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                    <text>;e° s&gt;.

AMERIKA DIENST

8. Februar 1989

INHALT

DOKUMENTATION
Tower: Enormes Ungleichgewicht zwischen NATO und Sowjets
- Rede des designierten Verteidigungsministers bei der
Wehrkundetagung Asymmetrien zwischen NATO und Warschauer Pakt weiterhin problematisch
- Interview mit James Blackwell vom CSIS -

HINTERGRUNDMATERIAL
Strategiepolitik erfordert überparteilichen Konsens
- Auszüge aus dem Bericht über nukleare Abschreckung Die Verhandlungen über konventionelle Streitkräfte in Europa - VKSE
- Eine Übersicht der ACDA -

WIRTSCHAFT
Yeutter fordert harte Gangart bei hormonbehandeltem Fleisch
- Der Streit zwischen den Vereinigten Staaten und der EG Regierungen benutzen Gesundheitsvorschriften zur Einfuhrbegrenzung
- Hintergrundartikel zu Handelsgesprächen im Rahmen der Uruguay-Runde

* * * * * *

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'VON

Dokumentation

^

8. Februar 1989

TOWER:

ENORMES UNGLEICHGEWICHT ZWISCHEN NATO UND SOWJETS

- Rede des designierten Verteidigungsministers bei der Wehrkundetagung MÜNCHEN - (AD) - Den Ausführungen des designierten Verteidigungsministers
John Tower zufolge "wird ein enormes Ungleichgewicht zwischen den Fähigkeiten
der Sowjets und denen des westlichen Bündnisses bestehenbleiben", selbst wenn
die Sowjetunion ihr Versprechen zur Reduzierung der konventionellen Streitkräfte einlöst.
In meiner Rede bei der jährlich stattfindenden Wehrkundetagung in München
am 29. Januar 1989 bekräftigte Tower ferner das Engagement der Bush-Administration für die NATO und ihre "Entschlossenheit, gemeinsam mit dem Bündnis an
der Stärkung des Wesens und der Qualität der Verteidigung des Westens zu arbeiten."
Sachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen des künftigen Verteldigungsinintsters. Es gilt das gesprochene Wort.

Ms
designierter
Verteidigungsminister
der
Bush-Administration
möchte ich zunächst das Engagement
der Vereinigten Staaten für die NATO
unter
Präsident
Bush
bekräftigen.
Seit; dem Zweiten Weltkrieg war jede
Ilegi ^rungszei t eines
Präsidenten
sei pr Republikaner oder Demokrat von Kontinuität geprägt, die das Konzept gegenseitiger Sicherheit beinhaltet und der sich die Bush-Administration
verschrieben
hat:
Unsere
Entschlossenheit, gemeinsam mit dem
Bündnis an der Stärkung des Wesens
und der Qualität der Verteidigung des
Westens zu arbeiten...
Viele von Ihnen haben meine Ausführungen bei der jüngsten Anhörung
vor dem Streitkräfteausschuß des Senat«; der Vereinigten Staaten gelesen,

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in dessen Hand mein Schicksal im Hinblick auf meine Bestätigung liegt.
Sollten meine ehemaligen Kollegen zu
der Überzeugung gelangen, daß ich für
das Amt des Verteidigungsministers
nicht geeignet bin, werde ich mich
wieder ins Privatleben zurückziehen
und über sehr viel mehr Freiheit und
Wohlstand verfügen. Aber trotz mancher sicherlich sehr schwierigen Zeiten begrüße ich diese Herausforderung.
Alles, was andere Vertreter der
Bush-Administration und ich in den
vergangenen Tagen gesagt haben, muß
im Zusammenhang mit der Tatsache gesehen werden, daß die Vereinigten
Staaten
sich
mit einem
beträchtlichen, vielleicht sogar Schwindelei—
regenden Ungleichgewicht
im Handel
und
einem enormen
Haushaltsdefizit

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�konfrontiert sehen, das - wenn es
nicht ausgeglichen wird - nicht nur
das wirtschaftliche Wohlergehen der
Vereinigten Staaten, sondern auch aller anderen Nationen bedroht, die
Mitglieder der NATO sind...
Diese
Budgetzwänge und alle größeren Ausgaben der Vereinigten Staaten müssen
sorgfältig überprüft werden, und dies
beinhaltet
auch
nationale
Sicherheitsinteressen.
In den Anhörungen
habe
ich
öffentlich
erklärt, daß
nichts in der Militärorganisation unanatastbar ist und wir alles eingehend prüfen werden, jedes einzelne
Programm, jedes Forschungs- und Entwicklungsvorhaben.
Wir werden uns
die Streitkräftestruktur, die Operationsgeschwindigkeit, Militäreinrichtungen sowie jeden einzelnen Aspekt
der Verteidigungsausgaben vornehmen.
Dies betrifft auch unsere umfangreichen Stationierungen weltweit und
den Umfang dieser Stationierungen.
Ich hoffe jedoch, daß Sie meine Ausführungen nicht dahingehend interpretieren, unser Engagement gegenüber
der NATO würde erheblich verringert.
Ich bin mir nicht nur des militärischen Wertes, sondern auch der
politischen Notwendigkeit der amerikanischen Präsenz bewußt.
7arner bin ich mir darüber im
Viaren, daß wir nicht aus reinem
Altruismus in Westeuropa sind, sondern weil es in unserem nationalen
Interesse
liegt.
Die Bush-Administration wird daher alles in ihrer
Macht stehende tun, um unsere nationalen Ziele klar zu umreißen und eine
Strategie zu entwerfen, die auf die
Verwirklichung
dieser Ziele ausgerichtet ist. Und dann wird es meine
Aufgabe
sein, unsere Streitkräftestruktur
und unsere
operationeilen
Verpflichtungen im Hinblick auf ihre
Rolle und Ziele zu überprüfen... Unsere Verteidigungsausgaben stehen an
erster Stelle der Prioritätenliste,
aber wir müssen rational vorgehen und
uns eindeutig klar machen, was erforderlich ist, um der Bedrohung für
Frieden und Sicherheit des Westens zu
begegnen, die sich uns durch die Fähigkeiten
eines
mächtigen
Gegners

Ferner stellen wir fest, daß eine
Modernisierung
unerläßlich
ist.
Vielleicht müssen wir in anderen Bereichen um der Modernisierung willen
Opfer bringen.
Wir können es uns
nicht leisten, anders zu handeln, wir
können die Zukunft nicht verpfänden.
Eines sollte klar verstanden werden:
Selbst wenn wir Abkommen erlangen wie im Fall der nuklearen Mittelstreckenwaffen -, die eine erhebliche
Reduzierung der strategischen Fähigkeiten zur Folge haben, selbst wenn
wir das vielleicht am schwierigsten
zu Erreichende, ein Abkommen über die
asymmetrische Reduzierung der konventionellen Streitkräfte, zuwege bringen und selbst wenn wir uns auf wirksame Maßnahme zur Beendigung des Einsatzes chemischer und
biologischer
Waffen verständigen, müssen wir auch
nach all diesen Abkommen eine militärische
Streitmacht
aufrechterhalten, die so modern... und so schlagkräftig wie möglich ist. Die auf unserer Seite verbleibenden Streitkräfte müssen die besten sein, die aufzustellen wir in der Lage sind, denn
Sie können versichert sein, daß die
Sowjets bei der Auswahl ihrer nach
solchen Vereinbarungen verbleibenden
Systeme die besten nehmen werden, die
sie herstellen können und daß ihr
Vorgehen bei der Beschaffung und Stationierung dieser Systeme nicht darauf beruhen wird, was sie sich finanziell leisten können. Es wird vielmehr von dem Gedanken geleitet sein,
der
Sowjetunion
die
bestmögliche
Kampffähigkeit
in
einem
möglichen
Xriegseinsatz bereitzustellen.
Der einzige bedeutende Bereich,
in dem wir den Sowjets zahlenmäßig
überlegen
sind,
sind
die
großen
Schiffe. Und das ist für uns natürlich eine Frage geostrategischer Notwendigkeit,
die
von
den
geographischen Gegebenheiten der Vereinigten Staaten, des westlichen Bündnisses, der anderen Verbündeten der Vereinigten Staaten in der ganzen Welt
und der Sowjetunion geprägt wird und
stark von der Sicherung der Verbindungswege abhängt.

�Ferner muß ich feststellen, daß
die Sowjets nichts für uns tun werden, was wir nicht selbst für uns
tun. Mit anderen Worten: Wir dürfen
nicht erwarten, daß sie durch ihre
einseitigen Handlungen unsere Sicherheit verbessern.
Wir müssen alles
erforderliche unternehmen, um unsere
eigene Sicherheit zu verbessern. Es
wurde in den vergangenen eineinhalb
Tagen hier vieles für mich Ermutigende gesagt, was meiner Meinung nach
eine gesunde Skepsis gegenüber den
Initiativen Gorbatschows widerspiegelt.
Tatsache ist:
Selbst wenn
Herr Gorbatschow aufrichtig ist und
selbst wenn er in gewissem Maß Erfolg
hat, können wir nicht außer acht lassen, daß eine enorme Bedrohung der
Sicherheit der Vereinigten Staaten
und
ihrer
Verbündeten
bestehenbleibt. ..
In den 14 Monaten meiner Tätigkeit als Unterhändler bei den Verhandlungen mit den Sowjets über strategische Waffen habe ich gelernt, daß
sie wirklich keine Zugeständnisse ohne Gegenleistung machen. Vielleicht
können wir alle etwas Hoffnung und
Ermutigung aus Gorbatschows öffentlich bekundeter Absicht ziehen, seine
konventionellen Streitkräfte um 10
Prozent zu verringern.
Aber selbst wenn er dies in gutem
Glauben tun sollte, wird immer noch
ein enormes Ungleichgewicht zwischen
den Fähigkeiten der Sowjets und denen
des westlichen Bündnisses bestehenbleiben.
Wir sollten die Lehren der Geschichte beherzigen. Ein weiser Man
hat einmal gesagt: Ich denke, die
einzige Lehre, die wir aus der Geschichte ziehen, besteht darin, daß
wir keine Lehren aus der Geschichte
ziehen.
Ich hoffe, wir sind nicht
dazu verdammt, unsere Fehler der Vergangenheit zu wiederholen. Wenn wir
vielleicht die Lehren der Zeit vor
hundert Jahren oder selbst die Lehren
aus der Zeit vor 50 Jahren vergessen,
währe es unverzeihlich, wenn wir die
Lehren der vergangenen zwei Jahr- 3

zehnte nicht beherzigen, die uns alle
noch lebhaft vor Augen stehen. Wir
sollten uns in Erinnerung rufen, daß
es in den siebziger Jahren - im Zeitalter der Entspannung - geschah, daß
wir Amerikaner - vielleicht aus Naivität und Torheit - unsere Militärausgaben real reduzierten, während
die Sowjetunion
ihre militärische
Aufrüstung unerbittlich fortsetzte.
Ich hoffe, wir können uns dieser Lehre erinnern. Es gibt wirklich Tauwetter im Kalten Krieg. Wir freuen
uns über diese beabsichtigten Reduzierungen, aber ich wiederhole nochmals: Die Bedrohung hat sich nicht
verringert.
Und lassen Sie mich nun auf eines
unserer Lieblingsthemen, die Lastenverteilung, eingehen.
Ich erinnere
mich an meine erste Wehrkundetagung
vor 22 Jahren, und damals sprachen
wir auch über die Lastenverteilung.
Und heute, 22 Jahre danach, reden wir
immer noch über die Lastenverteilung.
Diese Frage wird von den Amerikanern
sehr ernst genommen.
Der Durchschnittsbürger
in den Vereinigten
Staaten fragt, ob wir für die Verteidigung Europas und darüber hinaus für
die Verteidigung europäischer Interessen außerhalb des definierten NATOGebiets Mittel in diesem Ausmaß bereitstellen sollten, wenn der Eindruck besteht, daß unsere Verbündeten
nicht so viel für sich selbst tun,
wie sie sollten.
Ich denke, wir alle können uns
noch an den Mansfield-Verfassungszusatz in der Mitte der siebziger Jahre
erinnern, mit dem erhebliche Truppenreduzierungen in Europa vorgeschrieben werden sollten. Wie wir uns erinnern, wurde dieses Vorhaben im Senat der Vereinigten Staaten mit knapper Mehrheit abgewiesen. In der jüngeren Vergangenheit können wir uns an
eine Initiative von Senator Nunn einem großen Freund des Bündnisses erinnern, der in anderen gesetzgeberischen Angelegenheiten so viel getan
hat, um die Zweibahnstraße zu fördern. Er stellte im Senat einen Verfassungszusatz zur Diskussion, mit

�dem gewisse Kriterien aufgestellt
worden wären, die im Falle der Nichterfüllung durch das Bündnis stufenweise
Reduzierungen
vorgeschrieben
und (die Vereinigten Staaten) verpflichtet hätte, die amerikanischen
Truppen in Westeuropa zu verringern.
Auch dieser Zusatz wurde mit knapper
Mehrheit abgewiesen.
Aber im Nachhinein denke ich, wir
können über den Zusatz von Senator
Nunn froh sein, da dieser eine heilsame Wirkung hatte und zusammen mit
der Initiative Lord Carringtons erhebliche höhere Beiträge der Verbündeten zur Verbesserung des militärischen Einsatzkonzepts in Westeuropa
hervorbrachte.
Aber wir dürfen nicht nur im Zusammenhang mit Westeuropa an Lastenverteilung
denken, sondern müssen
über den von der NATO abgesteckten
Rahmen hinausblicken.
Und was die
bündnisfremden Gebiete betrifft, so
hat mich Senator Glenn gestern abend
an den Umfang der amerikanischen Verpflichtungen auf der ganzen Welt erinnert.
Die US-Marlne bildet den
wesentlichen Punkt für die Fähigkeiten der Vereinigten Staaten, militärische Macht zu projizieren.
Wir
alle sind auf die Seeverbindungen angewiesen.
Die Vereinigten Staaten,
die den Verbündeten während des Zweiten Weltkrieges soviel Unterstützung
geleistet haben, sind jetzt wirtschaftlich gesehen eine Insel und
ebenso wie Sie bei Rohstoffen, Energie, neuen Märkten abhängig von ausländischen Quellen.
Darüber hinaus
hängen von unserer geostrategischen
Position die Verteidigung unserer Interessen und die Erhaltung der Fähigkeit zur Verteidigung jener ausländischen Quellen und Seewege ab, die
einen wichtigen Bestandteil der Verteidigung des Westens bilden, die
wiederum größtenteils von den Vereinigten Staaten übernommen wird...
Unser Aktionsradius ist enorm groß:
unsere Präsenz im Persischen Golf und
die rechtzeitige und schwer aufzuwiegende
Unterstützung
durch
unsere
westlichen Verbündeten bringen meiner

Ansicht nach eine Lösung des Krieges
zwischen Iran und Irak hervor, der
eine Bedrohung für eine lebenswichtige Energiequelle darstellt, eine Bedrohung für die sehr notwendige Stabilität im Nahen Osten, eine Bedrohung für ihre strategische Position
in der Region.
Ein Flugzeugträger gilt manchmal
als Präzisionsinstrument der Diplomatie.
Ich muß Ihnen sagen, meine
Freunde, daß er auch ein teures Instrument der Diplomatie ist, ein sehr
notwendige Instrument nicht nur der
Diplomatie, sondern auch ebenso zur
schnellen Reaktion auf Situationen,
die militärische Aktion erfordern,
insbesondere, wenn Sie die Tatsache
berücksichtigen,
daß
stationäre
Stützpunkte auf der Welt nicht immer
in sehr sicheren Gebieten liegen, wir
die Fähigkeit zum Einsatz der Luftstreitkräfte haben und unsere Überlegenheit in vielen Teilen der Welt dokumentieren müssen.
Ich bin mir bewußt, daß unsere
Verbündeten weltweit nur einen begrenzten militärischen Beitrag leisten. Ich bin mir bewußt, daß unsere
Verbündeten nicht die Fähigkeiten zur
Machtprojektion haben wie die Vereinigten Staaten.
Aber andere Bestandteile der Machtprojektion sind
vielleicht
genauso
(unverständlich)... die Verbündeten sehr wohl in
der Lage sind, die Lasten zu teilen.
Ich denke dabei an Wirtschaftshilfe
an für uns wichtige Länder und Regionen. Das ist eine Teillast, die von
unseren sehr wohlhabenden europäischen Verbündeten übernommen werden
kann.
Zur Militärhilfe: Es gibt viele
kleine Länder, die dem Westen friedlich gegenüberstehen, aber schwierige
Nachbarn haben und sich Bedrohungen
ausgesetzt sehen, wie zum Beispiel
Tunesien und Ägypten, die von Oberst
Gadhafi,
seinen
expansionistischen
Absichten und seinen erheblichen militärischen Fähigkeiten bedroht werden. Meiner Ansicht nach könnten unsere Verbündenten mehr Unterstützung

�im Bereich der Militärhilfe leisten.
Und dann gibt es noch das Schuldenproblem der Dritten Welt: Diese
Last wird vor allem von den Vereinigten Staaten getragen, und sie könnte
meiner Ansicht
nach von unseren
Freunden im Westen und insbesondere
von den Japanern mitgetragen werden.
Und deshalb müssen wir erkennen,
daß wir ungeachtet der Definitionen
über die Grenzen der NATO und den
Vertrag selbst keine Inselmentalität
entwickeln dürfen und zusammenarbeiten müssen, um mit diesen Krisen und
Bedrohungen fertigzuwerden, denen wir
uns ohne diesen abgesteckten Rahmen
ausgesetzt sind.
Und wenn man sich an eine kluge
Äußerung erinnert, die vor 15 Jahren
auf der Wehrkundetagung von einem
klugen Mann namens Gerd SchmUckle der hier unter uns weilt und dessen
Haar in all den Jahren kaum grauer
geworden ist - vorgebracht wurde, der
etwas Kluges gesagt hat, das heute
noch mehr Gültigkeit hat als nach der
Krise im Nahen Osten vor 15 Jahren:
"Wenn wir nicht als Bündnis handeln
können, müssen wir lernen, uns wie
Verbündete zu benehmen."

- 5

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AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON**

8. Februar 1989

ASYMMETRIEN ZWISCHEN NATO UND WARSCHAUER PAKT WEITERHIN PROBLEMATISCH
- Interview mit James Blackwell vom CSIS -

WASHINGTON - (AD) - Die Ungleichgewichte zwischen der NATO und dem
Warschauer Pakt bei den konventionellen Streitkräften in Mitteleuropa werden
dem Washingtoner Rüstungsexperten James Blackwell Jr. zufolge wahrscheinlich
auch nach dem vom sowjetischen Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow angekündigten Truppenabbau fortbestehen. Blackwell, ein erfahrener Verteidigungsexperte des Zentrums für Strategische und Internationale Studien (CSIS),
erklärte in einem Interview mit einem Vertreter des US-Informationsamts am 1.
Februar 1989, daß selbst nach dem von Gorbatschow versprochenen Abbau um
500 000 Soldaten und 10 000 Panzer (5 000 aus Osteuropa) Asymmetrien zwischen
NATO und Warschauer Pakt bestehen blieben. "Die größte Bedrohung für die Sicherheit des Westens besteht seit 1945 in der Anwesenheit von über 50 000 Panzern von Warschauer Pakt/Sowjetunion westlich des Urals."

"Wenn Gorbatschow es ernst meint
und 5 000 der modernsten russischen
Panzer verschrottet, dann wird dies
sicherlich ihre Angriffsfähigkeit in
gewisser Weise einschränken. Es bedeutet jedoch keine erhebliche Reduzierung der Bedrohung für die NATO,
fall sie nicht wesentlich mehr als
5 000 Panzer abbauen."
Wenige Tage
zuvor hatte der
Warschauer Pakt einen Streitkräftevergleich veröffentlicht, der bei
Panzern eine Überlegenheit von 2:1
gegenüber der NATO ausweist. Ein
amerikanischer Sprecher bei der NATO
nahm das Eingeständnis der Überlegenheit bei Kampfpanzern seitens des
Warschauer Pakts zur Kenntnis und betonte die Fähigkeit dieses Waffensystems zu "Überraschungsangriffen und

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großangelegten Offensivoperationen".
Blackwell geht davon aus, daß
Gorbatschow keine weiteren einseitigen Zugeständnisse bei Panzern machen
wird. "Ich denke, er hat mit seinen
Militärs verhandelt, und dies ist das
Maximum, was er bei ihnen erreichen
konnte."
Obwohl
Gorbatschow
versprochen
habe, in den kommenden Jahren die Militärausgaben zu verringern, "sollten
wir in unserer Wachsamkeit nicht
nachlassen". "Nach vier Monaten der
Rhetorik können wir Gorbatschow kein
Verdienst für einen Wandel des von
den Sowjets in den vergangenen 40
Jahren
gezeigten Verhaltens zugestehen."

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�Dem Verteidigungsexperten zufolge
besteht das vorrangige Ziel der Sowjetunion in Europa nach wie vor darin, Zwietracht unter den NATO-Verbündeten zu säen.
Laut Blackwell
entspricht die von Gorbatschow im Dezember 1988 und von den anderen osteuropäischen Politikern im vergangenen Monat angekündigte Reduzierung
der Streitkräfte "höchstens einem 10prozentigen Abbau
ihres Verteidigungshaushaltes. Dies entspricht den
Kürzungen, die von den Vereinigten
Staaten bereits bei der Neufestsetzung des Etats für das Haushaltsjahr
1989 vorgenommen wurden".
"Wenn man auf beiden Seiten Kürzungen vornimmt, aber von einem enormen Ungleichgewicht ausgeht, dann ist
mit ausgewogenen Kürzungen nichts gewonnen", fügte Blackwell hinzu.
Die militärische Situation könnte
seiner Ansicht nach noch sehr viel
gefährlicher sein.
"Wenn wir die
Streitkräfte durch einseitige Kürzungen im Verteidigungshaushalt auf beiden Seiten oder durch beiderseitig
vereinbarte ausgewogene Reduzierungen
ausdünnen, hätten wir am Ende dieselbe Asymmetrie bei den Streitkräften. Als Ergebnis würden wir in Europa eine lange Front mit weniger
Streitkräften
verteidigen und den
Verteidiger damit in eine schwierigere Position manövrieren", erklärte er.
In einer Studie mit dem Titel
The Military Impact of the Gorbachev
Reductions (Die militärischen Auswirkungen
der
Truppenreduzierungen
unter Gorbatschow) stellt Phillip
Karber,
Vizepräsident
der
VerteidIgungs-Forschungsinstitution
BDM
mit
Sitz
in
Washington,
fest,
Gorbatschows Unilateralismus habe wiewohl nicht ohne Reiz - seine Grenzen.

rungsmaßnahmen oder eine beiderseitig
vereinbarte "Form oder Definition der
Erwartungen".
Zweitens ist die Glaubwürdigkeit
der Sowjets der Schwachpunkt: In der
Vergangenheit haben sie den Abzug von
Truppen aus Osteuropa vorgetäuscht,
so Karber. Als Beispiel zitiert er
den mit erheblichem Propagandaaufwand
durchgeführten einseitigen Abzug sowjetischer Truppen aus der DDR unter
Breschnew im Jahr 1979. Es stellte
sich heraus, daß man die Flagge der
Einheit zwar in die Sowjetunion zurückgebracht hatte, Soldaten und Gerät jedoch in ganz Osteuropa umverteilt wurden.
Drittens wäre Karber zufolge eine
Verifizierung der sowjetischen Reduzierungen außerordentlich schwierig,
da über die Streitkräfteniveaus kein
Datenaustausch erfolgen würde, wie es
beim INF-Vertrag der Fall war. "Eine
Verifizierung der über einen Zeitraum
von mehreren Jahren erfolgten Neustationierugen
vorzunehmen,
gestaltet
sich als äußerst schwierig, wenn diese Stationierungen noch nicht abgeschlossen sind", so Karber.
Im Hinblick auf die militärische
Offensivstratgie befürwortet Karber
eine abwartende Haltung gegenüber den
Behauptungen der Sowjets, ihre der
NATO an der zentralen Front gegenüberstehenden Streitkräfte würden zu
solchen mit rein defensivem Charakter
umstrukturiert.
"Wenn die Sowjets tatsächlich eine neue, große, defensive Struktur
der Art einer 'Division' im Sinn haben", erklärte Karber, "so existiert
kein bekanntes Modell ihrer Organisations- und GeräteaufStellungen - weder in Osteuropa noch in der Sowjetunion."

Karber zufolge kann erstens "alles, was unilateral vorgenommen wird
auch unilateral wieder rückgängig gemacht werden". Da es sich hierbei
nicht um ein unterzeichnetes Abkommen
handelt, gibt es keine Verifizie- 2 -

* * * * * *

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'^7

""" &lt;Ä

Hintergrundmaterial

6

8. Februar 1989
STRATEGIEPOLITIK ERFORDERT ÜBERPARTEILICHEN KONSENS
- Auszüge aus dem Bericht über nukleare Abschreckung -

WASHINGTON - (AD) - Der am 3. Februar 1989 veröffentlichte Bericht
Deterring through the T u m of the Century (Abschreckung bis zum Ende des
Jahrhunderts) fordert einen Konsens bei der atomaren Strategiepolitik und unterstreicht die Modernisierung der landgestützten Atomstreitkräfte. Dem ehemaligen Verteidigungsminister Harold Brown zufolge sind landgestützte Raketen
"das unsicherste Element" der strategischen Streitkräfte der Vereinigten Staaten und die Wiederherstellung der Uberlebensfähigkeit dieser Raketen gegen
einen Erstschlag der Sowjetunion sei unabdingbar. Der Bericht stellte ferner
fest, die Strategische Verteidigungsinitiative (SDI) solle weiterhin im bisherigen Umfang unterstützt werden. Der Bericht wurde vom Zentrum für strategische und internationale Studien und dem Johns Hopkins Institut für auswärtige Politik in Washington in Auftrag gegeben.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Bericht in wesentlichen Auszügen.

Die Bedrohung
Die zur Zeit vordringlichste Frage im Bereich der Abschreckung lautet, ob eine ausreichende Anzahl amerikanischer Streitkräfte einen sowjetischen Angriff überleben wird, um
wirksam Vergeltung zu üben. Heute
vertrauen wir darauf, daß der Großteil amerikanischer Bomber (mit ca.
1 300 Waffen bestückt) und U-Boote
auf See (mit ca. 3 000 Waffen) selbst
in ihrer Aufstellung in Friedenszeiten einen möglichen Angriff der Sowjetunion überleben wird.
Dieses Vertrauen erstreckt sich
jedoch nicht auf unsere landgestützten Raketen in Silos. Einem Überraschungsangriff sowjetischer Streitkräfte, bei dem nur ungefähr ein

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Drittel ihrer derzeit verfügbaren Gefechtsköpfe auf Interkontinentalraketen (ICBMs) zum Einsatz kommt, würden
nur ca. 5 Prozent der amerikanischen
ICBMs standhalten. Selbst wenn die
Begrenzungen des Vertrages über nuklear-strategische Waffen (START) in
Kraft getreten sind, wird sich diese
Situation in Zukunft nicht verbessern
und könnte sich sogar verschlechtern,
es sei denn, wir nehmen Veränderungen
bei der Stationierung unserer Interkontinenatalraketen
und
vielleicht
bei den Raketen selbst vor.
Die Sowjetunion hat derzeit ca.
11 000 strategische Waffen stationiert, von denen mindestens 3 000
(wahrscheinlich mehr) unsere Interkontinentalraketen-Silos wirksam angreifen könnten. Das START-Abkommen

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�würde diese Anzahl auf 9 000 (oder
vielleicht weniger) Waffen verringern, aber diese Streitkräfte hätten
immer noch ungefähr 3 000 ICBMs zur
Verfügung, die alle durch Verbesserung ihrer Zielgenauigkeit wirksam
gegen unsere Silos eingesetzt werden
können.
Ein beunruhigender Unsicherheitsfaktor betrifft die technologischen
Fortschritte der Sowjets, mit denen
die Wirksamkeit ihrer Streitkräfte
erhöht werden könnte. Verbesserungen
der Zielgenauigkeit ihrer U-Bootgestützten
ballistischen
Raketen
(SLBMs) sowie der Sprengkraft ihrer
Gefechtsköpfe könnte die Uberlebensfähigkeit der ICBMs in Silos weiter
unterminieren und - was noch wichtiger ist - einige Optionen zur Verbesserung der Überlebensfähigkeit dieser
Raketen zunichte machen.
Anlaß zu noch größerer Besorgnis
böten neue sowjetische Waffen - seegestützte ballistische Raketen mit
niedrigerer Flugbahn und getarnte
seegestützte Marschflugkörper (SLCMs)
- deren Angriff mit geringer Vorwarnzeit erfolgen würde. Solche Waffen
könnten ein wesentliches Merkmal unserer Streitkräftestruktur unterminieren. Logik und Verbesserungen des
heutigen Standes der Technik legen
die Vermutung nahe, daß sie bis zum
Ende des Jahrhunderts in den sowjetischen Arsenalen verfügbar sein werden.
Derzeit ist das Zusammenwirken
von amerikanischen Bombern und silogestützten Raketenstreitkräften entscheidend. Diese beiden StreitkrMfteelemente komplizieren die zeitliche
Berechnung
eines sowjetischen Angriffs, da ein Angriff auf beide genügend Vorwarnzeit für zumindest eines der beiden Elemente läßt, um zu
einem
wirksamen
Vergeltungsschlag
auszuholen.
Diese neuen sowjetischen Waffen
(seegestützte
ballistische
Raketen
mit niedrigerer Flugbahn und größerer
Zielgenauigkeit sowie getarnte seege-

stützte ballistische Raketen) könnten
dieses Zusammenwirken jedoch unterminieren und damit die gleichzeitige
Zerstörung unserer ICBMs in Silos und
alarmbereiten
Bomber
ermöglichen.
Sollte dies der Fall sein, könnten
die Vereinigten Staaten in eine potentiell gefährliche Situation geraten. Die Erhaltung unserer Strategie
der Abschreckung würde dann einzig
und allein auf einem Streitkräfteelement ruhen - den seegestützten Raketen. Die Sicherheit - und nicht zuletzt die Freiheit und tfberlebensfähigkeit - unserer Nation einzig und
allein auf der Lebensfähigkeit eines
bestimmten Waffensystems
ruhen zu
wissen, wäre zweifelsohne ein unannehmbares Risiko.
Die heute bestehende und sich in
der Zukunft möglicherweise ergebende
Bedrohung ist eine Bestätigung der
Grundstruktur
der
strategischen
Streitkräfte der Vereinigten Staaten.
Diese Struktur besteht aus einer Triade land- und seegestützter ballistischer Raketen und aus teilweise mit
Marschflugkörpern bestückten Bombern.
Die Entwicklung und Stationierung
moderner
sowjetischer
Streitkräfte
und Technologien, die wir heute beobachten und unschwer in die Zukunft
projizieren können, kann den Verlust
eines oder vielleicht zweier Säulen
der Triade zur Folge haben. Wenn den
Vereinigten Staaten Zeit zur Verfügung steht, können sie darauf reagieren. Sie können das neue Wesen der
Bedrohung verstehen lernen, ihre eigenen Technologien zu deren Bewältigung anwenden und die Abschreckung
kontinuierlich aufrechterhalten.
Um
diese Strategie lebensfähig zu machen, müssen wir jedoch stets eine
zweite und dritte Reserve haben. Die
Sicherheit der Vereinigten Staaten
kann sich zu keinem Zeitpunkt eine
vorübergehende Lücke leisten, die sowjetische Politiker zu der Annahme
verleiten könnte, in einer Krisensituation sei ein Atomkrieg zu gewinnen
oder sie verfügten über das entscheidende Kriterium, das sie in die Lage
versetzen würde, durch Einschüchte-

�rung der Vereinigten Staaten oder deren Verbündete politischen Druck auszuüben.
Über
diese
"Uberbrückungsfunktion" hinaus trägt jede Säule der
Triade dazu bei, die sowjetischen Bestrebungen zur Unterhöhlung der anderen Säulen abzuwehren. Gemeinschaftlich zwingen sie die Sowjets, ihre
Ressourcen zur Neutralisierung dreier
absolut unterschiedlicher Technologien auszudehnen. Um dies aufzuheben, sind unterschiedliche sowjetische Technologien und Streitkräfte
erforderlich.
Ballistische Raketen
unterstützen Bomber beim Angriff auf
die
sowjetsiche
Luftverteidigung.
Bomber und ICBMs arbeiten ebenfalls
zusammen, da ein Angriff auf einen
von beiden den Grund zum Abschuß des
anderen liefert.
Schließlich hat jedes Element der
Triade einzigartige Fähigkeiten, unterschiedliche
Typen
sowjetischer
Ziele zu bedrohen; beispielsweise
verfügen ICBMs über eine große Zielgenauigkeit, gute Führungs- und Kommunikattonselnrichtungen sowie unverzügliche Ankunft am Ziel.
Gemeinschaftlich bietet die Triade dem Präsidenten ein breites Spektrum von Optionen, angemessen auf die vielfältigen Formen einer sowjetischen Aggression zu reagieren. So gesehen stärkt
die Triade die Abschreckung, indem
sie die politisch Verantwortlichen in
der Sowjetunion von dem Irrtum befreit, sie könnten einen Angriff so
gestalten, daß es dem Präsidenten
entweder an Willen oder der Fähigkeit
zur Reaktion mangeln würde.
Wenn wir den Gedanken einer festen Triade akzeptieren, sollten wir
den Stand und die Aussichten jeder
einzelnen Säule überprüfen, um Prioritäten bezüglich dessen zu entwikkeln, was getan werden muß, damit unsere Strategie in den kommenden Jahren weiterhin funktioniert.

Seegestützte Raketen
Diese Raketen bilden das zuverlässigste Element
unserer Triade.
Gegenwärtig oder in unmittelbarer Zukunft gibt es keine bekannte sowjetische Technologie, die ihr überleben
angesichts
eines
Präventivschlages
bedroht.
Wir müssen jedoch nach wie vor
wachsam sein, falls sich die derzeitige Situation verändert. Eine beunruhigende Tendenz ist beispielweise
die Absicht der Vereinigten Staaten,
weniger U-Boote mit mehr Raketen zu
bestücken.

Mit Waffen bestückte Bomber
Heute scheinen unsere Bomber gegen einen Erstschlag der Sowjetunion
in hohem Maße überlebensfähig zu
sein, gleichgültig, ob der Schlag von
einer durch START begrenzten oder einer sehr viel größeren Streitmacht
ausgeführt wird. Die zukünftigen sowjetischen Dislozierungen (zum Beispiel seegestützte ballistische Raketen mit niedrigerer Flugbahn) könnten
diese Situation jedoch drastisch verändern.
Die großen Investitionen der Sowjetunion in massive Luftverteidigung
sind ebenfalls eine Quelle möglicher
Besorgnis.
Heute scheinen unsere
Bomber und Marschflugkörper fähig,
diese Verteidigung mit akzeptablen
Verlusten
zu durchdringen, obwohl
Probleme mit der Verteidigungsaviontk
des B-l beuruhigend sind. Wenn die
Sowjets in Zukunft die Fähigkeit unserer ballistischen Raketen zur Unterdrückung
der
Luftverteidigung
(durch Präventivschläge
oder eine
Verteidigung mit ballistischen Raketen) unterhöhlen, könnte die Wirksamkeit der Bomber und Marschflugkörper
abnehmen.
Getarnte
Bomber
und
Marschflugkörper könnten diese Situation verbessern, werden jedoch einen
Kampf zur Folge haben, bei dem Maßnahmen mit Gegenmaßnahmen vergolten
-werden.

�Landgestützte Raketen
Die Fähigkeit dieses Elements der
Triade zur vollständigen Wahrnehmung
seiner Abschreckungsfunktion - Vergeltung nach einem sowjetischen Erstschlag - unterliegt heute sicherlich
Zweifeln.
Die sowjetischen ICBMs,
insbesondere die SS-18, sind zahlenmäßig und technisch in der Lage, einen erheblichen Teil unserer in Silos
stationierten landgestützten Raketen
zu vernichten.
In der Zukunft werden die für sowjetische Raketen im Rahmen von START
auferlegten Reduzierungen die Verwundbarkeit
unserer
silogestützten
Raketen nicht unbedingt vermindern,
wenn wir keine Maßnahmen treffen, um
ihre Uberlebensfähigkeit durch mobile
oder versteckte Stationierung zu erhöhen. START wird die Zahl der sowjetischen SS-18 - gegenwärtig die
wirksamste Waffe der Sowjets gegen
Silos - halbieren.
Wahrscheinlich
werden die Sowjets aber insgesamt ca.
3 000 ICBMs zurückbehalten. Aufgrund
möglicher Verbesserungen bei Zielgenauigkeit und Sprengkraft wäre diese
Streitmacht ausreichend, um die Mehrzahl unserer Silos zu zerstören. Mit
den uns zur Verfügung stehenden Varianten, einschließlich versteckter
oder mobiler Stationierung, könnte
sie jedoch nicht fertig werden.
Während der zehn Jahre oder mehr,
in denen dieses Problem offen zutage
trat, wurden zahlreiche Optionen zu
dessen Lösung entwickelt. Keine davon hat jedoch die grundlegenden Kriterien der militärischen Wirksamkeit,
Finanzierbarkeit und politischen Akzeptanz erfüllt. Es wäre nicht nützlich, erneut Optionen in Erwägung zu
ziehen, die schon in der Vergangenheit diesen Voraussetzungen nicht gerecht werden konnten.
Heute werden drei Optionen in Betracht gezogen. Keine von diesen hat
die Grundlage für einen Konsens geschaffen, aber es ist auch keine entschieden zurückgewiesen worden. Diese Optionen sind:

Schienengestutzte MX. Diese Option fordert die Stationierung von
MX-Raketen auf Eisenbahnwaggons. Im
Frieden würden diese in einigen wenigen
Garnisonen
auf
militärischen
Stützpunkten gelagert.
Bei einer
strategischen Warnung (eine Frage von
Stunden) würden die Raketen über das
öffentliche
Schienennetz
verteilt,
und ein Angreifer müßte deshalb große
Teile des Schienennetzes unter Feuer
nehmen, um die Zerstörung der Raketen
sicherzustellen.
Straßenmobile Midgetman.
Diese
Option verlangt die Stationierung
kleiner, mit Einzelgefechtskopf ausgerüsteter Midgetman ICBMs auf gehärteten Fahrzeugen, die entweder schon
in Friedenszeiten oder im Falle einer
taktischen Warnung (eine Frage von
wenigen Minuten) aufgelockert stationiert würden. Dies würde einen Angreifer zwingen, weite Landstriche
unter Feuer zu nehmen, um die Zerstörung der Raketen zu gewährleisten.
Carry-Hard.
Bei dieser Option
würde eine Rakete
(beispielsweise
eine MX, Midgetman oder Minuteman
III) in einer gehärteten Kapsel untergebracht, die in irreführender
Weise in einem von mehreren tausend
preisgünstig zu errichtenden Silos
stationiert würde.
Ein Angreifer
müßte einen Schlag gegen Tausende von
Silos durchführen, um die Vernichtung
einer weit geringeren Zahl von Raketen sicherzustellen.
Bei Option 1, die schienengestützte MX, wären die Kosten relativ
gering (12 Milliarden Dollar für den
gesamten Lebenszyklus). In Situationen, in denen wohlüberlegte Entscheidungen zur Verteilung der MX über das
öffentliche Schienennetz viele Stunden vor einem Angriff getroffen werden können, wäre ihre Uberlebensfähigkeit sehr hoch. Eine entscheidende Frage ist jedoch, ob Situationen
wahrscheinlich sind, in denen diese
Zeit für die Verteilung der MX auf
Schiene nicht zur Verfügung stünde,
zum Beispie] vor einem Angriff. So
könnten die Sowjets etwa ihre Vorbe-

�reitungen beschränken oder verbergen,
um ihre Absichten zu vernebeln. Sie
könnten versuchen, die strategischen
Streitkräfte bis unmittelbar vor einem Angriff nicht in einen höheren
Bereitschaftsgrad zu versetzen als in
Friedenszeiten.
Eine weitere Möglichkeit bestünde
darin, daß der Präsident Anzeichen
erhielte, die auf einen Angriff hindeuten, er aber die Entscheidung
treffen würde, die MX-Züge nicht zu
verteilen. Der Präsident könnte etwa
besorgt sein, daß die MX-Stationierung über das öffentliche Schienennetz von der amerikanischen Öffentlichkeit, unseren Verbündeten oder
den Sowjets als unmittelbarer Vorläufer eines offensiven Atomschlages der
Vereinigten
Staaten
mißverstanden
werden könnte, obwohl die Absicht
rein defensiv ist. Schließlich ist
noch festzustellen, daß wir im Falle
ausreichender Zeit für die Stationierung der MX-Züge mit weit geringerem
Aufwand eine gleiche oder größere
Zahl von Alarmgefechtsköpfen auf andere Art und Weise, wie untenstehend
besprochen, stationieren könnten.
Option
2,
die
straßenmobile
Midgetman, hat zwei Varianten. Bei
der ersten Variante würden im Frieden
mobile Midgetman-Abschußvorrichtungen
auf den bestehenden Midgetman-Stützpunkten im Norden der Vereinigten
Staaten stationiert. Bei einer taktischen Angriffswarnung würden sie in
der Umgebung verteilt.
Die andere
Variante beinhaltet die Verteilung
von Midgetman-Raketen über große Teile weitläufiger Militärstützpunkte im
Südwesten. Bei einer taktischen Angriff swarnung würden diese über noch
weiträumige Gebiete sowohl innerhalb
als auch außerhalb der Stützpunkte
verlegt.
Mobile Midgetman im Südwesten wären die teuerste Lösung (39 Milliarden Dollar während des gesamten Lebenszyklus).
Eine Stationierung im
Norden würde die bestehende Minuteman-Infrastruktur der Air Force ausnutzen und etwas weniger kostspielig

sein (36 Milliarden Dollar im Lebenszyklus) .
Diese Kosten sind hoch und bilden
das Hauptargument gegen die Midgetman. Sie könnten jedoch um ca. ein
Drittel verringert werden, wenn jede
Midgetman doppelt bewaffnet würde.
Damit würde die Zahl der Abschußvorrichtungen und zu stationierenden Raketen halbiert.
Diese Zunahme der
Nutzlast würde jedoch den Aktionsradius derart einschränken, daß eine
Stationierung
im Südwesten ausgeschlossen wäre.
Bei einer taktischen Warnung würden alle Varianten der Midgetman-Lösung im Falle eines Angriffs durch
eine von START begrenzte sowjetischen
Streitmacht ein sehr Uberlebensfähiges Element darstellen, obwohl bei im
Norden stationierten, weniger weiträumig verteilten Midgetman weniger
Raketen überleben würden. Alle Varianten würden die Sowjets von einem
Bruch des START-Vertrags abschrecken
und die Sowjets im Falle eines solchen Bruchs zwingen, für jede Midgetman, die sie vernichten wollen, viele
zusätzliche Raketen einzusetzen.
Die
Uberlebensfähigkeit
der
Midgetman kann durch technische Verbesserungen bei den Sowjets teilweise
verringert werden (zum Beispiel durch
erhöhte Sprengkraft oder Angriffe mit
SLBMs
mit
niedrigen
Flugbahnen).
Trotzdem würde die Midgetman auch
diesen Verbesserungen begegnen können
(im Falle einer Stationierung im Südwesten mehr als im Norden).
Falls
notwendig könnte eine noch weiträumigere Verteilung die Uberlebensfähigkeit weiter erhöhen.
Option 3, Carry-Hard, kann für
die Stationierung verschiedener Raketentypen verwendet
werden
- MX,
Midgetman oder Minuteman III. Die
Kosten würden je nach gewähltem System variieren (Kosten pro Lebenszyklus wären ca. 24 Milliarden Dollar
für die MX, 40 Milliarden oder mehr
für Midgetman - reduzierbar auf vielleicht 27 Milliarden bei der Version

- 5 -

�mit zwei Gefechtsköpfen - und 19 Milliarden für die Minuteman III).
Der Carry-Hard-Option liegt dasselbe Prinzip zugrunde wie dem vom
ehemaligen Präsidenten Carter für die
MX
vorgeschlagenen
Stationierungsmodus in Silos - eine kleine Anzahl
von Raketen (etwa 50 MX, 500 Midgetman oder 167 Minuteman III) in einer
Vielzahl von Silos (zum Beispiel
2 300).

Die Rolle der Rüstungskontrolle
Die Bewahrung der Abschreckung
hängt zuallererst von der Bereitschaft des Präsidenten und des Kongresses ab, die harten Entscheidungen
zu treffen, die für Entwicklung und
Stationierung effektiver, überlebensfähiger
strategischer
Streitkräfte
erforderlich sind. Rüstungskontrollvereinbarungen mit den Sowjets sollten weiterhin in dem Maße angestrebt
werden, in dem sie eine stabile Abschreckung
bewahren
und
stärken.
Dennoch möchten wir betonen, daß das
Hauptaugenmerk der Vereinigten Staaten darauf liegen sollte, zu bestimmen, welche Streitkräftestruktur eine
stabile Abschreckung am besten gewährleistet und die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs verringert und
dann erst damit in Einklang stehende
Rüstungskontrollabkommen anzustreben,
nicht umgekehrt.
Das bevorstehende START-Abkommen
ist in diesem Zusammenhang von vorrangigem Interesse. Obwohl noch eine
Vielzahl von Einzelheiten der Klärung
bedürfen, scheint eine Übereinkunft
zu Bestimmungen in greifbare Nähe gerückt zu sein, mit denen die heutigen
Streitkräfteniveaus auf beiden Seiten
reduziert werden. Ob diese Reduzierungen vorteilhaft für die Vereinigten Staaten sein werden hängt davon
ab, wie wir unsere Systeme im Umfeld
nach START stationieren. Den in Betracht gezogenen Vertragsbedingungen
zufolge könnten die amerikanischen
Streitkräfte von heute 12 300 Waffen
auf 10 600 begrenzt werden und die

sowjetischen Streitkräfte von 10 600
auf 9 000. In der Kategorie der Gefechtsköpfe auf ballistischen Raketen
werden die Zahlen von ca. 9 400 sowjetischen und 7 500 amerikanischen
Gefechtsköpfen auf je 4 900 begrenzt
werden.
Insgesamt wird die Verteilung auf die einzelnen Elemente der
Triade eine verstärkte Stützung auf
Bomber bedingen als heute der Fall
ist.
Wenn man eine Bewertung unserer
Fähigkeit zur Erfassung der möglichen
sowjetischen Ziele vornimmt, wird die
Situation nach START zufriedenstellend
bleiben.
Die heutigen USStreitkräfte besitzen die Fähigkeit,
einen erheblichen Teil der sowjetischen Streitkräfte und politischmilitärischen Infrastruktur zu bedrohen, obwohl diese Fähigkeit abnehmen
wird, wenn die Sowjets ihre Mobilität
und Auflockerung in Krisenfällen ausbauen. Unter START können die Vereinigten Staaten die erforderliche
Fähigkeit nur dann aufrechterhalten,
wenn sie ihre Streitkräfte effektiv
modernisieren.
Eine relevantere Frage ist jedoch, ob die Streitkräfte der Vereinigten Staaten einem sowjetischen
Angriff so flexibel entgegentreten
können wie heute (oder, vorzugsweise,
noch flexibler). Im Zuge unserer Modernisierungs- und
Verhandlungsbemühungen muß unser Ziel darin bestehen,
das Verhältnis zwischen zielgenauen
sowjetischen Gefechtsköpfen und den
von diesen zu zerstörenden amerikanischen Zielen auf dem gleichen oder
- vorzugsweise - einem niedrigeren
Niveau zu halten wie heute, um den
Sowjets den Anreiz zu einem solchen
Angriff zu nehmen. Insgesamt würden
Reduzierungen keinen Gewinn bedeuten,
wenn die Sowjets von ihren verbleibenden Waffen eine größere Zahl auf
Uberproportional
weniger
amerikanische Ziele richten könnten.
Mit diesem Umstand vor Augen haben sich die für die Modernisierung
der ICBMs verantwortlichen amerikanischen Militärplaner darauf konzen-

- 6 -

�triert, wie man den Umfang der in den
Vereinigten Staaten vorhandenen Ziele
vergrößern kann.
Die verschiedenen
real in Betracht gezogenen Vorschläge
beruhen alle auf Täuschung - das
heißt, ICBMs werden auf Bahnlinien,
an Straßen oder in zahlreichen Silos
versteckt - so daß die Anzahl der von
den Sowjets anzugreifenden Punkte
größer würde als heute. Es ist vorstellbar, daß die Sowjets ohne eine
Obergrenze bei Gefechtsköpfen genug
Waffen für einen Angriff bauen könnten, um die Täuschung wettzumachen,
indem sie Waffen auf jeden Ort richten, an dem sich unsere ICBMs befinden könnten - zugegebenermaßen eine
große Zahl, aber im Prinzip wäre dies
angesichts eines fehlenden Abwehrkonzepts oder zahlenmäßiger Beschränkungen möglich.
Die niedrigeren Obergrenzen für
Gefechtsköpfe bei START bedeuten somit - trotz des Spielraums für Täuschungen und Vertragsbrüche - eine
Bedrohung für unsere ICBMs, machen es
jedoch zwingend erforderlich, daß unsere
Modernisierungspläne
soviele
Ziele wie möglich auf unserer Seite und möglichst noch mehr als heute vorsehen.
Die Vereinigten Staaten schlagen
gegenwärtig ein Verbot aller mobilen
ICBMs als eine Möglichkeit vor, um
die amerikanische Besorgnis über die
Schwierigkeiten bei der Gewährleistung einer genauen Verifizierung der
Anzahl dieser Systeme zu betonen. Im
Prinzip sind mobile ICBMs so konzipiert, daß sie zur Sicherstellung ihrer Überlebensfähigkeit leicht verborgen werden können; daraus folgt
jedoch, daß leicht zu verbergende Systeme auch leichter illegal zu dislozieren sind. Aus diesem Grund sind
die amerikanischen Unterhändler zu
Recht besorgt.
Wenn sich die Sowjets jedoch zur
Täuschung entschließen, wäre es Ihnen
praktisch unmöglich, genügend Streitkräfte illegal zu stationieren, um
ihre Fähigkeit zum erfolgreichen Angriff auf mobile amerikanische Syste-

me erheblich zu verbessern. Wenn Sie
jedoch diesen Versuch unternehmen
würden, wäre für uns die Ausweitung
unseres
Stationierungsgebietes
wesentlich einfacher zu bewerkstelligen
als für sie die Bereitstellung der zu
einem Angriff benötigten Gefechtsköpfe.
Zum Gleichgewicht vertreten wir
die Auffassung, daß die Gewinne bei
der Stabilität und die der versteckten Stationierung immanenten mangelnden Anreize zu Täuschungsmanövern die
Risiken einer tatsächlichen Täuschung
mehr als aufwiegen. Wir kommen daher
zu dem Schluß, daß die Position der
Vereinigten Staaten so verändert werden sollte, daß sie die Stationierung
mobiler Systeme auf beiden Seiten gestattet. Dieses Urteil setzt natürlich voraus, daß die Vereinigten
Staaten sich tatsächlich einem Plan
der versteckten Stationierung zuwenden.
(Die Sowjets besitzen bereits
eine große Zahl - wahrscheinlich mehr
als 100 - mobile ICBMs, die mit einem
Gefechtskopf ausgerüstete, auf Strassen bewegliche SS-25.) Es wäre unverzeihlich, den Sowjets mehr Möglichkeiten zum Rückzug aus START zu
gestatten, während wir selbst darauf
verzichten, ein wirklich angemessenes
Gegenmittel zu stationieren.
Einschneidendere
Reduzierungen
über START hinaus erfordern die sorgfältige Lösung einer Reihe von Problemen. Das erste ist die Uberlebensfähigkeit der Streitkräfte und
damit die bereits erörterte Frage des
Verhältnisses von Gefechtsköpfen und
Zielen. Das zweite betrifft die amerikanische Fähigkeit, wichtige Einrichtungen auf sowjetischer Seite zu
treffen.
Wie bereits ausgeführt,
stellen die von START begrenzten
Streitkräfte genug Waffen bereit, um
die meisten der jetzt zur militärischen Planung verwendeten Ziele abzudecken, ohne daß viele nicht abgesteckte
Ziele
übrigblieben.
Mit
niedrigeren Niveaus würden wir hinter
den Stand zurückfallen, der jetzt von
Militärplanern als vernünftig erachtet wird. Wir müssen erneut UberprU-

- 7 -

�fen, ob diese Reduzierungen einen
wünschenswerten Eeffekt auf die Abschreckung haben.
Das dritte Problem betrifft die
Auswirkung auf eine erweiterte Abschreckung. Einige Verbündete haben
Vorbehalte im Hinblick auf die Unterschreitung der von START festgesetzten Niveaus geäußert, wenn nicht zunächst das konventionelle Ungleichgewicht der Streitkräfte in Europa ausgeglichen würde. Wir benötigen eine
klare Vereinbarung, daß wir unsere
Verpflichtungen für eine über amerikanisches Territorium hinausgehende
Abschreckung einhalten können, und
diese Botschaft müssen wir in engen
Konsultationen mit unseren Verbündenten vermitteln.

Zusammenfassung
Die Sicherheit der Vereinigten
Staaten muß in absehbarer Zukunft auf
Abschreckung und Offensivstreitkräften basieren; kurzfristig gibt es
keine Alternative.
Zur Gewährleistung der Abschreckung müssen die
Vereinigten Staaten weiterhin Streitkräfte stationieren, die einen Gegner
unbedingt davon überzeugen, daß jede
Aggression
gegen
die
Vereinigten
Staaten oder ihre Verbündeten eine
Reaktion hervorruft, die ihm untragbare Kosten aufbürden würde. Praktisch bedeutet das die Beibehaltung
einer Triade von Streitkräften, die
insgesamt die Fähigkeit besitzt, einen Präventivschlag zu überleben und
die
sowjetische
Verteidigungslinie
mit
einem
Vergeltungsschlag
von
nichtakzeptablem Ausmaß zu durchbrechen. Die Vereinigten Staaten müssen
die zur Erfüllung dieser Maßgabe erforderliche Modernisierung
in den
nächsten Jahren im Rahmen ihres niedrigeren Verteidigungshaushalts durchführen.
Wir sprechen folgende Empfehlungen aus:
- Die Modernisierung der ICBM sollte erste Priorität sein.
Die
Midgetman (mit einem Gefechtskopf) in einer straßenbeweglichen

Konfiguration im Südwesten stationiert oder eine Midgetman (mit
zwei Gefechtsköpfen) in zahlreichen "carry-hard" Silos sind
die zwei vielversprechenden Ansätze
mit
der
erforderlichen
tfberlebensfähigkeit.
Die
Entwicklung und Stationierung einer
dieser Möglichkeiten sollte vorrangig finanziert werden.
Die
Entscheidung für eine von ihnen
sollte davon abhängig sein, welche Möglichkeit die besten Aussichten auf Erlangung eines politischen Konsenses hat, der für
die Bewilligung und Durchführung
erforderlich ist. Bis diese Entscheidung getroffen wird, sollten
wir weiterhin umfangreiche silogestützte Streitkräfte unterhalten.
Diese Streitkräfte werden
eine wirksame Fähigkeit für bestimmte Anwendungsbereiche, insbesondere die Unterstützung der
erweiterten Abschreckung haben.
Die MX-Rakete sollte, wenn sie
nicht
"carry-hard"
stationiert
wird, in ihren gegenwärtig 50 Silos beibehalten werden. Wenn in
den neunziger Jahren mehr Mittel
zur Verfügung stehen, sollte die
Stationierung aus den Silos auf
die Schiene verlegt werden.
- Pläne für die Stationierung der
Trident U-Bootflotte einschließlich der D-5 Rakete sollten ebenfalls vollendet werden.
Einige
kleinere Verzögerungen sind jedoch bei diesem Programm akzeptabel.
Die seegestützte Modernisierung sollte Möglichkeiten für
die Bereitstellung einer größeren
Zahl von Schiffen, insbesondere,
wenn Begrenzungen
durch START
vorgenommen
werden,
vorsehen.
Kurzfristig würde dies die Stationierung einer größeren Zahl
von
Trident-U-Booten
bedeuten,
von denen jedes mit weniger als
dem Maximum von 24 Abschußvorrichtungen
ausgerüstet
ist.
Langfristig würde das heißen, eine neue Generation kleinerer UBoote zu entwickeln.

�der MX gegen die SS-24 bedarf
eingehender Prüfung
Die Zustimmung zu mobilen Systemen setzt
natürlich voraus, daß die Vereinigten Staaten ihr Recht auf
Entwicklung einer der hier erörterten
Konfigurationen
erhält
(auf
Straßen
beweglich
oder
"carry-hard").
Als letztes Detail
sollten
die
Vereinigten
Staaten
die
gegenwärtige
Beschränkung von Abschußvorrichtungen (1 600) weiter lockern oder
abschaffen.
Solch
eine
Einschränkung steht dem Wunsch zur
Verbesserung
des
Verhältnisses
von Gefechtsköpfen zu Zielen entgegen.

- Gegenwärtige Pläne zur Modernisierung von Bombern und deren Bewaffnung
sollten
verwirklicht
werden. Das vollständige B-l Geschwader sollte weiter stationiert werden.
Die Entwicklung
des B-2 sollte sorgfältig und
gründlich vollendet werden. Wenn
das
Entwicklungsprogramm
abgeschlossen ist, sollte der B-2
stationiert werden.
- Eine Untersuchung sollte durchgeführt werden, um zu bestimmen, ob
die nuklear bestückten SLCMs in
unserem Interesse zu liegen versprechen und ob die nuklearen und
nichtnuklearen SLCMs verifizierbar sind.
- Das Programm der Strategischen
Verteidigungsinitiative
sollte
wie bisher finanziert werden, mit
bescheidenen jährlichen Erhöhungen, und es sollte weiterhin auf
das bereits erörterte Ziel hin
ausgerichtet sein.
- Im Hinblick auf Rüstungskontrolle
sind die vorgeschlagenen zahlenmäßigen Beschränkungen im bevorstehenden START-Abkommen vernünftig und werden vorsehen, daß ausreichende amerikanische Streitkräfte die Abschreckung unterstützen.
Die möglichen Bestimmungen dieses Abkommens können
nützliche Verbesserungen für die
Sicherheit der Vereinigten Staaten hervorbringen, insbesondere
in Zusammenhang mit der Stationierung moderner, überlebensfähiger, landgestützter Raketen. Die
Vereinigten Staaten haben bereits
begonnen, Ansätze zur Verifizierung mobiler Systeme zu erörtern
und werden wahrscheinlich ihren
Vorschlag eines Verbots fallenlassen, wenn geeignete Vereinbarungen getroffen werden.
Wir
sollten dennoch erwägen, weiterhin ein Verbot von Mehrfachgefechtsköpfen (MIRVs) auf mobilen
Systemen
auszusprechen,
angesichts ihrer besseren Wirkung bei
Täuschungsmanövern.
Ein Tausch

Wie zu Beginn erklärt, waren die
vergangenen 15 Jahre im Hinblick auf
die Erhaltung einer stabilen Abschreckung für die Vereinigten Staaten eine Zeit enormer Herausforderungen. Zu Beginn der achtziger Jahren
hat das Land kurzzeitig den regelmäßig
wiederkehrenden
Enthusiasmus
seiner Bevölkerung für eine selbstbewußtere Rolle der Vereinigten Staaten
in der Welt genossen. Einige, aber
nicht alle Aspekte dieses Enthusiasmus haben Eingang in vernünftige Programme zur nationalen Sicherheit gefunden. Die Verluste waren das Ergebnis einer konzeptionellen Unsicherheit darüber, was zu tun sei.
Andere waren auf politische Parteilichkeit zurückzuführen. Gegenwärtig
treten die Vereinigten Staaten in eine Phase begrenzter Mittel ein. Anhaltende Streitigkeiten und ambivalente Konzepte werden reale Kosten
verursachen, die sich in zunehmender
Anfälligkeit für Zwang und Einschüchterung äußern werden. Diese Publikation ist eine überparteiliche Bemühung, diese Kosten zu verhindern.
Die nächsten zehn Jahre versprechen so turbulent zu werden wie die
vergangenen - aufgrund finanziellen
Drucks, technologischer Entwicklungen
und dem normalen Ausschlag des politischen Pendels im Westen.
Es ist
der letzte nicht vorhersagbare Trend,
der beunruhigt. Im Gegensatz zu den

- 9-

�vergangenen Zeiten» als ihre Stärke
den Vereinigten Staaten einön bestimmten Fehlerquotienten beim Experimentieren
mit
unterschiedlichen
Konzepten zur Wahrung unserer Interessen zugestand, wenn diese Umschwünge stattfanden, kann sich das Land
diesen Luxus nicht mehr leisten. Es
ist viel wichtiger geworden, daß die
Vereinigten Staaten ihre strategische
Politik klar Und einstimmig darlegen
und das Land von einem konkreten Verständnis der anstehenden Bedrohung
und dem Umgang mit ihr geleitet wird.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

4

8. Februar 1989

DIE VERHANDLUNGEN ÜBER KONVENTIONELLE STREITKTÄFTE IN EUROPA - VKSE
- Eine Übersicht der ACDA -

WASHINGTON - (AD) - Die amerikanische Behörde für Rüstungskontrolle und
Abrüstung (ACDA) hat eine Übersicht zu den Zielen der Verhandlungen über konventionelle Streitkräfte in Europa (VKSE) veröffentlicht, an denen 16 Mitgliedstaaten der NATO und sieben Warschauer Pakt Staaten teilnehmen.
Diese Übersicht wurde bei Ankunft von Außenminister Shultz in Wien veröffentlicht, wo er sich zur Abschlußerklärung der 35 Teilnehmerstaaten der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) einfand.
Nachfolgend der Text der Übersicht:
Die Verhandlungen über
konventionelle Streitkräfte in Europa
(VKSE)
-

Die Beseitigung des militärischen
Ungleichgewichts zwischen Ost und
West im konventionellen Bereich
durch Rüstungskontrolle und Verbesserung der Verteidigung hat
seit Jahren Priorität in der NATO.

- Auch nach Durchführung der von
Gorbatschow angekündigten einseitigen Reduzierungen
hätte der
Warschauer Pakt bei Panzern und
Artillerie einen Vorteil von mehr
als 2:1.
- Die Landstreitkräfte
des Ostblocks sind in der Lage, eine
Großoffensive einzuleiten.
Die

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Reduzierung
von Streitkräften,
die eine Offensive denkbar erscheinen lassen, Territorium besetzen und halten können, ist
vordringliches Ziel der RUstungskontrollstrategie
der NATO im
konventionellen Bereich.
Die NATO ist um die Beseitigung
von Asymmetrien bei den Streitkräften und die Erlangung eines
höheren Maßes an Stabilität und
Sicherheit auf einem niedrigeren
Streitkräfteniveau bestrebt.
Die NATO wird dieses Ziel einer
Verbesserung der Sicherheit durch
die Wiener Verhandlungen über
konventionelle
Streitkräfte
in
Europa (VKSE) verfolgen.
Teilnehmer der VKSE sind die 16 Mit-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�gliedsstaaten der NATO und sieben
Warschauer Pakt-Staaten.
- Weiterhin wird sich eine besondere Verhandlungsreihe Fragen der
Sicherheit durch Vertrauens- und
sicherheitsbildende
Maßnahmen
(VSM) zuwenden. An diesen Verhandlungen werden alle 35 europäischen und nordamerikanischen
Mitglieder der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (KSZE) teilnehmen.

e NATO schlägt für die VKSE unter
derem folgende Punkte vor:
- Eine generelle Begrenzung des Gesamtbestandes
konventioneller
Waffen in Europa auf ein erheblich niedrigeres als das gegenwärtige Niveau, bei Panzern etwa
eine Anzahl von 40 000 und damit
die Hälfte des gegenwärtigen Bestandes.
- Eine Bestimmung, daß kein Staat
mehr als 30 Prozent des Gesamtbestandes in Europa besitzen darf
und damit kein Land den Kontinent
mit
Waffengewalt
beherrschen
kann. Zum Beispiel könnte kein
Land mehr als 12 000 Panzer besitzen - die Sowjetunion hat im
Augenblick etwa 37 000.

- Besondere
Einschränkungen
für
Streitkräfte, die auf dem Territorium anderer Länder stationiert
sind, um sowjetische Streitkräfte
in Osteuropa zu beschränken.
- Zusätzlich zur Streitkräftereduzierung wird sich die NATO um
stabilisierende
Maßnahmen
zur
Verbesserung von Offenheit und
Stabilität bemühen. Darüber hinaus wird die NATO ein strenges
System der Verifizierung vorschlagen.
- Die VKSE und die VSM sollen nicht
später als sieben Wochen nach Abschluß
der
KSZE-Folgekonferenz
aufgenommen werden.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
r

1,

^

ck

Wirtschaft

8. Februar 1989

YEUTTER FORDERT HARTE GANGART BEI HORMONBEHANDELTEM FLEISCH
- Der Streit zwischen den Vereinigten Staaten und der EG -

WASHINGTON - (AD) - Der designierte amerikanische Landwirtschaftsminister
Clayton Yeutter erklärte, die Vereinigten Staaten sollten in ihrem Streit mit
der Europäischen Gemeinschaft über den Import von Rindfleisch nicht nachgeben.
"Wenn die EG zu weiteren Vergeltungsmaßnahmen greift, würde ich vorschlagen, daß wir dagegen wiederum
mit Vergeltungsmaßnahmen vorgehen",
erklärte Yeutter bei der Anhörung zu
seiner Bestätigung vor dem Landwirtschaftsausschuß des Senats.

Strafzöllen ausgenommen bleiben.

Am 1. Januar 1989 hat die Europäische Gemeinschaft alle Importe von
mit
Wachstumshormonen
behandeltem
Fleisch verboten, worauf die Vereinigten Staaten als Vergeltungsmaßnahme auf eine Reihe von Exportgütern
der EG Zölle von 100 Prozent erhoben
haben.

Ein anderer Vertreter der amerikanischen Regierung erklärte, solch
eine Bitte würde möglicherweise die
Zustimmung der Vereinigten Staaten
finden.

Beide Seiten vereinbarten eine
Frist von 30 Tagen, in der alle
strittigen Waren, die sich bereits
auf dem Exportweg befanden, von den

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Die Frist endete am 1. Februar,
und ein Mitarbeiter aus dem Büro des
amerikanischen
Handelsbeauftragten
erklärte, den Vereinigten Staaten läge keine Bitte um Verlängerung vor.

Wenn jedoch keine Fristverlängerung vereinbart wird, so hat die Europäische Gemeinschaft erklärt, sie
werde wiederum Vergeltungsmaßnahmen
gegen die erhöhten amerikanischen
Zölle ergreifen, obwohl sie noch keinen Termin für das Inkrafttreten ih-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�rer Vergeltungsmaßnahmen
hat.

festgesetzt

Der Staat Texas hat angeboten,
der Europäischen Gemeinschaft Fleisch
zu verkaufen, das nicht mit Hormonen
behandelt wurde.
Aber das amerikanische
Landwirtschaftsministerium
hat sowohl der EG als auch dem Staat
Texas Schreiben zukommen lassen, denen zufolge es nicht - wie von der EG
gefordert - garantieren kann, daß das
texanische Rindfleisch den EG-Normen
für hormonfreies Fleisch entspricht.

* * * * *

�^°^&gt;
'V,oN

AMERIKA DIENST
Wirtschaft

4

8. Februar 1989

REGIERUNGEN BENUTZEN GESUNDHEITSVORSCHRIFTEN ZUR EINFUHRBEGRENZUNG
Hintergrundartikel zu Handelsgesprächen im Rahmen der Uruguay-Runde -

WASHINGTON - (AD) - Eine der einfachsten Möglichkeiten für ein Land Einfuhrverbote für bestimmte Produkte zu rechtfertigen, besteht darin, zu behaupten, diese Produkte verletzten dessen nationale Gesundheits- und Hygienebestimmungen.

Dies ist deshalb so einfach, weil
es die internationalen Regelungen
nach dem Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (GATT) jedem Staat gestatten, solche Beschränkungen zu
verhängen. Innenpolitisch ist dabei
kaum Widerspruch zu erwarten, wenn
der Schutz der Gesundheit und Verbesserung der Sicherheit auf dem Spiel
stehen.
Wenn jedoch Anbieter in anderen
Ländern den Verdacht schöpfen, daß
solche Regelungen mehr auf wirtschaftlichen Motiven als auf stichhaltingen
gesundheitspolitischen
Gründen beruhen, kann diese Art der
Einfuhrbeschränkung
weltweit
verstärkt zu einer Quelle des Unmuts
werden.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Dieses Problem
tritt nirgends
deutlicher zutage als beim gegenwärtigen Streit zwischen den Vereinigten
Staaten und der Europäischen Gemeinschaft (EG) über die Verwendung von
Hormonen bei der Tiermast. Mit Wirkung vom 1. Januar 1989 verhä'ngte die
EG ein Einfuhrverbot für Fleisch von
Tieren, denen Wachstumshormone zugeführt wurden. Die Vereinigten Staaten reagierten darauf unmittelbar,
indem sie für eine Reihe europäischer
Exporte in die Vereinigten Staaten
einen lOOprozentigen Einfuhrzoll verhängten.
Der EG zufolge stellen die Hormone für den Menschen eine Gesundheitsgefährdung dar. Unter Berufung auf
die GATT-Bestimmungen erklärt die EG,
sie besitze das Recht, ein weltweit

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�gültiges Verbot solcher Importe zu
verhängen. Die Vereinigten Staaten,
die sich ebenfalls auf die GATT-Regeln berufen, erklären, das Einfuhrverbot koste amerikanische Fleischproduzenten jährlich 100 Millionen
Dollar, für die ihnen eine Entschädigung zustehe.
"Es kann sehr häufig vorkommen,
daß gesundheitspolitische Anliegen zu
einer unfairen Handelspraxis führen
können, die unter dem Deckmantel einer Gesundheitsgefä'irdung besteht",
erklärte der stellvertretende amerikanische
Handelsbeauftragte
Alan
Holmer am 5. Januar 1989 vor Journalisten. "Und wenn dieses Hormonverbot
einer
wissenschaftlichen
Grundlage entbehrt, werden sich die
Vereinigten Staaten mit einem solchen
Vorgehen nicht abfinden können. Das
war der Grund, warum wir der Meinung
waren, die von uns eingeleiteten Maßnahmen ergreifen zu müssen."
Obwohl über die wissenschaftliche
Dimension dieses Falles weiterhin
Meinungsunterschiede bestehen, sind
sich die meisten Länder darin einig,
daß ein Ausufern des gegenwärtigen
Fleischstreits zwischen den Vereinigten Staaten und der EG - der fast
schon das Ausmaß eines Handelskrieges
erreicht - hätte vermieden werden
können, wenn die gültigen GATT-VerfUgungen zu Gesundheits- und Hygienefragen eindeutiger gefaßt wären und
wenn es besondere, verläßliche internationale Regelungen zur Schlichtung
von Streitfällen gegeben hätte.
Als Teil der Uruguay-Runde multilateraler Handelsgespräche haben sich
in den vergangenen zwei Jahren Unterhändler aus den 96 Mitgliedstaaten
des GATT in Genf getroffen, um Bestimmungen zu verbessern, die Auswirkungen von Meinungsverschiedenheiten
über nationale Gesundheits- und Hygienevorschriften auf den Handel betreffen.
In einer Zusammenfassung der bis
heute geleisteten Arbeit erklärte ein
führender
Vertreter
des
amerika-

nischen
Landwirtschaftsministeriums
gegenüber dem US-Informationsamt, daß
heute "eine recht gute Grundlage für
eine Übereinkunft besteht".
Amerikanischen Vertretern zufolge
herrscht allgemein Einigkeit darüber,
daß Artikel 20 des GATT die Grundlage
für eine Reform der GATT-Bestimmungen
über Gesundheit und Sicherheit enthält«
Dieser Artikel gestattet gegenwärtig
die
Verabschiedung
und
Durchführung von Maßnahmen, die zum
Schutz menschlichen, tierischen oder
pflanzlichen Lebens oder der Gesundheit erforderlich sind. Darin wird
jedoch ebenfalls festgestellt, daß
solche Maßnahmen weder als Deckmantel
für Beschränkungen des internationalen Handels benutzt noch in willkürlicher oder in einer anderen Art und
Weise angewendet werden sollten, die
zwischen Ländern, in denen gleiche
Bedingungen herrschen, ungerechtfertigt Diskriminierung schaffenDie
Aufgabe
der
Unterhändler
bestehe
jetzt darin, zur Klärung von Artikel
20 im Hinblick darauf beizutragen,
welche Handlungen als willkürlich
oder ungerechtfertigt zu betrachten
sind.
Einem
amerikanischen
Vertreter
zufolge könnte sich die EG dabei als
Haupthindernis erweisen. Obwohl sich
die EG den Forderungen anderer Länder
nach Vereinheitlichung - in der Handelsterminologie als "Harmonisierung"
bezeichnet - nationaler Gesundheitsbestimmungen
angeschlossen
hat,
scheint sie weniger als andere GATTMitglieder bereit zu sein, der Notwendigkeit eines wirksamen Schlichtungsverfahrens für den Fall zuzustimmen, daß ein Land sich dieser
Harmonisierung widersetzt.

Die Ziele der Vereinigten Staaten
Von
offizieller
amerikanischer
Seite werden die folgenden fünf Ziele
der Vereinigten Staaten als entscheidend für dieses Element der UruguayRunde genannt:

- 2 -

�- Alle Gesundhelts- und Hygienebestimmungen müssen auf solidem und
Überprüfbarem
wissenschaftlichem
Beweismaterial beruhen.

nalen Gremien die Festlegung der spezifischen Normen vornehmen sollten,
auf die sich alle nationalen Bestimmungen gründen:

- Harmonisierung der nationalen Gesundheits- und
Hygienevorschriften in dem Maß, in dem die Harmonisierung Gesundheit und Sicherheit nicht gefährdet, um so die
Einhaltung international vereinbarter Normen zu gewährleisten.

Die
Kodex
Alimentarius-Kommission. Als Unterorganisation der
Ernährungs- und
Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen und der Weltgesundheitsorganisation wurde der Kodex Alimentarlus im Jahr 1963 geschaffen,
um die Gesundheit der Konsumenten
zu schützen, faire Praktiken im
Welthandel
mit
Nahrungsmitteln
sicherzustellen und die Koordinierung aller von internationalen
Regierungs- und
zwischenstaatlichen Organsationen entwickelten
Nahrungsmittelnormen zu fördern.
Der Kodex Alimentarius enthält
Normen für alle Grundnahrungsmittel - nicht verarbeitet, halb
verarbeitet oder verarbeitet
die zum Verzehr geeignet sind.
Die Kommission besteht aus einen
Exekutivausschuß und 25 Unterorganisationen.
Die
Ausschüsse
sind ein Forum für Wissenschaftler, die technische Daten im Zusammenhang mit der Entwicklung
von
Produktnormen
überprüfen.
Nach Genehmigung durch die jeweiligen Regierungen werden die Normen im Kodex Alimentarius veröffentlicht. Zusätzlich zur Aufgabe der Normierung ist die Kommission gleichzeitig ein informelles
Forum für Diskussionen zwischen
internationalen
Vertretern
von
Regierung und Industrie.

- Anerkennung des Konzepts "gleichwertiger Garantien". Dies bedeutet, daß jedes Land seinen eigenen Ansatz zur Erreichung eines
bestimmten Sicherheitsniveaus eines Produkts wählen kann und daß
Einfuhren dieses Produkts nicht
lediglich deshalb beschränkt werden können, weil eine bestimmte
von dem exportierenden Land angewandte Methode zur Gewährleistung
der Sicherheit nicht mit der vom
importierenden Land angewandten
identisch ist.
- Entwicklung angemessener Schlichtungsmechanismen,
die
speziell
auf Gesundhelts- und Hygienefragen eingehen.
- Rechtzeitige Benachrichtigung und
Konsultationen vor der Einführung
von Gesundhelts- und Hygienevorschriften.
Einige der Maßnahmen, bei denen
amerikanische
Regierungsvertreter
eine Harmonisierung begrüßen würden,
betreffen die Unbedenklichkeit von
Nahrungsmitteln (z.B. Nahrungsmittelzusätze, maximale Rückstände an Pestiziden, veterinärmedizinische Arzneimittel), Gesundheit von Tieren und
Pflanzen und diesbezügliche Quarantänevorschriften sowie Analysemethoden
und Stichprobenerhebung.

Harmonisierung der nationalen Normen
Die Vereinigten Staaten haben den
Vorschlag
unterbreitet,
daß
ausschließlich folgende drei internatio- 3 -

Das Internationale Tierseuchenamt. Hierbei handelt es sich um
die älteste internationale veterinärmedizinische
Organisation,
die auf das Jahr 1924 zurückgeht
und sich primär mit Tiergesundheit und Hygienevorschriften für
den Import und Export von Tieren
und Tierprodukten befaßt.
Sie
hat ein weltweites Informationssystem ins Leben gerufen, das zur
Beschleunigung des internationalen Handels ohne ein Krankheitsrisiko bei Nutzvieh gedacht ist.

�Die Hauptbüros befinden sich in
Paris, wo die jährlichen Generalversammlungen einberufen werden,
das Amt hat jedoch über 100 Länder als Mitglieder. Das Internationale Tierseuchenamt unterhält
regionale Kommissionen für Afrika, Lateinamerika, Europa, Asien
und Ozeanien. über die wissenschaftliche Arbeit hinaus stellt
es ein Netz von Regierungsvertretern zur Verfügung, die für die
Gewährleistung der Tiergesundheit
in ihren jeweiligen Ländern verantwortlich sind.
Die
Internationale
Pflanzenschutzkonvention
(IPPC).
Im
Jahr 1950 gegründet und der Verwaltung der Ernährungs- und Landwirtschaftsorgansation
unterstellt, hat die IPPC derzeit 88
UnterzeJchnerstaaten.
Ihre Arbeit ist darauf ausgerichtet, die
internationale
Verbreitung
von
Pflanzenseuchen
und
sonstigen
Krankheiten
durch
Pflanzenseuchenüberwachung in den Mitgliedstaaten,
die
Entwicklung
von
PflanzenquarantänebeStimmungen,
Kontrolle der Pflanzenseuchen und
Ausgabe von Zertifikaten mit der
Bescheinigung zu verhindern, daß
Pflanzenladungen oder Pflanzenprodukte inspiziert und als frei
von schädlichen Seuchen befunden
worden sind.
Die Vereinigten Staaten vertreten
die Auffassung, daß keine anderen
Gremien über die Kapazität oder den
internationalen
wissenschaftlichen
Ruf und die Glaubwürdigkeit dieser
drei Organisationen verfügen.
Die EG beruft sich jedoch auf
eine Reihe regionaler Gruppen, von
denen einige in den Vereinten Nationen konzentriert sind, die ebenfalls
Arbeit im Bereich der Gesundheit und
Sicherheit von Tieren und Pflanzen
leisten. Während die Europäische Gemeinschaft
der Ansicht
ist, die
Standpunkte
dieser
Organisatioen
so!lten in den Prozeß der Normierung
einbezogen werden, glauben die Ver-

einigten Staaten nicht, daß regionale
Organisationen über die erforderliche
Objektivität und Weitläufigkeit verfügen, die in diesem heiklen Bereich
vonnöten sind.

Schlichtungsverfahren
Ein Hauptproblem wird die Gestaltung des GATT-Verfahrens bei der
Schlichtung von Kontroversen über Gesundheits- und
Hygienevorschriften
sein, einschließlich der Verbingung
zwischen GATT und einem internationalen Gremium wie dem Kodex Alimentarius.
Einigen Quellen zufolge könnte
der Ansatz grundsätzlich ähnlich dem
derzeitigen GATT-Verfahren zur Beilegung von Konflikten gestaltet sein.
Mit anderen Worten: ein Land, das
eine Beschwerde über die Gesundheitsund Hygienevorschriften eines anderen
Landes vorbringt, würde diese Beschwerde im Rahmen des normalen GATTVerfahrens zur Beilegung von Konflikten führen. Zu Beginn macht dies bilaterale Konsultationen erforderlich.
Wenn diese Konsultationen scheitern,
könnte das beschwerdeführende Land
den GATT-Beschwerdeausschuß bitten,
seinen Fall zu prüfen, und daraufhin
würde ein Ausschuß gebildet.
In diesem Bereich kann das hygienische
und
pflanzenhygienische
Verfahren vom GATT-Ansatz zu herkömmlichen
Handelsproblemen
abweichen.
Man geht davon aus, daß der Ausschuß
zur Behandlung des Problems auf geltende
internationale
wissenschaftliche Erkenntnisse zurückgreifen müßte, und dies würde bedeuten, Anleitungen von Gremien wie der Kodex Alimentarius-Kommission in Angelegenheiten der Nahrungsmittelsicherheit zu
Hilfe zu nehmen. Der Ausschuß würde
dann auf der Grundlage der GATT-Vorschriften
und
relevanter
wissenschaftlicher Informationen eine Entscheidung treffen.

von

Die Aufgabe der Harmonisierung
Gesundheits- und
Hygienevor-

�Schriften ist Teil der umfassenderen
Arbeit, die von der Verhandlungsgruppe für Landwirtschaft der UruguayRunde geleistet wird.
Das nächste
Treffen dieser Gruppe findet vom 13.
- 14. Februar 1989 in Genf statt und
Regierungsvertreter hoffen, unmittelbar im Anschluß daran ein kleineres
Treffen über Gesundheits- und Hygienevorschriften abhalten zu können.
Auf der Grundlage der bisher unter den Mitgliedstaaten des GATT geführten Diskussionen besteht amerikanischen RegierungsvertretPrn zufolge
Grund zu Optimismus im Hinblick auf
das Verfahren zur Harmonisierung der
Gesundheits- und
Hygienevorschriften
in der Uruguay-Runde.

* * * * * *

- 5 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Tower: enormes Ungleichgewicht zwischen NATO und Sowjets&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des designierten Verteidigungsministers bei der Wehrkundetagung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Asymmetrien zwischen NATO und Warschauer Pakt weiterhin problematisch&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview mit James Blackwell vom CSIS&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Strategiepolitik erfordert überparteilichen Konsens&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus dem Bericht über nukleare Abschreckung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Verhandlungen über konventionelle Streitkräfte in Europa - VKSE&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht der ACDA&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Yeutter fordert harte Gangart bei hormonbehandeltem Fleisch&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der Streit zwischen den Vereinigten Staaten und der EG&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Regierungen benutzen Gesundheitsvorschriften zur Einfuhrbegrenzung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Hintergrundartikel zu Handelsgesprächen im Rahmen der Uruguay-Runde&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
Sonderdienst

VION ^

14. Februar 1989

i
PRESSEKONFERENZ VON US-AUSSENMINISTER JAMES BAKER
IN BONN AM 13. FEBRUAR 1989

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Außenminister Baker: Ich möchte eine offizielle Erklärung über unsere
Zusammenkunft vorlesen. Ich bitte Sie um Entschuldigung, daß ich nicht lange
bleiben kann, aber der Verteidigungsminister erwartet uns schon. Wir haben
unser Treffen um 15 bis 20 Minuten überzogen.
Zunächst möchte ich sagen, daß
unser Treffen in einer sehr freundschaftlichen
Atmosphäre
stattfand,
weil es sich um ein Gespräch zwischen

Ferner über eine Erklärung, die von
der Bundesregierung in Kürze veröffentlicht werden wird und in der alle
diesen Vorfall betreffenden Fakten

alten

aus

Freunden

handelte

-

und

wenn

ich das sage, bediene ich mich hierbei der Formulierung des Bundeskanzlers, und ich mache mir seine Worte
zu eigen. Der Tenor dieses Treffens
bestand meiner Ansicht nach darin,
daß die deutsch-amerikanische Partnerschaft stark ist. Wir sind starke
Partner, und wir vertrauen einander.
Wir haben über die Frage der
Chemiewaffenfabrik in Libyen gesprochen sowie über die von der Bundesrepublik im Hinblick auf Änderungen
ihrer Exportkontrollgesetze und ihrer
Vorschriften zur Bestrafung von Gesetzesbrechern getroffenen Maßnahmen.

ihrer

Sicht

dargelegt

werden.

Ich erklärte hierzu, wir seien über
die von der Bundesregierung getroffenen und uns gegenüber dargelegten
Maßnahmen sehr erfreut.
Wir haben
einige Zeit darüber gesprochen. Wir
haben ziemlich lange über die OstWest-Beziehungen
diskutiert.
Was
dieses Thema angeht, haben wir produktive Gespräche über Ost-West-Sicherheitsfragen, einschließlich der
KurzstreckenSysteme geführt. Wir haben über das Brüsseler NATO-Kommunique von 1988 gesprochen und dieses
bekräftigt. Das gilt auch für die
Bedeutung, die der Aufrechterhaltung
der Strategie der Vorneverteidigung

�und der flexiblen Reaktion beizumessen ist. Wir waren uns über die Notwendigkeit einig, ein Gesamtkonzept
für die Haltung des Bündnisses in
Fragen der Sicherheit und Rüstungskontrolle beim nächsten NATO-Gipfel
zu verabschieden und stimmten überein, die Gespräche zu diesem Thema
fortzuführen. Der Bundeskanzler hat
keinen Zweifel daran gelassen, daß
seine Erklärungen in dem Interview
mit der Financial Times vollkommen im
Einklang mit dem NATO-Kommunique vom
Mai 1988 stehen, und er hat mehrmals
uns gegenüber festgestellt: "Ich habe meine Position nicht geändert."
Er hat uns autorisiert, Ihnen dies
mitzuteilen.
Ich werde jetzt gerne einige Fragen beantworten, bevor ich zu meinem
Treffen mit dem Verteidigungsminister
fahre.
Frage:
Bedeutet das, daß die
Debatte über die Kurzstreckensysteme
jetzt vorüber ist?
Daß sie beim
NATO-Gipfel erörtert werden wird und
daß sie nicht länger...
Antwort:
Es bedeutet, daß ein
Engagement besteht, diese Frage durch
weitere Gespräche und Verhandlungen
zu lösen.
Frage:
Und es wird zwischendurch keine Gespräche geben, die Frage wird dann innerhalb der NATO behandelt werden, ....
Antwort:
Nun, die Frage wird,
wenn man es formell betrachtet, beim
nächsten NATO-Gipfel behandelt werden, aber wir werden natürlich in der
Zwischenzeit weitere Gespräche darüber führen.
Frage:
Glauben
Sie,
den
Kongreß dazu bewegen zu können, die
weitere Modernisierung der LANCE-Rakete finanziell zu unterstützen, wenn
wir nicht bis - sagen wir einmal vor 1991 oder 1992 eine Entscheidung
oder eine Verpflichtung zur Stationierung hervorbringen?

Antwort: Wir wollen die Ereignisse des nächsten NATO-Gipfels, wo
die Entscheidungen getroffen werden,
abwarten.
Ich habe bereits darauf
hingewiesen, daß diese Reise nicht
als Unternehmen der Entscheidungsfindung geplant war. Bei diesen Zusammenkünften sollen die Tagesordnungspunkte festgelegt werden: es handelt
sich um Konsultationen.
Ich bin
hier, um zuzuhören. Wir können diese
Frage also bis zum Zeitpunkt des Gipfels - wann immer dieser auch stattfinden wird - nicht beantworten.
Frage:
Ich möchte auf einige
Bemerkungen eingehen, die Sie gestern
im Flugzeug über den START-Vertrag
gemacht haben - ihre eigene Ansicht
dazu und die Möglichkeit, ihn im
Kongreß
durchzusetzen.
Vielleicht
können Sie diese Bemerkungen im einzelnen erläutern, weil hier noch etwas Verwirrung herrscht.
Antwort:
Wenn
darüber
noch
Verwirrung herrscht, möchte ich diese
gern ausräumen. Alles, was ich sagen
wollte - und ich habe dies bereits
erörtert, vielleicht nicht bei der
Anhörung zu meiner Bestätigung, obwohl ich in dieser Anhörung etwas
Ähnliches gesagt habe - ist:
wir
wollen die Verhandlungspositionen erneut überprüfen. Betrachten Sie das,
was auf dem Verhandlungstisch liegt.
Wir wollen die Angebote überprüfen,
so daß wir unter der Voraussetzung
weiterer Fortschritte einen Vertrag
aushandeln, der auch ratifiziert werden kann. Das war alles, was ich sagen wollte.
Frage:
In den Gesprächen gestern haben Sie auf Mängel im bestehenden Entwurf hingewiesen, die eine
Verabschiedung durch den Kongreß in
der gegenwärtigen Form fraglich machen.
Antwort:
Ich denke, wenn Sie
sich die Formulierungen durchlesen,
was ich nochmals getan habe, geht
daraus eindeutig hervor, daß ich Vorbehalte gegen die potentielle Ratifizierbarkeit des Abkommens geäußert

- 2 -

�habe.

Wir wollen sicherstellen ...

Frage:
gen Form?

...

in

gemeint hat - es klingt, als sei Ihnen das noch nicht gelungen.

der gegenwärti-

Antwort:
Ich habe wiederholt
darauf hingewiesen, daß wir in den
Vereinigten Staaten eine Entscheidung
über die Modernisierung strategischer
Waffen treffen müssen. Und wir müssen uns vor Augen führen, daß wir und ich betrachte dies nicht etwa als
Mangel in unserer Verhandlungsposition - eine Position gegen mobile Raketen eingenommen haben.
Eine der
Fragen, die wir bei der Modernisierung unserer strategischen Waffen zu
überprüfen haben werden, ist das Problem mobiler Raketen.
Aber worauf
ich wirklich hinweisen wollte, ist
der allgemeine Grundsatz, gewährleisten zu wollen, daß alles, was wir
mit nach Hause nehmen, auch ratifiziert werden kann. Wir möchten kein
SALT-Abkommen mit nach Hause bringen
und vergleichbare Probleme mit dem
von uns ausgehandelten START-Abkommen
vermeiden.
Frage:
Zurück zu SNF - die
Deutschen drängen auf Verpflichtungen
im Gesamtkonzept - Verpflichtungen
für Verhandlungen über SNF - sind Sie
bereit, das zu unterstützen?
Antwort:
Ich kann nur wiederum
darauf hinweisen, daß dies keine Zusammenkunft zur Entscheidungsfindung
war. Mit diesem Treffen sollte nur
die Tagesordnung abgestimmt werden.
Ich habe Ihnen erläutert, worüber wir
gesprochen haben und wie weit wir gegangen sind. Dabei möchte ich es belassen.
Weitere Gespräche werden
stattfinden, und ich bin sicher, daß
Fragen dieser Art im Hinblick auf
einen NATO-Gipfel in künftigen Gesprächen erörtert werden.
Frage:
Bundeskanzler Kohl erklärte, er sage er damit nichts Neues. Sie hingegen erklären, es werde
weitere Diskussionen geben - dies
läßt den Schluß zu, daß hier noch
Meinungsverschiedenheiten
bestehen.
Uns würde interessieren, was genau er

Antwort:
Meiner Ansicht nach
ist er nicht von früheren Positionen
abgewichen, was man weithin angenommen hatte. Dies hat er gesagt und
mir gestattet, es Ihnen so weiterzugeben. Mir scheint, daß wir Einigung
erzielt haben.
Frage:
Können Sie uns erläutern, wie Sie ihn verstehen, wenn er
davon spricht, er stehe im Einklang
mit dem Kommunique vom Mai 1988. Was
heißt das für Sie?
Antwort:
Im Hinblick auf Paragraph 5 dieses Kommuniques - um nur
einen Paragraphen zu zitieren - heißt
das für mich konkret (Außenminister
Baker liest das Dokument vor): "Unser Ziel besteht darin, weiterhin
jegliche Art von Krieg oder Einschüchterung zu verhindern.
Durch
die Aufrechterhaltung einer glaubwürdigen Abschreckung hat das Bündnis
nahezu vierzig Jahre lang Frieden in
Europa gesichert. Die konventionelle
Verteidigung allein kann dies nicht
gewährleisten. In der unmittelbaren
Zukunft gibt es keine Alternative zur
Strategie des Bündnisses zur Verhinderung eines Krieges.
Es handelt
sich hierbei um die Strategie der Abschreckung, die sich auf angemessene
Arsenale ausreichender und wirksamer
nuklearer und konventioneller Streitkräfte gründet, die auf dem gebotenen
Stand gehalten werden, wo immer dies
erforderlich ist.
Frage: Wann wird die Entscheidung zur Modernisierung der LANCE
fallen? In diesem oder im nächsten
Jahr?...
Antwort:
Ebenso
wie
andere
Fragen bedarf auch diese Entscheidung
noch weiterer Erörterung vor dem
nächsten Gipefeltreffen. Aus unserer
Sicht wäre es wünschenswert, wenn die
Entscheidung beim nächsten Gipfel getroffen werden könnte. Und wir werden versuchen, dies unter Berücksichtigung der Interessen all unserer

�NATO-Partner zu verwirklichen.
Frage:
Dieses Treffen kam für
sie zu einem Zeitpunkt noch ungeklärter Fragen bezüglich der Entscheidung
über die Stationierung, die Sie gerade angeschnitten haben. Zwischen den
beiden Regierungen bestehen jedoch
offensichtliche
Meinungsverschiedenheiten im Hinblick auf Verhandlungen
über dieses Thema. Haben Sie das Gefühl, daß hier eine nenneswerte Annäherung hin zu einem Konsens zwischen
Ihnen und Bundeskanzler Kohl und der
Bundesregierung über Verhandlungen zu
den Kurzstreckenraketen stattgefunden
hat?
Antwort:
Meiner Ansicht nach
wird es im Hinblick auf beide anhaltende Erörterungen geben, obwohl ich
nochmals betonen möchte, daß es sich
hierbei nicht um eine Zusammenkunft
gehandelt hat, mit dem Ziel, Entscheidungen zu treffen.
Das war
nicht der eigentliche Grund unserer
Gespräche. Ich hoffe, ich konnte einige der hier in der Öffentlichkeit
bestehenden Ungereimtheiten klären.
Frage:
Nachdem Sie Gespräche
mit Bundeskanzler Kohl und einigen
der anderen Verbündeten geführt haben, und nachdem Sie die politischen
Probleme in der Bundesrepublik erörtert haben, die auch in Großbritannien zur Sprache gebracht wurden verstehen Sie jetzt besser, wie die
NATO vorgehen sollte, um auf Bundeskanzler Kohl nicht den Druck auszuüben, der ihm bei den Wahlen im nächsten Jahr Probleme bereiten könnte?
Antwort:
Nun, ich glaube, ich
kann guten Gewissens sagen, nachdem
ich soviel Zeit in diesem und den anderen Ländern verbracht habe, werde
ich - hoffentlich - zu einem besseren
Verständnis gelangen - denn das ist
ja schließlich der Zweck meiner Reise.

* * * * * *

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                    <text>AMERIKA DIENST
^7

C&amp;

15. Februar 1989

INHALT
\

DOKUMENTATION

Bush fordert Wettbewerbsfähigkeit als Schwerpunkt
- Die Rede des Präsidenten zur Haushaltsvorlage -

Mäßige sowjetische Fortschritte bei Menschenrechten
- Richard Schifters Rede vor dem Kongreß -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Der Drogenkrieg geht weiter
- Polizeimaßnahmen notwendig - aber Erziehung wichtiger

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
"VON

Dokumentation

^

15. Februar 1989

BUSH FORDERT WETTBEWERBSFÄHIGKEIT ALS SCHWERPUNKT
- Die Rede des Präsidenten zur Haushaltsvorlage -

WASHINGTON - (AD) - Arn 9. Februar 1989 forderte Präsident Bush den Kongreß
auf, gemeinsam mit der Administration am Entwurf eines Haushalts zu arbeiten,
der das Wachstum und die Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten Staaten fördert:,
dem illegalen Drogenhandel Einhalt gebietet und Umweltprogramme ausbaut. Bush
erläuterte ferner die Veränderungen seiner Administration zu dem von der
Reagan-Regierung im Januar vorgelegten Haushalt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede im Wortlaut:

Vor weniger als drei Wochen habe
ich auf der Westseite dieses Gebäudes
gestanden und Ihnen - mit dem Blick
auf die Denkmäler unserer stolzen
Vergangenheit
- meine Hand ausgestreckt, um das nächste Kapitel der
amerikanischen Geschichte mit einer
Chronik
anhaltenden Wohlstands und
Friedens zu füllen. Heute abend bin
ich hierhergekommen, um Ihnen meine
Plana dazu zu unterbreiten. Die Hand
bleibt ausgestreckt, die Ärmel sind
hochgekrempelt, Amerika wartet, und
wir müssen jetzt zur Tat schreiten.
Zusammen
können
wir
ein
besseres
Amerika aufbauen.
Es ist tröstlich, in diese geschichtsträchtige Kammer zurückzukehren.
Vor 22 Jahren habe ich hier
meine Hand zum Eid auf die Verfassung

United States Information Service
Embassy of the United States of America

erhoben. Heute abend kommt es mir so
vor, als ob ich zu Freunden heimkehre.
Und ich beabsichtige, Ihnen in
den kommenden Monaten und Jahren das
zukommen zu lassen, was Freunde verdienen: Offenheit, Respekt und mein
bestes Wissen über Mittel und Wege
zur Verbesserung von Amerikas Zukunft.
Im Gegenzug bitte ich um echtes
Engagement für unsere gemeinsame Mission des Fortschritts. Wenn wir die
Chancen auf dem vor uns 1 legenden Weg
ergreifen, werden wir alle davon profitieren.
Die Menschen haben uns
nicht
hierhergeschickt,
damit
wir
streiten.
Es ist an der Zeit, daß
wir regleren.

in

Viele Präsidenten haben sich hier
Zeiten schwerer Krisen - Krieg,

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Depression, Verlust des Nationalstolzes - eingefunden.
Vor acht Jahren
habe ich auf diesem Stuhl dort gesessen, als Präsident Reagan von der
sträflichen Inflation und den verheerend hohen Zinssätzen, den Arbeitslosen und dem verlorenen Vertrauen in
Amerika sprach. Wir sehen uns einer
anderen Herausforderung gegenüber.
Wir haben Glück - uns stellt sich
heute abend ein anderes Bild.
Ich
schlage also nicht vor, den Kurs zu
ändern.
Wir sind auf dem richtigen
Weg. Aber wir dürfen nicht ausruhen.
Wir sind ein Volk, dessen Energie und
Dynamik unseren Aufstieg zur Größe
angefacht haben. Wir sind eine Nation, die den Blick nach vorn richtet
- sowohl großzügig als auch ehrgeizig
- nicht im Hinblick auf uns selbst,
sondern auf die Welt. Gleichgültigkeit ist uns ein fremder Wesenszug tn ier Vergangeneheit, Gegenwart und
Zukunft.
Heute abend müssen wir an Amerikas Stärke denken - und es noch besser machen.
Wir müssen sehr reale
Probleme bewältigen. Wir müssen sehr
klare Prioritäten setzen.
Und wir
müssen unser Defizit im Bundeshaushalt ganz erheblich abbauen.
Manche mögen dieses Programm unmöglich finden. Aber ich lege Ihnen
heute abend einen realistischen Plan
zu seiner Bewältigung vor. Mein Plan
stellt sich in vier Grundzügen dar:
Beachtung wichtiger Prioritäten, Investitionen für die Zukunft, Inangriffnahme des Defizits und keine
neuen Steuern.
Dieser Haushalt ist ein Abbild
meines bestens Wissens darüber, wie
wir unsere Prioritäten im Einklang
mit ier Auffassung der Menschen angehen können. Es gibt viele Bereiche,
in denen wir alle mehr ausgeben wollen, als ich vorschlage, aber das
können wir nicht tun, bis wir unseren
finanziellen Überbau in Ordnung gebracht haben.
\llein im kommenden Jahr wird die

Bundesregierung dank des Wirtschaftswachstums und ohne Gesetzesänderungen
mehr als 80 Milliarden Dollar mehr
einnehmen haben als in diesem Jahr.
Ganz richtig - mehr als 80 Milliarden
Dollar Mehreinnahmen ohne Steuererhöhungen. Unsere Aufgabe ist es, diese
neuen Mittel klug zu verteilen.
Wir können es uns leisten, die
Ausgaben zu erhöhen - in bescheidenem
Ausmaß, aber dennoch ausreichend, um
in wichtige Prioritäten zu investieren und dennoch das Defizit in einem
Jahr um fast 40 Prozent abzubauen.
Damit können wir die im Gramm-RudmanHollings-Gesetz gesteckten Ziele erfüllen.
Aber um das zu tun, müssen wir
erkennen, daß ein Wachstum, das höher
ist als die Inflation, in Bundesprogrammen nicht zwangsläufig ist und
daß nicht alle Ausgabeposten für die
Ewigkeit ausgelegt sind.
Ich bitte Sie heute abend: Meine
Mitarbeiter und ich sind zur Zusammenarbeit mit dem Kongreß, zur Bildung einer Führungsgruppe, zu Verhandlungen nach bestem Wissen und Gewissen, zur Arbeit Tag und Nacht wenn das erforderlich sein sollte bereit, um die Ziele des Haushalts zu
erfüllen und einen Haushalt rechtzeitig vorzulegen.
Wir können nicht zur Tagesordnung
übergehen.
Eine Regierung, die von
immer neuen Resolutionen abhängig ist
- und eine Regierung in der Krise wird das nicht tun.
Ich bitte den Kongreß heute abend
um seine Zustimmung zu verschiedenen
Maßnahmen,
die
eine
vernünftigere
Haushaltsführung erlauben.
Wir würden Zeit sparen und rationeller arbeiten, wenn wir einen Haushalt für
zwei Jahre verabschieden würden.
43
Gouverneure haben das Recht auf ein
selektives Veto. Es sollte auch den
Präsidenten zugestanden werden.
Zumindest sollte der Kongreß über
Vorschläge des Präsidenten zur An-

�fechtung von Bundesausgaben abstimmen
müssen - und sie nicht durch Untätigkeit zunichte machen dürfen.
Und ich fordere den Kongreß auf,
den Wünschen der Öffentlichkeit durch
die Verabschiedung eines Verfassungzusatzes Rechnung zu tragen, der einen ausgewogenen Haushalt fordert.
Ein solcher Zusatz würde, wenn er
einmal eingeführt ist, sowohl den
Kongreß als auch die Exekutive disziplinieren.
Verschiedene Prinzipien umschreiben das Amerika, das ich mit Ihrer
Hilfe in den kommenden Jahren zu
schaffen hoffe.
Wir werden uns nicht erlauben
können, den leichtfertigen und verschwenderischen Ansatz zur Problemlösung anzuwenden - weil höhere Ausgaben und höhere Steuern das Wirtschaftswachstum gefährden werden.
Wirtschaftswachstum
schafft Arbeitsplätze
und
Hoffnung.
Wirtschaftswachstum versetzt uns in die.
Lage, Sozialprogramme zu finanzieren.
Wirtschaftswachstum erhöht die Sicherheit des Landes.
Und niedrige
Steuern schaffen Wirtschaftswachstum.
Ich glaube daran, daß wir den
Amerikanern mehr Freiheit und bessere
Wahlmöglichkeiten geben sollten - und
ich werde an den Wahlmöglichkeiten
für amerikanische Familien arbeiten,
ob für ihre Wohnungssituation, bei
den Schulen, in die sie ihre Kinder
schicken oder bei der Betreuung, die
sie ihren Kindern zuteil werden lassen.
Meiner Ansicht nach haben wir
eine Verpflichtung gegenüber den Bedürftigen, aber die Regierung sollte
nicht die erste Zuflucht für solche
Dinge sein, die der Privatsektor besser leisten kann.
Ich glaube an eine Gesellschaft,
die von Diskriminierung und Bigotterie frei ist. Ich werde daran arbeiten, um die Schranken niederzureißen,
- 3

die Diskriminierungen in der Vergangenheit errichtet haben und eine tolerantere Gesellschaft zu schaffen,
die
verhindern
kann, daß solche
Schranken jemals neu errichtet werden.
Ich glaube daran, daß Familie und
Religion die moralische Richtschnur
der Nation sind - und werde daran arbeiten, um sie zu stärken, weil schon
Benjamin Franklin gesagt hat: "Wenn
kein Spatz vom Himmel fallen kann,
ohne daß Gott es sieht, wie (kann)
eine (große Nation) ohne Seine Hilfe
zur Größe gelangen?"
Und ich glaube daran, daß die
Menschen die Macht haben sollten, um
ihr eigenes Leben durch Wachstum und
Chancen besser zu gestalten. Gemeinsam sollten wir die Macht in die Hand
des Volkes legen.
Vor drei Wochen haben wir den
200. Jahrestag der Amtseinführung des
ersten
Präsidenten gefeiert.
Und
wenn Sie zurückschauen, beeindruckt
eine Tatsache in der Art, wie die
Gründerväter Amerika gesehen haben.
Sie redeten nicht über sich selbst.
Sie redeten über die Nachwelt, über
die Zukunft. Ebenso müssen wir über
uns selbst hinausschauen
Wir müssen heute die Taten vollbringen, die ein besseres Morgen garantieren. Wir müssen die amerikanische Führungsrolle in der Technologie ausbauen, langfristige Investitionen ermutigen, unser Bildungssystem verbessern und die Produktivität
steigern.
Dies sind die Schlüssel
zum Aufbau einer besseren Zukunft.
Ich gebe
lungen:

dazu

folgende

Empfeh-

- Ich schlage die Bewilligung von
2,2 Milliarden Dollar für die National
Science Foundation zur
Förderung der Grundlagenforschung
vor.
- Ich schlage die dauerhafte Gewährung von Steuernachlässen für
Forschung und Entwicklung vor.

�- Ich habe Vizepräsident Quayle zum
Vorsitzenden einer neuen Arbeitsgruppe zur Wettbewerbsfähigkeit
bestimmt.
- Ich fordere Mittel für die NASA
und ein starkes Weltraumprogramm
- eine Erhöhung um fast 2,4 Milliarden Dollar im laufenden Haushaltsjahr. Wir müssen eine bemannte
Raumstation
einrichten,
ein
gesichertes
Raumfährenprogramm und die kommerzielle Nutzung des Weltraums ausbauen. Das
Weltraumprogramm
sollte
"mit
Volldampf" betrieben werden - das
ist nicht nur unser Ehrgeiz, sondern unser Schicksal.
Ich schlage vor, daß wir die
Höchstsätze der Kapitalertragssteuer
senken, um langfristige Investitionen
zu ermutigen. Die Geschichte zeigt
es deutlich: damit werden die Einnahmen gesteigert, Einsparungen gefördert und neue Arbeitsplätze geschaffen.
Wir werden nicht konkurrenzfähig
werden, wenn wir in Amerika ganze
Sektoren außer acht lassen. In diesem Jahr sollten wir städtische Gewerbegebiete schaffen und Hoffnung in
unsere Innenstädte bringen.
Aber das wichtigste Programm zur
Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit
ist das amerikanische Bildungsprogramm. Wenn einige unserer Schüler
Schwierigkeiten haben, Amerika auf
einer Weltkarte zu lokalisieren, ist
es an der Zeit, daß wir im Bildungswesen neue Methoden finden.
Wir müssen Leistung belohnen und
Bürokratie abbauen. Wir müssen den
Schulen helfen, die unsere Hilfe am
nötigsten brauchen. Wir müssen Eltern, Schülern, Lehrern und Direktoren Wahlmöglichkeiten einräumen. Und
wir müssen alle Beteiligten zur Verantwortung ziehen. Im Bildungswesen
dürfen wir keine Mittelmäßigkeit zulassen.

Ich möchte die Zahl der vorzeitigen Schulabgänger verringern und das
Analphabtentum in Amerika verringern.
Es läuft alles auf eines hinaus: je
mehr Schulabgänger mit abgeschlossener Ausbildung wir heute haben, umso
weniger Arbeitslose werden wir morgen
haben.
Heute abend schlage ich die folgenden Initiativen vor:
- die Aufnahme eines Programms im
Umfang von 500 Millionen Dollar,
um Schulen in Amerika auszuzeichnen und "beste Schulen" zu finden,
- die Einrichtung von besonderen,
vom Präsidenten verliehenen Auszeichnungen für den besten Lehrer
jedes Bundesstaats - weil sich
Leistung lohnen soll,
- die Einführung eines neuen Programms für Forschung im Dienste
des Landes - ein Wissenschaftler
in jedem Jahr für jeden Abgeordneten in Senat und Repräsentantenhaus - um dieser Schülergeneration einen besonderen Anreiz
zu bieten, sich in Naturwissenschaften und Mathematik auszuzeichnen,
- die
vermehrte
Schaffung
von
Schwerpunktschulen, die Familien
und Schülern mehr Auswahlmöglichkeiten bieten sollen.
- und ein neues Programm zur Ermutigung
"alternativer
Zulassungen", die qualifizierte Bewerber
aus allen Gebieten zum Unterrichten befähigen.
Ich habe erklärt, daß ich der
"Bildungspräsident"
sein
möchte.
Heute abend bitte ich Sie, mir dabei
behilflich zu sein, indem sie zu
einem "Bildungskongreß" werden.
In der vergangenen Woche erhielt
ich einen Brief von einer Mutter aus
Pennsylvania, die von meiner Antrittsrede
sehr
beeindruckt
war.
"Knapp 12 Stunden zuvor", schrieb

�sie, "erhielten mein Mann und ich die
Nachricht, daß unser Sohn kokainsüchtig ist. Er hatte alles, was man
sich nur wünschen kann. Er ist intelligent, begabt, sympathisch..., er
hätte alles aus seinem Leben machen
können. Er hat sich für Kokain entschieden" .
Und sie fuhr fort, "Ich flehe Sie
an, einen Weg zu finden, den Kokainhandel zu stoppen. Hart gegen die
Händler
vorzugehen.
Unser
Sohn
braucht Ihre Hilfe."
Meine Freunde - diese um Hilfe
flehende Stimme könnte die Stimme Ihres Nachbarn sein. Ihres Freundes.
Ihres Sohnes.
Im vergangenen Jahr
nahmen über 23 Millionen Amerikaner
Drogen ein - was für unser Land
schwindelerregende Kosten verursacht
hat.
Diese Zeit sollte als das Zeitalter in die Geschichte eingehen, in
dem Amerika sich erhoben und "No" zu
Drogen gesagt hat. Die Geißel "Droge" muß überwunden werden.
Heute
abend bitte ich um eine Aufstockung
von fast 1 Milliarde Dollar aus den
Hanshaltsmitteln, um den Kampf gegen
Drogen
zu
beschleunigen.
Dieser
Kampf wird an allen Fronten geführt.
Unser neuer
"Drogenzar", Bill
Bennett, und ich werden Seite an Seite an der Bewältigung dieser Aufgabe
arbeiten.
Ein Teil des Geldes wird dazu
verwendet, die Hilfe für Bedürftige
und junge Mütter zu verbessern. Damit wird vielen unschuldigen Drogenopfern die helfende Hand dargeboten ebenso wie den Tausenden von Kindern,
die aufgrund der Drogenabhängigkeit
ihrer Mutter bereits drogenabhängig
oder AIDS-infiziert geboren werden.
Ein weiterer Teil der Mittel
dient der Verkürzung von Wartezeiten
für Therapieplätze. Ein Teil ist für
jene städtische Schulen gedacht, bei
denen die Probleme am größten sind.
Und ein Großteil des Geldes dient dem
- 5

Schutz unserer Grenzen, mit Unterstützung der KUstenwache, der Zollbehörden, des Außen- und Justizministeriums und nicht zuletzt des amerikanischen Militärs.
Ich bin entschlossen, mit aller
Härte gegen die Drogenkriminalität
vorzugehen.
Lassen Sie mich dies
eindeutig klarstellen: Dieser Präsident wird diejenigen unterstützen,
die ihr Leben jeden Tag aufs Spiel
setzen - unsere Polizeibeamten.
Meine
Haushaltsvorlage
fordert
verschärftes Vorgehen und Bekämpfung
des organisierten Verbrechens sowie
die Verhängung harter Urteile - und
für die mächtigen Hintermänner bedeutet dies die Todesstrafe.
Ich möchte auch sicherstellen,
daß die Zelle bereits auf ihn wartet,
wenn ein Drogenhändler verurteilt
wird. Er sollte nicht in Freiheit
bleiben, nur weil die Gefängnisse
überfüllt sind.
Verbreitet die Nachricht:
Wenn
Ihr gefaßt und verurteilt werdet,
dann werdet Ihr eure Zeit absitzen.
Aber bei allem, was wir mit
Strafvollzug, Unterbrechung des Nachschubs und Therapie tun können, werden wir diesen Kampf gegen Drogen
niemals gewinnen, wenn wir nicht aufhören, nach Drogen zu verlangen.
Ein Teil der aufgestockten Mittel
dient dazu, die Jugendlichen über die
Gefahren von Drogen zu unterrichten.
Wir müssen Eltern und Lehrer einbeziehen.
Wir müssen die Gemeinden
einbeziehen.
Und, meine Freunde wir müssen uns einbeziehen.
Wir müssen unser Augenmerk und
Mitgefühl vertärkt auf ein Problem
richten, das mit Drogenmißbrauch Hand
in Hand geht. Es handelt sich um die
schreckliche Krankheit AIDS.
Ich
fordere 1,6 Milliarden Dollar für
Aufklärungskampagnen und für die Forschung zur Heilung dieser Krankheit.

�Wenn wir unsere Zukunft schützen
wollen, benötigen wir eine andere
Einstellung gegnüber unserer Umwelt.
Wir müssen die Luft reinhalten, die
wir atmen. In Kürze werden ich Ihnen
einen Entwurf für neues, wirksameres
Gesetz zur Reinhaltung der Luft vorlegen. Es enthält einen Plan mit dem
bis zum Tage X die Emissionen verringert werden sollen, die den sauren
Regen verursachen, denn die Zeit der
Erforschung und Prüfung ist verstrichen - jetzt ist es an der Zeit, zu
handeln.
Wir müssen saubere Kohle verwenden. In meiner Haushaltsvorlage ist
die vollständige und fristgerechte
Finanzierung des Abkommens mit Kanada
über eine neue Technologie für saubere Kohle enthalten. Wir haben die
Absicht, dieses Abkommen einzuhalten.
Wir dürfen unsere Parks nicht
vernachlässigen. Daher bitte ich im
Rahmen des Fonds zur Erhaltung von
Boden und Gewässern um die Beschaffung neuen Geländes.
Wir müssen unsere Meere schützen.
Ich befürworte neue Strafen für diejenigen, die medizinische Abfälle und
sonstigen Müll in unserem Ozean entsorgen.
Das Zeitalter der Injektionsnadel am Strand muß enden.
In einigen Fällen lassen die Gewässer vor unseren Küsten auf Öl- und
Erdgasreserven hoffen, die unser Land
sicherer und weniger abhängig von
ausländischem
Öl
machen
könnten.
Wenn die vielversprechendsten Quellen
sicher erschlossen worden sind - wie
es beim Alaska National Wildlife Refuge fast immer der Fall war - sollten wir weitermachen. Aber wir müssen vorsichtig vorgehen und unsere
Umwelt respektieren.
Heute abend bitte ich um den Aufschub von drei Leasingverkäufen auf
unbestimmte Zeit, die beunruhigende
Fragen aufgeworfen haben - es handelt
sich um zwei Gebiete vor der kalifornischen Küste und eines, das die
Everglades in Florida bedrohen könn-

te. Ein weiteres Vorgehen bezüglich
dieser drei Leasingverkäufe wird erst
erfolgen, wenn eine speziell zur Erforschung der möglichen Umweltschaden
eingesetzte
Arbeitsgruppe
ihre
Schlußfolgerungen vorgelegt hat.
Ich wende mich an den Justizminister und den Direktor der Umweltschutzbehörde, alles in ihrer Macht
stehende zu tun, um die Durchführung
von Gesetzen gegen die Entsorgung von
Giftmüll zu beschleunigen und zu verschärfen. Ich möchte, daß Umweltverschmutzungen schneller beseitigt und
die Schuldigen härter bestraft werden.
Zusätzlich zu der Sorge um unsere
Zukunft müssen wir uns um unsere Mitbürger kümmern. Eine anständige Gesellschaft zeigt Mitgefühl für die
Jugendlichen, Alteren, Schwachen und
Armen.
Unsere erste Pflicht gilt den
Schwächsten - Kleinkindern, bedürftigen Müttern, Kindern, die in Armut
leben - und meine Haushaltsvorlage
wird dem gerecht. Ich bitte um die
vollständige Finanzierung von MEDICAID - dies bedeutet eine Aufstockung
um über drei Milliarden Dollar - sowie die Einbeziehung von an der Armutsgrenze lebenden schwangeren Frauen in das Programm.
Meiner Ansicht nach sollten wir
erwerbstätigen Familien bei der Bürde
der Kinderbetreuung behilflich sein.
Unsere Unterstützung sollte auf diejenigen abzielen, die sie am meisten
benötigen - einkommensschwache Familien mit kleinen Kindern. Ich befürworte die Einführung eines Steuerfreibetrages für Kinderbetreuung, der
sich auf eben diese Familien erstreckt, ohne eine Benachteiligung
der Mütter, die es vorziehen, ihre
Kinder zu Hause zu betreuen.
Ich weiß, daß unterschiedliche
Vorschläge unterbreitet wurden. Aber
Sie sollten sich folgendes vor Augen
führen: Das Gros der Kinderbetreuung
im Vorschulalter erfolgt heute bei
Verwandten und Nachbarn, in kirch-

�liehen und kommunalen Einrichtungen.
Familien, die sich für diesen Vorschlag entscheiden, sollten ihre Unterstützung
anbieten.
Den Eltern
sollte die Wahl überlassen bleiben.
Im Falle von unerwünschten Kindern, Waisenkindern oder Kindesmißhandlungen sollten wir die Adoption
ermutigen. Ich schlage die Wiedereinführung der Steuerabzüge für Adoptionskosten und die Verdoppelung dieses Betrages auf 3 000 Dollar vor.
Wir sollten es diesen Kindern erleichtern, von liebenden Eltern aufgenommen zu werden.
Gegenüber unseren altern Mitbürgern haben wir eine moralische Verpflichtung.
Meine Haushaltsvorlage
sieht die vollständige Finanzierung
der
Sozialversicherung
vor, einschließlich einer Anpassung an die
Lebenshaltungskosten in voller Höhe.
Wir müssen diese Verpflichtung einhalten.
Wir müssen uns um diejenigen "auf
der Schattenseite des Lebens" kümmern, und wie viele Amerikaner bin
Ich zutiefst besorgt über die Misere
der Obdachlosen. Obdachlosigkeit hat
viele Ursachen, ihre Geschichte ist
lang, aber das moralische Gebot, zu
handeln, ist unleugbar.
Dank der überwältigenden Großzügigkeit, von der unser großartiges
Land gekennzeichnet ist, tragen bereits zahlreiche Organisationen zur
Unterstützung bei. Aber wir in der
Regierungsverantwortung dürfen nicht
beiseite stehen.
In meinem Haushaltsentwurf fordere Ich größere Unterstützung für Notunterkünfte und
Verteilung von Nahrungsmitteln an die
Obdachlosen, für Gesundheitsdienste
und Maßnahmen gegen Arzneimittelmißbrauch sowie psychiatrische Kliniken
- und ich schlage eine neue Initiative vor, die das gesamte Spektrum der
Regierungsbehörden einbezieht.
Wir
müssen diese nationale Schmach in den
Griff bekommen.
Ich habe beschlossen, heute abend

ein weiteres Thema zur Sprache zu
bringen. Lange Zeit war ich der Auffassung, die Puertoricaner sollten
das Recht haben, selbst über ihre politische Zukunft zu entscheiden. Ich
persönlich befürworte die Eigenstaatlichkeit. Aber ich bitte den Kongreß
zur
Veranlaßung
der
notwendigen
Schritte, damit die Entscheidung vom
Volk getroffen werden kann.
Als Folge von Jahrzehnten unvernünftiger Praktiken bedrohen einige
Probleme das Wohlergehen und die Sicherheit unseres Volkes. Wenn wir
sie vernachlässigen, werden sie sich
nur verschlimmern - aber heute können
wir sie in den Griff bekommen.
Zu Beginn der Woche habe ich meine Unterstützung eines Planes zur
Wiederherstellung
der
finanziellen
und moralischen Integrität unserer
Sparbanken angekündigt.
Ich bitte
den Kongreß, unsere Reformvorschläge
binnen 45 Tagen zu verabschieden.
Die gegenwärtige Situation ist unhaltbar.
Zweifelsohne müssen die Spareinlagen der Amerikaner weiterhin gesichert sein - versicherte Einleger
sind weiterhin in vollem Umfang geschützt. Aber jeder Plan zur Refinanzierung des Systems muß von einer
umfassenden Reform begleitet sein.
Dank unserem Vorschlag wird sich eine
solche Krise nicht wiederholen. Die
beste Antwort darauf ist sicherzustellen, daß eine solche Geschichte
nicht wieder vorkommt.
Die Mehrzahl der Sparbanken in
den Gemeinden dieses Landes haben in
aufrichtiger Absicht gehandelt; sie
haben eine wichtige Rolle dabei gespielt, den Familien bei der Verwirklichung ihres Traumes vom Eigenheim
zu helfen.
Aber seien Sie versichert: Diejenigen, die korrupt sind,
die das Gesetz brechen, müssen sich
auf einen Rausschmiß gefaßt machen
und mit Gefängnis rechnen.
Wir sehen uns mit der enormen
Aufgabe konfrontiert, den Atommüll zu

- 7 -

�entsorgen, der in Jahrzehnten der
Vernachlässigung in den Produktionsstätten
für Kernwaffen angefallen
ist. Zweifelsohne müssen wir diese
Anlagen modernisieren und sicher betreiben. Das ist unumstritten - unsere nationale Sicherheit hängt davon
ab.

opfern, und ich werde die Stärke der
Vereinigten Staaten nicht aufs Spiel
setzen.

Aber darüber hinaus müssen wir
den alten Müll beseitigen, der hinterlassen wurde - und in dieser Haushaltsvorlage habe ich mich dazu verpflichtet, unsere Anstrengungen mehr
als zu verdoppeln. Dies wird uns in
die Lage versetzen, zum Kern des jeweiligen Problems vorzudringen und es
zu bewältigen - und dazu sind wir
entschlossen.

Die eingesparten Mittel müssen
entsprechend der Prioritäten bei
unseren
Zukunftsinvestitionen
eingesetzt werden, über die ich
heute abend gesprochen habe.

In den vergangenen acht Jahren
ist es uns gut ergangen. Die Vereinigen Staaten stehen heute besser
da als im Jahr 1980. Die Moral unserer Streitkräfte
ist wiederhergestellt. Unsere Entschlußkraft wurde
unter Beweis gestellt.
Unsere Bereitschaft wurde verbessert. Wir haben Frieden. Es besteht kein Zweifel
mehr daran, daß der Frieden durch
Stärke sicherer gemacht worden ist.
Wenn die Vereinigten Staaten stärker
sind, ist die Welt sicherer.
Die meisten Menschen machen sich
nicht klar, daß nach der erfolgreichen
Wiederherstellung
unserer
Stärke der Verteidigungshaushalt in
jedem der vergangenen vier Jahre in
realen Zahlen abgebaut worden ist.
Weitere Kürzungen können wir nicht
hinnehmen.
Angesichts der zwingenden Notwendigkeit zur Senkung des Defizits unterstütze ich jedoch das Einfrieren
des Verteidigungshaushalts für ein
Jahr - wie ich es vergangenen Herbst
im Rahmen meines Plans flexibler Einfrlerungen vorgeschlagen habe.
Dieses Einfrieren wird nur für
ein Jahr gelten - danach werden Zuwächse über die Inflationsrate hinaus
erforderlich sein.
Ich werde die
amerikanische Kampfbereitschaft nicht

Ich möchte die Bedingungen, an
die meine Empfehlung für das kommende
Jahr gebunden ist, folgendermaßen erläuern:

Das Einfrieren der Verteidigungsausgaben muß Teil einer umfassenden Haushaltsübereinkunft sein,
die den im Gramm-Rudman-HollingsGesetz verankerten Zielen ohne
Steuererhöhungen entspricht und
Reformen
im
Haushaltsbewilligungsverfahren beinhaltet.
Ich habe den Nationalen Sicherheitsrat angewiesen, unsere Sicherheits- und
Verteidigungspolitik
zu
überprüfen und mir innerhalb von 90
Tagen Bericht zu erstatten, um sicherzustellen, daß unsere Fähigkeiten
und Mittel unseren Verpflichtungen
und Strategien entsprechen.
Ferner werde ich das Verteidigungsministerium beauftragen, einen
Plan zur Verbesserung des Beschaffungsverfahrens und der Verwaltung im
Pentagon auszuarbeiten - damit soll
der Bericht der Packard-Kommission
vollständig in die Praxis umgesetzt
werden»
Viele Veränderungen können
nur mit Beteiligung des Kongresses
durchgeführt werden - ich bitte also
um Ihre Hilfe.
Wir brauchen einen Abbau von Vorschriften. Wir brauchen weniger Bürokratie.
Wir brauchen mehrjährige
Beschaffungsprojekte und einen Zweijahreshaushalt. Und offen gestanden
benötigen wir weniger "Mikromanagement" des Kongresses in bezug auf
die Verteidigungspolitik unseres Landes.
Die

Sicherung

des

Weltfriedens

�ist die vielleicht vordringlichste
Aufgabe, zu der ich mich heute abend
äußern möchte. Wir kommen in einer
Zeit außergewöhnlicher Hoffnungen zusammen. Niemals in diesem Jahrhundert waren unsere Werte der Freiheit,
Demokratie und wirtschaftlichen Möglichkeiten eine solch mächtige politische und geistige Kraft in der ganzen Welt. Niemals zuvor war unsere
Führungskraft von solch entscheidender Bedeutung, denn während die Augen
der Vereinigten Staaten in die Zukunft gerichtet sind, ruhen die Augen
der Welt auf den Vereinigten Staaten.
Dies ist eine Zeit großer Veränderungen in der Welt - insbesondere
in der Sowjetunion. Vernunft und gesunder Menschenverstand zwingen uns,
den Versuch zu unternehmen, die volle
Bedeutung des dort stattfindenden
Wandels zu verstehen, unsere Politik
sorgfältig zu überdenken und Vorsichtig walten zu lassen. Ich habe Generalsekretär Gorbatschow jedoch persönlich versichert, daß wir nach Abschluß dieser Überprüfung zu Fortschritten bereit sind.
Wir werden
keine Gelegenheit ungenutzt lassen,
um für den Frieden einzutreten.
5s bleibt eine grundlegende Tatsache, daß die Sowjets eine sehr
mächtige
militärische
Maschinerie
aufrechterhalten, die Zielen dient,
die immer noch allzu oft mit den unseren in Konflikt stehen. Laßt uns
also die neue Offenheit ernst nehmen.
Laßt uns einen Schritt nach vorn machen, um zu verhandeln.
Laßt uns
aber auch realistisch sein, und laßt
uns stets unsere Stärke bewahren.
Es gibt einige vordringliche Fragen, die wir angehen müssen:
Ich
werde die Strategische Verteidigungsinitiative energisch weiterverfolgen.
Die Verbreitung und selbst der Einsatz hochmoderner Waffen bedroht die
weltweite Stabilität wie nie zuvor.
Chemische Waffen müssen vom Antlitz
der Welt verbannt werden und nie wieder zum Einsatz kommen. Dies wird
nicht leicht sein. Die Verifizierung
wird schwierig sein.
Zivilisation

-9

und menschlicher Anstand erfordern
jedoch, daß wir darauf hinarbeiten.
Auch der Verbreitung von Kernwaffen muß Einhalt geboten werden. Ich
werde mich bemühen, den Einfluß der
Internationalen Atomenergiebehörde zu
stärken. Unsere Diplomatie muß Tag
für Tag gegen die Verbreitung von
Kernwaffen eintreten.
Weiterhin müssen wir auf der ganzen Welt der Freiheit bester Freund
sein. Wir müssen an der Selbstbestimmung und Demokratie für Mittelamerika festhalten - einschließlich
Nicaraguas. Denn wenn dem Volk die
Möglichkeit gegeben wird, wird es unweigerlich für eine freie Presse, Religionsfreiheit
und
nachweislich
freie und faire Wahlen eintreten.
Wir müssen das Bündnis der demokratischen Industrieländer stärken die beständigste Kraft für den Frieden, die die Welt je gekannt hat.
Dieses Bündnis entstand durch die
Macht unserer Ideale, nicht durch die
Kleinlichkeit
unserer
Meinungsverschiedenheiten.
Laßt uns also den
Blick nach vorn richten - um statt
über Hormone in Rindfleisch zu streiten gemeinsam an einer besseren Zukunft zu arbeiten, um vom Protektionismus zum Fortschritt zu gelangen.
Ich habe den Außenminister beauftragt, nächste Woche Europa zu besuchen und mit den Europäern die ganze Bandbreite der uns gemeinsam betreffenden Herausforderungen und Möglichkeiten zu erörtern - einschließlich der Ost-West-Beziehungen.
Und
ich sehe dem baldigen Zusammentreffen
mit unseren NATO-Partnern gerne entgegen.
Auch ich werde schon bald eine
Reise antreten - an den äußeren Rand
des Pazifischen Beckens, an dem die
Winde der Demokratie neue Hoffnung
entfachen und die Macht der freien
Marktwirtschaft neue Kräfte freisetzt.
Als ich vor nur 14 Jahren als
Vertreter der Vereinigten Staaten in

�China war, hätten sich nur sehr wenige das Ausmaß der von uns seither beobachteten Veränderungen vorstellen
können. Bei der Vorbereitung auf die
kommende Reise wurde mir durch einen
chinesischen
Schriftsteller
etwas
ganz deutlich bewußt. Er sprach von
seinem Land vor einigen Jahrzehnten seine Worte berühren jedoch jeden von
uns in Amerika heute abend.
"Heute", so schrieb er, "fürchten
wir uns vor einfachen Worten wie
Rechtschaffenheit, Mitleid und Güte."
Meine Freunde, wenn wir als Nation
Erfolg haben wollen, müssen wir diese
Worte wiederentdecken.
In drei Tagen werden wir den Geburtstag Abraham Lincolns begehen des Mannes, der unsere Union rettete
und dem Begriff "Möglichkeit" neuen
Inhalt verlieh. Lincoln hat einmal
gesagt:
"Ich bin der Überzeugung,
daß es zeit seines Lebens die Pflicht
des Menschen ist, nicht nur seine eigenen Lebensbedingungen zu verbessern, sondern dazu beizutragen, die
der gesamten Menscheit zu vervollkommnen."
Es ist die Beteiligung an dieser
umfassenderen Aufgabe, zu der ich alle Amerikaner aufrufe. Denn zur Definition eines erfolgreichen Lebens
muß auch der Dienst an der Gemeinschaft gehören.
Den jungen Menschen in Amerika,
die sich bisweilen ausgeschlossen
fühlen, sage ich:
Ich bitte Euch
heute abend darum, uns an Euren Talenten und Energien durch ein neues
Programm mit dem Namen "YES" (Youth
Entering Service to America) teilhaben zu lassen.
Den Männern und Frauen im Wirtschaftsleben - denken Sie an das Endziel Ihrer Tätigkeit - ein besseren
Produkt herzustellen, ein besseres
Leben zu schaffen. Ich bitte Sie,
langfristig zu planen und der Versuchung von kurzfristigen und leicht
erzielten Profiten, die nur auf dem
Papier stehen, zu widerstehen.

Den tapferen Männern und Frauen,
die die Uniform der Vereinigten Staaten von Amerika tragen, sage ich:
Ich danke Ihnen. Sie erfüllen ein
ehrenvolle Aufgabe: als Verteidiger
und Garanten der Freiheit. Ich möchte, daß Sie wissen, daß die Nation
für Ihren Dienst dankbar ist.
Den Bauern in Amerika sage ich:
Wir wissen die von Ihnen bereitgestellten Gaben zu schätzen. Wir werden uns bemühen, die ausländischen
Märkte für amerikanische Agrarprodukte zu öffnen.
Den Eltern Amerikas: Ich bitte
Sie, sich für die Schulbildung Ihrer
Kinder zu engagieren. überprüfen Sie
ihre Schularbeiten. Gehen Sie in die
Schule, treffen Sie die Lehrer, nehmen Sie Anteil daran, was dort geschieht. Es steht nicht nur die Zukunft Ihrer Kinder auf dem Spiel,
sondern die Zukunft Amerikas.
Den Kindern in unseren Städten:
Gebt die Hoffnung nicht auf. Sagt
nein zu Drogen. Bleibt in der Schule. Und "haltet die Hoffnung leben1| •
Den 37 Millionen Amerikanern, die
in der einen oder anderen Weise behindert sind: Sie sind ein fester
Bestandteil
unseres
Wirtschaftslebens. Wir brauchen ihr Talent auf
dem
Arbeitsmarkt
der
Vereinigten
Staaten. Die behinderten Amerikaner
müssen zu vollwertigen Partnern in
der amerikanischen Gesellschaft der
Möglichkeiten werden.
Den
Familien
der
Vereinigten
Staaten, die Sie uns heute von Ihren
Wohnzimmern aus zuschauen:
Halten
Sie an Ihren Träumen fest, denn
letztlich liegt die Zukunft Amerikas
in Ihren Händen.
Und zu meinen Freunden in dieser
Kammer: Ich bitte um Ihre Zusammenarbeit, um das Wachstum der Vereinigten Staaten zu erhalten, während wir
das Defizit senken.
Das ist nur
recht und billig für diejenigen, die

- 10 -

�heute noch nicht wählen können - die
folgenden Generationen.
Sie sollen einmal zurückblicken
und sagen können, daß wir die Weitsicht besaßen, zu verstehen, daß eine
Zeit des Friedens und Wohlstands keine Zeit zum ausruhen ist, sondern
eine Zeit, um auf Fortschritte zu
drängen. Eine Zeit, um in die Zukunft zu investieren.
Und alle Amerikaner sollten daran
denken, daß kein von Menschen gemachtes Problem zu groß ist, als daß es
durch die Genialität und Energie des
Menschen und durch die unermüdliche
Hoffnung des menschlichen Geistes
nicht überwunden werden könnte. Ich
glaube daran. Ich hätte mich nicht
darum beworben, Ihr Präsident zu
sein, wenn ich dies nicht täte.
Morgen beginnt die Debatte über
den von mir vorgelegten Plan. Ich
bitte den Kongreß, seine eigenen Vorschläge zu unterbreiten, wenn diese
sich von meinen unterscheiden. Lassen Sie uns nicht die Motive des anderen in Zweifel ziehen. Lassen Sie
uns debattieren. Lassen Sie uns verhandeln.
Aber lassen Sie uns das
Problem lösen.
Jahrestage in Erinnerung zu rufen, mag nicht gerade meine Spezialität bei Reden sein - heute abend aber
gibt es einen solchen Anlaß. Am 9.
Februar 1941, heute abend vor genau
48
Jahren,
sprach
Sir
Winston
Churchill in einer Stunde der Gefahr
für Großbritannien über den Rundfunk.
Er hatte von Präsident Roosevelt
einen persönlichen Brief erhalten, in
dem Longfellow's berühmtes Gedicht
zitiert wurde: "Sail on, Oh Ship of
State. Sali on, Oh Union, strong and
great. Humanity with all its fears,
with all the hopes of future years,
Is hanging breathless on thy fate."
Churchill
antwortete an jenem
Abend in einer Rundfunkansprache an
eine Nation im Krieg, aber er richtete seine Worte an Roosevelt. "Wir
- 11

werden weder aufgeben noch wanken",
sagte er. "Wir werden weder schwach
noch müde werden. Gebt uns die Mittel, und wir werden die Arbeit zu Ende bringen."
Heute, nahezu ein halbes Jahrhundert später, mag die Gefahr, in der
wir uns befinden, weniger bedrohlich
sein, aber Hartnäckigkeit und klarsichtige Standhaftigkeit sind ebenso
notwendig.
Damals wie heute gibt es manch
einen, der meint, es werde nicht gelingen. Es gibt Stimmen, die behaupten, die besten Tage Amerikas seien
vorüber.
Denn wir seien von Beschränkungen eingeschnürt, von Problemen bedrängt, von Unruhen umringt,
die unsere Fähigkeit zu hoffen einschränkten.
Nun, heute abend bin ich voll der
Hoffnung
Wir Amerikaner haben unsere Mission der Rechtschaffenheit und
Größe erst begonnen.
Und an jene
ängstlichen Seelen gewandt, wiederhole ich die Bitte - gebt uns die Mittel, und wir werden die Arbeit zu Ende bringen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
15. Februar 1989

MASSIGE SOWJETISCHE FORTSCHRITTE BEI MENSCHENRECHTEN
- Richard Schifters Rede vor dem Kongreß -

WASHINGTON - (AD) Der Abteilungsleiter im amerikanischen Außenministerium für Menschenrechtsfragen und humanitäre Angelegenheiten, Richard
Schifter, erklärte am 8. Februar 1989 vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats,
die Sowjetunion "muß noch einen weiten Weg zurücklegen, bevor ihr die Einhaltung der Schlußakte von Helsinki" über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
"zuerkannt werden kann".
Schifter nahm im Rahmen seiner Anhörung zum Jahresbericht seines Ministeriums an den Kongreß über die Wahrung der Menschenrechte in Ländern Stellung,
die Hilfe von den Vereinigten Staaten erhalten oder Mitglied der Vereinten Nationen sind. Der Bericht über die Menschenrechtssituation in 169 Ländern wurde am 8. Februar 1989 veröffentlicht.
Nachfolgend veröffentlichen wir Schifters Rede in Auszügen:

Was die positiven Entwicklungen
anbelangt, so konnten wir in der Sowjetunion die Hinwendung zu einer offeneren Gesellschaft beobachten. Unseres Wissens ist seit mehr als zwei
Jahren niemand mehr nach den Paragraphen des sowjetischen Strafrechts
angeklagt oder verurteilt worden, denen zufolge sogenannte "anti-sowjetische
Agitation
und
Propaganda",
"staatsfeindliche
Äußerungen"
oder
nicht genehmigte religiöse Aktivitäten
schwere Verbrechen darstellen,
die mit Jahren im Gulag geahndet werden können.
Alle nach diesen Paragraphen verurteilten
Personen sind
freigelassen
worden.
Die
sowjetischen Behörden haben uns informiert, daß die von uns als Mißbrauch
der Psychiatrie erachteten Praktiken
nicht mehr angewandt werden und alle

United States Information Service
Embassy of the United States of America

ungerechtfertigt eingelieferten Personen entlassen worden sind.
Uns
liegen darüber abweichende Berichte
vor, die wir zu prüfen beabsichtigen.
Die Störung ausländischer Rundfunksender hat aufgehört.
Beeinträchtigungen nehmen erheblich zu.
Rechtmäßige Wahlen werden bald stattfinden
und dem sowjetischen Durchschnittsbürger
zumindest
eine
Möglichkeit
einräumen, seine Präferenz für einen
Kandidaten zu bekunden.
Obwohl sich im Jahr 1988 in der
Sowjetunion ein Wandel vollzogen hat,
den wir vor nur drei Jahren nicht so
schnell für möglich gehalten hätten,
müssen wir uns doch vor Augen führen,
daß die Sowjetunion noch einen weiten
Weg zurücklegen muß, bevor ihr die
Einhaltung der Schlußakte von Helsin-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ki zuerkannt werden kann.
Sie ist
immer noch ein Einparteienstaat. Die
Geheimpolizei spielt immer noch eine
wichtige Rolle bei der Unterdrückung
von Dissidenten.
Rechtsstaatlichkeit
ist eine geäußerte Zielsetzung, keine
Realität.
Die Medien sind in der
Hand des Staates und werden von ihm
kontrolliert.
Religion wird ebenfalls vom Staat kontrolliert.

kung erhob sich das Volk mit der Forderung nach Freiheit und Demokratie
gegen das Militärregime.
Die Erhebung wurde brutal niedergeschlagen.
Die genauen Zahlen werden niemals bekanntwerden, aber es wurden sicherlich mehrere Hundert wenn nicht Tausende Zivilisten getötet, als die
burmesische Armee ihre Gewehre auf
die Demonstranten richtete.

Wir müssen uns darüber hinaus
vergegenwärtigen, daß der Erfolg derjenigen, die um Reformen bestrebt
sind, nicht garantiert ist. Eindeutig ist, daß die sowjetische Führung
zum ersten Mal seit vielen Jahren
nicht
länger
einen
einheitlichen
Block bildet. Es bestehen eindeutig
Unterschiede zwischen denjenigen, die
eine Weiterentwicklung des Landes in
Richtung auf politische und wirtschaftliche
Freiheit anstreben und
denjenigen mit der Auffassung
die
neue Politik sei bereits zu weit gegangen und eine Beschränkung notwendig.

In Afghanistan wird es lange dauern, bis sich das Land von den tragischen Konsequenzen einer fast 10jährigen sowjetischen Besatzung erholen wird. Auch im Jahr 1988 erhielten wir Berichte über zahlreiche politische Morde und Fälle von Folter.
Eine der wichtigsten Fragen für die
internationale
Staatengemeinschaft
lautet heute, wie wir Afghanistan
helfen können, nach dem sowjetischen
Truppenabzug die geschlagenen Wunden
zu heilen, und wie der Achtung der
Menschenrechte in einem Umfeld Geltung verschafft werden kann, das in
solch starkem Maß von den Gewaltakten
der
sowjetischen
Besatzungstruppen
und ihres Marionettenregimes brutalisiert wurde.

Eine Bilanz der Entwicklungen im
Jahr 1988 läßt den Schluß zu, daß Zusammenstöße
ethnischer
Minderheiten
zur größten Zahl von Todesopfern geführt und oftmals die schrecklichsten
Menschenrechtsverletzungen
mit
sich
gebracht hat.
In diesem Zusmmenhang sollten wir
unser Augenmerk auf das Schicksal der
zahlreichen Kurden im Irak lenken.
Zweifellos haben sich wichtige Gruppierungen der irakischen Kurden gegen
die Regierung des Irak erhoben. Aber
die Art und Weise, wie die irakische
Regierung im Hinblick auf ein Ende
des Krieges mit dem Iran darauf reagiert hat, war wahrhaft schockierend.
Wenn es eines Beweises für die
Tatsache bedarf, daß die in unserer
Unabhängigkeitserklärung
verankerten
Normen staatlichen Verhaltens nicht
an eine bestimmte Kultur gebunden,
sondern universell gültig sind, können die Ereignisse des Jahres 1988 in
Burma als Beispiel genommen werden.
Nach Jahrzehnten totaler Unterdrük-

Ich wende mich nun zwei weiteren
Problemfeldern zu, die - wie eine
Analyse der Fakten zeigen wird nicht in die Kategorie
schwerster
Menschenrechtsverletzungen
fallen,
wie ich sie gerade angesprochen habe.
Ihnen wurde stattdessen aufgrund der
guten Beziehungen zwischen den fraglichen Ländern und den Vereinigten
Staaten besondere Aufmerksamkeit zuteil. Die erste Situation dieser Art
besteht in den von Israel besetzten
Gebieten.
In den vergangenen Monaten habe
ich zahlreiche Briefe mit der Aufforderung erhalten, einen ausgewogenen
Bericht zu den besetzten Gebieten zu
veröffentlichen.
Es wurde angedeutet, wir könnten in diesem Fall besonders nachsichtig verfahren.
Das
Gegenteil
ist
jedoch
der
Fall.
Selbstverständlich tun wir unser Bestes, um bei der Erstellung unserer
Berichte einheitliche Normen anzule-

�gen. Zweifellos sind jedoch unsere
Berichte über offene Gesellschaften,
über di'p wir eine Vielzahl von Informationen erhalten, unvermeidlich umfassender und detaillierter als die
über
verschlossene
Gesellschaften,
über die wir wesentlich weniger Informationen erhalten.
überdies ist
es sicherlich eine ganz natürliche
Tatsache, daß im Falle Israels ein
höherer Maßstab angelegt wird als bei
anderen Ländern. Die in unserem Länderbericht über die besetzten Gebiete
detailliert
dargelegten
Praktiken
würden
in anderen Länderberichten
entweder kurz zusammengefaßt oder
gänzlich ausgelassen.
Was nun die Substanz angeht, unterscheidet sich dieser Fall von allen anderen in der Hinsicht, daß wir
es hier nicht mit den Handlungen einer Regierung zu tun haben, die in
besetzten Gebieten sowohl zivile als
auch militärische Gesetze anwendet.
Das zugrundeliegende Problem betrifft
die Frage der Erlangung einer Friedensregelung. Vor diesem Hintergrund
haben wir in unserem Bericht über die
besetzten Gebiete die Bereiche unserer Besorgnis dargelegt. Diese konzentrieren sich auf die von den
israelischen Streitkräften getroffenen Maßnahmen, um die Welle ziviler
Unruhen zu unterdrücken, die seit dem
Dezember 1987 diese Gebiete ergriffen
hat. Wir erkennen an, daß die von
den Militärs getroffenen harten Maßnahmen von Akten wie dem Werfen von
Steinen und Molotow-Cocktails, dem
Verbrennen von Reifen und der Errichtung von Barrikaden provoziert wurden.
Unserer Ansicht nach war die Reaktion darauf jedoch eher übertrieben
denn gemäßigt, forderte zahlreiche
Verletzte, und im Verlauf des Jahres
1988 waren 366 Tote unter den Palästinensern zu beklagen. Sorge bereiteten uns ferner solche Praktiken wie
Bestrafung durch Deportation und die
Sprengung der Wohnhäuser von Personen, die der Gewaltakte beschuldigt
werden. Schließlich mußten wir feststellen, daß die gegen israelische
Soldaten wegen der Verletzung der
- 3

Verhaltensmaßregeln ergriffenen Disziplinarmaßnahmen entschieden zu mild
sind.
Der zweite Fall in dieser Gruppe
ist El Salvador. Wenn man Menschenrechtsverletzungen in diesem Land anprangert, so ist es von vorrangiger
Bedeutung, zwischen Fakten und Desinformation zu unterscheiden.
Der Hintergrund
der Menschenrechtsprobleme ist hier in der kommunistischen Rebellion zu suchen, die
bereits über ein Jahrzehnt andauert.
Im Verlauf der Jahre hat die FMLN,
die zuvor eine ernste Bedrohung für
das Überleben der salvadorianischen
Regierung darstellte, an Boden verloren. Die FMLN benutzt jedoch nach
wie vor die Ermordung gewählter Regierungsvertreter und Terroranschläge
in den Städten, um Instabilität zu
verursachen.
Es besteht kein Zweifel, daß sie
jegliche Anziehungskraft, über die
sie vielleicht einmal verfügt hat,
für das Gros der Bevölkerung verloren
hat.
Ihre politischen Verbündeten
nehmen an den Präsidentschaftswahlen
teil, werden derzeit jedoch von höchstens zehn Prozent der Bevölkerung
unterstützt.
Im Verlauf des Jahres 1988 belief
sich die Zahl der politisch motivierten Morde auf durchschnittlich 20 pro
Monat. Obwohl jeder einzelne Todesfall eine Tragödie für die betroffene
Familie ist, sollte man sich vor Augen führen, daß diese Zahl verglichen
mit den vergangenen Jahren nicht angestiegen ist... Ich möchte hier unsere Überzeugung bekräftigen, daß die
gewählte Regierung von El Salvador
für diese Morde nicht verantwortlich
ist. Ebensowenig sind wir der Auffassung, daß es irgendeinen Beweis
für die Schuld der militärischen Führung gibt. Das Problem ist auf der
unteren Ebene des Militärs sowie darin zu suchen, daß es der obersten
Führung nicht gelingt, scharf gegen
die
der
Menschenrechtsverletzungen
Schuldigen vorzugehen und insbeson-

�dere Offiziere anzuklagen.
Damit komme ich zu dem Problem
der
salvadorianischen
Gerichtsbarkeit, das damit Hand in Hand geht.
Ich bedauere, sagen zu müssen, daß
die Straftaten mit politischen Auswirkungen von der salvadorianischen
Gerichtsbarkeit
schlicht
umgangen
wurden, gleichgültig, ob der Angeklagte mit der politischen Rechten
oder Linken in Verbindung steht. Ich
muß hinzufügen, daß El Salvador nicht
das einzige Land ist, das in diese
Kategorie fällt. Starke, unabhängige
Rechtssysteme sind weltweit noch rarer als demokratisch gewählte Regierungen.

* * * * *

�«fc°s&gt;&lt;

Sr IO N #

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
15. Februar 1989

DER DROGENKRIEG GEHT WEITER
- Polizeimaßnahmen notwendig - aber Erziehung wichtiger -

WASHINGTON - (AD) - "Diese Geißel wird gestoppt werden", erklärte Präsident George Bush in seiner Antrittsrede. Jedoch sei die Lösung in erster Linie in der Drosselung der Nachfrage, nicht in Polizei- und Justizmaßnahmen
oder Schließung der Grenzen zu suchen. Der gesamte private Sektor und die
Schulen müßten in die Erziehungskampagnen einbezogen werden, erläuterte Bush
später auf einer Pressekonferenz.

Dem Berater des Senatsunterausschusses für Ermittlung und Fahndung,
John Sopko zufolge wäre es eine Illusion, anzunehmen, daß sich die Vereinigten Staaten mit ihren mehr als
10 000 km langen Festlandsgrenzen gegen das Einschleusen von Rauschgift
abschotten könnten.
Das neue AntiDrogengesetz konzentriere sich deshalb auf die Entwicklung von Programmen, die der Nachfrage entgegenwirken, eine wirksame Vorbeugung ermöglichen und die Bürger davon abbringen, sich Drogen überhaupt in Erwägung zu ziehen.
An der Spitze des 1988 vom Kongreß geschaffenen Amtes für Drogenbekämpfung (Office of Drug Control Policy) steht William J. Bennett, der
in der Regierung Reagan von 1985 bis

United States Information Service
Embassy of the United States of America

September 1988 das Amt des Bildungsministers innehatte.
Schon als Präsident des "Nationalen Zentrums für
Geisteswissenschaften"
in Nordkarolina (1979 bis 1981) ging ihm der Ruf
voraus, für "Gewährenlassen" und undiszipliniertes Verhalten nichts übrig zu haben. In seinen philosophischen Vorlesungen an der Universität
North Carolina wie in seinen Veröffentlichungen aus jener Zeit betonte
er stets den konservativen Standpunkt.
Nicht zuletzt aufgrund der reichen Erfahrungen, die Dr. Bennett
während seiner Tätigkeit in Regierungsämtern sammelte, wurde ihm die
Leitung des Amtes für Drogenbekämpfung übertragen.
Der "Drogenzar",
wie man ihn bereits nennt, hat Kabinettsrang, ist aber nicht dessen Mitglied.

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Telex: 8-85432

�Der neue Justiznrinister Richard
Thurnburgh stimmt mit Bennett darin
überein, daß zur Verbesserung der Situation
im Zusammenhang mit dem
Rauschgiftproblem die Justiz allein
wenig ausrichten kann, wenn es nicht
gleichzeitig zu einem grundlegenden
Umdenken in der Gesellschaft kommt.
Die Nachfrage nach Drogen müsse durch
umfassendere Aufklärungsprogramme unbedingt eingedämmt werden. Es seien
wirksamere Anstrengungen in den Bereichen Therapie und Rehabilitation
erforderlich.
Aber
nicht
minder
wichtig seien andere Wertmaßstäbe und
Standpunkte bei großen Teilen der Bevölkerung, um einer Anfälligkeit für
Drogen vorzubeugen.
Nach dem neuen Drogenbekämpfungsgesetz stehen derzeit 1,4 Milliarden
Dollar für den Kampf gegen illegale
Rauschmittel zur Verfügung. Strafen
wurden verschärft, der Rechtsvollzug
wird strikter gehandhabt. Zum ersten
Mal sind 55 Prozent des Budgets für
erweiterte Therapie, Rehabilitation
und Aufklärung vorgesehen. Ab September 1989 müssen Personen, die in
den Vereinigten Staaten eines Drogenvergehens überführt wurden, auch wegen des Besitzes von Drogen mit hohen
Geldstrafen
rechnen.
Schüler und
Studenten verlieren den Anspruch auf
Darlehen und andere Formen staatlicher Unterstützung.
Von den zu erwartenden Maßnahmen
der 107 übrigen Länder, die im Dezember 1988 in Wien gemeinsam mit den
USA
internationale
Zusammenarbeit
vereinbarten, um den Drogenhandel zu
unterbinden und Händlern das Handwerk
zu legen, versprechen sich die Vereinigten Staaten auch eine größere
Effektivität ihrer Drogenbekämpfungspolitik im Inland. Der Ausgang der
Konferenz bedeutete "einen enormen
psychologischen Auftrieb für jene,
die im Drogenkrieg in den Schützengräben
stehen", sagte jetzt Ann
Wrobleski, Staatssekretärin im amerikanischen Außenministerium für das
Ressort Internationale Suchtstoffangelegenheiten, in einem Interview.

Sie ist sich jedoch im klaren
darüber, daß der härteste Teil der
Aufgaben noch bevorsteht, wenn die
einzelnen Länder mit der Ratifizierung der Konvention auch entsprechende Gesetze zu ihrer Durchführung verabschieden müssen. "Papier ist geduldig", sagte sie. "Wir werden erleben, daß manche Länder in ihren
Parlamenten Schwierigkeiten bekommen
und sich sogar großangelegten Einschüchterungskampagnen
gegenübersehen." Die Drogenkartelle dürften erhebliche Geldmittel
aufbieten, um
Entscheidungen in ihrem Sinne durchzusetzen. Auch gebe es noch manche
unangenehme Streitfragen wie zum Beispiel die Kontrolle von chemischen
Stoffen, die zur Drogenherstellung
gebraucht werden oder Zwischenprodukte sind. Diese Kontrolle stelle ein
großes Problem in Ländern dar, die
als wichtige Chemie-Produzenten gelten.
Der UN-Konvention zufolge, die am
19. Dezember 1988 von der Konferenzversammlung
angenommen wurde, ist
Drogenhandel als eine "internationale
kriminelle Aktivität" anzusehen. Sie
verpflichtet jedes Land, Handlungen
im Zusammenhang mit der Produktion,
dem Handel und dem Verkauf illegaler
Drogen ebenso wie mit Geldwäsche als
verbrecherisch einzustufen. Die Konvention befaßt sich außerdem mit Gesetzen zum Bankgeheimnis und der Beschlagnahme von Erträgen aus Drogenhandel. Sie verpflichtet die Länder,
Drogenhändler auszuliefern oder gerichtlich zu verfolgen. Die Konvention tritt in Kraft, wenn sie von 20
der 108 Signatarstaaten ratifiziert
worden ist. Sie ist die erste, die
"ausschließlich auf das grenzühergreifende Verbrechen des Drogenhandels abgestellt ist", sagte Wrobleski.
Die Idee äußerte als erster
Jaime Lusinchi, der Präsident von Venezuela. Er machte darauf aufmerksam, daß Drogenhandel - im Gegensatz
zur Drogenproduktion - ein Verbrechen
ist, das die Grenzen vieler Länder
überschreite und deshalb eine Körperschaft wie die Vereinten Nationen berechtigt und zuständig für entspre-

�chende Untersuchungen sei. Fast kein
Land bleibe vom Drogenhandel unberührt, meinte die Staatssekretärin.
Zur Ratifizierung der Konvention
beretten das amerikanische Außenministerium und andere Behörden für den
amerikanischen Senat eine Dokumentation vor, die jeden Punkt der Übereinkunft samt der rechtlichen Auswirkungen und Nebeneffekte erklärt und
erläutert.
Sie soll noch in diesem
Jahr dem Senat zugeleitet werden.
Allerdings sei der Zeitpunkt der Ratifizierung durch den Senat nicht abzusehen.

* * * * * *

- 3 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush fordert Wettbewerbsfähigkeit als Schwerpunkt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die Rede des Präsidenten zur Haushaltsvorlage&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Mäßige sowjetische Fortschritte bei Menschenrechten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Richard Schifters Rede vor dem Kongreß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Techniken&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Drogenkrieg geht weiter&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Polizeimaßnahmen notwendig - aber Erziehung wichtiger&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
\ o N

$ &lt;

22. Februar 1989
INHALT

DOKUMENTATION
Die neue Herausforderung für das Atlantische Bündnis
- Ansprache des Gesandten James F. Dobbins -

Baker bei Lösung der Modernisierungsfrage zuversichtlich
- Fernsehinterview mit dem Außenminister -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Start der Raumfähre "DISCOVERY" verschoben

.NASA-Etat zu knapp
- Dr. James Fletcher vor Unterausschuß des amerikanischen Senats
\
* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
"VON

Dokumentation

4

22. Februar 1989
DIE NEUE HERAUSFORDERUNG FÜR DAS ATLANTISCHE BÜNDNIS
- Rede des amerikanischen Geschäftsträgers
vor der Steuben-Schurz-Gesellschaft -

FRANKFURT - (AD) - Der Geschäftsträger der Vereinigten Staaten von Amerika
in Bonn, James F. Dobbins, hat in einer Rede vor der Steuben-Schurz-Gesellschaft am 21. Februar 1989 zu Fragen der Verteidigung und Abrüstung Stellung
genommen.
Zum derzeit in der Bundesrepublik lebhaft erörterten Problem der Tiefflüge
unterstrich der Geschäftsträger, "wenn die Piloten der NATO in der Lage sein
sollen, unter realistischen Bedingungen zu üben und damit ein angemessenes Niveau der Einsatzbereitschaft aufrechtzuerhalten, kann nur ein begrenzter Teil
dieser Ausbildung in andere Länder 'exportiert' werden". Selbst wenn es möglich und finanziell tragbar wäre, alle Ausbildungsflüge zu exportieren, würde
damit Sinn und Zweck der Vorneverteidigung durchkreuzt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Geschäftsträgers im V/ortlaut:
Es ist mir eine große Ehre und
ein Vergnügen, heute abend vor Ihnen
sprechen zu dürfen.
Die SteubenSchurz-Gesellschaf t ist sowohl in der
Bundesrepublik als auch in den Vereinigten Staaten als eine der namhaftesten deutsch-amerikanischen Organisationen bekannt, die sich der Erhaltung und Förderung der tiefen und
allgegenwärtigen Bande verschrieben
hat, die unsere beiden Länder verbinden. Sie alle sind beredtes Zeugnis
der Tatsache, daß die Bande zwischen
unseren Völkern und Institutionen sowie unsere gemeinsamen Werte und
Zielsetzungen stabil und beständig
bleiben. Ich beglückwünsche Sie zu
Ihrer Weitsicht und Ihrem unermüdlichen Einsatz und begrüße diese Gelegenheit, einen Beitrag zum deutschamerikanischen Dialog leisten zu kön-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

nen.
Ich bin gebeten worden, heute
abend über das Thema Verteidigung und
Abrüstung zu Ihnen zu sprechen. Angesichts der derzeit lebhaften Verteidigungsdebatte in unseren beiden
Ländern kommt diese Einladung sehr
gelegen.
Wie Meinungsumfragen eindeutig belegen, erfreut sich die NATO
auf beiden Seiten des Atlantiks nach
wie vor überwältigender Unterstützung
in Politik und Öffentlichkeit.
Es
entbehrt daher vielleicht nicht einer
gewissen Ironie, daß sich das Grundkonzept, auf dem das Bündnis beruht,
wachsender Kritik und zunehmendem
Druck ausgesetzt sieht.
In den Vereinigten Staaten konzentriert sich dieser Druck erneut

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�auf das Thema Lastenverteilung im
Bündnis. Im Kongreß und in einigen
Kreisen der amerikanischen Bevölkerung herrscht das Gefühl vor, die
Vereinigten Staaten trügen mehr als
ihren gerechten Anteil an der Last
der
gemeinsamen
Verteidigung
des
Bündnisses, und die Europäer sollten
einen
entsprechend
größeren
Teil
übernehmen. Diese Befürworter einer
gerechteren Lastenverteilung streben
keinen Abbau der amerikanischen Verpflichtung zur Verteidigung Europas
an; ihr Ziel ist schlicht und einfach, die europäischen Mitglieder des
Bündnisses davon zu überzeugen, mehr
zu tun. Gleichzeitig ist es nur allzu verständlich, daß der Druck nach
einseitigem Abbau des amerikanischen
Engagements sich verstärken könnte,
wenn keine Reaktion auf diese Bedenken bezüglich einer gleichmäßigeren
Verteilung der Lasten des Bündnisses
erfolgt.
In der Bundesrepublik Deutschland
kommt die Unzufriedenheit mit dem
Grundkonzept und der dem Bündnis zugrundeliegenden Politik auf unterschiedliche Weise zum Ausdruck. Erstens besteht wachsender Unmut über
die physischen Lasten - den Lärm, die
Zerstörung der Landschaft, die Unterbrechung des Tagesablaufs -, die
durch die Präsenz sehr umfangreicher
militärischer Streitkräfte zwangsläufig entstehen. Der Unmut über die
physische Last der Präsenz umfangreicher
konventioneller
Streitkräfte
geht einher mit der erneuten Frage
nach der Notwendigkeit der politischen Lasten zur Aufrechterhaltung
der
nuklearen
Abschreckung.
Und
schließlich wurde die Frage erörtert,
ob die Aktivitäten der verbündeten
Streitkräfte vollständig im Einklang
mit der Souveränität der Bundesrepublik stehen.
Diese auf beiden Seiten des Atlantiks geäußerten Bedenken und kritischen Einwände sollte man im Kontext der umfassenderen Strategie des
Bündnisses betrachten. Fragen, ob es
für die Vereinigten Staaten erforderlich ist ein ziemlich beträchtliches

Potential an Menschen und finanziellen Ressourcen zur Verteidigung Europas bereitzustellen und ob für die
Bundesrepublik die Nowendigkeit besteht, alliierte Truppen aufzunehmen
und die nukleare Abschreckung zu unterstützen, können am besten beantwortet werden, wenn man sich die Erfordernisse der NATO-Strategie vor
Augen hält und fragt, ob diese Strategie nach wie vor Gültigkeit besitzt.
Die NATO-Strategie hängt von zwei
Faktoren ab: der militärischen Bedrohung, wie sie sich durch die
Streitkräfte des Warschauer Pakts
stellt und den geographischen Gegebenheiten des Bündnisses. Unmittelbar an das Territorium des Bündnisses
angrenzend ist ein massives Potential
von Truppen und Gerät stationiert,
die der größten europäischen Macht
unterstehen - der Sowjetunion. Diese
Streitkräfte verfügen über zahlreiche
Panzer, Artillerie und Flugzeuge und
sind so strukturiert und ausgebildet,
daß sie zu schnellen, raumgreifenden
Operationen fähig sind. Die geographische Lage hat zweifache Auswirkungen auf die Strategie des Bündnisses:
erstens ist das industrielle Kernland
des Bündnisses, sein reichstes und
wertvollstes Gebiet - die Bundesrepublik Deutschland - gleichzeitig dessen Achillesferse:
ein leicht erreichbares Ziel für sowjetische Panzer; zweitens
befindet
sich das
Hauptgegengewicht
zur
sowjetischen
Militärmacht - die Vereinigten Staaten - weit von der Sowjetunion und
den
europäischen
Mitgliedern
des
Bündnisses entfernt.
Die Strategie der NATO ist also
darauf ausgerichtet, zwei Aufgaben zu
erfüllen. Die erste besteht darin,
die unmittelbare Verteidigung des exponiertesten - und wertvollsten - Gebiets des Bündnisses, der Bundesrepublik Deutschland, zu gewährleisten.
Der zweite liegt in der Ankoppelung
der amerikanischen Macht an die Verteidigung Europas. Die Strategie des
Bündnisses besteht deshalb aus zwei
Elementen:
Vorneverteidigung
und
flexibler Reaktion. Im wesentlichen

�steht Vorneverteidigung für die Bereitschaft der NATO-Streitkräfte, gegen eine mögliche Invasion des Warschauer Pakts so weit vorne wie möglich Widerstand zu leisten und diese
abzuwehren,
das
heißt,
an
der
deutsch-deutschen Grenze.
Dies erfordert von der NATO die Aufrechterhaltung umfangreicher militärischer
Streitkräfte so nahe wie möglich an
der östlichen Grenze der Bundesrepublik Deutschland.
Eine Alternative
zur Vortieverteidigung - eine Verteidigung in der Tiefe - könnte von vielen Militärexperten bevorzugt werden.
Eine Verteidigung in der Tiefe würde
indessen dem Hauptzweck des Bündnisses zuwiderlaufen, der darin besteht,
allen Mitgliedstaaten gleichen Schutz
für Freiheit, Sicherheit und territoriale Integrität zu gewähren. Eine
Verteidigung in der Tiefe würde bedeuten, daß das Bündnis sich auf die
Führung eines anhaltenden konventionellen Krieges in der Bundesrepublik
vorbereiten würde, in dessen Verlauf
es sich zum Rhein und in die Niederlande zurückziehen würde, um dort
Streitkräfte für einen Gegenangriff
zu sammeln. Die gesamte Bundesrepublik würde als Kriegschauplatz jedes
europäischen Konflikts dienen, wobei
eine Aggression und darauf folgende
Gegenangriffe auf ihrem Territorium
ausgetragen würden. Ein solches Szenarium war in der Vergangenheit nie
eine akzeptable Grundlage für die
Verteidigungsplanung des Bündnisses.
Ich sehe keinen Grund, warum sich
dies in Zukunft ändern sollte.
Die Vorneverteidigung ist darauf
ausgerichtet, das Engagement amerikanischer atomarer wie konventioneller
Streitkräfte für die Verteidigung Europas zu gewährleisten und insbesondere die nukleare Abschreckung auf
ein
Land
die
Bundesrepublik
Deutschland - auszuweiten, das selbst
auf den Besitz von Kernwaffen verzichtet hat. Die flexible Reaktion
zielt darauf ab, durch Androhung einer nuklearen Reaktion selbst auf einen konventionellen Angriff jeden
Krieg zu verhindern - sei er konventionell oder nuklear. Die flexible
- 3

Reaktion bedeutet im wesentlichen,
daß das Bündnis darauf vorbereitet
sein sollte, auf eine mögliche Aggression des Warschauer Pakts auf der
Stufe militärischer Macht zu reagieren, die notwendig und ausreichend
zur Abwendung dieser Aggression und
zur Wiederherstellung der territorialen Integrität der angegriffenen Nation
erscheint.
Diese
Strategie
setzt voraus, daß das Bündnis - zumindest im Anfangsstadium - mit konventionellen Streitkräften auf einen
konventionellen
Angriff
des Warschauer Pakts antworten würde und
sich die Option offenhält, Kernwaffen
einzusetzen oder ihren Einsatz anzudrohen, falls sich eine konventionelle Reaktion als unzureichend herausstellt.
Die flexible Reaktion bedingt, daß das Bündnis ein angemessenes Arsenal unterschiedlicher Kernwaffen zur Verfügung hat, und zwar in
Europa
stationierte
Nuklearsysteme
und in den Vereinigten Staaten stationierte strategische Systeme. Die
Präsenz der amerikanischen - konventionellen wie nuklearen - Streitkräfte in Europa dient als Bindeglied
zwischen der Verteidigung der europäischen und amerikanischen Gebiete des
Bündnisses und damit der Überwindung
des zweiten von mir beschriebenen
geographischen Nachteils - der Distanz zwischen den Vereinigten Staaten und ihren europäischen Verbündeten.
Zusammenfassend kann man sagen,
daß sowohl die flexible Reaktion als
auch die Vorneverteidigung darauf
ausgerichtet sind, den Ausbruch eines
Krieges zu verhindern und - falls
dies dennoch geschähe -, die Aussichten für dessen schnelle Beendigung zu
gewährleisten, ohne weite Teile des
Bundesgebiets zu zerstören.
Ich möchte mich nun dem Verhältnis zwischen dieser BUndnisstrategie
und den besonderen verteidigungspolitischen Fragen zuwenden, die gegenwärtig in der Bundesrepublik erörtert
werden.
Zunächst zu den Tiefflügen.

Wenn

�unsere Strategie der Vorneverteidigung wirksam sein soll, muß die NATO
die Fähigkeit besitzen, nach einem
möglichen Ausbruch von Feindseligkeiten die Invasionsstreitkräfte schon
beim Anmarsch auf unsere Grenzen aufzuhalten, ihnen große Verluste zuzufügen sowie die gegnerischen Luftstützpunkte und Versorgungseinrichtungen anzugreifen. Der Besitz dieser Fähigkeiten erhöht die Wahrscheinlichkeit, daß die NATO schon
mit konventionellen Streitkräften zur
raschen Abwehr einer Aggression in
der Lage wäre und deshalb nicht auf
den Einsatz von Kernwaffen zurückgreifen müßte. Diese Art der Abriegelungsfähigkeit erfordert jedoch von
den Kampfflugzeugen der NATO das
Fliegen in äußerst niedrigen Höhen,
um das sehr engmaschige Luftabwehr- und Radarnetz des Warschauer
Pakts zu unterfliegen. Um im Konfliktfall zum Tiefstflug in der Lage
zu sein, müssen die Piloten der NATO
regelmäßig in solchen Flughöhen und
über Landstrichen Übungsfüge durchführen, die dem Einsatzgebiet im Fall
eines Krieges möglichst entsprechen.
Ein Teil dieser Tiefflugausbildung
kann andernorts, in Kanada, der Türkei und auf Sardinien durchgeführt
werden - und dies ist bereits der
Fall. Gegenwärtig berät die U.S. Air
Force mit der Bundesluftwaffe und den
Luftwaffen der anderen Verbündeten
über eine weitere Reduzierung der
Tiefflüge in der Bundesrepublik. Ich
bin zuversichtlich, daß wir diese Belastung weiter abbauen können. Wenn
die Piloten der NATO jedoch in der
Lage sein sollen, unter realistischen
Bedingungen zu üben und damit ein angemessenes Niveau der Einsatzbereitschaft aufrechtzuerhalten, kann nur
ein begrenzter Teil dieser Ausbildung
in andere Länder "exportiert" werden,
in denen andere Witterungs- und Bodenverhältnisse
herrschen.
Selbst
wenn es möglich und finanziell tragbar wäre, all unsere Ausbildungsflüge
zu exportieren, würden wir damit Sinn
und
Zweck
der
Vorneverteidigung
durchkreuzen, denn unsere Streitkräfte können nicht gleichzeitig in Kanada üben und in der Bundesrepublik Ab-

schreckung gewährleisten.
Ein zweites kontroverses Thema in
der Bundesrepublik ist die Stationierung von weiterem hochmodernem und
effektivem militärischem Gerät. Unter der Administration von Ronald
Reagan haben die Vereinigten Staaten
nach einem Jahrzehnt rückläufiger
Verteidigungsausgaben einen anderen
Kurs eingeschlagen und erhebliche
Summen für die Beschaffung neuer Ausrüstung und die Ausbildung der dafür
notwendigen
Bedienungsmannschaften
ausgegeben. Ein Großteil dieser finanziellen Investitionen - etwa bei
Panzern,
Flugzeugen,
Hubschraubern
und Schützenpanzern - war speziell
für unsere Verpflichtungen im Rahmen
der NATO bestimmt. Als Ergebnis dessen besitzen die Streitkräfte der
Vereinigten Staaten die vielleicht
modernste Ausrüstung aller Streitkräfte auf dem europäischen Kontinent.
Innerhalb der Bundesrepublik gab
und gibt es lokalen Widerstand gegen
die Einführung eines Teils dieser
Ausrüstung.
So wurde vor Gericht
Klage gegen die Modernisierung von
Schießplätzen erhoben, die für die
Ausbildung
der
Mannschaften
des
Schützenpanzers Bradley erforderlich
sind.
Ferner sind wir mit unsere
Plänen zur Stationierung des Panzerabwehrhubschraubers Apache auf Widerspruch gestoßen.
Im Hinblick auf die Strategie der
NATO ist diese neue, von den amerikanischen Streitkräften
in jüngster
Zeit in Europa stationierte Ausrüstung - Panzer, Hubschrauber, Flugzeuge - von entscheidender Bedeutung
für die Erhaltung der Vorneverteidigung. Zum Beispiel besteht die Rolle
des Panzerabwehrhubschraubers Apache
darin, in einem Konflikt einen sowjetischen Panzervorstoß so früh wie
möglich zum Stehen zu bringen und
zurückzuwerfen.
Das
amerikanische
Volk hat für die Beschaffung, Instandhaltung
und Bemannung dieser
Waffensysteme große finanzielle Opfer
gebracht und wird dies auch in Zukunft tun. Darauf ausgerichtet, den

�Fähigkeiten des Warschauer Pakts im
Bereich der schweren Panzer entgegenzutreten, wurden viele dieser Waffensysteme besonders, in manchen Fällen
sogar ausschließlich, für die Verteidigung der Bundesrepublik Deutschland
konzipiert. Es ist schwer, dem amerikanischen Steuerzahler, der Milliarden Dollar für Ausrüstung und Gerät ausgegeben hat, das nur in Mitteleuropa sinnvoll eingesetzt werden
kann, zu erklären, daß viele der Menschen, zu deren Verteidigung diese
Ausrüstung entwickelt wurde, es nicht
in ihrer Nachbarschaft stationiert
haben möchten.
Ein dritter kontroverser Bereich
steht in Zusammenhang mit militärischen Großmanövern, der Unruhe und
den Schäden, die von diesen verursacht werden können. Die Abschrekkung beruht ebensosehr auf der Qualität wie auf der Quantität der Streitkräfte des Bündnisses, und die Ausbildung ist das wichtigste Mittel zur
Aufrechterhaltung
und
Verbesserung
der Qualität. Im Frieden hat das Militär tatsächlich nur den einen Auftrag - zu üben. Selbstverständlich
tun die Kommandeure der verbündeten
und deutschen Streitkräfte ihr Bestes, um die von den Manövern verursachten Beeinträchtigungen so gering
wie möglich zu halten, und Manöverschäden werden natürlich erstattet.
Die Bundeswehr wie auch die USStreitkräfte sind dabei, neue Ausbildungskonzepte einzuführen, die weniger Großmanöver mit Truppen vorsehen und sich mehr auf Ausbildungsmaßnahmen auf Stabsebene konzentrieren.
Das Ergebnis wird in einer verbesserten Qualität der Ausbildung mit weniger Truppen und insbesondere weniger
Panzern und anderen Kettenfahrzeugen
im Gelände bestehen.
Die Aufrechterhaltung der nuklearen Abschreckung bürdet uns eine andere Art von Last auf, keine physische - man sieht diese Waffen selten
und hört sie nie -, keine finanzielle
- diese Waffen sind vergleichsweise
billig -, aber eine moralische und
politische.
Die nukleare Abschrekkung bietet der NATO eine Alternative
- 5

zu Krieg oder Kapitulation, aber diese Alternative hat ihren Preis. Wie
in den vergangenen vierzig Jahren muß
das amerikanische Volk akzeptieren,
daß die mögliche Zerstörung der Vereinigten Staaten ein angemessener
Preis ist, um den nuklearen Schutzschild auf die europäischen Verbündeten auszudehnen. Die Völker Europas
müssen akzeptieren, daß um der Glaubwürdigkeit
dieses
amerikanischen
Schutzschilds willen ein Teil davon
auf hiesigem Territorium stationiert
sein muß, zu dessen Schutz er geschaffen wurde. Unsere Völker davon
zu überzeugen, diese Lasten auch weiterhin zu akzeptieren, ist eine niemals endende Aufgabe der politischen
Führung des Bündnisses.
Selbstverständlich unterzieht das
Bündnis die Erfordernisse einer wirksamen nuklearen Abschreckung im Hinblick auf die speziellen Systeme und
die Zahl der in Europa benötigten Systeme dieser Art von Zeit zu Zeit einer Bestandsaufnahme. Seit 1979 hat
die NATO ihre in Europa gelagerten
Kernwaffen um 2 400 Gefechtsköpfe reduziert, weitere Gefechtsköpfe werden
mit der Vernichtung der INF-Raketen
abgezogen. Überdies besteht für die
Zukunft die Möglichkeit zusätzlicher
Reduzierungen dieses Arsenals. Jedoch müssen die verbleibenden Waffensysteme effektiv sein, und deshalb
müssen überholte ältere Systeme durch
neue ersetzt werden.
Eines dieser
Systeme, die Lance-Rakete, wird in
der Mitte der neunziger Jahre ersetzt
werden müssen. Wenn zu diesem Zeitpunkt ein Ersatzsystem zur Verfügung
stehen soll, müssen die Vereinigten
Staaten mit dessen Entwicklung noch
dieses Jahr beginnen.
Sicherlich
lassen sich logische Argumente für
die Beseitigung wie auch für die Beibehaltung jedes beliebigen Kernwaffensystems finden, aber es gibt keine
Argumente für die Beibehaltung von
überholten und unwirksamen Atomwaffen. Vor allem ist es wichtig, daß
die Modernisierungsdebatte nicht nur
die technischen
Fragen behandelt,
sondern auch auf die Grundsätze der
nuklearen Lastenverteilung und die

�Notwendigkeit eingeht, die Strategie
der Abschreckung des Bündnisses aufrechtzuerhalten.
Aus diesem Grund
will sich die NATO diesem Problem im
Kontext eines Gesamtkonzepts für Sicherheit und Rüstungskontrolle zuwenden, das bei einem NATO—Gipfeltreffen
in diesem Frühjahr erörtert werden
soll.
In diese anhaltende verteidigungspolitische Debatte wird der Begriff der "Souveränität" eingebracht.
Eine Reihe der von mir soeben angesprochenen Einzelfragen - insbesondere die Tiefflüge und die sogenannten
Stationierungsprobleme - werden von
manch einem nicht nur im Kontext der
Ost-West-Beziehungen und der Erfordernisse der Abschreckung betrachtet.
Es wird zusätzlich das Argument vorgebracht, die umfangreiche militärische Präsenz und Übungstätigkeit der
Verbündeten in der Bundesrepublik
Deutschland
spiegele
die
eingeschränkte deutsche Souveränität wider, ein Überbleibsel aus der Besatzungszeit.
Diese Einschätzung läßt historische Tatsachen von entscheidender Bedeutung außer acht.
Am Ende des
Zweiten Weltkriegs zogen die Vereinigten Staaten rasch den Großteil ihrer Truppen aus Europa ab, während
die Sowjets ihre Streitkräfte dort
beließen.
Die Vereinigten Staaten
hofften und erwarteten, daß die Europäer selbst in der Lage sein würden,
ihre Verteidigung - ohne das Engagement der Vereinigten Staaten - zu gewährleisten.
Mit den Jahren wurde
jedoch immer deutlicher, daß die Sowjetunion nicht die Absicht hegte,
ihre militärische Präsenz in Europa
zu verringern, sondern daß sie vielmehr versuchte, diese Präsenz zu nutzen, um ihren Einflußbereich auf dem
Kontinent nach Westen auszudehnen.
Es trat immer klarer zutage, daß es
den Europäern angesichts dieser sowjetischen Bedrohung ohne die Beteiligung der Vereinigten Staaten nicht
gelingen würde, eine eigenständige
lebensfähige
Verteidigungsstruktur
aufzubauen. Das Projekt einer Euro-

päischen
Verteidigungsgemeinschaft,
deren Kernstück eine ausschließlich
europäische Armee sein sollte, scheiterte nach schwierigen und langwierigen Verhandlungen. Erst dann haben
die Vereinigten Staaten in ihrer
Nachkriegspolitik des Rückzugs eine
Umkehr vollzogen, ihre historische
Ablehnung
von
Verpflichtungen
in
Übersee in Friedenszeiten überwunden
und sich bereiterklärt, ein langfristiges Engagement zur Verteidigung
Westeuropas einzugehen.
Der NATOVertrag, der Eintritt der Bundesrepublik Deutschland in die NATO sowie
das Truppenstatut und andere die Präsenz der BUndnisstreitkräfte in der
Bundesrepublik regelnde Vereinbarungen gehen auf dieses Engagement zurück.
Die wichtigste Grundlage der heutigen Präsenz verbündeter Streitkräfte ist jedoch kein vierzig Jahre altes Abkommen, sondern ein lebendiges,
lebensfähiges Bündnis - eine Partnerschaft
zwischen
Verbündeten
und
Freunden.
Die
Bundesrepublik
Deutschland, die Vereinigten Staaten,
Kanada, Großbritannien, Belgien, die
Niederlande
und
Frankreich
haben
grundsätzlich gemeinsame Interessen
und Werte. Diese gemeinsamen Werte
und Interessen bilden das wahre Fundament für die Präsenz all dieser
Streitkräfte. Ich spreche sicherlich
im Namen aller in der Bundesrepublik
lebenden Amerikaner, wenn ich sage,
wir sind uns der Tatsache bewußt, daß
wir in der Bundesrepublik zu Gast
sind. Wir sind hier als Freunde empfangen worden. Wir werden nur so
lange bleiben, wie wir erwünscht
sind. Wir werden die uns zuteil gewordene Gastfreundschaft niemals mißbrauchen.
Bei der Diskussion über Souveränität wird zugrundegelegt, daß Souveränität und eine starke Verteidigung
sehr unterschiedliche und zuweilen
unvereinbare Konzepte sind. Vielfach
wird argumentiert, die Bundesrepublik
habe einen Teil ihrer Souveränität
"aufgegeben", um ihren Beitrag zur
äußeren Sicherheit zu leisten. Tat-

�sächlich hat die Bundesrepublik einen
wesentlich größeren Teil ihrer Souveränität an die Europäische Gemeinschaft - eine überstaatliche Organisation - abgetreten als an die NATO,
die keine solche ist. Souveränität
und Verteidigung sind in jedem Fall
untrennbar
miteinander
verknüpft.
Souveränität ist schließlich nur Ausdruck der Fähigkeit und des Willens
eines Staates, die Interessen seines
Volkes zu schützen und zu vertreten.
Die überwältigende Mehrheit der Deutschen ist davon überzeugt, das NATOBündnis und die Präsenz der verbündeten Soldaten seien unabdingbar, um
ihre Sicherheit sowie das Fortbestehen ihrer demokratischen Institutionen und ihres offenen Wirtschaftssystems zu gewährleisten. Die NATO und
die Präsenz der Verbündeten stellen
daher einen wesentlichen Bestandteil
der Souveränität der Bundesrepublik
dar. Dies gilt in der Tat ebenso für
die Vereinigten Staaten und die anderen Mitglieder der NATO, von denen
viele verbündeten Truppen auf ihrem
Territorium Gastrecht gewähren. Ohne
diese Präsenz und ohne dieses Bündnis
würden wir alle weniger Freiheit und das heißt geringere Souveränität
- genießen.
Das im Harmel-Bericht von 1967
niedergelegte Grundkonzept der NATO
Strategie macht deutlich, das die
Aufgabe der NATO sowohl Dialog als
auch Verteidigung sein sollen.
In
den vergangenen Jahren war das Bündnis ebenso aktiv im Bestreben um Rüstungskontrollabkommen wie beim Versuch, seine Streitkräfte auf dem gebotenen Stand zu halten. Infolgedessen stehen wir heute in dem umfassendsten Dialog, den wir jemals mit
dem Ostblock geführt haben.
Wir haben bereits
Leistungen vollbracht:

beachtliche

Das im Jahr 1986 zum Abschluß der
Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE) in Stockholm
unterzeichnete Dokument sieht erstmals Vor-Ort-Inspektionen militäri- 7

scher Großmanöver in Ost und West
vor. Das ist zweifelsohne die wichtigste bis heute eingeführte vertrauensbildende Maßnahme.
Der im Dezember 1987 beim Washingtoner Gipfel unterzeichnete INFVertrag ist das erste Abkommen, mit
dem die Anzahl der Nuklearwaffen in
den amerikanischen und sowjetischen
Arsenalen tatsächlich reduziert wird.
Er enthält Bestimmungen für eingehende Vor-Ort-Inspektionen, die an sich
schon sehr wichtig sind und darüber
hinaus die Grundlage für Verifizierungsregeln
künftiger
Rüstungskontrollabkommen über Kernwaffen bilden
werden.
Die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion haben prinzipiell eine
sehr erhebliche Reduzierung
ihrer
strategischen Kernwaffen vereinbart
und spezielle Obergrenzen für verschiedene Waffenkategorien ausgearbeitet. Obwohl noch schwierige Verhandlungen bevorstehen, haben wir erhebliche Fortschritte erzielt.
Die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion haben Gemeinsame Verifizierungsexperimente auf ihren jeweiligen Atomtestgeländen durchgeführt
und damit wichtige Schritte im Hinblick
auf
die Ratifizierung
des
Schwellenvertrages und des Vertrages
über Atomexplosionen zu friedlichen
Zwecken sowie weitere verifizierbare
Begrenzungen von Atomtests unternommen. Sowjetische Regierungsvertreter
waren bei amerikanischen Atomtests
zugegen und umgekehrt. Vor einigen
Jahren wäre es noch undenkbar gewesen, daß irgendeine Regierung der anderen den Zugang zu diesen sicherheitsempfindlichen Bereichen gewähren
würde.
Sowohl das NATO-Bündnis als auch
der Warschauer Pakt setzen sich für
die Aushandlung einer verifizierbaren, umfassenden und wirksamen Konvention zur Ächtung chemischer Waffen
ein. Auch bei diesen Verhandlungen
sind große Fortschritte erzielt worden, obwohl noch Probleme bestehen
bleiben.

�Eine weitere große Herausforderung, mit der wir im Bereich der Rüstungskontrolle
konfrontiert
sind,
ist die Schaffung einer verbesserten
Regelung zur Verhinderung der Verbreitung chemischer, biologischer und
nuklearer Waffen sowie von deren Trägersystemen - insbesondere ballistischer Raketen.
Die
internationale
Staatengemeinschaft hat bereits erhebliche Fortschritte bei der Eindämmung der Weitergabe von Atomwaffen
erzielt, insbesondere durch den Atomwaffensperrvertrag und die Nuclear
Suppliers' Group. Erst in den letzten Jahren hat sich die Aufmerksamkeit ernsthaft auf die Verbreitung
von chemischen und biologischen Waffen sowie von ballistischen Raketen
konzentriert. Dieses Problem ist in
den vergangenen Wochen in der Bundesrepublik Deutschland besonders intensiv diskutiert worden, es ist aber
nicht zuletzt ein Problem, das alle
hochentwickelten Industriestaaten angeht.
Diese Frage läßt sich nur
durch eine Korabination nationaler
Maßnahmen und internationaler Zusammenarbeit angemessen bewältigen. Die
Vereinigten Staaten begrüßen deshalb
die Initiative von Außenminister Genscher und der Bundesrepublik Deutschland, in der Europäischen Gemeinschaft engere Zusammenarbeit in dieser Frage anzustreben, um die weitere
Verbreitung von Massenvernichtungswaffen zu verhindern. Die Vereinigten Staaten befürworten zur Bewältigung dieser Aufgabe die enge Zusammenarbeit mit der Bundesrepublik, der
Europäischen Gemeinschaft und anderen
Industriestaaten.
Schließlich haben die NATO und
der Warschauer Pakt im Rahmen all
dieser Leistungen und Herausforderungen im Bereich der Rüstungskontrolle
ein Mandat für neue Verhandlungen
über konventionelle Rüstungskontrolle
In Europa vereinbart, die nächsten
Monat in Wien aufgenommen werden sollen. Vor kurzem verkündete einseitige Reduzierungen des Warschauer Pakts
deuten darauf hin, daß die Sowjetunion und ihre Verbündeten ihre Überlegenheit
bei
den
konventionellen

Streitkräften in Europa erkannt und
sich der Auffassung gebeugt haben,
daß die stärkere Seite am meisten abrüsten muß. Mit 23 Teilnehmern werden die Gespräche nicht einfach oder
leicht durchführbar sein, aber die
Aussichten für Fortschritte bei konventioneller Rüstungskontrolle waren
niemals günstiger.
Für die Zukunft kann man sich eine Situation vorstellen, in der die
Verteidigung der Bundesrepublik und
des Bündnisses insgesamt auf einem
viel niedrigeren Investitionsniveau
und mit einer geringeren Truppenpräsenz
gewährleistet
werden
kann.
Vielleicht wird sogar einmal der Tag
kommen, an dem sich die Länder Westeuropas nicht stärker von der Sowjetunion bedroht fühlen werden als etwa
die Vereinigten Staaten von Kanada
oder die Bundesrepublik von Frankreich. Um das zu realisieren, wäre
weit mehr als der gegenwärtige neue
Stil in der sowjetischen Außenpolitik
und Reduzierungen bei den sowjetischen Streitkräften erforderlich.
Dazu müßten grundlegende Veränderungen im politischen System der Sowjetunion und in der sowjetischen Grundeinstellung gegenüber der Außenwelt
stattfinden - Veränderungen, die sogar den optimistischsten Prognosen
zufolge viele Jahrzehnte erfordern.
Unter den Regierungen des Westens
hat sich ein deutlicher Konsens gebildet, demzufolge insgesamt gesehen
die Bestrebungen Gorbatschows um Umgestaltung der Sowjetunion in eine
offenere, moderne, effiziente und
verbraucherorientierte
Gesellschaft
begrüßenswert sind. Gorbatschow wird
natürlich von dem Wunsch geleitet,
besser mit dem Westen konkurrieren zu
können, aber wir sind zu einem friedlichen Wettbewerb bereit.
So begrüßenswert Gorbatschows Anstrengungen zur Umgestaltung der Sowjetunion auch sein mögen, sollten
wir doch erkennen, daß er keine große
Aussicht auf Erfolg hat.
Die zu
überwindenden
Probleme
sind
fast
überwältigend. Während sich der Re-

�formprozeß in der Sowjetunion weiterentwickelt, müssen wir im Westen auf
Nummer Sicher gehen.
Wenn Gorbatschow versagt und wenn ein Umschwung
in der sowjetischen Außen- und Sicherheitspolitik, stattfindet, müssen
wir nach wie vor in der Lage sein,
uns angemessen zu schützen. Wir haben Jahrzehnte benötigt, um die politische und militärische Struktur des
Bündnisses aufzubauen. Wenige Monate
könnten genügen, um einen abrupten
Umschwung in der sowjetischen Politik
zu bewirken.
Aus diesem Grund müssen wir die
politische und militärische Struktur
des NATO-Bündnisses vollständig erhalten, auch wenn wir jede Gelegenheit wahrnehmen, um Gorbatschows Versprechungen auf die Probe zu stellen
und auf Schritte zu offeneren und
stabileren Ost-West-Beziehungen eingehen. Gerade durch die Aufrechterhaltung der Einheit des Bündnisses
und der Geschlossenheit seiner Verteidigung werden wir Gorbatschows Bemühungen unterstützen, indem wir weiterhin auf Reformen und Offenheit
drängen.
Die Aufrechterhaltung der
Einheit des Bündnisses in einer Zeit
der Hoffnung sowie positive Veränderungen in den Ost-West-Beziehungen
sind die Herausforderungen, vor denen
die NATO in den neunziger Jahren
steht. Es ist eine Herausforderung,
die aus dem Erfolg entstanden ist,
aber es ist immer noch eine Herausforderung.
Es mag in der Tat die
schwierigste sein, mit der wir je
konfrontiert worden sind.

* * * * *

- 9

�^°s?&lt;

4

^

AMERIKA DIENST
Dokumentation

^&lt;c

22. Februar 1989

BAKER BEI LOSUNG DER MODERNISIERUNGSFRAGE ZUVERSICHTLICH
- Fernsehinterview mit dem Außenminister -

WASHINGTON - (AD) - In einem Interview der Sendung *Meet the Press' erklärte der zu seinem achttägigen Besuch der NATO-Hauptstädte befragte Außenminister Baker am 8. Februar 1989, Berichte über Unstimmigkeiten zwischen den
Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik über die Modernisierung der Kurzstreckenraketen seien "viel zu sehr hochgespielt worden".
"Wir werden das Problem lösen", erklärte Baker seinen Interviewpartnern.
"Ich bin der festen Überzeugung, daß wir zwischen dem heutigen Datum und Ende
Mai (dem für den nächsten NATO-Gipfel angesetzten Termin) zu einem befriedigenden Ergebnis kommen werden."
Nachfolgend veröffentlichen wir das Interview in wesentlichen Auszügen.
Moderator:
Reisen gehört zum Aufgabenbereich
eines Außenministers.
James Baker hat dafür gerade den besten Beweis angetreten und 16 Länder
in acht Tagen bereist. Die Annalen
der Geschichte werden belegen, daß er
mit 15 Ministern, 11 Premierministern
oder Kanzlern, einem NATO-Generalsekretär, einem König und einem Großherzog zusammengetroffen ist. Sein
Besuch der NATO-Staaten war ein Zeichen der engen Verbindungen der Vereinigten Staaten zu diesen Ländern,
aber es stellten sich ihm darüber
hinaus eine Reihe anderer Probleme
und Herausforderungen, die wir im
Rahmen dieser Sendung erörtern wollen.
Frage: Während Sie in Europa weilten, hat in Mittelamerika ein wichtiges Ereignis stattgefunden. Die fünf

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Präsidenten Mittelamerikas sind zusammengetroffen und haben ein Abkommen erzielt, das möglicherweise zu
freien Wahlen in Nicaragua sowie der
Entwaffnung und Auflösung der von
Honduras aus operierenden Contras
führen wird. Dies war der Schlüssel
der Nicaragua-Politik unter Reagan.
Unsere Reaktion darauf war recht verhalten. Sind wir für oder gegen das
Abkommen?
Antwort:
Wir befürworten einzelne
Teile des Abkommens. Aber im Hinblick auf den Teil, der die Auflösung
der Contras vorsieht, bleibt abzuwarten, wie das Kleingedruckte aussehen
wird.
Das Abkommen enthält noch
nicht alle Einzelheiten. Es bestand
lediglich eine Verpflichtung, im Hinblick auf die Contras einen Plan aus-

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Telex: 8-85432

�zuarbeiten. Einige Punkte des Abkommens sind vielversprechend, etwa das
Konzept der Demokratisierung in Nicaragua und die Idee der Nichteinmischung Nicaraguas in die Angelegenheiten seiner Nachbarn. Aber diese
Versprechen hat Nicaragua natürlich
schon früher gegeben. Der Schlüssel
wird also in der Verwirklichung liegen. Es muß also - wie wir auch für
die Abkommen von Esquipulas (II) und
Sapoa gefordert haben - einen Durchführungsmechanismus geben, der sicherstellt, daß die Sandinisten die
von ihnen bereits abgegebenen Versprechen einhalten.
Frage:
Aber wollen Sie damit sagen, daß die Vereinigten Staaten
nicht bereit sind, eine sofortige
Auflösung der Contras zu gestatten?
Und heißt das, sie werden den Kongreß
um die sogenannte "humanitäre Hilfe"
bitten, damit sie weiter operieren
können?
Antwort: Meiner An«icht nach haben
wir zumindest moralisch die Verpflichtung, den Contras weiterhin humanitäre Hilfe zu gewähren, wenn diese am 31. März ausläuft. Und meiner
Meinung nach hat Präsident Bush bereits angedeuet, daß er dies tun wird.
Frage: Sie wird also trotz des Abkommens weitergewährt?
Antwort:
Ja, und sie sollte
weiterhin gewährt werden.

auch

Frage: Es ist vielfach darauf verwiesen worden, die Ereignisse in Mittelamerika hätten Sie überrascht.
Alles

ist

während

Ihres

Aufenthalts

in Europa passiert. Der frühere Verteidigungsminister Melvin Laird hat
gesagt, Sie hätten nicht nach Europa
fahren, sondern hier die Geschäfte
weiterführen und sich um Mittelamerika kümmern sollen und daß sie noch
nicht einmal einen Abteilungsleiter
für das Lateinamerika-Ressort ernannt
hätten. Was sagen Sie dazu?
Antwort: Wir haben uns inszwischen
für einen Abteilungsleiter für das

Lateinamerika-Ressort entschieden.
Frage: Herr Außenminister, Sie haben die vergangenen Tage in Europa
verbracht. Sie haben Gelegenheit erhalten, die Meinung der Europäer zu
hören. Ist es möglich, die nuklearen
Streitkräfte In Europa zu modernisieren und die Bundesrepublik als Verbündeten zu behalten?
Antwort:
Ich denke, das ist möglich. In dieser Angelegenheit werden
wir natürlich zwischen dem heutigen
Datum und einem möglichen NATO-Gipfel
Ende Mai sehr eng mit den Deutschen
zusammenarbeiten.
Das
ist
kein
deutsch-amerikanisches Problem, sondern ein Problem des Bündnisses. Eines der Ziele dieser Reise war sicherlich, Fragen wie diese mit allen
Bündnispartnern zu erörtern, was wir
auch getan haben.
Und wir werden
insbesondere diese Frage noch vor dem
NATO-Gipfel in enger Abstimmung mit
ihnen bearbeiten.
Frage:
Aber
sind
Ihrer Ansicht
nach auch die anderen Europäer so zurückhaltend wie die Deutschen, wenn
es darum geht, alles zwingend Notwendige für die Verteidigung des Bündnisses zu tun?
Antwort:
All unsere Bündnispartner
sind zu bestimmten Grundsätzen verpflichtet, dem Prinzip der flexiblen
Reaktion, dem Prinzip der Vorneverteidigung, dem Prinzip der nuklearen
Ankoppelung, die bei unserer Haltung
in dieser Frage eine Schlüsselrolle
einnehmen. Meiner Ansicht nach haben
sie sich verpflichtet, das sogenannte
"Gesamtkonzept" für Sicherheit und
Abrüstung bis zum NATO-Gipfel zu
vollenden. Daran müssen wir weiterhin arbeiten. Dazu wird es auf beiden Seiten unterschiedliche Auffassungen geben - tatsächlich sind dazu
gegenwärtig einige Bündnispartner anderer Meinung.
Frage:
Herr
Außenminister,
sind
Sie der Ansicht, daß Sie diese Reise
und Ihren Besuch bei Helmut Kohl mit
einer
hieb- und
stichfesten
Ver-

- 2 -

�pflichtung des
Weiterbetreibung
beendet haben?

Bundeskanzlers zur
der Modernisierung

Antwort: Nein, aber ich habe diese
Reise auch nicht mit dem Anspruch einer hieb- und stichfesten Verpflichtung des Bundeskanzlers angetreten.
Das war nicht der Zweck der Reise, es
war keine Reise zur Entscheidungsfindung, sondern eher eine Reise, auf
der
Tagesordnungspunkte
festgelegt
werden sollten. Ich bin dorthin gefahren, um zuzuhören und zu lernen,
und das habe ich getan. Ihr Einwand
betrifft also nicht den Zweck der
Reise.
Frage:
Aber Kohl hat seine Verpflichtung zu einem Kommunique der
NATO-Verbündeten von 1988 ausgesprochen, demzufolge die Modernisierung
der dort stationierten Nuklearsysteme
als notwendig erwachtet wird. Betrachten Sie dies als Verpflichtung
zur Modernisierung?
Antwot: Er hat - und wir haben gemeinsam - die Verpflichtung des Brüsseler Kommuniques von 1988 bekräftigt, aus dem hervorgeht, daß diese
nuklearen Kurzstreckensysteme auf dem
neuesten Stand gehalten werden müssen.
Ich möchte noch auf einen Punkt
hinweisen. Ich habe im Verlauf meiner Reise niemanden getroffen, der
die Ansicht vertrat, wir hätten uns
auf eine dritte Null-Lösung einigen
sollen und der nicht der Meinung gewesen wäre, daß wir landgestützte Nuklearraketen in Europa beibehalten
sollten.
Frage:
Meiner Ansicht nach zielte
die Frage auf den Punkt ab, welche
Haltung Sie gegenwärtig zu Helmut
Kohl und den Deutschen einnehmen?
Sind Sie mit ihrer Position in dieser
heiklen Angelegenheit zufrieden?
Antwort:
Ja, weil wir großes Verständnis für den heiklen Charakter
dieses Problems aus ihrer Sicht haben.
Ich habe bereits bei meiner
Rückreise darauf hingewiesen, daß Be-

richte über Unstimmigkeiten zwischen
den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik über die Modernisierung
der Kurzstreckenraketen zu sehr hochgespielt worden sind. Es gibt keine
Unstimmigkeiten.
Wir werden dieses
Problem lösen. Wir vertreten unsere
Ansicht. Wir müssen dem Kongreß bestimmte Zusagen machen, wenn
wir
dieses Programm fortführen wollen.
Ich bin der festen Überzeugung, daß
wir zwischen dem heutigen Datum und
Ende Mai zu einem befriedigenden Ergebnis kommen werden.
Frage: Heißt das, Sie haben jetzt
1991 oder 1992 als Termin für die
Stationierung dieser modernisierten
Systeme akzeptiert?
Antwort: Nein, das heißt es absolut nicht. Es bedeutet vielmehr, daß
wir weiterhin in enger Abstimmung mit
den Deutschen und unseren anderen
Bündnispartnern an dem Problem arbeiten werden.
Frage: Zu den Deutschen möchte ich
noch eine Frage stellen. Bundeskanzler Kohl scheint die Meinung zu vertreten: "Meine politischen Probleme
sind so schwierig, daß Sie sich nach
der nächsten Wahl mit einer ungünstigeren Alternative
abfinden müssen
werden, wenn Sie mich zu sehr drängen." Werden wir auch zum Problem
der chemischen Waffen und Libyen
Stillschweigen bewahren oder es ganz
fallenlassen?
Müßten die Deutschen
nicht die Konsequenzen dafür tragen,
daß sie Libyen wissentlich beim Aufbau einer Chemiewaffenfabrik geholfen
haben?
Antwort:
Die Deutschen sind voll
und ganz auf unsere Besorgnis über
die Unterstützung dieser Fabrik durch
einige deutsche Unternehmen eingegangen. Inzwischen haben Sie ihr Außenwirtschaftsgesetz
erheblich
verschärft. Sie haben die Strafen, die
ihre Unternehmen bei zukünftigen Aktivitäten dieser Art hinnehmen müssen, drastisch verschärft, und ich
denke, sie haben gehandelt - stark
und einmütig gehandelt.

- 3 -

�Sie könnten natürlich argumentieren, das hätte schon etwas früher geschehen können. Das mag sicherlich
zutreffen, aber wir sind mit dem Geleisteten zufrieden.
Frage:
Herr
Außenminister,
ich
möchte gerne den Nahen Osten ansprechen. Die Reagan-Administration hat
den Weg für Kontakte und Gespräche
zwischen den Vereinigten Staaten,
Jassir Arafat und der PLO geebnet.
Sind Sie der Ansicht, daß die PLO ihren Teil des Abkommens während Ihrer
Amtszeit erfüllt hat? Haben sie Ihrer Meinung nach gute Absichten?
Antowrt: Bisher hat es einen Zwischenfall gegeben, den einige als man könnte sagen, Verletzung - oder,
wenn Sie wollen, Rückkehr der PLO zum
Terrorismus bezeichnen würden.
Frage:
Israel hat diese Behauptung
vorgebracht.
Antwort:
Ein Zwischenfall im Südlibanon, der die Vermutung nahegelegt
hat, wir würden den Dialog in der einen oder anderen Weise abbrechen.
Wir haben jedoch andere Konsequenzen
gezogen. Wir sind über unseren Botschafter in Tunis mit der Mahnung an
die PLO herangetreten, daß solche
Vorfälle nicht passieren dürfen und
beendet werden müssen, wenn sie den
Dialog mit den Vereinigten Staaten
fortführen wollen.
Frage: Sie haben also eine Warnung
ausgesprochen?
Antwort: Noch bevor wir den Dialog
mit ihnen eröffneten, haben wir sie
gewarnt, denn wir haben ihnen eindeutig klargemacht, daß wir nicht zum
Dialog bereit sind, solange sie sich
nicht in Worten und Taten vom Terrorismus lossagen.
Frage: Nachdem Sie den Dialog mit
der PLO eröffnet haben und Ihr sowjetischer Amtskollege mit allen Ländern
eigene Gespräche auf seiner derzeitigen Nahost-Reise führt - muß es im
Nahen Osten noch zu weiteren Krisen

kommen, bevor Sie tatsächlich eingreifen und versuchen, das Problem zu
lösen, oder kommt es zum Knall, wenn
noch weitere Krisen auftreten?
Antwort:
Der
Ansicht
bin
ich
nicht. Und ich hoffe es auch nicht,
denn wenn man die Risiken hier abzuwägen hätte, wäre das Risiko eines
vorschnellen Eingreifens größer als
etwas abzuwarten, die Situation zu
analysieren, das Terrain sorgfältig
zu sondieren und sicherzustellen, daß
man zumindest eine vernünftige Aussicht auf Erfolg hat, wenn man eingreift. Und das ist die Botschaft wenn ich es einmal so formulieren
darf -, die wir unseren Bündnispartnern übermittelt haben.
Wir haben zumindest erklärt, daß
wir uns der Bedeutung des amerikanischen Engagements bewußt sind, wenn
wir im Nahen Osten jemals Frieden
herbeiführen wollen.
Wir sind uns
dessen bewußt, sind uns jedoch nicht
sicher, ob dem Friedensprozeß am besten mit einer großen, hochrangigen,
exponierten und zu früh anberaumten
internationalen
Konferenz
gedient
ist.
Unserer Ansicht nach sollten
zunächst Konsultationen unter vier
Augen stattfinden, bevor wir den Gedanken an eine Nahost-Konferenz auch
nur erwägen können.
Frage:
Herr Außenminister, führt
Jassir Arafat auf Vermittlung der Palästinenser und europäischer Diplomaten indirekte Gespräche mit den Israelis?
Antwort:
Kenntnis.

Das

entzieht

sich

meiner

Frage:
Eine persönliche Frage zur
Administration.
John Tower wartet
noch immer auf seine Bestätigung
durch den Senat. Ein mit den Ermittlungen beauftragter FBI-Agent wird
folgendermaßen zitiert:
"Wenn die
Überprüfung eines Bewerbers um einen
Posten beim FBI dieselben Ergebnisse
erbracht hätte wie bei John Tower,
würde er vom FBI nicht eingestellt.
Halten Sie ihn in Anbetracht solcher

- 4-

�Äußerungen für den geeigneten Verteidigungsminister?
Antwort: Ja, und ich habe dem Präsidenten gestern über die Ergebnisse
meiner Reise Bericht erstattet und
kann Ihnen mitteilen, daß der Präsident den gleichen Eindruck hat.
Frage: Wann werden wir unsere Waffenlieferungen an die Rebellen einstellen, nachdem die Sowjets nun ihre
Truppen aus Afghanistan abgezogen haben?

schlicht und einfach, das alles - und
vor allem ein Kopfgeld auf Rushdie
auszusetzen - sei bedauerlich. Das
erscheint mir eine sehr gemäßigte
Antwort auf solch einen gravierenden
Vorfall. Warum so gemäßigt?
Antwort:
Wenn mich nicht alles
täuscht, habe ich auch gesagt, daß
die Vereinigten Staaten nach wie vor
Terrorismus in allen seinen Erscheinungsformen ablehnen, und insbesondere staatlich geförderten Terrorismus.
Frage:

Antwort:
Meiner Ansicht nach vertrauen wir hier auf das Prinzip der
positiven Symmetrie. Die Sowjets Frage:
Da3 ist
ausgedrückt -

sehr

diplomatisch

Antwort:
Es mag sein, daß dies
sehr diplomatisch
formuliert ist,
aber lange Zeit haben wir von negativer Symmetrie gesprochen und aus diesem Grund verwende ich den Begriff
der positiven Symmetrie. Die Sowjets
haben dort sehr viel militärisches
Gerät stationiert, um dieses Marionettenregime zu unterstützen.
Sie
haben immer wieder die Menschenrechte
verletzt und verweigern dem afghanischen Volk das Recht auf Selbstbestimmung.
Wir vertreten daher den
Standpunkt, daß wir alles in unserer
Macht stehende tun müssen, damit diesem Volk die Möglichkeit zur Selbstbestimmung gewährt wird.
Frage: Wir lange geben Sie dem Regime noch? Wie lange müssen wir noch
Waffen an die Rebellen liefern?
Antwort:
Ich weiß es nicht.
Ich
möchte mich auf keinen Termin festlegen, denn es würde sich um bloße Vermutungen handeln. Uns liegen nachrichtendienstliche Erkenntnisse vor,
die ich Ihnen jedoch nicht mitteilen
darf.
Frage: Als im Verlauf Ihrer Reise
der Stein um Salman Rushdie und sein
Buch "Die satanischen Verse" ins Rollen kam, war Ihre Antwort darauf

Aber -

Antwort: Und ich glaube, wir haben
im weiteren Verlauf der Reise hinzugefügt, daß dieses Verhalten eher ungeeignet ist, wenn der Iran wirklich
ernsthaft in Erwägung zieht, wieder
in die Gemeinschaft zivilisierter Nationen aufgenommen zu werden.
Frage:
Aber diese Situation ist
ungeheuerlich.
In den Vereinigten
Staaten wurde das Buch in einigen
Buchhandlungen aus den Regalen genommen. So etwas ist in unserem Land
noch nie vorgekommen.
Antwort:
Ja, ich bin ganz Ihrer
Meinung. Wir können eine solche Situation keinesfalls dulden und müssen
uns dagegen zur Wehr setzen.
Frage:
Versuchen wir mit dieser
realtiv gemäßigten Reaktion - die
Niederländer haben zum Beispiel einen
Besuch ihres Außenministers im Iran
abgesagt - den Iran zu ermutigen,
sich wieder in die "Völkergemeinschaft einzugliedern", um Ihre Formulierung zu gebrauchen?
Antwort:
Wir versuchen nicht, sie
in diesem Verhalten zu ermutigen absolut nicht. Offen gesagt, haben
wir
meiner
Ansicht
nach unseren
Standpunkt klar dargelegt, daß dieses
Verhalten im Grunde die Toleranzgrenze überschreitet. Ohne mir ein Urteil über das Buch erlauben zu wollen, denn das steht uns meiner Meinung nach nicht zu - und ich habe das
Buch weder gesehen noch gelesen und

- 5 -

�weiß daher nicht, was darin steht.
Ich möchte den Buch nicht meinen Segen geben, indem ich das sage.
Frage: Ich möchte Sie kurz auf das
Land ansprechen, das Sie nächste Woche besuchen werden - Asien. Als Finanzministar haben Sie des öfteren
von der Notwendigkeit einer besonderen oder anders gelagerten Beziehung
mit den Japanern gesprochen.
Sind
Sie, nachdem Sie nun dieses Amt übernommen haben, immer noch der Ansicht,
wir sollten eine besondere Beziehung
mit den Japanern anstreben, weil sie
wohlhabend und wir angeblich arm
sind?
Antwort: Meiner Ansicht nach pflegen wir besondere Beziehungen mit den
Japanern. Und was ich als Finanzminiater zun Ausdruck bringen wollte,
vir, offen gesagt, daß wir nicht nur
mit den Japanern einen besseren Dialog anstreben sollten^ sondern auch
mit jenen Demokratien In Asien, die
sich auf dem Wege der Industrialisierung befinden, und zwar Insbesondere
Im Hinblick auf Wirtschafts- und Handelsfragen. Meiner Ansicht nach unterhalten wir ausgezeichnete Beziehungen zu den Japanern. Es ist für
beide Seiten eine außerordentlich
wichtige Beziehung, was meiner Meinung nach durch die Tatsache belegt
wird, daß der Präsident an den Trauerfelerllchkelten für Kaiser Hirohlto
teilnehmen wird.
Frage:
Wird es gravierende Unterschiede zu der Politik der Reagan-Administration geben oder handelt es
sich um eine bloße Wetterführung des
Grundtenors dieser Politik?
Antwort:
In vieler Hinsicht wird
der Grundtenor der Politik der Reagan-Administration
fortgeführt
und
dies sollte meiner Ansicht nach auch
der Fall sein. Die Woge der Freiheit
macht sich überall auf der Welt bemerkbar - ich könnte eine Reihe Von
Beispielen anführen, die meiner Meinung nach Beweis dafür sind, daß es
ein schwerwiegender Fehler wäre, von
den Grundzügen dieser Politik abzu-

Weichen» Auf der anderen Seite wird
es auch Abweichungen geben. Einige
habe ich bereits in meiner Anhörung
vor deöi Auswärtigen Ausschuß des Senats angeführt! Aus Ihrer Sicht handelt es sich dabei vielleicht nicht
um Prognosen, aber ich habe dennoch
über einige dieser Unterschiede gesprochen üttd möchte hinzufügen, daß
es sich hierbei un eine ziemlich ausführliche Erklärung gehandelt hat»
Moderator:
Herr Außenminister» wir
danken Ihnen für dieses Gespräch»
Wir sehen einer Verwirklichung Ihrer
Prognosen in dert kommenden Jahren erwartungsvoll entgegen.

* * * * *

�reo s&gt;.

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
22. Februar 1989

START DER RAUMFÄHRE "DISCOVERY" VERSCHOBEN

WASHINGTON - (AD) - Um drei Wochen, das heißt bis Mitte März, muß die NASA
(US-Behörde für Luft- und Raumfahrt) die "Mission 29" mit dem Raumtransporter
DISCOVERY verschieben. Der Grund: Bei einer Inspektion der Motoren der Raumfähre ATLANTIS nach ihrem fünftägigen Flug im November 1988 wurden in einem
Turbopumpen-Lager winzige Risse festgestellt. Da diese Teile der Haupttriebwerke typenmäßig mit jenen der Triebwerke der DISCOVERY identisch sind und den
gleichen Fabrikationsprozeß durchlaufen haben, wurde beschlossen, bei den Motoren des Orbiters DISCOVERY sämtliche Turbopumpen gegen neue, sorgfältig geprüfte Einheiten auszutauschen. Denn jegliches Risiko soll ausgeschaltet werden .

Für Montagearbeiten und Tests benötigt die Rocketdyne Division der
kalifornischen Firma Rockwell International Corporation, die die Turbopumpen baut, ca. drei Wochen. Als
Rißursache vermutet man eine belastungsbedingte
Korrosion
des
aus
Hochleistungsstahl gefertigten Lagers
infolge während der Arbeitsgänge beim
Zusammenbau eingesickerter Feuchtigkeit.
Die Raumfähre DISCOVERY, die ursprünglich am 23. Februar starten
sollte und bereits zur Rampe gebracht
wurde, dürfte frühestens an 10. März
startklar sein. Letzter Termin wäre
der 18. März. Wenn er nicht eingehalten werden kann, muß die gesamte
Flugeinheit (d.h. Trägerraketen mit
Orbiter) zum Hangar zurück, weil dann

United States Information Service
Embassy of the United States of America

die Rampe für den Raumtransporter
ATLANTIS gebraucht wird. Er soll die
Venus-Radarsonde MAGELLAN zunächst in
eine Erdumlaufbahn bringen, von der
aus sie die Reise zum Schwesterplaneten der Erde antritt. Das "Startfenster" zur Venus ist 30 Tage lang
geöffnet - vom 28. April bis zum 27.
Mai.
Innerhalb dieser Periode muß
ATLANTIS starten und die Sonde absetzen, wenn das Programm MAGELLAN Erfolg haben soll.
Während des fünftägigen Fluges,
der mit DISCOVERY unter der Führung
von Kommandant Michael Coats mit John
Blaha
als
Kopilot
sowie
Robert
Springer, James Buchli und James
Bagian als Missionsspezialisten unternommen wird, sind zahlreiche wissenschaftliche Experimente vorgese-

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�hen. Hauptaufgabe ist jedoch wiederum das Absetzen eines Spezialsatelliten flir Bahnbeobachtungen und Datenübermittlung, kurz TDRS genannt. Als
drittes Gerät dieser Art in der geostationären Bahn (36 000 km über der
Erdoberfläche) vervollständigt er das
Kommunikationsnetz der NASA, um mit
bis zu 28 unbemannten Satelliten
gleichzeitig oder mit einem bemannten
Raumschiff Verbindung zu halten. Für
die Bodenstationen, deren Zahl dann
sogar eingeschränkt werden kann, wäre
diese dann praktisch rund um die Uhr
möglich.
Zu den wissenschaftlichen und medizinischen Experimenten zählt u.a.
ein Versuch mit Ratten, an denen studiert werden soll, ob und wie gut in
der Schwerelosigkeit Knochenverletzungen heilen.
Fragen solcher Art
müssen besser als bisher beantwortet
werden können, wenn man Langzeitflüge
unternehmen will oder ein längerer
Aufenthalt auf einer Raumstation vorgesehen ist. Zur Genüge bekannt ist
ja die Tatsache, daß bei längerem
Aufenthalt im Weltraum das menschliche Skelett Mineralverluste erleidet, die allerdings nach der Rückkehr
zur Erde wieder ausgeglichen werden
können.

Vom 5. bis 7. Februar absolvierte
die Besatzung in voller flugmäßiger
Ausrüstung
eine
Generalprobe
mit
komplettem simuliertem Countdown, aktivierten Bordsystemen im Orbiter und
Erprobung der Prozeduren sowie der
Rettungsausrüstungen für den Notausstieg in verschiedenen Phasen bis unmittelbar vor dem Start. Die Astronauten hatten außerdem Gelegenheit zu
ausführlichen Gesprächen mit der Ingenieurgruppe im Kennedy-Raumfahrtzentrum.
Sie wurden u.a. über den
gegenwärtigen Stand der Umrüstung des
Fluggeräts und über alle Punkte unterrichtet, in denen noch Schwierigkeiten oder unterschiedliche Meinungen bestehen.
Zur Fortsetzung des
Trainings kehrten sie inzwischen nach
Houston zurück und finden sich erst
wenige Tage vor dem Start wieder im
Kennedy-Raumfahrtzentrum
ein.
Die
"Mission 29" ist für die Raumfähre
DISCOVERY der achte Einsatz im Weltraum.

* * * * * *

Eine weitere Aufgabe der DISCOVERY-Besatzung wird die Fotokartierung
der überflogenen Gebiete sein. Mit
leistungsstarken Kameras wird sie
versuchen, Schäden zu erfassen, die
Mensch und Natur dem Planeten Erde
zufügen.
\

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
22. Februar 1989

NASA-ETAT ZU KNAPP
- Dr. James Fletcher vor Unterausschuß des amerikanischen Senats -

WASHINGTON - (AD) - Das noch von der Regierung Reagan zum Haushaltsjahr
1990 für die US-Behörde für Luft- und Raumfahrt (NASA) vorgesehene Budget von
13,3 Milliarden Dollar ist "extrem knapp". Dieser Umstand habe, wie NASA-Administrator Dr. James Fletcher kürzlich vor einem Unterausschuß des amerikanischen Senats erklärte, die Raumfahrtbehörde gezwungen, wichtige Programme
entweder ganz zu streichen oder langsamer anzugehen.

Zwar stünden 2,4 Milliarden mehr
als 1989 zur Verfügung; jedoch liege
der Betrag um über eine Milliarde
Dollar unter den angeforderten Mitteln.
Die 2,4 Milliarden würden
praktisch für die im vergangenen Jahr
bewilligten Programme vollauf gebraucht - mehr Raumtransporterflüge,
Entwicklung einer neuen Feststoffrakete, die das jetzt gebräuchliche
Trägersystem für die Raumfähre ablöst, und Fortsetzung der Entwicklungsarbeiten für die Raumstation,
die Anfang der neunziger Jahre im
Weltraum zusammengebaut werden soll.
Nach dem CHALLENGER-Unglück vom
Januar 1986, das die sieben Astronauten an Bord das Leben kostete, wurden
1988 zum ersten Mal wieder zwei Raumtransporter-Einsätze
geflogen.
Im

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Haushalt jähr 1989 sind fünf, im darauffolgenden Jahr neun Missionen vorgesehen. Dennoch habe man, Fletcher
zufolge "noch einen langen Weg vor
sich, um die NASA wieder in die richtige Spur zu bringen". Der Etat sei
unzureichend und die NASA gerate in
Schwierigkeiten, weil wichtige Programme, die jetzt eingeschränkt werden müßten, ineinandergreifen.
So
werde beispielsweise auch die Entwicklung der orbitalen Manövriereinheit beeinträchtigt.
Dieses unbemannte Gerät (OMV - Orbital Maneuvering Vehicle) werde gebraucht, um
Satelliten und andere Objekte vom
Raumtransporter in höhere Umlaufbahnen zu befördern und "Hilfsdienste"
beim Zusammenbau der Raumstation im
Orbit zu leisten.

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�"Das CHALLENGER-Unglück hat uns
eine Menge gelehrt", sagte Fletcher.
"Es lehrte uns, daß wir zu wenig Leute hatten, daß unsere Einrichtungen
veraltet waren, daß wir in Wirklichkeit zu wenig auf Sicherheit achteten. .. Dies alles schlägt in dem beträchtlich höheren NASA-Budget zu
Buche... Wenn wir noch mehr kürzen
müssen, weiß ich nicht, wo wir eigentlich ansetzen sollen, weil alle
NASA-Programme miteinander verknüpft
sind."
Ein weiteres kritisches Problem
sei die Personalsituation.
Anfang
1989 hatte die NASA über 2200 Mitarbeiter zu wenig. Cirka 45 Prozent
der gegenwärtigen Mitarbeiter seien
in einem Alter, in dem sie sich pensionieren lassen könnten.
Da aber
Nachwuchskräfte noch nicht ausreichend geschult seien, hätte das Ausscheiden auch nur eines Bruchteils
der erwähnten 45 Prozent schlimme
Auswirkungen.
Viele der erfahrenen
Mitarbeiter könnten sich angesichts
der kürzlich erfolgten Ablehnung einer 51prozentigen Erhöhung der Bezüge

für Kongreßabgeordnete, Richter und
hohe Regierungsbeamte gezwungen sehen, die Behörde zu verlassen. Unter
den jetzigen Umständen könne die NASA
mit der Privatindustrie nicht konkurrieren.
Teile des Etats für 1990 seien
bei mehreren wichtigen Raumfahrtprogrammen von Investitionen der Privatwirtschaft abhängig.
Auch der Bau
von Ausrüstungen zur Entwicklung und
zum Aufbau der Raumstation gehöre dazu. Alles in allem handle es sich im
Finanzjahr 1990 um 200 Millionen Dollar. "Wir werden unser Bestes tun,
um für die Privatwirtschaft Investitionen für diese Raumfahrtprogramme
attraktiver
zu
machen",
erklärte
Fletcher vor dem Ausschuß.

* * * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die neue Herausforderung für das atlantische Bündnis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache des Gesandten James F. Dobbins&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Baker bei Lösung der Modernisierungsfrage zuversichtlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fernsehinterview mit dem Außenminister&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Start der Raumfähre "DISCOVERY" verschoben&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;NASA-Etat zu knapp&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Dr. James Fletcher vor Unterausschuß des amerikanischen Senats&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

1. März 1989
INHALT

DOKUMENTATION
Bush: Behebung des konventionellen Ungleichgewichts noch In weiter
Ferne
- Interview mit dem amerikanischen Präsidenten Mosbacher; Vereinigte Staaten für offeneren europäischen Markt
- Rede des US-Handelsministers bei der Columbia Institute Conference Hills zur US-Handelspolitik 1989
- Erklärung der amerikanischen Handelsbeauftragten vor dem Senat WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Ozonschicht über der Nordhalbkugel gefährdet
- Erste Ergebnisse einer internationalen Studie in der Arktis -

* * * * *

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Dokumentation

9

1. März 1989
BUSH:

BEHEBUNG DES KONVENTIONELLEN UNGLEICHGEWICHTS
NOCH IN WEITER FERNE

- Interview mit dem amerikanischen Präsidenten WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush zufolge liegt "die Behebung des konventionellen Ungleichgewicht durch den Warschauer Pakt noch in weiter Ferne",
selbst wenn der von den Sowjets angekündigte Truppenabbau in vollem Umfang
durchgeführt worden ist.
In einem Interview mit der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo vom 16.
Februar 1989, das vom Weißen Haus am 22. Februar veröffentlicht wurde, nannte
Bush den vorgesehenen Truppenabbau auf sowjetischer Seite "einen positiven
Schritt in die richtige Richtung". Der Präsident räumt konventioneller Rüstungskontrolle in seiner Administration hohe Priorität ein und sieht den Verhandlungen über Konventionelle Streitkräfte in Europa (VKSE) erwartungsvoll
entgegen.
Nachfolgend veröffentlichen wir das Interview in der Fassung des Weißen
Hauses.
Frage:
Welche
Rolle
mißt
die
Bush-Administration Japan im Bereich
der Weltwirtschaft und der Sicherheit
des Westens bei?
Antwort: Zunächst möchte ich etwas
zur Rolle der Vereinigten Staaten in
der Welt während meiner Präsidentschaft sagen.
Japan und die Welt
können darauf bauen, daß die Vereinigten Staaten ihre unermüdliche Arbeit zur Verwirklichung von Frieden,
Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit auf der Welt fortführen werden.
Wir haben eine globale Sicht der Welt
und werden wie bisher die Verantwortung übernehmen, die einer Weltmacht
zukommt.
Gleichzeitig ist es natürlich von
vorrangiger Bedeutung, daß unsere

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Verbündeten größere Verantwortung für
die Sache des Friedens und Wohlstands
in der Welt übernehmen. Es steht mir
nicht zu, Japan seine Rolle in der
Welt zuzuweisen. Diese Entscheidung
liegt bei der japanischen Regierung
und dem japanischen Volk.
Während
des jüngsten Besuches von Ministerpräsident Takeshita in Washington waren wir uns einig, daß es viele Mittel und Wege gibt, mit denen Japan zu
Frieden und Wohlstand weltweit beitragen kann.
Unsere Zusammenarbeit
im Bereich der Verteidigung ist einer
dieser Wege. Ein anderer besteht in
Wirtschaftshilfe an das Ausland. Ich
begrüße das von Japan gegebene Versprechen einer weiteren beträchtlichen Aufstockung der Entwicklungshilfeprogramme in Übersee. In diesem
Sinne waren Ministerpräsident Take-

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�shita und ich einer Meinung, wie
wichtig die Unterstützung von Demokratie, anhaltendem Wirtschaftswachstum und Reformen auf den Philippinen
sind. Um dies zu verwirklichen, werden wir alles in unserer Macht stehende tun, um noch in diesem Jahr die
multilaterale Initiative zur Unterstützung der Philippinen in die Wege
zu leiten.
Darüber hinaus begrüße ich die
Entscheidung Japans, an Aktionen zur
Erhaltung des Friedens teilzunehmen
sowie das großzügige Angebot finanzieller Unterstützung für Afghanistan
und das südliche Afrika. Auch das
sind Mittel und Wege, einen Beitrag
zu leisten.
Den beiden größten Industrienationen der Welt - Japan und den Vereinigten Staaten - kommt eine besondere Verantwortung bei der Aufrechterhaltung des freien Handels zu. Ministerpräsident Takeshita hat in Washington die Entschlossenheit Japans
bekräftigt, starkes Wachstum im Inland und strukturelle Anpassungen zu
fördern. Im Bereich von multilateraler Zusammenarbeit
und weltweitem
Wirtschaftswachstum kamen wir überein, daß wir unsere politischen Maßnahmen weiterhin über die traditionellen Foren, insbesondere den Wirtschaftsgipfel, koordinieren werden.
Wir sehen dem nächsten Gipfeltreffen
in Paris bereits erwartungsvoll entgegen. Ferner waren wir uns über die
Bedeutung einer erfolgreichen Uruguay-Runde sowie häufiger Konsultationen über Wirtschaftsthemen auf allen
Ebenen einig.
Frage:
Wie sehen Sie die Zukunft
der amerikanisch-japanischen Beziehungen unter Ihrer Administration?
Einige Ihrer Berater haben die Gründung einer "neuen Partnerschaft" mit
Japan empfohlen. Was halten Sie von
dieser Empfehlung?
Antwort:
Wir
haben den Begriff
"Partnerschaft" verwendet, um unsere
Beziehungen über nunmehr eine Reihe
von Jahren hinweg zu beschreiben, und

im Verlauf der Reagan-Administration
haben wir diesem Begriff eine neue
Bedeutung verliehen. Unsere Partnerschaft ist bilateral, regional und
global. Wir halten häufig Konsultationen ab und arbeiten eng bei praktisch jedem Thema von Belang zusammen. Es handelt sich hierbei nicht
um eine "neue Partnerschaft", sondern
eine fortwährende, die sich über 40
Jahre der Zusammenarbeit entwickelt
hat. Ich bin zuversichtlich, daß sie
sich auch In Zukunft weiterentwickeln
und neue Bedeutung erlangen wird.
Aber statt einer "neuen Partnerschaft" ist es vielmehr eine kontinuierlich "erneuerte Partnerschaft".
Frage:
Der designierte Verteidigungsminister Tower hat erklärt, Japan solle seine Verteidigung der
Schiffahrtswege über den derzeitigen
Radius von 1 000 Meilen hinaus erweitern.
Unterstützen Sie diese Ansicht?
Würden Sie von Japan eine
Aufstockung seiner Verteidigungsausgaben fordern? Wenn ja, welchen Prozentsatz seines Bruttosozialprodukts
sollte Japan für die Verteidigung
aufwenden?
Antwort: Wir sind mit der beiderseitig vereinbarten
Zuweisung von
Verteidigungsaufgaben und Missionen
gemäß unseren Sicherheitsvereinbarungen, denen zufolge Japan vornehmlich
die Verantwortung zur Verteidigung
seines Territoriums, der Meere, der
Luft und der Schiffahrtswege trägt,
voll und ganz zufrieden.
Darüber
hinaus werden wir durch Japans kontinuierliche Fortschritte bei der Verbesserung seiner Verteidigungsfähigkeit im Rahmen dieser Aufgaben und
Missionen ermutigt, erkennen aber,
daß noch Spielraum für weitere Verbesserungen, insbesondere im Bereich
der
Durchhaltefähigkeit,
vorhanden
ist. Weiterhin begrüßen wir Japans
wachsenden Beitrag zu den Kosten der
Stationierung von US-Streitkräften in
Japan.
Statt
einer
akademischen
Übung, in der Sicherheit nach doppeldeutigen Kriterien wie dem Prozentsatz des Bruttosozialprodukts bemessen wird, richten die Vereinigten

�Staaten und Japan ihre Bestrebungen
auf ein produktiveres und wichtigeres
Ziel - sie wollen zur Erhaltung der
Verteidigungsfähigkeit und damit Gewährleistung unserer gemeinsamen Sicherheit zusammenarbeiten.
Frage: Würden Sie ein Freihandelsabkommen zwischen den Vereinigten
Staaten und Japan nach dem Muster des
Abkommens zwischen Amerika und Kanada
unterstützen? Das amerikanische Handelsdefizit gegenüber Japan ist in
den letzten Monaten wieder gestiegen.
Befürworten Sie eine weitere Aufwertung des Yen gegenüber dem Dollar?
Antwort:
Die Regierungen der Vereinigten Staaten und Japans sind sich
über die Notwendigkeit weiterer multilateraler und bilateraler Bemühungen einig, mit denen ein offeneres
Welthandelssystem geschaffen werden
soll. Wir messen dem multilateralen
Ansatz besondere Bedeutung bei.
Wir stehen neuen Ideen immer aufgeschlossen gegenüber. Aber unserer
Ansicht nach liegt der Schlüssel
jetzt in harter Arbeit am Erfolg der
Uruguay-Runde.
Beim jüngsten Treffen der G-7 haben die Finanzbehörden der wichtigsten Länder übereinstimmend erklärt,
daß die Situation und Perspektiven
der Weltwirtschaft positiv sind und
keine Veränderungen in ihrem Engagement zur Zusammenarbeit bei der Wechselkurspolitik erforderlich seien.
Bei unserer jüngsten Zusammenkunft haben Ministerpräsident Takeshita und ich auf Fortschritte verwiesen, die sowohl die Vereinigten
Staaten als auch Japan beim Abbau ihres Ungleichgewichts im Außenhandel
vollbracht haben; wir kamen aber auch
Uberein, daß weitere Fortschritte
notwendig seien.
Der Ministerpräsident hat mir gegenüber Japans Entschluß bekräftigt,
das Wirtschaftswachstum im Land und
strukturelle Reformen
zu fördern.
Und ich habe unseren Entschlossenheit

zum Abbau des Haushaltsdefizits betont.
Frage:
Die höchste Priorität der
Bush-Administration bei den amerikanisch-sowjetischen Abrüstungsverhandlungen nimmt die Reduzierung der konventionellen Streitkräfte ein. Wie
ist Ihre Reaktion auf Präsident Gorbatschows Ankündigung eines Abzugs
von 500 000 Soldaten? Prognostizieren Sie einen amerikanisch-sowjetischen Gipfel im nächsten Sommer?
Antwort: Es trifft zu, daß dem Bereich der konventionellen Rüstungskontrolle in meiner Administration
eine hohe Priorität zukommt. Wir begrüßen die Verhandlungen über Konventionelle Streitkräfte in Europa. Gemeinsam mit unseren Bündnispartnern
werden wir uns bei den VKSE darum bemühen, Stabilität und Sicherheit auf
einem niedrigeren Streitkräfteniveau
zu erhöhen. Aus diesem Grund wird
sich die NATO sich auch um eine Beseitigung der erheblichen Überlegenheit des Warschaur Pakts in Europa
bemühen. Im Rahmen dessen begrüßen
wir die Ankündigung von Reduzierungen
der sowjetischen Streitkräfte als positiven Schritt in die richtige Richtung und sehen der vollständigen
Durchführung der von Parteichef Gorbatschow beschriebenen Streitkräftereduzierungen entgegen. Trotz dieser
Reduzierungen liegt die Behebung des
konventionellen Ungleichgewichts in
Europa durch den Warschauer Pakt noch
in weiter Ferne.
Bevor ein Gipfeltreffen stattfindet, müssen sich beide Seiten gründlich darauf vorbereiten. Wir prüfen
im Augenblick Bestandteile unserer
Politik gegenüber der Sowjetunion und
stehen in engen Konsultation mit unseren Freunden und Verbündeten, um
sicherzustellen, daß wir eine solide
Grundlage
für
langfristige
Fortschritte in den Ost-West-Beziehungen
haben. Die Außenminister Baker und
Schewardnadze werden in den kommenden
Monaten mehrmals Gelegenheit haben,
die zahlreichen zwischen unseren Ländern anstehenden Themenkreise anzu-

- 3 -

�sprechen. Obwohl ich zuversichtlich
bin, daß in nicht allzu ferner Zukunft ein Gipfeltreffen stattfinden
wird, ist es zu früh, um über einen
genauen Termin zu sprechen.

* * * * *

- 4-

�AMERIKA DIENST
'^7

^

Dokumentation

Ä&lt;

1. März 1989

MOSBACHER:

VEREINIGTE STAATEN FÜR OFFENEREN EUROPÄISCHEN MARKT

- Rede des US-Handelsministers bei der Columbia Institute Conference -

WASHINGTON - (AD) - Handelsminister Mosbacher zufolge möchten die Vereinigten Staaten Europa dabei unterstützen, seine Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und dem Welthandel gegenüber offener zu werden. Anläßlich der von einer
überparteilichen Gruppe von Kongreßabgeordneten zum Thema Europa 1992 veranstalteten Columbia Institute Conference erklärte der Minister am 24. Februar
1989, daß die Vereinigten Staaten im Zuge der Verwirklichung des europäischen
Binnenmarktes durch die EG bis 1992 "einen Sitz am Tisch, zumindest als Beobachter" haben sollten.
Nachstehend veröffentlichen wir die Rede des Handelsministers im Wortlaut:
Ich freue mich, heute vor Ihnen
sprechen zu dürfen. Wenige Aspekte
unserer Handelsbeziehungen sind so
bedeutend wie das Europa des Jahres
1992, und ich möchte das Columbia' Institute für die Organisation einer
solch hochkarätigen Konferenz beglückwünschen .
Zunächst möchte ich jedoch kurz
auf die Handelssituation im allgemeinen eingehen und unsere Prioritäten
im Welthandel diskutieren.
Der Präsident hat davon gesprochen, daß ein neuer Wind weht und für
die Vereinigten Staaten ein neues Kapitel aufgeschlagen wird. Dazu gehört unsere Haltung zum Handel. Wir
müssen einen neuen Kurs bestimmen,
einen Kurs, der darauf abzielt, uns

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von unserem Handelsdefizit zu befreien und eine solide Grundlage der
Wettbewerbsfähigkeit für die Vereinigten Staaten zu erhalten.
Die vom Handelsministerium vor
einer Woche veröffentlichten Handelszahlen belegen, daß das amerikanische
Handelsdefizit im vergangenen Jahr um
33 Milliarden Dollar zurückgegangen
ist. Somit ergab sich ein Abbau der
Rekordsumme von 170 Milliarden Dollar
im Jahr 1987 - das ist die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht ist,
daß sich unser Handelsdefizit immer
noch auf 137 Milliarden Dollar beläuft - ein unannehmbares Niveau.
Unser Handelsdefizit ist im vorigen Jahr gesunken, weil unsere Ausfuhren um 27 Prozent zugenommen ha-

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�ben, während die Einfuhren nur um 8,3
Prozent gestiegen sind.
Wenn wir
diesen Trend in diesem Jahr aufrechterhalten können, könnte unsere Handelsdefizit im Jahr 1989 unter 100
Milliarden Dollar liegen.

Die Tage sind vorbei, in denen
wir bereit waren, jahrelang darüber
zu verhandeln, ob wir ein paar Kisten
Orangen, Zitronen, Zigaretten oder
sonstiger Waren mehr an sie verkaufen
dürfen.

Wir können jedoch nicht davon
ausgehen, daß sich diese Tendenzen
von selbst fortsetzen werden. Was
wir brauchen, sind intensive Anstrengungen der amerikanischen Exportwirtschaft und flankierende staatliche
Maßnahmen zur Unterstützung dieser
Bemühungen.

Die Tage sind vorbei, in denen
wir einigen wenigen Ländern, deren
Anteil am Welthandel verschwindend
gering ist, gestatten konnten, weltweiten Fortschritt bei der Verbesserung der internationalen Handelsregeln zu blockieren.

Meines Erachtens gibt es zwei Bereiche für eine intensivere staatliche Rolle, eine Rolle, die enge und
konstruktive Zusammenarbeit zwischen
Administration und Kongreß erfordert.

Handelspolitik
Der erste Bereich betrifft die
Handelspolitik.
Der
amerikanische
Markt ist einer der offensten der
Welt, und wir sind einer der größten
Importeure der Welt. Jede Runde von
Handelsgesprächen im Rahmen des GATT,
von der Genfer Runde des Jahres 1947
bis zur heutigen Uruguay Runde wurde
von uns initiiert. Was Marktoffenheit und Opfer für das Welthandelssystem betrifft, sind die Leistungen
der Vereinigten Staaten unerreicht.
Der Handel muß jedoch eine Zweibahnstraße sein. Für diejenigen, die
da glauben, sie könnten weiterhin auf
unseren Märkten verkaufen und ihre
Märkte gegen unsere Produkte abschotten, habe ich eine Botschaft: Diese
Tage sind vorbei.
Die Tage sind vorbei, in denen
manche Länder auf unseren Märkten
Produkte für Milliarden Dollar verkaufen
konnten, während
sie uns
gleichzeitig erklärten, sie seien zu
schwach, um den Verkauf amerikanischer Computer oder Versicherungen
oder anderer wettbewerbsfähiger Produkte und Dienstleistungen auf ihren
Märkten zu gestatten.

Die Tage sind vorbei, in denen
weniger entwickelte Länder die Vorteile der Handelsliberalisierung genießen konnten ohne die Verpflichtung
zu akzeptieren, gleichzeitig ihre eigenen Märkte zu öffnen.
Ein offenes Amerika ist das Beste
für uns und die ganze Welt. Aber die
Welt muß auch für Amerika offen sein.
Um Präsident Bush zu zitieren: "Amerika ist der Markt der Welt gewesen.
Jetzt ist es an der Zeit für die
Welt, unser Markt zu werden."

Die Wettbewerbsfähigkeit
nigten Staaten

der Verei-

Der zweite Bereich betrifft die
Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten
Staaten. Wir können uns nicht selbst
in die Tasche lügen und behaupten, an
unserem Handelsdefizit seien die anderen schuld. Tatsache ist, daß wir
selbst ein gerüttelt Maß dazu beigetragen haben.
Wir haben zugelassen, daß wir auf
den Weltmärkten und in vielen Fällen
sogar auf unserem eigenen Markt von
anderen im Handel übertrumpft wurden.
Bei Innovationen, Investitionen,
Marketing und Preisgestaltung muß die
amerikanische
Industrie mehr tun.
Hervorragende Leistungen und Qualität
müssen die Norm werden - nicht Mittelmaß.

- 2 -

�Wir können es uns nicht leisten,
auf den Weltmärkten preislich unterboten zu werden - das muß aufhören.
Wir können uns keine Position leisten, in der die amerikanische Industrie es versäumt, zusätzliche Kapazitäten für eine Ausweitung der Exportmärkte aufzubauen. Wir können es
uns nicht leisten, kurzfristig Profite zu erzielen und langfristig Märkte
zu verlieren. Die amerikanische Industrie muß lernen, zu tun, was die
anderen tun und alle Hemmnisse beseitigen, um ausländische Kunden zu gewinnen und zu behalten.
Als Handelsminister beabsichtige
ich der Industrie zu helfen und sie
zu drängen, weltweit als ernsthafter
Konkurrent aufzutreten.
In einigen
Bereichen haben wir dabei bedeutende
Fortschritte erzielt. Ich habe vergangene Woche die Automobilausstellung In Chicago besucht und kann Ihnen versichern, daß Qualität ein
Hauptmerkmal unserer Automobilindustrie ist. Der ausländische Konkurrenzdruck hat unser Qualitätsbewußtsein und unsere Effektivität verglichen mit den letzten Jahren erheblich
verbessert.
Aber wir haben gerade erst begonnen. Die amerikanische Industrie muß
doppelt und dreifach an Investitionen, Forschungstätigkeit und ihrem
Bestreben nach hervorragenden Leistungen arbeiten. Aber die Industrie
muß auch die erforderlichen Instrumente erhalten, darunter vielleicht
eine Kartellgesetzgebung, die dem
heutigen Wettbewerbsklima in der Welt
angemessen ist - statt einer Gesetzgebung
die für das erste Viertel
dieses Jahrhunderts gedacht war.
Wenn wir mehr investieren wollen,
müssen wir auch mehr sparen. Die
amerikanische Wirtschaft war bisher
zu sehr von Konsum geprägt, während
die Sparrate unzureichend war. Voriges Jahr betrug die private Spartätigkeit nur 3 Prozent unseres Bruttosozialprodukts - eine Summe, die
schon durch ein fast ebenso hohes
Haushaltsdefizit aufgezehrt wurde.

Wir müssen unser doppeltes Defizit reduzieren, so schmerzhaft das
auch sein mag. Der Schlüssel dazu
ist der von Präsident Bush dem Kongreß zugeleitete Haushalt.
Dialog
und Debatte darüber müssen so bald
wie möglich beginnen.
Die Spartätigkeit in den Vereinigten Staaten muß zunehmen.
Die
Vorschläge des Präsidenten zur Senkung der Kapitalertragssteuer werden
dazu beitragen. Mit einem Zeitrahmen
von drei Jahren wird dies Investoren
zu einer längerfristigen Perspektive
verhelfen und die Zahl der Arbeitsplätze erhöhen sowie Investitionen
und verstärkte Forschungs- und Entwicklungstätigkeit ermutigen.
Präsident Bush hat die Wettbewerbsfähigkeit zu einer seiner vordringlichsten Aufgaben bestimmt. Er
hat Vizepräsident Quayle beauftragt,
einen nationalen Ausschuß für Wettbewerbsfähigkeit zu leiten, und ich
werde eng mit ihm zusammenarbeiten,
um sicherzustellen, daß die amerikanische Wirtschaft das bestmögliche
Umfeld zur Förderung ihrer Wettbewerbsfähigkeit erhält.

Europa 1992
Welchen Stellenwert nimmt Europa
1992 in meinen bisherigen Ausführungen ein? Einen sehr hohen. Die Europäische Gemeinschaft und die Vereinigten Staaten produzieren gemeinsam
zwei Drittel des Bruttosozialprodukts
der westlichen Welt. Europa ist unser größter Kunde und gleichzeitig
unserer größter Konkurrent.
Europa 1992 ist der Versuch der
Europäischen Gemeinschaft, das im
Jahr 1958 definierte Ziel zu verwirklichen - einen Binnenmarkt ohne interne Grenzen zu schaffen. Die EGMitgliedstaaten können große Fortschritte bei dem Versuch verzeichnen,
ihre 12 einzelnen Märkte in einem
Binnenmarkt mit 320 Millionen Einwohnern zu vereinigen.

- 3 -

�Ein
wirtschaftlich
stärkeres,
konkurrenzfähigeres und technologisch
innovatives Europa liegt in unserem
strategischen
und
wirtschaftlichen
Interesse. Ein europäischer Binnenmarkt, zu dem die Welt Zugang hat,
bildet die beste Grundlage für das
Wachstum der weltweiten Wirtschaftstätigkeit und multilateraler Handelskooperation.
Die Position der Bush-Administration ist klar und deutlich. Wir wollen, daß 1992 Erfolg bei der Schaffung eines offeneren, konkurrenzfähigeren Europas hat - ein Europa, das
sowohl der Welt als auch seinen eigenen Ländern geöffnet ist. Und wir
wollen unseren europäischen Partnern
bei der Vollendung dieses Ideals behilflich sein.
In den vergangenen Monaten haben
Experten des Handelsministeriums mit
über hundert Handelsverbänden und
Tausenden einzelner Unternehmen an
einer Analyse der für 1992 vorgeschlagenen Richtlinien gearbeitet.
Die
vorläufige
Schlußfolgerung
lautet, daß die Mehrzahl dieser
Richtlinien die Geschäftsmöglichkeiten in Europa verbesseren werden.
Man ist jedoch auch der Überzeugung,
daß die Vorschläge der EG in einigen
Bereichen den Marktzugang für amerikanische Unternehmen einengen könnten, die damit im Vergleich zu europäischen Firmen im Nachteil wären.
Dies sind die Bereiche, an denen wir
mit unseren europäischen Partnern arbeiten müssen.
Die Führungskräfte aus Industrie
und Wirtschaft, mit denen ich gesprochen habe, teilen die Ansicht, daß
zwar gewisse Probleme bestehen, die
Vorschläge der EG wahrscheinlich jedoch die Marktchancen für amerikanische Untenehmen erweitern werden und zwar für Exporteure wie Investoren.
Regierungsexperten und Unternehmer teilen jedoch auch Bedenken, daß
- 4

kleinkarierte Nationalinteressen die
Liberalisierung
der
europäischen
Märkte verzögern können und besondere
Interessengruppen versuchen werden,
nicht der EG angehörigen Ländern die
Errungenschaften von 1992 zu verweigern.
Warum haben wir diese Bedenken?
Weil die Auswirkungen von 1992 nicht
nur in der Erarbeitung von Richtlinien,
sondern
deren
Durchführung
liegt. Aus diesem Grund wird es noch
Jahre dauern, bis wir wissen, wie das
Europa von 1992 gestaltet sein wird.
In Wirklichkeit befürworten viele
Europäer offenere Märkte nicht uneingeschränkt.
Einige europäische Unternehmen waren daran gewöhnt, daß
ihre mangelnde Effizienz von ihren
Regierungen gedeckt wurde. Das ist
in der Tat der Hauptgrund, warum es
der Europäischen Gemeinschaft in den
ersten 30 Jahren ihres Bestehens
nicht gelungen ist, einen Binnenmarkt
zu schaffen.
In gewisser Weise steht 1992 für
eine Verlagerung der Einstellung der
Mehrheit - weg vom Protektionismus,
hin zur Offenheit - zu einer Risikobereitschaft, daß diese Offenheit
funktionieren wird.
Aber es gibt
noch immer eine nicht unerhebliche
Minderheit, die versuchen wird, ihre

protektionistischen
Maßnahmen
aufrechtzuerhalten oder zu verstärken.
Die Verwirklichung
von Europa
1992 wird das alltägliche Gleichgewicht dieser Kräfte widerspiegeln.
Wir können nicht davon ausgehen, daß
die Kräfte des freien Handels bei jedem dieser Geplänkel den Sieg davontragen werden. Obwohl ich keine "Festung Europa" vorhersehe, wäre es
dennoch naiv zu glauben, daß es nicht
hier und da einige "Bollwerke" geben
wird. Wo immer wir diesen begegnen,
müssen wir an deren Abbau arbeiten.
Wir haben die Absicht, einen zusätzlichen Dialog zwischen der EG und
amerikanischen
Geschäftsinteressen
herbeizuführen. Unser Ziel ist, ei-

�nen substantiellen Informationsaustausch zur Verfügung zu stellen.
Was innerhalb der EG geschieht,
kann tiefgreifende Auswirkungen auf
uns sowie unsere Handels- und Investitionsinteressen haben. Teile des
Progamms für 1992 sind im übrigen bereits verwirklicht. Wir können nicht
darauf warten, daß Bestimmungen schon
hieb-und stichfest formuliert sind,
bevor wir unsere Bedenken zur Sprache
gebracht haben. Meiner Ansicht nach
gibt es drei wichtige Komponenten,
die wir ansprechen müssen:
Erstens müssen wir Europa versichern, daß wir unser Engagement für
offene Märkte aufrechterhalten und
intensivieren werden. Wir werden die
im Handelsgesetz verankerte Befugnis
nicht zur Abschottung unserer Märkte
verwenden, sondern vielmehr dazu beitragen, die Märkte weltweit zu öffnen. Darüber hinaus müssen wir mit
Europa zusammenarbeiten, um einen
scheueren und weniger kontroversen
Weg zur Lösung unserer Handelskonflikte zu finden.
Zweitens müssen wir unsere Verpflichtung zur Uruguay-Runde erneuern
und entsprechendes Engagement von der
Europäischen
Gemeinschaft
fordern.
Auch wenn die EG von ihren Bemühungen
zur Schaffung
eines Binnenmarktes
noch so sehr in Anspruch genommen
sein mag, darf sie sich nicht aus der
Uruguay-Runde zurückziehen.
Und drittens müssen wir die EG in
einen erweitertet! konstruktiven Dialog auf allen Ebenen einbinden. Wenn
wir Probleme haben, müssen wir diese
zur Sprache bringen und Lösungen anstreben.
Wir haben beispielsweise
eindeutig klargestellt, daß wir nicht
bereit sind, ein EG-Konzept der "Gegenseitigkeit" zu akzeptieren, das
die Prinzipien der nationalen Eigenständigkeit und Nichtdiskriminierung
verletzt, die die Grundfesten von internationalem Handel und Investitionen sind.
Als

Fürsprecher

amerikanischer

Unternehmen
in der Administration
werde ich mich in diesem erweiterten
Dialog für industriebezogene und andere Themen wie die Normentwicklung,
-erprobung
und -genehmigung sowie
Einzelprobleme von Industrieunternehmen engagieren.
Ich habe einen Sitz am Tisch zumindest als Beobachter - befürwortet. Darunter verstehe ich, daß amerikanische Unternehmen über Fortschritte - insbsondere im Hinblick
auf Normenentwicklung - auf dem laufenden gehalten werden.
Als Mitglieder der Administration
werden wir alle die lebenswichtigen
amerikanischen
Geschäftsinteressen
durch regelmäßige Treffen mit unseren
Amtskollegen in der EG zur Sprache
bringen.
Der erste Bereich, in dem dies
vonnöten ist, betrifft die Normenentwicklung
Die europäischen Regionalbehörden wie der Europäische Normenausschuß (CEN) und der europäische
Koordinierungsausschuß für elektrotechnische Normen (CENELEC) setzen
EG-Richtlinien in Hunderte von technischen Normen um.
Dieses Verfahren verschafft jedoch nicht die angemessene Transparenz oder Möglichkeiten für amerikanische Firmen, konstruktive Kommentare abzugeben.
Amerikanische Unternehmen sind besorgt, das Verfahren
könne von einzelnen europäischen Produzenten zur Entwicklung außergewöhnlicher Normen verwendet werden, die
ihre eigenen Produzenten bevorzugen.
Die Vereinigten Staaten verfechten sehr offene Normenverfahren und
meiner Ansicht nach sollten die europäischen Normenausschüsse amerikanischen Unternehmen entsprechenden Zugang zu ihren Verfahren gewähren.
Verbesserung der Offenheit bei
den europäischen Normen sowie deren
Erprobung und Genehmigung liegt im
Interesse von europäischen wie außereuropäischen Unternehmen.
Ich bin

- 5 -

�ferner der Auffassung, daß noch ein
langer Weg zurückzulegen sein wird,
um amerikanische Firmen davon zu
überzeugen, daß Europa nicht zur "Festung" wird.
Ich werde sowohl mit dem Normenausschuß für den Privatsektor als
auch mit der amerikanischen Geschäftswelt eng zusammenarbeiten, um
die besten Mittel und Wege für ein
gesteigertes
Engagement
amerikanischer Interessen zu erarbeiten. Und
ich beabsichtige, die EG-Kommission
und die europäischen Regierungen und
Normengruppen zu konsultieren, um die
Transparenz dieses Verfahrens zu verbessern.
Schlußfolgerung
Zusammenfassend möchte ich Ihnen
versichern, daß das Handelsministerium zur Unterstützung bereit ist. Ich
habe Europa 1992 mit die höchste Prioritäten eingeräumt, über 6 000 amerikanische Unternehmen haben sich bereits mit dem Handelsministerium in
Verbindung gesetzt und um Informationen und Unterstützung nachgesucht.
Angehörige des Ministeriums haben
über 50 000 Kopien einzelner EGRichtlinien an amerikanische Unternehmen verschickt.
Wir entwerfen ein erweitertes
Programm zur Förderung des Handels
und Unterstützung von Unternehmen,
und zwar über das Handelsministerium
in Washington und über die regionalen
Niederlassungen im ganzen Land. Die
bei dieser Konferenz zur Verfügung
gestellten Broschüren informieren Sie
darüber, wie Sie diese Dienste in Anspruch nehmen können.
Ich ermutige Sie dazu - denn 1992
steht vor der Tür. Und zwar für die
Unternehmen, die vorbereitet sind wie
für diejenigen, die es nicht sind.
Ich fordere Sie auf, zur der ersten
Gruppe zu gehören.
Abschließend möchte ich den amerikanischen
Unternehmen
empfehlen,
bereits heute für Europa 1992 zu pla-

nen, denn es ist genau das, was Ihre
Konkurrenz macht.
Es ist ein Fehler, sich aus
Furcht vor einer "Festung Europa" zurückzuziehen. Die meisten der durch
Europa 1992 geschaffenen Möglichkeiten stehen amerikanischen Unternehmen
zur Verfügung - den kleinen wie den
großen. Ich bin zuversichtlich, daß
- wo immer es Probleme geben mag sie bewältigt werden können.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
1. März 1989

HILLS ZUR US-HANDELSPOLITIK 1989
- Erklärung der amerikanischen Handelsbauftragten vor dem Senat WASHINGTON - (AD) - Der amerikanischen Handelsbeauftragten Carla Hills zufolge mißt die Bush-Administration im Bereich des Handels der Uruguay-Runde
multilateraler Verhandlungen im Jahr 1989 höchste Priorität bei, betont jedoch
gleichzeitig auf den Abbau unfairer Handelshemmnisse in den vom Handelsgesetz
des Jahres 1988 umrissenen Bereichen.
In ihrer Ansprache vor dem Haushaltsuntersausschuß des Senats für Handelsfragen am 28. Februar 1989 erklärte Hills, die Vereinigten Staaten würden auch wenn sie einen multilateralen Ansatz beim Handel verfolgen - nicht dehalb
ihre bilateralen Aktionen gegen unfaire Handelspraktiken einstellen, weil solche Praktiken die Atmosphäre der Uruguay-Runde "vergiften" würden.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung der Handelsbeauftragten im
Wortlaut.
Herr Vorsitzender,
verehrte Ausschußmitglieder,
es ist mir eine große Ehre und
ein Vergnügen, heute in dieser Runde
die Tagesordnung unserer nationalen
Handelspolitik für das kommende Jahr
erörtern zu können. Wie im Handelsgesetz des Jahres 1988 festgelegt,
muß unsere handelspolitische Tagesordnung dem Kongreß jeweils bis zum
1. März vorgelegt werden. Bei der
Vorbereitung dieser Tagesordnung haben wir den Rat des Kongresses, anderer Exekutivorgane sowie unserer Beratungsausschüsse für den Privatsektor eingeholt. Es wird eine Gemeinschaftsaktion von Kongreß, Administration und Privatsektor erforderlich sein, um eine nationale Tagesordnung erstellen und durchführen zu
können, die gleichzeitig den Wohl-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

stand des amerikanischen Volkes und
unsere Wettbewerbsfähigkeit fördert.
Es steht außer Frage, daß wir uns
in der Handelspolitik mit großen Herausforderungen
konfrontiert
sehen.
Unser Außenhandelsdefizit ist - obwohl es nicht mehr Rekordhöhen erreicht - immer noch zu hoch. Das
multilaterale
Handelssystem
bedarf
unbedingt
der
Modernisierung:
Schlüsselbereichen der Wirtschaftstätigkeit wird unsachgemäß oder überhaupt nicht Rechnung getragen. Zu
viele Länder haben ihre Märkte abgeschottet.
Unsere Handelspolitik allein kann
all diese Probleme nicht lösen. Ein
Großteil des Defizits ergibt sich aus
makroökonomischen Faktoren. Der Ab-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�bau
ausländischer
Handelshemmnisse
wird uns Exportchancen eröffnen, aber
wir müssen sicherstellen, daß unsere
Produkte und Dienstleistungen wettbewerbsfähig sind, damit wir diese
Chance gewinnbringend nutzen können.
Dies bedingt, daß wir unsere Bildungs-, Technologie-, Verteidigungs-,
Steuer- und Geldpolitik so in den
Griff bekommen, daß sie unsere Handelspolitik positiv beeinflussen.
Unsere handelspolitische Tagesordnung für dieses Jahr ist ehrgeizig. Ich werde in meinen Ausführungen nicht versuchen, alle in unserem
schriftlichen
Bericht
aufgezählten
Punkte
anzusprechen.
Ich
möchte
vielmehr einige wenige wichtige Themen hervorheben, obwohl ich gerne bereit bin, Fragen zu allen Bereichen
der Tagesordnung zu beantworten.
Ich werde meine heutigen Ausführungen auf drei Bereiche konzentrieren:
die
Runde

Verhandlungen

der

Uruguay-

unseren Ansatz bei der Verabschiedung und Durchführung von Richtlinien und Vollmachten des Handelsgesetzes aus dem Jahr 1988, und
Probleme bei der Erarbeitung eines koordinierten Ansatzes zur Durchführung unserer Tagesordnung.

Die Uruguay-Runde
Die Uruguay-Runde nimmt eindeutig
höchste Priorität auf unserer handelspolitischen Tagesordnung für dieses Jahr ein. Unsere generellen Ziele bei diesen Verhandlungen lauten
folgendermaßen:
Erarbeitung einer multilateralen
Reform der Agrarpolitik,
Erweiterung und Verbesserung des
GATT durch zusätzliche Regelungen bei
neuen Problembereichen wie geistigem
Eigentum, handelsbezogenen Investiti-

onen und Dienstleistungen, die für
unsere Wirtschaft unabdingbar sind,
Abbau ausländischer Handelshemmnisse für amerikanische Exporte von
Gütern und Dienstleistungen, und
Verbesserung
und
Stärkung der
Glaubwürdigkeit
unseres
Handelssystems durch Erörterung der wachsenden
Probleme der Integration von Entwicklungsländern in die Handelssysteme,
der Subventionen sowie Verbesserung
der Vorschriften für Sicherungsklauseln oder Importerleichterungen für
fairen Warenhandel.
Ich habe die Absicht, unsere Ziele angesichts der erwartungsgemäß
harten Verhandlungen mit den anderen
Ländern vehement zu verfolgen.
Das Fundament für durchgreifende
Verhandlungen ist gelegt. Das Ministertreffen in Montreal vom vergangenen Dezember hat zu Absprachen bezüglich des Verfahrens in den 11 der 15
Verhandlungsgruppen der Uruguay-Runde
geführt. Für die angesprochenen Bereiche haben diese Absprachen den
meisten unserer Ziele entsprochen.
Insbesondere haben wir beachtliche
Fortschritte in folgenden Bereichen
erzielt:
Dienstleistungen: Die Ergebnisse
der mittelfristigen Bilanz werden die
Verhandlungen
eines
multilateralen
Abkommens über den Handel mit Dienstleistungen beschleunigen. Damit wird
ein toter Punkt in den Verhandlungen
bezüglich der Frage überwunden, wie
mit den Verhandlungen über ein Rahmenabkommen zur Abdeckung einzelner
Sektoren begonnen werden kann. Die
Schlüsselthemen
der
Verhandlungen
sind ausgemacht, einschließlich nationaler
Behandlung,
Transparenz,
Nicht-Diskriminierung, Meistbegünstigungsklauseln und Marktzugang bis hin
zur Schaffung neuer Märkte.
1989
wird zum entscheidenden Jahr für die
Verhandlungen über Dienstleistungen die Arbeit wird intensiviert, damit
bis Ende des Jahres Einigung über einen ersten Entwurf eines Abkommens

�erzielt werden kann.

Abkommen zu erzielen.

Institutionelle
Rahmenbedingungen:
Die Funktionsweise des GATT
wurde durch einige Verfahrensverbesserungen bei der Beilegung von Konflikten wirksamer gemacht sowie durch
Einigung auf erweiterte Überwachung
der Handelspolitik aller Vertragspartner. Ein erster Schritt wurde in
Richtung auf verbesserte Zusammenarbeit zwischen dem GATT und internationalen Finanzbehörden gemacht, indem ein Bericht zum jeweiligen Thema
vor Beendigung der Verhandlungen zur
Bedingung gemacht wurde.

Die Vereinigten Staaten haben gemeinsam mit einer Reihe von Befürwortern um einen Verhandlungsrahmen für
ein umfassendes GATT-Abkommen über
handelsbezogenes geistiges Eigentum
gekämpft. Wir haben Vorschläge zurückgewiesen, die sich mit vagen,
doppeldeutigen Lösungen zufriedengeben, mit denen die ohnehin schon komplizierten Verhandlungen nur noch
verfahrener geworden wären.

Marktzugang: Wir haben uns auf
die Aushandlung von Rahmenbedingungen
geeinigt, anhand derer wir über den
Marktzugang auf der Grundlage von Angebot und Nachfrage verhandeln können. Damit können wir einen integrierteren Ansatz anwenden, um sicherzustellen,
daß
nichttarifäre
Hemmnisse unseren Exporten nicht im
Wege stehen, wenn bestimmte Zölle
einmal abgebaut worden sind.
Unsere unmittelbare Aufgabe besteht jedoch darin, die in Montreal
offen gelassenen Probleme zu lösen:
Landwirtschaft, geistiges Eigentum,
Sicherungsklauseln und Textilien. In
Montreal war man sich einig, daß diese Probleme bis 5. April gelöst sein
sollten, wenn der die Verhandlungen
überwachende Handelsausschuß erneut
in Genf zusammenkommt.
Ich möchte
kurz auf die Hauptprobleme eingehen.
Die Vereinigten Staaten streben
nach wie vor einen Verbandlungsrahemn
für ein Agrarabkommen an, der zu einer
tiefgreifenden
Reform
führen
wird, indem handelsverzerrende Subventionen und protektionistische Maßnahmen abgebaut werden.
Da andere Länder in Montreal allen voran die EG - noch nicht bereit waren, einen Rahmen zu akzeptieren, der uns in diese Richtung führen
würde und da wir wiederum nicht zu
Abstrichen bereit waren, einigten wir
uns auf einige weitere Monate, um ein

Eine stetig wachsende Zahl anderer Länder teilt unser Ziel eines Abkommens über geistiges Eigentum, das
die Verpflichtung
zu maßgeblichen
Normen sowie deren Durchsetzung - sowohl im Inland als auch an der Grenze
-, einschließlich geistiges Eigentum
betreffender überarbeiteter Verfügungen über nationale Behandlung und
Transparenz sowie Bestimmungen über
Schlichtungsverfahren.
Die anderen beiden, seit Montreal
noch offenen Probleme betreffen einigermaßen
komplexe
Themenbereiche:
Textilien
und
Sicherungsklauseln.
Unser für April gesetztes Ziel besteht darin, in Anlehnung an die Uruguay-Runde Einigung über einen Verhandlungsrahmen zu erzielen. Während
wir davon ausgehen, daß die Verhandlungen nach April langwierig und äusserst schwierig sein werden, wird es
uns meiner Ansicht nach gelingen, uns
in diesen beiden Bereichen auf einen
Verhandlungsrahmen zu einigen, der
die Probleme und Verhandlungen der
kommenden 18 Monate nicht nachteilig
beeinflußt.
Die in Montreal vereinbarten Rahmenbedingungen sind vorbehaltlich einer Einigung über die vier verbleibenden Bereiche "auf Eis gelegt".
Obwohl in Genf keine "formellen"
Treffen
der
Verhandlungsgruppen
stattgefunden haben, einigten sich
alle Delegationen darauf, die Fristen
der
Montrealer
Verhandlungsrahmen
einzuhalten. Anlaß dazu ist die Annahme, daß wir unsere Differenzen bei
diesen vier noch ausstehenden Themen

- 3 -

�beilegen werden.
Ferner hat GATT-Generaldirektor
Dunkel in Genf mit den Delegationen
daran gearbeitet, diese vier verbleibenden Bereiche aus der Sackgasse
herauszuführen.
Seit Montreal ist
der Genfer Verhandlungsprozeß in einer konstruktiven Atmosphäre vorangekommen, für ein Fazit ist es jedoch
noch zu früh. Zweifelsohne besteht
eine Hauptschwierigkeit in den anhaltenden Differenzen zwischen den Vereinigten Staaten und der EG im Agrarbereich.
Als
Landwirtschaftsminister
Yeutter und ich vor zwei Wochen mit
unseren Amtskollegen in der EG zusammenkamen, sprachen wir über Landwirtschaft und die Uruguay-Runde.
Die
Gespräche waren nützlich - es ist uns
jedoch noch immer nicht gelungen, Einigung über die Richtung und Zielsetzung langfristiger multilateraler Reformen in der Landwirtschaft zu erzielen. Wir waren uns einig, daß das
Risiko zu groß und die Uruguay-Runde
zu wichtig ist, um sie schleifen zu
lassen.
Landwirtschaftsminister
Yeutter und ich werden nach Brüssel
reisen, um diese Gespräche mit unseren Amtskollegen in der EG am 10.
März wiederaufzunehmen.
In der Zwischenzeit werden weiterhin vorbereitende Treffen auf Arbeitsebene
stattfinden.
Bis Ende
März werde ich nahezu alle wichtigen
Teilnehmer der Landwirtschaftsgespräche getroffen oder zumindest mit ihnen gesprochen haben. Ich bin nicht
bereit, fundamentale Interessen der
Fortsetzung der Runde halber aufs
Spiel zu setzen. Meiner Ansicht nach
sind jedoch nahezu alle Länder zum
ErfoLg entschlossen, dank dem die
Runde Fortschritte machen kann ohne
wesentliche Ziel aufgeben zu müssen.
Im Inland treffen wir mit unseren
Beratern zusammen, um unsere Positionen zu entwickeln und zu verfeinern
sowie die Vorschläge anderer Länder
zu überarbeiten.
Auf allen Regierungsebenen finden Treffen statt.

Mein Stab steht in ständigen Konsultationen mit Mitarbeitern des Kongresses, so daß wir alle voll in die
Verhandlungen einsteigen können, sobald der 1. April verstrichen ist.

Bilaterale Initiativen
Diese Administration ist dem Abbau von Schranken gegen den Export
amerikanischer Güter und Dienstleistungen verpflichtet.
über unsere
multilateralen Bemühungen in der Uruguay-Runde hinaus werden wir in energischer
und
verantwortungsbewußter
Weise auf dem Wege bilateraler Konsultationen und Verhandlungen die Beseitigung von Hemmnissen durch unsere
Handelspartner anstreben. Zu diesen
Bemühungen werden Verhandlungen über
bilaterale Abkommen zum Abbau formaler und nichtformaler Schranken gegen
die Ausfuhr amerikanischer Güter und
Dienstleistungen auf die wichtigsten
Märkte in Übersee gehören. Ich möchte dem Ausschuß gegenüber drei unserer wichtigsten bilateralen Anliegen
für das kommende Jahr erläutern: Die
Verwirklichung unserer kürzlich vereinbarten
Freihandelsabkommen,
der
EG-Binnenmarkt des Jahres 1992 und
Japan.
Freihandelsabkommen:
Wir werden
weiterhin an der wirksamen Umsetzung
unserer Freihandelsabkommen mit Kanada und Israel arbeiten, in denen sich
die besonderen wirtschaftlichen, handelspolitischen und sonstigen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und diesen beiden Ländern widerspiegeln.
Vorigen Monat begleitete ich Präsident Bush nach Ottawa, wo ich mit
Minister Crosbie nützliche Gespräche
über die wichtigsten Fragen unserer
bilateralen Tagesordnung mit Kanada
geführt habe.
Die Umsetzung des
Freihandelsabkommens mit Kanada steht
dabei eindeutig an erster Stelle.
Minister Crosbie und ich haben uns
darauf geeinigt, am 13. März das erste Treffen der von uns geleiteten
Handelskommission abzuhalten. Obwohl

- 4 -

�wir bei der Verwirklichung dieses
neuen Abkommens noch eine Reihe von
Anfangsproblemen zu bewältigen haben,
war der Beginn meines Erachtens vielversprechend.
Außer einer durchgreifenden Liberalisierung des Handels zwischen den
Vereinigten
Staaten
und
Kanada
schafft das Freihandelsabkommen einen
neuen wichtigen institutionellen Rahmen zur Lösung von Streitfällen und
für weitere Verhandlungen über die
noch verbleibenden bilateralen Handelsprobleme.
Wir
möchten
diese
durch das neue Abkommen eröffneten
Möglichkeiten in enger Konsultation
mit dem Kongreß und dem Privatsektor
nutzen.
In bezug auf das Abkommen zwischen Israel und den Vereinigten
Staaten ist festzustellen, daß wir
trotz einer Reihe von seit 1985 aufgetretenen Durchfuhrungsproblemen in
der Lage waren, diese überwiegend auf
dem Verhandlungsweg zu lösen. Wir
werden uns weiterhin dafür einsetzen,
die erfolgreiche Verwirklichung dieses Abkommens sicherzustellen.
Die Europäische Gemeinschaft und
1992: Eine weitere von uns vordringlich verfolgte Angelegenheit ist die
EG-Initiative für 1992. Das Drängen
der EG auf Schaffung eines gemeinsamen Binnenmarkts bis 1992 bietet amerikanischen
Unternehmen
Aussichten
auf bedeutende neue Chancen im Handel, falls dieses Vorhaben ohne Diskriminierung umgesetzt wird.
In einigen Bereichen könnten die
Vorschläge zur Förderung der europäischen Integration jedoch potentiell
legitimen amerikanischen Wirtschaftsinteressen in der EG zuwiderlaufen.
Um uns gegen diese möglicherweise negativen Folgen zu wappnen, werden wir
die Initiativen innerhalb der Gemeinschaft sorgfältig beobachten und eine
wirksame politische Antwort auf solche EG-Maßnahmen entwickeln, die eine
unfaire
Diskriminierung
amerikanischer Exporteure und Investoren darstellen. In dieser Frage wird der

Regierung der Vereinigten Staaten das
ganze Instrumentarium der amerikanischen Handelsgesetzgebung zur Verfügung stehen.
Japan: Das enorme bilaterale Defizit in unserem Handel mit Japan
bietet sicherlich Anlaß zur Besorgnis.
Die Reagan-Administration hat
beim Abschluß von Abkommen mit Japan
zur Reduzierung der formalen Handelsschranken Fortschritte erzielt, aber
es bleibt sicherlich noch viel zu
tun. Ich habe keine Patentrezepte,
aber ich bin doch der Ansicht, daß
die Zeit halbherziger Lösungen, die
nie zum Erfolg führen, vorüber ist.
Im vergangenen Monat erhielt ich einen wichtigen Bericht von der Arbeitsgruppe Japan unseres privatwirtschaftlichen Rats für Handelspolitik
und Verhandlungen. Der Bericht liefert eine wirtschaftliche Analyse unserer Handelsbeziehungen mit Japan
und spricht Empfehlungen für die Verbesserung dieser Beziehungen aus.
Dieser Bericht, der von uns gegenwärtig sorgfältig geprüft wird, kommt zu
einem wichtigen Zeitpunkt der Bewertung unserer Handelspolitik mit allen
unseren bedeutenden Handelspartnern
im Licht des Handelsgesetzes von
1988. Ich habe die Gruppe zur Überprüfung unserer Handelspolitik aufgefordert, unsere Handelspolitik in bezug auf Japan auf der Grundlage dieses Berichts und der Konsultationen
mit unseren Beratern im Hinblick auf
unsere anderen Handelspartner in der
Pazifikregion zu untersuchen.

Die Anwendung des Allgemeinen Handels- und Wettbewerbsfähigkeitsgesetzes
Um die Ziele unseres handelspolitischen Programms zu erreichen, müssen wir das gesamte, uns vom Allgemeinen Handels- und Wettbewerbsfähigkeitsgesetz des Jahres 1988 zur Verfügung
gestellte
Instrumentarium
kreativ nutzen und all die Rechte und
Möglichkeiten vollständig ausschöpfen, die uns gemäß den von den Vereinigten Staaten unterzeichneten inter-

- 5 -

�nationalen Abkommen eingeräumt werden.
Unser strategisches Ziel ist
die Öffnung von Märkten, nicht deren
Abschottung, die Schaffung eines stetig wachsenden internationalen Handelssystems auf der Grundlage gleicher und durchsetzbarer Regeln.
Die durch das Gesetz von 1988
verliehene Verhandlungsvollmacht wird
natürlich entscheidend für die Verhandlungen im Rahmen der Uruguay-Runde sein. Wir werden uns ferner um
Initiativen zur Öffnung der Telekommunikationsmärkte bemühen, ein Thema,
zu dem ich Ihnen unlängst einen Bericht zugeleitet habe. Mein Amt wird
ferner seine normalen Bemühungen zur
Lösung von Handelsproblemen in allen
Bereichen und mit allen unseren Handelspartnern fortsetzen.
Das
politische
Hauptaugenmerk
wird sich gegenwärtig jedoch auf den
im Gesetz von 1988 abgeänderten Abschnitt 301 richten. Ich werde mich
mit Ihnen bei der Festlegung unserer
Prioritäten für Verhandlungen in Verfahren gemäß "Super 301" und über die
besonderen unter 301 vorzunehmenden
Schritte zum Schutz der Rechte an
geistigem Eigentum beraten. Wir werden ferner energisch die Ermittlungen
im Rahmen unserer gegenwärtigen Tagesordnung nach 301 fortsetzen - sowohl die von uns eingeleiteten wie
auch die auf Petitionen privater Parteien beruhenden.
"Super 301": Ich betrachte das
Verfahren gemäß "Super 301" als hervorragende Gelegenheit für uns, um zu
bestimmen, wo wir unsere Bemühungen
in den kommenden zwei Jahren konzentrieren sollten und wo wir Abschnitt
301 am wirksamsten einsetzen können.
Wir nehmen zur Zeit eine quantitative
Einschätzung der Vorteile beim Abbau
verschiedener ausländischer Handelsschranken vor, um die Prioritäten
festzulegen. Wir werden uns vornehmlich Bereichen widmen, in denen wir
das größte Ausfuhrpotential haben.
Der
Quantifizierungsprozeß
ist
nicht leicht, aber wir haben uns das

Fachwissen anderer Behörden und unserer Berater aus der Privatwirtschaft
zunutze gemacht, um diese Aufgabe zu
erfüllen.
Der behördenübergreifende
301-Ausschuß hat begonnen, die erforderliche
Analyse
dieser
Handelsschranken vorzunehmen, und wir werden
uns eingehend mit Ihnen beraten, wenn
wir im Mai an die Erstellung der endgültigen Prioritätenliste gehen.
"Special 301": Ich unterstütze
energisch die hohe Dringlichkeitsstufe, die dem Schutz geistigen Eigentums vom Kongreß, von der Regan-Administration und von der Privatwirtschaft eingeräumt wurde.
Von Amts
wegen eingeleitete Verfahren gemäß
Abschnitt 301 können ein wirksames
Mittel sein, um verbesserten Schutz
und eine bessere Durchsetzung der
Rechte an geistigem Eigentum zu erlangen.
Abschnitt 301 kann jedoch
nicht unser einziges Instrument sein,
und wir werden weiterhin parallel zueinander unsere bilateralen Bemühungen und die multilateralen Verhandlungen innerhalb der Uruguay-Runde
fortsetzen.
Das reguläre Programm unter 301:
Gegenwärtig beschäftigen wir uns aktiv mit einem Dutzend Fällen unter
301. In einigen dieser Fälle streben
wir immer noch die Schlichtung durch
das GATT an, in anderen stehen wir in

bilateralen Verhandlungen, und in einigen beobachten wir weiterhin die
Ergebnisse von Schlichtungsabkommen
oder von Maßnahmen, die nach Abschnitt 301 getroffen wurden. In all
diesen Fällen beabsichtige ich, die
uns von Abschnitt 301 verliehenen
Druckmittel einzusetzen, um unfaire
Handelspraktiken des Auslands abzubauen.
Ich habe Ihnen die neueste
Tabelle solcher Fälle vorgelegt, die
den gegenwärtigen Stand widerspiegelt, und ich werde Ihnen schon bald
den Halbjahresbericht zu Abschnitt
301 vorlegen, der die zweite Hälfte
des Jahres 1988 behandelt.

Koordinierung der verschiedenen Elemente unseres Programms:

- 6 -

�In meiner Rede und in unserem
schriftlichen Bericht habe ich unter
verschiedenen Überschriften eine Reihe von Fragen angesprochen. Es ist
angemessen, hier einige weitere Anmerkungen zur Notwendigkeit zu machen, unsere Maßnahmen und Handlungen
zu koordinieren, um einander auf
bestmögliche Weise zu unterstützen.
Die uns von Abschnitt 301 verliehenen
Instrumente können und sollten z. B.
wichtige Druckmittel bei den von uns
in der Uruguay-Runde verfolgten Zielsetzungen liefern. In der UruguayRunde streben wir nicht Abkommen um
ihrer selbst willen an, sondern die
Öffnung ausländischer Märkte und die
Stärkung der wirtschaftlichen Vorteile für die Vereinigten Staaten.
Die Koordinierung der politischen
Maßnahmen wird nicht immer leicht
sein, es werden schwierige Entscheidungen zu treffen sein. Im weitesten
Sinne werden wir - wenn ich dazu noch
einmal die bei der Anhörung zu meiner
Bestätigung
benutzte
Formulierung
verwenden darf - zu entscheiden haben, wann wir das Zuckerbrot und wann
die Peitsche einsetzen. Wir dürfen
nicht der Versuchung erliegen, alle
Maßnahmen gegen unfaire Handelspraktiken deswegen einzustellen, weil sie
in der Uruguay Runde "die Atmosphäre
vergiften". Andererseits werden wir
unser Ziel der Marktöffnung nicht dadurch erreichen, daß wir unsere eigenen Märkte gegenüber anderen Ländern
abschotten.
Wir müssen die Tatsache akzeptieren, daß es bei den von uns getroffenen Entscheidungen häufig zu Abwägungen kommen wird. Das bedeutet, daß
unser Entscheidungsfindungsprozeß die
sorgfältige Erwägung der Optionen und
die Berücksichtigung der Ratschläge,
die wir vom Kongreß und der Privatwirtschaft
erhalten,
einschließen
muß.
Wir dürfen jedoch nicht vor
Entscheidungen deshalb zurückschrekken, weil sie einen Preis haben.
Ein anschauliches Beispiel dafür
ist der jüngste Streit über Brasiliens Verweigerung eines Patentschut-

zes für Arzneimittel und Feinchemikalien. Nachdem wir uns jahrelang auf
beiden Seiten um die Lösung dieses
Problems bemüht haben, sind wir zu
dem Schluß gelangt, daß wir Gegenmaßnahmen im Sinne von Abschnitt 301 ergreifen müssen. Es stellte sich die
Frage nach der Art der Schritte.
Nach sorgfältiger Überlegung haben
wir beschlossen, daß Maßnahmen im Bereich des geistigen Eigentums im Falle
Brasiliens
kein
angemessenes
Druckmittel wären.
Wir haben entschieden, daß Beschränkungen von Warenimporten aus Brasilien die wirkungsvollste Maßnahme wäre.
Brasilien hat gerade unsere Vergeltungsmaßnahmen im Rahmen des GATT
angefochten und behauptet, diese seien unvereinbar mit den von den Vereinigten Staaten im GATT eingegangenen Verpflichtungen. Wir haben darauf geantwortet, daß Brasiliens Anschuldigungen in diesem Fall nicht
das zentrale Problem treffen: Brasiliens fehlenden Patentschutz für Arzneimittel und Chemikalien, fehlende
internationale Vorschriften und einen
internationalen Schlichtungsmechanismus zum Schutz gegen diese unfairen
Handelspraktiken. Darüber hinaus haben wir darauf verwiesen, daß wir die
Vergeltung nicht aufheben können und
dies auch nicht wollen, ohne daß Brasilien Patentschutz für Arzneimittel
und
Feinchemikalien
verfügt.
Schließlich haben wir Brasilien und
anderen mit dem Land sympathisierenden Vertragspartnern im GATT gegenüber erklärt, man möge sich keinen
Illusionen darüber hingeben, daß ein
GATT-Ausschuß diese Angelegenheit so
einfach lösen kann, indem er Brasiliens Verstöße gegen die bestehenden
GATT-Vorschriften
untersucht.
Wir
haben in diesem Fall die Welt darüber
unterrichtet, daß wir keine den Handel einschränkenden Maßnahmen ausschließen werden, die notwendig werden könnten, um auf den Diebstahl
amerikanischen geistigen Eigentums zu
reagieren.
Ich glaube fest daran, daß wir in
diesem Fall den richtigen Kurs ein-

- 7 -

�schlagen. Hätten wir lieber auf eine
Konfrontation
im GATT verzichtet?
Sicherlich. Wir werden der Beseitigung unfairer Praktiken durch ein Abkommen eindeutig den Vorzug geben.
Wo dies nicht möglich ist, sollten
wir meiner Ansicht nach ein Druckmittel finden, das wirkungsvoll ist und
uns nicht in GATT-Streitigkeiten verwickelt. Aber wenn keine andere wirkungsvolle Maßnahme greift, müssen
wir bereit sein, unsere Prinzipien zu
verteidigen und angesichts der eklatant unfairen Maßnahmen zu unseren
Schritten stehen, auch wenn diese im
GATT Kontroversen hervorrufen.

Zusammenfassung
Ein nationales Programm für die
Handelspolitik kann nicht isoliert
von internationalen Entwicklungen im
Welthandel erstellt werden.
Unser
Programm für das nächste Jahr wird
wahrscheinlich die makroökonomische
Politik, internationale Zusammenarbeit und die steigende Interdependenz
des Welthandels beeinflussen und umgekehrt.
Obwohl die Zielsetzungen der Administration in Zusammenarbeit mit
dem Kongreß und dem Privatsektor erarbeitet worden sind, wird zu ihrer
Verwirklichung auch die Zusammenarbeit mit unseren Handelspartnern erforderlich sein. Obwohl eine Grundlage für diese Zusammenarbeit besteht, erfordert die Erhaltung dieser
Zusammenarbeit den kreativen Einsatz
der uns nach dem amerikanischen Handelsgesetz zur Verfügung stehenden
rechtlichen Mittel.
* * * * *

�AMERIKA DIENST
'/U

"**""

c&amp;

Wissenschaft und Technik

1. März 1989

OZONSCHICHT ÜBER DER NORDHALBKUGEL GEFXHRDET
Erste Ergebnisse einer internationalen Studie in der Arktis

(AD) - Was manche Wissenschafter
vermutet, andere bereits befürchtet
hatten, ist offenbar Realität. Auch
über der Arktis gibt es ein Ozonloch.
Seit Mitte Februar liegen erste, vorläufige Ergebnisse einer großangelegten internationalen Forschungskampagne vor. Sechs Wochen lang, vom 1.
Januar bis 15. Februar 1989, wurden
von Flugzeugen und Bodenstationen aus
sowie mit Instrumenten in Ballonund
Raketensonden Meßdaten aus der Atmosphäre über arktischen Breiten bis
zum Nordpol gesammelt. In die Auswertung, die allerdings bis Ende 1989
dauern dürfte, werden auch die meteorologischen Meßdaten amerikanischer
und europäischer Satelliten aus dem
gleichen Zeitraum einbezogen.
Mehr als 160 Experten aus Nord-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

amerika, Mittelund Nordeuropa sowie
der Sowjetunion waren an dieser Gemeinschaftsaktion
beteiligt.
Wie
schon bei einer ähnlichen Studie während der Monate September und Oktober
im vergangenen Jahr zur systematischen Erkundung des Ende der siebziger Jahre entdeckten "Ozonloches"
über der Antarktis sollte nun mit
gleichen Methoden und Instrumenten
die Zusammensetzung
der Hochatmosphäre über der Arktis erforscht werden. Angesichts der hohen Bevölkerungsdichte
und
der
ausgedehnten
Agrarwirtschaft auf der Nordhalbkugel
der Erde muß als Alarmsignal gewertet
werden, daß es trotz der sehr viel
stärkeren atmosphärischen Dynamik in
dieser Region und den nicht ganz so
tiefen Wintertemperaturen
im Vergleich zur Antarktis über dem nördli-

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�chen Polargebiet im Hochwinter ebenfalls zu einem Ausdünnen der Ozonschicht kommt. Auch in der Arktis
waren die stratosphärischen Polarwolken (in Fachveröffentlichungen meist
nur mit "PSC" bezeichnet) vorhanden,
die sich bei Temperaturen von minus
85 Grad Celsius und darunter bilden
und aus Wassereis und Salpetersäurekristallen, also einer Sauerstoffsäure des Stickstoffs, bestehen.
Daß
sie gemeinsam mit dem aus Fluorchlorkohlenwasserstoffen
(FCWK) freigesetzten Chlor Ozon zerstören, weiß
man erst seit ca. zwei Jahren.
Etwa 90 Prozent des Spurengases
Ozon, einem aus drei Sauerstoffatomen
bestehenden Molekül, sind in der 20
bis 35 km hohen Luftschicht in der
Stratospähre
konzentriert.
Dieses
Ozon hat eine wichtige Schutzfunktion
für alles Leben auf der Erde, weil es
schädliche Anteile aus der Ultraviolettstrahlung der Sonne absorbiert
und so davon abhält, bis zur Erdoberfläche vorzudringen. Sie können beim
Menschen Hautkrebs und Linsentrübung
hervorrufen, zu schweren Pflanzen-,
und sogar Planktonschäden führen und
selbstverständlich auch Tiere gesundheitlich und in ihren Ernährungsmöglichkeiten beeinträchtigen.
Daß die Ozondichte in der Stratosphäre mit der Jahreszeit und dem jeweiligen geographischen Breitengrad
schwankt, ist ein schon seit langem
bekanntes natürliches Phänomem. Daß
Ozon aber zusätzlich von Spurengasen,
die durch menschliche Aktivitäten in
die Atmosphäre gelangen, angegriffen
und zerstört wird, ist jetzt kaum
mehr zu bestreiten. Lange Zeit wehrten sich Industrie und Politiker gegen die Anfang der siebziger Jahre
von zwei amerikanischen Wissenschaftlern aufgestellte Hypothese, daß es
vor allem die in den unteren Luftschichten nichtreaktiven FCKW-Verbindungen seien, die der Ozonschicht in
der Stratospäre schaden. Das Problem
wird dadurch kompliziert, daß im bodennahen Bereich, innerhalb der Troposphäre,
die
Ozonkonzentrationen
stetig zunehmen, was ebenfalls auf

menschliche Aktivitäten und die Industrie zurückzuführen ist.
Zusammen
mit anderen Spurengasen wie Methan,
Kohlendioxyd und das durch den massiven Kunstdüngergebrauch aus dem Boden
sickernde
Distickstoffmonoxyd
(N2O
- Lachgas) trägt Ozon in dieser tiefen Luftschicht zur Aufheizung der
Atmosphäre, dem sogenannten Treibhauseffekt, bei.
Die einzig sinnvolle und wirksame
Gegenmaßnahme gegen diese Prozesse,
die sich offenbar beschleunigen, kann
nur in einer Reduzierung der Schadstoffemissionen bestehen.
Die Vereinbarungen des internationelen Abkommens von Montreal aus dem Jahr
1987, das u.a. bis 1999 eine Verringerung der Produktion von FCKW um 50
Prozent vorsieht, halten die Wissenschaftler
für
nicht
ausreichend.
Selbst unter diesen Voraussetzungen
würden sich die Mengen der ozonschädlichen Stoffe in der Stratosphäre, zu
denen auch Bromverbindungen gehören,
in den nächsten 50 Jahren verdoppeln.
Nach den Vereinigten Staaten und
Schweden, die bereits Ende der siebziger Jahre die Verwendung von Fluorchlorkohlenwasserstoffen als Treibgase für Sprühflaschen im Alltagsgebrauch verboten, entschlossen sich
jetzt auch einige weitere Staaten zu
dieser Maßnahme. Amerikanische Firmen sind beispielsweise seit längerer
Zeit dabei, unschädliche Ersatzstoffe
zu entwickeln - zum Teil mit gutem
Erfolg. Aber sie bilden ja nur einen
Bruchteil des Anwendungsspektrums für
FCKW.
Merklicher
Ozonrückgang
Arktis seit 15 Jahren

über

der

Im Februar und März vergangenen
Jahres fanden einige amerikanische
Wissenschaftler unabhängig voneinander erhöhte Werte von Chlorverbindungen in der Atmosphäre über der Arktis. Daniel Albritton, Direktor des
Aeronomie-Instituts der US-Bundesbehörde für Meeresund Atmosphärenforschung (NOAA) in Boulder/Colorado,
gab im Dezember 1988 bekannt, daß

- 2 -

�sich der Ozongehalt der Stratosphäre
im hohen Norden in den letzten 15
Jahren um 2,5 bis 6,5 Prozent verringert habe. Erwartet habe man nicht
mehr als 1,5 Prozent. Mit dem Verlust von 30 bis 50 Prozent über der
Antarktis sei das natürlich nicht annähernd zu vergleichen - dort herrschen im Winter sehr viel extremere
und dem Ozonabbau besonders förderliche Bedingungen.
Aber die Tendenz
signalisiere Gefahr.

f
*

Im Verlauf der jüngsten Expedition mit Wissenshaftlern aus den Vereinigten Staaten, Kanada, Großbritannien, der Bundesrepublik Deutschland,
Dänemark und Norwegen wurden unter
anderem zwei zu fliegenden Laboratorien umfunktionierte Flugzeuge von
Stavanger (Norwegen) aus eingesetzt.
Die ER-2 der US-Behörde für Luftund
Raumfahrt (NASA) operierte in ca. 20
000 m Höhe, das heißt am unteren Rande der Ozonschicht, die amerikanische
DC-8 im mittleren Flugbereich in Höhen bis etwa 13 000 m. Letztere, ein
ehemaliges Passagierflugzeug, hatte
Wissenschaftler und Techniker für die
Luftprobennahme und zur Bedienung der
Instrumente an Bord.
Die Meßdaten
wurden zum Teil sofort ausgewertet.

Schwergewicht der Forschungsaufgaben
lag hier bei der Entnahme von Proben
der
stratosphärischen
Polarwolken,
Messung
von
Windgeschwindigkeiten,
Druck, Temperaturen und vertikalen
Temperaturunterschieden, Entnahme von
Luftproben in verschiedenen Höhenbereichen, Erfassung von Spurengasen von Ozon über verschiedene Stickstoffverbindungen bis zu Bromverbindungen.
Bestimmte, von beiden Flugzeugen
gesammelte Meßdaten aus der Atmosphäre bildeten gleichzeitig Referenzwerte für ein Sonderprojekt des britischen Wetterdienstes: Wissenschaftler versuchten, für eine bestimmte
Region mittels verschiedener Computer-Modelle Vorhersagen zur Wetterentwicklung für einen längeren als
den bisher üblichen Zeitraum zu erstellen.

Die wichtigsten Instrumententypen
an Bord der DC-8 waren LIDAR-Geräte
(sie erfassen polare Stratosphärenwolken, können zwischen Wassereis und
Kristallen stickstoffhaltiger Verbindungen
unterscheiden,
registrieren
Ozon und andere Aerosole), ferner Detektoren
für
bestimmte
chemische
Stoffe in der Atmosphäre sowie Spektrometer für Ultraviolettund Infrarotstrahlung.
Letztere geben indirekte Hinweise auf schädliche Spurengase.
Die Instrumente für dieses
Projekt waren von der Kernforschungsanlage in Jülich und dem amerikanischen
Nationalen
Atmosphärenforschungszentrum bereitgestellt worden.
Der Pilot der ER-2, eines Flugzeugs von 18 m Länge und 31 m Flügelspannweite, bediente auch gleichzeitig die 13 Instrumente. Im Cockpit
ist nur Raum für eine Person. Das
- 3 -

* * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: Behebung des konventionellen Ungleichgewichts noch in weiter Ferne&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview mit dem amerikanischen &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mosbacher: Vereinigte Staaten für offeneren europäischen Markt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des US-Handelsministers bei der Columbia Institute Conference&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Hills zur US-Handelspolitik 1989&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung der amerikanischen Handelsbeauftragten vor dem Senat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Techniken&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ozonschicht über der Nordhalbkugel gefährdet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erste Ergebnisse einer internationalen Studie in der Arktis&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

*

15. März 1989

11

y

I N H A L T

INFORMATION

Cheney bringt reichen Erfahrungsschatz In sein Amt mit
- Porträt des designierten Verteidigungsministers Richard Cheney

DOKUMENTATION

Ost-West-Gespräche_über_ konventionelle Waffen gut gestartet
- Pressekonferenz von Botschafter Ledogar USA__flir feste, angemessene Maßnahmen gegen Irans^jJrjqhungeji
- Erklärung von Alvin Adams vor Senatsunterausschuß Vereinigte Staaten wollen "Mauer des Mißtrauens" in Europa abbauen
- Ansprache von John Maresca -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Muskeldystrophie, Typ Duchenne
- Erster Erfolg zur Defektkorrektur im Tierversuch Tabak als Droge einstufen
- Nationaler Krebsbeirat fordert Kampagnen gegen das Rauchen -

* * * * *

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Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Information

15. März 1989

11

CHENEY BRINGT REICHEN ERFAHRUNGSSCHATZ IN SEIN AMT MIT
- Porträt des designierten Verteidigungsministers Richard Cheney -

WASHINGTON - (AD) - Der am 10.
März 1989 als Verteidigungsminister
nominierte Richard B. Cheney hat
trotz seines vergleichsweise jugendlichen Alters von 48 Jahren sowohl in
der Legislative als auch in der Exekutive unschätzbare Erfahrungen gesammelt .
Cheney ist seit 1978 als einziger
Abgeordneter seines Heimatstaates Wyoming im Repräsentantenhaus aktiv.
Er hat in Ausschüssen wichtige Aufgaben übernommen und wurde im vergangenen Dezember einstimmig zum Fraktionsgeschäftsführer der Republikaner
im Repräsentantenhaus, der zweitwichtigsten
Führungsposition
innerhalb
der republikanischen Minderheit, gewählt .

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Zu Beginn und Mitte der siebziger
Jahre hatte Cheney, der seine politische Laufbahn als Referendar in der
gesetzgebenden Körperschaft von Wyoming begann, in den Administrationen
von Nixon und Ford eine Reihe von
Führungsaufgaben inne.
Im Jahr 1975 wurde er von Präsident Ford zum Stabschef des Weißen
Hauses ernannt und damit Nachfolger
von Donald Rumsfeld, der diese Stelle
aufgab, weil er Verteidigungsminister
wurde.
Präsident Bush nominierte Cheney
nur 24 Stunden nachdem der Senat den
vorher von ihm für den Posten im Pentagon ausgewählten Senator John Tower
abgelehnt hatte. Er bezeichnete den
Abgeordneten aus Wyoming als "einen

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Telex: 8-85432

�allgemein
respektierten
Mann
mit
Grundsätzen" und erklärte: "Ich bin
überzeugt davon, daß er ein großartiger Führer der Streitkräfte unseres
Landes sein wird."
Dick Cheney's Wahl in die Führungsspitze der Republikaner im Repräsentantenhaus
verweist auf die
jüngste Tendenz der Partei, jüngeren
Mitgliedern wichtige Ämter zu übertragen. Dem Abgeordneten gelang der
Aufstieg, nachdem er sich seit Mitte
des Jahres 1987 in seiner Eigenschaft
als Vorsitzender der Konferenz der
Republikaner
im
Repräsentantenhaus
für eine "sehr aggressive" Arbeitsweise einsetzte, um der Partei zur
Mehrheit zu verhelfen.
Darüber hinaus rückte der designierte Verteidigungsminister 1987 als
Mitglied des Kongreßausschusses, der
die Iran-Contra Affäre untersuchte,
ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Er
stellte sich bei den landesweit im
Fernsehen
übertragenen
Anhörungen
ausdrücklich auf die Seite Präsident
Reagans.

Cheney arbeitete zunächst im Büro
des Abgeordneten von Wisconsin, William Steiger, und ging dann ins Weiße
Haus, um sich unter dem damaligen Direktor des Büros für Wirtschaftsförderung, Rumsfeld, den Beziehungen mit
dem Kongreß zu widmen.
In den Amtsjahren von Nixon war
er bis 1973 stellvertretender Leiter
der Arbeit des Rates für die Lebenshaltungskosten und trat später zeitweise in ein Wirtschaftsberatungsunternehmen ein.
Bei der Amtsübernahme Präsident
Fords im Jahr 1974, arbeitete Cheney
in dessen Ubergangsteam und wurde im
September desselben Jahren stellvertretender persönlicher Referent des
Präsidenten. Im November 1975 wurde
der dann dessen persönlicher Referent
und Stabschef des Weißen Hauses.
Cheney ist mit Lynne Ann Vincent
verheiratet und hat zwei Töchter.
Zusammen mit seiner Frau schrieb er
ein 1983 veröffentlichtes Buch über
das Repräsentantenhaus, Kings of the

Hill.
In seiner Laufbahn hat Cheney
konservative Meinungen vertreten und
sich bei zahlreichen Gelegenheiten
für eine Beibehaltung starker Streitkräfte ausgesprochen.
Zum Beispiel
warnte er bei seinem Auftritt anläßlich einer Zusammenkunft republikanischer Gouverneure zu Beginn der Reagan-Administration davor, daß innenpolitische Programme nicht auf Kosten
des Verteidigungshaushalts ausgebaut
werden sollten.
Cheney wurde am 30. Januar 1941
in Lincoln, Nebraska geboren und
schloß 1959 in Casper, Wyoming seine
Schulausbildung ab. Nach einem kurzen Zwischenspiel in Yale machte er
an University of Wyoming Examen.
Nachdem er dort auch seinen Magister erworben hatte, promovierte er
an der University of Wisconsin und
kam 1968 über ein Stipendium der American Political Science Association
nach Washington.

- 2-

* * * * *

-

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

VION &amp;

15. März 1989

11

OST-WEST-GESPRÄCHE ÜBER KONVENTIONELLE WAFFEN GUT GESTARTET
- Pressekonferenz von Botschafter Ledogar WIEN - (AD) - Bei einer nach der ersten Plenarsitzung der VSBM-Verhandlungen abgehaltenen Pressekonferenz in der Wiener Hofburg bezeichnete Botschafter
Stephen J. Ledogar es am 9. März 1989 als "ermutigend", daß Ost und West offensichtlich in vielen Bereichen dieselben Ziele anstrebten. Dem westlichen
Vorschlag zufolge würde die Konzentration der Streitkräfte "vom Atlantik bis
zum Ural" erheblich reduziert und in einer Weise aufgelockert, die keine negativen Auswirkungen auf die Sicherheitsinteressen der an den VSBM-Verhandlungen
teilnehmenden Staaten des Warschauer Pakts und der NATO hätte.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz von Botschafter Ledogar im Wortlaut:
Wir hatten heute ein nützliches
erstes Treffen im Rahmen der neuen
Verhandlungen. Ich würde es als guten Beginn charakterisieren.
Der
Osten hat uns seine Ideen in Form eines konzeptionellen Rahmens mitgeteilt.
Meines Erachtens ist die
Presse über vieles davon informiert
worden, aber ich bin nicht ganz sicher.
Dieser
"konzeptionelle
Rahmen"
enthält unserer Ansicht nach nichts
entscheidend Neues. Er geht auf den
"Budapester Appell" von 1986 zurück.
Er enthält auch nicht die Art von Details, wie sie für den Vorschlag der
NATO charakteristisch sind. Es mangelt ihm an verwertbarem Zahlenmaterial, und er beinhaltet auch keine
spezifischen Unterregionen etc.

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Es ist jedoch festzustellen, daß
West und Ost vielfach dieselben Ziele
anzustreben scheinen, und das ist ermutigend:
A. Wir sind daran interessiert,
die Vorteile und Asymmetrien die destablisierenden Elemente zu reduzieren;
B. Wir wollen die Waffensysteme
definieren, die Anlaß zu Besorgnis geben. Es bestehen bei unseren Listen einige Gemeinsamkeiten
- aber es gibt auch wesentliche
Differenzen;
C. Der Osten möchte die offensiv
ausgerichteten Einheiten reduzieren - auch wir sind daran interessiert;

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�D. Wir möchten Übereinstimmung
über obligatorische Verifizierung
erlangen. Was ich heute über die
Vorstellungen des Ostens zur Verifizierung, wie etwa die Inspektionsmethoden, gehört habe, war
recht ermutigend.
Selbstverständlich bestehen weiterhin einige Meinungsverschiedenheiten, die bereits heute offen zutage
getreten sind:
A. Der Zeitpunkt der Behandlung
von Flugzeugen und deren Definition;
B. Die Behandlung der Personalstärken - aber dies stellt meines
Erachtens kein so schwerwiegendes
Problem dar, wie man erwarten
könnte;
C. Das Ausmaß der Reduzierungen
in der ersten Phase;
D. Die Behandlung des Problems
der Lagerung von Waffensystemen;
E. Wir haben erhebliche Zweifel
an dem Versuch, Rüstungskontrolle
durch Verhandlungen über die Verteidigungshaushalte anzustreben.
Insgesamt gesehen haben wir jedoch meines Erachtens einen guten Anfang gemacht. Ich werde jetzt gern
ihre Fragen beantworten.
Frage:
Herr Botschafter, Botschafter Grinewski hat heute morgen erklärt, die erste Reduzierungsphase
könne bis 1994 abgeschlossen sein.
Halten Sie dies für machbar oder
könnte es sogar schon zu einem früheren Zeitpunkt der Fall sein?
Und
zweitens, warum möchte der Westen gegenwärtig nicht über die Truppenstärken sprechen?
Antwort:
Unser Vorschlag enthält
keine Zeitangaben. Wir halten dies
nicht für einen Mangel. Wenn wir
breite Übereinstimmung über Umfang
und Form eines ersten Abkommens erzielt haben, wird es an der Zeit

sein, über den zeitlichen Rahmen zu
sprechen.
Zur zweiten Frage sind wir der
Überzeugung, daß die destabilisierendsten Elemente der konventionellen
Streitkräfte massierte Feuerkraft und
gepanzerte Kräfte, schnell bewegliche
Ausrüstung und Truppen sind. Wir behandeln die Truppen anfangs im Rahmen
der Frage gepanzerter Mannschaftstransportwagen.
Vereinzelte Behauptungen, wir strebten nicht nach Truppenreduzierung, treffen nicht zu.
Wenn wir die Begrenzungen und Reduzierungen bei den von uns spezifizierten Kategorien - Panzer, Artillerie, gepanzerte Mannschaftstransportwagen - behandeln, würde auch die damit zusammenhängende Personalstärke
gesenkt.
Wenn Sie einmal unseren
Vorschlag genau studieren, werden sie
feststellen, daß wir diese Frage im
Abschnitt über Informationsaustausch
ansprechen. Die Informationen würden
nicht nur Ausrüstung sondern auch
Truppen betreffen.
Zum Thema der
Truppen bin ich nicht der Meinung,
daß unsere Differenzen ebenso groß
sind. Es ist eine Frage der Gewichtung.
Frage:
Herr Botschafter, besteht
innerhalb der NATO Uneinigkeit darüber, daß Zone 4 dasselbe ist wie die
alte MBFR-Zone?
Antwort: Die Antwort ist Nein, es
herrscht keine Uneinigkeit. Wir ziehen es vor, dies als Gebiete oder Regionen zu bezeichnen.
Ich möchte
versuchen, Ihnen dies besser zu erläutern.
(Der Botschafter bittet
seinen Assistenten, einige Landkarten
zu präsentieren.)
Das Mandat geht davon aus, daß
der Anwendungsbereich der Verhandlungen "vom Atlantik bis zum Ural"
reicht. Wir mußten das definieren.
Wir mußten die Tatsache berücksichtigen, daß es bestimmte Inselterritorien gab, die nicht unbedingt von jedermann als Teil des europäischen
Kontinents verstanden wurden. Natürlich ist Island einer der Teilnehmer,

�und wir haben Spitzbergen und andere
spezifiziert, darunter die Azoren,
die Kanarischen Inseln etc.
Auch
über die Frage, welcher Teil der
asiatischen Türkei in die Gespräche
einbezogen werden sollte, haben wir
lange verhandelt.
Das ist also das Gebiet "vom Atlantik bis zum Ural". Diese erste
Karte zeigt das Gesamtgebiet. Und
Sie werden feststellen, daß unsere
Maßnahme 4, Unterabschnitt 1, dieses
gesamte Gebiet betrifft.
Ich werde nun versuchen, aufzuzeigen, wie wir konzentrische Regionen definiert haben und wie wir mit
abnehmender Größe innerhalb dieser
Regionen Untergrenzen festlegen. Wir
reduzieren einige der Streitkräfte.
Wenn Sie eine Untergrenze haben, dann
kann in jeder Unter-Region nicht mehr
als ein bestimmter Anteil der zugelassenen
Gesamtstärke
stationiert
sein.
Die Logik unseres Vorschlags lautet folgendermaßen:
In Nummer eins, Regel eins,
sprechen wir über Gesamtbegrenzungen
für beide Seiten.
- In Nummer zwei behandeln wir
das Problem, daß kein einzelner Teilnehmer auf seiner Seite dominieren
sollte. Regel zwei besagt, daß kein
Teilnehmer mehr als 30 Prozent der
Gesamtstärke besitzen darf.
- In Nummer drei haben wir immer
noch das Problem, wie viel außerhalb
der Grenzen eines Teilnehmerstaats
stationiert sein darf, also besagt
Regel drei, daß kein Bündnis zusammen
eine bestimmte Gesamtstärke der ausserhalb der Grenzen der Entsenderstaaten stationierten Truppen überschreiten darf.
Nun zu Regel vier - da wir immer
noch nicht das Problem der destablisierenden Konzentrationen gelöst haben. Regel vier betrifft eine Reihe
miteinander verknüpfter Regionen, die

dazu führen, bestimmte Streitkräfte
zu verdrängen, wenn diese vier Untergrenzen in einem Schritt eingeführt
werden. Ich möchte dies klarstellen
- das Endergebnis besteht in der obligatorischen Verteilung der Streitkräfte über das gesamte Verhandlungsgebiet.
Dies ist also Unterregel 4, Paragraph 2. Wir haben abgebaut und damit fallen auf der Westflanke Norwegen und Island heraus, die sowjetischen Militärbezirke im Norden und
an der Südflanke Griechenland und die
Türkei, ebenso der Trans-Kaukasus,
der Kaukasus und die Militärbezirke
von Kiew.
Als nächstes behandeln wir Regel
4, Unterregion 3, und hier sehen Sie,
daß wir auf der anderen Achse Beschränkungen vorgenommen haben, die
erfordern, daß bestimmtes zusätzliches Territorium und weitere Streitkräfte ausgenommen werden. Die unter
diesem Punkt erlaubten Zahlen liegen
Ihnen vor, und dies erfordert die
Auflockerung
bestimmter
anderer
Streitkräfte. Sie werden sehen, daß
es die Iberische Halbinsel auf der
westlichen Seite und die sowjetischen
Militärbezirke - zwischen ihren westlichen Bezirken und dem Ural - im
Osten sind.
Schließlich wenden wir uns der in
Regel 4, Unterregion 4 beschriebenen
Bereich zu. Dieser Bereich betrifft
genau den Punkt, der bereits Gegenstand
anderer
Verhandlungen
war.
Aber diese Zusmmentreffen hat nichts
hiermit zu tun, außer in bezug auf
die militärischen Gegebenheiten, die
es notwendig machen.
Es bestehen
überhaupt keine politischen Beziehungen.
Vergleiche mit MBFR hinken,
wenn man dies zu verstehen sucht,
weil diese vier miteinander verknüpften Unterregionen alle gleichzeitig
in Kraft treten. Wir konzentrieren
uns nicht insbesondere auf irgendeine
dieser Zonen und wenden ihnen keine
besondere Aufmerksamkeit
zu.
Wir
schlagen ein Netz von Regionen vor,
die alle zusammen den Effekt erbrin-

- 3 -

�gen, daß
werden.

die

Streitkräfte

verteilt

Ich bedaure, daß ich so detailliert darauf eingehen muß, aber meiner Ansicht nach bestanden hierbei
eine Reihe von Mißverständnissen.
Frage:
Herr Botschafter, der sowjetische Vertreter hat erklärt, er
würde ein erstes Abkommen vor 1992,
dem Datum der nächsten Konferenz in
Helsinki, befürworten.
Stimmen Sie
dem zu? Meine zweite Frage zielt darauf ab, daß Sie in einem WorldNetInterview im Februar erklärt haben,
im Verlauf der Verhandlungen könnten
Flugzeuge einbezogen werden.
Wann
könnte das Ihrer Ansicht nach möglich
sein?
Antwort:
Wir im Westen sind sehr
vorsichtig in bezug auf die Festlegung von Terminen.
Meiner Ansicht
nach wäre es verfrüht, Termine zu
setzen, und es ist unklug, ein wichtiges Thema wie die konventionellen
Streitkräfte unter dem Druck von Terminen zu verhandeln. Dies ist auch
einer der Gründe, warum wir dieses
besondere Verhältnis zum KSZE-Prozeß
haben - wir haben unser Mandat so
vorsichtig
vorbereitet,
daß
der
KSZE-Zeitplan nicht gegen uns arbeitet.
Was die Vorschläge des sowjetischen Vertreters im Hinblick auf
1992 betrifft, so ist meine Reaktion
darauf: Warum nicht eher?
Es ist
möglich, daß wir mehr Zeit benötigen
werden, aber ich hoffe, wir werden
weniger Zeit brauchen.
Wie Sie beim Mandat gesehen haben, schließen wir Flugzeuge nicht
aus. In unserem Vorschlag legen wir
jedoch dar, daß die drei gezählten
Kategorien Panzer, schwere Artillerie
und gepanzerte Mannschaftstransportfahrzeuge erste Priorität haben sollten. Unserer Ansicht nach sind dies
die Waffen, die direkteste Auswirkungen auf die in den ersten Abschnitten
des Mandats und des Vorschlags niedergelegten Zielsetzungen haben.

Frage:
Herr Botschafter, gibt es
im Hinblick auf Flugzeuge Umstände,
unter denen sie diese in die erste
Phase einschließen würden?
Antwort:
Sie haben die Position
des Bündnisses vernommen. Meine Meinung dazu lautet, wenn wir die Flugzeuge und ihre Zahl genau festlegen,
würden die Sowjets ihre Forderung
nach einer Betonung der Flugzeuge zurückziehen. In genau diesem Bereich
spielt der Osten unglücklicherweise
das alte Spiel "was mir gehört, behalte ich, und was Euch gehört, kann
ausgehandelt werden."
Sie wollen
mehr als die Hälfte der Flugzeuge des
Ostens beseite nehmen und ihnen dann
eine rein defensive Rolle zuweisen.
Nachdem sie also 7 000 ausgenommen
haben, erklären sie, die NATO sei ihrer Zählweise zufolge im Vorteil, und
wir sollten eine Reduzierung vornehmen. Wenn wir uns also meiner Ansicht nach zunächst der Frage zuwenden, über welche Art von Flugzeugen
wir sprechen und wessen Flugzeuge
ausgenommen werden, wird das Problem
gelöst.
Frage:
Herr Botschafter, die Sowjetunion hat klar herausgestellt,
daß Nuklearwaffen zwar kein Teil dieser Verhandlungen sind, sie aber dennoch einer Modernisierung dieser Raketen in Europa nicht zustimmen. In
welchem Maße sind davon diese Verhandlungen hier betroffen?
Antwort: Das Mandat besagt eindeutig, daß Kernwaffen nicht Gegenstand
dieser Verhandlung sind. Das Mandat
besagt ferner ganz klar, daß vielfältig einsetzbaren Waffensystemen keine
besondere
Aufmerksamkeit
zugewandt
wird. Als Ergebnis davon wird die
schwere Artillerie, mit der auch nukleare Munition abgefeuert werden,
nur im Hinblick auf ihre konventionelle
Fähigkeit
behandelt
werden
kann. Wenn diese abgebaut wird und
das auch zu einer Reduzierung der nuklearen Fähigkeiten führt, ist dies
eine zwangsläufige und keine gewollte
Entwicklung.

�Soviel zum Hintergrund. Um etwas
genauer auf Ihre Frage einzugehen, so
hat Schewardnadse bei seinem Besuch
im Januar zum Abschluß des KSZE-Folgetreffens und erneut vor drei Tagen
erklärt, daß die mit diesen Verhandlungen abgezogenen sowjetischen Einheiten ihre taktischen Nukelarwaffen
mitnehmen würden.
Das ist nicht
überraschend.
Alle zum Abzug bestimmten Einheiten werden ihre schwere Artillerie mitnehmen, die unter
Umständen in der Lage sein kann, nukleare Munition abzufeuern.
Der wahre Grund für diese sowjetische Gewichtung ist der Wunsch nach
Verschärfung eines in Brüssel behandelten Problems der NATO, und ferner
soll in unsere Gespräche hier die
Frage eingebracht werden, wann, ob,
wie und wo man von INF zu dem gelangen kann, was wir SNF nennen, das
heißt, zu Verhandlungen über nukleare
Systeme mit Reichweiten von 500 oder
weniger Kilometern. Es bestehen keine Unstimmigkeiten unter den 16 Verbündeten darüber, daß Nuklearsysteme
von den Verhandlungen ausgenommen
sind. Dazu gibt es einen Konsens.
Fragen darüber, ob, wo und wann nukleare Kurzstreckensysteme in anderen
Verhandlungen
abgehandelt
werden,
sind Fragen, die NATO-Vertretern in
Brüssel oder in den Hauptstädten der
NATO-Länder gestellt werden sollten.
Frage: Wenn wir die Zahlen und die
Zonen betrachten, die uns die NATO
bietet, sieht es so aus, daß sich in
der Bundesrepublik und der Türkei die
Streitkräfte konzentrieren und in anderen Teilen in geringerem Maße vorhanden sind. Die Bundesrepublik wird
stärker militarisiert sein als andere
Bereiche des Bündnisses.
Antwort:
Das ist sicherlich nicht
unsere Absicht, und das ist nicht die
Interpretation aller 16 Länder im
Hinblick auf diesen Vorschlag. Die
Auswirkung unseres Vorschlags ist genau das Gegenteil. Er will die Konzentration der Streitkräfte in der
Mitte Europas verringern, dies aber
auf eine Weise tun, die die Sicher-

heitsinteressen keiner Partei - und
sicher nicht die Sicherheitsinteressen eines NATO-Landes wie die Türkei,
Norwegen, Griechenland, Spanien und
Portugal - verletzt. All dies ist
sehr sorgfältig erarbeitet worden.
Es ist ein ausgeklügelter Vorschlag,
in den viele Überlegungen eingeflossen sind, und ich wünsche mir, wir
hätten bei vorangegangenen Verhandlungen diese Art der Arbeitsweise angewandt.
Ich denke, wenn Sie die
Möglichkeit haben, dies eingehend zu
studieren, werden sie sehen, daß diese Verhandlungen genau das Gegenteil
von dem tun, was sie andeuten.
Frage:
Ich habe eine Frage über
die Detailliertheit bei der NATO-Position. Die Haltung der NATO scheint
detaillierter zu sein als die Position der Sowjets. Erwarten Sie mehr
Details von sowjetischer Seite?
Antwort: Darauf hoffen wir sicherlich. Aber meiner Ansicht nach gibt
es genügend Gemeinsamkeiten, auf denen wir aufbauen können. Am Montag
werden wir anfangen, die Punkte der
Übereinstimmung
festzulegen.
Wir
werden uns gegenseitig Fragen stellen, weiter ausholen und sicherstellen, daß wir die Vorschläge der anderen Seite verstehen. Wie Sie ausführten, fehlen der östlichen Seite
die Einzelheiten, die wir in unseren
Vorschlägen darlegen, aber ich denke
nicht, daß dies eine Hindernis für
eine baldige Bewegung bildet.
Frage:
Obwohl beide Seiten ihre
Zufriedenheit über einen guten Anfang
bekundet haben und auf die gleichen
Ziele zuzustreben scheinen, gibt es,
wie Sie und Herr Grinewski betonten,
zahlreiche Komplikationen. Bei welchen Themen der KSE-Verhandlungen wäre Ihrer Ansicht nach eine Einigung
am schwierigsten zu erzielen?
Antwort: Das erinnert mich an die
Frage des Optimisten und des Pessimisten: Ist das Glas halb voll oder
halb leer? Ich möchte keine Durchbrüche oder schnellen Fortschritte
vorhersagen.
Ich möchte auch keine

- 5 -

�bevorstehenden Sackgassen prognostizieren. Ich habe in meiner Eröffnungsansprache daruf verwiesen, daß
es eine Reihe von Bereichen der Übereinstimmung gibt, aber dennoch einige
Punkte, die möglicherweise Schwierigkeiten bereiten werden. Ich möchte
den hier dargelegten Punkten nicht
vorgreifen.
Zu Ihrer Erinnerung:
ich habe
einige Bereich angeschnitten, in denen Unstimmigkeiten bestehen - ihre
Zählweise unterscheidet sich von unserer, etwa bei den Hubschraubern und
Flugzeugen
und
den Soldaten, es
bleibt unklar, wie weit die Reduzierungen in einer ersten Phase gehen
sollten und wie das Problem der Lagerung von Waffen und der Militärhaushalt behandelt werden sollten.
Vielen Dank.

* * * *

�:e° S&gt;.

AMERIKA DIENST
Dokumentation

15. März 1989

11

USA FÜR FESTE, ANGEMESSENE MASSNAHMEN GEGEN IRANS DROHUNGEN
- Erklärung von Alvin Adams vor Senatsunterausschuß WASHINGTON - (AD) - Angesichts der terroristischen Todesdrohung des Iran
gegen den britischen Autor Salman Rushdie sowie Verlage und Buchhandlungen
verfolgen die Vereinigten Staaten dem stellvertretenden Koordinator für Terrorismusbekämpfung im US-Außenministerium, Alvin Adams, zufolge eine Politik der
Festigkeit und der angemessenen Reaktion. Vor dem Unterausschuß des Senats
für Terorismus, Drogenhandel und Internationale Operationen gab Adams die folgende Erklärung ab, die wir im Wortlaut veröffentlichen:
Ich begrüße diese Gelegenheit,
mit Ihnen und den Mitgliedern Ihres
Unterausschusses
über
die
Affäre
Rushdie zu sprechen.
Diese Affäre
ist mit ihrer eigentümlichen Verwicklung innen- und außenpolitischer Elemente äußerst komplex und entzieht
sich angesichts der von ihr berührten
hochbrisanten politischen und religiösen Aspekte jeglicher Berechenbarkeit.
Wir möchten von Anfang an klarstellen, daß wir energisch für die
Meinungsfreiheit eintreten, die wir
als grundlegendes Menschenrecht betrachten. Dieses Recht steht allen
Menschen in der Welt zu. Des weiteren wird es für Amerikaner ausdrücklich in unserer Verfassung bekräftigt. Wir - alle, die wir hier ver-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

treten sind und die anderen Mitglieder der Bundesregierung - werden alles in unserer Macht Stehende tun, um
dieses Recht zu schützen.
Wir nehmen die von Teheran in Zu^
sammenhang mit Salman Rushdies Buch
"Die satanischen Verse" ausgesprochenen Drohungen sehr ernst. Die Reaktionen auf das Buch haben in Südasien
bereits zu erheblichen Ausschreitungen geführt und könnten auch das Motiv für die Brandanschläge auf zwei
Buchläden in Berkeley sowie auf The
Riverdale Press in New York liefern.
Wir betrachten die Drohungen gegen
Rushdie und sein Buch als Aufforderung zur Ausführung eines terroristischen Anschlags, die in den internationalen Beziehungen unserer Zeit ihresgleichen sucht. Die Aufforderun-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�gen zur Ermordung Rushdies seitens
der iranischen Führung erscheinen vor
dem Hintergrund der ausgesetzten hohen Belohnungen noch abstoßender.
Bei der Beschäftigung mit diesen
Drohungen müssen wir zugleich jedoch
einen klaren Kopf bewahren, ihren
Charakter kühl bewerten und eine
wirksame Reaktion darauf ausarbeiten.
Dies ist nicht das erste Mal, daß wir
ernsthaften Drohungen
seitens des
Iran oder anderer, den internationalen Terrorismus unterstützender Staaten ausgesetzt sind, und es wird auch
nicht das letzte Mal sein.
Was wir tun müssen, und was wir
auch tun, ist, die seit langem bestehenden Prinzipien und Taktiken anzuwenden, die zur Abwehr terroristischer Drohungen entwickelt wurden.
Dazu gehören Festigkeit angesichts
von Einschüchterungsversuchen sowie
eine angemessene, mit unseren Freunden abgestimmte Reaktion, die sich an
einer wirksamen und realistischen
Strategie orientiert.
Von unserer Seite gibt es mehrere
unterschiedliche Reaktionen auf die
Affäre Rushdie. Im folgenden möchte
ich diese behandeln und danach auf
die Entstehung der Drohung eingehen.
Unsere Reaktionen werden von folgenden Grundsätzen geleitet:
1. Ungeachtet des literarischen
Werts dieses Buches stellte die
Drohung gegen Rushdie, seine Verleger und den Buchhandel ein
gänzlich unannehmbares Verhalten
seitens des Führers eines Staates
dar.
2. Obwohl die genauen Auswirkungen dieser Drohungen und der öffentlich ausgesetzten Belohnung
für den Mord noch ungewiß waren,
haben wir diese Drohungen ernst
genommen.
3. Angesichts der Drohungen gegen
Amerikaner in Pakistan waren unsere Reaktionen im Hinblick auf
Diplomatie und Sicherheit ange-

messen.
4. Unsere Reaktionen gründeten
sich zunächst auf Konsultationen
mit anderen Ländern, die noch unmittelbarer als wir bedroht waren, insbesondere Großbritannien,
da Rushdie britischer Staatsbürger ist und dort seinen Wohnsitz
hat.

Öffentliche Reaktionen
Was den Beginn der Affäre betrifft, so hat der Ajatollah Khomeini
seine berüchtigte Erklärung, in der
er das Buch "Die satanischen Verse"
verurteilte und den Tod Rushdies verlangte, am 14. Februar 1989 abgegeben. Die Erklärung enthielt allgemeinere Drohungen gegen Unternehmen
in Großbritannien und den Vereinigten
Staaten, die das Buch verlegten und
verkauften. Khomeinis Erklärung erfolgte nachdem das Buch wesentlich
früher schon von anderen betroffenen
Moslems verurteilt worden war und
nach den schweren Unruhen in Islamabad.
Angesichts der von dieser Affäre
betroffenen
äußerst
empfindlichen
Elemente der westlichen und islamischen Werte, dem verworrenen Zustand
der iranischen Politik und der enormen Herausforderung durch diese Affäre haben wir zu Beginn versucht, die
Ereignisse in Teheran zu analysieren
und eine Bestätigung für Khomeinis
Drohungen zu erhalten.
Unsere Reaktion hat unsere scharfe Ablehnung dieser Drohungen klargestellt. Im Rahmen einer Pressekonferenz hat der Sprecher des US-Außenministeriums, Charles Redman, am 16.
Februar 1989 die folgende formelle
Erklärung abgegeben:
"Wir sind über die vom Ajatollah
Khomeini gegen Salman Rushdie ausgesprochenen Todesdrohungen sowie über
die danach ausgesetzte Belohnung für
seine Ermordung entsetzt. Drohungen
dieser Art sind vollkommen verantwor-

- 2 -

�tungslos und unvereinbar mit den
grundlegenden Normen des internationalen Verhaltens."
In Luxemburg bekräftigte Außenminister Baker am selben Tag unsere Ablehnung der Todesdrohung und fügte
hinzu: "Die Vereinigten Staaten stehen fest zu ihrer Verpflichtung der
Bekämpfung des Terrorismus, insbesondere des staatlich geförderten Terrorismus."
Ebenfalls am 16. Februar 1989
verabschiedete
das
Europaparlament
eine Resolution, in der die Drohungen
verurteilt und der Europarat aufgefordert wurde, im Falle von deren
Ausführung Sanktionen gegen den Iran
zu verhängen. In den darauf folgenden Tagen wurden widersprüchliche
Äußerungen iranischer Vertreter bekannt. Einige meinten, der Iran werde die Todesdrohung zurückziehen,
wenn Rushdie sich für die Beleidigung
des Islam entschuldige. Am 19. Februar 1989 jedoch wurde in einer dem
Ajatollah
Khomeini
zugeschriebenen
Erklärung die Drohung in unmißverständlichen Worten bekräftigt, und
bald darauf hatte sich die gesamte
iranische Führung dem Chor derer angeschlossen, die Rushdies Tod forderten. Als Reaktion hierauf verurteilten die Außenminister der Europäischen Gemeinschaft, die sich am 20.
Februar in Brüssel eingefunden hatten, einmütig das Verhalten des Iran.
In einer bemerkenswerten Demonstration der Einigkeit beschlossen sie,
ihre höchsten Diplomaten aus Teheran
zurückzuberufen.
Innerhalb weniger
Tage hatten alle das Land verlassen.
Am 19. Februar bekräftigte Außenminister Baker in einem Fernsehinterview seine Verurteilung der Todesdrohung und der für Rushdies Ermordung
ausgesetzten Belohnung sowie die allgemeine Ablehnung
des Terrorismus
durch die amerikanische Regierung.
Er fügte hinzu: "Wenn der Iran es
mit dem Wiedereintritt in die Gemeinschaft zivilisierter Staaten ernst
meint, dann ist dies nicht die Art
von Verhalten, die dazu führt."

Am 21. Februar 1989 gab Präsident
Bush die folgende Erklärung ab:
"Ich unterstütze voll und ganz
die Erklärung der 12 EG-Staaten im
Hinblick auf die iranischen Drohungen
gegen Rushdie. Wie beleidigend das
Buch auch sein mag, so sind die Anstiftung zum Mord und die Aussetzung
von Belohnungen für dessen Durchführung eine Beleidigung der Normen zivilisierten Verhaltens. Unsere Haltung zum Terrorismus ist bestens bekannt. Im Lichte der vom Iran betriebenen Aufwiegelung kann die iranische Regierung im Falle irgendwelcher Handlungen gegen amerikanische
Interessen davon ausgehen, daß sie
dafür zur Verantwortung gezogen wird."
Am 22. Februar erklärte der Sprecher des US-Außenministeriums im Hinblick auf die Forderung führender
iranischer Politiker nach Ermordung
Rushdies:
"Diese Erklärungen stellen eine
Anstiftung zur Ausführung eines terroristischen Akts dar, und diese wird
durch das Angebot einer Belohnung für
die Ermordung Rushdies noch abstoßender...
Dies ist ein direkter Anschlag auf die Freiheit der Meinungsäußerung, die ein grundlegendes Menschenrecht ist."
Am 28. Februar erklärte der Präsident nach den Brandanschlägen auf
zwei Buchhandlungen in Berkely und
die Zeitungsredaktion in New York:
"Obwohl Einzelheiten zu diesen Anschlägen und die Motive derjenigen,
die sie begangen haben, noch unbekannt sind, ist es meines Erachtens
wichtig, bei dieser Gelegenheit zu
erklären, wo die Regierung der Vereinigten Staaten und - davon bin ich
überzeugt - das amerikanische Volk in
der Frage der Gewaltanwendung und unserer Rechte stehen.
Dieses Land
wurde auf den Prinzipien der Redefreiheit und der religiösen Toleranz
gegründet. Während unserer gesamten
Geschichte haben wir für die Bewahrung dieser Prinzipien gekämpft. Ich
möchte unmißverständlich klarstellen,

- 3 -

�daß die Vereinigten Staaten keinen
Anschlag auf diese Rechte amerikanischer Bürger hinnehmen werden."
Der Präsident fügte hinzu, falls
sich herausstellen sollte, daß durch
diese
Brandanschläge
Bundesgesetze
verletzt wurden, habe er Justizminister Dick Thornburgh aufgefordert
"alle Mittel des FBI und alle anderen
angemessenen Instrumente dieser Regierung einzusetzen, um die Verantwortlichen zu identifizieren und ihrer gerechten Strafe zuzuführen."
"Wir wissen noch nicht", erklärte
der Präsident weiter, "ob diese Anschläge mit dem Buch 'Die satanischen
Verse' in Zusammenhang stehen. Ich
möchte jedoch eines deutlich machen jeder, der Akte der Einschüchterung
oder der Gewalt gegen den Autor, die
Verleger oder die Händler des Buches
begeht, wird mit der vollen Schärfe
des Gesetzes verfolgt werden. Sicherlich mag sich mancher Anhänger
des Islam durch das Buch tief beleidigt fühlen, und ich habe dafür gewiß
Verständnis.
Aber wir können und
werden Gewalt und Gesetzlosigkeit in
diesem Land nicht hinnehmen, und die
Bürger unseres Landes sollen wissen,
wie ernst es mir mit dieser Haltung
ist.

lems, ist völlig ungerechtfertigt.
Ich möchte betonen, daß keine andere
Regierung und kein anderer Führer der
islamischen Welt - außer Gadhafi diese Todesdrohung
gutheißt.
Der
Scheich der Al-Azhar-Universität von
Kairo, einer führenden Institution
der
islamischen
Geisteswelt, hat
trotz seiner Verurteilung des Buches
Khomeinis Todesdrohung zurückgewiesen
und erklärt, diese stünde mit dem islamischen Rechtssystem nicht im Einklang .
Herr Vorsitzender,
es ist viel
über innenpolitische
Faktoren als
Gründe für Khomeinis Drohungen und
deren Unterstützung durch andere führende Politiker des Iran gesprochen
worden. Dies trifft sicherlich zu.
Wenn wir uns bemühen, das Verhalten
des Iran zu verstehen, dürfen wir jedoch nicht den Fehler begehen, dieses
Verhalten zu rechtfertigen.
Obwohl
sie dies mit unterschiedlicher Intensität getan haben, haben sich alle
führenden Politiker des Iran hinter
die Erklärungen Khomeinis gestellt.
Die gesamte Regierung des Iran ist
für dieses Verhalten verantwortlich die sogenannten Gemäßigten und die
Radikalen gleichermaßen.

Diplomatische Reaktionen
Am 3. März erklärte Justizminister Thornburgh einer Delegation amerikanischer Verleger, daß die amerikanischen Polizeibehörden alle erdenklichen Vorkehrungen treffen würden, um Verleger und Buchhändler vor
Drohungen und Gewaltakten zu schützen, die durch die Kontroverse ausgelöst würden.
Herr Vorsitzender, die Haltung
der Vereinigten Staaten steht außer
Frage. Khomeinis Erklärungen stellen
eine Anstiftung zur Ausführung eines
terroristischen Akts dar. Die Aussetzung einer Geldsumme für die Ermordung Rushdies macht dieses Verhalten noch rücksichtsloser und brutaler. Rushdies Buch hat gewiß viele
Moslems beleidigt, aber Khomeinis Behauptung, er spreche für alle Mos-

Die öffentlich abgegebenen Erklärungen sind nicht unsere einzige Reaktion auf die Drohungen gegen Rushdie. Wir haben uns mit diesem Problem auf mehreren Ebenen auseinandergesetzt, ebenso wie wir andere terroristische Bedrohungen mittels einer
Kombination von öffentlichen diplomatischen
Schritten,
diplomatischen
Verhandlungen hinter verschlossenen
Türen und Sicherheitsmaßnahmen begegnet sind.
Zusätzlich zu unserer öffentlichen Verurteilung des Vorfalls arbeiten wir eng mit Freunden zusammen,
die direkter bedroht sind und wenden
uns an andere Länder, die engere Beziehungen mit Teheran unterhalten als
wir und die daher ihrer Entrüstung

- 4 -

�wirksamer Druck verleihen können.
Unser Ziel besteht darin, andere
Staaten zu ermutigen, sich für diese
Sache einzusetzen und die sich in ihren Beziehungen mit dem Iran ergebenden Möglichkeiten auszuschöpfen, um
ihrer Mißbilligung konkret Ausdruck
zu verleihen.
Wir haben den Fall Rushdie in
mehreren Ländern angesprochen - zum
Beispiel auch in Japan und der Sowjetunion - und sie gebeten, ihre Ablehnung dieses Verhaltens klar und
deutlich zu artikulieren.
Unsere
Botschaften auf der ganzen Welt sind
mit Material über diesen Fall für Gespräche mit dem jeweiligen Gastland
versorgt worden.
Wir stellen fest, daß die westeuropäischen Länder zusammenarbeiten
und ihr Vorgehen koordinieren. Die
Europäische Gemeinschaft
hat beispielsweise ihre Botschafter aus dem
Iran abgezogen und hochrangige Besuche bis auf weiteres verschoben. Wie
bereits erwähnt, hat der Europarat
die iranischen Drohungen schärfstens
verurteilt. Präsident Bush hat seine
Unterstützung dieses Vorgehens zugesichert. Wir beabsichtigen, noch in
dieser Woche eine Erklärung bei der
Sitzung der Menschenrechtskommission
der Vereinten Nationen in Genf abzugeben.
Die Kommission weiß, daß die Vereinigten Staaten ihre diplomatischen
und wirtschaftlichen Beziehungen mit
dem Iran bereits zahlreichen Restriktionen unterworfen haben. Das amerikanische Verbot, militärisch verwendbare Produkte an den Iran zu verkaufen bleibt ebenso fest bestehen wie
das nahezu vollständige Embargo gegen
iranische Exporte in die Vereinigten
Staaten. Nach wie vor versuchen wir,
den Verkauf von Waffen aus Drittländern an den Iran zu unterbinden. Wie
Sie bereits wissen, sind wir in Iran
nicht offiziell vertreten und die zu
den Vereinten Nationen in New York
entsandten iranischen Diplomaten unterliegen weiterhin Reisebeschränkungen. Wir haben strikte Sicherheits-

vorschriften, die einzuhalten sind,
bevor ein Visum gleich welcher Art an
einen iranischen Staatsbürger erteilt
wird.
Bedrohungsanalyse
Auch auf anderer Ebene setzen wir
uns mit den Sicherheitsaspekten der
iranischen
Bedrohung
auseinander,
versuchen die politische Bedrohung
umfassender zu analysieren und gegebenenfalls die entsprechenden Vorkehrungen zu treffen. Aus den vom Iran
abgegebenen Erklärungen lassen sich
zwei Dimensionen dieser Bedrohung
entnehmen. Die eine besteht in möglichen Aktionen von Einzelpersonen,
die zwar von sich aus, jedoch ermutigt durch die Bekundungen des Iran
und die in Aussicht gestellte Belohnung für die Ermordung des Autors auf
die Ausführungen in Rushdies Buch reagieren.
Die zweite Dimension der
Sicherheitsbedrohung ergibt sich aus
der Möglichkeit vom Iran organisierter
professionellerer
Operationen
oder ähnlichem, falls die Organe der
iranischen Regierung selbst aktiv die
Morddrohung verfolgen.
Bei einer Analyse der Bedrohungen
ist Mr. Rushdie eindeutig das offensichtlichste Ziel. Sein Leben ist in
Gefahr; sowohl er als auch die britischen Behörden müssen davon ausgehen,
daß man versuchen wird, die gegen ihn
gerichtete Drohung in die Tat umzusetzen.
Aufgrund
der
britischen
Staatsbürgerschaft von Mr. Rushdie
und seinem Wohnsitz in Großbritannien
sind die britischen Interessen wahrscheinlich das nächstliegende Ziel,
zumindest aus der Sicht von Einzelpersonen, die auf die iranischen
Drohgebärden reagieren.
Angesichts
der Demonstrationen, die bereits gegen kulturelle Einrichtungen der Vereinigten Staaten in Islamabad stattgefunden haben und einer Reihe von
Drohungen, die gegen Einzelpersonen
und Unternehmen in den Vereinigten
Staaten ausgestoßen wurden, sind auch
wir ein potentielles Ziel. Im Hinblick auf die Einrichtungen in Über-

- 5 -

�see hat das Außenministerium alle diplomatischen Vertretungen in den am
meisten gefährdeten Gebieten von der
Möglichkeit antiamerikanischer Aktivitäten in Kenntnis gesetzt. Die diplomatischen Vertretungen wurden angewiesen, dem Außenministerium über
Reaktionen vor Ort auf den Fall Rushdie Bericht zu erstatten. Die amerikanische Flugsicherheit ist bereits
aufgrund des Bombenanschlags auf Pan
Am-Flug 103 erhöht worden und weitere
Drohungen werden nach wie vor sorgfältig ausgewertet.
Mit Blick auf die Zukunft ist es
schwierig, eine Beurteilung der Weiterentwicklung dieser Situation abzugeben, ob die Drohungen des Iran und
die von ihm heraufbeschworenen Gewaltakte sich in nichts auflösen oder
ob es tatsächlich in Verbindung mit
iranischen Regierungsbehörden weitere
Anschläge geben wird. Für den letzteren Fall hat Präsident Bush bereits
eindeutig klargestellt, daß der Iran
dafür zur Verantwortung gezogen wird.
Solange die iranische Regierung
weiterhin absolut gewissenlos und unverantwortlich handelt, muß sich Teheran zumindest auf heftige Kritik
und Isolation gefaßt machen. Dieser
Vorfall ist nicht das einzige Ereignis, das den Iran isoliert und ihn
von normalen Beziehungen mit der
übrigen Welt ausschließt. Die iranische Regierung setzt ihre Politik der
Unterstützung
des
internationalen
Terrorismus fort, einschließlich der
Terroristen, die die Geiseln im Libanon gefangenhalten.
Wir erachten
diese Politik als verabscheuungswürdig und inakzeptabel. Sie muß ein
Ende haben, wenn der Iran ein Mitglied der internationalen Staatengemeinschaft werden will.
Herr Vorsitzender - viele Moslems
fühlen sich von diesem Werk beleidigt.
Aber kein Mensch hat das
Recht, einen Mordanschlag auf einen
anderen für das, was er denkt und
schreibt, auszuüben. Der Islam ist
ebenso wie das Christen- und Judentum
eine der größten monotheistischen Re-

ligionen der Welt, die dem menschlichen Leben tiefe Verehrung erweisen.
Der vielleicht traurigste Aspekt dieser tieftraurigen Angelegenheit ist,
daß durch sie einige der Grundüberzeugungen des Islam in Mißkredit gebracht werden können.
Noch ein letzter Punkt: In unserer Entrüstung über das Verhalten des
Iran ist es doch von Bedeutung, daß
wir nicht fälschlicherweise annehmen,
es handele sich um einen grundsätzlichen Konflikt zwischen islamischen
und westlichen Werten. Das Buch "Die
satanischen Verse" verwendet islamische Thesen und Symbole für fiktive
und künstlerische Zwecke. Damit hat
der Autor viele Moslems und auch andere Menschen beleidigt.
Aber der
Konflikt hier besteht nicht zwischen
denjenigen, denen das Buch gefällt
und denjenigen, die es nicht mögen.
Noch liegen wir im Streit mit dem Islam. Wir befinden uns im Streit mit
denjenigen im Iran, die offensichtlich der Überzeugung sind, daß sie im
Namen des Islam das Recht haben,
Mordanschläge
anzustiften und die
sich durch dieses abstoßende Verhalten von der Mehrheit der Moslems und
der Menschheit isoliert haben.
Abschließend möchte ich nochmals
betonen, Herr Vorsitzender, daß die
verantwortungsbewußten Mitglieder der
internationalen
Staatengemeinschaft
in ihrer Verurteilung und ihrer Entrüstung über die Anstiftung zum Mord
und der Bedrohung von Buchhandlungen
und Verlegern und der Redefreiheit an
sich vereint sind. Senator Moynihans
Resolution (S. Res. 69) hebt diese
Tatsache besonders hervor. Wir werden und können Morddrohungen und Versuche, uns bei der Ausübung unserer
Grundrechte zu hindern, nicht tolerieren.
Wir hoffen, daß die iranische
Führung schnell erkennt, daß Anstiftung zur Gewalt den eigenen langfristigen Interessen des Iran in höchstem Maße zuwiderläuft, sein internationales Ansehen zerstört und ein
ernstzunehmendes Risisko für seine

- 6 -

�Beziehungen mit anderen Ländern bedeutet.
Unsererseits werden wir die Situation sorgfältig überwachen und unsere Verpflichtung zum Schutz der
amerikanischen Bürger und Rechte bekräftigen. Darüber hinaus werden wir
weiterhin alles in unserer Macht Stehende tun, jeden davon abzuhalten,
Bedrohungen zu weiteren Gewaltakten
eskalieren zu lassen.

*

* * * * *

- 7

�AMERIKA DIENST
'VON

4

Dokumentation

11

15. März 1989
VEREINIGTE STAATEN WOLLEN "MAUER DES MISSTRAUENS" IN EUROPA ABBAUEN
- Ansprache von John Maresca -

WIEN - (AD) - Dem Leiter der amerikanischen Delegation bei den Verhandlungen über Vertrauens- und sicherheitsbildenden Maßnahmen in Europa (VSBM), John
J. Maresca, zufolge betreffen die von den Vereinigten Staaten und ihren westlichen Verbündeten vorgeschlagenen Maßnahmen "den Kern des Vertrauensproblems
in den europäischen Militärangelegenheiten". Bei der ersten Plenarsitzung
schlug Maresca einen jährlichen Informationsaustausch zwischen Ost und West
über die in Europa stationierten konventionellen Streitkräfte und Waffensysteme vor, um die in den vergangenen vier Jahrzehnten errichtete "Mauer des Mißtrauens" abzubauen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des amerikanischen Delegationsleiters im Wortlaut:
Herr Vorsitzender, verehrte Delegierte,
zunächst möchte ich mich meinen
Vorrednern anschließen und die Dankbarkeit meiner Regierung gegenüber
unseren österreichischen Gastgebern
dafür zum Ausdruck bringen, daß sie
diesen herrlichen Rahmen für unsere
Verhandlungen zur Verfügung gestellt
und uns in den vergangenen Tagen
solch großartige Gastfreundschaft erwiesen haben. Wir können nur hoffen,
daß diese historische Umgebung uns
alle zu höchsten Zielen und staatsmännischen Leistungen inspirieren möge.
Bei den von uns heute eröffneten
Verhandlungen geht es um Sicherheit.
Wenn wir nun unsere gemeinsamen Bemü-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

hungen aufnehmen, tun wir gut daran,
alle Teile dieses Konzepts im Auge zu
behalten. Wenn uns die Erfahrung der
KSZE irgend etwas gelehrt hat, dann,
daß die Sicherheit der Nationen durch
militärische
Mittel
allein
weder
vollständig gemessen noch vollkommen
verwirklicht werden kann. Die militärische Konfrontation, die Europa
seit nunmehr vierzig Jahren belastet,
ist tatsächlich Auswirkung und nicht
Ursache, der politischen und gesellschaftlichen Teilung des Kontinents.
Wie Außenminister Baker in seiner
Rede am Montag erklärt hat, kann echte und dauerhafte Sicherheit in Europa nur auf einer Grundlage des Vertrauens begründet werden, des Vertrauens der Nationen gegenüber ihren
Nachbarn und des Vertrauens der Bür-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ger gegenüber ihren Regierungen.
Der von den Mitgliedstaaten des
Nordatlantischen
Bündnisses
heute
eingebrachte Vorschlag stellt einen
bedeutenden Schritt zum Aufbau dieser
Art von Vertrauen im Bereich der militärischen Angelegenheiten dar. Aus
diesem Grund wird er von der Regierung der Vereinigten Staaten voll und
ganz unterstützt.
Es kann nicht erwartet werden,
daß die Nationen ihre Streitkräfte
verringern, wenn sie nicht in gewissem Maß darauf vertrauen können, daß
ihre Nachbarn keinerlei feindselige
Absichten gegen sie hegen. Die massiven Stationierungen von Streitkräften mit offensiven Fähigkeiten seitens der Sowjetunion und des Warschauer Pakts in ganz Mitteleuropa
sowie an den Flanken des europäischen
Kontinents lassen kein Vertrauen aufkommen. Fügt man dem noch die geschlossenen Grenzen, die Unterdrückung politischer und gewerkschaftlicher Bewegungen sowie die erdrückende
Geheimhaltungspraxis hinzu, mit deren
Hilfe praktisch alle militärischen
Angelegenheiten des Warschauer Pakts
verschleiert werden, dann nimmt es
nicht wunder, daß der Westen seit
vier Jahrzehnten seine Nachbarn im
Osten mit Mißtrauen und Furcht betrachtet.
Unser Vorschlag ist darauf ausgelegt, weiter am Abbau dieser Mauer
des Mißtrauens zu arbeiten. Die von
uns und unseren Verbündeten vorgeschlagenen Maßnahmen betreffen den
Kern des Vertrauensproblems in den
europäischen militärischen Angelegenheiten. Mit einfachen Worten: Wir
schlagen vor, daß alle europäischen
Staaten auf jährlicher Basis vollständige Informationen darüber austauschen sollten, welche konventionellen Streitkräfte und Waffensysteme
sie auf dem europäischen Kontinent
stationiert haben und wo diese stationiert sind. Um unser Vertrauen in
die erhaltenen Informationen zu vertiefen, werden wir das Recht fordern,
diese direkt auszuwerten.

Ferner schlagen wir und unsere
Verbündeten vor, die bestehenden Regelungen zur Inspektion und Beobachtung
militärischer
Handlungen
zu
stärken, um unsere Einschätzung von
Fähigkeiten und Absichten zu verbessern. Wie Sir Geoffrey Howe am Montag erklärt hat: "Eine gute Idee ist
es wert, daß man sie verbessert."
Des weitern haben wir ein innovatives neues Forum vorgeschlagen, auf
dem Vertreter des militärischen Establishments unmittelbar ihre Meinungen
und
Anliegen
austauschen
können.
Meines Erachtens können wir im Hinblick auf die Aussichten für Fortschritte in Richtung auf eine stabilere und sicherere Zukunft Europas
wirklich optimistisch sein. Das Klima der Ost-West-Beziehungen ist heute
Fortschritten bei der Tagesordnung
von Frieden und Sicherheit vielleicht
förderlicher als zu irgendeinem Zeitpunkt der vergangenen vierzig Jahre.
Das "neue Denken" in der Sowjetunion
und in einigen Staaten Osteuropas
birgt in sich die Möglichkeit des
Wandels in der Haltung jener Regierungen gegenüber ihren Nachbarn und
Bürgern.
Unser Optimismus sollte jedoch
von Realismus und Klugkeit gezügelt
werden. Ebenso wie Chancen bestehen,
die wir verfolgen müssen, gibt es Realitäten, die wir nicht außer acht
lassen dürfen. Der Kalte Krieg war
keine Fata Morgana. Er war eine reale internationale Lage mit eindeutigen Merkmalen, der politischen Teilung Europas, der Militarisierung der
Ost-West-Beziehungen und dem Wettbewerb zwischen zwei weitgehend unvereinbaren
Gesellschafts- und
Wirtschaftssystemen. Alle diese Merkmale
existieren
in mehr oder weniger
scharfer Form auch heute noch.
Trotzdem müssen wir keine Gefangenen einer unglücklichen Vergangenheit oder einer komplizierten Gegenwart sein.
Kein Aspekt der OstWest-Beziehungen ist vor dem Wandel
zum Besseren gefeit. In dieser Hinsicht begrüßen wir den neuen Wind aus

�dem Osten. Glasnost und Perestrojka
sind Begriffe, die Hoffnung in den
Herzen von Millionen Europäern geweckt haben.
Unsere Hoffnungen auf eine stabilere und
friedlichere europäische
Ordnung sind jedoch in der Vergangenheit enttäuscht worden. Wir im Westen sehen erwartungsvoll den Taten
entgegen, die den Schlagworten Bedeutung und Substanz verleihen.

t
*

Wir begrüßen die Gelegenheit zu
Gesprächen über unsere konventionellen Streitkräfte - dies sind defensive Streitkräfte, und sie haben niemals eine Bedrohung für die Sicherheit irgendeines Staates auf diesem
Kontinent
dargestellt.
Wir
sind
gleichermaßen bereit, die Ausweitung
der Offenheit in militärischen Angelegenheiten zu diskutieren.
Offenheit bedeutet für die westlichen Demokratien keine Herausforderung, sie
ist ein natürliches Merkmal unserer
freien Gesellschaften.
Gleichzeitig werden wir jedoch
alle im Rahmen dieser Gespräche unterbreiteten Vorschläge mit den gleichen strengen Maßstäben messen, die
wir an die von uns und unseren Verbündeten heute eingebrachten Maßnahmen gelegt haben. Der Erfolg unseres
Unterfangens kann nur mit der Dimension verbesserter Sicherheit für alle
hier vertretenen Staaten gemessen
werden, Wir werden in diesen Verhandlungen auf keine Vereinbarungen
eingehen, mit denen die Fähigkeit des
Westens zur Selbstverteidigung ausgehöhlt werden.
Die vor uns liegende Aufgabe der Ausbau von Offenheit und Vertrauen in militärischen Angelegenheiten ist wichtig. Wie ich jedoch schon
vorhin festgestellt habe, sind unsere
Bemühungen lediglich Teil eines umfassenderen Prozesses. Die von uns
in militärischen Angelegenheiten angestrebte Sicherheit und Offenheit
muß sich also auch auf das Verhältnis
zwischen Regierungen und Regierten in
ganz Europa erstrecken.
- 3

Nur wenn Ideen, Menschen und Informationen die Grenzen ungehindert
passieren können und der Einzelne in
allen Ländern ein Mitspracherecht an
Entscheidungen besitzt, die sein Leben betreffen, werden wir In der Lage
sein, ein Europa zu schaffen, das
wahrhaft stabil und sicher ist,
Diese Gedanken sind vielen von
uns lieb und teuer, für andere eine
attraktive Alternative. Leider werden sie jedoch von einigen immer noch
als Bedrohung empfunden. Wie man sie
jedoch betrachten mag, diese einfachen Ideen verkörpern die Zukunft.
Wir hoffen aufrichtig, daß das von
uns heute im Bereich der militärischen Vertrauensbildung begonnene Unterfangen dazu dienen wird, diese umfassendere Vision der Offenheit und
Freiheit für alle Europäer zu fördern.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON**

Wissenschaft und Technik

15. März 1989

11

Muskeldystrophie, Typ Duchenne
Erster Erfolg zur Defektkorrektur im Tierversuch

(AD) - Knapp ein Jahr nach der
Entdeckung eines als "Dystrophin" bezeichneten Proteins, dessen Ausfall
im Organismus
zu fortschreitendem
Muskelschwund mit schwerer Behinderung und Tod meist schon in jungen
Jahren führt, haben Forscher im Tierversuch einen Weg gefunden, um den
Abbau der Muskelzellen zu stoppen.
Sie injizierten dystrophen Mäusen unreife Muskelzellen, woraufhin der
tierische Organismus begann, Dystrophin zu produzieren. Dies mag ein
erster, aber sehr bedeutsamer Schritt
sein, um endlich eine Therapie entwickeln zu können.

Folge einer genetischen Störung, die
die Produktion des Proteins Dystrophin verhindert. Bereits im ersten
Lebenjahr macht sie sich bemerkbar
und schreitet dann sehr rasch fort.
Nur wenige Patienten haben eine Chance, das dritte LebensJahrzehnt zu erleben.
In den Vereinigten Staaten
beträgt
die Häufigkeit
bei ausschließlich männlichen Neugeborenen
1:3500. Noch nicht allzu lange ist
bekannt,daß das dafür verantwortliche
Gen auf dem X-Chromosom liegt, sehr
groß ist und etwa ein Zweitausendstel
des menschlichen Genoms (d.H. der
Genmasse im Chromosomensatz) ausmacht.

Die Rede ist von infantiler progressiver Muskeldystrophie, "Typ Duchenne" (in der englischen Terminologie mit DMD abgekürzt). Sie ist die

Obgleich die exakte Funtkion des
bei DMD-Patienten fehlenden Proteins
noch nicht bekannt ist, lassen die
Ergebnisse von neuen Studien vermu-

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�ten, daß es die Wand der Muskelzelle
stützt. Bei der Untersuchung extrem
dünner Schnitte von Muskelgewebe unter dem Elektronenmikroskop fand man
das durch spezielle Nachweisverfahren
sichtbar gemachte Dystrophin an der
Innenseite der Plasmamembrane.
Bei
dieser handelt es sich um die die
Zelle nach außen abschließende Wandung, die eine wichtige Funktion für
Transportvorgänge beim Stoffaustausch
zwischen Zelle und Außenmedium erfüllt. Dystrophin scheint Teil des
Zellskeletts zu sein, eines Netzwerks
von Proteinen, das die Zellstruktur
aufrechterhält.
Nach Meinung der
Forscher könnten somit Zellen, denen
Dystrophin fehlt, der normalen Muskelarbeit nicht
standhalten.
Sie
würden durch sie aufgerissen und zerstört.
Der amerikanische Genetiker Louis
Kunkel vom "Howard Hughes Medical Institute" In Boston (Massachusetts),
der die Tierexperimente mit Mäusen
leitete, bezeichnet die neuen Ergebnisse als "Voraussetzung für erste
Schritte zur Entwicklung therapeutischer Präparate für die Behandlung
von DMD". Weitere Experimente mit
Mäusen wurden und werden an der "Charing
Cross
and
Western
Medical
School" in London sowie am Neurologischen Institut von Montreal (Kanada)
durchgeführt. Dr. Donald Wood, Direktor für Forschung der Amerikanischen Gesellschaft für Muskeldystrophie, sagte kürzlich in Washington,
daß noch im Laufe dieses Jahres erste
Experimente an DMD-Patienten geplant
seien. (DMD ist die häufigste Form
von Erkrankungen im Zusammenhang mit
Muskeldystrophie.)
Diese
Studien,
für die einzelne Muskelstränge und
wenige Muskelgruppen ausgewählt würden, könnten den Anfang größerer Studien am Menschen bilden. Aber es sei
viel zu früh, sich dazu zu äußern,
wann Injektionen - sollten sie sich
als nützlich erweisen - im größeren
Umfang verfügbar werden.
Frühere Arbeiten hatten übrigens
auch gezeigt, daß Dystrophin, ofgleich es nur ein Fünfzigtausendstel

Anteil an den Muskelproteinen besitzt, offenbar eine wichtige Rolle
bei der Erhaltung des Calcium-Gleichgewichts spielt.
Calcium wird als
Elektrolyt für die normale Muskelerregung
und
Muskelkontraktion
gebraucht. Dr. Eric Hoffman von "Children's Hospital" in Boston vermutet,
daß durch die Störung des Calciumgleichgewichts ein Enzym aktiviert
wird, das Muskelfasern auflöst. Und
im Versuch des Organismus, dem gegenzusteuern, komme es zur Fibrose der
Skelettmuskulatur, d.h. zu einem Verhärtungsprozeß, der die Muskelfunktion beeinträchtigt.
Forschungsberichte
israelischer
Wissenschaftler besagen, daß Dystrophin, allerdings in anderer Form,
auch
von
Gehirnzellen
produziert
wird. Diese Entdeckung könnte möglicherweise erklären helfen, weshalb
bei manchen DMD-Patienten geistige
Retardierung beobachtet wird.
Etwa
30 bis 50 Prozent der Patienten sind
in sehr leichter bis mäßiger Form davon betroffen.
* * * * *

�AMERIKA DIENST
r

V,oN^

Wissenschaft und Technik

15. März 1989

11

TABAK ALS DROGE EINSTUFEN
Nationaler Krebsbeirat fordert Kampagnen gegen das Rauchen

(AD) - Mit ca. 576 000 Krebstoten
pro Jahr haben die Vereinigten Staaten nach Schätzungen von Wissenschaftlern des "National Cancer Institute" (Krebsforschungsistitut der
Medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA) bis zum Jahr 2000 zu
rechnen.
Das hieße, mehr als ein
Viertel aller Todesfälle wären auf
Krebs zurückzuführen. In den gegenwärtigen Krebsstatistiken falle auf,
so der Direktor des Instituts Dr. Samuel Broder, daß etwa ein Drittel aller Todesfälle durch Krebs auf Rauchen zurückzuführen sei. Er nennt es
"eine traurige Tatsache, daß in unseren Schätzungen für 1989 Lungenkrebs
bei Frauen den Brustkrebs als häufigste Todesursache bei Krebserkrankungen überholt hat. Bei Männern macht
er 35 Prozent der Krebserkrankungen

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mit Todesfolge aus".
Der Nationale Krebsbeirat (National Cancer Advisory Board - NCAB),
dessen Mitglieder vom amerikanischen
Präsident ernannt werden und der das
Nationale Krebsforschungsinstitut berät, setzte sich kürzlich für verstärkte Anstrengungen ein, um Tabakrauchen ganz auszuschalten. Außerdem
sollten in verstärktem Maße Krebsvorsorgeuntersuchungen in Anspruch genommen werden. Die Empfehlungen basieren u.a. auf den Ergebnissen öffentlicher Anhörungen, die in den
vergangenen zwei Jahren in fünf grossen amerikanischen Städten landesweit
durchgeführt wurden.
In ihrem Bericht fordert das
NCAB-Gremium mehr Druck und Aktivitä-

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�ten der Behörden und anderer öffentlicher Stellen, um Rauchen und Tabakgenuß in den Vereinigten Staaten bis
zum Jahr 2000 völlig zu eliminieren.
Auch solle der US-Kongreß Tabak als
eine Droge klassifizieren, so daß er
unter die von der US-Behörde für Nahrungs- und Arzneimittel (FDA) erlassenen Bestimmungen falle.
In den
Passagierflugzeugen aller Fluglinien
und in allen übrigen Transportmitteln, am Arbeitsplatz, in öffentlichen und privaten Schulen und Hochschulen und in allen öffentlichen Gebäuden solle Rauchen verboten werden.
Krebsvorsorgeuntersuchungen, insbesondere auf Brust-, Gebärmutterhalsund Darmkrebs, sollten weit
mehr als bisher wahrgenommen werden.
Zwar seien in der Bevölkerung die
verschiedenen Methoden zum Aufspüren
von Krebs wie z.B. die Mammographie
bereits recht gut bekannt, aber es
werde zu wenig Gebrauch davon gemacht.
Noch bleibe viel zu tun,
heißt es im NCAB-Bericht, um Erkenntnisse und Wissen zu verbessern. Das
gelte auch für den Zugang zu qualitativ guten und preiswerten Testverfahren. Diese sollten "aggressiver" als
bisher eingesetzt werden.
Als "gute Nachricht" bezeichnete
Dr. Broder die Fortschritte der letzten Jahre in der Erforschung genetischer und molekularer Grundlagen von
Krebserkrankungen. Dazu gehöre auch
die Identifizierung regelrechter Familien von Genen, die eine Entwicklung von Krebs beschleunigen oder
verzögern können. Dennoch sehe man
sich noch gewaltigen Problemen gegenüber. "Bis heute verfügen wir noch
nicht über lückenlose Kenntnisse, um
auf molekularer Basis Krebs erklären
zu können. Nicht jeder Krebspatient
kann mit den verfügbaren Therapien
geheilt werden. Und häufig wird das,
was wir genau wissen, zu wenig ernst
genommen."

* * * * *

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Cheney bringt reichen Erfahrungsschatz In sein Amt mit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des designierten Verteidigungsministers Richard Cheney&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ost-West-Gespräche über konventionelle Waffen gut gestartet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz von Botschafter Ledogar&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA für feste, angemessene Maßnahmen gegen Irans Drohungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Alvin Adams vor &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Senatsunterausschuß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vereinigte Staaten wollen "Mauer des Mißtrauens" in Europa abbauen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von John Maresca&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Techniken&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Muskeldystrophie, Typ Duchenne&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erster Erfolg zur Defektkorrektur &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;im Tierversuch&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabak als Droge einstufen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Nationaler Krebsbeirat fordert Kampagnen gegen das Rauchen&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

12

22. Ma*rz 1989

INHALT

DOKUMENTATION
Anhaltende Probleme im Westen trotz Erfolgen der NATO
- Rede des Stellvertretenden Außenministers im Kongreß

HINTERGRÜNCMATERIAL
Wjilter8_ nimmt Abschied von den Vereinten Nationen
- Abschiedsbesuch bei Generalsekretär Perez de Cuellar

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Erfolgreicher "DISCOVERY"-Flug
- Reiche Ausbeute für Technik, Forschung und Fotodokumentation -

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
Dokumentation

"VoN^

22. März 1989

12

ANHALTENDE PROBLEME IM WESTEN TROTZ ERFOLGEN DER NATO
Rede des stellvertretenden Außenministers im Kongreß

WASHINGTON - (AD) - In seiner Ansprache vor dem Auswärtigen Ausschuß des
Senats erklärte der stellvertretende Außenminister Lawrence Eagleburger am 15.
März 1989, die Erfolge des Nordatlantischen Bündnisses in den vergangenen
vierzig Jahren hätten "chronische Probleme hinterlassen, die in manchen Fällen
zunehmend akut werden".
Eagleburger zufolge seien diese Probleme Ausdruck eines Generationskonflikts, der aufgetreten sei, weil "ein langer Frieden eine gewisse Gleichgültigkeit erzeugt" und weil Unstimmigkeiten über das Problem der Nuklearwaffen
sowie Spannungen im Welthandel bestehen.
Nachfolgend veröffentlichen wir Eagleburger's Rede im Wortlaut:
Herr Vorsitzender, verehrte Ausschußmitglieder.
Als ich im Jahr 1957 in den Auswärtigen Dienst eintrat, waren die
Vereinigten Staaten tief in den Kalten Krieg verstrickt.
Der Sputnik
erschütterte unser Vertrauen in Technik und Wissenschaft. Wir hatten gerade die schmerzliche Erfahrung gemacht, daß sich unsere Verbündeten im
Nahen Osten gegen uns stellten. Wir
sahen uns einem sowjetischen Regime
nach Stalin mit einem dynamischen,
reformorientierten
Führer
an
der
Spitze gegenüber, der offensichtlich
zu neuen Denkansätzen bereit war. In
Asien mußten wir mit der Feindseligkeit der chinesischen Kommunisten und
der wirtschaftlichen Schwäche unserer
asiatischen Freunde und Verbündeten,

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einschließlich Japans, fertigwerden.
Die Entwicklungsländer zeigten sich
gegenüber freier Marktwirtschaft und
westlicher Demokratie abgeneigt.
Wer heute in den Auswärtigen
Dienst eintritt, nimmt ganz andere
Gegebenheiten
wahr.
Außenminister
Baker hat Ihnen in seiner Ansprache
einen umfassendesnUberblick über die
Welt gegeben, dem ich nichts hinzufügen muß. Es reicht aus, wenn ich darauf hinweise, daß wir starke und
wohlhabende
Verbündete
haben,
wo
einstmals schwache waren. Viele Entwicklungsländer haben die Vorzüge der
Marktwirtschaft und der Demokratie
für sich entdeckt, und unser sowjetischer Gegner kämpft mit systemimmanenten Schwächen. Die Welt des zuendegehenden zwanzigsten Jahrhunderts

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�ist In vieler Hinsicht eine freundlichere Welt als die meiner Anfangsjahre im Auswärtigen Dienst.
Diese Veränderungen werden noch
deutlicher, wenn man sie in ihrem geschichtlichen Zusammenhang betrachtet. Barbara Tuchman hat einmal gesagt, daß wir bis ins 14. Jahrhundert
zurückgehen müßten, um ein Zeitalter
zu finden, das von soviel Blut und
Unsicherheit gekennzeichnet war wie
die erste Hälfte unseres Jahrhunderts.
Zwei Weltkriege, eine Große
Depression und die Bedrohung durch
totalitäre Regime belegen ihre These.
Dennoch leitete die Nachkriegszeit im
Gegensatz zu den dreißiger Jahren
kein neues Blutbad ein. Der Grund
dafür ist in der amerikanischen Führungsrolle zu suchen.
Wir haben
nicht immer klug und effektiv gehandelt, bei den wichtigsten Problemen
jedoch immer Erfolg gehabt.
Im Gegensatz zur Sowjetunion ergeben sich unsere Probleme heute aus
unserem Erfolg, nicht etwa aus Mißerfolgen.
In den vergangenen vierzig Jahren
waren wir im allgemeinen bei der Behandlung des Ost-West-Problems und in geringerem Maße - beim Nord-SüdProblem erfolgreich, da die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten in
Europa und Asien einigermaßen zusammengehalten haben. Das Ergebnis war
ein Triumph für die politischen und
wirtschaftlichen Werte des Westens.
Das Ost-West-Verhältnis ist weniger
gespannt als noch vor einiger Zeit.
Das Nord-Süd-Problem wird hoffentlich
in allernächster Zeit auf solide und
produktive Art und Weise neu definiert. Mit anderen Worten: die Einheit des Westens hat die Tür zu einer
neuen vielversprechenden Zeit im kommenden Jahrhundert aufgestoßen. Aber
um diese Tür offenzuhalten und diese
Schwelle zu überschreiten, brauchen
wir jetzt ebenso wie in den vergangenen vierzig Jahren einen starken, geeinten Westen.
Das Verhältnis zwischen den west-

lichen Ländern hat sich grundlegend
verändert. Wo noch vor vierzig Jahren die gesamte Initiative und die
meisten Ressourcen aus Washington
stammten, bringen jetzt unsere europäischen und japanischen Verbündeten
einen großen Teil der Inititive und
einen zunehmenden Anteil der Ressourcen auf, was sie auch tun müssen. Es
ist dabei unvermeidlich, daß durch
die Veränderungen im relativen Gewicht und in der Stärke unserer Partner als auch durch die Tatsache, daß
wir ein Bund freier Nationen mit oftmals
unterschiedlichen
Interessen
sind, Spannungen auftreten. Solange
unsere gemeinsamen Werte und unsere
grundsätzlichen
Interessen
gleich
sind - was ich denke - können wir zusammenhalten.
Aber meiner Ansicht
nach müssen wir uns immer öfter vor
Augen führen, daß wir trotz heftig
geführter Diskussionen zu Ubergangslösungen immer noch Partner sind, die
eine Welt aufbauen müssen, die sicherer und demokratischer ist als die
Welt, wie sie uns von einer Generation hinterlassen wurde, die noch die
Jahrhundertwende erlebt hat.
Die NATO begeht bald ihren 40.
Geburtstag, was nach menschlichem Ermessen ein mittleres Alter, in Bezug
auf
internationale
Bündnisse aber
schon sehr alt ist. Je länger das
Bündnis gedauert hat, umso besser
ging es unseren Verbündeten. Das ist
von Vorteil.
Klagen dazu wären
kleinlich. Es wäre jedoch dumm, sich
nach früheren Zeiten zu sehnen, als
wir die ganze Last tragen mußten.
Wir sollten jedoch anerkennen,
daß die Erfolge der NATO chronische
Probleme hinterlassen haben, die in
manchen Fällen zunehmend akut werden.
Eines davon ist der Generationenkonflikt.
Ein langer Frieden erzeugt
eine gewisse Gleichgültigkeit. Weder
unsere Verbündeten noch wir haben genug dafür getan, daß die junge Generation die Leistungen des Bündnisses
anerkennen kann, insbesondere, daß
wir ihr die Möglichkeit für eine einigermaßen glückliche Zukunft geboten
haben. Diese Aufgabe ist jetzt ange-

�sichts einer von den Sowjets wiederentdeckten
sanfteren
Taktik
ganz
wichtig.
Ein zweites Problem trifft die
Nuklearwaffen. Manche nennen es Abneigung, aber es ist tatsächlich nur
eine
ambivalente
Haltung.
Jeder
wünscht sich die abschreckenden Vorteile der Nuklearwaffen, aber die
Menschen sind verständlicherweise zurückhaltend, wenn es darum geht, den
Preis für eine Politik zu zahlen, die
eine Stationierung dieser Waffen auf
ihrem Territorium vorsieht. Wir dürfen nicht dem Trugschluß erliegen,
auf die nukleare Abschreckung verzichten zu können oder daß wir, wenn
wir das täten, die Chancen für einen
Krieg verringern würden. Kriege gab
es schon lange bevor es Nuklearwaffen
gab. Wir dürfen uns auch keinen Illusionen über die ambivalente Einstellung der Öffentlichkeit über diese Nuklearwaffen hingeben, die hier
und in Europa vorherrscht. Sie liegt
den oftmals widersprüchlichen Kommentaren zugrunde, die wir zum INF-Abkommen oder zur Frage der Modernisierung von Kurzstreckenraketen vernehmen. Die Ambivalenz ist real und wir
müssen Möglichkeiten finden, mit ihr
fertigzuwerden.
Dann gibt es Spannungen und Ängste Lm Welthandel. Manchmal wünsche
ich mir, wir könnten all die Hormone,
die Europäer nicht in ihrem Fleisch
haben wollen, nehmen und sie dazu benutzen, unseren gemeinsamen Willen zu
stärken, um einen Kompromiß herbeizuführen, der die Vorteile und die Kosten zum Vorteil der Vereinigten
Staaten,
Westeuropas
und
Japans
gleichmäßig verteilt.
Der Schritt
der Europäischen Gemeinschaft zu ihrem Binnenmarkt Ende 1992 ist der offenkundigste Beweis. Der erfolgreiche Abschluß dieser Bemühungen wird
ein richtungweisendes Ereignis in der
Geschichte des letzten Viertels vom
20. Jahrhundert sein. Ob es zum Vorteil oder zum Nachteil gereichen oder
Europa eine geschlossene Enklave des
Protektionismus errichten wird, so
werden wir und die übrige Welt darauf

angemessen zu reagieren wissen. Wenn
auf der anderen Seite der neue Markt
ausländischen Waren und Dienstleistungen offensteht, dann wird Europa
nicht nur für sich selbst, sondern
auch für seine Handelspartner den
Grundstein für ein neues Zeitalter
gelegt haben.
Alle der von mir kurz beschriebenen Probleme sind miteinander verknüpft. Wenn wir keine Vorsicht walten lassen, könnte ein langsamer,
aber stetiger Niedergang einsetzen.
Im Rahmen der Sicherheitsvereinbarungen der NATO und der Arbeit internationaler, von uns nach dem Zweiten
Weltkrieg geschaffener Institutionen
wie dem IWF, GATT, der OECD und der
Weltbank hat Westeuropa einen langen
Weg von seinem verheerenden Zustand
nach dem Zweiten Weltkrieg zurückgelegt. Wir dürfen das durch diese Institutionen geschaffene konstruktive
Beziehungsgeflecht nicht beeinträchtigen. Jeder Strang dieses Geflchts
mag bisweilen dünn und brüchig erscheinen, aber zusammen können wir
eine große Last tragen. Die gemeinsame Aufgabe des Westens besteht darin, diese Vergangenheit zu bewahren
und auf ihr aufzubauen. Andernfalls
wird sich dieses Netz aufzulösen beginnen, wir werden zunehmend Streitigkeiten unter uns auszutragen haben
und damit die Gelegenheit zur Erlangung größerer Erfolge verspielt haben.
Dies trifft in besonderer Weise
auf Osteuropa zu.
Einfach ausgedrückt sind die marxistisch-leninistischen Ideologien und die auf sie
gegründeten
Volkswirtschaften
bankrott. Ihr Bankrott beruht größtenteils auf innenpolitischen Fehlschlagen, aber nicht auf diesen allein.
Der Widerstand des Westens gegen sowjetische Aggressionen und das Vorbild unserer eigenen erfolgreichen
Gesellschaften haben den Wandel im 0sten sicherlich beeinflußt.
Wir können Michail Gorbatschows
Fähigkeiten bewundern und den Wandel
in der Sowjetunion zur Kenntnis nehmen ohne unsere Verteidigung zu ver-

- 3 -

�nachlässigen. Es ist sogar unerläßlich, dies zu tun, und zwar nicht
nur, um uns zu schützen, falls die
Ref ormbemilhungen fehlschlagen, sondern auch, falls sie erfolgreich
sind. Eine stärkere UdSSR ist nicht
notwendigerweise eine freundlichere
UdSSR.
Das Endergebnis der Perestrojka
kann ich nicht voraussagen. Ich würde gern eine freie, demokratische Sowjetunion sehen, aber dies wäre dann
nicht mehr die Sowjetunion. Gorbatschows Ziel, das einzige Ziel, mit
dem sich seine Politik erklären läßt,
ist die Schaffung einer stärkeren,
leistungsfähigeren Sowjetunion. Gegenwärtig ist eine weniger aggressive
Außenpolitik diesem Ziel am ehesten
förderlich.
In einigen Bereichen,
etwa in Afghanistan, war Gorbatschow
bereit, mit der Vergangenheit zu brechen, wenn eine Fortführung der alten
Politik eine Hypothek für die Zukunft
bedeutet hätte.
Unsere Aufgabe besteht darin, zu
gewährleisten, daß dieser Prozeß anhält und daß letztlich Zurückhaltung
weiterhin im sowjetischen Interesse
liegt.
Es ist offenkundig, daß die Ära
Gorbatschow die Vereinigten Staaten
und ihre Verbündeten vor eine wesentlich
nuanciertere
Herausforderung
stellt als dies noch vor wenigen Jahren der Fall war. Ob beabsichtigt
oder nicht, diese Nuancen drohen den
Westen zu spalten, insbesondere die
Vereinigten Staaten und Europa und innerhalb Europas - die Bundesrepublik Deutschland und ihre Verbündeten. Dies muß uns natürlich Anlaß
zur Sorge geben, und wir sollten damit so gut wir können fertig werden.
Ich vertrete jedoch die Auffassung, daß unabhängig davon, wie groß
die Probleme des Westens bei der Bewältigung der neuen sowjetischen Herausforderung auch sein mögen, Gorbatschow mit noch
schwerwiegenderen
Problemen zu kämpfen hat. Die kommunistischen Parteien der DDR und der

CSSR haben bereits die meisten innenpolitischen
Reformen
Gorbatschows
verworfen. Die kommunistische Partei
Ungarns ist erheblich über sie hinaus
gegangen.
Wirtschaftspolitische
Zwänge haben die polnische Partei dazu veranlaßt, Ansätze in Erwägung zu
ziehen, die sie noch vor kurzem energisch verworfen hatte. In Rumänien
schließlich herrscht unter dem persönlichen Regiment Ceausescus eine
trügerische Ruhe. In diesen Ländern
wachsen ferner, ebenso wie in Jugoslawien und der Sowjetunion, die nationalen und ethnischen Spannungen.
Wiederum ist es unmöglich, das
Ergebnis vorherzusagen.
Über eines
sollten wir uns jedoch im klaren
sein: Die Krise des Wandels im Osten
wird nur dann zu einer Krise des Westens werden, wenn wir unsere Einigkeit nicht bewahren können. Es gibt
keine einzige Frage, sei es das Einsatzkonzept der NATO, die Verhandlungen über konventionelle Rüstung oder
die Wirtschaftsbeziehungen mit dem
Osten, die nicht am besten durch vereinte Maßnahmen des Westens beantwortet werden kann. Durch Verwirrung,
einseitige Handlungen oder unnötige
Panik über den Zustand der öffentlichen Meinung des Westens, die einem
kürzlich von Sir Geoffrey Howe geprägten Bonmot zufolge zu einem "gegenseitigen Striptease" bei den Waffensystemen
führen
würde,
werden
Chancen in Gefahren verwandelt. Der
Schlüssel zu den Ost-West-Beziehungen
sind deshalb wiederum die West-WestBeziehungen.
Ein weiterer Bereich der Herausforderung und der Chancen ist die Pazifikregion, insbesondere Japan. Die
Welt hat sich daran gewöhnt, daß amerikanische Unternehmer, Politiker und
Regierungsvertreter
das
pazifische
Jahrhundert ausrufen oder Japan zur
wirtschaftlichen Supermacht proklamieren.
Japans Aufstieg zu diesem
Status in den vergangenen dreißig
Jahren, ohne Krieg oder Depression,
ist gewiß eine hervorragende Leistung. Es ist jedoch an der Zeit,
damit aufzuhören, die Vergangenheit

�zu feiern.
kunft.

*

Was zählt, ist die Zu-

Kann Japans Zielstrebigkeit, Engagement und Kreativität im wirtschaftlichen Bereich für die umfassenderen Interessen des Westens nutzbar gemacht werden?
Kann Japans
wachsende weltpolitische Rolle auf
gemeinsame Ziele des Westens gerichtet werden anstatt auf enggefaßte nationale Ziele? Kann Japan eine Neuorientierung seiner Volkswirtschaft
einleiten, um die gegenwärtig bestehenden Ungleichgewichte zu korrigieren, ohne das internationale System
des freien Handels zu zerstören?
Dies sind Probleme für Japan,
aber es sind auch Probleme für den
Westen. Die Antworten werden nicht
nur Japans Sicherheit und Wohlstand
beeinflussen, sondern auch unsere und
die des Westens. Wir können "Lösungen erarbeiten", wie Ministerpräsident Takeshita zu sagen pflegt. Dies
wird
für alle Beteiligten nicht
schmerzlos ablaufen - vor allem für
Japan. Wir müssen jedoch gemeinsam
für Japan eine verantwortungsvollere
Rolle finden, weil die Alternative
unannehmbar ist.
Ich möchte etwas zitieren, was
ich vor einigen Monaten geschrieben
habe:
Eine Möglichkeit ist eine stärkere Einbindung Tokios in Beratungen
des Westens. Das Instrumentarium für
effektive Konsultationen mit Japan
ist nicht so gut entwickelt wie das
zwischen den Vereinigten Staaten und
Westeuropa. Gipfeltreffen der sieben
führenden Industriestaaten sind wichtig aber sie gestatten nicht die Art
von engen und andauernden Gesprächen,
die den Regierungen der Vereinigten
Staaten und Westeuropas durch die
NATO zur Verfügung stehen.
Selbstverständlich läßt sich die
Struktur der NATO nicht auf Japan
übertragen; Japan kann auch nicht in
den Konsultationsprozeß des Bündnisses einbezogen werden.
Es sollte

aber möglich sein, einen - auch informellen - Mechanismus zu schaffen,
der es uns erlaubt, regelmäßige Konsultationen über das gesamte Spektrum
politischer, wirtschaftlicher und militärischer Fragen durchzuführen, die
Japan, die Vereinigten Staaten sowie
die westeuropäischen NATO-Mitglieder
und die EG betreffen. Die Realität
der letzten Jahre dieses Jahrhunderts
besteht darin, daß die Welt der Demokratien zunehmend zu einer Welt dreier Machtblöcke wird. Der institutionelle Rahmen für Konsultationen und
Koordination zwischen diesen Machtblöcken wurde dieser Realität bisher
nicht angepaßt."
Schließlich möchte ich kurz auf
ein anderes Problem eingehen, das
durch einheitliche Maßnahmen des Westens am besten gelöst werden kann.
Man bezeichnet es als die Schuldenkrise der Dritten Welt, aber es ist
in Wirklichkeit eine Krise der Demokratie.
Nach und nach entscheiden
sich die Entwicklungsländer Lateinamerikas, der Pazifikregion und nun
auch in Afrika für persönliche Freiheit und politische Demokratie als
ihren Wegweiser in die Zukunft. Leider gibt es, wie ein Wirtschaftswissenschaftler einmal gesagt hat, "kein
Mittagessen
umsonst".
All
diese
freien Mittagessen aus den siebziger
Jahren müssen heute zurückgezahlt
werden. Wie die Ereignisse in unserer eigenen Hemisphäre, sei es in Venezuela oder Mexiko, erschöpfend bewiesen haben, sind Sparpolitik und
"Null-Wachstum" Formeln für Stagnation und echte Schwierigkeiten.
Ich möchte hier nicht auf bestimmte Lösungen eingehen. Der Präsident, der Außenminister und der Finanzminister
haben
übereinstimmend
erklärt, daß der gegenwärtig verfolgte Ansatz modifiziert werden muß. Es
ist jedoch einleuchtend, daß die Vereinigten Staaten das Problem nicht
allein lösen können. Unsere Verbündeten sind Teil der Lösung. Es wäre
gewissenlos, wenn wir andere demokratische Staaten herunterkommen lassen
würden, weil wir nicht genug getan

- 5 -

�haben.
Dies sind einige Beispiele für
Probleme, die teilweise aufgrund von
Erfolgen unserer früheren Maßnahmen
entstanden sind und die uns für die
Zukunft noch größere Erfolge versprechen, wenn sie angemessen behandelt
werden. Dazu ließen sich leicht weitere hinzufügen, etwa die Umwelt.
Durch sie alle zieht sich jedoch ein
roter Faden. Wenn wir im Westen eine
einheitliche Haltung einnehmen können, werden unsere Erfolgsaussichten
überproportional
vergrößert.
Wenn
wir versäumen, das richtige zu tun,
dann könnte uns die erste Hälfte des
21. Jahrhunderts fatal an die ersten
50 Jahre des Jahrhunderts erinnern,
auf dessen Ende wir gegenwärtig zusteuern.
Mit den Worten Benjamin Franklins, der über ein früheres Experiment der Kooperation sprach: Entweder wir ziehen alle an einem Strick,
oder wir werden an diesem Strick einzeln aufgehängt.

* * * *

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

**

22. März 1989

12

WALTERS NIMMT ABSCHIED VON DEN VEREINTEN NATIONEN
- Abschiedsbesuch bei Generalsekretär Perez de Cuellar NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Chefdelegierte bei den Vereinten
Nationen seit 1985 und designierte
Botschafter der Vereinigten Staaten
in der Bundesrepublik Deutschland,
Botschafter Vernon Walters, hat UNOGeneralsekretär Perez de Cuellar am
15. März 1989 seinen Abschiedsbesuch
abgestattet und ein letztes Gespräch
mit bei der UNO akkreditierten Journalisten geführt. Der Nachfolger von
Walters bei der UNO ist Botschafter
Thomas Pickering.
Bei seiner letzten Zusammenkunft
mit UNO-Korrespondenten nannte Walters als Hauptprobleme, mit denen
Pickering während
seiner Amtszeit
konfrontiert sein werde, die "andauerndem Konflikte, insbesondere den
Nahost-Konflikt, der wahrscheinlich

United States Information Service
Embassy of the United States of America

von allen der komplizierteste ist,
den Konflikt um Zypern; ferner wird
er sicherstellen müssen, daß wir bei
Kambodscha und in der West-Sahara
Fortschritte erzielen."
Während der Amtszeit von Walters
bemühten sich die Vereinten Nationen
erfolgreich um die Herbeiführung eines Waffenstillstands im Golfkrieg,
die Einleitung der Verwirklichung des
UNO-Plans für die Unabhängigkeit Namibias, die Sicherstellung des vollständigen Abzugs der sowjetischen
Truppen aus Afghanistan sowie die
Durchführung einer Verwaltungs- und
Haushaltsreform.
Dies alles hat in
den Vereinigten Staaten die positive
Stimmung gegenüber den Vereinten Nationen verstärkt.

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Telex: 8-85432

�Meines Erachtens haben die Erfolge der Vereinten Nationen bei der Beendigung mehrerer Kriege Wirkung gezeigt", erklärte der Botschafter.
"Ich habe immer gesagt, ich sei das
einzige Kabinettsmitglied ohne Wählerschaft, und jetzt habe ich mir eine herangezogen."
Er lehnte es jedoch ab, sich diese Erfolge als eigenes Verdienst anzurechnen.
"Es hat ein atmosphärischer Wandel
in der Weltpolitik
stattgefunden,
dessen
glücklicher
Nutznießer ich gewesen bin", erklärte
Walters.
Walters führte ferner einen Teil
der Erfolge der UNO auf die neue Aussenpolitik der Sowjetunion zurück,
d!e seines Erachtens bis zu diesem
Wandel "vom amerikanischen Standpunkt
gesehen von nicht-permanenter Konfrontation geprägt zu sein schien".
In den Schlußverhandlungen über Namibia "war die Atmosphäre bei den Gesprächen mit ihnen (den Sowjets) völlig verändert, und ich begrüße dies",
erklärte er.
Des weiteren betonte er besonders
die Einigkeit der fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats, insbesondere bei der Verabschiedung von
Resolution 598, des UNO-Plans für einen umfassenden Frieden zwischen Iran
und Irak.
Der Botschafter sagte voraus, daß
der Generalsekretär "nach viel Gehabe" seitens des Iran und des Irak in
der Lage sein wird, Resolution 598
vollständig zu verwirklichen, da sowohl der Iran als auch der Irak "sich
für den Frieden entschieden haben,
und ... meines Erachtens ist der
Frieden unumkehrbar".
Auf Fragen zu den von der Sowjetunion vorgeschlagenen Reduzierungen
der
konventionellen
Streitkräfte
meinte Walters, die Europäer "denken,
daß Gorbatschow eine ganze Reihe von
Initiativen eingeleitet
hat.
Sie
sind sich nicht der großen Position
der Stärke bewußt, von der aus er

handeln kann. Er kann zum Beispiel
Reduzierungen in Europa vornehmen, er
hat nämlich 46 000 Panzer gegenüber
12 000 der NATO. Er hat doppelt soviel Artillerie, er hat doppelt soviel Flugzeuge für den Fronteinsatz,
da kann er schon sehr großzügig sein.
Er besitzt den traditionellen Vorteil, daß er seine Truppen nur über
die Weichsel bringen muß, was bedeutend leichter zu bewerkstelligen ist
als sie über den Atlantik zu transportieren."
Walters bezeichnete die "abgeschwächte Konfrontation zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion" als eine der wichtigsten Veränderungen seit dem Ende des Zweiten
Weltkriegs, die einen Einfluß auf die
internationalen Beziehungen hatte.
"Es ist nicht nur Gorbatschow allein", erklärte der Botschafter. "Es
mußte auch die Bereitschaft seitens
der Vereinigten Staaten bestehen.
Ich muß ihm jedoch einfach schon deshalb das Hauptverdienst zuschreiben,
weil er derjenige war, der den Menschen das Leben schwer gemacht hat,
und als er damit aufhörte, meinten
die Menschen 'er ist ein großer
Mann', denn er hat aufgehört, uns das
Leben schwer zu machen.'"

* * * *

�v&lt;fc° s &gt;&lt;

VON

*

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

22. März 1989

12

ERFOLGREICHER "DISCOVERY"-FLUG
Reiche Ausbeute für Technik, Forschung und Fotodokumentation -

WASHINGTON - (AD) - Mission 28 der bemannten Raumtransporterflüge der NASA
(U.S. Behörde für Luft- und Raumfahrt) ist erfolgreich beendet. Nach dem
Start am 13. März 1989 kehrte der Orbiter mit seiner fünfköpfigen Besatzung Kommandant Michael Coats, Kopilot John Blaha, James Buchli, Robert Springer
und James Bagian als Missionsspezialisten - am 18. März 1989 zur Erde zurück.
DISCOVERY landete um 15.36 Uhr auf einer Piste der Edwards Air Force Base in
Kalifornien. Am Kap Canaveral sind mittlerweile die Vorbereitungen für den
Start der Venus-Sonde MAGELLAN im April angelaufen.

Ungewöhnliche
Druckschwankungen
in einem der drei Wasserstofftanks,
die
die
Brennstoffzellen
der
DISCOVERY versorgten, hatten befürchten lassen, daß der Flug um einen Tag
verkürzt werden müßte. Die Astronauten waren angewiesen worden, den Tank
abzuschalten und den Stromverbrauch
einzuschränken.
In einer Wasserstoffleitung zu einer der Brennstoffzellen, in denen durch eine chemische
Reaktion
zwischen Wasserstoff und
Sauerstoff Strom erzeugt wird, klemmte ein Ventil. Das technische Problem konnte jedoch gelöst, das Programm ohne Einschränkungen durchgeführt werden.
Die wichtigste Aufgabe der Mission, das Absetzen des Kommunikationssatelliten TDRS-D und dessen Start zu

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Embassy of the United States of America

seinem
vorläufigen
"Standort" in
35 680 km Höhe, war bereits sechs
Stunden nach Verlassen des Weltraumbahnhofs Kap Canaveral erledigt. Die
18,5 Tonnen schwere Nutzlast, von der
allein 16,5 Tonnen auf das zweistufige eigene Antriebssystem entfielen,
benötigte anschließend fünf Stunden
für den Aufstieg. Nach Beendigung
der Aktivierungsprozeduren und Funktionstests, die über Hawaii vorgenommen werden, wird das neue TDRS-Gerät
ostwärts zu seinem endgültigen Standort über der Ostspitze von Brasilien
am 41. Längengrad manövriert. Es ersetzt dann den im April 1983 gestarteten ersten TDRS-Satelliten, den man
anschließend über Südamerika am 79.
Längengrad "parken" und so in Reserve
halten will.

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�TDRS-2, im September vergangenen
Jahres beim ersten DISCOVERY-Flug
nach dem Unglück der CHALLENGER im
Januar 1986 gestartet, steht über dem
Zentralpazifik am 171. Längengrad.
Mit Hilfe dieser beiden Kommunikationssatelliten kann die NASA mit bemannten und unbemannten Satelliten in
niedrigen Umlaufbahnen nicht nur zu
85 Prozent der Zeit ständig Verbindung halten, sondern von ihnen auch
erheblich mehr Daten als bisher bekommen. Dies ist zum Beispiel für
die Funkverbindung mit dem HubbleWeltraumteleskop, das noch in diesem
Jahr gestartet werden soll, und erst
recht mit der künftigen Raumstation
von größter Bedeutung.
Durch die
TDRS-Geräte werden einige Bodenstationen überflüssig.
Die Funktionen
von
drei
Stationen
in
Spanien,
Australien und Kalifornien wurden bereits anderen Bereichen übertragen.
Sechs weitere Stationen werden in
Kürze geschlossen oder an andere Behörden abgegeben.
Die Astronauten hatten eine Reihe
von Experimenten zu betreuen, von denen zum Glück keines durch den vorübergehenden Strommangel beeinträchtigt wurde. Das größte Versuchssystem war ein über 15 m langer Temperaturregulator in der Nutzlastbucht,
der auf seine Eignung zur Verwendung
in einer künftigen Raumstation erprobt
wurde.
Weitere
technische
Tests galten unter anderem Neuentwicklungen für den Raumtransporter.
Wissenschaftliche Experimente an
Bord sollten unter anderem spezielle
Fragen der Pflanzenentwicklung, der
Zellteilung bei Pflanzen und der für
ihr Wachstum in Behältern erforderlichen Atmosphäre im Hinblick auf die
mögliche Errichtung
von Mondbasen
klären helfen.
Den Einfluß der
Schwerelosigkeit auf die weitere Entwicklung von Hühnerembryonen wollen
Studenten an den Küken untersuchen,
die aus den 32 Hühnereiernn schlüpfen
werden, die im Mitteldeck des Orbiter
verstaut waren. An vier weißen Ratten, denen an einem Beim ein kleines
Stück Knochen entfernt worden war,

wird man nun den möglichen Einfluß
der Schwerelosigkeit auf den Heilungsprozeß studieren. Dieses Experiment war von der Orthopädischen
Klinik der Universität Südkalifornien
(Los Angeles) gefördert worden.
Viel Zeit verwendeten die Missionsspezialisten auf Filmaufnahmen
von unserem Planeten mit einer 70-mmSpezialkamera
der
Firma IMAX in
Toronto (Kanada). Für eine Umweltdokumentation filmten sie zum Beispiel weite Regionen Afrikas, Südamerikas und der Vereinigten Staaten.
Sie brachten umfangreiche Bildserien
vom Viktoria-See und dem Gebiet um
den Kilimandscharo in Tansania, von
der vordringenden Wüste am TschadSee, der fortschreitenden Entwaldung
des Niger-Deltas sowie von überschwemmten Trockengebieten im Bereich
des Limpopo in Südafrika zurück.
Auch die Auswirkungen der schweren Regenfälle in letzter Zeit in
Peru, Zerstörungen durch den Wirbelsturm Gilbert im September in Jamaika, durch den Ausbruch des Vulkans
Pacäya Anfang dieses Monats in Guatemala sowie durch einen Waldbrand wurden erfaßt, der gegenwärtig in einem
Nationalpark im Südwesten der Vereinigten Staaten wütet.
Mit Fernsehkameras wurden Gewitterfronten samt Blitzentladungen in
der Nähe von Brisbane (Australien)
aufgenommen. Die infolge der starken
Sonnenaktivität während der Flugtage
besonders
auffälligen
Polarlichter
hofften die Astronauten ebenfalls dokumentieren zu können. Die Aufnahmen
sollen zu einem für eine Großprojektion geeigneten Farbfilm zusammengefaßt werden. Das Projekt wird von
der NASA und dem "Nationalen Luftund Raumfahrtmuseum" der Smithsonian
Institution in Washington gemeinsam
getragen.

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Anhaltende Probleme im Westen trotz Erfolgen der NATO&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Stellvertretenden Außenministers im Kongreß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Walters nimmt Abschied von den Vereinten Nationen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Abschiedsbesuch bei Generalsekretär &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Perez de Cuellar&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erfolgreicher "DISCOVERY"-Flug&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Reiche Ausbeute für Technik, Forschung und Fotodokumentation&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

*

"

29. März 1989

13

INHALT

DOKUMENTATION
Rldgway;

Europäischer Binnenmarkt "benutzerfreundlich'

- Rede in Minneapolis -

Maresca:

Fortschritte in der ersten VSBM-Runde

-- Pressekonferenz mit dem Leiter der amerikanischen Delegation -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
\

Entscheidende Phase im Kampf gegen Rauschgift
- Präsident Bush und Anti-Drogen-Beauftragter Bennett fordern
Sofortmaßnahmen -

* * * * * *

United States Information Service
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�AMERIKA DIENST
Dokumentation
29. März 1989

13

RIDGWAY:

EUROPÄISCHER BINNENMARKT "BENUTZERFREUNDLICH"
- Rede in Minneapolls -

MINNEAPOLIS - (AD) - Die Leiterin der Abteilung für europäische und kanadische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Rozanne L. Ridgway,
hat am 21. März 1989 in einer Rede vor dem Komitee für auswärtige Beziehungen,
einer privaten außenpolitischen Vereinigung, in Minneapolis erklärt, es gebe
"keinen Widerspruch zwischen der Verteidigung amerikanischer Interessen" und
der Unterstützung einer verstärkten wirtschaftlichen Integration Europas. Die
Abteilungsleiterin äußerte in diesem Zusammenhang, die europäische Integration
könne "grundsätzlich und in hohem Maße benutzerfreundlich im transatlantischem
Sinne sein".
Nachfolgend veröffentlichen wir Ridgways Rede im Wortlaut:

Meine Botschaft lautet, daß kein
Widerspruch zwischen der Verteidigung
amerikanischer Interessen in den Beziehungen mit Europa, wie sie sich
seit 40 Jahren darstellen, und der
Unterstützung einer verstärkten wirtschaftlichen Integration Europas besteht.
Die europäische Integration
kann grundsätzlich und in hohem Maße
benutzerfreundlich
im
transatlantischen Sinne sein. Und in den Bereichen, in denen sie potentiell negative Folgen für die Vereinigten
Staaten hat, ist es an uns, wachsam
zu sein und ihnen energisch entgegenzuwirken.

glauben nämlich, daß damit Konflikte
vermieden werden und ein Partner entsteht - für die westliche Verteidigung, die Außenpolitik des Westens
und die westlichen Werte freier Gesellschaften und offener Märkte.

Über die wirtschaftliche Integration hinaus besteht eine weitergehende europäische Einigkeit, die von uns
seit 40 Jahren befürwortet wird. Wir

- Die Organisation für Europäische
Wirtschaftliche
Zusammenarbeit
(OEEC) wurde im Jahr 1948 gegründet, um die von den Vereinigten

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Das Jahr 1992 ist ein wichtiger
nächster Schritt einer Entwicklung,
die sich in Schüben seit dem Krieg
mit Unterstützung
der Vereinigten
Staaten vollzogen hat.
Nach dem
Zweiten Weltkrieg haben die führenden
Politiker Europas zunächst durch verschiedene Ansätze nach Einheit gestrebt:

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�Staaten im Rahmen des MarshallPlanes zur Verfügung gestellte
Hilfe am effizientesten zu nutzen
und zu vermeiden, daß die verschiedenen Länder in der Wirtschaftspolitik unabsichtlich gegeneinander arbeiteten. Die OEEC
entwickelte sich zu einem auch
die überseeischen Industrieländer
einbeziehenden
Koordinierungsmechanismus für die Industriestaaten, die heutige OECD.
- Im Jahr 1949 entstand der Europarat, um weitergehende Ziele der
Garantierung demokratischer Prinzipien und der Menschenrechte zu
verfolgen. Mit 22 Mitgliedstaaten ist der Rat heute ein aktives
Forum der Diskussion über Politik
und Wirtschaft.
- Ein Versuch der Gründung einer
europäischen
Verteidigungsunion
scheiterte an Einwänden des französischen Parlaments.

Die Evolution der Europäischen
Gemeinschaften
Der wahre Träger der europäischen
Einheit sind jedoch von jeher die Europäischen
Gemeinschaften
gewesen.
Wie schon von diesem Plural angedeutet, beruhten diese auf einer Reihe
von Verträgen, sie wurden Schicht um
Schicht aufgebaut.
Die Europäische Gemeinschaft für
Kohle und Stahl (Montanunion) wurde
im Jahr 1951 ins Leben gerufen, um
die primären Kriegsindustrien in gemeinsamen Institutionen zu vereinigen. Die Theorie forderte Integration durch zentrale Regulierung. Der
Geniestreich der Montanunion bestand
in ihrer einzigartigen institutionellen Struktur, die den Kern einer weitergehenden Integration in sich barg:
- Einen Rat, in dem alle Mitgliedstaaten mit Sitz und Stimme vertreten waren.
- Eine Kommission als unabhängiges
Exekutivorgan.

- Ein Parlament als demokratisches
Beratungsgremium.
- Einen Gerichtshof
um eine bindende Interpretation des Gründungsvertrags zu gewährleisten.
Die Montanunion selbst ist heute
ein Überbleibsel innerhalb der enormen EG-Struktur, aber ihr institutionelles Grundmuster ist in allen europäischen Gemeinschaften erhalten geblieben.
Die Montanunion funktionierte, weil sie praxisorientiert,
mit klaren Zielen und Machtbefugnissen ausgestattet war, eben kein großartiger Vereinigungsplan, der nur beratende Funktion hatte.
Mit den Römischen Verträgen wurde
parallel zur Montanunion im Jahr 1957
die
Europäische
Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) geschaffen. Die ihr zugrundeliegende Theorie war jedoch
neu:
Wirtschaftliche
Integration
durch einen gemeinsamen Markt anstatt
durch zentrale Regulierung und die
Hoffnung, daß die wirtschaftliche Integration mit der Zeit auch zur politischen Integration führen werde.
Im Jahr 1967 wurden die Europäische
Wirtschaftsgemeinschaft,
die
Montanunion und Euratom in nach dem
Muster der Montanunion gebildeten gemeinsamen Institutionen zusammengefaßt, die Europäische Gemeinschaft
war entstanden. Von Anbeginn gestattete die Europäische Gemeinschaft politische Zusammenarbeit, aber diese
kam nicht zustande. De Gaulle blokkierte jede Sitzung des Rats für Aussenpolitik.
Selbst nach De Gaulle
zögerten die Mitgliedstaaten weiterhin, der politischen Rolle den gleichen Rang einzuräumen wie der wirtschaftlichen. Die Europäische Politische Zusammenarbeit (EPZ) begann ad
hoc im Jahr 1970 und entwickelte sich
langsam in den folgenden Jahren. Im
Jahr 1987 wurde sie schließlich Institutionalisiert.
Die EPZ ist in erster Linie ein
Konsultationsprozeß zwischen den Mitgliedstaaten, wobei die Rolle von

�Kommission und Parlament immer noch
nicht eindeutig festgelegt ist. Die
Bedeutung der EPZ nimmt trotzdem
ständig zu. Die jüngsten Maßnahmen
der Europäischen Gemeinschaft gegen
den Iran nach der Todesdrohung gegen
Rushdie sind ein Zeichen ihrer Fähigkeit zu schnellem, konkretem und effektivem Handeln.

Der Binnenmarkt
Der Plan zur Schaffung eines einheitlichen Markts im Jahr 1992 wurde
ins Leben gerufen, um den im Jahr
1957 erklärten Zielen neuen Auftrieb
zu verleihen. Ein neuer Ausdruck des
politischen Willens war nötig geworden, um die Entschlußlosigkeit der
siebziger und frühen achtziger Jahre
zu überwinden. Lord Cockfields Weißbuch aus dem Jahr 1985 erbrachte wenig substantiell Neues, aber es faßte
viele nüchterne Einzelheiten zur Vision eines vollständig integrierten
Markts mit einem festen zeitlichen
Rahmen zusammen.

Die Einheitliche Europäische Akte
Die Einheitliche Europäische Akte
von 1986 markiert das Widererstarken
der Europäischen Geraeinschaft.
Sie
vereinigte zahlreiche Einzelelemente
mit zweckmäßigen neuen Mechanismen:
Die Reform des Entscheidungsfindungsprozesses in der Europäischen Gemeinschaft, die politische Zusammenarbeit
und das Programm für 1992.
- Heute
werden
mehr
Beschlüsse
durch
Mehrheitsentscheid
als
durch Konsens gefaßt.
- Das Europäische
Parlament hat
mehr Macht in bezug auf die EGGesetzgebung und außenpolitische
Vereinbarungen.
Die Europäische Gemeinschaft und die
Vereinigten Staaten
Wir sind mit dem Verhältnis zwi-

schen der Europäischen Gemeinschaft
und den Vereinigten Staaten insgesamt
zufrieden und fühlen uns durch die
Beschleunigung der europäischen Integration und deren allgemeine Richtung
ermutigt. Gibt es Probleme? Selbstverständlich. Wir sehen jedoch eine
enorme Chance zur Zusammenarbeit in
einer reifen Partnerschaft angesichts
drängender weltweiter Probleme. Unsere
gemeinsamen
politischen
und
wirtschaftlichen Grundwerte sollten
gewährleisten, daß die Maßnahmen der
Vereinigten Staaten und Westeuropas
einander ergänzen und nicht einander
entgegenwirken - vielleicht nicht immer, aber meistens und bei den wichtigsten Fragen. Gleichzeitig werden
wir uns energisch für die Verteidigung
berechtigter
wirtschaftlicher
Interessen der Vereinigten Staaten
einsetzen und sicherstellen, daß die
transatlantischen Beziehungen nicht
durch kurzsichtige Maßnahmen beeinträchtigt werden.
Es wird immer Reibungen im Handel
zwischen
Europäischer
Gemeinschaft
und Vereinigten Staaten geben. Probleme wie der Hormonstreit sind in
einem solch komplexen Verhältnis wie
dem unseren unumgänglich.
Es hat
eine Folge amerikanisch-europäischer
Streitfälle im Handel gegeben, die
wir erfolgreich gelöst haben. Sicherlich gibt es ernste Probleme, und
bei deren Lösung dürfen amerikanische
Wirtschaftsinteressen nicht geopfert
werden. Sie sollten jedoch nicht den
Blick auf unser grundsätzlich kooperatives Verhältnis verstellen.
Bisweilen ist es nützlich, das
Offenkundige ins Gedächtnis zurückzurufen - Europa ist für die Vereinigten Staaten wichtig. Die Europäische
Gemeinschaft erwirtschaftet jährlich
ein Bruttosozialprodukt von 2,5 Billionen Dollar. Unser Handel beläuft
sich jährlich auf 160 Milliarden Dollar und die transatlantischen Investitionen auf beiden Seiten erreichen
nahezu 300 Milliarden Dollar.
Ein
Viertel aller amerikanischen Exporte
geht in die 12 Mitgliedstaaten der
Europäischen Gemeinschaft.

- 3 -

�Wenn man von diesen schwindelerregenden Zahlen einmal absieht, bildet die atlantische
Partnerschaft
eine Grundlage
der amerikanischen
Außenpolit k,
da
die
Vereinigten
Staaten und Westeuropa marktwirtschaftlich
orientierte
Demokratien
mit dem Ziel einer friedlichen Welt
sind, in der politische Freiheit und
wirtschaftlicher Wohlstand herrschen.
Der Erfolg der NATO und die intensivierte
Partnerschaft
zwischen den
Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft sind ein Beweis
für die anhaltenden Gemeinsamkeiten
zwischen Amerika und Europa.

Wir akzeptieren die Zusicherung
der Gemeinschaft, ihre offene Partnerschaft mit der Welt fortführen zu
wollen. Aber wir sehen eine Gefahr,
daß sich Protektionismus in Gesetzgebung und Vorschriften einschleichen
könnte. Es wird die Versuchung bestehen, im Rahmen des Gesamtplans
enggefaßten Einzelinteressen nachzugeben, vielleicht auch, um dem Programm als Ganzem die Unterstützung zu
sichern. Weiterer Druck wird entstehen, um besondere Regionen zu schützen, die fürchten, vom neuen Europäischen Binnenmarkt überrollt zu werden.

Die Ereignisse in Europa sind in
unserem Sinne - wir würden in derselben Situation genauso handeln.
In
dem Europa, wie es die Europäische
Gemeinschaft hervorbringen will, können Waren aller Ursprungsländer so
frei zwischen Italien und der Bundesrepublik Deutschland gehandelt werden
wie zwischen Kalifornien und Oregon;
ein
belgischer
Versicherungsnehmer
kann zwischen Policen britischer und
französischer Versicherungen oder anderer Gesellschaften wählen; ein holländischer Architekt
kann genauso
leicht ein Büro in Paris und Athen
eröffnen wie in Amsterdam.

Wir haben bei einigen bereits im
Zusammenhang mit dem Binnenmarkt unterbreiteten Vorschlägen echte Bedenken.
Bestimmungen mit einer hohen
lokalen Zustimmungsrate, die sich zum
Beispiel gegen
unfaire asiatische
Handelspraktiken wenden, zwingen europäische
Hersteller,
europäische
statt amerikanischer Teile zu erwerben. Das ist eine unannehmbare Begleiterscheinung die mit der Gemeinschaft noch erörtert werden muß.

Tatsächlich bestehen Parallelen
zwischen dem Binnenmarkt, wie ihn die
Vereinigten Staaten unter ihren Einzelstaaten haben und dem Binnenmarkt,
den
die
Europäische
Gemeinschaft
schaffen wird.
Ihr Wirtschaftsprogranrai zielt darauf ab, Handelsschranken und die Last der Vorschriften abzubauen und die Mobilität von Arbeitskräften und Ressourcen zu verbessern.
Die Vereinigten
Staaten haben
aufgrund ihrer engen wirtschaftlichen
Verbindungen mit der Europäischen Gemeinschaft und aufgrund der wichtigen
Rolle der Gemeinschaft in der Welt
ein reales Interesse an den in Europa
getroffenen Entscheidungen. Aus diesem Grunde beobachten wir die Verwirklichung des Binnenmarktes sehr
genau.

Bei den Vorschlägen der Europäischen Gemeinschaft bezüglich der Gegenseitigkeit bei den Dienstleistungen beobachten wir die Fortführung
eines Ansatzes, der uns in der Vergangenheit
Probleme
bereitet hat.
Die Europäische Gemeinschaft versucht
ihre einseitige Liberalisierung auszunutzen, um sich Vorteile zu verschaffen. Die vielfach in der Europäischen Gemeinschaft vorgeschlagene
Gegenseitigkeit ist mit den traditionellen Prinzipien für Investitionen
unvereinbar.
Amerikanische
Märkte
stehen europäischen Investoren offen,
und wir erwarten das Gleiche von Europa. Wir werden nicht für Reformen
bezahlen, die im eigenen Interesse
der Europäischen Gemeinschaft unternommen wurden. Wir wollen eine "nationale Behandlung".
Der
Europäischen
Gemeinschaft
scheinen generell zwei Möglichkeiten
zur Verfügung zu stehen, und zum besseren Verständnis wollen wir die eine

�das Faß ohne Boden der Subventionierung und die andere eine Steuerreform
nach dem Vorbild der Vereinigten
Staaten nennen.
Die Möglichkeit der Subventionierung läßt sich mit dem Agrarprogramm
der Gemeinschaft vergleichen, einem
System, in dem jeder den Schutz oder
die Subventionierung von Eigeninteressen akzeptiert. Wenn diese Methode
bei der Gesetzgebung und den Vorschriften des Binnenmarktes - der zumeist vom Agrarhandel unabhängig ist
- greift, sähen wir uns echten Problemen gegenüber.
Aber meiner Ansicht nach wird die
Europäische Gemeinschaft diesen Weg
nicht verfolgen. Ich denke vielmehr,
daß der Binnenmarkt dem Modell der
Steuerreform folgen wird, in dem kaum
Eigeninteressen zulässig sind, weil
andernfalls das Programm zum Scheitern verurteilt wäre.
Länder mit
wettbewerbsfähigen Industrien können
nicht zulassen, daß ein geschlossener
europäischer Markt kranke Unternehmen
anderer Länder schützt.
Wir vertrauen darauf, daß die
Probleme vermieden werden können, und
wir planen die Weiterführung unserer
häufigen und eingehenden Diskussionen
mit der Europäischen Gemeinschaft, um
sicherzustellen, daß unsere allgemeinen und besonderen Anliegen zum Binnenmarkt berücksichtigt werden.

Perspektiven der wirtschaftlichen
Integration
Ich möchte mich jetzt den allgemeineren Aspekten der europäischen
Einheit zuwenden.
Einer jüngst in
Europa durchgeführten und in der
Presse veröffentlichten Umfrage zufolge vertraten nur etwa die Hälfte
der befragten Europäer die Ansicht,
daß die Vereinigten Staaten eine
stärkere europäische Einheit unterstützen, ein Viertel war der Ansicht,
wir seien dagegen und ein weiteres
Viertel hatte keine Meinung.
Wenn
diese Umfrage repräsentativ ist, ist

unsere Botschaft nicht hinreichend
vermittelt worden.
Die Vereinigten
Staaten haben ein geeintes Europa
länger und enthusiastischer unterstützt als mancher Europäer.
Wir betrachten die Entwicklung
der Europäischen Gemeinschaft als
eine der positivsten Entwicklungen in
der Geschichte der Nachkriegszeit.
Die von uns geäußerte Besorgnis zu
einzelnen politischen Fragen, wie die
Auswirkung der europäischen Agrarzuschüsse, tut unserer Auffassung keinen Abbruch, daß die Entwicklung der
Europäischen Gemeinschaft der Welt
zum Vorteil gereicht.
Der Plan zur Schaffung des Europäischen Binnenmarkts hat große Aufmerksamkeit erregt, aber er ist nur
eins von mehreren miteinander verknüpften Entwicklungen im Rahmen der
europäischen Einheit.
Die mit der
Einheitlichen Europäischen Akte von
1986 bewirkten Veränderungen bei den
Institutionen der Gemeinschaft, die
zunehmende Aktivierung des Mechanismus politischer Zusammenarbeit in Europa und die Belebung der Westeuropäischen Union (WEU) sind wichtige Entwicklungen.
Die Einheitliche Europäische Akte
von 1986 reformiert die Entscheidungsfindung in den Institutionen der
Europäischen Gemeinschaft und legitimiert die außenpolitische Zusammenarbeit in Europa. Aufgrund der Akte
werden Entscheidungen
der Gemeinschaft schneller getroffen und die
Fähigkeit der Europäischen Gemeinschaft
zum entschlossenen Handeln
verbessert. Darüber hinaus ist der
Einfluß des Europäischen Parlaments
auf die Entscheidungsprozesse verbessert worden. Die Einheitliche Europäische Akte verpflichtet die Mitgliedsstaaten darauf, ihre Politik
nach Möglichkeit
zu koordinieren.
Darüber hinaus legt sie fest, daß die
Mitgliedsstaaten ihre Positionen enger an politischen und wirtschaftlichen Aspekten der Sicherheit orientieren muß.

- 5 -

�Mir scheint, daß die miteinander
verknüpften Entwicklungen der europäischen wirtschaftlichen Integration
und die politische Zusammenarbeit in
Europa für die amerikanische Außenpolitik zwei offensichtliche Probleme
aufwerfen: Wie wird sich der Binnenmarkt mit den wirtschaftlichen Interessen der Vereinigten Staaten vereinbaren lassen? Und wird die europäische Zusammenarbeit in der Außenpolitik zu einer besser abgestimmten
oder
divergierenderen
europäischen
und amerikanischen Politik führen?
Die Antwort auf die erste Frage
lautet, daß die Vereinigten Staaten
von einer starken europäischen Wirtschaft profitieren. Solange der Europäische Binnenmarkt offen ist, sind
Maßnahmen zum Ausbau der europäischen
Wirtschaft gut für die Vereinigten
Staaten.
Eine gesunde europäische
Wirtschaft bedeutet einen größeren
Markt für amerikanische Waren, Verbündete, die zahlungskräftiger für
die Verteidigung des Westens sind und
auf der ganzen Welt höheren wirtschaftlichen Wohlstand. Wir fürchten
keinen rigorosen Wettbewerb in der
Wirtschaft - wir begrüßen ihn, solange er fair ist. Ein sekundärer, aber
sehr wichtiger Nebeneffekt ist die
Tatsache, daß ein europäisches Beispiel des Vorteils freierer Märkte
zusätzlichen Vorbildcharakter für andere Länder erlangen könnte, insbesondere für diejenigen im anderen
Teil Europas, die im Hinblick auf ihre Wirtschaft Grundsatzentscheidungen
treffen müssen.
Die Ansichten der Länder Westeuropas zu Fragen der Außenpolitik
stimmen mit unserer Meinung überein.
Einzelne EG-Länder, die meinungsmäßig
eine Minderheit darstellen, können
wahrscheinlich von der Mehrheit zu
einer gemäßigteren Haltung bewogen
werden. Angesichts unserer gemeinsamen Auffassung über Grundwerte mache
ich mir keine Sorgen darüber, daß die
Europäische Gemeinschaft aus unserem
traditionell kooperativen Verhältnis
ausbricht. Angesichts der Tatsache,
daß die Europäische Gemeinschaft als

Vertreter einer gemeinsamen Meinung
mehr Einfluß hat als jeder Staat einzeln, wird die europäische Kooperation wahrscheinlich auch zu einer
verbesserten Einflußnahme des Westens
auf die Welt führen - eine Entwicklung die wir sehr begrüßen würden.

Die Europäische Gemeinschaft und die
NATO
Das verbleibende Problem betrifft
das Beziehungsgeflecht zwischen der
politischen Koordinierung der Europäischen Gemeinschaft und der NATO.
Die NATO ist eine effektive und unerläßliche Institution. Sie bietet den
Stützpfeiler der Sicherheit des Westens und ist heute stärker und enger
verbündet als jemals zuvor. Ferner
sind alle außer einem der 12 EG-Länder Mitglied der NATO, aber dies ist
kein Grund für eine Verwischung politischer Anliegen
zwischen Europäischer Gemeinschaft und NATO - wir
und auch die Europäer erkennen dies.
Die Einheitliche
Europäische Akte
weist ausdrücklich darauf hin, daß
kein Punkt in den EG-Vereinbarungen
eine engere Zusammenarbeit im Bereich
der Sicherheitspolitik innerhalb des
Atlantischen
Bündnisses
behindern
wird.
Die
amerikanisch-europäische
Freundschaft soll nicht nur ein positives Gefühl schaffen. Unsere Aufgaben in der Weltwirtschaft und unsere
Ressourcen weisen uns eine große gemeinsame Verantwortung bei der Behandlung weltpolitischer Probleme zu:
Menschenrechte,
die
Schulden
der
Dritten Welt und deren Entwicklung,
die weltweite Umweltproblematik und
politische Entwicklungen in der Sowjetunion und
Osteuropa.
Augrund
dessen müssen wir weiterhin unsere
bilateralen
Spannungen
im
Handel
überwinden
und
kurzsichtige
oder
fehlgeleitete
politische
Maßnahmen
vermeiden.
Dazu wird harte Arbeit
und ein intensiver Dialog zwischen
den Vereinigten Staten und Europa erforderlich sein.

�Reife
Ich möchte zum Schluß noch eine
besondere Eigenschaft des amerikanisch-europäischen Verhältnisses hervorheben - die "Reife". Kritiker der
amerikanischen
Außenpolitik
haben
darauf verwiesen, die Vereinigten
Staaten weigerten sich, ihre Verbündeten der Nachkriegszeit wie Partner
und nicht wie Grünschnäbel zu behandeln. Meiner Ansicht nach entbehrt
diese Kritik jeder Grundlage.
- Sie ingnoriert insbesondere die
anhaltende Absicht der amerikanischen Nachkriegspolitik - starke und reife Partner zu schaffen,
die den Herausforderungen aus dem
Osten besser begegnen können.

Wir können unseren Spitzenpolitikern zu beiden Seiten des Atlantiks
dankbar sein, daß sie den Mut hatten,
eine weitsichtige und zukunftsträchtige Politik zu wählen, von der wir
nunmehr profitieren. Wenn wir ihrem
Beispiel folgen, werden politische
Entscheidungsträger in Zukunft auf
eine starke amerikanisch-europäische
Partnerschaft aufbauen können.
Wir
müssen sowohl in Europa wie auch in
den Vereinigten Staaten klarstellen,
daß zwischen der Verteidigung unserer
Interessen und der Unterstützung eines europäischen Binnenmarktes heute
und dem Ziel der europäischen Einheit
morgen kein Widerspruch besteht.

- Sie verwechselt Führungskraft mit
Dominanz.
- Eine reife Partnerschaft mit Europa bedeutet nicht, daß die Vereinigten Staaten bei der Förderung ihrer eigenen Interessen Zurückhaltung walten lassen sollten. Das werden wir auch nicht
tun.

- 7 -

�^£°f*hs ^ «&gt;*

AMERIKA DIENST
Dokumentation
29. März 1989

13
MARESCA:

FORTSCHRITTE IN DER ERSTEN VSBM-RUNDE

- Pressekonferenz mit dem Leiter der amerikanischen Delegation WIEN - (AD) - Der Leiter der amerikanischen Delegation bei der Konferenz
über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen, Botschafter John Maresca,
erklärte in einer Pressekonferenz am 22. März 1989, es gebe "zahlreiche Gemeinsamkeiten" bei den Vorschlägen des Westens und des Ostblocks in der ersten
Verhandlungsrunde, die an diesem Tage zuende ging.
Maresca erklärte, einige Delegationen des Ostblocks hätten "recht positive
Reaktionen" auf die westliche Forderung nach einem offiziellen Seminar gezeigt, "im Rahmen dessen offizielle Vertreter militärischer Institutionen in
den Teilnehmerstaaten in der Lage sein werden, sich gegenseitig zu befragen,
ihre Anliegen zur Sprache zu bringen, ihre Sicherheitspolitik zu beschreiben"
und ihr Einsatzkonzept für Europa zur Diskussion zu stellen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz im Wortlaut:

Wie Sie wissen, werden die Verhandlungen jetzt unterbrochen.
Wir
werden nach Washington zurückkehren,
um die uns unterbreiteten Vorschläge
und ihre Kompatibilität mit unseren
Vorschlägen zu prüfen.
Wir werden
wie immer eine Bilanz unserer Vorschläge ziehen, um festzustellen, ob
Anpassungen erforderlich sind und zu
Beginn der nächsten Runde mit einigen
neuen Denkanzsätzen aufwarten.
Ich
denke, daß wir uns zu Beginn der
nächsten Runde vor allem auf die
Bildung von Arbeitsgruppen konzentrieren werden, um ernsthaftere Diskussion über substantiell.' Einzelheiten führen zu können. In diesem Zusammenhang wird uns bald eine inhaltlich ausgearbeitete Version eines jeden unserer Vorschläge vorliegen, die
- wie sie anhand unseres Konzepts se-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

hen - jetzt erst in Rohform zu Papier
gebracht worden sind. Ich denke also, daß hier zu Beginn der nächsten
Runde einiges besser zusammenpassen
wird - die Bildung von Arbeitsgruppen
und voll ausgearbeitete, detaillierte
Versionen der Vorschläge, die wir im
Konzept bereits vorgelegt haben.
Nur als Kommentar zu unserer gegenwärtigen Position: meiner Ansicht
nach haben diese Verhandlungen einen
guten Anfang genommen.
Uns liegen
natürlich die beiden Vorschläge vor.
Heute wurde ein dritter - ein Beitrag
Rumäniens - unterbreitet.
Es sind
also auf Anhieb einige substantielle
Vorschläge von beiden Seiten vorgelegt worden. Man kann es fast schon
einen Rekord nennen, daß nunmehr fünf
Vorschläge aus dem Westen und aus dem

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Ostblock in zwei Verhandlungen in
derselben Stadt zu Beginn dieser beiden Verhandlungen unterbreitet wurden. Ich habe nie zuvor gehört, daß
so etwas in den RUstungskontrollverhandlungen zwischen Ost und West
schon einmal vorgekommen ist. Meiner
Ansicht nach ist das eine gute Sache,
und ich denke, es gibt zahlreiche Gemeinsamkeiten zwischen den von Ost
und
West
vorgelegten
Entürfen.
Gleichzeitig möchte ich nicht allzu
optimistisch sein, weil auch noch
Meinungsverschiedenheiten
bestehen
und die Haltung beider Seiten nicht
ganz übereinstimmt. Ich werde das,
wenn Sie gestatten, später etwas eingehender erläutern.
Meiner Meinung nach gibt es im
Hinblick auf Fortschritte einen frühen positiven Hinweis, die sehr interessante Übereinstimmung von Ideen
bei dem, was wir in unserem Entwurf,
ein "Seminar über Doktrinen" genannt
haben. Erst heute haben eine Reihe
von Delegationen des Ostblocks sich
in dieser Hinsicht positiv geäußert,
und ich denke, Sie dürfen auf die
baldige Übereinstimmung von Ideen im
Rahmen dieses Seminars hoffen wie
auch auf dessen baldige Durchführung.
Lassen Sie mich hier eine Pause machen und auf Ihre Fragen eingehen,
und wenn ich Ihrer Ansicht nach auf
einige Dinge näher eingehen sollte,
werde ich das gerne tun.
Frage:
Wie stehen Sie zu dem
Konzept der Einbeziehung von Seestreitkräften bei den VSBM-Verhandlungen?
Antwort:
Es gibt ein Problem
im
Zusammenhang
mit
VSBM:
der
Warschauer Pakt hat die Einbeziehung
unabhängiger Luft- und Seestreitkräfte in diese Verhandlungen gefordert.
Unserer Ansicht nach geht dies technisch über das Mandat von Madrid hinaus.
Das Mandat von Madrid sieht
vor, daß diese Verhandlungen sich auf
die zentrale Konfrontation zwischen
Ost und West auf dem europäischen
Kontinent und damit vor allem auf die
Landstreitkräfte konzentrieren.
Die

Sprachregelung des Mandats von Madrid
umfaßt die Möglichkeit der Einbeziehung von Streitkräften, die Operationen zu Land durchführen, und aus diesem Grunde haben wir in die Schlußakte von Helsinki zum Beispiel Bestimmungen über amphibische Streitkräfte
aufgenommen.
Unserer Ansicht nach
ist die wesentliche Konfrontation
zwischen Ost und West eine Konfrontation zu Land in Europa, und diese
Verhandlungen sollten sich daher auf
diese zentrale Konfrontation und die
sich möglicherweise ergebenden Konflikte konzentrieren.
Dies sollte
den Kernpunkt der Verhandlungen bilden. Darüber hinaus habe ich öffentlich darauf hingewiesen, daß einige
dieser vom Warschauer Pakt vorgelegten Vorschläge ihren Auswirkungen zufolge nicht ausgewogen sind. Ich habe sie als "vorteilbildende" Maßnahmen bezeichnet. Dasselbe gilt auch
hier und insbesondere für Maßnahmen
bei den Seestreitkräften. Wir sind
in höchstem Maße von unserer Fähigkeit zur überquerung des Atlantiks
abhängig, um die Verteidigung des
Westens in Europa zu stärken. Das
ist ein sehr entscheidender Punkt für
die Verteidigung des Westens.
Aus
diesem Grunde sind wir der Ansicht,
daß die Aufnahme von Diskussionen
über vertrauensbildende Maßnahmen bei
den Seestreitkräften unausgewogene,
negative Auswirkungen auf die Fähigkeit des Westens zur Verteidigung Europas haben würde.
Meiner Meinung
nach können wir hier keine Übereinkunft über vertrauensbildende Maßnahmen erzielen, die Ungleichheit hervorbringen könnten. Das trifft auch
auf andere Bereiche zu. Durch einige
Vorschläge des Warschauer Pakts zieht
sich ein roter Faden - das Konzept
von Zonen jeweiliger militärischer
Aktivitäten, das Konzept von Beschränkungen, die im wesentlichen bei
Manövern vorgenommen werden.
Auch
das wäre zum Nachteil des Westens.
Aus diesem Grunde können wir das
nicht akzeptieren.
Frage: Noch eine Frage zu demselben Thema - Botschafter Konarski
(der Leiter der polnischen Delega-

^
'

i
*

�tion) hat heute erklärt, daß umfangreiche NATO-Manöver als Bedrohung der
Sicherheit empfunden werden, da diese
Truppen einsatzbereit sind und ein
Angriffspotential darstellen. Theoretisch stellen sie also eine Bedrohung
für die Sicherheit dar. Gibt es für
den Westen eine Möglichkeit, auf diese Sorgen einzugehen?

würden, dies
gleichen.

durch

Übungen

auszu-

Antwort:
Wir haben einen Vorschlag, den Sie bitte unserem Entwurf
entnehmen wollen und der auf das von
Ihnen Vorgetragene abzielt. In der
Schlußakte von Helsinki sollte eine
Reduzierung bei Großmanövern - bei
denen eine lange Vorwarnzeit erforderlich ist - von 75 000 auf 50 000
vorgenommen werden. Unserer Ansicht
nach könnte dies der Besorgnis abhelfen. Lassen Sie mich jedoch das eigentlich Problem
ansprechen.
Der
Warschauer Pakt hat einen erheblichen
zahlenmäßigen Vorteil bei Streitkräften, Panzern und allem anderen auch.
Diesen Vorteil wird er auch dann behalten, wenn die von Gorbatschow angekündigten einseitigen Reduzierungen
vorgenommen worden sind. Auch wenn
das Verhältnis sich bei den wichtigsten Arten von schwerer Ausrüstung in
Europa auf zwei zu eins verändert
hat. Wir müssen Möglichkeiten finden, um diesen ungeheuren Nachteil
des Westens auszugleichen. Eine der
uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten sind die Manöver. Solange also dieses Ungleichgewicht und diese
Asymmetrie - um sich der Sprache der
Rüstungskontrolle zu bedienen - besteht, benötigen wir unsere Fähigkeit, in vielfacher Weise Übungen
durchzuführen. Deshalb erklären wir,
daß Beschränkungen auf diese Arten
von Manövern nur im Rahmen von Reduzierungen auf gleiche Streitkräfteniveaus in Europa vorgenommen werden
können. Wenn wir das Ziel gleicher
Streitkräfteniveaus erreichen, kann
meiner Ansicht nach diese Art der
Einschränkung erwogen werden.
Aber
solange wir uns in der Situation dieser Art von erheblichem zahlenmäßigem
Nachteil befinden, begingen wir eine
große Dummheit, wenn wir Einschränkungen unserer Fähigkeit zustimmen

Antwort:
Zunächst
halte
ich
unseren Vorschlag nicht für bescheiden. Wir haben einen sehr dynamischen
Informationsaustausch
vorgeschlagen, der mit einem völlig neuen
System der Bewertung vor Ort einhergehen soll. Dies wäre ein wichtiger
Schritt nach vorn im Hinblick auf gegenseitiges Verständnis und die Fähigkeit, Vertrauen über die Aktionen
der anderen Seite in Europa zu haben.
Das ist kein bescheidener Vorschlag.
Tatsächlich deckt er Tausende von
normalen
Streitkräftestandorten
in
normalen Friedenszeiten ab. Er ist
in der Tat so unbescheiden, daß die
Warschauer-Pakt-Staaten ihn zurückwiesen, als wir etwas Ähnliches zuerst in Stockholm vorschlugen.

Frage: Der Warschauer Pakt hat
den vom Westen bei diesen Verhandlungen unterbreiteten Vorschlag bescheiden genannt und sogar innerhalb der
NATO wurde Enttäuschung laut. Welche
Meinung haben Sie dazu?

Wir haben dieses Konzept seitdem
stark weiterentwickelt und es noch
flexibler gestaltet, um Veränderungen
einzubeziehen, die noch in diesem
Jahr stattfinden werden und auch auf
neue Entwicklungen von Waffen eingehen werden. Das ist etwas, das in
Europa noch nicht behandelt worden
ist, aber unser Problem besteht darin, daß die Warschauer-Pakt-Staaten
neue Waffensysteme in der Regel heimlich stationieren. Wir erhalten also
davon erst Kenntnis nach ihrer Dislozierung. Das ist zum Beispiel bei
der SS-20 geschehen. Diese Art der
Entwicklung kann die Stabilität und
das Gleichgewicht in Europa gefährden
und aus diesem Grunde hat unserer Ansicht nach jedes Land in Europa das
Recht zu wissen, wann andere Länder
solche wichtigen neuen Waffensysteme
stationieren.
Dieser Vorschlag ist
also keineswegs bescheiden. Darüber
hinaus sieht er Besuche von Inspektoren vor - die wir aus verschiedenen
Gründen lieber Bewerter nennen - die

- 3 -

�an Ort und Stelle Waffensysteme zählen werden.
Dazu werden sie das
Recht haben, an Ort und Stelle die
Anzahl zun Beispiel dort stationierter Panzer und Artillerie zu zählen.
Das ist keine Kleinigkeit. Ich denke, es stößt an die Grenzen des gegenwärtig zwischen Ost und West in
Europa machbaren. Aber es ist ganz
sicher nicht bescheiden.
Frage:
Haben
Sie in dieser
letzten Runde bereits Meinungsverschiedenheiten
zwischen
NATO
und
Warschauer Pakt entdeckt?
Antwort:
Die Diskussion dazu
ist aufgenommen worden. Ich möchte
in diesem Zusammenhang erwähnen, daß
unser Verhandlungsort eher überwältigend ist und keineswegs zu saloppen
Bemerkungen herausfordert.
Das ist
einer der Gründe, warum wir uns so
schnell wie möglich in Arbeitsgruppen
aufteilen wollen:
die Atmosphäre
soll etwas weniger formell werden und
wir könnten einen echten Austausch
erzielen.
Aber es gab Fragen von
beiden Seiten und, wie Sie sich vorstellen können, vornehmlich über diese Bereiche, auf die wir auch bereits
hingewiesen haben, wo Unterschiede
zwischen beiden Vorschlägen bestehen.
Gleichzeitig gab es positive Übereinstimmung zwischen den Delegationen
des Westens und des Ostblocks im Hinblick auf den Vorschlag für ein "Seminar über Doktrinen". Sie ist durch
informelle Kontakte entstanden, die
sich nebenbei ergeben haben und im
Rahmen derer wir unsere Position darlegen konnten. Andere haben uns dazu
befragt, und meiner Ansicht nach gibt
es genug Übereinstimmungen, aufgrund
derer wir uns bald einigen könnten,
wie ich auch bereits erklärt habe.
Es sind also auf beiden Seiten Fragen
gestellt und Erklärungen abgegeben
worden, so daß zumindest bei einem
unserer
Vorschläge
Übereinstimmung
besteht.
Frage:
(Der polnische Delegationsleiter) Konarski hat erklärt,
das Seminar über Militärdoktrinen
werde auf Regierungsebene durchge-

führt.
Sprechen Sie darüber oder
über den Vorschlag Polens und der
Bundesrepublik (einer zweiten inoffiziellen Konferenz)?
Antwort:
Vielen Dank, daß Sie
mich zu dieser Klarstellung veranlassen. Die Idee aus Polen und der Bundesrepublik im Hinblick auf ein Seminar ist ein ganz anderes Thema. Dazu
möchte ich nicht Stellung nehmen.
Das ist eine von ihnen geförderte
Initiative, die meines Wissens von
einer privaten Institution mit privaten Fachleuten
durchgeführt wird.
Wir sprechen hier über den von uns in
unserem Entwurf unterbreiteten Vorschlag für eine offizielle Zusammenkunft, im Rahmen derer offizielle
Vertreter militärischer Institutionen
in den Teilnehmerstaaten in der Lage
sein werden, sich gegenseitig zu befragen, ihre Anliegen zur Sprache zu
bringen, ihre Sicherheitspolitik zu
beschreiben und ihr Einsatzkonzept
für Europa zur Diskussion zu stellen
sowie die damit in Zusammenhang stehenden Themen - wie etwa das Einsatzkonzept in Europa - zu erläutern.
Sie sollten sich ebenso gegenseitig
Fragen stellen und darauf eine Antwort mit offiziellem Charakter erhalten können. So lauten unsere Vorschläge, und wir denken, dafür ist es
jetzt in Europa an der Zeit. Darauf
beziehe ich mich.
Frage: Wann würde dieses Seminar stattfinden?
Antwort: Das wissen wir nicht.
Es hängt davon ab, wann wir eine
Übereinkunft erzielen können. Unsere
Idee ist, daß es noch im Rahmen dieser Verhandlungsrunde stattfindet, so
daß wir davon profitieren könnten.
Es könnten sich Ideen oder Fragen ergeben, die auch für uns in unseren
Verhandlungen nützlich sein könnten.
Wir wünschen uns, daß es zu irgendeinem Zeitpunkt der laufenden Verhandlungen noch stattfinden kann, damit wir daraus für unsere zukünftige
Arbeit Nutzen ziehen können.
Frage:

Aber wäre das bald?

�Antwort:
Praktisch
betrachtet
erfordert dies einen bestimmten Umfang an geduldiger Arbeit, um dabei
Übereinkünfte - auch bescheidene - zu
erzielen. Bald? Ich denke, es könnte bald sein. Wenn Sie es noch eher
wünschen, so denke ich, daß es seinem
Charakter nach so kompliziert ist,
daß es schwierig sein wird, es eher
zu organisieren, aber ich halte es im
Laufe dieser Verhandlungen noch für
möglich.
Frage:
Ich habe zwei Fragen.
Verstehe ich Sie richtig, daß der
deutsch-polnische Vorschlag eine Konferenz außerhalb der VSBM-Verhandlungen vorsieht? Die zweite Frage betrifft das System stichprobenartiger
Beurteilungen: Welche Art von Besuchen möchten Sie durchführen, und ist
dies nicht ein Vorschlag, dessen Ablehnung Sie von vornherein einkalkuliert haben, um damit die Konferenz
zum Scheitern zu bringen?
Antwort:
Zunächst zum deutschpolnischen Seminar. Das ist ein Vorschlag dieser beiden Länder. Ich bin
dafür
nicht
verantwortlich.
Sie
sollten Ihren Fragen an sie richten,
und meines Wissens wird Botschafter
Joetze in Kürze hier erscheinen. Ich
schlage also vor, daß Sie ihn fragen.
Ich habe damit wirklich nichts zu tun.
Im Hinblick auf das von mir vorgeschlagene Stichproben-System: Meines Erachtens sind die realistischen
Begrenzungen hier von der Praxis vorgegeben. An unserer Konferenz nehmen
große und kleine Länder teil. Eine
der Schwierigkeiten besteht darin,
eine gemeinsame Grundlage für ein Abkommen zu finden, das für alle hier
vertretenen Staaten unterschiedlicher
Größe akzeptabel ist. Dies ist nur
einer der vielen Aspekte, mit denen
wir es hier zu tun haben. Im Hinblick auf das Stichproben-System bedeutet das, daß die Anzahl der zulässigen Besuche wahrscheinlich nicht
sehr hoch sein wird. Sagen wir, wir
hätten das Recht auf fünf Besuche pro
Jahr. Wenn Sie das mit der Zahl von
- 5

35 Staaten multiplizieren, kommen Sie
wirklich auf eine Menge von Besuchen.
Das bedeutet für die Länder finanzielle, bürokratische und sonstige
Belastungen. Man sollte diese Dinge
also realistisch
betrachten.
Wir
werden mit allen hier vertretenen
Länder darüber sprechen müssen, was
sie realistischerweise leisten können.
Ihre letzte Bemerkung überrascht mich. Wir unterbreiten hier
keine Vorschläge, um die Konferenz
zum Scheitern zu bringen. Wir haben
uns in den vergangenen zwei Jahren
vielmehr sorgfältig mit unseren Verbündeten beraten und versucht, Vorschläge auszusondern, die entweder
nicht zu verwirklichen, unpraktikabel
oder für eine der Seiten inakzeptabel
sind, um uns auf Dinge zu konzentrieren, die wirklich realisierbar sind.
Diese Dinge lassen sich erreichen,
die Zeit ist reif, um sie zu erreichen, und deshalb haben wir sie vorgeschlagen. Aus keinem anderen Grund.
Frage:
Ein System stichprobenartiger Beurteilungen beinhaltet die
Verifizierung statischer Informationen.
Aus welchem Grund bezeichnen
Sie dies als Verifizierungssystem,
wenn es dem Stockholmer Abkommen zufolge bereits mehrere institutionalisierte Inspektionssysteme gibt? Erwarten Sie Widerstand von selten der
neutralen und blockfreien Staaten gegen das Stichproben-System?
Antwort:
Sie vergleichen zurecht dieses Beurteilungssystem mit
den Stockholmer Regelungen.
Lassen
Sie mich zunächst auf die Frage der
Verifizierung eingehen. Unseres Erachtens ist Verifizierung ein sehr
wichtiger Begriff. Wir möchten diesen Begriff nicht durch Maßnahmen
entwerten, die wir nicht als Verifizierung im umfassenden Sinn verstehen. Der von uns vorgeschlagene Informationsaustausch wird wahrscheinlich Tausende von Orten in Friedenszeiten umfassen. Wir gehen nicht davon aus, daß es physisch möglich sein
wird, diese Art von Informationsaustausch vollständig zu verifizieren.
Es gibt einfach zuviel Material - zu-

�viele Orte, Panzer etc. Es wäre physisch enorm schwierig, wenn nicht unmöglich. Um die Bedeutung der Verifizierung nicht zu verwässern, haben
wir uns absichtlich entschlossen, in
diesem Fall eine andere Terminologie
zu verwenden. Deshalb haben wir den
Begriff "Bewertung" gewählt, einen
neuen Begriff, ein neues Konzept. Es
ist nicht dasselbe wie Verifizierung.
Wir gehen davon aus, daß uns Bewertungsbesuche dieser Art mit der Zeit
ein gewisses Maß an Vertrauen geben
könnten, daß die gelieferten Informationen korrekt waren - mit der Zeit
und nach Jahren. Das ist die Art der
von uns angestrebten Regelung, die
"mit den Jahren" Auswirkungen haben
wird.
Es ist also der Mühe wert,
aber es ist keine vollständige Verifizierung.
Der Vergleich mit dem Stockholmer
Abkommen ist etwas anderes, und ich
hoffe, dies so erklären zu können,
daß es jedem einleuchtet. Die in den
Stockholmer Vereinbarungen vorgesehenen Inspektionen sind so beschaffen,
daß sie durch verdächtige militärische Aktivitäten provoziert werden,
militärische Aktivitäten, die Besorgnis auslösen.
Man sieht sie oder
hört davon auf irgendeine Weise und
dann bittet man um einen Besuch und
eine Inspektion, um zu prüfen, was
dort vorgeht.
Dann hat man das
Recht, innerhalb
einer bestimmten
Frist dorthin zu reisen und nachzusehen. Das ist In der Tat auf recht
konstruktive Weise geschehen.
Der
zugrundeliegende Gedanke ist auf diesen Verdachtsfall angelegt.
In unserem Fall sprechen wir jedoch über etwas ganz anderes. Diese
Inspektionen werden nicht durch irgendein Ereignis provoziert. Es sind
schlicht
Routine-Inspektionen,
bei
denen Leute einreisen und Truppen in
ihren Friedensstellungen zählen. Sie
werden sicherlich verstehen, daß eine
Aktivität, die Besorgnis auslösen
könnte, per definitionem außerhalb
der friedensmäßigen Stellungen der
Einheit
stattfinden
würde.
Das
heißt, die Truppen befinden sich ir-

gendwo außerhalb und führen irgendeine Aktivität durch, die Ihre Besorgnis erweckt. Sie schlafen nicht
in ihren Betten. Hingegen würden unsere Bewerter hingehen und Leute zählen, die in ihren Betten schlafen, in
ihren Panzern, in ihren Parks, während die Artillerie stillgelegt und
in Reih und Glied geparkt ist. Es
besteht also ein Unterschied zwischen
den beiden. Meines Erachtens brauchen die Neutralen keine Probleme damit zu haben. Es ist nicht beabsichtigt, die frühere Idee auszuwalzen.
Es ist im Gegenteil eine ganz andere
Vorgehensweise - eine andere Idee.
Frage:
Ist
dieser
Vorschlag
nicht ein anderer Name für ein amerikanisches Konzept, daß von Ihrer Seite in Stockholm vorgeschlagen wurde?
Und zweitens, unterstützen die Vereinigten Staaten den östlichen Vorschlag für ein Zentrum zur Risikoverringerung?
Antwort:
Wie ich bereits sagte, hatten wir in Stockholm ein Konzept für den Informationsaustausch,
der damals vorgelegt und von den östlichen
Teilnehmerstaaten
abgelehnt
wurde. Dies ist eine weitere Entwicklung in dieser Frage. Sie geht
aber aufgrund der seither hinzugefügten dynamischen Elemente darüber hinaus. Meines Erachtens ist sie also
daraus erwachsen.
Im Hinblick auf das Zentrum zur
Risikoverringerung bestehen zahlreiche Ideen in bezug auf Instrumente
zur Risikoverminderung. Zum Beispiel
haben einige von einem bestimmten Ort
- einem Gebäude - gesprochen, der mit
Abgesandten der verschiedenen Länder
besetzt sein sollte. Ich persönlich
denke, daß dies ernste Probleme aufwirft. Ohne auf Einzelheiten einzugehen, stellen sich hier meines Erachtens schwierige Probleme. Es gibt
andere Vorschläge, etwa "Heiße Drähte", "Netzwerke" etc., die nicht an
einen geographischen Ort oder ein Gebäude gebunden sind. Wir werden diese anhören müssen und untersuchen,
wie sie zu realisieren wären, bevor

�wir wirklich feststellen, wo die Probleme liegen. Meines Erachtens muß
man in diesem Bereich äußerst sorgfältig vorgehen, damit man nicht
"verwirrungsbildende" Maßnahmen einführt. Wir müssen dies auch hier untersuchen.
Viele davon sind praktische Erwägungen, aber man sollte
sie diskutieren und die Meinung der
Leute hören.
Frage:
Sie haben gesagt, es
sei ein guter Anfang gemacht worden,
aber Sie haben ebenfalls erklärt, Sie
seien nicht allzu optimistisch. Können Sie uns den Grund dafür nennen?
Antwort:
Man kann in gewissem
Maß optimistisch sein, aber ich würde
nicht zu optimistisch sein.
Die
Gründe dafür sind ganz normal. Wir
haben ein gewisses Maß an Erfahrung
in diesem Bereich, und diese Erfahrungen waren nicht immer sehr vielversprechend.
Das ist ein Faktor.
Man sollte meines Erachtens realistisch in bezug auf das sein, auf was
sich Ost und West verständigen können. Die Probleme zwischen Ost und
West haben sich nicht durch Glasnost
und Perestrojka in Wohlgefallen aufgelöst. Sie bestehen weiterhin. Wir
müssen sie realistisch bewältigen.
Die sowjetische Produktion militärischer Güter hat sich nicht verändert. Wir stellen fest, daß immer
noch die gleiche Zahl von Panzern das
Fließband verläßt wie früher; die
Ausrichtung ihrer Streitkräfte ist
immer noch so, wie sie schon immer
war - wir haben dies immer so interpretiert, daß sie auf der Möglichkeit
beruht, eine Offensive in Europa zu
führen. All dies ist immer noch Realität, trotz aller Reden.
Meines Erachtens besteht einer
der Gründe für unseren Wunsch, ein
Seminar über Militärdoktrinen zu veranstalten, gerade darin, festzustellen, was die Sowjets meinen, wenn sie
sagen, sie wollten von der offensiven
zur defensiven Orientierung übergehen. Wir möchten ferner feststellen,
wie sich dies in der Praxis auf die
Ausrichtung ihrer Streitkräfte und

die Auswahl der von ihnen in Europa
stationierten Waffensysteme auswirkt.
All dies muß ausdiskutiert werden.
Die Realität der militärischen Konfrontation zwischen Ost und West in
Europa hat sich nicht verändert, und
man muß deshalb bei der Erörterung
dieser Dinge Vorsicht walten lassen.
Frage:
Noch einmal zum Vorschlag von Gesprächen über die Doktrin.
Ist dies ein amerikanischer
oder ein NATO-Vorschlag, und wann
wurde er gefaßt?
Antwort:
In diesen speziellen
Verhandlungen sprechen wir nicht von
NATO-Vorschlagen, denn weder die NATO
noch der Warschauer Pakt sind hier
Verhandlungspartner.
Wir alle sind
souveräne Staaten. Wir sind Freunde
und enge Verbündete bestimmter Länder, aber wir sitzen hier nicht als
NATO am Verhandlungstisch. Die NATO
hat einen solchen Vorschlag nicht beschlossen, aber 16 Länder haben dies
getan, und eines davon waren wir. Er
wurde am ersten Verhandlungstag vorgelegt, und wenn Sie ihn sich genau
ansehen, so betrifft sein letzter
Teil den Gedanken eines Seminars. Er
ist nicht als eine der von uns vorgeschlagenen vertrauensbildenden Maßnahmen numeriert, weil wir nicht davon ausgehen, daß es genau das gleiche ist wie eine vertrauensbildende
Maßnahme, unserer Ansicht nach eine
konkrete Maßnahme mit militärischer
Bedeutung. Dies ist eine Art Experiment.
Unseres Erachtens sollte es
eine einmalige Veranstaltung sein, um
festzustellen, was dabei herauskommt.
Wir meinen, daß möglicherweise nützliche Ergebnisse dabei erzielt werden
könnten.
Dies liegt in der Natur
eines Experiments. Das ist der Vorschlag, über den ich spreche, und wir
haben ihn zusammen mit 15 anderen
Staaten eingebracht, die Mitglieder
der NATO sind.
Frage:
Sie haben vier Vorschläge genannt. Welche sind das?
Antwort:
Es sind drei Papiere
vorgelegt worden. Es sind wv-1, 2

- 7-

�und 3. Wv 3 erhielten wir erst heute
morgen. Es ist ein rumänischer Vorschlag.
Frage: Ist dies, wie viele rumänische Vorschläge, nur ein Abklatsch früherer Vorschläge?
Antwort: Ich war noch nicht in
der Lage, ihn zu studieren, ich kann
Ihre Frage also noch nicht beantworten. Ich haben ihn heute zum ersten
Mal gesehen. Es gibt einige Gedanken, die den in wv-2 ähnlich sind,
das grundsätzlich ein Papier des
Warschauer Pakts ist, obwohl es nicht
von allen Pakt-Staaten eingebracht
wurde. Zum Beispiel sind darin Zonen
enthalten. Der Vorschlag beinhaltet
noch einige andere gemeinsame Elemente, aber sie unterschieden sich doch
etwas.
Frage:
Wie steht es mit
Einfrieren der Militärhaushalte?

unser Muster hier stark daran angelehnt sein wird. Wir haben ein grosses Wort im KSZE-Prozeß - mutatis
mutandis -, was bedeutet, daß man die
Dinge den gegenwärtigen Umständen anpassen kann. Sie werden wahrscheinlich ein wenig angepaßt werden müssen, weil einige der in Stockholm besprochenen Themen nicht mehr Verhandlungsgegenstand sind, während einige
neue Ideen hinzugekommen sind.
Es
wird im wesentlichen um eine Anpassung dieses Musters gehen.
Wahrscheinlich werden sie keine Namen erhalten, weil ein Name einer Arbeitsgruppe besondere Bedeutung und ein
definiertes Mandat verleihen würde.
Damit würde es schwierig, unterschiedliche Vorschläge dort einzubringen.

|
'

dem
* * * * *

Antwort: Ja, auch das ist darin enthalten. Es sind eine Menge
von einzelnen Elementen darin enthalten.
Frage:
Sie haben etwas über
positive Reaktionen des Ostens gesagt
- könnten Sie dies näher erläutern?
Antwort:
Ich
habe mich auf
zwei Erklärungen bezogen, die abgegeben wurden, bevor ich das Treffen
verließ, um hierher zu kommen. Sie
enthielten grundsätzlich positive Reaktionen auf unseren Vorschlag eines
Seminars über Doktrinen. Meines Erachtens gab es einige Übereinstimmung
bei unseren Ideen zu dieser Frage.
Deshalb habe ich vorhin erklärt, daß
wir dazu möglicherweise schon relativ
bald eine Übereinkunft erzielen können - besonders über dieses Seminar.
Frage: Wie werden die Arbeitsgruppen aussehen?
Antwort:
Wir haben ein Grundmuster für diese Arbeitsgruppen, das
von den Stockholmer Verhandlungen
überliefert ist. Ich nehme an, daß

I

�v\x

nCh

*H&gt;.

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

29. März 1989

13

ENTSCHEIDENDE PHASE IM KAMPF GEGEN RAUSCHGIFT
- Präsident Bush und Antl-Drogen-Beauftragter Bennett fordern
Sofortmaßnahmen -

WASHINGTON - (AD) - "Drogenmißbrauch geht mich nichts an" - mit einer solchen Einstellung könne sich niemand mehr der Verantwortung entziehen, die jeder einzelne Bürger im Kampf gegen Rauschgift trage. Ohne Umschweife ging
Präsident George Bush bei Vorträgen in verschiedenen Städten u.a. der Bundesstaaten Pennsylvanien und Delaware vor Schülern, Polizeibeamten, Vertretern
von Strafverfolgungsbehörden, Bürgerinitiativen und Mitarbeitern an Programmen
zur Drogenbekämpfung auf die vordringlichsten Probleme ein.

Die stark gestiegene Produktion
von Opium, Kokain und Cannabisdrogen
im Ausland, von Amphetamin, Crack und
Cannabisdrogen auch im Inland signalisiert höchste Gefahr. Rauschgift
und Rauschgiftmißbrauch
seien "in
Amerika die Geißel des 20. Jahrhunderts",
erklärte
der
Präsident.
"Auch die sogenannten Gelegeuueitskonsumenten von Kokain und anderen
Drogen verüben Mord, Raub und anderen
Gewalttaten
im
Zusammenhang
mit
Rauschgifthandel.
Und der 'PartyKonsum' fö:dert und beschönigt nur eile Drogenkultur - also Verbrechen,
Tod, sozialen Abstieg und Verlust der
Menschenwürde."
Erster Schwerpunkt für Gegenmaßnahmen soll nach den Vorstellungen
des Anti-Drogen-Beauftragten William

United States Information Service
Embassy of the United States of America

J.
Bennett
die
Bundeshauptstadt
Washington sein. Dafür sollen sogar
Mittel umdisponiert werden, die von
der Bundesregierung bereits für Drogenzentren wie die Städte New York
und Miami bewilligt worden sind.
Washington steht zur Zeit im Ruf eines Drogenumschlagplatzes mit hoher
Rauschgiftkriminalität.
Gewalttaten
und Mord in bestimmten Stadtvierteln,
wo sich Hintermänner des Drogenhandels und Dealer untereinander bekämpfen, versetzen die Bürger in Angst
und Schrecken.
Dem Plan Bennetts - der das "Amt
für Nationale Drogenbekämpfung" leitet - auch Bundespolizei und Militär
einzusetzen, stehen jedoch rechtliche
Bedenken entgegen. Im Raum Washington
wäre das Vorhaben nur dann durchführ-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�bar, wenn auch der Tatbestand der illegalen Herstellung sowie des Imports
und der Verteilung von Rauschgiften
gegeben wäre. Eine wichtige Maßnahme
auf Bundesebene stellt allerdings das
kürzlich erlassene Verbot zur Einfuhr
von
halbautomatischen
Waffen
und
Sturmgewehren dar, die im Droge^händlermilieu besonders gefragt und laut
Bennett als "Teil des Drogenprcblems
anzusehen sind".
Die Nation müsse, so hatte Präsident Bush schon Anfang März in New
York erklärt, "ihre fiskalischen, moralischen, geistigen und wirtschaftlichen Ressourcen für den bedingungslosen Krieg gegen die Sucht" einsetzen. Sie müsse an jeder Front kämpfen - im Erziehungswesen, der Therapie, der Fahndung und der Strafverfolgung. Den Kongreß habe er um eine
Aufstockung der Mittel um eine Milliarde Dollar ersucht.
In bezug auf Rauschgiftkonsum,
Handel und Import von Suchtstoffen
steht in den USA der Raum New York an
erster Stelle. Vermutlich die Hälfte
der insgesamt 260 000 Heroinsüchtigen
lebt im Staat New York. In der Stadt
New York dürften weitere 600 000 Personen kokainabhängig oder dem besonders leicht süchtig machenden, aus
Kokain gewonnenen Crack verfaHen
sein.
Fachleute schätzen, daß die
heute in den Vereinigten Staaten konsumierten Drogen eine "Industrie" der
Größenordnung von 110 Milliarden Dollar ausmachen.
Bundesgesetze geben
jetzt
Strafverfolgungsbehörden
die
Möglichkeit, das Vermögen von Rauechgifthändlern
zu konfiszieren.
In
Form von Grundbesitz, Autos und Bargeld kann dies in nur einem einzigen
Fall den Wert von 50 Millionen Do1 lar
ausmachen.
Die Bürgermeister von 30 großen
Städten in den USA, Lateinamerika und
Europa (hier Amsterdam, London und
Madrid) hatten auf ihrer ersten internationalen Konferenz (8. - 10.
März 1989) in New York beschlossen,
sich bei ihren Regierungen für energischere und mit Geldmitteln besser

ausgestatteten
Maßnahmen
gegen
Rauschgift und Rauschgiftkriminalität
sowie für eine ähnliche internationale Konferenz auf höchster Regierungsebene einzusetzen. Die Strafen für
alle Rauschgiftdelikte - auch für
Verkauf, Besitz und Konsum - müßten
verschärft, die Beschlagnahme von
Vermögen strenger gehandhabt werden.
Geldwäsche müsse durch aggressives
Vorgehen gegen Finanzinstitute, die
wissentlich Transaktionen mit Gewinnen
aus
unerlaubten
Aktivitäten
durchführen, wirksamer kontrolliert
werden.
Delegierte aus südamerikanischen
Staaten machten darauf aufmerksam,
daß mit der häufig und auch verständlicherweise geforderten Reduzierung
des Koka-Anbaus in diesen Ländern
komplexe wirtschaftliche und soziale
Probleme verbunden seien. Schuldzuweisungen an die Bauern und die Regierungen seien nicht angebracht.
Vielmehr gehe es darum, den Bauern
einen Wechsel auf andere Produkte zu
ermöglichen, ohne ihnen gleichzeitig
Einkommensverluste aufzubürden, die
sie weit unter das Existenzminimum
drücken. An Ländern, in denen sich
Crack noch nicht epidemieartig ausgebreitet hat, sprachen sich die Teilnehmer der Konferenz für Sofortmaßnahmen zur wirksamen Vorbeugung aus.
Aufklärung und Erziehung seien in
diesem Zusammenhang ganz besonders
wichtig.
Aus der Gruppe der ebenfalls
teilnehmenden hochrangigen Politikern
und Vertretern von Behörden wie der
DEA (U.S. Drug Enforcement Administration
US-Bundesbehörde
für
Strafverfolgung von Drogendelikten)
forderte Charles Rangel, Vorsitzender
des Suchtstoffkomittees im amerikanischen
Repräsentantenhaus,
einen
"internationalen
Sicherheitspakt"
ähnlich dem NATO-Vertrag, um Drogen
wirksamer bekämpfen zu können.
Robert Stutman von der DEA-Sonderfahndung berichtete, daß der amerikanische Markt mit Kokain "fast gesättigt" sei. Den Schätzungen seiner

�Behörde zufolge kommen 90 Prozent davon aus Bolivien und Peru, während
Kolumbien als primärer Umschlagplatz
dient. Die Händlerorganisationen dirigierten nun Kokain vor allem nach
Westeuropa.
Den Westeuropäern redete er eindringlich ins Gewissen, aus den amprikanischen Erfahrungen zu lernen.
Strafverfolgung allein könne das Problem niemals lösen.
Die einzig»
Hoffnung bestehe darin, Kinder UIT4
Jugendliche so zu erziehen, daß sie
sich von Drogen fernhalten und sich
nie auf Rauschgift einlassen. Gerade
die Erfahrungen in New York verdeutlichen, wie schnell sich die Gepflogenheiten bei den Händlern ändern
können.
Die Behörden dürften sich
niemals auf nur einen Bereich bzw.
eine Droge konzentrieren.
Selbst
wenn eine Droge zu eliminieren sei,
nehme eine andere deren Platz ein.
Beispielsweise kamen im Jahr 1985
nur irei Prozent des Heroins in New
York aus Südostasien, 97 Prozent aus
Südwestasien - d.h. Iran, Pakistan
und Afghanistan.
"Heute, nur vier
Jahre später, kommen 80 Prozent des
Heroins aus Südostasien und nur noch
zehn bis 15 Prozent aus Südwestasien." Crack war 1985 in New York
so gut wie unbekannt. "Heute ist es
der Suchtstoff, der diese Stadt kaputt macht. Ganze Stadtviertel hat
er völlig verändert - und wenn wir
nicht sehr gut aufpassen, wird er das
Gesicht dieser Stadt zerstören." Die
Amerikaner, Dominikaner und Jamaikaner, die die Verteilung von Crack
kontrollieren, hätten ihr Netz von
New York aus auf alle 48 kontinentalen Bundesstnaten ausgeweitet. "Die
Bürgermeister stehen an vorderster
Front und wissen, daß an Ort und
Stelle ebenso wie regional, national
und weltweit dringend und mit Vernunft gehandelt werden muß. Andernfalls werden wir in zwei Jahren wehmütig auf die gute alte Zeit vom Jahr
1989 zurückblicken", sagte Stutman.
In ihrem Bericht vor der Arbeitsgruppe "Internationale Suchtstoffkon-

trolle" des amerikanischen Repräsentantenhauses wies Ann Wrobleski,
Unterstaatssekretärin
im
amerikanischen Außenministerium, unter anderem auf folgende Punkte hin:
- In Südwestasien dürfte der Rückzug der Sowjetunion aus Afghanistan eine starke Ausweitung der
Opiumproduktion zur Folge haben,
da eine starke zentrale Autorität
fehlt
und
der wirtschaftliche
Niedergang
kompensiert
werden
soll.
- Im Mittleren Osten ist Syrien ein
Umschlagplatz für alle Suchtstoffe und ein Zentrum für die Heroinaufbereitung.
Ägypten
ist
Umschlagplatz für Drogen auf dem
Weg in die USA. Das Bakaa-Tal in
Libanon liefert in großen Mengen
Heroin nach Europa, in die USA
und in den Mittleren Osten.
In Afrika ist Kenia ein wichtiger
Transitpunkt für Drogen aus SUdwestasien, die nach Afrika, Europa und in die USA transportiert
werden sollen, während Marokko
eine Hauptquelle für Marihuana
und Haschisch darstellt, das nach
Europa und Afrika gebracht wird.
Westeuropäische Länder sind große
Produzenten und Abnehmer von Drogen, jedoch hat die Beschlagnahme
großer Mengen dramatisch zugenommen. Der Konsum von Heroin und
Haschisch in Europa ist beträchtlich, auch aus anderen Regionen
wird immer mehr davon herangebracht. Der Kokainkonsum ist sogar noch stärker angestiegen.
In Osteuropa ist die Sowjetunion
immer stärker von Drogenhandel
und Drogenabhängigkeit betroffen
und wird zunehmend als Durchgangsland für Drogen von Asien
nach anderen Märkten benutzt.

* * * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ridgway: Europäischer Binnenmarkt "benutzerfreundlich"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede in Minneapolis&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Maresca: Fortschritte in der ersten VSBM-Runde&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz mit dem Leiter der amerikanischen Delegation&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Entscheidende Phase im Kampf gegen Rauschgift&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsident Bush und Anti-Drogen-Beauftragter Bennett fordern Sofortmaßnahmen&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>^o^&lt;

AMERIKA DIENST

VION &amp;

5. A p r i l 1989

14

1
i

I N H A L T

DOKUMENTATION
Bush; NATO Bewahrer von Frieden und Freiheit
- Erklärung zum 40jährigen Jubiläum der NATO Brady fordert rasches Handeln zur Verschuldung der Dritten Welt

- Rede vor dem Interim-Aupschuß des IWF Die Gefahren der Weiterverbreitung von Kernwaffen
- Rede von CIA-Direktor Webster in Los Angeles -

INFORMATION
Lehman bringt großen Erfahrungsschatz mit zu ACDA
- Porträt des designierten ACDA-Direktors -

HINTERGRUNDMATERIAL
Ist das Bildungswesen so schlecht wie eh und je ?
- Von Ben J. Wattenberg Erschütternde Klischees über die Obdachlosen
- Neue Forschungsergebnisse räumen mit überholten Mythen auf -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Fotos aus dem All zeigen Veränderungen der Erdoberfläche
- NASA-Dokumente von Raumtransporterflügen Privatfirma startet erste kommerzielle Rakete

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

4

5. April 1989

14

BUSH: NATO BEWAHRER VON FRIEDEN UND FREIHEIT
- Erklärung zum 40jährigen Jubiläum der NATO -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush zufolge bewahrt die NATO "nicht nur
Frieden und Freiheit der Atlantischen Welt, sondern sie hat auch gemeinsame
Anstrengungen zum Aufbau eines konstruktiveren Verhältnisses mit dem Osten ermöglicht". Während einer Feier anläßlich des 40. Jahrestages der NATO-Gründung erklärte der Präsident am 4. April 1989, er werde den "enormen Erfolg"
der NATO mit seiner für den kommenden Monat angesetzten Reise nach Europa würdigen, in deren Rahmen er am NATO-Gipfel in Brüssel teilnehmen und Rom, Bonn
und London besuchen werde.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Präsidenten im Wortlaut:
Am heutigen Tag vor 40 Jahren
versammelten sich einige der fähigsten und weitblickendsten Staatsmänner ihrer und aller anderen Generationen - Männer wie Robert Schumann
und Lester Pearson, Paul Henry Spaak,
Dean Acheson, Ernest Bevin - hier in
Washington unter den wachsamen Augen
Harry Trumans, um einen historischen
Schritt zu tun. Sie unterzeichneten
eine feierliche Erklärung zur kollektiven Sicherheit, einen Vertrag zur
Sicherung des Friedens und des Wohlstands der Gemeinschaft freier Nationen.
Jener Vertrag erwies sich als
Grundlage des erfolgreichsten Bündnisses der neueren Geschichte. Heute
haben sich an diesem Ort viele hervorragende
Amerikaner
eingefunden,

United States Information Service
Embassy of the United States of America

die - als Regierungsvertreter, Kongreßabgeordnete oder Privatleute
der Atlantischen Gemeinschaft und den
von ihr verkörperten Idealen gedient
haben. Wir wolle sie heute ehren.
Der Nordatlantikvertrag symbolisierte zum Zeitpunkt seiner Unterzeichnung eine kühne Verpflichtung
zum Schutz gegen neue Gefahren, zur
Bewahrung der Freiheiten, für die wir
noch wenige Jahre zuvor so hart gekämpft hatten. Ebenso sehr verkörperte er die gemeinsamen Werte unserer Zivilisation - Werte, die so vielen anderen historischen Meilensteinen der Nachkriegszeit ihren Stempel
aufgedrückt haben, von der UNO-Charta
bis zum KSZE-Prozeß.
Und zugleich mit der festen Ver-

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�ankerung der Freiheit entwickelte
sich der Nordatlantikvertrag aufgrund
der von ihm aufgebotenen Stärke zur
Grundlage der längsten Friedensperiode in der Geschichte Europas, die zudem von nie dagewesenem Wohlstand begleitet wurde. In jeder Hinsicht war
die NATO ein enormer Erfolg. Wie jede von Menschen geschaffene Institution unterliegt sie ständigen Prüfungen und Herausforderungen, aber wir
haben stets zusammengehalten.
Im
kommenden Monat werde ich nach Europa
reisen, um am NATO-Gipfel in Brüssel
teilzunehmen und die verantwortlichen
Politiker in Rom, Bonn und Brüssel zu
besuchen.
Dies wird ein historischer Augenblick sein, nicht nur aufgrund des
begangenen Jubiläums, sondern auch
aufgrund der hoffnungsvollen Veränderungen, die er verkörpern kann - Veränderungen, die durch die Stärke und
Solidarität des Atlantischen Bündnisses ermöglicht wurden.
Heute, in einer sich wandelnden
Welt, bewahrt unser Bündnis nicht nur
Frieden und Freiheit der Atlantischen
Welt, sondern hat auch gemeinsame Anstrengungen zum Aufbau eines konstruktiveren Verhältnisses mit dem
Osten ermöglicht.
Europa tritt in
ein Zeitalter nie dagewesener Veränderungen und enormer Hoffnung ein.
Ohne unsere über vier Jahrzehnte aufrechterhaltene Moral und politische
Einheit würde dies niemals geschehen.

Unsere Werte von Freiheit und Demokratie erweisen sich heute als
mächtigste politische Kraft in der
Welt - insbesondere in Europa. An
diesem Jahrestag schließe ich mich
meinen amerikanischen Mitbürgern und
den Bürgern der 15 anderen BUndnisstaaten an, indem ich für das in der
Vergangenheit Geleistete meinen Respekt bekunde. Des weiteren begrüßen
wir eine aussichtsreiche Zukunft und
verpflichten uns erneut auf die gemeinsame Vision eines ungeteilten Europas, in dem Sicherheit und Frieden
für alle Nationen des Kontinents auf
der Grundlage von Freiheit, echter
Demokratie,
Menschenrechten
und
Rechtsstaatlichkeit garantiert sind
und der Traum - die Vision - von vor
40 Jahren verwirklicht ist.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
r

^7

^

Dokumentation

C&amp;

5. April 1989

14

BRADY FORDERT RASCHES HANDELN ZUR VERSCHULDUNG DER DRITTEN WELT
- Rede vor dem Interim-Ausschuß des IWF -

WASHINGTON - (AD) - Dem amerikanischen Finanzminister Nicholas Brady zufolge müssen sich Weltbank und Internationaler Währungsfonds (IWF) rasch darauf verständigen, welche Rolle sie bei der neu vorgeschlagenen Strategie zum
Schuldenabbau der Dritten Welt spielen sollen.
Brady erklärte am Nachmittag des 3. April 1989 vor dem Interim-Ausschuß
des IWF, der für die Politik des Fonds verantwortlich zeichnet, ein Schuldnerland, das durchgreifende Wirtschaftsreformen durchführt, müsse "von Anfang an
- nicht erst Monate später - sichtbare und sinnvolle Unterstützung seitens der
internationalen Gemeinschaft erhalten".
Nachfolgend bringen wir Bradys Rede im Wortlaut:
Seit einer Reihe von Jahren gilt
das besondere Augenmerk dieses Ausschusses der internationalen Schuldenstrategie.
Der Interim-Ausschuß
hat in der Tat zu dieser Frage nicht
nur dem Direktorium des IWF, sondern
auch der internationalen Staatengemeinschaft insgesamt Leitlinien an
die Hand gegeben. Es ist nun wiederum an der Zeit, daß dieser Ausschuß
eine führende Position beim Schuldenproblem einnimmt und den internationalen Bemühungen zur Stärkung der
Schuldenstrategie die Richtung vorgibt.
Wir haben unlängst eine Reihe definitiver Vorschläge
zur Stärkung
dieser Strategie vorgelegt, die auf
Ideen und Vorschlägen aufbauen, die
viele von Ihnen unterbreitet haben.

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Ich fühle mich äußerst ermutigt durch
die breite internationale Unterstützung, für die vorgelegten Konzepte
und Ansätze.
Gleichzeitig bin ich
mir jedoch bewußt, daß noch viele
Fragen offen bleiben. Es ist meines
Erachtens an der Zeit, daß wir zusammenarbeiten, um diese Konzepte in
präzise Regeln zu verwandeln, die
eine Grundlage für dauerhafte Fortschritte bei der Bewältigung des
Schuldenproblems liefern.
Wir sind der Meinung, daß die
Prinzipien der gegenwärtigen Strategie - die lebenswichtige Bedeutung
stärkeren Wachstums, der Reformen
seitens der Schuldnerstaaten, finanzieller Unterstützung von außen sowie
eines einzelfallorientierten Ansatzes
für die Probleme der einzelnen Länder

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�- weiterhin gültig sind. Es ist ferner von entscheidender Bedeutung, daß
Fonds und Weltbank auch in Zukunft
eine zentrale Rolle bei der Strategie
und bei der Unterstützung der Entwicklungsländer in der Formulierung
solider makroökonomischer und struktureller Maßnahmen spielen sowie eine
Katalysatorfunktion für die finanzielle Unterstützung
durch andere
Gläubiger einnehmen.
Reformen zur Schaffung lebenswichtiger
makroökonomischer
und
struktureller Veränderungen sind zur
Lösung des Schuldenproblems unerläßlich. Ferner sind besondere Anstrengungen als Teil der Programme von IWF
und Weltbank vonnöten, um das Vertrauen in die Wirtschaftsprogramme zu
fördern und als Alternative zur Neuverschuldung einen neuen Fluß direkter Investitionen sowie den Rückfluß
von Fluchtkapital zu ermutigen. Der
Fonds sollte weiterhin verbesserte
Techniken entwickeln, um Fluchtkapital zu beobachten und frühzeitige Abhilfemaßnahmen einzuleiten.
Schätzungen staatlicher und privater Quellen zufolge sind die im Ausland angelegten Mittel von Angehörigen einer
Reihe von Staaten ebenso hoch oder
noch höher als deren Auslandsverschuldung.
Deshalb stellen diese
Mittel für die Schuldnerländer potentiell eine wichtige Quelle privaten
Kapitals dar, die Teil eines Gesamtansatzes zum Schuldenproblem sein muß.
Wir fordern die Banken auf, anhaltende Reformbemühungen von Schuldnerländern durch freiwilligen Abbau
von Schulden und Schuldendienst sowie
die weitere Gewährung neuer Kredite
zu unterstützen. Um diesen Prozeß zu
erleichtern, müssen rechtliche Beschränkungen bei bestehenden Vereinbarungen über Bankkredite gelockert
werden. Insbesondere wären in diesem
Zusammenhang Verhandlungen über einen
allgemeinen Verzicht auf die Verpflichtung zur gleichmäßigen Bedienung aller Gläubiger sowie auf die
Bereitstellung aller Reserven zur Bedienung der Kredite für jeden Schuldnerstaat, der bestimmte Leistungen

erbringt, wichtig.
Damit könnten
Verhandlungen über ein breites Spektrum von Transaktionen zur freiwilligen Reduzierung der Schulden oder des
Schuldendienstes zwischen Schuldnern
und Banken erleichtert werden, die
sich zur Weiterverfolgung dieser Alternativen entschließen könnten. Ein
solcher Verzicht könnte vielleicht
auf drei Jahre begrenzt sein, um einen Schulden- oder Schuldendienstabbau innerhalb eines relativ kurzen
Zeitraums zu fördern. Wir erwarten,
daß solche Verzichtserklärungen den
Abschluß freiwilliger Markttransaktionen zur Reduzierung von Schulden
oder
Schuldendienst
beschleunigen
werden, womit den Schuldnerländern
gedient wäre und der Bedarf an Neufinanzierung auf ein kontrollierbareres
Niveau gesenkt würde.
Damit sich dieser Prozeß jedoch
weiterentwickeln kann, müssen auch
IWF und Weltbank eine aktive Rolle
darin übernehmen. Deshalb haben wir
vorgeschlagen, daß der Fonds und die
Weltbank ihre politisch motivierten
Kreditprogramme so anpassen, daß sie
damit insbesondere einen freiwilligen
Schuldenabbau fördern.
Für Schuldnerländer, die ein Programm zum
Schuldenabbau
fordern, sollte ein
Teil der Kredite beiseite gelegt werden, um Transaktionen zu unterstützen, die einen erbeblichen Schuldenabbau mit sich bringen könnten. Diese Mittel sollten verfügbar sein, um
den Tausch von Schulden gegen Anleihen zu decken oder um Devisenreserven
nach Rückkäufen wieder aufzufüllen,
wenn solche Transaktionen mit Handelsbanken ausgehandelt worden sind.
Darüber hinaus sind wir der Ansicht, daß beide Institutionen für
Transaktionen, die eine erhebliche
Reduzierung von Schulden Schuldenbedienung vorsehen, bei den Zinsen beschränkte Unterstützung leisten sollten. Diese Unterstützung, die ihrer
Struktur nach die finanziellen Positionen des IWFs und der Weltbank
schützen sollte, könnte für einen beschränkten Zeitraum im Rollverfahren
vergeben werden.
Diese Bemühungen

�könnten für Aktivitäten auf dem Markt
als Katalysator fungieren, die dann
die Last der Schuldenbedienung erleichtern, die Kreditwürdigkeit der
Schuldner verbessern und Impulse für
Wachstum liefern würden. Diese Maßnahmen gereichten damit sowohl den
Schuldnern als auch den Gläubigern
zum Vorteil.

den. Wo dies möglich ist, sollten
Gläubigerländer zur Unterstützung der
gestärkten Schuldenstrategie bilaterale Finanzierung bereitstellen. In
diesem Zusammenhang begrüßen wir die
zusätzliche
finanzielle
Unterstützung, die zur Förderung dieser Bestrebungen von Japan gewährt worden
ist.

In Zukunft wird es wichtig sein,
eine enge Verbindung zwischen den
Leistungen des Schuldnerlandes, der
Finanzierung durch IWF und Weltbank
und der Aktivitäten von Handelsbanken
aufrechtzuerhalten.
Gleichzeitig
sollten wir erkennen, daß es den
Schuldnerländern durch Verkrustungen
im gegenwärtigen System und in manchen Fällen durch fehlende rechtzeitige Hilfe schwerer gemacht wurde,
unter Reformprogrammen gute Leistungen zu erbringen. Wenn ein Land eine
Reform seiner Wirtschaft in größerem
Umfang durchführt, benötigt es von
Anfang an - nicht erst Monate später
- die sichtbare und sinnvolle Unterstützung der internationalen Gemeinschaft. Aus diesem Grunde vertreten
wir die Auffassung, daß die Politik
des Fonds zu finanziellen Zusicherungen im Hinblick auf mehr Flexibilität
in diesem Bereich überprüft werden
sollte. Wir haben vorgeschlagen, daß
erste Auszahlungen von IWF und Weltbank dann vorgenommen werden sollen,
wenn eine Verzichtsvereinbarung erzielt wurde, aber noch vor der Fertigstellung vollständiger Finanzierungspakete durch die Privatbanken.

Um Fortschritte bei der Stärkung
der Schuldenstrategie zu erzielen,
ist es von entscheidender Bedeutung,
daß die Interim- und Entwicklungsausschüsse den Direktorien von IWF und
Weltbank in diesen Bereichen klare
Leitlinien an die Hand geben. Ich
möchte sodann beide Direktorien auffordern, bald
erforderliche politische Maßnahmen von IWF und Weltbank
unmittelbar zu erwägen, damit neue
Mechanismen geschaffen werden können.

Gläubigerländer
sollten
ihrerseits
weiterhin
die
offiziellen
Schulden im Pariser Club umwandeln
und eine Deckung der Exportkredite
für Schuldnerländer, die IWF- und
Weltbankprogramme durchführen, vornehmen. Darüber hinaus sollten einzelne Länder ihre jeweiligen Vorschriften, ihr Rechnungswesen und ihr
Steuersystem dahingehend überprüfen,
ob sie Hindernisse für die Schulden
und deren Bedienung abbauen können.
Diese Bereiche müssen eher die nationalen Behörden als die internationalen Institutionen für sich entschei-

Gleichzeitig möchte ich die Banken auffordern, jetzt diese Konzepte
in ihre Verhandlungen mit einzelnen
Ländern aufzunehmen, um die Zeit der
Unsicherheit abzukürzen.
Maßnahmen
zu Verzichtserklärungen kommen dabei
insbesondere Bedeutung zu, um das Umfeld für einen freiwilligem Schuldenabbau oder eine Reduzierung
der
Schuldenbedienung zu schaffen.
Das
Gleichgewicht zwischen Schuldenabbau,
Schuldentilgung und erneutem Kreditwunsch wird natürlich von Land zu
Land und von Bank zu Bank variieren.
Ich bin zuversichtlich, daß dieser Ansatz zur Stärkung der Schuldenstrategie die Basis für neuerliche
Fortschritte
beim
Schuldenproblem
liefern kann.

- 3 -

******

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

5. April 1989

14

DIE GEFAHREN DER WEITERVERBREITUNG VON KERNWAFFEN
- Rede von CIA-Direktor Webster in Los Angeles -

LOS ANGELES - (AD) - CIA-Direktor William Webster zufolge ist die Weiterverbreitung von Kernwaffen mit einer Reihe von ernsten Gefahren verbunden. In
einer Rede in Los Angeles nannte er am 30. März 1989 insbesondere "die offensichtliche Gefahr, daß Kernwaffen in regionalen Konflikten eingesetzt werden",
die Tatsache, daß "neue Nuklearmächte in einen Rüstungswettlauf eintreten
könnten, der politisch destabilisierend sein und die Wahrscheinlichkeit eines
Kriegsausbruchs erhöhen könnte" sowie die Möglichkeit, daß "die bloße Anzahl
und Verteilung von Kernwaffen und kernwaffenfähigem Material in der Welt die
Risiken des Diebstahls, der Sabotage und des Terrorismus vergrößern könnten".
Nachfolgend veröffentlichen wir Websters Rede im Wortlaut:

Es mutet wie Ironie an, daß zu
einer Zeit, in der sich die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion auf
die Beseitigung einer ganzen Kategorie von Waffen verständigt haben,
Staaten in der Dritten Welt ihre eigenen Arsenale aufbauen. Heute nachmittag möchte ich über die Weiterverbreitung atomarer, chemischer und
biologischer Waffen sprechen - Waffen, die neue Gefahren für die regionale Stabilität und die Interessen
der Vereinigten
Staaten heraufbeschwören. Ich möchte die Weiterverbreitung ballistischer Raketen erörtern, mit deren Hilfe diese Massenvernichtungswaffen schnell und über
große Entfernungen befördert werden
können, und ich möchte über die Rolle
nachrichtendienstli eher Informationen
bei den Bemühungen unserer Regierung
sprechen, der Weiterverbreitung die-

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ser Waffen und ihrer
Einhalt zu gebieten.

Trägersysteme

Seit der Explosion der ersten
Atombombe im Jahr 1945 und dem im
selben Jahr erfolgten ersten Einsatz
von Atomwaffen im Krieg lebt die Welt
ständig mit der Bedrohung der Weiterverbreitung von Kernwaffen. In den
frühen sechziger Jahren prognostizierte Präsident Kennedy, bis 1975
könne es 15 bis 20 Atomwaffenstaaten
geben. Aber im Jahr 1989 gibt es wie
in den sechziger Jahren immer noch
nur fünf Staaten, die eigenen Erklärungen zufolge nukleare Arsenale besitzen - die Vereinigten Staaten, die
Sowjetunion,
China,
Großbritannien
und Frankreich.
Man

sollte

sich

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dadurch

jedoch

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�nicht gänzlich beruhigt fühlen. Während es immer noch lediglich fünf erklärte Nuklearmächte gibt, haben eine
Anzahl weiterer Staaten die Fähigkeit
zur Herstellung von Kernwaffen einfach nicht zugegeben. Mehrere Länder
besitzen entweder Atomwaffen oder
sind in der Lage, solche kurzfristig
herzustellen. Andere entwickeln nukleare
Schlüsseltechnologien,
die
sich später zur Herstellung eines
atomaren Sprengsatzes benutzen H e s sen, falls eine entsprechende Entscheidung
gefällt
werden
sollte.
Wieder andere Staaten befinden sich
im
Frühstadium
atomtechnologischer
Forschung und Entwicklung.
Sicherlich läßt sich die Erforschung nuklearer Technologien mehrfach anwenden. Um Bedenken unserer
Regierung über eine mögliche Weiterverbreitung von Kernwaffen auszulösen, muß ein Land technisches Knowhow und die politische Intention besitzen. Technisches Know-how erfordert Jahre der Forschung und Entwicklung. Nachdem die technischen Voraussetzungen geschaffen sind, ist ein
Land in der Lage, nukleare Sprengsätze zu entwickeln - wenn eine derartige Entscheidung getroffen wird.
Aber die Intention - das heißt,
der politische Wille und der Wunsch,
häufig begrenzte nationale Ressourcen
zu opfern, um mit der Entwicklung von
Kernwaffen zu beginnen - ist eine
Entscheidung
die von der Regierung
eines jeden Staates getroffen werden
muß. Selten gibt es greifbare Beweise für eine solche Intention. Durch
die Entwicklung eines zivilen Atomprogramms kann ein Land die Entscheidung über den Beginn der Arbeiten an
Kernwaffen hinausschieben, bis ein
Großteil der Grundlagenforschung und
Entwicklung durchgeführt wurde.
Die Weiterverbreitung von Kernwaffen birgt eine Reihe ernster Gefahren. Erstens besteht die offensichtliche Gefahr, daß Kernwaffen in
regionalen Konflikten eingesetzt werden - insbesondere in Gebieten großer
Spannungen und Instabilität wie dem
_

Nahen Osten und SUdasien. Zweitens
könnten neue Nuklearmächte in einen
Rüstungswettlauf eintreten, der politisch destabilisierend sein und die
Wahrscheinlichkeit eines Kriegsausbruchs
erhöhen
könnte.
Drittens
könnten die bloße Anzahl und Verteilung von Kernwaffen und kernwaffenfähigem Material in der Welt die Risiken des Diebstahls, der Sabotage und
des Terrorismus vergrößern.
Für potentielle Weiterverbreiter
liegt der Schlüssel zu einem Waffenprogramm in der Beschaffung von Plutonium 239 oder hochangereichertem
Uran. Sensible und hochspezialisierte Technologien sind erforderlich, um
schon für die simpelste Atomwaffe
eine ausreichende Menge dieser Materialien zu erhalten. Die Fähigkeit
zur Beschaffung und Beherrschung dieser Technologien entscheidet darüber,
wie schnell ein Land Kernwaffen entwickeln und herstellen kann.
Diese sensiblen nuklearen Technologien unterliegen amerikanischen und
internationalen
Exportkontrollen.
Atomare Technologien lassen sich jedoch immer noch gesetzwidrig und verdeckt durch die Einschaltung von
Strohfirmen, Fälschung von Ausfuhrbescheinigungen und die Verwendung mehrerer Umschlagplätze beschaffen. Es
ist ferner möglich, Ausrüstung und
Material legal zu bestellen, die als
Einzelteile nicht unter die Exportkontrollbestimmungen fallen, zusammengenommen jedoch diesen Kontrollen
unterliegen würden.
Versuche zur Kontrolle von Gerät
und Material werden durch die Tatsache kompliziert, daß viele Nukleartechnologien mehrfach verwendbar sind
- mit anderen Worten, sie können sowohl nuklear als auch nichtnuklear
eingesetzt werden.
Dies erschwert
eine Kontrolle von Nuklearexporten
und macht es noch schwieriger, festzustellen, ob ein solches Waffenprogramm beabsichtigt ist.
Unserer Ansicht nach stellen Bemühungen zur Nichtweiterverbreitung

�nuklearer Technologie - einschließlich Verträgen, Organisationen und
Exportkontrollen
- einen unerläßlichen Bestandteil der gemeinsamen
Sicherheit der Menschheit dar.
Als Teil dieser Bestrebungen haben die Vereinigten Staaten seit langem die friedliche Nutzung von Kernenergie aufgrund ihrer Wirtschaftlichkeit und Zuverlässigkeit wie auch
ihrer wichtigen Rolle in Medizin, Industrie und Landwirtschaft gefördert.
Wir unterstützen technische Hilfsprogramme an Länder, die den Atomsperrvertrag unterzeichnet haben.
Trotz
des wachsenden Erfolges des Vertrages
in den vergangenen 20 Jahren - inzwischen sind 140 Nationen Vertragspartner - haben eine Handvoll Länder, die
als potentielle Kandidaten für nukleare
Weiterverbreitung
angesehen
werden, dem Vertrag noch nicht zugestimmt.
Beim Problem der nuklearen Weiterverbreitung
dürfen
zahlreiche
nachrichtendienstliche Faktoren und
Strategien nicht außer acht gelassen
werden. Wir gehen von der Annahme
aus, daß es im besten Falle - und unter der Voraussetzung eines einigermaßen modernen Kernenergie- und Forschungsprogrammes - einige Jahre dauern wird, bis ein Land seine Nuklearwaffenfähigkeit entwickeln kann.
Es gibt sowohl technische als
auch politische Anzeichen, die für
nachrichtendienstliche Experten, die
das Problem der nuklearen Weiterverbreitung gründlich studieren, alarmierend sind. Unsere Experten konzentrieren sich nicht nur auf die
technischen Fähigkeiten, die sich im
Entwicklungsstadium befinden, sondern
erwägen auch, ob diese Aktivitäten
für rein zivile Zwecke wirklich erforderlich sind.
Wir wären beispielsweise besorgt, wenn ein Land
mit der Entwicklung einer schwierigen
und
kostenintensiven
Urananreicherungsanlage beginnen würde, wenn bereits bestehende Kernkraftwerke dies
nicht erfordern.

Dennoch bedingt die Entwicklung
von Nuklearwaffenfähigkeit viel Zeit
und Ressourcen.
Dies gilt nicht für die Fähigkeit
eines Landes, chemische und biologische Waffen zu entwickeln - Waffen,
die als die Atombombe des armen Mannes bezeichnet worden sind. Vor 20
Jahren waren nur fünf Länder im Besitz von chemischen Waffen.
Heute
können über 20 Länder chemische Waffen entwickeln, und mindestens zehn
Länder arbeiten an der Herstellung
biologischer Waffen.
Im Gegensatz zu Kernwaffen bieten
chemische und biologische Waffen ein
billiges und leicht erhältliches Mittel zur Behebung des militärischen
Ungleichgewichts gegenüber mächtigeren Feinden. Die für chemische und
biologische
Waffen
erforderliche
Technologie ist einfacher als die von
Nuklearwaffen, und ihre Produktion
ist schwieriger aufzudecken, zu überwachen und zu kontrollieren.
Aber ebenso wie bei der nuklearen
Weiterverbreitung erfordert die Fähigkeit zur Begrenzung der Verbreitung chemischer und biologischer Waffen internationale Verträge und Zusammenarbeit bei deren Durchsetzung.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde
der Einsatz chemischer Waffen von den
Unterzeichnerstaaten des Genfer Protokolls aus dem Jahr 1925 geächtet.
Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges selbst während der verzweifeltsten
Kämpfe - verzichteten beide Seiten
auf den Einsatz chemischer Waffen Waffen, die Winston Churchill als
"dieses teuflische Gift" bezeichnet
hat.
Im Krieg zwischen Iran und Irak
wurde diese Zurückhaltung aufgegeben
und ein gefährlicher Präzedenzfall
für
zukünftige Kriege geschaffen.
Den Nachrichtendiensten liegt umfangreiches Beweismaterial dafür vor, daß
der Irak chemische Waffen gegen den
Iran und auch gegen die irakischen
Kurden eingesetzt hat. Auch der Iran

- 3 -

�brachte chemische Waffen gegen irakische Truppen zum Einsatz.
Ebenso wie im Falle von Nukleartechnologien ist ein Großteil des zur
Herstellung von chemischen und biologischen Waffen erforderlichen Geräts
von seiner Beschaffenheit her mehrfach verwendbar. Alles zur Produktion von Kampfstoffen zur chemischen
Kriegführung
benötigte Gerät kann
auch zur Produktion von Industriechemikalien benutzt werden, und zahlreiche Anlagen, die Pharmazeutika oder
Pestizide herstellen, könnten zur
Produktion von Chemiewaffen umfunktioniert werden. Das zur Produktion
von Kampfstoffen
zur biologischen
Kriegführung erforderliche Gerät, Material und Fachwissen findet legitimen Einsatz in der pharmazeutischen
Industrie. Mit der derzeit verfügbaren Technologie können Kampfstoffe
zur biologischen Kriegführung in solchem Umfang hergestellt werden, daß
Lagerbestände nicht länger erforderlich sind.
In der Tat kann jedes
Land mit einer bescheiden entwickelten pharmazeutischen Industrie Kampfstoffe zur biologischen Kriegführung
herstellen, wenn es dies wünscht.
Ich bin sicher, daß Sie im Verlauf der vergangenen Monate sehr viel
über chemische und biologische Waffen
gelesen haben.
Wie Sie sicherlich
auch wissen, ist der Kongreß in höchstem Maße über die Weiterverbreitung
dieser Waffen besorgt.
Sowohl im
vergangenen Monat als auch zu Beginn
dieses Monats habe ich vor dem Senatsausschuß über chemische und biologische Waffen gesprochen.
Die Pariser Chemiewaffen-Konferenz vom Januar hat sehr viel dazu
beigetragen, den nationalen und internationalen
Bedenken
über diese
Waffen Taten folgen zu lassen. Die
Vereinigten Staaten nehmen bei der
Genfer Abrüstungskonferenz auch an
Verhandlungen über die weltweite Ächtung chemischer Waffen teil.
Wir
sind einer von 40 Teilnehmern bei
dieser Konferenz.
Zu Beginn diees
Monats hat Außenminister Baker den

Vorschlag unterbreitet, daß wir die
Regierungen und Vertreter der internationalen chemischen Industrie zusammenbringen, um den zunehmenden internationalen Handel mit den zur Herstellung von chemischen Waffen erforderlichen Chemikalien und der Technologie zu erörtern.
Im Hinblick auf biologische Waffen haben die Vereinigten Staaten und
110 andere Länder das Abkommen über
biologische und toxische Waffen aus
dem Jahr 1972 unterzeichnet.
Mit
diesem Abkommen wird die Herstellung,
Entwicklung und Lagerung dieser Waffen verboten, es enthält jedoch keine
Bestimmungen zur formellen Verifizierung.
Die Nachrichtendienste erforschen
technische und politische Anzeichen,
die auf Entwicklung, Herstellung und
Anreize für den Einsatz chemischer
und biologischer Waffen hindeuten und
werden dies auch weiterhin tun. Darüber hinaus werden wir dem illegalen
Handel mit Material für diese Waffen
nachgehen und darüber Meldung erstatten. Ein Beispiel für unsere Arbeit
in diesem Bereich war unsere Unterstützung für politische Entscheidungsträger im Hinblick auf die Chemiewaffenfabrik in Libyen. Wir werden weiterhin Politikern Informationen über chemische, und biologische
Waffen zuleiten und die Bestrebungen
der Vereinigten Staaten zu ihrem Verbot weiterhin unterstützen.
Die Fähigkeit, eine Waffe mit
einem nuklearen, chemischen oder biologischen Gefechtskopf zu einem entfernten Ziel zu befördern, stellt
eine erhebliche Bedrohung der weltweiten Sicherheit dar. Bis vor kurzem galt unsere Besorgnis vor allem
den Trägersystemen für Nuklearwaffen.
Jetzt erkennen wir eine Bedrohung dadurch, daß diese Raketen zum Abschuß
chemischer und biologischer Waffen
ebenso eingesetzt werden könnten wie
für nukleare und konventionelle Waffen.
Im vergangenen Jahr, als der Iran

�und der Irak im "Städtekrieg" Dutzende von Raketen auf ihre jeweiligen
Hauptstädte abfeuerten,
wurden mit
konventionellen
Gefechtsköpfen
bestückte ballistische Raketen gegen
Zivilisten eingesetzt. Diese Raketen
haben im Krieg zwischen Iran und Irak
einen Präzendenzfall geschaffen: Raketen sind nunmehr in der Dritten
Welt zu einem akzeptierten Instrument
der Kriegführung geworden.
Bis zum Jahr 2000 werden mindestens 15 Entwicklungsländer ihre eigenen ballistischen Raketen herstellen. Obwohl die in diesen Ländern
entwickelten Raketen wenig ausgereift
und zielgenau sind, besitzen viele
von ihnen doch Fähigkeiten über den
Radius des Gefechtsfeldes hinaus und
können ein Ziel in wenigen Minuten
treffen. Wenn sie einmal abgefeuert
worden sind, können sie nicht zurückgeholt werden.
Ballistische Raketen räumen denjenigen, die sie erwerben, einen neuen politischen und militärischen Status ein. Viele Länder, in denen diese Raketen entwickelt werden, liegen
im Nahen Osten - einem Bereich, in
dem wir wichtige Sicherheitsinteressen haben und wo die regionalen Spannungen am größten sind. Auch eine
Kurzstreckenrakete liefert den Ländern des Nahen Ostens ein funktionsfähiges strategisches Waffensystem.
Ebenso wie die Programme für nukleare, chemische und biologische
Waffen stützt sich auch das Raketenprogramm der Dritten Welt in einem
gewissen
Ausmaß
auf
ausländische
Technologie.
Aber ein großer Teil
dieser wichtigen Technologie ist bereits auf der ganzen Welt verbreitet,
wird anderweitig verwendet oder kann
leicht zweckentfremdet werden.
Die
Länder der Dritten Welt nutzen vielfach Technologie, ihre Ressourcen und
ihr technisches Know-how gemeinsam.
Eine weitere von uns beobachtete
beunruhigende Entwicklung
ist der
Transfer vollständigeer Waffensysteme
zwischen einzelnen Ländern.
Damit
- 5

könnten Entwicklungsländer die Möglichkeit erhalten, der Konkurrenz
vorauszueilen, obwohl die meisten
Länder weiterhin ihre eigenen Raketenfähigkeiten zu entwickeln suchen
werden. Darüber hinaus ist zu erwarten, daß die Länder der Dritten Welt
selbst wichtige Exporteure von Raketen und Raketentechnik werden.
Im April 1987 haben sieben Industrieländer - die Vereinigten Staaten, Kanada, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan und die Bundesrepublik Deutschland die Einrichtung
eines Kontrollsystems für Raketentechnik (Missile Technology Control
Regime - MTCR) beschlossen. Dieses
System zielt auf die Einschränkung
des Transfers von Technologie und Geräten ab, die zur Entwicklung von Nuklearraketen beitragen könnten, es
bezieht jedoch nicht die Hauptbeteiligten am gegenwärtigen Handel mit
Raketen und moderner Technologie ein.
Darüber hinaus wird mit der Vereinbarung nicht der Anreiz oder die Fähigkeit der Dritte-Welt-Länder zur Entwicklung ihrer eigenen Raketentechnik
eingeschränkt.
Die Nachrichtendienste beobachten
eingehend die Bestrebungen von Ländern der Dritten Welt im Hinblick auf
den Erwerb oder die Entwicklung ballistischer Raketen. Durch die frühzeitige Lieferung von Informationen
zur Weiterverbreitung ballistischer
Raketen unterstützen wir Politiker in
ihrem Bemühungen um eine effektivere
Durchführung
des
Kontrollssystems.
Darüber hinaus helfen wir Ihnen dabei, die nicht an diesem Kontrollsystem Beteiligten von der Vermarktung
ihrer Raketen abzuhalten.
Die Einschätzung der Weiterverbreitung nuklearer, chemischer und
biologischer Waffen und auch ballistischer Raketen zählt zu den schwierigsten Herausforderungen der Nachrichtendienste. Meiner Ansicht nach
ist sie eine unserer Hauptaufgaben,
weil wir in der heutigen Zeit einen
Punkt erreicht haben, an dem Vereinbarungen zur Eindämmung von Massen-

�Vernichtungswaffen entscheidende Bedeutung zukommt. Und die Sicherheit
aller Länder auf der ganzen Welt wird
von der Bereitschaft eines jeden Landes zur Kontrolle und Beschränkung
dieser Waffen abhängen. Die Politikern unsererseits zur Verfügung gestellten nachrichtendienstlichen Erkennntissse ermöglichen nicht nur mit den erforderlichen Verifizierungen - internationale Abkommen, sondern führen auch zu gut durchdachten
Vereinbarungen.
Ich möchte noch etwas über unsere
Arbeit zu bedenken geben: die von
uns den Politikern über die Sowjetunion, die Verbreitung moderner Waffen und viele andere Themen zur Verfügung gestellten nachrichtendienstlichen Erkenntnisse sind nicht leicht
erhältlich. Tatsächlich fordert sie
manchmal von den Mitarbeitern des
amerikanischen
Nachrichtendienstes
einen hohen Preis. Ich denke insbesondere jedesmal daran, wenn ich
durch das Foyer unseres Hauptgebäudes
gehe, wo Sterne für diejenigen eingemeißelt wurden, die ihr Leben im
Dienst verloren haben.

Seit meinem Amtsantritt als Direktor vor zwei Jahren bin ich im Inund Ausland mit vielen Mitarbeitern
des Nachrichtendienstes zusammengetroffen. Ich habe den Erfolg unserer
Operationen bei der Bewältigung einer
Unzahl komplexer Themen - die oftmals
so komplex sind, daß wir modernste
technische Anlagen einsetzen müssen beobachten können.
Aber die wichtigste Quelle unseres Nachrichtendienstes war immer unser Volk, und
das wird es immer sein. Seine Kreativität, Entschlossenheit und sein
Mut kann den Unterschied zwischen Erfolg und Mißerfolg ausmachen.
Mit solchen Menschen können wir
weiterhin die nachrichtendienstlichen
Ermittlungen zur Verfügung stellen,
die
politische
Entscheidungsträger
benötigen, um im Interesse unserer
nationalen Sicherheit kluge Entscheidungen treffen zu können. Das erwarten Sie zusammen mit dem gesamten
amerikanischen Volk von uns, und ich
kann Ihnen versichern, daß wir unser
Bestes geben, um dies zu leisten.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Information

5. April 1989

14

LEHMAN BRINGT GROSSEN ERFAHRUNGSSCHATZ MIT ZU ACDA
- Porträt des designierten ACDA-Direktors -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Bushs Kandidat für das Amt des Leiters der
amerikanischen Behörde für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA), Botschafter
Ronald Lehman, ist als Teilnehmer an wichtigen Gipfeltreffen und multilateralen Gesprächen wie auch an den RUstungskontrollverhandlungen in Genf, Wien,
Brüssel, Washington und Moskau bereits ein bekanntes Gesicht in der internationalen Rüstungskontrolle.
Insbesondere gilt Lehman bei Regierungsvertretern aus der Sowjetunion, der Volksrepublik China, Europa, Japan und Südkorea als Fachmann
für eine Reihe von Problembereichen
wie etwa konventionelle Streitkräfte,
strategische Rüstungskontrolle, Technologietransfer und Militärhilfe.
Während
seiner
Laufbahn
war
Lehman als Nachfolger des früheren
Senators John Tower unter anderem
amerikanischer Chefunterhändler für
strategische Waffen bei den Genfer
Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen (NST).
Lehman konnte bei seiner Arbeit
mit anderen Regierungen viele Erfahrungen sammeln und hatte ebenfalls
Schlüsselpositionen im Weißen Haus,

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Embassy of the United States of America

im Vertei.digungsministerium und im
Kongreß inne. Darüber hinaus hat er
in Vietnam gekämpft.
Er verläßt den Posten als Leiter
der Abteilung für internationale Sicherheitspolitik im Verteidigungsministerium, auf dem er die Aufrechterhaltung der nuklearen Abschreckung
zur Friedenssicherung befürwortete,
um seine neue Tätigkeit aufzunehmen.
Lehman hat davor gewarnt, die zum
erfolgreichen Abschluß eines STARTAbkommens noch auszuräumenden Schwierigkeiten zu unterschätzen und vertritt die Auffassung, daß in Zukunft
ein Vertrag geschlossen werden könnte, wenn die Sowjetunion "den notwendigen politischen Willen" zeigt. Er
hat der Hoffnung Ausdruck verliehen,

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�daß die sowjetische Führungsspitze zu
der
Erkenntnis gelangt, daß ein
START-Abkommen, "das die Sicherheit
des Westens verbessert, nicht notwendigerweise eine Verminderung ihrer
Sicherheit bedeuten muß".

sprächen über Nichtweiterverbreitung
von Nuklearwaffen, die schließlich in
ein Abkommen zwischen beiden Ländern
mündeten, mit dem der "heiße Draht"
verbessert und ausgebaut werden sollte.

Obwohl die beiden Supermächte den
INF-Vertrag erfolgreich abgeschlossen
haben, werden weitere Schritte in der
Rüstungskontrolle
Lehman
zufolge
"immer schwieriger". Im vergangenen
Jahr erklärte er vor einer Rüstungskontrollkonferenz in Washington, "es
ist von großer Bedeutung, daß der
Westen sehr sorgfältig und klar" über
seine nächsten Schritte nachdenkt.

Lehman kam im Jahr 1974 erstmals
als Stipendiat für Öffentlichkeitsarbeit im Zusammenhang mit der Hoover
Institution der Stanford University
nach Washington.
Er arbeitete zunächst als Berater in der Legislative, und später gehörte er zum Mitarbeiterstab des Streitkräfteausschusses im Senat, wo er sich auf Fragen
der strategischen und kriegsschauplatzgebundenen
NuklearStreitkräfte
und die Beschaffung von Waffen spezialisierte. Im Jahr 1980 arbeitete
er
für den damaligen Präsidentschaftskandidaten Ronald Reagan.

Lehman billigte Mitte März dieses
Jahres den Verhandlungen über konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE)
einen "guten Anfang" zu; als positives Anzeichen sah er, daß der Warschauer Pakt sich das westliche Prinzip zu eigen machte, "wichtige Waffen
der Landstreitkräfte auf gleiche und
niedrigere Niveaus abzubauen".
Er
erklärte, dies erfordere einschneidende Reduzierungen des Warschauer
Pakts "wofür die von der Sowjtunion
angekündigten einseitigen Reduzierungen einen ersten Schritt darstellen".
Der Botschafter hatte im Rahmen
seiner Tätigkeit für die Regierung
verschiedene Positionen im Nationalen
Sicherheitsrat inne, unter anderem
als Stellvertretender
Berater des
Präsidenten für sicherheitspolitische
Fragen zur Erarbeitung der Verteidigungspolitik. In der Reagan-Administration beschrieb ihn der frühere
Außenminister George Shultz als "einen Menschen mit unerschöpflichen Fähigkeiten" und als einen "fähigen und
sachkundigen" Mitarbeiter im Bereich
der Rüstungskontrolle.

Botschafter
Lehman
promovierte
1975 in Staatswissenschaften an der
Claremont Graduate School in Kalifornien. Er wurde 1946 in Napa (Kalifornien) geboren.
Lehman unterrichtete an der Georgetown University
Examenskandidaten in nationaler Sicherheit.
Der designierte ACDA-Direktor ist
Beobachter des Weißen Hauses im Ausschuß für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa und Aufsichtsratsmitglied des U.S. Institute of Peace.
Der frühere Major der Reserve
Lehman wird nach seiner Bestätigung
durch den Senat Nachfolger des früheren ACDA-Direktors William Bums.

* * * * * *

In
seinen
Anfangsjahren
im
Pentagon war Lehman Stellvertretender
Abteilungsleiter für Verteidigungsfragen. Er war ferner Berater bei
der Sondersitzung der Vereinten Nationen zur Abrüstung. Später diente
er als Vertreter bei den amerikanisch-sowjetischen
bilateralen
Ge-

�AMERIKA DIENST
'^7

"""

Hintergrundmaterial

A&lt;

5. April 1989

14

IST DAS BILDUNGSWESEN SO SCHLECHT WIE EH UND JE ?
- Von Ben J. Wattenberg -

Der folgende Artikel wurde erstmals in der in Washington D.C. erscheinenden Zeitschrift U.S. News &amp; World Report vom 20. März 1989 veröffentlicht.
(c) U.S. News &amp; World Report, Inc. (Alle Rechte vorbehalten).

Die Probleme haben sich gewandelt,
das Vokabular ist dasselbe geblieben
Um das "Problem mit der Erziehung" in den Vereinigten Staaten begreifen zu können, ist es nützlich,
sich vor Augen zur führen, wo die Defizite liegen. Angenommen, im Jahr
1970 habe eine Untersuchung im Bildungswesen
stattgefunden.
Welche
Veränderungen hätten damals vorgenommen werden müssen? Eine Aufstellung
würde wahrscheinlich folgende Punkte
enthalten: Man müßte die Abbrecherquote insbesondere von Minderheiten
in High Schools senken, den Besuch
von Colleges und Vorschulen fördern,
mehr Geld in die Ausbildung investieren, die Klassenstärken verringern
und die Schulleistungen insbesondere
von Minderheiten verbessern.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Bis zu einem gewissen Grad ist
all dies eingetroffen. Dennoch ist
das Vokabular über den schrecklichen
Zustand des Erziehungswesens im Hinblick auf diese Punkte nahezu dasselbe geblieben. Tatsache ist, daß
die Vereinigten Staaten in einigen
Bereichen Fortschritte erzielen: Die
Einschreibungen an den Colleges nehmen zu, weniger Schüler brechen die
High-School vorzeitig ab, die Schulleistungen haben sich insgesamt verbessert, das Schuleintrittsalter ist
gesunken und unser Land gibt heute
mehr für Erziehung aus. Aber eklatante Probleme bleiben bestehen.
Rein zahlenmäßig gesehen ist die
Bilanz unseres Landes positiv. In
keinem anderen Land besucht ein so
großer Teil der Bevölkerung Colleges.

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Telex: 8-85432

�"Großartig", findet das ehester Firm
von der Arbeitsgruppe für die Verbesserung des Erziehungswesens an der
Vanderbilt University, "und im College erhalten die meisten dann die
Ausbildung, die ihnen in der HighSchool nicht zuteil wurde. Das Ergebnis läßt in jedem Fall zu wünschen
übrig." Finn verweist auf Untersuchungsergebnisse, denen zufolge nur
sechs Prozent aller Schüler in der
11. Klasse bei Prüfungen im Fach Mathematik gut abschneiden. Lediglich
ein Drittel kann den Zeitraum des
Amerikanischen Bürgerkrieges bis auf
50 Jahre eingrenzen.
Positiv zu werten ist dennoch der
stark angestiegene Prozentsatz der
25-29jährigen, von denen noch im Jahr
1950 mehr als 40 Prozent der Weißen
(über 60 Prozent Schwarze) weniger
als vier Jahre eine High School besuchten, während diese Zahl 1987 für
Weiße und Schwarze auf unter 20 Prozent gesunken ist. Der Anteil derer,
die vier Jahre oder länger ein College besuchen, ist bei Weißen von unter zehn
Prozent
im Jahr
1950
(Schwarze: etwa fünf Prozent) auf
über 20 Prozent im Jahr 1987 (Schwarze: etwa 12 Prozent) gestiegen, wobei
dieser Wert seit 1975 relativ konstant geblieben ist.

Ein zweifaches Hoch auf djLe
Flexibilität des Schulsystems
Dagegen gibt es Einspruch.
So
gering die Schulleistungen auch sein
mögen, so ist bei den Leistungen in
den letzten Jahren doch eindeutig ein
Aufwärtstrend zu beobachten, der zugegebenermaßen langsam und von einem
niedrigen Niveau aus ansteigt. Darüber hinaus sind einige der auf internationaler
Ebene
durchgeführten
Vergleiche als schief bezeichnet worden. In den Vereinigten Staaten besuchen mehr Jugendliche eine High
School als in irgendeinem anderen
Land, und manche Untersuchungen vergleichen die Mehrheit unserer Schüler
mit der Elite ihrer Schüler.
Das trifft jedoch nicht auf die
Untersuchung des ETS zu, die Schüler
der Altersgruppe untersucht, in der
die Schule noch nicht vorzeitig abgebrochen werden kann.
Wohlwollend
sollte man dagegenhalten, daß die
Tatsache, amerikanische Kinder lernten im Alter von 13 Jahren keine Naturwissenschaften,
nicht
bedeutet,
daß sie diese niemals lernen. Vielleicht werden sie lernen, was sie
wissen müssen, wenn sie es wissen
müssen.

Bei der Teilnahme an der Vorschulerziehung ist seit 1965 die Zahl
der 5-6jährigen Kinder von etwas über
80 auf über 90 Prozent im Jahr 1985
gestiegen, die Anzahl der 3-4jährigen
Vorschulkinder hat sich von unter
zehn Prozent im Jahr 1965 auf nahezu
40 Prozent im Jahr 1985 vervielfacht.

Tatsächlich herrscht im amerikanischen Erziehungswesen große Flexibilität. Das ist nicht nur negativ
zu bewerten.
Zum Beispiel ist die
reale Zahl der Schulabbrecher in unserem Land sehr niedrig, weil viele
Jugendliche, die vorzeitig die Schule
verlassen, später wieder zur Schule
gehen.

Ein qualitativer Vergleich zwischen
amerikanischen
und
ausländischen Schülern und Studenten ist
ein wenig erfreuliches Unterfangen.
Eine jüngste Untersuchung des Educational Testing Service (ETS) unter
13jährigen Schülern kam zu dem Ergebnis, daß Amerikaner in Mathematik das
Schlußlicht bildeten und bei den Naturwissenschaften
fast an letzter
Stelle rangierten.

Unternehmen beklagen den niedrigen Wissensstand vieler Jugendlicher
und richten Ausbildungsprogramme ein.
Amerikanische Firmen geben jährlich
etwa 40 Milliarden Dollar für die
Ausbildung ihrer Mitarbeiter aus. Es
ist schlimm - und verschwenderisch -,
daß der größte Teil dieser Ausbildung
nicht in der Schule geboten wird,
aber er wird irgendwie, irgendwo und
irgendwann geleistet.

�Der Sektor der "Berufsbildung"
erfährt gegenwärtig in Amerika einen
Boom.
Es gibt etwa 7 000 private
Handels- und Berufsschulen, die Jugendliche in Fernsehtechnik, Elektronik, Informatik, Installationsarbeiten, kosmetischer Behandlung und
Röntgenassistenz
ausbilden.
Die
Schüler lernen das, was sie lernen
müssen, wenn sie es lernen müssen.
Für die Colleges bedeutet dies,
daß der vielfach (aufgrund der älter
werdenden Angehörigen geburtenstarker
Jahrgänge) prognostizierte Rückgang
der Einschreibungen nicht erfolgt
ist.
Warum nicht?
Zahlreiche Erwachsene besuchen - oftmals nebenbei
- ein College. Sie lernen, was sie
lernen müssen, wenn sie es lernen
müssen.
Es bestehen kaum Zweifel über die
Verfügbarkeit einer ausgezeichneten
College-Ausbildung.
Warum
kämen
sonst so viele ausländische Studenten
zum Studium in die Vereinigten Staaten? Nahezu eine Million Ausländer
machen hier jährlich Examen.
Auch die Kritiker des Bildungssektors erkennen zumeist die Qualität
des besten Teils vom amerikanischen
Universitätswesen an. Und die offene
Kultur bringt kreative und innovative
Studenten hervor. Die Japaner versuchen gegenwärtig, junge amerikanische Wissenschaftler nach Japan abzuwerben.
Bringt Amerika wirklich eine Generation
nicht
konkurrenzfähiger
Trottel hervor? Wo das System versagt, übernimmt oftmals Amerikas Kultur, in der es gilt, aus eigener
Kraft erfolgreich zu werden, seine
Funktion. Dennoch ist etwas Wahres
an Finn's mahnender Bewertung.
Es
kann noch viel mehr getan werden.
Dies wird insbesondere in einer
Untersuchung zu den Leistungen 17jähriger Schüler im Lesen, in Mathematik
und den Naturwissenschaften deutlich.
Dabei wurde ein Test verwendet, in
dem maximal 500 Punkte erzielt werden

konnten.
Das Durchschnittsergebnis
der weißen Schüler lag In allen Fächern von 1970 bis 1986 relativ konstant um etwa 300 Punkte, die schwarzen Schüler schnitten mit durchschnittlich 250 Punkten etwas schlechter ab, Hispano-Amerikaner lagen etwas darüber bei 260 Punkten.
Amerika kann offen sein und dennoch seine Kinder in Mathematik und
Naturwissenschaften
unterrichten.
Ein High-School-Abgänger sollte zumindest verständlich schreiben können.

Was ist zu tun?
Unser Land braucht bessere Lehrer. Ihre Gehälter sind zwar in den
letzten
Jahren
gestiegen,
jedoch
nicht in dem Umfang, daß es gelingen
könnte, Spitzenkräfte anzuwerben.
Der Präsident des Amerikanischen
Lehrerverbandes vertritt die Auffassung, daß die altmodische Schulform
ausgedient hat. Ihm zufolge braucht
das Land individuellere Schulen, in
denen Kinder in dem Umfang unterrichtet werden, wie sie Wissen aufnehmen
können, in denen nicht nur Lehrer,
sondern auch Manager, Angehörige verschiedener Berufsgruppen, Eltern und
Studenten höherer Semester unterrichten und in denen es ein System der
Auszeichnung für gute Lehrer gibt.
Finn behauptet, die altmodische Schule könne immer noch funktionieren,
wenn wir Ansprüche und Disziplin auf
einem hohen Niveau halten.
Beide
sind im Recht: anspruchsvollere Schulen für die Begabteren, andere Schulen für die weniger Begabten.
Die
disziplinarische
Situation
läßt zu wünschen übrig. Nahezu die
Hälfte (44 Prozent) aller Lehrer erklären, Störungen durch die Schüler
hätten in den vergangenen fünf Jahren
drastisch zugenommen. In den höheren
Klassen haben sechs von zehn Schülern
bereits mit Drogen experimentiert.
Dafür werden von den Lehrern
vielfach die Eltern verantwortlich

- 3 -

�gemacht.
Als Hauptursache für die
Schwierigkeiten der Schüler in der
Schule geben sie "nach der Schule alleingelassene Kinder - in Familien
mit einem alleinerziehenden Elternteil" an. Die Lehrer haben recht:
Eltern müssen Hilfe leisten, zumal
sie einer Untersuchung zufolge zu höheren Ausgaben bereit sind, damit ihre Kinder in kleineren Klassen unterrichtet werden. Im Jahr 1985 betrug
der durchschnittliche Betrag, den Eltern im Jahr für die Ausbildung ihrer
Kinder in Privatschulen ausgaben,
4 000 Dollar. Das bedeutet eine Verdoppelung gegenüber 1965 (bei inflationsbereinigten Zahlen), während in
dieser Schulform die Klassenstärke im
gleichen Zeitraum von 25 auf unter 20
Kinder abgenommen hat.

Gouverneure mit Engagement im
Erziehungswesen sind vonnöten
Wie kann das System geändert werden? George Bush hat erklärt, daß er
der "Erziehungspräsident" sein will.
Aber die Bundesregierung ist nur für
sechs Prozent aller Aufwendungen im
Bildungswesen
verantwortlich.
Der
größte Teil der hier ausgegebenen
Dollars kommt aus den Einzelstaaten.
Amerika braucht "Erziehungsgouverneure". Viele stellen sich dieser Herausforderung.
Die
Schulausbildung
wird besser. Zumindest ist das die
Auffassung der Öffentlichkeit.
Im
Jahr 1973 bekundeten 58 Prozent aller
Befragten "sehr großes" oder "großes"
Vertrauen in unsere Schulen.
Bis
1981 war dieser Prozentsatz auf 42
Prozent gesunken. Heute beträgt er
immerhin wieder 50 Prozent. Wir sind
zwar auf halbem Weg zum Ziel, haben
aber noch einen langen Weg vor uns.

******

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

5. April 1989

14

ERSCHÜTTERNDE KLISCHEES ÜBER DIE OBDACHLOSEN
Neue Forschungsergebnisse räumen mit überholten Mythen auf -

Der folgende Artikel wurde erstmals in der in Washington D.C. erscheinenden Zeitschrift U.S. News &amp; World Report vom 20. März 1989 veröffentlicht.
(c) U.S. News &amp; World Report, Inc. (Alle Rechte vorbehalten).

Als vor sieben Jahren obdachlose
Männer und Frauen die Seitenstraßen
der amerikanischen Städte zu bevölkern begannen, entzündete sich eine
oberflächliche
Diskussion
darüber,
wieviele Menschen eigentlich obdachlos seien und woher sie kämen. Republikaner wie Ronald Reagan bagatellisierten das Problem und behaupteten, ein "hoher" Prozentsatz der Obdachlosen seien früher in psychiatrischer Behandlung gewesen. Demokraten und liberale Aktivisten wie
Mitch Snyder aus Washington hielten
dagegen, "Millionen" von Amerikanern
seien obdachlos und mahnten, nur die
"Gnade Gottes" hielte mehr Mittelstandsfamilien aus der Gosse fern.
Da keine verläßlichen statistischen
Daten zur Verfügung standen, lähmten
diese widersprüchlichen Einschätzun-

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Embassy of the United States of America

gen des Problems alle Versuche, den
ärmsten Bürgern des Landes zu helfen.
Heute
legen
drei
landesweite
Übersichten über die Situation der
städtischen Obdachlosen den Schluß
nahe, daß praktisch jeder der an der
Diskussion Beteiligten Unrecht hatte.
Die neuen Statistiken belegen, daß
die Mehrzahl der Obdachlosen weder
psychisch krank noch zu der Familie
nebenan gehören und daß es weniger
Obdachlose gibt, als die meisten angenommen hatten. Die Übersicht widerlegt ferner zusammen mit Daten des
amerikanischen Ministeriums für Bauwesen und Städteplanung (HUD), die
voraussichtlich noch in dieser Woche
veröffentlicht werden, eine Reihe anderer weitverbreiteter Klischees, die
zu wohlgemeinten, jedoch unwirksamen

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�Hilfsprogrammen für Obdachlose geführt haben. Nachfolgend einige Beispiele:

Klischee 1.
Obdachlose

Es gibt abermillionen

Von
Demokraten
wie
Michael
Dukakis und dem Präsidenten des Repräsentantenhauses, Jim Wright, wurden ebenso wie in unzähligen neuen
Berichten die Behauptung aufgestellt,
drei
Millionen
Amerikaner
fänden
Nacht für Nacht Unterschlupf auf
Straßen, in Hauseingängen oder Obdachlosenheimen. Falsch! Eine 1988
vom überparteilichen Urban Institute
veröffentlichte Studie, die sich zum
Teil auf Interviews mit 1 700 Obdachlosen in 20 Großstädten stützt, kommt
zu dem Schluß, daß im Jahr 1987 maximal 600 000 Amerikaner die Nacht im
Obdachlosenasyl oder auf der Straße
verbrachten.
Das heißt, unter den
Stadtbewohnern und selbst den Armen
gibt es relativ wenige Obdachlose.
Weniger als zwei Prozent der Armen
sind beispielsweise obdachlos.
Fürsprecher der Obdachlosen halten dagegen, daß schon ein Obdachloser - ganz zu schweigen von 600 000 zu viel ist. Mitch Snyder ist sogar
so weit gegangen, die "nagende Neugier" nach genaueren Zahlen als das
Werk
"westlicher
Kleinkariertheit"
abzutun.
Selbst ein Bewohner des
Elfenbeinturms kann jedoch nicht die
Augen davor verschließen, daß das Obdachlosenproblem sehr viel leichter
zu bewältigen ist, wenn es, sagen wir
einmal, fünfmal kleiner ist als vorher angekündigt. Um Martha Burt, die
Autorin der Studie des Urban Institute, zu zitieren:
"Was wir nicht
brauchen sind drei Millionen Wohneinheiten zur Unterbringung der Obdachlosen von heute - um dann noch drei
Millionen für die Obdachlosen von
morgen zu bauen."

Klischee 2. Es gibt Scharen von
weiblichen Obdachlosen
Im
vergangenen
Jahr
erklärte
George Bush, psychische Krankheit sei
die "Hauptursache" der Obdachlosigkeit. Doch sowohl die HUD-Studie als
auch ein 19 Städte umfassendes Projekt über Gesundheitsfürsorge, das
größtenteils von der Robert Wood
Johnson-Stiftung
finanziert
wurde,
belegen, daß nur ein Drittel der obdachlosen Erwachsenen psychisch krank
sind. Darüber hinaus hat die massenhafte Entlassung psychisch Kranker
aus den Kliniken wenig zum Obdachlosenproblem der achtziger Jahre beigetragen. In dem in Kürze erscheinenden Buch Address Unknown berichtet
Professor James Wright von der Tulane
University, daß sich weniger als fünf
Prozent der 83 000 an den Robert Wood
Johnson-Kliniken behandelten obdachlosen Männer und Frauen unmittelbar
vor ihrer Obdachlosigkeit in psychiatrischen Anstalten aufhielten.

Klischee 3.
wir

Sie sind Menschen wie

Ebenso
falsch
sind
emotional
griffige Argumente der Fürsprecher
von Obdachlosen und liberalen Demokraten, daß die Obdachlosen ganz gewöhnliche - nur vom Pech verfolgte Angehörige der Mittelschicht seien.
Vor nicht allzulanger Zeit formulierte es der demokratische Abgeordnete
aus New York und Vorsitzende einer
Arbeitsgruppe
des Kongresses, die
sich mit Wohnungsproblemen befaßt,
Charles
Schumer,
folgendermaßen:
"Die große Mehrheit der Obdachlosen
sind wie Du und ich; sie können sich
nur keine Wohnung leisten."
Zahlreiche Medienberichte, insbesondere
im Fernsehen, haben diese Beschönigung des Obdachlosenproblems gefördert. Um nur ein Beispiel zu nennen:
In einem NBC-Sonderbericht des vergangenen Jahres reiste Tom Brokaw ins
ländliche Iowa, um weiße Familien
aufzuspüren, bei denen beide Elternteile obdachlos sind. Brokaw informierte seine Zuschauer, die Obdachlosen seien "Menschen, die Sie kennen".

�Nicht ganz. Während die meisten
Obdachlosen nicht psychisch krank
sind und ihre Reihen von Stadt zu
Stadt erheblich variiert, haben zwei
Drittel der obdachlosen Erwachsenen
mindestens ein ernsthaftes persönliches Problem, das dazu beiträgt,
daß sie auf der Straße oder im Obdachlosenasyl landen.
Jüngste Studien belegen, daß 33 bis 38 Prozent
der Obdachlosen Alkoholiker, 13 bis
25 Prozent drogenabhängig und 21 bis
24 Prozent entweder straffällig geworden oder eine Gefängnisstrafe verbüßt haben. Abgesehen von extremer
Armut sind obdachlose Männer und
Frauen auch von ihren Familien und
den herkömmlichen amerikanischen Einrichtungen
völlig
isoliert.
Im
Durchschnit sind sie seit nahezu vier
Jahren arbeitslos.

Klischee 4. Die Gelegenheitsarbeiter sind wiederjla
Der
vielleicht
irreführendste
Eindruck von den Obdachlosen betrifft
die obdachlosen Familien - die auffälligsten Neuankömmlinge
auf den
Straßen und in den Obdachlosenheimen
des Landes. Zahlreiche Medienberichte haben diese Familien als neue Gelegenheitsarbeiter dargestellt, entlassene Amerikaner der Arbeiterklasse, die keine billigen Mietwohnungen
mehr finden können. Ein schlagendes
Beispiel dieser Art war der von der
Kritik gelobte Fernsehfilm "God Bless
the Child", in dem Mare Winningham
eine weiße, getrennt lebende Mutter
spielt, die ihren Arbeitsplatz verloren hat und dann ihre kleine Tochter
aussetzt, damit das Kind nicht in dem
schrecklichen
Obdachlosenasyl
aufwächst.
In Wahrheit sind jedoch die meisten Obdachlosen mit Kindern schwarze
oder hispanoamerikanische alleinstehende Frauen, die von der Sozialfürsorge leben und über wenig Berufserfahrung verfügen.
Insgesamt machen
Mütter mit Kindern ein Viertel der
Obdachlosen auf der Straße und im
Heim aus. Und während die neuen Stu-

dien belegen, daß sie entschieden weniger anfällig als alleinstehende obdachlose Erwachsene sind, Alkoholiker, psychisch krank oder straffällig
zu werden, sind sie traurigerweise
sehr viel eher im Obdachlosenasyl gelandet, weil sie ihr Zuhause wegen
Gewalttätigkeiten verlassen haben.

Klischee 5. Mehr Wohltätigkeit ist
die Antwort
Die neuen Studien widerlegen auch
zwei gängige Lösungen des Obdachlosenproblems.
Auf der politischen
Rechten haben Präsident Bush und andere gewarnt, daß "ein großes Erwachen" seitens der Wohltätigkeitsorganisationen und religiösen Gruppen,
den "Tausend Lichtern" erfolgen muß.
Die HUD-Obdachlosenstudie läßt jedoch
erkennen, daß der Privatsektor bereits ein phänomenales Programm auf
die Beine gestellt hat, um den Obdachlosen zu helfen. Im vergangenen
Jahr wurden rund neun von zehn Obdachlosenunterkünften von Gemeindeverbänden und Kirchen betrieben. Es
ist fraglich, wie die "Tausend Lichter" noch mehr Licht anzünden können.
Letztes Jahr stieg die Zahl der freiwilligen Helfer in Obdachlosenheimen
auf überwältigende
80 000, nahezu
viermal soviele wie noch vor fünf
Jahren.
Erwartungsgemäß hat der Privatsektor seit 1984 auch seine finanzielle Unterstützung der Obdachlosenunterkünfte erheblich aufgestockt und
im vergangenen Jahr rund eine Milliarde Dollar, beziehungsweise zwei
Drittel der Betriebskosten übernommen. Die Bundesmittel zur Bekämpfung
dieses landesweiten Problems sind jedoch bescheiden, insbesondere wenn
man sie gegen die Beiträge zahlreicher Bundesstaaten und Gemeinden aufrechnet.
In diesem Haushaltsjahr
wird New York City allein ca. 475
Millionen Dollar an direkter Hilfe
für die Obdachlosen aufwenden - also
nicht sehr viel weniger als die Regierung in allen 50 Bundesstaaten
ausgibt.

- 3 -

�Klischee^ 6.
Wohnungen

Sle brauchen nur

Viele Liberale und Fürsprecher
der Obdachlosen bekräftigen die von
Robert Hayes von der National Coalition for the Homeless vorgelegte Lösung des Obdachlosenproblems: "Wohnungen, Wohnungen und nochmals Wohnungen." Die jüngsten Studien legen
jedoch den Schluß nahe, daß rund die
Hälfte der städtischen Obdachlosen
mehr als einmal obdachlos gewesen
sind, was darauf hindeutet, daß ein
Dach über dem Kopf eines Alkoholikers, eines psychisch Kranken oder
eines Drogenabhängigen ihn nicht für
immer von der Straße fernhält. Unglücklicherweise sind die meisten Obdachlosenunterkünfte zu sehr mit der
kurzfristigen Befriedigung elementarer Bedürfnisse wie der Bereitstellung warmer Mahlzeiten und Schlafstellen in Anspruch genommen, als daß
sie angemessene Rehabilitationsmaßnahmen anbieten könnten.
Die HUDStudie liefert den Beweis, daß weniger als ein Drittel der Obdachlosenheime des Landes eine Behandlung für
Suchtkranke oder psychisch Kranke zur
Verfügung stellen und ebensowenige
Kinderbetreuung oder Gesundheitsfürsorge anbieten.

Eine Schlußfolgerung der neuen
Studien lautet, daß die Obdachlosen
sehr viel eher auf ihre Bedürfnisse
zugeschnittene Dienstleistungen und
Wohnungen als Ubergangslösung benötigen als neue Sozialwohnungen.
Die
meisten Obdachlosen bedürfen einer
Behandlung in einer psychiatrischen
Klinik der Gemeinde, der Einweisung
in ein Rehabilitationszentrum für Alkoholkranke, Anleitung bei der Kindererziehung, Unterstützung zur Erlangung einer Behindertenrente oder
nur ein Bett in einer sicheren und
sauberen kleinen Pension. Sobald die
Öffentlichkeit die Tatsache akzeptiert hat, daß die Mehrzahl der obdachlosen Erwachsenen anhaltende persönliche Probleme hat, besteht natürlich die Gefahr, daß sie als Arme abgetan werden, die kein Mitgefühl verdienen. Hayes zufolge sind die Obdachlosen jedoch "keine andere Spezies Mensch". Und selbst wenn einige
Amerikaner sie als unwürdig erachten,
gibt es keine Anzeichen dafür, daß
sich die Reihen der Obdachlosen lichten. Das Problem ist nicht, ob die
Obdachlosen weiterhin Hilfszahlungen
in Milliardenhöhe für Notunterkünfte
und Mahlzeiten verdienen, sondern ob
diese Milliarden in den kommenden
Jahren besser angelegt werden.

* * * * * *

�:£D S &gt;

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
5. April 1989

14

FOTOS AUS DEM ALL ZEIGEN VERÄNDERUNGEN DER ERDOBERFLÄCHE
- NASA-Dokumente von Raumtransporterflügen -

WASHINGTON - (AD) - "Fast jede heute existierende Landkarte gibt ein völlig falsches Bild vom Tschad-See in Zentralafrika. Den neuen Aufnahmen aus
dem Weltraum zufolge ist nur noch ein kläglicher Rest von ihm vorhanden", sagt
Dr. Charles Wood, der Leiter der Abteilung Erdbeobachtung für bemannte Raumflüge des US-Amtes für Luft- und Raumfahrt (NASA). Der Tschad-See wird auf
den meisten Karten in seiner früheren GLänge von 200 km dargestellt, seine
Oberfläche ist jedoch in den 23 Jahren, seitdem GEMINI-Astronauten mit briltlianten Aufnahmen aus dem Weltraum die überflogenen Gebiete unserer Erde In
neuer Perspektive zugänglich machten, um fast 95 Prozent geschrumpft.

Tausende solcher Fotografien geben Wissenschaftlern in aller Welt
die Möglichkeit, die "Geschichte" bestimmter Landschaften über die vergangenen paar Jahrzehnte zu verfolgen. Der Tschad-See und der NasserSee (am Assuan-Staudamm in Ägypten)
eignen sich schon deshalb gut als Fotoobjekte, weil diese Regionen selten
durch Wolken verdeckt sind. In Südostasien ist das ganz anders. "Dort
ist häufig wegen der Wolken kaum etwas zu erkennen", meint Dr. Woods.
In Südamerika wiederum, insbesondere
über dem Amazonasbecken, sind es "von
Menschen erzeugte Wolken", die von
den Rodungsfeuern zu bestimmten Zeiten des Jahres herrühren.
Woods verweist ausdrücklich darauf, daß das Fotografieren im Welt-

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Embassy of the United States of America

raum und die Auswertung dieser Aufnahmen keinesfalls mit Spionage in
Zusammenhang zu bringen sei und die
Bilder jedermann zum Selbstkosten^
preis für Reproduktionen zur Verfügung stünden.
Für einen bemannten
Raumflug wählt seine Abteilung be~
stimmte Gebiete aus, von denen Wissenschaftler - Geologen, Meteorologen, Biologen, Meereskundler und Ökologen - mehr Daten für ihre Arbeit
benötigen. Zwar erhielten die Astronauten während ihrer Mission täglich
aktualisierte Meldungen zu möglichen
Fotoobjekten und jeweiligen Wetterbedingungen, jedoch komme es auf ihre
Beobachtungsgabe und das Erfassen unerwarteter Ereignisse an, damit ein
Raumfahrtunternehmen
so
profitabel
wie möglich wird.
Im Durchschnitt
bringen sie 2000 Fotos von einem Flug

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�mit. Nach wie vor werden HasselbladKameras der gleichen Bauart wie in
den sechziger Jahren verwendet, die
mit 70 mm- und 250 mm-Objekten ausgestattet sind. Gewöhnliche EktrachromFilme liefern hochwertige Bilder.
Bei Vergleichen mit früheren Fotos zeigte sich, daß der im Jahr 1966
ca. 26 500 Quadratkilometer große
Tschad-See bis zum Juli 1985 auf 2400
qkm geschrumpft und inzwischen noch
kleiner geworden ist. Der im Jahr
1984 mit 500 km Länge als der größte
Stausee der Welt bezeichnete NasserSee war 1981 auf die nahezu größte
Ausdehnung angestaut. Aber schon die
Trockenheit im darauffolgenden Jahr
ließ vom Weltraum aus ein merkliches
Absinken des Wasserspiegels erkennen.
Aufnahmen aus dem Raumtransporter
DISCOVERY von September 1988 zeigten,
daß er zu diesem Zeitpunkt den niedrigsten Wasserstand seit den sechziger Jahren hatte. Deutlich sind auf
den Fotos die Schlickablagerungen an
den immer tiefer freiwerdenden Ufergebieten zu erkennen.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON

4

Wissenschaft und Technik
5. April 1989

14

PRIVATFIRMA STARTET ERSTE KOMMERZIELLE RAKETE

WASHINGTON - (AD) - Ein kleines amerikanisches Privatunternehmen, Space
Services Inc., startete am 29. März 1989 seine erste Rakete. Die 22 m lange
STARFIRE erreichte eine Höhe von 317 km; die Nutzlastkapsel landete am Fallschirm 80 km vom Startplatz White Sands in Neu Mexiko entfernt. Die US--Armee
hatte Startanlagen zur Verfügung gestellt. In der Kapsel befanden sich sechs
Experimente von Wissenschaftlern der Universität Alabama, die sich mit Werkstoffentwicklung befassen und die Auswirkungen der sieben Minuten dauernden
Schwerelosigkeit auf ihre Materialproben untersuchen wollen. Die Universität
zahlte Space Services Inc. eine Million Dollar für den Start aus einem von der
US-Behörde für Luft- und Raumfahrt (NASA) finanzierten Fonds.

Space Services Inc. baute die Rakete mit Elementen "aus dem Magazin",
wie der Präsident des Unternehmens,
der
ehemalige
Astronaut
Donald
Slayton, sagte.
Das Triebwerk für
den suborbitalen Flug kam von der
Firma Morton Thiokol, dem gleichen
Unternehmen, das die Feststoffraketen
für den Raumtransporter liefert. Die
Genehmigung für den Start mußte vom
amerikanischen
Verkehrsministerium
erteilt werden. Dieses ist zuständig
für die entsprechenden Vorschriften
zum Abschuß kommerzieller Raketen und
Raumfahrtunternehmen der Privatindustrie. Seine Abteilung für "Kommerzielle Raumfahrt" bewertet und prüft
die Sicherheit der Mission, gibt
Startgenehmigungen und setzt den Rahmen für die Versicherungshöhe.

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Diese neue Rolle des Verkehrsministeriums ist Teil eines Planes der
amerikanischen Regierung, die Privatindustrie zu Raumfahrtunternehmen zu
motivieren.
Er sieht unter anderm
vor, daß Bundesbehörden kommerzielle
Dienstleistungen auf dem Sektor Raumfahrtaktivitäten in Anspruch nehmen.
Die Privatunternehmen ihrerseits benutzen regierungseigene Startanlagen
und entschädigen den Staat für die
entstehenden
Kosten.
Nutzlasten
konnten bisher nur an Bord des Raumtransporters der NASA oder regierungseigener unbemannter Raketen In
den Weltraum transportiert werden.
Space Services Inc. machte bereits im September 1982 mit dem Start
des ersten von privater Seite finanzierten Raumfahrtgeräts Geschichtet

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�Die Versuchsrakete CONESTOGA wurde
mit Wasserballast von einer Insel vor
der Küste von Texas gestartet und kam
im Golf von Mexiko zur Erde zurück.
Inzwischen haben einige große Firmen
der amerikanischen Luft- und Raumfahrtindustrie Projekte für den Bau
privater Trägergeräte in Angriff genommen. In den nächsten paar Jahren
dürften nach und nach 20 wichtige Satelliten gestartet werden können, für
die Kontrakte im Gesamtwert von über
einer Milliarde Dollar abgeschlossen
werden. Die Firmen McDonnell Douglas
Astronautics, Martin Marietta und General Dynamics haben mit den Regierungen von Indien, Großbritannien,
Japan und der USA bereits Vereinbarungen über den Start von Nachrichtensatelliten getroffen.
•

.:

••

* * * * * *

•

.

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: NATO Bewahrer von Frieden und Freiheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung zum 40jährigen Jubiläum &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;der NATO&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Brady fordert rasches Handeln zur Verschuldung der Dritten Welt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede vor dem Interim-Aupschuß des IWF&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Gefahren der Weiterverbreitung von Kernwaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von CIA-Direktor Webster in Los Angeles&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Lehman bringt großen Erfahrungsschatz mit zu ACDA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des designierten ACDA-Direktors&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ist das Bildungswesen so schlecht wie eh und je ?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Ben J. Wattenberg &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erschütternde Klischees über die Obdachlosen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neue Forschungsergebnisse räumen mit überholten Mythen auf&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fotos aus dem All zeigen Veränderungen der Erdoberfläche&lt;br /&gt;&lt;em&gt;NASA-Dokumente von &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Raumtransporterflügen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Privatfirma startet erste kommerzielle Rakete</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

4

12. A p r i l 1989

15
INHALT

HINTERGRUNDMATERIAL
Leichter Anstieg terroristischer Gewalttaten im Jahr 1988
- Einleitung zum Bericht des amerikanischen Außenministeriums -

Kontrollen für amerikanische Exporte
- Richtlinien des amerikanischen Außenministeriums

Hills begrüßt Durchbrüche in vier Bereichen des GATT
- Stellungnahme der Handelsbeauftragten - Zusammenfassung der
GATT-Vereinbarungen -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

'

Unschuldige Opfer mütterlichen Fehlverhaltens
- Auswirkungen von Narkotika-Konsum in der Schwangerschaft Grundstoffe für Drogenproduktion künftig streng kontrolliert

* * * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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�AMERIKA DIENST
'^7

^

&lt;Ä&lt;

Hintergrundmaterial

12. April 1989

15

LEICHTER ANSTIEG TERRORISTISCHER GEWALTTATEN IM JAHR 1988
- Einleitung zum Bericht des amerikanischen Außenministeriums -

WASHINGTON - (AD) - Einem neuen Bericht des amerikanischen Außenministerium zufolge stieg die Zahl terroristischer Gewalttaten in aller Welt im Jahr
1988 um lediglich drei Prozent von 832 Anschlägen im Jahr 1987 auf 856. Der
am 11. April 1989 vom Büro für Terrorismusbekämpfung des Ministeriums veröffentlichte Bericht mit dem Titel "Globale Muster des Terrorismus: 1988"
stellt fest, daß erneut der Nahe Osten Zentrum terroristischer Aktivitäten
war. 313 Anschläge oder 36 Prozent aller weltweit begangenen terroristischen
Gewalttaten wurden in dieser Region verübt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Einleitung zu diesem Bericht im Wortlaut :

Das Jahr im Überblick
Der Umfang der weltweiten terroristischen Aktivitäten blieb im Jahr
1988 nahezu unverändert und stieg gegenüber dem Jahr 1987, in dem 832
terroristische
Gewalttaten
verübt
worden waren, um drei Prozent auf 856
(i) Vorfälle an.
Erneut lag der
Schwerpunkt
internationaler
terroristischer Aktivität im Nahen Osten,
wo 313 Anschläge verübt wurden - 36
Prozent aller weltweit verübten Verbrechen dieser Art. Wenn man die vom
Nahen
Osten
ausgehenden
Anschläge
hinzuzählt, steigt der Anteil der mit
dieser Region verbundenen
Vorfälle
sogar auf 41 Prozent (ein Rückgang um
15
Prozent
gegenüber
1987).
Den
zweiten Platz mit 194 Anschlägen oder
22 Prozent nahm wiederum Asien ein,

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was hauptsächlich auf die hohe Zahl
afghanischer Terroranschläge auf Ziele in Pakistan zurückzuführen ist.
Westeuropa
lag mit 150 Anschlägen
wiederum an dritter Stelle, und Lateinamerika belegte mit 146 Vorfällen
den vierten Platz.
Afrika blieb an
fünfter Stelle mit 52 Anschlägen oder
sechs Prozent.
In Osteuropa wurden
im Jahr 1988 keinerlei Anschläge international operierender Terroristen
verzeichnet.
Drei
"spektakuläre"
Anschläge
wurden im Jahr 1988 von Terroristen
ausgeführt - die Entführung einer kuwaitischen Passagiermaschine im April, der Anschlag auf ein griechisches Ausflugsschiff vor der Küste
Griechenlands im Juli sowie höchstwahrscheinlich der Bombenanschlag auf

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Tel.: 0228-339 2035
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�Pan Am-Flug 103 über Schottland im
Dezember.
Bei den Großoperationen
setzte sich jedoch der schon 1987
verzeichnete Trend nach unten weiter
fort.
Die Hauptfaktoren für das
schwächere Anwachsen des internationalen Terrorismus im Jahr 1988 waren:
- Anhaltende
Verbesserungen
beim
physischen Schutz staatlicher und
privater Einrichtungen erschwerten die Zielauswahl für Terroristen.
- Westliche und andere Staaten profitierten von ihrer Zusammenarbeit bei der Terrorismusbekämpfung der vergangenen Jahre und
konnten weitere Terroristen festnehmen.
- Einige staatliche Förderer des
Terrorisraus, zum Beispiel Syrien
und Irak, scheinen ihre direkte
Beteiligung
am Terrorismus im
Jahr 1988 erheblich verringert zu
haben, obwohl beide Staaten weiterhin terroristischen Organisationen Unterschlupf und Ausbildung zur Verfügung stellen.
(i) Der Borabenanschlag auf den
Pfa Am-Flug 103 vom 21. Dezember 1988
wurde in diese Statistik einbezogen,
well alle bis zu diesem Zeitpunkt
vorhandenen Beweise auf einen terroristischen Anschlag hindeuten.
Ein
krimineller Sabotageakt kann jedoch
nicht völlig ausgeschlossen werden.
Die Ermittlungen dauern an, und bis
heute konnten noch keine definitiven
Schlußfolgerungen
gezogen
werden.
Durch den Anschlag wurden 270 Menschen getötet, darunter 189 Amerika:ier.
Die Aktivitäten von Milizionären
im Libanon wirkten sich weiterhin
schwächend auf die Fähigkeiten interna r.ional operierender terroristischer
Grippen aus, Operationen in Übersee
durchzuführen.
Der iranische Beschluß zur Beendigung des Krieges gegen den Irak und
zur Ausweitung der Beziehungen mit

dem Westen führte zu einer zumindest
zeitweisen Verringerung der iranischen Beteiligung am Terrorismus, obwohl Teheran weiterhin den Terrorismus als Mittel seiner Politik einsetzt - möglicherweise auch durch die
Ausübung erheblichen Einflusses auf
diejenigen, die amerikanische Bürger
im Libanon als Geiseln halten. Wir
können jedoch nicht ausschließen, daß
der Iran seine Unterstützung des Terrorismus wieder ausweiten wird, um
damit zu versuchen, angesichts des
Rückschlags im Golfkrieg sein revolutionäres Gesicht in Übersee zu wahren.

»

Trotzdem erreichte die Gesamtzahl
der terroristischen Anschläge im Jahr
1988 eine neue Rekordhöhe. Terroristen haben weiterhin das Potential,
Umfang und Wirkungsweise ihrer Aktivitäten aufrechtzuerhalten. überdies
wurde durch den höchstwahrscheinlich
von Terroristen verübten Anschlag auf
Pan Am-Flug 103 erneut die Fähigkeit
der Terroristen mit aller Schärfe
verdeutlicht, Sicherhe3 tsvorkehrungen
durch sorgfältige Planung zu überwinden. Streitigkeiten unter Rivalen im
Nahen Osten - von denen viele in der
Vergangenheit
den
internationalen
Terrorismus als politisches Instrument gegen ihre Nachbarn benutzt haben - könnten zu einem Wiederaufleben
der Gewalttätigkeiten führen.
Die Provisional Irish Republican
Army (PIRA) war erneut eine der aktivsten separatistischen Gruppen in
Europa.
Bei den separatistischen
Gruppen in Europa waren keinerlei Anzeichen festzustellen, die auf ein
Nachlassen des Einsatzes terroristischer Gewalt hindeuteten, obwohl ihre Fähigkeiten durch wirksame polizeiliche
Maßnahmen
stark
eingeschränkt wurden. Andere westeuropäische Organisationen, wie etwa die
Rote Armee Fraktion (RAF) in der Bundesrepublik Deutschland und die Roten
Brigaden (BR) bildeten weiterhin eine
Bedrohung, während die Gruppe 17. November in Griechenland ihre Aktivitäten ausweitete und unter anderem den
amerikanischen
Verteidigungsattache
ermordete. Rebellen in Lateinamerika

- 2 -

1

�und dem Fernen Osten wandten sich
verstärkt dem städtischen Terrorismus
zu.
Afghanistan scheint weiterhin
willens zu sein, den Terrorismus gegen Pakistanis zu benutzen.
Bei den im Jahr 1988 verzeichneten 856 Anschlägen international operierender Terroristen wurden 658 Personen getötet und 1 131 verletzt,
einschließlich der verletzten Terroristen. Bei der Zahl der Todesopfer
bedeutet dies gegenüber 633 im Jahr
1987 eine Zunahme, für die hauptsächlich der Bombenanschlag auf den Pan
Am-Flug 103 verantwortlich ist. Die
Zahl der Verletzten nahm jedoch gegenüber den 2 272 Personen im Jahr
1987 ab. Abgesehen von der Pan AmKatastrophe ging die Zahl der Opfer
zurück, was auf die Abnahme der Anschläge nahöstlicher Terroristen und
der von Afghanistan ausgehenden Anschläge in Pakistan zurückzuführen
ist. Obwohl nur ein vergleichsweise
geringer Anteil von Anschlägen dort
begangen wurde, erlebte Afrika bei
der Zahl der Opfer eine der höchsten
Zuwachsraten - fast 60 Prozent gegenüber der Gesamtzahl des Jahres 1987,
von 163 auf 259 Getötete und Verletzte. Der Terrorismus im Nahen Osten
und die von ihm ausgehenden Anschläge
in der übrigen Welt verursachte den
Ton von 356 Personen und Verletzungen
von 319.
Die Vereinigten Staaten mußten im
Jahr 1988 im Ausland erheblich mehr
terroristische Anschläge und Todesopfer hinnehmen, was darauf hindeutet, daß sie weiterhin ein bevorzugtes Ziel für den internationalen Terrorismus darstellen.
Die Zahl der
Anschläge gegen amerikanische Einrichtungen nahm in allen Regionen zu
und stieg von 149 im Jahr 1987 auf
185, insgesamt gab es 192 Tote und 47
Verwundete. 1987 wurden sieben Amerikaner getötet und 47 verwundet.
Wie schon 1987 fanden die meisten Anschläge gegen amerikanische Bürger
und Einrichtungen - 60 Prozent - in
Lateinamerika statt. Etwa 20 Prozent
der gegen die Vereinigten Staaten gerichteten Anschläge wurden in Asien,

zehn Prozent im Nahen Osten und neun
Prozent in Westeuropa verübt. In Afrika wurde ein Anschlag ausgeführt.
In insgesamt 68 Ländern wurden
Bürger und Einrichtungen aus 79 Ländern Zielscheibe des internationalen
Terrorismus. Terroristen verüben ihre Anschläge zumeist - 77 Prozent aller Anschläge weltweit - weiterhin
auf die am wenigsten geschützten Ziele, wie Geschäfte und Touristen. Die
Übergriffe auf Regierungseinrichtungen und andere staatliche Ziele nahmen in nur geringem Umfang ab - von
25 Prozent aller Anschläge im Jahr
1987 auf 23 Prozent im Jahr 1988.
Viele Anschläge wurden auf Personen
verübt und betonen damit die Notwendigkeit besserer Kenntnis von persönlichen Sicherheitsmaßnahmen.
Terroristische Anschläge richteten sich
in geringerem Umfang gegen zivile
Einrichtungen der Streitkräfte (ii),
38 Mal im Jahr 1988 gegenüber 88 Mal
im Jahr 1987 - was zum Teil auf die
stark verschärften Sicherheitsvorkehrungen zurückzuführen ist und auch
einen Wandel in der ideologischen
Ausrichtung vieler Gruppen widerspiegelt, der ihr Interesse an solchen
Zielen abklingen läßt.
(ii) Dies sind terroristische Anschläge, da das angegriffene Personal
oder die Einrichtungen der Streitkräfte sich nicht im Kampf befinden.
Ein Beispiel hierfür ist die Ermordung des amerikanischen Verteidigungsattaches Captain William Nordeen
in Athen im Juni 1988, der Bombenanschlag auf eine Fernmeldeeinrichtung
der US-Air Force in Spanien im April
1988 und die Ermordung von vier USMarines außer Dienst in einem Strassencafe in San Salvador im Juni 1985.
Die Anzahl der Anschläge variierte nach Art und Weise gegenüber 1987
nur wenig. Terroristen verübten zumeist Bombenattentate (48 Prozent aller Übergriffe), den zweiten Platz
nahmen Brandanschläge ein (28 Prozent),
dahinter
lagen
bewaffnete
Übergriffe (15 Prozent). Terroristen
bedienten sich 1988 in geringerem Um-

- 3 -

�fang (vier Prozent) der Entführung
als ihrem Mittel zum Zweck, die meisten Entführungen (12 von 32 insgesamt weltweit) wurden in Lateinamerika durchgeführt, eine Veränderung gegenüber 1987, wo der Nahe Osten an
erster Stelle stand (mit 30 von 53
Entführungen).
Der
internationale
Terrorismus
wird weiterhin in erheblichem Umfang
staatlich gefördert. 1988 war jedoch
hier ein leichter Rückgang zu verzeichnen. Einige wichtige Länder im
Nahen Osten, die Anschläge terroristischer Vereinigungen in hohem Maße
gefördert haben, suchen ihre Beteiligung mit Stellvertretern und anderen
Mitteln zu verbergen. Anschläge mit
nachweislicher staatlicher Beteiligung gingen von 189 im Jahr 1987 auf
177 im Jahr 1988 zurück und nahmen
somit um sieben Prozent ab. Von Afghanistan unterstützte internationale
Terroranschläge machten dabei 1988
mit 124 den größten Teil aus, gegenüber 125 im Jahr 1987 und 29 im Jahr
1986.
Unserer Ansicht nach gingen internationale Terroranschläge dreier
Länder, die sich am stärksten internationalem Druck ausgesetzt sahen Tran, Libyen und Syrien - zurück.
1983 wurden dem Iran 32 Anschläge zugeschrieben, gegenüber 45 im Jahr
1.987, was hauptsächlich auf das Ende
des Krieges mit dem Irak und Bemühungen um westliche Wirtschaftshilfe zurückzuführen ist. Libyen soll 1988
an sechs Anschlägen beteiligt gewesen
sein und unterstützt weiterhin Extremisten und terroristische Vereinigungen. Über eine direkte Beteiligung der syrischen Regierung an Anschlägen dieses Jahres liegen keine
Beweise vor. Wir wissen noch nicht,
welche Rolle sie unter Umständen beim
Absturz des Pan Am-Fluges 103 gespielt haben könnten.
Zehn Länder waren Schauplätze von
etwa 75 Prozent aller Anschläge des
Jahres 1988. Gestaffelt nach Häufigkeit sind dies Israel, der GazaStreifen
und
das
West-Jordanland

(insgesamt 29 Prozent), Pakistan (15
Prozent), Kolumbien (zehn Prozent),
Spanien
(sieben Prozent), Libanon
(drei
Prozent),
Bundesrepublik
Deutschland
(drei
Prozent)
sowie
Zimbabwe, Südkorea, Peru und Frankreich (jeweils zwei Prozent).
Die Zahl der vom Nahen Osten aus
verübten Anschläge außerhalb dieser
Länder ging 1988 auf 45 zurück (gegenüber 50 im Jahr 1987) - wenn jedoch das Bombenattentat auf den Pan
Am-Flug 103 dem Nahen Osten zugeschrieben werden kann, steigt damit
die Zahl der Todesopfer erheblich.
In Westeuropa wurden 30 Anschläge
verübt, die meisten davon in Ländern,
in denen Gruppen aus dem Nahen Osten
seit mehreren Jahren aktiv sind.
Acht Anschläge wurden in der Türkei
verübt,
jeweils
vier
in Zypern,
Frankreich
und
der Bundesrepublik
Deutschland, drei in Großbritannien,
jeweils einer in der Schweiz, in Dänemark, Griechenland, Italien, Norwegen, Spanien und Portugal. Bei den
Anschlägen in Westeuropa gab es 291
Tote - einschließlich der 189 amerikanischen Bürger auf dem Pan Am-Flug
103 - und 147 Verwundete. Im Jahr
1987 wurden in der Region von Terroristen aus dem Nahen Osten 19 Personen getötet und 47 verwundet. Vier
Anschläge in Lateinamerika fielen mit
dem zweiten Jahrestag des amerikanischen Luftangriffs auf Libyen zusammen. Die Hauptverdächtigen wurden
bereits in der Vergangenheit von Libyen unterstützt.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

12. April 1989

15

KONTROLLEN FÜR AMERIKANISCHE EXPORTE
- Richtlinien des amerikanischen Außenministeriums -

WASHINGTON - (AD) - Die im April vom amerikanischen Außenministerium veröffentlichten Richtlinien dienen als Leitfaden für außenpolitische Entscheidungen der Vereinigten Staaten.
Die Bush-Administration hat sich
der Förderung amerikanischer Exporte
verschrieben.
Exporte schaffen Arbeitsplätze und Gewinne und dank der
Exporte können wir lebenswichtige Güter zur Befriedigung der Binnennachfrage importieren.
Die Vereinigten
Staaten verhängen jedoch bestimmte
Kontrollen, um sicherzustellen, daß
die Exporte im Einklang mit ihrer
Außenpolitik
stehen.
Die meisten
Kontrollen erstrecken sich auf Geräte
und Technologie, die für die Volkswirtschaft des importierenden Landes
von Bedeutung sind. Sie machen dem
Wert nach weniger als fünf Prozent
der derzeitigen amerikanischen Exporte aus.

von 1979 weltweit und/oder landesweit
auf zehn Zielbereiche Anwendung.

Kontrollen für Gerät, das für
Terroranschläge verwendet werden kann
Im Rahmen der ihm gemäß Abschnitt
6 (j) des EAA verliehenen Befugnis
hat der Außenminister Kuba, Iran,
Libyen, Nordkorea, Syrien und die
Volksrepublik Jemen zu Ländern erklärt, die wiederholt den internationalen Terrorismus unterstützt haben.
Über für sie bestimmte Produkte sind
umfangreiche, landesspezifische Exportkontrollen verhängt worden.

Diese außenpolitischen Kontrollen
finden gemäß dem Export-Gesetz (EAA)

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�Kontrollen für Gerät, das bei
Verbrechen elgesetzt werden kann
Diese Kontrollen regeln den Export von Instrumenten und Gerät zur
Verbrechenskontrolle
und -ermittlung
und der damit verbundenen Technologie
weltweit, mit Ausnahme der NATO-Mitgliedstaaten sowie Japan, Australien
und Neuseeland. Im allgemeinen werden Lizenzen vergeben, es sei denn,
Bedenken liegen gegen die Regierung
des importierenden Landes bezüglich
einer Verletzung der Menschenrechte
vor
(zum Beispiel Südafrika und
Chile).

Kontrolle der regionalen Stabilität
Exporte von zur Herstellung von
Waffen und militärischem Gerät verwendeten Produkten werden überprüft,
im sicherzustellen, daß solche Exporte die Stabilität der Region oder des
Bestimmungslandes nicht unterminieren.

Kontrollen für die Bekämpfung der
Apartheid
Die Vereinigten Staaten verbieten
den Export von Ausrüstungsgegenstände
für Militär und Polizei nach Südafrika und Namibia, ferner den Export von
Computern an Regierungsbehörden, die
eine Politik der Apartheid durchführen, Einrichtungen für Herstellung
und Verwendung von nuklearem Material
und alle Güter, die unter das obligatorische Waffenembargo der Vereinten
Nationen fallen. (Das Finanzministerium verbietet den Import von 13 Warenkategorien aus Südafrika, einschließlich landwirtschaftlicher Produkte, Eisen, Stahl, Uran und Gold in
allen Erscheinungsformen).

Kontrolle von Raketentechnik
Die Vereinigten Staaten helfen
anderen Länder bei der friedlichen
Nutzung und Erforschung des Weltraums, suchen aber die Entwicklung
von Trägersystemen für Waffen einzu-

dämmen. Die Vereinigten Staaten beschränken weltweit den Export von
vielseitig verwendbaren Ausrüstungsgegenständen und Materialien, die ihrem Chrakter nach kommerziell sind,
aber auch der Entwicklung von Raketensystemen dienen könnten.

Kontrollen der Vorläufer chemischer
und biologischer Waffen
Die Vereinigten Staaten kontrollieren gemeinsam mit ihren Verbündeten den weltweiten Export von neun
chemischen Verbindungen, die bei der
Herstellung chemischer Waffen Anwendung finden können. Zusätzlich wird
der Export von 31 chemischen Verbindungen in genau bezeichnete Bestimmungsländer kontrolliert.
Gegenwärtig ist der Export aller 40 chemischen Verbindungen in den Iran, Irak,
nach Libyen und Syrien verboten.
Ähnliche Kontrollen gelten für viele
Arten von Bakterien, Pilzen, Einzellern, Toxinen, Viren und Giften.

Kontrolle von Atomenergie
Die Vereinigten Staaten leisten
anderen Ländern bei der friedlichen
Nutzung ihrer Kernenergie aktive Hilfestellung, suchen aber gleichzeitig
die Verbreitung von Kernwaffen einzudämmen. Aus diesem Grunde kontrollieren die Vereinigten Staaten Exporte von Waren oder Technologie, die
bei mißbräuchlicher Verwendung im Importland zur Herstellung von nuklearen SprengsäLzen
verwendet werden
könnte. Das Gesetz zur Atomenergie
mit seiner Zusatzklausel über nukleare Nicht-Weiterverbreitung
schreibt
diese Kontrolle vor. Bevor die Vereinigten Staaten den Export gestatten, wird überprüft, wie das Exportgut möglicherweise verwendet wird, ob
die Regierung des Käuferlandes den
Vertrag über die Nicht-Weiterverbreitung von Kernwaffen unterzeichnet hat
und ob angemessen gewährleistet werden kann, daß die Güter oder das daraus hergestellte atomare Material
nicht etwa zur Entwicklung von Kernwaffen benutzt werden.

2 -

�Kontrollen für knappe Güter

Kontrollen des Finanzministeriums

Kontrollen sind gelegentlich notwendig, um die Binnenwirtschaft vor
einem übermäßigen Abfluß knapper Materialien zu schützen. Der Kongreß
hat per Gesetz dem Export von Rohöl
und Erdgas, raffinierten Mineralölund Gasprodukten, von Helium, Ammonium und unverarbeiteten Rotzedernstämmen aus dem Westen sowie dem Export von Pferden auf dem Seeweg (um
die nichtgenehmigte Schlachtung im
Ausland zu verhindern) Beschränkungen
auferlegt.

Die meisten Handels- und Finanztransaktionen mit Kambodscha, Cuba,
Libyen, Nordkorea und Vietnam unterliegen vom Finanzministerium verhängten Embargos.
Dieses kontrolliert
den direkten Handel zwischen den Vereinigten Staaten und Nicaragua sowie
einen Teil der finanziellen Transaktionen mit Panama und Südafrika.
Ferner regelt es bestimmte Importe
aus dem Iran und Südafrika.

Leitlinien für Exporteure
Kontrollen für Supercomputer
Aus außenpolitischen Gründen verlangen die Vereinigten Staaten weltweit die individuelle Genehmigung für
Exporte \ron Supercomputern.

Exporteure sollten die einschlägigen Exportrichtlinien (U.S. Export
Administration Regulations) in der
Ausgabe von 1988-89 studieren. Informationen über die Handels- und Finanzkontrollen für Kambodscha, Cuba,
Iran, Libyen, Nicaragua, Nordkorea,
Panama und Vietnam sind beim Office
of Foreign Assets Control des amerikanischen Finanzministeriums erhältlich.

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�AMERIKA DIENST
'VON

Hintergrundmaterial

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12. April 1989

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HILLS BEGRÜSST DURCHBRÜCHE IN VIER BEREICHEN DES GATT
- Stellungnahme der Handelsbeauftragten - Zusammenfassung der
GATT-Vereinbarungen WASHINGTON - (AD) - Nach Beendigung der Genfer GATT-Zusammenkunft erklärte die amerikanische Handelsbeauftragte, Botschafterin Carla Hills, in einer
am 8. April 1989 von ihrem Büro veröffentlichten Stellungnahme, der starke
Wunsch aller Teilnehmerstaaten bei den Handelsgesprächen der Uruguay Runde in
Genf zu deren erfolgreichem Abschluß habe zu einem Durchbruch bei "Rahmen"Vereinbarungen in den Bereichen Landwirtschaft, geistiges Eigentum, Textil und
Bekleidung sowie Importschutzklauseln geführt.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text von Hills Stellungnahme sowie
eine Zusammenfassung der vier Vereinbarungen:

Die amerikanische Handelsbeauftragte Carla Hills kündigte heute
eine Vereinbarung über die Grundlagen
für abschließende Maßnahmen im Rahmen
der Uruguay-Runde multilateraler Handelsgespräche an, die im Dezember
1990 abgeschlossen sein soll.
In
dieser Woche sind Unterhändler aus
über 100 Ländern im Sitz des GATT in
Genf zusammengetreten, um ein Paket
von "Rahmenvereinbarungen" auszuarbeiten, die in der Endphase dieser
wichtigen Handelsgespräche zur Stärkung der Regeln im Welthandel als
Leitlinien dienen sollen.
Die Zusammenkünfte zwischen hochrangigen Ländervertretern zielten auf
Abschlüsse in Teilbereichen des Zwischenbilanzprozesses ab, die bei Beendigung
der Ministergespräche im

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vergangenen Dezember in Montreal offen geblieben waren. Bei den diese
Woche stattfindenden Gesprächen wurden die noch bestehenden Meinungsverschiedenheiten in vier Teilvereinbarungen - Landwirtschaft, geistiges
Eigentum
und
Importschutzklauseln
beigelegt.
Die Unterhändler haben
sich auf elf weitere Rahmenvereinbarungen geeinigt, die in Montreal ausgearbeitet wurden, die Resolution zu
den vier Abschlußvereinbarungen jedoch "bis auf weiteres" vertagt.
Zum Ergebnis der Zusammenkünfte
äußerte sich Botschafterin Hills wie
folgt:
"Wir freuen uns, daß der tote
Punkt der Zwischenrunde überwunden
ist. Aufgrund des starken Wunsches

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�aller Länder, hier Erfolge zu erzielen, ist uns ein Durchbruch gelungen
(...)
Vor uns liegen schwierige Verhandlungen, aber wir haben jetzt einen Rahmen geschaffen, der intensivere Verhandlungen zulassen wird, die
den von den Vereinigten Staaten in
der Uruguay-Runde verfolgten Zielsetzungen förderlich sind. (...)
Wenn
wir in jedem der 15 Verhandlungsbereiche ein Schlußabkommen erzielen
können, wird das Welthandelssystem
erheblich gestärkt werden. Dies erfordert aber bindende Verpflichtungen
unserer Handelspartner, keine einseitigen Konzessionen der Vereinigten
Staaten. (...)
In der Landwirtschaft
muß das Schlußabkommen grundlegende
Reformen in allen Ländern hervorbringen.

multilateralen
unterbreiten.

Die in dieser Woche erzielten
vier Vereinbarungen enthalten folgende Punkte:

Dieses Abkommen ist insofern von
Bedeutung, als es die Verhandlungen
über handelsbezogene Rechte an geistigem Eigentum (TRIPS) aus der verfahrensmäßigen Sackgasse geführt hat,
in der sie seit Anbeginn steckten.
Der Rahmen bietet eindeutige Richtlinien für die Unterhändler, daß Verhandlungen in Richtung auf ein umfassendes Abkommen über TRIPS folgendes
beinhalten sollten: 1. angemessene
und umfangreiche Normen für geistiges
Eigentum, 2.
wirksame Mittel zur
Durchsetzung dieser Normen und 3.
wirksame und unverzügliche Schlichtungsverfahren.

Landwi rt schaf t
Das Agrarabkommen umreißt Umfang
und Verfahren für die in den kommenden 18 Monaten stattfindenden Verhandlungen.
Das langfristige Ziel
dieser Verhandlungen besteht in einem
stufenweisen maßgeblichen Abbau der
Agrarsubventionen und protektionistischen Maßnahmen, der Restriktionen
und Verzerrungen der internationalen
Agrarmärkte beheben und verhindern
wird.
Alle Maßnahmen, die direkt
oder indirekt Importzugang und Exportwettbewerb betreffen, müssen während der letzten Sitzungsrunden auf
den Verhandlungstisch gelegt werden.
Vor Ablauf dieses Jahres werden die
Teilnehmer Vorschläge unterbreiten,
um ein faires und marktorientiertes
Agrarhandelssystem sowie die vorgeschlagenen Bestimmungen und Verfahrensweisen zur Regelung des neuen Systems zu verwirklichen. Die Teilnehmer werde bis zu diesem Zeitpunkt
ferner ihre Vorschläge zur Harmonisierung der Hygienevorschriften für
pflanzliche und tierische Produkte
und der vorgeschlagenen Methoden zur
Verbesserung des damit verbundenen

Schlichtungsverfahrens

Die Minister verständigten sich
außerdem darauf, im Jahr 1991 mit der
Verwirklichung der langfristigen Reform zu beginnen.
Kurzfristig besteht Einigung dahingehend, die Subventionen und protektionistischen Maßnahmen im Inland
und für Exporte auf dem Niveau von
1989 oder darunter zu halten. Bis
Oktober dieses Jahres werden die Minister Einzelheiten des beabsichtigten Subventionsabbaus und der Schutzmaßnahmen für 1990 vorlegen.

Geistiges Eigentum

Diese Verhandlungen sind für die
Vereinigten Staaten ein Schlüsselelement der Verhandlungen der UruguayRunde.
Unser Ziel besteht darin,
durch ein solches Abkommen die durch
das Fehlen von angemessenem und wirksamem Schutz der Rechte an geistigem
Eigentum auf der ganzen Welt verursachten Verzerrungen und Behinderungen des internationalen Handels anzusprechen.
Wirtschaftliche Verluste
aufgrund des Fehlens solcher Schutzmaßnahmen beliefen sich einer Studie
der
amerikanischen
internationalen
Handelskommission aus dem Jahr 1988
zufolge im Jahr 1986 auf schätzungsweise 43 bis 61 Milliarden Dollar.

�Die Bestrebungen der Vereinigten
Staaten, diese Verhandlungen voranzubringen, wurden durch das aktive Interesse und die Beteiligung von Kongreß und Privatsektor vehement unterstützt. Aufgrund dieser gemeinsamen
Bemühungen nimmt das Bewußtsein für
die Bedeutung von angemessenem und
wirksamem Schutz der Rechte an geistigem Eigentum in den Vereinigten
Staaten und im Ausland zu. Das Beharren der Vereinigten Staaten, dieses Thema im GATT anzusprechen, wird
jetzt von einer maßgeblichen Zahl
ihrer Verhandlungspartner unterstützt.

Textilien und Bekleidung
Der vereinbarte Text zu Textilien
und Bekleidung erkennt die Bedeutung
dieses Sektors in der Uruguay-Runde
an und spiegelt die Übereinkunft aller Teilnehmer wider, substantielle
Verhandlungen über Modalitäten zu
führen, die letzten Endes die Integration dieses Bereichs gemäß der
Vereinbarung von Punta del Este im
Jahr 1986 in das GATT gestatten könnten.
Jegliche Integration dieser Art
müßte eine erhebliche Stärkung der
GATT-Regelungen und Ordnungen enthalten, wenn diese von Handelspraktiken
im
Textilbereich
betroffen
sind.
Solche Regelungen und Ordnungen sollen zusätzlich in der Uruguay-Runde
ausgehandelt werden.

Mitleidenschaft gezogen wurden. Seit
vielen Jahren wird von den Vertragsparteien des GATT anerkannt, daß die
Verfügungen von Artikel XIX eindeutiger gefaßt werden müssen.
Die zu den Schutzmaßnahmen vereinbarte Sprachregelung erlaubt Fortschritte bei der Arbeit dieser Verhandlungsgruppe ohne die Position der
Teilnehmer im Hinblick auf das Hauptthema der Verhandlungen zu präjudizieren. Die Vereinbarung sieht eine
Frist für die Erstellung eines Textentwurfs bis Juni vor, der während
der Restdauer der Uruguay-Runde als
Verhandlungsgrundlage
dienen
soll.
Die Delegationen werden ermuntert, so
bald wie möglich ihre eigenen Vorschläge zu unterbreiten, möglichst
bis Ende April.
Das Rahmenabkommen unterstreicht
die Bedeutung, die dem Abschluß einer
Gesamtvereinbarung zur Schaffung multilateraler Kontrolle über Schutzklauseln zukommt, darunter sogenannte
"Grauzonen-Maßnahmen", die zur Zeit
keiner multilateralen Kontrolle unterliegen. Das Ziel der Verhandlungen besteht darin, solche Maßnahmen
entweder multilateraler Kontrolle zu
unterwerfen oder sie zu beseitigen.

Die Teilnehmer bekräftigten, daß
Verhandlungen in diesem Bereich zur
weiteren Liberalisierung des Handels
beitragen und sich alle Teilnehmer
(Industrie- und
Entwicklungsländer)
um eine Verbesserung der Situation im
Handel bemühen sollten.

Schutzklauseln
Artikel XIX des GATT enthält Verfahren zur Gewährung befristeter Maßnahmen gegen Importe, um diejenigen
heimischen Industriezweige zu schützen, die von Importen ernsthaft in
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AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

12. April 1989

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UNSCHULDIGE OPFER MÜTTERLICHEN FEHLVERHALTENS
- Auswirkungen von Narkotika-Konsum in der Schwangerschaft -

WASHINGTON - (AD) - Über die schädlichen Auswirkungen von Marihuana- und
Kokain-Konsum während der Schwangerschaft auf das Baby gibt es mittlerweile
Informationen genug - von der katastrophalen Wirkung von Herion gar nicht zu
reden. Aber woran liegt es, daß die Appelle der Mediziner an die Verantwortung der Schwangeren in den Wind gesprochen scheinen?

Hochgerechnet aus den Ergebnissen
von Untersuchungen in 36 amerikanischen Kliniken dürften in den USA
jährlich etwa 375 000 Babies zur Welt
kommen, die daran leiden müssen, daß
ihre Mütter Kokain nahmen, Marihuana
und Zigaretten rauchten und nicht auf
Alkohol verzichteten. Und nur selten
sind diese Gifte einzeln wirksam.
Die Regel ist vielmehr die Kombination, noch verstärkt durch den Umstand, daß solche Schwangere meist
nicht auf ordnungsgemäße Ernährung
achten. Und da die Kokainwelle inzwischen Europa erreicht hat, ist
hier mit ähnlichen Problemen zu rechnen.
Die Ergebnisse der bisher umfassendsten, mit wissenschaftlichen Untersuchungen auch zu den variablen

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Faktoren aufs Beste belegten amerikanischen Studie zu diesem Komplex wurden im renommierten "New England
Journal of Medicine" (Ausgabe 23.
März 1989) veröffentlicht. In einem
telefonischen Interview von USIA (USInformationsamt, Washington) mit Dr.
Barry Zuckerman (Boston) plädierte
der Forscher für spezielle Hilfeprogramme, die es suchtstoffabhängigen
Schwangeren leichter machen, auf Drogen und für das Kind gefährliche Genußmittel zu verzichten. Zuckerman,
Professor für Kinderheilkunde und Direktor der Abteilung Entwicklungsund Verhaltenspädiatrie am "Boston
City Hospital", hatte diese Studie
geleitet. Insgesamt waren 1226 Frauen während der Schwangerschaft und
nach der Geburt des Kindes sowie besonders gründlich - die Babies in

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�die Untersuchungen einbezogen.
Durch Befragen der werdenden Mütter und die Analyse von Urinproben
wurde ermittelt und nachgewiesen, ob
sie Marihuana oder Kokain konsumierten.
Außerdem waren Zigarettenrauchen und Alkohol wichtige Punkte.
Mit den Urinuntersuchungen wurden
auch jene Frauen erfaßt, die Drogenkonsum nicht zugeben wollten. Die
Stoffwechselprodukte
von
Marihuana
können sieben bis zehn Tage, die von
Kokain bis zu drei Tage nach Aufnahme
der Drogen im Urin nachgewiesen werden. Das fettlösliche Kokain schadet
dem Fötus auf ganz besondere Weise:
Es überwindet mit Leichtigkeit die
Plazenta, aus der der Fötus ernährt
wird. Sein wasserlösliches Nebenprodukt aus dem fetalen Stoffwechsel,
Norcocain, verbleibt
über längere
Zeit in der Amnionflüssigkeit und
wird vom Fötus aufgenommen, ausgeschieden und von neuem aufgenommen.
Geringeres
Gewicht,
geringere
Körpergröße und, bei Kokainmißbrauch,
auch kleinerer Schädelumfang des Kindes sind jetzt erwiesen. Zuckerman
und Mitarbeiter fanden durchschnittliche Minus-Werte bei Babies, deren
Mütter Marihuana genommen hatten, von

79 Gramm für Gewicht und 0,5 Zentimeter für die Körperlänge, bei Kindern
von
Kokain-Konsumentinnen
von
93
Gramm beim Gewicht und 0,7 Zentimeter
bei der Körpevlänge, dazu von 0,43
Zentimeter bei der Kopfgröße.
In der letztgenannten Gruppe seien bereits unmittelbar nach der Geburt Auswirkungen auf die neurologischen Funktionen zu erkennen, sagte
Prof Zuckerman. Die Babies scheinen
sehr leicht irritierbar zu sein, was
die Pflegeperson und damit auch deren
Beziehung zum Kind stark belasten
könne.
Verhaltensstörungen in der
weiteren Entwicklung seien zu befürchten. Die Sterblichkeitsrate untergewichtiger Babies sei größer, der
plötzliche Kindstod häufiger.
Die
Gefahr von Mißbildungen an den Genital- und Harnwegsorganen einschließlich der Nieren ist bei Kokainbabies
erhöht.
Neurologische Ausfälle und
Anomalien sind jedoch besonders häufig. Bei einer der zahlreichen Einzelstudien zeigte sich, daß mit einer
entsprechenden vom Arzt und von Eltern angewandten Therapie Verhaltensstörungen und motorische Probleme etwas gemildert werden können.

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Wissenschaft und Technik

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GRUNDSTOFFE FÜR DROGENPRODUKTION KÜNFTIG STRENG KONTROLLIERT

WASHINGTON - (AD) - Mit Inkrafttreten der neuen Durchführungsbestimmungen
zum Chemikalien-Gesetz von 1988 drei Monate nach deren Veröffentlichung Ende
April dürfte die illegale Drogenherstellung erheblich schwieriger werden.
Chemiefirmen sind dann verpflichtet, über Lieferungen Buch zu führen und bestimmte Transaktionen der DEA (U.S. Drug Enforcement Administration - US-Bundesbehörde für Strafverfolgung von Drogendelikten) zu melden.
Die Bestimmungen sollen das Abzweigen legaler chemischer Stoffe für
die Produktion illegaler Drogen verhindern. Sie verpflichten Verteiler,
Importeure und Exporteure von 20 bestimmten Chemikalien dazu, über den
Verkauf bei Überschreiten einer bestimmten Menge Buch zu führen, ihre
Kunden zu nennen, verdächtige oder
ungewöhnliche Aufträge dem Justizministerium zu melden und im voraus
Einfuhren und Exporte anzumelden.
Der Justizminister, der dem DEA untersteht, kann Importe und Exporte
stornieren, wenn er zu der Schluß
kommt, "daß solche Lieferungen zur
heimlichen Herstellung einer der Kontrolle unterliegenden Substanz abgezweigt werden können".
Die Buchführung

über Transaktio-

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nen erleichtert es den Mitarbeitern
der Strafverfolgungsbehörden, den Weg
gewisser Chemikalien zur ursprünglichen Quelle zurückzuverfolgen und
Beweismaterial für Gerichtsverfahren
zu sichern. Drogenhändler verschaffen sich solche Chemikalien von Lieferanten, die möglicherweise die wahren Motive ihrer Kunden nicht kennen
oder ihnen gleichgültig gegenüberstehen. Außerdem gebe es, wie Gene R.
Haislip von der DEA sagte, eine kleine Zahl "wilder Chemiefirmen", die
nur die Aufgaben haben, Chemikalien
an Drogenproduzenten zu verkaufen.
Diese Transaktionen werden auf ganz
ähnliche Weise getarnt - man könnte
auch sagen: 'gewaschen' - wie Gewinne aus dem Rauschgifthandel.
'Bis jetzt gab es in den USA kein

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�Bundesgesetz für Kontrollen über chemische Grundstoffe oder Chemikalien,
die für bestimmte Prozesse wichtig
sind", sagte Robert Angarola, ein Anwalt, der sich auf die Rechtslage im
Zusammenhang mit Lebensmitteln und
Suchtstoffen spezialisiert hat. Zwar
erwägen einige Bundesstaaten entsprechende Gesetze, jedoch hat bisher nur
Kalifornien eine solche Regelung in
Kraft gesetzt.
Die DEA-BeStimmungen gehen laut
Angarola auch weit über das hinaus,
was die USA im Rahmen der Konvention
von Wien der Vereinten Nationen (vom
Dezember 1988) zur Bekämpfung des
Handels mit Suchtstoffen zu unternehmen hätten. Artikel 12 der Konvention verpflichtet jedes Land, alle
Maßnahmen zu ergreifen, "die es für
angemessen hält", um das Abzweigen
von Chemikalien für die illegale Herstellung von Suchtstoffen zu verhindern. Die USA sollten andere Signatarstaaten auch künftig drängen, dieser Verpflichtung nachzukommen. Als
größter Konsument solcher illegalen
Produkte müßten sie konkret demonstrieren, daß sie selbst aktiv sind.
Auf der anderen Seite könnten sich
daraus jedoch Einschränkungen für die
amerikanische
Industrie ergeben
Einschränkungen, die andere Staaten
möglicherweise scheuen würden.

Um die Chemiefirmen nicht mit bürokratischer Arbeit zu überlasten,
setzte die DEA, die für die praktische Durchführung
des Programms
verantwortlich "'-3t, eine Art Schwellenwert fest - d.h. höchstzulässige
Mengen, über die nicht Buch geführt
werden muß. Auch können Firmen weiterhin mit "regulären Kunden" nach
Abgabe nur eines Berichtes Geschäfte
tätigen. Die Vertraulichkeit in bezug auf Geschäftsgeheimnisse und finanzielle Informationen bleibt bei
Anwendung des Gesetzes gewahrt. Um
es voll auszuschöpfen, müsse jedoch
auch der Zoll mitarbeiten, um unvollständig ausgefüllte Dokumente ausfindig zu machen und jene herauszufinden, die sich dem Gesetz entziehen
wollen.
Haislip verlangte außerdem
den Auf- und Ausbau internationaler
Kontrollen in anderen Ländern ähnlich
jenen, die in den USA entwickelt werden.

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