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                    <text>und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

39

28. September 1983

INHALT

DOKUMENTATION
Rede des US-Präsidenten vor der UN-Vollversammlung
- Wortlaut Shultz unterstreicht Friedensmission der USA im Libanon
- Erklärung vor dem Außenpolitischen Ausschuß des
Repräsenantenhauses Richard Perle:

Die Sicherheitspolitik der NATO - ein Überblick

- Rede des Unterstaatssekretärs für internationale Sicherheitspolitik im amerikanischen Verteidigungsministerium -

HINTERGRUNDMATERIAL
Deutsch-Amerikaner heute
- Der einzige im Ausland geborene Amerikaner, der je zum amerikanischen
Außenminister ernannt wurde, war ein Deutsch-Amerikaner -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Farmwirtschaft nach Computerdaten
- Satelliten liefern die Informationen

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Dokumentation

1

United States Information Service
Embassy of the United States of America

39

Zti. September iyb3

REDE DES US-PRÄSIDENTEN VOR DER UN-VOLLVERSAMMLUNG
- Wortlaut

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat in einer
vielbeachteten Rede auf der Eröffnungssitzung der 38. Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York am 26. September 1983 neue Abrüstungsinitiativen
der Vereinigten Staaten angekündigt. Wenn die Sowjetunion einer weltweiten
Verringerung und Begrenzung der Raketen zustimme, dann würden die USA auf einen
vollen Ausgleich durch amerikanische Dislozierungen in Europa verzichten. Die
Vereinigten Staaten würden beiderseits akzeptable Mittel und Wege überlegen,
um dem sowjetischen Wunsch nach Einbeziehung von Flugzeugen in einem Abkommen
entgegenzukommen. Die Vereinigten Staaten seien bereit, die Zahl der PERSHING
II-Raketen sowie der landgestützten Marschflugkörper niedriger anzusetzen.
Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich danke Ihnen, daß Sie mir die Ehre gegeben haben, heute an diesem
ersten Tag der Generaldebatte der 38. Sitzungsperiode der Vollversammlung zu
sprechen.

Wieder einmal trete ich vor dieses Gremium und denke vor allem an

den Frieden.

Beim vorigen Mal stand ich hier, um vor der Sondersitzung über

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Sondersitzung über Abrüstung zu sprechen.

Heute komme ich zu Ihnen, um die

Verpflichtung meiner Nation zum Frieden zu erneuern.

Ich bin gekommen, um

mit Ihnen darüber zu sprechen, wie wir die Träume bewahren können, die diese
Organisation entstehen ließen.
Die Vereinten Nationen wurden zum Ende des Zweiten Weltkrieges gegründet,
um künftige Generationen vor der Geißel

des Krieges zu bewahren, die poli-

tische Selbstbestimmung und die weltweite Prosperität

zu fördern und ein

zivilisiertes Verhalten unter den Völkern zu stärken.

Die Gründer wollten

an die Stelle einer Welt im Kriege eine Welt mit einer zivilisierten Ordnung
setzen.

Sie hofften, eine Welt des nie nachlassenden Konflikts würde einer

neuen Ära Platz machen, einer Ära, in der die Freiheit die Oberhand über die
Gewalt gewinnen würde.
Vor welchen Herausforderungen die Welt auch immer stehen sollte, so
wollten die Gründer doch, daß diese Körperschaft für bestimmte Werte einstehen sollte - auch wenn sie nicht erzwungen werden könnten - und daß sie
die Gewalt verurteilen sollte - auch wenn ihr kein Einhalt geboten werden
könnte.

Diese Köerpschaft sollte mit der Stimme der moralischen Autorität

sprechen,und eben das sollte ihre größte Stärke sein.
Die schreckliche Wahrheit ist jedoch, daß im letzten Jahrzehnt Gewalt
zur Erreichung politischer Ziele immer häufiger - und etwa nicht seltener angewandt

wurde.

Die Ereignisse der letzten Wochen haben einen neuen un-

willkommenen Beweis der brutalen Mißachtung des Lebens und der Wahrheit gebracht.

Sie haben unerwünschtes Zeugnis davon abgelegt, wie gespalten und

gefährlich unsere Welt ist; wie schnell auf Gewalt zurückgegriffen wird.
Was ist aus den Träumen der Gründer der Vereinten Nationen geworden?
Was ist aus dem Geist geworden, in dem die Vereinten Nationen geschaffen
wurden?
Die Antwort

�Die Antwort liegt auf der Hand:
der Völker im Wege.
Ost und West.

Die Regierungen standen den Träumen

Die Träume gerieten in die Auseinandersetzungen zwischen

Die Hoffnungen wurden zu politischem Wortgeklingel.

schritt wurde zu einem Streben nach Macht und Herrschaft.

Der Fort-

Irgendwann geriet

die Wahrheit in Vergessenheit, daß es nicht die Völker sind, die Kriege führen, sondern die Regierungen.
Und heute erschüttern in Asien, Afrika, Lateinamerika, im Nahen Osten
und im Nordpazifik die Waffen des Krieges die Sicherheit der Völker, die dort
leben; gefährden den Frieden der Nachbarn und schaffen immer mehr Schauplätze der Konfrontation zwischen den Großmächten. Allein während des letzten
Jahres sind gewalttätige Konflikte in den Hügeln um Beirut, in den Wüsten des
Tschad und der westlichen Sahara, in den Bergen von El Salvador, in den Straßen
von Surinam, in den Städten und Dörfern Afghanistans, an den Grenzen von
Kampuchea und auf den Schlachtfeldern des Iran und Irak ausgebrochen.
Wir können nicht auf den Überlebensinstinkt zählen, um uns vor dem Krieg
zu schützen - trotz all der durch den Krieg vergeudeten Menschenleben und
Hoffnungen.

Der Krieg ist zu einer stehenden, wenn auch schrecklich kost-

spieligen Einrichtung geworden, durch die Nationen die Entscheidung ihrer
Streitigkeiten anstreben oder ihre Ziele erreichen wollen.
Und der Fortschritt in der Waffentechnologie hat den Fortschritt zum
Frieden bei weitem überholt. In unserer modernen Zeit ist ein neues, noch
erschreckenderes Element zu dieser Kalkulation hinzugekommen: die Kernwaffen.
Ein Atomkrieg kann nicht gewonnen und darf nie geführt werden. Wenn Regierungen, dessen bin ich sicher, entschlossen sind, vor einem Krieg abzuschrecken
und einen Krieg zu verhüten, dann wird es keinen Krieg geben. Nichts steht
mehr in Einklang mit dem Geist der Charta der Vereinten Nationen als die
Rüstungskontrolle.
Als ich vor der Zweiten Sondersitzung über Abrüstung sprach, bekräftigte ich die Verpflichtung der amerikanischen Regierung und meine persönliche
Verpflichtung, die Kernwaffen zu verringern und in gutem Glauben zur Erreichung
- 3 -

�zur Erreichung dieses Zieles zu verhandeln.
Heute bekräftige ich diese Verpflichtung erneut.

Die Vereinigten Staaten

haben bereits die Zahl ihrer Kernwaffen weltweit verringert, und wenn auch
der Ersatz älterer Waffen unerläßlich ist, so wollen wir doch über Rüstungsverringerungen verhandeln und bedeutsame, gerechte und verifizierbare Rüstungskontroll abkommen erreichen.

Und lassen Sie mich dies hinzufügen:

Wir müssen

dafür sorgen, daß die Sicherheit der Welt nicht durch eine weitere Ausbreitung
der Kernwaffen untergraben wird.

Die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen

darf kein vergessenes Element der Rüstungskontrolltagesordnung der Welt werden.
Bei meinem vorigen Besuch hier brachte ich die Hoffnung zum Ausdruck,
daß eine ganze Klasse von Waffensystemen - die weiterreichenden nuklearen
Mittel Streckensysteme - LRINF - vom Angesicht der Erde verbannt werden könnte.

Ich glaubte, die Zeit sei reif, um zum erstenmal in der Geschichte die

tiefe

Sorge der Völker in Europa und Asien -eine Bedrohung der Sicherheit -

ausschließlich durch Rüstungskontrolle zu beheben.

Ich bin noch immer der

Überzeugung, daß die Beseitigung dieser Waffen - die Null-Lösung - die beste,
fairste und praktischste Lösung dieses Problems ist.

Leider hat die Sowjet-

union die völlige Beseitigung dieser Waffenklasse abgelehnt.
Als ich voriges Mal hier sprach, hoffte ich, daß die entscheidend wichtigen Verhandlungen über die Verringerung der strategischen Waffen (START)
sich vordringlich auf jene Systeme konzentrieren würden, die das größte Risiko
eines Atomkrieges tragen - die schnell fliegenden, treffsicheren Interkontinentalraketen, die ein Erstschlagpotential darstellen.

Ich hoffte ferner, daß die

Verhandlungen die Zahl der strategischen Raketen auf jeder Seite um die Hälfte
und die Zahl ihrer Gefechtsköpfe um ein Drittel verringern könnten.

Auch

hier war ich enttäuscht, als die Sowjets es ablehnten, über so tiefgreifende
Verringerungen zu sprechen und sich auch weigerten, sich auf diese gefährlichsten und destabilisierendsten Waffen zu konzentrieren.
Trotz dieser Zurückweisungen haben die Vereinigten Staaten das Streben

�das Streben nach bedeutsamen Rüstungskontroi labkommen nicht aufgegeben und
werden es nicht aufgeben.

Im Juni dieses Jahres habe ich einen neuen Weg

für START-Verhandlungen vorgeschlagen.

Wir haben nicht unser Ziel wesent-

licher Verringerungen geändert, sondern eingesehen, daß es eine ganze Reihe
von Wegen gibt, um dieses Ziel zu erreichen.

In der letzten Verhandlungs-

runde in Genf haben wir einen Vertragsentwurf unterbreitet, der auf eine Reihe
von Anliegen der Sowjetunion einging.

Wir werden auf dieser Initiative weiter

aufbauen.
In ähnlicher Weise haben die Vereinigten Staaten bei unseren Verhandlungen über nukleare Mittel Streckensysteme (INF) - als sich die sowjetischen
Führung beharrlich weigerte, über eine völlige Beseitigung dieser Waffen zu
sprechen - ein neues Angebot gemacht. Wir schlugen als Zwischenlösung eine
Zahl zwischen Null und 572 für beide Seiten vor, wobei wir für den niedrigstmöglichen Stand eintraten.
Aber wiederum lehnten die Sowjets eine gerechte Lösung ab und schlugen
stattdessen etwas vor, was man als "halbe Null-Lösung" bezeichnen könnte für uns Null und für sie viele Hundert Gefechtsköpfe. Das ist der Stand der
Dinge heute, aber ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, daß die Sowjetunion in ernsthafte Verhandlungen eintreten wird.
Wir sind entschlossen, keine Mühe zu scheuen, um ein gerechtes und verifizierbares Abkommen zu erreichen. Aus diesem Grunde habe ich Botschafter
Nitze in Genf neue Anweisungen erteilt und ihn beauftragt, ein ganzes Paket
von Schritten vorzuschlagen, um die Verhandlungen so rasch wie möglich voranzutreiben. Diese Initiativen bauen auf dem Interimsrahmen auf, den die Vereinigten Staaten im März vorgeschlagen hatten, und gehen auf Besorgnisse ein,
die die Sowjets in der Vergangenheit am Verhandlungstisch geltend gemacht
haben.
Im einzelnen
- schlagen die
- 5 -

�- schlagen die Vereinigten Staaten erstens eine neue Initiative über
globale Begrenzungen vor. Wenn die Sowjetunion Verringerungen und Begrenzungen auf globaler Basis zustimmt, dann werden die Vereinigten
Staaten nicht die ganze weltweite sowjetische Raketendislozierung durch
amerikanische Dislozierungen in Europa ausgleichen. Wir würden jedoch
selbstverständlich das Recht behalten, anderswo Raketen zu dislozieren.
- Zweitens, die Vereinigten Staaten sind bereit, bezüglich des Inhalts
der gegenwärtigen Verhandlungen flexibler zu sein. Die Vereinigten Staaten werden beiderseits akzeptable Mittel und Wege in Erwägung ziehen, um
dem sowjetischen Wunsch entgegenzukommen, daß ein Abkommen sowohl Flugzeuge als auch Raketen begrenzen sollte.
- Drittens, die Vereinigten Staaten werden sich mit der Zusammensetzung
(Mix) der Raketen befassen, die durch Verringerungen entstehen würde.
Im Zusammenhang mit Verringerungen auf einen beiderseits gleichen Stand
sind wir bereit, die Zahl der PERSHING II-Raketen sowie der landgestützten
Marschflugkörper zu verringern.
Ich habe beschlossen, diese wichtigen Initiativen nach vollen und ausgedehnten Konsultationen mit unseren Verbündeten zu unterbreiten, einschließlich eines Briefwechsels, den ich mit den Regierungschefs der NATO-Länder und
Japans führte, und häufiger Sitzungen der Besonderen Beratungsgruppe der NATO
(SCG).

Ich stehe zudem in engem Kontakt mit anderen interessierten Freunden

und Verbündeten.

Die Tür für ein Abkommen ist offen. Jetzt liegt es an der

Sowjetunion, einzutreten.
Ich möchte den hier heute in dieser Weltarena Versammelten ein klares
und eindeutiges Versprechen geben:

Die Vereinigten Staaten streben nach

einem gerechten, verifizierbaren Abkommen, das die Streitkräfte auf niedrigerer Ebene, als dies heute der Fall ist, stabilisiert, und werden jedes solche
Abkommen akzeptieren.

Wir sind bereit, flexibel an die Dinge heranzugehen,

ja, wir sind zum Kompromiß bereit. Wir können jedoch, besonders im Lichte

�im Lichte der jüngsten Ereignisse, bei der Notwendigkeit einer wirksamen
Verifizierung keine Kompromisse machen.
Die Reaktionen auf die Tragödie mit dem koreanischen Passagierflugzeug
erinnern uns zur rechten Zeit, wie sehr sich die Vorstellungen der Sowjets
von Wahrheit und internationaler Zusammenarbeit von denen der übrigen Welt
unterscheiden.

Die Erfahrung verlangt, daß wir nicht einfach davon ausgehen,

daß mit der Sowjetunion ausgehandelte Abkommen auch eingehalten werden.
Wir haben die Schlußakte von Helsinki ausgehandelt, aber die versprochenen Freiheiten zur Überwachung der Einhaltung dieser Übereinkommen wurden
nicht gewährt, und jene, die sich dafür einsetzten, schmachten im Gefängnis.
Wir haben eine Konvention über das Verbot biologischer Waffen ausgehandelt,
aber weiterhin fallen tödlicher Regen und andere toxische Kampfmittel auf
die Dörfer der Hmong und auf Lager in Afghanistan. Wir haben Rüstungskontrollabkommen ausgehandelt, aber der hohe Grad der sowjetischen Verschlüsselung
entzieht die Information, die für ihre Verifizierung notwendig wäre. Eine
neuentdeckte Radar-Anlage und eine neue Interkontinentalrakete erwecken
ernste Zweifel an der Einhaltung bereits abgeschlossener Abkommen durch die
Sowjets.
Dem Frieden wird durch eine Pseudo-Rüstungskontrolle nicht gedient.
Wir brauchen verläßliche, beiderseitige Verminderungen. Ich rufe die Sowjetunion heute auf, die Spannungen abzubauen, die sie in den letzten Wochen
der Welt aufgebürdet hat, und ein entschlossenes Engagement für den Frieden
zu zeigen, indem sie mit einem neuen Verständnis ihrer Verpflichtungen an
den Verhandlungstisch kommt. Ich fordere sie auf, es unserer Flexibilität
gleichzutun.
Wenn die Sowjets sich an den Verhandlungstisch setzen und echte Rüstungsverminderungen anstreben, dann wird es Rüstungsverminderungen geben.

Die Re-

gierungen des Westens und ihre Völker werden durch falsche Informationen und
Drohungen nicht von ihrem Weg abgelenkt werden.

- 7 -

Für die Sowjetunion ist die

�ist die Zeit gekommen, zu beweisen, daß sie wirklich eine Rüstungskontrolle
wünscht - nicht nur rhetorisch.
Sinnvolle Rüstungskontrollabkommen zwischen den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion würden unsere Welt weniger gefährlich machen - wie auch
eine Reihe von vertrauensbildenden Maßnahmen, die wir der Sowjetunion bereits
vorgeschlagen haben.
Rüstungskontrolle erfordert einen Geist, der über engstirnige nationale
Interessen hinausgeht.

Dieser Geist ist einer der Grundpfeiler, auf denen

die Vereinten Nationen gegründet wurden.
Geist an.

Wir streben eine Rückkehr zu diesem

Ein grundlegender Schritt wäre eine echte Blockfreiheit der Ver-

einten Nationen.

Dies würde eine Rückkehr zu den wahren Werten der Charta

signalisieren, einschließlich des Prinzips der Universalität.

Die Mitglie-

der der Vereinten Nationein müssen auf der Seite der Gerechtigkeit zusammenstehen, nicht der Ungerechtigkeit, auf der Seite des Friedens statt der Aggression, auf der Seite der Menschenwürde statt der Unterwerfung.

Jedes andere

Eintreten liegt außerhalb der Ziele dieser großen Körperschaft und wirkt sich
zerstörerisch auf die Harmonie aus, die sie anstrebt.

Was der Charta schadet,

schadet auch dem Frieden.
Die Gründer der Vereinten Nationen erwarteten, daß die Mitgliedstaaten
sich wie Einzelmenschen verhalten und abstimmen würden, nachdem das Für und
Wider einer Sache abgewogen wurde - wie auf einer großen, globalen Bürgerversammlung. Das Entstehen von Blöcken und die Polarisierung der Vereinten
Nationen unterminieren alles, was diese Organisation ursprünglich wert- und
hochhielt.
Wir müssen uns daran erinnern, daß die blockfreie Bewegung ins Leben
gerufen wurde, um der Entwicklung von Blöcken entgegenzuwirken und die Entspannung zwischen ihnen 7.u fördern.

Ihre Begründer sprachen von dem Recht

kleinerer Länder, nicht in die Meinungsverschiedenheiten anderer verwickelt
zu werden.

Seither ist die Zahl der Mitglieder der blockfreien Bewegung

dramatisch angewachsen, aber nicht alle neuen Mitglieder hielten sich an die
- 8 -

�an die Verpflichtung der Gründer zu einer echten Blockfreiheit.

Ja,

Satellitenregierungen der Sowjetunion, die schon seit langem ihre Unabhängigkeit verloren haben, sind in die blockfreie Bewegung hineingeströmt und
haben, nachdem sie einmal dieser Bewegung angehörten, gegen deren wahre
Ziele gearbeitet.

Eine Pseudo-Blockfreiheit ist nicht besser als eine Pseudo-

Rüstungskontrolle.
Die Vereinigten Staaten weisen als falsch und irreführend den Standpunkt zurück, daß die Welt zwischen den Imperien des Ostens und des Westens
aufgeteilt sei. Wir weisen dies aus ganz sachlichen Gründen zurück. Die
Vereinigten Staaten stehen nicht an der Spitze irgendeines Blockes unterwürfiger Länder, und wollen dies auch nicht. Was man den Westen nennt, ist ein
freies Bündnis von Regierungen, von denen die meisten demokratisch sind und
die alle ihre Unabhängigkeit überaus schätzen. Was man den Osten nennt, ist
ein Imperium, das vom Zentrum aus dirigiert wird, nämlich von Moskau aus.
Die Vereinigten Staaten treten heute wie in der Vergangenheit mit allem
Nachdruck für die Freiheit und die Selbstbestimmung aller Völker ein.

Wir

begrüßen die Vielfalt; wir unterstützen das Recht aller Nationen, ihre nationalen Ziele zu bestimmen und zu verfolgen.

Wir respektieren ihre Ent

Scheidungen und ihre Souveränität und verlangen lediglich, daß sie auch die
Entscheidungen und die Souveränität anderer respektieren.

Sehen Sie sich die

Welt der letzten 30 Jahre an, und entscheiden Sie dann selbst, ob die Vereinigten Staaten oder ob die Sowjetunion eine expansionistische Politik betrieben haben.
Heute tragen die Vereinigten Staaten zum Frieden bei, indem sie kollektive Anstrengungen seitens der Völkergemeinschaft unterstützen. Wir unterstützen beharrlich die friedenserhaltenden Anstrengungen dieser Körperschaft
wie auch andere derartige multilaterale Anstrengungen überall auf der Welt.
Die Vereinten Nationen blicken auf eine stolze Geschichte der Förderung der
Versöhnung und der Mithilfe zur Wahrung des Friedens zurück. Heute befinden
sich friedenserhaltende Truppen oder Beobachter der Vereinten Nationen auf
Zypern und in Kaschmir, auf den Golanhöhen und im Libanon.
Zusätzlich zu
- 9 -

�Zusätzlich zu unserer Förderung der internationalen Diplomatie sind sich
die Vereinigten Staaten ihrer Verantwortung bewußt, ihren eigenen Einfluß für
den Frieden zum Tragen zu bringen. Seit den Tagen, da Theodore Roosevelt
1905 im russisch-japanischen Krieg vermittelte, haben wir eine lange und
ehrenhafte Tradition der Vermittlung oder der Dämpfung von Konflikten und
der Förderung friedlicher Lösungen.
Im Libanon haben wir uns gemeinsam mit Frankreich, Italien und Großbritannien für eine Waffenruhe, den Abzug aller ausländischen Truppen sowie
für die Wiederherstellung der Souveränität und der territorialen Integrität
des Libanon eingesetzt.
Im Tschad haben wir gemeinsam mit anderen die anerkannte Regierung angesichts einer Aggression von außen unterstützt.
In Mittelamerika wie im südlichen Afrika sind wir bemüht, die Anwendung
von Gewalt zu verhindern und einen Rahmen für friedliche Verhandlungen zu
schaffen.

Wir unterstützen eine Politik, die die Großmächte aus dem Konflikt

der Dritten Welt heraushält.
Die Charta der Vereinten Nationen räumt regionalen Organisationen bei
der Suche nach Frieden eine wichtige Rolle ein. Die amerikanischen Anstrengungen für die Sache des Friedens sind nur ein Ausdruck des Geistes, der
auch andere in der Weltgemeinschaft beflügelt.

Die Organisation Amerikanischer

Staaten (OAS) hat Pionierarbeit auf dem Gebiet regionaler Sicherheitsanstrengungen geleistet.

In Mittelamerika sind die Mitglieder der CONTADORA-Gruppe

bemüht, eine Grundlage für die friedliche Lösung der Probleme jener Region
zu schaffen.

In Ostasien haben die asiatischen Länder einen Rahmen für die

friedliche politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit geschaffen, der die
Aussichten für einen dauerhaften Frieden in diesem Gebiet wesentlich gestärkt
hat.

In Afrika sind solche Organisationen wie die Wirtschaftsgemeinschaft

Westafrikanischer Staaten nachdrücklich dabei, funktionierende Strukturen
in dem Bemühen um eine Verwirklichung des Potentials Afrikas zu erarbeiten.
Von Anfang
- 10 -

�Von Anfang an ging unsere Hoffnung für die Vereinten Nationen dahin,
daß sie ein optimales Spiegelbild der Völkergemeinschaft abgeben würde.

Die

Vereinten Nationen können - wenn sie optimal genutzt werden - dazu beitragen,
daß wir Furcht und Gewalt überwinden, und sie können als eine gewaltige Kraft
für den Frieden und die Prosperität wirken.

Wenn wir zusammenarbeiten, kön-

nen wir die internationale Gesetzlosigkeit überwinden und die Menschenwürde
stärken.
Wenn die in diesem Gremium vertretenen Regierungen den Frieden so lauter
und unverfälscht wollen wie ihre Völker, dann werden wir ihn auch finden.
Wir können dies dadurch tun, daß wir die moralische Autorität der Vereinten
Nationen wieder geltend machen. In den vergangenen Wochen scheint auch die
moralische Entrüstung der Welt wieder erwacht zu sein.
Warum sollte, so mögen manche fragen, der Tod von ein paar Hundert Menschen - aus jenen Milliarden heraus, die diesen Planet bewohnen - die Welt
so tief erschüttern? Warum sollte der Tod einer Mutter, die wieder mit ihrer
Familie Zusammensein wollte oder der Tod eines Gelehrten, der dabei war, neue
Wege der Wissenschaft zu beschreiten, eine so große Bedeutung haben? Warum
sind Staaten, die keine Bürger bei dieser Tragödie verloren, so aufgebracht?
Die Gründe liegen darin, wie wir uns das zivilisierte Leben und das Bemühen um den Frieden vorstellen. Das Vertrauen, das es einer Mutter oder
einem Gelehrten ermöglicht, nach Asien, Afrika, Europa oder an einen anderen
Ort auf diesem Planeten zu reisen, mag nur ein kleiner Sieg im Kampf der
Menschheit um den Frieden sein. Aber was ist der Frieden - wenn nicht die
Summe solcher kleiner Siege?
Alles Bemühen um den Frieden und jeder kleine Sieg sind wichtig für den
Weg zu einem umfassenderen, dauerhaften Frieden.
zielt.

Wir haben Fortschritte er-

Wir haben einen weiteren Weltkrieg vermieden.

Wir sind Zeuge des

Endes der alten Kolonial zeit und der Geburt von 100 nunmehr souveränen Staaten geworden.

Und obgleich die wirtschaftliche Entwicklung auch weiterhin

- 11-

�auch weiterhin eine gewaltige Herausforderung bleibt, so haben wir doch ein
bemerkenswertes Wirtschaftswachstum bei den Industrie- wie bei den Entwicklungsländern erlebt.

Die Vereinten Nationen und ihre Tochterorganisationen

haben wichtige Beiträge zur Lebensqualität auf diesem Planeten geleistet wie sie etwa ganz direkt zahllosen Menschen durch ihre Flüchtlings- und Notprogramme das Leben gerettet haben.

All diese Leistungen werden jedoch über-

schattet durch die Probleme, die so drückend auf uns lasten.

Die Probleme

sind alt, aber noch ist es nicht zu spät, uns um einen neuen Anfang zu bemühen, einen Anfang, der so lebendig ist, wie die Ideale der Charta der Vereinten Nationen.
Heute, zu Beginn dieser 38. Sitzungsperiode, erkläre ich feierlich, daß
mein Land die ursprünglichen Ideale der Vereinten Nationen hochhalten wird.
Unsere Ziele sind auch die, die diese Vereinigung leiten.

Unser Streben ist

dasselbe wie das der Gründer der Vereinten Nationen, die darum bemüht waren,
eine Welt im Kriege durch eine andere zu ersetzen, in der die Herrschaft des
Rechts gelten würde, in der die Menschenrechte geachtet würden, in der die
wirtschaftliche Entwicklung gedeihen würde und in der der Konflikt der Freiheit von Gewalt weichen würde.
Im Jahr 1956 kam Präsident Dwight D. Eisenhower in einem Schreiben an
einen Verleger zu folgender Überlegung in bezug auf Waffen und Abschreckung:
"Wenn wir eines Tages an dem Punkt anlangen, an dem beide Seiten wissen, daß
bei jedwedem Ausbruch allgemeiner Feindseligkeit - ungeachtet des Überraschungselementes - die Zerstörung sowohl gegenseitig als auch vollständig
sein wird, werden wir möglicherweise genug Vernunft haben, um uns an einem
Konferenztisch in dem Verständnis zu treffen, daß die Zeit der Waffen zu Ende
ist und die menschliche Rasse ihre Handlungen mit dieser Wahrheit in Einklang bringen oder aber sterben muß." Und er fuhr fort: "... Die Entwicklung
ist an einem Punkt angelangt, an dem die Sicherheit nicht mehr allein durch
Waffen gewährleistet werden kann... Ihre Nützlichkeit konzentriert sich mehr
und mehr auf ihre Eigenschaften als Abschreckungsmittel denn als Instrumente,
mit denen ein Sieg errungen werden könnte..."
Verehrte Delegierte,
- 12 -

�Verehrte Delegierte, meine Damen und Herren, während wir mit unserer
Suche nach einer sichereren Welt fortfahren, müssen wir alles in unserer
Macht Stehende tun, damit die Diplomatie die Oberhand behält.
als der ehrenwerteste aller Berufe

Die Diplomatie

kann die segensreichste aller Gaben brin-

gen, das Geschenk des Friedens. Wenn uns dies gelingt, wird die Welt im
Frieden einen Anreiz und eine Erfüllung finden, die weit über das hinaus
gehen, was jemals durch Gewalt und Krieg Zustandekommen könnte.
Ich möchte Ihnen heute eine Botschaft bringen, über die ich oft zu den
Bürgern meines eigenen Landes gesprochen habe - besonders in Zeiten, in
denen ich das Gefühl hatte, sie seien entmutigt und unsicher. Ich überbringe sie Ihnen mit ebenso viel Hoffnung und Anteilnahme,wie ich dies bei
meinem eigenen Volk tat. Sie haben das Recht, großartige Träume zu träumen.
Sie haben das Recht, für Ihre Völker eine bessere Welt zu schaffen. Und wir
alle haben die Verantwortung, für eine bessere Welt zu arbeiten. Und denken
wir doch als sorgende, friedvolle Völker daran, welch eine gewaltige Macht
zum Guten wir sein könnten. Verehrte Delegierte, holen wir uns den Traum
zurück, den die Vereinten Nationen einstmals träumten.

- 13 -

�' 1111.] '

•7TT3T

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

28. September 1983

39

SHULTZ UNTERSTREICHT FRIEDENSMISSION DER USA IM LIBANON
Erklärung vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Repräsentantenhauses

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister George Shultz hat
die Friedensmission der Vereinigten Staaten im Libanon unterstrichen. "Unsere
Strategie im Libanon besteht darin, solche Verhältnisse schaffen zu helfen,
daß es im Interesse aller liegt, eine Art von Gleichgewicht herzustellen, das
eine Waffenruhe, eine politische Angleichung und letztlich den Abzug aller
ausländischen Streitkräfte fördert", sagte Shultz am 21. September 1983 vor
dem Außenpolitischen Ausschuß des amerikanischen Repräsentantenhauses. Die
Erklärung des amerikanischen Außenministers zur Nahostpolitik der Vereinigten
Staaten hat folgenden Wortlaut:
Ich begrüße diese Gelegenheit, mit Ihnen über unsere Ziele im Libanon
und über die Bedeutung zu sprechen, die Präsident Reagan der Zusammenarbeit
mit dem Kongreß beim Verfolg dieser Ziele beimißt.
Die Herausforderung im Libanon ist eine Herausforderung an alle von uns
als Nation.

Hier geht es nicht um parteipolitische Fragen.

Es geht um Ziele

und Prinzipien der amerikanischen Außenpolitik, über die es, wie ich sagen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�••

ich sagen möchte, ein großes Maß an Übereinstimmung gibt.
Meinungsverschiedenheiten

es

Welche legitimen

bezüglich Taktik oder Prärogative auch geben

mag, unsere führende Rolle in der Welt ist ernsthaft in Frage gestellt, wenn
der Präsident und der Kongreß versuchen, jeweils eine andere Außenpolitik
zu verfolgen.
Wir müssen zusammenarbeiten, um unserer gemeinsamen nationalen Verantwortung nachzukommen, oder unsere gemeinsamen
Welt werden leiden.

nationalen Interessen in der

In den letzten 15 Jahren hat es Fälle eines Patts zwi-

schen unseren beiden Regierungszweigen gegeben, die unserer Außenpolitik geschadet und zu menschlichen Tragödien geführt haben.

Der Präsident ist ent-

schlossen, dies nicht zu einem solchen Fall werden zu lassen.
Das ist der Geist, in dem wir an dieses Problem herangehen, und ich
freue mich, daß ich im Kongreß einen ähnlichen Geist gespürt habe. Wie Präsident Reagan gestern erklärt hat, unterstützen wir das von beiden Parteien
erzielte Abkommen.

Dieses Abkommen dient

nach meiner Auffassung

dem natio-

nalen Interesse.
Lassen Sie mich darlegen, um was es nach Auffassung der Administration
im Nahen Osten und im Libanon geht; was unsere Diplomatie dort zu erreichen
versucht; und warum die Präsenz der Soldaten unseres Marinekorps dort von
so ungeheurer Bedeutung ist.

Unsere Nahostpolitik
Seit dem Oktober-Krieg 1973 sind fast zehn Jahre vergangen, und in diesem Jahrzehnt waren die Vereinigten Staaten nachhaltig und fast ständig in
der Nahostdiplomatie engagiert.
Aufgrund unserer starken moralischen und politischen Verpflichtung gegenüber Israel und unserer vielen starken Freundschaften in der arabischen

�der arabischen Welt

sind wir immer davon ausgegangen, daß eine Verhandlungs-

lösung des arabisch-israelischen Konflikts im nationalen Interesse der Vereinigten Staaten liegt.

Israel und seine arabischen Nachbarn verdienen es,

in Frieden und Sicherheit zu leben; das palästinensische Volk verdient eine
gerechte Erfüllung seiner legitimen Rechte und Hoffnungen; alle Nationen der
Region verdienen eine Zukunft frei von Intervention von außen und Konfrontation der Supermächte.
Der Weg zum Frieden ist lang und schwer, und wir machen uns darüber
keine Illusionen.
Aber wir können stolz sein auf die Rolle, die unser Land
dabei gespielt hat, in den letzten zehn Jahren viele wichtige Schritte zum
Frieden herbeizuführen.
Est vor einem Jahr hat Präsident Reagan selbst die weitergefaßten Fragen
des Nahostfriedens in einer großen Initiative angesprochen, die eine praktikable, zweckmäßige und hoffnungsvolle Basis für Verhandlungen bot - und noch
bietet. Jeder im Nahen Osten, der wirklich eine gerechte, sichere und umfassende Lösung des Konfliktes anstrebt, wird sich in die Richtung der Initiative des Präsidenten wenden müssen, weil sie fest auf den Übereinkommen von
Camp David und den Sicherheitsratsresolutionen 242 und 338 beruht.
Die Krise im Libanon kann nicht von der umfassenderen Krise im Nahen
Osten getrennt gesehen werden. Hier sind viele der gleichen Parteien verwikkelt, denen es um die größeren Fragen eines Nahostfriedens geht. Es geht um
die gleichen Fragen der Sicherheit, der Achtung der Souveränität und der friedlichen Beilegung von Streitigkeiten. Wenn wir im Libanon einer friedlichen
Lösung näherkommen, dann tragen wir zu dem umfassenderen Friedensprozeß bei.
Rückschläge, im Libanon werden die umfassendere Anstrengung nur umso schwerer
machen.

Unsere Ziele

�Unsere Ziele und unsere Politik im Libanon
Wir haben von Anfang an im Libanon im wesentlichen drei Ziele angestrebt:
- Abzug aller fremden Truppen aus dem Libanon;
- einen souveränen unabhängigen Libanon, der sich der nationalen Einheit verschrieben hat und in der Lage ist, sein ganzes nationales Territorium
zu kontrollieren; und
- Sicherheit für die Nordgrenze Israels, damit die Bewohner Nordisraels
in Sicherheit und ohne Angst vor Artillerie- und Raketenangriffen leben
können.
Diese Ziele ändern sich nicht; sie sind und bleiben eine Konstante unserer Politik.

Auch der jüngste Ausbruch von Kämpfen sollte uns nicht dazu

bringen, sie aus dem Auge zu verlieren.
Der Libanon ist ein stolzes und schönes Land, dessen Bewohner der Welt
viel gegeben haben.
schichte gehabt.
wirklich tief.

Aber er hat auch eine verschlungene und turbulente Ge-

Die Wurzeln der Feindseligkeit in diesem Land

reichen

Trotzdem blühte der Libanon viele Jahre lang auf, weil die

politischen Rivalitäten im Zaum gehalten und ein fein ausbalanciertes Gleichgewicht bewahrt wurde.

Auch unser Land hat unter einem tragischen Bürger-

krieg gelitten, aber wir haben ihn überlebt und überwunden.

Die Menschen im

Libanon erinnern sich glucklicherer Zeiten, als ihre Nation noch eine dynamische, fortschrittliche und blühende Demokratie war.

Auch die Friedens-

sehnsucht hat tiefe Wurzeln im Libanon.
Mit dem Ende des schrecklichen Leidens von Beirut im Sommer vorigen
Jahres und der Wahl von Präsident Amin Gemayel kurz danach schien es, als
ob der Libanon endlich eine zweite Chance bekommen würde.

Fast alle der

Konfessionsgruppen sicherten ihrem neuen Führer ihre Loyalität zu und schienen
bereit zu sein, ihre Differenzen im Namen der politischen und wirtschaftlichen
- 4 -

�und wirtschaftlichen Erneuerung zu begraben.

Die Schäden des Krieges wurden

in Beirut rasch beseitigt, und der Wiederaufbau schien gut anzulaufen.
Um diesen hoffnungsvollen Anfang zu festigen, war es klar, daß der
Libanon als vordringliche Aufgabe für den Abzug aller nichtlibanesischen
Truppen von seinem Boden sorgen mußte. Welche eingeborenen Schranken der
nationalen Versöhnung der Libanesen auch im Wege stehen mögen, und so bereit sie auch sein mögen, diese Schranken zu überwinden, wenn man ihnen die
Chance dazu gibt, so kann dieser Prozeß niemals wirklich in Gang kommen, solange der Libanon von ausländischen Armeen, ausländischen paramilitärischen
Kräften und ausländischen Terroristengruppen besetzt bleibt.
Die Vereinigten Staaten haben positiv auf das Ersuchen der libanesischen
Regierung - und vieler unserer arabischen Freunde - reagiert, dem Libanon
und Israel zu helfen, ein Abkommen zu erreichen, das ein erster Schritt zu
diesem Ziel wäre. Israel zeigte sich bereit abzuziehen, und der Libanon
war bereit, über ein Abkommen zu verhandeln, das Israels legitimen Sicherheitsansprüchen an seiner Nordgrenze gerecht wurde. Nach längeren Verhandlungen und nachdem beide Seiten viel guten Willen aufgebracht hatten, erreichten der Libanon und Israel am 17. Mai ein solches Abkommen.
Parallel zu diesen Bemühungen legten wir unser Gewicht zugunsten der
Bewegung von Präsident Gemayel für eine politische Annäherung in die Wagschale.
Am 31. August erließ Präsident Gemayel mit seinem Ministerrat einen
Appell an wichtige libanesische Führer, in einen Dialog über einen nationalen Weg zur Versöhnung und Einheit einzutreten. Er ließ seine Bereitschaft
erkennen, die Basis und Zusammensetzung seiner Regierung zu erweitern, um
eine echte Teilung der Macht zu erreichen.
Das ist eine Politik, die wir nachdrücklich gefördert und unterstützt
haben, und wir haben keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit von Präsident
Gemayel.

Die Botschafter Robert McFarlane und Richard Fairbanks haben viel
- 5 -

�haben viel Zeit und Mühe für dieses Unterfangen aufgewandt - ebenso wie
Saudi-Arabien.
Das Problem war natürlich Syrien.

Beide Wege der libanesischen Politik

- Abzug der ausländischen Truppen und nationale Aussöhnung - wurden von Syrien
blockiert, das seit der Niederlage im vorigen Sommer von der Sowjetunion wieder massiv aufgerüstet wurde.

Niemand stellt Syriens legitime Sicherheitsan-

sprüche bezüglich des Libanon in Frage.

Aber Syrien hat sich im Gegensatz zu

Israel geweigert, mit dem Libanon darüber zu verhandeln, wie man seine Sicherheitsansprüche mit dem souveränen Recht des Libanon, seinen eigenen Weg zu
gehen, miteinander vereinbaren könnte.
Es erhebt sich die Frage, ob das Ziel Syriens die Gewährleistung seiner
Sicherheit oder die Beherrschung des Libanon ist.
- Syrien hat heute die größte Armee im Libanon stehen, aber es hat sich
geweigert, über den Abzug seiner Truppen zu verhandeln - im Widerspruch
zu wiederholten Zusagen, daß es dies tun würde, sobald Israel es täte.
Syrien hat an diesem seinem Kurs festgehalten selbst unter Mißachtung
eines formellen Antrags der libanesischen Regierung an Syrien, die PLO
und die Arabische Liga auf Abzug aller ausländischen Truppen. Israel
hat erklärt, daß es nicht bereit sei, alle Truppen abzuziehen, solange
noch syrische Truppen dort stehen. Damit ist die groteske Lage eingetreten, daß Syrien israelische Streitkräfte im Libanon hält. Syrien
läßt ferner den Wiedereintritt bewaffneter Palästinensergruppen in das
Aleyh-Schuf-Gebiet zu - unter Verletzung der aufgrund der Vermittlung
von
Botschafter Habib im vorigen Jahr getroffenen Abkommen.
- Gleichzeitig nutzt Syrien seinen Einfluß im Libanon, um den Prozeß der
nationalen Aussöhnung zu stören.

Syrien hat sogar die politische Op-

position im Libanon aufgestachelt und verschiedene Gruppen bewaffnet,
die militärische Aktionen gegen die legitime Regierung durchführen.
Deshalb konzentriert

�Deshalb konzentriert sich unsere Diplomatie - vertreten durch die Botschafter McFarlane und Fairbanks - zunächst auf einen Waffenstillstand zwischen den verschiedenen Gruppen im Libanon.
Ziel ebenfalls aktiv verfolgt.

Saudi-Arabien hat dieses gleiche

Jordanien, Ägypten und andere befreundete

arabische Länder zeigen sich gegenüber diesen diplomatischen Bemühungen sehr
aufgeschlossen.
Das Ergebnis dieser Verhandlungen wird, wie bei allen Verhandlungen,
vom Gleichgewicht der Kräfte abhängen. Jene, die ihre Position mit Gewalt
verbessern wollen, werden einem Waffenstillstand wahrscheinlich nicht zustimmen, bis sie auf dem Schlachtfeld nicht mehr weiterkommen.
Das führt mich zu der militärischen Lage und zur Rolle der Multinationalen Streitmacht im Libanon, zu der auch, wie Sie wissen, rund 1200 Soldaten des amerikanischen Marinekorps im Gebiet von Beirut gehören.

Die Multinationale Streitmacht und die US-Marinesoldaten
Vor einem Jahr entsandte Präsident Reagan diese Angehörigen des amerika&lt;nischen Marinekorps, um sich an der von der Regierung des Libanon angeforderten Multinationalen Streitmacht zu beteiligen. Die Anwesenheit dieser Streitmacht sollte dazu dienen, der libanesischen Regierung bei der Aufrechterhaltung von Souveränität und Autorität zu helfen; sie sollte ferner zu den Bemühungen dieser Regierung beitragen, die Sicherheit der Menschen in dem Gebiet zu gewährleisten und die Gewalttätigkeit zu beenden, die in so tragischer
Weise bei den Massakern von Sabra und Shatila zu verzeichnen waren.
Zusammen mit unseren Marinesoldaten tun britische, französische und
italienische Streitkräfte Dienst, und so handelt es sich bei MNF wirklich um
eine multinationale Streitmacht.

Ihre Aufgabe ist die Erhaltung des Friedens,

nicht einen Krieg zu führen.
Es ist

�Es ist nicht ihre Aufgabe, sich in einem Krieg auf die eine oder andere
Seite zu schlagen, sondern im Gegenteil der legitimen Regierung des Libanon
ein Gefühl der Sicherheit zu verleihen, wenn sie sich für ihre nationale
Souveränität und die nationale Einheit einsetzt.

Die meisten der wichtigen

Religionsgruppen und der befreundeten arabischen Staaten unterstützen diese
Rolle der MNF, als sie in den Libanon entsandt wurde, und sie unterstützen
sie auch weiterhin.
•

Jetzt wind die MNF von jenen herausgefordert, die offensichtlich entschlossen sind, eine internationale politische Beilegung des Problems zu verhindern.

Der Präsident hat amerikanischen Flottenstreitkräfte

zur Unterstüt-

zung vor der Küste verstärkt und die amerikanischen Streitkräfte autorisiert,
ihr Recht auf Selbstverteidigung auszuüben, sollten die Angriffe auf sie andauern.

Unsere Partner in der MNF haben ähnliche oder andere Maßnahmen er-

griffen, um ihre Sicherheit und Selbstverteidigung zu gewährleisten.
Wir sind besorgt, daß strategische Schlüsselstellungen in der Umgebung
von Beirut, die von lebenswichtiger Bedeutung für die Sicherheit unserer
Marinesoldaten und anderen amerikanischen militärischen und diplomatischen
Personals sowie für die Sicherheit von Beirut sind, in letzter Zeit angegriffen wurden.

Wir haben auf diese Angriffe geantwortet, um unser Personal zu

schützen, und wir werden das auch weiterhin tun.

General Kelley wird die

militärische Lage im Detail darlegen.
Ein Waffenstillstand wird, wie ich ausgeführt habe, erst Zustandekommen,
wenn alle Beteiligten zu dem Schluß kommen, daß er in ihrem Interesse liegt.
Unsere Strategie im Libanon besteht darin, solche Verhältnisse schaffen
zu helfen, daß es im Interesse aller liegt, eine Art von Gleichgewicht herzustellen, das eine Waffenruhe, eine politische Angleichung und letztlich
den Abzug aller ausländischen Streitkräfte fördert. Wir suchen auf den folgenden Säulen ein Gebäude der Stabilität zu errichten:
- Das erste
- 8 -

�- Das erste Element sind politische Verhandlungen, um im Libanon selbst
eine nationale Aussöhnung herbeizuführen, um die inneren Rivalitäten
und den gegenseitigen Argwohn abzubauen oder beizulegen, die den Kernpunkt der Agonie des Libanon bilden.

Die Vereinigten Staaten haben die-

se Bemühungen mit allem Nachdruck unterstützt.

Wir machen uns auch Sor-

gen über die Sicherheit von palästinensischen Zivilisten im Libanon.
- Das zweite Element ist die diplomatische Bemühung, internationale Unterstützung für die legitime libanesische Regierung, für ihre Bemühungen
um eine Aussöhnung und für einen Waffenstillstand zu mobilisieren.
Vereinigten Staaten sind aktiv darum bemüht.

Die

- Was die militärische Dimension anbetrifft, so liegt die Hauptverantwortung bei den libanesischen Streitkräften, die sich gut geschlagen haben.
Wir haben mitgeholfen, diese Streitkräfte auszubilden und auszurüsten,
und wir freuen uns darüber, daß diese Streitkräfte wieder so auftreten,
daß sie als Faktor in dem Kräfteverhältnis der Religionsgruppen anerkannt werden. Eine Armee, die für ihre Aufgabe der Aufrechterhaltung
der Ordnung mehr als ausreichend wäre, wenn die ausländischen Truppen
abgezogen wären, steht jetzt jedoch begreiflicherweise unter schwerem
Druck, weil sie von Kräften angegriffen wird, die von Syrien geschützt,
bewaffnet und ermutigt werden. Es ist die Einmischung von außen, die
nicht-libanesische Einmischung, die das Problem so gewaltig verschärft.
- Israel hat weiterhin Einfluß auf viele Gruppen im Libanon und ein
Interesse an der Ermutigung der nationalen Aussöhnung und Stabilität.
Die Ereignisse nördlich des Awwali-Flusses müssen Israel Sorgen bereiten, da seine Sicherheit auf lange Sicht von einer Beherrschung des übrigen Libanon durch Syrien und die PLO berührt würde.
- Die MNF, einschließlich unserer Marinesoldaten, bietet ein zusätzliches
Maß an Stabilität in der Gesamtgleichung, wie ich dargestellt habe.
Unsere Marinesoldaten

�Unsere Marinesoldaten oder die ganze MNF können das Kräfteverhältnis
allein nicht entscheidend ändern - und das ist auch gar nicht ihre Aufgabe.
Aber ihre Präsenz ist und bleibt eine entscheidende Säule zur Stützung des
Gebäudes der Stabilität.

Als früherer Angehöriger des Marinekorps werde

ich nicht zulassen, daß irgend jemand daran zweifelt, wie hervorragend selbst
diese kleine Zahl von Marinesoldaten wirken kann.
Sie stellen eine wichtige Abschreckung dar, ein Symbol der internationalen Unterstützung der legitimen Regierung des Libanon
Gewicht in der Wagschale.

und ein wichtiges

Ein Abzug der Marinesoldaten würde die Regierung

und das, was sie zu erreichen versucht, gefährden.
Das ist der Grund, warum die innenpolitische Auseinandersetzung über
die Kriegsvollmachten (War Powers) so beunruhigend war.
Die Ungewißheit
hinsichtlich der amerikanischen Verpflichtung kann unsere Wirksamkeit nur
schwächen. Zweifel an unserem Durchhaltevermögen können nur dazu führen,
daß der Aggressor unsere Anwesenheit nicht zählt - oder seine Angriffe intensiviert in der Hoffnung, unseren Abzug beschleunigen zu können. Eine Annäherung zwischen dem Präsidenten und dem Kongreß, um diesen Streit beizulegen, wird dazu beitragen, die Zweifel an unserem Durchhaltevermögen zu zerstreuen und unsere Position zu stärken.
Die Exekutive und die Legislative haben, wie Sie selbst wissen, wichtige prinzipielle unterschiedliche Auffassungen bezüglich der Resolution über
die Kriegsvollmachten. Die Exekutive hat traditionell ihre Zweifel gehabt,
ob der Präsident einer Vollmacht durch den Kongreß bedarf, um über unsere
Streitkräfte zu verfügen, da der Präsident der Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist, aber auch aus praktischen Gründen.
Der Kongreß hatte natürlich eine andere Ansicht. Wir konnten nicht damit rechnen, daß dieser grundlegende Unterschied jetzt definitiv aus der Welt
geschafft würde, aber die Administration war bereit, praktische Vorschläge
zu erwägen, die den Schutz unseres gemeinsamen nationalen Interesses im Libanon

- 10 -

�im Libanon ermöglichen, ohne unsere jeweilige Position in der grundsätzlichen
Prinzipienfrage zu prä'judizieren.
In dieser Hinsicht sind wir froh, daß in der Führung beider Parteien im
Kongreß ein Übereinkommen erreicht worden ist, eine Resolution einzubringen
und zu verabschieden, die die weitere Präsenz und Aufgabenstellung der amerikanischen Friedensstreitmacht im Libanon bewilligt.
Wie der Präsident gestern erklärte, ist er - trotz wesentlicher Bedenken
bezüglich einiger Teile dieser Resolution - bereit, die vorgeschlagene Resolution zu unterzeichnen - nicht ohne diese Bedenken zum Ausdruck zu bringen.
Wir sind besonders froh, daß die vorgeschlagene Resolution nicht nur unsere
Politik im Libanon unterstützt, sondern uns jetzt in die Lage versetzt, unsere nationalen Interessen auf einer soliden überparteilichen Basis geltend
zu machen, die das traditionelle Kennzeichen der amerikanischen Außenpolitik
ist und war.

Um was geht es im Libanon?
Im Libanon geht es um einige Grundprinzipien des Völkerrechts und der
internationalen Moral, die eine weiterreichende Bedeutung für die amerikanische Außenpolitik haben:
- Es geht um das Recht eines kleinen Landes, selbst zu entscheiden, wie
es seine souveränen Ziele frei von Einmischung, Bedrohung oder Erpressung von außen erreichen will.
- Es geht um den Grundsatz, daß internationale Streitigkeiten durch friedliche Mittel und nicht durch die Anwendung oder Androhung von Gewalt
beigelegt werden.
Es geht

- 11 -

�Es geht auch um einige Anliegen, die unsere nationalen Interessen und
die Sicherheit unserer Freunde und Verbündeten berühren.

Wenn die amerika-

nischen Bemühungen um friedliche Lösungen mit brutaler Gewalt zunichte gemacht werden, dann wird unsere Rolle überall entsprechend geschwächt werden.
Freunde, die sich auf uns verlassen, werden entmutigt und entsprechend weniger
sicher sein.
Die Gemäßigten in der arabischen Welt, die wir ermutigen, das Risiko
des Friedens einzugehen, werden sich entsprechend weniger sicher fühlen, das
zu tun.

Die Bemühungen der Sowjetunion, unsere Diplomatie zu stören, werden

einen Sieg zu verzeichnen haben.

Die radikalen und ablehnenden Elemente wer-

den gestärkt werden.

Die Sache des Friedens und der Gerechtigkeit wird einen

Rückschlag erleiden.

Die Sicherheit Israels an seiner Nordgrenze wird ge-

schwächt werden.
Was wir im Libanon tun, ist richtig.

Natürlich sind Risiken damit ver-

bunden, aber alle wichtigen Unternehmungen sind mit Risiken verbunden.

Wenn

wir die Rolle und den Einfluß einer Großmacht haben wollen, dann müssen wir
die Verantwortung einer Großmacht übernehmen.

Viele Millionen von Menschen

in der ganzen Welt blicken auf uns als den stärksten Verteidiger von Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden.

Wir können vor unserer Verantwortung nicht

davonlaufen, ohne einaimoralischen und politischen Preis dafür zu zahlen.
Ich sehe es lieber positiv:

Nach all den Erfahrungen der letzten 15

Jahre könnte nichts unseren Freunden in der Welt mehr Auftrieb geben als das
Bild, daß der Präsident und der Kongreß in Harmonie handeln - daß sie vereint
hinter einer starken und zweckdienlichen nationalen Politik stehen.
die Chance, die wir heute haben.

Wir dürfen sie nicht verpassen.

+ + + + +

- 12 -

Das ist

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America
28. September 1983

39

RICHARD PERLE: DIE SICHERHEITSPOLITIK DER NATO - EIN OBERBLICK
Rede des Unterstaatssekretärs für internationale Sicherheitspolitik
im amerikanischen Verteidigungsministerium -

Diese Rede von Richard Perle wurde am
19. September 1983 vor der Norwegischen
Militärgesellschaft in Oslo gehalten.

OSLO - (AD) - Praktisch überall auf der Welt herrscht die Vorstellung,
daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sich seit Jahren in einem
Wettrüsten befänden, das zumeist im Bild einer sich stetig aufwärtsbewegenden Spirale bei den Kernwaffen seinen Ausdruck findet. Wir sehen uns angeklagt - um einen der am häufigsten gebrauchten Sätze zu zitieren -, Waffen
auf Waffen zu häufen. Und doch sehen die Tatsachen ziemlich anders aus.
Seit Ende der sechziger Jahre haben die Vereinigten Staaten beständig die
Anzahl der nuklearen Gefechtsköpfe verringert, die sich in ihren Arsenalen
befinden - bis hin zu dem Punkt, wo wir heute weltweit etwa 8000 weniger Kernwaffen disloziert haben als gegen Ende der sechziger Jahre. Außerdem beträgt
die Megatonnage dieser Waffen - also die Zerstörungskraft - heute kaum ein
Viertel von der Ende der sechziger Jahre.
Auch herrscht

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Auch herrscht bisweilen der Eindruck vor, die Vereinigten Staaten lägen
bei diesem Wettstreit vorn - und würden Waffen dislozieren, auf die diese
armen Russen gezwungenermaßen reagieren müßten.

In den 20 Jahren seit 1962

haben die Vereinigten Staaten 14 strategische Waffensysteme disloziert, beginnend mit der TITAN-I-Rakete bis hin zu den mit TRIDENT-Raketen ausgestatteten Unterseebooten - von denen das erste jetzt von Stapel gelaufen ist.

In

diesen 20 Jahren dislozierten die Sowjetunion 44 strategische Systeme.
Wir stehen nun schon seit Jahren - und insbesondere seit 1972, als die
ersten Rüstungskontroi labkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion geschlossen wurden - vor der Tatsache, daß die amerikanische Zurückhaltung kein Gegenstück in einer entsprechenden Zurückhaltung seitens
der Sowjetunion fand - mit dem Ergebnis, daß das strategische Gleichgewicht
- das Gleichgewicht also der strategischen Streitkräfte der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion - sich deutlich zuungunsten der Vereinigten Staaten
verschiebt.

Dies hat meiner Meinung nach tiefgreifende Auswirkungen auf die

Stabilität des nuklearen Gleichgewichts, auf die langfristige Wirksamkeit
der strategischen Abschreckung der Vereinigten Staaten und umgekehrt auf die
Stabilität und Sicherheit des Bündnisses, insbesondere aber auf jene Mitglieder unseres Bündnisses, die selbst nicht über Kernwaffen verfügen.
In Erkenntnis der Veränderungen dieses Gleichgewichts während der vergangenen 20 Jahre hat diese Administration, wie ihre Vorgänger, mit einem
Programm der strategischen Modernisierung begonnen, das die Notwendigkeit
widerspiegelt, Waffensysteme unter großen Kosten - Kosten, die wir viel lieber vermeiden würden - zu ersetzen, da sie ansonsten veraltet und nicht mehr
einsatzfähig wären.

Würde man dem glauben, was mancherorts gesagt wird,

dann könnte man zu der Oberzeugung gelangen, das Modernisierungsprogramm
der Reagan-Administration stelle eine neue und gefährliche Eskalation dar.
Lassen Sie mich daher einen Blick auf jedes der wichtigsten Elemente dieses
Modernisierungsprogramms werfen und alle in die entsprechende Perspektive
rücken.

So haben die Vereinigten Staaten in ihrer strategischen Bomberflotte

die B-52-Flugzeuge, die 1956 gebaut wurden.

- 2 -

Ich habe bereits darauf hinge-

�darauf hingewiesen: Die skandinavische Fluggesellschaft SAS würde nicht im
Traum daran denken, mit Flugzeugen aus dem Jahr 1956 zu fliegen, und es gibt
auch keinen Grund, warum die strategische Luftwaffe der Vereinigten Staaten
mit Flugzeugen operieren sollte, die älter sind als die Piloten, die sie fliegen - Flugzeuge, die nicht länger mehr ihre Ziele in der Sowjetunion erreichen
können, weil sie - um durch die sowjetische Luftverteidigung zu gelangen einen Spießrutenlauf durchstehen müßten, zu dem 5000 Radaranlagen, 10 000
Boden-Luft-Raketen und 2000 Abfangjäger gehören - von denen einer gerade erst
ein Passagierflugzeug abgeschossen hat. Um also das Bomber-Element der strategischen Triade aufrechtzuerhalten, dislozieren wir Marschflugkörper auf unseren B-52, damit diese Flugzeuge außerhalb der Reichweite der sowjetischen
Luftverteidigung bleiben und dennoch ihre Waffen abschießen könnten - weniger
Waffen, als wir gegen Ziele in der Sowjetunion als Teil unserer Vergeltungskapazität abzufeuern in der Lage waren, als die Flugzeuge diese Luftverteidigung noch durchdringen konnten.
Sogar mit den Marschflugkörpern werden die B-52 schließlich wirkungslos werden. Aus diesem Grund haben wir mit dem Bau des B-1-Bombers begonnen,
eines modernen Flugzeugs,das die B-52 ersetzen soll. Und je nachdem, wie es
die erfolgreiche Entwicklung zuläßt, werden wir in angemessenem zeitlichen
Abstand einen technologisch entsprechend fortgeschrittenen Bomber dislozieren. Das gesamte Paket - der auf neuer Technologie basierende Bomber, die
B-1-Bomber und die Marschflugkörper an Bord der B-52 - soll jedoch der Tatsache gerecht werden, daß unsere derzeitige Bomberflotte anfängt, veraltet
zu sein und des Ersatzes bedarf.
Unsere strategische Unterseebootflotte besteht hauptsächlich aus
POSEIDON-Booten, da die früheren POLARIS-Boote ausgemustert wurden.
glaube, es bleiben nur noch eins oder zwei zur Ausmusterung.

Ich

Aber sogar

die POSEIDON-Boote - die neuesten unserer Unterseeboote - werden jetzt allmählich recht alt.
15 bis 20 Jahre alt.

Das letzte wurde 1967 gebaut.

Im Durchschnitt sind sie

Sie wurden für eine Lebensdauer von 20 Jahren gebaut.

Ich meine, es ist deutlich, daß auch sie sich rasch dem Punkt nähern, da sie

- 3 -

�da sie schlicht aufgrund der Tatsache ausgemustert werden müssen, daß sie
veraltet und nicht mehr einsatzfähig sind.

Deshalb haben wir mit dem Pro-

gramm der TRIDENT-Unterseeboote begonnen - von denen eines übrigens vorige
Woche auf den Namen USS Henry M. Jackson getauft wurde.

Wir haben mit die-

sem Programm des Baus von TRIDENT- Unterseebooten und der Raketen für diese
Unterseeboote begonnen, um das seegestützte Element unserer Triade der strategischen Streitkräfte einsatzbereit zu halten.
Schließlich besteht unsere Raketenstreitmacht hauptsächlich aus MINUTEMANRaketen und einigen TITAN-Raketen (die TITAN-Raketen wurden 1962 gebaut und
werden jetzt außer Dienst gestellt);hauptsächlich also aus MINUTEMAN-Raketen
- Raketen, die heute durch einen sowjetischen Angriff verwundbar sind; verwundbar seit 1972, dem Jahr,in dem die Unterzeichnung des ersten Vertrags
über die Begrenzung der Strategischen Waffen (SALT) durch die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion stattfand - eines Vertrages, der die Entwicklung
weiterer strategischer Waffen einfrieren sollte,und eines Vertrages, unter
dem die Sowjets rund 5000 sehr große, sehr zielgenaue Gefechtsköpfe auf ihre
ballistischen Interkontinentalraketen montiert haben, mit dem Ergebnis, daß
die MINUTEMAN-Streitmacht durch einen Angriff verwundbar ist.

Sie bedarf also

auch wie die Unterseeboote und die Bomber des Ersatzes.
Es gibt eine Statistik, die den Unterschied zwischen der strategischen
Streitmacht der Vereinigten Staaten und der der Sowjetunion zusammenfaßt.
Und die sieht so aus: Nur vier Prozent der Gefechtsköpfe strategischer Trägerwaffen der Vereinigten Staaten befinden sich auf Trägerwaffen, die jünger als
fünf Jahre sind. Und diese vier Prozent befinden sich übrigens auf dem einen
TRIDENT-Unterseeboot, das derzeit zur See fährt. Etwa 77 Prozent der Gefechtsköpfe, die die Vereinigten Staaten auf strategischen Trägerwaffen haben, befinden sich auf solchen, die 15 Jahre oder älter sind. Was die UdSSR anbelangt, so sieht das Bild ganz anders aus. 94 Prozent der strategischen Waffen
die die Sowjets besitzen, befinden sich auf Trägerwaffen, die weniger als
zehn Jahre alt sind.

Und 77 Prozent befinden sich auf Startgeräten, die jün-

ger als fünf Jahre sind.

Ich meine, daß diese Zahlen die Situation verdeut-

�Situation verdeutlichen.

Die Vereinigten Staaten haben eine strategische

Streitmacht, die modernisiert werden muß, weil sie sich an dem Punkt des Veraltens befindet.

Die Sowjetunion verfügt über eine strategische Streitmacht,

die modernisiert ist und die mit gewaltigen Mitteln gebaut wurde - zumeist
in den Jahren, in denen wir den Versuch unternahmen, das Gleichgewicht durch
Rüstungskontroi labkommen zu stabilisieren.
können,

Wie Sie sich sicher vorstellen

ist dies der Grund dafür, daß wir keine Begeisterung für das Konzept

eines "Einfrierens" aufbringen können, da ein Einfrieren der Modernisierung
der amerikanischen Streitkräfte Einhalt gebieten würde, während es andererseits der Sowjetunion erlauben würde - sogar wenn diese sich an ein solches
Einfrieren halten würde -, in ihrem Arsenal Waffen zu belassen, die hochmodern und wirkungsvoll sind.

Innerhalb eines sehr kurzen Zeitraums würde man

Zeuge der unvermeidlichen Verschlechterung der amerikanischen Abschreckung ,
während die sowjetische Abschreckung einsatzfähig und wirkungsvoll bliebe.
Diese strategische Situation, vor der wir stehen, existiert aber nicht
in einem - weder politischen noch, im umfassenderen Sinn - militärischen
Vakuum. Unglücklicherweise ist die Situation auch nicht sehr beruhigend,
wenn man einen Blick auf die konventionellen Waffen wirft. Neben der strategischen Modernisierung drängt daher die Reagan-Administration darauf - und
arbeitet auch ihrerseits hart daran -, daß das Bündnis als Ganzes sich sorgfältig mit neuen Technologien in der Absicht auseinandersetzt, die technologischen Kapazitäten des Westens zum Einsatz zu bringen, damit wirkungsvollere
konventionelle Waffen beschafft werden. Wir unternehmen den Versuch,die Abhängigkeit von den Kernwaffen und die Bedeutung der Kernwaffen für die NATOStrategie zu verringern. Dabei müssen wir jedoch das Ausmaß des konventionellen Ungleichgewichts im Auge behalten. Lassen Sie mich dies mit ein paar
Statistiken erläutern.
Die NATO-Staaten haben insgesamt 2,6 Millionen Mann in Europa unter Waffen; der Warschauer Pakt hat 4 Millionen.

Das NATO-Bündnis hat 13 000 Kampf-

panzer in Europa, die Sowjetunion und ihre Verbündeten 42 500. Bei der Diskussion über das Ungleichgewicht bei der Anzahl von Panzern ist es erstaun-

- 5 -

�es erstaunlich für mich, wie oft Leute fragen:
unseren Vorteil bei den Panzerabwehrwaffen?
nicht wichtig.
wehrwaffen."

"Ja, aber wie steht es um

Panzer gegen Panzer - das ist

Wichtig ist das Gleichgewicht zwischen Panzer und PanzerabDie NATO besitzt derzeit 8100 Panzerabwehrwaffen, die Sowjet-

union 24 300 Panzerabwehrwaffen.

Und was einstmals als Antwort der NATO auf

die Sowjetunion gedacht war,ist mittlerweile zur Antwort der Sowjetunion auf
die NATO geworden.
Die Zahlen sind für das gesamte Waffenarsenal dieselben:
schütze für die NATO, 31 000 für die Sowjetunion.

11 000 Ge-

30 000 Mannschaftspanzer

und Schützenpanzer für die NATO, 78 800 für die Sowjetunion und so weiter.
Und das in Europa.

Dazu gehören noch nicht einmal die sowjetischen Dislo-

zierungen im Fernen Osten.
Man hört oft - und man hörte es gerade auch im Zusammenhang mit dem Abschuß des koreanischen Flugzeuges häufig -, daß die Sowjetunion ein Land sei,
das sich unsicher fühle. Daher unterhalte es starke Streitkräfte als ein
Mittel, um mit dieser Unsicherheit fertigzuwerden. Es besteht kein Zweifel
darüber, daß tief im Innern der sowjetischen Psyche ein Aspekt der Unsicherheit existiert. Aber es besteht auch kein Zweifel darüber, daß das Dilemma,
vor dem das westliche Bündnis bei seinem Verhältnis zu einer unsicheren
Sowjetunion steht - die zugleich auch noch bis an die Zähne bewaffnet ist -,
in keiner Weise durch die Tatsache verringert wird, daß die Sowjets vielleicht besorgt oder alarmiert sein mögen. Ja, man kann es nur schwerlich
begreifen, daß die Sowjets in den achtziger Jahren tatsächlich über die Aussicht auf einen Angriff der NATO auf die Sowjetunion ernsthaft besorgt sein
sollen. Zahlen wie diejenigen, die ich gerade genannt habe, spiegeln etwas
weit Grundlegenderes im sowjetischen System wider. Und das ist die fast
ausschließliche Abhängigkeit von der militärischen Macht, die sich überall
in dieser Gesellschaft zeigt. Es ist eine Gesellschaft, die über 50 Jahre
nach der Revolution, die unter dem Wahlspruch "Brot und Freiheit" antrat,
weder Brot noch Freiheit bietet. Es ist eine Gesellschaft, die offensichtlich sehr gut in der Herstellung von Kriegswaffen zu sein scheint, aber nicht

- 6 -

�aber nicht viel anderes zustande zu bringen scheint.
Und trotz der Besorgnis im Westen, die sich aus Zahlen wie den obengenannten ergibt und aus einer Situation wie der geschilderten, sind wir sowohl in den Vereinigten Staaten als auch im Bündnis - entschlossen, eine
Art von Sicherheit anzustreben, die in der Ansicht der einen nur durch Abkommen - durch ausgehandelte R'üstungskontrollabkommen - und in der Ansicht
anderer zumindest teilweise durch Rüstungskontrollabkommen erzielt werden
kann. Ich selbst zähle mich zur zweiten Kategorie. Die Geschichte der Menschheit berechtigt niemanden dazu, sein ganzes Vertrauen in mit totalitären Staaten ausgehandelte Abkommen zu setzen. Aber wenn es Gelegenheiten zur Aushandlung von Abkommen mit der Sowjetunion gibt, dann sollten wir diese auch ergreifen. Wenn wir dies tun, müssen wir sehr vorsichtig sein, damit Verträge
ausgehandelt werden, die unsere Sicherheit auch wirklich erhöhen, und es
keine Verträge sind, die nur als Gelegenheit dienen, nur noch weitere und
neuere Waffen zu bauen. Es tut mir leid, es sagen zu müssen, aber ich meine,
daß SALT I und SALT II zu der letzteren Sorte gehörten.
Sie ermöglichten
eine ganz beträchtliche Anhäufung neuer Waffen. Und wir sehen diese Aufhäufung neuer Waffen ja auch: Denn in einer besonders ironischen Verdrehung
ist ja die sowjetische SS-20-Rakete - die wahrscheinlich in Westeuropa bekannteste Rakete - ein Produkt eines Rüstungskontrollabkommens. 1972 kamen
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion überein, die Anzahl der Starteinrichtungen für ballistische Interkontinentalraketen einzufrieren. Dabei
definierten wir eine ballistische Interkontinentalrakete als eine Rakete,
die 5500 Kilometer weit reicht. Aber kaum war die Tinte dieses Vertrags
getrocknet, da begann die UdSSR damit, eine Stufe einer dreistufigen sowjetischen Rakete - SS-15 genannt - zu beseitigen und verringerte damit ihre
Reichweite auf 5000 Kilometer. Sie wurde SS-20 genannt und seither immer
wieder disloziert.

Auf ganz eigene Art und Weise stellt die SS-20 die überaus geschickte
Ausnützung dessen dar, was man eine Unzulänglichkeit des SALT I-Vertrages
nennen könnte.

Dennoch werden wir auch weiterhin versuchen, zu Verhandlungs-

- 7 -

�zu Verhandlungslösungen zu kommen, wie wir dies auch derzeit in Genf mit
Hinblick auf die nuklearen Mittel Streckensysteme tun.
Ich möchte damit schließen, noch etwas über diese Verhandlungen zu sagen,
die im Bewußtsein der Völker ganz oben stehen.

Großteils in Reaktion auf die

Bedenken, die von unseren europäischen Kollegen in einer Reihe von Konsultationsforen zum Ausdruck gebracht wurden, gingen die Vereinigten Staaten im
Herbst 1971 in Genf an den Verhandlungstisch und setzten sich - wie ich meine,
zur Überraschung vieler Leute - für eine Verhandlungslösung ein, die bis dahin hauptsächlich von europäischen Sozialdemokraten vertreten worden war - einschließlich der holländischen, der deutschen und anderer - nämlich die sogenannte Null-Lösung.

Wir schlugen ganz einfach vor, daß beide Seiten ihre nuklearen

Mittel Streckensysteme beseitigen sollten.

Trotz des Lobes, das dieser Vor-

schlag erhielt - ich nahm heute vormittag an einer Konferenz teil, bei der auch
Egon Bahr anwesend war, der, wie ich mich erinnere, diesen Vorschlag für eine
großartige Idee hielt -, dauerte es nicht lange, bis wir hörten, daß die NullLösung unrealistisch sei.

Nicht, daß sie schlecht sei.

Nicht, daß sie im

Widerspruch zu den europäischen Interessen stünde; aber, daß sie unrealistisch
sei.

Und unrealistisch - daß wir uns hier gut verstehen - war nur eine ver-

kürzte Art, zu sagen:

Unannehmbar für die Sowjetunion.

Tatsächlich:

Das

ist der einzige Mangel, der meines Wissens nach jemals der Null-Lösung nachgesagt wurde.
Auf diese Weise geriet die amerikanische Regierung unter beträchtlichen
Druck: Sie sollte mit einem anderen Vorschlag kommen. Und wir dachten geraume Zeit darüber nach, wie ein anderer Vorschlag aussehen sollte. Und wieder kamen wir in Reaktion auf die Bedenken unserer Verbündeten mit einem anderen Vorschlag. Der Präsident erklärte unter Zustimmung seiner Kollegen,
daß die NATO ein Zwischenabkommen vorschlagen sollte, demzufolge die Zahl
der Waffen, über die die Vereinigten Staaten verfügten, der Zahl jener Waffen gleich sein sollte, die die Sowjetunion besaß - und dies auf jedem Niveau,
das die Sowjets wählen sollten: Irgendwo zwischen Null - was ja unannehmbar
war - und 572. Und wir haben seither die Sowjetunion immer wieder dazu ein-

- 8 -

�dazu eingeladen, einen Stand vorzuschlagen, mit dem sie zufrieden wäre, um
dann ein Abkommen abzuschließen.
Natürlich haben sie keinen solchen Stand vorgeschlagen. Und allen Gegenvorschlägen, die die Sowjets seither machten, war ein ganz bestimmtes
Charakteristikum zu eigen. Ich wundere mich manchmal über die Aufmerksamkeit,
die den Einzelheiten der Art und Weise zuteil wird, in der Herr Andropow und
vorher Herr Breschnew mit den unwichtigen Details ihrer Vorschläge herumspielen. Denn alle diese sowjetischen Vorschläge - egal ob von Breschnew oder von
Andropow - haben bis zum heutigen Tag die Eigenart, daß sie bedeuten würden:
Keinerlei Waffen für die Vereinigten Staaten bei den nuklearen Mittelstreckenraketen - aber mehrere Hundert Gefechtsköpfe für die nuklearen Mittel Streckensysteme der Sowjetunion. Dies ist die harte und unangenehme Wahrheit über die
sowjetische Verhandlungsposition. Und wenn Sie das nächstemal Ihr Radio anstellen und hören, daß Andropow sagt, er wolle Raketen ebenso wie Starteinrichtungen verschrotten, oder lieber Gefechtsköpfe anstatt Raketen, dann fragen Sie sich lieber, wie es unter dem Strich aussieht, denn bislang sah es unter dem Strich immer so aus - und sieht auch weiterhin so aus -, daß sich für
die Vereinigten Staaten Null ergibt und für die Sowjetunion eine sehr große
Anzahl - der einzige Unterschied besteht darin, daß diese große Anzahl unterschiedlich groß ist.

Dennoch:

Wir werden in Genf bleiben und auch weiterhin versuchen, ein

befriedigendes Abkommen auszuhandeln, ein Abkommen, das für Gleichheit zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion sorgt.

Denn unserem Urteil

nach - und ich glaube, auch dem Urteil unserer Verbündeten nach - sind es nur
die Vereinigten Staaten, die den Nichtnuklearstaaten des Bündnisses einen
glaubwürdigen Nuklearschirm bieten können.

Wenn ich Norweger wäre, wäre ich

nicht unbedingt davon überzeugt, daß ich durch die französische

Nuklearab-

schreckung geschützt wäre - und das gilt auch für die britische Nuklearabschreckung.

Und ich glaube,das ist eine Einstellung, die auch in der Bundes-

republik Deutschland und andernorts geteilt wird.

Letztlich ist es nur der

strategische Schirm der Vereinigten Staaten, der Ländern wie Norwegen strategischen Schutz bieten kann.

Und als Folge dessen muß es ein Gleichgewicht
- 9 -

�ein Gleichgewicht zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion geben.
Der Gedanke, die britischen und französischen Streitkräfte könnten irgendwie
ein Gleichgewicht in bezug auf die sowjetischen Streitkräfte darstellen, ist
militärisch gesehen Unsinn und, wie ich meine, politisch gesehen schädlich.
Die Russen kümmerten sich bislang wenig um die britischen und französischen
Streitkräfte.
deutend.

Herr Breschnew sagte 1980 zu Helmut Schmidt, sie seien unbe-

Aber jetzt dienen sie einem sehr nützlichen Zweck.

Zählt man die

britischen und französischen Streitkräfte zusammen, dann gibt es für amerikanische nukleare Mittel Streckensysteme in Europa überhaupt keinen Platz, und
man hätte den sowjetischen Wunsch bei diesen Verhandlungen erfüllt, der ja
Null für die Vereinigten Staaten und eine große Anzahl für die Sowjetunion
möchte.

Und die Frage ist: Warum beharren die Sowjets dermaßen auf diesem

Ergebnis?

Ich glaube, die Antwort muß lauten:

Die UdSSR möchte es bei der

Situation belassen, in der sie Nuklearraketen besitzt, mit denen sie überall
in Europa zuschlagen kann - und dies im Wissen, daß die Vereinigten Staaten
nicht eine einzige Rakete besitzen, die in der Lage ist, von europäischem
Territorium aus tief in sowjetisches Territorium einzudringen.

Die Sowjets

ziehen es vor, hinter einem cordon sanitaire im Sanktuarium sowjetischen
Territoriums zu sitzen.

Und ich glaube, sie sorgen sich recht wenig über

die europäische Sicherheit - gleich, ob in Ost oder West.

Sie sorgen sich

zutiefst darum, was sowjetisches Territorium treffen kann.

Sie sind daher

entschlossen, bei diesen Verhandlungen ein Ergebnis zu erzielen, das Null für
die Vereinigten Staaten bedeutet.

Meiner Ansicht nach, wäre es für das west-

liche Bündnis ein Fehler von historischer Tragweite, einem Verhandlungsergebnis zuzustimmen, das den Vereinigten Staaten Null belassen und zugleich der
Sowjetunion eine bestimmte Anzahl von Raketen lassen würde - sogar wenn es
sich dabei nur um eine kleine Anzahl von nuklearen Mittelstreckenraketen handeln würde.
enger und

Bislang ist dies auch die Einstellung des Bündnisses, die in

wirklich bemerkenswert harmonischer Konsultation erreicht wurde.

Und ich hege die Hoffnung, daß es auch weiterhin die Einstellung des Bündnisses sein wird.
Lassen Sit

- 10 -

�Lassen Sie mich mit dem schließen, mit dem ich begann:

Ich möchte noch

einmal unterstreichen, daß man nicht im NATO-Bündnis arbeiten kann ohne eine
immer größere Achtung für seine Institutionen und seine Menschen und für die
hervorragende Art und Weise, in der wir - trotz aller Meinungsverschiedenheiten - die gemeinsame Zielsetzung finden und der gemeinsamen Verteidigung
verpflichtet bleiben.

Es bedeutet, daß Menschen in Chicago, Kansas, Los

Angeles und New York bereit sind, das Risiko eines Krieges einzugehen - sogar
das Risiko eines Atomkrieges -, um die Menschen in Bergen oder Oslo oder
Kirkeness, in Bonn, London oder Paris zu verteidigen.

Nur wenn wir die Ge-

fahren teilen und sie fair teilen, wenn wir die Lasten teilen und sie fair
teilen, halten wir dieses großartige Bündnis zusammen.

+ + + + +

11

�28, September 1983

DEUTSCH-AMERIKANER HEUTE
Der einzige im Ausland geborene Amerikaner, der je zum amerikanischen Außenminister ernannt wurde, war ein Deutsch-Amerikaner
Dies ist der letzte von sechs Artikeln
über die Deutschen in Amerika, die wir
im Zusammenhang mit den Feuerlichkeiten
anläßlich des 300= Jahrestages deutscher
Einwanderung in Amerika bis zum 6 Oktober veröffentlichen»

- (AD) - Die Flut deutscher Einwanderer nach Amerika hatte ihren Höhepunkt in den achtziger Jahren des 19, Jahrhunderts, als beinahe eineinhalb
Millionen Deutsche in den USA eine neue Heimat fanden0 Infolgedessen erreichte die deutschstämmige Bevölkerung Amerikas ihren Höchststand in den
neunziger Jahren, als fast drei Millionen deutsch-stämmige Amerikaner gezählt wurden. Jedoch war die deutsche Einwanderungswelle auch die erste unter den Einwanderungsströmen europäischer Nationen, die langsam verebbteWährend der fünfziger Jahre des darauffolgenden Jahrhunderts bildeten die
Italo-Amerikaner, gemessen an der Volkszugehörigkeit erster und zweiter Generation, die stärkste europäische Einwanderungsgruppe in Amerika, Und mit
Ausnahme der turbulenten dreißiger, vierziger und fünfziger Jahre lag die
deutsche Einwanderung dieses Jahrhunderts, die von 1880 bis 1890 konstant

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�1890 konstant über ein Viertel der gesamten Einwanderer ausmachte, bei weniger
als 10 Prozent.

Im Jahr 1979 - dem letzten Jahr, für das vollständige Zahlen-

angaben vorhanden sind - machten deutsche Einwanderer weniger als 1,5 Prozent
aus, und von denen, die in jenem Jahr die amerikanische Staatsbürgerschaft erwarben, kamen lediglich 2 Prozent, also ganze 3500, aus Deutschland.
Aus all diesen Gründen wird der Einfluß der in Deutschland geborenen
Amerikaner auf das amerikanische Leben und seine Gesellschaft immer geringer,
während der Einfluß der Deutsch-Amerikaner - Amerikaner mit einem feststellbaren deutschen Erbe - allgemein weiter zunimmt.

Und selbst im Hinblick auf

Amerikaner, die in Deutschland geboren wurden, findet man hier eine Reihe bemerkenswerter Ausnahmen.
Hier ist als erster Henry Kissinger zu nennen, der 1923 in Fürth geboren
wurde.

Kissinger emigrierte im Jahr 1938 mit seiner Familie nach Amerika und

wurde in New York ansässig.

Nach langer Verbindung mit der Harvard-Univer-

sität - als Student und Professor - war Kissinger außenpolitischer Berater
der Präsidenten Kennedy und Johnson und anschließend nationaler Sicherheitsberater Präsident Nixons.

1973 wurde er zum Außenminister ernannt - der ein-

zige im Ausland geborene Amerikaner, der dieses Amt je innehatte - und erhielt im selben Jahr den Friedensnobelpreis für seine Bemühungen um die Beendigung des Vietnamkrieges.

Dr. Kissinger ist auch heute noch eine zentrale

Figur der politischen Szene Washingtons, gegenwärtig leitet er eine Arbeitsgruppe für Mittelamerika.
Ein anderer deutsch-stämmiger Amerikaner, der seit kurzem erst ein hohes
Amt im öffentlichen Leben einnimmt, ist Senator Rudy Boschwitz, ein unabhängiger Republikaner aus Minnesota.

Boschwitz wurde 1930 in Berlin geboren

und hat seit 1979 einen Sitz im US-Senat.
Die deutsch-amerikanische "Erfolgs-Story" der Gegenwart ist jedoch die
des Mannes, der als erster den Mond betrat, des Astronauten Neil Armstrong.
Die Familie Armstrong - mit ihrem für Amerika so typischen, gemischten eth-

- 2 -

�gemischte ethnischen Hintergrund - kann ihre deutschen Ursprünge bis in die
westfälische Stadt Ladbergen zurückverfolgen.
Ergebnisse einer Volkszählung aus dem Jahr 1979 zeigte, daß fast 29 Prozent aller Amerikaner deutsche Vorfahren hatten, wenn auch der Prozentsatz
jener Bevölkerungsteile, die ihre Abstammung mit "gänzlich deutsch" angaben,
bei etwa zehn Prozent lag.

Dies bedeutet praktisch, daß über 62 Millionen

Amerikaner eine deutsche Abstammung geltend machen - eine Gruppe, die größer
ist, als jede andere ethnische Gruppierung in den Vereinigten Staaten von
heute.

+ + + + +

- 3 -

�Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

39

28. September 1983

FARMWIRTSCHAFT NACH COMPUTERDATEN
Satelliten liefern die Informationen -

- (AD) - Die amerikanische Landwirtschaft exportiert derzeit mehr als
zwei Drittel der Erträge einer bedeutenden Anzahl ihrer Agrarprodukte. Die
Anbauplanung wäre jedoch für die Farmer wesentlich einfacher, wenn rechtzeitig ausreichende Informationen und Voraussagen darüber vorlägen, in welchem Umfang Nahrungsmittel und Futtermittel weltweit verfügbar sind und gebraucht werden.
Diese Lücke versucht ein Privatunternehmen mit Hilfe von Daten, die
Wetter- und Fernerkundungssatelliten übermitteln, unter Anwendung modernster
Computertechnik zu schließen. Die Earth Satellite Corporation (EarthSat) in
Bethesda (Maryland) erstellt laufend Zustandsberichte über die Anbau-,
Wachstums- und Reifesituation der Agrarwirtschaft aller Länder für die 12
wichtigsten Feldfrüchte. Diese Berichte sind den Kunden über Personalcomputer zugänglich und können von jedem Computer-Terminal in den Vereinigten
Staaten innerhalb von 24 bis 48 Stunden über das von EarthSat entwickelte
Computer-Kommunikationssystem "Crop Dialup" abgerufen werden. Der Benutzer
benötigt dazu nur ein Modem für die Telefonverbindung zu einem ComputerTerminal .
EarthSat begann,

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�EarthSat begann, wie Kevin Marcus, Agrarmeteorologe bei der Earth
Satellite Corporation, in der Zeitschrift "The Futurist" berichtet, Anfang
der siebziger Jahre mit dem Projekt, auf der Basis von Satellitendaten
Computermodelle für die Abschätzung von Ernteerträgen auszuarbeiten. Daraus entstand das Vorhersagesystem CROPCAST, das seit dem Jahr 1976 kommerziell angeboten wird.

Es basiert auf einem riesigen Komplex von Daten, die

alle nur erdenklichen Details von der Aussaat bis zur Ernte, über Produktionspotentiale für die verschiedensten Fruchtarten einschließlich möglicher Verluste durch Witterungsumstände wie lange Trockenheit, Überschwemmungen, Hitze
und Kälteeinbrüche berücksichtigen.
Der gesamte Globus ist in ein Gitterwerk aus 48 km großen Quadraten
aufgeteilt, die u.a. Bodenbeschaffenheit, Anbau und besondere Merkmale von
Feldfruchtarten verzeichnen.

Für jedes Quadrat werden durch Extrapolieren der

Meßdaten von Wettersatelliten täglich die Bodenwetterdaten ermittelt und gesammelt.

Ein Hochgeschwindigkeitscomputer verarbeitet die Datenflut der Sa-

telliten und gibt zusätzliche Informationen, z. B. über Temperaturen, Niederschlag, Wind und Feuchtigkeit, in Simulatormodelle für das Wachstum von Feldpflanzen ein. Diese Modelle vermitteln eine Übersicht, welche Auswirkungen
die Witterung auf die Wachstumsbedingungen in dem speziellen Planquadrat hat.
Für Erntevorausschätzungen wird außerdem die längerfristige Wettervorhersage herangezogen. Zusätzliche Hinweise geben die Strahlungsmeßdaten
der Fernerkundungssatelliten LANDSAT, aus denen sich z.B. Informationen über
die Lebenskraft der Vegetation und spezieller Vegetationsarten ergeben.

Sie

bestätigten beispielsweise im Juli 1982 die Diagnose aus dem CROPCAST-Simulationsmodell, daß weite Gebiete der normalerweise mit Sommerweizen bebauten
Agrarflachen in der UdSSR durch heiße, trockene Winde stark geschädigt worden waren.
Als nächstes beabsichtigt EarthSat den Farmerkunden CROPCAST-Programme
mit Wachstums- und Preispeojektionsmodellen anzubieten, die noch vor der Aussaat eine Abschätzung von Ertrag und Erntepreisen zulassen. Sie sollen außerdem eine Übersicht über Angebot und Nachfrage in der ganzen Welt geben.
+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rede des US-Präsidenten vor der UN-Vollversammlung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shultz unterstreicht Friedensmission der USA im Libanon&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung vor dem Außenpolitischen Ausschuss des Repräsentantenhauses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Richard Perle: Die Sicherheitspolitik der NATO - ein Überblick&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des Unterstaatssekretärs für internationale Sicherheitspolitik im amerikanischen Verteidigungsministerium -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Deutsch-Amerikaner heute&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Der einzige im Ausland geborene Amerikaner, der je zum amerikanischen Außenminister ernannt wurde, war ein Deutsch-Amerikaner -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>21. September 1983

38
'0
INHALT

DOKUMENTATION
Scharfe Verurteilung des Flugzeugabschusses durch US-Kongreß
- Reagan begrüßt Resolution -

HINTERGRUNDMATERIAL
Ostpolitik mit klarem Kopf
- Von US-Staatssekretär Lawrence S. Eagleburger Menschenrechtsverletzungen in Nicaragua vor US-Kongreßausschuß
Deutsch-amerikanische Vorbilder

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Kranke Umwelt - welche Therapie?
- Umfassendere praktische Gegenmaßnahmen und noch mehr
Forschung vordringlich •

Von G. Weiss

Um Uber/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

21. September 1983

38

SCHARFE VERURTEILUNG DES FLUGZEUGABSCHUSSES DURCH US-KONGRESS
- Reagan begrüßt Resolution -

WASHINGTON - (AD) - Mit aller Schärfe hat der amerikanische Kongreß den
Abschuß der koreanischen Linienmaschine durch sowjetische Abfangjäger verurteilt.

Das amerikanische Repräsentantenhaus nahm am 14. September 1983 eine

entsprechende Resolution mit 416 zu null Stimmen an, im Senat wurde sie einen
Tag später mit 95 zu null Stimmen verabschiedet.
Die Resolution hat folgenden Wortlaut:
In Anbetracht der Tatsache:
daß die Vereinigten Staaten gemeinsam mit der Völkergemeinschaft ihre
Empörung über die Maßnahmen der sowjetischen Regierung am 31. August 1983
zum Ausdruck gebracht haben, die zur Zerstörung der koreanischen Passagiermaschine des Fluges 007 und zum Tode von 269 unschuldigen Menschen führte;
daß diese Maschine versehentlich in den sowjetischen Luftraum geriet;
daß die

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�daß die sowjetischen Stellen diesen Flug mehr als zwei Stunden lang verfolgten, sich jedoch nicht an die allerseits anerkannten internationalen Verfahren hielten, die dazu gedacht sind, ein vom Kurs abgeirrtes Flugzeuge zu
warnen und das Leben seiner Passagiere zu schützen;
daß ein sowjetischer Abfangjäger zwei Luft-Luft-Raketen auf die koreanische Passagiermaschine abschoß und das unbewaffnete, klar als Zivilmaschine
erkennbare Flugzeug mit 269 unschuldigen Männern, Frauen und Kindern aus 14
Ländern an Bord, darunter 61 unserer Landsleute, zerstörte;
daß sich unter den Opfern ein hervorragendes Mitglied des Kongresses,
der Abgeordnete Larry P. McDonald, befand;
daß die höchsten Stellen der sojwetisehen Regierung gelogen haben in dem
Versuch, diesen gewissenlosen Akt zu rechtfertigen, und auch weiterhin den Zugang zu dem Absturzgebiet verweigern;
daß die sowjetische Regierung öffentlich ihre Absicht erklärt hat, eine
solche mörderische Handlung zu wiederholen, wenn eine andere Passagiermaschine versehentlich in sowjetischen Luftraum gerät; und
daß dieser kaltblütige, barbarische Angriff auf ein Verkehrsflugzeug
eine der schändlichsten und verwerflichsten Handlungen in der Geschichte
darstellt;
sei es also durch das Repräsentantenhaus und den Senat des Kongresses
der Vereinigten Staaten beschlossen, daß die Vereinigten Staaten hiermit:
1. das sowjetische Verbrechen der Zerstörung der koreanischen Verkehrsmaschine und der Ermordung von 269 unschuldigen Menschen an Bord verurteilen;
2. von der Sowjetunion eine vollständige und rückhaltlose Aufklärung
dieses brutalen Massakers verlangen;
3. den Familien,

�3. den Familien, die ihre Angehörigen verloren haben, ihr tiefstes
Mitgefühl aussprechen und deren Ansprüche auf Entschädigung durch die
Sowjetunion unterstützen;
4. die Sowjetunion auffordern, internationale Bemühungen zur Bergung
der Opfer zu unterstützen;
5. eine internationale Untersuchung dieses abscheulichen Zwischenfalls
durch die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) verlangen;
6. ihre Absicht erklären, zusammen mit der Völkergemeinschaft die Sowjetunion aufzufordern, ihre Luftverteidigungsverfahren und -praktiken zu modifizieren, um die Sicherheit der Flüge von Verkehrsmaschinen zu garantieren;
7. die Feststellung treffen, daß dieses tragische Ereignis sowie die
Weigerung der sowjetischen Regierung, die Verantwortung für dieses willkürliche Verhalten zu übernehmen, es für die Vereinigten Staaten und andere
Länder schwieriger machen, die Sowjetunion als ein verantwortungsbewußtes
Mitglied der Völkergemeinschaft zu akzeptieren; und
8. unsere Verbündeten sowie andere Länder auffordern, gemeinsam mit den
Vereinigten Staaten weiterhin zu verlangen, daß die sowjetische Regierung
sich eindeutig für ihre Maßnahmen entschuldigt, die Familien der unschuldigen Opfer entschädigt und sich bereit erklärt, sich an die international anerkannten und fesgelegten Verfahren zu halten, die ja dem Zweck dienen sollen,
solche Tragödien zu verhindern.

+ + +

Präsident Reagan

�Präsident Reagan begrüßt Kongreßresolution
Präsident Reagan hat die Verabschiedung der Resolution des amerikanischen
Kongresses begrüßiund unterstrichen, der Kreml wisse jetzt, daß es bei der Reaktion der Vereinigten Staaten auf sowjetische Aggressionshandlungen keine Parteien, sondern nur Amerikaner gebe, die entschlossen seien, ihre Freiheit zu
schützen und den Frieden zu sichern.
Die am 15. September 1983 vom Weißen Haus veröffentlichte Erklärung
Reagans hat folgenden Wortlaut:
Im Namen aller Amerikaner begrüße ich die überwältigende, überparteiliche
Unterstützung einer Resolution des Repräsentantenhauses und des Senats, in
der die Ermordung von 269 unschuldigen Menschen an Bord der koreanischen Passagiermaschine durch die Sowjetunion verurteilt wird.

Dieser willkürliche, bar-

barische Akt verletzt die grundlegendsten Prinzipien des Völkerrechts und der
Moral - die Unverletzlichkeit des menschlichen Lebens.
Der Kreml weiß es jetzt: Wenn es darum geht, auf seine Aggression zu
reagieren, dann gibt es keine Republikaner oder Demokraten - nur Amerikaner,
die geeint und entschlossen sind, unsere Freiheit zu schützen und den Frieden
zu sichern.
Ich fordere das amerikanische Volk auf, jetzt an der Seite der Familien
zu stehen, die ihre Angehörigen verloren haben.
der zivilisierten Welt appellieren:

Und laßt uns an das Gewissen

Die Passagiere der koreanischen Verkehrs-

maschine dürfen niemals vergessen werden.

Wir dürfen auch nicht ruhen, so-

lange die Welt es nicht verhindern kann, daß ein solches Verbrechen gegen die
Menschlichkeit noch einmal geschieht.

+ + + + +

�21. September 1983

38

OSTPOLITIK MIT KLAREM KOPF
Von US-Staatssekretär Lawrence S. Eagleburger

Der Autor ist Staatssekretär für Politische Angelegenheiten im amerikanischen
Außenministerium.

- (AD) - Wie notwendig eine gute Sachkenntnis ist und wie teuer die Unkenntnis kommt, ist selten mit größerer Deutlichkeit illustriert worden als
in den vergangenen zwei Wochen.

Der Abschuß eines unbewaffneten Zivilflug-

zeugs und der Mord an 269 unschuldigen Menschen durch die Sowjets war eines
jener Ereignisse, das wirklich die ganze Welt schockiert hat. Und noch erschütternder ist die Art und Weise, wie die Sowjets auf die Tat reagierten.
Sie hätten den Schaden für sich in Grenzen halten können, wenn sie erklärt
hätten, es habe sich um einen sei,recklichen Fehler gehandelt.
Sie hätten ihr tiefes Bedauern zum Ausdruck bringen und Schadensersatz
anbieten können - und sie hätten Schritte ankündigen können, die gewährleistet
hätten, daß sich so etwas nie mehr ereignen kann.

Die Tatsache, daß sie nicht

auf diese Weise reagierten, daß sie nur zögernd und verspätet eingestanden,
was die ganze Welt wußte, und daß sie den Versuch unternahmen, ihr unentschuld-

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�ihr unentschuldbares Handeln dadurch zu rechtfertigen, daß sie den Vereinigten Staaten gegenüber lächerliche Unterstellungen vorbrachten, sagt mehr darüber, wie ihr System funktioniert, als alles, was wir dazu sagen könnten.
Am ungeheuerlichsten ist wohl, daß sie erklärten, sie würden es unter gleichen
Umständen wieder tun - und dies sogar im Wissen darum, daß es sich um ein Zivilflugzeug handelte.

Es ist schwierig, sich eine Reaktion vorzustellen, die

kriegerischer, verlogener, uneinsichtiger und noch unbefriedigender wäre als
die Haltung, die derzeit die sowjetische Regierung einnimmt.

Ich kann mich

kaum erinnern, daß die grundlegenden Unterschiede zwischen unseren Gesellschaftssystemen, unseren EntScheidungsprozessen und unserer Einstellung

ge-

genüber dem Leben des Einzelmenschen jemals so deutlich demonstriert wurde.
Diese Tragödie war und ist jedoch nicht allein oder hauptsächlich eine
amerikanisch-sowjetische Frage. Es ist eine Frage, zu der Regierungen und
private Organisationen in der ganzen Welt mit einer Stimme gesprochen haben,
um diese Ungeheuerlichkeit zu verurteilen. Gerade v/eil dies nicht zuvörderst
eine amerikanisch-sowjetische Angelegenheit war, waren die von uns vorgeschlagenen Schritte verantwortungsvoll und zurückhaltend. Obgleich sich manche
Leute für weitergehender; I • nahmen aussprachen, waren wir doch stets der Meinung, daß das kombinierte Gewicht der Weltmeinung, kollektiv und separat vorgetragen, mehr Wirkung auf die Sowjets haben und noch deutlicher ihre Isolierung zeigen würde. Wir sind über die bislang ergriffenen Schritte befriedigt.
Und noch immer kündigen Piloten und Regierungen in der ganzen Welt neue Maßnahmen an. Die internationale Gemeinschaft sollte auch weiterhin auf eine unparteiische Untersuchung, auf angemessene Entschädigung und auf konkrete
Schritte drängen, die sicherstellen, daß ein solches Ereignis einfach nicht
mehr stattfinden kann. Es darf nicht sein, daß die Sowjetunion einerseits
Vorteile aus dem internationalen Zivilluftfahrtsystem zieht und andererseits
auch weiterhin eine Bedrohung seiner Integrität und Sicherheit darstellt.

Wenn es aber auch unvermeidlich ist, daß dieses Ereignis seine Kreise
ziehen wird, so ändert es doch nicht das Bild, das sich die Reagan-Administration von der Sowjetunion macht und das sich entsprechend in ihrer Politik

�ihrer Politik widerspiegelt.

Vor diesem Ereignis wurden wir deswegen kri-

tisiert, daß wir offen über den sowjetischen Mangel an Mäßigung sprachen,
über die sowjetische Weigerung, Normen des zivilisierten Verhaltens zu akzeptieren.

Wir hoffen, daß derartige Kritik jetzt nachlassen wird, daß man-

che Leute jetzt realistischer werden und daß nicht länger behauptet wird, wir
könnten nicht beides zugleich sein - freimütig hinsichtlich der sowjetischen
Bedrohung und ernsthaft hinsichtlich der Verhandlungen.
hin beides sein.

Wir müssen auch weiter-

Denn auch dieses Ereignis ändert nicht die grundlegende Tat-

sache, daß wir und die Sowjets auch weiterhin denselben kleinen Planeten Erde
bewohnen und daß wir aus der Notwendigkeit heraus weiterhin mit Moskau über
eine ganze Reihe von Fragen verhandeln müssen.
Vor dem Morgen des 1. September war etwas in Bewegung geraten,und wir
sahen Möglichkeiten für bedeutsame Ergebnisse.

Die letzte Sitzung der START-

Verhandlungen war bei weitem die produktivste,und es gab auch bei den Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen in Eun
(MBFR) eine gewisse Bewegung.
war gelöst.

Das langanstehende Problem der Pentecostalisten

Wir hatten Verhandlungen über ein Abkommen für einen neuen Kultur-

austausch sowie die Errichtung neuer Konsulate vorgeschlagen, und die Sowjets
hatten dies akzeptiert.

Wir sprachen über von den Vereinigten Staaten vorge-

schlagene vertrauensbildende Maßnahmen.

Die Vereinigten Staaten hatten ein

neues langfristiges Getreideabkommen unterzeichnet und das Madrider Schlußdokument abgeschlossen.

Aber der Flug der KAL 007 stand nicht auf unserer

Tagesordnung.
Wir haben beschlossen, die RüstungskontrollVerhandlungen fortzusetzen.
Botschafter Paul Nitze ist nach Genf zurückgekehrt, um sich weiter darum zu
bemühen, ein Abkommen über die Begrenzung der nuklearen Mittel Streckensysteme
zu erreichen, das ausgewogen und verifizierbar ist.

Wir tun dies nicht, um

den Sowjets einen Gefallen zu erweisen,sondern in unserem eigenen Interesse
und im Interesse aller Menschen dieser Welt, damit sichergestellt wird, daß
wir nicht alle durch Konfrontation, Fehlkalkulation oder Dummheit in einen
Abgrund gestoßen werden.

Wir versuchen das,und wir werden das weiterhin ver-

suchen, weil wir keine andere Wahl haben.
- 3 -

In anderen Bereichen, insbesondere

�Bereichen, insbesondere in jenen, bei denen es um normale bilaterale Fragen
geht, werden wir sicherlich kürzer treten.
Die Einstellung dieser Administration zu den Beziehungen zur UdSSR war
stets von nüchternem Realismus hinsichtlich der Natur und des Umfangs der
Herausforderung getragen, vor der wir stehen, sowie hinsichtlich der Schwierigkeit und der Dringlichkeit, sich ihr wirksam zu stellen, während wir
gleichzeitig sehen, daß unsere Sicherheit wie auch die Sicherheit der gesamten Menschheit es für uns erforderlich machen, auf ein stabileres und kooperativeres Verhältnis hinzuarbeiten.

Wir geben uns keinerlei Illusionen hin,

daß wir uns auf den sowjetischen guten Willen verlassen oder unser Vertrauen
in die sowjetischen Versprechungen hinsichtlich eines Wohl Verhaltens setzen
können.

Denn der böse Wille der Sowjets ist schon seit zu langer Zeit deut-

lich, und wir kennen nur zu genau die Liste der militärischen Expansionen
Moskaus und die Bedrohungen, die sie für unsere Interessen darstellen.
Infolgedessen haben wir immer wieder erklärt, daß wir die amerikanischsowjetischen Beziehungen aus einer Position der Stärke gestalten müssen. Für
Präsident Reagan ist es in Zusammenarbeit mit dem Kongreß eine der obersten
Prioritäten seiner Administration, Amerikas wirtschaftliche und militärische
Macht wiederherzustellen und Amerikas politisches Selbstvertrauen und politische Entschlossenheit wieder neu zu beleben. Unserer Meinung nach können
wir nur von einer solchen Grundlage der erneuerten Stärke aus hoffen, das
sowjetische Abenteurertum abzuschrecken und zu begrenzen und die Sowjets in
einen potentiell konstruktiven Dialog einzubeziehen - einen Dialog, der uns
zu ausgewogener, politischen Lösungen der anstehenden Probleme führen könnte.
Wir sind zutiefst an solchen Lösungen interessiert. Wir haben nie die
amerikanisch-sowjetische Konfrontation gesucht, und wir suchen sie auch heute
nicht. Ganz im Gegenteil, letzteres kann uns nur von der Erreichung der
Ziele abbringen, die wir letztlich in der Weltpolitik anstreben: Frieden,
wirtschaftlichen Fortschritt, nationale Unabhängigkeit und die Freiheit des
einzelnen. Eine stabile und friedliche Weltordnung macht es nicht notwendig,

�nicht notwendig, daß wir und die Sowjets hinsichtlich der philosophischen und
ethischen Prinzipien einer Meinung sind.

Sie macht lediglich notwendig, daß

Moskaus Verhalten sich einer Verantwortung unterwirft, die der Tatsache angemessen ist, daß wir diesen Planeten in einem Atomzeitalter gemeinsam bewohnen.

Wir wissen, daß viele der äußeren und inneren Faktoren, die das sowje-

tische. Verhalten beeinflussen, jenseits unserer Einflußnahme liegen. Aber
unsere Verpflichtungen gegenüber unserer eigenen Sicherheit und dem Frieden
und Wohlergehen unserer Freunde und Verbündeten macht es absolut notwendig,
daß wir Moskau keine Wahl lassen, außer zu einem Wettbewerb anzutreten, der
einen weniger zerstörerischen Charakter hat und ohne den rücksichtslosen und
aggressiven Einsatz von Gewalt vor sich geht.
Kurz: Wir sind bereit, legitime Sicherheitsinteressen der Sowjetunion
zu respektieren und sie als die Supermacht zu behandeln, die sie ist. Aber
wir können und werden nicht zu Moskaus Versuchen schweigen, die sowjetische
Sicherheit auf eine Weise zu definieren, die so grenzenlos, so selbstbezogen
und so zynisch ist, daß sie eine Gefahr für andere Länder darstellt - oder
eine Rechtfertigung für solch unverzeihliche Aktionen wie den Abschuß des
Flugzeugs KAL 007.
Bei der Gestaltung unserer Strategie gegenüber der Sowjetunion haben
wir die folgenden Ereignisse und Trends mit in unsere Rechnung einbezogen:
Erstens; die anhaltende militärische Aufrüstung der Sowjetunion auch
angesichts zunehmender wirtschaftlicher Schwierigkeiten.

Seit 15 Jahren

geben die Sowjets durchschnittlich etwa 13 - 14 Prozent ihres Bruttosozialproduktes für die Verteidigung aus. Währenddessen hat noch bis vor kurzem
der Anteil unseres Bruttosozialproduktes, der für Verteidigungsausgaben aufgewendet wurde, innerhalb des gleichen Zeitraums abgenommen.
Zweitens; die sowjetische Verwicklung, sei es direkt, sei es indirekt,
in Unruheherden der Dritten Welt war nicht hilfreich. Waffen sind bei der
Sowjetunion mehr als bei jedem anderen Land größter Bestandteil der Exporte.
Daneben hat sie zusammen mit örtlichen Stellvertretern in Teilen Afrikas,
- 5 -

�Teilen Afrikas, im Mittleren Osten, in Slidostasien und in Mittelamerika die
Rolle des Störers übernommen.
dringung

Am deutlichsten hat sie sich jedoch als Ein-

dadurch dargestellt, daß sie rund 100 000 Soldaten in dem Versuch

nach Afghanistan gesandt hat, dieses Land zu besetzen und zu kontrollieren.
Drittens; die Härte und der Zwang der sowjetisehen Kontrolle über ihre
osteuropäischen Nachbarn.

Seit dem Aufstieg der Gewerkschaftsbewegung

Solidarität wurden auf dramatische Weise sowohl Hoffnungen als auch Grenzen
deutlich, mit denen die Völker dieser unglücklichen Region leben müssen.

Wir

schieben jedoch die Schuld für Handlungen des Herrschers nicht auf die Beherrschten, und wir waren daher stets bemüht, gegenüber den Staaten Osteuropas eine
differenzierte Politik zu betreiben.
Viertens; die sowjetische Haltung hinsichtlich der Einhaltung von Verträgen und Abkommen.

Die Schlußakte von Helsinki und die Nachfolgekonferenz

von Madrid haben auf dramatische Weise den Gegensatz aufgezeigt zwischen den
sowjetischen Verpflichtungen einerseits und ihrer Menschenrechtspolitik
und Menschenrechtspraktiken andererseits.

Im Bereich der Rüstungskontrolle

sind wir in zunehmendem Maße besorgt darüber, daß die Sowjets zumindest den
Geist, womöglich auch den Buchstaben von Abkommen und Vereinbarungen,gebrochen
haben.

Solche Handlungsweisen zerstören die Grundlage für das internationale

Vertrauen und tragen auch zu der Erklärung bei, warum wir auf strikteren Maßnahmen der Verifizierbarkeit bei allen neuen Vereinbarungen bestehen müssen.
Unsere Strategie ist so entworfen, daß sie auf diese Herausforderungen
reagieren kann.

Unser Bestreben ging und geht dahin, für die folgenden Maß-

nahmen einen breiten nationalen Konsens zu finden:
- Erstens; Wiederherstellung des militärischen Gleichgewichts:

Hauptziel

unserer nationalen Sicherheit ist die Abschreckung vor einem Krieg. Die
Bewahrung und Wiederherstellung des strategischen Gleichgewichts ist
eine Voraussetzung für die Abschreckung. Aber dieses Gleichgewicht formt
zugleich Kontext und Perspektive, innerhalb derer unsere Außenpolitik in
der ganzen Welt betrieben wird.
- Zweitens; Stärkung
- 6 -

�- Zweitens; Stärkung unserer Bindungen zu unseren Verbündeten:

Unser

Dialog mit unseren NATO- und ANZUS-Verbündeten und Japan war zu keiner
Zeit lebhafter.

Wir sind uns gelegentlicher Meinungsunterschiede wohl

bewußt, und ich möchte ihre Bedeutung nicht herunterspielen.

Aber wir

müssen erkennen, daß die Stärke unseres Bündnissystems in der Stärke und
in dem Vertrauen eines jeden Beteiligten verwurzelt ist. Wir sind Partner aus freier Wahl, nicht aus Zwang, und das ist es, was unsere Verbündeten weit mehr als alles andere gegenüber jenen Moskaus auszeichnet.
- Drittens; standhafte und flexible Reaktion auf regionale Krisen:
Wir behaupten nicht, daß alle Krisen überall auf dieser Welt von Moskau
verursacht oder kontrolliert werden. Aber wir erkennen in allzu vielen
Fällen eine sowjetische Hand, die eher öl ins Feuer gießt, als sich um
Lösungen zu bemühen.
Ich brauche die Liste der derzeitigen Unruheherde nicht aufzuzählen,
aber ich kann sagen, daß die Vereinigten Staaten überall dort Versuche unternehmen, echten Frieden, Selbstbestimmung und Freiheit zu erreichen. Und in
allen diesen Bereichen ist die Sowjetunion in dem Versuch begriffen, militärische Mittel einzusetzen, um eine marxistisch-leninistische Diktatur herbeizuführen.
Wir sind bemüht, mit den Sowjets direkt einen ausgewogenen Dialog herbeizuführen, der vier grundlegende Komponente

beinhaltet: Menschenrechte,

Rüstungskontrolle, regionale Fragen und bilaterale Probleme.
Hinsichtlich der Menschenrechte sind wir ernsthaft darüber besorgt, daß
die Zahlen derjenigen, die aus der UdSSR ausreisen dürfen, auf ihren niedrigsten Stand seit den sechziger Jahren abgesunken sind und daß diese Beschränkungen zusammenfallen mit härteren Restriktionen gegenüber allen Formen der
Meinungsfreiheit im Inneren. Zusammen mit dem Anstieg eines offiziell tolerierten Antisemitismus spiegeln diese Entwicklungen eine Mißachtung der sowjetischen Behörden gegenüber den legitimen Menschenrechtsinteressen ihrer Bürger
wie auch gegenüber der Weltmeinung wider. Wir sind natürlich mehr an konkreten
- 7 -

�an konkreten Ergebnissen als an öffentlichen Erklärungen interessiert und
werden daher auch weiterhin auf Fortschritte in diesem Bereich drängen.
Was die Rüstungskontrolle anbelangt, so sind wir auch weiterhin ernsthaft an fairen Abkommen interessiert.

Die Verhandlungen über die Verringe-

rung der strategischen Systeme, der in Europa stationierten Raketen und der
konventionellen Streitkräfte in Mitteleuropa werden weitergeführt, und wir
hoffen, daß all diese Gespräche solide Ergebnisse zeitigen werden.

Ich bin,

offen gesagt, nicht optimistisch, was die nahe Zukunft anbelangt, aber ich
bin von der Notwendigkeit überzeugt, das Wettrüsten unter Kontrolle zu bringen und umzukehren.

Ich bin überzeugt, daß die von uns eingenommene Haltung

am ehesten dieses Ergebnis erbringen wird.
Hinsichtlich der regionalen Fragen sprechen wir mit den Sowjets über
Afghanistan und das südliche Afrika und über allgemeinere geopoütische
Fragen.

Ich bedaure, daß diese Gespräche, obgleich insgesamt gesehen nütz-

lich und informativ, seitens der Sowjets nicht die Maßnahmen hervorgebracht
haben, die zu einer kurzfristigen Lösung der Probleme beitragen könnten.
In bilateraler Hinsicht haben wir es geschafft, einen Dialog - wenn
auch in begrenztem Umfang - beizubehalten. Die Handelsbeziehungen haben
sich verbessert,und das kürzlich abgeschlossene Getreideabkommen wird sicherstellen, daß die amerikanischen Farmer in den kommenden Jahren ihren Anteil
am sowjetischen Getreidehandel bekommen werden. Leider müssen unsere Anstrengungen zur Ausweitung des offiziellen Austauschprogramms ausgesetzt werden,
aber es bleibt in unserem Interesse, unseren Zugang zur sowjetischen Gesellschaft zu erweitern und sowjetische Bürger mit der Wirklichkeit der amerikanischen Gesellschaft zu konfrontieren.
Der Abschuß des KAL-Flugzeuges und die sowjetische Behandlung des Falles
werfen einen Schatten über die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen.

Es be-

stehen keine ernsthaften Aussichten, daß sich das Verhältnis sehr bald verbessern wird.

Die sowjetische Reaktion zeigt bislang eine solch bemerkens-

werte Gefühllosigkeit, daß sie zu wirklichen Sorgen darüber Anlaß gibt, wie in
- 8 -

�wie in diesem geschlossenen System Entscheidungen getroffen werden und wie
die Politik formuliert wird.

Aber wir sind hinsichtlich unserer Fähigkeit

zuversichtlich, unsere Interessen zu verteidigen; hinsichtlich der Vernunft
des Kurses, den wir abgesteckt haben; und - was am wichtigsten ist - hinsichtlich der Unterstützung der klarsichtigen Politik Präsident Reagans durch
das amerikanische Volk.

Wir sind zuversichtlich, daß wir durch den standhaf-

ten Verfolg dieser Politik in der Lage sein werden, Moskau davon zu überzeugen, daß es auch in seinem besten Interesse liegt, größere Zurückhaltung zu
üben und verantwortlicher zu handeln, wie es im Einklang mit seiner militärischen
Macht stünde.
Lassen Sie mich in einem etwas philosophischeren und letztlich auch
hoffnungsvollen Ton schließen. Manche Leute im Westen reagierten zunächst
damit, daß sie diese Gewalttat der Sowjets als Ergebnis einer jahrhundertealten sowjetischen und russischen Paranoia und einer tiefverwurzelten Unsicherheit zu entschuldigen suchten. Aber - so der Historiker Isaiah Berlin mit dem Triumph über Napoleon "sah sich Rußland als eine Großmacht im Herzen
Europas, war sich seiner vernichtenden Stärke bewußt, dominierte die gesamte
Szene und wurde von den Europäern mit einem gewissen Schrecken und mit großer
Zurückhaltung nicht nur als ihresgleichen, sondern als ihnen durch die reine
Gewalt überlegen akzeptiert."
Dieser Angriff auf ein friedliches Flugzeug wurde eher durch Arroganz
und durch ungezügelte Macht verursacht als durch irgendwelche Schwäche.
Aber dann würde die gleiche Denkschule wohl auch argumentieren, daß dies eben
zu der Art der Russen gehöre - daß sie Barbaren und Sklaven seien und blieben.
Das ist ein Rezept für eine endlose Feindschaft zwischen unseren beiden Nationen und für permanente Hoffnungslosigkeit. Derlei weise ich mit Nachdruck
zurück.
Neue Generationen wachsen in der Sowjetunion heran, die erfüllt sind
vom Besten ihres geschichtlichen Erbes. Und aus ihrer Literatur des 19. Jahrhunderts lesen sie die Worte Alexander Herzens:
Augen öffnen, nicht sie ihm ausreißen."
- 9 -

"Man muß dem Menschen die

Und sie lesen Turgenjew:

"Meine Hin-

�"Meine Hingabe gilt Europa, oder, um es genauer zu sagen, der Zivilisation.'1
Keine Nation, die heute 10 000 politische Gefangene hat, besteht nur aus
Schafen.

Keine Nation, aus der Menschen wie Sacharow und Schtscharanski hervor-

gehen, kann für immer unter einer Diktatur gehalten werden.
Es muß langfristig unsere Hoffnung und Überzeugung sein, daß der Mut
des Volkes der Sowjetunion letztlich zu einem Regierungssystem führt, das
sich nicht auf Gewalt stützen muß, um sein eigenes Volk zu regieren oder in
der ganzen Welt die Herrschaft der Diktatur zu betreiben.

Das ist

vielleicht

der all erwichtigste Grund dafür, daß wir unsere Kontakte mit den Menschen in
der Sowjetunion aufrechterhalten müssen - durcf Rundfunksendungen oder unmittelbar.

Um die Gefahr eines Atomkrieges wirklich zu beseitigen, müssen

wir uns auf eine Welt

-ubewegen, die sich auf demokratische Regierungen grün^-

det, die ihrer Natur nach der Herrschaft des Rechts gehorchen.
•

• - &lt; • &gt;

-

. &lt;

+ + + + +

- 10 -

�21. September 1983

38

MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN IN NICARAGUA VOR US-KONGRESSAUSSCHUSS

WASHINGTON - (AD) - Mit den Menschenrechtsverletzungen in Nicaragua hat
sich dieser Tage ein Unterausschuß des amerikanischen Repräsentantenhauses
in einer Anhörung befaßt. Dabei kam insbesondere das Schicksal der Miskito-,
Sumo- und Rama-Indianer zu Sprache, deren Leben und Sicherheit durch das
sandinistische Regime bedroht seien, wie die Direktorin der Internationalen
Liga für Menschenrechte, Feiice Gaer, ausführte.
Danach wurden mehr als 14 000 Indianer durch das sandinistische Regime
zwangsumgesiedelt, Tausende flohen aus Nicaragua, und 39 Indianerdörfer wurden zerstört.

Die Menschenrechtsverletzungen in Nicaragua, so sagte die Di-

rektorin, drohten das Land in eine "lange, dunkle Nacht" zu stürzen, wie es
auch schon unter dem Somoza-Regime der Fall gewesen sei.
Ähnlich äußerten sich andere Zeugen, die vor dem Unterausschuß aussagten, darunter der Professor für Geschichte an der Georgetown-Universität,
Luis Aguilar, der Präsident des Rates für Interamerikanische Sicherheit, Lynn
Francis Bouchey, sowie die Exilnicaraguanerin, Adriana Guillen, die einst die
Sandinisten unterstützt hatte.
Frau Guillen,

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Frau Guillen, Gründerin

des amerikanisch-nicaraguanischen Ausschusses

für Menschenrechte, erklärte, die Sandinisten betrieben eine "systematische
Politik der Ausrottung" gegenüber den an der Atlantikküste des Landes lebenden Minderheitsgruppen.

Zu dieser Politik gehörten Verfolgung aus religiö-

sen Gründen, Enteignung, Folterung, Zwangsarbeit, Konzentrationslager und
Mord.

Aber auch gegenüber Nicaraguanern, die nicht zu Minderheitsgruppen

gehörten, käme es zu Verletzungen der Menschenrechte, sagte Frau Guillen
weiter, wobei sie auf die öffentliche Demütigung katholischer Priester sowie
auf die Ermordung des Leiters des Rates für Privatunternehmen (COSEP), Jorge
Salazar, verwies. Sie forderte den amerikanischen Kongreß auf, die antisandinistischen Kräfte in Nicaragua zu unterstützen und die "sandinistische
Tyrannei" zu verurteilen.

Dies wäre ein "unschätzbarer Dienst an der Entwick-

lung der Demokratie in Mittelamerika und der Sicherheit der westlichen Hemisphäre".
Der Präsident des Rates für Interamerikanische Sicherheit, Bouchey, sah
in der Flucht von Tausenden von Nicaraguanern nach Honduras den Beweis für
das Versagen des sandinistischen Regimes, das seine Versprechungen nicht eingehalten habe.

Er forderte den Unterausschuß auf, sich für eine Sondersit-

zung der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) einzusetzen, damit die
Sandinisten Rede und Antwort dafür stehen könnten, warum sie ihre der OAS gemachten Zusagen nicht eingehalten haben.
Am 4. und 5. Oktober will der Unterausschuß des Repräsentantenhauses
Anhörungen über die Menschenrechtssituation in Chile, Argentinien und Uruguay
durchführen.

Menschenrechtsgruppe kritisiert Sandinisten
Die Unterdrückung der Demokratie in Nicaragua durch die Sandinisten und
deren Mißachtung der Menschenrechte wurde auch auf einem Seminar der Menschenrechtsgruppe "Resistance International" (RI) in der venezolanischen Hauptstadt

�venezolanischen Hauptstadt Caracas kritisiert, an der auch das ehemalige
Mitglied der sandinistischen Junta und jetzige Führer der Demokratischen Revolutionären Allianz (ARDE), Alfonso Robelo, teilnahm.

Robelo sagte, die

jetzige Regierung von Nicaragua habe keinerlei Absicht, sich um irgendwelche
Abkommen zu bemühen.

Die Sandinisten hätten auch nicht an Zusammenkünften

teilgenommen, auf denen über Lösungen der bestehenden Probleme diskutiert
worden sei.

Robelo betonte, daß seine Organisation gezwungen worden sei,

zu den Waffen zu greifen, weil die Sandinisten zum Dialog nicht bereit seien.
Auf diesem Seminar wurde ebenfalls auf das schwere Schicksal der indianischen Bevölkerung Nicaraguas hingewiesen. Ein Führer der Miskito-Indianer,
Stedman Fagoth, sagte, daß gerade die indianische Bevölkerung des Landes unter
der Verfolgung der Sandinisten zu leiden habe. Allein 20 000 Indianer seien
nach Honduras geflohen und lebten dort in Flüchtlingslagern. Weitere 25 000
Indianer seien in Nicaragua in Konzentrationslager gesperrt worden.
Die Organisation "Resistance International" war im Mai vergangenen
Jahres von dem kubanischen Dichter Armando Valladares und dem sowjetischen
Dissidenten Wladimir Bukowsky in Paris ins Leben gerufen worden.

- 3 -

�21. September 1983

DEUTSCH-AMERIKANISCHE VORBILDER

Dies ist der fünfte von sechs Artikeln
über die Deutschen in Amerika, die wir
im Zusammenhang mit den Feierlichkeiten
anläßlich des 300. Jahrestages deutscher
Einwanderung in Amerika bis zum 6. Oktober veröffentlichen.

- (AD) - Die Geschichte der Deutschen in Amerika, die in drei Jahrhunderten dorthin auswanderten, ist mit einer Vielzahl großer Taten angefüllt,
die auf den unterschiedlichsten Gebieten vollbracht wurden. Jedoch hat keines
dieser deutsch-amerikanischen Vorbilder mehr Ruhm erlangt als jene, die ihre
Fähigkeiten, in vielen Fällen sogar ihr Leben, für den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg einsetzten. Die Namen vieler Deutsch-Amerikaner sind noch
heute in den amerikanischen Geschichtsbüchern zu finden.
Eine dieser großen Persönlichkeiten ist Friedrich Wilhelm von Steuben.
Geboren 1730 in Magdeburg, diente er 17 Jahre lang in der preussischen Armee
und schloß sich im Jahre 1778 der demoralisierten Kontinentalarmee George
Washingtons bei Valley Forge in Pennsylvanien an.

Bereits nach kurzer Zeit

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�kurzer Zeit wurde er zum Generalinspektor der Truppen ernannt und formte die
recht disziplinlose Armee innerhalb kurzer Zeit zu einer fähigen Kampftruppe
um.

Von Steubens Mitwirken im Kampf um die Unabhängigkeit Amerikas wird heute

mit einem Denkmal im Lafayette Park, gegenüber dem Weißen Haus, geehrt.

Vor-

bilder im Revolutionskrieg waren auch solche Deutsch-Amerikaner wie der in
Deutschland geborene Johann de Kalb, General der Kontinentalarmee, der 1780
auf dem Schlachtfeld umkam, und die nicht ganz so berühmte Mary Ludwig McCauley
- bekannt unter dem Namen "Molly Pitcher", deren Vater 1749 aus der Pfalz nach
Amerika gekommen war.

Molly Pitcher vollbrachte ihre Heldentat für die ameri-

kanische Revolution während der Schlacht von Monmouth am 28. Juni 1778: Während der Schlacht trug sie Wasserkübel zu den müden und durstigen Soldaten und
übernahm, nachdem Ihr Mann gefallen war, dessen Platz an der Kanone und trug
so zum Sieg der amerikanischen Truppen bei Monmouth bei.

Ihre Heldenhaftig-

keit ist noch heute auf dem Bronzerelief zum Gedenken an diese Schlacht zu
sehen.
Deutsch-amerikanisches Heldentum in der amerikanischen Armee gab es auch
während der nächsten Jahrhunderte, und die Leistungen von Deutsch-Amerikanern
wie die von General John J. Pershing (einem Nachfahren der Pfoerschins aus dem
Elsaß)

und General Dwight D. Eisenhower, dessen Vorfahren aus dem Odenwald

stammen, sind jedem Amerikaner bekannt.
Deutsch-Amerikaner sind aber auch auf anderen Gebieten zu Vorbildern geworden. Im Bereich des amerikanischen Sports ist George Hermann "Babe"Ruth,
Sohn deutscher Einwanderer, eine der populärsten Gestalten. 1895 in Baltimore
geboren, wurde Babe Ruth im Jahre 1914 Mitglied der obersten Baseball-Liga.
Bis zum Ende seiner Karriere im Jahr 1935 hatte er immer wieder neue Rekorde
aufgestellt und vollbrachte mit seinem Team, den New York Yankees, Höchstleistungen, die es in der Geschichte des amerikanischen Sports noch nie gegeben hatte. Sein Name "Babe Ruth" steht mehr als jeder andere für den Lieblingssport der Amerikaner.
Die größte

�Die größte deutsch-amerikanische Figur wurde jedoch durch einen deutschen Immigranten des 19. Jahrhunderts, Thomas Nast, unsterblich. Thomas
Nast, 1840 in Landau geboren, kam mit seiner Mutter 1864 nach New York. Nach
kurzer Tätigkeit als Journalist wurde Nast Mitarbeiter des amerikanischen Magazins Harper's Weekly und entwickelte sich zum ersten großen politischen
Karikaturisten Amerikas. Seine weitverbreiteten Zeichnungen über Themen,
die sich auf den amerikanischen Bürgerkrieg bezogen, veranlaßten Präsident
Lincoln zu dem Ausruf: "Thomas Nast ist unser bester Rekrutenanwerber gewesen." Es war jedoch eine Gestalt aus einem pfälzischen Geburtsort, die ihm
seinen Platz in der amerikanischen Geschichte sicherte. In einer Zeichenserie in Parper's Weekly bildete Nast den "fröhlichen alten Mann mit dem
weißen Bart" ab, wie er in seiner Werkstatt Spielzeug herstellt, sein Schlitten von Rentieren gezogen wird und wie er Geschenke in Strümpfe steckt, die
über dem Kamin hängen. Nasts Darstellung dieser Märchenfigur, Sankt Nikolaus
oder Santa Claus, basierte auf dem schelmischen Belzenickel seines Geburtsortes. Nasts Santa Claus, der 30 Jahre lang auf der Titelseite jeder Weihnachtsausgabe des Harper's Weekly erschien, nimmt noch immer in den Herzen
der Kinder auf der ganzen Welt einen besonderen Platz ein.

- 3 -

�Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

21. September 1983

KRANKE UMWELT - WELCHE THERAPIE?
Umfassendere praktische Gegenmaßnahmen und noch mehr Forschung vordringlich
Von G. Weiss

- (AD) - Wälder, Seen, Flüsse sind krank - ihr Zustand verschlechtert sich
rapide.

Von Wissenschaftlern des amerikanischen Amtes für Atmosphären- und Meeres-

forschung (NOAA) zusammengestellte "Morbiditätskarten" zeigen Westeuropa als
besonders stark befallene Region.

Die Hauptursachen sind höchstwahrscheinlich

sau er Regen und generell Schadstoffe in Luft, Wasser und Boden.

Wissenschaftlich

gesicherte Erkenntnisse über die Wirkungsmec^anismen, noch mehr aber die Beweisführung für Schädigungen durch bestimmte Verschmutzungsquellen, sind jedoch gegenüber der Ausweitung des Schadensbildes weit im Verzug.

Die Forschung hat es

einfach mit zu vielen und zu schwierigen Problemen und Problemkomplexen zu tun,
um jetzt definitive Aussagen zur Krankheit und zu einer sicheren Therapie machen
zu können.
Andererseits ist es verständlich, daß die Appelle aus der Öffentlichkeit immer
dringender werden, für weitrechende Gegenmaßnahmen nicht auf die Forschungsergebnisse zu warten, sondern sofort zu handeln. Studien zum Problem des sauren Regens
sind seit Jahren im Gang. In den USA wurden allein im Monat Juni 1983 vier neue

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�vier neue Berichte abgeschlossen.

Und kürzlich erklärte Fitzgugh

Green, Beigeordneter Administrator des amerikanischen Bundesamtes für
Umweltschutz (EPA) auf der Tagung einer Körperschaft der Vereinten Nationen in Genf, "die Reagan-Administration ist mehr denn je entschlossen,
das Problem in den Griff zu bekommen".
Es war die erste Sitzung des Exekutivkomitees für die Konvention
über weiträumige grenzüberschreitende Luftverschmutzung.

Nach dieser im

März 1983 in Kraft getretenen Konvention "entwickeln die beteiligten Länder politische Maßnahmen und Strategien zur Bekämpfung der Freisetzung von
Luftschadstoffen mit der besten verfügbaren Technologie".

Die Konvention

wurde im Rahmen der ECE (regionale Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa) ausgearbeitet, der 34 Staaten, einschließlich USA,
Kanada und Sowjetunion, angehören.
Saurer Regen, ein wohlbekanntes Beispiel für grenzüberschreitende
Luftverschmutzung, ist in erster Linie eine Folge der vom Menschen verursachten Übermäßigen Emission von Schwefeldioxid in die Atmosphäre. Er
führt, wie allgemein angenommen wird, dazu, daß Fische verenden, Wälder
geschädigt und Ernteerträge beeinträchtigt werden, daß Eisen- und Stahlbauteile korrodieren und Marmor zerstört wird. Die ECE veranschlagt den
durch sauren Regen jährlich angerichteten Schaden auf zwei bis zehn Dollar
pro Einwohner.
Das auf fünf Jahre ausgelegte Forschungsprogramm der amerikanischen
Regierung, ein 100-Millionen-Dollar-Projekt, sei jetzt erheblich ausgeweitet worden, erklärte Green, um "die Verbindung zwischen den vom Menschen
verursachten Verschmutzungsquellen und den Auswirkungen von saurem Niederschlag auf Land und Gewässer in Nordamerika präziser zu definieren". Für
das Etatjahr 1984 wurde das "Nationale Programm zur Bewertung von saurem
Niederschlag" (National Acid Precipitation Assessment Program), unter dem
12 Regierungsbehörden zusammenarbeiten, mit 27,6 Millionen Dollar ausgestattet - gegenüber 18,3 Millionen im Haushaltsjahr 1982 und 22,3 Millionen Dollar im Jahr 1983.
Der erste

�Der erste Jahresbericht des "Nationalen Forschungsprogramms" wurde Anfang Juni 1983 veröffentlicht.

Hauptergebnis: Durch menschliche Aktivitäten

freigesetzte Schadstoffe tragen "wahrscheinlich am meisten zu saurem Regen
im Nordosten Amerikas bei". Jedoch seien die gegenwärtigen Daten und verfügbaren Methoden nicht ausreichend, um einen direkten Zusammenhang zwischen
Schadstoffemission und saurem Regen im regionalen Maßstab oder unter wechseln
den Bedingungen zu quantifizieren".
Wenige Wochen später kam ein Übersichtsbericht einer vom Wissenschaftsberater Präsident Reagans berufenen Kommission.

Diese empfahl sofortiges

Handeln, um zu "bedeutsamen Verringerungen des Einbringens
bindungen in die Atmosphäre zu kommen".

von Schwefel Ver-

Es solle mit jenen Schriten begonnen

werden, die zur Reduzierung des Gesamtniederschlags am kosteneffektivsten
seien.
"Kosteneffektivität" ist ohnehin ein Schlüsselwort im Zusammenhang
mit Schutzmaßnahmen, die umfassender und wirksamer sein sollen als jene,
welche jetzt angewendet werden. Investitionen in Höhe von gut 200 Milliarden
Dollar wären nach Ansicht mancher Fachleute allein in den USA erforderlich,
um mit den gegenwärtig vorhandenen und in Kürze absehbaren technischen Möglichkeiten Immissionen (Umweltschäden), wie sie bisher bekannt geworden sind
und womöglich in anderer Form noch auftreten werden, zu stoppen. Der Hauptanteil der finanziellen Belastung entfiele naturgemäß auf die Industrie aber ist diese angesichts der weltweit angespannten Wirtschaftslage und des
harten Kampfes gerade der am meisten betroffenen Industriezweige überhaupt
fähig, noch mehr zu verkraften?
Jedenfalls müßten die Verursacher von Schadstoffbelastungen auch von
sich aus das Problem energisch anpacken und nach Wegen suchen, um zumindest
in Teilbereichen Abhilfe zu schaffen.

Von politischer Seite können vorläu-

fig nur einige Schwerpunkte gesetzt werden.

Einer der jüngsten Gesetzesvor-

schläge von Abgeordneten des amerikanischen Kongresses forderte, daß die 50
Betriebe, die den größten Schadstoffausstoß haben, bis 1990 SchwefeldioxidFilteranlagen einbauen müssen, daß die Bundesstaaten bis 1995 die Schwefel - 3 -

�die Schwefeldioxid-Emissionen um 10 Millionen Tonnen zu reduzieren hätten,
wobei in jedem Staat die Verringerungsquote einen bestimmten Anteil der gegenwärtigen Emission ausmache, und daß für die Stickstoffoxid-Emissionen
neuer Kraftwerke und Lastwagen ab 1995 sehr viel strengere Bestimmungen gelten sollen.
Das Edison Electric Institute, ein Verband der Kraftwerksindustrie, nahm
Stellung und veröffentlichte ebenfalls im Juni Erhebungen von 24 Versorgungsunternehmen.

Sie hätten zu dem Schluß geführt, so hieß es, daß sich in einigen

Teilen der Vereinigten Staaten die Stromrechnungen um bis zu 50 Prozent verteuern könnten, wenn die vorgeschlagenen Änderungen des Gesetzes zur Luftreinhaltung Rechtskraft erlangten,

Sachverständige unter den Mitgliedern des ame-

rikanischen Kongresses halten diese Angaben jedoch für stark übertrieben.

Saurer Regen der Schwefeldioxid-Emission etwa proportional?
Mit der Frage, wie Verschmutzungsquellen zum sauren Regen beitragen,
hatte sich ein Komitee des Nationalen Forschungsrates unter der Leitung von
Jack Calvert ("National Center for Atmospheric Research" in Boulder, Colorado)
in mehrjährigen Untersuchungen befaßt. Es kam zu dem Schluß, daß das Auftreten sauren Regens im östlichen Nordamerika anscheinend der durchschnittlichen
jährlichen Emission von Schwefeldioxid aus Kraftwerken, Industriebetrieben
und anderen Quellen in dieser Region etwa proportional ist. Jedoch seien
wissenschaftliche Modelle, die die Bewegung säurebildender Emissionen über
weite Strecken beschreiben, noch nicht präzise genug, um die Auswirkungen
von Maßnahmen zur Eindämmung der Emissionen zu analysieren,
Vielmehr könnten gegenwärtige Modelle nur zu den Auswirkungen einer Verringerung von Schwefeldioxid-Emissionen aus allen Quellen im östlichen Nordamerika um den gleichen Anteil etwas aussagen. Eine solche einheitliche Reduzierung werde, so wurde erklärt, wahrscheinlich eine Verringerung des sauren
Regens um einen ähnlich großen Prozentsatz in der gesamten Region bewirken.
Jedoch könnten die Modelle nicht vorhersagen, ob verringerte Emissionen nur
- 4 -

�Emissionen nur in bestimmten Gebieten, beispielsweise im Mittelwesten, zu
einer ähnlichen Verringerung an saurem Regen für die dafür besonders empfindlichen Seen und Flußlä'ufe im Nordosten der Vereinigten Staaten oder im südöstlichen Kanada führen werde.
Der Begriff "saurer Regen" umfasse ja in Wirklichkeit Regen, Schnee,
Nebel oder Trockenpartikel, die säurebildende Verbindungen wie Sulfate oder
Nitrate enthalten. Die Auswirkungen bestimmter Quellen für "sauren Niederschlag" - so der wissenschaftliche Begriff - an entfernter Stelle könne man
aber erst quantifizieren, wenn mehr darüber bekannt sei, wie Wetter, geographische Gegebenheiten und andere Faktoren die Bewegung von Schadstoffen
in der Atmosphäre beeinflussen. Der Ausschuß gründete seine Schlußfolgerungen auf Vergleiche von Emissionsmengen an Schwefeldioxid und Stickstoffoxiden mit Daten über die Konzentrationen von abgesetzten Sulfaten und Nitraten, auf Laboruntersuchungen zur Atmosphärenchemie und auf theoretische Berechnungen. Ein besonderer Schwerpunkt war die Beziehung zwischen SchwefeldioxidEmissionen und Sulfaten, weil diese Verbindungen zum größten Teil für den
sauren Charakter von Niederschlägen verantwortlich sind, und weil über die Beziehung zwischen dem Ausstoß an Stickstoffoxiden und Bildung von Nitraten
weniger bekannt ist.
"Relativ zuverlässige" Langzeitdaten über sauren Regen in Nordamerika
gibt es nur vom Hubbard Brook-Waldgebiet in New Hampshire. Seit 18 Jahren
werden dort wöchentlich Proben gesammelt, um daraus Art des Niederschlags,
der trockenen Partikel und Gase zu bestimmen. Die Analysenergebnisse deuten
darauf hin, so sagt der Bericht, daß Veränderungen in der Konzentration von
Sulfaten und Nitraten Veränderungen der Emissionsmengen von Schwefeldioxid
und Stickstoffoxiden sowohl in der unmittelbaren Umgebung als auch in weit
entfernten Gebieten der Vereinigten Staaten widerspiegeln, aus denen bei entsprechender Windrichtung Luftmassen heranströmen. Diese und andere sorgfältig ermittelten Daten zeigen u.a., daß über Entfernungen bis zu 1000 km
"Schadstoffe gründlich durchmischt" und durchschnittliche jährliche Emissionen
und ihren Niederschlag im großen Ganzen einander entsprechen. Es sei "unwahrscheinlich", daß eine Verringerung von Schwefeldioxidemissionen nicht eine
- 5 -

�nicht eine ähnliche Verringerung an Sulfaten und schließlich von saurem
Regen zur Folge hätte.

Vorschläge für die Forschung
Mit einer detaillierten wissenschaftlichen Erklärung der Mechanismen,
wie Verschmutzungsquellen sich auf spezifische "sensitive" Niederschlagsräume auswirken, ist wohl erst in Jahren zu rechnen.

Dennoch dürften dem

Bericht zufolge Feldstudien genügend zuverlässige Informationen zur Verbesserung der kürzerfristigen Maßnahmen gegen sauren Niederschlag in Nordamerika liefern.

Der Ausschuß empfahl u.a.

- Feldstudien zur Ermittlung der Mengen von Sulfaten und Nitraten, die
unter verschiedenen meteorologischen Bedingungen in Wolken gebildet
werden, und die Untersuchung von Faktoren, die möglicherweise solche
Mengen begrenzen;
- Entwicklung und Anwendung von Verfahren, um den Trockenniederschlag
von Schwefeldioxid und Stickstoffoxiden zu messen;
- Weiterentwicklung von Methoden der Spurenanalyse zum Auffinden einzelner Verschmutzungsquellen, d.h. Vergleich der spezifischen Kombination
von Spurenelementen in Emissionen mit ähnlichen Kombinationen von Elementen, die im suaren Regen gebunden werden.
Ein nach vier Jahren Forschung im Adirondack-Gebirge (Bundesstaat New
York) im Mai 1983 veröffentlichter Bericht des "Electric Power Research Institute" (Verband der Elektrizitätswirtschaft) zeigte weitere Aspekte dafür
auf, wie komplex die Auswirkungen von saurem Regen sind. Von drei nur 30 km
auseinanderliegenden Seen in diesem Waldgebirge ist z.B. der Woods Lake auffallend "sauer", während der Sagamore Lake in der Azidität stark schwankt
und der Panther Lake bisher neutral geblieben ist. Mit der Frage nach dem

- 6 -

�nach dem "Warum" befaßten sich 30 bekannte Wissenschaftler aus verschiedenen
naturwissenschaftlichen Gebieten, von der Geologie bis zur Biologie.
Sie fanden u,a., daß die Tiefe und Beschaffenheit des Erdbodens und der
Weg. dem Wasser entsprechend den geologischen Gegebenheiten beim Abfließen
folgt, großen Einfluß auf die Empfindlichkeit eines Sees gegenüber saurem
Regen haben.

Da tiefe mineralhaltige Böden saure Lösungen neutralisieren

können, nehmen Seen, die von solchen Böden umgeben sind, weniger leicht sauren
Charakter an.

Beispielsweise ist der Erdboden urn den neutralen Panther Lake

im Durschnitt achtmal tiefer als um den sauren Woods Lake. Dessen Zuflüsse
fließen größtenteils direkt von der Oberfläche ab oder passieren nur die obersten,
schon von Natur aus sauren organischen Bodenschichten.

Dagegen wird, wie im

Fall des Panther Lake, das in die tieferen Schichten von Sand und Kies einsikkernde Wasser neutralisiert,

So spiele also die Frage, wieviel des Oberflächen-

wassers eines Sees letztlich von Wasser kommt, das Sedimente passiert hat, und
wieviel aus direktem Abfluß und direktem Niederschlag, eine ganz wichtige
Rolle,
Nicht weniger bedeutsam seien, wie der Bericht sagt, Wechselwirkungen
von Regen und Schnee mit der Bewaldung.

So werden beispielsweise Wasser-

tröpfchen, die einen Nadelbaum passieren, gewöhnlich saurer.

Dagegen scheinen

Laubbäume den Säuregrad aufgenommener Wassertropfen zu verringern.

Wie ein

Angehöriger der Arbeitsgruppe, Nicolas L. Clesceri vom Rensselaer Polytechnic
Institute, herausfand, sammeln die Nadeln etwa einer Fichte oder Kiefer sehr
viel wirksamer Partikel und Gase als die Blätter eines Ahorn- oder Eichenbaumes.

Niederschlag bedeute somit Erhöhung der Säurekonzentration unter

dem Nadelbaum.

Aber es gebe noch keine Gewißheit darüber, wieviel biolo-

gische Prozesse, u.a. die nach Baumart und Wasserazidität sehr unterschiedliche Zersetzung von Laub und Nadeln im Wasser, zur Zusammensetzung des Gewässers beitragen.

Bedeutsame Ergebnisse dürften erst nach einer umfassende-

ren Auswertung aller Daten der Studie in vier oder fünf Jahren zu erwarten sein.

+ + + + +

- 7 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Scharfe Verurteilung des Flugzeugabschusses durch US-Kongress&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Reagan begrüßt Resolution -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ostpolitik mit klarem Kopf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von US-Staatssekretär Lawrence S. Eagleburger -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Menschenrechtsverletzungen in Nicaragua vor US-Kongressausschuss&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Deutsch-amerikanische Vorbilder&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kranke Umwelt - welche Therapie?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Umfassendere praktische Gegenmaßnahmen und noch mehr Forschung vordringlich -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von G. Weiss&lt;/em&gt;</text>
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nrormocion
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

14. September 1983

37

INHALT

DOKUMENTATION
Reagan ordnet Schließung der AEROFLOT-Büros in den USA an
- Erklärung des Weißen Hauses Rede des US-Außenministers vor der KSZE-Folgekonferenz in Madrid
- Wortlaut Shultz: Antwort Gromykos völlig unannehmbar
- Erklärung nach dem Treffen in Madrid Kirkpatrick: Flugzeugtragödie Auswuchs der "Herrschaft der Gewalt"
- Rede der US-Chefdelegierten bei den Vereinten Nationen vor dem
Sicherheitsrat HINTERGRUNDMATERIAL
Die Hilfe der Vereinigten Staaten für Mittelamerika
- Vergleich von Wirtschafts- und Sicherheitshilfe Deutsches Genie in Amerika
- Am 14. August 1901 gelang einem deutsch-stämmigen Amerikaner der erste
hiotorisierte Flug in der Luftfahrtgeschichte WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Smog schmälert Ernteertrag
- Simulation in Klimakammern -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 IH W28-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

37

14. September 1983

REAGAN ORDNET SCHLIESSUNG DER AEROFLOT-BÜROS IN DEN USA AN
- Erklärung des Weißen Hauses -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat als Antwort auf den brutalen
sowjetischen Angriff auf eine südkoreanische Passagiermaschine, bei dem 269 Menschen
ums Leben kamen, angeordnet, daß die Büros der sowjetischen Luftlinie Aeroflot ab
dem 15. September 1983 geschlossen werden müssen.

Der Sprecher des Weißen Hauses,

Larry Speakes, verlas dazu am 8. September folgende Erklärung vor der Presse:
Als Antwort auf den brut'Jen und nicht provöz-'erten sowjetischen Angriff auf
eine koreanische Linienmaschine des Fluges 007 am "1. September 1983 hat der
Präsident die Aufsichtsbehörde für die Zivilluftfahrt (Civil Aeronautics Board)
angewiesen, nachhaltige Maßnahmen gegen die sowjetische Luftlinie Aeroflot zu
unternehmen.

In einem Schreiben von heute morgen an den Leiter der Behörde, Dan

McKinnon, hat der Präsident ersucht, folgende Maßnahmen zu ergreifen:
1. Das Recht der Aeroflot auszusetzen, Flugscheine in den Vereinigten Staaten
zu verkaufen;
2. amerikanischen Fluggesellschaften zu verbieten, in den Vereinigten Staaten
Flugscheine für Flüge mit der Aeroflot zu verkaufen;
3. zu unterbinden, daß amerikanische Fluggesellschaften Flugverkehr von,
nach oder innerhalb der Vereinigten Staaten durchführen, wenn der Flugschein auf

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Flugschein auf die Aeroflot ausgestellt ist;
4. amerikanische Fluggesellschaften anzuweisen, alle Zwischen!iniendienstvereinbarungen mit Aeroflot auszusetzen;
5. amerikanischen Fluggesellschaften zu verbieten, von der Aeroflot ausgestellte Flugscheine für Flugreisen von, nach oder innerhalb der Vereinigten
Staaten anzunehmen.
Der Präsident hat ferner die Aussetzung der Aeroflot-Flüge von und nach den
Vereinigten Staaten bekräftigt, die seit dem 5. Januar 1983 gilt.

Die anstehende

Entscheidung der Behörde würde die Aeroflot daran hindern, ihre Dienstleistungen
durch amerikanische Fluggesellschaften oder ihre amerikanischen Vertreter anzubieten.
Der Präsident ersucht alle amerikanischen Fluggesellschaften und Reisebüros,
sich an den Geist und den Buchstaben dieser Maßnahmen zu halten.
Die Dauer dieser Maßnahmen auf dem Bereich der Zivilluftfahrt wird in ihrer
Bemessung zum Teil davon abhängen, in welchem Maße die UdSSR ihre Bereitschaft
zeigt, wesentliche Normen der Zivilluftfahrt zu respektieren, eine volle Darstellung des Abschusses des Zivilflugzeuges gibt und eine Entschuldigung und einen
Schadensersatz für die Betroffenen anbietet.
Im Zuge einer weiteren Maßnahme hat der amtierende amerikanische Außenminister,
Lawrence S. Eagleburger, auf Anweisung des Präsidenten den sowjetischen Botschafter
Dobrynin heute davon in Kenntnis gesetzt, daß die sowjetische Fluglinie Aeroflot
ab 15. September ihre Büros in den Vereinigten Staaten schließen muß. Die Bediensteten von Aeroflot müssen bis zu diesem Zeitpunkt die Vereinigten Staaten
verlassen haben.
Die Vereinigten Staaten werden mit den Mitgliedern der internationalen Gemeinschaft weiter in ihren Bemühungen zusammenarbeiten, die Sicherheit des Luftverkehrs
zu fördern und zu verhindern, daß solche sowjetische Aktionen erneut geschehen.
+ + + + +

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

14. September 1983

37

REDE DES US-AUSSENMINISTERS VOR DER KSZE-FOLGEKONFERENZ IN MADRID
- Wortlaut -

MADRID - (AD) - Der amerikanische Außenminister George Shultz hat auf der
Abschlußsitzung der KSZE-Folgekonferenz in Madrid am 9. September 1983 hervorgehoben, daß der Abschuß einer koreanischen Passagiermaschine durch die Sowjets
ein Beispiel für die Mißachtung der Prinzipien der Schlußakte von Helsinki sei.
Der durch die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) in
Gang gesetzte Prozeß müsse jedoch trotz aller offenen Verletzungen durch den
Ostblock weitergehen.
Die Rede von Außenminister Shultz hat folgenden Wortlaut:
Spanien, unser Gastland, hat einen erfolgreichen - und begeisternden - Wandel
zur Demokratie durchgemacht. Dieser Erfolg erinnert uns durch sein Beispiel, daßdas
Licht der Freiheit niemals ausgelöscht werden kann und daß die Hoffnung auf Menschenwürde in allen Menschen ruht. Darum geht es bei dem Helsinki-Prozeß. Das
ist der Grund, warum die Vereinigten Staaten die Absicht haben, für eine Fortsetzung des Prozesses zu sorgen - gestärkt durch das, was hier in Madrid erreicht
worden ist.
Wir kommen aber auch in einer Zeit zusammen, in der diese Rechte weiterhin
in großem Umfang verweigert werden, und in unmittelbarem Gefolge einer brutalen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�einer brutalen Tragödie, die für das Gewissen der Menschheit schockierend ist.
Das Massaker an der koreanischen Linienmaschine erinnert uns alle an das Ausmaß,
in dem die Ziele des KSZE-Prozesses noch erreicht werden müssen.

Unsere Konferenz

hier muß einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zu diesen universalen Zielen darstellen.
Der Helsinki-Prozeß wurde vor zehn Jahren mit großen Hoffnungen ins Leben
gerufen.

Er wurde aus einem, wie es damals schien, ermutigenden Augenblick in

den Ost-West-Beziehungen geboren: Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
hatten gerade die ersten Abkommen über eine Begrenzung der strategischen Rüstungen
erreicht.
arbeit.

Es eröffneten sich neue Ausblicke auf eine wirtschaftliche ZusammenAuf dem Gebiet der Menschenrechte schienen Fortschritte möglich.

Es

herrschte ein Bewußtsein, daß ein dauerhafter Frieden von uns verlangte, die
Gesamtheit unserer Beziehungen ins Auge zu fassen.

Und so war Helsinki ein Versuch,

umfassend die Probleme der Sicherheit, der wirtschaftlichen Beziehungen, der
Kontakte zwischen unseren Völkern, ihrer Grundfreiheiten und der Normen des internationalen Verhaltens in den Griff zu bekommen.
Die Schlußakte von Helsinki ist ein beredtes Dokument der Hoffnungen und
Erwartungen, das die Vereinigten Staaten gerne unterzeichnet haben, weil wir hinter
jedem seiner Prinzipien stehen:
- Sie bekräftigt die fundamentalsten Menschenrechte: Gedankenfreiheit,
Gewissensfreiheit und Glaubensfreiheit, die Ausübung der bürgerlichen und politischen Rechte, die Rechte von Minderheiten.
- Sie fordert einen freieren Fluß von Informationen, Ideen und Menschen,
größere Betätigungsmöglichkeiten für die Presse, Kultur- und Bildungsaustausch,
Familienzusammenführung, das Recht zu reisen und Angehörige anderer Staaten zu
heiraten, Schutz des kostbaren Erbes unserer verschiedenen Kulturen.
- Und sie bekräftigt die Grundprinzipien der Beziehungen unter Staaten:

�unter Staaten: Nichteinmischung, souveräne Gleichheit, Selbstbestimmung, territoriale Integrität und die Unverletzlichkeit der Grenzen anderer außer durch
friedliche Änderungen.
Die Vereinigten Staaten waren hinsichtlich des Helsinki-Prozesses immer
realistisch.

Wir haben nicht erwartet, daß er alle schwierigen Sicherheitsfragen,

vor denen wir in einer Aera des ideologischen Konflikts und des militärischen
Wettstreits stehen, lösen würde.

''ir wußten von Anfang an, daß manche Leute

ihn benutzen würden, um die Spaltung des Kontinents zu vertiefen und die Beherrschung Osteuropas durch die Sowjetunion zu stärken - trotz der klaren Bekräftigung
der Freiheit, der politischen Unabhängigkeit, Souveränität, Selbstbestimmung und
Nichteinmischung in der Schlußakte.
Als nun die Staats- und Regierungschefs 1975 in Helsinki zusammenkamen, um
die erste Konferenz abzuschließen und die Schlußakte zu unterzeichnen, nahmen die
Vereinigten Staaten den Standpunkt ein, daß die Hoffnung durch Realismus auf das
richtige Maß gebracht und durch Taten untermauert werden müsse. Präsident Ford
hat das damals gut ausgedrückt:
"Die Geschichte wird diese Konferenz nicht nach dem beurteilen, was wir heute
hier sagen, sondern nach dem, was wir morgen tun - nicht nach den Versprechungen,
die wir machen, sondern nach den Versprechen, die wir halten".
Wenn wir an die Erfahrungen der letzten acht Jahre denken, dann müssen wir
enttäuscht sein - aber wir können nicht überrascht sein, daß wir in den Jahren seither viele Rückschläge in unseren Bemühungen erlebt haben, die Sicherheit zu stärken,
Zusammenarbeit auszuweiten, gegenseitiges Vertrauen aufzubauen und die Menschenrechte zu schützen.
Die Tatsachen sprechen für sich selbst:
- Es gibt im Osten Regierungen, die ihre Verpflichtungen gegenüber den Menschenrechten im Rahmen der Schlußakte von Anfang an offen mißachtet haben. Die Helsinki-

- 3 -

�Die Helsinki-Gruppen, die Bürger gründeten, um das Verhalten ihrer Regierung
bezüglich der Einhaltung zu beobachten, wurden systematisch unterdrückt.
wanderung, die zunächst stieg, ist dramatisch zurückgegangen.
einer immer brutaleren Behandlung ausgesetzt.

Die Aus-

Dissidenten wurden

Und mutige Männer und Frauen, die

ihre Menschenrechte geltend zu machen wagten - oder für Frieden und Rüstungskontrolle demonstrierten - schmachten in Gefängnissen oder Nervenheilanstalten.

Und

ebenso begann die Sowjetunion zwei Jahre nach der Unterzeichnung des Dokuments, das
eine Verpflichtung zum Streben nach Frieden enthält, mit der Aufstellung von nuklearen Mittelstreckenraketen des Typs SS-20 mit Mehrfachgefechtsköpfen, die auf die
Völker Europas und Asiens gerichtet sind, das Gleichgewicht der Kräfte gefährden
und ein gewaltiges Sicherheitsproblem schaffen.
Sechs Jahre nach Unterzeichnung eines Dokuments, das eine Verpflichtung zur
Souveränität, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung enthält, zwang die Sowjetunion
die Polen zur Unterdrückung einer freien Gewerkschaftsbewegung, deren einziges
Verbrechen darin bestand, daß sie die Rechte der Arbeiter in einem Staat ernst
nahm, der vorgibt ein Arbeiterstaat zu sein.
- Und erst in jüngster Zeit, erst wenige Tage, nachdem hier ein neues Dokument
mit noch viel stärkeren Verpflichtungen als in der Schlußakte angenommen wurde,
hat die Sowjetunion in grausamer Weise das Leben von 269 unschuldigen Menschen an
Bord eines wehrlosen Zivilflugzeuges vernichtet, und von diesem Rednerpult aus
hat der sowjetische Außenminister in schamloser Weise darauf beharrt, daß die
Sowjetunion so etwas wieder tun würde, und damit seine gefühllose Mißachtung des
menschlichen Lebens bewiesen.
Diese flagranten Akte sowjetischer Mißachtung des Geistes und des Buchstabens
der Schlußakte von Helsinki haben die eigentliche Herausforderung dieser Folgekonferenz in Madrid dargestellt. Indem wir diese Herausforderung annahmen und
darauf bestanden, dem Prozeß ein Element der Berechenbarkeit zu verleihen, hat
Madrid dazu gedient, die Schlußakte davor zu retten, geschichtlich bedeutungslos
zu werden.
Betrachten wir

- 4 -

�Betrachten wir einmal die Ideale von Helsinki, wie sie sich zu den Realitäten
von heute verhalten.
Auf dem Gebiet der Sicherheit streben wir und unsere Verbündeten danach, die
europäische Sicherheit auf niedrigstmöglicher Ebene der Bewaffnung zu fördern.
Wir treiben alle laufenden Verhandlungen energisch voran.

Wir begrüßen die neu

angesetzte Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung.
ist.

Wir wissen, daß das Wesen der Sicherheit die beiderseitige Sicherheit

Leider definiert die Sowjetunion, wie das Schicksal des koreanischen Fluges 007

wieder einmal gezeigt hat, ihre Sicherheit in einer so absoluten, egozentrischen
und zynischen Weise, daß dies eine Gefahr für alle anderen Länder darstellt.
Die auf Westeuropa und Asien gerichteten SS-20-Raketen stellen die Gefahr für
uns alle in dramatischer Weise dar. Diese Raketen bedrohen das internationale
Vertrauen und die internationale Stabilität. Sie sind Teil eines stetigen und
anhaltenden Strebens der Sowjets nach globaler militärischer Macht, die weit über
alle vorstellbaren Verteidigungserfordernisse hinausgeht. Ihre Dislozierung
begann 1977. Am 2. November 1977 erklärte der sowjetische Parteichef Leonid
Breschnew, nachdem etwa ein Dutzend dieser Waffen disloziert waren: Wir wollen
das derzeit herrschende annähernde Gleichgewicht zwischen Ost und West in Mitteleuropa oder zwischen der UdSSR und den Vereinigten Staaten nicht stören. Ob man
sich über den genauen Stand des militärischen Kräfteverhältnisses zu jenem Zeitpunkt einig ist oder nicht, es entsteht doch die natürliche Frage, warum die
Sowjetunion nicht nachgelassen hat, seit 1977 in fieberhaftem Tempo immer mehr
SS-20 zu dislozieren bis zum heutigen Stand von über 350 Trägerwaffen mit über
1050 Gefechtsköpfen. Nachdem es damals also mit etwa einem Dutzend Waffen Gleichgewicht gab, so kann man nur schwer leugnen, daß es heute ein Ungleichgewicht
geben muß, um das man sich zu kümmern hat.
Dieses Gleichgewicht wird vom Atlantischen Bündnis wiederhergestellt werden,
wenn es nicht zu einem ausgewogenen, verifizierbaren Abkommen zu ihrer Begrenzung
kommt.

Die sowjetische Antwort hierauf war leider bislang weniger echte Verhandlung

- 5 -

�echte Verhandlung als vielmehr einseitige Drohung.

Die demokratischen Staaten

werden solchen Drohungen widerstehen, die die Atmosphäre vergiften und unvereinbar
sind mit einem wirklichen Verfolg von Sicherheit und Zusammenarbeit.

Wenn es bis

Ende dieses Jahres zu keinem Abkommen kommt, sind wir unsererseits bereit, den
Versuch weiter fortzuführen, zu einem Abkommen mit der Sowjetunion zu gelangen sogar dann, wenn die Ausgleichsdislozierungen der NATO schon begonnen haben.
Zusätzlich zur Störung des militärischen Gleichgewichts schlugen die Sowjetunion und ihre Verbündeten - unmittelbar nach der Schlußakte von Helsinki - einen
Kurs der geopolitischen Aggression in Afrika, im Mittleren Osten und in Südostasien
ein.

Kubanische Armeen intervenierten unter sowjetischer Leitung in Angola,

Äthiopien und im Südjemen, vietnamesische Armeen fielen in Kamputschea ein, wobei
sie zu Pionieren in der Technologie des chemischen und toxischen Krieges gegen
Zivilisten wurden, und die sowjetische Armee begann ihre Invasion Afghanistans.
Die Vereinigten Staaten sind sich voll der Tatsache bewußt, daß die Schlußakte die enge Verbindung zwischen Frieden und Sicherheit in Europa und in der
Welt insgesamt unterstreicht. Wir werden mit denjenigen zusammenarbeiten, die sich
um friedliche Lösungen regionaler Konflikte bemühen - Lösungen, die in Einklang
stehen mit den Wünschen und den Interessen der betroffenen Völker in Südost- und
Südwestasien, im südlichen Afrika sowie in Mittelamerika und der Karibik.
Wir unterstützen jene Bestimmung der Schlußakte, die die wirtschaftlichen
Beziehungen als einen wesentlichen Sektor der Zusammenarbeit behandelt. Aber
Zusammenarbeit auf diesem Gebiet - so sagt die Schlußakte - sollte stattfinden in
voller Achtung der Grundsätze, die die Beziehungen zwischen den Teilnehmerstaaten
leiten. Das stetige Anwachsen des Ost-West-Handels, das ein Merkmal der frühen
siebziger Jahre war, hat sich verlangsamt und nach unten ausgeglichen. Die geopoli tischen Entwicklungen, von denen ich gerade gesprochen habe, haben zu diesem
Rückgang beigetragen. Zum Teil ist dies jedoch auch ein Ergebnis der Ölkrise
und der Rezession der Weltwirtschaft wie auch der strukturellen Unzulänglichkeiten
der zentralen Planwirtschaft des Ostens.
Es liegt
- 6 -

�Es liegt Ironie darin, daß ein System, das den Anspruch erhebt, die Prinzipien
der einzig wirklich wissenschaftlichen Wirtschaftstheorie der Welt exemplarisch
in die Tat umzusetzen, auf die Nachahmung westlicher Methoden zurückgreifen muß im Westen Gelder borgen muß, Nahrungsmittel und Technologie im Westen kaufen muß -,
um weitermachen zu können.

Dennoch hoffen wir auch weiterhin, daß Handel mit

nichtstrategischen Gütern, zu soliden kommerziellen Bedingungen, zumindest einen
gewissen Beitrag zu konstruktiven Ost-West-Beziehungen leisten kann.
Wenn man auf die entscheidende Frage der Menschenrechte zu sprechen kommt,
so geht es doch vor allem darum, daß sie nicht einfach nur ein separater Korb von
Themenkreisen sind, sondern ein integraler Bestandteil des gesamten Problems der
Sicherheit und Zusammenarbeit. Wie die Schlußakte formuliert, ist die Achtung vor
den Menschenrechten und den Grundfreiheiten ein entscheidender Faktor für den
Frieden, die Gerechtigkeit und das Wohlergehen und notwendig, um die Entwicklung
freundschaftlicher Beziehungen und der Zusammenarbeit sicherzustellen.
Hier sind wir bei der zentralen Frage angelangt. Was ist der wirkliche Grund
dafür, daß Fortschritt beim Helsinki-Prozeß ein so schwieriges Anliegen ist?
Wovon hängen die Sicherheit und die Zusammenarbeit in Europa denn grundsätzlich
ab? Und welche sind die wirklichen, grundlegenden Hindernisse für Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa?
Es reduziert sich alles auf die Frage: Warum ist Europa geteilt?
Wir alle kennen die Antwort.

Europa wurde mit Gewalt geteilt - und es bleibt

durch Gewalt geteilt - die Gewalt eines Systems, das aus seinen Prinzipien und
seiner Praxis heraus sich gegen den freien Austausch von Menschen und Gedanken
stellt.

Es ist dies ein System, das eine Mauer baute, um die Gedanken draußen

und die Menschen drinnen zu halten.

Es ist ein System, das ausländische Radio-

sendungen vielleicht noch mehr als Raketen fürchtet.
Aber die Erfahrung zeigt, daß keine Mauer hoch genug ist, kein Störsender
stark genug ist, um Ideen abzuhalten oder die Hoffnungen von Männern und Frauen
- 7 -

�und Frauen zu unterdrücken, die sich nach Freiheit sehnen.

Die Teilung Europas

ist auch heute - wie sie dies immer war - unnatürlich und unmenschlich.

Daher

ist der Versuch, Europa durch rohe Gewalt geteilt zu halten, unvermeidlich eine
Quelle der Instabilität.

Es kann so lange keine dauerhafte Sicherheit und

Zusammenarbeit in Europa geben, wie eine Regierung Angst vor ihrem eigenen Volk
hat und dadurch Sicherheit sucht, daß sie ihrem eigenen Volk - und ihren

Nachbarn -

ein System der Gewalt auferlegt.
Es wird immer wieder Helden geben, die uns dies nicht vergessen lassen und
die ihren selbsternannten Herren keine Ruhe geben werden: polnische Arbeiter,
tschechoslovakische Intellektuelle, ostdeutsche Kirchenvertreter und Friedensdemonstranten, sowjetische Dissidenten aller Glaubensrichtungen und aus allen
gesellschaftlichen Schichten, die ihr Leben und ihren Lebensunterhalt für die
Sache der Freiheit riskieren.

Die Sowjetunion würde im Geist von Helsinki eine

ganze Menge Vertrauen gewinnen, wenn sie es einigen dieser Helden, die die Sowjetunion verlassen wollen, erlauben würde, dies auch zu tun.

Das Recht auf Emigration

ist ein Grundprinzip, das auch in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte
anerkannt wird.

Hoffen wir bei Beginn des Neujahrs der Juden, daß dieses kommende

Jahr größere Fortschritte im Hinblick auf ungehindertere Auswanderung erlebt.
Aber wir sorgen uns nicht nur für jene, die gehen wollen, sondern auch für jene,
die bleiben.

Ihre Lebensbedingungen sind ein wichtiges Barometer für die wahren

Bedingungen von Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa.
Im tiefsten Sinn stellt der Helsinki-Prozeß einen historischen Versuch dar,
die grausame Teilung zwischen Ost und West in Europa abzubauen. Es ist ein Bemühen,
das fortdauern muß, weil es die grundlegensten Interessen, die tiefsten Überzeugungen und die größten Hoffnungen aller Menschen in Europa umfaßt. Obgleich diese
Konferenz nun zu einem Ende kommt, dauert unser Bemühen um die Menschenrechte an,
und wir werden auch weiterhin dieses Anliegen in jedem angemessenen Forum vorbringen. Wir werden auch weiterhin die Wahrheit sagen. Der Kampf um die Menschenrechte ist nicht aufzuhalten, und er bleibt eine Priorität der amerikanischen
Außenpolitik.
Während der

�Während der letzten Stunden dieser Madrider Folgekonferenz möchte ich der
fähigen Führung unseres Delegationsleiters, Botschafter Max Kampelman, meinen
Tribut zollen. Wenn er vor dieser Versammlung sprach, sprach er für ein geeintes
Land - für ein amerikanisches Volk, das geeint ist in seiner Unterstützung für
den Frieden und geeint in seiner Verpflichtung gegenüber der Menschenwürde. Und
er trug dazu bei, Einigkeit unter den Demokratien des Westens zu schaffen, ohne
die sogar der bescheidenste Fortschritt, den wir erzielt haben, nicht möglich
gewesen wäre.
Nach fast drei Jahren der geduldigen Verhandlungen liegt vor uns ein Dokument,
das - wenn es Zustimmung findet - auf der Schlußakte des Jahres 1975 aufbauen und
diese verbessern wird. Es bringt wichtige neue Verpflichtungen hinsichtlich der
Menschenrechte, der gewerkschaftlichen Freiheiten, der Religionsfreiheit, der
Zusammenführung von Familien, des freien Informationsflusses und der Maßnahmen
gegen den Terrorismus. Bedeutsam ist, daß es auch Folgetreffen in den Bereichen
der Menschenrechte und der Sicherheit vorsieht.
Ein Menschenrechtstreffen ist 1985 in Ottawa geplant, ein Treffen über menschliche Kontakte für Anfang 1986 in Bern und eine umfassende Überprüfungskonferenz
in Wien Ende 1986. Wir hoffen, daß die Sowjetunion endlich die Bedenken beachten
wird, die immer wieder von vielen von uns in Madrid zum Ausdruck gebracht wurden,
und auf diese Bedenken eingeht.
Eine Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung
wird Anfang 1984 in Stockholm stattfinden. Die Vereinigten Staaten werden ernsthaft
verhandeln, um ein Abkommen über militärisch bedeutsame, politisch verbindliche
und verifizierbare Maßnahmen zu erreichen, das für ganz Europa seine Anwendung
findet. Wir sehen zugleich erwartungsvoll einem Expertentreffen über die friedliche Regelung von Streitigkeiten entgegen, das für 1984 in Athen geplant ist.
Die Anwesenheit einer distinguierten Kongreßdelegation unterstreicht die Bedeutung, die mein Land dem Helsinki-Prozeß und dem Streben nach Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa beimißt.

Wir fordern die Sowjetunion auf, einen ernsthaften
- 9 -

�einen ernsthaften Dialog über die ganze Bandbreite der anstehenden Probleme zu
führen mit dem Ziel, diese Probleme zu lösen und die Spannungen zu verringern.
Was uns anbelangt, so werden wir auch weiterhin in gutem Glauben verhandeln und
werden alle Vorschläge in Erwägung ziehen, die unserem grundlegenden Ziel gerecht
werden, echte Sicherheit und Zusammenarbeit zu erhöhen.
Als nüchterne Realisten sind wir bereit - und müssen dies sein - zu weiterem
und of mühsamem Wettstreit.

Aber wir glauben auch, daß dieser Wettst eit auf eine

Weise geführt werden kann - und muß -, der Raum für praktische Abkommen läßt, die
das Gespenst eines größeren Konfliktes zurückdrängen.
die beiderseitige Verantwortung.

Im Atomzeitalter ist dies

Und es ist die heilige Verpflichtung meiner

Regierung.
Präsident Reagan umriß dies am 15. Juli so:
"Wir werden in unserer anhaltenden Entschlossenheit nicht nachlassen, mit
allen Regierungen und Völkern zusammenzuarbeiten, deren Ziel die Stärkung des
Friedens in Freiheit ist. Wie Madrid gezeigt hat, kann der Dialog - wenn er sich
auf realistische Erwartungen stützt und mit Geduld geführt wird - Resultate
zeitigen. Solche Resultate können oft nur allmählic1 und mit Anstrengungen
erreicht werden, aber sie sind die notwendigen Bausteine für eine sicherere
und stabiliere Welt".

+ + + + +

�d

1111 J

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

14. September 1983

37

SHULTZ. ANTWORT GROMYKOS VÖLLIG UNANNEHMBAR
- Erklärung nach dem Treffen in Madrid -

MADRID - (AD) - Nach den Worten des amerikanischen Außenministers George
Shultz war die Antwort des sowjetischen Außenministers Gromyko zum Abschuß der
koreanischen Verkehrsmaschine "völlig unannehmbar". Der amerikanische Außenminister gab diese Erklärung am 8. September 1983 ab, nachdem er am Rande der
KSZE-Folgekonferenz in Madrid mit dem sowjetischen Außenminister zusammengetroffen
war. Die Unterredung dauerte mehr als zwei Stunden.
Die Erklärung des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Die unprovozierte Vernichtung eines schutzlosen, unbewaffneten koreanischen
Verkehrsflugzeuges hat uns die grundlegende Thematik dieser Konferenz in höchst
schmerzlicher Weise vor Augen geführt. Bei dieser Madrider Konferenz ging es um
den fundamentalen Zusammenhang zwischen Menschenrechten und Sicherheit. Diese
brutale sowjetische Handlung hat allen das Fehlen eines jeglichen Interesses an den
betroffenen Menschenleben seitens der Sowjetunion deutlich gemacht. Und die absurde
Erklärung, die die Sowjets einer Welt, die dies einfach nicht glauben kann, angeboten haben und immer noch anbieten, hat das Problem nur noch kompliziert.
In seiner

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�In seiner gestrigen formellen Erklärung vor der Konferenz hat Außenminister
Gromyko die Dinge dann sogar noch verschlimmert, indem er behauptete, sein Land
habe das Recht, so etwas noch einmal zu tun. Meine Feststellungen während unserer
Unterredung heute nachmittag konzentrierten sich natürlich auf die Menschenrechte
und insbesondere auf das Recht der Menschen in aller Welt, für ihr Leben und für
ihre Sicherheit auf Flugreisen Rücksicht und Achtung erwarten zu können.
Die Antwort, die Außenminister Gromyko mir heute gab, war sogar noch unbefriedigender als die gestrige öffentliche Antwort vor der KSZE-Konferenz.

Ich

finde sie völlig unannehmbar.
Dies ist nicht das Ende der Angelegenheit.

Und in den vor uns liegenden Tagen

und Wochen werden die Vereinigten Staaten zusammen mit anderen überall in der
Völkergemeinschaft mit allem Nachdruck auf Gerechtigkeit gegenüber den Familien
der Ermordeten und auf Sicherheit für unschuldige Reisende pochen.

•

.

+ + + + +
*
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,
'

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••

:
:

.
:

2 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

14. September 1983

37

KIRKPATRICK: FLUGZEUGTRAGÖDIE AUSWUCHS DER "HERRSCHAFT DER GEWALT"
- Rede der US-Chefdelegierten bei den Vereinten Nationen
vor dem Sicherheitsrat -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Die amerikanische Chefdelegierte bei
den Vereinten Nationen, Botschafterin Jeane Kirkpatrick, erklärte am 6. September
1983 auf einer Sitzung dos Weltsicherheitsrites in New York, die Wurzel der
Tragödie des Abschusses eines südkoreanischen Passagierflugzeuges durch die
Sowjets liege in der "Herrschaft der Gewalt" in der UdSSR.

Botschafterin

Kirkpatrick hob hervor, daß die Sowjets mit den Abschuß der Maschine, bei dem
269 unschuldige Menschen starben, alle Normen des internationalen Luftverkehrs
verletzt und dazu noch gelogen hätten.
Die Ansprache der amerikanischen Chefdelegierten hat folgenden Wortlaut:
Fast die ganze Welt außerhalb der Sowjetunion weiß heute von dem koreanischen Flug 007 zwischen New York und Seoul mit 269 Personen an Bord, der vom
Kurs abkam und in sowjetischen Luftraun geriet, mit Hilfe von Radar verfolgt
wurde, von einer sowjetischen Militärmaschine des Typs SU-15 ins Visier genommen
wurde, deren Pilot kaltblutig und nach eingehender Rücksprache zwei Luft-LuftRaketen abfeuerte, die das Flugzeug zerstörten und damit offensichtlich den
269 Passagieren und Besatzungsmitgliec-

den Tod brachten.
Dieser wohlüberlegte

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Dieser wohlüberlegte Angriff auf ein ziviles Linienflugzeug - unbewaffnet
und ohne Verteidigung, wie Zivilflugzeuge das immer sind - hat die Welt schockiert.
Nur das sowjetische Volk hat noch immer nichts von diesem Angriff auf KAL-007
und dem Tod der Menschen an Bord gehört, weil die sowjetische Regierung nicht
zugegeben hat, auf das koreanische Linienflugzeug geschossen zu haben. Ja, es
dauerte bis zum 5„ September, daß sowjetische Regierungsvertreter einräumten, daß
Flug KAL-007 in den eisigen Gewässern verschwunden sei.
Die sowjetische Regierung hat zu dem Flugzeugzwischenfall nicht geschwiegen,
sondern sie hat einfach gelogen.
Am 1. September teilte Außenminister Gromyko mit, daß "ein nicht identifiziertes Flugzeug aus Richtung Pazifischer Ozean kommend über der Halbinsel
Kamtschatka in den Luftraum der Sowjetunion eingedrungen ist und ein zweites Mal
den sowjetischen Luftraum über der Insel Sachalin verletzt hat. Das Flugzeug
hat keine Navigationslichter gesetzt, hat auf Anfragen nicht geantwortet und ist
nicht in Verbindung mit dem Funküberwachungsdienst getreten,
Kampfflugzeuge der Luftverteidigung, die gegen das eindringende Flugzeug
ausgesandt wurden, versuchten, dem Flugzeug zu helfen, den nächsten Flugplatz
anzufliegen. Aber das eindringende Flugzeug reagierte nicht auf die Signale und
Warnungen der sowjetischen Kampfflugzeuge und setzte seinen Flug in Richtung
Japanische See fort",
Am nächsten Tag, am 2. September, wiederholte TASS die Beschuldigung Gromykos,
daß der sowjetische Luftraum durch ein "nicht identifizierbares Flugzeug" grob
verletzt worden sei, das "unter Verletzung internationaler Bestimmungen ...
ohne Navigationslichter geflogen" sei. Auch TASS berichtete von Bemühungen,
"mit Hilfe allgemein akzeptierter Signale Verbindung mit dem Flugzeug aufzunehmen
und es zum nächsten Flugplatz auf sowjetischem Territorium zu eskortieren. Ober der

�über der Insel Sachalin feuerte ein sowjetisches Flugzeug Warnschüsse mit Leuchtspurmunition längs des Flugkurses der Maschine ab.

Kurz darauf verließ das ein-

dringende Flugzeug den Bereich des sowjetischen Luftraums und setzte seinen Flug
in Richtung Japanische See fort.

Etwa zehn Minuten lang befand es sich im

Beobachtungsbereich der Funkortung und wurde nachher nicht mehr gesehen..."
Gestern, als der sowjetische General Romanow schließlich zugab, daß das
koreanische Flugzeug abgestürzt sei und "zahlreiche" Menschen umgekommen seien,
versicherte er: "Das Düsenflugzeug flog ohne Lichter..."
Das ist die Version von TASS, aber wir brauchen uns nicht zu fragen, was
wirklich mit dem Flugzeug geschah oder wann es geschah oder was sowjetische
RegierungsVertreter über sein Schicksal wußten. Wir wissen es, weil wir wissen,
was die sowjetischen Piloten, die das koreanische Linienflugzeug über Sachalin
abfingen, während der 50 Minuten in der Zeit von 1756 bis 1846 (GMT) am 31. August
ihren Bodenstationen sagten, als sie das koreanische Flugzeug verfolgten, über es
sprachen und es schließlich mit seinen 269 Passagieren vernichteten.
Die amerikanische Regierung hat sich in Zusammenarbeit mit der japanischen
Regierung entschlossen, diesem Rat hier und der Welt die Beweise vorzulegen. Sie
sind auf Video-Band gespeichert, das ich abspielen werde. Auf diesem Band werden
Sie die Stimmen der Piloten der sowjetischen Abfangjäger vernehmen - zu denen
drei SU-15 (Flagon) und eine MIG-23 (Flogger) gehörten - einschließlich der Stimme
des SU-15-Piloten, der auf den Knopf drückte, durch den die Raketen ausgelöst
wurden, die das koreanische Flugzeug auf dem Flug KAL-007 vernichteten.
Es ist zwar zu erkennen, daß die Piloten Befehle der Bodenkontroll stelle
bestätigten, die Befehle sind jedoch nicht hörbar. Was ich Ihnen jetzt vorspiele,
ist das aufgenommene Band des tatsächlichen Luft-Boden-Sprechverkehrs; natürlich
in russischer Sprache. Auf den Bildschirmen werden sie gleichzeitig die original
russische Mitschrift und die englische Übersetzung sehen; über Ihre Kopfhörer
werden sie eine Übersetzung dieser Stimmen in alle Amtsprachen der Vereinten
Nationen vernehmen.
Unmittelbar nach

�Unmittelbar nach meiner Darstellung wird die russisch-englische Mitschrift
allen jenen zur Verfügung stehen, die sie gerne lesen möchten.

Am Ende dieser

Sitzung des Sicherheitsrates wird jeder interessierten Botschaft eine Tonbandkassette ausgehändigt werden, auf denen die Stimmen noch klarer zu verstehen sind.
Aus diesem Band wurde nichts herausgeschnitten.

Die Aufnahmen wurden durch

ein Aufnahmegerät vorgenommen, das sich automatisch einschaltet, sobald gesprochen
wird, und deshalb sind nur die Zeiträume aufgezeichnet, in denen Sprechverkehr
stattfand.
(An dieser Stelle wurde das Band abgespielt)
Die Mitschrift, die wir gerade gehört haben, bedarf keiner weiteren Erläuterung.

Sie hat ganz einfach bewiesen, daß die Sowjets beschlossen, dieses Zivil-

flugzeug abzuschießen, es abschössen, 269 Menschen an Bord ermordeten und noch
dazu logen.
Was der Pilot im Cockpit sagte, macht mehrere entscheidende Punkte deutlich.
- Der Abfangjäger, der KAL-007 abschoß, hatte das Linienflugzeug 20 Minuten
lang in Sicht, ehe er seine Raketen abfeuerte.
- Im Gegensatz zu den wiederholten Behauptungen der Sowjets hat der Pilot des
Abfangjägers gesehen, daß die Navigationslichter des Linienflugzeuges brannten
und hat das seiner Bodenstelle dreimal mitgeteilt.
- Im Gegensatz zu sowjetischen Erklärungen erwähnt der Pilot nichts über das
Abfeuern von Warnschüssen, sondern nur den Abschuß der Raketen, die, wie er sagte,
das "Ziel" trafen.
- Im Gegensatz zu sowjetischen Erklärungen gibt es keinerlei Hinweise, daß
der Pilot des Abfangjägers irgendwelche Versuche unternommen hat, mit dem Flugzeug
in Verbindung zu treten oder es in Übereinstimmung mit der anerkannten internationalen

�anerkannten internationalen Praxis zur Landung aufzufordern.

Die sowjetischen

Abfangjäger sind wahrscheinlich technisch gar nicht in der Lage, Funkverbindung
mit einem Zivilflugzeug aufzunehmen, weil man befürchtet, das könnte ein überlaufen
sowjetischer Piloten erleichtern.
Die vielleicht schockierendste Tatsache, die aus der Mitschrift hervorgeht

ist die

daß die Piloten zu keinem Zeitpunkt die Frage der Identität des

"Ziei"-Flugzeuges anschneiden und daß die Piloten der Abfangjäger zu keinem
Zeitpunkt von etwas anderem sprechen als von dem "Ziel".

Das Einzige, was sich

auf die Identität des Flugzeuges bezog, war eine Mitteilung des Piloten des
angreifenden Abfangjägers, daß "das Ziel nichtauf IFF reagiert».

Das bedeutet,

daß das Flugzeug nicht auf die elektronische Abfragung reagierte, mit deren
Hilfe Militärflugzeuge Freund oder Feind identifizieren (IFF).

Aber die korea-

nische Linienmaschine konnte natürlich nicht auf IFF reagieren, denn Zivilflugzeuge sind nicht entsprechend ausgerüstet.

Wir wissen, daß der Abfangjäger,

der KAL-007 abschoß, hinter, neben und vor der Linienmaschine flog und sich dabei
bis auf mindestens zwei Kilometer näherte, bevor er sich wieder hinter das Flugzeug setzte und seine Raketen abfeuerte.

Bei einem Abstand von zwei Kilometern -

und unter den zu dieser Zeit herrschenden Bedingungen - war es leicht möglich,
pin Passagierflugzeug vom Typ 747 zu identifizieren.
nicht

Entweder wußten die Sowjets

daß das koreanische Flugzeug ein Verkehrsflugzeug war, auf das sie schössen,

oder er wußte nicht, daß sein "Ziel" ein ziviles Passagierflugzeug war.
Im letzteren Fall feuerten sie ihre tödlichen Geschosse ohne zu wissen oder
sich darüber Gedanken zu machen, was getroffen werden würde. Man hätte sich
jedoch leicht dem Flugzeug bis auf eine bestimmte Zahl von Metern nähern können,
um sich dessen Identität zu versichern; doch dies geschah nicht. So oder so
zeigt sich eine erschreckende Mißachtung menschlichen Lebens und internationaler
Normen.
In den Tagen nach der Vernichtung von KAL-007 erklärten die sowjetische

- 5 -

�die sowjetische Führung und die sowjetische Presse, sie verstünden die Aufregung
nicht, die deswegen entstanden sei. Sie begannen, den Vereinigten Staaten zu
unterstellen, ein "Geschrei" um nichts zu machen; danach beschuldigten sie uns
einer "Provokation" und unterstellten damit - auch wenn sie es nicht ganz so
ausdrückten -, wir hätten sie dazu provoziert, ein Flugzeug abzuschießen, das
sich in ihren Luftraum verirrt hatte, dazu provoziert, Maßstäbe und Verhaltensweisen zu verletzen, die internationale Geltung haben,.
Ihren Worten zufolge war das Abkommen eines Flugzeuges von seinem Kurs
praktisch ein Verbrechen, das mit dem Tod zu bestrafen war. Sie erklären, daß
"(sie) - wie in jedem Staat, der Selbstachtung hat - nichts weiter tun als auf
(ihre) Souveränität zu achten, die zu verletzen (sie) niemandem erlauben werden".
(So in der Nachrichtensendung im Inlandsprogramm einer Moskauer Fernsehstation,
vom 4. September 1983).
Die Sowjets erklärten - noch immer, ohne zuzugeben, daß sie das koreanische
Flugzeug abschössen - , daß "unsere Luftabwehr ihre Pflicht zur Verteidigung der
Sicherheit unseres Vaterlandes erfüllt hat". Sie erklärten, daß sie vielleicht
das koreanische Flugzeug für ein amerikanisches Aufklärungsflugzeug gehalten
hätten, gaben aber immer noch nicht zu. daß sie es angegriffen und zerstört hatten.
Aber keine dieser Lügen, dieser Halbwahrheiten und Entschuldigungen kann der
Prüfung standhalten. Das Abkommen eines Flugzeuges von seinem Kurs wird von
zivilisierten Staaten nicht als ein Kapitalverbrechen betrachtet. Und kein Staat
hat das souveräne Recht, einen Menschen zu erschießen, der in Friedenszeiten versehentlich über seine Grenzen gerät - und das gilt auch für Flugzeuge. Es gibt
international anerkannte Regeln, unwillkommene Flugzeuge abzufangen. Dabei sind
ernsthafte Bemühungen zur Identifizierung, Verifizierung, und Warnung gefordert.
Wenn es sich um einen ernsten Fall handelt, so gibt es Regeln, den Eindringling
zu stellen und ihn zur Landung oder zum Verlassen des eigenen Luftraums zu zwingen.
Die Souveränität erfordert und erlaubt es nicht, in Friedenszeiten Flugzeuge abzuschießen.
Zuletzt haben

�Zuletzt haben die Sowjets unterstellt, Flug KAL-007 könnte für ein amerikanisches Aufklärungsflugzeug gehalten worden sein. Aber auch das überzeugt
nicht.

Die koreanische Boeing 747 befand sich auf einem planmäßigen Routineflug.

Zur Zeit ihres Abschusses war das amerikanische Aufklärungsflugzeug, auf das sich
die Sowjets bezogen, bereits seit über einer Stunde gelandet - und das 2400 Kilometer weit weg.
Zudem unternehmen die Vereinigten Staaten keine Aufklärungsflüge im sowjetischen Luftraum.

Wir haben regelmäßig Flugzeuge im internationalen Luftraum,

um die sowjetische Einhaltung von SALT und anderen Rüstungskontrollabkommen zu
überwachen.

Die Sowjets kennen die Regeln dieser Flüge und können solche

Missionen leicht identifizieren.
Schließlich machen weder die Vereinigten Staaten noch alle anderen Staaten,
die über die Ermordung von 269 Passagieren des Flugzeugs KAL-007 erregt sind,
ein Gezeter, noch übertreiben sie die Bedeutung der Ereignisse. Wir protestieren
gegen sehr bedeutsame Verletzungen der Normen zivilisierten Verhaltens, auf
denen sich die internationale Luftfahrt gründet und ohne die es nicht möglich
wäre, daß wir uns in Flugzeuge setzen, über Kontinente und Ozeane fliegen, frei
von der Angst, Ziel eines mörderischen Angriffs zu werden.
In einem Maß, das wir uns kaum vorstellen können, hängt die internationale
Luftfahrt von einem Netzwerk gegenseitigen Vertrauens ab, daß wir nicht gegenseitig Flugzeuge abschießen, sie entführen, oder Passagiere und Besatzung einsperren oder vergiften.
Warum hat die Sowjetunion diese Normen verletzt - und warum hat sie deswegen
gelogen? Meistens werden zwei Gründe genannt, um zu erklären, warum der sowjetische Pilot das Flugzeug abschoß. Der eine ist, daß es ein Irrtum war - der
Irrtum eines schießfreudigen Piloten, der zusammen mit seiner Bodenstelle der
Einstellung folgte: Erst schießen, dann identifizieren.
Aber wenn

�Aber wenn der Irrtum des Piloten für diesen tragischen Fehler verantwortlich
war: Warum hat die sowjetische Regierung das nicht gesagt?

Warum hat sie gelogen

und warum verbindet sie den mörderischen Angriff auf KAL-007 mit einem lügnerischen Angriff auf die Vereinigten Staaten wegen angeblicher Provokation und
Aggression?
Als ich mich

mit dieser Frage beschäftigte, erinnerte ich mich an eine

Debatte, die in diesem Sicherheitsrat vor 21 Jahren stattfand, als mein Vorgänger,
Adlai Stevenson, die Aufmerksamkeit des Rates auf die "unmißverständliche Beweislage" lenkte, daß in der westlichen Hemisphäre eine Reihe von Anlagen zum Abschuß
offensiver Atomraketen installiert wurden.
Der sowjetische Vertreter Sorin wies diese Behauptung entrüstet zurück und
verband, wie dies sowjetische Vertreter oft tun, sein lügnerisches Abstreiten
mit einer bösartigen Attacke auf die Vereinigten Staaten.

Die Tatsache, daß wir

die Aufmerksamkeit auf ein bedrohliches sowjetisches Verhalten lenkten, so Sorin,
verschleiere nur die eigene

Aggression und Piraterie der Vereinigten Staaten.

Aber auch Adlai Stevenson hatte die Beweise, um seine Behauptungen zu belegen genauso unwiderleglich wie die Aufzeichnungen,die wir heute haben.
Tatsache ist, daß Gewalt und Lügen reguläre Instrumente der sowjetischen
Politik sind. Sowjetische Regierungsvertreter verhalten sich immer wieder so,
als wäre die Wahrheit lediglich eine Funktion von Gewalt und Wollen, als wäre
die Wahrheit nur so, wie sie es darstellen, als wäre die Gewalt ein Instrument,
auf das man in außenpolitischen Angelegenheiten zuerst zurückgreift. Die Sowjets
besetzen Afghanistan und beschuldigen die Vereinigten Staaten der Einmischung in
innere Angelegenheiten eines anderen Landes. Sie schaffen mit ihren SS-20 eine
massive neue Verwundbarkeit in Europa und beschuldigen die NATO des Versuchs,
das Gleichgewicht der Kräfte zu stören.
Wir sehen die Dinge anders. Wir glauben, daß die Wahrheit für Zusammenarbeit und Frieden zwischen Ländern genauso lebenswichtig ist wie zwischen
Menschen. Es ist deprimierend, ernsthaft unsere globalen Aussichten zu erwägen,
- 8 -

�zu erwägen, wenn sie sich auf Beziehungen stützen müssen, bei denen es keine
Wahrheit und kein Vertrauen gibt.

Es ist deprimierend, sich eine Welt vorzu-

stellen, in der ein großes Land, ausgerüstet mit den mächtigsten modernen Waffen,
glaubt, es habe ein souveränes Recht, auf ein Linienflugzeug zu feuern, das sich
auf sein Territorium verirrt hat. Diese sowjetischen Handlungen und Ansprüche
werfen ein Licht auf die sowjetische Konzeption von angemessenen Beziehungen
zwischen Staaten in Friedenszeiten.

Sie werfen ein Licht auf die Welt, in der

wir leben, arbeiten und Politik treiben.
Einige Kenner der Szene glauben, daß die Zerstörung der Verkehrsmaschine
nicht das Werk eines einzelnen Bösewichtes ist, den Menschenleben nicht interessieren, sondern daß der Abschuß ein wohlüberlegter Schlag war, der einschüchtern
sollte - ein brutaler, entschlossener Akt, um Furcht und Zögern bei all denen
hervorzurufen, die sich ein Bild von der rücksichtslosen sowjetischen Gewalt
gemacht haben, genauso wie die Ermordung afghanischer Dorfbewohner oder die
Inhaftierung der Helsinki-Gruppen bewirken sollen, daß Willfährigkeit durch
Terror sichergestellt wird.
Wie dem auch immer ist - ob der Abschuß der Linienmaschine und der Tod der
Passagiere nur auf absolute Gleichgültigkeit zurückzuführen ist oder ob dies
ein Mittel der Einschüchterung war - wir haben es hier nicht mit dem Irrtum eines
Piloten zu tun, sondern mit Entscheidungen und Prioritäten, die charakteristisch
für ein System sind.

Die sowjetischen Stellen haben nicht nur ein vom Kurs ab-

gekommenes Verkehrsflugzeug abschießen lassen und dann darüber Lüge,, verbreitet,
sie haben auch in gefühlloser Weise alle Angebote für eine internationale Beteiligung an Such- und Rettungsaktionen zurückgewiesen - und das trotz der klar definierten "internationalen Normen und empfohlenen Praktiken" der Internationalen
Organisation für Zivilluftfahrt (ICAO), durch die alle Länder aufgefordert werden,
"jede notwendige Erlaubnis zu geben, damit derartige Flugzeuge, Schiffe, Personal
oder Ausrüstung auf das Territorium des jeweiligen Landes gelangen können ....
und zwar unter dem Gesichtspunkt, ein solches Vorhaben zu beschleunigen".
Wieder einmal

�Wieder einmal wird uns vor Augen geführt, daß die Sowjetunion ein Staat ist,
der sich auf das Doppelprinzip Gefühllosigkeit und Lügenhaftigkeit stützt.
hat sich der Herrschaft der Gewalt verschrieben.

Sie

Lenin hat die "Diktatur des

Proletariats" im Jahre 1920 definiert, als er schrieb, daß die wissenschaftliche
Konzeption der Diktatur nichts anderes bedeute als unbeschränkte Macht, in keiner
Weise durch Gesetz oder Bestimmungen behindert und direkt auf der Gewalt beruhend.
Es ist dieses Prinzip der Gewalt - diese Mentalität der Gewalt -, auf die
die Tragödie der koreanischen Verkehrsmaschine zurückzuführen ist. Dies ist die
Realität, die der Welt durch dieses schreckliche Ereignis vor Augen geführt wurde.
Es ist eine Realität, über die wir alle nachdenken müssen, wenn wir die Gefahren
für den Frieden und die Menschenrechte abwägen, Henen wir uns heute alle gegenübersehen.
Die Vereinigten Staaten sind zutiefst davon überzeugt, daß hier in den Vereinten Nationen sofortige Maßnahmen ergriffen werden sollten, damit die Möglichkeit einer Wiederholung der Tragödie dieser koreanischen Verkehrsmaschine verringert wird. Wir fordern unsere Kollegen hier auf, sich uns in den kommenden
Tagen bei dem Bemühen anzuschließen, aus dieser Tragödie mit Nachdruck neue
Klarheit über die Veränderungen unserer Welt zu erlangen, und neue Anstrengungen
zu unternehmen, die uns alle sicherer machen.

+ + + + +

- 10 -

�14. September 1983

37

DIE HILFE DER VEREINIGTEN STAATEN FÜR MITTELAMERIKA
- Vergleich von Wirtschafts- und Sicherheitshilfe -

WASHINGTON - (AD) - Die Ansicht, die Vereinigten Staaten strebten lediglich
eine militärische Lösung der Probleme in Mittelamerika an, kann durch die entsprechenden Zahlen der letzten vier Jahrzehnte nicht belegt werden.
Von 1946 bis 1982 stellten die Vereinigten Staaten an Wirtschaftshilfe für
Mittelamerika 2,3 Milliarden Dollar zur Verfügung - im Vergleich zu 296 Millionen
Dollar an Militärhilfe.

Im Jahre 1983 sind über 75 Prozent der amerikanischen

Hilfe für die Region wirtschaftlicher Natur.
Außerdem ist Präsident Reagans Initiative

fi

'r das Karibische Becken seiner

Natur nach völlig wirtschaftlich ausgerichtet. Seine Handelsbestimmungen zielen
darauf ab, die Grundlage für ein langfristiges Wirtschaftswachstum oer karibischen
Länder mittels neuer Exportindustrien zu schaffen.
Ein solches wirtschaftliches Wachstum ist jedoch - genau wie politischer und
sozialer Fortschritt - ohne militärischen Schutz unmöglich. Präsident Reagan
erklärte zurecht, daß keine noch so große Menge an Wirtschaftshilfe ausreichen würde,

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�ausreichen würde, solange die Guerilla Straßen, Brücken, Elektrizitätswerke und
Ernten immer wieder ungestraft zerstören und vernichten kann.
Aus diesem Grund wurde die Militä'rhilfe an El Salvador 1980 beträchtlich
erhöht, als die Carter-Administration vor den unwiderleglichen Beweisen stand,
daß große Mengen Waffen aus Nicaragua die salvadorianische Guerilla erreichten.
Nachstehend eine Übersicht über die amerikanische Wirtschafts- und Sicherheitshilfe für Mittelamerika in den Haushaltsjahren 1982, 1983 und 1984:
Wirtschaftshilfe (in Millionen Dollar)
Haushaltsjahr 1982
El Salvador

Belize
Summe

Haushaltsjahr 1984
(vorgeschlagen)

178,5

227,1

195,5

75,0

93,1

86,2

119,5

145,1

106,3

14,0

44,0

64,5

10,0

6,7

4,0

397,0

516,0

456,5

Honduras
Costa Rica
Guatemala

Haushaltsjahr 1983

Sicherheitshilfe (in Millionen Dollar)
El Salvador
Honduras
Costa Rica
•

Guatemala
Summe

!

•. •

'

82,0
20,3
0,1
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139,5

�14. September 1983

37

DEUTSCHES GENIE IN AMERIKA
Am 14. August 1901 gelang einem deutsch-stämmigen Amerikaner der erste motorv
sierte Flug in der Luftfahrtgeschichte.

Dies ist der vierte von sechs Artikeln
über die Deutschen in Amerika, die wir
im Zusammenhang mit den Feierlichkeiten
anläßlich des 300 Jahrestages deutscher
Einwanderung in Amerika bis zum 6. Oktober veröffentlichen.

- (AD) - Deutsch-Amerikaner haben in allen Bereichen des amerikanischen
Lebens große Leistungen vollbracht: Im Handel, in der Kunst, auf dem Gebiet der
Sozialwissenschaften und der Literatur traf deutscher Erfindergeist in Amerika
auf fruchtbaren Boden, in dem er sich entfalten konnte. Auf dem Gebiet der
Naturwissenschaften und der Technologie haben Deutsch-Amerikaner immer wieder
internationale Anerkennung gefunden.
Das wohl bekannteste Mitglied dieser Gruppe der Deutsch-Amerikaner war
natürlich der Physiker Albert Einstein, ein Mann, dessen Name allein heute als
Synonym für den Begriff "Genie" steht. 1879 in Ulm geboren, war seine außerordentliche Begabung auf wissenschaftlichem Gebiet erst in späteren Jahren

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
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Telex: 8-85432

�späteren Jahren deutlich, doch sicherte er sich mit der Entwicklung der "Relativitätstheorie" 1905 seinen Platz in der Geschichte der Wissenschaft,

Im Jahre 1933

immigrierte Einstein in die Vereinigten Staaten und mit ihm und anderen Auswanderern
dieser Zeit verlagerte sich die naturwissenschaftliche Elite nach Amerika.
Ein Jahrhundert vor Einsteins Wirken gelangte ein anderer deutschstämmiger
Amerikaner in Amerika zu Ruhm: John Augustus Roebling, der seine Begabung einem
Unternehmen widmete, das auch heute noch als eines der Wunder der modernen Architektur angesehen wird — der Bau der Brooklyn-Brücke von New York.

Roebling, der

ein Verfahren zur Herstellung von Drahtseilen entwickelt hatte, begann, diese
Technologie auf den Entwurf eines neuen Brückentyps anzuwenden.

Der Bau der

Brooklyn-Brücke, Roeblings größtem Projekt, begann im Jahre 1869 und dauerte
14 Jahre. Roebling selbst starb an den Folgen einer Verletzung, die er sich
während der Überwachung der Arbeiten auf einem Baugerüst zugezogen hatte. Es
blieb somit seinem Sohn Washington überlassen, die Brücke zu beenden.

Bei Fertig-

stellung der Brooklyn-Brücke im Jahre 1883, wurde der Bau als 8. Weltwunder angesehen, ein Attribut, daß nach Meinung vieler auch heute noch zutrifft.
Deutsch-stämmige Amerikaner, deren Fähigkeiten besonders auf technologischem
Gebiet lagen, waren in Amerika besonders um die Jahrhundertwende aktiv. Die
Geschichte zweier solcher Personen beleuchtet ein wenig die verschiedenen Schicksale, die das Glück den Begabten schenkt. Gustave Whitehead, der am 1. Januar 1874
im fränkischen Leutershausen als Gustav Albin Weisskopf geboren wurde, war ein
Kesselflicker mit einer Leidenschaft für die Konstruktion von Flugmaschinen.
Whitehead, der 1895 nach Boston emigrierte, nahm Verbindung mit einer Gesellschaft
für Fliegerei auf, stand aber auch mit dem großen deutschen Luftfahrtpionier
Otto Lilienthal in brieflichem Kontakt. Whitehead gelang die Herstellung einer
Reihe von motorisierten Versuchsmodellen, und nach heutigen Dokumentationen
besteht Grund zur Annahme, daß am Morgen des 14. August 1901 ein 90 Sekunden
dauernder Flug in einem motorbetriebenen Flugzeug stattfand, bei dem eine Strecke
von über 850 Metern zurückgelegt worden war.
Da sich

�Da sich Whiteheads Flug ganze zwei Jahre vor einem ähnlichen Flug der
Gebrüder Wright ereignete, für den den Brüdern das Verdienst zugesprochen wird,
den ersten motorisierten Flug durchgeführt zu haben, ist im Grunde Whitehead der
"rechtmäßige" Vater des modernen Flugwesens.
Ein anderer deutsch-stämmiger Amerikaner war Charles Proteus Steinmetz, der
seine Begabung auf dem Gebiet der Elektrizität einsetzte und der ein weniger
anonymes Schicksal erfahren mußte. 1865 in Breslau geboren, wanderte Steinmetz
im Alter von 24 Jahren nach Amerika aus und erreichte New York im Jahre 1889.
Bereits als Jugendlicher zeigte Steinmetz seine Begabung auf dem Gebiet der Naturwissenschaft und errichtete bald darauf sein eigenes Forschungslabor, in dem er
bemerkenswerte Erfolge im Studium elektrischer Ströme erzielte. Einige Jahre
später bekam er einen Auftrag der General Electric Company und setzte seine
Forschungsarbeit bei der Hauptgeschäftsstelle der Firma in Schenectady, New York
fort. Bis zu seinem Tode im Jahre 1923, nach einer glänzenden Karriere, hatte
Steinmetz mehr als 200 Erfindungen patentiert und war als "Zauberer von Schenectady"
bekannt geworden.

+++++

�Ufi//cn/chaft
und Technik
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Embassy of the United States of America

37

14. September 1983

SMOG SCHMÄLERT ERNTEERTRAG
Simulation in Klimakammern

- (AD) - Bis zu 20 Prozent verringert Smog, die oft über Städten und Industriezentren liegende Dunstglocke, den Anbauertrag bei Baumwolle. Dies ist das vorläufige Ergebnis von Beobachtungen vor allem im "Central Valley" in Kalifornien,
die 0. Clifton Taylor, Pflanzenphysiologe an der Universität Kalifornien in Riverside, über einen Zeitraum von drei Jahren machte. Er leitet eine der fünf Regionalstudien, die das Umweltbundesamt der Vereinigten Staaten (EPA) im Rahmen seiner
landesweiten Erhebungen über Ausmaß und Ursachen von Ernteausfällen durchführt.
Der Smog-Schaden bei Baumwolle allein bedeutete für die Farmer in Central
Vallez im Jahr 1982 einen Verlust von 200 Millionen Dollar. Ähnliches gelte, wie
Taylor betont, für eine ganze Anzahl der 150 verschiedenen Agrarprodukte aus Südkalifornien und dem Central Valley - einschneidende Auswirkungen auf eine "Industrie,
die im Bundesstaat Kalifornien immerhin den Umfang von 14 Milliarden Dollar erreicht",
Wohl sind Smog-Schäden an Pflanzen bereits eindeutig nachgewiesen worden.
Jedoch hatte man die entsprechenden Untersuchungen in Klimakammern, also im
Laboratorium durchgeführt.

Dabei können jedoch, so Taylor, echte Wetterbedingungen

und Smog in seiner tatsächlichen Zusammensetzung nicht simuliert werden.

Postfach 20 03 00
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Außerdem

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Außerdem seien die Ergebnisse auch deshalb nicht zuverlässig, weil im Gewächshaus
bzw. in der Klimakammer gezogene Pflanzen von vornherein weniger Widerstand gegen
Smog entwickeln als Pflanzen auf freiem Feld. Man sei jetzt überzeugt, erklärt
Taylor, daß eine exakte Erforschung und Analyse der Wirkungen von Luftverschmutzung
nur auf freiem Feld möglich ist. "Smog-Schäden variieren beispielsweise mit der
Temperatur und dem Feuchtigkeitsgehalt der Luft". Offenbar werden dabei u.a. die
Effekte von Ozon gefördert oder auch gehemmt. Auch Art und Ausmaß der photochemi- •
sehen Prozesse dürften entsprechend den jeweiligen Umweltbedingungen unterschiedlich sein.
Die von Taylor geleiteten Feldstudien werden im Südwesten der USA durchgeführt in Kalifornien, Arizona, New Mexico, Nevada und Utah. Im Rahmen des gegenwärtigen
Programms interessieren vor allem Beobachtungen zu den Auswirkungen von Smog auf
Erträge an Salat, Alfalfa und Gerste, weil diese Feldprodukte für die betreffenden
Bundesstaaten von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung sind.

•

+ + + + +
•

&gt;

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan ordnet Schließung der AEROFLOT-Büros in den USA an&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Weißen Hauses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rede des US-Außenministers vor der KSZE-Folgekonferenz in Madrid&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shultz: Antwort Gromykos völlig unannehmbar&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung nach dem Treffen in Madrid -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kirkpatrick: Flugzeugtragödie Auswuchs der "Herrschaft der Gewalt"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede der US-Chefdelegierten bei den Vereinten Nationen vor dem Sicherheitsrat -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Hilfe der Vereinigten Staaten für Mittelamerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Vergleich von Wirtschafts- und Sicherheitshilfe -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Deutsches Genie in Amerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Am 14. August 1901 gelang einem deutsch-stämmigen Amerikaner der erste motorisierte Flug in der Luftfahrtgeschichte -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Smog schmälert Ernteertrag&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Simulation in Klimakammern -&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America
7. September 1983

36
INHALT

DOKUMENTATION
Reagan: Keine Rechtfertigung für den sowjetischen Angriff
- Fernsehrede des US-Präsidenten zum Flugzeugabschuß Erklärung Präsident Reagans zum Flugzeugabschuß
Shultz: Abschuß der koreanischen Verkehrsmaschine durch Sowjets
"entsetzlicher Akt"
- Erklärung und Pressekonferenz des US-Außenministers WIRTSCHAFT
Warum braucht der Westen noch immer Exportkontrollen?
- Referat von Unterstaatssekretär Brady vor der Stanford Universität HINTERGRUNDMATERIAL
Interview mit Edward Rowny über Rüstungskontrolle
- Von Morgan Strong Das Kernwaffeninventar der Vereinigten Staaten
Die deutsche Sprache in Amerika
- Eine deutschsprachige Zeitung in Philadelphia berichtete am 5. Juli 1776
als erste über die Annahme der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Perfekte Nachtlandung
- Raumtransporter CHALLENGER vom dritten Einsatz zurück AIDS-Kontrolle für Spenderblut

Um Übcr/cndung von
ßclegeKemploren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 I H 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

36

7. September 1983

REAGAN: KEINE RECHTFERTIGUNG FÜR DEN SOWJETISCHEN ANGRIFF
- Fernsehrede des US-Präsidenten zum Flugzeugabschuß -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat in einer Fernsehansprache
an das amerikanische Volk am 5. September 1983 erklärt, die Sowjetunion schulde
der Welt eine Entschuldigung für den Abschuß einer südkoreanischen Passagiermaschine. Für dieses Massaker gebe es absolut keine Rechtfertigung, weder rechtlich
noch moralisch.

Der amerikanische Präsident kündigte ausgewogene Sanktionen

gegeri die Sowjetunion an.
Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Meine amerikanischen Mitbürger,
ich trete heute abend vor Sie hin, um über das Massaker an dem koreanischen
Flugzeug zu Ihnen zu sprechen - über den Angriff der Sowjetunion gegen 269 unschuldige Männer, Frauen und Kinder an Bord eines unbewaffneten koreanischen
Passagierflugzeuges.

Dieses Verbrechen gegen die Menschlichkeit darf niemals

in Vergessenheit geraten - weder hier noch in der ganzen Welt.
Unsere Gebete heute abend gelten den Opfern und ihren Familien in der Zeit

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Telex: 8-85432

�der Zeit ihrer schrecklichen Trauer.

Unsere Herzen sind bei ihnen - tapferen

Menschen wie Kathryn McDonald, der Frau eines Kongreßabgeordneten, deren Haltung
und Ausdruck am Tage des Todes ihres Gatten uns alle bewegte.

Er wird uns allen

hier in der Regierung bitter fehlen.
Die Eltern eines ermordeten jungen Paares telegraphierten mir: "Unsere Tochter ...
und ihr Ehemann ... starben auf dem Flug 007 der Koreanischen Fluggesellschaft.
Ihr Tod war das Ergebnis der Verletzung jeder Vorstellung von Menschenrechten
durch die Sowjetunion".

Die Gefühle dieser Eltern - Trauer, Schock, Zorn -

werden von allen zivilisierten Menschen geteilt. Auf der ganzen Welt lassen
Presseberichte eine Explosion der Verurteilung durch alle Menschen erkennen.
Lassen Sie mich in aller Deutlichkeit sagen:

Es gibt absolut keine Recht-

fertigung - weder rechtlich noch moralisch - für das, was die Sowjets getan haben.
Eine Zeitung in Indien schrieb: Wenn jedes Passagierflugzeug ... Freiwild für die
Luftwaffen ist...,dann wird das das Ende der Zivilluftfahrt, wie wir sie kennen,
bedeuten".
Das ist nicht das erstemal, daß die Sowjetunion auf ein Zivilflugzeug geschossen und es getroffen hat, wenn es ihr Territorium überflog. In einem
anderen tragischen Fall im Jahre 1978 schössen die Sowjets ebenfalls ein unbewaffnetes Zivilflugzeug ab, nachdem sie es einwandfrei als solches identifiziert
hatten. In jenem Falle hatte der Pilot des sowjetischen Abfangjägers die zivilen
Kennzeichen am Rumpf des Flugzeuges eindeutig identifiziert; den Befehl, auf
ein Zivilflugzeug zu schießen, wiederholt angezweifelt; und er erhielt trotzdem
schließlich den Befehl, es abzuschießen. Das Flugzeug wurde von einer Rakete
getroffen und machte eine Notlandung. Bei diesem Angriff verloren mehrere
unschuldige Menschen ihr Leben - getötet durch Splitter bei der Explosion einer
sowjetischen Rakete.
Handeln andere Staaten der Welt auch so?

Die Antwort ist Nein.

Linienflug-

zeuge aus der Sowjetunion und aus Kuba haben bei zahlreichen Gelegenheiten

- 2 -

�zahlreichen Gelegenheiten sensitive militärische Einrichtungen der Vereinigten
Staaten überflogen.

Sie wurden nicht abgeschossen.

Wir und andere zivilisierte

Länder glauben an die Tradition, Seeleuten und Piloten, die auf See oder in der
Luft vermißt sind oder sich in Not befinden, Hilfe angedeihen zu lassen.

Wir

glauben an Verfahren, um eine Tragödie zu verhindern, nicht um eine zu provozieren.
Aber trotz der Barbarei ihres Verbrechens, der weltweiten Reaktion darauf und
des Beweises ihrer Schuld weigern sich die Sowjets noch immer, die Wahrheit zu
sagen.

Sie haben sich beharrlich geweigert zuzugeben, daß ihr Pilot auf das

koreanische Flugzeug geschossen hat.

Sie haben ihren eigenen Leuten noch nicht

einmal mitgeteilt, daß ein Flugzeug abgeschossen wurde.
Sie haben ein verworrenes Märchen erfunden, das Flugzeug mit Radar verfolgt
zu haben, bis es of mysteriöse Weise ganz einfach von ihren Radarschirmen verschwunden sei; daß niemand auch nur einen Schuß abgegeben habe. Aber dann verbanden sie das Ganze mit Behauptungen, es habe sich um ein von uns gesandtes
Spionageflugzeug gehandelt; und daß ihre Flugzeuge Warnschüsse mit Leuchtspurmunition abgegeben hätten, um das Flugzeug darauf aufmerksam zu machen, daß es
sich in sowjetischem Luftraum befinde.
Lassen Sie mich noch einmal zusammenfassen und die unwiderleglichen Beweise
vorlegen, die wir besitzen: Die koreanische Linienmaschine, eine Boeing 747
(Jumbo-Jet) verließ Anchorage in Alaska mit Bestimmungsort Seoul, Korea, auf
einem Süd- und Westkurs, der sie über Japan führen sollte,

über dem Pazifik in

internationalen Gewässern befand sie sich eine kurze Zeit in der Nähe eines
unserer Aufklärungsflugzeuge, einer RC-135 auf einem Routineflug.
befand sich zu keinem Zeitpunkt in sowjetischem Luftraum.

Die RC-135

Das koreanische

Linienflugzeug setzte seinen Flug fort, und die beiden Maschinen befanden sich
rasch in weiter Entfernung voneinander.
Die 747 ist mit modernsten computergesteuerten Navigationsmitteln ausgerüstet,
aber ein Computer antwortet nur das, was ihm von Menschenhand eingegeben wurde.

- 3 -

�eingegeben wurde.

Niemand wird je herausfinden können, ob dem Computer ein

falscher Kurs eingegeben wurde oder ob es sich um eine Funktionsstörung handelte.
Wie dem auch immer sei, die 747 flog weiter westlich, als sie fliegen sollte einen Kurs, der sie in sowjetischen Luftraum führte.
Die Sowjets verfolgten dieses Flugzeug zweieinhalb Stunden lang, während es
in einer Höhe von 30 000 bis 35 000 Fuß (rund 10 000 m) einen geraden Kurs flog.
Nur Zivilflugzeuge fliegen auf diese Weise. An einem Punkt gab der koreanische
Pilot der japanischen Luftkontrolle seinen Standort als östlich von Hokkaido,
Japan, an, was zeigte, daß er nicht bemerkte, daß sie um mindestens 100 Meilen wenn nicht mehr - vom Kurs abgewichen waren.
Die Sowjets ließen DUsenabfangjä'ger von einem Stützpunkt auf der Insel
Sachalin starten.
Japanische Bodenstellen zeichneten den Sprechfunkverkehr der Abfangjäger auf ihren Sprechfunkverkehr mit ihrer eigenen Bodenkontrolle. Wir haben nur die
Stimmen der Piloten; der Sprechfunkverkehr Boden-Flugzeug wurde nicht aufgenommen.
Aus den Worten des Piloten geht jedoch ganz eindeutig hervor, daß er auf Befehle
und Fragen seiner eigenen Bodenkontrolle antwortete.
Hier ein kurzer Ausschnitt aus dem Tonband, das ich morgen in seiner ganzen
Länge vor den Vereinten Nationen abspielen lassen werde:
Zeit (GMT)
1818:34

an
"Deputat"
(Rufzeichen der
sowjetischen Bodenkontrolle)

805
(Sow. Kampfflugzeug SU-15)

Text
Die A.N.0. Navigationslichterbrennen. Die Blinkleuchte
brennt.

163
(Sow. MIG-23)

Roger, ich bin auf 7500 Fuß,
Kurs 230.

von

1818:56

Deputat

1819:02

Deputat

805

Ich bin nahe am Ziel.

1826:20

Deputat

805

Ich habe die Rakete abgefeuert.

- 4 -

�1826:22

Deputat

805

Das Ziel ist vernichtet.

1826:27

Deputat

805

Ich breche den Angriff ab.

Das waren die Stimmen der sowjetischen Piloten.
Auf diesem Band beschreibt der eine die Suche nach dem,wie er es bezeichnet,
"Ziel". Er berichtet, daß er in Sichtweite sei; er nähert sich dem koreanischen
Flugzeug auf weniger als eine Meile, berichtet, daß die Blinkleuchte brennt und
daß die Navigationslichter brennen. Er berichtet dann, daß er seine Geschwindigkeit
verringert, um sich hinter das Linienflugzeug zu setzen; er gib seinen Abstand
von der Maschine an verschiedenen Punkten seines Manövers an; und er gibt schließlich
das bekannt, was man nur als das Massaker an der koreanische Linienmaschine bezeichnen kann, Er teilt mit, daß er das Radar eingeschaltet habe, das seine
Raketen ins Ziel lenkt; diese Raketen abgefeuert hat; daß das Ziel vernichtet ist;
und daß er seinen Angriff abbricht.
Lassen Sie mich noch auf etwas hinweisen, was mit dem engen Sichtkontakt mit
dem Linienflugzeug in einer, wie wir wissen, klaren Halbmondnacht zu tun hat.
Die 747 hat eine einmalige und eindeutige Silhouette, die keiner irgendeines
anderen Flugzeuges in der Welt ähnlich sieht.

Es gibt gar keine Möglichkeit,

daß ein Pilot sie für irgend etwas anderes halten könnte als ein Zivilflugzeug.
Und wenn das noch nicht genügt, dann lassen Sie mich darauf hinweisen, daß unsere
RC-135, von der ich vorher gesprochen habe, seit einer Stunde auf ihrem Stützpunkt
in Alaska gelandet war, als der mörderische Angriff über der Japanischen See
stattfand.
Und möge sich niemand täuschen, dieser Angriff war nicht nur gegen uns oder
die Republik Korea gerichtet.

Das war die Sowjetunion gegen die Welt und die

moralischen Vorstellungen, die die menschlichen Beziehungen unter Völkern überall
bestimmen.

Es war ein Akt der Barbarei, geboren aus einer Gesellschaft, die bewußt

- 5 -

�die bewußt die Rechte des einzelnen und den Wert des menschlichen Lebens mißachtet
und sich ständig auszudehnen sucht, um andere Nationen zu beherrschen.
Sie streiten die Tat ab, aber in ihren widersprüchlichen und irreführenden
Protesten lassen die Sowjets erkennen, daß selbst der Abschuß eines Flugzeuges «•
selbst wenn Hunderte unschuldiger Männer, Frauen und Kinder an Bord sind zu ihrem normalen Verfahren gehört, wenn sich ein Flugzeug in dem von ihnen beanspruchten Luftraum befindet.
Sie schulden der Welt eine Entschuldigung und ein Angebot, sich dem Rest der
Welt anzuschließen bei der Ausarbeitung eines Systems, um davor zu schützen, daß
jemals wieder so etwas passiert.

Uns anderen bleibt unter anderem eine Schutz-

maßnahme: Eine internationale Wellenlänge, auf denen Piloten mit Flugzeugen
anderer Länder in Kontakt treten können, wenn sie in Schwierigkeiten sind oder
sich verirrt haben.

Sowjetische Militärflugzeuge sind nicht mit solchen Geräten

ausgerüstet, denn diese würden es Piloten leichter machen, die überlaufen wollen.
Unser Ersuchen, Schiffe in sowjetische Gewässer zu entsenden, um nach Flugzeugteilen und Toten zu suchen, wurde nicht befriedigend beantwortet. Die
trauernden Familien der japanischen Opfer wurden von sowjetischen Patrouillenbooten belästigt, als sie versuchten, sich der Stelle zu nähern, wo das Flugzeug
sein sollte, um für die Toten einen Gottesdienst abzuhalten. Aber eine solch
unmenschliche Brutalität sollte uns nicht überraschen, Man erinnert sich an die
Tschechoslowakei, an Ungarn, Polen und an die Giftgasanschläge auf Dörfer in
Afghanistan. Wenn das Massaker und das darauffolgende Verhalten den Sinn hatte,
einzuschüchtern, so hat es diesen Zweck verfehlt. Ablehnung und Trotz kommen
von überall her auf der Welt angesichts dieses unaussprechlichen Aktes
und
Ablehnung und Trotz gegenüber dem System, das ihn entschuldigt und versucht, ihn
zu vertuschen. Zu unserem Abscheu und unserer Besorgnis kommt ein berechtigter
und furchtbarer Zorn. Es wäre leicht, an Vergeltung zu denken, aber dies ist
keine angemessene Antwort. Wir wollen Gerechtigkeit und wollen Maßnahmen, daß
dies nie wieder geschieht.
Die unmittelbare

�Die unmittelbare Herausforderung angesichts dieser furchtbaren Tat besteht
darin, dafür zu sorgen, daß wir die Lüfte sicherer machen und gerechte Entschädigung für die Familien der Getöteten erhalten.
Seit meiner Rückkehr nach Washington haben wir lange Gespräche geführt, das
letzte erst gestern mit der Führung des Kongresses. Im Raum stand ein Gefühl der
Einigkeit, und ich erhielt eine Reihe konstruktiver Vorschläge. Wir werden auch
weiterhin mit dem Kongreß hinsichtlich unserer Reaktion auf dieses Massaker
zusammenarbeiten.
Wie Sie wissen, haben wir die Welt unverzüglich die schockierenden Tatsachen
so ehrlich und umfassend wissen lassen, wie sie uns erreichten.
Wir haben die Sowjets wissen lassen, daß wir unser bilaterales Verkehrsabkommen so lange nicht erneuern werden, wie sie die Sicherheit der zivilen Luftfahrt bedrohen.
Seit 1981 ist der sowjetischen Luftlinie Aeroflot das Recht verwehrt, in die
Vereinigten Staaten zu fliegen. Wir haben diese Anordnung bekräftigt und untersuchen weitere Maßnahmen, die wir hinsichtlich der Einrichtungen von Aeroflot
in diesem Land ergreifen können. In Zusammenarbeit mit anderen Ländern wollen
wir bessere Mittel finden, um die Sicherheit der zivilen Luftfahrt zu garantieren;
zusammen mit ihnen werden wir Aeroflot nicht mehr als normales Mitglied der internationalen Gemeinschaft der zivilen Luftfahrt anerkennen, bis die Sowjets den
Rufen der Menschheit nach Gerechtigkeit entsprechen. Ich freue mich, mitteilen
zu können, daß Kanada das Lande- und Auftankrecht der Aeroflot für 60 Tage
suspendiert hat.
Zusammen mit anderen Staaten drängen wir die Internationale Organisation
für Zivilluftfahrt darauf, dieses Verbrechen auf einer dringlichen Sondersitzung
ihres Rates zu untersuchen. Gleichzeitig hören wir höchst sorgfältig auf amerikanische und internationale Privatgruppen wie Piloten- und Passagiervereinigungen

- 7 -

�Passagiervereinigungen und andere, die ein besonderes Interesse an der Sicherheit
der zivilen Luftfahrt haben.
Ich ersuche den Kongreß, eine gemeinsame Resolution zu verabschieden, die
dieses sowjetische Verbrechen verurteilt.
Wir haben die Sowjets darüber informiert, daß wir Verhandlungen über eine
Reihe bilateraler Vereinbarungen aussetzen, die zur Prüfung anstanden.
Zusammen mit Korea und Japan haben wir eine Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen gefordert, die am Freitag begonnen hat.

Am

ersten Tag schlössen sich uns Korea. Japan, Kanada, Australien, die Niederlande,
Pakistan, Frankreich, China, Großbritannien, Zaire, Neuseeland und die Bundesrepublik Deutschland dabei an, die sowjetische Tat zu verurteilen und unseren
Abscheu zum Ausdruck zu bringen.

Wir hoffen, daß wir bei Wiederaufnahme der

Debatte morgen von weiteren Staaten hören.
Wir beabsichtigen, mit den dreizehn Staaten zusammenzuarbeiten, von denen
Staatsangehörige an Bord des koreanischen Flugzeuges waren, um Entschädigungen
für die Familien all jener zu erreichen, die getötet wurden. Die Vereinigten
Staaten werden innerhalb der nächsten Woche Ansprüche gegenüber der Sowjetunion
geltend machen, um Entschädigungen zugunsten der Angehörigen der Opfer zu erhalten.
Eine solche Entschädigung ist eine unbedingte moralische Pflicht, die die Sowjets
übernehmen müssen.
Im allgemeinen wirtschaftlichen Bereich verdoppeln wir zusammen mit unseren
Verbündeten unsere Anstrengungen, den Fluß militärischer und strategischer Güter
in die Sowjetunion zu einem Ende zu bringen.
Außenminister Shultz wird nach Madrid fliegen, um sich dort mit den Vertretern
von 35 Ländern zu treffen, die über drei Jahre hinweg ein Abkommen ausgehandelt
haben, das sich unter anderem mit den Menschenrechten beschäftigt.

- 8 /

Es ist

�Es ist vorgesehen, daß auch der sowjetische Außenminister Gromyko an diesem
Treffen teilnimmt.

Wenn er zu diesem Treffen kommt,wird Außenminister Shultz ihm

unsere Forderungen hinsichtlich der Enthüllung der Tatsachen unterbreiten, hinsichtlich der Maßnahmen zur Abhilfe und hinsichtlich konkreter Zusicherungen, daß sich
dergleichen nicht wieder ereignen wird und daß Ersatz geleistet wird.
Während wir mit anderen Ländern zusammenarbeiten, damit Recht geschieht,
zeigt sich die wirkliche Probe für unsere Entschlossenheit darin, ob wir den Willen
haben, stark, standhaft und einig zu bleiben.

Ich habe mehr denn je die Überzeu-

gung, daß dies der Fall sein wird - wie Tausende und Abertausende von Telegrammen
und Anrufen in den vergangenen Tagen bewiesen haben.
Ich habe einige der Schritte dargelegt, die wir in Reaktion auf dieses
tragische Massaker ergreifen werden. Da ist etwas, woran ich immer geglaubt habe,
aber was jetzt wichtiger ist denn je: Der Kongreß wird, wenn er nach seiner Pause
wieder zusammentritt, vor wichtigsten Fragen der nationalen Sicherheit stehen.
Es gab, ich weiß, bei diesem Thema legitime Meinungsunterschiede, aber ich dringe
darauf, daß die Mitglieder dieses Hohen Hauses die sowjetische Aggression lang
und sorgfältig abwägen, während sie über die Sicherheit unseres Volkes, ja, aller
Völker, die an die Freiheit glauben, nachdenken.
Senator Henry Jackson, ein kluger und geschätzter Staatsmann, ein Kenner der
Sowjets wie wohl kaum ein anderer Amerikaner in der Geschichte, warnte uns:
"Die größte Bedrohung, vor der die Vereinigten Staaten jetzt stehen, ist die Sowjetunion".

Aber Senator Jackson sagte auch: "Wenn Amerika eine starke Abschreckung

aufrechterhält - und nur dann -, wird diese Nation auch weiterhin ein Führer in
der entscheidenden Frage nach dauerhaftem Frieden zwischen den Nationen sein".
Der verstorbene Senator erklärte dies im Juli im Senat, als er zum MX-Raketenprogramm sprach, das er als entscheidend für die Wiederherstellung der strategischen
Parität Amerikas gegenüber den Sowjets ansah.
Als John F. Kennedy

- 9 -

�Als John F. Kennedy Präsident war, war der Anteil der Verteidigungsausgaben
am Bundeshaushalt um 70 Prozent höher, als er dies heute ist.

Seither hat die

Sowjetunion die massivste militärische Aufrüstung betrieben, die die Welt je
gesehen hat.

Solange sie nicht bereit ist, Teil der übrigen Weltgemeinschaft zu

werden, müssen wir die Stärke aufrechterhalten, die zur Abschreckung ihrer
Aggression nötig ist.
Aber während wir dies tun, dürfen wir nicht unsere Anstrengungen aufgeben,
sie in die Weltgemeinschaft der Nationen einzubeziehen.

Frieden durch Stärke,

solange dies notwendig ist - aber kein Aufgeben der Anstrengung, den Frieden durch
wechselseitige, verifizierbare Verringerungen der Kriegswaffen herbeizuführen.
Ich habe von Verhandlungen gesprochen, die wir als Ergebnis des Massakers an den
Passagieren des Flugzeugs der koreanischen Luftlinie unterbrochen haben; aber wir
können und dürfen nicht unsere Anstrengungen aufgeben, die Arsenale der zerstörerischen Waffen zu verringern, die die Welt bedrohen.

Botschafter Nitze ist nach

GenfTurückgekehrt, um die Verhandlungen über nukleare Mittel Streckenwaffen in
Europa wiederaufzunehmen.

Desgleichen werden wir auch weiterhin auf Rüstungs-

verringerungen bei den START-Gesprächen drängen, die im Oktober wiederaufgenommen
werden.

Wir sind mehr denn je entschlossen, diese über der Menschheit liegende

Bedrohung zu verringern und, wenn möglich, zu beseitigen.
Wir wissen, daß es schwer sein wird, einen Staat, der sein eigenes Volk mit
Gewalt regiert, dazu zu bringen, die Anwendung von Gewalt gegen die übrige Welt
zu beenden.

Aber wir müssen es versuchen.

Dies ist keine Rolle, die wir angestrebt haben - wir predigen keine Doktrin
der Weltherrschaft.

Aber genau wie bei den Amerikanern, die dieses Land besiedelten

und die letzte, beste Hoffnung der Menschheit hervorbrachten, fordert die Geschichte
auch viel von den Amerikanern unserer Zeit.

Wir haben schon vieles gegeben.

wir müssen bereit sein, noch viel mehr zu geben.
Lasseh Sie uns

- 10 -

Und

�Lassen Sie uns, mit Abraham Lincolns Worten, den Glauben haben, "daß Recht
Macht bringt.

Und laßt uns, in dieser Überzeugung, schließlich den Mut aufbringen,

unsere Pflicht so zu tun, wie wir sie verstehen".

Wenn wir dies tun, wenn wir

zusammenstehen und mit Mut nach vorn gehen, dann wird die Geschichte einst
berichten, daß aus jenem monströsen Schlechten etwas Gutes kam, das wir mit uns
tragen und an das wir uns für den Rest unseres Leben

+++++

- 11 -

erinnern können.

�y
»

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

36

7. September 1983

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT REAGANS ZUM FLUGZEUGBESCHUSS

SANTA BARBARA - (AD) - Mit aller Schärfe hat Präsident Reagan den
Abschuß einer südkoreanischen Passagiermaschine durch ein sowjetisches
Kampfflugzeug verurteilt.

Dies sei ein "entsetzlicher und mutwilliger"

Gewaltakt, heißt es in einer am 1. September 1983 veröffentlichten Erklärung des amerikanischen Präsidenten.

Die bisherigen sowjetischen Erklä-

rungen hierzu hätten in keiner Weise Klarheit schaffen können, warum und
wie es zu diesem tragischen Ereignis gekommen sei.

Die Vereinigten Staa-

ten verlangten eine volle Darlegung und Klärung dieses Zwischenfalles.
Die Erklärung Präsident Reagans hat folgenden Wortlaut:
Ich spreche für alle Amerikaner und für die Menschen überall in der
Welt, die sich zivilisierter Werte erfreuen, wenn ich gegen den sowjetischen Angriff auf ein unbewaffnetes, ziviles Passagierflugzeug protestiere,
Worte können kaum unsere Empörung über diesen schrecklichen Gewaltakt ausdrücken,

Die Vereinigten Staaten schließen sich den anderen Mitgliedern

der Völkergemeinschaft an und verlangen eine völlige Klärung dieser entsetzlichen und mutwilligen Untat.
Die bisherigen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die bisherigen sowjetischen Erklärungen konnten in keiner Weise Klarheit darüber schaffen, wie und warum es zu dieser Tragödie kommen konnte.
Ja, der ganze Vorfall scheint für zivilisierte Menschen überall in der Welt
unerklärlich zu sein.
Meine Frau und ich möchten den Familien der Opfer unser tiefstes Mitgefühl aussprechen.

Unsere Gebete sind in dieser Zeit des Schmerzes bei

ihnen, und ich versichere ihnen persönlich, daß ich alles in meiner Macht
Stehende tun werde, um dieser Tragödie auf den Grund zu gehen.

Ich habe

angeordnet, daß die Flaggen auf allen Bundeseinrichtungen und allen amerikanischen Militärstützpunkten in der Welt auf halbmast gesetzt werden.

+ + + + +

�Dokumentation

I

United States Information Service
Embassy of the United States of America

36

7. September 1983

SHULTZ: ABSCHUSS DER KOREANISCHEN VERKEHRSMASCHINE DURCH SOWJETS
"ENTSETZLICHER AKT"
- Erklärung und Pressekonferenz des US-Außenministers -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister George Shultz
hat den Abschuß einer südkoreanischen Verkehrsmaschine durch ein sowjetisches Kampfflugzeug als einen "entsetzlichen Akt" verurteilt.

Auf einer

Pressekonferenz am 1. September 1983 teilte Shultz mit, daß noch in der
Nacht, als der Abschuß der Boeing 747 mit 269 Passagieren und Besatzungsmitgliedern an Bord bekannt wurde, Kontakt mit den Sowjets aufgenommen
und später der sowjetische Geschäftsträger in das Außenministerium gerufen und ihm die "ernste Besorgnis" der amerikanischen Regierung über diesen Zwischenfall mitgeteilt worden sei.
Die Erklärung des amerikanischen Außenministers zu Beginn seiner
Pressekonferenz hat folgenden Wortlaut:
Um 14.00 Uhr GMT am gestrigen Tag (31. August) startete in Anchorage,
Alaska, eine Boeing 747 der Korea Airlines auf dem Wege von New York nach
Seoul.

An Bord befanden sich 269 Passagiere und Besatzungsmitglieder, ein-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Besatzungsmitglieder, einschließlich des Kongreßabgeordneten Lawrence P.
MacDonald.
Etwa um 16,00 Uhr GMT tauchte das Flugzeug auf dem sowjetischen
Radar auf.
folgt.

Es wurde von diesem Zeitpunkt an ständig von den Sowjets ver-

Das Flugzeug geriet über der Halbinsel Kamtschatka, über dem

Ochotskischen Meer und über der Insel Sachalin in sowjetischen Luftraum.
Die Sowjets verfolgten das Flugzeug der zivilen Fluggesellschaft
etwa zweieinhalb Stunden.

Ein sowjetischer Pilot berichtete um 18.12 Uhr

GMT über Sichtkontakt mit der Maschine.

Das sowjetische Flugzeug stand,

wie wir wissen, in ständigem Kontakt mit seiner Bodenkontrollstelle.
Um 18.21 Uhr berichtete der sowjetische Pilot, das koreanische
Flugzeug befinde sich in 10 000 Metern Höhe. Um 18.26 Uhr berichtete
der sowjetische Pilot, er habe eine Rakete abgefeuert und das Ziel sei
vernichtet.
Um 18.30 Uhr befand sich das koreanische Flugzeug nach Radar-Messungen in 5000 Metern Höhe. Um 18.38 Uhr verschwand das koreanische
Flugzeug von den Radar-Schirmen.
Wir wissen, daß mindestens acht sowjetische Kampfflugzeuge sich
zum einen oder anderen Zeitpunkt mit dem Linienflugzeug befaßten. Der
Pilot, der das Flugzeug abschoß, berichtete nach dem Angriff, daß er wirklich eine Rakete abgefeuert und das Ziel zerstört habe und daß er abdrehe.
Etwa eine Stunde später wiesen sowjetische Flugüberwacher eine Reihe
ihrer Suchflugzeuge an, in der Nähe der letzten Position des koreanischen
Flugzeuges nach den Messungen der sowjetischen Luftüberwachung Such- und
Rettungsaktionen durchzuführen. Eines dieser Flugzeuge berichtete, daß
es auf der Wasseroberfläche in diesem Gebiet Kerosin (Flugzeugtreibstoff)
gesichtet habe.
Vertreter des
. 2 -

�Vertreter des amerikanischen Außenministeriums, vor allem Unterstaatssekretä'r Burt, standen während der Nacht vom Mittwoch auf Donnerstag in
Kontakt mit sowjetischen Regierungsvertretern, um Aufklärung über das Schicksal des Flugzeuges zu erhalten.

Die Sowjets gaben keine Informationen.

Sobald amerikanische Quellen den Abschuß des Flugzeuges bestätigt hatten,
riefen die Vereinigten Staaten in eigenem Namen und im Namen der Republik
Korea den sowjetischen Geschäftsträger ins Außenministerium, um unsere
ernste Besorgnis über den Abschuß eines unbewaffneten Zivilflugzeuges mit
Passagieren verschiedener Nationalitäten an Bord zum Ausdruck zu bringen.
Wir haben ferner dringend eine Erklärung von der Sowjetunion verlangt.
Die Vereinigten Staaten reagieren mit Abscheu auf diesen Angriff.
Der Verlust an Menschenleben scheint groß zu sein.

Wir können keinerlei

Entschuldigung für diesen entsetzlichen Akt finden.

Die anschließenden Fragen und Antworten haben folgenden Wortlaut:
FRAGE: Wird das irgendwelche Änderungen im Umgang mit der Sowjetunion
bewirken? Beispielsweise bezüglich Ihres Zusammentreffens mit Außenminister
Gromyko?
ANTWORT:

Ich möchte sicherlich mit Außenminister Gromyko zusammen-

treffen und hören, was er dazu zu sagen hat.

Natürlich erwarten wir, lan-

ge vorher etwas von der Sowjetunion zu hören.
FRAGE: Standen die Vereinigten Staaten überhaupt über den "Heißen
Draht" mit Moskau in Kontakt, oder gab es in diesem Fall einen Kontakt auf
höchster Ebene?
ANTWORT:

Nein, die Information, die wir besitzen, bekamen wir nach

dem Abschuß dieses Flugzeuges an die Hand.
FRAGE:

Haben

�FRAGE:
ANTWORT:

Haben Sie mit dem Präsidenten schon gesprochen?
Noch nicht, aber der Präsident ist voll informiert, und

ich habe mit dem Weißen Haus an der Westküste gesprochen.

Der Präsident

weiß alles über diesen Fall und ist auf dem laufenden gehalten worden.
Ich habe nur nicht persönlich mit ihm gesprochen.
FRAGE:

Können Sie uns sagen, ob die Sowjetunion dem Flugzeug irgend-

eine Warnung übermittelt und es aufgefordert hat, zu landen; oder ob versucht wurde, es zur Landung zu zwingen, bevor es abgeschossen wurde?
ANTWORT:

Wir haben dafür keine Hinweise.

Offensichtlich gab es

keine Fähigkeit zur Kommunikation zwischen beiden Flugzeugen, aber, wie
aus der Erklärung hervorgeht, brachte sich das sowjetische Flugzeug, das
die Maschine der Fluggesellschaft abschoß, in eine Position, in der es
Sichtkontakt mit dem (koreanischen) Flugzeug hatte, so daß das Flugzeug
in Augenschein genommen werden konnte, um festzustellen, um was es sich
handelte.
FRAGE:

Ist Ihnen bekannt, ob die Sowjets versuchten, die Maschine

der KAL (Koreanische Fluggesellschaft) ohne den Einsatz von Raketen zum
Landen zu zwingen?
ANTWORT: Darüber liegen uns keine Informationen vor. Und wie ich
bereits gesagt habe, hat - soweit wir wissen - keine Kommunikation zwischen
den beiden Flugzeugen stattgefunden, abgesehen davon, daß die Sowjets dieses
Flugzeug zweieinhalb Stunden lang verfolgten; mindestens acht Kampfflugzeuge waren zum einen oder anderen Zeitpunkt in der Nähe, und das Flugzeug,
das die Maschine abschoß, war nahe genug heran, um es in Augenschein zu
nehmen.
FRAGE: Wußten sie etwas über irgendeine besondere Art sowjetischer
Militärübungen oder Manöver oder supermoderne Radaranlagen, die sich in die-

�sich in diesem Gebiet befunden haben könnten, und daß die Sowjets jedermann gewarnt hätten,fernzubleiben?
ANTWORT:
FRAGE:
ANTWORT:

Nein.
Können Sie uns irgendeine Erklärung anbieten?
Wir haben keine Erklärung anzubieten.

Wir können überhaupt

keinerlei Erklärung für den Abschuß eines unbewaffneten Linienflugzeuges
finden, ob es sich im Luftraum eines anderen befindet oder nicht.
FRAGE:

Wollen Sie sagen, daß die Entscheidung, dieses Flugzeug

abzuschießen, auf ziemlich hoher Ebene getroffen wurde, da es doch über
einen langen Zeitraum verfolgt wurde?
ANTWORT:

Ich gebe nur die Tatsachen weiter, die uns bisher bekannt

sind, und ich kann nicht über die mir vorliegenden Fakten hinausgehen.
Ich möchte hier keine Spekulationen anstellen.

Ich versuche, die Tatsachen

darzulegen, die wir kennen, und Ihnen die Haltung der amerikanischen Regierung und meine eigene Einstellung zum Abschuß einer unbewaffneten Linienmaschine aufzuzeigen.
FRAGE:

Meine Frage, Sir, zielte eigentlich darauf ab, ob Sie sich

vorstellen können, daß es über das Ihnen bisher Bekannte irgendeine politische Motivation gegeben haben könnte?
ANTWORT:

Ich kann mir keinerlei politische Motivation für den Ab-

schuß einer unbewaffneten Linienmaschine vorstellen.

+ + + + +

- 5 -

�7. September 1983

36

WARUM BRAUCHT DER WESTEN NOCH IMMER EXPORTKONTROLLEN?
Referat von Unterstaatssekretär Brady vor der Stanford-Universität

WASHINGTON - (AD) - In einem Referat, das der Unterstaatssekretär
für Außenhandelsfragen im amerikanischen Handelsministerium, Lawrence Brady,
am 25. August 1983 vor der Transatlantischen Ost-West-Handelskonferenz der
Stanford-Universität in Kalifornien gehalten hat, erklärte er, "es ist der
wirtschaftlichen Detente... nicht gelungen, ein verbrieftes Interesse der
Sowjetunion an der Mäßigung in ihrem revolutionären und expansionistischen
Verhalten zu begründen."

Er unterstrich deshalb die Notwendigkeit für die

Vereinigten Staaten, den bestehenden Ausfuhrkontrollmechanismus beizubehalten, auch wenn ihre Verbündeten in dieser Frage mit der amerikanischen Politik nicht vollkommen übereinstimmen.
Die Ausführungen Bradys haben, in Auszügen, folgenden Wortlaut:
Die Weltordnung, die sich in den achtziger Jahren herausbildet, wird
tief beeinflußt von den sowjetischen Möglichkeiten und der Art ihrer Nutzung durch die Sowjetunion.

Sie wird ferner durch die Art und Weise geprägt

werden, wie der Westen seine Beziehungen zur Sowjetunion und deren Verbündeten gestaltet.

Sicherlich werden die führenden Politiker im Westen auch be-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�auch bemüht bleiben, die Zusammenarbeit mit der sowjetischen Führung auf
Gebieten von gemeinsamem Interesse wie Rüstungskontrolle, naturwissenschaftliche Forschung, Medizin etc. in der Hoffnung weiterzuführen, daß die politischen Meinungsverschiedenheiten im Laufe der Zeit bereinigt werden können.
Die westlichen Führer müssen der Sowjetunion aber auch ihre Entschlossenheit
dartun, zu verhindern, daß die Technologie und die Hilfsquellen des Westens
von den Gegnern der westlichen Ideale dazu benutzt werden, die sozialen,
politischen und wirtschaftlichen Ziele der pluralistischen Demokratien zu
untergraben.
Angesichts des militärischen Aufbaus und der zerstörerischen politischen Aktionen der Sowjets in den siebziger Jahren ist es für den Westen
nur logisch, eine Politik zu betreiben, die die Sowjetunion dadurch zur
friedlichen Zusammenarbeit bringt, daß die Kosten für einen weiteren militärischen Aufbau oder für die Eskalation repressiver und abenteuerlicher
Aktivitäten immer größer werden-..
Die Erfahrungen der letzten 15 Jahre im Ost-West-Handel haben über
jeden Zweifel hinaus gezeigt, daß eine liberale Handelspolitik für sich
allein genommen keine hinreichende Voraussetzung für den Frieden oder für
die Weckung friedlicher politischer Absicht auf Seiten unserer Gegner ist.
Die wirtschaftliche Detente, die den Sowjets sicherlich ein echtes Interesse am Erwerb westlicher Güter und Technologien einbrachte, vermochte
nicht,auch ein echtes Interesse der Sowjets an einer Mäßigung in ihrem revolutionären und expansionistischen Verhalten zu wecken. Ganz im Gegenteil:
In dem Maße, in dem die sowjetische technologische Stärke zunimmt, richten
die Sowjets ihre Absichten immer deutlicher darauf, ihren politischen und
militärischen Einfluß weiter auszudehnen als je zuvor...
Die Detente hat die Sowjetunion zu größerem Wagemut im Gebrauch
ihrer Macht innerhalb der internationalen Völkergemeinschaft angespornt,
nicht aber zu einer Liberalisierung erheblichen Grades im eigenen Lande.
Die Sowjets wurden in ihren Vorstellungen von ihrem Eigeninteresse am

�Eigeninteresse am Handel mit dem Westen noch durch ihre Vorstellungen von
einer zunehmenden Abhängigkeit des Westens von den Märkten im Osten bestärkt - eine Abhängigkeit, die sie eifrig für politische Zwecke zu nutzen
suchten. Statt in die Lage zu kommen, ihren Handel mit den Sowjets jeweils
so zu gestalten, wie es das politische Geschehen erfordert, sahen sich die
Völker des Westens gezwungen, auf die Forderungen nach einer immer größeren
Liberalisierung einzugehen, während sich die Rezession in aller Welt immer
mehr vertiefte.
Im Gegensatz zu den Erwartungen hat die Fähigkeit der Sowjetunion,
westliche Technologie aufzunehmen und sich zu eigen zu machen, stark zugenommen - wodurch jedes neue Gerät und jede neue Technologie, die den Sowjets
geliefert werden, die führende Stellung des Westens auf dem Gebiet der
Technologie nur umso stärker gefährdet. In ähnlicher Weise hat die Einbeziehung der staatlich gelenkten Volkswirtschaften mit ihren Kompensationspraktiken in die internationalen Märkte bisher noch kaum richtig verstandene schwere Störungen der westlichen Mechanismen für die Finanzierung,
die Preisgestaltung und die Produktion mit sich gebracht. Kurz, der wirtschaftliche Einfluß des Ostens auf den Westen hat sich bisher als größer
erwiesen,als der des Westens auf den Osten...
Der Westen muß heute, mehr als zu jedem anderen Zeitpunkt in der Geschichte, eine strategische Wirtschaftspolitik aufrechterhalten, die die
Verwundbarkeit des Westens durch den Transfer neuer Technologien auf staatlich gelenkte Volkswirtschaften verringert und gleichzeitig die Vorteile
des friedlichen Handels erhalten hilft.

Nur eine einfühlsame und koordi-

nierte wirtschaftliche Sicherheitspolitik in Gestalt der Außenhandelskontrollen, die mit der größtmöglichen Einigkeit unter den Verbündeten
angewandt werden, kann uns helfen, dieses Ziel zu erreichen.

Bedauer-

licherweise begreifen die Sowjets weit besser als die meisten Politiker
und Denker im Westen, daß der Welthandel zu einem der wichtigsten Gebiete
des Wettbewerbs in der Auseinandersetzung zwischen den politisch-wirtschaftlichen Systemen des Ostens und des Westens geworden ist.
Die Nutzung
- 3 -

�Die Nutzung westlicher Technologie durch die Sowjets
Als die Reagan-Administration ihr Amt übernahm, gab sie eine Untersuchung in Auftrag, die im April 1983 veröffentlicht worden ist.

Sie do-

kumentiert den Umfang, in dem Technologie aus dem Westen durch doppelgleisige Nutzung für militärische Zwecke mißbraucht

wird.

Das Lastkraft-

wagenwerk am Fluß Kama dient vor anderen als ein hervorragendes Beispiel
für das Ausmaß, in dem die Sowjets westliche Technologie zur Förderung
ihrer aggressiven militärischen Ziele benutzen.

Das Kama-Lastkraftwagen-

werk produziert fast die doppelte Zahl von schweren Motoren wie Karosserien.
Eine große Zahl dieser Motoren werden, so nimmt man an, in gepanzerte Mannschaftstransportfahrzeuge und selbst in Panzer der Staaten des Warschauer
Paktes eingebaut.
Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die Technologie des
Westens die sowjetische Expansion in den Jahren der Detente erheblich gefördert hat. Sie hat erheblich zur Verbesserung der sowjetischen Rüstung,
ihrer Spionagegeräte und ihrer wirtschaftlichen Macht beigetragen. Erhebliche Fortschritte, insbesondere auf dem Gebiet der Mikroelektronik,
stellen nunmehr den qualitativen militärischen Vorsprung des Westens in
Frage. Weil die Sowjetunion hinsichtlich der Waffenentwicklung eine Haltung einnimmt, die sich sehr von der des Westens unterscheidet, zieht sie
aus dem Transfer westlicher Technologie für die eigene Forschung und Entwicklung doppelten Nutzen: Sie verbessert einmal ihre eigene Waffensysteme, und erwirbt zum anderen das technische Wissen, Abwehrmaßnahmen
gegen Systeme des Westens zu produzieren. Angesichts der neuen strategischen Verteidigungstechnologien, die sich gegenwärtig in Entwicklung
befinden und bei denen ein Vorsprung von entscheidender Bedeutung ist,
muß der Westen darauf hinarbeiten, seine Abwehrsysteme so umfassend und
so einsatzbereit wie nur möglich zu gestalten und sie noch stärker koordinieren.
Die Sowjetunion
- 4 -

�Die Sowjetunion investiert den Gegenwert von Hunderten von Milliarden Dollar jährlich in die Waffenentwicklung.

Es ist paradox, daß die

Sowjetunion gerade in der Zeit von 1960 bis 1980, in der dort die Investitionen, der Verbrauch pro Kopf der Bevölkerung und die Wachstumsraten des
Bruttosozialproduktes stark zurückgingen, ihre Verteidigungsausgaben so
sehr steigerte.

Die Verteidigungsausgaben bezifferten sich in der Zeit

von 1961 bis 1970 auf schätzungsweise 157 000 Millionen Dollar im Jahr,
und in der Zeit von 1971 bis 1980 auf schätzungsweise 223 000 Millionen
Dollar.

Die sowjetische! Verteidigungsausgaben nehmen mindestens 15 Prozent

des Bruttosozialproduktes in Anspruch - das ist nahezu das Doppelte ihres
Anteils in den Vereinigten Staaten.

Die Kontroverse um die Exportkontrollen
In den letzten zweieinhalb Jahren versuchte die Reagan-Administration,die Exportkontrollen dazu zu benutzen, dem wachsenden Strom an sicherheits-relevanten Technologien nach dem sowjetischen Block Einhalt zu gebieten und die politische Legitimität des aggressiven sowjetischen Vorgehens bloßzustellen.

Das hatte die Anwendung von Exportkontroll maßnahmen

sowohl in Rücksicht auf die nationale Sicherheit als auch um außenpolitische
Zielsetzungen willen zur Folge...
Die Sanktionen stießen auf Widerstand und lösten mehrere Kontroversen aus.

Die Vertreter gewisser Denkschulen sowohl in den Vereinigten

Staaten als auch in Europa sehen sie als den Grund für die übermäßigen
Spannungen zwischen dem Westen und seinen Gegnern und auch für Spannungen
unter den Alliierten an.
Der Frage der amerikanischen Exportkontroi 1 politik liegt die noch
wichtigere Frage zugrunde, die auch Motor der gesamten Sanktionen ist:
die Destabilisierung der Detente in der Zeit nach 1979. Bekanntlich wurden viele der ursprünglichen Annahmen in bezug auf die Detente in den

- 5 -

�in den letzten Jahren ernsthaft in Zweifel gezogen.

Für einige Leute be-

deutet dies, daß wir eine neue, vorsichtigere Haltung gegenüber dem Sowjetblock einnehmen sollten.

Die Meinungsverschiedenheiten in der Frage der

Exportkontrollen spiegeln zum Teil auch die Meinungsverschiedenheiten in
der Frage wider, welche Politik in den achtziger Jahren in den Ost-WestBeziehungen an die Stelle der Detente treten soll.
Die Sowjetunion versucht,diese Debatte über die Ost-West-Beziehungen
dazu zu benutzen, einen Keil zwischen die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten zu treiben.

Sie benutzt ihr Gewicht auf dem Gebiet des Handels

und der Energieversorgung dazu, die Streitfragen zwischen Ost und West zu
verschlimmern - und das in einem Jahr, in dem das Gesetz, das die Ausfuhrkontrolle autorisiert, zur Überarbeitung und Verlängerung ansteht.

Die

Angelegenheit wird so dargestellt, als handele es sich eindeutig um eine
Auseinandersetzung zwischen den Vereinigten Staaten und Europa.

Es handelt

sich hier aber nicht um einen Streitfall "Vereinigte Staaten gegen Europa",
sondern um eine weitreichende und grundlegende Debatte, die viele Elemente
in jedem einzelnen NATO-Land in Anspruch nimmt.

Sie schließt eine Neube-

wertung aller Fragen des Ost-West-Handels ein - von der Finanzierung bis
zur Energieabhängigkeit...

Wirtschaftsrationalismus
Vor allem eine Denkschule war rasch dabei, ihre Haltung in der
Debatte über den Ost-West-Handel zu artikulieren. Ich spreche von der
Schule des "Wirtschaftsrationalismus". Diese Denkschule benutzt Argumente wirtschaftlicher Art dazu, einer Verstärkung des Handels mit der
Sowjetunion und einer Verringerung der Kontrollen sowohl aus Gründen der
nationalen Sicherheit als auch um außenpolitischer Ziele willen das Wort
zu reden. Es ist verständlich, daß der Staat und die private Wirtschaft
nach neuen Märkten Ausschau halten, wenn es im Westen zu einer Schrumpfung
der Wirtschaftstätigkeit kommt, wie dies im Jahr 1973 und 1979 der Fall

- 6 -

�der Fall war.

Im Verein mit dieser natürlichen Reaktion wurden Ideen

und Theorien vertreten, die hinsichtlich ihres Ausmaßes oder Blickwinkels
als nicht unbedingt unparteiisch anzusprechen sind.
Eine dieser Theorien besagt, daß die Exportsanktionen von den Vereinigten Staaten dazu benutzt werden, einen Wirtschaftskrieg zu führen,
woraus man dann den Schluß zieht, die amerikanische Regierung nehme an,
daß gewisse Sektoren der sowjetischen Wirtschaft zusammenbrechen werden,
sobald die Exporte des Westens ausbleiben.

Das ist eine irrige Definition

der Problemstellung und des Inhalts dieser Politik.

Ziel der Sanktionen

ist es nicht, die sowjetische Wirtschaft zum Zusammenbruch zu bringen, sondern politische und wirtschaftliche Verwundbarkeiten im Westen zu verhindern und einen strengen politischen Tadel aussprechen zu können, wenn ein
solcher am Platze ist...
Der ernsthafteste politische Schaden, den wir der Sowjetunion zufügen können, wenn sie den internationalen Normen zuwiderlaufende Verhaltensweisen an den Tag legt, besteht darin, sie in diesem Verhalten international bloßzustellen.

Immer wenn im Westen ein solcher wirtschaftlicher

Tadel formuliert, debattiert und in die Praxis umgesetzt wird, erwacht
das Bewußtsein der westlichen Öffentlichkeit.

Der breite Raum, den die

Medien einer solchen Politik widmen, hilft im Verein mit den Sanktionen
als solchen mit, die Legitimität des fraglichen sowjetischen Vorgehens
unglaubwürdig zu machen...
Die Vertreter des "Wirtschaftsrationalismus" weisen ferner darauf
hin, daß Sanktionen wenig Aussicht bieten, die Haltung der Sowjets zu verändern, weil diese auch ohne westliche Exporte "zurecht kommen"

und Er-

satz für die mit einem Ausfuhrverbot belegten Waren aus anderen Quellen
jederzeit erhältlich sind. Die Frage, wie sich die sowjetische Haltung
verändern lasse, ist keineswegs die einzig relevante Frage.

Es ist heute

ebenso wichtig, den Grad zu analysieren, in dem die Wirtschaftspolitik
des Bündnisses es der sowjetischen Regierung schwer machen kann, aggressive
- 7 -

�kann, aggressive Ziele innerhalb der Völkergemeinschaft zu verfolgen oder
sich neue solcher Ziele zu setzen...
In den europäischen Ländern entfällt traditionsgemäß ein weitaus
größerer Anteil am Bruttosozialprodukt auf den Handel mit dem sowjetischen
Block.

Ein großer Teil dieses Handels besteht aber, und dürfte auch weiter

hin bestehen, aus geringerwertigen Fertigwaren und landwirtschaftlichen Pro
dukten, die vom COCOM nicht kontrolliert werden, weil sie nicht sicherheitsrelevant sind.

Das Phänomen der Verkäufe'von kontroll Pflichtigen Aus-

rüstungen nicht-amerikanischen Ursprungs an den Sowjetblock steht in engem
Zusammenhang mit anderen politischen und wirtschaftlichen Ereignissen.
Hinzu kommt:

Wenn die Vereinigten Staaten eine

feste

und entschlossene

Haltung einnehmen, können sie damit häufig die Verfügbarkeit von solchen
Gütern und Technologien durch ernsthafte Verhandlungen beeinflussen...
Ein letztes Argument, das die Anhänger der Schule des Wirtschaftsrationalismus vorbringen, besagt, der Handel mit dem sowjetischen Block
solle "normalisiert" werden. Normalisierung des Handels ist jedoch ein
unscharfes Konzept. Der Handel zwischen Gegnern unterliegt nicht denselben
Regeln wie der Handel unter Verbündeten. Es gibt kaum Beweise dafür, daß
es so etwas wie "Normalität" im Handel zwischen marktwirtschaftlich und
nicht-marktwirtschaftlich organisierten Ländern geben kann, weil die Preissysteme und das Geschäftsgebaren sehr unterschiedlich sind. Darüber
hinaus bringen Geschäfte mit Gegnern auf rein kommerziellen Grundsätzen
nicht notwendigerweise eine "Normalisierung" der Gesamtbeziehungen mit
sich. Es können auf anderen Gebieten Spannungen fortbestehen, die die
"Normalisierung" der Gesamtbeziehungen unmöglich machen. Wie könnten die
Vereinigten Staaten beispielsweise es rechtfertigen, die Außenhandelskontrollen zu lockern und der Sowjetunion hochtechnische Produkte zu verkaufen, von denen sie zu einem großen Teil hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Entwicklung während des nächsten Jahrzehnts abhängig sein wird,
wenn die Sowjets oder ihre Handlanger die Sicherheit der Vereinigten Staaten in Lateinamerika bedrohen.
Schlußbetrachtung
- 8 -

�Schlußbetrachtung
Um die Herausforderungen der achtziger Jahre bestehen zu können,
ist es wichtig für den Westen, Elemente einer umfassenden wirtschaftlichen
Sicherheitspolitik zu entwickeln.

Wir wollen es nicht erleben, daß unser

entscheidend wichtiger Vorsprung in der strategischen Technologie durch unbedachte Transfers an potentielle Gegner zunichte gemacht wird.

Und wir

wollen es auch nicht erleben, daß unsere Volkswirtschaften durch drohende
nationale Bankrotte oder durch die Unterbrechung der Rohstoff- und Energiezulieferungen gefährdet werden.

Wir können es uns nicht leisten, der

Sowjetunion einen unangemessenen Einfluß auf unsere Volkswirtschaften einzuräumen.
Wenn wir hoffen, unseren Handlungsspielraum innerhalb der Weltwirtschaft aufrechterhalten und uns abträgliche militärische und diplomatische
Gelegenheiten der Sowjets begrenzen zu können, müssen wir zusammenstehen
und ein wirksames Exportkontroll System gegenüber dem Sowjetblock anwenden und durchsetzen. Nur eine behutsame Handelspolitik gegenüber der
Sowjetunion wird die Gefahr einer militärischen Auseinandersetzung abwenden und die wirtschaftliche und militärische Stärkeres Westens bewahren
können. Der Westen muß die Kräfte des freien Handels davor bewahren,
eine irreparable Störung des Gleichgewichts der Kräfte zu verursachen.

- 9 -

�36

7. September 1983

INTERVIEW MIT EDWARD ROWNY ÜBER RÜSTUNGSKONTROLLE
- Von Morgan Strong Das nachfolgende Interview mit dem
amerikanischen Chefunterhändler bei
den START-Verhandlungen, Edward Rowny,
erschien in der Ausgabe von "USA TODAY"
vom 31. August 1983. Interviewer war
Morgan Stronq.
Copyright USA TODAY.

USA TODAY: Sie sagen, es habe bei den START-Verhandluncen Bewegung gegeben.
Ihr sowjetischer Gesprächspartner wiederum hat Washington beschuldigt, Zeit zu
schinden. Gibt es Fortschritt?
ROWNY:

Präsident Reagan hat mir die Möglichkeit gegeben, mit großer Flexibilität

an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Er beauftragte mich, so mit den Sowjets

zu verhandeln, daß ihren Besorgnissen Rechnung getragen werden könnte.

Ich habe

den Sowjets während unserer letzten Runde diese Flexibilität gezeigt, und auch
sie haben im Gegenzug einige Flexibilität bewiesen. Wir sind nähe&gt;" an einem
Rahmen, innerhalb dessen wir ein Abkommen erreichen können. Es gibt noch immer
große Meinungsverschiedenheiten, die uns trennen, es gibt also noch keinen echten
Durchbrucho Aber es g w beträchtliche Bewegung, und unsere Seite hat dabei die
Initiative ergriffen.
FRAGE
Sind Sic

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Telex: 8-85432

�FRAGE: Sind Sie hinsichtlich eines Abkommens optimistisch?
ANTWORT: Ich bin hoffnungsvoll. Ich glaube, daß die Sowjets letztlich sehen
werden, daß es auch in ihrem Interesse ist, zu einem Abkommen zu gelangen.
Die Vergangenheit hat ihnen gezeigt, daß sie in der Lage waren, - oder den Eindruck hatten, es sei möglich -, Abkommen zu erlangen, die zu ihrem Vorteil waren.
Dieser Glaube muß ihnen genommen werden. Wir möchten ihnen zeigen, daß wir Abkommen wollen, daß wir Verringerungen wollen, aber daß wir ein ausgewogenes Abkommen brauchen, damit Parität existiert. Wenn wir uns in diese Richtung bewegen,
dann bin ich hoffnungsvoll, daß wir auf diese Weise zu einem Abkommen gelangen
können.
FRAGE: Gibt es denn nicht schon jetzt, grob gesprochen, eineParität bei den Kernwaffen zwischen den USA

und der Sowjetunion?

ANTWORT: Das ist keine Frage, die sich einfach mit Ja oder Nein beantworten läßt.
Es geht darum, daß wir bei einer Reihe destabilisierender Waffensysteme hinten
liegen. Sie haben zum Beispiel bei ihren landgestützten Raketen einen Vorteil
von 3 zu 1 - sowohl hinsichtlich der Anzahl als auch hinsichtlich der Wirkung,
die wir Wurfgewicht nennen. Wir hingegen bewegten uns kaum vorwärts, um während
de1-* SALT Il-Verhandlungen ein Beispiel zu setzen. Diejenigen, die da sagen, es
gäbe in etwa eine Parität, sind nicht richtig informiert. Die Sowjets können
unsere landgestützten Systeme in Gefahr bringen. Sie verfügen über eine Erstschlagkapazität, wir nicht.
FRAGE: Wie wollen diejenigen, die behaupten, es gäbe eine ungefähre Parität,
dies beweisen?
ANTWORT: Da gibt es eine Menge von Annahmen - zum Beispiel, wir hätten bereits
genug Waffen, um schon einiges an Installationen, Städten und Menschen in der
Sowjetunion zu zerstören. Das stimmt nicht. Unser Hauptziel, an das wir glauben,
ist die Schaffung einer Situation der Stabilität in Krisenzeiten

- wir wollen

�wir wollen nicht, daß eine destabilisierende Situation geschaffen wird.
FRAGE: Es stimmt, daß die Sowjets fast 6 000 Interkontinentalraketen haben,
wir etwa 2 000. Allerdings haben wir bei der Gesamtzahl der Kernwaffen
30 000 und sie 20 000. Ist das denn keine Parität?
ANTWORT: Nein, das ist nicht richtig. Das liegt weit daneben. Wenn man diese
Dinge betrachtet, dann muß man auf die Gefechtsköpfe der Raketen sehen - bei den
Interkontinentalraketen (ICBM) wie bei den unterseebootgestützten Raketen (SLBM).
Das sind diejenigen, die in etwa 30 Minuten auf die andere Seite fliegen können.
Hier haben beide Seiten etwa 7 500 Gefechtsköpfe. Wir haben etwa 2 100 ICBMGefechtsköpfe, der Rest sind SLBM-Gefechtsköpfe. Die ICBM-Gefechtsköpfe machen
aber den eigentlichen Unterschied aus, denn sie sind diejenigen mit der Treffgenauigkeit und dem Wurfgewicht,auf die es ankommt. Und ihre ICBM haben das
dreifache Wurfgewicht der unsrigen.
FRAGE: Ihre Raketen sind also besser?
ANTWORT: Die Mehrzahl der unsrigen liegen in der Kategorie unterseebootgest'ützt und
haben daher nicht die Treffgenauigkeit und das Wurfgewicht, um die sowjetischen
Systeme zu gefährden. Ihre Mehrheit liegt bei den ICBM, wo sie die Treffgenauigkeit und das Wurfgewicht haben.
FRAGE: Bedeutet das, daß die Vereinigten Staaten nicht mehr länger vor einem
sowjetischen Angriff abschrecken können?
ANTWORT: Abschreckung ist für jeden etwas anderes, sie ist etwas sehr Subjektives.
Die Sowjets sollten sich abgeschreckt fühlen, denn sogar dann, wenn sie unsere
ICBM zerstört hätten, würde uns eine beträchtliche Streitmacht zur See bleiben,
die nicht angegriffen wäre und die zurückschlagen könnte.
FRAGE: Warum sollten sie dies jemals außer acht lassen?
ANTWORT: Angesichts

�ANTWORT: Angesichts ihrer gewaltigen Zivil Verteidigungsprogramme und der Betonung, die sie auf die Verteilung ihrer Bevölkerung und ihrer Fabriken sowie
auf die Härtung ihrer Raketeninstallationen legen, könnten sie sich möglicherweise nicht abgeschreckt fühlen. Wir wollen die Kluft zwischen unseren beiden
Waffensystemen verringern, damit auch in Zukunft keine sowjetische Führung ein
Gefühl der Abenteuerlust bekommt, weil sie einen gewissen Machtvorsprung hat.
Dann gäbe es auch eine größere Chance dafür, eine Eskalation zu vermeiden.
Darum geht es ganz einfach.
FRAGE: Aber wären die Sowjets denn nicht stets durch das Wissen abgeschreckt,
daß sie durch eine amerikanische Vergeltung gewaltig leiden würden?
ANTWORT: Nur dann, wenn wir ihre Streitkräfte gefährden können - und nicht
einfach nur ihre Städte und die Bevölkerung. Wir haben genug Waffen, um ihre
Städte und die Bevölkerung zu gefährden, aber das genügt nicht für eine stabile
Situation. Wir wollen nicht, daß uns die Gegenschlagkraft aus der Hand gleitet
und sie dadurch das Gefühl bekämen, sie könnten ein Risiko eingehen.
FRAGE: Eskaliert der Bau der MX-Rakete denn nicht das Wettrüsten?
ANTWORT: Nein, überhaupt nicht. Die Sowjets entwickeln bereits eine fünfte
Raketengeneration und wir sind noch immer bei unserer zweiten Generation.
Unsere MINUTEMAN-Raketen sind allmählich veraltet. Wir müssen modernisieren und
zumindest eine dritte Generation bekommen.
FRAGE: Aber die MX ist eine Erstschlagwaffe. Ist dies denn nicht destabilisierend?
ANTWORT: Das MX-Program wird recht zurückhaltend sein; es wird sich auf 100 Raketen
belaufen. Die Sowjets wären keinesfalls in der Lage, zu argumentieren, wir bauten
eine Erstschlagkapazitat auf. Wir dienen der Abschreckung, indem wir versuchen,
die gewaltige Kluft zwischen uns zu verringern. Die MX würde nicht vi^1 dazu
beitragen, die Kluft beim Wurfgewicht zu verringern, denn während wir diese Raketen
aufstellen, stellen wir unser System der ersten Generation außer Dienst. Unser
- 4 -

�Unser Wurfgewicht wird daher dasselbe bleiben.
sein als die MINUTEMAN.

Aber die MX wird treffgenauer

Die Sowjets haben bereits mehr als 640 Raketen, die so

wie die MX oder noch größer sind.

Daher bedeutet die MX überhaupt keinerlei

Eskalation.
FRAGE: Der B-l-Bomber ist in der Produktion; die B-52-Bomber werden mit Marschflugkörpern ausgerüstet.

Die TRIDENT I, eine Unterseeboot-Rakete, wird disloziert,

gefolgt von der TRIDENT II. Gleichzeitig versuchen wir, Verringerungen auszuhandeln.

Ist das nicht ein Widerspruch?

ANTWORT: Ja, das ist es. Aber man darf nicht vergessen, daß Amerika während der
15 Jahre, in denen man über Abrüstung verhandelte, mehr oder weniger auf der
Stelle trat. Es gab einige Verbesserungen hier und da, aber im Vergleich hierzu
haben die Sowjets immer nur gebaut, gebaut und gebaut. Sie haben 16 Prozent ihres
Bruttosozialproduktes in die Streitkräfte gesteckt, wir nur etwa 6 Prozent.
FRAGE: Können wir aufholen und zur selben Zeit verringern?
ANTWORT: Wir modernisieren unsere Unterseeboot-Flotte, aber das wird erst gegen
Ende des Jahrzehnts der Fall sein. Was wir bei den START-Verhandlungen tun, ist,
zu sagen: Wir werden verringern, wenn die Sowjets dasselbe tun. Und wir bieten an,
unsere neuen unterseebootgestützten Raketen vom Typ TRIDENT II etwa um die Hälfte
zu reduzieren. Wir bieten also auch den Sowjets etwas an. Es stimmt, daß wir
luftgestützte Marschflugkörper entwickeln, aber das tun auch die Sowjets. Sie
bleiben nicht stehen.
FRAGE: Sie haben gesagt, es sei schwierig, mit den Sowjets zu verhandeln.

Sind

sie unehrlich?
ANTWORT: Es ist ein Unterschied zwischen Schwierigkeit und Ehrlichkeit.

Ich habe

die Sowjets studiert, ihre Sprache, alles, was je über Verhandlungen mit ihnen
geschrieben wurde.
lungen geführt hat.

Ich habe mich mit jedem unterhalten, der je mit ihnen VerhandEs läßt sich ein gewisses Verhaltensmuster erkennen.
- 5 -

Sie sind

�Sie sind sehr geduldig - wir nicht. Sie sind ein sehr diszipliniertes Volk.
Wir haben von Natur her mit unserer offenen Gesellschaft nicht dieses Maß von
Disziplin.
FRAGE: Wie hilft ihnen diese Disziplin?
ANTWORT: Sie sind sehr hartnäckige Unterhändler. Sie glauben an den Buchstaben
des Gesetzes, und wenn man etwas schriftlich niedergelegt hat und sie dazu bringt,
dem zuzustimmen, dann werden sie sich wortwörtlich daran halten. Sie geben einem
nicht die Hand und sagen: "Wir haben den Geist eines Abkommens." So ist das bei
ihnen nicht. Bei unserer Entscheidungsfindung gibt es einen gewissen griechischen
Rationalismus. Bei ihnen nicht. Wir haben das römische Recht. Sie nicht. Wir haben
eine Magna Charta. Sie nicht. Wir haben die Trennung von Kirche und Staat. Sie
nicht. Wir hatten eine Romantik und eine Renaissance. Sie nicht.
FRAGE: Was bedeutet das für die laufenden Verhandlungen?
ANTWORT: Unser grundlegendes Problem besteht darin, daß wir dazu neigen, den
anderen wie uns selbst zu sehen. Wir sehen die Sowjets mit unseren eigenen Augen.
Wir analysieren sie nicht gut genug, um zu wissen, daß sie harte Unterhändler sind.
Sie sind zäh. Sie sind sehr realistisch. Es gibt bei ihnen nichts umsonst; sie
geben nichts für nichts.

+++++

�36

7. September 1983

DAS KERNWAFFENINVENTAR DER VEREINIGTEN STAATEN
Die nachfolgende Dokumentation wurde
vom amerikanischen Verteidigungsministerium am 25. August 1983
herausgegeben.

- (AD) - Diese Dokumentation geht auf einen wichtigen Aspekt der laufenden
Debatte über unsere nationale Verteidigungs- und Rüstungskontrollpolitik ein - den
Umfang des Kernwaffeninventars der Vereinigten Staaten.

(Mit "Inventar" meinen

wir alle unsere Atomwaffen, ganz gleich, ob sie in den Vereinigten Staten oder
bei unseren Streitkräften im Ausland disloziert sind, ob sie eingelagert oder
auf Trägersystemen wie etwa Interkontinentalraketen

montiert sind.)

Es wird oft erklärt oder angenommen, daß die Anzahl der Kernwaffer ständig
zunehme, und daß wir derzeit mehr Kernwaffen denn je besaßen. Dies trifft für
den Fall der Sowjetunion zu, deren Vorräte seit dem Zeitpunkt, da die UdSSR 1949
zum erstenmal über Kernwaffen verfügte, ohne Unterbrechung zugenommen haben.
Für die Vereinigten Staaten trifft aber gerade das Gegenteil zu: Die Anzahl der
Waffen im amerikanischen Nukleararsenal ist derzeit auf or...&lt; niedrigsten Stand
seit 20 Jahren.
Gemäß dem

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�Gemäß dem Atomenergiegesetz von 1946 genehmigt der Präsident jedes Jahr
die Produktion von Kernwaffen und setzt auch die Gesamtzahl aller Nulearwaffen
fest.

Umfang und Eigenschaften des Kernwaffeninventars der Vereinigten Staaten,

wie es vom Präsidenten genehmigt wird, wiesen im Lauf der Jahre erhebliche
Unterschiede auf.

Während der ersten Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg war das

Inventar sehr klein, da es nur begrenzte Mengen von Kernmaterial gab - Plutonium
und angereichertes Uranium - und weil die Sowjets noch keine Kernwaffen entwickelt
hatten.

So hatten wir 1945 nur zwei Kernwaffen auf Lager; 1946 waren es neun; 1947

dreizehn; im Jahr 1948 ganze 50. Nach den ersten Kernwaffenversuchen der Sowjets
im Jahr 1949 und angesichts der ernsten internationalen Lage begannen die Vereinigten Staaten damit, mehr Kernwaffen zu beschaffen.

Dieser Anstieg beschleunigte

sich Ende der fünfziger und Anfang der sechziger Jahre.
Die Anzahl der Waffen im amerikanischen Kernwaffenarsenal erreichte schließlich
Mitte der sechziger Jahre ihren Höhepunkt mit einigen zehntausend - die genaue
Zahl ist geheim.

Seit dieser Zeit ging der Lagerbestand beträchtlich zurück, die

Anzahl der Waffen in unserem Arsenal insgesamt war 1967 um ein Drittel höher als
heute.

Mehr noch:

Die Gesamtsprengkraft des Inventars ging sogar noch eindrucks-

voller zurück, da wir viele große Waffen mit hoher Sprengkraft außer Dienst
gestellt haben.

Als Ergebnis verringerte sich die Gesamtmegatonnage unserer

Kernwaffen seit 1960 um 75 Prozent.
Da der Großteil des amerikanischen Arsenals in den sechziger Jahren gebaut
wurde, sind diese Waffen allmählich veraltet. Wir sind daher zu der Überzeugung
gelangt, daß wir unsere Streitkräfte modernisieren müssen, um die Sicherheit
unserer Kernwaffen zu erhöhen und die Wirksamkeit unserer Abschreckung aufrechtzuerhalten. Mit der Herstellung neuer Waffen werden wir jedoch alte auseinandernehmen und verschrotten. Größere Sicherheit, Überlebensfähigkeit und Wirksamkeit nicht aber größere Anzahl - sind die Ziele unseres Programms der Streitkräftemodernisierung. In einigen Fällen können wir diese Ziele tatsächlich mit
weniger - aber moderneren - Waffen erreichen, als wir zuvor hatten. Als wir

�«

Als wir und unsere NATO-Verblindeten übereinkamen, mit dem Doppelbeschluß nukleare
Mittel Streckensysteme größerer Reichweite (LRINF) in Europa in Reaktion of die
sowjetische Aufrüstung mit SS-20-Raketen zu dislozieren und gleichzeitig Rüstungsverringerungen mit der Sowjetunion anzustreben, beschlossen wir zugleich,
1000 ältere Kernwaffen aus Europa abzuziehen.

Zudem beschlossen wir, für jede

neue LRINF-Rakete, die wir dislozieren müßten, eine weitere Waffe abzuziehen.
Der amerikanische Vorschlag bei den INF-Gesprä'chen, die amerikanischen und
sowjetischen LRINF-Raketen zu beseitigen, würde jede Notwendigkeit zu NATO-Dislozierungen überflüssig machen. Wir haben außerdem ein Zwischenabkommen vorgeschlagen, das die Gefechtsköpfe der INF-Raketen beider Seiten beträchtlich auf
jeweils gleichen Umfang reduzieren würde. Bei den START-Verhandlungen haben wir
umfassende Verringerungen der sowjetischen un&lt;-' amerikanischen strategischen
Streitkräfte gefordert. Sollten diese Vorschläge verwirklicht werden, so würde
der Umfang unseres Arsenals beträchtlich abnehmen. Sogar wenn wir unser Ziel
der beträchtlichen Rüstungsverminderung auf dem Verhandlungswege nicht erreichen
sollten, würden unsere langfristigen Pläne lediglich einen bescheidenen Zuwachs
im Umfang des amerikanischen Arsenals für die nächsten 15 Jahre mitsichbringen.
Nach diesen Plänen würde die Anzahl unserer Kernwaffen weit unter dem Mitte der
sechziger Jahre erreichten Umfang liegen, während die Modernisierung und der
Ersatz existierender Trägersysteme es uns erlauben wird, auch weiterhin die durchschnittliche Sprengkraft unserer Waffen zu erringern.
So bedauerlich es auch ist: Solange wir nicht in der Lage sind, die Drohung
eines Atomkriegs völlig zu beseitigen, müssen die Vereinigten Staaten über Kernwaffen als ein Mittel der Abschreckung verfügen. Wir müssen auch weiterhin einen
Atomkrieg vermeiden und unseren nationalen wie internationalen Zielsetzungen und
Verpflichtungen gerecht werden, indem wir sicherstellen, daß unser Kernwaffeninventar geschützt, sicher und in der Lage ist, die Sowjetunion davor abzuschrecken,
Gewalt gegen uns oder unsere Verbündeten anzuwenden oder damit zu drohen. Während
der Verfolgung dieser wichtigen Zielsetzungen bleiben wir fest dazu entschlossen,
das niedrigst mögliche Maß an Kernwaffen zu unterhalten, das mit unserer
nationalen Sicherheit und der unserer Verbündeten in Einklang steht.
+++++
- 3 -

�7. September 1983

36

DIE DEUTSCHE SPRACHE IN AMERIKA
Eine deutschsprachige Zeitung in Philadelphia berichtete am 5. Juli 1776
als erste über die Annahme der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung

Dies ist der dritte von sechs Artikeln
über die Deutschen in Amerika, die wir
im Zusammenhang mit den Feierlichkeiten
anläßlich des 300. Jahrestages deutscher
Einwanderung in Amerika bis zum 6. Oktober veröffentlichen.

- (AD) - Die deutsche Sprache blickt in der Neuen Welt auf ein langes und ruhmvolles Erbe zurück, das bis auf die ersten Siedler in Germantowns zurückreicht.

Das erste bedeutende Ereignis dieser Geschichte geht

auf den 1693 in der Pfalz geborenen Christoph Säur zurück.

1738 eröff-

nete Säur in der Siedlung Germantown die erste deutschsprachige Druckerei
Amerikas.

Am 20. August 1739 begann die Publikation des "Pennsylvanischer

Geschichts-Schreiber", der ersten erfolgreichen Zeitung Amerikas in deutscher Sprache.

Bis zum Jahre 1743 hatte Säur eine Leistung vollbracht,

die seinen Namen in die Annalen des amerikanischen Verlagswesens eingehen
ließ:

Er druckte in der Neuen Welt die erste Auflage der Bibel in einer

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�in einer europäischen Sprache - die Luthersche Übersetzung des Alten
und Neuen Testaments.

Saurs Verlagshaus in Germantown kann auch die

Veröffentlichung der ersten erziehungswissenschaftlichen Abhandlung in
Amerika für sich beanspruchen:

Christopher Docks "Schulordnung", die im

Jahre 1750 erschien.
Nur 33 Jahre nachdem Christopher Säur die deutsche Presse in
Amerika ins Leben gerufen hatte, übernahm eine weitere deutschsprachige
Zeitung, der "Pennsylvanische Staatsbote"

des Herausgebers Heinrich

Miller, eines Bürgers Waldecks, diese Tradition.

Sie berichtete am 5. Juli

1776 über die Entscheidung des Kontinentalkongresses, die amerikanische
Unabhängigkeitserklärung anzunehmen,und war damit die erste Zeitung, die
diese historische Begebenheit veröffentlichte.

Am 9. Juli 1776, dem

Tage nach der Proklamation der Unabhängigkeitserklärung in Philadelphia
und dem Tage»an dem sie General George Washington und seinen Truppen in
New York City vorgelesen wurde, druckte Miller

als energischer Verfech-

ter der revolutionären Sache das gesamte Dokument in deutscher Übersetzung.
Während des 19. Jahrhunderts nahm die deutschsprachige Presse an
Bedeutung und Ansehen zu, was zum Entstehen einer Reihe weiterer deutschsprachiger Zeitungen beitrug, die auch heute noch eine wichtige Rolle im
amerikanischen Verlagswesen spielen. Die "New Yorker Staats-Zeitung", die
noch heute erscheint, brachte ihre erste Ausgabe am Weihnachtsabend des
Jahres 1834 heraus, eine Tatsache, die die Zeitung zu einer der ältesten
überhaupt in den Vereinigten Staaten macht. Das "Washington Journal",
eine deutschsprachige Zeitung.die im District of Columbia herausgegeben wird, ist die älteste Zeitung der amerikanischen Hauptstadt.
Die lange Tradition deutscher Sprache in Amerika wird jedoch von
einer weitverbreiteten - häufig angezweifelten - Geschichte überschattet,
die von der deutschen Sprache als offizieller Landessprache der USA berichtet, über die Jahre ist diese Legende auf eine große Anzahl verschiedener Quellen zurückverfolgt worden. Doch gibt der bekannte deutsch-

�bekannte deutsch-amerikanische Sprachwissenschaftler H.L. Mencken die
wohl plausibelste Erklärung in der Ergänzungsausgabe zu seinem Buch "The
American Language".

Darin zitiert Mencken einen Abschnitt aus dem Buch

des deutschen Autors Franz Loher, in dem dieser schildert, daß im Parlament des Bundesstaates Pennsylvania eine Abstimmung vorgenommen wurde,
die eine Entscheidung darüber herbeiführen sollte, ob Deutsch offizielle
Landessprache werden sollte.
stimmung unentschieden aus.

Wie die Geschichte erzählt, ging die AbDer Sprecher (Präsident) des Parlaments, Fried-

rich Augustus Conrad Muhlenberg, wurde gebeten, die ausschlaggebende Stimme abzugeben.

Als Amerikaner rein deutscher Abstammung, so wird behauptet,

habe sich Muhlenberg für die englische Sprache entschieden.
Nach Mencken ist diese Geschichte jedoch aus der Luft gegriffen,
eine solche Abstimmung habe niemals stattgefunden. Wahr ist jedoch eine
andere Geschichte, die den Kongreß der Vereinigten Staaten und eine Gruppe deutscher Einwanderer aus Virginia betrifft. Die Deutsch-Amerikaner
aus Virginia legten am 9. Januar 1794 dem Kongreß eine Petition vor, in
der sie die Veröffentlichung einiger Gesetze in deutscher Fassung beantragten zur Erleichterung jener, die noch kein Englisch gelernt hatten.
Der Antrag wurde jedoch vom Hauptausschuß mit 42 zu 41 Stimmen abgelehnt.
Es ist nich bekannt, ob der Sprecher des Hauses angerufen wurde, die entscheidende Stimme abzugeben, aber es mag wohl die knappe Entscheidung der
Abstimmung selbst gewesen sein, die im Lauf der Zeit zu der Spekulation
Anlaß gab, es habe nur eine Stimme gefehlt und die deutsche Sprache wäre
heute die offizielle Landessprache der Vereinigten Staaten von Amerika.

+ + + + +

- 3 -

�Wi//en/chaft
und Technik

I

United States Information Service
Embassy of the United States of America

36

7. September 1983

PERFEKTE NACHTLANDUNG
Raumtransporter CHALLEIIGER vom dritten Einsatz zurück

- (AD) - Spektakulär wie der nächtliche Start am 30. August war die Landung
der Raumfähre CHALLENGER am 5. September 1983 eine dreiviertel Stunde nach
Mitternacht. Schon aus 200 km Entfernung konnten die Astronauten mit Hilfe des
Scheinwerferlichts ihr Ziel auf der Erde ausmachen. Die Landebahn auf dem Flughafen Edwards Air Force Base in Kalifornien war taghell erleuchtet, Xenonlampen
gaben zusätzliche Orientierungshilfe. Die Piloten - Kommandant Richard H. Truly
und sein Kopilot Daniel C. Brandenstein - hatten keinerlei Schwierigkeiten, den
Weltraumgleiter sicher aufzusetzen und zum Stehen zu bringen. Hätten die Wetterbedingungen in der Nacht ein - und wenn auch nur geringes - Risiko bedeutet,
wäre Truly auf einer, der ebenfalls in Bereitschaft gehaltenen Reservelandeplätze ausgewichen.
Mit Infrarotkameras war die CHALLENGER beim Näherkommen und Einschweben zu
verfolgen. Die Wärmestrahlung vom Hitzeschild, eine Folge der starken Reibung
mit der Luft beim Wiedereintauchen in die Erdatmosphäre, hielt, wie von den sieben
vorausgegangenen Landungen gewohnt, noch eine Weile an. Journalisten konnten
die Rückkehr beobachten, die Öffentlichkeit war jedoch ausgeschlossen - im Gegensatz zum Start, als eine große Menschenmenge den gewaltigen Feuerschweif der

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�Feuerschweif der Raketen des Raumtransporters bis in mehr als 100 km Höhe verfolgen konnte.
- Medikamente aus der Weltraumfabrik Schon drei Stunden nach dem Start am Kap Canaveral hatten die beiden
Missionsspezialisten Bluford und Gardner das Elektrophorese-Experiment (EOS Electrophoresis Operations in Space) in Gang gesetzt.

Das Verfahren zum Ab-

trennen bestimmter Komponenten aus biologischen Substanzen (z.B„ Blut, Zellkulturen oder Körperflüssigkeiten) unter der Einwirkung von elektrischem Strom
wird seit dem vierten "Space Shuttle"-Flug im Juni 1982 im Weltraum erprobt.
Zwar ist die Methode in medizinischen Laboratorien schon seit geraumer Zeit
eingeführt.

Ihre Effektivität ist jedoch unter den nahezu schwerelosen

Bedingungen im Erdorbit sowohl hinsichtlich der Materialmengen, die aufbereitet
werden können, als auch des Reinheitsgrades der Produkte sehr viel größer.
Dies zeigten jedenfalls die bisherigen Erfahrungen der McDonnell Douglas Comp.
(St. Louis, Missouri), wo die Apparatur entwickelt wurde, und der Forscher von
der Washington-Universität in St. Louis, die Experimente wissenschaftlich vorbereiteten.
Dieses Mal wurden sechs verschiedene Proben biologischer Materialien mitgeführt - zwei Proben mit Zellen von menschlichen Nieren, zwei Proben mit Hypophysenzellen (Zellen der Hirnanhangdrüse) von Ratten, und zwei Proben mit
Pankreas- (Bauchspeicheldrüsen) Zellen von Hunden. Aus Nierenzellen läßt sich
das Enzym Urokinase gewinnen, das wegen seiner Fähigkeit zum Auflösen von BlutzellVerklumpungen im Gefäßsystem bei bestimmten Herzleiden und bei Schlaganfall
von Bedeutung ist. Kulturen von Hypophysenzellen sind "Rohstoff" für die
Gewinnung von Wachstumshormon, mit dem Kleinwuchs bei Kindern und Jugendlichen
behandelt werden kann. Und Pankreaszellen sind die Quelle für das wichtige
Hormon Insulin zur Regulierung des Zuckerspiegels im Organismus.
Professor Scharf

�Professor Scharf und Mitarbeiter von der Washington-Universität versuchen
derzeit herauszufinden, welche der Insulin produzierenden Pankreaszellen sich
am besten für eine Implantation bei Diabetikern eignen könnten.

Sie betonen

. jedoch, daß noch vor der Erprobung des auf dem Weg der Elektrophorese isolierten
Materials die Wissenschaftler sicher sein müßten, durch die EOS-Methode genügend
große Mengen Insulin produzierender Zellen für die kommerzielle Anwendung zu
gewinnen, und daß der Zell typ auch tatsächlich der bestgeeignete für den menschlichen Organismus sein müsse. McDonnell Douglas plant zusammen mit einer
pharmazeutischen Firma einen Prototyp für die Produktion verschiedener Arzneimittel und anderer pharmazeutischer Präparate im Weltraum.

Die Apparatur soll

1985 bei zwei Raumtransporterflügen mitgenommen werden und eine 25mal größere
Produktionskapazität haben als das gegenwärtige System.

Gegen Ende der achtziger

Jahre hofft McDonnell Douglas,eine vollautomatische Fabrik im Orbit zu haben.
Astronauten vom Space Shuttle würden die Rohstoffe von der Erde bringen und die
extrahierten Produkte wieder mit zurücknehmen.
Von Dennis Morrison, einem Zellbiologen der NASA, waren Nierenzellen in
einer Lösung mitgegeben worden.

Von den beiden Proben wurden jeweils etwa

6 ccm mit schätzungsweise 40 bis 50 Millionen Zellen aufbereitet.

Morrison

erwartet, daß 70 Prozent der Zellen ordnungsgemäß abgetrennt wurden, und daß
von diesen wiederum 80 Prozent lebensfähig geblieben sind.

Das genaue Ergebnis

der Untersuchung nach der Rückkehr steht noch aus. Da man vermutet, daß es bis
zu sechs verschiedene Typen von Nierenzellen gibt, die Urokinase produzieren,
könnte dieAbtrennung unter Schwerelosigkeit helfen, jenen Typ zu finden, der die
wirksamste Form des Enzyms bildet.

Im Gegensatz zu biologischem Material, das

bei früheren Flügen mitgenommen wurde, waren die für den Flug STS-8 bestimmten
Zellkulturen ungemein empfindlich gegen bakterielle Infektion.
sie erst wenige Stunden vor dem Start an Bord gebracht.

Deshalb wurden

Bis zur Rückkehr zur

Erde wurden die abgetrennten Zellen in einer besonderen Nährlösung gesammelt.
- "Space Shuttle"

- 3 -

�-Space Shuttle

als Speditionsunternehmen -

Auftragsgemäß wurde der 1200 kg schwere indische Nachrichten- und Wetterbeobachtungssatellit INSAT IB 25 Stunden nach dem Start der CHALLENGER im Weltraum abgesetzt.

Nach seiner Einsteuerung in der 36 000 km-Bahn auf einen Punkt

über dem 74. östlichen Längengrad Mitte September erwartet die Leitung des INSATProgramms in Indien Mitte Oktober die ersten Erdaufnahmen zur Verwendung für die
Wettervorhersage.

Der von der "Ford Aerospace Comp." in Kalifornien gebaute

Satellit soll eine aktive Lebensdauer von sieben Jahren haben.

Er kann 8 000

Ferngespräche gleichzeitig übertragen und strahlt Fernsehprogramme aus, die von
ca. 100 000 in abgelegenen Regionen des Landes installierten Antennen direkt
empfangen werden können. Jede halbe Stunde übermittelt er Wetterbilder , was
das Aufspüren von Sturmfronten 1 2 - 2 4 Stunden früher als mit den herkömmlichen
Methoden ermöglicht; außerdem sammelt er Wetterdaten von einigen Hundert automatischen Beobachtungsstationen.

Für den Transport und den Start des Vielzweck-

Satelliten im Weltraum, mit dem die zuständige indische Kontroll Station in Hassan
schon eine Stunde später die Verbindung hergestellt hatte, zahlt die indische
Regierung der NASA eine Summe zwischen 13 und 15 Millionen Dollar.
Für ihre Raumtransporterflotte wird die NASA drei weitere Lastkräne vom
Typ "ROBOTARM" in Kanada in Auftrag geben. Wiederum hat sich das im November 1981
erstmals erprobte Gerät vorzüglich bewährt, als es im Verlauf des sechstägigen
Unternehmens STS-8 u.a. ein Ballastobjekt von fast 3,5 Tonnen Masse zu heben und
zu manipulieren hatte. Maschinen dieser Art, die vom Cockpit aus über Computer
für grobe wie für feinste Arbeiten ferngesteuert werden, sind eine Voraussetzung
zum Absetzen und Montieren der Segmente für Weltraumstationen. Die mit deren
Entwicklung befaßten amerikanischen Wissenschaftler hoffen, daß die erste Station •
dieser Art im Jahr 1992 im Erdorbit sein wird.
Die Durchführung

�Die Durchführung des Projekts verlangt eine enge "Partnerschaft zwischen
Mensch und Maschinen".

Denn das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit der

Menschen, die auf einer solchen irdischen Außenstation leben und arbeiten, darf
ja nicht durch die so veränderten Daseinsbedingungen beeinträchtigt werden.
Die Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf den menschlichen Organismus sind noch
nicht völlig geklärt. Aber Astronaut Dr. William Thornton ist angesichts seiner
Selbstversuche während des letzten

Sechstage-Fluges und seiner Experimente und

Untersuchungen an den übrigen vier Mitgliedern der CHALLENGER-Besatzung überzeugt,
daß die Probleme zu lösen sind und er wichtige Anhaltspunkte dafür gefunden habe.

++++++

- 5 -

�Wi//en/chaft
und Technik
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36

7. September 1983

AIDS-KONTROLLE FÜR SPENDERBLUT

- (AD) - Alles für die Blutbank der Stanford-Universität (Stanford,
Kalifornien) gespendete Blut wird seit dem 1. Juli 1983 auf mögliche Anomalien untersucht,die nach bisherigen Erfahrungen häufig mit AIDS einhergehen.

AIDS ist die Abkürzung für "Acquired Immune Deficiency Syndrome" -

eine erworbene Immunschwäche, die für den Betroffenen verheerende Auswirkungen bei Infektionen jeglicher Art haben kann.

Der radikalen Bekämpfung

dieser Erkrankung wurde kürzlich vom öffentlichen Gesundheitsdienst der
Vereinigten Staaten die "höchste Prioritätsstufe" eingeräumt.
Abgesehen von Vorsichtsmaßnahmen, um Blutspenden von Personen aus
den bekannten Risikogruppen von vornherein auszuschließen, wurden die bisher nur in Sonderfällen angewandten Tests als weitere Vorsorge zum Schutz
der Empfänger von Bluttransfusionen eingeführt.

Wie Dr. Edgar Engleman,

D

Assistenzprofessor für athologie und Medizin und medizinischer Direktor
der Stanford-Blutbank, in diesem Zusammenhang erklärte, sei kein einziger
Fall von AIDS unter den Empfängern von Blutkonserven aus seinem Institut
bekannt.

Das Testprogramm gilt als eine vorläufige Maßnahme, bis die For-

schung bessere und billigere, aber ebenso wirksame Prüfverfahren entwik-

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�Prüfverfahren entwickelt hat. Bei dem Test geht es um die Bestimmung des
Verhältnisses zweier Untergruppen der Infektionen abwehrenden weißen Blutzellen, der sog. T-Zellen, die bei etwa 95 Prozent der AIDS-Opferauf snorm
niedrige Werte im Blut absinken.

Unter Verwendung mononuklearer Antikörper

(nach einem Spezialverfahren erzeugte Proteine) und einer mit Fluoreszenzaktivierung arbeitenden Apparatur zum Sortieren von Zellen des Zytolluorographen ist es möglich, das Verhältnis von "Helfer-T-Zellen" und "SuppressorT-Zellen" zu ermitteln.

Letztere sind bei gesunden Personen gegenüber der

ersten Untergruppe in der Minderzahl.

Die hohen Kosten des Verfahrens,

das bisher nur zur Diagnose von AIDS angewandt wurde, hofft man durch eine
Vereinfachung des Tests und die Vergrößerung der Testmengen bei jedem Einsatz von 150 bis 200 Dollar pro Test auf ca. 6 Dollar senken zu können.
Gegenwärtig werden verschiedene Blut-Screening-Verfahren diskutiert,
erklärte Engleman. Jedoch habe sich bisher keines als empfindlich genug
erwiesen, um ausschließlich AIDS-Träger unter den Blutspendern ausfindig
zu machen. Die meisten davon führten dazu, daß 15 bis 50 Prozent der
Blutspender nicht akzeptiert würden, obgleich nur ein winziger Bruchteil
von ihnen tatsächlich mit AIDS behaftet sein könnte. Aber "Blut ist ein
so kostbarer Stoff", sagte Engleman, "daß wir einigermaßen sicher sein
müssen, ein höchst selektives Screening-Verfahren anzuwenden, das sich auch
wirklich lohnt". Aufgrund einer Pilot-Studie an 200 Patienten schätzt
Engleman, daß von den 18 000 Blutspendern für die Stanford-Bank etwa 1 bis
2 Prozent aufgrund des Testergebnisses ausscheiden. Keineswegs alle dieser für Blutspenden abgelehnten Personen hätten AIDS, betont der Mediziner.
Tatsächlich dürften die meisten von ihnen sogar völlig gesund sein. Das
Screening-Verfahren sei eben nicht perfekt - "aber es ist das Beste, über
das wir derzeit verfügen".

+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Keine Rechtfertigung für den sowjetischen Angriff&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Fernsehrede des US-Präsidenten zum Flugzeugabschuss -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Reagans zum Flugzeugabschuss&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shultz: Abschuss der koreanischen Verkehrsmaschine durch Sowjets "entsetzlicher Akt"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung und Pressekonferenz des US-Außenministers -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Warum braucht der Westen noch immer Exportkontrollen?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Referat von Unterstaatssekretär Brady vor der Stanford Universität -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Interview mit Edward Rowny über Rüstungskontrolle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Morgan Strong -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Kernwaffeninventar der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die deutsche Sprache in Amerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Eine deutschsprachige Zeitung in Philadelphia berichtete am 5. Juli 1776 als erste über die Annahme der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Perfekte Nachtlandung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Raumtransporter CHALLENGER vom dritten Einsatz zurück -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;AIDS-Kontrolle für Spenderblut&lt;/p&gt;</text>
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                    <text>nroffiiauon
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America
31. August 1983

35
INHALT

DOKUMENTATION
Erklärung des State Department zum neuen Andropow-Vorschlag

HINTERGRUNDMATERIAL
Die NATO braucht eine glaubwürdige nukleare Abschreckung
- Von Anne Armstrong, ehemalige amerikanische Botschafterin
in Großbritannien Chronologie der jüngsten Ereignisse in Afghanistan
Die Schwachstellen des sowjetischen Weltraum-Vorschlags
- Von unserem diplomatischen Korrespondenten Russell Dybvik Die "goldenen Deutschen"

.merikas

- Den ersten amerikanischen Golddollar prägte ein deutschstämmiger
Amerikaner -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Erdklima und Antarktikeis
- US-Forscher suchen nach Anhaltspunkten für Zusammenhänge Harte Auslandskonkurrenz für pharmazeutische Industrie
- Anteil der US-Firmen an Forschung und neuen Präparaten sinkt

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�31. August 1983

35

ERKLÄRUNG DES STATE DEPARTMENT ZUM NEUEN ANDROPOW-VORSCHLAG

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium hat am 27. August 1983 zu dem Angebot des sowjetischen Staats- und Parteichefs Andropow,
einen Teil der auf Europa gerichteten SS-20-Raketen zu verschrotten, folgende Erklärung abgegeben:
Wir haben die Berichte über die Ausführungen von Staats- und Parteichef Andropow gelesen.

Seit langem schon haben wir an die Sowjets die Frage

gerichtet, ob sie die Absicht haben, die Raketen zu zerstören, oder ob sie
sie nur anderswo stationieren wollen, und haben klargestellt, daß eine reine
Verlegung keine ernsthafte Rüstungskontrollmaßnahme wäre. Wenn die Sowjets
diese Haltung am Verhandlungstisch in Genf bekräftigen würden, dann würden
wir dies als ein positives Zeichen ansehen.
Leider beanspruchen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Leider beanspruchen die Sowjets jedoch weiterhin das Recht, die unabhängigen britischen und französischen Nuklearstreitkräfte anzurechnen. Somit scheint es keine Änderung in dem sowjetischen Bemühen um ein ungleiches
Ergebnis zu geben, das es ihnen gestatten würde, die meisten der vorhandenen
SS-20 beizubehalten, während es der NATO verwehrt wäre, eine amerikanische
Abschreckung gegenüber dieser Streitmacht zu dislozieren; es würde also ein
sowjetisches Monopol bei diesen Systemen erhalten bleiben.
Darüber hinaus wollen die Sowjets weiterhin ein Abkommen, das nur auf
Europa begrenzt wäre.

Die beträchtliche sowjetische SS-20-Streitmacht in

Asien würde offenbar uneingeschränkt bestehen bleiben und könnte noch stärker anwachsen, als dies gegenwärtig der Fall ist. Aufgrund der Reichweite,
der Beweglichkeit und der Transportfähigkeit der SS-20 würden diese Raketen
auch weiterhin eine Gefahr sowohl für Europa als auch für Asien darstellen.
Wir rechnen damit, daß wir mit den Sowjets die Möglichkeiten für Fortschritte auf dem Gebiet der nuklearen Mittel Streckensysteme (INF) sondieren
können, wenn die Verhandlungen in Genf am 6, September wieder aufgenommen
werden, und hoffen, daß die sowjetische Erklärung die Bereitschaft ihrerseits erkennen läßt, die Besorgnisse in Rechnung zu stellen, die den
NATO-Beschluß aus dem Jahr 1979 herbeigeführt haben.

+ + + + +

�31. August 1983

35

DIE NATO BRAUCHT EINE GLAUBWÜRDIGE NUKLEARE ABSCHRECKUNG
Von Anne Armstrong
ehemalige amerikanische Botschafterin in Großbritannien

- (AD) - Die Vereinigten Staaten machen sich ebenso wie alle anderen
Länder Sorgen über einen Atomkrieg. Präsident Reagan hat genau das ausgesprochen, was wir alle wissen: "In einem Atomkrieg gibt es keine Sieger
- nur Verlierer,"
Darum haben sich die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten einer
Strategie der Abschreckung verschrieben.

Sowohl die Vereinigten Staaten

als auch die Länder Westeuropas sind der Überzeugung, daß der Einsatz von
Kernwaffen nicht leicht begrenzt oder eingedämmt werden könnte, wenn es zu
einem Krieg in Europa käme.

Und so bestand von An'"-"-ng an das Hauptziel der

NATO darin, einen Krieg - sei es ein konventioneller, sei es ein nuklearer zu verhüten.
Seit 1949 hat die Organisation des Nordatlantikvertrages, kurz NATO,
eine beachtliche Verteidigung auf die Beine gebracht und damit einer Nötigung keine Chance gegeben und vor einem Angriff abgeschreckt.

Westeuropa

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Westeuropa hat 38 Jahre Frieden erlebt - die längste ununterbrochene
Friedensperiode in unserem Jahrhundert.

Welch ein Gegensatz zu den vier

Jahrzehnten davor, die in dem Zweiten Weltkrieg gipfelten! Von den vielen
bewaffneten Konflikten, die die Welt seit dem Zweiten Weltkrieg heimgesucht haben, fand keiner in Europa statt.
Obwohl die NATO-Verbündeten beträchtliche Anstrengungen und Mittel
für die Verhütung des Krieges aufgewandt haben, gaben sie keineswegs ihre
anderen Interessen auf oder setzten sie aufs Spiel. Westeuropa erholte
sich rasch von den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges und hat sich seither eines gewaltigen wirtschaftlichen Wohlstandes erfreut.
ten Staaten haben

Die Vereinig-

eine Revolution im Informationswesen und in der Techno-

logie angeführt.
Von entscheidender Bedeutung für den Erfolg des Bündnisses ist Artikel
5 des Nordatlantikvertrages, in dem es heißt, daß ein Angriff auf ein Mitglied des Bündnisses einen Angriff auf alle darstellt.

Ohne die in diesem

Prinzip zum Ausdruck gebrachte Geschlossenheit des Bündnisses wäre die Erhaltung des Friedens nicht möglich gewesen.

Von gleicher fundamentaler

Bedeutung für die Aufrechterhaltung des Friedesn war die Ausbreitung des
amerikanischen Nuklearschirms, der als Kernstück der NATO-Abschreckung
dem Bündnis Stärke und Glaubwürdigkeit verlieh.
Die Abschreckung der NATO hat jedoch ihre frühere Stärke und Glaubwürdigkeit nicht durchgehalten. Die militärischen Programme der Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion folgten keinem einfachen Aktion-Reaktion-Muster,
bei dem jede Seite in einer Rüstungsspirale der anderen ständig nachgezogen
hätte. In vielen Fällen verlief die Sache nach einem ganz anderen Muster:
Die Tatenlosigkeit der Vereinigten Staaten ermutigte die Sowjets zum Handeln, indem sie Moskau die Chance bot, einen militärischen Vorteil zu erringen.
Ende der

- 2 -

�Ende der sechziger Jahre begann die Sowjetunion eine massive Aufrüstung in allen wichtigen Kategorien nuklearer und konventioneller Streitkräfte.

Bereits Anfang der siebziger Jahre hatten die Sowjets die Parität

mit den Vereinigten Staaten überschritten, was die Zahl der Raketen und das
Wurfgewicht der Raketen angeht.

Aber die Aufrüstung ging weiter, und bis

Ende der siebziger Jahre hatten die Sowjets auf einer Reihe von Gebieten
eine Überlegenheit.

So steht beispielsweise außer Frage, daß die Sowjetunion

auf dem Gebiet der nuklearen Mittel Streckensysteme eine gewaltige Überlegenheit besitzt,

Wenn die Trends der siebziger Jahre nicht umgekehrt würden,

das wurde immer klarer, dann könnte die Sowjetunion bis Mitte oder Ende der
achtziger Jahre eine strategische Gesamtüberlegenheit erlangen.

Der Aspekt der sowjetischen Aufrüstung, der die europäische Sicherheit am stärksten bedrohte, war die Dislozierung der SS-20-Rakete, die Mitte
der siebziger Jahre begann.
mit drei Gefechtsköpfen.

Die SS-20 ist eine mobile Mittelstreckenrakete

Die NATO besitzt keine vergleichbare Waffe mit

Offensivkapazität; sie besitzt auch nicht die Verteidigungseinr'chtungen, die
notwendig wären, um ihre militärischen Anlagen zu schützen, die für eine
potentielle Zerstörung durch die SS-20 verwundbar geworden sind.

Die SS-20

hat, vor allem im Zusammenhang mit der Gleichwertigkeit der strategischen
Nuklearstreitkräfte der Supermächte und der historischen Überlegenheit des
Warschauer Paktes in konventionellen Streitkräften, das Gleichgewicht der
taktischen Nuklearstreitkräfte gefährlich zugunsten der Sowjetunion verschoben.

Ohne die Fähigkeit, der sowjetischen Drohung direkt zu begegnen, muß
sich die NATO noch mehr auf die Vereinigten Staaten verlassen, die ohnehin
bereits durch die Notwendigkeit der Wahrnehmung ihrer Sicherheitsinteressen
im Gebiet des Persischen Golfs, in Asien - vor allem in Japan und Korea und in der westlichen Hemisphäre sowie durch ihre Anstrengungen, dem sowjetischen Streben nach strategisch nuklearer Überlegenheit Einhalt zu gebieten,
stark angespannt sind.
Die destabilisierende

- 3 -

�Die destabilisierende Wirkung der SS-20 wurde 1979 von allen NATOLändern erkannt, und sie beschlossen einstimmig, eine zweigleisige Politik
der Modernisierung der nuklearen Streitkräfte und der Rüstungsverminderung
zu verfolgen.

Mit diesem Doppelbeschluß wollten sie einmal das Ungleichge-

wicht beseitigen, das durch die SS-20 entstanden war und der NATO-Abschrekkung neue Glaubwürdigkeit verleihen.

Nukleare Mittel Streckensysteme - 108

PERSHIN6 II und 464 landgestützte Marschflugkörper - sind für die Dislozierung ab Dezember 1983 vorgesehen.

Gleichzeitig verhandeln die Vereinigten

Staaten mit der Sowjetunion über eine Begrenzung der nuklearen Mittelstrekkensysteme in Europa.

Dieser Doppelbeschluß bietet den Sowjets einen An-

reiz, ihre Rüstung zu verringern - wenn ihr Vorteil durch die neuen NAT0Raketen aufgehoben wird -, und die NATO hätte die Gewähr, daß ihre Rüstungskontroll ziele die Abschreckung stärken würden.
Trotz dieses Beschlusses und der anhaltenden Dislozierung von SS-20Raketen und Backfire-Bombern ist in Westeuropa ein gerüttelt Maß an Uneinigkeit über die INF-Dislozierung entstanden. Obwohl die Regierungen des
Bündnisses immer wieder ihre Entschlossenheit signalisiert haben, am Doppelbeschluß festzuhalten, hat eine beträchtliche Zahl von Bürgern den Sinn der
Dislozierung von PERSHING II und Marschflugkörpern in Frage gestellt, vor
allem seit die Genfer Verhandlungen wenig Anzeichen eines Fortschritts gezeigt haben. Diese Bürger erkennen bei aller guten Absicht nicht die Tatsache, daß die Sowjets keinen Anreiz für eine Zurückhaltung bei ihrer Aufrüstung haben, wenn die westlichen Verbündeten eine einseitige Abrüstung
praktizieren. Wie wir gesehen haben, ist die SS-20 seit sechs Jahren konkurrenzlos geblieben, ja ihre Zahl hat unaufhörlich zugenommen.
Es gibt keinen Grund zu der Annahme, daß der tote Punkt in den Verhandlungen in Kürze überwunden wird, wenn Entschlossenheit und Gärung im
Bündnis anhalten. Schwächung des Bündnisses und Abkopplung Europas von den
Vereinigten Staaten sind zwei Hauptziele der Sowjets, die, wenn sie erreicht
würden, zu einem wehrlosen Europa führen würden. Die SS-20 hätte dann als
wertvolles politisches und strategisches Instrument zur Erreichung dieses
- 4 -

�Erreichung dieses Zieles gedient.

Ein Abkommen über die Begrenzung nukle-

arer Mittel Streckensysteme würde jedoch die Einheit und Stärke in der NATO
wiederherstellen und gleichzeitig den sowjetischen Vorteil aufheben.

Der kürzliche Wirtschaftsgipfel in Williamsburg brachte die neuerliche
Verpflichtung, die planmäßige Dislozierung der neuen nuklearen Mittelstrekkenraketensysteme nachdrücklich zu unterstützen, wenn es zu keinem Rüstungskontroi labkommen kommt.

Frankreich und Japan, die beide nicht der mili-

tärischen Integration der NATO angehören, haben diese Erklärung ebenfalls
unterstützt, die eine wichtige Äußerung der anhaltenden westlichen Solidarität angesichts feindseliger sowjetischer Herausforderungen darstellt.
Die einstimmige Unterstützung der Dislozierung ist der einzige Weg, um die
Sowjets zu ernsthaften Verhandlungsbemühungen zu bewegen.

Der beste Weg, um zu einem Rüstungskontroi labkommen zu gelangen und
auch in Zukunft den Frieden zu sichern, ist der,zur Dislozierung der 572
Flugkörper ab Dezember dieses Jahres entschlossen zu bleiben, wenn bis dahin kein Abkommen erreicht worden ist.

Damit wird gezeigt, daß die NATO

sowjetische ; Druck nicht nachgibt, noch sich mit der Gefahr abfindet, die
von den SS-20 und der anhaltenden sowjetischen Aufrüstung in Europa ausgeht.
Der Vorteile einer starken Verteidigung des Bündnisses sind viele, und sie
dürfen nicht übersehen und vergessen werden.

Wenn man mit der Sowjetunion

aus einer Position der Einigkeit und Stärke verhandelt hat, dann hat das
immer wesentliche wirtschaftliche, politische und strategische Dividenden
getragen.

Was aber am wichtisten ist, es hat den Frieden bewahrt.

Es kann

kein Zweifel bestehen, daß die NATO, nach den Worten von Generalsekretär
Joseph Luns, "die wahre Friedensbewegung ist."

+ + + + +

- 5 -

�31. August 1983

35

CHRONOLOGIE DER JÜNGSTEN EREIGNISSE IN AFGHANISTAN

- (AD) 7. Juni 1983
Wie aus diplomatischen Quellen in Islamabad verlautete, zerschlugen
afghanische Widerstandskämpfer Ende Mai in einer drei Tage dauernden Schlacht
in der südöstlichen Paktia-Provinz das 38. Ersatzbataillon, eine Eliteeinheit des Regimes in Kabul. 200 Soldaten des Regimes wurden getötet, der
Rest desertierte, als das Bataillon in der Nähe der pakistanischen Grenze
eine Säuberungsaktion durchführen sollte.
8. Juni 1983
Das Regime in Kabul ließ den französischen Arzt Philippe Augoyard
von Aide Medicale Internationale frei, der im Januar gefangengenommen worden war, als er Mujahedin versorgte.

Man hatte ihn zuvor zu einer acht-

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�einer achtjährigen Gefängnisstrafe verurteilt.

(Nachdem er Afghanistan

verlassen hatte, erklärte der Arzt, die Widerstandsbewegung erfreue sich
beim Volk großer Unterstützung und kontrolliere außerhalb des Gebietes um
Kabul die meisten der Provinzen.,)
10. Juni 1983
Nach einem zweitägigen Treffen in Paris veröffentlichen die Außenminister des Nordatlantischen Bündnisses eine Erklärung, in der es heißt:
"Die verschärfte sowjetische Aggression in diesem Lande stößt weiterhin
auf den entschlossenen Widerstand der afghanischen Bevölkerung»
Der steigende Blutzoll unter der Zivilbevölkerung und die anhaltende
Vernichtung materieller Werte unterstreichen die Dringlichkeit einer politischen Lösung aufgrund der verifizierbaren Durchführung der Entschließung
der Vollversammlung der Vereinten Nationen"»
11. Juni 1983
Der pakistanische Außenminister Sahabzada Yaqub Khan erklärte nach
seiner Rückkehr aus Moskau, wo er mit dem sowjetischen Außenminister Andrei
Gromyko zusammengetroffen war, bei den von den Vereinten Nationen unterstützten, indirekten Gesprächen über Afghanistan, die am 16. Juni in Genf zwischen
Pakistan und dem Kabuler Regime wideraufgenommen werden sollten, sei kein
rascher und größerer Durchbruch zu erwarten.
16. Juni 1983
Diego Cordovez, der persönliche Vertreter des Generalsekretärs der
Vereinten Nationen für das Afghanistan-Problem hält in Genf getrennte Gespräche mit dem pakistanischen Außenminister Yaqub Khan und Shah Mohammad
Dost, einem Vertreter des Kabuler Regimes, während die dritte Runde der
indirekten Gespräche der Vereinten Nationen nach achtwöchiger Unterbrechung
wiederbeginnt.
17. Juni 1983

�17. Juni 1983
Ein Sprecher des UN-Flüchtlingshochkommissars in Genf erklärt, der
Iran habe um Zelte für 400 000 Flüchtlinge gebeten, die in letzter Zeit aus
Afghanistan gekommen seien.

Die Bitte kommt, kurz nachdem Anfang Mai Be-

richte darüber zu hören waren, daß mehrere tausend Zivilisten im Verlauf
eines zweiwöchigen Bombenangriffs der Sowjets auf Herat ums Leben gekommen
seien, der Hauptstadt der nordwestlichen Provinz Herat, die an den Iran
grenzt.
21. Juni 1983
Diplomatische Quellen in Neu Delhi erklären, daß die afghanischen
Mujahedin ihre Angriffe gegen sowjetische Einrichtungen und solche des Regimes in der vergangenen Woche auf "das höchste Ausmaß bilang in diesem
Jahr" verstärkt hätten. Die Angriffe waren zeitlich so abgestimmt, daß sie
mit der Wiederaufnahme der Afghanistan-Gespräche in Genf zusammenfielen.
24. Juni 1983
Die dritte Runde der Afghanistan-Gespräche in Genf geht zu Ende.
Eine UN-Presseverlautbarung erklärt, daß "weitere Forschritte bei der Ausarbeitung eines Textentwurfs über die umfassende Regelung erzielt wurden"
und daß die Beteiligten "erneut ihre Überzeugung zum Ausdruck brachten, daß
es möglich sein wird, die verbleibenden Hindernisse zu überwinden."

Der

Beigeordnete Generalsekretär Cordovez soll - so das Kommunique - "gegen
Ende des Sommers in das Gebiet fahren"

und wird "vorbereitende Konsulta-

tionen" mit der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten über eine mögliche
Rolle als Garanten eines Abkommens führen.
29. Juni 1983
Der 13. Weltkongreß des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften,
der in Oslo tagt, nimmt einstimmig eine Resolution an, die "die anhaltende
Einmischung der Sowjetunion in die inneren Angelegenheiten des afghanischen
Volkes verurteilt." Der Kongreß "verlangt, daß die sowjetischen Truppen
ohne Verzögerung abgezogen werden."
1. Juli 1983
- 3 -

�1. Juli 1983
Der amerikanische Außenminister George Shultz erklärt während eines
Besuches mehrerer südasiatischer Staaten auf einer Pressekonferenz in Neu
Delhi, daß er kürzlich in brieflichem Kontakt mit dem sowjetischen Außenminister Andrei Gromyko hinsichtlich Afghanistans gestanden habe.

Shultz

erklärt - wie die "Washington Post" berichtet -, daß der Zweck dieses Briefes gewesen sei,"der Sowjetunion zu versichern, wie wir dies auch gegenüber
anderen getan haben, die verwickelt sind, daß wir eine Beilegung (des
Afghanistan-Problems) wünschen."
3. Juli 1983
Außenminister Shultz erklärt gegenüber afghanischen Flüchtlingen
im Nasrbagh-Lager in der Nähe von Peshawar, daß "vom Standpunkt der Vereinigten Staaten aus gesehen, Verhandlungen (über Afghanistan) nur dann erfolgreich sein können, wenn sie den Rückzug der sowjetischen Streitkräfte aus
Afghanistan einschließen, wenn sie eine Bestimmung über die Selbstbestimmung
in Afghanistan enthalten, wenn sie Vorkehrungen beinhalten, denen zufolge
die Flüchtlinge mit Würde und Ehre in ihr Land zurückkehren können."
er erklärte:
sehr einfach.

Und

"Meine Botschaft an Euch von den Vereinigten Staaten ist
Wie sind mit Euch."

19. Juli 1983
Am 3. Juli richteten sowjetische Streitkräfte in der Provinzhauptstadt Ghazni, 140 km südwestlich von Kabul, 12 Respektspersonen als Vergeltungsmaßnahme für den Tod eines sowjetischen Offiziers und dreier Soldaten hin, wie Agence France Press unter Bezug auf westliche Diplomaten
aus Islamabad berichtet (Am 20. Juli streitet das Kabul er Regime den Bericht ab.)
26. Juli 1983
Diplomatische Quellen in Neu Delhi berichten von den schwersten
Kämpfen dieses Jahres im Ghazni-Gebiet.

Der Angriff eines größeren Konvois

durch die Mujahedin Mitte Juli dauerte 48 Stunden und hatte unter den
Streitkräften des Regimes 60 Tote zur Folge. Zwei Dörfer in der Nähe von

�Nähe von Ghazni wurden von den Sowjets bombardiert und 50 Zivilisten getötet.
In Reaktion auf die verstärkten Aktivitäten der Widerstandsbewegung
wurden in der vergangenen Woche in der Shomali-Region nördlich von Kabul
größere Säuberungsoperationen durch die sowjetischen Truppen wie die des
Regimes durchgeführt.
1. August 1983
Moslemische Widerstandsquellen zufolge - die die Agence France Press
in Islamabad zitiert - schössen die Mujahedin im Verlauf von sowjetischen
Bombenangriffen auf Dörfer nordöstlich von Kabul in der vergangenen Woche
zwei sowjetische MIG-Flugzeuge ab.

Diesen Quellen nach wurde auch der

Oberkommandierende der Widerstandskräfte in Qonduz, einer nördlichen, an
die Sowjetunion angrenzenden Provinz, in einer Schlacht an der Landstraße
Qonduz-Baghlan getötet.

Pehalawan Mohammed Khan war der vierte Führer der

Widerstandsbewegung, der in den vergangenen Monaten umkam.
13./14. August 1983
Diplomatischen Quellen in Neu Delhi und Islamabad zufolge haben die
Widerstandskämpfer mit dem - wie es scheint - seit der sowjetischen Invasion
1979 schwersten, koordinierten Angriff innerhalb von Kabul begonnen.

In

einem fünfstündigen, nächtlichen Angriff attackierten die Mujahedin militärische Anlagen und Einrichtungen des Regimes mit Mörser- und Raketenbeschuß.

Hauptziel war das Fort Bala-Hissar, in dem ausschließlich sowje-

tische Truppen untergebracht sind; dem Eindruck nach gab es beträchtliche
Verluste.

+ + + + +

- 5 -

�31. August 1983

35

DIE SCHWACHSTELLEN DES SOWJETISCHEN WELTRAUM-VORSCHLAGS
- Von unserem diplomatischen Korrespondenten Russell Dybvik

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten prüfen mit Sorgfalt einen
Vertragsentwurf der Sowjetunion über Rüstungskontrolle im Weltraum, doch hat
das US-Außenministerium auch darauf hingewiesen, daß "unangemessene Verifizierbarkeit eine seiner wesentlichen Schwächen ist."

Der Vertragsentwurf

wurde den Vereinten Nationen zu Beginn dieses Monats vorgelegt und sein Text
im sowjetischen Parteiblatt "Prawda" veröffentlicht.
Als Präsident Reagan am 4. Juli 1982 die amerikanische Politik hinsichtlich der Rüstungskontrolle im Weltraum darlegte, erklärte er, die Vereinigten Staaten würden verifizierbare und ausgewogene Maßnahmen der Rüstungskontrolle im Weltraum in Erwägung ziehen, die die Erprobung und Dislozierung
von speziellen Waffen verbieten oder zumindest begrenzen würden, falls diese
Maßnahmen in Einklang mit der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten
stünden.
Der stellvertretende Sprecher des Außenministeriums, Alan Romberg,
erklärte, daß solche Maßnahmen derzeit analysiert würden.

Er verwies jedoch

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
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Telex: 8-85432

�verwies jedoch darauf, daß "es ernste technische, substantielle Probleme
gibt, die unter anderem mit der Verifizierbarkeit zusammenhängen.

Der

sowjetische Vertrag sieht nationale technische Mittel der Verifizierbarkeit vor, nichts jedoch, was darüber hinausginge,,"
Nationale technische Mittel der Verifizierbarkeit bedeuten Überwachung per Satellit»

Daher könnten eben diese Mittel zur Überwachung

der Einhaltung eines solchen Vertrags - nämlich die Satelliten - erste
Ziele einer Verletzung sein»
"Wir würden uns über eine Klarstellung seitens der Sowjets hinsichtlich der Mittel zur Verifizierbarkeit ihres Vertragsvorschlags freuen,"
sagte Romberg in einer vorbereiteten Erklärung» "Unsere erste Prüfung
des sowjetischen Vertragsentwurfs deutet darauf hin, daß unangemessene
Verifizierbarkeit eine seiner wesentlichen Schwächen ist„" So verwies
Romberg beispielweise darauf, daß es beinahe unmöglich sei, durch nationale technische Mittel allein den Abbau und die Zerstörung des sowjetischen
Antisatellitensystems (ASAT) zu verifizieren, welches bereits seit über
12 Jahren im Einsatz Ist. "Der ASAT-Abfangsatellit ist verhältnismäßig
klein und sitzt auf einer sowjetischen Raumrakete, die auch für andere
Raummissionen verwendet wirdo Wir wissen nicht, wie viele solcher ASATAbfangsatelliten produziert wurden, und es wäre für die Sowjets verhältnismäßig einfach, insgeheim eine Reihe solcher Satelliten für den Einsatz
in einer Krise zu lagern "
Der Sprecher betonte, daß "eine jegliche sowjetische Täuschung bei
einem ASAT-Abkommen - sogar in geringem Umfang - ein hinderliches Risiko"
bedeuten würde, da derzeit nur sehr wenige Satelliten dazu verwendet werden,
den nationalen Sicherheitserfordernissen der Vereinigten Staaten und ihrer
Verbündeten zu dienen

Weitere ernste Probleme der Verifizierbarkeit wür-

den sich aus dem, im Vertragsentwurf vorgeschlagenen Verbot hinsichtlich
der Zerstörung, der Schädigung und der Störung von Raumobjekten anderer
Staaten ergebene
Mancherlei Art

�Mancherlei Art von Aktivitäten könnte gegenüber den Raumobjekten
eines anderen Staates unternommen werden, ohne daß der Täter genau zu ermitteln wäre.

Die sowjetische Forderung nach einem Verbot von raumstatio-

nierten Waffen ist ein weiteres Beispiel für Vorschläge, die Verifizierungsprobleme mit sich bringen.

Es ist schwierig, den ganzen Umfang der Mög-

lichkeiten und Funktionen von Objekten im Weltraum festzustellen, sagte
der Sprecher.
Regierungsvertreter wiesen auch darauf hin, daß der Vertragsentwurf nicht den Vorschlag des sowjetischen Parteichefs Andropow eines Moratoriums bei Versuchen mit ASAT-Systemen einschließt.
Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur TASS über ein Treffen
Andropows mit einer Gruppe von neun amerikanischen Senatoren, das am 18.
August stattfand, erklärte Andropow:

"Die UdSSR verpflichtet sich dazu,

nicht der erste zu sein, der irgendwelche Antisatellitenwaffen in den
Weltraum bringt - das heißt, sie unterzieht sich einem Moratorium bei
Starts dieser Art für den gesamten Zeitraum, währenddessen andere Länder,
einschließlich der Vereinigten Staaten von Amerika, davon absehen, Antisatellitenwaffen jeglicher Art im Weltraum zu stationieren."
Einem amerikanischen Regierungsvertreter zufolge finden sich im
Wortlaut des TASS-Berichtes "einige Unklarheiten", wie etwa, ob das Moratorium auch Tests aller landgestützten wie weltraumgestützten ASAT-Systeme
abdecke.
Vertreter des Außenministeriums wiesen darauf hin, daß die Sowjetunion ihren Moratoriumsvorschlag den Vereinigten Staaten noch nicht offiziell übermittelt habe.
sorgfältig geprüft.

Sobald dies geschehen sei, würde der Vorschlag

Unterstrichen wurde jedoch die Tatsache, daß die

Sowjetunion derzeit auf der ganzen Welt über das einzige einsatzfähige
ASAT-System verfügt, wobei die sowjetischen Antisatellitenwaffen seit Ende
der sechziger Jahre rund 20 mal getestet worden seien.

- 3 -

"Angesichts dieser

�"Angesichts dieser sowjetischen Tests fragt man sich natürlich, was die
UdSSR meint, wenn sie versichert, sie werden nicht der erste sein, der irgendwelche ASAT-Waffen in den Weltraum senden werde."
In einer ersten Überprüfung des Vertragsentwurfs wiesen Regierungsvertreter indessen auch darauf hin, daß Moskau die Frage angegangen sei,
wie man das Wort "Waffe" zu definieren habe. Was in einem, den Vereinten
Nationen im Jahr 1981 vorgelegten Vertragsentwurf noch nicht geschehen war.
"Solange wir noch keine praktischen Lösungen für die definitorischen und
Verifizierungsprobleme gefunden haben, die mit der Rüstungskontrolle im
Weltraum zusammenhängen, glauben wir nicht, daß es nützlich wäre, auf diesem Gebiet formelle bilaterale Verhandlungen mit der Sowjetunion zu führen.
Wir würden natürlich jede Klarstellung der Sowjets hinsichtlich der Verifizierungsmittel in ihrem Vertragsvorschlag begrüßen."
Bedeutsam erscheint auch der Vorschlag des sowjetischen Vertragsentwurfs, keine bemannten Weltraumfahrzeuge für militärische Zwecke zu benützen.

"Wir haben den starken Verdacht, daß diese Bestimmung des Vertrags-

entwurfs darauf abzielt, die Verwendung der amerikanischen Weltraumfähre
SPACE SHUTTLE einzuengen.

Die Sowjets sehen offenbar, daß die SHUTTLE

den Vereinigten Staaten eine technologisch fortschrittlichere Start- und
Erdumrundungs-Kapazität bietet", erklärte ein Regierungsvertreter.
Als Präsident Reagan im vergangenen Jahr die nationale Weltraumpolitik darlegte, unterstrich er, daß das amerikanische SHUTTLE-System
das wesentliche Raumtransportsystem für die Missionen nationaler Sicherheit der Vereinigten Staaten sei.
"Diese Missionen unterstützen Funktionen wie Frühwarnung, Kommando
und Kontrolle, Kommunikation, Navigation, Überprüfung und Überwachung.
All diese Funktionen stärken die Sicherheit der Vereinigten Staaten und
ihrer Verbündeten." sagte ein Regierungsvertreter. Gleichzeitig wurde in
diesem Zusammenhang unterstrichen, daß auch die Sowjetunion ihre bemannten

- 4 -

�ihre bemannten Weltraumprogramme für militärische Zwecke verwendet.
"Die Sowjets sehen den militärischen Wert des Weltraums und verwenden beträchtliche Mittel für ihr militärisches Weltraumprogramm." erklärte
der Regierungsbeamte.

"Sie führen derzeit Starts für Satelliten zur Foto-

aufklärung für elektronische Anlagen, Frühwarnung? Kommunikation, Wetterdienst und bemannte Raumstationen durch.

Wir rechnen damit, daß die Sowjets

noch mehr Betonung auf ihre bemannten militärischen Raumfahrtprogramme legen.

Tatsächlich führt die derzeitige bemannte Raummission, Sajut 7, Ex-

perimente durch, die wichtige militärische Anwendungsmöglichkeiten haben."

- 5 -

�31. August 1983

DIE "GOLDENEN DEUTSCHEN" AMERIKAS
Den ersten amerikanischen Golddollar prägte ein deutschstämmiger
Amerikaner -

Dies ist der zweite von sechs Artikeln
über die Deutschen in Amerika, die wir
im Zusammenhang mit den Feierlichkeiten
anläßlich des 300, Jahrestages deutscher
Einwanderung in Amerika bis zum 6. Oktober veröffentlichen.

- (AD) - Von den mehr als sieben Millionen Deutschen, die während
der letzten 300 Jahre nach Amerika emigrierten, brachten viele
Fähigkeiten mit, die sie in Deutschland erworben hatten und die in der Neuen
Welt sehr gesucht waren.

Einige erlangten einen beachtlichen Bekanntheits-

grad, andere erwarben große Reichtümer, wieder andere trugen in aller Stille
zur Entwicklung Amerikas bei und werden in der amerikanischen Geschichte lediglich in anekdotischen Fußnoten erwähnt.
Zur letzteren

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
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Telex: 8-85432

�Zur letzteren Kategorie zählen die beiden Deutsch-Amerikaner
Christopher Bechtler und sein Sohn Augustus.

Die Bechtlers waren erfah-

rene Metallarbeiter und unterhielten von 1831 bis 1852 in Rutherford County
im Bundesstaat Nord-Carolina eine kleine private Münzprägestätte.

Bis zum

kalifornischen "Goldrausch" des Jahres 1848 war das Bechtlersche Unternehmen
das einzige private dieser Art in ganz Amerika,

Während ihres 20jährigen

Bestehens wurde dort Gold im Wert von mehr als drei Millionen Dollar verarbeitet.

Und sie konnte sich rühmen, den ersten Golddollar Amerikas geprägt

zu haben, einer Währung, die die Münzanstalt der Vereinigten Staaten erst
17 Jahre nach der ersten Bechtlersehen Golddollar-Prägung herausgab.
Die Geschichte des Deutsch-Amerikaners John Augustus Sutter (geboren
1803 in Kandern, Baden), dessen Name mit dem großen kalifornischen Goldrausch von 1848 verbunden ist, gibt uns einen interessanten Einblick in
das Schicksal jener, deren Leben vom Gold beeinflußt wurde.

Am 24, Ja-

nuar 1848 wurde erstmals in der Nähe von Sutters Mühle Gold gefunden, ein
Ereignis, das den Beginn des Goldrausches auslöste.

Bis zu jener Zeit war

Sutter ein erfolgreicher Abenteurer und Siedler gewesen, der es in Kalifornien zu beträchtlichem Wohlstand und großem Landbesitz gebracht hatte.
Nach der Entdeckung des Goldes auf seinem Grundstück wandelte sich Sutters
Glück abrupt; seine Arbeiter verließen ihn, seine Schafherden verschwanden
und Goldsucher besetzten sein Land.

Innerhalb von vier Jahren war Sutter

bankrott.
Der Goldrausch selbst zog Amerikaner und Deutsch-Amerikaner von überall her an.

Einem von ihnen, dem 1829 in Bayern geboren Levi Strauss ge-

lang es jedoch nie, die Goldminen Kaliforniens zu erreichen.

Strauss

ver-

ließ New York, um sich dem Goldrausch anzuschließen, der im Februar 1850
in Kalifornien einsetzte.

Da er nicht genügend Geld beisammen hatte, um

zu den Goldfeldern zu ziehen, verkaufte er den Stoff, den er mitgenommen
hatte, um damit die nötigen Mittel aufzutreiben.

Als sich ein befreunde-

ter Goldsucher bei ihm über den Mangel an strapazierfähiger Kleidung für die
Arbeit in den Goldminen beklagte, nahm Strauss den einzigen noch übrigge-

- 2 -

�noch übriggebliebenen Stoff, einen Ballen Leinwand, und fertigte daraus
eine Hose.

Dieser Einfall wurde unter den Goldsuchern mit großer Begeiste-

rung aufgenommen,und statt in den Goldminen zu arbeiten, ließ sich Strauss
in San Francisco nieder, um dort seine Waren zu produzieren.

Die Kleidung,

die auch heute noch den Namen ihres Erfinders trägt, ist weiterhin
weltweit ein Beispiel für deutsch-amerikanischen Erfindungsgeist.
Zu den "goldenen Deutschen" Amerikas gehört auch Henry Villard, 1835
in Speyer als Ferdinand Hilgard geboren.

Er emigrierte 1853

ten Staaten und berichtete als Journalist für eine Reihe deutschsprachiger
Zeitungen über die Goldfunde in Colorado in den Jahren 1859 bis 1860.

1860

erschien sein Buch mit dem Titel "The Past and Present of the Pike's Peak
Gold Regions".
Obwohl Villards Tätigkeit als Journalist ihm eine beträchtliche Popularität einbrachte, war es doch seine spätere Laufbahn als Finanzier, die
ihm Reichtum brachte. Dieses finanzielle Interesse, das er auch dem amerikanischen Eisenbahnnetz gegenüber zeigte, führte ihn zu einem weiteren
"goldenen" Kapitel der amerikanischen Geschichte - der Fertigstellung der
Eisenbahnlinie quer durch den Kontinent. Dieses historische Ereignis fand
am 10. Mai des Jahres 1869 statt, dem Tag, an dem die Gleise der Union
Pacific Linie, die aus dem Osten kamen, auf die aus dem Westen kommenden
Gleise der Central Pacific Linie trafen. Diese Begebenheit wurde dadurch
unvergänglich gemacht, daß man einen goldenen Bolzen verwandte, um die Konstruktion zu vollenden. Villard, der zu jener Zeit die Northern Pacific
Linie leitete, eröffnete im September 1883 die Fahrt des "Gold Spike Special"Sonderzuges auf einer Nebenlinie der transkontinentalen Strecke.
Andere "goldene Deutsche" Amerikas kamen eher indirekt mit dem Gold
in Berührung.

Eine entscheidende Rolle spielten Deutsch-Amerikaner bei-

spielsweise in der Geschichte des amerikanischen Währungssystems.

Der

erste Finanzminister der USA, Michael Hillegas, war der Sohn deutscher Einwanderer.

Der erste Direktor der Münze der Vereinigten Staaten, David
- 3 -

�Staaten, David Rittenhouse, war ein direkter Nachfahre der Familie
Rittenhouse aus Germantown.

Und der Begründer der amerikanischen Bundes-

bank war Paul Moritz Warburg, der 1868 in Hamburg geboren wurde.
Bei der Aufzählung der "Goldenen Deutschen" Amerikas sollte man
natürlich den Mann nicht vergessen, der 1763 in Walldorf in Baden geboren
wurde.

Als John Jacob Astor im Jahre 1783 in Amerika ankam, hatte er gan-

ze 25 Dollar in der Tasche; als er im Jahre 1848 starb, war er der reichste
Mann Amerikas.

- 4 -

�4

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• &gt;11 :i * Li J

Wiz/cn/choft
und Technik

MM

United States Information Service
Embassy ot me United States of America

3 h August 1983

35

ERDKLIMA UND ANTARKTIKEIS
- US-Forscher suchen nach Anhaltspunkten für Zusammenhänge -

- (AD) - Das bisher intensivste Programm zur Erforschung des Verhaltens der Eismassen in der Westantarktis und ihres möglichen Einflusses auf
das Erdklima wird, wie jetzt die Nationale Forschungsstiftung der USA (NSF)
bekanntgab, im November 1983 beginnen.

Vier amerikanische Wissenschaftler-

gruppen, in erster Linie Gletscherforscher und Geophysiker von der Staatsuniversität Ohio, der Universität Wisconsin in Madison und vom Goddard Space
Flight Center in Maryland, wollen mit modernsten Methoden eine Vielzahl von
Informationen und exakte Daten sammeln.
gesetzt.

Das Projekt ist auf drei Jahre an-

Es ist eines von 90 Studienprogrammen, an deren Durchführung in

dieser Saison 280 amerikanische Forscher beteiligt sind.

Sie dauert von

Mitte November bis etwa Mitte Februar, wenn in der Antarktis Sommer ist.
Aber selbst dann steigen die Temperaturen nur wenig über Null Grad Celsius.
Zu den derzeit geförderten Spezialgebieten zählen auch Geologie, Meeresforschung, Biologie und Atmosphärenforschung.

Denn die Antarktis ist ein ide-

aler Platz, um Einblicke in die Geschichte unserer Erde, in weltweit wirksame Vorgänge, aber ebenso in Veränderungen zu bekommen, die durch die Akti-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�die Aktivität des Menschen weiträumig herbeigeführt werden.

Dagegen haben

Spekulationen auf eine Nutzung der Bodenschätze dieses unwirtlichen Kontinents noch kaum praktische Bedeutung.

Sie wäre einfach zu teuer - gemes-

sen an den Kosten, die andernorts anfallen.
Die westantarktische Eisplatte ist im Durchschnitt 2000 m dick und
hat eine Ausdehnung von mehr als 2,6 Millionen qkm.

Vergleichbar auf der

Erde ist ihr nur noch die Eisplatte der Ostantarktis und die Grönlands.
Allerdings stellt die westantarktische Platte insofern eine Besonderheit
dar, als sie direkt auf dem Meeresboden aufliegt.
instabil.

Das macht sie besonders

Es gibt Anzeichen dafür, daß sie vor ca. 125 000 Jahren eine gründ-

liche Um- bzw. Neubildung erfuhr.

Sie wird flankiert von zwei riesigen

Schelfeismassen, die ihr einen gewissen "Halt" geben - das Ross-Eisschelf,
und das Ronne-Eisschelf.

Wären diese nicht da, könnte, wie manche For-

scher vermuten, die Eisplatte schon in ca„ 500 Jahren aufgelöst sein.
Dies würde wesentliche Veränderungen auf der Erdoberfläche mit Klimaänderungen und der Überschwemmung weiter Küstengebiete bedeuten.
Die Eisplatte der Westantarktis wurde als "das große ungelöste Problem der Glaziologie" bezeichnet. Die drei Aspekte dieses Problems seien,
so wurde gesagt, neben ihrer möglichen Instabilität das Verhalten des
Eises während der letzten Vergletscherung und der letzten Zwischeneiszeit
sowie die Art und Weise, wie die Eisplatte wachse und schrumpfe. Eine
Untersuchung dieser Probleme könnte auch helfen, Vorgänge auf der Nordhalbkugel der Erde in vergangenen Jahrmillion besser zu erkennen und zu verstehen.
Die Gruppe um Prof. Charles Bentley (Wisconsin) sammelt Daten über
den gegenwärtigen Zustand der Eisplatte und ihr "Verhalten" während der
letzten paar Tausend Jahre.

So interessieren beispielsweise Dicke und Be-

schaffenheit des Eises, unterschiedliche Bewegungsgeschwindigkeit des flieenden Eises und seine Bewegungsrichtung.

Zwar sind sich die Gletscher-

forscher darüber einig, daß heute die Masse des Eises gegenüber dem Höhe- 2 -

�dem Höhepunkt der Eiszeit vor 17 000 Jahren reduziert ist, jedoch gehen
die Meinungen in bezug auf den Umfang der Veränderungen und über die Auflageregionen der Eisplatte auf festem Untergrund auseinander,

Die Kuppen

und Bergketten von Eis entlang der Siple-Küste, wo die Gruppe arbeitet, dürften gute Hinweise auf eine Übergangsperiode in der Zeit vor etwa 10 000
Jahren geben können, weil sie am felsigen Untergrund festgefroren sind und
es nur kleine Becken gibt, von denen wenig Eis abfließt-

Die Untersuchun-

gen am Eis und dem darunterliegenden Gestein - die Westantarktis ist eine
Art Archipel mit Gebirgsinseln unter einem dicken Eispanzer - werden nun
von Fahrzeugen aus mittels modernster, computergestützter Radarverfahren,
außerdem mit seismischen Methoden und durch Sondierung von Eis und Untergrund mit elektrischen Widerstandsmessungen vorgenommen.

Das Studium schnell fließender Eisströme ist von besonderem Interesse, weil sie eine wichtige Rolle im Verhalten und in der Stabilität der
Platte spielen.

Das Fundament der Eismassen liegt zum größten Teil unter

dem Meeresspiegel,

Die Ränder der Platte schwimmen im Meer, die Abbruche

treiben als Eisberge davon.

Schon eine kleine Veränderung des Meeresspie-

gels oder in den Fließmerkmalen könnte zu dramatischen Veränderungen an der
gesamten Platte führen.

Ob der Gletscher wächst oder schrumpft, will eine Arbeitsgruppe ermitteln, die im Grenzbereich zwischen Siple-Küste und Ross-Eisschelf stationiert ist.

Eine weitere Gruppe konzentriert sich auf das Studium der

westantarktischen Eisplatte in den Bergen nahe der Südostecke des RossEisschelfes.

In diesem Gebiet sind auch Anhaltspunkte dafür zu finden,

wie der westliche Eisschild mit Teilen der ostantarktischen Platte zusammenwirkte

Am Gesch-iebegestein in der Region, wo die Westplatte das Transant-

arktisgebirge erreicht (ein fast 3000 km langer Gebirgszug zwischen der
West- und Ostantarktis), hofft man u.a. Höhenveränderungen dieses Teils
des Ross-Eisschelfs zum Meeresspiegel in jüngerer Zeit ausfindig machen
zu können.
Das Transantarktisgebirge

- 3 -

�Das Transantarktisgebirge wurde vermutlich in den letzten 65 Millionen Jahren erheblich angehoben - es hat Berggipfel mit mehr als 3000 m
Höhe»

Wissenschaftler der Universität Ohio vermuten sogar, daß sich die-

ser Vorgang in nur zwei bis drei Millionen Jahren abspielte.
muß zuvor von Wasser bedeckt gewesen sein.

Die Region

Denn in Gletscherablagerungen

an der Gebirgsoberflache entdeckte der Paläontologe Dr. Peter N. Webb
Mikrofossilien mit gut erhaltenen Kieselalgen, Strahlentierchen, Foraminiferen und anderen Oberresten winziger tierischer Lebewesen, von denen
viele mit bloßem Auge auszumachen sind»

Die jüngsten Fossilien könnten

noch als Lebewesen existiert haben, als die Ablagerungen gebildet wurden.
Die ältesten waren wohl bereits versteinert und wurden im Geschiebematerial des Gletschers, der sich über ältere Sedimente eines Beckens im
Innern des Kontinents bewegte, transportiert.
Der Fund läßt vermuten, daß sich große Teile der riesigen ostantarktischen Eisplatte über die Landmassen ausgedehnt, Gebirgsketten und
die Festlandsränder weitläufig überdeckt haben, aber periodisch wieder
geschrumpft sind. Während der Rückzugsperioden scheinen flache Binnenmeere große Flächen der Antarktis polwärts überflutet zu haben. Dafür
spricht das unterschiedliche Auftreten fossilienhaltiger Sedimente auf
den Bergen - oft im Abstand bis zu 1500 km, Sie dokumentieren außerdem
mehrere Phasen des Vordringens von Wasser. Ausbreitung und Rückgang der
Vergletscherung läßt sich über mehr als 50 Millionen Jahre verfolgen.
Das Gebiet des Transantarktisgebirges ist eine tektonisch ruhige Region, was nicht dafür spricht, daß sich dort ein Grenzbereich von zwei aneinanderstoßenden Platten der Erdkruste befindet. Jedoch erhoffen sich
Seismologen von der Staatsuniversität Louisiana von Messungen im Bereich
der amerikanischen Forschungsstation am McMurdo-Sund einen gewissen Aufschluß zu der Frage, ob das Gebirge eine Zone darstellen könnte, in der
der antarktische Kontinent irgendwann weiter aufbricht. Sie werden versuchen, vom McMurdo-Eisschelf bis westlich von Cape Bird, an der Grenze
zwischen West- und Ostantarktis, die Erdrinde bis zum oberen Erdmantel in

- 4 -

�Erdmantel in fast 21 000 m Tiefe zu sondieren.

Die Forscher arbeiten in

einem Gebiet, wo das Eis mehr als zwei Meter dick und das Wasser 500 bis
1000 m tief ist.

Das Projekt könnte auch in Verbindung mit der weiteren Suche nach
pflanzlichen und tierischen Fossilien helfen, den geologischen Aufbau der
Antarktis besser zu bestimmen.

Letzteres planen Gruppen von vier amerika-

nischen Universitäten, und zwar auf Inseln östlich der antarktischen Halbinsel gegenüber der Südspitze des amerikanischen Kontinents.

Vor einem

Jahr wurden auf der Seymour-Insel Überreste von Landsäugetieren, insbesondere von Beuteltieren entdeckt.

Da die Fossilien einer geologisch

jungen Zeit angehören und in Südamerika gefundenen Formen ähnlich sind,
stellt sich die Frage, wann in der Vergangenheit und wie lange Beuteltiere
von Südamerika in die Antarktisregion kommen konnten.

Auch hofft man mehr

Informationen darüber zu bekommen, in welchem Umfang sie zwischen Australien und Südamerika hin- und herwanderten, bevor sich Australien vor etwa
56 Millionen Jahren von dem Superkontinent, Gondwana genannt, löste.
Er umfaßte einst Landmassen, die heute Kontinente oder Subkontinente für
sich bilden - Indien, Australien, Afrika, Südamerika und die Antarktis.
Es wird angenommen, daß Gondwana am Ende des Paläozoikums, vor etwa 280
Millionen Jahren, aufzubrechen begann und die Teile auseinanderdrifteten.

Neue oder verbesserte Verfahren ermöglichen eine bessere Analyse
von Eisbohrkernen auf Kohlendioxid und die von kosmischen Strahlen erzeugten Elemente bzw. die in diesem Zusammenhang beobachteten Veränderungen.
Dies ist für die Klimaforschung und Klimageschichte wichtig, insbesondere
im Hinblick auf Veränderungen seit der Industrialisierung.

Strömungs-

und Temperaturmessungen i n den antarktischen Meeren und deren Randzonen
sowie chemische Wasseranalysen tragen dazu bei, Austauschprozesse und Zusammenhänge weltweit zu erkennen und besser zu verstehen.

+ + + + +

- 5 -

�Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

31. August 1983

35

HARTE AUSLANDSKONKURRENZ FÜR PHARMAZEUTISCHE INDUSTRIE
Anteil der US-Firmen an Forschung und neuen Präparaten sinkt -

- (AD) - Ihr Erscheinungsbild trügt,

In Wirklichkeit verliert die

amerikanische Arzneimittelindustrie, einer der bedeutsamsten Repräsentanten
unter den Branchen mit hochqualifizierter Technologie, gegenüber der ausländischen Konkurrenz an Boden.

Dies ist jedenfalls das Ergebnis einer kürz-

lich veröffentlichten Studie der "National Academy of Engineering (NAE)", die
der "National Academy of Sciences" (Nationalen Akademie der Wissenschaften)
angeschlossen ist.

Der Bericht im Umfang von 97 Seiten beruht auf zweijäh-

rigen Untersuchungen, die die Nationale Forschungsstiftung (NSF) finanzierte
und die von prominenten Persönlichkeiten aus Forschung und Wirtschaft in enger Zusammenarbeit mit Fachkommissionen des Nationalen Forschungsrates (NRC)
durchgeführt wurden.
Es ist die vierte von insgesamt sechs Studien, mit denen weltweite
Verlagerungen industriell-technologischer Kapazitäten auf bestimmten Sektoren
der Wirtschaft untersucht werden. Sie haben zum Ziel, Ursachen und Zusammenhänge in Verbindung mit Veränderungen zu erkennen und künftige Entwicklungen
bzw. weitere Änderungen im technologischen Bereich samt ihren Auswirkungen

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�ihren Auswirkungen auf die Industrie eher abschätzen zu können, über die
Sparten "Kraftfahrzeuge", "Werkzeugmaschinen" und "Fasern, Textilien und
Bekleidung" wurden bereits Studien veröffentlicht»

"Elektronik" sowie "Ei-

sen und Stahl" werden die beiden letzten Themen sein.
Dem Bericht zufolge belief sich der Lieferwert pharmazeutischer Präparate in den USA im Jahr 1981 auf 17,7 Milliarden Dollar.

Die amerikanischen

pharmazeutischen Unternehmen beschäftigen derzeit 145 000 Personen.

Insge-

samt 756 Firmen waren im Jahr 1977 (aus der Folgezeit liegen noch keine Angaben vor) in dieser Branche tätig. Jahrzehntelang sei die pharmazeutische
Industrie einer der gewinnträchtigsten Sektoren der amerikanischen Wirtschaft
mit sehr hohen Wachstumsraten gewesen.

Hinsichtlich Ausstoß, Produktion und

Beschäftigung sei eine beständige Expansion bei gleichzeitigem Zurückbleiben
der Arzneimittel preise hinter der allgemeinen Inflationsrate zu verzeichnen
gewesen. Auch habe die pharmazeutische Industrie wichtige Beiträge zum
Gesundheitsstand der Bevölkerung und zur Kontrolle eskalierender Kosten im
Gesundheitswesen geleistet.
Gegenwärtig aber sei, so besagt die Studie, das Bild angesichts einer
relativen Schwächung der Grundlagen für die Wettbewerbsposition weniger rosig - insbesondere was die notwendigen Forschungsanstrengungen für die Entdeckung und Einführung neuer patentierter Arzneimittel angehe. Der Anteil
der amerikanischen pharmazeutischen Industrie an den weltweiten Aufwendungen
für Forschung und Entwicklung fiel von durchschnittlich 60 Prozent (Mitte
der fünfziger Jahre) auf weniger als 30 Prozent (1982) zurück. Auch sei
die Anzahl der von US-Firmen entwickelten neuen Medikamente, die jährlich
für klinische Versuche zugelassen werden, von durchschnittlich 60 Mitte
der sechziger Jahre auf etwa 25 im Jahr 1982 gesunken. Im Gegensatz dazu
sei die Zahl ausländischer Arzneimittel, die vergleichbaren Prüfungen unterzogen werden, mit ungefähr 20 pro Jahr nahezu konstant geblieben.
Der Bericht besagt ferner, daß der Anteil pharmazeutischer Präparate
aus den USA an der Weltproduktion von 50 Prozent im Jahr 1962 auf 38 Pro-

- 2 -

�38 Prozent im Jahr 1968 und schließlich 27 Prozent im Jahr 1978 zurückgefallen sei. Der Anteil an den Weltexporten in dieser Sparte sei von über
30 Prozent im Jahr 1960 auf weniger als 15 Prozent heute gesunken.

Klei-

nere pharmazeutische Unternehmen brächten weniger neue Arzneimittel als vor
1960 heraus und würden für die Lizenzierung neuer Produkte in zunehmendem
Maße von ausländischen Firmen abhängig, wenn auch Lizenzprodukte noch immer weniger als die Hälfte neuer, von kleinen Firmen auf den Markt gebrachten Präparate ausmachten.
Obgleich amerikanische pharmazeutische Firmen nach wie vor im In- und
Ausland hohe und wachsende Beträge für Forschung aufwenden, könne der Zuwachs nicht annähernd mit der überdurschnittlichen Expansion der Forschungsanstrengungen und der Produktion ausländischer Unternehmen Schritt halten.
Aber Forschungsanstrengungen, der Umfang neuartiger Präparate, Produktion,
Absatz, Marktstrukturen und internationaler Handel seien nun einmal wettbewerbsbestimmende Faktoren. Während z.B. Mitte der siebziger Jahre die
pharmazeutische Produktion in den USA ziemlich stabil geblieben sei, sei
sie in Westeuropa und Japan enorm gewachsen - nämlich um ca. 15 Prozent pro
Jahr gegenüber etwa fünf Prozent in den Vereinigten Staaten. Anfang der
sechziger Jahre lag die Produktion wertmäßig doppelt so hoch wie in Westeuropa, heute liege diese Größe nur bei etwa 60 Prozent. In der gleichen
Zeit sei die Produktion Japans relativ zu der in den USA von 33 auf 75 Prozent gestiegen.
(Der Bericht mit dem Titel "Competitive Status of the U.S. Pharmaceutical
Industry" kann von der "National Academy Press", 2101 Constitution Ave.,
Washington D.C. 20418 bezogen werden."

+ + + + +

- 3 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des State Department zum neuen Andropow-Vorschlag&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die NATO braucht eine glaubwürdige nukleare Abschreckung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Anne Armstrong, ehemalige amerikanische Botschafterin in Großbritannien -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Chronologie der jüngsten Ereignisse in Afghanistan&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erdklima und Antarktikeis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Forscher suchen nach Anhaltspunkten für Zusammenhänge -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Harte Auslandskonkurrenz für pharmazeutische Industrie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Anteile der US-Firmen an Forschung und neuen Präparaten sinkt -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>nroimotion
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America
24. August 1983

34
INHALT

DOKUMENTATION
Weinberger:

USA müssen Verteidigungsverpflichtungen einhalten

- Pressekonferenz vom 18. August 1983 Erklärung des Weißen Hauses zum Truppenabzug aus dem Libanon

WIRTSCHAFT
Die Aussichten für den amerikanischen Handel

HINTERGRUNDMATERIAL
Rüstungskontrolle hat höchste Priorität
- Von David F. Emory, Stellvertretender Direktor des US-Amtes
für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) Der deutsche Beitrag zur Freiheit in Amerika
- Ein deutschstämmiger Amerikaner wurde zum Vater der
Pressefreiheit -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Nachtlandetests serienweise
- Langwierige Vorbereitungen für den nächsten
CHALLENGER-Flug -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebelen

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�mIER

J 1 4 kl

1Dl EM

Dokumentation
United States Information Sen/ice
Embassy of the United States of America

24. August 1983

34

WEINBERGER: USA MÜSSEN VERTEIDIGUNGSVERPFLICHTUNGEN EINHALTEN
- Pressekonferenz vom 18. August 1983 -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Caspar
Weinberger hat am 18. August 1983 auf einer Pressekonferenz in Washington
betont, daß die Vereinigten Staaten ihre Verteidigungsverpflichtungen in
aller Welt einhalten müßten.

Dazu sei es notwendig, auf die entsprechenden

Ressourcen zurückgreifen zu können.
Der amerikanische Verteidigungsminister teilte ferner mit, daß er
vom 6. bis 8. September Panama, El Salvador und Honduras einen Besuch abstatten werde.

Ein weiteres Thema der Pressekonferenz war die Frage der

Dislozierung der PERSHING II-Raketen.
Die wesentlichen Fragen und Antworten der Pressekonferenz haben folgenden Wortlaut:
FRAGE: Drei der vier letzten Tests der PERSHING-Rakete sind fehlgeschlagen. Kann man denn die Dislozierung eines offenbar unzuverlässigen
Waffensystems noch vor Ende dieses Jahres verantworten, wenn man die Bedeutung des Stationierungsortes in Mitteleuropa in Betracht zieht, oder würden

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Telex: 8-85432

�oder würden Sie jegliche Verzögerung der Dislozierung ausschließen?
ANTWORT:

Es gibt keine Verzögerungen, und die Erprobung der PERSHING

verläuft nach Plan.

Dieser Plan stellt fast schon automatisch in Rechnung -

wie dies bei jeder neuen Waffe und jeder neuen Rakete der Fall ist -, daß
es einige Fehlschläge gibt. Deshalb gibt es Erprobungsmuster von 23 bis 24
Abschüssen, und viele davon waren ein voller Erfolg - hinsichtlich des begrenzten oder des weitergesteckten Ziels, dessentwegen sie in dieser besonderen Serie erprobt wurden.
gesehen.

Der nächste Test ist für Anfang September vor-

Mit der Rakete verläuft alles planmäßig, soweit es ihre Entwick-

lung anbetrifft; sie ist zur Dislozierung bereit.
FRAGE:

Herr Andropow hat heute vor einer Gruppe amerikanischer Sena-

toren erklärt, daß die Sowjetunion nicht als erste AntiSatellitenwaffen einsetzen werden.

Kommt diese Erklärung nicht überraschend für Sie, nachdem

die Sowjets ja schon Antisatellitenwaffen in den Weltraum gebracht haben?
ANTWORT:

Ja, das haben sie, und sie sind diejenigen, die über diese

Waffen im Augenblick verfügen.

Es ist also keine große Überraschung, aber

es wäre eine, wenn dies durchgeführt würde.
FRAGE: Können Sie noch zu Ihrer Ankündigung, daß Sie für einige Tage
nach Mittelamerika reisen werden, etwas sagen?
Was hoffen Sie, damit zu
erreichen.
ANTWORT: Zunächst einmal bin ich Ende letzten oder Anfang dieses
Jahres von dem Präsidenten Panamas eingeladen worden. Normalerweise reise
ich dorthin, wo unsere Truppen sind, und in Honduras findet ein wichtiges
Manöver statt. Ich war im vorigen Jahr in Korea, wo ein sehr großes Manöver
stattfand, und ich möchte (auf meiner Reise) ferner mit denjenigen Regierungsvertretern zusammentreffen, mit denen wir im Zusammenhang mit der Ausbildung
und den Manövern zusammenarbeiten, ferner mit den Verteidigungsministern von
El Salvador und Honduras; ich möchte das Ausbildungszentrum selbst besich-

- 2 -

�selbst besichtigen und vor allem mit den Soldaten selbst sprechen und ihre
Ansichten erfahren.
tun.

Ich erachte dies als sehr nützlich und möchte das auch

Dies habe ich in Deutschland so gehalten, und ich möchte es tun, wo

immer dies möglich ist. Darum geht es im wesentlichen.
FRAGE:

Ich möchte noch einmal auf die PERSHING II zurückkommen.

Gibt es irgendwelche Umstände, unter denen die Vereinigten Staaten auf die
Dislozierung der PERSHING II verzichten würden?

Und zweitens:

Was ist der

militärische Grundgedanke für die PERSHING II?
ANTWORT: Ich glaube, auf die Dislozierung der PERSHING II könnte verzichtet werden, wenn wir die Null-Option erreichen, denn gerade dafür ist
die PERSHING II entscheidend. Sie soll als ein Gegengewicht dienen und das
sowjetische Monopol auf dem Gebiete der nuklearen Mittel Streckenwaffen brechen, die Moskau disloziert hat. Sie wird seit 1979 geplant, und sie ist
heute wichtiger als damals, weil die Sowjets ihrem Arsenal eine gewaltige
Anzahl von SS-20-Raketen hinzugefügt haben. Die PERSHING II ist das beste
Mittel, um dem entgegenzutreten. Der landgestützte Marschflugkörper Cruise
Missile ist ebenfalls ein Gegenmittel. Wenn also die Sowjetunion dem ursprünglichen Vorschlag unseres Präsidenten zustimmen und ihre SS-20, SS-4
und SS-5 herausnehmen würde, nun, dann könnte auf die PERSHING II verzichtet werden.
FRAGE: Und zweitens der militärische Grundgedanke,der hinter der
PERSHING II steht?
ANTWORT: Sie ist ein Gegenmittel; sie bricht das sowjetische Monopol
auf dem Gebiet der nuklearen Mittel Streckenwaffen; sie gibt uns die Kapazität, daß sie Ziele schnell und genau auf eine mobile Weise treffen müssen.
Sie hat zwar nicht die Kapazität der SS-20, und hier steht ein Gefechtskopf
gegen drei, aber sie gibt uns auf diesem Gebiet zum erstenmal eine Kapazität, über die die Sowjets schon seit 1979 verfügen. Deshalb erscheinen mir
die sogenannten Vergeltungsargumente so hohl, weil nämlich Moskau im Jahr

- 3-

�im Jahr 1979 sozusagen Vergeltung geübt hat, bevor wir überhaupt irgend
etwas hatten; und wir haben immer noch nichts.

Das Monopol haben die

Sowjets.
FRAGE:

Wie beurteilen Sie die gegenwärtigen Kampfhandlungen in El

Salvador und in Nicaragua?
ANTWORT:

Meiner Meinung nach geht es in El Salvador vom Standpunkt

der Regierung aus gesehen, die wir unterstützen, wesentlich besser.

Es hat

wesentliche Verbesserungen in einer Anzahl von Kategorien gegeben, und es
sieht so aus, als ob die Ausbildung Früchte trägt und als ob die Moral und
die Führung sich verbessern.

Was Nicaragua angeht, so bin ich mit den dor-

tigen Aktionen auf dem Lande nicht besonders vertraut.

Es gibt eine Reihe

von Aktivitäten seitens der Miskito-Indianer und anderer im Norden des Landes und einige regierungsfeindliche Aktivitäten im Süden.

Aber ich glaube,

dies hält sich auf dem Stand wie schon vor Monaten.
FRAGE: In New Orleans schienen Sie die Carter-Doktrin in bezug auf
den Persischen Golf zu bekräftigen. Was haben Sie dort gesagt, und warum
haben Sie es gesagt?
ANTWORT: Was ich dort gesagt habe, ist ja festgehalten, und meine
Worte waren nicht so sehr die Bekräftigung einer Doktrin, meine Ausführungen waren vielmehr eine grundsätzliche Erklärung hinsichtlich unserer Sicherheit. Ich habe zu der Tatsache Stellung genommen, daß eine Menge Leute sagen, wir hätten zu viele Verpflichtungen, und ich habe rein rhetorisch gefragt - denn ich konnte dort ja keine Antwort erwarten - was wir denn nun
aufgeben sollten. Sollten wir die Verteidigung Japans, Koreas oder Europas
- der NATO - oder der kontinentalen Vereinigten Staaten oder des Mittleren
Ostens und seiner ölfelder aufgeben? Und ich habe erklärt, daß wir meiner
Meinung nach keine dieser Verpflichtungen aufgeben könnten, daß dies absolut nichts Neues sei, sondern daß die Forderung nach verringerten Ressourcen manchmal mit der Vorstellung verknüpft werde, wir seien zu viele Ver-

- 4 -

�viele Verpflichtungen eingegangen.

Und dann habe ich gefragt, was wir denn

eigentlich aufgeben sollten.
Ich kann nicht sehen, daß wir in Übereinstimmung mit unserer Sicherheit und unseren nationalen Interessen irgend etwas hiervon aufgeben können.
Ich habe weder eine Doktrin bekräftigt, noch irgendeine Doktrin zurückgewiesen.

Meine Ausführungen waren einfach eine erneute Erklärung, daß wir

meiner Ansicht nach nicht in einer Welt leben können, in der Europa überrannt ist, und ich weiß nicht, wie lange Europa überleben kann, wenn die ölfelder überrannt sind.

Es war also eine Bekräftigung der Verpflichtungen,

die wir - wie ich meine - einhalten müssen, und daß wir daher per definitionem
über die entsprechenden Ressourcen verfügen müssen, um diese Verpflichtungen
einhalten zu können.
FRAGE: Es gibt eine Menge Leute, die sagen, daß nicht die Verpflichtungen beschnitten werden sollten, sondern daß die Lasten für die Erfüllung
dieser Verpflichtungen von den Schultern der Vereinigten Staaten auf die
der Japaner, der Europäer und anderer besonders im Persischen Golf verlagert werden sollten.
ANTWORT:

Das geschieht bereits - und in sehr beträchtlichem Ausmaß.

Der Eindruck, daß wir ohne jeden Verbündeten dastünden und die ganze Sache
alleine machten, ist absolut falsch.

Wir alle, einschließlich der Vereinig-

ten Staaten, möchten, daß mehr getan wird.

Ich sage "wir alle", ich meine

die Leute, die über diese Dinge reden, die Verteidigungsminister und andere.
Wir haben diesanicht reduzierbaren Verpflichtungen und Erfordernisse, was
unsere zukünftige Sicherheit und die unserer Verbündeten in der freien Welt
anbetrifft.

Wir tun schon eine Menge, aber wir sollten meiner Meinung nach

noch mehr tun. Auch unsere Verbündeten tun eine ganze Menge, und ihnen ist
völlig bewußt, daß sie noch mehr tun sollten.
des Alleintragens unsererseits.

Dies ist also keine Frage

Es geht darum, daß wir deutlich machen,

welche Verpflichtungen wir haben, wie entscheidend wichtig es ist, sie zu
erfüllen, und daß es der Mittel bedarf, um dies zu tun, und mehr noch, daß
- 5 -

�noch, daß dies Zeit erfordert.

Und noch einmal: Angesichts der Stärke,

über die die andere Seite verfügt - und davon werden wir ja täglich Zeuge -,
ist es wichtig, daß wir nicht nur das tun, was nach unserer Überzeugung getan werden muß, sondern daß wir dies so schnell tun, wie es in Übereinstimmung steht mit wirtschaftlichen Erwägungen und der Stärkung, die wir anstreben.

+ + + + +

- 6 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

24. August 1983

34

ERKLÄRUNG DES WEISSEN HAUSES ZUM TRUPPENABZUG AUS DEM LIBANON

SANTA BARBARA, KALIFORNIEN - (AD) - Die Reagan-Administration ist
der Oberzeugung, daß der Teilabzug israelischer Truppen aus dem Libanon
zum Abzug aller israelischen Streitkräfte und zum gleichzeitigen Abzug der
PLO und der syrischen Truppen führen wird. Dies geht aus einer Erklärung
hervor, die das Weiße Haus am 19. August 1983 veröffentlichte.
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Vor vier Wochen bekräftigte Präsident Reagan seine Verpflichtung
auf drei grundlegende Ziele im Libanon:

baldmöglichster Abzug aller aus-

ländischen Streitkräfte; Ausdehnung der libanesischen Souveränität auf das
gesamte Territorium; Sicherstellung, daß der Libanon nicht erneut Ausgangspunkt feindlicher Handlungen gegen Israel wird.
Das am 17.Mai zwischen Israel und dem Libanon geschlossene Abkommen
ist ein wichtiger Schritt zur Erreichung dieser Ziele.. Der Präsident hat
angeordnet, daß die amerikanischen Bemühungen im Rahmen einer Mission nach
dem Nahen Osten unter Leitung der Botschafter Robert McFarlane und Richard
Fairbanks erneuert werden.
Seither haben

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
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�Seither haben die Botschafter McFarlane und Fairbanks die Region eingehend bereist und intensive Gespräche mit arabischen und israelischen Führern abgehalten.

Aus diesen Gesprächen sind mehrere Schlußfolgerungen ge-

zogen worden.
Die erste und wichtigste Folgerung ist die solide Grundlage der Unterstützung der Prinzipien des vollen Abzuges und der vollen Autorität der libanesischen Regierung in der arabischen Welt und in Israel.
Ebenso klar ist das gewaltige Ausmaß der Aufgabe, vor der die libanesische Regierung steht, wenn sie danach strebt, die Übereinstimmung unter
den verschiedenartigen konfessionellen Gruppen im Libanon zu festigen, die
für den Wiederaufbau und die Neubelebung der libanesischen Wirtschaft und
die Herbeiführung der politischen Stabilität so wesentlich ist.

Es ist offen-

kundig, daß sich Präsident Gemayel diesen Zielen verschrieben hat.
Die Regierung des Libanon wird bald die Gelegenheit haben, Stabilität
wiederherzustelen und den Prozeß des Wiederaufbaus und der Herbeiführung
eines Konsens auf die Distrikte Alayh und Shuf auszudehnen, wenn Israel
seine Streitkräfte aus diesen Gebieten zurückzieht. Dieser Schritt Israels
ist der erste in einem Prozeß des Abzuges, wie er in dem Abkommen vom 17. Mai
vorgesehen ist.
In den letzten Wochen gab es Leute, die die Motive in Frage stellten,
die dem Abzug Israels zugrundeliegen, und die erklärten, dies sei die Vorstufe für eine ständige Teilung des Libanon. Wir sind überzeugt, daß sich
die israelische Regierung zum Abzug all ihrer Truppen aus dem Libanon verpflichtet fühlt. In dieser Hinsicht ist es instruktiv, sich an amtliche
israelische Erklärungen zu halten, wie etwa die folgende:
"Es ist die Politik und die Absicht der Regierung Israels, sich aus
dem ganzen Libanon zurückzuziehen, und die Neudislozierung unserer Streitkräfte an der Awwali-Linie ist nur Teil des totalen Abzuges.
Es ist

�Es ist unser fester Wunsch, daß es soweit kommt, daß eine starke
Zentralregierung ihre Autorität über den ganzen Libanon ausdehnt und überall in den 10 452 Quadratkilometern des Landes die Sicherheit garantiert.
Alle Beschuldigungen bezüglich israelischer Absichten, eine Teilung oder
Trennung des Libanon herbeizuführen, entbehren jeder Grundlage."
Wir sind zuversichtlich, daß der israelische Abzug weitergeht, während die Bemühungen andauern, den gleichzeitigen Abzug der PLO und der
syrischen Streitkräfte herbeizuführen.
Die Vereinigten Staaten verpflichten sich, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um zur Schaffung von Verhältnissen beizutragen, die es zulassen, daß diese Abzüge zum baldmöglichsten Zeitpunkt stattfinden.
In diesem Zusammenhang werden die Regierungen Israels und des Libanon
die reibungslose und geordnete Rückgabe der Verantwortung in den Gebieten
Alayh und Shuf koordinieren.

Gleichzeitig werden die Bemühungen der Re-

gierung des Libanon weitergehen, den Konsens zu stärken, damit Stabilität
und Wiederaufbau vorangehen können.
Wir appellieren an Syrien und die PLO, einen entsprechenden Fortschritt
beim Abzug zu ermöglichen, damit der Libanon als geeintes, souveränes und
unabhängiges Land wieder},

; Mt

werden kann.

- 3 -

�24. August 1983

34

DIE AUSSICHTEN FÜR DEN AMERIKANISCHEN HANDEL

Dieser Artikel ist ein Nachdruck aus
"Business America", einer Publikation
des amerikanischen Handelsministeriums.
Er wurde verfaßt vom Amt für Handelsund Investitionsanalysen dieses Ministeriums.

- (AD) - Die Aussicht auf einen beträchtlichen Anstieg der amerikanischen Einfuhren dominiert die Voraussagen für den Handel der Vereinigten
Staaten zu Jahresmitte - und ist zugleich Anzeichen dafür, daß die Ausweitung des Handelsdefizits, die während der ersten sechs Monate zu verzeichnen war, auch in der zweiten Jahreshälfte 1983 anhalten wird.

Es wird

also sicherlich ein Rekordhandelsdefizit zu verzeichnen sein - möglicherweise doppelt so hoch wie die 31,8 Milliarden Dollar, die das Defizit von
1982 auswies.

Letztlich wird der genaue Umfang des Defizits von 1983 von

einer Vielzahl von Faktoren abhängen, die hinsichtlich Größe und zeitlichem
Erscheinen schwierig vorherzusagen sind.

Dennoch:

Wie die bereits vorhan-

denen Trendbewegungen zeigen, befinden sich die Importe in einer deutlichen
Aufwärtsbewegung, während die Exporte

noch aus einem Rückgang herauskommen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
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�Rückgang herauskommen müssen, der nach dem ersten Quartal 1981 einsetzte.
Im ersten Halbjahr 1983 belief sich das Handelsdefizit auf Jahresbasis
umgerechnet auf 43,5 Milliarden Dollar und lag damit bereits beträchtlich
über dem Rekordumfang des vorigen Jahres.

Die Verschlechterung resultierte

aus dem weiteren starken Rückgang der Exporte in diesem Jahr, während die
Importe nur einen leichten Rückgang gegenüber 1982 auswiesen.

Angesichts

der relativ ungünstigen Aussichten für ein stärkeres Anwachsen der Exporte
für den Rest des Jahres und angesichts der Wahrscheinlichkeit einer noch
stärkeren Zunahme der Einfuhren im Zuge der starken Ausweitung der amerikanischen Wirtschaft, dürfte sich das Handelsdefizit auch in den kommenden Monaten erhöhen.
Die Importe dieses Jahres waren bislang charakterisiert durch eine
neuerliche Zunahme der Nichtölimporte, ausgeglichen durch einen weiterhin
anhaltenden und recht scharfen Rückgang der importierten ölmengen.

Die Nicht-

ölimporte verzeichneten - nach einem beträchtlichen Rückgang in der zweiten
Hälfte des vorigen Jahres - einen Anstieg von fünf Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Die Erwartungen auf einen weiterhin anhal-

tenden Anstieg stehen in Einklang mit dem starken Wachstum, das für die amerikanische Wirtschaft in diesem Jahr vorhergesagt wurde, sowie mit der Stärke
des Dollar, der die Wettbewerbsfähigkeit ausländischer Güter erhöht.

Die

öl einfuhren sind dieses Jahr bislang um 19 Prozent gefallen - annähernd die
gleiche Rückgangsrate wie 1982, was jedoch von der Tatsache ablenkt, daß
andere Importe in Reaktion auf die Erholung der amerikanischen Wirtschaft
schlagartig nach oben gingen.
Für die verbleibenden Monate des Jahres 1983 werden drei Faktoren den
Verlauf des Exportgeschehens wesentlich beeinflussen: Erstens, die Erholung
in den anderen Industriestaaten hat begonnen und das Maß der Beschleunigung
der Wirtschaftstätigkeit im Ausland wird eine wichtige Determinante des Ausfuhrumfangs sein. Allerdings würde sogar ein größerer Anstieg der Wachstumsraten der ausländischen Volkswirtschaften für dieses Jahr nur eine begrenzte

�eine begrenzte Wirkung haben, da sich eine stärkere Auslandsnachfrage nur
mit Verzögerungen in tatsächliche Ausfuhren übersetzen ließe.

Derzeit

sieht es so aus, als würde es in der zweiten Jahreshälfte zu einem bescheidenen Anstieg der Exporte kommen, gestützt hauptsächlich auf die verbesserten Verkaufsaussichten in Industrieländern, OPEC-Ländern und in jener Ländern,
die landwirtschaftliche Exporte in größerem Umfang aufnehmen.

Während je-

doch der Aufschwung bei der Wirtschaftstätigkeit im Ausland ein günstiges
Omen für Exporte darstellt, so signalisieren die derzeitigen Beurteilungen
der Lage einen verhältnismäßig langsamen Gang der Wirtschaftsbelebung bei
unseren wichtigsten Handelspartnern, da man in einem Klima der wirtschaftlichen und politischen Ungewißheit allgemein Vorsicht walten läßt.
Zweitens, ein weiterer Aspekt, der hinsichtlich der Exporte zu berücksichtigen ist, ist die anhaltende Stärke des Dollar gegenüber den Währungen
der wichtigsten Handelspartner der Vereinigten Staaten, die den amerikanischen Handel für den Rest des Jahres 1983 und ins Jahr 1984 hinein beeinflussen wird. Der Dollar verzeichnete gegenüber den Währungen der wichtigsten Industriestaaten seit nahezu drei Jahren einen steigenden Trend und
war fast das ganze Jahr 1983 und in diesem Jahr auf einem ungewöhnlich hohen
Niveau. Erst kürzlich noch erreichte der Dollar gegenüber mehreren wichtigen europäischen Währungen seinen höchsten Stand in zehn Jahren. Der Anstieg
des Dollar wird kurzfristigen Determinanten des Wechselkurses zugeschrieben
- wie etwa den höheren Zinsen in den Vereinigten Staaten und politischer Unsicherheit im Ausland., Weil diese kurzfristigen Determinanten während der
verganenen Jahre dominierten, hatten relative Veränderungen des nationalen
Preisniveaus - die langfristige Determinante der Wechselkurse - weniger
Einfluß auf den Preis der amerikanischen Exporte und Importe. Als Ergebnis dessen wurde der Dollar stärker aufgewertet als eigentlich wegen der
relativ geringeren Inflationsrate in den Vereinigten Staaten erforderlich
gewesen wäre

Die erste unmittelbare Auswirkung dieser Aufwertung des Dollar war
natürlich eine geringere preisliche Wettbewerbsfäng&lt;eit der amerikanischen
- 3 -

�der amerikanischen Exporte, was zu einem Rückgang der Exporte führte.
Man weiß, daß diese Effekte eine Zeitlang anhalten, wobei die Nachfrage
nach bestimmten Produkten fast sofort reagiert, die nach anderen wiederum
etwa drei bis sechs Quartale später.

Daher wird der derzeitige hohe Stand

des Dollar auch weiterhin - und weit ins Jahr 1984 hinein - die Wettbewerbsfähigkeit unserer Ausfuhren beeinflussen*
Es gibt jedoch neben diesen direkten Auswirkungen noch eine weitere
Konsequenz der Aufwertung einer Währung.

Wenn - wie dies beim Dollar wäh-

rend der vergangenen zwei Jahre der Fall gewesen ist - die Wechselkurse
sich so deutlich verschieben und eine solche Höherbewertung einer Währung
andauert, werden neben dem kurzfristigen Kauf und Verkauf auch andere Überlegungen beeinflußt.

Besondere Besorgnis bereitet etwa die Möglichkeit,

daß manche Exporteure ihre Wettbewerbsposition auf den ausländischen Märkten
überprüfen werden und ihre Verkaufsanstrengungen in Bereichen einschränken,
wo die Wechselkursauswirkungen negativ gewesen sind.

Wenn erst einmal län-

gerfristige Entscheidungen wie diese getroffen worden sind, wird auch die
Schwierigkeit der Neuanpassung beträchtlich größer, wenn die Wechselkurse
wieder günstiger werden und die Wettbewerbsposition der Vereinigten Staaten
insgesamt sich wieder ändert.
Schließlich haben auch die Probleme, die durch die schweren Schuldenlasten der Entwicklungsländer verursacht werden, die amerikanischen Exporte
bereits beträchtlich berührt und werden auch in naher Zukunft den Exporten
massive Schwierigkeiten bereiten. Im Jahr 1981 hatte der Anteil der kein
Erdöl besitzenden Entwicklungsländer an den amerikanischen Exporten auf 29
Prozent zugenommen; eine Krise des Ausmaßes, wie sie viele dieser Länder erlebten, mußte daher auch ernste negative Auswirkungen auf unsere Handelsströme mit sich bringen. Im Jahr 1982 war daher auch ein Rückgang von 8
Milliarden Dollar für die amerikanischen Exporte in insgesamt 13 der stärker
von Schulden belasteten Entwicklungsländern zu verzeichnen, wobei sich der
Hauptteil dieses Rückgangs auf die zweite Jahreshälfte konzentrierte. Ein
weiterer Rückgang um 5 Milliarden Dollar war für die erste Hälfte dieses
Jahres zu verzeichnen. Obgleich ein großer Teil des unvermeidlichen Rück- 4 -

�unvermeidlichen Rückgangs an Lieferungen in diese Länder jetzt abgeschlossen sein dürfte, so werden doch die weiteren finanziellen und wirtschaftlichen Anpassungen, die diese Länder auch weiterhin wegen ihrer prekären
Schuldensituation vornehmen müssen, einen jeglichen weiteren umfangreicheren Anstieg der Exporte für einige Zeit wahrscheinlich ausschließen.
Die Handelsbilanz bei Fertigwaren wird 1983 für das dritte Jahr in
Folge eine weitere beträchtliche Verschlechterung aufweisen. Bis Juni wies
die Bilanz bei Fertigwaren auf Jahresbasis ein Defizit von 22,3 Milliarden
Dollar auf, im Vergleich zu einem Defizit von 4,3 Milliarden Dollar im ganzen Jahr 1982. Noch dramatischer ist der Gegensatz zu der Bilanz von 1980,
als ein Überschuß von 18,8 Millionen Dollar zu verzeichnen war. Mit der
für den Rest dieses Jahres abzusehenden weiteren Verschlechterung dürfte
die Verschiebung der Bilanz bei Fertigwaren seit 1980 bei weit über 40 Milliarden Dollar liegen.
Mehr als die Hälfte des Rückgangs der Exporte bei Fertigwaren war
bislang im Jahr 1983 bei Kapitalgütern zu verzeichnen - zweifelsohne der
Sektor, der sowohl durch den hohen Wechselkurs des Dollars als auch durch
die Schuldenprobleme der weniger entwickelten Staaten am meisten in Mitleidenschaft gezogen wird.

Da die negative Auswirkung dieser Faktoren

auch weiter anhalten wird, sind die Aussichten für den Export von Kapitalgütern nicht eben rosig. Andererseits könnte der Rückgang beim Export von
Industrieerzeugnissen, wie Halbfertigmetallen, Papier und Textilien in der
zweiten Hälfte als Reaktion auf den allmählichen Anstieg der industriellen
Produktion in den wichtigsten Industrieländern umgekehrt werden.
Was den Import angeht, so dürfte es einen Anstieg bei Fertigwaren
geben; Autos und kurzfristige Verbrauchsgüter verzeichnen bereits Zunahmen,
die durch wachsende Importe von langfristigen Verbrauchsgütern und Industriestoffe ergänzt werden, für die es während der hiesigen Rezession nur einen
flauen Absatz gegeben hatte.
Der Abwärtstrend
- 5 -

�Der Abwärtstrend bei den ölimporten, der 1981 begann, setzte sich
auch in diesem Jahr fort und führte in der ersten Jahreshälte zu einem unerwartet niedrigem Volumen - und Preisniveau.

Der Rückgang der ölimporte

war hautpsächlich auf den anhaltenden Rückgang des amerikanischen Energieverbrauchs zurückzuführen.
gienachfrage aus.

Erdöl macht etwa 43 Prozent der gesamten Ener-

Der fallende Preis für importiertes Erdöl läßt sich auf

das weltweite Überangebot zurückführen.

Das OPEC-Abkommen vom März über

einen Mindestpreis von 29 Dollar pro Barrel sowie Fördereinschränkungen halfen, die Preise etwas zu stabilisieren, obgleich die OPEC seit 1982 weniger
als die Hälfte der amerikanischen öleinfuhren stellte.
die Vorräte in den USA etwas verringert.

Außerdem haben sich

Die amerikanischen Vorräte an

Erdöl und Erdölprodukten lagen seit März erheblich unter dem Durchschnitt.
Die öleinfuhren könnten in der zweiten Jahreshälfte zunehmen, da die amerikanische Industrie wieder in Schwung gerät und die ölvorräte wieder in gewissem Umfang ergänzt werden.
ben.

Es wird erwartet, daß die Preise stabil blei-

Der Wert der öleinfuhren wird beträchtlich unter dem Umfang des Jah-

res 1982 mit seinen 60,5 Milliarden Dollar liegen; auch die Mengen werden
etwas zurückgehen - wahrscheinlich auf 5,2 Millionen Barrel pro Tag, verglichen mit den 5,3 im Jahr 1982.

1984 dürfte die Nachfrage weiter anstei-

gen, wobei zumindest während der ersten Jahreshälfte die Preise stabil bleiben dürften.
Was die Aussichten für landwirtschaftliche Ausfuhren angeht, so
dürfte sich auch hier in diesem Jahr ein Wertrückgang ankündigen. Nach dem
Höhepunkt des Jahres 1981 gingen die landwirtschaftlichen Exporte sowohl
hinsichtlich Umfang als auch Preis zurück. Hinter diesem Rückgang stehen
mehrere Faktoren. Eine verstärkte landwirtschaftliche Produktion im Ausland führte zu erhöhter Wettbewerbsfähigkeit anderer Exportländer auf den
Märkten. Die Produktion hat auch in mehreren Einfuhrländern zugenommen, was
es einigen Ländern ermöglicht hat, ihre Einfuhren einzuschränken. Außerdem
haben einige Staaten, die erhebliche Schulden oder geringere Exporteinnahmen haben - wie etwa Polen, Venezuela und Nigeria -, Schritte unternommen,

�Schritte unternommen, um ihre landwirtschaftlichen Importe zu beschneiden.
Schließlich hat der amerikanische Anteil an den sowjetischen Weizenimporten
deutlich abgenommen - von 70 Prozent vor dem Embargo auf etwa 20 Prozent
in diesem Jahr.
Viele der Bedingungen, die die Exporte landwirtschaftlicher Erzeugnisse beschränken, werden auch 1984 vorhanden sein.

Mit vermehrter Wirt-

schaftstätigkeit im Ausland dürfte jedoch im nächsten Jahr ein gewisser Anstieg zu verzeichnen sein.

Außerdem dürfte ein kürzlich abgeschlossenes,

neues, langfristiges Handelsabkommen mit der UdSSR es den Vereinigten Staaten ermöglichen, einen größeren Anteil des sowjetischen Marktes zurückzugewinnen.

- 7 -

�24. August 1983

34

RÜSTUNGSKONTROLLE HAT HÖCHSTE PRIORITÄT
- Von David F. Emory Stellvertretender Direktor des US-Amtes für Rüstungskontrolle
und Abrüstung (ACDA)

- (AD) - Es gibt kein Ziel der Reagan-Administration, das eine höhere
Priorität verdient und erhalten hat, als die Förderung von Rüstungskontroi 1abkommen, die das Kriegsrisiko verringern und die Sicherheit der Vereinigten
Staaten und ihrer Verbündeten stärken.

Die Einstellung der Administration

zur Rüstungskontrolle beruht auf vier Grundprinzipien, die Präsident Reagan
1981 artikuliert hat.
Erstens, wir erstreben wesentliche Verringerungen.

Wir haben uns

der Verringerung der Zahl und der Zerstörungskraft von Waffen verschrieben,
nicht einfach einem Einfrieren auf dem gegenwärtigen hohen Stand.
Zweitens, wir erstreben Gleichheit.

Wir sind der Überzeugung, daß

eine Verringerung auf einen Gleichstand notwendig ist, um das entscheidend
wichtige Gleichgewicht wiederherzustellen, das unserem Lande und seinen
Verbündeten ausreichende Sicherheit bietet.
Drittens, wir

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Drittens, wir erstreben ausreichende Verifizierung.
abkommen können nicht nur auf Vertrauen basieren.

Rüstungskontroi 1-

Die Vereinigten Staaten

werden sich daher um Rüstungskontroi labkommen bemühen, die auch wirksame Maßnahmen zur Sicherstellung der Einhaltung enthalten.
Viertens, wir erstreben Rüstungskontroi labkommen, die die Sicherheit
der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten wirklich fördern.

Wir dürfen

keine Abkommen akzeptieren, die nur kosmetische Wirkung haben und ein falsches Gefühl der Sicherheit hervorrufen, aber keinen realen Nutzen und keine
reale Auswirkung haben.
Diese Prinzipien haben zwei große Rüstungskontrollanstrengungen der
Administration geleitet:
Bei den Verhandlungen über eine Verringerung der strategischen
Rüstungen (START) strebt die Administration nach einem Abkommen, das weit
über die früheren amerikanisch-sowjetischen Bemühungen hinausgeht, Waffen
mit interkontinentaler Reichweite unter Kontrolle zu bringen. Das Kernstück unseres START-Vorschlages ist eine Höchstgrenze von 500 Gefechtsköpfen
für Raketen, was für beide Seiten eine Verringerung um ein Drittel bei dieser am meisten destabilisierenden Kategorie strategischer Waffen bedeuten
würde. Am 8. Juni dieses Jahres gab Präsident Reagan Modifizierungen der
ursprünglichen amerikanischen Position bekannt, die dazu dienen sollen, den
von der UdSSR zum Ausdruck gebrachten Befürchtungen entgegenzukommen und unseren Verhandlungsführern zusätzlichen Spielraum zu geben, um einen Fortschritt in Genf zu erreichen.
Bei den Verhandlungen über nukleare Mittel Streckensysteme (INF) haben
die Vereinigten Staaten ihr Ziel nicht kürzer gesteckt - und ihre Einstellung
ist nicht weniger vernünftig oder flexibel. Im November 1981 bot Präsident
Reagan den Verzicht auf die Dislozierung von PERSHING II-Raketen und landgestützten Marschflugkörpern in Westeuropa an, wenn die Sowjetunion vergleichbare eigene Raketen, vor allem die SS-20, beseitigen würde. Dieses Angebot,

�Dieses Angebot, eine ganze Klasse von Kernwaffen zu eliminieren - bekannt
als Null-Null-Vorschlag - wurde von der sowjetischen Seite abgelehnt.

Da-

her haben die Vereinigten Staaten nach Absprache mit ihren Verbündeten und unter Beibehaltung der Null-Null-Lösung als letztliches Ziel - im März
dieses Jahres einen Interimsvorschlag unterbreitet, der gleiche, globale
Begrenzungen für Gefechtsköpfe auf weiterreichenden nuklearen Mittel Streckensystemen (LRINF) fordert.
Bisher ist die amerikanische Flexibilität in Genf nicht mit einer entsprechenden Haltung der Sowjets erwidert worden.

Was sie vorschlagen, ist

in der Praxis ein Null-Vorschlag für die eine Seite - d.h. keine amerikanischen Dislozierungen und ein völliges sowjetisches Monopol bei diesen
Waffen in Europa.
Während wir solche Verhandlungen mit der Sowjetunion führen, müssen
wir gleichzeitig an die Notwendigkeit denken, eine weitere Ausbreitung von
Nuklearwaffen auf der Erde zu verhüten.

Es liegt auf der Hand, daß eine

weitere Ausbreitung solcher Waffen höchst destabilisierend wirken würde.

Es

dient sicherlich nicht der internationalen Ordnung unter Nationen, wenn sich
ein Land entschließen sollte, Kernwaffen

anzuschaffen.

Die Anschaffung von Kernwaffen gereicht einer Nation keineswegs zur
Ehre, noch hebt es das nationale Prestige.. Die Verletzung der internationalen Normen der Nonproliferation sollte der Gemeinschaft der Völker Anlaß
sein, das verletzende

Land in Acht und Bann zu schlagen,.

Das muß so sein,

denn wir müssen alle erkennen, daß die Proliferation von Kernwaffen niemanden Interessen dienen kann und wird.
Wenn es darum geht, die Proliferation von Kernwaffen in der Welt zu
verhindern, dann hat die Reagan-Administration eine wirksame und feste Politik eingeschlagen.

Wir betrachten dies als ein grundlegendes Ziel der na-

tionalen Sicherheit und der Außenpolitik der Vereinigten Staaten, und Präsident Reagan hat sich persönlich engagiert, um dieses Ziel zu erreichen.
Nachfolgend eine
- 3 -

�Nachfolgend eine kurze Zusammenfassung einer Reihe entscheidender Maßnahmen, die die Reagan-Administration ergriffen hat und die ausdrücklich
dazu dienen soll, diesem Ziel rasch näherzukommen.
Erstens, wir müssen die Exportkontrollen, die Regeln für den Handel
mit Nuklearmaterial, verschärfen und umfassende Sicherheitsmaßnahmen einführen.
Zweitens, wir müssen die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA)
stärken.
Drittens, wir müssen die Motivation zum Erwerb von Kernwaffen abbauen.
Viertens, wir müssen die Bedeutung des Atomwaffensperrvertrages
(Nonproliferationsvertrages) stärken.
Warum sollten wir, d.h. alle Lieferanten von Nuklearmaterial, die
Exportkontrollen verschärfen? Viele Leute behaupten, daß die Vorenthaltung von Technik einfach nicht funktionieren wird, weil Wissen und Technologie im Zusammenhang mit Kernwaffen sich in zunehmendem Maße verbreiten.
Es besteht kein Zweifel, daß nicht die ganze Menschheit kollektiv vergessen wird, was sie über Nukleartechnologie, und vor allem über Nuklearwaffen,
erfahren hat.
Aber das ist meiner Meinung nach genau der Grund, warum die Exportkontrollen verschärft werden müssen. Wir müssen einfach Zeit gewinnen.
Wir brauchen Zeit, um einen Konsens über Kontrollen herbeizuführen. Wir
brauchen Zeit, um die Anreize zu verringern und hoffentlich die angenommene Notwendigkeit für die Anschaffung einer Kernwaffen in weiteren Ländern
- aus welchen Gründen auch immer - zu beseitigen. Wir brauchen Zeit, um
andere Länder überzeugen zu können, daß die Anschaffung von Kernwaffen
nicht der Weg zu größerer Sicherheit ist.
Präsident Reagan
- 4 -

�Präsident Reagan hat alle Nuklearlieferstaaten aufgefordert, zu
einem Abkommen zu gelangen, das für alle weiteren Lieferverpflichtungen
größeren Umfangs umfassende Sicherheitsbestimmungen erfordert.

Diese

Initiative zielt nicht auf eine Politik der Verweigerung der Nuklearunterst'ützung ab, sondern hat vielmehr zum Ziel, für eine solche Unterstützung
Bedingungen zu stellen, durch die glaubwürdig nachgewiesen wird, daß das
gesamte Programm eines Staates, der über keine Kernwaffen verfügt, der friedlichen Verwendung der Kernenergie gewidmet ist, Hierzu haben sich bereits
jene 116 Nichtkernwaffenstaaten verpflichtet, die den Nonproliferationsvertrag unterzeichnet haben. Zusätzliche Vereinbarungen über umfassende
Sicherheitsvorkehrungen würden nur der Stärkung des internationalen Nonproüferationssystems dienen, indem die Möglichkeit jener Staaten, die
Nuklearunterstützung suchen, beseitigt würde,einen Lieferstaat gegen den
anderen auszuspielen,,
Ich möchte mich nunmehr der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
zuwenden, Die Vereinigten Staaten haben zusammen mit vielen anderen Staaten hart daran gearbeitet, 1957 die Internationale Atomenergiebehörde zu
schaffen, und wir unterstützen auch weiterhin deren Aktivitäten, Wir müssen zudem wachsam bleiben, damit die Wirksamkeit der Behörde nicht durch
die Beschäftigung mit solchen politischen Themen untergraben wird, die nicht
in ihren Bereich gehören. Wie Ihnen bekannt ist, führten die Ereignisse
im Rahmen der Hauptversammlung de&gt;* Internationalen Atomenergiebehörde im
Jahr 1982 dazu, daß die Vereinigten Staaten ihre Beteiligung an dieser Organisation einstellten. In der Zeit, da wir die Situation einer Neubewertung unterzogen, konsultierten wir uns intensiv mit anderen Mitgliedern,
und ich habe nunmehr den Eindruck, daß sich eine neue Verpflichtung gegenüber den Prinzipien, auf denen sich die IAEA gründet, entwickelt hat. Wir
haben nunmehr im Februar unsere Arbeit in der Behörde wieder mit neuer Tatkraft aufgenommen und freuen uns darauf, wieder Teil dieser so bedeutsamen
Organisation zu sem„

All diese

�All diese Maßnahmen - Exportkontrollen, umfassende Sicherheitsvorkehrungen und Stärkung der Internationalen Atomenergiebehörde - sind auf
meinen dritten Punkt ausgerichtet:
sich Kernwaffen zu beschaffen.

Auf eine Verringerung der Motivation,

Eine Sichtweise, die nur das eigene Land

einbezieht, würde nicht ausreichen, unsere Ziele der Nichtweiterverbreitung
zu erreichen;

und sie würde auch die Motivationen zur Erlangung von Kern-

waffen nicht herabsetzen.

Die Vorstellung, daß die Entwicklung von Kern-

waffen dadurch verhindert werden könnte, daß lediglich die entsprechende
Technologie verwehrt wird, vernachlässigt sowohl die Struktur als auch die
Inhalte der Sicherheitsbeziehungen, vor denen die anderen Staaten stehen.
Es müssen Wege gefunden werden, um die Spannungen zwischen den Ländern zu
vermindern, aufgrund derer es zu gegenseitigem Mißtrauen kommt und durch
die der Wunsch nach dem Besitz von Kernwaffen genährt wird.

Das endgültige

Inkrafttreten des Vertrages über das Verbot von Kernwaffen in Lateinamerika
würde zu diesem Ziel beitragen.
Wie Sie wissen, sind dieser Vertrag sowie der Antarktis-Vertrag die
ersten Verträge, durch die überhaupt irgendwo in der Welt atomwaffenfreie
Zonen geschaffen werden. Die Vertragsparteien des Lateinamerika-Vertrages
verpflichten sich, die Kernenergie ausschließlich zu friedlichen Zwecken
zu verwenden. Seit der Vertrag 1967 zur Unterzeichnung ansteht, haben
22 Staaten Lateinamerikas und der Karibik ihn unterzeichnet, ratifiziert
und den Vertrag in Kraft gesetzt.
Wenn ich mich schließlich dem Nonproliferationsvertrag zuwende, so
möchte ich zunächst feststellen, daß er in den 15 Jahren seit seiner Erstunterzeichnung in der Geschichte zu dem Rüstungskontroll vertrag wurde, der
von der größten Anzahl von Staaten eingehalten wird. Die Reagan-Administration setzte und setzt sich auf diplomatischem Weg dafür ein, daß jene Länder,
die noch nicht Vertragspartei sind, dieses zentrale Instrument des internationalen Nonproliferationssystems ratifizieren. Im Jahr 1981 wurde
Ägypten Vertragspartei. Im Verlauf des Jahres 1982 wurden weitere vier
Staaten Vertragsparteien - Papua-Neuguinea, Nauru, die Sozialistische Re- 6 -

�Sozialistische Republik Vietnam und Uganda.

Derzeit sind 119 Staaten

Vertragsparteien,und andere, wie etwa Frankreich, halten sich in ihrer
praktischen Politik an den Vertragstext.
Die Vereinigten Staaten haben diesen Vertrag und sein Sicherungssystem immer wieder als eines der wichtigsten Elemente zur Verhinderung
der weiteren Proliferation von Kernwaffen betrachtet.

Der Vertrag sieht

angemessene Sicherheitsvorkehrungen vor und fördert diese, wobei er auf
diese Weise sicherstellt, daß eine derartige Zusammenarbeit nicht für
kriegerische Zwecke genützt werden kann.
Der Vertrag baut Mißverständnisse ab und verringert den Verdacht
hinsichtlich der friedlichen Nuklearabsichten von Staaten in der ganzen
Welt. Dies wiederum fördert die regionale Stabilität und verringert
Spannungen - Ziele, für die wir uns alle einsetzen.
Zum Abschluß möchte ich aus einer Erklärung Präsident Reagans zitieren, die er zum 15. Jahrestag der Unterzeichnung des Nonproliferationsvertrags abgegeben hatte. In jener Erklärung unterstrich der Präsident
erneut die Anstrengungen der Vereinigten Staaten, sich dafür einzusetzen,
daß eine Weiterverbreitung der Kernwaffen verhindert wird. Er sagte zum
Schluß: Alle Staaten sollten sich erneut dazu verpflichten, daß die Ziele
dieses wichtigen Vertrags erreicht werden und seine bleibende Wirkungskraft
gesichert wird. Das ist sowohl unser aller Verantwortung als auch ein Beitrag zum Frieden für die kommenden Generationen.

- 7 -

�34

24. August 1983

DER DEUTSCHE BEITRAG ZUR FREIHEIT IN AMERIKA
Ein deutschstämmiger Amerikaner wurde zum Vater
der Pressefreiheit -

Dies ist der erste von sechs Artikeln
über Deutsche in Amerika, den wir im Zusammenhang mit den Feierlichkeiten anläßlich des 300. Jahrestages deutscher Einwanderung in Amerika veröffentlichen. Die
Beiträge zu diesem Thema werden in der
Zeit vom 20. August (dem 300. Jahrestag
der Ankunft von Franz Daniel Pastorius,
dem Führer der ersten deutschen Siedlergruppe, in Amerika) bis zum 6. Oktober
(dem 300. Jahrestag der Ankunft der 13
Auswandererfamilien aus Krefeld, die
Germantown gründeten) erscheinen.
- (AD) - Am 20. August 1683 traf der 1651 in Sommerhausen geborene
Franz Daniel Pastorius in Philadelphia ein,um die letzten Vorbereitungen für
die Besiedlung von Germantown durch die erste Gruppe deutscher Einwanderer
in der Neuen Welt zu treffen. Die 13 Familien aus Krefeld leiteten die Einwanderung von über sieben Millionen Deutschen während der nächsten drei Jahrhunderte ein, die somit zur größten Einwanderergruppe wurden, die in die
Neue Welt kam. Der 300. Jahrestag deutscher Einwanderung in Amerika ist auf

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�ist auf beiden Seiten des Atlantik Anlaß, dieses Jahr festlich zu begehen.
Dazu gehörte auch der Besuch des amerikanischen Vizepräsidenten George R. Bush,
der am 25. Juni nach Krefeld, dem Herkunftsort der ersten deutschen Auswanderer^am, um ihrer Abfahrt vor 300 Jahren zu gedenken, sowie der zur Erinnerung an die Ankunft jener Krefelder Gruppe in Amerika geplante Besuch von
Bundespräsident Karl Carstens in Germantown am 6. Oktober dieses Jahres.
Die 13 Familien, die im Jahre 1683 vom Rheinland nach Amerika zogen,
taten dies in der Hoffnung, Freiheit und Toleranz in Glaubensfragen zu finden.

Viele der über sieben Millionen Deutschen, die ihnen folgten, bewegte

das gleiche Motiv; Freiheit - sei sie religiöser, wirtschaftlicher, politischer oder sozialer Art.

Doch suchten die Deutschen in Amerika dort nicht

nur die Freiheit; ihre Anwesenheit trug, gerade auch aufgrund ihrer Weltanschauung, ihrer Erfahrungen in der Alten Welt und der Verpflichtung zu einem
neuen Lebensstil in

großem

Maße zur Förderung der Freiheit in der amerika-

nischen Gesellschaft bei, deren Teil sie wurden.

Der Anführer der Krefelder

Auswanderer, Franz Daniel Pastorius selbst, ist ein bemerkenswertes Beispiel
für das Wirken deutscher Einwanderer in Amerika.

1688 verfaßte Pastorius

zusammen mit einer Reihe anderer Siedler aus Germantown die erste Protesterklärung, die in den englischen Kolonien gegen die Sklaverei abgegeben
wurde.
Die Initiative dieser Gruppe Deutsch-Amerikaner aus Germantown gegen
das System der Sklaverei hatte zwar keine unmittelbare Wirkung, leitete jedoch eine Tradition ein, die ihren Höhepunkt fast 200 Jahre später erreichte,
als sich auch eine Vielzahl von Deutsch-Amerikanern erfolgreich dafür einsetzte, diesen Menschen die Gleichberechtigung zu bringen.
Zu den Deutsch-Amerikanern, die bei dieser Entwicklung eine entscheidende Rolle spielten, gehörte auch Francis Lieber, Staatswissenschaftler und
Erzieher, in Berlin geboren, der 1829 die Encyclopaedia Americana begründete (ein Werk, das sich auf das Brockhaus Conversations Lexikon stutzte).
Liebers energische Haltung zur Unterstützung des Gedankens der Sklavenbefrei- 2 -

�der Sklavenbefreiung, die er Anfang des 19. Jahrhunderts einnahm und die
er aufgrund seiner Stellung auf einen großen Teil der geistigen Elite Amerikas ausübte, mit der er durch seine Arbeit an der Enzyclopaedia in Berührung gekommen war, gab der Bewegung neuen Anstoß, die Sklaverei in Amerika zu verbieten.

Die wichtigste Gruppe von Deutsch-Amerikanern dieser

Bewegung waren jedoch die sogenannten "48er", jene Deutschen, die Mitte des
19. Jahrhunderts auswanderten, um die politische Freiheit zu finden, die
ihnen nach der Unterdrückung der Revolution von 1848 in den deutschen Fürstentümern in ihrer Heimat verweigert worden war.

Einer dieser "48er" war Carl

Schurz, der einer der berühmtesten Deutsch-Amerikaner überhaupt und ein
geistiger Führer des Gedankens der Sklavenbefreiung werden sollte.
Geboren in der Nähe von Köln im Jahre 1829, war Schurz einer der Helden der fehlgeschlagenen Revolution in Deutschland.

1852 verließ er Europa,

um nach Amerika zu gehen, wo er in der neugegründeten Republikanischen Partei aktiv wurde und mit dem Politiker Abraham Lincoln aus Illinois Freundschaft schloß. Als glühender Gegner der Sklaverei (es war die Einstellung
dieser Partei gegen die Sklaverei, die Schurz anzog) kehrte Schurz im Jahre
1862 von seinem Posten als amerikanischer Gesandter in Spanien zurück, um
seinen Standpunkt Präsident Lincoln zu unterbreiten.

Da es ihm nicht ge-

lang, die sofortige Gleichberechtigung aller Sklaven durchzusetzen, versuchte Schurz,die öffentliche Meinung zu einer positiven Haltung gegenüber
der Sklavenbefreiung zu bewegen,und hielt (mit Zustimmung Präsident Lincolns)
im März 1862 eine bahnbrechende Rede, in der er die Sklaverei verurteilte.
Die Bemühungen von Schurz beeinflußten schließlich Präsident Lincolns Entscheidung, am 1. Januar 1863 die Aufhebung der Sklaverei auszurufen.
Der Beitrag der Deutsch-Amerikaner zur Stärkung und Sicherung der Freiheiten, derer die Amerikaner sich heute erfreuen, war jedoch nicht auf die
Sklavenfrage beschränkt.

Denn noch während der Kolonialzeit wurde ein wei-

terer Amerikaner deutscher Herkunft der erste und bis zu diesem Tage bemerkenswerteste Verfechter einer der am höchsten geachteten Freiheiten der Amerikaner - der Pressefreiheit:

der 1697 in Rheinland-Pfalz geborene John

- 3 -

�geborene John Peter Zenger.

Zenger war Herausgeber des New York Weekly

Journal, einer Tageszeitung, die 1733 als Gegenstimme zur regierungsabhängigen ]JavJfojrk_Ga^e_tte, gegründet wurde.

Nach Veröffentlichung einer Reihe

von Artikeln, die den Gouverneur der Kolonie kritisierten, wurde Zenger
1734 verhaftet und wegen Verleumdung angeklagt.

Bei seiner Verhandlung er-

öffnete Zengers Verteidiger, Andrew Hamilton aus Philadelphia, seine Verteidigung auf eine Weise, die bis dahin unbekannt war:

Er gab zu, daß die

Zeitung die angeblich verleumderischen Artikel veröffentlicht hatte, bestand aber darauf, daß die Anklagen, die in den Artikeln erhoben worden waren,
"von der Wahrheit unterstützt seien".

Hamiltons neuartige Form der Verteidi-

gung und Zengers Freispruch setzten einen Präzedenzfall für die Pressefreiheit
in Amerika, die bis zum heutigen Tage besteht.
Das Engagement der Deutsch-Amerikaner für die Erhaltung und Erweiterung der Freiheit in Amerika setzte sich bis ins 20. Jahrhundert fort.
seinem kürzlich erschienenen Buch

Ethnic America

In

schreibt der amerikanische

Historiker Thomas Sowell über die deutschen Auswanderer in den dreißiger
Jahren:

"Genau wie die deutschen Flüchtlinge nach der fehlgeschlagenen Re-

volution von 1848 waren auch die Flüchtlinge der dreißiger Jahre von einer
freiheitlichen und demokratischen Oberzeugung, die ihren Einfluß auf die
deutsch-amerikanische wie auf die amerikanische Gesellschaft im allgemeinen
ausübte."
Dieser Einfluß der Deutsch-Amerikaner auf die Freiheit in Amerika wird
durch einen Vorgang im Jahre 1791 besonders deutlich: Als Sprecher des
Repräsentantenhauses des ersten Kongresses der Vereinigten Staaten von Amerika
war der Deutsch-Amerikaner Friedrich Augustus Conrad Mulenberg aus Pennsylvanien einer der beiden Unterzeichner der "Bill of Rights", der ersten
zehn Zusatzartikel zur neuangenommenen Verfassung der USA. Dieses Schriftstück, das bis zum heutigen Tag unveränderte Gültigkeit besitzt, garantiert
allen Amerikanern Grundfreiheiten wie Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und Versammlungsfreiheit. Diese Bürgerrechte, die zur
damaligen Zeit als revolutionär angesehen wurden, sind heute fundamentale

�heute fundamentale Freiheiten, die den Grundstein der demokratischen Ordnung in den Vereinigten Staaten von Amerika wie auch der Bundesrepublik
Deutschland bilden.

- 5 -

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Wi//en/choft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

34

24. August 1983

NACHTLANDETESTS SERIENWEISE
Langwierige Vorbereitungen für den nächsten CHALLENGER-Flug -

- (AD) - Noch vor zwei oder drei Jahren habe er sich eine Nachtlandung
des "Weltraumgleiters" nicht gut vorstellen können, gestand Richard H. Truly
kürzlich auf einer von der NASA (US-Amt für Luft- und Raumfahrt) veranstalteten Pressekonferenz.

Die Flugleitung hat inzwischen entschieden, daß nicht

nur der Start der CHALLENGER zum Flug STS-8 am 30. August in Kap Canaveral,
sondern auch die Landung am 5. September 1983 in der Mojave-Wüste in Kalifornien in den Nachtstunden erfolgen soll.

Truly, Kommandant der Raumfähre, und sein Kopilot Daniel C. Brandenstein
haben in den vergangenen Wochen serienweise Nachtlandetests in Kalifornien
durchgeführt.

Verwendet wurden dazu Shuttle-Trainingsflugzeuge der NASA.

Es ging vor allem darum, herauszufinden, ob die Nachtlandung auf der Hartpiste des Edwards-Flugplatzes der amerikanischen Luftstreitkräfte möglich
ist

oder ob aus Sicherheitsgründen für die erste Nachtlandung einer Raum-

fähre die wesentlich breitere und längere Piste auf einem ausgetrockneten
Salzsee im Gelände vorzuziehen sei.

Die Staubmassen, die von der Salzpiste

beim Anflug aufgewirbelt wurden, bereiteten Kopfzerbrechen, denn durch sie
wurde die Ausleuchtung der Piste beeinträchtigt.

Außerdem erschwerten sie

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�erschwerten sie die Beobachtung des Fluggeräts in der letzten Phase seines
Landemanövers.

Durch Veränderung des Beleuchtungssystems und des Arrange-

ments der Lampen ließen sich wesentliche Verbesserungen erzielen. Auch die
Befeuerung der Hartpiste wurde von den beiden Astronauten im Nachttraining
gründlich getestet, Orientierungs- und Sichtmä'ngel durch Installierung zusätzlicher Signallampen beseitigt.
Truly ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

"Ich hielt es einmal für

sehr schwierig, eine Möglichkeit zu finden, nachts nicht nur zu landen, sondern auch nachts zu trainieren.

Heute kann ich nur sagen:

Großer Irrtum.

Nach unserem Training meine ich, daß wir ein gutes, sicheres System entwikkelt haben und dies jetzt auch demonstrieren werden."
Richard Truly ist mit der Raumfähre als Fluggerät längst vertraut.
Er war Kopilot Joe Engles beim zweiten Einsatz des Raumtransporters COLUMBIA
im November 1981 und hatte zuvor schon eine ganze Anzahl von Flügen mit der
ENTERPRISE, dem Testfluggerät im amerikanischen "Space Shuttle"-Programm,
absolviert. Seit 1969 gehört Truly dem Astronautenteam der NASA an, nachdem das Projekt MOL (Bemanntes Orbital-Labor) der US-Flugstreitkräfte eingestellt worden war. Der heute 45jährige studierte Flugzeugbau am Georgia
Institute of Technology. Beim SKYLAB-Projekt der NASA (1973/74) und während
des APOLLO-SOJUS-Fluges (1975) war er u.a. zuständig für den Funkkontakt mit
den Astronauten im Orbit. Vom Johnson-Raumflugzentrum und wissenschaftlichtechnischen Gesellschaften der USA erhielt er hohe Auszeichnungen. Truly
stammt aus Fayette im US-Bundesstaat Mississippi.
*

Kopilot Daniel C. Brandenstein (40) gehört seit 1978 zum Astronautenteam der NASA.

Bei den ersten beiden COLUMBIA-Einsätzen war er mitverant-

wortlich für die Funkverbindung mit den Astronauten an Bord des °iumtransporters.

Er kommt aus Watertown (US-Bundesstaat Wisconsin), studierte an der

Universität von Wisconsin Mathematik und Physik und ging dann zur Testpilotenschule der US-Marine.

Er hat Flugzeuge 19 verschiedener Typen geflogen und

Erfahrungen in mehr als 3600 Flugstunden nesammelt.
Auch zwei
- 2 -

�Auch zwei der drei Missionsspezialisten für STS-8 - Guion ("Guy")
S. Bluford (40) und Dale A. Gardner (34) - sind erst 1978 zur NASA gekommen.
Der Umstand, der erste Schwarze unter den NASA-Astronauten zu sein, hat
Bluford viel - unerwünschte - Publicity gebracht. Aber inzwischen sei, so
sagte er, durch den Flug von Dr. Sally Ride als der ersten amerikanischen
Astronautin der "Druck" aus der Öffentlichkeit, der sich nun einmal aus dem
Neuen ergebe, wesentlich geringer geworden.

Drei weitere schwarze Astro-

nauten hoffen, ebenfalls bald an Bord des Raumtransporters arbeiten zu können.

Es sind Fred Gregory, Ronald McNair und Charles Bolden.
Bluford wurde in Philadelphia (Pennsalvanien) geboren

und studierte

Flugzeugbau zunächst an der Staatsuniversitä't von Pennsylvanien, dann am
"Institut of Technology" der US-Luftstreitkräfte, wo er auch promovierte.
Er steht im Rang eines Oberstleutnants. Als Pilot von Düsenmaschinen verfügt er mit mehr als 3000 Flugstunden über viel Erfahrung.

Sein Training

bei der NASA konzentrierte sich in letzter Zeit immer mehr auf den "Robotarm", jenes mehrgliedrige, 15 m lange Greif- und Hebegerät, mit dem Nutzlasten im Orbiter-Laderaum bewegt, in den Weltraum expediert oder Objekte
von draußen an Bord geholt werden.
Dale Gardner aus Fairmont in Minnesota, mit seinen 34 Jahren der
Benjamin des Teams, wird Bluford bei den zahlreichen Experimenten mit dem
Robotarm unterstützen.

Er studierte technische Physik an der Universität

von Illinois und gehörte von 1976 bis 1978 einer Fliegereinheit der amerikanischen Marine an, die Jagdflugzeuge erprobte. Während des vierten
COLUMBIA-Fluges im Juni 1982 hatte er wichtige Funktionen im Kontakt mit
den Astronauten.

Jetzt werden er und Bluford aufeinander angewiesen sein,

wenn der indische Nachrichtensatellit am zweiten Flugtag abgesetzt wird.
"Dabei kann uns die Bodenstation nicht helfen - wir müssen vom Cockpit aus
die Geräte in Funktion setzen, durchprüfen und sicherstellen, daß alles
klappt", meint Gardner.
Dr. William Thornton

�Dr. William Thornton ist mit 54 Jahren der Senior unter den von der
NASA bisher zu einem Weltraumflug bestimmten Astronauten.

Seine Hauptauf-

gabe beim bevorstehenden Unternehmen wird es sein, sich mit den Auswirkungen
von Schwerelosigkeit auf den menschlichen Körper samt den Anpassungsprozessen und Adaptionsschwierigkeiten (z.B. Raumkrankheit) zu befassen.

Er werde,

wie er erklärte, vor allem an sich selbst beobachten und mit sich experimentieren.

Aber die anderen vier seien bis zu einem gewissen Grade bereit,

dabei mitzumachen.
Thornton war Physiker, ehe er sich mit 30 Jahren zum Medizinstudium
entschloß.
zum Dr. med.

Im Jahr 1963 promovierte er an der Universität von North Carolina
Er bewarb sich bei der NASA als Wissenschaftsastronaut und wur-

de 1967 angenommen.
Er war der Arzt in einer Gruppe, die im Rahmen der Studien für das
SKYLAB-Programm 56 Tage in einer Simulatorkammer zubrachte. Während der
drei bemannten SKYLAB-Flüge (der letzte dauerte 84 Tage) gehörte er dem
Experten- und Beraterteam der Flugleitzentrale an. Thornton entwickelte
die "Tretmühle",die die Astronauten an Bord des Raumtransporters zum Körpertraining benutzen, und befaßte sich seit Beginn der Shuttle-Flüge mit Analysen von Gehirn-, Herz- und Muskeltätigkeit während des Raumflugs.
Der Nachtstart der CHALLENGER am 30. August ist für den Zeitpunkt
zum Absetzen von INSAT-IB von großer Bedeutung. Denn dieser Satellit muß
24 Stunden nach Eintritt der Raumfähre in die Umlaufbahn den Laderaum verlassen, um in die vorgesehene Umlaufbahn in 36 000 km Höhe aufzusteigen und
dort den Standort zu erreichen, der für sein Arbeitsprogramm am günstigsten
ist. Dieses umfaßt u.a. Telefon- und Fernsehübertragungen in Indien sowie
Beobachtungen für den indischen Wetterdienst. Rundfunksendungen über den
Satelliten können außerdem mit kleinen Bodenantennen direkt empfangen werden,
die in abgelegenen oder isolierten Teieln des weiten Landes installiert
wurden.
Der dritte

�Der dritte und vierte Flugtag wird ausgefüllt sein mit der Erprobung
des Robotarms zum Um- und Absetzen sowie Einholen eines "Testobjekts" mit
einer Masse von 3855 kg.

Es ist ca. zweieinhalb Mal schwerer als SPAS-Ol,

der beim letzten CHALLENGER-Flug erprobte deutsche wiederverwendbare Satellit.
Der geübte Umgang mit dem Weltraumkran, der über Fernsteuerungsmechanismen
auch diffizile Feinarbeit leisten kann, wird besonders wichtig sein, wenn
Satelliten zur Reparatur an Bord geholt werden sollen.
Eine Anzahl von Experimenten, u.a. das von Wissenschaftlern in St. Louis
entwickelte Elektrophorese-Experiment zur Gewinnung hochreiner biologischer
Präparate, laufen weiter. Auch befinden sich kleine Experimentierausrüstungen
in Kanistern an Bord, die im Auftrag verschiedener Institute aus dem In- und
Ausland mitgenommen werden. Es sind 12 an der Zahl - eines davon gilt der
Untersuchung der Auswirkungen von Weltraumstrahlung auf die Speicherkapazität
des Materials, das für integrierte Schaltkreise verwendet wird. Für künftige Tierexperimente zu Studien aus dem Gebiet der Biologie wird ein Spezialkäfig getestet; sechs Ratten werden darin mit auf die Reise gehen.
Die Voraussetzungen zur Erprobung von TDRS-1, dem größten bisher gestarteten Nachrichtensatelliten, sind jetzt gegeben. Am 7. August empfing
er an seinem Standort 36 000 km über der Nordostspitze Brasiliens zum ersten
Mal Signale von einem anderen Satelliten, gab sie zur Bodenstation weiter
und übermittelte deren Funkbotschaften an Satelliten auf Erdumlaufbahnen.
Er hat beim Unternehmen STS-9 im Oktober wichtige Funktionen zu übernehmen.
Denn TDRS dient als Relaisstation für die Flut wissenschaftlicher Daten aus
dem europäischen Weltraumlabor SPACELAB, das im Frachtraum der Fähre COLUMBIA
installiert sein wird. Die CHALLENGER-Astronauten werden von der TDRSStation ausgiebig Gebrauch machen. Für spezielle Tests wurde sogar die
Mission STS-8 um einen Tag verlängert.

+ + + + +

- 5 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weinberger: USA müssen Verteidigungsverpflichtungen einhalten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz vom 18. August 1983 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des Weißen Hauses zum Truppenabzug aus dem Libanon&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Aussichten für den amerikanischen Handel&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rüstungskontrolle hat höchste Priorität&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von David F. Emory, Stellvertretender Direktor des US-Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der deutsche Beitrag zur Freiheit in Amerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ein deutschstämmiger Amerikaner wurde zum Vater der Pressefreiheit -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nachtlandetests serienweise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Langwierige Vorbereitungen für den nächsten CHALLENGER-Flug -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America
10. August 1983

32
INHALT
DOKUMENTATION
Shultz:

Vereinigte Staaten streben "dauerhaften Frieden" in

Mittelamerika an
- Erklärung des US-Außenministers vor Senatsausschuß Burt:

Fortschritte im Ost-West-Verhä'ltnis, aber kein Durchbruch

- Ausführungen des US-Unterstaatssekretärs im Kongreß Unterstaatssekretär Abrams zur Situation der Menschenrechte in
Mittelamerika
- Aussage vor Kongreßausschüssen INFORMATION
Sondertarife im Flugverkehr sollen deutsch-amerikanischen
Jugendaustausch fördern
HINTERGRUNDMATERIAL
Internationale Zusammenarbeit in der Wissenschaft
- Politisches Klima für amerikanisch-sowjetische Beziehungen
nach wie vor bedeutsam Erläuterungen zu Zöllen und Quoten für Spezialstähle in den USA
- Nicht alle Wünsche der US-Stahlindustrie erfüllt WISSENSCHAFT UND TECHNIK
CHALLENGER-Start verschoben
Meeresweichtiere als Modell für Herzfunktionen
- Energiestoffwechsel ohne Sauerstoff -

Um Über/endung uon
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

lo. August 1983

32

SHULTZ: VEREINIGTE STAATEN STREBEN "DAUERHAFTEN FRIEDEN" IN
MITTELAMERIKA AN
- Erklärung des US-Außenministers vor Senatsausschuß -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister George Shultz
erklärte am 4. August 1983 vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats,
die Vereinigten Staaten seien auch weiterhin bestrebt, in Mittelamerika
"eine größere Krise zu verhindern und einen dauerhaften Frieden herbeizuführen."
Die Erklärung des Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Ich begrüße die Gelegenheit, mit Ihnen die Entwicklungen in Mittelamerika zu besprechen.
Unsere Politik hinsichtlich Mittelamerikas ist genau so, wie sie
der Präsident am 27. April auf einer gemeinsamen Sitzung des Kongresses
der Nation vorgelegt hat. An jenem Abend nannte er unsere Zielsetzungen:
Eine größere Krise zu verhindern und einen dauerhaften Frieden herbeizuführen.

Um dies zu erreichen, nannte der Präsident vier Tätigkeitsbereiche,

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�vier Tätigkeitsbereiche, denen wir uns verpflichtet haben:

Unterstützung

der Demokratie, der Reform und der Menschenrechte; Unterstützung der wirtschaftlichen Entwicklung; Unterstützung von Dialog und Verhandlungen zwischen den Ländern der Region und innerhalb eines jeden Landes; schließlich
Unterstützung für die Sicherheit der bedrohten Nationen dieser Region als
Schild für Demokratisierung, Entwicklung und Diplomatie.
Jeder seither unternommene Schritt steht in Einklang mit dieser umfassenden Strategie.

Lassen Sie mich jedes dieser Elemente so zusammenfas-

sen, wie es sich derzeit darbietet und in welcher Beziehung es zu den anderen sowie zum Ganzen steht.
Zuvor lassen Sie mich sagen, daß ein entscheidender Aspekt der Erklärung des Präsidenten vom 27. April seine Bitte um eine

überparteiliche

Unterstützung gegenüber der zunehmenden Bedeutung Mittelamerikas war.

Mit

dem Rat und mit der Unterstützung vieler Mitglieder des Kongresses hat der
Präsident nunmehr eine überparteiliche Nationale Kommission für Mittelamerika eingesetzt, die von Henry Kissinger geleitet wird.

Man hat in Amerika

angefangen, zu begreifen, daß wir unserer eigenen Nachbarschaft mehr Aufmerksamkeit widmen müssen.

Seit langem schon bedarf es einer Anstrengung,

in die Zukunft zu schauen - und dies in einem überparteilichen Geist zu
tun.

Ich hoffe, daß jedermann der Kommission so viel Beistand wie möglich

zuteil werden läßt, wenn sie mit ihrer Arbeit beginnt.
Heute jedoch möchte ich über die jetzige Stoßrichtung unserer vierteiligen Politik sprechen.
•

Erstens, und dies gehört an erste Stelle:
kratie, Reform und Menschenrechten.

Unterstützung von Demo-

Was wir anstreben, ist ein Mittelamerika, das mehr Costa Rica als
Kuba ähnlich ist. Wir streben eine echte Demokratie an - keine totalitäre
Scharade, sondern Achtung der Menschenrechte und der Herrschaft des Rechts,

- 2 -

�des Rechts, keine Unterdrückung, sondern Regierungen, die sich dem Wohlergehen ihres eigenen Volkes verpflichtet fühlen.
Im vorigen Jahr waren wir bewundernd Zeuge von Costa Ricas in so
typischer Weise begeisternden und doch peinlich korrekten Wahlen.

Heute

arbeiten wir mit der Regierung Costa Ricas zusammen, mit seinem angesehenen
Obersten Wahltribunal und mit seinem neuen regionalen Zentrum für Wahlhilfe,
durch das andere Länder Hilfe dabei bekommen sollen, ihre Wahlsysteme zu
verbessern.
1981 und 1982 haben wir den Übergang zur Demokratie in Honduras unterstützt.

Heute ist die Verteidigung der konstitutionellen demokratischen

Ordnung ein Hauptziel.
En El Salvador war die Wahl für eine Verfassungsgebende Versammlung
im vergangenen März ein eindrucksvoller Erfolg, der zeigte, daß sich Demokratie sogar angesichts von Guerilla-Gewalt entwickeln kann.
Um bei den nächsten salvadorianischen Wahlen Hilfestellung zu leisten,
kamen im Mai zwei prominente Wahlexperten nach El Salvador, begleitet von
Beamten des Außenministeriums und von Mitarbeitern des Amtes für Internationale Entwicklung (AID).

Wir haben nunmehr ein Projekt entwickelt, um tech-

nische Hilfe und internationale Beobachter einzubringen, durch die die bevorstehenden Wahlen unterstützt werden sollen.

Es ist unser Ziel, dem sal-

vadorianischen Volk dabei zu helfen, auf dem Erfolg vom März 1982 aufzubauen - und dies nicht nur für dieses eine nächste Mal, sondern für viele
Male in der Zukunft.
Wir sind außerdem dabei, El Salvador beim Wiederaufbau der so tragisch unzulänglichen Strafgerichtsbarkeit zu helfen.

Der Besuch des Justiz-

ministers im April unterstrich die Bedeutung, die wir der Rechtsreform bei
der Entwicklung einer funktionsfähigen Demokratie beimessen.

Rechtsexper-

ten einer ganzen Reihe amerikanischer Behörden werden nachfolgen - und haben
- 3 -

�und haben bereits Honduras, Costa Rica

wie auch El Salvador besucht.

Zudem führt auf meine Anregung hin Richter Harold G. Tyler eine Überprüfung aller uns zur Verfügung stehenden Materialien durch, die die Ermordung von vier amerikanischen Nonnen im Jahr 1980 in El Salvador

betreffen;

er wird diejenigen weiteren Maßnahmen vorschlagen, die wir zu treffen haben werden, um die strafrechtliche Verfolgung jener zu fördern, die für
dieses Verbrechen verantwortlich sind.
Demokratie ist im größten Teil Mittelamerikas nicht die historische
Norm - und ihr Aufbau wird nicht leicht sein. Aber die Amnestie in El
Salvador, die terminliche Festlegung der Wahlen für eine Verfassungsgebende Versammlung in Guatemala, das pulsierende Leben der Demokratie in Costa
Rica und Honduras - all dies sind Hinweise des Fortschritts in Mittelamerika.
Was in Mittelamerika geschieht, wird des weiteren durch die Demokratie-Initiative des Präsidenten gefördert,werden. Wir haben mit Konsultationen begonnen - überparteilich, hier im Land wie im Ausland -, um Unterstützung für eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen den politischen Parteien und anderen Gruppen zu schaffen, die der Demokratie verpflichtet sind.
Zweitens, Wirtschaftliche Entwicklung:
Zwischen 1960 und 1979 hatten die Nationen Mittelamerikas ein hohes
Pro-Kopf-Wachstum.

Aber erhöhte Erwartungen stießen sich an politischen

Institutionen, die überaltert waren und nicht mehr auf diese Erwartungen
reagieren konnten; dann brachte die wirtschaftliche Drosselung zusätzlichen
Konflikt und weitere Instabilität.

In den letzten Jahren haben die fallen-

den Preise für Export-Rohstoffe, steigende Preise der Importe,die Strategie
des "Herrschens oder Zerstörens" der Guerilla in El Salvador und die wachsende Unsicherheit, die durch Nicaraguas Politik verursacht wurde, eine akute Wirtschaftskrise geschaffen, die die Verletzbarkeit der Region gegenüber
kommunistischen Strategien nur noch verstärkt hat.
Die Vereinigten

�Die Vereinigten Staaten haben auf diese ursächlichen wirtschaftlichen
Probleme großzügig und einfallsreich reagiert.

Ein großer Teil der 610

Millionen Dollar an Wirtschaftshilfe, die in diesem Haushaltsjahr für Mittelamerika im Budget ausgewiesen sind, konzentriert sich auf Stabilisierungsanstrengungen, um harte Devisen für die entscheidenden Importe bereitzustellen, damit Produktion und Beschäftigung aufrechterhalten werden. Mit dem
übrigen Geld unterstützt das Amt für Internationale Entwicklung (AID) etwa
120 einzelne Entwicklungsprojekte.
nennen:

Um nur einen kritischen Bereich zu

Bei der Agrarreform in El Salvador hat unsere Hilfe dazu beige-

tragen, daß das Programm über 500 000 Personen - oder rund jedem zehnten
Salvadorianer - geholfen hat. Andere AID-Projekte sollen die nördlichen
Gebiete Costa Ricas entwickeln, die Forstwirtschaft und Viehzucht von Honduras
verbessern und Guatemalas Hochland-Indianern helfen.

In der ganzen Region

ist die amerikanische Wirtschaftshilfe dreimal höher als unsere militärische
Hilfe.
Schließlich haben wir intensiv mit anderen Staaten und mit Ihnen im
Kongreß zusammengearbeitet, um bei der Unterstützung der wirtschaftlichen
Entwicklung eine neue Methode zu erarbeiten - die Initiative für das Karibische Becken (IKB).

Die IKB bietet für 12 Jahre Freihandelsgarantien

und Anreize für Investitionen in Mittelamerika und in der Karibik an.
Sie wird ein machtvolles, langfristiges Instrument für die Entwicklung
und für die Schaffung neuer Arbeitsplätze sein.

Der Kongreß hat das Ge-

setz gerade vor einigen Tagen verabschiedet; der Präsident wird es in
Kürze unterzeichnen.

Die IKB ist ein gutes Beispiel überparteilicher Zu-

sammenarbeit im nationalen Interesse.

Ich bin zuversichtlich, daß ihr Bei-

trag sich als dauerhaft erweisen wird.
Drittens, Dialog und Verhandlungen:
Unsere Politik ist so angelegt, daß sie bei der Entwicklung politischer Lösungen für Mittelamerikas nationale und regionale Probleme behilflich ist.

In Nicaragua reagierte das neue Sandinisten-Regime nicht auf
- 5 -

�nicht auf die amerikanischen Anstrengungen zu einem "konstruktiven Engagement".

Daraufhin waren wir bemüht, unsere Meinungsverschiedenheiten

per Dialog zu bereinigen.

Und als die bilateralen Versuche 1981 und 1982

sich als fruchtlos erwiesen, nahmen wir an dem multilateralen Friedensprozeß teil, der vergangenen Oktober in San Jose begonnen wurde.

Dieses Jahr

haben wir von Anfang an die Anstrengungen Kolumbiens, Mexikos, Panamas und
Venezuelas - der CONTADORA-Gruppe - unterstützt.

Diese Unterstützung

dauert auch heute noch an.
In El Salvador haben wir beständig und systematisch versucht, die
Versöhnung zwischen jenen innerhalb der Guerilla und ihren Anhängern zu
erleichtern, die gegebenen^]Is len Willen zeigen würden, in ehrlichen
Wahlen zu prüfen, welchen Anklang sie finden. Wir unterstützen derzeit
aktiv die Anstrengungen der Friedenskommission von El Salvador, einen
Dialog mit der Demokratisch-Revolutionären Front (FDR) - dem politischen
Arm der Guerilla - zu beginnen, um die sichere Teilnahme aller Parteien
an dem demokratischen Prozeß zu gewährleisten.
Seit seiner Ernennung durch den Präsidenten im vergangenen April
hat Ihr früherer Kollege - der jetzt meiner ist - Dick Stone hart gearbeitet, um zu einem Dialog innerhalb El Salvadors und in der Region insgesamt anzuregen.

Er hat sich wiederholt mit Führern aller im CONTADORA-

Prozeß involvierten Länder getroffen, einschließlich Nicaraguanern.
Vergangenes Wochenende hatte Botschafter Stone - mit Hilfe Präsident
Betancours von Kolumbien - einen ersten Kontakt zu politischen Repräsentanten der salvadorianischen Guerilleros.

Wir hoffen, daß es zu weiteren

Kontakten kommen wird und daß sie einen direkten und detaillierten Dialog
zwischen der Guerilla und der salvadorianischen Friedenskommission erleichtern werden.
Lassen Sie mich gleichzeitig betonen, daß es wichtige Bereiche der
Übereinstimmung zwischen der Erklärung der CONTADORA-Präsidenten vom 17.
Juli in Cancun und den Grundsätzen gibt, denen sich die Vereinigten Staaten
- 6 -

�Vereinigten Staaten letzten Herbst in der Schlußakte von San Jose verschrieben haben.

Der regionale Dialog - wenn er auch noch immer schwie-

rig ist - beginnt allmählich, die entscheidenden Bedingungen für Demokratie und Frieden klarzulegen.
Und viertens, militärische Hilfe und Zusammenarbeit:
Wir streben einen Sicherheitsschild an - nicht als einen Nutzen an
sich, sondern um den notwendigen Schutz für die politischen, wirtschaftlichen und diplomatischen Ziele zu bieten, die ich eben beschrieben habe.
Die militärischen Komponenten der Politik des Präsidenten sind sorgfältig kalkuliert, um eben dies zu tun.

Dabei geht es um zweierlei Akti-

vitäten - einmal um Aktivitäten, um anderen dabei zu helfen, sich selbst
zu verteidigen; dann um Aktivitäten, um unsere eigene Abschreckungskapazität zu unterstreichen.
Militärische Hilfe gründet sich auf die offenkundigen Erfordernisse
eines jeden Landes entsprechend der Bedrohung der Sicherheit des betreffenden Landes. Die Forderungen der Administration für das Haushaltsjahr 1984
sind die folgenden: Für Belize 500 000 Dollar sowie 100 000 Dollar für
Ausbildung; für Costa Rica 2 Millionen Dollar sowie 150 000 Dollar für Ausbildung; für El Salvador 55 Millionen Dollar sowie 1,3 Millionen Dollar für
Ausbildung plus 30 Millionen Dollar Warenkredite; für Guatemala 250 000
Dollar für Ausbildung und 10 Millionen Dollar Kredite; für Honduras 40 Millionen Dollar sowie eine Million Dollar für Ausbildung.
Unsere Bereitschaft und Abschreckungskapazität werden durch die gemeinsamen und kombinierten Manöver erhöht werden, die mit den honduranischen
Streitkräften unter dem Namen "Big Pine II" in Verbindung mit Flotteneinheiten stattfinden werden.
Diese Übungen

�Diese Übungen werden zwei

miteinander in Verbindung stehenden Ziel-

setzungen dienen:
- Verbesserung der Ausbildung und der Einsatzbereitschaft unserer
eigenen Streitkräfte und derjenigen von Honduras.; und
- Abgabe einer glaubwürdigen Versicherung an alle Parteien, daß die
Vereinigten Staaten die Fähigkeit haben, angesichts jeglicher Herausforderung des interamerikanischen Systems und unserer internationalen legalen Verpflichtungen einen Schutzschild aufzubauen.
Das sind die Elemente unserer Politik.
Strategie überaus wichtig.

Alle vier sind für unsere

Und gerade weil sie miteinander verwoben sind,

verleihen sie uns sowohl die Stärke als auch die Flexibilität, um Resultate
zu erzielen.
Unsere Unterstützung für die Demokratie zeigt langsam Wirkung. Es
ist die Grundlage geschaffen worden für ein erneuertes und gerechteres
wirtschaftliches Wachstum, wenn die Schießereien einmal aufhören. Und ein
kritisches Zusammenwirken der militärischen und diplomatischen Aspekte
unserer Politik ist eingeleitet worden.
Staaten wie auch die Menschen brauchen Anreize und Hinweise, um ihr
Verhalten zu ändern.

Zumindest bis vor kurzem gab es keinen Hinweis für

die Sandinisten, keinen Hinweis für die salvadorianischen Guerilleros,
keinen Hinweis für Fidel Castro und keinen Hinweis für die Sowjets, der sie
hätte glauben lassen, daß irgendetwas Glaubwürdiges, irgendetwas Schwieriges im Wege stünde, in El Salvador und im übrigen Mittelamerika durch bewaffnete Gewalt eine kommunistische Herrschaft aufzuzwingen.

Aus welchen Grunde

also sollten die weit links stehenden Salvadorianer an einer Teilnahme am
politischen Prozeß interessiert sein?

Warum sollten die Sandinisten unter

diesen Umständen auf ihre "Revolution ohne Grenzen" verzichten?

Warum sollte

Kuba sich in Mittelamerika anders verhalten als in Afrika?
Aber irgendetwas
- 8 -

�Aber irgendetwas ist nicht so abgelaufen.

Der Beweis ist da:

Man

sieht ihn am Interesse der salvadorianischen Guerilleros am Dialog; ja sogar an den Worten Ortegas und Castros.

Es sind Zeichen gesetzt worden -

durch die Solidarität der mittelamerikanischen Demokratien, durch die Länder der CONTADORA-Gruppe, durch vertrauliche Vorbehalte und Einwendungen
der Helfer Nicaraguas auf internationaler Ebene, durch inneren, vom Volke
unterstützten Aufruhr in Nicaragua, durch kürzliche Erfolge der salvadorianischen Streitkräfte und durch die Vereinigten Staaten von Amerika.
Das Wesentliche dieser Zeichen und Botschaften ist dies:

Ein Sieg

der ganz Linken und ihrer ausländischen Helfer ist nicht möglich.

Die Men-

schen in Mittelamerika sind mit allem Nachdruck darauf bedacht, dieser Gewalt zu widerstehen.

Sie sind in immer größerem Maße dazu fähig - auf-

grund ihrer eigenen Anstrengungen und aufgrund der Hilfe der Vereinigten
Staaten.

Die USA und Honduras zeigen durch die gegenwärtigen Manöver,

was kooperative Ausbildung und Abschreckung wirklich bedeuten.
Die Optionen unserer Gegner,die bisher die Gewalt betont haben,
müssen eingeengt werden in Richtung auf Verhandlung und Dialog.

Und ich

glaube, daß es die Verantwortung dieser Administration und des Kongresses
ist, sicherzustellen, daß nichts geschieht, was diese zum Erfolg führenden
Instrumente schwächen könnte.
Unsere Strategie ist auf die Probleme ausgerichtet, denen wir uns
gegenübersehen.

Sie ist auf die heutigen Gegebenheiten eingestellt, rea-

listisch und flexibel, und sie zeitigt Ergebnisse.
Unterstützung und die des amerikanischen Volkes.

+ + + + +

- 9-

Sie verdient Ihre

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

32

10. August 1983

BURT: FORTSCHRITT IM OST-WEST-VERHÄLTNIS, ABER KEIN DURCHBRUCH
- Ausführungen des US-Unterstaatssekretärs im Kongreß -

WASHINGTON - (AD) - Der Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Richard Burt, hat vor einem Unterausschuß des Außenpolitischen Ausschusses des Repräsentantenhauses am 1. August 1983 erklärt, es gäbe in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen einige kleine, ermutigende Fortschritte, jedoch keinen "größeren Durchbruch".
Auf Fragen der Abgeordneten warnte Burt vor einem "Überoptimismus und einem
Oberpessimismus".

Es bestehe die potentielle Möglichkeit für Fortschritte,

denn die Sowjetunion habe eingesehen, daß sie mit den Vereinigten Staaten
verhandeln und Kompromisse machen müsse.

Allerdings, so betonte der Unter-

staatssekretär, käme ein Gipfeltreffen nicht in Frage, ehe die Sowjets nicht
in einer Reihe "wichtiger Fragen" einen wesentlichen Fortschritt ermöglicht
hätten.

Natürlich werde die amerikanische Politik nicht "gelähmt" sein,

auch wenn manche Forderungen nicht erfüllt würden.
Die vorbereitete Erklärung des Unterstaatssekretärs vor dem Außenpolitischen Ausschuß hat folgenden Wortlaut:
Wenn ich

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Wenn ich mich nicht irre, erscheine ich heute zum drittenmal in
meiner Eigenschaft als Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten
vor diesem Unterausschuß.

Meine früheren Erfahrungen haben sich als wert-

volle Gelegenheiten erwiesen, den Standpunkt der Administration darzulegen
und einen besseren Eindruck von den Anliegen und Auffassungen des Kongresses
zu gewinnen.

Ich betrachte mein heutiges Erscheinen als Fortsetzung dieses

nützlichen Prozesses.
Ich möchte heute mehrere Aspekte der amerikanisch-europäischen Beziehungen ansprechen:

Unsere Beziehungen zur Sowjetunion, den Stand der

Madrider KSZE-Nachfolgekonferenz und die Aussichten für unsere großen
Rüstungskontroi 1verhandlungen.
Außenminister Shultz erschien vor einigen Wochen vor Ihren Kollegen
im Senat, um über unsere Politik gegenüber der Sowjetunion zu sprechen.
So wie damals können auch heute unsere Beziehungen zu Moskau nur als gespannt bezeichnet werden.

Die gegensätzlichen Ziele und Denkweisen unserer

Systeme werden nicht so bald verschwinden, aber unser fundamentales gemeinsames Interesse, einen Krieg zu vermeiden, zwingt uns, auf ein Verhältnis
mit den Sowjets hinzuarbeiten, das eine sichere und stabile internationale
Umwelt schafft.
Die Schwierigkeiten, die es bei der Herstellung eines stabileren und
konstruktiveren amerikanisch-sowjetischen Verhältnisses gibt, sind vielfältig. Sie erinnern uns daran, daß Frieden auf Stärke aufgebaut sein muß.
Wir sind der Überzeugung, daß die Administration in den letzten zweieinhalb
Jahren einen beachtlichen Erfolg beim Wiederaufbau unserer militärischen,
wirtschaftlichen und moralischen Stärke und der Festigung unserer Bündnisbeziehungen hatte. Wir sind der Meinung, daß wir eine solide Basis geschaffen haben, auf der wir die Lösung offener politischer Fragen anstreben können. Wir akzeptieren keineswegs, wie schon der Außenminister betonte, die
Aussicht auf eine endlose, gefährliche Konfrontation mit der Sowjetunion
als unausweichlich.
Im letzten
- 2 -

�Im letzten Halbjahr sind wir mit der Sowjetunion in einen intensiven
Dialog über alle Aspekte des amerikanisch-sowjetischen Verhältnisses einge- '
treten - mit Botschafter Dobrynin und seiner Botschaft hier in Washington;
durch unseren Botschafter Arthur Hartman in der Sowjetunion sowie über eine
Reihe anderer bilateraler Kanäle, einschließlich der etablierten Rüstungskontrollforen in Genf und Wien.

Durch diesen Dialog haben wir versucht,

der neuen sowjetischen Führung unsere Besorgnisse über unannehmbare Aspekte
des sowjetischen Verhaltens nahezubringen und auf die Hindernisse hinzuweisen, die diese einer Verbesserung der Ost-West-Beziehungen in den Weg
gelegt haben.

Gleichzeitig waren wir bestrebt,unsere Bereitschaft zu de-

monstrieren, nach konstruktiven Lösungen für unsere Meinungsverschiedenheiten
und nach konkreten Wegen zu suchen, um die Gebiete der bilateralen Zusammenarbeit auf der Basis der Gegenseitigkeit und des beiderseitigen Interesses
auszuweiten.

Unser Ziel bestand, kurz gesagt, darin, die Bereitschaft der

neuen Führung zu sondieren, die politischen Anpassungen vorzunehmen, die
für eine dauerhafte Wende zum Besseren in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen notwendig sind.
Dieser Dialog war außerordentlich

offen und weitreichend und er-

streckte sich auf Rüstungskontrolle, regionale Konflikte, bilaterale politische und wirtschaftliche Fragen und die Menschenrechte,

Bisher hat es

einige wenige kleine, wenn auch ermutigende Entwicklungen gegeben - wie
beispielsweise die Annahme der spanischen Kompromißformel auf der KSZENachfolgekonferenz in Madrid durch die Sowjets, bescheidene Anpassungen
bei einer Reihe von Positionen bei den START-Verhandlungen und bei den
MBFR-Verhandlungen, die Freilassung der Pentekostalisten - aber keine großen
Durchbrüche.

Wir haben selbstverständlich keine sofortigen und raschen

Veränderungen in der seit langem verfolgten sowjetischen Politik erwartet.
Aber wir sind und bleiben hoffnungsvoll, daß im kommenden Jahr ein Fortschritt erzielt werden kann.

Was uns angeht, so wird die amerikanische Po-

litik grundsatztreu, praktisch und geduldig bleiben.

Außenminister Shultz

wird auf der Vollversammlung der Vereinten Nationen in diesem Herbst mit
Gromyko zusammentreffen, um unseren Dialog auf Ministerebene fortzusetzen,

- 3 -

�Ministerebene fortzusetzen, und es kann durchaus zu einer früheren Begegnung anläßlich der Unterzeichnungsfeierlichkeiten im Rahmen der KSZE in
Madrid kommen. Die Ergebnisse dieser Zusammenkünfte werden dazu beitragen,
die Richtung zu bestimmen, in der sich das Verhältnis entwickeln wird.

Die Madrider KSZE-Nachfolgekonferenz
Das erfolgreiche Erreichen einer Übereinkunft zwischen Ost und West
auf der Madrider KSZE-Nachfolgekonferenz ist der Höhepunkt von fast dreijährigen schwierigen Verhandlungen.

Wie der Präsident erkennen ließ, han-

delt es sich um ein Resultat, mit dem die Vereinigten Staaten zufrieden sein
können.

Aber so wie bei der Schlußakte von Helsinki selbst ist es ein Ge-

bot, der entscheidenden Frage der Durchführung ständige Aufmerksamkeit zu
widmen.
Das Ergebnis von Madrid spiegelt die enge Zusammenarbeit zwischen
den Vereinigten Staaten und unseren europäischen Verbündeten während der
ganzen Marathon-Sitzung wider. In jedem Stadium - von der Ausarbeitung
der ursprünglichen westlichen Positionen über die Diskussion bezüglich der
Verwirklichung früherer Übereinkommen bis zu den Verhandlungen über das
Schlußdokument dieser Konferenz - gab es eine solide, produktive Beziehung
zu unseren Verbündeten - eine Beziehung, die uns in die Lage versetzt hat,
fest zu Grundsatzpositionen zu stehen. Diese enge Zusammenarbeit war besonders wichtig angesichts der gespannten internationalen Atmosphäre, die während des Verhandlungszeitraums herrschte. Die Verhängung des Kriegsrechts
in Polen hatte eine wesentliche Auswirkung auf die Konferenz und verursachte
eine längere Unterbrechung der Verhandlungen. Die sowjetische Besetzung
Afghanistans dauerte an. Und der sowjetische Druck in der INF-Frage, der
dazu dienen sollte, den NATO-Beschluß aufzuheben und das sowjetische Monopol an nuklearen Mittel Streckensystemen zu erhalten, war sehr intensiv.
Unter solchen Umständen war Einigkeit von entscheidender Bedeutung.
Das Madrider
- 4 -

�Das Madrider Dokument ist auch Ausdruck der großen Beiträge der neutralen und blockfreien Staaten, die den grundlegenden Text ausarbeiteten,
auf dessen Basis die Verhandlungen geführt wurden.

Das Schlußdokument läßt

ferner eine realistische Beurteilung der Notwendigkeit, dieses Mal zu einer
Übereinkunft mit dem Westen zu kommen, seitens der Sowjetunion und ihrer
Verbündeten erkennen.

Wenn man davon ausgeht, daß die in letzter Minute

durch die Weigerung Maltas, dem Konsens beizutreten, geschaffenen Probleme
überwunden werden können, dann wir das Schlußdokument der Madrider Konferenz auf einem Treffen der Außenminister vom 7. - 9. September in Madrid
unterzeichnet werden.
Wir sollten die Bedeutung des Übereinkommens zwar nicht übertreiben,
aber wir sollten sie auch nicht verkleinern.

Die Madrider Übereinkunft

wird die Schlußakte von Helsinki stärken und erweitern.

Die neuen Bestim-

mungen, die sie enthält, behandeln die Rechte der Arbeiter, sich zu organisieren, Menschenrechte, Helsinki-Überwachungsgruppe, religiöse Freiheiten,
menschliche Kontakte und Familienzusammenführung, Zugang zu diplomatischen
und konsularischen Missionen, freien Informationsfluß, Rechte für Journalisten sowie Maßnahmen gegen den Terrorismus.
Die Übereinkunft sieht auch die Einberufung einer Konferenz über Vertrauensbildende Maßnahnen und Abrüstung in Stockholm im kommenden Jahr vor.
Auf dieser Konferenz werden wir versuchen, detaillierte Maßnahmen zur Verringerung der Gefahr eines Überraschungsangriffs auszuarbeiten.

Ein wich-

tiges neues Element dabei ist, daß die in Stockholm zu erörternden Maßnahmen für den ganzen europäischen Teil der Sowjetunion bis zum Ural gelten
sollen und nicht nur für die 250 km-Zone, wie sie in der Schlußakte von
Helsinki vorgesehen ist. Die auf der Konferenz erörterten Maßnahmen dürften daher für die wirkliche Sicherheitslage in Europa relevanter sein, die
ganz offensichtlich durch die Stärke und die Kapazität der sowjetischen
Streitkräfte westlich des Ural beeinflußt wird.

Wir sind der Überzeugung,

daß diese Konferenz einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit Europas leisten
kann, und wir werden mit unseren Verbündeten zusammenarbeiten, um eine aktive
- 5 -

�eine aktive und konstruktive Haltung zu dieser Konferenz zu entwickeln.
Darüber hinaus sieht das Übereinkommen von Madrid im Laufe der nächsten
drei Jahre eine Reihe von Konferenzen vor über Menschenrechte, menschliche
Kontakte und die friedliche Beilegung von Streitigkeiten, ein Kulturforum
sowie ein Seminar über wirtschaftliche, wissenschaftliche und kulturelle
Zusammenarbeit im Mittelmeerraum.

Die Signatarstaaten werden sich ferner

1985 in Helsinki versammeln, um des 10. Jahrestages der Unterzeichnung der
Schlußakte zu gedenken.

Und schließlich sieht das Madrider Dokument die

Fortsetzung des KSZE-Prozesses durch die Abhaltung einer weiteren Nachfolgekonferenz in Wien im November 1986 vor.
Die vor uns liegende Aufgabe ist schwer.

Kein Teilnehmer am KSZE-

Prozeß kann sich dem tiefen Ernst der Widersprüche zwischen dem sowjetischen Totalitarismus und dem System der persönlichen Freiheit und Würde
entziehen, das die demokratischen Regierungen kennzeichnet.

Kein Überein-

kommen - weder das in Helsinki noch das, welches wir im kommenden Monat in
Madrid abzuschließen hoffen - kann diese Unterschiede verwischen oder wunderbare Änderungen der Bedingungen in der Sowjetunion und in Osteuropa herbeiführen.

Niemand sollte sich einbilden, der KSZE-Prozeß sei eine Sache

von heute auf morgen.
Was die Sowjetunion und Osteuropa bezüglich der Menschenrechte und
der nationalen Souveränität vorzuweisen haben, ist kläglich. In Madrid haben
wir und unsere Verbündeten diesen Zustand scharf, gezielt und wiederholt
kritisiert. Und das Schlußdokument bekräftigt die Bedeutung der Verpflichtungen, die alle 35 Signatarstaaten hinsichtlich aller Prinzipien der Schlußakte von Helsinki eingegangen sind. Wir werden in der Lage sein, unsere
Anliegen in den Konferenzen der Experten für Menschenrechte und menschliche
Kontakte, wie sie das Schlußdokument vorsieht, weiter zur Geltung zu bringen, und ebenso auf der Gedächtniskonferenz 1985 in Helsinki und natürlich
auf der Nachfolgekonferenz in Wien 1986c Wir unternehmen ferner Schritte,
um zusammen mit unseren Verbündeten zu gewährleisten, daß die Aufmerksamkeit

- 6-

�die Aufmerksamkeit bezüglich bestimmter Fragen der sowjetischen Einhaltung
von Übereinkommen nicht nachläßt und daß internationale Besorgnisse in dem
Zeitraum zwischen diesen Konferenzen wirksam zur Geltung gebracht werden
können.

Rüstungskontrolle
Die vierte Runde der START-Verhandlungen geht morgen, am 2. August,
zu Ende.

Unsere Delegation hat während dieser Runde eine Reihe von Schrit-

ten unternommen, um die Verhandlungen weiterzubringen und die Flexibilität
zu demonstrieren, die Präsident Reagan am 8. Juni angekündigt hat.
- Wie der Präsident ankündigte, haben wir unseren Vorschlag für eine
Grenze von 850 dislozierten Raketen modifiziert, um unseren Vorschlag
in Übereinstimmung mit den Empfehlungen der Scowcroft-Kommission zu
bringen und ihn der von den Sowjets vorgeschlagenen Begrenzung auf
1800 Raketen und Bomber anzunähern.
- Unsere Delegation hat die amerikanische Flexibilität hervorgehoben,
wenn es um Mittel und Wege geht, dafür zu sorgen, daß ein STARTAbkommen wesentliche Verringerungen des Zerstörungspotentials der
strategischen Raketenstreitmacht bringt.
- Wir haben ferner den Entwurf für einen START-Vertrag vorgelegt, in
dem wir unsere Bereitschaft demonstriert haben, von Anfang an gleiche
und niedrigere Begrenzungen der Zahl der schweren Bomber und der luftgestützten Marschflugkörper zu akzeptieren.
Die Sowjets haben während dieser Verhandlungsrunde einige kleine Anpassungen ihrer Position vorgenommen und einige offene Punkte ihres ursprünglichen Vorschlags geklärt.

Für sich allein haben diese Schritte wenig dazu

beigetragen, die grundlegenden Unterschiede in den Standpunkten beider Seiten

- 7 -

�beider Seiten einander anzunähern oder unsere speziellen Besorgnisse hinsichtlich den Asymmetrien in den Kapazitäten der Raketen zu zerstreuen.
Trotzdem sind wir ermutigt, daß die Sowjets begonnen haben, ein gewisses
Nachgeben in ihrer Position zu zeigen, und wir hoffen, daß wir eine weitere
sowjetische Flexibilität in den zentralen Fragen in der nächsten STARTVerhandlungsrunde erleben werden.

INF
Das wichtigste Einzelproblem in den amerikanisch-europäischen Beziehungen für dieses Jahr dürften die nuklearen Mittel Streckensysteme - INF sein.

Auf der einen Seite haben die Gegner des NATO-Doppelbeschlusses er-

kennen lassen, daß sie große öffentliche Demonstrationen planen, um Regierungen von Bündnisländern umzustimmen.

Die Sowjets werden einen maximalen

Propagandadruck ausüben - einschließlich der Drohung der Dislozierung zusätzlicher Raketen, die auf unsere Verbündeten gerichtet sind.
Auf der anderen Seite sind wir und unsere Verbündeten heute in einer
viel stärkeren Position, beide Teile des Doppelbeschlusses vom Dezember
1979 über Rüstungskontrolle und Modernisierung durchzuführen als irgendwann in den letzten drei Jahren. Unsere Position bei den Verhandlungen
wird als ernsthaft und flexibel anerkannt; unsere Vorbereitungen für eine
Dislozierung - sollte diese notwendig werden - gehen in allen Stationierungsländern reibungslos vor sich; und in den Kommuniques der NATO und in Williamsburg wurde die Einigkeit des Bündnisses fest bekräftigt.
Die Vereinigten Staaten bleiben verpflichtet, bei den INF-Verhandlungen ein gerechts Abkommen zu erreichen, das entweder die ganze Klasse
amerikanischer und sowjetischer landgestützter LRINF-Raketen beseitigen
würde - unser "Null-Null-Vorschlag" - oder zu einem wesentlich

niedrigeren

gleichen Stand von LRINF-Gefechtsköpfen für die Vereinigten Staaten und
die Sowjetunion führen würde.

Unsere Verbündeten stehen voll und ganz
- 8 -

�und ganz hinter dieser Verhandlungsposition.
Gleichzeitig haben sich unsere Verbündeten verpflichtet, Ende dieses
Jahres mit der Dislozierung von landgestützten Marschflugkörpern und
PERSHING II-Raketen zu beginnen, wie dies im NATO-Doppelbeschluß von 1979
vorgesehen ist, wenn es zu keinem Abkommen kommt, das eine solche Dislozierung unnötig macht. Wir müssen nachdrücklich an dem Dislozierungsteil
des Doppelbeschlusses festhalten, um den Sowjets einen Anreiz zu bieten, in
Genf ernsthaft zu verhandeln, und um ihr destabilisierendes Monopol an
LRINF-Raketen aufzuheben, wenn kein Abkommen erreicht werden kann.
Leider wird der Fortschritt bei den Genfer Verhandlungen durch die
sowjetische Weigerung blockiert, die legitimen Sicherheitsinteressen der
NATO in Rechnung zu stellen, die überhaupt erst zu dem Doppelbeschluß von
1979 geführt haben.

Obwohl die Sowjets bei den Verhandlungen einige kleine

taktische Züge getan haben, bleibt ihr Ziel doch das gleiche wie zu Beginn
der Verhandlungen:
macht.

die Beibehaltung eines großen Teils ihrer SS-20-Streit-

Gleichzeitig verweigert sie der NATO das Recht, dieser Gefahr durch

entsprechende eigene Dislozierung zu begegnen.
Der Kern der Verhandlungsposition der Sowjets ist ihre Forderung nach
einer Anrechnung der unabhängigen britischen und französischen strategischen Abschreckungsstreitkräfte.

Hinter dieser Forderung steht der Ver-

such, amerikanische Dislozierungen zu blockieren und das sowjetische LRINFMonopol zu erhalten.
ab.

Unsere Verbündeten lehnen diese Forderung einstimmig

Wie die Sowjets sehr wohl wissen, dienen die britischen und französischen

Streitkräfte als nationale Abschreckung, die sich in Art und Aufgabe von
den amerikanischen und sowjetischen LRINF völlig unterscheiden.

Die bri-

tischen und französischen Systeme können weder für den Schutz der Nichtnuklearstaaten der NATO sorgen noch die lebenswichtige Verbindung zum amerikanischen strategischen Schutzschirm herstellen, der von so zentraler Bedeutung für die Fähigkeit der NATO ist, vor einem Krieg abzuschrecken.
Darüber hinaus besitzt die Sowjetunion bereits sehr viel mehr Gefechtsköpfe

- 9 -

�mehr Gefechtsköpfe als Großbritannien und Frankreich.

Es ist einfach ab-

surd, wenn die Sowjets behaupten, sie brauchten die SS-20-Raketen, um ein
Gegengewicht gegen die kleinen britischen und französischen Streitkräfte
zu schaffen.
Sie haben sicherlich Berichte über den sogenannten "Waldspaziergang"
gelesen.

Viele dieser Berichte waren unrichtig, zum Teil wegen der Bemü-

hungen der Sowjets, ihre eigene Unnachgiebigkeit zu vertuschen und die Verantwortung für die Schließung dieses informellen Kanals auf unsere Schultern
zu bürden statt auf ihre eigenen, wo sie gehört.

Aus diesen Gründen möchte

ich ein paar Worte zu diesem "Waldspaziergang" sagen.
Das Paket enthielt Gedanken, die auf einer informellen, sondierenden
Basis von Botschafter Nitze mit seinem sowjetischen Partner im Juli vorigen
Jahres entwickelt wurden.

Wir unsererseits hatten Probleme mit dem Vor-

schlag in der vorliegenden Form - einschließlich der Tatsache, daß er uns
gezwungen hätte, auf die PERSHING II zu verzichten, wodurch wir ohne eine
Rakete als Gegengewicht gegen die SS-20 wären und das NATO-Dislozierungsprogramm in der Bundesrepublik Deutschland unterminierten, das mit der
PERSHING II beginnt.

Trotzdem entschieden wir uns, diesen Kanal offen zu

halten, und haben unseren Botschafter entsprechend angewiesen.

Die sowje-

tische Reaktion hingegen war, den Vorschlag in der Sache und die Möglichkeit solcher Gespräche abzulehnen.

Der sowjetische Verhandlungsführer mach-

te deutlich, daß er kein Abkommen akzeptieren könne, das eine amerikanischsowjetische Gleichheit vorsah oder eine amerikanische Dislozierung akzeptierte, und er fügte hinzu, daß er einen Tadel erhalten habe, weil er solche Gespräche überhaupt geführt hatte.
Die nächste Verhandlungsrunde beginnt am 6. September. Die Vereinigten Staaten werden weiterhin nach Mitteln und Wegen suchen, um die Verhandlungen voranzutreiben und Ergebnisse zu erzielen, die den Grundprinzipien
unserer eigenen Sicherheit und der unserer Verbündeten entsprechen. Wir
hoffen, daß die Sowjets endlich die Notwendigkeit ernsthafter Verhandlungen
- 10 -

�ernsthafter Verhandlungen erkennen.

Wir betrachten diese nächste Runde

keineswegs als die letzte, wie manche Leute meinen.

Wenn Dislozierungen

notwendig werden, dann gehen wir davon aus, daß die Verhandlungen nach
ersten amerikanischen Dislozierungen fortgesetzt werden - wie sie auch angesichts der laufenden und fortgesetzten sowjetischen Dislozierungen weitergingen.

Und, wie Vizepräsident Bush auf seine Europareise vor einigen Mo-

naten erklärte, "Was man hineinsteckt, das kommt heraus". Wir sind absolut
bereit, den Stand unserer dislozierten Systeme jedem Abkommen anzupassen,
das erreicht würde.

MBFR
Obwohl die Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen in Mitteleuropa - MBFR - wenig Schlagzeilen machen, ist es
doch angebracht, auf ihre Bedeutung hinzuweisen, denn wir und unsere Verbündeten sind in zunehmendem Maße daran interessiert, die Verhandlungen zu
ihrem ursprünglichen Ziel zu bringen, nämlich der Parität der Streitkräfte
in Mitteleuropa. Die Bedeutung eines Abbaus der massiven sowjetischen Überlegenheit an konventionellen Streitkräften im Herzen des Kontinents hat sich
im Laufe der Zeit nicht verringert.
Leider haben sich die Sowjets und ihre Verbündeten konstant geweigert,
sich auf die Größe ihrer Streitkräfte in diesem Gebiet zu einigen oder auf
die Art von Verifizierungsmaßnahmen, die für ein wirksames Abkommen notwendig sind.

Der jüngste Vertragsentwurf, den der Osten im vorigen Monat unter-

breitete, kommt unseren Verifizierungsforderungen etwas entgegen.

Er bleibt

jedoch weit hinter dem zurück, was für einen wirksamen Vertrag notwendig
ist.

Wir werden gemeinsam mit unseren Verbündeten überlegen, welche Antwort

wir auf den östlichen Vorschlag geben werden.

+ + + + +

- 11 -

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Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

10. August 1983

32

UNTERSTAATSSEKRETÄR ABRAMS ZUR SITUATION DER MENSCHENRECHTE
IN MITTELAMERIKA
- Aussage vor Kongreßausschüssen -

WASHINGTON - (AD) - Der Unterstaatssekretä'r für Menschenrechte und
humanitäre Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Elliott
Abrams.hat am 3. August 1983 vor zwei Unterausschüssen des Repräsentantenhauses über die Menschenrechtssituation in Mittelamerika berichtet und dabei unterstrichen, daß die Förderung der Menschenrechte in dieser Region
ein Hauptziel der amerikanischen Regierung bleibe.
Die Ausführungen des Unterstaatssekretärs haben folgenden Wortlaut:
Ich bin dankbar, daß ich erneut die Gelegenheit habe, vor Ihnen die
Menschenrechtsaspekte der amerikanischen Politik in El Salvador und - weitergefaßt - in Mittelamerika zu erörtern.
Die Förderung der Menschenrechte in Mittelamerika bleibt ein Hauptziel der amerikanischen Regierung. Wir verfolgen dieses Ziel auf zwei Wegen, und beide sind überaus wichtig. Einmal drängen wir die Regierungen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�die Regierungen darauf, spezifische Mißstände abzustellen, und wir tun
dies mit allem Nachdruck.

Aber das reicht nicht aus. Sowohl die Reagan-

Administration als auch ihre Kritiker wissen, wie frustrierend dieses Bemühen ist, wenn dies alles ist, was wir tun.

Es ist deshalb frustrierend,

weil wir uns dann im Grunde nur mit Symptomen befassen - Symptomen von
größter Bedeutung zwar für das Leben der Menschen - aber nicht mit den Ursachen.
Daher versuchen wir auch, die grundlegenden Dinge dieser Situation
anzupacken, die die massiven Menschenrechtsverletzungen in El Salvador verursachen.

Wir tun dies auf mehrfache Weise.

Erstens, durch wirtschaftliche

Unterstützung und wirtschaftliche Reformen hoffen wir, das salvadorianische
Volk vor der Verzweiflung bewahren, den Landbesitz auf größere Gruppen verteilen und die Grundlage für wirtschaftliche Stabilität und wirtschaftliches
Wachstum legen zu können, was zum politischen Fortschritt beitragen wird.
Zweitens, durch militärische Ausbildung formen wir die salvadorianischen
Sicherheitsstreitkräfte zu einer Berufsarmee um.

Dieser Prozeß der Pro-

fessional isierung wird unserer Ansicht nach zu einer größeren Disziplin
und einem exakteren Verhalten gegenüber Zivilisten führen.

Drittens, und

das ist am wichtigsten, fördern wir die Entwicklung eines sicheren demokratischen Systems in El Salvador.

Wie auch anderswo auf der Welt bietet

nur die Demokratie eine echte Garantie für die Achtung der Menschenrechte.
Wir waren also überaus aktiv auf dem Gebiete der Menschenrechte.

Wie

Sie wissen, benutzten wir unseren Einfluß, um auf freie Wahlen und eine Zivilregierung in Honduras zu drängen.

Wir haben viel Zeit darauf verwendet,

die Menschenrechtsverbesserungen in El Salvador zu unterstützen.

Diese

erfolgten zwar langsam, aber, wie Außenminister Shultz in seinem Begleitschreiben zum Bestätigungsbericht feststellte, "... unsere Enttäuschung
über das Tempo des Wandels sollte nicht den Blick dafür trüben, daß es tatsächlich einen solchen Wandel gibt". Wir sind bei der Regierung von Guatemala
wegen der geheimen Gerichte vorstellig geworden, die jetzt keine Todesurteile mehr verhängen und die von der Regierung reformiert oder abgeschafft

- 2 -

�oder abgeschafft werden, und haben auf die Festsetzung eines Wahldatums
gedrängt, was jetzt geschehen ist. Wir haben ferner die Regierung und das
Volk von Costa Rica bei den Bemühungen unterstützt, die Demokratie zu wahren, die ein Modell für ganz Mittelamerika ist.
Herr Vorsitzender, viele von uns sind enttäuscht über das Tempo des
Fortschrittes auf dem Gebiete der Menschenrechte in Mittelamerika.

Dieses

Tempo hängt natürlich von zahlreichen Faktoren ab, darunter auch das Gewicht der Geschichte.

Aber es gibt gegenwärtig einen besonderen Faktor,

auf den wir verweisen sollten - nämlich die Rolle Nicaraguas.
daher folgende Frage stellen:

Ich möchte

Wie würde die Menschenrechtssituation in

Mittelamerika heute wohl aussehen, wenn die Regierung Nicaraguas eine friedliche, demokratische Regierung wäre?
Ich meine, daß diese Situation dann wesentlich besser wäre.

Vor

allem anderen wäre der Wunsch nach Demokratie in Nicaragua, der zum Sturz
Somozas führte, erfüllt statt unterdrückt.

Die Regierung Nicaraguas würde

die Menschenrechte aller Nicaraguaner schützen und gleichzeitig ein Modell
für ihre Nachbarn darstellen - vielleicht in der Art, wie dies mit Costa Rica
der Fall ist.

Nicaragua würde darüber hinaus nicht die leninistische Guerilla

in El Salvador unterstützen und damit die Auseinandersetzungen um die Menschenrechte in diesem Land zurückschrauben, genauso wie es dann keine Subversion
in Honduras betreiben würde.
Ich glaube, es ist kein Zufall, daß die enorme Zunahme an Gewalttätigkeiten in El Salvador seit 1979 erfolgt ist - genau zu dem Zeitpunkt,
an dem die Sandinisten in Nicaragua die Macht übernahmen.

Und es ist auch

kein Zufall, daß die Armeen von El Salvador und Honduras in diesem Zeitraum
so angewachsen sind - in El Salvador zum Teil als Reaktion auf vermehrte
Stärke der Guerilla im Innern, in Honduras als Antwort auf die nicaraguanische Aufrüstung.

Wie kann man denn mit wirtschaftlichen Reformen voran-

kommen, wenn die Wirtschaft zu umfangreichen Militärausgaben gezwungen wird
oder unter dem Druck von Guerilla-Angriffen steht?

- 3 -

Wie kann denn die Kontrolle

�die Kontrolle ziviler demokratischer Einrichtungen über das Militär verstärkt werden, wenn die Subversion es für eine Gesellschaft erforderlich
macht, solche massiven Anstrengungen auf die Selbstverteidigung zu konzentrieren?

Würde Nicaragua einen Kurs des Pluralismus verfolgen und die sub-

versiven Handlungen gegenüber seinen Nachbarn einstellen, dann würde nicht
nur die Chance für die Demokratie, sondern auch das tatsächliche Erreichen
einer Demokratie und die Respektierung der Menschenrechte in Mittelamerika
weitaus mehr gefördert werden, als wir das heute erleben.
Die Verteidigung der Menschenrechte erfordert häufig mehr als nur
diplomatischen Druck, mehr als wirtschaftliche Hilfe und mehr als Ausbildungsprogramme.

Manchmal erfordert sie einen militärischen Schild, in des-

sen Schutz sich die Demokratie entwickeln kann.

Denken wir doch daran,

daß im Nachkriegseuropa der Marshall-Plan nicht unsere einzige Anstrengung
war, um den Europäern bei der Erlangung von Stabilität und Demokratie zu
helfen.

Der andere Pfeiler unserer Politik war die NATO - der militärische

Schild, hinter dem die europäischen Demokratien sich wieder verwirklichen
konnten - sicher vor Aggression von außen oder vor Subversion.

Diese Po-

litik war erfolgreich, und Westeuropa hat nahezu vier Jahrzehnte des Friedens, des wirtschaftlichen Wachstums und der Demokratie erlebt - die erst
kürzlich und nach Jahrzehnten der Diktatur auch auf Spanien und Portugal
ausgedehnt wurde. Natürlich ist Mittelamerika nicht Europa, denn Europa
hatte tiefe demokratische Wurzeln, auf die in der Zeit nach dem Kriege zurückgegangen werden konnte.

Die Wiedererrichtung der Demokratie ist schon

eine schwere Aufgabe, aber die Schaffung demokratischer Institutionen und zwar zum erstenmal - ist eine noch schwierigere Aufgabe, insbesondere
wenn sich eine Region im Konflikt befindet.
Der Übergang zur Demokratie ist für jedes Land ein überaus schwieriges Unterfangen, und sie in einer Zeit der Konflikte zu erreichen, ist
ein noch weitaus schwierigeres Vorhaben. Unsere Bemühungen, in Mittelameri
den Frieden zu sichern, und unsere Anstrengungen, dort die Menschenrechte
zu fördern, gehen Hand in Hand, denn wir wissen, daß die Respektierung der

�Respektierung der Menschenrechte und der demokratischen Institutionen
schwer zu erreichen sein wird, während dort ein Konflikt tobt. Wir sind
fest davon überzeugt, daß unsere Unterstützung der wirtschaftlichen und
sozialen Reformen, unser Drängen auf Fortschritte in der Sache der Menschenrechte und beim Aufbau demokratischen Institutionen sowie unsere Bemühungen um eine Beendigung des regionalen Konfliktes in Mittelamerika - zusammengenommen - den hoffnungsvollsten Weg für eine friedliche und demokratische
Zukunft aufzeigen.

- 5 -

�32

10. August 1983

SONDERTARIFE IM FLUGVERKEHR SOLLEN DEUTSCH-AMERIKANISCHEN
JUGENDAUSTAUSCH FÖRDERN

- (AD) - Zur Förderung des deutsch-amerikanischen Schüler-, Jugendund Studentenaustausches sind für den Flugverkehr zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika Sondertarife für
Teilnehmer an offiziell anerkannten Austauschprogrammen eingeführt worden.
Die Tarife werden von der Lufthansa, PANAM und Trans World Airways angeboten.

Sie sehen eine Ausweitung des sehr günstigen, bisher aber nur auf

Aufenthalte zwischen zwei Wochen und drei Monaten anwendbaren Holiday-Tarife vor und räumen je nach Fluggesellschaft, Alter der Teilnehmer und Art
des Austauschprogramms weitere Vergünstigungen ein, die bis zu 33 Prozent
des Holiday-Tarifs ausmachen können.

Die Kosten zahlreicher Austauschpro-

gramme, für die die Flugpreise ein wesentlicher Faktor sind, können damit
spürbar vermindert werden.
Die Genehmigung der Sondertarife durch das Bundesverkehrsministerium
geht auf eine Initiative der von der Bundesregierung und der amerikanischen
Regierung eingesetzten Koordinatoren für die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit zurück, die von den drei Fluggesellschaften aufgegriffen und vom Auswärtigen Amt und dem Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit
sowie vom US-Außenministerium und vom US-Informationsamt (USIA) unterstützt
wurde.

+ + +

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�10. August 1983

INTERNATIONALE ZUSAMMENARBEIT IN DER WISSENSCHAFT
Politisches Klima für amerikanisch-sowjetische Beziehungen
nach wie vor bedeutsam -

WASHINGTON - (AD) - Das politische Klima hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluß auf die Zusammenarbeit der Vereinigten Staaten in Wissenschaft und Technologie mit anderen Ländern.

Darauf verwies William Schneider.

Staatssekretär für Sicherheitshilfe im amerikanischen Außenministerium,am
2. August 1983 in einer Stellungnahme vor Vertretern des außenpolitischen
Ausschusses des US-Repräsentantenhauses.

Dies sei u.a. ein wichtiger Punkt

im Hinblick auf die Rückkehr zu Programmen mit der Sowjetunion in dem Umfang,
der etwa Mitte der siebziger Jahre üblich gewesen sei.
Schneider vermittelte eine allgemeine Obersicht über die amerikanische
Politik der Zusammenarbeit und die internationalen Programme und stellte besonders heraus, daß
- Präsident Reagan bilateralen Programmen, insbesondere jenen mit Brasilien, China und Indien, große Aufmerksamkeit widmet;
- wissenschaftliche

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�- wissenschaftliche Programme der Raumfahrt nach wie vor ein bedeutsames
Gebiet internationaler Zusammenarbeit darstellen;
- die Zusammenarbeit mit der Sowjetunion auf den Gebieten Gesundheitswesen, Umweltschutz und Sicherhehit im Alltag trotz der erheblichen
Einschränkung anderer Kontakte weitergeht.
Wir bringen im folgenden die Darlegungen William Schneiders in Auszügen:
Präsident Reagan legt großen Wert auf unsere bilateralen Programme
zur Zusammenarbeit und verfolgt sie speziell im Hinblick auf bestimmte Länder sehr aufmerksam.

Besondere Bedeutung wird Brasilien, der Volksrepublik

China und Indien beigemessen.

Er hat hierbei die Initiative ergriffen,

weil diese Länder auf einigen Gebieten für eine fruchtbare Zusammenarbeit
mit den Vereinigten Staaten genügend fortgeschritten sind

und weil eine

wissenschaftliche Zusammenarbeit auch in einer mehr allgemeinen Sicht Zielen der amerikanischen Außenpolitik dient...
Bei dem Besuch Präsident Reagans in Brasilien im Dezember vergangenen
Jahres spielten Wissenschaft und Technik eine wichtige Rolle. Die Außenministerien der beiden Länder haben inzwischen eine Arbeitsgruppe für Wissenschaft und Technik eingesetzt. Dieses Gremium strebt die Erneuerung des
Abkommens über Wissenschaft und Technologie zwischen unseren beiden Ländern
auf Regierungsebene an. Um das Vorhaben zu unterstützen, organisierten wir
für April dieses Jahres eine Konferenz zur Zusammenarbeit zwischen Amerika
und Brasilien in Wissenschaft und Technik auf dem privaten Sektor. Dabei
sollten Mittel und Wege ausfindig gemacht werden, wie die neue zwischenstaatliche Vereinbarung genutzt werden könne, um in Brasilien und in den
Vereinigten Staaten die Produktivität der Industrie zu verbessern.
Wissenschaftliche Zusammenarbeit mit China wird unter einer im Jahr
1979 unterzeichneten Rahmenvereinbarung durchgeführt. Wir haben seitdem

- 2 -

�haben seitdem in 21 Gebieten, u.a. in der Landwirtschaft, Raumfahrttechnologie sowie für den Studenten- und Wissenschaftleraustausch, technische
Protokolle abgeschlossen und Zusammenarbeitsprojekte in Angriff genommen.
Vier dieser Vereinbarungen wurden im Mai unterzeichnet.

Eine gemeinsame

Kommission leitet und koordiniert das gesamte Programm.

Die Chinesen le-

gen großen Wert auf wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit
mit den Vereinigten Staaten, wie wir es umgekehrt ebenfalls tun.
Wissenschaftlicher Zusammenarbeit mit Indien wurde anläßlich des
Besuchs von Premierministerin Indira Gandhi im Juli 1982 in Washington besondere Beachtung geschenkt. Am Ende dieses Besuches gaben Frau Gandhi
und Präsident Reagan die Bildung einer Kommission aus angesehenen Wissenschaftlern beider Länder bekannt, die Pläne für intensivere Anstrengungen
zur Durchführung gemeinsamer Forschungsprojekte ausarbeiten soll.
Kommission wird ihrem Auftrag nachkommen.

Diese

Und ich bin überzeugt, daß ihre

Tätigkeit unsere Zusammenarbeit auf wissenschaftlichem Gebiet mit der
zweitgrößten Nation der Erde verbessern wird...
Ein Gebiet beachtlicher internationaler Zusammenarbeit ist die Weltraumforschung.

Wichtige zivile Projekte sind u.a. das Projekt zur Beobach-

tung der Periode maximaler Sonnenaktivität, das internationale Projekt zur
Entsendung eines die Pole der Sonne überfliegenden Forschungssatelliten,
das Weltraumteleskop, der Astronomiesatellit für Untersuchungen im Infrarotbereich des Spektrums und das Projekt GALILEO mit Orbiter und Atmosphärensonde zur Beobachtung des Planeten Jupiter.

Großbritannien, die Bundesre-

publik Deutschland und die Niederlande stellten Instrumente für das SOLARMAXProjekt zur Verfügung.

Das US-Amt für Luft- und Raumfahrt (NASA) sowie die

Europäische Weltraumbehörde werden das Fluggerät und Instrumente für das Sonnenpol-Unternehmen stellen.

Am Infrarot-Astronomie-Projekt sind die NASA,

die Niederlande und Großbritannien beteiligt, während es sich bei GALILEO
um ein Gemeinschaftsunternehmen der USA und der Bundesrepublik Deutschland
handelt.

Von den Kürzungen im NASA-Budget wurde die internationale Sonnen-

pol-Mission am stärksten betroffen.

In dem im Jahr 1979 zwischen. NASA und

Europäischer Weltraumbehörde unterzeichneten Memorandum war ursprünglich
- 3 -

�war ursprünglich vorgesehen, zwei Geräte - ein europäisches und ein amerikanisches - zu starten, um gleichzeitig

Beobachtungen der nördlichen und der

südlichen Hemisphäre unseres Sonnensystems zu ermöglichen.

Im Herbst 1981

kam die NASA jedoch zu dem Schluß, daß angesichts der damals gegebenen und
voraussehbaren Beschränkungen der Haushaltmittel eine komplette Doppelmission nicht durchführbar sei. Die Partnerstaaten der Europäischen Weltraumbehörde äußerten sich damals gegenüber dem amerikanischen Außenministerium
sehr besorgt über die daraus sich ergebende Eingrenzung und Änderung dieses
Programms.
Das Ministerium, das die Entwicklungen aufmerksam verfolgte, unterbreitete diese Besorgnisse den zuständigen Stellen innerhalb der Exekutive
und bemühte sich zusammen mit der NASA und den europäischen Ländern,einen
optir.ie.len Modus für die Mission im Rahmen der gegenwärtigen finanziellen Beschränkungen zu finden. Wir kamen schließlich überein, sie mit nur einem
Gerät, das in Europa gebaut wird, durchzuführen.

Die NASA übernimmt den

Start, die Bahnbeobachtung, das Sammeln der Daten und andere Dienstleistungen,
wie im Memorandum von 1979 vereinbart.
jetzt zum größten Teil hinter uns haben.

Ich meine jedoch, daß wir das Problem
Das Projekt geht, wenn auch in

etwas anderer Form, weiter, und die Vereinigten Staaten und die Europäer
setzen die Zusammenarbeit bei einer Reihe anderer Projekte sowie in der Definierung künftiger Programme fort...
Austausch auf den Gebieten von Wissenschaft und Technologie zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion ist natürlich ein Punkt, der
uns alle hier in Washington besonders beschäftigt. Die Geschichte dieser
Austauschaktivitäten hat im wesentlichen drei bestimmte Zeitabschnitte. In
der ersten Periode, von 1954 bis 1972, kam es zu einem stetigen Anwachsen
des Umfangs von Austauschaktivitäten und zu einer Ausweitung der Forschungsthemen. Die zweite Periode von 1972 bis 1979 war gekennzeichnet durch den
Abschluß von elf offiziellen bilateralen Vereinbarungen zwischen den beiden Regierungen. Sie umrissen eindeutiger die Austauschaktivitäten und gaben ihnen spezielle Zielsetzungen. In der dritten Periode, seit 1980, wurde

�1980, wurde Austausch wegen der sowjetischen Intervention in Afghanistan
und der Verhä'ngung des Kriegsrechts in Polen stark eingeschränkt.

Gegen-

wärtig gibt es ihn nur in sehr begrenztem Rahmen.
Der tatsächliche Umfang von Austauschaktivitäten in der ersten Periode
war unterschiedlich, jedoch kamen, was bedeutsamer ist, neue Forschungsgebiete mit entsprechenden Technologien hinzu.

Diese beide Seiten gleicher-

maßen interessierenden Gebiete dienten im wesentlichen als eine Grundlage
für die elf offiziellen Abkommen, die Mitte der siebziger Jahre ausgearbeitet
wurden.

Die Sowjetunion war speziell an einer Ausweitung des Austauschs auf

Gebiete angewandter Technologie interessiert, während die Vereinigten Staaten
sich eher auf Grundlagenforschung und auf Medizin konzentrierten.

Diese

Interessenunterschiede blieben bei den Austauschaktivitäten die meiste Zeit
hindurch bestehen.
Die offiziellen bilateralen Vereinbarungen wurden unter der Regierung
Nixon mit dem Ziel abgeschlossen, sie für langfristige politische Ziele zu
nutzen.

Da nach Meinung amerikanischer Wissenschaftlerkreise wissenschaft-

licher Austausch mit der Sowjetunion als vorteilhaft für die Vereinigten
Staaten galt, begann die Nixon-Administration,mit den Sowjets über konkrete Austausch-Abkommen zu verhandeln, die für die Wissenschaft von Nutzen
waren, aber auch Absicherungen gegen ungleichen Vorteilsgewinn enthielten.
Die meisten Aktivitäten ergaben sich in der zweiten Periode von 1972
bis 1979. Höhepunkt war das Jahr 1975, als aufgrund des bilateralen Abkommens die Besucherzahl im Rahmen der Austauschvorhaben beider Länder 2284
Personen erreichte und im Juli jenes Jahres das APOLLO-SOYUS-Unternehmen verwirklicht wurde.

Während dieser ganzen Periode ergaben sich die regsten

Austauschaktivitäten unter den Vereinbarungen zu Umweltschutz, Wissenschaft
und Technologie sowie Gesundheitswesen.

Im Jahr 1979 jedoch ging das Aus-

maß der Austauschvorhaben im Rahmen der bilateralen Vereinbarungen merklich
zurück.

Die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjet-

union wurden gespannter, und viele amerikanische Wissenschaftler boykottierten
- 5 -

�Wissenschaftler boykottierten wegen der Prozesse gegen Orlow und Schtscharansky
die Austauschprogramme.

Der härteste Schlag wurde diesen jedoch durch die

sowjetische Intervention in Afghanistan im Dezember 1979 versetzt.
Die jüngste Periode von Austauschaktivitäten - d.h. von 1980 bis heute ist durch eine anhaltende Reduzierung von Kontakten zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion gekennzeichnet.

Wegen der sowjetischen Invasion

Afghanistans und der Verbannung Dr. Sacharows nach seinem Protest gegen die
Invasion sind als Reaktionen der Regierung Carter zu verzeichnen:
- Verbot der Teilnahme von Amerikanern an Gesprächen auf hoher Ebene
mit den Sowjets über Austauschprogramme;
- Wissenschaft und Technologie durften nur noch auf humanitärem Gebiet
oder auf Gebieten weiterverfolgt werden, wo sich direkte Vorteile für die
amerikanische Seite ergaben;
- Jegliche Austauschaktivität mußte von Fall zu Fall überprüft werden,
um festzustellen, ob sie zulässig sei.
Die Regierung Carter wollte damit den Umfang der Austauschprogramme
verringern, aber das Gerüst der Abmachungen erhalten, um eine Wiederaufnahme der Austauschaktivitäten zu ermöglichen, sobald die politische Lage
dies zuließ.
Ende 1981 mußte über die Verlängerung der ergiebigeren Vereinbarungen
(Gesundheitswesen, künstliches Herz, Umweltschutz und Meeresforschung) entschieden werden.

Sie wurde unter Berücksichtigung der Vorteile für die Ver-

einigten Staaten genehmigt.

Jedoch waren schon nach wenigen Wochen die

bilateralen Vereinbarungen von den Entwicklungen im Ostblock stark betroffen.

Die Verhängung des Kriegsrechts in Polen war ein neuer Schlag gegen

die bilateralen amerikanisch-sowjetischen Abkommen, als infolge jenes Ereignisses diese Administration ankündigte, die Wissenschafts- und Technolo-

- 6-

�und Technologievereinbarung, die Energievereinbarung oder das Mitte 1982
auslaufende Raumfahrtabkommen nicht verlängern zu wollen.

Die Regierung zog

auch die Genehmigung der Landerechte für AEROFLOT-Maschinen in den Vereinigten Staaten zurück, wodurch die Realisierung der Austauschaktivitäten noch
mehr kompliziert wurde.
Der Umfang kooperativer Wissenschafts- und Technologieprogramme
unter den noch bestehenden acht Vereinbarungen ist auf etwa 20 Prozent des
Standes von 1979, als alle elf Abkommen in Kraft waren, zurückgegangen. Gegenwärtig befassen wir uns mit Aktivitäten, die für die Vereinigten Staaten
besonders vorteilhaft sind, vor allem auf den Gebieten Gesundheitswesen, Umweltschutz und Sicherheit im Alltag. Wir haben auf den meisten Gebieten die
Struktur wissenschaftlicher Zusammenarbeit intakt gehalten, so daß vorteilhafte Austauschaktivitäten ausgeweitet werden könnten, sobald die politische
Situation dies zuläßt. GemäE &gt; am Standpunkt haben wir seit 1979 spezielle
Vereinbarungen über Zusammenarbeit in der Ozeanographie, Medizin und im öffentlichen Gesundheitswesen, bei Forschung und Entwicklung für das künstliche
Herz, beim Umweltschutz und in der Landwirtschaft erneuert.
Das wichtigste Kriterium für die Auswahl jener Vereinbarungen, die
nicht erneuert wurden, war der Zeitpunkt ihres Ablaufs - in allen Fällen
Mitte 1982. Sie konnten somit rasch beendet werden, sofern das sowjetische
Verhalten ihre Weiterführung nicht als gerechtfertigt erscheinen ließ.
Dieser Entscheidung lagen natürlich die Besorgnisse dieser Administration
über mögliche Technologieeinbußen durch die Kooperationsvereinbarung zugrunde, aber sie waren nicht der ausschlaggebende Faktor.
Alles in allem vermitteln die kooperativen Austauschaktivitäten in
Wissenschaft und Technik den Vereinigten Staaten allgemein Informationen
über die Leistungsfähigkeit der sowjetischen Wissenschaft, in mancher Hinsicht auch Einblicke in Gebiete, wo der Leistungsstand höher ist als bei
uns, und mehr Wissen und Verstehen auf Seiten unserer wissenschaftlichen
Institutionen nicht nur im Hinblick auf die Wissenschaft in der Sowjetunion,

- 7 -

�der Sowjetunion, sondern auch auf die Innen- und Außenpolitik der UdSSR.
Darüber hinaus erhalten wir durch unsere bilateralen Aktivitäten Zugang
zu einer einflußreichen Schicht in der modernen sowjetischen Gesellschaft nämlich zum wissenschaftlichen Sektor -, die sich häufig gegenüber unseren
Anstrengungen, den amerikanischen Standpunkt darzulegen, aufgeschlossen
zeigt.
Dennoch kann ich in nächster Zukunft keine Rückkehr zu einer Zusammenarbeit mit der Sowjetunion in einem Umfang erkennen, der dem in der Mitte
der siebziger Jahre entspräche, und ganz ge' iß nicht,

solange sich das

politische Klima nicht verbessert, das zu einer Verringerung der Zusammenarbeit führte.

Wir beabsichtigen auch weiterhin sehr sorgfältig zu prüfen,

auf welchem Niveau Zusammenarbeit wünschenswert sei.

Ich habe nicht den

Eindruck, daß diese Regierung verstärkte Zusammenarbeit in erster Linie nur
deshalb anstrebt, um den Anschein von Zusammenarbeit zu wahren.

Jedes Pro-

jekt soll sich in wissenschaftlicher und technologischer Sicht lohnen, soll
in Zusammenarbeit mit den Sowjets aufgrund ihrer besonderen oder wichtigen
Fähigkeiten auf dem betreffenden Gebiet durchgeführt und sorgfältig geplant
werden, um den Technologietransfer zu kontrollieren.

Die von jeder Seite

zu einem Programm geleisteten Beiträge müssen sorgfältig analysiert und im
Gleichgewicht gehalten werden.

Die Arbeit verlangt sorgfältige Überwachung,

um zu gewährleisten, daß jede Seite ihren Verpflichtungen gewissenhaft nachkommt .

+ + + + +

�32

10. August 1983

ERLÄUTERUNGEN ZU ZÖLLEN UND QUOTEN FÜR SPEZIALSTAHLE IN DEN USA
- Nicht alle Wünsche der US-Stahlindustrie erfüllt -

WASHINGTON - (AD) - Die amerikanische Regierung hat am 5. Juli 1983
Beschränkungen für die Einfuhr von Spezialstahl

nach den Vereinigten Staa-

ten bekanntgegeben, die inzwischen in Kraft getreten sind.

Von den auf

vier Jahre - ein Jahr weniger als die amerikanische Stahlindustrie gefordert hatte - festgesetzten Zöllen und Quoten sind vor allem Lieferanten
in Japan, der Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Schweden, Spanien,
Großbritannien, Italien, Brasilien, Kanada und Südkorea betroffen.
Zölle wurden für zwei Arten von Walzstahl eingeführt - Stahlbleche
und Bandstahl sowie Stahl platten - die etwa 55 Prozent der Einfuhren von
Spezialstahl ausmachen.

Die zusätzlichen Zölle für Stahlbleche und Band-

stahl beginnen mit 10 Prozent im ersten Jahr und gehen auf 4 Prozent im
vierten Jahr zurück.

Die Zusatzzölle für Stahlplatten beginnen mit 8 Pro-

zent und gehen ebenfalls auf 4 Prozent im letzten Jahr zurück.
Für andere Spezialstähle wurden Quoten eingeführt.

Die Quote für

Rundstahlimporte aus allen Ländern wurde für das erste Jahr auf 11 000

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�auf 27 000 Tonnen festgesetzt, und diese steigert sich im vierten Jahr auf
29 500 Tonnen.

Die Quoten für Stahldraht wurden für das erste Jahr auf

19 100 Tonnen und 20 900 Tonnen im vierten Jahr festgelegt; bei legiertem
Werkzeugstahl auf 22 400 Tonnen im ersten und 24 500 Tonnen im vierten Jahr.
Diese Quoten stellen zwar eine wesentliche Kürzung der Einfuhren
gegenüber dem Vorjahr dar, jedoch liegen sie weit höher, als von der amerikanischen Stahlindustrie gefordert.

So hatte die Industrie beispielsweise

eine Kürzung der Stahldrahtimporte auf 3941 Tonnen vorgeschlagen - verglichen mit der tatsächlichen Quote von 19 100 Tonnen.

Aus Kreisen der

amerikanischen Stahlindustrie wurde Enttäuschung über die Entscheidung von
Präsident Reagan geäußert, da sie nicht weitgehend genug sei. Man fürchtet
in Industriekreisen in Amerika, daß die Erhöhung der Zölle für Edelwalzstahl von den Regierungen der Exportländer durch erhöhte Subventionen der
Erzeuger von Spezialstahl umgangen werden könnte.

Industrie und Gewerk-

schaften in den USA hatten auch für Walzstahl die Einführung von Quoten
verlangt.
Die Entscheidung des Präsidenten entspringt einer Reihe von Überlegungen. An erster Stelle stand die Tatsache, daß sich die SpezialStahlindustrie in Amerika - trotz großer Modernisierungsanstrengungen - nicht mehr
in der Lage sah, mit ausländischen Firmen zu konkurrieren, die für ihre Erzeugung und ihren Export hohe Subventionen ihrer Regierung erhalten. Der
amerikanische Sonderbeauftragte für Handelsverhandlungen, Botschafter
Brock, stellte am 7. Juli fest, daß es in diesem Industriezweig keinen offenen Handel mehr gebe. Seit 10 oder 15 Jahren befänden sich die Vereinigten Staaten in einer Position, auf einem Weltmarkt konkurrieren zu müssen,
wo Subventionen üblich und Regierungsinterventionen häufig seien und in
einem Teil der Welt nach dem anderen sich diese Industrie zu einem Kartell
zusammengeschlossen hätte.
Die gesunde amerikanische Industrie sei durch
diese weitgehend unfairen Mittel geschädigt worden.
Die Wurzel

�Die Wurzel des Problems liegt in der Tatsache, daß die Weltkapazität
für die Erzeugung von Edelstahl während des letzten Jahrzehnts Jahr für Jahr
gestiegen ist - und zwar angesichts eines ziemlich stab.ilen Weltmarktes.
Ein Großteil dieses Zuwachses ist darauf zurückzuführen, daß Regierungen
zunächst mit hohen Subventionen eingegriffen haben, um Produktionskapazität zu schaffen, und dann die Erzeugung und den Verkauf des Produkts weiter
subventioniert haben. -Im Gegensatz dazu ist die ameri-kafiische. Rohstahl-n-.^
Produktion während des letzten Jahrzehnts um etwa ein Drittel zurückgegangen.
Diese Erhöhung der Weltproduktion hatte zwei nachteilige Auswirkungen
für alle Erzeuger.

Es traten ein sehr instabiler Stahlmarkt mit starken

Preisschwankungen und ein Verfall der realen Preise ein, die es Firmen unmöglich machten, genügend Gewinne zu erzielen, um den Betrieb modernisieren
und damit konkurrenzfähig machen zu können.

Das Ergebnis dieses unfairen Wett-

bewerbs war eine Katastrophe für die Spezialstahl herstell er in den USA.
Dieser Industriezweig mit 14 000 Arbeitskräften, der wertmäßig etwa 10 Prozent der amerikanischen Stahlerzeugung ausmacht, hat eine Arbeitslosenrate
von 25 Prozent, und die Betriebe arbeiten nur mit etwa 50 Prozent ihrer Kapazität.

Hingegen gingen die Importe an Spezialstahl in den letzten zwei

Jahren von 131 000 Tonnen 1980 um fast 50 Prozent auf 203 000 Tonnen im
Jahr 1982 in die Höhe.
Selbst in Zeitungen in Westeuropa wurde bei aller Kritik an der Entscheidung von Präsident Reagan anerkannt, daß sie im Einklang mit amerikanischem Recht und den Regeln des GATT steht. Ziel der Maßnahmen Washingtons
ist nicht, neue Handelsschranken zu errichten, sondern den unfairen Handelspraktiken ein Ende zu setzen, die zu dieser Entscheidung zwangen. Die Vereinigten Staaten hoffen, daß die getroffenen Maßnahmen alle Länder anregen
werden, sich mit den eigentlichen Problemen zu befassen und vernünftigere
Regelungen anzustreben.
Die Vereinigten Staaten haben sich streng an die Regeln des GATT und
anderer internationaler Verpflichtungen gehalten. Andere Länder hatten aus- 3 -

�hatten ausführliche Gelegenheit, während der langen Untersuchung durch
die Internationale Handelskommission der USA ihren Standpunkt darzulegen.
Botschafter Brock ist bereit, mit allen Regierungen, die dies wünschen,
in Verhandlungen über die von den Quoten betroffenen Erzeugnisse einzutreten. Die Einführung der Quoten soll sicherstellen, daß kein Land unfair behandelt wird. Gleichzeitig werden die USA versuchen, gegenüber jenen Ländern, bei denen keine Regierungssubventionen gewHhrt, deren Interessen jedoch von dieser Entscheidung berührt werden, so flexibel wie möglich zu handeln.

+ + + + +

�10. August 1983

32

CHALLENGER-START VERSCHOBEN

- (AD) - CHALLENGER steht seit ein paar Tagen auf der Abschußrampe
am Kap Canaveral.

Jedoch wurde der Starttermin für den dritten Flug des

zweiten Raumtransporters der USA vom 20. auf den 30. August verschoben.
Grund:

Für das Durchprüfen und Erproben des TDRS-Nachrichtensatelliten,

der nach einer langwierigen Prozedur Ende Juni auf den vorgesehenen Standort in 36 000 km Höhe über dem Äquator vor der Küste Brasiliens eingesteuert
werden konnte, wird noch Zeit benötigt.

Vor allem soll das Personal der

Bodenstation White Sands (New Mexico), die für die Funkverbindungen mit
anderen unbemannten wie mit bemannten Satelliten über TDRS zuständig ist,
Gelegenheit haben, noch mehr Erfahrungen zu sammeln. Als Testobjekte dienen gegenwärtig einige amerikanische Forschungs- und Anwendungssatelliten
sowie der Erderkundungssatellit LANDSAT 4. Bei diesem Gerät haben sich
seit dem Start am 16. Juli 1982 verschiedene technische Mängel eingestellt.
Jetzt wird in der NASA erwogen, ihn auf eine niedrigere Umlaufbahn zu bringen, damit er - ähnlich wie für April 1984 bei dem SOLARMAX-Satelliten vorgesehen - nach einem Rendezvous-Manöver des Raumtransporters an Bord geholt und repariert werden kann.

Dies könnte 1985 oder 1986 geschehen.
Da beim

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Da beim ersten Flug eines Raumtransporters mit dem europäischen Weltraumlabor SPACELAB nur ein TDRS-Satellit zur Verfügung steht (der Start
des zweiten Geräts wurde bis zur Klärung der Ursache des Versagens seiner
zweiten Trägerstufe verschoben), ist die Einsatzfähigkeit dieser Relaisstation im Weltraum und der neuen zentralen Bodenstation White Sands besonders wichtig.

Denn SPACELAB braucht zur Datenübermittlung die Verbin-

dung über den TDRS-Satelliten, wenn die vorgesehenen zahlreichen Meß- und
Forschungsprogramme nicht drastisch reduziert und beeinträchtigt werden
sollen.
CHALLENGER soll den jetzigen Plänen zufolge am 30. August zwei Stunden nach Mitternacht um 2.15 Uhr Ortszeit (8.15 Uhr MEZ), am Kap Canaveral
starten und am 4. September auf dem Edwards-Flughafen in Kalifornien landen.

Der Start der umgebauten COLUMBIA mit SPACELAB wurde vom 30. Septem-

ber auf den 28. Oktober verschoben.

.

+ + + + +

. '

�Uli/zen/choft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

32

10. August 1983

MEERESWEICHTIERE ALS MODELL FÜR HERZFUNKTIONEN
- Energiestoffwechsel ohne Sauerstoff -

- (AD) - Durch die Untersuchung der Herzfunktionen bei Weichtieren
(Schnecken und Muscheln) mit Hilfe der Kernspinresonanz-Methode (NMR Nuclear Magnetic Resonance) hofft man herauszufinden, weshalb das Herz dieser Tiere auch bei Sauerstoffmangel funktionsfähig bleibt.

Dr. W. Ross

Ellington, Physiologe an der Staatsuniversitä't des amerikanischen Bundesstaates Florida, benutzt das Herz solcher Tiere für eingehende Stoffwechselstudien.

Schlüsselelemente sind dabei phosphorhaltige Verbindungen.

Das NMR-Verfahren erlaubt das Studium chemischer und physikalischer Prozesse in lebenden Organismen und Zellen, ohne daß dabei das Gewebe zerstört wird.
Dr. Ellington, dessen Projekt von der "Nationalen Forschungsstiftung (NSF) der Vereinigten Staaten finanziert wird, wählte deshalb Weichtierherzen, weil sie in der Anlage und in den Grundfunktionen dem menschlichen Herzen und den Herzen der Säugetiere ähnlich sind.

Sie besitzen

mehrere Kammern, und der Blutstrom wird durch Klappen zwischen jeder Kammer gesteuert.

In bezug auf die biochemischen Prozesse besteht jedoch im

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�jedoch im Zusammenhang mit der Herzmuskelkontraktion ein grundlegender
Unterschied:

Während beim Säugetier und beim Menschen der Energiestoff-

wechsel - die Aufspaltung von Brennstoffen, d.h. von Fetten und Kohlehydraten - unter der durch das Blut besorgten Sauerstoffzufuhr die Voraussetzung für die normale Herzmuskelkontraktion ist, scheint das Herz
bestimmter Meeresschnecken und Meeresmuscheln auch längerfristig ohne jegliche Sauerstoffzufuhr eine gewisse Kontraktionsfähigkeit zu behalten.
Als Versuchstiere dienen Schnecken und Muscheln, die bei Ebbe regelmäßig der Luft ausgesetzt sind.

In dieser Zeit werden ihre Kiemen

nicht von Wasser bespült. Als Folge davon sinkt der Sauerstoffspiegel im
Blut ab.
mangel.

Für die Gewebe im Organismus besteht somit periodisch SauerstoffEllington möchte, wie er erklärte, den besonderen Prozessen im

Energiestoffwechsel dieser Tiere auf die Spur kommen, die die Kontraktionsfähigkeit ihres Herzens auch in Abwesenheit von Sauerstoff erhalten.
"Beim Säugetier und beim Menschen scheint das Versagen des Herzens
unter Sauerstoffmangel zwei Ursachen zu haben", meint

Dr. Ellington.

"Erstens ist der Bedarf des Herzmuskels an chemischer Energie weitaus höher
als die Fähigkeit zur Energieproduktion.

Zweitens wird in Abwesenheit von

Sauerstoff chemische Energie durch Reaktionen produziert, die den Säurespiegel im Gewebe ansteigen lassen."
Aus seinen bisherigen Untersuchungen an den aus den Organismen isolierten Herzen, die an Schläuche angeschlossen sind und Salzwasser als
Blutersatz pumpen, geht hervor, daß die chemische Energie in diesen Herzen
durch chemische Reaktionen erzeugt wird, deren Nutzeffekt etwas größer ist
als jener der entsprechenden Reaktionen im Herzmuskel der Säugetiere. Das
Ungleichgewicht zwischen Energiezufuhr und Energiebedarf während des Sauerstoffmangels sei deshalb geringer, ebenso der tatsächliche Sauerstoffbedarf, erklärte der Forscher. Das Projekt solle dazu beitragen, die physiologischen Prozesse im Herzen von Säugetieren und beim Menschen besser analysieren und zu verstehen.
+ + + + +

- 2 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Shultz: Vereinigte Staaten streben "dauerhaften Frieden" in Mittelamerika an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Außenministers vor Senatsausschuss -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Burt: Fortschritte im Ost-West-Verhältnis, aber kein Durchbruch&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ausführungen des US-Unterstaatssekretärs im Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unterstaatssekretär Abrams zur Situation der Menschenrechte in Mittelamerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Aussage vor Kongressausschüssen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sondertarife im Flugverkehr sollen deutsch-amerikanischen Jugendaustausch fördern&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Internationale Zusammenarbeit in der Wissenschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Politisches Klima für amerikanisch-sowjetische Beziehungen nach wie vor bedeutsam -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erläuterungen zu Zöllen und Quoten für Spezialstähle in den USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Nicht alle Wünsche der US-Stahlindustrie erfüllt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;CHALLENGER-Start verschoben&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meeresweichtiere als Modell für Herzfunktionen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Energiestoffwechsel ohne Sauerstoff -&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

31

3. August 1983
INHALT

DOKUMENTATION
Reagan: Probleme Mittelamerikas erfordern umfassende, regionale
Lösung
- Schreiben an die Präsidenten der CONTADORA-Staaten Bush umreißt Ziele der Mittelamerikapolitik der USA
- Rede des US-Vizepräsidenten vor Gouverneuren Reagan unterstreicht Bedeutung der Schlußakte von Helsinki
- Proklamation zum Tag der Menschenrechte WIRTSCHAFT
US-Handelsminister: Günstige Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft
- Baldrige unterstreicht positive Auswirkung auf die Weltwirtschaft USA und Sowjetunion erzielen Einigung über neues Getreideabkommen
- Erklärung des Weißen Hauses HINTERGRUNDMATERIAL
US-Wirtschaftshilfe in El Salvador:

Worüber nicht berichtet wird

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- Von Peter McPherson, AID-Direktor Schwerwiegende Hungerprobleme in Afrika
- Nahrungsmittelversorgung in der übrigen Welt verbessert WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neuartiger Beschleuniger für Stanford-Forschungszentrum
HauDtDroiekt: Erforschuna der "schwachen Kraft"
Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�3. August 1983

31

REAGAN: PROBLEME MITTELAMERIKAS ERFORDERN UMFASSENDE, REGIONALE LÖSUNG
- Schreiben an die Präsidenten der CONTADORA-Staaten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat erneut unterstrichen,
daß die Probleme Mittelamerikas "auf einer umfassenden, regionalen Grundlage" angegangen werden müssen.

In einem Schreiben an die vier Präsidenten

der CONTADORA-Staaten - Panama, Kolumbien, Mexiko und Venezuela - erklärte
Reagan am 26. Juli 1983, eine solche Lösung müsse die Anliegen aller Staaten, die von dem Konflikt in Mittelamerika betroffen seien, gleichzeitig
berücksichtigen.

Die CONTADORA-Gruppe ist so benannt, nachdem sich die

Präsidenten dieser vier Länder auf der gleichnamigen Pazifik-Insel vor der
Küste Panamas getroffen hatten, um eine Lösung des Konfliktes in Mittelamerika
zu finden.

Das Schreiben wurde den vier Präsidenten von dem Sonderbeauf-

tragten Präsident Reagans, Richard Stone, überbracht.
Das Schreiben Reagans hat folgenden Wortlaut:
Sehr geehrter Herr Präsident (de la Expriella),
ich danke Ihnen für das Schreiben, das Sie und die Präsidenten Kolumbiens,
Mexikos und Venezuelas mir haben zukommen lassen und in dem es um das Treffen

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Telex: 8-85432

�das Treffen geht, das am 17. Juli in Cancun stattfand, um die derzeitige
Lage in Mittelamerika einer Prüfung zu unterziehen.
Ich möchte Ihnen meinen Glückwunsch für die Anstrengungen zum Ausdruck
bringen, die die CONTADORA-Gruppe unternimmt, um den Dialog zwischen den
Staaten Mittelamerikas zu fördern. Meine Regierung hat durchweg ihre volle
Unterstützung für den CONTADORA-Prozeß zum Ausdruck gebracht. Die Erklärung
von Cancun ist durch ihre Formulierung der entscheidenden Fragestellungen,
die angegangen werden müssen, um eine wirksame und dauerhafte Lösung des
mittelamerikanischen Konfliktes zu erreichen, ein wichtiger Beitrag zur Förderung dieses Prozesses.
Ich bin auch weiterhin der Überzeugung, daß eine Lösung der Krise in
Mittelamerika vier grundlegende Prinzipien enthalten muß.
Erstens ist es von entscheidender Bedeutung, daß demokratische Institutionen als Mittel zur Lösung der politischen Meinungsverschiedenheiten
innerhalb der mittel amerikanischen Staaten errichtet und gestärkt werden
müssen.

Nur dadurch, daß eine freie und offene Beteiligung an dem demokra-

tischen Prozeß sichergestellt wird, können die Völker Mittelamerikas zu einer
Aussöhnung innerhalb ihrer Gesellschaften gelangen.
Zweitens muß es die Respektierung des Prinzips der Nichtintervention geben - einschließlich eines Verbots der Unterstützung subversiver Elemente,
die danach streben, andere Länder zu destabilisieren.
Drittens muß der Konflikt in Mittelamerika aus dem Kontext der OstWest-Konfrontation herausgenommen werden - und zwar durch solche Maßnahmen
wie den verifizierbaren Abzug aller ausländischen Militär- und Sicherheitsberater und ein bestätigtes Einfrieren der Beschaffung von Offensivwaffen.
Schließlich müssen die Länder Mittelamerikas untereinander und mit ihren
Nachbarn darauf hinarbeiten, ein Niveau des wirtschaftlichen Wachstums zu er-

- 2 -

�zu erreichen und aufrechtzuerhalten, das die Grundbedürfnisse ihrer Bevölkerungen garantieren wird.
Ich bin erfreut darüber, daß die Erklärung von Cancun die Bedeutung
dieser Grundprinzipien anerkennt.

Diese Fragen sind unlösbar miteinander

verbunden und müssen auf einer umfassenden, regionalen Grundlage angegangen
werden, die die Anliegen aller Staaten gleichzeitig behandelt, die von dem
Konflikt in Mittelamerika betroffen sind.

Ein Versuch, diese Probleme nach-

einander oder stückweise zu lösen, würde nicht das Ziel erreichen, das wir
alle wollen:

einen dauerhaften Frieden für ganz Mittelamerika.

Von gleicher Bedeutung ist die Notwendigkeit, sicherzustellen, daß
alle von den mittelamerikanischen Staaten unternommenen Schritte stets wechselseitig sind und einer umfassenden und angemessenen Verifizierbarkeit unterliegen.

Es ist offensichtlich, daß keine Initiative einen echten Frieden

für Mittelamerika bringen wird, wenn es einem Staat ermöglicht wird, sich
dadurch einen ungerechten Vorteil gegenüber seinen Nachbarn zu verschaffen,
daß er sich nicht an Friedensbedingungen hält, die die anderen binden.

Die

Charta der Organisation amerikanischer Staaten stellt klar, daß es der Zweck
der OAS sein sollte, entweder ungerechte Akte eines Staates gegen einen anderen zu verhindern oder im Fall von Schwierigkeiten gemeinsame Schritte seitens der Mitglieder zu unternehmen.

Ich bin der Überzeugung, daß die OAS

als das regionale Forum dieser Hemisphäre der angemessene Mechanismus ist,
um sicherzustellen, daß diejenigen, die Verpflichtungen eingehen, sich auch
an sie halten.
Die Probleme Mittelamerikas sind von komplexer Natur, und ihre Lösung
erfordert unermüdliche Anstrengungen. Die Schritte, die Sie und Ihre Kollegen der CONTADORA-Gruppe unternommen haben, sind Beweis dafür, daß Sie sich
mit größtem Ernst dem Ziel eines echten und dauerhaften Friedens in der ganzen Region verpflichtet fühlen. Meine eigenen Anstrengungen in dieser Hinsicht bestehen in der Entsendung eines Sonderbeauftragten in die Region und

- 3 -

�Region und in der Einsetzung einer überparteilichen Kommission, die die
Probleme Mittelamerikas untersuchen und Lösungen vorschlagen soll.

Bei

der Fortsetzung Ihrer Arbeit sind meine Gebete und die meiner Landsleute
mit Ihnen.

- 4 -

�1I I I I T »
Dokumentation

• ll I J I

United States Information Service
Embassy of the United States of America

3. August 1983

31

BUSH UMREISST ZIELE DER MITTELAMERIKAPOLITIK DER USA
- Rede des US-Vizepräsidenten vor Gouverneuren -

PORTLAND, MAINE - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident George Bush
hat in einer Ansprache auf der Jahrestagung der Gouverneure der Bundesstaaten der USA am 31. Juli das Wachstum demokratischer Prinzipien und Ideale,
die wirtschaftliche Entwicklung, den regionalen Dialog und einen Sicherheitsschild als Hauptziele der Mittelamerikapolitik der Reagan-Administration dargelegt.
Die Rede des amerikanischen Vizepräsidenten hat in wesentlichen Auszügen folgenden Wortlaut:
Präsident Reagan hat immer wieder unseren Wunsch nach Frieden und Wohlergehen in Mittelamerika zum Ausdruck gebracht.

Er hat jetzt vier grundle-

gende, vernünftige, moralische und humane Ziele unserer Mittelamerikapolitik
formuliert.
Erstens, wir haben uns der Förderung des Wachstums demokratischer Ziele,
Prinzipien und Ideen verschrieben.
Zweitens, wir

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Telex: 8-85432

�Zweitens, wir unterstützen nachdrücklich die wirtschaftliche Entwicklung in Mittelamerika, und drei von vier Dollar der Hilfe werden für wirtschaftliche und humanitäre Unterstützung verwandt.
Drittens, es ist unser Ziel, einen echten Dialog zwischen den Ländern
der Region und innerhalb der Nationen der Region zu erleichtern.

Wir glau-

ben an die Lösung regionaler Probleme durch Gespräch und Verhandlung.

Wir

sind vor allem von der Notwendigkeit eines Dialogs über generelle Fragen der
regionalen Sicherheit überzeugt.
Viertens, es ist unser Ziel, dem Gebiet einen Sicherheitsschild zu geben - vor allem für jene Länder, deren wirtschaftliche Infrastruktur durch
die Guerilla zerstört wurde - und den demokratischen Prozeß in diesen Ländern
zu stärken.
Wie wollen wir diese Ziele erreichen? Erstens, wir unterstützen die
demokratisch gewählten Regierungen in Costa Rica, Honduras und El Salvador.
Wir ermutigen die Regierung von Guatemala in ihren Bemühungen, im kommenden
Jahr Wahlen abzuhalten.
Wir hoffen, daß die Regierung von Nicaragua, die sich jetzt einer wachsenden Welle der Opposition gegenübersieht, ihre ursprünglichen Zusagen für
eine pluralistische demokratische Regierung erfüllen wird. Wir sind bereit,
und wir haben wirklich versucht, einen Dialog zwischen den salvadorianischen
Rebellen und der legitim gewählten Regierung zu erleichtern, um echte demokratische Wahlen herbeizuführen, an der alle Bewohner El Salvadors ohne Gefahr teilnehmen können.
Diesen Standpunkt teilt die Regierung von El Salvador.
In seiner Botschaft über die Lage der Nation am 1. Juli hat der Präsident von El Salvador, Magana, deutlich erklärt, daß seine Regierung bereit
sei, in einen Dialog mit den Rebellen über alle Fragen einzutreten, mit Aus- 2 -

�mit Ausnahme der einen - einer Teilung der Macht.

Wir unterstützen Prä-

sident Magana und den von ihm in dieser Frage eingenommenen Standpunkt.

Wir

erstreben nicht nur einen Dialog zwischen beiden Seiten, sondern wir fordern
die Rebellen auf, an freien

Wahlen teilzunehmen.

Freie Wahlen sollten be-

stimmen, wer regiert - freie Wahlen sollten bestimmen, wer die Macht teilt.
Zweitens, wir unterstützen voll und ganz die wirtschaftliche Entwicklung - Nahrung und Kleidung für die Hungrigen und Verzweifelten, Unterkunft
für die Obdachlosen, medizinische Versorgung für die Kranken, neue Straßen
und Brücken und Versorgung mit Trinkwasser.

Die Initiative des Präsidenten

für das Karibische Becken nähert sich jetzt nach allzu langer Verzögerung
der endgültigen gesetzlichen Verabschiedung im Kongreß. Sie ist ein weiterer
Beweis für unsere Unterstützung des regionalen wirtschaftlichen Fortschritts.
Drittens, wir treten für die Bemühungen aller Regierungen ein, die Ziele der Sicherheit, der wirtschaftlichen Entwicklung und der Freiheit und der
Menschenrechte durch regionalen Dialog zu fördern.

Wir begrüßen wärmstens

die Bemühungen Panamas, Mexikos, Kolumbiens und Venezuelas, die in diesen Anstrengungen führend sind.
Viertens, wir bilden örtliche Verteidigungsstreitkräfte aus, um die Aufständischenbewegungen zu bekämpfen, die von Nicaragua und Kuba unterstützt werden, die Waffen an die kommunistischen Revolutionäre in der ganzen Region weiterleiten.

Die Flottenübungen und die kombinierten Übungen mit Honduras, an

denen amerikanische Truppen teilnehmen werden, spielen eine Rolle für den
liicherheitsschild, den wir für die Region erstreben.
Wir versichern die demokratischen Regierungen Mittelamerikas unseres
Interesses, unserer Bereitschaft, sie zu unterstützen, und unserer Verpflichtung gegenüber der regionalen Sicherheit.

Sie unterstreichen unsere anhal-

tende Verpflichtung zur kollektiven Verteidigung zusammen mit den Nationen
der westlichen Hemisphäre, die durch Angriffe von außen bedroht werden könnte.

Diese Übungen dienen ferner der Absicht, die im Gange befindlichen diplo- 3 -

�befindlichen diplomatischen Bemühungen zu ermutigen und zu stärken.
Und lassen Sie mich schließlich sagen, für was die Reagan-Administration nicht eintritt.
- Wir entsenden keine amerikanischen Truppen in den Kampf in Mittelamerika.
- Wir versuchen nicht, die Regierung von Nicaragua zu stürzen.
- Andere versuchen, Regierungen in Mittelamerika mit Waffengewalt zu
stürzen.
bauen.

Wir versuchen, Regierungen mit Hilfe von Stimmzetteln aufzuWir sind nicht der Meinung, daß gewählte Führer zugunsten jener

aufgegeben werden sollten, die die Macht durch Gewalt an sich reißen
wollen.
Trotz des Propa^andakrieges gibt es einige ermutigende Zeichen.

Der

nicaraguanische Außenminister Daniel Ortega hat kürzlich einen regionalen
Sechspunkte-Vorschlag unterbreitet, der nach unserer Ansicht einige Flexibilität erkennen läßt.

Selbst Fidel Castro hat in seinen jüngsten Reden einen

weniger kriegerischen Ton erkennen lassen und regionale Zusammenarbeit unterstützt - vor allem die CONTADORA-Initiative.
Ich bin zuversichtlich, daß in der Region ein Fortschritt erzielt werden kann und die Prinzipien der Demokratie gefördert werden können.

Die

Vereinigten Staaten besitzen ein stolzes Erbe der Unterstützung der weniger
vom Glück Begünstigten in der ganzen Welt. Als Volk

erden wir der groß-

zügigste Spender für die weniger Bemittelten bleiben - was Gesundheitsfürsorge, Wohnung, Nahrung, Bildung und andere grundsätzliche Ansprüche auf
Verbesserung der Lebensqualität in der Region angeht.
Gleichzeitig werden wir den Menschenrechten verpflichtet bleiben. Wir
werden unseren Einfluß nutzen, um zur Verbesserung der Menschenrechtslage in

- 4 -

�Menschenrechtslage in allen totalitären Ländern beizutragen - seien sie
marxistisch-leninistische Diktaturen der Linken oder totalitäre Staaten der
Rechten.
Wir bleiben der Pressefreiheit verpflichtet, der Religionsfreiheit,
der Freiheit der Wahl - prinzipiell bleiben wir also der Demokratie verpflichtet.

- 5 -

�'HM

I7TT97

Dokumcnlolion
United States Information Service
Embassy of the United States of America

31

3. August 1983

REAGAN UNTERSTREICHT BEDEUTUNG DER SCHLUSSAKTE VON HELSINKI
- Proklamation zum Tag der Menschenrechte -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat erneut auf die Bedeutung der
Schlußakte von Helsinki für die Menschenrechte hingewiesen.

In einer vom

Weißen Haus veröffentlichten Erklärung, mit der der 1. August in den USA zum
"Helsinki-Tag der Menschenrechte" proklamiert wurde, heißt es, die Absprachen
von Helsinki seien ein "machtvolles politisches Instrument zur Förderung der
Sache der menschlichen Würde und Freiheit."
Die Erklärung des amerikanischen Präsidenten hat in ihren wesentlichen
Teilen folgenden Wortlaut:
Als die Schlußakte der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit
in Europa (KSZE) - weithin bekannt als die Absprachen von Helsinki - am 1.
August 1975 in Helsinki unterzeichnet wurde, verpflichteten sich 33 Regierungen in Ost- und Westeuropa sowie die Vereinigten Staaten und Kanada, "die
Menschenrechte und die grundlegenden Freiheiten, einschließlich der Freiheit
des Denkens, des Gewissens, der Religion oder des Glaubens, zu respektieren

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�zu respektieren und zwar für alle und unterschiedslos im Hinblick auf Rasse,
Geschlecht, Sprache oder Religion."
Die Teilnehmerländer verpflichteten sich ferner, größere Bewegungsfreiheit und Kontakte, einen verbesserten Zugang zu Informationen sowie einen
kulturellen und wissenschaftlichen Austausch zu fördern.
Die Absprachen von Helsinki sind ein wichtiger Erfolg im Hinblick auf
die Entwicklung weltweiter Normen des internationalen Verhaltens und der
grundlegenden Menschenrechte«

Diese Normen gehen zurück auf die frühesten

Tage der amerikanischen Republik.

In einem Brief, den im Jahre 1787 Thomas

Jefferson aus Paris an James Madison schrieb, heißt es, daß "das Volk gegenüber jeder Regierung auf Erden einen Anspruch hat auf eine Akte der Menschenrechte,"

Die Absprachen von Helsinki sind in der Tat für alle Menschen in

Europa eine solche Akte.
Die Regierung der Vereinigten Staaten hat sich mit Nachdruck verpflichtet, die menschenrechtlichen und humanitären Bestimmungen der Absprachen von
Helsinki voll und ganz zu erfüllen.

Das amerikanische Volk hat sich uner-

schütterlich der Wahrung und Förderung der grundlegenden Menschenrechte überall in der Welt verschrieben,,

Die Absprachen von Helsinki sind ein macht-

volles politisches Instrument zur Förderung der Sache der menschlichen

Würde

und Freiheit.
Auf der KSZE-Folgekonferenz in Madrid haben die Vereinigten Staaten gemeinsam mit anderen westlichen Ländern darauf hingewiesen, daß die Sowjetunion sowie die osteuropäischen Staaten sich nicht an die in Helsinki eingegangenen Verpflichtungen hinsichtlich der humanitären und menschenrechtlichen
Bestimmungen halten,
Durch die Unterdrückung der Gewerkschaft Solidarität in Polen, die anhaltenden Unterdrückungsmaßnahmen gegen die Helsinki-Überwachungsgruppen,
die drastische Verringerung der Auswanderung aus der Sowjetunion und die Be-

�die Behinderung und Verfolgung von Bürgern in der Sowjetunion und Osteuropas, die ihre religiösen und politischen Freiheiten zum Ausdruck zu bringen
versuchen, werden die Prinzipien von Helsinki verneint, denen die jeweiligen Regierungen damals zugestimmt haben.
Diese repressiven Maßnahmen gefährden nicht nur die Erreichung einer
echten Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, sondern sie haben auch eine
entmutigende Wirkung auf den Geist der tapferen Völker, die diese Tyrannei
erdulden.
Der Kongreß hat mit der gemeinsamen Senatsresolution 96 den 1. August
1983 zum "Helsinki-Tag der Menschenrechte" bestimmt und den Präsidenten bevollmächtigt und ersucht, eine Proklamation zur Begehung dieses Tages zu erlassen.

Bei dieser Gelegenheit bietet sich der amerikanischen Bevölkerung

die Möglichkeit, ihre Verpflichtung für die Prinzipien der Menschenrechte
zu bekräftigen, die in der Schlußakte der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa niedergelegt sind, und ihre Solidarität mit den Völkern der Sowjetunion und Osteuropas zum Ausdruck zu bringen, deren grundlegende Menschenrechte durch die jeweiligen Regierungen ständig und regelmäßig
verletzt werden.

- 3 -

�31

3. August 1983

US-HANDELSMINISTER: GÜNSTIGE ENTWICKLUNG DER AMERIKANISCHEN WIRTSCHAFT
- Baldrige unterstreicht positive Auswirkung auf die Weltwirtschaft -

WASHINGTON - (AD) - In einem Gespräch mit Reportern im "Foreign Press
Center" des US-Informationsamtes (USIA) betonte der amerikanische Handelsminister Malcolm Baldrige am 27. Juli 1983 in Washington, daß Industriestaaten wie die sich entwickelnden Länder von der Belebung der amerikanischen
Wirtschaft profitieren können.
Die wesentlichen Auszüge aus seiner Erklärung sowie aus der anschließenden Befragung haben folgenden Wortlaut:
Die Wirtschaft der Vereinigten Staaten befindet sich zweifelsfrei in
einer Periode des Wiederaufschwungs. An dieser speziellen Erholung ist
nichts Ungewöhnliches; sie ist vielmehr hinsichtlich fast aller Aspekte,
mit denen wir eine solche Erholung messen, völlig normal.

Im ersten Quar-

tal 1983 hatten wir einen Anstieg unseres Bruttosozialproduktes um 2,6 Prozent.

Im zweiten Quartal stieg es um 8,7 Prozent.

Der weitere Anstieg wird

wahrscheinlich niedriger sein, da ein Drittel dieses 8,7 prozentigen Aufschwungs auf Unterschiede bei den Verringerungen der Lagerbestände gegenüber

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�Lagerbestände gegenüber dem ersten Quartal zurückzuführen war.

Im Lauf des

Jahres wird hier eine Nivellierungstendenz zu erkennen sein, daher wird der
Faktor dann nicht mehr so hoch sein.
Die Verbraucherausgaben stiegen gegenüber einer Erhöhung von 2,9 Prozent im ersten Quartal 1983 auf zehn Prozent im zweiten Quartal an.

Der

Verbraucher in den Vereinigten Staaten fängt also an, wieder Geld auszugeben - und dies spiegelt sich bei Immobilien, bei Autos und bei längerlebigen Gebrauchsgütern wider.

Die Ausweitung zeigt, daß es sich um einen Auf-

schwung handelt, der eine breite Grundlage hat.
Wir erwarten, daß diese Erholung sicherlich bis 1984 und darüber hinaus
andauern wird und - besonders wenn wir die Haushaltsdefizite abbauen können in die Jahre 1985 bis 1988 hinaus.
Die Arbeitslosigkeit, die bei 10,7 Prozent lag, ist auf 9,8 Prozent zurückgegangen.

Dies ist etwas über dem durchschnittlichen Rückgang der Ar-

beitslosigkeit während der ersten sechs Monate eines Wiederaufschwungs, wenn
wir es mit den anderen Rezessionen und Erholungen vergleichen, die wir in
diesem Land seit dem Koreakrieg erlebt haben.
Alles in allem haben wir also eine normale, kräftige Wiederbelebung.
Und wir können sehen, daß es dabei keinen Anstieg der Inflation gibt. Dies
scheint mir einer der wichtigsten Aspekte zu sein, denn bei unseren letzten
Aufschwüngen nach einer Rezession hatten wir solche, die von einer Inflation
- einer zunehmenden Inflation - gestützt wurden, was bedeutete, daß der Samen für die nächste Rezession gleich darin enthalten war. Wenn wir also
den Kurs einer moderaten Erholung ohne einen Anstieg der Inflation beibehalten können, so werden wir den besten Interessen dieses Landes - und auch
denen der Welt - dienen...
FRAGE:

Herr

�FRAGE:

Herr Minister, wie beurteilen Sie die Auswirkungen des ameri-

kanischen Wiederaufschwungs auf das Ausland - auf die anderen Industriestaaten und natürlich auch auf die weniger entwickelten Länder?
ANTWORT:

Dieses Jahr wird unser Bruttosozialprodukt - sagen wir vom

vierten Quartal 1982 bis ins vierte Quartal 1983 - um etwa 5,5 Prozent wachsen.

Es könnte sogar etwas darüber liegen. Ähnliche Voraussagen gibt es

auch für die Industriestaaten der Europäischen Gemeinschaft - im Durchschnitt
etwa um 0,5 Prozent bis etwa 0,75 Prozent - bei einigen etwas mehr, bei anderen etwas weniger.
Es ist sehr wichtig, daß der Aul schwung in den Vereinigten Staaten ohne
Steigerung der Inflation anhält, denn das hilft diesen Staaten.

Es hilft

ihnen ganz besonders beispielsweise in ihrer Fähigkeit, nach den Vereinigten
Staaten zu exportieren.

Die USA werden in diesem Jahr ein Warenhandelsdefi-

zit von etwa 70 Milliarden Dollar haben.

Für das nächste Jahr könnten wir

sogar mit rund 100 Milliarden Dollar rechnen.

Aber das bedeutet, daß wir

als Land die Tatsache akzeptieren, daß wir für

70 Milliarden Dollar mehr

importieren als wir exportieren.

Und das schafft in den anderen Ländern

Arbeitsplätze.
Der Grund, warum das so abläuft, besteht darin, daß unsere Wirtschaft
als erste diesen Wiederaufschwung erlebt. Wir nehmen eine große Menge Importe auf wegen dieses Aufschwungs. Unsere Exporte gehen nicht annähernd
so schnell in die Höhe, weil die anderen Länder, mit denen wir Handel treiben, keinen so raschen Wiederaufschwung erleben. Das ist also ein starker
Anstoß, den die Vereinigten Staaten den anderen Industrieländern der Welt geben können und auch geben...
FRAGE: Herr Minister, wie ist die Situation bei Quoten und Zöllen für
Spezialstähle? Wie ich glaube, sind sie bereits in Kraft und Gesetz. Verhandeln Sie mit anderen Ländern über Quoten?
ANTWORT:

Die

�ANTWORT:

Die Stahlindustrie produziert weltweit etwa 90 Prozent Normal -

stahl und 10 Prozent Spezialstahl.
Die Normalererzeuger brachten Anträge auf Ausgleichszölle gegen die
Europäer vor, weil sie die Europäer beschuldigten, ihre Stahlexporte zu
subventionieren.

Wir haben das geregelt - wir haben durch Verhandlungen

und Vereinbarungen Regelungen erreicht, die für Europäer und Amerikaner befriedigend sind.

Dieser Teil ist also erledigt.

Was nun die restlichen zehn Prozent angeht, die Erzeuger von Spezialstählen, so haben diese nur ein oder zwei Anträge auf Ausgleichszölle gestellt.

Sie haben um Abhilfe gebeten im Rahmen unseres Handelsgesetzes 201,

in dem es heißt, daß die Regierung andere Quoten oder Zölle festlegen kann,
wenn ein Industriezweig geschädigt wird.

Aber es ist wirklich die Frage,

ob ein Ausgleich bezahlt werden soll, denn es gab keine Anschuldigungen der
Subvention.

Es ging nur um unfaire Handelspraktiken.

Dieses Problem wird

von Botschafter Brock und seinem Büro des Vertreters für Handelsverhandlungen
behandelt. Was wir jedoch erreichen möchten, sind so viele normale, geregelte Marktvereinbarungen wie möglich mit den Ländern, um die es geht...
Ich meine, geregelte Marktvereinbarungen wären wahrscheinlich die beste
Lösung für die Europäer wie auch für uns...
FRAGE:

Sie sagten, der Aufschwung in den Vereinigten Staaten schaffe

Arbeitsplätze in anderen Ländern. Auf der anderen Seite fügt der höhere
Kurswert des Dollar anderen Ländern Schaden zu. Werden Sie Maßnahmen ergreifen, um den hohen Dollarkurs zu senken?
ANTWORT:

Der hohe Wert des Dollar schadet anderen Ländern nicht so

sehr wie den Vereinigten Staaten selbst.

Der hohe Kurs des Dollar erhöht die

Kosten amerikanischer Exporte sehr stark, so daß wir in vielen Kategorien
von Erzeugnissen Schwierigkeiten haben, mit anderen zu konkurrieren.

Es be-

deutet, daß ausländische Lieferanten konkurrenzfähiger sind und mehr Arbeits- 4 -

�mehr Arbeitsplätze haben.

Darüber hinaus bedeutet der hohe Dollarwert, daß

Einfuhren nach den Vereinigten Staaten billiger werden.

Damit steigen die

Importe...
Natürlich hat der hohe Dollarkurs auch in einigen anderen Ländern Nachteile.

Aber man kann sagen, daß wir in den Vereinigten Staaten mehr unter

einem überbewerteten Dollar leiden als andere Länder darunter leiden, daß
der Dollar überbewertet wird.
FRAGE:

Ich möchte eine Zusatzfrage stellen.

Viele Industrieländer

zahlen ihren Treibstoff, ihr Benzin und ihre Energie in Dollar, und darum
leiden sie darunter, wenn der Dollar überbewertet wird.
der Dollar sei überbewertet.
ANTWORT:

Sie sagten selbst,

Warum bringen Sie ihn nicht herunter?

Ich weiß wirklich nicht, wie Sie mit Sicherheit feststellen

können, daß der Dollar überbewertet sei.

Es gibt heute in den Vereinigten

Staaten sehr viele Leute, die behaupten, er sei überbewertet.

Ich persön-

lich glaube das auch.
ABer wenn genug Leute im Devisengeschäft in der ganzen Welt glaubten,
er sei überbewertet und müsse heruntergehen, dann würde es auf den Finanzmärkten lebhafter zugehen.

Stattdessen sind sie recht stark.

Immer mehr

Leute wollen in den Vereinigten Staaten investieren wegen unserer hohen
Zinssätze.

Den einzigen Weg, den ich kenne, um den Wert des Dollar zu sen-

ken, besteht praktisch darin, unsere Zinssätze zu senken.

Und der einzige

Weg, den ich kenne, um das zu erreichen, besteht darin, unsere Haushaltsdefizite abzubauen.

Ich glaube, sehr viele Leute in der Welt werden diesen

Feststellungen zustimmen.
Unser Problem ist, daß der Präsident, der fest daran glaubt und deshalb gewählt wurde, daß die Staatsausgaben gesenkt werden müssen, das Defizit senken will. Aber er möchte es dadurch tun, daß die Staatsausgaben gesenkt werden, die in den letzten 15 oder 20 Jahren ins Unermeßliche gestie-

- 5 -

�Unermeßliche gestiegen sind.
Der Kongreß mcöhte es mehr durch Steuererhöhungen erreichen.

Und

wenn Sie sich erinnern, so hat der Präsident in seinem Haushalt 1982 die
Steuern erhöht.

Der Kongreß hat dem Präsidenten damals versprochen, daß

für jeden Dollar an Steuererhöhungen drei Dollar an Ausgaben eingespart
würden - ein Verhältnis von drei zu eins.

Diese Ausgabenkürzungen haben

sich verflüchtigt, weil sich der Kongreß nicht auf das Problem konzentrieren konnte und zu viel Kirchtumpolitik im Spiel war und schließlich keine
Senkungen der Staatsausgaben vorgenommen wurden.
Der Präsident ist der Überzeugung, daß der einzige Weg zu einer künftigen Steuererhöhung

nur über noch einschneidendere Ausgabenkürzungen führen

könne, und solange er keine Ausgabenkürzungen sieht, wird die Administration
kaum etwas tun, um die Steuern zu erhöhen.

Damit ist also vor den Wahlen

1984 kaum zu rechnen.

Wahrscheinlich wird er wieder mit dem Programm in

den Wahl kämpf ziehen:

"Wollt Ihr Steuererhöhungen oder Senkungen der Staats-

ausgaben, um das Problem des Haushaltsdefizits zu lösen?"
Wirtschaftsproblem, das wir heute haben.

+ + + + +

- 6-

Das ist das größte

�Wift/choft
United States Information Service
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3. August 1983

31

USA UND SOWJETUNION ERZIELEN EINIGUNG OBER NEUES GETREIDEABKOMMEN
- Erklärung des Weißen Hauses -

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben
sich "im Prinzip" über ein neues langfristiges Getreideabkommen geeinigt.
Die offizielle Unterzeichnung des Abkommens, das über fünf Jahre läuft, ist
für Ende August vorgesehen.
Die Erklärung des Weißen Hauses, die am 28. Juli 1983 vom Stellvertretenden Pressesprecher Larry Speakes im Beisein von Landwirtschaftsminister
John Block und dem amerikanischen Sonderbeauftragten für Handelsverhandlungen,
William Brock, verlesen wurde, hat folgenden Wortlaut:
Botschafter William E. Brock, der Sonderbeauftragte für Handelsverhandlungen, und Landwirtschaftsminister John R. Block gaben heute bekannt,
daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion im Prinzip Einigung über ein
neues langfristiges Getreideabkommen erzielt haben.

Das Abkommen wird am

1. Oktober 1983 in Kraft treten und eine Laufzeit von fünf Jahren haben.
Aufgrund dieses

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�Aufgrund dieses Abkommens wird die Sowjetunion jährlich von den Vereinigten Staaten neun Millionen Tonnen Weizen und Mais in etwa gleichen Mengen kaufen.

Bis zu einer Million Tonnen der Mindestmenge an Getreide kön-

nen durch sowjetische Käufe von 500 000 Tonnen Sojabohnen und/oder Sojamehl
ersetzt werden.

Wenn in irgendeinem Jahr auf diese Sojabohnen/Soja-

mehl-Option zurückgegriffen wird, wird die Mindestmenge an Weizen und Mais
in dem betreffenden Jahr acht Millionen Tonnen betragen.

Während eines je-

den Jahres der Laufzeit des Abkommens kann die Sowjetunion ohne vorherige
Konsultationen drei Millionen Tonnen Weizen und Mais zusätzlich zu den neun
Millionen Tonnen kaufen.
Der allgemeine Rahmen des neuen Abkommens entspricht dem des im Jahre
1975 unterzeichneten.
Die Einigung wurde am 28. Juli während der dritten Verhandlungsrunde
über das neue Abkommen in Wien erzielt.

Das amerikanische Verhandlungsteam

wurde von Botschafter Robert E. Lighthizer, dem Stellvertretenden Sonderbeauftragten für Handelsverhandlungen, geleitet.

Der Staatssekretär im ameri-

kanischen Landwirtschaftsministerium, Daniel G. Amsturz, vertrat sein Ministerium im Verhanndlungsteam.

Die offizielle Unterzeichnung des Abkommens

findet Ende August statt.
Das gegenwärtige Abkommen, das am 30. September 1983 ausläuft, sah jährlich den Kauf einer Mindestmenge von sechs Millionen Tonnen Weizen und Mais
seitens der Sowjetunion vor und räumte der Sowjetunion die Option ein, zusätzliche zwei Millionen Tonnen pro Jahr zu kaufen. Das ursprüngliche Abkommen lief über fünf Jahre, beginnend 1975. Es wurde zweimal um jeweils
ein Jahr verlängert.

- 2 -

�31

3. August 1983

US-WIRTSCHAFTSHILFE IN EL SALVADOR: WORÜBER NICHT BERICHTET WIRD
- Von Peter McPherson, AID-Direktor -

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung
des "Christian Science Monitor".

Auch wenn Fragen der Militärhilfe für El Salvador immer wieder in den
Mittelpunkt der Diskussion gerückt werden, so sind es doch die Wirtschaftshilfe und die humanitäre Unterstützung der USA, die das Leben von Tausenden
in El Salvador direkt und positiv berühren.

Mit dieser Hilfe wurden nämlich

eine massive Lebensmittelknappheit und eine Unterernährung der Bevölkerung
verhindert.
So haben die Vereinigten Staaten beispielsweise im Rahmen des Programms
"Lebensmittel-für-den-Frieden" El Salvador 560 000 Tonnen an Weizen, Mais,
Reis, Trockenmilch und anderen Nahrungsmitteln zur Verfügung gestellt, damit
die dortige Bevökerung ernährt werden kann. Andere Wirtschaftshilfe hat dazu beigetragen, daß Arbeitsplätze geschaffen wurden, wodurch Tausende von
armen Familien überleben konnten.
Das Amt

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�Das Amt für Internationale Entwicklung (AID), die Behörde der amerikanischen Regierung, die für Wirtschaftshilfe und humanitäre Unterstützung armer Länder verantwortlich ist, hat für eine halbe Million vertriebener Personen in El Salvador Unterkünfte, Medikamente, Arbeitsplätze und Lebensmittel
beschafft.

Im Rahmen eines AID-Gesundheitsprogramms erhielten 160 000 Per-

sonen dieser Gruppe 370 000 Impfungen gegen übertragbare Krankheiten.
Ferner wurden zahlreiche Straßen und Brücken, die von der Guerilla zerstört wurden, wieder hergerichtet, damit Produktion und Handel, Beschäftigung und Dienstleistungen weitergehen können.

Eine reparierte Brücke bedeu-

tet häufig, daß ein Kleinbauer seine Erzeugnisse auf den Markt bringen kann.
Diese Art der Hilfe für El Salvador machte den Unterschied aus zwischen wirtschaftlichem überleben und wirtschaftlichem Zusammenbruch.
Die wirtschaftliche und humanitäre Hilfe der USA für dieses mittelamerikanische Land ist unter der Reagan-Administration dreimal so groß wie die
Militärhilfe. Das Wirtschaftshilfe-Programm zielt darauf ab, den starken
wirtschaftlichen Verfall und die daraus resultierende Arbeitslosigkeit zu
bremsen, unter denen das Land während der letzten drei Jahre gelitten hat.
Ein weiteres Ziel dieser Unterstützung ist der Wiederaufbau und das Funktionieren der von der Guerilla zerstörten oder beschädigten öffentlichen
Dienste. Mit der Wirtschaftshilfe soll auch die Agrarreform fortgesetzt
werden, durch die zum ersten Mal in der Geschichte salvadorianische Kleinbauern zu Eigentümern des Landes werden, das sie bebauen. Ferner trägt diese Hilfe dazu bei, daß für Tausende die schlimmsten Leiden, verursacht durch
Gewalt, wirtschaftliche Härten und Vertreibung, gemildert werden.
Dies alles ist keine leichte Aufgabe.

Die Guerilleros waren erfolg-

reich bei der Zerstörung von Transformatorenhäusern

und anderen Anlagen

des Stromverteilungsnetzes, was immer wieder zu Stromausfallen - vor allem
im Osten des Landes - führte. Teile dieses Gesetzes waren während der letzten
zwei Jahre acht Monate lang ohne Strom.

Und dies bedeutet:

tät für Fabriken, Schulen, Krankenhäusern, Geschäfte.

- 2 -

keine Elektrizi-

Und oft bedeutet es

�bedeutet es auch: keine Wasserversorgung.

Diese Guerilla-Aktionen verlieren

aber auch jeden romantischen Schimmer, wenn dadurch Ärzte nicht mehr operieren oder ihre Patienten richtig behandeln können oder wenn ganze Gemeinden
über lange Zeiträume hinweg kein Trinkwasser mehr haben oder wenn Arbeitsplätze und Einkünfte verloren gehen, weil Industrieanlagen und Geschäfte wegen Mangels an Elektrizität geschlossen bleiben.
Um diesen Mißständen soweit wie möglich abzuhelfen, wurden im Rahmen
der amerikanischen Wirtschaftshilfe Generatoren in etwa 50 Orten in El Salvador
installiert - vor allem in Krankenhäusern, Schulen und kleinen Gemeinden, die
von diesen Angriffen am meisten betroffen wurden, damit die für das Leben notwendigen Einrichtungen auch weiterhin funktionieren können.
Langfristig zielen diese Programme auf ein sich selbst tragendes, auf
breiter Grundlage stehendes und gerechtes Wachstum innerhalb eines demokratischen Rahmens ab. Kurzfristig jedoch tragen die wirtschaftlichen und humanitären Unterstützungsprogramme der Vereinigten Staaten dazu bei, daß die
Bevölkerung El Salvadors überleben kann.

- 3 -

�31

3. August 1983

SCHWERWIEGENDE HUNGERPROBLEME IN AFRIKA
Nahrungsmittel Versorgung in der übrigen Welt verbessert -

WASHINGTON - (AD) - Der Verbrauch von Nahrungsmitteln ist in Asien,
Lateinamerika und in den Nahostländern merklich angestiegen.
nehmen die Hungerprobleme immer ernstere Formen an.

Aber in Afrika

Dies erklärten der ame-

rikanische Landwirtschaftsminister John Block und der Direktor des US-Amtes
für Internationale Entwicklung (AID), M. Peter McPherson, vor dem außenpolitischen Ausschuß des amerikanischen Repräsentantenhauses.

Die Weltbevöl-

kerung habe in den vergangenen zehn Jahren stark zugenommen; dennoch betrage die Zahl der Menschen, die unter Hunger leiden, nach wie vor etwa 500
Millionen.
Die Anzahl der Einwohner Asiens, die unzureichend versorgt sind, sei,
so McPherson, dreieinhalbmal größer als in der übrigen Welt.

Insgesamt ge-

sehen aber sei der Prozentsatz der Bevölkerung, der zu wenig zu essen habe,
in diesem Erdteil kleiner als anderswo.

"Unsere Anstrengungen im Kampf gegen

den Hunger konnten mit dem Bevölkerungszuwachs mehr als Schritt halten, so
daß in Asien ein Fortschritt zu verzeichnen ist", meinte er.

Dagegen be-

stünden in Afrika jetzt schwerwiegende Hungerprobleme; dort sei ein großer
Anteil der Bevölkerung infolge der Kombination von Trockenheit, Unruhen und

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Telex: 8-85432

�Unruhen und niedriger Produktion von Nahrungsmitteln ständig unter- bzw.
fehl ernährt. Außerdem sei der Bevölkerungszuwachs in diesem Jahr fast doppelt so groß wie in Asien.
In allen von der AID unterstützten Ländern in Lateinamerika, in fünf
der acht asiatischen Länder und in sieben der acht Länder im Nahen Osten
sei der Kalorienverbrauch pro Kopf gestiegen.

"Nur in Afrika ist die Ten-

denz entgegengesetzt; der Kalorienverbrauch pro Kopf ging dort in einer Reihe

von Ländern zurück". Angesichts der Schwere und des Fortbestehens der

Dürre in Äthiopien werde die Regierung Reagan im Rahmen des Programms "Lebensmittel für den Frieden" im Haushaltjahr 1984 etwa drei Millionen Dollar
für Nahrungsmittelhilfe zusätzlich zur Lieferung von Nahrungsmitteln in Katastrophenfällen, die dem Bedarf entsprechend fortgesetzt werde, bereitstellen.

Im Jahr 1983 beläuft sich die Unterstützung Äthiopiens aus beiden Pro-

grammen auf 6,7 Millionen Dollar, berichtete ein Vertreter des AID.
Auch werden dem Katholischen Hilfsfonds 700 000 Dollar für den Transport
der Nahrungsmittel in jene äthiopischen Gebiete zur Verfügung gestellt, wo
die Hungersnot am größten ist. McPherson bemerkte, daß beträchtliche Nahrungsmittelmengen in äthiopischen Häfen festlägen und wegen der sehr mangelhaften Infrastruktur ihre Bestimmungsorte nicht erreichen könnten. Laut Angaben eines anderen AID-Beamten habe die äthiopische Regierung darum ersucht,
mindestens zwei Monate lang keine Nahrungsmittel lieferungen zu ihren Häfen
zu schicken.
AID-Direktor McPherson schlug vor, daß die Internationale Entwicklungsgesellschaft - eine Tochtergesellschaft der Weltbank, die armen Ländern Hilfe zu sehr günstigen Bedingungen gewährt - das Gebiet südlich der Sahara
mehr unterstützt und gleichzeitig Kredite für
höhere Entwicklungsstufe erreicht haben.

Länder kürzt, die bereits eine

Landwirtschaftsminister Block

äußerte sich dahingehend, daß das Hauptproblem bei der Bekämpfung des Hungers in der Welt in der Verteilung der Nahrungsmittel und der Fähigkeit der
Länder liege, für Nahrungsmittel bezahlen zu können; im Grunde existiere je-

- 2 -

�existiere jedoch keine Nahrungsmittelknappheit.
"In der unmittelbaren Zukunft muß unsere Hilfe für diese (mit Nahrungsmitteln unterversorgten) Nationen auch Nahrungsmittelhilfe umfassen, bis sie
ihre eigene Produktion steigern oder andere Quellen zur Deckung ihres Bedarfs
nutzen können", erklärte Block,

"Wie in der Vergangenheit sind wir auch

künftig bereit, auf diese Notstände entsprechend zu reagieren."

Jedoch sei

es ein Kernpunkt der amerikanischen Politik, die Produktion und die Verteilungsmöglichkeiten in anderen Ländern zu verbessern, indem man diese Länder
an der amerikanischen Agrartechnologie teilhaben lasse.

Im Jahr 1982 hatten

die Vereinigten Staaten in 77 Ländern technische Hilfsprogramme laufen, mit
denen 800 Fachleute beschäftigt waren - davon 200 allein in Afrika.

In die-

ser Aufstellung sind nur Angestellte des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums berücksichtigt, jedoch nicht Personen, die für AID tätig sind.
Außerdem seien, wie Block weiter berichtete, im vergangenen Jahr 1800 ausländische Agrarfachleute in den Vereinigten Staaten ausgebildet worden.

Er rech-

ne zumindest in den nächsten 20 bis 30 Jahren nicht mit einer Nahrungsmittel Verknappung.

+ + + + +

- 3 -

�»

T

Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

31

3. August 1983

NEUARTIGER BESCHLEUNIGER FÜR STANFORD-FORSCHUNGSZENTRUM
- Hauptprojekt: Erforschung der "schwachen Kraft" -

- (AD) - Für den Bau eines neuartigen Teilchenbeschleunigers am kernphysikalischen Forschungszentrum der Stanford-Universität (Kalifornien)
stellt die US-Regierung zunächst 32 Millionen Dollar zur Verfügung. Die
Gesamtkosten werden auf 112 Millionen Dollar veranschlagt.

Prof. W.

Panofsky, der Direktor des "Stanford Linear Accelerator Center" (SLAC Linearbeschleuniger-Institut der Stanford-Universität), schätzt, daß der
Beschleuniger 1986 in Betrieb genommen werden kann.

Die neue Maschine trägt

die Bezeichnung "SLAC Linear Collider" (abgekürzt SLC).
Sie soll u.a. dem Studium der sog. schwachen Kraft dienen, deren elektrisch neutraler Träger, Z-Boson genannt, vor ein paar Wochen am CERN-Forschungszentrum in Genf erstmals nachgewiesen werden konnte. Während jedoch
bei den Experimenten in Genf Protonen mit Antiprotonen zur Kollision gebracht
wurden, sollen im SLC stark fokussierte Strahlen von Elektronen und Positronen
aufeinanderprallen.

Dieses Prinzip zur Sondierung nuklearer Kräfte und

subatomarer Teilchen ist nicht neu.

Seine Anwendung erwies sich in den

letzten zehn Jahren als eine der erfolgreichsten Methoden für Experimente
in der Teilchenphysik.

Jedoch wird SLC diese Kollisionen mit der größten

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Telex: 8-85432

�der größten Energie erzeugen, die es bisher auf der Welt gibt.

Und ebenso

bemerkenswert ist die neue Technik, die für die Kollisionsphase angewandt
wird.
Zur Zeit ist es üblich, diese Kollisionen über Speicherringe zu erreichen.

Magnete halten die beiden Strahlen (Elektronen und Positronen als

deren Gegenstück aus der Welt der sog. Antimaterie) in der kreisförmigen
"Rennbahn", wobei sie einander jede Minute mehrere Millionen Mal durchdringen.

Die dabei entstehenden Reaktionen werden erfaßt und ausgeweitet.
Der neue Teilchenbeschleuniger arbeitet nach dem Prinzip, energiereiche

Strahlen von Elektronen und Positronen aus der 3200 m langen Bahn des Elektronenbeschleunigers zu einer Ringbahn zu "biegen" und sie auf einem mikroskopisch kleinen Punkt zu konzentrieren.

Wenn diese Teilchen gegensätzlicher

Ladung aufeinanderprallen, werden sie in einer ungeheuer energiereichen Reaktion vernichtet, aus der neue Kombinationen subatomarer Teilchen hervorgehen.

Beim "Linear Collider" entspricht die Häufigkeit der Kollisionen nur

etwa einem Tausendstel jener in den Ringbeschleunigern.

Jedoch wird dieser

Nachteil mehr als aufgewogen durch die Tatsache, daß die Strahlen durch
einen Kollisionspunkt gehen, der viele Tausend Mal kleiner ist,als es im
Speicherring möglich wäre.
Nach wie vor sind Speicherringe für kollidierende Partikel strahlen bei
niedrigeren Energien am ergiebigsten. Geht es jedoch um höhere Energien,
müßten die Ringe sehr viel größer konstruiert werden, um die Energieverluste
auszugleichen, die sich beim Umlenken der Strahlen in eine kreisförmige Bahn
ergeben. Ein Speicherring für die Größenordnung der im SLC-Beschleuniger
erzeugten Energie müßte einen Umfang von ca. 24 000 m haben und würde mehr
als 500 Millionen Dollar kosten. Die SLC-Maschine dagegen ist sehr viel
billiger u-nd hat auf dem derzeit verfügbaren Gelände Platz.
Zur Erzielung der höheren Energien, die man von der nächsten Generation
der Elektronen-Positronen-Maschinen erwartet, dürfte das dem "Linear Collider"
zugrunde liegende Arbeitsprinzip eine wichtige Rolle spielen.

Es wurde von

�Es würde von Nobelpreisträger Burton Richter, dem technischen Direktor von
SLAC, entwickelt, der auch das SLC-Projekt in die Wege leitete. Zum experimentellen Programm für SLC wird ein besonders interessantes Kapitel der
Hochenergiephysik gehören.

Denn bei Kollisionen in diesem Energiebereich

wird die sogenannte schwache Kraft auffälliger sein als die elektromagnetische Kraft, die bei niedrigeren Energien dominiert. Z-Teilchen, die kürzlich entdeckten Träger der schwachen Kraft, werden in solchen Kollisionen
direkt erzeugt. Täglich könnten Tausende erfaßt werden, was ein genaues
Studium ihrer Natur ermöglichte.
Mit der Realisierung des neuen Projekts sind erhebliche Umbauten am
SLAC-Linearbeschleuniger verbunden, damit dessen Energieleistung um etwa
60 Prozent gesteigert werden kann. Neue Computeranlagen werden den Partikelstrahl präzise steuern. Zwei kleine Dämpfungsringe, die im Anfangsbereich
des Linearbeschleunigers unterirdisch installiert werden, sollen den Querschnitt des Strahls schon vor der Beschleunigung verringern. Zu den größten neuen Anlagen zählen unterirdische, bogenförmig angelegte Magnete, die
die Elektronen- und Positronenstrahlen zum Kollisionspunkt am Ende der Anlage dirigieren.
Im Verlauf der letzten zwei Jahre wurden sorgfältige Untersuchungen
über mögliche Einflüsse des neuen SLC-Beschleunigers auf die Umgebung durchgeführt.

An den Erörterungen nahmen auch Vertreter benachbarter Gemeinden

sowie von Umweltschutz-Organisationen teil.

Entgegen den ursprünglichen

Plänen wurde, zum großen Teil wegen der von diesen Gruppen vorgebrachten
Bedenken, der für die neue Experimentierhalle vorgesehene Standort geändert.

+ + + + +

- 3 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Probleme Mittelamerikas erfordern umfassende, regionale Lösung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Schreiben an die Präsidenten der CONTADORA-Staaten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bush umreißt Ziele der Mittelamerikapolitik der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Vizepräsidenten vor Gouverneuren -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan unterstreicht Bedeutung der Schlussakte von Helsinki&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Proklamation zum Tag der Menschenrechte -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Handelsminister: Günstige Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Baldrige unterstreicht positive Auswirkung auf die Weltwirtschaft -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA und Sowjetunion erzielen Einigung über neues Getreideabkommen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Weißen Hauses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Wirtschaftshilfe in El Salvador: Worüber nicht berichtet wird&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Peter McPherson, AID-Direktor -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schwerwiegende Hungerprobleme in Afrika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Nahrungsmittelversorgung in der übrigen Welt verbessert -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neuartiger Beschleuniger für Stanford-Forschungszentrum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Hauptprojekt: Erforschung der "schwachen Kraft" -&lt;/em&gt;</text>
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mIER

Information
und
Dokumentation

1 1*1 ^

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United States Information Service
Embassy of the United States of America

27. J u l i 1983

30
INHALT

DOKUMENTATION
Erklärung Reagans zur US-Wirtschaftsinitiative im Karibischen Becken
- Repräsentantenhaus verabschiedet Förderungs-Gesetze INFORMATION
Robert McFarlane neuer US-Sonderbotschafter für den Nahen Osten
WIRTSCHAFT
Verbesserte Wirtschaftslage und umfassende Zusammenarbeit halfen Chrysler
- Von unserem Korrespondenten Sam Burks HINTERGRUNDMATERIAL
Mittelamerika:

Eine amerikanische Krise

- Von Nestor Sanchez Hintergrundpapier des State Department

zu El Salvador

USA wollen Gesundheitswesen in El Salvador verbessern
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Start und Landung bei Nacht
- Raumfähren-Astronauten sehen keine besonderen Probleme Solarkraftwerk mit Nachtspeicher
- Versuchsanlage SOLAR ONE bringt höhe Leistung -

Um Über/encJung von
Belegexemplaren
wird gebeten

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Telex: 8-85432

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Dokumentation

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»

30

United States Information Service
Embassy of the United States of America

' 27. Juli 1983

ERKLÄRUNG REAGANS ZUR US-WIRTSCHAFTSINITIATIVE IM KARIBISCHEN BECKEN
- Repräsentantenhaus verabschiedet Förderungs-Gesetze -

WASHINGTON - (AD) - In einer schriftlichen Erklärung an das Repräsentantenhaus unterstrich Präsident Reagan die positive Bedeutung der Gesetze,
die am 14. Juli 1983 im Rahmen einer Steuer- und Handelsinitiative für das
Karibische Becken verabschiedet wurden, und drängte gleichzeitig den Kongreß,
diesen gesetzgeberischen Prozeß rasch zu einem Abschluß zu bringen.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich bin erfreut über die heutigen Maßnahmen des Repräsentantenhauses
hinsichtlich der Handels- und Steuerbestimmungen der Initiative für das
Karibische Becken.

Obgleich die Verabschiedung länger dauerte, als ich ge-

hofft hatte, ist die heutige Abstimmung doch ein riesiger Schritt vorwärts.
Ich gratuliere dem Vorsitzenden des Ausschusses für Haushaltsfragen, Dan
Rostenkowski, sowie den Mitgliedern des Repräsentantenhauses für die überparteiliche Zusammenarbeit, die sie zeigten, als sie sich um die Stabilität
und den Fortschritt einiger unserer engsten Nachbarn bemühten.
Die Sicherheit

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�Die Sicherheit und das Wohlergehen der Menschen der Karibik liegen in
einem hohen Maß im Interesse der Vereinigten Staaten.

Die Region stellt in

der Tat die dritte Grenze unseres Landes dar, und ihr wurde allzu lange nicht
die Aufmerksamkeit zuteil, die ihr gebührt.

Die heutige Abstimmung des

Repräsentantenhauses ist ein Signal für all jene, die davon betroffen sind,
daß wir die vitale Bedeutung der Karibik erkennen und bereit sind, unserer
Verantwortung nachzukommen.
Seit der ersten Vorlage gab es bei diesen Gesetzesentwürfen eine Reihe
von Veränderungen, aber im Kern ist der Vorschlag intakt geblieben.

Mittels

Steuer- und Handelsanreizen werden Energie und Kreativität des privaten Sektors bei den wirtschaftlichen Herausforderungen ans Werk gehen, vor denen unsere Freunde und Nachbarn in der Karibik stehen.

Die Initiative für das

Karibische Becken wird als Katalysator des Fortschritts dienen und den Menschen dieser Region eine Fülle neuer Möglichkeiten bieten.
Ich hoffe, daß der Kongreß die verbleibenden gesetzgeberischen Schritte
nunmehr rasch hinter sich bringen wird, damit dieses so wichtige Stück Gesetzgebung in Kraft treten kann.

+ + + + +

�27. Juli 1983

30

ROBERT MCFARLANE NEUER US-SONDERBOTSCHAFTER FÜR DEN NAHEN OSTEN

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 22. Juli 1983 Robert C.
McFarlane zum neuen Sonderbotschafter und zu seinem persönlichen Beauftragten für den Nahen Osten ernannt. Er tritt die Nachfolge von Philip Habib
an, der ins Privatleben zurückkehrt. McFarlane wird in etwa zehn Tagen in
den Nahen Osten fliegen.
McFarlane ist seit mehreren Jahren im Weißen Haus tätig.

Seit Januar

1982 war er stellvertretender Berater des Präsidenten für Fragen der nationalen Sicherheit.

Er wird diese Position auch neben seiner Tätigkeit als

persönlicher Beauftragter Reagans im Nahen Osten beibehalten.
McFarlane, der 46 Jahre alt ist, gehörte von 1979 bis 1981 dem Stab
des Streitkräfteausschusses des amerikanischen Senats an. Zuvor hatte er
an der National Defense University in Washington For§chungsaufgaben durchgeführt. Von 1972 bis 1975 war er Militärberater Kissingers im Weißen Haus.
McFarlane hat in der amerikanischen Marine gedient.

Er absolvierte

die amerikanische Marineakademie und studierte in Genf.
Präsident Reagan

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�Präsident Reagan gab die Neuernennung bekannt, als er den libanesischen
Präsidenten Amin Gemayel in Washington verabschiedete. Gleichzeitig würdigte er die hervorragenden Leistungen Habibs während der vergangenen acht Monate.

�27. Juli 1983

30

VERBESSERTE WIRTSCHAFTSLAGE UND UMFASSENDE ZUSAMMENARBEIT HALFEN CHRYSLER
- Von unserem Korrespondenten Sam Burks -

WASHINGTON - (AD) - Eine verbesserte Wirtschaftslage, der Wandel auf
dem Weltölmarkt, eine drastische, doch wirksame Reorganisation, Hilfe der
amerikanischen Regierung, Zusammenarbeit zwischen Banken und Lieferfirmen,
Opfer der Beschäftigten - all dies trug dazu bei, daß Chrysler in wenig
mehr als drei Jahren auf eindrucksvolle Weise einen Bankrott verhinderte,
an dessen Rand die Firma gestanden hatte. Vertreter der Reagan-Administration verweisen insbesondere auf eine starke Wiederbelebung der amerikanischen
Wirtschaft, auf Zugeständnisse der Arbeitnehmerschaft und auf den Rückgang
der öl preise und der Zinsen.
In Reaktion auf die von Chrysler angekündigten Pläne, rund 800 Millionen Dollar an ausstehenden - und von der Regierung gedeckten - Darlehen
bis zum 30. September dieses Jahres zurückzuzahlen - sieben Jahre früher, als
die Firma dies dem Gesetz nach hätte tun müssen-, sagte Finanzminister
Donald T. Regan am 13. Juli vor Reportern:
"Dieses Ereignis

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�"Dieses Ereignis ist nicht nur ein Beweis für die einzigartigen und
außergewöhnlichen Ergebnisse des Umschwungs bei Chrysler, sondern ist zugleich greifbarer Beweis für den zunehmenden Schwung der Wiederbelebung
in der Automobilindustrie und damit in der Wirtschaft insgesamt.

Die Ar-

beitnehmer der Firma Chrysler verdienen großes Lob für ihre Hingabe und
Entschlossenheit, die Firma wieder auf die Beine zu stellen."
Während die Revolution im Iran 1979 und der darauffolgende Anstieg
der Weltölpreise dazu beitrugen, Chrysler auf einen Bankrott zuzutreiben,
halfen der derzeitige ölüberschuß, der Rückgang der ölpreise und der Zinsen,
daß es der drittgrößten Autofirma des Landes nun wieder besser geht.
Kenner der Autoindustrie führen einen Großteil des Wiederaufschwungs
der Firma auch auf Lee A. Iacocca, den Chrysler-Vorstandsvorsitzenden, zurück.

Wie Iacocca Chrysler über den Berg brachte, ist die Geschichte einer

offenkundig erfolgreichen Umwandlung einer der größten amerikanischen Gesellschaften, die vor gerade vier Jahren Verluste von 1,1 Milliarden Dollar
bekanntgeben mußte.
Zugleich ist es die Geschichte der größten Unterstützung, die eine Regierung der Vereinigten Staaten jemals für eine in Not geratene Privatfirma
zur Verfügung stellte.
1979 genehmigte der Kongreß angesichts eines voraussehbaren Verlusts
von rund 600 000 Arbeitsplätzen, die direkt oder indirekt mit Chrysler in
Verbindung standen, 1,5 Milliarden Dollar an Bundesdarlehen, um den zusammenbrechenden Autohersteller zu retten.

Aus dieser Gesamtsumme bediente sich

Chrysler mit insgesamt 1,2 Milliarden Dollar - und zahlte 400 Millionen davon
bereits im Juni dieses Jahres zurück.
Ganz oben auf der Rezeptliste Iacoccas für die Wiederbelebung Chryslers
stand eine drastische Beschneidung der Betriebskosten. Er brachte Gewerkschaftsvertreter und Arbeiter dazu, einer 1,1 Mi 11iarden-Dol1ar-Verringerung
- 2 -

�1,1 Mil 1 iarden-Dollar-Verringerung der Löhne und Vergünstigungen im Tausch
gegen Aktienoptionen und Preisnachlässe
stimmen.

beim Kauf von Chrysler-Autos zuzu-

Lieferfirmen akzeptierten verlängerte Zahlungsfristen, gewährten

Preisvergünstigungen und kauften Schuldverschreibungen von Chrysler in Höhe
von rund 73 Millionen Dollar.

Als Gegenleistung garantierte ihnen Chrysler

ein Jahresgeschäft von 6 Milliarden Dollar, und sie verhinderten dadurch
einen Verlust von rund 1 Milliarde Dollar an ausstehenden Rechnungen.
Iacocca brachte auch die Banken dazu, die Fälligkeitsdaten von Darlehen
zu verschieben, die Zinssätze zu senken und schließlich sogar 1,1 Milliarden
Dollar an Darlehen abzuschreiben.

Als Ausgleich erhielten sie 589 Millionen

Dollar an Chrysler-Stammaktien und sicherten damit auch rund 4 Milliarden
Dollar, die sie als Darlehen an Chryslers Finanzierungsgesellschaft gegeben
hatten (die Autokäufe von Kunden und Händlern finanziert).

Auch die Aktio-

näre halfen Chrysler, indem sie ein Einfrieren der Dividenden akzeptierten
- in Erwartung größerer finanzieller Rückläufe in der Zukunft.
Die Regierung des Bundesstaates Michigan und anderer Produktionszentren
von Chrysler konnten dazu gebracht werden, der Gesellschaft 200 Millionen
Dollar an Darlehen zu gewähren, die durch Vermögenswerte gesichert waren.
Dafür wurden Tausende von Arbeitsplätzen erhalten, die Zahlungsn von Arbeitslosengelder verringert und rund 95 Millionen Dollar an Zinsen verdient.
Die Reorganisation Iacoccas erbrachte eine Gesellschaft, die weit kleiner ist als vor vier Jahren:

Nunmehr sind es 68 000 Arbeitnehmer - im Ver-

gleich zu 131 000 im Jahr 1979; die Produktionskapazität sank von nahezu
2,4 Millionen Wagen im Jahr 1979 auf rund 1,7 Millionen; gegenüber den fünf
Basistypen des Jahres 1979 gibt es jetzt nur noch drei Basistypen; und die
Zahl der Händler ging von 5800 im Jahr 1979 auf nur noch derzeit 3700 zurück.
Um der wachsenden Nachfrage in den Vereinigten Staaten nach kleinen,
benzinsparenden Autos gerecht zu werden, führte Iacocca die neuen "K"-Typen
ein - Autos mit Frontantrieb, die beim gleichen Benzinverbrauch fast doppelt
so viele Kilometer fahren konnten wie die bisherigen Chrysler-Autos.
- 3 -

Außer-

�Außerdem gab es umfangreiche Verbesserungen bei der Qualität - wie sich
beispielsweise in Chryslers revolutionärer 5-Jahres-Garantie (oder 80 000
km-Garantie) auf alle Wagen zeigte.
Als dann die ölpreise zurückgingen, befriedigte Iacocca rasch die wachsende Nachfrage nach größeren, familiengerechten Autos.

Er hielt Chryslers

anspruchsvolles "New Yorker"-Modell zurück und führte stattdessen

das erste

Band-Kabriolett der Branche ein.
Kenner der Autoindustrie waren erstaunt, wie rasch Chrysler schon 1932
in die Gewinnzone zurückkehrte.
1980 um 23 Prozent.

1983 wuchsen die Inlandsverkäufe gegenüber

Und dieser Trend hält unvermindert an.

Berichten von

Chrysler zufolge stiegen die Verkäufe zwischen dem 1. und 10. Juli dieses
Jahres um 51 Prozent an - der größte Anstieg unter den sogenannten "Großen
Drei" der amerikanischen Automobilindustrie.
Iacocca selbst führt Cryslers bemerkenswerten Wiederaufstieg auf "gleiche
Opfer" von Arbeitnehmern, Management, Regierung, Zulieferfirmen, Darlehensgebern und Aktionären zurück.
"Was oft vergessen wird", sagte er auf einem Essen im National Press
Club in Washington am 13. Juli 1983, "sind die 2,2 Milliarden Dollar, die
die übrigen (also nicht die Regierung) aufbrachten, um die Gesellschaft am
Leben zu erhalten.

Und das waren natürlich die Arbeiter und die Angestell-

ten, die Lohneinbußen akzeptierten; die Bundesstaaten, die uns Geld liehen;
sowie die Banken, die Zulieferer und die Händler - all jene also, für die es
wirklich um etwas ging.

Unser ganzes Programm gründete sich also auf eine

Gleichheit der Opfer, weil jedermann etwas anbot - etwas Wichtiges."
Und er meinte zum Schluß:

"Wir sind dabei, Chrysler wieder zu einer

erfolgreichen privaten Gesellschaft zu machen, die selbst zurechtkommt."

+ + + + +•'

- 4-

�27. Juli 1983

30

MITTELAMERIKA: EINE AMERIKANISCHE KRISE
- Von Nestor Sanchez -

Nestor Sanchez ist stellvertretender
Unterstaatssekretär für interamerikanische
Angelegenheiten im amerikanischen Verteidigungsministerium.
Der Artikel erschien am 15. Juli 1983 in
der "Washington Times."

Wir wissen alle ganz genau, daß die mittel amerikanischen und karibischen
Schiffahrtswege für die Sicherheit und das wirtschaftliche Wohlergehen der Vereinigten Staaten von entscheidender Bedeutung sind.

Fast die Hälfte des ame-

rikanischen Handels, zwei Drittel unseres importierten üls sowie viele strategische Materialien gehen durch den Panamakanal oder den Golf von Mexiko.
Während eines Krieges würden 50 Prozent unseres Nachschubs für die NATO aus
Häfen des Golfs kommen.
Woher stammt die Bedrohung der amerikanischen Interessen?

Sie rührt

aus der zunehmenden sowjetischen Präsenz und Einflußnahme sowie aus der ku-

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Telex: 8-85432

�der kubanischen und nicaraguanisehen Aufrüstung her.

In Kuba gibt es eine

sowjetische Brigade in der Nähe von Havanna mit 3000 Mann. Moskau hat 2500
militärische und 8000 zivile Berater in Kuba. Die sowjetische Wirtschaftshilfe für Kuba ist ständig gewachsen - es sind nunmehr gut über vier Milliarden Dollar, wahrscheinlich sogar an die fünf Milliarden Dollar im Jahr.
Die vielen modernen sowjetischen Flugzeuge, die in Kuba ankommen, die
Panzer, Schiffe, Unterseeboote - die ganze militärische Kapazität, die dort
aufgebaut wird, geht weit über alle Verteidigungserfordernisse dieser Insel
hinaus*.

In der Tat geben die Aufrüstung Kubas, seine Kampferfahrung und

seine umfassende Ausbildung - zu der jüngst auch amphibische Übungen kamen dem Land die Möglichkeit, seine Macht mit sowjetischer Hilfe in die Karibik
und anderwärts zu projizieren.
Was ist in Nicaragua geschehen? Auch die nicaraguanisehe Aufrüstung
hat innerhalb der vergangenen zwei Jahre stattgefunden. Die Sandinisten
haben bereits die größte Landstreitmacht in der Geschichte Mittelamerikas
aufgestellt. Dazu gehören derzeit 25 000 aktive Soldaten sowie 50 000 Reservisten und Milizangehörige. Ein Angehöriger der Sandinisten hat zugegeben, daß es dort derzeit bei den Streitkräften, bei der Reserve, bei Miliz,
Polizei und Sicherheitskräften 138 000 Mann gibt und daß geplant ist,
auf 250 000 Mann aufzustocken.
Auch die Sandinisten bekommen weiterhin beträchtliche Mengen an militärischer Aufrüstung, einschließlich Panzer. Kuba hat heute etwa 7500 Berater und Sicherheitsberater in Nicaragua. Zudem gibt es zahlreiche Berater
aus der Sowjetunion, Ostdeutschland, Bulgarien, Nordkorea, von der PL0 und
aus Libyen.
Welche Auswirkungen hat die wachsende sowjetisch-kubanisch-nicaraguanische Bedrohung?
Erstens würden

- 2 -

�Erstens würden dadurch der UdSSR Militärbasen und -anlagen in der Region ermöglicht, die den Sowjets beträchtliche militärische Vorteile einbrächten.

Die Vereinigten Staaten könnten gezwungen werden, Ressourcen aus

anderen Teilen der Welt abzuziehen, um ihre südliche Grenze zu schützen.
Wir können auch nicht einfach das Problem der Flüchtlinge übersehen,
die wir aus diesem Teil der Welt erhalten könnten, sollten wir zulassen,
daß sich in diesen Ländern kommunistische Regime entwickeln.
Ich bin jedoch der Überzeugung, daß folgende Tatsache am bedeutsamsten
ist:

Sollten wir dabei versagen, angemessen auf diese Bedrohung zu reagie-

ren, so wäre die Glaubwürdigkeit der Vereinigten Staaten weit über Mittelamerika hinaus beeinträchtigt.
Angesichts dieser Bedrohung amerikanischer Interessen und der Folgerungen aus dieser Bedrohung
len.

muß die Frage gestellt werden, was wir tun sol-

Trotz der Kritik, daß diese Administration eine militärische Lösung

verfolgt bzw. den Versuch hierzu unternimmt, zeigen die Tatsachen deutlich,
daß die amerikanische Hilfe im Verhältnis von 3 : 1 wirtschaftlicher, nicht
militärischer Natur ist.
Wir sind jedoch der Meinung, daß Sicherheitshilfe absolut notwendig
ist, um einen Schutzschild zu bieten, damit unsere grundlegenden Ziele nämlich Demokratie, Reform, menschliche Freiheit und wirtschaftliche Entwicklung sowie Sicherheit für die bedrohten Nationen der Region - erreicht
werden können.
Die Sicherheitshilfe soll den einzelnen Ländern dabei helfen, sich
selbst mit Hilfe von Programmen zu verteidigen, die ihren Bedürfnissen angepaßt sind.

Wir versuchen nicht, umfangreiche Streitkräfte aufzustellen

wie jene in Kuba und Nicaragua, die die Region destabilisieren und umfangreiche und anhaltende Unterstützung von außen benötigen.

Es ist amerika-

nische Verteidigungspolitik, die amerikanische Militärpräsenz so niedrig

- 3 -

�so niedrig wie möglich zu halten.
Wie der Präsident zu wiederholter Gelegenheit festgestellt hat, brauchen
unsere Freunde in Mittelamerika keine amerikanischen Kampftruppen.

Sie brau-

chen unser Material, unsere Ressourcen und Hilfe, um ihre Streitkräfte auszubilden.
Unsere Sicherheitshilfe für El Salvador bestand bislang darin, während
des vergangenen Jahres drei Bataillone sowie eine Reihe anderer, kleinerer
Einheiten auszubilden.

Wir haben nicht so viel getan, wie wir geplant hat-

ten und gewünscht hätten.

Um dies zu tun, mangelte es uns an Ressourcen.

Wir haben etwa 10 Prozent der salvadorianischen Streitkräfte ausgebildet.
Mit dem Geld, um das wir den Kongreß für dieses Haushaltjahr ersucht haben ein Paket von unsgesamt 110 Millionen Dollar -, wären wir in der Lage, bis
zu 50 Prozent dieser Streitkräfte auszubilden.
Wir tun so viel, wie es uns die Ressourcen gestatten, um unseren Freunden in Mittelamerika zu helfen.

Unsere Sicherheitshilfe für ganz Latein-

amerika, lassen Sie mich dies unterstreichen, beträgt nur zwei Prozept dessen, was wir insgesamt weltweit ausgeben.

Die Beiträge der Sowjetunion an

Sicherheitshilfe für diese Region beträgt

acht Prozent ihrer weltweiten

Sicherheitshilfe.
Wir gewähren dieser Region nicht genug Beistand, und wir sind unseren
Freunden in Lateinamerika gegenüber auch nicht dieselbe langfristige Verpflichtung eingegangen, die die Sicherheit unserer Verbündeten in weit entfernter gelegenen Regionen aufrechterhält.

+ + + + +

�30

27. Juli 1983

HINTERGRUNDPAPIER DES STATE DEPARTMENT ZU EL SALVADOR

WASHINGTON - (AD) - Das Büro für öffentliche Angelegenheiten im amerikanischen
Außenministerium hat dieser Tage folgendes Papier zu El Salvador veröffentlicht,
das nicht als eine Erklärung der US-Regierung, sondern als Hintergrundmaterial
gedacht ist.

Hintergrund: Bei der Verabschiedung des Gesetzes über die internationale
Sicherheit und die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Entwicklung aus dem Jahr
1981 hat der Kongreß festgestellt, daß eine "friedliche und demokratische
Entwicklung" in Mittelamerika im Interesse der Vereinigten Staaten liege und
daß "eine wesentliche Unterstützung El Salvadors" notwendig sei, um die Not
der dortigen Bevölkerung zu lindern und die wirtschaftliche Wiedergesundung
des Landes im Rahmen eines friedlichen und demokratischen Prozesses zu fördern.

Das Gesetz macht die Gewährung von Sicherheitshilfe an El Salvador in

den Haushaltsjahren 1982 und 1983 abhängig von der Bestätigung des Präsidenten, die in Abständen von 180 Tagen gegeben werden muß, daß die Regierung
El Salvadors:
- "gemeinsame und

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�- "gemeinsame und bedeutsame Anstrengungen macht, um den international
anerkannten Menschenrechten zu entsprechen";
- "eine wesentliche Kontrolle über...

ihre Streitkräfte ausübt";

- "kontinuierliche Fortschritte bei der Verwirklichung wichtiger wirtschaftlicher und politischer Reformen, einschließlich des Bodenreformprogramms, macht";
- "sich der Abhaltung von Wahlen zu einem frühen Datum verpflichtet hat."
Ferner wird durch Zusätze zu diesem Gesetz ein Bericht verlangt, der aufzeigen soll, welche Fortschritte erzielt wurden, um die Mörder mehrerer amerikanischer Bürger vor Gericht zu bringen.
Am 20. Juli 1983 unterbreitete der amerikanische Außenminister, dem der
Präsident diese Aufgabe übertragen hatte, dem Kongreß den vierten Bestätigungsbericht.

In seinem Begleitschreiben wies der Außenminister darauf hin,

daß die gesetzlichen Kriterien zwar erfüllt seien, daß aber die Gesamtbilanz
nicht die umfassenden Fortschritte aufzeige, die nach Ansicht des Kongresses
und der Regierung für die Entwicklung einer gerechten und demokratischen Gesellschaft in El Salvador notwendig seien.

"Die Entwicklung einer Demokratie

ist ein langwieriger und schwieriger Prozeß, insbesondere, wenn es konzertierte Anstrengungen gibt, um dies zum Scheitern zu bringen", heißt es in dem
Schreiben des amerikanischen Außenministers.

"Unsere Enttäuschung über das

Tempo des Wandels sollte aber nicht den Blick dafür trüben, daß es tatsächlich einen solchen Wandel gibt."
Amerikanische Politik: Es ist amerikanische Politik, zu einem Prozeß
der Aussöhnung zu ermutigen, der sich auf sich entwickelnde demokratische
Institutionen und auf wirtschaftliche Reform gründet, während gleichzeitig
die Anstrengungen El Salvadors gefördert werden, sich gegen eine von außen
unterstützte Guerilla zu schützen. Präsident Reagan verwies während seines

- 2 -

�während seines Mittelamerika-Besuches im Jahr 1982, in seiner Rede vor beiden
Häusern des Kongresses am 27. April sowie in seiner Rede am 18. Juli vor der
Internationalen Hafenarbeitervereinigung auf diese Politik - einschließlich
einer nachhaltigen Unterstützung der Menschenrechte.

Im Haushaltsjahr 1982

betrug die amerikanische Wirtschaftshilfe 189 Millionen Dollar, die Sicherheitshilfe 82 Millionen Dollar.
Bestätigungsbericht vom Juli 1983: Während der vergangenen sechs Monate
faßte der Demokratisierungsprozeß in El Salvador Fuß, indem die größten historischen Hindernisse der Unterentwicklung, der Mißherrschaft durch militärische
und wirtschaftliche Eliten sowie - in jüngerer Zeit - des kommunistisch unterstützten Aufruhrs überwunden wurden.

Der Fortschritt in Richtung auf eine

Beendigung der Gewalt gegen Zivilisten und auf eine Kontrolle aller Elemente
der Streitkräfte war weniger evident.

Die salvadorianische Regierung inten-

siviert ihre Schritte zu einer größeren Respektierung der Menschenrechte und
zur Beseitigung von Mißbräuchen - insbesondere von Elementen der Streitkräfte
und der Sicherheitskräfte -, aber ihre Fähigkeit zur Kontrolle dieser Instituionen ist noch nicht umfassend.

Die Fortschritte in den Fällen ermordeter

amerikanischer Bürger waren enttäuschend - in großem Maß aufgrund der eben
genannten Probleme.
Menschenrechte und Streitkräfte:
denen ermordeten Zivilisten,

Die Zahl der der Presse bekanntgewor-

deren Tod auf politische Gewalt zurückgeführt

werden kann, stieg gegenüber dem zweiten Halbjahr 1982 - mit 160 Toten im
Monat - auf 177 Tote im Monat während des ersten Halbjahres 1983. Diese Zahlen stehen jedoch im Gegensatz zu den über 300 monatlichen Toten gegen Ende
des Jahres 1981 und Anfang 1982. Das Verschwinden von Zivilisten - soweit
es der Presse bekannt wurde - lag gegenüber dem letzten Bestätigungsbericht
etwa auf gleicher Höhe - allerdings weit unter dem vorausgegangenen Umfang.
Die Verfassungsgebende Versammlung verabschiedete einstimmig ein Amnestieprogramm - und verlängerte es über das ursprünglich vorgesehene Datum, den 16.
Juli 1983, hinaus -, demzufolge über. 500 der annähernd 730 Gefangenen, die im
Rahmen des Gesetzes Nr. 507 verhaftet waren, freigelassen wurden.

- 3 -

Die Menschen-

�Die Menschenrechtskommission begann mit ihrer Arbeit und weitete ihre Tätigkeiten aus. Anweisungen der Regierung betonen ein korrektes Verhalten gegenüber den nicht an den Kämpfen Beteiligten sowie gegenüber Gefangenen und
betonen, daß Verletzungen der Menschenrechte untersucht und die sie übertretenden bestraft werden.

Die salvadorianische Regierung hat allerdings

ihre positiven Anstrengungen nicht mit einem eindeutigen Programm verbunden,
durch das jene ausfindig gemacht und bestraft werden können, die für Mißbräuche verantwortlich sind, die noch immer stattfinden.

Erbitterte Unruhen

und ein Zusammenbruch der Strafgerichtsbarkeit haben dieses Problem nur noch
verstärkt.

Mit amerikanischer Hilfe hat El Salvador mit einer umfassenden

Justizreform begonnen, die darauf abzielt, viele der überbrachten Probleme,
des Systems anzugehen.
Agrarreform:

Die Agrarreform von El Salvador - eine der umfassendsten,

die je in Lateinamerika versucht wurden - macht weitere Fortschritte.

Der

Zuteilungsprozeß beschleunigt sich,und die Wiedereinsetzung jener, die ungesetzlicher Weise von ihrem Besitz vertrieben wurden, wurde verstärkt betrieben.

Einschließlich der Familienmitglieder wurden über 500 000 Salvadorianer

- 18 Prozent der ländlichen Bevölkerung - entweder direkt oder als Mitglieder
von Kooperativen - Eigentümer/Betreiber des Bodens, auf dem sie einmal für
andere arbeiteten.
Politische Reformen:

Während der vergangenen sechs Monate hat El

Salvador Fortschritte bei der Stärkung demokratischer Institutionen gemacht.
Die Verfassungsgebende Versammlung war Hauptforum politischer Entscheidung
und Debatte und hat einen Entwurf für eine neue nationale Verfassung erar*beitet.

Die formelle Debatte über diesen Entwurf soll bald in der Versamm-

lung beginnen, die auch weiterhin als gesetzgeberische Körperschaft funktioniert, bis gemäß der neuen Verfassung eine neue gewählt werden kann.

Ein

weiterer wichtiger Meilenstein sollte noch in diesem Jahr erreicht werden die direkten Wahlen eines konstitutionellen Präsidenten.

Die politischen

Parteien wählen bereits Kandidaten aus, diskutieren über Parteiprogramme
und versuchen, die entsprechende Unterstützung zu erhalten.
Die Fälle
- 4 -

�Die Fälle amerikanischer Bürger:

Die salvadorianische Regierung unter-

nimmt ehrliche Anstrengungen, um jene vor Gericht zu bringen, die für den Tod
amerikanischer Bürger verantwortlich sind, wurde jedoch durch nachteilige Gerichtsentscheidungen dabei gehemmt.

Die Strafverfolgung von Angehörigen der

Sicherheitskräfte, die angeklagt sind, im Dezember 1980 vier amerikanische
Nonnen ermordet zu haben, dauert an, wenngleich langsam.

Keinen Fortschritt

gab es bilang in dem Verfahren gegen Leutnant Lopez Sibrian für seine Verwicklung in die Ermordung zweier amerikanischer Gewerkschaftler im Januar 1981,
wohingegen das Verfahren gegen zwei angeklagte Mitglieder der Nationalgarde
bis zur Hauptverhandlung gediehen ist. Zwei weitere Fälle, der Tod von John
Sullivan und das Verschwinden von Patricia Cuellar, werden noch immer untersucht.

Drei Angehörige der salvadorianischen Armee stehen noch immer unter

Arrest wegen der Ermordung von Michael Kl ine, und das Verfahren ist vor Gericht anhängig.

Die salvadorianische Regierung verfolgt alle Spuren im

Fall der Ermordung von Korvettenkapitän Albert A. Schauffei berger durch die
Volksbefreiungskräfte (FPL), eine

Fraktion der FDR-FMLN-Guerillabewegung in

El Salvador.

+ + + + +

- 5 -

�27. Juli 1983

30

USA WOLLEN GESUNDHEITSWESEN IN EL SALVADOR VERBESSERN

WASHINGTON - (AD) - Dem amerikanischen Kongreß liegt gegenwärtig ein
Vorschlag des US-Amtes für Internationale Entwicklung (AID) vor, mit dessen
Hilfe das Gesundheitswesen in El Salvador verbessert werden soll. Dieses
Projekt in Höhe von 25 Millionen Dollar ist ein neuer Abschnitt in der Wirtschaftshilfe, die die Vereinigten Staaten dem vom Bürgerkrieg heimgesuchten
El Salvador gewähren.
Bisher wurden die meisten Mittel des Amtes für Internationale Entwicklung für Projekte wie Bodenreform und wirtschaftliche Stabilisierung in El
Salvador zur Verfügung gestellt.

Nur etwa ein bis zwei Millionen Dollar

jährlich flössen Projekten des Gesundheitswesens in diesem Lande zu.
Der Vertreter des AID in El Salvador, John Massey, wies in diesem Zusammenhang darauf hin, daß sich die soziale Infrastruktur El Salvadors während der letzten Jahre verschlechtert habe.

Das Land habe zwar ein gutes

Gesundheitssystem, es fehle jedoch an den notwendigen Arzneimitteln und
vielerorts auch an den erforderlichen medizinischen Geräten und Instrumenten.
Daher könne die Bevölkerung in einigen Gebieten ärztlich kaum versorgt werden.
Die Mittel

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�Die Mittel für dieses neue amerikanische Projekt sollen nach der Bewilligung durch den US-Kongreß dem salvadorianischen Gesundheitsministerium
zur Verfügung gestellt werden.

Wie Massey sagte, sollen mit Hilfe dieser

Gelder die erforderlichen Arzneimittel beschafft, dem salvadorianischen Gesundheitsministerium Unterstützung bei der Erfassung und Verteilung gewährt
sowie ein Kontroll-Laboratorium eingerichtet werden, das sicherstellt, daß
die im Lande beschafften Arzneimittel den Erfordernissen entsprechen.

Fer-

ner soll ein Teil dieser Mittel dem Malaria-Programm in El Salvador zugute
kommen.

Malaria, so sagte Massey, sei in den Küstengebieten des Landes eine

weit verbreitete Krankheit, und die Salvadorianer verfügten gegenwärtig
über keine wirksamen Insektenvertilgungsmittel und hätten auch nur einen niedrigen Bestand an Medikamenten zur Verhütung und Behandlung dieser Krankheit.
Ferner will man im Rahmen dieses Projektes ein Computer-System einrichten,
das Aufschluß über den Verbleib der Arzneimittel gibt. Darüber hinaus sollen etwa 1200 Männer und Frauen eine weitere Ausbildung erhalten, die
Opfer des Bürgerkrieges betreuen.

+ + + + +

�30

27.Juli 1983

START UND LANDUNG BEI NACHT
- Raumfähren-Astronauten sehen keine besonderen Probleme -

- (AD) - Ob die amerikanische Raumfähre CHALLENGER zu ihrem nächsten
Flug, der am 20. August 1983 beginnen und fünf Tage dauern soll, tatsächlich
bei Nacht starten wird, ist noch nicht endgültig entschieden, jedoch geplant.
Kommandant Richard H. Truly rechnet aber fest damit, daß die Landung auf der
neuen Hartpiste des Kennedy-Raumflugzentrums nachts erfolgt.

"Wir haben

uns ausgiebig darauf vorbereitet", sagte er auf einer kürzlich abgehaltenen
Pressekonferenz.

"Die Beleuchtung am Kap Canaveral ist ausgezeichnet, ganz

ähnlich wie auf jedem Großstadtflughafen.

Wir haben genügend Scheinwerfer-

licht - hier wie auf allen Ausweichlandeplätzen."
Das Ausweichen auf den Edwards-Luftstützpunkt in Kalifornien für.die
Landung der CHALLENGER am Morgen des 24. Juni 1983 demonstrierte die Anpassungsfähigkeit der Astronauten wie die Flexiblität des Programms bei besonderen Gegebenheiten.

Nebelfelder am Boden und Wolkenschichten in 550, 4000

und 8000 m höhe ließen die zum ersten Mal in Florida am Kap Canaveral vorgesehene Landung als zu riskant erscheinen.

Sorgen bereiteten vor allem die

Altostratus-Wolken im 4000-m-Bereich, die besonders hohe Feuchtigkeitswerte

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�hohe Feuchtigkeitswerte aufwiesen und leichten Regen verursachten.

General-

leutnant James A. Abrahamson, der Direktor des Raumtransporterprogramms, befürchtete, daß der Regen womöglich wie ein Steinbombardement auf das Fluggerä't wirken könne. Allerdings gibt es in dieser Hinsicht noch keine Erfahrungswerte.
Die Flugdauer hätte, wäre ausschließlich das Wetter in Betracht zu
ziehen gewesen, um ein bis zwei Tage ausgedehnt werden können, um bessere
Bedingungen am Kap abzuwarten.

Jedoch hatte es bei einem Test an Bord Pro-

bleme mit einem Hilfsstromaggregat und einem hydraulischen System am Landefahrwerk gegeben.

Das bewog die Flugleitung, CHALLEN6ER termingemäß, aber

in Kalifornien anstatt in Kap Canaveral zur Erde zurückzubringen.

Sobald

das vollautomatische Landesystem einsatzbereit ist (damit gibt es z. Zt. noch
einige Software-Probleme) stünde einer Landung in Kap Canaveral auch bei ungünstigem Wetter nichts mehr im Wege. Abrahamson schätzt, daß CHALLENGER im
Januar 1984, beim Flug STS-11, vollautomatisch landen kann.
Truly, seit 14 Jahren im Dienst der NASA, war Kopilot beim zweiten
COLUMBIA-Flug und führte bereits mit dem kürzlich in der Bundesrepublik zu
besichtigenden Testfluggerät ENTERPRISE Anflug- und Landeoperationen durch.
Alle übrigen vier Astronauten beim bevorstehenden Unternehmen STS-8 sind
Neulinge im Weltraum - Daniel C. Brandenstein als Kopilot sowie die drei
Missionsspezialisten Dale A. Gardner, William E. Stornton und Guion S.
Bluford, Jr. Nach den Erfahrungen des Orbiter-Teams beim Unternehmen STS-7
(18. - 24. Juni 1983) ist an Bord Raum genug für fünf Personen. Es wurde
sogar als Vorteil empfunden. "Zu keiner Zeit kamen wir einander ins Gehege",
sagte Dr. Sally Ride nach der Rückkehr. Zum Absetzen der Nachrichtensatelliten und deren Start sowie während der Rendezvous-Manöver mit dem
deutschen wiederverwendbaren Satelliten SPAS-01 hätten sich sogar alle fünf
gleichzeitig im Cockpit aufgehalten, ohne daß es Probleme gab. Bei der Erörterung dieser Frage mit dem NASA-Direktorium wiesen Kommandant Robert
Crippen und sein Team bereits darauf hin, daß man nicht sagen könne, so und
so viele Personen an Bord seien das Maximum. "Fünf sind jedenfalls kein

- 2 -

�jedenfalls kein Problem", so Crippen, "sondern eher ein Plus."

Experimente
Das Absetzen des indischen Nachrichtensatelliten (INSAT 1-B) ist für
den zweiten Flugtag beim Unternehmen STS-8 vorgesehen.

Als wichtig gilt die

Fortsetzung der Experimente mit dem in Kanada gebauten, vom Cockpit aus
fernsteuerbaren Roboterarm zum Um- und Absetzen sperriger Nutzlasten an
Bord sowie zum Einholen von Objekten aus dem Weltraum.
Auch das Elektrophorese-Experiment, das bereits bei drei Orbiterflügen
mitgef'ührt wurde, wird fortgesetzt.

Dabei handelt es sich um eine Studie

zur Erprobung von Gewebereinigungs- bzw. Zell trennverfahren bei Schwerelosigkeit, die von der School of Medicine der Washington-Universität von St. Louis
(Missouri) und der McDonnell Douglas Astronautics Company in St. Louis geminsam durchgeführt werden.

McDonnell Douglas entwickelte eine Elektrophorese-

Apparatur, in der biologische Materialien in einer Lösung unter der Einwirkung eines elektrischen Feldes kontinuierlich getrennt werden.

Eine Puffer-

lösung, in die ständig Material injiziert wird, strömt durch eine schmale,
rechteckige Kammer.

Wenn das elektrische Feld angelegt wird, trennen sich

z.B. Zellen unterschiedlichen Typs in verschiedene Ströme, die sich einzeln
abnehmen lassen.
Während des bevorstehenden Fünf-Tage-Fluges will man si-h auf die Trennung von Beta-Zellen aus der Bauchspeicheldrüse, die Insulin produzieren, vom
übrigen Pankreas-Gewebe konzentrieren.

Es sind Experimente, die zu einer Ver-

besserung des an Versuchstieren bereits erprobten Verfahrens zur Transplantation von sog. Langerhansschen Inseln beitragen sollen.

Mit der Überpflanzung

solcher Zellen wird der Diabetes-Therapie ein neuer Weg eröffnet.

Das gemein-

same Forschungsprojekt des Universitätsinstituts und des Industrieunternehmens
ist auf ca. 15 Jahre angelegt.

Wie Dr. Paul Lacy, Professor für Pathologie

und Leiter des Pathologie-Departments der Washington-Universität, erklärte,

- 3 -

�erklärte, "vereint es die Stärke und die bisherigen Erfolge beider Institutionen zur Perfektionierung einer Technologie, die die klinische Transplantation von Beta-Zellen auf Diabetes-Patienten erleichtert".
Die bisher bei Schwerelosigkeit durchgeführte Erprobung des kontinuierlichen Elektrophorese-Verfahrens hat gezeigt, daß 700 Mal mehr Material durchgesetzt und ein um das Vierfache höherer Reinheitsgrad als bei ähnlichen
Trennungsversuchen auf der Erde erzielt werden kann. Dr. David Sharp. Professor für Chirurgie

an der Washington-Universtität in St. Louis, ist über-

zeugt, daß mit Hilfe dieses Trennverfahrens Beta-Zellen-Transplantationen auf
Diabetes-Patienten wesentlich früher als bisher angenommen erwartet werden
können.

Schon seit über zehn Jahren bemühen sich Forschergruppen der Univer-

sität um verbesserte Möglichkeiten zur Isolierung und Reinigung der insulinproduzierenden Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse.
Ein weiterer Programmpunkt für die CHALLENGER-Besatzung ist das Durchprüfen und Erproben von TDRS-1, dem größten Nachrichtensatelliten der Welt.
Ende Juni ist es endlich gelungen, den beim Jungfernflug von CHALLENGER im
April 1983 aus dem Laderaum des Orbiter abgesetzten Koloß, dessen Antreibsstufen anschließend von einer Bodenstation aus gezündet wurden, in der vorgesehenen Kreisbahn in 36 000 km Höhe zu stationieren.

Da die zweite Antriebs-

stufe versagt hatte, erreichte er nur eine elliptische Bahn mit Scheitelhöhen zwischen 36 000 und 21 000 km.

So blieb nichts anderes übrig, als zu

versuchen, mit Hilfe der kleinen Lageregelungstriebwerke die Umlaufbahn anzuheben und zu korrigieren.
Ein Simulartorprogramm mit Computern wurde bei der kalifornischen
Firma TRW ausgearbeitet, um zunächst einmal die richtige "Strategie" für
den Einsatz der Borddüsen samt ihrem Hydrazin-Treibstoff zu finden.

Einer

der technischen Direktoren von TRW verglich dies mit dem Versuch, "einen Flugzeugträger mit Hilfe eines Außenbordmotors zu bewegen". Aber das Experiment
gelang.

Mit insgesamt 39 minutiös geplanten und exakt dosierten Feuerstößen

wurde TDRS aus seiner schiefen Bahn geholt und in eine gleichmäßige 36 000 km-

- 4 -

�36 000 km-Kreisbahn gehievt. Von ursprünglich 600 kg Flüssigtreibstoff
sind ca. 230 kg übriggeblieben - noch immer genug, um in der vorgesehenen
"Lebenszeit" von zehn Jahren Lage- und Bahnkorrekturen vorzunehmen.
Die Erforschung der Raumkrankheit, die bei etwa der Hälfte der Astronauten mehr oder weniger stark in Erscheinung tritt, geht auch dieses Mal
weiter.

Zwar scheine es nicht zu schwerwiegenden Folgen für den Betroffenen

zu kommen, wie es in einem jetzt veröffentlichten ersten umfassenden NASABericht heißt, jedoch könne das Flugprogramm und möglicherweise sogar die
Landung dadurch gefährdet werden.

Sofern sie bisher auftrat, waren dem

Bericht zufolge die Symptome nach 36 bis 72 Stunden wieder überwunden.

Nachtlandung
Eine Neuerung bei der nunmehr geplanten ersten Nachtlandung wird sein,
daß es keine Begleitflugzeuge gibt.

Sie wurden bisher vor allem für tech-

nische Daten und zur Gegenkontrolle der Instrumenten-Anzeigewerte im Orbiter
benutzt.

Aber nach Meinung von Kopilot Brandenstein sind sie nicht mehr er-

forderlich.

Außerdem sei ihr Nachteinsatz zu gefährlich, weil der Orbiter

keine Bordlampen besitzt.

Die auf die Mitte der Landepiste zentrierten star-

ken Scheinwerfer am Boden werden durch Farbscheinwerfer ergänzt.

Ort und

Richtung der Piste sind von der Raumfähre aus gut erkennbar, wenn sie den
letzten Anflugbogen nimmt.

In Verbindung mit einem neuartigen Monitor im

Cockpit mache das Befeuerungssystem eine Nachtlandung zur "Routinesache",
erklärte Kommandant Truly.

Pivat- oder Linienflugzeuge dürften für eine

Nachtlandung am Kap keine Gefahr darstellen.

- 5 -

�Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

27. Juli 1983

30

SOLARKRAFTWERK MIT NACHTSPEICHER
- Versuchsanlage SOLAR ONE bringt hohe Leistung

- (AD) - "Solar One" in der Mqjave-WUste (Kalifornien), das bisher
größte Solarversuchskraftwerk der Welt, übertrifft alle Erwartungen.

Ende

Juni wurden im Dauerbetrieb über den Zeitraum von 33,6 Stunden insgesamt
127 Megawattstunden Strom erzeugt.

Der Strom wurde in das Versorgungsnetz

der Southern California Edison Company eingespeist.

Der Betrieb des Systems

begann am 27. Juni 1983 bei Sonnenaufgang, als 1800 Heliostate (riesige, der
Sonne nachgeführte Spiegel) das aufgefangene Sonnenlicht zu dem auf einem
hohen Turm montierten zentralen Empfänger reflektierten.

Bei Sonnenunter-

gang wurde bis zum nächsten Morgen die Stromerzeugung auf Speicherenergie
umgestellt.

Kurz vor Sonnenuntergang am zweiten Tag wurde der Test beendet.

Bereits am 21. Juni war mit der von der Fa. McDonnell Douglas Corp.
im Auftrag des US-Energieministeriums, von Southern California Edison, der
Stadt Los Angeles und der Energiekommission von Kalifornien errichteten Anlage in 15 Stunden die Rekordproduktion von 104 300 Kilowattstunden (bei
12,1 Megawatt Nettoleistung) erzielt worden. Die normale Kraftwerkskapazität von SOLAR ONE deckt den Bedarf einer Stadt mit ca. 7000 Einwohnern.
Nach Angaben

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�Nach Angaben der McDonnell Douglas Corporation hat SOLAR ONE seit Aufnahme des Testbetriebs im April 1982 die Leistungsanforderungen nicht nur
erreicht, sondern meist deutlich übertroffen.

Es ist ein Prototyp für Solar-

kraftwerke mit Kapazitäten von 1000 bis 100 000 Kilowatt. Mit dem Versuchskraftwerk will man Erfahrungen und Informationen über die Kosten von Konstruktion, Wartung und Betrieb sammeln und Möglichkeiten zur Reduzierung der Kosten
finden.

+ + + + +

•

.

- 2-

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Reagans zur US-Wirtschaftsinitiative im Karibischen Becken&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Repräsentantenhaus verabschiedet Förderungs-Gesetze -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Robert McFarlane neuer US-Sonderbotschafter für den Nahen Osten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Verbesserte Wirtschaftslage und umfassende Zusammenarbeit halfen Chrysler&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem Korrespondenten Sam Burks -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mittelamerika: Eine amerikanische Krise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Nestor Sanchez -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hintergrundpapier des State Department zu El Salvador&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA wollen Gesundheitswesen in El Salvador verbessern&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Start und Landung bei Nacht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Raumfähren-Astronauten sehen keine besonderen Probleme -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Solarkraftwerk mit Nachtspeicher&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Versuchsanlage SOLAR ONE bringt höhe Leistung -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

20. J u l i 1983

29

INHALT

DOKUMENTATION
Reagan: Ein echter Frieden bleibt oberstes Ziel der USA
- Rundfunkansprache des US-Präsidenten Reagan: Einigung in Madrid stärkt Schlußakte yon Helsinki
- Erklärung zum KSZE-Folgetreffen Unterstaatssekretär Perle:

USA nehmen es mit der Rüstungskontrolle

ernst
- Wortlaut der Erklärung vor dem Streitkräfteausschuß des
Repräsentantenhauses INFORMATION
Amerikanische Regierung fordert Hilfe für Wahlen in El Salvador
HINTERGRUNDMATERIAL
Sandinisten hielten ihre Versprechungen nicht ein
"Wall Street Journal" zur Situation in El Salvador
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Wissenschaft und Technik - international
- Zusammenarbeit als Ziel amerikanischer Außenpolitik Weltweite Überwachung seismischer Daten
- USA entwickeln neues Mikrocomputersystem -

Um Übcr/cndung von
ßckgcKcmploren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�»

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

20. Juli 1983

29

REAGAN: EIN ECHTER FRIEDEN BLEIBT OBERSTES ZIEL DER USA
- Rundfunkansprache des US-Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 16. Juli 1983 in einer
Rundfunkansprache erneut den Friedenswillen der Vereinigten Staaten betont
und darauf hingewiesen, daß die Beseitigung der nuklearen Kriegsgefahr sowie das Streben nach einem echten Frieden das oberste Ziel seiner Regierung
bleibe.
Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Meine amerikanischen Mitbürger. Heute möchte ich zu Ihnen über den
Frieden sprechen. Im Juni 1963 hat Präsident John F. Kennedy eine Rede zur
Rüstungskontrolle gehalten, an die man sich immer noch erinnert, weil sie
so ausdrucksvoll und weitblickend war. Er erklärte vor der Abschlußklasse
der American University: "Ich spreche vom Frieden als dem notwendigen und
vernünftigen Ziel aller vernünftigen Menschen. Ich bin mir darüber im klaren, daß das Streben nach Frieden nicht so augenfällig und dramatisch ist
wie das Führen eines Krieges, und häufig stoßen die Worte dessen, der nach
Frieden strebt, auf taube Ohren. Aber wir haben keine dringendere Aufgabe."
Seither

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

sind

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Seither sind 20 Jahre vergangen, und diese Jahre waren eine Zeit der
Krise, die überschattet war von den Gefahren der Kernwaffen.

Wir haben er-

lebt, wie die Kernwaffenarsenale der Welt ständig angewachsen sind.

Trotz

zahlreicher ehrlicher Versuche, das Anwachsen der nuklearen Arsenale unter
Kontrolle zu bringen, haben sie sich dennoch ständig vergrößert.

Das ist

die schlechte Nachricht.
Die gute Nachricht ist, daß wir jetzt endlich hoffen können, diese Entwicklung schließlich doch noch umzukehren.

Die Amerikaner haben sich zusam-

mengeschlossen - Republikaner und Demokraten, Liberale und Konservative -, um
sich der größten Herausforderung unserer Zeit zu stellen:

der dringenden Auf-

gabe, im Atomzeitalter nach einem dauerhaften Frieden zu streben.

Der poli-

tische Prozeß in unserem Lande hat einen Konsens zustandegebracht - einen
überparteilichen Konsens, der uns in unserer gemeinsamen Suche nach Mitteln
und Wegen vereint, um unser Land zu schützen, die Kriegsgefahr zu vermindern
und schließlich in augenfälliger Weise den Stand der Kernwaffen zu verringern - die Grundlage, die wir für erfolgreiche Verhandlungen benötigen.
Unser MX-Programm - das Friedenswahrer-Raketenprogramm - sieht die Dislozierung von 100 Raketen vor. Wie viele schließlich jedoch disloziert werden,
wird ohne Frage von dem Ergebnis in Genf beeinflußt. Wenn dort ein Abkommen
erreicht wird, das tiefgreifende Reduzierungen vorsieht - und das ist selbstverständlich unser Ziel -, dann könnte die Zahl der Raketen ganz gewiß nach
unten angeglichen werden. Wie die Scowcroft-Kommission zu Recht erklärt hat,
ist die MX-Friedenswahrerrakete ein wichtiger Teil eines umfassenden Modernisierungs- und Rüstungskontroi 1programms, das die Abschreckung in heutiger
Zeit wie in Zukunft sicherstellen soll. Wir bauen diese Raketen, um die Abschreckung zu stärken. Aber sie bietet auch entscheidend wichtige Verhandlungsanreize und hat Einfluß auf die Gespräche in Genf.
Andrej Sacharow, der hervorragende sowjetische Physiker und Nobelpreisträger, hat kürzlich einen eindrucksvollen Artikel veröffentlicht, der mit
Nachdruck ebenfalls hierauf verweist. Angesichts des sowjetischen Vorteils

- 2 -

�sowjetischen Vorteils im Hinblick auf landgestützte strategische Raketen,
so führte er aus, könnten Gespräche über eine Begrenzung und Verringerung
dieser Systeme leichter werden, wenn die Vereinigten Staaten über MX-Raketen
verfügten, wenn auch nur potentiell. Andrej Sacharow ist ein Mensch, dessen
Worte man schwerlich ignorieren kann.
Wenn der Kongreß seine Unterstützung für dieses Programm bekräftigt
und die Mittel für die Modernisierung unserer strategischen Abschreckung bewilligt, dann wird unsere Friedensagenda noch mehr gestärkt werden.

In der

NATO wie auch in unseren anderen Bündnissen gibt es ein erneutes Gefühl der
Solidarität.

Im Mai dieses Jahres haben die führenden Staatsmänner der gro-

ßen Industrienationen in Williamsburg erneut ihre Verpflichtung unterstrichen,
mit Nachdruck die beiden Ziele einer
kung zu verfolgen.

Rüstungsverminderung und der Abschrek-

Diese Solidarität ist eine Quelle großer Stärke.

Für die Hochschulabsolventen dieses Juni 1983 ist dies eine Zeit großer
Möglichkeiten und der Hoffnung - der Hoffnung nämlich, daß sie und ihre Kinder sich einer sichereren Welt erfreuen können.

Deshalb müssen wir unseren

Konsens beibehalten, und deshalb habe ich Hunderte von Stunden damit verbracht, mich mit den Mitgliedern meiner Regierung, mit einer überparteilichen
Kommission für strategische Streitkräfte, mit unseren Verhandlungsführern in
Genf, mit Mitgliedern des Kongresses sowie mit besorgten Bürgern zu treffen.
Meine Botschaft für sie und für Sie, die Sie mir jetzt zuhören, ist,
daß es für mich keine größere Priorität gibt, als die Gefahr eines Atomkrieges zu verringern und schließlich ganz zu beseitigen und nach der Stabilität
zu streben, die für einen wahren Frieden notwendig ist.
erreichen, müssen wir die nuklearen Arsenale
als auch der Sowjetunion verringern.

Um dieses Ziel zu

sowohl der Vereinigten Staaten

Wir müssen eine größere Stabilität er-

reichen, d.h. wir müssen sicher sein, daß wir echte Rüstungsverminderungen
erreichen, nicht nur Abkommen, die ein Wachstum der nuklearen Arsenale zulassen

oder Abkommen, die zwar gute Absichten proklamieren, aber nicht die

Garantie bieten, die zu ihrer Verifizierung und zur Durchsetzung der Einhal-

- 3 -

�der Einhaltung notwendig sind.
Unser gegenwärtiges Ziel muß die Verringerung der nuklearen Arsenale
sein.

Und ich glaube fest daran, daß wir niemals von unserem letztlichen

Ziel abweichen dürfen, sie vom Angesicht der Erde zu verbannen.

Deshalb

haben wir ehrgeizige, aber realistische Vorschläge unterbreitet,und deshalb
war ich und bin ich auch weiterhin willens, jeden ernsthaften sowjetischen
Gegenvorschlag zu prüfen.

Deshalb habe ich unseren ursprünglichen Vorschlag

flexibler gestaltet,und deshalb suche ich weiterhin nach neuen Ideen, um
einen Durchbruch bei der Rüstungsverminderung zu erzielen.

Der Verhandlungs-

entwurf, den unsere Unterhändler kürzlich in Genf vorgelegt haben, dokumentiert in der Tat unsere Flexibilität. Wenn sich die Möglichkeiten dazu ergeben, dann wird die amerikanische Position auch weiterhin für Entwicklungen
offen sein.

Die Vereinigten Staaten werden geduldig, aber mit Nachdruck und

immer in guter Absicht verhandeln.

Aber wir können und dürfen uns nicht mit

weniger zufrieden geben als mit echten,beiderseitigen und verifizierbaren
Rüstungsverminderungen.
Die Nachkriegsgeneration Amerikas hat zu ihren Lebzeiten den Frieden
gewahrt, aber es war ein unsicherer Friede.

Die jungen Amerikaner von heute

•- wie alle jungen Menschen auf der Welt - wollen und verdienen mehr als dies.
Und Sie verdienen zu wissen, daß Ihre Regierung alles in ihren Kräften Stehende tut, um Ihren Erwartungen gerecht zu werden.
Immer wieder hat unser Land bewiesen, daß es keine Begrenzungen dafür
gibt, was wir Amerikaner erreichen können, wenn wir zusammenstehen.

Heute

arbeiten wir zusammen, um das zu tun, was richtig ist. Und deshalb können
wir einer sichereren Zukunft entgegensehen.

+ + + + +

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

20. Juli 1983

29

REAGAN: EINIGUNG IN MADRID STÄRKT SCHLUSSAKTE VON HELSINKI
- Erklärung zum KSZE-Folgetreffen -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan betonte am 15. Juli in Washington,
die USA seien.bereit, die vor dem Abschluß stehende Obereinkunft auf dem
KSZE-Folgetreffen in Madrid zu unterzeichnen.

Sie werde die in der Schluß-

akte von Helsinki enthaltenen Verpflichtungen stärken und erweitern, heißt
es in der Erklärung des amerikanischen Präsidenten.
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Nach fast dreijährigen Verhandlungen nähern sich die 35 Teilnehmerstaaten an dem Überprüfungstreffen der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) einer Einigung über ein Schlußdokument - einer Einigung, die die in der Schlußakte von Helsinki enthaltenen Verpflichtungen stärken und erweitern wird.

Sie ist ein Appell an alle 35 KSZE-Staaten - insbe-

sondere an diejenigen, die in so tragischer Weise die in Helsinki gemachten
Zusagen nicht eingehalten haben -, diese Verpflichtungen mit Leben zu erfüllen und sich erneut der Förderung der Freiheit und Gerechtigkeit zu verschreiben, von denen die Sicherheit in Europa letztlich abhängt.
Wir haben

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Wir haben diesem Schlußdokument zugestimmt, wie dies im Jahr 1975 in
bezug auf die Schlußakte von Helsinki der Fall war, wobei wir uns keinen Illusionen über die Natur der Sowjetunion oder über das System hingeben, das
sie einem großen Teil Europas aufzuerlegen sucht.
wären Abkommen wie dieses nicht notwendig.

In einer idealen Welt

Aber wir sind der Ansicht, daß

dies das beste erreichbare Abkommen ist - ein Übereinkommen, das die Schlußakte von Helsinki wesentlich verbessert und die Bemühungen des Westens fördert, ein Leuchtfeuer der Hoffnung für jene im Osten zu errichten, die nach
einem freieren, gerechten und sicheren Leben streben.
Zusammen mit den Vereinbarungen von Helsinki zeigt dieses Abkommen für
alle 35 KSZE-Staaten einen klareren Verhaltenskodex auf - ein Muster an Normen, das wir und die anderen atlantischen Demokratien auch weiterhin allen
vor Augen halten werden, die ihr Wort in Madrid gegeben haben.

Wir werden

es in der Hoffnung unterzeichnen, daß es ein Schritt zur Erreichung unseres
Zieles sein wird:

eines stabileren und konstruktiveren Verhältnisses zur

Sowjetunion.
Die Übereinkunft von Madrid wird dem Helsinki-Prozeß wichtige neue Verpflichtungen hinzufügen - darunter Bestimmungen, die sich mit den Menschenrechten, den in Polen so tragisch verletzten Freiheiten der Gewerkschaften,
dem Terrorismus, der religiösen Freiheit, der Familienzusammenführung, dem
freien Informationsfluß und anderem mehr befassen. Sie sieht zwei Expertentreffen auf humanitärem Gebiet sowie eine Sicherheitskonferenz vor, die den
Versuch unternehmen wird, Maßnahmen für die Verminderung der Gefahr eines
Überraschungskrieges in Europa auszuhandeln. Ein weiteres umfassendes Folgetreffen wird 1986 in Wien stattfinden, auf dem wir das Verhalten der Teilnehmerstaaten überprüfen und uns darum bemühen werden, auf dem in Madrid Erreichten weiterzubauen.
Die Einigkeit und die Entschlossenheit der westlichen Demokratien in
Madrid haben dieses Ergebnis möglich gemacht. Botschafter Kampelman und
seine Kollegen aus den NATO-Ländern verdienen höchstes Lob dafür, daß diese
- 2 -

�daß diese lange und oft schwierige Konferenz erfolgreich beendet wird. Besonderen Dank schulden wir auch dem spanischen Ministerpräsidenten Gonzalez,
dessen besonnener Vorschlag die Grundlage für eine schließliche Einigung
schuf.
Angesichts des Abschlusses des Madrider Folgetreffens bekräftigen wir
unseren Einsatz für den Prozeß von Helsinki. Wir werden in unserer anhaltenden Entschlossenheit nicht nachlassen, mit allen Regierungen und Völkern
zusammenzuarbeiten, deren Ziel die Stärkung des Friedens in Freiheit ist.
Wie Madrid gezeigt hat, kann der Dialog - wenn er sich auf realistische Erwartungen stützt und mit Geduld geführt wird - Resultate zeitigen.

Solche

Resultate können oft nur allmählich und mit Anstrengungen erreicht werden,
aber sie sind die notwendigen Bausteine für eine sicherere und stabilere
Welt.

Die große Aufgabe bleibt:

Wir müssen alle zusammenstehen und auf

diesen Gewinnen aufbauen; wir müssen dafür sorgen, daß gute Worte in gute
Taten umgesetzt werden und daß die Ideale, die sie beinhalten, konkreten
Ausdruck finden.

Es wird eines unserer Hauptziele bleiben, den Zusagen von

Madrid und Helsinki Substanz zu verleihen.

- 3 -

�' 1111 J

Dokumentation

IT1T37

United States Information Service
Embassy of the United States of America

29

20. Juli 1983

UNTERSTAATSSEKRETÄR PERLE: USA NEHMEN ES MIT DER RÜSTUNGSKONTROLLE ERNST
- Wortlaut der Erklärung vor dem Streitkräfteausschuß des
Repräsentantenhauses -

WASHINGTON - (AD) - Der Unterstaatssekretär für internationale Sicherheitspolitik im amerikanischen Verteidigungsministerium, Richard Perle, erklärte am 12. Juli 1983 vor einem Sonderausschuß für Rüstungskontrolle und
Abrüstung des Streitkräfteausschusses des Repräsentantenhauses, daß jene
Kritiker, die Präsident Reagans ernsthaftes Bemühen um Rüstungskontrolle
in Zweifel ziehen, die amerikanischen Bestrebungen schädigen, zu Abkommen
zu gelangen, die zu größerer Stabilität auf erheblich verringertem Waffenniveau führen würden.
Die Erklärung Perles hat folgenden Wortlaut:
Es ist mir ein Vergnügen, vor diesem Sonderausschuß für Rüstungskontrolle und Abrüstung zu erscheinen und die Gelegenheit zu haben, unsere
Ansichten über die komplexen Fragen der Rüstungskontrolle und der nationalen
Sicherheit auszutauschen.

Ich begrüße diese Gelegenheit vor allem auch des-

halb, weil unsere nationalen Erwägungen hinsichtlich Rüstungskontrollfragen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�hinsichtlich Rlistungskontrollfragen Gefahr laufen, in einen Austausch von
Formeln zwischen "den Guten" und "den Bösen" abzugleiten.

Und als einer

der offiziellen Vertreter, die oft genug von jenen in die zweite Kategorie
abgeschoben werden, die sich selbst fest zur ersteren gehörig fühlen, bietet
sich mir dadurch die Möglichkeit, zu erklären, warum es Unterschiede gibt in der Tat ein seltenes Privileg.
Ich glaube, daß der entscheidende Unterschied zwischen dieser Administration und ihren Kritikern hinsichtlich der Rüstungskontrolle, in dem Maßstab
besteht, den wir dabei anlegen, ein Abkommen zu erreichen.

Ich muß gestehen,

daß ich der Meinung bin, wir legen einen strengeren Maßstab an als unsere
Verleumder:

Wir bemühen uns um Rüstungskontrollvereinbarungen, die das An-

wachsen der militärischen Macht der Sowjetunion beträchtlich einschränken und
gleichzeitig unsere eigene proportional begrenzen würden.

Wir streben aus-

gehandelte Waffenbegrenzungen an, die - käme es zu einer beiderseitigen Zustimmung - größere Stabilität mit beträchtlich geringerem Waffenumfang bieten würden.

Wir versuchen - wie es der Kongreß verfügt hat -,

Abkommen zu

erreichen, die sich auf das Prinzip der Gleichheit zwischen den Vereinigten
Staaten und ihrem Hauptgegner, der Sowjetunion, gründen.

Wir versuchen,

Abkommen zu erreichen, die präzise genug sind, um ihre Einhaltung zu verifizieren.

Und beim Versuch, all dies zu erreichen, bleiben wir uns der Tat-

sache bewußt, daß es bestimmte Abkommen gibt, die besser sind als andere,
daß nur zu viele den Eindruck - aber nicht die Realität - einer militärisch
sinnvollen Beschränkung vermitteln und daß einige schlechter sind als überhaupt keine.
Unsere Anstrengungen zur Aushandlung von Abkommen, die militärisch bedeutsam sind, mit Präzision entworfen sind, die ausgewogen, ausgeglichen und
verifizierbar sind, finden statt vor einem Hintergrund von Angst und Besorgnis - sowohl hier als auch im Ausland, wodurch unsere Sicht verdüstert und
unsere Aufgabe erschwert wird.

Der deutlichste Ausdruck dieser Besorgnis

findet sich in dem Wort "Wettrüsten" wieder, in dem ein schreckliches Aufhäufen von Waffen, eine endlose Aufwärtsspirale, ein Wettrennen in Richtung auf

- 2 -

�Richtung auf die Apokalypse steckt. Aber die Wirklichkeit ist weit irdischer
und viel weniger schwer definierbar.

Und sie sieht so aus: Die Vereinigten

Staaten haben heute weltweit etwa 8000 Kernwaffen weniger disloziert, als wir
in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre disloziert hatten,

über 15 Jahre

lang führten wir ein einseitiges Rüstungsverminderungsprogramm durch, während
die Sowjetunion ihrem Arsenal der strategischen Kernwaffen und der atomaren
Gefechtsfeldwaffen immer neue Waffen hinzufügte.

In Megatonnen ausgedrückt,

ist die Verringerung der amerikanischen Streitkräfte noch eindrucksvoller:
Wir haben im Lauf der beiden vergangenen Jahrzehnte die Megatonnage unserer
dislozierten Waffen um 75 Prozent reduziert.
Aber was hat das mit Rüstungskontrolle zu tun?

Nichts - und doch alles.

Nichts, weil die amerikanischen Verringerungen und die sowjetischen Anhebungen stattfanden ohne bezug zu den drei wichtigsten Verträgen, unter denen
wir und die Sowjets seit 1972 leben.

Alles, weil die Irrelevanz der Verträ-

ge - die ja den Wettbewerb bei den strategischen Waffen reduzieren sollten immer klarer zutage tritt, fand die sowjetische Aufrüstung doch innerhalb
ihrer Bestimmungen statt. Ja, es ist erstaunlich, in welchem Maß die Nostalgie für die Rüstungskontrolle der frühen siebziger Jahre zu einer fast automatischen Reaktion auf gegenwärtige Bedenken hinsichtlich "der Aufwärtsspirale
des Wettrüstens" geworden ist - als ob die Abkommen der siebziger Jahre heute
nicht mehr in Kraft wären, obgleich sie dies doch sind.

Jede strategische

Waffe, die seit 1972 den Arsenalen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
hinzugefügt wurde, wurde hinzugefügt gemäß dem Wortlaut (manchmal

von den

Sowjets großzügig interpretiert) eines in Kraft stehenden Vertrages, eines
ausgelaufenen, aber dennoch eingehaltenen Vertrags sowie eines Vertrags, der
nie ratifiziert wurde, der aber dennoch eingehalten wird.

So viel zur Nostal-

gie; auch sie ist nicht mehr, was sie einmal war.
Bei all der Konfusion, die die Frage der Rüstungskontrolle umgibt, ist
nichts so ernst wie die Frage der Ernsthaftigkeit.

Es gehört zu den Gemein-

plätzen der Kritiker dieser Administration, daß sie sie eines Mangels an
Ernsthaftigkeit bei der Rüstungskontrolle bezichtigen.
- 3 -

Zur Unterstützung

�Zur Unterstützung dieser Anklage finden geistreiche journalistische Exkursionen in die bürokratische Welt der heroischen, doch ineffizienten "Guten"
(die es mit der Rüstungskontrolle ernst meinen) und der dominierenden "Bösen"
(die insgeheim gegen die Rüstungskontrolle sind und sie überall blockieren,
auch wenn sie sich bei den Abstimmungen äußerlich als durchaus ernsthaft gebärden) statt.

Und mittels irgendeines obskuren Lackmustests werden wir -

wir alle - in das eine oder das andere Lager gesteckt in einer sich ewig
drehenden Spirale der Heuchelei und der Verleumdung.
Aber was bedeutet denn Ernsthaftigkeit bei der Rüstungskontrolle?

Ist

es ein Zeichen der Ernsthaftigkeit, dem sowjetischen Begehren nach Verschaffung und Bewahrung beträchtlicher Vorteile bei den Kernwaffen Zugeständnisse
zu machen?

Ist die Leichtigkeit, mit der wir unsere Zielsetzungen aufgeben

und "Fortschritte" in Richtung auf ein Abkommen - jegliche Art von Abkommen machen, ein Zeichen der Ernsthaftigkeit?

Gibt es eine Beziehung zwischen

Ernsthaftigkeit und Inhalt der Abkommen, die wir auszuhandeln suchen?
Die Unterstellung, diese Administration sei bei der Rüstungskontrolle
nicht ernsthaft bemüht, weil sie sich einen Maßstab für Abkommen gesetzt
hat, dem man eben deshalb nur schwer gerecht werden kann, weil er es wert
ist, ihm gerecht zu werden, ist schädigend und unwürdig - schädigend für
unsere Anstrengungen und unwürdig derer, die diese Unterstellung machen.
Die Berge von Ratschlägen, die wir von vielen unserer Kritiker erhalten,
summieren sich zu wenig mehr als der Tatsache, daß wir unsere Vorschläge
dahingehend ändern sollten, daß den Sowjets erlaubt würde, ein strategisches
Arsenal zu behalten, das um ein Gewaltiges größer wäre, als dies gemäß der
Vorschläge der Administration der Fall sein würde. Dieser Auffassung nach
wäre Ernsthaftigkeit dort zu finden, wo die großen Geschütze stehen - oder,
in diesem Fall, die großen Raketen. Verlangt man zu viel Zurückhaltung
seitens der Sowjets - selbst wenn der von uns vorgeschlagene Stand für beide Seiten derselbe wäre -, so ist man nicht ernsthaft. Ernsthaftigkeit ist
mit jenen, die sich nicht allzu viele Gedanken über den Wortlaut eines Ab-

�eines Abkommens machen, solange überhaupt nur irgendetwas unterzeichnet wird.
Es braucht nicht erst gesagt zu werden, daß dies nicht unsere Ansicht
darüber ist, was Ernsthaftigkeit bei der Rüstungskontrolle darstellt.

Un-

serer Ansicht nach erfordert Ernsthaftigkeit klarsichtige Ziele, militärisch
bedeutsame Ergebnisse, Abkommen, die ausgeglichen und verifizierbar sind sowie die Geduld und den Mut, Ergebnisse zu erzielen.
noch leicht geschehen.

Dies kann weder rasch

Unsere Gegner werden das nicht zulassen.

Sie ziehen

es vor, auf Bedingungen zu warten, die ihnen besser gefallen - Bedingungen,
die - wie jene, an die sie sich gewöhnt haben - ihre militärischen Programme
im großen und ganzen unbehindert lassen und ihre Aufrüstung ungeschmälert.
Ohne die Unterstützung des Kongresses - ohne die Hilfe von Ausschüssen
wie diesem hier - können wir nicht hoffen, in Verhandlungen Erfolg zu haben,
die eben deshalb lang und mühsam sind, weil wir die Geschichte in Richtung
auf eine geschütztere und sicherere Zukunft hinbewegen wollen. Wir würden
unser Mandat vergeuden, wenn wir weniger versuchen würden; und eben deshalb
werden wir fest und doch fair sein beim Verfolg von Frieden und Freiheit.

- 5 -

�20. Juli 1983

29

AMERIKANISCHE REGIERUNG FORDERT HILFE FÜR WAHLEN IN EL SALVADOR

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium gab am 12. Juli
1983 bekannt, daß die Reagan-Administration 3,4 Millionen Dollar angefordert
habe, um Vorbereitung und Durchführung des Wahlprozesses in El Salvador zu
unterstützen.
John Hughes, der Sprecher des Außenministeriums, wies darauf hin, daß
die Regierung von El Salvador vor einigen Monaten um amerikanische Hilfe bei
der Verbesserung des dortigen Wahlprozesses sowie finanzielle Unterstützung
durch die Vereinigten Staaten zur Abdeckung eines Teils der Kosten für die in
diesem Jahr stattfindenden Präsidentenwahlen

ersucht habe.

"Wir sind der

Meinung, daß diese Hilfe notwendig und angemessen ist, um den Obergang El
Salvadors zu Pluralismus und Demokratie zu unterstützen," betonte Hughes.
Der Sprecher des State Department

berichtete weiter, daß vor einigen

Wochen amerikanische Wahlexperten nach El Salvador gereist seien, um Vorschläge zu erarbeiten, wie die Vereinigten Staaten hierbei am ehesten von
Nutzen sein könnten.

Nach Konsultationen mit Mitgliedern des Kongresses

habe das Amt für internationale Entwicklung (AID) am 11. Juli den Kongreß
formell über die 3,4 Millionen Dollar an vorgeschlagener Hilfe für den Wahlprozeß informiert.
Die vorgeschlagenen

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�Die vorgeschlagenen Mittel umfassen rund 1,5 Millionen Dollar für Computerund andere Ausrüstung.

Weitere 900 000 Dollar sind für konsultative Dienst-

leistungen vorgesehen, damit eine Wahlregistratur erstellt werden kann.

Wei-

tere rund 800 000 Dollar stehen für die voraussichtlich rund 200 internationalen Beobachter von Wahl kämpf und Wahl zur Verfügung und rund 200 000 Dollar
für Berater, die bei der Durchführung des Wahl Vorgangs mitarbeiten sollen.
Hughes unterstrich, daß die Präsidentenwahlen in El Salvador noch immer
vor Jahresende vorgesehen sind.

Er erklärte weiter, daß die angeforderten

Gelder für die Wahlhilfe keiner neuen Bewilligung bedürften, sondern daß man
sich der Mittel für Wirtschaftshilfe bedienen werde, die bereits angewiesen
worden seien.
In seinem Vorschlag an den Kongreß erklärte das Amt für internationale
Entwicklung, daß die Mittel nur zur Unterstützung solcher Maßnahmen dienen
werden, die weder die eine noch die andere Partei bevorzugten.
Die Anforderung des AID kann innerhalb von 15 Tagen durch die Vorsitzenden
von vier Kongreßausschüssen zur Abstimmung gelangen.

Dies sind der außen-

politische Ausschuß des Repräsentantenhauses, der außenpolitische Ausschuß des
Senats sowie die Bewilligungsausschüsse von Senat und Repräsentantenhaus.
Obgleich ein gewisser Widerstand gegen den Vorschlag erwartet wird, hat doch
der Kongreß immer wieder den Wert freier Wahlen in El Salvador unterstrichen.

+ + + + +

�am ER1Ktk
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&lt;

Hintcigiunclmateriell
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20. Juli 1983

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SANDINISTEN HIELTEN IHRE VERSPRECHUNGEN NICHT EIN

WASHINGTON - (AD) - Vier Jahre nach der Verpflichtung, ein freies Land
zu schaffen, in dem die Menschenrechte und der politische Pluralismus respektiert werden, haben die Sandinisten in Nicaragua ihre Zusagen immer noch nicht
eingelöst.

In einem Schreiben vom 12. Juli 1979 versicherten fünf Mitglieder

der sandinistischen Regierungsjunta der Organisation amerikanischer Staaten
(OAS), daß sie in Nicaragua eine demokratische Regierung mit umfassender Repräsentation bilden, die ersten freien Wahlen in dem mittelamerikanischen Land
in diesem Jahrhundert abhalten und die Menschenrechte voll und ganz beachten
würden.

Daniel Ortega, ein führendes Mitglied des neunköpfigen Direktoriums,

war einer der Unterzeichner.
Es kann nicht bestritten werden, daß die Sandinisten seit ihrer Machtübernahme im Hinblick auf das Gesundheits- und Erziehungswesen Fortschritte
erzielt haben. Aber genauso wenig kann bestritten werden, daß sie ihre Zusage, politische und wirtschaftliche Reformen durchzuführen, und die Menschenrechte zu respektieren, einfach vergessen haben.
Nachdem immer wieder freie Wahlen für die Bevölkerung Nicaraguas versprochen worden waren, haben die Sandinisten diese Wahlen verschoben.

Sie er-

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�Sie erklären nunmehr, daß die Wahlen nicht mehr vor 1985 abgehalten würden.
Aufgrund der allgemeinen Beunruhigung im Lande hat der Pluralismus ebenfalls
gelitten.

Im Jahr 1981 veröffentlichten die fünf politischen Parteien in

Nicaragua - die Demokratische Bewegung, die Sozialdemokratische Partei, die
Christlich-Sozialen, die Demokratische Konservative Partei und die liberal
Konstitutionellen - eine Erklärung, in der die Angriffe der Sandinisten auf
politische Organisationen verurteilt wurden.

Diese Angriffe, so hieß es in

der Erklärung, machten die Entscheidung deutlich, daß die Sandinisten in
Nicaragua eine marxistisch-leninistische Diktatur errichten wollten.
Ehemalige Mitstreiter in der sandinistischen Revolution, darunter der
Führer der Demokratischen Bewegung, Alfonso Robelo, der ein Mitglied der Regierungsjunta des nationalen Wiederaufbaus war und das Schreiben an die OAS
mit unterzeichnet hatte, sahen sich gezwungen, aus Nicaragua zu fliehen.
"Zu Zeiten Somozas," so erklärte Robelo im Fernsehen Panamas im Jahr 1982,
"konnten viele seiner Gegner, darunter auch ich, ihm offen und entschlossen
entgegentreten.

Ich kann jetzt nicht nach Nicaragua zurückkehren, denn das

wäre glatter Selbstmord...

Mein Leben war so sehr bedroht, daß ich zu der An-

sicht gelangte, bereits genug Risiken auf mich genommen zu haben."
Die gewaltsame Umsiedlung von 8500 Miskito-Indianern sowie die Flucht
von wenigstens weiteren 10 000 nach Honduras, ist wahrscheinlich eine der
schlimmsten Verletzungen der Menschenrechte, die die Sandinisten begangen
haben. Am 18. Februar 1982 veröffentlichte die Bischofskonferenz von Nicaragua ein Kommunique, in dem alle Bischöfe ihre große Besorgnis über die Behandlung der Miskito-Indianer zum Ausdruck brachten.
Auch Geschäftsleute wurden getötet oder ins Gefängnis geworfen. So
ermordeten sandinistische Sicherheitskräfte am 17. November 1980 den prominenten Geschäftsmann Jorge Salazar. Enrique Dreyfus, Präsident des Rates
privater Unternehmen (Cosep), wurde zusammen mit drei anderen prominenten
Geschäftsleuten verhaftet und mehrere Wochen lang unerbittlich verhört.
Einer der

�Einer der führenden Revolutionskämpfer der Sandinisten, Eden Pastora,
- bekannt als "Commandante Zero" - berichtete 1982, daß die Festnahmen,Enteignungen und Konfiszierungen Anhänger

wie Gegner

Somozas, Gegenrevolutio-

näre wie Revolutionäre, Schuldige wie Unschuldige treffen.

"In den Gefäng-

nissen werden Gegenrevolutionäre genauso geschlagen wie die marxistischen Revolutionäre; die letzteren werden bestraft für das schwere Verbrechen, Marx
anders auszulegen als ihre Kameraden, die an der Macht sind".
In ihrem Bemühen um die absolute Kontrolle haben die Sandinisten auch
andere mächtige Kräfte Nicaraguas, einschließlich der Kirche und der Presse,
bedrängt. Weil sie in der Kirche eine Bedrohung sehen, haben die Sandinisten
wiederholt den Papst während seines Besuches in Managua Anfang dieses Jahres
belästigt und gestört, örtlichen Geistlichen ist es noch schlimmer ergangen;
so wurde Erzbischof Obando Y Bravo zweimal vom Pöbel angegriffen, verschiedene andere Priester wurden geschlagen.
La Prensa, eine der drei Zeitungen, die in Managua übriggeblieben sind,
erscheint trotz ihrer Opposition gegenüber den Sandinisten zwar noch, aber
zu einem hohen Preis.

Die Zeitung wird immer wieder zensiert oder muß für

längere Zeit ihr Erscheinen einstellen, und einige der Redakteure und Fotografen sind Angriffen ausgesetzt gewesen.
Vor vier Jahren hat die Organisation amerikanischer Staaten die Versprechungen der Sandinisten begrüßt und in einer Resolution zum Ausdruck
gebracht, daß Nicaragua eine auf breiter Grundlage stehende demokratische Regierung, möglichst bald freie Wahlen sowie Garantien benötigt, daß die Menschenrechte respektiert werden. Bis heute ist noch nicht eine dieser Zusagen an
die Bevölkerung in Nicaragua Wirklichkeit geworden.

+ + + + +

- 3 -

�Hintergrund
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20. Juli 1983

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"WALL STREET JOURNAL" ZUR SITUATION IN EL SALVADOR

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung
des Wall Street Journal, Copyright (c)
Dow Jones and Co., Inc., 1983.
Alle Rechte vorbehalten.

Unter der Oberschrift "Gespräche über was?" veröffentlichte das "Wall
Street Journal" am 13. Juli 1983 einen Leitartikel, der sich mit der Situation in El Salvador befaßt. Der Artikel hat folgenden Wortlaut:
Joaquin Villalobos, einer der salvadorianischen Guerillaführer, weiß,
wie man bei einem Thema zur Sache kommt.

In einer Sendung des in Nicaragua

stationierten Senders Venceremos erklärte Senor Villalobos, warum die Gespräche zwischen Repräsentanten der Guerilla und dem amerikanischen Sonderbeauftragten Richard Stone am vergangenen Wochenende erfolglos blieben.
Villalobos meinte, Botschafter Stone habe über Wahlen sprechen wollen, die
Guerilla jedoch über Machtbeteiligung.
"Wir haben deutlich gemacht, daß Wahlen keine Lösung für den Krieg
sind", sagte der Guerillaführer. "Die Lösung liegt in der Anerkennung der

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�Anerkennung der politisch-militärischen Kraft der FMLN (der Guerilla-Front)
bei der Errichtung einer neuen Regierung, bei der Bildung einer Armee, in
die die FMLN eingegliedert wird,und im Ende der Intervention der Vereinigten
Staaten."
Was könnte deutlicher sein?

Dies ist weder jetzt ein Krieg unzufriede-

ner Bauern, noch war er das jemals. Mr. Villalobos und die anderen Kommandeure sind professionelle Revolutionäre.

Sie arbeiten mit Professionellen

ihresgleichen im sandinistischen Direktorium in Managua und in den sowjetischkubanischen strategischen Hauptquartieren in Havanna.

Sie haben ihr Leben

dort draußen im Dschungel all die Jahre nicht riskiert, um die Demokratie zu
fördern.

Sie sind Kommunisten.

Sie wollen nur eins:

Die totale Kontrolle

von El Salvador.
Ein beachtlicher Teil der öffentlichen Meinung in den Vereinigten
Staaten beharrt darauf, daß Mr. Villalobos nur ein Spiel treibt, wenn er uns
sagt, er gehöre zu der harten Linie.

Ein gewisser Piero Gleijeses, Professor

an der Johns Hopkins-Universität, etwa schrieb in der jüngsten Ausgabe von
"Foreign Affairs", daß Salvador sich von Nicaragua unterscheide.

Die San-

dinisten hätten die totale Macht ergreifen können, weil sie einen totalen
Sieg über Somoza errungen hätten. Wenn die gewählte Regierung von El Salvador
die Macht mit der FMLN "teilen" würde, so würde sie auch weiterhin stark genug sein, um den Tendenzen der FMLN in Richtung auf einen Absolutismus zu
widerstehen.
Stellen wir uns einfach einmal eine andere Möglichkeit vor:

Die ge-

wählte Regierung von El Salvador (erinnern wir uns doch an diese Wahl, als
all die Salvadorianer, die ihre Stimme abgeben wollten, kommunistische Geschosse riskierten) handelt mit Villalobos und seinen Freunden ein Geschäft
der "Machtbeteiligung" aus. Mit ihrer neugewonnenen Legitimität veranstalten Mr. Villalobos und seine Truppen einen großartigen Triumphmarsch durch
das Zentrum von San Salvador und zeigen der Welt mit all der Dynamik des Revolutionstheaters, daß sie den Krieg gewonnen haben.
- 2-

Die salvadorianische

�Die salvadorianische Mittelklasse, die bislang bemerkenswert beweglich war,
macht sich in Richtung Ausgang auf - in der Annahme, daß mit ihr ein Ausverkauf betrieben wurde.

Die politische Basis für die gewählten demokratischen

Parteien beginnt zu erodieren.

Bald wird Mr. Villalobos darauf bestehen,

einige kubanische "Lehrer" zu benötigen, die ausschwärmen und mit der Organisation der politischen Umerziehung beginnen.

Dann wird eine große sowje-

tische Mission eröffnet und bietet Wirtschaftshilfe an - und bringt damit
die Botschaft, daß eine neue Großmacht übernommen hat.
Natürlich will Mr. Villalobos eine Beteiligung an der Macht. Der Mann
ist kein Narr. Aber er muß sich sicher über die Leichtgläubigkeit jener amerikanischen Politiker wundern, die darauf bestanden haben, daß Präsident
Reagan Botschafter Stone dorthin schickt, um ein Geschäft zu machen. Wenn
die Vereinigten Staaten den Ausverkauf der Demokratie wollen und über eine
Machtbeteiligung reden, dann natürlich kann es zu einem Geschäft kommen.
Wenn nicht, dann hören wir ja direkt von Radio Venceremos, daß es keinen
Sinn hat, miteinander zu reden.

+ + + + +

- 3 -

�20. Juli 1983

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WISSENSCHAFT UND TECHNIK - INTERNATIONAL
Zusammenarbeit als Ziel amerikanischer Außenpolitik -

WASHINGTON - (AD) - Mehr internationale Zusammenarbeit in Wissenschaft und
Technik betrachtet Präsident Reagan als eines der wichtigsten Ziele der amerikanischen Außenpolitik.

In seiner mit dem Jahresbericht für 1982 über die

internationalen Aktivitäten der US-Regierung auf den Gebieten von Wissenschaft
und Technik dem Kongreß übermittelten Erklärung verweist der Präsident u.a.
auf die Einrichtung von 18 neuen Projekten, für die sich die Regierungschefs
auf der Gipfelkonferenz von Williamsburg einsetzten, sowie auf gemeinsame
Projekte mit Indien, Brasilien, Pakistan, China und der Sowjetunion.

In der

Erklärung heißt es:
"... Im vergangenen Jahr kam es zu mehreren wichtigen Entwicklungen in
unseren internationalen Wissenschaftsbeziehungen, die alle eines unserer außenpolitischen Hauptziele widerspiegeln - nämlich Wissenschaft und Technik in
unseren Beziehungen zu anderen Ländern stärker zu betonen.

Dies ist nicht nur

generell bedeutsam für unsere Auslandsbeziehungen, sondern auch für die Realisierung vieler unserer eigenen Ziele in Wissenschaft und Technik.
meinem

Wie ich in

Jahresbericht an den Kongreß über Wissenschaft und Technik erklärte,

kann internationale Zusammenarbeit vielen unserer eigenen Interessen dienlich
sein.

Ich habe deshalb meinen Wissenschaftsberater, Dr. George Keyworth, gebeten,

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�gebeten, internationalen Angelegenheiten besondere Aufmerksamkeit zu widmen.
Innerhalb der gesamten Bundesregierung wurde überdies durch eine konzertierte
Aktion unser Engagement demonstriert, durch die Nutzung von Fortschritten in den
Wissenschaften sowohl nationalen als auch internationalen Herausforderungen
gerecht zu werden.
Wesentliche Fortschritte

sind bereits zu verzeichnen. Auf der Gipfelkon-

ferenz von Versailles war internationale Zusammenarbeit in der Wissenschaft zum
ersten Mal ein

Diskussionsthema für die führenden Persönlichkeiten der wichtigsten

demokratischen Industriestaaten.

Auf Grund dieser Erörterungen wurden von den

Teilnehmerländern eine Studie über Zusammenhänge zwischen Technologie, Beschäftigung und Wirtschaftswachstum und die Durchführung von 18 neuen Gemeinschaftsprojekten unserer Länder in die Wege geleitet. Obgleich diese Projekte in erster
Linie vom einen oder anderen Partnerland der Gipfelkonferenz geleitet werden,
könnten schließlich auch andere Staaten und internationale Organisationen einbezogen werden. Auch besteht dadurch die Möglichkeit, mit der Zeit auch Ländern
der Dritten Welt zu mehr Fortschritt zu verhelfen. Diese Projekte verstärkter
Zusammenarbeit wurden auf der Gipfelkonferenz der Regierungschefs

in Williamsburg

unterstützt, und man kam überein, sie beim nächsten Treffen erneut zu erörtern.
Im Juli vergangenen Jahres leiteten Ministerpräsidentin Indira Gandhi und
ici. ein neues Programm für verstärkte Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten
Staaten und Indien in die Wege. Einige der angesehensten Wissenschaftler beider
Länder trafen sich im Januar in Indien und bereiteten ein weitreichendes Programm
auf den Gebieten Medizin, Landwirtschaft, Meteorologie und Energie vor. Die
praktische Arbeit begann im April 1983, und wir erwarten die ersten Ergebnisse
innerhalb der nächtsten zwei Jahre.
Ähnlich bekräftigten anläßlich meines Besuches in Brasilien im vergangenen
Jahr Präsident Figueiredo und ich unseren Wunsch, die Zusammenarbeit in Wissenschaft
und Technik zu verstärken. Wir entwickelten ein entsprechendes Programm auf fünf
wichtigen Gebieten, und ich schlug vor, daß im Rahmen unserer vorgesehenen

- 2 -

�unserer vorgesehenen Anstrengungen auf dem Weltraumsektor ein brasilianischer
Nutzlastspezialist zusammen mit amerikanischen Astronauten trainiert, um an
einer künftigen Raumfähren-Mission teilzunehmen.

Als Präsident Zia von Pakistan

im Dezember 1983 Washington besuchte, kamen wir überein, eine neue gemeinsame
Kommission zur Koordinierung mehrerer bilateraler Projekte einzusetzen

zu denen

auch gemeinsame Unternehmungen in Wissenschaft und Technik gehören.
Im Mai besuchte eine Delegation unter der Leitung von Dr. Keyworth die Volksrepublik China, um an der dritten, überaus erfolgreichen Konferenz der gemeinsamen
amerikanisch-chinesischen Kommission für wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit teilzunehmen.

Am Ende der Tagung wurden drei neue Protokolle über

Zusammenarbeit in Nuklearphysik und magnetischer Kernfusion, in Luftfahrtwissenschaft und -technik sowie in Wissenschaft und Technik für das Verkehrswesen
unterzeichnet.

Sie ergänzen 17 bereits bestehende Protokolle, die u.a. Land-

wirtschaft, Studenten- und Forscheraustausch, Raumfahrttechnik, Hochenergiephysik
und Wasserkraftnutzung umfassen. Außerdem wurde ein Memorandum über geplante
Zusammenarbeit in der Grundlagenforschung auf biologischem und medizinischem
Gebiet unterzeichnet.

Die Förderung unserer Beziehungen zu China liegt in unserem

eigenen Interesse. Wissenschaft und Technik sind ein wichtiger Teil dieser Beziehungen, und ich habe kürzlich Schritte unternommen, um sicherzustellen, daß China
besseren Zugang zu der amerikanischen Technologie bekommt, die es für die angestrebte wirtschaftliche Modernisierung braucht.

Wir werden China auch weiterhin

durch Kooperationsmaßnahmen in Wissenschaft und Technik unterstützen, von denen
beide Seiten profitieren.
Unsere Zusammenarbeit mit der UdSSR in Wissenschaft und Technik setzen wir
fort.

Dies ist eine affektbehaftete Angelegenheit, die durch das Verhalten der

Sowjets in Bezug auf Afghanistan und Polen sowie ihre Bemühungen, sensitive
Technologie aus dem Westen zu erlangen, noch kompliziert wird.

Entscheidungen

über die Erneuerung von Vereinbarungen werden von Fall zu Fall getroffen, wobei
diese Besorgnisse ebenso wie die den USA aus einer Zusammenarbeit erwachsenden
Vorteile berücksichtigt werden.

So habe ich kürzlich der Erneuerung eines

Abkommens über Zusammenarbeit mit den Sowjets auf dem Gebiet der Atomenergie
im Rahmen entsprechender Einschränkungen zum Schut

unserer

-

Interessen, die

aber die Arbeit nicht behindern - zugestimmt.
Diese Beispiele

�Diese Beispiele lassen den Bereich unserer internationalen Anstrengungen
a . r\ Gebieten Wissenschaft und Technik erkennen, zeigen jedoch keineswegs
das s:ze Bild. Wir haben Programme mit mehr als drei Dutzend Ländern in allen
Teiler, der Welt und in allen Schwierigkeitsgraden laufen. Wissenschaft ist,
wie allgemein bekannt, schon immer eine Sache von besonderem internationalen
Charakter gewesen. Und Fortschritte in der Wissenschaft können grundlegende
Beiträge zu Freiheit und Wohlstand in der ganzen Welt leisten. Diese Gespräche
stellen große Anforderungen, denn wir müssen in unserem Zeitbegriff mit Jahrzehnten, ja Generationen rechnen. Allein aus diesem Grund wird unsere Regierung,
bereit zur Kooperation, auch künftig eng mit anderen Zusammenarbeit1.
die willens
sind, mit uns zusammenzugehen."
,n

+ + + + +

�Wi//en/chcift
und Technik
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20. Juli 1983

WELTWEITE ÜBERWACHUNG SEISMISCHER DATEN
LISA entwickeln neues Mikrocomputersystem -

- (AD) - Der seismologisehen Expertengruppe für die Abrüstungskonferenz
in Genf wurde am 14. Juli 1983 ein verbessertes Mikrocomputersystem vorgeführt, mit dem unterirdische seismische Effekte als Folge von Erdbeben und
Kernexplosionen gemessen werden sollen.

Die Gruppe ist gegenwärtig mit der

Ausarbeitung eines internationalen Systems für den Austausch seismischer Daten beschäftigt, die weltweit über ein Netz von Beobachtungs- und Meßstationen gesammelt werden, um im Fall einer entsprechenden Übereinkunft die Einhaltung eines umfassenden Verbots von Kernexplosionen zu überwachen.

Das in

den Vereinigten Staaten entwickelte Mikrocomputersystem erleichtert den weltweiten Austausch seismischer Daten ganz erheblich.
Die Kommission - jenes Forum, wo in erster Linie die multilateralen Gespräche über Abrüstung stattfinden - befaßt sich intensiv mit Verifizierungsfragen, die sich im Zusammenhang mit einem Abkommen über das Verbot aller Kernwaffenversuche ergeben.

Ein multilaterales Testverbot würde den internatio-

nalen Austausch seismischer Daten einbeziehen, die von Stationen in den Partnerländern erfaßt und registriert werden.
Das neue

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�Das neue Mikroprozessor-System würde alle Informationen erhalten, die
die angeschlossenen seismischen Sensoren aufnehmen.

Mit Hilfe der eingebau-

ten Computerprogramme zur Analyse der Informationen lassen sich nützliche
Daten wie Häufigkeit, Richtung und Größenordnung (Amplitude) von Bodenerschütterungen aussortieren, die von Erdbeben oder Kernexplosionen herrühren.
Laut Dr. Bernard Minster von der Fa. S-Cubed, die die "Software" (Programme)
für das System "entwickelt hat, würde ein in der Analyse erfahrener Informatiker bei Benutzung des Systems "weniger als eine halbe Stunde" benötigen,
um anhand der seismischen Meßdaten Ort und Größenordnung des "Vorkommnisses"
zu ermitteln.
Von den nationalen seismischen Stationen würden die Daten an internationalen Datenzentren weitergegeben, die man bei Zustandekommen eines Vertrages
z.B. in Washington, Moskau und Stockholm einrichtet.

Dort würden die Daten

aus den einzelnen Ländern zusammengefaßt und zur Veröffentlichung in einem
regelmäßig erscheinenden "Bulletin über seismische Vorkommnisse" verwendet,
in dem die Merkmale spezieller Phänomene unterirdischer Erschütterungen beschrieben werden.
Die Vereinigten Staaten entwickelten als Prototyp ein computergestütztes System, das jedes Land für seine nationale seismologisehe Station benutzen
könnte. Das gesamte System - einschließlich Computer mit Informationsspeicher
für eine Million Bytes, einer Hochleistungs-Speicherscheibe und Magnetbändern,
visueller Darstellung in Farbe und Schwarz-Weiß, nachrichtentechnischen Ausrüstungen und modernster Software für seismologisehe Analysen und Datenaufbereitung - würde Minster zufolge weniger als 50 000 Dollar kosten. Für die
Übermittlung von Daten könnte es an das normale Telefonnetz und das von der
UN-Organisation für Meteorologie (WMO) betriebene weltweite Nachrichtennetz
angeschlossen werden.

+ + + + +

�</text>
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