<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<itemContainer xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/browse?output=omeka-xml&amp;page=173" accessDate="2026-11-05T00:55:06+00:00">
  <miscellaneousContainer>
    <pagination>
      <pageNumber>173</pageNumber>
      <perPage>10</perPage>
      <totalResults>2223</totalResults>
    </pagination>
  </miscellaneousContainer>
  <item itemId="1845" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1856">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/0b93b47ec5d0e58af1b611342ad10376.pdf</src>
        <authentication>1ace71da077f02540c0f7608bffb0f7f</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="9318">
                    <text>rl

^^^^^

WA

*

• •

•

^^r^^^^^^^H

^^^^B

inroimocion

kl
•

•

riiTjj

n

DI ElNSTJ

^^r^^^^B

Dekumenlcilien

United States Information Service
Embassy of the United States of America
1. Februar 1984

INHALT

DOKUMENTATION
Präsident Reagans Botschaft über die Lage der Nation
- 25. Januar 1984 Reagan gibt Kandidatur für nächste Präsidentschaftswahlen bekannt
- Wortlaut der Erklärung -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Anpassungsprozesse für Anwendung von Kernenergie
- USA stellen sich auf weiteren Ausbau der Atomkraft ein
Radioteleskop für Submillimeter-Bereich

Um Uber/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2035
Telex: 8-85432

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

1. Februar 1984

PRÄSIDENT REAGANS BOTSCHAFT ÜBER DIE LAGE DER NATION
- 25. Januar 1984 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 25. Januar 1984 vor
beiden Häusern des amerikanischen Kongresses seine in der Verfassung vorgeschriebene Botschaft über die Lage der Nation - State of the Union Message verlesen. In der von allen Fernsehstationen in den Vereinigten Staaten übertragenen Botschaft zeichnete der Präsident wirtschafts- und innenpolitisch ein
positives Bild. In dem außenpolitischen Teil seiner Botschaft forderte Reagan
die Amerikaner auf, seine "Tagesordnung des Friedens" und seine Bemühungen zu
unterstützen, eine stabilere Grundlage für friedliche Beziehungen zur Sowjetunion zu schaffen. Stichworte der Außenpolitik sind Stärkung der Bündnisbeziehungen, nukleare Abrüstung, weltweite Friedensbemühungen, Entwicklungshilfe und Stärkung demokratischer Institutionen. Der Präsident gab ferner bekannt, daß er die amerikanische Weltraumbehörde mit der Entwicklung einer bemannten Raumstation beauftragt habe, an der sich auch andere Länder beteiligen könnten.

Die diesjährige Botschaft des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
In Übereinstimmung

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�In Übereinstimmung mit einer alten Tradition bin ich wieder zu Ihnen
gekommen, um über die Lage der Nation zu berichten.

Ich freue mich, Ihnen

mitteilen zu können, daß sich die Lage Amerikas stark verbessert hat und guter Grund zu der Annahme besteht, daß diese Besserung in der nächsten Zeit
anhalten wird.
Sie und ich hatten im vergangenen Jahr einige ehrliche und offene Meinungsverschiedenheiten.

Aber diese haben uns nicht daran gehindert, uns in

überparteilicher Zusammenarbeit die Hand zu reichen, um einen langen Niedergang aufzuhalten, der den Geist unserer Nation ausgeblutet und ihren Wohlstand
ausgehöhlt hat. überall im Land herrschen wieder Energie und Optimismus. Amerika ist wieder da - fest auf seinen Beinen, und es sieht mit Mut, Vertrauen
und Hoffnung in die achtziger Jahre.
Die Probleme, die wir jetzt überwinden, sind nicht das Erbe einer Person, Partei oder gar Generation.

Eine Regierung hat die Tendenz, zu wachsen,

und Praktiken und Programme neigen dazu, dem nahezukommen, was wir als ewiges
Leben auf Erden bezeichnen könnten.
Stimmen, die rufen:
das Volk tun."

Es gibt immer den Chor der wohlmeinenden

"Mit etwas mehr Macht und Geld könnten wir so viel für

Eine Zeitlang haben wir vergessen, daß der amerikanische Traum

nicht darin besteht, die Regierung größer zu machen, sondern darin, den Glauben an den starken Geist freier Menschen unter Gott zu erhalten.
Als wir in die achtziger Jahre eintraten, standen wir vor der schlimmsten
Krise unserer Nachkriegsgeschichte. Die siebziger Jahre waren Jahre wachsender
Probleme und schwindenden Vertrauens. Es herrschte das Gefühl, daß die Regierung über den Konsens der Regierten hinausgegangen war. Familien fühlten sich
angesichts wachsender Inflation und schmählicher Steuern schwach, die den Ertrag harter Arbeit, harten Fleißes und großer Risikofreudigkeit schmälerten,
über all das legte sich ein ständig dichter werdendes Netz von Verordnungen
und Bestimmungen.
Auf dem

�Auf dem internationalen Felde hatten wir das unangenehme Gefühl, daß
wir die Achtung von Freund und Feind verloren hatten.

Es gab Leute, die zwei-

felten, ob wir den Willen hätten, Frieden und Freiheit zu verteidigen.

Aber Amerika ist zu groß für kleinmütige Träume.
Hunger nach geistiger Erneuerung;
der Erneuerung.

Im Land herrschte ein

es war, wenn Sie so wollen, ein Kreuzzug

Das amerikanische Volk sagte sich:

Laßt uns mit Vertrauen

in die Zukunft blicken - sowohl im eigenen Lande als auch draußen.

Wir wollen

der Freiheit eine Chance geben.
Die Amerikaner waren bereit, einen neuen Anfang zu machen; und zusammen
haben wir ihn gemacht.

Wir gehen unsere Probleme eines nach dem anderen an.

Heute herrscht für Millionen junger Familien und ältere Bürger, die von unfairen Steuererhöhungen und erdrückender Inflation befreit sind, wieder Hoffnung.

Die Inflation ist von 12,4 Prozent auf 3,2 Prozent zurückgegangen; und

das ist ein großer Sieg für alle Bürger.

Die Primarate (zu vergleichen mit

dem Leitzins; Anm. der Redaktion) ist fast auf die Hälfte gesenkt worden, und
wir müssen zusammenarbeiten, um sie noch weiter zu senken.

Zusammen haben wir die erste allgemeine Steuersenkung für jedermann
seit den Steuersenkungen der Kennedy-Administration verabschiedet.

Im kommen-

den Jahr werden die Steuersätze indexiert werden, damit die Inflation den
Steuerzahler nicht in höhere Sätze bringen kann, wenn die Lebenshaltungskosten
steigen.

Die Regierung darf nie wieder die Inflation benutzen, um auf Kosten

der Steuerzahler Gewinne zu machen.

Heute hat eine arbeitende Familie, die jährlich 25 000 Dollar verdient,
1100 Dollar mehr Kaufkraft als sie hätte, wenn die Inflationsrate und die
Steuersätze noch auf dem Stand von 1980 wären.

Das Realeinkommen nach Steuern

ist im vorigen Jahr um fünf Prozent gestiegen.

Die Entlassung von Schlüssel-

industrien wie etwa des Transportgewerbes, aus der Zwangswirtschaft hat dem
Verbraucher ein breiteres Angebot und dem Unternehmer neue Chancen beschert,
während gleichzeitig die Kosten niedrig und die Sicherheit hochgehalten wurden.
Heute abend
- 3 -

�Heute abend können wir über einen Wiederaufschwung berichten, wie es
ihn seit Jahrzehnten nicht mehr gab,und wir dürfen stolz darauf sein.
die Jammerer und ungläubigen Thomasse nach Hause!

Schickt

Paare, die von einem eigenen

Haus träumen, und risikofreudige Menschen mit Weitblick, die die Chancen von
morgen schaffen, haben wieder Hoffnungc
Der Unternehmergeist entzündet sich in den aufstrebenden Industriezweigen der modernen Technologien und bei den kleinen Geschäftsleuten mit großen
Ideen - Menschen wie Barbara Proctor, die aus einer Hütte in einem Ghetto kam
und in Chicago eine Multimillion-Dollar-Werbefirma aufbaute; oder Carlos Perez,
ein Flüchtling aus Kuba, der 27 Dollar und einen Traum in eine erfolgreiche
Importfirma in Coral Cables in Florida verwandelte.
Menschen wie diese sind die Helden der achtziger Jahre, Sie haben dazu beigetragen, daß im Jahr 1983 rund vier Millionen Amerikaner einen Arbeitsplatz fanden»
vor.

Heute haben mehr Menschen ein festes Einkommen als jemals zu-

Der Fortschritt kommt jedem zugute.

Im Jahr 1983 besetzten Frauen 73

Prozent aller neuen Arbeitsplätze im Management, in den freien Berufen und
in der Technik.
Aber wir wissen auch, daß viele unserer Landsleute noch immer keine Arbeit haben und sich fragen, was aus ihren Hoffnungen und Träumen werden soll.
Können wir Amerika lieben, ohne ihnen die Hand zu reichen und ihnen zuzurufen:
Ihr seid nicht vergessen. Wir werden nicht ruhen, ehe nicht jeder von euch
so hoch aufsteigen kann, wie es euch eure gottgegebenen Talente ermöglichen.
Das Herz Amerikas ist stark, gut und treu. Die Zyniker hatten unrecht
- Amerika war nie eine kranke Gesellschaft. Wir erleben, wie sich die Menschen
wieder den fundamentalen Werten von Glauben, Familie, Nachbarschaft, Frieden
und Freiheit zuwenden - Werten, die uns zu einem Volk vereinen können vom
kleinsten Kind bis zum ältesten Mitbürger.
Der Kongreß verdient den Dank Amerikas, weil er uns geholfen hat, unseren
Soldaten Stolz und Glaubwürdigkeit wiederzugeben. Ich hoffe, Sie sind ebenso
- 4 -

�sind ebenso stolz wie ich auf die jungen Männer und Frauen in Uniform, die
sich freiwillig gemeldet haben, um den Schutzwall der Freiheit zu besetzen,
und deren Hingabe, Mut und Können unsere Chance, in einer Welt in Frieden zu
leben, so sehr vergrößert haben.
Oberall hungern die Menschen nach Frieden und einem besseren Leben.
Die Woge der Zukunft ist eine Woge der Freiheit, und unser Kampf um Demokratie
kann und wird nicht umsonst sein.

Unsere Nation tritt für einen Frieden ein,

dessen heilige Güter Freiheit, demokratische Rechte und die Würde des Einzel menschen sind.

Die neue Stärke, das neue Vertrauen und das neue Zielbewußt-

sein Amerikas tragen Hoffnung und Erwartung an ferne Küsten.
weiter wirtschaftlicher Wiederaufschwung eingesetzt.

Es hat ein welt-

Er ging von uns aus.

Wir haben es weit gebracht, aber wir haben einen noch weiteren Weg vor
uns.

Franklin D. Roosevelt hat uns auf den Monat genau vor 50 Jahren gesagt:

"Die Zivilisation kann nicht rückwärts gehen.
stehen bleiben.

Die Zivilisation darf nicht

Wir haben neue Methoden angewandt.

Es ist unsere Aufgabe,

die Dinge zu vervollkommnen, zu verbessern und wenn notwendig zu ändern, aber
wir müssen auf jeden Fall vorwärts schreiten."

Der nächste Schritt der Freiheit:

Vier große Ziele

Es ist jetzt wieder an der Zeit, vorwärts zu schreiten; es ist an der
Zeit, daß Amerika den nächsten Schritt der Freiheit tut. Laßt uns heute
abend hinter vier großen Zielen zusammenstehen, um Amerika in den achtziger
Jahren frei, sicher und in Frieden zu erhalten.

Zusammen

- können wir ein stetiges Wirtschaftswachstum gewährleisten;
- können wir auf Amerikas nächstes Ziel zugehen;
- können wir

�- können wir unsere traditionellen Werte stärken; und
- können wir echten Frieden schaffen - um unsere Liebsten zu schützen
und diesen strahlenden Stern des Glaubens, der Millionen aus der Tyrannei in den sicheren Hort der Freiheit, des Fortschritts und der Hoffnung geführt hat.

1.

Gewährleistung eines stetigen Wirtschaftswachstums
Wenn wir all das tun, dann werden wir den Chancen Tür und Tor öffnen

und allen größere Sicherheit bieten - ohne Schranken der Bigotterie oder der
Diskriminierung.

Der Schlüssel zu einem dynamischen Jahrzehnt ist starkes

wirtschaftliches Wachstum - unser erstes großes Ziel.

Wir könnten sehr wohl

mit gesundem Menschenverstand beim Bundeshaushalt anfangen:

Die Regierung

gibt nicht mehr aus,als sie einnimmt.
Wir müssen das Defizit im Bundeshaushalt senken, aber wie wir das tun,
darauf kommt es an. Wir können damit beginnen, daß wir den Umfang und den
Aufgabenbereich der Regierung verringern. Unter der Führung von Vizepräsident Bush haben wir das Anwachsen der Bundesverordnungen um über 25 Prozent
verringert und weit über 300 Millionen Arbeitsstunden pro Jahr eingespart,
die durch amtlichen Papierkrieg verursacht wurden. Dadurch spart die Öffentlichkeit in den nächsten zehn Jahren über 150 Millionen Dollar ein.
Die Grace-Kommission hat uns etwa 2500 Empfehlungen für die Einsparung
unnötiger Ausgaben vorgelegt, und sie werden jetzt im ganzen Regierungsapparat
geprüft.

Der Zuwachs der Bundesausgaben wurde von 17,4 Prozent im Jahr 1980

auf heute weniger als die Hälfte gesenkt.

Wir haben für diesen Zeitraum 1982-

86 bereits Einsparungen im Haushalt von 300 Milliarden Dollar erreicht.

Aber

das ist nur etwas mehr als die Hälfte dessen, was wir angestrebt haben.

Die

Regierung gibt noch immer einen zu großen Prozentsatz der Gesamtwirtschaft
aus.
Es gibt

�Es gibt Leute, die darauf beharren, alle weiteren Haushaltseinsparungen
müßten durch eine Kürzung des Verteidigungshaushalts erreicht werden.

Dabei

wird jedoch die Tatsache außer acht gelassen, daß die nationale Verteidigung
allein in den Aufgabenbereich der Bundesregierung fällt.
aufgabe-

Es ist. ihre Haupt-

und doch machen die Verteidigungsausgaben weniger als ein Drittel des

Gesamthaushaltes aus. Während der Amtsjahre von Präsident Kennedy und davor
beliefen sich die Verteidigungsausgaben auf fast die Hälfte des Gesamthaushaltes.

Dann kamen einige Jahre, in denen man zuließ, daß sich unsere militärische

Kapazität in gefährlichem Maße verschlechterte.

Wir sind gerade dabei, durch

entscheidende Modernisierungen unserer konventionellen und nuklearen Streitkräfte unsere Kapazität

wiederherzustellen, um unsere derzeitigen und künftigen

Sicherheitserfordernisse erfüllen zu können. Wir dürfen es nicht wagen, unsere
Verantwortung dafür abzuschütteln, Amerika sicher, frei und in Frieden zu erhalten.
Im letzten Jahrzehnt haben wir erlebt, daß die Sozialausgaben im wahrsten
Sinne des Wortes außer Kontrolle gerieten. Aber der Boden für solche Ausgaben
wurde in den Jahren davor bereitet.
Muster der übermäßigen Ausgaben.

Seit einem halben Jahrhundert gibt es ein

In dem Maße, in dem die Staatsschuld wuchs,

wurden wir beruhigt, wir sollten uns keine Sorgen machen, da wir das Geld doch
uns selbst schuldeten.
Heute wissen '.vir, daß Defizite ein Grund zur Sorge sind.

Aber es herrscht

Meinungsverschiedenheit darüber, ob die Steuern erhöht, die Ausgaben gesenkt
oder etwas von beidem versucht werden sollten.

Es wird die Befürchtung geäußert,

daß die Schuldenaufnähme des Bundes zur Finanzierung des Defizits den wirtschaftlichen Aufschwung hemmen könnte, indem Kapital abgezogen wird, das für
die wirtschaftliche und industrielle Expansion gebraucht wird.

Ich meine, die-

se Debatte läßt einen wichtigen Punkt außer acht. Ob die Regierung Geld borgt
oder Steuern erhöht, sie entzieht dem Privatsektor den gleichen Betrag an Geld
- und das ist so oder so zu viel.

Das einfache Gebot der Fairness verlangt von

der Regierung, daß sie nicht die Steuern erhöht für Familien, die kämpfen müssen, um ihre Rechnungen zu bezahlen.

Die Wurzel des Problems liegt darin, daß

- 7 -

�darin, daß der Anteil der Regierung am Ganzen größer ist, als wir es uns
leisten können, wenn wir eine gesunde Wirtschaft wollen.
Um ein weiteres Wirtschaftswachstum sicherzustellen, müssen wir die Defizite senken.

In dem Haushaltvoranschlag, den ich am 1. Februar vorlegen

werde, werde ich Maßnahmen empfehlen, durch die das Defizit im Lauf der nächsten fünf Jahre verringert werden wird.

Viele dieser Maßnahmen sind im vo-

rigen Haushaltsjahr nicht zum Abschluß gekommen.

Manche könnten rasch verab-

schiedet werden, wenn wir uns in einer gemeinsamen Anstrengung dazu entschließen könnten.

Ich habe heute mit dem Sprecher des Repräsentantenhauses, O'Neill,

und dem Fraktionsführer der Mehrheit im Senat, Baker, gesprochen.

Ich habe sie

gefragt, ob sie Vertreter benennen könnten, um sich mit Vertretern der Administration zusammenzusetzen in dem Versuch, rasch zu einer Übereinkunft hinsichtlich eines überparteilichen Plans zur Verringerung des Haushaltsdefizits
zu gelangen.

Ich weiß, daß es einen ziemlich langen und harten Kampf geben

würde, um zu einer Übereinstimmung über einen umfassenden Plan zu kommen.
Deshalb habe ich vorgeschlagen, zunächst einmal herauszufinden, ob wir Übereinstimmung über einen ersten Teilbetrag erreichen können.
Ich glaube, es gibt eine Grundlage für ein solches Übereinkommen, durch
welche das Defizit im Verlauf der nächsten drei Jahre um 100 Milliarden Dollar
verringert werden könnte. Wir könnten uns dabei auf die weniger strittigen
Ausgabenverringerungen konzentrieren, die noch beim Kongreß anstehen. Dies
könnte mit Maßnahmen kombiniert werden, bestimmte Möglichkeiten der Steuerflucht zu beseitigen - Maßnahmen, von denen das Finanzministerium kürzlich erklärte, sie seien der Unterstützung wert. Außerdem könnten wir die Möglichkeit untersuchen, zu weiteren Ausgabeneinsparungen zu gelangen, die sich auf
die Bemühungen der Grace-Kommission gründen.
Wenn Sprecher und Mehrheitsführer hierzu gewillt sind, wären meine Vertreter bereit, sich mit den ihrigen zum frühestmöglichen Zeitpunkt zusammenzusetzen.

Ich hoffe, daß die Führung einem beschleunigten Zeitplan zustimmt,

innerhalb dessen ein solcher erster Teilbetrag erarbeitet und abgetragen werden
kann.
Allerdings ist
_

8

-

�Allerdings ist ein solcher erster Teilbetrag allein nicht ausreichend,
um dieses Problem der Defizite zu lösen.

Er könnte uns zwar dabei helfen,

auf den rechten Weg zu kommen; aber es muß noch mehr geschehen.

Daher schla-

ge ich vor, mit einer Untersuchung zu beginnen, wie wir zusammen zu strukturellen Reformen kommen können, um den im System liegenden Ausgabenzuwachs zu
beschneiden.
Außerdem schlage ich Verbesserungen beim Prozeß des Haushaltsentwurfes
vor.

Rund 43 unserer 50 Bundesstaaten geben ihren Gouverneuren das Recht,

bei einzelnen Punkten der Bewilligungsgesetze ihr Veto einzulegen, ohne das
Gesetz in seiner Gänze abzulehne . Kalifornien etwa gehört zu diesen 43 Staaten.

Als Gouverneur hatte ich den Eindruck, diese Art von Veto sei ein kraft-

volles Werkzeug gegenüber verschwenderischen und extravaganten Ausgaben.

Da

es in 43 Bundesstaaten funktioniert, sollten wir es auch in Washington D.C.
für das ganze Land anwenden.
Am wirksamsten wäre es, wenn man dies auf dem Wege eines Verfassungszusatzes täte.

Die Mehrheit aller Amerikaner ist für einen solchen Verfas-

sungszusatz, genau wie sie und ich für

einen solchen Zusatz sind, der einen

ausgegebenen Bundeshaushalt zur Pflicht macht. Auch hier haben viele Bundesstaaten eine solche Schutzklausel in ihren Verfassungen.
Wollte man die jetzige Situation dadurch verbessern, daß man die Steuern erhöht, dann wäre dies nur ein Notpflaster, das die Krankheit nicht heilen würde, an der wir nun schon seit einem halben Jahrhundert leiden - ganz
zu schweigen von der Tatsache, daß es eine echte Bedrohung des wirtschaftlichen Wiederaufsci ungs bedeuten würde.

Vergessen wir nicht, daß derzeit

in der sogenannten "Untergrund-Wirtschaft" ein beträchtlicher Betrag an Lohnund Einkommenssteuern von Leuten aussteht, die diese nicht bezahlen.

Es wäre

also unmoralisch,jene zu höheren Zahlungen zu zwingen, die ohnehin ihre Steuern bezahlen, um dadurch einen Ausgleich für jene zu schaffen, die ihren Anteil nicht bezahlen.
Es gibt

- 9 -

�Es gibt einen besseren Weg:

Laßt uns eine historische Reform im Sinne

der Fairness, Vereinfachung und des Wachstumsanreizes durchführen.

Ich er-

suche Finanzminister Don Regan, einen Aktionsplan zu erstellen, um das gesamte Steuersystem zu vereinfachen, damit alle Steuerzahler - die großen wie die
kleinen - gerechter behandelt werden.

Ich bin davon überzeugt, daß ein sol-

cher Plan die "Untergrund-Wirtschaft" ans Licht der Steuerehrlichkeit bringen
und die Steuerbasis breiter würde, wodurch die Steuersätze für den einzelnen
niedriger würden statt zu steigen.

Ich habe darum ersucht, daß mir bis zum

Dezember 1984 die entsprechend konkreten Empfehlungen vorgelegt werden, die
mit diesen Zielsetzungen in Einklang stehen.

2. Das zweite große Ziel Amerikas
Unser zweites großes Ziel besteht darin, auf Amerikas Pioniergeist aufzubauen und unseren nächsten Bereich zu erobern. Eine vitale Wirtschaft fördert Initiative und Einfallsreichtum zur Entwicklung neuer aufstrebender Industrien und zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit von älteren.
Dies gilt nirgends mehr als für unseren nächsten Bereich: den Weltraum.
Nirgendwo sonst demonstrieren wir so wirkungsvoll unsere technologische Führungsrolle und Fähigkeit, das Leben auf der Erde zu verbessern. Das Weltraumzeitalter ist kaum ein Viertel Jahrhundert alt, und schon haben wir die Zivilisation mit unseren Fortschritten in Wissenschaft und Technik um ein großes
Stück vorangebracht. Die Möglichkeiten und die Arbeitsplätze werden sich vervielfältigen, während wir neue Schwellen des Wissens überschreiten und tiefer
in das Unbekannte eindringen.
Unser Fortschritt im All - Riesenschritte für die gesamte Menschheit ist ein Tribut an amerikanische Teamarbeit und Leistung. Die besten Köpfe
in Regierung, Industrie und Wissenschaft haben hierbei an einem Strang gezogen
und wir können mit Stolz sagen: Wir sind die ersten, wir sind die besten,
und wir sind es, weil wir frei sind.
Amerika ist
- 10 -

�Amerika ist immer dann am größten gewesen, wenn wir den Mut hatten,
Größe zu zeigen.

Jetzt können wir uns wieder um solche Größe bemühen.

Wir

können unseren Träumen nach weit entfernten Sternen folgen, können im Weltraum zu friedlichem, wirtschaftlichem und wissenschaftlichem Nutzen leben
und arbeiten.

Heute abend werde ich die Weltraumbehörde NASA anweisen, in-

nerhalb eines Jahrzehnts eine ständig bemannte Raumstation zu entwickeln.
Eine Raumstation wird uns in der Wissenschaft, bei den Kommunikationstechniken, bei Metallen und lebensrettenden Medikamenten, die nur im All hergestellt werden können, um Quantensprünge voranbringen.

Wir möchten, daß un-

sere Freunde sich mit uns diesen Herausforderungen stellen und am Nutzen teilhaben.

Die NASA wird andere Länder zur Teilnahme einladen, damit wir den

Frieden stärke:., Wohlstand schaffen und die Freiheit für all jene vergrößern
können, die unsere Ziel Vorstellungen teilen.
Genau wie die Ozeane für die schnellen Segler und die Handelsschiffe
der Yankees eine neue Welt eröffneten, so bietet heute der Weltraum für den
Handel ein gewaltiges Potential.

Der Markt für Raumtransport könnte unsere

Fähigkeit zu seiner Entwicklung übertreffen.

Unternehmen, düe interessiert

sind, Nutzlasten in den Weltraum zu bringen, müssen ungehinderten Zugang zu
Abschußeinrichtungen für den Privatsektor haben.

Das

Verkehrsministerium

wird den Herstellern abschreibbarer Startgeräte dabei behilflich sein, eine
solche Industrie zu entwickeln.

Wir werden demnächst eine Reihe von Regie-

rungsinitiativen ergreifen und Vorschläge entwickeln, um einschränkende Bestimmungen und Vorschriften abzubauen und mit Hilfe der NASA die Investitionen
des privaten Sektors in der Raumfahrt zu fördern.

Schutz unserer natürlichen Umwelt
Während wir in das Weltall vorstoßen, dürfen wir nicht unsere Verantwortung vergessen, unsere älteren Ressourcen hier auf der Erde zu bewahren.
Der Schutz unserer Umwelt ist keine liberale oder konservative Aufgabe - der

- 11 -

�Aufgabe - der gesunde Menschenverstand fordert ihn.
Obgleich dies eine Zeit knapper Haushalte ist, habe ich für das Umweltschutzamt den höchsten prozentualen Haushaltszuwachs aller Behörden gefordert.
Wir werden mit der langen, aber notwendigen Arbeit beginnen, eine Region zu
säubern, die für Produktion und Erholung ebenso bedeutsam ist wie als ganz
besonderer nationaler Lebensraum - die Chesapeake Bay.
Um die Bedrohung durch aufgegebene Giftmülldeponien zu verringern, wird
das Umweltschutzamt in diesem Jahr 410 Millionen Dollar aufwenden, und ich
werde eine zusätzliche Erhöhung von 50 Millionen Dollar anfordern.

Und da

das "Superfonds"-Gesetz 1985 ausläuft, habe ich Bill Ruckeishaus ersucht, einen Vorschlag zu dessen Verlängerung auszuarbeiten, damit wir zusätzliche Zeit
gewinnen, um diese wichtige Aufgabe zu beenden.
Hinsichtlich der Frage des sauren Regens, der den Menschen in vielen
Bereichen der Vereinigten Staaten und Kanadas Sorge bereitet, schlage ich
ein Forschungsprogramm vor, das doppelt so viele Mittel wie bisher erhalten
soll.

Außerdem werden wir weitere Maßnahmen ergreifen, um unsere Seen wieder

zu klären und neue Technologien zu entwickeln, um die Verschmutzung zu verringern, die den sauren Regen hervorruft.
Wir haben in letzter Zeit bereits den Zustand unserer natürlichen Umwelt verbessert. Wir werden den Kongreß um 157 Millionen Dollar ersuchen,
um damit ab 1985 neues Land für Parks und Naturschutzgebiete zu erwerben.
Das Innenministerium wird zu sorgfältiger, ausgewählter Exploration und Nutzung unserer lebenswichtigen Ressourcen in einer Wirtschaftszone innerhalb
der 200-Meilen-Zone entlang unserer Küsten ermutigen - aber unter strikter Einhaltung der Umveltschutzgesetze und stärkerer staatlicher und öffentlicher
Beteiligung.

3. Die Stärkung

- 12 -

�3. Die Stärkung traditioneller Werte
Die wertvollsten Ressourcen, unsere größte Hoffnung für die Zukunft
sind Geist und Herz unserer Menschen - insbesondere unserer Kinder. Wir können ihnen dabei behilflich sein, diese Zukunft zu gestalten, wenn wir unsere
gemeinsamen Werte stärken.

Dies muß unser drittes Ziel sein.

Für uns sind

Glaube, Familie, Arbeit, Nachbarschaft, Freiheit und Frieden nicht nur Worte.
Sie sind Ausdruck dessen, was Amerika bedeutet, Definitionen dessen, was uns
zu guten und liebenden Menschen macht.
Die Familie steht im Mittelpunkt unserer Gesellschaft.

Und jede Familie

hat ein ureigenstes Bestreben, für die bestmögliche Ausbildung zu sorgen.
Aber Qualität beginnt nicht hier in Washington.

Ein 600prozentiger Anstieg

der Bundesausgaben für Ausbildung und Erziehung zwischen 1960 und 1980 war begleitet von einem ständigen Rückgang der Lernergebnisse.

Qualität muß in un-

seren Familien und Grundschulen beginnen, wo sie in der Verantwortung aller
Eltern und Erzieher liegt und das Recht eines jeden Kindes ist.
Unsere Kinder sind das Wichtigste.

Deshalb habe ich eine überpartei-

liche nationale Kommission für Ausbildungsqualität eingesetzt, damit sie uns
für eine bessere Ausbildung einen Kurs des gesunden Menschenverstandes absteckt.

Schon greifen die Gemeinden die Empfehlungen der Kommission auf.

Die Schulen berichten von Fortschritten in Mathematik und Lesen.

Aber wir

müssen mehr tun, um die Disziplin in unseren Schulen wiederherzustellen;
und wir müssen dazu ermutigen, daß neues Grundlagenwissen unterrichtet wird,
gute Lehrer belohnt, strengere Maßstäbe angelegt werden und unsere Eltern
wieder die Verantwortung übernehmen.
Ich werde auch weiterhin auf Steuerfreibeträge für Privatunterricht
dringen, um dadurch die Möglichkeiten für Familien zu vergrößern und die finanzielle Last zu lindern, die sich für jene ergibt, die sowohl für die Schule
als auch für Privatunterricht bezahlen müssen.

Unser Vorschlag würde die

Hilfe auf Familien mit geringem und mittlerem Einkommen ausrichten.

- 13 -

Und so

�Und so wie mehr Anreiz innerhalb unserer Schulen nötig ist, so ist auch mehr
Wettbewerb zwischen unseren Schulen notwendig.

Ohne Maßstäbe und Wettbewerb

kann es keine Höchstleistungen geben, keine neuen Rekorde, keine Qualität weder in der Erziehung noch in irgendeinem anderen Bereich des Lebens.
Und weil ich gerade bei diesem Thema bin:

Jeden Tag befolgen Ihre

Mitglieder eine 200 Jahre alte Tradition, die kundtun soll, daß Amerika eine
Nation unter Gott ist.

Ich muß da doch fragen:

Wenn Sie Ihren Tag mit einem

Geistlichen beginnen, der hier steht, um mit Ihnen zu beten - warum kann dann
nicht wieder jedes Kind in jedem Klassenzimmer in diesem Lande sich der Freiheit erfreuen, Gott zu preisen?
Amerika wurde von Menschen gegründet, die daran glaubten, daß Gott der
Fels ihrer Sicherheit war.

Er ist auch unser Fels.

Ich weiß, daß wir vor-

sichtig sein müssen, zu behaupten, Gott sei auf unserer Seite. Aber ich halte
es für durchaus richtig, wenn wir uns stets fragen, ob wir auf seiner Seite
sind.
Während der ersten drei Jahre unserer Amtszeit haben wir uns den überparteilichen Anstrengungen angeschlossen, das Gesetz zum Schutz ungeborenen
Lebens wieder zu stärken. Ich weiß, daß dieses Thema sehr umstritten ist.
Aber solange nicht bewiesen werden kann, daß ein ungeborenes Kind kein lebendes Wesen ist: Können wir dann ohne Beweis die Annahme rechtfertigen, es sei
keines? Niemand hat bislang einen solchen Beweis erbracht. Ja, alle Beweise
gehen in die andere Richtung. Wir sollten uns über Bitterkeit und Vorwürfe
erheben. Und wenn wir Amerikaner in einem Geist des Verstehens und der gegenseitigen Hilfe zusammenfinden könnten, könnten wir auch positive Lösungen
für die Tragödie der Abtreibung finden.
Wirtschaftlicher Wiederaufschwung, bessere Erziehung, Rückbesinnung
auf Werte

- all das weist darauf hin, daß der Geist der Erneuerung Oberhand

gewinnt.

Und all das wird das Familienleben in den achtziger Jahren verbes-

sern.

Aber Familien brauchen noch mehr.

Sie brauchen die Zusicherung, daß sie

- 14 -

�daß sie und ihre Lieben ohne Furcht durch die Straßen Amerikas gehen können.
Die Eltern müssen wissen, daß ihre Kinder keine Opfer der Kinderpornographie
und von Entführern werden.

In diesem Jahr werden wir unsere Anstrengungen

gegen diese und andere schreckliche
walt in Familien,verstärken.

Verbrechen, wie Vergewaltigung und Ge-

Schon zeigen unsere Anstrengungen zur Bekämpfung

von Berufsverbrechern, organisiertem Verbrechen und Drogenhändlern sowie zur
Verhängung strengerer Strafen und härterer Strafverschonungsbedingungen Wirkung.

Im Jahr 1982 ging die Verbrechensrate um 4,3 Prozent zurück - der größ-

te Rückgang seit 1972. Der Schutz der Opfer ist genauso wichtig wie der
Schutz der Rechte des Angeklagten.
Die Chancen für alle Amerikaner werden sich erhöhen, wenn wir mit einer
fairen Wohnungsbaupolitik weitermachen, die Rechte der Frauen sicherstellen,
für gerechte Behandlung von Renten- und Pensionsansprüchen sorgen, die Kindererziehung erleichtern und säumige Unterhaltszahlungen für Kinder erzwingen.
Nicht nur das Heim - auch der Arbeitsplatz und die Gemeinschaft sind
Stütze unserer Werte und Gestalter unserer Zukunft.
um Ihre Mithilfe, damit mehr Gemeinden
lösen können.

Daher ersuche ich Sie

sich aus den Banden der Abhängigkeit

Helfen Sie uns dabei, dem Unternehmertum mehr Freiheiten zu

geben - durch Diskussion und positive Abstimmung über unseren Vorschlag für
Industriezonen in Amerika.

Er liegt Ihnen seit zwei Jahren vor.

Seine Ver-

abschiedung könnte den Gebieten mit hoher Arbeitslosigkeit helfen, indem
dort Arbeitsplätze geschaffen und Stadtteile erneuert werden.
Eine Gesellschaft voller neuer Chancen, die ihrer Zukunft mit Vertrauen
entgegensieht, gestützt von Glauben, Fairness und der Überzeugung, daß ehrliche und mutige Menschen es zu etwas bringen, wenn sie frei sind - das sind
die Geheimnisse eines starken und wohlhabenden Amerikas, das mit sich selbst
und mit der Welt in Frieden lebt.

4. Schaffung eines

15

�4. Schaffung eines echten Friedens
Ein dauerhafter und echter Frieden ist unser viertes großes Ziel.
ist unser'höchstes Streben und unser größter Wunsch.
und eindeutig:

Dies

Unsere Haltung ist klar

Amerikaner greifen nur auf Gewalt zurück, wenn sie es müssen.

Wir waren niemals ein Aggressor.

Wir haben immer nur gekämpft, um Freiheit

und Demokratie zu verteidigen.
Wir haben keine territorialen Ansprüche.

Wir besetzen keine Länder.

Wir bauen keine Mauern , um Menschen einzusperren.
kunft.

Amerikaner bauen die Zu-

Und unsere Vision eines besseren Lebens für Farmer, Kaufleute und ar-

beitende Menschen - von Amerika bis Asien - beginnt mit einer einfachen Prämisse:

über die Zukunft wird am besten an der Wahlurne befunden - nicht mit

dem Gewehr.
Regierungen, die sich auf den Konsens der Regierten stützen, führen keinen
Krieg mit ihren Nachbarn. Nur wenn Menschen einen persönlichen Anteil haben an
der Gestaltung ihres eigenen Schicksals und wenn sie ihre Rechte genießen können, bauen sie Gesellschaften auf, die gedeihen und fortschrittlich und frei
sind. Es sind die Demokratien, die heute Hoffnung bieten, indem sie die Hungrigen speisen, die Lebenserwartung verlängern und mühselige Plackerei beseitigen.
Wenn es darum geht, Amerika stark, frei und in Frieden zu erhalten, dann
darf es keine Republikaner oder Demokraten geben, sondern nur patriotische
Amerikaner.

Wir können die schwierigen Fragen nicht danach entscheiden, wer

recht hat, sondern was recht ist.
Zusammen können wir weiterhin unsere Tagesordnung des Friedens voranbringen.
Wir können:
- eine stabilere

- 16 -

�- eine stabilere Grundlage für friedliche Beziehungen zur Sowjetunion
schaffen;
- die Beziehungen zu unseren Verbündeten insgesamt stärken;
- echte und gerechte Verringerungen des Standes der Kernwaffen erreichen;
- unsere Bemühungen um den Frieden im Nahen Osten, in Mittelamerika und
im südlichen Afrika verstärken;
- den Entwicklungsländern, vor allem unseren Nachbarn in der westlichen
Hemisphäre, helfen; und
- die Entwicklung demokratischer Institutionen überall auf der Welt unterstützen.
Wie richtig eine überparteiliche Zusammenarbeit ist, wurde in der Arbeit
der Scowcroft-Kommission deutlich, die unsere Fähigkeit gestärkt hat, vor einem
Krieg abzuschrecken und den Frieden zu schützen.

In diesem Geist rufe ich Sie

auf, den Jackson-Plan zur Verwirklichung der Empfehlungen der überparteilichen
Mittelamerika-Kommission voranzubringen.
Ihre gemeinsame Resolution bezüglich der multinationalen Friedenstruppe
im Libanon dient ebenfalls der Sache des Friedens. Wir machen Fortschritte
im Libanon.

Nahezu zehn Jahre lang haben die Libanesen von Tragödie zu Tragö-

die gelebt - ohne Hoffnung auf die Zukunft.

Die multinationale Friedenstruppe

und die Soldaten unseres Marinekorps helfen ihnen jetzt, diesen Kreislauf der
Verzweiflung zu durchbrechen.

Es besteht die Hoffnung auf einen freien, unab-

hängigen und souveränen Libanon.
Chance zu geben.

Wir müssen den Mut haben, dem Frieden eine

Und wir dürfen uns nicht durch staatlich

rismus von unseren Zielen für den Frieden abbringen lassen.
Schreckensbild in Beirut, Kuwait und Rangoon gesehen.
nale Aufmerksamkeit.

geförderten TerroWir haben dieses

Es verdient internatio-

Ich werde in Kürze Gesetzesvorschläge unterbreiten, die

- 17 T

�unterbreiten, die helfen sollen, den Terrorismus zu bekämpfen, und ich werde
unsere Verbündeten um Unterstützung einer gemeinsamen Aktion ersuchen.
Unser NATO-Bündnis ist stark.
politischen Mut.

Das Jahr 1983 war richtungsweisend für

Und wir haben unsere Partnerschaften und Freundschaften im

Fernen Osten gestärkt.

Wir sind dem Dialog, der Abschreckung und der Förde-

rung der Prosperität verpflichtet.

Wir werden mit unseren Handelspartnern

mit Blickrichtung auf eine neue Runde von Verhandlungen zur Unterstützung eines
freieren Welthandels, eines stärkeren Wettbewerbs und offenerer Märkte zusammenarbeiten.
Eine Wiedergeburt überparteilicher Zusammenarbeit, die Wiederherstellung
wirtschaftlichen Wachstums und militärischer Abschreckung sowie ein immer stärker werdender Geist der Einigkeit in unserem Volk hier in den Vereinigten Staaten
sowie bei unseren Verbündeten im Ausland unterstreichen einen grundlegenden
und weitreichenden Wandel:

Die Vereinigten Staaten sind im Jahr 1984 gesünder,

stärker und sicherer als zuvor.

Wir können nun mit Zuversicht die großen Chancen

für den Frieden nutzen - und wir werden das tun.
Heute abend möchte ich mich an das sowjetische Volk wenden und ihm sagen:
Es stimmt, daß unsere Regierungen ernste Meinungsverschiedenheiten gehabt haben. Aber unsere Töchter und Söhne haben niemals in einem Krieg gegeneinander
gekämpft. Und wenn es nach uns Amerikanern geht, dann wird dies auch niemals
der Fall sein.
Bürger der Sowjetunion, es gibt nur eine vernünftige Politik für Ihr
Land und für mein Land, um unsere Zivilisation in diesem modernen Zeitalter
zu bewahren:
den.

Ein Atomkrieg kann nicht gewonnen und darf niemals geführt wer-

Der einzige Wert, den der Besitz von Atomwaffen für unsere beiden Länder

hat, besteht in der Sicherstellung, daß sie niemals eingesetzt werden.

Aber

wäre es dann nicht besser, sie überhaupt abzuschaffen?
Präsident Dwight D. Eisenhower
- 18 -

•J

�Präsident Dwight D. Eisenhower, der im Zweit™ u I*L
Weltkne
mit Ihnen kämpfte, hat einmal gesagt daß d
•
9 Seite an Seite
Mann gegen Mann oder Land gegen L a n d ^ ^ r t ^ ^ l ^ ^
" " ^ e1nfaCh
den Krieg."
'bonaern vom Mensch en gegen
Amerikaner sind Menschen des F r i e d e u
ReQierUn9
will, dann wird es Frieden geben wir können L r t
^ ^ " ^
11
zusammenkommen,um für unsere Kinder und fü^lsT^r
^ *" FreUndschaft
weitaus bessere Welt zu schaffen. Und die g
l"*™
^
t T
9
Welt Wlrd sic
en. Das
Das ist
ist meine
meine Botschaft
Bot.rh^ an
... Sie.
c,_
" ^
" darüber freu-

Helden Amerikas - Amerikas Visi on
An Tagen, da das Leben schwer Pr&lt;;rhQ-;„* J ,
die uns tr ag en, oder nech « X Z t Z Z Z Z

i«-nden. der

uns daran 6 r W t &gt;

was es

^

s

/

»• ' - - " e : : : : ; ™ : :: h rr;'
euf Grenede in eine» Bere ch

l

^

"

^

T'

T ^

£

m 2Ran

V

6

Z

—

«-

,,on

Hubsch

wir

-

™ ^ &gt; der

™ ™, irr ,::;:;r:::::;~: irr- *' *-•
AbStUrzste

bereden in Sicherheit ru bringen.
Lehen ^
d
r

"" ^

e

T l u ^ l? ^ ^ ^
el U
;,
" " d "efre1t-

n
:;:;t

d

^ tab" " &lt; " *
«hUld,g.
S, e 1 S D l r 1
' "
— « «1« eine L t

atie nicht des Desp

v ;ijr:;;; t ::;rr '

neaens, nicht der Eroberung.

19 -

&gt; l e » » * * . um verwundete

Gott segne Sie!
Und dann

— *•

�Und dann gibt es die namenlosen Helden:

Eltern, Ehepaare, all die frei-

willigen Helfer im kirchlichen Leben und in der Gemeinde - sie alle tragen, ohne
zu klagen, familiäre und kommunale Probleme. Sie mildern unsere Sorgen, heilen
unsere Wunden, geben uns Zuspruch in unseren Ängsten und teilen unsere Freude.
Eine Persönlichkeit wie Father Ritter ist immer gegenwärtig.

Im Rahmen

seines Programms der geschützten Häuser in New York und Houston wird in jedem
Jahr Tausenden von verängstigten und mißbrauchten Kindern Unterkunft und Hilfe
gewährt.

Das gleiche gilt für Dr. Charles Carson. Gelähmt infolge eines Flug-

zeugabsturzes, glaubte er doch immer daran, daß nichts unmöglich sei. Heute
arbeitet er in Minnesota 80 Stunden in der Woche ohne Bezahlung, indem er Pionierarbeit auf dem Gebiet der computergesteuerten Gehhilfen leistet.

Er hat

500 000 gelähmten Amerikanern die Hoffnung gegeben, daß sie eines Tages wieder
gehen können.
Wie können wir also nicht an die Güte und Großmütigkeit von Amerikanern
glauben? Wie können wir nicht das tun, was recht und notwendig ist, um diese
letzte, beste Hoffnung der Menschheit auf Erden zu bewahren?
Nach all unseren Anstrengungen zur Wiederbelebung Amerikas, zur Wiederherstellung des Vertrauens zu unserem Land und der Hoffnung für unsere Zukunft,
nach den harterrungenen Siegen aufgrund der Geduld und des Mutes eines jeden
Bürgers können wir uns nicht, dürfen wir uns nicht und wollen wir uns nicht
zurückwenden. Wir werden unsere Aufgabe zu Ende führen. Wie könnten wir uns
mit weniger zufrieden geben; wir sind schließlich Amerikaner.
Carl Sandburg hat einmal gesagt: Ich sehe Amerika, nicht in der untergehenden Sonne im Anbruch einer dunklen Nacht der Verzweiflung... Ich sehe
Amerika im hellen Licht der aufgehenden Sonne, frisch aus der strahlenden
Schöpferhand Gottes... Ich sehe große Tage voraus für Männer und Frauen, die
Willen und Weitblick haben."
Niemals habe

- 20 -

�Niemals habe Ich stärker empfunden, daß die besten Tage Amerikas „ „ H
die besten Tage der Demokratie vor uns liegen.
die für das Gute wirkt.

Wir sind eine mächtige K

Hit Vertrauen und mit Hut können wir große L e n vol'l

bring«, und den nächsten Schritt für die Freiheit tun.

Und wir „erden

Wir werden die Traditionen eines guten und angesehenen Volkes fortführe
nes Volkes
wo d,e

ft
1 7
I

das Licht dorthin gebracht hat, wo die Dunkelheit herrschte, Warne

alte herrschte. Arznei, wo Krankheit herrschte, Lebensmittel, w

„

herrschte, und das den Frieden brachte, wo vorher nur Blutvergießen herrscht!
Lassen Sie uns dafür sorgen, daß unsere Nachkommen einmal von uns sagen
onnen daß wir zu unserer Zeit alles getan haben, was getan „erden konnte
Wir haben unsere Aufgabe zu Ende gebracht, wir haben die Freiheit bewahrt und
das in uns gesetzte Vertrauen erfüllt.

+ + + + t

- 21 -

r

�ä

111 M

Dokumentation

inT3T

United States Information Service
Embassy of the United States of America

1. Februar 1984

REAGAN GIBT KANDIDATUR FÜR NÄCHSTE PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLEN BEKANNT
- Wortlaut der Erklärung -

WASHINGTON - (AD) - Am 29. Januar 1984 gab Präsident Reagan in einer
landesweit von Rundfunk und Fernsehen ausgestrahlten kurzen Erklärung im Weißen
Haus bekannt, daß er sich für eine zweite Amtsperiode bewerben wolle. Er ersuchte darin das amerikanische Volk, ihn und Vizepräsident Bush dabei zu unterstützen, "das fertigzustellen, was wir vor drei Jahren begonnen haben."
Die Erklärung Reagans hat folgenden Wortlaut:
Es ist nahezu drei Jahre her, seit ich zum erstenmal aus diesem Raum zu
Ihnen gesprochen habe. Gemeinsam haben wir viele schwierige Probleme angepackt, und im Laufe der Zeit habe ich das Gefühl bekommen, eine ganz besondere
Beziehung zu einem jeden von Ihnen zu gewinnen.
Heute abend bin ich aus einem anderen Grund hier.

Ich bin bezüglich der

Frage, ob ich mich um eine Wiederwahl bemühen sollte, zu einer schweren persönlichen Entscheidung gelangt.

Als ich von hier aus zum erstenmal zk Ihnen

sprach, war unsere nationale Verteidigung gefährlich schwach.

Wir hatten im

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: £-85432

�hatten im Iran eine Demütigung erlitten. Und zu Hause drifteten wir möglicherweise deshalb auseinander, weil man hier in Washington nicht in der Lage war,
Vertrauen in den Mut und in den Charakter von Ihnen, dem Volk, zu haben.
Am schlimmsten von allen war die Tatsache, daß wir uns am Rand eines
wirtschaftlichen Zusammenbruchs befanden - nach Jahren der übergroßen Schwäche
der Regierung und der schmählichen übermäßigen steuerlichen Belastung. Aus
diesem Grunde hatte ich zu berichten, daß wir "im schlimmsten wirtschaftlichen
Dilemma seit der Großen Depression steckten.
Die Inflation war 1979 auf über 13 Prozent und im März 1980 auf 19 Prozent gestiegen.

Diese beiden aufeinanderfolgenden Jahre der Preisexplosionen

brachten den höchsten Anstieg in über 60 Jahren.
In den fünf Jahren, bevor ich hierher kam, hatten sich die Steuern
praktisch verdoppelt.

Durch Ihre Lohn- und Gehaltserhöhungen, mit denen nur

der Anstieg der Lebenshaltungskosten ausgeglichen wurde, wurden Sie in immer
höhere Steuerklassen hineingetrieben.
Die Zinsen lagen bei über 21 Prozent - den höchsten in 120 Jahren.
Die Produktivität ging zwei Jahre hintereinander zurück.
der Industrie sank.

Der Ausstoß

Löhne und Gehälter schrumpften.

Das einzige, was stieg, waren Preise, Arbeitslosigkeit, Steuern und
Umfang der Regierung.

Während Sie den Gürtel enger schnallten, wurde auch

die Umklammerung durch die Bundesregierung immer enger.
Das hat sich geändert. Im vorigen Jahr ging die Inflation auf 3,2
Prozent zurück. Die Zinsen auf fast die Hälfte. Der Einzelhandel erlebt einen
Aufschwung. Häuser werden gebaut und verkauft. Die Fließbänder der Autoindustrie laufen wieder. Und allein im vorigen Jahr haben vier Millionen Menschen wieder Arbeit gefunden - der größte Anstieg an Arbeitsplätzen seit 33
Jahren.
Durch den

�Durch den Beginn des Wiederaufbaus unserer Verteidigung haben wir wieder
eine glaubwürdige Abschreckung erstellt und können uns mit Zuversicht um einen
sicheren und dauerhaften Frieden sowie um einen Abbau der Rüstungen bemühen.
Wie ich Mittwoch abend gesagt habe: Amerika ist wieder da und steht
fest auf seinen Beinen. Wir haben begonnen, die großen amerikanischen Werte
wieder in den Vordergrund zu rücken - die Würde der Arbeit, die Wärme der Familie, die Stärke der Nachbarschaft, und die Stärkung der menschlichen Freiheit.
Aber unsere Arbeit ist noch nicht zu Ende. Es gibt noch mehr zu tun
bei der Schaffung von Arbeitsplätzen, bei der Kontrolle der öffentlichen Ausgaben, bei der Rückgabe größerer Autonomie an die einzelnen Bundesstaaten, bei
der Bewahrung des Friedens in einer ruhigeren Welt und bei dem Bemühen, in unseren Schulen einen Platz für Gott zu finden.
Bei meiner Amtsantrittsrede zitierte ich Worte, die vor über 200 Jahren
von Dr. Joseph Warren, dem Präsidenten des Kongresses von Massachusetts,gesprochen worden waren. "Von Ihnen hängt das Wohlergehen Amerikas ab," sagte
er zu seinen amerikanischen Mitbürgern. "Sie müssen über die wichtige Frage
entscheiden, von denen das Glück und die Freiheit der noch ungeborenen Millionen abhängt." Und er fügte hinzu, "Handeln Sie Ihrer selbst würdig."
Während dieser vergangenen drei Jahre wurden Nancy und ich unterstützt
durch die Art und Weise wie Sie, die wirklichen Helden der amerikanischen Demokratie, der Herausforderung von Dr. Warren gerecht geworden sind.
Sie waren großartig, während wir die Nation durch die lange Nacht unseres
nationalen Elends führten. Sie haben wirklich Ihrer selbst würdig gehandelt.
Ihre hohen Maßstäbe lassen uns an die zentrale Frage des öffentlichen
Dienstes denken:

Wozu sind wir hier?

Nun, wir sind hier, um darauf zu ach-

ten, daß die Regierung Ihnen auch weiterhin dient - und nicht umgekehrt.
Wir sind

�Wir sind hier, um die Schwachen zu stärken und den Frieden zu schaffen.
Und, was am wichtigsten ist, wir sind hier - wie Dr. Warren sagte -, um heute
für das Glück und für die Freiheit der noch ungeborenen Millionen zu handeln,
um die Zukunft in den Griff zu bekommen, damit jedes neue Kind dieser geliebten Republik heroische Träume träumen kann.

Wenn wir weniger tun, betrügen

wir das Vermächtnis jener, die so vieles gegeben haben.
Dieser historische Raum und die Präsidentschaft gehören Ihnen.

Es ist

Ihr Recht und ihre Verantwortung, alle vier Jahre jemandem dieses Amt und die
Institution der Präsidentschaft für einen bestimmten Zeitraum zum Schutze anzuvertrauen.

Sie haben mich auf diese Weise geehrt, und ich bin Ihnen dafür

dankbar - dankbar und stolz auf das, was wir gemeinsam erreicht haben.
Wir haben einen neuen Anfang gemacht.

Vizepräsident Bush und ich würden

gern auch weiterhin Ihre Unterstützung und Mitarbeit dabei haben, um das zu
beenden, was wir vor drei Jahren begonnen haben.

Ich kündige deshalb an, daß

ich kandidiere und die Wiederwahl für das Amt anstreben werde, das ich derzeit innehabe.
Ich danke Ihnen für das Vertrauen, das Sie in mich gesetzt haben.
schütze Sie und gute Nacht.

+ + + + +

- 4 -

Gott

�1. Februar 1984

ANPASSUNGSPROZESSE FÜR ANWENDUNG VON KERNENERGIE
USA stellen sich auf weiteren Ausbau der Atomkraft ein -

- (AD) - Trotz der Verzögerungen beim Bau von Kernkraftwerken in den
Vereinigten Staaten und der Streichung einer Anzahl geplanter neuer Projekte
sind die amerikanische Industrie und das Bundesenergieministerium überzeugt,
daß die Erzeugung von Atomstrom in den kommenden Jahren ansteigen und einen
immer größeren Anteil an der gesamten Stromproduktion haben wird.
Sicherheitserwägungen und wirtschaftliche

Die durch

Faktoren bedingten Verzögerungen

dürften auf weitere Sicht die Wachstumsrate für Kernkraft kaum unter den Anteil absinken lassen, den die Industrie früheren Schätzungen zufolge erwartet hatte.

In einem neuen Bericht des US-Energieministeriums heißt es u.a.,

daß sich Schätzungen zufolge der Anteil des Atomstroms an der gesamten Stromerzeugung von 12,6 Prozent im Jahr 1982 auf 19 Prozent im Jahr 1990 und schließlich auf 22 Prozent im Jahr 2020 erhöhen werde.
Gegenwärtig sind in den USA 79 Kernkraftwerke in Betrieb, die etwa ein
Achtel der gesamten Strommenge erzeugen.

Von Juli 1982 bis Ende Juni 1983

lieferten die Kernkraftwerke mehr als 280 Milliarden Kilowattstunden Strom ungefähr so viel, wie die Vereinigten Staaten gegen Ende des Zweiten Welt-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Zweiten Weltkrieges verbrauchten.

Dem Bericht zufolge ist der Bau von weiteren

46 Kraftwerksblöcken mit 50 Millionen Kilowatt Leistungskapazität bereits weit
fortgeschritten, jedoch wurden seit 1978 keine neuen Aufträge mehr erteilt.
Dies war ein Jahr vor dem Unfall im Atomkraftwerk Three Mile Island (Pennsylvanien), dem schwersten Unfall in der Geschichte der amerikanischen Atomkraftindustrie»

Seitdem sind erst sechs neue Atomkraftwerke in Betrieb gegangen.

Auf etwa 100 Reaktoranlagen, die eine Gesamtleistung von 110 000 Megawatt haben sollten und im Jahr 1975 bereits in Bau oder geplant waren, wurde
inzwischen verzichtet,

Diese Annullierungen machten 45 Prozent der Kernkraft-

kapazität aus, die bis dahin in den Vereinigten Staaten vorgesehen war.

Nach

Angaben des Amtes für Energie-Information (EIA) des US-Energieministeriums
bedeutete dies mehr als 9 Milliarden Dollar Aufgabe-Kosten (Dollarwert von
Mitte 1982, inflationsbereinigt). Der jüngste und besonders schwerwiegende
Fall wurde am 16, Januar 1984 gemeldet, als die Public Service Company von
Indiana bekanntgab, den Bau des Kernkraftwerks Marble Hill einstellen zu wollen, obgleich dieses bereits 2,5 Milliarden Dollar verschlungen hat und zur
Hälfte fertiggestellt ist.
Kraftwerksprojekts.

Dies ist die bisher kostspieligste Aufgabe eines

Demgegenüber kam es seit dem Jahr 1972, als zum ersten

Mal der Bau von Kernkraftwerken annulliert wurde, nur zu 39 Annullierungen bei
Heizkraftwerken, die fossile Brennstoffe verfeuern.

Diese hätten eine instal-

lierte Stromkapazität von 23 000 Megawatt gehabt.
EIA-Mitarbeiter sind der Meinung, daß vor allem die verringerte Wachstumsrate für den Strombedarf seit dem arabischen ölembargo im Jahr 1973, verschärfte Sicherheits- und Umweltschutz-Vorschriften seit dem Unfall von Three
Mile Island im Jahr 1979, finanzielle Schwierigkeiten auf Seiten von Kraftwerks-Betreibern, die gleichzeitig die Kapitalgeber waren, seit Ende der siebziger Jahre und Konstruktionsprobleme infolge der komplizierteren Bauweise
und Größe neuerer Projekte dazu beitrugen.daß Kraftwerksprojekte annulliert
wurden. Seit dem Jahr 1973 blieb die Wachstumsrate für Strombedarf unter
dem Durchschnittswert von sieben Prozent, wie er zuvor stets ermittelt worden
war. Im Jahr 1982 ging, landesweit gesehen, die Menge des in die Versorgungs-

- 2 -

�die Versorgungsnetzte eingespeisten Stroms gegenüber 1981 sogar um 2,3 Prozent zurück, wie EIA-Beamte erklärten.

Dies sei eine Folge der wirtschaft-

lichen Rezession gewesen, eine Entwicklung, wie sie sich in dieser Form zum
ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg ergeben habe.
Dennoch sei die Atomindustrie, so erklärte Carl Walske, Präsident des
Industrieverbandes "Atomic Industrial Forum" in den USA, sehr optimistisch
hinsichtlich der Zukunft der Kernkraftindustrie.

"Wir glauben, daß die Zu-

kunft der Kernkraft so gut wie das künftige Wachstum der Wirtschaft ist",
meinte er.

"Die Annullierungen und Verzögerungen waren zur Anpassung an eine

niedrigere Wachstumsrate für Strom notwendig.

Aber die Wirtschaft ist wieder

im Kommen, und die Wachstumsrate für den Strombedarf steigt an.

Im zweiten

Halbjahr 1983 lag der Stromverbrauch etwa acht Prozent über jenem im zweiten
Halbjahr 1982."

Nach Ansicht des Industrie-Sprechers sind die in Betrieb

befindlichen Kernkraftwerke "ein gutes Geschäft", denn sie erzeugten Strom
billiger als Kraftwerke mit Kohlefeuerung.
Dieser Meinung sind übrigens auch die Verfasser eines von Wissenschaftlern des Massachusetts Institute of Technology (MIT) und der Stanford-Universität (Kalifornien) ausgearbeiteten Berichts zum Problem der Kohlendioxid-Anreicherung in der Atmosphäre.

Im Zusammenhang mit ihrer Forderung nach einem

eingehenden Studium des Einsatzes von elektrischem Strom verweisen sie darauf,
daß Kernenergie auf der Basis von Kernspaltung in vielen Teilen der Welt merklich billiger sei als Strom aus Kohle, "insbesondere angesichts der Beschränkungen durch Umweltauflagen gegen Kohle, wie es gegenwärtig für die USA typisch ist". Zwar stagniere in den Vereinigten Staaten gegenwärtig der Ausbau
der Kernenergie.

Langfristig gesehen hänge die Zukunft der Spaltenergie von

Faktoren wie technologischen Fortschritten, Verbesserungen des Managements
von Kernkraftanlagen und der Konkurrenzfähigkeit von Atomstrom mit anderen
Energieträgern in bezug auf Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit ab.
Die Nutzbarmachung von Kernfusion für die kommerzielle Stromproduktion dürfte
jedoch "in der kritischen Zeit vor dem Jahr 2050 noch nicht möglich sein".
Wie Walske

�Wie Walske erklärte, "können wir es uns nicht leisten, künftig große,
kostspielige Kernkraftwerke zu bauen.
niedrig zu halten.

Wir müssen Wege finden, die Kosten

Dazu werden niedrigere Inflationsraten und niedrigere

Zinsen, Stabilität bei den gesetzlichen Auflagen und gewisse Neuerungen im
Management-Bereich beitragen."
Nunzio Palladino, Vorsitzender der Nuklearen Aufsichtskommission der
Vereinigten Staaten (NRC), sagte kürzlich bei einem Vortrag in Los Alamos, daß
entgegen der Ansicht mancher Leute die amerikanische Atomindustrie nicht tot,
sondern sehr lebendig sei.

Die elektrische Kapazität der amerikanischen Kern-

kraftwerke - in Bau und in Betrieb - betrage z. Zt. etwa 126 000 Megawatt.
"Kernkraft für die Erzeugung von Strom ist mit sehr geringem Risiko für öffentliche Gesundheit und Sicherheit verbunden" und trage zur nationalen Unabhängigkeit in der Energieversorgung bei, erklärte er.

In den nächsten

drei bis vier Jahren habe die Nuklearindustrie jedoch eine kritische Phase
zu bestehen, weil dann entschieden werde, ob die bereits für den Betrieb genehmigten Einheiten diesen ohne Unfall oder schwerwiegende Vorfälle realisieren könnten

und ob die Industrie zusätzlich neue Anlagen für die Strompro-

duktion einsetzen könne.
Angesichts dieser Zielsetzungen habe die NRC, so Palladino, Schritte
unternommen, um die von Bundesbehörden erlassenen Bestimmungen für die nukleare Industrie zu verbessern. Im vergangenen Jahr brachte die Behörde eine Gesetzesvorlage ein, die, würden sie rechtskräftig, das Lizenzierungsverfahren
für Kernkraftwerke reformiert.
Die Gesetzesvorlage behandelt ferner eine
Anzahl weiterer wichtiger Punkte, u.a. die Genehmigung in einem einzigen Verfahrensablauf, die frühzeitige Genehmigung des Standorts und die Voraus-Genehmigung der Konstruktion der Anlage. NRC-Beamte verweisen außerdem auf
die Verabschiedung des nuklearen Entsorgungsgesetzes von 1982 als eines wichtigen Fortschritts für den Ausbau der kommerziellen Kernenergie. Es setzt
Zeitpläne und Verfahrensweisen für die Beseitigung von hochaktiven Abbrandelementen in Dauerdeponien von 1998 ab fest.
Ein Problem
- 4 -

�Ein Problem beim Ausbau der Kernenergie ergab sich durch die Änderun
gen in den Sicherheitsbestimmungen. EIA schätzt, daß sicherheitsbedinqte Um
rüstungen als Folge des Unfalls von Three Mile Island Kosten zwischen 24 und
83 Millionen Dollar (Dollarwert von 1980, inflationsbereinigt) pro Reaktor
verursachen. Im Februar 1982 unterbreitete die NRC einen Plan mit den Ziel
Setzungen für die Sicherheit von Kernkraftwerken, der u.a. exakte Zulässig
keitsangaben in bezug auf Unfallrisiken enthielt. So sollte beispielsweise
die Möglichkeit eines größeren Unfalls mit Niederschmelzen des Reaktorkerns
geringer sein als 1 : 10 000 pro Reaktorjahr.

Laut Palladino erfordert nukleare Sicherheit auch umfassende Forschungsanstrengungen. Die von der Behörde im Haushaltjahr 1983 für Forschung auf
gewendeten 205 Millionen Dollar machten etwa 43 Prozent der Ausgaben für die
von ihr durchgeführten Programme aus. Der Vorsitzende der NRC erwähnte neue
Forschungsergebnisse, denenzufolge Radioaktivität in Formen, die für die menschliche Gesundheit gefährlich sind, nicht annähernd so häufig frei werde wie
man bisher angenommen habe. Diese und weitere zu erwartende Ergebnisse der
Forschung hätten auch Auswirkungen auf die Sicherheitsvoraussetzungen und
Katastrophenpläne bei der Standortwahl für Kernkraftwerke. Und sie könnten
wie Palladino betonte, "sogar noch größere Auswirkungen auf das Vertrauen der
Öffentlichkeit haben".

+ + + + +

�Wi//en/chaft
und Technik

•

United States Information Service
Embassy of the United States of America

1. Februar 1984

RADIOTELESKOP FOR SUBMILLIMETER-BEREICH

- (AD) - Ein Radioteleskop für den Empfang von Strahlung mit Wellenlängen von weniger als einem Millimeter wird gegenwärtig vom CALTECH (California Institut of Technology) auf dem 4200 m hohen Mauna Kea in Hawaii errichtet. Die Nationale Forschungsstiftung der NASA (NSF) unterstützt bis 1986
das Vorhaben mit einem Beitrag von fast 4 Millionen Dollar. Die Höhe und die
trockene Luft am Standort (Gipfel eines erloschenen Vulkans) sind Faktoren,
die Störungen durch die Atmosphäre auf ein Mindestmaß verringern.
Das Radioteleskop mit einem Antennendurchmesser von 10,4 m erfaßt Radiostrahlung bis zu einem Drittel Millimeter Wellenlänge.

Solche Radiowellen

sind für die astrophysikalische Forschung von ganz besonderem Interesse, weil
sich gezeigt hat, daß viele der Moleküle im interstellaren Raum beim Rotieren
Energie in diesem Wellenlängenbereich abgeben.

Phänomene dieser Art lassen

Rückschlüsse auf Prozesse bei der Entstehung von Sternen sowie auf Struktur
und Energiequelle im Innern von Galaxien und Quasaren zu.
Die Parabolantenne ist nach den Plänen von Dr. Robert B. Leighton
(CALTECH) aus Aluminiumteilen in Wabenbauweise konstruiert, eine Meister-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�eine Meisterleistung an Präzision auch in bezug auf die Oberflächenbearbeitung. Ein in Kalifornien vorgefertigter Montage-Kuppelbau von 20 m Durchmesser, der vor Wind, Wetter und starker Sonneneinstrahlung schützen sowie
die Steuerungsanlagen und die Systeme zum Sammeln der Meßdaten aufnehmen soll,
wird z. Zt. in Kalifornien getestet. Unter der Leitung von Dr. Thomas G.
Phillips, Professor der Physik am CALTECH, wird das neue Radioteleskop Anfang
1986 in Betrieb genommen.

+ + + + +

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9313">
                <text>01.02.1984</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9314">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9315">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9316">
                <text>Amerikadienst 01.02.1984</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9317">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagans Botschaft über die Lage der Nation &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- 25. Januar 1984&lt;/em&gt;&amp;nbsp;-&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan gibt Kandidatur für nächste Präsidentsschaftwahl bekannt &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Erklärung&lt;/em&gt;&amp;nbsp;-&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Anpassungsprozesse für Anwendung von Kernenergie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USA stellen sich auf weiteren Ausbau der Atomkraft ein&lt;/em&gt;&amp;nbsp;-&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Radioteleskop für Submillimeter-Bereich</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1844" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1855">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/5fd76d115594beee3cedef65d8c73831.pdf</src>
        <authentication>e2fa4acbc81cd82ee3b7d3c7922f1c30</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="9312">
                    <text>25. Januar 1984

INHALT

DOKUMENTATION
Reagan-Erklärung zu Stockholm
- Umfassender Meinungsaustausch Shultz-Gromyko Shultz fordert zur Wiederaufnahme des Ost-West-Dialogs auf
- Rede des US-Außenministers auf der Stockholmer Konferenz

INFORMATION
Edwin Meese zum neuen Justizminister nominiert

HINTERGRUNDMATERIAL
Probleme des Atlantischen Bündnisses
Von Dr. Henry A. Kissinger

Um Über/endung von
ßelegeiiemplciren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�25. Januar 1984

4

REAGAN-ERKLÄRUNG ZU ST0CKHCL1
Umfassender Meinungsaustausch Shultz-Gromyko

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat in einer schriftlichen
Erklärung am 20. Januar 1984 die Bedeutung der Stockholmer Konferenz für
Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE)
hervorgehoben und die Bereitschaft betont, "Europa und die Welt zu einem
sichereren Ort zu machen'.

Der amerikanische Außenminister George Shultz und

der sowjetische Außenminister Andrei Cromyko hätten einen "umfassenden und
ernsthaften Meinungsaustausch über entscheidende globale Fragen" geführt.
Die Erklärung des Präsidenten, die im Anschluß an die Berichterstattung
von Außenminister Shultz im W ißen Haus herausgegeben wurde, hat folgenden
Wortlaut:
Außenminister Shultz ist gerade von Stockholm zurückgekehrt, wo er die
Vereinigten Staaten bei der Eröffnung der europäischen Sicherheitskonferenz,
bekannt als KVAE, vertrat. Zusammen mit den Außenministern von 34 anderen
Staaten erörterte er die Ost-West-Beziehungen und imbor; )nderen Frieden und
Sicherheit in Europa.
Der Hauptzweck

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Der Hauptzweck der Stockholmer Konferenz besteht darin, das Risiko eines
Überraschungsangriffs oder eines Krieges durch Zufall oder Mißverständnis zu
verringern.

Die historische Rechtfertigung liegt auf der Hand.

Zweimal in

diesem Jahrhundert war Europa Schauplatz eines schrecklichen Konflikts.
Wir dürfen nicht zulassen, daß dies wieder geschieht.

Um die Aussichten

auf Frieden und Sicherheit in Europa zu stärken, werden deshalb die Vereinigten
Staaten und ihre Verbündeten auf der KVAE ein Paket praktischer und konkreter
Maßnahmen vorschlagen.

Wir werden vorschlagen, daß sich alle Staaten Europas,

aus dem Osten ebenso wie aus dem Westen, darauf einigen:
- Information über ihre Streitkräfte auszutauschen und jährliche Vorausankündigungen militärischer Manöver zu geben;
- wesentliche militärische Aktivitäten vorher anzukündigen und Beobachter zu
diesen Aktivitäten einzuladen;
- die Kapazität einer raschen Kommunikation unter unseren Regierungen auszubauen;
eine Verifizierung der Einhaltung der auf der Konferenz eingegangenen Verpflichtungen zu bieten.

Wir sind uns natürlich auf der anderen Seite bewußt, daß diese Schritte
allein den Frieden in Europa nicht garantieren, und daß die Vereinigten Staaten
allein keinen Erfolg haben können. Das können wir nur im Einklang mit unseren
Freunden und Verbündeten. Ein Kennzeichen unserer Außenpolitik ist die Schaffung
eines Konsenses unter unseren Partnern in Europa und Asien gewesen - eines
Konsenses, der sich auf den ganzen Bereich der politischen, wirtschaftlichen und
militärischen Fragen erstreckt.
Das Atlantische

�Das Atlantische Bündnis demonstriert in Stockholm erneut, daß es der Eckpfeiler des Friedens und der Sicherheit in Europa ist. Weil wir und unsere
Verbündeten zusammenhalten, sind wir besser in der Lage, die gemeinsamen Herausforderungen, vor denen wir stehen, zu meistern.
Keine dieser Herausforderungen ist wichtiger als die Notwendigkeit, ein
konstruktives Arbeitsverhältnis zur Sowjetunion herzustellen.
Am letzten Montag (16. Januar) habe ich vorgeschlagen, daß wir und die
Sowjetunion eine wesentliche Anstrengung unternehmen, um auf drei lebenswichtigen
Gebieten einen Fortschritt

zu sichern:

- Erstens, Mittel und Wege zu finden, um die Androhung und Anwendung von
Gewalt in internationalen Angelegenheiten zu verringern und schließlich zu
beseitigen;
- zweitens, Mittel und Wege zu finden, um die gewaltigen Rüstungsarsenale der
Welt abzubauen; und
- drittens, ein besseres Arbeitsverhältnis zu einander herzustellen - ein
Verhältnis, das durch stärkere Kooperation und Verständigung gekennzeichnet ist.
Die Treffen in der vorigen Woche in Stockholm haben uns diesen Zielen näher
gebracht.

Außenminister Shultz und Außenminister Gromyko führten einen umfassen-

den und ernsthaften Meinungsaustausch über entscheidende globale Fragen. Natürlich
haben sie unsere Differenzen nicht ausgeräumt. Aber das Wichtige ist, daß wir
trotz dieser Differenzen entschlossen sind, unsere Anstrengungen fortzusetzen,
um Europa und die Welt zu einem sichereren Ort zu machen, wo wir alle in Frieden
und Würde leben können.
+ + + + +

- 3 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

25. Januar 1984

SHULTZ FORDERT ZUR WIEDERAUFNAHME DES OST-WEST-DIALOGS AUF
- Rede des US-Außenministers auf der Stockholmer Konferenz -

STOCKHOLM - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben die Stockholmer Konferenz
für Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE)
aufgefordert, mit einem neuen, offenen und umfassenden Dialog zwischen Ost und
West zu beginnen. Auf der KVAE-Eröffnungssitzung am 17. Januar 1984 appellierte
der amerikanische Außenminister George Shultz an die Teilnehmerstaaten, die Konferenz zu einem Wendepunkt der Ost-West-Beziehungen zu machen.

Die Vereinigten

Staaten seien bereit, in dieser Richtung voranzugehen.
Die Rede des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Zunächst möchte ich dem schwedischen Volk und der schwedischen Regierung meinen Dank aussprechen

für die herzliche Gastfreundschaft, die sie als

Gastgeber dieser Konferenz uns gewähren.

Es ist besonders angebracht, gerade

hier in Stockholm an die heroischen Taten des schwedischen Diplomaten Raoul
Wallenberg zu erinnern, der in den letzten zwei Jahren des Zweiten Weltkrieges
Tausende von Juden vor der Vernichtung bewahrt hat.

Ich zolle unseren schwe-

dischen Tastgebern meine Bewunderung für diese langjährige Tradition aktiven

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Tradition aktiven und selbstlosen Einsatzes für die Sache des Friedens und
der Menschenrechte, für die Raoul Wallenberg ein Beispiel gab.
Lassen Sie mich auch den Beitrag der neutralen und blockfreien Teilnehmer am Helsinki-Prozeß würdigen.

Sie haben einem Jahrzehnt schwieriger

Beratungen über einen weiten Bereich lebenswichtiger europäischer Fragen ein
gesundes Gleichgewicht verliehen.
Herr Vorsitzender, wir sind hier zusammengekommen, um nach den Worten
des Schlußdokumentes von Madrid über eine Reihe sich einander ergänzender Vertrauens- und sicherheitsbildender Maßnahmen zu verhandeln - und sie zu verabschieden -, die dazu bestimmt sind, das Risiko einer militärischen Konfrontation in Europa zu verringern.

Wir sind hier, um Fortschritte auf ein spezi-

fisches Ziel hin zu erreichen: nämlich die Reduzierung der Gefahr eines Überraschungsangriffes, der Gefahr von Fehleinschätzungen und von Mißverständnissen.
Benjamin Franklin hat einmal geschrieben: "Ein mächtiger Herrscher,
der eine Armee ständig einsatzbereit hält, macht es nötig, daß seine Nachbarn
dies auch tun, um Überraschungen zu verhindern." Heute ist die Macht solcher
Herrscher zwar geringer geworden, aber die Bedrohung, die von großen Armeen
ausgeht, und die Gefahr eines Überraschungsangriffes sind gewachsen. Und
die Besorgnis hinsichtlich eines solchen Überraschungsangriffs kann zu dem
bösen Ergebnis führen, daß zu einem Präventivschlag ermutigt oder die Gefahr
eines Krieges aufgrund von Fehleinschätzungen vergrößert wird.
Wenn wir auch die Lehren der dreißiger Jahre beachten müssen, als
Schwäche zur Aggression ermutigte, dürfen wir doch niemals die Tragödie von
1914 wiederholen, als Staatsmänner ihre Entscheidungen durch die Technologie
beeinflussen ließen und als die Länder blind in einen katastrophalen Krieg
stolperten. Deshalb haben die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten seit
langem Maßnahmen befürwortet, die die Offenheit verstärken und die Kommunikation verbessern sowie größere Sicherheit gegenüber Überraschungen und Fehleinschätzungen bieten sollen.
Die vertrauensbildenden
- 2 -

�Die vertrauensbildenden Maßnahmen in der S c h l u ß ,
ein positiver Schritt. Hier in Stockholm hoffen wi
Tf T
nen, was andernorts erreicht und erörtert wurde
'
Wir sollten nach Mitteln und Wegen suchen
griff schwieriger und Fehl einschätzt

..

•
^

" ' ^
" ^
" e n zu kön-

aufba

,
Übe

^schungsan-

deut,ich und

.«—... u. um j"::;i:;r;::;:::: m

1m A n f a n s
Stadium zu entschärfen. Unser Ziel ist
9 benutzen - die Transparenz der militärischen A k t l v ^ t T f ^
^
^
™
6n A k t i v i t a
t ln Europa zu vergrößern.

übereinstimmen:

'ennehmer dieser Konferenz darin

sMon und

" ™;™:z::::r
- * " *

V

~ ^ "

^ &gt; - ~ ^— « ^

M„s,chtHch m111tSr1scher

- V~«en u n g e„ „ n s i c h t l i c h wichtiger
- Beobachter zu solch

Manöver 2 „ machen;

m1msrischer A k t i v i m e n a ^_

en militärischen Aktivitäten einzuladen;

die Kapazität schneller Kommunikationsmöglichkeiten zwischen unseren Ländern in Krisenzeiten zu verbessern;

Mittel und Wege zur beiderseitigen Verifizierung der Einhaltung der Vorhaben zu schaffen, die auf dieser Konferenz beschlossen werden.
- 3-

Wir sehen

�Wir sehen in diesen Vorschlägen nur einen Beginn.

Sie sollen unsere

Überlegungen von Anfang an auf spezifische, konkrete, realistische und nützliche Schritte konzentrieren.

Der Nachdruck sollte auf praktische Leistungen

gelegt werden und nicht auf leere Versprechungen guter Absichten.

Die Vereinig-

ten Staaten stehen voll und ganz zu den Prinzipien des Nichtangriffs, wie sie
in der Charta der Vereinten Nationen und der Schlußakte von Helsinki enthalten
sind.

Aber es wäre eine schreckliche Täuschung für die Völker Europas, würde

diese Konferenz so tun, als stelle eine neue Bekräftigung bestehender - und allzu oft verletzter Verpflichtungen - einen Fortschritt für die Vertrauensbildung in Europa dar.
Wir werden jeden Vorschlag, von welchem Teilnehmer er auch kommt, begrüßen und ihn in einem positiven Geist prüfen. Wir werden diese Vorschläge
nach den in Madrid vereinbarten Kriterien beurteilen, daß sie nämlich militärisch bedeutsam, politisch bindend, verifizierbar und auf das gesamte Europa anwendbar sein müssen.
Wir haben einen der erfahrensten amerikanischen Botschafter beauftragt,
uns auf dieser Konferenz zu vertreten. James Goodby hat mehr als ein Jahrzehnt lang am KSZE-Prozeß sowie an den Bemühungen Amerikas um eine wirksame
Rüstungskontrolle teilgenommen. Seine Anstrengungen hier werden die volle
Unterstützung unserer Regierung finden.
Bei der Fortsetzung dieser praktischen Schritte müssen wir uns vor Augen
halten, daß Vertrauens- und Sicherheitsbildung eine größere Dimension haben.
Wenn wir den Völkern Europas wirklich ein zusätzliches Maß an Sicherheit hinsichtlich ihrer Zukunft geben wollen, dann müssen die hier versammelten Staaten sich nicht nur den unmittelbaren Aufgaben dieser Konferenz zuwenden, sondern auch den grundlegenderen Fragen, die im Mittelpunkt des Problems der
europäischen Sicherheit stehen.
Wir stimmten in Madrid darin überein, daß diese Konferenz ein wesentlicher und integraler Bestandteil des Helsinki-Prozesses ist. Dieser Prozeß

- 4 -

�Dieser Prozeß ist ein historischer Versuch, sich umf
zusammenhängenden Problemen der gemeinsamen S i c h e r h e i t ^ "^ de" mnel ' nander
Wlrtschaftl
Beziehungen, der Kontakte zwischen unseren Völkern „ '
ichen
G
heiten unserer Volker und der Normen internationalen X j n T n T ™ "
™dfr"setzen. Die Schlußakte von Helsinki aus dem Oahr 7 w
1 ^ ] ™ " ™ '
Erk,ä
rung unserer Wünsche und unseres Strebens - eine Erk " '™ ^
"
ten Staaten mit Freude unterzeichnet haben, wei
Id ! ^
^ ^
stellungen und unserer eigenen Tradition verwurzeU " „ !
""^
Aber kein derartiges Dokument verwirklicht &lt;;irh „.
haltensnorm bringt sich von selbst zur Gel
•
s
von Helsinki, daß diese Grundsatze und N
'
7
für
europäische Angelegenheiten und ins B e v „ L "'' "

Es

di

'^

"""
tUn9

* " * *

**

T : — - — • « - SS rcrSSLTT«.

auch wei

* - " ™ ~ - — - ";r;;:: :;::;,:: sr

Europa ist die «lege der modernen Welt. Von hier aus ging nicht nur
modernen Kultur, des modernen politischen Denkens wie auch der Formen der
ernen Diplomatie. Zum Erbe Europas gehören untrennbar die
tat. der Demokratie und der nationalen Unabhängigkeit, die das ame i a ,
VÖUer Ubera1
Mt

Z\

' "' ""

"»*"«* ^ben. E

zwar ganz Europa - verdient echten Frieden und echte Sicherheit.
Seit 1945 hat Westeuropa eine große Versöhnung alter Feindschaften
sowie einen großen Wiederaufschwung der Freiheit, d r Prosp
in1g .
paischen Tradition dar, und die Vereinigten Staaten sind stolz dar uf daß

pie,e konnten Aber

: ; i \i::,::v : -

— - *£sr*£
Diese Grenze

-

�Diese Grenze wurde dort nicht vom Westen geschaffen.
nicht vom Westen aufrechterhalten.

Sie wird auch

Es ist nicht der Westen, der seine Bür-

ger an der Freizügigkeit hindert oder sie von konkurrierenden Ideen abschottet.
Lassen Sie mich dies sehr deutlich sagen:

Die Vereinigten Staaten er-

kennen die Rechtmäßigkeit dieser künstlich auferlegten Teilung Europas nicht
an.

Diese Teilung ist der Kern des Sicherheitsproblems und des Menschen-

rechtsproblems Europas - und wir alle wissen das.
Die Menschenrechte bilden den zentralen Punkt einer jeden Erörterung
der europäischen Sicherheit.

Wie die Schlußakte von Helsinki feststellt,

ist die Respektierung der Menschenrechte und der fundamentalen Freiheiten
ein überaus wichtiger Faktor für Frieden, Gerechtigkeit und Wohlergehen,
die notwendig sind,um die Entwicklung freundschaftlicher Beziehungen und
Zusammenarbeit zu gewährleisten.

Der Versuch, Europa eine Teilung aufzuer-

legen, ist zwangsläufig eine Quelle der Instabilität und der Spannung.
Seit den Tagen Woodrow Wilsons hat mein Land begriffen, daß echter
Friede und echte Sicherheit in Europa von einem Fundament grundlegender
Freiheiten abhängen - und nicht die geringste dieser Freiheiten ist das
Recht der Menschen, über ihre eigene Zukunft zu entscheiden.
Der Helsinki-Prozeß ist eine historische, friedliche Anstrengung, die
Teilung Europas zu erleichtern und einst zu beenden; Vertrauensbildung bedeutet im weiteren Sinne, die Arbeit von Helsinki fortzusetzen - durch praktische Schritte, die die Hindernisse beseitigen, menschliche Kontakte und
geistigen Austausch erweitern, zu größerer Offenheit führen und die Grenzen
des menschlichen Geistes weiter stecken.
Herr Vorsitzender, Präsident Reagan hat gestern die Verpflichtung meines
Landes zu drei weitgefaßten Zielen bekräftigt:
- Die Drohung

- 6 -

�- Die Drohung und Anwendung von Gewalt bei der Lösung internationaler
Streitfälle zu verringern und schließlich ganz zu beseitigen;
- die gewaltigen Rüstungsarsenale in der Welt abzubauen; und
- ein besseres Arbeitsverhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion herzustellen, das durch stärkere Zusammenarbeit und größeres
Verständnis gekennzeichnet ist.
Die Vereinigten Staaten werden diese weitgesteckten Ziele auf dieser
Konferenz sowie in jedem anderen Forum und über alle anderen Kanäle mit Umsicht verfolgen. Wir glauben an den Dialog und an die Lösung von Problemen.
Wir glauben an ein realistisches und sinnvolles Engagement mit anderen, um
die Sache des Friedens zu fördern.
Die Geschichte, Herr Vorsitzender, hat viele Versuche erlebt, Begrenzungen der Zahl, der Eigenschaften oder des Einsatzes großer Rüstungen auszuhandeln.

Vor dem Ersten Weltkrieg verhandelten Großbritannien und Deutschland

über Mittel und Wege, um den Bau von Kriegsschiffen, insbesondere von Schlachtschiffen, zu begrenzen, und über Mittel und Wege, um das gegenseitige Vertrauen hinsichtlich der Konstruktionspläne des einen und des anderen zu fördern.
Zwischen den beiden Weltkriegen gab es weitgehende Verhandlungen, um
den Bau von großen Kriegsschiffen zu begrenzen, einschließlich eines wichtigen Flottenabrüstungsabkommens,das im Jahr 1922 unter amerikanischen Auspizien ausgehandelt wurde. Der Kellogg-Briand-Pakt von 1928 versuchte, den
Krieg als Instrument der Politik zu ächten.
Diese Anstrengungen konnten aber den Krieg nicht verhindern.

Die Lehre

der Geschichte zeigt, daß Anstrengungen, den Krieg zu verhindern oder die
Waffen zu kontrollieren, nicht in einem Vakuum stattfinden können.

Sie stel-

len eine Dimension der internationalen Politik dar und können nicht aus dem
politischen Zusammenhang herausgelöst werden.
Wenn wir

�Wenn wir also hier in Stockholm und in allen anderen Foren diese Anstrengungen mit aller Energie fortsetzen, dann müssen wir uns allerdings vor
Augen halten, daß der Fortschritt von mancherlei Faktoren abhängt, die über
den Inhalt der Vorschläge oder den Einfallsreichtum der Unterhändler hinausreichen.

Sollen Rüstungskontrolle und Vertrauensbildung Erfolg haben, müssen

wir daran arbeiten, Bedingungen zu schaffen, die den Erfolg möglich machen.
Dieses Vorhaben kann nicht unter Bedingungen gelingen, bei denen einige Länder
eine globale oder regionale militärische Überlegenheit anstreben oder Zuflucht
nehmen zu Drohungen oder zu Einschüchterungen als Instrumente
litik.

ihrer Außenpo-

Lassen Sie mich für mein Land sagen, daß die Vereinigten Staaten eine

solche Überlegenheit nicht anstreben.
Wir im Westen müssen daher das Gleichgewicht der Macht aufrechterhalten;
wir müssen den Zusammenhalt unseres Bündnisses bewahren, und auf dieser Grundlage müssen wir versuchen, andere zu konkreten Anstrengungen zu veranlassen,
um politische Probleme auf friedliche Weise zu lösen. Wir sind fest davon
überzeugt, daß auf dieser Grundlage praktische Fortschritte in den Ost-WestBeziehungen möglich sind. Das Beispiel Berlin unter dem Viermächte-Abkommen
ist ein eindrucksvolles Zeugnis für einen dauerhaften Fortschritt, der durch
Einigkeit, Entschlossenheit und echte Verhandlungen erzielt wurde.
über ein Jahrzehnt lang haben die Vereinigten Staaten die Sowjetunion
in einer Serie von Verhandlungen über Rüstungskontrolle und Rüstungsverminderung eingebunden.
Während der letzten drei Jahre haben wir aktive Verhandlungen verfolgt
über eine Verminderung der strategischen Waffen, über den Abbau oder die Beseitigung der nuklearen Mittelstreckenraketen in Europa, über beiderseitige
und ausgewogene Truppenreduzierungen in Europa, über ein Verbot chemischer
Waffen im Abrüstungsausschuß, über vertrauensbildende Maßnahmen zur Stärkung
der nuklearen Stabilität und über größere Sicherheiten gegenüber einer nuklearen Proliferation.
Diese Verhandlungen

�Diese Verhandlungen waren wertvolle Kanäle der Kommunikation zwischen
Ost und West; sie ließen die Hoffnung der Menschheit wachsen, daß die ernsthaften Unterschiede der politischen Weltanschauung und Ideologie zwischen uns
nicht zum Krieg führen müssen.
Einige dieser Verhandlungen sind nunmehr durch die Sowjetunion unterbrochen worden.

Dies gibt uns großen Aufschluß darüber, welche Seite um

Fortschritt bemüht ist.
Dennoch bleibt die Tür offen.

Wir sind zu Verhandlungen bereit, wann

immer die Sowjetunion dazu bereit ist.

Ich freue mich, in dieser Hinsicht

ankündigen zu können, daß die amerikanischen Unterhändler in den kommenden
Monaten auf der Abrüstungskonferenz in Genf einen Vertragsentwurf über eine
vollständige und überprüfbare Beseitigung chemischer Waffen, und zwar auf
globaler Basis, vorlegen werden.

In gleichem Geist werden wir auf baldige

Fortschritte in anderen Rüstungskontrollforen hinarbeiten, sobald diese
wieder zusammengetreten sind.
Rüstungskontroll initiativen sind Teil einer weiterreichenden amerikanischen Anstrengung, ein stabileres, dauerhafteres und konstruktiveres OstWest-Verhältnis zu schaffen - ein Verhältnis, das nicht gekennzeichnet wird
durch die abrupten Wechsel, übertriebenen Erwartungen und zerschlagenen Hoffnungen des letzten Jahrzehnts.
Während wir die Rüstungskontrolle fortgeführt haben,waren wir ebenfalls bestrebt, die Sowjetunion zu einem offenen Dialog über solche regionale
Krisen und Konflikte zu veranlassen, die den Frieden bedrohen und unser Verhältnis vergiften.

Gleichzeitig haben wir einen ganzen Bereich bilateraler

Maßnahmen vorgeschlagen, um sowohl die Krisenkommunikation als auch die normale Kommunikation zwischen uns zu verbessern, Vertrauen zu schaffen und
jede Möglichkeit eines Mißverständnisses oder einer Fehleinschätzung zu vermindern.
In Brüssel
- 9 -

�In Brüssel habe ich im vergangenen Monat zusammen mit meinen nordatlantischen Kollegen der Sowjetunion und den anderen Staaten des Warschauer
Paktes das Angebot gemacht, mit uns zusammenzuarbeiten, um ein langfristiges
konstruktives und realistisches Verhältnis zu schaffen, das auf Gleichgewichtigkeit, Mäßigung und Gegenseitigkeit basiert.

Zum Nutzen der Menschheit

haben die Außenminister des Bündnisses in Brüssel erklärt, daß wir einen offenen, umfassenden politischen Dialog befürworten sowie eine Zusammenarbeit,
die sich auf beiderseitigen Nutzen gründet.
Lassen Sie uns daher hier und heute mit diesem erneuten, offenen und
umfassenden politischen Dialog zwischen

Ost und West beginnen.

Wollen wir

uns in unseren Beratungen so verhalten, daß die Historiker der Zukunft diese
Konferenz als einen Wendepunkt in den Ost-West-Beziehungen festhalten werden.
Lassen Sie die Eröffnung dieser Konferenz, die an sich schon eine wichtige
Erweiterung des Bereichs der Ost-West-Verhandlungen darstellt, auch zu einem
neuen Schritt in dem erweiterten Verhältnis werden.
ser Richtung voranzugehen.

+ + + + +

- 10 -

Wir sind bereit, in die-

�25. Januar 1984

EDWIN MEESE ZUM NEUEN JUSTIZMINISTER NOMINIERT

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagin hat am 23, Januar 1984 einen seiner
wichtigsten Berater im Weißen Haus, Edwin Meese, zum neuen Justizminister der
Vereinigten Staaten nominiert.

Nach seiner Bestätigung durch den amerikanischen

Senat tritt Meese die Nachfolge von William French Smith an, der sich ins Privatleben zurückzieht.
Edwin Meese wurde am 2. 12. 1931 in Oakland in Kalifornien geboren.
An der Yale-Universität erwarb er 1953 den akademischen Grad eines Bachelor of
Arts und schloß 1958 sein Jurastudium mit der Promotion an der Universität von
Kalifornien in Berkeley ab.

Von 1954 bis 1956 leistete

er seinen Wehrdienst

in der amerikanischen Armee und ist heute Oberst der Armeereserve.
Im Jahr

1959 begann Meese seine Tätigkeit als Anwalt in Kalifornien

- er gehörte der Anwaltskammer dieses Bundesstaates sowie der amerikanischen
Anwaltskammer an - und war acht Jahre als Stellvertretender Distriktsanwalt
tätig.

Der neugewählte Gouverneur des Staates Kalifornien, Ronald Reagan,

ernannte Meese 1967 zu seinem Rechtsberater,und bis 1974 war Meese Chef des
Gouverneursbüros.
Meese war

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Meese war dann kurze Zeit Vizepräsident einer großen Firma in Kalifornien
und nahm 1977 seine Anwaltspraxis wieder auf.

Im Jahr 1977 erhielt er auch ei-

nen Lehrstuhl an der juristischen Fakultät der Universität von San Diego und
war daneben für zahlreiche Privat- und Berufsorganisationen tätig.
Nach seinem Amtsantritt im Jahr 1981 berief Präsident Reagan seinen früheren Mitarbeiter Edwin Meese als Chefberater, Mitglied des Nationalen Sicherheitsrates und Kabinettsmitglied ins Weiße Haus.

Bei der Nominierung von Meese

zum Justizminister erklärte der Präsident, "Ed ist nicht nur ein Berater, dem
ich vertraue, sondern er ist auch eine Persönlichkeit, deren Leben und Erfahrung eine tiefe Verpflichtung zu Recht und Gesetz und zu einer stetigen Verbesserung des Rechtssystems erkennen läßt.

Ich wüßte keinen, der die große Tradi-

tion fortsetzen könnte, die Bill Smith so hervorragend ausgefüllt hat."
Edwin Meese ist verheiratet und hat eine Tochter und einen Sohn.

�25. Januar 1984

4

PROBLEME DES ATLANTISCHEN BÜNDNISSES
- Von Dr. Henry A. Kissinger -

Der frühere amerikanische Außenminister
Henry A. Kissinger hat in einem Vortrag
auf der Konferenz über "Die Zukunft der
NATO und globale Sicherheit d e / ™
bleme des Atlantischen Bündnisses ein
ehend erörtert. Die Konferenz wurd vorn
Zentrum für strategische und ^ e r n a t i o
nale Studien der Georgetown-Universität
(Washington) am 13. Januar 1984 im Palais
d'Egmont in Brüssel abgehalten.
Nachstehend der vorbereitete Wortlaut des
Vortrages.

Es gibt zwei übliche Wege, über die NATO zu sprechen.

Der erste lauft

darauf hinaus, ihre Leistungen zu preisen: den Friedenspakt, der 35 Jahre lang
den Frieden erhalten hat; die Zusammenarbeit unter 16 souveränen Staaten d
längeren Bestand hatte als alle Bündnisse der Neuzeit; die Krisen, die bewältigt wurden; und jüngst die Entscheidung, die aufrechterhalten wurde, um das
nukleare Gleichgewicht in Europa wiederherzustellen.
Oder man

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Oder man kann auch die ungelösten Fragen bedauern:

die Kluft zwischen

der verkündeten militärischen Strategie und dem, was wirklich getan wird; das
Ungleichgewicht zwischen Entspannung und Verteidigung; das Tempo und die Richtung der Rüstungskontrolle und das von den Sowjets geschürte wachsende Mißtrauen zwischen einer Generation von Amerikanern und Europäern, die ihr ganzes
Leben unter dem Schutz des Bündnisses verbracht haben, das sie angreifen.
In beiden Interpretationen liegt etwas Wahres. Die NATO ist eines der
erfolgreichsten Bündnisse der Geschichte.

Sie hat auch in zunehmendem Maße

den Eindruck der Einigkeit erweckt, indem sie einigen grundlegenden Fragen
ausgewichen ist. Der neugewählte Generalsekretär der NATO, Peter Carrington,
hat sich in einer Rede im Institut für Strategische Studien im April vorigen
Jahres mit Eleganz und Witz auf dem schmalen Grat zwischen Optimismus und Verzweiflung bewegt.

Er wird ohne Frage die NATO mit Kraft, Intelligenz, Weit-

blick und Menschlichkeit führen.

Er ist in der Tat ein Grund zum Optimismus.

Ich neige, um ganz offen zu sein, etwas zur Apokalypse.

Was ich sage, ent-

spricht hoffentlich dem Geist seiner Bemerkungen, aber der Verpflichtungen
eines Diplomaten ledig, kann ich die Dinge, d.h. einige der ungelösten Probleme der NATO - wie ich sie sehe -, besser beim Namen nennen.
Es besteht keine unmittelbare Krise. Und doch lassen uns die Demonstrationen auf den Straßen und die zögerliche Haltung einiger Regierungen erkennen,
daß keinerlei Grund zur Selbstgefälligkeit besteht. Früher oder später müssen
wir einen Preis dafür zahlen, wenn wir den entscheidenden Problemen ausweichen,
oder man müßte schon großes Glück haben. Und das Glück haben meist jene, die
sich nicht darauf verlassen. Glück, so sagt man, hat am Ende nur der Tüchtige.
In diesem Sinne möchte ich drei Fragen behandeln:
a) das endlose Nuklearproblem, vor allem den zunehmenden Trend zu der
Nicht-Ersteinsatzdoktrin;
b) die INF-Verhandlungen; und
c) die Ost-West-Beziehungen.
Die strategischen

- 2 -

�Die strategischen Fragen - die Nicht-Ersteinsatzdoktrin
Das Dilemma, das die Kernwaffen mit sich bringen, ist in den letzten
30 Jahren so oft wiederholt worden, daß es kaum mehr als einer kurzen Zusammenfassung bedarf.

Ende der vierziger und in den fünfziger Jahren glaubten

die Führer des Westens, sie könnten die von ihnen angenommene zahlenmäßige
Überlegenheit der sowjetischen Streitkräfte durch die Zerstörungskraft der
Kernwaffen ausgleichen.

Aber die Kernwaffen konnten diese Lücke - in Wirk-

lichkeit oder in der Annahme - nur solange schließen, wie die Führer und die
öffentliche Meinung überzeugt waren, daß sie die Fähigkeit besaßen, einen
sowjetischen Gegenschlag in erträglichen Grenzen zu halten, und selbst dann
nur, wenn ein Erstschlag des Westens sowjetische Verluste verursachen würde,
die mit unseren moralischen Überzeugungen noch vereinbar wären.
Diese Umstände begannen in den sechziger Jahren zu schwinden.

Die Tech-

nologie neigte sich einer Gleichwertigkeit zu - zumindest in dem Sinne, daß
ein strategischer Schlagabtausch sicherlich auf beiden Seiten zu solchen Verlusten geführt hätte, daß jede weitere Fähigkeit, Schaden zuzufügen, in keinem
Verhältnis zu vorstellbaren Ergebnissen gestanden hätte.
Dieser Trend wurde durch das Vietnam-Trauma verschärft.

Die westlichen

Militärhaushalte kamen unter immer stärkeren Druck und Angriff durch die Öffentlichkeit.

Seit Anfang der siebziger Jahre ist in den Vereinigten Staaten

kein strategisches Waffensystem mehr ohne lähmende Kontroverse und sich hinziehende Verzögerung disloziert worden.
unausweichlich wurde.

Die Parität wurde Mode, noch bevor sie

Sie wurde in der Theorie und Praxis der Rüstungskontrol-

le institutionalisiert.
Die Prämissen der NATO-Strategie wurden so systematisch untergraben,
zum Teil durch eigene Schuld, aber hauptsächlich durch unausweichliche Trends,
Aber die NATO-Doktrin änderte sich nicht.

Man legte ein Lippenbekenntnis zu

einer stärkeren konventionellen Verteidigung ab.

Es fanden sogar einige Ver-

stärkungen statt, aber niemals genügend, um mit der massiven sowjetischen Auf-

- 3-

�sowjetischen Aufrüstung Schritt zu halten.

Die flexible Antwort auf der Basis

der schrittweisen und doch systematischen Eskalation blieb NATO-Doktrin.
Als Ergebnis wird die strategische Debatte in einer anormalen Weise geführt.

Die Verteidigung der NATO ruht letztlich auf den Kernwaffen.

Besorgnis der Öffentlichkeit über einen Atomkrieg wächst.

Aber die

Sie wird bis ins

Irrationale gesteigert von Gruppen - einige wohlmeinend -, die glauben, daß
die Herbeiführung einer Panik das beste
tung eines Atomkrieges zu erreichen.

Mittel sei, um ihr Ziel der Verhü-

Regierungen, die sich fürchten, für ihre

Politik zu kämpfen, haben die Konfusion perfekt gemacht.
Kein Führer im Westen traut sich heute klar zu sagen, was seine Strategie erfordert: Daß man, wenn man eine Niederlage vermeiden will, gezwungen
wäre, auf Kernwaffen zurückzugreifen.

Präsident Reagan und Verteidigungsmi-

nister Weinberger wurden in Europa verteufelt, als sie von der "Gewinnbarkeit"
eines Atomkrieges sprachen.
sicherlich nicht froh.

Der Gedanke, einen Atomkrieg zu "gewinnen", macht

Aber wenn man es ausspricht, dann stellt man eine ele-

mentare Wahrheit auf die Probe:

Wenn der Nuklearstrategie kein vernünftiger

militärischer Platz zugewiesen werden kann, dann werden Führer und Öffentlichkeit in zunehmendem Maße durch die noch immer festgeschriebene NATO-Doktrin
demoralisiert werden.
Seither haben der Präsident und sein Kabinett nicht nur einen Rückzug
angetreten: Sie haben ausdrücklich von ihrer Behauptung Abstand genommen,
daß ein Atomkrieg gewinnbar sei. Es ist ein tragisches Symptom für den Bruch
im Verständnis zwischen unserer Administration und ihren europäischen Kritikern, daß diese nachdrücklichen Bekräftigungen nicht beachtet oder nicht geglaubt werden; daß die meisten unserer Kritiker immer wieder Präsident Reagan
und Verteidigungsminister Weinberger auf ihre ursprünglichen Äußerungen festnageln wollen.
Was führende Politiker nur andeuten, das drücken private Bürger deutlich aus. Im Jahr 1982 haben vier prominente Amerikaner, die alle ein hohes

- 4 -

�ein hohes Amt innehatten - Robert McNamara, Gerald Smith, McGeorge Bundy und
George Kennan - den einseitigen Verzicht auf den Ersteinsatz von Kernwaffen
vorgeschlagen.

McNamara bekräftigte diese Erklärung später, indem er versicher-

te, daß er als Verteidigungsminister Anfang der sechziger Jahre und als Vater
des Konzepts der flexiblen Antwort seine Präsidenten gedrängt habe, niemals und
unter keinen Umständen Kernwaffen einzusetzen.
lerweile ausgebreitet.

Diese Auffassung hat sich mitt-

Die öffentliche Meinung schlittert praktisch mehr und

mehr in eine Nicht-Ersteinsatzdoktrin hinein.
Es kann kein Zweifel bestehen, daß die NATO in einer Position sein sollte, in der sie nicht gezwungen wäre, in einem frühen Stadium eines Konflikts
auf Kernwaffen zurückzugreifen.

Hoffentlich wird sie stark genug sein, um

jeden auch noch so starken konventionellen Angriff mit konventionellen Mitteln abwehren zu können.

Die Notwendigkeit, die konventionelle Kapazität der

NATO zu stärken, wird seit langem leidenschaftlich verfochten.
lang hat sich das Ziel als unerreichbar erwiesen.
den nicht schon wieder so etwas fordern.

Aber genauso

Die Vereinigten Staaten wer-

Ihre Verbündeten werden innenpoli-

tischen Anliegen den Vorrang über einen ernsthaften Ausbau der Verteidigung
geben.
Es ist eine Sache, für eine stärkere konventionelle Verteidigung einzutreten - wie ich es mit vielen anderen hier immer wieder getan habe.

Aber

es ist etwas ganz anderes, auf den Ersteinsatz von Kernwaffen zu verzichten.
Wenn uns die Geschichte etwas lehrt, dann dies, daß die Abschreckung mit
konventionellen Waffen eine riskante Sache ist.

Die Europäer haben hunderte

von Jahren lang den Ausbruch von Kriegen zwischen Armeen erlebt, die für
gleichstark gehalten wurden.

Selbst zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde

die französische Armee für zahlen- und ausrüstungsmäßig der deutschen Armee
überlegen gehalten - und war es auch.

In einem konventionellen Krieg spielen

Führung, Konzentration der Kräfte und Taktik eine so große Rolle, daß vergleichende Berechnungen der Systemanalyse eine riskante Richtschnur für die
Abschreckung sind.

Es kann kein Zufall sein, daß alle Kriege in der Nach-

kriegszeit dort aufgetreten sind, wo es keine amerikanischen Streitkräfte und

- 5 -

�Streitkräfte und keine Kernwaffen gibt.

Während dieses Zeitraums hat sich

Europa unter dem amerikanischen Nuklearschutz der längsten Friedensperiode
in seiner Geschichte erfreut.
Die Dürftigkeit der konventionellen Abschreckung ist jedoch nicht der
eigentliche Punkt meiner Sorge über die Ausbreitung der Nicht-Ersteinsatzdoktrin.

Denn paradoxerweise könnte eine wachsende Annahme dieses Konzepts

gerade zu nuklearer Erpressung oder sogar zum Atomkrieg einladen.
Nicht-Ersteinsatzdoktrin irgendeinen

Wenn die

Sinn haben soll, dann muß sie bedeuten,

daß wir und unsere Verbündeten eher in Kauf nehmen, mit konventionellen Waffen besiegt zu werden, als auf Kernwaffen zurückzugreifen.

Aber wenn man

erst bereit ist, die Niederlage hinzunehmen, welchen Unterschied macht es
dann, mit welchen Waffen sie herbeigeführt wird?

Warum sollte man die Be-

reitschaft zur Kapitulation von der Wahl der Waffen abhängig machen, die ein
Gegner benutzt, um uns seinen Willen aufzuzwingen?

Wenn ein Aggressor die

Folgen der Nicht-Ersteinsatzdoktrin in diesem Sinne analysiert, dann hätte
er einen Anreiz zu warnen, daß jeder Krieg ganz rasch zu einem Atomkrieg würde.

Das würde den Westen vor die Wahl zwischen Kapitulation oder der Art von

Krieg stellen, zu dessen Führung unsere Länder als Ergebnis der jahrelangen
Stigmatisierung der Waffen nicht mehr in der Lage wären, um die herum unsere
Verteidigung aufgebaut ist und von denen die Arsenale unseres Gegners übervoll sind.
Aber wenn wir bereit sind, eher Kernwaffen einzusetzen, als Europa
überrennen zu lassen, dann sind wir wieder bei unserem ursprünglichen Problem angelangt: der richtigen Mischung (Mix) zwischen nuklearen und konventionellen Streitkräften und der geeigneten Strategie für den Einsatz von Kernwaffen, und wenn auch nur als letzte Zuflucht. Es führt kein Weg an der Frage vorbei, wie Kernwaffen eingesetzt werden würden, ohne die Menschheit zu
vernichten.
Eine vernünftige Behandlung dieser Realität steht noch aus. Einige
Experten - zwar immer weniger an Zahl und durch die Angriffe der Friedensbe-

- 6 -

�der Friedensbewegung so geschockt, daß sie sich in ihr Schneckenhaus zurückgezogen haben -, wollen Nuklearwaffen noch immer so sehen wie "konventionelle".
Das ist ohne Frage absurd.

Eine andere, größere Gruppe - ironischerweise in

ihrer Mehrheit aus Personen zusammengesetzt, die im allgemeinen eine humane
und "fortschrittliche" Innenpolitik befürworten - beharrt darauf, daß ein Atomkrieg notwendigerweise die bewußte Ausrottung der Zivilbevölkerung mit sich
bringen müsse.

Diese Menschen sind überzeugt, daß man Regierungen nur dadurch

von nuklearen Abenteuern abhalten kann, daß man sie auf die grausigste Strategie festlegt.
Sowohl Politik als Moral verlangen, daß Regierungen, solange Kernwaffen
existieren und ein Atomkrieg zumindest vorstellbar ist, nach Mitteln und Wegen
suchen, um ihre Anwendung zu begrenzen und einen solchen Krieg rechtzeitig beenden, bevor er sich in eine Weltkatastrophe ausweitet.

Es ist verantwor-

tungslos, in einer Welt, in der es Zehntausende von Kernwaffen gibt, zu lehren, daß jeder nukleare Zwischenfall automatisch zu einer Vernichtung der
Erde eskalieren müßte. Wenn - aus welchem Grund auch immer - das Schlimmste
eintreten sollte, dann haben Regierungen gegenüber der Menschheit und der Geschichte die Verpflichtung, die Folgen in Grenzen zu halten.

Nur Nihilisten

oder abstrakte Ideologen können sich dieser Pflicht entziehen.
Der Kern des Problems liegt darin, daß in fast allen Ländern der Konsens
über Verteidigung und Außenpolitik zusammengebrochen ist.

Deshalb wird die

Sicherheitspolitik eines Landes nur zu oft der Innenpolitik untergeordnet.
Nur zwei tröstliche Illusionen könnten das verhindern.

Europa wiegt sich in

dem Glauben, daß am Ende Amerika eine Aggression verhüten oder mit seinen
äußersten Waffen bekämpfen würde, wenn es keine andere Wahl hätte.

Amerika

wiegt sich in der Illusion, daß Europa durch intensive Konsultationen veranlaßt würde, seinen Verteidigungsbeitrag auf konventionellem Gebiet zu erhöhen.
Keine dieser Erwartungen ist realistisch - die der Europäer kaum mehr als die
der Amerikaner.
Wenn die

�Wenn die derzeitigen Tendenzen anhalten, dann gehen wir das Risiko
ein, einer prekären Kombination der formellen NATO-Doktrin der flexiblen Reaktion überlassen zu bleiben, die jedoch heute - im Gegensatz zu dem Zeitpunkt, als sie entwickelt wurde - unter Bedingungen des nuklearen Patts,
eines wachsenden nuklearen Pazifismus und anhaltender Unzulänglichkeit der
konventionellen Streitkräfte angewandt werden muß.

Einer nicht kohärenten

Verteidigungspolitik überlassen, werden wir uns der Fähigkeit zu einer militärischen Antwort begeben haben, obwohl wir auf dem zerstörerischsten Arsenal
von Waffen sitzen, das die Welt je gesehen hat; und einer Antwort an einen
Gegner, dessen politisches und wirtschaftliches System jede Gültigkeit verloren zu haben scheint.

Rüstungskontrolle und Mittel Streckenwaffen
Es ist nicht überraschend, daß sich das Erschrecken der Öffentlichkeit in Angst verwandelt hat und Abkommen zur Beendigung des sogenannten
Wettrüstens einen immer größeren "Heiligenschein" bekommen. Um die Gefahren eines Atomkriegs zu bannen und den Trend im Ost-West-Verhältnis zu wenden, wird Rüstungskontrolle gefordert. Das bürdet diesen Verhandlungen eine
größere Last auf, als sie überhaupt tragen können. Es ist kein Zufall, daß
die Genfer Verhandlungen genau an dem Moment einfroren, an dem Regierungen
und öffentliche Meinung im Westen noch nachdrücklicher auf ihnen beharrten.
Die Rüstungskontrolle steht in Gefahr, von einem technischen Streben nach
strategischer Stabilität in einen deus ex machina verwandelt zu werden. Ja,
sie ist in Gefahr, sich in ein Werkzeug der politischen Kriegführung der
Sowjets zu verwandeln - und sowohl der Mangel an strategischem Zusammenhang
im Westen als auch seine Angst leisten die Hauptbeiträge zu dieser Entwicklung.
Die Idee der Rüstungskontrolle selbst ist natürlich neu, wenn nicht
gar revolutionär.

In den fünfziger Jahren in ihrer gegenwärtigen Form ent-

wickelt, strebte sie ausdrücklich nach Stabilität, indem der Anreiz zu einem
- 8 -

�zu einem Überraschungsangriff nicht durch Waffen, sondern durch Abkommen
verringert wurde.

Die geschichtlich ungewöhnliche Vorstellung entstand, daß

die Verwundbarkeit eines Landes ein strategischer Pluspunkt sei. Wenn das Leben der Zivilbevölkerung auf beiden Seiten auf dem Spiel steht - so wurde argumentiert - dann würde keine Seite es wagen, diese Waffen einzusetzen.

Die

Rüstungskontrolltheorie trug - im Westen - zu einer Abneigung gegen Defensivwaffen, wie die Raketenabwehr-Raketen (ABM), bei. Sie führte ferner dazu,
daß jedes Offensivsystem einer eingehenden Prüfung ausgesetzt wurde, ob es
die militärische Gleichung "destabilisieren" könnte.

Noch nie zuvor in der

Geschichte wurde die Militärpolitik nach solchen Kriterien beurteilt.

Aber

nie zuvor hatten natürlich auch Waffen solche Risiken gebracht.
Dies ist nicht der Platz für eine Analyse der RüstungskontroiItheorie,
die viele wertvolle Einsichten brachte.

Wenn Rüstungskontrolle jedoch wirksam

sein soll, dann erfordert sie ein ungewöhnlich feines Verständnis der Elemente
der Strategie.

In der Vergangenheit haben oft Nationen eine Katastrophe er-

lebt, die sich eigentlich für überlegen hielten.

Wenn man mit einem Gegner

Gleichwertigkeit aushandelt, dann erfordert das eine beispiellose durchdachte Analyse.

Das Maß für die Gleichwertigkeit ist durch die Neuheit dieser

Waffen, durch die Asymmetrie im Entwurf der Waffensysteme beider Seiten und
durch ihre jeweilige geostrategische Lage schrecklich kompliziert geworden.
Wären also die Sowjets sogar eher zu einer ernsthaften Überprüfung bereit,
als sie es zu sein scheinen, dann wären die Verhandlungen doch schwierig,
weil die Waffen beider Seiten nach unterschiedlichen Kriterien entwickelt
wurden und unterschiedlichen strategischen Zielen dienen.
Das Beinahe-Chaos im strategischen und politischen Denken des Westens
hat die Hindernisse für eine Rüstungskontrolle genau zu dem Zeitpunkt noch
stark vergrößert, als die Definition von "Fortschritt" immer mehr entschwand
und die westlichen Regierungen den Fortschritt in der Rüstungskontrolle als
Voraussetzung für das politische überleben betrachteten.
Die Geschichte

�Die Geschichte der INF-Verhandlungen macht diese Punkte deutlich.

Als

Antwort auf die massive Dislozierung von Mittelstreckenraketen durch die Sowjets
ermutigten die Vereinigten Staaten ihre NATO-Verbündeten 1979, sie, die USA,
einzuladen, als Antwort ähnliche Waffen in Europa zu stationieren.

Der Groß-

teil dieser Mittel Streckenflugkörper - wie etwa die Marschflugkörper - gehörte
Kategorien an, die weit weniger bedrohlich sind als die der entsprechenden
sowjetischen Waffen, die, da es sich um ballistische Raketen handelt, ihre
Ziele in Europa in viel kürzerer Zeit erreichen können.

Aber selbst 1979

traute sich die NATO nicht, ihre Entscheidung rein militärisch bekanntzugeben,
außer daß alle Dislozierungen nachfolgenden Rüstungskontroll Verhandlungen unterliegen würden.

Die Dislozierung wurde durch den sogenannten "Doppelbeschluß"

zu einer politischen Frage, der vorherige Verhandlungen über die Abschaffung
dieser Waffen überhaupt forderte und ihre Dislozierung letztlich von einem
Scheitern der Verhandlungen abhängig machte.
Es war eine schicksalhafte Entscheidung. Die Erfahrungen mit Rüstungskontroll Verhandlungen oder der diplomatischen Praxis der Sowjets hätte zur
Vorsicht mahnen sollen, daß ein wirklich eindeutiges Ergebnis solcher Verhandlungen fast unmöglich war. Beim Fehlen eines solchen Ergebnisses mußte
die gesetzte Frist in fast allen Ländern, die als Stationierungsländer für
Flugkörper vorgesehen waren, zu einer innenpolitischen Krise führen, als der
Zeitpunkt der Dislozierung näher rückte. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit lieferte es den Sowjets einen Anreiz, die Verhandlungen hinauszuziehen, um die Entschlossenheit der westlichen Regierungen auf die Probe
zu stellen.
Und was noch wichtiger war, die Entscheidung der NATO rief eine Debatte über die Gründe für die Dislozierung der Mittel Streckenflugkörper hervor - eine Debatte, die bald von der Innenpolitik oder von all den Ausflüchten
und Widersprüchen der allgemeinen NATO-Kontroverse überwuchert wurde. Die
Gegner, die an Angst wie an Nationalismus appellierten - vor allem in der Bundesrepublik Deutschland - erfanden das Argument, daß die Mittelstreckenraketen
unserem (amerikanischen) Wunsch entsprächen, einen möglichen Krieg auf euro-

- 10 -

�auf europäisches Territorium zu beschränken.

Das war absurd.

Wir hatten

bereits Tausende von taktischen Nuklearwaffen in Europa stationiert.

Die

Mittelstreckenraketen trugen nichts zu unserer Kapazität bei, Europa zu verwüsten.

Ihr besonderes Kennzeichen war schließlich ihre Fähigkeit, über Euro-

pa hinaus die Sowjetunion zu erreichen.
Die wahre Begründung für die Dislozierung war genau das Gegenteil von
dem, was unsere Kritiker behaupteten:

Wir wollten eine nukleare Erpressung

Europas verhindern, indem wir die strategische Verteidigung Europas an die
der Vereinigten Staaten ankoppelten.

Mit den amerikanischen Mittelstrekcenra-

keten in Europa konnten die Sowjets nicht Europa allein für sich bedrohen.
Jeder nukleare Angriff und jeder erfolgreiche konventionelle Angriff würde
einen amerikanischen Gegenschlag von amerikanischen Einrichtungen in Europa
aus auslösen.

Die Sowjets müßten sogar im Falle eines konventionellen Angriffs

damit rechnen, daß wir unsere Raketen einsetzen würden, bevor sie überrannt
worden wären.

Die Sowjets müßten also diese Raketen angreifen, selbst wenn

sie in Europa konventionelle Waffen anwenden würden; das wiederum würde unsere strategischen Streitkräfte auf den Plan rufen.
In diesem Sinne war das amerikanische Angebot von Mittel Streckenflugkörpern ein selbstloser Akt. Wenn wir Mittel Streckenwaffen für rein amerikanische Zwecke überhaupt gebraucht hätten - was zu bezweifeln ist -, dann hätten wir sie leichter und mit sehr viel weniger Streit auf Schiffen dislozieren können.
Es ist nicht überraschend, daß die Sowjets die Bedeutung der neuen Dislozierungen sofort erkannten.

Für sie war es nicht schwer zu begreifen, daß

damit eine "Ankoppelung" der Verteidigung Europas an die strategischen Nuklearstreitkräfte der Vereinigten Staaten stattfand.

Der sowjetische Stabschef

Orgakow hat uns wiederholt öffentlich gewarnt, daß der Einsatz von in Europa
stationierten Mittel Streckenwaffen sofort einen sowjetischen Vergeltungsschlag
gegen die Vereinigten Staaten auslösen würde.
Statt diese

- 11 -

�Statt diese Ankoppelung zu begrüßen, die die Abschreckung stärkte, indem sie die Sowjets mit Risiken konfrontierte, die einzugehen sie sicherlich
nicht bereit wären, benutzten unsere europäischen Verbündeten sie, um uns zu
drängen, als Alternative zur Dislozierung den Weg des Doppelbeschlusses einzuschlagen.

Wir haben selbst zur Verwirrung beigetragen, indem wir die soge-

nannte "Null-Option" vorschlugen: die Bereitschaft, auf unsere Dislozierungen
in Europa zu verzichten, wenn die Sowjets ihre eigenen Mittelstreckenraketen
aufgeben würden.

Dieses Angebot ließ praktisch einen typischen Washingtoner

Kompromiß erkennen.
len:

Er vereinte drei Gruppen mit gänzlich verschiedenen Zie-

jene, die gegen die Dislozierung strategischer Waffen in Europa waren,

weil ihnen an einer mehr rein amerikanischen Entscheidung hinsichtlich eines
strategischen Nuklearkrieges gelegen war; jene, die gegen jedes Abkommen waren, aber die Null-Option unterstützten, weil sie überzeugt waren, daß die
Sowjets sie niemals annehmen würden; und letztlich die ehrlichen Verfechter
der Rüstungskontrolle, die der Auffassung waren, daß jede Verringerung, aus
welchen Gründen auch immer, ein Schritt vorwärts sei.
Hätten die Sowjets das Angebot angenommen - oder gar einen Gegenvorschlag
gemacht, der die Null-Option auf Europa begrenzt hätte - dann wären die Vereinigten Staaten auf immer an allen neuen Dislozierungen gehindert gewesen.
Gleichzeitig wäre die Fähigkeit der Sowjets, Europa zu erpressen, weiterhin
bestehen geblieben - entweder durch neue taktische Waffen oder durch die überreichlich vorhandenen Gefechtsköpfe der strategischen Langstreckenwaffen.
Symptomatisch für die Konfusion im strategischen Denken des Bündnisses
war es, daß viele unserer europäischen Verbündeten unser Angebot als Unnachgiebigkeit interpretierten. Da die Sowjets erklärten, sie würden unser Angebot niemals annehmen, wurden wir gedrängt, eine neue Position zu beziehen
- d.h. die Null-Option aufzugeben. Das bedeutete in der Praxis nichts anderes,
als daß wir einen vereinbarten, verringerten Stand der Waffen vorschlagen sollten. Aus Gründen der europäischen Innenpolitik - nicht aus strategischen Oberlegungen - wurden wir gedrängt, die Ankoppelung der nuklearen Verteidigung
Europas an die der Vereinigten Staaten wieder vorzunehmen, die unser Angebot
- 12 -

�unser Angebot aufgehoben hätte: nämlich doch einige Mittel Streckenflugkörper
in Europa zu stationieren - diesmal im Namen der Rüstungskontrolle.
Der Mangel an Klarheit bezüglich der strategischen und politischen Ziele
übte weiterhin einen schlimmen Einfluß auf die Politik des Bündnisses aus.
Den Vorhaltungen des Bündnisses nachgebend, gaben wir die Null-Option zugunsten eines Interimsabkommens über einen verringerten Stand von Raketen auf
beiden Seiten auf. Aber kaum waren wir ihrem Rat gefolgt3 gedachten einige
europäische Regierungen eine immer unruhiger werdende öffentliche Meinung damit zu beschwichtigen, daß sie von uns weitere Zugeständnisse verlangten.
Das erforderte eine Senkung der vorgesehenen Höchstgrenzen und praktisch nichts
anderes, als daß eine Ungleichheit zugunsten Moskaus in Kauf genommen worden
wäre.

Und als wir dann auch hier wieder nachgaben, wurden wir schließlich für

das völlige Stocken der Konferenz verantwortlich gemacht.

Nachdem die "Un-

nachgiebigkeit" der Reagan-Administration in der kritischen Publizistik Europas einen fast folkloristischen Charakter angenommen hatte, wurde das Märchen
aufgebracht, die Vereinigten Staaten hätten eine große Chance verpaßt, weil
sie nicht rasch genug auf die Ergebnisse des sogenannten "Waldspazierganges"
des sowjetischen und amerikanischen Unterhändlers im Juli 1982 eingegangen
seien.

Bei jener Gelegenheit hatte Botschafter Paul Nitze eine Obergrenze

für Mittel Streckenflugkörper auf beiden Seiten und einen Verzicht auf PERSHIN6
II-Raketen vorgeschlagen.

Die Sowjets hatten oder hatten nicht - je nachdem,

wessen Version man hört -, an der Ausarbeitung des Dokuments teilgenommen,
bevor sie einwilligten, es nach Moskau weiterzuleiten.

Dies ist nicht der Ort, genau zu analysieren, was wirklich geschah.
Unbestritten ist, daß unser Er.tscheidungsprozeß auf die Nitze-Formel in der
üblichen umständlichen Weise reagierte - aber man war auch nicht vorbereitet
worden.

Das ist weder überraschend noch besonders wichtig.

Und es rechtfer-

tigt auch nicht die Behauptung, wir hätten eine Chance verpaßt.

Denn die

Sowjets lehnten im September 1982 die Nitze-Formel ab und taten dies erneut
im Oktober 1983, als sie das jüngste amerikanische Angebot ablehnten, das dem
Nitze-Konzept sehr nahe kam.

Der einzige Unterschied zu dem jetzigen amerika- 13 -

�jetzigen amerikanischen Vorschlag von einer Höchstgrenze von 100 Mittelstrekkenraketen ist die Beibehaltung von 36 PERSHING II-Raketen.

Das ist eine Zahl,

die selbst von einem höchst paranoiden sowjetischen Führer - angesichts der
Tausenden auf Europa gerichteten sowjetischen Gefechtsköpfe - nicht als Bedrohung durch einen Überraschungsangriff angesehen werden kann.
Die Sowjets lehnten dieses Angebot ab, nicht weil die PERSHING-Raketen
eingeschlossen waren oder weil ihnen die Höchstgrenze unzureichend erschien,
sondern weil sie in den INF-Verhandlungen eine konsequent offensive Politik
verfolgten.

Sie wichen niemals von ihrem Ziel ab: Es ging ihnen nur darum,

amerikanische Mittelstreckenraketen aus Europa herauszuhalten - was zeigte,
daß zumindest sie die strategischen und politischen Probleme begriffen hatten,
um die es ging.

Und diese ganze Agitation erfolgte, nachdem die Sowjets be-

reits über 200 SS-20-Raketen disloziert hatten, während noch keine einzige amerikanische Rakete in Europa angekommen war.
Die Sowjets entnehmen unserem jüngsten Vorschlag - und vielen öffentlichen Erklärungen - ohnehin, daß die Vereinigten Staaten bereit sind, sich
mit einer relativ kleinen Anzahl von Raketen, die in Europa stationiert sind,
zufriedenzugeben. Ihr Argument hinsichtlich der verkürzten Vorwarnzeit bei
der PERSHING II ist für die Leichtgläubigen. Welche entscheidende Wirkung
könnten 36 PERSHING haben? Eine PERSHING braucht acht bis zehn Minuten, um
von Westeuropa aus die Sowjetunion zu erreichen. Eine Interkontinentalrakete
braucht von den Vereinigten Staaten aus 25 bis 30 Minuten; eine unterseebootgestützte Rakete braucht, je nach ihrer Position, 15 bis 20 Minuten. Wenn man
die PERSHING abzöge: Was würden die Sowjets mit den zusätzlichen paar Minuten
Warnzeit tun? Und nachdem unser Angebot nicht die Forderung enthält, die in
Asien dislozierten SS-20 mitzuzählen, haben die Sowjets sogar in Europa einen
numerischen Vorteil, da zwei Drittel ihrer asiatischen Dislozierungen den
Größtteil Europas abdecken können. (Ich sage dies nicht als eine Kritik unseres Angebots, denn das entscheidende Element unserer Dislozierung ist die Ankoppelung der nuklearen Verteidigung Europas an die der Vereinigten Staaten,
welche unser Angebot beibehält.)
Erneut wiesen
- 14 -

�Erneut wiesen die Sowjets unseren Vorschlag zurück und verließen den
Verhandlungstisch; denn im Gegensatz zu den Argumenten unserer Kritiker und
der Ambivalenz vieler Regierungen, führen sie derzeit die Verhandlungen als
ein politisches Manöver.

Sie haben sich bislang geweigert, sich mit weniger

als der Vertreibung amerikanischer Mittelstreckenraketen aus Europa zufriedenzugeben, weil sie ein größeres Ziel als die Stabilität im Auge haben.

Es geht

ihnen um nichts weniger als darum, den politischen Charakter der NATO zu verändern.
Sollten sie - zum zweiten Mal innerhalb von zehn Jahren - damit Erfolg
haben, so würden die Sowjets eine NATO-Dislozierung verhindern, zu der sich
die Regierungen selbst seit vielen Jahren verpflichtet haben:

Erst der Neu-

tronenbombe im Jahr 1978 und nunmehr der Mittelstreckenraketen.

Der prak-

tische Effekt bestünde darin, daß die Sowjetunion ein Veto über die künftigen
NATO-Dislozierungen hätte - zumindest im Nuklearbereich.
offen für die selektive nukleare Erpressung Europas.

Dann wäre der Weg

Nach einer kurzen Perio-

de der Entlastung würden die NATO-Länder die Schwächung des amerikanischen
Nuklearschildes erkennen.
ten gelten.

Dies würde insbesondere für die Nichtnuklearstaa-

Sie würden ihre besondere Gefahr erkennen:

Entweder Neutralismus

oder eine grollende Art des Nationalismus würde sich entwickeln.

Die Sowjets

wären nahe daran, das zu erreichen, was sie zunächst den Vereinigten Staaten
während der Verhandlungen über das Abkommen über die Verhinderung eines Atomkrieges im Jahr 1974 vorgeschlagen hatten:

Daß nämlich im Fall eines euro-

päischen Krieges der Einsatz von Kernwaffen auf die Staaten Europas beschränkt
sein sollte - mit Ausnahme der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten.
wiesen diesen Vorschlag schon damals zurück.

Wir

Es wäre eine Ironie, die an-

gestrebten Bedingungen hierfür jetzt in der Verkleidung einer Rüstungskontrolle
zu schaffen.
Das Argument, wonach die britischen und französischen Streitkräfte als
Ausgleich für die sowjetischen

SS-20 dienen könnten, ist entweder sophistisches

Gerede oder aber ein Mißverständnis.

Angesichts der gewaltigen Disparität an

Gefechtsköpfen zwischen Frankreich und Großbritannien einerseits und der Sowjet-

- 15 -

�der Sowjetunion andererseits ist es doch selbstverständlich, daß die britischen und französischen Kernwaffen lediglich - wenn überhaupt - vor einem
nuklearen Angriff auf diese Länder abschrecken können.

Sie können anderen

NATO-Verbündeten keinen Schutz bieten; sie bilden nicht die Drohung eines
Ersteinsatzes,ganz gleich, unter welch extremen Umständen sich die konventionellen Streitkräfte der NATO auch befinden würden.

Falls die Anzahl ihrer

Gefechtsköpfe zunimmt, sollten die britischen und französischen Waffen zu
einem bestimmten Zeitpunkt in die START-Verhandlungen einbezogen werden.
Derzeit sind sie - solange man sie nicht im Zusammenhang mit der amerikanischen
Abschreckung sieht - für die Verteidigung Europas nahezu irrelevant.
Das grundlegende INF-Problem ist recht einfach.

Wenn es wirklich Ziel

der Sowjets ist, einen Überraschungsangriff durch unsere europäischen Dislozierungen zu verhindern, so könnte ein Abkommen über die Anzahl und die Zusammensetzung leicht und schnell erfolgen.

Was wir nicht tun sollten, ist,

die Dislozierung von Raketen in Europa ganz und gar aufzugeben.

Und wenn die

Sowjets wirklich darauf bestehen, so wäre es ein deutlicher Beweis dafür, daß
ihr Ziel darin liegt, das westliche Bündnis zu zerschlagen.

Wenn unsere Ver-

bündeten sich nicht dazu bringen, dies ihrer jeweiligen Öffentlichkeit klarzumachen, dann können sie nur sich selbst die Schuld geben, wenn sie von schleichendem Pazifismus und Neutralismus überschwemmt werden.

Und in diesem Fall

wird die psychologische Grundlage, die Raketen in Europa zu halten, erst in
Europa, aber schließlich auch in den Vereinigten Staaten untergraben werden.
Sicher, es ist höchst wünschenswert, daß die INF-Gespräche wieder aufgenommen werden. Aber schon das Klagende der westlichen Appelle gibt den
Sowjets den Anreiz, mit der politischen Offensive weiterzumachen. Aber wenn
und falls die Gespräche erneut beginnen, dann ist es von entscheidender Bedeutung, daß die westlichen Länder mehr Stärke und Einheit zeigen als bislang.
Die Haltung zu vieler Regierungen des Bündnisses hinsichtlich der Dislozierung ist wie die eines Gastgebers gegenüber einem ungeliebten Gast, bei dem
es zu peinlich wäre, die Einladung zum Essen rundweg zurückzunehmen. So lange
eine fast verzweifelte Sehnsucht nach einem reklamehaften Verhandlungsergebnis
- 16 -

�reklamehaften Verhandlungsergebnis besteht und solange die Vereinigten Staaten
automatisch für jede Sackgasse verantwortlich gemacht werden, so lange dürfte
die sowjetische Halsstarrigkeit durch die Hoffnung genährt bleiben, daß Beständigkeit in ihrem derzeitigen Kurs das Bündnis auflösen wird.
Wenn und falls die Verhandlungen Wiederbeginnen, sollten unsere Verbündeten im Interesse eben des Fortschrittes, den sie anstreben, damit aufhören,
neue Zugeständnisse zu fordern, solange die Sowjets nicht einmal das Prinzip
der Gleichwertigkeit anerkannt haben.

In einem Jahr gab es bei unserer INF-

Position drei größere und zwei kleinere Neuanpassungen - zu einem großen Teil,
um die öffentliche Meinung des Bündnisses zu besänftigen.

Aber wenn Positionen

einander mit geradezu verwirrender Geschwindigkeit folgen, wird überhaupt keine
mehr verstanden.

Damit wird nur das Argument angeheizt, wir seien zynisch,

wir wüßten nicht, was wir tun, unsere grundsätzliche Position sei brüchig.
Die Sowjets haben keinen Anreiz dazu, ihren Kurs zu ändern, wenn sie sehen,
wie sich die Bündnispartner ständig gegenseitig etwas vormachen.

Auch die

Vereinigten Staaten haben ihre Fehler gemacht, aber die Wurzel der Schwierigkeiten bei den INF-Verhandlungen ist ein Angriff der Sowjetunion auf das bestehende politische Gleichgewicht in Europa.
Es gibt eine ganze Reihe technischer Möglichkeiten, aus dieser Sackgasse herauszukommen.

Wenn die Sowjets eine Formel zur Wiederaufnahme der

Gespräche brauchen, mit der sie ihr Gesicht wahren können, so könnten die
START- und INF-Gespräche zusammengelegt werden - obgleich ich den Verdacht
habe, daß dies
würde.

beide Verhandlungsbereiche nur verlängern und komplizieren

Und es würde nicht das Kernproblem lösen.

Es ist kein Fortschritt

möglich, solange nicht die Sowjets den Grundsatz akzeptieren, daß die amerikanischen Mittelstreckenraketen bei jeder Art von vereinbartem Umfang der Mittelstreckensysteme beider Seiten mit einbezogen werden müssen.

Wird dieser

Grundsatz erst einmal akzeptiert, wird es rasche Fortschritte geben.

Ost-West-Beziehungen
- 17 -

�Ost-West-Beziehungen
Bei der öffentlichen Debatte innerhalb des Bündnisses ist es nahezu
zu einem Axiom geworden, daß die Ost-West-Beziehungen niemals schlechter gewesen seien.

Viele Europäer geben zu, daß sie davon überzeugt seien, die ame-

rikanische UnVorhersagbarkeit und Wankelmütigkeit hätten sich mit einer Rhetorik der Konfrontation und des Kriegerischen verbunden, um die Sowjets in eine
grollende Feindseligkeit zu treiben.

Viele Amerikaner wiederum sind der Mei-

nung, die europäische Unentschlossenheit und innenpolitische Schwäche ermutige
die Sowjets nur zu einem Angriff auf das politische Gleichgewicht der Nachkriegszeit in Europa.
Wie bei jedem Familienkrach gibt es auf beiden Seiten etwas Wahres.
Seit dem Zusammenbruch des Nachkriegskonsens während des Vietnamkriegs
ist die amerikanische Politik außergewöhnlich veränderlich. Die Entspannung
der frühen siebziger Jahre wurde durch eine seltsame und noch nie dagewesene
Koalition von Liberalen und Konservativen angegriffen, die sich nie hätten
verbünden können - außer aufgrund des Zusammenbruchs der Autorität der Exekutive, wie ihn Watergate verursacht hatte. Die Liberalen griffen die Entspannung deswegen an, weil sie sich zu viele Gedanken über das Kräftegleichgewicht
mache; die Konservativen verdammten sie, weil sie nicht ideologisch oder "moralisch" genug sei. Die Koalition hatte einerseits dabei Erfolg, daß sie sowohl die Anreize als auch die Strafen zerstörte, auf denen die Entspannung
basierte; andererseits war sie - noch immer Sklave des Traumas von Vietnam nicht bereit, sich den Konsequenzen einer neuerlichen sowjetischen Unnachgiebigkeit zu stellen.
Die Kritiker der Entspannung hatten ein Argument, wenn sie darauf verwiesen, daß die amerikanische Öffentlichkeit nicht an Machtpolitik gewohnt
war; daß es in Amerika keine Tradition dafür gab, Beziehungen gleichzeitig
kooperativ und gegnerisch zu unterhalten. Aber genau dies ist die Herausforderung, vor der unsere Führungen stehen. Jeder andere Kurs verliert die

- 18 -

�verliert die Unterstützung der Öffentlichkeit wie des Bündnisses und ermöglicht es den Sowjets, sich des weltweiten Verlangens nach Frieden zu bemächtigen - wie dies die Reagan-Administration unter Schmerzen gelernt hat.
Die Carter-Administration kündigte eine "neue Methode" an, bei der die
Administrationen von Nixon und Ford dafür kritisiert wurden, daß sie sich angeblich viel zu sehr damit beschäftigt hätten, dem Kommunismus Widerstand zu
leisten.

Nachdem es zunächst die Struktur von SALT II, wie sie von der Ford-

Administration übernommen worden war, zurückgewiesen hatte, akzeptierte das
Carter-Team sie, ließ jedoch so viele Verzögerungen zu, daß die Invasion
Afghanistans alle Aussichten auf eine Ratifizierung zunichte machte.

Die

jetzige Administration kam ins Amt und verwarf die Position aller ihrer Vorgänger.

Sie verspottete die Entspannung, weigerte sich,SALT II zu ratifizie-

ren - sogar, obwohl sie sich an seine Bestimmungen hielt - und all dies nur,
um im vergangenen Jahr eine Wendung in Richtung auf den offenkundigen Wunsch
hin zu tun, die Ost-West-Beziehungen zu verbessern, ja, sogar ein Gipfeltreffen zu erreichen.
Es geht hier nicht um die Frage, welche Verkörperung der amerikanischen
Politik die richtige war.

Jede wurde von vernünftigen Leuten vertreten, die

vernünftige Argumente hatten.

Das Problem ist, daß jede neue Administration

keine Verantwortung gegenüber dem Vermächtnis ihrer Vorgängerin fühlte; ja,
sie brüstete sich geradezu damit, ganz von vorn anzufangen.

Jede dieser Neu-

beurteilungen der amerikanischen Politik hinterließ unter den europäischen
Führern Opfer, die sich im Vertrauen auf die amerikanischen Darstellungen und
Informationen auf die vorherige Ordnung verpflichtet hatten.

Jede Neubeirtei-

lung erschütterte das Vertrauen und ermutigte den europäischen Neutralismus,
sich weniger von unserer rastlosen Suche nach etwas Neuem abhängig zu machen.
Aber die Vereinigten Staaten waren auch nicht die einzigen, die ihre
Sichtweise änderten.

Unsere Verbündeten haben sich mit uns geändert - wenn

auch in einer kontrapunktischen Weise.

Als Präsident Nixon sein Amt antrat,

hatte er die Reputation als Vertreter einer harten Linie.

- 19 -

Dies löste eine

�löste eine Folge hochrangiger europäischer Besucher aus, die ihn zu einem
raschen Dialog mit Moskau drängten - obgleich die Invasion der Tschechoslowakei
noch nicht einmal ein Jahr her war.,Ein paar Jahre später warnten einige derselben Europäer vor "übertriebener" Entspannung.

Während der Carter-Administra-

tion waren es europäische Spitzenpolitiker, die als erste die Aufmerksamkeit
auf die Notwendigkeit lenkten, die sowjetische

SS-20-Aufrüstung auszugleichen.

Und die Reagan-Administration ist geradezu zu einem Symbol geworden, wenn man
die Anschuldigungen hinsichtlich Kriegslüsternheit, Unempfänglichkeit und Hauptverantwortlichkeit für die derzeitige Ost-West-Sackgasse liest.
Aber erstaunlich: Während es leicht ist, eine Aufzählung wenig durchdachter Bemerkungen der Reagan-Administration aufzuhäufen, so ist es andererseits schwierig, auf viel zu verweisen, was unbesonnene Aktionen anbelangt. Von
einiger
Rhetorik abgesehen, hat sich die Reagan-Administration tatsächlich
mit beträchtlicher Zurückhaltung benommen. Was hat sie denn eigentlich getan,
um sich von ihren europäischen Kritikern so viel Schimpf einzuhandeln? Warum
sollten sich intelligente Führer gezwungen sehen, ihre Innenpolitik auf ihre
Fähigkeit zu stützen, die Reagan-Administration in ihre Schranken zu verweisen? Warum wurde der veränderte Ton der Reagan-Administration in jüngster
Zeit, der bisweilen ans Reuemütige grenzte, von den Kritikern und den meisten
Führern im Bündnis in weiten Teilen ignoriert? Ist der Grund darin zu suchen,
daß die Kritiker eine Entschuldigung für einen kaum verhüllten Neutralismus
suchen und die Führer zumindest einen Vorwand brauchen - oder zu brauchen vermeinen -, als einigendes Element ihrer Innenpolitik die amerikanische Beschränktheit und Starrköpfigkeit zu "mäßigen"?
Die europäischen Kritiker sollten sich vor Augen führen, daß der OstWest-Dialog umso schwieriger wird, je weiter Europa und die Vereinigten Staaten auseinanderdriften. Und dabei braucht der Ost-West-Dialog dringend einen
frischen Impuls. In einer Welt, in der es Tausende von Atomwaffen gibt, können es sich die beiden Seiten nicht leisten, einander zu täuschen oder die
Vorschläge der anderen Seite in Invektiven oder in Propaganda zu ertränken.
Das Mindesterfordernis besteht darin, daß beide Seiten die Denkprozesse des
anderen verstehen, damit eine Krise nicht aus Irrtum heraus eskaliert. Denn
- 20 -

�Denn Krisen sind der derzeitigen Struktur der internationalen Politik nahezu
inhärent.

Beide Supermächte sind mit Ländern assoziiert, die sich mehr mit

ihren lokalen Rivalitäten

beschäftigen als mit dem globalen Gleichgewicht,

vom globalen Frieden ganz abgesehen.

Unsere Zeit sollte allerdings nicht mit

der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg verglichen werden, als ein Aggressor sich
daranmachte, die Welt zu beherrschen.

Die Kernwaffen dürften wahrscheinlich

sogar bei den Rücksichtslosesten zu einem großen Zögern führen.

Das passende

Modell wäre wahrscheinlich die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, als Klientenstaaten mit ihren regionalen Rivalitäten ihre Schutzmächte schrittweise in
eine Katastrophe hineinzogen, deren ganze Bedeutung erst begriffen wurde, als
es bereits zu spät war.

Welcher der Staatsmänner, die 1914 in den Krieg ein-

traten in der Vorstellung, die Angelegenheit wäre rasch zu regeln, wäre nicht
mit Entsetzen davor zurückgeschreckt, hätte er auch nur die leiseste Ahnung
davon gehabt, wie die Welt 1917 aussehen würde?
Theoretisch gibt es für einen konstruktiven Dialog auch das, was die
Sowjets "objektive Gründe" nennen würden.
sich in Schwierigkeiten.

Das sowjetische System befindet

Es muß mit einer Übergangsprüfung fertigwerden, mit einer

gebrechlichen Wirtschaft und mit widerspenstigen Verbündeten.
Überlegung zufolge sollte

Aller rationalen

die Sowjetunion eine Atempause anstreben.

Sie

sollte wissen, daß eine Fortsetzung ihres derzeitigen Kurses das große Risiko
einer Konfrontation in sich birgt.

Ihre Führung kann gar nicht so sehr in ih-

ren eigenen Vorurteilen versponnen sein, um tatsächlich zu glauben, sie könnte
Amerika besiegen, ohne daß wir dies früher oder später bemerken.

Je länger

dieser Prozeß anhält, je "erfolgreicher" dies als augenblickliche sowjetische
Strategie eingesetzt wird, umso größer ist das Risiko einer Eskalation.

Es

ist aber auch möglich, daß - trotz aller derzeitigen Schmähungen - die sowjetische Führung im Sommer zu einer Vereinbarung bereit ist, wenn sie davon überzeugt wäre, daß die jetzige Administration wahrscheinlich wiedergewählt wird.
Eine wiedergewählte Administration, die dann ungehindert agieren könnte, könnte
durchaus etwas sein, was sie lieber vermeiden will.
Es ist

- 21 -

�Es ist allerdings auch möglich, daß die sowjetische Führung unter innenpolitischem Druck steht, der keinerlei politische Anpassung oder weiterblikkende Politik in dieser Hinsicht zuläßt.

Bevor wir uns jedoch dieser Möglich-

keit zuwenden, müssen wir die Chancen für einen Dialog systematisch und hartnäckig überprüfen:
1.

Demokratien haben keinen Grund, Verhandlungen mit einer stagnieren-

den und zerbrechlichen Diktatur zu fürchten.
zu einem Selbstzweck werden.

Aber Gespräche sollten auch nicht

Die Wichtigkeit für ein Gespräch sollte deshalb

weder innerhalb der Bündnisstaaten noch zwischen ihnen zum Thema der Debatte
werden.

Die Debatte sollte sich um die einem Ost-West-Dialog angemessenen

Themen drehen, nicht um die Tatsache eines solchen.
2. Bei den innenpolitischen Diskussionen der verschiedenen Bündnispartner tut Ruhe not.

Es besteht eine Tendenz, die Beurteilung der sowje-

tischen Stärke den vorgefaßten Meinungen über die Sowjetunion anzupassen und nicht umgekehrt.

Die Sowjets sind weder so mächtig und arglistig, wie

dies die Gegner der Entspannung behaupteten, noch sind sie so nahe am Auseinanderfallen, wie dies einige der selbsternannten Friedensapostel unterstellen.
Die Geschichte wird unsere Arbeit nicht für uns tun; aber das wird auch liturgische Rhetorik nicht.
3. Wenn wir vermeiden wollen, daß der Ost-West-Dialog das Bündnis
spaltet oder zu einem Selbstzweck wird, dann müssen die Vereinigten Staaten
und ihre Verbündeten hinsichtlich einer langfristigen Ost-West-Strategie
übereinkommen. Dies wird die ganze Bandbreite der Ost-West-Beziehungen umfassen müssen - einschließlich des Ost-West-Handels mit all seinen Möglichkeiten und Gefahren.
4.

Denn die Rüstungskontrolle kann unter keinen Umständen die gesamte

Last des Ost-West-Dialogs tragen - nicht einmal den Hauptteil davon.

Wenn ein

zu großes Gewicht auf die Rüstungskontrolle gelegt wird, dann ist es wahrscheinlicher - um es mit Peter Carringtons Worten zu sagen -,daß der ungeschützte
- 22 -

�der ungeschützte nukleare Nerv des Bündnisses bloßgelegt wird, anstatt ihn
einzubetten.

Würde Moskau die politische Entscheidung treffen, sich mit der

Anwesenheit einiger amerikanischer nuklearer Mittelstreckenraketen in Europa
zufriedenzugeben, so könnte die INF-Frage rasch gelöst werden.

Was START anbe-

langt, so habe ich schon andernorts meine Überzeugung zum Ausdruck gebracht,
daß wir das Problem noch nicht angemessen durchdacht haben - obgleich wir zumindest versucht haben, zu denken, während die Sowjets es bei einer sterilen
Wiederholung ihrer alten Schlagworte belassen.
stellungen wandeln sollten:

Aber sogar wenn sich die Ein-

Auch dann würde es zunächst zu einem längeren tech-

nischen Feilschen kommen, denn das Thema ist ganz einfach zu schwierig, um eine
rasche Lösung zu ermöglichen.

Und selbst das beste Ergebnis, das man sich vor-

stellen könnte, wäre in erster Linie symbolisch.

In den Arsenalen beider Sei-

ten lagern um die zwanzigtausend strategische Gefechtsköpfe; sogar wenn die
Sowjets auf unseren Vorschlag eingehen würden, all dies um die Hälfte zu verringern, so würden die verbleibenden Gefechtsköpfe für eine Katastrophe noch
immer mehr als ausreichend sein.

Kurz, eine von einem politischen Dialog getrennte Rüstungskontrolle
kann die derzeitigen Spannungen nicht aus der Welt schaffen, sie noch nicht
einmal wesentlich abbauen.

Ja, wenn das Bemühen um Rüstungskontrolle zu toll

wird, verkehrt es sich in eine Waffe der politischen Kriegführung der Sowjetunion.

Oder aber sie wird zu einem Sicherheitsventil, das die Sowjets schlie-

ßen, um die Nervosität des Westens zu erhöhen, oder öffnen, um die Auswirkungen eines neuen Aktes der Aggression zu verringern.
5.

Was dringlichst geboten ist, ist ein ernsthafter politischer Dialog

auf höchster Ebene.

Die sogenannten vertrauensbildenden Maßnahmen, von den

professionellen Diplomaten so geliebt, können uns nicht sehr weit bringen.
Die Eröffnung von Konsulaten für den kulturellen Austausch, sogar die Vorausbenachrichtigung über Manöver:

all dies hat höchstens periphere Bedeutung.

Meiner eigenen Erfahrung nach ist es so, daß jeder wirkliche Durchbruch nur
über die Hauptpersonen oder deren wichtigste Mitarbeiter zustandekommt, die
dann den Marschbefehl an die nachgeordneten Stellen geben.
Das Problem
- 23 -

�Das Problem ist, die höchste Ebene zu definieren.

Ein verfrühtes Gipfel-

treffen würde gewaltige Risiken in sich bergen - zumal der Gesundheitszustand
von Andropow ein solches ohnehin nahezu mit Sicherheit ausschließt.

Staats-

chefs können auf einem Gipfel nicht frei sprechen; im Geiste sind ihre Wählerschaften immer bei ihnen; manchmal sind sie sogar mit im
fen lassen zudem wenig Zeit für echte Diskussionen.

Zimmer.

Gipfeltref-

Es gibt eine unvermeid-

liche zeitliche Begrenzung, die sich durch die anderen Termine der Hauptdarsteller ergibt; dann ist da das unvermeidliche Protokoll; schließlich die Zeit, die
durch das Dolmetschen verlorengeht.

Die Nachteile eines Scheiterns überwiegen

normalerweise die Möglichkeiten eines Durchbruchs.

Wenn Staats- und Regierungs-

chefs unterschiedlicher Meinung sind, dann ist es nicht mehr möglich, sich an
eine höhere Autorität zu wenden;

zudem hätten sie ihre herausragende Stellung

sicher nicht ohne ein starkes Ego erreicht; eine Position aufzugeben, von der
man fest überzeugt ist, würde gegen die psychologischen wie auch politischen
Imperative gehen.

Gipfeltreffen können einem Abkommen letzte Form geben, zu

dem man bereits vorher gelangt ist, aber sie sind nicht sehr dazu geeignet,
das Eis zu brechen.
Ein Weg, um aus diesem Dilemma herauszukommen, bestünde darin, daß jede
Seite einen Sondervertreter ernennt, der sich des vollen Vertrauens seines Regierungschefs und Außenministers erfreut. Er sollte dazu ermächtigt sein,
private exploratorische Gespräche in ihrem Namen zu führen, vorzugsweise ohne
alle Publizität. Jeder dieser Sondervertreter sollte Zugang zum Staatschef
der anderen Seite haben. Beide Seiten würden eine umfassende Überprüfung ihrer
gesamten Beziehungen durchführen. Sobald die Gespräche zwischen den Sondervertretern Hoffnungen auf Fortschritt erkennen lassen, würden die Vorbereitungen für ein Gipfeltreffen einsetzen, das dann ein umfassendes Arbeitsprogramm
für Koexistenz billigen würde. Die Methode ist dabei weniger wichtig - mehrere
Methoden wären hierbei möglich -, als die Entscheidung über die Richtung.
6. Bislang wurden Versuche einer systematischen Diskussion politischer
Probleme als "Verkuppelung" abgelehnt; diese "Verkuppelung" ist angeblich
schlecht, weil sie ein Hindernis für die Rüstungskontrolle sein soll. Wir
sollten mittlerweile gelernt haben, daß das Gegenteil richtig ist. Eine
- 24 -

�ist.

Eine Rüstungskontrolle, die von jeglichem politischen Kontext losgelöst

ist, rennt wahrscheinlich in eine Sackgasse.

Die Gefahr eines Krieges liegt

schliefälich weniger im Vorhandensein der Massenvernichtungswaffen als vielmehr
in den Gehirnen der Menschen, die in der Position sind, ihren Einsatz zu befehlen.

Und diese Menschen werden zu diesem oder jenem durch politische Kon-

flikte veranlaßt, nicht durch Systemanalysen.
Ein ernsthafter Dialog muß mit dem Problem fertigwerden, wie Koexistenz
definiert werden soll.

Wie abstrakt dies auch immer klingen mag:

der Kernpunkt des Problems.

Dies ist

Keine Entspannung kann aufrechterhalten werden,

wenn sie nichts weiter tut, als eine politische Offensive zu ermöglichen,
deren Ziel es ist, das globale Machtgleichgewicht aus den Angeln zu heben.
Es läßt sich gewiß sagen, daß der Westen bei seinem Tun und Lassen manche Fehler gemacht hat. Aber keine noch so falsche Objektivität und keine Anstrengung, beide Seiten gleich schuldig zu befinden, kann über die Provokationen
hinwegsehen, die die Verhärtung der amerikanischen Haltung beschleunigten.
Die Entsendung von Stell Vertretergruppen nach Angola und Äthiopien; die Revolution in Aden und in Afghanistan, gefolgt von der Besetzung Afghanistans;
die vietnamesische Invasion in Kamputchea; die Ermutigung terroristischer
Gruppen; die massiven Waffenlieferungen nach Kuba und von dort nach Mittelamerika - all dies sind Kennzeichen einer Außenpolitik, die zumindest seit
1976 keine Gelegenheit ausgelassen hat, die westlichen Positionen zu untergraben.
Ich sage dies nicht, um die Hoffnungen auf einen Dialog zu sabotieren,
sondern, um seinen Kerngehalt zu definieren.

Die Sowjets müssen entscheiden,

ob es ihnen um ihr Land oder um eine Sache geht.

Sie müssen bereit sein,

Sicherheit anders zu definieren als mit der Machtlosigkeit potentieller Gegner.

Einige Grundregeln für die Koexistenz sind von entscheidender Bedeutung.

Ist erst einmal diese Brücke überquert, stünden Möglichkeiten für verstärkte
Zusammenarbeit bei Handel und Kultur auf der Wunschliste ganz obenan.

Und aus

solch einem Austausch ergäbe sich Fortschritt bei der Rüstungskontrolle auf
ganz natürliche Weise, auf nahezu unvermeidliche Weise.
7.
- 25 -

Ein solcher

�7. Ein solcher Prozeß erfordert die Wiederherstellung der Überparteilichkeit in den Vereinigten Staaten und ein Ende der ständigen "Neubewertungen",
die unsere Freunde beunruhigen und verwirren, wenn sie nicht gar unsere Gegner
ermutigen.

Das nationale Interesse ändert sich nicht alle vier oder acht Jahre;

von einem bestimmten Punkt an muß es seinen festen Platz im Denken der Öffentlichkeit haben, wenn wir nicht zu einem Element der Instabilität dadurch werden
wollen, daß wir immer wieder nach immer neuen Rezepten suchen.

Und es ist an

der Zeit, daß unsere europäischen Verbündeten mit dem Spiel aufhören, daß ihr
wichtigstes außenpolitisches Ziel darin besteht, ein starrköpfiges Amerika zu be
sänftigen - eine Rolle, die mehr den Neutralen angemessen wäre, aber nicht Verbündeten.

Jene, die der Vorstellung anhängen, daß Vorbedingung für den Frieden

ist, auf der moralischen Gleichwertigkeit der beiden Supermächte zu bestehen,
bringen uns in der Tat zu einer Fortsetzung der Spannungen, indem sie sich
ihres Urteils begeben.

Die gleiche Wirkung werden jene haben, die Außenpoli-

tik mit der liturgischen Verdammung unserer Gegner verwechseln.
sind Realisten.

Die Sowjets

Gefühlsduselei auf der Linken verleitet sie zu Aggression;

Gefühlsduselei auf der Rechten verleitet sie dazu, innenpolitische Spaltungen
und Uneinigkeiten im Bündnis auszunützen.
8. Schließlich müssen wir im Westen bereit sein, uns mit der Tatsache
vertraut zu machen, daß sogar bei unseren größten Bemühungen ein Tauwetter
in den Ost-West-Beziehungen derzeit einfach nicht möglich ist. Es ist möglich, daß Andropow zu krank ist und seine Kollegen mit den Nachfolgefragen
viel zu beschäftigt, als daß ihr starrköpfiger Kurs sich ändern könnte. Vielleicht bedeutet das Auftauchen der Geheimpolizei in Führungspositionen, daß
die Sowjets nachrichtendienstliche Methoden an die Gestaltung der Außenpolitik
anlegen. Sie könnten zu dem Schluß gekommen sein, daß eine unermüdliche politische und psychologische Offensive die Demokratien aushöhlen wird, und
sie könnten darin durchaus ermutigt werden, wenn sie einige der westlichen
Erklärungen studieren. Oder womöglich ist das gesamte Sowjetsystem in Untätigkeit erstarrt.
Sollte sich

- 26 -

�Sollte sich herausstellen, daß eine dieser Hypothesen richtig ist, haben wir nur die Wahl, zu unseren besten Vorschlägen zu stehen, die mit Vorbedacht erarbeitet wurden. Der Westen muß in einer Zeit nicht in Panik geraten,
da man an einem toten Punkt angelangt ist. Bei all ihren Mängeln ist seine
Wirtschaftsform doch lebensfähiger, seine Regierungsstrukturen stabiler und
seine Macht insgesamt größer. Das Bündnis kann daher vertrauensvoll einer Periode des Durchhaltens entgegensehen - vorausgesetzt, es bewahrt seine Einheit.

Schlußfolgerung
Es ist zu einem Ritual geworden, von der Notwendigkeit der Einheit des
Bündnisses zu sprechen. Und sie wird auch in regelmäßigen Abständen immer
wieder bekräftigt. Aber man erschöpft sich in taktischen Übereinstimmungen.
Zu selten - wenn überhaupt - gibt es den wirklichen Versuch, eine Strategie
für den Rest dieses Jahrhunderts zu entwerfen.
Und doch ist dies das wichtigste Problem, vor dem das Bündnis steht.
Ich glaube nicht, daß die derzeitige Struktur der NATO für eine solche Anstrengung besonders geeignet ist.

Ich habe nicht viel Vertrauen in das, was "weise

Männer" tun. Und doch muß ein Weg gefunden werden, um mit den ungelösten Fragen fertigzuwerden, vor denen wir stehen. Nichts ist möglich, ohne die strategische Doktrin rückhaltlos einer Überprüfung zu unterziehen.

Logischerweise

muß parallel zu dieser Anstrengung auch bei der Rüstungskontrolle Gleiches
geschehen.

Es ist auch an der Zeit, sich der Frage zu stellen, ob eine jede

NATO-Dislozierung, zu der man sich vor einer Generation entschieden hatte,
für alle Ewigkeit sakrosankt bleiben muß. Die Ost-West-Beziehungen in der
ganzen Vielfalt ihrer Aspekte brauchen eine klare Richtung.

Die Reagan-Ad-

ministration hat in der Praxis ihren Konfrontationsstil aufgegeben.

Unsere

Verbündeten sollten jetzt aber auch damit aufhören, die Vergangenheit als ein
Alibi zu verwenden, um schwierige Entscheidungen zu verschieben.
Der Prozeß ist überfällig, und da er von den Mitgliedern eines demokratischen Bündnisses abhängt, bietet er auch keine Entschuldigung für ein
- 27 -

�für ein Versagen.

Die größte Ermutigung der sowjetischen Politik im Westen

ist der Mangel an Klarheit hinsichtlich der Zielsetzungen des Bündnisses.
Aber da dieses Problem hausgemacht ist, kann es auch durch unsere eigenen
Anstrengungen gelöst werden.

Da die Demokratien diese Möglichkeit haben,

ist es zugleich auch ihre Pflicht.

+ + + + +

- 28 -

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9309">
                <text>25.01.1984</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9310">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9311">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13730">
                <text>Amerikadienst 25.01.1984</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13731">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan-Erklärung zu Stockholm&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Umfassender Meinungsaustausch Shultz-Gromyko -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shultz fordert zur Wiederaufnahme des Ost-West-Dialogs auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Außenministers auf der Stockholmer Konferenz -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Edwin Meese zum neuen Justizminister nominiert&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Probleme des Atlantischen Büdnisses&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Dr. Henry A. Kissinger -&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1843" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1854">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/6149de40a404108d584123e5bfee2a61.pdf</src>
        <authentication>62183755f8f58f6f1330473e9af78547</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="9308">
                    <text>und
Dokumentation
Embassy of the United States of America

18. Januar 1984

INHALT

DOKUMENTATION
Auszüge aus dem Bericht der Kissinger-Kommission über
Mittelamerika

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
A r t i s t i k im Weltraum
- Neue flugtechnische Aufgaben bei der zehnten
Raumtransportermission -

Um Über/endung von
ßcIcgcHcmplaren
wird gebeten

D 5300 Bonn 2

Telex: 8-85432

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

18. Januar 1984

AUSZÜGE AUS DEM BERICHT DER KISSINGER-KOMMISSION ÜBER MITTELAMERIKA

WASHINGTON - (AD) - Die "Nationale Überparteiliche Kommission für Mittelamerika" unter Leitung des ehemaligen amerikanischen Außenministers Henry
Kissinger hat am 11. Januar 1984 ihren 132 Seiten starken Bericht vorgelegt.
Präsident Reagan würdigte die ausgezeichnete und umfassende Arbeit der 12köpfigen Kommission und stimmte zu, daß eine verstärkte Unterstützung der demokratischen Entwicklung, die Verbesserung der Lebensbedingungen, der Schutz
der Menschenrechte sowie Sicherheitshilfe für Mittelamerika notwendig sind.
Auf einer Pressekonferenz bei der Vorstellung des Berichtes teilte
Kissinger unter anderem mit, daß die Kommission in sechsmonatiger Arbeit 30
ganztägige Sitzungen abgehalten, rund 200 Experten persönlich befragt, an 170
außenstehende Fachleute Fragebogen versandt und rund 200 einschlägige Dokumente
eingeholt und ausgewertet habe sowie neun Tage gereist sei, um sich an Ort und
Stelle ein Bild zu machen.

Kernstück des Berichtes ist die Empfehlung von acht

Milliarden Dollar an Entwicklungshilfe für Mittelamerika auf fünf Jahre verteilt.
Der Bericht ist in acht Kapitel gegliedert:
1. Einleitung und

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�/

1. Einleitung und Grundthemen;
der westlichen Hemisphäre gestellt;

2. die Krise wird in den Zusammenhang
3. eine historische Perspektive;

4. Prü-

fung der Aussichten für die wirtschaftliche und politische Entwicklung mit entsprechenden Empfehlungen;

5. die Untersuchung der sozialen Fragen - vor allem

des Gesundheits- und Bildungswesens - mit entsprechenden Empfehlungen;
fung der Sicherheitsfragen und entsprechende Empfehlungen;

6. Prü-

7. Untersuchung der

diplomatischen Aspekte mit Empfehlungen für Lösungen auf dem Verhandlungswege;
und 8. Zusammenfassung.
Nachfolgend wesentliche Auszüge aus dem Bericht:

KAPITEL 1
Einleitung
Für die Mitglieder dieser Kommission brachten diese letzten Monate eine
außerordentliche Erfahrung, die wir für ein gemeinsames Privileg halten...
In diesem Bericht schlagen wir wesentliche Aufmerksamkeit und Hilfe für
ein bisher vernachlässigtes Gebiet der Hemisphäre vor. Manche Leute, die das
Gebiet nicht so untersucht haben wie wir, könnten dies als unverhältnismäßig
betrachten und es als die natürliche Reaktion einer Kommission abtun, die zur
Untersuchung eines einzigen Problems geschaffen wurde. Ein solches Urteil wäre
nach unserer Auffassung ein schwerer Fehler...
Erstens, Mittelamerika ist unser naher Nachbar.

Darum werden hier unsere

eigenen Sicherheitsinteressen in entscheidender Weise berührt.

Aber darüber

hinaus beruht das, was auf unserer Türschwelle geschieht, auch unser Gewissen.
Geschichte, Nachbarschaft und Blutsverwandtschaft - all dies verbindet uns mit
der übrigen westlichen Hemisphäre; und es verbindet uns besonders mit den Nationen Mittelamerikas.

Als Franklin Roosevelt die "Politik der guten Nachbar-

- 2 -

�gu.en Nachbarschaft" proklamierte, war das mehr als ein Schlagwort.

Es war

ein Konzept, das an den Kern zivilisierter Beziehungen nicht nur unter Menschen,
sondern auch unter Völkern rührt.

Wenn unsere Nachbarn in Schwierigkeiten sind,

dann können wir nicht die Augen verschließen und uns trotzdem treu bleiben.

Zweitens, die Krise geht uns etwas an, weil wir etwas ändern können.
Weil die Nationen klein sind, weil sie nahe sind, können Anstrengungen, die
im Verhältnis zu anderen Krisen klein sein mögen, eine große Auswirkung auf
diese Krise haben.

Drittens, wie groß die Kosten auf kurze Sicht auch sein mögen, wenn
wir jetzt handeln, sie sind weit geringer als die langfristigen Kosten, wenn
wir jetzt nicht handeln.

Viertens, eine Großmacht kann sich aussuchen, auf welche Herausforderungen sie reagieren will, aber sie kann sich nicht aussuchen, wo sie auftreten
und wann.

Und sie kann auch einer bewußten Entscheidung nicht ausweichen.

Einmal herausgefordert, hat eine Entscheidung4 zu reagieren, ebenso
Konsequenzen wie eine Entscheidung, nicht zu reagieren.
Mittelamerika herausgefordert.

Heute werden wir in

Eine Agonie der Unentschlossenheit wird diese

Herausforderung nicht vertreiben.

Der Wunsch, es leichter zu haben, wird es

nicht leichter machen.

Vielleicht hätten die Vereinigten Staaten Mittelamerika schon früher
größere Beachtung schenken sollen.
weniger intervenieren sollen.

Vielleicht hätten wir im Laufe der Jahre

Aber all das sind Fragen der Vergangenheit.

Welche Wurzeln sie in der Vergangenheit auch haben mag, die Krise in Mittelamerika existiert unmittelbar und heute, und ihre erfolgreiche Beilegung ist
von entscheidender Bedeutung für die Zukunft...

Bestimmte rote Fäden laufen durch alle Kapitel.

Erstens, die

�Erstens, die geplagte Geschichte Mittelamerikas ist so verlaufen, das
weder die militärischen, noch die politischen, die wirtschaftlichen und die
sozialen Aspekte der Krise für sich allein betrachtet werden können.

Wenn es

nicht gelingt, rasche Fortschritte an der politischen, wirtschaftlichen und
sozialen Front zu machen, dann wird der Frieden an der militärischen Front
kaum erreichbar und zerbrechlich sein.

Aber wenn den von außen unterstütz-

ten Aufständen nicht Einhalt geboten und die Gewalt eingedämmt wird, dann wird
es kaum einen Fortschritt an den anderen Fronten geben, und der wäre zerbrechlich.
Zweitens, die Wurzeln der Krise liegen im eigenen Land und im Auslände
Die Unzufriedenheit ist wirklich vorhanden, und ein Großteil der Bevölkerung
lebt im Elend.

So wie Nicaragua reif war für die Revolution, so sind auch

anderswo in der Region die Verhältnisse vorhanden, die zur Revolution einladen.

Aber diese Verhältnisse sind von feindlichen Kräften von außen ausge-

nutzt worden - vor allem von Kuba, das von der Sowjetunion unterstützt wird
und von Nicaragua aus operiert - , die jede Revolution, derer sie sich bemächtigen, in einem totalitären Staat enden lassen, der die Region bedroht und die
Bevölkerung ihrer Hoffnungen auf Freiheit beraubt.
Drittens, einheimische Reform, ja selbst einheimische Revolution, sind
keine Bedrohung der Sicherheit der Vereinigten Staaten. Aber das Eindringen
aggressiver Kräfte von außen, die lokale Mißstände ausnützen, um ihren eigenen
Einfluß und die militärische Kontrolle auszudehnen, stellen eine ernsthafte
Bedrohung der Vereinigten Staaten und der ganzen westlichen Hemisphäre dar0
Viertens, wir haben ein humanitäres Interesse an der Behebung des Elends
und wollen den Völkern Mittelamerikas helfen, ihre eigenen sozialen und wirtschaftlichen Ansprüche zu befriedigen; und zusammen mit anderen Nationen der
Hemisphäre haben wir ein nationales Interesse an der Stärkung demokratischer
Institutionen, wo immer sie in der Hemisphäre schwach sind.
Fünftens, Mittelamerika

�Fünftens, Mittelamerika braucht Hilfe, sowohl materielle als auch moralische, von Regierungsseite wie von privater Seite.

Sowohl die Gebote des Ge-

wissens als auch Berechnungen unseres eigenen nationalen Interesses verlangen,
daß wir Hilfe leisten.
Sechstens, letztlich wird die Lösung der Probleme Mittelamerikas von den
Bewohnern Mittelamerikas selbst abhängen.
sere Hilfe wird allein nicht ausreichen.

Sie brauchen unsere Hilfe, aber unInnere Reformen, Hilfe von außen,

energische eigene Anstrengungen und eine andere Wirtschaftspolitik - all das
ist notwendig, und all das muß richtig koordiniert werden.

Und andere Natio-

nen, die dazu in der Lage sind - nicht nur in der westlichen Hemisphäre, sondern auch in Europa und Asien - sollten sich diesen Bemühungen anschließen.
Siebtens, die Krise wartet nicht, es ist keine Zeit zu verlieren...

KAPITEL 2
Eine Hemisphäre im Umbruch
Die Kommission ist beauftragt worden, Empfehlungen für Mittelamerika
zu unterbreiten.
klar.

Wir sind uns über die geographischen Grenzen unseres Mandats

Aber als wir die Landenge untersuchten, wurde uns deutlich, daß die

Krise, die die Gründung dieser Kommission veranlaßte, Teil einer weitergefaßten Realität ist und daß die Politik der Vereinigten Staaten in Mittelamerika
eine klare Erkenntnis ihres hemisphärischen Rahmens widerspiegeln muß.
Die ganze Hemisphäre befindet sich im Umbruch:

Die Schwierigkeiten

Mittelamerikas sind in die lateinamerikanische Erfahrung eingebettet, die anders ist als unsere eigene...

Zwei Herausforderungen

�Zwei Herausforderungen
Die Herausforderungen der Hemisphäre sind wirtschaftlicher und politischer Natur.

Diese doppelte Herausforderung gilt zwar für ganz Lateinamerika,

aber sie nimmt jetzt in Mittelamerika ihre akuteste Form an.

Die wirtschaftliche Herausforderung
Erstens, die herausragende wirtschaftliche Frage in ganz Lateinamerika
ist die Armut seiner Bevölkerung.

Die Nationen der Hemisphäre - nicht zuletzt

die Mittelamerikas - haben in den sechziger und siebziger Jahren bemerkenswerte
Fortschritte gemacht.

Das Wachstum war stark, aber es wurde nicht annähernd

genug getan, um die Kluft zwischen reich und arm zu schließen, die aus alten
wirtschaftlichen, sozialen und politischen Strukturen entstanden war...
Keine Mittelamerikapolitik der Vereinigten Staaten, die diesen Namen
verdient, kann daran vorbeigehen, sich dieser wirtschaftlichen, sozialen und
finanziellen Herausforderung zu stellen, noch können wir Mittelamerika getrennt
für sich von der übrigen Hemisphäre betrachten. Das Schrumpfen der Volkswirtschaften der Länder der Hemisphäre und die Verarmung ihrer Bevölkerung müssen
ins Gegenteil verwandelt werden. Es muß wieder ein echtes Wachstum geben.

Die politische Herausforderung
Zweitens, bei der politischen Herausforderung geht es im wesentlichen
um die Legitimität der Regierung.

Auch hier wieder nimmt dieses Problem in

Mittelamerika eine besonders akute Form an.
In fast jedem Land der Hemisphäre sind starke Kräfte auf dem Marsch,
um herauszufinden, wie die Länder organisiert und welche Prozesse der Autorität eingeführt und legitimiert werden sollen. Wer soll regieren und unter
- 6 -

�und unter welcher Form - das sind die zentralen Fragen in dem Prozeß des
Wandels, der jetzt in einem Land nach dem andern in ganz Lateinamerika und
in der Karibik stattfindet.

Drei Grundsätze
Der erste Grundsatz ist die demokratische Selbstbestimmung.
Die Lebenskraft des interamerikanischen Systems liegt mehr denn je darin, daß wir eine feste Verpflichtung seiner Mitgliedstaaten akzeptieren zu politischem Pluralismus, Meinungsfreiheit, Achtung der Menschenrechte, Aufrechterhai tung eines unabhängigen und effektiven Rechtssystems und dem Recht der
Bevölkerung, ihr eigenes Schicksal ohne Repression, Zwang oder ausländische
Manipulation durch freie Wahlen zu bestimmen.

Unsere gemeinsame Anstrengung

muß im wesentlichen auf die Legitimation von Regierungen durch freien Konsens
abzielen - auf die Ablehnung von Gewalt und Mord als Instrumente der Politik,
des Aufzwingens der Herrschaft von oben, der Benutzung der Macht des Staates
zur Unterdrückung von Opposition und Dissens. Wir müssen vielmehr alles in
unserer Macht Stehende tun, um die Demokratie in der westlichen Hemisphäre zu
fördern.
Der zweite Grundsatz ist die Förderung der wirtschaftlichen und sozialen
Entwicklung, die in fairer Weise allen zugute kommt.
Die Wucherungen der Armut müssen eingedämmt werden, die Rezession muß
umgekehrt werden, und die Prosperität muß vorangetrieben werden.

Zum Fest-

halten an diesem Grundsatz gehört etwas mehr als nur die kurzfristige Behebung von Notfällen.

Dazu muß die Grundlage für ein anhaltendes und breitan-

gelegtes wirtschaftliches Wachstum gelegt werden.

Dazu bedarf es der Ermuti-

gung jener Anreize, die eine freie Wirtschaft liberalisieren und beflügeln.
Der gefühllosen Vorstellung, daß einige Gruppen auf ewig "Habenichtse" bleiben werden, muß ein Ende bereitet werden.

- 7 -

Was immer an Politik für die He-

�für die Hemisphäre vorgeschlagen wird, muß die Notwendigkeit in Rechnung stellen, die Volkswirtschaften der Länder auszuweiten und die Hoffnungen ihrer
Völker neu zu beleben.
Der dritte Grundsatz ist Zusammenarbeit bei der Abwehr der Bedrohungen
der Sicherheit der Region.
Der gegenwärtige internationale Rahmen für die Bewältigung der Herausforderungen der gemeinsamen Sicherheit der amerikanischen Staaten ist schwach.
Was Mittelamerika angeht, so ist es dem interamerikanischen System nicht gelungen, eine koordinierte Reaktion auf die Drohung der Subversion und des Einsatzes sowjetischer und kubanischer Helfershelfer zu finden, die sich seit den
Tagen ausgebreitet haben, als die Instrumente der interamerikanischen Zusammenarbeit erst entwickelt wurden...
In früheren Tagen waren andere Teile der Hemisphäre Brennpunkte der
Unruhe. Heute konzentrieren sich die Krisen auf Mittelamerika. Die nachfolgenden Kapitel befassen sich mit dieser Region und bringen Vorschläge für
spezifische politische, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Maßnahmen,
die nach Auffassung der Kommission notwendig sind. Wir sehen keinen Weg, um
einer umfassenden Anstrengung auszuweichen, zusammen auf diese Fragen zu antworten. Der übrige Teil des Berichts legt die Mittel und Wege dar, wie nach
Auffassung der Kommission eine übereinstimmende wirtschaftliche, politische
und sicherheitspolitische Anstrengung aufrechterhalten werden kann - eine Anstrengung, die die besten Bemühungen der Völker Mittelamerikas, ihrer Nachbarn und der Vereinigten Staaten koordiniert. Die Art und Weise, wie man diese Krisen anpackt - oder jedes Versagen, sie mit der Dringlichkeit und in dem
Umfang anzupacken, wie dies notwendig ist -, wird nicht nur unsere nationalen
Interessen berühren, sondern auch die Interessen der ganzen Hemisphäre allgemein.

KAPITEL 3

�KAPITEL 3
Die Krise in Mittelamerika:

Ein historischer Überblick

Mittelamerika wird heute von einer tiefen Krise heimgesucht.

Diese

Krise hat ihre Wurzeln tief in der Geschichte der Region, aber sie enthält
auch Elemente recht jungen Ursprungs.

Um sie zu begreifen, muß man sich mit

beiden bekannt machen.
Die Auswirkung der Krise auf die Völker Mittelamerikas war erschütternd.
Ihre potentielle Auswirkung auf die westliche Hemisphäre, auf die Vereinigten
Staaten und - in einem größeren Sinne - auf die ganze Welt ist weitreichend.
Selbst wenn es sich bei dieser Krise um eine rein lokale Angelegenheit
handeln würde, bei der es nur um die Völker der Region allein ginge, würde
sie die dringende Aufmerksamkeit der Bevölkerung der Vereinigten Staaten verdienen - schon aus Gründen der einfachen Humanität. Ihre größeren Dimensionen
geben uns darüber hinaus starke Gründe des nationalen Selbstinteresses, daß
wir wirklich an dem Endergebnis interessiert sein müssen.
Es hat eine beträchtliche, manchmal heftige Kontroverse darüber gegeben, ob die grundlegenden Ursachen der Krise einheimisch oder ausländisch
sind. Die Krise ist in Wirklichkeit das Produkt einheimischer wie ausländischer
Faktoren. Sie hat Wurzeln tief in der schmerzlichen Geschichte und dem schmerzlichen Leben der Region, aber sie ist auch von äußeren Kräften stark mitgestaltet worden. Armut, Unterdrückung, Ungerechtigkeit - all das war vorhanden und
hat Furcht und Haß geboren und im Rahmen einer Weltrezession ein starkes
Teufelsgebräu angerührt, während Kräfte von außen interveniert haben, um die
Unruhe in der Region weiter anzuheizen und die Verzweiflung auszunutzen.
Diese Kräfte von außen haben der Krise eine Dimension gegeben, die über
Mittelamerika hinausreicht.

Die Vereinigten Staaten werden nicht durch ein-

heimischen Wandel, ja nicht einmal durch revolutionären Wandel in Mittelamerika

- 9 -

�in Mittelamerika bedroht. Aber die Vereinigten Staaten müssen sich Sorgen
machen über das Eindringen aggressiver Kräfte von außen in Mittelamerika...

Die amerikanischen Interessen in der Krise
Wenn strategische Interessen im Gegensatz zu moralischen Interessen
stehen, dann stellt dieser Widerspruch eine der klassischen Herausforderungen
dar, vor denen Völker und Staatsmänner stehen. Aber in Mittelamerika stimmen
heute unsere strategischen und moralischen Interessen überein.
Wir werden uns später in dem Bericht damit befassen, wie diese Interessen im einzelnen aussehen.

Aber generell gesehen gehört folgendes dazu:

Die Erhaltung der moralischen Autorität der Vereinigten Staaten; daß
wir von anderen als eine Nation angesehen werden, die das Rechte tut, denn
das Rechte ist eines der wichtigsten .iützpfeiler unseres Landes.
Die Verbesserung der Lebensbedingungen der Völker Mittelamerikas; denn
sie sind Nachbarn.

Ihre menschliche Not ist wie Zunder, der nur darauf war-

tet, entzündet zu werden.

Und wenn er entzündet wird, dann könnte der Zusammen-

stoß die gesamte Hemisphäre bedrohen.
Die Förderung der Sache der Demokratie im allgemeinen Sinne in der
ganzen Hemisphäre.
Die Stärkung des Systems der Hemisphäre» indem heute das gestärkt wird,
was wirtschaftlich und sozial gesehen eines der schwächsten Bindeglieder ist.
Die Förderung des friedlichen Wandels in Mittelamerika, während wir
gleichzeitig der Verletzung der Demokratie durch Gewalt und Terror entgegentreten.
Es muß
- 10 -

�Es muß verhindert werden, daß feindliche Kräfte die Kontrolle in einem
strategisch lebenswichtigen Gebiet der westlichen Hemisphäre übernehmen und
ausweiten.
Es muß verhindert werden, daß die Sowjetunion entweder direkt oder mit
Hilfe Kubas einen feindlichen Brückenkopf auf dem amerikanischen Kontinent
festigt, um ihre strategischen Ziele zu verfolgen.
Kurz gesagt, die Krise in Mittelamerika ist großer und unmittelbarer
Anlaß zur Besorgnis der Vereinigten Staaten, weil Mittelamerika unser enger
Nachbar und ein strategischer Knotenpunkt von globaler Bedeutung ist; weil
Kuba und die Sowjetunion sich intensiv bemühen, ihre Brückenköpfe dort auszubauen, um Pläne in der Hemisphäre zu verfolgen, die den amerikanischen Interessen ausdrücklich zuwiderlaufen, und weil die Völker Mittelamerikas
schwer heimgesucht sind und dringend unsere Hilfe benötigen.

Die Zukunft
Wir glauben, daß wir diese Herausforderung bestehen können - und müssen.

Die Kommission schöpft Mut aus der Tatsache, daß sich die Mittelamerika-

ner weigern, der Verzweiflung zu unterliegen,

überall haben wir Hoffnung auf

eine demokratische Zukunft und eine Bereitschaft angetroffen, für dieses Ziel
Opfer zu bringen.

Der hohe Stand eines anhaltenden Wirtschaftswachstums in

der Nachkriegsperiode zeigt, daß Mittelamerika über die menschlichen und materiellen Mittel für eine rasche Entwicklung verfügt.

Die Führer der Region

in der Regierung und auf dem Privatsektor haben ihr Verständnis dafür zum Ausdruck gebracht, daß bei der Verteilung der wirtschaftlichen Erfolge größere
Gleichheit herrschen muß und in den sozialen Beziehungen größere Gerechtigkeit.

Wenn diese Einsicht in die Praxis übersetzt wird, dann dürfte die

Chance für eine ausgewogenere und anhaltende Entwicklung gegeben sein.
KAPITEL 4

- 11 -

�KAPITEL 4
Auf dem Wege zu Demokratie und wirtschaftlicher Prosperität
Die Krise in Mittelamerika hat nicht nur eine einzige, einfache Ursache.

Ein wesentlicher Faktor jedoch ist die schlechte Wirtschaftstätig-

keit in dem Gebiet.

Diese Länder gehörten in den sechziger Jahren und Anfang

der siebziger Jahre zu den dynamischsten der Welt.

Aber das Wachstum war un-

gleichmäßig verteilt, und die Armut plagte weiterhin die meisten Menschen in
der Region.

Wie in dem Schlußdokument der Konferenz der katholischen Bi-

schöfe Lateinamerikas in Puebla in Mexiko 1979 ganz richtig erkannt wurde,
bestand eine "wachsende Kluft zwischen reich und arm", die die Konferenz als
einen Widerspruch zur christlichen Existenz bezeichnete.

Dies trug in mehre-

ren Ländern zu einer wachsenden politischen Frustration bei, die durch die
Tatsache verschärft wurde, daß einige Gruppen dieser Gesellschaften sich eines
wirtschaftlichen Erfolges erfreuten...

Die Art der amerikanischen Entwicklungshilfe
Wir fordern eine starke Erhöhung der Finanz- und Wirtschaftshilfe der
Vereinigten Staaten und anderer Länder für Mittelamerika.
Wir schlagen jetzt vor, daß die Wirtschaftshilfe während des Fünfjahreszeitraums beginnend von 1985 an auf insgesamt acht Milliarden Dollar erhöht
wird. Obwohl die makrowirtschaftlichen Voraussagen, auf denen dieser Vorschlag
beruht, sich nicht ganz genau in die Haushaltsanträge eines Budgets der Bundesregierung übersetzen lassen, so würden zu dieser Gesamtzahl direkte Zuwendungen wie auch EventualVerpflichtungen, wie Versicherungsgarantien, gehören.
All das würde praktisch eine Verdoppelung der amerikanischen Wirtschaftshilfe
gegenüber dem Stand von 1983 bedeuten.
Wegen des

- 12 -

�Wegen des großen Umfangs der notwendigen Anstrengungen und der Bedeutung einer langfristigen Verpflichtung fordern wir ferner, daß der Kongreß
Mittel für Mittelamerika auf einer mehrjährigen Basis bewilligt.
len dringend eine Bewilligung von Mitteln

Wir empfeh-

für fünf Jahre, wobei ein Teil der

Mittel über die vorgeschlagene Mittelamerika-Entwicklungsorganisation geleitet
würde, von der später in diesem Kapitel die Rede ist. Mit dem Rest würden
Wirtschaftshilfeprogramme finanziert, die von bestehenden amerikanischen Regierungsbehörden verwaltet werden...
Was jetzt notwendig ist, ist eine feste Verpflichtung der mittel amerikanischen Länder, neue Wirtschaftspolitiken, einschließlich einer Reform des
Steuersystems, einzuschlagen, um das Privatunternehmen und die persönliche
Initiative zu fördern, ein günstiges Investitionsklima zu schaffen, die Korruption zu unterbinden, wo sie besteht, und einen ausgewogenen Handel zu fördern.

Das kann die Grundlagen für ein anhaltendes Wachstum schaffen...

Wir empfehlen, daß die Vereinigten Staaten ihre wirtschaftliche Hilfe
für demokratische Institutionen und die Ausbildung von Führungskräften ausweiten.
Zu den wesentlichen Initiativen, die bereits angelaufen sind oder geplant werden sollten, gehören:
Die Ermutigung von Nachbarschaftsgruppen, Kommunal Verbesserungsorganisationen und Erzeugerkooperationen, die ein Feld der Ausbildung für demokratische Beteiligung bieten und dazu beitragen, die Regierung gegenüber den
Forderungen der Bürger aufgeschlossener zu machen.
Die binationalen Zentren des Amerikanischen Informationsdienstes (USIS)
bieten wertvolle Einsichten in die Vorteile der persönlichen Freiheiten in den
Vereinigten Staaten.

Eine wesentliche Erhöhung der Mittel würde es diesen

Einrichtungen ermöglichen, ihre Büchereien, Lehrkurse und Programme auszubauen.
Austausch- und
- 13 -

�Austausch- und Ausbildungsprogramme für führende Persönlichkeiten
demokratischer Institutionen, das Internationale Besucherprogramm des USInformationsamtes (USIA) und des GeorgeMeany-Instituts des Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO sind Beispiele für erfolgreiche Programme, um führende Persönlichkeiten aus Mittelamerika wie auch aus anderen Regionen zu Bildungsprogrammen nach den Vereinigten Staaten zu bringen.

Es sollten zusätzliche Programme

eingerichtet werden, um Führer solcher demokratischer Institutionen, wie Gewerkschaften, Kommunalbehörden, Gesetzgebung und Berufsverbände, zum Studium
der entsprechenden Organisationen in die Vereinigten Staaten einzuladen.
Wir empfehlen ferner eine Anzahl politischer Maßnahmen und Programme
des öffentlichen und privaten Sektors in den Vereinigten Staaten auf den Gebieten des Handels, der Investition und der Landwirtschaft.

Auch das sind

wichtige Elemente einer breitangelegten Anstrengung, um den Ländern Mittelamerikas zu helfen, wieder zu gedeihen - und wir wenden uns jetzt diesen Möglichkeiten zu.

Verbesserte Handelschancen
Eine rasche wirtschaftliche Entwicklung Mittelamerikas erfordert verstärkte Deviseneinnahmen dieser Länder. Auf kurze Sicht wird die Region
weiterhin im wesentlichen von den Einnahmen aus dem Export von Rohstoffen
abhängen. Die Kommission hat sich mit Vorschlägen befaßt, die Rohstoffpreise oder Exporteinnahmen daraus zu stabilisieren, und hat diese Vorschläge
als unwirksam oder ungeeignet abgelehnt. Daher sind die Aussichten auf eine
wesentliche Zunahme der Exporterlöse begrenzt, solange nicht die Nachfrage
nach den Rohstoffen, die Mittelamerika produziert, wieder steigt...
Wir befürworten die Ausweitung des zollfreien Handels anderer großer
Handelsnationen mit Mittelamerika...
Wir fordern

- 14 -

�Wir fordern die Vereinigten Staaten auf, nicht-tarifäre Handelsschranken gegen Importe aus Mittelamerika zu überprüfen...
Wir empfehlen technische und finanzielle Unterstützung von Exportförderungsanstrengungen.
Die amerikanische Wirtschaftshilfe sollte dafür eingesetzt werden, die
technische und finanzielle Unterstützung für Handels- und Exportmarketingfirmen und ausländischer Unternehmer zu gewähren. Das ist bereits ein wichtiges Element des laufenden Hilfsprogramms; in Zukunft sollte dem oberste
Priorität eingeräumt werden...
Wir empfehlen eine Ausweitung der Verfügbarkeit von OPIC-Garantien
in der Region...
Wir empfehlen die Entwicklung von Hilfsprogrammen zur Förderung von
Kleinbetrieben, auch von Kleinstbetrieben...
Insbesondere empfehlen wir, daß die finanziellen Grundlagen für die
Bemühungen um größeren Landerwerb gestärkt und reformiert werden.
Wir haben argumentiert, daß eine gerechtere Verteilung von Einkommen
und Wohlstand, einschließlich des Landbesitzes, für die wirtschaftliche, soziale und politische Entwicklung der Region wichtig ist.

In den Programmen

der Landreform sollten Wege gefunden werden, um zu gewährleisten, daß die
Neuverteilung des Bodens die neuen Besitzer mit einem gültigen Eigentumsnachweis ausstattet und daß die Regierungen sofort die Mittel für die wirksame
Entschädigung der früheren Eigentümer bereitstellen, sobald diese Mittel verfügbar werden, und daß das System letztlich den Anreiz zur Ausweitung der
landwirtschaftlichen Erzeugung insgesamt dient.
Wir empfehlen die Bereitstellung von finanziellen Mitteln, um Kreditund Investitionsprogramme auszubauen.
Eine wesentliche
- 15 -

�Eine wesentliche Stoßrichtung der bilateralen amerikanischen Hilfe sollte der Ausbau nationaler und regionaler Kreditprogramme für die Landwirtschaft
sein.

Das ist ein Element des Hilfsprogramms, das in Zukunft unbedingt er-

weitert werden sollte.

Mittelfristig sollte das Programm für saisonale land-

wirtschaftliche Kredite für importierte Leistungen und Arbeitskapital, das zum
Notstabilisierungsprogramm gehörte, neu gefaßt und erweitert werden.
Wir empfehlen verstärkte wirtschaftliche Unterstützung der Kooperativen.
Landwirtschaftliche Kooperativen sind für die ländliche Entwicklung in
den Vereinigten Staaten und in Mittelamerika wichtig gewesen.

Sie fördern

nicht nur eine höhere Produktion durch die Zusammenfassung von Mitteln und
die Verteilung des Risikos, sondern sie tragen auch zu einer breiteren Einkommensverteilung bei. Wir empfehlen, daß die Vereinigten Staaten ihre Unterstützung solcher Organisationen im Rahmen ihrer bilateralen Hilfsprogramme
verstärken.

KAPITEL 5
Humanitäre Entwicklung
Eine umfassende Bemühung um die Förderung von Demokratie und Wohlstand
in den mittel amerikanischen Staaten bedarf als Eckpfeiler einer beschleunigten "humanitären Entwicklung".

Weitverbreiteter Hunger und Unterernährung,

Analphabetentum, schlechte Erziehungs- und Ausbildungsmöglichkeiten, unzureichende medizinische Versorgung und schlechte Wohnverhältnisse sind unstabile Grundlagen für die Bemühung um den Aufbau lebensfähiger demokratischer
Institutionen.
In diesem

- 16 -

�In diesem Kapitel konzentrieren wir uns auf die sozialen Bedingungen
und auf die Bemühungen, die sowohl kurz- wie mittelfristig unternommen werden können, um den Mittelamerikanern bei der Verbesserung ihrer Lebensbedingungen zu helfen.

Die Last des Handelns liegt - noch weit mehr als in ande-

ren Regionen - hier hauptsächlich bei den Mittelamerikanern selbst.
wie wohlgemeint die Absichten auch sein mögen:

Gleich,

Kein Staat kann das Volk ei-

nes anderen Landes ernähren, erziehen, medizinisch versorgen, kleiden und für
dessen Behausung sorgen, ohne dessen Regierung zu untergraben oder kulturelle
Konflikte herbeizuführen.

Allerdings können die Vereinigten Staaten einige

der Hilfsmittel bereitstellen, die die Mittelamerikaner benötigen, damit ihre eigenen Programme funktionieren; und die Vereinigten Staaten können hinsichtlich der Gestaltung dieser Programme ihren Rat geben.
Viele Mittelamerikaner, mit denen wir zusammentrafen, unterstrichen
die Bedeutung mutiger Initiativen zur Verbesserung der dortigen Lebensbedingungen.

Ganz in diesem Geist sind wir der Überzeugung, daß die nachste-

hend genannten Zielsetzungen für die achtziger Jahre zwar ehrgeizig, gleichwohl aber realistisch sind:
Verringerung der Unterernährung.
Beseitigung des Analphabetentums.
Grundausbildung für jedermann.
Gesundheitsvorsorge für jedermann.
Deutliche Verringerung der Kindersterblichkeit.
Anhaltende Verringerung der Zuwachsraten der Bevölkerung.
Deutliche Verbesserung bei den Wohnverhältnissen.
Die von uns nachstehend ausgeführten Programme sollen den Mittelamerikanern dabei behilflich sein, diese Ziele zu erreichen.

Die Mittel, wie sie

von der amerikanischen Regierung gefordert werden würden, wären Teil des erweiterten Wirtschaftshilfeprogramms, das im vorigen Kapitel beschrieben wurde...
Die Kommission

- 17 -

�Die Kommission gelangt zu dem Schluß, daß oberste Priorität für die Erziehung in Mittelamerika Ernährungsprogramme sein sollten, die so ausreichend
sein müßten, daß die Kinder in normaler körperlicher und geistiger Verfassung
zur Schule geschickt werden können.
Wir empfehlen, daß die Vereinigten Staaten ihre Nahrungsmittelhilfe
auf der Basis einer Notlagesituation steigern sollten...
Wir empfehlen, daß das Friedenskorps seine Anwerbung von Lehrern verstärken sollte, die vor Ort arbeiten, um gegen das Analphabetentum anzugehen...
Wir empfehlen, die Aktivitäten des Friedenskorps auf dem Volksschul-,
Mittel schul- und Berufsschulniveau auch dadurch auszugestalten, daß ein Mittelamerikanisches Lehrerkorps erstellt wird, das sich aus dem spanischsprachigen Teil der Bevölkerung der Vereinigten Staaten rekrutiert...
Wir empfehlen eine Ausweitung des Programms
und beruflichen Weiterbildung...

im Bereich der technischen

Wir empfehlen die Ausweitung des International Executive Service
Corps (IESC)...
Damit empfehlen wir ein Programm von 10 000 Stipendien, die von der
Regierung getragen werden, um damit mittel amerikanische Studenten in die
Vereinigten Staaten zu bringen...
Unserer Meinung nach sollte ein solches Programm die folgenden Elemente
enthalten:
Sorgfältige Auswahl, damit die Beteiligung junger Menschen aus allen
sozialen und wirtschaftlichen Schichten ermöglicht wird.
Aufrechterhaltung bestehender

- 18 -

�Aufrechterhaltung bestehender Teilnahmebedingungen - obgleich diese in
der Vergangenheit bisweilen ein Hindernis darstellten - durch die Ermöglichung
intensiver Englisch- und anderer Kurse als Teil des Programms.
Mechanismen, die es ermöglichen, daß Studenten nach Abschluß ihrer Ausbildung in ihr Heimatland zurückkehren - etwa dadurch, daß ein Teil ihrer Stipendien in Form von Darlehen gewährt wird und das Erlassen dieser Darlehen
an eine solche Rückkehr gebunden wird.
Arrangements, mittels derer die mittelamerikanischen Staaten einen Teil
der Kosten des Programms übernehmen.
Zumindest 100 bis 200 dieser Stipendien sollten für Angehörige des
mittleren öffentlichen Dienstes bereitgestellt werden; weitere 100 für den
Austausch von Vertretern der Hochschulfakultäten...
Wir empfehlen, daß die Vereinigten Staaten in enger Partnerschaft mit
den mittelamerikanischen Regierungen und Universitäten einen Langzeitplan zur
Stärkung der wichtigsten Universitäten in Mittelamerika entwerfen.
Kernpunkt dieser Hilfsanstrengungen sollte es sein, bei der Verbesserung
der Qualität der mittelamerikanischen Universitäten zu helfen.

Ein ausgewoge-

nes Hilfsprogramm würde umfassen:
Technische Hilfe, um beim Schulunterricht und den Lehrplänen sofortige
Verbesserungen zu ermöglichen.
Ausgewählte Investitionen zur Verbesserung von Bibliotheken, Labors
und studentischen Einrichtungen.
Besondere Anstrengungen zur Ernennung und Weiterbildung jüngeren Universitätspersonals und junger Verwaltungsangehöriger.
Ein ergänzendes

- 19 -

�Ein ergänzendes Programm zur Weiter- und Fortbildung des bestehenden
Personals bei Lehrkörper und bei Verwaltung.
Ein erweitertes Programm der Partnerschaft zwischen amerikanischen und
mittelamerikanischen Colleges und Universitäten.
Eine deutliche Ausweitung von Möglichkeiten für Lehrkräfte, Studenten
und Verwaltungsangehörige, die Vereinigten Staaten für einen Zeitraum zwischen einigen Wochen und mehreren Jahren zu besuchen.
Wir empfehlen die Hilfe der Vereinigten Staaten bei der Stärkung der
Rechtssysteme Mi ttelameri kas...
Insbesondere empfehlen wir den Einsatz amerikanischer Wirtschaftshilfe
- zur Verbesserung der Ausbildung und der Mittel von Richtern, Gerichtspersonal und staatsanwaltschaftlichen Einrichtungen;
- zur Verbesserung und Modernisierung der Möglichkeiten von Kriminalämtern;
- zur besseren Verfügbarkeit von Justizmaterial, für Mittel für die
Rechtsfakultäten und zur Unterstützung örtlicher Anwaltsvereinigungen.
Wir empfehlen eine erheblich vergrößerte Anstrengung - mit der Unterstützung der amerikanischen Regierung über die Nationale Stiftung für die Wissenschaften - zur Ausbildung hochqualifizierter Übersetzer, damit dadurch
die Übersetzung wichtiger Bücher in beide Sprachen erleichtert und ihre Veröffentlichung subventioniert wird, um sie auf diese Weise einem größeren
Leserkreis zugänglich zu machen.

Die Gesundheitszustände

- 20 -

�Die Gesundheitszustände der Region
Wenn Disraelis Ansicht richtig ist, daß "die ökonomische Gesundheit
einer Nation in erster Linie von der Gesundheit ihrer Bevölkerung abhängt",
so ist es von entscheidender Bedeutung, die gesundheitlichen Bedingungen
Mittelamerikas als Vorbedingung einer wirtschaftlichen Erholung zu verbessern.
Die Menschen Mittelamerikas leiden unter äußerst schlechten gesundheitlichen Bedingungen, auch wenn es zwischen den einzelnen Staaten erhebliche Unterschiede gibt.

Die Häufigkeit von Infektionen, von Parasiten-

krankheiten, von Unterernährung, Tuberkulose und Kindersterblichkeit hat
sich in den vergangenen zehn Jahren praktisch nicht geändert.

Das Wieder-

auftreten der Malaria und des Denguefiebers allein würde alle Hoffnungen
auf soziale oder wirtschaftliche Hilfe zunichte machen, würde man hier nicht
eingreifen.

Krankheiten der Atemwege, Durchfallkrankheiten sowie infektiöse

und parasitäre Krankheiten, die man in den Industrieländern entweder völlig
beseitigt hat oder doch heilen kann, sind in Mittelamerika noch allzu oft
tödlich.

Und wie bereits in diesem Kapitel erwähnt, untergräbt die weit-

verbreitete Unterernährung die Grundlagen des Gesundheitswesens genau wie
die der Ausbildung...
Management und Planung beim wirksamen Einsatz rarer Mittel stehen im
Mittelpunkt einer Verbesserung der heilenden wie der präventiven Medizin.
Um hier Besserung zu erzielen, schlagen wir vor, die vom US-Amt für
Internationalen Entwicklung (AID) unterstützten technischen Hilfsprogramme
auszuweiten...
Außerdem sind weitere Maßnahmen nötig:
Wir empfehlen eine Wiederaufnahme des von AID unterstützten Programms
zur Ausrottung von ansteckenden Krankheiten wie Malaria und Denguefieber...
Wir empfehlen,
- 21 -

�Wir empfehlen, daß die Vereinigten Staaten eine Ausweitung der Programme
für Schluckimpfung ermöglichen,um auf diese Weise Kinderkrankheiten und Kindersterblichkeit in Mittelamerika während der nächsten fünf Jahre um ein Beträchtliches zu verringern.
Wir empfehlen die Fortführung der Bevölkerungs- und Familienplanungsprogramme, wie sie derzeit von dem Amt für Internationale Entwicklung unterstützt werden...
Wir empfehlen, daß die mittelamerikanischen Ausbildungsinstitutionen
dazu ermutigt werden, sich verstärkt auf die Ausbildung von Mitarbeitern der
elementaren medizinischen Versorgung, von Krankenschwestern, von Zahnarzthelfern und von Personal in den medizinischen Hilfsdiensten konzentrieren...

Wohnungsbau
Die Verstädterung in ganz Mittelamerika verändert rasch den Charakter
der ganzen Region, überall dort bedeutet die Bewegung der Menschen vom Land
hin zur Stadt Druck auf die städtischen Einrichtungen. Die nationalen und
lokalen Regierungen sind nicht in der Lage, den Bedürfnissen der neuen Zuwanderer gerecht zu werden. Wohnungsbau und städtische Dienstleistungen
sind entscheidende Bedürfnisse, die bis zu drei Viertel der Bevölkerung vor allem die Armen - betreffen...
Die amerikanische Hilfe sollte sich auf zwei Bereiche konzentrieren.
Erstens empfehlen wir ein erweitertes Wohnungs- und Infrastrukturprogramm. ..
Zweitens empfehlen wir der amerikanischen Regierung die beschleunigte
Ausbildung von Angehörigen der Verwaltung, die sich auf dieses Gebiet spezialisieren...
Humanitäre Hilfe
- 22 -

�Humanitäre Hilfe
Die Tragödie der mehr als eine Million Vertriebenen in Mittelamerika
- durch Gewalt und aus Angst vor Gewalt aus ihrer Heimat vertrieben - ist allen
bekannt.

Jene, die in Mexiko, in Honduras und in Costa Rica Zuflucht gefunden

haben, werden unter der Schirmherrschaft des UN-Fllichtlings-Hochkommissars
versorgt.

Dennoch:

Hunderttausende leben noch immer in El Salvador und in

Guatemala unter den elendsten Bedingungen...
Wir empfehlen verstärkte Unterstützung für angemessene Hilfsanstrengungen über das Amt für Internationale Entwicklung und das Flüchtlingsprogramm
des Außenministeriums...

KAPITEL 6
Mittel amerikanische Sicherheitsfragen
Wir wünschen zutiefst, es bestünde keine Notwendigkeit für ein Kapitel
über Sicherheit in einem Bericht über Mittelamerika.

Aber leider besteht eine

solche Notwendigkeit.
Die Region ist von Krieg und Kriegsdrohungen zerrüttet.
aber den Frieden, um zu Fortschritt zu gelangen.

Sie braucht

Sie braucht Sicherheit, um

Frieden zu bekommen.
Die Konflikte, die die Nationen Mittelamerikas heimsuchen, haben sowohl einheimische als auch ausländische Wurzeln. Zur Wiederherstellung von
Frieden und Stabilität bedarf es einer Kombination der sozialen und politischen
Reformen, des wirtschaftlichen Fortschritts, der diplomatischen Bemühungen
und der militärischen Anstrengungen. In den vorstehenden Kapiteln haben wir

- 23 -

�haben wir uns mit den sozialen, den wirtschaftlichen und den politischen
Aspekten auseinandergesetzt; im nächsten Kapitel werden wir die möglichen
diplomatischen Schritte diskutieren.

Wir hoffen, daß Verhandlungen Früchte

tragen werden, damit die Menschen Mittelamerikas ihre Energien darauf verwenden können, ihre Lebensumstände zu verbessern.

Wir ziehen dies ganz eindeu-

tig vor - eine kraftvolle, konkrete und umfassende diplomatische Bemühung
wird daher im nächsten Abschnitt dargelegt.

Aber genau wie militärische Maß-

nahmen notwendig sind, um die wirtschaftlichen und sozialen Programme zu
schützen, so sind sie auch als Attribut der Diplomatie von entscheidender
Bedeutung...
Wir haben es bereits betont, und wir wiederholen es hier:

örtliche

Reformbewegungen, sogar örtliche Revolutionen sind nicht in sich selbst ein
Sicherheitsproblem für die Vereinigten Staaten.

Die Geschichte hat Beispiele

für echte Volksrevolutionen, die in ihrer Gänze den Wurzeln des eigenen Landes entwachsen.

In dieser Hemisphäre ist Mexiko deutliches Beispiel hierfür.

Aber in den vergangenen zwei Jahrzehnten standen wir vor einem neuen Phänomen.
Das Zusammenwirken der Macht der Sowjetunion und Kubas zur Ausweitung ihrer
Präsenz und ihres Einflusses in verletzlichen Bereichen der westlichen Hemisphäre stellt eine direkte Bedrohung der amerikanischen Sicherheitsinteressen dar.

Diese Art von Rebellion gibt es derzeit in Mittelamerika.

Militärische Hilfe
Obgleich es in El Salvador um wichtige amerikanische Interessen geht
und obgleich wir einen hohen politischen Preis - sowohl im Lande selbst als
auch im Ausland - für die Unterstützung der dortigen Streitkräfte zahlen,
haben die Vereinigten Staaten noch immer nicht genug Militärhilfe zur Verfügung gestellt, um die. Methoden der Aufstandsbekämpfung zu unterstützen, auf
die wir drängen. Gleichzeitig können die Vereinigten Staaten nicht die brutalen alternativen Methoden der Aufstandsbekämpfung unterstützen, die mit
einer Gewalt gegenüber der Zivilbevölkerung einhergehen, die nicht tole- 24 -

�nicht toleriert werden kann.

Unserem Urteil nach ist das gegenwärtige Aus-

maß an militärischer Hilfe nicht einmal ausreichend, um die derzeit bestehende
militärische Pattsituation über längere Zeit hinweg aufrechtzuerhalten.

An-

gesichts der steigenden Schäden - sowohl physisch als auch politisch -, die
der Wirtschaft wie der Regierung von El Salvador durch eine Guerilla zugefügt werden,die ihre Stärke auch weiterhin beibehält, ist ein Zusammenbruch
nicht unvorstellbar.
Der Plan der salvadorianischen Regierung für eine nationale Kampagne
verbindet militärische Operationen mit anschließenden zivilen Aktionen, um
Landwirtschaft und Handel wiederherzustellen. Dem Plan zufolge sollen sichere
Gebiete ermögicht werden, innerhalb derer der Landarbeiter von El Salvador
seine Ernte einbringen und vermarkten und wo die Industrie wieder produzieren
kann. Der Plan geht davon aus, daß landesweit genug Sicherheit geschaffen
wird, um den Aufstand zumindest zwei Jahre lang auf einem niedrigen Niveau
zu halten. Allerdings müssen die Streitkräfte der Regierung rasch um ein
Beträchtliches verstärkt werden, damit dieser Plan Erfolg hat. Hierzu gehören folgende Forderungen:
Verstärkte Luft- und Bodenmobilität, um die Regierungsstreitkräfte in
die Lage zu versetzen, ihren unter Angriff stehenden Positionen Entsatz bringen zu können und schließlich die Guerilla aufzuspüren und zu bekämpfen.
Verstärkte Ausbildung zur taktischen Verbesserung der Streitkräfte
und zum umfassenderen Einsatz moderner, menschlicherer Methoden zur Bekämpfung

des Aufstandes, einschließlich auch der zivilen Methoden selbst.

Zu

letzteren gehören nicht nur Straßenbau und einfachere technische Projekte,
sondern vor allem auch Bereitstellung von Gesundheitsvorsorge durch Sanitätspersonal .
Mehr Streitkräfte, um die Regierungsstreitkräfte in die Lage zu versetzen, sowohl wichtige Objekte zu sichern, als auch den Krieg zur Guerilla
selbst zu tragen; derzeit gibt es lediglich die Wahl zwischen einem Zusehen

- 25 -

�einem Zusehen bei der Zerstörung der lebensnotwendigen Infrastruktur oder
einer endlosen Verlängerung des Krieges.
Mehr an Ausrüstung und an Vorräten, um hierdurch eine einheitliche
Kampfbem'ühung zu unterstützen.
Verbesserte Bedingungen für die Truppen, um weniger ausgebildetes
Personal zu verlieren, vor allem durch die Bergung von Verwundeten; derzeit
ist die Verlustrate wegen Mangels an Bergungshubschraubern sehr hoch.
Es könnte Argumente dafür geben, überhaupt nichts zu tun, um der Regierung von El Salvador zu helfen.
noch viel mehr zu tun.

Es könnte auch Argumente dafür geben,

Aber es gibt kein logisches Argument dafür, zwar

Hilfe zu gewähren, aber nicht genug.

Die schlechtestmögliche Politik für El

Salvador besteht darin, gerade genug Hilfe zu bieten, um den Krieg weitergehen zu lassen, aber zu wenig, um ihn mit Erfolg zu führen.
Wie wir bereits in diesem Bericht deutlich gemacht haben, ist die Kommission zu dem Schluß gekommen, daß der derzeitige Umfang amerikanischer
Hilfe unangemessen ist.
Wir sind nicht in der Lage zu beurteilen, welche Mengen und welche
Arten von erhöhter Hilfe notwendig sind. Wir stellen fest, daß das amerikanische Verteidigungsministerium schätzt, es wären annähernd 400 Millionen
Dollar an amerikanischer Militärhilfe für die Jahre 1984 und 1985 notwendig,
um die militärische Pattsituation aufzubrechen und zu ermöglichen, daß der
Plan einer nationalen Kampagne durchgeführt wird. Das Ministerium ist der
Meinung, daß danach der Umfang der Hilfe auf einen beträchtlich bescheideneren Umfang gebracht werden könnte.
Die Kommission empfiehlt, daß die Vereinigten Staaten El Salvador unter den Bedingungen, die wir in diesem Kapitel noch genauer darlegen werden - so rasch wie möglich eine deutlich erhöhte Militärhilfe gewährt, damit
- 26 -

�gewährt, damit die salvadorianische Regierung in der Gewißheit handeln kann,
daß die notwendige Hilfe kommt.
Die Ausbildung und die Verbesserung der salvadorianischen Streitkräfte
bis zu dem Punkt, da sie wirksame Aufstandsbekämpfung betreiben kann, wird
Zeit brauchen.

Ja, angesichts der Komplexität der internen wie der externen

Probleme, vor denen El Salvador steht, wird die dortige Situation auch weiterhin prekär bleiben - sogar mit erhöhter militärischer Hilfe.

Eine solche Hil-

fe allein kann nicht die Elemente nationaler Einheit und nationalen Willens
garantieren, die für einen Erfolg notwendig sind.

Abe1 dem Urteil der Kom-

mission zufolge wird sich die Lage ohne eine solche Hilfe sicherlich verschlechtern.
Die Kommission hat hinsichtlich der Verteidigungserfordernisse von
Honduras keine gleichermaßen detaillierte Studie unternommen.

Aufgrund der

Zeugenaussagen, die wir haben, kommen wir zu dem Urteil, daß eine verstärkte
amerikanische Militärhilfe für Honduras für Ausbildung und Ausrüstung notwendig ist, um eine glaubwürdige Abschreckung aufzubauen und damit erneuten
Aufstandsversuchen entgegenzutreten.

Die Administration sollte dem Kongreß

in dieser Hinsicht ein angemessenes Programm vorlegen.
Unter entsprechenden Bedingungen wäre Hilfe für Guatemala ratsam,
um das Land in die Lage zu versetzen, eine konsistentere und menschlichere
Strategie zur Aufstandsbekämpfung zu verfolgen.

Diese Frage wird weiter un-

ten behandelt...

Die Menschenrechte
Die Frage des Verhältnisses zwischen Militärhilfe und Menschenrechtsverletzungen ist sowohl äußerst schwierig als auch äußerst wichtig.

Es geht da-

bei um den potentiellen Zusammenstoß zweier grundlegender amerikanischer Zielsetzungen.

Einerseits sind wir darum bemüht, die Gerechtigkeit zu fördern,
- 27 -

�zu fördern, und finden es abstoßend, Streitkräfte zu unterstützen, die fundamentale amerikanische Werte verletzen - oder doch deren Verletzung tolerieren.

Andererseits haben wir uns in El Salvador und in Mittelamerika allgemein

engagiert, weil wir fundamentalen amerikanischen Interessen dienen, die über
alle einzelnen Regierungen hinausgehen.
Unsere Politik muß daher beide Ziele gleichzeitig anvisieren und verfolgen.

Es ist klar, daß weitere öffentliche und internationale Unterstüt-

zung in großem Maße davon abhängt, inwieweit wir bei der Harmonisierung dieses Doppelzieles Erfolg haben.

Vor diesem Hintergrund haben wir die Notwendig-

keit unterstrichen, die amerikanische Entwicklungshilfe eindeutig von raschen
Fortschritten in Richtung auf demokratischen Pluralismus und Achtung vor den
Menschenrechten sowie von der Wirtschaftslage abhängig zu machen.

Die Achtung

vor den Menschenrechten ist außerdem von großer Bedeutung für verbesserte
Sicherheit in Mittelamerika sowie für die Selbstachtung der Vereinigten Staaten.

Wir erkennen, daß die Art und Weise, wie das Problem in dieser Richtung

angegangen wird, von entscheidender Bedeutung ist, denn genau dies ist Mittelamerika auch für unsere nationale Sicherheit.
Die Regierung der Vereinigten Staaten hat ein Recht, bestimmte Mindestanforderungen hinsichtlich der Achtung vor den Menschenrechten als eine Vorbedingung dafür zu verlangen, daß einem Land Militärhilfe gewährt wird.
Was El Salvador angeht, so sollte die Militärhilfe - über eine Gesetzgebung geleistet, die regelmäßige Berichte erfordert - von deutlichem Fortschritt in Richtung auf freie Wahlen abhängig gemacht werden; von Fortschritt
in Richtung auf Versammlungsfreiheit, auf die Herrschaft des Rechts und ein
effizientes Rechtssystem sowie die Einstellung der Aktivitäten der sogenannten
Todesschwadronen und tatkräftige Verfolgung jener, die eines Verbrechens schuldig sind und - soweit möglich - die Aburteilung von Schuldigen der Vergangenheit. Diese Bedingungen sollten mit Nachdruck gefordert werden...
Desgleichen sollten

- 28 -

�Desgleichen sollten die Vereinigten Staaten Maßnahmen - einschließlich
der Verweigerung eines Visas, der Auslieferung und der Untersuchung finanzieller Transaktionen - gegen Ausländer in den Vereinigten Staaten treffen, die
mit Aktivitäten der Todesschwadronen in El Salvador und andernorts in Verbindung stehen...

Schlußfolgerung
Die Kommission ist zu der Schlußfolgerung gelangt, daß in Mittelamerika
in einem erheblichen Umfang die Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten
auf dem Spiel stehen; daß außerdem diese Interessen ein beträchtlich größeres
Programm militärischer Hilfe sowie erheblich ausgeweitete Unterstützung für
wirtschaftliches Wachstum und soziale Reform erfordern; daß es weiterhin zu
einem Ende der massiven Menschenrechtsverletzungen kommen muß, wenn in Mittelamerika Sicherheit herrschen soll; und daß die externe Unterstützung des Aufruhrs aus dem gleichen Zweck neutralisiert werden muß - ein Problem, das wir
I'm nächsten Kapitel behandeln werden.

Die Verschlechterung der Lage in Mittelamerika ist dergestalt, daß wir
es uns nicht leisten können, bei der Verteidigung unserer nationalen Interessen
und beim Verfolg unserer nationalen Zielsetzungen gelähmt zu sein.

Die Tat-

sache, daß eine solche Lähmung auf einen Mangel an nationalem Konsens hinsichtlich der Außenpolitik in den Vereinigten Staaten zurückzuführen wäre, würde
nicht die Folgen eines Fehl Schlags mildern.

Wir sind der Meinung, daß bei ei-

ner Frage von solcher Bedeutung für die nationale Sicherheit der Vereinigten
Staaten ein Konsens möglich ist und ein solcher erreicht werden muß.
Wir hoffen zudem, daß eine eindeutige amerikanische Verpflichtung zu
einem solchen Kurs wiederum die Aussichten auf erfolgreiche Verhandlungen verbessert - so daß die Waffen die Diplomatie unterstützen würden, statt diese zu
ersetzen.
KAPITEL 7
- 29 -

�KAPITEL 7
Die Suche nach dem Frieden
Die amerikanische Diplomatie in bezug auf Mittelamerika kann weder in
einem Vakuum gestaltet noch in einem solchen verwirklicht werden.

Sie muß

die umfassenderen Realitäten der Hemisphäre wie die der ganzen Welt widerspiegeln.

Zudem muß sie eine Strategie zur Förderung amerikanischer Interessen in

der Region beinhalten, die auch langfristig durchgehalten
Strategie umfaßt viele Faktoren.

werden kann.

Diese

Diskussionsthemen sind dabei, welche Maßnahmen

im einzelnen ergriffen werden sollten, welcher Art das Geben und Nehmen sein
sollte, welches Gleichgewicht erzielt werden sollte und welche Verantwortlichkeiten von uns und von anderen übernommen werden sollten,

über folgendes müß-

ten wir uns allerdings im klaren sein:
über den Kontext unserer Diplomatie,
über die Natur unserer Zielsetzungen,
über die Beharrlichkeit unserer Politik.
Geschichte wie Erfahrung lehren, daß eine wirkungsvolle Diplomatie die
Koordination vieler Elemente erforderlich macht. Von entscheidender Bedeutung
für den Fortschritt sind dabei Anreize. Und desgleichen die Strafen bei einem
Versagen. In vielen Fällen müssen befreundete Streitkräfte sowohl durch Wirtschafts- als auch durch Sicherheitshilfe unterstütz werden. Den Aggressoren
muß deutlich gemacht werden, daß ein unannehmbares Verhalten Risiken in sich
birgt. Sie müssen außerdem wissen, daß ein anderes Verhalten wiederum beträchtliche Vorteile mit sich bringen kann.
Eine erfolgreiche politische Strategie in Mittelamerika muß bestimmte
grundlegende Voraussetzungen haben.

So erfordert sie

- umfangreiche Mittel zur Förderung des wirtschaftlichen Fortschritts;
- tatkräftige Bemühungen zur Förderung von Demokratie und sozialer Reform;
- andere Anreize und Strafmaßnahmen - abgesehen von Gewalt - zur Durchsetzung unserer Diplomatie...
El Salvador
- 30 -

�El Salvador

Es i s t offenkundig, daß die Zukunft von M i t t e l ™
von dem abhängt, was , .

a

Salvador

S

J 2

barsten vor der entscheidenden Wahl darüber

Z

T

••
Z

,
J

T

"

welchen,,,

nehmen s o l l , er i s t stärker durch interne
m
a l l e seine Nachbarn; und er braucht am meiste

^
UmitM

"°
In

"

~

enP0Htik

"'
".
.""""'""

1 1

a U

g l i c h e n Bemühungen der afrikanischen D ; " : : " : 9 : : : i : : ; : e , n 9 e f U h l ' " "
Das Dilemma in El Salvador i s t klar
stehende Regierung doch freie Wahll! d ^ e
Rechtsprechung i s t i n e f f i z i e n t .

RQ* . n
r

Das H i l l « i s t h i ,

«'

...
eTs J E "
1

T

V

?
" ^

""
D1

'

— i c h des Maßes an Achtung v o r - t n M n
I
J ^ t T T
privilegierten Salvadorianer „ollen sowohl ihre politisch
!
schaftliche Macht beibehalten...
Polnische als auch ihre w i r t -

Die Kommission i s t zu de™ Schluß gelangt, daß die Art der Machtverteilung, wie s,e von den Aufständischen vorgeschlagen wird für n &lt; 7 l
sinnvolle und auch k eine f a i r e Usung wäre.
u Z ^ Z Z S T L T
wurde, die solch Hefe Überzeugungen und unterschiedliche politische Zie'setzun
gen haben und die sich gegenseitig seit Jahren toten
Ja *,. r
l l l
!
t e t vielmehr darauf hin, daß dies nur ein Vor M l 1 '
* """
die aufständischen S t r e n g t e Jein würde

^

^

^

"

Die Regierung von El Salvador muß a l l e angemessenen Maßnahmen
um die Wahlen vom 25. März so sicher unri «„ „ «
•
en m e n u r m ö
Dazu s o l l t , &lt;H. F&lt;„K • u
9 " c " zu
El
d
"beziehung von ausländischen Beobachtern gehören,

Hon : : ; ; 3 . k : n n e n - d a ß der wahipr ° 2eß - — -

^

*«»

ergreifen
ergreifen,
™«hen.
damit diese

- — * -. -

für t ü T 9eh!" ? ° n aUS" daß " E1 Sa'Vad0r 1985 » » - ™ l « h l „ und Wahlen
, e gesetzgebende Versammlung abgehalten werden. Dabei ko „nte auf
gende Weise vorgegangen werden:
1. Dil
31 -

£

�1. Die salvadorianische Regierung würde die FDR-FMLN dazu einladen, ein
für beide Seiten annehmbares Verfahren auszuhandeln, um für die kommenden Wahlen einen Rahmen zu schaffen...
2. Als Teil dieses Rahmens würde eine alle politischen Richtungen repräsentierende Wahlkommission eingesetzt, zu der auch Vertreter der FDR-FMLN gehören...
3. Alle Parteien sollten Gewaltanwendung einstellen, damit für alle
Seiten befriedigende Vereinbarungen zwischen Regierung, regierungsnahen Parteien, den verschiedenen oppositionellen Gruppen und den Gruppen der Aufständischen während des Wahlkampfes und während der Wahlen sich in der Realität bewähren können...
4. Es sollte ein System der internationalen Beobachtung erstellt werden,
um Glauben und Vertrauen aller Parteien in die Redlichkeit und die Ausgewogenheit der Arrangements für die Wahlen zu stärken...

Hierzu könnten Berater der

Wahlkommission gehören, die von den OAS-, den CONTADORA- und Drittweltstaaten
kommen und über die sich alle Konfliktparteien einigen.
Zusammenfassend gesagt sollten die Vereinigten Staaten eine gewaltige
Anstrengung unternehmen, um El Salvador bei der Schaffung einer Gesellschaft
zu unterstützen, die aus sich selbst lebensfähig ist und die sich der offenen
Teilnahme an ihrem politischen Prozeß, der sozialen Gerechtigkeit, der wirtschaftlichen Freiheit, dem Wachstum und der Entwicklung verschreibt.

Ein El

Salvador, das auf diese Ziele hinarbeitet, verdient auch weiterhin unsere Unterstützung.

Dazu gehören angemessene Wirtschafts- und Sicherheitshilfe, die

wiederum einen Druck in Richtung auf ein politisch ausgehandeltes Ende der
Kämpfe hervorbringen könnten...

Nicaragua

- 32 -

�Nicaragua
Die Streitkräfte der Sandinisten sind potentiell stärker als alle übrigen Streitkräfte Mittelamerikas zusammengenommen.

Die Regierung in Managua

bot der Kommission unaufgefordert eine vertrauliche Unterrichtung an, die keinen
wirklichen Zweifel daran ließ, daß Nicaragua in das kubanische - und damit auch
in das sowjetische - nachrichtendienstliche Netz eingebunden ist. Die Kommission traf auf keine führende Persönlichkeit in Mittelamerika - auch nicht in
dem demokratischen und unbewaffneten Costa Rica -, die nicht äußerst besorgte
Vorahnungen hinsichtlich der Auswirkungen eines militarisierten, totalitären
Nicaragua auf den Frieden und die Sicherheit der Region zum Ausdruck brachten.
Verschiedene vertraten die Ansicht, daß ihre eigene Freiheit, ja ihre Unabhängigkeit, gefährdet seien, sollte das Sandinista-Regime jetzt als totalitärer
Staat konsolidiert werden...
Obwohl die Kommission der Auffassung ist, daß das Sandinista-Regime auch
weiterhin eine Gefahr für die Stabilität in der Region darstellen wird, befürworten wir dennoch keine Politik der reinen Eindämmung.
Stattdessen empfehlen wir vor allem eine Anstrengung, um zu einer umfassenden regionalen Regelung zu gelangen.

Diese würde sich aus den 21 Zielen

der CONTADORA-Gruppe entwickeln und auf ihnen aufbauen.

Innerhalb des Rahmens

der grundsätzlichen Prinzipien würde sie:
- eine Verknüpfung zwischen Demokratisierung und Sicherheit in dieser Region anerkennen;
- die Anreize für verstärkte Entwicklungshilfe und Handelskonzessionen mit
der Annahme gegenseitiger Sicherheitsgarantien verbinden;
- die Vereinigten Staaten und andere Industrieländer in das regionale Friedenssystem einbinden; und
- in der
- 33 -

�- in der Region einen institutionellen Mechanismus zur Verwirklichung dieses Systems schaffen.

Der Rahmen für regionale Sicherheit
Die Kommission ist der Auffassung, daß eine umfassende regionale Regelung sich auf die weiter unten spezifizierten Grundsätze stützen sollte.

Eine

solche Regelung würde nicht die Beseitigung der sandinistischen Regierung und
auch nicht den offiziellen Verzicht auf ihre revolutionären Ideale implizieren,
sondern nur bedeuten, daß sie sich dem legitimierenden Test freier Wahlen unterwirft.

Es liegt deshalb nicht außerhalb des Bereiches der Möglichkeiten, daß

Nicaragua und die anderen Staaten der Region sich diese Regelung zu eigen machen
werden.

Das grundlegende Rahmenwerk wäre ein Abkommen über die Sicherheit in

Mittelamerika, das zwischen den "Fünf" (Costa Rica, El Salvador, Guatemala,
Honduras und Nicaragua) ausgehandelt wird und folgende Grundelemente enthält:
- Respektierung der Souveränität, Unabhängigkeit sowie Integrität aller
mittelamerikanischer Staaten.
- Eine umfassende und konkrete Verpflichtung zur Demokratie und zu den
Menschenrechten.
- Eine verifizierbare Verpflichtung eines jeden Landes, seinen Nachbarn
nicht anzugreifen und keine Waffen - offen oder im geheimen - an irgendwelche Aufständischen weiterzugeben, kein Militärpersonal eines mittel amerikanischen Staates auszubilden und keinerlei Subversion - direkt
oder indirekt - gegenüber seinen Nachbarn zu praktizieren.
- Eine verifizierbare Verpflichtung eines jeden Landes, keine Waffen zu
besitzen, die über ein gewisses Ausmaß, gewisse Typen sowie eine gewisse
Kapazität hinausgehen.

Die zulässige Gesamtstärke der Streitkräfte eines

jeden Landes könnte in der Weise festgelegt werden, daß sie eine vereinbarte Höhe, die wesentlich geringer ist als gegenwärtig, nicht Uber- 34 -

�nicht überschreitet.

Streitkräfte, Stützpunkte oder Berater nicht-

mittel amerikanischer Länder wären nicht gestattet.

Respektierung des Abkommens und Mitarbeit seitens der Vereinigten Staaten
Dazu würde die Bereitschaft gehören, die Militär- und Sicherheitsvereinbarungen in Mittelamerika zu unterstützen, sowie die Verpflichtung, jedwede
innenpolitischen Vereinbarungen zu respektieren, die sich aus rechtmäßigen
Wahlen ergeben, solange an den Grundprinzipien von Pluralismus im eigenen Land
und Zurückhaltung nach außen kontinuierlich festgehalten wird.

Weiter die

Verpflichtung aller Länder zum Pluralismus, zu friedlicher politischer Aktivität und zu freien Wahlen, an denen alle politischen Parteien teilnehmen können
und zwar frei von Drohung und Gewalt.

Insbesondere müßten die Zusicherungen

Nicaraguas vom Juli 1979 gegenüber der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS),
die durch die CONTADORA-Gruppe bekräftigt wurden, erfüllt werden. Alle Insurgentengruppen müßten ihre militärische Aktivität einstellen.
Dauerhafte Verifizierung:

Die Vereinigten Staaten wären bereit, tech-

nische Unterstützung zu gewähren, damit eine wirksame Verifizierung gewährleistet ist.

Die CONTADORA-Länder könnten hier eine wesentliche Rolle spielen

Die mittelamerikanischen Länder, die dem Abkommen angehören, könnten andere Länder zu einer Assoziierung einladen. Sie könnten sich ferner dafür einsetzen, daß andere Länder der Hemisphäre gegenseitige Verpflichtungen der Nichteinmischung abgeben.
Die Befolgung des Abkommens wäre Bedingung für eine Beteiligung an dem
Entwicklungsprogramm, das in den Kapiteln vier und fünf beschrieben wurde. Die
mittel amerikanische Entwicklungsorganisation würde - wie dort empfohlen - eine
kontinuierliche Überwachung und Überprüfung hinsichtlich der Einhaltung der Verpflichtung zur Nichteinmischung im Ausland und zur Demokratisierung im Inland
durchführen.
Die Außenminister
- 35 -

�Die Außenminister sowie andere Minister würden - zusammen mit den Vereinigten Staaten, Mexiko, Panama, Kolumbien und Venezuela als Beobachter - regelmäßig zusammentreffen, um die Vereinbarungen sowie deren Einhaltung zu überprüfen.

Der Rat würde Verfahren für die Lösung von Konflikten unter den Mit-

gliedstaaten ausarbeiten...

Die CONTADORA-Gruppe
Die Vereinigten Staaten haben ein großes Interesse daran, die Länder
Mittelamerikas zur Übernahme einer größeren Verantwortung hinsichtlich regionaler Vereinbarungen zu ermutigen.

Unser Engagement wird akzeptierbarer sein,

wenn es einen regionalen Konsens reflektiert.

Wenn Länder der Region die Ini-

tiative ergreifen und wenn man in uns nicht jemanden sieht, der regionale
Zielsetzungen aufzwingen will, dann werden die Aussichten für eine konstruktive
Entwicklung, die sich auf gemeinsame Ziele stützt, wachsen.

Ein Hauptziel der

Vereinigten Staaten sollte es deshalb sein, die Entwicklung eines unabhängigen
Systems regionaler Beziehungen zu fördern, das gestärkt wird durch amerikanische Wirtschaftshilfe, diplomatische Unterstützung und MilitärhTlfe.

Wenn

eine regionale Abmachung letztendlich von Dauer sein will, dann muß sie auf
amerikanische Unterstützung rechnen können.

Wenn sie jedoch diese Unterstüt-

zung erhalten will, dann müssen Zusammenarbeit und guter Wille unserer Schwesterrepubliken im Süden ersichtlich sein.
Eine erfolgreiche Diplomatie innerhalb Mittelamerikas muß auf den Interessen der mittel amerikanischen Länder selbst basieren. Diese Interessen müssen
sich in weitergefaßten regionalen Vereinbarungen widerspiegeln, die gegenseitige
Verpflichtungen auferlegen, gemeinsame Anreize für die Achtung nationaler Rechte
schaffen und eine Überprüfung der Befolgung und der für Verletzungen verhängten
Strafen vorsehen.
Die vier angrenzenden CONTADORA-Staaten - Kolumbien, Mexiko, Panama und
Venezuela - sind aktiv und kreativ bei dem Versuch, eine regionale Diplomatie
zu entwickeln, die den Erfordernissen Mittelamerikas gerecht werden kann. Ihre
- 36 -

�kann.

Ihre Rolle war konstruktiv in dem Bestreben, die anhängigen Fragen i

definieren und die Verpflichtung der wichtigen lateinamerikanischen Länder aufzuzeigen, Stabilität und eine friedliche Entwicklung in der Region zu bewirken. ..
Die Vereinigten Staaten sollten innerhalb dieses Rahmens den CONTADORAProzeß nachdrücklich unterstützen.

Wir sollten auch weiterhin in echter Weise

und auf regelmäßiger Basis Konsultationen mit den Mitgliedstaaten pflegen. Wir
sollten weiterhin das 21-Punkte-Programm der CONTADORA-Staaten unterstützen,
während wir gleichzeitig auf eine spezifischere Regelung drängen.

Angesichts

der Größe und der Kompliziertheit der Aufgabe ist es nicht verwunderlich, daß
sich der Fortschritt nur allmählich und auf allgemeiner Ebene vollzieht. Wie
bereits gesagt, stehen die Grundsätze des regionalen Rahmenwerkes, wie sie
oben dargelegt sind, in voller Übereinstimmung mit dem CONTADORA-Programm.
diese Grundsätze sollen dem Programm klarere Konturen verleihen.

Ja,

Welche Rolle

die CONTADORA-Gruppe bei der tatsächlichen Gestaltung von Regelungen auch immer spielen wird, sie wird gewiß hinsichtlich der Durchführung und Überwachung
dieser Regelungen einen zentralen Platz einnehmen.

Kuba und die Sowjetunion
Sowohl die Rolle, die das sandinistische Regime in Mittelamerika spielt,
als auch die Bedrohungen in den Nachbarländern erhalten aufgrund des aktiven
Engagements Kubas zusätzliche Bedeutung für die Region und für die Vereinigten
Staaten.

Wie bekannt ist, hat sich Kuba seit langem der revolutionären Gewalt

als wichtigem Teil seiner Ideologie verschrieben; ja, diese Haltung findet sogar in seiner Staatsverfassung ihren Niederschlag.

Kuba ist ferner ein enger

Verbündeter der Sowjetunion und anderer Staaten des kommunistischen Blocks, es
erhält von ihnen Unterstützung und fördert deren Interessen in der Region des
Karibischen Beckens...
Es ist sicherlich unmöglich, ein Engagement der Sowjetunion in Mittelamerika, das sich auf den Handel, auf diplomatische Beziehungen und auf_eine
- 37 -

�auf eine gewisse Einflußnahme auf einzelne Länder erstreckt, auszuschließen.
Andererseits ist ein wie immer geartetes sowjetisches Engagement in der Region,
das eine Bedrohung für die Vereinigten Staaten darstellt, sicherlich unannehmbar.

Die politische Frage ist erstens, zu entscheiden, wo zwischen diesen bei-

den Extremen eines sowjetischen Engagements der Punkt des Gleichgewichts für die
amerikanischen Interessen liegt, und zweitens, die notwendigen Maßnahmen zu treffen, um diese Interessen zu wahren.

Die Vereinigten Staaten können kein mili-

tärisches Engagement der Sowjets in Mittelamerika und der Karibik akzeptieren,
das über das hinausgeht, was wir zögernd in Kuba tolerieren...
Vor diesem Hintergrund verspricht sich die Kommission wenig von Verhandlungen mit der Sowjetunion über Mittelamerika. Die Sowjets würden fast mit
Sicherheit Verhandlungen dazu benützen, ihre Präsenz in der Region zu legitimieren. Sie würden eine Erörterung von Einflußsphären der Supermächte begrüßen, die sofort Ansprüche auf Vorherrschaft Moskaus und die Notwendigkeit
einer amerikanischen Enthaltung an der sowjetischen Peripherie, wie in Osteuropa und in Afghanistan, auslösen würde. Für die Vereinigten Staaten ist das
Konzept von Einflußsphären unannehmbar. Sollten die Vereinigten Staaten einem
solchen Konzept jetzt zustimmen, würde die Sowjetunion beträchtliche Vorteile
erlangen.
Kurz gesagt, die Vereinigten Staaten können nicht alles politische Engagement und allen Einfluß der Sowjets in Mittelamerika und der Karibik beseitigen. Aber wir müssen die sowjetische Militäraktivität in der Hemisphäre
zügeln. Und wir können die sowjetischen Möglichkeiten reduzieren und für andere
die Anreize erhöhen, keine Bindungen mit Moskau zu knüpfen, die den Interessen
der Vereinigten Staaten und der Region schaden würden.

Umfassendere Anstrengungen
Die Aussichten auf Sicherheit und Fortschritt werden die Anstrengungen
sowohl der Länder der Region als auch der Vereinigten Staaten ankurbeln.

- 38 -

Lang-

�ankurbeln.

Langfristig muß der Hauptnachdruck auf einer fortschrittlichen

Reform der Gesellschaften, der Stärkung des politischen Prozesses und der Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse liegen.

Das Zueigenmachen dieser

Ziele sowie die Gewährung der erforderlichen Mittel werden nicht an sich schon
Sicherheit und Fortschritt gewährleisten.

Aber ohne diese weitergesteckten

Anstrengungen kann keine diplomatische Strategie Erfolg haben oder von Dauer
sein.
Es gibt für die Vereinigten Staaten keine leichten Antworten in Mittelamerika.
den

am

Es wird auch kein baldiges Ende unserer innenpolitischen Debatte über
besten einzuschlagenden Weg geben.

Dennoch müssen wir energisch

diplomatische und politische Methoden - zusammen mit den anderen Möglichkeiten
unserer Politik - verfolgen, um ein regionales Rahmenwerk für Sicherheit, Frieden, Entwicklung und Demokratie zu schaffen.

KAPITEL 8
Zusammenfassung
Wir haben diese Untersuchung in der Überzeugung abgeschlossen, daß Mittelamerika sowohl voller Lebenskraft als auch verwundbar ist und daß die Vereinigten Staaten - welche andere Krise auch immer die Aufmerksamkeit unserer Nation in Anspruch nehmen mag - es sich nicht leisten können, sich von dieser
bedrohten Region abzuwenden.

Die Krise Mittelamerikas ist unsere Krise.

Allzu häufig sind es Kriege oder Kriegsdrohungen, die die Aufmerksamkeit
auf den einen oder anderen Teil der Welt lenken.
der Fall.

Das war auch in Mittelamerika

Die dortige militärische Krise nahm unsere Aufmerksamkeit in Anspruch,

aber dennoch wurden wir uns auch zahlreicher anderer Erfordernisse der Region
bewußt.

Wenn auch vielleicht spät, so hat sie doch unsere Sinne geschärft.
Was nun
- 39 -

�Was nun diese Kommission angeht, so war es eine Auswirkung dieser Konzentration, daß wir das Bild, das wir von den Ländern Mittelamerikas hatten,klären
konnten.

Oft wird der Fehler begangen, daß andere Länder mehr als

Karikaturen

statt als Wirklichkeit gesehen werden; daß das eine oder andere Charakteristikum
übertrieben wird und die Sicht für subtilere Nuancen verlorengeht, auf die sich
ein so großer Teil menschlicher Erfahrung stützt.

Bei unserer Untersuchung ist

uns ganz deutlich geworden, welch großer Fehler es wäre, diese Länder nur eindimensional zu sehen.

Ein außerordentlich kompliziertes

Zusammenwirken von

Kräften hat ihre Geschichte gestaltet und definiert auch weiterhin ihre Identität; bestimmt ihr Geschick.
Wir haben ein großes Mitgefühl entwickelt für jene in Mittelamerika,
die bestrebt sind, diese Kräfte unter Kontrolle zu bringen und ihre Länder
erfolgreich durch diese Periode des politischen und sozialen Umbruchs zu führen. Als Region ist Mittelamerika in der Mitte des Weges von vorwiegend autoritären Mustern der Vergangenheit zu einer Form, die mit Entschlossenheit,
Hilfe, Glück und Frieden zu einem vorwiegend demokratischem Pluralismus der
Zukunft werden wird. Ein solcher Umbruch ist schwierig, selten verläuft er
glatt, manchmal gewaltsam. In Nicaragua haben wir die Tragödie einer verratenen Revolution erlebt; dieselben Kräfte, die den Beginn der Demokratie in
Nicaragua niedergetrampelt haben, bedrohen jetzt El Salvador. In El Salvador
selbst werden jene,die bestrebt sind, demokratische Institutionen zu schaffen,
von der Gewalt der Extremisten beider Seiten heimgesucht. Aber der Geist der
Freiheit ist überall in der Region stark, und es besteht die Entschlossenheit,
ihn zu stärken, wo er bereits vorhanden ist, und ihn zu schaffen, wo dies noch
nicht der Fall ist.
Die Benutzung Nicaraguas als Basis für sowjetische und kubanische Anstrengungen, das übrige Mitte]amerika zu durchdringen - wobei El Salvador das
Ziel der ersten Wahl ist -,gibt dem dortigen Konflikt eine bedeutsame strategische Dimension. Das direkte Engagement aggressiver fremder Truppen stellt
eine Herausforderung für die Sicherheit der Hemisphäre und ganz spezifisch
für die Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten dar.
Aber darüber
- 40 -

�Aber darüber hinaus sind wir herausgefordert, auf die dringenden menschlichen Ansprüche der Bevölkerung Mittelamerikas zu reagieren.

Mittelamerika

ist eine Region, die sich wirtschaftlich, sozial und politisch in der Krise befindet.

Seine Völker sind unsere Nachbarn, und sie brauchen unsere Hilfe.

Das ist einer jener Fälle, wo die Erfordernisse des nationalen Interesses und
die Gebote des Gewissens sich decken.
Im Laufe der Jahre hat es eine Art natürlichen Fortschritt in den Bindungen unseres Landes zu anderen Teilen der Welt gegeben.
sie fast exklusiv mit Europa.

Zunächst bestanden

Dann erweiterten wir unsere transpazifischen

Bindungen, ohne die mit Europa zu lockern.

Jetzt führt uns die Krise in Mit-

telamerika lebhaft vor Augen, daß wir unsere Bindungen mit dem Süden - genauso wie mit dem Osten und dem Westen - vertiefen müssen.
Unsere Reaktion auf die gegenwärtige Krise in Mittelamerika darf kein
vorübergehendes Phänomen sein. Die Vereinigten Staaten wurden aus einer Vision heraus geboren, die die Welt zwei Jahrhunderte lang inspiriert hat. Diese Vision leuchtet am hellsten, wenn sie auch von anderen geteilt wird. So,
wie wir die Freiheit für uns wünschen, wünschen wir auch die Freiheit für
andere. Genauso, wie wir unsere Vision hochhalten und schätzen, sollten wir
andere ermutigen, sich ihre eigene zu schaffen. Ja, das, was wir für uns
selbst wünschen, ist weitgehend auch das, was die Menschen in Mittelamerika
für sich wünschen. Sie haben auch die Vision von der Zukunft, die unsere Ideale darstellen, und die Zeit ist für uns gekommen, ihnen dabei zu helfen, nicht
nur nach einer solchen Vision zu streben, sondern sie daran teilhaben zu lassen.
Unsere Aufgabe als Nation ist es nun, die Krise in Mittelamerika zu
einer großen Chance umzuwandeln:

Die Impulse und den Anstoß zu geben, die

darin enthalten sind, und dies zu benutzen, um unseren Nachbarn dabei zu helfen, nicht nur ihre Freiheit von Aggression und Gewalt zu sichern, sondern
auch die Politik und die Prozesse in Gang zu setzen und die Institutionen zu
schaffen, die den Menschen dort Prosperität bringen und sie frei machen.
Wenn uns dies gemeinsam gelingt, dann werden die Verfechter der Gewalt das

- 41 -

�Gewalt das Gegenteil von dem erreicht haben, was sie beabsichtigten: Sie
werden uns angespornt haben, nicht nur die Flut des Totalitarismus abzuwenden, sondern auch neue Hoffnung und neue Möglichkeiten für die Menschen in
Mittelamerika entstehen zu lassen.
Weil dies unsere Chance ist, ist es wahrhaftig auch unsere Pflicht.

- 42 -

�18. Januar 1984

ARTISTIK IM WELTRAUM
Neue flugtechnische Aufgaben bei der zehnten Raumtransportermission -

- (AD) - Die Raumfähre CHALLENGER steht in Kap Canaveral für den nächsten
Flug bereit.

Es wird der zehnte Weltraumeinsatz eines amerikanischen Raumtrans-

porters sein.

Kürzlich wurden die drei Hilfsaggregate am Heck gegen neue Ein-

heiten ausgetauscht.

Denn als Ursache des Aussickerns von Hydrazin, das bei

der Landung des Schwesterschiffs COLUMBIA im Dezember 1983 zu einem Brand und
zwei kleineren Explosionen an zwei der drei Einheiten geführt hatte, wurden
Risse in Zuleitungen infolge Korrosion und Materialalterung ermittelt.

Die Tur-

binenaggregate, die unabhängig voneinander arbeiten, erzeugen den Druck für
Hydrauliksysteme des Raumgleiters in der Start- und Landephase.

Auch die Stö-

rungen an zwei der fünf Bordcomputer kurz vor der Landung beim Unternehmen STS-9
(COLUMBIA, 28. November bis 8. Dezember 1983) sind geklärt.

Schuld waren win-

zige Metallpartikel zwischen elektrischen Komponenten.
Nach dem gegenwärtigen Stand der Vorbereitungen soll CHALLENGER am 3.
Februar 1984 starten und am 11. Februar zurückkehren.

Bei günstigen Wetter-

bedingungen ist die Landung auf der neuen Piste des Weltraumbahnhofs Kap
Canaveral in der Morgendämmerung vorgesehen.

Sind sie nicht gegeben, landet

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�gegeben, landet CHALLENGER wieder in Kalifornien.

Für diesen Fall haben Komman-

dant Vance Brand und Kopilot Robert Gibson ausgiebig Nachtlandungen mit Trainingsflugzeugen der NASA geprobt.

Die beiden Astronauten unternehmen den Flug

STS-10 gemeinsam mit drei Missionsspezialisten.

Es sind Bruce McCandless,

Ronald McMair und Robert Stewart, die dem Astronautenteam schon seit Jahren
angehören und jetzt zu ihrem ersten Raumflug starten.

Freier Flug mit Manövriergerä't
Ein vielseitiges Arbeitsprogramm mit einer ganzen Reihe neuer technischer
Aufgaben wartet auf die CHALLENGER-Besatzung.

Das spektakulärste Ereignis wer-

den sicherlich die jeweils sechsstündigen Außenbordmanöver von McCandless und
Stewart am fünften und siebenten Flugtag sein.

Die beiden erproben im Weltraum

zum ersten Mal Ausrüstungen, die ihnen völlig selbständiges Manövrieren außerhalb des Raumschiffs und sogar das "Andocken" an einen Satelliten erlauben.
Auf eine Verbindung mit dem Mutterschiff durch eine Sicherungsleine, wurde verzichtet, weil diese eher als hinderlich denn als Hilfe empfunden wird.

Die

Fortbewegung erfolgt über die Aktivierung von Düsen, die mit Stickstoffgasen
arbeiten.
McCandless wird als erster aussteigen. Von der Ladebucht der CHALLENGER
aus schwebt er, mit dem Rücken zum Orbiter, hinaus in den Raum. Vance bringt
dazu den Orbiter in eine senkrechte Position - Heck zur Erde, Unterseite in
Flugrichtung. Sobald McCandless die Driftgeschwindigkeit von 60 m/sec erreicht hat, versetzt er sich in langsame Rotation, damit er, während er sich
weiter entfernt, den Raumgleiter in Sicht behalten kann.
Der erste "Ausflug" soll 45 m weit gehen und nach 10 Minuten beendet
sein. Dann folgt ein zweiter bis auf ca. 90 m Abstand vom Mutterschiff. Dies
entspricht etwa jener Entfernung, die im April 1984 McCandless' Kollege George
Nelson zurücklegen muß, um vom Orbiter aus den nicht mehr funktionstüchtigen,
außer Kontrolle geratenen Forschungssatelliten SOLAR MAX zu erreichen.

- 2 -

Dieser

�erreichen.

Dieser soll dann nach weiterer Annäherung des Orbiter von Nelson

an dem aus dem Laderaum ausgefahrenen ROBOTARM befestigt und eingeholt werden.
Die Reparatur des drei Tonnen schweren Satelliten will man nach Möglichkeit an
Bord vornehmen, um ihn vor der Rückkehr des Raumtransporters zur Erde in der
Umlaufbahn wieder abzusetzen.
Die Entfernung bis auf 90 m vom Orbiter gilt aufgrund der Erfahrungen,
die bei den zahlreichen Simulatorversuchen gemacht wurden, als eine Strecke,
die mit der Manövrierausrüstung leicht im Sichtflug zurückgelegt werden kann.
Während der Raumschi ffkommandant den Abstand zu McCandless mittels RendezvousRadar bestimmt, benutzt dieser in der umgekehrten Richtung ein optisches Hilfsmittel, nämlich einen mit Markierungskerben versehenen Stab, mit dem er die je
nach Entfernung unterschiedliche Größe des Orbiter mißt.
Stewart hält sich unterdessen in der Ladebucht auf.

Um den beiden Astro-

nauten die Umstellung auf den niedrigeren Druck im Schutzanzug zu erleichtern,
wurde schon am Tag zuvor für die gesamte Besatzung der Kabinendruck von 1 at
auf 0,71 at gesenkt.

Dadurch kann die notwendige Zeit für die Sauerstoff-Vor-

atmung, die vor Beginn der Außenarbeiten nicht gelösten Stickstoff aus dem Korper entfernen und vor Dekompressionserscheinungen schützen soll, von drei Stunden auf eine Stunde verringert werden.
Bis McCandless zurückkehrt, hat Stewart die T-förmige Dockausrüstung
vorbereitet.

Mit Hilfe Stewarts legt McCandless sie an seinem Schutzanzug

an, um nun an einem Trainingsstutzen im Nutzlastraum der CHALLENGER "anzukoppeln".

Dies ist ebenso ein Obungsexperiment für das Einholen des SOLAR MAX-

Satelliten im April wie das Anbringen einer Arbeitsplattform am Ende des 15 m
langen, mehrgliedrigen und überaus wendigen Greifarms (ROBOTARM), der vom
Cockpit aus ferngesteuert wird.
tung.

Dies besorgt Ronald McNair durch Handschal-

Auch das Nachfüllen von Stickstoff für den Antrieb des Manövriergeräts

(es wird zu diesem Zweck abgelegt und an seiner Halterung im Laderaum befestigt)
ist eine der Aufgaben beim Außenbordmanöver.

Sie nimmt jeweils etwa lo Minu-

ten in Anspruch.
Sobald McNair

�Sobald McNair vom Schaltpult aus seinen Kollegen Stewart auf der Arbeitsplattform am Ende des Greifarms draußen im Laderaum zu McCandless herangefahren hat, reicht dieser Stewart Werkzeuge zu, damit er sie auf der Plattform
verstaut.

Mehrmals tauschen die beiden ihre Plätze, um möglichst viele prak-

tische Erfahrungen mit der Fußhalterung für Astronauten auf der Arbeitsplattform zu sammeln.

Denn die Stehsicherheit spielt beim Einholen eines Satelliten

eine ganz wichtige Rolle.
Nun ist die Reihe an Stewart, mit dem Manövriergerät zweimal
Flug hinaus in den Raum und zurück zu unternehmen.
ter-Ladebucht wird

den freien

Zum Andocken in der Orbi-

er SPAS benutzen, den wiederverwenbaren Satelliten der Fa.

MBB, der an einer Seite des Laderaums noch verankert ist.

Dieser deutsche

"Shuttle Pa_llet ^atellite" war bereits beim Unternehmen STS-7 im Juni 1983 dabei; er wurde damals samt den darauf montierten Experimenten von der amerikanischen Astronautin Dr. Sally Ride betreut.

Die Modulbauweise des SPAS, eines

überaus praktischen Trägergeräts für wissenschaftliche Instrumente und Ausrüstungen, macht es möglich, die Palette den jeweiligen Nutzlasten einer Mission im Weltraum anzupassen.

Zum Verstauen in der Ladebucht des Raumtranspor-

ters ist er gewissermaßen maßgeschneidert.

Mit dem Greifarm kann er aus dem

Laderaum gehievt und für kürzere oder auch lange Zeit in der Umlaufbahn abgesetzt werden - wie es die Experimente gerade erfordern.
Beim Unternehmen STS-10 trägt SPAS nochmals die Experimente aus den
Gebieten Mikroelektronik, Biologie und Werkstoffwissenschaften, mit denen der
Satellit auch beim ersten Einsatz im Weltraum bestückt war. Er ist aber auch
mit einem Koppelstutzen versehen, an dem Stewart mehrmals "anlegt". Außerdem
befindet sich auf der Oberseite des SPAS eine Nachbildung der elektrischen
Schaltzentrale des SOLAR MAX-Satelliten. An dieser üben beide Astronauten
von der Arbeitsplattform aus mit Werkzeugen das Ausschalten aller Stromleitungen sowie das Trennen und Verbinden von Kabeln, wie es im Ernstfall bei der
Bergung von SOLAR MAX notwendig sein wird.
Am übernächsten

�Am übernächsten Flugtag ist SPAS bereits abgesetzt und befindet sich
über der CHALLENGER, wenn McCandless und Stewart ihr Außenbordmanöver im Laderaum beginnen.

Bei Nacht, nur mit Scheinwerferlicht, prüfen sie ihre Manörvier-

geräte durch, um bei Morgendämmerung (d.h. bei Sonnenaufgang für CHALLENGER in
der Umlaufbahn) abflugbereit zu sein.

In dieser tageszeitlichen Folge werden

im April die Vorbereitungen für die Bergung des Forschungssatelliten getroffen
- dies ist die Generalprobe dafür.
Nacheinander werden die beiden Astronauten versuchen, am langsam rotierenden SPAS draußen im Weltraum anzukoppeln.

Dazu wird es erforderlich sein,

sich der Drehbewegung mit Hilfe des Manöviergeräts anzupassen.

McCandless und

Stewart prüfen außerdem die Antriebseinheit auf ihre Flugstabilität unter verschiedenen Bedingungen und werden z.B. untersuchen, wie sich Armbewegungen oder
das Austreten von Gasen aus dem Lebenserhaltungssystem auswirken.

Rendezvous mit einem Ballon
Vorübungen zum Rendezvous mit SOLAR MAX sind die Anflugmanöver Vance Brands
und Gibsons auf einem vom Orbiter abgesetzten Ballon.

Er wird auf 2 m Durch-

messer aufgeblasen; zur Drall Stabilisierung erhält er eine Ballastmasse von
91 kg Wolfram.

Die Position von CHALLENGER zu der des Ballons wird im Verlauf

von 15 Stunden ca. 255 km zurückverlagert.

Nun pirscht sich der Raumtransporter

in zwei flachen Loopings, bei denen er bis zu 15 km tief unter der Ballonbahn
durch-"taucht", an das Ziel heran, wobei das Annäherungsradar erprobt wird.
Dieses spricht ab etwa 23 km Abstand an. Jedoch sind von Anfang an auch Bodenstationen in die Messungen und die Überwachung der Entfernung zwischen Orbiter
und Ziel Objekt eingeschaltet.
Dieses Manöver ist für den ersten und zweiten Flugtag geplant, an denen
auch zwei Nachrichtensatelliten für den Start zu Stationierungspunkten auf der
36 000 km-Bahn abgesetzt werden. Es handelt sich um WESTAR 6 (im Auftrag des
privaten amerikanischen Fernmeldeunternehmens Western Union) und PALAPA B2

- 5 -

�und PALAPA B2 (im Auftrag der indonesischen Regierung).

Und falls bei den

Außenbordmanövern während der achttägigen Mission noch Zeit für Versuche zum
Auftanken eines Satelliten mit Hydrazin bleibt (für diesen Fall sind im Laderaum die Tankstutzen von LANDSAT 4 installiert), wäre ein wichtiger Schritt
zur Rettung des Erderkundungssatelliten getan.

LANDSAT 4 könnte während einer

Orbiter-Mission im Oktober 1985 neu aufgetankt, repariert und wieder funktionstüchtig gemacht werden.

+ + + + +

- 6-

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9305">
                <text>18.01.1984</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9306">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9307">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13732">
                <text>Amerikadienst 18.01.1984</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13733">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Auszüge aus dem Bericht der Kissinger-Kommission über Mittelamerika&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Artistik im Weltraum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Neue flugtechnische Aufgaben bei der zehnten Raumtransportermission -&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1842" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1853">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/c649882c73b67b1a9c9e6ace1592ef77.pdf</src>
        <authentication>664a469a55bad0d2be3c81dba3ff7fd9</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="9304">
                    <text>16. Januar 1984

DIE AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN BEZIEHUNGEN
Ansprache von Präsident Reagan am Vorabend der KVAE -

SPERRFRIST: Montag, 16. Januar 1984, 16.00 Uhr MEZ

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am Vorabend der
Konferenz für Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in
Europa (KVAE) am 16. Januar 1984 einen Überblick über das amerikanisch-sowjetische Verhältnis und zugleich seiner Hoffnung Ausdruck gegeben, daß ein echter Fortschritt im Sinne des Friedens erzielt werden kann.

Nach seiner Auf-

fassung seien die Vereinigten Staaten 1984 in "ihrer stärksten Position seit
Jahren, um eine konstruktive und realistische Arbeitsbeziehung zur Sowjetunion
herzustellen".
Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
In den ersten Tagen des Jahres 1984 möchte ich mit Ihnen - und
den Menschen in der ganzen Welt - meine Gedanken über ein Thema teilen, das
von großer Bedeutung für die Sache des Friedens ist - die Beziehungen zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.
Morgen werden die Vereinigten Staaten mit der Sowjetunion und 33
anderen Staaten an einer europäischen Abrüstungskonferenz teilnehmen. Die Konferenz wird nach praktischen und bedeutsamen Mitteln und Wegen suchen, die
europäische Sicherheit zu erhöhen und den Frieden zu erhalten. Wir werden mit
den tiefempfundenen Wünschen unseres Volkes nach echtem Fortschritt nach Stockholm kommen.
Wir leben in einer Zeit der Herausforderungen des Friedens, aber
auch großer Chancen für den Frieden.

Durch Zeiten der Schwierigkeit und der

Enttäuschung hindurch sind die höchsten Hoffnungen und Erwartungen Amerikas
nie schwankend geworden:

Wir haben - und das werden wir auch weiterhin tun -

um einen dauerhaften Frieden gekämpft, der die Würde der Männer und Frauen
überall zur Geltung bringt.

Ich bin überzeugt, daß das Jahr 1984 den Vereinig-

- 2 -

�den Vereinigten Staaten in ihrer stärksten Position seit Jahren vorfindet,
um eine konstruktive und

realistische Arbeitsbeziehung zur Sowjetunion her-

zustellen.
Wir haben seit den siebziger Jahren viel erlebt - Jahren, in denen die
Vereinigten Staaten von Zweifeln an sich selbst und einer Vernachlässigung der
Verteidigung erfüllt zu sein schienen, während die Sowjetunion ihre militärische
Macht ausbaute und ihren Einfluß durch Waffengewalt und Drohungen auszudehnen
suchte.

Im Laufe der letzten zehn Jahre haben die Sowjets einen doppelt so

großen Anteil ihres Bruttosozialproduktes für Militärausgaben aufgewandt wie
die Vereinigten Staaten; sechsmal so viel Interkontinentalraketen gebaut; viermal so viel Panzer und doppelt so viel Kampfflugzeuge.

Und sie begannen die

SS-20-MittelStreckenraketen zu einem Zeitpunkt zu dislozieren, als die Vereinigten Staaten keine vergleichbare Waffe besaßen.
Die Geschichte lehrt uns, daß Kriege beginnen, wenn Regierungen glauben, daß der Preis

einer Aggression niedrig ist.

Um den Frieden zu erhalten,

müssen wir und unsere Verbündeten stark genug sein, jeden potentiellen Aggressor überzeugen zu können, daß Krieg keinen Vorteil, sondern nur die Katastrophe
bringen würde.

Als wir daher unsere Verteidigung vernachlässigten, wuchsen

die Risiken einer ernsten Konfrontation.
Vor drei Jahren erhielten wir vom amerikanischen Volk ein Mandat, den
Kurs zu ändern, und wir haben ihn geändert.

Mit der Unterstützung des amerika-

nischen Volkes und des Kongresses haben wir dem Niedergang Amerikas Einhalt
geboten.

Unsere Wirtschaft befindet sich heute mitten im besten Aufschwung

seit den sechziger Jahren.

Unsere Verteidigung wird wieder aufgebaut.

Un-

sere Bündnisse sind fest, und unsere Verpflichtung zur Verteidigung unserer
Werte ist niemals klarer zum Ausdruck gekommen.
Der Aufschwung Amerikas hat die sowjetischen Führer vielleicht überrascht. Sie haben womöglich damit gerechnet, daß wir uns auch weiterhin selbst
schwächen würden. Sie haben jahrelang erklärt, daß unser Ahlfihen unausweich- 3 -

�Ableben unausweichlich sei. Sie haben das so oft erklärt, daß sie wahrscheinlich anfingen, es selbst zu glauben.

Wenn dem so ist, dann können sie jetzt,

so meine ich, sehen, daß sie unrecht hatten.
Das mag der Grund sein, warum wir seitens des Kreml in der letzten Zeit
so geharnischte Worte gehört haben.

Diese harten Worte haben manche Leute ver-

anlaßt, von einer erhöhten Unsicherheit und einer verschärften Konfliktgefahr
zu sprechen.

Das ist begretflich, aber im tiefsten Sinne falsch.

hinter die Worte blickt, dann ragt eine Tatsache heraus:

Wenn man

Die Abschreckung

Amerikas ist glaubwürdiger, und sie macht die Welt zu einem sichereren Ort sicherer, weil heute weniger die Gefahr besteht, daß die sowjetische Führung
unsere Stärke unterschätzt

oder unsere Entschlossenheit in Frage stellen wird.

Jawohl, wir leben heute sicherer.

Aber wenn wir sagen, daß unsere wieder-

hergestellte Abschreckung die Welt sichererer gemacht hat, dann besagt das
nicht, daß sie sicher genug ist. Wir erleben in vielen Teilen der Welt tragische Konflikte.

Die Nukleararsenale sind bei weitem zu groß. Und unsere

Arbeitsbeziehungen zur Sowjetunion sind nicht so, wie sie sein sollten.

Es

gibt Bedingungen, die angepackt und verbessert werden müssen.
Die Abschreckung ist von entscheidender Bedeutung für die Erhaltung
des Friedens und den Schutz unserer Lebensform, aber die Abschreckung ist
nicht Anfang und Ende unserer Politik gegenüber der Sowjetunion.

Wir müssen

und werden die Sowjets in einen Dialog einbinden, der so ernsthaft und konstruktiv wie möglich ist und der der Förderung des Friedens in den Unruhegebieten
der Welt dienen, den Stand der Rüstungen verringern und ein konstruktives Arbeitsverhältnis schaffen wird.
Weder wir noch die Sowjetunion können die Unterschiede zwischen unseren
beiden Gesellschaften und unseren Weltanschauungen wegzaubern.
ten niemals vergessen, daß wir gemeinsame Interessen haben.

Aber wir soll-

Und das oberste

dieser Interessen ist die Vermeidung eines Krieges und die Verringerung des
Standes der Rüstungen.

Es gibt keine vernünftige Alternative, als einen

- 4 -

�als einen Kurs zu steuern, den ich als glaubwürdige Abschreckung und friedlichen Wettstreit bezeichnen möchte.

Und wenn wir diesen Kurs einschlagen,

dann werden wir möglicherweise Gebiete finden, auf denen wir in eine konstruktive Zusammenarbeit eintreten können.
Unsere Stärke und unsere Vision des Fortschritts bieten die Grundlage,
mit gleicher Überzeugung unsere Verpflichtung zu demonstrieren, unsere Sicher- .
heit zu bewahren und friedliche Lösungen für Probleme auf dem Verhandlungswege zu finden.

Darum ist 1984 ein Jahr der Chancen für den Frieden.

*

Aber wenn die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion den vor uns liegenden Herausforderungen gerecht werden und die Chancen für den Frieden nutzen wollen, müssen sie mehr tun, um Gebiete des gemeinsamen Interesses zu finden und dann auf ihnen aufzubauen.

Ich schlage vor, daß unsere Regierungen

eine große Anstrengung unternehmen, um herauszufinden, ob wir in drei großen
Bereichen einen Fortschritt erzielen können.
Erstens, wir müssen Mittel und Wege finden, um die Androhung und die Anwendung von Gewalt bei der Lösung internationaler Streitigkeiten zu verringern - und schließlich zu beseitigen.
Die Welt hat allein seit Ende des Zweiten Weltkrieges über 100 große
Konflikte erlebt. Heute gibt es bewaffnete Konflikte im Nahen Osten, in
Afghanistan, in Südostasien, in Mittelamerika und in Afrika. In anderen Regionen stehen unabhängigen Nationen schwerbewaffnete Nachbarn gegenüber, die
versuchen, sie dadurch zu beherrschen, daß sie ihnen mit einem Angriff oder
mit Subversion drohen.
Die meisten dieser Konflikte haben ihren Ursprung in örtlichen Problemen,
aber viele sind von der Sowjetunion und ihren Stellvertretern ausgenutzt worden
- wobei Afghanistan sogar unter einer direkten sowjetischen Invasion leidet.
Wenn man regionale Konflikte anheizt und Gewalt exportiert, dann kann das nur
örtliche Spannungen verschärfen, das Leiden erhöhen und die Lösung der wirk-

- 5 -

�der wirklichen sozialen und wirtschaftlichen Probleme erschweren.

Darüber

hinaus birgt ein solches Handeln das Risiko größerer Konfrontationen in sich.
Wäre es nicht besser und sicherer, wenn wir zusammenarbeiten könnten,
um Völkern in Konfliktgebieten zu helfen, friedliche Lösungen ihrer Probleme
zu finden?

Das sollte unser gemeinsames Ziel sein.

Aber wir müssen erkennen,

daß die Kluft zwischen amerikanischen und sowjetischen Vorstellungen und Politiken so groß ist, daß unser Nahziel bescheidener zu sein hat. Als ersten
Schritt sollten unsere Regierungen gemeinsam konkrete Maßnahmen prüfen, die wir
beide unternehmen können, um das Risiko einer amerikanisch-sowjetischen Konfrontation in diesen Gebieten zu verringern.

Und wenn uns das gelingt, dann dürften

wir in der Lage sein, über dieses Nahziel hinauszugehen.
Unsere zweite Aufgabe sollte sein, Mittel und Wege zur Verringerung
der gewaltigen Rüstungsarsenale in der Welt zu finden.
Es ist tragisch zu erleben, daß die Entwicklungsländer der Welt pro Jahr
über 150 Milliarden Dollar für ihre Streitkräfte ausgeben - rund 30 Prozent
ihrer Staatshaushalte.

Wir müssen Mittel und Wege finden, um diesen Teufels-

kreis der Drohung und Gegendrohung zu durchbrechen, der das Wettrüsten überall anheizt, wo er zu finden ist.
Was die Kernwaffen anbetrifft, so ist die Wahrheit einfach die, daß das
Gesamtnukleararsenal Amerikas kleiner geworden ist. Wir besitzen heute weit
weniger Kernwaffen als vor 20 Jahren. Und gemessen an der Gesamtzerstörungskraft ist unser Nukleararsenal auf dem niedrigsten Stand seit 25 Jahren angelangt.
Erst vor drei Monaten kamen wir und unsere Verbündeten überein, 1400
Kernwaffen aus Westeuropa abzuziehen.

Das erfolgt nach dem Abzug von 1000

Kernwaffen aus Europa vor drei Jahren.

Selbst wenn alle unsere geplanten

Mittelstreckenraketen in den nächsten fünf Jahren disloziert werden müssen und wir hoffen, daß dies nicht notwendig sein wird - dann werden wir für jede
- 6 -

�für jede neu dislozierte Waffe fünf vorhandene Kernwaffen beseitigt haben.
Aber das ist noch nicht genug.

Wir müssen unsere Anstrengungen verstär-

ken, um zu Abkommen zu gelangen, die die Nukleararsenale wesentlich verringern,
größere Stabilität herstellen und Vertrauen schaffen.
Unsere dritte Aufgabe ist es, ein besseres Arbeitsverhältnis zueinander

«

herzustellen, ein Verhältnis, das durch stärkere Kooperation und bessere Verständigung gekennzeichnet ist.

*

Kooperation und Verständnis beruhen auf Taten, nicht auf Worten.
Einhaltung von Abkommen nützt;

ihre Verletzung schadet.

Die

Die Achtung vor den

Rechten des einzelnen Bürgers stärkt das Verhältnis; die Verwehrung dieser Rechte schadet ihm.

Verstärkte Kontakte über die Grenzen hinweg und die Erlaubnis

eines freien Austauschs von Informationen und Ideen stärken das Vertrauen;
die Abschottung des eigenen Volkes von der übrigen Welt schwächt es.

Fried-

licher Handel hilft; aber organisierter Diebstahl von Industriegeheimnissen
schadet sicherlich.
Kooperation und Verständigung sind bei der Rüstungskontrolle besonders
wichtig. In den letzten Jahren hatten wir ernsthafte Sorgen über die sowjetische
Einhaltung von Abkommen und Verträgen. Die Einhaltung ist wichtig, denn wir
streben nach wirklich wirksamer Rüstungskontrolle. Es gab jedoch zunehmend
Beweise dafür, daß Bestimmungen von Abkommen verletzt wurden und daß aus Unklarheiten in unseren Abkommen Vorteil gezogen wurde.
In Erfüllung eines Auftrages des Kongresses wird in den nächsten Tagen
ein Bericht vorgelegt werden. Es liegt auf der Hand, daß wir nicht einfach
davon ausgehen können, daß ausgehandelte Abkommen eingehalten werden. Sowohl
bei der Entwicklung unserer Verteidigungsprogramme als auch bei unserer Einstellung zur Rüstungskontrolle müssen wir unsere Erfahrungen mit der sowjetischen Einhaltung von Abkommen in Rechnung stellen. In unseren Gesprächen
mit der Sowjetunion werden wir uns bemühen, die Hindernisse zu beseitigen, die
- 7 -

�beseitigen, die bestehende Abkommen zu untergraben drohen, und den Rüstungskontroi Iporzeß auszuweiten.
Die von mir zitierten Beispiele lassen erkennen, warum unser Verhältnis
zur Sowjetunion nicht so ist, wie es sein sollte. Wir haben einen langen Weg
vor uns, aber wir sind entschlossen, es immer und immer wieder zu versuchen.
Wir müssen vielleicht mit kleinen Schritten beginnen, aber wir müssen anfangen.
Zur Bewältigung von Problemen muß sich unser Handeln von drei Hauptprinzipien leiten lassen:

von Realismus, Stärke und Dialog.

Realismus bedeutet dabei, daß wir mit einem klarsichtigen Verständnis
der Welt beginnen müssen, in der wir leben. Wir müssen erkennen, daß wir in
einem langfristigen Wettbewerb mit einer Regierung stehen, die weder unsere
Vorstellungen von den individuellen Freiheiten im Innern noch die des friedlichen Wandels draußen teilt. Wir müssen in aller Offenheit unsere Unterschiede
begreifen und furchtlos für unsere Werte eintreten.
Um mit Erfolg im Sinne unserer Interessen handeln und diese schützen zu
können, ist Stärke von entscheidender Bedeutung.
reichen wir keines von beidem.
Macht.

Wenn wir schwach sind, er-

Stärke bedeutet mehr als nur militärische

Von entscheidender Bedeutung ist auch die wirtschaftliche Stärke, und

die Wirtschaft Amerikas ist dabei, die Welt in den Wiederaufschwung zu führen.
Schließlich ist auch unsere geistige Stärke von gleicher Bedeutung, die Einigkeit in unserem eigenen Volk sowie Einigkeit mit unseren ausländischen Verbündeten.

In allen diesen Bereichen sind wir heute stärker als vor drei Jahren.
Unsere Stärke ist notwendig, um vor einem Krieg abzuschrecken und Lö-

sungen auf dem Verhandlungswege zu erleichtern.

Die sowjetische Führung weiß,

daß ein Kompromiß nur dann Sinn hat, wenn sie etwas dafür bekommt.

Jetzt aber

kann Amerika etwas geben.
Stärke und Dialog

- 8 -

�Stärke und Dialog gehen Hand in Hand.

Wir sind entschlossen, uns mit

unseren Meinungsverschiedenheiten auf friedlichem Wege, über Verhandlungen
auseinanderzusetzen.

Wir sind bereit, die uns trennenden Probleme zu disku-

tieren und auf der Grundlage des gegenseitigen Kompromisses auf praktische,
faire Lösungen hinzuarbeiten.

Wir werden niemals vor Verhandlungen davon-

laufen.
Ich habe meine Ansicht über das sowjetische System offen zum Ausdruck
gebracht.

Ich weiß nicht, warum dies für die sowjetischen Führer eine Über-

raschung sein sollte, die nie davor zurückgescheut sind, ihre Ansicht über
unser System zum Ausdruck zu bringen.
nicht miteinander verhandeln können.

Aber das bedeutet doch nicht, daß wir
Wir verweigern ja auch nicht das Ge-

spräch, wenn die Sowjets uns "imperialistische Aggressoren" oder Schlimmeres
nennen oder weil sie der Phantasievorstellung eines kommunistischen Triumphes
über die Demokratie anhängen.

Die Tatsache, daß keiner von uns das System

des anderen mag, ist noch kein Grund, das Gespräch zu verweigern.

Die Tat-

sache, daß wir in einem Nuklearzeitalter leben, zwingt uns einfach dazu, miteinander zu reden.
Unsere Verpflichtung zum Dialog ist fest und unerschütterlich. Aber
wir bestehen darauf, daß sich unsere Verhandlungen mit echten Problemen beschäftigen, nicht nur mit atmosphärischen Dingen.
Bei unserer Verhandlungsführung ist die oberste Priorität, die Gefahr
eines Krieges - und insbesondere eines Atomkrieges - zu verringern.

Ein

nuklearer Konflikt könnte durchaus der letzte der Menschheit überhaupt sein.
Aus diesem Grund habe ich vor über zwei Jahren die "Null-Lösung" für die Mittelstreckenraketen vorgeschlagen.

Es war und ist auch weiterhin unser Ziel,

eine ganze Klasse von Kernwaffen zu beseitigen.
Ja, ich unterstützte eine Null-Lösung für alle Kernwaffen.
schon gesagt habe:

Wie ich

Mein Traum ist es, den Tag zu erleben, an dem alle Atom-

waffen vom Antlitz dieser Erde verbannt sind.
Im vergangenen

�Im vergangenen Monat erklärte der sowjetische Verteidigungsminister,
daß sein Land alles tun werde, um die Gefahr eines Krieges zu verhindern.
Dies sind ermutigende Worte. Aber jetzt ist die Zeit gekommen, um den Worten
Taten folgen zu lassen.

Die Möglichkeit zum Fortschritt bei der Rüstungskontrolle existiert; die
sowjetische Führung sollte sie nützen.

Wir haben eine Reihe von Initiativen

vorgeschlagen, die die nuklearen Arsenale um ein Beträchtliches abbauen und
damit die Gefahr einer nuklearen Konfrontation verringern würden.

Die ganze Welt - und ganz gewiß auch wir - bedauern es, daß die Sowjetunion die Verhandlungen über nukleare Mittel Streckenwaffen abgebrochen und
noch keinen Zeitpunkt für die Wiederaufnahme der Verhandlungen über strategische Waffen und über konventionelle Streitkräfte in Europa genannt hat.
Unsere Unterhändler sind bereit, an den Verhandlungstisch zurückzukehren,
um auf Abkommen bei INF, START und MBFR hinzuarbeiten.
Glauben verhandeln.

Wir werden in gutem

Wann immer die Sowjetunion bereit ist, das Gleiche zu

tun, werden wir ihr auf halbem Wege entgegenkommen.

Wir sind bestrebt, die nuklearen Arsenale zu verringern und die Möglichkeit gefährlicher Mißverständnisse und Fehleinschätzungen einzuschränken.
Deshalb haben wir Vorschläge für das vorgelegt, was wir "vertrauensbildende
Maßnahmen" nennen.

Diese decken einen weiten Bereich von Aktivitäten ab.

So haben wir bei den Genfer Verhandlungen vorgeschlagen, Vorausinformationen
von Raketenversuchen und von größeren militärischen Manövern auszutauschen.
Aufbauend auf Vorschlägen des Kongresses haben wir zudem eine Reihe von Wegen
vorgeschlagen, um direkte Kommunikationskanäle zu verbessern.

Vergangene

Woche hatten wir produktive Gespräche mit den Sowjets hier in Washington, um
die Kommunikation zu verbessern, einschließlich des "heißen Drahtes".

Diese bilateralen Vorschläge werden auf der Konferenz in Stockholm noch
ausgeweitet.

Wir arbeiten mit unseren Verbündeten daran, praktische, sinn-

volle Mittel und Wege zur Verringerung der Unsicherheit und der Möglichkeit

- 10 -

�der Möglichkeit von Fehlinterpretationen auszuarbeiten, von denen militärische
Aktivitäten umgeben sind, um dadurch die Gefahren eines Überraschungsangriffes
zu verringern.
Die Rüstungskontrolle ist schon seit langem der sichtbarste Bereich
amerikanisch-sowjetischen Dialogs gewesen.

des

Aber ein dauerhafter Frieden er-

fordert von beiden Seiten, die Spannungen und regionalen Konflikte abzubauen.
Lassen Sie mich den Nahen Osten als Beispiel nehmen.

Jedermanns Inter-

essen wäre durch Stabilität in dieser Region gedient, und unsere Bemühungen
sind auf dieses Ziel gerichtet.

Die Sowjets könnten zur Verringerung der dor-

tigen Spannungen beitragen, anstatt die modernsten Waffen in dieses Gebiet zu
liefern.

Das würde es uns sicherlich erleichtern, positiver auf andere Aspek-

te unserer Beziehungen einzugehen.
Ein weiteres großes Problem unserer Beziehungen zur Sowjetunion sind
die Menschenrechte.

Die sowjetischen Praktiken in diesem Bereich haben wie

in keinem anderen das Mißtrauen und den schlechten Willen hervorgebracht, die
über unseren Beziehungen liegen.
Allein schon moralische Erwägungen zwingen uns dazu,unsere tiefe Besorgnis hinsichtlich jener zum Ausdruck zu bringen, die aus Gewissensgründen gefangengehalten werden,sowie hinsichtlich der Tatsache, daß es für Juden, Armenier und andere, die mit ihren Familien im Ausland zusammenleben wollen,
praktisch keine Möglichkeit der Auswanderung mehr gibt.
Unsere Forderung ist einfach und direkt. Die Sowjetunion sollte den
Verpflichtungen nachkommen, die sie freiwillig in internationalen Vereinbarungen
eingegangen ist - insbesondere ihren Verpflichtungen gemäß der Schlußakte von
Helsinki. Die Erfahrung zeigt, daß größere Achtung der Menschenrechte zu Fortschritt in anderen Bereichen der sowjetisch-amerikanischen Beziehungen beitragen kann.
Die Interessensgegensätze
- 11 -

»
'

�Die Interessensgegensätze zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion sind realer Natur. Aber wir können und müssen den Frieden zwischen unseren
beiden Ländern bewahren und die Welt für die ganze Menschheit besser und friedlicher machen.
Unsere Politik gegenüber der Sowjetunion, eine Politik der glaubwürdigen
Abschreckung, des friedlichen Wettbewerbs und der konstruktiven

Zusammenarbeit,

wird unseren beiden Nationen wie auch den Menschen überall auf der Welt dienlich
sein.

Es ist eine Politik nicht nur für dieses Jahr, sondern für eine lange

Zeit.

Für uns Amerikaner ist das eine Herausforderung.

Sowjets eine Herausforderung.

Und es ist für die

Wenn sie uns nicht auf halbem Wege entgegenkom-

men können, werden wir willens sein, unsere Interessen sowie die unserer Freunde
und Verbündeten zu schützen. Aber wir wollen mehr als Abschreckung; wir streben echte Zusammenarbeit an; wir erstreben Fortschritt für Frieden.
Die Zusammenarbeit beginnt mit der Kommunikation.
che Kommunikation.

Wir wollen eine sol-

Wie ich schon gesagt habe: Wir werden in Genf und in Wien

am Verhandlungstisch bleiben. Zudem wird Außenminister Shultz diese Woche in
Stockholm mit dem sowjetischen Außenminister Gromyko zusammentreffen.

Diesem

Treffen sollten andere folgen, damit Konsultationen auf höchster Ebene eine
regelmäßige und normale Komponente der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
werden.
Unsere Herausforderung ist friedlicher Natur. Sie wird das Beste aus
uns hervorbringen.

Sie fordert auch von der Sowjetunion das Beste.

Wir bedrohen die Sowjetunion nicht. Die Freiheit stellt keine Bedrohung dar, sie ist die Sprache des Fortschritts. Wir erbrachten hierfür den
Beweis vor 35 Jahren, als wir das Monopol bei den Kernwaffen hatten und den
Versuch hätten unternehmen können, die Welt zu beherrschen. Aber wir taten
es nicht.

Stattdessen

verwandten wir unsere Macht dazu, ein neues Kapitel

in der Geschichte der Menschheit zu schreiben. Wir halfen, die vom Krieg verwüsteten Volkswirtschaften in Europa und im Fernen Osten wieder aufzubauen

- 12 -

�wieder aufzubauen - einschließlich jener von Staaten, die unsere Gegner gewesen waren.

Ja, jene ehemaligen Gegner gehören heute zu unseren besten Freunden.

Wir können nicht voraussagen, wie die sowjetische Führung auf unsere
Herausforderung reagieren wird.

Aber die Menschen unserer beiden Länder teilen

mit der gesamten Menschheit den Traum der Beseitigung der Gefahr eines Atomkrieges.

Das ist kein unmöglicher Traum, denndie Beseitigung dieser Gefahren liegt

auf eine so offenkundige Weise im lebenswichtigen Interessen von uns allen.
Unsere beiden Länder haben nie gegeneinander gekämpft; es gibt keinen Grund,
warum wir dies jemals tun sollten.
gegen gemeinsame Feinde gekämpft.

Ja, wir haben im Zweiten Weltkrieg

sogar

Heute sind unsere gemeinsamen Feinde Armut,

Krankheit und vor allem Krieg.
Vor über 20 Jahren umriß Präsident Kennedy eine Möglichkeit des politischen Handelns, die heute noch den gleichen Wert hat wie damals, als sie
verkündet wurde:
"Seien wir nicht blind gegenüber unseren Unterschieden," sagte er, "aber
lenken wir zugleich die Aufmerksamkeit auf unsere gemeinsamen Interessen und
auf die Mittel, durch die jene Unterschiede beseitigt werden können."
Nun, diese Unterschiede sind Unterschiede der Regierungsform wie der
Weltanschauung.

Die gemeinsamen Interessen beziehen sich auf die Dinge des

täglichen Lebens der Menschen überall.
Nehmen wir einmal für einen Moment an, Iwan und Anja träfen in einem
Wartesaal auf Jim und Sally oder suchten zusammen mit ihnen vor dem Regen
Schutz.

Wenn es keine Sprachbarrieren gäbe, die eine Bekanntschaft erschweren

würde:

Würden sie dann die Unterschiede zwischen ihren jeweiligen Regierungen

besprechen?

Oder würden sie lieber über ihre Kinder reden und darüber, was

sie tun, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen?
Bevor sie

- 13 -

�Bevor sie wieder auseinandergingen, hätten sie wahrscheinlich über ihre
Pläne, ihre Hobbies gesprochen; darüber, welche Ziele sie für ihre Kinder haben,und über die Schwierigkeiten, mit dem Geld auszukommen.

Und wenn sie dann

jeder ihrer Wege gingen, würde Anja wahrscheinlich zu Iwan sagen:
nicht nett?

Sie unterrichtet auch Musik."

"War sie

Und Jim würde Sally erzählen, was

Iwan an seinem Chef mag und was nicht. Womöglich würden sie sogar beschließen,
bald einmal zu einem Abendessen zusammenzukommen.
Vor allem aber hätten sie den Beweis dafür erbracht, daß Menschen keine
Kriege machen. Menschen wollen ihre Kinder in einer Welt ohne Furcht und ohne
Krieg aufziehen. Sie wollen etwas von jenen guten Dingen haben, die über das
Existenzminimum hinausgehen und die das Leben erst lebenswert machen. Sie
wollen ein Handwerk, einen Handel betreiben oder sonst einem Beruf nachgehen,
der ihnen Befriedigung und ihnen ein Gefühl der Nützlichkeit verschafft. Ihre
gemeinsamen Interessen gehen über alle Grenzen hinweg.
Wenn die sowjetische Regierung Frieden will, wird es Frieden geben.
Gemeinsam können wir den Frieden stärken, das Ausmaß an Waffen verringern und
wissen, daß wir, indem wir dies tun, dazu beitragen, die Hoffnungen und Träume
jener zu erfüllen, die wir vertreten und, in der Tat, aller Menschen auf dieser Welt.

Laßt uns jetzt damit beginnen.

+ + + + +

- 14 -

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9300">
                <text>16.01.1984</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9301">
                <text>Amerikadienst 16.01.1984 - Sonderdienst</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9302">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9303">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13734">
                <text>Die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache von Präsident Reagan am Vorabend der KVAE -&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1841" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1852">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/ac34575392de5d62b0ce7f425ed71261.pdf</src>
        <authentication>b9f03aef845deb95b653ea0f8c29c216</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="9299">
                    <text>11. Januar 1984

INHALT

DOKUMENTATION
Reagan bekräftigt Unterstützung für KVAE

HINTERGRUNDMATERIAL
Menschenrechte in der UdSSR
- Eine Dokumentation des US-Außenministeriums -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Kohlendioxid - eine "Heizdecke" in der Atmosphäre
- Neue US-Studien empfehlen Anpassungsstrategie für
mögliche Klimaänderung -

Um Über/cndung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel

- 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�JI I I

T •

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

11. Januar 1984

REAGAN BEKRÄFTIGT UNTERSTÜTZUNG FÜR KVAE

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 6. Januar 1984 die Unterstützung
der Vereinigten Staaten für die Stockholmer Konferenz über Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE) bekräftigt. Reagan war
an diesem Tage mit Außenminister Shultz und dem amerikanischen Delegationschef
auf dieser Konferenz, Botschafter James Goodby, zu einer Überprüfung der Weisungen
der amerikanischen Vertretung zusammengekommen.
Die Erklärung des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich bin heute mit Botschafter James E. Goodby zusammengetroffen, dem amerikanischen Delegationschef auf der Konferenz über Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa, allgemein als KVAE bekannt.

An dieser

neuen Konferenz beteiligen sich die Vereinigten Staaten, Kanada sowie 33 Staaten
West- und Osteuropas.

Sie ist Teil des Ost-West-Dialogs, der aus der Konferenz

über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) erwuchs, die die Schlußakte
von Helsinki im Jahre 1975 hervorbrachte.
Außenminister Shultz war bei der heutigen Besprechung zugegen.

Er sowie

andere Außenminister der NATO werden an der KVAE-Eröffnungssitzung am 17. Januar
in Stockholm teilnehmen.

Ihre Anwesenheit bekräftigt die Bedeutung, die der

Westen der KVAE und einem produktiven Ost-West-Dialog beimißt.
Ich habe

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Ich habe gemeinsam mit Botschafter Goodby die Weisungen für die amerikanische
Delegation überprüft und meine endgültige Zustimmung erteilt.

Ich brachte ihm

gegenüber meine nachhaltige Unterstützung für die Ziele des Westens auf der KVAE
zum Ausdruck, nämlich die Gefahr eines Überraschungsangriffs in Europa zu vermindern und den Einsatz von Waffen für den Krieg oder zur Einschüchterung zu
unterbinden.
Die Stärke und die Einheit des Westens haben den Frieden in Europa seit dem
Zweiten Weltkrieg bewahrt, und die Diplomatie des Westens im Rahmen des "HelsinkiProzesses" war entscheidend wichtig für die Förderung des Ost-West-Dialogs. Wir
alle wünschen Botschafter Goodby sowie den europäischen und kanadischen Vertretern
Erfolg und Gottes Segen bei der Fortführung dieser lebenswichtigen Aufgabe.
Botschafter Goodby gab in diesem Zusammenhang folgende Erklärung ab:
Der Präsident hat die Weisungen für die amerikanische Delegation auf der KVAE,
die am 17. Januar in Stockholm beginnt, überprüft und gebilligt. Im wesentlichen
beinhalten diese Instruktionen, daß die amerikanische Delegation sich um Abkommen
über konkrete, praktische Maßnahmen zur Verringerung des Risikos eines Krieges
in Europa bemüht, der aus einem Überraschungsangriff oder einer falschen Einschätzung entsehen könnte. Die Weisungen machen deutlich, daß die amerikanische
Delegation ihre Arbeit in Übereinstimmung mit dem von Botschafter Kampelman auf
der KSZE-Folgekonferenz von Madrid ausgehandelten Mandat erfüllen wird, die ihre
Tätigkeit in Madrid im Herbst letzten Jahres beendete. Dieses Mandat sieht vor,
daß die auszuhandelnden Maßnahmen militärisch bedeutsam, verifizierbar, politisch
bindend und auf den gesamten europäischen Kontinent anv/endbar sein müssen. Diese
Konferenz sollte nur als ein Aspekt des KSZE-überprüfungsprozesses gesehen werden,
der sich ebenfalls mit der Zusammenarbeit der beteiligten Staaten auf dem Gebiet
der Menschenrechte sowie in anderen Bereichen befaßt.
Die aktive

- 2 -

�Die aktive Beteiligung von Außenminister Shultz sowie anderer Außenminister
ist ein Beweis dafür, daß sie sich ernsthaft dieser Konferenz verpflichtet
fühlen, und sollte gewährleisten, daß diese Verhandlungen einen geziemenden Start
haben.
Die amerikanische Delegation wird eng mit den westlichen Demokratien zusammenarbeiten, um Abkommen über solche Maßnahmen zu erreichen wie die Vorausmitteilung militärischer Manöver, die Beobachtung solcher Übungen und Schritte zur
Verbesserung der Kommunikation zwischen den an der Stockholmer Konferenz beteiligten Staaten.

Ausgangspunkt dieser Vorschläge ist das übereinkommen von

Helsinki vom Jahre 1975, aber unsere Vorschläge werden weit über diese Absprachen
hinausgehen.

Gleichzeitig ist es meiner Meinung nach notwendig, darauf hinzu-

weisen, daß auf der Tagesordnung dieser Konferenz Punkte stehen, die sich von
anderen Rüstungskontroll Verhandlungen unterscheiden.

Ernsthafte Anstrengungen,

über beiderseits annehmbare vertrauensbildende Maßnahmen zu verhandeln, sind
kein Ersatz für andere RüstungskontrollVerhandlungen; sie sollten diese Verhandlungen vielmehr ergänzen.
Präsident Reagan hat in einer seiner ersten außenpolitischen Entscheidungen
nach seinem Amtsantritt darauf hingewiesen, daß die Vereinigten Staaten sich an
einer Konferenz über Abrüstung in Europa beteiligen würden, vorausgesetzt, diese
Konferenz befasse sich mit Maßnahmen, die militärisch bedeutsam, verifizierbar,
politisch bindend und auf den gesamten europäischen Kontinent anwendbar seien.
Diese Vorstellungen sind nunmehr Teil des Mandates, das den Unterhändlern in
Stockholm übertragen worden ist.

Zum allgemeinen Thema der vertrauensbildenden

Maßnahmen hat sich der Präsident sowohl in Europa als auch vor den Vereinten
Nationen geäußert, wobei er die Bedeutung solcher Maßnahmen im Sinne der Wahrung
des Friedens und der Sicherheit unterstrichen hat.
ohne Zweifel zutiefst am Herzen liegen.

Dies sind Fragen, die ihm

Ich rechne mit der starken Unterstützung

des Präsidenten bei der Aushandlung von Maßnahmen, die in Übereinstimmung mit den
von ihm bei früheren Gelegenheiten definierten Zielen stehen.

+ + + + +

�11. Januar 1984

MENSCHENRECHTE IN DER UdSSR
- Eine Dokumentation des US-Außenministeriums

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium hat zum Jahresende 1983 einen Überblick über die Entwicklung und den Stand der Menschenrechte
in der Sowjetunion herausgegeben.

Darin wird aufgezeigt, daß trotz aller Be-

mühungen der sowjetischen Machthaber immer wieder einzelne Bürger und Gruppen
in der UdSSR ihren Dissens zum Ausdruck bringen und ihre eigene Meinung vertreten.

Die sowjetische Regierung hat jedoch auch immer wieder gezeigt, daß

sie nicht gewillt ist, sich an ihre eigenen Gesetze und an internationale Verpflichtungen zu halten, wenn es gilt, Dissidenten zu unterdrücken.
Die systematische Unterdrückung unter Breschnew und Andropow hat die Reihen der aktiven Dissidenten gelichtet, und die Auflösung der Helsinki-Gruppe
in Moskau beendete ein Jahrzehnt aktiver Bemühungen um die Menschenrechte.
Aber trotz Unterdrückung und Emigration lebt die Menschenrechtsbewegung in
der Sowjetunion weiter.
Lenin, Stalin

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Lenin, Stalin und Chruschtschow:

Anwendung von Terror

Seit der kommunistischen Revolution im Jahr 1917 wurde die Einstellung
des sowjetischen Regimes gegenüber den politischen und gesetzlichen Rechten
des Sowjetbürgers von der Entschlossenheit getragen, um jeden Preis die Macht
zu behalten, Opposition im eigenen Lande auszuschalten und die Gesellschaft
nach den Geboten Lenins umzugestalten.

Lenin und seine Genossen billigten die

Anwendung von Terror bei Gegnern der Revolution und setzten ihn während des
Bürgerkrieges und in den ersten Jahren des Regimes auch ohne jede Rücksicht
ein.
Zu diesem Zweck richtete Lenin - mit dem Erlaß vom 15. April 1919 - Zwangsarbeitslager ein und genehmigte - mit dem Erlaß vom 21. März 1921 - die Verhaftung und Deportation von Personen, "die als gefährlich für die Sowjetmacht erkannt werden", durch Behördenorgane, d.h. ohne ordentliche Gerichte.

In einem

Kommentar zu dem in Arbeit befindlichen Strafgesetzbuch schrieb Lenin im Mai
1922, daß "der Paragraph über Terror so allgemein wie möglich formuliert werden
muß, da nur ein revolutionäres Gerechtigkeitsgefühl...
Anwendung festlegen kann."

die Bedingungen seiner

Sein erster Entwurf für diesen Paragraphen diente

als Grundlage für die Anwendung repressiver Gewalt im sowjetischen Strafrecht:
Propaganda oder Agitation oder die Mitwirkung in einer Organisation
oder die Zusammenarbeit mit Organisationen, die dazu dienen, auch
nur in geringster Weise der internationalen Bourgeoisie zu helfen,
die die gleichen Rechte des kommunistischen Systems nicht anerkennt...
und die dessen Umsturz mit Gewalt anstrebt,... ist mit dem Tode oder
mit Haft zu bestrafen. (Lenin, V.l., Sobr. soch. 3. Ausgabe Band 27,
S. 296, Moskau 1935-37).
Stalin wandte den Terror routinemäßig an, um seine politischen Gegner
zu vernichten, ganze Gesellschaftsklassen auszurotten und ein Reservoir an Arbeitssklaven zu schaffen, mit dessen Hilfe er Projekte in abgelegenen Landesteilen verwirklichte.

Die Zahl seiner Opfer geht in die Millionen.
- 2 -

Sein Tod

�Sein Tod im März 1953 verhinderte eine geplante neue Säuberungswelle und eine
antisemitische Kampagne.
kürliche Terror auf.

Unter Chruschtschow hörte der großangelegte, will-

In den Jahren 1954 bis 1956 wurden sieben bis acht Mil-

lionen politische Gefangene aus Arbeitslagern entlassen.

In seiner berühmten

"Geheimrede" auf dem 20. Parteitag der KPdSU im Februar 1956 verurteilte
Chruschtschow Stalin als einen Despoten, der loyale Mitarbeiter durch gelenkte
Säuberungswellen vernichtet habe. Aber das Regime suchte sich der Verantwortung zu entziehen, indem das ganze Ausmaß des Terrors verheimlicht und alle
Schuld Stalin aufgebürdet wurde.
Die Entstalinisierung führte zur Rehabilitierung einiger Politiker, die
in Ungnade gefallen waren; die Macht der Sicherheitsbehörden wurde eingeschränkt;
der Rechtsprechung wurde wenigstens ein Anschein der Legalität zurückgegeben;
und zu kontrollierten Kontakten mit Ländern außerhalb des kommunistischen Blocks
wurde ermutigt. Obwohl die Partei selbstverständlich das Machtmonopol in ihren
Händen behielt, wurde ein gewisses Maß an Diskussion und Debatte innerhalb der
Partei erlaubt.

Chruschtschow lehnte jedoch niemals die repressive Taktik

Stalins ab; so führte beispielsweise seine Kampagne gegen die Religion zu einem
starken Rückgang der Zahl der Kirchen und Geistlichen in der UdSSR.

Die Rolle der Schriftsteller und Intellektuellen
In dem gelockerten Klima der nachstalinschen Ära mangelte es der sowjetischer
Gesellschaft zwar noch immer an den direkten Mitteln, Meinungen öffentlich zum
Ausdruck zu bringen, aber Schriftsteller und Intellektuelle in der UdSSR fanden,
daß sie akute Fragen auch im Mantel der literarischen Verbrämung aufgreifen
könnten.

Die literarische Zensur war nicht mehr umfassend, da die Grenzen

zwischen dem Erlaubten und Verbotenen durch den Entstalinisierungsprozeß doch
etwas verwischt worden waren. Die sich daraus ergebende - wenn auch kleine Chance führte zum Aufstieg vieler begabter junger Schriftsteller, von denen einige später prominente Figuren in der sowjetischen Menschenrechts- und Dissidentenbewegung wurden.

Die Literaturzeitschriften entwickelten Individualität

- 3 -

�entwickelten Individualität und zogen gl eichgesinnte Schriftsteller an - so
beispielsweise Novyy Mir unter dem Herausgeber Alexsander Twardowskiy.
Die Entstalinisierung bereitete auch den Weg für die Entstehung einer
sogenannten "Gegenkultur" der Intellektuellen, die sich - von der offiziellen
Ideologie enttäuscht - in der Suche nach Inspirationen dem Westen zuwandten.
Damit zeigten die neuen Strömungen in der Literatur den Weg für das Auftreten
anderer Einstellungen zur Politik des Regimes auf, und das wiederum diente als
Basis für das Entstehen einer öffentlichen Meinung, die sich zu Fragen der
sowjetischen Gesellschaft äußerte.
Die Chancen der freieren Meinungsäußerung tendierte*! jedoch dazu, unberechenbar zu werden.

Der Schreck nach dem Ungarnaufstand im Oktober 1956

hatte bereits die Entscheidung des Staates beeinflußt, Boris Pasternaks
Doktor Schiwago nicht zu veröffentlichen.

Ein amtlicher Sprecher versicherte

auf dem Zweiten Kongreß der sowjetischen

Schriftsteller im Dezember 1956,

daß die Vorstellung, man könne Literatur

getrennt vom Kampf des Kommunismus

betrachten, nicht mehr zur Diskussion stehe.

Die Veröffentlichung des Doktor

Schiwago im Ausland im November 1957 ärgerte das Regime in Moskau und setzte
einen Präzedenzfall für das Verbot anderer Schriftsteller, deren Werke als
ideologisch unannehmbar angesehen wurden.

Trotzdem ermöglichte es der Ent-

stal inisierungsprozeß, daß im Jahr 1962 in der UdSSR "Ein Tag im Leben des
Iwan Denisowitsch" von Alexander Solschenizyn erscheinen konnte.

Dieses

Buch zeigt erschreckende Details des Lebens in einem Arbeitslager auf und
führte zu weiteren Enthüllungen.

Das Regime wurde unruhig, und Chruschtschow

schlug eine weniger liberale Politik ein.

Der Vorsitzende der Ideologie-

kommission des Zentralkomitees warnte Schriftsteller, nicht von der Annahme
auszugehen, daß,"weil der Willkür in unserem Lande ein Ende gesetzt wurde
und die Menschen nicht mehr wegen politischen Dissens verhaftet werden, jetzt
alles erlaubt ist und es keine Grenzen für die eigenen Wünsche gibt."

Kurz

vor seiner Absetzung im Jahr 1964 gab Chruschtschow bekannt, es werde keine
weiteren Enthüllungen über die Stalinzeit geben..
Unter Breschnew

�Unter Breschnew setzte das Regime zunächst den Kurs Chruschtschows fort,
Schriftsteller und Intellektuelle mit einer Kombination von Wohlwollen und
Repression zu behandeln, aber mit der Zeit gewann die Repression die Oberhand.
Das Breschnew-Regime unternahm einige Anstrengungen, um den Schaden am Bilde
Stalins zu reparieren, aber das wurde durch das Erscheinen von Alexander
Solschenizyns "Archipel GULAG" im Ausland erschwert, denn hier wurden die wahren Zustände in den Arbeitslagern Stalins enthüllt.

Solschenizyn wurde 1974

aus der UdSSR ausgewiesen, und zwar ohne Gerichtsverfahren; die Bürgerrechte
wurden ihm aberkannt.
Die Bemühungen Moskaus, seit Mitte der fünfziger Jahre die Verbreitung
schreibmaschinengeschriebener Manuskripte, der sogenannten Samizdat, und deren
Publikation im Ausland zu unterbinden, warfen die Frage der geistigen Freiheit
im rechtlichen wie im politischen Sinne auf.

In einer Reihe berühmt gewordener

Prozesse versuchte das Regime, die unbequemen Schriftsteller zum Schweigen
zu bringen:

Alexander Ginsburg (1958 und 1967), Jesef Brodski (1963), Andrei

Sinjawski und Juli Daniel (1966) und andere.

Die Behörden gingen beispiels-

weise gegen Brodski, einen nichtkonformistischen Dichter, so vor, daß sie ihm
jeden Broterwerb verwehrten und ihn dann wegen "Parasitentums"verurteilten,
weil er angeblich keiner Arbeit nachging.

Sinjawski, Mitglied des Schrift-

stellerverbandes, hatte seit 1956 im Ausland unter einem Pseudonym Arbeiten
veröffentlicht, und er war der erste prominente Intellektuelle, der nach Stalins
Tod verhaftet wurde.

Da eine Veröffentlichung im Ausland nach sowjetischem

Gesetz nicht verboten ist, wurde er der "anti-sowjetischen Agitation und Propaganda" beschuldigt und zusammen mit Juli Daniel, der ebenfalls im Ausland
publiziert hatte, vor Gericht gestellt.
Da die stalinschen Methoden abgeschafft waren, mußten die Behörden in
vielen Fällen vor Gericht gehen.

Anders als die Angeklagten in den stalinschen

Schauprozessen bestritten die angeklagten Schriftsteller ihre Schuld und verteidigten sich nachhaltig.

Einige fanden sogar die Unterstützung mutiger An-

wälte, die sich auf die verfassungsmäßigen Rechte ihrer Mandanten beriefen.
Um doch

�Um doch zu Verurteilungen zu gelangen, verletzte der Staat die Prozeßordnung, was zu offenen Protesten im eigenen Lande führte und der Sowjetunion
im Ausland einen schlechten Ruf einbrachte.

Die sowjetischen Intellektuellen

griffen die Frage der Legalität auf und nutzten die Publizität, um die Rechtsübergriffe der Behörden herauszustellen.

So diente das Streben der sowjetischen

Schriftsteller als Ausgangspunkt für andere, gleichfalls darauf zu bestehen,
daß die Sowjetunion ihnen das Recht zugestehe, das zu tun, was entweder vom Gesetz gestattet oder nicht ausdrücklich verboten sei.

Die Menschenrechtsbewegung
Die Verfechter der Menschenrechte in der Sowjetunion waren in erster
Linie um den Stand der Rechte überhaupt besorgt; es ging ihnen nicht, wie anderen, darum, solche Rechte zu nutzen, um bestimmte Auffassungen oder Interessen
zu vertreten. Ende der sechziger Jahre schlössen sich Menschenrechtsgruppen
in organisierten Komitees zusammen, nachdem Sympathisanten Petitionen verteilt
und die Unterstützung für verhaftete Schriftsteller und Intellektuelle mobilisiert hatten. Wurden solche Aktivisten verhaftet, dann fanden sie in ihrem
Schicksal Unterstützung; damit wiederum wuchs die Gruppe,und die gemeinsamen
Bemühungen wurden immer besser organisiert. Als im April 1968 eine neue
Samizdat-Zeitschrift, Chronik der aktuellen Ereignisse, erschien, erhielt die
Bewegung eine Stimme und einen Sammelpunkt für die verschiedenen Gruppen,
über zehn Jahre lang berichtete die Chronik ohne Kommentar oder politische
Stellungnahme über die Tätigkeiten der verschiedenen Gruppen und die repressiven Maßnahmen des Staates gegen sie.
In den Anfängen der Bewegung glaubten viele Intellektuelle an die Möglichkeit einer "Demokratisierung" des sowjetischen Systems. Schriftsteller
und Wissenschaftler, wie Valentin Turchin, Andrei Sacharow, Roi Medwedew und
Alexander Solschenizyn richteten offene Briefe an die sowjetischen Machthaber
mit Empfehlungen für Reformen. Auf all diese Versuche eines Dialogs antwortete der Staat mit Repression oder Schweigen.
Auch Entwicklungen
- 6 -

�Auch Entwicklungen außerhalb der Sowjetunion beeinflußten diese Bewegung.

Der Sieg Israels im Juni-Krieg 1967 trug dazu bei, bei den Juden in

der Sowjetunion ein Gefühl der Gruppenidentitä't zu schaffen und ihr Interesse
an einer Auswanderung zu steigern. Die Ereignisse in der Tschechoslowakei
1968 ermutigten zunächst, dämpften dann aber die Hoffnungen, daß moralischer
Protest zu einer Reform des sowjetischen Systems führen könnte.

Eine zwar

kleine und rasch gesprengte, aber doch sichtbare Protestdemonstration auf dem
Roten Platz gegen den sowjetischen Einmarsch in der Tschechoslowakei im August
1968 wurde ein Meilenstein in der Geschichte des Dissens in der UdSSR.
Das Hauptanliegen der Menschenrechtsaktivisten war nicht die politische
Aktion, sondern die Rolle des Rechts im sowjetischen Leben. Sie bezeichneten
sich selbst als "Bewegung zur Verteidigung der Legalität" - und sahen ihre
Funktion darin, das öffentliche Bewußtsein für Rechtsfragen in der UdSSR und
gegenüber Mißbräuchen der Behörden zu wecken, sowie die Unterdrückung rechtmäßigen Handelns durch das Regime an den Tag zu bringen. Zunächst schien
das Regime nicht recht zu wissen, wie es auf jene reagieren solle, die das
sowjetische Gesetz den sowjetischen Behörden als Norm anlegten und die darauf
bestanden, sowjetische Staatsvertreter hätten genau wie der einfache Bürger
das sowjetische Recht zu achten.
Im Mai 1969 war die Aktionsgruppe für die Verteidigung der Menschenrechte in der UdSSR die erste Menschenrechtsgruppe, die sich in dieser Form
in der Sowjetunion bildete. Von den 15 Gründungsmitgliedern waren nach einem
Jahr nur noch acht frei.

Im November 1970 gründete eine Gruppe von Physikern

- Andrei Sacharow, Valeri Tschaiidse und Andrei Twerdokubow - in Moskau das
Komitee für Menschenrechte. Das Komitee erklärte seine Absicht, in Übereinstimmung mit den sowjetischen Gesetzen und der Allgemeinen Menschenrechtserklärung zu handeln.
Der Ausschuß brachte seine Anerkennung dafür zum Ausdruck, daß das Regime
mit den Exzessen des Stalinismus Schluß gemacht hatte, und bot seine Hilfe dabei an, diese Tatsache noch deutlicher ins Licht zu rücken. Allerdings setzte

- 7 -

�Allerdings setzte er sich auch für die Sache jener Dissidenten ein, die in
psychiatrische Kliniken eingesperrt waren, brachte Menschenrechtsverletzungen,
wie jene gegenüber nationalen Gruppen wie den Krimtataren, an die Öffentlichkeit und drängte auf die Einhaltung internationaler Rechtsnormen für Geisteskranke.
Die Mitglieder und Sympathisanten beider Ausschüsse sahen sich rasch
Repressalien ausgesetzt.

Wladimir Bukowski wurde wegen seiner Versuche, die

Mißstände in den psychiatrischen Kliniken der Sowjetunion ans Licht zu bringen,
zu Arbeitslager verurteilt.

Tschaiidse wurde gezwungen, das Land zu verlassen.

Der sowjetische Geheimdienst KGB verstärkte seine Bemühungen, die SamizdatLiteratur aus der Welt zu schaffen, indem er deren Autoren verhaftete und das
Verbreitungsnetz zerstörte.

Um den Schaden so gering wie möglich zu halten,

den ihre repressive Innenpolitik auf ihre außenpolitischen Zielsetzungen hatte,
gestatteten die sowjetischen Behörden einigen der Aktivisten, zu emigrieren
- oder zwangen sie dazu.

Dennoch wurde die Arbeit des Ausschusses allmählich

auch in der sowjetischen Öffentlichkeit bekannt, wobei die Publizität, die sich
diese Ausschüsse im Ausland verschafften, bisweilen auch die Behörden zur Zurückhaltung veranlaßte und möglicherweise zum Entschluß der sowjetischen Regierung beitrug, im September 1973 die Internationale Konvention der Vereinten
Nationen über bürgerliche und politische Rechte zu ratifizieren.

Die Helsinki-Gruppe
Die formelle Verpflichtung der UdSSR im August 1975, sich an die Menschenrechtsbestimmungen der Schlußakte von Helsinki zu halten, ermöglichte
es den Dissidenten, ihre Aktivitäten auf eine klare Tatsache hin zu konzentrieren: Unterdrückung von Widerspruch im Lande selbst bedeutete nunmehr eine
Verletzung der internationalen Verpflichtungen Moskaus. Eine neue Gruppe von
Aktivisten nutzte diese Möglichkeit, den westlichen Druck auf die UdSSR zu
verstärken, indem sie die sowjetischen Verletzungen der Menschenrechtsbestimmungen der Schlußakte von Helsinki an die Öffentlichkeit brachten.
Im Mai 1976

�Im Mai 1976 gründeten Juri Orlow - der 1973 einer der Gründer der Moskauer
Gruppe von Amnesty International gewesen war -, Jelena Bonner - die Frau von
Andrei Sacharow -, Alexander Ginsburg zusammen mit anderen die sogenannte öffentliche Gruppe zur Förderung der Einhaltung der Helsinki-Vereinbarungen in der
UdSSR.

Innerhalb eines Jahres tauchten "Helsinki-Gruppen" in der Ukraine (No-

vember 1976), in Litauen (November 1976),in Georgien (Januar 1977) und in Armenien (April 1977) auf.

Im November 1976 organisierte Alexander Podrabined die

Arbeitsgruppe zur Untersuchung der Verwendung der Psychiatrie zu politischen
Zwecken, um damit die Arbeit der Helsinki-Gruppe von Moskau zu ergänzen.
Zunächst zögerten die sowjetischen Behörden.

Einige Monate lang konnten

diese Gruppen recht unbehindert arbeiten, insbesondere in Moskau.

Nachdem man

durch ausländische Rundfunksendungen über sie gehört hatte, wandten sich auch
andere sowjetische Bürger wegen Hilfe an sie oder gaben den Gruppen Informationen über Menschenrechtsverletzungen.

Während ihres Bestehens brachte die

Moskauer Gruppe fast 200 Berichte heraus, die solche Menschenrechtsverletzungen
dokumentierten:

Schauprozesse, Post- und Telefonüberwachung, Mißhandlung poli-

tischer Gefangener, Verfolgung von Andersdenkenden, Zwangstrennung von Familien,
Verweigerung des Rechtes auf Emigration sowie Einschüchterung von Arbeitern,
die den Versuch unternahmen, eine unabhängige Gewerkschaft zu bilden.
Die Festnahme von Juri Orlow und Anatol Schtscharanski im Jahr 1977 signalisierte einen Wandel der offiziellen Reaktion;

nun begann eine Reihe von Fest-

nahmen und Prozessen, die sich über mehrere Jahre hinzog.

Schließlich wurden

fast alle Mitglieder der Helsinki-Gruppe des Psychiatrie-Ausschusses zu langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt oder in die Emigration gezwungen.

Die

wenigen verbliebenen Mitglieder der Moskauer Gruppe erkannten schließlich die
Nutzlosigkeit weiterer Bemühungen und kündigten im September 1982 ihre Auflösung an.

Diese Entscheidung bildete das Ende einer bedeutsamen Phase in der

Entwicklung der Dissidentenbewegung in der Sowjetunion und kennzeichnete das
vergebliche Bemühen, die Machtausübung des Regimes dadurch zu begrenzen, daß
auf sowjetisches Recht und auf internationale Verpflichtungen verwiesen wurde.
Die Moskauer

�Die Moskauer Helsinki-Gruppe war jedoch darin erfolgreich, die Welt über
die Lage der Menschenrechte in der UdSSR zu informieren, internationale Unterstützung für die sowjetischen Aktivisten zu mobilisieren und den gesamten Problemkreis zu einer entscheidenden Frage der Ost-West-Beziehungen zu machen.
Die Berichte der Psychiatrie-Kommission spielten eine wichtige Rolle dabei,
die gesamte sowjetische Psychiatrie auch international in einen solch schlechten Ruf zu bringen, daß die sojwetischen Psychiater es im Februar 1983 vorzogen, sich aus der Internationalen Psychiatrievereinigung zurückzuziehen, Statt
das Risiko einzugehen, nur einige Monate später ausgeschlossen zu werden.

Das Spektrum des Dissidententums
Die Dissidenten spiegelten eine ganze Bandbreite politischer Einstellungen wider:

Russische Nationalisten anti-sowjetischer Prägung sahen in der

sowjetischen Periode ein Unglück für die russische Nation und setzten sich
für eine Rückkehr zu den traditionellen Werten der russischen Kultur und zur
Rechtgläubigkeit ein: westlich ausgerichtete Vertreter waren dagegen für
einen Übergang zu einem pluralistischen, repräsentativen, demokratischen System;
marxistisch-sozialistischen Vertretern ging es um innere Reform und um die Demokratisierung des bestehenden Systems.
Der russische Nationalismus erwies sich für die Regierung als eine besonders problematische Frage, da von ihm die Gefahr ausging, das ethnische
Gleichgewicht der Sowjetunion durcheinander zu bringen.

Das Sowjetregime

hatte einige Aspekte und historische Interessen des russischen Zarenreichs
übernommen, einschließlich dessen territoriale Ziele und Großmachtansprüche.
Als Grundlage für die Entwicklung einer homogenen "sowjetischen" Kultur hatte
es mit Vorbedacht ausgewählte Elemente der russischen Kultur gefördert. Zudem tolerierte es Äußerungen des großrussischen Chauvinismus und verlangte
von allen Bürgern das Erlernen des Russischen als gemeinsamer Sprachgrundlage in einem multinationalen Staat.

Diese Politik begünstigte natürlich

antirussische Ressentiments in den nicht-russischen Republiken und förderte
- 10 -

�und förderte während der sechziger und siebziger Jahre - insbesondere in der
Ukraine, in den baltischen Staaten und im Kaukasus - ein Wiederaufleben des
Nationalismus, einschließlich des Gedankens an eine Loslösung und an nationale
Unabhängigkeit.

In gewissem Maße war die Entwicklung dieser nationalen Bewe-

gungen auch eine Reaktion auf die Verletzung der verfassungsmäßigen Garantien
des Regimes für nationale

und bürgerliche

Rechte

innerhalb der sowjetischen

Staatsstruktur.
Strafmaßnahmen gegen einige sowjetische Nationalitäten während des Zweiten Weltkrieges raubte diesen auf höchst wirksame Weise ihre überlieferten
Territorien, ihren autonomen National Status und die Möglichkeit zur Beibehaltung ihrer kulturellen und ethnischen Identität. So wurden etwa Volksdeutsche
und Krimtataren nach Mittelasien deportiert und ihnen die Rückkehr in ihre angestammte Heimat verweigert. Die Volksdeutschen reagierten darauf - wie die
Juden - mit dem Versuch der Emigration. Da die Krimtataren außerhalb der UdSSR
keine andere Heimat haben, versuchen sie auch weiterhin, ihre nationalen Rechte
wiederherzustellen. Aktivisten beider Gruppen bezahlen dafür mit Einschüchterung, Verhaftungen und langen Freiheitsstrafen.
Die Taktik der aus religiösen Gründen Unzufriedenen glich jener der Menschenrechtsaktivisten.

Sie forderten die Gläubigen auf, sich gegen die anti-

religiöse Politik zu wenden,und trugen dazu bei, das öffentliche Interesse an
der Religion wieder zu beleben. Gerade in jüngster Zeit wurde die zunehmende
Identifikation von Religion und nationalen Anliegen - vor allem in Litauen, in
der Ukraine und im Kaukasus - zu einem erheblichen Problem für das Regime.

Die

sowjetischen Behörden reagieren darauf mit verstärkter anti-religiöser Propaganda, mit der Einweisung von Aktivisten in Arbeitslager oder in psychiatrische
Anstalten; nicht amtlich eingetragene (und somit illegale) Kirchengemeinden
werden unter Drück gesetzt, um die Einhaltung jener sowjetischen Gesetze zu
erzwingen, die die Ausübung der Religion eingrenzen.
Seit Ende der sechziger Jahre begannen Aktivisten der russisch-orthodoxen Kirche damit, die Unterdrückung der Religion in der UdSSR zu dokumentieren.

- 11 -

�zu dokumentieren.

Daneben protestierten sie auch gegen die Unterwerfung des

Patriarchats unter das Regime und sein Versagen dabei, die Kirche und die
orthodoxen Gläubigen gegenüber den illegalen und willkürlichen Maßnahmen der
Behörden zu verteidigen.

Im Dezember 1976 gründete der Pfarrer Gleb Yakunin

den Christlichen Ausschuß zur Verteidigung der Rechte der Gläubigen, während
junge Intellektuelle christliche Seminare durchführten, um Gläubigen die Möglichkeit zu religiösen Studien zu bieten.
dieser Aktivisten verhaftet.

Im Lauf der Zeit wurden die meisten

Der Christliche Ausschuß hingegen lebt im Unter-

grund weiter; im Juli 1983 schickte er eine Botschaft an die 6. Konferenz des
Weltkirchenrates in Vancouver und beschrieb darin die zunehmende Unterdrückung
der Religion in der UdSSR und ersuchte um Hilfe.
Einige religiöse Gruppen - die Pentakostalisten, die Adventisten und andere - weigerten sich, die Einschränkungen zu akzeptieren, die das sowjetische
Gesetz über Glaubensvereinigungen ihnen auferlegte - insbesondere die Einschränkungen hinsichtlich des Predigens, des Bekehrens und der religiösen Unterweisung von Kindern.

Sie zogen es vor, außerhalb des Gesetzes zu arbeiten, indem

sie sich weigerten, sich bei den Behörden zu melden.

Die Baptisten spalteten

sich über dieserFrage in zwei Gruppen, die "offizielle" und "nicht-offizielle".
Teile der ukrainischen Ostkirche (Uniaten) leben inzwischen im Untergrund weiter, nachdem ihnen von staatlicher Seite nach dem Zweiten Weltkrieg eine Verbindung ihrer Kirche mit der Russisch-Orthodoxen Kirche aufgezwungen worden war.
Katholische Aktivisten in Litauen hatten außergewöhnlichen Erfolg damit,
sowohl die Geistlichkeit als auch die Gläubigen dabei zu mobilisieren, sich
dem offiziellen Druck zu widersetzen.

Die Gründung der nicht-offiziellen

Chronik der litauischen Katholischen Kirche im Jahr 1972 und der Katholische
Ausschuß zur Verteidigung der Rechte von Gläubigen im Jahr 1976 dienten dazu,
die Aktivisten noch stärker zusammenzubinden und zu motivieren.

Die Rolle der

litauischen Kirche - mit ihren militanten Priestern, ihren gutorganisierten
Gläubigen und ihren engen Beziehungen zur litauisch-nationalistischen Bewegung - ähnelt stark derjenigen der Kirche in Polen.
Die Bewegung
- 12 -

�Die Bewegung unter den sowjetischen Juden, ihr religiöses und kulturelles Erbe zu bewahren und ihr Recht auf Auswanderung

sicherzustellen, begann

Ende der fünfziger Jahre und verstärkte sich rasch.

Die stalinistische Poli-

tik gegenüber den Juden schwankte zunächst zwischen Assimilation und widerwilliger Anerkennung der jüdischen nationalen Identität, ging dann jedoch in den
Nachkriegsjahren zu offenem Antisemitismus über.
Die Behörden sahen in dem Wunsch nach Emigration den Beweis für eine Treulosigkeit, die an Verrat grenzte.

Das sowjetische Gesetz kennt nicht das Recht

des sojwetischen Bürgers, nach eigenem Gutdünken auszuwandern.

Die Auswande-

rungspolitik wird daher eher durch die Behörden als durch das Gesetz betimmt;
Familienzusammenführung und Heirat eines Ausländers sind daher die einzig anerkannten Gründe für einen Daueraufenthalt im Ausland.

Dennoch brachten Druck

im Innern und außenpolitische Erwägungen Moskau dazu, in den vergangenen 15
Jahren etwa 250 000

sowjetische Juden auswandern zu lassen.

Mit Beginn der

achtziger Jahre wurde dieser Exodus allmählich auf das derzeitige Niveau von
weniger als 200 je Monat zurückgeschraubt.
Das Regime ermutigt zudem immer offener den Antisemitismus - der ziemlich dürftig als "Anti-Zionismus" getarnt wird - und hat auch die Diskriminierung von Juden bei Ausbildung, Arbeitsplätzen und Beförderung ausgeweitet.

Es

unterdrückt alle Versuche von Juden, inoffizielle kulturelle und religiöse Aktivitäten zu organisieren, Hebräisch zu studieren oder ihre Anstrengungen um
Auswanderung öffentlich bekannt zu machen.

Als einzige der anerkannten reli-

giösen Gemeinschaften in der UdSSR haben die Juden keine Akademie um Geistliche auszubilden, keine genehmigten religiösen Zeitschriften, keine landesweiten religiösen Organisationen und keine bewilligten Verbindungen zu Glaubensgenossen im Ausland.
Ein offiziell genehmigter "Antizionistischer Ausschuß der sowjetischen
Gesellschaft", im April 1983 gegründet, der vorgibt, die Ansichten der sowjetischen Juden zu repräsentieren, erklärte, die Emigration sei deshalb bis auf
ein Mindestmaß zurückgegangen, weil alle Juden, die den Wunsch gehabt hätten,

- 13 -

�gehabt hätten, das Land zu verlassen, dies auch schon getan hätten.

Offen

antisemitische Artikel und Bücher werden nicht nur weiterhin veröffentlicht,
sondern werden auch in der zentralen Presse günstig besprochen.

Die Behörden

warnen die jüdischen Aktivisten vor weiteren Kontakten mit ausländischen
Sympathisanten und belästigen Besucher aus dem Westen, die während eines
UdSSR-Aufenthaltes zu Juden in Kontakt treten.
Neben den politischen, nationalistischen und religiösen Aktivisten haben in der Sowjetunion auch schon andere gelegentlich den Versuch unternommen,
ihre Interessen durch organisierte unabhängige Gruppen zu vertreten; das geht
von Künstlern, die zeitgenössische Kunst dem "sozialistischen Realismus" vorziehen, bis zu Behinderten, die den Versuch machen, um verbesserte medizinische
und soziale Versorgung zu kämpfen.

Viele Gruppen sind völlig unpolitisch und

gelten nur deshalb als Dissidenten, weil die Behörden sie als solche ansehen.
Verschiedeneiche Versuche in der jüngsten Zeit, eine unabhängige Gewerkschaft
zu organisieren, trafen auf einen besonders empfindlichen Nerv des Regimes,
dessen Empfindlichkeit durch das Entstehen der Gewerkschaft Solidarität in Polen
noch verstärkt wurde.

Einer der ersten Gewerkschafts-Aktivisten, Wladimir

Klebanow, wurde in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen und seine Organisation zerstört.

Die jüngste nicht offizielle Gewerkschaftsgruppe - SMOT

(Freie interprofessionelle Arbeiterassoziation) - überlebt anscheinend auf
irgendeine Weise im Untergrund, obgleich einige ihrer Führer im ersten Halbjahr 1983 vor Gericht gestellt und verurteilt wurden.

So wurde der SMOT-

Aktivist Viktor Gerschuni in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen, nachdem er im April wegen Verunglimpfung des sowjetischen Systems verurteilt worden war.

Dissidententum und sowjetisches Recht
Von Anbeginn an sah das Sowjetregime in den Versuchen der Menschenrechtsaktivisten, die Herrschaft des Rechts zu stärken, eine politische Unternehmung,
die darauf abzielte, die Regierungsautorität zu untergraben.

- 14 -

Es reagierte

�Es reagierte darauf mit einer Unterdrückungskampagne, deren Absicht es war,
die Kritiker zum Schweigen zu bringen und zur Einhaltung der Regimenormen zu
zwingen.

Die hierbei am meisten angewandten Methoden waren Arbeitsverweis,

körperliche Angriffe, Einweisung in psychiatrische Kliniken, Ausschluß von
Lehranstalten und rechtliche Sanktionen.
Den Behörden stehen dabei eine ganze Anzahl vage formulierter Artikel
der Strafgesetze der Sowjetrepubliken zur Verfügung, die die Ausübung grundlegender politischer, religiöser und bürgerlicher Rechte - einschließlich jener, die die sowjetische Verfassung wiederum garantiert - erheblich einschränken.

Zu den regelmäßig gegen Menschenrechtsaktivisten und andere Dissidenten

eingesetzten Artikeln des Strafgesetzbuches gehören der Artikel 70 (antisowjetische Agitation und Propaganda), Artikel 190,1 (die mündliche oder schriftliche Weiterverbreitung absichtlicher Lügen zum Schaden des sowjetischen Staates und seines Gesellschaftssystems), Artikel 209 (Parasitentum, kein Broterwerb), Artikel 162 (Betreiben eines verbotenen Handels) und Artikel 227 (Verletzung von Bürgerrechten unter der Vortäuschung von religiösen Zeremonien).
Artikel 64 (Verrat) und Artikel 71 (Tätigkeit in aktisowjetischen Organisationen)
werden bei besonders schwerwiegenden Fällen angewandt.
Die Behörden benützen oft genug legale Vorwände, wenn sie sich einmal
dazu entschieden haben, gegen einen Aktivisten vorzugehen.

Aus diesem Grund

geht in manchen Verfahren die politische Motivation gar nicht aus den formellen
Anklagen wegen kriminellen Verhaltens hervor - wie etwa ordnungswidriges Benehmen ("Hooliganismus"

"Rowdytum"), tätliche Beleidigung, Unterschlagung oder

Diebstahl von staatlichem Eigentum.

Regelmäßig kommt es dabei zu Verfahrens-

widrigkeiten durch die sowjetischen Behörden, um einen Dissidenten verurteilen
zu können.

So ist es z.B. bei Verfahren über eine Anklage gemäß Artikel 190,1

der Verteidigung nicht erlaubt, Beweise darüber vorzulegen, ob eine angeblich
verleumderische Erklärung tatsächlich zutrifft und richtig ist.

Dokumente,

die angeblich eine Verleumdung enthalten, werden normalerweise während des Verfahrens nicht vorgelegt oder vorgelesen; das Gericht akzeptiert lediglich ihre
Charakterisierung durch den Staatsanwalt, wenn dieser sie als verleumderisch

- 15 -

�als verleumderisch bezeichnet.

Eine Verurteilung ergibt sich dann erst im

Lauf des Verfahrens.
Die besonders harte Behandlung, die veruteilte Aktivisten in den Gefängnissen oder Arbeitslagern erfahren, die Tatsache, daß sie als unwürdig für eine
Begnadigung oder eine Amnestierung angesehen werden, sowie die Praxis, daß
prominente Aktivisten in besonderen Lagern abgesondert werden, widersprechen
den offiziellen Behauptungen, daß es in der Sowjetunion keine politischen Gefangenen gäbe - weder nach dem Gesetz noch als eine besondere Kategorie unter
den Strafgefangenen.

Die Verbannung Sacharows nach Gorki im Januar 1980, wo er

ohne gerichtliche Anklage praktisch unter Hausarrest lebt, ist nur eines der
vielen Beispiele für die Mißachtung der Menschenrechte und der Bestimmungen
des sowjetischen Rechtswesens seitens des Regimes.

Dissens während des Übergangs:

Breschnew und Andropow

Seit dem Tode Breschnews wurde durch personelle Veränderungen im KGB
und in der Parteiführung die Kampagne gegen die Dissidenten noch intensiviert;
dies scheint jedoch eher das gewachsene institutionelle Prestige des KGB und
dessen erhöhten Status widerzuspiegeln als eine Änderung der Politik.

Die ge-

genwärtige Kampagne gegen die Dissidenten begann schon während der letzten Jahre der Führerschaft Breschnews.

Obwohl Andropow persönlich eine wesentliche

Rolle bei der Formulierung der Politik Moskaus gegenüber den Dissidenten spielte - sowohl als Vorsitzender des KGB über 16 Jahre lang wie auch als Nachfolger
Breschnews im Amte des Generalsekretärs der Partei - liegen die Gründe für diesen überaus starken Druck jedoch in erster Linie in der Reaktion der sowjetischen Führung auf verschiedene wichtige Entwicklungen:
- Die Verschlechterung der Ost-West-Beziehungen, die den Behörden größere
Ellbogenfreiheit gegenüber den Aktivisten gab, ohne Rücksicht auf die
öffentliche Meinung im Westen nehmen zu müssen.
- Die größer

- 16 -

�- Die größer werdenden innenpolitischen Probleme, einschließlich der
Lebensmittelknappheit, der Unzufriedenheit der Arbeiter und der wirtschaftlichen Stagnation, die zu einer schlechteren öffentlichen Moral
und zu möglicher sozialer Unruhe führt.
- Die Ereignisse in Polen mit einem potentiellen übergreifen auf die
UdSSR.
Die Besorgnisse auf höchster Ebene haben ihren Ausdruck in öffentlichen
Erklärungen gefunden. So äußerte beispielsweise das Politbüromitglied und
Parteisekretär Konstantin Tschernenko, der damals als möglicher Nachfolger
Breschnews galt und immer noch ein prominentes Mitglied der Führung ist, in
der Zeitschrift des Zentralkomitees (Kommunist, Nr. 13, 1981) seine Bedenken
darüber, daß falsche Prioritäten, fehlende zeitgerechte Maßnahmen oder das
Unvermögen, die "einzigartigen Interessen einer jeden Klasse und einer jeden
Schicht der sowjetischen Gesellschaft" widerzuspiegeln, das Regime der Unterstützung durch die Massen berauben könnten, wodurch "die Gefahr der sozialen
Spannung und der sozio-ökonomischen Krise entsteht."

In der Ausgabe Nr. 14,

1981 des Kommunist unterstrich der Erste Stellvertretende Vorsitzende des KGB,
Zwigun, die Bedeutung der Bekämpfung der Dissidenten:

"Als Ergebnis der vom

KGB ergriffenen Maßnahmen, die in strikter Übereinstimmung mit dem Gesetz
durchgeführt wurden..., gelang es den antisozialen Elementen trotz der beträchtlichen materiellen und moralischen Unterstützung des Westens nicht, einen organisierten Zusammenhalt auf der Grundlage eines Antisowjetismus zu erreichen."
Gleichzeitig rief Zwigun

zu vermehrter Wachsamkeit gegen neue und noch

gefährlichere Formen der Subversion auf.
Besorgnisse wurden auch in politischen Erklärungen Andropows und seiner
Mitarbeiter deutlich, die die Bedeutung einer Prüfung der Beziehungen und der
Erfordernisse der Arbeiter auf nationaler Ebene unterstrichen, um Beschwerden
und Mißstände auszuräumen; ebenso wird jedoch darauf hingewiesen, daß der harte
Kurs im Hinblick auf die Menschenrechte und gegenüber religiös Gläubigen fort-

- 17 -

�Gläubigen fortgesetzt werde.

Andropow kritisierte insbesondere die Tatsache,

daß auf das .owjetische Recht zurückgegriffen werde, um den Menschenrechten
Nachdruck zu verleihen.

In seinem ersten theoretischen Artikel über den Mar-

xismus, erschienen in Nr. 3 des Kommunist, 1983, hob er die "Priorität des
öffentlichen Interesses" gegenüber den "Interessen des einzelnen" hervor.
In seiner Rede auf der Vollsitzung des Zentralkomitees der KPdSU am
15. Juni 1983 wies Tschernenko darauf hin, daß die "Arbeit" mit religiös
Gläubigen "nicht vernachlässigt werden darf", weil ideologische Zentren im
Ausland Behauptungen über "Verletzungen der Gewissensfreiheit in der UdSSR"
verbreiteten, um "religiöse Gefühle zu nähren und ihnen eine antisowjetische
und nationalistische Richtung zu verleihen".

"Wenn wir auf Verletzungen so-

zialistischer Gesetze und auf eine subversive politische Aktivität stoßen, die
sich hinter der Religion verbergen", so schloß er, "dann werden wir in Übereinstimmung mit den Forderungen unserer Verfassung handeln."
Die Zahl der Personen, die sich wegen angeblicher politischer oder religiöser Delikte in Gefängnissen, Arbeitslagern oder psychiatrischen Kliniken
befinden, wird - obwohl dies nicht mit Sicherheit bekannt ist - auf etwa 10 000
geschätzt.

Allerdings gleicht diese Zahl noch die Ges-mtzahl der sowjetischen

Strafgegangenen von rund vier Millionen (darunter zwei Millionen in Arbeitslagern und weitere zwei Millionen nichtinhaftierter Zwangsarbeiter) nicht der
Zahl der GULAG-Gefangenen unter Stalin, und auch die Bedingungen in den Lagern
sind nicht so brutal.

Das sowjetische Verhalten

und die Bilanz im Hinblick

auf die Menschenrechte stehen jedoch in krassem Gegensatz zu dem Bild der
sowjetischen Gesellschaft, die als fortschrittlich, aufgeklärt und human hingestellt wird.

Wie schon Solschenizyn geschrieben hat:

seln, das Archipel bleibt."

+ + + + +

- 18 -

"Die Machthaber wech-

�Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America
11. Januar 1984

KOHLENDIOXID - EINE "HEIZDECKE" IN DER ATMOSPHÄRE
Neue US-Studien empfehlen Anpassungsstrategie für mögliche Klimaänderung

- (AD) - Die Erde wird im 21. Jahrhundert höhere Durchschnittstemperaturen
haben. Sie werden verursacht von einer "Heizdecke", nämlich dem steigenden
Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre. Kohlendioxid (C0~) läßt zwar die von der Sonne
kommende energiereiche Strahlung durch, spiegelt jedoch die von der Erde abgegebene Wärmestrahlung wieder zur Oberfläche zurück. Der C02-Gehalt der Lufthülle
dürfte sich bis zum Jahr 2065 nahezu verdoppeln - von gegenwärtig 340 ppm ( d.h.
340 C02-Molekülen in 1 Million Luftmolekülen) auf etwa 600 ppm. Damit ginge
ein Anstieg der Temperatur an der Oberfläche und in den unteren Luftschichten um
1,5 bis 4,5 Grad Celsius einher. Und es gibt angesichts der Wirtschafts- und
Bevölkerungsentwicklung auf der Erde praktisch keine Möglichkeit, dies zu verhindern,
Zu diesem Ergebnis kamen unabhängig voneinander drei amerikanische Forschergruppen,
die im Auftrag von Regierung, Kongreß und der Umweltschutzbehörde EPA eingehende
Untersuchungen durchführten und anhand mathematischer Modelle Klimaprognosen
ausarbeiteten. Die Berichte wurden im Oktober und Dezember 1983 veröffentlicht.
Welche Rolle

Postfach 20 03 OO Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Welche Rolle Kohlendioxid in der Atmosphäre spielt, ist seit mehr als
100 Jahren bekannt.

Seit 1958 werden die COo-Konzentrationen systematisch und

mit ständig verbesserten Methoden gemessen.
in der Luft vorhanden.

Zwar ist Kohlendioxid von Natur aus

Jedoch steigt durch den Energieverbrauch, und das heißt

in erster Linie die Nutzung fossiler Brennstoffe, der COp-S'negel in der Lufthülle in einem Maße an, daß mit einschneidenden Veränderungen der klimatischen
Verhältnisse rund um den Erdball schon gegen Ende des nächsten Jahrhunderts
gerechnet werden muß. Hinzu kommt, daß neben dem Kohlendioxid auch Gase wie

'

Fluorchlorkohlenwasserstoffe, Stickoxide und Methan zu dem sog. Treibhauseffekt
beitragen.

'

Es sei unrealistisch, anzunehmen, daß die Erwärmung durch energiepolitische
Maßnahmen zu verhindern oder merklich zu verzögern ist, heißt es im Bericht des
Nationalen Forschungsrates (NRC).

Statt dessen sollten Wissenschaftler und

Politiker ihre Anstrengungen darauf richten, herauszufinden, wie sich Mensch und
Gesellschaft den neuen Gegebenheiten anpassen könnten und wie sich die veränderten
Klimabedingungen vermutlich auf landwirtschaftliche Produktion und Böden, auf die
Wasserversorgung, den Meeresspiegel Und wirtschaftliche Aktivitäten auswirken.
Gegenwärtig bestehe kein Grund zur Panik - aber Wachsamkeit sei geboten.
Die Prognosen seien, so wird betont, mit zu vielen Unsicherheitsfaktoren
sowohl hinsichtlich der Klimaänderungen durch C0 ? als auch künftiger Entwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft behaftet, als daß sofortige politische
Gegenmaßnahmen empfohlen oder gar gefordert werden könnten. Es wird darauf verwiesen, daß sich die Erdtemperatur in den letzten 1 000 Jahren um zwei Grad Celsius,,
im Ablauf der letzten Millionen Jahre um 6 bis 7 Grad Celsius verändert habe.
Gemessen an diesen Zeiträumen bedeuten die für das kommende Jahrhundert proghosti- .
zierten Veränderungen für unseren Planeten "größtenteils unbekanntes Territorium".
Man wisse nicht, wie eine Temperaturänderung um zwei Grad die Witterunesverhältnisse verändere, die wiederum den Wasserhaushalt, Landwirtschaft, das Leben
in den einzelnen Regionen und letztlich die We'tpolitik beinflußten.

- 2 -

Es sei zu

�Es sei zu vermuten, daß der Temperaturanstieg in den Polargebieten größer sein
werde als anderswo.

Temperaturerhöhungen um 3 bis 4 Grad hätten einen Anstieg

des Meeresspiegels um ca. 70 cm zur Folge.
trockenere Sommer zu erwarten.

In den mittleren Breiten wären

Niederschlag, Wasserversorgung und Landwirtschaft

dürften in den einzelnen Regionen unterschiedlich beeinflußt werden.

Jedoch sei,

weltweit gesehen, das Problem zum gegenwärtigen Zeitpunkt schon deshalb nicht
wirksam anzupacken, weil man sich bei den Prognosen nur auf Schätzungen stützen
konnte.

Das gelte für die Entwicklung der Wirtschaft ebenso wie für die Brenn-

stoffnutzung und den Energieverbrauch, für die Kohlendioxidanreicherung durch
fossile Brennstoffe und die Menge des tatsächlich in der Luft verbleibenden COp»
von dem ja die Meere einen großen Teil, vielleicht die Hälfte, aufnehmen, und für
die Auswirkungen sowohl von CO« als auch der anderen "Treibhausgase" auf Atmosphäre
und Klima.

Man wisse einfach noch zu wenig von allen diesen Prozessen, um sie

voll verstehen zu können.

Auch sei noch unklar, wie empfindlich die Atmosphäre

wirklich ist.
Deshalb sollte zumindest für die nächste Zukunft die Parole lauten: Mehr
Forschen und Messen, wachsam sein und aufgeschlossen für Entwicklungen, die eine
Umstellung von fossilen Brennstoffen auf andere Energiequellen ermöglichen, falls
dies notwendig werde. Und wachsam sein bedeute zunächst einmal sorgfältige Überwachung der Kohlendioxid-Konzentrationen, dazu kontinuierliche wissenschaftliche
Beobachtung der verschiedenen Komponenten für die Abgabe von C0 2 an die Luft, die
Ermittlung und Überwachung der (^-Konzentrationen in der gesamten Atmosphäre.
Immer wieder müsse man versuchen, zu klären, ob sich Klimaänderungen anbahnen oder
im Gange sind, welche Auswirkungen sie auf Umwelt und Gesellschaft haben, wie
diese reagieren.
Die für die EPA arbeitende Forschergruppe kam durch Modellrechnungen u.a.
zu dem Schluß, daß beispielsweise eine weltweite Supersteuer auf fossile Brennstoffe, die den Preis vervierfachte, den bis zum Jahr 2040 erwarteten Temperaturanstieg am 2°C nur um fünf Jahre verzögern würde.

Und eine bis zum Jahr 2100

angenommene Temperaturerhöhung um 5°C würde bestenfalls 15 Jahre hinausgeschoben,

- 3 -

�15 Jahre hinausgeschoben, wenn vom Ende dieses Jahrhunderts an keine Kohle mehr
verbraucht würde.
hin utopisch.

Ein internationales Verbot der Verwendung von Kohle sei ohne-

Die 1981 in Auftrag gegebene Studie sollte klären helfen, ob durch

eine Änderung der Energiepolitik hinsichtlich der Verwendung fossiler Brennstoffe
die COp-Emissionen soweit unter Kontrolle gebracht werden könnten, daß die vorausgesagte Erwärmung verhindert würde. Vorgeschlagen wird verstärkte Forschung, um
geeignete nationale Strategien zur Anpassung zu entwickeln.
«

Die dritte Studiengruppe, bestehend aus Ingenieuren und Wirtschaftlern der
Stanford-Universität und des Massachusetts Institute of Technology (MIT), hält
allein schon im Hinblick auf "sauren Regen" und andere Beispiele eine weltweite
gründliche Erörterung des Treibhauseffekts für dringend erforderlich.

Sie räumt

ein, daß wegen der unterschiedlichen Stadien der Industrialisierung, unterschiedlicher Verfügbarkeit von Ressourcen, auch wegen unterschiedlicher Auffassungen
über klimatologischen und wirtschaftlichen "Gewinn" oder "Verlust" ein Konsens
auf globaler Basis nicht erreichbar sei - dennoch müsse das Problem international
diskutiert und, wo immer möglich, auch angegangen werden.
Wichtig seien eingehende Untersuchungen auf dem Gebiet der elektrischen
Energie mit dem Ziel, durch technologische Verbesserungen und Durchbrüche Systeme
mit höherem Wirkungsgrad und größerer Flexibilität zu entwickeln, Stromverbrauch
und Stromkosten zu senken und auf diesem Wege Umweltbelastungen zu verringern.
Energieeinsparung (von etwa einem Prozent pro Jahr) sei ohne Schaden für die
Wirtschaft wegen der langfristig wirksamen technologischen Verbesserungen und
des Ersatzes von Systemen möglich - "eine Verbesserung, die in allen Regionen
und Sektoren erreichbar erscheint". Darin liege die wichtigste Chance, die Anreicherung von Kohlendioxid zu bremsen, und man gewinne Zeit und mehr Erfahrungen .
bei der Entwicklung und im Umgang mit Systemen, die alternative Energiequellen
nutzen.
+ + + + +

- 4 -

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9296">
                <text>11.01.1984</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9297">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9298">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13735">
                <text>Amerikadienst 11.01.1984&#13;
</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13736">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan bekräftigt Unterstützung für KVAE&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Menschenrechte in der UdSSR&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Eine Dokumentation des US-Außenministeriums -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kohlendioxid - eine "Heizdecke" in der Atmosphäre&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Neue US-Studien empfehlen Anpassungsstrategien für mögliche Klimaänderung -&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1840" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1851">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/4513e1ff284f38254be1aa356fc6d9ef.pdf</src>
        <authentication>d7c96d01fcf78cabd0edeee03ccd64c5</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="9295">
                    <text>4. Januar 1984

INHALT

DOKUMENTATION
Erklärung Reagans zum vierten Jahrestag der sowjetischen Invasion
Afghanistans
HINTERGRUNDMATERIAL
Shultz: Jahrelange Bemühungen der USA um Tendenzwende bei der UNESCO
- Schreiben des US-Außenministers an den Generalsekretär der UNESCO KVAE soll Risiko eines Überraschungsangriffes vermindern
Glaubwürdigkeit ist die Grundlage amerikanischer Auslandssendungen
- Auszüge aus einer Ansprache des Direktors von RFE und RL Chronologie der Ereignisse in Afghanistan
- 2. Halbjahr 1983 WISSENSCHAFT UND TECHNIK
US-Industrie steigert Forschungsausgaben
Superplastische Verformung mit Infrarot!icht

Um Über/endung von
DclegcKcmploicn
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

4. Januar 1984

ERKLÄRUNG REAGANS ZUM VIERTEN JAHRESTAG DER SOWJETISCHEN INVASION AFGHANISTANS

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 27. Dezember 1983 die Sowjetunion
aufgefordert, für Afghanistan eine Lösung herbeizuführen, die dem Lande seine
Unabhängigkeit und Blockfreiheit wiedergibt.

In einer Erklärung anläßlich des

vierten Jahrestages der sowjetischen Invasion Afghanistans betonte der Präsident,
die Vereinigten Staaten würden alles in ihrer Kraft Stehende tun, um zu einer
friedlichen Regelung dieses Problems beizutragen.

Der vierte Jahrestag sei ge-

kennzeichnet durch Traurigkeit und anhaltende Empörung.
Die vom Weißen Haus veröffentlichte Erklärung des amerikanischen Präsidenten
hat folgenden Wortlaut:
Wenn wir Amerikaner während dieser Feiertage dankbar sind für die Segnungen
des Friedens, so vergessen wir doch nicht, daß der tragische Krieg in Afghanistan
fortdauert.

Vier Jahre lang hat die Sowjetunion dieses unglückliche Land jetzt

schon besetzt. Aber vier Jahre lang hat sich das tapfere afghanische Volk gegen
die sowjetische Besatzungsmacht zur Wehr gesetzt.

Diese islamischen Freiheits-

kämpfer in einem fernen Land haben den Worten Mut, Entschlossenheit und Stärke
einen neuen Sinn gegeben.

Sie haben ein Zeichen gesetzt für diejenigen in aller

Welt, die die Freiheit und Unabhängigkeit hochhalten.
Die afghanischen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die afghanischen Freiheitskämpfer - die Widerstandskämpfer oder Mujahedin stellen eine einheimische Kraft dar, die das ganze Bergland erfaßt hat und einer
fremden Militärmacht entgegentritt, die ihre Religion und ihre ganze Lebensart
bedroht.

Die große Mehrheit des afghanischen Volkes hat trotz der Tatsache, daß

sie über nur wenige Waffen und eine schwache Organisation verfügt, bewiesen, daß
sie sich nicht beherrschen lassen will und daß sie bereit ist, ihr Leben für die
Unabhängigkeit und die Freiheit einzusetzen.
gezahlt hat, ist überhaupt nicht abzuschätzen.

Der Preis, den sie so bereitwillig
Wenn wir auch weiterhin unseren

Teil dazu beitragen werden, den amerikanisch-sowjetischen Dialog aufrechtzuerhalten
und zu verbessern, so können wir doch angesichts der Tragödie Afghanistans nicht
schweigen.

Es kann keine Frage sein, daß die sowjetische Besetzung Afghanistans

schwere internationale Spannungen hervorgerufen hat.

Es sind nicht nur die

Afghanen, die die sowjetische Besetzung ihres Landes ablehnen, sondern praktisch
die gesamte Völkergemeinschaft.
Dies hat sich ganz deutlich bei fünf aufeinander folgenden Abstimmungen in
der Vollversammlung der Vereinten Nationen erwiesen, als die überwältigende Mehrheit der Länder der Welt die Sowjetunion immer wieder aufforderte, die Besetzung
zu beenden und die Unabhängigkeit sowie den blockfreien Status Afghanistans
wieder herbeizuführen. Ja, die jüngste Resolution der Vereinten Nationen wurde
am 23. November sogar mit der bisher größten Mehrheit - 116 zu 20 Stimmen verabschiedet.
Anfang dieses Jahres hatte ich den Vorzug, im Weißen Haus eine Gruppe von
sechs afghanischen Freiheitskämpfern empfangen zu können. Ihre einfache Würde,
ihr Stolz und ihre Entschlossenheit, den Kampf um die Unabhängigkeit fortzusetzen,
haben mich sehr bewegt. Diese tapferen Männer haben inzwischen ihren Kampf fortgesetzt.
Der Kampf um ein freies Afghanistan dauert an, nicht weil es irgendeine
Manipulation von außen gibt, sondern weil es der Wunsch des afghanischen Volkes

- 2 -

�afghanischen Volkes ist, frei zu sein.

Und dieser Kampf wird fortdauern, bis

eine am Verhandlungstisch erzielte, politische Lösung gefunden werden kann, die
es dem afghanischen Volk gestattet, frei über sein eigenes Schicksal zu bestimmen.
Unser Ziel ist es, alles in unseren Kräften Stehende zu tun, um am Zustandekommen
einer friedlichen Lösung mitzuwirken, durch die die sowjetischen Streitkräfte aus
Afghanistan abgezogen, die Qual und die Zerstörung des afghanischen Volkes beendet
sowie die Unabhängigkeit und die Blindnisfreiheit des Landes wiederhergestellt
werden.

Ein neutrales und blockfreies Afghanistan wäre ganz sicher keine Bedro-

hung für den mächtigen sowjetischen Nachbarn.
Der vierte Jahrestag der sowjetischen Invasion ist zwar durch Traurigkeit
und anhaltende Empörung gekennzeichnet, aber wir sind davon überzeugt, daß eine
Regelunc möglich ist, und wir sind erfreut darüber, daß die Konsultationen im
Rahmen indirekter Gespräche der Vereinten Nationen weitergehen.

Wir fordern die

Sowjetunion auf, eine Lösung dieser Krise herbeizuführen, die Afghanistan seine
Freiheit, seine Unabhängigkeit und seine Blockfreiheit wiedergibt.
Wir alle, die wir in freien Ländern leben oder davon träumen, sollten uns
von dem Geist und dem Mut der afghanischen Patrioten inspirieren lassen.
Vertrauen wir entschlossen darauf, daß ihr Streben nach Freiheit obsiegen und
daß Afghanistan wieder ein unabhängiges Mitglied der Völkerfamilie wird.

+ + + + +

- 3 -

�4. «Januar 1984

1

SHULTZ: JAHRELANGE BEMÜHUNGEN DER USA UM TENDENZWENDE BEI DER UNESCO
- Schreiben des US-Außenministers an den Generalsekretär der UNESCO •

WASHINGTON - (AD) - In einem Schreiben an den Generaldirektor der UNESCO,
Amadou-Mahtar M'Bow, in dem die Entscheidung der Vereinigten Staaten hinsichtlich
ihres Austritts aus dieser Tochterorganisation der Vereinten Nationen erläutert
wird, erklärte der amerikanische Außenminsiter George Shultz, die USA seien
"besorgt darüber, daß Trends in Management, Politik und Haushaltsführung der
UNESCO die Effizienz der Organisation schmälern".
Das Schreiben hat folgenden Wortlaut:
Sehr geehrter Generaldirektor,
Zweck dieses Briefes ist es, Sie gemäß der Bestimmungen von Artikel II Absatz 6
der Satzung davon zu benachrichtigen, saß meine Regierung mit Wirkung vom
31. Dezember 1984 aus der UN-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur
(UNESCO) austreten wird.
Sie dürfen versichert sein, daß die Vereinigten Staaten gemäß den Bestimmungen der Satzung bestrebt sein werden, allen ihren vereinbarten finanziellen
Verpflichtungen nachzukommen.
Die Regierung

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die Regierung der Vereinigten Staaten glaubt - wie das amerikanische Volk
insgesamt - an die hehren Grundsätze, wie sie die Satzung der UNESCO zum Ausdruck
bringt.

Heute - wie auch in den Jahren der Organisation - rufen uns diese

Prinzipien zu der Verpflichtung auf, unsere Anstrengungen und Mittel dazu zu
verwenden, einen stabilen und dauerhaften Rahmen für den Frieden in der Welt
zu schaffen.

Heute - genau wie in den ersten Jahren - sind wir davon überzeugt,

daß Erziehung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation bedeutsame, ja entscheidende,
Elemente dabei sind, eine friedliche Welt zu errichten.
Aber während die Vereinigten Staaten auch weiterhin beträchtliche Mittel
zur Erreichung dieser Ziele bereitstellen, müssen sie doch auch sorgfältig die
richtigen Methoden und Mittel auswählen, die zur Verwendung dieser Mittel eingesetzt werden. Es gibt eine Vielzahl von Gruppierungen und Organisationen, mit
deren Zielsetzung wir übereinstimmen, denen es jedoch an Effizienz mangelt, wenn
es darum geht, jene Art der internationalen Zusammenarbeit zu realisieren, die
dazu beitragen würde, eine friedliche Welt zu schaffen. Gute Absichten allein
sind nicht genug.
Seit einer Reihe von Jahren schon sind wir - wie Sie aus den Erklärungen
wissen, die wir innerhalb der Generaldirektion und andernorts abgegeben haben besorgt darüber, daß Trends in Management, Politik und Haushaltsführung der
UNESCO die Effizienz der Organisation schmälern. Wir sind der Oberzeuguno, daß
diese Trends die UNESCO von den anfänglichen Grundsätzen ihrer Satzung wegführen,
Wir hatten das Gefühl, daß sie in ihrer Tendenz - absichtlich oder unabsichtlich,
jedenfalls aber in unzulässiger Weise -, den politischen Absichten einiger weniger
Mitgliedstaaten dienen. Während dieser Zeit arbeiteten wir mit aller Energie
daran, die Organisation dazu zu ermutigen, diese Trends umzukehren und wieder zu
den Zielen der Gründungszeit zurückzufinden; mit aller Kraft zu vermeiden,
Diener der einen oder anderen nationalen Politik zu werden und sich so zu organisieren, daß Effizienz belohnt, furchtlose Programmbewertung gefördert und solchen
Prioritäten gefolgt würde, die sich an dem Wert eines Programms orientieren und nicht an Gewohnheiten der Vergangenheit, an politischer Zweckdienlichkeit
oder an irgendwelchen anderen wesensfremden Überlegungen.
Gleichzeitig sahen
- 2 -

�Gleichzeitig sahen wir - und brachten unsere größten Bedenken dagegen zum
Ausdruck -, daß dieser Druck dazu führte, daß die UNESCO auf politisch motivierte
Zielsetzungen hin abgelenkt wurde, die ihren Ursprung in einzelnen Mitgliedstaaten hatten - und weniger der Organisation selbst entstammten.

Wir bemühten

uns innerhalb der Generaldirektion und bei Vollversammlungen darum, den sich
hieraus ergebenden politischen Inhalt - tendenziös und parteiisch wie er war - so
gering wie möglich zu halten oder ihn ganz aus den Entschließungen und Programmen
der UNESCO herauszulassen.
Viele dieser Anstrengungen - die Ihrigen wie die unsrigen - waren produktive,
zumindest relativ gesehen. Die Ergebnisse der letzten Vollversammlung sind hierfür Beweis, und wir würdigen die Rolle, die Sie für das Ergebnis dieser Konferenz
spielten.
In größerem Zusammenhang gesehen, zeigt die Vollversammlung jedoch etwas
anderes: Wenn die Ergebnisse der Konferenz Beweis für das Beste sind, das man
von der Organisation erwarten kann, so wie sie sich derzeitig darstellt und sie
sie sich derzeit selbst regiert, dann gibt es nur wenig Hoffnung auf eine wirkliche und überzeugte Umkehr der Organisation hin zu den Prinzipien der Anfangszeit.
Für die Vereinigten Staaten ist diese Schlußfolgerung unausweichlich. Die
Verantwortung, in Reaktion hierauf zu handeln, ist ebenfalls unausweichlich.
Sie, Herr Generaldirektor, haben unsere Wertschätzung und unsere Hochachtung,
sowie unsere Verpflichtung zur umfassenden Zusammenarbeit, damit das Jahr zwischen
diesem Brief und dem Datum unseres Austritts so harmonisch wie möglich wird. Wir
sind der Überzeugung, daß Sie auch weiterhin alles in Ihrer Macht Stehende tun
werden, um unter den schwierigen Umständen, in denen Sie tätig sind, die Arbeit
der UNESCO eine produktive sein zu lassen, die den Bedürfnissen dieser Welt,
unbefriedigt wie sie noch sind, gerecht wird.

Was uns anbelangt, so sind wir

davon überzeugt, daß wir andere Mittel und Wege der Zusammenarbeit bei Erziehung

- 3 -

�bei Erziehung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation finden werden, die den
Prinzipien besser gerecht werden, denen sich die UNESCO vor vielen Jahren verpflichtet hat.

Wir sind davon überzeugt, daß eine solche Zusammenarbeit nicht

dadurch vermindert zu werden braucht, daß man ihr politische Zielsetzungen beimengt, die jenseits ihres eigentlichen Wirkungsfeldes liegen; daß ihre Autorität
nicht geschwächt zu werden braucht durch Kompromisse bei solch klaren und erhabenen Zielen wie den Rechten des Einzelmenschen und dem ungehinderten Fluß von
Informationen.

Man könnte dann durchaus zu der Einsicht gelangen, daß unsere

gemeinsamen Ziele dadurch wirksam hätten erreicht werden können, daß man sich
an den Grundsatz hält, demzufolge einige wenige, gutgemachte Dinge mehr Wirkung
haben als die oberflächliche Untersuchung aller Übel dieser Welt.
Es ist wahrscheinlich, daß die Mittel, die wir derzeit der UNESCO zur Verfügung stellen, verwendet werden, um eine solche Zusammenarbeit zu fördern.
Alle alternativen Programme, die die Vereinigten Staaten entwickeln werden,
könnten im Prinzip als Grundlage einer künftigen Zusammenarbeit zwischen den
Vereinigten Staaten und der UNESCO dienen, falls beide Parteien dies als vorteilhaft erachten sollten.

Wir würden eine solche Möglichkeit gerne zu einem ange-

messenen Zeitpunkt in Betracht ziehen.
Hochachtungsvoll,
gez. George P. Shultz

+ + + + +

�4. Januar 1984

KVAE SOLL RISIKO EINES ÜBERRASCHUNGSANGRIFFES VERMINDERN

Der nachfolgende Artikel erschien kürzlich
in "Gist", einer Veröffentlichung des
US-Außenministeriums, die in unregelmäßiger
Folge erscheint und sich mit aktuellen
außenpolitischen Themen befaßt.

- (AD) - Am 17. Januar 1984 kommen die Vereinigten Staaten, Kanada sowie
33 europäische Länder, darunter die Mitglieder der NATO, des Warschauer Paktes
und neutrale, blockfreie Staaten, in Stockholm zur ersten Phase der "Konferenz
für Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa" (KVAE)
zusammen.

Von Frankreich im Jahre 1978 vorgeschlagen und von den anderen Staaten

unterstützt, ist dieses Treffen ein Ergebnis der kürzlich beendeten KSZE-Nachfolgekonferenz in Madrid (1980-1983), der zweiten solcher Zusammenkünfte, die
sich mit der Verwirklichung der Schlußakte von Helsinki aus dem Jahre 1975
befaßte.
Die erste Phase der Stockholmer Konferenz soll sich auf Verhandlungen über
Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen und deren Annahme
konzentrieren, um das Risiko eines Überraschungsangriffes in Europa zu vermindern

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�zu vermindern und die in der Schlußakte von Helsinki vorgesehenen begrenzten
Maßnahmen dieser Art zu stärken und zu erweitern.

Vertrauensbildende Maßnahmen

betreffen nicht direkt den Umfang der Waffenarsenale oder die Struktur der
Streitkräfte eines Staates. Sie sollen vielmehr die gegenseitigen Kenntnisse
und Erkenntnisse bezüglich militärischer Aktivitäten wie Manöver, Einberufungen
von Reservisten oder Alarme vertiefen und damit die Möglichkeit eines Konfliktes
reduzieren, der aus Zufall, falscher Einschätzung der Situation oder Mißverständnissen entstehen könnte.
Die amerikanische Position
Die Vereinigten Staaten bestanden auf vier Kriterien, bevor Washington die
französische Initiative unterstützte:
-

Die Stockholmer Konferenz müsse ein integraler Teil des KSZE-Prozesses bleiben,

damit ein angemessenes Gleichgewicht zwischen Menschenrechten und Sicherheitsanliegen gewahrt werde.
-

Die erste Phase der Stockholmer Konferenz solle auf Vertrauens- und sicher-

heitsbildende Maßnahmen begrenzt werden.

Weiterhin - und damit wurde die

französische Ansicht unterstützt - solle im Rahmen dieser Konferenz nicht über
nukleare Fragen verhandelt werden.
-

Die Stockholmer Konferenz dürfe sich nicht in irgendeine andere Rüstungs-

kontroi 1verhandlung einmisehen.
-

Die Vertrauens- und sicherheitsbildenden Maßnahmen müßten militärisch signifi-

kant, politisch bindend, verifizierbar und auf ganz Europa vom Atlantik bis zum
Ural anwendbar sein.
Das Mandat von Madrid unterstützt die amerikanische Position hinsichtlich
der Abhaltung der Konferenz und der Art der Maßnahmen, die dort zur Sprache
kommen sollen.

Die Konferenz wird sich mit Aktivitäten in ganz Europa befassen,

einschließlich des europäischen Teils der Sowjetunion bis hin zum Ural.

Die

vertrauensbildenden Maßnahmen, über die in Helsinki verhandelt wurde, erstreckten
sich nur auf ein Gebiet, das bis zu 250 Kilometer in die Sowjetunion hineinreicht.
Die USA

�Die USA und ihre NATO-Verbündeten hoffen, daß sie in Stockholm eine Reihe
von Vorschlägen auf den Verhandlungstisch legen können, die folgendes erreichen
sollen:
-

Verminderung des Risikos eines Überraschungsangriffs in Europa.

Die Transpa-

renz oder Offenlegung militärischer Aktivitäten soll deshalb gefördert werden;
-

eine bessere und größere Voraussagbarkeit in bezug auf friedliche militärische

Manöver, um Abweichungen von der Norm feststellen zu können;
-

Verbot jeglicher militärischer Einschüchterung oder militärischen Drucks gegen

irgendein europäisches Land;
-

Verbesserung der Krisenkommunikation.

Im Oktober 1983 fand in Helsinki ein Treffen zur Vorbereitung der Stockholmer
Konferenz statt. Auf dieser Zusammenkunft bekräftigten die KSZE-Mitglieder den
Zusammenhang zwischen der KVAE und der KSZE sowie die Notwendigkeit, daß die
Vorschläge von Stockholm die in dem Madrider Mandat festgelegten Kriterien
erfüllen müßten.
Die nächste KSZE-Folgekonferenz ist für 1986 in Wien geplant und soll sich
mit dem auf der Konferenz für Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen
erzielten Fortschafritt befassen. Auf diesem Treffen in Wien soll auch entschieden werden, ob die Arbeit auf diesem Gebiet fortgesetzt oder ob das Mandat
für eine zweite Phase erteilt werden soll, um über zusätzliche Schritte zur
Verbesserung der Sicherheit in Europa zu beraten.
KVAE und Rüstungskontrolle
Die amerikanische Beteiligung an der Konferenz für Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa ergänzt die Bemühungen der USA
in anderen Verhandlungsforen um die Erreichung von Abkommen, mit denen das
Risiko eines Überraschungsangriffes und eines Krieges aus Zufall vermindert
werden soll.

Hierzu gehören die Vorschläge für vertrauensbildende Maßnahmen,

die wir bei den Gesprächen über die Verminderung der strategischen Rüstungen

- 3 -

�strategischen Rüstungen (START), bei den Verhandlungen über nukleare Mittelstreckensysteme (INF) und bei den Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen in Europa (MBFR) auf den Tisch gelegt haben, wie
auch unsere Bemühungen um eine Verbesserung des "Heißen Drahtes" und die Schaffung
zusätzlicher direkter Kommunikationsverbindungen zwischen den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion.

Wenn die USA darauf bestehen, daß die KVAE sich auf spezi-

fische und feste Kriterien stützen muß - wie in dem Mandat vorgesehen -, dann
geschieht dies, um sicherzustellen, daß eine erfolgreiche Konferenz dieser Art
einen sinnvollen und bedeutsamen Beitrag zur Sicherheit in Europa leistet, statt
sich in leerer Propaganda und bedeutungslosen Erklärungen guter Absichten zu
ergehen.

+ + + + +

- 4-

�4. Januar 1984

GLAUBWÜRDIGKEIT IST DIE GRUNDLAGE AMERIKANISCHER AUSLANDSSENDUNGEN
- Auszüge aus einer Ansprache des Direktors von RFE und RL -

ROM - (AD) - Der Präsident der amerikanischen Rundfunksender Radio
Free Europe (RFE) und Radio Liberty (RL), James Buckley, hat in einer Ansprache
in Rom darauf hingewiesen, daß die Grundlage der an das Ausland gerichteten
Sendungen dieser Stationen die Glaubwürdigkeit sei. Vor dem amerikanischen Club
in Rom betonte Buckley am 13. Dezember, die beiden Sender erreichten rund 300
Millionen Hörer, vor allem in der UdSSR und in Osteuropa.
Die wesentlichen Auszüge aus der Ansprache haben folgenden Wortlaut:
Ich erinnere mich noch meiner amüsierten Überraschung über die Reaktion
Moskaus auf die Bekanntgabe meiner Ernennung zum Präsidenten von Radio Free
Europe und Radio Liberty im vorigen Jahr.

Die Bekanntgabe löste eine Lawine

von Artikeln und Kommentaren in der Prawda und bei TASS aus.

Ich wurde als

ein "Falke" und ein "Obskurant" bezeichnet - was immer letzteres ist - und
als ein Feind der Demokratie und der Entspannung.

Die über 1000 pflichtbe-

wußten Männer und Frauen, die für die genannten Sender in München arbeiten,

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�München arbeiten, wurden pauschal als eine "Bande von Radiosaboteuren" bezeichnet und die Sender selbst als "wahre Schlangennester" und subversive Instrumente des amerikanischen Imperialismus. Diese Angriffe haben sich mittlerweile ausgeweitet und schließen heute nicht nur RFE und RL ein, sondern
auch britische, deutsche und französische internationale Rundfunksendungen.
Warum diese Hysterie?

Warum betrachten es die Sowjets als notwendig,

150 Millionen Dollar und mehr pro Jahr für die Störung westlicher Sendungen
auszugeben?

Und warum übrigens betrachten es finanziell sicherlich ange-

spannte Regierungen in Großbritannien, der Bundesrepublik Deutschland, Kanada,
den Niederlanden, den Vereinigten Staaten und anderswo als so wichtig, die beträchtlichen Summen aufzuwenden, um ausländische Hörer zu erreichen?
Es steht außer Frage, internationale Rundfunksendungen sind eine ernsthafte Sache. Wir im Westen sind der Vorstellung verpflichtet, daß Menschen
das unveräußerliche Recht haben "zu wissen"; das Recht, Informationen und
Ideen "zu suchen, zu empfangen und weiterzugeben, durch und über jedes Medium
und über alle Grenzen hinweg".

So steht es jedenfalls in der Allgemeinen

Menschenrechtserklärung, die auch die Sowjetunion unterzeichnet hat.
Darüber hinaus betrachten wir das als mehr als nur ein abstraktes
Recht.

Wir halten seine Ausführung und Verwirklichung für einen fundamentalen

Stabilisator in den menschlichen Angelegenheiten und für die beste Garantie
gegen Bedrohungen des Friedens, die aus massiven Verzerrungen der Wahrheit
entstehen.
Es ist diese ausdrückliche Erkenntnis der Notwendigkeit und der sich
ergebenden Vorteile eines offenen Kommunikationsflusses unter Völkern - im
Unterschied zu ihren Regierungen - die erklärt, warum der Westen so großen
Wert auf den sogenannten Korb 3 der Schlußakte von Helsinki legt.
Natürlich ist niemand überrascht, daß die Sowjets eine solche beharrliche Feindseligkeit gegenüber dem Medium aufbringen, das in der Lage ist,

- 2 -

�Lage ist, ihre anhaltenden Bemühungen in Frage zu stellen, eine hermetisch
abgeschlossene Gesellschaft zu schaffen, innerhalb derer man die Wahrheit
manipulieren kann. Und es dürfte auch niemanden überraschen, daß ihre größte
Feindseligkeit Radio Free Europe und Radio Liberty gilt.
Alle westlichen Sendungen nach der Sowjetunion und nach Osteuropa haben
eine gemeinsame Verpflichtung zur Objektivität in Berichten und Nachrichten
- aber es sind eigentlich nur RFE und RL, die als Ersatz für freie Rundfunksender in jenen Ländern dienen, welche der Bevölkerung dort verwehrt werden.
Das ist ein grundsätzlicher Unterschied in der Funktion.

So besteht beispiels-

weise die Hauptaufgabe der Stimme Amerikas - ebenso wie die anderer offizieller
Rundfunkstationen von Regierungen - darin, aus der nationalen amerikanischen
Perspektive zu berichten und das eigene Land der übrigen Welt vertraut zu
machen.
Im Gegensatz dazu sind Radio Free Europe und Radio Liberty - obwohl
durch vom amerikanischen Kongreß bewilligte Mittel finanziert - im wesentlichen unabhängige Einrichtungen mit einer Aufgabe, die durch ihre Rolle als
Ersatz einheimischer Sender für die 21 Nationalitäten in Osteuropa und in
der Sowjetunion definiert sind, für die sie senden.

Es ist ein Zeichen ihres

Erfolges, daß sie von ihren Hörern oft als "unsere" Sender bezeichnet werden.
Ihre Hauptaufgabe besteht darin, über Ereignisse in den Ländern zu berichten,
in die sie senden, und Programme zu gestalten, die die besonderen Interessen
der Bürger dieser Länder ansprechen.
RFE und RL sind, kurz gesagt, darauf ausgerichtet, den informatorischen
und kulturellen Bedarf von über 300 Millionen Menschen zu befriedigen, die in
Gesellschaften gefangen sind, in denen der Staat die alleinige Kontrolle über
jedwede normale Quelle der Information ausübt - ein Monopol also, das an jedem Tag des Jahres in Frage zu stellen unsere Aufgabe ist. Daher verwenden
wir mehr Stunden am Tage für unsere Zuhörerschaft in Polen, der Tschechoslowakei,
Ungarn, Rumänien, Bulgarien und der Sowjetunion auf und senden in mehr Sprachen
- 21 - als irgendein anderer westlicher Sender.
Während beispielsweise
- 3 -

�Während beispielsweise die BBC nur in zwei Sprachen - Russisch und
Englisch - nach der UdSSR sendet, strahlen wir in 15 Sprachen aus, einschließlich sieben, die in den immer wichtiger werdenden islamischen Regionen der
Sowjetunion gesprochen werden.
Wir können effektiv arbeiten, weil wir ständig Informationen aus Osteuropa und der Sowjetunion erhalten und analysieren.

Wir hören ihre Rund-

funksendungen ab und interviewen Emigranten und Besucher.

Unsere Forschungs-

abteilungen, die Hunderte von osteuropäischen und sowjetischen Publikationen
halten, stellen unseren Programmgestaltern laufende, aktuelle Analysen der
Entwicklungen in Wirtschaft, Politik und Kultur sowie anderen wichtigen Aspekten des Lebens in unseren Hörergebieten zur Verfügung.

Wir besitzen tat-

sächlich die reichsten Archive über die Nachkriegsentwicklungen in Osteuropa
und der Sowjetunion, die es im Westen gibt.
Wir sind, kurz gesagt, für unsere Hörer die zuverlässigste Quelle von
Nachricjiten und Analysen, und unsere Hörer haben das erkannt. Darüber hinaus
dienen unsere Programme dazu, die amtlichen Versuche in den Empfängerländern
in Frage zu stellen, die Geschichte zu verfälschen oder kulturelle Lähmung
zu verbreiten. Wir bringen die Werke verbotener Autoren, stellen geschichtliche Ereignisse in den richten Zusammenhang, bieten ausführliche religiöse
Programme und erinnern unsere Hörer an ihr nationales und geistiges Erbe,
das über tausend Jahre älter ist als Marx - und sie mit dem reichen kulturellen Leben der westlichen und der islamischen Welt verbindet. Und schließlich
gewähren wir den Dissidenten ein Forum. Wir berichten über ihre Tätigkeiten,
zitieren aus ihren Untergrundpublikationen und bringen damit etwas zustande,
was einer Debatte über wichtige öffentliche Angelegenheiten zumindest gleicht.
Es ist diese einzigartige Identifizierung mit allen unseren Hörern und unser
Ruf der Genauigkeit, die uns einen solchen Zugang zu ihnen verschaffen. Wenn
man von den Angriffen der Regime in der Sowjetunion und in den osteuropäischen
Staaten gegen RFE und RL ausgeht, dann kommt es auf das Wort "Genauigkeit"
an. Ich glaube, man kann ohne weiteres sagen, daß - wenn überhaupt - nur wenige journalistische Unternehmen eine so große Sorgfalt auf die Auswahl dessen

_ 4 _

�Auswahl dessen verwenden, was wir als Tatsachen senden.

Schließlich ist die

Glaubwürdigkeit unser eigentliches Markenzeichen, ja die Grundlage des Vertrauensverhältnisses, das wir zu Millionen unserer Hörer hergestellt haben.
Wir dürfen nicht den Versuchen der Übertreibung unterliegen und uns auf Verzerrungen oder falsche Darstellungen einlassen, denn das würde unser Vertrauensverhältnis zerstören.
Was uns angeht, so existiert die Wahrheit auf zwei Ebenen.

Die erste

bezieht sich auf Tatsachen, und unsere Aufgabe besteht darin, diese genau
und objektiv zu beschreiben.
frage:

Hier geht es um die klassische Journalisten-

"Wer, was, wann, wo?" Aber RFE und RL sind mehr als nur journalisti-

sche Unternehmen.

Unsere Verpflichtung zur Objektivität bei der Berichter-

stattung darf aber nicht mit Neutralität bezüglich der menschlichen Werte
verwechselt werden.

Im Gegenteil, durch unser Statut sind wir zur Achtung

der Menschenwürde, der Herrschaft des Rechts und der Prinzipien der politischen,

sozialen, wirtschaftlichen und religiösen Freiheit verpflichtet,

die das Fundament der Demokratie sind.

Kurz gesagt, es gehört zu unserer

Aufgabe, als Vertreter, oder besser gesagt als Zeugen, für die Werte aufzutreten, die von so zentraler Bedeutung für uns sind.
Unser polnischer Dienst ist ein dramatisches Beispiel unserer Wirksamkeit in jüngster Zeit.

Nach dem Aufstieg der Gewerkschaft Solidarität nach

August 1980 begannen wir, einen Großteil unserer täglichen Sendezeit von 19
Stunden

in polnischer Sprache auf die innere Lage in Polen zu konzentrieren,

und waren für unsere Hörer oft die einzige Quelle der vollen und genauen Information über die Ereignisse in ihrem eigenen Lande. Obwohl die Störungen
unserer Sendungen rapide zunahmen, erhöhte sich unsere Hörerschaft von
wöchentlich 54 Prozent der erwachsenen Bevölkerung im Jahr 1979 auf 66 Prozent im Jahr 1981.
Aber Statistiken über Hörerzahlen sind nur die eine Seite der Medaille.
Information trägt unausweichlich zur Gestaltung von Ereignissen bei.

Kol-

lektive Handlungen setzen kollektive Kenntnisse voraus. Die ersten Streiks,

- 5 -

�ersten Streiks, die zur Gründung der Solidarität führten, wurden von den polnischen Medien völlig ignoriert.

Es war weitgehend der Berichterstattung von

RFE über scheinbar isolierte Maßnahmen zuzuschreiben, daß die Führung der Solidarität das nationale Ausmaß der Proteste erkannte, die stattfanden.
es ein Publizist formulierte:

Wie

"Ohne diese Programme wären die Polen sicher-

lich nicht über den Aufschwung der Arbeiterbewegung in der Solidarität informiert gewesen, noch hätten andere Osteuropäer davon etwas erfahren."
|

Es ist ebenso wahr, daß die Sendungen von RFE in polnischer Sprache zur
Stabilität beigetragen haben.

Indem wir die Situation dargestellt haben, in

der sich unsere Hörer befanden - und zwar gründlich und sorgfältig und ohne
Übertreibungen oder Auslassungen - und indem wir Gerüchten und Entstellungen
durch harte Tatsachen begegnet sind, haben die Sendungen der RFE den Hörern
die volle Information geboten, die sie für eine gesunde Beurteilung der Lage
und ein verantwortliches Handeln brauchten.
Wir bestreiten die Behauptung, man könne unseren Hörern kein eigenes
Urteil und keine eigene Entscheidung zutrauen, wie sie handeln und welche Risiken sie eingehen sollten in dem Versuch, einen Wandel herbeizuführen. Unsere Grenze ist dort, wo wir ihnen sagen würden,was sie tun sollten. Schließlich sind sie es, und nicht wir, die mit den Folgen ihres Handelns leben
müssen.
Es versteht sich von selbst, daß diese Zurückhaltung im Kreml auf keine
Gegenliebe stößt, da dieser in wachsendem Maße über die Fähigkeit internationaler Rundfunksendungen besorgt ist, die gegen unzensierte Information errichteten Schranken zu überwinden.

Als Folge haben die Sowjets nicht nur ihre

Störungen intensiviert, sondern sie haben auch eine zähe Kampagne begonnen, um
rechtliche Einschränkungen westlicher Sender und eine Begrenzung ihrer physischen Reichweiten zu erreichen.
Ein Gebiet der Angriffe zielt auf die grundlegendste Voraussetzung einer
freien Presse:

die Freiheit, Information zu sammeln, und die Freiheit, sie zu

�sie zu verbreiten.

Seit Jahren haben nun schon die Sowjets die Delegierten

aus der Dritten Welt in der UNESCO angeregt, eine Monstrosität zu verabschieden, die sich "Neue Weltinformationsordnung" nennt.

Wenn sie verabschiedet

würde, dann würde sie benutzt, um die Zulassung von Reportern zu begrenzen,
die den internationalen Medien zur Verfügung gestellten Nachrichten einzuschränken und die Störung von Rundfunksendungen aus dem Ausland zu rechtfertigen.
Einer der faszinierendsten Aspekte dieser Kampagne gegen westliche Sender ist die rührende Besorgnis der Sowjets um rechtliche Mäntelchen. So
wie die Dinge liegen, steht ihre Störtätigkeit in so eklatantem Widerspruch
zu ihren Verpflichtungen im Rahmen der Allgemeinen Menschenrechtserklärung,
der Schlußakte von Helsinki und anderen internationalen Vereinbarungen, daß
sie es sich noch nicht einmal leisten können, diese Störungen einzugestehen
- obwohl ihre über 2500 Störsender heute eine solche elektronische Verschmutzung hervorrufen, daß rund 80 Prozent des Kurzwellenspektrums während der
Hauptsendezeit am Abend in Europa beeinträchtigt werden.
An einer anderen Front versuchen die Sowjets, über internationale Foren
die Benutzung von Satelliten für Sendungen in Länder verbieten zu lassen,
deren Regierungen erklären, daß sie solche Sendungen nicht wollten.

Vor einem

Jahr ist es ihnen gelungen, in der Vollversammlung der Vereinten Nationen eine
nicht bindende Abstimmung herbeizuführen, die die vorherige Zustimmung der Regierung des Empfängerlandes erfordert, bevor Fernsehsendungen über Satellit
dorthin übertragen werden dürfen. Wie man zwischen Signalen unterscheiden will,
die von der Ionosphäre reflektiert werden, und jenen, die über einen Satelliten übertragen werden, weiß ich nicht.

Aber wenn sich der Westen der Verhän-

gung eines solchen Veto-Rechtes unterwirft, dann begibt er sich eines der
vielversprechendsten Mittel für die Zukunft, um Kommunikationskanäle zwischen
unterschiedlichen Gesellschaften offen zu halten - wenn notwendig über die
Köpfe ihrer Machthaber hinweg.
Entgegen der..

- 7 -

�Entgegen der Auffassung der sowjetischen Machthaber sind die westlichen
Sender keine destabilisierenden Faktoren, denn selbst wenn diese Sender nicht
existierten, würden die sowjetischen Bürger nach einem größeren Maß an Freiheit streben, als ihnen der Kreml zuzugestehen bereit ist. Und die Osteuropäer würden trotzdem ihre Regierungen und die Regime, unter denen sie zu leben gezwungen sind, als illegal betrachten. Es ist wirklich nicht die offene
Übermittlung von Informationen und Ideen, die heute destabilisierend wirkt,
sondern ihre Unterdrückung - eine Unterdrückung, die in geschlossenen Gesellschaften die friedliche Erörterung des Wandels und damit den friedlichen Wandel selbst unmöglich macht.

- 8 -

�4. Januar 1984

CHRONOLOGIE DER EREIGNISSE IN AFGHANISTAN
- 2. Halbjahr 1983 -

(Siehe Amerika Dienst Nr. 35
vom 31. August 1983)

(AD) 18. August 1983
Drei der sechs wichtigsten afghanischen Mujahedin-Gruppen mit Stützpunkten in Peshawar in Pakistan beendeten in Rom ein viertägiges Treffen mit Vertretern des früheren afghanischen Königs Mohammad Zahir Schah - 1973 gestürzt
und nunmehr in Rom lebend - und anderen afghanischen Führern im Exil.

Presse-

berichten zufolge kam man überein, die Bildung einer Afghanischen Verfassunggebenden Versammlung zu planen.

Die Versammlung soll den Versuch unternehmen,

alle afghanischen Parteien und Widerstandskämpfer, die sich in Opposition zum
Kabuler Regime des Babrak Karmal und zur sowjetischen Besatzung befinden, formell zu vereinen.
22. August 1983

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�22. August 1983
Der ehemalige König Mohammad Zahir Schah teilte in Rom mit, er habe
von den in der vergangenen Woche dort zusammengetroffenen afghanischen Gruppen
ein Mandat erhalten, hinsichtlich der Sache der afghanischen Widerstandsbewegung politische Kontakte auf internationaler Ebene zu knüpfen.

Der ehemalige

König, der jegliche Absicht hinsichtlich einer Rückkehr auf den Thron in Abrede stellte, half bei der Vorbereitung des Treffens verschiedener afghanischer
Gruppen in Rom.
6. September 1983
Die Unterkommission der Vereinten Nationen über die Verhütung von
Diskriminierung und den Schutz von Minderheiten nahm in Genf eine Resolution
an, die den Einsatz eines Sonderberichterstatters empfahl, "um die Menschenrechtslage in Afghanistan zu untersuchen."

Die Resolution, die über die bis-

herigen, von den Menschenrechtskörperschaften der Vereinten Nationen hinsichtlich Afghanistan verabschiedeten hinausgehen soll, wird Anfang 1984 der gesamten Kommission zur Zustimmung vorgelegt werden, wenn diese ihre Jahrestagung abhält.
15. September 1983
Das Kabul er Regime gibt die Ausweisung zweier Diplomaten der amerikanischen Botschaft - des 2. Sekretärs Hugh Turner und des Attaches Robert
Blackburn - unter der Beschuldigung der Spionagetätigkeit bekannt:

beide

hätten sich "der Aufhetzung einer Reihe konterrevolutionärer Elemente" und
ähnlicher Aktivitäten schuldig gemacht.
16. September 1983
Ein Sprecher des amerikanischen Außenministeriums in Washington nennt
die Anschuldigungen des Kabul er Regimes gegen die beiden amerikanischen Diplomaten, die ausgewiesen worden waren, "ungeheuerlich" und "absurd".
20. September 1983
Pakistan beschuldigt das Kabuler Regime, seinen Luftraum innerhalb der

- 2 -

�innerhalb der letzten zwei Tage zehnmal verletzt zu haben.

Die Bombardierung

eines Grenzdorfes in der Nähe von Parachinar - einem Gebiet, wo viele afghanische
Flüchtlinge leben - durch sowjetische MIG-Flugzeuge führte zur Verwundung von
sechs Menschen.

Ein Sprecher des Außenministeriums erklärte, es habe seit dem

1. August insgesamt 23 Verletzungen des Luftraums gegeben.
Westlichen diplomatischen Kreisen in Islamabad zufolge fanden in diesem
Monat vier Angriffe der Mujahedin statt, wobei eine große Zahl sowjetischer
Soldaten und Angehöriger der Truppen des Kabuler Regimes umgekommen sind;
außerdem seien zumindest zwei MIG-Flugzeuge, drei Hubschrauber, fünf Panzer
und eine größere Anzahl von Lastwagen zerstört worden. Ziele waren ein Treibstoffkonvoi im Bereich des Salang-Tunnels, der im Norden gelegene Maraz-eSharif-Flugplatz, sowjetische Truppen in der Shomali-Region nördlich von Kabul
und ein Militärkonvoi von 100 Lastwagen in der Logar-Provinz.
21. September 1983
Trotz Einspruches der Sowjetunion genehmigte der Lenkungsausschuß der
Vollversammlung der Vereinten Nationen, daß es über das Thema "Die Lage in
Afghanistan und ihre Auswirkungen auf den internationalen Frieden und die
internationale Sicherheit" zu einer Generaldebatte kommen solle.

Die Ver-

sammlung, die ihre Jahressitzung am 20. September eröffnete, verabschiedete
vier Resolutionen, die die Sowjetunion seit ihrer Invasion Afghanistans im
Jahr 1979 verurteilten.
29. September 1983
Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Javier Perez de Cuellar,
veröffentlichte einen Bericht über die indirekten Gespräche, die es dieses Jahr
in Genf unter Leitung der Vereinten Nationen mit Vertretern Pakistans und
des Kabuler Regimes gab. Obgleich, so der Generalsekretär, "wertvoller und
ausdrücklicher" Fortschritt erzielt worden sei, "kann ich dennoch nicht meine
tiefe Sorge über den langsamen Fortgang der Verhandlungen und die Schwierigkeiten verbergen, die es hinsichtlich der Überwindung der bestehenden Hindernisse gab."

Die Hindernisse nannte er dabei nicht. Weitere Gespräche mit

- 3 -

�Gespräche mit den Beteiligten sollen vom persönlichen Stellvertreter des
Generalsekretärs, Diego Cordovez, während der laufenden Sitzung der Vollversammlung geführt werden.

Cordovez leitete auch die Genfer Gespräche.

4. Oktober 1983
Sahabzada Yaqub Khan, der Außenminister Pakistans, erklärte vor der
Vollversammlung der Vereinten Nationen, es habe im vergangenen Jahr bei den
von den Vereinten Nationen unterstützten Afghanistan-Verhandlungen "konkreten
Fortschritt"
gegeben.

bei der Erarbeitung der Elemente für eine umfassende Regelung

Allerdings, so der Außenminister, "steht noch immer eine Reihe ent-

scheidender Fragen - insbesondere der zeitliche Rahmen für einen Abzug der
ausländischen Streitkräfte - zur Lösung an."
6. Oktober 1983
Kabuls Außenminister Schah Mohammad Dost erklärte vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen, "die bewaffnete Intervention gegen die Demokratische Republik Afghanistan

von pakistanischem Territorium aus ist die Wur-

zel und die Ursache des afghanischen Problems.

Daher sollte das Hauptziel

der Verhandlungen eine Beendigung dieser Intervention sein."
18. Oktober 1983
Westlichen diplomatischen Quellen in Neu Delhi zufolge unternahmen
sowjetische Truppen und Streitkräfte des Kabul er Regimes kürzlich umfangreiche Offensiven in sechs afghanischen Provinzen sowie eine umfassende
Durchkämmungsaktion in einer siebenten. Am schwersten von diesen intensiven
Luft- und Bodenbombardements betroffen war die historische Stadt Istalef in
der nördlich von Kabul gelegenen Shomali-Region: 40 Prozent der Gebäude des
Ortes wurden seit Beginn des Angriffs am 12. Oktober zerstört, verwundete Zivilisten und Flüchtlinge strömten danach nach Kabul (einer diplomatischen
Quelle vom 25. Oktober zufolge wurden mehrere Hundert Zivilisten getötet).
28. Oktober 1983
Die Regierung der Schweiz informierte darüber, daß ein von der afgha-

- 4 -

�afghanischen Widerstandsbewegung gefangener sowjetischer Pilot gemäß einer
Vereinbarung zwischen dem Schweizer Internationalen Ausschuß des Roten Kreuzes,
sowjetischen Regierungsvertretern und der afghanischen Widerstandsbewegung
zwecks Internierung in der Schweiz eingetroffen sei. Dem Bericht zufolge
hatte die Schweiz in Einklang mit ihrer Neutralität bis dahin bereits insgesamt acht sowjetische Kriegsgefangene als "humanitäre Geste" akzeptiert.
2. November 1983
Amnesty International, London, veröffentlichte eine Erklärung, in der
acht Zentren in Kabul genannt wurden, wo Sicherheitspolizei politisch Verdächtige gefoltert hatte; die Aussage
maliger Gefangener.

stützte sich auf Zeugenaussagen ehe-

In einigen Fällen, so der Bericht, starben die Gefangenen

nach der Folter oder erlitten schwere Verletzungen.
6. November 1983
Das Internationale Afghanistanbüro, eine private, freiwillige Gruppe in
Paris, kündigte seine Absicht an, eine Untersuchungskommission einzuberufen,
um die humanitären Probleme von Hunderttausenden von Afghanen zu untersuchen,
die als Flüchtlinge oder Vertriebene außerhalb ihres Landes leben.

Dies wurde

zum Abschluß eines dreitägigen Seminars angekündigt, das von dem Büro an der
Genfer Universität abgehalten wurde.
15. November 1983
Diplomatischen Quellen in Neu Delhi und Islamabad zufolge wurden am
8. oder 9. November in der Shomali-Region nördlich von Kabul 50 bis 80
afghanische Mujahedin getötet, als sie von sowjetischen Flugzeugen und Hubschraubern in der Nähe von Farza auf offenem Gelände entdeckt wurden. Die
Region, durch die eine äußerst wichtige Verbindungsstraße zur Sowjetunion verläuft, wurde Mitte Oktober schwer bombardiert; auch zu Beginn dieses Monats
begann noch ein weiterer sowjetisch-kabulischer Angriff.
22. November 1983
Zeitungsberichten aus Neu Delhi und Islamabad zufolge, die sich auf

- 5 -

�sich auf diplomatische Quellen beriefen, wurde der Kommandeur der 8. Heeresdivision des Kabul er Regimes, Generalmajor Mohammad Abdul Azim, sowie ein
Dutzend sowjetischer und Kabuler Regierungsvertreter getötet, als ihr Flugzeug am 15. November südlich von Kabul abstürzte, nachdem es von Schützen
der Mujahedin getroffen worden war.
23. November 1983
Zum fünftenmal seit der sowjetischen Invasion 1979 stimmte die Vollversammlung der Vereinten Nationen mit der bislang größten Mehrheit einer Resolution zu, die "den sofortigen Abzug der ausländischen Truppen aus Afghanistan"
sowie eine politische Lösung der Krise forderte.

Das Abstimmungsergebnis

brachte 116 Stimmen für und 20 Stimmen gegen die Resolution bei 17 Enthaltungen.
Von Pakistan im Namen von 44 weiteren Staaten eingebracht, verwies die Resolution auf "die Initiativen der Organisation der Islamischen Konferenz und die
Anstrengungen der Bewegung der blockfreien Staaten für eine politische Lösung der Situation."

Die Resolution forderte außerdem den Generalsekretär

auf, seine Anstrengungen zur Förderung einer politischen Regelung fortzusetzen.
30. November 1983
Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Javier Perez de Cuellar,
erklärte, daß Diego Cordovez, sein persönlicher Vertreter für die AfghanistanFrage voraussichtlich im April 1984 Konsultationen aufnehmen werde. Dabei
will er nach Islamabad, Kabul und Teheran reisen. In der Sitzungsperiode
1982-83 besuchte Cordovez das Gebiet zweimal und führte dreimal in Genf indirekte Gespräche mit Vertretern Pakistans und des Kabul er Regimes.
6. Dezember 1983
Mehrere tausend sowjetischer Soldaten begannen am 2. Dezember mit einem
Rückzug aus dem Guldara-Tag in der Shomali-Region, nachdem sie sieben Tage
lang gegen einen Verband afghanischer Widerstandskämpfer gekämpft hatten.
Westliche diplomatische Quellen erklärten, die Mujahedin - aus allen wesentlichen Widerstandsgruppen des Gebietes zusammengesetzt - hätten beim Zurück-

- 6 -

�beim Zurückschlagen der Offensive eine ganz außergewöhnlich starke und koordinierte Aktion gezeigt.

Die Verluste der Sowjets seien "schwer", die d

Mujahedin "beträchtlich" gewesen.

Die afghanische Widerstandsbewegung gab

zudem die Gefangennahme von über 20 sowjetischen Soldaten bekannt.

- 7 -

�Uli//cn/chofl
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

4. Januar 1984

US-INDUSTRIE STEIGERT FORSCHUNGSAUSGABEN

- (AD) - Wie Umfragen der amerikanischen Nationalen Forschungsstiftung (NSF)
bei Unternehmen in den Vereinigten Staaten ergaben, ist zu erwarten, daß die
Industrie im Jahr 1984 ca. 48 Milliarden Dollar für Forschung und Entwicklung
("F &amp; E") aufwenden wird.

Das sind 11 Prozent mehr als im abgelaufenen Jahr 1983,

wo insgesamt 44 Milliarden Dollar erreicht worden sein dürften.

Wie ein Mitte

Dezember 1983 veröffentlichter Bericht der NSF vermerkt, sei angesichts der für
1984 zu erwartenden positiven Geschäftsentwicklung in bestimmten Branchen anzunehmen, daß z.B. auf dem Sektor Maschinenbau die Steigerung von Ausgaben für
Forschung und Entwicklung 1983/84 im Durchschnitt 17 Prozent, und bei Computerfirmen 19 Prozent betragen werden; Gesamtaufwendungen 1984: ca. 9,8 Milliarden
Dollar.
Der ständig beschleunigte Fortschritt in der Technologie, die immer größere
Vielfalt bei der Anwendung von Computern in der amerikanischen Industrie und die
wachsende ausländigsche Konkurrenz zwangen die Computerfirmen zur Erhöhung ihres
"F &amp; E"-Etats, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Im Gegensatz dazu dürfte bei Unter-

nehmen mit Produktionsprogrammen außerhalb des Computerbereichs (u.a. landwirtschaftliche Maschinen, Hydraulikausrüstungen, Werkzeugmaschinen) im günstigsten
Fall eine nur geringfügige Steigerung der F&amp;E-Aufwendungen gegenüber 1983 zu
erwarten sein, da infolge der Rezession der Absatz stark in Mitleidenschaft gezogen wurde.
Unternehmen für

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Unternehmen für Elektrotechnik und nachrichtentechnische Systeme beabsichtigen
eine Steigerung ihrer F&amp;E-Mittel um ca. 11 Prozent auf 9,2 Milliarden Dollar.
Im Mittelpunkt stehen dabei Neuentwicklungen auf dem Gebeit der Halbleiter, insbesondere leistungsstarker Halbleiter, und der Fernmeldetechnik.

Die Computer-

und Elektronikindustrie sind, was die Technologie angeht, aufeinander angewiesen.
Dies führte bereits zu Verflechtungen auf zahlreichen Gebieten der Forschung, aber
auch zum Zusammengehen mit Firmen der Zulieferindustrie. Angesichts der Vielfalt
und der in immer rascherem Tempo voranschreitenden Entwicklungen der Spitzentechnologie sehen sich viele Firmen zu enger Zusammenarbeit in Forschung und
Entwicklung mit anderen Unternehmen gezwungen.

Die im abgelaufenen Jahr ge-

gründete "Microelectronics and Computer Technology Corporation" dürfte das bekannteste Beispiel für gemeinsame E&amp;F-Programme sein. Jedoch gibt es eine ganze
Anzahl weiterer Fälle, in denen Computerfirmen, Halbleiterfirmen und solche für
Nachrichtensysteme sich zusammentun, um F&amp;E-Programme aufzubauen und Technologie
auszutauschen.

Nach dem Kommentar eines Unternehmens, das sich an der Umfrage

beteiligte, ist dies "eindeutig eine der bemerkenswertesten Tendenzen zu Beginn
der achtziger Jahre - und sie wird bleiben".
Auch bei der chemischen Industrie, einschließlich der pharmazeutischen
Industrie und bei Herstellern von Drogerieartikeln, ist für 1983/84 eine Steigerung der F&amp;E-Aufwendungen um ca. 11 Prozent auf insgesamt 7,2 Milliarden Dollar
anzunehmen, wobei auf dem Sektor Drogerieartikel mindestens 16 Prozent mehr
F&amp;E-Mittel verfügbar gemacht werden dürften. In Stellungnahmen der pharmazeutischen Industrie hieß es, daß man auf Grund von Entdeckungen in Verbindung mit
neuen und noch in der Entwicklung befindlichen Technologien Chancen sehe
und
daß das künftige Wachstum ihrer Unternehmen davon abhänge, Forschung und Entwicklung ständig als Schwerpunktprogramm zu behandeln.
Auf anderen Sektoren der chemischen Industrie sind die Aufwendungen für
F&amp;E unterschiedlich: Unternehmen mit Projekten aus dem Gebiet der Gen-Technologie
werden sie steigern, insbesondere im Hinblick auf vielversprechende Durchbrüche
im Bereich landwirtschaftlicher Produkte, Pflanzengenetik und Fermentation.
Dagegen gaben Unternehmen mit herkömmlicher Produktpalette wegen der Absatz- und

- 2 -

�Absatz- und Gewinneinbußen allgemein weniger für Forschung und Entwicklung aus.
Alles in allem ist hier mit einer Steigerung der Aufwendungen von 9 bis 10 Prozent
zu rechnen.
In der Kraftfahrzeugindustrie wurde 1983 ein Prozent mehr für F&amp;E als 1982
ausgegeben; für 1984 dagegen werden fünf Prozent mehr als 1983 (insgesamt ca.
4,5 Milliarden Dollar) erwartet.

Einzelne Firmen unternehmen große Anstrengungen,

um sich gegenüber der in- und ausländischen Konkurrenz zu behaupten.

Durch die

Einführung hochqualifizierter neuer Verfahren wie CAD (computergestützte Konstruktion) und die Straffung ihrer Forschungsprogramme sehen sich die Unternehmen jetzt
eher in der Lage, neue Programme in Angriff zu nehmen.
Die Luftfahrtindustrie wies in ihren Etats von 1983 etwa 13 Prozent mehr
als im Jahr zuvor für Forschung und Entwicklung aus.

Im Jahr 1984 ist eine

Steigerung in der gleichen Größenordnung vorgesehen (Gesamtaufwendungen: ca.
4,3 Milliarden Dollar).

Die Firmen sind vor allem um Modell Verbesserungen bei

Verkehrsflugzeugen, Frachtflugzeugen und Düsentriebwerken sowie Verbesserungen
bei Verbundwerkstoffen bemüht. Jedoch ist der Forschungsaufwand bei den einzelnen
Herstellern sehr unterschiedlich; er zeigt eher den jeweiligen Stand in den
längerfristigen Forschungsprogrammen des Unternehmens.
Beim Instrumentenbau erhöhten sich 1983 F&amp;E-Aufwendungen um 12 Prozent, für
1984 ist eine weitere Steigerung um 15 Prozent (auf insgesamt 4,9 Milliarden
Dollar) vorgesehen.

Dies sind Durchschnittswerte, denn Hersteller medizinischer

und anderer wissenschatlich-technischer Instrumente liegen mit Steigerungsbeträgen von 23 Prozent sowohl für 1983 als auch 1984 mit Abstand an der Spitze.
Auf dem Sektor Fotografie und fotografische Ausrüstungen betragen die Steigerungsraten 9 bzw. 12 Prozent für die beiden Jahre, wobei die rasche Veraltung von
Produkten und die starke internationale Konkurrenz nach wie vor die wichtigsten
Motive für eine Forschungsförderung sind.
Die seit 1981

- 3 -

�Die seit 1981 der US-Industrie gewährten Steuervergünstigungen zur Förderung
von F&amp;E-Projekten, die bis Ende 1985 laufen, bedeuten in zahlreichen Fällen einen
beachtlichen Anreiz, Forschungsetats zu erhöhen. Auch zeigte die NSF-Umfrage,
daß manche Unternehmen dank der Steuererleichterungen bestimmte Forschungsprojekte
überhaupt erst in Angriff nehmen konnten, die wegen Geldmangels in der Rezession
zurückgestellt worden waren.

- 4 -

�4. Januar 1984

1

SUPERPLASTISCHE VERFORMUNG MIT INFRAROTLICHT

- (AD) - Infrarot!icht von Quarzlampen benutzen Ingenieure in einem kalifornischen Werk der Fa. McDonnell Douglas für komplizierte Formgebungen von Flugzeugteilen aus Titan.

Für die sog. superplastische Verformung waren bisher hoher

Druck und Preßtemperaturen von mehr als 900 Grad Celsius erforderlich.

Dazu

kam für die Prtsse eine Vorwärmzeit von ca. 24 Stunden - hoher Energieverbrauch
war die Regel.

Beim Verformungsprozeß mit der Wärmestrahlung aus Quarzlampen

dagegen werden nur das zu verformende Metall und das Werkzeug zur unmittelbaren
Bearbeitung erhitzt, während alle übrigen Teile der Ausrüstung Raumtemperatur
behalten.

Das neue Verfahren spart nicht nur Energie, sondern auch sehr viel

Zeit.

+ + + + +

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9292">
                <text>04.01.1984</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9293">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9294">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13737">
                <text>Amerikadienst 04.01.1984</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13738">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Reagans zum vierten Jahrestag der sowjetischen Invasion Afghanistan&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Shultz: Jahrelange Bemühungen der USA um Tendenzwende bei der UNESCO&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Schreiben des US-Außenministers an den Generalsekretär der UNESCO -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;KVAE soll Risiko eines Überraschungsangriffes vermindern&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Glaubwürdigkeit ist die Grundlage amerikanischer Auslandssendungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus einer Ansprache des Direktors von RFE und RL -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Chronologie der Ereignisse in Afghanistan&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- 2. Halbjahr 1983 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Industrie steigert Forschungsausgaben&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Superplastische Verformung mit Infrarotlicht</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1839" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1850">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/e972f0eea07b37a8ec6f3774441776bb.pdf</src>
        <authentication>0aa5e628258343d543a94508d82e1179</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="9291">
                    <text>Information
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

21. Dezember 1983

51
INHALT

DOKUMENTATION
Reagan:

USA suchen keine Konfrontation im Nahen Osten

- Auszüge aus der Pressekonferenz vom 14. Dezember 1983
Amerikas Streben nach Frieden
- Ansprache des US-Gesandten Hans N. Tuch in Hamburg -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die amerikanischen Friedensanstrengungen im Nahen Osten 1967-1983
- Chronologie -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Zehn Raumtransporter-Flüge im Jahr 1984 geplant
Amerika und seine Nobelpreisträger
- Das besondere Forschungsklima für eine internationale Elite

Um Übcr/cn Jung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�51

21. Dezember 1983

REAGAN: USA SUCHEN KEINE KONFRONTATION IM NAHEN OSTEN
Auszüge aus der Pressekonferenz vom 14. Dezember 1983

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 14. Dezember 1983
betont, daß die amerikanischen Truppen im Libanon das Feuer erwidern werden,
wenn sie angegriffen würden. Gleichzeitig stellte der amerikanische Präsident auf einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz jedoch klar, daß
Washington keine Konfrontation in diesem Raum wolle.
Die wichtigsten Fragen und Antworten der Pressekonferenz haben folgenden Wortlaut:
FRAGE: Herr Präsident, Ihr Verteidigungsminister hat erklärt, daß
Syrien den Angriff auf die Soldaten des amerikanischen Marinekorps im Oktober
gefördert und dirigiert habe. Und viele Regierungsvertreter sprechen privat
davon, daß der Iran hinter den Angriffen in Kuwait und im Libanon stand. Meine
Frage ist: Werden wir Vergeltung üben gegen die Regierung Syriens und des
Iran?
ANTWORT:

Nein.

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�*

ANTWORT:

Nein.

Unsere Politik ist, daß wir nicht dort sind, um als

erster zu schießen oder in Kampfhandlungen einzutreten.

Aber ich werde un-

sere Soldaten niemals irgendwo hinschicken, wo es ihnen nicht erlaubt wäre,
sich zu verteidigen.
Und es ist auch unsere Politik gewesen, daß sie sich im Falle eines
Angriffes verteidigen.

Wir haben diese Fälle ja erlebt, und wir haben so eng

wie nur möglich gegen diejenigen zurückgeschlagen, von denen der Angriff wirklich ausging.

Wir wollen keinen Konflikt mit Syrien, und ganz gewiß sind

wir nicht dort, um in einen Krieg einzutreten.

Wir sind weiterhin um Kommu-

nikations- und Verhandlungsmöglichkeiten bemüht, um sie wissen zu lassen,
daß es keinerlei Probleme zwischen uns geben wird, wenn sie die Schießereien
auf uns einstellen.
FRAGE:

Aber wenn die iranische Regierung, der Ayatollah, hinter einigen

dieser Sachen steht, wie wollen wir dann den Iran davon überzeugen, dies einzustellen?
ANTWORT:

Man kann natürlich nicht vor Gericht gehen und sagen, daß Khomeni

dies angeordnet habe.

Wir wissen allerdings, daß eine Gruppe, die für diese

Angriffe die Verantwortung übernommen hat und dies auch im Hinblick auf zahlreiche andere Angriffe behauptet, ziemlich umfangreich zu sein scheint und
definitiv Verbindung zum Iran hat.

Ob da nun eine Verbindung zur Regierung

besteht oder ob es sich nur um Iraner handelt - nun, sie sagen Dinge, die
darauf hinweisen, daß sie an einer Art heiligem Krieg interessiert sind.

Sie

stellen eine Sekte in der islamischen Welt dar.
FRAGE:

Sie haben in Ihrer Rundfunkansprache vom vergangenen Samstag

gesagt, daß die Marinesoldaten im Libanon bleiben würden, bis das Land über
eine innere Stabilität verfügt.

Ist das nicht eine Verpflichtung ohne Ende,

bedeutet das nicht, daß dort immer mehr Soldaten sterben und daß Amerika
über viele Jahre hinweg dort involviert bleibt?
ANTWORT:

Nein.

�ANTWORT:

Nein.

Ich meine, wir machen dort größere Fortschritte, als

dies nach außen hin aussieht.

Das ursprüngliche Ziel war der Abzug der frem-

den Truppen und dann die Wiedereinsetzung der libanesischen Regierung, der
wir dann helfen - wie dies ja schon der Fall ist -, eine Streitmacht aufzustellen und auszubilden, die die Kontrolle über das eigene Territorium ausüben
kann...

Dieses Ziel besteht weiterhin, und wir sind bemüht, es zu verwirk-

lichen.
Es hat Fortschritte in Genf gegeben, wo die einzelnen opponierenden
Gruppen des Landes die Regierung Gemayel anerkannten und Einigung in bezug
auf diese Regierung erzielten.

Was nun die multilaterale Friedenstruppe an-

geht, so gibt es zwei Wege, um ihren Abzug zu erreichen.
wir unser Ziel verwirklichen können.

Der eine wäre, wenn

Der zweite wäre natürlich ein solcher

Zusammenbruch der Ordnung, daß man mit absoluter Sicherheit eine Lösung des
Problems ausschließen könnte.

Dann gäbe es keinen Grund mehr, daß diese

Truppe dort noch verbleibt.
FRAGE:

Wollen Sie damit sagen, Herr Präsident, daß Sie einen Abzug

der Marinesoldaten in Erwägung ziehen würden, wenn es so aussieht, als ob
die Regierung Gemayel ihre Autorität nicht über Beirut hinweg ausdehnen und
keine wie auch immer geartete Lösung anbieten könne?
ANTWORT:

Das ist eine hypothetische Frage.

Ich sage lediglich:

Wenn

es dort einen völligen Zusammenbruch gäbe und keine Möglichkeit für die Wiederherstellung der Ordnung bestünde, dann hätte die multinationale Friedenstruppe keinen Sinn mehr.

Ich möchte Sie jedoch darauf hinweisen, daß nicht

nur wir, sondern auch alle anderen in dieser Friedenstruppe vertretenen Länder
erst kürzlich ihre Überzeugung bekräftigt haben, daß unser Auftrag dort sinnvoll ist und daß wir alle dort bleiben werden.
FRAGE: Herr Präsident, gibt es nicht für Sie einen wachsenden politischen Druck, unsere Soldaten dort recht bald abzuziehen, und haben wir
nicht unsere Rolle als Friedensstifter verloren; sind wir nicht in die Rolle

- 3 -

�.

die Rolle der eskalierenden Gewalt geraten?

Meine Frage bezieht sich auf

Berichte, wonach Sie die Truppen vor dem Beginn der Nationalkonvente (der
Republikaner und der Demokraten) im kommenden Sommer abziehen werden?
ANTWORT:

Ich habe diese Berichte auch gesehen - keine Quellenangabe.

Aber jetzt haben Sie eine Quelle, und ich sage Ihnen eines:

Keine Entschei-

dung, die ich in dieser Hinsicht treffen werde, hängt mit der Wahl zusammen
oder mit den Konventen oder einer parteipolitischen Frage.

Ich habe im Ka-

binett immer wieder betont, daß ich von irgendwelchen parteipolitischen Verästelungen in so wichtigen Fragen nichts hören möchte.

Und was nun diese

Frage anbetrifft, so möchte ich sagen, daß es keine schwierigere Aufgabe
gibt, als unsere Soldaten an Orten einzusetzen, wo sie gefährdet sein könnten.

Und was wir in diesem Zusammenhang tun, stützt sich ganz gewiß nicht

auf parteipolitische Erwägungen.
FRAGE: Herr Präsident, eine Frage zur Rüstungskontrolle. Werden Sie
irgendetwas tun, irgendeine positive Maßnahme ergreifen, um die Sowjets an
den Verhandlungstisch zurückzubringen?
ANTWORT: Ja, wir versuchen, mit ihnen in Verbindung zu bleiben. Und
ich muß annehmen, daß sie zurückkommen werden, weil dies zu ihrem Vorteil
ist. Durch ihre Rückkehr an den Verhandlungstisch können sie doch nur gewinnen. Wir sind also weiterhin zu einer Rüstungsverminderung entschlossen,
insbesondere bei den Kernwaffen. Und ich bin büerzeugt, daß wir bei konsequenter Verfolgung dieses Weges zu der Erkenntnis kommen werden, daß diese
Waffen weltweit ein für allemal geächtet werden sollten.
FRAGE:
ANTOWRT:

Wird es 1984 vielleicht zu einem Gipfeltreffen kommen?
Wollen Sie damit fragen, ob ich 1984 sehr beschäftigt sein

werde oder nicht?
nach dem Zeitpunkt.

Wenn die Zeit als solche reif ist, dann fragt man nicht
Wenn es die Chance und die Hinweise gibt, daß wir etwas

erreichen können, daß es eine Tagesordnung gibt, mit der für beide Seiten

- 4 -

�beide Seiten etwas herauskommt, dann haben Sie eine Gipfelkonferenz.

Aber

man setzt ein solches Treffen nicht an, nur um dann sagen zu können, wir
hatten eine Gipfelkonferenz, weil dann zu viele Leute enttäuscht wären.

r

- 5 -

�Dokumentation

I

United States Information Service
Embassy of the United States of America

51

21. Dezember 1983

AMERIKAS STREBEN NACH FRIEDEN
Ansprache des US-Gesandten Hans N. Tuch in Hamburg •

HAMBURG - (AD) - Der Gesandte an der amerikanischen Botschaft in Bonn,
Hans N. Tuch, Botschaftsrat für öffentliche Angelegenheiten, hat am 12. Dezember 1983 die Bemühungen der Vereinigten Staaten um den Frieden unterstrichen
und betont, daß der Frieden in Europa und Amerika kein Zufallsprodukt der Geographie, einer bestimmten Nationalität oder irgendeines sonstigen zufälligen
Faktors sei. Er sei vielmehr das Ergebnis einer bewußten, gezielten und erfolgreichen Politik der Länder des Atlantischen Bündnisses, sagte der Gesandte
in einer Ansprache im Haus Rissen.
Die Ansprache hat folgenden Wortlaut:
Wenn wir die heutige Welt betrachten, dann scheint der Frieden ein ferner Traum zu sein.

Im Nahen Osten liegt der Libanon in den Wehen eines schreck-

lichen Bürgerkrieges, und der Iran und der Irak liegen seit Jahren in einem
tödlichen Kampf.

In Afrika überzieht der fanatische Oberst Gadhafi alles mit

Terror und Subversion.
ungelöst.

Der Namibia- und der Angola-Konflikt sind noch immer

Die Hunderttausende von hungernden Flüchtlingen in Somalia spüren

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Somalia spüren vom Frieden nichts.
zung Afghanistans an.
ohne Frieden.

In Asien dauert die Invasion und Beset-

In Kampuchea leben die Menschen seit über 15 Jahren

In Mittelamerika werden Länder wie El Salvador und Nicaragua

von Leidenschaft und Terror vpn links und rechts heimgesucht.

Europa und

Nordamerika sind praktisch die einzigen Gebiete der Welt, wo es so etwas wie
Frieden gibt.

In der Tat:

In einer Welt, in der Aufruhr an der Tagesordnung

ist, erfreuen wir uns seit über 35 Jahren eines stabilen Friedens.
Frieden ist keine Politik,

sondern das Ziel der Politik.

Der Frie-

den in Europa und Amerika ist kein Zufallsprodukt der Geographie, einer bestimmten Nationalität oder irgendeines sonstigen zufälligen Faktors.

Er ist

das Ergebnis einer bewußten, gezielten und, ich möchte sagen, erfolgreichen
Politik der Länder des Atlantischen Bündnisses.

Wir haben nicht nur den

Frieden bewahrt, sondern es ist uns auch gelungen, unsere demokratischen
Systeme und unsere persönlichen Freiheiten zu erhalten.

Das ist eine der

großen Leistungen unserer Zeit.
Keine Nation kann diesen Erfolg für sich allein beanspruchen. Während
der letzten drei Jahrzehnte haben alle Mitglieder des Bündnisses ihren Beitrag geleistet. In letzter Zeit hört man jedoch immer mehr Stimmen, die behaupten, die Vereinigten Staaten hätten einen Kurs der Konfrontation eingeschlagen, der die Erhaltung des Friedens gefährde. Man spricht von einer
expansionistischen Politik Amerikas, von einer verantwortungslosen Politik,
sowie davon, daß wir uns in unseren nationalen Ambitionen und Praktiken als
Supermacht nicht sehr von der Sowjetunion unterscheiden.
Als Vertreter meines Landes in der Bundesrepublik Deutschland und als
jemand, der sich fast 35 Jahre lang mit dem deutsch-amerikanischen Verhältnis befaßt hat, halte ich es für meine Pflicht, dazu beizutragen, daß man
hier die amerikanische Außenpolitik kennen- und verstehen lernt, vor allem
in der jüngeren Generation der Deutschen, die die neue Führungsschicht in
Ihrer Gesellschaft bilden, und dadurch klarzustellen, für wie wichtig wir
unsere Partnerschaft für die Erhaltung von Frieden und Freiheit in unseren

- 2 -

�in unseren beiden Ländern betrachten.

Ich möchte daher heute abend über

das Streben Amerikas nach Frieden sprechen.
Ich bin mir zweier Faktoren bewußt, die meine Aufgabe erschweren:
Der erste ist, daß ich gelernt habe, daß es fast unmöglich ist, persönliche
Erfahrungen von einer Generation an die andere weiterzugeben.

Meine Genera-

tion fand es ebenso schwierig, Ereignisse und Entwicklungen zu begreifen, die
wir

nicht wie unsere Eltern persönlich erlebt hatten.

In ähnlicher Weise

fällt es der heutigen Generation junger Amerikaner und Deutscher schwer, Ereignisse wie den Zweiten Weltkrieg, den Wiederaufbau Deutschlands, die
Berliner Luftbrücke 1948 und 1949, den Aufstand in Ostdeutschland 1953 oder
den Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zur NATO - um nur einige wenige
Beispiele zu nennen - so zu "verspüren", wie meine Zeitgenossen und ich dies
taten, die das persönlich

erlebt und erfahren haben.

Wir müssen das als

gegebene Tatsache akzeptieren und dürfen nicht unsere Enttäuschung über die
jungen Menschen wegen derer Interesselosigkeit und Unerfahrenheit in den
Fragen, mit denen sie sich in ihrer Zeit nicht auseinandersetzen mußten,
die Oberhand gewinnen lassen.
Jede Generation muß sich jedoch den Fragen und Problemen ihrer Zeit
stellen, muß versuchen, mit ihnen fertig zu werden, und sie nach ihren besten
Fähigkeiten lösen, wenn sie ihren Hoffnungen und Idealen gerecht werden will.
Ich bin überzeugt, daß die jungen Menschen der heutigen Generation das tun
wollen.

Ich bin gleichermaßen überzeugt, daß sie ihre eigenen Fragen und

Probleme leichter lösen könnten, wenn sie zurückblickten und sich mit dem
vertraut machten, was vor ihnen geschehen ist; wenn sie Ursachen und Wirkungen vergangener Ereignisse analysieren, die sie heute noch berühren - nicht,
daß sie Lösungen von gestern übernehmen sollten, sondern sie sollten aus
ihnen lernen.

Ich lehne die Theorie ab, daß man aus der Geschichte nichts

lernen könne - eine Theorie, die auch von einigen jungen amerikanischen Aktivisten Ende der sechziger Jahre eine kurze Zeit lang vehement vertreten
wurde.

Die Geschichte wiederholt sich zwar nicht, aber wir können aus ihr

lernen, und wir tun uns einen schlechten Gefallen, wenn wir uns den Lehren

- 3 -

�den Lehren verschließen, die sie uns vermitteln kann.
Ich habe, ganz offen gesagt, den Eindruck, daß viele intelligente
junge Menschen nicht ausreichend bedacht haben, was die Geschichte uns
lehren kann; und sie haben nicht genügend geistige Anstrengung darauf verwandt, Lehren aus der Geschichte zu ziehen.
Die zweite Schwierigkeit, die meine Aufgabe erschwert, ist die, daß
viele junge Menschen, mit denen ich gesprochen habe, entweder wenig über
die Vergangenheit Amerikas wissen oder ein verzerrtes Bild von den Zielen
und der Politik Amerikas haben, weil sie die amerikanische Geschichte
nicht richtig kennen.
Wenn wir also die Vereinigten Staaten für die Europäer von heute verständlich machen wollen, dann ist es meiner Meinung nach nützlich, einmal
zu untersuchen, was uns zu dem gemacht hat, was wir heute sind.
Die Geschichte Amerikas ist relativ kurz. Es ist weniger als 190
Jahre her, daß der erste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika,
George Washington, nach Ablauf seiner Amtszeit im Jahre 1796 die neue Nation vor "verstrickenden Bündnissen" warnte - mit anderen Worten, wir sollten uns aus Europa heraushalten und uns auf die Entwicklung unseres eigenen gewaltigen Territoriums konzentrieren. Und - auch das sollte man
nicht vergessen - es gab 1923 die sogenannte Monroe-Doktrin, die Europa
warnen sollte, sich aus Amerika herauszuhalten. Fast das ganze 19. Jahrhundert überwog diese Isolation von Europa und Asien, und die amerikanische
Außenpolitik bestand im wesentlichen darin, keine Außenpolitik zu haben.
Das war auch - und das sollte man ebenso wenig vergessen - die Periode der
europäischen Expansion und des Kolonialismus in Afrika, Mittel- und Südostasien und die Zeit, als Armenien, Georgien, Aserbeidschan, Kasachstan,
Kirgisien, Turkestan und Usbekistan dem russischen Reich einverleibt wurden.
Der relative

�Der relative Mangel an einem Interesse Amerikas an den Geschicken
anderer Länder erklärt auch die Tatsache, daß die meisten amerikanischen
Präsidenten im 19. Jahrhundert - nach John Adams, Thomas Jefferson und
John Quincy Adams - wenig Erfahrungen in der Außenpolitik und Diplomatie besaßen.

Das war auch keine erforderliche Qualifikation für amerikanische

Präsidenten, die sich hauptsächlich Anliegen im Innern zuwandten, also der
Ausdehnung und Entwicklung der Vereinigten Staaten innerhalb ihrer eigenen
Grenzen.

Und das mag auch erklären, warum selbst in diesem Jahrhundert

viele der Männer, die zum Präsidenten gewählt wurden, vor ihrem Amtsantritt
wenig Erfahrung in der Außenpolitik hatten.
Unsere Tradition des Isolationismus wurde erstens bei Anbruch des
Ersten Weltkrieges unterbrochen - und dann nur kurz.

Woodrow Wilson, Ame-

rikas erster Präsident mit einer echten internationalen Perspektive - wie
man heute sagen würde - sah seinen Traum zerstört - den Traum einer internationalen Organisation, die Streitfälle beilegen und in der Zukunft solche
Ausbrüche der Gewalt verhindern würde, wie sie Europa fast vernichtet hatten.

Amerika war noch immer nicht bereit, seine isolationistische Tradition

aufzugeben.

Es gibt viele Menschen in meinem Lande, die heute noch diese

isolationistische Haltung in den zwanziger und in den dreißiger Jahren zumindest zum Teil für die Blindheit der westlichen Demokratien gegenüber dem
raschen und erfolgreichen Aufstieg der nationalsozialistischen Diktatur
Hitlers verantwortlich machen.
Aus dem Zweiten Weltkrieg gingen die Vereinigten Staaten als mächtigste Nation hervor.

Sie verfügten über ein gewaltiges militärisches Po-

tential; ihre Industrie war vom Krieg unbeschadet, und sie allein besaßen
die Atombombe.

Wenn die Vereinigten Staaten expansionistische Ambitionen

gehabt hätten, wenn sie nach der Weltherrschaft gestrebt hätten, dann hätte

sie niemand aufhalten können. Es ist wichtig, daß die heutige Generation

junger Europäer sich über diese Tatsache im klaren ist. Wir dachten weder
an Weltherrschaft noch wollten wir unsere Ideologie irgend jemandem aufzwingen.

Das gehörte damals nicht zum amerikanischen Wesen, noch gehört

es heute dazu.
Wenn wir

�Wenn wir solche Ambitionen gehabt hätten, dann hätten die Vereinigten
Staaten nicht ihre Streitkräfte bis 1948 auf ein Zehntel der Stärke von 1945
reduziert.

Und ebenso wenig hätten wir angeboten, unser Atommonopol aufzu-

geben und es einer strikten internationalen Kontrolle zu unterstellen, wie
wir das 1946 getan haben.

Ich bitte meine jungen europäischen Freunde, die

die Motive und Handlungen der beiden Supermächte gleichsetzen möchten, über
diese wichtige Tatsache nachzudenken und sie mit der Handlungsweise der Sowjetunion gegenüber den Völkern Litauens, Lettlands, Estlands, Polens, Ungarns,
der Tschechoslowakei, Rumäniens und ihren 17 Millionen Mitbürgern in der DDR
zu vergleichen.

Und ich bitte Sie um Verständnis dafür, daß viele Amerikaner

über die Stimmen aus Europa beunruhigt sind, die die Vereinigten Staaten der
Rücksichtslosigkeit und des Imperialismus beschuldigen und die Motive eines
Landes schmälern, das zweimal gekommen ist, um die Freiheit in Europa wiederherzustellen und heute in der Verpflichtung hier steht, diese Freiheit bewahren zu helfen.
Die Einsicht der amerikanischen Öffentlichkeit, daß die Vereinigten
Staaten eine große Verantwortung für eine neue Weltordnung übernehmen mußten - wie sie mit der Gründung der Vereinten Nationen ins Auge gefaßt wurde und daß sie den Mantel einer großen Weltmacht auf ihre Schultern nehmen mußten kam nicht über Nacht. Noch hat sich Amerika in diesem Mantel gefallen das gilt bis zum heutigen Tage. Wir haben viele Fehler gemacht und machen
heute noch welche, denn der Status einer Supermacht ist für viele meiner Mitbürger noch lange keine Selbstverständlichkeit. Lassen Sie mich nur ein Beispiel zitieren von dem, was ich hier meine. Wir Amerikaner müssen in vielen
Sachen die Haltung der Europäer besser begreifen. Es ist mir klar, daß wir
die anhaltenden Auswirkungen des zerstörerischen Zweiten Weltkrieges auf die
Haltung der jungen Europäer, und insbesondere junger Deutscher, manchmal
nicht richtig zu würdigen wissen. Eine Generation von Deutschen, der beigebracht wurde, der deutsche Militarismus und die deutsche Aggression hätten
Ihrem Lande Zerstörung, Schande und die anhaltende Teilung beigebracht, reagiert auf eine Nachrüstung mit verständlicher Bestürzung. Wir Amerikaner
müssen in solchen Fragen Einführungsvermögen und Nachsicht an den Tag legen.

- 6 -

�gen, die darin ^ ^ VerStandnis für die Ir°m'e der Geschichte aufbrinfordern, ihre m i m s ' ^ "^ DeUtSChe ' insbesondere junge Deutsche, aufAnStrengun en
sehen, daß es dln\*rThm
9
zu verstärken. Wir müssen eind
ie These zu akzü [
^ ™ L1cht ihrer Geschichte nicht leicht fällt,
dieses Mal n i c h t T 1 6 ^ " ' ^ Stärküng der mil Manschen Bereitschaft diene
des Friedens
^ ° r b e r e i t u n g auf einen Krieg, sondern der Erhaltung

einiat!^^ ^
S
1
r ^

übernahme g l o b a 1 e
S C h r U t fÜr

r Verantwortungen seitens der VerSch 1
' " - der Zeit von 1945 bis 1950.

lichüund s o z i &amp;a ZVe ^r S6t ***""
^
^
" die P ° l i t i s c h e ' wirtSChaft "
r u n g Euro a
union n a c h T r
°
P s» den aggressiven Vorstoß der SowjetSÜd Steuro a d
Demokraf
^
°
P ' ie Unfähigkeit der anderen westlichen
6n
9egenseitig zu
von ihn
^!
helfen und die zu unterstützen, die früher
von ihnen abhängig waren.
Ich habe hohe Achtung vor den Führungsqualitäten von Präsident Truman
ausgebildet war' ^ " ^ ^ ^ ^ ^
*** a u ß e n P°l A s c h e n Geschäfte
Sein
_c, ,
staatsmännisches Können und sein gesunder Menschenstan gaben ihm die Klugheit und die Stärke, die Vereinigten Staaten in
Mittelpunkt der weltpolitischen Bühne zu rücken und eine wesentliche
r AUfreChterhaltUn9
fÜr die westlichen
Demokrat!erz
u
^ der
' ^Unterstützung
^ Fre1he1t und
en zu spielen.
Er schuf^ mit
Zusammenarbeit
einiger kluger und entschlossener Männer und Frauen im amerikanischen Kongre
eine neue überparteiliche Außenpolitik für die Vereinigten Staaten, die der
neuen Position Amerikas als Weltmacht entsprach. Diese Außenpolitik besteht
aus fünf Hauptelementen:

Erhaltung des Friedens in der Welt,
Stärkung der Freiheit der Völker und der persönlichen Menschenrechte,
- Verhütung der

�- Verhütung der Kriegsdrohung durch nukleare Rüstungskontrolle und
Abrüstung,
- Widerstand gegen sowjetische Aggression und Expansion mittels Gewalt
oder Subversion,
- Unterstützung der wirtschaftlichen Entwicklung jener, die sie brauchen
und wollen.
Ich darf wohl behaupten, daß diese fünf Konzepte unsere kontinuierliche Politik seit 35 Jahren sind.

Sie waren Richtschnur jeder Administra-

tion und standen im Mittelpunkt des amerikanischen Engagements in diesem
Zeitraum - sei es in Berlin, Korea, Santo Domingo, El Salvador, Grenada, im
Libanon, ja sogar, meine Damen und Herren, in Vietnam, wo wie ein Trauma wegen unseres eigenen Versagens davontrugen.
Natürlich hat sich die Welt in diesen 35 Jahren geändert, auch wir
haben uns geändert.

Die Drohung der Kernwaffen ist mit den Forschritten in

der Technologie gewachsen.

Die relative wirtschaftliche und militärische

Stärke der Staaten dieser Welt sowie unsere Fähigkeit zur Beeinflussung der
Entwicklungen in anderen Teilen der Welt haben sich verändert.

Aber was

sich nicht geändert hat, sind die Motive und Ziele der Vereinigten Staaten.
Heute abend würde ich gerne - im geschichtlichen Rahmen der amerikanischen Außenpolitik - kurz auf einen Aspekt dieser Politik näher eingehen:
Unsere Anstrengungen, den Frieden durch die Kontrolle der Atomwaffen und
durch Abrüstung zu bewahren.
Wie ich bereits erwähnte, besaßen die Vereinigten Staaten am Ende des
Zweiten Weltkrieges ein Monopol bei den Kernwaffen. Im Bewußtsein der furchtbaren Bedrohung, die die Atomwaffen für die Stabilität der Welt bedeuten
konnten, boten die Vereinigten Staaten im Jahr 1946 über den sogenannten
Baruch-Plan an, die Gewalt des Atoms unter internationale Kontrolle zu stel- 8 -

�Kontrolle zu stellen.

Die Vereinigten Staaten schlugen die Schaffung einer

Internationalen Atomenergie-Entwicklungsbehörde vor, die die Vollmacht erhalten sollte, ihre Vertreter in Staaten zu entsenden, um dort umfassende Inspektionen hinsichtlich der Verletzung des Vertrages durchzuführen.

Entschei

düngen der Behörden sollten nicht dem Veto im Sicherheitsrat der Vereinten
Nationen unterworfen sein.

Dieser Vorschlag zu einer ersten und umfassenden

Kontrolle der Kernwaffen wurde von der Sowjetunion zurückgewiesen.
Präsident Eisenhower fühlte sich gleichfalls der Kontrolle der Kernwaffen verpflichtet.

Im April 1953 schlug er vor, daß die Staaten Grenzen

hinsichtlich jenes Anteils an der Gesamtproduktion von strategischen Materialien setzen sollten, der für militärische Zwecke vorgesehen war.

Er machte

außerdem den Vorschlag, daß die sich daraus ergebenden Einsparungen einem
Fonds zugute kommen sollten, der für Welthilfe und Wiederaufbau gedacht war.
Schließlich präsentierte er am 8. Dezember 1953 der Vollversammlung
der Vereinten Nationen seinen Plan "Atome für den Frieden", der die Schaffung einer internationalen Atomenergiebehörde forderte, die Beiträge von
solchen Staaten erhalten sollte, die Nuklearmaterial besaßen, die sie dann
zu friedlichen Zwecken verwenden sollte.
Bei einem Zusammentreffen mit den Regierungschefs Frankreichs, Großbritanniens und der UdSSR in Genf im Juli 1955 unterbreitete Präsident
Eisenhower seinen Vorschlag der "Offenen Himmel", der dazu dienen sollte,
die Staaten vor militärischer Aufrüstung und vor Überraschungsangriffen zu
schützen.

Er schlug vor, daß die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten

übereinkommen sollten, sofort Kopien ihrer militärischen Anlagen auszutauschen und einander Möglichkeiten zur Luftaufklärung zur Verfügung zu stellen - als Sicherheit für beide Seiten gegen einen Überraschungsangriff.
Diesem Vorschlag fügte er im März 1956 eine Erklärung hinzu, wonach die
Vereinigten Staaten bereit waren, mit anderen Staaten die entsprechenden
Schutzvereinbarungen auszuarbeiten, damit die künftige Produktion von spaltbarem Material - gleich, an welchem Ort der Welt - nicht mehr dazu benützt

- 9 -

�dazu benutzt werden könnte, die Arsenale an Sprengmaterial zu vergrößern.
Präsident Kennedy verfolgte die amerikanischen Bemühungen um die
Rüstungskontrolle weiter.

Im September 1961 legte er den Vereinten Natio-

nen einen neuen amerikanischen Plan für eine allgemeine und vollständige
Abrüstung vor.

Der Präsident forderte erstens die sofortige Unterzeichnung

eines Teststoppvertrages, unabhängig von anderen Abrüstungsverhandlungen;
zweitens die Einstellung der Produktion von Kernwaffen und Verhinderung
ihrer Weitergabe an Nichtnuklearstaaten; drittens die Verhinderung eines
Transfers der Kontrolle von Kernwaffen an Nichtnuklearstaaten; viertens
ein Verbot von Kernwaffen im Weltraum; fünftens die schrittweise Vernichtung der vorhandenen Kernwaffen und die Übergabe des Nuklearanteils zur
friedlichen Verwendung; sechstens Einstellung der Erprobung und der Herstellung von Trägern für strategische Kernwaffen und schrittweise Zerstörung
der vorhandenen; und siebtens die Benennung nationaler Streitkräfte zur Abberufung durch die Vereinten Nationen, um die friedensbewahrenden Pflichten der Vereinten Nationen zu erfüllen und die Funktionsweise der friedenserhaltenden Maschinerie der Weltorganisation zu verbessern.
Meine Damen und Herren, ich könnte mit der Liste dessen, was geschichtliche Tatsachen sind, noch lange fortfahren - eine Liste, die zeigt, wie
Amerika immer wieder für die Kontrolle und die Verringerung der Atomwaffen
eingetreten ist. Und ich kann auch auf eine Reihe bedeutsamer Abkommen mit
der Sowjetunion verweisen: Das begrenzte Teststoppabkommen von 1963; das
amerikanisch-sowjetische Abkommen über einen Heißen Draht des Jahres 1963;
der Nichtweiterverbreitungsvertrag vom Juli 1968, wobei sich die Ratifizierung durch die Vereinigten Staaten wegen der sowjetischen Invasion der
Tschechoslowakei im August 1968 bis zum März 1969 verzögerte; SALT I im
Jahr 1972; das Abkommen über die Abwehr ballistischer Raketen von 1972; und
der "ertrag über die Begrenzung von unterirdischen Atomwaffenversuchen im
Jahr 1974.
Gegen Ende

- 10 -

�Gegen Ende der sechziger und zu Beginn der siebziger Jahre sahen die
Vereinigten Staaten tatsächlich eine Chance zur Begrenzung der immer stärker
zunehmenden Kernwaffenarsenale.

Wir waren der Ansicht, eine neue Ära der

Nachkriegsgeschichte erreicht zu haben - eine Ära, in der die beiden Supermächte doch noch ein Übereinkommen hinsichtlich des Umfangs der Rüstungen
abschließen würden, in der die Atomwaffenversuche eingestellt würden und womöglich sogar mit einer Verringerung des Rüstungsniveaus begonnen würde.
Aber es war gerade in den siebziger Jahren, daß die Sowjetunion sich auf
einen Weg der beschleunigten Aufrüstung bei Kern- wie konventionellen Waffen begab - der massivsten militärischen Aufrüstung, die es je in der Geschichte gab.
Ich möchte hier nicht all die möglichen Motive untersuchen, die als
Gründe für das sowjetische Verhalten genannt worden sind. Lassen Sie mich
nur drei nennen, die meiner Ansicht nach zu den wahrscheinlichsten gehören:
- Erstens, die Geschichte der Expansion des russischen Kaiserreiches
während des 18. und 19. Jahrhunderts, die sich auch nicht unter den
neueren sowjetischen Regierungen beändert hat;
- zweitens, die Dogmen des internationalen Kommunismus, die eine Verbreitung der kommunistischen Ideologie

mit allen Mitteln - ein-

schließlich militärischer Gewalt und Subversion - fordern; und
- drittens, eine Angst - die meiner Meinung nach übertrieben ist und
ans Paranoische grenzt - vor Angriffen und dem daraus resultierenden
Wunsch nach absoluter Sicherheit, der die Sicherheitsbedürfnisse anderer ignoriert und die Form exzessiver Aggressivität annimmt, wo immer sich die Gelegenheit dazu bietet.
Gleich, welche dieser Motive - oder welch andere - für das sowjetische
Handeln man akzeptiert oder verwirft, so gibt es doch Tatsachen, die man in
Erwägung ziehen muß:
Es wird
- 11 -

�Es wird Jahre dauern, bevor wir mit der Dislozierung der MX beginnen,
unserer ersten neuen Interkontinentalrakete seit 16 Jahren; aber seit der
Unterzeichnung des SALT I-Abkommens im Jahr 1972 haben die Sowjets drei neue
Typen von ballistischen Interkontinentalraketen entwickelt und disloziert die SS-17, SS-18 und SS-19 - die alle die Fähigkeit zu einem Erstschlag haben.
Die Indienststellung des ersten amerikanischen TRIDENT-Unterseeboots
im Jahr 1982 markierte das Ende eines Zeitraums von 15 Jahren, innerhalb
dessen die Vereinigten Staaten nicht ein einziges neues Unterseeboot mit
ballistischen Raketen bauten;die UdSSR jedoch hat seit 1972 Unterseeboote
in vier neuen oder verbesserten Klassen hergestellt, die Raketen abfeuern
können.
Seit 1977 haben die Sowjets 369 neue nukleare Mittelstreckenraketen
des Typs SS-20 mit über 1100 Gefechtsköpfen und mehr als 150 moderne Bomber
gebaut, die die Fähigkeit zu einem interkontinentalen Angriff haben. In
demselben Zeitraum ist nicht eine einzige vergleichbare amerikanische Rakete
und auch kein einziger Bomber disloziert worden.
Dies ist natürlich nur die Spitze des Waffeneisbergs, den die Sowjetunion geschaffen hat. Die Beweise - sowohl bei der konventionellen wie bei
der nuklearen Aufrüstung - sind deutlich und werden auch von der UdSSR nicht
abgestritten. Sie stellen eine beständig sich ausweitende sowjetische Militarisierung während eines Zeitraums dar, da die Verteidigungsausgaben einen
immer kleiner werdenden Anteil des Gesamthaushaltes der Vereinigten Staaten
ausmachten - eine Zeit, da sich die Vereinigten Staaten Zurückhaltung bei
der Entwicklung und Dislozierung neuer Waffen auferlegten - in der Hoffnung,
am Verhandlungstisch weitere Erfolge zu erzielen. Tatsächlich wurde das
von den Vereinigten Staaten unterhaltene nukleare Arsenal gegenüber seinem
Umfang im Jahr 1967 um ein Drittel verringert.
Natürlich bin ich mir der Tatsache bewußt, daß die Frage, die sich
jedermann am dringlichsten stellt, jene der Dislozierung neuer amerikanischer

- 12 -

�neuer amerikanischer nuklearer Mittelstreckenraketen in Europa ist, mit der
eben begonnen wurde.

Ich weiß auch, daß alle hier Anwesenden völlig mit den

Gründen für diese Dislozierung vertraut sind, genau wie mit den Umständen,
unter denen sie zustande kam.

Seit 1979, als der Doppelbeschluß vom NATO-

Bündnis einstimmig angenommen wurde, haben wir uns darum bemüht, eine Verhandlungslösung für das bestehende Ungleichgewicht bei diesen Systemen zu
erreichen.

Unsere einzige Absicht war es, dieses Ungleichgewicht zu besei-

tigen, vorzugsweise,

indem alle Raketen dieser Klasse eliminiert werden.

Wir haben den Sowjets - und, wie ich hinzufügen möchte, unseren Kritikern
in Europa - immer wieder gesagt, daß der Weg zur Verhinderung der Dislozierung neuer amerikanischer Mittelstreckenraketen in Europa der ist, daß
die Sowjets einer Beseitigung ihrer Raketen, der SS-20, zustimmen, die auf
europäische Ziele gerichtet sind.

Da dies nicht zu erreichen war, strebten

wir eine Zwischenlösung an, die als Ergebnis den niedrigstmöglichen Umfang
von nuklearen Mittel Streckenwaffen auf beiden Seiten gehabt hätte.
Sowjets lehnten alle diese Vorschläge ab.

Die

Die Haltung der Sowjetunion blieb

im wesentlichen während der ganzen Verhandlungen stets die gleiche:

"Die

Halb-Null-Lösung" - eine große Anzahl - ein Monopol - von SS-20 für die sowjetische Seite; keine vergleichbaren Raketen - Null - für die NATO.
Wir bedauern zutiefst den einseitigen sowjetischen Abbruch der INFVerhandlungen in Genf.

Während des gesamten Verhandlungszeitraums der ver-

gangenen zwei Jahre setzten die Sowjets die Dislozierung der SS-20 fort.
Wir haben den Verhandlungstisch nicht verlassen.

Ihr Verhandlungsabbruch

zu Beginn der NATO-Dislozierung ist völlig ungerechtfertigt.

Unsere Bereit-

schaft, am Verhandlungstisch zu bleiben, steht in Einklang mit der Geschichte
unserer Rüstungskontrollanstrengungen.
Präsident Reagan hat jüngst bei verschiedenen Gelegenheiten gesagt,
daß "ein Atomkrieg niemals gewonnen werden kann und nie geführt werden darf."
Der kürzliche Abschuß eines unbewaffneten koreanischen Zivilflugzeuges mit
seinen 269 Passagieren und die anhaltende Aggression von über 100 000 sowjetischen Soldaten in Afghanistan sind nur zwei Beispiele, die erneut die Dring-

- 13 -

�die Dringlichkeit bestätigen, ausgewogene und verifizierbare Rüstungskontroi 1abkommen mit der Sowjetunion zu erreichen.

Die Sowjets haben sich als die

wirklich "Schießwütigen" dieser Welt erwiesen - als diejenigen, die zu Gewalt und Zwang greifen.

Nach dem Vorfall mit der koreanischen Maschine ver-

sicherte Präsident Reagan der Welt, daß seine Rüstungskontrollinitiativen bei START, INF und in anderen Foren
wortungslosen Verhaltens der Sowjets.
kundig.

weitergehen werden - trotz des verantDie Notwendigkeit hierfür ist offen-

Wir wollen die Gefahr einer nuklearen Konfrontation verhindern, wenn

die Sowjets das nächstemal beschließen, erst zu schießen und dann Fragen zu
stellen.
Präsident Lincoln sagte einmal: "Wir können der Geschichte nicht entrinnen. Wir... werden auch trotz unserer selbst in Erinnerung bleiben. Keinerlei Bedeutsamkeit oder Bedeutungslosigkeit des einzelnen wird diesen oder jenen von uns davon ausnehmen. Die Feuerprobe, durch die wir gehen, wird uns
in Ehre oder Ehrlosigkeit bis zur letzten Generation verfolgen. Wir, sogar
wir hier, haben die Macht und tragen die Verantwortung." Viele, einschließlich jener, die gegen die Kernwaffen demonstrieren, sind Widerhall dieser
Worte, wenn sie sagen, sie wollen nicht die Fehler ihrer Großväter wiederholen, die die drohenden Warnungen vor dem kommenden Unglück ignorierten.
Manche Menschen in unseren beiden Ländern meinen, der Weg zur Wahrung des
Friedens sei der, die drohende Aufrüstung der Sowjetunion zu ignorieren.
Auch wir fürchten die Kernwaffen und ihr schreckliches Potential für die
Menschheit. In dem Film "The Day After" (Der Tag danach) ist es nicht eine
europäische Stadt, sondern meine Heimatstadt Kansas City, die in einem nuklearen Holocaust zerstört wird. Hätten wir die Wahl, so würden wir es vorziehen, weder in Europa noch sonstwo neue Raketen stationieren zu müssen, ja
wir würden vorziehen, daß es überhaupt keine dieser Waffen gäbe. Aber wir
stehen nicht vor dieser Wahl. Unsere Aufgabe besteht darin, einen Weg auf
dem schmalen Grat zu finden, auf dem wir gehen, damit wir auf keiner Seite
in den Abgrund stürzen - weder in den Abgrund der nuklearen Zerstörung, noch
in den Abgrund der Unterdrückung und des Totalitarismus. Wir wollen den
kommenden Generationen weder eine Welt in Furcht vor der nuklearen Zerstörung noch eine Welt ohne Freiheit übergeben.
Die Sicherheitspolitik
- 14 -

�Die Sicherheitspolitik der Vereinigten Staaten ist über fast 40 Jahre
hinweg sowohl unter demokratischen als auch republikanischen Regierungen
konstant geblieben.

Sie stützte sich fest auf zwei Elemente:

Erstens kon-

zentrierten wir uns darauf, eine glaubwürdige Abschreckung aufrechtzuerhalten.

Dies bedeutet, daß unsere Gegner erkennen und begreifen, daß ein An-

griff auf die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten sofortige Vergeltung
nach sich ziehen würde und daß daher ein Erstschlag scheitern müsse. Zweitens haben wir unsere Energien in aufrichtiger Weise darauf verwendet, nukleare Rüstungskontrolle herbeizuführen, die die Stabilität fördern und die Aussichten auf echte Abrüstung verbessern würden.
Diese Politik hat dem amerikanischen Volk schwere Lasten auferlegt.
Wir haben Milliarden für Verteidigung und Abschreckung ausgegeben; wir mußten amerikanische Truppen Tausende von Meilen von ihrer Heimat entfernt unterhalten, und wir mußten - wie Sie - lernen, mit den Gefahren und Bedrohungen
zu leben, die gegen uns gerichtet sind, während wir für die Verteidigung
der Werte einstehen, die wir gemeinsam haben: nämlich, unsere Menschenrechte als Einzelmenschen, unsere Herrschaft des Rechts als demokratische Gesellschaften und unsere Freiheit als Nationen.

Und wenn wir mit jenen

sprechen, die gegen die Strategie der nuklearen Abschreckung demonstrieren
und sich für einseitige Abrüstung einsetzen, dann tun wir gut daran, sie
daran zu erinnern, daß unsere Politik den Frieden und die Freiheit für uns
alle im Atlantischen Bündnis nahezu zwei Generationen lang erfolgreich gewährleistet hat.
Erlauben Sie mir, mit etwas zu schließen, was für mich eine grundsätzliche Frage ist:

nämlich das Problem des Vertrauens.

Die Frage der Kern-

waffen zur Massenvernichtung ist teilweise eine emotionale Frage, eine Frage
der tiefverwurzelten Angst. Viele Menschen haben auch Angst, sich auf die
Vereinigten Staaten zu verlassen.

Wir können das nicht bestreiten.

läßt sich nie ganz rational erklären.

Das müssen wir einsehen.

Angst

Auch Ver-

trauen ist kein rationales Konzept, aber es kann eher rational erklärt und
begründet werden.

Die Grundfrage, die sich Deutsche heute stellen müssen,

- 15 -

�stellen müssen, ist die - wem sie vertrauen wollen. Auf der einen Seite
haben Sie einen Partner, die Vereinigten Staaten und das amerikanische Volk,
zu dem Sie 35 Jahre lang enge und beiderseits vorteilhafte Beziehungen hatten; der Ihnen geholfen hat, nach dem Zweiten Weltkrieg Ihr Land wieder aufzubauen; der die Bevölkerung von Berlin gerettet hat, die sonst zwischen
Verhungern oder Unterwerfung zu wählen gehabt hätte; der rund 250 000 Soldaten auf Ihrem Boden unterhält als Beweis für seine Verpflichtung zur gemeinsamen Verteidigung Europas; der durch dick und dünn Ihr Freund und Verbündeter war. Auf der anderen Seite haben Sie einen Staat, der einen großen
Teil Europas, darunter 17 Millionen Ihrer Landsleute, unterworfen hat; der
die Weltrevolution predigt, aber alle einkerkert, die frei reden oder beten
wollen; ein Staat, der in wehrlose Nachbarländer einmarschiert und Ihr Land
mit einer verheerenden Rüstung bedroht.
Selbstverständlich kann nur das deutsche Volk als freie Einzelmenschen
und kollektiv als Nation darüber entscheiden, wem es vertrauen will, wer
seine Freunde sind. Die Bundesrepublik Deutschland hat ihre Wahl getroffen,
sich uns in einem Bündnis anzuschließen, das in dem Grundziel des Friedens
in Freiheit vereint ist - und wir sind stolz, die Bundesrepublik Deutschland
als gleichen und souveränen Partner zu haben.
Wenn unsere beiden Völker sich jetzt dem Ende des Jahres nähern, in
dem wir der Beziehungen unserer beiden Völker nicht nur seit 35 Jahren,
sondern seit 300 Jahren gedachten, dann sollten wir einen Moment innehalten
und an die historische Bedeutung dieser Beziehung denken. Diese Verbindung seit 300 Jahren kann nicht allein rational erklärt werden. Es geht hier
auch um eine gefühlsmäßige Erfahrung - eine Erfahrung, die uns in Verwandtschaft und Freundschaft fest verbindet. Wollen wir uns darauf besinnen, daß
wir unseren Kindern und Kindeskindern die Erhaltung dieser Beziehung schulden.
Erlauben Sie mir, mit einem Satz aus der Heiligen Schrift zu schließen
"Wo keine Vision ist, wird das Volk untergehen".
Wollen wir
- 16 -

�Wollen wir in gemeinsamer Vision uns u n ^ v ^
schreiben. « , c h derE r h a l t u n g von
^
tion und die kommenden Generationen.

+ + + + +

17 -

*

^
"e

dl

^
'

Genera

�21. Dezember 1983

51

DIE AMERIKANISCHEN FRIEDENSANSTRENGUNGEN IM NAHEN OSTEN 1967-1983
Chronologie

WASHINGTON - (AD) - Jede amerikanische Regierung seit 1948 hat sich aktiv um einen Frieden zwischen Israel und den arabischen Staaten bemüht. Die
nachfolgende Chronologie zeigt anhand wichtiger Ereignisse, Erklärungen und
Dokumente diese Bemühungen seit dem Krieg vom Juni 1967.
Juni 1967: Präsident Lyndon B. Johnson legt Prinzipien für einen Frieden im Nahen Osten fest:

Nach Abschluß des Sechstagekrieges zwischen Israel

und seinen arabischen Nachbarn (5. bis 11. Juni 1967) hatten israelische Truppen ein doppelt so großes Gebiet besetzt wie das innerhalb der Vorkriegsgrenzen Israels - die gesamte Sinai-Halbinsel bis zum Suezkanal, den Gaza-Streifen,
das Gebiet am Westufer
Höhen.

des Jordan (West Bank), Ostjerusalem und die Golan-

Während des Konflikts hatten sich die Vereinigten Staaten in den Ver-

einten Nationen um einen Waffenstillstand bemüht und legten am 8. Juni im
Sicherheitsrat einen Resolutionsentwurf vor, in dem Gespräche der Beteiligten
durch die Heranziehung eines Drittlandes oder der Vereinten Nationen gefordert wurde, um einen stabilen und dauerhaften Frieden im Nahen Osten herbeizuführen.

In einer Rede am 19. Juni zeigte Johnson die Grundlagen für einen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�für einen solchen Frieden auf:

Anerkennung der nationalen Existenz, freie

Durchfahrt durch den Suezkanal, Begrenzung des Wettrüstens und Achtung der
politischen Unabhängigkeit und territorialen Integrität.
Juli 1967: Botschafter Arthur Goldberg gibt vor der Vollversammlung der
Vereinten Nationen eine Erklärung zur Jerusalem-Frage ab.
Am 28. Juni 1967 hatte Israel die Schaffung einer vereinten zentralen
Verwaltung für die Stadt Jerusalem bekanntgegeben.

Das amerikanische Außen-

ministerium gab sofort eine Erklärung heraus, in der darauf hingewiesen wurde,
daß einseitige Handlungen nicht den zukünftigen Status der Stadt präjudizieren könnten.

Bei der Abstimmung über Resolutionen, die auf der Sondersit-

zung der Vollversammlung der Vereinten Nationen eingebracht und in denen die
Handlungen Israels verurteilt wurden, enthielten sich die Vereinigten Staaten
wegen Differenzen über Formulierungen der Stimme.

In der Begründung der Stimm-

enthaltung durch Botschafter Goldberg am 14. Juli wurde eine Reihe amtlicher
amerikanischer Stellungnahmen zusammengefaßt.

Die Vereinigten Staaten, so er-

klärte er, seinen nicht der Auffassung, daß das Jerusalem-Problem für sich allein und getrennt von den anderen Elementen einer friedlichen Lösung im Nahen
Osten behandelt werden könne.

Dieser Standpunkt wurde von der Nixon- und der

Carter-Administration bekräftigt.
August-September 1967: Die Konferenz der arabischen Staatschefs in
Khartum (29. August bis 1. September) verabschiedet eine Resolution.

Während

sich die Großmächte weiterhin um eine Resolution des Sicherheitsrates bemühten, die einen Abzug Israels im Rahmen der Anerkennung und des Friedens vorsehen sollte, faßten mehrere arabische Staatschefs in Khartum den Beschluß:
Keinen Frieden mit Israel, keine Anerkennung Israels und keine Verhandlungen
mit Israel.
November 1967: Am 22. November 1967 wird die Sicherheitsresolution
Nr. 242 einstimmig verabschiedet.

Sie ist die Krönung von sechsmonatigen

Verhandlungen unter den Großmächten, Israel und mehreren arabischen Staaten

- 2 -

�arabischen Staaten und ein ausgewogener Kompromiß.

Die Vereinigten Staaten

hatten am 7. November einen Resolutionsentwurf eingebracht, der jedoch nicht
die erforderliche Unterstützung fand; daher unterstützten sie dann den britischen Resolutionsentwurf.

Die Resolution 242 fordert unter anderem den Ab-

zug Israels aus den im jüngsten Konflikt besetzten Gebieten und Einstellung
aller kriegerischen Ansprüche und des Kriegeszustandes sowie die Anerkennung
der Souveränität, der territorialen Integrität und der politischen Unabhängigkeit aller Staaten des Gebietes.

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen

ernannte den schwedischen Diplomaten Gunnar Jarring zum Sonderbeauftragten für
die Erfüllung der Resolution.
Juli 1969:

In der Jerusalem-Frage stimmen die Vereinigten Staaten für

die Sicherheitsratsresolution Nr. 267.
Nach weiteren israelischen Maßnahmen zur Eingliederung Ostjerusalems
stimmten die Vereinigten Staaten für die am 3. Juli einstimmig verabschiedete
Resolution und bekräftigten den nach dem Juni-Krieg von der Johnson-Administration eingenommenen Standpunkt. In der Resolution werden alle Maßnahmen für
eine Änderung des Status der Stadt verurteilt und Israel aufgefordert, alle
getroffenen Maßnahmen aufzuheben.
Dezember 1969: Außenminister Rogers legt einen Friedensplan vor.
Im Frühjahr 1969 traten die Vereinigten Staaten in vierseitige Verhandlungen mit Großbritannien, Frankreich und der Sowjetunion sowie in bilaterale Verhandlungen mit der Sowjetunion ein, um eine vereinbarte Auslegung
der Resolution 242 zu finden, die der Sonderbeauftragte Gunnar Jarring benutzen könnte. Die Rede von Außenminister Rogers vom 9. Dezember 1969 ließ die
amerikanische Haltung in dieser Verhandlung erkennen und bot Formeln für eine
Lösung des ägyptisch-israelischen Teils des Streits.
Rogers erklärte: "Unsere Politik ist es, die Araber zu ermutigen,
einen ständigen Frieden auf der Grundlage bindender Abkommen zu akzeptieren

- 3 -

�zu akzeptieren und die Israelis zum Abzug aus den besetzten Gebieten aufzufordern, wenn die territoriale Integrität im Sinne der Resolution des Sicherheitsrates gewährleistet ist."
August 1970:

Das Waffenstillstands/Stillhalteabkommen:

Die Kämpfe am

Suezkanal nahmen im Frühjahr 1970 wieder rasch zu, als Ägypten sowjetische
Boden-Luft-Raketen installierte und Israel eine Reihe weit in ägyptisches Gebiet hineinreichende Luftangriffe durchführte.

Im Juni ergriffen die Vereinig-

ten Staaten eine Friedensinitiative, die auf einen Waffenstillstand und die
Wiederaufnahme der Jarring-Gespräche abzielte.

Ende Juli nahmen die Vereinig-

ten Arabische Republik, Jordanien und Israel den amerikanischen Vorschlag an;
das WaffenstilIstandsabkommen trat am 7. August 1970 in Kraft.
Februar 1971: Die Jarring-Mission: Die Wiederaufnahme der JarringGespräche verzögerte sich um einige Monate, da sich Israel und Ägypten gegenseitig Verletzungen des Waffenstillstands/Stillhalteabkommens vorwarfen.
Schließlich konnte Jarring im Januar 1971 seine Mission wieder aufnehmen,
und am 8. Februar übermittelte er der israelischen und der ägyptischen Regierung gleichlautende Aide-Memoires, in denen parallele und gleichzeitige
Verpflichtungen bezüglich des Friedens, des Abzuges und anderer Fragen verlangt wurden, um den toten Punkt zwischen beiden Seiten zu überwinden. Die
Antwort Ägyptens vom 15. Februar ließ zum erstenmal eine Bereitschaft erkennen, unter bestimmten Bedingungen ein Friedensabkommen mit Israel abzuschließen. Am 26. Februar teilte Israel mit, daß es die meisten Bestimmungen des
Jarring-Memorandums akzeptiere, bedang sich jedoch aus, sich auf sichere,
anerkannte und vereinbarte in einem Friedensvertrag festzulegende Grenzen
zurückzuziehen und nicht auf die Grenzen von vor dem 5. Juni 1967. Nach diesen Mitteilungen kam Jarring weiter mit den Parteien zusammen, konnte aber
die Verhandlungen nicht voranbringen.
Februar 1971: Amerikanische Friedensbemühungen:

Präsident Nixon be-

kräftigte in einem außenpolitischen Bericht an den Kongreß die amerikanischen
Grundsätze für einen Frieden im Nahen Osten und faßte die Friedensbemühungen
der Vereinigten Staaten und der Vereinten Nationen zusammen.
- 4 -

"Die Suche nach

�"Die Suche nach Frieden - vor allem eine arabisch-israelische Regelung - und
das Streben nach einem stabilen amerikanisch-sowjetischen Verhältnis, das zur
Erhaltung der Unabhängigkeit und Integrität

jeder Nation

in diesem Gebiet

beiträgt, werden unsere oberste Priorität bleiben".
Oktober 1973: Der Oktober-Krieg und die Sicherheitsresolution 338:
Am 6. Oktober 1973 führte Ägypten einen Überraschungsangriff über den
Suezkanal hinweg gegen israelische Streitkräfte an der Bar Lev-Linie. Gleichzeitig griff Syrien israelische Stellungen auf den Golan-Höhen an.

Während

der Kämpfe bemühten sich die Vereinigten Staaten in den Vereinten Nationen um
einen Waffenstillstand und flogen militärische Nachschubgüter nach Israel,
nachdem die Sowjetunion begonnen hatte, solchen Nachschub nach Syrien und
Ägypten einzufliegen. Außenminister Henry Kissinger besuchte am 20. Oktober
Moskau, und am folgenden Tag brachten die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion gemeinsam im Sicherheitsrat einen Resolutionsentwurf ein, in dem ein
Waffenstillstand und die Verwirklichung der Resolution 242 gefordert wurde.
Am 22. Oktober wurde der Entwurf als Resolution 338 angenommen.
November 1973: Ägyptisch-israelisches Waffenstillstandsabkommen:
Trotz der Annahme der Sicherheitsresolution 338 gingen die Kämpfe an
der ägyptisch-israelischen Front weiter. Außenminister Kissinger arbeitete
auf seinen Reisen nach Kairo und Jerusalem am 7. und 8. November die Einzelheiten eines Waffenstillstandes aus. Das in dem Schreiben Kissingers an den
Generalsekretär der Vereinten Nationen enthaltene Abkommen

wurde am 11. No-

vember von Vertretern Israels und Ägyptens am Kilometer 101 der Straße entlang des Suezkanals unterzeichnet.
Dezember 1973: Die Genfer Friedenskonferenz:
Am 21. November 1973 schlug Außenminister Kissinger eine Friedenskonferenz für den folgenden Monat vor, an der die Vereinigten Staaten, die Sowjet-

- 5 -

�die Sowjetunion sowie Vertreter der kriegführenden Parteien und der Generalsekretär der Vereinten Nationen teilnehmen sollten.

Die Konferenz sollte

die Differenzen zwischen den Parteien einengen, um eine Verwirklichung der
Resolution 242 zu ermöglichen.
in Genf.

Die Konferenz begann am 21. Dezember 1973

Vertreten waren die Vereinigten Staaten, die Sowjetunion, Israel,

Ägypten, Jordanien und die Vereinten Nationen; Syrien weigerte sich teilzunehmen.

Man einigte sich auf Gespräche über ein Auseinanderrücken der is-

raelischen und ägyptischen Truppen am Suezkanal.
Januar 1974: Das erste ägyptisch-israelische Entflechtungsabkommen:
Zwischen dem 11. und 17. Januar 1974, reiste Außenminister Kissinger
zwischen Assuan und Jerusalem hin und her und erreichte ein ägyptisch-israelisches Abkommen über ein Auseinanderrücken der Streitkräfte.

Zwischen

die Truppen sollte eine Friedensstreitmacht der Vereinten Nationen rücken.
Die Vereinigten Staaten übernahmen die Rolle des Nahost-Friedensvermittlers.
Mai 1974: Das israelisch-syrische Entflechtungsabkommen:
Zwischen dem 28. April und 30. Mai 1974 reiste Außenminister Kissinger
zwischen Damaskus und Tel Aviv hin und her und erreichte ein israelischsyrisches Abkommen über ein Auseinanderrücken ihrer Streitkräfte auf den Golan
Höhen. Am 31. Mai 1974 unterzeichneten Vertreter Israels und Syriens das formelle Abkommen, in dem die Sicherheitsresolution 338 als Grundlage für einen
Frieden anerkannt wurde. Dies wurde als erste indirekte syrische Anerkennung
der Resolution 242 angesehen. Die Zerstörung der Stadt Kuneitra durch die
Israelis vor dem Abzug verschärfte jedoch das ohnehin gespannte Verhältnis
zwischen beiden Staaten.
Oktober 1974: Die Gipfelkonferenz der Arabischen Liga unterstützt die
PLO (Kommunique vom 29. Oktober):
Das Interesse

�Das Interesse daran, ein Abkommen über ein Auseinanderrücken entlang
der israelisch-jordanischen Front zu erzielen, führte dazu, daß sich die Aufmerksamkeit auf die Frage einer palästinensischen Repräsentation bei möglichen
Verhandlungen konzentrierte.

In Rabat erklärten die arabischen Führer, daß

die Palästinensische Befreiungsorganisation "der einzige legitime Vertreter
des palästinensischen Volkes" sei. Einige Wochen später bekräftigte Außenminister Kissinger erneut die amerikanische Position hinsichtlich der PLO.
Der Außenminister erklärte:

"Es ist den Vereinigten Staaten unmöglich, Ver-

handlungen mit der PLO zu empfehlen, solange die PLO nicht die Existenz Israels als eines legitimen Staates akzeptiert.

Solange die PLO-Vorschläge,

in welcher Form auch immer, die Zerstörung Israels beinhalten, sehen wir nicht
viel Hoffnung für Verhandlungen mit der PLO."
September 1975: Zweites ägyptisch-israelisches Truppenentflechtungsabkommen:
Während die Genfer Verhandlungen hinsichtlich der Frage der Repräsentation der Palästinenser in der Schwebe blieb, leiteten die Vereinigten Staaten eine größere Anstrengung in die Wege, um zwischen Ägypten und Israel ein
zweites Entflechtungsabkommen zu erreichen. Außenminister Kissinger besuchte zwischen dem 10. und 15. Februar 1975 sowie zwischen dem 8. und 23. März
1975 den Nahen Osten. Präsident Gerald Ford traf sich am 1. Juli in Salzburg mit Präsident Anwar Sadat und später im Monat mit Premierminister Yitzhak
Rabin in Washington. Außenminister Kissinger traf auch weiterhin mit israelischen Regierungsvertretern zusanmen und begann am 20. August eine weitere Mission in den Nahen Osten. Arr 1. September wurde ein zweites Entflechtungsabkommen angekündigt, am 4. September wurde das Abkommen förmlich unterzeichnet. Unter anderem sah das Abkonmen eine freie Durchfahrt für Israel
durch den Suezkanal, die Rückgabe der Sinai-Ölfelder und aller strategischen
Pässe an Ägypten, eine Verpflichtung zur Einhaltung des Friedens für drei Jahre sowie die Errichtung eines FrühwarrSystems im Sinai vor. Am 16. September wurden die Texte von drei bislang t^heimen Dokumenten im Zusammenhang mit
den Abkommen veröffentlicht. Diese umfaßten Vereinbarungen zwischen den Ver-

- 7 -

�den Vereinigten Staaten und Israel hinsichtlich der Ölversorgung und die vorgeschlagene Wiederaufnahme der Genfer Konferenz sowie Zusicherungen der Vereinigten Staaten gegenüber Israel und Ägypten.

Am 16. Oktober nahm der Kongreß

eine Gemeinsame Resolution an, die die Stationierung amerikanischer Techniker
bei der Frühwarnstation im Sinai genehmigte.
Dezember 1975:

Forderung nach Wiederaufnahme der Genfer Friedenskonfe-

renz:
Am 8. November 1975 schlug die Sowjetunion die Wiederaufnahme der Genfer
Konferenz unter voller Beteiligung der Palästinensischen Befreiungsorganisation vor.

Die amerikanische Antwort vom 1. Dezember empfahl, ein vorbereiten-

des Treffen abzuhalten, auf dem eine mögliche PLO-Beteiligung an einer späteren Konferenz diskutiert werden könnte, wobei hierfür die Zustimmung aller
Parteien nötig sein würde und eine Beteiligung auf der Grundlage der Resolution 242 und 338 des Sicherheitsrates zu erfolgen hätte.

Am 18. Dezember

lehnte die Sowjetunion formell den amerikanischen Vorschlag ab.
Januar 1976:
Frieden:

Anstrengungen zur Überprüfung der Grundlagen für den

Am 12. Januar begann der UN-Sicherheitsrat mit seinen Erörterungen
der arabisch-israelischen Frage und erlaubte per Abstimmung der Palästinensischen Befreiungsorganisation die Teilnahme an der Debatte. Am 26. Januar
legten die Vereinigten Staaten ihr Veto gegen einen Vertragsentwurf ein, der
praktisch die Resolution 242 als Grundlage für eine Lösung des Nahostproblems
ersetzt hätte.
März 1977:

Unterstützung Carters für ein palästinensisches "Heimat-

land":
In einer Ansprache Präsident Carters in Clinton, Massachusetts, am
16. März 1977 war die erste Unterstützung eines amerikanischen Präsidenten

- 8 -

�amerikanischen Präsidenten für ein palästinensisches "Heimatland" enthalten.
Carter wies am 12. Juli 1977 darauf hin, daß er es persönlich vorzöge, "daß
dieses palästinensische'Gebilde'... an Jordanien angebunden und nicht unabhängig sein sollte."
Dezember 1977: Die PLO weist die Sadat-Initiative zurück:
Der aufsehenerregende Besuch von Präsident Sadat in Jerusalem vom 19.
bis 21. November 1977 änderte den Verlauf der Friedensbemühungen. Das amerikanische Interesse an einem Neuzusammentritt der Genfer Konferenz wurde durch
die Anstrengungen ersetzt, den Friedensprozeß auf der Grundlage der SadatInitiative voranzutreiben. Die PLO und ablehnende arabische Staaten trafen
sich vom 2. bis 5. Dezember in Tripolis.um die Initiative zu verwerfen. Die
während des Treffens am 4. Dezember veröffentlichte PLO-Erklärung verurteilte
nicht nur den Sadat-Besuch, sondern lehnte auch die Resolutionen 242 und 338
als Grundlage für Verhandlungen ab.
September 1978: Die Camp-David-Abkommen:
Nach Monaten der erfolglosen amerikanischen Bemühungen, zwischen
Ägypten und Israel eine Grundlage für eine Einigung zu erreichen, ludt Präsident Carter Ministerpräsident Begin und Präsident Sadat ein, sich mit ihm
in Camp David, Maryland, dem Wochenendsitz des Präsidenten, zu treffen.

Vom

5. September 1977 an trafen sich 12 Tage lang ägyptische, israelische und
amerikanische Regierungsvertreter in aller Heimlichkeit.

Am späten Abend

des 17. September flogen die drei Staatsmänner ins Weiße Haus zurück, um
zwei Rahmenabkommen zu unterzeichnen, die während der Verhandlungen erarbeitet worden waren.

Eine Reihe von Begleitschreiben zeigte die amerikanischen

Positionen hinsichtlich mehrerer Fragen auf - einschließlich der Sinai-Regelungen, der Jerusalem-Frage, der Sinai-Flugplätze und eines umfassenden Friedens.
Die beiden Abkommen hießen "Rahmenbedingungen für den Frieden im Nahen
Osten, vereinbart in Camp David" und "Rahmenbedingungen für den Abschluß
- 9 -

�den Abschluß eines Friedensvertrages zwischen Ägypten und Israel."
März 1979:

Der ägyptisch-israelische Friedensvertrag:

Die Verhandlungen für den ägyptisch-israelischen Friedensvertrag begannen am 12. Oktober 1978 in Washington und dauerten mit Unterbrechungen
die nächsten fünfeinhalb Monate an.

Während dieser Zeit unternahmen Außen-

minister Cyrus Vance und andere hohe amerikanische Regierungsvertreter mehrere Reisen in den Nahen Osten; im Bemühen, ein Abkommen zu erreichen, wurde
auch in Camp David ein Ministertreffen abgehalten.
Nach dem Scheitern dieses Treffens in Camp David schaltete sich Präsident Carter noch einmal persönlich in den Friedensprozeß ein.

Durch eine

Reihe von Gesprächen zwischen Carter und Begin in Washington, zwischen Carter
und Sadat in Kairo sowie zwischen Carter und Begin in Jerusalem gelang es,
aus der Verhandlungssackgasse herauszukommen.

Am 26. März 1979 wurde in

Washington der Friedensvertrag unterzeichnet.

Auch hier begleitete eine Reihe

erklärender Schreiben und ergänzender Memoranda den Abschluß des grundlegenden Abkommens.
Mai 1979: Palästinensische Autonomiegespräche:
Am 25. Mai 1979 trafen sich ägyptische und israelische Regierungsvertreter in Beersheba in Israel, um Gespräche über eine palästinensische Autonomie zu beginnen, wie dies in einem Briefwechsel vorgesehen war, der dem
ägyptisch-israelischen Friedensvertrag beigefügt war. Jordanien lehnte eine
Einladung zur Teilnahme an den Gesprächen ab. Außenminister Cyrus Vance
nahm an der Eröffnungssitzung teil. Die Autonomiegespräche dauerten mit Unter
brechungen die nächsten zwei Jahre an, brachten jedoch keinen nennenswerten
Fortschritt.
Juni 1981:

Israelische Flugzeuge bombardieren einen irakischen Reaktor:
Am 7. Juni
- 10 -

�Am 7. Juni zerstörten israelische Kampfflugzeuge "Osirak", den Kernreaktor des Irak in der Nähe von Bagdad.

Auch die Vereinigten Staaten gehör-

ten zu den Ländern, die diesen Angriff verurteilten, desgleichen die Sowjetunion und Frankreich, das dem Irak den Reaktor verkauft hatte.

Israel wies

die Kritik aus Sicherheitsgründen zurück.
August 1981: Multinationale Streitkräfte und Beobachter im Sinai:
Im Frühjahr 1981 lehnten es die Vereinten Nationen ab, die zur Aufrechterhai tung des Friedens nötigen Truppen bereitzustellen, die - laut
Forderung des ägyptisch-israelischen Vertrages - im Sinai zwischen den
ägyptischen und israelischen Streitkräften staioniert werden sollten.

Dar-

aufhin organisierten die Vereinigten Staaten die multinationalen Streitkräfte
und die entsprechenden Beobachter.

Am 3. August 1981 unterzeichneten der

ägyptische und der israelische Botschafter in den Vereinigten Staaten das
Protokoll - von den Vereinigten Staaten als Zeuge gleichfalls unterzeichnet -.mittels dessen die Sinai-Streitmacht aufgestellt wird.

Dadurch wurde

der Weg für den abschließenden Rückzug Israels aus dem Sinai am 25. April
1982 geebnet.
Dezember 1981:

Israel annektiert die Golan-Höhen:

Die Regierung von Ministerpräsident Begin stimmte am 14. Dezember einem
Gesetz zu, durch das die 1967 besetzten Golan-Höhen Syriens annektiert wurden.
Begin erklärte seinen Entschluß, seine seit langem bestehende Absicht auszuführen, damit, daß Syrien in jüngster Zeit eine immer "extremistischere" Position eingenommen habe.

Die Reagan-Administration erklärte sofort, die

Annektierung verletze die Camp-David-Vereinbarungen.
Juni 1982:

Die israelische Invasion des Libanon:

Am 6. Juni begann die Invasion der israelischen Streitkräfte im Libanon,
nachdem dieser Artilleriegefechte mit der PLO in den südlichen Grenzgebieten

- 11 -

�südlichen Grenzgebieten vorausgegangen waren;rasch stießen die Truppen nordwärts vor, um Beirut zu belagern.

Ziel war, die PLO und Truppen der Syrer

aus dem südlichen Libanon zu vertreiben.

Innerhalb einer Woche hatte Israel

praktisch die Kontrolle über die südlichen 40 Prozent des Landes.

Am 11.

Juli handelte Botschafter Philip Habib, Präsident Reagans Sonderbotschafter,
einen Waffenstillstand aus - den ersten in einer ganzen Reihe bis hin in den
August.
August 1982: Abzug der PLO wird ausgehandelt:
Gegen Ende August endete die israelische Belagerung von Beirut mit
der Evakutierung der PLO aus der Stadt gemäß einem von Botschafter Habib
ausgehandelten Abkommen.

Eine multinattionale Streitmacht (MNF) aus amerika-

nischen, französischen, italienischen und britischen Truppenkontingenten überwachte die Evakuierung.
September 1982:

Die Friedensinitiative Präsident Reagans:

Die israelische Invasion des Libanon im Juni lenkte die amerikanischen
Friedensbemühungen auf das Ziel, einen Waffenstillstand für dieses Land zu
erreichen und einen Truppenabzug zu vereinbaren. Die Friedensinitiative von
Präsident Reagan, in einer Rede am 1. September 1982 dargelegt, konzentrierte
ihre Bemühungen auf eine umfassende Regelung. Indem er auf einen Neubeginn
bei den Friedensverhandlungen drängte, erklärte der Präsident, die folgenden
Punkte seien von zentraler Bedeutung: Selbstverwaltung der Palästinenser im
Westjordanland und im Gazastreifen in Assoziation mit Jordanien; Einfrieren
der Siedlungspolitik der Israelis; Garantien für die Sicherheit Israels; ein
ungeteiltes Jerusalem, wobei dessen endgültiger Status auf dem Verhandlungsweg zu entscheiden sei. Obgleich alle an dem Disput beteiligten Parteien
positive Elemente in der Initiative erblickten, wurde sie dennoch bislang
nicht als Grundlage von Verhandlungen akzeptiert. Die israelische Regierung
wies die Initiative mit dem Argument zurück, sie stehe im Widerspruch zu den
Camp David-Vereinbarungen. Auf dem Gipfeltreffen der Arabischen Liga eine Woche

- 12 -

�eine Woche später in Fes wurde kein Kommentar dazu abgegeben.

König Hussein

von Jordanien akzeptierte die Vorstellungen von einem gemeinsamen palästinensisch-jordanischen Ausschuß als einen Schritt in Richtung auf eine künftige formelle Beziehung zwischen dem Westjordanland und Jordanien.
September 1982:

Die Gipfelkonferenz der Arabischen Liga billigt Frie-

densplan:
Die Gipfelkonferenz der Arabischen Liga in Fes in Marokko kündigte am
9. September einen 8-Punkte-Friedensplan an, der an den erinnerte, den der
ehemalige saudische Kronprinz (und jetzige König) Fahd im August 1981 vorgelegt hatte.

Zu den Grundlagen des Planes gehörte der Abzug der israelischen

Streitkräfte aus allen 1967 besetzten Gebieten, Beseitigung der nach 1967
auf arabischen Territorien errichteten Siedlungen, Schaffung eines unabhängigen palästinensischen Staates und Friedensgarantien des Sicherheitsrates
"für alle Staaten der Region."
September 1982:

Massaker in den Beiruter Flüchtlingslagern und erneuter

Einsatz der multinationalen Friedenstruppe:
Die multinationale Friedenstruppe hatte ihren Abzug aus dem Libanon
nach der Evakuierung der PLO gerade beendet, als sich die Lage sofort verschlechterte.

Am 14. September wurde der zum Präsidenten des Libanon gewähl-

te Bashir Gemayel ermordet,und schon am nächsten Tag marschierten israelische
Truppen in Beirut ein.

Angehörige der Christlichen Milizen stürmten in die

Flüchtlingslager von Sabra und Shatila und töteten vom 16. bis zum 18. September Hunderte der Bewohner.

Auf entsprechende Bitten hin sandte Präsident

Reagan am 20. September amerikanische Truppen in den Libanon zurück, um dabei
zu helfen, die vor einer Woche abgezogene multinationale Friedenstruppe wieder einzusetzen.
Oktober 1983:

Mandat der UN-Truppen wird verlängert:
Der Sicherheitsrat
- 13 -

�Der Sicherheitsrat verlängerte das Mandat der UN-Interims-Friedenstruppe (UNIFIL) im Libanon für weitere sechs Monate.

Die Truppe wurde im

März 1978 nach der ersten israelischen Invasion des Libanon aufgestellt, um
den Abzug der Israelis zu überwachen und der libanesischen Regierung dabei
behilflich zu sein, ihre Autorität auch wieder auf den Süden auszudehnen.
November 1983:

Das Mandat für die UN-Beobachter wird erneuert:

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen erneuerte das Mandat der
UN-Beobachter für die Entflechtungsmaßnahmen (UNDOF) für weitere sechs Monate bis zum 31. Mai 1984.

Eingesetzt im Jahr 1974, überwachen diese den

Waffenstillstand und das Entflechtungsabkommen zwischen Israel und Syrien
auf den Golan-Höhen.

+ + + + +

- 14

�Wi//en/chcift
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America
21. Dezember 1983

51

ZEHN RAUMTRANSPORTER-FLÜGE IM JAHR 1984 GEPLANT

- (AD) - Die amerikanische Behörde für Luft- und Raumfahrt (NASA) plant
für 1984 zehn Flüge mit Raumtransportern, von denen dann bereits drei Geräte
zur Verfügung stehen werden.

Wie James M. Beggs, der Administrator der NASA,

jetzt in Washington vor Journalisten erklärte, sei im Herbst der zweite Einsatz
des europäischen Weltraumlabors SPACELAB vorgesehen.
Eine wichtige Aufgabe sei, so Beggs, das Rendezvous mit dem Forschungssatelliten SOLARMAX, der im Jahr 1980 zur Beobachtung von Gas- und Strahlungsausbrüchen auf der Sonne gestartet wurde, jedoch funktionsunfähig geworden ist.
Er soll von einem Astronauten, der sich mit Hilfe eines mit kleinen Rückstoßraketen arbeitenden Manövriergeräts zu dem Satelliten begibt, stabilisiert und
dann mit dem Robotarm des Space Shuttle an Bord geholt werden.

Nach der Reparatur

der eingetretenen Schäden wird das Forschungsgerät vermutlich wieder im Weltraum
abgesetzt.

Bei SOLARMAX handelt es sich wegen der neuen Untersuchungen zu

Problemen der Sonnenaktivität um einen sehr wichtigen Satelliten.

Bei dem

Ausstiegsmanöver wird sich der Astronaut zum ersten Mal völlig frei bewegen
und nicht am Raumtransporter "angehängt" sein.

Wie schon mehrfach geschehen,

werden auch im nächsten Jahr wieder Nachrichtensatelliten mit dem Raumtransporter
in eine Erdumlaufbahn transportiert und dort zur Stationierung an ihrem Standort
im Weltraum abgesetzt.

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Sechs der acht Astronautinnen im Team der NASA nehmen an einigen der
Flüge teil.

So wird beispielsweise im August Dr. Sally Ride, die bereits im

Juni 1983 bei STS-7 dabei war, gemeinsam mit ihrer Kollegin Kathryn Süllivan,
einer Geologin, ein Spezialverfahren zum Auftanken von Satelliten erproben.
Bei diesem Einsatz soll K. Süllivan als erste Frau ein Außenbordmanöver
unternehmen.
Für den nächsten Raumtransporterflug, der Ende Januar 1984 starten soll,
sieht Beggs trotz des Ausfalls von zwei der fünf Computer beim COLUMBIASPACELAB-Einsatz im Dezember 1983 und des Brandes an einem Hilfstriebwerk bei
der Landung nicht die Gefahr einer Terminverschiebung.

Der Brand sei offenbar

die Folge des Aussickerns von Hydrazin-Treibstoff an einem der drei Hilfstriebwerke gewesen, die hydraulischen Druck erzeugen.

Bei einem Computer wird

das Versagen auf einen Programmierfehler zurückgeführt, beim zweiten ist man
sich über die Ursache noch nicht im klaren.
In den nächsten 25 Jahren beabsichtige die NASA, so Beggs, eine Reihe von
Projekten in erdnahen Umlaufbahnen durchzuführen, die u.a. meteorologische
Probleme und die Emission von Schadstoffen betreffen. Man wisse beispielsweise,
daß große Mengen von Kohlendioxid in die Erdatmosphäre gelangen, jedoch sei über
die langfristigen Auswirkungen von CO2 sehr wenig bekannt. Auch fürchte man,
daß die Zerstörung der Regenwälder durch den Menschen der Atmosphäre schadet.
Zwischen den längeren Perioden in der Sonnenaktivität und dem Wettergeschehen
auf der Erde scheine eine enge Beziehung zu bestehen. Verstünde man diese
besser, seien auch genauere Wettervorhersagen zu erwarten.
Für Astronomie-Forschungen möchte die NASA künftig Instrumente einsetzen,
die sehr detaillierte Untersuchungen zulassen und rund um die Uhr die Sterne
beobachten.

Beggs erwähnte,daß inzwischen mindestens 50 Sterne mit einem

eigenen Planetensystem bekannt seien.
Anfang 1984

�Anfang 1984 beabsichtigt die US-Regierung, Richtlinien über die Zulassung
von Nicht-Astronauten zu Raumflügen zu veröffentlichen.

Diese Personen sollen

als Beobachter an Space-Shuttle-Unternehmen teilnehmen können.

In der weiteren

Zukunft werde man auf Raumstationen als Startplattform für Unternehmen zur
genaueren Erforschung der Planeten, zunächst des Mars, nicht verzichten können.
Die Industrie zeigt immer mehr Interesse an einer Beteiligung an Raumfahrtprojekten, erklärte Beggs. Die NASA unternehme ihrerseits große Anstrengungen,
einen Technologie-Transfer von der Raumfahrttechnik in die Privatwirtschaft zu
erleichtern.

Gegenwärtig halte sie jeden Monat Konferenzen mit Industriever-

tretern ab, auf denen die wissenschaftlichen Studien erörtert werden, die die
NASA durchführt.

+ + + ++

- 3

�21. Dezember 1983

51

AMERIKA UND SEINE NOBELPREISTRÄGER
Das besondere Forschungsklima für eine internationale Elite -

- (AD) - Am 10. Dezember 1983 nahmen in Stockholm fünf Amerikaner Nobelpreise entgegen - Barbara McClintock den Preis für Medizin, William Fowler
und Subrahmanyan Chandrasekhar den Preis für Physik, Henry Taube den Preis für
Chemie und Gerard Debreu den Preis für Wirtschaftswissenschaften.

Als ein

paar Monate zuvor bekannt wurde, wer 1983 ausgezeichnet wird, nahmen viele
Amerikaner mit Stolz zur Kenntnis, daß alle Nobelpreise für wissenschaftliche
Leistungen an Forscher in den Vereinigten Staaten gefallen waren.

Auch wurde

auf die Tatsache verwiesen, daß drei von ihnen, nämlich Chandrasekhar, Taube
und Debreu, keine gebürtigen Amerikaner sind.
Schon einige Jahrzehnte lang bedarf es kaum mehr irgendwelcher Spekulationen, ob Nobelpreise in die USA vergeben werden.

Seit 1950 gingen 23

Preise für Physik, 15 für Chemie und 26 für Medizin oder Physiologie an Wissenschaftler in den Vereinigten Staaten.
Bürger der USA.

Viele von ihnen sind naturalisierte

Der erst 1969 geschaffene Preis für Wirtschaftswissenschaften

wurde inzwischen an 12 Amerikaner verliehen.

Auch von diesen Laureaten sind

einige keine gebürtigen Amerikaner - drei erwarben erst nach Abschluß ihres

Postfach 20 03 00 Tel 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Abschluß ihres Studiums im Ausland die amerikanische Staatsbürgerschaft, der
vierte war als Kind in die Vereinigten Staaten gekommen.
Der Erfolg von 1983 belebte erneut die Diskussion um zwei Fragen:

Wie

kommt es, daß so häufig Amerikaner mit dieser hohen Auszeichnung bedacht werden?

Und weshalb sind unter den ausgezeichneten Wissenschaftlern so viele

naturalisierte Bürger der USA?
Obleich es kaum präzise Antworten dazu geben kann, sind doch die meisten
überzeugt, daß Amerika eine "Atmosphäre" besitzt, in der Wissenschaftler ihr
Bestes geben können, und in der man ihre Anstrengungen zu würdigen weiß und
unterstützt.
In einer vor kurzem vom "Wall Street Journal" durchgeführten Untersuchung
wurde festgestellt, daß Forschen in den Vereinigten Staaten weniger durch hochmoderne Apparaturen und Laboratorien - auf die die USA ohnehin kein Monopol
haben -, sondern durch den offenen Wettbewerb um Forschungsgelder, die verhältnismäßig geringe bürokratische Kontrolle und die Bereitschaft amerikanischer
Wissenschaftler, auch gegenüber Vorgesetzten abweichende Meinungen zu vertreten, erleichtert wird.
Dies alles dürfte zu dem beitragen, was wohl ein Schlüssel für Innovationen ist - d.h. zu einer geistigen Umwelt, die Forscher anregt, sich voll
und ganz neuen und erregenden Problemen zu widmen, welche eigentlich erst bei
offenem Ideenaustausch zutage treten. Die Zeitung zitiert einen Wissenschaftler aus der Bundesrepublik, der in den Vereinigten Staaten arbeitet und ein
attraktives Angebot aus Europa ablehnte, weil, wie er sagte, "nur Amerika die
richtige Atmosphäre gibt, um gute wissenschaftliche Forschung zu betreiben".
Andere in dem "Wall Street Journal"-Artikel zitierten Wissenschaftler
sehen diese Atmosphäre als eine Folge der Aufgeschlossenheit in den Departments
von Universitäten, im interuniversitären Bereich und im Austausch zwischen akademischer und industrieller Forschung. So empfand es der französische Wissen-

9
-

i-

�\

^

französische Wissenschaftler Guy Mayer regelrecht als "Schock" bei seinem
ersten Besuch in den Vereinigten Staaten, als berühmte Autoritäten nicht
nur bereit waren, einen Besucher zu empfangen, sondern ihm sogar freie Zeit
für zwanglose Gespräche zu widmen.
Der Wirtschaftswissenschaftler John Kendrick (George Washington-Universität) spricht davon, wie wichtig eine geistig anregende Atmosphäre, aber
auch die Tatsache sei, "daß wir uns herausfordern lassen und selbst herausfordern".

Eine solche Atmosphäre werde zielbewußt durch die häufigen Zusam-

menkünfte, Tagungen und Seminare gefördert, wo Gelehrte und Forscher Ideen
austauschen können.

Das "National Bureau of Economic Exchange" in New York

sei speziell zur Unterstützung eines solchen Austauschs ins Leben gerufen
worden.

"Es gibt eine gewisse kritische Masse (von Ideen)", meint Kendrick,

"die für den Fortschritt notwendig ist, und die amerikanische Institutionen
bewußt zu schaffen suchen".
Dr. Arno Penzias, Vizepräsident für Forschung der AT &amp; T Bell-Laboratorien, zeigt einen weiteren Aspekt auf:

Penzias, selbst Nobelpreisträger

für Physik, beschränkt sich nicht auf die Forschungsarbeit in den Bell-Laboratorien.

Er nimmt auch Lehraufträge an der Harvard-Universität und der

Princeton-Universität, an der Universität von Pennsylvanien und der Staatsuniversität New York in Stony Brook wahr.

Seine Tätigkeit ist ein Beispiel

für den Brückenschlag zwischen der Welt der Universitäten und der Welt der
Industrie.
In einem Interview, das Penzias kürzlich einem Journalisten vom USInformationsamt (USIA) gab, verwies er darauf, daß der besondere Vorteil
dieses Brückenschlages darin liege, dem Wissenschaftler die Möglichkeit zur
Auseinandersetzung mit neuen Ideen und neuen Meinungen zu geben.

Der Austausch

zwischen Universität und Industrie sei von sehr praktischer Bedeutung, denn
durch ihn werden "die Dinge gemischt", und er verhindere die Isolierung des
Wissenschaftlers.

"Was in Universitäten und in der Industrie gebraucht wird,

sind Ideen", meinte er.

Diese Tatsache habe man in der pragmatischen ameri-

kanischen Weise erkannt; schließlich sei Pragmatismus ein weiterer Schlüssel
- 3 -

�!

weiterer Schlüssel für das, was Amerika erreicht habe.

Der Wissenschaftler-

austausch zwischen Universitäten und Industrie werde durch diesen Pragmatismus ermöglicht, weil in einem solchen Umfeld "nicht das zählt, was man in der
Vergangenheit war oder getan hat, sondern was man jetzt ist und jetzt tun
kann".
Auch entspreche die angebliche Spannung zwischen Grundlagenforschung
und angewandter Forschung nicht den Tatsachen, erklärt Penzias, und e s sei
tödlich, die beiden voneinander scheiden zu wollen.

Amerikaner Pragmatismus

habe die Scheidung verhindert, weil er erkenne, daß das wirklich Wichtige in
der Wissenschaft weniger in der Lösung von Problemen liegt, sondern darin,
die richtigen Probleme zu finden, an denen gearbeitet werden muß.

Die Wissen-

schaftler in Amerika sehen in reiner und angewandter Forschung eher ein weiterführendes Ganzes als etwas Gegensätzliches, und die Tätigkeit von Wissenschaftlern einmal auf dem einen und einmal auf dem anderen Gebiet, ja ihre oft gleichzeitige Arbeit in beiden Gebieten, trage dazu bei, vielversprechende Probleme
ausfindig zu machen.

Und daraus entsteht laut Penzias eine erregende For-

schungsatmosphäre.
Nobelpreisträger Arno Penzias wurde in Deutschland geboren und kam als
Kind in die Vereinigten Staaten.

Auf die Frage, weshalb unter Nobelpreis-

trägern so viele naturalisierte Bürger zu finden seien, nennt er zwei Gründe:
Entwurzelung, und Entfaltungsmöglichkeiten.

Schmerzlich sei die "Entwurzelung".

Einwanderer ließen, so sagt Penzias, vieles zurück - Heimat, viele ihrer Traditionen, ihren Platz in einer anderen Gesellschaft, und sogar ihre Muttersprache.

So konzentrierten sie wohl eher ihre Kräfte auf Gebiete, wo es keine

Sprach- oder Kulturschranken gebe, und hier seien die physikalischen Wissenschaften ein ideales Feld.

Ähnlich mag auch das Bewußtsein, entwurzelt zu

sein, manche Einwanderer veranlassen, noch härter zu arbeiten, um Hervorragendes zu leisten, als sie es sonst tun würden.

Gegenwärtig scheine sich bei

den Flüchtlingen aus Südostasien diese Erfahrung, die früher Flüchtlinge aus
Europa, insbesondere jüdische Flüchtlinge, gemacht haben, zu wiederholen.
Aber es
- 4 -

�I

Aber es gebe auch einen positiven Aspekt, meint Penzias - und zwar die
Chancen, die Amerika den Flüchtlingen bot.

Dem Streben der Einwanderer nach

Erfolg kamen die Möglichkeiten, Erfolg zu haben, entgegen.

Da war z.B. das

System der öffentlichen Schulen, und da waren Universitäten, die allen offenstanden.
Auch Nobelpreisträger Dr. Eugene Paul Wigner ist überzeugt, daß die
amerikanische Gesellschaft selbst, nicht nur die darin lebenden Wissenschaftler, eine wichtige Rolle spielen. Professor Wigner, der an der PrincetonUniversität lehrt, stammt aus Ungarn, studierte in Deutschland und ging 1930
in die Vereinigten Staaten. Im Jahr 1963 erhielt er den Nobelpreis für Physik.
Auf die Frage, weshalb seiner Meinung nach Amerikaner und Einwanderer im Besonderen in der Forschung so erfolgreich seien, erwähnt er die geistige Anregung durch amerikanische Universitäten und die - betrübliche - Tatsache,
daß Einwanderer, von ihren Familien und früheren Bindungen getrennt, mehr
Zeit hätten, sich der Forschung zu widmen. Aber laut Wigner sei geistige Anregung in vielen Ländern zu finden. In seinem Fall zumindest sei ein besonders wichtiger Punkt die soziale Gleichberechtigung gewesen. "Gleichberechtigung inspiriert - Gleichberechtigung und Freiheit... die Freiheit, das zu tun,
was man tun möchte", sagt Wigner.
Die Überzeugung, daß wissenschaftliche Leistungen letztlich auch aus
der Gesellschaft als Ganzem, nicht nur aus den Kreisen der Wissenschaft
kommen, teilt auch der Soziologe Michael Novak.

In seinen Augen ist "prak-

tische Kreativität" ein Grundziel der amerikanischen Kultur.

Das Geheimnis

liege darin, daß die amerikanische Gesellschaft um Kreativität aufgebaut sei,
vor allem um jene Art von Kreativität, die sofort dem Menschen zugute komme.
Dies bedeute Anziehungskraft für Millionen von Menschen, in die Vereinigten
Staaten zu kommen, wo sie Ermutigung und Chancen für ihre eigene Kreativität
sehen.

+ + + + +

- 5 -

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9288">
                <text>21.12.1983</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9289">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9290">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13739">
                <text>Amerikadienst 21.12.1983</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13740">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: USA suchen keine Konfrontation im Nahen Osten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Pressekonferenz vom 14. Dezember 1983 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikas Streben nach Frieden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache des US-Gesandten Hans N. Tuch in Hamburg -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanischen Friedensanstrengungen im Nahen Osten 1967-1983&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Chronologie -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zehn Raumtransporter-Flüge im Jahr 1984 geplant&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerika und seine Nobelpreisträger&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Das besondere Forschungsklima für eine internationale Elite -&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1838" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1849">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/89f6e7f90dfd9275b0da30cf021ed23b.pdf</src>
        <authentication>9ac29c15599fc996d14a6627315bc976</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="9287">
                    <text>und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

14. Dezember 1983

50

I N H A L T

DOKUMENTATION
Erklärung des US-Außenministeriums zu den Terrorangriffen in Kuwait

HINTERGRUNDMATERIAL
Reagan würdigt 30 Jahre Arbeit des US-Informationsamtes (USIA)
USA zum Protest bei Menschenrechtsverletzungen verpflichtet
- Erklärung Reagans zum Tag der Menschenrechte und zum Tag der
'Bill of Rights' -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Viel neues Material für die Forschung
- Erster SPACELAB-Einsatz großer Erfolg Biologische Schädlingsbekämpfung
- Besonders wichtig für Regionen in der Dritten Welt

Um Übcr/cn Jung von
ßckgcKcmplorcn
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America
14. Dezember 1983

50

ERKLÄRUNG DES US-AUßENMINISTERIUMS ZU DEN TERRORANGRIFFEN IN KUWAIT
WASHINGTON - AD - Das amerikanische Außenministerium erklärte am
12. Dezember 1983, die Terrrorangriffe auf die Botschaft der Vereinigten
Staaten in Kuwait und andere Einrichtungen würden Amerika "nicht von einer
kontinuierlichen Politik im Nahen Osten abbringen."

Der Stellvertretende

Pressesprecher des Außenministeriums, Alan Romberg, bedauerte ebenso wie
der Stellvertretende Pressesekretär des Weißen Hauses die Anschläge in
Kuwait, und beide sprachen ihr Mitgefühl für die Opfer aus.
Die von Romberg verlesene Presseerklärung hat folgenden Wortlaut:
Am heutigen 12. Dezember gegen 0630 GMT (0930 Uhr Ortszeit)
durchbrach ein Lastwagen das Haupttor der Anlage der amerikanischen
Botschaft in Kuwait.

Der Lastwagen fuhr noch etwa 45 Meter weiter zu

einem Anbau der Botschaft, wo eine große Bombe zur Explosion gebracht
wurde.

Durch die Explosion stürtzte ein Teil des Anbaus zusammen, und

es entstand großer Sachschaden an der Kanzlei und anderen Gebäuden auf
dem Gelände.
Die Information über die Zahl der Verluste ist noch unvollständig.
Nach ersten Berichten wurden vier Personen getötet und 37 verletzt;
zwei Personen werden noch vermißt. Zwei der Toten wurden als ausländische
der für die Wartung zuständigen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Wartung zuständigen Abteilung der Botschaft gearbeitet haben.
Die beiden anderen Toten wurden noch nicht identifiziert.
Von den 37 verletzten Personen waren 20 örtliche Arbeitnehmer der
Botschaft (Foreign Service Nationais), die anderen waren 17 Besucher der
Botschaft oder auf Kontrakt arbeitende Privatpersonen.

Einige der verletzten

örtlichen Arbeitnehmer befinden sich in einem ernsten Zustand.
Alle Amerikaner sind zur Stelle, und obwohl einige amerikanische
Bedienstete Verletzungen erlitten, mußte keiner ins Krankenhaus gebracht
werden.

Die Aufräumungsarbeiten gehen weiter.

Wir haben Berichte über andere Bombenanschläge in Kuwait erhalten.
Die Informationen sind unvollständig; zu den Zielen gehörten jedoch die
französiche Botschaft und der Tower des Flughafens von Kuwait. Berichten
zufolge wurden weiter das nahegelegene SAS-Hotel sowie die Büros der Raytheon
Corporation
betroffen. Das Ausmaß des Schadens und der Verluste ist nicht
bekannt. Eingehendere Informationen müssen von der Regierung von Kuwait
kommen.
Wir bedauern all diese Angriffe zutiefst.

Sie werden uns jedoch nicht

von einer kontinuierlichen Politik im Nahen Osten abbringen.
Was die Verantwortung für die Anschläge angeht, so liegen uns Berichte
der Medien vor, nach denen eine Gruppe, die sich selbst als "Islamic Jihad"
(Islamischer heiliger Krieg) bezeichnet, die Verantwortung für den Angriff
übernommen hat. Wir besitzen keine eigene Bestätigung dieser Berichte.
Eine Organisation, die sich als Islamic Jihad bezeichnet, hat neben
anderen Organisationen auch die Verantwortung für die Bombenanschläge in
Beirut übernommen. Wir wissen nicht, ob hier ein Zusammenhang besteht.
Es gab

�Es gab keine Vorwarnung vor diesem Angriff.

Die Botschaft hat in

der Vergangenheit mehrere Drohungen gegen ihre Sicherheit erhalten und hat
versucht, geeignete Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, vor allem nach den
kürzlichen Bombenaschlägen in Beirut.
Da die Botschaften ihrer Natur nach für die Öffentlichkeit zugänglich sein müssen, können sie nicht in bewaffnete Festungen verwandelt werden.

Das setzt den Schutzmaßnahmen, die getroffen werden können, Grenzen.
In Kuwait befinden sich etwa 3000 amerikanische Staatsbürger.

An

der Botschaft sind etwa 65 Amerikaner tätig, die 237 Familienangehörige
haben.
Ich möchte bemerken, daß der Stellvertretende Ministerpräsident
und Außenminister von Kuwait, Scheik Sabah AI-Ahmad AI Sabah, kurz nach
der Explosion zum Gelände der Botschaft kam, um im Namen des Emirs von
Kuwait, des Kronprinzen und der kuwaitischen Regierung sein Mitgefühl zum
Ausdruck zu bringen. Der Außenminister bot der Botschaft die uneingeschränkte Mitarbeit und Unterstützung seiner Regierung an.

- 3 -

�Hintergrund
materiell
United States Information Service
Embassy of the United States of America

14. Dezember 1983

50

REAGAN WÜRDIGT 30 JAHRE ARBEIT DES US-INFORMATIONSAMTES (USIA)

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat in einer Botschaft
anläßlich des 30jährigen Bestehens die Arbeit des amerikanischen Informationsamtes - United States Information Agency (USIA) - im Dienste der Wahrheit und der Freiheit des Menschen gewürdigt.

In der auf Tonband aufge-

nommenen Botschaft, die bei den Feierlichkeiten am 9. Dezember 1983 abgespielt wurde, heißt es, daß USIA in all den Jahren höchste professionelle
Qualität gezeigt "und voll, genau und fair die Wahrheit berichtet" habe,
während andere Regierungen ihre Kommunikationskanäle dazu benutzt hätten,
um irreführende Propaganda und ausgesprochene Falschmeldungen zu verbreiten.

USIA habe durch seinen im Ausland tätigen US-Informationsdienst(USIS)

ein ehrliches Bild des amerikanischen Lebens und der amerikanischen Politik
und darüber hinaus auch des Weltgeschehens verbreitet.
Der Direktor des Amtes, Charles Z. Wick, erklärte anläßlich der Feier
in Washington

vor dem neuen USIA-Gebäude, die Aufgabe seiner Behörde,

"Tel 1ing America's story to the world" - die Darstellung Amerikas in der
Welt - die heute oft als "öffentliche Diplomatie bezeichnet wird, nimmt
einen immer wichtigeren Platz in der Verwirklichung der amerikanischen Außen-

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�amerikanischen Außenpolitik ein".

Niemals in der Geschichte der Vereinig-

ten Staaten sei es wichtiger gewesen, "daß wir uns darstellen und daß andere
Nationen verstehen, was wir zu sagen versuchen".
Wick verwies darauf, daß in seinem Amt, beispielsweise bei der ihm
angeschlossenen "Stimme Amerikas", die modernste Technologie herangezogen
werde, um in der Welt Gehör zu finden.

Auch das neu eingeführte "Euronet",

eine über Satellit nach Europa übertragene Fernsehpressekonferenz, sei ein
gutes Beispiel.
Zu den Aufgaben von USIA gehört auch ein großangelegtes Austauschprogramm, das jetzt an die internationale Jugendaustausch-Initiative des
Präsidenten angegliedert worden ist.

Dadurch, so berichtete Wick, werde

eine "dramatische Steigerung" dieses Programms erreicht.
Ferner nimmt einen breiten Raum in der Informationsarbeit von USIA
das Bücherei-Programm ein, das in fast allen Ländern der Erde Fachbibliotheken unterhält und über einen Computer-Dienst amerikanische Veröffentlichungen beschaffen kann.
An den Feierlichkeiten in Washington nahm auch die amerikanische
Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Jeane Kirkpatrick, teil, die ebenfalls den hohen Wert der USIA-Arbeit hervorhob. Sie selbst, so betonte sie,
habe an dem Vortragsprogramm des US-Informationsdienstes teilgenommen, weil
sie zutiefst an diese Arbeit glaube. "Ich glaube," so erklärte sie wörtlich, "daß Information das wichtigste Instrument der amerikanischen Außenpolitik ist". Dies gelte vor allem in der heutigen Zeit, in der immer mehr
Menschen sich in der Politik engagieren. Sie zitierte in diesem Zusammenhang den sowjetischen Dissidenten Solschenizyn: "Gewalt ist in unserer Zeit
unausweichlich mit der Lüge verbunden".
Die Botschaft von Präsident Reagan zum 30jährigen Bestehen von USIA
hat folgenden Wortlaut:
In diesem
- 2 -

�In diesem Jahr begehen wir den 30. Jahrestag eines Amtes, das ich
immer zu den wichtigsten der amerikanischen Regierung gerechnet habe - das
amerikanische Informationsamt (USIA).

In 30 Jahren hat sich USIA einen

höchst eindrucksvollen Ruf geschaffen, ja, viele große Ereignisse im Journalismus und im Medienbetrieb in Amerika haben mit USIA zu tun gehabt.
In all den Jahren hat USIA immer die höchste professionelle Qualität
bewahrt und voll, genau und fair die Wahrheit berichtet, während andere Regierungen ihre Kommunikationskanäle für irreführende Propaganda und ausgesprochene Falschmeldungen benutzt haben.
USIA hat seinen Ruf bewahrt, der Welt ein ehrliches Bild nicht nur
des amerikanischen Lebens und der amerikanischen Politik, sondern auch des
Weltgeschehens selbst zu geben - eines Geschehens, das viele niemals erfahren oder begreifen würden, gäbe es nicht USIA.

Wie wichtig

die Arbeit von

USIA ist, ist nie deutlicher geworden als bei der ausgezeichneten Berichterstattung kürzlich über die Enthüllungen und Darstellung des abscheulichen
Angriffs auf ein koreanisches Zivilflugzeug, den damit verbundenen tragischen
Verlust von Menschenleben und die verzweifelten Versuche, die Wahrheit zu
vertuschen.
Innerhalb von Minuten nach dem Bericht über die Vernichtung des
Düsenflugzeuges durch die Sowjets verbreitete die "Stimme Amerikas" das Ereignis in ihren Nachrichtensendungen. Jede sowjetische Erklärung und Gegenerklärung - angefangen von den ersten Dementis über all die mühsamen Änderungen und Widersprüche in den Darstellungen der Sowjets bis hin zu der
Erklärung des sowjetischen Delegierten bei den Vereinten Nationen, in der
er den Abschuß noch bestritt, während seine eigene Regierung ihn bereits zugegeben hatte - wurden von der "Stimme Amerikas" und anderen USIS-Publikationen voll wiedergegeben.
Für mich ist das ein weiteres Beispiel, wie die Arbeit von USIA im
Dienste der Sache der Wahrheit auch die Sache der menschlichen Freiheit fördert. Aus diesem Grunde ist es auch keine Propaganda, wenn USIA über die
- 3 -

�über die Unterdrückung der Freiheit berichtet, sondern das ist die wichtigste Nachricht unserer Zeit, so wie es die größte Tragödie unserer Zeit
ist - nämlich der Angriff auf die Menschenwürde durch jene, die die Macht
des totalitären Staates predigen.
Neben all jenen, die für die erstklassigen Nachrichtensendungen und
die zupackenden, gut geschriebenen, aber klar als solche erkenntlich gemachten Kommentare verantwortlich sind, arbeiten noch viele engagierte Männer
und Frauen als USIA-Bedienstete überall in der Welt - sie bieten Eindrücke
der amerikanischen Kultur, erläutern die amerikanische Politik und bringen
uns damit den Völkern anderer Länder näher und fördern die Sache des Weltfriedens.
Und so möchte ich heute Ihnen und Ihrem Direktor, Charles Z. Wick,
meine herzlichsten Glückwünsche
haben.

für das übermitteln, was Sie geleistet

Aber ich möchte auch, daß jeder von Ihnen weiß, daß nicht nur Ihr

Präsident, sondern alle

Amerikaner dankbar sind für das berufliche Können

und das Engagement, das Sie für Ihre Arbeit mitbringen.
Ich bin sicher, Sie hören diese schönen Worte fast so oft, wie Sie
sie verdienen, aber ich möchte im Namen des amerikanischen Volkes Ihnen meine
Geburtstagswünsche übermitteln und sagen:

Dankeschön!

Machen Sie so weiter, und Gott segne Sie.

+ + + + +

- 4 -

Wir sind dankbar.

�14. Dezember 1983

50

USA ZUM PROTEST BEI MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN VERPFLICHTET
• Erklärung Reagans zum Tag der Menschenrechte und zum Tag der
'Bill of Rights'-

WASHINGTON - (AD) - Zum 192. Jahrestag der amerikanischen "Bill of
Rights"- der in der Verfassung verbrieften Rechte des einzelnen - sowie zum
35. Jahrestag der Universellen Menschenrechterklärung durch die Vereinten
Nationen wurde der 10. Dezember in den Vereinigten Staaten zum "Tag der Menschenrechte" und die sich hieran anschließende Woche zur "Woche der Menschenrechte" sowie der 15. Dezember zum "Tag der Bill of Rights" erklärt.
In seiner Ansprache anläßlich der Unterzeichnung der Proklamation
verwies Präsident Reagan darauf, daß "wir in den freien Ländern manchmal
den Reichtum dieses kostbaren Besitzes"der Menschenrechte vergessen, während
es doch "unsere Verantwortung ist, unsere Stimme gegen die offenkundigen
Beleidigungen der Menschenrechte zu erheben", wie diese in der Sowjetunion,
in Polen, in Afghanistan, in Südafrika, im Iran und in Mittelamerika zu beobachten seien:
Reagan betonte,

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Reagan betonte, daß die Vereinigten Staaten auch weiterhin eine starke
Verteidigung als notwendiges Bollwerk gegen den Totalitarismus aufrechterhalten würden, doch bestehe "eine gleichstarke Waffe gegen die Tyrannei darin,
die Wahrheit zu verkünden."

Daher sei es eines der "großen Versäumnisse"

Washingtons gewesen, es den linken Diktaturen zu ermöglichen, "in der internationalen Debatte die Initiative zu ergreifen."

Um dies zu ändern,sei

nunmehr "Unterstützung der Demokratie ein zentrales Ziel der amerikanischen
Außenpolitik," wobei gerade auch die internationalen Rundfunksendungen der
Vereinigten Staaten, wie die "Stimme Amerikas","Radio Freies Europa" und ähnliche Einrichtungen, gestärkt werden sollen.

"Wir können," so sagte der Prä-

sident, "zuversichtlich sein, daß der Gang der Geschichte auf die Freiheit
gerichtet ist."
Die Proklamation selbst verwies auf die beiden historischen Daten der
Unterzeichnung:

"Am 15. Dezember 1791 erfreuten sich unsere Gründerväter

der Ratifizierung der ersten 10 Zusätze der Verfassung der Vereinigten Staaten - einer Bill of Rights, die dazu beigetragen hat, allen Amerikanern die
Freiheit zu garantieren, die wir so schätzen.
157 Jahre später, am 10. Dezember 1948, stimmten die Vereinten Nationen
der Universellen Menschenrechtserklärung zu - einem Bemühen, das darauf gerichtet war, die grundlegenden Menschenrechte für die Menschen aller Staaten zu
sichern."
Die Proklamation weist auf Ähnlichkeiten wie auf Unterschiede zwischen
"Bill of Rights" und "Universeller Menschenrechtserklärung" hin:

"Beide

große Menschenrechtsdokumente wurden in den Nachwehen eines bitteren Krieges
verabschiedet.

Beide stellen sich eine Gesellschaft vor, in der Herrscher

und Beherrschte an die Gesetze des Landes gebunden sind und wo die Regierung
auf der Zustimmung der Regierten ruht, wo sie in ihrer Macht begrenzt ist und
ihr Hauptzweck im Schutz der Freiheit des einzelnen liegt."
Aber während

�Aber während der "Bill of Rights" von einer Nation zugestimmt wurde,
die bereits blühende freie Institutionen besaß, fehlten vielen der Länder,
die die Universellen Menschenrechtserklärung annahmen, freie Institutionen.
Gerade indem sie sich zu wortreichen Verfechtern der Menschenrechte aufspielten, hofften noch immer viele Regierungen - und die Proklamation nennt in diesem Zusammenhang Polen, wo die Regierung nur von "der Illusion der Menschenrechte" spricht -, ihre eigenen Menschenrechtsverletzungen verschleiern zu
können.
Die Proklamation fordert denn auch dazu auf, "uns heute erneut der
Achtung vor diesen Rechten in unserem Land zu widmen und uns dafür einzusetzen, daß die Worte der

Universellen Menschenrechtserklärung lebendige Wirk-

lichkeit für die ganze Menschheit werden."
Am selben Tag veröffentlichte auch das amerikanische Außenministerium
eine Erklärung von Außenminister Shultz, in der es heißt:

"In diesen Zeiten,

da die Menschenrechte von Regierungen angegriffen werden, die sich weigern,
sich selbst dem frei bekundeten Willen der Völker zu unterwerfen, sind wir
und unsere Freunde uns in zunehmendem Maß der Notwendigkeit bewußt, die Freiheit zu schützen.
Die Vereinigten Staaten werden auch weiterhin ihre Mittel zur Unterstützung des Wachstums von Demokratie und Menschenrechten verwenden. Dabei
fordern wir die Führer überall in der Welt zu der Einsicht auf, daß die Menschenrechte von jeder Regierung anerkannt werden müssen, die vom eigenen Volk
getragen werden will."

+ + + + +

- 3 -

�Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

14. Dezember 1983

50

VIEL NEUES MATERIAL FÜR DIE FORSCHUNG
Erster SPACELAB-Einsatz großer Erfolg

- (AD) - Im Johnson-Raumfahrtzentrum von Houston waren sich alle
einig:

Roboter oder noch so gut ausgeklügelte Fernsteuerungstechniken ver-

mögen den Menschen im Weltraum nicht zu ersetzen.

Die sechs Männer an Bord

der Raumfähre COLUMBIA machten immer wieder diese Erfahrung.

Und auf eine

entsprechende Frage von Forschungsminister Riesenhuber aus der Bundesrepublik
antwortete ihm Dr. Ulf Merbold in einem Funkgespräch:
besser als ein Computer.

"Der Mensch ist viel

Der Mensch ist flexibel und besitzt Fantasie.

Davon machten sowohl die beiden Flugastronauten Young und Shaw als
auch die vier Wissenschaftsastronauten während des Zehn-Tage-Fluges (28.
November bis 8. Dezember 1983),in dem das europäische Weltraumlabor SPACELAB
erprobt wurde, ausgiebig Gebrauch.

Pannen an Experimentiergeräten und Bord-

ausr'üstungen wurden behoben, manche Versuche anders durchgeführt als ursprünglich vorgesehen.

Ein Computer, über den Experimente auf der externen Palette

mit dem SPACELAB verbunden waren, begann zu streiken.

Aber weshalb?

Schließlich wurde die Ursache gefunden - er funktionierte nicht mehr, sobald er überhitzt war.

Die Astronauten improvisierten eine Lösung:

Sobald

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Lösung:

Sobald dieser Computer aktiviert werden mußte, wurde die Raumfähren-

position zur Sonne so verändert, daß er auf die Schattenseite kam.

Von da an

machte der Computer keine Schwierigkeiten mehr, obgleich es während der letzten
Flugtage für den Raumtransporter im Orbit keine "Nacht" mehr gab.

Die der Sonne

zugekehrte Seite der COLUMBIA spendete Schatten genug für eine ausreichende
Kühlung.
Das wissenschaftliche Programm erfuhr etwa 200 Umplanungen.

Sie wurden

von den Nutzlastexperten Merbold (Max-Planck-Institut für Festkörperphysik in
Stuttgart) und Lichtenberg (Massachusetts Institute of Technology in Boston)
sowie den Wissenschaftsastronauten Garriott und Parker aufs Beste bewältigt.
Kommandant Young und Kopilot Shaw hatten für dieses Programm weit über 200
Umsteuerungsmanöver zu unternehmen - 30 mehr als ursprünglich vorgesehen.
Und in 90 Fällen mußte über das jeweils durchzuführende Manöver gesondert entschieden werden.

Die Zahl der Einzeldaten, die über den Ablauf der 72 SPACE-

LAB-Experimente zur Erde gefunkt wurden, geht in die Billionen.
Ihre Auswertung sowie die Untersuchungen an den zurückgebrachten Proben
werden die über 200 Experimentatoren, von denen viele im Kontroll Zentrum
Houston den Flug verfolgten, noch lange beschäftigen. Aber es gilt z.B. auch
zu klären, was hinter der rätselhaften Leuchterscheinung steckt, die Owen
Garriott am Heck der COLUMBIA beobachtete: Seltsamerweise verstärkte sich
das Leuchten immer dann, wenn nach einem neuen Feuerstoß zum Manövrieren die
Triebwerke abgeschaltet wurden. Zwar sind Leuchtphänomene an Außenflächen
des Raumtransporters nichts Neues. Jedoch wurden sie noch nie am Heck und
nicht unter den geschilderten Bedingungen beobachtet. So bat das Kontrollzentrum, Film- und Fernsehaufnahmen davon zu machen.
Auch die quietschenden und knarrenden Geräusche, die im Orbit bei Tests
zur thermischen Belastung der Raumfähre von der Besatzung gehört wurden, sind
noch nicht geklärt. Ingenieure der NASA (US-Amt für Luft und Raumfahrt) begannen sofort nach der Landung der COLUMBIA mit der "Fahndung" nach möglichen
Ursachen. Alles in allem schien der Raumtransporter seinen jüngsten Einsatz

- 2 -

�jüngsten Einsatz im Weltraum, wie erste Außeninspektionen zeigten, sehr gut
überstanden zu haben.

Nur am Heck waren ein paar dunkle Flecke zu erkennen

- woher sie stammen, steht noch nicht fest.
Während die beiden Flugastronauten schon bald nach der Landung in der
kalifornischen Wüste nach Houston weiterflogen, unterzogen sich in Kalifornien
die vier Wissenschaftler noch tagelang gründlichen medizinischen Untersuchungen. Denn viele davon mußten sofort nach der Rückkehr durchgeführt werden,
will man Fragen der Auswirkungen von Schwerelosigkeit auf den menschlichen
Organismus, die nach wie vor offen sind, zufriedenstellend klären. Die Weltraumkrankheit ist ja keineswegs das einzige Problem. Dr. Carolyn Leach, die
Leiterin der biomedizinischen Laboratorien der NASA, arbeitet mit Dr. E. W.
Voss (Universität Illinois) und Dr. Karl Kirsch (Freie Universität Berlin) zusammen, um beispielsweise herauszufinden, weshalb und wie das Blutvolumen durch
einen Raumflug verringert und die gesamte Blut-"Chemie" verändert wird.
Die SPACELAB-1-Wissenschaftler nahmen sich während der Mission gegenseitig mehrmals Blutproben ab, die sofort eingefroren wurden.

Die Analyse

und der Vergleich mit dem bereits vor dem Flug und nach der Rückkehr abgenommenen Blut zeigt u.a. Veränderungen des Erythropoetin-Spiegels.

Dies ist

ein vorwiegend in den Nieren und in der Leber gebildetes Hormon, das die Produktion roter Blutkörperchen anregt.

Man will u.a. klären, ob das Blutvolumen

reduziert wird, weil rote Blutzellen zugrundegehen, oder aber weil in der
Schwerelosigkeit weniger davon neu gebildet werden.

Auch sucht das Team in

den Proben nach jungen roten Blutzellen aus dem Knochenmark, was über den Umfang der Blutbildung unter anderen Schwerefeld-Bedingungen Auskunft geben
könnte.
Jedesmal vor der Blutentnahme an Bord wurde auch der
Betreffenden gemessen.

Blutdruck des

Denn im normalen Schwerefeld auf der Erde werde, wie

Dr. Kirsch in einem Interview sagte, Blut zu den Beinen gezogen.

Unter ver-

minderten oder fehlender Gravitationskraft dagegen sei die Blutverteilung im
Körper anders, und zwar konzentriere sich mehr im gesamten Oberkörper.

- 3 -

Dies sei

�Dies sei auch der Grund, weshalb das Gesicht eines Astronauten während des
Raumflugs etwas aufgedunsen erscheine.

Hier bestehe eine gewisse Ähnlichkeit

mit Symptomen bei bestimmten Krankheitsbildern, etwa mit jenen einiger Nierenkrankheiten.

Auch könne die andere Verteilung von Körperflüssigkeiten ein

Faktor sein, der zur Raumkrankheit beiträgt.

Darauf läßt auch das vorläufige

Ergebnis eines während des Zehn-Tage-Flugs vorgenommenen Experiments schließen:
Wurden mit Hilfe einer Spezialausrüstung die Füße unter Druck gehalten, verringerte sich bei den Astronauten die durch die Schwerelosigkeit verursachte
Desorientierung.
Nach Ansicht von Dr. Leach könnten ihre Untersuchungen vielleicht auch
eine Hilfe sein, um bessere Behandlungsmöglichkeiten für Patienten mit Anämie
zu finden.

Bei Anämie ist die Gesamtmenge von Erythrozyten und dem darin ent-

haltenen roten Blutfarbstoff (Hämoglobin) vermindert.

Die Wissenschaftlerin

hofft, daß durch die Blutzellenexperimente an der SPACELAB-Mannschaft mehr Erkenntnisse zur Physiologie der Produktion roter Blutzellen zu gewinnen sind.
Dr. Voss und Mitarbeiter interessieren vor allem die Auswirkungen von
Schwerelosigkeit auf die weißen Blutkörperchen, die für das Immunsystem des
menschlichen Organismus so wichtig sind.

Es gibt darüber nur sehr wenig Stu-

dien - vor allem fehlen präzise Messungen über den Umfang, in dem sich in der
Schwerelosigkeit die Produktion weißer Blutkörperchen verringert.

Mehr Erkennt-

nisse über das Immunsystem geben der Medizin, so sagte Dr. Voss, auch allgemein die Möglichkeit, viele schwere Erkrankungen in ihren Zusammenhängen besser zu verstehen.
Glückwünsche aus aller Welt trafen zu dem so erfolgreichen Verlauf des
ersten SPACELAB-Fluges in Houston und in den europäischen Raumfahrtzentren
ein - eines Fluges, der, wie es der Direktor der Europäischen Weltraumorganisation ESA formulierte, "neue Horizonte eröffnet hat". Die ESA vertraut darauf, künftig mit den Vereinigten Staaten in der Raumfahrt eng zusammenzuarbeiten. Und die deutsche Bundesregierung bekundete bereits großes Interesse für
eine Beteiligung der Bundesrepublik am Bau einer amerikanisch-europäischen
Raumstation.
Zu den
- 4 -

�Zu den wichtigsten Ergebnissen zählen, soweit diese bisher bekannt
wurden:
- Entdeckung von Deuterium (schwerer Wasserstoff), von Kohlendioxid
und Methan in der irdischen Hochatmosphäre;
- Züchtung von "Superkristallen" für die Halbleitertechnik, Produktion
einer hochfesten Legierung aus Aluminium und Zink ,(Metalle, die im irdischen
Schwerefeld kaum legierbar sind), sowie Experimente zur Züchtung von Kristallen aus nichtmetallischem Material für Supraleiter und von einem Protein, welches der Forschung helfen könnte, die Struktur eines für die Galaktoseverwertung wichtigen Enzyms exakter zu bestimmen (mangelnde Verwertung führt beim
Neugeborenen zur Unverträglichkeit von Milch, und, als Folge davon, zu schweren Gesundheitsschäden);
- wichtige Erkenntnisse über die Rolle, die die Oberflächenspannung bei
der Bewegung von Flüssigkeiten spielt;
- Vorhandensein schwerer Elemente, vermutlich Eisen, in einem weit entfernten Neutronenstern, der Röntgenstrahlung aussendet, und von mineralbildenden Elementen in einer Supernova (Überreste eines explodierten Sterns);
- detaillierte Aufnahmen von 43 Gebieten der Erde mit einer Spezialkamera für die Landkartierung , u.a. von China (in Zusammenarbeit mit chinesischen Wissenschaftlern), von Inseln in der Karibik, im Indischen Ozean,
Ländern des Nahen und Mittleren Ostens und einzelnen Gebieten in den Vereinigten Staaten.
Den Ursachen der verschiedenen technischen Pannen, einschließlich des
Versagens von zwei der fünf Computer für die Sicherung der Rückkehrphase, wird
jetzt nachgegangen. Weitere Unternehmen mit SPACELAB sind bereits geplant
- das nächste für November 1984 mit sieben Mann an Bord.

+ + + + +
- 5 -

�14. Dezember 1983

50

BIOLOGISCHE SCHÄDLINGSBEKÄMPFUNG
- Besonders wichtig für Regieren in der Dritten Welt

- (AD) - Ein Groüteil der von amerikanischen Behörden und Organisationen
der Vereinten Nationen geförderten landwirtschaftlicher, Forschung in internationalen Zentren rund um die Welt ist auf die Bedürfnisse, die Lebens- und
Arbeitsbedingungen kleiner Bauern abgestellt, die in Armut ihr Dasein fristen
müssen.

Auf einer einwc'chigen Tagung der Beratergruppe für internationale

Agrarforschung (CGIAR - Consultative Group on International Agricultural
Research) in Washington erörterten kürzlich die Direktoren von 13 Forschungszentren, die von der CGIAR finanziert v/erden, den gegenwärtigen Stand, die
Probleme und Zukunftspläne der Arbeit ihrer Institute.
Die größten Erfolge brachte zweifellos die Entwicklung der "Wundersorten"
von Weizen und Reis - Sorten, welche besonders gut auf künstliche Bewässerung
oder Kunstdünger ansprechen.

Sie machen derzeit etwa ein Drittel des Weizen-

und Reisanbaues in Entwicklungsländern aus.

Die durch sie erzielten Ertrags-

steigerungen werden laut CGIAR auf ca. fünf Milliarden Dollar im Jahr geschätzt.
Besonderes Interesse aber verdienen Arbeiten aus jüngster Zeit, die der
Entwicklung anspruchsloser Sorten gelten.

Solche Sorten gedeihen selbst bei

einem Minimum an Wasser und Mineraldünger.

Außerdem benötigen sie sehr viel

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�sehr viel weniger Mittel zur Schädlingsbekämpfung.
auch die ärmsten Bauern Nutzen haben.

Das bedeutet, daß davon

Denn diese können sich umfangreiche

Bewässerung, größere Mengen von Mineraldünger oder Insektiziden nicht leisten
oder verfügen, selbst wenn sie es könnten, nur über unzureichende Versorgungsmöglichkeiten.
- Suche nach genetischen Lösungen "Wo immer möglich versuchen wir eine genetische statt eine chemische Lösung
zu finden", sagt John Nickel, Direktor des Internationalen Zentrums für Landwirtschaft in den Tropen (CIAT) in Cali (Kolumbien).

In seinem Institut gehe es

in erster Linie darum, die Kosten für Nahrungsmittel niedrig zu halten - "denn
Hunger ist ein Problem von Armut.

Eine zu aufwendige Technologie verwehrt den

Armen den Zugang zu Nahrungsmitteln".

In der von diesem Institut betreuten

Region befasse man sich intensiv mit der Züchtung neuer, schädlingsresistenter
Bohnensorten.

Bohnen seien, so Nickel, "Risikopflanzen", weil sie gegen Schädlinge

und Krankheiten außerordentlich anfällig seien. Man habe inzwischen wichtige
Fortschritte gemacht - einige der Neuzüchtungen hätten ohne Verwendung von Schädlingsbekämpfungsmitteln sogar einen höheren Ertrag als die üblichen Sorten nach
sechsmaliger Insektizid-Behandlung.
Ein weiteres Beispiel für Fortschritte bei CIAT sei, wie Nickel weiter
berichtet, die Entwicklung neuer Gräser, die auf sauren Böden gedeihen, keinen
Mineraldünger und nur wenig Wasser benötigen. Solche Gräser seien für ausgedehnte
Weideflächen in Süd- und Mittelamerika geeignet, wo schlechte, saure Böden von
jeher mit viel Kalk und Kunstdünger behandelt werden mußten, damit sie überhaupt
etwas hergeben konnten. Man sei u.a. dazu übergegangen, die Gräser mit Schmetterlingsblütlern zu mischen, die Stickstoff binden und bewirken, daß weniger Stickstoffdünger gebraucht werde. Dieses billige Verfahren zur Verbesserung von Weideland in der Savanne könne dazu beitragen, die Zunahme des Lebendgewichts von Weidevieh um mehr als den Faktor zehn zu steigern - "gleichbedeutend mit einem
'Quantensprung' in der Nahrungsmittelproduktion".
In Afrika

- 2 -

�In Afrika gelten umfangreiche Studien und Versuche des Internationalen
Instituts für Landwirtschaft in den Tropen (UTA - International Institute of
Tropical Agriculture) in Ibadan (Nigeria) der Bekämpfung der Schildlaus und der
grünen Spinnmilbe, die den für die Ernährung der Bevölkerung so wichtigen Maniokstrauch attackieren.

Diese Insekten kamen vor etwa einem Jahrzehnt infolge

Unachtsamkeit in dem Frachtgut einer Schiffsladung aus Lateinamerika nach Afrika,
wo sie keine natürlichen Feinde haben. Die durch die Insekten verursachten
Verluste allein im Jahre 1982 werden auf zwei Milliarden Dollar geschätzt, denn
die Schädlinge dürften die Maniok-Produktion in Afrika um gut ein Drittel verringert haben.

Die Maniok-Schildlaus dringt jährlich um etwa 500 km weiter vor

und hat bereits ein Gebiet, so groß wie die Vereinigten Staaten, erfaßt.
Mit einem "aggressiven" Programm der Züchtung natürlicher Feinde dieser
Schädlinge versuche U T A jetzt sie zu bekämpfen, berichtet Direktor Ermond Hartmans.
Man züchte eine in Lateinamerika heimische kleine Wespenart und einen ebenfalls
von dort geholten Käfer, Insekten, die hauptsächlich von der Schildlaus leben.
In Nigeria wurden sie bereits erfolgreich eingesetzt, und viele andere Länder in
dieser Region hätten bereits um die Aussetzung dieser Insekten in ihren ManiokAnbaugebieten ersucht.

Da sie nur von den Maniokstrauch-Schädlingen leben,

bestehe auch so gut wie keine Gefahr, daß sie selbst zu einem Problem werden
können.

Denn mit einer Dezimierung der Schädlinge verringere sich auch auto-

matisch ihre Zahl.
Ähnliche Erfolge bei der Bekämpfung der grünen Spinnmilbe stehen noch aus,
obgleich intensiv an der Entwicklung entsprechender Verfahren gearbeitet werde,
sagte Hartmans. Zur Zeit konzentriere man sich auf die Suche nach anderen
natürlichen Feinden dieser Milbenart in Lateinamerika.

Laut Hartmans sei für

diese Methode der biologischen Schädlingsbekämpfung eine einmalige Investition
von ca. 30 Millionen Dollar zu veranschlagen, eine Lappalie im Vergleich zu den
jährlichen Schäder durch Ernteausfälle in Milliardenhöhe.
Das Internationale

- 3 -

�Das Internationale Forschungsinstitut für die semi-ariden Tropengebiete
(ICRISAT) in der Nähe von Hyderabad (Indien) hat sich auf bestimmte Hirsearten
spezialisiert.

Wie Direktor Leslie Swindale berichtet, sei kürzlich ein afri-

kanisches Schwesterinstitut in der Nähe von Niamey (Niger) eingerichtet worden,
wo man sich hauptsächlich mit Rispenhirse und Erdnüssen sowie mit Anbauverfahren
befasse, die Feldfrüchte der südlichen Sahel-Zone einbeziehen.

Dieser Art

Forschungsarbeit komme besondere Bedeutung zu, da in der genannten Region der
jährliche Niederschlag zu 70 Prozent innerhalb von fünf Wochen erfolge, Bodentemperaturen 60 Grad Celsius erreichen können und der Boden zu 92 Prozent aus
Sand bestehe.

Rispenhirse werde in erster Linie Studienobjekt sein, da diese

normalerweise in Trockengebieten wächst, wo nur wenige andere Getreidearten
lebensfähig sind.
Menschen.

Sie bildet eine Hauptnahrungsquelle für etwa 300 Millionen

Sechzig Prozent des Hirseanbaues in der Welt entfällt auf die Sahel-

Zone, Heimatgebiet überaus armer bäuerlicher Bevölkerung.
Im vergangenen Jahr (1982) verteilte ICRISAT in Indien Saatgut für eine
gegen Krankheiten resistente, ertragreiche neue Art von Rispenhirse, die 1983
als erste vom Institut vermittelte Getreideart bereits kommerziell angebaut wurde.
Eine vielversprechende neue Zuckerhirseart, die auch auf schlechten Böden gedeiht
und keine Pestizide benötigt, dürfte in Kürze freigegeben werden.
Weitere landwirtschaftliche Forschungszentren befinden sich u.a. in Mexiko
(Weizen und Mais), auf den Philippinen (Reis), in Peru (Kartoffeln), Syrien
(Feldfrüchte für Trockengebiete), Äthiopien (Viehzucht) und in Kenia (Tierkrankheiten). Etwa 55 Prozent der Mittel, die der Beratergruppe zur Verfügung stehen,
werden auf Feldfrüchte verwandt, die von bäuerlicher Bevölkerung mit sehr
niedrigem Einkommen angebaut und konsumiert wird. Im Jahr 1982 betrug das Gesamtbudget der 13 Forschungszentren 140 Millionen Dollar. Das entspricht sieben
Prozent der Mittel, die von allen Entwicklungsländern zusammengenommen für landwirtschaftliche Forschung aufgewendet wurden.

+ + + + +

- 4 -

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9284">
                <text>14.12.1983</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9285">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9286">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13741">
                <text>Amerikadienst 14.12.1983</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13742">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des US-Außenministeriums zu den Terrorangriffen in Kuwait&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan würdigt 30 Jahre Arbeit des US-Informationsamtes (USIA)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA zum Protest bei Menschenrechtsverletzungen verpflichtet&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung Reagans zum Tag der Menschenrechte und zum Tag der 'Bill of Rights' -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Viel neues Material für die Forschung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erster SPACELAB-Einsatz großer Erfolg -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Biologische Schädlingsbekämpfung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Besonders wichtig für Regionen in der Dritten Welt -&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1837" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1848">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/145bd632ad10dd45dc9b6e6f6756a5e4.pdf</src>
        <authentication>1e35cf697eb38177a4e6307e371fc874</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="9283">
                    <text>und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

49

7. Dezember 1983

INHALT

DOKUMENTATION
Erklärung Reagans zum US-Lufteinsatz im Libanon

HINTERGRUNDMATERIAL
Ein guter Tag für das Bündnis
- Von Richard Burt, Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten
im amerikanischen Außenministerium und Vorsitzender der Besonderen
Beratungsgruppe der NATO (SCG) -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Was macht im Weltraum krank?
- Rigorose Experimente an den Wissenschaftsastronauten sollen biomedizinische Probleme klären Korrosionsschutzmittel in Boilern
- Manche Verbindungen sind gesundheitsschädlich -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00

Tel.: 0228-339 20:

I

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

7. Dezember 1983

49

ERKLÄRUNG REAGANS ZUM US-LUFTEINSATZ IM LIBANON

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 4. Dezember 1983 zum Einsatz amerikanischer Flugzeuge im Libanon folgende Erklärung abgegeben:
Seit einiger Zeit haben wir unbewaffnete Flugzeuge zu regulären und routinemäßigen Aufklärungsflügen im Libanon eingesetzt und zwar im Rahmen
des Schutzes und der Verteidigung unserer dort stationierten Truppen. Wir
haben die Syrer bereits vor einiger Zeit darüber in Kenntnis gesetzt und ihnen
versichert, daß diese Flugzeuge unbewaffnet seien und daß diese Einsätze ausschließlich der Aufklärung dienten.

Es hat einige Fälle gegeben, in denen von

unbekannter Seite hin und wieder auf diese Flugzeuge geschossen worden ist.
Gestern früh wurden zwei dieser Einsätze von buchstäblich Hunderten von Flugabwehrgeschützen sowie der Kombination von Boden-Luft-Raketen unter Beschuß
genommen, was seitens der Syrer von mehreren Abschußanlagen koordiniert wurde.

Heute vormittag haben wir auf diesen unprovozierten Angriff geantwortet,

indem wir die Anlagen, von denen der Angriff ausging, bombardierten.
Wir wollen

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Wir wollen dort keine Feindseligkeiten. Unsere Aufgabe ist nach wie
vor, zur Stabilisierung der Situation in Beirut beizutragen, bis alle ausländischen Truppen abgezogen werden können und die Regierung des Libanon die
Autorität über ihr eigenes Territorium ausüben kann. Aber wir werden unsere
Truppen dort verteidigen, und dies war der Grund und der Zweck unseres Einsatzes von heute vormittag.

+ + + + +

�Hintergrundmateriell
United States Information Service
Embassy of the United States of America

49

7. Dezember 1983

EIN GUTER TAG FÜR DAS BÜNDNIS
- Von Richard Burt Unterstaatssekretä'r für Europäische Angelegenheiten im
amerikanischen Außenministerium und Vorsitzender der
Besonderen Beratungsgruppe der NATO (SCG)

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung
der Washington Post vom 27. November 1983.

- (AD) - Die Abstimmung im Deutschen Bundestag am 22. November 1983 war
ein bedeutsamer Erfolg für Bundeskanzler Helmut Kohl und für das Atlantische
Bündnis insgesamt.

Diese Abstimmung hat, wie andere ähnliche Abstimmungen in

ganz Westeuropa, die feste Unterstützung für den NATO-Doppelbeschluß von 1979
bekräftigt - trotz einer intensiven vierjährigen Kampagne der Sowjets, das
Bündnis zu spalten.

Als Ergebnis beginnt jetzt die Dislozierung von PERSHING II

und Marschflugkörpern in Europa.
Diese Dislozierung stellt einen wichtigen Schritt dar, nicht weil die
Reagan-Administration oder Regierungen von Bündnisländern das so wollten, sondern weil die Sowjetunion die Frage bewußt zu einem Prüfstein ihrer Fähigkeit

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�4

ihrer Fähigkeit gemacht hat, Sicherheitsentscheidungen im Bündnis beeinflussen
zu

können.

Was als sowjetischer Versuch angefangen hat, die Glaubwürdigkeit

des Westens auf die Probe zu stellen, hat auf die Glaubwürdigkeit der Sowjetunion zurückgeschlagen.
Die Antwort der Sowjets auf die Abstimmung im Deutschen Bundestag - ihre
Entscheidung, die INF-Verhandlungen in Genf zu verlassen, und Androhung von
Gegenmaßnahmen durch Juri Andropow - machen nur den ganzen Umfang der selbstverschuldeten Niederlage Moskaus deutlich.
Was die NATO erreicht hat, liegt im wesentlichen nicht in der Zahl der
dislozierten Raketen - zunächst werden es ohnehin nur einige wenige sein, und
die volle Anzahl von 572 wird erst im Laufe der nächsten fünf Jahre erreicht
werden, wenn nicht, wie die Reagan-Administration hofft, ein Rüstungskontrollabkommen diesen Prozeß stoppt oder

umkehrt.

Das Wesentliche dessen, was

die NATO erreicht hat, ist vielmehr die Demonstration der Stärke und des Zusammenhaltes des Bündnisses unter Druck und Belastung - eine Stärke und einen
Zusammenhalt, die viele Beobachter hier und in Europa bezweifelt haben.

Die

Bedeutung dieser Angelegenheit geht weit über die engen Grenzen der Frage der
nuklearen Mittel Streckensysteme (INF) hinaus.
Um die Bedeutung der Dislozierungen zu verstehen, muß man erkennen, um
was es im Grunde beim Doppelbeschluß der NATO von 1979 geht.
Die Sowjetunion hat nie das Grundkonzept des Atlantischen Bündnisses
akzeptiert - daß Westeuropa das gleiche Maß an Sicherheit zusteht wie den Vereinigten Staaten.

Während die Sowjetunion, zumindest rhetorisch, bereit war,

die Vereinigten Staaten als gleichgestellte Supermacht anzuerkennen, so hat
sie 30 Jahre lang versucht, Europa zur Geisel
machen.

ihrer überlegenen Stärke zu

In der Erkenntnis, daß nur ein amerikanisches Engagement das euro-

päische Gleichgewicht stabilisieren kann, hat sich Moskau auf den Versuch
konzentriert, die militärische und politische Verbindung zwischen Europa und
Nordamerika zu durchtrennen und damit Westeuropa der sowjetischen Macht allein gegenüberstehen zu lassen.
Diese sowjetische
- 2 -

�Diese sowjetische Bemühung, eine Hegemonie über Europa zu erringen,
wurde in den siebziger Jahren durch die Dislozierung mobiler SS-20-Raketen
unterstrichen, die wegen ihrer mittleren Reichweite nicht durch amerikanisch-sowjetische Abkommen über strategische Waffen begrenzt waren, aber
eine direkte Bedrohung der Verbündeten der Vereinigten Staaten darstellten.
Zusammen mit der Tatsache, daß die Sowjets die strategische Parität mit den
Vereinigten Staaten erreicht hatten, bot das Entstehen der Bedrohung durch
die SS-20 Moskau ein mächtiges neues Instrument, um eine politische Hebel Wirkung auf die westeuropäischen Verbündeten auszuüben, indem sie deren
Sicherheit von dem strategischen Schutzschirm der Vereinigten Staaten abkoppelten.
Es war diese Bedrohung, auf die Helmut Schmidt in seiner heute berühmten Rede vom Oktober 1977 reagierte, als er eine Lösung des Problems der
potentiellen nuklearen Beherrschung Europas durch die Sowjets forderte.
Und es war eine Antwort auf diese Situation, daß das Bündnis nach eingehenden Konsultationen den sogenannten Doppelbeschluß vom Dezember 1979 faßte,
in dem einmal die Modernisierung der nuklearen Mittel Streckensysteme der
NATO und zum anderen amerikanisch-sowjetische Rüstungskontroll Verhandlungen
zur Reduzierung und Begrenzung dieser Waffen vorgeschlagen wurden.
Vier Jahre lang war es das oberste Ziel der sowjetischen Außenpolitik,
die Entscheidung vom Dezember 1979 zu untergraben.

In der Erkenntnis dessen,

um was es strategisch dabei geht, hat die Sowjetunion eine steigende Mischung von Drohungen und Schmeicheleien benutzt, um die Einigkeit der NATO
zu unterminieren und ein wirksames sowjetisches "Veto" hinsichtlich der Verteidigungsprogramme des Bündnisses zu gewinnen.

Diese Kampagne der Sowjets

deckte sich mit eigenständigen Sorgen vieler Menschen im Westen über das Risiko eines Atomkriegs und versuchte, diese Besorgnisse auszuschlachten.
Als Ergebnis befindet sich der Westen nicht nur in einem strategischen
Wettstreit mit der Sowjetunion um die Aufrechterhaltung einer glaubwürdigen
Abschreckung in Europa, sondern auch in einem politischen Wettstreit um die

- 3 -

�4

um die Erhaltung des Zusammenhalts des Bündnisses angesichts sowjetischer
Versuche, es zu spalten.
Diese Kampagne der Sowjets, um einen Keil zwischen die Verbündeten zu
treiben, hat vielerlei Formen angenommen:
- Moskau war bemüht,

die Vereinigten Staaten von Europa zu trennen,

indem es versuchte, das INF-Programm als eine einseitige amerikanische
Initiative hinzustellen statt einer Antwort des Bündnisses auf Besorgnisse, die zuerst von europäischen Führern geäußert wurden.
- Moskau war

bemüht,

Europa von Asien zu trennen, indem es versuchte,

das Hauptaugenmerk der Genfer Verhandlungen auf Europa zu lenken, ohne
den Zuwachs seiner starken gegen Asien gerichteten Streitkräfte einzuschränken.
- Moskau hat versucht, die Nuklearmächte Europas von den Nichtnuklearmächten zu trennen, indem es die Einbeziehung der britischen und französischen Nuklearsysteme verlangte - als Vorwand für die Verhinderung
amerikam'scher Dislozierungen.
- Moskau hat versucht, die Öffentlichkeit in den westlichen Ländern von
ihren Regierungen zu trennen, indem es die Angst schürte und die Nuklearfrage zu emotionalisieren suchte.
Wie die Debatte im Deutschen Bundestag am 22. November deutlich machte,
sind diese sowjetischen Bemühungen fruchtlos geblieben.

Das transatlantische

Verhältnis ist gestärkt, nicht geschwächt worden durch die Verwirklichung des
Beschlusses vom Dezember 1979.

Wenn je ein Schritt demokratisch sanktioniert

wurde, dann die NATO-Dislozierungen.

Bei den Wahlen in diesem Jahr in der

Bundesrepublik, in Italien und in Großbritannien - den Ländern, in denen die
ersten amerikanischen Flugkörper stationiert werden -, wurden alle drei Regierungen wiedergewählt, die sich nachhaltig für das NATO-Programm einsetzen.
In den letzten Wochen haben Parlamentsdebatten in Belgien, den Niederlanden,
- 4 -

�den Niederlanden, Italien, Großbritannien und in der Bundesrepublik Deutschland diese Unterstützung nachdrücklich bestätigt.
Die Ergebnisse dieser Erfahrung mit den nuklearen Mittel Streckensystemen
sind bisher dreierlei:
1. Die strategische Einigkeit des Bündnisses ist vertieft worden. Die
Dislozierungen gewährleisten, daß die Sowjetunion weiß, daß die Vereinigten Staaten in einem Konflikt von Anfang an engagiert wären, und damit
wird die Dislozierung die Abschreckung vor einer sowjetischen Aggression und politischer Erpressung stärken.
2. Der politische Zusammenhalt des Bündnisses ist gestärkt worden. Trotz
all der Demonstrationen und Kontroversen ist das grundsätzliche Übereinkommen der NATO über kollektive Sicherheit bestärkt worden. Das berührt
alle Mitglieder des Bündnisses,einschließlich jener, die nicht an dem INFProgramm beteiligt sind, wie etwa Frankreich, das in dieser Frage der
Einigkeit des Bündnisses starke und aktive Unterstützung gewährt hat.
Darüber hinaus hat das Problem zum erstenmal zu einer Erkenntnis gemeinsamer Sicherheitsinteressen der europäischen Verbündeten und Japans
geführt.

Wie die Führer der sieben großen demokratischen Industrie-

staaten in Williamsburg im Juni dieses Jahres erklärt haben, "ist die
Sicherheit unserer Länder unteilbar und muß auf globaler Basis betrachtet werden."
3. Innerhalb des Bündnisses haben sich beispiellose Verfahren für die Konsultation über Rüstungskontrolle entwickelt.

Die Vereinigten Staaten

haben in Genf nicht für sich allein verhandelt.

Die Intimität und Inten-

sität der Konsultationen über nukleare Mittel Streckensysteme haben nicht
nur zur Einigkeit des Bündnisses beigetragen, sondern haben auch die Position des amerikanischen Unterhändlers Paul Nitze in Genf erheblich
gestärkt.
Wohin geht
- 5 -

�Wohin geht der Weg jetzt?

Zunächst einmal ist die sowjetische Entschei-

dung, die gegenwärtige Runde der Genfer Verhandlungen zu beenden, weder gerechtfertigt noch erklärlich.

Die Vereinigten Staaten haben zwei Jahre lang

mit der Sowjetunion verhandelt, während diese ihre SS-20-Streitmacht um über
300 Gefechtsköpfe vergrößert hat. Daher wird die sowjetische Behauptung, daß
die Dislozierung amerikanischer Raketen es Moskau unmöglich mache, in Genf zu
bleiben, bei der öffentlichen Meinung im Westen wenig Verständnis finden.
Einer der wichtigsten Beiträge, die die Friedensbewegung jetzt leisten könnte,
wäre es, den Sowjets die Notwendigkeit klarzumachen, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren.
Dies ist in der Tat nicht das erstemal, daß die Sowjets versuchten,
ernsthaften Verhandlungen aus dem Weg zu gehen. Die erste sowjetische Reaktion auf den Doppelbeschluß vom Dezember 1979 war die Ablehnung des Verhandlungsangebots. Aber schließlich willigte Moskau dann doch ein, nach Genf zu
gehen, weil die Sowjets erkannt hatten, daß das Bündnis an seinem Beschluß
festhalten werde. Anhaltende Entschlossenheit des Bündnisses kann also die
Sowjets an den Verhandlungstisch zurückbringen.
Als die NATO den Beschluß vom Dezember 1979 gefaßt hat, glaubte niemand,
daß seine Durchführung leicht sein werde.

Sie war auch nicht leicht. Aber

die Herausforderung,an einer umstrittenen Verpflichtung festzuhalten, hat die
gesunde Nebenwirkung gehabt, daß die Demokratien des Westens ihre gemeinsamen
strategischen Interessen wiederentdeckten.
Wie sollte das Bündnis auf diesem vorzeigbaren Erfolg weiter aufbauen?
So wichtig das nukleare Element für die Abschreckung auch ist, so muß das
Bündnis jetzt militärisch seine Bemühungen auf die Verbesserung der konventionellen Verteidigung der NATO richten.

Es kann dabei die Vorteile neuer

technologischer Entwicklungen ausnutzen, die es dem Westen ermöglichen würden, der zahlenmäßigen Überlegenheit der Sowjets zu begegnen.

Wie dies seit

langem der Fall war, besteht der beste Weg zur Verringerung des Risikos eines
nuklearen Konflikts in der Stärkung der konventionellen Kapazität der NATO.
In der
- 6 -

�In der Rüstungskontrolle muß das Bündnis, über die Verringerung und
Begrenzung von Streitkräften hinaus, Mittel und Wege finden, um das Risiko
eines Konflikts aus Zufall oder Fehleinschätzung so klein wie möglich zu
machen.

Präsident Reagan hat kürzlich bedeutsame neue Maßnahmen zu diesem

Zweck vorgeschlagen, einschließlich der Verbesserung des amerikanisch-sowjetischen "Heißen Drahtes".
Die NATO-Länder werden jetzt auf der Konferenz über Abrüstung in Stockholm, an der 35 Länder teilnehmen und die Januar 1984 beginnt, neue Maßnahmen
vorschlagen. Diese "vertrauensbildenden Maßnahmen" sollen dazu dienen, die
Sichtbarkeit militärischer Aktivitäten zu erhöhen, und damit das Risiko verkleinern, daß die eine oder andere Seite im Krisenfalle zu falschen Schlüssen
kommt. Zum erstenmal sollen sich diese Maßnahmen auf den ganzen europäischen
Kontinent bis zum Ural erstrecken.
Was Genf anbelangt, so ist die Reagan-Administration weiterhin überzeugt, daß die Sowjetunion trotz ihrer fehlgeleiteten Entscheidung, die Verhandlungen zu verlassen, genau wie die Vereinigten Staaten weiterhin ein wich
tiges Interesse an der Verringerung und Begrenzung der Kernwaffen hat.

Wenn

die Sowjetunion sich entschließt, an den Verhandlungstisch zurückzukehren,
dann wird sie in den Vereinigten Staaten dort einen bereitwilligen Partner
finden.

- 7 -

�7. Dezember 1983

49

WAS MACHT IM WELTRAUM KRANK?
Rigorose Experimente an den Wissenschaftsastronauten sollen
biomedizinische Probleme klären -

- (AD) - "Weltraumkrankheit" ist eine der wichtigsten Forschungsaufgaben im Zusammenhang mit dem ersten Flug des europäischen Vielzwecklabors
SPACELAB an Bord der amerikanischen Raumfähre COLUMBIA. Fast alle Raumfahrer
werden davon betroffen. Allerdings äußert sie sich bei etwa 60 Prozent von
ihnen nur in leichten Symptomen, während die übrigen 40 Prozent Schwindelanfälle, Übelkeit mit Erbrechen, Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit massiv zu
spüren bekommen. Im allgemeinen tritt sie nur während der ersten zwei bis
drei Flugtage auf. Dann hat sich der Organismus auf den schwerelosen Zustand
umgestellt.
Raumkrankheit kann nicht nur die Durchführung der Arbeitsprogramme beeinträchtigen, sondern auch die Sicherheit der Astronauten gefährden. Sie
entwickelte sich eigentlich erst in den letzten Jahren zu einem Problem, seitdem wesentlich größere Raumfahrzeuge zur Verfügung stehen und die Astronauten
darin sehr viel mehr Bewegungsfreiheit haben.

Die Krankheit ist allerdings

kein auf den Weltraum beschränktes Phänomen, sondern, wie Dr. Laurence R. Young

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�.

Dr. Laurence R. Young vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) meint,
eine Variante der altbekannten Reise- oder Bewegungskrankheit. Diese macht
manchen Personen beim Fliegen, bei Auto- und Omnibusfahrten, auf Bahn- und vor
allem auf Schiffsreisen viel zu schaffen.

Nicht wenige verlieren den Mut,

überhaupt noch Reisen zu unternehmen, wenn die - meist vorbeugend - eingenommenen Medikamente nicht die erhoffte Wirkung zeigen.
Zahlreiche Experimente, die für den neunten amerikanischen Raumtransporterflug (STS-9) ausgearbeitet wurden, sollen helfen, den tatsächlichen Ursachen
der Bewegungskrankheit auf die Spur zu kommen.

Die vier Wissenschaftler an

Bord - Dr. Ulf Merbold, Dr. Byron Lichtenberg, Dr. Owen Garriott und Dr. Robert
Parker - hatten z.T. überaus rigorose Versuche auszuführen.

Die Folge

war, daß keiner der vier völlig von Symptomen der Raumkrankheit verschont blieb.
Am stärksten bekam sie am zweiten Flugtag Nutzlastspezialist Lichtenberg zu
spüren.

Er mußte den gerade laufenden Versuch abbrechen. Aber schon am nächsten

Tag trat er, offensichtlich sehr gut erholt, wieder zu seiner 12-StundenArbeitsschicht im SPACELAB an.
Zuständig für die Überwachung und Auswertung der Experimente, für die z.T.
auch neue Meß- und Beobachtungsinstrumente entwickelt worden waren, sind Dr. Young,
Dr. M.F. Reschke vom Johnson-Raumfahrtzentrum in Houston und Dr. R. von Baumgarten
von der Gutenberg-Universität in Mainz.

Ober Wochen vor dem Start hatten die

Wissenschaftsastronauten für SPACELAB 1 ganze Serien flugmedizinischer Experimente über sich ergehen lassen, bei denen, gewissermaßen zur "Vorausinformation",
Symptome und verschiedene Stadien von Raumkrankheit künstlich erzeugt wurde.
Merbold und Lichtenberg trugen schon beim Start und während des ganzen Fluges
kleine Meßgeräte am Kopf, die alle Kopfbewegungen registrieren; gleichzeitig
wurden die Herzströme aufgezeichnet. Außerdem sprachen die Wissenschaftler
sofort beim Auftreten von Mißempfindungen ihre Beobachtung auf Tonband.

Die

Auswertung wird zeigen, ob und welche Zusammenhänge zwischen Kopfbewegungen
und bestimmten Symptomen von Weltraumkrankheit bestehen.

Eine systematische

Erforschung der Phänomene könnte Hilfe sowohl für Raumfahrer als auch für die

- 2 -

�für die gegen Bewegungskrankheit besonders anfälligen Personen sowie für Patienten
bringen, die an bestimmten Krankheiten des Innenohrs leiden.
Denn Bewegungskrankheit (Kinetose) tritt, wie Dr. Young auf einer Pressekonferenz in Houston erklärte, dann auf, wenn das Gleichgewichtssystem im Innenohr - jener Mechanismus, der das Gehirn zwischen "oben" und "unten" unterscheiden
läßt - die Bezugsrichtung verliert.

Der Gleichgewichts- oder Vestibularapparat

besteht aus zwei Hauptteilen, (1) dem Labyrinthvorhof mit sämtlichen Sinnesendstellen zur Gleichgewichtsempfingung, und (2) den in drei Achsen aufeinander
senkrecht stehenden Bogengängen.

Nach einer schon vor fast 140 Jahren aufge-

stellten Theorie bilden letztere das Organ zur Erfassung von Änderungen in der
Vorwärtsbewegung und in Drehbewegungen von Kopf und Körper.

Für die statischen

Funktionen wirken Lymphflüssigkeit in den Kammern und Statolithen (früher irrtümlicherweise "Hörsteine" oder auch Otolithen genannt, ihrer Natur nach winzige
Kristalle aus kohlensaurem Kalk) mit den Rezeptorzellen zusammen, mit denen die
Kammerwände ausgekleidet sind.
Wenn die Statolithen unter normaler, irdischer Schwerkraft zu den Rezeptorzellen am Boden der Kammern absinken, und wenn entsprechende Informationen
weitergeleitet und verarbeitet werden, registriert das Gehirn, daß der Körper
aufrecht steht.

Bei Schwerelosigkeit aber schweben die Statolithen ohne eine

bestimmte Ausrichtung im Innenohr, was für den Gleichgewichtsmechanismus des
Gehirns problematisch ist und, so Young, Raumkrankheit auslöse.
reagiert äußerst empfindlich darauf.

Der Organismus

So werden z.B. Blutdruck, Herztätigkeit

und Blutzusammensetzung verändert.
Wahrnehmungen über die Augen und Augenreaktionen spielen ebenfalls eine
wichtige Rolle.

Den Astronauten wurden zeitweilig die Augen verbunden, Warm-

und Kaltluft in die Ohren geblasen.

In ein schachtelähnliches Gerät, in dem

innen ein Zylinder mit verschiedenfarbigen und unterschiedlich großen Punkten
rotierte, mußte als erster Parker seinen Kopf stecken.

Während die Farbpunkte

vorüberflitzten, fotografierte eine Kamera seine Augenreaktionen - ein Versuch

- 3 -

�ein Versuch unter vielen,Zusammenhänge zwischen Augenbewegung und Gleichgewichtssinn in der Schwerelosigkeit aufzudecken.
Mit Hilfe eines von Dr. von Baumgarten entwickelten, mit Sonden vollgepackten Helmes werden beim Träger (die Wissenschaftsastronauten setzen ihn
abwechselnd auf) durch eine Mini-Fernsehkamera vom einen Auge Bewegungen und
Reaktionen auf bestimmte Reize aufgezeichnet, während gleichzeitig das andere
Auge über einen kleinen Fernsehschirm unterschiedlichen optischen Reizen ausgesetzt wird.
Lichtenberg und Garriott absolvierten spezielle Tests mit plötzlich und
unvermutet

einsetzenden Bewegungen.

In elastischen Haltebändern schwebend,

wurden sie mehrmals hintereinander in verschiedene Richtungen geschnellt.
In leichter Abwandlung dieses Tests legte man Garriott zusätzlich an einem
Bein Elektroden an und versetzte ihm leichte Stromstöße.

Den Wissenschaft-

lern im Kontroll Zentrum gaben diese Versuche Gelegenheit, Wechselwirkungen
zwischen dem Statolithenmechanismus und spinalen wie muskulären Reflexen der
Astronauten zu beobachten.

Man wußte ja bereits, daß es Labyrinthreflexe

gibt - die durch eine Reizung von Lagerezeptoren im Innenohr hervorgerufene
Zusammenziehung von Muskeln am Hals, an Rumpf und an Gliedmaßen.

Auch ruck-

artige Bewegungen der Augäpfel zählen zu solchen Reaktionen in plötzlich verändertem Schwerkraftfeld.
Wie laufen sie ab, wie werden sie gesteuert, wie sind sie zu beeinflussen? Eine Klärung dieser und vieler anderer Fragen im Zusammenhang mit den
verschiedenen Formen von Kinetose könnte auch der Allgemeinmedizin in manchen
Bereichen nützlich sein. "Wir piesacken euch ganz schön", meinte 'Mission
Control' in Houston. "Aber ihr haltet euch prächtig dort oben!"
Merbold und Parker schnallten sich für bestimmte Versuche Instrumentensätze mit Mini-Beschleunigungsmessern und einem kleinen EKG-Gerät auf den
Rücken.

Vielleicht spielen aber auch individuell unterschiedliche Reaktionen

auf veränderte Gravitationsfelder eine Rolle, ob und in welchem Ausmaß je-

- 4 -

�Ausmaß jemand "raumkrank" wird.

Dr. Young ist der Ansicht, daß unkontrol-

lierte Kopfbewegungen viel dazu beitragen, um die Raumkrankheit auszulösen.
So hatte beispielsweise Parker mit dem Kopf unter der "Schachtel" kaum Mißempfindungen, weil sein Kopf fixiert blieb.

Er konnte ihn während des Ex-

periments nicht bewegen.
Einer der Versuche galt der Prüfung einer 1914 aufgestellten Theorie,
die besagt, daß ein Gefühl von Bewegung hervorgerufen werde, wenn man das
eine Ohr erwärmt, das andere dagegen nicht. Wie Young erklärte, habe man
damals postuliert, daß die Bewegungsempfindung in den flüssigkeitsgefüllten
Innenohr-Kammern, und zwar durch Konvektionsströme (Flüssigkeitsbewegungen
unter der Wärmeeinwirkung) ausgelöst werde. Jedoch könne es unter Schwerelosigkeit keine Konvektionsströme (mit Steigen und Sinken von Flüssigkeitsschichten unterschiedlicher Dichte) geben, sagte Young. Somit dürfte auch
die Versuchsperson im All bei einem solchen Experiment (wie mit Kalt- und
Warmluft ausgeführt) nicht die Empfindung von Bewegung haben. Dr. Parker,
"Versuchskaninchen" für dieses Experiment, bestätigte das.
Inzwischen wird vermutet, daß mehr und andere Mechanismen neben den
"schwebenden Statolithen" im Spiele sind. Beispielsweise dürften Sehen und
Wahrnehmung über die Augen eine sehr viel größere Rolle spielen als bisher
angenommen, ähnlich wie das Stehen auf harter Oberfläche dem Gehirn hilft,
die Position zu ermitteln, in der sich der Körper befindet. Diese Theorie
wird erst in den letzten Flugtagen näher untersucht, wenn einige der Besatzungsmitglieder erneut den Kopf in den rotierenden Zylinder unter der Schachtel stecken. Haben sie dabei mehr Phantomempfindungen von Bewegung als zuvor, würde dies bedeuten, daß das visuelle System für den Orientierungssinn
wichtiger geworden ist als das Statolithensystem.
Wenn der Flug COLUMBIA/SPACELAB 1 weiterhin so gut verläuft wie bisher,
dürfte er um einen Tag verlängert werden.

Ursprünglich war die Rückkehr für

den 7. Dezember, 17.11 Uhr MEZ, angesetzt.

Die Raumfähre wird auf dem Flug-

hafen Edwards Air Force Base in Kalifornien landen.
+ + + + +

- 5 -

�Wi//cn/choft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

49

7. Dezember 1983

KORROSIONSSCHUTZMITTEL IN BOILERN
Manche Verbindungen sind gesundheitsschädlich

- (AD) - In Systemen zur Erzeugung und Weiterleitung von Dampf und Heißwasser werden vielfach chemische Zusätze benutzt, um Korrosionserscheinungen
zu unterdrücken. Manche dieser Zusätze können jedoch gesundheitsschädlich
sein, wie Untersuchungen in den Vereinigten Staaten zeigten. So warnte kürzlich das Komitee für Toxikologie des Nationalen Forschungsrates vor der Anwendung von Morpholin und Diäthylaminoäthanol (DEAE), wenn Dampf z.B. mit Nahrungsmitteln in Kontakt kommt.
Anlaß für eine gründliche Prüfung aller verfügbaren Literatur durch den
Ausschuß für Toxikologie war eine Anfrage der amerikanischen Marine, die in
einer zentralen Heizanlage, welche auch einen marineeigenen Krankenhauskomplex
im US-Bundesstaat Illinois mit Dampf versorgt, die beiden Verbindungen einsetzen wollte. Aber die Morpholin-Herstellerfirma Texaco Chemical Co. riet davon ab, weil Tests im Jahr 1980 den Verdacht hatten aufkommen lassen, daß
Morpholin schwache mutagene Wirkungen haben könne. (Darunter sind Veränderungen der Erbanlagen unter der Einwirkung chemischer Substanzen zu verstehen.)
Die Marine hatte die Verwendung der Substanzen in einem Heizsystem beabsichtigt, das nicht nur für die Zubereitung von Speisen, sondern auch zum Anfeuch-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�auch zum Anfeuchten der Luft und zur Sterilisierung chirurgischer Instrumente
benutzt wird.
Der Ausschuß fand heraus, daß sowohl Morpholin als auch DEAE Nitrosamine
bilden können - d.h. von Verbindungen, die im Verdacht stehen, beim Menschen
Krebs hervorzurufen.

Und tatsächlich wurde N-Nitrosomorpholin in Nahrungs-

mitteln gefunden.

Sie waren vermutlich mit Morpholin-behandeltem Dampf in

Kontakt gekommen.

Aufgrund seiner chemischen Struktur könnte auch DEAE, so

das Komitee, zwei bestimmte Nitrosamine bilden.

Jedoch gebe es noch keine

Unterlagen über den Umfang dieser Reaktion in DEAE-behandeltem Dampf.
Beide Stoffe gehören außerdem zu einer Gruppe von Aminen, von denen einige Verbindungen die Atmung bei Personen beeinträchtigen, die an Asthma leiden oder früher beruflich solchen Chemikalien ausgesetzt waren.

Aus diesem

Grund könnte sich für Krankenhauspatienten ein besonderes Risiko ergeben, wenn
DEAE und Morpholin verwendet werden.

Weder für kranke Personen noch für die

Allgemeinheit gebe es hinsichtlich einer fortdauernden Exposition über einen
längeren Zeitraum irgendwelche Richtlinien, erklärte der Ausschuß.

Zwar habe

das US-Amt für Arbeitsschutz Höchstwerte festgesetzt, aber diese gelten nur
für den Acht-Stunden-Arbeitstag bei einer 40-Stunden-Woche.

Die Bundesbehörde

für Nahrungs- und Arzneimittel (FDA) erlaubt unter bestimmten Bedingungen die
Verwendung von Morpholin und DEAE bei Kontakt mit Nahrungsmitteln, solange
die Konzentrationen festgesetzte Maximalwerte nicht überschreiten.

Jedoch er-

wäge jetzt die FDA, die Genehmigung der Verwendung von Morpholin-behandeltem
Dampf wegen der Nitrosamingefahr zu widerrufen, sofern dem Dampf Nahrungsmittel ausgesetzt werden.
Weniger problematisch scheine Cyclohexylamin als Korrosionsschutzmittel
zu sein, bemerkte das Komitee, weil dabei die "Wahrscheinlichkeit zur Bildung
eines stabilen Nitrosamins geringer ist als bei Morpholin und DEAE".

Jedoch

lägen über mögliche andere Gesundheitsschäden durch diese Verbindung noch keine
Untersuchungen vor, so daß sie noch nicht empfohlen werden könne.
Der Ausschuß

�Der Ausschuß setzt sich dafür ein, in Boilersystemen nicht gleichzeitig
Morpholin und DEAE zu verwenden.
sion
ter[

Außerdem sei es ratsam, Zusätze gegen Korro-

"kontinuierlich in kleinen Mengen" zu geben anstatt jeden Tag in bestimmhöherer Dosis.

Dadurch könnten die Anfangskonzentrationen im Dampf nied-

riger gehalten werden, und die Möglichkeiten zur Bildung von Nitrosaminen
würden vermindert.
gendeiner

Behandelter Dampf aus Systemen, mit dem Menschen in ir-

Form in Berührung kommen, sollte ständig auf seine Konzentrationen

an Aminen und Nitrosaminen kontrolliert werden.

Außerdem seien weitere Stu-

dien zur Nitrosierung von Morpholin und DEAE sowie über die Langzeitauswirkungen
von Aminen bei sehr niedriger Konzentration in der Umgebungsluft erforderlich.

- 3 -

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9280">
                <text>07.12.1983</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9281">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9282">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13743">
                <text>Amerikadienst 07.12.1983</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13744">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Reagans zum US-Lufteinsatz im Libanon&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ein guter Tag für das Bündnis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Richard Burt, Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium und Vorsitzender der Besonderen Beratungsgruppe der NATO (SCG) -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Was macht im Weltraum krank?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rigorose Experimente an den Wissenschaftsastronauten sollen bio-medizinische Probleme klären -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Korrorsionsschutzmittel in Boilern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Manche Verbindungen sind gesundheitsschädlich -&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1836" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1847">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/2012dd5e6e00810eb82ef5324e2677b6.pdf</src>
        <authentication>cd1aca80fc71301116c7dccdded7af38</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="9279">
                    <text>und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

30. November 1983

48
INHALT

DOKUMENTATION
Reagan: USA sofort zur Wiederaufnahme der Genfer Gespräche bereit
- Erklärung des US-Präsidenten vom 23. November 1983 Präsident Reagan beantwortet Schreiben der Mutter von Filderstadt
Nitze bekräftigt Bereitschaft der USA zur Fortsetzung der INFVerhandlungen
- Erklärungen in Brüssel und Genf -

HINTERGRUNDMATERIAL
Chronologie der amerikanischen und der sowjetischen Rüstungskontroll
vorschlage
IEA:

Der Schlüssel für internationale Energiesicherheit

- Von E. Allan Wendt -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Arbeitsstätte "SPACELAB"
- ESA-Weltraumlabor - ein Modell für wissenschaftliche Raumstationen

Um Übersendung uon
Belegexemplaren
wild gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

48

30. November 1983

REAGAN: USA SOFORT ZUR WIEDERAUFNAHME DER GENFER GESPRÄCHE BEREIT
- Erklärung des US-Präsidenten vom 23. November 1983 -

SANTA BARBARA, KALIFORNIEN - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 23.
November 1983 mit Nachdruck unterstrichen, daß die USA bereit seien, die von
der Sowjetunion unterbrochenen Verhandlungen über nukleare Mittelstreckenraketen in Genf sofort wieder aufzunehmen.

Gleichzeitig versicherte er in

einer in seinem Urlaubsort Santa Barbara in Kalifornien abgegebenen Erklärung, daß die Vereinigten Staaten niemals den Verhandlungstisch verlassen
würden.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich bedauere zutiefst, daß sich die Sowjetunion entschieden hat, die
gegenwärtige Runde der Verhandlungen über die nuklearen Mittelstreckenraketen (INF) in Genf zu unterbrechen.

Wenn diese Entscheidung auch keine Ober-

raschung darstellte, so hat sie doch tiefe Enttäuschung ausgelöst.

Die Be-

mühungen um ein Abkommen über die Verminderung der Kernwaffen sind für die
Menschen in aller Welt so wichtig, daß sie nicht aufgegeben werden dürfen.
Der gesunde

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Der gesunde Menschenverstand erfordert, daß wir (mit den Verhandlungen)
fortfahren.

Wir haben zwei Jahre lang verhandelt, während die Sowjets weiter-

hin ihre SS-20-Raketen disloziert haben.

Es gibt keine Rechtfertigung für

ihren Abbruch der Verhandlungen, wo jetzt die NATO damit beginnt, das Gleichgewicht wiederherzustellen.
handlungstisch verlassen.

Die Vereinigten Staaten werden niemals den VerDer Friede ist zu wichtig.

Wir sind bereit, die Verhandlungen sofort wieder aufzunehmen.

Die Ini-

tiativen, die wir am Verhandlungstisch vorgebracht haben, verfolgen nur das
eine Ziel:

ein faires Abkommen zu erreichen, das die Anzahl der Kernwaffen

verringert.

Die Vereinigten Staaten und ihre NATO-Verbündeten sind geeint

in der Verpflichtung, zu einem Erfolg zu gelangen.
Es gibt keine höhere Priorität als die Verminderung der Kernwaffen.
Rüstungsverminderungen sind der einzig richtige Weg zu einer sichereren Zukunft.

Wir sind um vernünftige und verifizierbare Abkommen bemüht, die den

legitimen Sicherheitsinteressen beider Seiten gerecht werden.
Wir setzen die anderen Verhandlungen mit der Sowjetunion fort:

die Ver-

handlungen über die Verringerung der strategischen Rüstungen (START), über
die Verringerung der konventionellen Streitkräfte in Europa (MBFR), über ein
Verbot der chemischen Waffen sowie - in Kürze - über vertrauensbildende Maßnahmen, die auf die Verhinderung militärischer Überraschungen in Europa abzielen.
Die Völker der Welt verdienen und wünschen, daß unsere Verhandlungen
Erfolg haben. Wir sehen dem Tag entgegen, da die Sowjetunion diesem Appell
folgt und an den Verhandlungstisch zurückkehrt. Wir müssen Standhaftigkeit
beweisen, wenn der Sache des Friedens gedient werden soll.
+ + +

Erklärung Reagans

�ERKLÄRUNG REAGANS NACH ANDROPOW-ANKÜNDIGUNG

Nach der Ankündigung des sowjetischen Staats- und Parteichefs Andropow
vom 24. November 1983, daß die Sowjetunion eine weitere Beteiligung an den
INF-Verhandlungen in Genf als unmöglich ansieht, erklärte Präsident Reagan
in Santa Barbara:
Wir können nur bestürzt sein über die sowjetische Erklärung.

Sie steht

in krassem Kontrast zu dem erklärten Wunsch der Sowjetunion, daß ein Abkommen
ausgehandelt werden müsse.
Wenn wir auch bestürzt sind, so sind wir dennoch entschlossen, unsere
Anstrengungen zur völligen Beseitigung der landgestützten nuklearen Mittelstreckensysteme zu erneuern.

Wir werden uns auch weiterhin um Verhandlungen

in gutem Glauben bemühen.

- 3 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

48

30. November 1983

PRÄSIDENT REAGAN BEANTWORTET SCHREIBEN DER MOTTER VON FILDERSTADT

WASHINGTON - (AD)
Telegramms der "Mütter
Filderstadt die Sorgen
haben sollen, in einer

- Präsident Ronald Reagan hat in Beantwortung eines
für den Frieden" aus dem baden-württembergischen Ort
dieser Frauen geteilt, daß "unsere Kinder die Chance
sicheren, gesunden und friedlichen Welt zu leben".

In ihrem Telegramm, das sie am 11. November 1983 zur Weitergabe an den
Präsidenten an die amerikanische Botschaft richteten, hatten die "Mütter
für den Frieden" den Präsidenten gebeten, in Genf weiter zu verhandeln mit
dem Ziel, Europa die Nachrüstung zu ersparen, und darauf hingewiesen, daß
die Menschen in Ost und West dies mit größter Dankbarkeit aufnehmen würden.
In seinem Antwortschreiben unterstreicht der Präsident die Notwendigkeit, daß sich demokratische Nationen im Notfall verteidigen können, und verweist auf die jedes vertretbare Maß der Selbstverteidigung überschreitende
Hochrüstung der Sowjets. Diese habe schließlich zum NATO-Doppelbeschluß geführt. Präsident Reagan versichert den Frauen, daß die Vereinigten Staaten
weiterhin verhandlungsbereit sind und bleiben und daß die amerikanischen Raketen bei einem befriedigenden Abkommen mit der Sowjetunion wieder abgezogen würden.
Das Schreiben

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Das Schreiben des Präsidenten an die "Mütter für den Frieden" in Filderstadt hat folgenden Wortlaut:
Für Ihre herzliche, tiefempfundene Botschaft zum Thema Rüstungskontrolle
danke ich Ihnen. Als Eltern und Großeltern teilen Nancy und ich Ihre Sorgen,
daß unsere Kinder die Chance haben sollen, in einer sicheren, gesunden und
friedlichen Welt zu leben.
Um aber für uns und unsere Nachkommen eine solche Welt zu gewährleisten,
müssen wir in der Lage sein, uns verteidigen zu können, wenn dies notwendig
werden sollte.

Nicht alle Staaten der Welt glauben wie wir an Freiheit, De-

mokratie und die Grundrechte des Menschen.

Die Sowjetunion hat bedauerlicher-

weise einen Kurs der Hochrüstung von beispiellosen Ausmaßen eingeschlagen und
bedroht ihre Nachbarn in Europa und in Asien mit SS-20- und anderen Atomraketen, die jedes vertretbare Maß der Selbstverteidigung übersteigen.
Als Antwort auf diese Aufrüstung der Sowjets haben die Länder der Nordatlantikvertragsorganisation im Jahr 1979 beschlossen, die NATO-Abschreckung
zu modernisieren und gleichzeitig die Sowjetunion zu Verhandlungen über eine
Abschaffung oder Verringerung dieser Waffen auf beiden Seiten zu bewegen.
Leider hat sich die UdSSR bisher nicht bereit gezeigt, auf die Besorgnisse
einzugehen, die zu diesem Beschluß geführt haben. Dementsprechend beginnt
das Bündnis Ende dieses Jahres mit der Stationierung vergleichbarer Systeme,
um einen Ausgleich für die in den letzten sechs Jahren aufgestellten SS-20Raketen zu schaffen.
Gleichzeitig gab das Bündnis im vorigen Monat ein
weiteres Programm der einseitigen Verringerung bekannt, das zusammen mit
unserem einseitigen Abzug von 1000 nuklearen Gefechtsköpfen im Jahr 1980
das Arsenal der NATO auf seinen niedrigsten Stand in über 20 Jahren bringen
wi rd.
Das Ziel des Bündnisses ist es, die Sowjets dazu zu bewegen, auf Verringerungen der weiterreichenden nuklearen Mittel Streckensysteme (INF) auf
einen möglichst niedrigen Stand - am besten auf Null - einzugehen.

- 2 -

Die Ver-

�Die Verwirklichung des NATO-Doppelbeschlusses wird dazu beitragen, daß gewährleistet wird, daß in Europa niemals ein Atomkrieg ausbricht, indem die
Sicherheit der Vereinigten Staaten mit der Sicherheit Westeuropas verknüpft
wird.

Mit anderen Worten, unsere europäischen Verbündeten würden einem

sowjetischen Einschüchterungsversuch niemals allein gegenüberstehen.
Sie haben in Ihrer Botschaft gebeten, daß wir mit der Sowjetunion weiterverhandeln sollen.
nehmen.

Wir sind bereit, die Verhandlungen sofort wieder aufzu-

Die Vereinigten Staaten werden den Verhandlungstisch niemals ver-

lassen; dazu ist der Frieden zu wichtig.

Nichts hat für mich einen höheren

Rang als die Verringerung der Kernwaffen.

Wir haben zwei Jahre lang ver-

handelt, während die Sowjetunion eine SS-20-Rakete nach der anderen aufgestellt hat.

Es gibt für die Sowjetunion keine Rechtfertigung für einen Ab-

bruch der Verhandlungen, wenn die NATO jetzt beginnt, das Gleichgewicht wieder herzustellen.
Ein befriedigendes Abkommen muß die Sicherheit unserer europäischen
Verbündeten gewährleisten.

Wenn ein solches Abkommen die Stationierung

amerikanischer Raketen unnötig macht, dann können alle in Europa aufgestellten
amerikanischen Raketen wieder abgezogen werden.
Ich werde ein solches Abkommen weiterhin mit allem Nachdruck anstreben.
Es ist immer die Politik der Vereinigten Staaten gewesen - und wird es auch
weiterhin bleiben -, dafür zu sorgen, daß der Menschheit die Geissei eines
Atomkrieges erspart bleibt, bei dem es keine Sieger gäbe.

Mit freundlichen Grüßen
gez. Ronald Reagan

- 3 -

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

30. November 1983

48

NITZE BEKRÄFTIGT BEREITSCHAFT DER USA ZUR FORTSETZUNG DER
INF-VERHANDLUNGEN
- Erklärungen in Brüssel und Genf -

BRÜSSEL - (AD) - Der amerikanische Verhandlungsführer bei den Genfer
INF-Gesprächen, Paul Nitze, hat am 25. November 1983 nicht nur die Bereitschaft, sondern auch den Wunsch der US-Regierung bekräftigt, daß die Verhandlungen über die nuklearen Mittel Streckensysteme wieder aufgenommen werden,
wann immer Moskau dies tun wolle.
Nach seinen Darlegungen vor dem Nordatlantikrat in Brüssel gab Nitze
auf einer Pressekonferenz folgende Erklärung ab:
Ich habe vor dem NATO-Rat das tiefe Bedauern der amerikanischen Regierung über die einseitige sowjetische Aussetzung dieser INF-Verhandlungsrunde
zum Ausdruck gebracht.

Ich habe ebenfalls nicht nur die Bereitschaft, son-

dern auch den Wunsch der US-Regierung unterstrichen, daß diese Verhandlungen
fortgesetzt oder wieder aufgenommen werden sollten, wann immer die Sowjetunion dies tun will.
Wir haben

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Wir haben den Prozeß der engen Konsultation fortgesetzt, wie das auch
in der Vergangenheit der Fall war.

Ich glaube, Botschafter Glitman und ich

haben während des Verlaufes dieser Verhandlungen etwa alle drei Wochen den
NATO-Rat unterrichtet.

Er oder ich sind hier erschienen, um den Nordatlantik-

rat über alle Einzelheiten der Verhandlungen zu informieren, wie sie sich in
diesem Zeitraum ergaben haben.

Meiner Meinung nach ist es am besten, wenn

ich mich jetzt Ihren Fragen stelle.
Die wichtigsten Fragen und Antworten dieser Pressekonferenz haben folgenden Wortlaut:
FRAGE:

Haben Sie während dieses Monats

der Verhandlungen mit den Sowjets

jemals das Gefühl gehabt, daß ein Abbruch verhindert werden könnte und daß
eine Lösung, ein Abkommen zu irgendeinem Zeitpunkt in Reichweite war?
ANTWORT:

Wir haben während dieser Verhandlungen immer mit der Hoffnung

gearbeitet, daß ein Abkommen erreicht werden könne vor dem tatsächlichen Beginn der Stationierung, und wir hofften auch immer, daß ein Abkommen auch
nach der Stationierung erreicht werden könne. Zu keinem Zeitpunkt haben wir
also unsere Hoffnung aufgegeben, daß wir auf irgendeine Weise zu einer Lösung
gelangen könnten.
Sie haben mich gefragt, ob wir zu irgendeinem Zeitpunkt tatsächlich
einem Abkommen nahe waren. Ohne Frage hatte ich während des Waldspazierganges das Gefühl, daß wir einem Abkommen nahe waren, aber ich war enttäuscht,
als die Sowjetunion diese Initiative voll und ganz zurückwies. Ich glaube
nicht, daß wir seither einander wieder so nahe waren, obwohl ich unterstreichen
möchte, daß wir während der letzten Wochen bei einer Anzahl von Punkten im
Hinblick auf eine Annäherung dieser Positionen reale Fortschritte machten.
Und deshalb bedauere ich besonders, daß sich die Sowjets genau zu diesem Zeitpunkt bedeutsamer Fortschritte bei bestimmten Fragen entschieden, einseitig
den Verhandlungstisch zu verlassen.
FRAGE:

- 2 -

Was höben

�FRAGE:

Was haben Sie zu der gestrigen Erklärung Andropows zu sagen, daß

die Sowjetunion ihre weitere Beteiligung an diesen Gesprächen als unmöglich
ansieht?
ANTWORT:

Meiner Meinung nach ist dies eine Verhärtung des sowjetischen

Standpunktes gegenüber der Position, die sie gestern einnahmen, und umso mehr
bedauere ich das.
FRAGE:

Glauben Sie, daß dies das Ende der Gespräche bedeutet?

ANTWORT:
FRAGE:

Ich hoffe nicht.

Warum wurde dieser Waldspaziergangsvorschlag niemals vom Genfer

Verhandlungsteam der USA offiziell vorgebracht?
ANTWORT:

Die sowjetische Regierung erklärte mir offiziell - oder viel-

mehr Botschafter Kwizinski erklärte mir auf Weisung seiner Regierung -, daß
Moskau dies voll und ganz ablehne.
FRAGE:

Hatten Sie das Gefühl, daß es verschiedene Vorstellungen in

Moskau und in Genf gab?

War die sowjetische Führung in Moskau irgendwie

härter als diejenigen, die für sie in Genf verhandelten?
ANTWORT:

So etwas ist sehr schwer zu sagen.

Das mag durchaus der Fall

gewesen sein, aber persönlich habe ich keine Hinweise dafür.
FRAGE:

Welche Gründe sehen Sie dafür, daß die Russen die Verhandlun-

gen... wieder aufnehmen sollten?
ANTWORT:

Ich meine, sie hätten sehr nachhaltige Gründe dafür.

Ich

glaube, die gegenwärtige Situation ist für die Welt als Gesamtheit nicht wünschenswert, und meiner Ansicht nach gibt es starke Gründe dafür, warum es in
ihrem Interesse ist - wie auch in unserem -, daß das Verhältnis zwischen un- 3 -

�zwischen unseren beiden Ländern, wie die Situation in der Welt überhaupt,
verbessert wird.

+ + +

ERKLÄRUNG NITZES IN GENF

Bereits am 23. November 1983 hatte der amerikanische ChefUnterhändler
in Genf folgende Erklärung zu der sowjetischen Entscheidung abgegeben:
Die Vereinigten Staaten bedauern zutiefst die Entscheidung der Sowjetunion,
die INF-Verhandlungen auszusetzen.

Dies ist eine ungerechtfertigte und auch

unglückliche Entscheidung.
Die Sowjetunion hat die Aussetzung dieser Verhandlungen damit begründet,
daß die Zustimmung von NATO-Parlamenten zur Dislozierung amerikanischer Raketen eine Fortsetzung dieser Gespräche unmöglich mache. Als die Vereinigten
Staaten im Jahr 1979 der Sowjetunion zum erstenmal INF-Verhandlungen vorschlugen, hatte die Sowjetunion bereits etwa 140 SS-20-Raketen global disloziert.
Die globale Gesamtzahl der SS-20 beläuft sich jetzt auf 360 Raketen, und der
sowjetische Aufbau hält an.
Diese anhaltende sowjetische Aufrüstung hat die Vereinigten Staaten nicht
daran gehindert, diese Verhandlungen weiterzuführen und jede Anstrengung zu
machen, um ein gerechtes Abkommen zu erreichen. Diese Verhandlungen sollten
fortgesetzt werden, bis ein Abkommen erreicht ist.
Der Zeitplan für die amerikanischen Dislozierungen ist zu keiner Zeit
ein Geheimnis gewesen, auch die Gründe dafür waren es nicht. Sie entsprangen

- 4 -

�Sie entsprangen dem NATO-Doppelbeschluß von 1979 als eine notwendige Antwort
auf die sowjetische Dislozierung von SS-20-Raketen. Mit dieser Entscheidung
wurde das Mandat erteilt, sich um eine Begrenzung dieser Rüstungen zu bemühen
und zwar durch Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.
Die Vereinigten Staaten bleiben der Erreichung einer ausgehandelten Lösung verpflichtet, die den Sicherheitserfordernissen aller Betroffenen gerecht wird.

Die amerikanische Delegation hat auf offiziellem wie inoffiziel-

lem Wege versucht, alle Möglichkeiten für einen Ausgleich der zwischen beiden
Seiten bestehenden Meinungsverschiedenheiten auszuschöpfen.

Die Vorschläge

der Vereinigten Staaten sind flexibel und sollen den von der Sowjetunion zum
Ausdruck gebrachten Bedenken Rechnung tragen.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, ihre Stationierungen zu stoppen
oder zurückzunehmen, wenn ein gerechtes Abkommen über die Verminderung und
Begrenzung oder die Beseitigung der amerikanischen und der sowjetischen Raketen erreicht werden kann.
Was die Vereinigten Staaten anbetrifft, so sind sie weiterhin bereit,
die INF-Verhandlungen fortzusetzen, bis ein Abkommen erreicht worden ist und
unsere beiden Lander damit ihre Verantwortung und Pflicht erfüllt haben, zur
Sache des Friedens beizutragen.

- 5 -

�intcrgiurv
materiell
United States Information Service
Embassy of the United States of America

48

30. November 1983

CHRONOLOGIE DER AMERIKANISCHEN UND DER SOWJETISCHEN RÜSTUNGSKONTROLLVORSCHLÄGE

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend ein Oberblick über die Rüstungskontroll
vorschlage der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion:
Verhandlungen über weiterreichende nukleare Mittel Streckensysteme (LRINF)

Vereinigte Staaten
Dezember 1979:

Die NATO trifft den Doppelbeschluß, d.h. beschließt Ver-

handlungen über eine Verringerung des LRINF-Niveaus oder eine Beseitigung dieser Systeme auf beiden Seiten

und Modernisierung der NATO-Streitkrä'fte als

Antwort auf die sowjetischen Dislozierungen, sollte dies notwendig sein.
November 1981:

Präsident Reagan gibt die Null-Lösung bekannt, durch die

eine gesamte Kategorie amerikanischer und sowjetischer landgestützter Mittelstreckenraketen beseitigt werden soll.

Die NATO würde keine Gegensysteme dis-

lozieren, wenn die UdSSR ihre bereits stationierten Systeme beseitigen würde.
Februar 1983:

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Februar 1983:

Die Vereinigten Staaten legen erneut die Kriterien für

ein LRINF-Abkommen dar:
1. Gleichheit der Rechte und Begrenzung zwischen den USA und der Sowjetunion:
2. Nichteinbeziehung unabhängiger nuklearer Abschreckungsstreitkräfte dritter Länder, wie die Großbritanniens und Frankreichs, in ein Abkommen;
3. die vereinbarten Grenzen müssen auf einer globalen Basis angewendet
werden; keine Verlagerung sowjetischer LRINF vom europäischen Teil nach
Asien;
4. keine Schwächung der konventionellen Abschreckungsstreitkräfte der NATO;
und
5. wirksame Verifizierungsmaßnahmen.
März 1983: Die Verteidigungsminister der NATO weisen die sowjetischen
"Zwischenbegrenzungen" zurück, weil dadurch mehr sowjetische SS-20-Raketen
verbleiben würden

als vor Beginn der Verhandlungen.

März 1983: Angesichts der sowjetischen Weigerung, die sowjetischen
LRINF-Systeme als Antwort auf eine Nichtdislozierung der Gegensysteme der NATO
zu beseitigen, wie dies in der Null-Lösung vorgeschlagen wurde, bieten die
Vereinigten Staaten eine "Zwischenlösung" an. Die Vereinigten Staaten schlagen vor, die geplante Dislozierung von PERSHING II und landgestützten Marschflugkörpern wesentlich zu verringern, falls die Sowjets die Anzahl ihrer Gefechtsköpfe auf den sowjetischen Raketen auf globaler Basis auf einen gleichen
Stand reduzieren würden. Gleichzeitig unterstreichen die USA, daß sie die
Null-Null-Option als ideale letztliche Lösung des Problems vorziehen.
September 1983:

- 2 -

�September 1983: Präsident Reagan gibt in seiner Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen neue amerikanische Initiativen bekannt, mit
denen spezifischen sowjetischen Bedenken entgegengekommen werden soll:
1. Die Bereitschaft der USA, LRINF-Flugzeuge in die Verhandlungen einzubeziehen, obwohl die USA auch weiterhin die Dislozierung von SS-20-Raketen als Hauptbedrohung für die westliche Sicherheit ansehen;
2. die Bereitschaft der USA zu der Verpflichtung, im Zusammenhang mit einem
Abkommen, das gleiche globale Begrenzungen vorsieht, die sowjetische Gesamtdislozierung nicht durch amerikanische Dislozierungen in Europa auszugleichen;
3. die Bereitschaft der USA, für den Fall eines Zwischenabkommens die
amerikanischen Reduzierungen angemessen zwischen PERSHING II und Marschflugkörpern aufzuteilen.
Oktober 1983: Die Vereinigten Staaten erklären, daß der Andropow-Vorschlag Mängel enthält, weil er immer noch darauf besteht, daß die britischen
und französischen strategischen Streitkräfte angerechnet werden müssen und
daß keine amerikanischen Dislozierungen stattfinden dürften.

Der Vorschlag,

die LRINF-Raketensysteme im asiatischen Teil der Sowjetunion einzufrieren,
scheint den amerikanischen Standpunkt anzuerkennen, daß die Frage der nuklearen Mittel Streckensysteme auf globaler Basis angepackt werden muß.

Die USA

wollen weitere Einzelheiten über den sowjetischen Flugzeug-Vorschlag erfahren.

- Die USA stellen fest, daß die sowjetische Drohung mit einer Beendigung
der Verhandlungen für den Fall der Stationierung amerikanischer Raketen
in Europa ungerechtfertigt ist, da die Vereinigten Staaten seit zwei Jahren verhandelt haben, während gleichzeitig der Stand der sowjetischen
SS-20-Raketen dramatisch erhöht wurde.
- Die USA

�- Die USA geben den Abzug von 1400 taktischen Nuklearwaffen aus Europa
bekannt, womit die Anzahl der Kernwaffen der NATO in Europa gegenüber
dem Stand des Jahres 1979 um mehr als ein Drittel verringert wird, nachdem bereits im Jahr 1980 rund 1000 derartiger Waffen abgezogen worden
waren.
November 1983:

Die Vereinigten Staaten schlagen eine Zwischenobergrenze

von 420 Gefechtsköpfen bei LRINF-Raketen vor, wobei sie gleichzeitig ihre Bereitschaft unterstreichen, weitere Reduzierungsebenen in Erwägung zu ziehen.
Dieser Vorschlag entspricht einer globalen Begrenzung der sowjetischen SS-20Raketen auf 140.

Im Oktober 1983 hatte die Sowjetunion vorgeschlagen, nur

ihre SS-20-Raketen im europäischen Bereich auf 140 Trägerwaffen mit 420 Gefechtsköpfen zu begrenzen.
- Die Anlieferung der ersten landgestützten Marschflugkörper für Großbritannien beginnt.

Sowjetunion
1977:

Die Sowjetunion beginnt mit der Dislozierung von SS-20-Raketen

im europäischen Teil der UdSSR.
Dezember 1978:

70 SS-20-Raketen mit 210 Gefechtsköpfen sind im euro-

päischen und asiatischen Teil der UdSSR stationiert.
Oktober 1979:

Breschnew schlägt ein Einfrieren der SS-20-Raketen vor,

falls die NATO keine Gegensysteme aufstellt.
Juli 1980:

Die Sowjets stimmen schließlich Verhandlungen über nukleare

Mittel Streckensysteme zu, nachdem sie sich vorher immer geweigert hatten, zu
verhandeln, es sei denn, die NATO gebe ihren Doppelbeschluß auf.
Oktober 1980:

�Oktober 1980: Vorbereitende amerikanisch-sowjetische Gespräche über
INF.

Dezember 1980:

Im europäischen und asiatischen Teil der UdSSR sind jetzt

200 SS-20-Raketen mit 600 Gefechtsköpfen stationiert.

November 1982:

Die Verhandlungen über nukleare Mittel Streckensysteme

(INF) beginnen in Genf.

Dezember 1981:

Im europäischen und asiatischen Teil der UdSSR sind jetzt

270 SS-20-Raketen mit 810 Gefechtsköpfen stationiert.

März 1982:

Im europäischen und asiatischen Teil der UdSSR sind jetzt

300 SS-20-Raketen mit 900 Gefechtsköpfen stationiert.

Die Sowjets verkünden

ein "Moratorium" für Dislozierungen im europäischen Teil der Sowjetunion, die
Dislozierungen gehen jedoch weiter, nachdem die im Bau befindlichen RaketenAnlagen im europäischen Teil der UdSSR fertiggestellt und einsatzbereit sind;
mit dem Bau neuer Stellungen im östlichen Teil der UdSSR, deren Raketen Ziele
der NATO treffen können, wird begonnen.

Dezember 1982: Andropow schlägt einev^Zwischenobergrenze" vor, die
es Moskau gestatten würde, LRINF-Raketen in Europa in gleicher Zahl der Anrechnung der 162 britischen und französischen strategischen Systeme zu dislozieren.

162 SS-20-Raketen mit drei Gefechtsköpfen können insgesamt 486 Ziele

treffen; 162 britische und französische Raketen können jedoch nur 162 Ziele
treffen.
rungen

Aufgrund dieses Vorschlages würde keine amerikanischeLRINF-Disloziein Europa gestattet, jedoch unbegrenzte SS-20-Dislozierungen im

asiatischen Teil der UdSSR.

März 1983:

Im europäischen und asiatischen Teil der UdSSR sind nunmehr

351 SS-20-Raketen mit 1063 Gefechtsköpfen stationiert.

April 1983:

- 5-

�April 1983: Außenminister Gromyko bezeichnet die amerikanische "Zwischenlösung" als unannehmbar.

Er wiederholt den sowjetischen Standpunkt, daß keine

amerikanischen Dislozierungen erfolgen dürften und daß die sowjetischen Dislozierungen an die sowjetischen Berechnungen der britischen und französischen
strategischen Systeme angebunden werden müßten.
Mai 1983: Andropow läßt die Bereitschaft erkennen, bei den Verhandlungen
Gefechtsköpfe wie auch Raketen zu zählen.

Er wiederholt, daß die Anzahl der

SS-20-Raketen im europäischen Teil der UdSSR der sowjetischen Berechnung der
britischen und französischen strategischen Systeme entsprechen müsse.

Er

lehnt es ab, sich mit der Frage der sowjetischen Dislozierungen im asiatischen
Teil zu befassen, wohin aus dem europäischen Teil der UdSSR abgezogene Raketen
mit der Möglichkeit verlegt werden könnten, sie umgehend in den europäischen
Teil zurückzuverlegen.
August 1983: Andropow schlägt die Beseitigung von Trägerwaffen und Raketen entsprechend der sowjetischen Anrechnung der britischen und französischen
Systeme vor unter der Bedingung, daß die USA auf die Stationierung von
PERSHING II und Marschflugkörpern verzichten.
Oktober 1983: Das sowjetische Verteidigungsministerium gibt bekannt, daß
Moskau die Dislozierung "taktisch-operativer" Raketen in der DDR und in der
Tschechoslowakei als Teil der "geplanten Gegenmaßnahmen" zu amerikanischen
Dislozierungen vorbereitet.
Oktober 1983: Andropow schlägt eine modifizierte Version der "Zwischenebenen" vom Dezember 1982 vor, indem er ankündigt, daß die Sowjetunion bereit
sei, die Zahl der SS-20-Raketen im europäischen Teil der UdSSR auf 140 Raketen mit 420 Gefechtsköpfen zu reduzieren, um der sowjetischen Anrechnung der
französischen und britischen Gefechtsköpfe zu entsprechen.

Andropow bietet

ferner das Einfrieren der Zahl der SS-20-Raketen im asiatischen Teil der UdSSR
an, nachdem ein INF-Abkommen über die Begrenzung der europäischen Systeme
durchgeführt ist und solange die USA keine ähnlichen Waffen in diesem Raum
- 6 -

�diesem Raum dislozieren. Andropow spricht ferner von einer

zusätzlichen Fle-

xibilität" in der Frage der INF-Flugzeuge, obwohl Einzelheiten nicht mitgeteilt werden. Andropow gibt bekannt, daß ein Beginn der Stationierung amerikanischer LRINF es unmöglich machen werde, die INF-Verhandlungen fortzuführen.
November 1983:

Im europäischen und asiatischen Teil der UdSSR sind nun-

mehr 360 SS-20-Raketen mit 1080 Gefechtsköpfen disloziert.

+ + +

Verhandlungen über die Verringerung strategischer Rüstungen (START)

Vereinigte Staaten
Januar 1981: Präsident Reagan gibt bekannt, daß die Vereinigten Staaten
sich an den nichtratifizierten SALT II-Vertrag halten werden, obwohl dieser
nicht in sinnvoller Weise die destabilisierendsten strategischen Systeme begrenze.

Die Sowjets geben eine entsprechende Zusage ab.

Mai 1982: Präsident Reagan hält eine Rede vor dem Eureka-College - seine
erste umfassende Rede über die Ost-West-Beziehungen.

In dieser Rede schlägt

der amerikanische Präsident die START-Gespräche vor.
Juni 1982: Die erste Runde der START-Gespräche beginnt.

Die Vereinig-

ten Staaten schlagen eine Begrenzung auf 850 dislozierte Raketen für jede
Seite

sowie

eine Reduzierung der Zahl der Gefechtsköpfe um etwa ein Drittel

auf 5000 für jede Seite vor.

Davon sollen nicht mehr als die Hälfte auf Inter-

kontinentalraketen - ICBM - montiert werden.
- Die USA

�- Die USA schlagen ferner vor, daß die Erörterung der Flugzeugfrage sowie des Wurfgewichts der Raketen auf die zweite Phase der Verhandlungen verschoben werden sollte.
Juni 1983:

Reagan kündigt Veränderungen in der amerikanischen Position

bei den START-Verhandlungen an, mit denen die Flexibilität bei diesen Verhandlungen erhöht werden soll:
1. Eine Lockerung des Vorschlags der Begrenzung auf 850 ballistische Raketen für jede Seite; die Begrenzung von 5000 Gefechtsköpfen für jede Seite würde weiterhin das zentrale Element des Vorschlages sein;
2. die Bereitschaft, über alle strategischen Systeme zu verhandeln, statt
die erste Phase der Verhandlungen auf Raketen zu begrenzen;
3. eine gleiche Obergrenze für die Anzahl der schweren Bomber und der von
Bombern getragenen Marschflugkörper für beide Seiten und zwar unterhalb
der Zahl,die im SALT II-Vertrag gestattet wurde;
4. das Angebot,alternative Möglichkeiten zur Begrenzung der Zerstörungskapazität und des Potentials von Raketen zu erkunden. Die USA stellen
fest, daß die sowjetischen Vorschläge ungenügend seien, weil sie sich
nicht spezifisch mit landgestützten Interkontinentalraketen befaßten,
die die destabilisierendsten Systeme darstellen, und weil sie auch keine
genügenden und bedeutsamen Verringerungen vorsehen.
Oktober 1983: Die USA beziehen das "Abbau-Konzept" in ihre Verhandlungsposition bei Raketen ein, indem sie vorschlagen:
1. Eine Verbindung zwischen Verringerung und Modernisierung durch die Anwendung variabler Verhältniszahlen, mit denen klargestellt werden soll,
wie viele bestehenden Gefechtsköpfe abgezogen werden müssen, wenn neue
Gefechtsköpfe disloziert werden;
2. die Bestimmung
- 8 -

�2. die Bestimmung für einen garantierten jährlichen Abbauprozentsatz von
etwa fünf Prozent;
3. eine Bestimmung, die sicherstellt, daß die Reduzierungen entsprechend
der Tatsache erfolgen sollten, welche der beiden oben genannten Bestimmungen zu der größeren Reduzierung führen würde.
- Ferner schlagen die Vereinigten Staaten vor, gleichzeitig einen Abbau
der Bomber, zusätzliche Begrenzungen hinsichtlich der Marschflugkörper
und der amerikanischen Vorteile bei Bombern zu erörtern und zwar in einer
Weise, die jeder der beiden Seiten die größte Flexibilität in Übereinstimmung mit Bemühungen zu einem stabileren Gleichgewicht der Kräfte gibt.

Sowjetunion
1982:

Die Sowjetunion kritisiert die amerikanischen Vorschläge; sie

wollten die sowjetischen landgestützten Systeme begrenzen, während sie in nur
ungenügender Weise die amerikanischen Bomber und Marschflugkörper beschränkten.
Juni 1982: Die erste Runde der START-Verhandlungen beginnt. Die Sowjetunion schlägt vor, daß jede Seite über insgesamt 1800 Trägerwaffen verfügen
soll (ICBM-Trägerwaffen, unterseebootgestützte Trägerwaffen und strategische
Bomber). Die Sowjets schlagen ferner eine nicht näher definierte Gesamtbegrenzung für "nukleare Sprengsätze" vor (Raketengefechtsköpfe und Bomberwaffen). Sie schlagen ebenfalls ein Verbot aller Marschflugkörper mit einer Reichweite von über 600 Kilometern vor.
Sommer 1983: Die vierte Runde der START-Verhandlungen beginnt.

Die

Sowjetunion paßt ihre Position insofern an, als sie in einigen sekundären
Fragen näher an den amerikanischen Standpunkt heranrückt.
Oktober 1983:

�Oktober 1983:

Ein autorisierter, jedoch nicht gezeichneter Artikel in

der "Prawda" kritisiert den amerikanischen "Abbau-Vorschlag", weil er in unfairer Weise die sowjetischen ICBM beschränke.

+ + + + +

- 10 -

�48

30. November 1983

IEA: DER SCHLÜSSEL FÜR INTERNATIONALE ENERGIESICHERHEIT
- Von E. Allan Wendt -

Der Autor ist stellvertretender Unterstaatssekretär für Internationale Energiepolitik im amerikanischen Außenministerium.

- (AD) - Die Ereignisse im Nahen Osten mahnen uns ständig von neuem,
unsere Energiesicherheit nicht als garantiert zu betrachten.

Gegenwärtig

ist es der Konflikt zwischen dem Irak und dem Iran, der uns zwingt, zu prüfen, ob wir auf eine mögliche Beeinträchtigung unserer Energieversorgung
vorbereitet sind.
Die Vereinigten Staaten sind meines Erachtens gut vorbereitet. Wir
haben eine strategische ölreserve (SPR) aufgebaut, die auf 360 Millionen
Barrel (1 barrel = 159 Liter) angewachsen ist; bis 1990 wollen wir sie auf
750 Millionen Barrel Rohöl aufstocken.

Auf dem Markt verfügbare Mengen plus

deren Ergänzung aus den SPR-Beständen würden uns eine erhebliche Flexibilität verleihen, wenn es zu einer Unterbrechung von Lieferungen käme.

Darüber

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�käme.

Darüber hinaus existiert im Rahmen der Internationalen Energie-

agentur (IEA) ein Mechanismus der Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten,
damit den schlimmsten Auswirkungen einer Ölkrise begegnet werden kann.
Ein weiterer wichtiger Aspekt unseres Vorsorgeprogramms ist unsere Einbeziehung in das System der IEA-Notstandskontingentierung.

Unsere Teilnahme

bringt bemerkenswerte Vorteile:
Zunächst einmal ist das IEA-Nostandsprogramm ein Mechanismus, der die
wirtschaftlichen Schäden mildert, die sich durch eine Unterbrechung von ölimporten ergeben können.

Unsere Partner garantieren, daß in einer schweren

Ölkrise die Vereinigten Staaten nicht einen größeren Anteil an einer Verknappung übernehmen, als sie selbst es tun.

Eine ähnliche Verpflichtung ha-

ben auch wir übernommen.
Das System wurde nach der Sperrung von ölexporten arabischer Länder in
die USA und die Niederlande 1973/74 geschaffen.

Wir könnten in Schwierig-

keiten kommen, wenn ein solches Embargo erneut gegen uns verhängt würde.
Aber noch weitgehend ungenutzte Kapazitäten und mehr Vielfalt hinsichtlich
der Herkunft des Öls, u.a. eine umfangreiche Produktion in Ländern außerhalb
der OPEC (Organisation erdölexportierender Staaten), geben uns heute größere
Flexibilität gegenüber politisch motivierten Lieferunterbrechungen.
Zum zweiten liegt die Mitgliedschaft der USA in der IEA auch im Interesse unserer nationalen Sicherheit, die eng mit der unserer Verbündeten in
Westeuropa und im Fernen Osten verknüpft ist.

Wir haben im Lauf der Jahre

für diese Bündnisse enorme Opfer gebracht und vieles investiert.

Die Bindung

der USA an die IEA und ihr Quotensystem ist eine der kleineren Investitionen.
Die meisten unserer Verbündeten sind stärker von Importöl abhängig als
wir.

Eine Unterbrechung größerer Lieferungen könnte einen Wettbewerb um öl

zwischen uns und unseren Verbündeten heraufbeschwören, der uns spaltet.

Und

diejenigen unserer Verbündeten in Europa und in Fernost, die mehr als wir von

- 2 \

�wir von Importen abhängen, wären starkem Druck ausgesetzt, Zugeständnisse
zu machen, die zur Sicherung lebenswichtiger üllieferungen notwendig sind.
Solches Anpassungsverhalten könnte unsere Fähigkeit ernsthaft beeinträchtigen, die Situation zu meistern, und es könnte auch leicht für einige Zeit
die Ordnung unseres Bündnisses verändern.

Das IEA-Quotensystem soll unser

Bündnis in einer Energiekrise stärken und die Belastung durch Lieferunterbrechungen gerecht verteilen.
Darüber hinaus können Panikkäufe im Wettbewerb der wichtigsten Industrieländer untereinander zu übertriebenem Preisanstieg führen, der weit über dem
marktorientierten Niveau läge.

Der wirtschaftliche Schaden durch übertriebene

Preissteigerungen für uns und unsere Verbündeten könnte sehr ernster Natur
sein.

Zusammenarbeit, einschließlich Austausch von Informationen in Verbin-

dung mit Quotierung unter den wichtigen Industrieländern,könnte helfen, die
Märkte zu beruhigen und unnötigen Wirtschaftsschaden zu verhindern,

überdies

legen das IEA-Abkommen und die US-Politik großen Wert auf die Reservemengen
der einzelnen Länder.

Gegenwärtig haben die meisten IEA-Länder Importmengen

von mehr als 90 Tagen in Reserve.

Dies ist ein weiteres Element, das bei

größeren Lieferunterbrechungen einen beachtlichen Beitrag zur Preisstabilität
leisten würde.
Ein drittes wichtiges Positivum unserer Beteiligung an der IEA ist die
Chance, die sich für Konsultationen und Koordinierung unter Regierungen ergibt.

Es gibt viele Beispiele für diese Art von Zusammenarbeit - eines der

überzeugendsten aus jüngster Zeit betraf die sowjetische Gasleitung.

Ein

strittiges Problem wurde durch IEA-Bemühungen gelöst, die ihren Höhepunkt
in der vom Sekretariat der IEA und der OECD (Organisation für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung) gemeinsam durchgeführten Studie über Energiebedarf und Sicherheit fand.

Im Mai dieses Jahres befürworteten Minister der

IEA und der OECD auf der Basis dieser Studie eine Reihe politischer Schlußfolgerungen, die Grundsätze für die sichere Erschließung und Nutzung von Erdgas festlegen und einen Rahmen für die ständige Oberprüfung von Sicherheitsfragen in bezug auf Erdgas schaffen.

Dank dieser Studie und den in der Folge-

- 3 -

�der Folgezeit unternommenen Anstrengungen sind sich jetzt die OECD-Länder
erheblich mehr der Meinungsverschiedenheiten wegen der Sicherheitsfragen hinsichtlich des Gasprojekts bewußt und sind bestrebt, eine ungebührliche Abhängigkeit von einer einzelnen Versorgungsquelle zu vermeiden.
Die amerikanische Regierung ist überzeugt, daß die IEA-Mechanismen zusammen mit SPR ein gesundes System bilden, um mit den Auswirkungen einer
Energiekrise fertig zu werden.

Der kürzlich durchgeführte Test für das IEA-

Quotierungssystem (AST-4) war so angelegt, unsere Möglichkeiten zur Bewältigung von Energiekrisen zu verstärken.

Es ist wichtig, AST-4 in der rich-

igen Perspektive zu sehen, was in Schlußfolgerungen vieler Leute und vieler
Presseartikel zu dem Test nicht der Fall ist.
Vor allem sollte dies ein Test für Verfahrensweisen, nicht aber für
politische Maßnahmen sein.

Der Test kann uns beispielsweise nicht sagen, ob

wir die strategische Erdölreserve hätten in Anspruch nehmen sollen oder nicht,
oder ob wir unter amerikanischen Firmen ein System fairer Quotierung hätten
benutzen sollen.

Was er aber tun kann, ist, die Aufmerksamkeit der Öffent-

lichkeit auf diese Fragen zu lenken.
Zum zweiten ist der Test eine gute Übung. Wer mit dem IEA-System nicht
vertraut ist, muß den Umgang damit immer wieder üben. Und insofern war meines
Erachtens der Test sehr erfolgreich. Er zeigte auch eine Reihe von Problemen
und Meinungsverschiedenheiten auf. So brachte er z.B. Hinweise, auf welchen
Gebieten die Beteiligung der USA verbessert werden könnte. Sowohl hier als
auch im Ausland wurde einige Kritik an der amerikanischen Auffassung zur
Durchführung des Tests laut. Sie befaßte sich, ohne daß die Vereinigten
Staaten direkt genannt wurden, mit der Gefahr, die sich mit dem ausschließlichen Verlaß auf den Preis zur Eindämmung der Nachfragen ergeben, und zum
zweiten mit der unzureichenden Bindung an die IEA bei einer derartigen Politik.
In der Sitzung des IEA-Gouverneursrates versicherte ich daraufhin unsere Partner der festen Bindung der USA an die IEA.
- 4 -

Des weiteren bekräftigte

�weiteren bekräftigte ich das Engagement der Vereinigten Staaten zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen gegenüber der IEA in einer größeren Versorgungskrise:

Man werde den Marktkräften, falls erforderlich, durch ergänzende Ak-

tionen, beispielsweise einen Rückgriff auf die strategischen ölreserve, Geltung
verschaffen.
grüßt.

Diese Versicherungen wurden von den anderen Mitgliedstaaten be-

Ich sollte hier vielleicht anmerken, daß auf jener Sitzung auch das Ver

halten anderer IEA-Länder kritisiert wurde - insbesondere jener, die in einer
Krise die Inlandspreise unter strikter Kontrolle halten wollen.
Ich möchte hier erneut von der Überzeugung der Administration sprechen,
daß unser Vorgehen in der Energie-Krisenvorsorge von Grund auf gesund ist.
Sicherlich gibt es noch Raum für verfahrensmäßige Verbesserungen, und wir prüfen zur Zeit, wie solche Verbesserungen im Rahmen unserer primären Abstützung auf Marktkräfte vorgenommen werden könnten.

So haben z.B. die meisten

großen Mineral öl firmen der USA, auf die die IEA in einer Krise angewiesen
wäre, zu erkennen gegeben, daß sie zur Kooperation auf freiwilliger Basis nur
dann in der Lage seien, wenn ihnen garantiert würde, daß die aus einer solchen Kooperation mit der IEA erwachsende Belastung anteilmäßig von anderen
Firmen mitgetragen wird.

Die Rolle der SPR im Rahmen des auf freiwilliger

Beteiligung basierenden Verfahrens wird derzeit sorgfältig geprüft.
Die Regierung hält auch an ihrer Absicht fest, den von der IEA unter
dem Begriff "Nachfragebeschränkung" zusammengefaßten Erfordernissen zu entsprechen.

Eine Möglichkeit, dieser Verpflichtung nachzukommen, bestünde bei

Aktivierung des IEA-Systems in einem Rückgriff auf die strategische ölreserve,
um die Versorgung zu verbessern.

Eine zweite Möglichkeit wäre die systema-

tische Ermutigung der Öffentlichkeit zum freiwilligen Einsparen von Energie,
falls dies wirtschaftlich gerechtfertigt ist.
Mit der IEA wurde ein System geschaffen, in dem wir und unsere Verbündeten zusammenarbeiten können, um die Auswirkungen ernster Ölkrisen, die uns
alle oder jeden von uns treffen können, zu mildern.

Wir und die Mehrzahl

der IEA-Partner erkannten von Anfang an, daß Regierungen kommerzielle Dinge

- 5 -

�kommerzielle Dinge nicht allzu gut handhaben.

So entwickelten wir in nahezu

zehn Jahren ein System, das die Mitarbeit und die Unterstützung von Firmen gewährleistet - jener Firmen, die den internationalen Handel normalerweise abwickeln -, damit das Quotierungsverfahren funktioniert.

Für eine solche Ko-

operation brauchen die amerikanischen Firmen jedoch Schutz gegen Trust-Bildung.

EPCA (US-Gesetz für Energiepolitik und Energieeinsparung) ermächtigt

dazu, solchen Schutz auf Firmen auszudehnen, die sich am IEA-System beteiligen.
Firmen mit Hauptsitz in den Vereinigten Staaten haben ohne Ausnahme erklärt, daß sie sich ohne den durch EPCA gewährten Anti-Trust-Schutz nicht am
Quotierungs- und Informationssystem der IEA beteiligen würden.

Diese vom Ge-

setz gegebene Möglichkeit nicht zu beachten, würde somit bedeuten, daß sich
die Verantwortung für die Organisation zur Lieferung und zum Transport von
öl in Erfüllung amerikanischer Verpflichtungen im Rahmen der IEA-Notstandskontingenierung von den Firmen zur amerikanischen Regierung verlagern würde.
Wie ich bereits bemerkte, ist der Aufbau der strategischen Erdölreserve
ein ganz wichtiger Teil unserer verbesserten Krisenvorsorge. Das amerikanische
Energieministerium führte kürzlich einen umfangreichen Test hinsichtlich der
Planung und der Verfahrensweisen durch, die erforderlich sind, um SPR und die
Programme einzusetzen, welche zur Realisierung von Verkäufen und Lieferungen
von öl zur Deckung des nationalen Bedarfs vorgeschlagen wurden. Soweit mir
bekannt ist, beurteilte eine unabhängige Gutachtergruppe für diesen Test
das Abgabesystem als praktikabel, Ihren Empfehlungen zufolge sind noch geringfügige Verbesserungen möglich, und gewisse Änderungen bei der Verkaufsprozedur könnten, so meinen die Experten, den Erfolg der Bemühungen um die Zuführung von SPR-Öl zum Markt noch erhöhen.
Gegen die schlimmsten Auswirkungen umfangreicher Lieferunterbrechungen
sind die Vereinigten Staaten gut geschützt. Gleichzeitig bekamen wir durch
die in jüngster Zeit gemachten Erfahrungen Gelegenheit, die Vorsorgemaßnahmen
der USA auf dem Energiesektor für den Krisenfall weiter zu verbessern. Und in
Zusammenarbeit mit dem Energieministerium sind wir gegenwärtig dabei, dies zu tun.

+ + + + +
- 6-

�30. November 1983

48

ARBEITSSTÄTTE "SPACELAB"
ESA-Weltraumlabor - ein Modell für wissenschaftliche Raumstationen

- (AD) - Mit Begeisterung sprechen NASA-Wissenschaftler vom Weltraumlabor
SPACELAB, das an Bord des Raumtransporters COLUMBIA seit dem 28. November 1983
um die Erde kreist.

Neun Tage lang haben dort die Nutzlastexperten Dr. Ulf

Merbold (Bundesrepublik Deutschland) und Dr. Byron Lichtenberg (USA) mit den
amerikanischen Wissenschaftsastronauten Dr. Owen Garriott und Dr. Robert Parker,
dazu auf der Erde weit über hundert Projektwissenschaftler, Gelegenheit, die
Leistungsfähigkeit des Labors zu testen.
Als wissenschaftliche Arbeitsstätte außerhalb der Atmosphäre im Erdorbit,
wo die Schwerkraft fast völlig aufgehoben ist, eröffnet SPACELAB dem Forschungsal 1 tag neue Perspektiven.

Erst nach und nach wird man seine tatsächlichen

Kapazitäten erkennen und ausloten können.

Kurz vor dem Start erklärte ein NASA-

Mitarbeiter Journalisten gegenüber, er habe "noch nie ein so gut durchkonstruiertes
präzises und problemloses System gesehen".

SPACELAB repräsentiere einen "Quanten-

sprung in der Fähigkeit des Menschen, den Weltraum für friedliche Zwecke zu nutzen'
Internationale Partnerschaft

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Internationale Partnerschaft, bewährt und in den Wissenschaften von jeher
praktiziert, kennzeichnet das SPACELAB-Projekt.

Das Weltraum!abor wurde von den

deutschen Firmen ERNO (Bremen) und Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) federführend
im Auftrag der Europäischen Raumfahrtbehörde (ESA) entwickelt und gebaut, wobei
die Bundesrepublik den Kostenaufwand in Höhe von ca. einer Milliarde Dollar
(einschließlich der an 49 internationale Firmen vergebenen Unteraufträge) zu
mehr als 50 Prozent übernahm.

Das Weltraumlabor stellt eine ideale Kombination

von Raumfahrttechnik und Grundlagenforschung dar.

Dank dieser technischen Neu-

entwicklung kann man jetzt verantworten und es sich auch leisten, KarriereWissenschaftler in den Weltraum zu entsenden.

Bislang waren es ausschließlich

Karriere-Astronauten, welche gleichzeitig über eine wissenschaftliche Ausbildung
verfügten, die Experimente durchführten und Instrumente betreuten.
Bei SPACELAB 1 stehen Aufgaben aus Medizin und Biologie, Erd- und Atmosphärenforschung, Astronomie, Astro- und Sonnenphysik, Plasmaphysik sowie MaterialWissenschaften und Werkstoffproduktion im Vordergrund.

Bei späteren Einsätzen -

die Lebensdauer des Weltraumlabors ist auf etwa zehn Jahre angesetzt - werden die
Schwerpunkte auch auf anderen Gebieten liegen.

Die Modularbauweise mit zwei

zylindrischen Laborzellen, in denen Druck und Luftzusammensetzung den Werten an
der Erdoberfläche entspricht, und mit externen Plattformen für die Installation
von Beobachtungs- und Meßinstrumenten aller Art eröffnet viele und noch ungeahnte
Möglichkeiten für seine Nutzung.

Manche sehen im SPACELAB bereits ein Modell für

den Auf- und Ausbau einer selbständig operierenden wissenschaftlichen Raumstation, die, mit Energiequellen wie z.B. Solarkollektoren versehen, zeitweilig
auch unbemannt betrieben werden könnte.
Die NASA hat schon vor längerer Zeit eine zweite SPACELAB-Einheit in Auftrag
gegeben.

Ein Gerät dieses Kalibers und dieser Vielseitigkeit macht routine-

mäßige Forschungsarbeiten im Weltraum wesentlich wirtschaftlicher als alle bisher
benutzten Ausrüstungen.

Nach Angaben von NASA-Ingenieuren dürfte die Hälfte der

57 Raumtransporterflüge, die bis 1990 vorgesehen sind, in Verbindung mit einem

- 2 -

�mit einem SPACELAB erfolgen.

Und bei vielen dieser Flüge seien dann sicherlich

auch weitere Wissenschaftler aus europäischen Ländern oder aus anderen Teilen
der Welt mit von der Partie.
Mehr als 70 Experimente von Forschergruppen aus 11 europäischen Ländern,
aus den USA, Kanada und Japan stehen beim Jungfernflug auf dem Programm.

Computer

und Mikroprozessoren zählen zu den Hilfsmitteln, um Experimente zu steuern und
eine bei einem Raumfahrtunternehmen bisher nie dagewesene Datenflut zu erfassen
und zu bewältigen.

Eine große Relaisstation 36 000 km über der Erde, der im

April 1983 gestartete TDRS-Nachrichtensatelliten, sammelt und übermittelt laufend
anfallende Meßdaten (mehr als 30 Millionen "bits" pro Sekunde) zur Erde.

Ihre

Auswertung sowie die bei der Landung mitgebrachten Fotos, die Analyse und Beurteilung der biologischen und medizinischen Proben, dazu der Produkte aus der
automatisierten "Werkstoff-Fabrik" werden Wissenschaftler noch lange beschäftigen.
- Experimente bestimmen die Fluglage der COLUMBIA In zum Teil recht komplizierten Flugmanövern geben Kommandant John W. Young
und Kopilot Brewster Shaw der COLUMBIA samt dem in ihrer Ladebucht fest verankerten
Weltraumlabor jeweils die Positionen, die für bestimmte Beobachtungen und Messungen an der Erdoberfläche und im erdnahen Bereich oder in Richtung zum tiefen
Weltraum notwendig sind. Das kann z.B. bedeuten, daß magnetische Feldlinien die
Ausrichtung der COLUMBIA bestimmen. Zur Durchführung der diversen Experimente
muß häufig die Fluglage alle 20 bis 30 Minuten verändert werden. Dabei nimmt das
Manöver allein oft schon 15 bis 20 Minuten in Anspruch. Das wissenschaftliche
Arbeitsprogramm bedeutet auch sparsamsten Umgang mit den an Bord verfügbaren
Treibstoffen und verlangt erfindungsreiches Kombinieren der Triebwerkssysteme an
Bord.
Die Flugbahn ist 57 Grad zur Äquatorebene geneigt, führt also bis in die
Höhe von Nordengland und Alaska im Norden und bis Kap Hörn
amerikas auf der südlichen Halbkugel.

an der Spitze Süd-

Ein neuartiger kleiner Computer mit

- 3 -

�Computer mit Weltkartenbildschirm zeigt der Besatzung ständig an, an welchem
Bahnpunkt bzw. wo über der Erde sich die Raumfähre gerade befindet, wie weit
die nächsten Bodenstationen entfernt sind.

Gleichzeitig werden die beiden

jeweils folgenden Umläufe sowie die Tag- und Nachtgebiete auf der Erde auf den
Bildschirm projiziert.
In Rückenlage fliegend wird bei geöffneten Ladebuchttoren ein einer Luftbildkamera ähnliches Zeiss-Kamerasystem für Kartierungsaufgaben erprobt.

Es

ist an einem "optisch reinen" Fenster in der Decke der SPACELAB-Druckzelle
montiert, arbeitet weitgehend automatisch, kann aber bei Wolkenbedeckung abgeschaltet werden.

Die Kamera erreicht eine Bildauflösung, die noch 20 m große

Terrainmerkmale gut erkennen läßt.

Ihre beiden Magazine enthalten 23 cm breite

Filme, die insgesamt 1100 Aufnahmen speichern können.

Das Experiment soll helfen,

die Möglichkeiten der Landkartierung aus dem Weltraum bei unterschiedlicher
Terrainbeschaffenheit zu sondieren.

Aufnahmen von Europa sind dabei natürlich

von besonderem Interesse.
Auf der externen Plattform ist das größte Instrument der gesamten Nutzlast,
eine 230 kg schwere Sensorkombination der Staatsuniversität Utah, installiert.
Die Apparatur besteht aus fünf Spektrometern, mit denen Vorgänge in der Magnetosphäre, Ionosphäre und in tieferen Bereichen der irdischen Lufthülle untersucht
werden. Sowohl natürliche als auch künstlich ausgelöste Phänomene (die z.B.
durch den Ausstoß energiereicher Elektronen, Ionen und neutraler Gaswolken aus
der japanischen SEPAC-Apparatur entstehen) sind in einem breiten Spektralbereich
damit zu beobachten.
Der japanische Elektronengenerator SEPAC ist zehnmal leistungsstärker als
die beim dritten Raumfährenflug benutzte Apparatur. Die Teilchenstrahlen sind
energiereich genug, um in der Hochatmosphäre der Erde künstliche Polarlichteffekte hervorzurufen, die nicht nur von Bord der COLUMBIA, sondern auch von der
Erde aus mit besonders empfindlichen Fernsehsystemen zu beobachten sind. Mit
SEPAC will man u.a. herausfinden, wie Partikel strahlen mit dünnen, freien Gasen
reagieren und wie Kraftlinien des Erdmagnetfeldes verlaufen. Zugleich ergeben

- 4 -

�Zugleich ergeben sich dabei Hinweise auf elektrische Felder in der irdischen
Magnetosphäre, weil diese die Position der Partikel strahlen verändern.
Zum "optischen System" gehört eine ganze Anzahl von Instrumenten.

Dieses

bietet zum einen die Möglichkeit, selbst schwächste natürliche Lichtemissionen
aus dem Orbit zu beobachten, die auf das Vorhandensein elektrischer Felder
schließen oder Höhenwinde und andere dynamische Vorgänge in der Hochatmosphäre
vermuten lassen.

Aber auch das Zusammenwirken der ausgestoßenen Teilchen-

strahlen mit Plasma (elektrisch geladenen Gasteilchen im interplanetaren Raum)
am Orbiter selbst und die Bewegung der Strahlen um das Weltraumlabor sind eingehender Beobachtung wert.

Denn auf Grund solcher Daten bekommen die Wissen-

schaftler Anhaltspunkte dafUr, wie verbesserte Modelle für die Magnetosphäre
erarbeitet werden können.
Ein vom Max-Planck-Institut beigesteuertes Experiment gilt der Untersuchung
von Elektronen-"Echos". Sie entstehen, wenn Elektronen, in Richtung einer aufsteigenden Magnetfeldlinie geschossen, von einem elektrischen Parallelfeld
reflektiert werden. Energie und Laufzeiten der Echos können Hinweise auf elektrische Feldstärken geben. Außerdem wird der Detektor dazu benutzt, die
statische Aufladung der COLUMBIA als Folge der SEPAC-Entladungen zu überwachen.
Österreich steuerte ein Instrument bei (es ist auf der SPACELAB-Plattform installiert), mit dem das Magnetfeld unmittelbar um den Raumtransporter während
des Fluges erfaßt und in seiner Richtung analysiert werden kann. Diese Daten
helfen Forschern, die andere Aufgaben der Plasmaphysik verfolgen, eventuelle
Falschwerte in eigenen Messungen zu erkennen und Ergebnisse entsprechend zu
korrigieren.
- Test für die "Gesundheit" der Atmosphäre Im Infrarotbereich arbeitet ein französisch-belgisches Spektrometer, das
Unterlagen für eine Verbesserung der zu meteorologischen Forschungen erarbeiteten
Modelle der Atmosphäre liefern soll. Außerdem erwartet man davon Informationen

- 5 -

�davon Informationen über den Einfluß von Schadstoffen auf das natürliche Gleichgewicht der Bestandteile der Luft. Die Beobachtungen konzentrieren sich in
erster Linie auf die Stratosphäre mit ihren Konzentrationen an Ozon, Hydroxylgruppen und von chemischen Verbindungen, die in 15 bis 150 km Höhe in der Lufthülle gebildet werden.

Auf dem Umweg über die Messung der Absorption von Licht

bestimmter Wellenlängen durch die Atmosphäre bei Sonnenauf- und Sonnenuntergang
sind Rückschlüsse auf atmosphärische Temperaturen und die chemische Zusammensetzung in verschiedenen Höhenbereichen möglich.

Für Untersuchungen dieser Art

wurden bisher große Sonden an Höhenballonen und in hoch fliegenden Flugzeugen
verwendet.

Die Untersuchungen aus dem Raumtransporter allein könnten Meß-Serien

mit 20 Höhenballonen ersetzen.
Bei einem weiteren französischen Experiment werden schwache, wellenartig
auftretende Leuchtphänomene in den oberen Luftschichten bei Nacht gefilmt.
infrarotnahen Spektralbereich hofft man sie gut zu erfassen.

Im

Nach bisherigen

Erkenntnissen dürften diese Leuchterscheinungen, für die Streifung oder Parallelbänder in wolkenähnlichen Strukturen von ca. 1 000 km Durchmesser typisch
in ca. 85 km Höhe entstehen.

sind,

Als Ursache werden Molekülreste, und zwar freie

Radikale der OH-Gruppe, vermutet. Man will Strukturen, Größe, Geschwindigkeiten
und Entwicklung solcher Wolken fotografieren und messen, was ein wichtiger
Beitrag sein könnte, um die Dynamik der Hochatmosphäre und deren Zusammenwirken
mit tieferen Luftschichten besser zu verstehen.
Besondere Bedeutung für Meeresforschung und Seefahrt, aber auch für die
Terrainerkundung hat ein deutscher Radar-Sensor, der als Vorläufer für ein
europäisches Fernerkundungssystem gilt. Das Instrument arbeitet aktiv durch
Aussendung von Mikrowellen im X-Band-Bereich zur Erde, die dort reflektiert,
also nach oben zurückgeworfen werden. Aus den Laufzeiten sind Höhe und Abstände
von Wellenzügen, aber auch Strukturmerkmale des überflogenen Terrains zu ermitteln. Als passives Instrument benutzt, erfaßt der Sensor über seine 2 m große
Parabolantenne Mikrowellenstrahlung vom überflogenen Terrain. Mit einem

- 6 -

�(Mit einem aktiven Radar-Höhenmeßinstrument im Meeresbeobachtungssatelliten SEASAT
wurden u.a. Höhenunterschiede in der "Topographie" der Meeresoberflächen bis
ca. 200 m ermittelt).
- Astrophysik Instrumente zur Beobachtung von Röntgenstrahlen, sehr kurzwelligem ultravioletten Licht und von Infrarotstrahlung aus kosmischen Quellen, die viele
Lichtjahre von uns entfernt sind, könnten durch neue Meßdaten Untersuchungen
erleichtern, die dem "Lebenszyklus" von Sternen wie unserer Sonne und Galaxien,
wie unserem Milchstraßensystem, gelten.

Laboratorien in den USA und in einer Anzahl

europäischer Länder haben dafür subtile Meßprogramme vorbereitet. Mit besonderem
Interesse wird allerdings das Studium der Energie-Emissionen unserer Sonne vom
sehr kurzwelligen Ultraviolett bis zum langwelligen infraroten Spektralbereich
verfolgt.

Die Sonnenenergie ist ja der Motor für die atmosphärische Zirkulation,

und sie bestimmt letztlich auch das Klima.

Exakte Sonnenbeobachtung ist außer-

halb der Erdatmosphäre besser als von stationären Observatorien aus möglich.
Variiert die solare Energieabstrahlung tatsächlich, wie durch Forschungsergebnisse
aus jüngster Zeit vermutet, oder ist sie doch konstant?

Das Unternehmen SPACELAB

könnte auch zur Klärung dieser für uns lebenswichtigen Fragen bedeutsame Beiträge
leisten.

+ + + + +

- 7 -

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9276">
                <text>30.11.1983</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9277">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9278">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13745">
                <text>Amerikadienst 30.11.1983</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13746">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: USA sofort zur Wiederaufnahme der Genfer Gespräche bereit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Präsidenten vom 23. November 1983 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan beantwortet Schreiben der Mütter von Filderstadt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nitze bekräftigt Bereitschaft der USA zur Fortsetzung der INF-Verhandlungen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärungen in Brüssel und Genf -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Chronologie der amerikanischen und der sowjetischen Rüstungskontrollvorschläge&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;IEA: Der Schlüssel für internationale Energiesicherheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von E. Allan Wendt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Arbeitsstätte "SPACELAB"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- ESA-Weltraumlabor - ein Modell für wissenschaftliche Raumstationen -&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
</itemContainer>
