administration die Notwendigkeit einer Alternative zum
Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (GATT)?
ANTWORT: Das GATT hat mehr als jede andere Institution dazu beigetragen,
eine explosionsartige Expansion des Welthandels herbeizuführen.

Das war

�Das war nachgerade fantastisch.

Die Wachstumsraten des Welthandels waren weit

höher als die der Weltproduktion, und das hat sehr zum Wohlergehen dieses
Landes und vieler anderer Länder beigetragen.
Somit geht unsere Ansicht über das GATT dahin, daß wir im gegenwärtigen
Augenblick jeden Versuch unterlassen sollten, eine Ersatz-Institution zu schaffen,
sondern dafür sorgen müssen, daß GATT besser- funktioniert.

Was immer wir tun

können, um das GATT zu unterstützen und zu stärken, wird getan; und wir werden
unsere Handelspartner ermutigen, sich uns hierin anzuschließen.
Sicherlich wird man Handelsproblemen in der Größenordnung der Schwierigkeiten, die wir gegenwärtig mit unseren Freunden in Europa im Agrarhandel haben,
kurzfristig am ehesten durch ein bilaterales Vorgehen bereinigen können einfach weil in den multilateralen Institutionen keine ausreichenden Verfahrensregeln hierfür bestehen.
Das aber macht es erforderlich, daß wir zwei Dinge allen anderen voran
tun: Erstens, kurzfristige Probleme in bilateralen Konsultationen auf dem
Verhandlungswege lösen, und zweitens gleichzeitig auf eine Stärkung der
Verfahrensregeln hinarbeiten, damit derartige Probleme erst gar nicht mehr
auftreten oder raschestens auf multilateralem Wege gelöst werden können.
FRAGE: Können Sie uns Ergänzendes zu Berichten von Gesprächen zwischen
unserem Land und seinen Verbündeten über Vorschläge für ein "GATT-Plus" oder
"Super-GATT" sagen oder diese richtigstellen?
ANTWORT: Gewiß, man wirft heute mit solchen Worten herum.

Wir haben den

Hang, allen Dingen ein Etikett anzuhängen: "Super-GATT", "GATT-Plus",
"Tagung gleichgesonnener Länder" - und anderes mehr.

Die Gefahr besteht meiner

Meinung nach darin, daß die Völker solchen Worten letztlich mehr Bedeutung
beimessen als den Zielen.
Im Grunde

- 3 -

�Im Grunde genommen sind sich die Vereinigten Staaten wohl darüber im
klaren, daß die internationalen Strukturen und Institutionen des Handels und
der Finanzen gestärkt und verbessert werden müssen.

Wir führen intern viele

Gespräche über die Frage, wie sich das bewerkstelligen läßt. Wir sind noch
nicht sicher, ob wir eine einfache und klare Antwort finden werden. Wir haben
auch diesbezüglich Gespräche mit einigen unserer Handelspartner eingeleitet.
Diese Gesprächsrunden werden in den nächsten Monaten an Intensität gewinnen,
wenn die unterschiedlichen Methoden zur Behandlung dieses Problemkreises zur
Sprache kommen.
Das besagt nicht, wir hätten uns bereits für die Schaffung eines "SuperGATT" oder eine Art "GATT-Plus" entschieden. Wichtiger scheint mir zu sein,
daß wir uns intern verpflichtet fühlen, das GATT, den Internationalen Währungsfonds sowie das Verhältnis zwischen beiden und die Einsicht seitens der internationalen Handelswelt zu stärken, daß wir alle mehr leisten müssen als in der
Vergangenheit, wenn wir sicherstellen wollen, daß die Welt mit der Liberalisierung des Handels fortfährt. Nur so können wir neue wirtschaftliche Möglichkeiten und neue Arbeitsplätze schaffen und mit den Schuldenproblemen fertig
werden, unter denen die Entwicklungsländer leiden. Wir müssen das alles zudem
möglichst rasch tun.
FRAGE: Sind dies die Probleme, über die die Wirtschafts- und Finanzminister
der sieben Gipfelländer auf ihrer Tagung in Paris vom 11. bis 12. Mai sprechen
werden.
ANTWORT: Das sind ihrem Wesen nach vorbereitende Gespräche, Sondierungen:
Wir werden eine Menge Fragen stellen. Wir haben auch eigene Vorstellungen
entwickelt, glauben aber nicht, daß der Zeitpunkt für unser Land gekommen ist,
konkrete Vorschläge vorzulegen.
Wir möchten Verständnis für das Ausmaß der Probleme wecken, vor die sich
andere Länder gestellt sehen; wir wollen herausfinden, wie wir uns gegenseitig

- 4 -

�uns gegenseitig multilateral in dem Wissen um den grundlegenden Zweck einer
Ausweitung des Handels bestärken können.
Wir alle sehen uns im eigenen Land mit dem Protektionismus konfrontiert.
Es gibt kein Land, das frei von protektionistischen Pressionen ist. Wie
können wir diese gemeinsam verringern?

Und sollten nicht die Finanz-, die

Wirtschafts- und die Außenminister sämtlich letztlich in diese Art von Unternehmen involviert werden, wenn es darum geht, uns gegenseitig in dem Willen
zu bestärken, negativen Pressionen zu widerstehen?
Die Art von Fragen, die wir einander zu stellen beabsichtigen,und die
Gebiete, auf denen wir nach Fortschritten streben werden, sind ziemlich
offenkundig.
Erstens - und damit möchte ich keinerlei Priorität zum Ausdruck bringen wie steht es um die offensichtlich ständig an Bedeutung zunehmenden Beziehungen
zwischen Handel, Finanzen und Währung. Die Schuldenkrise der weniger entwickelten
Länder rückte, wenn nichts anderes, so doch mindestens dieses Faktum in den
Blickpunkt des Interesses.
Sind unsere internationalen Institutionen hinreichend etabliert und koordiniert, um mit Problemen dieser Art fertig zu
werden?
Zweitens müssen wir unser Augenmerk meiner Auffassung nach auf den multinationalen Entscheidungsprozeß innerhalb des GATT konzentrieren.

Zwischen dem

GATT und der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) besteht ein ständiger
Spannungszustand.

Sollten sich diese beiden Instutionen nicht gegenseitig

stärken, statt miteinander in Konkurrenz zu treten?

Können wir eine Methode

entwickeln, um den Entscheidungsprozeß in Institutionen wie dem GATT generell
zu verbessern?
Das sind grundlegende Fragen, auf die sich keine sehr leichten Antworten
finden lassen dürften.
FRAGE: In den letzten
- 5 -

�FRAGE:

In den letzten Wochen haben mehrere hohe amerikanische Regierungs-

beamte erklärt, die von einem GATT-Gremium getroffene Weizenmehl-Entscheidung,
die gegen die Vereinigten Staaten ergangen ist, bedeute, daß im Handel mit
Agrarerzeugnissen "das Gesetz des Dschungels" herrsche. Werden Agrarsubventionen zur Alltagspraxis auch in den Vereinigten Staaten, oder gibt es eine
andere Methode zur Lösung dieses Problems, die bisher noch nicht ausprobiert
wurde?
ANTWORT:

Sie werden bemerkt haben, daß ich sehr lange pausierte, um

diese Fragen zu beantworten.

Ich glaube nicht, daß es eine ausgemachte Sache

ist, daß wir uns umfassender Agrarsubventionen bedienen werden. Aber unsere
Optionen sind gegenwärtig äußerst begrenzt.

Es wächst in diesem Land das Ge-

fühl, daß wir mehr und mehr benachteiligt werden und daß wir uns im Wettbewerb
immer stärker anstrengen müssen.
Es gibt zwei Auswege aus dieser Lage. Wir können entweder der Praxis
anderer Länder folgend unsere Zuflucht zu umfangreichen aktiven und unverblühmten staatlichen Interventionen in Gestalt von Prämien und Beihilfen nehmen oder kurzfristig einen vorübergehenden Waffenstillstand vereinbaren, in
dem beide Seiten gewisse Konzessionen machen, um einen Handelskrieg zu vermeiden. Und wir können uns mit unseren Handelspartnern darauf einigen, in
vernünftiger Zeit bessere internationale Regeln zustandezubringen, um zu verhindern, daß sich dergleichen jemals wiederholt.
Ich halte die letzte Methode - bilaterale Verhandlungen und multilaterale
Verbesserungen der Regeln - für die bessere.
Ich bin nicht sicher, ob es dazu kommen wird. Es könnte sein, daß einige
Länder ihren eigenen Vorstellungen so stark verhaftet sind, daß sie auf ihnen
bestehen und wir deshalb zu keiner Lösung gelangen können. Wir werden uns sehr
anstrengen, das Problem zu lösen. Wenn es uns nicht gelingt, haben wir, die
Vereinigten Staaten, meines Erachtens wenigstens hinreichend klar gemacht, daß
wir unsere Lebensinteressen verteidigen, ja verteidigen müssen.
FRAGE:
- 6 -

Die

�FRAGE:

Die Vereinigten Staaten führen Klage darüber, daß die Subven-

tionierung der Landwirtschaft in der Europäischen Gemeinschaft aufgrund der
"gemeinsamen Agrarpolitik" den Vereinigten Staaten auf ihren traditionellen
Märkten erhebliche Marktanteile gekostet hat. Würden sich die Vereinigten
Staaten damit zufrieden geben, wenn sich die Europäische Gemeinschaft bereit
erklärte, ihre Beihilfe so weit zu begrenzen, daß die Amerikaner ihre durchschnittlichen Marktanteile aus der Vergangenheit erfolgreich behaupten könnten.
ANTWORT: Da wir zur Zeit sehr intensive und, wie ich meine, auch sehr
konstruktive Gespräche führen, zögere ich etwas, hier zu erklären, was, kurzfristig gesehen, ausreichend sein mag oder nicht.
Es besteht kein Zweifel an der Geschlossenheit der amerikanischen Haltung hierzu - offen gesprochen, besteht kein Zweifel an unserer Entschlossenheit, dieses Problem zu lösen. Weil wir aber dieserhalb in reichlich delikate Erörterungen verwickelt sind, möchte ich hier lieber nicht allzu deutlich werden, sondern lieber auf den grundlegenden Punkt zurückkommen, daß
wir seit einiger Zeit schon das Gefühl haben, es gäbe überhaupt keine Entschuldigung für die seit 30 Jahren geübte Praxis, die Landwirtschaft insoweit als Stiefkind des Welthandels zu behandeln, als man den Agrarhandel
überall ausklammert und keinerlei wirksame Regeln für ihn aufstellt.
Wenn wir jüngst so verärgert über die Weizenmehlentscheidungen des GATT
waren, so deshalb, weil das GATT-Gremium

effektiv feststellte, die Vereinig-

ten Staaten wären im Recht, sich dann aber weigerte, für Abhilfe zu sorgen.
Das aber läßt es zweifelhaft erscheinen, ob das GATT der Verantwortung nachzukommen bereit ist, die ihm von den 85 Signatarstaaten des GATT-Vertrages
auferlegt wurde, oder nicht.
Es kann in dem bisherigen Rahmen so nicht weitergehen.
geschehen.

Es muß etwas

Entweder müssen wir bessere Regeln aufstellen oder der Apparat

wird aus den Fugen geraten.
FRAGE:

Wollen

�FRAGE:

Wollen Sie damit sagen, daß wir auf andere kurzfristige Lösun-

gen in dem Gedanken eingehen werden, wir müßten uns mit einer kurzfristigen
Lösung als Schritt in Richtung auf eine langfristige Bereinigung des Problems
abfinden?
ANTWORT:
FRAGE:

Ja, das trifft weitgehend zu.
Könnte die Lösung in einer Aufteilung von Märkten bestehen?

ANTWORT:

Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Vereinigten Staaten -

sei es auch nur auf Zeit - einer Aufteilung von Märkten zustimmen, die besagt, auf diesen Gebieten dürfen wir mit anderen in Wettbewerb treten und auf
anderen nicht.

Ich würde jedenfalls zaudern, das zu tun.

FRAGE: Die amerikanische Regierung hat in den letzten Monaten heftige
verbale Attacken gegen das Herauspicken einzelner Industrien als Angriffsziele geführt, wie es insbesondere von der japanischen Industrie praktiziert
wird.
Gegen welche industrielle Zielpraktiken wendet sich die Administration
speziell, und was sollten andere Länder nach Ansicht der Vereinigten Staaten
dagegen unternehmen?
ANTWORT:

Wir sorgen uns, daß der Begriff "industrielle Zielpraktiken"

dahingehend ausgelegt wird, die Regierungen seien ermächtigt, auf den internationalen Märkten so zu intervenieren, daß andere Handelspartner benachteiligt werden. Ein Beispiel wäre die Gewährung beträchtlicher staatlicher Zuschüsse, selbst auf den Gebieten der Forschung und Entwicklung. Die Bildung
von Kartellen kann manchmal ernste Handelsverzerrungen hervorrufen. In diese
Reihe gehören Verstaatlichungen, wenn sie den Zweck verfolgen, einen Deckmantel für die Einschleusung massiver staatlicher Mittel abzugeben, um einen
andernfalls unwirtschaftlichen Anteil von Auslandsmärkten für sich zu gewinnen.
Diese industriellen
- 8-

�Diese industriellen Zielpraktiken sind eine neue Taktik, die immer
stärker in den Vordergrund tritt - eine Taktik, die hinreichend kompliziert
ist und zahlreiche Überlegungen und Gespräche erforderlich macht.

Wir haben

noch keine gute Abwehr dagegen entwickelt - und machen uns dieserhalb Sorgen.
Es ist nach unserem Dafürhalten an der Zeit, die gelbe Warnflagge zu hissen
und darauf hinzuweisen, daß hier Vorsicht geboten ist, weil es sonst zu
unnötigen Spannungen kommen wird.
FRAGE:

OECD-Generalsekretär Van Lennep sprach von der Bedrohung durch

eine "Kettenreaktion von Abwehrmaßnahmen" in den Handelsbeziehungen.

Halten

Sie das für wahrscheinlich?
ANTWORT:

Diese Möglichkeit besteht immer.

Noch haben wir den kritischen

Punkt nicht erreicht; unser vielleicht größtes Ziel ist es, sicherzustellen,
daß es eben nicht dazu kommt...
FRAGE: Können Sie angesichts der anhaltenden Arbeitslosigkeit in Europa
und in den Vereinigten Staaten und der starken protektionistischen Pressionen
einen Grund anführen, der die Entwicklungsländer zur Erwartung besserer Märkte
für ihre Produkte in den Industriestaaten als in den letzten Jahren berechtigt?
ANTWORT: Ja. Es wäre äußerster Wahnsinn seitens der industrialisierten
Welt, ihre Märkte für die Produkte der Entwicklungsländer zu sperren. Die
sich hieraus ergebende Bedrohung unseres Wohlergehens wäre schrecklich. Die
Vereinigten Staaten verkaufen heute mehr in die Entwicklungsländer und tätigen
mehr Handel mit Entwicklungsländern als mit Europa und Japan zusammen; 39
Prozent unserer Ausfuhren gehen in Entwicklungsländer.
Unser Finanzsystem wird durch die Verschuldung der Dritten Welt stärkstens
belastet.

Zu glauben, daß die einzelnen Länder ihre Schulden bezahlen können,

wenn sie keine Absatzmärkte für ihre eigenen Produkte finden, ist unrealistisch
und deshalb einfach falsch.
Wir müssen
- 9 -

�Wir müssen nicht nur einige unserer Handelspartner, sondern auch gewisse Leute im eigenen Land davon überzeugen, daß jeder Versuch, die Absatzmöglichkeiten für Entwicklungsländer zu beschneiden, uns größeren Schaden
zufügt als ihnen.
Es gibt nur eine Methode, aus der Rezession herauszukommen:
zu treiben.

mehr Handel

Und es gibt nur eine Methode, die Schuldenkrise zu lösen:

mehr

Handel zu treiben.
Die Alternative dazu wäre, was 1930 geschah:

Wachsender Protektionismus

und anschließende weltweite Depression.
FRAGE:

Die Administration wird dieses Jahr, so weit ich weiß, eine

Erneuerung der amerikanischen Handelspräferenzen für Entwicklungsländer
unter dem GSP-Programm (Generalized System of Preferences) und einige Änderungen desselben fordern.

Können Sie uns sagen, um welche Änderungen es

sich handeln soll?
ANTWORT:

Wir stehen noch mitten in den internen Erörterungen der Frage,

wie wir das am besten vertreten können, was meiner Auffassung nach ein wohlbegründetes Ziel der Administration darstellt, nämlich die Ausweitung des GSPSystems.
Wir meinen, dieses Programm käme den Entwicklungsländern ebenso zugute
wie uns:

Keiner wäre der Verlierer.

Es bestehen jedoch schwere Pressionen in diesem Land, einfach jede Art
von Präferenzen abzuschaffen, und wir müssen uns über diese Pressionen klar
werden und eine Methode finden, ihnen wirksam entgegenzutreten.
Kurzfristig unterliegen wir hierin politisch der Hitze des Augenblicks,
dem Druck der Arbeitslosigkeit.

Das trifft für alle Länder der Erde zu.
Unsere Einstellung
- 10 -

�Unsere Einstellung zu GSP basiert in erster Linie auf der Überzeugung,
daß es in unserem nationalen Interesse liegt, das GSP-System auszuweiten.
Wir müssen es aber in gewisser Hinsicht modifizieren.

Wir hoffen, daß wir

nicht nur einen Wandel herbeiführen, sondern einen positiven oder progressiven Wandel, der sich nicht für irgendwelche Entwicklungsländer als eine Art
Strafmaßnahme
FRAGE:

auswirkt...
Werden Sie auf die Idee von Nord-Süd-Handelsverhandlungen zurück-

kommen, die wir auf der GATT-Ministertagung im November vergangenen Jahres
präsentiert haben?
ANTWORT:

Sicherlich.

FRAGE: Ist dies heute noch eine lebenskräftige Idee? Meines Wissens
haben die Entwicklungsländer den amerikanischen Vorschlag zurückgewiesen.
ANTWORT: Während die meisten Entwicklungsländer auf der Ministertagung
unseren Vorschlag zu begrüßen schienen, weil sie größtenteils von ihm profitiert hätten, reagierten einige wenige unter ihnen nervös, weil er ihrer Meinung nach irgendwelche Gefahren für sie mit sich bringe. Deshalb hinderten
sie das GATT daran, wirksame Schritte zu unternehmen. Natürlich haben sie
die Möglichkeit, das GATT zu blockieren, wenn sie dies wünschen. Das ändert
aber nichts an der amerikanischen Politik. Wir können diesen Kurs auch aus
eigener Kraft verfolgen.
FRAGE:
ANTWORT:
tun sollten.

Auf bilateraler Basis statt in einem multilateralen Rahmen?
Durchaus möglich.

Ich sehe keinen Grund, warum wir das nicht

Letzten Endes können wir, falls wir diesen Kurs einschlagen,

auch dessen Richtigkeit beweisen.

Er könnte auch auf multilateraler Basis

größere Unterstützung finden.
Bedenken Sie:

- 11 -

�Bedenken Sie:

Es gab in den GATT-Gesprächen in Genf auf Seiten der

meisten Länder sehr wenig Widerstand gegen diese Idee.

Die Mehrheit von

ihnen schien diesen Vorschlag für sehr ansprechend zu halten, würde er doch
zu einer beträchtlichen Steigerung des Welthandels führen.

Genau das glau-

ben wir auch.
Es trifft zu, daß das GATT als Organisation auf einen allgemeinen Konsens
angewiesen ist:

Deshalb können zwei oder drei Länder das GATT daran hindern,

eine positive Entscheidung zu fällen, besitzen sie doch eine wirksame VetoGewalt.
FRAGE:

Die Industrieländer drängen die Entwicklungsländer auf eine

weitere Liberalisierung des Handels - auch wenn sie gleichzeitig anerkennen,
daß die Schuldensituation der weniger entwickelten unter ihnen eine Einschränkung der Einfuhren erforderlich macht.

Reicht der bestehende insti-

tutionelle Apparat aus, um mit diesen Problemen fertigzuwerden?
ANTWORT: Nein. Ich habe schon auf den Zusammenhang zwischen Handel
und Finanzen hingewiesen. Nach meinem Dafürhalten müssen wir uns ernsthaft
um eine Methode bemühen, diese beiden noch enger miteinander zu verknüpfen.
Wenn beispielsweise Restriktionen des Internationalen Währungsfonds gegen
ein Land verhängt werden, um den Ausgleich seiner Zahlungsbilanz zu erzwingen, sollte das GATT meines Erachtens in irgendeiner Form hinzugezogen werden, um sicherzustellen, daß die von dem besagten Land zu unternehmenden
Schritte die geringstmöglichen - und nicht die größtmöglichen - Handelsverzerrungen hervorrufen...
FRAGE:

Halten Sie den Rückgang des Welthandels vom vergangenen Jahr

für eine Folge der weltweiten Rezession, oder war er auf die Zunahme der protektionistisehen Pressionen in den letzten Jahren zurückzuführen?
ANTWORT: Er war eindeutig eine Folge der Rezession. Es ist äußerst
gefährlich, das Ausmaß des Rückgangs des Welthandels einem Phänomen wie dem

- 12 -

�wie dem Protektionismus anzulasten.

Noch schlimmer aber ist es, daß der

Rückgang des Welthandels den Grad der Verschuldung der Entwicklungsländer
verschärfte.

FRAGE:

Die Ursache hierfür aber war er nicht.

Welche Vorhersage würden Sie angesichts der derzeitigen Schulden-

probleme der Entwicklungsländer und der nur langsamen Verbesserung der Konjunktur in Europa für die Entwicklung des Welthandels im Jahr 1983 treffen?

ANTWORT:

Er wird wahrscheinlich ziemlich stabil sein.

Der amerikanische

Aufschwung kommt ziemlich gut voran und scheint sich über 1983 hinaus auch
im Jahr 1984 fortzusetzen.

Das ist gut, weil unser Aufschwung doch zur Wiederbelebung des Wachstums
auch in jenen Ländern beitragen wird.

Unsere Volkswirtschaft ist die größte

und auch die kräftigste, und sie übt auf alle anderen Länder Einflüsse aus,
die sehr,sehr beträchtlich sind.

Aber die Entwicklung verläuft nur langsam und schmerzlich, weil einige
Länder rascher aus der Misere herauskommen werden als andere.
zerrungen geben.

Es wird Ver-

Das Schuldenproblem verschärft die Schwierigkeiten einiger

Entwicklungsländer erheblich und erlegt ihrer Fähigkeit, einen raschen Wandel
herbeizuführen, enge Grenzen auf.

Wenn wir aber vorsichtig vorgehen und

internationale Institutionen wie den Weltwährungsfonds mit ausreichenden
Mitteln ausstatten, dann werden wir die Schuldensituation einigermaßen bewältigen - so wie wir sie im vergangenen Jahr bewältigt haben.

So können wir aus

der derzeitigen Misere herauskommen und in zwei Jahren in weit gesünderen
Verhältnissen leben.

+ + + + +

- 13 -

�Wi//cn/chaft
und Technik

I

United States Information Service
Embassy of the United States of America

19

4. Mai 1983

MECHANISCHE OHREN LAUSCHEN INS ALL
Natürliches oder künstliches Radiosignal? Verbesserte Apparaturen
sollen Unterscheidung ermöglichen -

- (AD) - Die Suche nach Signalen außerirdischer Zivilisationen, von der
in den letzten Jahren kaum mehr die Rede war, hat durch die Bewilligung für
das NASA-Budget von jährlich mindestens 1,5 Millionen Dollar in den kommenden
fünf Jahren zur Weiterführung von Experimenten neue Publizität erlangt.
Inzwischen setzten sich prominente Wissenschaftler aus zahlreichen Ländern
für ein systematisches, weltweit abgestimmtes Programm ein. Der hohe Stand
der Technologie, Radiosignale aus dem Kosmos zu empfangen - selbst wenn die
Quelle Tausende von Lichtjahren entfernt sei -, rechtfertige den Versuch.
Ein derartiges Programm sei außerdem geeignet, der Computertechnik neue Fortschritte zu bringen.
Das vor mehr als zwei Jahrzehnten begonnene Experiment SETI ("Search for
Extraterrestrial Intelligence" - Suche nach außerirdischen Zivilisationen)
wird nun mit verbesserten Apparaturen fortgesetzt.

Seit dem 2. März 1983

lauscht ein Radioteleskop des Oak Ridge-Observatoriums der Harvard-Universität,
30 km nordwestlich von Boston im US-Bundesstaat Massachusetts, auf Signale aus
dem All.

Die Leitung dieses auf vier Jahre angesetzten Projekts, das zunächst

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: Ö-85432

�das zunächst mit privaten Geldern, u.a. von der Internationalen Planetaren
Gesellschaft, finanziert wird, haben der Physiker Paul Horowitz (HarvardUniversität) und der Astrophysiker Carl Sagan (Cornell-Universität, New York)
übernommen.
Am "mechanischen Ohr", einer Parabolantenne von 25 m Durchmesser, wurde
ein von Horowitz konstruierter koffergroßer Empfänger installiert, der mit
einem Computersystem verbunden ist. Er vermag Signale auf 128 000 schmalen
Frequenzbändern gleichzeitig aufzunehmen, wobei das Firmament abschnittweise
beobachtet wird.

Vorgesehen ist, mit dem "Ohr" in Richtung von zwei Milliarden

der etwa drei Milliarden Sterne unserer Milchstraße zu lauschen.

Falls irgend-

wo auf deren Planeten intelligente Lebewesen existieren, wäre es denkbar, daß
sie künstlich erzeugte Radiosignale senden.

Die an SETI interessierten

Wissenschaftler sind sich jedenfalls darüber einig, daß Funksignale am ehesten
von der Existenz außerirdischer Zivilisationen Kunde geben könnten.

Horowitz

will sich dabei auf "magische Frequenzen", zu denen beispielsweise die
natürliche Abstrahlung von Radiosignalen durch angeregte Wasserstoffatome zählen,
konzentrieren.

Er ist überzeugt, daß eine hochentwickelte außerirdische

Zivilisation vermutlich solche Frequenzen benutzen würde, weil es in diesem
Teil des Radiospektrums wenig Interferenzen gebe.
Es sei jedoch ungemein schwierig, so Dr. Stuart Bowyer von der Universität
Berkeley (Kalifornien) auf der Dezember-Tagung der Amerikanischen Astronomischen Gesellschaft in Boston, aus dem Wust von kosmischen Radiosignalen von Signalen aus irdischen Störquellen einmal ganz abgesehen - solche herauszufinden, die zumindest "verdächtig" sind, künstlich erzeugt worden zu sein.
Am universitätseigenen Hat Creek-Radioobservatorium habe man bei den regulären
Messungen 35 Tage lang eine automatische Aufzeichnungsapparatur zugeschaltet.
Von zehn Millionen Radiosignalen erschienen jedoch nur zehn Signale einer
näheren Analyse wert. Sie könnten aber nur dann als möglicher Indikator für
eine Botschaft aus fremden Welten angesehen werden, wenn sie an dem gleichen
Punkt, wo man sie entdeckte, wiederholt zu beobachten seien. Die Widrigkeiten

- 2 -

�Die Widrigkeiten, eine "Funkbotschaft" überhaupt zu erfassen, seien im
wahrsten Sinn des Wortes astronomisch.

Denn diese müßte auf der richtigen

Frequenz zum richtigen Zeitpunkt in ganz bestimmter Richtung ausgeschickt
werden, um auf der Erde empfangen werden zu können.
Laut Donald Devincenti, Direktor für Forschung und Technologie der
NASA-Abteilung für Biologie und Medizin, befindet sich das SETI-Projekt des
US-Amtes für Luft- und Raumfahrt gegenwärtig in der Forschungs- und Entwicklungsphase.

Innerhalb weniger Monate könne der Prototyp für ein SETI-System

mit einem Radioteleskop kombiniert werden. Jedoch sei wohl erst in etwa
fünf Jahren mit zuverlässigen Angaben zu rechnen, ob man es mit natürlichen
oder künstlichen Signalen zu tun habe.

In Zusammenarbeit mit dem Ames-Labo-

ratorium der NASA (Mountain View, Kalifornien) entwickelt z.Zt. eine Forschergruppe der Stanford-Universität unter der Leitung von Prof. Alan Peterson
einen "Vielkanal-Analysator" für Radiowellen mit dem bis zu 74 000 Kanäle
voneinader getrennt und die Signale untersucht werden sollen.

Das Prototyp-

Gerät wird zunächst am Goldstone-Observatorium der NASA (Kalifornien), einer
Station des "Deep Space Network" der Vereinigten Staaten, erprobt, und dann
am größten Radioteleskop der Welt (Arecibo in Puerto Rico) getestet.

In

etwa fünf Jahren könnten sechs solcher Maschinen mit Kapazitäten von zehn
bis hundert Millionen Kanälen zur Verfügung stehen.
- "Leben im Universum" "Leben im Universum" wurde an der Stanford-Universität im Februar 1983
sogar in den jährlich abgehaltenen naturwissenschaftlichen Grundkurs für
Kliniker einbezogen.

Er umfasste Themen wie "Die biogenen Elemente von Ver-

bindungen: Vom Sternenstaub zu den Planeten", "Suche nach anderen Planetensystemen", "Chemische Evolution und der Ursprung des Lebens", "Entstehung
und Evolution molekularer Asymmetrie", "Biologie im Präkambrium: Evolution
komplexer Lebensprozesse", "Suche nach außerirdischer Intelligenz".
Aus Entwicklungen

- 3 -

�Aus Entwicklungen von Kollegen des Nobelpreisträters Joshua Lederberg,
der in den fünfziger Jahren den Begriff "Exobiologie" prägte, gingen Roboter
für die Erforschung von Planeten unseres Sonnensystems wie des Planeten Mars
(Projekt VI KING) hervor. Einige dieser Instrumente werden heute in Biologie
und Medizin eingesetzt und leisten wertvolle Dienste.
Dr. Edward Rubenstein, zuständig für die Weiterbildung graduierter
Mediziner, und Dr, John Billingham, Leiter der Abteilung "Extraterrestrische
Forschung" am Ames-Laboratorium, erläuterten den Hörern die Gründe für die
Präsentation der Themen, die auch für Spezialisten auf medizinischen Fachgebieten Bedeutung haben: Die Erde sei nichts Außergewöhnliches, ein kleiner
Planet eines unter dem Durchschnitt rangierenden Sterns in unserem Milchstraßensystem.

In wissenschaftlicher Sicht sei Leben das Endergebnis von

Reaktionen chemischer Stoffe, angeregt durch die Energie eines Sterns, in
bestimmter Art und Weise gemischt.
sei dies auch andernorts denkbar.

Wenn Leben auf der Erde existieren könne,
"Ein Lehrgang für Kliniker sollte die

Diskussion nicht auf neueste wissenschaftliche Fortschritte in Bezug auf
jene Probleme beschränken, die zur Medizin direkte Verbindung haben", erklärte
Rubenstein.

Arzte seien vor allem dann an Forschungsgebieten außerhalb der

Medizin interessiert, wenn diese einen tiefgreifenden Bezug zur Biologie hätten.
Dr. Billingham erklärte u.a. die technischen Aufgaben des "VielkanalAnalysators" (MultiChannel Spectrum Analyzer). "Wir wissen nicht, auf welchen
Frequenzen wir suchen sollen - aber wir kennen den Spektralbereich, der am
besten geeignet wäre: Es ist das Mikrowellenfenster", meinte er. Dies sei
ein sehr weiter Bereich mit etwa 10 Milliarden Kanälen. Keine Maschine der
Welt sei in der Lage, auf so vielen Kanälen gleichzeitig zu "lauschen".
Deshalb solle das Prototyp-Gerät von Dr. Peterson in Verbindung mit einem
ausgeklügelten Datenverarbeitungssystem zunächst einmal dazu beitragen,
natürliche von möglicherweise künstlich erzeugten Radiosignalen aus unserem
Milchstraßensystem unterscheiden zu helfen.

+ + + + +

- 4-

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