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                    <text>AMERIKA DIENST

24

2 1 . Juni 1989

INHALT

DOKUMENTATION
Crowe; Sowjetische Armee Immer noch schlagkräftig
- Rede an der Militärakademie in Moskau -

INFORMATION
Gephardt; Erfahren in der Gesetzgebung - Unermüdlich in Wahlkämpfen
- Porträt des neuen Mehrheitsführers im Repräsentantenhaus Gray eilt der Ruf von Fairness und Pragmatismus voraus
- Porträt des neuen "Einpeitschers" der Demokraten -

HINTERGRUNDMATERIAL
Warschauer Pakt mißachtet KSZE-Verpflichtungen
- Der~26. Halbjahresbericht der KSZE in Auszügen -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
AIDS-Epidemie für den Amerikanischen Kontinent befürchtet
- WHO-Experten vergleichen Situation mit Afrika -

* * * * *

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�v^SJ 3 ^

^7

AMERIKA DIENST
Dokumentation

C$

21. Juni 1989

24

CROWE:

SOWJETISCHE ARMEE IMMER NOCH SCHLAGKRÄFTIG

- Rede an der Militärakademie in Moskau (Auszüge)

MOSKAU - (AD) - Trotz einseitiger Reduzierungen bedroht der "überwältigende Umfang" der sowjetischen Armee den Westen, so der Vorsitzende der vereinigten Stabschefs, Admiral Crowe, am 14. Juni 1989 vor Studenten und Ausbildern der Woroschilow-Militärakademie in Moskau. Er begrüßte aber "die angekündigten Veränderungen im Denken und in der inneren Struktur der sowjetischen
Armee" und forderte zu intensiveren militärischen Kontakten zwischen den beiden Supermächten auf.
Im folgenden Auszüge aus Crowes Rede:

Die Beziehung zwischen unseren
beiden Militärs wurde in einer Zeit
der Prüfung geboren, jener Zeit des
Zweiten Weltkrieges - Ihres großen
patriotischen Krieges - als die Vereinigten Staaten die Leih-und-PachtHilfe für die Sowjetunion fortführten.
Im Zuge dieser Zusammenarbeit
lernten amerikanische und sowjetische
Soldaten einander gut kennen, und
einige Amerikaner nahmen sogar an militärischen Operationen der Sowjets
teil.

schichte überdauert.
Die Zeit dieser unmittelbaren Zusammenarbeit war natürlich nur von
kurzer Dauer und wurde abgelöst von
der Nachkriegszeit, einer Zeit der
Konfrontation im geteilten Europa und
anderen Ländern. Doch halte ich es
für bemerkenswert, daß sogar in einer
solchen Zeit Uniformierte auf beiden
Seiten bei zahlreichen Aktivitäten
zum Abbau der Spannungen eine wichtige und konstruktive Rolle gespielt
haben.

So beschränkt uns diese Zusammenarbeit heute auch erscheinen mag, hat
doch die Erinnerung daran und an die
Achtung, die amerikanische Soldaten
ihren sowjetischen Kollegen entgegenbrachten, den Wandel der Zeit und damit auch die Wechselfälle der Ge-

- Beispielsweise wurden im geteilten Deutschland Militärmissionen
errichtet und Dialoge zwischen
den Befehlshabern der Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion in
die Wege geleitet; diese Kontakte.

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�bestehen bis heute fort.
- Militärangehörige
haben
ferner
bei der Einrichtung der Luftkorridore nach Berlin eine Rolle gespielt,
- bei der Verhandlung über und der
anschließenden Durchführung der
"Vereinbarungen über Vorfälle auf
See" von 1972;
- bei den Abrüstungsgesprächen und
Maßnahmen zur Risikoreduzierung,
- bei den SALT, START, und KSE-Verhandlungen in Wien,
- Bei der KSZE-Schlußakte von 1975
sowie dem Stockholmer Abkommen im
Jahr 1985,
- im Ständigen Konsultativausschuß
- und heute bei dem entscheidenden
Veriftzierungsverfahren zum INFAbkommen in beiden Ländern.
Insgesamt zeigt dieser kurze historische Abriß, daß wir trotz der
Ungleichheit der Entwicklungen in der
Vergangenheit über ein großes Kapital
verfügen, auf dem wir in der Gegenwart aufbauen können.
Täuschen wir uns nicht. Wir, die
wir versuchen, die gegenwärtigen sozialen und wirtschaftlichen Anforderungen zu erfüllen, ohne dabei unsere
eigene Sicherheit zu gefährden, werden in unserer Geschichte mit großen
Herausforderungen konfrontiert. Aber
diese sollten uns weder entmutigen
noch abschrecken. Die führenden Politiker unserer beiden großen Nationen sind entschlossen, dieser Herausforderung klar ins Auge zu sehen.
Dank des politischen Mutes, den Parteichef Gorbatschow und Präsident
Reagan - jetzt Bush - demonstriert
haben, befassen sich Amerika und die
Sowjetunion heute ernsthaft mit den
großen Streitfragen, die uns trennen.
Die Armeen unserer beiden großen Länder sind nun ihrerseits gefordert,
nach Wegen zu suchen, um diese Bemü-

hungen zu beeinflussen.
Im Zuge solcher Bemühungen habe
ich letztes Jahr Marschall Achromejew
in die Vereinigten Staaten eingeladen, um unsere Armee zu besuchen und
unsere Bürger kennenzulernen.
Wir führten lange Gespräche über
unsere jeweiligen Heimatstaaten und
legten
in
einem
aufschlußreichen
Austausch unsere jeweiligen Standpunkte in Sicherheitsfragen dar.

t

Wir kamen zu einigen allgemeinen
Schlußfolgerungen:

i

Zunächst ist es unbedingt erforderlich, daß unsere beiden Militärs
nach Wegen suchen, um zu dem umfangreicheren Prozeß des Abbaus von Spannungen zwischen unseren beiden Regierungen sowie zur Förderung der Stabilisierung beizutragen.
- Wir waren beide der Meinung daß
das in der Nachkriegszeit zwischen Washington und Moskau entstandene "Mißtrauen" eines der
wichtigsten Hindernisse für verbesserte Beziehungen ist. Echte
Fortschritte erfordern, daß wir
gegenseitiges Verständnis fördern
und Möglichkeiten finden, um Ressentiments und Mißtrauen abzubauen. Es ist unabdingbar, daß jede
Seite die andere so gut wie möglich versteht und sich von Klischees und Argwohn freimacht.
Mit diesem Ziel vor Augen konnten
wir ein Programm für weitere militärische Kontakte vereinbaren.
Das Rahmenwerk sieht zwei Wege
vor:
Eine gemeinsame Arbeitsgruppe über "gefährliche militärische Aktivitäten" und einen
Zweijahresplan, der gegenseitige
Besuche von führenden Militärs,
Kriegsschiffen, Historikern, Medizinern und Sportlern vorsieht.
- In ähnlicher Weise sind der Marschall und ich übereingekomen,
daß Initiativen zur Rüstungsreduzierung für die Verbesserung unseres Verhältnisses von grundle-

{

�gender Bedeutung sind. Für den
Erfolg solcher Bestrebungen ist
die einhellige Unterstützung unserer beiden Streitkräfte notwendig.
Dabei müssen noch viele
technische Fragen besprochen werden, die nur von den entsprechenden Fachleuten gelöst werden können. Darüber hinaus ist es zwingend erforderlich, daß ausgehandelte Reduzierungen in einer Weise vorgenommen werden, die ein
angemessenes
Gleichgewicht
für
jede Seite und ein verläßliches
Sicherheitsniveau schafft.
Auch
hier wird die gesunde Urteilskraft unserer militärischen Führer besonderes Gewicht haben.
- Um schnellere Fortschritte erzielen zu können, sind wir über die
Notwendgikeit eines freien Meinungsaustauschs und eines besseren Verständnisses der Doktrin
und Ziele der jeweils anderen
Partei übereingekommen. Wir haben erkannt, daß diesen Kontakten
Grenzen gesetzt sind. Alle Länder haben von Natur aus ihre ureigensten Perspektiven, die zum
Teil auf unterschiedliche Geschichte, Geographie und strategische
Umstände
zurückzuführen
sind.
- Zum Schluß haben der Marschall
und ich anerkannt, daß die vor
uns liegenden Aufgaben sehr umfangreich sind.
Es wird viel
Zeit, Geduld, Beharrlichkeit und
Überlegung
erfordern, um alle
Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Aber es steht viel auf dem
Spiel, was diese außerordentlichen
Anstrengungen
rechtfertigt. Wir dürfen nicht, aufgeben
oder uns entmutigen lassen - in
unserem Zeitalter gibt es keine
vernünftige Alternative.
Ich persönlich bin im Hinblick
auf das Endergebnis und die positive
Rolle, die unsere jeweiligen Streitkräfte in den kommenden Jahren übernehmen können, sehr optimistisch.

Was die Zukunft unserer Beziehungen anbelangt, müssen sowohl Moskau
als auch Washington sehr vorsichtig
vorgehen, um bei den Beziehungen zwischen unseren Militärs Fortschritte
zu erzielen.
Geeignete Punkte für
Diskussionen und Austausch müssen im
Einklang mit unseren Sicherheitsinteressen und
angesichts weltpolitischer Entwicklungen sorgfältig definiert werden.
Wir waren in der Tat sehr aufmerksam, und
einige Veränderungen
treten bereits klar zutage. Von unserem Standpunkt aus nehmen wir jedoch manchmal widersprüchliche Anzeichen wahr, die hoffentlich mit der
Zeit zu unseren Gunsten gelöst werden.
In dieser Hinsicht haben die
vom Vorsitzenden Gorbatschow im vergangenen Dezember angekündigten Reduzierungen und Umstrukturierungen bei
den Streitkräften einen weiteren Hinweis darauf gegeben, was das Konzept
des "vernünftigen und ausreichenden
Verteidigungsniveaus" bedeutet. Wenn
die grundlegenden Programme zum Erfolg geführt werden, werden sie einen
wichtigen Schritt zur Lösung unseres
langfristigen
Anliegens
über
das
Übergewicht - das echte Gewicht - Ihrer Streitkräfte darstellen und insbesondere auch über ihren offensiven
Einsatz zum Beispiel bei einem Überraschungsangriff.
Sie müssen auch die Art und Weise
verstehen, wie wir die einseitigen
Vorschläge Ihrer Regierung betrachten. Unserer Ansicht nach werden die
Reduzierungen lediglich einen winzigen Teil der sowjetischen Militärmacht betreffen. Wenn sie durchgeführt werden, konzentrieren sie sich
auf Einheiten, die einen kriegsschauplatzgebundenen
Krieg
führen,
aber auch nach den vorgesehenen Reduzierungen werden Sie das größte aktive Militär der Welt besitzen und zudem bei vielen Arten von Gerät einen
größeren
Bestand
an militärischer
Ausrüstung besitzen als die NATO insgesamt.
Um es ganz deutlich zu sagen, so

- 3 -

�ist es für Amerikaner - und auch für
andere Länder - ziemlich schwierig,
sich vorzustellen, wie eine solche
massive Machtkonzentration durch berechtigte
Verteidigungserfordernisse
zu rechtfertigen ist.
Sie müssen ebenfalls unser berufsmäßiges Anliegen im Hinblick auf
die gegenwärtigen Asymmetrien im RUstungsgleichgewicht verstehen. Nehmen Sie zum Beispiel Europa. Was man
auch über die Absichten Ihrer Führer
oder den Charakter Ihrer Strategie
glauben mag, so führt doch ein einfaches Rechenexempel zu Ihren Fähigkeit unweigerlich zu dem Schluß, daß
die NATO, wenn sie die Verteidigung
Europas ernst nimmt - was ich Ihnen
versichern kann - nicht voreilig
wichtige Waffensysteme aufgeben kann
- insbesondere nicht in der Luft und
bei
den
kriegsschauplatzgebundenen
Waffen.
In ähnlicher Weise lehrt uns Ihre
ungeheure zahlenmäßige Überlegenheit,
daß wir starke maritime Fähigkeiten
haben müssen, um die Seewege offenzuhalten, potentielle Kriegsschauplätze
zu verstärken und zu halten. Es gibt
keine andere vernünftige Haltung die
wir einnehmen können. Ich bin überzeugt, daß Sie, wenn Sie an meiner
Stelle oder im NATO-Rat wären, von
denselben
Erfordernissen
geleitet
sein würden.
Mit anderen Worten - wenn diese
uns seit langem beunruhigenden Asymmetrien nicht gelöst werden, kann
vernünftigerweise nicht erwartet werden, daß Washington - und ich als
Vorsitzender der Vereinigten Stabschefs - unsere Fähigkeit gefährdet,
Westeuropa zu erreichen und unseren
Verpflichtungen innerhalb der NATO
nachzukommen. In dieser Hinsicht betrachte ich den jüngsten Vorschlag
der Sowjets im Rahmen von KSE als
höchst ermutigend, da hierbei die
Gleichheitsgrundsätze
ausdrücklich
anerkannt werden. Einzelheiten müssen dabei noch gelöst werden, denn
zusammen mit Präsident Bushs jüngster
Intervention sehen wir Aussichten für

echte Veränderungen der militärischen
Landschaft in Europa und ermutigende
Stabilität.
Der gleiche Ansatz bestimmt natürlich auch unsere Erfordernisse bei
den strategischen Waffen und unterstreicht unser gesamtes Abschrekkungskonzept.
Bitte vergegenwärtigen Sie sich,
daß ich hier die amerikanische Auffassung vertrete. Ich bin mir darüber im klaren, daß Sie berechtigte
Anliegen im Hinblick auf Ihre Intentionen und Fähigkeiten lösen müssen,
was in einem Dialog geschehen muß,
daß wir mehr über einander wissen
müssen und daß beide Seiten ihre ganze Phantasie und ihr staatsmännisches
Geschick aufwenden müssen, bevor wir
eine gemeinsame Basis haben.
Damit kein Zweifel entsteht: Ihre amerikanischen Amtskollegen begrüßen die angekündigten Veränderungen im Denken und in der Struktur
beim sowjetischen Militär. Wir werden die weitere Entwicklung dieser
Veränderung genau beobachten und hoffen, daß sich diese Impulse weiter
fortsetzen. Bei diesem Besuch hoffe
ich, viel über ihren neuen Blickwinkel zur Verteidigung zu lernen. Sicherlich kann ein beständiges Programm der Kontakte dazu beitragen,
Unsicherheiten auf beiden Seiten auszuräumen.
Mir ist es ein besondere Anliegen, der sowjetischen Regierung und
dem Volk die grundlegenden Ziele der
amerikanischen Verteidigungsstrategie
darzulegen und darüber hinaus zu betonen, daß unser Ziel darin besteht,
uns einer Aggression zu widersetzen,
nicht sie zu beginnen.
Wenn wir diese Probleme angehen,
ist es wichtig, daß wir ein umfassenderes Verständnis des jeweils anderen
Systems erlangen. Um in diesem Punkt
offen zu sein, so haben die Amerikaner nur ein begrenztens Verständnis
vom Zusammenspiel Ihrer militärischen
und politischen Behörden bei der Kon-

�zeptlon sowjetischer Politik.
Wir
beobachten - wenn auch von ferne mit großem Interesse den Prozeß politischer Reformen, die sich in der
Sowjetunion heute vollziehen.
Ich
möchte mich nicht in Ihre innenpolitischen Diskussion einmischen. Tatsächlich haben meine Landsleute seit
1776 die Auffassung vertreten, daß
jede Gesellschaft das Recht hat, die
Regierungsform zu wählen, die sie für
die beste hält. Lassen Sie mich also
ein System beschreiben, daß ich sehr
gut kenne - das amerikanische - und
ihnen darlegen, wie ein Offizier das
Verhältnis des Militärs zum politischen System beurteilt.

gleichzeitig
Oberbefehlshaber
der
Streitkräfte ist. Dieses Mittel der
Verfassung spiegelt den Wunsch unserer Gründerväter wider, 'zivile Kontrolle' militärischer Operationen zu
gewährleisten und gleichzeitig eine
einzige Autorität einzusetzen, die
entschieden
und
energisch handeln
kann.

Das wichtigste Merkmal aller politischen Entscheidungen in der amerikanischen Regierung ist Pluralismus, das heißt, es gibt bei jeder
wichtigen Entscheidung viele Stimmen.
Das trifft insbesondere im Bereich
der Sicherheit zu, wo die Beteiligung
der Zivilbevölkerung sehr stark ist.
Am bemerkenswertesten ist die zu jeder wichtigen Frage stattfindende öffentliche Diskussion.

Aber entscheidend dabei, ist, daß
sowohl der Präsident als auch der
Kongreß vom Volk gewählt sind. Im
amerikanischen System bedeutet zivile
Kontrolle demokratische Kontrolle des
Militärs.
Der
Präsient
hat die
Macht, gegebenenfalls schnell zu handeln, aber das Volk kann sein Urteil
hinterfragen, ihn zur Rechenschaft
ziehen und ihn bei Bedarf kritisieren.

Die Lage wird dadurch noch komplizierter, daß die amerikanische
Verfassung unserem Kongreß verschiedene wichtige Machtbefugnisse überträgt, zum Beispiel die Verantwortung, Verträgen zustimmen, die Armee
und die Marine zu mobilisieren und zu
unterstützen, Reserven zu mobilisieren und Kriege zu erklären. All dies
kann nicht der Präsident veranlassen,
sondern nur der Kongreß. Das heißt,
wichtige Entscheidungen zur Verteidigung werden nicht nur in einem Prozeß
getroffen, der komplex und gründlich,
sondern auch formell und offen ist.
Die Autorität des Kongresses in bezug
auf den Haushalt gestattet beispielsweise konstante und überall veröffentlichte Anfragen, Nachforschungen
und Untersuchungen über das, was wir
tun.
Ergänzend ist zum Verhältnis zwischen zivilem und militärischem Bereich im amerikanische System noch
anzuführen, daß unserer Präsident
- 5

Das ist jedoch keine völlig unabhängige Macht. In jedem Fall diskutieren der Präsident und der Kongreß
die Grenzen der Rechte des jeweils
anderen, insbesondere in der Außenpolitik.
Von außen erscheint dies
manchmal verwirrend.

Die demokratische Kontrolle des
Militärs ist trotz aller Mängel der
wichtigste Grundsatz des amerikanischen Systems. Nach Auffassung des
Militärs werden damit die Aussichten
verbessert, daß unsere Maßnahmen die
Zustimmung der Öffentlichkeit und ihre Legitimierung erhalten. Gleichermaßen wichtig ist die Tatsache, daß
unsere Soldaten - die Freiwillige
sind - mit den Wurzeln der Macht verbunden bleiben - unsereu Bürgern.
Da durch Wahlen sichergestellt
wird, daß unsere zivilen Behörden die
Zustimmung der Regierten genießen,
bedeutet zivile Kontrolle des Militärs nicht, daß eine Bürokratie sich
über eine andere stellt. Wie James
Madison schrieb, ist das Volk "die
reine, ursprüngliche
Quelle jeder
rechtmäßigen
Autorität".
Demokratische Politiker treffen schwierige
Entscheidungen, führen manchmal die
öffentliche Meinung an, der sie sich
manchmal auch anschließen, aber die
Tatsache, daß ihre Autorität auf die

�ausdrückliche Wahl des Volkes zurückzuführen Ist, ist ihr wertvollstes
Kapital.
Kein führender Politiker in den
Vereinigten Staaten - weder aus dem
Militär noch aus dem zivilen Bereich
- wünscht einen Krieg. Wir haben immer die Auffassung vertreten, die sowohl Präsident Reagan als auch Generalsekretär Gorbatschow haben: daß
ein Atomkrieg nicht gewonnen werden
kann und niemals geführt werden darf.
Die Bewahrung des Friedens ist die
grundlegende Mission unserer Streitkräfte, und der vorrangige Maßstab
unseres Erfolgs ist die Fähigkeit zur
Abschreckung von atomaren oder nichtatomaren Konflikten.
Ich spreche als Offizier, dessen
47 Dienstjahre die gesamte Nachkriegszeit umspannen und der auf den
höchsten Ebene europäischer und asiatischer Befehlsbereiche wie auch in
Washington gedient hat, und ich habe
niemals von irgendeinem Plan der Vereinigten Staaten erfahren, mit dem
ein Angriffskrieg gegen die Sowjetunion oder jemand anderen begonnen
werden sollte.
Tatsächlich ist es
diese Grundwahrheit, die hoffentlich
durch unsere Kontakte verstärkt werden kann, und ich spreche dabei mit
einem Vertrauen, daß sich auf unmittelbaren Kontakt mit unserer Führungsspitze wie auch mit unserem Volk
gründet.

Wenn sich die politischen Beziehungen zwischen Moskau und Washington
weiterhin verbessern, sehe ich ein
größeres Potentia] für intensivere
militärische Kontakte als in der Vergangenheit. Sie würden von der beiderseitigen Absicht geleitet, Krisenstabilität und Vertrauen in das Bestreben der anderen Seite um die Vermeidung von Konflikten zu schaffen.
Durch offene und grundlegende Diskussionen über den Charakter der militärischen
Strategie, Informationsaustausch über Fragen wie Haushaltsund Beschaffungspläne, den erweiterten Austausch von Personal, die Entwicklung von Systemen zur Verifizierung von Rüstungsreduzierungen und
die Erarbeitung Vertrauens- und sicherheitsbildender Maßnahmen, werden
wir in der Lage sein, unsere Regierungen bei der Schaffung eines insgesamt konstruktiveren Verhältnisses zu
unterstützen und damit die Aussichten
für einen Konflikt zu verringern.
Marschall
Achromejew,
General
Moissejew und ich haben bei diesem
Projekt den ersten Schritt getan. Es
wird an Ihnen und an Ihren amerikanischen Kollegen liegen, die nächsten
Schritte in die Zukunft zu unternehmen.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Information

'VON'«*

21. Juni 1989

24

GEPHARDT:

ERFAHREN IN DER GESETZGEBUNG - UNERMÜDLICH IN WAHLKÄMPFEN

- Porträt des neuen Mehrheitsführers im Repräsentantenhaus -

WASHINGTON - (AD) - Mit seiner Wahl zum Mehrheitsführer des amerikanischen
Repräsentantenhauses erklimmt der Abgeordnete Richard Gephardt die weitere
Stufe einer Leiter, die von schnellem Fortschritt und bemerkenswerten Leistungen in der Gesetzgebung gekennzeichnet war.

Dem Abgeordnete aus Missouri, der
sich im vergangenen Jahr erfolglos um
die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Demokratischen Partei
beworben hatte, eilt auf der zweitwichtigsten Position, die das Repräsentantenhaus zu vergeben hat, der
Ruf eines unermüdlichen Wahlkämpfers
- für sich und andere - voraus. Er
gilt darüber hinaus als Stratege in
der Gesetzgebung mit der besonderen
Fähigkeit, seinen Kollegen zuzuhören
und bei schwierigen Fragen den Konsens zu suchen.
Als Mehrheitsführer ist der 47jährige Gephardt Nachfolger von Tom
Foley, der den ausgeschiedenen Jim
Wright abgelöst hatte. Foley war einer der 70 Demokraten im Repräsentantenhaus, der 1988 Gephardts Streben

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nach dem Präsidentenamt
hatte.

unterstützt

In einer Stellungnahme zum Wahlkampf von Gephardt erklärte Foley:
"Der seit mehr als 16 Jahren am öffentlichen
Leben
beteiligte
Dick
Gehardt war immer seiner Zeit voraus.
Er scheint immer die Ereignisse vorherzusehen und weiß dann, was als
nächstes getan werden muß. Und dann
schafft er das auch. Er ist eine bemerkenswerte Führungspersönlichkeit."
Gephardt ist Absolvent der Northwestern University und der rechtswissenschaftlichen Fakultät der University of Michigan. Nach seinem Examen
diente er in der Missouri Air National Guard als Hauptmann und Offizier
für Rechtsfragen.
Seine politische

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�Laufbahn begann Anfang der siebziger
Jahre als Ratsherr im Stadtrat von
St. Louis.
Gephardt wurde 1976 in den Kongreß gewählt und hat seitdem jede
Wahl mit über 66 Prozent der Stimmen
gewonnen. Er ist Mitglied im Finanzausschuß und in den Unterausschüssen
für Handel und Sozialversicherungswesen. Er hat sich bei vielen wichtigen Themen wie etwa Steuerreform, Rüstungskontrolle ,
Landwirtschaft,
Welthandel und Gesundheitswesen zu
Wort gemeldet.
Von 1984 bis 1987 war Gephardt
Vorsitzender
der
Gruppe
demokratischer Abgeordneter im Repräsentantenhaus. Einer zu seinem Wahlkampf
veröffentlichten Biographie zufolge
war er der jüngste jemals gewählte
Amtsinhaber.
Bei seinem Präsidentschaftswahlkampf fand Gephardt besonderen Anklang bei der arbeitenden Bevölkerung
- Bauern und Automobilarbeitern -,
deren Lebensunterhalt
vom Verkauf
amerikanischer Waren im Ausland abhängt und sagte dem amerikanischen
Handelsdefizit dem Kampf an. Gleichzeitig brachte er einen Gesetzentwurf
- den vom Repräsentantenhaus verabschiedeten Gephardt-Zusatz - im Kongreß ein mit dem Ziel, die HandelsUberschüsse Japans, Koreas und anderer Länder abzubauen, deren Exporte
in die Vereinigten Staaten umfangreicher sind als ihre Importe.
Bei einem im Wahlkampf geführten
Interview verteidigte er seine Vorschläge als nützlich und vernünftig.
Er erklärte, nach langem, scharfen
Nachdenken und durch unermüdliches
Lernen zu seiner Position im Handel
gelangt zu sein.
"Ich bin kein Ideologe", erklärte
Gephardt, "ich habe lediglich versucht, realistisch und pragmatisch zu
handeln... Ich wünsche mir für echte
Probleme echte Lösungen."
Seine

bereits

1982

vorgelegten

Vorschläge zur Steuerreform, mit denen Lücken geschlossen und das Einkommenssteuersystem vereinfacht werden sollten, fanden in der Öffentlichkeit nur wenig Anklang. Als diese Reformmaßnahme 1986 verabschiedet
wurde, galten eher Präsident Reagan
und andere Mitglieder aus Senat und
Repräsentantenhaus als deren Urheber.
Dennoch errang Gephardt Anerkennung und Zustimmung für die Behandlung schwieriger Fragen. Ein politischer Kolumnist schrieb einmal über
Gephardt, als dieser in einem Nichtwahljahr in 30 Staaten für sich warb:
"Er kann nicht rasten und er kann
keiner Herausforderung widerstehen.
Er hat rote Haare, ein jungenhaftes
Gesicht und einen Motor, der nie
stillsteht."
Gephardt wuchs in St. Louis als
Sohn eines Milchwagenfahrers und einer Rechtsanwaltssekretärin auf. Er
war begeisterter Camper und Baseballspieler und tat sich besonders bei
den Pfadfindern hervor, wo er es bis
zum "Eagle Scout" brachte.
Seine Mutter berichtete einem Reporter bei seinem Wahlkampf: "Seit
seinem 16. Lebensjahr haben die Leute
behauptet, er würde eines Tages Präsident werden."
Der neue Mehrheitsführer ist seit
21 Jahren mit seiner Frau Jane verheiratet, mit der er drei Kinder Matthew, Christine und Katherine hat.

* * * * * *

�:e° s&gt;

AMERIKA DIENST
Information
21. Juni 1989

24

GRAY EILT DER RUF VON FAIRNESS UND PRAGMATISMUS VORAUS
- Porträt des neuen "Einpeitschers" der Demokraten -

WASHINGTON - (AD) - Als Führungskraft in der Demokratischen Partei sieht
Gray seine Aufgabe darin "zu gewährleisten, daß alle Ansichten geäußert werden
und berücksichtigt werden".

Darauf verwies der Abgeordnete
aus Pennsylvania gegenüber den Mitgliedern des für die Parteiplattform
verantwortlichen Ausschusses seiner
Partei, der 1988 die Zielsetzungen
für den nationalen Konvent der Demokraten formulierte. In seiner politischen Laufbahn hat Gray vielfach
Führungsrollen
übernommen, so als
Vorsi tzender des Ausschusses demokratischer Kongreßabgeordneter, als Vorsitzender des Haushaltsausschusses im
Repräsentantenhaus und Vizevorsitzender der Gruppe schwarzer Kongreßabgeordneter.
Als neugewählter "Einpeitscher" und dritthöchster Demokrat im Repräsentantenhaus - wird Gray oftmals Gelegenheit haben, die vielfältigsten
Kräfte innerhalb seiner Partei zu

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vereinigen und seinen über viele Jahre hinweg erworbenen Ruf als fairer
und pragmatischer Politiker zu verteidigen.
1985 fegte er Bedenken vom Tisch,
ein schwarzer Liberaler könne keine
ernsthaften
Haushaltseinsparungen
vornehmen und baute eine vielfältige
regionale und ideologische Koalition
auf, um den Vorsitz im Haushaltsausschuß und damit eine der einflußreichsten
und
prestigeträchtigsten
Positionen im Repräsentantenhaus zu
erlangen. Als er die Position erhielt, wurde er damit einer der ranghöchsten gewählten Vertreter unter
den Schwarzen.
Durch seine Klugheit trug Gray
erheblich zur Konsensbildung bei, und

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�er betrachtete den Haushalt als politische Stellungnahme und nicht SO
sehr als ein Mittel fiskalischer Kontrolle . Er war verantwortlich für
die Konzeption von HaushaltsresolutIonen, die von nahezu allen Demokraten im Repräsentantenhaus wie auch
von zahlreichen Republikanern unterstützt wurden.
Sein Interesse an politischen und
wirtschaftlichen
Entwicklungen
auf
dem afrikanischen Kontinent hat dazu
geführt, daß Gray kontinuierlich auf
mehr Hilfe für diese Länder drängt,
die ihrem Umfang nach dem Marshallplan zum Wiederaufbau Europas nach
dem Zweiten Weltkrieg gleichkommen
soll. Er hat als Mitglied des Auswärtigen Ausschusses im Repräsentantenhaus einen Gesetzentwurf gefordert, mit dem eine Stiftung für die
Entwicklung Afrikas gegründet werden
soll, mittels derer amerikanische
Hilfe direkt in afrikanische Dörfer
weitergeleitet werden kann. Darüber
hinaus übernahm er beim Problem der
Sanktionen gegenüber der Apartheid in
Südafrika eine Führungsrolle und war
an der Entwicklung der amerikanischen
Haltung beteiligt.

der Zwischenzeit war er Pfarrer in
verschiedenen
Gemeinden
und wurde
nach dem Tod seines Vaters 1972
Pastor von Bright Hope.
Durch seinem Kampf um die Verbesserung der Lebensbedingungen für die
Armen interessierte sich Gray zunehmend für Politik als Kraft sozialen
Wandels. Er entschied sich 1976 zu
einer Kandidatur für den Kongreß und
verlor die Vorwahlen an den Mann, dem
er früher als Praktikant gedient hatte - Robert Nix, Zwei Jahre später
besiegte Gray Nix jedoch in seinem
überwiegend demokratischen Bezirk und
gewann seinen Sitz.
Seit diesem
Wahlkampf 1978 ist Gray alle zwei
Jahre erneut durch eindeutige Siege
in seinem Amt bestätigt worden - sogar mit 91 Prozent der Stimmen.
Gray bezeichnet sich selbst als
"Arbeitstier", er ist unkompliziert,
witzig und immer sehr liebenswürdig.
Er ist verheiratet und hat mit seiner
Frau Andrea drei Söhne.

* £ * * *

Gray wurde am 20. August 1941 in
Baton Rouge (Louisiana) als Sohn eines Priesters und Lehrers und einer
Lehrerin geboren.
Die Familie zog
erst nach Florida und später nach
Philadelphia
um, wo Grays Vater
Pastor der Baptistengemeinde Bright
Hope wurde.
Gray studierte am Franklin and
Marshall College in Lancaster (Pennsylvania) Soziologie und danach Theologie an der Drew Theological Sehool
in Madison (New Jersey). Bereits im
Grundstudium interessierte er sich
für Politik und arbeitete als Prakti&gt;kant für den Abgeordneten seines Bezirks.
Nach weiteren Studien an der University of Pennsylvania, Temple University und Oxford University bestand
er 1970 am Princeton Theological Seminary sein Examen in Theologie. In
2 -

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial
21. Juni 1989

24

WARSCHAUER PAKT MISSACHTET KSZE-VERPFLICHTUNGEN
Der 26. Halbjahresbericht der KSZE in Auszügen -

WASHINGTON - (AD) - Das Verhalten der Warschauer Pakt-Staaten im Bereich
der Menschenrechte und menschlichen Kontakte ist nach wie vor in einer Reihe
von Fällen unbefriedigend und steht nicht im Einklang mit den Bestimmungen der
Schlußakte von Helsinki und den Madrider und Wiener Schlußdokumenten der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE).
Zu dieser Schlußfolgerung gelangt der vom Kongreßausschuß für Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa von Außenminister Baker im Namen von Präsident
Bush am 16. Juni 1989 vorgelegte 26. Halbjahresbericht über die "Durchführung
der Schlußakte von Helsinki".
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus Kapitel 1 des Berichts.

UdSSR

litischen Aktivismus stimulierte.

Die Verwirklichung der Abkommen
von Helsinki, Madrid und Wien durch
die Sowjetunion hat sich im Berichtszeitraum erheblich verbessert.

Ende des Jahres 1988 berichteten
die Sowjets von der Freilassung aller
aus politischen oder religiösen Gründen Inhaftierter, die ausschließlich
aufgrund der Artikel 70, 142, 190.1
und 227 des sowjetischen Strafrechts
verurteilt worden waren. Zuverlässige westliche Quellen gehen jedoch davon aus, daß sich noch immer einige
Personen aufgrund
dieses Artikels
entweder
in Gefangenenlagern
oder
psychiatrischen Kliniken aufhalten.
Die Sowjets hatten darüber hinaus
Verhandlungen
mit den Vereinigten
Staaten aufgenommen, um einen Mechanismus zur Überprüfung der Fälle zu
schaffen, bei denen der begründete
Verdacht
bestand, die betreffende
Person sei aus politischen Gründen

Am 15. Februar hat die Sowjetunion planmäßig ihre widerrechtliche
Besetzung Afghanistans beendet. Im
Inland hat das Streben der sowjetischen Führung nach Glasnost und
"Demokratisierung" zu einer weiteren
Öffnung der sowjetischen Gesellschaft
geführt. Bei den gerade abgehaltenen
Wahlen für den Kongreß der Volksdeputierten wurden so viele Kandidaten
wie nie zuvor gestellt, und die Wahlen waren von einer Offenheit gekennzeichnet, die in der sowjetischen Geschichte ihresgleichen sucht und po-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�wegen vorgeblicher krimineller Delikte verurteilt worden.

stellten, in der Mehrzahl der Fälle
die Ausreisegenehmigung erteilt wurde. Pro Monat werden über 2 000 neue
Anträge zur Auswanderung in die Vereinigten Staaten gestellt.

Trotz einiger positiver Entwicklungen ist die Durchführung der Abkommen in der Sowjetunion nach wie
vor unbefriedigend und zwar hauptDie sowjetische Regierung besächlich, weil für die meisten Vertrachtet die Verbreitung von Inforbesserungen noch der institutionelle
mationen weiterhin als Instrument, um
Rahmen oder eine feste gesetzliche
die öffentliche Meinung auf den Kurs
Grundlage geschaffen werden muß. Der &gt; der aktuellen Politik zu bringen. Im
Entwurf neuer Gesetze zur Anpassung
Rahmen von Perestojka und Glasnost
der sowjetischen Rechtsgrundlagen an
verfügen die offiziellen Medien jeden internationalen Standard im Bedoch jetzt über etwas mehr Spielraum
reich der Menschenrechte liegt hinter
bei der Entscheidung was veröffentdem Terminplan zurück. Gesetzentwürlicht werden soll. Infolgedessen gefe zur Presse- und Meinungsfreiheit,
ben die Journalisten und Zeitungen
zu Gerichten, sozialen Organisationen
heute ein sehr viel breiteres Spekund Auswanderung werden ebenso wie
trum an Meinungen wider als in der
ein neues Strafgesetz erst im weiteVergangenheit. Mitte Dezember hatten
ren Verlauf des Jahres erwartet.
die Sowjets alle Störungen westlicher
Menschenrechte sind in der SowjetRundfunksendungen eingestellt.
union also immer abhängig von der jeweiligen Politik und nicht eine geIm Berichtszeitraum war die Zusetzlich verankerte Angelegenheit.
sammenarbeit bei Austauschprogrammen
in den Bereichen Kultur und Bildung
insgesamt gut, obwohl sich Anzeichen
Das
Nationalitätenproblem
hat
bemerkbar machten, daß die Ausweitung
sich in den vergangenen 6 Monaten
bilateraler Austauschprogramme allverschärft.
Gewaltakte führten zur
mählich zu Lasten der sowjetischen
Verhängung des Ausnahmezustands in
Infrastruktur geht...
großen
Teilen
von
Armenien
und
Aserbeidschan und zu scharfem Vorgehen gegen nationale Aktivisten. In
anderen Regionen - insbesondere den
Rumänien
baltischen Staaten, aber auch in der
Ukraine, Georgien und der MoldauDie augenfälligste Bekundung der
ischen SSR - tolerierte Moskau wachPolitik Rumäniens im Hinblick auf
sende nationale Selbstbestimmung, obseine KSZE-Verpflichtungen erfolgte
wohl in jüngster Zeit die Sorge über
am Ende des Wiener Folgetreffens im
"Extremisten"
und
"ültrareformer"
Januar, als Rumänien das Schlußdohervorgehoben wurde, die Grundfesten
kument akzeptierte, jedoch bekanntdes sowjetischen Sozialismus und "Ingab, sich nicht an die Verfügungen zu
ternationalismus" angreifen...
halten, gegen die es zuvor Einspruch
erhoben hatte. In den seit Ende des
Wiener Treffens vergangenen Monaten
In der sowjetischen Politik der
hat die rumänische Regierung wiederFamilienzusammenführung konnten erholt Versuche abgewehrt, den im Wiehebliche
Verbesserungen
beobachtet
ner Schlußdokument festgelegten Mewerden, obwohl immer noch Probleme
chanismus der menschlichen Dimension
bestehen.
Die Zahl der jüdischen
auszuüben.
Auswanderer blieb so hoch wie im vergangenen Berichtszeitraum und einer
Reihe
jüdischer Dissidenten wurde
Was die generelle Politik Rumänach langer Zeit endlich die Ausreiniens zu den laufenden KSZE-Verpflichtungen anbetrifft, so hat die
segenehmigung erteilt.
Es hat den
rumänische Regierung im BerichtszeitAnschein, daß jüdischen Auswanderern,
raum die Vertrauens- und sicherheitsdie zum ersten Mal einen Antrag

k

t

.
\

�bildenden Aspekte der KSZE weiterhin
aktiv unterstützt und besondere Betonung auf die ersten sechs Artikel
der
Schlußakte
von Helsinki als
Schlüsse]elemente
ihrer
Innen- und
Außenpolitik gelegt. In den meisten
anderen Bereichen blieb die Bilanz
der rumänischen Regierung weit hinter
ihren KSZE-Verpflichtungen zurück...
Im Bereich der Religionsfreiheit
konnten keine Verbesserungen beobachtet werden, und die Religionsausübung
wird nach wie vor von der Regierung
vorgeschrieben und kontrolliert...
Die
weitverbreitete
Besorgnis
über das Regierungsprogramm zur "Systematisierung" oder Modernisierung
der ländlichen Gebiete hält an. Dem
Plan zufolge soll nahezu die Hälfte
der 13 000 rumänischen Dörfer dem
Erdboden gleichgemacht werden, aber
bis heute ist der Abriß erst in einem
Gebiet in der Nähe von Bukarest erfolgt.
Die "Systematisierung" des
ländlichen Raums wird in Bukarest und
anderen Städten
fortgesetzt.
Die
Einwohner haben wenig oder gar kein
Mitspracherecht bei der Entscheidung
über die Anwendung von politischen
Maßnahmen und wurden gegen ihren Willen zur Umsiedlung gezwungen. Während dieses Berichtszeitraums hat die
Regierungspolitik die ethnische Identität der ungarischen, deutschen und
anderer Minoritäten weiterhin untergraben.
Rumäniens Verhalten zu Korb II
(Wirtschaft, Wissenschaft, Technologie und Umwelt) hat sich während dieses Berichtszeitraums insgeamt nicht
verbessert. Die Aufhebung der Meistbegünstigungskausel für Rumänien trat
am 3. Juli 1988 in Kraft. Rumänien
hat die Mischung an Exportgütern etwas angepaßt, um den Verlust der
Meistbegünstigungsklausel
wettzumachen. . .
Im Bereich der menschlichen Kontakte hat sich Rumäniens Verhalten
nicht verbessert. Obwohl die Anzahl
von Personen leicht angestiegen ist,
denen die Genehmigung für einen kur-

zen Familienbesuch erteilt wurde, erhöhte sich die Zahl derjenigen, denen
die Ausreise bewilligt wurde, nicht
maßgeblich. Der amerikanischen Botschaft liegen Informationen über nahezu 2 500 in Frage kommende Antragsteller vor, die bisher noch nicht
die Genehmigung zur Auswanderung in
die Vereinigten Staaten erhalten haben.
Rumänien strebt außerhalb seiner
Grenzen ein etwas positiveres Image
an, teils indem es die Aktivitäten
der zu Besuch weilenden westlichen
Journalisten einschränkt und sie ausweist, wenn sie sich für von der rumänischen Regierung nicht genehmigte
Aktivitäten engagieren oder denjenigen die Einreise verweigert, die in
der Vergangenheit wenig Schmeichelhaftes über Rumänien zu berichten
hatten...

Polen
Unter den Warschauer Pakt-Staaten
hat Polen im Hinblick auf die generelle Einhaltung der Verfügungen der
Schlußakte
von
Helsinki
und der
Madrider und Wiener Schlußdokumente
eine etwas bessere Bilanz vorzuweisen. In dem hier behandelten Zeitraum geben die politischen Entwicklungen jedoch berechtigten Anlaß zu
der Hoffnung, daß Polen seine KSZEBilanz im nächsten Berichtszeitraum
noch weiter verbessern könnte.
Diese Entwicklungen können praktisch ausnahmslos unter dem Oberbegriff der "Gespräche am runden Tisch"
zusammengefaßt werden.
Diese Verhandlungen wurden am 6. Februar nach
monatelangen Verzögerungen für die
Dauer von 8 Wochen aufgenommen. Vertreter von Opposition und Behörden
kamen zu offenen und äußerst detaillierten Verhandlungen über die vordringlichsten
politischen,
wirtschaftlichen und sozialen Probleme
zusammen, mit denen sich Polen konfrontiert sieht.
Daß das Abkommen am runden Tisch

�einen solchen
bedeutenden Schritt
nach vorne verkörpert, ist jedoch ein
Anzeichen für das ungenügende Ausmaß,
in dem Bürgerrechte zum gegenwärtigen
Zeitpunkt in Polen institutionalisiert sind. Viele der Restriktionen
heim Recht auf freie Meinungsäußerung
und der Versammlungsfreiheit in Polen
blieben im Berichtszeitraum weiterhin
gesetzlich verankert, obwohl die Änderung vieler dieser Gesetze im Verlauf der Gespräche am runden Tisch
vereinbart worden war...
Selbst wenn die Vereinbarungen am
runden Tisch in Polen generell anerkannt würden, wäre die Verwirklichung
des Abkommens immer noch eine Herausforderung. Eine Vielzahl unabhängiger Faktoren - vornehmlich in der
krisengeschüttelten polnischen Wirtschaft - bergen das Potential, die
vollständige Verwirklichung der Bestimmungen des Abkommens zu durchkreuzen oder sogar zu verhindern.

Ungarn
Verglichen mit anderen Warschauer
Pakt-Staaten weist Ungarn insgesamt
eine relativ gute Bilanz der Einhaltung von Prinzipien der Schlußakte
von Helsinki und der Schlußdokumente
von Madrid und Wien auf. Im untersuchten Zeitraum wurden alles in allem bedeutsame weitere Fortschritte
bei der Menschenrechtssituation in
Ungarn erzielt.
Dazu zählten der
friedliche Regierungswechsel und einige der größten von inoffiziellen
Gruppen
organisierten
friedlichen
Massendemonstrationen seit 1948. Ein
Dutzend neue unabhängige Organisationen wurde gegründet, und im Berichtszeitraum wurden drei politische Pai—
teien wieder zugelassen.
Zusammenkünfte der Opposition und Aktivitäten
der 'Samisdat' fanden - zumeist ohne
staatliche Einmischung - weiterhin
statt.
Die Nationalversammlung hat dem
Entwurf einer neuen ungarischen Verfassung zugestimmt, die das im Jahr
1949
verabschiedete
Dokument
der

Stalin-Ara ersetzen soll.
Darüber
hinaus hat sie wichtige neue Gesetze
über das Recht auf Versammlungsfreiheit und Streiks gebilligt. Sie unternimmt Schritte zur Erhöhung der
richterlichen Gewalt und führt eine
Reihe neuer Gesetze über Gewerkschaften, politische Parteien und die
Presse ein.
Ein
drastisch
liberalisiertes
Paßgesetz hat 1988 den Ungarn 11 Millionen Reisen ins Ausland und dreimal
soviele Reisen nach Österreich ermöglicht.
Negativ zu verzeichnen ist die
Intervention der Polizei in einer Uberwältigenden
Demonstration
ihrer
Macht, mit der sie am 15. November
die Demonstration der Opposition zur
Unterstützung der Flüchtlinge aus Rumänien auflöste.
Einige der heute
wahrgenommenen Verbesserungen bei den
Menschenrechten können vom Regime zunichte gemacht werden, das immer noch
die wichtigsten Entscheidungen über
die künftige Rolle der kommunistischen Partei am Arbeitsplatz und bei
den Streitkräften sowie das Ausmaß
der in Ungarn zulässigen repräsentativen Demokratie debattiert.

Deutsche Demokratische Republik
In der Deutschen Demokratischen
Republik (DDR) werden weiterhin nur
geringe Fortschritte bei der Verwirklichung der Schlußakte von Helsinki
verzeichnet.
Wenn im Berichtszeitraum positive Entwicklungen stattfanden, so schienen diese durch ostdeutsche Versuche zur Einhaltung der
im Schlußdokument von Wien eingegangenen Verpflichtungen beeinflußt zu
sein. Die allgemeine Situation insbesondere im Hinblick auf Menschenrechte, Grundfreiheiten und Zusammenarbeit im humanitären Bereich ist jedoch weiterhin unbefriedigend, und
Verbesserungen
beispielsweise
bei
Reisen und Ausreisen in den Westen
und eine beschränkte Entspannung im
kulturellen Bereich waren begleitet
von anhaltenden Spannungen zwischen

�Evangelischer Kirche und Staat und
der zunehmenden Anwendung des Schießbefehls an der Mauer.
Ein lange erwartetes Gesetz zur
Regelung von Reisen und Ausreisen
wurde im Dezember 1988 verabschiedet
und trat am 1. Janaur 1989 in Kraft.
Nach diesem Gesetz werden Bürger nach
dem 1. Juli das Recht auf richterliche Überprüfung
von Negativentscheidungen haben.
Weiteren Mitte
März verabschiedeten Zusätzen zufolge
werden die Regelungen für private Besuche in dem Versuch gelockert, auf
vielfach geäußerte Kritik zu reagieren, der zufolge die neuen Gesetze
mehr Einschränkungen enthalten als
die der vergangenen Jahre. Im allgemeinen sind Familienzusammenführung,
Heirat mit anderen Staatsangehörigen,
Ausreisen und Westreisen für DDR-Bürger wach wie vor eher Privilegien als
Rechte, und in der DDR herrscht weithin Skepsis darüber, ob die Bestimmungen zu großzügigeren Reisen und
Ausreisen im Jahr 1989 führen werden.
Im Hinblick auf die Alarmbereitschaft der DDR an ihren scharf bewachten Grenzen und am Sektorenübergang in Berlin hat keine Entspannung
stattgefunden.
Trotz Installierung
eines
hochmodernen
Frühwarnsystems
werden vereinzelt Fälle geglückter
Fluchtversuche. . .

Tschechoslowakei
Die Situation in der Tschechoslowakei bei der Verwirklichung von KSZE
ließ in den vergangenen sechs Monaten
zu wünschen übrig. ... Trotz einiger
positiver
Entwicklungen
ereigneten
sich in diesem Zeitraum zahlreiche
Zwischenfälle, bei denen die Behörden
Gewalt und eine Reihe von gerichtlichen und außergerichtlichen Maßnahmen
wie Drohungen, Verhöre, kurze Verhaftungen anwendeten und Pässe verweigerten, um unabhängige politische,
religiöse und kulturelle Aktivitäten
zu behindern.
Das bedeutendste Ereignis in die-

sem Zeitraum waren der Prozeß und die
Verurteilung des bekanntesten Verfechters von Menschenrechten in der
Tschechoslowakei, Vaclav Havel, aufgrund von Beschuldigungen, die im Zusammenhang mit Demonstrationen in
Prag im Januar zum Gedenken an den
Selbstmord von Jan Palach im Jahr
1969 erhoben worden waren.
Havel
wurde zu acht Monaten Gefängnis verurteilt.
Bei vertrauensbildenden und damit
in Zusammenhang stehenden Maßnahmen
hat die Tschechoslowakei alle Anforderungen des Stockholmer KVAE-Abkommens zur Benachrichtung einer im Februar und März dieses Jahres auf ihrem
Territorium durchgeführten militärischen Übung erfüllt. Darüber hinaus
haben die Tschechoslowaken vorab Informationen über eine militärische
Übung veröffentlicht, die wahrscheinlich nicht unter die Notwendigkeit
der Benachrichtung gemäß der KVAE
fällt.
Bedingungen für ausländische Geschäftsreisende sind immer noch weit
vom Ideal zustand entfernt.
Dennoch
könnten sich mit den in der Tschechoslowakei verfügten Reformen zum
beschränkten wirtschaftlichen Wiederaufbau einige Verbesserungen ergeben. . .
Die Tschechoslowakei
hat eine
schlechte Bilanz beim Problem geteilter Familien. Bei anderen Problemen
der Freizügigkeit lassen die Zustände
immer noch stark zu wünschen übrig.
Die Reisemöglichkeiten für Bürger der
Tschechoslowakei
haben
sich etwas
verbessert, sind aber immer noch beschränkt. Das Land führt weiterhin
scharfe Grenzkontrollen durch.
Im Berichtszeitraum waren in der
Tschecholowakei sehr geringe sichtbare Verbesserungen bei der Verbreitung von gedruckten, gefilmten und in
Radio und Fernsehen gesendeten Informationen zu verzeichnen.
Insgesamt
gab es weiterhin relativ starke bilaterale Beziehungen in den Bereichen
Kultur und Bildung, was teilweise auf

- 5 -

�die Verwirklichung eines bilateralen
Abkommen über einen Austausch in den
Bereichen Kultur, Bildungswesen und
Wissenschaft zurückführen ist, das im
April 1986 geschlossen und 1988 erneuert wurde.

Bulgarien
Bulgarien verweigert seinen Bürgern weiterhin bestimmte Menschenrechte und Grundfreiheiten und beschränkt den Fluß von Informationen,
errichtet
weiterhin
gesetzliche
Schränken für die Freizügigkeit im
In- und Ausland, behindert die Versammlungsfreiheit
und verfolgt die
Mitglieder verschiedener unabhängiger
Menschenrechtsgruppen durch Maßnahmen
wie Schikanen, Verhaftung und Verbannung und tatsächliche Ausweisung.
Die
Ausübung
des
islamischen
Glaubens wird verhindert, und Bulgarien erkennt weiterhin die Existenz
der im Land stark unterdrückten türkischen Minderheit nicht an...
Bulgarien hat weitere wirtschaftliche Reformmaßnahmen mit dem Ziel
einer Dezentralisierung und größerer
wirtschaftlicher
Freiheit
verfügt.
Anhaltende
Wirtschaftsprobleme,
wie
etwa ein steigender Schuldenberg in
harter Währung haben das Interesse
der Regierung an der Erweiterung von
Handels- und
Geschäftskontakten
mit
dem Westen entfacht . . .
Bulgariens
generell
kooperative
Haltung und ein andauernder Prozeß
bilateraler Konsultationen führte zur
Lösung einer Reihe von der amerikanischen Botschaft bekannter Fälle geteilter Familien . . . Gesetzliche Beschränkungen über Reisen und Ausreisen blieben jedoch bestehen und führten zu immer neuen Fällen. Trotz der
steigenden Zahl ins Ausland reisender
Bulgaren bleiben Gesetze über die
Ausstellung von Pässen im Berichtszeitraum ein unerfülltes Versprechen.
Die bulgarische Regierung dokumentierte größere Offenheit mit der

- 6

Veröffentlichung
sozialer
Probleme
wie Drogenabhängigkeit, Prostitution
und Jugendkriminalität.
Seit Dezember 1988 wird Radio Free Europe nicht
mehr gestört, türkische Rundfunksender jedoch weiterhin blockiert.
In
jüngster Zeit haben Schriftsteller,
Künstler und andere "Intellektuelle"
erstmalig auf Kongressen offene und
lebhafte Diskussionen über eine Reihe
heikler Themen geführt.
Andererseits
diszipliniert
das
Regime nach wie vor diejenigen Mitglieder der Presse, die sich über die
von der Regierung abgesteckten Grenzen hinaus auf Glasnost berufen und
führt eine aktive Propagandakampagne
gegen Dissidenten und erklärte Mitglieder der Intelligenz! ja des Landes . . .

* * * * *

•

�AMERIKA DIENST
\ l G N

^

Wissenschaft und Technik
21. Juni 1989

24

AIDS-EPIDEMIE FÜR DEN AMERIKANISCHEN KONTINENT BEFURCHTET
- WHO-Experten vergleichen Situation mit Afrika -

WASHINGTON - (AD) - Gesundheitsexperten der Pan-Amerikanisehen Gesundheitsorganisation (PAHO), einer Sektion der Weltgesundheitsorganisation (WHO),
prognostizieren eine "massive" AIDS-Epidemie für die Länder des amerikanischen
Kontinents. Sie könnte, wie auch die Fachzeitschrift "New England Journal of
Medicine" kürzlich warnte, durchaus den Umfang annehmen, wie er bereits in Afrika zu beobachten ist.

Aufgrund der vorliegenden Daten
kann man Marjorie Anderson Clifford
von der statistischen Abteilung der
PAHO zufolge die Zahl der Infizierten
mit 2,5 Millionen beziffern. "Bis
zum Jahr 1992 dürfte eine AIDS-Erkrankung bei einer halben Million
Menschen zum Ausbruch gekommen sein",
erklärte sie.
Laut Dr. Jonathan M. Mann, Direktor der Weltgesundheitsorganisation
in Genf, wurden weltweit bisher etwa
250 000 Krankheitsfälle registriert.
Fünf bis zehn Millionen Menschen sind
bereits Träger von AIDS-Viren. Die
meisten gemeldeten Erkrankungen verzeichnen
die Vereinigten Staaten,
Brasilien, Uganda
und Frankreich.
Auch Mexiko, Kanada, Haiti und die
Dominikanische Republik stehen weit

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oben auf der Liste.
Gemessen an der Gesamtbevölkerungszahl ist Ms. Clifford zufolge
die Erkrankungsrate auf den Bahamas,
in Trinidad-Tobago, auf den Bermudas
und in Honduras alarmierend hoch.
Eines der schwierigsten Probleme bei
der Ermittlung der genauen Zahl von
AIDS-Erkrankungen in Entwicklungsländern, sind irrige Vorstellungen und
Tabus im Bereich der Sexualität.
Beispielsweise sei dem aggressiveren
Partner eines homosexuellen Paares
nicht klarzumachen, daß er homosexuell ist, so daß Wissenschaftler,
die statistische Erhebungen in Ländern wie Haiti vornehmen, irreführende Angaben bekommen.
Ms. Clifford
schätzt, daß die 1850 in Haiti registrierten AIDS-Fälle nur etwa ein

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�Fünftel der tatsächlichen Zahl manifester Erkrankungen ausmachen. "Und
dies gilt meines Erachtens überall in
der Karibik und in den übrigen zentral- und südamerikanischen Ländern",
meinte sie. "Man kann sich vorstellen, was all dies für die bereits angespannte Haushaltssituation der meisten Regierungen in der Region bedeutet. AIDS wird zweifellos die Volkswirtschaft dieser Nation aufs Schwerste belasten. Mehr als drei Jahrzehnte wirtschaftlicher und sozialer
Entwicklung dürften buchstäblich ausgelöscht werden, weil die Regierungen
dieser Länder Entwicklungsgelder zur
Abdeckung der Gesundheitskosten aufwenden müssen."
Die PAHO unterstützt mittel- und
langfristige Programme, um der Ausbreitung von AIDS entgegenzuwirken.
Aufklärung und Information in Wort
und Schrift, vor allem auch Vorträge
mit Bildvorführungen bei der häufig
leseunkundigen Landbevölkerung sind
wichtige Punkte. Sie soll in die Lage versetzt werden, AIDS-Symptome wie
geschwollene Lymphdrüsen, Durchfall,
Nachtschweiß, trockener Husten, Erschöpfung, Fieber und Gewichtsverlust
zu erkennen. "Solche Symptome können
natürlich auch Hinweise auf andere
Erkrankungen wie z.B. auf Tuberkulose
sein", meinte Ms. Clifford.
"Aber
die Leute sollten zumindest wissen,
wann sie einen Arzt aufsuchen müssen."

Große Sorge bereitet der WHO und
der PAHO die Übertragung von AIDS auf
Neugeborene durch ihre Mütter, die
häufig vielleicht gar nicht wissen,
daß sie Virusträger sind und bei denen sich womöglich auch nie die Erkrankung in vollem Umfang entwickelt.
So würden sie immer wieder Babies zur
Welt bringen, diese sterben sehen und
glauben, so sei nun einmal der Lauf
der Welt, sagte Marjorie Clifford.
Der finanziellen Förderung zahlreicher Projekte, mit denen man die Ausbreitung von AIDS in der ganzen Welt
aufhalten will - etwa durch amerikanische und kanadische Organisationen wie die Kanadische Internationale
Entwicklungsbehörde und die US-Behörde für Internationale Entwicklung
(A.I.D.) - gebühren große Anerkennung.

* * * * * *

�</text>
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*

'VON

28. J u n i 1989

25

INHALT
DOKUMENTATION
Baker verurteilt Gorbatschows "Zurückhaltung" zu China
- Rede des Außenministers vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats USA benötigen zur Abschreckung zwei mobile ICBM-Systeme
- Rede des Staatssekretärs für Verteidigungspolitik im Senat -

HINTERGRUNDMATERIAL
Stand der Rüstungskontrollverhandlungen
- Wöchentliche Übersicht -

WIRTSCHAFT
Weltwirtschaftsgipfel in Paris; Polen und Umwelt als Hauptthemen
- Kommentare der amerikanischen Regierung -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
«

Mebr Drogenabhängigkeit durch neue Rauschgifte

* * * * *

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Dokumentation
28. Juni 1989

25

BAKER VERURTEILT GORBATSCHOWS "ZURÜCKHALTUNG" ZU CHINA
- Rede des Außenministers vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats -

WASHINGTON - (AD) - In einer Anhörung vor dem Auswärtigen Ausschuß des
Senats erklärte Außenminister Baker am 20. Juni 1989, die Vereinigten Staaten
seien von Gorbatschows "zurückhaltenden Äußerungen" zu den tragischen Ereignissen der vergangenen Wochen in China enttäuscht.
Baker nahm darüber hinaus zu den Ergebnissen des jüngsten NATO-Gipfeis,
den Ost-West-Beziehugen allgemein und den in der europäischen Sicherheitspolitik erzielten Fortschritten Stellung.
Nachfolgend veröffentlichen wir Bakers Rede im Wortlaut:

Ich freue mich, heute nachmittag
zu Ihnen über die Ost-West-Beziehungen und die von uns in der europäischen
Sicherheitspolitik
erzielten
Fortschritte sprechen zu dürfen.
Der Einsatz der NATO für den
Schutz unserer Sicherheit und die
Förderung demokratischer Werte hat zu
einem großen Teil die positiven Entwicklungen bewirkt, die wir heute auf
internationaler
Ebene
wahrnehmen.
Beim NATO-Gipfel sind alle westlichen
Spitzenpolitiker übereingekommen, daß
wir uns in den Ost-West-Beziehungen
in einer bemerkenswerten Übergangsphase befinden. Durch das Zusammenspiel von westlicher Entschlossenheit
und wirtschaftlichen Problemen innerhalb der Sowjetunion scheint die sowjetische Führungsspitze zu der Über-

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zeugung gelangt zu sein, daß sie eine
große Bandbreite innen- und außenpolitischer Themen neu überdenken muß.
Die Aufgabe des Westens besteht
nunmehr darin, die durch das neue
"Zusammenspiel der Kräfte" - um eine
Moskauer Formulierung zu verwenden hervorgebrachte Gelegenheit zu ergreifen.
In dieser Ubergangsphase
müssen wir zusammenarbeiten, um die
im
Nordatlantikvertrag
und
der
Schlußakte von Helsinki verankerten
demokratischen Grundsätze des Westens
zu fördern.
Der Präsident hat die Vereinigten
Staaten und den Westen aufgefordert,
"über Containment hinaus" auf ein
neues Ziel zuzusteuern: die Teilung
Europas zu überwinden, indem wir die

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�Teilung Europas aufheben und Freiheit
nach Europa bringen. Wir wollen eine
neue Einigkeit nach Europa bringen eine Einigkeit, die auf westlichen
Werten basiert.
Der Präsident hat seine Strategie
erläutert, wie er dieses Ziel erreichen will. Er hat erklärt, wie Amerika beim "Umgang mit den Veränderungen" eine FUhrungsrolle übernehmen
und neue Aufgaben für das Bündnis und
den Westen festlegen muß.

Das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
Wir leben in einem Zeitalter des
Übergangs.
Das System der Nachkriegszeit wandelt sich, und es entsteht ein neues Umfeld.
Um diese
Veränderungen in eine Perspektive zu
rücken, ist es nützlich, sich vor Augen zu führen, welche Veränderungen
in der Sowjetunion stattfinden.
Der Kurs, den wir in der sowjetischen Politik wahrnehmen, birgt das
Potential für eine Revolution, von
der wir hoffen, daß sie Erfolg hat.
"Neues Denken" ist in Wahrheit ein
Überdenken fehlgeschlagener Ideologie.
Aber niemand - nicht einmal
Gorbatschow - weiß, wie eine Sowjetunion aussehen wird, in der diese
Veränderungen stattgefunden haben.
In dieser Übergangsphase haben
uns unsere Werte und Interessen dazu
bewogen, den Osten aktiv einzubeziehen. Wir dürfen nicht tatenlos zusehen. Wir sind entschlossen vorgegangen, als es darum ging, den Dialog
mit der Sowjetunion auszubauen und
waren betrebt, zum Schlagwort vom
"neuen Denken" in der Sowjetunion Inhalte beizutragen.
Die Sowjets haben in einer Reihe
von wichtigen Bereichen konkrete und
ermutigende
Schritte
unternommen.
Die Zahl der Auswanderer ist drastisch gestiegen. Es hat ernsthafte
Reaktionen auf unsere RUstungskontrollvorschlage - etwa bei den Mit-

telstreckenraketen und den Reduzierungen im konventionellen Bereich gegeben. Die Sowjets haben wie versprochen ihre Truppen aus Afghanistan
abgezogen. Sie haben aktiver Zusammenarbeit bei grenzüberschreitenden
Fragen von internationalem Interesse
zugestimmt. Aber bevor das Versprechen der Perestrojka Wirklichkeit und
der Fortschritt
institutionalisiert
wird, ist noch ein langer Weg zurückzulegen.
Wir müssen realistisch und geduldig sein, wenn wir die Sowjets auf
das Ausmaß ihrer Kooperationsbereitschaft testen. Wir werden hart arbeiten, um Ergebnisse in jedem Bereich zu erzielen. Einzelne Schritte
mögen von geringer Bedeutung sein,
aber zusammengenommen könnten sie zu
einem sehr viel konstruktiveren amerikanisch-sowjetischen
Verhältnis
führen.
Ergebnisse sind nicht leicht zu
erzielen, und viele der uns beide betreffenden wirklich wichtigen Probleme lassen sich nicht so leicht und
schnell lösen.
Aber der Präsident und ich sind
optimistisch, daß Fortschritte möglich sind, wenn wir die Unterstützung
heider Parteien im Kongreß haben, gemeinsam mit unseren Verbündeten zu
unseren Überzeugungen stehen, aktiv
bleiben und uns vor allem einig sind.
Die Bush-Administration hat mit
den Sowjets die gesamte Bandbreite
unserer Anliegen erörtert. Wie immer
haben wir mit den Menschenrechten angefangen. Bei meinen Ministertreffen
im Mai in Moskau habe ich einzelne
Fälle von Menschenrechtsverletzungen
vorgebracht und Außenminister Schewardnadse erklärt, daß wir nicht ruhen werden, ehe die mehreren hundert
akuter Fällen gelöst sind.
Ich habe ihn darüber hinaus darauf hingewiesen, daß wir uns wünschen, die Sowjets würden aus dem
"Zeitalter der Listen" herauskommen.
Wir möchten, daß sie Menschenrechte

�garantieren, indem sie die dort erzielten Veränderungen institutionalisieren. Wir wünschen uns eine offenes politisches System in der Sowjetunion und eine Rechtsprechung, mit
der die jüngsten Verbesserungen nur
noch schwer umkehrbar sind.
Auch in der Rüstungskontrolle
gibt es Fortschritte. Wir haben Bewegung bei der Reduzierung konventioneller Waffen versprochen. (Im folgenden werde ich auf den ehrgeizigen
Vorschlag des Präsidenten im konventionellen Bereich und die Situation
der KSE-Verhandlungen näher eingehen.) Der Präsident hat einen Vorschlag über "Offene Himmel" unterbreitet, mit dem Vertrauen durch mehr
Transparenz geschaffen werden kann.
Wir gehen auf multilateraler Ebene
mit den im Rahmen der KSZE geführten
Gesprächen über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen in Wien
vor. Wir haben soeben ein bilaterales Abkommen mit der Sowjetunion unterzeichnet, mit dem militärische Aktivitäten verhindert werden sollen,
die zu unbeabsichtigten Konflikten
führen könnten.
Gestern wurden in
Genf die Rüstungskontrollverhandlungen über strategische Waffen wieder
aufgenommen.
Und wir haben ferner gegenüber
den Sowjets unser Interesse an der
Erweiterunug des RUstungskontrollprogratnms bekundet, das die Verbreitung
ballistischer Raketen, chemischer und
atomarer Waffen umfassen soll. Diese
Waffen werden von verantwortungslosen
Regierungen in instabilen Regionen
erworben und steigern die Gefahr einer Eskalation.
Obwohl wir mit Hilfe von Rüstungsreduzierungen und -kontrolle an
der Überwachung von Technologie im
Wettbewerb der Supermächte arbeiten,
haben wir Moskau gegenüber deutlich
klargemacht, daß regionale Konflikte
aufgrund der gefährlichen Bedrohung
einer Eskalation, die sie beinhalten,
zentraler Punkt der Zusammenarbeit
zwischen den Supermächten werden sollen.

In Moskau haben Generalsekretär
Gorbatschow und Außenminister Schewardnadse meinen Ausführungen zu Nicaragua und dem Friedensprozeß im Nahen Osten aufmerksam zugehört. Sie
verstehen, daß wir in Mittelamerika
der Diplomatie eine Chance geben und
daß unsere Politik die Unterstützung
beider Parteien hat. Sie kennen die
Bedeutung, die wir der Einhaltung der
von den Sandinisten in Esquipulas II
eingegangenen Verpflichtungen beimessen.
Im Nahen Osten verstehen sie
unsere Unterstützung für Wahlen in
den besetzten Gebieten, und sie verstehen ebenfalls, warum eine vorzeitige internationale Konferenz nur von
den Veränderungen ablenken wird, die
wir dort sehen wollen. Wir beteiligen uns gegenwärtig an einer Reihe
von Expertengesprächen mit den Sowjets in allen Bereichen, in denen regionale Konflikte herrschen.
Indem
die
Sowjets
positive
Schritte zur Lösung regionaler Konflikte unternehmen, können sie uns
dokumentieren, daß ihr "neues Denken"
weltweit gilt. Insbesondere in Mittelamerika und im Nahen Osten, aber
auch im Südlichen Afrika, am Hörn von
Afrika und in Asien, ist es an der
Zeit, daß die Sowjets ihre Vasallen
zu neuem Denken bewegen.
Beim Ministertreffen hatten wir
ebenfalls
fruchtbare
Diskussionen
über länderübergreifende und bilaterale Fragen. Die länderübergreifenden Probleme wurden auf unser Betreiben hin in die Tagesordnung aufgenommen. Wir haben darauf hingewiesen,
daß die Ölkatastrophe in Alaska, das
Erdbeben in Armenien, Tschernobyl,
die Erwärmung der Erde - daß all diese Probleme über die traditionelle
geopolitische Sorge hinausgehen, Souveränität und Sicherheit könnten das
internationale
Wohlbefinden
beeinträchtigen.
Außenminister Schewardnase und ich haben darüber hinaus ein
Abkommen zur Bekämpfung der Umweltverschmutzung in der Beringstraße und
der Tschukschensee unterzeichnet
ein kleiner Schritt auf einem, wie
ich hoffe, langen Weg zur Lösung der

�internationalen Umweltprobleme, von
denen die gesamte Menschheit bedroht
ist.
Beim Terrorismus wollen wir Kontakte zwischen Regierungsstellen knüpfen und Informationen über terroristische Vereinigungen austauschen.
Zu bilateralen Fragen haben wir
einen vollen Arbeitsplan mit 23 so
unterschiedlichen Punkten wie Ozeanographie, zivile Luftfahrt, Atomenergie und Grenzen auf See aufgestellt.
Ich möchte diesen kurzen Überblick über die amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen
folgendermaßen
zusammenfassen: niemand kann die Ergebnisse der in Moskau und in den anderen kommunistischen Ländern stattfindenden Veränderungen vorhersagen.
Letztlich wissen wir, daß der Erfolg
der Reformen vor allem von Entscheidungen abhängen wird, die in Moskau,
Peking oder Ost-Berlin und nicht In
Washington, Brüssel oder Bonn getroffen werden. Wir wissen jedoch, daß
der Osten nur durch politische und
wirtschaftliche Reformen Fortschritte
erzielen kann. Sich solchen notwendigen historischen Veränderungen In
den Weg zu stellen - wie wir dies zu
unserer Empörung und mit Betroffenheit in China beobachten - heißt,
sich der Zukunft in den Weg zu stellen. Und deshalb sind Generalsekretär Gorbatschows zurückhaltende Äußerungen zu diesen tragischen Ereignissen enttäuschend.
Wir sind der festen Überzeugung,
daß Reformen in der kommunistischen
Welt - in Asien oder in Europa - voll
und ganz in unserem Interesse liegen. Aus diesem Grunde bauen wir auf
Bestrebungen der Vergangenheit auf
und erzielen in unserem Programm mit
der Sowjetunion Fortschritte.
Wir
erforschen und finden neue Mittel,
die systematische Zusammenarbeit unterstützen.
Und wir werden unsere
umfassenden Diskussion bei den Ministertreffen im September fortführen.
Wir beteiligen Moskau aktiv, hal-

ten dabei die Augen offen und konzentrieren uns weiterhin auf unsere traditionellen
Ziele und Interessen:
den Schutz der Sicherheit des Westens
und die Förderung der demokratischen
Werte, Ziele und Interessen, die wir
beim NATO-Gipfel bekräftigt haben.

Ein Schritt nach vorn - der NATO-Gipfel
Beim Gipfeltreffen zum 40. Jahrestag der NATO haben wir die nachsten 40 - nicht die vergangenen 40 Jahre als Leitlinie genommen.
Wir
haben einen kühnen Schritt gewagt,
damit ein Krieg in Europa undenkbar
und unmöglich wird, mit dem Ziel vor
Augen, daß Europa ungeteilt und frei
und die Welt für alle ein besserer
Platz zum Leben wird.

*

In Brüssel hat der Präsident drei
bedeutsame Schritte unternommen, um
im Bündnis die Führungsrolle zu übernehmen, wenn es sich der vor uns liegenden veränderten Welt stellt. Zu- ,
nächst hat diese Administration die
Gelegenheit ergriffen, um eine mögliche
historische
Veränderung
im
Gleichgewicht der Streitkräfte in Europa zu begünstigen und zu beschleunigen. Zweitens haben wir eine Vereinbarung zum Gesamtkonzept der NATO
erzielt.
Drittens haben wir neue
Aufgaben für die NATO festgelegt.

Der Vorschlag des Präsidenten
konventionellen Abrüstung

zur

Ich möchte den Vorschlag des Präsidenten zur konventionellen Abrüstung erläutern, indem ich den hier
Anwesenden einen kurzen Abriß der
bisherigen Verhandlungen gebe.
Im März dieses Jahres haben die
NATO und der Warschauer Pakt in Wien
Verhandlungen
über
Konventionelle
Streitkräfte in Europa (KSE) aufgenommen, mit dem Ziel, die durch die
Überlegenheit des Warschauer Pakts
bei den wichtigsten konventionellen
Fähigkeiten entstandene Bedrohung ab-

- 4 -

*
*

�zubauen.
Bei der Eröffnung der
KSE-Verhandlungen haben wir gemeinsam
mit unseren westlichen Verbündeten
detaillierte und umfassende Vorschläge unterbreitet, mit denen Sicherheit
und Stabilität in Europa auf erheblich
verringerten
konventionellen
Streitkräfteniveaus
herbeigeführt
werden soll.
Der Vorschlag des Westens, der
die Grundlage der Verhandlungen bildet, fordert gleiche Obergrenzen für
NATO und Warschauer Pakt bei den
wichtigsten Waffenkategorien, mit denen Territorium erobert und gehalten
werden kann. Neben dem Abbau der
entscheidenen militärischen Vorteile
des Warschauer Pakts zielt der Vorschlag des Westens bei den KSE-Verhandlungen darauf ab, die Fähigkeit
des Warschauer
Pakts zu Überraschungsangriffen und raurogreifenden
Offensiven zu verringern oder seine
Streitkräfte
zur politischen Einschüchterung
einzusetzen.
Darüber
hinaus wollen wir die Gesamtstärke
der sowjetischen Streitkräfte, den
Umfang ihrer Stationierung in Osteuropa sowie die relative Geschwindigkeit, mit der sie im Falle eines Konflikts mobilisiert werden können, abbauen oder begrenzen.
Schließlich beinhaltet unser Vorschlag vier Obergrenzen für Unterzonen, mit denen die Streitkräftekonzentratton in allen Teilen Europas
begrenzt weren könnte. So versuchen
wir die Abschreckung zu erweitern,
indem ein Gleichgewicht zwischen Ost
und West bei den Fähigkeiten zur
Durchführung und Fortsetzung militärischer Aktionen geschaffen wird.
Eine entscheidende Möglichkeit zu
Fortschritten bei den Wiener Verhandlungen ergab sich aus meinem Treffen
mit Generalsekretär Gorbatschow in
Moskau am 11. Mai 1989. Generalsekretär Gorbatschow legte mir bestimmte zahlenmäßige Obergrenzen und einen
detaillierteren Zeitplan für den Vorschlag vor, den der Osten zuvor in
Wien unterbreitet hatte. Diese Zahlen wurden offiziell kurz vor dem

NATO-Gipfel veröffentlicht.
Der Präsident gelangte zu der
Schlußfolgerung, daß die spezifischen
Vorschläge des Warschauer Pakts einer
stillschweigenden Billigung des westlichen Konzepts und des Rahmens für
die KSE-Verhandlungen gleichkämen und
die Zeit reif sei, die Verhandlungen
einen entscheidenden Schritt voranzubringen.
Der Präsident entschied,
unseren ursprünglichen Vorschlag in
vier Bereichen zu erweitern.
Beim
Gipfeltreffen wurde der Plan einmütig
von unseren Verbündeten begrüßt. Unser Vorschlag umfaßt folgenden Forderungen:
Erstens, Einbeziehung der Zustimmung des Ostens zu den vom Westen
vorgeschlagenen Obergrenzen für die
wichtigsten Teile der Landstreitkräfte. Dies würde bedeuten, eine gemeinsame Obergrenze für Panzer bei
20 000, für Schützenpanzer bei 28 000
und bei Artilleriegeschützen zwischen
16 500 und 24 000 festzusetzen, je
nach der Lösung der Definitionsfragen. Das abgebaute Gerät würde verschrottet.
Zweitens, Erweiterung
des ursprünglichen Vorschlags des Westens
unter Einbeziehung der Begrenzungen
für alle ständig an Land stationiei—
ten Flugzeuge oder für Hubschrauber
vom Atlantik bis zum Ural bei 15 Prozent unter der derzeitigen Gesamtzahl
der NATO. Alles abgebaute Gerät würde zerstört.
Drittens, ein Abkommen zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, mit dem die in Europa stationierten Einsatztruppen außerhalb
des nationalen Territoriums auf einen
Gleichstand 20 Prozent unter dem derzeitigen NATO-Niveau reduziert würden. Die entsprechenden Obergrenzen
für amerikanische und sowjetische in
Europa stationierte Landstreitkräfte
würden dann bei etwa 275 000 Soldaten
liegen. Die abgezogenen Streitkräfte
würden auf beiden Seiten demobilisiert.
Bei diesen Obergrenzen für
Personal müßten die Sowjets ungefähr

- 5 -

�325 000 Soldaten aus Osteuropa abziehen und damit den im ursprünglichen
Vorschlag des Westens enthaltenen
Obergrenzen bei stationierten Streitkräften entsprechen.
Viertens, ein Abkommen über die
Beschleunigung der Zeitpläne von Ost
und West, damit ein KSE-Abkommen entsprechend der von mir gerade umrissenen Vorstellungen und zur Verwirklichung der erforderlichen Verringerungen erzielt werden kann. Der sowjetische Vorschlag forderte die vollständige Verwirklichung einer Übereinkunft bis zum Jahr 1997. Der Präsident hat als Frist für ein Abkommen
sechs Monate oder ein Jahr festgesetzt, wobei die notwendigen Verringerungen bis 1992 oder 1993 durchgeführt sein sollen.
Diese Bestimmungen würden beide
Seiten verpflichten, eine beträchtliche Anzahl an Gerät zu zerstören.
Entscheidend wäre jedoch, daß die
Überlegenheit des Warschauer Pakts
bei den wichtigsten Komponenten seiner militärischen Stärke beseitigt
würden.
Diese Bestrebungen laufen den Modernisierungsplänen der NATO nicht
zuwider. Sie sollten als Teil eines
umfassenden Ansatzes zur Verbesserung
unserer Sicherheit durch Streitkräftemodernisierung einerseits und Rüstungskontrolle und Abrüstung andererseits verstanden werden.
Die westlichen Regierungen sind
jetzt damit befaßt, die Erweiterung
unseres
ursprünglichen
Vorschlags
vorzubereiten, die bei der Eröffnung
der dritten Verhandlungsrunde in Wien
am 7. September 1989 unterbreitet
werden soll. Darüber hinaus ist der
Westen immer noch mit der Entwicklung
bestimmter Bestandteile der Verifizierungsmaßnahmen und einem Paket von
"Stabillsierungsmaßnahmen"
befaßt,
die darauf ausgerichtet sind, die
Vorteile von Obergrenzen für Gerät zu
untermauern.
Gleichzeitig wird die
Arbeit für Verhandlungen mit dem
Osten über die Entwicklung gemeinsa-

mer Definitionen und Zählvorschriften
fortgesetzt.
Beide Seiten haben grundsätzlich
Einigung darüber erzielt, daß Untergrenzen für Streitkräfte auf ausländischem Gebiet in Europa, Begrenzungen für die Streitkräfte der jeweiligen Länder sowie Unterzonen eingeführt werden sollten.
Es bestehen
jedoch entscheidende Unterschiede in
der Art und Weise, in der Ost und
West diese Grundsätze anwenden. Der
Osten muß seine Verifizierungsmaßnahmen noch verbessern, aber wir erwarten zügige Fortschritte.

Die umfassenderen Auswirkungen des
vom Präsidenten unterbreiteten Vorschlags
Ich möchte mich hier nicht in
Zahlen verlieren. Abrüstung und Rüstungskontrolle sind sehr viel mehr
als eine schlichte Subtraktion. Und
die Initiative des Präsidenten ist
mehr als nur ein militärisches Konzept.
Unser Vorschlag hat weitreichende
politische
Auswirkungen
auf
die
Schaffung des von uns angestrebten
ungeteilten und freien Europas. Wir
ergreifen diese Gelegenheit, um den
Schatten zu verringern, den die sowjetische
Militärmacht
auf
Europa
wirft. Wir versuchen, Westeuropa von
der Bedrohung der Aggression oder
politischen Einschüchterung durch die
überlegenen
Streitkräfte
des Warschauer Pakts zu befreien. Und nicht
zuletzt wollen wir dazu beitragen,
den politischen Reformprozeß in Osteuropa von der schweren Last der
übermäßigen sowjetischen Militärpräsenz zu befreien. Während wir dahin
tendieren, die sowjetischen Streitkräfte als potentielle Invasionsstreitmacht zu sehen, sind die Sowjets für Millionen Menschen im Osten
immer noch eine Besatzungsmacht.
Insgesamt wollen wir Europa zu
einem Zentrum der Kooperation und
nicht
der
Konfrontation
machen.

�Die Rolle von
NATO-Strategie

Atomwaffen

in

der

Beim Gipfeltreffen veranlaßte der
Präsident das Bündnis, einen zweiten
wichtigen Schritt in Richtung auf die
Zukunft zu unternehmen: Die Zustimmung des Westens zu den Bestandteilen
eines "Gesamtkonzepts für Rüstungskontrolle und Abrüstung". Diese Leistung ist Beweis für die Fähigkeit
der NATO, sich an Veränderungen anzupassen und gleichzeitig zu unserer
Grundüberzeugung zu stehen, daß Atomwaffen eine entscheidende Rolle dabei
spielen, die Wirksamkeit unserer Abschreckungsstrategie
zu gewährleisten. Im Lichte des bestehenden Ungleichgewichts bei den konventionellen Streitkräften gab das Bündnis
seine Zustimmung, daß Verhandlungen
über Kurzstreckenraketen erst dann
aufgenommen werden sollten, wenn die
Durchführung eines KSE-Abkommens in
die Wege geleitet worden ist. Darüber hinaus wird der vereinbarte Abbau
von SNF nicht vorgenommen, bevor das
KSE-Abkommen tatsächlich verwirklicht
ist.
Das
Gipfel-Kommunique
unterstreicht - im wahrsten Sinne des Wortes - unser Ziel, teilweise Reduzierungen dieser Streitkräfte bei den
SNF-Verhandlungen
herbeizuführen.
Das Bündnis hat sich verpflichtet, in
absehbarer Zukunft ein angemessenes
Niveau von land-, see- und luftgestützten Nuklearsystemen aufrechtzuerhalten, einschließlich landgestützter SNF-Raketen.
Damit hat das Bündnis unsere seit
langem geteilte Überzeugung bekräftigt, daß Atomwaffen einen unersetzlichen Beitrag zur Glaubwürdigkeit
der Abschreckungsstrategie der NATO
leisten. Wir hoffen, daß das katastrophale Potential einer nuklearen
Eskalation in einem Konflikt weiterhin abschreckend auf einen möglichen
Aggressor wirken wird.
Selbst bei
einem konventionellen Gleichgewicht
sind Atomwaffen immer noch von einzigartiger Bedeutung in unserer Strategie.

Neue Aufgaben für die NATO
Der dritte, vom Präsidenten beim
Gipeltreffen unternommene Schritt in
die Zukunft war seine Aufforderung an
das Bündnis, neue Probleme in Angriff
zu nehmen. Er ermutigte unsere Bündnispartner, neue Aufgaben für das
Bündnis in Betracht zu ziehen. Da es
uns gelingt, die militärische Konfrontation in Europa zu verringern,
müssen wir das Bündnis neuen Herausforderungen zuführen. Die Hauptaufgabe der NATO wird stets in der Aufrechterhaltung der kollektiven Sicherheit des Westens bestehen. Der
Schwerpunkt der Aktivitäten des Bündnisses wird in einem günstigeren europäischen Sicherheitsumfeld
jedoch
offensichtlich ein anderer sein als
in den vergangenen 40 Jahren.
Erstens sprach der Präsident über
unser Interesse an der weiteren Dezentralisierung
politischer, wirtschaftlicher und sozialer Macht in
Osteuropa.
Während wir den Westen
schützen,
müssen
wir
dem
Osten
gleichzeitig entgegenkommen, um unserer Verpflichtung zur Überwindung
der Teilung Europas Substanz zu verleihen.
In dieser Hinsicht könnten die
Rolle der NATO als politisches Konsultativforum und unsere Verpflichtung zum KSZE-Prozeß wirksamer genutzt werden, um die Haltung des Westens gegenüber dem Osten abzustimmen.
Gemeinsam mit Aktivitäten in
der Europäischen Gemeinschaft und anderen westlichen Institutionen sollten die Vereinigten Staaten und ihre
Verbündeten eine einheitliche Strategie zur Bewältigung der Veränderungen
in Osteuropa entwickeln.
Zweitens unterstrich der Präsident die neuerkannte Gefahr für unsere Sicherheit und unser Wohlergehen
durch die Bedrohung der Umwelt. Er
schlug neue Maßnahmen vor, die der
Westen ergreifen könnte, um dem Osten
bei der Behebung seiner massiven Umweltprobleme behilflich zu sein. Darüber hinaus haben sich die Bündnis-

- 7 -

�partner dazu verpflichtet, mehr Mittel für bestimmte nichtmilitärische
Projekte bereitzustellen, die Aufgaben der Europäischen Gemeinschaft und
anderer europäischer Gemeinschaftsinstitutionen ergänzen, beispielsweise bei Umweltproblemen und im Bereich
der wissenschaftlichen Zusammenarbeit.
Drittens lenkte der Präsident das
Augenmerk auf die Notwendigkeit zur
Zusammenarbeit bei der Behandlung der
gesamten Bandbreite von Sicherheitsbedrohungen, insbesondere diejenigen,
die durch regionale Konflikte und die
Weiterverbreitung chemischer und nuklearer Waffen und ihrer Trägersysteme entstehen. Die NATO muß weder augenfällige einheitliche Antworten auf
all diese neuen Sicherheitsbedrohungen entwickeln noch sollten diese Bestrebungen auf die Zusammenarbeit
zwischen den Ländern des Westens begrenzt sein. Diese neuen Bedrohungen
sind eine Gefahr für Verbündete,
Freunde und Gegner gleichermaßen.
Wir haben unsere Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit allen betroffenen
Nationen bei ihrer Bewältigung signalisiert.

Schlußfolgerung
Der Erfolg des Gipfeltreffens und nicht zuletzt für das Bündnis
selbst - ist Beweis für die Dauerhaftigkeit der politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Bande, die
Amerika seit 40 Jahren mit seinen europäischen Verbündeten einen.
Wie
der Präsident betont hat, sind und
bleiben die Vereinigten Staaten eine
europäische Macht.
In Brüssel haben wir mit unseren
Bündnispartnern ehrgeizige Zukunftspläne entwickelt.
Wir haben entscheidende Fortschritte im Bereich
der Sicherheit erzielt und erfolgreich die Richtlinien für die Entwicklung unseres nuklearen und konventionellen Einsatzkonzepts und für
die Rüstungskontrollpolitik festgelegt. Darüber hinaus haben wir das
Augenmerk auf die Notwendigkeit für
- 8

die Bündnispartner und die anderen
westlichen Nationen gelenkt, das sehr
viel umfassendere Programm in Angriff
zu nehmen, mit dem wir uns in Europa
und weltweit in den neunziger Jahren
konfrontiert sehen.
Am wichtigsten ist jedoch, daß
wir und unsere Bündnispartner beim
40. Jahrestag der Unterzeichnung des
Nordatlantikvertrags
und
in einer
Zeit tiefgreifender Veränderungen in
den Ost-West-Beziehungen eine neue
Grundlage für Einheit geschaffen haben.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

*

Dokumentation

25

28. Juni 1989

USA BENÖTIGEN ZUR ABSCHRECKUNG ZWEI MOBILE ICBM-SYSTEME
- Rede des Staatssekretärs für Verteidigungspolitik im Senat -

WASHINGTON - (AD) - Dem Staatsekretär für Verteidigungspolitik im Senat,
Paul Wolfowitz, zufolge benötigen die Vereinigten Staaten zwei Systeme mobiler
Interkontinentalraketen (ICBM) zur Abschreckung einer potentiellen sowjetischen Aggression. Wolfowitz forderte am 21. Juni den Streitkräfteausschuß des
Senats auf, im Hinblick auf die gerade in Genf aufgenommenen amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen über Strategische Rüstungen (START) diesem Vorschlag
des Präsidenten zuzustimmen, der ein zweifaches System vorsieht, bei dem
MX-Raketen des Typs Peacekeeper mit 10 Gefechtsköpfen auf Schienenfahrzeugen
disloziert werden und kleinere Raketen mit nur einem Gefechtskopf auf LKWs
stationiert würden.
Nachfolgend veröffentlichen wir Wolfowitz' Ansprache im Wortlaut:

Herr Vorsitzender, verehrte Mitglieder des Streitkräftesausschusses,
Es ist mir eine Ehre, heute hier
gemeinsam mit General Welch über das
Programm
der
Administration
zur
ICBM-Modernisierung
referieren
zu
können.
Wie Sie wissen, hat die Administration eine umfangreiche Überprüfung unserer nationalen Sicherheitspolitik durchgeführt. Bei der Untersuchung aller Aspekte strategischer
Fragen sind wir zu einer Reihe von
Schlußfolgerungen
gelangt, die ich
Ihnen heute darlegen möchte, bevor
ich mich der Frage der ICBM-Modernisierung im einzelnen zuwende.

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Die strategische Triade
Unsere Bilanz hat die Notwendigkeit einer Triade strategischer Offensivstreitkräfte
bestätigt.
Die
drei Säulen unserer Abschreckung leisten zusammengenommen weit mehr als
die Summe der einzelnen dies vermuten
ließe.
Jede Säule hat einzigartige
Stärken und Fähigkeiten, die insgesamt den Präsidenten mit einer effektiven und flexiblen Abschreckung mit
der Fähigkeit ausstattet, sich einer
großen Bandbreite potentieller Bedrohungen zu stellen - und sie damit abzuschrecken.
Das
von
Präsident
Reagan
im
Herbst 1981 eingeleitete strategische
Modernisierungsprogramm war in höchstem Maße erfolgreich: Es hat viele

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�strategische Mängel beseitigt, mit
denen wir die achtziger Jahre begonnen haben, unsere Abschreckung gestärkt, indem es bisher existierende
einseitige Vorteile der Sowjets wie
etwa das Treffen gehärteter Ziele außer Kraft gesetzt und damit die
Grundlage für bedeutende Fortschritte
bei den RUstungsreduzierungen geschaffen hat.
Da das strategische
Verhältnis jedoch dynamisch ist und
das Reagan-Programm darauf abzielte,
alle drei Säulen der Triade in einem
Zeitrahmen von 15 bis 20 Jahren zu
modernisieren, bleibt noch viel zu
tun. Wir müssen weiterhin U-Boote,
Bomber und ICBM wie auch die sie unterstützenden Führungs- und Kommunikat ionseinrichtungen modernisi eren.

reiten Bombern und den bereits auf
See befindlichen SSBN die größtmögliche Abschreckung gegen einen sowjetischen Präventivschlag gewährleistet.
Nach Erwägung all dieser Punkte
haben wir die verschiedenen Situationen
analysiert, in denen unsere
ICBM-Silos angegriffen werden könnten. Dabei ergeben sich zwei potentielle Szenarien.
Ein sowjetischer Schlag als Reaktion auf einen Konflikt, der so
groß ist, daß er bereits zu einem
konventionellen
Krieg
zwischen
den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion geführt haben könnte
oder,
-

Die ICBM-Streitkräfte
Mit der Stationierung von 50 ICBM
des Typs Peacekeeper und der Modernisierung
der
Minuteman-Raketen
wurde eine in höchstem Maße fähige
Abschreckung geschaffen, die ein Risiko für nahezu alle Arten sowjetischer
Ziele
bedeutet.
Die
ICBM-Streitkräfte können heute jedoch
den Sowjets nicht die Fähigkeit bestreiten, einen Teil der Streitkräfte
in einem Präventivschlag zu treffen.
Der Ausschuß ist sich bewußt, daß
dieses Problem den zwanzig Jahren der
Debatte
und
Kontroverse
um
die
ICBM-Modernisierung
zugrundegelegen
hat.
Vor diesem wichtigen Hintergrund fand unsere Überprüfung statt.
Wir sind zu dem Schluß gekommen,
daß es vom Standpunkt der Abschrekkung her in der Tat wünschenswert
ist, wenn zumindest ein Teil jeder
SMule der Triade überlebensfähig wäre. Unsere alarmbereiten Bomber und
unsere nukleargetriebenen Raketenunterseeboote (SSBN) auf See werden
diesen Anforderungen heute gerecht.
Wenn einige unserer ICBM heute Uberlebensfähig wären, würde damit unter
anderem eine Vorbeugemaßnahme getroffen, wenn bei den Bombern oder den
U-Booten
Schwachstellen
auftreten,
und damit zusammen mit den alarmbe-

ein Angriff
der zuweilen als
"Blitz aus heiterem Himmel" bezeichnet wird und in Ermangelung
akuter internationaler Konflikte
oder
Feindseligkeiten
durchgeführt wird.

Wir haben große Fortschritte beim
Wiederaufbau unserer Triade gemacht
und glauben nicht, daß die Abschrekkung versagen wird. Ein Versagen der
Abschreckung und ein Angriff auf unsere ICBM-Silos ist sehr unwahrscheinlich, aber eben deshalb haben
wir viel investiert, um unsere Abschreckung effektiv zu machen, und
das müssen wir angesichts wiederkehrender Bedrohungen weiterhin tun. Da
es unabdingbar ist, daß wir gegen
beide der oben beschriebenen Szenarien eine angemesse Abschreckung haben, führen wir beide Raketenprogramme aufgrund ihrer unterschiedlichen
Entwicklungsstadien konsequent durch
und auch, weil wir damit sowohl auf
die Bedrohung als auch auf haushaltsmäßige Gegebenheiten reagieren.

Das Programm des Präsidenten
Das Mittel zur Vorbeugung gegen
die erste Art der Bedrohung steht zur
Verfügung
kann kurzfristig stationiert werden und ist darüber hinaus
voll finanzierbar. Wenn wir die exi-

�stierenden
50
Peacekeeper-Raketen
aus ihren Silos entnehmen und sie auf
Schienenfahrzeugen stationieren - womit sich die Gesamtkosten des Programms auf etwa 6 Milliarden Dollar
beliefen - hätten wir damit 50 in
drei
Jahren
Peacekeeper-Gefechtsköpfe, die voll überlebensfähig werden können, und in fünf Jahren werden
die insgesamt 500 Gefechtsköpfe umfassenden
Peacekeeper-Streitkräfte
dazu in der Lage sein.
Die Lösung für das zweite Szenarium, bei dem wir nur taktische Warnung vor einem Angriff hätten, besteht in der Entwicklung einer neuen
kleinen ICBM (Small ICBM - SICBM).
Wir könnten mit der Stationierung der
SICBM auf ihren gehärteten mobilen
Abschußvorrichtungen erst Ende der
neunziger Jahre beginnen, also lange
nach der Zeit, in der wir die 50
Peacekeeper-Raketen
in Eisenbahndepots neu stationieren könnten. Aufgrund der unmittelbaren Bedrohung,
der technologischen Reife und der
Haushaltslage hat der Präsident sich
zur Fortführung dieses Programms entschieden, will aber die 50 Peacekeeper-Raketen zuerst stationieren.
In den nächsten Jahren werden wir untersuchen, wie und wo die SICBMs zu
stationieren sind, wie viele erforderlich sein werden, wie hoch ihre
Sprengladung sein könnte und welche
Maßnahmen wir ergreifen müssen, um
die Kosten des Gesamtprogramms zu
senken.

sere befinden sich noch in der Planung.
Bevor mobile ICBM im Rahmen eines
START-Abkommens
zugelassen
werden,
müssen wir sichersteilen, daß jegliche Begrenzungen bei diesen Systemen
wirksam verifizierbar sind. Andernfalls sind die Vorteile der Stationierung mobiler ICBM zur Sicherheit
der Vereinigten Staaten das Risiko
sowjetischer Täuschungsmanöver nicht
wert. Damit die Sowjets einem befriedigenden Ergebnis bei START zustimmen, ist es von entscheidender
Bedeutung, daß die Vereinigten Staaten ihre Bereitschaft und Fähigkeit
zur Stationierung eines mobilen Systems demonstrieren.
In dieser Wochen wurden in Genf
die START-Verhandlungen wiederaufgenommen. Zusäztlich zur Verifizierung
bleiben für uns und die Sowjets noch
wichtige Fragen offen. Deshalb können wir wirklich nicht vorhersagen,
wann ein Vertrag unterschriftsreif
sein wird. Darüber hinaus wäre es
unvorsichtig, wenn wir unsere strategischen Streitkräfte so konzipierten,
daß sie einem noch unvollständigen
und nicht vereinbarten Dokument entsprächen.
Zusätzlich zu den Abschreckungsvorteilen
steilen
die
Fortführung
der Stationierung der
Peacekeeper in Eisenbahndepots und
die Konstruktion der SICBM vorsichtige Schritte und eine Vorbeugemaßnahme
dar, wenn kein Vertrag erzielt wird,
der amerikanische Interessen berücksichtigt.

Erwägungen zur Rüstungskontrolle
In Ermangelung eines START-Abkommens möchten die Vereinigten Staaten
in der Lage sein, mobile ICBM-Streitkräfte zu stationieren, die denen der
Sowjets vergleichbar sind. Die Vereinigten Staaten dürfen sich nicht in
eine Situation bringen, in der die
Sowjets überlebensfähige ICBM haben
und sie nicht. Die Sowjets haben uns
gegenüber in diesem Bereich einen
Vorsprung
da
sie
zwei
mobile
ICBM-Systeme stationiert haben. Un-

Schlußfolgerung
Herr Vorsitzender, das Programm
des Präsidenten steht für eine gesunde Abschreckungspolitik wie auch eine
gesunde Haushaltspolitik.
Und es
steht auch für eine gesunde Rüstungskontrollpolitik. Es wägt die Risiken
und Möglichkeiten vorsichtig ab, denen wir uns in den kommenden Jahren
gegenübersehen. Meiner Ansicht nach
haben wir heute die Gelegenheit, die

- 3 -

�Debatten der Vergangenheit hinter uns
zu lassen. Wenn wir uns weiter auf
dem Weg bewegen, wie er im neuen
Haushalt vorgezeichnet ist, können
wir auf angemessene Weise sowohl die
strategischen als auch die haushaltspolitischen Schwierigkeiten angehen,
die bisher so schwer zu lösen waren.
Die Kehrseite all dessen lautet
natürlich, daß drastische Veränderungen zugunsten des Programms der zwei
Raketensysteme zusäztliche Probleme
mit sich bringen werden. Die Verzögerung
des
Peacekeeper-Programms
wird seine Kosten steigern und unsere
Fähigkeit
behindern, schnell eine
verwundbare Stelle in unserem strategischen Einsatzkonzept zu heilen, das
sich auf die wahrscheinlichere von
uns abzuschreckende Bedrohung bezieht.
Wenn wir schnelle Entscheidungen
über die SICBM erzwingen, könnte das
dazu führen, daß wir voreilig eine
Rakete stationieren, die teurer als
notwendig und nicht auf eine Weise
stationiert ist, die dem Abschrekkungspotential
am
besten
gerecht
wird. Darüber hinaus könnte mangelnder Konsens zur ICBM-Modernisierung
die Position unserer Unterhändler in
Genf schwächen und auf selten der Sowjets zu der Auffassung führen, daß
wir niemals mobile ICBM stationieren
werden und sie deshalb diese Aussicht
bei ihrer Position in den START-Verhandlungen nicht in Betracht ziehen
müssen.
Wir haben genug Zeit mit der Erörterung dieser Frage verbracht. Das
Programm des Präsidenten ist eine
überlegte, logische Antwort auf ein
Problem, das aus oftmals sehr schwer
lösbaren Fragen bestand. Unser Programm verdient die Unterstützung des
Senats und des gesamten Kongresses,
und ich möchte den Ausschuß auffordern, das Programm wie auch die anderen Teilbereiche des strategischen
Modernisierungsprogramms
zu unterstützen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
^7

"W"

Hintergrundmaterial

Ä&lt;

25

28. Juni 1989

STAND DER RÜSTÜNGSKONTROLLVERHANDLUNGEN
- Wöchentliche Übersicht -

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die am 22. Juni 1989
vom US-Informationsamt (USIA) herausgegebene Übersicht über den Stand der
START-Verhandlungen, SDI, gemeinsame amerikanisch-sowjetische Experimente sowie die MX- und Midgetman-Raketenprogramme.

Betonung der Verifizierung
START-Verhandlungen

bei den

Die elfte Runde der Verhandlungen
Über

Kern- und

Weltraumwaffen

beider Länder herbeizuführen, um die
strategische Stabilität zu erhöhen
und die Möglichkeit eines Atomkrieges
zu verringern.

wurde

am 19. Juni 1989 mit einem Treffen
zwischen den beiden Chefunterhändlern
der amerikanischen und sowjetischen
Seite, Richard Burt und Juri Nasarkin, aufgenommen. Die Verhandlungen
beinhalten auch die ersten unter der
Bush-Administration geführten Gespräche über die Verringerung strategischer Rüstungen (START) und die ersten Gespräche über die Verteidigung
im Weltraum.
Das amerikanische Ziel bei den
START-Verhandlungen
besteht
darin,
verifizierbare Reduzierungen bei den
strategischen
NuklearStreitkräften

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Noch ungelöste Hauptprobleme betreffen
see- und
luftgestützte
Marschflugkörper, mobile Interkontinentalraketen
(ICBM),
Untergrenzen
für ICBM-Gefechtsköpfe sowie die sowjetischen Bestrebungen, START an den
ABM-Vertrag aus dem Jahr 1972 zu koppeln.
In der laufenden Verhandlungsrunde, die voraussichtlich sechs bis
sieben Wochen dauern wird, werden
sich die Unterhändler vornehmlich auf
Fragen der Verifizierung konzentrieren. Die Vereinigten Staaten werden
bestimmte
Verifizierungsmaßnahmen

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Telex: 8-85432

�vorschlagen, die Botschafter Burt zufolge "vor dem Abschluß eines Rüstungskontrollabkommens" durchgeführt
werden sollen.
Präsident Bush erläuterte am 19.
Juni 1989 den Vorschlag der Vereinigten Staaten, beide Seiten sollten
"besondere Anstrengungen unternehmen,
um Einigung bei auf den Vorschlägen
basierenden Maßnahmen zur Verifizierung und Stabilität zu erzielen, die
beide Seiten bereits im Rahmen der
START- und anderer Verhandlungen unterbreitet haben".
Die
vorgeschlagenen
Verifizierungsmaßnahmen
sollen
angeblich
Vor-Ort-Inspektionen,
24stündige
Überwachung der Raketenproduktionsstätten, ein Verbot der bei Raketentests vorgenommenen Kodierung elektronischer Signale sowie einen Plan
zum Austausch von Daten über strategische Nuklearstreitkräfte enthalten.
Präsident Bush erklärte, ein baldiges Abkommen und die Durchführung
von Verifizierungsmaßnahmen "werden
die Lösung noch zu behandelnder Themen beschleunigen und den Bestrebungen unserer beiden Länder zum raschen
Abschluß eines START-Abkommens zusätzlichen Auftrieb verleihen".
Der stellvertretende Pressesprecher des Weißen Hauses, Roman Popadiuk, führte ein hypothetisches Beispiel dafür an, wie die Verifizierung
funktionieren könnte, indem er erklärte, mit der Gründung von amerikanischen und sowjetischen technischen
Expertengruppen könnten die Meinungsverschiedenheiten bei der Verifizierung gelöst und Entscheidungen über
die Art des Geräts herbeigeführt werden, das bei den Inspektionen zum
Einsatz kommen könnte.
Ein amerikanischer Verteidigungsexperte erklärte am 16. Juni, man
verfolge das Ziel, die Verifizierungsmaßnahmen
voranzubringen
und
"Mechanismen zur Art und Weise der
Verifizierung zu prüfen, so daß wir
in Genf nicht nur zusammensitzen und

darüber sprechen, sondern tatsächlich
etwas tun".
Die Sowjets halten nach wie vor
an
der
Position
fest, daß ein
START-Vertrag nur vorbehaltlich der
Zustimmung der Vereinigten Staaten
geschlossen werden kann, Begrenzungen
bei der Entwicklung der strategischen
Verteidigung gegen ballistische Raketen einzuführen.
Die Vereinigten
Staaten behaupten, START und die
Strategische
Verteidigungsinitiative
(SDI) seien getrennte Themenbereiche
und Begrenzungen bei SDI inakzeptabel.
Botschafter Burt erklärte am
20. Juni 1989, Präsident Bush vertrete die Auffassung, "es sei unverantwortlich, diese Option (SDI) zum jetzigen Zeitpunkt aufzugeben".
Burt fuhr fort: "Offen gesagt,
unserer Ansicht
nach
sollte ein
START-Abkommen nicht zum Pfand für
ein Abkommen über Verteidigung im
Weltraum oder andere Restriktionen
bei unserem Recht zur Entwicklung und
Erprobung im Bereich der strategischen Verteidigung gemacht werden."

Kongreßkoalition
strebt
der Mittel für SDI an

Kürzungen

Obwohl
die
Bush-Adminsitration
das SDI-Programm
weiterhin unterstützt, plant eine überparteiliche
Koalition von 33 Kongreßabgeordneten
eine Kürzung der Mittel für SDI in
Höhe von 1,8 Milliarden Dollar als
Zusatz zum bewilligten Verteidigungshaushalt für 1990.
Bei einer Pressekonferenz in Genf
erklärte Burt jedoch, die Bush-Administration werde das SDI-Programm "in
völligem Einklang mit" dem ABM-Vertrag von 1972 fortführen.
In der vergangenen Woche wurde
ein neuer Termin für ein wichtiges
SDI-Experiment für Mitte Juli festgesetzt: der Abschuß des ersten neutralen Teilchenstrahls in den Weltraum von New Mexico aus wurde nach
Schwierigkeiten bei der Zündung der

�Aries-Rakete abgebrochen.
Mit dem
Teilchenstrahlexperiment
in Raketen
(Beam Experiment Aboard Rockets
BEAR) soll herausgefunden werden, wie
Explosionen von Teilchenstrahlen im
Weltraum reagieren.

Amerikanische und sowjetische Wissenschaftler versuchen seegestützte
Waffen zu verfizieren
Eine Gruppe von Wissenschaftlern
vom amerikanischen Natural Resources
Defense Council (NRDC) und der sowjetischen Akademie der Wissenschaften werden vom 5. bis 8. Juli 1989
ein gemeinsames Experiment durchführen, um sowjetische Nukleargefechtsköpfe auf See aufzuspüren und zu veri fizieren.
Amerikanische Wissenschaftler der
Stanford University, dem Massachusetts Institute of Technology und dem
Brookhaven National Laboratory werden
am 1. Juli die Reise nach Moskau antreten.
John Spratt, Mitglied des
Streitkräfteausschusses des Repräsentantenhauses wird das Experiment beobachten, das im Schwarzen Meer an
Bord eines sowjetischen Kreuzers der
Slava-Klasse durchgeführt wird, der
mit Marschflugkörpern bestückt ist.
Einem Sprecher des NRDC zufolge
besteht der Zweck des Experiments darin, "die Fähigkeit passiver Strahlungsmonitore zum Aufspüren von Nukleargefechtsköpfen auf See zu bewerten."
Präzise Methoden zur Verifizierung der Präsenz von nuklearbestückten unterseebootgestutzten Marschflugkörpern sind noch nicht entwickelt worden.

Bush versucht, die Unterstützung des
Kongresses für mobile Rakten zu gewinnen
Präsident Bush kam am 20. Juni
mit Vertretern des Kongresses zusammen, um ihre Unterstützung für seinen
Plan zur Entwicklung von zwei getrennten amerikanischen mobilen Rake-

tensystemen zu gewinnen, der MX mit
Mehrfachgefechtsköpfen und der mobilen Interkontinentalrakete Midgetman
mit einem Gefechtskopf.
Dem Sprecher des Weißen Hauses,
Marlin Fitzwater, zufolge benötigt
die Administration die Zusicherung
des Kongresses zur Finanzierung der
beiden Systeme, bevor die Genfer Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen weitere Fortschritte machen.
"Bei den Verhandlungen brauchen wir
größtmögliche Flexibilität, damit wir
unseren sowjetischen Kollegen über
den Tisch hinweg sagen können: 'Zu
diesen Systemen hat der Kongreß seine
Zustimmung erteilt, und jetzt können
wir darüber verhandeln, wie wir mit
ihnen verfahren sollen'", stellte er
fest.
Die
Reagan-Administration
hat
aufgrund der Schwierigkeiten mit der
Verifizierung beim Abbau ein Verbot
mobiler Raketen vorgeschlagen.
Die
Sowjetunion, die bereits zwei mobile
Systeme besitzt, hat sich jedoch geweigert, ein solches Verbot in Erwägung zu ziehen.
Einige Kongreßmitglieder bestehen
darauf, daß die Vereinigten Staaten
es sich nicht leisten können, zwei
mobile Systeme anzuschaffen. Die Senatoren Carl Levin und John McCain
erklärten
beispielsweise
kürzlich,
der "Zwei-Raketen-Ansatz" würde etwa
47 Milliarden Dollar kosten, "zu einer Zeit, in der wir uns mit einem
enormen Haushaltsdefizit konfrontiert
sehen und das Pentagon viele Jahre
eines stagnierenden oder gekürzten
Budgets vor sich hat".
Der Vorsitzende des Streitkräfteausschusses des Senats, Sam Nunn, erklärte jedoch, er sehe die Zukunft
für die beiden Raketensysteme positiv. "Es ist eindeutig klar, daß der
Präsident, der Außen- und der Verteidigungsminister ihre Bereitschaft angedeutet haben, die Genfer Position
zum Verbot mobiler Raketen zu überprüfen, wenn der Kongreß seine Zustimmung sowohl zur Finanzierung der

- 3 -

�schienenmobilen MX-Rakete als auch
der (LKW-gestützten) Midgetman gibt",
sagte er im Anschluß an ein Treffen
mit dem Präsidenten.
Verteidigungsminister Cheney hat
den Kongreß davon in Kenntnis gesetzt, daß das Pentagon für die Haushaltsjahre 1992-94 zusätzlich 1 Milliarde Dollar für das Midgetman-Raketenprogramm benötigen wird.

Berater Rowny bleibt im Amt; Hadley
wird Nachfolger von Lehman
Das Weiße Haus gab bekannt, daß
Botschafter Edward Rowny weiterhin
das Amt als Sonderberater des Präsidenten und des Außenministers für RUstungskontrollangelegenheiten
innehat. In dieser Position war er vier
Jahre lang für die Reagan-Administration tätig.
Präsident Bush nominierte außerdem Stephen Hadley zum Abteilungsleiter im Verteidigungsministerium für
internationale
Sicherheitspolitik.
Vorbehaltlich
seiner
Bestätigung
durch den Senat wird Hadley dann
Nachfolger von Ronald Lehman, der
diese Position innehatte, bevor er
sein neues Amt als Leiter der Rüstungskontroll- und Abrüstungsbehörde
antrat.
Hadley, ein Sozius der Washingtoner Rechtsanwaltskanzlei
Shea and
Gardner, war Anfang der siebziger
Jahre für das Verteidigungsministerium und von 1974 bis 1977 für den Nationalen Sicherheitsrat tätig.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
%

Wirtschaft

"*" c&amp;

28. Juni 1989

25

WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL IN PARIS:

POLEN UND UMWELT ALS HAUPTTHEMEN

- Kommentare der amerikanischen Regierung -

WASHINGTON
(AD)
Die
Staats- und Regierungschefs der führenden Industrieländer bereiten sich
auf den 15. jährlich stattfindenden
Weltwirtschaftsgipfel vor, und amerikanische Regierungsvertreter erwarten, daß Probleme wie das Ungleichgewicht im Handel, der Dollar, die
Umwelt sowie die Unterstützung wirtschaftlicher Fortschritte in Osteuropa die Diskussionen vom 14. bis 16.
Juli bestimmen werden.
Das in diesem Jahr in Paris
stattfindende Gipfeltreffen ist das
erste, an dem Präsident Bush teilnehmen wird, der unmittelbar vor seiner
Ankunft in Frankreich am 13. Juli Ungarn und Polen besucht.
In einer

Pressekonferenz am 27.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Juni 1989 erklärte Bush, die Vereinigten Staaten seien bereit, Polen
und Ungarn zusätzliche Hilfe zu leisten. "Wir haben ein Paket, das ich
jetzt nicht im einzelnen erörtern
möchte, von dem ich aber überzeugt
bin, daß es hilft. Ich weiß, daß die
polnische Wirtschaft nach meinem Besuch in Polen bei unserem Gipfeltreffen eine große Rolle spielen wird."
Bush verwies darauf, daß ein Teil des
Pakets noch der Zustimmung des Kongresses bedürfe. Er betonte jedoch,
sichergehen zu wollen, daß die notwendigen Wirtschaftsreformen in Polen
durchgeführt worden seien, um zu gewährleisten, daß die amerikanischen
"Gelder vernünftig ausgegeben werden". "Wir werden diejenigen unterstützen, die sich wirtschaftlich, politisch und im Hinblick auf die Men-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�schenrechte unserem
erklärte Bush.

Kurs

annähern",

In einem Informationsgespräch mit
ausländischen Journalisten über den
bevorstehenden Wirtschaftsgipfel erklärte ein hochrangiger Regierungsvertreter am 26. Juni 1989, die im
vergangenen Jahr in Osteuropa beobachteten Ereignisse seien "mit die
ermutigendsten" der letzten 25 Jahre.
"Es besteht nun wahrhaft Aussicht
auf grundlegende politische und wirtschaftliche Verbesserungen in diesem
Teil der Welt. Nicht nur wir, sondern jeder ist nur allzu bereit, alles in seiner Macht Stehende zu tun,
um diese Entwicklung im Rahmen der
verfügbaren Mittel zu unterstützen",
erklärte er.
Der Regierungsvertreter erwartet,
daß die Gipfelteilnehmer positiv auf
die Situation in Osteuropa reagieren
werden - in welcher Form, konnte er
noch nicht sagen, da dieses Thema
noch erörtert wird.
Am Pariser Weltwirtschaftsgipfel
werden die Staats- und Regierungschefs der Bundesrepublik Deutschland,
Frankreichs, Großbritanniens, Italiens, Kanadas und der Vereinigten
Staaten sowie ein Vertreter der Europäischen Gemeinschaft teilnehmen.
Das Gipfeltreffen fällt in diesem
Jahr mit dem 200. Jahrestag der Französischen Revolution von 1789 zusammen. Obwohl diese Feierlichkeiten am
13. und 14. Juli unabhängig von den
Diskussionen des Wirtschaftsgipfels
stattfinden, nehmen daran Staats- und
Regierungschefs aus 30 verschiedenen
Ländern teil.
Außer der besonderen Hilfe für
Polen sind dem Regierungsvertreter
zufolge die auf dem diesjähirgen Gipfel erörterten Themen die Lage der
Weltwirtschaft, weltweite Umweltprobleme, "der Schutz und die Ausweitung
der Gemeinschaft freier Nationen insbesondere in Osteuropa", internationaler
Terrorismus, Drogenhandel

und die Verbreitung chemischer Waffen.
Der Regierungsvertreter warnte,
diese Probleme seien zwar bei den
vorbereitenden Treffen erörtert worden, es bestehe jedoch keine Möglichkeit, vorherzusagen, welchen Verlauf
die Diskussion beim Zusammentreffen
der Staats- und Regierungschefs nehmen werden. Ihm zufolge gibt es verschiedene Probleme, auf die die Vereinigten Staaten beim Gipfel "besonderen Wert legen möchten".
"Wir möchten unbedingt sicherstellen, daß die Umweltproblematik
eingehend erörtert wird, wir wollen
gewährleisten, daß die Brady-Initiative (der von Finanzminister Nicholas
Brady unterbreitete Vorschlag zur Bewältigung der Schuldenprobleme der
Dritten Welt) die Zustimmung und Unterstützung erhält, die sie verdient,
und wir wollen garantieren, daß eine
inhaltsreiche
Diskussion
über die
Frage geführt wird, wie sich die
Volkswirtschaften auf der ganzen Welt
gegenseitig unterstützen können, um
einen Ausgleich zu erzielen", erklärte der Regierungsvertreter.
Zum letzten Punkt erläuterte er,
daß die Verbesserungen im Handel und
Leistungsbilanzdefizit im vergangenen
Jahr stagniert oder sich zumindest
verlangsamt haben, und die Vereinigten Staaten die Auffassung vertreten,
daß in Paris Diskussion
darüber
stattfinden müssen, wie das Ungleichgewicht abgebaut werden kann.
"Alle sollten darüber nachdenken,
warum das Ungleichgewicht besteht,
was dagegen getan werden kann, welche
Maßnahmen unserer Ansicht nach die
anderen dabei ergreifen sollen und
welche Schritte wir unternehmen wolI en .
tt

Nach dem Abbau des Ungleichgewichts im Handel zwischen den Vereinigten Staaten und Japan in Höhe von
nur 5 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr sei diese Verbesserung rückläufig und das amerikanische Handelsdefizit gegenüber Japan könne sich in

- 2-

�diesem Jahr in einer Größenordnung
von 50 Milliarden Dollar bewegen.
Dem amerikanischen Regierungsvertreter zufolge bereitet der Höhenflug
des Dollars der vergangenen Monate
gegenüber den wichtigsten Währungen
den Teilnehmerstaaten des Gipfeltreffens Schwierigkeiten beim weiteren
Abbau der Ungleichgewichte im Handel
und "dieses Thema wird ebenfalls erörtert werden".
r

»

In dieser Hinsicht biete das Gipfeltreffen den Teilnehmern eine gute
Gelegenheit zur gemeinsamen Beratung,
wie größere Koordination und Kooperation ihrer jeweiligen Volkswirtschaften herbeigeführt werden kann.
Während der letzten beiden Gipfeltreffen hatten die Vertreter Japans und der Bundesrepublik Deutschland auf eine Stimulierung der Binnennachfrage gedrängt und die Vereinigten Staaten zum Ausgleich ihres
Haushaltsdefizits aufgefordert.
Dem
Regierungsvertreter
zufolge
werden
Fortschritte bei diesen Bestrebungen
überprüft.
Die Gipfelteilnehmer würden die
Erörterungen des vergangenen Jahres
über strukturelle Wirtschaftsreformen
fortsetzen - "was die einzelnen Länder unternehmen sollten, um ihre
Volkswirtschaften effizienter zu gestalten".
Ein Ansatz zur Behebung des Ungleichgewichts im Handel zwischen den
Vereinigten Staaten und Japan läge in
der Beseitigung der japanischen Behinderung amerikanischer Exporte.

i

Der
Regierungsvertreter
fuhr
fort, Fragen der Umwelt kämen bei allen Gipfelteilnehmern zentrale Bedeutung zu, einschließlich der eingehender Erörterung solcher Probleme wie
der weltweiten KlimaVeränderung, Rodung der Wälder, Verschmutzung der
Meere, Giftmüll, saurer Regen sowie
Schwund der Ozonschicht. Die Gipfelteilnehmer werden
ein gemeinsames
Vorgehen zur Verbesserung der For-

schung und Datenerfassung in diesen
Bereichen in Betracht ziehen, fügte
er hinzu.
Im Zusammenhang mit dem BradyPlan, in dem die Handelsbanken und
Schuldnerländer aufgefordert werden,
mit Unterstützung der Weltbank und
Mitteln des Internationalen Währungsfonds einen Abbau sowohl der Schuldenlast als auch des Schuldendienstes
auszuhandeln, erklärte der Regierungsvertreter, er erwarte die Unterstützung dieser Initiative durch
die Gipfelteilnehmer.
"Wir alle wissen, daß die jeweiligen Verhandlungen
(zwischen den
Banken und den Schuldnerländern) diesem Konzept zufolge langwierig sein
werden, insbesondere die ersten Verhandlungsrunden", fuhr er fort. "Wir
haben das Gefühl, daß sie einen
Schritt in die richtige Richtung machen. Und ich glaube, daß die Gipfelteilnehmer dieses Gefühl teilen
werden."
Der amerikanische Regierungsvertreter räumte ein, daß von den Gipfelteilnehmern andere Vorschläge bezüglich der Schuldenstrategie unterbreitet worden sind, fügte jedoch
hinzu, "der Konsens konzentriert sich
im Augenblick auf den Brady-Plan".
Dem hochrangigen amerikanischen
Regierungsvertreter
zufolge
werden
auch Fortschritte bei der laufenden
Uruguay-Runde multilateraler Verhandlungen erörtert und die Vereinigten
Staaten würden auch in Zukunft kein
Hehl aus ihrer Ansicht machen, daß
Fortschritte bei solchen Themenbereichen wie Landwirtschaft und geistigem
Eigentum unabdingbar sind.
"Wir sind sehr bestrebt, dieser
Runde in der zur Verfügung stehenden
Zeit auf den Kurs zu verhelfen", erklärte er, "damit sie sich nicht allzusehr in die Länge zieht und ihren
Terminplan einhält", der auf Ende des
Jahres 1990 festgesetzt ist.
Dem

Regierungsvertreter

zufolge

�erwarten
die
Vereinigten
Staaten
nicht, daß unfaire Handelspraktiken
gemäß dem neuen Abschnitt "Super 301"
des Handelsgesetzes ein Streitpunkt
beim Gipfeltreffen sein werden.
Zu politischen Themen erklärte
er, die Ereignisse in China sowie die
kollektive oder individuelle Reaktion
der Gipfelteilnehmer werden bei dem
Pariser Treffen eine Schlüsselrolle
einnehmen.
"Meiner Ansicht nach hat sich ein
enormes Gefühl der Enttäuschung darüber verbreitet, daß die im vergangenen Jahr noch so vielversprechenden
Ansätze in China eine solch unglückliche Wendung genommen haben ... Zu
recht sei man besorgt, hier könne ein
Präzedenzfall für Ereignisse in anderen Regionen der Welt geschaffen werden, wo die Planwirtschaften eine gewisse Liberalisierung erfahren", erklärte er.
"Man hat das Gefühl, zu den Ereignissen in China eindeutig Position
beziehen zu müssen, und sei es nur,
um ähnliche Zwischenfälle in Osteuropa in der Zukunft zu verhindern",
fuhr er fort.
Der Regierungsvertreter gab keinen Kommentar dazu ab, wie diese Besorgnis von den Gipfelteilnehmern zum
Ausdruck gebracht werden könnte.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON

4

Wissenschaft und Technik

28. Juni 1989

25

MEHR DROGENABHÄNGIGKEIT DURCH NEUE RAUSCHGIFTE

(AD) - Heroin und das Aufputschmittel Metamphetamin werden neuerdings in Formen angeboten, bei denen
der Stoff nicht gespritzt oder als
Tablette
eingenommen, sondern geraucht wird. Noch sind die neuen Zubereitungen in der Drogenszene wenig
verbreitet, erklärte kürzlich Dr.
Nicholas J. Kozel, Epidemiologe am
"Nationalen Institut für NarkotikaMißbrauch (NIDA - National Institute
on Drug Abuse).
Jedoch ist man in
den Vereinigten Staaten darauf vorbereitet, daß diese in wachsenden Mengen auf den Markt gebracht werden.
Sie könnten ähnliche verheerende Auswirkungen haben wie das Kokainderivat
Crack. Eine weitere Form von Rauschgift, die neue synthetische Droge
"Ecstacy", ist schon leicht erhältlich und wird vor allem von jungen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Leuten konsumiert. Sie verändere die
Stimmungslage, gelte aber als harmlos, "weil sie einen nicht schon beim
ersten oder zweiten Mal umwirft", bemerkte Kozel.
Auf ähnliche Weise kam in den
siebziger Jahren Kokain in Mode. Es
führte zu der jetzt von niemandem
mehr geleugneten Epidemie - nicht zuletzt deshalb, weil zunächst eindeutige wissenschaftliche Beweise für
das Risiko der Droge fehlten. "Heute
wissen wir, daß Kokain, insbesondere
das rauchbare Kokain-Crack, schon
beim ersten Mal zum Tode führen
kann", sagte Dr. Kozel. "Wir haben
inzwischen auch unwiderlegbare Beweise, daß Marihuana wichtige Regionen
des Gehirns zerstört". Die Besorgnisse der NIDA-Mitarbeiter hinsieht-

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�lieh der neuen Rauschgiftpräparate
werden von Vertretern der DEA (Drug
Enforcement Administration - Bundesbehörde zur Strafverfolgung von Drogendelikten) geteilt. Als Warnsignal
gilt die Tatsache, daß mehr denn je
versucht wird, Opium ins Land zu
schmuggeln. So wurde etwa im Februar
Heroin in bisher nie dagewesener Menge
beschlagnahmt.
Herkunftsländer
sind Burma und Laos, aber auch Iran,
Pakistan, Mexiko und Afghanistan.
In einer Reihe von Studien versucht man am NIDA-Institut derzeit
die
zerstörerischen
Nebenwirkungen
der rauchbaren Formen von Heroin, Metamphetamin und Ecstacy zu erforschen. Auf keinen Fall sollte die
Öffentlichkeit noch einmal - wie bei
Kokain-Crack - den Fehler begehen,
neue Rauschgifte für harmlos zu halten, solange ihre Risiken nicht mit
wissenschaftlichen Daten belegt sind.
Außerdem ist Dr. Kozel zufolge keine
klare Unterscheidung mehr zwischen
Ländern möglich, in denen Drogen produziert oder konsumiert werden. Beispielsweise sind die rauchbaren Metaraphetamine von den Philippinen über
Hawaii in die Vereinigten Staaten gekommen. Und hier wurde kürzlich von
Beamten der DEA ein Metamphetaminlabor auf dem Lande ausgehoben, das Abnehmer in England mit seinen gefährlichen Produkten
beliefert hatte.
Kokain findet gegenwärtig in Westund
Osteuropa weite Verbreitung - Grund
genug für Regierungen, Behörden und
Öffentlichkeit, wachsam zu sein.
Nach Meinung von Melvyn Levitsky,
der als Nachfolger von Abteilungsleiterin Ann Wrobleski für internationale Narkotika-Angelegenheiten im USAußenministerium
nominiert
wurde,
müßte dem illegalen Drogenhandel in
der Außenpolitik generell mehr Bedeutung beigemessen werden. Der Karrierediplomat setzte sich vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats dafür
ein, Drogenprobleme als Teil der bilateralen Beziehungen mit anderen
Ländern zu betrachten.
Als einige
seiner Prioritäten nannte er

Verhinderung
der
Abzweigung
legaler Grundstoffe für die
Herstellung illegaler Drogen;
Erleichterung
zur
Aufhebung
des
Bankgeheimnisses
und
anderer
Maßnahmen,
um
die
Geldwäsche illegaler Drogenprofite zu verhindern;
-

Weltweite
Unterstützung
des
moralischen Grundsatzes, daß
Drogenkonsum "ein Übel ist,
das Regierungen und Demokratie
bedroht";
Unterstützung der Vernichtung
von
Koka-Anpflanzungen
mit
Herbiziden, die von Flugzeugen
aus versprüht werden und unschädlich für Mensch und Umwelt sind, und Verbreitung von
Informationen über die Schäden, die durch den Kokastrauch-Anbau angerichtet werden;
Verringerung
der
weltweiten
Nachfrage nach Rauschgiften;

-

Bemühungen um mehr internationale Zusammenarbeit, insbesondere mit den Industrieländern.

Wenn Melvyn Levitsky bestätigt
wird, steht er an der Spitze einer
Behörde mit einem Jahresbudget von
115 Millionen Dollar, die für die Unterstützung von Projekten zur Zerstörung von Drogenpflanzen-Kulturen und
zur Strafverfolgung von Drogendelikten in 13 Ländern zuständig ist. Ihr
Jahresbericht entscheidet darüber, ob
andere Länder als kooperationsbereit
zu betrachten sind und somit auch
weiterhin US-Auslandshilfe bekommen
können.
Eine wichtige Ergänzung zum Programm Levitskys stellt der Vorschlag
des Premierministers
von Jamaika,
Michael Manley, dar, ähnlich der
Friedenstruppe der Vereinten Nationen
eine internationale Anti-RauschgiftTruppe aufzustellen.
Sie soll Spezialisten ausbilden und Unterstützung

- 2 -

�bei der Fahndung und Festsetzung von
Drogenhändlern geben, ebenso bei der
Vernichtung von Anpflanzungen. Ausserden soll sie Ländern als "paramilitärische Truppe" im Kampf gegen
Drogen auf Anforderung zur Verfügung
stehen. Bekämpfungsmaßnahmen im nationalen oder bilateralen Rahmen reichen einfach nicht mehr aus, weil die
Drogenländer weltweit
operieren
gleichgültig, ob es sich um Produktion, Transport, Verteilung oder Absatz handelt.

* * * * *

- 3

�</text>
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                <text>Amerikadienst 28.06.1989</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker verurteilt Gorbatschows "Zurückhaltung" zu China&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Außenministers vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA benötigen zur Abschreckung zwei mobile ICBM-Systeme&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Staatssekretärs für Verteidigungspolitik im Senat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Stand der Rüstungskontrollverhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wöchentliche Übersicht&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weltwirtschaftsgipfel in Paris: Polen und Umwelt als Hauptthemen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kommentare der amerikanischen Regierung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mehr Drogenabhängigkeit durch neue Rauschgifte</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST&#13;
&#13;
5. J u l i 1989&#13;
&#13;
26&#13;
&#13;
INHALT&#13;
DOKUMENTATION&#13;
Baker; Nur wirtschaftliche Freiheit kann Osteuropa beleben&#13;
- Pressekonferenz des Außenministers im Weißen Haus&#13;
—&#13;
USA betonen Bedeutung von Nuklearwaffen in Europa&#13;
- Bericht des Verteidigungsministeriums -&#13;
&#13;
WIRTSCHAFT&#13;
Die wirtschaftliche Entwicklung in den Vereinigten Staaten&#13;
- Konjunkturindikatoren des Monats Mai -&#13;
&#13;
WISSENSCHAFT UND TECHNIK&#13;
&#13;
f&#13;
"Dunkler Fleck" in turbulenter Neptun-Atmosphäre&#13;
Fusionsforschung mit zwei Schwerpunkten&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�AMERIKA DIENST&#13;
Dokumentation&#13;
&#13;
5. Juli 1989&#13;
&#13;
26&#13;
&#13;
BAKER:&#13;
&#13;
NUR WIRTSCHAFTLICHE FREIHEIT KANN OSTEUROPA BELEBEN&#13;
&#13;
- Pressekonferenz des Außenministers im Weißen Haus WASHINGTON - (AD) - Außenminister Baker zufolge birgt das in Westeuropa&#13;
zur Blüte gelangte System freier Marktwirtschaften in freien Ländern auch&#13;
Hoffnungen für Osteuropa. Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus am 29.&#13;
Juni 1989 erklärte Baker Journalisten gegenüber, Präsident Bush messe diesem&#13;
Thema beim bevorstehenden Weltwirtschaftsgipfel Mitte Juli besondere Bedeutung&#13;
zu. "Der Präsident wird das freie Unternehmertum in einer demokratischen Gesellschaft bekräftigen, das in Europa so erfolgreich war und die einzige Antwort auf die Hoffnungen der Völker Osteuropas darstellt", so Baker.&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz im Wortlaut.&#13;
Beim 40. Jahrestag der Gründung&#13;
der NATO im vergangenen Monat hat&#13;
Präsident Bush einen ehrgeizigen Vorschlag für die Zukunft unterbreitet,&#13;
der vorsieht, aus einem geteilten Europa ein neues Europa zu schaffen,&#13;
ein Europa das ungeteilt, frei und&#13;
sicher ist. Seine bevorstehende Reise nach Polen und Ungarn belegt sein&#13;
persönliches Interesse und seine Unterstützung des demokratischen Wandels und der Wirtschaftsreformen in&#13;
dieser Region.&#13;
Beim NATO-Gipfeltreffen haben wir&#13;
uns vornehmlich darauf konzentriert,&#13;
wie die Verantwortung für unsere größeren&#13;
Sicherheitsbedürfnisse&#13;
unter&#13;
Freunden und Partnern besser aufgeteilt werden könnte.&#13;
Bei dem nur&#13;
sechs Wochen später stattfindenden&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Weltwirtschaftsgipfel werden wir beraten, wie wir unsere jeweiligen&#13;
Stärken am besten koordinieren können, um die sich in Osteuropa stellenden Herausforderungen und grenzüberschreitende Probleme wie Umweltfragen zu bewältigen und natürlich&#13;
weiterhin eine expandierende und florierende Weltwirtschaft zu gewährleisten.&#13;
Die Reise des Präsidenten findet&#13;
in einer Zeit des Umbruchs statt. In&#13;
einer Zeit der Chancen und Hoffnungen&#13;
in Europa - Ost wie West. Seine Auftritte und Reden in Polen, Ungarn,&#13;
Paris und den Niederlanden werden besonders hervorheben, daß unser gemeinsamer Respekt westlicher Werte&#13;
das Bindeglied bildet, das die Völker&#13;
Europas und Amerikas und viele andere&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�Völker der Welt eint.&#13;
&#13;
pekten des Gipfeltreffens bilden.&#13;
&#13;
Der Präsident wird das freie Unternehmertum -i. einer demokratischen&#13;
Gesellschaft bekräftigen, das in Europa so erfolgreich war und die einzige Antwort auf die Hoffnungen der&#13;
Völker Westeuropas darstellt.&#13;
Gemeinsam mit ihren Freunden und Verbündeten werden die Vereinigten Staaten diese Länder Osteuropas ermutigen, den Übergang zu freien, demokratischen und marktwirtschaftlich orientierten Gesellschaften zu vollziehen.&#13;
&#13;
Das Gipfeltreffen bietet eine Gelegenheit für die westlichen Staatsund Regierungschefs, Maßnahmen in Erwägung zu ziehen, die sie zur Unterstützung des Wandels ergreifen könnten, der sich heute in Osteuropa&#13;
vollzieht. Natürlich werden sie wie&#13;
immer auch über verschiedene regionale Themen beraten. Zum Beispiel die&#13;
jüngsten&#13;
tragischen&#13;
Ereignisse in&#13;
China, die Aussichten auf Frieden im&#13;
Nahen Osten, Demokratie in Mittelamerika usw.&#13;
&#13;
Soweit wie möglich werden wir&#13;
diesen Ländern dabei behilflich sein,&#13;
die notwendigen politischen Reformen&#13;
durchzuführen und ihnen bei der Verwirklichung der erforderlichen Wirtschaftsreformen helfen.&#13;
&#13;
Im Hinblick auf die Weltwirtschaft werden sich die Themen aller&#13;
Voraussicht nach auf dieselben Bereiche konzentrieren wie bei den vergangenen Gipfeltreffen. Meiner Ansicht&#13;
nach wird man die Schuldenkrise der&#13;
Dritten Welt, den Welthandel und die&#13;
Koordinierung der Wirtschaftspolitik&#13;
diskutieren.&#13;
&#13;
Der Präsident wird insbesondere&#13;
hervorheben, wie wichtig die Entwicklung eines aktiven Privatsektors, eines pluralistischen politischen Systems und einer offenen Gesellschaft&#13;
ist.&#13;
Der Weltwirtschaftsgipfel am&#13;
15. und 16. Juli in Paris wird sich&#13;
vornehmlich a XJ. vier Hauptgebiete&#13;
konzentrieren.&#13;
Irstens, den Schutz&#13;
und die Erweiterung der gemeinsamen&#13;
Werte des Westens, insbesondere in&#13;
Osteuropa; zweitens die Weltwirtschaft; drittens die Umwelt und viertens die Bewältigung internationaler&#13;
Probleme wie Drogenhandel, internationalen Terrorismus und Waffenhandel.&#13;
Die offiziellen&#13;
Sitzungen des&#13;
Gipfels werden sich wie bisher mit&#13;
Wirtschaftsthemen befassen. Für die&#13;
Staats- und&#13;
Regierungschefs&#13;
werden&#13;
sich jedoch andere Möglichkeiten zur&#13;
Erörterung wichtiger politischer Themen ergeben.&#13;
Großes Interesse wird meiner Ansicht daran bestehen, wie der Präsident die Aussichten für politische&#13;
und wirtschaftliche Reformen in Polen&#13;
und Ungarn einschätzt.&#13;
Und natürlich werden die Entwicklungen in Osteuropa das Bindeglied zwischen den&#13;
politischen und wirtschafliehen As-&#13;
&#13;
Bezüglich der Umweltprobleme werden sich die Staats- und Regierungschefs wahrscheinlich intensiv mit der&#13;
Erörterung von Möglichkeiten befassen, wie solche Probleme wie die&#13;
weltweite&#13;
Klimaveränderung,&#13;
Rodung&#13;
der Wälder, Erhaltung der Meere,&#13;
Giftmüll und Ozonschwund angegangen&#13;
werden können.&#13;
Wie ich bereits erwähnte, werden&#13;
Themen von internationalem Interesse&#13;
sicherlich den Drogenhandel, Terrorismus und die Weiterverbreitung von&#13;
Waffen betreffen.&#13;
Seit dem ersten Weltwirtschaftsgipfel in Rambouillet im Jahr 1974&#13;
haben die Vertreter der führenden Industrienationen des Westens diese Tagungen zur Bewältigung der Herausforderungen einer zunehmend interdependenten Welt genutzt. Die Gipfeltreffen haben sich auch als nützliches&#13;
Forum für ein gemeinsames Engagement&#13;
für die vordringlichsten politischen&#13;
Probleme erwiesen.&#13;
Meiner Meinung&#13;
nach werden wir in diesem Jahr Gelegenheit haben, den Grundstein für unsere gemeinsame Reaktion auf eine&#13;
&#13;
�sich veränderende Welt zu legen, Insbesondere im Hinblick auf Europa.&#13;
Insgesamt&#13;
gesehen&#13;
bietet&#13;
der&#13;
Weltwirtschaftsgipfel eine Chance zur&#13;
Bekräftigung der westlichen Werte wie&#13;
politische Freiheit und marktwirtschaftlich&#13;
orientierte&#13;
Volkswirtschaften und als Beweis dafür, daß&#13;
wir gemeinsam eine Reihe neuer und&#13;
unterschiedlich gelagerter Herausforderungen angehen können, während die&#13;
Nachkriegszeit von einer neuen Ära&#13;
abgelöst wird.&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Ich wollte eine Frage zum&#13;
Weltwirtschaftgipfel&#13;
stellen, aber&#13;
neue Schlagzeilen verdrängen dieses&#13;
Thema immer wieder. Die Mitglieder&#13;
des&#13;
Repräsentantenhauses&#13;
scheinen&#13;
sich auf begrenzte Sanktionen gegenüber China geeinigt zu haben. Sie&#13;
sind sicherlich darüber informiert.&#13;
Unterstützt die Regierung dieses Maßnahraenpaket?&#13;
Antwort: Nein, das tut sie nicht.&#13;
Ich möchte kurz darauf eingehen. Bei&#13;
einer öffentlichen Anhörung letzte&#13;
Woche hat der Präsident meiner Ansicht nach den richtigen Kurs bezüglich dieser gemäßigten Antwort auf&#13;
die tragischen Ereignisse in China&#13;
eingeschlagen, und er hat von Anfang&#13;
an den richtigen Kurs verfolgt. Er&#13;
hat seine Empörung und sein Mitgefühl&#13;
unmißverständlich zum Ausdruck gebracht.. Darüber hinaus hat er eine&#13;
Reihe von - unserer Ansicht nach zumindest bemerkenswerten - Maßnahmen&#13;
im Wege von Sanktionen ergriffen, die&#13;
sich primär auf militärische Angelegenheiten beziehen, aber auch auf&#13;
hochrangige Besuche und Austauschprogr,imme. Ich möchte auf diese lange&#13;
Liste von Sanktionen nicht im einzelnen eingehen.&#13;
Meiner Ansicht nach - die sicherlich von vielen Amerikanern geteilt&#13;
wird - versteht kein gewählter Regierungsvertreter&#13;
in den Vereinigten&#13;
Staaten China besser als der Präsident der Vereinigten Staaten, der&#13;
seinem Land in China mehrere Jahre&#13;
&#13;
lang gedient hat. Aus meiner Sicht&#13;
stand und steht er an erster Stelle&#13;
der Staats- und Regierungschefs der&#13;
Welt im Hinblick auf seine Worte und&#13;
Taten zu dieser Tragödie. Natürlich&#13;
sind wir uns des Wunsches gewählter&#13;
Regierungsvertreter bewußt, zu diesem&#13;
Thema Stellung nehmen und abstimmen&#13;
zu wollen, aber wir sind der festen&#13;
Überzeugung, daß die Führungsrolle in&#13;
diesem Fall bei der Regierung und damit beim Präsidenten der Vereinigten&#13;
Staaten als Oberbefehlshaber und als&#13;
jemandem liegen sollte, der in China&#13;
betreffende Angelegenheiten bestens&#13;
versiert ist.&#13;
Frage: Wird der Präsident sein Veto gegen dieses Maßnahmenpaket einlegen?&#13;
Antwort:&#13;
Das ist noch nicht endgültig entschieden, da wir bisher&#13;
versucht haben, gemeinsam mit dem&#13;
Kongreß eine Erklärung auszuarbeiten,&#13;
die dem Wunsch des Kongresses Rechnung trägt, zu diesem Thema Stellung&#13;
zu nehmen und abzustimmen, die aber&#13;
gleichzeitig die von uns notwendig&#13;
erachtete Flexibilität des Präsidenten gewährleistet, auf die jeweilige&#13;
Situation zu reagieren.&#13;
Frage:&#13;
Erwarten&#13;
Sie einen reibungslosen Verlauf des Gipfeltreffens&#13;
bezüglich&#13;
der&#13;
Wirtschaftsfragen?&#13;
"Super 301" hat meiner Ansicht nach&#13;
viel Ärger hervorgerufen - das ist&#13;
der den Handel betreffende Teil. Der&#13;
von Handelsminister Brady vorgelegte&#13;
Plan zur Behebung der Schuldenkrise&#13;
der Dritten Welt ist von den Banken den Handelsbanken - nicht uneingeschränkt&#13;
angenommen&#13;
worden.&#13;
Und&#13;
drittens hat es bei der OECD den Anschein, als ob die G-7 unterschiedliche Ansichten zur Inflation hätten.&#13;
Werden sich diese Probleme beim Gipfeltreffen alle in Wohlgefallen auflösen, oder werden wir noch mehr darüber hören?&#13;
Antwort:&#13;
Nun, ich denke, all das&#13;
wird beim Gipfel Gestalt annehmen,&#13;
obwohl wir abwarten und beobachten&#13;
müssen, wie sich die Dinge entwik-&#13;
&#13;
- 3-&#13;
&#13;
�kein. Meiner Ansicht nach wird es wie meist bei diesen Gipfeltreffen lebhafte Diskussionen geben. Es ist&#13;
nicht alles schon "vorgekaut", wie&#13;
einige behaupten. Es wird sicherlich&#13;
eine eingehende Erörterung der Schuldenkrise der Dritten Welt und makroökonomischer&#13;
politischei&#13;
Maßnahmen&#13;
geben.&#13;
Die kontinuierliche Bekämpfung der Inflation ist von vorrangiger Bedeutung, muß aber immer gegen&#13;
die Aufrechterhaltung und Erweiterung&#13;
einer produktiven Weltwirtschaft abgewogen werden.&#13;
Diese Themen werden sicherlich&#13;
erörtert werden. Ein weiteres Thema&#13;
ist zweifelsohne die erneute Ankurbelung des Koordinierungsprozesses der&#13;
Wirtschaftspolitik.&#13;
Ich kann Ihnen&#13;
hier natürlich nicht felsenfest versichern, daß sich keine weiteren Differenzen ergeben werden, weder auf&#13;
der politischen noch auf der wirtschaftlichen Seite. Aber ich denke,&#13;
die Meinungsverschiedenheiten werden&#13;
wie bisher beigelegt werden.&#13;
Frage:&#13;
Sie sagten, der Präsident&#13;
besitze umfassende Kenntnis der chinesischen Angelegenheiten, sei aber&#13;
von den Entwicklungen und der Härte&#13;
der Reaktion auf die prodemokratischen Proteste überrascht gewesen.&#13;
Wie schätzt er die heutige Lage ein?&#13;
Stimmt es, daß die chinesische Führung die totale Kontrolle Chinas um&#13;
jeden Preis übernehmen will und es&#13;
offensichtlich ist, daß wir bisher&#13;
keinen großen Eindruck hinterlassen&#13;
haben.&#13;
Können wir überhaupt etwas&#13;
bewirken? Und ist es so wichtig, daß&#13;
wir weiterhin diplomatische Beziehungen mit China auf höchster Ebene unterhalten, während China die Unterdrückung fortsetzt?&#13;
Antwort:&#13;
Der Grundsatz der Menschenrechte, zu dem ich mich noch&#13;
kürzlich bekannt habe, muß ein Grundprinzip unserer Außenpolitik sein.&#13;
Das war, ist und wird meiner Ansicht&#13;
nach auch in ferner Zukunft der Fall&#13;
sein.&#13;
Es ist ein außerordentlich&#13;
wichtiger Grundsatz.&#13;
Aber es ist&#13;
nicht der einzige Grundsatz, von dem&#13;
&#13;
unsere Außenpolitik geleitet ist. Es&#13;
kann und darf nicht der einzige&#13;
Grundsatz sein, der das Ausmaß der&#13;
Reaktion der Vereinigten Staaten auf&#13;
eine Situation wie diese bestimmt.&#13;
Wenn wir das Verhältnis für wichtig erachten und es zu bewahren suchen, dann heißt das noch nicht, um&#13;
jeden Preis, und es ist nicht nur aus&#13;
wirtschaftlichen Gründen wichtig. Es&#13;
hat Bedeutung für die Wirtschaft: soviel ist klar. Aber es ist auch unter geopolitischen und geostrategischen Gesichtspunkten wichtig.&#13;
Frage:&#13;
Sie erklärten, der Präsident habe seine Empörung unmißverständlich&#13;
zum&#13;
Ausdruck&#13;
gebracht.&#13;
Meiner Ansicht nach hat er sich jedoch nicht im einzelnen zu den Exekutionen geäußert.&#13;
Antwort: Er hat die Ereignisse auf&#13;
dem Platz des Himmlischen Friedens&#13;
verurteilt. Ich kann mit Sicherheit&#13;
sagen, daß wir vom Podium des Außenministeriums entsprechende Erklärungen abgegeben haben. Auch ich habe&#13;
mich bei zahlreichen Gelegenheiten&#13;
dazu geäußert. Ich kann Ihnen nicht&#13;
mehr genau sagen, wo und wann der&#13;
Präsident seine Empörung zum Ausdruck&#13;
gebracht hat. Ich möchte jedoch im&#13;
Namen der gesamten Administration erklären, daß wir die Ereignisse auf&#13;
dem Tiananmen-Platz verurteilen. Wir&#13;
möchten, daß man sich im Hinblick auf&#13;
die Bestrafung Beschränkungen auferlegt. Und wir verurteilen die Bestrafung derjenigen, die nichts anderes tun, als ihre grundlegenden Menschenrechte und Freiheiten auszuüben.&#13;
Frage:&#13;
Vor kurzem war Mr. Hawke&#13;
hier und hat den Begriff Barberei benutzt. Er hat an die Emotionen appelliert. Weder Sie noch der Präsident scheinen das tun zu wollen.&#13;
Antwort: Wir werden keine flammende Rhetorik benutzen. Wenn es Leute&#13;
gibt, die das von uns verlangen, so&#13;
steht ihnen das zu. Aber wir haben&#13;
nicht die Absicht, weil eine maßvolle&#13;
Antwort unserer Ansicht nach das&#13;
&#13;
�richtige ist. Das Ereignis fordert&#13;
eine Antwort, die unsere Empörung unmißverständlich zum Ausdruck bringt,&#13;
aber nicht zu einer stark emotionalisierten Reaktion führt, in der flammende Rhetorik eine Rolle spielt.&#13;
Und damit gehen Sanktionen in angemessener Form einher. Diese Punkte&#13;
haben wir auch verwirklicht.&#13;
Frage: Wird damit nicht das politische Problem geschaffen, das jetzt&#13;
mit den Kongreßabgeordneten zutage&#13;
tritt, die eine Resolution mit scharfen Formulierungen verabschieden wollen?&#13;
Und werden Sie damit nicht in eine Rolle gedrängt, in der sie die&#13;
Kontrolle verlieren könnten, indem&#13;
sich möglicherweise beide Kammern des&#13;
Kongresses für eine Resolution aussprechen, gegen die Sie ihr Veto einlegen müssen?&#13;
Antwort: Manchmal ist der richtige&#13;
Kurs nicht unbedingt der politisch&#13;
populäre Kurs.&#13;
Frage: Wie soll er denn aussehen?&#13;
Antwort: Wir sind auf dem richtigen Kurs. Unserer Ansicht nach ist&#13;
dies aus außenpolitischer Sicht ganz&#13;
klar die richtige Maßnahme. Und offen gesagt - ich glaube, in diesem&#13;
Land gibt es viele Leute, die eingehend über die Situation nachdenken&#13;
und mit uns übereinstimmen.&#13;
Frage: Wie ist der Stand der Diskussionen mit den führenden Politikern auf dem Capitol Hill zu diesem&#13;
Problem?&#13;
Antwort:&#13;
Die erste Frage lautete:&#13;
Können wir die vorgeschlagene Gesetzesänderung insgesamt unterstützen?&#13;
Und darauf habe ich geantwortet: In&#13;
ihrer gegenwärtigen Form können wir&#13;
sie nicht unterstützen.&#13;
Und eine&#13;
weitere Frage lautete:&#13;
Heißt das,&#13;
Sie würden dagegen Ihr Veto einlegen?&#13;
Worauf ich geantwortet habe: So weit&#13;
sind wir noch nicht, aber ich habe&#13;
erklärt, wir können sie nicht unter-&#13;
&#13;
stützen. Es gibt einige Punkte in&#13;
der Änderung, die unsere Zustimmung&#13;
finden.&#13;
In der Änderung wird klar&#13;
zum Ausdruck gebracht, daß die Vereinigten Staaten bei solchen - wichtigen außenpolitischen - Angelegenheiten einmütig sprechen und der Präsident die Führungsrolle und die Flexibilität haben sollte, auf eine ihm&#13;
angemessen erscheinende Art und Weise&#13;
zu reagieren. Diese Erklärung in der&#13;
gegenwärtigen Form der Änderung wird&#13;
gerade erwogen. Aber es gibt darin&#13;
noch andere Punkte, denen wir nicht&#13;
zustimmen können.&#13;
Frage: Wenn Sie flammende Rhetorik&#13;
vermeiden, ziehen Sie dann langfristig die Möglichkeit in Betracht, daß&#13;
Gorbatschow nicht überleben wird, andere Leute wie etwa die alten Konservativen an die Macht kommen und dami t&#13;
mit China das alte Dreiecksverhältnis&#13;
wie unter Nixon-Kissinger wieder Bedeutung erlangt?&#13;
Antwort: Meiner Ansicht nach haben&#13;
wir es nicht damit zu tun, daß China&#13;
dem Beispiel der Sowjetunion folgt.&#13;
Hier liegt nicht das Problem, sondern&#13;
es ist vielschichtiger.&#13;
Frage:&#13;
Die Solidarität hat einen&#13;
Appell an den Westen gerichtet, in&#13;
den nächsten Jahren Hilfe in Höhe von&#13;
10 Milliarden Dollar zu leisten.&#13;
Dies scheint die Summe dessen, was&#13;
einige Politiker des Bündnisses zu&#13;
leisten bereit sind, erheblich zu&#13;
übersteigen.&#13;
Gibt es Konfliktstoff&#13;
im Hinblick darauf, was die Polen&#13;
gern hätten und was der Westen zu tun&#13;
bereit ist, um Polen zu helfen?&#13;
Antwort:&#13;
Ich weiß nicht, ob ich&#13;
das Konfliktstoff nennen würde. Natürlich möchte Polen, daß wir alles&#13;
in unserer Macht Stehende tun, und&#13;
wir wollen auch das tun, was möglich&#13;
ist. In der Größenordnung, von der&#13;
Sie sprechen, ist das jedoch gegenwärtig kaum möglich. Dazu möchte ich&#13;
sagen, daß wir unter keinen Umständen&#13;
die Fehler der siebziger Jahre wiederholen wollen, in denen wir viele&#13;
Kredite mit zahlreichen Konzessionen&#13;
&#13;
�und Subventionen gewährt haben, ohne&#13;
daß damit angemessene Reformen in der&#13;
Wirtschaft einhergegangen wären. Und&#13;
infolgedessen werden sie jetzt von&#13;
einer großen Schuldenlast niedergedrückt, und es hat ihnen nicht zu einer marktwirtschaftlich orientierten&#13;
Wirtschaft verholfen.&#13;
&#13;
angedeutet habe,, mit Osteuropa befassen wird, weiß ich nicht, warum wir&#13;
nicht auch darüber sprechen sollten,&#13;
was dort getan werden kann. Liberalere Bedingungen im Pariser Club sind&#13;
eine Form der Erleichterung. Es ist&#13;
sicherlich eine Erleichterung für den&#13;
Kapitalfluß.&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Welche Ziele verfolgt&#13;
Präsident mit seinem Besuch dort?&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Aber bestehen nicht Meinungsverschiedenheiten zwischen Ihnen&#13;
und den anderen Mitgliedern des Pariser Clubs? Besteht nicht die Schwierigkeit, daß diese liberalere Auffassungen vertreten als Sie?&#13;
&#13;
der&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Sicherlich&#13;
verfolgt&#13;
er&#13;
welche, aber die muß er selbst darlegen. Das ist insbesondere so weit im&#13;
Vorfeld der Reise nicht meine Aufgabe.&#13;
Frage:&#13;
Würden Sie bei Gesprächen&#13;
mit Ihren Amtskollegen eine Art von&#13;
Schuldennachlaß unterstützen?&#13;
Oder&#13;
erschöpft sich bei der Frage ihrer&#13;
Schulden unsere Bereitschaft bereits&#13;
in den Konzepten der Hamtramck-Rede,&#13;
das heißt, mit eienr Art Umschuldung?&#13;
Ich denke, die meisten Schulden&#13;
werden von den deutschen Banken getragen, nicht so sehr von amerikanischen.&#13;
Antwort:&#13;
Ich weiß nicht, wieviel&#13;
Prozent die amerikanischen Banken genau tragen, aber die Schulden sind&#13;
offiziell bekannt. Beim Gipfel von&#13;
Toronto sind die sieben Industrieländer zusammengekommen und haben den&#13;
armen Ländern südlich der Sahara einige recht liberale Bedingungen und&#13;
einen sehr großen Schuldennachlaß gewährt.&#13;
Ich weiß nicht, ob es bei&#13;
diesem Gipfel ähnlich geartete Vorschläge geben wird, und mit meinem&#13;
Hinweis darauf will ich nicht sagen,&#13;
daß es welche geben wird.&#13;
Wir haben vor kurzem ein Gesetz&#13;
verabschiedet, dessen Abschnitt 572&#13;
es den Vereinigten Staaten gestattet,&#13;
in besonderen Fällen einen Schuldennachlaß zu gewähren.&#13;
Das bezieht&#13;
sich jedoch nicht auf Schulden wie&#13;
bei der Export-Import-Bank.&#13;
Aber&#13;
Schuldennachlaß wird ganz sicher eines der wichtigsten Themen sein, die&#13;
wir beim Gipfel erörtern werden, und&#13;
da sich der Gipfel, wie ich bereits&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Ich bin nicht sicher, ob&#13;
ihre Äußerungen zum Pariser Club zutreffend sind. Es bestehen geringfügige&#13;
Meinungsverschiedenheiten,&#13;
ob&#13;
Kredite der Weltbank erst nach Beendigung eines IWF-Programms gewährt&#13;
werden sollten, aber was den neuen&#13;
Zeitplan des Pariser Clubs im Hinblick auf den technischen Ablauf betrifft, könnte es Differenzen geben.&#13;
Das ist normal.&#13;
&#13;
'&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Könnten Sie uns den Punkt&#13;
erläutern, an dem Sie und andere&#13;
Wirtschaftspartner sich zur Zeit befinden?&#13;
Antwort:&#13;
Warum befragen Sie dazu&#13;
nicht morgen Minister Brady, der darüber besser Bescheid weiß.&#13;
Es hat&#13;
täglich damit zu tun. Ich möchte dazu nur sagen, daß wir - gemäß den&#13;
Äußerungen des Präsidenten in seiner&#13;
Hamtramck-Rede - einen neuen liberalen Zeitplan im Pariser Club befürworten und nicht auf vorheriger Beendigung eines IWF-Programms bestehen&#13;
werden - was normalerweise unseren&#13;
Gepflogenheiten wie auch den aller&#13;
anderen Mitglieder des Pariser Clubs&#13;
entspricht.&#13;
Frage:&#13;
Besteht&#13;
die&#13;
Möglichkeit,&#13;
daß die Gipfelländer sich auf einen&#13;
umfassenderen Plan zur Hilfe für Osteuropa einigen, oder sind Sie der Ansicht, daß jedes Land eigene Maßnahmen ergreifen wird, um Osteuropa Hilfe zu gewähren?&#13;
&#13;
•&#13;
*&#13;
&#13;
�Antwort:&#13;
Ich&#13;
hoffe und wünsche&#13;
mir, daß es allgemeine Grundsätze&#13;
giht, an die sich alle zu halten bereit sind, wie etwa beim Gipfel in&#13;
Toronto zur Kreditvergabe an Osteuropa. Sicherlich hat sich die Situation seit dem Gipfel im Laufe des Jahres verändert. Es mag jedoch Länder&#13;
geben, die auf bilateraler Ebene weitergehen möchten, und das sollten sie&#13;
ruhig tun. Das würde einem allgemeinen Ansatz zu einigen Punkten nicht&#13;
widersprechen. Zum Beispiel ist Polen bei der Bundesrepublik Deutschland besonders hoch verschuldet. Der&#13;
Kredit wurde unter der Bedingung gewährt, daß Polen einigen Deutschen&#13;
die Ausreise gestattet. Und es wird&#13;
erwogen, die Rückzahlung dieses Kredits insgesamt oder in Teilen zu erlassen. Und hier würden andere Länder nicht mitziehen, weil sie nicht&#13;
in derselben Situation sind.&#13;
&#13;
hat meiner Ansicht nach das Gegenteil&#13;
bewirkt. Er hatte sicherlich keine&#13;
positiven Auswirkungen. Als wichtigste Tatsache sollte man sich also bei&#13;
dem Versuch, Ländern zu einer marktwirtschaftlich orientierten Politik&#13;
zu verhelfen, vor Augen führen, daß&#13;
sie selbst bereit sein müssen, die&#13;
notwendigen Reformen durchzuführen,&#13;
die sie auf diesen Weg bringen.&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Die Bitte der Solidarität&#13;
um etwa 10 Milliarden Dollar Hilfe&#13;
beruht auf ihrer Einschätzung, daß&#13;
ohne Hilfe in diesem Umfang in Polen&#13;
die&#13;
Situation&#13;
umschlagen&#13;
könnte.&#13;
Sind Sie besorgt darüber, daß der Westen nicht in notwendigem Umfang Hilfe leisten könnte, um die Verschärfung einer politischen Krise in Polen&#13;
zu verhindern?&#13;
Antwort:&#13;
Der Schlüssel ist darin&#13;
zu suchen, daß politische Reformen&#13;
und Wirtschaftsreformen sich nicht&#13;
gleich&#13;
schnell&#13;
vollziehen.&#13;
Das&#13;
trifft für Polen in gleichem Maße zu&#13;
wie für die Sowjetunion und China.&#13;
Das scheint sich als Grundprinzip&#13;
durchgesetzt zu haben. In Polen müssen unbedingt die notwendigen Reformen durchgesetzt werden, um den Weg&#13;
zu einem marktwirtschaftlich orientierten System einschlagen zu können.&#13;
Und wir sollten das auf jede erdenkliche Weise unterstützen. Aber wenn&#13;
wir lediglich Nachlässe gewähren oder&#13;
Kredite mit vielen Konzessionen vergeben, ohne daß damit Reformen einhergehen, bringen wir sie damit nicht&#13;
auf den Weg, den sie einschlagen wollen. Diesen Kurs haben wir in den&#13;
siebziger Jahren verfolgt.&#13;
Und er&#13;
- 7-&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
�^J^&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST&#13;
Dokumentation&#13;
&#13;
5. Juli 1989&#13;
&#13;
26&#13;
&#13;
USA BETONEN BEDEUTUNG VON NUKLEARWAFFEN IN EUROPA&#13;
- Bericht des Verteidungsministeriums -&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Nuklearstreitkräfte in Europa, insbesondere nukleare&#13;
Kurzstreckensysteme (SNF) - landgestützte Raketen und Geschütze mit einer&#13;
Reichweite von unter 500 Kilometern - "spielen nach wie vor eine entscheidende&#13;
Rolle in der Strategie des Bündnisses", erklärte der Abteilungsleiter im Verteidigungsministerium, Robert Joseph, in einer Anhörung vor dem Streitkräfteausschuß des Senats. Dem hochrangigen Regierungsvertreter zufolge seien Nuklearwaffen in Europa "seit langem als unabdingbar für die Aufrechterhaltung&#13;
der vereinbarten NATO-Strategie flexibler Reaktion und Vorneverteidigung eingestuft worden".&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des amerikanischen Regierungsvertreters im Wortlaut.&#13;
&#13;
Es ist mir eine Ehre, Ihnen heute&#13;
die Gründe dafür darlegen zu können,&#13;
warum Nuklearstreitkräfte in Europa insbesondere nukleare Kurzstreckenraketen (short-range nuclear forces SNF) - landgestützte Raketen und Geschütze mit einer Reichweite von unter 500 Kilometern - nach wie vor eine entscheidende Rolle in der Strategie des Bündnisses spielen. Wie Sie&#13;
wissen, haben die Staats- und Regierungschefs beim NATO-Gipfeltreffen im&#13;
vergangenen Monat die Notwendigkeit&#13;
solcher Nuklearstreitkräfte für die&#13;
"absehbare Zukunft" bekräftigt. Aus&#13;
diesem Grund möchte ich unser laufendes Modernisierungsprogramm für nukleare&#13;
Gefechtsfeldwaffen&#13;
(theater&#13;
nuclear forces - TNF) und die besonderen Vorteile der Stationierung dieser Systeme erläutern. Und schließ-&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
lich möchte&#13;
ich unsere nächsten&#13;
Schritte vor dem Hintergrund des&#13;
jüngsten Gipfeltreffens erörtern. In&#13;
diesem Zusammenhang möchte ich unsere&#13;
Position zu den SNF-Verhandlungen sowie die Herausforderungen darlegen,&#13;
mit denen sich die Vereinigten Staaten bei der Aufnahme von SNF-Verhandlungen mit der Sowjetunion konfrontiert sehen.&#13;
&#13;
Rolle von TNF in der Strategie des&#13;
Bündnisses&#13;
Die Notwendigkeit nuklearer Gefechtsfeldwaffen in Europa - einschließlich SNF-Raketen und Geschützen - ist seit langem als unabdingbar&#13;
für die Aufrechterhaltung der vereinbarten NATO-Strategie flexibler Reak-&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�tion und Vorneverteidigung eingestuft&#13;
worden. Für die NATO leitet sich die&#13;
Notwendigkeit von Nuklearwaffen nicht&#13;
vornehmlich aus der Existenz der Nuklearwaffen des Warschauer Pakts ab.&#13;
Die Bestandserfordernisse der NATO&#13;
gründen sich vielmehr auf die Bedrohung des Warschauer Pakts insgesamt&#13;
und unsere Analyse dessen, was zur&#13;
Aufrechterhaltung&#13;
der&#13;
Abschreckung&#13;
erforderlich ist. Es ist das massive&#13;
Ungleichgewicht bei den konventionellen Streitkräften zugunsten des Warschauer Pakts, von dem unsere Berechnungen vor allem geleitet sind. Während mit einem Abbau der Bedrohung&#13;
oder der Behebung der heute zwischen&#13;
NATO und Warschauer Pakt bestehenden&#13;
Ungleichgewichte&#13;
die&#13;
Notwendigkeit&#13;
von Nuklearstreitkräften in Europa&#13;
verringert würde, hätte dies jedoch&#13;
keine Auswirkungen auf die Rolle, die&#13;
Nuklearstreitkräfte in unserer Strategie dauerhaft spielen.&#13;
Die nuklearen Gefechtsfeldwaffen&#13;
der NATO leisten einen Beitrag zur&#13;
Abschreckung&#13;
eines&#13;
konventionellen&#13;
Angriffs, indem sie die Planung des&#13;
Warschauer Pakts erschweren und den&#13;
Pakt mit der Aussicht einer Eskalation zu von der NATO festgesetzten&#13;
Bedingungen&#13;
konfrontieren.&#13;
Damit&#13;
tragen sie dazu bei, den Warschauer&#13;
Pakt im unklaren darüber zu lassen,&#13;
wie, wann und wo die NATO auf einen&#13;
Angriff&#13;
reagieren würde.&#13;
Darüber&#13;
hinaus untergraben diese Systeme&#13;
insbesondere SNF - das Vertrauen des&#13;
Warschauer Pakts in die Fähigkeit zur&#13;
Massierung seiner zahlenmäßig überlegenen&#13;
konventionellen&#13;
Streitkräfte&#13;
zum Durchbruch durch die Vorneverteidigung der NATO oder zur Aufrechterhaltung&#13;
der&#13;
Stoßkraft eines Angriffs. Zweifelsohne schrecken also&#13;
die Nuklearstreitkräfte der NATO den&#13;
Einsatz von Nuklearwaffen des Gegners&#13;
ab, indem sie die Fähigkeit zu entsprechender Reaktion demonstrieren.&#13;
Sollte die Abschreckung versagen,&#13;
würden diese Waffen eine entscheidende Rolle dabei spielen, den Warschauer Pakt von der Einstellung von Aggression, dem Abzug der Truppen aus&#13;
dem Bündnisgebiet und der Wiederher-&#13;
&#13;
stellung der Abschreckung zu überzeugen. Um dem Gegener jegliches Vertrauen zu nehmen, er könne sein Ziel&#13;
in Form eines Angriffs jedweder Art&#13;
erreichen, ohne einen unannehmbaren&#13;
Tribut zu zahlen, müssen die Nuklearstreitkräfte der NATO ein breites&#13;
Spektrum von Optionen anbieten, um&#13;
Ziele vom unmittelbaren Gefechtsfeld&#13;
bis in die Tiefe des gegnerischen Gebiets, einschließlich der Sowjetunion, zu treffen.&#13;
Vor diesem Hintergrund vereinbarten die Minister der Nuklearen Planungsgruppe (NPG) der NATO in Montebello im Jahr 1983, den Bestand an&#13;
Atomwaffen in Europa um 1 400 zu reduzieren - im Anschluß an einen ähnlichen, 1979 angekündigten einseitigen Abbau von 1 000 Waffensystemen während sie gleichzeitig übereinkamen, daß die NATO handeln müsse, um&#13;
sicherzustellen, daß die verbleibenden Gefechtsköpfe und ihre Trägersysteme reaktions-, überlebensfähig und&#13;
effektiv sind. Die Minister der NPG&#13;
beauftragten daraufhin den Obersten&#13;
Alliierten&#13;
Befehlshaber&#13;
Europa&#13;
(SACEUR), Empfehlungen zur Durchführung des Montebello-Beschlusses zu&#13;
entwickeln.&#13;
Ich weiß, daß ich hier nicht ins&#13;
Detail der von SACEUR in seiner Studie über die Notwendigkeit von Nuklearwaffen aus dem Jahr 1985 (NWRS-85)&#13;
gegebenen Empfehlungen gehen muß, die&#13;
dem Ausschuß sicherlich bekannt sein&#13;
dürften. Wir müssen uns nur vergegenwärtigen, daß SACEUR eine Reihe&#13;
von Modernisierungserfordernissen für&#13;
die Nuklearstreitkräfte der NATO im&#13;
einzelnen darlegte - und ich möchte&#13;
betonen, daß es sich hierbei um das&#13;
Jahr 1985 handelte - einschließlich&#13;
eines Nachfolgesystems für die rasch&#13;
veraltende Lance-Rakete (follow-on to&#13;
Lance - FOTL), eine Luft-Boden-Abstandsrakete, mit der die Uberlebensfähigkeit von Mehrzweckkampfflugzeugen gesteigert werden sollte sowie&#13;
moderne nukleare Artilleriegeschosse&#13;
als Ersatz für die derzeitigen veralteten Geschosse, im Verhältnis von&#13;
unter 1 zu 1.&#13;
&#13;
�In unmittelbar vor der Unterzeichnung des INF-Vertrags begonnener&#13;
Arbeit prüfte die NPG, wie die&#13;
NATO-Streitkräfte nach dem INF-Vertrag strukturiert sein sollten. Beim&#13;
Treffen der NPG im April 1988 verabschiedeten&#13;
die&#13;
Minister&#13;
einen&#13;
schrittweisen Ansatz zur Umstrukturierung der Nuklearstreitkräfte der&#13;
NATO im Anschluß an den Abzug der&#13;
INF-Raketen.&#13;
Dabei&#13;
überarbeiteten&#13;
sie den in Montebello gesteckten Rahmen und bekräftigten die anhaltende&#13;
Unterstützung der nationalen Bestrebungen zur Verwirklichung der aus dem&#13;
Montebello-BeSchluß&#13;
resultierenden&#13;
Erfordernisse.&#13;
Um den Konsens der NATO bei der&#13;
weiteren Modernisierung der Nuklearstreitkräfte der NATO zu gewährleisten, überprüfte die NPG dann die&#13;
Rolle von SNF in der Abschreckungsstrategie der NATO.&#13;
Als Ergebnis&#13;
dieser Überprüfung kamen die NPG-Minister bei ihrem Treffen im Oktober&#13;
1988 Uberein, daß die NATO in absehbarer Zukunft unterschiedliche, überlebensfähige und flexibel einsetzbare&#13;
Nuklearstreitkräfte in Europa über&#13;
alle Reichweiten hinweg benötigt,&#13;
einschließlich SNF.&#13;
Im Januar 1989 legte SACEUR dem&#13;
Bündnis die Ergebnisse seiner Studie&#13;
über die Notwendigkeit von Nuklearwaffen (NWRS-88) vor, in der die Erkenntnisse der NPG über notwendige&#13;
kontinuierliche Modernisierung, insbesondere die Entwicklung einer Tomahawk-Schiffabwehrrakete (Tomahawk anti-ship missile - TASM) und eines&#13;
Nachfolgesystems für die Lance-Rakete&#13;
zur Einführung Mitte der neunziger&#13;
Jahre bestätigt wurden. SACEUR zufolge ist angesichts der derzeitigen&#13;
und zukünftigen Unzulänglichkeiten im&#13;
nuklearen Einsatzkonzept der NATO die&#13;
Stationierung dieser Systeme erforderlich, um das Ausmaß an Sicherheit&#13;
zu gewährleisten, das die Abschrekkung untermauert. NWRS-88 kommt zu&#13;
dem Schluß, daß die Stationierung der&#13;
modernisierten Systeme und die damit&#13;
einhergehende&#13;
Umstrukturierung&#13;
der&#13;
Kurzstreckenrakten der NATO mit einer&#13;
&#13;
Verlagerung auf längere Reichweiten&#13;
das Bündnis in die Lage versetzen&#13;
würde, seinen nuklearen Bestand in&#13;
Europa erheblich zu reduzieren. Und&#13;
schließlich verweist NWRS-88 darauf,&#13;
daß ein Abbau der konventionellen Bedrohung Möglichkeiten für eine weitere Verringerung des nuklearen Bestands der NATO eröffnet, während&#13;
gleichzeitig die Notwendigkeit für&#13;
Uberlebensfähige und operativ flexible SNF aufrechterhalten würde.&#13;
&#13;
Warum die&#13;
lich ist&#13;
&#13;
Modernisierung&#13;
&#13;
erforder-&#13;
&#13;
In absehbarer Zukunft wird unsere&#13;
Strategie der flexiblen Reaktion weiterhin sowohl konventionelle als auch&#13;
nukleare Waffen erforderlich machen.&#13;
Der Montebello-Beschluß und die jüngsten Arbeiten der NPG und Militärbehörden der NATO, insbesondere SACEURs&#13;
NWRS-88, bieten eine klare Richtlinie&#13;
für die Gewährleistung der dauerhaften Glaubwürdigkeit&#13;
der Abschrekkungsstrategie der NATO mit einem Minimum an Nuklearwaffen.&#13;
Wir sind&#13;
übereingekommen, daß spezifische Entscheidungen unserer Verbündeten heute&#13;
nicht erforderlich sind und eine Entscheidung über die Stationierung des&#13;
FOTL erst 1992 getroffen werden muß.&#13;
Dennoch bleibt die Notwendigkeit für&#13;
FOTL, TASM und ein modernes AFAPS&#13;
heute bestehen, und die NATO-Mitgliedstaaten haben wiederholt und öffentlich - zuletzt beim NATO-Gipfeltreffen im vergangenen Monat - ihre&#13;
kontinuierliche&#13;
Unterstützung&#13;
der&#13;
amerikanischen Bestrebungen bei der&#13;
Erfüllung dieser Anforderungen bekräftigt&#13;
&#13;
FOTL und TASM&#13;
An erster Stelle der Debatte über&#13;
die SNF-Modernisierung steht die seit&#13;
langem erkannte Notwendigkeit für ein&#13;
FOTL. Gelegentlich wurde das Argument vorgebracht, wir sollten versuchen, die Lebensdauer der Lance zu&#13;
verlängern, um die politischen Nachteile der Stationierung eines neuen&#13;
&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
�Systems zu vermeiden.&#13;
Das Hauptargument, das hier angeführt werden sollte - das aber nahezu&#13;
immer Übersehen wird - lautet, die&#13;
Lance-Rakete entspricht nicht den Anforderungen der NATO.&#13;
Im Einklang&#13;
mit der Arbeit der NPG hat SACEUR die&#13;
Notwendigkeit einer Boden-Boden-Rakete (surface-to-surface missile - SSM)&#13;
längerer&#13;
Reichweite&#13;
festgestellt.&#13;
Die begrenzte Reichweite der Lance,&#13;
ihr kompliziertes Ladeverfahren und&#13;
die geringe Anzahl von Abschußvorrichtungen, von denen aus die Rakete&#13;
abgefeuert werden kann, sind insgesamt gesehen der Uberlebensfähigkeit&#13;
des Systems in erheblichem Maße abträglich.&#13;
Nachdem ihre Lebensdauer&#13;
bereits einmal verlängert worden ist,&#13;
veraltet die - auf die Technologie&#13;
der sechziger Jahre gegründete&#13;
Lance jetzt rasch. Ein zweites Programm zur Verlängerung der Lebensdauer (service life extension program SLEP) würde diesen Zustand fortsetzen&#13;
und die Abschreckung der NATO unterminieren, indem die Abhängigkeit vom&#13;
Mehrzweckkampfflugzeug (dual capable&#13;
aircraft - DCA) vergrößert würde.&#13;
Daß die DCA auf relativ wenigen&#13;
Stützpunkten in Europa stationiert&#13;
sind, macht sie für Präventivschläge&#13;
des Warschauer Pakts anfällig. Dai—&#13;
über hinaus würde größeres Vertrauen&#13;
auf DCA als nukleares Trägersystem&#13;
bedeuten, daß für konventionelle Operationen weniger Mehrzweckkampfflugzeuge zur Verfügung stünden.&#13;
Verlängerug der Lebensdauer von&#13;
Lance würde uns ferner zwingen, eine&#13;
Streltkräftestruktur aufrechtzuerhalten, die gegebenenfalls anderweitig&#13;
eingesetzt werden könnte. Das FOTL&#13;
wird mit einem Mehrfachraketenwerfersystem (MLRS) bestückt und der entsprechenden Streitkräftestruktur versehen.&#13;
Mit der Beibehaltung der&#13;
Lance würde die Option zunichte gemacht, das für die ausschließlich nuklearfähige Lance eingesetzte Personal zur GrUndung von vier zusätzlichen&#13;
MLRS-Mehrzweckbatai Honen&#13;
zu&#13;
verwenden. Um sich eine Vorstellung&#13;
von der vergeudeten Artilleriefeuer-&#13;
&#13;
kraft machen zu können, sollte man&#13;
bedenken, daß eine Salve von 12&#13;
8-Inch-Raketen&#13;
aus einer MLRS-Abschußvorrichtung der Feuerkraft von&#13;
88 155 mm Haubitzen entspricht. Darüber hinaus ginge die Fähigkeit dieser vier Bataillone verloren, als&#13;
Trägersystem für konventionell bestückte taktische Raketensysteme des&#13;
Heeres (Army tactical missile System&#13;
- ATACMS) für Ziele in der Tiefe des&#13;
gegnerischen Gebiets zu dienen.&#13;
Im Gegensatz dazu wird ein FOTL&#13;
längerer Reichweite - das voll und&#13;
ganz im Einklang mit dem INF-Vertrag&#13;
steht - wichtige Vorteile mit sich&#13;
bringen.&#13;
Eine&#13;
längere Reichweite&#13;
wird natürlich die Zielerfassung in&#13;
der Tiefe des gegnerischen Gebiets im&#13;
Hinblick auf wichtige feste und mobile Ziele verbessern. Darüber hinaus&#13;
wird FOTL den zunehmenden Einsatz der&#13;
NATO DCA für tiefer im gegnerischen&#13;
Gebiet liegende Ziele und bei konventionellen Einsätzen verbessern.&#13;
Es&#13;
wird die Uberlebensfähigkeit der Systeme verbessern, weil es die Rückschlagfähigkeit erhöht und für bessere Flexibilität bei den Einsätzen&#13;
sorgt, wie etwa die Unterstützung angrenzender Truppen.&#13;
Bei den FOTL&#13;
werden MRLS-Abschußvorrichtungen zum&#13;
Einsatz kommen, womit die Möglichkeit&#13;
zu weitverzweigter Stationierung gegeben ist. Damit wird Solidarität im&#13;
Bündnis bekundet und der gemeinsame&#13;
Beitrag und Einsatz aller Mitglieder&#13;
für die Sicherheit des Bündnisses bekräftigt.&#13;
Eine taktische Luft-Boden-Rakete&#13;
für das Mehrzweckkampfflugzeug der&#13;
NATO ist von ebenso entscheidender&#13;
Bedeutung.&#13;
Die Mehrzweckkampfflugzeuge werden angesichts der Beseitigung von INF-Raketen bei der Gewährleistung der Abschreckung und Ankoppelung der Verteidigung Europas an&#13;
die strategischen Streitkräfte der&#13;
Vereinigten Staaten natürlich eine&#13;
größere Rolle spielen. Eine vielfach&#13;
in NATO DCA - wie in den Kampfflugzeugen F-lll, F-15E, F-16 und Tornado&#13;
- stationierte TASM wird die verbesserte Luftverteidigung des Warschauer&#13;
&#13;
�Pakts abwehren und unsere Fähigkeit&#13;
verbessern, stark verteidigte und&#13;
tief im Territorium des Warschauer&#13;
Pakts liegende Ziele zu treffen. Die&#13;
Erweiterung der Reichweite effektiver&#13;
DCA, ihre verbesserte Uberlebensfähigkeit und - mit der Stationierung&#13;
der TASM - stärkere Eindringfähigkeit&#13;
wird die Abschreckung der NATO erheblich verbessern.&#13;
Um termingerechte und angemessene&#13;
Entscheidungen über die Stationierung&#13;
modernisierter&#13;
Systeme&#13;
treffen zu&#13;
können, haben die Vereinigten Staaten&#13;
Mitte des Jahres 1988 Entwicklungsprogramme für FOTL und TASM ins Leben&#13;
gerufen. Sowohl TASM als auch FOTL&#13;
werden erwartungsgemäß der Reichweite&#13;
von SACEUR und den Erfordernissen für&#13;
die Fähigkeit eines Einsatzbeginns&#13;
entsprechen. Ende vergangenen Jahres&#13;
haben die Vereinigten Staaten die Abschußvorrichtung M270 für das MLRS&#13;
des FOTL ausgewählt, und wir untersuchen gegenwärtig für FOTL in Frage&#13;
kommende Raketen, mit dem Ziel einer&#13;
endgültigen Entscheidung bis Mitte&#13;
der neunziger Jahre. Darüber hinaus&#13;
haben die Vereinigten Staaten im November 1988 eine zweite modifizierte&#13;
Version der Kurzstreckenangriffsrakete (SRAM) ausgesucht, die den Erfordernissen der TASM gerecht wird, und&#13;
gegenwärtig&#13;
werden&#13;
Untersuchungen&#13;
über den Aufbau und die Integration&#13;
der TASM durchgeführt.&#13;
Bis heute wurden für die Finanzierung dieser beiden wichtigen Programme nur sehr begrenzte Mittel bereitgestellt.&#13;
Die Mittel für FOTL&#13;
wurden gekürzt. Wir haben 15 Millionen Dollar angefordert und 7,5 Millionen Dollar erhalten.&#13;
Die volle&#13;
Finanzierung für FOTL und TASM in den&#13;
Haushaltsjahren 1990 und 1991 ist&#13;
nicht umfangreich, aber dennoch von&#13;
entscheidender Bedeutung, um die erforderlichen&#13;
Stationierungstermine&#13;
einhalten zu können.&#13;
In&#13;
höchstem&#13;
Maße&#13;
effektive&#13;
SNF-Streitkräfte erfordern, daß die&#13;
älteren nuklearen Artilleriegeschosse&#13;
von 155 mm und 8-Inches kontinuier-&#13;
&#13;
lich durch Geschosse größerer Reichweite und einbebaute moderne Sicherheitsvorkehrungen&#13;
ersetzt&#13;
werden.&#13;
Die Kombination von Alter, schwieriger Monate, unzureichender Sprengkraft&#13;
und der sehr kurzen Reichweite gegenwärtiger Systeme schränken ihre Verwendbarkeit ein. Eine modernisierte&#13;
nukleare Artillerie wird weiterhin&#13;
einen wichtigen Beitrag zur Abschrekkung leisten, einmal indem sie eine&#13;
Gefahr&#13;
für&#13;
führende&#13;
strategische&#13;
Staffeln darstellt und indem sie ein&#13;
sichtbares Zeichen für Zusammenhalt&#13;
im Bündnis setzt.&#13;
In den Wochen vor dem NATO-Gipfel&#13;
der Staats- und Regierungschefs hat&#13;
die Sowjetunion ihre Kampagne zur&#13;
Spaltung des Bündnisses über Fragen&#13;
der Modernisierung und Rüstungskontrolle intensiviert.&#13;
Die NATO demonstrierte&#13;
jedoch&#13;
Geschlossenheit&#13;
und vereinbarte&#13;
ein Gesamtkonzept&#13;
über Rüstungskontrolle und Abrüstung,&#13;
in dem die unerläßliche Rolle nuklearer Waffen in der NATO-Strategie wie&#13;
auch die Verpflichtung der NATO bekräftigt&#13;
wurde,&#13;
ihre&#13;
nuklearen&#13;
Streitkräfte gegebenenfalls auf dein&#13;
neuesten&#13;
Stand&#13;
zu&#13;
halten.&#13;
Die&#13;
Staats- und&#13;
Regierungschefs&#13;
der&#13;
NATO-Mitgliedstaaten&#13;
vereinbarten,&#13;
daß land-, see- und luftgestützte Systeme in Europa notwendige Bestandteile des Abschreckungskonzepts der&#13;
NATO sind.&#13;
In diesem Zusammenhang&#13;
hat das Bündnis erneut seine Unterstützung&#13;
für&#13;
amerikanische&#13;
Forschungs- und&#13;
Entwicklungsprogramme&#13;
bekräftigt, mit denen die in Montebello angeregten Bedingungen erfüllt&#13;
werden sollen. Wir haben - wie bereits beim NPG-Treffen im April vereinbart, daß spezifische Entscheidungen über die Stationierung von&#13;
FOTL nicht vor 1992 getroffen werden&#13;
müssen.&#13;
Das Bündnis hat darüber hinaus&#13;
den sehr begrenzten Umfang des von&#13;
der Sowjetunion angekündigten Plans&#13;
zum Abzug von 500 Nuklearwaffen aus&#13;
Osteuropa erkannt, insbesondere, wenn&#13;
man ihn mit der enormen Zahl der noch&#13;
verbleibenden&#13;
Waffen&#13;
vergleicht.&#13;
&#13;
- 5-&#13;
&#13;
�Darüber hinaus verblaßt der sowjetische Plan verglichen mit den seit&#13;
1979 von der NATO einseitig aus Europa abgezogenen 2 400 nuklearen Waffen&#13;
- dem Fünffachen der von den Sowjets&#13;
angekündigten Zahl.&#13;
Angesichts der&#13;
massiven Überlegenheit des Warschauer&#13;
Pakts bei den SNF - das Ergebnis eines aggressiven jahrzehntelangen Modernisierungsproramms - hat das Bündnis die Sowjetunion aufgefordert, ihre Kurzstreckenraketensysteme einseitig zu reduzieren.&#13;
&#13;
barungen bieten eine solide Grundlage&#13;
für die Aufrechterhaltung militärischer Stärke und politischer Solidarität, wie sie für die Sicherheit des&#13;
Bündnisses entscheidend sind.&#13;
Auch&#13;
im Hinblick auf die SNF-Verhandlungen, von denen man glaubte, sie würden zu einem "gescheiterten" Gipfel&#13;
führen, ist das Bündnis zu einem außergewöhnlichen Konsens über die angemessene Rolle und den Stellenwert&#13;
der Rüstungskontrolle in unserer Sicherheitspolitik gelangt.&#13;
&#13;
Schließlich hat das Bündnis auch&#13;
seine Prioritäten in der Rüstungskontrolle dargelegt. Die Staats- und&#13;
Regierungschefs der NATO stehen weiterhin zu ihren 1987 in Reykjavik zur&#13;
Rüstungskontrolle vereinbarten Zielsetzungen und haben darüber hinaus&#13;
bekräftigt, daß die Behebung des konventionellen&#13;
Ungleichgewichts&#13;
zwischen NATO und Warschauer Pakt - und&#13;
damit der wichtigsten Bedrohung für&#13;
die Sicherheit in Europa - weiterhin&#13;
in Europa für das Bündnis erste Priorität hat. Angesichts der Tatsache,&#13;
daß die überwiegenden konventionellen&#13;
Streitkräfte des Warschauer Pakts der&#13;
Hauptbeweggrund für die Stationierung&#13;
von&#13;
NATO-Kurzstreckensystemen&#13;
ist,&#13;
sind&#13;
wir&#13;
übereingekommen,&#13;
daß&#13;
SNF-Verhandlungen zur Erlangung einer&#13;
teilweisen Reduzierung der Zahl amerikanischer und sowjetischer landgestützter&#13;
Nuklearstreitkräfte&#13;
auf&#13;
gleiche und verifizierbare Niveaus&#13;
unter dem gegenwärtigen Stand in der&#13;
NATO nur Sinn haben, wenn ein Abkommen zur Beseitigung des konventionellen Ungleichgewichts in Europa Anwendung findet. Das Bündnis erkennt den&#13;
Grundsatz der SNF-Verhandlungen an,&#13;
schließt eine "dritte Null-Lösung"&#13;
aus und vereinbart, daß ausgehandelte&#13;
Reduzierungen nicht verwirklicht werden, bis die Ergebnisse der KSE-Verhandlungen durchgeführt worden sind.&#13;
Damit liegt die noch zu leistende Arbeit bei den gegenwärtig in Wien&#13;
stattfindenden&#13;
Verhandlungen&#13;
über&#13;
konventionelle Streitkräfte in Europa&#13;
(KSE).&#13;
&#13;
Wenn wir über die KSE-Verhandlungen hinaus die Möglichkeit amerikanisch-sowjetischer Verhandlungen über&#13;
SNF ins Auge fassen, müssen wir die&#13;
Herausforderungen kennen, die sich&#13;
uns stellen.&#13;
&#13;
Die beim Gipfel erzielten Verein-&#13;
&#13;
Verhandlungen - ob sie nun Löhne&#13;
und Gehälter, Zölle oder Rüstungen&#13;
betreffen - sind immer am erfolgreichsten, wenn alle Verhandlungspartner&#13;
gleiche&#13;
Ziele&#13;
verfolgen.&#13;
Leider ist dies bei NATO und Sowjetunion zum Thema Kurzstreckenraketen&#13;
nicht der Fall.&#13;
Die Sowjets haben&#13;
ein Endziel vor Augen - die Entnuklearisierung Europas.&#13;
Angesichts der&#13;
Rolle, die Nuklearwaffen bei der Erhaltung der NATO-Strategie der flexiblen Reaktion spielen, müssen wir eine Entnuklearisierung Europas vermeiden, mit der die Glaubwürdigkeit der&#13;
Abschreckung ausgehöhlt und die NATO&#13;
verwundbar würde (auch angesichts erheblicher Reduzierungen bei den konventionellen Streitkräften des Warschauer Pakts). Das wird nicht einfach sein, da die Vorschläge einer&#13;
"dritten Null-Lösung" aus vielfältigen politischen und technischen Gründen auf viele einen großen Reiz ausüben. Das Bündnis muß entschlossen&#13;
zusammenstehen, damit die gegenwärtigen Verhandlungen zur Finanzierung&#13;
unserer Sicherheit nicht den gegenteiligen Effekt haben.&#13;
Darüber hinaus sind insbesondere&#13;
die in wirksam verifizierbaren Begrenzungen für SNF immanenten Schwierigkeiten entmutigend.&#13;
Die Systeme&#13;
sind klein, sehr mobil und sowohl nu-&#13;
&#13;
�klear wie auch nichtnuklear einsetzbar. Mit dem Versuch, die sich mit&#13;
den Mehrzwecksystemen stellenden Herausforderungen&#13;
durch&#13;
Abbau&#13;
aller&#13;
SNF-Abschußvorrichtungen&#13;
zu&#13;
lösen,&#13;
würden unsere konventionellen Fähigkeiten&#13;
unannehmbar&#13;
eingeschränkt.&#13;
Mit der Ausstattung unserer SNF-Systeme mit "außen sichtbaren Unterscheidungen" würde die Uberlebensfähigkeit der Systeme geschwächt und&#13;
nichts getan, um unsere Verifizierungsprobleme im Hinblick auf sowjetische SNF-Systeme zu lösen. Darüber&#13;
hinaus bleibt immer noch das Problem&#13;
der Verifizierung von Begrenzungen&#13;
von Kurzstreckenraketen bestehen, die&#13;
leicht auf SNF-Abschußvorrichtungen&#13;
umgeladen werden können. Wir müssen&#13;
sicherlich die Verifizierungslektion&#13;
der KSE berücksichtigen, bevor wir&#13;
erwägen, wie wir Systeme wirksam verifizieren und mögliche Fehlerquellen&#13;
ausschalten können.&#13;
&#13;
strebungen zur Spaltung des Bündnisses fortführen, wie sie das auch vor&#13;
dem Gipfel dokumentiert hat. Die Bewahrung von Einigkeit unter 16 souveränen Staaten ist unter keinen Umständen eine leichte Aufgabe. Aber&#13;
ich bin zuversichtlich, daß das Bündnis, wie bereits zu Beginn der achtziger Jahre angesichts sowjetischer&#13;
Versuche, es über die INF-Stationierungen zu entzweien, denselben Mut&#13;
und dieselbe Entschlossenheit an den&#13;
Tag legen wird, um seine Freiheit zu&#13;
bewahren.&#13;
&#13;
Darüber hinaus besteht die Gefahr, daß es angesichts unserer prinzipiellen Zustimmung zu SNF-Verhandlungen unter bestimmten Umständen für&#13;
das Bündnis politisch schwierig sein&#13;
wird, die notwendigen Modernisierungsmaßnahmen zu ergreifen, um die&#13;
anhaltende&#13;
Glaubwürdigkeit&#13;
unseres&#13;
Abschreckungskonzepts zu gewährleisten. Ich bin sicher, daß der Warschauer Pakt nicht dieselben politischen Schwierigkeiten hat wie der Westen und sein Modernisierungsprogramm&#13;
fortführen wird.&#13;
Das Bündnis&#13;
wie&#13;
auch der Kongreß bei seiner Abstimmung über den Verteidigungshaushalt&#13;
für das Finanzjahr 1990 - muß sich&#13;
vor Augen führen, daß keine Modernisierung dieselben Auswirkungen haben&#13;
wird wie das Akzeptieren einer dritten Null-Lösung.&#13;
Abschließend möchte ich nochmals&#13;
auf den Umfang hinweisen, in dem sich&#13;
die NATO-Regierungen über die absolute Notwendigkeit effektiver und moderner&#13;
Nuklearstreitkräfte&#13;
einig&#13;
sind, mit denen unsere vereinbarte&#13;
Strategie der flexiblen Reaktion gestützt wird.&#13;
Die Sowjetunion wird&#13;
natürlich erwartungsgemäß ihre Be- 7 -&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
�:eOSK&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST&#13;
Wirtschaft&#13;
&#13;
^rioN&#13;
&#13;
26&#13;
&#13;
5. Juli 1989&#13;
&#13;
DIE WIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG IN DEN VEREINIGTEN STAATEN&#13;
- Konjunkturindikatoren des Monats Mai -&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Der Gesamtindex der führenden Konjunkturindikatoren, mit dem sich Prognosen zur&#13;
wirtschaftlichen Entwicklung aufstellen lassen, ist im Mai gefallen. Berichten des Handelsministeriums zufolge ist dies das dritte Mal in den&#13;
letzten vier Monaten.&#13;
Der Index fiel im Mai um 1,2 Prozent, wobei 9 der 11 Indikatoren zu&#13;
dem Rückgang beitrugen, erklärte das&#13;
Ministerium am 28. Juni 1989.&#13;
Seit Beginn des Jahres 1989 stieg&#13;
der Index im Januar um 0,8 Prozent,&#13;
ging im Februar um 0,4 Prozent und im&#13;
März um 0,6 Prozent zurück, stieg im&#13;
April um 0,6 Prozent und sank dann im&#13;
Mai um 1,2 Prozent.&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Der Index parallel zur Konjunkturentwicklung erstellter Indikatoren, der anhaltende wirtschaftliche&#13;
Aktivitäten widerspiegelt, fiel im&#13;
Mai um 0,2 Prozent, nachdem er im&#13;
April um 0,4 Prozent gestiegen und im&#13;
März um 0,2 Prozent gesunken war.&#13;
Der Pressesprecher des Weißen&#13;
Hauses, Marlin Fitzwater, kommentierte diese Zahlen mit den Worten: "Die&#13;
Wirtschaft ist gesund und wächst&#13;
langsamer, was einen geringeren Druck&#13;
auf die Inflation und die Zinssätze&#13;
bedeutet, und wir sind immer noch der&#13;
Ansicht, daß die Wirtschaft in guter&#13;
Verfassung ist."&#13;
Folgende Indikatoren trugen zu&#13;
den von April bis Mai rückläufigen&#13;
Leitindi zes bei:&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�-&#13;
&#13;
Die Geldmenge (in Dollar von 1982&#13;
gerechnet) ging von 2,41 Billionen Dollar auf 2,39 Billionen&#13;
Dollar zurück.&#13;
&#13;
Beim Index für Baugenehmigungen&#13;
war ein Anstieg von 106,4 auf&#13;
107,4 zu verzeichnen.&#13;
&#13;
Der Preisanstieg hei konjunkturabhängigem Gütern ging von 0,8&#13;
auf 0,52 Prozent zurück.&#13;
&#13;
Darby prognostiziert anhaltende Expansion der amerikanischen Wirtschaft&#13;
&#13;
Der Index der Verbrauchererwartungen sank von 83,2 auf 80,1&#13;
Punkte.&#13;
Der Anteil der Lieferanten mit&#13;
Lieferschwierigkeiten&#13;
(was&#13;
auf&#13;
eine gestiegene Nachfrage hindeutet) nahm von 53,2 auf 49,3 Prozent ab.&#13;
Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit der Arbeitnehmer in der&#13;
verarbeitenden Industrie ging von&#13;
41,2 auf 41,0 Stunden zurück.&#13;
Kaufverträge und Aufträge für Gewerbebetriebe und Maschinen gingen (in Dollar von 3 982) von 48,9&#13;
Milliarden Dollar auf 46,15 Milliarden Dollar zurück.&#13;
Die Zunahme beim Rückstand der&#13;
nicht ausgeführten Bestellungen&#13;
von langlebigen Verbrauchsgütern&#13;
(in Dollar von 1982) sank von&#13;
2,69 Milliarden Dollar auf 2,26&#13;
Milliarden Dollar.&#13;
Die durchschnittliche Zahl erstmaliger Anträge auf staatliche&#13;
Arbei tslosenunterstütznng&#13;
stieg&#13;
von 299 000 auf 312 000 pro Woche.&#13;
Die Zahl neuer Aufträge der Hersteller für Verbrauchsgüter und&#13;
Maschinenen fiel (in Dollar des&#13;
Jahres 1982) von 89,75 Milliarden&#13;
Dollar auf 88,01 Milliarden Dollar.&#13;
&#13;
Zwei Indikatoren hatten positive Auswirkungen auf den Leitindex:&#13;
Der Index für den Preis von 500&#13;
Stammaktien stieg von 302,25 auf&#13;
313,93.&#13;
&#13;
Dem Staatssekretär für Handel und&#13;
Wirtschaft, Michael Darby, zufolge&#13;
können weder Indikatoren für eine Rezession noch für eine Konjunkturüberhitzung oder Inflation der amerikanischen Wirtschaft beobachtet werden.&#13;
Die führenden Konjunkturindikatoren der Regierung, die im Mai um 1,2&#13;
Prozent fielen, decken sich mit anderen Anzeichen für eine Verlangsamung&#13;
des Wirtschaftswachstums auf ein gemäßigteres Niveau, erklärte Darby am&#13;
28. Juni 1989 vor Journalisten.&#13;
Dank der Anwendung einer restriktiveren Geldpolitik im Verlauf der&#13;
letzten beiden Jahre zur Ermutigung&#13;
eines gemäßigteren Wachstums hat die&#13;
amerikanische Bundesbank dieses Ziel&#13;
erreicht, so Darby.&#13;
Darby schrieb den jüngst gestiegenen Verbraucherprei.sindex (CPI) dem&#13;
Ansteig der Ölpreise und den Auswirkungen der Dürre des Jahres 1988 zu.&#13;
Mit Ausnahme von Lebensmitteln und&#13;
Treibstoff ist der CPI im Fallen begriffen.&#13;
"Angesichts der von der amerikanischen Bundesbank seit 1987 verfolgten Politik gibt es keine Gründe für&#13;
eine anhaltende Inflation", erklärte&#13;
Darby.&#13;
Darby zufolge zielt die Politik&#13;
der Bush-Administration auf einen Abbau der Inflation und letztlich deren&#13;
vollständige&#13;
Beseitigung&#13;
ab.&#13;
Er&#13;
sieht keine Diskrepanz zwischen der&#13;
amerikanischen Position zur Inflation&#13;
und der Position der wichtigsten Handelspartner der Vereinigten Staaten,&#13;
die sich aus dem Weltwirtschaftsgipfel in Paris im Juli ergeben könnte.&#13;
Obwohl&#13;
&#13;
- 2&#13;
&#13;
der&#13;
&#13;
Dollardevisenkurs&#13;
&#13;
in&#13;
&#13;
�den vergangenen Monaten einen höheren&#13;
Wert erzielt hat, prognostiziert Darby eine weitere Ahnahme des amerikanischen Handelsdefizits.&#13;
Das Handelsdefizit spiegelt den&#13;
Zufluß ausländischen Kapitals in die&#13;
Vereinigten Staaten wider, so Darby.&#13;
Er beschrieb den jüngsten Anstieg der&#13;
Sparrate bei Privatkonten als positiv&#13;
für die internationale Bilanz der&#13;
Vereinigten Staaten.&#13;
Um die nationalen Spareinlagen&#13;
aufzustocken, ist es der Regierung&#13;
Darby zufolge gelungen, die Ausgaben&#13;
der öffentlichen Hand im Verhältnis&#13;
zum Bruttosozialprodukt zu senken.&#13;
Dieser Prozentsatz entspricht heute&#13;
dem der wichtigsten Handelspartner&#13;
der Vereinigten&#13;
Staaten, erklärte&#13;
Darby.&#13;
Der Abbau der Staatsausgaben müßte Darby zufolge fortgesetzt, dürfe&#13;
aber nicht "übereilt" werden.&#13;
"Ein gemäßigtes Tempo&#13;
richtige Gangart", so Darby.&#13;
&#13;
ist&#13;
&#13;
die&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
- 3&#13;
&#13;
�AMERIKA DIENST&#13;
Wissenschaft und Technik&#13;
5. July 1989&#13;
&#13;
26&#13;
&#13;
'DUNKLER FLECK" IN TURBULENTER NEPTUN-ATMOSPHÄRE&#13;
(AD) - Die unbemannte amerikanische Forschungssonde VOYAGER 2, der&#13;
wichtige Erkenntnisse über die Planeten Jupiter, Saturn und Uranus zu&#13;
verdanken sind, hat ihr nächstes&#13;
Ziel, den Planeten Neptun, schon seit&#13;
einem Jahr avisiert. Am 25. August&#13;
1989 wird sie ihn im Abstand von nur&#13;
5 000 km passieren.&#13;
Gespannt warten die Wissenschaftler auf Bilder und Meßdaten aus der&#13;
Nähe. Denn die Fernsehaufnahmen, die&#13;
VOYAGER 2 in den letzten Wochen z.B. im Mai dieses Jahres aus 135&#13;
Millionen km Entfernung - von Neptun&#13;
übermittelte, werfen schon jetzt neue&#13;
Fragen auf. So gibt es noch keine&#13;
Erklärung dafür, weshalb die Atmosphäre dieses zweitletzten Außenplaneten in unserem Sonnensystem so turbu-&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
lent ist. Darauf lassen jedenfalls&#13;
die immer wieder auftretenden und&#13;
verschwindenden hellen und dunklen&#13;
Regionen in der Atmosphäre schließen.&#13;
Schließlich erhält Neptun (Durchmesser:&#13;
50 000 km, Rotationszeit 18&#13;
Stunden) infolge seiner großen Entfernung von unserem Zentralgestirn&#13;
nur ein Tausendstel der Sonnenenergie, die die Atmospäre der Erde in&#13;
Bewegung hält.&#13;
Seit Anfang Juni wird der Planet&#13;
in Rotation zu jeweils einem Fünftel&#13;
erfaßt.&#13;
Ähnlich wie bei Jupiter&#13;
fällt eine ringartige Struktur der&#13;
Atmosphäre auf, und ähnlich wie bei&#13;
Jupiter zeigt sich in der Atmosphäre&#13;
ein langgestreckter dunkler Fleck.&#13;
Im Vergleich zur Größe des Planeten&#13;
entspricht seine Ausdehnung der des&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�"Roten Flecks" in der Jupiteratmosphäre. Wie "Aviation Week &amp; Space&#13;
Technology" (Ausgabe v. 26. Juni&#13;
1989) berichtet, wird auf Grund der&#13;
unterschiedlichen&#13;
Sichtbarkeit&#13;
bei&#13;
Aufnahmen mit vier Farbfiltern und&#13;
ohne Farbfilter vermutet, daß es sich&#13;
um ein Phänomen in tieferen Schichten der Atmosphäre handelt.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
�AMERIKA DIENST&#13;
r/&#13;
&#13;
u&#13;
&#13;
•""*•&#13;
&#13;
Ä&#13;
&#13;
&lt;&#13;
&#13;
Wissenschaft und Technik&#13;
5. Juli 1989&#13;
&#13;
26&#13;
&#13;
FUSIONSFORSCHUNG MIT ZWEI SCHWERPUNKTEN&#13;
(AD) - Auf Vorschlag des US-Energieministeriums soll sich die Entwicklung von Methoden der Kernverschnelzung zur Energieerzeugung auf&#13;
zwei Systeme konzentrieren. Das eine&#13;
ist das Tokamak-Verfahren zur magnetischen Einschließung des Plasmas,&#13;
das zweite System der Kernverschmelzung durch Implosion unter Einwirkung&#13;
von Laserenergie oder Partikelstrahlen auf winzige, mit dem "Brennstoff"&#13;
Deuterium gefüllte Kügelchen vor.&#13;
&#13;
hält jedoch nach Beratung mit Experten eine Aufstockung der Mittel für&#13;
diese Projekte um ca. 100 Millionen&#13;
Dollar in den nächsten Jahren für&#13;
notwendig.&#13;
Nach Ansicht des Beratungsausschusses für das magnetische&#13;
Fusionsprojekt ist jedoch nicht abzusehen, wann oder ob überhaupt mit Tokamak-Maschinen die "Zündung" für eine sich selbst erhaltende kontrollierte Kernverschmelzungsreaktion zu&#13;
erreichen ist.&#13;
&#13;
Im Haushaltsjahr 1990 hatte die&#13;
US-Regierung für die magnetische Fusionsforschung 349 Millionen Dollar,&#13;
für entsprechende Projekte mit Laserund Strahlenenergie&#13;
169 Millionen&#13;
Dollar angefordert. der Direktor der&#13;
Abteilung Energie-Forschung im USEnergieministerium,&#13;
Robert&#13;
Hunter,&#13;
&#13;
Bei den Förderprogrammen des USEnergieministeriums lag bisher das&#13;
Schwergewicht auf der Entwicklung der&#13;
"Tokamak-Maschine&#13;
mit&#13;
Kompaktzündung"(CIT - Compact Ignition Tokamak). Dieses in den Laboratorien der&#13;
Princeton-Universtät&#13;
gebaute&#13;
Gerät&#13;
gilt als eine der leistungsfähigsten&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
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&#13;
�Maschinen dieser Art in der Welt. Es&#13;
soll 1996 den Betrieb aufnehmen.&#13;
Starke Magnetfelder pressen das durch&#13;
Vorheizung ionisierte Plasma aus Kernen von schwerem Wasserstoff unter&#13;
weiterer Aufheizung auf über 100 Millionen Grad so stark zusammen, daß&#13;
die Atomkerne verschmelzen und dabei&#13;
Energie abgeben. Für die Energiegewinnung wird das Verfahren aber erst&#13;
dann interessant, wenn sich eine Fusionsreaktion in kontrollierter Form&#13;
selbst erhält und mehr Energie erzeugt als sie verbraucht.&#13;
Bisher wurde jedoch noch nicht&#13;
einmal der "break-even point" erreicht, der Punkt, wo sich Energieverbrauch und Energieerzeugung die&#13;
Waage halten.&#13;
Haupthindernis ist&#13;
nach wie vor der Umstand, daß sich&#13;
die magnetische Einschließung noch&#13;
nicht stabilisieren läßt. Immer wieder bricht "Brennmaterial" aus der&#13;
Magnetfeldbarriere aus. Zwar befindet sich eine Vakuumzone zwischen ihr&#13;
und der Brennkammerwandung.&#13;
Wenn&#13;
auch nur wenige Atomkerne des schweren Wasserstoffs sie überwinden, können sie Metallatome aus der Wandung&#13;
herausschlagen, die dann das Plasma&#13;
verunreinigen und die Fusionsreaktion&#13;
stören.&#13;
Wie Hunter erklärte, umriß Energieminister James Watkins die wesentlichen Prinzipien einer umfassenden&#13;
neuen Politik zur Erschließung der&#13;
Fusionsenergie in der Weise, daß beide Programme zur Fusionsforschung neu&#13;
belebt werden und sich auf die ungelösten oder auch noch unbekannten&#13;
Probleme konzentrieren sollen. Mit&#13;
neuen Versuchsausrüstungen dürfte man&#13;
in etwa zehn Jahren bis zur Zündung&#13;
von&#13;
Fusionsreaktionen&#13;
vorgedrungen&#13;
sein. Anfang des nächsten Jahrhunderts wird sich dann beurteilen lassen, welche Technologie am besten geeignet ist, um kommerzielle Fusionsreaktoren zu entwickeln.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
�</text>
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                </elementTextContainer>
              </element>
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                    <text>Amerika Dienst 07.05.1989</text>
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                    <text>DOKUMENTATION&#13;
Baker; Nur wirtschaftliche Freiheit kann Osteuropa beleben&#13;
- Pressekonferenz des Außenministers im Weißen Haus&#13;
—&#13;
USA betonen Bedeutung von Nuklearwaffen in Europa&#13;
- Bericht des Verteidigungsministeriums -&#13;
&#13;
WIRTSCHAFT&#13;
Die wirtschaftliche Entwicklung in den Vereinigten Staaten&#13;
- Konjunkturindikatoren des Monats Mai -&#13;
&#13;
WISSENSCHAFT UND TECHNIK&#13;
&#13;
"Dunkler Fleck" in turbulenter Neptun-Atmosphäre&#13;
Fusionsforschung mit zwei Schwerpunkten&#13;
</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker: nur wirtschaftliche Freiheit kann Osteuropa beleben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz des Außenministers im &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Weißen Haus&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA betonen Bedeutung von Nuklearwaffen in Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bericht des Verteidigungsministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die wirtschaftliche Entwicklung in den Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Konjunkturindikatoren des Monats Mai&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"Dunkler Fleck" in turbulenter Neptun-Atmosphäre&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fusionsforschung mit zwei Schwerpunkten</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

Sonderdienst

*

PRÄSIDENT BUSHS BESUCH IN POLEN UND UNGARN VOM 9.-13. JULI 1989

INHALT

Bush; Zeitpunkt für einen eigenen Weg Polens Ist gekommen
- Rede des Präsidenten vor dem polnischen Parlament Das Aktionsprogramm für Polen
- Eine Übersicht des Weißen Hauses USA wollen Risiko eines Kriegs in Europa abbauen
- Ansprache von Präsident Bush in der Karl-Marx-Universität
Das Programm zur Förderung der Reformen in Ungarn
- Eine Übersicht des Weißen Hauses * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�I

^

AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON**

BUSH:

ZEITPUNKT FÜR EINEN EIGENEN WEG POLENS IST GEKOMMEN

- Rede des Präsidenten vor dem polnischen Parlament -

WARSCHAU - (AD) - Vor dem neuen, demokratisch gewählten polnischen Parlament erklärte Präsident Bush, jetzt sei "innenpolitisch wie international der
richtige Zeitpunkt für Polen, seinen eigenen Weg einzuschlagen."
In seiner Rede am 10. Juli 1989, dem zweiten Tag seiner zehntägigen Europareise, erinnerte der Präsident daran, daß die geteilte Welt des modernen
Zeitalters ihren Ursprung vor 50 Jahren in Polen hatte. Er erklärte, das polnische Volk "kann heute zur Überwindung der Teilung Europas beitragen."
Bush erläuterte den neuen Gesetzgebern, "jetzt ist es an der Zeit,, um
sich über Containment hinaus einer zu lang hinausgezögerten Welt - einer besseren Welt - zuzuwenden".
Nachfolgend veröffentlichen wir Bushs Rede im Wortlaut:

Herr
Vorsitzender
Jaruselski,
Präsident Kosakiewicz und Senatspräsident Stelmachowski, Ministerpräsident Rakowski, verehrte Senatoren und
Delegierte. Im Namen des Volkes der
Vereinigten Staaten habe ich die Ehre, die neugewähiten Abgeordneten des
polnischen
Parlaments zu begrüßen.
Meine heutige Anwesenheit hier ist
ein Beweis dafür, daß wir in einer
außergewöhnlichen und in der Tat sensationellen Zeit leben.
Die Macht und das Potential dieses Augenblicks wurden mir erstmals
deutlich, als ich ein auf der ganzen
Welt verbreitetes Photo sah, auf dem
der
Staatsratsvorsitzende
General
Jaruzelski und von der Gewerkschaft
Solidarität
Arbeiterführer
Lech
Walesa Seite an Seite bei der Eröff-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

nungssitzung des Parlaments abgebildet waren - als Symbol des neues
Fortschritts in Polen.
Glauben Sie
mir, damit wurde der ganzen Welt ein
Zeichen gesetzt.
Polen und die Vereinigten Staaten
sind, so heißt es, durch Verwandtschaft und Kultur miteinander verbunden.
Aber unsere Völker verbindet
noch mehr als nur Empfindungen.
Mit der Verfassung vom 3. Mai
1791 eilte Polen seiner Zeit und den
anderen Staaten Osteuropas im Streben
nach Freiheit und demokratischen Idealen weit voraus, ebenso wie die amerikanische Verfassung von 1787 neue
Maßstäbe zum Schutz der Rechte des
einzelnen setzte.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Seit Jahrzehnten - seit den Friedensverträgen von Versailles - sind
die Vereinigten Staaten für Unabhängigkeit, Freiheit und den Wohlstand
Polens eingetreten.
Und wir sind
stolz auf unser frühes und langfristiges Engagement für die Selbstbestimmung Polens. Ich stehe heute als
amerikanischer Präsident vor Ihnen,
der diese hehre Verpflichtung erneuern will.
Ich verstehe etwas von der Arbeit, die Sie hier aufnehmen, weil
ich selbst zunächst im amerikanischen
Kongreß in den Dienst an der Öffentlichkeit eintrat.
Demokratisch gewählte Legislativen sind für die Menschheit eines der besten Foren für
Diskussionen und Dialog. Und obwohl
ich bereits in Polen war, hätte ich
nicht gedacht, daß ich dieses Land so
bald wieder besuchen würde - jedenfalls nicht unter so veränderten Umständen. Ebenso werden viele von Ihnen nicht erwartet haben, hierher zu
kommen und in diesem oder überhaupt
einem polnischen Parlament zu arbeiten. Ihre Leistung hat alle Erwartungen übertroffen und verdient unsere Anerkennung.
Als der polnische Astronom Kopernikus vor etwa 450 Jahren die natürliche Ordnung der Planeten entdeckte
und den Mut hatte, das Wissen der damaligen Zeit in Zweifel zu ziehen,
änderte sich die Welt ein für allemal.
Ebenso wird Polen von diesem
Jahr an, in dem es das natürliche
Verhältnis zwischen Menschen und Regierung
neu
festlegt, vollständig
verändert werden.
Heute hat der Umfang der politischen und wirtschaftlichen Veränderungen in Polen in der Tat kopernikanischen Stellenwert. Ein grundlegender Wandel in der Betrachtungsweise,
die den Menschen in den Mittelpunkt
stellt. Ein neuen Verständnis davon,
daß die Regierten die echte Quelle
anhaltenden
sozialen
Friedens und
wirtschaftlichen Wohlstands sind, um
den sich die Regierung dreht und dem
sie dient.

Polen hat ein reiches demokratisches Erbe. Die Verfassung vom 3.
Mai war ein Geniestreich. Heute am
Anbruch des dritten Jahrhunderts dieses Dokuments sind Sie aufgefordert,
diesem genialen Akt zeitgenössische
Taten
entgegenzusetzen
und
einen
friedlichen Übergang zu einer politischen und wirtschaftlichen Erneuerung
durch eine repräsentative Regierung
zu schaffen, die den Willen des Volkes widerspiegelt.
Ich konnte vor einigen Wochen
hier in Europa beobachten, daß Ost
und West am Ende eines Zeitalters und
am Beginn
eines neuen angelangt
sind.
Der
Staatsratsvorsitzende
Jaruzelski hat kürzlich über Polen
gesagt, "das Licht der Nation war
tiefgreifenden Veränderungen unterworfen, und es ist gutes Recht der
Gesellschaft, zu fragen, wann wieder
ein Sonnenstrahl über Polen scheinen
wird". Das trifft in der Tat nicht
nur für Polen, sondern auf die Beziehungen zwischen Ost und West insgesamt zu.
Die Reihe der Unruhen und großen
Veränderungen setzt sich von Polen
bis zum Pazifik fort. Sie ist oftmals anregend, wie etwa hier in Warschau. Aber manchmal ist sie auch
furchterregend, wie gegenwärtig in
China. Aber der Umfang der Veränderungen, wie wir ihn auf der ganzen
Welt wahrnehmen, zwingt uns, in uns
zu gehen und zu Gott aufzuschauen,
damit uns eine seltene Mischung aus
Mut und Zurückhaltung zuteil wird.
Die Zukunft birgt sowohl Hoffnung
als auch Unsicherheit. Polen und Ungarn befinden sich an einem Scheideweg:
jeder hat seinen eigenen Weg
der Reformen ohne Gewähr für leichten
Erfolg eingeschlagen.
Den Menschen
dieser Länder - und dem Mut ihrer
Führer - gebührt unsere Bewunderung.
Der Weg ist steinig. Aber jetzt ist
innenpolitisch wie international der
richtige Zeitpunkt für Polen, seinen
eigenen Weg einzuschlagen.
Am Tag, an dem die Gewerkschaft

�Solidarität wiederzugelassen wurde,
habe ich meine Unterstützung und Bewunderung für das jetzt in Polen begonnene politische
Experiment zum
Ausdruck gebracht. Inzwischen haben
Sie ein gutes Stück dieses Weges zurückgelegt und auch die bemerkenswerten Wahlen durchgeführt, die dieses
Parlament hervorgebracht haben. Und
wir wollen uns vor Augen führen, was
dieses Experiment - nicht nur für Polen, sondern für Europa und die ganze
Welt - bedeuten kann.
Die geteilte Welt des modernen
Zeitalters hatte hier - genau hier in
Polen - vor 50 Jahren ihren Ursprung. Ihr Land und nahezu das gesarate Europa waren zunächst belagert
und dann von totalitären Kräften besetzt. Ein mutiges Polen war unser
Verbündeter.

In dieser schrecklichen

Zeit haben Franklin Roosevelt und
Winston Churchill die Atlantik-Charta
entworfen, in der die Grundlage aufgestellt wurde, auf der wir eine bessere Welt hervorzubringen hofften,
einschließlich der Freiheit von Mangel und Furcht und dem Recht der Menschen, die Regierungsform zu wählen,
unter der sie leben wollen.
Aber Sie wissen besser als irgendjemand sonst, daß die Welt, wie
wir sie uns wünschten, nicht entstand. Stalinistische Regime beherrschten ein Drittel des Kontinents.
Der Kalte Krieg begann. Die Länder
des Westens schlössen sich zur Verteidigung demokratischer Prinzipien
zusammen. Und wir unterbreiteten den
Vorschlag, daß der Marshallplan auch
auf Osteuropa ausgedehnt werden sollte. Aber auch das traf nicht ein.
Die Strategie des Westens - die
Strategie des Containment - war ein
Mittel
zum
Zweck,
aber
niemals
Selbstzweck.
Es gab keinen Ersatz
für ein freies und vereintes Europa.
Und wir vergaßen weder die gescheiterten und vereitelten Hoffnungen des
Jahres 1945, noch das Versprechen einer besseren Welt. Das gleiche galt
für das polnische Volk. Ihr Land war
ein Konfliktherd. Nun wird es zu ei-

nem Beispiel des Wandels.
Der Kalte Krieg begann in Polen,
und heute kann das polnische Volk zur
Überwindung der Teilung Europas beitragen. Jetzt ist es an der Zeit, um
sich über Containment hinaus einer zu
lang hinausgezögerten Welt - einer
besseren Welt - zuzuwenden. Und heute haben es uns zwei Entwicklungen
endlich ermöglicht, die Grundsätze
der Atlantik-Charta einzulösen, für
die die Vereinigten Staaten und Polen
als Verbündete gekämpft haben. Eine
ist der offensichtliche Fehlschlag
des klassischen stalinistischen Systems. Die andere besteht im unbeugsamen Willen des Volkes - verkörpert
durch führende Politiker in Polen und
Ungarn, die sich mit Ehrlichkeit,
Kreativität und auch Mut um die Überwindung der Fehler der Vergangenheit
bemühen.
Die Welt betrachtet dies
mit Bewunderung.
Und nun besteht - teilweise auch
durch Ihre Bemühungen - für uns alle
eine echte Gelegenheit, ein Europa
aufzubauen, von dem viele geglaubt
haben, es sei in den vierziger Jahren
für immer zerstört worden.
Dieses
Europa, das Europa unserer Kinder,
wird offen, ungeteilt und frei sein.
Wir können dies auf zwei Wegen
erreichen.
Erstens muß ein neues
Ost-West-Verhältnis auf einem erheblich verringerten RUstungsniveau beruhen. Ich nehme General Jaruzelskis
Äußerungen zu diesem Thema zur Kenntnis und unterstütze Ihn. Wir im Westen haben drastische Reduzierungen
der konventionellen Streitkräfte in
Europa vorgeschlagen, Reduzierungen,
die Aussichten auf die Umgestaltung
der militärischen Landkarte Europas
und eine Verringerung des Kriegsrisikos in sich bergen. Die neue Bereitschaft Moskaus, diesen westlichen
Rahmen für Reduzierungen von Truppen,
Panzern, Flugzeugen und anderen Waffenkategorien zu akzeptieren, läßt
uns hoffen, daß die Verhandlungen in
Wien erfolgreich sein werden.
Ein
guter Anfang wurde gemacht. Von beiden Seiten werden konstruktive Vor-

- 3 -

�Schläge unterbreitet. Wir sind entschlossen, uns voll und ganz für einen baldigen und erfolgreichen Abschluß dieser Gespräche einzusetzen.

am runden Tisch liegt das Schicksal
Polens heute mehr denn je in polnischer Hand. Und dort muß es für immer bleiben.

Zweitens werden Reduzierungen der
r
Streitkräfte weiterreichend und tragg
fähiger sein, wenn sie gleichzeitig
mit politischen Veränderungen einhere
gehen.
Übermäßige
Waffenarsenale
m
sind unseres Erachtens ein Symptom
r
und nicht die Ursache politischer
e
Spannungen.
In Europa beruhen diese
n
Spannungen
auf einer unnatürlichen
und grausamen Teilung.

Ihre Verantwortung für die Zukunft Ihres Landes ist immens.
Polens Freunde, einschließlich des amerikanischen Volkes, wollen, daß Polen
frei, wohlhabend, demokratisch
und
unabhängig ist - getreu den besten
Traditionen Ihres Landes. Und diese
Regierung
schreitet
in einer Zeit
großer Schwierigkeiten und Herausforderungen mit einem Sinn für Realismus
und Mut in die Zukunft. Lech Walesas
Solidarität fühlt sich der Gründung
von Institutionen in Polen tief verpflichtet, die dem ganzen Volk dienen
werden. Schon aufgrund seiner bloßen
Existenz fördert dieses Parlament den
Pluralismus. Die Kirche hat sich in
stürmischen
Zeiten als Quelle der
geistigen Führung und Einheit erwiesen.
Über allen steht jedoch das
polnische Volk, das unerschütterlich
auf produktive Veränderungen hingearbeitet hat.

Der Entschluß Polens zu politischen Reformen - und auch die Schritte Ungarns in die gleiche Richtung g
haben deshalb auch große Bedeutung
über ihre Landesgrenzen hinaus. Indem Sie durch den Volkswillen legitimierte politische Strukturen schafe
fen, können Ihre Reformen Grundlage
von Stabilität, Sicherheit und Wohln
stand sein, nicht nur hier, sondern
s
in ganz Europa, heute und bis ins
nächste Jahrhundert.
Um Michail Gorbatschow zu zitieren:
"Allseitige Sicherheit beruht
t
auf der Anerkennung des Rechts jedes
s
Landes auf Wahl seines eigenen Weges
•s
der
gesellschaftlichen
Entwicklung
g
sowie auf der Absage an Einmischung
g
in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten.
Eine Nation kann sich
h
für Kapitalismus oder Sozialismus entscheiden.
Dies ist ihr souveränes
s
Recht." Dem stimme ich grundsätzlich
h
zu.
Ich hätte jedoch vielleicht gesagt, daß sich das Volk eines jeden
n
Landes entweder für eine freie Marktwirtschaft oder für den Sozialismus
s
frei entscheiden kann. Das ist sein
n
Recht.
Der Westen ist also darum bemüht,,
die Sicherheit eines Landes weder anzutasten, zu bedrohen, noch sich einzumischen, sondern dazu beizutragen,,
engere
und
dauerhaftere
Bindungen
n
zwischen Polen und dem übrigen Europa
a
zu knüpfen.
Als

Ergebnis

der

in
Vereinbarungen

Doch selbst unter den besten Bedingungen
sind
der
repräsentativen
Regierung besondere Herausforderungen
zu eigen. Sie erfordert Geduld, Toleranz sowie ein Geben und Nehmen
zwischen
politischen
Gegnern.
Ihr
Vorzug besteht darin, daß sie der politischen Führung und ihrer Politik
Legitimität
verleiht.
Sie
stattet
Regierungen
und Gesellschaften
mit
dem Mandat für harte Entscheidungen
aus.
Und durch die Beteiligung des
Volkes erhält dieses Anteil an den
getroffenen Entscheidungen,
Über 200 Jahre lang haben die
Amerikaner Auseinandersetzungen über
politische und wirtschaftliche Interessen, über die Rechte des einzelnen
und die Bürgerrechte sowie über die
Rolle einer loyalen Opposition geführt.
Die Demokratie ist kein Abschluß, sie ist ein Prozeß - und ihre
Vervollkommnung hört nie auf.
Die
Geschichte hat die Amerikaner aber
unmißverständlich gelehrt: Die Demokratie funktioniert.

- 4 -

�Wir verstehen in meinem Land die
enormen
wirtschaftlichen
Probleme,
mit
denen
sie
konfrontiert
sind.
Wirtschaftliche Entbehrungen sind eine Gefahr, die jedes große demokratische Experiment bedrohen können. Und
ich muß zu Ihnen offen sprechen.
Wirtschaftliche Reformen und Gesundung können nicht ohne Opfer vonstatten gehen.
Selbst in einer so leistungsfähigen Wirtschaft wie der unseren diskutieren wir weiterhin über
Rolle und Grenzen des Staates - wie
der
Privatsektor
reguliert
werden
soll ohne Innovationen abzuschrecken,
wie unser enormes
Haushaltsdefizit
reduziert
werden
kann,
wie
ein
Gleichgewicht zwischen den Bedürfnissen der Arbeitnehmer und unternehmerischer Effizienz geschaffen werden
kann, wie man den durch Veränderungen
hervorgerufenen schmerzhaften Beeinträchtigungen begegnen soll -, um der
Produktivität, des Fortschritts und
des Wohlstands willen.
Die Reform der polnischen Wirtschaft bedeutet eine historische Herausforderung.
Für die eigenen Anstrengungen Polens kann es keinen Ersatz geben.
Ich möchte jedoch vor
Ihnen heute betonen, daß Polen nicht
allein
ist.
Aufgrund der enormen
Tragweite dieser Stunde sind die Vereinigten Staaten bereit, Ihnen in dem
Maße zu helfen, wie Sie sich selbst
helfen.
In Hamtramck in Michigan habe ich
vor drei Monaten eine Politik zur Unterstützung der Reformen in Polen erläutert, die damals gerade begonnen
hatten. Ich habe bestimmte, sorgfältig ausgewählte Maßnahmen vorgeschlagen, um die sich hier vollziehenden
und künftigen Reformen anzuerkennen.
Diese Politik baut auf das dynamische
Zusammenspiel zwischen Fortschritt in
Polen und westlichem
Engagement
nicht auf zweifelhafte Kredite, die
ohne Rücksicht auf die notwendigen
Reformen zugesagt werden.
Das war
die Bilanz der siebziger Jahre. Polen und die Vereinigten Staaten sollten diesen Fehler nicht wiederholen.

Bei den in Hamtramck angekündigten Maßnahmen haben wir Fortschritte
erzielt.
Neue Gesetzentwürfe werden in die
Wege geleitet, im Rahmen derer polnische Exporteure dank der Meistbegünstigungsklausel
auf
amerikanischen
Märkten
besser konkurrieren
können
und die unseren privaten Investitionsgesellschaften
in
Übersee
geschäftliche
Transaktionen
in Polen
gestatten, indem sie Garantien für
Investitionen leisten und einen Anreiz für amerikanische Investitionen
in Gemeinschaftsunternehmen in Polen
bieten.
Die Vereinigten Staaten schlagen
ein Abkommen über private Geschäftstätigkeit vor, das Kontakte zwischen
dem wachsenden Privatsektor in Polen
und amerikanischen Geschäftspartnern
fördern wird. Wir hoffen, schon bald
ein Abkommen zu erzielen, damit wir
auf
diese offensichtlich
einmalige
Gelegenheit aufbauen können.
In den Vereinigten Staaten besteht großes Interesse an und Bewunderung für die Ereignisse in Polen
und
der unmißverständliche
Wunsch,
dem Reformprozeß behilflich zu sein.
Am 6. Juli 1989 leitete ich ein Symposium im Weißen Haus, an dem an der
Förderung von Investitionen. Handel
und wissenschaftlichen Austauschprogrammen mit Polen und Ungarn interessierte
Amerikaner
teilnahmen.
Und
ich kann Ihnen mehr denn je versichern, daß das amerikanische Volk an
Ihrem demokratischen Experiment teilhaben wird.
Ich habe erklärt, die Vereinigten
Staaten werden auf den Reformprozeß
in Polen reagieren.
Selbst in der
kurzen Zeit seit Hamtramck ist sehr
viel geschehen. Es ist mir daher eine besondere Ehre, heute unsere Absicht bekanntgeben
zu können, zum
Wohle eines stabilen und florierenden
Polens
mehr
tun
und
noch
einen
Schritt weiter gehen zu wollen.
Erstens werde

- 5 -

ich

beim

bevorste-

�henden Weltwirtschaftsgipfel in Paris
den Vorschlag unterbreiten, daß die
Teilnehmerstaaten - die G-7 - ihre
Zusammenarbeit und konzertierten Aktionen zur Förderung demokratischer
Reformen in Polen und Ungarn intensivieren und einen sinnvollen Beitrag
zum Prozeß des Wandels leisten. Wir
werden beim Gipfeltreffen mit unseren
Partnern
zusammenarbeiten
und mit
aufgestockten
Hilfsleistungen
und
technischer Unterstützung des Westens
unverzüglich zur Tat schreiten. Diese konzertierte Aktion wird bestehende Institutionen wie die Weltbank,
den Pariser Club und den IWF ergänzen
und sich mit erforderlichen Wirtschaftsreformen, der Verwaltung von
Krediten, Ausbildungsinitiativen, Sozialversicherung, Wohnungsbau und anderen, für Polen entscheidenden Themen befassen.
Zweitens werde ich den amerikanischen Kongreß bitten, einen Fonds in
Höhe von 100 Millionen Dollar zur
Kapitalisierung und Ankurbelung des
polnischen
Privatsektors
bereitzustellen
- und wir werden entsprechende Beiträge von den anderen Gipfelteilnehmern ermutigen.
Drittens werde ich die Weltbank
auffordern, einen wirtschaftlich lebenswichtigen Kredit in Höhe von 325
Millionen Dollar zu vergeben, damit
die polnische Landwirtschaft und Industrie das Produktionsniveau erreichen, zu dem sie eindeutig fähig sind.
Und viertens werde ich meine Kollegen im Westen bitten, eine frühzeitige und großzügige Umschuldung der
polnischen Kredite zu befürworten.
Dies könnte einen Zahlungsaufschub
für die in diesem Jahr fälligen Rückzahlungen in Höhe von 5 Milliarden
Dollar bedeuten, wenn unsere Verbündeten und Freunde im Pariser Club
auch dazu bereit sind, liberalere
Zahlungsbedingungen anzubieten.
Ich
beabsichtige, dieses Thema mit meinen
Kollegen beim Gipfeltreffen in Paris
zu erörtern.
Fünftens

sollte

wirtschafIticher

Fortschritt nicht auf Kosten unseres
gemeinsamen Erbes, unseres gemeinsamen Vermächtnisses - der Umwelt
stattfinden.
Eine gesunde Ökologie
und eine starke Wirtschaft können und
müssen
nebeneinander
bestehen.
Luft- und Wasserverschmutzung kennen
keine Grenzen. Und diese Sorge besteht weltweit. Vor etwa zwei Jahren
habe ich Krakau besucht - ehemals
Sitz der polnischen Könige - eine
Stadt, die von der UNESCO als internationale Sehenswürdigkeit eingestuft
worden ist. Heute kämpft Krakau gegen die Umweltverschmutzung, seine
kostbaren
Baudenkmäler
fallen der
Zerstörung anheim. Krakau muß gerettet werden.
Und die Vereinigten
Staaten werden helfen. Ich werde den
Kongreß um 15 Millionen Dollar für
ein Gemeinschaftsunternehmen mit Polen zur Bekämpfung der Luft- und Wasserverschmutzung dort bitten.
Sechstens und letztens begann ich
meine Ausführungen mit dem gemeinsamen kulturellen Erbe unserer beiden
Nationen. Es ist mir eine Ehre, heute bekanntgeben zu können, daß die
Vereinigten Staaten in Warschau ein
Kultur- und Informationszentrum gründen und Polen bitten werden, ein entsprechendes Zentrum in den Vereinigen
Staaten ins Leben zu rufen. Damit
können unsere beiden Länder zum ersten Mal Bildungs- und Kulturprogramme außerhalb ihren jeweiligen Botschaften und Konsulate durchführen.
Die Wahlen, aufgrund derer wir
uns alle heute hier versammelt haben,
bedeuten, daß der vom polnischen Volk
eingeschlagene Weg ein Weg des politischen Pluralismus und der wirtschaftlichen Wiedergeburt ist. Der
vor uns liegende Weg ist lang, aber
der einzige, der zu Wohlstand und sozialem Frieden führt. Polens Fortschritte auf diesem Weg werden den
Weg zu einem neuen Zeitalter in ganz
Europa weisen - ein Zeitalter, das
sich auf gemeinsame Werte und nicht
nur geographische Nähe gründet. Die
westlichen Demokratien
werden dem
polnischen Volk und den anderen Völkern dieser Region zur Seite stehen.

- 6 -

�Demokratie liegt im Zeitgeist.
Wie alle Regierungsformen kann Demokratie zwar verteidigt aber niemals
aufgezwungen werden. Wir glauben an
die Demokratie. Denn obwohl Demokratie für viele ein Traum sein mag, ist
sie meiner Ansicht nach ohne jeden
Zweifel der Menschheit vorbestimmt.
Vor zweihundert Jahren wurden von
drei Nationen demokratische Verfassungen verabschiedet, in denen der
starke Einfluß der Aufklärung Zeugnis
von Gedanken ablegte, die Bestand haben.
Die amerikanische Verfassung war
die erste und hat sich in der Geschichte über 200 Jahre unseres Bestehens als Republik bewährt.
In
Frankreich wurde die konstitutionelle
Demokratie in diesem Sommer vor zwei
Jahrhunderten verkündet. Und in wenigen Tagen werden die Staats- und
Regierungschefs aus allen Ländern der
Welt in Paris zusammenkommen, um ihren Jahrestag feierlich zu begehen.
Am 3. Mai 1991 wird auch die polnische Verfassung 200 Jahre alt. Ihre Verfassung aus dem Jahr 1791 wurde
widerrufen, aber niemals vergessen.
Und heute lautet der Ruf dieser Generation, das Versprechen einer freien
polnischen Republik einzulösen. Solange der Geist Polens lebt, ist Polen nicht verloren.
Die Vereinigten Staaten wünschen
Ihnen viel Erfolg bei der Bewältigung
der schwierigen Probleme von heute.
Ich beglückwünsche General Jaruzelski
zu seiner Führungsstärke und danke
für die herzliche Gastfreundschaft,
die er mir zuteil werden ließ. Ich
grüße die Vorsitzenden und Mitglieder
dieser beiden hervorragenden gesetzgebenden Körperschaften.
Gott in
seiner unendlichen Weisheit und Güte,
weilt unter uns. Möge Gott Sie und
Ihre Bestrebungen segnen. Lang lebe
Polen. Ich danke Ihnen.

* * * * *
- 7

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'VON**

DAS AKTIONSPROGRAMM FÜR POLEN
- Eine Übersicht des Weißen Hauses -

WASHINGTON - (AD) - Die folgende Übersicht des Weißen Hauses zur wirtschaftlichen und kulturellen Unterstützung der Vereinigten Staaten für Polen
wurde am 10. Juli 1989 in Warschau veröffentlicht:

Das Aktionsprogramm für Polen

Das Maßnahmenpaket setzt sich wie
folgt zusamen:

In seiner Rede vor dem polnischen
Parlament am 10. Juli 1989 stellte
der Präsident ein umfassendes Paket
mit sechs Maßnahmen vor, um Polen bei
der Bewältigung der historischen Herausforderungen der neunziger Jahre zu
helfen. Diese Maßnahmen berücksichtigen die gegenwärtig stattfindenden
demokratischen Veränderungen in Polen.
Mit diesen Maßnahmen wird der
Tatsache Rechnung getragen, daß erfolgreiche marktwirtschaftliche Reformen und die Demokratisierung in
Polen sowie in anderen Ländern des
östlichen Zentraleuropas die Grundlage für Stabilität und Sicherheit Europas schaffen können.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Konzertierte internationale Maßnahmen.
Der Präsident schlägt
ein
verstärktes
konzertiertes
Vorgehen der Regierungen der Vereinigten Staaten, Westeuropas und
Japans zur Unterstützung der auf
politischem Pluralismus gegründeten wirtschaftlichen Reformen und
Gesundung in Polen vor. Dies
wird ein wichtiges Thema des
Weltwirtschaftsgipfels in Paris
sein.
-

Der Polnisch-Amerikanische Unternehmensfonds.
Der
Präsident
schlägt die Einrichtung eines mit
100 Millionen Dollar ausgestatteten Unternehmensfonds zur Unter-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Stützung privater Unternehmer in
Polen vor. Er wird andere führende Staaten ermutigen, ähnliche
Initiativen zu ergreifen.
Weltbankdarlehen.
Der Präsident
wird die Weltbank ermutigen, Polen zwei wirtschaftlich lebensfähige Projektkredite in Gesamthöhe
von 325 Millionen Dollar zu bewilligen.
Umschuldung.
Der Präsident hat
erklärt, die Vereinigten Staaten
würden im Pariser Club eine großzügige und rasche Umschuldung für
Polen unterstützen. Diese würde
Polens finanzielle Beziehungen zu
seinen Gläubigern normalisieren
und Polen erlauben, in beiderseitigen Vereinbarungen mit seinen
Gläubigern die Rückzahlung von
etwa 5 Milliarden Dollar in diesem Jahr aufzuschieben.
Eine Umweltinitiative. Der Präsident ist der Ansicht, daß die
wirtschaftliche Erholung nicht zu
Lasten der Umwelt, des Erbes der
Menschheit, gehen darf. Aufgrund
seines in Mainz verkündeten Vorschlags zur Umweltzusammenarbeit
zwischen Ost und West wird der
Präsident den Kongreß um die Bewilligung von 15 Millionen Dollar
für ein Gemeinschaftsprojekt mit
Polen zur Bekämpfung der Luftund Wasserverschmutzung in der
großartigen
mittelalterlichen
Stadt Krakau bitten.

Vorschlag
Der Präsident schlägt vor, daß
die Teilnehmerstaaten am Weltwirtschaftsgipfel ihre konzertierte Aktion verstärken, um die auf politischen
Pluralismus gegründeten Wirtschaftsreformen in Polen und Ungarn zu unterstützen.
Ergänzende
Bemühungen
führender demokratischer Industriestaaten werden ein kräftiger Impuls
zu wirtschaftlicher
Gesundung und
Fortschritten in diesen Staaten sein,
die sich gegenwärtig an einem Wendepunkt befinden. Andere interessierte
Länder könnten ebenfalls zu diesem
Prozeß beitragen.

Umfang
Zu diesen Bemühungen wird die Zusammenarbeit mit den Regierungen Polens und Ungarns sowie mit anderen
staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen in diesen Ländern gehören, um Informationen zu sammeln und
den Meinungsaustausch zu Themen beiderseitigen Interesses zu gewährleisten.
Die beteiligten Regierungen
werden ferner gegebenenfalls mit Vertretern von IWF, Weltbank, EG-Kommission und anderen multilateralen und
privatwirtschaftlichen
Institutionen
zusammenarbei ten.
Der Themenkatalog könnte enthalten:
Notwendige Wirtschaftsreformen,

Einrichtung eines Kulturzentrums.
Die Vereinigten Staaten werden
ihre
Austauschprogramme
erweitern, um die Kontakte mit der zunehmend offenen Gesellschaft in
Polen auszuweiten. Die Vereinigten Staaten werden in Warschau
ein Kulturzentrum eröffnen, und
Polen kann ein vergleichbares
Zentrum in den Vereinigten Staaten einrichten.

Verstärkte
konzertierte
Maßnahmen
des Westens für Polen und Ungarn

Zeitrahmen und Konditionen
neue Kredite und

für

konkrete Unterstützung für Privatisierung und Privatunternehmen, Umweltprojekte, Managementund Ausbildungsinitiativen, soziale Absicherungsnetze zur Begleitung der Umstrukturierung, Wohnungsbau etc.
Mit diesen Bemühungen würden die
bestehenden Institutionen wie Weltbank, Pariser Club oder IWF nicht um-

�gangen oder ersetzt,

Technische
Hilfe oder Ausbildungsprogramme, die den polnischen Privatsektor unterstützen
oder von ihm verwaltet werden,

Die nächsten Schritte

Finanzierung teilweise oder vollständig privater Exportvorhaben,

Der Präsident wird diesen Vorschlag in Paris mit den politisch
Verantwortlichen der anderen Teilnehmerstaaten am Weltwirtschaftsgipfel Großbritannien,
Bundesrepublik
Deutschland, Frankreich, Japan, Italien und Kanada - erörtern.

Der Polnisch-Amerikanische
mensfonds

Gemeinschaftsunternehmen zwischen
privaten polnischen und amerikanischen Investoren (z.B. Ermutigung zur Teilnahme privater polnischer Firmen an Gemeinschaftsunternehmen) .

UnternehKredite der Weltbank

Vorschlag
Vorschlag
Die wirtschaftliche Gesundung Polens wird einen starken unternehmerischen Sektor erfordern, der rasch
wächst und Wohlstand zum Nutzen der
gesamten Nation schafft. Um diesen
Prozeß zu fördern, hat der Präsident
die Einrichtung eines "Polnisch-Amerikanischen Unternehmensfonds" durch
Polen und die Vereinigten Staaten
vorgeschlagen. Der Präsident bittet
den Kongreß um die Bewilligung von
100 Millionen Dollar für diese Initiative. Der Fonds wird von einem
Gremium hervorragender amerikanischer
und polnischer Vertreter verwaltet
werden.

Der Präsident wird die Weltbank
auffordern, zwei wirtschaftlich lebenswichtige Kredite für Projekte in
Polen in Höhe von 325 Millionen Dollar zu vergeben. Die Kredite für industrielle Unstrukturierung und agroindustrielle Entwicklung zielen darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit der
polnischen Exporte zu verbessern.

Hintergrund
Der Kredit zur Industriellen Umstrukturierung (250 Millionen Dollar)
soll folgendermaßen verwendet werden:

Zweck

Einfuhr von Technologie und Gerät, die bei Umstrukturierungsprojekten von Betrieben verwendet
werden, die Chemiefasern, petrochemische Produkte, Polypropylen
zur Verpackung, Spanplatten und
Stickstoff herstellen sowie

Mit dem Fonds wird die Entwicklung des Privatsektors in Polen gefördert. Er ist befugt, für bewilligte Projekte Kredite in harten Währungen oder Subventionen bei Risikokapital zu vergeben, einschließlich:
Entwicklung
des
Privatsektors
(Geschäftskredite/Subventionen,
eventuell Gründung einer Entwicklungsbank für den Privatsektor),
Privatisierung staatlicher Firmen
(z.B. Bereitstellung finanzieller
Mittel für Unternehmer, um sich
in staatliche Firmen einzukaufen),

die mit technischer Hilfe aus dem
Ausland verbundenen Devisenkosten
für diese Projekte.
Der Kredit für Agro-Industrielle
Entwicklung
(75 Millionen Dollar)
soll folgendermaßen verwendet werden:

- 3 -

Kauf von Gerät und Lizenzenzen im
Ausland sowie Devisenkosten für
technische Unterstützung von Be-

�trieben, die in der Verarbeitung
von
Gefrierobst
und
Gemüse,
Fleisch oder anderen Formen der
Nahrungsmittelverarbeitung
tätig
sind.
Die Kredite haben eine
17jährige Laufzeit mit einer tilgungsfreien Zeit von 6 Jahren vor
Rückzahlung.
Eine polnische Bank wird das Geld
an einzelne Unternehmen weiterverleihen. Die Kredite an diese Darlehensnehmer sowie ihre Rückzahlung erfolgt
in Dollar zur Erleichterung der Rückzahlung des Gesamtkredits an die
Weltbank.

Amerikanisch-polnisches
dung sa bkommen

zeichnet.
Verhandlungen
über die beiden
ausstehenden
bilateralen
Abkommen
wurden zu Beginn dieses Jahres wiederaufgenommen, als die polnische Regierung versuchte, dieses Problem mit
ihren Gläubigern zu lösen.

Abkommen und nächste Schritte
Am 10. Juli 1989 haben die Vereinigten Staaten von Amerika und Polen die beiden ausstehenden bilateralen Abkommen unterzeichnet, mit denen
die Umschuldungen von 1985 und 1987
abgedeckt sind.

Umschul-

Vorschlag
Der Präsident wird seine Amtskollegen im Pariser Club bitten, eine
baldige und großzügige Umschuldung
der polnischen Schulden zu befürworten.

Hintergrund
Polens Auslandsschulden in Höhe
von fast 40 Milliarden Dollar stehen
vorwiegend bei westlichen staatlichen
Gläubigern aus.
Der bei den Vereinigten Staaten
ausstehende Teil dieser Auslandsverschuldung beläuft sich auf ca. 2,2
Milliarden Dollar, meist in Form von
Kreditgarantien, die von der amerikanischen Preisstützungsbehörde für die
Landwirtschaft und der Import-ExportBank vergeben wurden.

Damit wird der Weg für weitere
Abkommen zwischen Polen und seinen
Gläubigern über die Umschuldung der
Verschuldung gegenüber ausländischen
Regierungen und internationalen Institutionen geebnet.
Ein Umschuldungsvorschlag des Pariser Clubs zu den Verpflichtungen
aus dem Schuldendienst, die 1989 fällig werden, würde Polen gestatten,
Zahlungen in Höhe von etwa 5 Milliarden Dollar aufzuschieben.
Ein
neues
Umschuldungsabkommen
des Pariser Clubs würde die Finanzbeziehungen Polens normalisieren und
Exportkreditbehörden eine rechtliche
Grundlage zur Wiederaufnahme von Krediten gewähren, wenn die Regierungen
entscheiden, daß solche Kredite gerechtfertigt sind.
Umweltinitiativen
Vorschlag

Der Pariser Club stimmte in den
vergangenen acht Jahren viermal einer
Umschuldung des polnischen Schuldendienstes an staatliche Gläubiger zu.
Bis März 1989 hatte Polen jedoch
noch keine Verhandlungen über die bilateralen Abkommen zu den letzten
beiden Umschuldungen Ende 1985 und
1987 aufgenommen oder diese unter-

Der Präsident hat die Notwendigkeit neuer internationaler Bemühungen
zur Erhaltung und Verbesserung der
Umwelt - des gemeinsamen Erbes der
Menschheit - betont. In Weiterführung seiner Mainzer Rede, in der OstWest-Zusammenarbeit bei Umweltfragen
besonders hervorgehoben wurde, hat
der Präsident drei Umweltinitiativen

�für Polen in Höhe von insgesamt 15
Millionen Dollar verkündet, die sich
vor allem auf die schöne mittelalerliche Hauptstadt Krakau konzentrieren. Diese herrliche Stadt, die von
der UNESCO zur Sehenswürdigkeit erklärt wurde, ist ernsthaft von Umweltverschmutzung bedroht.

Nachrüstung
kraftwerks

lar für ein System zur Überwachung
der Luftreinhaltung im Stadtgebiet
von Krakau als Teil des nationalen
polnischen
Uberwachungssystems,
zu
dem folgende Geräte zählen sollen:
Monitore und andere Geräte zur
Messung
von
Schwefeldioxid,
Stickstoffoxid,
Makroteilchen,
Kohlenmonoxid, Ozon und Blei,

eines bestehenden KohleGeräte zur Datenspeicherung und
-Verarbeitung.

Hierbei handelt es sich um eine
10-Millionen-Dollar-Initiative,
im
Rahmen derer ein bestehendes Kohlekraftwerk in der Nähe von Krakau mit
neuer sauberer Kohleverstromungstechnik ausgestattet werden soll. Diese
Nachrüstung wird die Schwefeldioxidemissionen einer 100 MW-Fabrik um
60-65 Prozent
verringern.
Stickstoffoxid-Emissionen werden ebenfalls
abgebaut.
In der Anfangsphase des Projekts
wird eine Bewertung der wichtigsten
Kohlekraftwerke in der Umgebung von
Krakau vorgenommen, um die besten
Strategien zur Kontrolle dieser Anlagen festzulegen. Dann würde eine Anlage bestimmt und diese mit der für
sie optimalen Technik ausgestattet.
Nach der Auswahl tritt das Projekt in die Entwurfsphase, wobei dann
die Herstellung und Installierung der
Geräte vorgenommen würde.
Das Projekt würde dann durchgeführt und mit einer Ergebnisanalyse
abschließen.
Erwartungsgemäß
wird
Polen
die
Verantwortung
für die
Durchführung des Projekts übernehmen
und den Vereinigten Staaten das Datenmaterial zur Verfügung stellen.
Die Vereinigten Staaten werden Polen
gegenbenenfalls technische Hilfestellung leisten.

Wasserqualität und Wasserversorgung
Hierbei handelt es sich um eine
Initiative in Höhe von 4 Millionen
Dollar zur Verbesserung der Wasserqualität und der Wasserversorgung
Krakaus.
Mit dem Programm für Umweltschutz
und Wasserwirtschaft für die Jahre
1986 bis 2010 als Leitlinie wird die
Umweltschutzbehörde
(EPA) gemeinsam
mit polnischen Experten den gegenwärtigen und künftigen Bedarf Krakaus an
Trinkwasser und Abwasser ermitteln
und danach die den örtlichen Bedingungen am besten angepaßten Methoden
auswählen und erproben.
Um die optimalen preiswertesten
technischen Lösungen zu finden, wird
das Programm Strömungsdaten von Flüssen beobachten und Daten über die Gesundheit einer Reihe von im Wasser
lebenden Spezies sammeln, die Reinheit von Fluß- und Trinkwasser prüfen
und
verbrauchsorientierte
Maßstäbe
für die Wasserversorgung aufstellen.
Das Programm wird Wiederaufbereitung, Verhinderung
der Umweltverschmutzung und preiswerte Methoden
wie etwa die Verwertung von Abwasser
für den Boden betonen.

Das System zur Überwachung der Luftreinhaltung

Abkommen über den Austausch von Kulturzentren

Es handelt sich hierbei um ein
Projekt im Umfang von 1 Million Dol-

Zweck

- 5-

�Der Präsident hat die Vereinigten
Staaten aufgefordert, phantasievolle
Bildungs- und Kulturprogramme mit Polen zu unterstützen. Gemäß dem am
10. Juli 1989 unterzeichneten Abkommen können die Vereinigten Staaten in
Warschau ein Kultur- und Informationszentrum eröffnen, und Polen hat
das Recht zur Einrichtung eines solchen Zentrums in den Vereinigten
Staaten.

Fernseh- und Videovorführungen,
Durchführung von Seminaren mit
Experten, Wissenschaftlern
und
Prominenten aus dem kulturellen
Leben,
englische
kurse.

und

polnische

* * * * *

Hintergrund
Dies ist das erste Mal, daß beide
Länder die Möglichkeit haben, Öffentlichkeitsarbeit und Kulturprogramme
außerhalb von Botschaften und Konsulaten zu veranstalten. Die Zentren
werden dennoch als integraler Bestandteil des diplomatischen Dienstes
beider Länder betrachtet.
Das amerikanische Zentrum in Polen wird unter der Leitung des US-Informationsamts stehen, das ähnliche
Zentren in vielen Ländern der Welt
unterhält.
In Warschau muß noch ein Standort
für das neue amerikanische Zentrum
gefunden und eingerichtet werden wir hoffen jedoch auf seine Eröffnung
zu Beginn des Jahres 1990. Die Kosten für Errichtung und Betrieb werden sich im ersten Jahr auf etwa 1,1
Million Dollars belaufen.

Dienstleistungen
Die Zentren werden Dreh- und Angelpunkt zahlreicher kultureller Aktivitäten und der Öffentlichkeitsarbeit sein und folgende Leistungen anbieten:
eine Bibiliothek, die als Präsenzbibliothek fungiert und ausleiht, mit einem Bestand an Periodika, Filmen, Videokassetten und
anderen Materialien,
Förderung von Konzerten, Liederabenden, Ausstellungen, Filmen,
- 6-

Sprach-

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

USA WOLLEN RISIKO EINES KRIEGS IN EUROPA ABBAUEN
- Ansprache von Präsident Bush in der Karl-Marx-Universität -

BUDAPEST - (AD) - Die Vereinigten Staaten arbeiten "Tag und Nacht" an einem umfassenden Abkommen zur konventionellen Rüstungskontrolle mit der Sowjetunion, "zur Stärkung der Stabilität in Europa und Verringerung des Kriegsrisikos", erklärte Präsident Bush am 12. Juli 1989 in einer Ansprache vor Studenten der Karl-Marx-Universität. "Es besteht kein Zweifel daran, daß wir uns an
der Schwelle eines neuen Zeitalters befinden", fügte Bush hinzu und versicherte seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit dem sowjetischen Staats- und Parteichef Gorbatschow, um den Eintritt in dieses neue Zeitalter zu beschleunigen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Präsidenten im Wortlaut.

Herr Präsident,
Herr Ministerpräsident,
verehrte Frau Nemeth,
Herr Dr. Csaki,
meine Damen und Herren,
meine Frau und ich freuen uns
außerordentlich, wieder in Budapest
zu sein. Und ich bin sehr stolz darauf, daß ich als erster amerikanischer Präsident Ungarn besuche.
Es
entbehrt vielleicht nicht einer gewissen Ironie, daß ich meine Rede in
einer nach Karl Marx benannten Universität halte.
Wenn es in Ungarn
schon einer gewissen Ironie nicht
entbehrt, dann erst recht nicht in
den Vereinigten Staaten. Aber meine
heutige Anwesenheit gibt weniger zur
Überraschung Anlaß, sondern ist vielmehr Beweis für die Tatsache, daß die
Vereinigten Staaten den ungehinderten

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Ideenwettstreit begrüßen. Und meines
Wissens hat etwa 50 Mitglieder des
Lehrkörpers dieser berühmten Universität entweder als Student oder Dozent die Vereinigten Staaten von Amerika besucht. Für unser Land ist das
ein sehr positives Zeichen und ich
freue mich, daß Sie den Weg zu uns
gefunden haben.
Die Hauptaufgabe einer Unviersität liegt in der Förderung von Wettbewerb - dem ungehinderten Ideenwettstreit. Und dieser Geist bringt uns
einander näher - ein Geist, von dem
ein
herausragender
Dozent
an
der
Karl-Marx-Universität mit Namen Imre
Nagy geleitet war.
Als die Trauerprozession zu seinen Ehren vor einigen Wochen über den

Postfach 20 03 00
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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Heldenplatz zog, vernahm man die
Stimme Ungarns, als die ungarische
Nationalhymne gesungen wurde. Und in
dieser schlichten, traurigen Zeremonie sah die Welt mehr als einen Akt
der Würde - einen Akt der Versöhnung.
Wir wurden Zeuge eines Akts der Wahrheit. Und auf diesem Fundament der
Wahrheit, das fester als Stein ist,
haben die Ungarn begonnen, eine neue
Zukunft aufzubauen. Eine Generation
hat gewartet, um Imre Nagys Mut Ehrerbietung bezeugen zu können - mögen
hundert Generationen dies im Gedächtnis bewahren.
Während Ungarn seine natürliche
Rolle in europäischen Angelegenheiten
wiederentdeckt, blickt die Welt in
der Hoffnung auf Inspiration erneut
auf Ungarn. In den Vereinigten Staaten gibt es ein bekanntes Sachbuch
mit dem Titel Budapest 1900. Dr.
John Lukacs beschreibt liebevoll das
Budapest seiner Erinnerung, mit seiner lebhaften Börse und berühmten
Oper - eine Zeit, in der Europas erste elektrische Untergrundbahn unter
den attraktiven Geschäften des Andrassy Boulevards verkehrte.
Eine Stadt, die Paris in ihrer
Pracht den Ruf streitig machte, Wien
mit seiner Musik und London mit seiner Literatur. Ein Zentrum der Wissenschaft, das die Welt aufgeklärt
und Genies wie Josef Pulitzer und
Bela Bartok hervorgebracht hat, zum
Stolz der Vereinigten Staaten. Aber
seit vierzig Jahren ist diese herrliche Stadt, diese große Nation - die
in jeder Hinsicht das Zentrum des
Kontinents bildet - von Europa und
dem Westen getrennt.
Aber heute öffnet sich Ungarn erneut dem Westen gegenüber - wird zu
einem Lichtstrahl der europäischen
Kultur. Und ich sehe Menschen, Farben, Kreativität, Experimente.
Ich
sehe einen neuen Anfang für Ungarn.
Und die bloße Atmosphäre dieser Stadt
Budapest
ist
elektrisierend
und
strahlt vor Optimismus.
Ihr Volk und Ihre politisch Ver-

antwortlichen - Regierung und Opposition gleichermaßen - haben keine
Angst, mit der Vergangenheit zu brechen und im Geiste der Wahrheit zu
handeln. Es gibt kein besseres Beispiel als eine schlichte Tatsache:
Die Karl-Marx-Universität
hat Das
Kapital von der Liste der Pflichtlektüre gestrichen.
Einige Historiker bringen das Argument vor, der Marxismus sei aus einem menschlichen Impuls heraus entstanden. Aber Karl Marx spürte nur
eine Faser der menschlichen Existenz
auf und übersah den Rest - die farbenprächtigen und vielschichtigen Facetten der Menschheit. Er sah den
Menschen als glücklos - unfähig, seine Umgebung oder sein Schicksal zu
bestimmen. Aber der Mensch ist nicht
von unpersönlichen wirtschaftlichen
Kräften geleitet. Er Ist nicht bloß
ein Objekt, das sich nach den mechanischen
"Gesetzen" der Geschichte
richtet.
Der Mensch ist vielmehr phantasievoll und erfindungsreich. Er ist
ein Künstler, mit einem angeborenen
Drang, Schönheit zu schaffen und zu
genießen. Er ist liebendes Mitglied
einer Familie und ein treuer Patriot
seines Volkes. Der Mensch ist dynamisch und entschlossen, seine Zukunft
selbst in die Hand zu nehmen.
Das lange unterdrückte kreative
Genie des ungarischen Volkes gelangt
in Ihren Schulen, Geschäften und Kirchen zu neuer Blüte. Und dies ist
mehr als eine vergängliche Saison der
Freiheit. Dies ist Ungarn, das zu
seinen normalen, traditionellen Werten zurückkehrt. Ein Ungarn, das zu
sich selbst findet.
Lange Zeit zum Schweigen verurteilte Stimmen sind jetzt wieder zu
vernehmen.
Eine unabhängige Tageszeitung wird heute auf den Straßen
verkauft.
Private
Rundfunk- und
Fernsehstationen werden alles senden,
von Nachrichten bis zur Musik von
Stevie Wonder, und Radio Freies Europa wird hier in Budapest sein erstes

- 2 -

�Osteuropa-Büro eröffnen.
Entlang Ihrer Grenze zu Österreich wird das häßliche Symbol der
Teilung Europas und Isolierung Ungarns abgebaut, wird der Stacheldraht
zusammengerollt und in Ballen aufgeschichtet. Zum ersten Mal hat der
Eiserne Vorhang begonnen, sich aufzutun.
Und Ungarn, Ihr großartiges
Land, weist den Weg.
Die Sowjetunion hat Truppen abgezogen, und ich betrachte dies ebenfalls als Schritt zur Überwindung der
europäischen Teilung.
Während sich
der Abzug dieser Truppen vollzieht,
sollte die sowjetische Führung wissen, daß sie durch friedlichen Wandel
alles gewinnen kann und nichts zu
verlieren oder zu fürchten hat. Wir
können - und ich bin dazu entschlossen - zusammenarbeiten, um die Politik des Containment und den Kalten
Krieg zu überwinden.
Einer der wichtigsten Schritte
zur Überwindung des Containment besteht in der Entspannung der militärischen Konfrontation in Europa. Zu
diesem Zweck haben die NATO-Partner
auf dem Gipfeltreffen im Mai meinen
Vorschlag einer umfassenden Initiative zur konventionellen Rüstungskontrolle aufgegriffen - eine Initiative, mit der die Zahl der Panzer,
Schützenpanzer, Geschütze, Kampfflugzeuge, Angriffshubschrauber sowie der
von den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion auf ausländischem Territorium
in
Europa
stationierten
Streitkräfte auf niederigere, gleiche
Niveaus verringert würden.
Diese Fragen mögen sehr komplex
sein, aber wir arbeit en Tag und Nacht
an einem soliden, historischen Abkommen zur Stärkung der Stabilität in
Europa und Verringerung des Kriegsrisikos.
Und wir sind entschlossen,
dies in naher Zukunft zu erreichen.
Es besteht kein Zweifel daran,
daß wir uns heute an der Schwelle eines neuen Zeitalters befinden. Ferner kann kein Zweifel daran bestehen,

daß Ungarn sich an der Schwelle grosser, historischer Veränderungen befindet.
Sie entwickeln eine echte
Verfassung - und Sie bereiten demokratische Wahlen mit mehreren Parteien vor.
Dies ist teilweise deshalb möglich, weil mutige Männer und Frauen
Oppositionsparteien gegründet haben.
Und dies ist teilweise möglich, weil
die politisch Verantwortlichen in Ungarn das Äußerste an politischem Mut
zeigen - den Mut, sich dem Urteil des
Volkes in freien Wahlen zu unterwerfen.
Um jedoch bei den Reformen erfolgreich zu sein, benötigen Sie
Partner - Partner, die zur Förderung
dauerhaften Wandels in Ungarn beitragen. Und ich bin heute hier, um Ungarn die Partnerschaft der Vereinigten Staaten von Amerika anzubieten.
Drei lebenswichtige Bereiche nehmen
in unserer Partnerschaft einen besonderen Stellenwert ein - Wirtschaft,
Umwelt sowie demokratischer und kultureller Austausch.
Die Vereinigten Staaten glauben
an die Beschleunigung des produktiven
Wandels, nicht an dessen Verzögerung.
Dies ist also unser Leitprinzip - die
Vereinigten Staaten werden Unterstützung nicht zum Zweck der Erhaltung
des Status quo gewähren, sondern um
Reformen voranzutreiben.
Natürlich wird der Unternehmergeist Ungarns immer noch von der Bürde der Vergangenheit belastet.
Es
gibt noch Reminiszenzen an die stalinistische Wirtschaft - riesige, unwirtschaftlich
arbeitende
Fabriken
und ein verwirrendes Preissystem, das
von kaum jemand verstanden wird sowie
massive Subventionen, mit denen wirtschaftliche Entscheidungen vernebelt
werden - all dies bedeutet eine Verlangsamung dessen, was Sie normalerweise erreichen könnten. Es ist ein
ökonomischer Zauberwürfel, der sich
einer Lösung entzieht.

- 3-

Die

Umsetzung

des

Übergangs

zu

�einer
produktiven
Volkswirtschaft
wird Sie als Volk auf die Probe stellen. Die Preise einiger Waren werden
steigen. Einige unwirtschaftlich arbeitende Unternehmen und Fabriken
werden schließen. Aber der ungarische Staat überläßt die Führung der
Geschäfte zunehmend den Ladeninhabern
und die Bauernhöfe zunehmend den Bauern. Die einmal entfesselte schöpferische Kraft des Volkes wird eine Eigendynamik entwickeln. Dies wird Ihnen einen größeren Schatz eintragen
als nur der von Ihnen geschaffene
Reichtum. Es wird ihnen die Kontrolle über Ihr eigenes Schicksal geben das Schicksal Ungarns.
Wie ich schon erklärt habe, werden die Vereinigten Staaten Ihnen bei
der Umgestaltung zu einer erfolgreichen Volkswirtschaft als Partner zur
Seite stehen.
Am vergangenen Donnerstag (dem 6.
Juli 1989) hatte ich im Weißen Haus
führende Vertreter aus Industrie,
Bildungswesen, Gewerkschaften und anderen Bereichen zu Gast, um über die
neuen privatwirtschaftlichen Möglichkeiten zu sprechen, die sich nun in
Ungarn eröffnen. Und ihre Reaktion
war enthusiastisch. Dies galt besonders für die Amerikaner ungarischer
Abstammung, die so stolz darauf sind,
eine Brücke zwischen ihrem neuen Land
und ihrer alten Heimat zu bauen. Solange unsere beiden Regierungen den
Weg ebnen, können die Völker der Vereinigten Staaten und Ungarns das
übrige tun - die Völker können das
übrige tun.
In diesem Geist verkünde ich nun
die folgenden Maßnahmen.
Erstens, wie ich schon in Warschau erklärt habe, werde ich auf dem
Weltwirtschaftsgipfel in Paris eine
konzertierte Aktion des Westens für
Polen und Ungarn vorschlagen, um Ihre
Reformen durch wirtschaftliche und
technische Hilfe der Gipfelteilnehmer
zu unterstützen.
Natürlich werden
unsere Bemühungen für Ungarn speziell
auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten

sein.
Zweitens werde ich den amerikanischen Kongreß bitten, einen Fonds von
25 Millionen Dollar zu bewilligen,
der eine Quelle neuen Kapitals zur
Belebung des ungarischen Privatsektors bilden soll. Ich werde ferner
parallele Bemühungen der anderen Gipfelteilnehmer ermutigen.
Drittens werde ich nach Verabschiedung des von Ihrem Ministerrat
vorgeschlagenen neuen Auswanderungsgesetzes durch Ihr Parlament unseren
Kongreß davon in Kenntnis setzen, daß
sich Ungarn in völliger Übereinstimmung mit dem Jackson-Vanik-Zusatz zu
unserem Handelsgesetz aus dem Jahr
1974 befindet. Für kein Land sind
bisher die Beschränkungen dieses Zusatzes aufgehoben worden. Ich freue
mich deshalb, Ihnen mitteilen zu können, daß Ungarn das erste Land sein
wird. Dieser Schritt wird Ungarn den
freiesten Zugang zum amerikanischen
Markt für den längsten Zeitraum geben, der unseren Gesetzen gemäß möglich ist.
Viertens sind die Vereinigten
Staaten bereit, Ihrem Land Zugang zu
unserem Allgemeinen Begünstigungssystem zu geben, das selektive Zollerleichterungen bietet. Einfach ausgedrückt werden es Ihnen die letzteren
beiden Maßnahmen gestatten, sich die
Vorteile des größten Einzelmarkts in
der ganzen Welt zunutze zu machen.
Fünftens haben wir den Entwurf
für ein Abkommen erarbeitet, mit dem
die Gesellschaft für private Investitionen im Ausland (Overseas Private
Investment Corporation) - auch OPIC
genannt - in Ungarn tätig werden
kann. Und wenn unser Senat die entsprechende Gesetzgebung verabschiedet, wird OPIC Sicherheiten geben
können und damit amerikanische Investitionen in ungarischen Privatfirmen
ermutigen. Durch OPIC werden amerikanische Geschäftsleute das ungeheure
Potential Ungarn aus erster Hand erleben können.

- 4-

�Private Investitionen sind für
Ungarn ungemein wichtig. Sie bedeuten
Arbeitsplätze,
Innovationen,
Fortschritt. Vor allem schaffen Privatinvestitionen aber eine bessere
Zukunft für Ihre Kinder und eine bessere Zukunft für Ungarn.
Und dennoch kann wirtschaftlicher
Fortschritt nicht auf Kosten der
Luft, die wir atmen und des Wassers,
das wir trinken, durchgesetzt werden.
Vor sechs Wochen habe ich in Mainz
die Zusammenarbeit zwischen Ost und
West bei Umweltfragen vorgeschlagen.
Und deshalb werde ich den amerikanischen Kongreß bitten, fünf Millionen
Dollar für die Gründung eines internationalen Umweltzentrums für Mittelund Osteuropa zu bewilligen, das seinen Sitz hier in Budapest haben wird.
Es soll private und staatliche Investoren und Organisationen zusammenführen, die sich mit der ökologischen
Krise befassen sollen.
Schließlich
ist die Erde unser gemeinsames Erbe,
und ihr Schicksal betrifft alle Länder, nicht nur Ost und West.
Ungarn hat in Mittel- und Osteuropa eine Führungsrolle übernommen,
als es darum ging, die Sorge seiner
Bürger um sauberere Luft und saubereres Wasser anzusprechen. Und jetzt
können Sie noch mehr tun und mit dem
Westen
zusammenarbeiten,
um
eine
Brücke der Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technik zu schlagen.
In diesem Zusammenhang freue ich
mich auch, Ihnen mitteilen zu können,
daß die Vereinigten Staaten ein Abkommen zwischen unseren beiden Ländern vorgeschlagen haben, um wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit in der Grundlagenforschung und
in besonderen Bereichen wie etwa Umwelt, Medizin und Reaktorsicherheit
zuzulassen.
Ich hoffe, daß dieser Besuch auch
zu einem erweiterten Austausch zwischen Ost und West führen wird, so
daß unsere Wissenschaftler, unsere
Künstler und unsere UmweltschUtzer
voneinander lernen können; so daß un-

sere Soldaten und Politiker über
Frieden sprechen und unsere Studenten
- Gott schütze sie - die Zukunft erörtern können.
Aber Diskussion erfordern eine
gemeinsame Sprache.
Englischunterricht ist einer der beliebtesten amerikanischen Exportartikel.
Und Sie
als Studenten wissen, daß Englisch
die Lingua franca der Weltwirtschaft
und damit der Schlüssel für Geschäfte
von Hongkong bis Toronto ist. Um also mehr Ungarn die Weitmärkte zu öffnen, freue ich mich, Ihnen mitteilen
zu können, daß das Peace Corps erstmals in einem europäischen Land zum
Einsatz kommen wird. Und damit werden die Lehrer des Peace Corps in Budapest und den 19 anderen Bezirken
Englisch unterrichten.
Mit
diesen
Austauschprogrammen
wollen wir Ihnen bei Ihrem Streben
nach einem neuen Anfang als demokratisches Ungarn helfen. Deshalb stellen die Vereinigten Staaten Osteuropa
über 6 Millionen Dollar für Projekte
im Bildungswesen und im kulturellen
Bereich zur Verfügung.
Wir werden
Mittel für eine Reihe wichtiger neuer
amerikanisch-ungarischer
Austauschprogramme bereitstellen - für Kongreßabgeordnete und Gesetzesexperten,
Gewerkschafter
und
Geschäftsleute,
Rechtsexperten,
Kommunalpolitiker,
Lehrer
und
junge Menschen.
Wir
schaffen eine Reihe neuer Stipendien,
damit Ungarn an amerikanischen Universitäten studieren können. Und wir
werden mit Stiftungsgeldern Lehrstühle für Amerikanistik an Ihren Universitäten einrichten und viele Tausend
Bücher finanzieren, die dann Regale
Ihres neuen Internationalen Management Centers und die Bibliotheken der
Schulen und Universitäten Ungarns
füllen werden.
Und die Vereinigten Staaten werden in den nächsten Jahren auch ein
Amerika Haus im Zentrum von Budapest
eröffnen.
Heute hat der bekannte
amerikanische Architekt Robert Stern
seinen Entwurf für dieses Zentrum
vorgestellt, das als offenes Haus der

- 5 -

�Bücher, Zeitschriften und Videokassetten - als offenes Haus für Ideen fungieren wird.
Zusammenfassend möchte ich sagen
- wirtschaftliche Reformen und demokratischer Wandel, Zusammenarbeit im
kulturellen Bereich und bei Umweltfragen bergen große Chancen und große
Herausforderungen. Für Ungarn bleibt
noch viel zu tun, ebenso für die Vereinigten Staaten und Ungarn, wenn sie
zusammenarbeiten, um diese bessere
und dynamische Zukunft aufzubauen.
Ihre Herausforderung ist enorm
und von historischer Bedeutung: die
Strukturierung
politischen
Wandels
und eines dezentralisierten Wirtschaftssystems auf den Trümmern eines
gescheiterten stalinistischen Systems.
Und bei der Möglichkeiten, die
Sie haben, um die Ihnen eigene Initiative, Kreativität und den Erfindungsreichtum unter Beweis zu stellen, bin ich der Überzeugung, daß Sie
die Herausforderung bewältigen werden. Sie stehen an der Schwelle eines neuen Zeitalters wirtschaftlicher
Entwicklungen und realer politischer
Veränderungen.
Und ich bin der festen Überzeugung, daß Sie bereit sind, sich der
Zukunft zu stellen.
Ich sehe ein
Land, das bereits seinen Weg macht.
Ich sehe ein Land, dessen Menschen
ein reiches Potential in sich bergen
moralischen Mut.
Ich sehe ein
Land, daß seine Vergangenheit hinter
sich läßt und sich seinem Schicksal
stellt.
Ich beglückwünsche Sie zu
dem Weg, den Sie bereits zurückgelegt
haben.
Und wir wollen uns den vor uns
liegenden Möglichkeiten gleichermaßen
stellen. Die Geschichte soll von uns
sagen, daß wir die Generation waren,
unter der Europa ungeteilt und frei
wurde.
Ich danke Ihnen.
alle. Vielen Dank.
*****

Gott segne Sie

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

*

DAS PROGRAMM ZUR FÖRDERUNG DER REFORMEN IN UNGARN
- Eine Übersicht des Weißen Hauses -

Die folgende Übersicht über Präsident Bushs Programm zur Förderung der Reformbestrebungen in Ungarn wurde am 12. Juli 1989 in Budapest vom Weißen Haus
veröffentlicht.

BUDAPEST - (AD) - In Ungarn ist
eine Zeit dynamischer Veränderungen
in Politik und Wirtschaft eingeleitet
worden. Präsident Bush hat verschiedene Maßnahmen angekündigt, um die
bereits
umfangreichen
Anstrengungen
Ungarns zur Entwicklung privaten Unternehmertums und eines freien politischen Systems zu fördern.

Ungarisch-Amerikanischer
Unternehmensfonds.
Der
Präsident
schlägt die Einrichtung eines Unternehmensfonds im Umfang von 25
Millionen Dollar vor, um den Ungarn beim Ausbau ihres Privatsektors zu helfen, der bereits zu
den größten in Mittel- und Osteuropa zählt.

Konzertierte Aktion des Westens.
Der Präsident schlägt eine konzertierte Aktion der Regierungen
der Vereinigten Staaten, Westeuropas und Japans vor, mit der
Wirtschaftsreformen und der Wiederaufbau
in
Ungarn
gefördert
werden
sollen.
Das wird ein
wichtiges
Thema
beim
Pariser
Weltwirtschaftsgipfel sein.

Meistbegünstigungsklausel.
Der
Präsident hat seine Absicht bekundet, Ungarn die Meistbegünstigung ohne jährliche Prüfung einzuräumen,
sobald
Ungarn
seine
neuen Auswanderungsgesetze verabschiedet hat. Dieses neue Gesetz
wird gemäß dem Jackson-Vanik-Zusatz den Anforderungen nach freier Ausreise entsprechen.
Ungarn
würde damit das erste Land des

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Warschauer Pakts, das voll und
ganz Im Einklang mit Jackson-Vanik stünde.
Umweltinitiative. Präsident Bush
hat Umweltpolitik zu einem Eckpfeiler seines Plans zur Unterstützung von Reformen in Osteuropa erklärt. Der Präsident will
den Kongreß bitten, fünf Millionen Dollar für die Einrichtung
eines regionalen Umweltzentrums
in Budapest bereitzustellen. Das
Zentrum wird Experten aus dem
Privatsektor und der Regierung
sowie Organisationen zusammenführen, um ökologische Probleme zu
erörtern.
Austausch. Der Präsident hat eine erhebliche
Erweiterung der
Austauschprogramme mit Ungarn und
anderen Ostblockländern angekündigt.
Das
US-Informationsamt
(USIA) wird 1,6 Millionen Dollar
für diese neuen Programme bereitstellen.
Abkommen über Wissenschaft und
Technologie (Science and Technology - S und T). Der Präsident
hat die Absicht der Vereinigten
Staaten bekundet, ein Rahmenabkommen mit Ungarn zu S und T abzuschließen. Wir stellen uns ein
breit angelegtes Programm wissenschaftlicher und technischer Zusammenarbeit in Bereichen gemeinsamen Interessens und gemeinsamen
Fachgebieten vor wie etwa Grundlagenforschung, Umwelt, Landwirtschaft, Medizin, Energie und Reaktorsicherkeit.
Peace Corps. Der Präsident hat
die
Einrichtung
eines
Peace
Corps-Programms in Ungarn angekündigt, das hauptsächlich ungarische Bestrebungen zur Entwicklung und Erweiterung des Englischunterrichts
unterstützen
soll.

Vorschlag
Der Präsident schlägt vor, daß
die Gipfelteilnehmer ihre gemeinsamen
Anstrengungen verstärken, um Wirtschaftsreformen in Polen und Ungarn
zu fördern, die auf politischem Pluralismus basieren.
Einander ergänzende Bestrebungen der führenden demokratischen Industrieländer werden
dem Wirtschaftsaufschwung
und dem
Fortschritt dieser Länder an ihrem
Wendepunkt
großen Auftrieb geben.
Andere Interessierte Länder könnten
ebenfalls zu diesem Fortschritt beitragen.
Umfang
Die Bestrebungen werden Arbeit
mit den Regierungen Polens und Ungarns umfassen wie auch mit anderen
offiziellen und unabhängigen Organisationen in diesen Ländern, um Informationen zu sammeln und Reaktionen
auf Probleme beiderseitigen Interesses festzuhalten. Beteiligte Regierungen werden gegebenenfalls auch mit
Vertretern von IWF, Weltbank, der EGKommission und anderen multilateralen
und privatwirtschaftlichen Institutionen zusammenarbeiten.
Hierbei könnten folgende Bereiche
angesprochen werden:
notwendige Wirtschaftsreformen,
Termine und Konditionen für neue
Kredite und
konkrete Unterstützung zur Privatisierung und für Privatunternehmen, Umweltprojekte, Ausbildungsprogramme,
Netze
sozialer
Sicherheit, die auch Umstrukturierung und Wohnungswesen einschließen.
Diese Bestrebungen würde bestehende Institutionen wie die Weltbank,
den Pariser Club oder den IWF nicht
umgehen oder ersetzen.
Der nächste Schritt

Konzertierte Aktion des Westens für
Ungarn und Polen

Der Präsident wird diesen Vorschlag in Paris mit den Staats- und
2 "

�Regierungschefs der anderen Gipfelländer erörtern - mit Großbritannien,
der
Bundesrepublik
Deutschland,
Frankreich, Japan, Italien und Kanada.

Ungarisch-amerikanischer
mensfonds

Unterneh-

Vorschlag
Ungarn hat eine Reihe von Schritten zum Ausbau seines Privatsektors
unternommen, der Wohlstand zum Nutzen
der gesamten Nation schaffen kann.
Auf Anregung des Präsidenten werden
die Vereinigten Staaten und Ungarn
einen "Ungarisch-amerikanischen Unternehmensfonds" ins Leben rufen.
Der Präsident bittet den Kongreß um
25 Millionen Dollar für diese Initiative.
Zweck
Der Fonds wird die Entwicklung
des zunehmenden Privatsektors fördern. Er wird autorisiert sein, Kredite in harter Währung oder Subventionen für bewilligte Projekte zu vergeben, einschließlich:
Entwicklung
des
Privatsektors
(Geschäftskredite/Fördermittel,
mögliche Einrichtung einer Entwicklungsbank für den Privatsektor),
Privatisierung staatlicher Unternehmen (zum Beispiel Hilfe für Unternehmer, sich in Staatsfirmen einzukaufen) ,

Ungarn;

Meistbegünstigungsstatus

Vorschlag
Der Präsident hat angekündigt,
mit der Verabschiedung des neuen Auswanderungsgesetzes durch das ungarische Parlament wird er den Kongreß
davon in Kenntnis setzen, daß der
Jackson-Vanik-Zusatzartikel zum Handelsgesetz von 1974 von Ungarn voll
und ganz eingehalten wird.
Ungarn
qualifiziert
sich
damit für den
Meistbegünstigungsstatus für den im
Rahmen unserer Gesetzgebung gewährten
maximalen Zeitraum, der jährlich automatisch verlängert wird.

Hintergrund
Am 26. Juni 1989 hat der ungarische Ministerrat den endgültigen Entwurf eines neuen Auswanderungsgesetzes genehmigt, der dem ungarischen
Parlament zur Verabschiedung vorgelegt werden soll.
Der genehmigte
Entwurf enthält Bestimmungen, die zur
Erfüllung der in Abschnitt 402 des
Jackson-Vanik-Zusatzartikels
enthaltenen Bedingungen zur freien Auswanderung unabdingbar sind.
Im Rahmen des Jackson-Vanik-Zusatzartikels zum Handelsgesetz von
1974 ist der Präsident befugt, die
Verweigerung des Meistbegünstigungsstatus' für Zölle an ein Land, das
Auswanderungen
maßgeblich
einschränkt, aufzuheben, wenn eine solche Aufhebung die Ziele des Zusatzartikels fördern würde.

Technische
Hilfe oder Ausbildungsprogramme, die Ungarns Privatsektor unterstützen oder von ihm geleitet werden,
Finanzierung von ganz oder teilweise privaten Exportprojekten,
Joint Ventures zwischen privaten
ungarischen und amerikanischen Investoren (zum Beispiel, indem man die
Beteiligung ungarischer Privatfirmen
an Joint Ventures fördert).

- 3 -

Im Hinblick auf Ungarn hat der
Präsident dieses Verfahren seit
1978 jedes Jahr angewandt.
Ungarn ist auf dem Wege der vollständigen Einhaltung der Bestimmungen des Jackson-Vanik-Zusatzartikels.
Ungarn wird das erste
Warschauer Pakts sein,
Auswanderung gesetzlich
hat und praktiziert und

Land des
das freie
verankert
damit die

�Bestimmungen des Jackson-VanikZusatzartikels erfüllt.
Ein regionales Umweltzentrum
dapest

4.

Obwohl das Zentrum in oder in der
Umgebung von Budapest errichtet
werden soll, besteht seine Aufgabe vornehmlich darin, staatliche
und private Gremien und Gruppen
aus Ost und West für die Bereitstellung von Mitteln und direkte
Teilnahme an den Projekten zu gewinnen.

in Bu-

Vorschlag
Der Präsident hat die Gründung
eines Umweltzentrums für 5 Millionen
Dollar vorgeschlagen, das in Budapest
errichtet werden soll.
Damit wird
die vom Präsidenten in Mainz unterbreitete Initiative in die Praxis umgesetzt, Ost- und Mitteleuropa bei
der Bewältigung ihrer Umweltprobleme
behilflich zu sein.

Zweck
Dieses Zentrum wird als Einrichtung für gemeinsame Forschungstätigkeit fungieren, in dem Experten aus
Regierung und Privatwirtschaft sowie
gemeinnützige Vereine aus den Vereinigten Staaten, West- und Osteuropa
sich mit Umweltfragen einschließlich
Energiewirtschaft und Reaktorsicherheit befaßen.

Umfang
Bei dem Zentrum soll es sich um
eine mit privaten und staatlichen
Mitteln geförderte Organisation handeln. Ihre Arbeit konzentriert sich
darauf, ein Potential von Mitarbeitern zur umfassenden Verbesserung der
Umwelt und zum Schutz von Aktivitäten
in der Region heranzubilden.
-

Verbesserung von Technologie und
Verfahren zur Reaktorsicherheit.

Austauschprogramm mit Ostmitteleuropa
Vorschlag
Der Präsident hat erweiterte und
phantasievolle Austauschprogramme gefordert. Das US-Informationsamt wird
von den für 1990 bewilligten Mitteln
6,1 Millionen Dollar zur Verfügung
stellen, um diese neue Initative zur
Unterstützung der Hinwendung zu demokratischen Werten und Institutionen
durch erheblich erweiterte Kontakte
auf wissenschaftlicher und kultureller Ebene und von Mensch zu Mensch zu
verwirklichen.
Diese
Initiative
konzentriert
sich vornehmlich auf Ungarn und Polen, erstreckt sich jedoch auch auf
andere Länder in der Region.
Im
nächsten Jahr wird das neue, staatlich geförderte Austauschprogramm bereits Hunderte von Teilnehmern haben.
Die Initiative
Aspekte:

umfaßt

folgende

Politische, gesellschaftliche und
rechtliche Institutionen

Das Zentrum verleiht Laborgeräte
und veranstaltet Seminare und andere Austauschprogramme.
Besondere Betonung wird auf folgende Probleme gelegt:

1.

Grenzüberschreitende
Umweltprobleme
2. Giftmüllentsorgung
3. Alternative,
umweltfreundliche
Energiequel1en
- 4 -

Das John Marshall-Studienprogramm
für Rechtswissenschaften.
über
50 Anwälte, Juristen und Parlamentarier besuchen die Vereinigten Staaten, um die amerikanische
Rechtsprechung und Gesetzgebung
zu studieren.
Besuche von Fachleuten des Kongresses, um die neue demokratische Gesetzgebung in Ungarn und

�Jugend,
tausch

Polen kennenzulernen.
Konsultationen von Vertretern der
ostmitteleuropäischen politischen
Parteien mit amerikanischen Parteiverbänden, um die Mechanismen
demokratischer Wahlen kennenzulernen.

Übersetzung und Verteilung von
bis zu 100 000 Büchern, Zeitschriften und Videokassetten über
das politische und wirtschaftliche System der Vereinigten Staaten in den Landessprachen.

Austauschinitiative.
Unterstützung des amerikanischen Privatsektors bei der Entwicklung von
Jugend- und anderen Austauschprogrammen in Ost- und Mitteleuropa.
Mehrere hundert amerikanische und
europäische Bürger wären in diese
intensivierte Austauschinitiative
einbezogen.

Umweltschutz und
turdenkmälern

Initiative für freie Marktwirtschaft
Alexander Hamilton-Stipendien im
Bereich
Management.
Praktika,
Aus- und
Fortbildungsprogramme
für mindestens 50 Unternehmer und
Manager.
Besuche von amerikanischen Unternehmern und Management-Experten
zur Beratung privater Unternehmen
und Genossenschaften.

Erhaltung von Kul-

Austausch von Spezialisten für
Umweltschutz und die Erhaltung
von Kulturdenkmälern.

Entsendung amerikanischer Fachleute für Recht vind öffentliche
Verwaltung an ostmitteleuropäische Forschungseinrichtungen.
Besuche
"zukünftiger
Führungskräfte" unter 30 Jahren aus Ostmitteleuropa in den Vereinigten
Staaten.
Für dieses Programm
sind ca. 100 Teilnehmer vorgesehen.

Studentenaus-

Einrichtung
von Noah WebsterLehrstühlen
für
amerikanische
Sprache und Literatur an Universitäten Mittel- und Osteuropas.

Samuel Gompers Gewerkschaftsführer-Austauschprogramme.
Reiseund Studienprogramme für Gewerkschafter in den Vereinigten Staaten.
-

Schüler- und

Vereinbarung mit Ungarn
Wissenschaft und Technik

!• Bereich

Umfang
Der Präsident hat die Absicht der
Vereinigten Staaten verkündet, mit
Ungarn ein Rahmenabkommen über Wissenschaft und Technik abzuschließen.
Wir stellen uns darunter ein breitgefächertes Programm wissenschaftlicher
und technologischer Zusammenarbeit in
Bereichen von gemeinsamem Interesse
und Fachwissen vor, etwa in Grundlagenforschung, Umwelt, Landwirtschaft,
Medizin, Energie, Geologie und Reaktorsicherheit.

Zweck
Unterstützung von Management-Ausbildungsprogrammen
und -instituten durch amerikanische Ausbilder, Lehrmittel sowie Kurzseminare. Hunderte von Management-Experten in Ostmitteleuropa würden
von diesen breitgefächerten Bemühungen profitieren.

Die Vereinbarung würde eine qualitativ
hochwertige
Zusammenarbeit
bei Forschungsprogrammen entwickeln
und umsetzen.

- 5 -

Die Zusammenarbeit
in Wissenschaft und Technik trägt Ungarns
ausgezeichnetem
wissenschaftll-

�ehern Potential Rechnung.
Die Vereinbarung ergänzt zudem
die Umweltinitiative des Präsidenten für Osteuropa durch Koordinierung von Forschungsvorhaben,
Bereitstellung des erforderlichen
Grundkapitals und Ermutigung von
Kontakten im Umweltbereich.

Die Vereinigten Staaten und die
Regierung Ungarns haben prinzipiell
vereinbart, ein Peace Corps-Programm
einzurichten, das sich primär auf die
Unterstützung ungarischer Bemühungen
zur Entwicklung und Ausweitung des
Englischunterrichts
konzentrieren
soll.
Die Aufnahme der Tätigkeit des
Peace Corps in Ungarn stellt eine
neue Ära für die amerikanischen
Freiwilligen in Übersee dar. Das
ungarische Programm, das schon im
Herbst 1989 mit der Ausbildung
für einen Einsatz Anfang 1990 beginnen könnte, hat den Englischunterricht in Budapest und allen
19 Bezirken des Landes zum Ziel.

Die nächsten Schritte
Wir erwarten in Kürze die Entsendung einer technischen Delegation
nach Ungarn, um abschließend über die
Vertragsbedingungen zu verhandeln und
detaillierte Vereinbarungen über die
Finanzierung auszuarbeiten.

Finanzierung

Die Freiwilligen

Von beiden Seiten entrichtete
jährliche Beiträge in Höhe von je etwa einer Million Dollar oder der entsprechende Betrag in ungarischer Währung würden die Umsetzung dieser Vereinbarung ermöglichen.

Heute gibt es nahezu 6 000 Freiwillige und Praktikanten in 65 Staaten Amerikas, Afrikas, Asiens und des
Pazifiks. Ungarn wird das erste europäische Land sein, in das amerikanische Freiwillige entsandt werden.

Die Vereinigten Staaten können
eine vernünftige und spürbare
Rendite erwarten, die wesentlich
über den für die Vereinigten
Staaten
entstehenden
Kosten
liegt, da ein solches Grundkapital häufig wesentlich höhere Dividenden in Form von wissenschaftlichen Innovationen und Anreizen für weitere Mittelvergabe
durch die beteiligten technischen
Behörden abwirft.

In der gesamten Welt bieten diese
Freiwilligen des Peace Corps ihre
Fähigkeiten
in
einem
breiten
Spektrum von Programmen an, darunter Gesundheit für Mutter und
Kind, Ernährung, SÜßwasserfischerei , Ausbau der Landwirtschaft,
Lehrerausbildung,
Beratung
von
Kleinunternehmen,
öffentliche
Verwaltung, Erschließung von Bodenschätzen, Energie, Ingenieurwesen und Industriedesign.

Dieses Programm wird andere mit
Polen und Jugoslawien bestehende,
wertvolle amerikanische Programme
im Bereich Wissenschaft und Technik ergänzen.

Ein Freiwilliger muß amerikanischer Staatsbürger mit einem Mindestalter von 18 Jahren sein. Es
gibt keine obere Altersgrenze,
nahezu 500 Freiwillige sind über
50.

Das
Peace
Corps
Staaten in Ungarn
Das Programm

der

Vereinigten
Ausbildung
Alle Freiwilligen werden eine
Sprach- und landeskundliche Ausbildung in Ungarn durchlaufen, bevor sie
- 6 -

�an die Schulen entsandt werden. Ein
Hauptschwerpunkt wird die Erlernung
der ungarischen Sprache sein.
Zu
Landeskunde zählen Ungarns Geschichte, Sitten- und Gebräuche sowie soziale und politische Systeme.

* * * * *

- 7-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Präsident Bushs Besuch in Polen und Ungarn vom 9.-13. Juli 1989&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: Zeitpunkt für einen eigenen Weg Polens Ist gekommen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten vor dem polnischen &lt;br /&gt;Parlament&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Aktionsprogramm für Polen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA wollen Risiko eines Kriegs in Europa abbauen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von Präsident Bush in der Karl-Marx-Universität&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Programm zur Förderung der Reformen in Ungarn&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Weißen Hauses&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
^

^

c&amp;

26. J u l i 1989

28
INHALT
DOKUMENTATION

"Frieden und Demokratie" leere Versprechungen der Sandinisten
- Erklärung Präsident Bushs zu Nicaragua Bush fordert kontinuierliche Erforschung des Weltraums
- Rede des Präsidenten anläßlich des 20. Jahrestags von Apollo XI

HINTERGRUND
Apollo - zwanzig Jahre danach
- Amerikas letztes großes Wagnis

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Gesunder Regenwald von großem Wert
- Umwandlung in Weide- und Farmland unwirtschlaftlich

* * * * *

United States Information Service
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Tel.: 0228-339 2035
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AMERIKA DIENST
Dokumentation

Ä&lt;

28

26. Juli 1989
"FRIEDEN UND DEMOKRATIE" LEERE VERSPRECHUNGEN DER SANDINISTEN
- Erklärung Präsident Bushs zu Nicaragua -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush zufolge bieten die in Nicaragua anstehenden Wahlen dem Regime der Sandinisten eine weitere Gelegenheit, ihre im
Jahr 1979 gegenüber der OAS und im vergangenen Jahr im Esquipulas-Abkommen gegebenen Versprechen "zur Errichtung einer Demokratie" in Nicaragua einzulösen.
In einer vom Weißen Haus am 19. Juli 1989 veröffentlichten Erklärung verwies der Präsident jedoch auf einen offensichtlichen "neuerlichen Versuch zur
Verhinderung freier und fairer Wahlen. In scharfem Gegensatz zu den Nachbarländern, die den Weg der Demokratie gewählt haben, demonstriert die Regierung
der Sandinisten lediglich, daß sie den freien politischen Wettstreit fürchtet."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Präsident Bush zu Nicaragua im Wortlaut:
Vor zehn Jahren herrschte hier
und in Lateinamerika allgemein Befriedigung darüber, daß die Revolution gegen Somoza in Nicaragua triumphiert hatte und damit endlich der
Demokratie eine Chance gegeben würde. Im Jahr 1979 verpflichteten sich
die Sandinisten gegenüber der OAs zur
Errichtung einer Demokratie, und sie
erneuerten diese Verpflichtung mit
der Unterzeichnung des Friedensabkommens für Mittelamerika vor nahezu
zwei Jahren. Trotz dieser Versprechen wurde die Verpflichtung bis heute nicht eingelöst.
Die Vereinigten Staaten wollten
die Hinwendung zur Demokratie unterstützen. Wir hatten durch die Einstellung der Militärhilfe zum Sturz
Soraozas beigetragen. Ermutigt durch
das Versprechen der Sandinisten ge-

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Embassy of the United States of America

genüber der OAS stellten wir der
neuen nicaraguanischen Regierung 118
Millionen Dollar an wirtschaftlicher
und humanitärer Hilfe zur Verfügung.
Dies war erheblich mehr als jedes andere Land dem neuen Regime gewährte
und auch mehr Hilfe, als wir in den
vier Jahren davor für die Regierung
Somoza bereitgestellt hatten.
Trotz der Unterstützung der Vereinigten Staaten und anderer Regierungen haben die Sandinisten unverzüglich einen Kurs eingeschlagen, mit
dem sie die Macht in ihren Händen
konzentrieren konnten, trieben ihr
Land in den wirtschaftlichen Ruin und
zwangen Hunderttausende zur Flucht.
Sie bauten mit Hilfe Kubas, der Sowjetunion und anderer kommunistischer
Länder die größten Streitkräfte Mittelamerikas auf. Die Sicherheitspo-

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Telex: 8-85432

�lizei und sandinistische Schlägertrupps verfolgten und Inhaftierten
Oppositionsmitglieder aus politischen
Parteien, Gewerkschaften, Unternehmen, der katholischen Kirche und der
Miskitoindianer.
Wahlen wurden um
fünf Jahre verschoben und als sie
endlich stattfanden, war der Opposition nach den Grundregeln der Sandinisten kein freies und gerechtes Konkurrieren erlaubt.
Heute, da die Augen der Welt auf
ihnen ruhen, haben die Sandinisten
wiederum Gelegenheit, Frieden und Demokratie eine Chance zu geben. Aber
trotz des herannahenden Jahrestages
der Verpflichtungen von Esquipulas
ist nur der neuerliche Versuch zu erkennen, freie und faire Wahlen zu
verhindern. In scharfem Gegensatz zu
den Nachbarländern, die den Weg der
Demokratie
gewählt
haben, demonstriert die sandinistische Regierung
lediglich, daß sie einen freien politischen Wettstreit fürchtet.

kontrollieren.
Zwei
amerikanische
Diplomaten wurden aufgrund ihrer Beobachtung eines Wahlkampfs der Opposition ausgewiesen, und EG-Vertreter
protestierten gegen Behinderungen anderer Mitglieder des diplomatischen
Corps durch die Sandinisten. Diese
Aktionen stehen in scharfem Gegensatz
zu den Erfahrungen in El Salvador, wo
Beobachter von allen Seiten - auch
Kritiker der Regierung -• begrüßt wurden.
Darüber hinaus entspricht das
neue Mediengesetz nicht demokratischen Maßstäben und enthält nur vage
Bestimmungen, mit denen eine Diffamierung der Regierung verfolgt und
durch das Inneministerium bestraft
werden kann. Im Gegensatz zu anderen
Länder Mittelamerikas ist die Regierung per Gesetz Eigentümer der Fernsehanstalten. Umfragen sind nur mit
Genehmigung der Regierung erlaubt und
die Sandinisten damit in der Lage,
dem Volk das wahre Ausmaß ihrer Unbeliebtheit vorzuenthalten.

Die reformierten Wahlgesetze der
Sandinisten wurden der Opposition gegen ihren Widerstand aufoktroyiert
und sehen einen Wahlrat vor, in dem
die Sandinisten die Mehrheit haben.
Bestimmungen
zur Finanzierung der
staatlichen Wahlkampagne benachteiligen Parteien, die nicht an der letzten Wahl teilgenommen haben. Um jede
Chance auszuräumen, daß ausländische
Mittel an die Opposition die offizielle Begünstigung der sandinistischen Partei aushöhlen, verfügt das
Gesetz die Zahlung von 50 Prozent der
ausländischen Mittel an den Wahlrat.
Diese Bestimmungen gelten nicht für
die sandinistische Partei.

Die Sandinisten haben auch auf
andere Weise ihre Angst vor freien
Wahlen dokumentiert. Zahlreiche Demonstrationen der Opposition mußten
abgesagt werden, weil die Regierung
die Genehmigung verweigerte. Gewerkschaften wurden bedroht, weil die Demonstration
ihrer
wirtschaftlichen
Macht eine Bedrohung für die Sandinisten darstellt.
In jüngster Zeit
wurden zahlreiche Privatunternehmer
enteignet - nicht aufgrund von Gesetzesübertretungen - sondern in dem
offensichtlichen Versuch, Kritik an
der Politik der Sandinisten im Keim
zu ersticken.

Auf dem Papier sind ausländische
Wahlbeobachter zugelassen, aber die
Praktiken der Sandinisten deuten auf
den Wunsch hin, diese zu behindern.
Zum Beispiel haben die Sandinisten
Vertreter der Nationalen Stiftung für
Demokratie als "CIA-Agenten" gebrandmarkt, einen Beobachter von Freedom
House ausgewiesen und Amerikanern Visabestimmungen auferlegt, um die Berichterstattung über die Wahlen zu

Die Maßnahmen
der Sandinisten
werden von einer staatlichen Propaganda unterstützt, die Opposition mit
mangelnder Staatstreue und Kritik mit
Loyalität gegenüber einer ausländischen Macht gleichsetzt. Die Sandinisten haben immer wieder zum Ausdruck gebracht, daß sie den Wunsch
der Opposition nach Dialog zu ignorieren gedenkt. Vergangene Woche hat
Präsident Ortega in San Jose seinen

- 2 -

�Wunsch nach Veränderungen bekundet.
Wir sind gespannt, ob er sie auch
durchführen wird, weil die Aussichten
für eine nationale Aussöhnung düster
sind, wenn die Opposition und der nicaraguanische Widerstand in diesem
Prozeß keine gleichberechtigten Partner werden.
Wir erwarten darüber hinaus, daß
die Sandinisten andere Veränderungen
vornehmen, um ihren Verpflichtungen
von Esquipulas nachzukommen.
Kürzlich entdeckte Waffenverstecke in El
Salvador deuten darauf hin, daß die
Sandinisten ihre subversive Tätigkeit
in den Nachbarnländern nicht aufgegeben haben. Obwohl wir keine todbringenden Waffen mehr an die Widerstandskämpfer
liefern, rüsten die
Sandinisten mit Hilfe neuer Lieferungen aus Kuba und anderen kommunistischen Ländern weiterhin auf.
Und
jetzt machen sie mit dem Noriega-Regime in Panama - einer Diktatur im
Stile Somozas - gemeinsame Sache.
Das Überparteiliche Abkommen mit
dem Kongreß bietet die Gelegenheit zu
besseren Beziehungen zwischen unseren
Ländern. Wir streben die Verwirklichung von Demokratie und nationaler
Aussöhnung in Nicaragua an. Wir sind
weiterhin zu positiven Reaktionen bereit, wenn die Sandinisten ihre Versprechen erfüllen - die sie der OAS
vor 10 Jahren, in Esquipulas, und erneut letzten Februar in El Salvador
gegeben haben - damit die Nicaraguaner ihre demokratischen Rechte wahrnehmen können.
Trotz der düsteren Aussichten unterstützen wir weiterhin freie Wahlen
und Demokratie in Nicaragua und hoffen inständig, daß das nicaraguanische Volk im nächsten Jahr wirklich
etwas zu feiern haben wird.

* * * * *
- 3 -

�AMERIKA DIENST
'VON

4

Dokumentation
26. Juli 1989

28

BUSH FORDERT KONTINUIERLICHE ERFORSCHUNG DES WELTRAUMS
- Rede des Präsidenten anläßlich des 20. Jahrestags von Apollo XI -

WASHINGTON - (AD) - In seiner Ansprache anläßlich des 20. Jahrestags der
Landung amerikanischer Astronauten auf dem Mond nannte Bush bemannte Weltraumflüge "die unausweichliche Herausforderung für alle modernen Länder der Welt"
und gab Pläne für ein kontinuierliches Programm zur Erforschung des Weltraums
in den kommenden Jahren bekannt.
Bush zufolge besteht ein erster Schritt seines Projekts im Bau einer permanenten amerikanischen Raumstation in den neunziger Jahren, der im 21. Jahrhundert die Errichtung eines ständigen amerikanischen Stützpunkts auf dem Mond
und eine bemannte Mission zum Mars folgen sollen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache von Präsident Bush im Wortlaut.

Ich danke Ihnen allen sehr herzlich.
Ich stehe vor einem der am
häufigsten besichtigten Orte der Welt
einem Symbol amerikanischen Muts
und Erfindungsreichtums. Und vor mir
stehen jene, deren Genie dieses Vermächtnis zu verdanken ist - die Männer und Frauen des amerikanischen
Astronautenkorps.
Wir sind sehr stolz, an dieser
einmaligen Versammlung amerikanischer
Veteranen des Weltalls teilnehmen zu
können - und zusammen mit drei der
größten Helden dieses oder jedes anderen Jahrhunderts auf diese Bühne zu
stehen - der Mannschaft von Apollo XI.
Es mutet unglaublich an, daß bereits 20 Jahre vergangen sein sollen.
Neil und Buzz haben den Moon-

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Embassy of the United States of America

walk 15 Jahre, bevor Michael Jackson
auch nur einen Gedanken daran verschwendete, erfunden.
Michael Collins - der ehemalige
Direktor dieses berühmten Museums und
gleichzeitig der mutige Pilot, der
alleine den Mond umkreiste, während
Neil und Buzz den Mond betraten.
Mike - ich glaube, Sie sind wohl der
einzige Amerikaner über 10, der in
dieser Nacht die Mondlandung nicht im
Fernsehen verfolgt hat.
Später heute abend, wenn sich die
Menge aufgelöst hat und die Sonne untergegangen ist, wird ein fast voller
Mond aus der Dunkelheit aufgehen und
auf ein Amerika scheinen, das in
Wohlstand und Frieden lebt. Diejenigen, die alt genug sind, sich an die

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Telex: 8-85432

�historische Nacht vor 20 Jahren zu
erinnern, sollten heute abend gemeinsam mit ihren Kindern und Enkelkindern ins Freie treten, ihre Augen zum
Himmel richten und ihnen von der amerikanischen Flagge erzählen, die noch
immer stolz auf diesem fernen Boden
des Mondes weht.
Und diejenigen, die noch nicht
geboren waren oder noch zu jung sind,
um sich daran zu erinnern und Kinder
dieses neuen Jahrhunderts sind, sollten ihre Augen zum Himmel richten und
mit uns gemeinsam einen großen Traum
träumen, einen amerikanischen Traum,
einen Traum ohne Ende.
Die Apollo-Mission.
Der erste
Mensch auf dem Mond. Einige verglichen es mit Don Quichottes Kampf gegen die Windmühlen, andere hielten es
für unmöglich, weil es nie zuvor gewagt worden war. Aber Amerika hat
diesen Traum geträumt, Amerika hat
ihn verwirklicht: am 16. Juli 1969.
Die Sonne ging ein zweites Mal auf an
jenem Morgen, als diese drei Pioniere
mit Saturn V in einem gleißenden Feuerball in den Wolken verschwanden.
Eine Million Menschen hielten zusammen mit der Hälfte des amerikanischen
Kongresses den Atem an, als die Erde
unter ihren Füßen erbebte und unsere
Sicht des Himmels sich für immer wandelte.
Drei Tage und drei Nächte dauerte
diese gefährliche, einmalige, atemberaubende Reise. Und wir alle erinnern uns an jene Nacht.
Mein Frau Barbara und unsere
Tochter Dorothy befanden sich mit mir
in unserem roten Backsteinhaus am
Rande Washingtons, wo wir hingezogen
waren, um Houston im amerikanischen
Kongreß zu vertreten. Unser 12 Jahre
alter Sohn Marvin war mit Freunden
von uns auf einer Reise in den Westen
und erinnert sich daran, wie sie an
einem Motel an der Straße anghielten,
um zuzusehen.
Unser zweiter Sohn,
der in jenem Sommer 16jährige Jeb,
unterrichtete Englisch in einem kleinen mexikanischen Dorf, das noch kei-

nen Strom hatte und
Mondlandung im Radio.

verfolgte

die

Die Landung selbst war schrecklich. Alarmlampen leuchteten auf und
eine Überlastung des Computers drohte, die Mission abzubrechen, während
die Mondfähre Tausende von Metern
über dem Mond hing. Armstrong übernahm die manuelle Kontrolle, um einen
mit Felsbrocken übersäten riesigen
Kratersee zu umfliegen. Dann leuchteten andere Alarmlampen auf und
zeigten einen Treibstoffverlust an die Sicht war jetzt durch Mondstaub
getrübt - und die Flugsicherung begann mit dem Countdown für den Abbruch der Mission.
Amerika - und die ganze Welt lauschten mit zugeschnürter Kehle und
einem Gebet auf den Lippen. Es blieb
nur noch für 20 Sekunden Treibstoff.
Und dann kamen die Worte aus dem
All: Houston. Hier ist die Raumstation. Der Adler ist gelandet."
Innerhalb einer Generation ist
der Mensch von den Dünen von Kitty
Hawk bis zum Staub einer anderen Welt
vorgedrungen. Apollo ist ein Monument der unvergleichlichen Fähigkeit
unserer Nation, rasch und erfolgreich
auf eine klar definierte Herausforderung zu reagieren sowie der Bereitschaft Amerikas, für eine große Belohnung auch ein großes Risiko einzugehen.
Wir hatten eine Herausforderung,
wir haben ein Ziel gesetzt, und wir
haben dieses Ziel erreicht.
Dies ist heute nicht nur eine Gelegenheit, den Astronauten und ihren
Kollegen, sondern auch den Tausenden
von talentierten Männern und Frauen
im ganzen Land unseren Dank auszusprechen, die mit ihrem Engagement,
ihrer Kreativität und ihrem Mut diesen Traum verwirklicht haben. Es ist
also an der Zeit, dem amerikanischen
Volk für sein Vertrauen zu danken,
denn der Erfolg von Apollo wurde von
dem Elan und der Kühnheit einer gesamten Nation ermöglicht, die sich

- 2 -

�einem Traum verschrieben hat.
In dem Gebäude hinter mir werden
die Zeugnisse von Apollo und dessen
Vorgängern aufbewahrt - von den Triumphen
Armstrongs,
Yeagers, Lindberghs und der Gebrüder Wright. Und
in den Nationalarchiven auf der anderen Seite dieser großen Rasenfläche
werden die Dokumente aufbewahrt, die
jene große Idee ins Leben riefen,
durch die dies alles ermöglicht wurde
- das größte Experiment der Freiheit
und Vielfalt in der Welt.
Dieser Ort, zwischen diesen beiden Vermächtnissen gelegen, ist eine
geeignete Stätte, um den Blick in die
Zukunft zu richten.
Denn, die Apollo-Astronauten haben mehr als Flagen und Fußabdrücke
auf dem Mond hinterlassen. Sie hinterließen auch eine unvollendete Aufgabe. Denn selbst vor 20 Jahren erkannten wir bereits, daß das Endziel
der Vereinigten Staaten nicht darin
bestand, dorthin zu reisen und wieder
zurück, sondern dorthin zu reisen und
von dort aus weiter.
Mike Collins hat dies am besten
in dem Satz zusammengefaßt:
"Der
Mond
ist
kein
Bestimmungsort,
er
weist lediglich die Richtung."
Der Weltraum ist die unausweichliche Herausforderung für alle modernen Länder der Welt, und es steht außer Frage, daß der Mensch im 21.
Jahrhundert wieder seinen Heimatplaneten zu Entdeckungs- und Forschungsreisen verlassen wird.
Was einst
kaum denkbar erschien, ist heute unvermeidlich.
Die Zeit ist gekommen, um über
kurzfristige
Projekte
hinauszudenken. Wir müssen uns erneut für ein
dauerhaftes
Programm der bemannten
Erforschung
des
Sonnensystems
und
auch der dauernden Besiedelung des
Weltraums engagieren. Wir müssen uns
für eine Zukunft engagieren, in der
Amerikaner und Bürger aller Staaten
im Weltraum leben und arbeiten werden.

Heute sind die Vereinigten Staaten die reichste Nation der Erde mit
der mächtigsten Volkswirtschaft der
Welt. Unser Ziel ist nichts geringeres als die Vereinigten Staaten zur
ersten Weltraumfahrernation zu machen.
Von den Reisen des Christoph Columbus über den Oregon Trail bis zur
Reise zum Mond hat die Geschichte
stets gelehrt, daß wir niemals verloren haben, wenn wir auf Überwindung
unserer Grenzen gedrängt haben.
Zu Beginn dieses Monats berichtete ein Nachrichtenmagazin, das Apollo-Programm habe reale Dividenden erbracht und wäre selbst zum doppelten
Preis
ein
Sonderangebot
gewesen.
Apollo wurde als bestes Renditeobjekt
seit Leonardo da Vincis Skizzenblock
bezeichnet.
Im Jahr 1961 bedurfte es noch einer Krise, dem Wettlauf zum Weltraum,
um die Dinge in Gang zu setzen. Heute haben wir keine Krise, wir haben
eine Chance.
Um diese Gelegenheit beim Schopf
zu
ergreifen,
schlage
ich
keinen
Zehnjahresplan wie bei Apollo vor.
Ich schlage ein anhaltendes langfristiges Engagement vor.
Erstens, für das kommende Jahi—
zehnt, für die neunziger Jahre, die
Raumstation 'Freiheit', unseren entscheidenden nächsten Schritt bei all
unseren Weltraumprojekten.
Als nächstes, im nächsten Jahrhundert, zurück zum Mond.
Zurück in
die Zukunft, und dieses Mal zurück,
um dort zu bleiben.
Und dann - und dann eine Reise
ins Morgen, eine Reise zu einem anderen Planeten, eine bemannte Mission
zum Mars.
Jede Mission soll und wird die
Grundlagen für die nächste legen, und
der Weg zu den Sternen beginnt wie
vor 20 Jahren bei Ihnen, dem amerika-

- 3 -

�nischen Volk, und er führt weiter
diese Straße entlang zum amerikanischen Kongreß, in dem über die Zukunft der Raumstation und unsere Zukunft als Raumfahrernation entschieden wird.
Wir befinden uns heute an einem
Scheideweg.
Schwierige Entscheidungen müssen getroffen werden - heute,
da wir uns anschicken, ins nächste
Jahrhundert einzutreten.
Wie William Jennings Bryan kurz
vor der letzten Jahrhundertwende erklärte: "Das Schicksal ist keine Sache des Zufalls. Es ist eine Sache
der Wahl. Es ist keine Sache, auf
die man einfach wartet. Es muß errungen werden."
Und denjenigen, die vor den Herausforderungen der Zukunft zurückschrecken oder an unseren Erfolgschancen zweifeln, möchte ich folgendes sagen:
Bis heute handelt es sich bei den
einzigen Fußspuren auf dem Mond um
amerikanische Fußabdrücke. Die einzige Fahne auf dem Mond ist die amerikanische Flagge. Und das Wissen,
mit dem dieses Meisterstück vollbracht wurde, ist amerikanisches Wissen. Was Amerikaner träumen, können
sie auch verwirklichen.
In zehn Jahren, am 30. Jahrestag
dieses außerordentlichen und erstaunlichen Flugs, erweist man den Apollo-Astronauten nicht dadurch Achtung,
daß man sie zu neuen Ehrenbezeigungen
nach Washington einhält, sondern indem die Raumstation "Freiheit" einsatzfähig und benutzbar wird.
Sie
wird eine neue Brücke zwischen den
Welten schlagen und eine Investition
in Wachstum, Wohlstand und die technologische Vormachtstellung unseres
Landes bedeuten.
Darüber hinaus wird die Raumstation ein Sprungbrett für die Erde
als wichtigstem Planeten im Sonnensystem sein.

Erst vor einigen Tagen habe ich
in Europa darauf hingewiesen, daß die
Zerstörung der Umwelt nicht vor den
Grenzen Halt macht.
Wir brauchen
groß angelegte nationale und internationale Initiativen, um neue Lösungen für die Zerstörung des Ozons, die
zunehmende Erderwärmung und den sauren Regen zu finden. Diese Initiative - Mission für den Planeten Erde
- ist entscheidender Bestandteil unseres Weltraumprogramms und ruft uns
den Anblick ins Gedächtnis, der die
Astronauten am stärksten beeindruckt
hat. Wenn ich mich recht erinnere,
waren es nicht der Mond oder Sterne,
sondern die - kleine, zerbrechliche,
wertvolle blaue Kugel - Erde, die
sich über der Wüstenlandschaft des
Meeres der Ruhe erhob.
Die Raumstation ist ein erster
und notwendiger Schritt für die weitere bemannte Erforschung des Weltalls, für den wir Senator Glenn, Neil
Armstrong und den vielen Astronauten,
derer wir heute gedenken, dankbar
sind, aber es ist eben nur ein erster
Schritt.
Und heute bitte ich meine rechte
Hand, unseren fähigen Vizepräsidenten
Dan Quayle, die Leitung des Nationalen Weltraumrats zu übernehmen und
insbesondere

zu

ermitteln,

was

für

die nächste Runde der Erforschung an
Geld, Personal und Material notwendig
und an
internationaler Zusammenarbeit durchführbar ist und realistische Terminpläne aufzustellen, die
Meilensteine auf unserem Weg darstellen. Der Weltraumrat wird mir sobald
wie möglich konkrete Empfehlungen zu
einem neuen stetigen Kurs zum Mond,
dem Mars und anderen Planeten aussprechen.
Es gibt viele Gründe zur Erforschung des Universums, aber zehn sehr
naheliegende, warum Amerika niemals
aufhören darf, zu neuen Ufern aufzubrechen - die zehn mutigen Astronauten, die das größte Opfer für die Sache der Weltraumforschung gebracht
haben. Sie haben ihren Platz im Himmel eingenommen, damit Amerika seinen

�Platz bei den Sternen bekommen kann.
Ebenso wie sie und ebenso wie Kolumbus träumen wir von entfernten
Ufern, die wir noch nie gesehen haben.
Warum auf den Mond? Warum auf
den Mars? Weil die Menschheit prädestiniert ist, zu streben, zu suchen
und zu entdecken und weil Amerika
prädestiniert ist, dabei die Führungsrolle zu übernehmen.
Vor sechs Jahren hat Pionieer 10
die Umlaufbahnen von Neptun und Pluto
verlassen und hat als erstes von Menschen geschaffenes Werk das Sonnensystem mit unbekanntem Ziel verlassen.
Seine Reise dauert jetzt schon fünf
Amtzeiten von Präsidenten und befindet sich 4 Milliarden Meilen von der
Erde entfernt.

In den kommenden Jahrzehnten werden wir den Weg von Pioneer 10 verfolgen. Wir werden zu Nachbarsternen
reisen und in neue Welten aufbrechen,
um das Unbekannte zu entdecken. Das
wird nicht mehr in meinem Leben und
vielleicht auch nicht im Leben meiner
Kinder der Fall sein, aber mit der
Verwirklichung eines Traums der nächsten Generationen muß in unserer Generation begonnen werden. Wir können
morgen nicht den nächsten großen
Schritt für die Menschheit tun, wenn
wir heute keinen einzigen Schritt
vorangehen.
Ihnen
allen,
unserem
fähigen
NASA-Direktor und allen, die viel geleistet
haben,
insbesondere
den
Astronauten - wir wünschen Ihnen viel
Glück bei Ihren Unternehmungen, wohin
sie Sie auch führen mögen. Ihnen allen viel Glück, und Gott segne die
Vereinigten Staaten von Amerika.

* * * * *

- 5 -

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

V(DN &amp;

APOLLO - ZWANZIG JAHRE DANACH
Amerikas letztes großes Wagnis Von Charles Murray

Der folgende Artikel erschien erstmals am 20. Juli 1989 im Wall Street
Journal. Der Autor Charles Murray ist Mitarbeiter am Manhattan Institute und
hal: zusammen mit Catherine Bly Cox das Buch "Apollo: The Race to the Moon"
(Simon Ä Schuster, 1989) veröffentlicht.
(C) Wall Street
vorhehalten.

Journal. 1989 Dow Jones and Company, Inc.

Als John F. Kennedy nm 25. Mai
1961 der Nation die Aufgabe übertrug,
bis zum Ende des Jahrzehnts zum Mond
fliegen, sollten
folgende Menschen
sie ausführen:
Am Langley Forschungszentrum im
ländlichen Virginia war Bob Gilruths
Arbeitsgruppe für den Weltraum tätig,
eine bunt zusammengewürfelte Gruppe
aus einigen hundert Menschen, von einer kleinen Schar fähiger kanadischer
und britischer Ingenieure verstärkt,
die sich nach Langley aufgemacht hatten, nachdem die kanadische Regierung
einen großen Rüstungsauftrag rückgängig gemacht hatte. Im Marshall Weltraumflugzentrum
in
Alabama
waren
Wernher von Brauns' Deutsche tätig,
die nach dem Zweiten Weltkrieg nach
Amerika kamen und einige hundert Süd-

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Embassy of the United States of America

Alle Rechte

staatler aus kleinen Orten in Georgia, Alabama und Mississippi, die
nach Huntsviile gekommen waren. um
für Sie zu arbeiten. An den primitiven Abschußanlagen in Cape Canaveral
waren Deutsche und Amerikaner zu finden, die von der Arbeitsgruppe für
den Weltraum, den Streitkräften und
beteiligten Unternehmen dorthin geschickt worden waren.
Außer den Deutschen und den Kanadiern handelte es sich hier nicht um
eine handverlesene Elite.
Kaum ein
Amerikaner
hatte
eine
renommierte
Universität, das MIT oder die kalifornische technische Hochschule besucht. Sie sprachen vielfach starken
Dialekt, und nicht
wenige
hatten
Schwierigkeiten
mit der Grammatik.
Sie waren keine Manager - lediglich

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�Ingenieure für Flugtechnik, Flugzeugmechaniker und Raketentechniker, die
klares Design liebten und gerne fliegen.
Ihr Arbeitgeber, die NASA, steckte noch in den Kinderschuhen und wurde von einem Wohnhaus am Lafayette
Square gegenüber dem Weißen Haus geleitet.
Die Ingenieure in Langley,
Marshall und Cape Canaveral nannten
es noch nicht einmal "Hauptquartier",
sondern bezeichneten es lieber als
"Washingtoner Büro", womit sie nicht
viel zu tun hatten. Langley und Marshall fauchten sich inzwischen an wie
böse Katzen - jeder in der Gewißheit,
seine
Ideen
seien
die
richtigen.
Aber die NASA jener Tage vibrierte
förmlich vor Energie und Kreativität
und war ein Ort, an dem der "Senior",
der die Abteilung leitete, um die
dreißig Jahre alt und seine Mitarbeiter um die zwanzig waren. Sie waren
(wie auch die Veteranen jener Jahre
immer wieder betonen) zu unerfahren,
um zu wissen, daß ihre Arbeit etwas
Unmögliches war.
Sie taten folgendes:
Als
Kennedy
1961
seine
Rede
hielt, hatte die größte Rakete in
Amerikas Arsenal kaum genug Schubkraft, um eine Ein-Mann-Kapsel in die
Erdumlaufbahn zu befördern, und eine
von vier Raketen explodierte bereits
in der Abschußphase.
Nur sechseinhalb Jahre später startete die NASA
die erste Saturn V, eine Rakete von
der Größe und dem Gewicht eines Zerstörers.
Bereits in ihrer ersten
Flugphase entwickelte sie eine Schubkraft von 7,5 Millionen Pfund und war
damit 40mal so stark wie die stärkste
Rakete aus dem Jahr 1961. Und diesmal versagte sie nicht - und auch
später niemals.
Seitdem ist weder
von den Vereinigten Staaten, den Sowjets oder irgendjemandem sonst eine
so große oder so zuverlässige Rakete
gebaut worden wie Marshalls Saturn V.

Die
Welt

komplizierteste

Maschine

der

Die Langley-Arbeitsgruppe - inzwischen
in Houston angesiedelt
baute auch zwei verschiedene, von
vorn
bis
hinten
völlig
neuartige
Raumschiffe, die Apollo-Kommandokapsel und die Mondfähre, die beide unabhängig voneinander um den Titel der
kompliziertesten
Maschine der Welt
hätten ringen können. In Cape Canaveral
errichtete die
Apollo-Gruppe
die Montagehalle für das Raumschiff den größten umbauten Raum der Welt,
mit Türen, groß genug, daß das UNOGebäude
hindurchgepaßt
hätte,
auf
sandigem Boden, an einem Ort, der in
regelmäßigen Abständen von Hurrikanen
heimgesucht wird.
Sie bauten eine
Zugmaschine mit einer Transportfläche
von der Größe eines Baseballfelds,
die eine Saturn V drei Meilen eine
Steigung mit einem Neigungswinkel von
5 •* hinauf transportieren konnte
ohne daß die Spitze der Saturn. 120
Meter oberhalb ihrer Rampe, sich jemals um mehr als die Größe eines Basketballs aus der Vertikalen bewegt
hätte.
Dann lernten die Flugtechniker,
die 1961 nur AI Shepards einfachen
suborbitalen Lob kannten, wie man bemannten Raumflug betreibt - Langzeitflüge, Spaziergänge und Begegnungen
im All, Navigation in der Tiefe des
Weltraums, Andocken, Flug zum und
Rückflug vom Mond.
Mit nur wenigen
primitiven
Anhaltspunkten
und
ein
paar Telefonleitungen zu den beteiligten Unternehmen wurden die Flugtechniker, deren Arbeit nur in Ansätzen im Kontrollraum sichtbar wurde, zu dem tüftelnden, versierten und
hochqualifizierten
Team,
das
die
Apollo-Missionen am Leben erhielt unter anderem dabei, die Mannschaft
von Apollo XIII nach einer Katastrophe auf halbem Weg zum Mond sicher
zur Erde zurückzubringen, eine Meisterleistung, die vom Bodenpersonal

'

i

v

�1

und der Flugmannschaft die Beanspruchung der Systeme weit über die
Entwurfsspezifikationen hinaus erforderte.
Als Beobachter dieser Wunder haben wir im großen und ganzen die
fal-schen Lehren gezogen:
Apollo sollte ein Triumph hochmodernen Managements sein. Tatsächlich
aber war die NASA selbst in ihren besten, produktivsten und kreativsten
Jahren ein dezentralisiertes, höchst
"ineffizientes" Konglomerat halbautonomer Zentren, in denen jungen Burschen riesige Budgets, große Freiheit
gewährt und unrealistisch ehrgeizige
Aufgaben gestellt wurden. Und obwohl
einige der Appolo-Techniker hervorragende Manager wurden, trifft eine
Überprüfung des von ihnen angewandten
Managementsystems nicht den Kern der
Sache.
Was für Apollo sprach, war ein
harter Kern an Führungskräften, denen
Arroganz und Hierarchiedenken fremd
waren - oft nahmen führende Manager
einen beruflichen Abstieg hin, um die
Arbeit auszuführen, die zu dem Zeitpunkt am vordringlichsten war. Apollo hatte FUhrungskräfte, die auf allen Ebenen miteinander kommunizierten, ungeachtet hierarchischer Strukturen oder Referenzen auf dem Papier
- sogar einige High School-Absolventen hatten entscheidenden Anteil am
Erfolg der Apollo-Mission.
Und trotz seiner gigantischen
Größe weckte Apollo eine Familienzusamraengehörigkeit, die keine Führungsstruktur
vermitteln
konnte.
Techniker, die Grissom und White und
Chaffee nie getroffen hatten, waren
zutiefst betroffen, als diese drei
Astronauten in einem Feuer auf der
Abschußrampe ihr Leben ließen.
Um Raketenstarts sorgten sie sich
wie Mütter, die ihre Kinder in den
Krieg ziehen sehen. Sie feierten eine gelungene Landung mit dem leidenschaftlichen Stolz frischgebackener
Väter. Nach den zahllosen Stunden,

die sie ihrer Arbeit widmeten, darf
man nicht fragen. Einige der Apollo-Leute haben dafür folgenden Satz
parat:
"Die sechziger Jahre sind
spurlos an mit vorübergegangen."
Wir zogen eine weitere törichte
Lehre, indem wir glaubten, Apollo
verkörpere all das, was die Nation
leisten könne, wenn sie sich nur mit
aller Kraft darum bemühte ("Wenn dieses Land einen Menschen zum Mond
schicken
kann,
dann
können
wir
auch..."). Wir dachten, soziale Probleme ließen sich mit ebensolchen gigantischen
Anstrengungen
lösen.
Apollo hat uns jedoch eindringlich
vor Augen geführt, warum die technische Konstruktion eine der vornehmsten und anspruchsvollsten Aufgaben
ist und warum "die Konstruktion des
Sozialwesens" weiterhin einen Widerspruch in sich bedeutet.
Aber die größte Dummheit besteht
vielleicht darin, daß manch einer
Apollo immer noch unter dem Gesichtspunkt bewerten, wie das Geld anders
hätte ausgegeben werden können - als
ob jene 25 Milliarden Dollar für
Apollo einen Fonds bildeten, den man
für die Hungerhilfe oder die Krebsbekämpfung eingesetzt hätte, wenn er
nicht für Apollo ausgegeben worden
wäre. Vielleicht hätten die Menschen
des Jahres 1961 ebenso enthusiastisch
für den Kampf gegen den Hunger eintreten sollen wie für die Reise zum
Mond, aber dem war nicht so.
Wir sollten es nicht im Nachhinein überbewerten. Apollo begann so
subtil und so kühn wie ein Spiel ohne
Limit, in dessen Verlauf man einen
Haufen Chips in die Mitte des Spieltischs schiebt. Es fügte sich in die
lange und geschätzte Tradition großer
amerikanischer Prahlereien - überschwenglicher, übertriebener, grandioser, chauvinistischer Prahlereien -,
daß wir die Briten schlagen und die
Rocky Mountains überqueren, mehr Mais
anbauen und höhere Gebäude errichten
könnten als jeder andere. Eine fast
kindliche Prahlerei, die vielleicht
nur in jungen Nationen entstehen

- 3 -

�kann.
Vielleicht sind wir seither
älter geworden, und Apollo war die
letzte dieser Prahlereien. Wenn dies
aber der Fall war, dann war es ein
ungeheuerliches Unterfangen. Dennganz
gleich, wie man die Bedeutung von
Apollo
im kosmischen Ganzen bewerten mag, man sollte sich stets vor
Augen führen: Bei Gott, wir haben es
durchgezogen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
^7

^

C$

Wissenschaft und Technik

26. Juli 1989

28

GESUNDER REGENWALD VONGROSSEM WERT
- Umwandlung In Weideund Farmland unwirtschaftlich -

(AD) - Der wirtschaftliche Nutzen
der tropischen Regenwälder ist grösser, wenn sie konsequent als Lieferanten für Produkte wie eßbare Früchte, Öle, Gummi und Pharmazeutika genutzt werden, als wenn zur Holzgewinnung und für die Umwandlung in Weiden
und Äcker gefordert wird.
In der
britischen
Zeitschrift Nature vom
29. Juni 1989 veröffentlichten drei
amerikanische Wissenschaftler die Ergebnisse einer über DreiJahresstudie,
im Rahmen derer detaillierte Untersuchungen
zu den genannten Fragen
durchgeführt werden.
Dr. Charles M. Peters, Pflanzenökologe am Institut für Wirtschaftsbotanik des Botanischen Gartens New
York, Alwyn H. Gantry, Botaniker am
Botanischen Garten von Missouri, und

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Dr. Robert 0. Mendelsohn, Professor
dür Forstwirtschaft an der Universität Yale, kommen zu dem Schluß, daß
die Tropenwälder einen erheblich höheren Wert haben als bislang angenommen und die tatsächlichen Marktvorteile der Bauholzgewinnung gegenüber
dem Marktwert der anderen Ressourcen
relativ gering seien.
Die Wissenschaftler berücksichtigten den Marktwert aller kommerziell verwertbaren
Naturstoffe von einem Hektar des artenreichen Tropenwaldes im Amazonasgebiet.
"Unsere Studie zeigt zum ersten
Mal, daß es wichtige wirtschaftliche
Gründe für die Unversehrtheit des Regenwalds gibt", erklärte Dr. Peters.
Das untersuchte Areal am Rio Nanay.
einem Nebenfluß des Amazonas, in der

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�Nähe des Dorfes Mishana 30 km südwestlich der Stadt Iquitos (Peru) umfaßt 842 Bäume. Davon wurden 41 Prozent zum Abernten von Früchten, für
Holz- und Gummi gewinnung und damit
für Produkte genutzt, die in Iquitos
verkauft werden. Der Wert des Landes
würde unter Zugrundelegung des Marktwerts von Produkten wie Früchten und
Latex (ohne Holz) bei einem Ertrag
über 50 Jahre auf 6 820 Dollar betragen. Würde die gleiche Fläche nur
für Bauholz und Rohstoffe zur Papierherstellung genutzt, verringerte sich
im gleichen Zeitraum der Bodenwert
auf 3 184 Dollar, bei Umwandlung in
Weideland auf 2 960 Dollar. Die Dollar-Angaben spiegeln den kumulativen
Wert aller künftigen Erträge in 50
Jahren wider, wurden jedoch - wie etwa bei der Wertermittlung langfristiger Anleihen - in heutigen Dollar berechnet. .
Die Vergleiche zeigen Dr. Peters
zufolge, daß mit dem kontinuierlichen
Abernten der Naturprodukte der intakte Wald mehr Ertrag bringt als durch
Roden und Umwandlung in Weideland
oder Anlegen von Bauholzplantagen.
Die Einheimischen im Amazonasgebiet
nutzten tropische Wälder in einer
Weise, die ökologisch auf die Dauer
tragbar und wirtschaftlich vernünftig
ist und überdies ihr Einkommen sichert.
"Millionen von Menschen tun
dies", erklärte Peters.
"Aber das
gesamte Handelsnetz ist so diffus und
so schwer zu erfassen, daß diese Art
von Aktivitäten in Regierungsstatistiken oder volkswirtschaftlichen Berechnungen gar nicht auftauchen. Die
Politiker haben dies bisher übersehen." Auch sollte man keine Naturparks schaffen und die Menschen verzweifelt aus den Wäldern herauszuhalten suchen, damit diese geschützt
werden, sondern große Waldbezirke zum
Ernten von Früchten, Latex und Pharmazeutika reservieren. Damit fänden
die Einheimischen eine Erwerbsquelle
und der Schaden am Wald würde begrenzt.

* * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"Frieden und Demokratie" leere Versprechungen der Sandinisten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung Präsident Bushs zu Nicaragua&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Bush fordert kontinuierliche Erforschung des Weltraums&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten anläßlich des 20. Jahrestags von Apollo XI &lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Apollo - zwanzig Jahre danach&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Amerikas letztes großes Wagnis&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gesunder Regenwald von großem Wert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Umwandlung in Weide- und Farmland &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;unwirtschaftlich&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

2. August 1989

29

INHALT
DOKUMENTATION
Baker; Slhanouk soll Ubergangsregierung In Kambodscha leiten
- Erklärung bei der Eröffnung der Pariser Kambodscha-Konferenz -

HINTERGRUND
Die nationale Energiestrategie der Vereinigten Staaten
- Eine Übersicht des Energieministeriums USA; Start-Runde nimmt sachlichen und produktiven Verlauf
- Interview mit dem stellvertretenden amerikanischen Chefunterhändler

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Der Weltraum als Wirtschaftsfaktor
- Mittel- und langfristige Programme der USA -

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

*

29

2. August 1989

BAKER:

SIHANOUK SOLL ÜBERGANGSREGIERUNG IN KAMBODSCHA LEITEN

- Erklärung bei der Eröffnung der Pariser Kambodscha-Konferenz PARIS - (AD) - Außenminister Baker hat bei der Eröffnung der internationalen Kambodscha-Konferenz in Paris am 30. Juli 1989 erklärt, die Vereinigten
Staaten befürworteten eine Ubergangskoalitionsregierung in Kambodscha unter
der Führung von Prinz Sihanouk. Prinz Sihanouk verkörpere "das Volk der Khmer
und dessen Streben nach Einheit und nationaler Aussöhnung". Obwohl die Roten
Khmer für die Zukunft Kambodschas keine Rolle spielen sollten, seien die Vei—
einigten Staaten auch dann zur Unterstützung Sihanouks bereit, falls dieser
die Einbeziehung aller Khmer-Fraktionen in einer Übergangsregierung wünsche.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des amerikanischen Außenministers im Wortlaut:

Herr
Vorsitzender,
meine Damen und Herren,

Exzellenzen,

stellvertretend
für
Präsident
Bush und das amerikanische Volk möchte ich Präsident Mitterrand unseren
aufrichtigen
Dank aussprechen.
Er
hat die Initiative zur Organisierung
dieser Konferenz ergriffen, und er
ist sich der Tragweite unserer Gespräche bewußt.
Ferner verdienen der Präsident
von Indonesien, Suharto, Außenminister Alatas, sein Vorgänger Dr. Mochtar sowie deren Amtskollegen aus den
ASEAN-Staaten unseren Dank.
Sie haben trotz aller Widrigkeiten die Vision eines friedlichen und wohlhabenden
Südostasiens
aufrechterhalten.
Sie haben sich über lange Zeit und
mit aller Energie dafür eingesetzt,

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Embassy of the United States of America

daß wir heute an diesem Punkt anlangen konnten. Alle von uns an diesem
Ort beschlossenen Maßnahmen sollten
die
langandauernden
Bemühungen der
ASEAN ergänzen.
Außerdem möchte ich UNO-Generalsekretär Perez de Cuellar, einem wahren Mann des Friedens, für seine anhaltenden
Bemühungen
zur Beilegung
regionaler Konflikte meinen Respekt
bezeugen.
Wir sind heute hier zusammengekommen, weil eineinhalb
Jahrzehnte
der Gewalt und vietnamesischer Aggression vom Volk Kambodschas einen
fürchterlichen Tribut gefordert haben. Die Hand in Hand gehenden Tragödien des Massenmordes durch die Roten Khmer und der vietnamesischen Besatzung haben über eine Million Kam-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�bodschaner das Leben gekostet. Dem
Verlust an Menschenleben müssen wir
die Wunden hinzurechnen, die der Gesellschaft und Kultur des Khmer-Volkes zugefügt wurden sowie die Instabilität, die der ganzen Region dauerhaften Schaden zugefügt hat.
Das
Ausmaß des Terrors, von dem das kambodschanische Volk heimgesucht wurde,
können wir nicht nachvollziehen - es
übersteigt die Leidensfähigkeit eines
jeden Volkes.
Besetzung sollte beendet, der
walt Einhalt geboten werden.
Leiden muß aufhören. Wir wissen,
der Weg zur inneren Aussöhnung
Kambodscha voraussichtlich lang
steinig ist. Aber heute tun wir
ersten Schritte.
Während wir
nach vorn schreiten, sollten wir
der möglichen Gefahren auf diesem
bewußt sein.

GeDas
daß
für
und
die
nun
uns
Weg

Kambodscha und die gesamte internationale Staatengemeinschaft stehen
vor einem tragischen Dilemma. Vielleicht läßt sich dieses Dilemma am
besten mit einem Beispiel aus der
Folklore Kambodschas erklären, in der
von dem Tag die Rede ist, an dem das
Volk der Khmer die Wahl hat, entweder
von einem Tiger oder von einem Krokodil gefressen zu werden. Diese Konferenz wurde in dem festen Glauben
einberufen, daß Kambodscha eine solche Tragödie erspart werden kann. Es
gibt eine Alternative zu den Zähnen
der Roten Khmer oder dem Rachen fremder Militärherrschaft. Diese Alternative besteht in einer umfassenden
Regelung, die dem Volk Kambodschas
sowohl Sicherheit als auch eine Chance zur Wahl seiner eigenen Regierung
gibt, eine Regelung, die durch außen- und innenpolitische Vereinbarungen zusammengehalten wird.
Der Zweck dieser Konferenz liegt
in der Arbeit an dieser Regelung.
Wir müssen den politischen Weg finden, auf dem Kambodscha aus der durch
Krieg zerrütteten Vergangenheit in
eine konstruktive
Zukunft geführt
werden kann. Durch sorgfältig auf-

einander abgestimmte internationale
Maßnahmen und nationale Aussöhnung
können wir diesen Weg ebnen. Und obwohl dieser Weg schwierig sein wird,
ist eine umfassende Regelung meines
Erachtens der geeignetste Weg zu einer besseren Zukunft.
Zunächst möchte ich das internationale Umfeld ansprechen.
In den
vergangenen Jahren konnten wir einen
dramatischen Abbau von Spannungen
weltweit beobachten. Wir sehen eine
zunehmende
Bereitschaft,
regionale
Konflikte auf dem Verhandlungswege zu
lösen. Darüber hinaus macht sich die
wachsende Erkenntnis breit, daß die
dauerhafte Lösung regionaler Konflikte von der Artikulierung des Volkswillens abhängt.
Unsere heutige Sitzung wird von
dieser neuen Richtung in der internationalen Politik geleitet. Aber die
Anzeichen der internationalen Aussöhnung bedürfen eines weiteren Signals,
das dieses Mal nicht von der internationalen Staatengemeinschaft oder von
kambodschanischen Volk oder - um es
etwas konkreter zu formulieren - von
ihren politisch Verantwortlichen gesetzt wird.
Für die Vereinigten
Staaten wie für alle anderen Länder
liegt es auf der Hand, daß alle Maßnahmen, die wir zur Unterstützung
Kambodschas ergreifen könnten, sich
auf den Willen der kambodschanischen
Parteien
selbst
zu
Fortschritten
gründen
müssen.
Ein
dauerhafter
Frieden erfordert die Selbstbestimmung des kambodschanischen Volkes.
Internationale Aussöhnung kann nicht
zum Ersatz für nationale Aussöhnung
werden.
Aus diesem Grund vertreten wir
die Ansicht, daß eine Lösung, die
Aussichten auf Erfolg hat, ihrem
Charakter nach umfassend sein muß.
Alles andere käme einem Rezept für
anhaltenden Krieg gleich. Der derzeitige Kampf gegen Besetzung wäre
der Bürgerkrieg von morgen und würde
ein bereits geschwächtes Land weiter
zerrütten.

^

�Die
unerschütterliche
Position
der Vereinigten Staaten, ASEAN und
unserer Verbündeten und Freunde bei
der jahrzehntelangen Suche nach Frieden in Kambodscha hat stets in einer
umfassenden Lösung bestanden. Unsere
gemeinsame Entschlossenheit zur Förderung dieser Position hat dazu beigetragen, den Weg für dieses Treffen
zu ebnen, insbesondere unsere unerbittliche Ablehnung von Aggression
und Besetzung durch Vietnam.
Heilung der Wunden und Überwindung der Teilung Kambodschas ist eine
Aufgabe, die höchste Führungsqualitäten verlangt. Kambodscha hat diese
Qualitäten
in Gestalt von Prinz
Sihanouk. Er verkörpert das Voik der
Khmer und ihr Streben nach Einheit
und nationaler Aussöhnung.
Aus diesem Grund muß der Prozeß
der nationalen Aussöhnung durch die
Bildung einer Ubergangskoalitionsregierung
unter der Führung Prinz
Sihanouks erfolgen. Sie muß auf echter Gewaltenteilung basieren und dem
Prinzen und dem nichtkommunistischen
Widerstand die Regierungsgewalt übertragen.

sion Vietnams geschaffen wurde. Wir
sind uns jedoch bewußt, daß Teile
dieses Regimes wahrscheinlich in eine
Ubergangskoalition aufgenommen werden.
Ich fordere alle Konferenzteilnehmer auf, die notwendige Aussöhnung
unter Prinz Sihanouks Führung zu unterstützen.
Ein
wirksamer
internationaler
Kontrollmechanismus unter der Schirmherrschaft
der Vereinten Nationen
kann im Friedensprozeß eine entscheidende Rolle spielen. Er kann einen
friedlichen Übergang von vietnamesischer Besetzung zu freien Wahlen erleichtern und die externen und internen Aspekte einer umfassenden Lösung
miteinander verbinden.
Solch ein
Mechanismus würde drei vordringlichen
Zielen dienen:
-

Die Vereinigten Staten vertreten
eindeutig die Ansicht, daß die Roten
Khmer in der Zukunft Kambodschas keine Rolle spielen sollten. Wir sind
jedoch bereit, Prinz Sihanouk zu unterstützen, sollte er es für notwendig erachten, die Einbeziehung aller
Gruppen der Khmer in eine Koalition
oder Übergangsregierung zu gestatten. Das Ausmaß unserer Unterstützung für jede kambodschanische Regierung wird jedoch direkt vom Grad einer Beteiligung der Roten Khmer an
dieser Regierung - sofern überhaupt abhängen. Es müssen Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden, daß Pol
Pot und andere für Massenmorde verantwortliche Führer der Roten Khmer
Kambodscha niemals wieder beherrschen
werden.
Wir können eine Fortsetzung des
gegenwärtigen Regimes in Phnom Penh
nicht dulden, das durch die Aggres-

- 3-

Erstens würde er die internationale Verifizierung des Abzugs aller vietnamesischen Truppen und
Berater gewährleisten.
Zweitens würde der Mechanismus
während der Übergangsphase durch
Maßnahmen der Friedenssicherung,
etwa durch Überwachung des Waffenstillstands
und
Überprüfung
der Aufstellung von Soldaten unterschiedlicher kambodschanischer
Gruppierungen, die Aussichten für
Stabilität verbessern.
Darüber
hinaus würde er die Einstellung
ausländischer Militärhilfe an die
vier Parteien überwachen.
Drittens würde der internationale
Kontrollmechanismus
eine
entscheidende Rolle im politischen
Ubergangsprozeß spielen. In seinem Rahmen würde eine Volkszählung beobachtet und die Rückführung von Flüchtlingen überwacht.
Als
wichtigste
Aktion
würden
freie und faire Wahlen überwacht
und verifiziert. Die Vereinigten
Staaten sind bereit, den Wahlsieger in jedem Fall anzuerkennen.
Letztlich sind solche Wahlen der
Schlüssel zu einem unabhängigen,
neutralen und friedlichen Kambodscha.

�Unserer Ansicht nach verfügen nur
die Vereinten Nationen über die Erfahrung, die Mittel und die Glaubwürdigkeit, um sich die immense Verantwortung einer so komplexen Reihe von
Maßnahmen aufzubürden.

in starkem Maße bestimmen, ob solch
ein gerechter und dauerhafter Frieden
in Kambodscha entstehen wird öder ob
Kambodschas Zukunft der Tragödie seiner jüngsten Vergangenheit ähneln
wird.

Ich muß wiederum darauf hinweisen, daß die innen- und außenpolitischen Aspekte des Schlichtungsprozesses untrennbar miteinander verknüpft
sind.
Ohne
nationale
Versöhnung
fehlt uns die Basis für den von mir
beschriebenen
internationalen
Kontrollmechanismus.
Tatsächlich wäre
dieser Mechanismus ohne eine anerkannte Ubergangsregierüng nicht funktionsfähig.

Der Zweck dieser Konferenz besteht nicht darin, die Tragöde zu
verlängern, sondern den Weg zu einer
ganz anderen Zukunft zu finden. Meiner Ansicht nach werden wir diesen
Weg durch eine umfassende Vereinbarung finden. Und obwohl die jüngste
Vergangenheit nur zu geringen Hoffnungen Anlaß gibt, sind wir an einem
Punkt angelangt, an dem das Gebot internationaler Versöhnung sich mit der
Notwendigkeit nationaler Aussöhnung
verbindet.

Zur Förderung dieses wichtigen
Prozesses nationaler Aussöhnung ist
es entscheidend, daß Vietnam jetzt
und in Zukunft eine verantwortungsvolle Rolle übernimmt. Es muß seine
Verpflichtung zum Rückzug bis zum 30.
September erfüllen und darf nicht zurückkehren. Aber nach mehr als zehnjähriger Besatzungszeit werden Hanois
politische und moralische Verpflichtungen nicht allein dadurch erfüllt,
daß die Truppen abgezogen und entweder Chaos oder, ein gewaltsam eingesetztes Regime hinterlassen werden.
Meiner Ansicht nach bestehen zwischen uns kaum Unstimmigkeiten darüber, daß unsere gemeinsamen Pflichten für die regionale Sicherheit und gegenüber dem kambodschanischen
Volk - nicht mit dem Abzug der Vietnamesen erfüllt sind. Der Truppenabzug kam zustande, weil wir an unseren
Prinzipien festgehalten haben: wir
sind der vietnamesischen Aggression
entgegengetreten und haben uns geweigert, sie als Dauereinrichtdng zu akzeptieren. Jetzt, da die vietnamesische Besetzung zu Ende geht, müssen
wir zusammenarbeiten, um ein unabhängiges, neutrales und politisch stabiles Kambodscha aufbauen zu helfen.
Was wir hier bei dieser Konferenz
leisten - oder nicht leistet! - wird
- 4

«
»

Ich möchte Ihnen unsere Position
zusammenfassen.
Die
Vereinigten
Staaten engagieren sich für einen
fairen politischen Prozeß. Wir unterstützen eine umfassende Vereinbarung, die nicht nur einen vollständigen und verifizierten Abzug vietnamesischer Truppen, sondern auch ein nationales Abkommen und einen Internationalen
Kontrollmechanismus
vorsieht. Wir werden die Ergebnisse gut
vorbereiteter und überwachter, freier
und fairer Wahlen respektieren.
Mit Hilfe aller Teilnehmerstaaten
dieser Konferenz kann die Zeit bis zu
dem Tag verkürzt werden, an dem die
blutgetränkte
Erde Kambodschas zu
fruchtbaren Feldern eines friedlichen
und wohlhabenden Volkes werden kann.
Die Ruinen von Angkor Wat erinnern an
vergangene
Leistungen
der
Roten
Khmer. Jetzt ist die Zeit gekommen,
um dieser Zeit etwas Ebenbürtiges
entgegenzusetzen.
Wir müssen den
Grundstein für einen neuen Und dauerhaften Frieden in Kambodscha und ganz
Südostasien legen.
Vielen Dank.
*****

«.

�«fc°s&gt;&lt;

'VON

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

4

29

2. August 1989
DIE NATIONALE ENERGIESTRATEGIE DER VEREINIGTEN STAATEN
- Eine Übersicht des Energieministeriums -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat seinen Energieminister, Admiral
James D. Watkins, angewiesen, eine Nationale Energiestrategie (NES) zu konzipieren, die den Rahmen für die Energiepolitik und Entscheidungen über einzelne
Programme liefern soll.
Diese Aufgabe wird nicht leicht sein. Wir müssen unseren steigenden Bedarf an Energie zu tragbaren Preisen, unser Engagement zur Schaffung einer sichereren, gesunderen Umwelt, unsere Verpflichtung zur Bewahrung einer konkurrenzfähigen Wirtschaft und unser Ziel, die Abhängigkeit von unsicheren Energiequellen zu verringern, miteinander in Einklang bringen.

Die Nationale Energiestrategie
Diese wird besondere kurz-, mittel- und
langfristige
Zielvorgaben
enthalten,
um
Energieangebot
undnachfrage auszugleichen.
Sie wird den Schutz der Gesundheit, Sicherheit und Umwelt sowie die
Sicherstellung
einer
angemessenen
Energieversorgung in den Mittelpunkt
stellen, um eine gesunde, wachsende
und konkurrenzfähige Volkswirtschaft
zu erhalten.
Sie wird in umfassenden Konsultationen mit der Öffentlichkeit entwickelt werden.
Eine

erste

Reihe

öffentlicher

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Anhörungen wird
im August und
September, beginnend mit dem 1.
August 1989, in Washington veranstaltet werden.
Eine weitere Reihe von Anhörungen
zu
besonderen
Fragen
wird
im
Spätherbst stattfinden.
Das Ministerium wird während des
ganzen Prozesses eng mit dem Kongreß sowie mit Vertretern der
Bundesstaaten und Gemeinden zusammenarbeiten.
Der Energieminister wird den ersten Entwurf der NES bis zum 1. April
1990 dem Kongreß zuleiten.
Die NES
wird in den darauffolgenden 12 Monaten verfeinert und weiterentwickelt
werden.

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�Energiefragen
deutung

von entscheidender Be-

Notwendigkeit von erweiterten Kapazitäten
bei
der Stromgewinnung.
Der Bedarf an höheren Kapazitäten
könnte durch einschneidende Bemühungen zur Energieeinsparung verringert
werden, aber trotzdem werden neue
Kraftwerke zur Deckung des Bedarfs
einer wachsenden Volkswirtschaft erforderlich sein.

Entwicklungsländern
den können.

geteilt

wer-

*****

Schutz der von der Energiegewinnung betroffenen Umwelt. Das amerikanische Volk verlangt zu Recht die
Reduzierung von Schadstoffemissionen,
einer verbesserten
Entsorgung
von
Sondermüll sowie technologische Verbesserungen, um Öl- oder Chemieunfälle zu verhindern oder deren Folgen zu
beseitigen.
Energiegewinnung sowie Transporte
müssen in einer die Umwelt nicht
beeinträchtigenden Art und Weise
abgewickelt werden.

Die Veränderung des Erdklimas
Die Veränderung
des Erdklimas
wird in der NES zentralen Stellenwert
einnehmen. Wir müssen
-

in den Bereichen, in denen wissenschaftliche
Übereinstimmung
besteht, energische Maßnahmen ergreifen.
Diejenigen Bereiche für weitere
Untersuchungen auswählen, in denen solche Übereinstimmung noch
nicht besteht.
Bei wissenschaftlicher Unsicherheit Maßnahmen
ergreifen, die
auch in anderer Hinsicht sinnvoll
sind, etwa Wirkungsgrad, Verringerung von FCKWs (Fluorchlorkohlenwasserstoffe),
Wiederaufforstung.

-

Entscheiden, wie technologische
Gegenmittel bewertet und mit den
- 2 -

*

�AMERIKA DIENST
^7

^

C&amp;

Hintergrundmaterial

2. August 1989

29

USA: START-RUNDE NIMMT SACHLICHEN UND PRODUKTIVEN VERLAUF
- Interview mit dem stellvertretenden amerikanischen Chefunterhändler GENF - (AD) - Dem stellvertretenden Leiter der amerikanischen Delegation,
Linton Brooks, zufolge betrachten die Vereinigten Staaten die elfte Runde der
amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen über die Reduzierung strategischer Rüstungen als "sachlich geführt" und "in Teilbereichen produktiv".
In einem am 28. Juli 1989 in Genf geführten Interview erklärte Linton
Brooks, die Unterhändler hätten zahlreiche Routinefragen abgeklärt, "die keine
Schlagzeilen machen werden".
"Wir haben die sachliche Gesprächsführung unserer Verhandlungspartner sehr
begrüßt", erklärte Brooks, aber es muß noch "viel geduldige Arbeit" geleistet
werden.
Nachfolgend veröffentlichen wir das Interview in Auszügen:

Die gegenwärtige Runde der amerikanisch-sowjetischen
Verhandlungen
über die Verringerung strategischer
Rüstungen (START) wurde am 19. Juni
in Genf aufgenommen. Sie wird am 7.
August vertagt, damit in den Hauptstädten beider Länder Konsultationen
stattfinden können, bevor sie im
Herbst wiederaufgenommen wird.
Die
START-Verhandlungen
sind Teil der
amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen
(NST), die 1985 in Genf begannen und
auch Verteidigung im Weltraum umfassen.
Bei START streben beide Seiten
ein Abkommen an, mit dem stationierte
strategische Offensivwaffen (mit einer Reichweite von über 5 500 Kilometern) um 50 Prozent reduziert, die

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Gefechtsköpfe jeder Seite auf 6 000
begrenzt werden und die Zahl der Trägersysteme - Interkontinentalraketen
(ICBM), unterseebootgestützte ballistische Raketen (SLBM) und schwere
Bomber - jeder Seite auf 1 600 verringert wird.
Brooks verwies ferner darauf, daß
die Vereinigten Staaten neue Ideen
zur Förderung der Verifizierung unterbreitet hätten.
Brooks zufolge
sollen damit "die Endfassung des
START-Abkommens beschleunigt und verbessert werden, indem man bestimmte
Erfahrungen bei einigen Details der
Verifizierung
gewinnt", bevor der
Vertrag geschlossen wird.
Der amerikanische Vorschlag zur
Verifizierung umfaßt seinen Erklärun-

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�gen zufolge sieben Punkte:
vorherige Benachrichtung
gischer Übungen.

strate-

Abkommen über die Enstellung der
Entwicklung von SLBMs mit kurzer
Flugzeit. "Die Idee besteht darin,
daß die strategische Stabilität behindert wäre, wenn beide oder eine
der beiden Seiten über eine SLBM verfügten, die ihr Ziel sehr schnell erreichen und damit zur Sorge über einen Erstschlag Anlaß geben könnte",
erklärte Brooks. "Es ist technisch
möglich, die Energie einer ballistischen Rakete so einzusetzen, daß ihr
Flug vom Abschußpunkt zum Ziel beschleunigt wird. Der einzige Grund
dafür wäre eine Verkürzung der Vorwarnzeit, denn was die Vorwarnzeit
verkürzt, wirkt in der Regel destabilisierend. "

"weil man in der Praxis Erfahrungen
sammelt, die sich nicht am Verhandlungstisch erwerben lassen".
Der START-Unterhändler beharrte
jedoch darauf, daß die Vereinigten
Staaten diese Vorschläge zur Verifizierung weder als Vorbedingung für
die Weiterführung der START-Verhandlungen noch als unverzichtbares Paket
betrachten.
"All dies sind gute Ideen, und
wir sind bereit, sie alle zu behandeln und andere nicht zu behandeln,
wenn dies die Dinge (für die andere
Seite) vereinfacht", erklärte Brooks.

über

Ferner betonte er, daß "die Vereinigten Staaten
diese Vorschläge
nicht als Verzzögerung oder Ablenkung
vom Hauptziel - der Erarbeitung eines
guten START-Vertrages - betrachten.
Unseres Erachtens ist das Gegenteil
der Fall. Da noch viel Arbeit zu tun
bleibt, werden diese Ideen dazu beitragen, die Arbeit zu beschleunigen,
indem sie einem weitgehend auf dem
Papier ablaufenden Prozeß praktische
Erfahrung hinzufügen."

Vorausgehende
Vorführungen
bestimmter
Inspektionstechniken,
die mit der zulässigen Höchstzahl
der auf ein Trägersystem montierten Gefechtsköpfe zusammenhängen.

Brooks weigerte sich, die Reaktion der sowjetischen Delegation auf
amerikanische Verifizierungsvorschläge zu kommentieren. Er vermerkte lediglich, der sowjetische Sprecher habe sich "positiv dazu geäußert".

Abkommen "jetzt" über bestimmte
Verbote zur Verschlüsselung telemetrischer
Daten
(Chiffrierung
von Daten über Raketentests).
Sofortiger
Datenaustausch
strategische Streitkräfte.

Technische
Demonstrationen
von
und
Diskussionen
über
das
"tagging" - eine Methode zur
Identifizierung einzelner Raketen
und anderer unter die voraussichtlichen
START-Begrenzungen
fallender Träge.rsysteme im Rahmen
von kurzfristig anberaumten Inspektionen.
Regelmäßige Überwachung bestimmter Produktionsstätten für ICBMs,
um das Vertrauen in die Verifizierung eines Vertrags zu erhöhen.
Brooks zufolge würde die Verwirklichung dieser Maßnahmen den Abschluß
eines START-Abkommens beschleunigen,

Die Vereinigten Staaten hätten im
Rahmen der gegenwärtigen Gesprächsrunde keine weiteren bedeutenden neuen Vorschläge unterbreitet und führten ihre "geduldige Arbeit zur Verringerung von Meinungsverschiedenheiten" zu den anderen noch aus den früheren Verhandlungsrunden fortbestehenden
"Schlüsselbereichen"
fort.
Dazu gehören:
Das sowjetische Beharren auf
einem Junktim zwischen den START-Verhandlungen und einem Abkommen über
Weltraumverteidigung: "Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß
Stabilitätsverbesserungen
im Rahmen
von START ihre eigenen Vorzüge haben

�und START nicht in Abhängigkeit von
den Verhandlungen über strategische
Verteidigungssysteme geraten sollte."

die Sowjets seien immer noch für eine
"genaue zahlenmäßige Obergrenze bei
SLCMs".

- Luftgestützte Marschflugkörper
(ALCMs):
Zu den ALCMs "haben wir
vereinbart, daß mit dem Vertrag nicht
versucht werden soll, die ALCMs einer
täglichen
Zählung
zu unterziehen,
sondern daß wir jedem schweren Bomber
automatisch eine bestimmte Anzahl von
ALCMs zurechnen werden. Wir sind uneinig darüber, wie diese Zahl berechnet werden soll. Die Sowjets sind
der Ansicht, sie sollte der Höchstkapazität eines solchen Bombers entsprechen, während
die Vereinigten
Staaten davon ausgehen, die Zahl solle näher an der Zahl erwartungsgemäß
tatsächlich von einem solchen Bomber
getragener Systeme liegen."
Beide
Seiten sind sich ferner uneinig über
die vertraglich festzulegende Begrenzung der Reichweite von ALCMs: die
Vereinigten Staaten wünschen nur die
Einbeziehung von ALCMs mit Reichweiten über 1 500 km, während die Sowjetunion alle ALCMs mit Reichweiten
von über 600 km erfassen möchte.

Untergrenzen
bei
ballistischen
Raketen: Brooks zufolge befürworten
die Vereinigten Staaten Untergrenzen
bei ballistischen Raketen, um "beide
Seiten zu ermutigen, ihre Streitkräfte in Richtung auf Stabilisierung zu
führen". Es bestehe bereits ein Abkommen über eine Obergrenze von 6 000
Gefechtsköpfen, von denen nur 4 900
auf ballistischen Raketen montiert
sein dürfen. Die Gefechtsköpfe beziehen
ICBM- und
SLBM-Nukleargefechtsköpfe mit ein, ebenso wie mit
Nuklearwaffen bestückte schwere Bomber, die jeweils als ein Gefechtskopf
gezählt werden, so Brooks. Die Vereinigten Staaten strebten eine Untergrenze zwischen 3 000 und 3 300 Gefechtsköpfen auf ICBMs an, stellte
Brooks fest, aber "die Sowjets haben
es bisher abgelehnt", dieser Zahl zuzustimmen.

Mobile ICBMs:

"Die amerikanische

Position lautet- nach wie vor, daß
solche ICBMs aufgrund der schwierigen
Verifizierung des Standorts mobiler
Raketen verboten werden sollten", erklärte Brooks. Ihm zufolge besitzen
die Vereinigten Staaten derzeit keine
mobilen Raketen, die Sowjetunion hingegen sowohl schienen- als auch straßenmobile ICBMs.
Unterseebootgestützte Marschflugkörper
(SLCMs):
"Die Vereinigten
Staaten sind der Ansicht, daß es keine Mittel und Wege, zur Verifizierung
solcher
Raketen
gibt",
erklärte
Brooks.
Darüber hinaus lehnen die
Vereinigten Staaten Vorschläge ab,
die "die Operationen von Schiffen,
von denen unsere Sicherheit und die
der NATO abhängt, stören würden, und
die eine Verletzung unserer traditionellen Politik, die Präsenz von Nuklearwaffen an Bord von Schiffen weder zu bestätigen noch zu bestreiten,
darstellen würden". Er stellte fest,
- 3

Schwere
ballistische
Raketen:
Beide Seiten sind übereingekommen,
daß es auf keiner Seite mehr als 154
schwere Raketen mit maximal 1 540 Gefechtsköpfen geben soll, so Brooks.
Dies käme einem 50prozentigen Abbau
des derzeitigen sowjetischen Arsenals
gleich und würde die Vereinigten
Staaten nicht betreffen, die "keine
hat". Er fügte hinzu, die Vereinigten Staaten strebten letztlich die
Beseitigung schwerer Raketen an und
befürworteten daher Bestimmungen im
START-Vertrag, mit denen die weitere
Modernisierung und Erprobung schwerer
Raketen verhindert würde.
Modernisierung der Systeme von
Drittländern: Brooks zufolge hat die
Sowjetunion ihre Forderung aufgegeben, die unabhängigen britischen und
französischen
nuklearen
Abschrekkungssysteme in die START-Verhandlungen einzubeziehen, aber die Sowjets
"würden die Art von Unterstützung
ausschließen, die wir Großbritannien
in den vergangenen 25 Jahren bei der
Modernisierung
seiner
unabhängigen
nuklearen Abschreckung gewährt ha-

�ben. Und das ist für uns einfach unannehmbar. "
Brooks erklärte ferner, bei zahlreichen entscheidenden, noch zu besprechenden
Einzelheiten
bestünden
noch "reichlich Meinungsverschiedenheiten".
Der Text des gemeinsamen STARTVertragsentwurfs, der ca. 400 Seiten
umfaßt, so Brooks, besteht aus dem
Vertrag, einem Anhang mit Definitionen, getrennten Protokollen über Inspektion, Umwandlung und Beseitigung,
dem Wurfgewicht ballistischer Raketen
(Messung
der
Vemichtungsfä'higkeit)
sowie
einer
Regierungsvereinbarung
mit einer Aufstellung von Daten.
Brooks wollte sich im Hinblick
auf den Abschluß eines START-Vertrags
keinen Spekulationen hingeben.
"Für
die Vereinigten Staaten ist letztlich
entscheidend", erklärte er, "daß wir
die Stabilität verbessern und das Risiko eines Kriegs verringern ..., und
wir müssen unsere Arbeit fortsetzen,
bis wir einen Vertrag geschlossen haben".

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

2. August 1989

29

DER WELTRAUM ALS WIRTSCHAFTSFAKTOR

- Mittel- und langfristige Programme der USA -

(AD) - In einer Feierstunde anläßlich
der 20. Wiederkehr der ersten Landung
von Menschen auf dem Mond (20. Juli
1969) kündigte Präsident George Bush
ein Langzeitprogramm der Vereinigten
Staaten für die bemannte Erforschung
des Sonnnensystems an. Nach der Errichtung der Raumstation FREEDOM im
kommenden Jahrzehnt sei der nächste
Schritt - wohl zu Beginn des nächsten
Jahrhunderts - die Rückkehr zum Mond
und der Aufbau einer bemannten Mondbasis. Der Erdtrabant könne, so der
Präsident, später als Ausgangspunkt
für den bemannten Flug zum Planeten
Mars und eine weitergehende Erforschung des Weltraums durch den Menschen dienen. Es sei Aufgabe von Vizepräsident Dan Quayle, Vorsitzender
des "National Space Council" (Nationaler
Raumfahrtbeirat)
im
Weißen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Haus, mit Experten zu ermitteln, was
in Bezug auf den Bedarf and Geld,
Personal und Material sowie an internationaler Zusammenarbeit "für die
nächste Runde der Forschungsaktivitäten erforderlich ist."
Schon seit einigen Jahren werden
bei der US-Behörde für Luftund Raumfahrt (NASA) Studien dazu ausgearbeitet. Namhafte Wissenschaftler, u.a.
Dr. Thomas 0. Paine, zur Zeit der
APOLLO-Flüge Leiter der NASA und in
den achtziger Jahren Vorsitzender der
"Nationalen Raumfahrtkomission" des
US-Kongresses, befürworten die jetzt
von Präsident Bush vorgeschlagenen
Projekte.
Viele Forscher sehen in
einer
erweiterten
Weltraumnutzung
auch neue Chancen für die Wirtschaft.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�So berichtete Richard Ott Direktor der NASA-Abteilung für kommerzielle Projekte, daß derzeit 50 Universitäten und 135 Firmen in Studien
investierten, die an 16 NASA-Zentren
zur kommerziellen Erschließung des
Weltraums durchgeführt werden.
Sie
reichen von der Züchtung von Protein-Kristallen in der Schwerelosigkeit
für neue oder verbesserte pharmazeutische Produkte bis zur kommerziellen
Fernerkundung der Erde mit Fotos und
Meßdaten. In einem solchen NASA-Zentrum an der Universität von Houston
berichtete im Jahre 1986 Dr. Paul
Chu, daß der Durchbruch zu Hochtemperatur-Supraleitern
gelungen
sei.
Diese Entdeckung löste weltweit Bestrebungen aus, neue Materialien für
dieses zukunftsträchtige Spezialgebiet der Elektrotechnik zu entwickeln.
Die nächste Phase der Partnerschaft von NASA und Industrie ist die
Absprache von Gemeinschaftsunternehmen, bei denen die NASA den Firmen,
die mit eigenen Mitteln Experimente
durchführen, ihre Raumfahrzeuge zur
Verfügung stellt.
So beabsichtigt
die Fa. Rockwell International an
Bord von Raumtransportern möglichst
fehlerfreie Kristalle zu erzeugen, um
noch bessere Halbleiterchips für noch
schnellere Computer anbieten zu können. Auch wird erwogen, Metall-Legierungen von geringem Gewicht und
besonders hoher Festigkeit, von denen
bereits mehr als 400 in die engere
Wahl kommen, unter Mikrogravitation,
d.h. im fast-schwerelosen Zustand im
Weltraum herzustellen. Die geplante
Raumstation FREEDOM wäre z.B. d?r geeignete Ort für solche Experimente.
Das Interesse der Europäer und Japaner zeige, daß sie,die Beteiligung an
der Raumstation als Einstieg in neue
Zukunftstechnologien betrachten, so
Ott. In den drei Labormodulen, die
von den USA, der Europäischen Weltraumagentur ESA und Japan gebaut werden, sei u.a. Metallverarbeitung im
Weltraum vorgesehen.
Fernmeldesatelliten dienten inzwischen einer Branche, die damit
drei Milliarden Dollar Jahresumsatz

erreiche. Sie ermöglichten mehr als
zwei Drittel der weltweiten Sprechverbindungen und praktisch sämtliche
weltweiten Fernsehübertragungen. Vor
drei Jahren erhielten Privatfirmen
die Genehmigung, kommerzielle Satelliten zu starten.
Noch in diesem
Jahr werde eine von der Fa. McDonnell
Douglas gebaute DELTA-Rakete einen
indischen Satelliten in den Weltraum
befördern, berichtete Ott. Bis Mitte
1993 sind von McDonnell Douglas und
einigen anderen Unternehmen 28 kommerzielle Starts für inund ausländische Auftraggeber, u.a. Italien, Japan, Großbritannien und Indonesien
vorgesehen.
Die Entwicklung kleinerer, leichterer und wirtschaftlicherer Satelliten dank der Miniaturisierung dürfte
das Geschäft weiter beleben.
Sie
können für Photographien, zur Datenübermittlung und sogar zur Materialverarbeitung im Weltraum benutzt werden. Ein solcher Mini-Satellit wiegt
ca. 225 kg und kostet etwa eine Million Dollar - ein "herkömmlicher" Satellit hingegen wiegt bis zu 14 Tonnen und kostet mehrere hundert Millionen Dollar. Bis Ende der neunziger Jahre dürften einige Hundert der
Mini-Geräte gestartet werden.
Fernerkundung der Erde ist ein
Gebiet, das vor allem angesichts der
wachsenden Sorge um die Umwelt kontinuierlich erweitert wird.
Geräte
wie der amerikanische LANDSAT und der
französische SPOT sondieren fortlaufend Kontinente und Meere aus ca. 650
km Höhe und tragen dazu bei, bewirtschaftete Flächen und Waldgebiete auf
Schädigungen zu überwachen, die Erschließung von Ölund Mineralvorkommen
zu unterstützen und die Bodennutzung
in städtischen und ländlichen Gebieten zu kartieren. Neue Systeme wie
das beim Raumtransporter eingesetzte
Bildradar eröffnen immer mehr Möglichkeiten der Fernerkundung.
Auch
die Sowjetunion stellt jetzt Erdaufnahmen zur Verfügung, Japan und Thailand haben unbemannte Erkundungssatelliten gestartet. Der größte Zuwachs in diesem Fachbereich ist bei

- 2 -

�Analyse und Interpretation der visuellen und durch Messung von Satelliten ermittelten Daten zu verzeichnen.
In den kommenden fünf bis zehn
Jahren stehen Umweltfragen im Vordergrund.
So ist es bereits möglich,
die zunehmende Versteppung und den
Verlust
an tropischen
Regenwäldern
(der zum Anstieg des Kohlendioxidgehalts der Atmosphäre und damit zu
Klimaveränderungen, dem "Treibhauseffekt" führen) recht genau zu verfolgen.
Das auf 15 Jahre angesetzte Projekt "Mission zum Planeten Erde" das
sehr gründliche geophysikalische und
chemische, geologische und geobiologische Studien umfaßt, dürfte im Verlauf der nächsten zehn Jahre in Angriff genommen werden.
Es erfordert
neue große Erdbeobachtungssatelliten,
die von den USA, Europa und Japan
entwickelt und gestartet werden. Unbemannte Weltraumplattformen als Träger modernster Instrumente zur Fernerkundung liefern erstmals vom umfassende Beobachtungen des gesamten Erdballs darüber, was menschliche Aktivitäten, die Tierund Pflanzenwelt auf
unserer Erde bewirken und wie natürliche Prozesse .davon beeinflußt werden.
Das Institut für Weltraumstudien,
eine gemeinnützige Organisation zur
Mitfinanzierung
von
Weltraumforschung, schlug kürzlich den Start einer kleinen Robotersonde zum Mond
vor. Sie soll in den nie vom Sonnenlicht
erreichten
polnahen Regionen
des Mondes nach Wasser suchen. Theoretisch könnte es dort unter der
Oberfläche
Wasservorkommen
in
der
Form von Eis geben.
Die Entdeckung
von Wasser auf dem Mond würde die
Wirtschaftlichkeit der Raumforschung
einschneidend verbessern und den Aufbau bemannter Mondbasen erheblich beschleunigen.

* * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker: Sihanouk soll Übergangsregierung in Kambodscha leiten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung bei der Eröffnung der Pariser Kambodscha-Konferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die nationale Energiestrategie der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Energieministeriums&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;USA: Start-Runde nimmt sachlichen und produktiven Verlauf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview mit dem stellvertretenden amerikanischen Chefunterhändler&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Weltraum als Wirtschaftsfaktor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Mittel- und langfristige Programme der USA&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
%

^ &lt;£

8. März 1989

10
INHALT

A

DOKUMENTATION
Ungleichgewichte Im Außenhandel verringert
- Jahresbericht zur Entwicklung im Handel USA fordern Sowjets zur Beteiligung am Abbau chemischer Waffen auf
- Außenminister Baker zur Eröffnung der KSE -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die VSBM-Verhandlungen
- Hintergrundmaterial zu den VSBM WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Durchfallerkrankungen bei Kindern
- Orale Rehydration sehr oft wichtiger als Medikamente

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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�AMERIKA DIENST
4

^v*-

V,QN

Dokumentation

- x

&amp;

10

8. März 1989
UNGLEICHGEWICHTE IM AUSSENHANDEL VERRINGERT
r

- Jahresbericht zur Entwicklung im Handel WASHINGTON - (AD) - Der amerikanischen Regierung zufolge wird sich die im
Jahr 1988 festgestellte positive Entwicklung bei der Erlangung eines besseren
Gleichgewichts im Welthandel in den kommenden zwei Jahren fortsetzen.
Diese Vorhersage ist im Jahresbericht zur Entwicklung im Handel enthalten,
der dem Kongreß am 1. März 1989 vom Finanzministerium und dem Büro des US-Handelsbeauftragten (USTR) zugeleitet wurde. Darin wird ein weiterer Rückgang
des US-Handelsdefizits sowie der Außenhandelsüberschüsse Japans, Europas und
der asiatischen Schwellenländer prognostiziert.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Bericht im Wortlaut:

Teil I: Einführung
Das Allgemeine Handels- und Wettbewerbsfähigkeitsgesetz
von
1988
(P.L. 100-418) enthält Verpflichtungen, denen zufolge Berichte zu verschiedenen Themenbereichen vorzulegen
sind, darunter in Abschnitt 1641 die
Verpflichtung zur Vorlage eines Jahresbericht zur Entwicklung im Handel.
Auslösendes Moment für diesen Bericht
war die verbreitete Besorgnis über
die Entstehung erheblicher Ungleichgewichte im US-Handel und in der USLeistungsbilanz sowie die Auswirkungen wirtschaftlicher Tendenzen und
Maßnahmen im Ausland auf diese Ungleichgewichte.

und

Der Bericht soll eine Uberpüfung
Analyse der maßgeblichen wirt-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

schaftlichen Entwicklungen in Ländern
und Ländergruppen beinhalten, die
wichtige Handelspartner der Vereinigten Staaten sind, Prognosen für Entwicklungen der verschiedenen makroökonoraisehen Variablen im Berichtszeitraum und dem darauf folgenden
Jahr, Schlußfolgerungen und Empfehlungen für einen Kurswechsel zur Verbesserung der Aussichten sowie eine
Übersicht über die Auswirkungen von
Marktschranken und sonstigen unfairen
Praktiken auf den amerikanischen Handel.
Dem Gesetz zufolge ist der Bericht gemeinsam vom Finanzministerium
und dem Büro des US-Handelsbeauftragten in Konsultation mit dem Vorsitzenden des Zentralbankrats (Federal
Reserve Board) zu erarbeiten.
Der

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�Bericht ist dem Finanzausschuß des
Senats sowie dem Haushaltsausschuß
des Repräsentantenhauses jeweils bis
zum 1. März eines jeden Jahres vorzulegen.

Teil II;
Überprüfung
jüngster Entwicklungen

Dies ist der erste nach P.L.
100-418, Abschnitt 1641 unterbreitete
Bericht. Teil II enthält eine Überprüfung und Analyse jüngster makroökonomischer Entwicklungen in Ländern
oder Ländergruppen, die wichtige Handelspartner der Vereinigten Staaten
sind sowie einen Überblick über die
wichtigsten neuen Entwicklungen in
der amerikanischen Wirtschaft. Teil
III beinhaltet Prognosen für die
gleichen Länder und Ländergruppen im
Hinblick auf entscheidende makroökonomische Entwicklungen in den Jahren
1989 und 1990. Die beiden Hauptteile
sind folgendermaßen gegliedert: Abschnitt 1 behandelt Wirtschaftswachstum, steuerpolitische Tendenzen sowie
Leistungs- und
Handelsbilanzentwicklungen in den Industriestaaten; Abschnitt 2 überprüft wichtige wirtschaftliche Entwicklungen in anderen
Teilen der Welt, darunter die nicht
der OPEC angehörenden Entwicklungsländer, die asiatischen Schwellenländer sowie die OPEC-Staaten. Teil IV
enthält eine Einschätzung der von
diesen Prognosen aufgeworfenen politischen Fragen und Teil V behandelt
die Auswirkungen von Marktschranken
und anderen unfairen Praktiken auf
den amerikanischen Handel.

Das reale Wirtschaftswachstum in
den Industriestaaten war im Jahr 1988
nahezu überall erheblich stärker als
weithin erwartet, insbesondere angesichts der von den Turbulenzen an den
Finanzmärkten im Oktober 1987 ausgelösten Besorgnis. Tatsächlich erhöhte sich das durschnittliche reale
Wachstum
des
Bruttosozialprodukts
(BSP) in den OECD-Ländern im Jahr
1988 auf geschätzte 4 Prozent und lag
damit wesentlich über der durchschnittlichen Wachstumsrate des vorigen Jahrzehnts.

Der Leser wird ferner auf den vom
Finanzministerium
im Oktober 1988
vorgelegten Bericht an den Kongreß
über die internationale Wirtschaftsund Wechselkurspolitik hingewiesen,
der detailliert auf wichtige Probleme
eingeht, darunter die Entwicklungen
bei den Wechselkursen und eine genauere Untersuchung wichtiger historischer Tendenzen der jüngeren Vergangenheit liefert. Auch dieser Bericht
wurde gemäß den Verpflichtungen des
Allgemeinen Handels- und Wettbewerbsfähigkeitsgesetzes
von 1988 (P.L.
100-418) erstellt.

1. Entwicklungen
staaten

und

Analyse

in den Industrie-

A.
Wichtige Entwicklungen
Vereinigten Staaten

in

den

Da die wirtschaftlichen Entwicklungen in den Vereinigten Staaten ein
wichtiger Bestimmungsfaktor für die
Leistung in anderen Industriestaaten
sind, wird ein kurzer Überblick über
diese Entwicklungen dazu beitragen,
die folgenden Erörterungen in den
richtigen Kontext zu stellen.
Das
reale Wachstum des BSP in den Vereinigten Staaten stieg im Jahresdurchschnitt von 3,4 Prozent im Jahr 1987
auf 3,8 Prozent im Jahr 1988. Vergleicht man jedoch jeweils das letzte
Quartal der Jahre 1987 und 1988, so
verlangsamte sich das Wirtschaftswachstum von 5,0 Prozent auf 2,7 Prozent. (Letztere Meßmethode trägt dazu bei, die Wachstumstendenz im Verlauf des Jahres einzuschätzen - Beschleunigung oder Verlangsamung -,
obwohl sie auch empfindlicher auf
Entwicklungen
in den Anfangs- und
Schlußquartalen reagiert.)
Dieser allgemeine Eindruck einer
Verlangsamung des Wachstums in den
Vereinigten Staaten im Jahr 1988 ist
jedoch irreführend, bedenkt man die
durch die Dürre des vorigen Jahres
verursachten nachteiligen Auswirkungen. Bereinigt man die BSP-Daten um

�die Dürreschaden, tritt ein gänzlich
verändertes Bild zutage: Das reale
Wachstum des BSP in den Vereinigten
Staaten stieg im Jahresdurchschnitt
noch stärker auf 4,1 Prozent und verlangsamte sich beim Vergleich der 4.
Quartale weniger drastisch auf 3,3
Prozent. Die Bereinigung um die Dürreschäden ist besonders eindrucksvoll
beim Vergleich der 4. Quartale, da
die Negativeinflüsse der Dürre auf
das BSP in der zweiten Jahreshälfte
stärker zu Buche schlugen.

Dienstleistungen insgesamt 0,8 Prozentpunkte zum realen BSP-Wachstum
bei; die verbesserte Nettoexportleistung verursachte also ca. 20 Prozent
des amerikanischen Gesamtwirtschaftswachstums des vergangenen Jahres, obwohl die Ausfuhren nur 13 Prozent des
gesamten realen BSP ausmachen. Unter
dem Blickwinkel des BSP betrachtet,
setzte sich im Jahr 1988 der außenwirtschaftliche Anpassungsprozeß für
die Vereinigten Staaten also fort und
verstärkte sich sogar noch.

Die Auswirkungen
der weiteren
Verringerung der Defizite in der amerikanischen Handels- und Leistungsbilanz wirken sich eindeutig in den nationalen Bilanzen aus. (N.B.: Für
die Außenbewertung einer Volkswirtschaft gibt es zwei Maßstäbe. Die
Zahlungsbilanz, d.h. die Handels- und
Leistungsbilanz, mißt den nominellen
Dollarwert des internationalen Umschlags von Gütern (Handelsbilanz)
oder von Gütern und Dienstleistungen
(Leistungsbilanz). Das Bruttosozialprodukt (BSP) enthält das außenwirtschaftliche Element, indem es Einund Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen auf realer, d.h. preisbereinigter
Grundlage,
beinhaltet.
Durch die Trennung des binnenwirtschaftlichen Elements (i.e. privater
und öffentlicher Verbrauch sowie Investitionen) vom außenwirtschaftlichen Element (Ein- und Ausfuhren) und
die inflationsbereinigte Darstellung
beider Elemente lassen sich mit dem
BSP-Maßstab deren relative Beiträge
zum realen Gesamtwachstum der Wirtschaftsleistung identifizieren.)

Die Anpassung wird ferner deutlich sichtbar, wenn man die Zahlungsbilanz als Maßstab anlegt. Wie in
der obigen Zusammenfassung erläutert,
verringerten sich das US-Handelsdefizit im Jahr 1988 um geschätzte 35
Milliarden Dollar und das Leistungsbilanzdefizit um ca. 20 Milliarden
Dollar.
In Prozent des BSP ausgedrückt, was den internationalen Vergleich mit Ländern unterschiedlicher
Größe erleichtert, verringerte sich
das US-Leistungsbilanzdefizit von 3,4
Prozent im Jahr 1987 auf 2,8 Prozent
im Jahr 1988.

Die Zunahme der Binnennachfrage
in den Vereinigten Staaten betrug im
Jahr 1988 3,0 Prozent, war also im
Vergleich zu 1987 unverändert. Das
Wachstum des BSP übertraf demzufolge
sowohl 1987 als auch 1988 das der
Binnennachfrage erheblich. Wie oben
ausgeführt, beleuchtet diese Kluft
den positiven Nettobeitrag des außenwirtschaftlichen Elements zum Gesamtwachstum der US-Wirtschaft seit 1986.
Im Jahr 1988 trug die starke Realzunahme bei den Ausfuhren von Waren und

Die größten Verbesserungen beim
US-Handelsdefizit im Jahr 1988 wurden
gegenüber den Industriestaaten erzielt (ca. 20 Milliarden Dollar), die
zusammen 64 Prozent der amerikanischen Ausfuhren aufnehmen. Innerhalb
dieser Gruppe wurde das amerikanische
Defizit gegenüber Westeuropa (27 Prozent der amerikanischen Gesamtausfuhr) mehr als halbiert, von 27 Milliarden auf 13 Milliarden Dollar:
das US-Defizit gegenüber der Bundesrepublik Deutschland ging ausschließlich aufgrund verstärkter Exporte um
ca. 3 Milliarden Dollar zurück, und
das amerikanische Handelsdefizit gegenüber
Großbritannien
verbesserte
sich um fast 4 Milliarden Dollar zu
einem
geringen
Überschuß.
Das
Gleichgewicht im amerikanischen Handel mit der EG verlagerte sich um 12
Milliarden Dollar von einem Defizit
von 21 Milliarden Dollar zu einem Defizit von 9 Milliarden Dollar. Die
Verbesserungen der US-Handelsbilanz
gegenüber Japan (das für etwa 12 Pro-

- 3 -

�zent der amerikanischen Ausfuhren und
20 Prozent der amerikanischen Einfuhren verantwortlich ist) erreichten
ca. 4 Milliarden Dollar.
Auch in der Handelsbilanz der
Vereinigten Staaten mit den Entwicklungsländern ergab sich im Jahr 1988
ein erheblicher Defizitabbau. Gegenüber dieser Gruppe, die 33 Prozent
der amerikanischen Exporte aufnimmt
(also mehr als Westeuropa) verringerte sich das US-Defizit um 13 Milliarden Dollar, von 59 Milliarden Dollar
im Jahr 1987 auf 46 Milliarden im
Jahr 1988. Das US-Handelsdefizit gegenüber Mexiko (dem drittgrößten amerikanischen Exportmarkt nach Kanada
und Japan) verringerte sich um 3 Milliarden Dollar.
Diese Verschiebung
wurde jedoch teilweise von einem Anstieg des US-Handelsdefizits gegenüber Brasilien um 1 Milliarde Dollar
wettgemacht.
Die Verschiebung im US-Defizit
gegenüber den Entwicklungsländern war
etwa zur Hälfte dem Rückgang des Defizits gegenüber den Schwellenländern
Asiens zuzuschreiben, der 5,5 Milliarden Dollar betrug. (Diese Gruppe
macht 11 Prozent der US-Exporte und
14 Prozent der US-Importe aus). Diese Verbesserungen wurden zum Großteil
im Handel mit Taiwan erzielt, demgegenüber das amerikanische Defizit von
17 Milliarden auf 13 Milliarden Dollar zurückging.
Andererseits blieb
das Defizit gegenüber Korea nahezu
unverändert.
Schließlich wurde das amerikanische Defizit gegenüber den OPEC-Ländern um 4 Milliarden Dollar verringert, was hauptsächlich und - betrachtet man den allgemeinen Rückgang
bei den Importen der OPEC-Staaten überraschenderweise auf einen Anstieg
der amerikanischen Ausfuhren in diese
Länder zurückzuführen
ist.
Angesichts der Entwicklung der Ölpreise
im Jahr 1988 verringerten sich die
amerikanischen
Einfuhren
aus
den
OPEC-Ländern um nahezu eine Milliarde
Dollar.

B.
Entwicklungen
striestaaten

in

anderen

Indu-

Das in den Industriestaaten im
Jahr 1988 verzeichnete beschleunigte
Wirtschaftswachstum beruhte auf einer
Reihe von Faktoren. Erstens verbesserte sich die Stimmung bei Verbrauchern und Unternehmen in der ersten
Jahreshälfte drastisch. Damit vollzog sich nach dem extremen Pessimismus, der nach den Ereignissen an den
Finanzmärkten im Oktober 1987 vorgeherrscht hatte, ein Umschwung. Die
Auswirkungen dieser Veränderung kamen
im privaten Verbrauch zum Ausdruck,
der eindeutig höher lag als anfänglich erwartet, sowie - und dies ist
der wichtigste Bereich - in erheblich
erhöhten realen Ausgaben für Investitionen.
Zweitens stieg die reale
Wachstumsrate im Welthandel volumenmäßig um etwa 50 Prozent (von fast 6
Prozent im Jahr 1987 auf geschätzte 9
Prozent im Jahr 1988), was sowohl ein
Echo auf das höhere allgemeine Wachstum in den Industriestaaten als auch
einen Beitrag zu diesem Wachstum darstellt.
Drittens
erhielten
die
Wachstumsraten zu Beginn des Jahres
1988 durch einige besondere Faktoren
- einen milden Winter und zusätzliche
Arbeitstage in Europa - deutlichen
Auftrieb.
Wie oben bereits festgestellt,
trug die stärkere Investitionstätigkeit im Jahr 1988 erheblich zur allgemeinen Verbesserung der Binnennachfrage in den Industriestaaten außerhalb der Vereinigten Staaten bei.
Tatsächlich stiegen die Bruttoinvestitionen real in jedem der sechs
ausländischen
Teilnehmerstaaten
am
Weltwirtschaftsgipfel (Japan, Bundesrepublik
Deutschland,
Frankreich,
Großbritannien, Italien und Kanada),
in einigen Fällen sogar drastisch
(Bundesrepublik Deutschland und Großbritannien) . In der Gruppe der 12
EG-Staaten stieg das Investitionswachstum von etwa 4,5 Prozent im Jahr
1987 auf geschätzte 7,5 Prozent im
vergangenen Jahr, ein unerwartet gutes Resultat, das allgemein auch in

�den anderen europäischen Staaten erzielt wurde.
Die Entwicklungen bei einer weiteren wichtigen Komponente der Binnennachfrage, dem privaten Verbrauch,
verlief jedoch weniger einheitlich.
Die Wachstumsraten beim Verbrauch
stiegen in Japan, Großbritannien und
den Niederlanden
an, blieben in
Frankreich im wesentlichen unverändert und gingen in den anderen Ländern dieser Gruppe allgemein zurück.
Für die EG insgesamt wird für das
Jahr 1988 eine geringfügige Abnahme
des privaten Verbrauchswachstums angenommen. Mit 3,5 Prozent lag es jedoch immer noch über den durchschnittlichen Wachstumsraten in der
ersten Hälfte dieses Jahrzehnts. Obwohl
Verallgemeinerungen
schwierig
sind, spiegelten sich in diesem Rückgang in gewisser Weise die Auswirkungen der Zurückhaltung bei den Realverdiensten und eine etwas höhere Inflationsrate wider.
Zusammengenommen
belegen
diese
Tendenzen, daß zusätzlich zur quantitativen Verbesserung des Wirtschaftswachstums bei unseren wichtigsten
Handelspartnern unter den Industriestaaten im Jahr 1988 ebenfalls eine
qualitative Verbesserung erzielt wurde.
Insbesondere verbreiterte sich
die Kluft zwischen dem Anstieg der
Binnennachfrage und dem Gesamtwachstum des BSP in den führenden Uberschußländern - ein wichtiger Bestimmungsfaktor für die Geschwindigkeit
der Anpassung von Handel und Leistungsbilanz -, besonders gegenüber
Japan.
Insgesamt stieg die durchschnittliche Wachstumsrate der Binnennachfrage in den sechs anderen Gipfelstaaten von 4,3 Prozent im Jahr 1987
auf geschätzte 5,5 Prozent im Jahr
1988. Das durchschnittliche Wachstum
des BSP betrug jeweils 3,4 und 4,4
Prozent.
Die Kluft zwischen dem
Wachstum der Binnennachfrage und dem
allgemeinen Wirtschaftswachstum blieb
für diese Ländergruppe real bei ca. 1
Prozent. Das gleiche Gesamtbild er-

gibt sich für die Gruppe der EG-Staaten als Ganzes, obwohl das Wachstum
der Binnennachfrage in den kleineren
europäischen Volkswirtschaften schätzungsweise um die Hälfte über dem
Wachstum des BSP lag.
Was bestimmte Länder angeht, so
lag im Jahr 1988 unter den Gipfelteilnehmern
wiederum
Japan
beim
Wachstum
an
der
Spitze;
seine
BSP-Wachstumsrate stieg von 4,5 Prozent im Jahr 1987 auf geschätzte 6,0
Prozent im Jahr 1988. Die Binnennachfrage (insbesondere der private
Verbrauch und die Investitionen) war
erneut mit einer realen Steigerung
von 8 Prozent die treibende Wachstumskraft.
Für die Bundesrepublik
Deutschland ergibt sich ein ähnliches, wenn auch nicht ganz so beeindruckendes Bild. Das Gesamtwachstum
des BSP stieg nach einem enttäuschenden Ergebnis von 1,8 Prozent im Jahr
1987 im Jahr 1988 stark an (auf etwa
3,6 Prozent). Mit den Investitionen
als wichtigster Stütze erhöhte sich
das Wachstum der Binnennachfrage von
3,1 Prozent im Jahr 1987 auf geschätzte 3,9 Prozent im Jahr 1988.
Die Lücke zwischen dem Wachstum der
Binnennachfrage und dem Wachstum des
BSP verringerte sich infolgedessen in
der Bundesrepublik Deutschland erheblich von 1,3 Prozent im Jahr 1987 auf
0,3 Prozent im Jahr 1988.
Der Anstieg des Wachtums der Binnennachfrage lag in Großbritannien im
Jahr 1988 erheblich höher (vielleicht
5,8 Prozent), was großenteils auf
stark gestiegenen Investitionen beruhte. Auch in Kanada und Italien
war das Wachstum der Binnennachfrage
ausschlaggebende Kraft für das BSP;
in Frankreich und Belgien stiegen
beide um 3,5 Prozent, während in den
Niederlanden die Wachstumsraten bescheidenere 2,5 Prozent erreichten.
In der wichtigen Gruppe der sechs
anderen
Gipfelteilnehmer
insgesamt
(die ausschließlich wegen Japan und
der Bundesrepublik Deutschland einen
Gesamtüberschuß in der Leistungsbilanz aufweist) übte das außenwirt-

- 5 -

�schaftliche Element im Jahr 1988 netto eine Sogwirkung aus, d.h. die Nettoexporte von Gütern und Dienstleistungen nahmen real ab. Sowohl für
Japan als auch für die Bundesrepublik
Deutschland war dies das dritte Jahr
der Anpassung in Folge. (In den Vereinigten Staaten leistete umgekehrt
die Erhöhung der Nettoexporte einen
positiven Beitrag zum Wachstum des
BSP seit 1987).

C.

Steuer- und Haushaltspolitik

Die Haushaltsdefizite in den Industriestaaten
lagen insgesamt im
Jahr 1988 niedriger, was hauptsächlich auf automatische Stabilisierungseffekte aufgrund des oben beschriebenen
stärkeren
Wirtschaftswachstum zurückgeführt werden kann.
Insbesondere das höhere Wachstum und
größere Unternehmensgewinne führten
zu einem starken Anstieg der Steuereinnahmen während andererseits die
Ausgaben für öffentliche Unterstützungsprogramme wie etwa die Arbeitslosenversicherung im allgemeinen weniger stark anstiegen oder sogar zurückgingen. Die Anspannung der Haushaltslage im Jahr 1988 scheint hauptsächlich
eher
konjunkturelle
als
strukturelle Gründe zu haben.
Berechnungen von Experten der
OECD zufolge hatten die grundlegenden
fiskalischen Maßnahmen in den Industriestaaten im Jahr 1988 eine geringfügig abschwächende Wirkung, während sie 1987 etwas expansionsorientierter waren. Die OECD schätzt, daß
die "konjunkturbereinigte" fiskalische Gesamtposition der 6 Gipfelstaaten um 0,2 Prozent des BSP zum Überschuß tendierte, während sie sich im
Jahr 1987 um 0,3 Prozent des BSP abgeschwächt hatte.
Nach Abzug der
Auswirkungen automatischer Stabilisatoren (fiskalische Sogwirkung) und
einzelner politischer Veränderungen
vollzog sich also in der allgemeinen
fiskalischen Position der Regierungen
(d.h. unter Einbeziehung aller Regierungsebenen) der sechs Staaten zusammengenommen ein Umschwung von gering-

fügiger Ausweitung (0,3 Prozent des
BSP) im Jahr 1987 zu einer milden Abschwächung Im Jahr 1988. In diesem
Zweijahreszeitraum waren also fiskalischen Rahmenbedingungen der Gruppe
der sechs Gipfelteilnehmer durchweg
neutral ausgelegt. Die OECD schätzt
ferner, daß die gleichen Zahlen auf
die
europäischen
Volkswirtschaften
allgemein zutreffen.
Zwischen den verschiedenen Ländern ergaben sich jedoch einige wichtige Unterschiede. In Japan wurden
die großen Zuwächse bei den öffentlichen Investitionen und eine Senkung
der Einkommensteuern gegen Ende des
Jahres 1988 von einem höheren wachstumsbedingten Steueraufkommen wettgemacht, was in einem geringfügigen Anstieg des kleinen (0,4 Prozent des
BSP) allgemeinen staatlichen Überschusses resultierte. In der Bundesrepublik Deutschland trugen die im
Januar 1988 in Kraft getretenen Einkommensteuersenkungen zu einer gewissen Steigerung des staatlichen Defizits auf geschätzte 2,1 Prozent des
BSP im Jahr 1988 bei. Nach mehreren
Jahren konjunkturabschwächender Maßnahmen bleibt das bundesdeutsche Defizit, in Prozent des BSP ausgedrückt, immer noch weit unter den Niveaus zu Beginn der achtziger Jahre.
In
Großbritannien
verbesserte
sich die allgemeine fiskalische Position im Jahr 1988 weiter, wobei der
Überschuß auf 1,4 Prozent des BSP anwuchs. Die Ausgaben blieben weiterhin innerhalb relativ restriktiver
Zielvorgaben, während die Steuereinnahmen von dem starken Wachstum und
den Privatisierungsmaßnahmen profitierten. In anderen Ländern wird das
Gesamtbild von andauernden Bemühungen
zur Zügelung des Ausgabenwachstums im
Verein mit Steuereinnahmen geprägt,
die höher liegen als vorhergesehen.
Deshalb lagen die im Jahr 1988 erzielten Defizite im Vergleich zum BSP
etwas niedriger.

D.

Die Außenbilanzen

�Obwohl die Entwicklungen bei den
Außenbilanzen der einzelnen Industrieländer im Jahr 1988 naturgemäß
unterschiedlich ausfielen, sind in
wichtigen Bereichen eindeutige Fortschritte zu einem besseren internationalen Gleichgewicht erzielt worden. Die amerikanischen Defizite im
Handel und in der Leistungsbilanz
gingen sowohl nominell wie auch als
prozentualer Anteil am BSP zurück.
Das Gegenstück zu dieser amerikanischen Anpassung konnte im Jahr 1988
bei den geringeren außenwirtschaftlichen Überschüssen in Japan, der EG
(und Europa im weiteren Sinne) und
den
asiatischen
Schwellenländern
festgestellt werden.
Japans
Leistungsbilanzüberschuß
verringerte sich von 87 Milliarden
Dollar im Jahr 1987 auf 79,5 Milliarden Dollar im Jahr 1988. Darin kommt
sowohl der Rückgang des Handelsüberschusses als auch ein Zuwachs des im
Dienstleistungs- und
Kapitalverkehr
mit dem Ausland erzielten Defizits
zum Ausdruck.
Die wichtigste Entwicklung beim Handel war die sehr
starke Zunahme des Einfuhrvolumens
(ca. 16 Prozent) im Vergleich zum Anstieg des Ausfuhrvolumens von ca. 4,5
Prozent.
Da jedoch die Ausfuhren
insgesamt nahezu das doppelte der Gesarateinfuhren erreichten, wurde der
Handelsüberschuß um weniger als 1
Milliarde Dollar (auf 96 Milliarden
Dollar) verringert.
Kanadas Bilanz im Warenhandel erreichte im Jahr 1988 einen Überschuß
von 7,2 Milliarden Dollar, ein Rückgang um 1 Milliarde Dollar seit 1987,
während die realen Wachstumsraten bei
Importen und Exporten gleichermaßen
anstiegen. Da jedoch das traditionell hohe Defizit
im Dienstleistungs- und Kapitalverkehr unter dem
Stand von 1987 lag, verringerte sich
das Defizit in der Leistungsbilanz
auf geschätzte 7 Milliarden Dollar.
Der Leistungsbilanzüberschuß der
Europäischen Gemeinschaft insgesamt
fiel von ca. 37 Milliarden Dollar im
Jahr 1987 auf geschätzte 15 Milliar-

den Dollar im Jahr 1988. Beim Abschneiden der verschiedenen Länder
ergaben sich jedoch starke Unterschiede. Die außergewöhnlichste Entwicklung war ein nahezu sechsfacher
Anstieg
im
Leistungsbilanzdefizit
Großbritanniens, von 4,4 Milliarden
Dollar im Jahr 1987 auf geschätzte 25
Milliarden Dollar
im Jahr 1988.
Hierfür waren teilweise die geringeren Einnahmen aus der Erdölförderung
verantwortlich, der Löwenanteil dieses Umschwungs ist jedoch auf die
stark gestiegenen Einfuhren von Investitionsgütern zurückzuführen.
Der Handelsüberschuß der Bundesrepublik Deutschland
wiederum erreichte in DM ausgedrückt einen neuen
Rekordstand (etwa im Wert von 73 Milliarden Dollar), was hauptsächlich
auf den wesentlich gestiegenen Ausfuhren von Investitionsgütern in andere EG-Länder beruhte. Als Ergebnis
dessen wuchs der Überschuß der bundesdeutschen Leistungsbilanz um ca. 4
Milliarden Dollar auf nahezu 49 Milliarden Dollar (die Bundesrepublik
Deutschland weist ein großes und weiter wachsendes Defizit im Dienstleistungs- und Kapitalverkehr auf), während es im Vergleich zum BSP leicht
auf geschätzte 3,9 Prozent zurückging.
Im Jahr 1988 wies das Gesamtbild
der Leistungsbilanzen
der übrigen
EG-Länder nur geringfügige Veränderungen
auf.
Frankreichs
Defizit
stieg in bescheidenem Umfang auf etwa
4,5 Milliarden Dollar, blieb jedoch
als Prozentsatz des BSP relativ niedrig, wie es im großen und ganzen
auch in Italien der Fall war. In den
übrigen Ländern der EG konnten ebenso
wie in Europa insgesamt einige bemerkenswerte
Entwicklungen
beobachtet
werden: das Defizit aller nordischen
Länder zusammengenommen blieb mehr
oder weniger gleich und belief sich
auf ca. 9 Milliarden Dollar; der
Überschuß aller Benelux-Länder stieg
von ungefähr 6 Milliarden Dollar auf
ca. 9 Milliarden Dollar und das neu
aufgenommene EG-Mitglied Spanien hatte eine defizitäre Leistungsbilanz
aufzuweisen.

- 7 -

�2. Entwicklungen
dustriestaaten

außerhalb der In-

Im Jahr 1988 war die Wachstumskurve der Entwicklungsländer im grossen und ganzen zufriedenstellend, obwohl das reale Wachstum insgesamt verglichen mit den Industrienationen
- hinter 1987 zurückblieb. Insbesondere ging die von Experten des Finanzministeriums ausgemachte BSP-bezogene durchschnittliche reale Zuwachsrate der 137 nicht der OPEC angeschlossenen Entwicklungsländer von
ca. 3,7 Prozent im Jahr 1987 auf vorläufig geschätzte 3,1 Prozent im vergangenen Jahr zurück.
Wie gewöhnlich waren jedoch gravierende Unterschiede zwischen den
einzelnen Ländern und Ländergruppen
zu beobachten, von denen ein Großteil
von Entwicklungen in einigen der
größten Volkswirtschaften betroffen
waren.
In Lateinamerika war beim
durchschnittlichen
realen
Wachstum
eine rückläufige Entwicklung zu verzeichnen, in den Schwellenländern
Asiens blieb es jedoch relativ stark.
Das generell rückläufige Wachstum
in den Entwicklungsländern war im
Jahr 1988 nahezu ausschließlich den
negativen Entwicklungen in einigen
wenigen lateinamerikanischen Volkswirtschaften zuzuschreiben.
Insbesondere Brasilien hatte 1988 ein reales Nullwachstum (nach 2,9 Prozent im
Jahr 1987) zu verzeichnen, und Mexikos Wachstumsrate fiel von ca. 1,5
Prozent im Jahr 1987 auf geschätzte
0,5 Prozent im Jahr 1988. Infolgedessen verlangsamte sich der Zuwachs
des BSP ingesamt von 2,5 Prozent im
Jahr 1987 auf 1,4 Prozent im Jahr
1988. In den übrigen nicht zur OPEC
gehörenden Entwicklungsländern entsprach das reale Wachstum dem Stand
des Jahres 1987, lag also knapp unter
4 Prozent.
Die Schwellenländer Asiens (Taiwan, Korea, Singapur, Hongkong) führten das Wachstum erneut eindeutig an
und verzeichneten ebenso wie im Jahr
1986 durchschnittliche Zuwachsraten

von ca. 10 Prozent im Jahr 1988: Koreas Zuwachsrate blieb bei rund 12
Prozent, während Taiwans Wachstum auf
immer noch beeindruckende 8 Prozent
fiel.
Bei der Leistungsbilanz der nicht
der OPEC angeschlossenen Entwicklungsländer insgesamt war ein geringes Defizit von 1 Milliarde Dollar im
Jahr 1988 zu verzeichnen, verglichen
mit einem Überschuß von 4 Milliarden
Dollar im Jahr 1987. Ebenso wie bei
den oben erörterten Wachstumszahlen
bestanden
gravierende
Unterschiede
zwischen den einzelnen Ländern und
Regionen.
Der gemeinsame LeistungsbilanzUberschuß der asiatischen Schwellenländer sank im Jahr 1988 um geschätzte 5 Milliarden Dollar auf ca. 26
Milliarden Dollar. Diese Bereinigung
war ausschließlich der Halbierung des
Überschusses von Taiwan zuzuschreiben, von ca. 18 Milliarden Dollar im
Jahr 1987 auf geschätzte 9,6 Milliarden Dollar für 1988; ungefähr 4 Milliarden Dollar dieser bereinigten
Summe ergaben sich jedoch aus besonderen und wahrscheinlich einmaligen
Goldkäufen.
Koreas Überschuß stieg
hingegen weiter auf ca. 14 Milliarden
Dollar an.
Andere entscheidende Entwicklungen der Leistungsbilanz von Nichtmitgliedstaaten der OPEC waren:
eine
dramatische Verschlechterung der Position Mexikos, dessen Überschuß von
3,4 Milliarden Dollar sich in ein für
1988 geschätztes 3 Milliarden-Defizit
von verwandelte; eine beachtliche gegenläufige Entwicklung war in Brasiliens Leistungsbilanz zu beobachten,
die nach einem Defizit von ungefähr 1
Milliarde Dollar im Jahr 1987 einen
vorläufigen Überschuß von 4, 4 Milliarden Dollar für 1988 verzeichnete.
Trotz dieser bedeutenden Leistungsbilanzverlagerungen
innerhalb
der einzelnen Länder hat sich unter
dem Strich die Bilanz der lateinamerikanischen Länder in den vergangenen
Jahren (in Dollar) insgesamt relativ

�wenig verändert. Das Defizit von 17
Milliarden Dollar des Jahres 1986
wurde auf 11 Milliarden Dollar im
Jahr 1987 abgebaut, wo es sich im
vergangenen Jahr einpendelte.
Die vier asiatischen Schwellenländer (Korea, Taiwan, Hongkong und
Singapur) wurden besonders wichtige
Akteure im Welthandelssystem.
Seit
1970 hat sich ihr Anteil an den Exporten weltweit mehr als verdreifacht
und beläuft sich derzeit auf 7,4 Prozent.
Darüber hinaus verzeichnen
diese
Volkswirtschaften
gemeinsam
Außenhandelsüberschüsse, die maßgeblich zu den heutigen weltweiten Ungleichgewichten
beitragen.
Taiwan
und Korea konnten jüngst große Leistungsbilanzüberschüsse aufweisen zwei- bis viermal höher als die von
Japan und der Bundesrepublik Deutschland gemessen am BSP. (Es sollte jedoch nicht unerwähnt bleiben, daß Korea erst seit 1986 ein Leistungsbilanzdefizit zu verzeichnen hat).
Die für zunehmende Außenhandelsüberschüsse der asiatischen Schwellenländer verantwortlichen Faktoren
variieren von Land zu Land und erschweren eine Verallgemeinerung. In
nicht unerheblichem Maße tragen hierzu Vorteile bei den Produktionskosten
sowie die Betonung auf Exportproduktion auf Kosten des Verbrauchs im Inland und einer Verbesserung des Lebensstandards bei. Die Schwellenländer haben natürlich von der Ausweitung des Welthandels im allgemeinen
und der Expansion der amerikanischen
Wirtschaft im besonderen profitiert,
obwohl dies auch für die übrige Welt
zutrifft. Unterbewertete Wechselkurse waren ferner ein wesentlicher Faktor im Falle von Korea und Taiwan.
Alle 13 OPEC-Staaten verzeichneten 1988 eine beträchtliche Zunahme
ihres Leistungsbilanzdefizits, da sie
aufgrund
des
etwas
20prozentigen
Preisverfalls von OPEC-Öl erheblichen
Einbußen bei ihren Einnahmen aus Ölund Erdgasexporten hinnehmen mußten.
Nachdem das Defizit von 26 Milliarden
Dollar im Jahr 1986 auf weniger als

11 Milliarden Dollar im Jahr 1987 gesunken war, verdoppelte es sich 1988
auf 20 Milliarden Dollar.
(Obwohl
die OPEC-Staaten für gewöhnlich einen
erheblichen Handelsüberschuß aufweisen können, war dieser in jüngster
Zeit unbeständig und wird von einem
enormen Defizit im Dienstleistungs
und Kapitalverkehr mit dem Ausland
überschattet).

Teil III; Voraussichtliche Entwicklungen für 1989 und 1990
Vor einer Prognose der Entwicklungen in diesem und im kommenden
Jahr sollten zunächst einige der
Grundvoraussetzungen aufgezeigt werden, auf die sich die Analyse gründet. Erstens basieren alle Prognosen
für die einzelnen Länder und Ländergruppen auf den heutigen Gegebenheiten.
Für die Vereinigten Staaten
geht man von der Annahme aus, daß das
Haushaltsdefizit
entsprechend
dem
Gramm-Rudman-Hollings-Gesetz abgebaut
wird.
Für den Betrachtungszeitraum
werden keine Vermutungen darüber angestellt, welche Veränderungen bei
der Steuer- oder Geldpolitik vorgenommen werden könnten.
Zweitens wird davon ausgegangen,
daß die Wechselkurse nominal auf dem
derzeitigen Niveau konstant bleiben.
Und schließlich stellen die in der
Haushaltsvorlage der Administration
enthaltenen Vorhersagen die Grundlage
für die Perspektiven der amerikanischen Wirtschaft dar, die an sich
schon ein wesentlicher Faktor für die
wirtschaftliche Leistung der führenden
amerikanischen
Handelspartner
sind.
Als Ergebnis dieser einzelnen
Grundvoraussetzungen sind die im folgenden erörterten Tendenzen keine
"über den Daumen gepeilte" Prognosen
der Wirtschaftslage für 1989 und
1990. Sie sind vielmehr, vorbehaltlich einer politischen Kursänderung,
"die bestmögliche Beurteilung" -der
künftigen Situation.

- 9 -

�Die jüngsten Vorhersagen und Statistiken deuten darauf hin, daß der
derzeitige wirtschaftliche Aufschwung
der Industrieländer voraussichtlich
1989 und 1990 - und damit im siebten
und achten aufeinanderfolgenden Jahr
- anhalten wird. Man geht jedoch im
großen und ganzen davon aus, daß das
Tempo des gesamten Wachstums sich
verglichen mit 1988 etwas verringern
wird.
Ebenso wie 1988 wird die
Wachstumsrate des Welthandels wahrscheinlich
weiterhin
beträchtlich
über dem Realwachstum des BSP liegen
und damit den derzeit stattfindenden
außenwirtschaftlichen
Anpassungsprozeß unterstützen und gleichzeitig
eine solide Grundlage und einen Anreiz für weltweites Wachstum bieten.
Die Inflation in den Industrienationen wird voraussichtlich bis ins Jahr
1990 gemäßigt bleiben. Eine generelle Übersicht über die steuerpolitischen Entwicklungen erweist sich
als etwas schwieriger: viele Länder
werden nach wie vor - mit wechselndem
Druck - eine Politik verfolgen, die
darauf ausgerichtet ist, das Haushaltsdefizit und die Notwendigkeit
öffentlicher
Anleihen
abzubauen.
Nicht zuletzt bleiben jedoch auch
Steuerreformen und generelle Steuererleichterungen die politische Zielsetzung in vielen anderen Ländern.
1. Prognosen
Wirtschaft

für die amerikanische

Die amerikanische Wirtschaft wird
1989 und 1990 voraussichtlich weiterhin von anhaltendem Wachstum gekennzeichnet sein.
Nach dem teilweise
durch die Dürre des letzten Jahres
verursachten
rückläufigen
Wachstum
wird die BSP-Zuwachsrate (im Vergleich der 4. Quartale) offiziellen
Schätzungen zufolge bis auf 3,5 Prozent im Jahr 1989 aufholen und sich
im Jahr 1990 auf diesem Prozentsatz
einpendeln. (N.B.: Diese Zuwachsrate für 1989 bewertet aufgrund der negativen Auswirkungen der oben erwähnten Dürre, die sich Ende des Jahres
1988 bemerkbar machten, zugrundeliegende wirtschaftlichen Antriebskraft

zu hoch).
Die Wachstumsrate der Vereinigten
Staaten wird im Jahresdurchschnitt
wahrscheinlich etwas niedriger ausfallen, sich aber über beide Jahre
hinweg in der Größenordnung von 3 bis
3,5 Prozent bewegen. Den Vorhersagen
zufolge wird die Zuwachsrate bei der
Inlandsnachfrage weiterhin 2,5 bis 3
Prozent betragen.
Damit wird der
Außenhandel nach wie vor positiv zum
Gesamtwachstum beitragen, mit realen
Zuwächsen bei den Exporten, die voraussichtlich beträchtlich über dem
Anstieg bei den Einfuhren liegen.
Auf der Grundlage der Zahlungsbilanz
wird ein weiterer Abbau des amerikanischen Handels- und Leistungsbilanzdefizits erwartet; angesichts der
steigenden Kosten zur Tilgung der
Schulden wird sich der Abbau des Handelsdefizits nicht in vollem Umfang
auf die Leistungsbilanz niederschlagen.

2. Prognosen für die anderen Industrienationen
A.

Wirtschaftswachstum

Das reale Wirtschaftswachstum der
Industriestaaten wird in diesem Jahr
voraussichtlich etwas zurückgehen und
sich zwischen 3,0 und 3,5 Prozent bewegen, was einer Rückkehr zu den Zahlen des Jahres 1987 entspricht. Dieser gemäßigte Rückgang ist im großen
und ganzen auf die erwartungsgemäß
rückläufige Zuwachsrate bei den Investitionen zurückzuführen, die nach
dem außergewöhnlichen Auftrieb des
Jahres 1988 im Jahr 1989 wieder ein
ausgewogeneres Niveau erreichen wird.
Obwohl für 1990 noch keine Prognosen

gewagt werden können, lassen erste
Studien auf einen weiteren - wenn
auch bescheideneren - Wachstumsrückgang der führenden ausländischen Industrienationen schließen. Man geht
davon aus, daß sich das reale Wachstum der sechs anderen Gipfelteilnehmer 1990 durchschnittlich auf knapp 3
Prozent belaufen wird.

�Unter
den
Konjunkturberatern
herrscht weithin Überinstimmung, daß
der BSP-Zuwachs der Bundesrepublik in
diesem Jahr etwas hinter die entschieden höhere Rate des letzten Jahres zurückfallen wird und damit vor
allem die dämpfende Wirkung einzelner
Steuererhöhungen auf das verfügbare
Einkommen und gesteigerten Privatverbrauch widerspiegelt. Auch in Japan
wird das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr aller Voraussicht nach rückläufig sein - wenn auch aus anderen
Gründen - und sich in einer Größenordnung bewegen, die noch weit über
der
Wachstumsrate
anderer
Länder
liegt. Insbesondere sollte die Steigerung des Privatverbrauchs in Japan
stabil bleiben, während die Investitionszuwächse - im Jahr 1988 ein besonders dynamischer Faktor - beträchtlich abflachen.
Angesichts der Größe der Bundesrepublik Deutschland und der Auswirkungen ihrer Wirtschaftpolitik auf
die anderen Länder des Europäischen
Währungssystems überrascht es nicht,
daß die Wachstumsleistung der vier
größten europäischen Volkswirtschaften
(Bundesrepublik
Deutschland,
Frankreich, Großbritannien und Italien) nicht entscheidend von der Tendenz in der Bundesrepublik abweichen
wird.
Großbritannien
wird
wahrscheinlich die im Jahr 1988 verzeichneten massiven Zuwachsraten bei Investitionen und Privatverbrauch angesichts
der
jüngsten
restriktiven
Geldpolitik
nicht
aufrechterhalten
können; die reale BSP-Zuwachsrate
wird voraussichtlich auf einen konstanteren Prozentsatz zurückfallen.
Frankreich hatte im Jahr 1988 keine
vergleichbaren außergewöhnlichen Entwicklungen zu verzeichnen, aber sowohl die Verbrauchs- als auch die Investitionskurve wird aller Voraussicht nach in diesem Jahr abflachen.
Die Aussichten für das übrige Europa sind innerhalb wie außerhalb der
EG im großen und ganzen gleich: verlangsamtes Wachstum des BSP und der
Inlandsnachfrage, zum Teil infolge
der Anpassung von Investitionen an

niedrigere Wachstumsraten. Insbesondere wird eine Verlangsamung der
BSP-Zuwächse in den nicht am Gipfel
teilnehmenden europäischen Ländern um
einen halben Prozentpunkt auf 2 3/4
Prozent erwartet.
Der Anstieg der Inlandsnachfrage
in den sechs anderen Teilnehmerstaaten am Wirtschaftsgipfel sollte insgesamt weiterhin den weltweiten BSPZuwachs übertreffen. Die Größenordnung, in der der Anstieg der Inlandsnachfrage über dem BSP-Zuwachs liegt,
wird sich wahrscheinlich in diesem
Jahr beträchtlich verringern.
Darüber hinaus bestehen nach wie vor wesentliche Unterschiede zwischen den
einzelnen Ländern.
Zusammengenommen
wird der Anstieg der Inlandsnachfrage
in den vier führenden Ländern Europas
(wie auch in den kleineren europäischen Ländern) erwartungsgemäß ungefähr ebenso hoch ausfallen wie der
BSP-Zuwachs - also knapp 3 Prozent
ausmachen.
Die Uberbrückung der Kluft von
Inlandsnachfrage und BSP-Wachstum in
den vier führenden Ländern Europas im
Verlauf dieses Jahres wird voraussichtlich auch auf die anderen Länder
Auswirkungen haben. In der Bundesrepublik Deutchland, Frankreich und
Großbritannien werden die Zuwachsraten der Inlandsnachfrage beträchtlich
fallen - obwohl aus anderen als den
oben erwähnten Gründen - und den gesamten BSP-Zuwachs mit nach unten
ziehen. Vom Blickwinkel einer Anpassung des Handels aus betrachtet, läßt
die
mögliche
Uberbrückung
dieser
Kluft den Schluß zu, daß im Verlauf
dieses Jahres weitere begrenzte Fortschritte in Richtung auf eine Behebung des Ungleichgewichts beim Handel
der vier führenden europäischen Länder erzielt werden können. Im Gegensatz dazu wird die Zunahme der Inlandsnachfrage in Japan voraussichtlich weiterhin über dem BSP-Zuwachs
liegen, obwohl sich auch hier die
Kluft verglichen mit 1988 wahrscheinlich verringern wird.

- 11 -

�Zu diesem frühen Zeitpunkt einer
Prognose lassen Analysen anhaltende
gemäßigte BSP-Zuwächse in den Industrienationen für 1990 vermuten, das
damit zum achten aufeinanderfolgenden
Jahr der Expansion werden könnte.
Während die Wachstumskurve generell
relativ zufriedenstellend im quantitativen Sinne erscheint, trifft dies
qualitiativ weniger zu. Unsere Vorhersagen deuten insbesondere darauf
hin, daß das Muster des Inlands- verglichen mit dem Gesamtwachstum sich
wahrscheinlich nicht stark vom diesjährigen unterscheiden wird.
In den sechs anderen Gipfelstaaten wird sich das BSP-Wachstum voraussichtlich etwas verlangsamen und
knapp unter 3 Prozent liegen. Die
Wachstumsraten in den beiden größten
ausländischen Volkswirtschaften - Japan und der Bundesrepublik Deutschland - werden sich erwartungsgemäß
etwas weiter verlangsamen, wenn auch
aus anderen Gründen. Trotz der Verwirklichung der letzten Stufe einer
mehrjährigen Steuerreform in der Bundesrepublik
werden
Steuersenkungen
von ca. 0,5 Prozent voraussichtlich
den Privatverbrauch nicht entscheidend ankurbeln.
Der Verbrauchszuwachs wird wahrscheinlich durch einen
Anstieg der Sparrate begrenzt und die
Zunahme von Investitionen wird sich
voraussichtlich nach zwei relativ
starken Jahren verlangsamen.
Wenn
diese
Ansichten
sich
bestätigen,
könnte das BSP-Wachstum in der Bundesrepublik
ans
untere Ende des
Wachstums der anderen Gipfelstaaten
zurückfallen.
Im Gegensatz dazu wird in Japan
die Zuwachsrate beim Privatverbrauch
aller Voraussicht nach im gleichen
Tempo wie 1989 steigen, es wird jedoch
ein
ziemlich
beträchtlicher
Rückgang von Investitionen in Produktionsstätten
und
Gerät
erwartet.
Dennoch wird die für 1990 prognostizierte BSP-Zuwachsrate Japans voraussichtlich weit über dem Durchschnitt
der anderen Gipfelstaaten liegen.

Die Wachstumsraten werden wahrscheinlich auch in Italien und Frankreich - den anderen beiden führenden
Volkswirtschaften auf dem europäischen Kontinent - etwas zurückgehen.
Im Gegensatz dazu könnte sich das reale BSP-Wachstum in Großbritannien
etwas stabilisieren, da die Exportsituation sich weiter verbessert und
der Privatverbrauch sich nach einem
in diesem Jahr erwartungsgemäß schwachen Wachstum erholt.
Zum heutigen Zeitpunkt geht man
davon aus, daß das übrige Europa sich
1990 auf einer Wachstumskurve von
rund 2,5 Prozent befinden wird. Spanien, Portugal und die Türkei werden
voraussichtlich wiederum die Spitzenreiter sein, während das reale Wachstum in Dänemark und Schweden relativ
langsam bleiben wird.
Die gesamte
Zuwachsrate der EG wird natürlich
stark von den Entwicklungen in den
vier führenden Volkswirtschaften beeinflußt und daher wahrscheinlich auf
ca. 2,5 Prozent fallen.

B.

Steuer- und Haushaltspolitik

Wenn
die
Haushaltspolitik
so
bleibt wie gegenwärtig vorhergesehen
- wovon man ausgehen muß - wird die
Steuer- und Hauhaltslage
der OECD
insgesamt (wiederum konjunkurbereinigt) im Zeitraum von 1989 bis 1990
im großen und ganzen neutral sein.
Dennoch wird es einige wesentliche
Unterschiede zwischen den einzelnen
Ländern geben.
In den Vereinigten
Staaten wird die Steuerpolitik darauf
ausgerichtet sein, die Grundvoraussetzungen zum Abbau des Haushaltsdefizits zu erfüllen. In Japan wird
der Haushaltsfehlbetrag aller Voraussicht nach etwas ansteigen, was auf
die Kombination einer Reihe von Steueränderungen bei einem gleichzeitigen
geringen Anstieg der Staatsausgaben
zurückzuführen ist. Die von der Bundesrepublik Deutschland für diesen
Zeitraum angestrebte Politik besteht
aus einer Kombination einzelner Steuererhöhungen mit höheren Sozialleistungen für 1989 und weiteren Einkom-

�mensteuersenkungen im Jahr 1990. Das
gesamte Haushaltsdefizit der Bundespublik (als Prozentsatz des BSP) wird
daher im Jahr 1989 fallen und 1990
ansteigen; durchschnittlich wird es
jedoch für 1989-1990 weit unter dem
der Jahre 1987 und 1988 liegen.
Großbritannien konnte trotz Steuersenkungen im Jahr 1988 einen Umschwung zu einem Haushaltsüberschuß
verzeichnen, und - verglichen mit dem
BSP - werden die Jahre 1989 und 1990
wahrscheinlich
leicht
ansteigende
Überschüsse bringen. Frankreich kann
insgesamt höhere Ausgaben bei einzelnen Inlandsprogrammen bei gesenkten
Körperschafts- und
Verbrauchssteuern
aufweisen, bei seinem relativ geringen Defizit werden jedoch wenig Änderungen insgesamt erwartet. Die gegenwärtige Politik eines generellen
Staatsdefizits, das als Prozentsatz
des BSP relativ hoch ist (11,5 Prozent im Jahr 1988), wird in Italien
im wesentlichen unverändert bleiben.
Entsprechend wenig Veränderungen werden für das kanadische Haushaltsdefizit bis 1990 erwartet.
Die kleineren europäischen Länder
haben die Defizite der öffentlichen
Hand als Prozentsatz des BSP seit Anfang der achtziger Jahre kontinuierlich abgebaut, und dieser Trend wird
voraussichtlich anhalten.
Insbesondere wird das durchschnittliche Defizit wahrscheinlich in diesem und im
nächsten Jahr unter 2 Prozent gehalten werden können - verglichen mit
der Fünf-Prozent-Marke
des Jahres
1983.

C.

Außenbilanzen

Die Prognosen für die Leistungsbilanz der Industrienationen in den
Jahren 1989 und 1990 deuten darauf
hin, daß der Anpassungsprozeß im Aussenhandel andauern wird, wenn auch
mit weniger einheitlichen Verbesserungen als wünschenswert erscheinen
mag.
Die internationalen Handelsflüsse werden natürlich vor allem
durch die oben erörterten Wachstums-

tendenzen beeinflußt. Daher wird angesichts des erwarteten leicht rückläufigen Wachstums der Industrieländer in den Jahren 1989 und 1990 insgesamt auch die reale Expansion (das
heißt der Volumenzuwachs) des Handels
zurückgehen. Dennoch sollte sich der
Zuwachs des Handelsvolumens in den
OECD-Ländern immer noch als relativ
stabil erweisen und erneut in einer
Größenordnung von 2 : 1 über dem
BSP-Zuwachs liegen. In der Tat könnte das durchschnittliche Wachstum des
Handelsvolumens von 1989 bis 1990 höher ausfallen als je in irgendeinem
anderen Dreijahres-Zeitraum seit Mitte der siebziger Jahre.
Vorläufige Prognosen deuten darauf hin, daß der Leistungsbilanzüberschuß der sechs anderen Gipfelstaaten insgesamt in diesem und erneut im Jahr 1990 zurückgehen wird.
Im einzelnen bedeutet dies, daß nach
dem geschätzten Überschuß von 88 Milliarden Dollar im Jahr 1988 der gesamte Überschuß der sechs anderen
Teilnehmerstaaten am Wirtschaftsgipfel den Prognosen zufolge im Jahr
1989 auf 74 Milliarden Dollar und
1990 auf 64 Milliarden Dollar fallen
wird. Das heißt, der gesamte Überschuß dieser Gruppe wird seit seiner
Rekordhöhe von 123 Milliarden Dollar
im Jahr 1986 nahezu halbiert sein.
Der größte Umschwung könnte sich
in Japan vollziehen, dessen Leistungsbilanzüberschuß den Erwartungen
zufolge einen starken Rückgang von
den ca. 80 Milliarden Dollar des vergangenen Jahres verzeichnen wird.
Rund die Hälfte dieses prognostizierten Rückgangs ist dem rückläufigen
Handelsüberschuß (in Dollar) zuzuschreiben und der Rest einem Anstieg
im Dienstleistungs- und Transferdefizit Japans.
In der Bundesrepublik Deutschland
stellt sich jedoch ein anderes Bild
dar. Nachdem sich die Exportzuwächse
nach einem kurzen Einbruch im Jahr
1987 (größtenteils aufgrund der Zusammensetzung der deutschen Exportgüter und der stärkeren Auslandsnach-

- 13 -

�frage nach Investitionsgütern) erholt
hatte, wird der deutsche Handelsüberschuß wahrscheinlich bis 1990 leicht
ansteigen.
Trotz der erwartungsgemäßen Zunahme des herkömmlichen Defizits beim Dienstleistungsverkehr mit
dem Ausland wird der Leistungsbilanzüberschuß der Bundesrepublik daher
wahrscheinlich im großen und ganzen
unverändert bestehen bleiben.
Auf
regionaler Ebene ist die deutsche
Handelsbilanz vor allem durch einen
starken Anstieg der Überschüsse mit
den anderen EG-Ländern gekennzeichnet, und diese Entwicklung wird voraussichtlich anhalten.
In den anderen Gipfelstaaten werden keine dramatischen Veränderungen
erwartet. Die Aufblähung des britischen
Handels- (und
Leistungsbilanz-) defizits im vergangenen Jahr
wird sich wahrscheinlich bis 1990
nicht umkehren. Frankreich, Italien
und Kanada werden gemeinsam im Jahr
1990 wohl das gleiche Leistungsbilanzdefizit wie 1988 zu verzeichnen
haben.
Die kleineren OECD-Länder werden
zusammengenommen wahrscheinlich einen
Anstieg ihres relativ geringen gemeinsamen
Leistungsbilanzdefizits
aufweisen, was vor allem auf das erwartete höhere Defizit Spaniens zurückzuführen ist. Unter den anderen
Ländern sind Überschüsse und Defizite
in Dollar relativ gering, und es werden keine tiefgreifenden Veränderungen erwartet. Die Tendenzen der Leistungsbilanz in der OECD insgesamt
werden bis 1990 im wesentlichen den
Entwicklungen der sieben führenden
Industriestaaten folgen.

2.
Prognosen
striestaaten

für

die

Nichtindu-

Die
Entwicklungsländer
werden
1989 zusammen wahrscheinlich etwas
höhere reale Zuwächse zu verzeichnen
haben, die bis 1990 mit Hilfe des erwarteten
anhaltenden
gemäßtigten
Wachstums der Industriestaaten relativ ausgeglichen bleiben werden. Die

Tendenzen in Lateinamerika werden erneut von den Entwicklungen in Mexiko
und Brasilien beherrscht werden. In
beiden Fällen legen die derzeitigen
Entwicklungen
einen
bescheidenen
Wachstumszuwachs in diesem Jahr nahe,
mit einem etwas höheren realen Zuwachs auch in Argentinien. Für die
Region insgesamt erwarten wir ein Absinken der Wachstumskurve auf 3,5 bis
4 Prozent bis 1990.
Die Wachstumsaussichten für die
asiatischen Schwellenländer sind nach
wie vor ziemlich gut.
Obwohl die
zwei größten Volkswirtschaften - Taiwan und Korea - wahrscheinlich einen
Rückgang ihrer derzeitigen zweistelligen Wachstumsraten hinnehmen müssen, sollte das Wachstum noch bei ca.
9 beziehungsweise 7 Prozent liegen.
Diese Prognosen bedeuten Wachstumsraten der Schwellenländer insgesamt in
einer Größenordnung von 7 bis 8 Prozent in diesem und im nächsten Jahr.
Zu diesem verlangsamten Wachstumsszenarium werden die rückläufige Export-Expansionsrate und ein Anstieg
der
Import-Zuwachsrate
beitragen.
Traditionell verfolgen die Schwellenländer
eine
relativ
konservative
Steuerpolitik, was geringe direkte
Wachstumsanreize
von
öffentlicher
Seite und anhaltende Steuerüberschüsse bedeutet.
Eine Bewertung der jüngsten Entwicklungen
beim
Wirtschaftwachstum
der
OPEC-Länder
vorzunehmen
und
glaubwürdige Prognosen für die Zukunft aufzustellen, ist angesichts
der ernsthaften Probleme bei der
Übermittlung von Zahlen aus zwei der
größten Länder - Iran und Irak - sowie Schwankungen bei den Ölpreisen
außerordentlich schwierig. Wir weichen von den jüngsten Prognosen des
IWF nicht sehr weit ab, die darauf
hindeuten, daß das durchschnittliche
Wachstum der OPEC-Staaten voraussichtlich von ca. 1 Prozent im Jahr
1988 auf ungefähr 2 Prozent im Jahr
1989 ansteigen wird. Natürlich wird
das Bild in diesem und im nächsten
Jahr erheblich von den Ö'lpreisentwicklungen abhängen.
Wenn die öl-

- 14 -

�preise auf dem gegenwärtigen Stand
bleiben (was eine von vielen Möglichkeiten ist) und vorbehaltlich anderer
außerordentlicher Entwicklungen könnte die Wachstumsrate der OPEC im Jahr
1990 insgesamt wiederum zwischen 1,5
bis 2 Prozent liegen.
Das
Leistungsbilanzdefizit
der
Entwicklungsländer, die keine OPECMitglieder sind, wird Prognosen zufolge in diesem Jahr von schätzungsweise 29 Milliarden Dollar (1988) auf
etwa 39 Milliarden Dollar ansteigen.
Etwa die Hälfte dieses Sprungs ist
auf einen Rückgang bei den Gesamtüberschüssen der Schwellenländer zurückzuführen, die Restsumme spiegelt
eine erwartete Steigerung von 2 Milliarden Dollar im Defizit Lateinamerikas und vereinzelte Zuwachsraten
bei. den restlichen Entwicklungsländern wider, die keine OPEC-Mitglieder
sind.
Die Entwicklungen in den Leistungsbilanzen
der
Schwellenländer
werden wie üblich vor allem von Korea
und Taiwan beeinflußt. Koreas großer
Überschuß wird sich in diesem Jahr
angesichts der
sich abzeichnenden
Trends niedrigerer Zuwachsraten bei
den Exporten und höherer Zuwächse bei
den Importen erwartungsgemäß verringern. In Taiwan wird sich die bereits 1988 erfolgte Anpassung in diesem Jahr fortsetzen und den Leistungsbilanzüberschuß weiter verringern. Diese Voraussage hängt jedoch
in erheblichem Maße von höheren Importen ab. In beiden Ländern wird
ein weiterer Abbau des Überschusses
für 1990 vorhergesagt, der jedoch
wahrscheinlich nicht den gleichen Umfang haben wird wie in diesem Jahr.
Angesichts dieser Grundannahmen
für die beiden größten Volkswirtschaften sollte die Zuwachsrate der
Leistungsbilanz aller Schwellenländer
sowohl 1989 (auf 21 Milliarden Dollar) als auch 1990 (auf 18 Milliarden
Dollar) sinken.
Diese Leistungsbilanzprojektionen verschleiern jedoch
einen stärkeren zugrundeliegenden Anpassungsprozeß in den jeweiligen Han-

delsbilanzen. Sowohl Korea als auch
Taiwan weisen zunehmende Überschüsse
im Dienstleistungs- und Kapitalverkehr aus, die sinkende Zuwachsraten
im Warenhandel ausgleichen. Während
wir im Zeitraum von 1988 bis 1990 einen Abbau um 8 Milliarden Dollar bei
den Überschüssen der Leistungsbilanz
aller Schwellenländer erwarten, wird
der Abbau des Defizits im Warenhandel
voraussichtlich 11 Milliarden Dollar
betragen.
Wenn unsere Vorhersagen
eintreffen, wird der Handelsüberschuß
aller Schwellenländer insgesamt im
Jahr 1990 auf unter 10 Milliarden
Dollar sinken.
Zu den wichtigen Entwicklungen,
die 1989 und 1990 das Leistungsbilanzdefizit der Länder Lateinamerikas
beeiflussen werden, zählen: die erheblich abgebauten Überschüsse Brasiliens gegenüber 1988 und geringfügig
niedrigere Defizite in Mexiko. Insgesamt wird für das Leistungsbilanzdefizit Lateinamerikas im Jahr 1989
eine geringfügige Zunahme (auf 13
Milliarden
Dollar)
prognostiziert,
auf die eine leichter Rückgang folgt
(auf 11 Milliarden Dollar).
Angesichts des oben beschriebenen erwarteten Wachstums in den Industrieländern und der hier angeführten Tendenzen im Handel sehen wir keine dramatischen Entwicklungen voraus.
Die
Überschüsse im Handel werden in Lateinamerika insgesamt nahezu unverändert bleiben und weiterhin etwa 27
bis 28 Milliarden Dollar betragen.
Die Entwicklungen in der Leistungsbilanz
der OPEC-Staaten für
1989/90 werden sicherlich von der Situation auf den internationalen ölmärkten und dem Ausmaß beeinflußt, in
dem die Förderländer darauf einwirken
können.
Angesichts des erwarteten
langsameren Wachstums in den Industrieländern in diesem und im nächsten Jahr und angesichts der weltweiten Überschußproduktion deuten Überlegungen zu Angebot und Nachfrage
nicht darauf hin, daß in naher Zukunft ein starker Druck auf die Preise entstehen wird. Ein geringfügiger
Anstieg im Handelsüberschuß der OPEC

- 15 -

�würde ihr Leistungsbilanzdefizit
gleichem Umfang verringern.

in

Teil IV
Die zugrundeliegenden kurzfristigen Zielsetzungen der Industrieländer, insbesondere derjenigen mit einem erheblichen Ungleichgewicht im
Außenhandel, werden dieselben bleiben
wie in den vergangenen Jahren. Insgesamt müssen sie gewährleisten, daß
reales Wachstum in einem stetigen
Tempo anhält, der Inflationsdruck
eingedämmt wird und der Anpassungsprozeß im Außenhandel im Rahmen eines
gesunden und wachsenden internationalen
Handels- und
Finanzssystems
bleibt. Diese Ziele gelten auch für
Nicht-Industrieländer.
Über diese allgemeinen Zielsetzungen bestehen keine Unstimmigkeiten. Tatsächlich spiegeln sie einen
klaren internationalen Konsens wider
und sind oftmals und eingehend von
den Teilnehmern der jährlich stattfindenden Wirtschaftsgipfel, im Rahmen der regulären Treffen von Finanzministern und Zentralbankpräsidenten
und bei den halbjährlichen Treffen
des IWF Interim-Ausschusses bekräftigt worden.
Sicherlich bestehen unvermeidbare
Meinungsverschiedenheiten
über
die
relative Bedeutung der verschiedenen
Zielsetzungen und die beste Methode
ihrer Verwirklichung. Um diese Differenzen erörtern und auszuräumen zu
können, haben die Gipfelländer den
Prozeß zur Koordinireung ihrer Wirtschaftspolitik weiterentwicklet und
verstärkt.
Internationale Zusammenarbeit in der Wirtschaft war ein zentrales Thema der letzten drei Wirtschaftsgipfel (1986 in Tokio, 1987 in
Venedig, 1988 in Toronto) und wird
auch beim bevorstehenden Gipfeltreffen in Paris einen hohen Stellenwert
haben (Dieser Prozeß wurde im Bericht
des Finanzministeriums an den Kongreß
über Internationale Wirtschafts- und
Währungsppolitik vom Oktober 1988
ausführlich behandelt, auf den hier

verwiesen werden soll).
Der Prozeß der politischen Zusammenarbeit hat einen eindeutigen und
soliden Konsens über die grundlegenden Bestandteile hervorgebracht, mit
denen das gemeinsame Ziel eines Abbaus des Ungleichgewichts im Außenhandel hervorgebracht und gleichzeitig der Weg zum Wachstum offen gehalten werden soll. Im weitesten Sinne
erfordert die anhaltende Anpassung
unterstützende makroökonomische Entwicklungen auf den Weltmärkten. Die
Industrieländer müssen auf dem Pfad
nicht-inflationären Wachstums bleiben, um den Welthandel zu stimulieren
und wachsende Märkte für ihre eigenen
Exporte und die Exporte der Entwicklungsländer zu schaffen, um den Zielsetzungen
der
Schuldenbegleichung,
Wachstum und Entwicklung gerecht zu
werden.
Die Teilnehmer verpflichten sich
zu einem grundlegenden politischen
Kurs, der notwendig ist, um diese
Zielstzungen in echte Fortschritte
umzuwandeln. Die Vereinigten Staaten
verpflichten sich ihrerseits zum Abbau ihres Haushaltsdefizits, zur Verbesserung ihrer interntionalen Wettbewerbsfähigkeit und Erhöhung ihrer
Sparrate. Für die Länder mit großen
Überschüssen im Außenhandel - insbesondere Japan und die Bundesrepublik
- bedeutet dies die Anwendung makroökonomischer struktureller Maßnahmen,
mit denen offene, wachsende Binnenmärkte geschaffen werden können. Im
wesentlichen muß der Zuwachs bei der
Nachfrage im Inland in den Überschußländern groß genug sein, um den konjunkturabschwächenden Effekt rückgängiger Überschüsse auszugleichen.
Es setzt sich jedoch zunehmend
die Erkenntnis durch, daß die meisten
Volkswirtschaften unter strukturellen
Beschränkungen für Wachstum und Anpassung leiden, mit denen die Wirksamkeit steuerund währungspolitischer
Maßnahmen abgeschwächt wird.
Aus
diesem Grunde ist der Umfang des Koordinierungsprozesses erweitert worden, der zusätzlich zu seiner tradi-

- 16 -

�tionellen Betonung makroökonomischer
Politik eine besondere Überprüfung
der ergänzenden Rolle, die strukturelle Reformen spielen können, einschließen soll. In Toronto hat jedes
Teilnehmerland besonderen strukturellen Reformen zugestimmt, unter anderem: einem Abbau von Verkrustungen
auf dem Arbeitsmarkt, die Flexibilität behindern und hohe Arbeitslosenraten begünstigen; einer Verringerung
von Subventionen, die den ungehinderten Verkehr von Rohstoffen im Inland
und über alle Grenzen hinweg behindern; der Reformierung eines Steuersystems, das keine Risikoübernahme
und keine Innovationen fördert und
die Nachfrage unterdrückt; einer Liberalisierung der Finanzmärkte und
einem Abbau belastender Vorschriften
und übermäßige Einmischung des Staates in den Privatsektor.
Der politische Koordinierungsprozeß
ist
somit
entwicklungsfähig.
Durch die besondere Berücksichtigung
makroökonomischer und struktureller
Erwägungen und Prüfung der weitreichenderen Konsequenzen einzelner politischer Maßnahmen ist er in hohem
Maße geeignet, mittelfristige Lösungen für die hier anliegenden mittelfristigen Probleme zu finden.
Die Notwendigkeit einer angemessenen makroökonomischen und strukturellen Politik ist jedoch nicht auf
die
Industrienationen
beschränkt.
Die Entwicklungsländer müsen dabei
auch eine wichtige Rolle spielen.
Zum Beispiel müssen die Schwellenländer dafür Sorge tragen, daß ihre
Wechselkurse sich im Einklang mit den
Kräften des Marktes und ihrer wirtschaftlichen Stärke bewegen, um zu
ausgewogenerem Handel und weiterer
weltweiter
Anpassung
beizutragen.
Darüber hinaus sind in den Schwellenländern weitere politische Veränderungen wie etwa strukturelle Reformen
notwendig, um die Nachfrage im Inland
als Quelle des Wachstums und im Falle
Koreas und Taiwans Maßnahmen zur Liberalisierung des Handels und Kapitalflusses anzufachen.
Seit Mitte
des Jahres 1986 haben die Vereinigten

Staaten mit den vier Ländern - insbesondere mit Korea und Taiwan - Gespräche über diese Probleme geführt.
Darüber hinaus untersucht die OECD
Möglichkeiten zur Eröffnung eines informellen Dialogs mit den Schwellenländern und konzentriert sich dabei
auf gemeinsame Pflichten zur Förderung offener Märkte für Handel, Investitionen
und
andere
finanzielle
Transaktionen.
Im allgemeinen müssen die Entwicklungsländer und insbesondere die
hochverschuldeten
Volkswirtschaften
sicherstellen, daß ihre politischen
Maßnahmen die Nachfrage im Inland und
die Kapitalbildung unterstützen, die
Inflation eindämmen und angemessene
finanzielle Unterstützung
von den
Handelsbanken und den internationalen
Finanzinstitutionen ermutigen.
Der
Abbau der ernsthaften Ungleichgewichte in diesen Volkswirtschaften ist
eine wichtige mittelfristige Herausforderung, die sowohl im makroökonomischen als auch in den strukturpolitischen Bereichen eine fundierte Politik erfordert.
Steuerdefizite und Vermehrung der
Geldmenge müssen unter Kontrolle gebracht und die Kapitalflucht eingedämmt werden. Die Investitionspolitik muß den Rückfluß von ausländischen Mitteln zur Unterstützung der
Investitionen im Inland ermutigen,
Verzerrungen bei den relativen Prei&gt;sen - auch bei Zinssätzen und Wechselkursen - müssen abgebaut und übermäßige Vorschriften und staatliche
Einmischung abgeschafft werden, und
die Handelspolitik sollte eine stärkere Integration in das Welthandelssystem ermutigen.
Glücklicherweise tritt zunehmend
die Erkenntnis der Entwicklungsländer
zutage, daß eine marktorientierte Politik
die
besten Aussichten für
Wachstum, Entwicklung und weltweite
wirtschaftliche Integration bietet.
Zusätzlich zur Ermutigung dieser gewandelten Einstellungen ist es von
entscheidender Bedeutung
daß die
Volkswirtschaften der Industrienatio-

- 17 -

�nen materielle Unterstützung leisten,
indem sie offene und erweiterungsfähige Märkte erhalten, Verzerrungen im
Welthandelssystem abbauen und den internationalen Finanzinstitutionen angemessene Unterstützung leisten. Der
politische Koordinierungsprozeß ist
integraler Bestandteil dieser umfassenden Bemühungen.

Teil V
Der Kongreß fordert die Berichterstattung
über
ausländische
Beschränkungen für den amerikanischen
Handel im durch Abschnitt 1304 des
Allgemeinen Handels- und Wettbewerbsfähigkeitsgesetzes von 1988 revidierten
Jahreswirtschaftsbericht.
Das
Gesetz fordert ferner nach Möglichkeit die Quantifizierung der geschätzten
Auswirkungen
einzelner
Schranken für den Export amerikanischer Waren und Dienstleistungen und
amerikanische Direktinvestitionen im
Ausland. Dieser Bericht wird bis zu
seinem Fälligkeitstermin am 30. April
1989 dem Kongreß vorliegen.
Aufgrund des Zweimonatszeitraums
zwischen den vorgeschriebenen Vorlageterminen der beiden Berichte befindet sich der Jahreswirtschaftsbericht
jetzt bei Abschluß des Jahresberichts
zur Entwicklung im Handel gerade in
Vorbereitung.
Zur Auflistung der
Handelsschranken und ihrer Auswirkungen auf Handel und Direktinvestitionen der Vereinigten Staaten wird der
Kongreß daher auf den bald erscheinenden Jahreswirtschaftsbericht verwiesen.
Bei der Interpretation der Auswirkungen von Handelsschranken auf
den Handel und Investitionen der Vereinigten Staaten ist Sorgfalt geboten.
Manche Handelsschranken haben
unter Umständen erhebliche Auswirkungen auf das Gleichgewicht der Exporte, Importe, Produktion und in geringerem Maße auch auf besondere bilaterale Handelsbeziehungen der Vereinigten Staaten. Dennoch haben Handelsschranken
vergleichsweise
geringe

Auswirkungen auf das Ungleichgewicht
im amerikanischen Handel insgesamt.
Wenn man die geschätzten Auswirkungen einzelner Handelsschranken auf
den Handel insgesamt betrachtet, würde man die Auswirkungen überbewerten,
die amerikanische Exporte insgesamt
auf die Abschaffung ausländicher Handelsschranken haben. Der Definition
nach läßt die Analyse des "teilweisen
Gleichgewichts", mit der Auswirkungen
von Handelsschranken geschätzt werden, keine Rückschlüsse von den Auswirkungen einzelner Handelsschranken
auf das gesamte Gleichgewicht im Handel zu.
Handelsschranken sind von großer
Bedeutung, weil sie mikroökonomische
Unzulänglichkeiten (falsche Mittelvergabe) auf nationales und internationales Umfeld transponieren und den
Gesellschaften die Kosten für das
Wohlergehen der Wirtschaft aufbürden.
Dennoch sind ihre Auswirkungen auf
das Gleichgewicht des Handels insgesamt oder dessen Schätzung beschränkt.

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

*

10

8. März 1989

USA FORDERN SOWJETS ZUR BETEILIGUNG AM ABBAU DER CHEMISCHEN WAFFEN AUF
- Außenminister Baker zur Eröffnung der KSE WIEN - (AD) - US-Außenminister Baker hat im Rahmen seiner Rede bei der Eröffnung der Wiener Verhandlungen über die konventionellen Streitkräfte in Europa (KSE) am 6. März 1989 erklärt, die Vereinigten Staaten untersuchten zur
Zeit die Möglichkeit eines Abzugs chemischer Waffen aus Europa. Dabei forderte er die Sowjetunion auf, sich der Initiative anzuschließen und ihre "enormen
Arsenale" an chemischen Waffen zu zerstören. Baker appellierte ferner an die
internationale Staatengemeinschaft, sich der "Bedrohung durch die Verbreitung
chemischer Waffen" zu stellen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenminister Baker im Wortlaut:
Verehrte Ministerkollegen, meine Damen und Herren,
wir treffen uns heute in einer
historischen Umgebung. Wien ist sicherlich ein lebendes Denkmal der
Schöpfungskraft
westlicher
Kultur.
Diese Stadt ist ferner ein Scheideweg
der Zivilisation.
Es erinnert uns
daran, daß Europa und die Leistungen
Europas
stets
die
geographischen
Grenzen überschritten haben, um die
Welt insgesamt zu beeinflussen.
Wien steht jedoch auch für fehlgeschlagene Hoffnungen. Verhandlungen und Abkommen, die zur Schaffung
eines anhaltenden Friedens in Europa
gedacht waren, wurden allzu oft durch
Krieg zunichte gemacht. Zu oft bedeutete der Mangel an Sicherheit in

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Europa einen Mangel an Sicherheit für
die ganze Welt. Unser Ziel besteht
darin, die Sicherheit Europas zu verbessern
und damit ebenfalls die
Grundlagen des Weltfriedens zu stärken.
Meines Erachtens benötigen wir
eine umfassendere Perspektive, eine
gemeinsame Vision dessen, was wir anstreben und warum, wenn wir Erfolg
haben wollen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg waren
Europa und die Welt mit zwei gänzlich
entgegengesetzten Auffassungen konfrontiert.
Die Vereinigten Staaten
und ihre Verbündeten in Westeuropa
vertraten die Vision freier Völker,
die in einem Rechtsstaat mit geschützten Rechten des Einzelnen leb-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ten und deren demokratisch gewählte
Regierungen diesen Völkern gegenüber
verantwortlich waren.
Wir sind der Meinung, und wir
halten an dieser Überzeugung fest,
daß die Rede- und Religionsfreiheit,
die Freiheit von Furcht und die Freiheit zur Wahrnehmung wirtschaftlicher
Möglichkeiten natürliche Rechte freier Menschen überall waren und sind.
Wir waren gewiß, und wir haben auch
heute die Gewißheit, daß freie Märkte
und Eigeninitiative das sicherste Rezept für sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt sind. Wir waren und
sind bestrebt, unsere Sicherheit in
einer Koalition freier Staaten zu gewährleisten, die durch gemeinsame
Werte und nicht nur durch gemeinsame
Interessen verbunden sind. Und wir
hatten damals, wie auch heute, die
Vision eines Europas im Frieden, dessen Nationen die Freiheit besitzen,
sich unterschiedlich zu entwickeln,
aber sich gemeinsam gegen den Krieg
wenden.
Unsere Vision war nicht die einzige Vision. Es gab auch eine andere
Haltung, die den teuersten Werten des
westens entgegengesetzt war.
Der
Wettstreit zwischen diesen beiden Visionen brachte uns das schwierige
Vermächtnis, mit dem wir heute leben.
Ein gewaltsam gegen den Willen seiner
Völker geteiltes Europa. Ein Europa,
das der Kontinent mit den meisten
Waffen ist.
Gegen Ende dieses Jahrzehnts eröffnen sich uns neue Horizonte, Horizonte, die uns eine Chance bieten,
die Konflikte der Vergangenheit hinter uns zu lassen. Die andere Vision
verändert sich. Sie verändert sich,
weil wir im Westen unserer Vision
treu geblieben sind. Und sie verändert sich, weil sich in der Sowjetunion der Realismus durchzusetzen beginnt.
Perestrojka, Glasnost, Demokratisierung sind die Schlagworte des
"neuen Denkens". Es gibt ermutigende
Entwicklungen bei den Menschenrechten

und in der Betonung des Prinzips der
Rechtsstaatlichkeit.
Volkswirtschaften, die sich einst im eisernen Griff
zentralisierter
Lenkung
befanden,
werden befreit, und die Rolle der Eigeninitiative ist von Staat anerkannt
worden. Unlängst erklärte Generalsekretär Gorbatschow, "auch die Weltpolitik sollte vom Primat der universellen menschlichen Werte geleitet
werden". In öffentlichen Bekundungen
wird die sowjetische Außenpolitik mit
verringerter Betonung des Einsatzes
von Gewalt umgestaltet.
Minister
Schewardnadse hat dies heute erneut
bekräftigt, und das ist gut so.
Niemand kann vorhersehen, wohin
dieser
Prozeß
führen
wird
oder
selbst
ob er andauern wird.
Wir
können jedoch nicht die Realität dessen außer acht lassen, was heute in
Europa geschieht.
In seinem Roman
"Die Besessenen" schrieb Dostojewski:
"Das Feuer brennt im Geist des Menschen, nicht auf den Dächern von Häusern."
Die revolutionären Veränderungen in jenem Teil Europas, der
sich immer noch hinter einem rostenden Eisernen Vorhang befindet, sind
vor allem Veränderungen im Geist der
Menschen, in ihrer Vision von der Zukunft. Die Menschen wollen Freiheit:
Gedankenfreiheit, Freiheit zuhause,
Freiheit am Arbeitsplatz und frei gewählte Regierungen. Und diese Freiheiten werden die von Stagnation und
Tyrannei geschlagenen Wunden heilen.
Ich schlage vor, daß wir uns der
Schaffung eines neuen Europas verpflichten - eines Europas, das auf
folgenden Freiheiten gegründet ist:
Der Freiheit aller Europäer, ein
Mitspracherecht an Entscheidungen
zu haben, die ihr Leben betreffen, darunter die freie Wahl des
Arbeitsplatzes.
Die
Legalität
der
Gewerkschaft
Solidarität
sollte beispielsweise die Norm
und kein Thema von Verhandlungen
sein.
Der Freiheit aller Europäer, ihre
politischen Meinungen zum Aus-

�druck zu bringen, wenn alle Ideen
dankbar aufgenommen werden und
die Menschenrechte wahrhaft unverletzlich sind. Die Beobachter
der KSZE-Vereinbarungen sollten
beispielsweise geehrt und nicht
von ihren Regierungen verfolgt
werden.
Der Freiheit aller Europäer, Ideen und Informationen auszutauschen und ihr Recht der Freizügigkeit wahrzunehmen. So sollte
der Forscher in Prag zum Beispiel
in der Lage sein, die Bücher zu
bekommen, die er benötigt. Verwandte in Hamburg und Dresden
sollten nicht länger durch Stacheldraht
voneinander
getrennt
sein, und Berlin sollte nicht von
einer Mauer geteilt werden, die,
wie wir vorigen Monat erst wieder
gesehen haben, weiterhin Menschen
das Leben kostet, die nach Freiheit streben.
Schließlich der Freiheit aller
Europäer vor militärischer Einschüchterung oder einem militärischen Angriff. Diejenigen im Westen sollten frei von der Furcht
sein, daß die massiven Streitkräfte unter sowjetischem Befehl
über sie herfallen werden. Diejenigen im Osten sollten frei von
der Furcht sein, daß eine bewaffnete
sowjetische
Intervention,
wie sie durch die Breschnew-Doktrin gerechtfertigt wurde, erneut
angewendet wird, um ihnen die
Wahlmöglichkeit zu nehmen.
"Neues Denken" und die Breschnew-Doktrin sind einander diametral
entgegengesetzt.
Wir fordern Generalsekretär Gorbatschow heute auf,
der Breschnew-Doktrin eine Absage zu
erteilen - ohne den Schatten eines
Zweifels.
Möge das "neue Denken"
dieses Überbleibsel des Zeitalters
der Stagnation hinwegfegen.
Diese vier Freiheiten sind untrennbar miteinander verbunden. Sie
sind die Prinzipien des neuen Europas, sie sind die Schlüssel, mit de-

nen die Tür zum europäischen Haus der
Zukunft geöffnet wird. Wie der amerikanische Präsident Abraham Lincoln
einmal gesagt hat: "Ein Haus, das in
sich geteilt ist, kann nicht bestehen." Ein Kontinent, der von einer
Mauer geteilt Wird, kann nicht sicher
sein. Ein sicheres und wohlhabendes
Europa kann niemals auf der Grundlage
künstlicher Schranken, der Furcht und
der Verweigerung der Unabhängigkeit
gegründet werden.
Ich freue mich, Ihnen berichten
zu können, daß wir einige Fortschritte bei der Verwirklichung dieses neuen Europas erzielt haben - Fortschritte, auf denen wir alle aufbauen
können. Die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa hat
mit den Dokumenten von Helsinki, Madrid, Stockholm und jetzt Wien die
Verpflichtungen
der Staaten immer
präziser definiert.
Wir haben die
Freiheit des einzelnen sowie das Konzept der Offenheit und der vertrauensbildenden Maßnahmen
im Sicherheitsbereich erneut bekräftigt. Wir
unterstützen
diesen
Prozeß.
Die
Schlußakte von Helsinki verkörpert
unsere Vision von Europa. Und die
sicherheitspolitische Dimension der
NATO hatte stets das Ziel der Kriegsverhinderung
Auch der wirtschaftliche Wandel
ist ein wichtiges Merkmal des neuen
Europas. Die Schaffung eines gemeinsamen Binnenmarkts im Jahr 1992, der
zum Vorteil aller, die Handel treiben
möchten, nach außen orientiert ist,
würde sicherlich die Hoffnungen derjenigen erfüllen, die nach dem Krieg
zu Recht die Vision der wirtschaftlichen Union als Stützpfeiler für Frieden und Freiheit hegten. Zentral gelenkte Volkswirtschaften legen nach
und nach die Zwangsjacke der ausgedienten
marxistisch-leninistischen
Theorien ab. Der Wunsch nach verstärkten Handelskontakten ist stark
und wird noch stärker.
Es besteht ferner eine echte Möglichkeit für alle Industriestaaten,
im Westen wie im Osten, bei neu er-

- 3 -

�kannten übernationalen Problemen zusammenzuarbeiten. Gefahren für unsere Umwelt setzen zum Beispiel die
grundlegendste Sicherheit aller Erdenbewohner aufs Spiel. Erst letzte
Woche haben die Europäische Gemeinschaft und die Vereinigten Staaten
beschlossen, die Benutzung der Fluorchlorkohlenwasserstoffe
(FCKW) bis
zum Jahr 2000 einzustellen, unter der
Voraussetzung daß bis dahin Ersatzstoffe gefunden werden, was wir annehmen. Wir hoffen, daß die Sowjetunion in Erwägung zieht, sich im
Geist des "neuen Denkens" uns anzuschließen.
Dies sind
Fortschritte.
Aber
während die alte Ära vor den Horizonten des neuen Europas zurücktritt,
sind diese Horizonte immer noch zu
weit entfernt.
Immer noch stehen
sich die Waffen und Armeen gegenüber.
Dieser Kontinent wird immer noch von
einem Eisernen Vorhang geteilt. Zu
viele Regierungen haben nach ihrer
feierlichen Unterzeichnung von Verpflichtungen auf die Menschenrechte
abweichende Meinungen gewaltsam unterdrückt.
Bei dieser Tour d'horizon bleiben
wichtige Frage unbeantwortet. Werden
diesen neuen Worten Taten folgen oder
wird es sich um eine bloße Wiederholung der Vergangenheit, um erneut
enttäuschte Hoffnungen handeln?
Werden Ost und West gemeinsam in
der Lage sein, die im Zeitalter des
Wettbewerbsdenkens
aufgebauten
Schranken
niederzureißen?
Werden
diese Schranken endlich abgebaut, die
Berliner Mauer, der Stacheldraht und
die Wachtürme endlich der Vergangenheit angehören?
Wird die Sowjetunion ihre Außenpolitik in Europa entmilitarisieren,
wird sie aufhören, die Demokratien
mit abertausenden von Panzern zu bedrohen?
Die Aussagen von Außenminister
Schewardnadse haben mich ermutigt,
als er von einem umfassenden Abbau

der Streitkräfte sprach.
In jüngster Zeit hatten wir allen
Grund zu Hoffnungen über das neue
sowjetische Denken. Aber sowohl Realitätsbewußtsein als auch Vernunft
erfordern eine Erprobung dieses neuen
Denkens, um sicherzustellen, daß es
sich hierbei um eine neue Politik und vor allem - um einen Wandel in
der
Stationierungspolitik
handelt.
Wir haben sondiert, ob Ost und West
gemeinsam nicht umkehrbare Schritte
unternehmen können, die in Richtung
auf ein Europa der Freiheiten gehen.
Darüber hinaus haben wir versucht,
das Niveau militärischer Konfrontation abzubauen.
Auch hier sind Fortschritte zu
verzeichnen. Als Reaktion auf einen
von den Vereinigten Staaten unterbreiteten Vorschlag hat sich die Sowjetunion gemeinsam mit den Vereinigten Staaten an den Verhandlungstisch
begeben, um einen Vertrag über Mittelstreckenraketen zu erarbeiten, mit
dem eine gesamte Kategorie nuklearfähiger Raketen beseitigt wird.
Der
Vertrag enthält in der Geschichte der
Abrüstung einmalige Bestimmungen, vor
allem im Hinblick auf Verifizierung
und asymmetrische Abrüstung bis zum
Gleichstand. Auch bei den START-Gesprächen haben wir ermutigende Fortschritte in Richtung auf einen Abbau
der strategischen Streitkräfte erzielt. Und sobald unsere Übersicht
fertiggestellt ist, sehen wir weiteren Schritten auf dem Weg zu Abrüstung und Rüstungskontrolle entgegen.
Präsident Bush zufolge messen die
Vereinigten Staaten der Kontrolle und
Vernichtung chemischer Waffen hohe
Priorität bei. Seit der Vorlage des
Vertragsentwurfs zur Achtung chemischer Waffen auf der ganzen Welt auf
einer wirksam verifizierbaren Grundlage im Jahr 1984 haben die Vereinigten Staaten bei den Genfer Verhandlungen eine führende Rolle gespielt.
Wir werden auch in Zukunft diese Bestrebungen zu unserem ersten Anliegen
machen. Bis diese Waffen auf verifizierbare Art und Weise vernichtet

�worden sind, werden die Vereinigten
Staaten jedoch ein Minimum an chemischen Abschreckung aufrechterhalten.
Vor kurzem konnten wir die positive Resonanz auf Präsident Reagans
Forderung nach einer Konferenz über
den Einsatz chemischer Waffen verbuchen - und den Erfolg dieser Konferenz unter dem Vorsitz der französischen Regierung. Es steht außer Frage, daß einige Länder zu Taten bereit
sind.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, bei der Bewältigung dieses Problems die Führung zu übernehmen. Und
es ist mir eine große Ehre, bekanntgeben zu dürfen, daß Präsident Bush
als einen ersten Schritt die neue Administration angewiesen hat, Mittel
und Wege für die Beseitigung der in
der Bundesrepublik Deutschland gelagerten chemischen Waffen aufzuzeigen.
Die frühzeitige Beseitigung dieser
Waffen erfordert die Bereitstellung
sicherer Lagerungsstätten sowie die
Erarbeitung praktischer Pläne zu ihrer Vernichtung.
Aber einseitiges
Vorgehen ist nicht genug. Die Sowjetunion verfügt über enorme Lagerbestände an chemischen Waffen, die
Europa bedrohen.
Aus diesem Grund
fordern wir die Sowjets auf, mit uns
gemeinsam die Vernichtung ihrer enormen Lagerbestände dieser furchterregenden Waffen voranzutreiben.
Und nicht zuletzt müssen wir auch
die Bedrohung durch die Verbreitung
chemischer Waffen ansprechen.
Hier
können wir auf unsere jüngsten Pariser Erfolge aufbauen.
Unser Vorschlag geht dahin, Regierungen und internationale Vertreter der chemischen Industrie zusammenzubringen.
Wir haben gemeinsam
mit Australien die generelle Frage
der Verbreitung sowie die Veranstaltung einer Konferenz zu diesem Thema
erörtert.
Seit einigen Jahren hat
Australien international eine führende Rolle bei dem Versuch gespielt,
der Verbreitung
chemischer Waffen
Einhalt zu gebieten, auch als Vorsit-

zender der australischen Gruppe westlicher mit chemischer Produktion befaßter Staaten. Ich freue mich daher
besonders, Ihnen mitteilen zu können,
daß Australien zugestimmt hat, die
Initiative zur Veranstaltung einer
solchen Konferenz zu ergreifen.
Zweck dieser Konferenz wird sein,
das wachsende Problem des internationalen Transfers von chemiewaffenfähigem Material und der entsprechenden
Technologie zu erörtern. Wir hoffen,
ein besseres Informationssystem über
diesen todbringenden Handel aufbauen
zu können.
Fortschritte bei nuklearer Rüstungskontrolle und chemischen Waffen
sind jedoch nicht genug. Es wird uns
niemals gelingen, die Ost-West-Beziehungen auf einen nicht umkehrbaren
Kurs in Richtung auf dauerhafte Verbesserungen zu bringen, wenn wir uns
nicht mit dem enormen militärischen
Ungleichgewicht bei den konventionellen Waffen in Europa auseinandersetzen. Wir können das Problem klar umreißen. Eine riesige, von schwer gepanzerten Einheiten angeführte und
massiver
Feuerkraft
unterstützte
Streitmacht ist von der Sojwtunion
und
Ihren Verbündeten aufgestellt
worden. Diese Streitmacht ist gegen
den Westen gerichtet.
Wir im Westen haben uns dieser
Bedrohung seit Anbeginn des Kalten
Krieges gegenübergesehen. Heute gehen die Streitkräfte der Sowjetunion
und des Warschauer Pakts weit über
das erkennbare Maß an Verteidigung
hinaus.
Bei Panzern ist der Warschauer Pakt der NATO im Verhältnis 3
zu 1 überlegen. Bei der Artillerie
ist der Warschauer Pakt im Verhältnis
3 zu 1 überlegen. Und bei Schützenpanzern ist der Warschauer Pakt der
NATO im Verhältnis 2 zu 1 überlegen.
Diese
sich. Und
hat, sind
sten für
geeignet.

- 5 -

Prozentsätze sprechen für
wie die NATO festgestellt
diese Streitkräfte am beeine Invasion Westeuropas

�Es ist dieses breite Spektrum sowjetischer Macht, das Europa gegen
seinen Willen teilt und europäische
Hoffnungen
zur
Geisel
möglicher
feindseliger Absichten der Sowjets
macht.
In jüngster Zeit haben wir gehört, die sowjetische Militärdoktrin
würde geändert, um das sogenannte
"vernünftige
und
ausreichende"
Streitkräfteniveau zu erreichen. Und
im Dezember hat Generalsekretär Gorbatschow vor den Vereinten Nationen
die
sowjetische
Absicht
erklärt,
50 000 Soldaten, 5 000 Panzer und anderes ausgewähltes Gerät aus bestimmten Gebieten Osteuropas abzuziehen.
Auch einige osteuropäische Regierungen haben einen einseitigen Truppenabbau angekündigt.
Dies ist ein Anfang - ein sehr
guter Anfang. Es ist ein hoffnungsvoller Anfang und natürlich beobachten wir, ob den Worten Taten folgen.
Ebenso klar ist die Notwendigkeit,
noch weiter zu gehen. Selbst nach
diesen Reduzierungen hätte der Warschauer Pakt noch einen Vorteil von 2
zu 1 bei Panzern und Artillerie. Die
militärische Überlegenheit des Warschauer Pakts im konventionellen Bereich, insbesondere bei den für Offensivoperationen wichtigsten Komponenten, macht eine Invasion in der
Tat möglich.
Dies sind harte Tatsachen. Und
es sind diese Tatsachen, die einer
Änderung bedürfen, wenn unsere Verhandlungen
erfolgreich
und unsere
Fundamente eines neuen Europas von
Dauer sein sollen. Der Rüstungskontrollprozeß muß sich jetzt stark auf
dieses Ungleichgewicht zwischen Ost
und West konzentrieren.
Die Vereinigten Staaten haben geraeinsam mit den anderen westlichen
Teilnehmerstaaten an diesen Gesprächen ernsthafte Vorschläge zur Behebung der Ungleichgewichte bei den
konventionellen Landstreitkräften und
zur Einführung weitreichender vertrauensbildender und stabilisierender

Maßnahmen erarbeitet.
Unser Ansatz konzentriert sich
auf die Verwirklichung einschneidender Reduzierungen bei entscheidenden
militärischen Fähigkeiten, die auf
eine Invasion ausgerichtet sind. Wir
schlagen zum Beispiel eine Obergrenze
für die gesamte Rüstung in Europa vor
sowie eine Obergrenze von 40 000 für
alle von den 23 Teilnehmerstaaten an
den KSE-Verhandlungen
stationierten
Panzer.
Darüber hinaus sind die
westlichen Teilnehmerstaaten in naher
Zukunft zur Einführung neuer vertrauensbildender Maßnahmen bereit, die
darauf abzielen, die Transparenz zu
erhöhen und die Möglichkeit eines
Überraschungsangriffs zu verringern.
Letztlich wird Stabilität natürlich
nur dann erreicht, wenn kein Land in
der Lage ist, ein anderes durch Waffengewalt zu beherrschen.
Ich möchte jedoch nochmals betonen, daß Veränderungen im militärischen Gleichgewicht nur einen Teil
des Prozesses darstellen. Nur wenn
die Ursachen der historischen Teilung
Europas beseitigt sind, wir Freizügigkeit und den freien Fluß von Informationen erreicht haben, wenn alle
Bürger das Recht auf freie Meinungsäußerung genießen - nur dann wird es
möglich sein, die militärische Konfrontation vollständig zu beseitigen.
Mit anderen Worten: wir können keine
Symptome beseitigen, wenn wir uns
nicht eingehend mit den Ursachen auseinandersetzen.
Es ermutigt mich,
daß immer mehr Menschen aus Ost und
West diesen Zusammenhang verstehen.
Wir müssen gemeinsam daran arbeiten,
um weitreichende Veränderungen hervorzubringen, mit denen die Teilung
dieses Kontinents beendet werden kann.
Die
Vereinigten
Staaten
verpflichten sich zur Zusammenarbeit mit
vernunftbegabten Menschen auf der
ganzen Welt, um Erfolge zu erlangen.
Wir werden in einigen Tagen in eben
diesen Räumen die Verhandlungen aufnehmen und dabei ein klares Ziel, solide Grundsätze und eindeutig definierte Zielsetzungen vor Augen haben.
—

�Unser Ziel bei diesen Verhandlungen besteht wie bei allen Rüstungskontrollverhandlungen in der Verhinderung des Krieges - jedes Krieges,
sei er nuklear oder konventionell -,
Abschreckung von Aggression und Steigerung der Stabilität auf einem niedrigeren
Streitkräfteniveau.
Wir
werden jeden Vorschlag nicht nur im
Hinblick auf die Anzahl der reduzierten Waffen, sondern nach seinen Auswirkungen auf Abschreckung und Stabilität beurteilen.
Zur Verwirklichung dieses Ziels
bestätigen wir erneut das Zweckbündnis zwischen den Vereinigten Staaten
und ihren europäischen Verbündeten.
Wir sind uns seit langem bewußt, daß
"Europa Amerika ebenso braucht wie
Amerika Europa", wie NATO-Generalsekretär Manfred Wörner es formulierte.
Als einzelne würden wir Opfer der historischen Entwicklungen, heute können wir den Weg der Weltgeschichte
selbst positiv beeinflussen.
Unsere
Verhandlungsziele
sind
eindeutig definiert. Erstens - und
darauf habe ich bereits hingewiesen haben die NATO-Verbündeten gleiche
Obergrenzen
bei
wichtigen
Ausrüstungsgegenständen auf einem Niveau
gefordert, das unter dem gegenwärtigen
der
NATO-Streitkräfte
liegt.
Dies wäre der beste Schritt in Richtung auf ein sicheres Europa auf niedrigerem RUstungssniveau.
Zweitens sollte kein Staat Fähigkeiten besitzen, mit denen sich eine
Invasion ausführen ließe.
Drittens sollte ein System gegenseitiger Offenheit und Transparenz
bei militärischen Angelegenheiten erweitert werden, mit dem Vertrauen gefördert, Absichten geklärt und folglich die Stabilität gestärkt werden
kann.
Darüber hinaus hoffen wir, daß
alle Staaten Doktrinen und Streitkräftestrukturen erarbeiten, die eine
Verteidigungsabsicht glaubwürdig widerspiegeln.

Im Rahmen der fortschreitenden
Verhandlungen werden wir gemeinsam
mit unseren Verbündeten alle Möglichkeiten für Fortschritte in Erwägung
ziehen. Das gegenwärtige Streitkräfteniveau und die Struktur der Streitkräfte in Europa sind nicht in Stein
gemeißelt. Sie sind das Produkt der
Geschichte, das Ergebnis von Konflikten. Und sie können geändert werden.
Wenn die Vergangenheit als Leitlinie dienen kann, haben wir viele
Vorschläge zu erwarten, die eine Perfektionierung der Abrüstung versprechen, wenn wir nur das Konzept der
Abschreckung aufgeben würden. Winston Churchill hat dazu sinngemäß gesagt, Perfektionismus sei an einem
Pfarrer bewundernswert, für einem Politiker jedoch nicht durchführbar.
Die Möglichkeiten sind zu kostbar,
als daß sie in radikalen, aber nicht
realisierbaren Vorschlägen verschenkt
werden dürften. Wir müssen stattdessen bei der Arbeit für den Frieden
Sorgfalt walten lassen, Schritt für
Schritt vorgehen und jeden Schritt
verifizieren.
Ich habe heute von dem neuen Europa der Freiheiten gesprochen, von
den neuen Horizonten, die sich einem
Kontinent eröffnen, der vor 40 Jahren
aufgrund unvereinbarer Vorstellungen
geteilt wurde.
Mit der Annäherung
dieser Vorstellungen aneinander könnte die Möglichkeit bestehen, die alten Hindernisse zu beseitigen, die
Europa im Wege stehen. Dies ist unsere Aufgabe. Wir müssen endlich die
konventionellen Ungleichgewichte und
Verschleierungen beseitigen, die so
lange die Sicherheit Europas und damit den Weltfrieden bedroht haben.
Der entscheidende Schritt wird
nicht leicht sein. Er wird neue Herausforderungen
und
möglicherweise
schwierige Situationen heraufbeschwören. Aber wir dürfen uns dieser Aufgabe nicht entziehen.
Ich habe darauf verwiesen, daß
ein besseres Verständnis des Europas
der Zukunft die Last erleichtern

- 7 -

�wird. Wir können bereits einen Teil
dieses Horizonts eines friedlicheren
und wohlhabenderen Europas erkennen,
für das so viele Opfer gebracht wurden. Obwohl es erkennbar ist, dürfen
wir es nicht als selbstverständlich
hinnehmen. Es ist an uns, den nächsten - wenn nicht den letzten
Schritt auf diesem Weg zu tun.
Prophezeiungen werden nur wenigen
von Gott zuteil, aber jeder Mensch
verfügt über Phantasie. Wir können
die Zukunft durch den Nebel der Veränderungen nur schwer erkennen, aber
wir können uns die Welt vorstellen,
wie wir sie uns wünschen. Das ist
der Zweck unserer Übung.
Lassen Sie uns gemeinsam vorgehen, um ein Europa aufzubauen, wie
wir es gern hätten, ein freies, offenes, sicheres und wohlhabendes Europa, ein ungeteiltes Europa, das der
ganzen Menschheit als Beispiel dienen
kann.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

8. März 1989

10

DIE VSBM-VERHANDLUNGEN
- Hintergrundmaterial zu den VSBM -

WIEN - (AD) - Am 9. März 1989
werden in Wien offiziell die auf die
Vertrauens- und
Sicherheitsbildenden
Maßnahmen (VSBM) aufbauenden Gespräche eröffnet, die während der Stockholmer Konferenz über Vertrauens- und
Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE) im Jahr 1896
vereinbart wurden. Teilnehmen werden
alle 35 am KSZE-Prozeß beteiligten
Staaten.
Die VSBM sind darauf ausgerichtet, Mißtrauen und Mißverständnisse
bei militärischen Fähigkeiten und Absichten durch größere Offenheit bei
militärischen Angelegenheiten abzubauen. Unter VSBM sind beispielsweise Benachrichtigung und Beobachtung
militärischer Übungen und Vor-Ort-Inspektionen zu verstehen.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Die VSBM wurden mit der Schlußakte von Helsinki im Jahr 1975 ins Leben gerufen, mit der die freiwillige
Benachrichtigung und Beobachtung bestimmter
militärischer
Aktivitäten
ermutigt wurde. Die Stockholmer Konferenz, die von 1984 bis 1986 dauerte, stellte eine Erweiterung der Maßnahmen von Helsinki dar und machte
sie obligatorisch.
Die Stockholmer Maßnahmen basierten im wesentlichen auf westlichen
Vorschlägen und beziehen Berechenbarkeit, Offenheit und Vertrauen in den
Ausbildungs- und
Ubungsprozeß
der
Streitkräfte in Europa ein. Die Maßnahmen erstreckten sich ferner auf
den Austausch der Jahresübersicht
über militärische Aktivitäten, die
Benachrichtigung
über
militärische

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Übungen oberhalb einer vereinbarten
Obergrenze,
Einladungen
in
alle
KSZE-Staaten zur Beobachtung größerer
Übungen sowie Ad-hoc-Inspektionen militärischer Aktivitäten als Verifizierungsmittel.
Die Durchführung der Stockholmer
VSBM war ermutigend. Seit Inkrafttreten der Maßnahmen im Jahr 1987
konnte größere Offenheit und Berechenbarkeit militärischer Aktivitäten
in Europa beobachtet werden. In den
zwei Jahren seit ihrem Inkrafttreten
traten die KSZE-Staaten bei über 35
militärischen Aktivitäten in 12 Ländern formell als Beobachter auf. Von
Ost und West wurden jeweils 18 VorOrt-Inspektionen durchgeführt.
Intensivere Kontakte der Militärs untereinander haben zu besserem Verständnis beigetragen.
Dies
sind
ermutigende
erste
Schritte.
Aber es kann noch sehr
viel mehr getan werden. In Wien werden die westlichen Verbündeten eine
Reihe durchgreifender und integrierter Maßnahmen vorschlagen, die darauf
ausgerichtet sind, diesen vertrauensbildenden Prozeß voranzubringen.
Zur Förderung der Offenheit bei
militärischen
Organisationen
beabsichtigen die Verbündeten, einen Vorschlag für einen weitreichenden, umfassenden jährlichen Informationsaustausch über militärische Organisationen, die wichtigsten Stationierungen
von Waffen, Personal und Gerät im Gebiet vom Atlantik bis zum Ural zu unterbreiten. Die NATO wird ferner die
Schaffung
eines
Auswertungssystems
vorschlagen, das zur Beurteilung des
Informationsaustauschs gedacht ist.
Um darüber hinaus größere Offenheit bei militärischen Aktivitäten zu
erlangen, beabsichtigt das Bündnis,
die Einbeziehung detaillierterer Informationen in die Benachrichtigung
über militärische Übungen, verbesserter Verfahren zur Beobachtung militärischer Aktivitäten und verstärkter
Verfizierungsmaßnahmen.

Schließlich wird das westliche
Bündnis zusätzliche Maßnahmen vorschlagen, die darauf abzielen, Kontakte und Kommunikation zwischen den
KSZE-Teilnehmerstaaten im militärischen Bereich zu verbessern, den Zugang des Militärpersonals und der Medienvertreter zu erleichtern sowie
das gegenseitige Verständnis militärischer Fähigkeiten, Verhaltensweisen
und des Einsatzkonzepts zu erleichtern. Das Bündnis wird ferner den
Vorschlag zu einem organisierten Gedankenaustausch über eine Militärdoktrin unterbreiten, mit der die tatsächlichen Struktur, Fähigkeiten und
Aufstellung der Streitkräfte in Europa abgedeckt wird.
Der Westen nimmt die VSBM-Gespräche also mit einer Reihe positiver,
zukunftsorientierter Vorschläge auf,
mit denen die Offenheit über militärische Strukturen und Aktivitäten in
Europa nachhaltig verbessert werden
könnte. Wir sind ferner bereit, andere Vorschläge zu überprüfen, die
zur militärischen Offenheit und Berechenbarkeit beitragen.
Diese Gespräche sowie die getrennt stattfindenden Verhandlungen
über Konventionelle Streitkräfte in
Europa (KSE) schlagen eine neues Kapitel in der Geschichte der europäischen Sicherheit und Zusammenarbeit
auf. Wir sollten uns jedoch vor Augen führen, daß militärische Konfrontation in Europa das Ergebnis - und
nicht die Ursache - der politischen
Teilung Europas ist.
Aus diesem
Grund müssen Bestrebungen zum Abbau
der Spannungen auf dem Kontinent
nicht nur die Sicherheitsbelange,
sondern auch den zugrundeliegenden
poltitischen Konflikt und die Verweigerung grundlegender Menschenrechte
und Freiheiten durch einige Länder
ansprechen.

Frage:
Worin besteht der Unterschied
zwischen den Verhandlungen
über Konventionelle Streitkräfte in
Europa (KSE) und den Verhandlungen
über Vertrauens- und Sicherheitsbil-

�dende Maßnahmen (VSBM)?
Antwort:
Das Mandat, die Teilnehmer und der Inhalt der beiden Verhandlungen sind unterschiedlich gelagert. Während beide Sicherheit und
Stabilität zum Ziel haben, streben
die KSE den Abbau von Ungleichgewichten bei den konventionellen Streitkräften vom Atlantik bis zum Ural sowie ein höheres Maß an Sicherheit und
Stabilität
auf
einen
niedrigeren
Streitkräfteniveau an.
Obwohl die
KSE-Gespräche im Rahmen der KSZE
stattfinden, sind die Verhandlungspartner Mitgliedstaaten der NATO und
des Warschauer Pakts. Die VSBM-Verhandlungen
hingegen
konzentrieren
sich auf Offenheit und Berechenbarkeit im Bereich militärischer Informationen und Aktivitäten.
An den
VSBM-Verhandlungen nehmen alle 35
Teilnehmerstaaten der KSZE teil.
Frage: Welche VSBM stehen zur Verfügung?
Antwort:
Das
Schlußdokument
von
Stockholm sieht folgende Bestimmungen
vor:
eine 42tägige vorherige Benachrichtigung über militärische Aktivitäten, bei denen mehr als
13 000 Soldaten oder 300 Panzer
(bei
Luftsturm- oder LandungsUbungen 3 000) beteiligt sind.
Obligatorische Beobachtng militärischer Aktivitäten mit mehr als
17 000 Soldaten (5 000 bei Luftsturm- oder Landungsübungen.
Austausch einer Jahresübersicht
über Aktivitäten, die der Benachrichtigung unterliegen.
Keine Aktivitäten mit mehr als
40 000 Soldaten, wenn diese nicht
vorher in der Jahresübersicht angekündigt worden sind.
Keine Aktivitäten mit mehr als
75 000 Soldaten, wenn diese nicht
zwei Jahre zuvor in der JahresUbersicht zwei Jahre zuvor angekündigt worden sind.
Ein System der Vor-Ort-Inspektion.

Antwort:
Das gesamte Europa, wie
es das Mandat der Stockholmer KVAEVerhandlungen vorsah.
Frage: Betreffen die VSBM auch USStreitkräfte?
Antwort:
Insofern
amerikanische
Streitkräfte auf dem Gebiet der KVAE
stationiert sind, ja.
Frage: Der Warschauer Pakt hat die
Einbeziehung
unabhängiger
See- und
Luftübungen in die VSBM-Verhandlungen
vorgeschlagen.
Warum
stimmen die
Vereinigten Staaten dem nicht zu?
Antwort:
Das
Mandat,
das
die
Stockholmer
KVAE-Verhandlungen
und
auch die nachfolgenden VSBM-Verhandlungen steuerte, sieht vor, daß die
VSBM die Manöver der Landstreitkräfte
in Europa abdecken. Dennoch müssen
gemäß dem Schlußdokument von Stockholm LuftSturmangriffe und Landungen
von Amphibienfahrzeugen
einer bestimmten Größenordnung gemeldet und
beobachtet
werden.
Unabhängige
Luft- und Seeübungen fallen daher
nicht unter die Bestimmungen des Verhandlungsmandats der VSBM.

Frage:
Welchen geographischen Raum
decken die VSBM-Verhandlungen ab?
- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

8. März 1989

10

DURCHFALLERKRANKUNGEN BEI KINDERN
Orale Rehydration sehr of wichtiger als Medikamente

(AD). - Als eine ihrer besonders
wichtigen Funktionen betrachtet die
Weltgesundheitsorganisation (WHO) die
Bekämpfung von Diarrhö bei Babies und
Kleinkindern in Ländern der Dritten
Welt. Jedes Jahr sterben dort 4,5
bis 5 Millionen Kinder unter fünf
Jahren an Durchfallerkrankungen. Sie
stellen nach den Erkrankungen der Atraungsorgane die zweithäufigste Todesursache dar. Und dies, obgleich eine
relativ einfache Therapie zur Verfügung steht, die im akuten Stadium
zwar nicht heilen, aber Leben retten
kann. Es ist die sogenannte orale
Rehydrations-Therapie (ORT), eine Methode, mit der der Verlust an Flüssigkeit und Elektrolyten (Natrium und
Kalium) ausgeglichen und bei der
durch Glukosezusatz die Resorption
unterstützt wird.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Als Hauptursache für die Diarrhöen bei Kleinkindern (etwa 80 Prozent der Todesopfer sind noch keine
zwei Jahre alt) gelten Rotaviren, die
durch Nahrung, Wasser und Hautkontakt
übertragen werden. Selbst gegen Desinfektionsmittel sind sie äußerst widerstandsfähig. Obgleich nur sehr
wenige Entwicklungsländer noch keine
nationalen Programme zur Bekämpfung
von Durchfallerkrankungen besitzen,
werden gegenwärtig erst etwa 60 Prozent der Kinder in diesen Staaten davon erreicht. Dennoch liegt dieser
Prozentsatz bereits über dem von der
WHO vor einigen Jahren angestrebten
Ziel von 50 Prozent bis 1990.
Die Entwicklung der ORT-Methode
geht in die sechziger Jahre zurück,
als man herausfand, daß ein aus Glu-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�kose, Salz und Wasser gemischtes Getränk gegen die durch Druchfall verursachte Dehydration ebenso wirksam
war wie aufwendige und oft quälende
Infusionen im Krankenhaus. Medikamente, z.B. Antibiotika, sind ohnehin
nicht wirksam, andere nur unter ganz
bestimmten, eng begrenzten Voraussetzungen angebracht. Dagegen kann
die Rehydrationslösung auf Glukosebasis aus Zutaten bereitet werden, die
praktisch in jeder Küche vorhanden
sind, und für die meisten Mütter ist
es einfach, sie anzuwenden. Das
Hauptproblem besteht jedoch darin,
daß weder die Menge der Ausscheidung
nocht die Dauer der Krankheit verringert werden. Nur der Flüssigkeitsverlust und die Gefahr der hypertonen
Dehydration, die bis zum Koma und
Atemstillstand führen kann, wird behoben.
In Abänderung der Zusammensetzung
der Lösungen, die weltweit von der
WHO verteilt werden, schlagen Wissenschaftler heute die Verwendung von
Lösungen vor, die statt Glukose pulverisierten Reis und andere Nährmittel enthalten. Sie ersetzen nicht
nur den Flüssigkeitsverlust, sondern
verkürzen auch die Dauer der Erkrankung. Man kann den Reis als Brei mit
Salzzugabe kochen oder andere Nährmittel, z.B. Sorghumoder Maispulver
verwenden. Noch werden die neuen
Mixturen klinisch getestet, um die
erforderlichen Mengen von Stärke und
Protein für die Eingabe von Salzen
und Wasser in den Körper bestimmen zu
können. Eine Anwendung in großem Umfang dürfte frühestens in zwei bis
drei Jahren zu erwarten sein.
Aber auch die simple ORT-Lösung
hat sich in manchen Ländern, etwa in
der Sahel-Zone, noch kaum durchgesetzt. Selbst in afrikanischen Ländern mit guter Salzversorgung erreicht die Anwendung kaum zehn Prozent. Nach WHO-Angaben dürfte zwar
die Verwendung in manchen lateinamerikanischen Ländern mehr als 20 Prozent betragen, in anderen dagegen,
etwa Guatemala und Peru, wird die Lösung bei nicht einmal fünf Prozent

der Fälle von Kinder-Diarrhö eingesetzt. Ähnlich ist es im Jemen, während die Rehydrationstherapie in Bangladesch bereits bei 51 Prozent der
Erkrankten angewandt wird. Als Musterland erweist sich Ägypten: Plakataktionen, Fernsehund Radiosendungen haben dazu geführt, daß die ORTMethode zwischen 1983 und 1986 von
ursprünglich nur 1,5 Prozent Anwendungsbreite auf 98 Prozent ausgeweitet werden konnte. Gegenwärtigen
Schätzungen zufolge ist anzunehmen,
daß in Ägypten Todesfälle bei Kindern
unter zwei Jahren als Folge von Diarrhö-Erkrankungen auf etwa die Hälfte
zurückgegangen sind.
Alan Woods, der Chef der US-Behörde für Internationale Entwicklung
(AID), betont, daß für einen Erfolg
von ORT-Programmen mehr erforderlich
sei als nur die Bereitstellung von
Lösungen zur oralen Rehydration für
die Entwicklungsländer. Voraussetzung sei vielmehr, innerhalb der Länder der Dritten Welt Kapazitäten zur
Produktion und Verteilung der Lösungen zu schaffen. Auch müßten die erforderlichen Informationen an die Familien herangebracht werden, wann und
wie die Lösungen anzuwenden seien und
wie wichtig es ist, das Kind ohne Unterbrechung während und nach Diarrhö-Erkrankungen zu füttern.
Schließlich müßten finanzielle Mechanismen für die Fortführung der Programme entwickelt werden. "Wir wissen, daß wir eine ganze Generation
von Müttern durch regelrechte Kampagnen mit der oralen Rehydrationstherapie vertraut machen können", meint
Woods. "Aber die Kenntnis der Wirksamkeit dieser Therapie muß Eingang
in die Gesellschaft finden - in das
Gesundheitssystem ebenso wie in die
nachfolgende Müttergeneration. So
bedeutet die ORT-Methode auch für
Dorfhelfer und Ärzte eine sehr wichtige Aufgabe."
Daß auch in Industrieländern,
beispielsweise in den Vereinigten
Staaten, Todesfälle bei Kindern infolge Durchfallerkrankungen noch eine
Rolle spielen, war das überraschende

- 2 -

�Ergebnis einer Studie der Zentren für
Krankheitsüberwachung (Centers for
Disease Control) in Atlanta (Georgia). Der Studie zufolge starben
zwischen 1973 und 1983 mehr als 5 500
amerikanische Kinder im Alter zwischen einem Monat und vier Jahren an
Diarrhö - die Mehrzahl in den Südstaaten während der Wintermonate.
Allerdings ging die jährliche Todesrate von 719 im Jahr 1973 auf 372 im
Jahr 1983 zurück. In den USA sind
Durchfallerkrankungen die Ursache für
ca. zwei Prozent der Kindersterblichkeit. In dem Bericht, der dies als
"vermeidbar" bezeichnet, heißt es
weiter, daß jedes Jahr etwa 200 000
Kinder unter fünf Jahren wegen Diarrhö stationär behandelt werden müßten. Die meisten amerikanischen Kinderärzte seien sich noch immer nicht
der Sicherheit und Wirksamkeit der
oralen Rehydrationstherapie bewußt
und hielten an der kostspieligen und
oft gar nicht angebrachten medikamentösen Therapie fest.

* * * * *

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ungleichgewichte Im Außenhandel verringert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Jahresbericht zur Entwicklung im Handel&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA fordern Sowjets zur Beteiligung am Abbau chemischer Waffen auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Außenminister Baker zur Eröffnung der KSE&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die VSBM-Verhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Hintergrundmaterial zu den VSBM&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Durchfallerkrankungen bei Kindern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Orale Rehydration sehr oft wichtiger als &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Medikamente&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
%r,oN

4

9. August 1989

30
DOKUMENTATION

USA legen Verifizierungsmaßnahmen für START-Abkommen dar
- Rede von Botschafter Richard Burt USA: Fortschritte bei Abwehrsystemen im Weltraum
- Rede von Botschafter Cooper bei der Geafer Abrüstungskonferanz -

HINTERGRUND
Westliche Sicherheit: Die USA und ihre NATO-Partner
- Regionale Übersicht des Außenministeriums -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

*
Integriertes Entsorgungsprogramm fUr Atomanlagen
- Fünfjahresplan des US-Energieministeriums -

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
4-7

Dokumentation

Ä&lt;

9. August 1989

30

USA LEGEN VERIFZIERUNGSMASSNAHMEN FÜR START-ABKOMMEN DAR
- Rede von Botschafter Richard Burt GENF - (AD) - Der Leiter der amerikanischen Delegation bei den Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen, Botschafter Richard Burt, erläuterte am
3. August 1989 seinen Vorschlag an die Sowjetunion, die Verhandlungen sollten
sich "jetzt sofort" auf eine Reihe von Maßnahmen zu Verifizierung und Stabilität konzentrieren, "die auch Niederschlag in der Endfassung des Vertrags über
die Reduzierung Strategischer Rüstungen (START) finden könnten".
Botschafter Burt beschrieb Präsident Eushs Initiative zu Verifizierung und
Stabilität im einzelnen und erklärte, sie "ergänzt die bisher in Genf geleistete Arbeit". Er verwies ferner darauf, "diese Initiative zielt darauf ab,
die START-Verhandlungen zu beschleunigen, nicht sie zu verzögern". Burt ging
darüber hinaus auf Bereiche ein, in denen Unstimmigkeiten zwischen beiden Seiten bestehen und verwies in diesem Zusammenhang insbesondere auf mobile Interkontinentalraketen.
Nachfolgend veröffentlichen wir Botschafter Burts Rede im Wortlaut.

Ich danke Botschafter Friedersdorf für seine freundliche Einführung, und es ist mir eine Ehre, beute
hier gemeinsam mit den Mitgliedern
und Nichtmitgliedern der Abrüstungskonferenz die jüngsten Entwicklungen
unserer
bilateralen Gespräche über
Kern- und
Weltraumwaffen
zu
erörtern.
Meines Wissens ist Präsident
Benbima gerade für den Monat August
zum Präsidenten der Konferenz bestimmt worden. Meine Hoffnungen und
besten Wünsche für eine erfolgreiche
und produktive Sitzungsperiode während Ihrer Amtszeit begleiten Sie.
Ich freue mich auch darüber, hier einige alte Freunde wiederzusehen.
Die Runde XI der START-Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion war nützlich
und
konstruktiv.
Die
Vereinigten

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Staaten haben diese Runde als Sondierungsgespräche betrachtet, die politische Position beider Parteien zu
klären und das Grundrauster des gemeinsamen Vertragsentwurfs zu bestätigen.
Tatsächlich haben wir den
Eindruck, in vielen Bereichen - einschließlich des sehr wichtigen Punkts
über die Durchführung effektiver Verifizierung - mehr als das erreicht
zu haben.
Ich habe mit meinem sowjetischen
Kollegen eine gründliche Überprüfung
wichtiger
Vertragsbestimmungen
und
noch strittiger Fragen vorgenommen.
Er ist ein erfahrener Unterhändler
und leitet eine fähige Arbeitsgruppe,
die über fundiertes Fachwissen verfügt. Meiner Ansicht nach haben wir
gesunde Arbeitsbeziehungen aufgenommen - obgleich sich im Laufe dieser

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Runde gezeigt hat, daß er ein weit
besserer Tennisspieler ist als ich.
Im Hinblick auf den Vertrag und
die Protokolle, aus denen der gemeinsame
START-Vertragsentwurf
besteht,
hat auf der Ebene der Arbeitsgruppen
ein guter Austausch
stattgefunden.
Beide Seiten haben fruchtbare Gespräche geführt und die verschiedenen Alternativen erörtert.
Wir haben den
Text gemeinsam verbessert, ausgeklammerte Punkte geklärt und Unstimmigkeiten in kleinen, aber wichtigen
Teilbereichen ausgeräumt.
Der Prozeß war sachlich, unpolemisch und konzentrierte sich auf Inhalte und nicht auf Rhetorik. In allen Bereichen hat ein nützlicher Austausch
stattgefunden.
Obwohl
bei
diesen Verhandlungen immer noch bedeutsame
Meinungsverschiedenheiten
zwischen den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion bestehen, haben beide
Seiten meiner Ansicht nach jetzt ein
besseres Verständnis der Beweggründe,
die der Position des anderen zugrundeliegen.
Ich vertrete daher die
Auffassung, daß meine
sowjetischen
Kollegen und ich den Grundstein dafür
legen konnten, was hoffentlich nächsten Monat in den Vereinigten Staaten
zwischen den Außenministern Baker und
Schewardnadse in eine produktive Diskussion über START münden wird.
Bevor ich näher auf einige Bereiche eingehe, die im Mittelpunkt meiner
Gespräche
mit
Botschafter
Nasarkin standen, möchte ich zu den
Grundprinzipien Stellung nehmen, von
denen die amerikanische
Delegation
sich in Runde XI leiten ließ und die
für zukünftige Runden von Beduetung
sind.
Die Vereinigten Staaten sind mit
Präsident Bushs festem Versprechen zu
den Genfer Verhandlungen zurückgekehrt, "wir werden hart arbeiten, um
faire und weitreichende Abkommen auszuhandeln, die dem Frieden dienen.
Nichts hat höhere Priorität."

- 2

Bei ihrem Amtsantritt hat die
Bush-Administration
eine
umfassende
Überprüfung
über die amerikanische
Sicherheits- und
Rüstungskontrollpolitik
durchgeführt.
Als
Ergebnis
dieser Überprüfung ist der Präsident
zu dem Schluß gekommen, das vordringlichste Ziel strategischer Rüstungskontrolle bestehe in der Erlangung
verifizierbarer
Abkommen,
das
das
Kriegsrisiko mindern.
Das Risiko eines Atomkrieges kann
durch
ein
stabileres
nukleares
Gleichgewicht
abgebaut werden, bei
dem die Abschreckung gestärkt wird
und eine Abmachung über Krisenstabilität weiterhin gilt.
Eine solche
Abmachung besteht, wenn jede Seite
von einem Erstschlag abgehalten wird,
weil der für einen solchen Schlag zu
zahlende Preis und das damit einhergehende Risiko mögliche Vorteile bei
weitem aufwiegen.
Aus diesem Grund
besteht ein wesentlicher Bestandteil
zur Aufrechterhaltung der Krisenstabilität im Besitz überlebensfähiger
Streitkräfte zur Vergeltung. In diesem Zusmmenhang muß man sich wiederum
vor Augen führen, daß Rüstungskontrolle einseitige Maßnahmen zur Aufrechterhaltung einer effektiven Abschreckung lediglich ergänzen, nicht
aber ersetzen kann.

T

*

Einschneidende Reduzierungen der
strategischen Streitkräfte können die
Stabilität verbessern, wenn sie in
geeigneter Weise durchgeführt wei—
den.
Größere Stabilität könnte etwa
durch
folgende Regelungen
erreicht
werden:
Erstens Reduzierung der Verwundbarkeit, da, wie ich schon sagte,
überlebensfähige Streitkräfte die
Anreize für einen Erstschlag verringern.
-

Zweitens
mehr
Transparenz,
da
Stabilität durch größere Offenheit im Hinblick auf Umfang und
Charakter
der
strategischen
Streitkräfte und Aktivitäten jeder Seite gefördert wird.

f

*•

�Drittens verbesserte Berechenbarkeit, weil die Stabilität größer
ist, wenn Ungewißheiten über die
künftige Entwicklung der Streitkräfte auf beiden Seiten verringert werden.
Die
START-Verhandlungen
haben
bisher einen umfangreichen gemeinsamen Vertragsentwurf hervorgebracht,
der die Bereiche der Übereinstimmung
und Gegensätze widerspiegelt. Zu Beginn dieser Runde haben wir die Absicht der Vereinigten Staaten bekräftigt, von der Grundlage des bestehenden gemeinsamen Vertragsentwurfs auszugehen. Insbesondere haben wir unsere anhaltende Zustimmung zur Struktur der bereits vereinbarten Oberund Untergrenzen bekräftigt.
Diese
sehen 1 600 offensive strategische
Trägersysteme, 6 000 nachweisbare Gefechtsköpfe, 4 900 Gefechtsköpfe auf
Interkontinentalraketen
(ICBMs) und
unterseebootgestützten
Raketen
(SLBMs), 1 540 Gefechtsköpfe auf 154
schweren Interkontinentalraketen sowie eine etwa 50prozentige Reduzierung des Wurfgewichts der sowjetischen ballistischen Raketen vor. Obwohl wir unsere Unterstützung der
grundsätzlich vereinbarten zahlenmäßigen Obergrenzen und anderer im gemeinsamen Vertragsentwurf enthaltener
amerikanischer Positionen bestätigen,
behalten wir uns das Recht zur Unterbrei tung neuer Ideen und anderer Änderungen vor, die unserer Meinung
nach
zur
Uberlebensfähigkeit
der
Streitkräfte und Stabilität beitragen
würden.
Um sicherzustellen, daß Verbesserungen bei der Uberlebensfähigkeit
langfristig wirksam bleiben, müssen
diese mit der Erfordernis in Einklang
gebracht werden, daß Umfang und Charakter der heute bestehenden und
künftigen strategischen Streitkräfte
transparent und berechenbar sein müssen und Vereinbarungen sich wirksam
verifizieren lassen.
Mobile ICBMs
sind hier ein Fallbeispiel: dasselbe
Merkmal, das die Uberlebensfähigkeit
der ICBMs erhöht - nämlich ihre Mobilität -, macht gleichzeitig eine ein-

deutige Verifizierung komplizierter.
Die amerikanische
Haltung zum
Verbot mobiler ICBMs bleibt zum jetzigen Zeitpunkt unverändert. Unsere
Entscheidung zu den mobilen ICBMs
hängt sicherlich teilweise von der
Unterstützung ab, die der amerikanische Kongreß dem Programm des Präsidenten zur ICBM-Modernisierung gewährt. Jedenfalls haben wir der sowjetischen Seite zu verstehen gegeben, daß wir zur Überprüfung unserer
im Licht der von den Sowjets in den
vergangenen Jahren stationierten über
hundert mobilen ICBMs erhobenen Forderung nach einem Verbot bereit sind,
wenn sich beide Seiten auf ein Vorgehen einigen können, das die wirksame
Verifizierung zahlenmäßiger Begrenzungen für mobile ICBMs gestatten
würde.
Obwohl noch viel zu tun
bleibt, hat Runde XI eine eindeutige
Klärung der Erfordernisse und Beschränkungen erbracht, die straßenund schienenmobilen Systemen auferlegt werden müssen.
Als Teil unserer umfassenden Verhandlungsbemühungen und hervorragendes Beispiel der neuen von den Vereinigten Staaten in Runde XI eingebrachten Ideen haben die Vereinigten
Staaten vorgeschlagen, beide Seiten
sollten besondere Anstrengungen unternehmen, um sich auf bestimmte, in
der Vergangenheit von beiden Seiten
vorgeschlagene
Verifizierungs- und
Stabilitätsmaßnahmen zu einigen und
mit deren Anwendung so bald wie möglich zu beginnen. Ich muß gegenüber
den Teilnehmern der Abrüstungskonferenz die Rolle der Verifizierung in
den heutigen RUstungskontrollverhandlungen nicht eigens betonen. Unsere
Initiative zu Verifizierung und Stabilität trägt dieser zentralen Bedeutung Rechnung.
Auf Anweisung
des Präsidenten
wurde den Sowjets insbesondere vorgeschlagen,
die
START-Unterhändler
sollten sich jetzt auf folgende Vertfizierungs- und
Stabilitätsmaßnahmen
konzentrieren, die schließlich im
START-Vertrag ihren Niederschlag fin-

- 3 -

�den würden:
1) Unverzügliche und gegenseitige Einrichtung einer Überwachung von
Umgebung sowie Ein- und Ausgängen bestimmter Raketenproduktionsstätten in
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, um unser Vertrauen in die
Genauigkeit der angemeldeten Arsenale
mobiler
Interkontinentalraketen
zu
erhöhen.
2) Sofortiger Austausch von ausgewählten
Daten
zu den
nuklearen
Streitkräften jedes Landes, um uns
bei der Erarbeitung geeigneter Inspektionsverfahren zu helfen und die
Verifizierung des START-Vertrages zu
erleichtern.
3)
Beendigung der Verschlüsselung telemetrischer Daten von Interkontinentalraketen sowie der Verweigerung von Daten über bestimmte Abschüsse von ICBMs und SLBMs, so daß
jedes Land ein besseres Verständnis
von
neuen
Entwicklungen
in
den
Streitkräften des anderen entwickeln
kann.
4)
Gegenseitige Übungsinspektionen, um Verfahren vorzuführen, mit
denen verifiziert werden soll, daß
die von den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion für diesen bestimmten
Raketentyp vereinbarte Zahl der Wiedereintrittsflugkörper auf bestimmten
ballistischen
Raketen
nicht
überschritten wird.
Eine gegenseitige
Demonstration könnte den Unterhändlern helfen, solide Inspektionsvorschriften für diese beispiellos einschneidenden Inspektionen zu entwikkeln.
5)
Gegenseitige Vorführung von
Technologien zur Identifizierung ballistischer Raketen, ein häufig auch
als "tagging" bezeichnetes Verfahren,
um den Austausch technischer Informationen über erfolgversprechende Ansätze zu erleichtern.
Die Vereinigten Staaten sind ferner der Ansicht, daß beide Länder von
einer Einigung auf zwei zusätzliche

Maßnahmen
profitieren
können, . die
trotz der Tatsache, daß sie in unseren
bisherigen
Verhandlungen
noch
nicht zur Sprache gekommen sind und
selbst nicht Teil des START-Vertrages
sein würden, als getrennt vereinbarte
Maßnahmen die strategische Stabilität
erhöhen würden.
1)
Aufgrund
des Außenminister
James Baker von der Sowjetunion unterbreiteten Vorschlags sind wir bereit, das Problem der unterseebootgestützten
ballistischen Raketen mit
kurzer Flugzeit zu behandeln. Darunter würden auch die bisweilen so bezeichneten niedrigen Flugbahnen fallen.
2) Ferner schlagen wir vor, daß
beide Länder einen in einem früheren
Briefwechsel
besprochenen
Vorschlag
verwirklichen, demzufolge die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
sich
gegenseitig
über
eine
große
strategische Übung pro Jahr in Kenntnis setzen würden.
Die Initiative des Präsidenten zu
Verifizierung und Stabilität ergänzt
die bisher in Genf geleistete Arbeit.
Diese Initiative zielt darauf
ab, die START-Verhandlungen zu beschleunigen, nicht zu verzögern: Der
START-Vertrag wird beispiellose Verifizierungsbestimmungen enthalten.
Es
ist von vorrangiger Bedeutung, die
Probleme so früh wie möglich zu erkennen,
so daß
die
Verhandlungen
nicht durch ungelöste technische Verifizierungsfragen
unnötig
in
die
Länge gezogen werden. Die frühzeitige Durchführung dieser Maßnahmen wird
den beiden Ländern Erfahrung in Verifizierungsverfahren
vermitteln,
so
daß wir in Genf realistische Bestimmungen erarbeiten können.
Die Vereinigten Staaten betrachten
die
amerikanische
Initiative
nicht als alles oder nichts. Obwohl
wir zu jeder Maßnahme ein Abkommen
erzielen wollen, sind wir bereit, nur
die Themen anzusprechen, zu deren Erörterung die Sowjets bereit sind.
Darüber hinaus sollen aus der Sicht

�der Vereinigten Staaten alle Maßnahmen auf Gegenseitigkeit beruhen und
daher auf beide Länder In gleichem
Maße Anwendung finden.
Bis heute haben wir mit der sowjetischen Seite Sondierungsgespräche
geführt, dank denen wir die Initiative zu Verifizierung und Stabilität im
einzelnen beschreiben können. Unseren Erwartungen zufolge wird der amerikanischen Initiative zu Verifizierung und Stabilität bei dem Treffen
zwischen Außenminister Baker und seinem Amtskollegen Schewardnadse ein
hoher Stellenwert beigemessen.
Ich habe mit meinem sowjetischen
Amtskollegen detaillierte Gespräche
über wichtige Bereiche geführt, in
denen beide Seite unterschiedliche
Meinungen vertreten - eine Untergrenze für ICBM-Gefechtsköpfe, schwere
ICBMs, ALCMs/schwere Bomber, SLCMs
und das Junktim zwischen START und
dem ABM-Vertrag. Diese Gespräche waren keine abgedroschenen, rhetorischen Wiederholungen bekannter Themen, sondern vielmehr von Offenheit
und Substanz gekennzeichnet.
Die Vereinigten Staaten vertreten
weiterhin die Auffassung, daß Einigung über eine Untergrenze von 3 000
bis 3 300 Gefechtsköpfen auf stationierten ICBMs erzielt werden sollte.
Beide Länder könnten von der zusätzlichen Berechenbarkeit einer solchen
Begrenzung profitieren, da die ICBMSysteme nach wie vor hervorragend für
den Einsatz bei einem Präventivschlag
geeignet sind und daher destabilisierender wirken als andere Kategorien
strategischer Offensivwaffen.
Schwere ballistische Raketen haben eine besonders destabilisierende
Wirkung. Aus diesem Grund halten die
Vereinigten Staaten an ihrer Position
fest, daß der START-Vertrag die Produktion, Flugerprobung oder Stationierung neuer modernisierter schwerer
ICBMs ebenso verbieten sollte wie die
Produktion oder Stationierung zusätzlicher schwerer ICBMs des bereits bestehenden Typs. Beide Länder sollten

es sich darüber hinaus zur Aufgabe
machen, keine Flüge mit den bestehenden Typen schwerer ICBMs zu unternehmen und auf die Produktion, Flugerprobung oder Stationierung schwerer
SLBMs zu verzichten. Die amerikanische Position zu schweren Raketen
würde wirksam zu einem Gleichstand
beitragen, indem sie letztlich zum
stufenweisen Abbau der sowjetischen
SS-18 Streitmacht führen würde, die
für sich alleine schon das destabilisierendste Waffensystem in der heutigen Welt darstellt.
Im Hinblick auf Bumberwaffen haben die Vereinigten Staaten ihre bisherige Position bezüglich Zählung,
Reichweite und Erkennbarkeit luftgestützter
Marschflugkörper
(Air
Launcbed Cruise Missiles - ALCM) bekräftigt. Wir schlagen daher weiterhin vor, daß ALCMs nach dem Gesetz
der
Zugehörigkeit
gezählt
werden
sollten, das jedem für ALCMs ausgerüsteten schweren Bomber angesichts der
Obergrenze von 6 000 Gefechtsköpfen
unabhängig von der Zahl, mit der er
tatsächlich bestückt ist, eine vereinbarte Zahl von Gefechtsköpfen zugesteht.
Die Vereinigten Staaten
halten ferner nach wie vor die Position aufrecht, daß nur nuklearbestückte
Luft-Boden-Marschflugkörper
mit einer Reichweite über 1 500 Kilometern unter die START-Obergrenzen
fallen sollten.
Die amerikanische
Position zu
seegestützten Marschflugkörpern (SeaLaunched Cruise Missiles - SLCMs)
bleibt fest.
Konventionelle SLCMs
sind nicht Bestandteil des amerikanisch-sowjetischen strategischen atomaren Gleichgewichts und sollten daher nicht in dieses Abkommen einbezogen werden. Nach gründlicher Überprüfung sind die Vereinigten Staaten
zu dem Schluß gekommen, daß die sowjetischen Vorschläge zu SLCM keine
wirksame Verifizierung vorsehen. Die
angeblich geeignete verfügbare Technologie
zum
Aufspüren
nuklearer
SLCM-Gefechtsköpfe in großer Entfernung und der Unterscheidung von anderen Nukleargefechtsköpfen ist nicht

- 5 -

�zuverlässig. Die jüngste sowjetische
Demonstration im Schwarzen Meer hat
diese
Schlußfolgerung
bekräftigt.
Die Umgehung von auf diese Technologien gegründeten Bestimmungen wäre
demzufolge einfach. Selbst wenn die
Technologien so angelegt sind, daß
sie nukleare SLCMs zuverlässig aufspüren
und
unterscheiden
können,
scheint es immer noch höchst fraglich, ob wirksame Verfizierungsmaßnahmen entwickelt werden könnten.
Die Vereinigten Staaten kennen heute
noch keine Mittel und Wege, um Obergrenzen bei der Produktion und Lagerung von SLCMs wirksam verifizieren
zu können - was angeblich der Kern
des SLCM-Verifizierungsproblems ist.
Aus diesem Grund sehen die Vereinigten Staten eine nicht bindende
Darlegung der Pläne für nuklearbestückte SLCMs beider Länder vor. Da
nukleare SLCMs für einen Erstschlag
weder geeignet noch durch ihn verletzbar sind, vertreten die Vereinigten Staaten die Auffassung, daß der
amerikanische Vorschlag beiden Ländern die praktischsten Mittel an die
Hand gibt, um Vertrauen aufzubauen,
daß nukleare SLCMs die START-Obergrenzen nicht umgehen.
Abschließend möchte ich die Beziehung zwischen START und anderen
Verhandlungen ansprechen.
In jüngster Zeit wurde die Frage aufgeworfen, ob der Abschluß eines START-Vertrags für die Bush-Administration
niedrigeren Stellenwert einnimmt als
der Abschluß eines KSE-Vertrags, oder
ob wir START vorbehaltlich von Fortschritten bei KSE verzögern wollen.
Beides trifft nicht zu. Die Bush-Administration mißt sowohl den STARTals auch den KSE-Verhandlungen hohe
Priorität bei. Obwohl der Präsident
seine Hoffnung zum Ausdruck gebracht
hat, daß ein KSE-Abkommen in sechs
bis zwölf Monaten abgeschlossen werden kann, hat er kein Junktim zwischen Fortschritten bei START und denen bei KSE hergestellt.

die Fertigstellung eines START-Abkommens nicht von der Lösung der dornigen Gespräche über die Verteidigung
im Weltraum abhängig gemacht werden.
Seit 1972, als der ABM-Vertrag in
Kraft trat, hat die Größenordnung und
Macht der nuklearen Bedrohung um ein
vielfaches zugenommen. Eine Schlüsselvoraussetzung dieses Vertrags war
jedoch, daß Gespräche über die Reduzierung strategischer Offensivwaffen
bald folgen würden. Aus diesem Grund
sollten die Sowjets mit uns gemeinsam
einen STABT-Vertrag abschließen, wenn
es soweit ist, und zwar ohne Bedingungen. Ein getrennter Vertrag über
die Verteidigung im Weltraum - ein
Thema, das Botschafter Cooper in Kürze im einzelnen ansprechen wird
sollte ebenfalls für sich allein und
in einem eigenen Zeitrahmen ausgehandelt werden.
Die
Schlußfolgerungen
unserer
strategischen Übersicht und die Geschichte der Verhandlungen zu diesen
Themen haben die Vereinigten Staaten
überzeugt, daß die vor ihnen liegende
Aufgabe sehr umfangreich ist. Es ist
bereits sehr viel geleistet worden,
dennoch bleibt noch viel zu tun.
Meines Erachtens wird es uns mit
ernsthaften, konstruktiven Verhandlungen gelingen, beachtliche Fortschritte zu erzielen. Die Vereinigten Staaten haben sich verpflichtet,
auf ihre bisherigen Leistungen aufzubauen , um Abkommen zur Erfüllung unserer Zielsetzungen zu erzielen: das
Risiko eines Kriegs zu verringern,
über das Containment hinauszugehen
und Sicherheit und Stabilität weltweit zu verbessern.

Da ein stabilisierender Abbau im
Interesse beider Länder liegt, sollte
- 6 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON**

30

9. August 1989

USA:

FORTSCHRITTE BEI ABWEHRSYSTEMEN IM WELTRAUM

- Rede von Botschafter Henry Cooper bei der Genfer Abrüstungskonferenz GENF - (AD) - Dem amerikanischen Chefunterhändler bei den Gesprächen über
Weltraumverteidigung, Henry Cooper, zufolge besteht "zunehmende Wahrscheinlichkeit einer wirksamen, nichtnuklearen Verteidigung gegen ballistische Raketen". Vor der Genfer Abrüstungskonferenz stellte der Botschafter am 3. August
1989 fest: "Wenn sich unsere Hoffnungen verwirklichen lassen, wird die nuklear oder chemisch bestückte ballistische Rakete - bei weitem das gefährlichste,
den Weltraum nutzende Mittel der Kriegführung - nicht länger eine 'absolute
Waffe' sein."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen des Botschafters im Wortlaut:

Ich freue mich, vor der Abrüstungskonferenz zum Stand der Gespräche über Verteidigung
im Weltraum
sprechen zu dürfen. Ich möchte Ihnen
zunächst
einige
Hintergrundinformationen liefern.
Seit Beginn unserer Gespräche im
März 1985 waren die Vereinigten Staaten bestrebt, einen in der Zukunft
möglichen
kooperativen Übergang zu
einem stabilisierenden Gleichgewicht
bei offensiven und defensiven Streitkräften zu erleichtern, falls sich
eine
wirksame
Verteidigung
gegen
strategische Raketen als machbar erweisen sollte.
Präsident Bush hat
uns angewiesen, den Vereinigten Staaten die Option auf Entwicklung und wenn diese verfügbar sind - Stationierung moderner Verteidigungssysteme

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zu erhalten.
Wir gehen davon aus,
daß Stabilität und Sicherheit aller
Staaten mit solchen Verteidigungssystemen verbessert werden können, insbesondere, wenn sie schrittweise und
in kooperativer Weise eingeführt werden.
Es besteht eindeutig die zunehmende Wahrscheinlichkeit einer wirksamen,
nichtnuklearen
Verteidigung
gegen
ballistische Raketen.
Große
Fortschritte
bei
Datenverarbeitung,
Sensortechnik, Mikroelektronik, Material- und Antriebstechnik und gerichteter
Energie haben
möglicherweise
ein Fenster zu einer neuen und sichereren Welt geöffnet.
In den vergangenen sechs Jahren haben es unsere
Wissenschaftler und Techniker mit ihren schöpferischen Gaben verstanden,

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�diese Fortschritte auszubauen. Heute
verlassen
innovative
nichtnukleare
Verteidigungskonzepte die Labors und
stellen sich der Erprobung.
Wenn
sich unsere Hoffnungen verwirklichen
lassen, wird die nuklear oder chemisch bestückte ballistische Rakete bei weitem das gefährlichste, den
Weltraum nutzende Mittel der Kriegführung - nicht länger eine "absolute
Waffe" sein.
Unsere sowjetischen Kollegen und
andere sind der Meinung, man müsse
diese Entwicklungen mit großer Besorgnis beobachten. Ich möchte mich
direkt mit ihren Argumenten auseinandersetzen. Tatsächlich wird von vielen Sprechern die Meinung geäußert,
die Öffentlichkeit solle zu der Überzeugung gelangen, daß verantwortungsbewußte Politiker den technologischen
Fortschritt nicht zu einer Verteidigung gegen ballistische Raketen nutzen sollten.
Mit anderen Worten:
der technologische Fortschritt sollte
nur dazu benutzt werden, die Wirksamkeit der von offensiven ballistischen
Raketen dargestellten Bedrohung zu
erhöhen - selbst wenn es technisch
möglich wäre, sich gegen diese Bedrohung zu verteidigen oder sie zu abzuschwächen und damit die Abschreckung
stabiler zu machen. Natürlich argumentieren die Sowjets nicht in dieser
Weise.
Stattdessen lenken sie die
Aufmerksamkeit auf irreführende Auseinandersetzungen über den ABM-Vertrag.
So behaupten die Sowjets zum Beispiel fälschlicherweise, unser SDIProgramm verletze aufgrund seiner offen erklärten Zielsetzung den ABMVertrag.
Natürlich wissen sie es
besser - und wußten schon seit Unterzeichnung des ABM-Vertrags im Jahr
1972 besser Bescheid. Der damalige
Verteidigungsminister,
Marschall
Gretschko, erklärte während des Ratifizierungsprozesses vor dem Obersten
Sowjet, daß der ABM-Vertrag "der
Durchführung von Forschungs- und Erprobungsarbeiten, die darauf abzielen, das Problem einer Verteidigung
des Landes gegen einen Angriff mit

Atomraketen zu lösen, keinerlei Beschränkungen auferlegt".
Die Sowjets und wir sind sich also der Tatsache bewußt, daß der ABMVertrag für Forschung und Erprobung
mit dem Ziel, herauszufinden, ob eine
wirksame Verteidigung machbar ist,
keinerlei Beschränkung enthält. Und
die Sowjets haben selbst ein sehr
großes Interesse an strategischen
Verteidigungssystemen und führen ihre
eigenen damit zusammenhängenden Forschungsarbeiten
und
Experimente
durch.
Im November 1987 erwiderte
Generalsekretär Gorbatschow im amerikanischen Fernsehen auf eine Frage
über sowjetische Aktivitäten in diesem Bereich, daß "die Sowjetunion
praktisch alles tut, was die Vereinigten Staaten tun". Obwohl er des
weiteren erklärte, die Sowjetunion
werde ihr SDI nicht bauen oder stationieren, sind es Fähigkeiten und
nicht Absichten, die zählen.
In der Tat unternehmen die Sowjets im Bereich der strategischen
Verteidigung bereits beute weit mehr
als die Vereinigten Staaten. Der Umfang ihrer Zivil- und Luftverteidigung sucht seinesgleichen.
Ferner
besitzen sie das einzige stationierte
ABM-System auf der Welt, das sie gegenwärtig modernisieren - und das ist
dem ABM-Vertrag zufolge ihr gutes
Recht. Einige ihrer Aktivitäten gehen sicherlich über die Grenzen des
ABM-Vertrags hinaus. Die Handlungen
der Sowjets zeigen also eindeutig,
daß sie nicht Verteidigungssysteme
schlechthin ablehnen - sie lehnen nur
die amerikanischen ab.
Zusätzlich zu ihren Angriffen auf

SDI behaupten die Sowjets, der ABMVertrag lege für alle Zeiten die einzige stabile strategische Regelung
fest: Eine Regelung die eine Stationierung von Verteidigungssystemen
gegen strategische Raketen erheblich
einschränkt. Sie können nicht erklären, warum wirksame Verteidigungssysteme gegen die bedrohlichste offensive Wafe, die strategische Rakete,
destabilisierend wirken würde - wäh-

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�rend ihre Verteidigungssysteme in anderen Bereichen, etwa der Luftverteidigung, stabilisierend sind. Ferner
trifft es schlicht und einfach nicht
zu, daß mit dem ABM-Vertrag politisch
eine bestimmte, für alle Zeit gültige
strategische Regelung geschaffen wurde.
Im Gegenteil, der ABM-Vertrag
trug ausdrücklich der Tatsache Rechnung, daß sich die strategische Lage
in Zukunft verändern könnte.
Entsprechend bieten seine Bestimmungen
Raum für Gespräche und Änderungen.
Der ABM-Vertrag bietet darüber
hinaus einen bestimmten Mechanismus,
der besagt, daß keine Seite gegen die
Entscheidung der anderen, sich aufgrund übergeordneter Interessen zurückzuziehen und Verteidigungssysteme
außerhalb seiner Bestimmungen zu stationieren, ein Veto einlegen kann.
Die Vereinigten Staaten haben 1972
deutlich erklärt, solch ein Grund
könne die Tatsache sein, daß innerhalb von fünf Jahren kein Abkommen
zur drastischen Reduzierung strategischer Offensivwaffen erzielt wird.
Solch ein Abkommen wurde nicht geschlossen.
Heute - siebzehn Jahre
später - versuchen die Sowjets, ein
anderes Junktim zu dieser Voraussetzung des ABM-Vertrages aufzustellen.
Sie erklären, eine strenge Einhaltung
des
ABM-Vertrags
sei
für
einen
START-Vertrag zwingend erforderlich.
In der Zwischenzeit haben sich seit
1972 die strategischen Offensivwaffen
der Sowjets vervierfacht, während
sich unsere verdoppelt haben. Das
heißt, sogar gemäß den in START antizipierten erheblichen Reduzierungen
werden mehr strategische Waffen übrigbleiben als 1972. Der Zeitpunkt
für den Abschluß eines START-Vertrages, wie er 1972 vorgesehen war - ohne weitere Beschränkungen für eine
strategische Verteidigung - ist seit
langem überfällig.
Gleichzeitig verstehen wir das
Interesse der Sowjets an der Gewährleistung der Berechenbarkeit, da auf
beiden Seiten Forschung und experimentelle Arbeit fortgeführt werden
und Reduzierungen bei den strategi-

schen
Offensivwaffen
stattfinden.
Auch wir möchten die Berechenbarkeit
sicherstellen - nicht nur jetzt und
in naher Zukunft, sondern auch in
fernerer Zukunft, wenn mit Hilfe noch
ausgereifterer Technologien eine effektive Verteidigung geschaffen werden kann, die eine stärkere Rolle in
den strategischen Streitkräften beider Seiten spielen kann. Darin liegt
eine Grundlage für ein Abkommen im
Rahmen des Vertrags über Verteidigung
im Weltraum. Und obwohl noch Unstimmigkeiten in Schlüsselbereichen bestehen und wir langsamer vorankommen,
als wir uns das wünschen würden, gab
es gewisse Fortschritte in Richtung
auf ein solches Abkommen.
Besondere amerikanische Vorschläge haben angedeutet, wie diese Berechenbarkeit sichergestellt werden
könnte. Wir haben, auf den Vorschlag
von Premierministerin Thatcher, 1986
erste Vorschläge über "Maßnahmen zur
Berechenbarkeit"
unterbreitet.
Zu
Beginn des Jahres 1988 haben die Vereinigten Staaten offiziell ein Protokoll über Maßnahmen zur Berechenbarkeit im Rahmen eines Vertrags über
Verteidigung im Weltraum vorgelegt.
Obwohl noch keine Vereinbarung über
den besonderen Zweck des Protokolls
besteht, arbeiten beiden Seiten konstruktiv an einem gemeinsamen Entwurf. Insbesondere sind sich beide
Seiten darüber einig, daß sie nach
diesem Protokoll mit Hilfe der Zentren nur Reduzierung des nuklearen Risikos einen jährlichen Datenaustausch
über ihre Aktivitäten zu Entwicklung,
Erprobung Stationierung, Modernisierung und Austausch der Raketensysteme
zur strategischen Verteidigung durchführen wollen. Die Vereinigten Staaten wünschen sich darüber hinaus vor
Beginn der offiziellen Entwicklungsphase einen Datenaustausch über Forschungsaktivitäten.
Bei der Erarbeitung dieses Protokolls sind die Parteien ferner übreingekommen, Expertentreffen durchzuführen und auf der Grundlage des
jährlichen
Datenaustauschs
weitere
Aktivitäten zu planen, die auch Be-

- 3 -

�suche der Testgelände des anderen zur
Beobachtung bestimmter Tests vorsehen
könnten, wobei die einladende Seite
das Programm bestimmen würde. Wiederum würden die Vereinigten Staaten
weitergehen und auch gegenseitige Besuche in Labors befürworten, die sich
außerhalb der Testgelände befinden
könnten, ferner die Beobachtung von
Tests, die nicht notwendigerweise auf
Testgeländen stattfinden müßten sowie
Aktivitäten, die nicht unbedingt mit
Nationalen Technischen Mitteln zu beobachten sind. Die Vereinigten Staaten vertreten die Auffassung, daß
diese Maßnahmen nur praktikabel sind,
wenn sie freiwillig, vergleichbar und
auf der Grundlage von Gegenseitigkeit
durchgeführt werden.
Obwohl sie die Idee solcher vertrauensbildender Maßnahmen akzeptieren, betonen die Sowjets auch die
Entwicklung neuer Verifizierungsmaßnahmen, einschließlich von für die
Vereinigten Staaten nicht akzeptablen
Vor-Ort-Inspektionen.
Natürlich unterstützen die Vereinigten Staaten
gemeinsame
Verifizierungsmaßnahmen,
wenn sie etwas leisten können, ohne
die Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten
zu verletzen, wenn sie erforderlich,
den Umständen angemessen sind und die
zur Verhandlung stehenden Systeme betreffen. Aber in diesem Fall wird
die Verifizierung des ABM-Vertrags in
seiner 1972 unterzeichneten Fassung
von den Nationalen Technischen Mitteln geleistet. Da die von den Vereinigten Staaten vorgeschlagenen Maßnahmen zur Berechenbarkeit größere
Transparenz bei den Aktivitäten beider Seiten hervorbringen und einige
Verifizierungsziele vorantreiben würden, handelt es sich hierbei im wesentlichen um vertrauensbildende Maßnahmen.
In jedem Fall konnte der im Hinblick auf dieses Protokoll erzielte
erhebliche Fortschritt keine große
öffentliche Aufmerksamkeit auf sich
lenken.
Die Betonung lag vielmehr
auf sowjetischen Drohungen, es könne
kein START-Vertrag ohne eine Verein-

barung geschlossen werden, sich für
einen bestimmten Zeitraum nicht aus
dem ABM-Vertrag zurückzuziehen.
Tatsache ist, daß die Vereinigten
Staaten ßeit 1986 erklärt haben, sie
würden dem Abschluß eines separaten
Vertrags von unbegrenzter Dauer zustimmen, der auch eine Phase des
Nichtrückzugs umfaßt - nicht jedoch
als Preis für einen START-Vertrag,
der um seiner selbst willen geschlossen werden sollte. Die Vereinigten
Staaten sind vielmehr bereit, der sowjetischen Forderung nach einer Phase
des Nichtrückzugs nachzukommen, wenn
die Sowjets drei Bedingungen der Vereinigten Staaten erfüllen.
Erstens
werden die Vereinigten Staaten nach
der Phase des Nichtrückzugs die Freiheit haben, ohne weitere Berücksichtigung des ABM-Vertrags und nach einer sechsmonatigen Vorwarnzeit Verteidigungssysteme
zu
stationieren.
Zweitens bleiben die gemäß dem Völkerrecht bestehenden Rechte auf Rückzug und Kündigung, sofern sie nicht
mit der Stationierung an sich zusammenhängen, unberührt. Drittens darf
es in der Phase des Nichtrückzugs
keine Unstimmigkeiten über Forschung,
Entwicklung und Erprobung - auch im
Weltraum - geben. In diesem Zusmmenhang möchte ich hervorheben, daß die
Vereinigten Staaten das SDI-Programm
jetzt und in Zukunft im Einklang mit
allen internationalen Abkommen, einschließlich des ABM-Vertrags, durchführen werden.
Zwei dieser drei amerikanischen
Bedingungen wurden in der Gemeinsamen
Erklärung des Washingtoner Gipfels
vom 10. Dezember 1987 behandelt, einem wichtigen Meilenstein in unseren
Verhandlungen, mit dem es uns in Genf
möglich war, ein Abkommen mit demselben rechtlichen Status wie der ABMund der START-Vertrag auszuarbeiten.
Erstens wurde in Washington vereinbart, daß "intensive Diskussionen
über die Stabilität im strategischen
Bereich nicht später als drei Jahre
vor Ende des zu bestimmenden Zeitraums (des Nichtrückzugs) aufgenommen

- 4 -

�werden sollten, und danach wird jede
Seite - vorbehaltlich anderslautender
beiderseitiger Vereinbarungen - den
weiteren Verlauf ihrer Aktivitäten
frei bestimmen können". Damit wurde
ein neues System nach der Phase des
Nichtrückzugs anerkannt, demzufolge
jede Seite über die Stationierung von
Raketensystemen zur Verteidigung ohne
Berücksichtigung
des
ABM-Vertrags
entscheiden könnte. Die Position der
Vereinigten Staaten besagt, daß die
Einschränkungen des ABM-Vertrags weiterhin gelten, bis eine Partei von
ihrem "Stationierungsrecht" Gebrauch
macht.
Darüber hinaus wurde zweitens
vereinbart, daß beide Seiten "den
ABM-Vertrag in der 1972 unterzeichneten Version einhalten, während sie
die im Rahmen des ABM-Vertrags erlaubte Forschung, Entwicklung und Erprobung durchführen". Generalsekretär Gorbatschow stimmte dieser amerikanischen Sprachregelung zu, die von
den Sowjets in den vorausgegangenen
18 Monaten in Genf mit dem Argument
abgelehnt worden war, die Vereinigten
Staaten würden darunter die Erprobung
auf anderen physikalischen Prinzipien
beruhender weltraumgestutzter ABM-Systeme und ihrer Komponenten im Weltraum verstehen.
Hier in Genf haben die Sowjets
versucht, diese Vereinbarung des Washingtoner
Gipfels
herunterzuspielen. Im ersten Fall strebten sie eine Beendigung des Vertrags über Verteidigung im Weltraum mit Ablauf der
Nichtrückzugsphase an, womit die vereinbarten neuen Maßnahmen nach dieser
Phase null und nichtig würden. Der
von amerikanischer Seite vorgeschlagene Vertrag über Verteidigung im
Weltraum ist unbegrenzt gültig und
gewährleistet das "Recht zu Stationierung" zusammen mit den entsprechenden
Benachrichtigungsverfahren.
Im zweiten Fall haben die Sowjets erklärt, der "weiten Auslegung" des
ABM-Vertrags nicht zuzustimmen, obwohl die Genfer Verhandlungsprotokolle eindeutig belegen, daß sie verstanden haben, daß die Vereinigten

Staaten die "weite Auslegung" bei der
Formulierung meinten, der Generalsekretär Gorbatschow beim Gipfeltreffen
in Washington zugestimmt hat.
Infolgedessen haben die Vereinigten Staaten klargestellt, daß der Abschluß eines Vertrags über Verteidigung im Weltraum von der Klärung dieser Formulierung in der Gemeinsamen
Erklärung des Washingtoner Gipfels
abhängt, um ein klares gegenseitiges
Verständnis der genehmigten Erprobung
zu gewährleisten. Um dies zu verwirklichen und um die Diskussion über
Kontroversen über die Auslegung des
ABM-Vertrags
hinauszuführen,
haben
die Vereinigten Staaten drei Initiativen in die Wege geleitet. Erstens
haben sie die von mir bereits erwähnten Maßnahmen
zur Berechenbarkeit
vorgeschlagen.
Zweitens haben die
Vereinigten Staaten in Anbetracht der
unlösbaren Verifizierungsprobleme und
der vordringlichen Entwicklung neuer,
stablisierender
weltraumgestützter
Sensoren den Vorschlag unterbreitet,
daß beide Seiten übereinkommen, auf
der Grundlage des ABM-Vertrags die
Entwicklung, Erprobung oder Stationierung weltraumgestutzter Sensoren
der anderen Seite nicht abzulehnen.
Drittens haben wir im vergangenen Oktober eine Garantie für Erprobung im
Weltraum gegeben, die der von den Sowjets vorgebrachten Besorgnis über
die Stationierung von ABM-Systemen im
Weltraum oder die Errichtung eines
Stützpunkts für eine solche Stationierung Rechnung trägt.
In dieser
Garantieerklärung haben sich die Vereinigten Staaten verpflichtet, daß
sie nur eine begrenzte Anzahl bestimmter Komponenten weltraumgestützter ABM-Systeme von ABM-Erprobungssatelliten aus erproben werden, die auf
anderen physikalische Prinzipien beruhen und fähig sind, ABM-Abfangraketen zur Abwehr ballistischer Raketen
oder ihrer Elemente während des Fluges zu ersetzen. Die Anzahl dieser
amerikanischen ABM-ErprobungsSatelliten, die sich gleichzeitig in der
Erdumlaufbahn befinden, wird nicht
niedriger sein, als dies realistisch
gesehen der Fähigkeit stationierter

- 5 -

�Systeme entsprechen würde. Im Zusammenhang mit dieser Garantieerklärung
haben wir Benachrichtigungsverfahren
vorgeschlagen, die sich auf die Erprobung
von
ABM-Versuchssatelliten
beziehen.
Obwohl die Sowjets noch nicht zugestimmt haben, sind wir zufrieden,
daß diese Initiativen von einer soliden
technischen
und
politischen
Grundlage ausgehen und sich gerecht
mit der Besorgnis beider Seiten auseinandersetzen.
Sie werden beiden
Seiten Berechenbarkeit im Hinblick
auf alle Verteidigungsaktivitäten mit
strategischen Raketen gewähren. Sie
geben die Garantie, daß über die Bestimmungen des ABM-Vertrags für einen
festgelegten Zeitraum keine Stationierung moderner Verteidigungssysteme
vorgenommen wird - sollte es dazu
kommen, garantieren sie, daß vorher
umfangreiche Diskussionen über die
Stabilität im Strategischen Gleichgewicht zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion stattgefunden
haben müssen.
Die
amerikanischen
Initiativen
zielen auch darauf ab, sicherere und
stabilere zukünftige Maßnahmen zu erarbeiten, bei denen die Sicherheit
beider Seiten und der ganizen Welt
sich auf die immer bedeutendere Rolle
einer effektiven nichtnuklearen Verteidigung gegen die bedrohlichste
Waffe der modernen Technologie - die
ballistische Offensivrakete - gründet, unabhängig davon, ob sie mit "nuklearen, konventionellen oder chemischen Gefechtsköpfen bestückt ist.
Diese Prognose Scheint sich voll und
ganz mit jüngsten sowjetischen Erklärungen zu decken, denen zufolge die
UdSSR ihre Militärstrategie insgesamt
ändert und ihr defensiven Charakter
verleiht. Und diese Prognose deckt
sich auch vollständig mit dem allseits bekannten sowjetischen Interesse an Verteidigung, generell gesprochen. Daher werden wir uns in Geduld
fassen und eine positive sowjetische
Reaktion abwarten.
In diesem Zusammenhang möchte ich

feststellen, daß wir eine nützliche
Runde unserer Verhandlungen beenden.
Die amerikanische Seite hat die Kontinuität der amerikanischen Position
zur Verteidigung im Weltraum betont
und mit dem Protokoll in Verbindung
stehendes neues Material zur Verfügung gestellt.
Obwohl die Sowjets
kein neues Material vorgelegt und
sich geweigert haben, die Positionen
beider Seiten in «einem Gemeinsamen
Entwurf des Vertrags über die Verteidigung im Weltraum zu verankern, haben sie konstruktiv am Protokoll des
Gemeinsamen Entwurfs mitgearbeitet.
In dieser Runde schien sich auch,
ausgehend von der gemeinsamen Erkenntnis, daß es keine absolute Waffe
gibt - sei sie offensiv oder defensiv
- eine leichte Verlagerung in Richtung auf eine umfassendere Erörterung
des
Offensiv-Defensiv-Verhältnlsses
abzuzeichnen. Wohin eine solche Diskussion angesichts fortschreitender
technischer
Möglichkeiten
führen
wird, ist unklar, aber es wäre höchst
unwahrscheinlich, zu der Schlußfolgerung zu gelangen, daß wirksame Verteidigungssysteme nicht stationiert
werden sollen, wenn sie sich als
machbar erweisen sollten. Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, es
sei sinnvoll, wirksame Verteidigungssysteme zu entwickeln, wenn fortschreitende Technologien dies ermöglichen und sie zu Stationieren, wenn
sie fertig sind - vorzugsweise in gemäßigtem Tempo und auf kooperative
Art und Weise.
Abschließend möchte ich die Arbeit des Weltraumausschusses hier bei
der
Abrüstungskonferenz
würdigen.
Wie Sie meiner Beschreibung der Gespräche über die Verteidigung im
Weltraum entnehmen können, ist die
Arbeit in diesem Bereich außerordentlich kompliziert.
Verständnis auf
diesem Gebiet aufzubauen, ist kein
leichter Prozeß, und ich beglückwünsche den Weltraumausschuß zu der geleisteten Arbeit, größeres Verständnis für dieses Thema zu wecken. Während auf bilateraler Ebene zunächst
ein grundsätzlicher Rahmen geschaffen

�werden muß, haben die Vereinigten
Staaten nach wie vor Interesse an den
mit Rüstungskontrolle
im Weltraum
verbundenen Themen bei der Abrüstungskonferenz und wollen diese weiterhin prüfen. Aber die Vereinigten
Staten haben noch keine praktischen
Maßnahmen zur Rüstungskontrolle im
Weltraum ausgemacht, die auf multilateraler Ebene behandelt werden können.
•
*

Herr Präsident, es war mir eine
Ehre und ein Vergnügen, vor dieser
Konferenz sprechen zu dürfen.
Ich
verfolge Ihre Arbeit aufmerksam und
wünsche der Konferenz einen erfolgreichen Verlauf.
Ich danke Ihnen,
Herr Präsident.

* * * * *

- 7-

i

�AMERIKA DIENST
'VoN

Hintergrundmaterial

4

30

9. August 1989

WESTLICHE SICHERHEIT:

DIE USA UND IHRE NATO-PARTNER

- Regionale Übersicht des Außenministeriums -

Die folgende regionale Übersicht zur Sicherheit des Westens wurde vom Außenministerium im Juni 1989 veröffentlicht.

Westliche Sicherheit:
ihre NATO-Partner

USA und

es zum am schwersten bewaffnetenen
Kontinent der Welt machte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sahen
sich die von der Bedrohung des Naziregimes befreiten Völker Europas ;nit
zwei
diametral
entgegengesetzten
Sichtweisen
der Zukunft
konfrontiert. Die Vereinigten Staaten und
ihre Verbündeten in Westeuropa sahen
ein Zeitalter der Demokratie vor
sich, das von der Freiheit des einzelnen und wirtschaftlichem Wohlstand
geprägt sein sollte, wie sie sich auf
der Grundlage freier Marktwirtschaft
entfalten können. Gemeinsam mit unseren Verbündeten bildeten wir &gt;;ln
Bollwerk gegen die von der Sowjetunion vertretene gegensätzliche Sichtweise - die Europa gegen den Willen
seiner Völker willkürlich teilte und

Anzeichen, daß die Sowjetunion durch Glasnost, Perestrojka, Demokratisierung und "neues Denken" - ihre
Vision der Zukunft ändert, bedeuten
nicht, daß die notwendige Solidarität
der Verbündetenen hinfällig geworden
ist. Mit Interesse und Wachsamkeit
beobachten wir die Veränderungen in
der Sowjetunion.
Die Vereinigten
Staaten
begrüßen
Glasnost, Perestrojka, neues politisches Denken und
die ersten zögernden Schritte in
Richtung auf Demokratisierung. Die
Vereinigten Staaten erwarten jedoch
greifbare Anzeichen, daß die Sowjets
ihr Verhalten im Hinblick auf militärische Expansion der Sowjetunion, Beschaffungsvorhaben
und Aufstellung

Die

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�von
Streitkräften,
Militärdoktrin,
Menschenrechte, regionalen Konflikte
und militärische Unterstützung totalitärer Staaten geändert haben, bevor
sich die Haltung der Verbündeten in
den Beziehungen mit dem Ostblock entscheidend ändern kann.
Darüber hinaus ist die ehemals
von den Sowjets vertretene Sichtweise
eines in ideologische Lager aufgespaltenen Europas nicht der einzige
Grund für westliche Bündnisse und
Freundschaften.
In den vergangenen
vierzig Jahren haben die Vereinigten
Staaten und ihre NATO-Partner starke
politische, militärische und wirtschaftliche
Beziehungen
aufgebaut,
die durch gemeinsame Werte und grundsätzlich gemeinsame Interessen verknüpft sind. Bei den westlichen Verbündeten selbst haben enorme Veränderungen stattgefunden, und die Rolle
der Vereinigten Staaten ist heute wesentlich weniger vorherrschend als
nach dem Zweiten Weltkrieg. Weit davon entfernt, ein negatives Anzeichen
schwindenden Einflusses der Vereinigten Staaten zu sein, sind die Veränderungen der bestmögliche Beweis dafür, daß unsere politischen Maßnahmen
funktioniert haben. Obwohl die Vereinigten Staaten nicht die Hauptquelle von Ressourcen für Europas politische, wirtschaftliche und militärische Stärke sind, spielen sie eine
einzigartige Rolle als Katalysator
für Zusammenarbeit.
Die entscheidendste Entwicklung
in der Reaktion der Verbündeten auf
die Herausforderungen der Nachkriegszeit war die Unterzeichnung des Nordatlantikvertrags im April 1949. Mit
diesem Dokument wurde die Organisation des Nordatlantikvertrags (NATO)
geschaffen, die vielfach als das
wirksamste und dauerhafteste Verteidigungsbündnis der modernen Geschichte angesehen wird. Die NATO ist ein
rein defensives Bündnis: sie erhebt
keine Gebietsansprüche gegenüber anderen Nationen und ihre Mitglieder
haben sich verpflichtet, ihre Streitkräfte nur zur Verteidigung des Bündnisgebiets einzusetzen. Während die

NATO im Jahr 1989 ihren 40. Jahrestag
feiert, werden kontinuierliche Konsultationen zwischen den Vereinigten
Staaten und den Verbündeten zu einem
umfassenden Ansatz nicht nur bei
Ost-West-Fragen führen, sondern das
westliche Bündnis bei der Bewältigung
der vor ihm liegenden Herausforderungen auch stärker als je zuvor machen.
Diese Übersicht prüft die grundsätzlichen Zielsetzungen der Vereinigten Staaten, während die NATO eine
Neubewertung eines sich verändernden
Sicherheitsklimas vornimmt und darauf
reagiert.

|

v
(Die
ursprünglichen
Mitglieder
der NATO waren: Belgien, Dänemark,
Frankreich, Großbritannien, Island,
Italien, Kanada, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Portugal und die
Vereinigten Staaten. Die Bundesrepublik Deutschland, Griechenland, Spanien und die Türkei traten später
bei, wodurch sich die Zahl der NATOMitgliedstaaten
auf
16
erhöhte.
Frankreich zog sich im Jahr 1966 aus
der integrierten militärischen Struktur der NATO zurück, ist jedoch noch
Mitglied des Bündnisses).
Politische Beziehungen
In einer Ansprache beim Treffen
der europäischen
Außenminister in
Wien umriß Außenminister Baker am 6.
März 1989 "vier Freiheiten", die vom
Westen als Grundsteine für Demokratie
und friedliche Beziehungen angesehen
werden:
Die Freiheit aller Europäer, ein
Mitspracherecht an Entscheidungen
zu haben, die ihr Leben betreffen, darunter die freie Wahl des
Arbeitsplatzes.
Würde der Ostblock diese Freiheit akzeptieren,
wäre die Legalität der Gewerkschaft Solidarität die Norm und
nicht Thema kontroverser Verhandlungen gewesen.
Die Freiheit aller Europäer, ihre
politischen Meinungen zum Aus-

t
v

�druck zu bringen, wenn alle Ideen
dankbar aufgenommen werden und
die Menschenrechte wahrhaft unverletzlich sind. Würde der Ostblock diese Freiheit akzeptieren,
würden die Beobachter der KSZEVereinbarungen zu den Menschenrechten nicht von ihren Regierungen verfolgt.
Die Freiheit aller Europäer, Ideen und Informationen auszutauschen und ihr Recht auf Freizügigkeit wahrzunehmen. Würde der
Ostblock diese Freiheit akzeptieren, wäre Wissenschaftlern der
Zugang zu Lehrmaterial niemals
verweigert worden - und die Berliner Mauer wäre nur noch Bruchstein.
Die Freiheit aller Europäer nicht
nur von einem militärischen Angriff sondern auch von militärischer Einschüchterung. Würde der
Ostblock diese Freiheit akzeptieren, sähen sich die Westeuropäer
nicht einer überwältigenden militärischen Streitmacht im Osten
gegenüber und die Osteuropäer wären in der Lage, eigene politische Entscheidungen ohne Furcht
zu treffen, von sowjetischen Panzern "überstimmt" zu werden, wie
es in der DDR im Jahr 1953, in
Ungarn 1956 und in der Tschechoslowakei 1968 der Fall war.
Dank dieser durch die Kraft freier Marktwirtschaften und enge Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten
genährten
unerschütterlichen
Verpflichtung zu diesen vier Grundsätzen
konnte Westeuropa sich mit Hilfe des
Marshall-Plans von der Verwüstung des
Zweiten Weltkriegs schneller erholen
als die meisten noch so optimistischen Planer erwartet hatten. Infolgedessen hat sich ein Teil der Macht
und des Einflusses der Vereinigten
Staaten auf die westeuropäischen Verbündeten verlagert.
Diese Entwicklung ist sowohl positiv als auch wünschenswert. Dennoch stellt sie uns
vor neue Herausforderungen, während
die Vereinigten Staaten und ihre Ver-

bündeten Mittel und Wege ergründen,
um sowohl den Nutzen als auch die Lasten der gemeinsamen Verteidigung zu
verteilen.
Die Westeuropäer gewöhnten sich
daran, daß die Vereinigten Staaten
einen Großteil der Kosten für die gemeinsame Verteidigung trugen. Heute
jedoch,
da
die
Volkswirtschaften
Westeuropas
amerikanische
Wirtschaf tsinteressen in den Vereinigten
Staaten und der ganzen Welt herausfordern, wird von den Amerikanern die
Meinung vertreten, Westeuropa sei nun
in der Lage, einen größeren Anteil
zur gemeinsamen Verteidigung beizutragen. Die Tatsache, daß das westliche Bündnis sogar inmitten einer
Debatte über solch grundlegende Fragen weiter an Stärke gewinnt, ist der
beste Beweis dafür, daß der demokratische Austausch von Ideen die einzige Garantie für dauerhaften Frieden
und Freundschaft bietet.
Gerade weil, sich die NATO aus
funktionierenden Demokratien zusammensetzt, muß die öffentliche Meinung
in vielen Staaten berücksichtigt werden, bevor wichtige politische, wirtschaftliche und militärische Entscheidungen gefällt werden. Zum Beispiel wurde der amerikanisch-sowjetische Vertrag zur Beseitigung der
nuklearen Mittelstreckenraketen (INF)
ermöglicht, weil sich die Menschen in
mehreren westeuropäischen Demokratien
trotz sowjetischer Schachzüge dafür
aussprachen, zunächst INF-Systeme zu
stationieren. Diese gemeinsame Handlungsweise der Verbündeten setzte
Moskau in Zugzwang, da die Sowjets
vor der Stationierung der westlichen
INF-Systeme ein Monopol bei diesen
Waffen besaßen und keinen Anlaß zu
ernsthaften
Verhandlungen
sahen.
Wichtige Beschlüsse zur Sicherheit
der Verbündeten sowie zu den politischen und wirtschaftlichen Beziehungen müssen der Überprüfung durch die
Öffentlichkeit aller 16 Mitgliedstaaten standhalten.
Die
westlichen
Bündnispartner
sind sich seit langem der Tatsache

- 3 -

�bewußt, daß ihre Freiheit und ihr
Wohlstand am besten geschützt werden,
wenn sie ein wirksames Abschreckungspotential aufrechterhalten und gewisse Arrangements mit dem Osten treffen
können. Die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
(KSZE), die zum ersten Mal im Jahr
1972 in Helsinki zusammentraf, hat
sich bemüht, den Kern der politischen
und militärischen Probleme zu behandeln, die zur Instabilität in Europa
beitragen.
Folgetreffen im Rahmen
des sogenannten "KSZE-Prozesses" wurden zu verschiedensten Themen, von
den Menschenrechten bis zur friedlichen Beilegung von Konflikten und Umweltfragen einberufen.

Namen "flexible Reaktion" bekannte
Strategie, die auch heute noch gültig
ist. Die NATO ist bereit, jede ihr
zur Verfügung stehende Waffe einzusetzen, um einem Akt der Aggression
in geeigneter Weise entgegenzutreten.
Der Warschauer Pakt muß die
Möglichkeit in Betracht ziehen, daß
die NATO jedes ihr zur Verfügung stehende Mittel einsetzen könnte - einschließlich der Atomwaffen -, wenn
die Truppen des Warschauer Pakts in
Westeuropa
einmarschierten.
Diese
Flexibilität dient der Abschreckung
eines Krieges, indem der anderen Seite
unmißverständlich
klargemacht
wird, daß der Westen geeignete Maßnahmen ergreifen wird, um jeder Form
von Aggression zu begegnen.

Die nukleare Rüstungskontrolle

Auf beiden Seiten erschienen atomare Kurzstreckenwaffen, und die sowjetisch geführten Truppen und Panzer
des Warschauer Pakts waren denen des
Westens weiterhin zahlenmäßig weit
überlegen. Dies war ein entscheidender Faktor in der Verteidigungsstrategie des Bündnisses, weil die stärkste Militärmacht der NATO, die Vereinigten Staaten (Tausende von Meilen
von der Grenze zwischen Ost und West
entfernt), nicht in der Lage war,
konventi onelle
Streitkräfte
rasch
nach Europa zu verlegen.

Um
eigener
propagandistischer
Vorteile willen versucht die Sowjetunion häufig, die NATO-Strategie der
"flexiblen Reaktion" und unsere Bemühungen um Abschreckung eines Krieges
falsch darzustellen. So würde Moskau
es beispielsweise vorziehen, wenn wir
den Ersteinsatz nuklearer Waffen ausschlössen und Europa in eine "atomwaffenfreie Zone" verwandelten.
In
der Vergangenheit schlug Moskau ferner ein "Einfrieren" der Atomstreitkräfte auf den gegenwärtigen Niveaus
vor. Der wahre Charakter dieser sowjetischen Argumente wird deutlich,
wenn man in Betracht zieht, daß bei
Abwesenheit eines glaubwürdigen nuklearen Abschreckungspotentials die
konventionellen Streitkräfte des Warschauer Pakts das Umfeld der europäischen Sicherheit beherrschen würden. Überdies hat die Geschichte gezeigt, daß selbst bei Vorhandensein
gleicher konventioneller Streitkräfteniveaus konventionelle Streitkräfte
allein einen Krieg nicht verhindern.
Es ist die auf einem glaubwürdigen
Mix moderner atomarer und konventioneller Waffen gegründete NATO-Strategie der Abschreckung, die in den vergangenen 40 Jahren den Frieden in Europa bewahrt hat.

Als Antwort auf die massive Aufrüstung des Ostblocks verabschiedete
die NATO im Jahr 1967 eine unter dem

Aufgrund dessen haben die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
die Frage der nuklearen Rüstungskon-

In den ersten Nachkriegsjahren
befand sich das militärische Gleichgewicht in Europa im Fluß. Es wurde
von Versuchen der Sowjets geprägt,
anderen Regierungen den Willen Moskaus aufzuzwingen.
Die amerikanischen strategischen
oder atomaren
Langstreckenraketen bildeten ein Gegengewicht zur Überlegenheit der Sowjetunion
bei den konventionellen
Streitkräften. Nach 1948 stellte die
Entwicklung von Atomwaffen durch die
Sowjetunion eine zusätzliche Bedrohung Europas und der Vereinigten
Staaten dar.

- 4 -

�trolle unter dem umfassenden Gesichtspunkt der westlichen Sicherheit
in Angriff genommen. Die Reduzierung
von Waffen ist kein Selbstzweck, unser Ziel besteht vielmehr in der Verbesserung der westlichen Sicherheit
und regionalen Stabilität. Die Vorschläge des Westens zur konventionellen Rüstungskontrolle zielen auf die
Beseitigung der Ungleichgewichte bei
den konventionellen Streitkräften und
auf die Verbesserung der Stabilität
ab.
Es gibt drei grundlegende Kategorien
landgestützter
Atomraketen:
Kurzstreckensysteme (SNF) mit einer
Reichweite unter 500 Km, Mittelstrekkensysteme mit Reichweiten zwischen
500 und 4 500 Km sowie Langstreckenoder strategische Systeme - Interkontinentalraketen
(ICBMs), unterseebootgestUtzte
ballistische
Raketen
(SLBMs) und schwere Bomber - mit einer Reichweite über 5 500 Km.
Die einzige von den Vereinigten
Staaten und der UdSSR vollständig
verbotene Kategorie von Atomraketen
sind
die
Mittelstreckensysteme
(INF).

Die

Sowjetunion

begann

mit

der Stationierung landgestützter Systeme, die Ziele in Westeuropa erreichen konnten, in den fünfziger Jahren. Die gefährlichsten dieser INFWaffen waren die modernen SS-20-Raketen, die von den Sowjets seit 1977
stationiert wurden.
Die westlichen
Bündnispartner einigten sich im Hinblick auf INF auf einen "zweigleisigen" Ansatz - die Stationierung neuer
INF-Systeme, um der sowjetischen Bedrohung zu begegnen, bei gleichzeitigen Verhandlungen mit den Sowjets, um
die SS-20 und andere sowjetische
INF-Raketen zu beseitigen.
Angesichts der Stationierung amerikanischer INF-Raketen stimmte die UdSSR
einem amerikanischen Vorschlag zu,
der ein vollständiges, verifizierbares Verbot aller Mittelstreckensysteme vorsieht.
Die strategischen Atorastreitkräfte sind Thema der Gespräche zur Ver-

ringerung
strategischer
Rüstungen
(START) mit dem Ziel, das Risiko eines Atomkriegs zu verringern.
Das
Ziel der Vereinigten Staaten bei den
START-Verhandlungen ist die Herbeiführung eines ausgewogenen und wirksam verifizierbaren Abkommens, mit
dem ein stabileres atomares Gleichgewicht geschaffen und damit der Anreiz
für jede Seite verringert wird, einen
Erstschlag durchzuführen. Die Vereinigten Staaten gehen davon aus, daß
ein START-Vertrag in der Zukunft möglich ist, zunächst jedoch noch eine
Reihe schwieriger Fragen gelöst werden muß.
Dazu gehören:
mobile
ICBMs, see- und luftgestützte Marschflugkörper
sowie Untergrenzen für
ICBM-Gefechtsköpfe. In vielen dieser
Fälle bildet die Verifizierung die
schwierigste Herausforderung.
Die NATO sieht sich weiterhin der
unmittelbaren Bedrohung einer großen
Zahl atomarer Kurzstreckensysteme des
Warschauer
Pakts
ausgesetzt,
die
kürzlich noch erheblich modernisiert
wurden. In dem im Mai 1989 von der
NATO verabschiedeten
"Gesamtkonzept
für Rüstungskontrolle und Abrüstung"
bekräftigt die NATO ihre Haltung,
derzufolge es in vorhersehbarer Zukunft keine Alternative zur auf einem
geeigneten Mix angemessener und wirksamer nuklearer und konventioneller
Streitkräfte
gegründeten
Strategie
der Abschreckung gibt. Land-, seeund luftgestützte nukleare Systeme in
Westeuropa, darunter
auch landgestützte Raketen, werden weiterhin benötigt und gegebenenfalls modernisiert werden müssen. Im Einklang mit
der Verpflichtung der NATO, nur die
Mindestzahl der zur Aufrechterhaltung
dieser Strategie erforderlichen Atomwaffen beizubehalten, hat das Bündnis
bereits einseitige Kürzungen bei den
nuklearen Kurzstreckensystemen vorgenommen. Die Anzahl der landgestützten Gefechtsköpfe in Westeuropa wurde
seit 1979 um über ein Drittel abgebaut und erreichte somit ihren niedrigsten Stand seit 20 Jahren. Eine
Modernisierung solcher Systeme würde
zu weiteren Reduzierungen führen.

- 5 -

�Konventionelle Rüstungskontrolle
Präsident Bush und Außenminister
Baker betrachten die konventionellen
Streitkräfte als einen der vorrangigsten Bereiche in der Rüstungskontrolle. Außenminister Baker hat das Problem sehr einfach umrissen: "Die Sowjetunion und ihre Verbündeten haben
eine ungeheure von schwer bewaffneten
Einheiten angeführte und starker Feuerkraft unterstützte Streitmacht stationiert. Diese Streitmacht ist auf
den Westen gerichtet."
Panzer und
Artillerie des Warschauer Pakts sind
der NATO im Verhältnis 3 zu 1 überlegen, und der Warschauer Pakt hat bei
Schützenpanzern einen Vorteil von 2
zu 1. Selbst wenn alle von Generalsekretär Gorbatschow und dem Warschauer Pakt angekündigten einseitigen Streitkräftereduzierungen vorgenommen würden, hätte der Warschauer
Pakt immer noch doppelt soviel Panzer
und Artillerie.
Am 9. März 1989 sind im Rahmen
des KSZE-Prozesses zwei neue autonome
Verhandlungen in Wien eröffnet worden. Die Verhandlungen über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE)
decken das gesamte europäische Territorium des Warschauer Pakts und der
NATO-Staaten vom Atlantik bis zum
Ural ab. Bei den separaten Verhandlungen über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM) haben
alle beteiligten 35 KSZE-Länder das
Ziel, "Offenheit" zwischen Ost und
West hervorzubringen.
KSE.
Beim
NATO-Gipfeltreffen
am 29. Mai 1989 hat Präsident Bush
die Verbündeten aufgefordert, gemeinsam mit den Vereinigten Staaten den
weitreichendsten westlichen Vorschlag
zur konventionellen Rüstungskontrolle
zu unterbreiten, der jemals in der
Nachkriegszeit vorgelegt wurde. Der
Präsident hat mit Zustimmung der NATO
folgende Verbesserungen zum nunmehr
in Wien vorliegenden KSE-Vorschlag
der NATO vorgeschlagen:
Erstens sollen die Bündnispartner
die Zustimmung des Ostblocks zu den

vom Westen vorgeschlagenen Begrenzungen bei wichtigen Bereichen ihrer
Landstreitkräfte festklopfen.
Dazu
zählen Obergrenzen für die Anzahl der
Panzer
(20 000 für jede Seite),
Schützenpanzer (28 000 für jede Seite) und Artilleriegeschütze (16 500
bis 24 000 für jede Seite, je nach
Lösung von Fragen der Definition).
Das reduzierte Gerät würde zerstört.
Mit dieser Bestimmung würde der Ostblock verpflichtet, Zehntausende von
Waffensystemen zu vernichten und seine Vormachtstellung in diesen wichtigen Bereichen militärischer Stärke
aufzugeben.

,
\

Zweitens muß der Westen seinen
Vorschlag so erweitern, daß damit zum
ersten Mal das Konzept konventioneller Rüstungskontrolle auch alle landgestützten Kampfflugzeuge und Hubschrauber im Gebiet vom Atlantik bis
zum Ural abdeckt. Jede Seite wäre
verpflichtet, ihren Bestand auf 15
Prozent unter der gegenwärtigen Gesamtmenge der NATO zu reduzieren.
Alles reduzierte Gerät würde verschrottet. Wiederum würde trotz beiderseitig vorgenommener erheblicher
Kürzungen der Ostblock seine gegenwärtige Vormachtstellung bei diesen
Streitkräften verlieren.
Drittens müssen sich die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
auf einen gemeinsamen Stand von etwa
275 000 Soldaten der Land- und Luftstreitkräfte einigen, die außerhalb
des nationalen Territoriums im Gebiet
zwischen Atlantik und Ural stationiert sind. Die Vereinigten Staaten
sind bereit, ihre Kampftruppen um 20
Prozent zu reduzieren, um diesen
Stand zu erreichen. Bei dieser Reduzierung auf einen Gleichstand müßten
die Sowjets ihre 600 000 Mann starken
Truppen in Osteuropa um 325 000 Soldaten reduzieren.
Die auf beiden
Seiten abgezogenen Soldaten würden
entlassen.
&lt;
Viertens müßten beide Seiten ihren Zeitplan für den Abschluß eines
KSE-Abkommens im oben beschriebenen
Kontext und die Durchführung der er-

- 6 -

(

i

�Landes (etwa sowjetischer Truppen
in der DDR) sollten zusätzliche
Begrenzungen gelten. Diese beiden Punkte würden zusammengenommen sicherstellen, daß kein einzges Land Europa mit Waffengewalt
beherrschen könnte.

forderlichen Reduzierungen beschleunigen. Die Sowjetunionm strebt dabei
als Ziel das Jahr 1997 an, während
die Vereinigten Staaten innerhalb von
sechs Monaten bis zu einem Jahr ein
Abkommen erzielen und die Reduzierungen bis 1992 oder 1993 vornehmen wollen.

Die Beseitigung von Fähigkeiten
zur
Durchführung
von
Überraschungsangriffen und großen Offensivoperationen. Die Arten von
Waffensystemen, bei denen der
Ostblock die größten Vorteile hat
- Panzer, Artillerie und Schützenpanzer - sind solche Systeme,
die für den Einfall und die Besetzung von Terrotorium - dem
Hauptziel eines jeden Aggressors
von entscheidender Bedeutung
sind.

Die NATO hat als Ziel für die
Vorlage dieser Verbesserungen zusammen mit den Verifizierungsbestimmungen die Eröffnung von Runde III der
KSE am 7. September 1989 avisiert.
Wenn die Sowjetunion und ihre Verbündeten Bereitschaft zur Änderung ihrer
nationalen Prioritäten signalisieren
und
ihre ungeheuren militärischen
Aufstellungen reduzieren, sind die
Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten bereit, an der Verwirklichung
der seit langem gehegten Hoffnung eines sicheren und weniger militarisierten Europas mitzuwirken.

Die Vereinigten Staaten bestehen
darauf, daß jeder Rüstungskontrollvertrag wirksam verifizierbar sein muß und Inspektionen
verstärkt
durchgeführt
werden
sollen.

Die westlichen Verbündeten verfolgen bei KSE vier Hauptzielsetzungen:
Die Errichtung eines sicheren und
stabilen Gleichgewichts konventioneller Streitkräfte auf niedrigerem Niveau. Die gegenwärtige
Konzentration
konventioneller
Streitkräfte
zwischen
Atlantik
und Ural stellt das größte jemals
aufgestellte destruktive Potential konventioneller Streitkräfte
dar.
Allein die Präsenz einer
solchen massiven Feuerkraft bedroht die Sicherheit Europas.
Die Behebung von Stabilität und
Sicherheit abträglichen Ungleichgewichten. Es ist das erhebliche
Ungleichgewicht bei Panzern, Artillerie und Schützenpanzern, das
die Stabilität und Sicherheit Europas am stärksten bedroht. Insbesondere sollte es keinem einzigen Land erlaubt sein, mehr als
einen festgelegten Anteil aller
Waffensysteme zu besitzen, die
alle Parteien haben.
Für die
Stationierung von Soldaten auf
dem Territorium eines anderen

VSBM. Mit Hilfe der VSBM soll
das Risiko für bewaffnete Konflikte
abgebaut werden, die aufgrund von
Mißverständnissen oder Fehleinschätzungen militärischer Fähigkeiten und
Absichten in Europa entstehen könnten. Nach dem erfolgreichen Abschluß
des Stockholmer Abkommens von 1986
und der zweieinhalbjährigen Erfahrung
mit seiner Durchführung werden die 35
Teilnehmerstaaten der KSZE erneut in
Wien zusammenkommen, um zusätzliche
Maßnahmen zu erarbeiten. Der westliche Vorschlag konzentriert sich dabei
auf Maßnahmen zur Förderung von Offenheit und Transparenz von militärischen Strukturen, Gerät und Aktivitäten und verringert damit die Wahrscheinlichkeit, daß solche Waffen jemals eingesetzt werden.
Ausblick
Wirtschaftliche, soziale und politische Veränderungen in der Sowjetunion und Osteuropa finden genau zu

- 7 -

�dem Zeitpunkt statt, an dem die
Volkswirtschaften und Demokratien der
Verbündeten einen Aufschwung erfahren. Neue Ufer liegen jetzt vor einem Kontinent, der vor vierzig Jahren
durch einen Konflikt zweier gegensätzlicher Visionen geteilt wurde.
Mit dem nachlassenden Konflikt könnte
es möglich sein, alte Hindernisse auf
Europas Weg in die Zukunft zu beseitigen.
Die Vereinigten Staaten und ihre
NATO-Verbündeten arbeiten gemeinsam
an der Beseitigung der größten Hindernisse - insbesondere des konventionellen Ungleichgewichts und den
Schleiern der Geheimhaltung, die sich
lange über die Sicherheit Europas und
den Weltfrieden gelegt haben. Dieser
Prozeß wird nicht leicht sein, aber
einem freien, offenen, sicheren und
wohlhabenden Europa den Weg bereiten.

* * * * *

- 8-

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

30

9. August 1989

INTEGRIERTES ENTSORGUNGSPROGRAMM FÜR ATOMANLAGEN

- Fünfjahresplan des US-Energieministeriums -

(AD). - Der Energieminister der Vereinigtes Staaten, Admlral James D.
Watklns, kündigte am 1. August 1989
Im Nationalen Presseklub in Washington einen auf zunächst fünf Jahre angesetzten Plan zur Entsorgung an nuklearen
Produktionsstätten an.
Er
ist Teil des wenige Tage zuvor bekanntgegebenen Programms zum Aufbau
einer "Nationalen Energiestrategie",
mit deren Hilfe das Land seinen Energiebedarf weit in das nächste Jahi—
hundert hinein decken kann.
Mehr denn je muß Watkins zufolge
nach Energietechnologien gesucht werden, bei denen keine Abfälle erzeugt
werden oder, falls sie nicht zu vermeiden sind, diese ordnungsgemäß entsorgt werden. Das gilt z.B. für die
festen
Rückstände
von
Entschwefe-

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Embassy of the United States of America

lungsanlagen in Kohleund Heizölkraftwerken aber ebenso für die Rückstände
aus der Produktion von Kernmaterial
für Verteidigungszwecke.
Aus vielerlei Gründen
befindet
sich Watkins zufolge der letztgenannte Komplex in einem desolaten Zustand.
Eine Reihe von Anlagen Ist
überaltert. Manche mußten wegen notwendiger
S1eherheitsVerbesserungen
abgeschaltet werden, was bereits zu
einer Verknappung von Tritium führte.
Erst kürzlich hat man den Bau
eines
neuen
Produktionsreaktors
ernsthaft in Erwägung gezogen.
Infolge fragwürdiger Prioritäten in der
Vergangenheit und sich häufig ändernder Betriebsvorschriften sind Umweltprobleme In diesen Anlagen weit verbreitet; Gesundheitsund Sicherheits-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Vorkehrungen sind erst im nachhinein
getroffen worden und daher noch unvollständig. Ursprünglich waren sie
in den Betrieben nicht vorgesehen.
Der jetzt vorgesehene Fünfjahresplan gibt Auskunft darüber, wie das
Energieministerium die Einhaltung von
Gesetzen,
Betriebsbestimmungen
und
Abkommen zum Schutz der Gesundheit
von Mensch und Umwelt in den Einrichtungen, die Forschung für Verteidigungsprogramme, an Kernenergie und
Energie allgemein betrieben, gewährleisten will. Die auf 90 Tage angesetzte öffentliche Erörterung des Dokuments beginnt nach Bekanntgabe im
Bundesregister am 28. August. Nur
die nationale Sicherheit betreffende
Aktivitäten unterliegen weiterhin der
Geheimhaltung.
An der Ausarbeitung des Planes
waren Fachleute und Dienststellen des
Energieministeriums, Gouverneure der
betroffenen Bundesstaaten, gewählte
Vertreter des Indianerreservate sowie
Repräsentanten des Nationalen Gouverneursrats, der Nationalen Konferenz
der Parlamente der Bundesstaaten und
des Nationalen Verbandes der Justizminister
beteiligt.
Anschließend
wurde der Plan dem Ausschuß für Atommüll
bei
der Nationalen Wissenschaftsakademie vorgelegt.
Die von
all diesen Gremien vorgebrachten Bedenken wurden berücksichtigt.
"Wir
planen ein lebendiges Dokument - keinen starren Fünfjahresplan", sagte
Watkins.
Zum ersten Mal werden zur Korrekturmaßnahmen, Umweltschutz und Entsorgung sowie angewandte Forschung
und Entwicklung, für Verteidigungsprogramme, Kernenergie und Energieforschung in ein Gesamtprogramm integriert. Man wird alle wissenschaftlich anwendbaren Möglichkeiten nutzen, um Probleme an Ort und Stelle zu
lösen, statt sie ständig zu verlagern.
Technologien zur Behandlung
vou deponiertem Abfall, die nicht
dessen Abtransport erfordern, haben
dabei höchste Priorität.

Bereits bekannte Verseuchung an
stillgelegten Anlagen darf sich nicht
ausbreiten.
Verseuchung in anderen
Betrieben, über deren Art und Ausmaß
Unklarheit besteht, muß im Rahmen
realistischer technischer und zeitlicher Planung sowie zur Bereitstellung
der erforderlichen Mittel analysiert
werden. Gesundheitsdaten der Mitarbeiter aus dem Energieministerium unterstehenden
Betrieben
sollen zur
wissenschaftlichen Auswertung freigegeben und Gesundheitsrisiken beim
früherem, gegenwärtigem und künftigem
Betrieb der Anlagen bewertet werden.
Watkins verwies auf die Notwendigkeit, intensiv und kompetent auf
die Ziele des Planes hinzuarbeiten,
um sich auch die Unterstützung des
Kongresses zu sichern. Risiken für
die menschliche
Gesundheit müssen
wirksam abgebaut werden.
Am Forschungsund Entwicklungsprogramm sind
Universitäten, die Industrie, nationale Laboratorien und andere Bundesbehörden zu beteiligen, um Prioritäten und notwendige Projekte zu steuern und neue bzw. verbesserte Technologien zur Abfallminimierung und Entsorgung anzuwenden. Der Personalbedarf mit engagierten und gut ausgebildeten Mitarbeitern ist den Aufgaben entsprechen zu berücksichtigen.
Watkins schätzt, daß die Entseuchung, Entsorgung und Wiederherstellung der Umwelt bei nuklearen Anlagen
30 Jahre in Anspruch nehmen wird.
Der Kostenaufwand wird vielfach auf
150 Milliarden Dollar veranschlagt,
was Watkins als zu hoch ansieht.

* * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA legen Verifizierungsmaßnahmen für START-Abkommen dar&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Richard Burt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA: Fortschritte bei Abwehrsystemen im Weltraum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Cooper bei der Geafer Abrüstungskonferanz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Westliche Sicherheit: Die USA und ihre NATO-Partner&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Regionale Übersicht des Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Integriertes Entsorgungsprogramm für Atomanlagen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fünfjahresplan des US-Energieministeriums&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
\ ü N

$ &lt;

*

16. August 1989

31
DOKUMENTATION
Bush sieht künftiges Europa ohne Berliner .Mauer
- Erklärung zum 28. Jahrestag des Mauersbaus -

INFORMATION
Ppv«JJ_je_ilt_ in seiner neuen Position ein hervorragender Ruf voraus
- Porträt des designierten Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs

HINTERGRUNDMATERIAL
Stand der Rüstungskontrollverhandlungen
-"wöchentliche "Übersicht WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Baker: Kampf gegen Drogen oberstes Ziel amerikanischer Politik
- US-Außenminister fordert wirksame internationale Strategie -

United States Information Service
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�AMERIKA DIENST
Dokumentation
31

16. August 1989

BUSH SIEHT KÜNFTIGES EUROPA OHNE BERLINER MAUER
- Erklärung zum 28. Jahrestag des Mauerbaus WASHINGTON - (AD) - Einer Erklärung Präsident Bushs zum 28. Jahrestag des
Baus der Berliner Mauer zufolge hat sich "eine historische Gezeitenwende vollzogen".
Die Welt strebe heute nach einer "Zukunft Europas in Einheit und
Freiheit", in der "Berlin, das deutsche Volk und Europa nicht länger von einer
Mauer geteilt sind".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Präsidenten im Wortlaut:

Vor 28 Jahren wurde im Herzen
Berlins eine Barriere aus Stahl und
Beton errichtet. Sie steht dort noch
immer - und sie ist heute mehr denn
je das Relikt einer vergangenen Epoche und einer gescheiterten Philosophie.
Der Stacheldraht, der eine großartige
Stadt durchschnitt, brachte
zudem in krasser, unmenschlicher Weise die unnatürliche Teilung Europas
zum Ausdruck.
Über die von ihr in
all den Jahren verursachten tragischen Folgen hinaus - etwa die brutale Trennung von Freunden und Verwandten -, hat die Berliner Mauer die
freie Welt mit einer ihr gänzlich
fremden Vision geschlossener Gesellschaften konfrontiert, in denen die
Grundfreiheiten verweigert werden.

Die mutige Bevölkerung von WestBerlin hütet für uns alle das kostbare Feuer der Freiheit. Die Stadt gedeiht und profitiert von ihrem innovativen Geist und der Ausweitung internationaler Bindungen. Ihre kulturelle Vielfalt, ihr wirtschaftlicher
Elan und ihr politischer Pluralismus
sind Früchte des grenzenlosen Ideenreichtums, der in einer demokratischen Gesellschaft zum Tragen kommt.
Die Vereinigten Staaten sind stolz
darauf, zur Freiheit und Lebensfähigkeit Berlins beigetragen zu haben.
Wir stehen weiterhin fest zu unserer
Verpflichtung, die Sicherheit und das
Wohlergehen der Stadt zu sichern. In
einem Jahr, in dem sich die Luftbrükke zum vierzigsten Male jährt, kommen
diesen
historischen Bindungen
zwischen Amerikanern und Berlinern eine

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�besondere Bedeutung zu.
Die Vereinigten Staaten engagieren sich darüber hinaus für die Verbesserung der Lebensbedingungen der
Berliner und streben danach, den Tag
näherrilcken zu lassen, an dem die
Stadt wieder ungeteilt ist. Zusammen
mit unseren britischen und französischen Alliierten haben wir eine Initiative vorgeschlagen, mit der solche
Fortschritte verwirklicht werden sollen. Wir möchten, daß Berlin durch
erweiterte Flugverbindungen verstärkt
Zugang zur Welt erhält, daß die Stadt
ein Zentrum internationaler Begegnungen und sportlicher Wettbewerbe wird,
und wir wollen Begegnungen zwischen
den Menschen fördern, die zu besserem
Verständnis führen.
Wie ich am 31. Mai in Mainz erklärt habe, möchten wir Berlin zu einem Ort der Zusammenarbeit machen,
nicht zu einem Ort der Konfronta-

tion. Wir haben die Sowjetunion aufgefordert, ihrer Verantwortung für
Berlin im Rahmen des Viermächtestatus
gerecht zu werden und mit uns bei der
Verwirklichung dieser Ziele zusammenzuarbeiten. Wir warten weiterhin auf
eine - wie wir hoffen - positive Antwort.
Wir begehen diesen traurigen Jahrestag mit neuer Entschlossenheit,
die Teilung Berlins und Europas zu
überwinden. Stellvertretend für das
Volk der Vereinigten Staaten bekräftige ich die Verpflichtung dieser Nation für die Freiheit und den Wohlstand Berlins.
Eine
historische
Gezeitenwende
hat sich vollzogen, und heute streben
wir nach einem Europa in Einheit und
Freiheit. Wie wir heute den Jahrestag des Mauerbaus begehen, so werden
wir unweigerlich einen Tag erleben,
an dem Berlin, das deutsche Volk und
Europa nicht länger geteilt sind.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Information

V,DN #

16. August 1989

31

POWELL EILT IN SEINER NEUEN POSITION EIN HERVORRAGENDER RUF VORAUS
- Porträt des designierten Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs -

hochrangige
schwarze Offizier des
amerikanischen Heeres wird ranghöchster Offizier aller Teilstreitkräfte
sein, wenn ihn der Senat in seinem
Amt bestätigt.

Als Vorsitzender der Vereinigten
Stabschefs unterstehen Powell alle
amerikanischen
Teilstreltkräfte.
Diese Aufgabe hat größere Bedeutung
als jemals zuvor. Seit dieses Amtes
im Jahr 1947 ins Leben gerufen wurde,
hat der Vorsitzende die Aktivitäten
der Stabschefs von Heer, Marine,
Luftwaffe und Marinekorps koordiniert. Im Laufe der Amtszeit des gegenwärtigen
Vorsitzenden,
Admlral
William Crowe, hat der Kongreß eine
Änderung der mit diesem Amt verbundenen Aufgaben vorgenommen.

Die Betätigung gilt als fast sicher, da Powell bei den Kongreßabgeordneten wie auch bei den Streitkräften und den amerikanischen Verbündeten im Ausland hohes Ansehen genießt.

Der Vorsitzende ist nunmehr, ungeachtet in welcher der vier Teilstreitkräfte er bisher gedient hat,
direkter
Oberkommandierender
der
Streitkräfteverbände und höchster Mi-

WASHINGTON - (AD) - Dem General
des Heeres Colin Powell eilt der Ruf
von guter Urteilsfähigkeit, Intelligenz und Diplomatie für sein Amt als
Vorsitzender der Vereinigten Stabschefs voraus.
Powell wurde am 10. August 1989
von

Präsident

Bush

nominiert.

Der

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�litärberater des Präsidenten.
Im
Hinblick auf die Kommandostruktur bedeutet das, er ist lediglich Bush und
Verteidigungsminister Cheney gegenüber verantwortlich.

1958 schloß er die Offiziersausbildung ab und wurde Leutnant im
Heer.
Von 1962-63 kämpfte er in
Vietnam. Er wurde verwundet und erhielt das Purple Heart.

Powell muß Cheney beraten, wie
Ausgabenkürzungen für Programme des
Pentagons in der gegenwärtig schwierigen Haushaltslage zu verwirklichen
sind.

Powell kehrte 1968 nach Vietnam
zurück, befehligte ein Jahr lang als
stellvertretender Kommandeur ein Infantriebataillon
und
war
später
Stabsoffizier im Divisionshauptquai—
tier. Er wurde zum Kommandeur eines
Infantriebataillons in Südkorea und
später zum Kommandeur einer in den
Vereinigten
Staaten
stationierten
Brigade befördert.

Schließlich besteht die wichtigste Aufgabe Powells wohl darin, amerikanische politische Entscheidungsträger über die Implikationen von Rüstungskontrollvorschlägen
etwa
zum
Abbau amerikanischer und sowjetischer
Waffenarsenale oder den noch schwierigeren Vorschlägen bei den Verhandlungen über die Verringerung strategischer Rüstungen (START) zu beraten.
Powell genießt ebenso wie Crowe
den Ruf eines militärischen Vordenkers. Er gilt allgemein als vorbildlicher Offizier und vereinigt große
militärische Erfahrung mit politischem und diplomatischem Geschick.
Er verfügt über Erfahrung bei Gipfeltreffen der Supermächte und im Umgang
mit Spitzenpolitikern.
Der Amtsanwärter steht bei den
amerikanischen Verbündeten in hohem
Ansehen. Ein Berater der britischen
Premierministerin Thatcher bezeichnete Powell einmal als den Militärvertreter, der ihn am meisten beeindruckt habe.
Seit Beginn der Bush-Administration hat Powell als Kommandeur aller
Streitkräfte auf dem amerikanischen
Kontinent gedient - als Oberkommandierender der Streitkräfte, dem größten Befehlsbereich der amerikanischen
Streitkräfte.
Powell wurde am 5. April 1937 als
Kind jamaikanischer Einwanderer in
New York City geboren. Er erwarb an
der City University of New York ein
Bakkalaureat in Geologie und an der
George Washington University einen
Magister in Betriebswirtschaft.

1972 hatten Powells hervorragende
militärische Leitungen die Aufmerksamkeit hochrangiger Regierungsvertreter erregt. Daraufhin erhielt er
1977 eine Stellung im Büro des Verteidigungsministers. In den nächsten
Jahren stieg sein Bekanntheitsgrad im
Pentagon, und 1983 wurde er schließlich persönlicher Militärberater des
damaligen
Verteidigungsministers
Caspar Weinberger.
1986 übernahm
Powell erneut einen Befehlsbereich
als Kommandierender General des Fünften Korps, eines Teils der US-Streitkräfte in Westeuropa.
Vielleicht fühlte sich General
Powell wohler als Führer von Soldaten, als er 1987 zunächst das Angebot
für die Mitarbeit im Stab des Nationalen
Sicherheitsberaters
Franks
Carlucci ausschlug.
Powell änderte
seine Meinung über den Eintritt in
den Nationalen Sicherheitsrat (NSC)
erst, als Präsident Reagan ihn persönlich um die Übernahme des Amts
bat. Als Carlucci Verteidigungsminister wurde, bestimmte Reagan Powell
zum Nationalen Sicherheitsberater und
Leiter des NSC.
Diese Beförderung zum Leiter des
NSC wurde vom damaligen stellvertretenden Führer der Republikaner im Repräsentantenhaus, Cheney, unterstützt.
Im Pentagon erklärte der Sprecher
Pete Williams am 10. August, Cheney
sei mit dem jetzt nominierten Vorsit-

�zenden der Vereinigten Stabschefs zusammengetroffen, als dieser das V.
Korps in der Bundesrepublik befehligte.
Darüber hinaus arbeiteten sie zusammen, als der damalige Abgeordnete
Cheney in den Ausschüssen zur IranContra Affäre und des Nachrichtendienstes tätig war, während Powell
als Carluccis Berater beim NSC fungierte.
"Sie arbeiteten besonders intensiv an Problemen wie der Finanzierung
der Contras, so daß bei zu Cheneys
Amtszeit viel miteinander zu tun hatten. Cheney hat eine sehr hohe Meinung von General Powell,"
erklärte
Williams.
Unmittelbar
vor Aufgabe
seines
Amtes
nominierte
Präsident
Reagan
Powell
für
seine
Beförderung
vom
Drei-Sterne-General zum Vier-SterneGeneral .

* * * * *

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Hintergrundmaterial
16. August 1939

31

STAND DER RÜSTUNGSKONTROLLVERHANDLUNGEN
- Wöchentliche Übersicht -

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die am 11. August 1989
vom US-Informationsamt (USIA) herausgegebene Übersicht über den Stand der
START-Verhandlungen, Krasnojarsk, SLCMs, Sari Shagan, SDI, ACDA und chemische
Waffen.

Keine Reaktion der Sowjets auf
amerikanische START-Initiative

die

Die sowjetischen Unterhändler haben nicht offiziell auf die während
der am 7. August 1989 in Genf zu Ende
gegangenen jüngsten Runde der Verhandlungen
über
die Verringerung
strategischer Rüstungen (START) unterbreitete amerikanische Verfizierungsinitiatlve reagiert.
Der sowjetische Chefunterhändler
Juri Nasarkin räumte nur ein, die
vorgeschlagenen amerikanischen Verifizierungsmaßnahmen
"könnten
hilfreich" sein.
Der amerikanische ChefUnterhändler
bei
den
START-Verhandlungen,
Richard Burt, ist der Ansicht, beide

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Embassy of the United States of America

Seiten seien in der Lage gewesen,
"den Grundstein für ein hoffentlich
konstruktives Gespräch zwischen Außenminister Baker und seinem sowjetischen Amtskollegen Schewardnadse zu
legen", wenn sich beide im nächsten
Monat in den Vereinigten Staaten
treffen.
Der amerikanische Verifizierungsvorschlag behandelt Themen wie die
kontinuierliche Überwachung bestimmter Produktionsstätten für ballistische Raketen und den Datenaustausch
über Nuklearstreitkräfte.
Die Initiative soll Burt zufolge verwirklicht werden bevor ein Vertrag geschlossen ist, um die Verhandlungen
zu "beschleunigen".
"Obwohl bei den Gesprächen kein

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Telex: 8-85432

�größerer Durchbruch zu verzeichnen
war, wurden Fortschritte in kleinen,
aber entscheidenden Bereichen des 450
Seiten umfassenden Vertragsentwurfs
erzielt", erklärte Burt und fügte
hinzu: "Wir halten den Kurs auf stabilisierende Reduzierungen, mit denen
das Risiko eines Nuklearkriegs in den
neunziger Jahren und darüber hinaus
abgebaut wird."
Burt zufolge ist die amerikanische Position im Hinblick auf ein
Verbot mobiler Interkontinentalraketen (ICBMs) "derzeit unverändert".
Die Administration könne diese Position überdenken, wenn beide Seiten
"sich auf Bestimmungen einigen, mit
denen die wirksame Verifizierung zahlenmäßiger Obergrenzen bei mobilen
ICBM-Systemen ermöglicht wird", erklärte er. Die Sowjets besitzen bereits zwei einsatzfähige Systeme,
während die Bush-Administration versucht, zwei Systeme zu stationieren.
Zwischen beiden Seiten bestehen
noch Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Grenzen bei ICBM-Gefechtsköpfen, luftgestützten Marschflugkörpern und den Zählvorschriften für
strategische
Bomber,
seegestützte
Marschflugkörper sowie im Hinblick
auf die sowjetischen Bestrebungen,
ein Junktim zwischen START und dem
ABM-Vertrag herzustellen.
Die nächste Runde der START-Verhandlungen beginnt am 25. September
1989.

Keine Lösung der Kontroverse über
das Radar von Krasnojarsk in Sicht
Dem amerikanischen Unterhändler
bei den amerikanisch-sowjetischen Gesprächen über die Verteidigung im
Weltraum (DST) zufolge ist keine Lösung der Kontroverse über das Radar
von Krasnojarsk in der Sowjetunion in
Sicht.
Botschafter Henry Cooper erklärte
am 7. August 1989, "bis die Probleme
mit dem Radar von Krasnojarsk zu un-

serer Zufriedenheit gelöst sind, werden die Vereinigten Staaten an ihrer
Politik festhalten, im strategischen
Bereich keine zusätzlichen Rüstungskontrollabkommen zu schließen."
Die Vereinigten Staaten vertreten
die Auffassung, das Radar von Krasnojarsk verletze den ABM-Vertrag aus
dem Jahr 1972 und streben seine vollständige Beseitigung an. "Das Radar
muß mitsamt seinen Grundmauern abgerissen werden", erklärte der Botschafter.
In seiner Ansprache vor der Abrüstungskonferenz am 3. August 1989 unterstrich Botschafter Cooper, daß die
Sowjets "im Bereich der strategischen
Verteidigung bereits sehr viel mehr
tun als die Vereinigten Staaten".
Ihm zufolge sucht "die Größenordnung der zivilen und Luftverteidigung
der Sowjetunion ihresgleichen in der
Welt" und "einige ihrer Aktivitäten
gehen eindeutig über die Grenzen des
ABM-Vertrags hinaus".

SLCM-Verfizierungsverfahren
nicht zuverläßig

noch

Trotz
"detaillierter"
Studien
sind die Vereinigten Staaten weiterhin der Überzeugung, daß es keine
"wirksame" Art und Weise der Verifizierung seegestützter Marschflugkörper (SLCM) gibt.
Botschafter Richard Burt gab eine
Erklärung zu dem kürzlich von amerikanischen und sowjetischen Wissenschaftlern im Schwarzen Meer durchgeführten Experiment zur Identifizierung nuklearbestückter SLCMs ab.
"Die angeblich geeignete verfügbare Technologie zum Aufspüren nuklearer SLCM-Gefechtsköpfe
in großer
Entfernung und zur Unterscheidung von
anderen Nukleargefechtsköpfen ist in
beiden Fällen unzuverlässig", erklärte Burt.
Burt

zufolge

ist die beste Art

�und Weise, die Umgehung eines Abkommens über SLCMs zu verhindern, "Berechenbarkeit herzustellen und beiden
Seiten eine Idee dessen zu vermitteln, was die andere Seite plant".

*

Unverbindliche
Absichtserklärungen zu den SLCM-Plänen beider Seiten
sind "der beste Weg", so Burt.
"Da
nuklearbestückte
SLCMs
für
einen
Erstschlag weder geeignet noch durch
ihn verletzbar sind", erklärte Burt,
"vertreten
die Vereinigten Staaten
die Auffassung, daß der amerikanische
Vorschlag beiden Ländern die praktischsten Mittel an die Hand gibt, um
Vertrauen aufzubauen, daß nuklearbestückte SLCMs die START-Obergrenzen
nicht umgehen."

Beobachter haben nur eine
sche Laser-Anlage besichtigt

Sowjetische
Regierungsvertreter
nehmen an, bei der Anlage handele es
sich um eine wissenschaftliche Forschungseinrichtung, in der Niederleistungslaser gegen sowjetische Flugzeuge und Satelliten eingesetzt werden.

Bush benennt Hanmer zum neuen Stellvertretenden Direktor der ACDA
Präsident
Bush
beabsichtigt,
Stephen Read Hanmer zum neuen Stellvertretenden Direktor der amerikanischen
Rüstungskontroll- und
Abrüstungsbehörde (ACDA) zu nominieren.

sowjeti-

Das amerikanische Verteidigungsministerium hält an der Aussage fest,
daß Kongreßmitglieder und Privatpersonen, die im Juli die Sowjetunion
besuchten, nur eine der zahlreichen
sowjetischen
Laser-Anlagen
in Sari
Shagan gesehen haben.
Nach Ansicht der von der inoffiziellen Reisegruppe zur Verfügung gestellten
Videobänder
erklärte
das
Verteidigungsministerium am 3. August
1989, daß in der Anlage in Sari
Shagan
"andere
Laser-Einrichtungen
untergebracht sind", die eine Bedrohung der nationalen Sicherheit der
Vereinigten Staaten darstellen könnten.

\
J

kanische Forscher an, daß in Sari
Shagan ein Hochenergielaser zur Satellitenabwehr untergebracht ist.

Dem Verteidigungsministerium zufolge sollte die von den Amerikanern
besichtigte Anlage "nicht als repräsentativ für den sowjetischen Stand
der Waffentechnik angesehen werden"
mit dem Hinweis, daß "es eine Reihe
anderer sowjetischer Anlagen gibt ...
die sich mit Forschung und Entwicklung von Laserwaffen befassen".
In der vom Pentagon jährlich veröffentlichten
Publikation
Die
sowjetische Militärmacht deuten ameri-

Hanmer, der im Rahmen der amerikanisch-sowjetischen
Verhandlungen
über Kern- und Weltraumwaffen amerikanischer Chefunterhändler für strategische Offensivwaffen war, würde
Nachfolger von George Murphy.
Hanmer hat eine Reihe ziviler Positionen im Verteidigungsministerium
bekleidet und war auch bei der amerikanischen NATO-Vertretung.

Sowjets
akzeptieren
den
Vorschlag
frühzeitiger Vor-Ort-Inspektionen von
Chemiewaffenanlagen
Jüngsten
Berichten
zufolge hat
die
Sowjetunion
dem
amerikanischen
Vorschlag zur Inspektion von Chemiewaffenanlagen zugestimmt, noch bevor
ein Vertrag über das weltweite Verbot
dieser Waffen geschlossen ist.
Frühzeitige
Inspektionen
werden
voraussichtlich
Meinungsverschiedenheiten zwischen beiden Seiten über
den Umfang des sowjetischen Chemiewaffenbestands beilegen.
Schätzungen
über den Umfang des Bestands variieren zwischen 50 000 bis 300 000 Tonnen.
Informelle

amerikanisch-sowjeti-

�sehe Gespräche über technische Einzelheiten bei Chemiewaffen werden erwartungsgemäß im August in Genf aufgenommen.

*****
- 4 -

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�AMERIKA DIENST
VON

4

Wissenschaft und Technik

31

16. August 1989

BAKER: KAMPF GEGEN DROGEN, OBERSTES ZIEL AMERIKANISCHER POLITIK
- US-Außenminister fordert wirksame internationale Strategie -

(AD) - Präsident George Bush erklärte
während seines Europabesuchs, daß die
neue Welt jetzt rasch Gestalt annimmt. Es ist eine Welt, in der das
Streben nach Demokratie offensichtlich wird. Aber die Kräfte, die Demokratie
bedrohen,
sind
ebenfalls
deutlich erkennbar: Die Drogenepidemie bedeutet eine direkte Herausforderung für die Demokratie, erklärte
Außenminister Baker kürzlich anläßlich
der
Vereidigung
von
Melvyn
Levitsky als Abteilungsleiter für internationale Suchtstoff-Fragen (INM)
im Außenministerium.
"Wer der Sucht
verfällt, wird bald deren Sklave und
hört auf, ein freier Mensch, ein
freier oder informierter Bürger zu
sein". Und was dem einzelnen geschehe, betreffe auf ganz ähnliche Weise
die gesamte Nation.
Die Drogenmafia

United States Information Service
Embassy of the United States of America

unterwandert
staatliche
Institutionen, bis die Demokratie selbst auf
dem Spiel steht. Demokratie und Drogen
bekämpfen
sich
gegenseitig
"letztlich geht es um unsere Freiheit
und unsere Menschenwürde", erklärte
Baker. In diesem Kampf gibt es keinen Sieger oder Verlierer.
Es ist
ein Kampf an Millionen Fronten, in
jedem Gemeinwesen, in der Schule,
beim Sport und in der Wirtschaft, an
jedem Tag und jedem Ort. Insbesondere der Anbau von Pflanzen, aus denen
Narkotika gewonnen werden, muß in
Südamerika, in der Karibik, in Südostund
Südwestasien
unterbunden
werden. Die USA werden auch künftig
mit den zuständigen Regierungen zusammenarbeiten, um Alternativen für
solche Anpflanzungen zu entwickeln.
Ein weiterer Punkt ist die gemeinsame

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Telex: 8-85432

�Fahndung der Regierungsbehörden, um
die Aktivitäten der Drogenmafia zu
unterbinden, ihre Flugplätze, Labors
und Arsenale zu zerstören, "ehe das
Gift den Weg zu uns findet". Training, technische Hilfe und Informationen
werden
Regierungsstellen
und
Privatwirtschaft von den USA angeboten.
Unser Leben, unsere Familien,
unsere Freiheit und unsere Ehre stehen auf dem Spiel, und deshalb muß
der Kampf gegen Drogen oberstes Ziel
amerikanischer Politik sein.
In einem Kurzlehrgang für Agrarwissenschaftler und Ökologen informierte INM Anfang August über die in
der Landwirtschaft zur Unkrautbekämpfung und zur Vernichtung von Anpflanzungen zur Suchtstoffgewinnung verwendeten Herbizide und deren Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt. An
dem Seminar in Beltsville (Maryland)
nahmen Wissenschaftler der UN-Abteilung für Suchtstoffe in Wien sowie
Experten aus Belize, Jamaika, Kolumbien, Mexiko, Pakistan, Peru, Trinidad und Tobago teil. All diese Länder werden von INM bei der Vernichtung von Drogenanpflanzungen unterstützt.
Die erteilten Informationen
basieren auf Erfahrungen bei der Anwendung von Herbiziden in den Vereinigten Staaten. Die Präparate könnten auch in den genannten Ländern zur
Drogenpflanzenvernichtung, aber ebenso bei landwirtschaftlichen Produktionsprogrammen
eingesetzt
werden,
erklärte Dr. Joe Antognini, Leiter
des
Laboratoriums
für
tropische
Pflanzen
im
US-Landwirtschaftsministerium.
Zu den von INM geförderten Programmen zählen die chemische Vernichtung von Opiummohn mit 2,4-D in Mexiko und Pakistan, die manuelle Vernichtung von Coca-Sträuchern in Peru,
Bolivien, Equador, Brasilien und Kolumbien sowie die manuelle und chemische Vernichtung von Marihuana-Anpflanzungen
in Kolumbien, Jamaika,
Belize, Guatemala und Mexiko.
Als
rihuana

Vernichtungsmittel gegen Mawird normalerweise Glyphosat

eingesetzt, in Mexiko Paraquat. Guatemala benutzt Glyphosat auch zur
chemischen
Bekämpfung
von
Schlafmohn-Anpflanzungen.
In Peru wurden
verschiedene
Herbizide
wie
etwa
Tebuthiuron gegen Coca-Pflanzen erprobt. Die Versuche werden gegenwärtig ausgewertet. All diese Herbizide
werden
in den Vereinigten Staaten
nach Prüfung und Einzelzulassung für
spezielle Zwecke durch die US-Umweltschutzbehörde EPA zur Unkrautbekämpfung
auf
Feldern, Weideland,
auf
Landstraßen, Autobahnen und Grünflächen in Wohngebieten eingesetzt. Paraquat darf allerdings nur mit Sondergenehmigung angewandt werden. Mit
Glyphosat werden im Rahmen der von
Bundesbehörden
durchgeführten
Programme Marihuana-Anpflanzungen in den
USA vernichtet. Manche Bundesstaaten
setzten für den gleichen Zweck das
Präparat 2,4-D ein.
Bevor ein Herbizid bei einem von
der
INM-Abteilung geförderten
Programm verwendet wird, muß ein Gutachten über die Unbedenklichkeit für Umwelt und Gesundheit in dem betreffenden Land oder der betreffenden Region
ausgearbeitet werden.
Die gegenwärtig laufenden Tests in Peru sind Teil
dieses Prozesses, erklärte Eric Rosenquist
vom
US-Außenministerium.
Seminare dieser Art fördern die Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen amerikanischen und ausländischen Fachleuten und liefern technische Informationen für die Vernichtung von rauschgifthaltigen Pflanzen
mit Hilfe von Herbiziden.

* * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush sieht künftiges Europa ohne Berliner Mauer&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung zum 28. Jahrestag des Mauersbaus&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Powell eilt in seiner neuen Position ein hervorragender Ruf voraus&lt;br /&gt;&lt;em&gt; Porträt des designierten Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Stand der Rüstungskontrollverhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;wöchentliche Übersicht&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker: Kampf gegen Drogen oberstes Ziel amerikanischer Politik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;US-Außenminister fordert wirksame internationale Strategie&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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4

'VON

30. August 1989

33

I N H A L T

DOKUMENTATION
Bushs Glückwünsche an den neuen polnischen Premierminister
- Erklärung des Präsidenten zu Polen -

HINTERGRUND
Zwe1 Weltkriege und ihre Lehren
- Von Paul H. Nitze -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Letzte Station; Neptun
- VOYAGER 2 seit zwölf Jahren Kundschafter im Sonnensystem

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Dokumentation

**

33

30. August 1989

BUSHS GLÜCKWÜNSCHE AN DEN NEUEN POLNISCHEN PREMIERMINISTER
- Erklärung des Präsidenten zu Polen -

KENNEBUNKPORT -(AD) - Bei einer Ansprache im Jachthafen von Kennebunkport
am 24. August 1989 übermittelte Präsident Bush dem neuen polnischen Premierminister seine Glückwünsche und besten Wünsche für sein Amt. Dem Präsidenten
zufolge werden wir in Europa Zeuge "eines faszinierenden Wandels .. . der sich
so rasch vollzieht, daß er noch vor sieben Monaten nicht absehbar gewesen wäre, als ich Präsident der Vereinigten Staaten wurde. Der Präsident brachte in
einem Glückwunschschreiben seine "uneingeschränkte Unterstützung" für Tadeusz
Mazowiecki als neuem Premierminister zum Ausdruck, "bei dem Versuch, sein Land
wirtschaftlicher Gesundung und demokratischem Wandel zuzuführen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Präsidenten im Wortlaut.

Ich möchte Herrn Mazowiecki meine
Glückwünsche zu seiner Wahl zum Premierminister
von Polen
aussprechen
und ihn unserer uneingeschränkten Unterstützung versichern bei dem Versuch, sein Land wirtschaftlicher Gesundung und demokratischem Wandel zuzuführen.
Darüber hinaus möchte ich
Staatspräsident Jaruzelski zu seiner
politischen Weitsicht bei der Unterstützung einer Regierung beglückwünschen, die den echten Willen des polnischen Volkes widerspiegelt und die
Solidarität - unter der Führung von
Lech Walesa - zu ihrer konstruktiven
Rolle bei diesem neuen Anfang in Polen.
Seit der Vereinbarung am Runden
Tisch vom vergangenen April ist Polen
den Weg demoratischer Veränderungen

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gegangen. Die Wahl im Juni, die Einberufung des neuen polnischen Parlaments, die Wahl von General Jaruzelski zum Staatspräsidenten und jetzt
die Wahl von Tadeusz Mazowiecki zum
Premierminister sind weitere dramatische Signale eines historischen Prozesses.
Diese Entwicklungen bergen
nicht
nur
das
Versprechen
eines
friedlichen demokratischen Übergangs
in Polen sondern auch eines umfassenderen Prozesses europäischer Aussöhnung zu einem ungeteilten und freien
Europa.
Unmittelbar nach der Unterzeichnung des Abkommens am Runden Tisch
zwischen der polnischen Regierung und
der Solidarität habe ich in meiner
Rede in Hamtramck die Unterstützung
der Vereinigten Staaten bei den wirt-

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�schaftlichen und politischen Reformen
in Polen zugesichert.
Bei Besuchen
in Warschau und Danzig im vergangenen
Monat haben wir diese Unterstützung
bekräftigt und Hilfsmaßnahmen angekündigt. Das polnische Volk und seine neue Regierung können bei der Bewältigung der vor ihnen liegenden
ernsten wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen unserer kontinuierlichen
Unterstützung
gewiß
sein.

* * * * *

�«fc°s&gt;&lt;

VON

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

*

30. August 1989

33

ZWEI WELTKRIEGE UND IHRE LEHREN
- Von Paul H. Nltze -

WASHINGTON - (AD) - Der Autor hat von Anbeginn des Zweiten Weltkriegs nahezu fünfzig Jahre lang wichtige Posten in der amerikanischen Regierung innegehabt und der Reagan-Administration als ChefUnterhändler bei den START-Verhandlungen gedient.

Eine der Hauptaufgaben eines Kulturkreises besteht darin, auf die
Lehren der Geschichte sensibel und
aufgeschlossen zu reagieren, weil das
der Schlüssel zum Überleben dieses
KuLturkreises sein kann. Am 1. September jährt sich der Ausbruch des
Zweiten Weltkriegs zum fünfzigsten
Mal - und der Erste Weltkrieg brach
vor etwa 75 Jahren aus. Welche Lehren hat die Welt aus ihren Erfahrungen mit diesen beiden großen Fehlschlägen staatsmänniscben Handels gezogen?
Ein großer Teil der Veröffentlichungen über den Ersten Weltkrieg
beschäftigt sich mit dem Schuldigen
an diesem Krieg.
Die weitaus interessantere Frage lautet jedoch, ob es
möglicherweise ein destabilisierendes

strukturelles Moment im militärischen
Gefüge der damaligen Mächte war, das
es seinen Politikern unmöglich machte, zu verhindern, daß eine ernste
politische Krise unkontrollierbar ihren Lauf nahm und in einen allgemeinen Krieg mündete.
Ein solches Moment - die Notwendigkeit für vergleichsweise schnelle
Mobilisierung von Streitkräften - war
tatsächlich
der Struktur militärischer Planungen und Streitkräfte der
wichtigsten
Teilnehmer
am
Ersten
Weltkrieg immanent.
Wenn eine der
führenden Mächte mobilisierte, würde
eine Kettenreaktion ausgelöst und eine rivalisierende und nicht aufzuhaltende Mobilisierung aller Streitkräfte nach sich ziehen. Als Folge ergab
sich eine militärisch instabile Si-

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�tuation, in der es nur noch der Entzündung eines Funkens bedurfte, um
einen
unkontrollierbaren
Großbrand
hervorzubringen.
Dieser Funken wurde am 28. Juni
1914 mit der Ermordung des österreichischen Großherzogs durch Serben
in Sarajewo entfacht.
Österreich
stellte an Serbien umfangreiche Forderungen, die das von den Russen unterstützte
Serbien nicht erfüllen
wollte. Daraufhin begann Österreich
seine Streitkräfte zu mobilisieren,
was bei den Russen zu einer Mobilisierung an der Nordgrenze führte.
Daraufhin verfügte Deutschland die
allgemeine Mobilmachung.
Frankreich
sah sich zu einer Reaktion veranlaßt
- und damit war das Feuer außer Kontrolle geraten.
Der Erste Weltkrieg hatte ungeheure Konsequenzen.
Frankreich und Großbritannien waren wirtschaftlich und politisch ausgebrannt, ihre Weltreiche bestanden
noch, erwiesen sich aber eher als Belastung denn als Stütze. Die Reiche
der Österreicher und Türken waren
zerstört. Deutschland war zu einem
kleineren, wirtschaftlich verkümmerten und politisch instabilen Staat
geworden.
Rußland wurde jetzt von
einer marxistisch-leninistischen Führung regiert.
Die unsachgemäße Handhabung des
Friedens nach dem Krieg führte zu ungerechten,
willkürlich
gezogenen
Grenzen und instabilen wirtschaftlichen und militärischen Vereinbarungen. Damit wurde ein Prozeß eingeleitet, der ebenso unweigerlich in
den Zweiten Welkrieg führte, wie dies
bereits vor dem Ersten Weltkrieg der
Fall gewesen war.
Die Vereinigten Staaten gingen
als stärkste Weltmacht aus dem Krieg
hervor.
Aber aufgrund der fehlgeschlagenen Friedensverhandlungen nahmen sie entscheidende zehn Jahre lang
von einer aktiven Rolle in der Weltpolitik Abstand.

Die von Präsident Woodrow Wilson
in seiner Rede im Kongreß am 8. Januar 1918 vorgestellten 14 Punkte versprachen eine Nachkriegzeit mit Einschränkungen und vernünftiger Gerechtigkeit für die überlebenden - Sieger
und Verlierer gleichermaßen - des Ersten Weltkriegs. Aber Wilson wurde
krank, vom Kongreß abgelehnt und von
den Siegermächten in Europa ausmanövriert. Die den Besiegten auferlegten Bedingungen waren so hart und ungerecht, daß sie unweigerlich in eine
wirtschaftliche
Katastrophe
münden
und den Ruf nach Rache laut werden
lassen mußten.
Darüber hinaus lenkte die zehn
Jahre nach dem Krieg ausgebrochene
Große Depression die Aufmerksamkeit
stärker auf Probleme in Wirtschaft
und Handel als auf militärische und
strategische Fragen.
Ein schwacher
Völkerbund kämpfte auf ineffektive
Weise mit gegenwärtigen Weltproblemen, eine langfristige weltpolitische
Strategie lag brach.
Mit dem Aufstieg Hitlers änderte
sich alles.
Nach dem Angriff Stalins auf
Finnland und dem darauf folgenden
Nichtangriffspakt mit Hitler wurde
die Lage schnell für diejenigen hoffnungslos, die sowohl den Zweiten
Weltkrieg
als
auch
ein
HitlerDeutschland mit einer unanfechtbaren
Vorherrschhaft über Westeuropa vermeiden wollten. Sie entchieden sich
für Krieg.
Als Hitlers erster Angriff von
den Russen zurückgeschlagen und eine
Niederlage für ihn und die Briten immer wahrscheinlicher wurde, machten
sich Washington und die anderen Verbündeten mehr Gedanken über den Frieden und die Bedürfnisse der Welt in
der Nachkriegszeit.
Bei der Konferenz von Bretton Woods erarbeiteten
Diplomaten und Wirschaftsexperten die
Grudlagen für eine Weltbank und einen
Internationalen Währungsfonds.
Später wurde ein Allgemeines Zoll- und
Handelsabkommen ausgearbeitet.

�Diese drei Institutionen sollten
Kredite für einen enormen weltweiten
Anstieg von Produktion und Handel gewähren, relative Stabilität schaffen,
damit die Währungen der verschiedenen
Handelsländer und Blöcke konvertierbar wurden und gegen Zölle und Vereinbarungen vorgehen, die mit Hilfe
des Handels einer Ländergruppe gegenüber einer anderen unfaire Vorteile
verschaffen könnten.
Intensive Arbeit wurde bei der
Konferenz von Dumbarton Oaks am Entwurf einer Organisation der Vereinten
Nationen geleistet, die größere Entscheidungsbefugnis
und
mehr
Handlungsspielraum haben sollte als der
Völkerbund.
Um den vom Krieg am meisten zerstörten Ländern beim Wiederaufbau ihrer Fabriken und ihrer Infrastruktur
zu
helfen,
schlug
Außenminister
George Marshall - mit Zustimmung des
Kongresses - ein umfangreiches gemeinsames Programm vor, das der unmittelbaren Notwendigkeit des europäischen
Wiederaufbaus
entgegenkam.
Der Marshallplan übertraf mit seinem
Erfolg alle Erwartungen.
Das schwierigste Problem bestand
darin, herauszufinden, was mit den
besiegten Deutschen, dem japanischen
Kaiser und dem japanischen Volk zu
geschehen hatte.
Es wurde die Meinung vertreten, sie sollten nicht nur
als frühere Feinde, sondern als potentielle künftige Gegner betrachtet
werden und deshalb nicht die Möglichkeit zum Wiederaufbau erhalten. Eine
andere Auffassung besagte, ein Anfang
sollte gemacht werden, um sie wieder
in die Staatengemeinschaft einzugliedern.
Die
unnachgiebigere
Gruppe
siegte in den politischen Kämpfen,
aber im Lauf der Durchfuhrungsphase
war die konstruktivere Gruppe erfolgreich.
Ein Frieden mit Strafmaßnahmen wurde vermieden.
Die amerikanische Nachkriegspolitik durchlief zwei Phasen.
Während
der bis Februar 1947 dauernden Phase

gründete sich diese Politik auf den
Versuch einer Fortsetzung des Kriegsbündnisses mit der Sowjetunion in
Friedenszeiten im Vertrauen darauf,
daß dieses Bündnis die Vereinten Nationen zu den ursprünglich für sie
bestimmten
Aufgaben
zurückzuführen
und dann im Vertrauen darauf, daß
Großbritannien sich wie vor dem Ersten Weltkrieg weiterhin mit den Einzelheiten
der Weltordnung
befassen
würde. Als sich beide Elemente dieses Ansatzes als nicht praktikabel
erwiesen, wurde die zweite Phase der
Nachkriegspolitik
eingeleitet.
Sie
forderte sehr viel mehr Initiative,
Verantwortungsbewußtsein
und
FUhrungskraft von den Vereinigten Staaten.
Im Rahmen dieser überarbeiteten
Politik wurde den Vereinigten Staaten
die Führungsrolle bei der Schaffung
einer neuen Weltordnung zugewiesen.
Diese Ordnung würde politische, wirtschaftliche und militärische Aspekte
umfassen.
Innerhalb dieser Ordnung
hätte jedes Volk und jede Nation einen angemessene Platz, einschließlich
der Sowjetunion und ihren Vasallen,
falls sie sich zur Zusammenarbeit
entschließen.
Sollten die Sowjetunion und ihre Satellitenstaaten jedoch
die Schaffung einer solchen Ordnung
bekämpfen, wäre es Aufgabe der Vereinigten Staaten, den von Aggression
bedrohten Staaten bei der Verteidigung dieser Ordnung Beistand zu leisten.
Bei der Schaffung des neuen Systems wurde der Versuch unternommen,
die entscheidenden Lektionen zu berücksichtigen, die zur Katastrophe
der beiden Weltkriege geführt hatten. Die besiegten ehemaligen Gegner
wurden erneut in die Staatengemeinschaft aufgenommen und erhielten die
Gelegenheit,
ihr
politisches
und
wirtschaftliches Potential voll und
ganz auszuschöpfen.
Die von dem amerikanischen Diplomaten George Kennan
vorgeschlagene
Containment-Politik wurde im Rahmen

- 3-

�eines allgemeinens Systems gemeinsamer Sicherheit auf der Grudlage der
Charta der Vereinten Nationen entwikkelt.
Und als offensichtlich wurde,
daß die Sowjetunion ihre Verpflichtungen gemäß der Charta weder einhalten noch durchführen würde, gründeten
die Vereinigten Staaten und die Mehrzahl der europäischen nichtkommunistischen
Nationen die Organisation
des Nordatlantikvertrags (NATO) zur
Bewahrung ihrer Sicherheit und zum
Aufbau einer militärischen Abschrekkung der sowjetischen Macht.
Dann wurde eine ernsthafte Rüstungskontrollpolitik entwickelt, die
darauf abzielte, mögliche Schwankungen im strukturellen Gefüge der Nuklearstreitkräfte auf der Welt zu beheben oder zu verhindern.
Gemeinsam mit den kontinuierlichen Bereitstellung und Modernisierung
der
Abschreckungsstreitkräfte
haben diese Maßnahmen zu dem beigetragen, was sehr leicht als radikale
Veränderung
des
sicherheitspolitischen Umfelds der Welt in die Geschichte eingehen könnte.
Noch sehr viele neue und schwierige Aufgaben sind zu bewältigen,
aber 50 Jahre später kann die Staatengemeinschaft stolz auf das Ausmaß
sein, in dem sie von den Fehlern und
Versäumnissen der beiden Weltkriege
gelernt hat und eine Wiederholung
wirksam verhindern.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
^TiaN ^

Wissenschaft und Technik

30. August 1989

17

LETZTE STATION: NEPTUN
- VOYAGER 2 seit zwölf Jahren Kundschafter im Sonnensystem
(AD) - "Die Sonde arbeitet bewundernswert. . .Sie tut genau das, was
wir ihr vorgegeben haben." Norman
Haynes,
Projektmanager
für
das
VOYAGER-Programm der NASA, fand sogar
am 24. August, dem Tag der größten
Annäherung und des Vorbeifluges der
amerikanischen
Forschungssonde
VOYAGER 2 am Planeten Neptun, Zeit
zum Gespräch mit Journalisten. Gespannt verfolgten alle Beobachter im
Jet Propulsion Laboratory (JPL - Pasadena, Kalifornien) den Ablauf der
Begegnung mit Neptun und, fünf Stunden später, mit dessen Mond Triton.
Das Doppel-Rendezvous war die letzte
Station und noch einma] ein Höhepunkt
der schon zwölf Jahre währenden Entdeckungsreise der Sonde zu den Großplaneten unseres Sonnensystems.
Am
20. August 1977 in Kap Canaveral ge-

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startet, hatte die Route zunächst zu
Jupiter (9.7.1979), weiter zu Saturn
(25.8.1981)
und
dann
zu
Uranus
(24.1.1986) geführt. Wie zuvor schon
VOYAGER 1, PIONEER 10 und PIONEER 11,
wird nun auch VOYAGER 2 das Sonnensystem verlassen.
Etwa sieben Milliarden Kilometer
hatte der Forschungsroboter seit seinem Start zurückgelegt, als er mit
nur 32 km Abweichung vom berechneten
Kurs in 4 860 km Abstand zur Wolkenobergrenze die Nordpolarregion des
Neptun passierte. Unter der vorausberechneten Einwirkung der Gravitationskraft
des
Planeten erfuhr er
gleichzeitig eine Kursänderung nach
Süden, die in den folgenden paar
Stunden die Beobachtung des Mondes
Triton aus ca. 39 800 km Entfernung

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�ermöglichte. Nie zuvor war die Sonde
einem Ziel ihrer Untersuchungen so
nahe gekommen. Verständlich, daß es
vor allem in der letzten Phase des
Anfluges für die Zeitplanung der
Funkbefehle auf Sekunden ankam - noch
dazu angesichts der Tatsache, daß die
Signale in einer Richtung vier Stunden und sechs Minuten benötigten und
somit bis zu einer Rückmeldung mehr
als acht Stunden vergingen.
Am frühen Morgen des 25. August
1989 verschwand VOYAGER 2 für über
eine Stunde hinter dem Neptun. Als
er aus dem Schatten des Planeten im
Süden wieder hervorkam, war die Erfassung seiner Funksignale während
ihres Durchgangs durch die Atmosphäre
samt den Veränderungen, die sie dabei
erfuhren, von besonderer Bedeutung.
Denn sie ergeben Hinweise auf die Zusammensetzung der Gashülle, in der
wegen der blaugrünen Färbung des im
Fernrohr nur undeutlich zu erkennenden Himmelskörpers u.a. Methan vermutet wird.
Nur wenige Funkmeßdaten wurden
sofort übermittelt. Die Masse ist,
ebenso wie die Daten zu den Programmpunkten "Ringsystem", "Tritonatmosphäre" sowie "Gravitationsfelder von
Neptun und Neptunmond Triton", auf
Band gespeichert, um erst in ein paar
Wochen abgerufen zu werden.
Wie
Prof. G. Leonard Tyler (Stanford-Universität), der Leiter dieser Teilprogramme im VOYAGER-Projekt, sagte,
werde die Ananlyse ohnehin Jahre in
Anspruch nehmen.
Daß auch Neptun ein Ringsystem
besitzt, brachten erst die zwei Tage
vor dem Rendezvous von VOYAGER 2 aufgenommenen Fotos an den Tag. Als erster wurde ein dünner, wohl aus
Staubteilchen bestehender geschlossener Ring in 27 300 km Abstand zur
Wolkenobergrenze entdeckt. Ein zweiter Ring könnte sich 10 000 km weiter
draußen befinden. Die Wissenschaftler sind sich noch nicht sicher, ob
auch er geschlossen ist, oder ob es
sich um mehrere Ringsegmente handelt.

Bisher war nämlich auf Grund ca.
10 Jahre zurückliegender Fernrohrbeobachtungen beim Durchgang des Neptun
vor einem Stern angenommen worden,
daß sich in seiner Umgebung Materieansammlungen nur in der Form von "Bögen", nicht aber in der Form vollständiger Ringe fänden. Einige solcher "Bögen von fünf bis acht Kilometern Breite sind auf Fotos aus den
letzten 12 Anflugtagen zu erkennen.
Die Segmente, die man möglicherweise
dem äußeren Ring zuordnen kann, finden sich in der Nachbarschaft des von
VOYAGER
2 entdeckten Neptunmondes
"1989 N 4" und enthalten neben Staub
und Eis Materiebrocken recht unterschiedlicher Größe. Der innere Ring
dagegen sei auffallen dunkel, erklärte Dr. Bradford A. Smith, Leiter des
Teams für die Bildauswertung. Er habe Ähnlichkeiten mit den dünnen,
schmalen Ringen, die VOYAGER 2 am
Uranus fand.
Insgesamt sechs neue Monde entdeckte man bisher auf den Nahfotos
vom Neptun. Der erste, "1989 N 1"
benannt, hat 420 km Durchmesser und
umkreist den Planeten 72 800 km von
seinem Zentrum entfernt. "1989 N 4"
zieht 21 000 km tiefer seine Bahn.
"1989 N 5" und "1989 N 6", die erst
auf Fotos der letzten Tage ausgemacht
wurden, sind mit 90 und 50 km Durchmesser recht kleine Körper ca 24 000
und 26 000 km außerhalb der Atmosphäre. Die Bahnen der neuen Trabanten
seien nahezu kreisförmig und ziemlich
regelmäßig, sagte ein Sprecher des
JPL. Da ihre Umlaufebene der Äquatorebene des Planeten entspricht,
dürften sie etwa zur gleichen Zeit
wie Neptun und in dessen Nähe entstanden sein.
Nicht so der Mond Triton.
Er
wurde 1846 entdeckt, also im gleichen
Jahr wie Neptun selbst. Die Wissenschaftler beschäftigt er schon seit
langem, weil er bei 355 000 km Abstand den Planeten rückläufig, d.h.
entgegen dessen Rotationsrichtung umkreist. Seine Bahn ist zum Neptunäquator um 20 Grad geneigt.
Mit
2 784 km Durchmesser ist der blau und

�rosa
schimmernde
Mond
kleiner,
gleichzeitig kälter und heller als
bislang vermutet. Er zeigt deutlich
jahreszeitliche Schwankungen und besitzt eine dünne Atmosphäre, die vermutlich aus Methan und Stickstoff besteht.
Dank VOYAGER 2 konnten die Wissenschaftler in Pasadena durch die
Atmosphäre auf die Oberfläche sehen.
Was sie dort ausmachten, ist geradezu
sensationell:
Gletscher, Felsformationen, Gebirgskämme, flache Krater
mit gefrorenen Rändern, Schnee - auf
der SUdhälfte vermutlich sogar Sumpfland. Aufgrund seiner ungewöhnlichen
Umlaufbahn wird seit langem vermutet,
daß Triton vor Jahrmilliarden in einer ganz anderen Region entstand.
Auf seiner kosmischen Wanderung könnte er mit einem Neptunmond kollidiert
und dann infolge der Massenanziehung
des Planeten von diesem "eingefangen"
worden sein. Sein Auftauchen im Trabantensystem des Neptun dürfte für
die Bahnen der anderen Monde erhebliche Störungen und Veränderungen bedeutet haben. So führen manche Wissenschaftler die stark elliptische
Bahn des Mondes Nereide (1949 entdeckt) mit Scheitelpunkten bei 1,4
Millionen und 9,65 Millionen Kilometern Abstand von Neptun auf dieses
Ereignis zurück. Nereide, ein Körper
von ca. 400 km Durchmesser, umkreist
Neptun in "normaler" Umlaufrichtung,
jedoch in einer Bahnebene mit 30 Grad
Neigung zu dessen Äquator.
Es wird angenommen, daß Triton
durch spätere Kollisionen mit Neptun-Trabanten deren Zahl innerhalb
eines bestimmten Höhenbereichs erheblich reduzierte.
Vermutlich haben
die Materieansammlungen in Neptunnähe
etwas damit zu tun. Die weitere Auswertung der Fotos - ca. 8 000 Aufnahmen wurden gemacht - dürfte noch manche neuen Erkenntnisse bringen.
Der vor fast drei Monaten entdeckte dunkle oder "Blaue Fleck" unterhalb des Neptun-Äquators ist eine
Turbulenzzone von der Ausdehnung des
Erddurchmessers.
Sie ist mit dem

"Roten Fleck" in der Jupiter-Atmosphäre vergleichbar.
Zum ersten Mal
waren jetzt Wissenschaftler auch in
der Lage, Wolkenschatten auf einem
anderen Planeten zu beobachten. Die
unerwarteten Schatten, so Dr. Bradford Smith, stammen von dünnen weißen
Wolken hoch in der Atmosphäre. Die
Region zwischen diesen und der tieferliegenden, ziemlich gleichmäßigen
Wolkendecke sei relativ klar. Eine
solche Struktur der Atmosphäre habe
man noch bei keinem Großplaneten gesehen. Im Auflicht der Sonne war in
der Südpolarregion sogar die Höhendifferenz zu bestimmen, die mit ca.
50 bis 75 km Zwischenraum zwischen
den dünnen cirrusähnlichen Wolken und
der tiefen Wolkenschicht ungewöhnlich
groß ist.
Wie Smith weiter berichtet, rasen
Windströmungen
mit
Überschallgeschwindigkeit um den Planeten. Sie
wurden vor allem nahe dem "Großen
dunklen Felck" beobachtet.
Dabei
scheinen die Scherkräfte so groß zu
sein, daß die Cirrus-Wolken, ähnlich
wie die Wolkenhaube eines Berges
"stillstehen", obgleich sie infolge
rascher Verdunstung fortlaufend durch
neue ersetzt werden. Der Wind blase
mit ca. 200 km pro Minute. Wegen
dieses Effekts sei es bislang nicht
möglich gewesen, die tatsächlichen
Strömungsund Rotationsgeschwindigkeiten am "Dunklen Fleck" in der Tiefe
der Atmosphäre zu ermitteln.
Die
strömungsaktive
Atmosphäre
überrascht die Forscher umso mehr,
als Neptun in 4,5 Milliarden Kilometern Entfernung von der Sonne nur ein
Tausendstel
der
Sonnenenergiemenge
der Erde erhält.
Offenbar besitzt
der Planet eine noch unbekannte innere Wärmequelle.
Auch registrierte
VOYAGER 2 intensive Emissionen von
Radiostrahlung des Neptun. Sie lassen die Existenz eines Magnetfeldes
ähnlich dem der Erde, vielleicht in
Verbindung mit dem Auftreten von Polarlichtern, vermuten. Solche Felder
entstehen durch die Bewegung flüssiger Massen im Planetenkern.
Auch
Merkur, Jupiter, Saturn und Uranus

- 3 -

�besitzen ein Magnetfeld, Venus und
Mars dagegen nicht. Da das Magnetfeld mit dem Planeten rotiert, dürfte
anhand der Maßdaten jetzt auch die z.
Zt. mit 17 bis 18 Stunden angenommene
Rotationsgeschwindigkeit des Neptun
genauer bestimmt werden können.

grammieren
bestimmter
Bordsysteme
auszuschalten bzw. zu kompensieren.
So haben nicht nur die Forscher, sondern auch die Raumfahrtingenieure aus
dieser "Großen Planetentour" viel gelernt.

Die Wissenschaftler nehmen an,
daß Neptun aus einer inneren Schicht
von Gestein und Eis und einer oberen
Schicht besteht, in der sich vor allem Wasserstoff und Helium finden.
Die Atmosphäre dürfte Wasserstoff und
Methan, vielleicht auch geringe Mengen Stickstoff enthalten. über ihre
Dichte sollen die Radiosignale von
VOYAGER 2 beim Austritt aus dem Neptunschatten Auskunft geben. übrigens
fand die Sonde kurz vor dem Rendezvous neben einer dunklen "Manschette"
um die Südpolregion ein weiteres, im
Vergleich zum "Großen Fleck" jedoch
kleineres Turbulenzzentrum auf der
SUdhalbkugel.
Der äußerste Planet, Pluto, blieb
für VOYAGER außer Sichtweite. Auf
seinem Weg um die Sonne, der für einen Umlauf 247 Jahre in Anspruch
nimmt (Neptun: 165 Jahre), befindet
er sich jetzt in einer weit entfernten Position innerhalb der Neptunbahn. VOYAGER 2 wird sicherlich noch
geraume Zeit Signale senden. Seine
drei thermoelektrischen Generatoren,
die Ihre Energie aus dem natürlichen
radioaktiven Zerfall von Plutonium
238 beziehen, könnten sogar noch 30
Jahre lang arbeiten. Jedoch wird die
Datenaufnahme nicht zuletzt aus Kostengründen reduziert werden.
Nach
Abschluß des Neptun-Projektes wird
das VOYAGER 2 Meßprogramm unter der
Bezeichnung
"VOYAGER
Interstellar
Mission" weitergeführt.
Zwar begannen die Kameras und
manche Sensoren nach zwölf Jahren im
Weltraum gewisse Alterserscheinungen
zu zeigen.
Dennoch blieben ihre
Funktionen erstaunlich gut, wie die
bisherige wissenschaftliche Ausbeute
zeigt. Im Laufe der Jahre aufgetretene
Schwierigkeiten
verschiedener
Ursache versuchte man durch Umpro- 4 -

* * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bushs Glückwünsche an den neuen polnischen Premierminister&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten zu Polen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zwei Weltkriege und ihre Lehren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Paul H. Nitze&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Letzte Station: Neptun&lt;br /&gt;&lt;em&gt;VOYAGER 2 seit zwölf Jahren Kundschafter im Sonnensystem &lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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