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                    <text>: eo

S

T&gt;

AMERIKA DIENST

28. September 1988

35

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan hält START-Abkommen Innerhalb des nächsten Jahres für möglich
- Rede aes Präsidenten vor den Vereinten Nationen HINTERGRUNDMATERIAL
Frieden, Chancengleichheit und Führungsstärke bestimmen die Debatte
- Artikel zum ersten Fernsehduell Bush-Dukakis -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Organtransplantationen sind Routine geworden
- Lange Wartezeiten für Empfänger Antarktisforschung begann vor 150 Jahren
u

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�^° s ^&lt;

AMERIKA DIENST
Dokumentation

28. September 1988

35

REAGAN HÄLT START-ABKOMMEN INNERHALB DES NÄCHSTEN JAHRES FÜR MÖGLICH
- Rede des Präsidenten vor den Vereinten Nationen VEREINTE NATIONEN - (AD) - Trotz erheblicher Zweifel, ob es zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion innerhalb der nächsten Monate zum Abschluß eines Vertrags über den Abbau strategischer Waffen kommen wird, erklärte Präsident Reagan in seiner Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen am 26. September 1988, es "sei mehr als wahrscheinlich", daß innerhalb
des nächsten Jahres ein solches Abkommen zwischen beiden Seiten erzielt werden
kann.
Reagan verwies ferner auf den Einsatz chemischer Waffen im Krieg zwischen
Iran und Irak und forderte die Signatarstaaten des Genfer Protokolls von 1925
über ein Verbot chemischer Waffen auf, gemeinsam mit anderen Interessenten
"gemeinsame Maßnahmen zur Abwendung der ernstzunehmenden Aushöhlung dieses
Vertrages zu erörtern".
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Rede im Wortlaut:
Herr Präsident, Herr Generalsekretär,
sehr verehrte Delegierte. Auf der
anderen Seite der Erde - und weit
entfernt von diesem Ort des Friedens
- haben zum ersten Mal in der jüngsten Zeit Kämpfe, Mord und Blutvergießen in zwei gnadenlosen Konflikten
nahezu ein Ende.
Nachdem wir zunächst der Liste von Schreckenstaten
neue Namen hinzufügen konnten - Namen
wie Halabja, Maidan Schar und Spin
Buldak - besteht heute im Persischen
Golf und in Afghanistan Hoffnung auf
Frieden.
Über Frieden wird auch in den
Hochebenen und Küstenstädten des südlichen Afrika - Stätten des Bürgerkrieges und der Besetzung durch ausländische
Truppen
gesprochen:
Frieden für das geplagte Angola.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

6 500 Meilen weiter östlich besteht
jetzt in dem südostasiatischen Land
Kambodscha Hoffnung auf eine Einigung, Hoffnung auf den Abzug der
vietnamesischen
Besatzungstruppen.
Und schließlich leben auf unserem
Kontinent heute etwa 90 Prozent der
Völker Lateinamerikas in einer demokratischen Regierungsform - vor nur
zwölf Jahren waren es lediglich ein
Drittel. Insbesondere in Mittelamerika haben jetzt Länder wie El Salvador, die einstmals durch Todesschwadrone und das Gespenst totalitärer
Herrschaft von Anarchie bedroht waren, Hoffnung auf Selbstbestimmung
und Aussichten auf wirtschaftliches
Wachstum.
Und es gibt noch eine weitere
Veränderung, Herr Generalsekretär -

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�eine Veränderung steht bevor, die,
wenn sie sich fortsetzt, als eine der
bemerkenswertesten Leistungen der Geschichte gelten wird und uns verwundert den Kopf schütteln läßt - eine
Veränderung, die an die Wurzel der
Spannungen
in
der
Nachkriegszeit
rührt und den einstmals scheinbar unerfüllbaren Traum vom Ende der beiden
eng verknüpften Bedrohungen unserer
Zeit aufgreift - Totalitarismus und
einen thermonuklearen Weltkrieg.
Zum ersten Mal bestehen bei den
Unterschieden zwischen Ost und West grundlegenden
Unterschieden
über
wichtige moralische Fragen zum Wert
des Einzelnen und dem Problem, ob Regierungen die Menschen kontrollieren
sollten oder umgekehrt - Anzeichen
für eine Annäherung und zwar bis zu
einem Punkt, an dem nicht nur wie etwa in Afghanistan ein Abzug von Truppen stattfindet, sondern vielmehr im
Ostblock Gespräche über Reformen und
größere Presse- , Versammlungs- und
Religionsfreiheit
geführt
werden.
Dennoch bestehen weitere grundlegende
Unterschiede. Aber wenn die Gespräche über Reformen darüber hinausgehen
und zur Realität werden, besteht die
Aussicht, daß nicht nur ein neues
Zeitalter in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen, sondern ein neues Jahrhundert des Friedens in der
Welt anbricht. Denn solche Reformen
können Frieden hervorbringen; die Geschichte lehrt uns - und mein Land
hat immer daran geglaubt -, daß die
Achtung der Rechte des Einzelnen und
des Volkes den Krieg in weite Ferne
rücken läßt, denn es sind nicht Menschen, die Krieg führen, sondern lediglich Regierungen.
Ich stehe also in einem Augenblick der Hoffnung an diesem Pult Hoffnung nicht nur für die Menschen
in den Vereinigten Staaten oder der
Sowjetunion, sondern für alle Völker
der Welt. Und Hoffnung auch für den
Traum vom Frieden unter den Völkern,
den Traum, der zur Gründung der Vereinten Nationen führte.
Aufgrund

eben dieser Veränderun-

gen haben die Vereinten Nationen heute eine Lebensfähigkeit und Arbeitsmöglichkeiten wie nie zuvor.
Herr
Generalsekretär, Sie haben bereits
durch Ihre Beharrlichkeit, Geduld und
ihre unerschütterliche Willenskraft
bei der Arbeit am Frieden in Afghanistan und im Persischen Golf bewiesen,
welcher Wert den Vereinten Nationen
zukommen kann. Und wir würdigen Ihre
Leistungen.
Genau in diesem Augenblick finden
in
Genf
zahlreiche
Verhandlungen
statt:
multilaterale Verhandlungen
bei der Abrüstungskonferenz sowie bilaterale Verhandlungen zu einer Reihe
von Problembereichen
zwischen der
Sowjetunion und den Vereinigten Staaten.
Und diese Verhandlungen, von
denen einige unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen stehen,
beinhalten ein umfangreiches Programm
im Bereich der Rüstungskontrolle bei den strategischen Offensivwaffen,
der strategischen Verteidigung im
Weltraum, Atomtests und der Kriegführung mit chemischen Waffen, deren
Dringlichkeit uns erst vor einigen
Tagen wieder bezeugt wurde.
Herr Generalsekretär, die Verhandlungen sind in vollem Gange und
waren in den vergangenen Jahren weit
mehr als nur eine akademische Fingerübung. Bewegung findet statt. Der
tote Punkt ist überwunden.
Erst
kürzlich wurde mit der Unterzeichnung
des INF-Vertrages zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjtunion
eine ganze Kategorie amerikanischer
und sowjetischer Nuklearwaffen abgeschafft. Weitere Fortschritte werden
bei Verhandlungen
zur Reduzierung
einer großen Zahl strategischer Waffen bei wirkungsvoller Verifizierbarkeit erzielt. Und in Kürze werden
Gespräche über einen Abbau konventioneller Streitkräfte in Europa aufgenommen.
Viele der Gründe für all dies
liegen meiner Ansicht nach in Genf
selbst - in dem kleinen Schloß am
See, in dem ich zum ersten meiner Kamingespräche mit dem Generalsekretär

- 2 -

�der Sowjetunion zusammentraf und wo
der Austausch von Offenheit, aber
auch Wohlwollen gekennzeichnet war.
Ich habe beim ersten Genfer Gipfeltreffen erklärt, daß dies eine einzigartige Zusammenkunft zweier Menschen war, die genug Macht besitzen,
um den Dritten Weltkrieg oder ein
neues Zeitalter des Friedens unter
den Völkern zu beginnen. Und ich habe ebenfalls darauf verwiesen, daß
Friedenskonferenzen,
Riistungskontrollverhandlungen und Vorschläge für
Verträge nur sinnvoll sein können,
wenn sie Teil eines umfassenderen
Kontextes sind - ein Kontext, in dem
die tiefer zugrundeliegenden Unterschiede zwischen uns erforscht und
gelöst werden. Ich habe damals Herrn
Gorbatschow wie jetzt auch Ihnen hier
erklärt:
Nationen hegen kein Mißtrauen gegeneinander, weil sie bewaffnet sind, sondern sie sind bewaffnet, weil sie einander mißtrauen.
An diesem Ort, an diesem friedlichen See in der neutralen Schweiz,
sind Herr Gorbatschow und ich eine
neue Beziehung eingegangen, die sich
nicht allein auf das Engagement zu
dem Einzelproblem der Rüstungskontrolle gründete, sondern auf ein umfangreicheres Programm über unsere
grundlegenden Unterschiede; ein Programm üter Menschenrechte, regionale
Konflikte und den Austausch zwischen
unseren Völkern. Sogar bei der Rüstungskontrolle selbst haben wir beschlossen, über die Vergangenheit
hinauszugehen und nicht nur nach Verträgen zu streben, die uns den Bau
von Waffen auf höherem Niveau erlauben, sondern nach revolutionären Abkommen, mit denen eine ganze Kategorie von Nuklearwaffen tatsächlich reduziert und sogar beseitigt werden
würde.
Was an diesem Morgen in Genf begonnen wurde, hat Früchte getragen:
den INF-Vertrag, meinen jüngsten Besuch in Moskau, meine Chance, mit
sowjetischen Bürgern und Dissidenten
zu Gesprächen über Menschenrechte zusammenzutreffen. Und ich konnte auf
dem Lenin-Hügel in Moskau zu den jun-

gen Menschen in der Sowjetunion über
das Wunder und die Qualität der Freiheit des Menschen sprechen. Die Ergebnisse dieses Morget.s. in Genf zeigen sich in den Friedenskonferenzen,
die jetzt auf der ganzen Welt zu regionalen Konflikten stattfinden und
auch in der Arbeit der Vereinten Nationen hier in New York und in Genf.
Herr Generalsekretär, die Geschichte mahnt dennoch zur Vorsicht:
tatsächlich ist das Gebäude in Genf,
in dem wichtige Verhandlungen stattgefunden haben - beispielsweise das
Genfer Afghanistan-Abkommen, die Verhandlungen zwischen Iran und Irak steinernes Zeugnis eines unerfüllten
Traums vom Frieden in einem anderen
Zeitalter.
Der Palais des Nations
war der Sitz des Völkerbundes - einer
Institution, die das Ende des Krieges
überhaupt symbolisieren sollte. Und
dennoch fanden diese Institution und
ihre edlen Ziele mit dem Zweiten
Weltkrieg ihr Ende, weil die Länder
der Welt in den dreißiger Jahren
nicht die Chance für den Frieden genutzt und die Menschheit nicht den
Mut gefunden hat, die Aggressoren zu
isolieren und Regierungsformen zu
verwerfen, die dem Staat und nicht
den Menschen dienen.
Herr Generalsekretär, wir haben
uns heute mit der Entschlossenheit
hier eingefunden, daß den Vereinten
Nationen ein solches Schicksal erspart bleiben soll. Wir wollen, daß
den Vereinten Nationen Erfolg beschieden ist und sie der Sache des
Friedens für die Menschheit dienen.
Herr Generalsekretär, wir sind
uns aber auch in dieser Zeit der
Hoffnung der Tatsache bewußt, daß die
Möglichkeit des Scheiterns real vorhanden ist. Dieses Wissen entmutigt
uns jedoch nicht. Es beflügelt uns
vielmehr. Denn der Einsatz ist hoch:
Werden wir jetzt schwanken und versagen und den gerechten Zorn künftiger
Generationen über uns heraufbeschwören? Oder setzen wir die Arbeit der
Gründer dieser Institution fort und
sorgen dafür, daß letzten Endes die

- 3 -

�Freiheit
geachtet
wird
und
die
Menschheit keine Kriege mehr kennt?
Und daß dieser Ort, dieser Boden hier
wahrhaftig
"der
Welt
letztes
Schlachtfeld" sein wird.
Wir sind entschlossen, dies zu
erreichen.
Deshalb wenden wir uns
nun dem Programm des Friedens zu.
Lassen Sie uns zunächst ein Anliegen
ansprechen, daß mich während meines
Treffens mit Herrn Gorbatschow im
Kreml wie auch die sowjetischen Bürger, denen ich in Moskau begegnet
bin, beschäftigt hat. Wie ich weiß,
ist dies auch ein Problem mit unmittelbarer Bedeutung für die Delegierten dieser Versammlung, die diesen
Herbst den 40. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte
begehen.
Jene Erklärung drückt ganz klar
das aus, was diejenigen, die nach
Frieden streben, nur unter äußerster
Gefahr vergessen können, nämlich, daß
der Frieden auf einer Grundlage beruht: der Beachtung "der unveräußerlichen Rechte aller Mitglieder der
menschlichen
Familie".
In
einem
Jahrhundert, in dem totalitäre Regierungen die Menschenrechte verweigert
haben, wie nie zuvor in der Geschichte - wobei so viele Millionen Menschen aufgrund staatlicher Politik
willkürlich dem Hungertod preisgegeben oder vernichtet wurden -, einer
Geschichte aus Blut, Dummheit und
Stacheldraht, wie einmal gesagt wurde, da kann sich kaum jemand wundern,
daß sich der Frieden als so schwer
erreichbar erwiesen hat.
Wir sollten folgendes verstehen:
wenn wir Frieden möchten, dann müssen
wir die Grundrechte unserer Mitmenschen anerkennen. In unserem eigenen
Land und in anderen Ländern. Wenn
wir den Frieden wollen, dann darf der
menschliche Geist nicht länger mit
Füßen getreten werden. Menschenrechte gelten nicht nur für einige und
für eine befristete Zeit. Die Menschenrechte gelten, wie in der von
dieser Versammlung im Jahr 1948 verabschiedeten
Allgemeinen
Erklärung

proklamiert, "für alle Menschen und
alle Staaten". Und für alle Zeit.
Diese Beachtung der Menschenrechte als Grundlage des Friedens bildet
den Kern der Vereinten Nationen. Die
Verhungernden in Äthiopien, die Kurden, die dem Tod preisgegeben sind,
diejenigen, die mit rassischer Ungerechtigkeit in Südafrika konfrontiert
sind, diejenigen, die in der Sowjetunion immer noch nicht frei schreiben
oder sprechen können, diejenigen in
der Ukraine, die ihre Religion nicht
ausüben können und diejenigen, die
auf Booten im Südchinesischen Meer um
ihr Leben und ihre Freiheit kämpfen,
diejenigen in Managua, die nicht frei
publizieren oder sich versammeln können - all dies ist mehr als nur ein
Tagesordnungspunkt auf ihrem Terminkalender. Es muß ein vordringliches
Anliegen sein; ein Problem, das den
anderen übergeordnet
ist.
Denn,
wenn die Menschenrechte nicht bei den
Vereinten Nationen an erster Stelle
stehen - wenn die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte nicht in diesen Hallen und Konferenzzimmern respektiert wird -, dann steht die
Glaubwürdigkeit dieser Organisation
auf dem Spiel, ist der Zweck ihrer
Existenz in Frage gestellt.
Aus diesem Grund werden die Vereinten Nationen stärker, wenn Fortschritte im Bereich der Menschenrechte erzielt werden, und die Vereinigten Staaten sind darüber sehr erfreut. Nach zweijährigen Bemühungen
unter der Führung der Vereinigten
Staaten hat die UNO-Menschenrechtskommission zum Beispiel einen wichtigen Schritt zur Beendigung von Doppelmoral und Zynismus unternommen,
die sie so lange geprägt hatten.
Jahrelang war Kuba, ein eklatanter
Verletzer der Menschenrechte seiner
Bürger, der Mißbilligung oder auch
nur Überprüfung durch die Vereinten
Nationen entgangen. In diesem Jahr
hat Kuba auf den von der Menschenrechtskommission ausgeübten Druck reagiert, indem es eine Untersuchung
seiner Menschenrechtsverletzungen akzeptierte.
Fidel Castro hat schon

�begonnen, einige politische Gefangene
freizulassen, die Bedingungen in den
Gefängnissen zu verbessern und die
Existenz einer kleinen, unabhängigen
nationalen
Menschenrechtsgruppe
zu
tolerieren.
Es muß noch mehr getan werden;
die Vereinten Nationen müssen beim
Streben nach Veränderungen schonungslos und unnachgiebig sein. In Kuba
und andernorts. Und wir müssen uns
ebenso darum bemühen, daß die Allgemeine Erklärung nicht durch einzelne
Vorgänge entwertet wird, wie etwa die
Resolution "Zionismus ist Rassismus".
Die Beachtung der Menschenrechte ist
die erste und fundamentale Mission
dieses Gremiums, die grundlegendste
Verpflichtung seiner Mitglieder. Wohin man sich in der heutigen Welt
auch wendet, gibt es ein neues Bewußtsein, eine wachsende Leidenschaft
für die Menschenrechte - die Menschen
der Welt werden sich immer einiger;
neue Gruppen, neue Koalitionen bilden
sich; Koalitionen, die die Regierung
beobachten, die sich gegen Diskriminierung wehren, die gegen religiöse
oder politische Unterdrückung kämpfen, gegen unrechtmäßige Inhaftierung, Folter oder Exekution. Mit den
Worten derjenigen, mit denen ich im
vergangenen Juni im Spaso-Haus gesprochen habe: solche Bewegungen machen einen Unterschied.
Wenn wir uns nun den regionalen
Konflikten zuwenden, so spüren wir
wiederum Auftrieb für Hoffnungen. Im
Golf-Krieg zwischen Iran und Irak einem der blutigsten Konflikte seit
dem Zweiten Weltkrieg - gibt es einen
Waffenstillstand.
Die Entschlossenheit und Festigkeit der verbündeten
Nationen, den Persischen Golf für die
internationale Schiffahrt offen zu
halten, hat nicht nur die Herrschaft
des Gesetzes gewahrt, sondern auch
zur Verhinderung der weiteren Ausbreitung des Konflikt beigetragen und
die Grundlage des Friedens geschaffen.
Die entschlossene Resolution
des Sicherheitsrats vom Juli vergangenen Jahres ist zum Plan für einen
friedlichen Golf geworden. Laßt die-

sen Krieg - einen Krieg, in dem es
weder Sieger noch Besiegte, sondern
nur Opfer gab - laßt dieser. Krieg
jetzt zu Ende gehen. Sowohl der Iran
als auch der Irak sollte mit dem Generalsekretär und dem Sicherheitsrat
bei der Anwendung der Resolution 598
zusammenarbeiten.
Laßt den Frieden
einziehen.
Wenden wir uns einer zweiten Region zu. Als ich Jahr 1983 zum ersten Mal vor der Vollversammlung der
Vereinten Nationen sprach, konzentrierte sich die Aufmerksamkeit der
Weltöffentlichkeit auf die brutale
Invasion und illegale Besetzung Afghanistans.
Nach fast neun langen
Kriegsjahren haben sich der Mut und
die Entschlossenheit des afghanischen
Volkes und der afghanischen Freiheitskämpfer durchgesetzt - und heute
ist ein Ende der Besetzung in Sicht.
Am 14. April unterzeichnete die UdSSR
die Genfer Vereinbarungen, die unter
Schirmherrschaft der Vereinten Nationen von Pakistan und dem Kabuler Regime ausgehandelt wurden. Wir ermutigen die Sowjetunion, ihren Truppenabzug zum frühestmöglichen Zeitpunkt
abzuschließen,

damit

das

afghanische

Volk ohne weitere Einmischung von
außen frei über seine Zukunft entscheiden kann.
Auch im südlichen Afrika beginnen
Jahre geduldiger Diplomatie und Unterstützung derjenigen in Angola, die
nach Selbstbestimmung streben, sich
auszuzahlen. Wir sehen einem Abkommen zwischen den Regierungen Angolas,
Kubas und Südafrikas mit Zuversicht
entgegen, das einen vollständigen Abzug aller ausländischen Truppen - vor
allem der Kubaner - aus Angola vorsieht.
Ebenso zuversichtlich sind
wir im Hinblick auf die vollständige
Anwendung der UNO—Sicherheitsratsresolution 435 und unser seit langem
bestehendes Ziel der Unabhängigkeit
von Namibia.
Wir werden weiterhin
den wachsenden Konsens unter den führenden afrikanischen Politikern fördern, die ebenfalls der Meinung sind,
daß ein Ende des Konflikts in der Region unmöglich ist, solange es keine

- 5 -

�nationale Aussöhnung in Angola gibt.
Herr Generalsekretär, es bestehen
neue Hoffnungen in Kambodscha, einer
Nation, für deren Freiheit und Unabhängigkeit wir ebenso leidenschaftlich eintreten wie wir dies für die
Freiheit und Unabhängigkeit Afghanistans taten. Wir fordern den zügigen
Abzug aller vietnamesischen Truppen
und eine Lösung, die die Rückkehr der
Roten Khmer an die Macht verhindert
und stattdessen die Errichtung einer
wirklich
repräsentativen
Regierung
erlaubt
einer
Regierung,
die
schließlich die Rechte der Bürger
Kambodschas vollständig respektieren
und dem unsäglichen Leid, das sie so
mutig und unnötigerweise ertragen haben, ein Ende bereiten wird.
In anderen wichtigen Bereichen
begrüßen wir die Bemühungen des Generalsekretärs, ein Referendum über die
West-Sahara zu entwerfen.
Und im
Mittelmeerraum finden direkte Gespräche zwischen griechischen und türkischen Zyprioten statt, die große Aussichten auf ein Abkommen in diesem
geteilten
Inselstaat
bieten.
Schließlich
hoffen
wir auf eine
friedliche Lösung des arabisch-israelischen Konflikts. Und auch die unnatürliche
Teilung Europas bleibt
weiterhin ein bedeutendes Hindernis
für die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen.
In der Mehrzahl dieser Bereiche
können wir also erfreulicherweise
Fortschritte beobachten.
Noch vor
wenigen Jahren, Herr Generalsekretär,
gerieten diese und andere Konflikte
in gefährlichem Maße außer Kontrolle.
In der Tat schien die Invasion Afghanistans und die offensichtlich fehlende Willenskraft der demokratischen
und friedliebenden Nationen zur Abschreckung solcher Vorfälle eine Atmosphäre zu schaffen, in der die Aggression großer und wie auch kleiner
Nationen zu einer Epidemie wurde eine Atmosphäre, wie sie die Welt
seit den dreißiger Jahren nicht mehr
erlebt hatte. Nur wurde dieses Mal
ein größerer Krieg verhindert, weil

die freien und friedlichen Nationen
der Welt ihre Willenskraft und Entschlossenheit
wiedergewannen.
Und
die Vereinten Nationen leisten heute
wertvollen Beistand bei der Bekämpfung dieser Epidemie.
Und da wir diesen Zustand aufrechterhalten wollen, käme es einer
Vernachlässigung
meiner
Pflicht
gleich, wenn die eine Ausnahme unter
den regionalen Konflikten unerwähnt
bliebe, bei der keine Fortschritte zu
verzeichnen waren. Ich beziehe mich
auf die kontinuierliche Verschlechterung der Menschrechtssituation in Nicaragua und die Weigerung der verschwindend kleinen Elite, die heute
dieses Land regiert, das Versprechen
der Demokratisierung zu erfüllen, das
sie ihrem eigenen Volk und der internationalen Völkergemeinschaft gegenüber abgelegt haben.
Wiewohl sie
sich selbst als revolutionär bezeichnet, sucht diese Elite keine echte
Revolution; diesen Ausdruck zu verwenden ist eine Täuschung zur Verschleierung des Lasters, das zu den
ältesten und korruptesten der Menschheit gehört - des uralten Willens des
Menschen nach Macht, seine Lust, das
Leben anderer zu kontrollieren und
ihnen die Freiheit zu stehlen.
Aus diesem Grund werde ich als
Präsident weiterhin den Kongreß und
die
amerikanische
Öffentlichkeit
drängen, sich hinter diejenigen zu
stellen, die diesem Versuch widerstehen, dem Volk von Nicaragua ein totalitäres Regime aufzuzwingen; die Vereinigten Staaten werden nach wie vor
denjenigen Beistand gewähren, die von
der Aggression dieses Regimes gegen
seine Nachbarn in Mittelamerika bedroht sind.
Ebenso appelliere ich heute an
die Sowjetunion, in Mittelamerika
denselben konstruktiven Realismus an
den Tag zu legen, wie sie ihn in anderen regionalen Konflikten unter Beweis gestellt hat. Ihren Teil zur
Beendigung des Konflikts in Mittelamerika beizutragen, indem der Strom
von Waffen und Munition in Milliar-

�denhöhe an das sandinistische Regime
unterbrochen wird, ein Regime, dessen
Ziel der regionalen Beherrschung wenn auch letztlich zum Scheitern
verurteilt - weiterhin großes Leiden
für das Volk in diesem Gebiet verursachen kann und ein Risiko für die
sowjetisch-amerikanischen Beziehungen
birgt.
Wenn nicht jetzt Maßnahmen
ergriffen werden.
Zum Thema Rüstungskontrolle habe
ich bereits die Bedeutung des INFVertrages und die bei den START-Verhandlungen erzielten Fortschritte erwähnt. Der START-Vertragsentwurf ist
ein umfangreiches Dokument, in dem
zahlreiche Formulierungen zur Kennzeichnung solcher Abschnitte noch in
Klammern stehen, bei denen die Meinungsverschiedenheiten zwischen den
beiden Vertragsparteien noch nicht
ausgeräumt sind. Aber im Verlauf der
Somtnersitzungen in Genf konnte eine
Vielzahl dieser Formulierungen in
endgültiger Version vorgelegt werden
und es besteht aller Grund zu der Annahme, daß dieser Prozeß fortgesetzt
werden kann. An die Adresse der hier
Anwesenden gerichtet kann ich sagen,
daß es höchst unwahrscheinlich ist,
einen solchen Vertrag in wenigen Monaten fertigzustellen - ich kann Ihnen aber versichern, daß der Zeitraum
eines Jahres von heute an gerechnet
wahrscheinlich, sogar mehr als wahrscheinlich ist. Wir haben uns jedoch
keine Frist gesetzt. Kein Abkommen
ist besser als ein schlechtes Abkommen.
Die Vereinigten Staaten sind
weiterhin optimistisch und erkennen
die von der Sowjetunion bei diesen
Verhandlungen bewiesene Kooperation
an. Wir erwarten, daß diese Einstellung auch bei unserer Besorgnis über
die Einhaltung der bestehenden Abkommen zum Tragen kommt.
Unsere Gespräche über Atomtests,
Verteidigung und den Weltraum waren
ebenfalls sehr nützlich. Ich möchte
hier vor der Vollversammlung jedoch
betonen, daß ein Großteil der bei den
Rüstungskontrollverhandlungen erzielten Fortschritte dem technologischen
Fortschritt selbst zu verdanken sind,

insbesondere im Hinblick auf das Potential für weltraumgestützte Defensivsysteme. Ich bin der Überzeugung,
daß die Entschlossenheit der Vereinigten Staaten, solche Defensivsyteme
- Systeme die der Vernichtung von Raketen und nicht von Menschen dienen zu erforschen, zu entwickeln und
wenn es soweit ist - zu stationieren,
in hohem Maße für die in den vergangenen Jahren in Genf erzielten Fortschritte verantwortlich ist. Im Falle eines versehentlichen Raketenabschusses oder der Tat eines Wahnsinnigen irgendwo auf der Welt werden
die Weltmächte mit solchen Systemen
zum ersten Mal nicht mit der alleinigen Option massiver Vergeltung konfrontiert sein, sondern stattdessen
die Möglichkeit zu einer weiseren
Entscheidung haben - sich gegen einen
Angriff zu schützen, anstatt ihn zu
rächen. In dem Maße, in dem Defensivsysteme an Wirksamkeit zunehmen,
verringern sie also die Bedrohung und
den Wert immer größerer Ofxensivarsenale. Noch vor kurzem habe ich aus
Informationsgesprächen im Oval Office
den Eindruck gewonnen, daß Fortschritte in Richtung auf solche Systeme noch rascher erzielt werden und
weniger kostenintensiv sein könnten,
als wir zunächst angenommen haben.
Heute
bekräftigen die Vereinigten
Staaten ihre Verpflichtung zur Strategischen Verteidigungsinitiative und
unserem Angebot, den Nutzen strategischer Verteidigung mit anderen zu
teilen.
Und selbst während diplomatische
und technologische Fortschritte zu
Hoffnungen Anlaß geben, den schrecklichen Alptraum nuklearen Terrors, in
dem wir während der Nachkriegszeit
gelebt haben, aus der Welt zu schaffen - selbst in diesem Augenblick
breitet sich ein anderes bedrohliches
Gespenst des Schreckens auf der Welt
aus. Ein Grauen, von dem wir annahmen, es läge ninter uns, ein Grauen,
das nun aus der lange begrabenen Vergangenheit
bedrohlich
näherrückt:
aus der gespenstischen, traumatischen
Erfahrung der Schützengräben und den
gequälten, fahlen Gesichtern von Mil-

- 7-

�lionen Toten in einem der unmenschlichsten Konflikte aller Zeiten.
Giftgas. Chemische Waffen. Herr
Generalsekretär, verehrte Delegierte
- diese Schrecken.
Dieses Grauen.
Wir verurteilen sie.
Der Einsatz
chemischer Waffen im iranisch-irakischen Krieg bringt - über den tragischen menschlichen Tribut hinaus die Schranken von Moral und Gesetz
ins Wanken, die diese Waffen seit dem
Ersten Weltkrieg unter Kontrolle gehalten haben. Diese Tragödie muß zu
einer erneuten Bekräftigung des Genfer Protokolls führen, das den Einsatz chemischer Waffen für ungesetzlich erklärt. Ich fordere die Unterzeichnerstaaten
dieses
Protokolls
ebenso wie die anderen betroffenen
Staaten zur Einberufung einer Konferenz auf, um gemeinsam zu ergreifende
Maßnahmen zur Abwendung der ernstzunehmenden Aushöhlung dieses Vertrages
zu erörtern. Und wir drängen alle
Nationen zur Zusammenarbeit bei der
Verhandlung
eines
verifizierbaren,
wirklich weltweiten Verbots chemischer Waffen bei der Abrüstungskonferenz in Genf.
Es obliegt allen zivilisierten
Nationen, Kriegführung unter Einsatz
von chemischen Waffen und Giftgasen
ein für allemal - auf einer verifizierbaren Basis und weltweit - zu
verbieten.
Darüber hinaus müssen wir, Herr
Generalsekretär,
unsere
Bemühungen
verdoppeln, der Weiterverbreitung von
Nuklearwaffen auf der Welt Einhalt zu
gebieten. Auch andere hochentwickelte Waffen wie die ballistischen Raketen sind nahezu weltweit verbreitet
und verschärfen somit regionale Rivalitäten in einer Art und Weise, die
weltweite Auswirkungen haben kann.
Die
Anzahl
potentieller
Anbieter
nimmt in alarmierendem Maße zu und es
muß mehr getan werden, um die Verbreitung dieser Waffen zu stoppen.
Dies war ein Thema bei den in der
vergangenen Woche zwischen den Außenministern Shuitz und Schewardnadse
geführten Gesprächen.
Gespräche zu

diesem Thema werden heute zwischen
amerikanischen und sowjetischen Experten aufgenommen. Und wir setzen
unsere Hoffnung auf multilaterale Bestrebungen, damit Krisenherde wie der
Nahe Osten nicht noch tödlichere
Schlachtfelder werden, als sie bereits sind.
Aber in der Mehrzahl dieser Bereiche können wir nicht nur Fortschritte sondern auch das Potential
für die immer maßgeblichere Rolle
multilateraler Bestrebungen und Institutionen wie der Vereinten Nationen beobachten.
Aus diesem Grund
müssen die Vereinten Nationen ihre
Effektivität mehr denn je durch Haushalts- und Programmreformen verbessern. Die Vereinten Nationen nehmen
bereits einschneidende Kürzungen vor,
die Personalabbau, Konsens bei der
Budgeterstellung und die Formulierung
der
Programmprioritäten
betreffen.
Diese Maßnahmen sind von vorrangiger
Bedeutung. Dank der Fortschritte bei
den Reformen konnte ich Mittel freigeben, die Restriktionen des Kongresses unterlagen. Ich gehe davon aus,
daß die Reformprogramme fortgeführt
und weitere Mittel im kommenden Haushaltsjahr freigegeben werden.
Und lassen Sie mich an dieser
Stelle hinzufügen:
wir beglückwünschen die Vereinten Nationen zu der
Arbeit, die sie auf drei besonders
wichtigen Gebieten geleistet hat.
Erstens muß unser Kampf gegen die
Geißel des Terrorismus und staatlich
geförderten Terrorismus unvermindert
anhalten. Ebenso müssen wir Geiselnahmen ein Ende bereiten. Zweitens
ist die Arbeit der Weltgesundheitsorganisation bei der Koordinierung und
der Förderung von Forschungsvorhaben
zur Bekämpfung von AIDS lebenswichtig. Die internationalen Bestrebungen auf diesem Gebiet müssen verstärkt werden. Die AIDS-Problematik
ist bedrohlich - wir müssen ihr gemeinsam begegnen.
Das gleiche trifft auf das Drogenproblem zu.
Ein neues Abkommen
zur Bekämpfung des Drogenhandels ist

�in greifbare Nähe gerückt.
Dieser
wichtige Vertrag wird im Dezember
fertiggestellt sein und ich bin zuversichtlich, daß andere maßgebliche
Programme der Vereinten Nationen zur
Drogenkontrolle folgen werden.
Das
amerikanische Volk ist äußerst besorgt und zutiefst verärgert. Drogenhandel werden wir nicht tolerieren. Wir sind entschlossen, dagegen
zu Felde zu ziehen - und wir glauben,
daß dies ein Krieg ist, den die Vereinten Nationen unterstützen und an
dem sie sich beteiligen können.
Die Vereinten
Nationen stehen
besser da als noch vor acht Jahren dies gilt ebenso für die Welt. Doch
die wirkliche Reformproblematik in
den Vereinten Nationen ist nicht lediglich auf finanzielle oder verwaltungstechnische
Verbesserungen
begrenzt, sondern umfaßt auch eine höhere Ebene von Reformen intellektueller und philosophischer Natur, die
Reform althergebrachter Anschauungen
über die Beziehungen zwischen dem
Einzelnen und dem Staat.
Nur wenige Entwicklungen waren
beispielsweise für die Vereinigten
Staaten ermutigender als jene Sondersitzung, die dieses Organ vor zweieinhalb Jahren über Afrika abgehalten
hat.
Bei dieser Sitzung sprachen
sich die Vereinten Nationen mit einer
Stimme für freie Marktanreize und den
Abbau staatlicher Kontrollen zur Förderung wirtschaftlicher Entwicklungen
aus.
Bei einer der ersten internationalen Versammlungen unter meiner Präsidentschaft erklärte ich im mexikanischen Cancun, die Geschichte beweise stets erneut, daß Wirtschaftswachstum und menschlicher Fortschritt
den größten Auftrieb in Ländern erhalten, die wirtschaftliche Freiheit
fördern. Jene Landwirte, Arbeitnehmer, Eigentümer, Händler und Geschäftsführer sind das Kernstück der
Entwicklung.
Vertraut ihnen.
Denn
wo immer sie etwas schaffen und erbauen dürfen, wo ihnen eine persönliche Beteiligung
an Entscheidungen

über Wirtschaftspolitik und an den
Früchten
ihrer
Arbeit
eingeräumt
wird, werden Gesellschaften dynamischer, erfolgreicher, fortschrittlicher und freier. Wir glauben an die
Freiheit. Wir wissen, daß sie funktioniert.
Und dies, Herr Generalsekretär
und sehr geehrte Delegierte, ist die
unwiderrufliche
Lektion der Nachkriegszeit:
die Freiheit funktioniert. Ich möchte sogar noch weitergehen:
Freiheit und Frieden gehen
Hand in Hand. Jedes Jahr findet diese Lektion weitere Verbreitung auf
der Welt, von der Volksrepublik China
bis zum Kamerun, von Bolivien bis
Botswana, und sogar in der Hochburg
des Marxismus-Leninismus. Nein, mein
Land hat dieses Zusammenwirken von
Frieden und Freiheit nicht erfunden,
aber - seien Sie versichtert - wir
werden dem freien Export unserer in
über zwei Jahrhunderten gesammelten
Erfahrung damit keine Beschränkungen
auferlegen. Freie Menschen, die von
den Segnungen wirtschaftlicher Chancen profitieren und die von Gesetzen
geschützt sind, die die Würde des
Einzelnen wahren, werden nicht in den
Krieg oder die Herrschaft über andere
getrieben. Darin liegt der Weg zum
Weltfrieden,
Und wir Amerikaner verfechten die
Freiheit nicht nur, weil sie praktisch und nutzbringend ist, sondern
auch weil sie gerecht und moralisch
richtig ist. Und ich hoffe, daß Sie,
Herr Generalsekretär, mir an dieser
Stelle erlauben darauf hinzuweisen,
daß ich vor dieser Versammlung häufiger als jeder meiner Vorgänger gesprochen habe, und daß dies zugleich
auch das letzte Mal sein wird. Ich
hoffe, Sie gestatten mir einige abschließende Bemerkungen.
Die Welt ist heute Zeuge einer
anderen Feier internationaler Zusammenarbeit. Bei den Olympischen Spielen beobachten wir, wie Nationen gemeinsam in den sportlichen Wettkampf
eintreten, und erleben junge Menschen, die so herzlich wenig von den

- 9 -

�Ressentiments ihrer Väter wissen, wir
sehen Sie als eine Gemeinschaft zusammenkommen.
Eine unserer jüngeren - aus bescheidenen Verhältnissen stammenden Athletinnen sagte, sie schöpfe die
Kraft für ihre Leistungen aus einer
anderen Quelle des Reichtums. Über
die Liebe, die ihr gegeben, und die
Werte, die ihr vermittelt wurden, erklärte sie: "Als Familie waren wir
reich."
Herr Generalsekretär, ich wage zu
hoffen, daß wir in den Empfindungen
dieser jungen Athletin ein Zeichen
des Wiedererwachens althergebrachter
und erprobter Werte - wie beispielsweise der Familie - erblicken werden.
Dies ist die erste und wichtigste
Einheit der Gesellschaft, in der alle
Werte und alles Lernen beginnt, eine
Institution, die bewahrt und geschützt werden muß. Das gilt auch
für Werte wie Arbeit, Gemeinschaft,
Freiheit und Glauben.
Denn genau
hier finden wir die logische Grundlage für die Sache der Menschenrechte
und des Weltfriedens.
Und unsere eigene - amerikanische
- Erfahrung auf diesem Kontinent konfrontierte uns bei all ihrer Kürze
ganz unverkennbar mit dem Beharren
auf der Bewahrung einer heiligen
Wahrheit.
Es handelt sich um die
Wahrheit, die unser erster Präsident
- unser Gründervater - erstmals in
seiner Abschiedsrede an das amerikanische Volk weitergab. Es ist eine
Wahrheit, die ich mit Ihrer Erlaubnis
nun in meinen Abschiedsbemerkungen
zitieren möchte.
Es handelt sich um eine Wahrheit,
die in unserer Unabhängigkeitserklärung verankert ist: daß die Sache
der unveräußerlichen Rechte, der Gedanke der Menschenwürde, der Stellung
&lt;1es Gewissens über den Zwang nur im
Zusammenhang mit einem höheren Recht
vertreten werden kann. Nur im Zusammenhang mit dem, was einer der Gründer dieser Organisation, Generalsekretär Dag Hammarskjold, die "Hingabe

an etwas, das größer und höher ist
als wir selbst" genannt hat.
Dies ist ein endloser Kreislauf,
die letzte Wahrheit, zu der die
Menschheit anscheinend immer wieder
zurückkehrt. Daß Religion und Moral
und der Glaube an ein höheres Wesen
die
Voraussetzungen
für
Freiheit
sind. Und daß Gerechtigkeit und innerer Frieden der erste Schritt zu
Gerechtigkeit und Frieden auf der
Welt und für alle Zeiten ist.
Dies ist der Ort langer Debatten
und ernsthafter Diskussionen.
Und
dennoch muß ich an dieser Stelle darauf hinweisen, daß einer unserer
Gründerväter, der weltlich gesinnte
und zugleich international orientierte Benjamin Franklin den Ablauf unserer verfassungsgebenden Versammlung
unterbrach, um im Grunde das Gleiche
zu sagen.
Und ich muß am heutigen Vormittag
an andere Anfänge denken. Daran, wo
und wann ich zum ersten Mal jene Worte las: "und sie sollen ihre Schwerter zu Pflugscharen machen..." und
"ihre jungen Menschen sollen Visionen
haben und ihre alten Menschen sollen
Träume träumen..." An diesem Vormittag gehen meine Gedanken an sie, die
mir so viel im Leben gegeben hat, deren wichtigstes Geschenk aber die Gewißheit ihres Glücks war und der
Trost, den man im Gebet findet. Es
ist die größte Hilfe, die mir in meiner Präsidentschaft zukam. Ich erinnere mich hier an Lincolns Worte, der
gesagt hat, nur der dümmste Mensch
könnte annehmen, die Pflichten des
von mir derzeit übernommenen Amtes
erfüllen zu können, ohne sich an jemanden Stärkeren zu wenden, eine
Macht,
die
über
allem
anderen
steht...
Wenn also zukünftige Generationen
wirklich von uns sagen, daß in unserer Zeit der Friede nähergekommen ist
und wir tatsächlich ein neues Zeitalter der Wahrheit und Gerechtigkeit
hervorgebracht haben, dann wird dies
ein Grund, stolz zu sein. Aber es

- 10 -

�wäre sogar Grund zu noch größerem
Stolz, wenn dann auch gesagt wird,
wir wären klug genug gewesen zu erkennen, daß die Erwägungen großer
Staatsmänner und großer Gremien nur
eine Overtüre sind - daß die wahrhaft
königliche Musik - die Musik der
Freiheit, der Gerechtigkeit und des
Friedens - die Musik ist, die entsteht, wenn wir nicht nur an uns
selbst denken und uns dem Willen des
Schöpfers beugen.
Ich danke für den
Empfang, den Sie mir in
ren bereitet haben und
mich nun von Ihnen.
Sie.

freundlichen
all den Jahverabschiede
Gott schütze

* * * * *

- 11 -

�: e ° S7&gt;

V,aN

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

4

28. September 1988

35

FRIEDEN, CHANCENGLEICHEIT UND FÜHRUNGSROLLE BESTIMMEN DIE DEBATTE

- Artikel zum ersten Fernsehduell Bush-Dukakis -

WINSTON-SALEM (North Carolina) (AD) - In der ersten Fernseh-Debatte
der Präsidentschaftskandidaten am 25.
September 1988 betonte Vizepräsident
George Bush Frieden und Chancengleichheit, während sein Gegenspieler, der Gouverneur von Massachusetts
Michael Dukakis, den Schwerpunkt auf
eine starke Flihrungsrolle legte.
Beide Kandidaten haben in ihrer
Wahlkampagne immer wieder auf diese
Bereiche verwiesen und sie auch in
der neunzig Minuten langen Debatte,
die in der Wake Forst University
stattfand, erneut selbstbewußt und
überzeugend vertreten. Die Kandidaten beantworteten Fragen von Journalisten, wobei die Antworten landesweit
an ein Fernsehpublikum von
schätzungsweise
100 Millionen Zu-

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Embassy of the United States of America

schauern gerichtet waren.
Keinem
Kandidaten unterlief bei der erneuten
Darstellung seiner Ansichten und Qualifikationen gegenüber den Wählern
ein größerer Schnitzer.
Bush verteidigte die Leistungen
der Reagan-Administration und erklärte, mit Frieden durch Stärke sei es
möglich gewesen, ein Rüstungskontrollabkommen mit der Sowjetunion zu
erzielen, das niemand für möglich gehalten hätte. Bush wörtlich: "Jetzt
erkennt jeder, daß Frieden durch
Stärke funktioniert."
Er erklärte, die Bilanz mit der
Vereinbarung eines Vertrages über die
Reduzierung strategischer Waffen und
eines Verbots zum Einsatz chemischer
Waffen noch verbessern zu wollen.

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�Der andere zentrale Punkt der
Wahl Ist Bush zufolge Chancengleichheit, die er als die Möglichkeit definierte, Amerika Arbeitsplätze - vor
allem im Privatsektor - zu erhalten.
Dukakis bekannte sich als leidenschaftlicher Verfechter der Führungsrolle, da ihm an den Menschen liegt
und er sich aus diesem Grunde um Probleme wie Gesundheitsfürsorge und den
Wohnungsmarkt kümmert. Er erklärte,
das Land benötige eine starke und
wirkungsvolle Abschreckung mit Nuklearwaffen, er befürworte dennoch nur
eine begrenzte Forschung im Rahmen
der Strategischen Verteidigungsinitiative
der
Reagan-Administration,
und seiner Ansicht nach sei die Ausgabe von Milliarden Dollar für das
Programm sinnlos. "Unsere nationale
Sicherheit und die Sicherheit unserer
Wirtschaft sind untrennbar", erklärte
Dukakis.

* * * * *

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Wissenschaft und Technik

28. September 1^88

35

ORGANTRANSPLANTATIONEN SIND ROUTINE GEWORDEN
- Lange Wartezeiteten für Empfänger -

(AD) - Seit der ersten Herztransplantation durch Dr. Christiaan Barnard vor mehr als 20 Jahren in Kapstadt (Südafrika; wurden chirurgische
Techniken und spezielle Medikamente
entvickelt, die heute
den Erfolg
einer Organübertragung in den allermeisten Fällen sichern können. Stets
geht es darum, ein unheibar krankes
oder funktionsunfähiges Organ - Herz,
Leber, Niere - durch ein gesundes Organ von einer anderen Person zu ersetzen. Bei den Spendern handelt es
sich meist um Unfallopfer, seltener
um Menschen mit plötzlicher massiver
Hirnblutung.
Ihre
Hirnfunktionen
sind irreversibel zum Stillstand gekommen, obgleich das Herz mit apparativer Hilfe noch schlägt. Sie hatten
verfügt - oder ihre Angehörigen hatten zugestimmt -, in eiern solchen

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Embassy of the United States of America

Fall Organe zu entnehmen und anderen
Menschen mit einer Organspende zu
helfen.
Den größten Fortschritt für das
Gelingen
von
Organübertragungen
brachte zweifellos die Entdeckung von
Cyclosporin, eines Medikaments, das
die Abstoßung von Fremdgewebe drastisch verringert, ohne gleichzeitig
die körpereigenen Abwehrkräfte gegen
Infektionen völlig auszuschalten. Es
wurde Ende der siebziger Jahre gefunden, als man Bodenpilze auf mögliche
antibiotische
Eigenschaften
untersuchte.
Noch vor weniger als einem Jahrzehnt war das Einheilen eines Fremdorgans infoige von Abstoßungsreaktionen des körpereigenen
Immunsystems

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�ernsthaft behindert. Aber schon 1986
konnten dank des nun verfügbaren Cuclosporings z.B. alleine in den Vereinigten Staaten 8 900 Nieren übertragen werden. Im gleichen Jahr kam
es zu 1 300 Herztransplantationen,
dreimal mehr als 1984 bis 1986, wurde
die Anzahl von Leberübertragungen
verdoppelt - auf 924. Eine Transplantation
der
Bauchspeicheldrüse,
die noch immer als risikoreiche Prozedur gilt, wurde im Jahr 1986 140
mal vorgenommen, dreimal so oft wie
zwei Jahre zuvor.
Der erste Transplantationspatient
Barnards starb 18 Tage nach Empfang
des neuen Herzens an Lungenentzündung. Heute ist damit zu rechnen, so
Dr. Glenn Barnhart, Chefarzt für Chirurgie am Herztransplantationszentrum
aes Virginia Medical College (Washington) , daß zwei Drittel der Organempfänger länger als ein Jahr, 50
Prozent länger als fünf Jahre leben.
Allerdings kann Cyclosporin Nebenwirkungen, u.a. Nierenschädigungen, hervorrufen. Aber es gibt dem Arzt auch
die Möglichkeit, Patienten über 50
Jahren, die zuvor von solchen Operationen ausgeschlossen waren, ein neues Organ einzupflanzen.
So kann
jetzt auch ein 58jähriger Patient ein
neues Herz erhalten, und er hat die
Chance, damit 65 Jahre oder älter zu
werden.
Der bisher älteste Organempfänger war 67 Jahre alt.
Die Zeit, in der ein Spenderorgan
transplantationsfähig bleibt, konnte
ebenfalls verlängert werden: Nieren
lassen sich jetzt für ca. 50 Stunden
(noch vor kurzem höchstens 24 Stunden) konservieren.
Eine Leber muß
innerhalb von 24 Stunden, ein Herz
innerhalb von 12 bis 14 Stunden implantiert werden. Derzeit wird intensiv daran gearbeitet, diese Fristen durch verbesserte Konservierungstechniken zu verlängern. Ebenso
werden die Untersuchungen auf Gewebeverträglichkeit zwischen Spender und
Empfänger immer weiter verfeinert, um
ein möglichst komplikationsloses Einheilen des Spenderorgans zu gewährleisten.

Im Jahr 1984 verabschiedete der
US-Kongreß ein "National Organ Procurement and Transplantation Act".
Dieses Gesetz über die "Bereitstellung von Spenderorganen und deren
Transplantation" verlangte die Schaffung privater Organisationen zur Förderung der Bereitschaft, Organe zu
spenden, sowie eines privaten gemeinnützigen Netzwerks, um die Gewebetypisierung und die Entscheidung über
die
Gewebeverträglichkeit
zwischen
Spender und Empfänger zu erleichtern.
Dieses zentralisierte Netzwerk trägt
den Namen "United Network for Organ
Sharing"
(UNOS).
Es gewähleistet
eine faire Verteilung von Spenderorganen.
Einem im November 1987 verabschiedeten Bundesgesetz zufolge muß
jedes Hospital, in dem Organtransplantationen vorgenommen werden, der
Transplantationsorganisation UNOS angehören und genau spezifizierten Anforderungen genügen, um auch in die
zur medizinischen Versorgung alter
und minderbemittelter Bürger eingerichteten
Bundesprogramme
MEDICARE
und MED1CAID einbezogen werden zu
können. Das Gesetz verlangt außerdem
von allen Kliniken "schriftliche Protokolle über die Identifizierung potentieller Organspender".
Ca. 97
Prozent der 6 800 privaten und öffentlichen Krankenhäuser in den Vereinigten Staaten partizipieren am
MEDICAREoder
MEDICAID-Program,
häufig auch an beiden.
Wie Dr. Keith Johnson, der Präsident von UNOS, berichtet, sei die
UNOS-Organisation verpflichtet, spezielle Daten über alle Spender und
Empfänger von Organen zu sammeln, die
innerhalb der USA transplantiert wurden - "gleichgültig, ob die Spender
bzw. Organe aus den Vereinigten Staaten...oder aus anderen Ländern stammen und zur Vornahme der Transplantation in die USA verbracht wurden".
John Gold, Stallvertretender Direktor
der Abteilung Organtransplantation am
US-Bundesministerium für Gesundheit
und soziale Dienste (HHS), fügte hin-

- 2 -

�zu, daß im allgemeinen keine Organe
aus anderen Ländern, Kanada ausgenommen, eingeführt werden. Von UNOS arrangiert würden allerdings bestimmte
Organe in andere Länder gesandt,
hauptsächlich nach England und in
einige weitere europäische Staaten.
Aufgrund des Gesetzes sei es ferner
ausdrücklich
verboten,
menschliche
Organe für Transplantationen zu kaufen oder zu verkaufen. Sämtliche im
Zusammenhang mit einer Transplantation ergriffenen Maßnahmen müssen den
Vorschriften der nationalen Organisation UNOS entsprechen.
Andernfalls
verlieren die betreffenden Kliniken
jeglichen Anspruch auf Zahlungen im
Rahmen von MEDICARE- und MEDICAIDProgrammen, was als sehr harte Strafbestimmung gilt.

Die Zahl der Zentren, in denen
Chirurgenteams Spenderorgane implantieren, hat sich in den letzten Jahren deutlich erhöht. Landesweit gibt
es in den Vereinigten Staaten z. Zt.
123 Kliniken die Herztransplantationen durchführen (vor vier Jahren waren es erst 37). Obgleich die amerikanische Öffentlichkeit zum größten
Teil
Organtransplantationen
unterstützt, besteht ein erheblicher Mangel an Spenderorganen.
Mehr als
13 000 Menschen warten auf eine neue
Niere, erwa 900 auf ein Spenderherz.
Bei jedem dritten aus der letztgenannten Gruppe ist der Zustand so bedenklich, daß er den Zeitpunkt nicht
erleben dürfte, and dem für ihn ein
vielleicht ein geeignetes Spenderherz
zur Verfügung stünde.

Die mehr als 70 gemeinnützigen
Verbände zur Organbeschaffung in den
USA stellen dort die wichtigste Verbindung zwischen Spendern und Empfängern dar. Es gibt sie in fast jedem
amerikanischen Bundesstaat.
Gewöhnlich sind sie großen Kliniken angeschlossen. Sie verfügen über hochspezialisierte
medizinische
leams,
die potentielle Organspender identifizieren, Familien über Gewebeund Organspenden beraten, die Krankheitsgeschichten potentieller Spender prüfen
und Informationene über Spender and
die nationale Organisation
(UNOS)
weiterleiten.
UNOS speichert diese sofort in
einem permanent auf dem neuesten
Stand gehaltenen Computer, wo die Informationen mit den Daten aller in
den USA inzwischen erfaßten Personen,
die auf eine Organspende warten, verglichen werden. Spezielle Computerprogramme machen es möglich, den für
ein in Frage kommendes Organ am besten geeigneten Empfänger ausfindig
zu machen. Dann arrangiert UNOS den
Transport und sorgt für die sofortige
Kontaktaufnahme zwischen dem Zentrum,
wo die Explantation vorgenommen wird,
und dem Empfängerzentrum.
Täglich
rettet UNOS auf diese Weise Menschenleben.

- 3-

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

28. September 1988

35

ANTARKTISFORSCHUNG BEGANN VOR 150 JAHREN

(AD) - Vor 150 Jahren begann eine
der wichtigsten Forschungsexpeditionen der Geschichte - eine Expedition,
in deren Folge geographische Karten
um eine bis dahin fast völlig unbekannte Region und entsprechende Bücher um ein neues großes Kapitel ergänzt wurden. Unter der Leitung des
amerikanischen
Marineleutnants
Charles Wilkes brach am 18. August
1838 eine wissenschaftliche Expedition aus den Vereinigten Staaten zu
den südlichsten Gewässern des Stillen
Ozeans auf. Am 30. Januar 1840 sichtete Wiikes Land. Er nannte es den
"Antarktischen Kontinent".
Als erster hatte Wilkes erkannt, daß man es
mit einer riesigen Landmasse, einem
"Kontinent", nicht nur mit unendlichen Eis- und Schneefeldern zu tun
hatte.

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Embassy of the United States of America

Generationen von Entdeckern und
Wissenschaftlern haben seitdem in der
Antarktis geforscht.
Während der
weltweiten als "Internationales Geophysikalisches Jahr" bezeichneten Gemeinschaftsaktien 1957/58 bildete sie
sogar einen der Schwerpunkte. Wissenschaftler aus 13 Ländern waren an
der Errichtung von 60 Forschungsstationen beteiligt. Der "Weiße Kontinent" wurde zu einem riesigen Laboratorium und ist es bis heute geblieben. In noch weitestgehend unberührter Natur studieren dort Wissenschaftler Erdgeschichte aus Zeiträumen, die Hunderte von Millionen Jahren zurückreichen. Sie suchten - und
fanden - Meteoriten aus Materie, die
vom Mond und vom Planeten Mars
stammt. Im Eis der Antarktis waren
sie unverändert erhalten geblieben.

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�Und die Forscher stellten z.B. fest,
daß der antarktische Kontinent eine
weite Strecke gewandert sein mußte,
bis er seine jetzige Position am Südende unserer Welt erreichte.
Versteinerungsfunde
und
Kohleschichten
geben Kunde von einer Zeit, in der
sich die Antarktis in einer tropischen Klimaregion befand.
Angesichts der Erfolge im "Internationalen
Geophysikalischen
Jahr"
setzten die USA ihr Antarktisprogramm
bis zum heutigen Tag fort. Eine Reihe anderer Nationen richteten ähnliche Programme ein, um die einzigartigen Forschungsmöglichkeiten in dieser
Region zu nutzen. Die Nationale Forschungsstiftung
der USA ("National
Science Foundation" - NSF) wendet
derzeit mehr als 115 Millionen Dollar
im Jahr für die Antarktisforschung
auf, an der etwa 100 000 Amerikaner
mitarbeiten.
Die
USA
unterhalten
jetzt ganzjährig vier Forschungsstationen, von denen aus Untersuchungen
auf den Gebieten Meeresund Landbiologie, Biomedizin, Geologie und Geophysik, Meteorologie
und
Physik
der
Hochatmospäre vorgenommen werden.
Dem 1959 abgeschlossenen Antarktis-Vertrag sind mittlerweile 32 Länder beigetreten.
Zusammen repräsentieren sie zwei Drittel der Erdbevölkerung. Der Vertrag schuf den rechtlichen Rahmen für internationale Zusammenarbeit in der Antarktis, für
freie Forschung in der Region und für
den Austausch von Forschungsplänen,
von Personal, Beobachtungen und von
Forschungsergebnissen.
Er verbietet
ausdrücklich nukleare Explosionen und
das Deponieren radioaktiver Abfälle
in diesem Gebiet und garantiert das
Recht
jedes
Teinehmerstaates,
die
Stationen und Ausrüstungen der anderen Partner zu inspizieren.

* * * * *
- 2 -

�</text>
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'VON

*

5 . Oktober 1988

36

f.

I N H A L T

DOKUMENTATION

Präsident Reagans Proklamation zum Tag der Deutsch-Amerikaner

Vernachlässigung der Verteidigungsanstrengungen belasten das Bündnis
- Rede des Stellvertretenden Verteidigungsministers Taft -

UdSSR hat offensives militärisches Einsatzkonzept nicht geändert
- Rede von General Galvin vor dem Repräsentantenhaus -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Rückkehr in den Weltraum
&lt;,

- DISCOVERY-Mission:

Testflug des verbesserten Raumtransporters -

* * * * * *

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"***"

Ä&lt;

Dokumentation

5. Oktober 1988

36

PRÄSIDENT REAGANS PROKLAMATION ZUM TAG DER DEUTSCH-AMERIKANER

WASHINGTON - (AD) -Nachfolgend veröffentlichen wir die von Präsident
Reagan am 23. September 1988 unterzeichnete Proklamation zum Tag der DeutschAmerikaner 1988 sowie den Beschluß des Kongresses im Wortlaut:

Vor 305 Jahren landeten 13 Familien aus Krefeld am Rhein in der Nähe
von Philadelphia.
In den seither
vergangenen drei Jahrhunderten sind
ihnen über sieben Millionen Deutsche
auf der Suche nach Freiheit und einer
vielversprechenderen Zukunft für sich
und ihre Kinder nach Amerika gefolgt.
Heute kann praktisch
jeder vierte
Amerikaner sein Erbe auf deutsche Abstammung zurückführen.
Diese Tatsachen und die Anerkennung dessen, was Amerikaner deutschen
Ursprungs für unsere Nation geleistet
haben, sind der Anlaß für die Feiern
zum Tag der Deutsch-Amerikaner 1988.
Unsere Geisteshaltung und unsere
Lebensart sind von Amerikanern deutschen Ursprungs stark beeinflußt wor-

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den. Sie haben Leben, Kultur, Fortschritt und Wohlstand in den Vereinigten
Staaten
in Bereichen wie
Kunst, Geisteswissenschaften,
Religion, Handel und Industrie, Wissenschaft
und
Technik,
Staatswesen,
Sport und Unterhaltung unauslöschlich
geprägt.
Dies veranlaßte Benjamin
Franklin vor vielen Jahren zu der Bemerkung:
"Amerika kultiviert das am
besten,
was
Deutschland
hervorgebracht hat...".
Die Bande internationaler Freundschaft sind heute zwischen Deutschen
und Amerikanern enger geknüpft als
jemals zuvor. Die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutschland arbeiten als Partner im NATOBündnis Seite an Seite für die Erhaltung des Friedens.

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�Die
Geschlossenheit
und
Entschlußkraft des Bündnisses hat die
erfolgreiche Unterzeichung des INFVertrages
zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion möglich
gemacht.
Als zwei der führendsten
Welthandelsländer haben die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik
Deutschland gemeinsam eine tiefverwurzelte Verpflichtung zu einer offenen
und
expandierenden
Weltwirtschaft.
Die persönlichen Bande zwischen unseren beiden Nationen gehen
heute über Einwanderung hinaus und
umfassen zahlreiche Austauschprogramme, florierenden Tourismus in beide
Richtungen sowie in der Bundesrepublik Deutschland stationierte amerikanische Streitkräfte und deren Angehörige. Die großartige Stadt Berlin
und ihre Bürger stehen als Symbol für
die Entschlossenheit unserer beiden
Nationen zur gemeinsamen Verteidigung
der Freiheit des Westens.

dieses Tages zu erlassen.
Aufgrund
dessen
erkläre
ich,
Ronald Reagan, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, hiermit
den 6. Oktober
1988 zum Tag der
Deutsch-Amerikaner.
Ich bitte alle
Amerikaner, mehr über den Beitrag der
deutschen Einwanderer zu Leben und
Kultur der Vereinigten Staaten in Erfahrung zu bringen und diesen Tag mit
angemessenen Feiern und Veranstaltungen zu begehen.
Unterzeichnet am dreiundzwanzigsten Tag des September, im Jahr des
Herrn
neunzehnhundertachtundachtzig
und im Jahr zweihundertdreizehn der
Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten
(unterzeichnet) Ronald Reagan

* * *
Der Besuch von Bundeskanzler Kohl
in Washington zu Beginn dieses Jahres
hat die Vorrangstellung anschaulich
bekräftigt, die unsere beiden Regierungen dem Erhalt und der Förderung
der deutsch-amerikanischen Beziehungen beimessen.
Gemeinsame Traditionen,
Überzeugungen
und
Interessen
verpflichten uns zu verstärkter Zusammenarbeit auf allen Ebenen, um den
Herausforderungen der Zukunft begegnen zu können. Die kürzlich fertiggestellte Parkanlage zum Zeichen der
deutsch-amerikanischen
Freundschaft,
die - am Einkaufszentrum der Hauptstadt unseres Landes gelegen - in
diesem Herbst ihrer Bestimmung übergeben wird, steht als Symbol für die
engen und freundschaftlichen Beziehungen
zwischen der
Bundesrepublik
Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika.
Sie erinnert uns
auch an die Notwendigkeit, unsere besonderen Bande zu kultivieren, damit
sie weiter gedeihen können.
Durch Gesetz Nr. 100-104 hat der
Kongreß den 6. Oktober 1988 zum "Tag
der Deutsch-Amerikaner" erklärt und
den Präsidenten ermächtigt und ersucht, eine Proklamation zur Feier

Beschluß des Kongresses

In
Anbetracht
dessen,
daß
Deutsch-Amerikaner durch ihre Arbeit
und ihren Beitrag zur Kultur der Vereinigten Staaten seit Ankunft der ersten deutschen Einwanderer
in den
Vereinigten
Staaten
am 6. Oktober
1683 diesen besonderen Tag als Anerkennung für ihre Leistungen verdient
haben in Anbetracht dessen, daß Amerikaner deutscher
Abstammung
in der
Vergangenheit zum Leben und zur Kultur der Vereinigten Staaten beigetragen haben und dies auch in Zukunft
tun werden und im Hinblick darauf,
daß sie für die Regierung der Vereinigten Staaten, ihre demokratischen
Grundsätze und die Freiheit aller
Menschen auf der ganzen Welt arbeiten
und eintreten in Anbetracht dessen, daß solche
Beiträge anerkannt und im Jahr 1988
und danach jährlich - gewürdigt werden sollen - und

�in Anbetracht dessen, daß zwischen den Vereinigten Staaten und der
Bundesrepublik Deutschland sowie anderen deutschsprachigen Ländern enge
Bande und dauerhafte Freundschaft bestehen:
aus diesem Grunde erklären
der Senat und das Repräsentantenhaus
der Vereinigten Staaten von Amerika,
die hier im Kongreß zusammengekommen
sind, den 6. Oktober 1988 zum Tag der
Deutsch-Amerikaner, und der Präsident
ist ermächtigt und angewiesen, eine
Proklamation zu veröffentlichen, mit
der das Volk der Vereinigten Staaten
aufgefordert wird, diesen Tag mit
Feiern und Veranstaltungen angemessen
zu begehen.

(unterzeichnet) Jim Wright
Sprecher des Repräsentantenhauses
(unterzeichnet) John C. Stennis
Präsident des Senats pro tempore
genehmigt am 11. August 1988
(unterzeichnet) Ronald Reagan

* * * * * *

- 3 -

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Dokumentation

5. Oktober 1968

ob

VERNACHLÄSSIGUNG DER VERTEIDIGUNGSANSTRENGUNGEN BELASTEN DAS BÜNDNIS
- Rede aes Stellvertretenden Verteidigungsministers laft -

SAN BERNARDINO (KALIFORNIEN) - (AD) - Diejenigen Mitgiiedstaaten des Nordatlantischen Bündnisses, die nicht genug zur gemeinsamen Verteidigung beitragen, haben einen "aushöhlenden Effekt" auf das Bündnis, erklärte der Stellvertretende US-Verteidip,ungsmini ster William Taft am 28. September 1988 während
eLner Rede in Kalifornien. Im Lauf der Zeit werde ein solches Verhalten "das
Vertrauen in die gemeinsamen Anstrengungen untergraben".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede Tafts im Wortlaut:
Den Herausforderungen der
ven Sicherheit begegnen

kollekti-

Ich möchte heute über die kollektive Sicherheit sprechen - das Bündnissystem, das den Eckpfeiler der nationalen Sicherheit der Vereinigten
Staaten bildet, und die Herausforderungen, mit denen es sich heute konfrontiert sieht. Ich werde mich kurz
der Bedrohung widmen, zu deren Bewältigung das Bündnissystem geschaffen
wurde, und werde dann näher auf die
Frage eingehen, wie wir und unsere
Bündnispartner zusammenarbeiten müssen, um weiterhin in Freiheit, Sicherheit und Frieden zu leben.
Die kollektive Sicherheit war die
Antwort unseres Landes auf die Bedrohung durch die Sowjetunion, die sich

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in den sowjetischen Aktionen in Osteuropa und Korea im ersten Jatirzehnt
nach dem Kriege manifestierte.
über
vierzig Jahre hinweg war die kollektive Sicherheit ein schlagender Erfolg, der die Bedingungen für kontinuierliches und biswellen spektakuläres Wirtschaftswachstum
innerhalb
unserer Bündnissysteme hervorbrachte
und gleichzeitig eine sowjetische Aggression abschreckte.
Es besteht jedoch heute - zumindest in einigen Kreisen - das Gefühl,
der
ursprüngliche
Anstoß
für
die
Gründung unserer Bündnissysteme - die
sowjetische Bedrohung - nehme ab.
Die Veränderungen im Charakter der
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
- wie auch der sich gegenwärtig in
der Sowjetunion selbst vollziehende

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�Wandel - haben zu diesem Gefühl beigetragen.
Es ist richtig, daß wir einen
außerordentlich nützJichen Dialog mit
der
Sowjetunion
über
ein
breites
Spektrum von Prägen hinweg, von den
Menschenrechten
bis
zu
regionalen
Problemen, Rüstungskontrolle und anderen Sicherheitsbelangen erzielt haben - einen Dialog, von dem wir hoffen, daß er sich weiter entwickeln
wird.
Ferner werden innerhalb der
Sowjetunion entscheidende Veränderungen - offen - diskutiert.
Die Begriffe Glasnost und Perestojka sind
zum Bestandteil des Wort Schatzes amerikanischer Sov. jetexperten geworden,
und die gegenwärtig im sowjetischen
politischen
und
kulturellen
Leben
stattfindenden Veränderungen könnten
sich als weitreichend herausstellen.
Diese Fortschritte verdienen unsere
Auimerksamkeit nicht zuletzt deshalb,
weil sie sich gerade erst im Anfangsstadium befinden - und weil es heute
noch unklar ist, wo sie hinführen
werden.
Es gibt in der Tat viele Facetten
des sowjetischen Regimes, die bis
jetzt von der Perestrojka unberührt ge.schv.eige denn umgestaltet - sind.
Diese sollten uns zum Nachdenken veranlassen, bevor wir so tun, als ob
die sowjetische Bedrohung nachgelassen habe, selbst, wenn wir in bezug
auf andere Entwicklungen hoffnungsvoll sind. Insbesondere im militärischen Bereich hat es bei den Sowjets
wenig Veränderung gegeben. Unter dem
Gorbatschow-Regime
sind die Mittel
des sowjetischen Militärwesens weiterhin Jahr für Jahr stetig und deutlich erhöht worden.
Diese machen
heute schon zwischen 15 und 17 Prozent aer wirtschaftlichen Ressourcen
der UdSSR aus, etwa das dreifache des
Anteils am Bruttosozialprodukt, den
die Vereinigten Staaten für die Verteidigung ausgeben. Die UdSSR arbeitet weiterhin an der Einführung einer
neuen Generation von Kernwaffen sowie
am Ausbau und an der Verbesserung ihrer Land-, See- und Luftstreitkräfte.
Um nur einige Beispiele zu nennen:

Die sowjetische Luftwaffe erhält
jeden lag zwei neue Kampfflugzeuge - über 700 pro Jahr.
Die Armee ernält jeden Tag acht
neue Panzer und sechs Artilleriegeschütze.
Der sowjetischen Marine wird alle
37 Tage ein neues Atom-U-Boot zugeführt.
Perestrojka hat sicherlich keine
Verlangsamung beim Wachstum der sowjetischen Militärmacht bedeutet.
Es steht außer Frage, daß wir jede sich bietende Chance zur Förderung
des heute stattfindenden Dialogs sondieren sollten, als Kittel zum Abbau
von Spannungen mit der Sowjetunion.
Wir müssen uns jedoch vor Augen führen, daß ein riesengroßer Unterschied
zwischen Übergang
und
Umgestaltung
besteht - und es ist ziemlich klar,
daß wenig darauf hindeutet, in der
Sowjetunion habe sich eine Art der
Umgestaltung vollzogen, die sie nicht
länger zu einer Bedrohung der Vereinigten Staaten und des Bündnisses
macht.
Der
neue
Generalsekretär
der
NATO, der ehemalige Verteidigungsminister der Bundesrepublik Deutschland, Manfred Wörner, charakterisierte unlängst die unmittelbare Zukunft
des Bündnisses als eine doppelte Herausforderung.
Er erklärte:
"Einerseits muß die NATU
das
richtige
Gleichgewicht
zwischen
Verteidigung
und Dialog gegenüber einem sich wandelnden aber militärisch nicht weniger mä'chtigen Osten finden. Andererseits müssen wir ein Gleichgewicht
zwischen den Rollen und Verantwortlichkeiten im Bündnis herstellen."
Ich möchte mich nun der zweiten
Herausforderung zuwenden - die wir
als die Herausforderung zur Bewältigung des Wandels in unserem Bündnis
bezeichnen können.
Während die Zielsetzung der Bund-

�nisstruktur gleichgeblieben ist, haben sich die Bedingungen innerhalb
der
Bündnisse
in
den
vergangenen
vierzig
Jahren
stark
verändert
weitgehend
als Ergebnis der durch
diese Eündnisse ermöglichten Stabilität. Mit anderen Worten: In diesem
Fall müssen wir unsere Erfolge bewältigen. Im Fernen Osten ist Japan zur
wirtschaftlichen
Supermacht
aufgestiegen, und die Republik Korea entwickelt sich rasch zu einer der führenden Wirtschaftsmächte.
In Europa
erfreuen sich die Bürger vieler NATOStaaten eines Lebensstandards, der zu
den höchsten der Welt zählt - und mit
der weiteren wirtschaftlichen Integration Europas werden die NATO-Staaten in der Weltwirtschaft an Statur
zunehmen.
Während unsere Verbündeten - mit
wenigen Ausnahren - in der Wirtschaft
zunehmenden Einfluß ausüben, spiegeln
die von ihnen für die gemeinsame Verteidigung veranschlagten Mittel ihre
he raus ragenden
wirtschaftlichen
Fähigkeiten
nicht vollständig wider.
Diese Tatsache hat mehr als jede andere ein Wiederaufleben der sogenannten
"Lastenverteilungs"-Debatte
zur
Folge gehabt
- über die Frage, welchen Anteil an den Kosten des Bündnisses jedes Land übernehmen kann und
sollte.
Als Leiter der Sonderkommission
zur
Lastenverteilung
im Verteidigungsm'nisterium war ich unmittelbar
daran beteiligt, diese Frage zusammen
mit unseren Verbündeten in Fernen
Osten und Europa zu untersuchen - und
habe eine gleichmäßigere Verteilung
der verschiedenen Rollen, Risiken und
Verantwortlichkeiten innerhalb unserer Bündnisse gefordert.
Ich werde
diese Bemühungen nächste Woche wiederaufnehmen, wenn ich zum dritten
Mal in diesem Jahr Europa besuchen
werden, und zwar das NATO-Kauptquartier in Brüssel und sechs Haupstädte
von
XATO-Ländern.
Meiner
Ansicht
nach erzielen wir Fortschritte - im
Firnen Osten, wo Japan und Korea zum
Ausdruck gebracht haben, daß sie zusätzliche Kosten für die dort statio- 3

nierten amerikanischen Truppen übernehmen werden, und in Europa, wo die
NATO gegenwärtig an einer büaänisweiten Bewertung des Piublems der Lastenverteilung arbeitet. Ihr Bericht
soll den NATO-Verteidigungsministern
im Dezember vorgelegt werden.
Aber um die mögliche Bedeutung
neuer Entwicklungen zu erkennen, müssen wir wissen, was wir meinen, wenn
wir sagen, daß die Lastenverteilung
gerechter sein muß - und das heißt,
wir müssen über einige der eindimensionalen Ansätze hinausgehen, die in
der Debatte über Lastenteilung nur
allzu oft als Analyse ausgegeben werden.
Kritiker
unseres
Bündnissystems
verweisen darauf, daß die Vereinigten
Staaten von den Kosten für das Bündnis mehr als ihren fairen übernehmen.
Die zur Unterstützung dieser These
vorgebrachten
Beweise
sind
zumeist
statistischer Art:
insbesondere die
Tatsache, daß die Vereinigten Staaten
gemessen am Prozentsatz ihres Bruttosozialprodukts nahezu doppelt soviel
für Verteidigung ausgeben wie die
NATC-Verbündeten im Durchscnitt und
mehr als das fünffache der Japaner.
Für die Kritiker stützen diese Tatsachen ihre These, und es bleibt lediglich die Entscheidung darüber offen,
ob wir auf höheren Verteidigungsausgaben
unserer Verbündeten
bestehen
oder ganz einfach unsere Bemühungen
verringern sollen.
Haben diese Kritiker nun recht
oder unrecht'/1
Die Antwort lautet:
sov^ohl als auch. Sie haben insofern
unrecht, als sie den Anteil unserer
Verbündeten an der gemeinsamen Verteidigung nicht in seinem vollen Umfang anerkennen - all die von unseren
Verbündeten
übernommenen
Aufgaben,
Risiken und Pflichten, die. sich nicht
in Dollar aufwiegen Lassen. Und sie
haben in einem anderen Funkt recht:
es stimmt, daß viele unserer Bündnispartner in Europa und im Fernen Osten
mehr tun können und sollten.
Lassen

Sie

mich

Ihnen

erklären

�was ich mit meiner Bemerkung meine,
daß sich die Beiträge eines Landes
zur gemeinsamen Verteidigung nicht
immer in Dollar und Cent aufwiegen
lassen. Da bei den meisten unserer
europäischen Verbündeten Wehrpflicht
besteht - und es keine aufwendigere
Armee aus Freiwilligen wie in den
Vereinigten Staaten gibt - können sie
ihre Armeen mit geringeren Kosten ins
Feld schicken.
Tatsächlich stellen
unsere Verbündeten 90 Prozent aller
in Europa zu Friedenszeiten stationierten Landstreitkräfte der NATO sowie 60 Prozent aller NATO-Kampfflugzeuge. Im Krieg würden unsere europäischen Verbündeten - sogar nach
einer Mobilisierung - den größten
leil der Land- und Luftstreitkräfte
der NATO stellen. Aufgrund der allgemeinen Wehrpilicht müssen die Aufwendungen nicht so hoch sein wie bei
einer Armee aus Freiwilligen wie in
den Vereinigten Staaten.
Darüber hinaus
stellen unsere
Verbündeten den auf ihrem Territorium
stationierten amerikanischen Streitkräften in großem Umfang Liegenschaften und kostenfreie Einrichtungen zur
Verfügung. Betrachten wir zum Beispiel iie Bundesrepublik Deutschland,
wo etwa eine Million Soldaten aus
sieben verbündeten Nationen in einem
Raum von etwa der Größe des Staates
Oregon stationiert sind - mit dem
entscheidenden Unterschied, daß die
Bundesrepublik im Gegensatz zu Oregon
65 Millionen Einwohner hat.
Die
Schäden an zivilem Eigentum bei NATOUbungen, die Belästigung durch dauernde Tiefflüge von Flugzeugen der
NATO und nächtliche Manöver sind Beispiele für echte Lasten, deren Preis
sich nicht so einfach festlegen läßt.
Aber wenn die Kritiker in der Debatte über Lastenverteilung - wie ich
gerade aufgezeigt habe - sich oftmals
zu eingehend auf Zahlen konzentrieren
um; aus diesem Grunde nicht mehr
e;rige der schwerer aufzuwiegenden
Leistungen des Eündnisses betrachten,
so stimmt es auch, daß auf selten
einiger unserer Verbündeten die Tendenz besteht, Zahlen insgesamt zu ig- 4

norieren oder ihre Bedeutung abzuwerten. Das ist ebenfalls ein Fehler obwohl uns die Zahlen allein kein
vollständiges Bild liefern, so vermitteln sie uns doch etwas Wichtiges
über den Grad der Verteidigungsbemühungen eines Landes. Von zu vielen
Verbündeten vernehmen wir jedoch, daß
sie mehr tun könnten.
Natürlich kann man nicht all unsere Verbündeten auf die gleiche Stufe stellen. Es ist vielmehr wichtig,
sich im einzelnen Ihre jeweiligen
Beiträge zu vergegenwärtigen, bevor
man Veränderungen vorschlägt. Lassen
Sie uns deshalb bei den einzelnen
Ländern kurz untersuchen, wie die
Beiträge unserer Verbündeten zur gemeinsamen
Verteidigung
gegenwärtig
aussehen und wo Mängel bestehen. Bereits ein kurzer Abriß dieser Art ist
meiner Ansicht nach hilfreich, um die
vielfältige Art und Weise aufzuzeigen, in der unsere Verbündeten zu unserer gemeinsamen Sicherheit beitragen - und der Umfang, in dem dies geschieht.
Ich möchte mich zunächst Japan
als unserem wichtigsten Verbündeten
im Fernen Osten und häufigsten Zielscheibe in der Debatte über die Lastenteilung zuwenden.
Die Kritiker
Japans verweisen darauf, daß dort nur
ein Prozent des Bruttosozialprodukts
für Verteidigung aufgewendet wird.
Diese Kritiker lassen aber außer
acht, daß Japan in den 80er Jahren
mehr Verteidigungsaufgaben übernommen
hat und für deren Erfüllung zehn Jahre lang eine jährliche Erhöhung der
Verteidigungsausgaben
von
durchschnittlich 5 Prozent hinnahm. Darüber hinaus hat Japan seine strategisch wichtige Entwicklungshilfe in
Übersee proportional erhöht, und diese Hilfe ist jetzt in absoluten Zahlen (in Dollar) umfangreicher als unsere. Ich habe in meinen Diskussionen mit japanischen Politikern darauf
hingewiesen, daß Japan diese - wie
auch weitere - Erhöhungen verkraften
kann. Aber wir müssen berücksichtigen was Japan leistet, auch wenn wir
das Land zu weiteren Leistungen auf-

�fordern.
In ähnlicher Weise hat sich die
Republik Korea mit ihren 47 000 amerikanischen Soldaten für unser Anliefen der Lastenteilung offen gezeigt.
Trotz der Tatsache, daß Korea - im
Gegensatz zu Japan und unseren NATOVerbündeten - immer noch in starkem
Maße ein Entwicklungsland ist, hat es
seine Absicht bekundet, den Beitrag
zu den Kosten für die Unterhaltung
der dort stationierten amerikanischen
Streitkräfte zu erhöhen.
In Europa ergibt sich ein komplizierteres Bild. Die NATO als Institution ist weiterhin höchst erfolgreich. Vor kurzem hat das Bündnis
den Status des 401. Geschwaders geklärt und beschlossen, dessen Stationierung in Italien zu finanzieren.
Zum Ihema Lastenteilung direkt zeigt
sich die Erkenntnis seiner Bedeutung
in dem gegenwärtig von der NATO erstellten Bericht.
Eine länderspezifische Überprüfung unterstreicht die Tatsache, daß
nicht alle Verbündeten gleich sind weder im Hinblick auf Verteidigung
noch bei den schwer vergleichbaren
Beiträgen zur gemeinsamen Verteidigung. Großbritanniens Verteidigungsausgaben betragen zum Beispiel etwa
4,5 Prozent seines Bruttosozialproduktes, was gegenüber den frühen 80er
Jahren einen Rückgang darstellt, aber
iir.mer noca erheblich höher ist als
die
durchschnittlich
von
unseren
NATO-Verbündeten aufgewendeten 3 Prozent. Darüber hinaus übernimmt Großbritannien untor den fünf im Persischen Golf aktiven NATO-Ländern eine
Führungsrolle und ist eines von fünf
Ländern,
das
Mittelstreckenraketen
stationiert.
Zusätzlich
unterhält
und modernisiert Großbritannien einen
wichtigen Teil des Abschreckungspotentials strategischer Nuklearwaffen
der NATO insgesamt.
Frankreich wendet kontinuierlich
4 Prozent seines Bruttosozialprodukts
für Verteidigung auf, ungeachtet der
Tatsache,
dab
die
französischen

Streitkräfte militärisch nicht in die
NATO integriert sind. Frankreich unterhält ein umfangreiches unabhängiges nukleares Absch^ckungspotential
und ist im Begriff, die Kommunikationswege mit den NATO-Streitkräften
zu verbessern, nimmt aktiv an den Bestrebungen zur Rüstungszusammenarbeit
teil und hat eine Reihe von Pflichten
außerhalb des Bündnisgebiets übernommen.
Griechenland und die Türkei
sind zwei weitere Länder, die mit ihren Verteidigungsausgaben weit über
dem Durchschnitt
der europäischen
Verbündeten liegen. Für die Stärke
des Bündnisses wäre es jedoch von
vorrangiger Bedeutung, wenn die Bemühungen dieser beiden Bündnispartner
zur Beilegung ihrer Differenzen Erfolge zeitigen würden. Solange dieser Konflikt schwelt, ist das Bündnis
geschwächt.
Im Mittelfeld liegen im Hinblick
auf die Verteidigungsausgaben fünf
Länder, die mehr oder weniger den
durchschnittlichen Beitrag der NATOLänder von 3 Prozent aufwenden: Norwegen, die Niederlande, Spanien, Portugal und die Bundesrepublik Deutschland. Hier können wir sowohl positive als auch negative Entwicklungen
beobachten. Zweifellos war die von
Spanien getroffene Entscheidung, seine Stützpunkt-Vereinbarung mit dem
401. Geschwader nicht zu verlängern,
potentiell
ein
ernsthafter
Rückschlag, der nur durch unverzügliche
Maßnahmen des Bündnisses abgewendet
werden konnte. Derzeit stehen wir in
Stützpunkt-Verhandlungen mit Portugal
und hoffen, dort stärkere Verteidigungsbande schmieden zu können. Indem sie ein holländisches Patrouillenboot in den Persischen Golf entsandten, haben die Niederlande der
Tatsache Rechnung getragen, daß die
NATO-Partner Interessen außerhalb des
Bündnisgebiets haben. Die für Verteidigungsfragen zuständigen Verantwortlichen in den Niederlanden haben
ferner im Nordatlantikrat unermüdlich
die Bedeutung der Lastenverteilungsproblematik unterstrichen. In Norwegen wiederum wird zur Zeit Teamwork
'88 abgehalten, eine größere Übung

- 5 -

�auf 1 000 Quadratkilometern norwegischen Territoriums, an der 45 000
Soldaten aus neun NATO-Ländern teilnehmen.
In
der
Bundesrepublik
Deutschland liegen die Verteidungsausgaben bei knapp über 3 Prozent des
BSP und im kommenden Jahr wird sich
die Entwicklung der vergangenen drei
Jahre umkehren, in denen die Verteidigungsauf..'endungen nicht mit der Inflation Schritt halten konnten. Darüber hinaus leistet die Bundesrepublik maßgebliche Wirtschaftsund Militärhilfe an wirtschaftlich eher benachteiligte Bündnispartner wie Portugal, Griechenland und die Türkei eine Maßnahme, die wir gerne auch bei
anderen Verbündeten beobachten würden.
Und während andere Seestreitkräfte der NATO Patrouillenfahrten im
Persischen Golf durchgeführt haben,
hat die Bundesmarine verstärkt Aufgaben Im Mittelmeer übernommen.
In der Rangfolge der Verteidigungsausgaben
kommen
als
nächstes
drei NATO-Mitgliedstaaten, die im Begriff sind, ihre Aufwendungen für die
Verteidigungsbestrebungen der NATO zu
erhöhen.
In den vergangener. Jahren
hat Italien seinen Verteidigungshaushai t aufgestockt, aber trotz dieser
Erhöbung belaufen sich die Verteidigungssusgsben Italiens noch auf 2,2
Prosent seines bSP. In anderer Hinsicht waren die italienischen Beiträge beträchtlich und reichen von der
Entsendung der italienischen Marine
in den Persischen Golf bis zur Stationierung von INF-Raketen auf italienischem Territorium und dem jüngstes) \ngebot, einen Stützpunkt für
das 40i . Geschwader zur Verfügung zu
stellen. In den kommenden Jahren erwarten wir einen stabileren Verteidigungsbausbslt
in
Italien, da
die
Wirtschaft nach wie vor expandiert
un.' Italien damit mit unter die erEten
der europäischen Wirtschaftsnächte rückt.
Auch Luxemburg nimmt
A m Stockungen
vor, wenn
auch
von
einem
noch
geringeren
Prozentsatz
ausgehend als Italien.
Obwohl ohne
Zugang zum Meer, hat Luxemburg sein
Verständnis
für die Bedeutung der
freien Schiffahrt im Persischen Colf

unter Beweis gestellt und finanziell
zu den Patrouillenoperationen in der
Region beigetragen. Eine in jüngster
Zeit vorgenommene deutliche Aufstokkung der Verteidigungsprogramme hat
in Kanada die Verteidigungsausgaben
auf 2,3 Prozent des BSP erhöht. Darüber hinaus leistet Kanada einen erheblichen Beitrag zur nordamerikanischen Sicherheit und ist auch in Zukunft dazu bereit.
Am Ende der Liste der Verteidigungsausgaben stehen zwei NATO-Länder;
Belgien kämpft mit einem gekürzten
Verteidigungshaushalt,
der
die Modernisierung seiner Luftverteidigung
verhindert
oder
verzögern
wird, was für die NATO insgesamt von
Nachteil
ist.
Andererseits
stand
Belgien fest zur Stationierung der
INF-Raketen auf belgischem Gebiet und
ensandte Seestreltkräfte zu Operationen im Persischen Golf.
Dänemarks
Aufwendungen schließlich nehmen kontinuierlich ab und sind von nur 2,5
Prozent Anfang der achtziger Jahre
auf derzeit 2 Prozent gesunken. Dänemark gibt nicht vor, irgendwelche
Versuche zur Aufstockung der Ausgaben
zu unternehmen und erhält das offizielle Ziel von realem Nullwachstum
aufrecht - und selbst das wird nicht
erreicht.
Welchen Platz würden die Vereinigten Staaten bei einem solchen Vergleich einnehmen?
Im Hinblick auf
die Verteidigungsausgaben wenden die
Vereinigten Staaten 5,7 Prozent ihres
BSP für Verteidigung auf - obwohl
1989 das vierte aufeinanderf clger.de
Jahr sein wird, in dem die Verteidigungsausgaben in realen Zahlen abgenommen haben. Trotz dieser Kürzungen
haben wir nach wie vor 400 000 amerikanische Soldaten in Europa und im
Fernen Osten stationiert - dies entspricht einem Fünftel unserer Streitkräfte.
Und schließlich ist es uns
zumindest in diesem Jahr gelungen,
der Versuchung zu widerstehen, unseren Beitrg an das Bündnis zu kürzen
oder den Bündnispartnern Strafen aufzuerlegen, die in unseren Augen weniger als ihren gerechten Anteil lel-

- 6 -

�sten. Angesichts der derzeitigen Bestrebungen innerhalb der NATO und
seitens unserer asiatischen Verbündeten zur Bewältigung des Problems der
Lastenverteilung ist dies ein gemässigtes Vorgehen.
Aus dieser Bilanz sollten verschiedene Schlußfolgerungen gezogen
werden. Wir müssen die beträchtlichen und unterschiedlichen Beiträge
würdigen, die von unseren Verbündeten
heute geleistet werden - ebenso wie
wir die Länder, die wenig beitragen,
drängen müssen, mehr zu tun und diejenigen, die jedes Jahr weniger leisten - auch uns selbst - auffordern,
diesen Abstieg aufzuhalten und einen
anderen Kurs einzuschlagen.
Selbst
Verbündete, die sich nahe am nichtamerikanischen Durchschnitt der Verteidigungsausgaben
bewegen
müssen
sich vor Augen halten, daß 3 Prozent
nicht ausreichen, um die zur Abschreckung der sich uns stellenden
Bedrohung erforderlichen Streitkräfte
aufrechtzuerhalten - noch sind dies
gerechte Anstrengungen gemessen an
den beträchtlichen Verteidigungslasten, die selbst einige der weniger
wohlhabenden
Bündnispartner
tragen
müssen. Es gibt keinen einleuchtenden Grund, warum einige unserer europäischen Partner bis zu 5 Prozent ihres nationalen Einkommens für Verteidigung aufwenden, während ganze fünf
unserer fünfzehn NAIC-Partner, die
alle eigentlich wohlhabend sind, nur
ungefähr die Hälfte ausgeben - und
einige sogar nur 2 Prozent.

gen unweigerlich zu der Annahme, daß
die Bündnispartner, die weniger leisten, entschieden haben, die anderen
ihre Last für sie tragen zu lassen.
Und der aushöhlende Effekt solcher
Vergleiche besteht darin, daß sie im
Verlauf der Zeit das Vertrauen in die
gemeinsamen Anstrengungen untergraben, die das Fundament eines jeden
Bündnisses bilden.
Die Vereinigten Staaten und ihre
Verbündeten haben ein gemeinsames Interesse daran, dies zu vermeiden.
Wir müssen zusammenarbeiten, um das
Fundament des Bündnissystems zu festigen, das uns über mehr als vier
Jahrzehnte Freiheit und Frieden beschert hat.
Dazu ist besseres Verständnis unter den
Bündnispartnern vonnöten.
Die Vereinigten Staaten - als Staat
wie als Volk - müssen ihre Verbündeten davon überzeugen, daß sie in vollem Umfang die von ihnen geleisteten
Beiträge verstehen und zu würdigen
wissen.
Unser Bündnis muß seinerseits die Vereinigten Staaten davon
überzeugen, daß es die Lastenverteilung ernst nimmt und die von den
Bündnispartnern
geforderten
unterschiedlichen Rollen, Risiken und Verantwortlichkeiten zu übernehmen bereit ist - in einem Umfang, der den
tatsächlichen wirtschaftlichen Fähigkeiten eines jeden Landes entspricht.

* * * * *

Jedes Land sieht sich natürlich
öffentlichem Druck ausgesetzt, eine
Vielzahl sozialer Programme zu finanzieren - Forderungen, die es erschweren, angemessene Verteidigungsausgaben kontinuierlich aufrechtzuerhalten. In einer Demokratie war es noch
nie leicht, Unterstützung für eine in
der Hoffnung errichtete Verteidigung
zu erhalten, sie käme - sofern alles
nach Plan verliefe - niemals zum Einsatz.
Diejenigen Nationen, die zur
der politisch schwierigen Entscheidung einer angemessenen Verteidigunr.sfinanzierung bereit sind, gelan- 7-

�AMERIKA DIENST
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Dokumentation

5. Oktober 1988

36

UdSSR HAT OFFENSIVES MILITÄRISCHES EINSATZKONZEPT NICHT GEÄNDERT
- Rede von General Galvin vor dem Repräsentantenhaus -

WASHINGTON - (AD) - Dem Obersten Alliierten Befehlshaber Europa der NATO,
General John R. Galvin, zufolge hat die Sowjetunion ihr offensives militärisches Einsatzkonzept nicht geändert.
"Ich kann weder eine Veränderung bei sowjetischen Stationierungen noch bei
Übungen und Beständen feststellen", erklärte der General am 30. September 1988
vor dem verteidigungspolitischen Ausschuß des Repräsentantenhauses. Es heißt,
"gebt den Sowjets Zeit", aber Generalsekretär Gorbatschow hat in seiner mehr
als dreijährigen Amtszeit keinen Vorschlag zum Abbau der Rüstungsproduktion
unterbreitet, fügte General Galvin hinzu, der gleichzeitig Oberbefehlshaber
der amerikanischen Streitkräfte in Europa ist.
Nachfolgend bringen wir die Ansprache von General Galvin im Wortlaut:

Herr Vorsitzender, sehr geehrte
Ausschußmitglieder, ich begrüße diese
Gelegenheit, meine Ansicht zu entscheidenden Problemen des Verteidigungsprogramms der NATO äußern zu
können. Sie haben mir einen Katalog
freimütiger Fragen vorgelegt, die ich
in dieser Eröffnungsrede zu beantworten versuche.
Frage:
Wie definieren Sie konventionelle
Stabilität, und welche
Schritte sollten wir Ihrer Ansicht
nach in diese Richtung unternehmen?

te hat es niemals eine lange andauernde konventionelle Abschreckung gegeben; tatsächlich sind Kriege zwischen Gegnern ausgebrochen, deren relative Stärke im großen und ganzen
vergleichbar war oder sogar in Fällen, in denen der Angreifer dem Verteidiger unterlegen war. Eine Strategie,
die
nuklearen
Fähigkeiten
Rechnung trägt, hat sich als überzeugende Abschreckung eines Krieges erwiesen.
Wir im Westen müssen eine
glaubwürdige nukleare Reaktionsfähigkeit aufrechterhalten.

Antwort:
Konventionelle
Stabilität kann nicht losgelöst vom nuklearen Kontext definiert werden. In
jüngster Zeit war die nukleare Abschreckung zentraler Bestandteil der
Stabilität. Im Verlauf der Geschich-

Wir können jedoch Nuklearwaffen
abbauen, solange wir die Modernisierung dieser Waffen und die Fähigkeiten unserer konventionellen Streitkräfte gewährleisten. wir dürfen die
Sowjets nicht zu der Annahme verlei-

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�ten, daß sie im Falle eines Angriffs
strategische Ziele mit konventionellen Mitteln erreichen könnten, bevor
die NATO mit Nuklearwaffen reagiert.

nehmen, um Sie zu überzeugen?
Wie
sollte die Reaktion der NATO auf die
bisherigen
Initiativen der
Sowjets
aussehen?

Unsere beste Option besteht in
einer von Nuklearwaffen unterstützten
starken konventionellen Verteidigung.
Wir müssen:

Antwort:
Es
liegt
auf
der
Hand, daß Generalsekretär Gorbatschow
einige kühne Initiativen im Inland in
die Wege geleitet hat, es ist jedoch
weniger
offensichtlich,
daß
diese
kurzfristig Veränderungen in der Verteidigungspolitik oder langfristig in
der Außenpolitik zur Folge hatten.

- operativ entscheidende Durchbrüche
der
ersten
strategischen
Staffel des Warschauer Pakts vermeiden ;
- das Vorrücken der nachfolgenden
operativen
und
strategischen
Streitkräfte des Feindes in die
am stärksten bedrohten Bereiche
unserer Verteidigung verzögern;
- die Geschlossenheit unserer rückwärtigen Gebiete und deren Fähigkeit, Nahgefechte und Operationen
in der Tiefe durchzuführen, aufrechterhalten;
- die NATO rasch genug mit
sprechenden
Streitkräften
stärken, um dem Warschauer
seine strategischen Ziele zu
wehren; und

entverPakt
ver-

- konventionelle Operationen lange
genug andauern lassen, um einen
Angriff des Warschauer Pakts zu
vereiteln, und - falls erforderlich - eine beabsichtigte Eskalation zuzulassen.
Konventionelle Verteidigung könnte jedoch zur Aufrechterhaltung der
Geschlossenheit
des
NATO-Gebietes
nicht ausreichen.
Die Strategie des
Bündnisses trägt dieser Tatsache mit
der "Triade" von Optionen Rechnung.
Diese lauten:
direkte Verteidigung,
beabsichtigte Eskalation und allgemeine nukleare Reaktion.
Frage:
Welches sind Ihrer Ansicht nach die von den Sowjets angekündigten Veränderungen in Militärdoktrin und Strategie?
Sofern Sie
diese nicht überzeugen - welche Veränderungen müssten die Sowjets vor-

Bei kurzfristigen Entscheidungen
im Hinblick auf die Verteidigungspolitik müssen wir eher Fähigkeiten als
Absichten bewerten.
Die Fähigkeiten
der Sowjetunion haben verglichen mit
den unseren weiterhin zugenommen. In
dem Gebiet vom Atlantik bis zum Ural
sind wir bei Panzern zahlenmäßig 3 zu
1, bei Artillerie 3 zu 1 und bei
Kampfflugzeugen 2 zu 1 unterlegen.
Bei einem Krieg mit kurzer Vorwarnzeit wären wir bei Panzern 2 zu 1,
bei Artillerie 2 zu 1 und bei Kampfflugzeugen 2 zu 1 unterlegen.
Die Sowjets produzieren modernste
Panzer und Artillerie weiterhin in
einer Geschwindigkeit, die ausreicht,
um eine Division und vier Artillerieregimente pro Monat neu auszurüsten.
Dies führt zu einem kontinuierlich
wachsenden
Ungleichgewicht
bei den
Fähigkeiten, die eher für Offensivais für Defensivoperationen bestimmt
und ausgerüstet sind.
Wir haben beobachtet, wie das sowjetische Militär die Lektion seiner
letzten Offensivoperationen im Zweiten Weltkrieg gelernt und geübt hat Vorausabteilungen als Angriffsspitze
und operative Manövergruppen.
Dies
ist genau die Art von Taktik und operativen Geschicks, die für unsere
Vornestrategie
der Verteidigung
am
gefährlichsten ist. Wir haben beobachtet, wie sie in den vergangenen
fünf bis acht Jahren ihre Streitkräfte für genau die Art von "Blitzkrieg"
umstrukturiert und ausgerüstet haben,
zu der sie sich in ihren ideologischen Schriften bekennen.
Die ra-

- 2 -

�sehe
und umfassende
Modernisierung
ihrer Panzertruppen mit Panzern, die
zu bekämpfen für uns - selbst mit unseren moderneren Panzerabwehrsystemen
- immer schwieriger wird, verbessert
ihre Offensivfähigkeit mehr als ihre
Defensivfähigkeit.
Welche
Veränderungen
sollten
stattfinden, um uns zu überzeugen?
Ich würde eine entscheidende Verringerung der militärischen Produktion
insbesondere bei den Panzern begrüssen. Wir würden es befürworten, wenn
die sowjetischen Streitkräfte so stationiert, ausgerüstet
und strukturiert wären, daß sie ihre eigene Verteidigungsdoktrin widerspiegeln.
Wenn die Sowjets ihre Streitkräftestruktur so optimal gestalten würden, daß
ihre Verteidigungsdoktrin
und ein Verteidigungsplan darin ihren
Niederschlag finden, sollten wir eine
Verlagerung beim Übergewicht der gepanzerten und vorne stationierten Divisionen hin zu mehr Infantrie mit
von Pionieren unterstützten Panzerabwehrwaffen beobachten können - Einheiten, die eher als Besatzung von
Stützpunkten und zum Bau von Barrieren und Hindernissen geeignet sind.
Bei den rückwärtigen Formationen und
Staffeln sollte eine größere Panzerdichte herrschen als - wie wir heute
beobachten können - bei den vorne
stationierten.
Depots für Nachschub und Logistik
sollten tiefer im rückwärtigen Bereich liegen: ein Offensivplan sieht
vor, daß sich der Nachschub so nah
wie möglich am Ausgangspunkt des Angriffs befindet, um die zügige Verlagerung des Nachschubs nach vorne zu
gewährleisten.
Dies entspricht den
sowjetischen Gegebenheiten.
Ein Defensivplan erfordert, daß sich der
Nachschub tiefer im rückwärtigen Bereich befindet, um seine Eroberung
und Zerstörung zu verhindern und eine
umfassende Verteidigung sicherzustellen (wie es die sowjetische Doktrin
vorschreibt).
Wir

würden

es

ferner

begrüßen,

wenn die Sowjets bei ihren Ansätzen
im Bereich der Vertrauens- und Sicherheitsbildenden Maßnahmen und in
den Mandatsgesprächen über konventionelle Stabilität größeres Entgegenkommen zeigten.
Wir würden Fortschritte im Hinblick auf größere "Transparenz" militärischer Aktivitäten auf beiden Seiten begrüßen, damit wir nicht durch
Kriegsvorbereitungen überrascht werden. Wir würden ferner gerne ein Angebot des Warschauer Pakts vorliegen
haben,
das
eine
Reduzierung
der
Streitkräfte vorsieht, die sich stärker im Einklang mit ihrer Verteidigungsdoktrin befindet, eine defensive
Abschreckungshaltung und strategische
Planung sowie ein etwas reduziertes
EJ"satzkonzept der NATO-Streitkräfte.
Wie sollen wir auf die bisherigen
sowjetischen
Initiativen
reagieren?
Wir sollten weiterhin unsere Kontakte
zwischen
den
zivilen
und
militärischen Vertretern
von NATO und
Warschauer Pakt ausbauen, um das gegenseitige Verständnis zu verbessern.
Wir sollten nach wie vor die in der
Schlußakte von Helsinki festgelegten
Verfahren zur Benachrichtigung, Beobachtung und Inspektion von Manövern
anwenden, um die Transparenz zu erhöhen.
Und wir sollten bereit sein,
beim Beginn der Gespräche über konventionelle Stabilität (CST) eine gemeinsame Position der NATO vorzulegen, die Parität als erstes Ziel auf
dem Weg zu größerer Stabilität und
einer
Verringerung
des
Konfrontationsniveaus vorsieht.
Dises Gespräche werden durch die
Tatsache erschwert, daß sie nicht
zwischen NATO und Warschauer
Pakt
stattfinden,
sondern
zwischen
den
souveränen Staaten beider Bündnisse insgesamt 23 Teilnehmerstaaten. Dies
erschwert die Koordinierung der Positionen und schränkt die Rolle des
Obersten
Alliierten
Befehlshabers
Europa (SACEUR) erheblich ein.
Zur
Aufrechterhaltung
eines
glaubwürdigen
Abschreckungskonzepts

�mit Nuklearwaffen
bis ins nächste
Jahrhundert
muß die Modernisierung
jetzt erfolgen. Die Lance-Rakete und
viele der von der Artillerie abgefeuerten Waffen werden bald nicht
mehr erforderlich sein.

entscheidender Bedeutung sind.
Die
damals von den Ministern festgestellten gravierndsten Mängel ziehen sich
durch alle fünf der oben genannten
Bedingungen. Die folgenden Beispiele
mögen dies verdeutlichen:

Eine ausreichende konventionelle
Abschreckung gegen die konventionellen
Streitkräfte
des
Warschauer
Pakts, wie sie sich uns heute darstellt, muß folgende Bedingungen erfüllen:

Defizite
bei den
stationierten
Landstreitkräften und die Abhängigkeit von Verstärkung aus dem
Ausland schränken die Fähigkeit
ein,
die
Leitstaffeln
des
Warschauer
Paktes
zu besiegen.
Die Reserveeinheiten des Bündnisses sind im Hinblick auf ihre
Ausbildung, Ausrüstung
personelle Ausstattung und Verfügbarkeit
sehr unterschiedlich strukturiert.

- Sie muß einen Durchbruch der ersten strategischen Staffel gegen
eine noch um Verstärkung bemühte
NATO-Verteidigung verhindern.
Sie muß das Vorrücken der zweiten
operativen und der zweiten strategischen
Staffel
lange
genug
aufhalten, um die Verstärkung der
Verteidigung zu gewährleisten und
die erste operative Staffel zu
besiegen.
Sie muß die Häfen, Depots, Luftwaffenstützpunkte,
Kommunikationswege,
Reserven,
Verstärkungseinheiten und das Abschrekkungspotential der Nuklearstreitkräfte vor einem Luftangriff, vor
Sabotage und den Landstreitkräften wie etwa Luftlande- und Luftsturmeinheiten und den SpetznatzStreitkräften schützen.
Sie muß schnell für Verstärkung
aus Nordamerika sorgen und
sie muß konventionelle Operationen lange genug führen, um einen
Angriff des Warschauer Pakts zu
vereiteln, und - falls erforderlich - eine beabsichtigte Eskalation zuzulassen.
Im Dezember 1984 haben sich die
NATO-Minister zur Initiative für eine
Verbesserung der konventionellen Verteidigung
(CDI)
zusammengeschlossen
und wichtige Zielsetzungen für die
Streitkräfte
der
Mitgliedstaaten
festgelegt, die für die Verbesserung
der konventionellen Verteidigung von
- 4

- Die Mittel
zum Aufhalten,
Spaltung
oder
Zerstörung
nachfolgenden
Streitkräfte
Feindes sind unzureichend.

zur
der
des

- Wir sind von der raschen Verstärkung
durch
ausländische
Luftstreitkräfte abhängig, um in der
Luft eine vorteilhafte Situation
beizubehalten.
Es bestehen Mängel bei den Einrichtungen
für
Aufnahme, Schutz und Stationierung der Flugzeuge, die zur Verstärkung dienen.
Bei der Luftverteidigung
bestehen
Schwachstellen, insbesondere durch das
Fehlen eines gemeinsamen, konkurrenzfähigen und sicheren NATO-Systems
zur
Identifizierung
von
Flugzeugen.
- Eine bedeutende Schwäche auf See
besteht
im Mangel an Begleitschutz,
Minensuchbooten
und
Patrouillenbooten,
um
Missionen
zur Abwehr
von Unterseebooten,
Flugzeugen und zur Auffindung von
Minen durchzuführen.
- Schließlich könnten Defizite bei
der Durchhaltefähigkeit zur einer
frühzeitigen
Entscheidung
über
den
Einsatz
von
Nuklearwaffen
führen.
Seit ihrer Gründung haben die
NATO-Länder im Hinblick auf die Ver-

�wirklichung der von CDI hervorgehobenen Ziele bei den Streitkräften weit
bessere Ergebnisse erzielt als andere
Länder, und es ist bereits viel zur
Verbesserung der oben genannten Bedingungen getan worden.
Es ist seit langem bekannt, daß
unsere vorne stationierten
Streitkräfte
keine angemessenen
Reserven
haben. Die Ziele der CDI sehen mehr
als 19 Reservebrigaden vor, die in
den einzelnen Ländern aus anderen Reserven gebildet werden.
Der Mangel
an verfügbaren Ressourcen zur Ausrüstung dieser Einheiten mit wirksamen
Waffen hat deren Aufbau bis nach
1994, der Frist für die gegenwärtigen
Zielsetzungen, aufgeschoben. Die Geschwindigkeit des technischen Fortschritts und die Modernisierung sowjetischer
Panzer
bedeuten,
daß
Streitkräfte besiegt werden können,
wenn sie mit veralteten Waffen ausgerüstet sind. Im gesamten Oberkommando Europa modernisieren wir in nicht
ausgewogenem Maße. Meine größte Sorge gilt der Möglichkeit, daß Panzerabwehrsysteme - auch in der Hand der
Soldaten unserer am besten ausgerüsteten Einheiten - gegen einen großen
Teil der gegenwärtigen Panzereinheiten des Warschauer Pakts nicht wirksam einsetzbar sind. Der Kongreß muß
unsere Bedingungen für moderne Panzerabwehrsysteme unterstützen.
Das Aufhalten der zweiten Staffel
hängt vom Konzept zur Bekämpfung der
Folgestaffeln (FOFA) ab. Obwohl Verbesserungen bei den Waffen die potentielle Stärke von FOFA erhöhen werden, stellt dieses Konzept doch bereits einen wesentlichen Bestandteil
unserer heutigen Verteidigung dar.
Das Oberste Hauptquartier der alliierten Mächte in Europa (SHAPE) hat
das FOFA-Konzept veröffentlicht, und
die NATO hat für alle Mitgliedstaaten
Leitlinien zur Planung und Zielsetzungen für die Streitkräfte veröffentlicht.
Wir machen Fortschritte
beim Erarbeiten von Möglichkeiten zum
Austausch nachrichtendienstlichen Materials zwischen den NATO-Ländern.

Wir werden zur Verbesserung der Eindringfähigkeit und Allwetterfähigkeit
unserer Flugzeuge und der Fähigkeit
unserer
nachrichtendienstlichen
Systeme
zur Auffindung, Analyse und
Verbreitung
entscheidender
Informationen
weiterhin
die Unterstützung
des Kongresses benötigen.
Es gibt eine Reihe von Initiativen zur Verbesserung der konventionellen Streitkräfte, die die ersten
beiden Bedingungen erfüllen und nicht
sehr kostenintensiv sind.
Wir verbessern
unsere
Verteidigungsdoktrin
oberhalb der Korpsebene, wo die Luftund
Landstreitkräfte
vieler
Länder
zusammengeführt werden. Das betrifft
das Einsatzniveau im Krieg, ein Niveau, auf dem unsere potentiellen
Gegner überlegen sind. Wir verfolgen
aktiv die Möglichkeit, unsere hochrangigen Offiziere zur Kommandoführung unter Anwendung von Computertechnologie auszubilden.
Die Verbreitung von Technologie
im Bereich der Planspiele wird uns zu
besseren und kostengünstigeren Möglichkeiten zur Ausbildung großer Formationen verhelfen.
Es gibt neben
der Kostensenkung viele gute Gründe,
den Umfang unserer Übungen einzuschränken.
Mit der Verbreitung von
Planspielen können wir mehr Kommandobereiche
realistischer
für
den
Kriegsschauplatz
trainieren,
die
Kosten dämpfen und die Umwelt schonen.
Im Kriegsfall werden viele wichtige Funktionen von unseren rückwärtigen Gebieten wahrgenommen. Das ist
das Gebiet, aus dem wir unsere Stärke
für Luftgefechte und unser nukleares
Abschreckungspotential
gewinnen.
Dort wird die Verstärkung aufgenommen, formiert und nach vorne verlagert, und von dort aus versorgen Depots und Pipelines unsere vorne stationierten Kampfeinheiten.
All dies
muß geschützt werden.
Die Bedrohung unserer rückwärtigen Gebiete durch Agenten, Saboteure,
Luftlande- und Luftsturmeinheiten ist
beträchtlich, und wir setzen eine

- 5 -

�große Zahl von Reserveeinheiten zum
Schutz dieser Bereiche ein.
unsere
landgestützte Luftverteidigung muß im
gesamten
Alliierten
Befehlsbereich
Europa verbessert werden, wir müssen
ferner unsere passiven Maßnahmen wie
etwa Flugzeughallen und getarnte Landebahnen weiter verbessern.
Einige
unserer
Mitgliedstaaten
haben sich
zur Entwicklung eines Systems zur Abwehr taktischer ballistischer Raketen
zusammengeschlossen. Wir werden nach
wie vor die Unterstützung des Kongresses . für moderne Flugabwehrraketen
und moderne Luftverteidigungssysteme
benötigen.
Die rechtzeitige Verstärkung für
Europa aus Nordamerika ist von entscheidender
Bedeutung.
Der
größte
Teil der Verstärkung aus Nordamerika
könnte zu spät eintreffen, um zur
konventionellen Verteidigung und Abschreckung beizutragen.
Zur Lösung
dieses Problems gibt es viele Ansätze, aber der größte Bedarf besteht
bei
der
Verbesserung
der
strategischen Transportfähigkeit.
Wir haben erst kürzlich unsere Bedingungen
für den Transport vereinfacht und unsere Pläne zum effektiveren Einsatz
des
verfügbaren
Seetransportpotentials verbessert. Wir benötigen die
Hilfe des Kongresses bei vielen Teilbereichen des Problems der Verstärkung, wenn wir in naher Zukunft Fortschritte erzielen wollen.
Die Feuerprobe einer glaubwürdigen Abschreckung im konventionellen
Bereich besteht darin, ob sie bei den
im Falle eines Krieges wahrscheinlichen
schweren
Kämpfen
angemessen
eingesetzt werden kann. Wir haben im
Rahmen der CDI für alle Länder in
diesem Bereich Zielsetzungen aufgestellt. Wir arbeiten ferner an wissenschaftlicheren und zuverlässigeren
Wegen, um den Bedarf an Munition
festzulegen.
Der Warschauer Pakt hat in den
vorderen Abschnitten genug Nachschub
gelagert, um 60 bis 90 Tage lang Operationen durchzuführen.
unser Nachschub wird wahrscheinlich sehr viel

eher verbraucht sein.
Meine größte
Sorge gilt dem Mangel an der zur Panzer- und
Flugabwehr
entscheidenden
Munition.
Auch bei größeren Ausrüstungsgegenständen, die im Kriegsfall
schwer beschädigt werden, ist der Bestand knapp.
Wenn wir uns alle fünf Bedingungen für eine wirkungsvolle konventionelle Abschreckung vergegenwärtigen, wird uns bewußt, daß sie wie jedes einzelne Glied einer Kette stark
und effektiv sein müssen.
Die Vernunft gebietet, daß wir die von mir
beschriebenen Mängel weiterhin entschlossen
beheben
und
gleichzeitig
nach Möglichkeiten suchen, um ein für
beide
Seiten
vorteilhaftes
neues
Gleichgewicht auszuhandeln.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

5. Oktober 1988

36

RÜCKKEHR IN DEN WELTRAUM
DISCOVERY-Mission:

Testflug des verbesserten Raumtransporters -

WASHINGTON - (AD) - Die "Mission 26" der amerikanischen Bundesbehörde für
Luft- und Raumfahrt (NASA) mit dem Raumtransporter DISCOVERY und seiner fünfköpfigen Besatzung ist erfolgreich beendet. Nach dem Start am 29. September
1988 um 16.37 Uhr MEZ von der Rampe 39 B in Kap Canaveral und einem ViertageFlug um die Erde in Höhen zwischen 250 und 300 km landete DISCOVERY am 3. Oktober um 17.37 Uhr MEZ in der Mojave-Wüste (Kalifornien).

Neben
der
Computer-Überwachung
aller technischen Funktionen während
Start, Flug und Landephase kommt den
Beobachtungen der Astronauten größte
Bedeutung zu. Alle fünf - Kommandant
Frederick
Hauck,
Kopilot
Richard
Covey, sowie David C. Hilmers, Mike
Lounge und George D. Nelson als Missionsspezialisten
- waren
bereits
mehrmals im Weltraum, einige von ihnen bei früheren Einsätzen der DISCOVERY.
Nach dem CHALLENGER-Unglück vom
28. Januar 1986, das 73 Sekunden nach
dem Start infolge der Explosion von
Trägerraketen und Orbiter den sieben
Astronauten an Bord das Leben kostete, unterzog die NASA das gesamte Sy-

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stem einer eingehenden Überprüfung.
Die seitdem mit einem Aufwand von
mehr als zwei Milliarden Dollar betriebenen
technischen
Veränderungen
und Neukonstruktionen
stellen
nach
Ansicht
der beteiligten
Ingenieure
wie auch der NASA-Vertreter das Menschenmögliche
zur Verbesserung der
Sicherheit dar. Aber erst die Eignung Hunderter neuer oder verbesserter Komponenten unter Raumflugbedingungen kann Gewißheit bringen, ob das
Richtige getan wurde. Die Auswertung
der damit zusammenhängenden Meßdaten,
aber auch der wissenschaftlichen Daten von den mitgeführten oder an Bord
vorgenommenen
elf Forschungsexperimenten, dürfte geraume Zeit in Anspruch nehmen.

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�Ein KoloB wurde ausgesetzt
Eine•der Hauptaufgaben der Besatzung, nämlich das Absetzen des Nachrichtensatelliten (Tracking and Data
Relay Satellite - TDRS) , wurde bereits sechs Stunden nach dem Start in
Florida erfüllt.
Nachdem Kommandant
Hauck nach Freisetzen der fast elf
Meter langen und 18,5 Tonnen schweren
Nutzlast mittels eines Federmechanismus die DISCOVERY in Sicherheitsabstand manövriert hatte, wurde die erste der beiden TDRS-Raketenstufen gezündet. Damit begann 250 km über der
Erde der zweitägige Aufstieg des Satelliten zur geostationären Bahn in
36 000 km Höhe, wo nach mehrwöchigen
Tests und funkgesteuerten Vorbereitungen für den regulären Betrieb der
nun als TDRS-2 bezeichnete Nachrichtensatellit auf dem 171. Längengrad
über dem Zentralpazifik stationiert
werden soll.
Von den Trägerrakten
befreit, ist seine Masse auf 2,25
Tonnen geschrumpft.
Die Spannweite
beträgt in der Achse der beiden ausgefahrenen
Sonnenenergie-Kollektoren
17 Meter, im 90-Grad-Winkel dazu in
der Achse der beiden Parabolantennen
13,5 Meter.
Zusammen mit dem Pendant TDRS-1
bietet dieses System die Möglichkeit,
die direkte Funkverbindung zwischen
Bodenstationen
und bemannten
sowie
unbemannten
Raumschiffen
wesentlich
zu verbessern und gleichzeitig einige
kostspielige
Bodenstationen
einzusparen.
Mit einem
Raumtransporter
oder mit anderen Satelliten in niedrigen Umlaufbahnen wird über 85 Prozent der Flugbahn um die Erde ständiger Kontakt möglich. Dabei fungieren
die
beiden
leistungsstarken
TDRSNachrichtensatelliten
in 36 000 km
Höhe als Relaisstationen. Bereits im
Februar 1989 plant die NASA ein weiteres TDRS-Gerät für Bahnbeobachtung
und Datenübermittlung in den Weltraum
zu schicken, um den seit April 1983
über
dem
Atlantik
stationierten
TDRS-1, zu ersetzen und diesen dann
nur noch als Reservegerät zu verwenden.
Für
die
Forschungsprojekte
MAGELLAN (Radar-Sondierung des Plane-

ten Venus, Start April 1989), GALILEO
(Sondierung des Planeten Jupiter und
seiner Atmosphäre, Start im Oktober
1989)
und
WELTRAUMTELESKOP
(Start
1990) ist das TDRS-System ebenfalls
von besonderer Bedeutung. im übrigen
sind diese von der amerikanische Firma CONTEL gebauten Satelliten von der
NASA angemietet.

Experimente in der Schwerelosigkeit
Bei einer Reihe von Experimenten
wurde die Schwerelosigkeit (korrekter
wäre die Bezeichnung "Mikrogravitation"
statt "Schwerelosigkeit", da
die Masse des Raumschiffs auch eine allerdings geringe - Gravitationswirkung hat) genutzt, um z.B. Kristallwachstum, Phasentrennung von Flüssigkeit verschiedener Viskosität, Kornbildung für metallisches Gefüge und
anderes zu studieren.
So schickten
Wissenschaftler
der
Firmen
Upjohn
Company, DuPont Corporation, Merck
Pharmaceuticals,
Schering-Plough,
Burroughs
Wellcome
Co.
(USA) und
Wellcome Research Laboratories (Großbritannien) Proben in Spezialbehältern mit, die bestimmte Proteinsubstanzen enthielten.
In einem Fall
war auch das Enzym Reserve Transkriptase beteiligt, das eine Schlüsselrolle bei der Vermehrung von AIDSViren spielt. Bei einem Wachstum der
Proteinkristalle unter Mikrogravitation können sich diese groß genug
ausbilden, um die
dreidimensionale
molekulare
Struktur
zu
erkennen.
Dies wiederum ist wichtig für die
Entwicklung geeigneter Medikamente nicht
nur gegen AIDS-Erkrankungen,
sondern beispielsweise auch gegen andere Immunstörungen, gegen Bluthochdruck, Emphysem, Schmerzzustände und
Entzündungen.
AgrarWissenschaftler
sind im Hinblick auf die Entwicklung
besserer Fungizide zur Behandlung von
Pilzkrankheiten bei Pflanzen an den
Experimenten interessiert.
Die Firma 3M setzte ihre Versuche
fort, bei denen festes organisches
Material bis zum Dampfzustand erhitzt
wird und sich dann als Kondensat in

- 2 -

�einem dünnen Film niederschlägt. Die
sich
dabei
bildenden
Kristallenen
sind in einer Weise geordnet arrangiert, wie sie unter irdischen Bedingungen niemals erreicht würde.
Mit
solchen
und ähnlichen
Experimenten
könnten z.B. der Computertechnik neue
Dimensionen eröffnet werden.
In einem
anderen
Experiment
wird
ein
Schmelzofen
zur
Herstellung
einer
Mangan-Wismuth-"Legierung"
benutzt,
die
möglicherweise
Bemühungen
zur
Entwicklung
besserer
magnetischer
Werkstoffe weiterbringen kann.
Von
der Universität Sydney kam ein Experiment, mit dem an menschlichem Blut
der Verklu.iipungsvorgang
von Zel len
studiert werden
kann.
Man hofft,
aufgrund der jetzt gewonnenen Ergebnisse überblicken zu können, ob künftige Versuche unter Schwerelosigkeit
die klinische Forschung auf dem Gebiet von Anomalien bei roten Blutzellen fördern könnten.
Die
Astronauten
erprobten
ein
Verfahren, im Orbiter über Infrarotwel'en statt über die üblichen Radiowellen miteinander zu telefonieren.
Dieses Verfahren würde die Unterhaltung völlig abhörsicher machen, weil
Infrarotwellen nicht nach außen dringen.
Fallt sich das Verfahren als
qeeignet erweist, könnte es später in
der geplanten Raumstation, aber auch
auf Kriegsschiffen sowie in Militärflug- und Fahrzeugen eingesetzt werden .
Ein weiteres Experiment, das die
Astronauten ausführten, galt der Beobachtung (mit Foto- und Fernsehkameras) von Blitzen auf der Nachtseite
der Erde.
Geophysiker sehen in dem
Versuch eine Möglichkeit, mehr Erkenntnisse
über
die
gegenseitigen
Auswirkungen
von
Blitzentladungen,
übei die Auswirkung von Blitzentladungen auf benachbarte Sturmfronten
und auf die wechselnde Struktur von
WinJströmungen über weiträumigen Gebieten zu gewinnen. Astronaut Nelson
hatte dabei die Aufgabe, mit einer
35-mm-Kamera und Spezialfilm zu genau
angegebenen Zeiten Aufnahmen vom Erdhorizont zu machen.
Das geschah im

Auftrag eines Unternehmens, das verbesserte Horizont-Sensoren für Satelliten in erdsynchroner Bahn - das
heißt in 36 000 km Höhe - herstellen
will.
Schließlich
durften
auch
die
Schülerexperimente nicht fehlen. Eines galt der Erzeugung möglichst fehlerfreier
Blei-Jodid-Kristalle,
die
eines Tages vielleicht in astrophysikalische Instrumente zum Erfassen von
Gamma- und Röntgenstrahlen im Universum eingebaut werden und die Leistung
solcher Apparaturen verbessern könnten.
Beim zweiten ging es um die
gleichmäßigere Kornbildung im Gefüge
von Titan.
Am dritten Flugtag legten Ilauck
und Nelson ihre Druckanzüge an und
machten die zum ersten Mal installierte Vorrichtung für einen Notausstieg
betriebsbereit.
Sie probten
den Ernstfall, um sich zu vergewissern, daß das Gerät auch bei Schwerelosigkeit funktionsfähig ist.
Während des Trainings für "Mission 26" kam dem Einsatz des Rettungsgeräts
in den
verschiedensten
Situationen
entscheidende
Bedeutung
zu.
Es handelt sich um einen durch
eine Seitenluke des Orbiter teleskopähnlich ausfahrbaren Tragmast, an dem
die Astronauten einer nach dem anderen bis zum Absprung in sicherem Abstand vom Fluggerät entlanggleiten.
Im Schutzanzug ist u.a. ein Fallschirm und ein aufblasbares Boot eingebaut.
Das Rettungssystem kann jedoch nur während des gesteuerten Fluges in der Atmosphäre verwendet werden .

- 3 -

* * * * * *

�</text>
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                <text>Amerikadienst 05.10.1988</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagans Proklamation zum Tag der Deutsch-Amerikaner&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vernachlässigung der Verteidigungsanstrengungen belasten das Bündnis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Stellvertretenden Verteidigungsministers Taft&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;UdSSR hat offensives militärisches Einsatzkonzept nicht geändert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von General Galvin vor dem Repräsentantenhaus &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rückkehr in den Weltraum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;DISCOVERY-Mission: Testflug des verbesserten Raumtransporters&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON**

37

12. Oktober 1988

INHALT

DOKUMENTATION
Taft hält Einigung über Bericht zur Lastenverteilung für
wahrscheinlich
- Der Stellvertretende Verteidigungsminister bei der

NATO-Pcessekonferenz -

HINTERGRUNDMATERIAL
Quayle und Bentsen behandeln viele Themenkreise
- Artikel zur Fernsehdebatte der Vizepräsidentschaftskandidaten

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Legalisierung von Drogen wäre unverantwortlich
- Amerikanische Politiker und Drogenexperten vor ausländischen
Journalisten -

* * * * * *

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Tel.: 0228-339 2035
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�AMERIKA DIENST
Dokumentation

12. Oktober 19(

37

TAFT HÄLT EINIGUNG ÜBER BERICHT ZUR LASTENVERTEILUNG FÜR WAHRSCHEINLICH
-Der Stellvertretende Verteidigungsminister bei der NATO-Pressekonferenz-

BRUSSEL - (AD) - Innerhalb der NATO besteht Einigkeit darüber, daß die Bedrohung des Bündnisses "militärische Bedingungen erzwingt", die dem Stellvertretenden amerikanischen Verteidigungsminister William H. Taft zufolge einen
effizienteren Einsatz der zur Verfügung stehenden Ressourcen und mehr Mittel
zur Durchführung aller Aufgaben erfordern.
Bei einer Pressekonferenz im NATO-Hauptquartier in Brüssel verlieh Taft am
5. Oktober seiner Hoffnung Ausdruck, daß sich dies auch in dem gegenwärtig für
das Treffen der NATO-Verteidigungsminister im Dezember vorbereiteten Bericht
zur Lastenverteilung widerspiegeln wird.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz im Wortlaut:

Ich werde nicht viel von der uns
für Fragen zur Verfügung stehenden
Zeit beanspruchen, möchte aber dennoch eine kurze Erklärung zu meinem
Europa-Besuch abgeben.
Heute morgen
habe ich hier in Brüssel Gespräche
mit Vertretern der NATO geführt. Der
Hauptgrund dieses Besuchs ist eine
Überprüfung zum gegenwärtigen Stand
des Berichts, den die Arbeitsgruppe
den
NATO-Verteidigungsministern
im
Dezember zur Beurteilung der Aufgaben, Risiken und Pflichten des Bündnisses und deren gerechter Verteilung
vorlegen wird.
Die Arbeit an diesem Bericht wurde im Mai aufgenommen. Sie hat gute
Fortschritte gemacht, und wir haben
mit den ständigen Vertretern Punkte
besprochen, die unserer Ansicht nach

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dort Eingang finden sollen - und von
denen viele auch berücksichtigt wurden - sowie Punkte, die noch hinzugefügt werden müssen, damit der Bericht
für das Bündnis von größtmöglichem
Nutzen ist. Mein Empfang dort und
die von allen Delegierten und insbesondere vom Generalsekretär eingenommene konstruktive Einstellung zu dieser Aufgabe haben mir Mut gemacht.
Ich werde noch weitere Hauptstädte Luxemburg, Den Haag, Bonn, Rom und
Madrid - besuchen, dort im Laufe der
nächsten Woche das Problem der Lastenverteilung
wie auch
bilaterale
Fragen erörtern
und nächste Woche
nach Washington zurückkehren.
Jetzt
zu Ihren Fragen.
Frage:
Könnten Sie nähere Ausführungen zu den Punkten machen, die

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�von der Arbeitsgruppe noch nicht aufgenommen worden sind, der Regierung
zufolge aber in dem Bericht enthalten
sein sollten?
Antwort:
Ich möchte dazu lediglich sagen, daß der Entwurf noch
nicht vollständig ist. Es geht hier
nicht um das grundsätzliche Problem,
welche Ansätze enthalten sein sollten
oder nicht.
Ich wollte mit meiner
Aussage nur deutlich machen, daß einige Abschnitte des Berichts noch
nicht geschrieben worden sind.
Frage:
Sie haben kürzlich in
einer
Worldnet-Ansprache
auf
drei
Ländergruppen verwiesen: solche, die
überdurchschnittlich
oder
durchschnittlich viel leisten und solche,
die erheblich unter dem Durchschnitt
liegen. Dabei haben Sie fünf Länder
erwähnt, die weniger leisten als der
Durchschnitt. Ist im Nordatlantikrat
etwas getan worden oder wird etwas
getan, damit diese Länder den Erwartungen gerecht werden?
Antwort:
Die notwendigen Maßnahmen können im Grunde nur in den
Hauptstädten getroffen werden, indem
man mehr Mittel für die Verteidigung
aufwendet.
Der Rat drängt bereits
die
Länder
mit
unterdurchschnittlichen Leistungen, ihre Anstrengungen
zu erhöhen, so daß hier keine weiteren Maßnahmen erforderlich sind. Ich
weiß, daß der Rat sein Augenmerk nach
wie vor auf diesen Punkt richtet.
Natürlich sind darauf Reaktionen erfolgt, und die Verpflichtungen und
Mittel müssen aus den einzelnen nationalen Haushalten der betreffenden
Länder kommen. Ich möchte dazu noch
sagen, daß meine Bezeichnung der Ländergruppe keineswegs ein Hinweis darauf sein sollte, andere Länder - einschließlich der Vereinigten Staaten müßten nicht auch mehr leisten oder
sich tatsächlich an die vom Ministerrat ausgesprochenen Forderungen nach
mehr Mitteln halten:
eine allgemein
geltende Aufstockung der Mittel um
drei Prozent jährlich.
Frage:

Das

Konzept

oder

die

Aussicht den gemeinsamen Europäischen
Binnenmarkt im Jahr 1992 scheint bei
den Vereinigten Staaten gleichzeitig
Hoffnung
und Furcht hervorzurufen.
Hoffnung
vielleicht, weil sie der
Auffassung sind, ein stärkeres Europa
könnte einen größeren Teil der Last
tragen und Furcht, weil sie in einem
stärkeren Europa einen härteren Konkurrenten sehen. Wie denken Sie darüber?
Antwort:
Meine
Hoffnungen
übertreffen all unsere möglichen Einwände bei weitem.
Und unsere möglichen Einwände hätten nichts damit
zu tun, daß die Europäische Gemeinschaft ein härterer Konkurrent wäre.
Unserer Ansicht nach bringen harte
Konkurrenten andere harte Konkurrenten hervor und ermutigen uns, ein
starker Konkurrent zu werden, was wir
begrüßen.
Daraus ergeben sich auch
stärkere
Handelspartner,
was
den
Wohlstand unseres Volkes und der Menschen in Europa mehrt.
Wir sind also sehr optimistisch
im Hinblick auf die Vorteile, die
sich die Europäer selbst von diesem
für 1992 geplanten Schritt erhoffen.
Und wir sehen auch für uns große Vorteile aufgrund der damit einhergehenden höheren Qualität der europäischen
Wirtschaft wie auch aufgrund der sich
für uns daraus ergebenden Herausforderung.
Aus dem steigenden Wohlstand, zu dem Europa in den vergangenen 20 Jahren gelangt ist, haben sich
für die amerikanische Wirtschaft keine Nachteile ergeben. Ganz im Gegenteil: Es war ebensosehr zum Vorteil
der vereinigten Staaten wie Europas.
Ähnlich liegen die Fälle in Japan und
bei unseren anderen Handelspartnern:
je besser es ihnen geht, umso besser
geht es uns.
Die einzigen Einwände, die wir in
diesem
Zusammenhang
haben
könnten,
beträfen
Handelsschranken, die bei
der Schaffung des Binnenmarktes gegenüber Ländern außerhalb der Gemeinschaft zusätzlich zu den bereits bestehenden errichtet werden könnten.
Unser Anliegen im Verteidigungsmini-

�sterium gilt natürlich
insbesondere
dem Gerät zur Verteidigung. Aber es
gilt gleichermaßen auch für andere
Waren. Wenn die Europäische Gemeinschaft dazu übergehen würde, protektionistische Schranken zu errichten,
wäre das sehr bedauernswert.
Aber
das würde, wie ich bereits erwähnt
habe, nicht im Interesse der Gemeinschaft liegen und sollte auch nicht
durchgeführt werden.
Vielmehr liegt
eine starkes Gleichgewicht in ihrem
Interesse, was auch in den Vereinigten Staaten Unterstützung findet.
Frage:
Können Sie bestätigen,
ob Herr Carlucci auf sein kürzlich an
die europäischen Mitglieder der Gruppe, die unter das "unabhängige europäische Gruppenprogramm" fällt - das
sich hauptsächlich mit der Rüstungszusammenarbeit europäischer Bündnispartner
beschäftigt
gerichtetes
Schreiben von irgendeinem Land auf
seine Bitte, keine Handelsschranken
für Material oder Waffen zu errichten, bereits eine positive Antwort
erhalten hat?
Antwort:
darunter auch
erhalten.

Wir
haben
einige,
zustimmende, Antworten

Frage:
Lastenverteilung
wird
vielfach als gerechte Verteilung von
Aufgaben
und Pflichten
bezeichnet,
und ich frage mich, in welchem Umfang
die verschiedenen Aktivitäten darauf
Einfluß nehmen?
Antwort:
Meiner
Ansicht
nach
waren die von verschiedenen - in der
Regel nicht von allen, das heißt,
aufgrund der unterschiedlichen Ausgangssituationen nie von allen - Mitgliedern des Bündnisses unternommenen
Aktivitäten in bündnisfremden Gebieten im vergangenen Jahr eine sehr begrüßenswerte Entwicklung, insbesondere die Beteiligung zahlreicher Verbündeter durch Förderung der WEU im
Persischen Golf.
Diese in den Vereinigten Staaten anerkannten und begrüßten
Aktivitäten
gereichen
dem
Bündnis und denjenigen Partnern, die
sich ausdrücklich daran beteiligt ha-

ben, zur Ehre.
Diese Aktivitäten gehen über den
Rahmen des üblichen Blickwinkels, der
Übungen und Aktivitäten des Bündnisses hinaus, die zur Sicherheit der
NATO beitragen. Ganz sicher auch der
Begleitschutz und die Friedenssicherung im Golf. Der Schutz der Schifffahrt in der Region hat wesentlich
zur Stabilität und zum Schutz wichtiger Energiequellen und darüber hinaus
erheblich zum Waffenstillstand
zwischen Iran und Irak beigetragen. Bis
zu dessen Vereinbarung stellte der
Krieg eine ständige Bedrohung für die
Energiequellen
dar, von denen das
Bündnis und das gesamte Westeuropa
abhängen. Das war also eine gute Sache. Jeder Fall muß jedoch gesondert
betrachtet werden. Aber es gibt natürlich Fälle wie diese, bei denen
das Bündnis selbst - sowohl im Hinblick auf die Einstellung dazu als
auch tatsächlich - durch solche gemeinsamen Aktionen in bündnisfremden
Gebieten gestärkt wird.
Frage:
Könnten Sie noch etwas
zu dem Bericht über die Lastenverteilung sagen:
in welchem Stadium er
sich befindet, ob bereits im Vorfeld
bestimmte Empfehlungen gegeben wurden
und welche Ergebnisse er Ihrer Ansicht nach bei seiner- Veröffentlichung im Dezember hervorbringen wird?.
Antwort:
Er macht Fortschritte, die meisten Abschnitte liegen bereits im Entwurf vor, aber es muß
noch sehr kritisch daran gearbeitet
und die Zustimmung aller eingeholt
werden.
Die verschiedenen Delegierten müssen Gelegenheit zur Überprüfung und zu eingehenden Überlegungen
erhalten, bevor sie den gesamten Inhalt unterschreiben können. Und dieser Prozeß liegt jetzt vor uns. Und
natürlich wird keine endgültige Zustimmung gegeben werden, bevor nicht
alle Minister den Text gesehen haben
- erst dann wird man Übereinkommen,
daß dies der Bericht ist.
Das ist
das Schwierigste daran, sich zu versichern, daß innerhalb des Bündnisses
ein Konsens zu den Problemkreisen und

�den im Bericht
besteht.

enthaltenen

Punkten

Meiner Ansicht nach besteht Einigkeit bei einigen wichtigen Dingen,
die ich in dem Bericht enthalten erwarte. Es besteht Einigkeit darüber,
daß die Bedrohung für die Sicherheit
der NATO als militärisches Problem
bestehen bleibt, das militärische Bedingungen im Bündnis erzwingt, an deren Schaffung wir gemeinsam arbeiten
müssen, und das wird einen effizienteren und wirtschaftlicheren Einsatz
der zur Verfügung stehenden Ressourcen und noch mehr Mittel erfordern.
Meiner Ansicht nach besteht Einigkeit darüber, daß die Erarbeitung
von Normen wünschenswert ist, um zu
bestimmen, wie die Pflichten gerecht
verteilt werden sollen. Das ist keine leichte Aufgabe, weil die Beiträge, Risiken und Pflichten auf sehr
unterschiedliche Art und Weise übernommen werden - manchmal finanziell,
manchmal auf andere Weise.
Und wir
müssen sicher sein, daß sich jeder
darüber
bewußt
ist, was geleistet
wird und das auch anerkennt.
Dabei
sind gute Fortschritte erzielt worden, es gibt jedoch noch keine Zustimmung aller Seiten, und es ist
noch nicht erschöpfend behandelt worden. Aber das ist sicher eine wichtige Aufgabe, der sich die Verfasser
des Berichts verschrieben haben - die
Aufstellung von Verhaltensnormen, die
im gesamten Bündnis Zustimmung und
Unterstützung finden - wenn bestimmte
Länder Anstrengungen gegen sie richten - darüber, wer was tut und ob es
fair gegenüber den anderen ist. Oder
ob mehr getan werden sollte, oder ob
jemandem eine Aufgabe abgenommen und
jemand anderem übertragen werden soll.
Dies sind die Hauptpunkte, die in
den Bericht aufgenommen werden und
die ich in der Endfassung des Bericht
in verschiedenen Formen wiederzufinden hoffe.
Frage:
Mr. Taft, sind Sie der
Ansicht, daß die dreiprozentige Zuwachsrate bei den Verteidigungsausga-

ben immer noch ein wichtiger Bestandteil für die NATO ist, und könnten
Sie noch näher darauf eingehen, welche Elemente abgesehen vom Verteidigungshaushalt bei der Lastenverteilung berücksichtigt werden müssen?
Antwort:
Ich vertrete die Auffassung, daß für die militärischen
Bedingungen, die die Streitkräfte erfüllen müssen und zur Gewährleistung
einer wirkungsvollen Abschreckung gegen den Warschauer Pakt und die Sowjetunion sicher drei Prozent zur Finanzierung dieser Bedingungen benötigt werden. Wir haben bei der NATO
Mängel festgestellt:
Mängel bei der
Truppenstruktur, bei Ausbildung und
Munition, Mängel auch bei der Modernisierung - dem könnte man mit mehr
Geld
besser
gerecht
werden.
Die
dreiprozentige
Zuwachsrate
bei den
Ressourcen, die 1979 als jährliches
Ziel festgesetzt wurde, ginge in keiner Weise über die Bedingungen hinaus, wie wir sie vorfinden. Als militärisches Problem und als Frage der
Sicherheit scheint mir das Ziel der
drei Prozent heute noch dieselbe Gültigkeit zu besitzen wie zur Zeit seiner Festsetzung, und es bleibt eine
angemessene Reaktion auf unsere Gegebenheiten.
Wenn wir die Ergebnisse beim Abbau der Spannungen hervorbringen wollen, wie wir sie in den vergangenen
drei oder vier Jahren erstmals beobachten konnten, wenn wir deren Fortsetzung wünschen, müssen wir unsere
Bereitschaft zur Finanzierung der Bedingungen für unsere Sicherheit dokumentieren, die meiner Ansicht nach zu
diesem Abbau der Spannungen geführt
haben.
Sollten die Bedingungen im
militärischen
Bereich
der
einzige
Faktor sein, der als Triebfeder für
diese Beschlüsse dient?
Im Hinblick
auf die Mittel, die von den NATO-Ländern schon heute für die Sicherheit
aufgewendet werden, sollte dies der
Fall sein. Wenn ein Land zehn oder
15 Prozent
seines Bruttosozialprodukts für Verteidigung bereitstellen
würde, könnten wir sagen:
natürlich
ist eine dreiprozentige Zuwachsrate

�unvernünftig, weil damit der Volkswirtschaft
dieses
Landes
eine
zu
große Last aufgebürdet würde.
Das
tut jedoch kein Land.
Kein Land
zwingt heute seiner Volkswirtschaft
solche Kosten auf, daß es sich keine
dreiprozentige Erhöhung leisten könnte, die gerade dem Wachstum - und in
vielen Fällen einem geringeren Wert entsprechen würde, das viele Länder
für ihre gesamte Vokswirtschaft prognostizieren.
Beim
gegenwärtigen
Stand der Dinge würde ich dies als
eine erschwingliche Aufstockung betrachten, und im militärischen Bereich sollten die Bedingungen dafür
akzeptiert und erfüllt werden.
Frage:
Werden
in dem Bericht
Zielsetzungen für die einzelnen Länder erwähnt, die die Verbündeten dann
als neue Ziele akzeptieren werden?
Antwort:
Ich denke nicht, daß
über das von den Ministern festgelegte und von einigen Ländern schon vor
einiger
Zeit akzeptierte Ziel der
drei Prozent hinaus neue Überlegungen
erwogen werden, und ich würde auch
nicht darauf drängen.
Frage:
Vielleicht
habe
ich
mich nicht klar genug ausgedrückt.
Wird der Bericht genaue Zielsetzungen
für einzelne Länder aufstellen?
Es
geht doch hier wohl nur um Finanzen?
Antwort:
Nein.
Der
Bericht
könnte jedes einzelne Land eingehender behandeln.
Das muß meiner Ansicht nach in der Endfassung des Berichts entschieden werden.

* * * * * *

- 5

�^°J^&lt;

VON

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

&amp;

37

12. Oktober 1988

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

QUAYLE UND BENTSEN BEHANDELN VIELE THEMENKREISE
Artikel zur Fernsehdebatte der Vizepräsidentschaftskandidaten

WASHINGTON - (AD) - Am 5. Oktober erklärten Dan Quayle und Lloyd Bentsen
einer großen Schar von Fernsehzuschauern im ganzen Land, warum sie jeweils
nächster Vizepräsident der Vereinigten Staaten werden sollten und nicht ihr
Gegenkandidat.

Bei
ihrem
Rededuell
in Omaha
(Nebraska)
legten
beide
Kandidaten
ihre Auffassungen
zu einer großen
Bandbreite von innen- und außenpolitischen Themen dar, wobei der Demokrat
Bentsen
die
Leistungen
der
Reagan-Regierung kritisierte und der
Republikaner Quayle die Politik von
Dukakis als Gouverneur
von Massachusetts angriff.

stungen als auch Erfahrung in Betracht", erklärte Quayle.
"Und eine
der Leistungen, die mich mit dem
größten Stolz erfüllen, ist meine Urheberschaft beim Partnerschaftsgesetz
zur beruflichen Ausbildung, in dessen
Rahmen mehr als drei Millionen wirtschaftlich benachteiligte Jugendliche
und Erwachsene eine Ausbildung und
Anstellung erhielten."

Quayle verteidigte seine Befähigung als Mitstreiter von George Bush
und bezeichnete sich "als meistüberprüften Anwärter für ein öffentliches
Amt" , da die Medien ihre Aufmerksamkeit insbesondere auf seinen Dienst
in der
Nationalgarde
während
des
Vietnamkrieges und seine Schulnoten
gerichtet hatten.
"Wenn man die Befähigung prüft, zieht man sowohl Lei-

Auf die Frage nach seiner erfolglosen Kandidatur für die Präsidentschaft im Jahr 1976 noch während seiner ersten Amtsperiode im Senat räumte Bentsen ein, "die Bewerbung war
keine gute Idee", fügte aber hinzu,
"heute wollen wir erneut versuchen,
das Erfahrungsspektrum und die Reife
der Person zu beurteilen, die eine
Aufgabe dieser Art übernehmen will."

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�Bentsen erklärte, bei dieser Debatte ginge es "um die Präsidentschaft selbst" da ein Vizepräsident
"ohne Spielraum für Fehler und ohne
Vorbereitungszeit"
einspringen
und
das Land regieren muß, falls der Präsident dazu aus irgendeinem Grund
nicht in der Lage sein sollte.
Bentsen wurde zu seiner abweichenden
Meinung
über
verschiedene
wichtige Themen gegenüber Dukakis befragt
und
erklärte,
"es
bestehen
einige
Meinungsverschiedenheiten,
aber insgesamt gibt es viele Bereiche
der Übereinstimmung."
Der Gouverneur
von Massachussetts "wollte kein Abbild seiner selbst", als er seinen
Kandidaten
für
die
Vizepräsidentschaft wählte, erklärte Bentsen und
fügte hinzu, er sei "erfreut und
stolz, mit ihm gemeinsam zu kandidieren" .
Quayle erklärte, "im Hinblick auf
die drei wichtigsten Herausforderungen, denen sich Amerika stellen muß Rüstungskontrolle und nationale Sicherheit, Arbeits- und Ausbildungsplätze und das Haushaltsdefizit - habe ich mehr Erfahrung und mehr aufzuweisen als der Gouverneur von Massachusetts.
Ich war Kongreßabgeordneter und habe an diesen Problemen gearbeitet."
"Wenn man Rüstungskontrolle betrachtet und mit der Sowjetunion zu
verhandeln sucht, kann man das nicht
aus einer naiven Haltung heraus tun.
Man muß die Sowjetunion verstehen.
Man muß ihre Reaktion verstehen. Ich
habe acht Jahre im Streitkräfteausschuß des Senats gearbeitet und dort
die Erfahrung zum Umgang mit der Sowjetunion und die Fortsetzung unserer
Beziehungen erworben."
Bentsen, der nicht mit Dukakis
übet die Contra-Hilfe übereinstimmte
- die der Gouverneur als "unmoralisch
und illegal bezeichnet hat -, erklärte, "sein großer Unterschied zu
dieser Regierung besteht darin, daß
sie das Hilfsprogramm für die Contras
als einzige Möglichkeit zur Lösung

dieses Problems betrachtet ...
und
ich bin der Ansicht, wir sollten dem
Frieden eine Chance geben."
Bentsen verwies auf seine Unterstützung des Arias-Friedensplans in
Mittelamerika.
"Ich
vertrete
die
Auffassung, daß man mit den Politikern der anderen mittelamerikanischen
Länder zusammenarbeiten muß, um die
Demokratisierung
Nicaraguas
durch
Verhandlungen, durch Druck, durch Beratung und mit diplomatischen Mitteln
herbeizuführen."
Quayle antwortete darauf, "es besteht kein Zweifel darüber, daß unter
einer Regierung Dukakis die Hilfe an
den demokratischen Widerstand in Nicaragua eingestellt werden wird, und
das ist bedauerlich... Es übersteigt
meinen Horizont, warum die Sowjetunion Milliarden Dollar zur Unterstützung der kommunistisch orientierten Sandinisten aufwenden kann, die
Vereinigten Staaten aber aus irgendeinem Grund dem demokratischen Widerstand nicht ein paar Dollar zufließen
lassen dürfen."
Quayle erklärte ferner, daß sich
Dukakis mit seiner Kritik an der amerikanischen Rettungsaktion in Grenada
- von der er sagte, daß sie von 85
Prozent aller Amerikaner unterstützt
wurde - nicht im Einklang mit dem
überwiegenden Teil der Amerikaner befindet."
Auf die Frage, ob im Fall der
südamerikanischen Drogenkartelle und
des panamaischen Machthabers Manuel
Noriega
militärische Maßnahmen
ergriffen
werden
sollten,
erklärte
Quayle, die Reagan-Regierung
"nutzt
das Verteidigungsministerium zur Koordinierung von Aufklärungsmaßnahmen,
aber meiner Meinung nach sollten wir
das Verteidigungsministerium nicht in
ein Polizeipräsidium umwandeln.
Wir
setzen
unsere militärischen
Mittel
vorsichtig ein, wenn wir gegen einen
Übergriff vorgehen müssen.
Und in
diesem Bereich haben wir bereits Erfolge
erzielt:
70 Tonnen
Kokain
konnten gestoppt werden."

�Bentsen beschuldigte seinen Gegner, im Senat gegen eine Resolution
gestimmt
zu haben, derzufolge die
Vereinigten Staaten mit Noriega keine
Geschäfte machen wollten, und laut
Bentsen habe es zuviele Beamte und
Behörden gegeben, die im Kampf gegen
den Drogenhandel um führende Positionen wetteiferten.
Ihm zufolge würde
eine
Regierung
unter
Dukakis
"im
Kampf gegen Drogen einer Person die
Leitung übertragen und sie für ihre
Arbeit mit den entsprechenden Ressourcen ausstatten."
Auf die Frage, ob er einen realistischen Plan zur Befreiung amerikanischer Geiseln im Nahen Osten habe, erklärte Bentsen: "Das ist eines
der
schwierigsten
Probleme,
denen
sich jeder Leiter der Exekutive gegenübersehen wird ... aber wir sollten uns darüber im klaren sein, daß
man nicht hingehen und geheime Geschäfte
mit
dem
Ajatollah
machen
kann.
Man darf keine Waffen gegen
Geiseln tauschen. Wenn man das tut,
ermutigt man
zweifellos noch mehr
Geiselnahmen."
Alles, was getan werden kann, ist
Bentsen zufolge "weiterhin Druck ausüben, vor
allem
jedes
verfügbare
diplomatische Druckmittel einzusetzen
sowie darüber hinaus jede Art von
wirtschaftlichem
Druck
auszuüben,
wenn das möglich ist."
Quayle erklärte, der Tausch Waffen gegen Geiseln sei falsch.
"Wie
soll das durchgeführt werden?
Niemand weiß die Antwort darauf.
Wenn
sie bekannt wäre, würden wir das sicherlich tun. Aber wir versuchen es
weiterhin. Wir halten die Tür offen.
Und möglicherweise werden eines Tages
der Iran und andere Geiselnehmer in
die zivilisierte internationale Staatengemeinschaft zurückkehren wollen.
Sie können das jetzt tun, indem sie
die unrechtmäßig festgehaltenen Geiseln freilassen."
Auf die Frage nach seiner Politik
zum Abbau des Haushaltsdefizits erklärte Bentsen, er würde "eine ag- 3

gressive Handelspolitik verfolgen...
dem Handel erste Priorität einräumen
und ihn nicht zugunsten einer außenpolitischen
Zielsetzung
des Augenblicks vernachlässigen."
Quayle erklärte, eine Möglichkeit
zum Abbau des Haushaltsdefizits bestünde darin, dem Präsidenten das selektive Veto zu gewähren, mit dem 43
Gouverneure gegen einzelne Programme
stimmen
können, ohne
die
gesamte
Haushaltsvorlage zu zerstören.

�AMERIKA DIENST
' V O N **

Wissenschaft und Technik

12. Oktober 1988

37

LEGALISIERUNG VON DROGEN WÄRE UNVERANTWORTLICH
- Amerikanische Politiker und Drogenexperten vor
ausländischen Journalisten -

WASHINGTON - (AD) - Bis Dezember 1988 soll ein Dokument unterschriftsreif
ausgearbeitet sein, das die Bekämpfung des internationalen Diogenhandels merklich erleichtern dürfte:
Es verlangt von UN-Mitgliedstaaten gesetzliche
Grundlagen dafür zu schaffen, daß Geldwäsche verboten wird und Gewinne aus
Rauschgiftschmuggel eingezogen und Besitztümer von Rauschgiftschmugglern beschlagnahmt werden. über den Entwurf verhandeln die Vereinigten Staaten und
mehr als 100 weitere Länder im Rahmen der Vereinten Nationen seit Februar 1985.

Die Vereinbarungen sind dazu angetan, die internationale Zusammenarbeit in der Drogenpolitik zu fördern
und enger zu gestalten. Wie unterschiedlich diese von Land zu Land
noch ist, wurde während eines im September 1988 von der "Stimme Amerikas"
in Washington veranstalteten Seminars
wieder einmal deutlich.
Zwei Wochen
lang diskutierten prominente Journalisten aus Europa, Afrika, Asien und
Lateinamerika Drogenprobleme.
Einer
der Punkte war beispielsweise die
Frage, ob Drogen legalisiert und damit offiziell zum Verkauf freigegeben
werden sollen, um dem Drogenhandel
die Profite zu entziehen.
Von den anwesenden amerikanischen
Politikern, unter ihnen Außenminister
George Shultz (von Beruf National-

United States Information Service
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ökonom) und Dr. Donald
Macdonald,
Präsidialberater
für
Drogenpolitik
und Direktor der Abteilung des Weißen
Hauses zur Bekämpfung von Drogenmißbrauch, wurde diese Idee als "unverantwortlich"
zurückgewiesen.
Man
würde damit etwas legalisieren, was
bekanntermaßen den Menschen schlimmen
Schaden zufüge und sie außerdem in
die Lage versetze, anderen ebenfalls
zu schaden.
Shultz nannte als Beispiel die
Niederlande, wo "liberale Drogenpolitik nicht erfolgreich war". Der bekannte holländische Fernseh Journalist
Gerard Bergers pflichtete ihm bei.
"Unsere liberale Politik... ruiniert
uns. Wir haben 14 Millionen Einwohner
und
15 000
Fälle
schwerster
Rauschgiftsucht.
Legalisierung funk-

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�tioniert nicht", erklärte er. Außenminister Shultz hob hervor, die lebhafte Diskussion in den Vereinigten
Staaten über eine Legalisierung von
Drogen sei ein Zeichen dafür, daß
"wir in diesem Lande unsere Meinung
frei äußern und jede Idee verwirklichen
können".
Das bedeute aber
nicht, daß man solche Ideen auch gutheißen müsse.
Ann Meyer, die Vizepräsidenten
der amerikanischen
"Nationalen Elternföderation für eine drogenfreie
Jugend"
(NFP), verwies darauf, daß
sich jetzt die amerikanische Bevölkerung enger zusammenschlösse, um soziale Normen zu verändern. Die Haltung "keine Toleranz gegenüber Drogen" komme immer stärker zum Ausdruck.
An dieser Entwicklung seien
nicht nur die Eltern, sondern auch
die amerikanischen Medien beteiligt.
Illegaler
Drogenkonsum
werde nicht
mehr einfach ignoriert oder stillschweigend geduldet.
Die NFP-Vizepräsidentin, die im Auftrag des USInformationsamtes
(USIA) Länder
in
Europa, Lateinamerika, Asien und im
Mittleren Osten bereiste, gab dort
wesentliche Anregungen zum Aufbau von
Vorbeugungs-,
Informations- und
Erziehungsprogrammen sowie zur Einrichtung von Organisationen für Eltern
und Jugendliche.
"Wir haben das Problem nicht gelöst und noch einen weiten Weg vor
uns", erklärte sie vor den Teilnehmern des Seminars. Aber es komme Bewegung in die Szene.
"Wir sind dabei, für unsere Kinder einen Wall der
Ermutigung, einen Schutzwall aufzubauen. Und die Jugend bekommt heute
überall zu hören, daß 'Drogenkonsum
nicht akzeptabel1 ist."
Die Herstellung von Drogen und
der Handel damit lähmen die Wirtschaft auf nationaler und internationaler Ebene - ganz im Gegensatz zu
der Ansicht, man könne sie damit entwickeln
oder
ankurbeln,
erklärte
Shultz.
"Das
Problem
wirtschaftlicher Entwicklung - mit oder ohne
Drogenproblem - verlangt Aufmerksam-

keit... aber ich meine, das Drogenproblem als solches blockiert bereits
die
wirtschaftliche
Entwicklung."
Die Vereinigten Staaten setzten sich
nach wie vor für die Unterstützung
von Ländern ein, die Drogen produzieren, damit sie ihre Agrarwirtschaf t
auf andere Erzeugnisse umstellen und
den Bauern helfen könnten, ihr Einkommen zu sichern.
"Letzten Endes
ist das Ganze eine finanzielle Frage", so shultz, "und wir sollten uns
Mühe geben, alternative Einkommensquellen ausfindig zu machen".
Dr. Macdonald äußerte sich als
absoluter
Gegner der
Legalisierung
von Rauschmitteln. Er lehnte es ab,
auch nur an Diskussionen über dieses
Thema teilzunehmen. Es sei ein Fehler, es im Kongreß überhaupt erörtern
zu wollen.
Illegale Drogen sollten
nach wie vor an allen Fronten bekämpft werden.
Und das Beste, was
die Medien dazu beitragen könnten,
sei die Weitergabe von Informationen
und deren Vermittlung an eine breite
Öffentlichkeit.
Er selbst habe begonnen, sich für den Kampf gegen Drogen einzusetzen, als er entdecken
mußte, daß sein damals 15jähriger
Sohn Drogen nahm. Durch eine elf Monate währende Therapie konnte ihm geholfen werden. Jetzt sei er 24 Jahre
alt und Assistent an einer hervorragenden Universität.
"Therapie kann
großartig und voll wirksam sein, wenn
das
Problem
früh
genug
angepackt
wird."
Macdonald zufolge waren nie zuvor
"die Konsequenzen von Drogenmißbrauch
in diesem Lande schlimmer als jetzt".
Vier von fünf Straftäter hätten den
gerichtlichen Untersuchungen zufolge,
in irgendeiner
Form mit
illegalen
Drogen zu tun gehabt.
Die Zahl der
Menschen, die jetzt in ein Therapieprogramm aufgenommen werden wollen,
sei heute siebenmal höher als vor
zehn Jahren bei der Behandlung Kokainsüchtiger. Und die Zahl der Toten durch Kokain allein liegt zur
Zeit viermal höher als vor vier Jahren.
Die
Infektionen
mit
HIV
(menschliches
Immunschwäche-Virus)

�und AIDS (Syndrom der erworbenen Immunschwäche) hingen zum großen Teil
eng mit Drogenkonsum zusammen, insbesondere bei Fixern, die sich Drogen
spritzen. Große Besorgnis verursacht
die wachsende Zahl der Babies, die
drogengeschädigt zur Welt kommen und
die von der Mutter in der Schwangerschaft oder bei der Geburt mit AIDS
angesteckt werden.
Eine Untersuchung an 36 amerikanischen Kliniken mit Entbindungsstationen ergab, daß nicht nur in
größeren
Städten, sondern auch in
ländlichen Regionen ca. elf Prozent
der Frauen während der Schwangerschaft illegale Drogen genommen hatten.
Dies lasse auf das ganze Land
übertragen nach Meinung mancher Fachleute befürchten, daß jährlich bis zu
375 000 Babies mit
drogenbedingten
Gesundheitsschäden
zur Welt
kommen
könnten.
Gerade Kokain bedeute ein
großes Risiko für das Kind, selbst
wenn das Gift nur kurzfristig oder
nur zu Beginn der Schwangerschaft genommen wurde.
Es könne beim Fötus
Schlaganfälle mit Lähmungen, schwere
Gehirnschäden und Mißbildungen an inneren
Organen
verursachen.
Selbst
das häufig als "harmlos" angesehene
Marihuana könne zahlreiche neurologische Störungen und eine oft bedenkliche
Entwicklungsverzögerung
beim
Kind hervorrufen.
Ab 1989 soll ein einfacher Bluttest an jedem dritten Neugeborenen
mehr Erkenntnis darüber bringen, wie
groß der Durchseuchungsgrad mit AIDS
unter Frauen im gebärfähigen Alter
ist. Die Studie wird anonym durchgeführt, Namensnennungen oder Berichte
an
infizierte Personen bzw. deren
Arzte gibt es nicht. Die Blutproben
werden bei den Tests abgezweigt, die
an jedem Neugeborenen routinemäßig mit Entnahme eines Tropfens Blut an
der Ferse auf verschiedene angeborene
Stoffwechselkrankheiten
durchgeführt werden.

* * * * * *
- 3

�'

f

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Taft hält Einigung über Bericht zur Lastenverteilung für wahrscheinlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;der Stellvertretende Verteidigungsminister bei der NATO-Pressekonferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Quayle und Bentson behandeln viele Themenkreise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Artikel zur Fernsehdebatte der Vizepräsidentschaftskandidaten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Legalisierung von Drogen wäre unverantwortlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Amerikanische Politiker und Drogenexperten vor ausländischen Journalisten&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VoN^

19. Oktober 1988

38

INHALT

DOKUMENTATION
Yeutter; Amerika muß Handelshemmnisae für Hochtechnologie
bekämpfen
- Rede vor Vertretern der Halbleiterindustrie -

HINTERGRUNDMATERIAL
DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

Bush und Dukakis bekennen sich zu politischen Unterschieden
- Artikel über das letzte Fernsehduell der Präsidentschaftskandidaten

WIRTSCHAFT

Warum das Händeringen ein Ende haben muß
- Von Clayton Yeutter und Richard Lyng -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

^

19. Oktober 1988

38
YEUTTER:

AMERIKA MUSS HANDELSHEMMNISSE FÜR HOCHTECHNOLOGIE BEKÄMPFEN
- Rede vor Vertretern der Halbleiterindustrie -

WASHINGTON - (AD) - In seiner Rede vor der "Dataquest"-Konferenz der Halbletterindustrie in San Diego erklärte der amerikanische Handelsbeauftragte
Clayton Yeutter, die Vereinigten Staaten müßten gegen Länder vorgehen, die
Entwicklungen im Bereich der Hochtechnologie in wettbewerbsverzerrender Art
uni Weise fördern und dürften sie nicht etwa nachahmen. Er verwies auf Erfolge seiner Behörde bei der Bekämpfung ausländischer Subventionen, staatlicher
Unterstützung und Marktzugangsbeschränkungen beim Handel mit Hochtechnologie,
erklärte aber, "es muß noch viel mehr getan werden. Wir dürfen nicht der Versu:hung erliegen, mit unseren Handelspartnern in einen eskalierenden Krieg
st'indig zunehmender staatlicher Einmischung in den Handel mit Hochtechnologie
ei lzutreten".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede im Wortlaut:

Es ist mir eine Ehre und ein Vergnügen, heute an der "Dataquest "-Konferenz in San Diego teilnehmen zu
körnen. Da es sich hier um eine Zusammenkunft von Hochtechnologie-Experten handelt, möchte ich diese Gelegenheit ergreifen, um auf einige
der wichtigsten Probleme einzugehen,
di&lt;! insbesondere beim Handel mit
Hochtechnologie auftreten.
Der Bereich der Hochtechnologie
ist eine der schwierigsten Herausforderungen in der Handelspolitik. Das
sclwindelerregende Tempo, in dem sich
di2
Technologie
weiterentwickelt,
stallt Wirtschaftspolitiker vor neue
Herausforderungen. Und auf der ganze I Welt sind Regierungen an der Entwitklung der Hochtechnologie auf eine
Art und Weise beteiligt, die den

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Wettbewerb
verzerrt
schafft, die unserer
dringend bedürfen.

und
Probleme
Aufmerksamkeit

Diese Probleme nehmen in unterschiedlicher Form Gestalt an - als
Subventionen,
verschiedene
Formen
zielgerichteter
staatlicher
Unterstützung, als restriktive Maßnahmen
zur Einschränkung des Marktzugangs
und unfaire oder nicht wettbewerbsfähige Marktpraktiken. Aber sie haben
Beispielcharakter und spiegeln die
starke Einflußnahme von Regierungen
In den Handel mit Hochtechnologie in
der Vergangenheit wie auch heute wider.
Wir unternehmen sowohl auf bilateraler als auch auf multilateraler
Ebene erhebliche Anstrengungen, um

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�dieses Problem in den Griff zu bekommen. Wir haben bereits Erfolge erzielt, es muß aber noch viel mehr getan werden. Die Bedeutung dieser Anstrengungen darf nicht unterschätzt
werden. Es wird von ihren Ergebnissen abhängen, ob der Handel mit Hochtechnologieerzeugnissen von der Kreativität der Ingenieure und Unternehmer und den Wettbewerbskräften freier
Märkte oder von den "bodenlosen Tascnen" der jeweiligen nationalen Finanzministerien
und
bürokratischer
Akrobatik geprägt sein wird.
Im Vorfeld ist dazu meiner Ansicht nach der Hinweis wichtig, daß
die bei Hochtechnologiefirmen stattfindende staatliche Einmischung sich
nur wenig von den Erfahrungen unterscheidet, wie sie in anderen Industriezweigen - wie etwa in der
Stihl-, Agrar- und Automobilindustrie
- gemacht wurden.
Das heißt, die
sich in den Industriezweigen der
Hochtechnologie ergebenden Probleme
im Handel spiegeln oftmals Probleme
wider, die bereits in anderen Industriezweigen aufgetaucht sind.
Einzelne Faktoren machen jedoch
den Hochtechnologiebereich sehr anfällig für verzerrende Handelspraktlkei. Wie Sie wissen, betreiben solche Unternehmen in hohem Maße Forschung und Entwicklung, und ihre Produkte haben vielfach eine kurze Lebensdauer. In dieser kurzen Lebensdauer der Produkte müssen die Firmen
nicht nur ihre Herstellungskosten und
einen vernünftigen Gewinn, sondern
auch Mittel für weitere Forschung und
Entwicklung erwirtschaften. Wenn ein
Unternehmen der Hochtechnologie einmal durch unfaire Praktiken ausländischer Regierungen aus einer Position technischer und finanzieller
Wettbewerbsfähigkeit
herauskatapultiert wird, kann der Niedergang eines
solchen Unternehmen rasant erfolgen nn i endgültig sein. Die Kosten für
einen Wiedereintritt in den Markt wären unerschwinglich und einmal brachliegende
hochspezialisierte
technische Fähigkeiten sind nicht leicht
wiederzubeleben.

Ich möchte auch hinzufügen, daß
die mit der Hochtechnologie verknüpften Überlegungen zum nationalen Prestige die Handelsprobleme, von denen
diese Industriezweige betroffen sind,
noch hartnäckiger erscheinen lassen.
Zu jener Zeit, als die amerikanische Technologie eine unangefochtene Vormachtstellung innehatte, konnten wir es uns vielleicht leisten,
die Einmischung ausländischer Regierungen zu ignorieren.
Aber diese
Zeit ist vorbei.
Die Einmischung
ausländischer Regierungen hat unseren
Zugang zu ausländischen Märkten eingeschränkt und die Entwicklung leistungsfähiger
Konkurrenten
begünstigt, die auf offenen Märkten Marktanteile erobern.
Und das Problem
löst sich nicht von selbst.
Wir sollten einige der Maßnahmen
betrachten, die uns Sorge bereiten.
Marktzugang
Hindernisse gegen den Marktzugang
können so direkt und verbreitet sein
wie Zölle - und in zahlreichen Entwicklungsländern wie auch in einigen
Industrienationen bilden Zölle nach
wie vor ein wichtiges Hindernis gegen
den Handel mit Hochtechnologie. Oder
es gibt wie in Japan eine komplexe
Mischung aus nichttarifären Hemmnissen, staatlicher Lenkung und "Kauft
japanische Produkte"-Kampagnen.
Zu
den Hindernissen im Bereich der Telekommunikation zählen formelle und informelle Bestimmungen mit dem Tenor
"Kauft einheimische Erzeugnisse" in
Beschaffungsverträgen der jeweiligen
Ministerien für Post und Fernmeldewesen. In allen Fällen verzerren diese
Handelshemmnisse den freien Markt,
schädigen
ausländische
Lieferanten
und einheimische Benutzer von Hochtechnologieerzeugnissen.
Durch die
Schaffung eines gesicherten Marktes
im Inland können Zugangsbeschränkungen auch dazu führen, daß Unternehmen
mit einer gesicherten Verkaufsgrundlage auf dem geschlossenen Markt die
Preise unterbieten.

- 2 -

�Bedauerlicherweise hat der japanische Erfolg bei der Entwicklung einer sehr konkurrenzfähigen Hochtechno Logieindustrie
und
gleichzeitigen
Importbeschränkungen bei anderen Ländern zu der Annahme geführt, die japanische Methode sei das Patentrezept
für Wettbewerbsfähigkeit
in diesem
Bereich.
Als vorzügliches Beispiel e*ner
Regierung,
die sich
fehlgeleiteter
Einmischung dieser Art bedient, kann
Brasilien mit einem Paket von Zugangsbeschränkungen, Subventionen und
nachlässigem Schutz geistigen Figentuns dienen, die zusammen eine umfasse ide Politik für die Hochtechnologie
bi den. Das Land schlägt in den Bere Lehen "Informatik" und Telekoirmunika ion eine Politik ein, mit der Impo te substituiert und in brasilianische! Hand befindlicher Besitz gefö dert werden.
Brasiliens Sonderst »b für Informatik kann den Iwport
vo l Hechtechnologieerzeugnissen verbieten, wenn ein ähnliches Produkt
von einem brasilianischen Unternehmen
in Brasilien hergestellt wird.
Impo te der meisten Digitalrechner und
ähnlicher Produkte - einschließlich
Mii.ro- und Minicomputern, Geräte der
Te:ekommunikation,
Faseroptik
und
So tware - können vom brasilianischen
Ma--kt verbannt werden, und das ist in
de- Vergangenheit auch geschehen.
Als
Ergebnis
dessen
sind
die
Preise für Computer in Brasilien etwa
dreimal so hoch wie auf dem Weltmarkt, und modernste Computer sind
nu:
als
Schmuggelware
erhältlich.
Da:; schadet dem brasilianischen Verbraucher, den brasilianischen Unternehmen, die «it Computern arbeiten
wie auch den Vereinigten Staaten und
anderen
ausländischen
Firmen,
die
Ho&lt;:htechnologieerzeugnisse in Brasilien absetzen wollen.

Staatliche Subventionen und PCrder•intel "
Die Vereinigten Staaten erkennen
di&lt; legitime Rolle an, die einer Re-

gierung bei der Förderung der Grundlagenforschung
und
der Entwicklung
von Technologie für die Landesverteidigung zukommt, haben selbst aber von
der Entwicklung
rein
kommerzieller
Technologie Abstand genommen. Im Gegensatz dazu haben Regierungen auf
der ganzen Welt die Entwicklung und
Vermarktung
von
Hochtechnologieerzeugnissen zur grundlegenden nationalen Zielsetzung erhoben.
Staatliche Subventionen und Fördermittel
beschränkten
sich
dabei
nicht allein auf Forschung und Entwicklung. Hierfür liefert Airbus Industries ein gutes Beispiel. Die Regierungen von Großbritannien, Frankreich, der Bundesrepublik Deutschland
und Spanien haben beschlossen, daß
ihre Länder auf nationaler Ebene in
der
zivilen
Luftfahrt
tätig
sein
sollten.
Um dieses Ziel zu erreichen, haben diese drei Regierungen
dem
Airbus-Konsortium
umfangreiche
finanzielle
Unterstützung
gewährt.
Diese Unterstützung erfolgte in Form
staatlicher
Finanzierung
von
Forschung und Entwicklung für die Luftfahrt und durch umfangreiche staatliche Kredite, mit denen Verluste bei
der Flugzeugproduktion abgedeckt werden sollten.
Bei der Kreditvergabe
waren die RUckzahlungszeiträume und
-bedingungen für Airbus sehr großzügig
bemessen.
Als
Folge
dieser
staatlichen Unterstützung konnte Airbus seine Anteile am Weltmarkt erheblich steigern und zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten für amerikanische Unternehmen werden.
In Japan prüft die Regierung routinemäßig
vielversprechende
neue
Technologien
und
finanziert
Forschungs- und
Entwicklungsprogramme,
die japanische Firmen zusammenführen,
damit der kommerziellen Nutzung dieser Technologien Vorschub geleistet
wird.
Das bekannteste Beispiel dieser Aktivitäten liefert das Projekt
VLSI (Integration in großem Umfang Very Large Scale Integration), das
japanische Unternehmen Ende der siebziger Jahre
in die
DRAM-Industrie
(Dynamische Speicher mit wahlfreiem

- 3 -

�Zugriff - Dynamic Random Access Memory) katapultierte, aber darüber hinaus werden zahlreiche Projekt" durchgeführt, die uns Anlaß zu großer Besorgnis bieten. Die japanische Regierung unterstützt wichtige kommerzielle Forschungs- und Entwicklungsprogramme für Supraleiter, Optoelektr&gt;nik,
Galliumarsenid,
keramische
Werkstoffe, neue Computergenerationen
un 1 Software.
In den aufstrebenden Industrieländern haben Regierungen die Beteiligung an Hochtechnologiefirraen zur
nationalen Priorität erklärt. Es ist
vo1 besonderer Bedeutung, daß die
jü igstr Entwicklung der Halbleiterpr xiukt ion in einer Reihe von asiatischer Entwickjungs]ändern in nahezu jedem Falle auf Anstrengungen der
Re;ienng zurückzuführen •'st.
In einigen Fällen wurden staatli herseits industrielle Strukturen
ge.örd*rt, die zu Verzerrungen beim
Ha idel geführt haben. Bisweilen resultiert dies aus Haltungen und Gesetzen zur Durchsetzunp von Antitrjst-hestimmungen, die sich stark
vo) den in den Vereinigten Staaten
an .ewatidten unterscheiden. In Japan
ha Jen ::um Beispiel dfe Hersteller von
Fernsehgeräten von den späten fünfzige - bi; zu den fruhtn siebziger Jahre i b(i der Festsetzung der Preise
un ! Produktionsquoten zusammengearbeitet. Dieses Verhalten verhinderte
dei Zugang neuer Konkurrenten zum
Ma kt und führte zum Dumping japanischer Fernsehgeräte in den Vereinijten Staaten. Die Preise außerhalb
Japans fielen auf ein Niveau, durch
da &gt; die meisten amerikanischen Produ:enten vom Markt verdrängt wurden.
Auch die Struktur der japanischen
Halbleiterindustrie hat zu den Hände Isprcblemen beigetragen, mit denen
wi • in diesem Bereich zu kämpfen habe i. Sie ist viel stärker konzentriert und vertikal integriert als
di ? amerikanische Industrie, und aufgrjnd der weitverzweigten KeiretsuIn lustriegruppierungen in Japan bestehen Verbindungen zwischen Halblei-

terherstellern, Benutzern und Vertreibern sowie Finanzinstitutionen,
die dort wesentlich weitreichender
sind als alles, was in unserem Land
existiert.
Diese Struktur fördert
eine Haltung des "kauft japanisch"
und
erleichtert
Dumping-Praktiken,
indem sie eine indirekte Subventionierung aus anderen Produktlinien
oder langfristige Finanzierung von
Bemühungen zur Marktdurchdringung ermöglicht.

Der Schutt geistigen Eigentums
Eine Aufzählung der Probleme im
Handel mit Hochtechnologie wäre unvollständig, ohne den Schutz geistigen Eigentums zu erwähnen. Im vergangenen Jahr schätzte die Welthandelsorganisation, daß amerikanische
Firmen weltweit aufgrund von Verletzungen des Schutzes geistigen Eigentums bis zu 60 Milliarden Dollar pro
Jahr verlieren. Einige Länder - besonders Entwicklungsländer - gestatten die unerlaubte Nachahmung von Innovationen mit dem Argument, dies sei
eine wirksame Methode zur Entwicklung
ihrer nationalen Industrien. In anderen Ländern bestehen Gesetze über
das geistige Eigentum an Büchern, die
einfach nicht durchgesetzt werden.

Die Reaktion der Vereinigten Staaten
Ich habe soeben eine ziemlich beängstigende Reihe von Problemen im
Hochtechnologiebereich
aufgezählt.
Ich möchte nun darüber sprechen, was
wir zu deren Lösung getan haben oder noch tun müssen.
Zunächst müssen wir ein Klima des
Wettbewerbs schaffen. Wenn wir unsere Unternehmen mit hohen Steuern, unnötigen Vorschriften und anderen Beschränkungen
belasten, denen ihre
ausländischen Konkurrenten nicht unterliegen, werden sie kaum Erfolgschancen haben. Aus diesem Grund ist
die Beibehaltung der von Präsident
Reagan durchgeführten Steuersenkungen, Reformen der Besteuerung und des

�staatlichen
wichtig.

Vorschriftenwesens

so

Als nächstes mlissen wir in der
Wi tschaft ein stabiJes internationale:. Umfeld mit vernünftigen Wechselkursparitäten sicherstellen. Die von
de
gegenwärtigen Administration in
den vergangenen drei Jahren durchgeführte internationale wirtschaftliche
Zusammenarbeit hat Wechselkursparitäten zur Folge gehabt, die amerikanische Firmen außergewöhnlich konkurrenzfähig machen, i nd wir stellen
hei te fest, daß sich diese Bemühungen
langsam auszahltn.
Unser Handelsdefi. it ist seit dem dritten Quartal
19 6 real um übe- 40 Prozent gesunken.
Es reicht jedoch nicht aus, lediglich die makroökonomischen Faktoren zu behandeln.
Die Bundesregierung (sowie die Regierungen der Einze Staaten und Gemeinden) mUssen alle: in ihrer Macht Stehende tun, um
da:; Wettbewerbflumfelc; zu verbessern,
einschließlich Unterstützung von Forschung, Entwicklung und Bildung sowie
Beseitigung
von
Antitrust-Beschränkungen, die amerikanische Firmen dabe
behindern könnten, auf dieselbe
Ar
und Weise zusammenzuarbeiten wie
in e Konkurrenten.
Präsident Reagans
In tiative
zur
Wettbewerbsfähigkeit
aun dem Jahre i987 wurde entworfen,
um diese Faktoren zu behandeln. Vielen seiner Empfehlungen wurde im Allgeneinen Handels- und Wettbewerbsgesetz des Jahres 1938 Gesetzeskraft
ve liehen, aber es gibt noch eine
Re he anderer Empfehlungen, die wir
uns als Nation zu eigen machen können
und sollten.

Ein Blick auf das Chaos im Welthandel mit Agrarprodukten ist in dieser Hinsicht
sehr '..struktiv.
In
diesem
Bereich
ist die staatliche
Einmischung so sehr außer Kontrolle
geraten, daß das überleben der Bauern
nicht von ihrer Wettbewerbsfähigkeit,
sondern von den Launen staatlicher
Maßnahmen und Programme abhängt. Und
den
Verbrauchern
und
Steuerzahlern
werden die Taschen geleert.
Nein, die Antwort besteht nicht
darin, sich den Sündern anzuschliessen, sondern sie zu bekehren.
Wie
stellen wir das an? Zuallererst müssen wir aggressiv gegen die unfairen
Handelspraktiken anderer Staaten vorgehen.
Diese
Administration
hat
durch die Anwendung der ihr in Abschnitt 301 verliehenen Vollmachten
und eine Reihe anderer ihr zur Verfügung stehender Mittel energisch die
Beseitigung unfairer Handelspraktiken
und Schranken gegen unsere Exporte
angestrebt.
Diese Bemühungen werden
fortgesetzt.
Das neue Handelsgesetz
wird dazu beitragen, sicherzustellen,
daß die nächste Administration diese
aggressive Handelspolitik weiterverfolgt, hoffentlich
ohne
Hinwendung
zum Protektionismus.
Insbesondere im Hochtechnologiebereich sind wir schon tätig geworden:

Wir dürfen jedoch nicht der Versuchung erliegen und mit unseren Hände, spartnern in einem eskalierenden
Kr eg mit ständig zunehmender staatlicher Einmischung in den Handel mit
Ho( htechnologie einzutreten.
Es ist
schwer, auf staatliche Interventionen
nicht unsererseits mit Engagement für
industriepolitische Programme zu reagieren, aber eine solche Haltung würde letztlich seibstzerstörerisch wirken.
- 5 -

- Wir haben selbst einen Fall gemäß
Abschnitt 301 in bezug auf Marktzugang, geistiges Eigentum
und
Investitionsaspekte der Informatikpolitik in Brasilien eingeleitet. Obwohl die Ergebnisse unserer Gespräche mit Brasilien meiner Ansicht nach immer noch weit
von einer befriedigenden Lösung
entfernt
sind, haben wir beim
Schutz geistigen Eigentums Fortschritte
feststellen
können.
Überdies hat unser Vorgehen gegen
Brasilien
meiner
Ansicht
nach
dort zunehmend zu der Einsicht
geführt, daß eine solche Politk
kontraproduktiv Ist.
- Wir haben bilaterale Verhandlungen und Konsultationen mit Japan,

�Korea
und
vielen
europäischen
Ländern aufgenommen, um die Liberalisierung ihrer Regelungen im
Telekommunikationsbereich zu fördern. Diese Bemühungen haben positive
Ergebnisse
gezeitigt.
Insbesondere im Licht der Telekommunikationsverfügungen
des
Handelsgesetzes müssen und sollten wir in den nächsten Jahren
noch stärkere Fortschritte machen.
- Wir haben energische Anstrengungen unternommen, um mit den europäischen Regierungen Einvernehmen
über Disziplin im Bereich staatlicher
Unterstützung
der Flugzeugindustrie zu erzielen.
Wir
streben
eine Verpflichtung
an,
derzufolge sie finanzielle Hilfen
für den Airbus zu marktüblichen
Konditionen bereitstellen würden
- kein unvernünftiger Vorschlag.
Bit
jetzt
sind die Ergebnisse
dieser Bemühungen noch nicht sehr
positiv.
Wir werden uns bald
eingehend mit den uns in dieser
Frage zur Verfügung stehenden Optionen bescl äftigen müssen - insbesondere, falls die Regierungen
der am Airhus-Programm beteiligten Länder weitere Unterstützung
bereitstellen.
- Durch
bilaterale
Verhandlungen
unter Zuhilfenahme von Abschnitt
301 sowie unseres GSP-Programms
(Generalized
System of Preferences - Allgemeines Meistbegünstigungssystem)
haben
wir
beträchtliche Erfolge bei der Verbesserung des Schutzes geistigen
Eigentums in einer Reihe von Ländern
erzielt,
darunter
Korea,
Taiwan, Singapur, Indonesien und
Chile.
- Mit Hilfe der von Abschnitt 301
und unseren Antidumpinggesetzen
bereitgestellten Machtmittel haben wir das
amerikanisch-japanische
Halbleiterabkommen
geschlossen.
Aufgrund der Zusammensetzung dieses Forums möchte
ich näher auf diese Vereinbarung
eingehen.
Wie Sie wissen, soll

dieses Abkommen ein Dumping von
Halbleitern verhindern und Zugang
zum
japanischen
Halbleitermarkt
herstellen.
Nach
einem
schwierigen
Beginn
sind die Antidumping-Bestimmungen des
Abkommens
ausgesprochen
erfolgreich
gewesen.
Das
Dumping
japanischer
Halbleiter in den Vereinigten Staaten
und auf anderen Weltmärkten wurde gestoppt. Leider haben die Japaner die
Marktzugangsbestimmungen
nicht
entsprechend eingehalten.
Als Ergebnis
dessen haben die Vereinigten Staaten
aufgrund
von
Vertragsverletzungen
Sanktionen in Höhe von 185 Millionen
Dollar gegen Japan verhängt.
Ähnliche, wegen der Verletzung der Antidumping-Bestimmungen
des
Abkommens
gleichzeitig
verhängte
Sanktionen
wurden nach der Einstellung dieser
Praxis aufgehoben.
Beim Marktzugang machte der amerikanische
Anteil
am
japanischen
Halbleitermarkt
im zweiten
Quartal
dieses Jahres nur 10,2 Prozent aus.
Ungeachtet erheblicher Verschiebungen
bei den Wechselkursen ist dieses Ergebnis nicht besser als der höchste
seit 1970 von amerikanischen Unternehmen in Japan erzielte Marktanteil.
Ein zehnprozentiger Marktanteil steht
nicht im Einklang mit der erwiesenen
Wettbewerbsfähigkeit
amerikanischer
Halbleiterhersteller
auf
anderen
Weltmärkten und erfüllt nicht die Erwartungen der amerikanischen Regierung bezüglich des Marktzugangs.
Trotz unserer Enttäuschung über
die bis heute erzielten Ergebnisse
beim Marktzugang sind wir der Ansicht, daß Fortschritte möglich sind,
wenn die Regierung Japans und die japanischen
Halbleiteranwender
zwei
Dinge tun: Erstens müssen sie erkennen, daß das Ziel dieser Vereinbarung
darin besteht, den ausländischen Anteil am japanischen Halbleitermarkt
den wirtschaftlichen Grundbedingungen
anzupassen und zweitens die notwendigen
marktwirtschaftlichen
Schritte
unternehmen, um dieses Ziel zu erreichen. Diese Schritte würden den Weg

�für die Art konkreter Verbesserungen
bei der ausländischen Beteiligung am
japanischen Markt ebnen, die eine
Aufhebung der Sanktionen gestatten
würden.

wird - meiner Ansicht nach weiterhin
Bestand und müssen verwirklicht werden.

Die Uruguay-Runde
Ich bin mir darüber im klaren,
daß bezüglich dieses Abkommens heftige Kritik im Inland geäußert wurde
- angeheizt durch den rapiden Anstieg
der DRAM-Preise im vergangenen Jahr und erneut Bedenken über die mögliche
Manipulation der DRAM-Produktion und
-Lieferungen durch japanische Unterne lmen laut wurden. Im Hinblick auf
diesen letzten Punkt hat die amerikanische Regierung stets Produktionskoitrollen seitens der japanischen
Regierung abgelehnt und wir werden
solche Kontrollen oder die willkürliche Zuteilung von DRAMs oder andere i Halbleiter-Produ&lt;cten nicht dulden. In der Tat gründete sich die
Entscheidung des Präsidenten, die gege I Japan verhängten AntidumpingSa lktionen aufzuheben, auf die vom
jaianischen Ministerium für internationalen Handel und Industrie (MITI)
abgegebene Erklärung, die japanische
Haibleiterproduktion

werde

keinerlei

Koitrollen unterworfen. Bei den Konsultationen im August hat unsere Regierung dieses Thema mit der japanischen Regierung erörtert und zusätzliche Informationen über die japanische DRAM-Produktion und deren
Exporte gefordert. Dies ist ein Problem, das wir weiterhin sorgfältig im
Auge behalten werden.
Bezüglich der angeblichen Mängel
dieses Abkommens möchte ich nur feststellen, daß wir die gemeinsam von
den
amerikanischen
Verbänden
der
Elektronik- und dem Halbleiterindustrie (AEA und SIA) entwickelten Verbesserungsvorschläge objektiv überprüfen werden. Das Halbleiter-Abkommen versucht, einige höchst schwierige Probleme in den Griff zu bekommen.
Obwohl es nicht perfekt sein mag, haben einige seiner Zielsetzungen - zu
verhindern, daß ein lebenswichtiger
amerikanischer Industriezweig durch
eine Kombination von Dumping und eingeschränkten
Marktzugang
zerstört

Während unsere bilateralen Bemühungen zum Abbau unfairer Handelspraktiken
unvermindert
fortgesetzt
werden, müssen wir im Auge behalten,
daß den Bedürfnissen amerikanischer
Unternehmen langfristig am besten mit
einer soliden Grundlage weltweit respektierter und durchsetzbarer internationaler
Handelsbestimmungen
gedient ist, die nicht nur die traditionellen Problembereiche des GATT
abdecken, sondern auch neue Bereiche
wie geistiges Eigentum, Dienstleistungen und Investitionen umfassen.
Aus diesem Grund haben wir unnachgiebig auf die Eröffnung der UruguayRunde der Handelsgespräche gedrängt,
die jetzt bereits eine Zwischenbilanz
ziehen kann.
Die Uruguay-Runde ist sehr viel
umfassender und ehrgeiziger als jede
vorherige Runde multilateraler Handelsgespräche. Unsere Hauptziele bei
der Uruguay-Runde - Stärkung des
GATT-Systems, Verbesserung der internationalen Bestimmungen in solch traditionellen Bereichen wie Subventionen, Schutzmaßnahmen und Landwirtschaft, weitere Liberalisierung des
Handels sowie die Erarbeitung einer
gemeinsamen GATT-Diszlplin bei den
sogenannten neuen Bereichen wie geistigem Eigentum, Investitionen und
Dienstleistungen - liegen im Interesse aller Sektoren der amerikanischen
Wirtschaft. Ich dränge auf Ihre uneingeschränkte Unterstützung unserer
gemeinsamen Bestrebungen zur Verwirklichung dieser Ziele.
Ferner möchte ich einige Bereiche
der Runde erwähnen, die für die Hochtechnologieindustrie von besonderem
Interesse sind.

- 7 -

- Subventionen:
Exportsubventionen für Industrieprodukte sind im
Rahmen des GATT verboten, aber

�die Bestimmungen, die bei Subventionen im Inland Anwendung finden
- die zweifelsohne die gleiche
verzerrende Wirkung haben können
wie Exportsubventionen
- sind
sehr dehnbar.
Die Vereinigten
Staaten haben einen umfassenden
Vorschlag zur Verbesserung der
Disziplin bei Inlandssubventionen
und zur Schaffung eines wirksamen
Mechanismus zur Klärung internationaler Konflikte über die Anwendung von Subventionen unterbreitet. Diesem Vorschlag wurde
bis heute weder die Aufmerksamkeit noch die Unterstützung zuteil, die er verdient.
In der zweiten Hälfte der Uruguay-Runde werden wir uns verschärft darum bemühen müssen, in
diesem Bereich ernsthafte Verhandlungen in die Wege zu leiten.
Dabei müssen wir sorgfältig zwischen legitimer staatlicher Unterstützung für Forschung, Entwicklung
und
technologischen
Fortschritt einerseits und übertriebenen und verzerrenden Programmen andererseits unterscheiden.
- Geistiges Eigentum:
Unser vorrangiges Ziel in diesem Bereich
besteht in der Erarbeitung eines
internationalen
Abkommens
über
eine Reihe von Normen zum Schutz
des geistiges Eigentums sowie
wirksamer Mechanismen zu deren
Durchsetzung.
Die
Europäische
Gemeinschaft, Japan und die meisten
anderen
Industrienationen
stehen den Vereinigten Staaten
bei der Unterstützung diese Konzepts zur Seite. Einige Entwicklungsländer lehnen diese Bestrebungen ab, aber wir erwarten, daß
es uns schließlich gelingen wird,
ein GATT-Abkommen über den Schutz
geistigen Eigentums auszuhandeln.
Solch ein Abkommen sollte wirksame Mechanismen zur Beilegung von
Konflikten enthalten und strengere
internationale
Normen
zum
Schutz geistigen Eigentums definieren als derzeit in den meisten

Ländern üblich.
- Investitionen:
Zahlreiche Vorschriften zur Regelung von Investitionen, wie zum Beispiel der
Investitionsumfang im Inland und
Bestimmungen über die Exportleistung haben erhebliche Auswirkungen auf den Handel. Diese müssen
vom GATT anerkannt und eine wirksame Disziplin muß zu deren
Durchsetzung erarbeitet werden.
- GATT-Verhaltenskodizes:
Staatliche Beschaffungspraktiken und
Vorschriften
zur Regelung der
Normen können Auswirkungen auf
den Handel mit Hochtechnologiegütern haben. Sie können zur Abschottung von ausländischen Märkten angewandt werden, wie dies in
der Vergangenheit der Fall war.
Wir streben eine Überarbeitung
des staatlichen Beschaffungskodex
im Rahmen des GATT an, um die
staatlichen
Einkaufsabteilungen
abzudecken, die bisher von den
Bestimmungen des Kodex über offene, transparente und dem Wettbewerbsprinzip unterliegende Ausschreibungen ausgenommen waren.
Wir drängen insbesondere die Europäische
Gemeinschaft,
das
Transportwesen und die für schweres elektrisches und Telekommunikationsgerät
zuständigen
Einkaufsabteilungen
der
Disziplin
des Kodex zu unterwerfen. Sollte
uns dies gelingen, würden sich
den
amerikanischen
Unternehmen
zum ersten Mal lukrative staatliche Märkte eröffnen. Wir versuchen ferner, den GATT-Normenkodex zu verbessern, um sicherzustellen, daß die einzelnen Länder
diese Normen nicht als Handelshemmnis anwenden.
Abbau von Zöllen und nichttarifären Maßnahmen (NTMs): Seit seiner Gründung im Jahr 1947 waren
die größten Erfolge des GATT beim
weltweiten Abbau der Zollschranken zu verzeichnen, und im Verlauf der jetzigen Runde werden
sich weitere Gelegenheiten zum

�Abbau von Zöllen ergeben. Insgesamt gesehen stellen Zölle nicht
mehr das wichtigste Hemmnis gegen
den
Marktzugang
von
amerikanischen
Hochtechnologieexporten
dar, aber in bestimmten Fällen,
wie beispielweise in zahlreichen
Entwicklungsländern,
können
sie
ein Haupthindernis für den Handel
sein.
Um zu gewährleisten, daß
diese Verhandlungen tatsächliche
Verbesserungen für den Zugang zu
ausländischen Märkten zur Folge
haben, befürworten wir die vollständige
Einbeziehung
der Verhandlungen über Zölle und spezifische
nichttarifäre
Maßnahmen
für einzelne Produkte.

rikanischer
Unternehmen
gerechtfertigt scheint und mögliche Vorfälle
wie Produktionskontrollen
oder die
benachteiligende Zuteilung von Halbleitern sorgfältig im Auge behalten.
Abschließend möchte ich eine persönliche Bemerkung hinzufügen.
Ich
freue mich ganz besonders Über die
Möglichkeit,
den
Herausforderungen
begegnen zu können, die sich unserer
Halbleiterindustrie stellen.
Es ist
von vorrangiger Bedeutung, daß unser
Land
eine
konkurrenzfähige
industrielle
Grundlage
im Bereich der
Hochtechnologie - einschließlich einer
starken
Halbleiterindustrie
aufrechterhält.
Ich werde Ihre zukünftigen Erfolge mit großem Interesse beobachten.

Sc hlußbemerkung
Die Herausforderungen, mit denen
wir uns durch staatliche Interventionen des Auslands konfrontiert sehen,
sollten nicht unterbewertet werden.
Gleichzeitig ist sich unsere Regierung langfristig gesehen sehr wohl
der Gefahren für unsere Wettbewerbsfähigkeit bewußt, die durch eine solche Einmischung entstehen und begegnet diesen Praktiken mit einer Vielzahl von Ansätzen, die immer größere
Wirkung zeitigen.
Das neue Handelsgesetz ist uns beim Abbau unfairer
Handelspraktiken behilflich.
Gleichzeitig
werden wir
unsere
Bestrebungen
bei den
Verhandlungen
der Uruguay-Runde fortsetzen, um eine
wirksame
GATT-Disziplin
gegen handelsverzerrende Praktiken zu erarbeiten und die wichtigsten Handelshemmnisse anzubauen, denen sich amerikanische Unternehmen - einschließlich
der Hochtechnologie-Firmen - gegenüber sehen.
Und schließlich werden wir unseren bestehenden Abkommen Geltung verschaffen.
Im Rahmen des amerikani seh-japanischen
Halbleiter-Abkommens werden wir beispielsweise unvermindert auf den Anteil des japanischen
Halbleitermarktes
drängen,
der für die Wettbewerbsfähigkeit ame-

- 9 -

�AMERIKA DIENST
w^;
VON

Hintergrundmaterial

&amp;

19. Oktober 1988

38

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
BUSH UND DUKAKIS BEKENNEN SICH ZU POLITISCHEN UNTERSCHIEDEN
Artikel über das letzte Fernsehduell der Präsidentschaftskandidaten

WASHINGTON - (AD) - Bei ihrer zweiten und letzten Fernsehdebatte im Rahmen
des Präsidentschaftswahlkampfes 1988 bekräftigten Vizepräsident Bush und der
Gouverneur von Massachusetts, Michael Dukakis, am 13. Oktober ihre stark unterschiedlichen Auffassungen zu außen-, verteidigungs- und innenpolitischen
Fragen.

Der
republikanische
Präsidentschaftskandidat Bush und sein demokratischer Gegenspieler Dukakis bekundeten auf dem Campus der University of California in Los Angeles ihre stark divergierenden Meinungen bis
zur Uneinigkeit darüber, worum es bei
der diesjährigen Wahl eigentlich geht.
Bush erklärte bei der Sendung den
etwa 100 Millionen Zuschauern, die
wichtigste Frage laute, mit welchem
Konzept das Land regiert werden kann.
Dukakis zufolge liegt hingegen in
kompetentem Management der Schlüssel
für eine effiziente Regierung. Bush
erhob den Vorwurf, die Verweise auf
Kompentenz lenkten von der wenig beliebten "liberalen" Politik Dukakis
ab.
Dukakis verwies darauf, seine
Erfahrungen als Leiter der Exekutive

United States Information Service
Embassy of the United States of America

eines Bundesstaates böten ihm bessere
Voraussetzungen
zur Führung eines
Landes als Bush, der Präsident Reagan
als Stellvertreter gedient habe.
"Wir wollen Etiketten vermeiden",
erklärte Dukakis. Aber Bush, dessen
Wahlkampf bis jetzt in hohem Maße davon gekennzeichnet ist, daß er seinen
Gegenspieler als zu linksgerichtet
für den größten Teil der Amerikaner
bezeichnet, weigerte sich, das Argument zurückzunehmen.
"Sein linkes
politisches
Programm
gefällt
mir
nicht", erklärte Bush.
Dukakis konzentrierte sich auf
Bushs Unterstützung für Reagans Politik der hohen Verteidigungsausgaben
und behauptete, das Land könne sich
die massiven Ausgaben des Pentagon

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�der vergangenen sieben Jahre nicht
weiterhin leisten. Er erklärte, effizientes Management sei erforderlich, um in den nächsten Jahren bei
den Verteidigungsaufwendungen solide
Entscheidungen
treffen zu können.
"Ich bin darauf vorbereitet, sie zu
treffen," erklärte der Gouverneur zu
diesen Entscheidungen. "Der Vizepräsident ist es nicht."
"Unseren Ausgaben sind Grenzen
gesetzt", sagte Dukakis.
Er fügte
jedoch hinzu, daß er sich nicht der
Modernisierung amerikanischer Kernwaffen widersetzen werde und eine
Aufrüstung bei konventionellen Waffen
stattfinden sollte.
Bush wies darauf hin, der Verteidigungshaushalt enthalte "keine Verschwendung" und erhob den Vorwurf,
Dukakis gefährde die Sicherheit der
Vereinigten Staaten und des Westens,
indem er die Streitkräfte beschränke,
ohne die Maßnahmen der Sowjetunion zu
berücksichtigen.
"Man nimmt keine
einseitigen Kürzungen in der naiven
Hoffnung vor, daß sich die Sowjets
gut benehmen", erklärte der Vizepräsident.
Bush erklärte, "Liberalen" wie
Dukakis wäre es sicherlich nicht gelungen, genügend militärische Stärke
der Vereinigten Staaten aufzubauen,
um den INF-Vertrag erfolgreich auszuhandeln und stellte fest, Dukakis habe zeitweise das Einfrieren der Kernwaffenpotentiale befürwortet.
In seinen abschließenden Bemerkungen fügte Bush jedoch hinzu, als
Präsident wolle er Verhandlungen über
ein Verbot chemischer und biologischer Waffen führen.
Beide Kandidaten verurteilten das
im Jahr 1979 als Reaktion auf die sowjetische Invasion in Afghanistan gegen Moskau verhängte Getreide-Embargo. Keiner der Kandidaten gab einen
Kommentar zum amerikanischen Haushalts- und Handelsdefizit ab.
Auch zu der gesamten Bandbreite

von innenpolitischen Themen äußerten
die Kandidaten keine neuen Ansichten.
Bush unterstrich erneut, daß er praktisch jegliche Indikation für eine
Abtreibung ablehnt. Dukakis erklärte, die Entscheidung für eine Abtreibung liege einzig und allein bei der
Frau selbst. Bush zufolge werden zum
Teil so schreckliche Verbrechen begangen, daß die Todesstrafe in gewissen
Fällen
gerechtfertigt
ist.
Dukakis erklärte, die Todesstrafe
würde Verbrechen nicht abschrecken
und solle daher abgeschafft werden.
Bush verwies darauf, daß der Präsident nur solche Richter ans Oberste
Bundesgericht
berufen sollte, die
eine enge Auslegung der Gesetze vertreten, im Gegensatz zu rechtlichem
Aktivismus, wie er durch eine großzügige Auslegung der Gesetze gekennzeichnet ist. Dukakis zitierte die
gescheiterte Berufung von Robert Bork
als Beispiel für eine solche Berufung.
Zum Thema Steuern bekräftigte
Bush, die wirtschaftliche Expansion
der Reagan-Ära könne nur durch die
vollständige Absage an jede Art von
Steuererhöhungen, die eine Lähmung
der Wirtschaftsaktivitäten zur Folge
haben würden, aufrechterhalten werden. Dukakis griff Bushs Plan zur
Senkung der Kapitalertragssteuer für
höhere Einkommensschichten heftig an.
Dukakis kritisierte die Bestrebungen
der Reagan-Bush-Administration, die
Ausgaben für den Umweltschutz zu kürzen. Bush bekräftigte, er halte sich
gerne in der freien Natur auf und
verurteilte die starke Verschmutzung
des Bostoner Hafens, die er Dukakis
anlastete.
Die Kandidaten waren entgegenkommender und weniger auf Konfrontation
aus als bei ihrer ersten Fernsehdebatte vor drei Wochen. Bezüglich der
Außen- oder
Innenpolitik
eröffnete
keiner der beiden neue Perspektiven
oder geriet bei der Beantwortung von
Fragen ins Stocken. Dukakis gelang
es nicht, den "klaren Sieg" zu erringen, den er den meisten Beobachtern
zufolge benötigte, um den Vorsprung,
den er zunächst gegenüber Bush in den

- 2 -

�Meinungsumfragen zu verzeichnen hatte, wieder aufzuholen.
Würden heute Wahlen abgehalten,
läge Bush der Mehrzahl der Demoskopen
zufolge in der Wählergunst etwas vorne. Sein Vorsprung bei den Wählerstimmen - nach der "winner-take-all"Methode wird der Kandidat mit allen
Stimmen eines Staates belohnt - wäre
jedoch sehr viel größer.
Ein Journalist schnitt kurz die
Möglichkeit einer weiteren Debatte
an. "Keine weiteren Debatten", erwiderte Bush. "Ich habe meine Positionen klar umrissen."
Die Wahlkampftruppe von Dukakis
war bestrebt, zusätzliche Fernsehdebatten der Präsidentschafts- und Vizepräsidentschaf tskandidaten durchzuführen.

* * * * * *

•

- 3-

�AMERIKA DIENST
'VON

Wirtschaft

4

38

19. Oktober 1988

WARUM DAS HANDERINGEN EIN ENDE HABEN MUSS
Von Clayton Yeutter und Richard Lyng

(Clayton Yeutter ist Handelsbeauftragter und Richard Lyng Landwirtschaftsminister der Vereinigten Staaten. Der folgende Artikel erschien am 12. Oktober 1988 in der Financial Times.)

- (AD) - Eine unsolide Landwirtschaftspolitik gefährdet alle: reiche und arme Nationen, Exporteure und
Importeure, Bauern, Verbraucher und
Steuerzahler.
Die Bauern werden von ihrem Land
vertrieben, Nahrungsmittel werden in
falschen Mengen und am falschen Ort
produziert, der Verbraucher ißt weniger gut als er sollte, und der Steuerzahler zahlt die Rechnung für all
diese Verzerrungen. Die Industrienationen sind mit Haushaltskrisen konfrontiert während die Entwicklungsländer mit den Budgets der Großen
einfach nicht konkurrieren können.
Diese
beängstigende
Situation
wurde von Regierungen herbeigeführt,
und es sind Regierungen, die sie lö-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

sen müssen. Alle führenden Handelsnationen sind daran mitschuldig, und
alle müssen sich an der Lösung des
Problems beteiligen.
Das geeignete Forum, um diesem
Wahnsinn ein Ende zu bereiten, ist
die Uruguay-Runde
des Allgemeinen
Zoll- und
Handelsabkommens
(GATT).
Alle haben im Jahr 1986 zu Beginn der
Uruguay-Runde in Punta del Este dem
Versuch einer weltweiten Reform der
Landwirtschaft zugestimmt. Wir führen jedoch immer noch eine heftige
Debatte darüber, wie weitgehend und
wie rasch diese Reform stattfinden
soll - eine Frage, die im Dezember
beim Treffen der Handelsminister des
GATT in Montreal behandelt werden muß.
Dieses

umstrittene

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Problem wur-

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�zeit in dem Versuch einiger Länder,
ihren Bauern Vorteile gegenüber deren
Konkurrenten zu verschaffen. Letztere haben natürlich auf die gleiche
Weise reagiert, und damit wurde der
Welt eine eskalierende Spirale staatlicher Einmischung beschert - zu hohen Kosten für Steuerzahler, Konsumenten oder beide zusammen und häufig
mit wenigen oder gar keinen langfristigen Vorteilen für die Bauern.
In vielen Staaten halten Einfuhrbeschränkungen und Preissubventionen
die Preise für landwirtschaftliche
Produkte im Inland künstlich hoch und
stimulieren dadurch zu Überproduktion. Bei Auftreten von Überschüssen
werden Exportsubventionen benutzt, um
diese auf den Weltmarkt zu werfen,
wodurch es den Bauern in anderen Ländern unmöglich gemacht wird, ihren
Lebensunterhalt zu verdienen. Jedes
Land, das sich weigert, diese Torheit
mitzumachen, verliert Marktanteile.
Nahezu jede Regierung unterhält
in der einen oder anderen Weise verzerrende landwirtschaftliche Programme. Unsere europäischen Kollegen haben wiederholt erklärt, daß es beim
Handel mit Agrarprodukten keine Engel
gibt. Wir teilen diese Meinung. Die
Frage ist jedoch: Wie kommen wir dem
Himmel ein Stück näher?
Einige unter uns haben von Zeit
zu Zeit den Versuch unternommen, im
Alleingang Reformen anzustreben, und
haben dafür mit dem Verlust von
Marktanteilen bezahlt. Die Vereinigten Staaten haben zum Beispiel in den
vergangenen Jahren fast 30 Millionen
Hektar
landwirtschaftlicher
Anbaufläche stillgelegt und zusätzlich die
Garantiepreise gesenkt. Die EG hat
ihre eigene "Erhaltungsreserve" verabschiedet, jedoch auf wesentlich
niedrigerem Niveau von ca. einer Million Hektar.
Die Haushaltsdiziplin
der Gemeinschaft im Jahr 1988 ist
ebenfalls ein Schritt in die richtige
Richtung. Obwohl diese Disziplin bescheiden ist, stellt sie doch eine
erhebliche politische Errungenschaft
dar. Die Gemeinschaft hat zumindest

die Tendenz zu immer umfangreicheren
staatlichen Interventionen in der europäischen Landwirtschaft verlangsamt.
Diese Maßnahmen waren sowohl für
die EG als auch für die Vereinigten
Staaten schwierig.
Ihre Schwierigkeit besteht darin, daß Politiker
verständlicherweise zögern, auf vermeintliche wirtschaftliche Vorteile
zu verzichten, wenn andere nicht zu
dem gleichen Schritt bereit sind.
Einseitige Abrüstung ist wirtschaftlich wie militärisch unattraktiv.
Aus diesem Grunde müssen wir die Verzerrungen in der Landwirtschaft multilateral bekämpfen. Wir müssen Lösungen finden, die allseits akzeptabel sind - Lösungen, die niemandem
einen unfairen Vorteil anderen gegenüber verschaffen.
Sollten wir die Motivation zur
Auffindung solcher Lösungen haben?
Ganz sicher sollten wir das. Eine
jüngste Studie des Center for International Economics in Canberra belegt, daß allen ungeheure Vorteile
sicher sind, wenn wir dieses weltweite Problem lösen können. Dieser Untersuchung zufolge würden durch die
Liberalisierung der Landwirtschaft in
der Europäischen Gemeinschaft insgesamt weitere drei Millionen Arbeitsplätze geschaffen werden, der japanische Arbeitnehmer könnte eine 2,5prozentige Steigerung seines Reallohnes verzeichnen, für das Realeinkommen der Entwicklungsländer bedeutete
dies eine jährliche Zuwachsrate von
26 Milliarden Dollar und das amerikanische Haushaltsdefizit könnte um
37 Milliarden Dollar abgebaut werden.
Ist das etwa nicht lohnenswert?
Da wir alle unter dem heute herrschenden Chaos leiden, die Verantwortung dafür in staatlicher Intervention zu suchen ist und da Reformen
auf multilateraler Ebene stattfinden
müssen, vertreten die Vereinigten
Staaten die Auffassung, daß die Uruguay-Runde der Handelsverhandlungen
ein geeigneter Ort zur Entwicklung
von Lösungen ist und die grundlegende
Zielsetzung darin bestehen sollte,

- 2 -

�alle Nationen von der schnellstmöglichen Beseitigung ihrer handelsverzerrenden Politik zu überzeugen. Unsere Vorschläge zielen darauf ab, daß
dies bis zum Jahr 2000 geschehen soll.
Unser Vorschlag ist von denjenigen als unrealistisch bezeichnet worden, deren Ansicht zufolge Regierungen sich nicht völlig aus der Landwirtschaft heraushalten können oder
sollen. Aber die Kritiker haben absichtlich oder versehentlich - unseren Ausführen keine Aufmerksamkeit
geschenkt.
Die Vereinigten Staaten
haben niemals vorgeschlagen, daß Regierungen sich vollständig aus der
Landwirtschaft zurückziehen sollten.
Wir wollen ganz einfach, daß Regierungen nicht weiter den Handel verzerren und Uberschußproduktion stimulieren, die niemand kaufen will.

menden Zwischenbilanz weitere Impulse
für diese Aufgabe zu gewinnen. Was
die Welt jetzt braucht, sind Engagement und Taten am Verhandlungstisch.
Wenn das gelingt, können wir weltweit
einen dramatischen Durchbruch in der
Landwirtschaftspolitik erzielen. Genau das macht die politische FUhrungskraft aus.

Ist es unbillig, dies bis zum
Jahr 2000 versuchen zu wollen? Unserer Ansicht nach nicht. Die wirtschaftlichen Gründe für eine Reform
könnten nicht zwingender sein - der
Widerstand
ist politischer Natur.
Man kann nur hoffen, daß Steuerzahler
und Verbraucher ihre Politiker entrüstet befragen, warum sie den Markt
bis ins nächste Jarhundert hinein zu
verzerren gedenken? Warum können sie
nicht ihre politische Führungsrolle
dafür einsetzen, um dieses Problem in
den nächsten zehn Jahren zu lösen?
Was ist der Grund für ihr Zögern?
Und wie kann die augenblickliche Lage
gegenüber den Entwicklungsländern der
Welt verteidigt werden, die unter
diesen Verzerrungen am meisten leiden?
Die Vereinigten Staaten engagieren sich in der Landwirtschaft unwiderruflich für multilaterale Verhandlungen. Wir haben einen klaren Vorschlag - mit vernünftigem Konzept und
ebensolchen Grundsätzen - auf dem
Verhandlungstisch.
Jetzt ist es an
der Zeit, zu verhandeln und nicht,
die Hände zu ringen.
Es ist von entscheidender Bedeutung, bei der im Dezember in Montreal
im Rahmen der Uruguay-Runde vorzuneh- 3 -

* * * * * *

�</text>
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                <text>Amerikadienst 19.10.1988</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Yeutter: Amerika muß Handelshemmnisse für Hochtechnologie bekämpfen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede vor Vertretern der Halbleiterindustrie&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988&lt;br /&gt;Bush und Dukakis bekennen sich zu politischen Unterschieden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Artikel über das letzte Fernsehduell der Präsidentschaftskandidaten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Warum das Händeringen ein Ende haben muß&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Clayton Yeutter und Richard Lyng&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'"V

•"*"

Ä&lt;

26. Oktober 1988

39

INHALT
HINTERGRUNDMATERIAL
DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
Bush;

Sowjetische Reformen sind vielversprechend

Trotzdem ist Vorsicht angebracht
- Rede in Fulton (Missouri) -

Bush würde Weltumweltkonferenz einberufen
- Artikel über einen Vorschlag im Wahlkampf Die Kandidaten scheuen das Thema Steuererhöhungen
- Die wirtschaftspolitischen Positionen von Bush und Dukakis Mittelwesten ist Feuerprobe für Dukakis-Wahlkampagne
- Von C. David Kotok Die Wahlbeteiligung in Amerika: Warum sie so niedrig aussieht
- Von Raymond E. Wolfinger -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Schrott im Weltraum

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
'VON

H intergrundmaterial

4

26. Oktober 1988

39
DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
BUSH:

SOWJETISCHE REFORMEN SIND VIELVERSPRECHEND
TROTZDEM IST VORSICHT ANGEBRACHT
- Auszüge aus einer Rede in Fulton (Missouri) -

WASHINGTON (AD) - (Nachstehend bringen wir einen vom US-Informationsamt
(USIA) herausgegebenen Beitrag im Rahmen einer Reihe von Veröffentlichungen,
in denen die amerikanischen Präsidentschaftokandidaten des Jahres 1988 ihre
Positionen zur Außenpolitik und anderen Themen von internationalem Interesse
in ihren eigenen Worten darlegen. Die heutige Ausgabe enthält wesentliche
Auszüge aus einer am 18. Oktober 1988 von Vizepräsident George Bush am Westminster College in Fulton (Missouri) gehaltenen Rede, jenem Ort, an dem Winston Churchill seine berühmte "Eiserner-Vorhang-Rede" hielt. Bush erklärte
den Studenten von Westminster, daß der Eiserne Vorhang heute "Rost ansetzt"
und dahinter "neue Hoffnung auf einen Wandel" bestehe. Er mahnte jedoch auch
zur Vorsicht. Seinen Worten zufolge "bleibt abzuwarten, ob die Versprechen
der Sowjets im Hinblick auf Veränderungen wirklich umgesetzt werden". Trotz
guter Aussichten, so Bush, "sollten wir unser Engagement für Frieden durch
Stärke keinesfalls verringern".)
Ich bin hierher gekommen, um über
Frieden und Außenpolitik zu sprechen.
Vor zwei Jahren hatte ich
Privileg, zu Ihnen aus Anlaß des
Jahrestags von Winston Curchills
rühmter
Eiserner-Vorhang-Rede
sprechen. Heute fühle ich mich
tiefst geehrt, erneut an diesem
storischen Ort zu sein.

das
40.
bezu
zuhi-

Als Winston ChurchiLl im Jahr
1946 hierherkam, war es ein kalter
Märztag. Der Winter lag noch über
dem Land. Und Churchill hatte eine
kalte Botschaft zu übermitteln, so
kalt, wie die Wahrheit selbst.
Hier stand Winston Churchill, der
Mana, der durch seine Ablehnung des
Ausverkaufs von München seine politi-

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sche Karriere aufs Spiel gesetzt hatte und der aus der politischen Vergessenheit wiederaufgestiegen war, um
sein Land in der Stunde tödlicher Gefahr zu fuhren.
Nun, nach einem
siegreichen Krieg, sah Churchill sich
gezwungen, erneut eine Wahrheit zu
verkünden. Die Freiheit war wieder
in Gefahr. Der Friede war wieder in
Gefahr. Das mit dem Sieg über Hitler
auf die Welt herabstrahlende Sonnenlicht wurde von der dunklen Wolke
sowjetischer Ambitionen überschattet.
Churchill hat dies in einer seiner
berühmtesten Äußerungen
so formuliert:
"Von Stettin an der Ostsee
bis nach Triest an der Adria hat sich
ein eiserner Vorhang über den Kontinent gesenkt." Es war ein eiserner
Vorhang, der das Licht der Freiheit
und des Fortschritts aus den alten

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�Hauptstädten Ost- und Mitteleuropas Warschau, Berlin, Prag, Budapest,
Belgrad, Bukarest, Sofia - verbannt
hatte. Diese seit Jahrtausenden in
der westlichen Zivilisation verwurzelten und Hitler entrissenen Städte
standen jetzt unter der Herrschaft
Stalins. Und Churchill erkannte an
anderen Stellen Europas und auf anderen Kontinenten Anzeichen für sowjetische Aggression und Expansion.
"Die Sicherheit der Welt erfordert in Europa eine neue Einigkeit.
Zweimal mußten die Vereinigten Staaten MiLlionen ihrer Männer über den
Atlantik in den Krieg schicken."
Churchill zufolge konnte nur durch
die Kraft demokratischer Einheit ein
neuer Krieg verhindert und Hoffnungen
auf einen dauerhaften Frieden wiederbelebt werden. Als Grund dafür nannte er: "Aufgrund meiner Erfahrungen
mit unseren russischen Freunden und
Verbündeten während des Krieges bin
ich davon überzeugt, daß sie Stärke
über alles schätzen, und sie haben
vor Schwäche - insbesondere militärischer Schwäche - den geringsten Respekt."
Und ich möchte hinzufügen, daß
dies bis heute so geblieben ist.
Obwohl dies eine hoffnungsvolle
Botschaft
für
die
Zukunft
war,
schenkten
viele
Menschen
Winston
Churchill kein Gehör. Wir waren gerade dabei, zu demobilisieren. Wir
wollten lediglich wieder ein normales
Leben führen - ebenso wie Sie. Einen
neuen Kurs einschlagen.
Um dieses
Sonnenlicht zu genießen, für das wir
so hart gekämpft und viel geopfert
hatten. Churchill wurde in den Vereinigten Staaten und im Ausland kritisiert und seine Äußerungen in Zweifel gezogen.
Aber Churchill hatte
Recht.
Jetzt hat er nach vier Jahrzehnten Bestätigung
erfahren.
Unsere
Verbündeten und wir haben nicht verhindert, daß der Eiserne Vorhang das
Licht aus dem Osten verbannt hat.
Aber wir haben dem Westen Frieden und
- 2

Freiheit bewahrt. Und wir haben ihre
Basis erweitert und sie über Europa
hinaus nach Asien und in andere Region getragen. Das war nicht leicht.
Es v/urden Fehler gemacht und Rückschläge verzeichnet.
Aber da wir
Churchills Rat des Friedens durch
Stärke - die Stärke der demokratischen Einigkeit - befolgt haben, hatten wir Erfolg.
Meine Generation hat im Schatten
des Krieges gelebt - des Weltkrieges
und des Kalten Krieges. Wir haben
unser Leben teilweise auf der Sonnenseite, immer aber im Schatten von
Streitigkeiten und Rivalität mit der
Sowjetunion gelebt. Diese Streitigkeiten und diese Rivalität sind noch
nicht beigelegt. Aber ich weise Sie
darauf hin, daß Ihre Generation die
Möglichkeit hat, aus diesem Schatten
herauszutreten
und
schließlich
furchtlos auf der Sonnenseite zu stehen. Der Eiserne Vorhang erstreckt
sich immer noch von Stettin bis
Triest.
Aber er setzt Rost an.
Lichtstrahlen durchbrechen von unserer westlichen - der freien und wohlhabenden - Seite die Finsternis des
Versagens und der Verzweiflung der
anderen Seite. Der Kreml, der einstmals in die unheilvollen Fußstapfen
Stalins trat, wendet sich nunmehr vom
Stalinismus ab.
Es besteht neue
Hoffnung auf einen Wandel. Die Wahrheit ist begehrt wie nie zuvor. Die
Völker Osteuropas und selbst die Völker der Sowjetunion fordern mehr
Freiheit und ihren Platz an der Sonne.
Einige Beobachter dieser Situation ziehen den Schluß, Moskau sei zu
schwach, um Unannehmlichkeiten zu bereiten.
Ich habe mit Herrn Gorbatschow gesprochen, und ich kenne
einige seiner Berater.
Sie sehen
sich einer sehr ernsten Lage gegenüber. Das von ihnen regierte Volk
möchte wissen, warum es ihm an Brot
mangelt und warum es nicht in Freiheit lebt, warum die Lebenserwartung
zurückgeht, warum öffentliche Dienstleistungen und Verbrauchsguter so
schlecht
und
außerdem
Mangelware
sind. Siebzig Jahre nach der Okto-

�berrevolution ist die Glanzzeit des
Marxismus vorbei.

Verständigung mit Moskau
Punkten" einzusetzen.

Es wäre jedoch zu einfach und sogar gefährlich, daraus die Schlußfolgerung zu ziehen, wirtschaftliche
Schwäche allein sei die Triebfeder
sowjetischer Außenpolitik.
Rußland
war vor der Revolution eine Großmacht, und die Sowjetunion ist heute
eine militärische Supermacht. In Europa und in anderen Teilen der Welt
bleibt abzuwarten, wie die hoffnungsvollen sowjetischen Versprechungen in
echte Veränderungen umgesetzt werden.
Wo wir Flexibilität beobachten, ist
sie herbeigeführt worden, weil der
Preis der Aggression zu hoch war weil wir die Mujahedin in Afghanistan
unterstützt haben.

Genau darauf konzentriert sich
unsere Tagesordnung. Wir - und unsere Verbündeten - setzen unsere Stärke
ein, um Fortschritte auf allen Ebenen
zu erzielen. Wir setzen den INF-Vertrag bereits in die Praxis um. Vor
wenigen Wochen konnte ich in Marshall
(Texas) einem historischen Augenblick
beiwohnen, als zwei dieser INF-Waffen
vernichtet wurden. Ich war stolz stolz auf die Einigkeit und Entschlußkraft der NATO - stolz auf unsere Stärke und unseren Mut bei der
Verwirklichung eines solchen Abkommens. Jetzt streben wir die weitere
Reduzierung strategischer Waffen an.
In Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten wollen wir ein Gleichgewicht
bei den konventionellen Waffen in Europa herstellen. Ein Gleichgewicht,
das sich auf asymmetrische Reduzierungen der Sowjetunion bei Panzern
und Artillerie gründet - Waffengattungen, die einen Angriff denkbar erscheinen lassen. Konventionelle Rüstungskontrolle nimmt bei mir einen
hohen Stellenwert ein und ist zur Erhaltung des Friedens unabdingbar. Es
ist an der Zeit, unsere Anstrengungen
gegen die Weiterverbreitung von Nuklearwaffen zu verdoppeln und das
endgültige Verbot chemischer und biologischer Waffen anzustreben.
Auch
die Menschenrechte - den höchsten Garant einer friedlichen Welt - wollen
wir verbessern.

Sie ist entstanden, weil die Einschüchterung gescheitert ist - weil
wir die Pershing-Raketen und Marschflugkörper in Europa stationiert haben. Heute zieht die sowjetische Armee aus Afghanistan ab. Wir haben
den INF-Vertrag ausgehandelt, der zum
ersten Mal in der Geschichte eine gesarate Kategorie nuklearfähiger Raketen beseitigt.
Die Beweise liegen auf der Hand.
Die Tatsachen sprechen für sich.
Auch heute müssen wir uns die Motivation der Sowjetunion stets vor Augen
führen. Ja - die Sowjets sind durch
ihre Probleme in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt. Aber sie werden auch durch unsere Stärke, unsere
Fähigkeit
zur
Abschreckung
von
Aggressionen und die Einheit der Demokratien in die Schranken verwiesen.
Diese Werte aufzugeben, von diesem
Kurs abzuweichen, hieße den Problemen
Tür und Tor öffnen.
Ein Verzicht auf die Politik des
Friedens durch Stärke in der Hoffnung
auf
selbstauferlegte
Zurückhaltung
seitens der Sowjets bedeutet gleichzeitig, eine entscheidende Chance zu
verpassen. Es ist die Chance, von
der Churchill sprach, als er einen
geeinten Westen aufforderte, seine
Stärke zur Erlangung "einer guten

in

allen

Die Hoffnung auf Fortschritte ist
also vorhanden. Die Achtung vor den
Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten steigt. Und mit Generalsekretär Gorbatschow und Außenminister
Schewardnadse - so unerbittlich sie
auch sein mögen - ist eine neue und
aufgeklärtere Generation sowjetischer
Politiker in den Kreml eingezogen,
die sehr viel besser in der Lage ist,
mit dem Westen zu kommunizieren und
sich größerer Offenheit und innenpolitischen Reformen verschrieben hat.
Dies berechtigt zu Hoffnungen,
sollte jedoch in keiner Weise unsere

- 3 -

�Verpflichtung zu Frieden durch Stärke
mindern.
An dieser Politik müssen
wir festhalten.
Dieses Ziel einer stabileren und
weniger spannungsgeladenen Beziehung
mit der Sowjetunion ist Teil der weiterreichenden Vision einer Welt in
Frieden und Freiheit - eine Vision,
die für Ihre Generation auf eine Art
und Weise in greifbare Nähe gerückt
ist, während sie für den weitblickenden Churchill nur ein Schimmer am Horizont sein konnte. Es ist die Herausforderung an uns Amerikaner, dies
zu verwirklichen.
Eine wachsende
Zahl von Nationen blickt auf unsere
Führungsrolle bei der Verwirklichung
dieses Ziels. Und ich bin fest davon
überzeugt - Amerika kann es schaffen'.

* * * * *

-4

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

' V o N **

26. Oktober 1988

39

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

BUSH WÜRDE WELTUMWELTKONFERENZ EINBERUFEN
Artikel über einen Vorschlag im Wahlkampf

WASHINGTON - (AD) - Vizepräsident Bush erklärte, bei seiner Wahl zu Präsidenten würde er eine internationale Konferenz führender Politiker einberufen,
um einen Aktionsplan zur Behandlung der Umweltprobleme auf der ganzen Welt zu
konzipieren.
Einer Stellungnahme seines Wahlkampfbüros zufolge würde sich eine
solche Konferenz vordringlich mit den
klimatischen Veränderungen auf der
Erde, der Zerstörung der Ozonschicht
und dem sauren Regen auseinandersetzen.

verhindert werden soll, indem man die
Emission von Chemikalien beschränkt.

Der Erklärung zufolge würde Bush
zu der vorgeschlagenen Konferenz führende Politiker aus der Sowjetunion,
China, Westeuropa und den Ländern der
westlichen Hemisphäre einladen.

Dieser von 31 Ländern getragene
und in Montreal unterzeichnete Vertrag soll am 1. Januar 1989 in Kraft
treten, wenn ihn genügend Signatarstaaten unterzeichet haben. Er fordert weltweit eine 50prozentige Verringerung bei der Herstellung und
beim Einsatz von Chemikalien wie
Fluorchlorkohlenwasserstoff und Halon
in den nächsten zehn Jahren.

Aus der Verlautbarung geht hervor, daß diese Konferenz ein internationales
Umweltschutzabkommen
nach
dem Vorbild der 1987 unterzeichneten
Vereinbarung
hervorbringen
könnte,
mit der eine Zerstörung der die Erde
in großer Höhe umgebenden Ozonschicht

Die im Rahmen des Wahlkampfes
herausgegebene Erklärung bezeichnet
die allgemeine Erwärmung der Erde
aufgrund des sogenannten Treibhauseffektes als "internationales Problem,
das auf internationaler Ebene gelöst
werden muß". Der Treibhauseffekt ist

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�darauf zurückzuführen, daß durch die
vermehrte Verbrennung von fossilen
Brennstoffen zunehmend Kohlenwasserstoff - der mehr Hitze freiwerden
läßt als andere Gase - in der Atmosphäre gespeichert wird.
Zum Problem des sauren Regens
wird erklärt, Bush unterstütze Bestrebungen zum Emissionsschutz bei
Schwefeldioxyd
und
Stickstoffoxyd,
die für Schäden mitverantwortlich
sind.
Die Verlautbarung weist darauf
hin, daß Bush "internationale Verhandlungen unter seiner Leitung führen will, um die Emission der Verbindungen einzuschränken, die zur Luftverschmutzung auf der Erde beitragen".

* * * * * *

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Hintergrundmaterial

"VON'^

39

26. Oktober 1988

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

DIE KANDIDATEN SCHEUEN DAS THEMA STEUERERHÖHUNGEN
D e wirtschaftspolitischen Positionen von Bush und Dukakis

WASHING ON - CAD) - Steuererhöhungen? Absolut ausgeschlossen, erklärt der
re; 'lblikanisehe Präsidentschaftskandidat George Bush.
Nur als letztes Mittel, falls alle anderen Bemühungen zur Senkung des
en.-mei: DefLzits im Bundeshaushalt fehlscilagen, meint sein demokratischer Gege. spicler Micha 31 Dukakis.

Im Verlauf dieser gesamten Kampa le, die von Linken und rechten Beobachtern gleichermaßen als substanzlos verschrien wird, haben sowohl Vizepräsident Bush wie auch Gouverneur
Dukakis im allgemeinen detaillierte
Er Läuterungen dazu vermieden, wie sie
ihr.i Ziele zur Ausgleichung des HaushaLlsdef izit:
verwirklichen
wollen,
während
sii gleichzeitig für neue
Ausj'abenpro^ramme eintreten.
Ihre Haltung zum heiklen Thema
St -uererhöhungen wird weithin auf das
zur Vorsicht mahnende Beispiel Walter
Momlales zurückgeführt, der im Wahlkampf 1984 den amerikanischen Wählern
erklärt hatte,
ihre Steuern müßten,
unabhängig davon, wer in jenem Jahr
zum Präsidenten gewählt würde, erhöht
werden.
Mondale mußte danach eine

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vernichtende
Niederlage
einstecken
und verlor in 49 von 50 Staaten gegen
Reagan - ein Ergebnis, das von den
meisten Beobachtern unmittelbar auf
eine unverdauliche Uberdosis Offenheit zurückgeführt wurde.
Bush hat seine entschiedene Ablehnung von Steuererhöhungen am deutlichsten bekundet.
Einer von seiner
Wahlkampfleitung
herausgegebenen
Grundsatzerklärung
zufolge
ist er
strikt gegen jegliche Steuererhöhung.
"Als Präsident werde ich Ihre Steuern
nicht erhöhen, Punkt", wird er zitiert.
Überdies hat sich Bush die seit
langem von Präsident Reagan vertretene angebotsorientierte wirtschaftspolitische Philosophie zu eigen gemacht

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�und fordert im Einklang mit dieser
Position weitere Steuererleichterungen, darunter eine Senkung der Kapitalertragssteuer von 28 auf 15 Prozent.
Der höhere Steuersatz "schreckt
neue Investitionen ab und lähmt das
Wirtschaftswachstum",
argumentiert
Bush. Seiner Ansicht nach wird eine
Absenkung "unsere Wirtschaft erheblich stärken, da neue Investoren in
der Lage sein werden, unbesteuerte
Gewinne in die Wirtschaft zu investieren.
Langfristig bedeutet dies
mehr Investitionen und größere Steuereinnahmen aus anderen Steuerquellen. "
Abgesehen von dem Ankurbelungseffekt, den er sich von einer Senkung
der Kapitalertragssteuer verspricht,
erwartet Bush ein sinkendes Haushaltsdefizit durch Anwendung eines
von ihm so benannten "flexiblen Einfrierens" der Ausgaben.
Aus Bushs Sicht würde sich der
Ausgabenzuwachs in etwa mit der Inflationsrate aller Aufwendungen mit
Ausnahme der Sozialversicherungsleistungen und Zinszahlungen der Inlandsverschuldung decken. In einigen
Ausgabenbereichen könnten die Ausgabenzuwächse unterhalb der Inflationsrate gehalten werden, um den rascheren Anstieg von Ausgaben in anderen
Bereichen einschließlich der Krankenversicherungsleistungen im Rahmen der
Medicare- und Medicaid-Programroe aufzufangen.
Während Bush davon Abstand genommen hat, öffentlich Programmbereiche
zu benennen, in denen verstärkt Einsparungen vorgenommen werden, haben
die Wahlkampfberater die Ausgaben für
Autobahnen,
Militärstützpunkte
und
die Unterstützung der Städte als mögliche Bereiche angeführt.
Im Verlauf der Kampagne hat Bush
wiederholt eine Formulierung verwendet, die an Präsident Reagan erinnert: "Die amerikanischen Arbeitnehmer zahlen nicht zu wenig Steuern -

die Bundesregierung gibt nach wie vor
zu viel aus."
Dukakis wiederum erklärt, alles
in seinen Kräften Stehende tun zu
wollen, um eine Steuererhöhung zu
vermeiden. Er hat jedoch die Position wiederholt bekräftigt, die er
vor knapp einem Jahr in einer Rede an
der Harvard Law School bezogen hat,
die immer noch von seinem Wahlkampfbüro verteilt wird: "Kein verantwortungsbewußter Bewerber um die Präsidentschaft
kann
Steuererhöhungen
vollständig ausschließen, sofern sie
erforderlich sind."
Dukakis erklärt, er selbst habe
keine weiteren Steuererhöhungen versprochen, als er im Jahr 1974 zum
Gouverneur von Massachussets gewählt
wurde und "sein Lehrgeld dafür bezahlen müssen", daß dies keine sonderlich kluge Entscheidung gewesen sei.
Mit dem Vermächtnis eines enormen Defizits konfrontiert, stellt er fest,
"Ich mußte Programme kürzen, die ich
in meiner Zeit als Anwalt befürwortet
hatte. Ich mußte die Steuern erhöhen.
Ich habe politisch Blessuren
davongetragen, nicht nur, weil ich
schwierige Entscheidungen getroffen
habe, sondern auch weil ich im Wahlkampf den leichteren Weg gegangen
bin."
In der zweiten der beiden Fernsehdebatten mit Bush erklärte Dukakis
jedoch am 13. Oktober, ein kontinuierlicher, schrittweiser Abbau des
jährlichen
Haushaltsdefizits
könne
durch eine Kombination von "eindeutigen Entscheidungen bezüglich der Ausgaben" erzielt werden, indem das
Wirtschaftswachstum ermutigt und Maßnahmen in die Wege geleitet würden,
um bereits fällige Steuern einzuziehen.
"Meiner Ansicht nach ist es gewissenlos, daß wir davon sprechen
oder daran denken, dem Durchschnittsamerikaner neue Steuern aufzubürden,
wenn Milliarden verfügbar sind - über
100 Milliarden Dollar an ausstehenden
Steuern - die noch nicht entrichtet

- 2 -

�rargesetz von 1985 als "hervorragende
Gesetzesgrundlage".

sind", stellte er fest.
Was die schwerwiegenden Entscheidungen bezüglich der Ausgaben angeht,
schlägt Dukakis vor, viele davon müßten im Bereich der Verteidigung getroffen werden. Im Verlauf des Wahlkampfes hat er sich insbesondere auf
eine Kürzung der massiven Ausgabenpläne für die Strategische Verteidigungsinitiative (das von der ReaganAdministration energisch betriebene
und auch von Bush befürwortete weltraumgestützte System), die MidgetmanRakete sowie die mobile Version der
MX-Rakete eingeschossen.

Obwohl die Kandidaten versuchten,
sich gegenseitig als Bedrohung für
das Wohlergehen der Nation darzustellen - wobei Dukakis behauptete, Bush
würde Haushaltseinsparungen auf Kosten des Sozialversicherungssystems
erzielen wollen, während Bush Dukakis
als eingefleischten Gegner von Verteidigungsausgaben
bezichtigte
scheinen die Meinungsverschiedenheiten eher rhetorischen als realen Charakter zu haben.

So wichtig Verteidigung auch sein
ma;$, argumentierte er in der Debatte
vom 13. Oktober, "man kann unsere militärische Sicherheit nicht losgelöst
von unserer wirtschaftlichen Sicherheit betrachten".

So hat Dukakis versprochen, sich
für starke konventionelle und nukleare Defensivstreitkräfte einzusetzen,
während Bush im Rededuell am 13. Oktober versprach, "ein gesundes Sozialversicherungssystem"
aufrechtzuerhalten und weiterhin "Engagement für
die älteren Mitbürger zu zeigen.

"Wie können wir ein militärisch
starkes Amerika aufbauen, das auf
einem Berg von Schulden balanciert?",
fr igte er.
Dukakis erklärte in den beiden
Debatten, die er mit Bush im Wahlkampf führte, ein weiterer Bereich
möglicher
erheblicher
Einsparungen
sei die Landwirtschaft. "Wir sollten
für dieses Land eine Agrarpolitik
entwerfen können, die unseren Farmern
und ihren Familien faire Preise und
eine aussichtsreiche Zukunft gewährt,
ohne dafür jährlich 20 bis 25 Milliarden Dollar aufzuwenden, wie wir es
unter dieser Regierung getan haben,"
erklärte er am 25. September.
Dukakis favorisiert seinen Äußerungen zufolge eine Agrarpolitik, die
"eine Kontrolle des Angebots und vernünftige Stützung der Preise" vereinigt, wobei die Gewinne den "landwi rtschaftlichen
Familienbetrieben
zufließen sollen, die sie am dringlichsten benötigen".
Bush reagierte darauf im zweiten
Fernsehduell und erklärte, er sei gegen
Produktionskontrollen
und betrachte das gegenwärtig gültige Ag-

Beide Kandidaten haben innenpolitische Vorschläge unterbreitet, die
der Regierung zusätzliche Kosten verursachen würden.
In Dukakis Programm haben die
Ausweitung
der
Krankenversicherung
auf alle Arbeitnehmer und die Entwicklung eines neuen Förderprogramms
für
Collegestudenten
Vorrang, die
beide größtenteils mit privaten Mitteln finanziert werden sollen. Bush
hat erklärt, er wolle als "Präsident
des Bildungswesens" bekannt werden
und sich als engagierter Umweltschützer erweisen, wobei er in diesen Bereichen Mehrausgaben vorschlug.
Bei einem Wahlkampf, in dem "der
Wert der Familie" im Mittelpunkt
steht, wenden beide Kandidaten ihre
Aufmerksamkeit der Betreuung von Kindern berufstätiger Eltern zu. Dabei
steht Bushs Vorschlag im Einklang mit
seiner Theorie der Steuersenkung: er
würde
einkommensschwachen
Familien
Steuerfreibeträge gewähren, mit denen
die Einnahmen zunächst jährlich um
etwa 1,5 Milliarden Dollar verringert
würden.

- 3 -

�Obwohl
die
allgemeine
Wirtschaftslage ihr Schlaglicht auf den
gesamten Wahlkampf geworfen hat, bekundeten beide Kandidaten bestenfalls
vage Vorstellungen über einzelne Maßnahmen, die sie ergreifen würden, um
ein Haushaltsdefizit abzubauen, das
sich immer noch auf jährlich nahezu
150 Milliarden Dollar belauft.
Dukakis, dem zufolge das Defizit
das "vorrangigste Problem" der Regierung darstellt, hat über die zahlreichen im Rahmen seines Wahlkampfes erarbeiteten Informationsblätter hinaus
niemals eine definitive Stellungnahme
abgegeben.
Während Dukakis weite Bereiche
potentieller Einsparungen klar definierte, hat Bush es abgelehnt, dies
zu tun. Auf wiederholte Fragen bei
einer Pressekonferenz am 16. Oktober,
genaue Pläne zum Abbau des Defizits
vorzulegen, erklärt er: "Ich konzentriere mich auf den 8. November (den
Wahltag), und ich möchte nicht zu
voreiligen Schlüssen verleitet werden, weil sich die Dinge jetzt gut
entwickeln."

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
"V

^

Hintergrundmaterial

Ä&lt;

26. Oktober 1988

39

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

MITTELWESTEN IST FEUERPROBE FÜR DUKAKIS-WAHLKAMPAGNE
- Von C. David KGLok -

(Der nachfolgende Artikel ist der vierte in einer Reihe von Beobachtungen zum
Präsidentschaftwahlkampf von Autoren aus unterschiedlichen Regionen der Vereinigten Staaten. Mr. Kotok ist Chefredakteur des politischen Ressorts beim
Omaha World-Herald.)
OMAHA - (AD) - Die riesige, als
Mittelwesten bekannte Region der Vereinigten Staaten wird zur Feuerprobe
für Michael Duakakis bei seinen Bestrebungen, dem republikanischen Vizepräsidenten George Bush bei den
Wahlen am 8. November 1988 eine Niederlage beizubringen.
Sämtliche Prognosen über einen
Sieg von Dukakis beginnen damit, daß
er in seinem Geburtsstaat im Nordosten und in den an der Pazifikküste
gelegenen Staaten Kalifornien, Oregon
und Washington eindeutig vorne liegt.
Da sowohl die demokratischen als auch
die republikanischen Wahlkampfbeobachter nahezu den gesamten oder doch
den größten Teil des Südens Bush zugestehen, ist der Mittlere Westen zum
entscheidenen Schlachtfeld für beide

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Kandidaten geworden.
Dukakis konnte gleich zu Beginn
einen Vorteil in den 12 Staaten des
Mittelwestens verzeichnen, die sich
entlang der großen Seen zu den unendlichen Weizenfeldern und Farmen an
der westlichen
Grenze der Rocky
Mountain-Staaten erstrecken. Im Anschluß an seine Nominierung in New
Orleans hat Bush jedoch in vielen
dieser Staaten aufgeholt oder die
Führung übernommen.
Der Mittelwesten ist eine charakteristische Region, deren Wirtschaft
auf Landwirtschaft und die verarbeitende Industrie ausgerichtet ist.
Während Bush landesweit mit dem derzeitigen Wirtschaftsaufschwung wirbt,
war die Konjunktur im Mittelwesten

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�sehr viel schwächer als In zahlreichen anderen Landesteilen. Die beiden Wirtschaftszweige, von denen der
Mittelwesten abhängig ist - verarbeitende Industrie und Landwirtschaft haben in den achtziger Jahren im
großen und ganzen mäßig abgeschnitten.
Der Mittlere Westen hat ein Symbol - den Maiskolben. Von den Industriestaaten Ohio, Indiana, Michigan
und Illinois bis zu den Präriestaaten
Kansas, Nebraska, North und South
Dakota ist das eine konstante Element
der Maisanbauer.
In unterschiedlichem Umfang ist die Landwirtschaft
ein Schlüsselelement der Wirtschaft
in jedem dieser Staaten.
Da fünf bis zehn Prozent der Bauern ihr Land Mitte der achtziger Jahre verloren hatten und die Dürre des
Jahres 1988 der sich erholenden Landwirtschaft schwere Schäden zufügte,
sah man dies als eine günstige Region
für die Demokraten an. Der amerikanische Senator Charles Grassley, ein
Republikaner aus Iowa, und Senator
J.J. Exon, ein Demokrat aus Nebraska,
stimmen darin überein, daß es Dukakis
und den Demokraten nicht gelungen
ist, aus den Schwächen der Landwirtschaft Kapital zu schlagen. Dies ist
teilweise auf eine Bemerkung von
Dukakis zurückzuführen, die er vor
über einem Jahr bei einer Wahlkampfveranstaltung in Iowa gemacht hat,
als er den Mais und Sojabohnen anbauenden Farmern erklärte, sie sollten
sich nach alternativen Getreidesorten
umsehen,
einschließlich
belgischer
Endivien, einer teuren Salatsorte.
Diese Bemerkung schien das mangelnde
Wissen des Gouverneurs von Massachusets über Landwirtschaft zu unterstreichen.
Wann immer Bush und sein Vizepräsidentschaftskandidat Dan Quayle In
den ländlichen Gebieten des Mittelwestens
Wahlkampfveranstaltungen
durchführen, erinnern sie die Wähler
an die Bemerkung über die belgischen
Endivien.
Quayle schreckte sogar
nicht davor zurück, eine belgische
Endivie
mitzubringen,
um
damit

Dukakis noch lächerlicher zu machen.
Ein weiteres Thema von Bush bei
den Bauern des Mittelwestens ist das
von Präsident Jimmy Carter als Reaktion auf die Invasion Afghanistans
beschlossene und im Jahr 1980 verhängte Embargo auf Getreideverkäufe
an die Sowjetunion. Bush erklärte,
das Embargo bilde den Kern der landwirtschaftlichen Probleme der achtziger Jahre.
Bei einem Angriff der
Konservativen gegen die Demokraten
stellte Bush fest, Dukakis strebe
staatliche Kontrollen über die jeweiligen Entscheidungen der Farmer an.
In der letzten Debatte versuchte
Dukakis diesen Angriffen mit der Erklärung zu begegnen, er wolle keine
staatlichen Interventionen
in der
Landwirtschaft, die über die im heutigen Landwirtschaftsgesetz vorgesehenen Produktionskontrollen hinausgehen. "Ich bin gegen Embargos", sagte
Dukakis in der letzten Debatte. "Ich
bin ferner gegen das Pipeline-Embargo, das Sie (die Republikaner) verhängen wollten; das war ein weiterer
Fehler, der Tausenden von amerikanischen Arbeitern im Mittelwesten ihren Arbeitsplatz gekostet hat."
Im Mittelwesten ist der Handel
das
beherrschende
außenpolitische
Thema.
Bei über der Hälfte ihrer
Mais-,
Soja- und
Weizenproduktion
hängen die amerikanischen Bauern vom
Export ab.
Die Landbevölkerung im
Mittelwesten neigt zur Verteidigung
des freien Handels, weil sie auf die
ausländischen Märkte angewiesen ist.
Hingegen machen sich die Arbeitnehmer
In städtischen Gebieten eher Sorgen
über ausländische Konkurrenz bei Industrieprodukten und tendieren deshalb
zu einer eher protektionistischen Haltung.
In einer Region
ohne Küstenstreifen ist Handel das
außenpolitische Thema.
Inmitten der Mais- und Sojabohnenfelder im Zentrum dieses flachen
Landes
erheben
sich
unvermittelt
große Städte wie Chicago, die heimliche Hauptstadt dieser Region. Vie-

�le Industriezweige, auf denen vormals
das Schwergewicht dieser Industriestädte lag, darunter die Stahlhütten
um Chicago, die Automobilfabriken in
Detroit und in ganz Ohio, die verarbeitende Industrie in Milwaukee und
St. Louis, wurden stillgelegt oder
mußten starke Einbußen hinnehmen, als
sie durch den überbewerteten Dollar
Mitte der achtziger Jahre an Konkurrenzfähigkeit verloren.
Als Dukakis in diesen Städten als
Wahlkämpfer auftrat, der von einer
"Wirtschaft wie ein Schweizer Käse"
sprach, die Teilen des Landes den
Wohlstand in den Bereichen Hochtechnologie und Dienstleistungen vorenthalte, wie er an der Ost- und Westküste offen zutage tritt, so brachte
dies den Demokraten zu Anfang Pluspunkte in der öffentlichen Meinung
ein.
Allerdings zeigten sich in den
Jahren 1987 und 1988 sowohl in der
Landwirtschaft als auch in den verarbeitenden Industrien der Region erste
Ansätze von Verbesserungen, wodurch
Bushs Kampagne unter dem Schlagwort
"Frieden und Wohlstand" an Glaubwürdigkeit gewann.
Da viele ehemalige Beschäftigte
in der Automobil- und Stahlindustrie
sowie in anderen Industriezweigen die
ausländische Konkurrenz für ihr Dilemma verantwortlich machen, haben
Dukakis und sein Kandidat für die Vizepräsidentschaft,
Lloyd
Bentsen,
versucht, härtere Maßnahmen beim Handel - oder "ökonomischen Nationalismus" - zu benutzen, um Unterstützung
in den Städten zu gewinnen. Während
einer Rede in einer Fabrik in St.
Louis erklärte der demokratische Kandidat: "Vielleicht möchten die republikanischen Kandidaten, daß unsere
Kinder für ausländische Besitzer arbeiten, ausländischen Besitzern Miete
zahlen und ihre Zukunft ausländischen
Besitzern verdanken."
Das Thema kam im Mittelwesten
durchaus an, aber Dukakis benutzte es
an der falschen Stelle und über-

raschte seine Zuhörerschaft von Fabrikarbeitern
damit.
Dukakis war
sich nicht bewußt, daß die Firma, bei
der er seine Rede hielt, seit längerem erfolgreich geführt wird und der
italienischen Familie gehört, die
Hauptanteilseigner bei Fiat ist. Die
Attacke gegen ausländischen Besitz
war ein weiterer auf einer ganzen
Liste von Dukakis-Fehlern; ein lokaler Vertreter der Republikaner erklärte, "jedesmal, wenn Dukakis in
unseren Staat kommt, gewinnen wir
Stimmen".
Jede Seite verläßt sich auf den
zweiten Mann auf der Wahlliste, um
die Botschaft der Partei in den Mittelwesten zu tragen. Quayle, ein Senator aus Indiana, führt seinen Wahlkampf als Sohn einer Kleinstadt des
Mittelwestens.
Obwohl Bentsen als
nüchterner Patrizier erscheinen kann,
findet der Senator aus Texas als
Ranch-Besitzer
und Verfechter der
Handelsgesetzgebung Anklang bei der
Bevölkerung dieser Region.
Es war deshalb offenkundig, daß
sich die beiden Kandidaten zu ihrer
einzigen Debatte in Omaha trafen.
Einem ehernen Gesetz der amerikanischen Politik zufolge fällt die
Auswahl des Kandidaten für das Amt
des Vizepräsidenten kaum ins Gewicht.
In dieser Wahl wurde den amerikanischen Wählern wiederholt ins Gedächtnis gerufen, daß der Vizepräsidentschaftskandidat sich sehr wohl
als wichtig erweisen kann. Drei Präsidenten der jüngeren Vergangenheit Harry Truman, Lyndon Johnson und
Gerald Ford, sahen sich unversehens
von der normalerweise unbedeutenden
Position des Vizepräsidenten in das
höchste Amt katapultiert.
Aufgrund dieser Erfahrung wurde
der Bentsen-Quayle-Debatte besondere
Bedeutung beigemessen, insbesondere
in Anbetracht der weiteren Fragen
über
Quayles
Qualifikationen.
Bentsen sprach mehrere wichtige gegen
die Republikaner gerichtete Themen
an, die er in seiner Kampagne in der
gesamten Region vertreten würde: daß

- 3 -

�sich die Illusion des Wohlstandes auf
öffentliche Verschuldung gründe, daß
Ausländer Unternehmen und Immobilien
aufkauften, daß er im Gegensatz zu
Quayle befähigt sei, das Amt des Präsidenten auszufüllen.
Der Republikaner Quayle sprach
die meiste Zeit über Bush und griff
Dukakis an - er ignorierte Bentsen
nahezu völlig. Ständig porträtierte
er Dukakis als jemanden, der die
Steuern erhöhen, die militärische
Einsatzbereitschaft
reduzieren
und
eine Reihe liberaler Maßnahmen durchführen würde.
Der
kritische
Augenblick
der
Fernsehdebatte kam, als Quayle zum
dritten Mal im Verlauf der 90 Minuten
währenden Debatte die Frage gestellt
wurde, wie er vorgehen würde, wenn er
plötzlich das Präsidentenamt übernehmen müßte. Quayle erwiderte, seine
Erfahrung in Senat und Repräsentantenhaus ließen sich mit denen Präsident John F. Kennedys bei seinem
Amtsantritt 1960 vergleichen. Damit
wurde einer der dramatischsten Wortwechsel
des
gesamten
Präsidentschaftswahlkampfes entfacht.
Bentsen: "Senator, ich habe mit
Jack Kennedy zusmamengearbeitet. Ich
habe Jack Kennedy gekannt.
Jack
Kennedy war mein Freund. Sie sind
kein Jack Kennedy, Senator."
Quayle:

"Das war unangebracht."

Bentsen:
"Sie sind derjenige,
der Vergleiche anstellt, und ich bin
derjenige, der ihn gut gekannt hat.
Und offen gesagt sind meiner Ansicht
nach ihre für ihr Land gewählten
Zielsetzungen so abwegig, daß ich den
Vergleich für nicht ganz angebracht
halte."
Die Republikaner reagierten auf
die sich vor allem auf Wirtschaftsfragen und Bushs Entscheidung für
Quayle konzentrierenden Angriffe der
Demokraten, indem sich sich auf Wertvorstellungen beriefen. Die Bewohner
des Mittelwestens betrachten die Wah-

rung traditioneller Werte als ihre
Pflicht. In dieser Region ist die
klassische amerikanische Kleinstadtfamilie im Holzhaus mit Lattenzaun
anzutreffen. Dies ist immer noch das
vorherrschende und wahrheitsgetreue
Bild im Herzen des Landes.
"Recht und Unrecht bilden immer
noch das Kernstück des Lebens im Mittelwesten, wo ich aufwuchs und wo Sie
leben", erklärte Quayle seinem Publikum in einer Kleinstadt in Ohio.
"Ich habe die Werte dieses Landesteils nicht vergessen."
Der demokratische
Senator von
Nebraska, Exon, gibt offen zu, daß
die Republikaner mit ihrer sich auf
WertVorstellungen
konzentrierenden
Kampagne
sehr
erfolgreich
waren.
Bush konnte bei den zu Beginn gegen
Bushs privilegierte Herkunft und Erziehung
voreingenommenen
Bewohnern
des Mittelwestens mit dem Problem des
Fahneneides Erfolge verzeichnen. Obwohl nationale Verteidigung - ebenso
wie Außenpolitik - im Mittelwesten
eine geringere Rolle spielt als im
Süden, wird die Fahne verehrt. Bushs
Kritik an Dukakis, weil dieser ein
Gesetz des Bundesstaates nicht unterzeichnete, das Lehrer auffordert, mit
ihren Schülern den Fahneneid zu sprechen, beeinflußte die Wähler im Mittelwesten, zumal diese wenig über den
Gouverneur von Massachusetts wußten.
Außer beim Problem des Fahneneides errang Bush positive Reaktionen
mit seiner Kritik an Dukakis, daß
dieser Verbrecher mit Samthandschuhen
anfasse, gegen die Todesstrafe sei
und die Kontrolle des Waffenbesitzes
befürworte.
"In diesen Staaten, in
denen die Familie eine hohe Priorität
einnimmt, kommt Werten große Bedeutung zu", erklärte Exon. "Recht oder
Unrecht - Dukakis hat im Hinblick auf
alle Werte Unrecht."
Beide Seiten sind ins Kreuzfeuer
der Kritik geraten, weil sie nebensächliche Fragen behandelt haben anstatt die speziellen Probleme der Bewohner des Mittelwestens anzuspre-

- 4 -

�chen.
Die Agrarpolitik des Landes
wird im nachten Jahr neu erarbeitet,
und kein Präsidentschaftskandidat hat
dazu in einer längeren Rede Stellung
genommen. In dieser vom Export betroffenen Region hat keine Seite dargelegt, wie sie mit Wechselkursschwankungen umgehen will.
Da keiner der Kandidaten aus dem
Mittelwesten stammt und beide offen
zugeben, nicht viel von Agrarpolitik
zu verstehen, muß der Präsidentschaftswahlkampf 1988 im Mittelwesten
noch Interesse wecken.
Bush wird
nicht auf dieselbe Art und Weise verehrt wie der aus Illinois stammende
Ronald Reagan in den Jahren 1980 und
1984. Dukakis gilt als reservierter
Intellektueller von der Ostküste und
hat es bisher versäumt, die Unzufriedenheit mit Bushs Kandidatur in einen
Vorteil für sich umzumünzen.
Dukakis konzentriert sich auf die
Industriestaaten, wenn es um die für
seine Wahl entscheidenden Stimmen
geht. Ein Sieg von Bush in den drei
Industriestaaten des Mittelwestens Ohio, Michigan und Illinois - würde
seine Wahl gewährleisten.
Quayles
Heimatstaat Indiana wird sicher zusammen mit den Hochburgen der Republikaner - Nebraska und Kansas - Bush
beistehen.
Das ländliche Iowa ist Dukakis
stärkster Staat, gefolgt von den liberalsten Staaten der Region, Minnesota und Wisconsin. Missouri, North
und South Dakota tendieren zu Bush.
Die Bewohner des Mittelwestens
haben in ihrem Wahlverhalten Unabhängigkeit bewiesen, und erwartungsgemäß wird Bush seiner Partei nicht
dabei helfen, in dieser Region Sitze
im Senat und Repräsentantenhaus zu
erlangen. In zahlreichen Staaten, in
denen Bush wahrscheinlich den Sieg
davontragen wird, liegen die demokratischen Kandidaten für den Senat erheblich vor ihren republikanischen Gegnern.

* * * * * *

- 5

�AMERIKA DIEN
Hintergrundmaterial

26. Oktober 1988

39

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

DIE WAHLBETEILIGUNG IN AMERIKA:

WARUM SIE SO NIEDRIG SCHEINT

- Von Raymond E. Wolfinger WASHINGTON - (AD) - Der Autor, dessen Beitrag wir nachstehend "eröffentlichen, ist Professor für politische Wissenschaften und Direktor des State
Data Program an der University of California, Berkeley. Der Verfasser zahlreicher Bücher und Artikel über Wahlen und Wähler ist ehemaliger Vorsitzender
des Sachverständigenrats der National Election Studies.
Jeder weiß, daß Wahlen in Amerika
von einer geringen Wahlbeteiligung
geprägt sind.
1980 und 1984 haben
nur 53 Prozent der Personen im Wahlalter ihre Stimme für einen Präsidentschaf tskandidaten
abgegeben.
Dies steht im krassen Gegensatz zu
den zwischen 70 und 90 Prozent liegenden Wahlbeteiligungen in europäischen Demokratien.
Nur bei den
Schweizern liegt der Prozentsatz noch
unter dem in Amerika. Dies ist keine
nenere Entwicklung, sondern war während des gesamten 20. Jahrhunderts
ein amerikanisches Phänomen.
Die geringe Wahlbeteiligung ist
in den Vereinigten Staaten immer
schon ein bedeutendes Thema gewesen
und
von ausländischen Beobachtern
wird sie ganz allgemein registriert -

United States Information Service
Embassy of the United States of America

und beklagt. Bedauerlicherweise wird
dieses Thema von den hiermit befaßten
Personen häufig fälschlicherweise mit
der Motivation einzelner Bürger verbunden. Im Vergleich zu Bürgern anderer Demokratien werden Amerikaner
als vermeintliche Gelegenheitswähler
betrachtet, die - von der Politik gelangweilt und von der Gesellschaft
entfremdet - Politikern mißtrauisch
und der Regierung argwöhnisch gegenüberstehen und das Ergebnis eines
möglichen eigenen politischen Engagements
pessimistisch
beurteilen.
Bei Europäern ist das angeblich nicht
der Fall, daher auch die 94prozentige
Wahlbeteiligung in Italien, eine 89prozentige in Österreich und Belgien,
und so weiter.
Die Tatsachen aber sehen anders

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�aus. Vor einigen Jahrzehnten führten
zwei politische Wissenschaftler von
der Princeton University erstmalig
eine vergleichende Untersuchung der
öffentlichen Meinung in verschiedenen
Ländern durch.
Sie wollten beispielsweise wissen, auf welche Merkmale ihrer Heimatländer die Befragten
besonders stolz sind. 85 Prozent der
Amerikaner gaben an, sie seien auf
ihr politisches System, auf die Verfassung
und
vergleichbare
Werte
stolz. In Italien, wo die Wahlbeteiligung bei 94 Prozent liegt, waren
nur drei Prozent der Bevölkerung auf
politische Einrichtungen und Abläufe
stolz.
In
aktuelleren
Untersuchungen
wurden die Ansichten gegenüber politischen Institutionen in den Vereinigten Staaten und einigen europäischen
Ländern
erforscht.
Die
Schweizer drückten die größte Zufriedenheit mit ihrer Regierung als Ganzes aus, Amerikaner waren nur geringfügig weniger zufrieden. Ganz am Ende der Skala rangierten die Italiener
als die unzufriedensten.
Die Vereinigten Staaten stehen im Hinblick
auf politisches Interesse unter fast
einem Dutzend Nationen beharrlich an
der Spitze. Die Frage, wie negativ
sie die Möglichkeit eigener Einflußnahme in der Politik beurteilen würden, wenn sie sich selbst politisch
engagierten, beantworteten Amerikaner
und
Bürger
der
Bundesrepublik
Deutschland am wenigsten pessimistisch, die Österreicher am meisten.
Auf die Frage nach der Beurteilung
ihres persönlichen Einflusses auf die
Politik äußerten Amerikaner und Griechen die stärkste Zuversicht, Belgier
die geringste. Die Ergebnisse solcher
vergleichender
Untersuchungen
sind stets die gleichen: wenn die
mögliche Höhe der Wahlbeteiligung in
jedem Land nur aufgrund der Motivation beurteilt würde, stünden die
Vereinigten Staaten an der Spitze
statt an vorletzter Stelle.
Würde bei der Ermittlung der
Wahlbeteiligung nicht danach gefragt,
wieviel Prozent der Personen im Wahl-

alter auch tatsächlich ihre Stimme
abgegeben haben, (die in den USA angewandte
Methode),
sondern
würde
vielmehr der Prozentsatz derjenigen
Wähler zugrundegelegt, die in den
Wählerlisten eingetragen
sind und
tatsächlich an der Wahl teilnehmen
(die in Europa übliche Methode), dann
stünden die Vereinigten Staaten gar
nicht so schlecht da. Nach dieser
Methode liegen die Vereinigten Staaten im internationalen Vergleich an
elfter Stelle - lediglich acht Prozentpunkte hinter dem Ranglistenersten und volle 38 Punkte vor dem
Schlußlicht.
Die Schlußfolgerung daraus lautet
natürlich folgendermaßen:
die wesentliche Erklärung für die niedrige
Wahlbeteiligung in den Vereinigten
Staaten besteht darin, daß hier die
Registrierung vergleichsweise schwierig ist.
Das bedeutet keineswegs,
die amerikanische Wahlbeteiligung sei
in
Wirklichkeit
höher
als
sie
scheint, aber es richtet die Aufmerksamkeit auf die wesentliche Ursache
des Problems.
In einigen wenigen demokratischen
Gesellschaften
besteht
angeblich
Wahlpflicht, wobei NichtWähler mit
einem Bußgeld belegt werden könnten.
Diese Strafe ist aber nicht sehr hoch
und der Katalog berechtigter Entschuldigungen lang. Das Ergebnis der
gesetzlichen
Verpflichtung
scheint
eher moralischer denn finanzieller
Natur zu sein.
Das mit Abstand verbreiteste System zur Durchführung einer Wahl ist
die mehr oder weniger automatische
Registrierung. In den meisten europäischen Ländern ist es dem gesetzestreuen Bürger eine Pflicht, seinen
Wohnsitz den örtlichen Behörden zu
melden. Und bei einem Umzug von einem Ort zum anderen muß man laut Gesetz seine Adressenänderung mitteilen. Das im Zuge dieser Praxis geführte
Personenstandsregister
ist
gleichzeitig ein Wahlregister.
Mit
anderen Worten: wenn man dem Gesetz
folgt, ist man automatisch für die

- 2 -

�sich vor der Stimmabgabe registrieren
zu lassen.

Wahl registriert.
In Italien gibt es zwar keine gesetzlich vorgeschriebene Wahlpflicht,
aber in der Verfassung heißt es, jeder Bürger der Republik habe die
Pflicht zu wählen. Es kann sein, daß
NichtWählern ein entsprechender Vermerk über ihr Fernbleiben von der
Wahl in ihren Personalausweis gestempelt wird.
Darüber hinaus gewährt
die italienische Regierung Personen,
die zur Wahl in ihre Heimatdörfer zurückkehren wollen, eine freie Zugfahrt. Es überrascht niemanden, daß
Wahlen eine Gelegenheit zum Besuch
der Familie in der Heimat bieten.
In Großbritannien gibt es zwar
keine automatische Registrierung, die
Regierung führt aber eine jährliche
Erhebung durch, in deren Verlauf jeder Haushalt zwecks Aktualisierung
des Wahlregisters aufgesucht wird.
Die Briten sagen, es sei ein "Verstoß", sich nicht an dieser Erhebung
zu beteiligen. In Kanada unterstützen alle regionalen Regierungen die
beiden wichtigsten politischen Parteien vor jeder Wahl bei der Durchführung einer Erhebung in allen Haushalten, um die Bürger zur Wahl zu registrieren. Ein Verzeichnis der so
erfaßten Personen wird auffällig für
jedermann sichtbar ausgehängt, so daß
Kanadier stets genau wissen, ob sie
wählen dürfen und, wenn nicht, ob sie
deshalb etwas unternehmen können.
Andererseits trägt jeder Bürger
in den Vereinigten Staaten die Verantwortung, sich als Wähler registrieren zu lassen. In einigen Bundesstaaten ist diese Registrierung
relativ unkompliziert, in anderen etwas schwieriger. Es ist gang und gäbe, daß politisch interessierte Neuankömmlinge in einer Stadt sich nicht
rechtzeitig mit dem Registrierungsverfahren vertraut machen konnten, um
bei einer bestimmten Wahl ihre Stimme
abzugeben. Man muß sich nicht für
jede Wahl neu registrieren lassen, es
sei denn, man hat über einen Zeitraum
von mehreren Jahren hinweg nicht gewählt.
Es ist jedoch unerläßlich,

Die Zahl der abgegebenen Stimmen
ist nicht nur bei den eingetragenen
Wählern allgemein sehr hoch, sondern
auch bei Gruppen eingetragener Wähler, die zumeist als Gelegenheitswähler eingeschätzt werden. Von denjenigen Amerikanern, die noch nie eine
High School von innen gesehen haben,
geben 51 Prozent ihre Stimme ab, verglichen mit 84 Prozent derjenigen,
die mindestens ein Jahr lang weiterführende Studien betrieben haben; die
Kluft zwischen diesen beiden Gruppen
beträgt 33 Prozentpunkte.
Andererseits beläuft sich die Wahlbeteiligung der als Wähler registrierten
Amerikaner ohne Hochschulausbildung
auf 79 Prozent verglichen mit 96 Prozent derjenigen, die weiterstudiert
haben.
Der Unterschied macht hier
nur 17 Prozentpunkte aus. (Aus technischen Gründen ist die in Statistiken genannte Zahl der abgegebenen
Stimmen - auf die sich meine Daten
für bestimmte Teile der Bevölkerung
stützen - stets beträchtlich höher
als die "offizielle", für die Gesamtbevölkerung maßgebliche Zahl. Diese
Disparität hat jedoch keinen Einfluß
auf Vergleiche zwischen den statistisch Erfaßten).
Es ist allseits bekannt, daß insbesondere junge Amerikaner nur gelegentlich wählen und die Wahlbeteiligung mit zunehmendem Alter steigt.
Unter den eingetragenen Wählern bestehen jedoch keine Unterschiede zwischen den einzelnen Altersgruppen und
dem Wahlverhalten. Personen unter 25
werden - wenn sie registriert sind ebenso häufig zur Wahl gehen wie diejenigen im Alter von 55 Jahren. Aus
dem gleichen Grund werden 74 Prozent
der angeblich nicht an Politik interessierten Personen - wenn sie eingetragen sind - dennoch wählen.
Bei einer Analyse dieser Erkenntnisse könnte man sich fragen, welche
Lebensumstände gegen eine Registrierung sprechen.
Ein Wohnsitzwechsel
zählt hier zu den wichtigsten Fakto-

- 3 -

�ren. Die jüngsten Studien des amerikanischen
Statistischen
Bundesamts
über geographische Mobilität belegen,
daß ganze 20 Prozent aller Amerikaner
nicht einmal ein Jahr lang unter derselben Adresse wohnhaft waren.
Im
Jahr 1980 hatten ein Drittel aller
erwachsenen Einwohner zwei Jahre lang
nicht an ihrem damaligen Wohnsitz gelebt. Von hier an werde ich mich auf
die Wahlen des Jahres 1980 beziehen,
da eine der besten Datenquellen zur
Wahlbeteiligung - die Wählerbeilage
der aktuellen Bevölkerungsumfrage des
amerikanischen Statistischen Bundesamts - nach 1980 bedauerlicherweise
keine Erhebungen mehr zur geographischen Mobiltät anstellte. In jenem
Jahr gingen 48 Prozent derjenigen,
die zwei Jahre lang nicht den gleichen Wohnsitz hatten, zur Wahl, verglichen mit 65 Prozent derjenigen,
die über einen längeren Zeitraum hinweg keinen Wohnsitzwechsel vorgenommen hatten. Mehrfache Analysen dieser Daten belegen, daß es hierfür offenkundige Ursachen gibt; jemand, der
gerade umgezogen ist, wird wahrscheinlich aus genau diesem Grund
nicht wählen:
er lebt noch nicht
sehr lange an seinem heutigen Wohnsitz.

Wenn jemand an einen anderen Wohnsitz
zieht, scheinen zahlreiche Dinge entschieden wichtiger als sich in die
Wahlliste eintragen zu lassen. Die
Hälfte der Umzüge findet im Sommer
statt. Wenn jemand im Sommer eines
Wahljahres umzieht, bleibt ihm im
allgemeinen ungefähr nur ein Monat
zur Registrierung vor Ablauf der Eintragungsfrist, die in den meisten
Fällen 30 Tage bis zum Wahltermin beträgt. Wenn er in einem Jahr umzieht, in dem keine Wahlen stattfinden, besteht kein großer Anreiz, sich
registrieren zu lassen.

Dies bringt uns zum zweiten Grund
mangelnder Motivation als Erklärung
für eine niedrige Wahlbeteiligung:
die "Wohnsitzwechsler", also diejenigen, die an ihrem heutigen Wohnsitz
weniger als zwei Jahre lang lebten,
waren ganz und gar nicht weniger interessiert,
informiert,
aufmerksam
oder im politischen Geschehen engagiert als die anderen zwei Drittel
der Bevölkerung, aber es war dennoch
entschieden unwahrscheinlicher, daß
sie zur Wahl gingen. Sie waren Gelegenheitswähler, da sie noch nicht dazu gekommen waren, sich als Wähler
registrieren zu lassen. Zwei Jahre
sind im Zusammenhang zwischen Mobilität und Registrierung kein maßgeblicher Faktor; je länger jemand an seinem heutigen Wohnsitz lebt, umso eher
geht er zur Wahl, wobei mindestens
sechs Jahre eine Obergrenze bilden.
Der Grund dafür liegt auf der Hand.

Da einige Amerikaner - vor allem
die jungen und ungebildeten - wahrscheinlich nicht zur Wahl gehen, sind
die tatsächlichen Wähler kein repräsentativer Querschnitt der Gesamtbevölkerung.
Sie sind eher älter,
wohlhabender und gebildeter.
Diese
soziologischen Erwägungen sind jedoch
politisch nicht von solcher Bedeutung
wie ideologische Richtungen, parteipolitische Präferenzen und Meinungen
zu bestimmten Themen. Wie repräsentativ sind die Wähler in diesen eindeutig
politischen
Denkkategorien?
Die Antwort darauf erhält man durch
den einfachen Vergleich zwischen den
tatsächlichen Wählern und der Gesamtbevölkerung
unter
Berücksichtigung
aller dieser politischen Faktoren.
Die Antwort ist überraschend.
Die
Demokraten sind in den beiden Gruppen
zu gleichen Teilen vertreten, die Republikaner liegen 3,7 Prozent höher

Wenn man an zunehmender Wahlbeteiligung interessiert ist, liegen
die Auswirkungen einiger der hier
vorliegenden
Erkenntnisse
auf der
Hand.
Einerseits wäre es sinnlos,
Zeit mit Patentrezepten zu vergeuden,
wie beispielsweise den Wahltag zum
Feiertag zu machen, Wahlen an einem
Sonntag abzuhalten oder die Wahllokale 24 Stunden geöffnet zu halten.
Mit anderen Worten - die Aktivisten,
die davon überzeugt sind, daß ein
Mittel zu höherer Wahlbeteiligung in
der Registrierung einer größeren Zahl
von Einwohnern liegt, sind auf dem
richtigen Weg.

- 4 -

�und diejenigen ohne Parteizugehörigkeit - die Unabhängigen - schlagen
unter den Wählern kaum zu Buche. Insofern als die Stimmen der Unabhängigen für den Wahlsieger im allgemeinen
unerheblich sind, liegt die Schlußfolgerung nahe, daß selbst eine 100prozentige Wahlbeteiligung höchtwahrscheinlich keine anderen Wahlergebnisse hervorbringen würde.
Alle anderen politischen Unterschiede zwischen den Wählern und der
Gesamtbevölkerung
sind
entschieden
unerheblicher als diese Kluft von weniger als vier Prozentpunkten. Darüber hinaus bilden diese anderen Unterschiede kein gleichmäßiges Muster.
Bei einigen Themen tendieren die Wähler eine Idee mehr nach links, zu anderen sind sie eher konservativ eingestellt; und am wenigsten repräsentiert sind gelegentlich diejenigen,
die zu einem bestimmten Thema überhaupt keine Position bezogen haben.
Diese Unterschiede sind so geringfügig, daß sie bei allen Statistiken
innerhalb der Fehlergrenze liegen.
Mit anderen Worten, es ist wissenschaftlich belegt, daß eine geringe Wahlbeteiligung in den Vereinigten
Staaten weder Hoffnungslosigkeit und
Verdrossenheit des Bürgers widerspiegelt noch ein Wahlverhalten produziert, das absolut nicht repräsentativ für die politischen Präferenzen
der gesamten amerikanischen Bevölkerung ist.

* * * * * *

- 5 -

�; eo

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AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

26. Oktober 1983

39

SCHROTT IM WELTRAUM

WASHINGTON - (AD) - Mehr als 7 000 Objekte von 10 cm Größe aufwärts werden
routinemäßig von Radargeräten des "Kommandos Weltraum" der amerikanischen
Luftstreitkräfte überwacht. Diese Objekte, die in niedrigen Bahnen u= die Erde kreisen, sind zum allergrößten Teil Schrott von Raumflugunternehmen - ausgebrannte Raketen, Raketentrümmer, nicht mehr funktionsfähige Satelliten, Abfälle aller Art und Tausende Bruchstücke von im Laufe der Zeit aufgebrochenen
Satelliten.

Wie die Zeitschrift
"Aviation
Week &amp; Space Technology" kürzlich berichtete, handelt es sich bei nur
fünf Prozent der beobachtbaren Objekte
um
betriebsfähige
Satelliten.
Zwölf Prozent sind "Verpackungsabfall", zum Beispiel Instrumentenverkleidungen, Linsenkappen, etc., 14
Prozent Raketenschrott, 20 Prozent
inaktive Nutzlasten und die restlichen 49 Prozent Fragmente aller
Art. Da sie sich mit 8 - 1 0 km/sec
bzw. 28 800 - 36 000 km/st bewegen,
kommen sie infolge ihrer hohen Geschwindigkeit
geballten
Ladungen
gleich.
Wesentlich größer aber seien die
Gefahren, wie Joseph Mahon, Stellvertretender Direktor für Flugsysteme
der US-Behörde für Luft- und Raum-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

fahrt (NASA) vor einem Kongreßausschuß erklärte, die von den vielen
Zehntausenden sehr kleiner Partikel
erwachsen könnten. Mit den heutigen
Mitteln der Technik seien sie von der
Erde aus nicht aufzuspüren, geschweige denn kontinuierlich zu beobachten.
Berechnungen des Europäischen Raumfahrtzentrums (ESOC) in Darmstadt zufolge dürften manche von ihnen Geschwindigkeiten von ca. 15 OOOm/sec
haben. Selbst ein Farbpartikel kann,
wie vermutlich bei einem Raumtransporter im Jahr 1983 geschehen, unter
solchen Umständen beachtliche Wirkungen erzielen: Nach der Landung wurde
ein regelrechter Krater im CockpitFenster festgestellt, der durch den
"Treffer" erzeugt worden war. Mahon
schätzt anhand der gegenwärtig vermuteten Partikeldichte in Flughöhe der

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�amerikanischen Raumtransporter (ca.
300 km), daß für diese Flugsysteme
die durchschnittliche Treffergefahr
mit Schadensauswirkung auf 1:30 pro
Flug anzusetzen sei. An Teilen des
Forschungssatelliten SOLAR MAX, die
im Jahr 1984 von Astronauten nach der
Reparatur des Satelliten im Weltraum
zur Erde zurückgebracht wurden, zählte man 3 000 winzige Einschlagkrater.
Die meisten waren durch Partikel oder
Fragmente verursacht, die infolge der
Raumfahrtaktivitäten in den Weltraum
gelangt waren.

größere Sicherheit gegen ein späteres
Aufbrechen in immer mehr Fragmente zu
schaffen.
Man ändere außerdem die
Konstruktion von Raketen, um Explosionen im Weltraum zu verhindern.
Ferner werde die Möglichkeit untersucht, Raumfahrtgeräte, die lange
Zeit einsatzfähig bleiben sollen oder
die künftige Raumstation aus Gefahrenbereichen zu manövrieren.
Spezielle Neuentwicklungen bei der Radartechnik könnten helfen, auch die
kleineren Schrottfragmente zu erfassen und zu beobachten.

Im Laufe der 31 Jahre seit Beginn
des "Zeitalters der Raumfahrt" hat
sich in dem Bereich bis ca. 2 000 km
Höhe, wo auch die meisten Wetter- und
Navigationssatelliten, Satelliten für
Forschungszwecke aller Art und für
Fernerkundung um die Erde kreisen,
eine regelrechte Wolke von Schrottpartikeln angesammelt.
NASA-Wissenschaftler vermuten, daß sich mindestens 35 000 Teile in der Größe von
Murmeln darunter befinden. Ein weiterer "Schrottgürtel" existiert und
wächst in 36 000 km Abstand von der
Erde. Dort sind die Nachrichtensatelliten stationiert. Allerdings ist
in dieser Zone das Abfallproblem noch
nicht so schwerwiegend. Alles in allem müsse aber künftig eher mit Treffern durch Objekte, die von Raumfahrtaktivitäten herrühren, als durch
Objekte natürlicher Herkunft - zum
Beispiel Mikrometeoriten - gerechnet
werden.
Dennoch dürfte gegenwärtig
das Risiko noch gering sein, denn
"unseres Wissens wurde noch kein
Raumfahrtgerät
durch
Objekttreffer
funktionsunfähig gemacht oder zerstört", sagte Mahon.

Angesichts der Tatsache, daß immer mehr Nationen eigene Raumfahrtprogramme aufbauen, entwickle sich
"Abfall im Weltraum" zu einem wachsenden internationalen Problem. Nach
Angaben von Philip Kunsberg vom amerikanisches
Verteidigungsministerium
nahm der Anteil der Sowjetunion als
Verursacher von Schrott im Weltraum
seit 1981 "drastisch zu". Europa und
China starten ebenfalls routinemäßig
Raumfahrtgeräte - Japan, Indien und
andere Nationen sowie private Organisationen werden bald folgen. Somit
wird auch die juristische Frage der
Haftung immer komplexer.

Allerdings sei es an der Zeit,
daß sich technische Experten wie auch
Politiker mit der Frage befassen, wie
dem Problem "Schrott im Weltraum"
beizukommen sei. Denn dieses könne
unter anderem die kommerzielle Nutzung der Raumfahrt erheblich beeinträchtigen. In den USA bemühe man
sich, so Mahon, derzeit darum, Raumfahrtgeräte besser gegen mögliche
Treffer abzuschirmen und so auch

In den Vereinigten Staaten wurde
eine interministerielle Arbeitsgruppe
eingerichtet, die sich nun mit den
einschlägigen technischen und politischen Fragen solcher Aktivitäten
befaßt.
Sie wird auch Vorschläge
ausarbeiten, wann und unter welchen
speziellen Aspekten sich die USA mit
den Regierungen anderer Länder in
Verbindung setzen sollten, wie mit
Hilfe der Technik wenigstens für die
Zukunft MUllmengen im Weltraum verringert und wie rechtliche Fragen geklärt und gelöst werden könnten.

- 2 -

* * * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bush: sowjetische Reformen sind vielversprechend trotzdem ist Vorsicht angebracht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede in Fulton (Missouri)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bush würde Weltumweltkonferenz einberufen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Artikel über einen Vorschlag im Wahlkampf&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Kandidaten scheuen das Thema Steuererhöhungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;die wirtschaftspolitischen Positionen von Bush und Dukakis&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mittelwesten ist Feuerprobe für Dukakis-Wahlkampagne&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von C. David Kotok&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlbeteiligung in Amerika: Warum sie so niedrig aussieht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Raymond E. Wolfinger&amp;nbsp;&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Schrott im Weltraum</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
%

'"w"

Ä&lt;

2 . November 1988

40

*

INHALT

DOKUMENTATION

Reagan kündigt "energisches Vorgehen" In der Außenpolitik an
- Rede des Präsidenten vor dem World Affairs Council in
Los Angeles -

INFORMATION

Kampf gegen Drogen - eine Aufgabe der Gesellschaft
- Einzelaktionen können nichts mehr ausrichten -

WIRTSCHAFT

Zusammenarbeit für ein Vereintes Europa
- Von C. William Verity -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
\ o N

^

Dokumentation

2. November 1988

40

REAGAN KÜNDIGT "ENERGISCHES VORGEHEN" IN DER AUSSENPOLITIK AN
- Rede des Präsidenten vor dem World Affairs Council von Los Angeles LOS ANGELES - (AD) - Mit der Feststellung, seine Administration habe in
acht Jahren "in kürzerer Zeit mehr" erreicht als selbst die "größten Optimisten hätten annehmen können", versprach Präsident Reagan in einer am 28. Oktober 1988 vor dem World Affairs Council von Los Angeles gehaltenen Rede während
der ihm noch verbleibenden Amtszeit ein "energisches Vorgehen" in wichtigen
außenpolitischen Fragen. Dazu gehören unter anderem weitere Portschritte zur
Beilegung regionaler Konflikte in Angola, Afghanistan, Kambodscha und insbesondere Mittelamerika, die entschiedene Weiterführung von "Forschung, Entwicklung und Erprobung" der Strategischen Verteidigungsinitiative sowie die Aufrechterhaltung einer starken Verteidigung.
Nachfolgend veröffentlichen wir Reagans Ansprache im Wortlaut:

Ich freue mich, wiederum vor dem
World Affairs Council sprechen zu
dürfen. Vieles von dem, über das ich
heute sprechen möchte, betrifft den
wesentlichen Zweck dieser Organisation:
Durch öffentliche Diskussion
einen demokratischen Konsens zur Unterstützung einer starken amerikanischen Außenpolitik zu entwickeln.
Vor diesem Hintergrund hat der Council eine bemerkenswerte und sehr notwendige Arbeit geleistet.
Die Bedeutung Ihrer Arbeit tritt
besonders heute in der Endphase eines
Wahlkampfes zutage, eines Wahlkampfes, im Verlauf dessen das amerikanische Volk sich zu den Themen Krieg
und Frieden, Demokratie und Totalitarismus äußern - und Entscheidungen
treffen wird, die die Welt und unse-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

ren Konsens in der Außenpolitik auf
lange Zeit beeinflussen werden.
Diese Wahl findet ferner nach
einem der wichtigsten und bedeutendsten Jahre in der Geschichte dieser
Außenpolitik statt. Heute sind wir
hoffnungsvoll - und in diesem Moment
müssen wir uns vergegenwärtigen, daß
dies nur Hoffnungen sind -, daß unsere Kinder das Jahr 1988 einmal als
Wendepunkt in jenem großen Kampf zwischen Licht und Finsternis betrachten
werden, den wir als den Kalten Krieg
bezeichnen.
In einer Reihe von Reden - zuletzt vor den Vereinten Nationen habe ich dieses Jahr über die außergewöhnlichen Fortschritte gesprochen,
die wir an so vielen Fronten erzielt

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�haben, daß wahrhaft "an allen Ecken
und Enden der Frieden ausbricht".
Selbst in den wenigen Wochen nach
meiner Rede vor der Vollversammlung
konnten wir feststellen, wie weitere
Fortschritte zur Beilegung regionaler
Konflikte, etwa in Angola, Kambodscha, Afghanistan, dem Persischen
Golf und andernorts stattfanden - regionale Konflikte, die einst als unlösbar galten.
Der INF-Vertrag ist in Kraft getreten; wir waren Zeugen, wie russische und amerikanische Raketen - die
vormals immer zahlreicher wurden und
bereitstanden, massive Zerstörungen
zu bewirken - in den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion selbst
zerstört wurden. In einer Reihe anderer Bereiche finden Rüstungskontrollgespräche statt oder stehen kurz
bevor: chemische Waffen, konventionelle Rüstung, Kernwaffenversuche und
natürlich die START-Gespräche über
strategische Offensivwaffen.
Wiederholt haben wir auf folgende
Tatsache hingewiesen:
Was in der
Vergangenheit Fortschritte in diesen
Bereichen verhindert hat - ja, was
den Kern des Kalten Krieges gebildet
hat - war nicht ein Zusammenbruch der
Kommunikation oder ein riesiges Mißverständnis zwischen Ost und West.
Ganz im Gegenteil, die grundlegende
Ursache war das Verständnis, nicht
ein Mißverständnis. Und hiermit meine ich den klaren Konsens, der sich
im Westen kurz nach dem Zweiten Weltkrieg
in
mehreren
entscheidenden
Punkten bildete:
über den wahren
Charakter des sowjetischen Regimes,
den fundamentalen Unterschied zwischen Totalitarismus und Demokratie
sowie die moralische Pflicht, der
durch den sowjetischen Expansionismus
hervorgerufenen internationalen Bedrohung der Menschenrechte entgegenzutreten. Es waren diese Realitäten
- kein unglückliches oder vermeidbares Mißverständnis -, die zu den
Spannungen zwischen Ost und West
führten. Und wenn wir diese Lehre
vergessen, setzen wir uns höchster
Gefahr aus.

Glücklicherweise stellen wir aber
auch gerade in diesem Bereich die ermutigendsten Veränderungen fest. Jede neue Ausgabe der Morgenzeitungen
scheint Nachrichten darüber zu enthalten, daß in der Sowjetunion Dinge
in Frage gestellt werden - die staatliche Kontrolle über die Industrie,
die Einschränkung der Menschenrechte
und sogar die Ideologie der Weltherrschaft, des Klassenkampfes in der
Weltpolitik, alles Punkte, die zwischen unseren Nationen unüberwindbare
Schranken geschaffen hatten.
Die Diskussionen über demokratische Reformen in der Sowjetunion
sind noch unverbindlich, kaum geeignet, sichere
Prognosen abzugeben.
Trotzdem erscheinen diese Veränderungen denjenigen unter uns, die an die
monolithische
Struktur der sowjetischen Gesellschaft gewöhnt sind,
bemerkenswert.
Noch nicht überzeugend, aber sicherlich bemerkenswert.
Wie ich selbst, so würden unter Ihnen
die meisten vor Jahren bei dem damaligen Stand der Beziehungen sicherlich Schwierigkeiten gehabt haben,
sich vorzustellen, wie ein amerikanischer Präsident mit seinem sowjetischen Gegenüber auf dem Roten Platz
spazierengeht, oder daß derselbe Präsident in den Leninhügeln zu den Studenten der Moskauer Staatsuniversität
über das Wunder und die Großartigkeit
der menschlichen Freiheit sprechen
würde.
Ferner stellen wir auch in Osteuropa Unruhe fest, wo Völker, denen
das Recht auf Selbstbestimmung seit
vier Jahrzehnten vorenthalten wurde,
nun die Grenzen eines neuen, scheinbar toleranteren Umfeldes erkunden.
In Polen sehen wir das Wiederaufleben
der freien Gewerkschaftsbewegung Solidarität, mit der zu verhandeln sich
die Regierung heute nach Jahren versuchter
Unterdrückung
gezwungen
sieht.
In
Ungarn
werden
kühne
Schritte in Richtung auf wirtschaftliche Reformen unternommen. In der
ganzen Region nimmt der Druck auf
Veränderungen - und auf Freiheit zu. Und falls es immer noch jemanden

- 2 -

�gibt, der das immense Ausmaß der in
den vergangenen acht Jahren erfolgten
Veränderungen bezweifelt, dann sollte
er vielleicht mit Amerikanern sprechen, die aus jenen Regionen stammen
und sie um ihre Meinung bitten. Er
sollte polnisch- oder ungarischstämmige Amerikaner fragen, solche, die
aus Estland, Lettland oder Litauen
stammen, er sollte sie fragen, ob es
etwas bedeutet, wenn Verwandte in der
alten Heimat zumindest in einer lange
Zeit geschlossenen Kathedrale beten
oder über die Arbeitsbedingungen auf
einer Werft vehandeln können. Ja,
Amerikaner, die von dort stammen,
werden es bestätigen: solche Veränderungen, wie lange sie auch schon
überfällig sein mögen, sind sehr
vielversprechend; und heute beten wir
darum, daß dieses Versprechen in Erfüllung gehen möge.
Veränderungen sind in der Tat unausweichlich. Niemand sollte an der
Instabilität der heutigen Lage in
Osteuropa zweifeln, in der sich ein
seit langem gegen den Willen der Osteuropäer
aufrechterhaltenes
künstliches wirtschaftliches und politisches System zunehmend als bankrott
und diskreditiert erweist. Wir begrüßen das neue Maß an Toleranz und
Experimentierfreude.
Niemand sollte
jedoch bezweifeln, daß Moskaus Haltung gegenüber dem wachsenden Trend
zur Selbstbestimmung innerhalb seines
europäischen Imperiums von uns als
entscheidender Prüfstein dafür verstanden wird, wie tiefgreifend die
Umgestaltung der sowjetischen Außenpolitik in einem neuen Zeitalter
wirklich ist.
Was immer auch in Zukunft geschehen mag, können wir eines mit Sicherheit sagen: Wir haben große Fortschritte erzielt, und dies ist eine
verheißungsvolle Zeit. Wir sollten
uns ins Gedächtnis rufen, daß wir in
den vergangenen Jahren große Schritte
unternommen
haben,
Schritte,
um
Schutzmaßnahmen gegen unsere Erzfeinde zu ergreifen - von einer Zerstörung der Welt ganz zu schweigen. Natürlich sollten wir uns damit nicht

zufrieden geben und ^,anz gewiß nicht
selbstgefällig werden.
Wir sollten
jedoch das, was gesc1-hen ist, entsprechend würdigen und entschlossen
sein, auf diesen Fortschritten aufzubauen.
In anderen hier gehaltenen Ansprachen ist mir aufgefallen, daß die
Erhaltung dieses Fortschritts gleichbedeutend mit einem bemerkenswerten
Umschwung ist, den unsere Außenpolitik in diesen vergangenen acht Jahren
erfahren hat: wir vertreten jetzt
die Auffassung, daß Containment nicht
mehr ausreicht und wenden daher eine
konstruktive Strategie für die Freiheit an. Und diese Strategie bedeutet nicht nur, unsere Verteidigung
und ein starkes diplomatisches Engagement
aufrechtzuerhalten,
sondern
auch Offenheit gegenüber unseren Verbündeten, Unterstützung
der Freiheitskämpfer auf der ganzen Welt und
Förderung von Menschenrechten und demokratischen Reformen im Ostblock.
Obwohl diese Elemente einen Umschwung
bedeuten, müssen wir uns dennoch vor
Augen führen, daß sie alle auf dem
unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg vereinbarten und von beiden
Parteien getragenen Konsens basieren
- dem Konsens, der in den ersten
Jahrzehnten der Nachkriegszeit die
Grundlage der Führungsrolle amerikanischer Außenpolitik bildete.
Manche von Ihnen wissen vielleicht, daß Winston Churchills Regierung nach Beendigung des Zweiten
Weltkrieges bei der anstehenden Wiederwahl eine Niederlage erlitt - eine
Niederlage, die mit der Konferenz von
Potsdam zusammenfiel. Als Churchill
die Konferenz verließ, bedrückten ihn
die zunehmend aggressiven Tendenzen
in der sowjetischen Regierung, und er
war äußerst bestürzt über die Unfähigkeit seiner eigenen Regierung, unter neuer Führung der sowjetischen
Weigerung,
ihre
Abkommen
über
Deutschland, Polen und die anderen
Länder Mitteleuropas einzuhalten, den
Kampf anzusagen.

- 3 -

Es war aber genau der Mann, den

�viele als Krämer und Roosevelts
schlecht vorbereitete zweite Besetzung verachteten - der neue amerikanische Präsident Harry Truman - der
Churchill Beistand leistete. Es war
Harry Truman, der entschieden der sowjetischen Bedrohung für den Weltfrieden
entgegentrat.
Tatsächlich
erarbeitete
Trumans
Administration
genau zu dem Zeitpunkt, als Europa am
verwundbarsten schien - zusammen mit
einem republikanischen Kongreß - den
Rahmen für eine Strategie des Überlebens:
die
Truman-Doktrin,
den
Marshall-Plan und die NATO.
Man sollte sich vor Augen führen,
daß sich die Truman-Doktrin, die sowohl Griechenland als auch die Türkei
vor der drohenden sowjetischen Herrschaft bewahrte und die freiheitlichen Kräfte in vielen anderen Ländern wiederbelebte, auf zwei wichtige
Postulate stützte:
Erstens müssen
die Vereinigten Staaten "bereit sein,
freien Menschen bei der Erhaltung ihrer freien Institutionen und nationalen Integrität gegen aggressive Bestrebungen, die ihnen totalitäre Regime aufzwingen wollen, zu helfen".
Und zweitens:
"Dies ist lediglich
eine ehrliche Erkenntnis, daß den
freien Völkern durch direkte oder indirekte Aggression aufgezwungene totalitäre Regime die Grundlage des
Weltfriedens und damit die Sicherheit
der Vereinigten Staaten untergraben."
Ich denke, daß diese Postulate
weiterhin gültig sind. Und sie sind
von dieser Administration weniger
verändert als vielmehr erweitert worden. Wiederum beziehe ich mich hier
nicht nur auf das Konzept militärischer Hilfe für Freiheitskämpfer,
sondern auch auf das Konzept des Vorantreibens - durch private Kontakte
aber insbesondere durch Öffentlichkeitsarbeit - demokratischer Reformen
und Menschenrechte im Ostblock und
selbst in der Sowjetunion. Und dennoch kann dieser Fortschritt vom
Containment zu einer konstruktiven
Strategie mißverstanden werden, wenn
er
im
streng
amerikanisch-sowjetischen Kontext betrachtet wird.

Wie die Tatsachen belegen, hat
dieses neue Streben nach Freiheit unsere Außenpolitik durchdrungen und
tritt in allen multilateralen Beziehungen zutage.
Die Forderung nach
einem weltweiten Kreuzzug für Freiheit und Demokratie, die ich erstmals
1982 in Westminister gestellt haben,
betraf alle Nationen und alle Völker.
Und in diesem Zusammenhang haben wir
insbesondere die Bedeutung der Freiheit in der Wirtschaft hervorgehoben
- Freiheit als Quelle von Kreativität
und Wohlstand des Menschen.
Es gab eine größere und sogar
tiefgreifendere Veränderung in unserer Außenpolitik.
Es handelt sich
hierbei weniger um eine politische
Entscheidung, sondern vielmehr um eine eingehende Erneuerung von Amerikas
Engagement für die Freiheit. Deren
Früchte sehen wir heute täglich in
den Schlagzeilen. auf den Philippinen und in Südkorea, aber auch in
Chile, Burma und Haiti streben die
Völker nach Demokratie.
Am Anfang
der achtziger Jahre lebte zum Beispiel lediglich ein Drittel der Völker Lateinamerikas unter einer demokratischen Regierung: heute sind es
nahezu 90 Prozent. In Südostasien,
Taiwan, Hongkong, Sri Lanka, Korea
und selbst in der Volksrepublik China
finden Wirtschaftswunder statt. Darüber hinaus ist in Afrika eine spezielle Vollversammlung der Vereinten
Nationen abgehalten worden, um einen
Konsens für weniger staatliche Kontrolle und mehr marktwirtschaftliche
Anreize zu entwickeln.
Und wenn wir dies eingehend genug
betrachten, sehen wir nicht nur eine
Außenpolitik, die erfolgreich die Sache der Freiheit interpretiert, sondern eine Außenpolitik, die eben deshalb erfolgreich ist, weil ihre Ziele
und Inhalte sich aus dieser Sache definieren und aus der größten aller
Ideen westlichen Gedankengutes und
westlicher
Zivilisation
entstanden
sind - der Freiheit und der Würde des
Menschen vor Gott.

- 4 -

Hier

möchte

ich

kurz

auf

eine

�Ironie verweisen, die darin besteht,
daß während diese westlichen Gedanken
und Traditionen Grundlage und Iriebfeder der Freiheit des Menschen sind
und auf der ganzen Welt Verbreitung
finden, sie in unserem Land aber in
Frage gestellt und sogar ihre Berechtigung als Unterrichtsfach an Universitäten angezweifelt wird.
Ich habe kürzlich in der Zeitschrift
Time
ein
Interview
mit
Allan Bloom, dem Verfasser von "Der
Niedergang des amerikanischen Geistes" gelesen, in dem er seine tiefe
Bestürzung darüber zum Ausdruck gebracht, daß ein allzu großer Teil der
wissenschaftlichen Welt die Einzigartigkeit und moralische Überlegenheit
westlicher Werte - wie Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit
aus den Augen verloren hat.
"Die
westliche Kultur muß verschwinden"
lauteten die Parolen auf dem Campus,
überall in den Vereinigten Staaten
haben wir andere Äußerungen der Besorgnis vernommen, wie etwa vom früheren
Erziehungsminister
William
Bennett, der Interessenvertretungen
oder politische Programme kritisiert,
die den Unterricht über die in den
wichtigen Werken und Lehren der westlichen Zivilisation enthaltenen Erkenntnisse abbauen oder einschränken
wollen.
Unser Chefunterhändler
in Rüstungskontrollfragen, Max Kampelman,
hat dazu ein von ihm gern vorgebrachtes Zitat. Er erwähnt gern, daß niemand besser über den Wert dieses Erbes oder seine Relevanz für außenpolitische Fragen gesprochen hat als
der frühere Präsident der UN-Vollversammlung, der inzwischen verstorbene
Charles Malik - ein Freund der Vereinigten Staaten und Wegbereiter der
Freiheit. Er schrieb: "Eine Zivilisation, die ihre Ursprünge auf Homer,
Plato und Aristoteles zurückführt,
auf das Alte und Neue Testament, auf
Cicero und Augustinus, Shakespeare
und Goethe, Newton und Einstein,
Puschkin und Dostojewski und die
Freude und Begeisterung, den Unternehmergeist und die Freiheit der

großen amerikanischen Erfahrung und
all das, für das diese Namen konkret
stehen - kann solch eine Zivilisation
für ihre Überzeugung ohne höchste
Werte und ohne Triebkraft für ihren
Willen sein? Wer besitzt sonst noch
etwas, das sich an diesem unvergleichlichen Erbe messen läßt? Amerika und der Westen unterschätzen ihr
unermeßliches Potential ... Und der
Westen hat nicht nur ein Problem,
sondern auch die Lösung. Sie liegt
in seiner einzigartigen Größe. Und
die Lösung liegt wahrhaftig im höchsten Gut des Westens: der Vorherrschaft des Geistes und der Freiheit
der Seele."
Dank des Durchhaltevermögens des
amerikanischen Volkes und seiner Verbündeten hatte der Kampf zwischen
Licht und Finsternis nicht die Nacht
einer totalitären Herrschaft zur Folge. Statt dessen erstrahlen im Jahr
1988 die Lichter der Freiheit überall
auf der Welt. An diesem entscheidenen Wendepunkt müssen wir sicherstellen, daß dies Bestand hat, daß die
Quelle dieses Lichts, die großen Errungenschaften westlichen Denkens und
westlicher Kultur geschützt und bewahrt und vor allem hier in den Vereinigten Staaten studiert werden.
Die Frontlinie
der amerikanischen
Verteidigung ist ebensosehr in unseren Universitäten und den großen Werken humanitärer Lehren zu finden wie
in allen unseren
Panzerdivisionen
entlang der deutschen Grenze. Und
die Richtung
unserer Außenpolitik
gründet
sich ebensosehr auf den
großen Gedanken, der die freien Nationen der Welt verbindet, wie auf
die Fortschritte der Friedenskonferenzen in Genf. Daher fordere ich
heute die Lehrkörper der amerikanischen Colleges und deren Leitungen
auf, den folgenden Vorschlag zu erwägen: Die Rückkehr zu einer soliden
Ausbildung, die Besinnung auf das Wesentliche beinhalten nicht nur vermehrte Konzentration auf richtige
Grammatik oder bessere Mathematik,
sondern Hinwendung zu den wahren Ursprüngen der menschlichen Freiheit der Pflege des wertvollen intellek-

- 5 -

�tuellen Vermächtnisses der westlichen
Kultur und Hinwendung zu der Kostbarkeit des Gedankens der menschlichen
Freiheit.
Und in eben diesem Geiste können
wir die großen Probleme angehen, die
nach wie vor bestehen, die noch unerledigte Tagesordnung unserer Außenpolitik der Nachkriegszeit. In diesem
Geiste können wir die noch verbleibende Amtszeit dieser Administration
bewältigen und an die nächste herangehen, indem wir uns die wichtigsten
Ziele unserer Außenpolitik vor Augen
halten.
Erstens
müssen
wir
weiterhin
Fortschritte bei der Beilegung regionaler Konflikte erzielen, Konflikte,
die leicht in einen größeren Krieg
eskalieren könnten. Insbesondere in
diesem Bereich ist es von vorrangiger
Bedeutung, die Politik in Mittelamerika fortzuführen, die Fortschritte
in Angola, Afghanistan und Kambodscha
mit sich bringt.
Der Kongreß muß
aufhören, mit zweierlei Maß zu messen
- einmal zugunsten der Freiheitskämpfer in den entlegensten Winkeln der
Welt und einmal zuungunsten der Freiheitskämpfer, die nur einige Tagesreisen von unseren Grenzen entfernt
sind. Bis die Sandinisten ihr Versprechen der Demokratie erfüllen bis Daniel Ortega aufhört, die Bürgerrechte einzuschränken -, müssen
wir die Contras unterstützen.
Zweitens müssen wir Forschung,
Entwicklung und Erprobung unserer
Strategischen Verteidigungsinitiative
entschieden verfolgen. In den vergangenen Monaten konnten wir entscheidende Durchbrüche in der Forschung beobachten - Durchbrüche, die
uns glauben machen, die Stationierung
könne weniger kostenintensiv sein als
ursprünglich angenommen. Unsere Forschungsbemühungen waren so erfolgreich, daß wir die geplanten Kosten
unseres
vielversprechendsten
Programms um Milliarden Dollar senken
konnten. Jetzt ist es an der Zeit,
unsere Anstrengungen zu verdoppeln nicht, sie zurückzuschrauben.
Für

eine gegen einen Angriff - insbesondere einen versehentlichen oder begrenzten Abschuß - mit ballistischen
Raketen geschützte Nation ist dies
nicht nur eine Option der Politik,
sondern ein moralisches Muß.
Drittens müssen wir unter allen
Umständen eine starke Verteidigungsstruktur beibehalten.
Das amerikanische Volk hat in den vergangenen 40
Jahren enorme Opfer gebracht, um die
Einsatzbereitschaft der Vereinigten
Staaten aufrechtzuerhalten.
Dieses
Opfer findet jetzt sichtbaren Niederschlag in den Friedensinitiativen auf
der ganzen Welt, einer Welt mit mehr
Sicherheit und Freiheit und einem
Ostblock, der gezwungen ist, seine
eigenen Probleme in Angriff zu nehmen. Gerade jetzt, in diesem Augenblick der Chance, ist es an der Zeit,
unsere militärische Stärke aufrechtzuerhalten, die all dies ermöglicht
hat.
Viertens müssen wir weiterhin
Menschenrechtsverletzungen öffentlich
anprangern und die fundamentalen moralischen Unterschiede zwischen Totalitarismus und Demokratie hervorheben. Wir dürfen nicht müde werden,
aggressiv für die Sache der menschlichen Freiheit einzutreten und nicht
davor zurückschrecken, unseren Finger
auf das moralische Unrecht derjenigen
zu legen, die die Freiheit unterdrücken. Wir müssen voller Stolz darauf
verweisen,
daß
Wirtschaftswachstum
und materieller Wohlstand das Ergebnis von wirtschaftlicher Freiheit und
nicht einer zentral gelenkten Wirtschaft sind.
Fünftens müssen wir unsere Politik des diplomatischen Engaments bei
den Abrüstungsverhandlungen fortführen. Ein START-Vertrag ist für die
nächsten Jahre in greifbare Nähe gerückt.
In wenigen Monaten werden
neue Verhandlungen über konventionelle Rüstungen aufgenommen.
Es gibt jedoch noch andere Bereiche der Besorgnis. Es grenzt an Ironie, daß gerade zu einer Zeit, in der

�wir den Abbau der Nukleararsenale und
neue Verhandlungen über konventionelle Rüstungen beobachten können, die
Geißel einer älteren und ebenso tödlichen Drohung wiederauflebt.
Ich
beziehe mich hier auf die chemischen
Waffen - Giftgas -, deren Einsatz im
Golfkrieg die zivilisierte Welt in
Schrecken versetzt hat.

*

Und wir sehen uns mit der Aussicht konfrontiert, daß immer mehr
Länder in der Lage sind, solche Waffen herzustellen oder zu beschaffen.
Wir müssen die Wahrung der internationalen Normen gegen den illegalen
Einsatz chemischer Waffen wiederherstellen und darauf achten, daß dies
nicht zu einem Kapitel der Geschichte
des 21. Jahrhunderts wird. Ich habe
eine internationale Konferenz gegen
den Einsatz chemischer Waffen einberufen, die im Januar in Paris zusammenkommt. Zusammen mit den derzeitigen Verhandlungen über ein umfassendes,
wirksam
verifizierbares
und
weltweites Verbot chemischer Waffen
liegt in dieser Konferenz unsere
größte Hoffnung, diesem Schrecken ein
Ende zu bereiten.

unsere berechtigten Sorge müssen gehört werden.
Für die noch verbleibende Amtzeit
dieser Administration ist dies ein
umfangreiches Programm und dies gilt
zweifelsohne für jede zukünftige Regierung. Aber ich bin der Ansicht,
daß wir in diesen vergangenen acht
Jahren in kürzerer Zeit mehr erreicht
haben als selbst die größten Optimisten hätten annehmen können.
Ich
denke, dieser Prozeß kann jetzt fortgeführt werden - solange wir unerschütterlich an die großen Werte und
Traditionen der westlichen Zivilisation glauben und unseren Glauben an
die Freiheit und den letztlichen
Triumph des menschlichen Geistes bewahren. Dieser Glaube muß uns leiten, bis - wie Winston Churchill in
den ersten Tagen des Jahres 1945 an
Harry Truman schrieb - "die dunklen
Tage der Welttragödie vergangen sind".

Ein anderes Problem, das den ansonsten vielversprechenden Horizont
überschattet, ist die stete Nichteinhaltung entscheidender Verpflichtungen im Bereich der Rüstungskontrolle
durch die Sowjetunion.
An erster
Stelle steht hier die große Radaranlage von Krasnojarsk, die den Hauptbestandteil des ABM-Vertrages entschieden verletzt. Wir haben die Sowjetunion darauf hingewiesen, daß wir
keinerlei neue Abkommen über strategische Rüstungskontrolle abschließen
können,
solange
diese
Verletzung
nicht in verifizierbarer Art und Weise behoben wird. Nichts ist der Integrität des Rüstungskontrollprozesses abträglicher als daß eine Seite
in der Lage ist, zu entscheiden, welche Bestandteile eines feierlichen
Abkommens sie zu erfüllen gewillt
ist. Die Sowjets haben sich gestern
zu diesem Thema erneut geäußert.
Zweifelsohne werden wir uns anhören,
was sie zu sagen haben. Aber auch
- 7 -

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON

Information

*

2. November 1988

40

KAMPF GEGEN DROGEN - EINE AUFGABE DER GESELLSCHAFT
- Einzelaktionen können nichts mehr ausrichten -

WASHINGTON - (AD) - Die Woche vom 24. bis 31. Oktober 1988 brachte Millionen von Amerikanern auf die Straße, die ihr Engagement gegen den Konsum von
Drogen und für Gesundheit und Wohlbefinden demonstrieren wollten.
Rote Bänder und Abzeichen ließen
erkennen, wer sich gegen Drogenmißbrauch einzusetzen gedenkt. Besonders aktiv waren die "Elternvereinigungen für drogenfreie Jugend" und
die Gruppen "Drogenfreie Jugend von
Amerika", die allein etwa eine Million Mitglieder haben. Schulen und
Kraftfahrer waren gebeten worden,
sich durch das Tragen roter Bänder zu
beteiligen. Polizei und Feuerwehren
luden zu Sonderveranstaltungen ein.
In öffentlichen Bibliotheken, die umfassendes Informationsmaterial anboten, gab es Vorträge, Filmvorführungen und Tonbildschauen. Die Fernsehstationen
brachten
häufig
"AntiRauschgift-Spots". Einige der großen
und die meisten kleineren Tageszeitungen veröffentlichten Sonderartikel
zum Thema "Drogen". Bekannte Sport-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

ler, Schauspieler, Künstler und andere Persönlichkeiten des öffentlichen
Lebens ebenso wie der Religionsgemeinschaften stellten sich für Sonderaktionen zur Verfügung.
Nur wenige Tage vor Beginn der
"Woche für ein drogenfreies Amerika"
hatte der amerikanische Kongreß ein
Gesetz verabschiedet und dem Präsidenten zur Unterzeichnung zugeleitet,
das nicht nur zahlreiche Weisungen
zur Vorbeugung und Erziehung gegen
den Drogenmißbrauch (bei Jugendlichen
gegen den Gebrauch aller illegalen
Substanzen
einschließlich
Alkohol)
gibt, sondern unter anderem auch die
Bestrafung von Rauschgiftkonsumenten
und -händlern erheblich verschärft.
So müssen künftig die Hintermänner
von Drogengeschäften, bei denen Men-

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Telex: 8-85432

�sehen ermordet wurden, mit der Todesstrafe rechnen. Wer mit Rauschgift
handelt, Jugendliche zum Verteilen
benutzt oder es an Jugendliche verkauft, wird sehr viel härter bestraft
als bisher. Polizei und Justizbehörden sind gehalten, in der Öffentlichkeit und auf den Straßen hart durchzugreifen.
Lokale Stellen sollen
Programme entwickeln und durchsetzen,
die darauf abzielen, den illegalen
Drogenkonsum in Schulen und auf allen
kommunalen Ebenen drastisch zu reduzieren.
Wer verbotene Drogen benutzt, soll von den Anklagenbehörden
dafür belangt werden.
Das Gesetz basiert zum großen
Teil auf den mehr als hundert Empfehlungen des 238 Seiten starken Berichtes, der in sieben großen Konferenzen
mit insgesamt 5 000 Teilnehmern aus
allen Bereichen der amerikanischen
Gesellschaft in eineinhalb Jahren erarbeitet und in seiner endgültigen
Fassung am 21. Juni 1988 verabschiedet worden war.
Mitte Juli 1988
richtete die "Konferenz des Weißen
Hauses für ein drogenfreies Amerika"
unter Hinweis auf den Bericht einen
dringenden Appell an die amerikanische Bevölkerung, jetzt energisch
gegen den Drogenmißbrauch vorzugehen.
Andernfalls sei der Kampf "um eine
drogenfreie Gesellschaft" verloren.
Das neue Gesetz fordert die Einsetzung eines Nationalen Drogenbeauftragten mit Kabinettsrang sowie die
Schaffung einer nationalen Behörde
zur Vorbeugung gegen Drogenkonsum.
Vorbeugende Maßnahmen wird im Kampf
gegen Rauschgift überragende Bedeutung zuerkannt.
Diese beginnen in
der Familie, weshalb auch Eltern und
Erziehungsberechtigte
verantwortlich
dafür zu sein hätten, den Gebrauch
verbotener Drogen aller Personen im
Haushalt zu verhindern.
In allen
Kommunen sollen Elternvereinigungen
eingerichtet werden, um rechtzeitig
Informationen und Rat zu geben und
nicht zu warten, bis die Kinder mit
Drogen bereits in Berührung gekommen
sind. Für die Jugend sollten mehr
als bisher Begegnungszentren einge-

richtet werden, in denen ein drogenfreies Leben anschaulich und überzeugend demonstriert und von jungen Menschen der verschiedensten sozialen,
kulturellen und ethnischen Herkunft
selbst geplant und organisiert wird.
Schulen, Colleges und Universitäten sind gehalten, den Konsum von
Rauschgift generell und von Alkohol
für Minderjährige zu verbieten. In
die Lehrpläne für alle Altersstufen
müssen auch die neuesten Informationen über die Gefahren von Drogen,
über die zu erwartende Bestrafung und
über Therapiemöglichkeiten bzw. Therapiemaßnahmen
eingebaut
werden.
Lehrer aller Schulformen und Fachrichtungen müssen für die staatliche
Anerkennung ihre Kenntnisse über Fragen, die mit Drogen und Alkohol zusammenhängen, nachweisen.
Nicht nur in Behörden aller Art,
sondern auch in der Privatwirtschaft,
bei Gewerkschaften und Angestelltenverbänden sei unter allen nur erdenklichen Aspekten eine "Anti-Drogen-Politik", unter anderem mit Erziehungsund
Rehabilitationsprogrammen
und,
falls erforderlich, mit Drogentests
sowie mit Spezialkursen für Personen
in leitender Funktion durchzusetzen.
Die Arbeitgeberanteile bei Versicherungen für die Sektoren Haftpflicht,
Krankenversicherung und Krankengeld
sollen für Unternehmen, die Anti-Drogen-Programme eingeführt haben, gesenkt werden.
Bundesstaatliche und einzelstaatliche Behörden sowie Kommunalverwaltungen sollen die Therapiekapazitäten
für Suchtkranke wesentlich erweitern.
Dazu gehören unter anderem die Verstärkung des Personals in den zuständigen Institutionen, deren Zusammenarbeit über die Grenzen der einzelnen
Bundesstaaten hinaus und die Einführung stärker gegliederter und vielfältiger Behandlungsmodalitäten. Soweit möglich soll der Patient die
Therapiekosten selbst tragen.
Das Ergebnis einer Narkotika-Therapie soll anhand standardisierter,

�objektiver Methoden bewertet werden,
die das Amt für Alkohol-, Drogenmißbrauch und Geistige Gesundheit (Alcohol, Drug Abuse and Mental Health Administration - ADAMHA) entwickelt.
Therapieprogramme sollen primär auf
ihrer Wirksamkeit, dem Nutzeffekt und
dem Prozentsatz der Klienten, die danach drogenfrei bleiben, basieren.
Das Bundesministerium
für Gesundheits- und Sozialwesen
setzt eine
multidisziplinäre Arbeitsgruppe ein,
die den gegenwärtigen und künftigen
Personalbedarf für den Therapiesektor
untersucht und entsprechende Empfehlungen gibt.
Die Träger von Therapiemaßnahmen
haben dafür zu sorgen, daß die Therapeuten mit der Familie, mit der Schule, mit sozialen Diensten und der Justiz in jedem einzelnen Fall zusammenarbeiten.
Staatliche und lokale
Behörden sollen die Bereitstellung
der Mittel für alle gerichtlich verfügten Therapiemaßnahmen gewährleisten.
Die medizinischen Fakultäten
der Universitäten und Fachhochschulen
müssen eine umfassende Ausbildung für
die Diagnose und Behandlung Drogensüchtiger in ihre Lehrpläne aufnehmen. Die Bundesregierung soll außerdem einen AIDS-Ausbildungskursus entwickeln, der von allen in der Drogentherapie tätigen Personen absolviert
werden muß.

1963 in New York galt "Daytop Village" als die erste drooenfreie Wohngemeinschaft in den Vereinigten Staaten. Mit Selbsthilfe und Unterstützung durch die Familien Süchtiger
wurden Tausende von Männern, Frauen
und Kindern rehabilitiert. Die Einrichtung in New York diente als Vorbild für viele weitere Rehabilitationszentren in den USA und in 40 anderen Ländern. Im Raum New York werden laut Stan Satlin, dem Sprecher
der Organisation, gegenwärtig 1 600
Personen in DAYTOP-Zentren behandelt.
Satlin konnte keine Angaben darüber machen, wieviele Suchtkranke
derzeit in Deutschland, Großbritannien, Italien, Irland, Schweden, Argentinien oder auf den Philippinen
von DAYTOP-Programmen erfaßt sind.
Er verwies aber darauf, daß 92 Prozent der Rehabilitanten ein drogenfreies Leben führten, nicht auf die
Hilfe anderer angewiesen seien, verantwortungsbewußt handelten und vielfach selbst ähnliche Programme in aller Welt eingeführt hätten. Nach der
DAYTOP-Methode
steht der Süchtige
ständig unter strikter Kontrolle seiner unmittelbaren Umgebung, bis feststeht, daß die Therapie erfolgreich
war. (Anfragen können gerichtet werden an "DAYTOP for a Drug Free World,
59 West 40th Street, New York, New
York 10018.)

Der amerikanischen Regierung wird
empfohlen, die diplomatischen Bemühungen sowie den Rechtsvollzug zur
Durchsetzung einer besseren internationalen Kontrolle und Bekämpfung von
Rauschgiften weiter zu intensivieren.
Die im Ausland unterstützten Maßnahmen, die bisher meist der Vernichtung
von Anbauflächen für Drogenpflanzen
galten, sollten mehr auf die Aushebung und Zerstörung von Drogenlabors
und
Produktionsausrüstung
konzentriert werden.
Das älteste amerikanische Zentrum
zur Vorbeugung und Drogentherapie,
DAYTOP, wurde im Oktober 25 Jahre
alt. Zur Zeit seiner Gründung durch
Monsignore William O'Brien im Jahr
- 3 -

�musMfiwwm^
Wirtschaft

2. November 1988

40

ZUSAMMENARBEIT FÜR EIN VEREINTES EUROPA
- Von C. William Verity -

Der folgende Artikel des amerikanischen Handelsministers wurde am 26. Oktober
1988 im Journal of Commerce veröffentlicht:
Die aus zwölf Staaten bestehende
Europäische Gemeinschaft hat sich ein
ehrgeiziges Programm vorgenommen, um
zu vollenden, was sie vor über 30
Jahren begonnen hatte: Den Abbau interner
Handelshemmnisse
und die
Schaffung eines einzigen großen Binnenmarktes bis 1992 mit Freizügigkeit
für Güter, Menschen und Dienstleistungen. Das Ergebnis wird ein Markt
von vier Billionen Dollar mit über
340 Millionen Verbrauchern sein.
Jeder Wirtschaftsbereich in Europa wird hiervon berührt werden, sei
es in Form von neuen gemeinsamen
Zolldokumenten, harmonisierten Produktnormen und der Liberalisierung
des Kapitaltransfers bis zur Harmonisierung der Richtlinien für Unternehmenszusammenschlüsse und -übernahmen.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Das EG-Programm hat schon an Schwungkraft zugenommen, aber es bleibt noch
viel zu tun.
Für die Vereinigten Staaten ist
die erfolgreiche Schaffung eines gemeinsamen europäischen Marktes von
enormem Interesse. Die EG ist bei
weitem unser größter Handelspartner.
Zählt man die amerikanischen Exporte
in die EG und die Lieferungen von in
Europa
ansässigen
amerikanischen
Tochtergesellschaften
zusammen, so
belief sich der Gesamtumsatz amerikanischer Unternehmen in der Europäischen Gemeinschaft im vergangenen
Jahr auf über 500 Milliarden Dollar.
Das ist mehr als das Doppelte des
amerikanischen Absatzes in Kanada und
über dreimal so viel wie der Absatz
von amerikanischen Produkten in Japan.

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�EG-Schätzungen zufolge könnte der
Abbau gegenwärtig bestehender Handelsschranken und die Vollendung des
Binnenmarktes zu einem Anstieg der
europäischen Produktionsleistung um
260 Milliarden Dollar führen. Das
bedeutet einen erheblichen Zuwachs
der europäischen Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen - einschließlich amerikanischer Güter und
Dienstleistungen.
Die gesamte Weltwirtschaft wird
von einem europäischen Binnenmarkt
profitieren. Der Abbau von Schranken
innerhalb der EG wird einige der
strukturellen Verkrustungen aufbrechen, die in den vergangenen Jahren
die Wachstumsrate in Europa so niedrig hielten. Die Unternehmen werden
konkurrenzfähiger werden, da sie sich
die kontinentale Dimension des Marktes zunutze machen können.
Dies
sollte zu einer erhöhten Beschäftigungsquote führen und eine dauerhaft
robuste europäische Wirtschaft nach
sich ziehen.
Die Vereinigten Staaten unterstützen den Abbau von Binnengrenzen
innerhalb Europas und die Vollendung
des "Gemeinsamen Marktes".
Dies findet nicht nur aus - auf
der Hand liegenden - politischen,
sondern auch aus wirtschaftlichen
Gründen unsere Unterstützung.
Im
Großen und Ganzen bestehen zwischen
den Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft offene Handelsbeziehungen. Es gibt jedoch Ausnahmen, wie etwa europäische Subventionen für Landwirtschaft und Kohle.
Aber insgesamt hat der bilaterale
Handel zugenommen und beiden Seiten
Vorteile verschafft. Seit 1965 war
der Handel der Vereinigten Staaten
insgesamt mit Europa in etwa ausgewogen. Tatsächlich konnten wir einen
leichten Überschuß erzielen.
Die Offenheit im Handel der Vereinigten Staaten mit der EG könnte
sich infolge des Programms von 1992
verändern.
Es darf keine "Festung
Europa" geben. Protektionismus würde

das gesamte Konzept für 1992 zerstören.
Die europäische Industrie kann
weltweit keinesfalls wettbewerbsfähiger werden, wenn sie sich dem Wettbewerb gegenüber abschottet. Die Planer des europäischen Programms für
1992 - weitsichtige europäische Politiker und Industrievertreter - haben
das erkannt. Sie wollen eine "Festung Europa" verhindern.
Bedauerlicherweise sind die Planer des Binnenmarktes ins Kreuzfeuer
der Kritik geraten. Es gibt Anzeichen dafür, daß Rückfälle, engstirnige Eigeninteressen und Protektionismus zunehmen könnten, je näher das
Jahr 1992 heranrückt. Wir müssen besorgt darüber sein, daß bestimmte Interessengruppen die Durchführung der
Liberalisierung verzögern oder die
Vorteile der Liberalisierung außereuropäischen Firmen nicht zugänglich
machen wollen.
F.s gibt zum Beispiel Stimmen in
Europa, die ein Prinzip der Gegenseitigkeit fordern, das auf ausländischen Märkten nahezu identische
Vorschriften fordert, bevor die Vorzüge einer Liberalisierung im Rahmen
der EG gewährt werden. Dieses Konzept ist vor allem im Zusammenhang
mit Dienstleistungen der Handelsbanken erwähnt worden, die gegenwärtig
nicht vom allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen erfaßt werden. Wie vorgeschlagen, würde Gegenseitigkeit zu
einer Absage an die Bearbeitung auf
nationaler Ebene führen, die bisher
für internationales Investment galt
und könnte amerikanische Unternehmen
ernsthaft gefährden. Die Vereinigten
Staaten sollten das nicht akzeptieren.
Die Regierung
der Vereinigten
Staaten muß eng mit der EG-Kommission
und den Mitgliedsstaaten zusammenarbeiten, um das Konzept von 1992 zu
bewahren und sicherzustellen, daß ein
EG-Markt wirklich offen ist. Wenn
spezielle Interessen dieses Ziel gefährden, müssen wir etwas dagegen unternehmen.

- 2 -

*

(

\

�Ich möchte den Vorschlag unterbreiten, daß die Vereinigten S aaten
und die Europäische Gemeinschaft eine
Reihe bilateraler Beratergruppen für
verfahrenstechnische Fragen und Vorschriften ins Leben rufen, die Wege
empfehlen, wie wir unsere Zielsetzungen im Hinblick auf die Vorschriften
erreichen und gleichzeitig miteinander zu vereinbarende wirtschaftliche
Umfelder schaffen können. Ich hoffe,
die EG wird diesen Vorschlag unterstützen.
i

i

Im Januar wird in Brüssel eine
neue EG-Kommission ihre Arbeit aufnehmen.
Gleichzeitig wird in den
Vereinigten Staaten eine neue Administration ihr Amt antreten. Eine neuerlich
eingegangene
Verpflichtung
wird in der Europäischen Gemeinschaft
im Hinblick auf das Grundkonzept des
Binnenmarktes und die Vorteile, die
ein offener und einheitlicher EGMarkt für die Bürger Europas und die
Weltwirtschaft mit sich bringt, erforderlich sein. Wir müssen mit Europa zusammenarbeiten, um diesen Erfolg sicherzustellen.

* * * * * *

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagin kündigt "energisches Vorgehen" in der Außenpolitik an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten vor dem World Affairs Council in Los Angeles&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kampf gegen Drogen - eine Aufgabe der Gesellschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Einzelaktionen können nichts mehr ausrichten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zusammenarbeit für ein Vereintes Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von C. William Verity&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

9. November 1988

41
INHALT

DOKUMENTATION
DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
Nach seinem Wahlsieg appelliert Bush an Einigkeit der Nation
- Ansprache des neu gewählten Präsidenten -

HINTERGRUNDMATERIAL
DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
Bush will als Präsident Reagans Programme fortführen
- Artikel über die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl

Rüstungskontrolle als Erbe der Reagan-Administration
- Von George P. Shultz -

WIRTSCHAFT
Yeutter; Drei Schlüsselbereiche für Montreal-Gespräche
- Rede des amerikanischen Handelsbeauftragten vor dem
Commonwealth Club Yeutter nennt Airbus-Subventionen "beunruhigend"
— Erklärung des amerikanischen Handelsbeauftragten zum Airbus

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'SroN$&lt;

9. November 1988

41

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
NACH SEINEM WAHLSIEG APPELLIERT BUSH AN EINIGKEIT DER NATION
- Ansprache des neu gewählten Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Der am 8. November 1988 zum neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählte Vizepräsident George Bush versprach in einer kurzen,
landesweit im Fernsehen übertragenen Rede aus seinem WahlkampfZentrum in
Houston (Texas), er werde nach dieser häufig mit Schärfe geführten Wahlkampagne ein "Präsident des ganzen Volkes" sein. Er appellierte an seine Mitbürger,
"Zusammenhalt zu beweisen - wie wir das nach Wahlen immer getan haben".
Bushs Ansprache hat folgenden Wortlaut:

Ich habe soeben einen Anruf von
Gouverneur Dukakis erhalten, und ich
möchte Ihnen mitteilen, daß er sich
sehr großmütig verhalten hat. Sein
Anruf war sehr persönlich und herzlich und stand im Einklang mit der
großen Tradition der amerikanischen
Politik. Wir können heute die erhebendsten Worte aussprechen, die einer
Demokratie eigen sind: "Das Volk hat
gesprochen."

genauso ist er eben. Er ist einfach
einer der anständigsten Menschen, die
ich je kennengelernt habe.

Aus ganzem Herzen und mit großen
Hoffnungen danke ich all den Menschen
in ganz Amerika, die uns zu diesem
großen Sieg verholfen haben. Und ich
danke Ronald Reagan; ich danke ihm
dafür, daß er das Ruder in unserem
Land herumgeworfen hat und dafür, daß
er mein Freund ist und sich im Wahlkampf so sehr engagiert hat. Aber

Ich möchte mich bei meinem großartigen Freund Jim Baker, einem Sohn
der Stadt Houston, bedanken sowie
auch bei meinem Wahlkampfleiter Lee
Atwater sowie den Wahlhelfern, allen
Mitarbeitern, dem Republican National
Committee (RNC), all unseren Parteivorsitzenden in den Bundesstaaten,
den Organisationen und politischen

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Ich möchte meinem Freund, dem Vizepräsidentschaftskandidaten
Dan
Quayle und seiner Familie danken.
Sie haben trotz scharfer Kritik große
Stärke bewiesen und unermüdlich gekämpft. Ich bin stolz auf ihn und
seine Familie.

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�Clubs.
Insbesondere danke ich den
jungen Leuten, die so viele Nächte
aktiv waren und Wahlplakate geklebt
haben, den Leuten, die so viele Telefongespräche führten und um Stimmen
geworben haben.
Gerade zu dieser Stunde findet im
Washingtoner Hilton-Hotel ein großes
Treffen von freiwilligen Wahlkampfhelfern statt. In Gedanken bin ich
bei Euch - vielen, vielen Dank für
alles, was Ihr von der Bundeshauptstadt aus geleistet habt.
Nun möchte ich mich meiner Familie zuwenden. Tatsache ist, daß ich
ohne sie nichts wäre. Unsere vier
Söhne, unsere Tochter Doro und meine
Frau Barbara. Wahrscheinlich sollte
ich nicht mehr meine Barbara sagen,
denn schon bald wird sie die First
Lady der Vereinigten Staaten sein.
Ich danke Gott für die Zuversicht, die er mir geschenkt hat. Mit
zunehmendem Alter werde ich mir immer
mehr des göttlichen Elements im Leben
bewußt, und ich bitte um Gottes Hilfe.
Ich danke den Männern und Frauen
von Texas; ich sehe Menschen hier
versammelt, die mit mir 1962 in der
Politik angefangen haben. Ihr habt
niemals Eure Zuversicht verloren, Ihr
habt mich niemals verlassen und Ihr
seid ein Quell meiner Stärke.
Dies ist für uns alle eine bewegende Nacht. Man muß gerührt sein,
wenn das eigene Land die Hoffnungen
und die Bewerbung um das Präsidentenamt billigt.
Die Gefühle sind so
persönlich, daß diese Entscheidung
umso schwerer wiegt.
Und jetzt werden wir an einem
Amerika arbeiten, das der Welt Stärke
und Entschlossenheit demonstriert und
auch im Inland Stärke und Großmut beweist. Und wenn ich eine gütigere
und sanftere Nation schaffen möchte,
habe ich das so gemeint, wie ich es
sagte, und ich meine es auch jetzt
noch so.

Ein Wahlkampf ist eine Kontroverse.
Und Kontroversen entzweien.
Aber eine Wahl ist eine Entscheidung,
und Entscheidungen ebnen den Weg für
Harmonie und Frieden.
Ich möchte ein Präsident des ganzen Volkes sein und nicht nur die
Hoffnungen und Interessen meiner Anhänger, sondern auch die des Gouverneurs und derjenigen, die nicht gewählt haben, vertreten.
Meinen Anhängern gegenüber werde
ich versuchen, mich ihres Vertrauens
würdig zu erweisen, und bei meinen
Gegnern werde ich versuchen, ihr Vertrauen zu erwerben. Ich reiche Ihnen
meine Hand und möchte auch Ihr Präsident sein.
Ich denke, ich weiß, wie sich
Gouverneur Dukakis jetzt fühlt. Ich
habe selbst in meiner Laufbahn Niederlagen erlitten, und es schmerzt.
Aber wir sind beide in den Ring gestiegen und haben einen langen und
harten Kampf geführt. Der Gouverneur
kann zufrieden damit sein, daß seine
tapfere Familie - Kitty, Kara, Andrea
und John - ihm alle Ehre gemacht hat.
Und jetzt weiß ich, daß wir - wie
immer - Zusammenhalt beweisen und auf
200 Jahre der Harmonie in der ältesten und größten Demokratie seit
Menschengedenken zurückblicken.
Ich
bin viel gereist, habe vielen Menschen die Hand gereicht, und, wir das amerikanische Volk und ich - haben Gespräche geführt, es hat ein
Austausch
stattgefunden und einen
Dialog gegeben, die nicht außer acht
gelassen werden können. Nicht jetzt,
wenn es für mich am notwendigsten ist.
Und deshalb möchte ich die Gespräche weiterführen und auf Sie zugehen, mit Ihnen sprechen und Ihnen
meine Hand reichen.
Und noch etwas. Ich werde alles
in meiner Macht Stehende tun, um mit
dem Kongreß der Vereinigten Staaten
konstruktiv zusammenzuarbeiten.

�Und abschließend möchte ich noch
ein Wort hinzufügen, was Sie - meine
Freunde hier im Saal - mir bedeuten.
Jedes Mal, wenn Barbara und ich nach
Texas kommen, ist es eine Heimkehr.
Wir verbrachten hier unsere Jugend,
haben vor 40 Jahren - im Sommer des
Jahres 1948 - hier auf den Ö'lfeldern
angefangen, und - wie Sie wissen ein Unternehmen aufgebaut und ich bin
in die Politik gegangen. 40 Jahre
der
Arbeit,
Pflichterfüllung
und
Freundschaft.
Und jetzt werde ich dieses hier
im Raum spürbare Entgegenkommen und
die Freundschaft annehmen und bewahren, wenn ich nach Washington gehe,
wo manchmal Kälte herrscht ... und wo
es weiß Gott viel Arbeit zu tun gibt.
Ich danke Ihnen, Gott schütze Sie
und noch eins. In weniger freudvollen Tagen habe ich ein Verprechen gegeben, das ich jetzt einlösen möchte.
Vielen Dank, New Hampshire.
Vielen Dank für alles.
Gott schütze Amerika.
Vielen Dank Ihnen allen.

* * * * * *

- 3-

�AMERIKA DIENST
'VON

Hintergrundmaterial

4

9. November 1988

41

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

BUSH WILL ALS PRÄSIDENT REAGANS PROGRAMME FORTFÜHREN
Artikel über die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl

WASHINGTON - (AD) - Nach seinem eindeutigen Sieg über Michael Dukakis und
seiner Wahl zum 41. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika versprach
Vizepräsident Bush, "alles in seiner Macht Stehende" zu tun, um bei der Fortführung und Erweiterung von Maßnahmen und Programmen der Reagan-Administration
mit dem mehrheitlich aus Demokraten bestehenden Kongreß zusammenzuarbeiten.

Präsident Reagan beglückwünschte
Bush und seinen Vizepräsidentschaftskandidaten Dan Quayle zu ihrem "historischen Sieg" und erklärte in einer Verlautbarung des Weißen Hauses
er sehe "einer reibungslosen Machtübergabe an George und seinen Stab"
gerne entgegen.
Einem Mitarbeiter
zufolge genoß Reagan den Triumph, zum
ersten Mal nach 152 Jahren einem Vizepräsidenten zur amerikanischen Präsidentschaft verholten zu haben.

den Meinungsumfragen zufolge stieg
die Popularität des Vizepräsidenten
Zug um Zug mit der Reagans.

Entscheidend für Bushs Sieg war
seine Bindung an Präsident Reagan,
der höher in der Wählergunst stand
als irgendein anderer Präsident seit
Dwight Eisenhower vor 28 Jahren. Der
Präsident beteiligte sich in den
letzten Wochen vor der Wahl in starkem Maße am Wahlkampf für Bush, und

Aber bei Bekanntgabe der Ergebnisse nach Schließung der Wahllokale
an der Ostküste sprach alles für einen Sieg Bushs, insbesondere durch
die hohe Zahl der Wahlmännerstimmen.
Die drei großen Fernsehsender riefen
ihn bald darauf im Süden und in verschiedenen Staaten des Mittelwestens

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Embassy of the United States of America

Die Umfragen zeigten Bush in Führung vor Dukakis in einem Wahlkampf
voller Angriffe und Gegenangriffe,
aber sie deuteten ebenfalls auf einen
knappen Wahlausgang und die Unzufriedenheit zahlreicher Wähler mit den
negativen Aspekten des Wahlkampfes
hin.

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Telex: 8-85432

�- wo die Wahllokale früh schlössen zum Sieger aus.
Noch bevor Dukakis seine ersten
Wahlmännerstimmen erringen konnte - 3
aus dem District of Columbia - konnte
Bush bereits 100 auf sich vereinigen
und erhielt nach Bekanntwerden der
Ergebnisse aus dem Mittelwesten noch
weitere Stimmen.
Der Vizepräsident
gewann In Ohio, Michigan, Missouri
und Texas - den Staaten, die Dukakis
als für den Sieg entscheidend angesehen hatte.
Der Gouverneur von Massachussetts
gewann jedoch in seinem Heimatstaat
sowie in sieben weiteren Bundesstaaten, darunter New York.
Nach
der
Auszählung
von
71
Prozent der Wahlkreise hatte Bush
35 324 090 Stimmen oder 54 Prozent
auf sich vereinigt und in 35 Staaten
mit 341 Wahlmännerstimmen gewonnen.
In vier weiteren Staaten mit zusätzlich 82 Wahlmännerstimmen lag er
vorn.
Auf
Dukakis
entfielen
29 974 906 Stimmen oder 46 Prozent.
In den von ihm gewonnenen Staaten erhielt er 95 Stimmen im Wahlmännerkollegium; er führte in zwei weiteren
Staaten mit 17 Wahlmännerstimmen.
Noch vor Schließung der Wahllokale an der Westküste hatten die Fernsehanstalten Bushs Sieg verkündet und
Dukakis daraufhin seine Niederlage
eingestanden. Vor seinen enttäuschten Anhängern in Boston erklärte er,
die Nation stehe vor großen Herausforderungen und er werde mit Bush bei
deren Bewältigung zusammenarbeiten.

nem Wunsch nach "einer gütigeren und
sanfteren Nation" Ausdruck verliehen
habe.
Es wird erwartet, daß Bush nach
seinem Amtsantritt am 20. Januar 1989
eine Serie von Treffen auf höchster
Ebene zu Fragen wie dem amerikanischen Haushaltsdefizit, den außenpolitischen Prioritäten und - mit den
Sowjets - über Abrüstung anstreben
wird.
Vor
seiner
Rückkehr
nach
Washington zu einer Siegesfeier und
einem anschließenden viertägigen Urlaub hat er für den 9. November in
Houston eine Pressekonferenz anberaumt. Nächste Woche wird der gewählte nächste Präsident mit der britischen
Premierministerin
Thatcher
und
Bundeskanzler
Kohl
zusammentreffen.
Zur Vorbereitung eines späteren
Gipfeltreffens mit dem sowjetischen
Staats- und Parteichef Gorbatschow,
auf dem über das weitere Vorgehen bei
strategischen
und
konventionellen
Waffen entschieden werden soll, hat
Bush bereits ein Gipfeltreffen der
NATO vorgeschlagen. Weitere von Bush
angeregte Gipfeltreffen sind eine
Weltumweltkonferenz, ein Treffen der
verantwortlichen nord- und lateinamerikanischen Politiker zum Drogenproblem sowie ein Treffen mit den Gouverneuren aller Bundesstaaten, um
über einheitliche Normen im Bildungswesen zu sprechen.

Zur selben Stunde sprach Bush vor
einer Gruppe begeistert applaudierender Anhänger in Houston und dankte
dabei dem amerikanischen Volk für
seine Wahl und Dukakis für seine
großmütige Haltung, die "im Einklang
mit der großen Tradition der amerikanischen Politik" stehe. Er erklärte, er werde sich bemühen, alle möglicherweise in diesem Wahlkampf geschlagenen Wunden zu heilen und daß
er es ernst gemeint habe, als er sei- 2 -

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
"VON

Hintergrundmaterial

4

9. November 1988

41

RÜSTUNGSKONTROLLE ALS ERBE DER REAGAN-ADMINISTRATION
- Von George P. Shultz -

- (AD) - (Der amerikanische Außenminister hielt die hier in Form eines Artikels vorliegende Rede bei den Amerikanischen und Europäischen Gesellschaften
für Kernenergie sowie beim Forum für Kernenergie.)
Vor 25 Jahren haben Experten die
unaufhaltsame Verbreitung von Kernwaffen angenommen.
Ihren Prognosen
zufolge sollten Ende der achtziger
Jahre etwa 15 bis 25 Länder im Besitz
von Nuklearwaffen sein. Sie hatten
unrecht.
Allen Schwierigkeiten zum
Trotz haben die Bestrebungen, die
Weiterverbreitung von Kernwaffen zu
verhindern, Erfolg gezeitigt.

bieten suchen. Sie haben nicht erkannt, daß der Wille der Völker auf
der ganzen Welt im Vertrag über die
Nichtverbreitung von Kernwaffen verankert ist. All dies hat allgemeines
Vertrauen in die Bestrebungen zur
Nichtverbreitung geschaffen, und dies
wiederum spiegelt sich in einer zunehmenden Zahl von Vertragspartnern
wider.

Diese frühen Schwarzseher haben
nicht mit der Fähigkeit von Ländern
wie den Vereinigten Staaten und anderen gerechnet, die dieser Bedrohung
für den Weltfrieden mit einem Netzwerk internationaler Vereinbarungen,
rechtsverbindlicher
Verpflichtungen,
technologischer
Sicherungsmaßnahmen
und alternativen Maßnahmen im Bereich
der Sicherheitspolitik Einhalt zu ge-

Bei der Förderung von Bestrebungen um die Nichtverbreitung haben wir
uns die grundsätzliche Tatsache vor
Augen geführt, daß Grundwissen über
Kernwaffen nicht geheimgehalten werden kann.
Die Unmöglichkeit einer
totalen Geheimhaltung wurde bereits
1953 von Präsident Eisenhower erkannt, als dieser ein Programm internationaler Zusammenarbeit im nuklea-

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�ren Bereich vorschlug. Und das lag
als Grundprinzip auch der Schaffung
der Internationalen Atomenergie-Organisation und dem Vertrag über die
Nichtverbreitung von Kernwaffen zugrunde, das heißt, die Entwicklung
der Kernenergie zu friedlichen Zwekken sollte durch die Vereinbarung gewährleistet werden, sich nicht an der
Entwicklung von Kernwaffen zu beteiligen.
Nichtverbreitung steht im Einklang mit einer Politik der Kooperation
im nuklearen Bereich.
Das
Schlüsselelement der Sicherheit sind
strenge Beschränkungen für die Verbreitung von nuklearem Know-how und
Ausrüstungsgegenständen für Kernenergie. Aus diesem Grund leisten wir
auch weiterhin solchen Staaten keine
Hilfe im Nuklearbereich, deren Absichten zweifelhaft oder unklar sind.
Ein Aufhalten der Weiterverbreitung von Kernwaffen und Waffentechnologie reicht nicht aus. Die ReaganAdministration hat hart und erfolgreich an Rüstungskontrollabkommen gearbeitet.
Kreatives und anhaltendes diplomatisches Engagement haben zu fairen
und allseits vorteilhaften Abkommen
geführt, mit denen eine größere internationale Sicherheit gewährleistet
wird. Das Zusammenwirken von Stärke
und Diplomatie war der Leitgedanke
unseres Ansatzes bei den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen.
Aber wir wenden unsere Aufmerksamkeit nicht allein der Rüstungskontrolle und dem RUstungsabbau zu. Unter Präsident Reagan haben sich die
Vereinigten Staaten mit beispiellosem
Engagement und ebensolcher Effektivität in allen Bereichen unserer Tagesordnung mit der Sowjetunion auseinandergesetzt, - Menschenrechte, bilaterale Fragen, Rüstungskontrolle und
regionale Konflikte.
In diesem Umfeld haben sich die
stärkeren Bemühungen in den Bereichen
Rüstungskontrolle und Sicherheit bei

der Kernenergie bezahlt gemacht. Ein
realistischer Prozeß der Verhandlungen, Durchführung und Verifizierung
hat sorgfältig ausgehandelte Abkommen
hervorgebracht und gründete sich auf
streng befolgte Prinzipien. Der Ausgangspunkt dafür ist das von Präsident Reagan vorgeschlagene und vom
sowjetischen
Generalsekretär
Gorbatschow beim ersten Genfer Gipfel
befürwortete Konzept:
"Ein Nuklearkrieg kann nicht gewonnen und darf
niemals gführt werden."
Wir haben das historische Abkommen über Mittelstreckenraketen ausgehandelt, das erste Abkommen, das Reduzierungen in den Kernwaffenarsenalen erfordert und nicht nur die Zunahme der nuklearen Fähigkeiten verlangsamt.
Der INF-Vertrag beseitigt eine
gesamte Kategorie von Kernwaffen. Er
zeigt, daß Rüstungskontrolle mehr
leisten kann als eine Festschreibung
bestehender
Stationierungspläne.
Dieses Abkommen baut Kernwaffenarsenale ab und gestaltet sie um, es fördert eine sichere und stabilere Welt.
Der Vertrag enthält strenge Bestimmungen zur Inspektion, Überwachung
und zum Datenaustausch, wodurch sich
eine effektive Verifizierung ergibt
und wertvolle Maßstäbe für weitere
Abkommen gesetzt werden. Diese Bestimmungen werden Offenheit und kooperative Kontakte über sensible militärische Fragen hervorbringen, die
mit der Zeit tiefgreifenden Einfluß
darauf haben, wie die Sowjets und wir
uns gegenseitig einschätzen.
Bei den Verhandlungen über die
Verringerung strategischer Rüstungen
(START) verfolgen wir genau diesen
Kurs des Abbaus von Nuklearwaffen.
Wir stehen kurz vor dem Abschluß eines Vertrages, der die 50prozentige
Reduzierung strategischer Offensivwaffen fordert. Einige Schlüsselbereiche sind noch ungelöst. Aber das
Abkommen und viele seiner Teilbereiche liegen bereits in groben Zügen
vor und bieten eine gute Basis für
die Fertigstellung des Vertrages kurz

- 2 -

�nach dem Amtsantritt der nächsten Administration.
START wird zur Abschreckungspolitik beitragen. Bis zur Einsatzreife
eines alternativen Sicherheitssystems
müssen wir uns weiterhin auf die nukleare Abschreckung verlassen.
In
absehbarer Zukunft muß unser Ziel in
der Stärkung der nuklearen Abschrekkung und deren Funktionstüchtigkeit
auf einem geringeren und sichereren
Streitkräfteniveau bestehen. Das ist
die Zielsetzung von START.

Aber
trotz besserer strategischer
Stabilität auf geringeren Niveaus offensiver Nuklearwaffen und trotz unserer echten Fortschritte bei der
Nichtverbreitung von Kernwaffen ergeben sich neue Gefahren. Eine zunehmende Zahl von Ländern setzt chemische Waffen ein.
- Die
fen
zur
hier

- Erstens das zunehmende Angebot
relativ weitreichender Boden-Boden-Raketen auf dem internationalen Waffenmarkt.
Im Golfkrieg
setzten beide Kriegsparteien sowjetische
SCUD-Flugkörper
ein.
Saudi-Arabien beschafft chinesische
CSS-2-Raketen
mit
einer
Reichweite von über 2 400 km.
Weitere
Staaten des Mittleren
Ostens und anderer Regionen erwerben
ballistische
Raketen.
Waffen mit enormem Zerstörungspotential gelangen in die Hände von
Parteien, die wenig Rücksicht auf
die
traditionell
restriktiven
Kontrollen nehmen.

START gestattet uns die Beibehaltung verschiedenartiger und überlebensfähiger
Vergeltungsstreitkräfte.
Obwohl START einen erheblichen Abbau
amerikanischer
und
sowjetischer
Streitkräfte erfordert, einschließlich einer 50prozentigen Reduzierung
sowjetischer schwerer Interkontinentalraketen (ICBM), können unsere Programme zur Verbesserung der Uberlebensfähigkeit und Wirksamkeit unserer
ICBMs,
seegestützten
ballistischen
Raketen (SLBMs) und Bomber weitergeführt werden. Mit der richtigen Kombination von START-Beschränkungen für
die Bedrohung und unsere eigenen Modernisierungsprogramm werden wir im
Hinblick auf die dauerhafte Uberlebensfähigkeit unserer Abschreckung in
einer stärkeren Position sein als ohne ein solches Abkommen.

- Zweitens stellen wir ein Wiederaufleben der chemischen Kriegführung fest, sicherlich die verachtenswerteste und abscheulichste
Entwicklung unserer Zeit.
Die
Staatengemeinschaft
sieht
sich
mit Verletzungen des ältesten und
weitestgehend eingehaltenen Rüstungskontrollabkommens
konfrontiert - des Genfer Protokolls von
1925, das den Einsatz von Giftgas
und chemische Kriegführung untersagt.
Diese Geißel greift um
sich. Das Protokoll wird wiederholt verletzt.

Mit START sollen Reduzierungen
stabilisiert werden - Reduzierungen,
die so strukturiert sind, daß sie den
Anreiz zum Erstschlag verringern.
Der in Genf erarbeitete Vertragsentwurf wird genau das tun. Je eher er
fertigestellt wird, um besser wird es
uns gehen.

Das Rüstungskontrollprogramm
kunft

Verfügbarkeit modernster Wafhat schwerwiegende Probleme
Folge.
Insbesondere sind
zwei Gefahren zu nennen:

der Zu-

Anhaltende
Bestrebungen
zur
Nichtverbreitung und intensivere Verhandlungen über Rüstungskontrolle und
Rüstungsabbau können dazu beitragen,
den Herausforderungen im Zeitalter
der
Kernenergie
entgegenzutreten.

Der schrecklichste Alptraum wäre
die mögliche Kombination von chemischen Gefechtsköpfen auf ballistischen Raketen in Händen von Staaten,
die der weltweiten Ablehnung ihres
Einsatzes wenig Beachtung schenken.
Aus diesem Grund haben die Vereinigten Staaten die Führungsrolle dabei

- 3 -

�übernommen, die Verbreitung
Technologien einzudämmen:

beider

- In bilateralen Gesprächen mit den
Sowjets sowie im UNO-Abrüstungsausschuß
fanden
Verhandlungen
über ein umfassendes Verbot chemischer Kriegführung statt, die
auf einen im Jahr 1984 von den
Vereinigten Staaten vorgelegten
Entwurf einer entsprechenden Konvention
zurückgingen.
Ferner
möchten wir die chemischen Exportkontrollen harmonisieren und
stärken. Schließlich hat Präsident Reagan am 26. September 1988
eine Konferenz der Vertragsparteien des Genfer Protokolls von
1925 einberufen, um die Normen
gegen den Einsatz jener abscheulichen Waffen zu stärken. Diese
Konferenz wird Anfang Januar in
Paris stattfinden.
- Die Vereinigten Staaten und ihre
wichtigsten westlichen Partnerländer haben das Regelwerk zur
Kontrolle von Raketentechnologie
entwickelt, um die Weiterverbreitung ballistischer Raketen unter
Kontrolle zu halten. Wir sprechen gegenwärtig mit Sowjets und
Chinesen, um dieser wachsenden
Gefahr Herr zu werden.
Unsere Bemühungen in bezug auf
Nichtverbreitung,
Rüstungskontrolle
und Abrüstung haben uns dabei geholfen, den Herausforderungen der Vergangenheit und Gegenwart ins Auge zu
blicken.
Diese Erfahrung verweist
auf die sieben Elemente, die zu einer
erfolgreichen Bewältigung der Herausforderung der Rüstungskontrolle in
der Zukunft unerläßlich sind:
- Erstens müssen wir uns weiterhin
primär auf unsere eigenen Verteidigungsprogramme
stützen.
Rüstungskontrollbemühungen
können
diese Programme ergänzen und einen bedeutenden Beitrag zu unserer Sicherheit leisten. Sie können sie jedoch nicht ersetzen.
- Zweitens hängt der Verhandlungs-

erfolg für unsere Sicherheit von
der Einsatzbereitschaft ab, mit
der wir unsere Sicherheit selbst
gewährleisten.
Aktive amerikanische Verteidigungsprogramme geben den Sowjets einen Anreiz zu
flexibler Verhandlungsführung.
Drittens müssen wir, damit die
Bemühungen zur Rüstungskontrolle
wirksam werden, in allen Bereichen unserer außenpolitischen Tagesordnung Fortschritte anstreben. Vor dem Hintergrund sowjetischer
Menschenrechtsverletzungen und regionalen Abenteurertums
läßt sich unsere Politik politisch
nicht
aufrechterhalten.
Während Vereinbarungen zwischen
den Supermächten über Streitkräfteniveaus und -strukturen ausgehandelt werden, müssen beide Seiten Bereiche gegenseitigen Vertrauens finden und Sensibilität
gegenüber Menschenrechten, regionalen Konflikten und anderen bilateralen Problemen entwickeln.
Viertens leitet sich unsere Stärke bei Verhandlungen zum großen
Teil von der Unterstützung durch
unsere Verbündeten, den Kongreß
und die amerikanische Öffentlichkeit ab. Der INF-Vertrag ist das
Verdienst und Produkt der Einheit
des Bündnisses - der Entschlossenheit der Stationierungsländer,
die Dislozierungen durchzuführen,
des Zusammenhalts der NATO in allen Verhandlungsstadien und der
Solidarität unserer Verbündeten
und Freunde in Asien, die so erheblich zum Ergebnis - der weltweiten Null-Lösung - beigetragen
haben.
Ebenso unerläßlich ist
die Unterstützung des amerikanischen Kongresses und der amerikanischen Bevölkerung. Die Notwendigkeit, die Vertraulichkeit
heikler
Verhandlungspunkte
zu
schützen, muß in einem ausgewogenen Verhältnis zu der Erfordernis
stehen, den Kongreß und die Öffentlichkeit zu informieren.
- Fünftens

muß

ein

angemessenes

�haben sich im Juni 1987 darauf
verständigt, daß die wichtigsten
künftigen Aufgaben in der Rüstungskontrolle der Abschluß eines START-Abkommens, die Erlangung eines stabileren Gleichgewichts bei den konventionellen
Streitkräften sowie Verhandlungen
über ein wirksam verifizierbares
weltweites Verbot chemischer Waffen sein werden. Diese Prioritäten sind korrekt.
Zusätzlich
müssen wir weiterhin unsere Bemühungen verstärken, um der Weitergabe von Kernwaffen und anderen
destabilisierenden
Waffentechnologien Einhalt zu gebieten.

Verhältnis zwischen Besonnenheit
und
Entschlossenheit
erreicht
werden. Sorgfalt, Geduld und Festigkeit sind unabdingbar bei der
Formulierung von Verhandlungszielen und hartnäckigem Aushalten am
Verhandlungstisch bis zu deren
Realisierung.
Es
muß
jedoch
ebenso Mut vorhanden sein, um einen Abschluß zu erreichen - während man gleichzeitig energisch
auf Regelung
der Einzelheiten
drängt.
Eine starke und entschlossene Führung ist erforderlich, um einen Abschluß zu erzielen wie Präsident Reagan beim
INF-Vertrag.
- Sechstens müssen wir eine realistische Haltung zur Verifizierung einnehmen. Die sowjetische
Bilanz der Nichteinhaltung früherer RUstungskontrollabkommen verlangt ein höchstmögliches Maß der
Verifizierung.
Es sind jedoch
nicht alle einschneidenden Verifizierungsmaßnahmen für die Vereinigten Staaten oder die Sowjetunion akzeptabel; auf unserer
Seite dürfen bestimmte Einrichtungen einfach nicht für sowjetische Inspektoren geöffnet werden.
Realistisch gesehen wird
also kein Rüstungskontrollabkommen perfekt verifizierbar sein.
Die Schlüsselfrage lautet, ob bestimmte Vereinbarungen auf Gegenseitigkeit
gerechtfertigt
sind
und ob die daraus resultierende
Verifizierungsregelung
die Sicherheit der Vereinigten Staaten
schützt, indem sie die rechtzeitige Entdeckung jeglicher militärisch bedeutsamer Verletzungen
gewährleistet.

Die vor uns liegenden Herausforderungen
Tempo und Ausmaß des Wandels sind
heute groß. Dies gilt auch für das
Potential
wissenschaftlichen
und
technologischen Wandels. Vor 45 Jahren begegneten die Vereinigten Staaten der Herausforderung von Faschismus und Aggression mit einem Engagement für die Wissenschaft, das zu einer neuen Welt der Kreativität und
Entdeckungen führte. In den folgenden Jahrzehnten haben wir die Herausforderung des Nuklearzeitalters bewältigt, indem wir uns für den Aufbau
unseres eigenen Abschreckungspotentials sowie auch für die Nichtverbreitung, Rüstungskontrolle und Abrüstung eingesetzt haben.
Die vor
uns liegende Zeit wird nicht weniger
herausfordernd sein.

* * * * * *

Die neue sowjetische Offenheit
gegenüber Inspektionen ist höchst begrüßenswert, aber der Kern unserer
Verifizierungsfähigkeit wird weiterhin von unseren Nationalen Technischen Mitteln gebildet, die modernisiert und ausgebaut werden müssen.
- Schließlich müssen wir Prioritäten setzen.
Die NATO-Minister
- 5 -

�WMSuSanmMi
Wirtschaft

41

9. November 1988
YEUTTER:

DREI SCHLÜSSELBEREICHE FÜR MONTREAL-GESPRÄCHE

- Rede des amerikanischen Handelsbeauftragten vor dem Commonwealth Club WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Handelsbeauftragte Clayton Yeutter
wird der Liberalisierung des Handels in drei Schlüsselbereichen während des
bevorstehenden Treffens der Handelsminister in Montreal hohe Priorität beimessen. Das Ministertreffen - eine Zwischenbilanz der Uruguay-Runde multilateraler Handelsgespräche - wird am 5. Dezember 1988 in Montreal beginnen.
In einer Ansprache vor dem Commonwealth Club of California in San Francisco erklärte Yeutter am 4. November 1988, Fortschritte in 15 Bereichen seien
unabdingbar, er sei jedoch "vor allem besorgt" über Landwirtschaft, geistiges
Eigentum und Probleme im Dienstleistungsbereich. Yeutter zufolge sehen sich
die Vereinigten Staaten bei der Liberalisierung des Handels in diesen Bereichen dem Widerstand einiger Länder ausgesetzt.
Nachfolgend bringen wir die Ausführungen des amerikanischen Handelsbeauftragten in wesentlichen Auszügen:

Vor 40 Jahren - nach dem Zweiten
Weltkrieg - beschlossen die führenden
Handelsnationen das Allgemeine Zollund Handelsabkommen (GATT), mit dem
die Richtlinien und Prinzipien zur
Regelung des internationalen Handels
festgelegt wurden. Seit jener Zeit
haben alle Länder von niedrigeren
Zöllen und dem Abbau der Handelsschranken profitiert.
Der internationale Handel hat sich enorm ausgeweitet, hat das Wirtschaftswachstum
gefördert und zu ungeahntem Wohlstand
geführt.

Um diesen beunruhigenden Tendenzen entgegenzutreten, greift die Welt
wiederum auf das GATT zurück bei dem
Versuch, Wachstum durch Handelsliberalisierung zu erzielen. Die im September 1986 in Punta del Este ins Leben gerufene Uruguay-Runde hat die
ehrgeizigste Tagesordnung für Verhandlungen, die es in der Geschichte
des GATT je gegeben hat.

Trotz des offensichtlichen Nutzens offener Märkte ist das internationale
Handelssystem
heute
mit
ernsthaften Problemen befrachtet. In
zunehmendem Maße benutzen die Länder
Exportsubventionen und nichttarifäre

Die Verhandlungen der UruguayRunde sind in 15 Verhandlungsgruppen
unterteilt, die sich jeweils mit unterschiedlichen Aspekten des internationalen Handels befassen.
Während
es unerläßlich ist, Fortschritte in

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Importbeschränkungen, um sich Vorteile gegenüber ihren Konkurrenten zu
verschaffen.

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�allen diesen Gruppen zu erzielen,
sind wir vor allem über drei Bereiche
besorgt - die sogenannten "neuen Probleme" bei Landwirtschaft, Dienstleistungen und dem Schutz geistigen Eigentums. Diese Probleme sind natürlich nicht neu für den internationalen Handel, sie sind nur neu für das
GATT und aus diesem Grund sehen wir
uns dem Widerstand einiger Mitglieder
des GATT ausgesetzt.
Landwirtschaft.
Die
Landwirtschaft befindet sich weltweit am Rande des Chaos, da die nationalen Regierungen die Handelspolitik als Waffe einsetzen, um sich Vorteile für
ihre eigenen Bauern zu verschaffen.
In zahlreichen Ländern halten Importbeschränkungen und Preissubventionen
die Agrarpreise im Inland künstlich
hoch und stimulieren dadurch zur
Überproduktion.
Wenn
Überschüsse
entstehen, werden die Exportsubventionen dafür verwendet, um sie auf
den Weltmärkten abzuladen, und als
Folge können die Bauern in den anderen Ländern nicht mehr ihren Lebensunterhalt verdienen.
Trotz der Tatsache, daß die Landwirte effektiver und produktiver sind
als jemals zuvor, wird dadurch eine
Welt geschaffen, in der die Menschen
in einigen Ländern nicht über ausreichende
Nahrungsmittel
verfügen.
Trotz
erheblicher
Agrarüberschüsse
wird dadurch eine Welt geschaffen, in
der die Verbraucher gezwungen sind,
unnötig hohe Preise für Nahrungsmittel zu zahlen.
Die Vereinigten Staaten haben auf
die Uruguay-Runde zurückgegriffen, um
einen Weg aus dieser erschreckenden
Situation herauszufinden. Wir haben
bei den Agrarverhandlungen den Vorschlag unterbreitet, daß alle Länder
ihre handelsverzerrende Politik so
schnell wie möglich abschaffen. Wir
haben vorgeschlagen, daß dies bis zum
Jahr 2000 verwirklicht werden soll.
Unser Vorschlag umfaßt alle Exportsubventionen, Importschranken und
Subventionen auf nationaler Ebene,

die den Handel beeinträchtigen. Er
schließt nicht die bona fide gewährten Nahrungsmittelhilfe-Programme und
solche Zahlungen an Landwirte aus,
die keinen Einfluß auf Preisgestaltung oder Produktionsentscheidungen
haben.
Schließlich
fordert unser
Vorschlag die Schaffung einheitlicher
Hygienevorschriften für Nahrungsmittel auf der ganzen Welt, um sicherzustellen, daß solche Vorschriften für
den Handel mit Agrargütern keine
nichttarifären Hemmnisse darstellen.
Einige Verhandlungspartner haben
unverzügliche, kurzfristige Schritte
vorgeschlagen, um den Prozeß des Abbaus international handelsverzerrender Maßnahmen einzuleiten. Die Vereinigten Staaten unterstützen das
Konzept
kurzfristiger
Maßnahmen.
Tatsächlich haben wir ein sofortiges
Einfrieren
von
Exportsubventionen,
nationalen Subventionen und Marktzugangsbeschränkungen gefordert.
Ich
möchte jedoch eins klarstellen. Wir
werden - kurz- oder langfristig - nur
Maßnahmen in die Wege leiten, die
auch von unseren Handelspartnern ergriffen werden. Und wir werden kurzfristig keine Maßnahmen verabschieden, die nicht langfristig zu einer
umfassenden Reform führen.
Es erübrigt sich, darauf hinzuweisen, daß unser Vorschlag auf erheblichen Widerstand - insbesondere
aus der EG - gestoßen ist. Einige
Europäer sind der Ansicht, der Abbau
handelsverzerrender
Praktiken
sei
"unrealistisch". Ich vertrete hingegen die Meinung, es ist unverantwortlich, bis in alle Ewigkeit auf dem
Status quo zu bestehen. Bei unserer
Zusammenkunft in Montreal werden die
Vereinigten Staaten am Verhandlungstisch auf der Verpflichtung zum Handeln bestehen.
Schutz geistigen Eigentums.
In
den vergangenen vier Jahren sind die
Vereinigten Staaten international in
die Offensive gegangen, was die Verbesserung des Schutzes geistigen Eigentums anbelangt, etwa bei Patenten,
Warenzeichen, Copyrights und Handels-

�geheimnissen. Das ist aufgrund der
jüngsten, drastisch zunehmenden Piraterie bei Gütern, die mit Patenten
oder Copyrights belegt sind, ein
wichtiges Thema. Allein im Jahr 1986
verzeichnete die Unterhaltungsbranche
Verluste von über zwei Milliarden
Dollar aufgrund unzureichenden Schutzes von geistigem Eigentum. Die Computer- und Softwareindustrie erlitt
Verluste von über vier Milliarden
Dollar.

nen wichtigen Stellenwert ein. Trotz
der
zunehmenden
Verflechtung
der
Weltwirtschaft bestehen - wenn überhaupt - nur wenige Regelungen für den
Handel in solch grundlegenden Wirtschaftsbereichen wie Bank- und Versicherungswesen, Verkehr, Bauindustrie
und Tourismus. Wenn mit GATT Ordnung
und Fairneß auf dem Weltmarkt geschaffen werden sollen, so muß dieses
den Realitäten des modernen Handels
Rechnung tragen.

Im Rahmen der Uruguay-Runde haben
wir versucht, unsere Handelspartner
davon zu überzeugen, daß dieses Thema
in einem Forum des GATT angemessen
besprochen werden muß, da die Verletzung geistigen Eigentums Auswirkungen
auf den Handel hat. Die Vereinigten
Staaten haben ein umfassendes GATTAbkommen vorgeschlagen, das echte
Maßstäbe für den Schutz von Patenten,
Copyrights, Warenzeichen, Handelsgeheimnissen und das Design von Halbleiterchips setzen würde.
Darüber
hinaus würde das Abkommen Regierungen
verpflichten, auf nationaler und internationaler Ebene das Recht auf den
Schutz geistigen Eigentums anzuerkennen.

Um das GATT zu modernisieren, haben die Vereinigten Staaten vorgeschlagen, daß dessen Prinzipien auch
auf internationale Transaktionen im
Dienstleistungsbereich Anwendung finden. Der von den meisten Industrieländern
übernommene
amerikanische
Vorschlag fordert die Geltung solch
traditioneller Handelsprinzipien wie
Transparenz,
Nichtdiskriminierung,
nationale Behandlung, Niederlassungsfreiheit, Zurückhaltung bei staatlich
geförderten Monopolen und Subventionen,
nichtdiskriminierende
Zulassungsverfahren sowie einen Konsultations- und Schlichtungsmechanismus im
Dienstleistungsbereich.

Ich bin enttäuscht darüber, daß
wir in diesem Bereich keine größeren
Fortschritte erzielt haben. Für Piraterie gibt es keine Entschuldigung.
Ich kann nicht verstehen, wie irgendein Land sie verteidigen kann. Genau
das geschieht jedoch, wenn Länder,
die sich der Produktpiraterie schuldig gemacht haben, formaljuristische
Bedenken über den Umfang des Mandats
der
Verhandlungsgruppe
vorbringen.
Beim Treffen in Montreal werden die
Vereinigten Staaten bestrebt sein,
einen Konsens in bezug auf die Rahmenbedingungen
einer
GATT-Regelung
über geistiges Eigentum herbeizuführen.

In Montreal wird unser Ziel darin
bestehen, einen Konsens über die Konturen eines Dienstleistungsabkommens
zu erreichen.
Ich fühle mich bestärkt, da viele Entwicklungsländer
die Erkenntnis gewonnen haben, daß
ihnen aufgrund ihrer Wettbewerbsfähigkeit in vielen Dienstleistungsindustrien Regelungen für den Handel
mit Dienstleistungen helfen würden.

Dienstleistungen.
Aufgrund der
wachsenden Bedeutung von Dienstleistungen in der amerikanischen Wirtschaft nimmt die Festsetzung von Regeln für den Handel mit Dienstleistungen auf unserer Tagesordnung ei- 3 -

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft

41

9. November 1988

YEUTTER NENNT AIRBUS-SUBVENTIONEN "BEUNRUHIGEND"
- Erklärung des amerikanischen Handelsbeauftragten zum Airbus -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Handelsbeauftragte Clayton Yeutter
hat scharfe Kritik an der Bundesregierung geäußert, die im Rahmen der Übernahme des führenden deutschen Luft- und Raumfahrtkonzerns MBB durch DaimlerBenz nach wie vor Subventionen für die Produktion des Passagierflugzeuges
gewähren will.
In einer am Abend des 7. November 1988 in Washington veröffentlichten Erklärung nannte er die Entscheidung zur Beibehaltung der Subventionen, die Vertreter der Bundesregierung dem hohen Kurs der D-Mark gegenüber dem amerikanischen Dollar zuschreiben, "eine sehr beunruhigende Entwicklung".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des amerikanischen Handelsbeauftragten im Wortlaut:

Es liegen uns Berichte vor, denen
zufolge das Bundeskabinett vorbehaltlich eines Bundestagsvotums seine Zustimmung zu einem Plan erteilt hat,
im Rahmen dessen Daimler-Benz Mehrheitsaktionär
von
MesserschmidtBölkow-Blohm (MBB) wird - einem Unternehmen der Rüstungsindustrie und
Muttergesellschaft der Deutschen Airbus, dem deutschen Partner im AirbusKonsortium. Den vorliegenden Angaben
zufolge würde Daimler-Benz die Kontrolle von MBB als Gegenleistung für
die weitere Bereitstellung erheblicher Subventionen
zum Ausgleich
möglicher Verluste bei der Herstellung des Airbus übernehmen, die deutsche Regierungsvertreter dem hohem
Kurs der D-Mark gegenüber dem amerikanischen Dollar zuschreiben.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Ich werde vermutlich in Kürze mit
Vertretern der Bundesregierung zusammentreffen, um dieses Vorgehen zu erörtern. Anhand der Veröffentlichungen der Bundesregierung halte ich
dies für eine höchst beunruhigende
Entwicklung.
Vor allem die Entscheidung zur
Bereitstellung zusätzlicher Subventionen für den Airbus ist inakzeptabel, da sie mitten in die laufenden
Gespräche zwischen den Airbus-Partnerregierungen und den Vereinigten
Staaten über die Schlüsselbestimmungen des GATT-Flugzeugkodex fallen,
mit denen die Bedingungen und Konditionen für staatliche Unterstützung
des zivilen Flugzeugbaus festgelegt
werden sollen.
Diese Entscheidung
würde das Fundament der bilateralen

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Verhandlungen
erschüttern und sie
möglicherweise zum Erliegen bringen.
Ein solches einseitiges Vorgehen der
Bundesregierung zu eisten; Zeitpunkt
und in solcher Art und Veise wird zu
einer gravierenden Verschärfung der
Spannungen im Handel führen«
Ferner :iu ich über den hiermit
gesc't.df fenev. Prä_-.":er.zf all zutiefst
beunruhigt. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz der Privatwirtschaft, daß
Firmen die mit ihren Transaktionen
verbundenen Risiken übernehmen, bis
hin z'J Wechselkurseinbrüchen. Weltweit schützen sie?: Tausende von Firmen gegen ihre eigenen Wechselkursschwankungen. Warum sollte bei Flugzeugherstellern eine Ausnahme gemacht
werden? Und warum sollte der Airbus
eine Sonderstellung einnehmen? Wechselkursschwankungen sind ein bei internationalen Geschäften zu zahlender
Preis; sie sollten von den Beteiligten und nicht vom deutschen Steuerzahler oder Arbeitnehmern in anderen
Industriezweigen - sei es in der Bundesrepublik Deutschland oder in den
Vereinigten Staaten - getragen werden.

men der freien Wirtschaft und seine
internationale Wettbewerbsfähigkeit.
Wir hatten uns der Hoffnung hingegeben, daß die Airbus-Partnerregierungen den Airbus auf der Grundlage
von marktwirtschaftlichen Prinzipien
größerer Privatisierung unterwerfen
würden. Dieses Vorgehen wird unsere
Hoffnung zunichte machen; es scheint
sich um eine massiv subventionierte
Privatisierung zu handeln. Man muß
sich fragen, wie die Bundesregierung
reagieren würde, wenn ihre Handelspartner anfangen würden, all ihren
Exportfirmen Wechselkursgarantien zu
gewähren. Es ist ein bedauerliches
Beispiel, das hier im Falle des Airbus geboten wird.
Wir werden das endgültige Vorgehen in Bonn sorgfältig im Auge behalten und prüfen, inwieweit eine solche
Unterstützung mit den internationalen
Verpflichtungen
der
Bundesrepublik
Deutschland im Einklang steht.

Die Vereinigten Staaten haben Anfang der achtziger Jahre nicht auf
den starken Dolllar und den damit
einhergehenden Verlust unserer Wettbewerbsfähigkeit bei den Preisen reagiert, indem die Regierung die Wechselkursschwankungen aufgefangen hat,
oder indem wir neue Wege zur Subventionierung amerikanischer Exporte erschlossen haben. Entsprechend erwarten wir von anderen Ländern, solchen
Versuchungen nicht zu erliegen. Ein
anderes Verhalten vereitelt den internationalen Anpassungsprozeß.
Es
ist im übrigen widersinnig und unvertretbar
für
die
Bundesrepublik
Deutschland - ein Land, das sich eines enorm hohen Handelsüberschusses
erfreut - durch Wechselkursgarantien,
Neukapitalisierung und/oder Schuldenerlaß oder andere Mechanismen ein
primär für den Export bestimmtes Produkt zu subventioneiren.
Es steht
auch nicht im Einklang mit dem gerecht iertigten Stolz der Bundesrepublik Deutschland auf seine Unterneh- 2 -

* * * * * *

f

»

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988&lt;br /&gt;Nach seinem Wahlsieg appelliert Bush an Einigkeit der Nation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache des neu gewählten Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988&lt;br /&gt;Bush will als Präsident Reagans Programme fortführen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Artikel über die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rüstungskontrolle als Erbe der Reagon-Administration&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von George P. Shultz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Yeutter: drei Schlüsselbereiche für Montreal-Gespräche&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des amerikanischen Handelsbeauftragten vor dem Commonwealth Club&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Yeutter nennt Airbus-Subventionen "beunruhigend"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des amerikanischen Handelsbeauftragten zum Airbus&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
"VoN^

17. November 1988

42

INHALT
-

DOKUMENTATION

Bums erwartet einschneidende Reduzierungen bei konventionellen
Streitkräften
- Rede des Direktors der ACDA in Boston -

INFORMATION
James Baker;

Politischer Stratege und Wirtschaftspolitiker

- Porträt des neuen Außenministers -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Strahlung durch Radon in Raumluft
- Bauliche Schutzmaßnahmen zur Verringerung von Gesundheitsrisiken empfohlen -

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
%

""v"

Dokumentation

A

17. November 1988

42

BURNS ERWARTET EINSCHNEIDENDE REDUZIERUNGEN
BEI KONVENTIONELLEN STREITKRÄFTEN
- Rede des Direktors der ACDA in Boston -

BOSTON - (AD) - Der Direktor des US-Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung, William Bums, hat bei einer Rede in Boston erklärt, er erwarte in den
nächsten Jahren "die ersten einschneidenden Reduzierungen bei den konventionellen Streitkräften in Europa". Die bevorstehenden Verhandlungen über konventionelle Stabilität "sollten nicht lediglich Obergrenzen festlegen, sondern
Reduzierungen der konventionellen Streitkräfte herbeiführen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des ACDA-Direktors im Wortlaut.

Ich freue mich, hier anwesend zu
sein und möchte Ihnen einige Gedanken
darüber vortragen, von welchem Punkt
wir ausgegangen sind, wo wir heute
stehen und was wir in Zukunft in der
Rüstungskontrolle erreichen können.
Ein konzeptionelles Problem der
Rüstungskontrolle besteht darin, daß
sich unsere Vorstellung davon mit den
Jahren verändert hat. Vor 20 oder 25
Jahren behandelten wir das Thema Rüstungskontrolle unter dem Blickwinkel, das "Wettrüsten" aufzuhalten wie es damals von den Menschen verstanden wurde.
Um das Wettrüsten
aufzuhalten, versuchten wir gewissermaßen, vor dem Zug herzulaufen und
sein Tempo ein wenig zu drosseln.
Dabei waren wir nur wenig erfolgreich.

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Embassy of the United States of America

In diesem Jahrzehnt haben wir
einen etwas veränderten Ansatz verfolgt. Anstatt zu versuchen, den Zug
dadurch zu verlangsamen, daß wir ihm
Grenzen setzten, haben wir tatsächlich versucht, ihn zu stoppen und
dann zur Rückfahrt zu bewegen - und
zwar so, daß wir nicht an der Zulassung höherer Obergrenzen für Waffen
interessiert waren, sondern an deren
Reduzierung. Ich muß beim Rückblick
auf die Jahre 1980/81 sagen, daß wir
ziemlich naiv ans Werk gingen, indem
wir annahmen, alle Menschen guten
Willens würden die Qualität von Reduzierungen erkennen und deshalb darauf
eingehen. Das war nicht notwendigerweise der Fall. Ich möchte dies erklären, indem ich kurz über die Politik der Rüstungskontrolle und die Art
und Weise spreche, in der diese von

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�der Administration verfolgt wurde.
Zunächst möchte ich in diesem
Rahmen über die innenpolitische Dimension der amerikanischen Rüstungskontrollpolitik sprechen. Viele mögen der Ansicht
sein, Präsident
Reagan sei wohl der am wenigsten
wahrscheinliche Kandidat gewesen, um
Abrüstungsmaßnahmen
herbeizuführen.
Erinnern Sie sich an den Wahlkampf
des Jahres 1980 und dessen Konzentration auf Defizite in der nationalen
Sicherheit und die Notwendigkeit, unsere Verteidigung wiederaufzubauen.
Glücklicherweise bestand
zu jener
Zeit über diese Notwendigkeit allgemeine Übereinstimmung. Über mehrere
Jahre nach der Amtsübernahme dieser
Administration hinweg wurde unser
Verteidigungspotential
wiederaufgerüstet und einige argumentierten,
dies mache ein Streben nach Rüstungskontrolle unmöglich.
Das Konzept der Administration
bestand darin, daß die nationale Sicherheit auf zwei Säulen beruht. Einer ist eine starke nationale Verteidigung in Form von militärischer
Macht und dem Willen, sie einzusetzen, falls man dazu herausgefordert
wird. Die andere ist der Dialog mit
potentiellen Gegnern.
Zu letzterem
gehören als wichtiges Element Verhandlungen über Abrüstung, da dies
ebenso Sicherheit schafft wie eine
Aufrüstung mit zusätzlichen Waffen.
Mit dieser Politik wurde versucht, die Sowjetunion davon zu überzeugen, daß ausgewogene und wirksam
verifizierbare Abrüstung auf gleiche
Niveaus ebenso in ihrem wie auch in
unserem Interesse liegt. Die Wiedergewinnung der Glaubwürdigkeit und Lebensfähigkeit des amerikanischen Verteidigungspotentials war für diese
Strategie unabdingbar. Ich bin davon
überzeugt, daß die Sowjetunion nur
deshalb ein Interesse an der Abrüstung entwickelte, weil sie einsah,
daß die Alternative die amerikanische
Aufrüstung sein würde.
Die

Besorgnis

der

sowjetischen

Seite besteht nicht so sehr darin,
daß wir sie zahlenmäßig übertreffen,
sondern daß wir sie technologisch
ausstechen würden.
Sie erinnerten
sich an das Manhattan Project, als
die Vereinigten Staaten innerhalb
kürzester Zeit Kernwaffen entwickelten. Sie erinnerten sich an unseren
Entschluß, den Weltraum zu erforschen.
Sie erinnerten sich daran,
daß die Vereinigten Staaten angesichts eines erheblichen sowjetischen
Vorsprungs im Weltraum zumindest einen Gleichstand erreichten und in
einigen
Weltraumtechnologien
wahrscheinlich sogar einen Vorsprung erwarben. Die Sowjets haben über amerikanische technologische Entwicklungen und Nebenprodukte unseres Weltraumprogramms gelesen, die es uns ermöglicht haben, den Vereinigten Staaten den technologischen Vorsprung zu
gewähren, der - zumindest in gewissem
Maß - sowjetische Übermacht im konventionellen Bereich wettmachen kann.
Ich denke also, daß die Sowjetunion
diesen "technologischen" Faktor in
ihr Kalkül bei der Rüstungskontrolle
einbeziehen muß.
Die
Reagan-Administration
ging
ferner von der Überzeugung aus, daß
Abrüstungsmaßnahmen auf überparteilicher Unterstützung beruhen müssen.
Diese Unterstützung herzustellen war
schwierig, solange im Kongreß sehr
unterschiedliche Ansichten über Rüstungskontrolle herrschten. Trotzdem
versuchte die Administration, auch
abweichende Ansichten aus dem ganzen
politischen Spektrum in ihre Rüstungskontrollbemühungen
einzubeziehen.

Dies

geschah

auf

verschiedene

Art und Weise.
Erstens ist Paul Nitze, der die
amerikanische RUstungskontrollpolitik
dieses Jahrzehnts maßgeblich geprägt
hat,
kein
Republikaner.
Max
Kampelman, ebenfalls ein wichtiger
Beteiligter an der Formulierung der
Rüstungskontrollpolitik dieser Administration, ist kein Republikaner.
Ich selbst war in den vergangenen 34
Jahren Offizier und in diesem Sinn
unpolitisch, aber mir wurde die Ver-

�antwortung für die Abrüstungsbehörde
übertragen.
Diese überparteiliche Unterstützung wurde auch schon früh durch die
abrüstungspolitische Beobachtergruppe
des Senats gefördert, zu der Vertreter des gesamten politischen Spektrums gehören. Gegenwärtig sind etwa
12 Senatoren aktiv in dieser Beobachtergruppe tätig. Der Vorsitzende des
auswärtigen Senatsausschusses gehört
dazu ebenso wie Sam Nunn und Senator
Daniel Patrick Moynihan. Die Beobachtergruppe ist jederzeit in Genf
willkommen, um an Diskussionen teilzunehmen, die Sowjets zu treffen und
die sowjetische Reaktion auf die amerikanischen RüstungskontrollVorschläge selbst auszuloten.
Ihre Präsenz in Genf, ihr Rat,
ihr in vielen Jahren angesammeltes
Wissen und ihre Unterstützung für bestimmte Initiativen waren meiner Meinung nach sehr wichtig.
Heute gibt es meiner Einschätzung
nach keine Differenzen zwischen den
Parteien über die allgemeine Unterstützung unserer gegenwärtigen Rüstungskontrollinitiativen.
Es
scheint vielmehr ein überparteilicher
Konsens über die Politik der Administration einer Reduzierung der verschiedenen Waffenkategorien auf gleiche Niveaus zu bestehen, anstatt eine
weitere Aufrüstung auf gleiche Niveaus zuzulassen.
Wir
wollen
zum Beispiel die
START-Gespräche betrachten, die seit
1982 stattfinden, als wir Gespräche
über einschneidende Reduzierungen der
Streitkräfte beider Seiten aufnahmen.
Ich muß zugeben, daß innerhalb der
Regierung viele unter uns - und ausserhalb der Regierung sogar noch mehr
Menschen - skeptisch waren, ob solche
Kürzungen wirklich möglich seien. Zu
Anfang forderten wir einschneidende
Reduzierungen in einer Größenordnung
von 20 oder 30 Prozent des Gesamtarsenals.
Die Sowjets

brachen im November

1983 die START-Verhandlungen wegen
der INF-Stationierungen ab. Im Jahr
1985 kehrten sie jedoch nach Genf zurück. In der Folgezeit verständigten
sich im Jahr 1985 Präsident Reagan
und der neue Mann an der Spitze der
Sowjetunion, Generalsekretär - heute
auch Staatspräsident - Gorbatschow in
Genf auf eine 50prozentige Reduzierung. Diese Konzeption wurde soweit
entwickelt, daß uns heute der gemeinsame Entwurf eines Vertrags zur Reduzierung der Strategischen Waffen vorliegt, der die amerikanisch-sowjetische Vereinbarung zur Halbierung
dieser Waffen beinhaltet. Der Rest
des Vertrages ist soweit fertiggestellt, daß man die wichtigen noch zu
lösenden Probleme wahrscheinlich an
einer Hand abzählen kann. Wir führen
gegenwärtig in Genf Gespräche zu deren Lösung. Ich bin der Meinung, daß
es unter der Voraussetzung sowjetischer Bereitschaft zur Zusammenarbeit an einem Vertrag mit den Vereinigten Staaten, der einschneidende
Reduzierungen zur Folge hat, zur
strategischen Stabilität beiträgt, zu
gleichen
Streitkräfteniveaus
führt
und wirksam verifiziert werden kann,
keinen Grund gibt, daß ein Vertrag
über die Reduzierung Strategischer
Waffen nicht zu Beginn der Amtszeit
der nächsten Administration dem Senat
zugeleitet werden könnte.
Dieser Vertrag wird zu einer Verringerung auf etwa 6 000 Gefechtsköpfe auf jeder Seite führen. Dies wird
grob geschätzt eine Halbierung der
auf beiden Seiten stationierten strategischen Gefechtsköpfe bedeuten. Es
wird bedeuten, daß die Zahl der amerikanischen und sowjetischen strategischen Kernwaffenträger, der landund seegestützten ballistischen Raketen sowie Bomber auf 1 600 begrenzt
wird. Der Vertrag wird Beschränkungen für neuere Arten von Trägersystemen beinhalten, wie etwa der luftgestützten Marschflugkörper.
Ist dies ein perfekter Vertrag?
Ganz und gar nicht.
Ist er ein
Schritt in die richtige Richtung?
Ganz sicher. Er bedeutet sicherlich

- 3 -

�nicht das Ende des Prozesses, aber er
ist ein Schritt auf dem Weg zur Begrenzung strategischer Systeme auf
Niveaus, die sicherer und wahrscheinlich viel erträglicher sind. Das Interessante daran ist, daß die sowjetische Regierung sich mit uns Schritt
für Schritt zu genau dieser Position
bewegt hat.
Ich möchte mich nun einer weiteren
RUstungskontrollinitiative
der
Vereinigten Staaten zuwenden.
Im
Jahr 1984 hat Vizepräsident Bush der
Genfer Abrüstungskonferenz den amerikanischen Entwurf einer Konvention
zur Beseitigung
chemischer Waffen
vorgelegt. Obwohl wir für den Beginn
des kommenden Jahres eine internationale Konferenz nach Paris einberufen
haben, um die Weltmeinung gegen chemische Waffen zu mobilisieren, bleiben die Vereinigten Staaten diesem
Entwurf einer Konvention weiterhin
verpflichtet. Eine der Schwierigkeiten bei der Verwirklichung dieses
Entwurfs besteht darin, daß im Gegensatz zu den START-Verhandlungen, bei
denen sich die Sowjetunion und die
Vereinigten Staaten gegenübersitzen,
an der Abrüstungskonferenz 40 Staaten
teilnehmen. Je mehr Nationen, desto
größer die Schwierigkeiten. Da sind
nicht nur die Vereinigten Staaten und
die Sowjetunion als FUhrungsmächte
des Westens und des Ostblocks, sondern auch die sogenannten neutralen,
blockfreien Nationen.
Deshalb gestalten sich die Verhandlungen so
schwierig.
Es bestehen weitere schwierige
Probleme bei den Verhandlungen über
die Beseitigung der chemischen Waffen.
In der Vergangenheit bestand
weltweit eine psychologische Schranke
gegen den Einsatz chemischer Waffen.
Diese war das Vermächtnis des massiven Gaseinsatzes im Ersten Weltkrieg
und spiegelte den Schrecken und die
Verabscheuung von chemischen Waffen
wieder, die in der Folgezeit in der
ganzen Welt entwickelt wurden.
Im
Jahr 1925 wurde das Genfer Protokoll
unterzeichnet.
Dieses verpflichtete
die Unterzeichner, niemals chemische

Waffen einzusetzen.
Die amerikanische Position bestand zu jener Zeit
darin, daß chemische Waffen nur deshalb gelagert wurden, um andere Länder von deren Einsatz abzuschrecken.
Es bleibt offen, ob diese Politik den
Einsatz chemischer Waffen im Zweiten
Weltkrieg verhindert hat, aber Tatsache ist, daß es keinen massiven Einsatz dieser Waffen gab.
Heute jedoch betrachtet manch einer chemische Waffen als des armen
Mannes Waffe zur Massenvernichtung
und als Waffen, die man in einem Konflikt erfolgreich einsetzen kann.
Überdies ist fast jedes Land in der
Lage, chemische Waffen herzustellen,
und die Trägersysteme für chemische
Waffen können ziemlich primitiv sein
- ein Flugzeug für das Besprühen von
Feldern mit Insektenvertilgungsmitteln in Afrika kann für den Abwurf
chemischer
Kampfstoffe
eingesetzt
werden.
Dies hat uns bei den Genfer Verhandlungen mit einer neuen Lage konfrontiert.
Verbreitung und Einsatz
chemischer Waffen erschweren die von
uns angestrebte Erlangung eines umfassenden Verbots chemischer Waffen.
Obwohl wir uns aktiv bei den Verhandlungen über einen Vertrag zum
Verbot chemischer Waffen in der ganzen Welt engagieren - die Sowjetunion
befaßt sich, wie ich meine, ebenso
ernsthaft mit diesem Problem wie wir
-, haben wir es bei den chemischen
Waffen mit einem internen Problem zu
tun, das die Verhandlungen über die
Konvention zu den chemischen Waffen
stark erschwert hat.
Seit fast 15 Jahren nehmen wir an
den Wiener Verhandlungen über die Begrenzung der konventionellen Rüstung
teil, bekannt unter dem Namen MBFR.
Wir stehen gegenwärtig im Begriff,
neue Gespräche auf den Weg zu bringen, die Gespräche über konventionelle Stabilität, deren Mandat im Rahmen
der
KSZE-Folgekonferenz
entwickelt
wird. Die KSZE war in der Vergangenheit sehr erfolgreich bei der Ent-

�Wicklung von Wegen und Modalitäten,
um den irrtümlichen oder durch Fehleinschätzungen bedingten Einsatz von
Gewalt in Europa zu verhindern.
Die Vereinigten Staaten und ihre
Verbündeten haben sich allgemein darauf verständigt, daß diese Gespräche
nicht lediglich eine Obergrenze für
die
konventionellen
Streitkräfte,
sondern deren Reduzierung zum Ziel
haben sollten.
Die Sowjets haben
eingeräumt, daß bei den Streitkräftestrukturen in Europa Asymmetrien bestehen. Sie haben beispielsweise zugegeben, daß sie bei Panzern und Artillerie Überlegenheit besitzen, und
sie sind bereit, bei diesen Streitkräften asymmetrische Reduzierungen
vorzunehmen.
Dies stellt eine wesentliche Bewegung der sowjetischen
Seite dar. Wir haben vereinbart, daß
Reduzierungen auf Niveaus unterhalb
der gegenwärtigen NATO-Niveaus stattfinden sollten, damit auch auf Seiten
des Westens Verringerungen vorgenommen werden.
Diese Verhandlungen werden meiner
Meinung nach schwierig sein, aber ich
denke auch, daß wir in den nächsten
Jahren
wahrscheinlich
die
ersten
wirklichen Reduzierungen der konventionellen Streitkräfte in Europa aushandeln werden.
Ich sprach bereits über die KSZEVerhandlungen.
Sie haben ein ganz
interessantes Konzept herbeigeführt,
das als Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen bezeichnet wird.
Wir trauen den Sowjets und deren Verbündeten nicht, und sie trauen uns
nicht. Wie können wir also zwischen
beiden Seiten Vertrauen aufbauen?
Eine Möglichkeit besteht darin, den
Warschauer Pakt zu mehr Offenheit in
einigen der von ihm durchgeführten
Schritte zu bewegen. Bis vor kurzem
waren militärische Informationen, die
im Osten als Staatsgeheimnisse eingestuft wurden, im Westen Allgemeingut.
Bei uns werden zum Beispiel im Magazin Time Informationen abgedruckt,
für deren Veröffentlichung ein Sowjetbürger ins Gefängnis wandern würde.

Vor nahezu zwei Jahren haben die
Sowjets zugestimmt, daß wir uns gegenseitig von unsere.! militärischen
Übungen in Europa in Kenntnis setzen
und Beobachter zu diesen Übungen entsenden sollten, um Vertrauen dafür zu
gewinnen, daß eine Übung nicht etwa
Tarnung für einen Überraschungsangriff ist.
Beide Seiten kamen Uberein, daß
es in diesem Zusammenhang nützlich
sei, wenn man im Falle von Zweifeln
einer Seite über den Umfang oder
Zweck der angekündigten Übung des anderen das Recht hätte, daran teilzunehmen und die Übung zu inspizieren,
um herauszufinden, ob Höchstgrenzen
wirklich überschritten worden sind.
In den vergangenen zwei Jahren haben
mehr als ein Dutzend solcher Inspektionen stattgefunden und zum Aufbau
einer Vertrauensbasis unter den Ländern Europas beigetragen. Da keine
Seite dies je angezweifelt hat, haben
wir bald darauf Besuche bei Übungen
abgestattet, um herauszufinden, ob
Höchstgrenzen überschritten werden.
Tatsächlich hat nach mehr als einem
Dutzend beendeter Inspektinoen keine
Seite die andere der Überschreitung
von Höchstgrenzen bezichtigt, und das
sowjetische Militär nimmt westliche
Inspektoren als Selbstverständlichkeit hin.
Die erste Inspektion von Übungen
des Warschauer Paktes fand im August
1987 statt, und seitdem haben die Sowjets eine gewisse Offenheit in diesen Dingen entwickelt. Nicht nur die
Vereinigten Staaten, sondern auch andere Mitglieder des Bündnisses haben
das Recht zur Inspizierung von Übungen, und sie machen ebenso davon Gebrauch wie einige Mitglieder des Warschauer Paktes Übungen im Westen inspiziert haben.
Wir untersuchen die Möglichkeit
weiterer vertrauensbildender Maßnahmen, die bei militärischen Aktivitäten der Sowjets und des Warschauer
Paktes eine ähnliche Offenheit hervorbringen wie dies bei militärischen
Aktivitäten im Westen bereits der

- 5 -

�Fall ist.
Schließlich möchte ich auf die
INF-Verhandlungen und den Ratifizierungsprozeß des INF-Vertrages eingehen und darlegen, wo wir stehen. Vor
fast sieben Jahren, am 17. November
1981, verkündete der Präsident die
Position der Vereinigten Staaten zu
INF - die vollständige Beseitigung
amerikanischer und sowjetischer landgestützter INF-Raketen.
Wir würden
unsere Raketen nicht stationieren,
wenn die Sowjets ihre Raketen - allen
voran die SS-20 als neue Rakete mit
drei Gefechtsköpfen, die als modernste Mittelstreckenrakete galt - beseitigen.
Die Vereinigten Staaten haben
ebenfalls darauf bestanden, daß dies
wegen der Reichweite der SS-20 eine
weltweite und nicht allein auf Europa
beschränkte Beseitigung sein sollte.
Sie haben darauf bestanden, daß nur
Systeme der Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion einbezogen und Kernwaffensysteme
Großbritanniens
und
Frankreichs ausgenommen werden sollten. Wir haben ferner darauf bestanden, daß nur landgestützte Raketen
erfaßt werden. Wie früher wurde der
sowjetische Versuch, die Mehrzweckkampflugzeuge des Westens einzubeziehen, zurückgewiesen.
Die Sowjetunion wie auch vielfach
die Medien und ein großer Teil der
öffentlichen Meinung im Westen betrachteten diese Position als extrem.
Sie wurde bestenfalls als interessante Ausgangsbasis bei den Verhandlungen angesehen.
Meine sowjetischen
Kollegen ließen erkennen, sie einige
Monate tolerieren zu können, wenn wir
dies unbedingt wollten, aber mit dieser Haltung würden wir nicht weit
kommen.
Ein Jahr später bestand die Position der Vereinigten Staten immer
noch. Wir hatten nichts anderes auf
den Verhandlungstisch gelegt.
Die
Sowjets hatten drei oder vier Positionen dargelegt, von denen jede den
Umgang der von den Sowjets beibehal-

tenen Streitkräfte reduzieren, aber
einen festen Bestandteil enthalten
würde, demzufolge keine amerikanische
Systeme in Europa stationiert sein
sollten. Die Sowjets waren in einem
Jahr von 600 auf unter 300 heruntergegangen.
Der sowjetische Plan basierte
meiner Ansicht nach auf der Annahme,
daß die öffentliche Meinung in den
Vereinigten Staaten und Europa sowie
die ständigen Veränderungen in den
Regierungen der 15 Verbündeten Druck
auf die Reagan-Regierung ausüben würde, sich der sowjetischen Position zu
beugen.
Sogar noch im Sommer des
Jahres 1983 waren sie wohl davon
überzeugt, daß nach den Wahlen in der
Bundesrepublik und Großbritannien weder Bundeskanzler Kohls noch Premierministerin Thatchers Regierung dem
Druck einer Reihe von Vertretern der
Rechten und der Linken widerstehen
könnten, entweder die Verhandlungen
fortzuführen oder sie abzubrechen.
Die Sowjets haben zu spät erkannt
- erst im November 1983 - daß wir es
mit unseren Fortschritten bei der
Stationierung sehr ernst gemeint haben. Als wir im November 1983 weitere Stationierungen vorgenommen haben,
hatten sich die Sowjets zurückgezogen
und konnten lediglich die Verhandlungen in der Schwebe halten, was sie
dann auch getan haben. Damit gerieten sie in eine sehr eigenartige Situation.
Sie hatten sich von den
Verhandlungen zurückgezogen, stationierten aber weiterhin ihre Systeme.
Wir hatten erklärt, nicht die Systeme
gegeneinander aufrechnen, sondern 572
Raketen dislozieren zu wollen. Damit
hatten wir bereits begonnen.
Die
"Friedens"-Bewegung, von der die Sowjets sich eine buchstäbliche Verhinderung der Stationierung erhofft hatte, erreichte dies nicht. Zum Beispiel fanden die fast täglich in Genf
abgehaltenen Demonstrationen sowohl
vor der sowjetischen als auch vor der
amerikanischen Botschaft statt.
Es bestand erhebliche Besorgnis
darüber, daß die INF-Verhandlungen

�scheitern würden und damit alles zu
Ende sei.
Tatsächlich scheiterten
sie nicht. 16 Monate später kehrten
die Sowjets an den Verhandlungstisch
zurück. Die Sowjets hatten ursprünglich erklärt, unter keinen Umständen
mit uns zusammentreffen zu wollen,
solange wir weiterhin Raketen in Europa stationieren würden.
Tatsächlich haben sie erklärt, kein Treffen
abhalten zu wollen, wenn wir nicht
unsere Pershing II aus Europa abziehen würden. Bis März 1985 hatten wir
mehr als 70 Pershing II in Europa
stationiert und es kam zu einem Treffen.
Die Sowjets erklärten, sie würden
nur eine regionale Lösung akzeptieren. Sie würden hingegen keine Lösung hinnehmen, die nicht zu einem
Abzug aller amerikanischen INF-Raketen führen würde. Sie würden keine
Lösung befürworten, im Rahmen derer
britische und französische Systeme
nicht gezählt würden.
Sie würden
keine Situation befürworten, in der
keine amerikanischen Mehrzweckkampfflugzeuge erfaßt würden. Sie bestanden ferner auf dem Recht zur Beibehaltung einiger SS-20-Raketen in Europa und erklärten, diese im Hinblick
auf Bedrohungen gegenüber der Sowjetunion in Europa wie auch in Asien zu
benötigen. Als Beispiele führten sie
Afghanistan und China an. Ich bemerkte dazu, leider schienen die Sowjets völlig von feindlichen kommunistischen Regimen eingekesselt zu
sein.
In den Jahren 1986 und 1987 wurde
plötzlich klar, daß die Sowjets sich
unserer
Position annäherten.
Wir
hatten angedeutet, wenn es garnicht
anders ginge, unsere Position abändern und einem Interimabkommen zustimmen zu können, bei dem es für
Pershing II, landgestützte Marschflugkörper und SS-20 die gleiche Anzahl von Gefechtsköpfen gäbe.
Im Dezember 1987 unterzeichneten
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion einen Vertrag, der die
vollständige Beseitigung der neuen

SS-20, SS-4 und SS-5 forderte, den
Abzug und die nachfolgende Baseitigung aller
landgest"t.zten Marschflugkörper - die Mehrzweckkampfflugzeuge oder britische und französische
Systeme wurden nicht erwähnt - und
die weltweite Beseitigung dieser Systeme, nicht nur der Systeme in Europa.
Dieses Ergebnis hätten offengestanden viele von uns 1981 niemals
für möglich gehalten. Ich denke, es
war ein Zusammenspiel vieler Dinge:
des Wandels in der Sowjetunion - den
wir nicht unterschätzen dürfen. Die
Ära Gorbatschow leitete eine realistischere Betrachtungsweise der Welt
ein als dies bei seinen Vorgängern
der Fall war. Sie bedeutete ebenfalls eine realistischere Sichtweise
der
innenpolitisch
notwendigen
Schritte und das Verständnis, daß
Breschnews Ansicht über die Welt und
innenpolitische Veränderungen in der
Sowjetunion unvereinbar waren.
Zweitens vertrete ich die Ansicht, daß Präsident Reagans starke,
aber maßvolle Position bei den INFVerhandlungen dazu beigetragen hat,
sicherzuustellen, daß wir die Gelegenheit zur Beseitigung sowjetischer
Systeme ganz sicher nutzen würden,
wenn sie sich uns böte.
Schließlich waren unsere Verbündeten standhaft gegenüber der sowjetischen Herausforderung
durch die
SS-20, und sie haben sich an unseren
bereits im Jahr 1979 konzipierten
Plan der Stationierung amerikanischer
Raketen gehalten. Ohne dies wäre ein
Vertrag niemals möglich geworden.
Ich möchte drei Bereiche näher
erläutern, zunächst das Konzept der
Veränderungen in der Sowjetunion.
Meiner Ansicht nach haben in der
Sowjetunion drastische Veränderungen
stattgefunden.
Ich kann und will
nicht sagen, daß die Veränderungen
allein durch die Politik der Vereinigten Staaten hervorgebracht wurden. Aber ich vertrete die Auffas-

- 7 -

�sung, daß die amerikanische Politik
der Aufrüstung unserer Streitkräfte
für unsere nationale Sicherheit und
die Berfolgung
einer Rüstungskontrollpolitik, die eine Reduzierung
von Systemen sowie einen Abbau der
Fähigkeiten auf gleiche Niveaus zum
Ziel hatte, für Gorbatschows Handlungsweise
den Weg geebnet hat.
Gorbatschows Haltung hat anerkannt,
daß die Vereinigten Staaten es ernst
meinten, aber daß sie keinen Vorteil
aus dem ziehen wollten, was die sowjetishe Regierung vielleicht als ihre Schwäche ansah. Gorbatschow hat
ebenfalls anerkannt, daß wir fair mit
ihm umgehen würden, daß aber die Sowjetunion sich ändern müßte, damit
wir dazu in der Lage sind.
Im Verlauf der vier Gipfelgespräche und der 28 Ministertreffen, die
in den vergangenen drei Jahren stattgefunden haben, haben wir ein Vierpunkteprogramm verfolgt, bei dem Rüstungskontrolle nur ein Punkt war.
Rüstungskontrolle
hatte nicht die
höchste Priorität auf der Tagesordnung, obwohl die Sowjets dies wollten
und das Thema auch anderen als zentraler Punkt erschien. Der zentrale
Punkt waren vielmehr Menschenrechte,
und wir haben in diesem Bereich mit
der Sowjetunion große Erfolge erzielt.
Regionale Fragen waren von Bedeutung. Der Abzug der Sowjets aus Afghanistan, zumindest die Verbesserung
der Lage in Angola und Verbesserung
der Situation im Nahen Osten, insbesondere im Persischen Golf sind meiner Meinung nach durch die amerikanisch-sowjetischen
Ministertreffen
wie auch Treffen auf höchster Ebene
gefördert wurden. Bei diesen Zusammenkünften haben wir versucht, der
Sowjetunion zu zeigen, daß die Lösung
regionaler Probleme in beiderseitigem
Interesse liegt. Ich denke, daß die
Sowjetunion das jetzt einsieht.
Den vierten Programmpunkt bilden
bilaterale Beziehungen wie etwa der
zunehmende Austausch zwischen beiden
Seiten, zum Beispiel Austauschprogramme für Studenten sowie der Kul-

turaustausch.
Im Rahmen dessen arbeiten wir auch an Schwierigkeiten,
die sich in der Vergangenheit ergeben
haben, etwa die Behandlung unseres
Verbindungsbüros in Potsdam oder unserer diplomatischen Vertreter in der
Sowjetunion.
In all diesen Bereichen sind bei
den Gipfeln und Ministertreffen erhebliche Fortschritte erzielt worden,
und das ist meiner Ansicht nach sehr
wichtig.
Ich habe bereits auf die Erarbeitung eines Konsens zwischen beiden
Parteien in den Vereinigten Staaten
in der Rüstungskontrolle hingewiesen.
Wir konnten ebenfalls mit unseren
Verbündeten einen Konsens im Bereich
der
Rüstungskontrolle
entwickeln.
Die Verbündeten hegen bisweilen Bedenken gegen rein amerikanisch-sowjetische Lösungen für Probleme der Rüstungskontrolle, weil sie eine Gefährdung ihrer Interessen fürchten.
Bei den INF-Verhandlungen waren zum
Beispiel die Briten und die Franzosen
besorgt, daß die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion ihre Probleme auf
Kosten ihrer Kernwaffensysteme lösen
könnten. Wir haben die Briten und
Franzosen wiederholt beruhigt, Konsultationen mit ihnen und anderen
NATO-Partner abgehalten, um sicherzugehen, daß sie im voraus wissen, welchen Kurs wir einschlagen und warum.
Es ergab sich insoweit ein zusätzliches
Problem,
als
unsere
Pershing
II
und
landgestützten
Marschflugkörper in fünf europäischen
Ländern stationiert waren. Als wir
Gespräche über Verifizierung aufnehmen wollten, wurde diesen Ländern
plötzlich klar, daß wir über ihre
souveränen Rechte sprachen. Könnten
wir zum Beispiel im Rahmen eines bilateralen Vertrages sowjetischen Inspektoren Zugang
zu italienischen
Stützpunkten gewähren, über denen die
italienische Flagge wehte und die von
italienischen
Carabinieri
bewacht
wurden.
Wir erkannten, daß unter den Ver-

�bündeten ein eng geknüpftes Netz von
Abkommen existierte. Tatsächlich waren dies im allgemeinen bilaterale
Abkommen, die zu anderen Zeiten, unter anderen Umständen erarbeitet worden waren. Einige unserer Rechte gehen sogar, wie etwa in der Bundesrepublik, auf Besatzungsrecht nach dem
Krieg zurück. Manche Rechte in Großbritannien gehen auf Abkommen zurück,
die zwischen Präsident Roosevelt und
Premierminister Churchill geschlossen
wurden.
Wir benötigten neun Monate, um
die Rechtslage der fünf NATO-Staaten,
in denen wir Stützpunkte unterhalten,
wie auch die der Vereinigten Staaten,
der Sowjetunion und ihrer zwei Stationierungsländer aufzuarbeiten. Und
ich muß sagen, dies geschah im Westen
in einer gesunden Atmosphäre.
Die
Sowjetunion zeigte Verständnis für
unsere Probleme.
Zunächst fragten
sie achselzuckend: "Aber informieren
Sie nicht Ihre Verbündeten? Wir informieren Sie ganz einfach." Worauf
wir antworteten, daß dies bei uns
nicht ganz so einfach sei.
Das ist ein Beispiel für die Probleme, die wir bei der Behandlung der
komplexen Rüstungskontrolle angehen Probleme, die wir im Jahr 1981 noch
nicht erkannten.
Ein weiteres Besipiel
Problem der Verifizierung.

ist

das

Im Februar 1982 haben wir den ersten Entwurf eines 14 Seiten umfassenden INF-Vertrages vorgelegt. Wir
erachteten ihn als fairen und vollständigen Vertrag. Der einzige nicht
enthaltene Punkt war der Zusatz zur
Verfizierung. Statt dessen war eine
Seite mit dem Vermerk "Wird nachgeliefert" eingefügt. Diese "Nachlieferung" umfaßte dann 200 Seiten. Der
Vertrag selbst umfaßte etwa 100 Seiten, und wir liefern ständig im Rahmen der sich weiterentwickelnden Verifizierungspraxis bei INF Ergänzungen nach.
Das Problem der Verifizierung war

größer als vorhergesehen und erforderte, die Kooperation der Verbündeten eingeschlossen, einen ungeheuren
Arbeitsaufwand bis zu seiner Lösung.
Der INF-Vertrag bietet jedoch eine
ausgezeichnete Vorarbeit für zu erwartende komplexere Verträge wie etwa
START.
Der letzte Punkt, auf den ich
hier eingehen möchte, ist eine der
Schwierigkeiten der vergangenen Jahre: die Garantie sowjetischer Einhaltung von Rüstungskontrollverträgen.
Wir hatten zum Beispiel ernsthafte
Probleme mit der sowjetischen Einhaltung des ABM-Vertrages. Bei Amtsantritt der Administration sind wir
über die Notwendigkeit einheitlicher
Vorschriften zur Einhaltung sowie ein
Verifizierungssystem übereingekommen,
um zu gewährleisten, daß wir uns der
Nichteinhaltung bewußt sind.
In den vergangenen sieben Jahren
haben wir eine Reihe von Bestimmungen
und Verfahrensweisen zur Verfizierung
erarbeitet, die jetzt von beiden Seiten anerkannt werden.
Die Sowjets
widersetzten sich im Jahr 1981 energisch jeder Art eindringlicher Inspektion - nationale technische Mittel waren alles, was die Sowjets zu
akzpetieren bereit waren. Sie wollten möglicherweise die Verbesserung
nationaler technischer Mittel, keinesfalls
aber
Vor-Ort-Inspektionen
zulassen. Heute fordern die Sowjets
in all ihren Vorschlägen Vor-Ort-Inspektionen in irgendeiner Form. Zumindest teilweise haben sie ihre
Furcht überwunden, Ausländern Zugang
zu den entlegenen Teile der Sowjetunion zu gewähren. Und ich kann berichten, daß im Rahmen von INF inzwischen vier Monate vergangen sind,
in denen Inspektionen stattgefunden
haben, und die Sowjets waren kooperativ und sogar hilfsbereit bei der
Verwirklichung der Vertragsbestimmungen.
Es hat Meinungsverschiedenheiten
zwischen uns gegeben, aber diese Meinungsverschiedenheiten waren die zu
erwartenden Mißverständnisse, keine

- 9 -

�Versuche der Sowjetunion oder der
Vereinigten Staaten, etwas zu verbergen, was dem Vertrag zufolge nicht
verborgen bleiben sollte oder von
vereinbarten Vertragsbestimmungen abzuweichen.
Was die Zukunftsaussichten anbetrifft, so vertrete ich die Auffassung, daß der Konsens in beiden Parteien der Vereinigten Staaten weiterhin beibehalten wird. Ich denke, der
auf Reduzierungen basierende und der
RUstungskontrollpolitik des Westens
zugrundeliegende Konsens über Rüstungskontrolle wird weiter bestehen.
Meiner Ansicht nach wird die Sowjetunion, zumindest unter Gorbatschow,
weiterhin ein schwieriger Verhandlungspartner sein.
Ich denke, die
Möglichkeit, schnelle Ergebnisse in
allen Bereichen zu erzielen, ist relativ gering, aber der Prozeß, in unterschiedlichem Tempo in unterschiedlichen Bereichen etwas zu bewegen,
ist eingeleitet und dieser Herausforderung muß sich meiner Meinung nach
die nächste Administration stellen.

* * * * * *

�^°s?&lt;

'VON

AMERIKA DIENST
Information

4

42

17. November 1988

JAMES BAKER:

POLITISCHER STRATEGE UND WIRTSCHAFTSPOLITIKER

- Porträt des neuen amerikaniscnen Außenministers -

WASHINGTON - (AD) - Der designierte Außenminister James Baker, seit 30
Jahren Freund und politischer Berater des neu gewählten Präsidenten George
Bush, war über sieben Jahre lang in der Reagan-Administration ein führender
politischer Stratege und Wirtschaftspolitiker.
Der frühere Stabschef Reagans und
Finanzminister ist für seinen politischen Scharfsinn und seine ausgezeichneten
FUhrungsqualitäten
bekannt. Er gilt als "äußerst pragmatisch" - als Insider in Washington,
den Resultate stärker interessieren
als Ideologie.
Baker gab sein Amt als Finanzminister im vergangenen August auf, um
Wahlkampfleiter für Bush - einem
Texaner wie er - zu werden. Dieser
Schritt wurde von republikanischen
Strategen und Wahlkampfhelfern später
als Schlüsselfaktor für Bushs Vorsprung vor dem demokratischen Kandidaten Michael Dukakis angesehen.
Einem hochrangigen Regierungsvertreter in Bushs Wahlkampf zufolge hat

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Bakers Konzept der Kampagne "ein Tempo verliehen, wie wir es früher niemals vorgelegt haben".
Bei der Ankündigung seiner Entscheidung für Baker als Leiter des
Außenministeriums am 9. November hat
Bush dessen "erwiesene Fähigkeiten
als Unterhändler" herausgestellt und
erklärt, "der seiner Person entgegengebrachte Respekt wird ihm behilflich
sein, als unser nächster Außenminister sein Bestes zu geben."
Außenminister Shultz bezeichnete
die Nominierung als "begrüßenswerte
und ermutigende Entscheidung".
Shultz zufolge ist Baker mit aussenpolitischen Fragen "engstens vertraut" und "genießt das Vertrauen der

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Staats- und Regierungschefs auf der
ganzen Welt, denen er aufgrund seiner
hervorragenden Leistungen" als Finanzminister bekannt ist.
Als
ehemaliger
Stabschef
im
Weißen Haus kennt Baker "unser Regierungssystem wie seine Westentasche,
und die Bewunderung und das Vertrauen
des Kongresses sind ihm sicher", fügte Shultz hinzu.
"Vor allem hat
Baker sich intensiv mit der Politik
unserer Demokratie auseinandergesetzt
und kennt die Bedürfnisse und Hoffnungen des amerikanischen Volkes.
Seine enge, herzliche und produktive
Beziehung zum neu gewählten Präsidenten Bush machen ihn genau zu dem
Mann, den der Präsident als hochrangigen
außenpolitischen
Berater
braucht wie auch zum Sprecher für den
Präsidenten und die Interessen unseres Landes in der neuen und glänzenden Epoche, in die wir jetzt eintreten."
Als Stabschef des Präsidenten vom
Januar 1981 bis Januar 1985 erlangte
Baker den Ruf eines klugen politischen Strategen. 1981 trieb er die
Steuer- und
Ausgabenkürzungen
im
Kongreß voran und spielte 1983 eine
Schlüsselrolle bei der Aushandlung
eines Kompromisses, durch den die
Mittel für die Sozialversicherung
weiter bereitgestellt wurden.
Bei Bakers Amtsantritt als Finanzminister im Jahr 1985 bezeichnete
Regan ihn als "einen erwiesenermaßen
erfolgreiches Mitglied unserer Beauftragten für Sicherheit, Gesetzgebung
und Wirtschaftspolitik".
Im Finanzministerium errang Baker
Beifall, weil er im Kongreß darauf
drängte, eine eingehende Überprüfung
der Steuergesetzgebung zu beschliessen, mit der viele Steuervergünstigungen beseitigt und der Einkoramenssteuersatz
verringert
wurde.
Er
führte den Vorsitz bei Verhandlungen
über ein Freihandelsabkommen mit Kanada und gab Anstöße für Abkommen mit
führenden Industrieländern, die eindeutig die amerikanische Position im

Handel verbessert haben, indem sie
den Dollar auf ein niedrigeres Niveau
brachten. Sein Vorschlag für die Bewältigung des Schuldenproblems der
Dritten Welt ist zur grundsätzlichen
Strategie der Industrieländer für die
Behandlung dieses Problems geworden.
Die Washington Post bezeichnete
Baker als "dominierende internationale Persönlichkeit und vielleicht den
einflußreichsten amerikanischen Finanzminister unserer Zeit."
"In den siebeneinhalb Jahren der
Reagan-Administration",
so
die
Washington Post weiter "blieb er
von Skandalen verschont.
Und die
ernsthafteste
Fehleinschätzung
des
Präsidenten - das Geschäft Waffen gegen Geiseln - fand nicht während seiner Amtszeit als Stabschef unter
Reagans statt".
Baker, der schon die Präsidentschaftswahlkämpfe des ehemaligen Präsidenten Ford im Jahr 1976 sowie von
Vizepräsident Bush in den Jahren
1979/80 geleitet hatte, war maßgeblich an Reagans überwältigendem Sieg
bei dessen Wiederwahl im Jahr 1984
beteiligt.
Wie die New York Times schrieb,
beinhaltet Bakers politischer Stil
einige Qualitäten, die "einem erfolgreichen Trainer von Vollblutpferden
gut anstehen würden". Baker hat "ein
Geschick für Wahlkampfarithmetik bei
Aufgaben wie der Berechnung von Wahlkampfbudgets oder der Einschätzung
der Wählerschaft zu einem bestimmten
Thema", so die Times.
"Baker hat
ferner einen sechsten Sinn dafür,
wann es Zeit für einen Kompromiß oder
eine neue Initiative ist sowie den
ausgesprochenen Willen, als erster
die Ziellinie zu überqueren. überdies hat er eine geradezu jungenhafte
Freude am Wettstreit, was ihn zu einem guten Begleiter bei Wahlkämpfen
macht."
Der 58jährige Baker und seine
Frau Susan haben acht Kinder. Er ist
ein direkter Nachfahre eines der

- 2 -

�Gründerväter von Houston (Texas).
Bakers Urgroßvater war Mitbegründer
von Baker and Botts, heute eine der
12 größten Anwaltskanzleien in den
Vereinigten Staaten. In der Folgezeit gründete und leitete sein Großvater die South Texas Commercial
Bank, die später zur Texas Commerce
Bank wurde.
Der
hochgewachsene,
schlanke
Baker erwarb sich seine politische
Sachkenntnis, für die er heute weithin anerkannt ist, relativ spät.
Nach der Abschlußprüfung an der
Prlnceton University im Jahr 1952
diente er zwei Jahre bei der Marineinfanterie. Im Jahr 1957 bestand er
das juristische Examen an der University of Texas Law School mit Auszeichnung.
Im selben Jahr begann
seine 23jährige berufliche Laufbahn
bei
der
Houstoner
Anwaltskanzlei
Andrews, Kurth, Campbell and Jones.
Von August 1975 bis Mai 1976 war
er Abteilungsleiter im Handelsministerium
und
gab
diesen
Posten
schließlich auf, um am Wahlkampf für
Gerald Ford teilzunehmen. "Unspektakulär" und "unprätentiös" waren die
von Beobachtern häufig benutzten Ausdrücke, um Bakers Tätigkeit im Handelsressort zu beschreiben.
Frank Hodsoll, Bakers Hauptberater im Handelsministerium, zufolge
besitzt Baker ein hochentwickeltes
"Gespür für Menschen, einen Sinn dafür, jedem das Gefühl zu vermitteln,
daß er eine wichtige Rolle spielt".
Baker hat das Talent, "die richtigen
Themen anzuprechen, geeignete Maßnahmen zu bestimmen und danach sicherzustellen, daß diese Maßnahmen auch
durchgeführt
werden,"
erklärte
Hodsoll.
Nach einem erfolglosen Versuch,
im Jahr 1978 als republikanischer Bewerber für das Amt des Justizministers von Texas nominiert zu werden,
leitete er 1980 die Kampagne von
George Bush für die Nominierung als
republikanischer Präsidentschaftskandidat.

Bei Reagans erstem Präsidentschaft swahlkampf übernahm Baker die
Rolle eines Krisenmanagers und führte
die Verhandlungen über die Fernsehdebatten zwischen den Kandidaten. Gerade seine Leistung in dieser letzteren Funktion überzeugte Reagan angeblich davon, Baker während seiner ersten Amtszeit zu seinem Hauptberater
zu machen.
Dem Christian Science Monitor
zufolge spielte sich das folgendermaßen ab:
"Es war Baker, der bisweilen ganz
auf sich gestellt darauf bestand, daß
Reagan
dem
früheren
Präsidenten
Carter im Fernsehen gegenübertreten
solle, selbst in der Endphase des
Wahlkampfs, als Reagan in den Meinungsumfragen vorn lag und man hätte
argumentieren können, daß Carter die
Konfrontation im Fernsehen benutzen
könnte, Reagans Schwungkraft zu bremsen ... Reagan hörte auf Bakers Rat.
Die nach der Debatte durchgeführten
Meinungsumfragen zeigten, daß das sichere Auftreten und der Humor des
Herausforderers ihm einen deutlichen
Vorteil gegenüber einem zu nüchternen
und fast verbissenen Präsidenten eingebracht hatten ... Reagan nahestehende Persönlichkeiten behaupten, der
Präsident betrachte die Debatte mit
Carter als Wendepunkt in seinem Wahlkampf - der Schachzug, der Ihn an die
Spitze geführt hat."
Baker wurde schon häufig eine unabhängige politische Zukunft vorhergesagt. Vor einigen Jahren wurde ein
enger Mitarbeiter der Reagan-Administration mit dem Ausspruch zitiert,
Baker werde "in den nächsten zehn bis
15 Jahren eine wichtige Kraft auf der
politischen Szene sein, egal was mit
dem Präsidenten geschieht - fast unabhängig davon, was mit der Republikanischen Partei geschieht".

- 3-

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

4

Wissenschaft und Technik

17. November 1988

42

STRAHLUNG DURCH RADON IN RAUMLUFT
- Bauliche Schutzmaßnahmen zur Verringerung von
Gesundheitsrisiken empfohlen -

WASHINGTON - (AD) - Radon, eines der sechs geruch- und farblosen Elemente
aus der Gruppe der reaktionsträgen Edelgase, bereitet den Baubiclogen und der
Bautechnik zunehmend Sorgen. Grund: Es ist radioaktiv und wird in der Raumluft von Gebäuden, ohne ständigen Austausch von Außenluft angereichert. Aus
dem Untergrund sickert es durch winzige Risse im Fundament in das Gebäude ein;
in den unteren Geschossen ist deshalb seine Konzentration größer als in höheren Stockwerken.

Für Bewohner oder in den Gebäuden
tätige Personen kann Radon im Laufe
der Zeit zu einem Gesundheitsrisiko
werden, denn es fördert - indirekt die
Entstehung
von Lungenkrebs.
Schuld daran ist nicht Radon selbst
bzw. das häufigste seiner 16 Isotope
(Radon 222), sondern das unter Aussendung von Alpha-Teilchen (elektrisch positiv geladene Heliumkerne)
daraus entstehende feste Zerfallsprodukt Polonium.
Mit der Atemluft gelangt Polonium
in Bronchien und Lunge. Es ist radioaktiv und gibt wiederum AlphaTeilchen ab, die eine ionisierende
Wirkung auf das umliegende Körpergewebe haben. Bereits 1964 berichtete
die
amerikanische
Zeitschrift
Science über das als "Verunreinigung" in Zigarettentabak stets vor-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

handene Polonium als möglichen Mitverursacher von Lungenkrebs.
Die
Konzentration sei allerdings unterschiedlich und vom Standort der Tabakpflanzen abhängig.
Ebenso besteht ein regionaler Unterschied bei der Konzentration von
Radon in Gebäuden. Sie hängt - von
der Bauisolierung des Fundaments einmal abgesehen - weitgehend von der
Art der Masse an uran-, thorium- und
radiumhaltigem Gesteins im Untergrund
sowie von der Beschaffenheit der oberen Bodenschichten ab. Auch meteorologische Bedingungen wie Luftdruck
und Feuchtigkeit spielen eine Rolle.
Als natürliches Zwischenprodukt des
radioaktiven Zerfalls von Uran bzw.
Radium
und
anderen
radioaktiven
Schwermetallen dieser Gruppe ist es
praktisch überall in der Erdrinde

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�vorhanden und sickert an der Oberfläche in die Atmosphäre. Auch in
der Außenluft sind seine Konzentrationen infolge der unterschiedlichen
Gesteinsformationen
im
Untergrund
verschieden - sie liegen etwa zwischen 7,4 und 25 Becquerel pro Kubikmeter/Luft ("Becquerel" ist eine Maßeinheit für die Strahlungsaktivität
und gibt die Anzahl der Zerfälle pro
Sekunde an). Liegt beispielsweise
Granit im Untergrund, ist die Aktivität an der Oberfläche größer als über
dicken Kalkschichten.
Vor allem in den USA und in
Schweden werden bereits seit einigen
Jahren Studien zur Erforschung der
Konzentrationen und Auswirkungen von
Radon durchgeführt.
Inzwischen hat
sich auch das amerikanische Amt für
Umweltschutz (EPA - U.S. Environmental Protection Agency) des Problems angenommen. In sieben Bundesstaaten ließ die Behörde Tausende von
Wohnhäusern untersuchen, was angesichts der ziemlich komplizierten und
vor allem zeitaufwendigen Meßverfahren erhebliche Schwierigkeiten bereitete. Jetzt liegen erste Ergebnisse
vor: In fast jedem dritten Haus wurden Aktivitäten von mehr als 150
Becquerel pro Kubikmeter Raumluft ermittelt
(was vier Picocurie/Liter
Raumluft nach dem älteren Meßverfahren entspricht). Diesen Wert hatte
die EPA als noch unbedenklichen
Grenzwert angegeben, obgleich er nach
Aussage von Experten für die Bewohner
etwa das gleiche Risiko für eine Erkrankung an Lungenkrebs in sich berge
wie das tägliche Rauchen einer halben
Packung Zigaretten.
Die EPA empfahl, alle Häuser auf
Radon hin zu inspizieren und bei höheren als den noch für unbedenklich
gehaltenen Aktivitäten Sanierungsmaßnahmen vornehmen zu lassen.
Das
könnte vor allem durch Abdichten des
Fundaments und Verbesserung der Ventilation geschehen. Im Oktober 1988
billigte der amerikanische Kongreß
das "Gesetz zur Kontrolle der RadonKontamination", das landesweit - allerdings erst auf längere Sicht - die
Verringerung von Radon-Konzentratio-

nen in Gebäuden auf Außenluft-Aktivität anstrebt, das heißt auf 7,4 bis
25 Becquerel.
Es gewährt für die
nächsten drei Jahre 43 Millionen Dollar, um den Bundesstaaten bei der
Entwicklung von Meß- und Schutzprogramme zu helfen. Außerdem sieht es
die Schaffung einer Zentralstelle für
Informationen über Technologien zur
Reduzierung von Radon in Innenräumen
vor.
Einige Bundesstaaten haben bereits selbst die Initiative ergriffen. Der Staat New York wendet im
kommenden Jahr 2,75 Millionen Dollar
auf, um Hausbesitzern bei der Beseitigung des Radon-Risikos zu helfen.
In den vergangenen drei Jahren gaben
New York, New Jersey und Pennsylvanien fünf Millionen Dollar für Radon-Programme aus.
EPA-Berechnungen
lassen die Annahme zu, daß Radon für
mindestens 5 000, vielleicht für bis
zu 20 000 Todesfälle pro Jahr durch
Lungenkrebs verantwortlich ist. Viele solcher Todesfälle beträfen Zigarettenraucher, und bei diesen potenziere sich zweifellos durch Radon die
Gefahr, an Lungenkrebs zu sterben.
Im Jahr 1987 verzeichneten die Vereinigten Staaten 136 000 Todesfälle
durch Lungenkrebs.
Den Statistiken
der "American Cancer Society" zufolge
sind 85 Prozent davon auf Rauchen zurückzuführen.
Der Nationale Forschungsrat der
USA schätzt für den Bürger das durchschnittliche Risiko, an Lungenkrebs
durch Radoneinwirkung zu sterben, auf
0,4 Prozent. Es ist also wesentlich
größer als das von anderen Umweltgefahren wie Asbest, Pestiziden oder
Aerosolen wie Benzoldämpfen ausgehende und mit 0,001 Prozent angesetzte
Risiko. Die Berechnungen zum Lungenkrebsrisiko basieren auf Studien an
Bergarbeitern in Uranminen der USA,
Schwedens und Kanadas. Durch Extrapolation kam man zu den Zahlen für
Radon-verursachten Lungenkrebs in Gebäuden.
Der
Geologe
Christopher
Mathewson (A&amp;M Universität, Texas)
verweist darauf, daß die RadongasProbleme geologisch bedingt seien und
es eine Reihe von Regionen im Lande

- 2 -

�gebe, in denen man sich keine Sorgen
zu machen brauche.
Ein Gebiet mit besonders hoher
Radon-Konzentration
ist
"Reading
Prong", eine uranreiche geologische
Formation, die
sich von Reading
(Pennsylvanien) durch den nördlichen
Teil New Jerseys bis in den Staat New
York hinzieht. In vielen Häusern der
Region ist die Raumluftkonzentration
von Radon deutlich erhöht; bei 60
Prozent liegt sie über dem Grenzwert
von 150 Becquerel/cbm.
Ähnliches gibt es auch in anderen
Ländern. Der Physiker Bernard Cohen
(Universität Pittsburgh) stellte in
Häusern im südöstlichen Finnland Radonaktivitäten von knapp 300 Becquerel/cbm Raumluft fest, was dem Achtfachen des weltweiten Durchschnittswertes entspricht.
In einem Regierungsbezirk in Schweden wurden bei
einer anderen Studie gar 450 Becquerel/cbm Raumluft gemessen - der höchste
bisher
überhaupt
ermittelte
Durchschnittswert in einem großen Gebiet.
Das amerikanische Bundesenergieministerium, die Umweltschutzbehörde
EPA und mehrere amerikanische Bundesstaaten sind im ganzen Land dabei,
"heiße" Punkte, das heißt besonders
strahlungsaktive Gebiete, zu identifizieren. In Florida beispielsweise,
wo vor allem reichhaltige Uranlagerstätten für das Radonproblem verantwortlich zu machen sind, wird an bestimmten Stellen Bauland von der
staatlichen
Gesundheitsbehörde
als
besonders risikobehaftet für Neubauten ausgewiesen. Derzeit wird erwogen, die Eintragung von Radon-Meßwerten in Grundstücksdokumente gesetzlich vorzuschreiben.
Aus dem Geologischen Bundesamt
der USA verlautet, daß in solchen
Häusern die höchste Radon-Konzentration gefunden wird, die auf stark
durchlässigem
Gletschersand
oder
Gletscherkies über uranreichem Gestein in der Tiefe liegen. Dies hätten Studien gezeigt, bei denen Bodentyp, Bauweise und Außentemperatur mit

Radon-Meßdaten
verglichen
wurden.
Der Geologe Allan Tanner berichtete
kürzlich, "wir kommen jetzt an den
Punkt, wo wir schon vor dem Bau eines
Hauses oder für dieses oder jenes
Haus sagen können, wann es größere
Probleme gibt".
Radon-Experten sind der Ansicht,
daß nicht nur das Abdichten von Wänden und Boden des Fundaments von Gebäuden, sondern in erster Linie die
Durchlässigkeit oder Nichtdurchlässigkeit des Grundes, auf dem das Haus
steht, eine Rolle spielt. Auch diffundiere das gasförmige Radon nicht
einfach in das Haus ein, sondern werde regelrecht eingesaugt, wenn durch
natürliche Ursachen oder auf mechanische Weise Luft aus dem Haus nach
außen gedrückt und der Innendruck
verringert wird. Der Saugeffekt entsteht zum Beispiel durch Kaminfeuer,
Öfen und Heizungen, Wind, der ums
Haus weht, und durch die "Kaminwirkung" wärmerer Luft, die im Haus aufsteigt und durch Öffnungen am bzw. im
Dach entweicht. Am besten sei es,
durch Öffnungen im Kellerboden die
radonhaltige Luft ständig nach draussen zu pumpen. Mit diesem Verfahren
sei es schon gelungen, Radonkonzentrationen
von
7400
Becquerel/cbm
Raumluft auf weniger als 150 Becquerel zu verringern.
Die einfachste
Ausrüstung dafür koste ca. 1 000 Dollar.
Welche Grenzwerte für Radon in
Innenräumen gelten sollen, wird nicht
einheitlich bewertet.
So empfiehlt
beispielsweise die Nationale Strahlenschutzkommission in England bis zu
370 Becquerel pro cbm Innenluft in
bereits errichteten Gebäuden und ca.
90 Becquerel in Neubauten zuzulassen.
Die Internationale Strahlenschutzkommission hat für bereits bestehende
Bauten 550 Becquerel für noch zulässig erklärt.

- 3 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Burns erwartet einschneidende Reduzierungen bei konventionellen&lt;br /&gt;Streitkräften&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Direktors der ACDA in Boston&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;James Baker: politischer Stratege und Wirtschaftspolitiker&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des neuen Außenministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Strahlung durch Radon in Raumluft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bauliche Schutzmaßnahmen zur Verringerung von Gesundheitsrisiken empfohlen&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
A

^r-

6

43

23. November 1988

INHALT

DOKUMENTATION
Amerikanische Vorschläge zum Agrarhandel modifiziert
- Präsident Reagans Rede vor der Amerikanischen Handelskammer Reagan: USA und Sowjets auf dem Weg zu Abkommen über Kernwaffen
- Erklärung zu den Gesprächen über Nuklear- und Weltraumwaffen -

INFORMATION
Thornburgh bekannt für Härte in der Verbrechensbekämpfung
- Porträt von Justizminister Richard Thornburgh Cavazos Leistungen führen zu seiner Wiederernennung durch Bush
- Porträt des Erziehungsministers Lauro Cavazos Darman kehrt in die Regierung zurück
- Porträt des neuen Haushaltsdirektors Sununu bringt konservative Haltung in Führung des Weißen Hauses ein
- Porträt des designierten Stabschefs John Sununu -

HINTERGRUNDMATERIAL
Präsident Reagans Rede zum Handel
- Eine"Übersicht des Weißen Hauses -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Halfan - ein neues Medikament gegen Malaria

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
\ ü N

4

Dokumentation

23. November 1988

43

AMERIKANISCHE VORSCHLÄGE ZUM AGRARHANDEL MODIFIZIERT
- Präsident Reagans Rede vor der Amerikanischen Handelskammer WASHINGTON - (AD) - Im Rahmen einer von der Amerikanischen Handelskammer
veranstalteten "Konferenz über das Erbe der Reagan-Administration" erklärte
Präsident Reagan am 17. November, die Vereinigten Staaten seien nunmehr bereit, ihre im Hinblick auf die Uruguay-Runde multilateraler Verhandlungen vorgelegten Reformvorschläge zum internationalen Agrarhandel in zwei Punkten abzuändern. Der ursprüngliche amerikanische Vorschlag forderte alle Teilnehmerländer auf, innerhalb von zehn Jahren Quoten, Subventionen und andere Hemmnisse für den Agrarhandel abzuschaffen.
Reagan verwies ferner auf die Fortführung seiner Handelspolitik unter dem
neu gewählten Präsidenten Bush.
Nachfolgend veröffentlichen wir diese Rede im Wortlaut:
Acht Jahre lang und durch erbitterte Kämpfe hindurch haben uns die
Handelskammer und die National Chamber Foundation als Verbündete beigestanden - in schlechten Zeiten, als
aridere schwach wurden, sind sie für
die Sache der Freiheit eingestanden.
Und wenn ich all das bedenke, was wir
erreicht haben, muß ich daran denken,
was der berühmte und wortgewaltige
Hollywood-Produzent
Samuel
Goldwyn
einmal über ein Drehbuch gesagt hat:
"Diese Geschichte ist wunderbar. Sie
ist ausgezeichnet. Daraus läßt sich
etwas machen."
Und genau das ist unsere Geschichte auch - sie ist wunderbar,
ausgezeichnet, und daraus läßt sich
auch etwas machen. Ich habe die Geschichte unserer wirtschaftlichen Er-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

folge im ganzen Land schon hundertmal
erzählt - wie wir das Amt angetreten
und die größte wirtschaftliche Katastrophe der vergangenen 50 Jahre angetroffen haben; wie wir unsere Ärmel aufgekrempelt, die Steuern gesenkt und die Vorschriften abgebaut
haben und wie die Wirtschaft reagiert
hat, als Inflationsrate und Zinssätze
aus Rekordhöhen auf den niedrigsten
Stand der letzten zehn Jahre fielen,
während Wachstum, Produktivität und
Löhne wieder zum Leben erweckt wurden. Heute haben mehr Menschen Arbeit als jemals zuvor in der Geschichte der Vereinigten Staaten.
Wir haben in den vergangenen Jahren Geschichte gemacht, wie sie geradewegs aus "Frag mich was'" stammen
könnte: sechs Jahre - das sind 72

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Monate - anhaltenden Wirtschaftswachstums: der längsten jemals dokumentierten Wachstumsperiode in Friedenszeiten; 18 Millionen während dieser
Expansion
neugeschaffener
Arbeitsplätze: mehr als alle anderen Industrieländer zusammen; die Produktivität in der verarbeitenden Industrie
anderthalb mal so hoch wie der Durchschnitt nach dem Zweiten Weltkrieg.
Und als ich nach Washington kam, mußte ich erkennen, daß das, was die
Statistiker
Arbeitskräftepotential
nennen, Junge und Alte umfaßt, von 16
Jahren aufwärts. Dazu zählen Schüler, Mütter, die zuhause ihre Kinder
versorgen sowie Pensionäre. Und heute ist ein größerer Teil dieses Arbeitskräftepotentials beschäftigt als
jemals zuvor - 62,7 Prozent.
Aber die Geschichte, die wir geschrieben haben, betrifft nicht nur
die Wirtschaft. Der Philosoph Ludwig
von Mises schrieb: "Eine Nation ist
heute umso wohlhabener, umso weniger
sie versucht, dem Geist des freien
Unternehmertums und der privaten Initiative Hindernisse in den Weg zu legen."
In den Jahren vor unserem
Amtsantritt hatten viele Menschen die
dauerhafte und in ihren Grundsätzen
moralische Verbindung zwichen Freiheit und Wohlstand aus den Augen verloren - Länder, die einstmals die
Wohltaten der Freiheit gekannt hatten, waren in eine Art Erstarrung gefallen und erlebten den Niedergang
ihres Lebensstandards. Andere sanken
tiefer in den Morast der staatlich
gelenkten Wirtschaft.
Vor 200 Jahren stand ein freiwilliger Soldat auf der Concord Bridge
und feuerte den Schuß ab, der auf der
ganzen Welt vernommen wurde, und irgendwann in diesen acht Jahren haben
die Freiwilligen unserer Zeit - Amerikas Unternehmer - einen weiteren
auf der ganzen Welt hörbaren Schuß
abgefeuert.
Als wir die Steuern,
Zinssätze, die Inflationsrate gesenkt
und die Vorschriften abgebaut haben,
haben wir nur das getan, was Paul
Revere getan hat, als er die zwei Laternen in der alten North Church
- 2

brennen sah - wir sind übers Land geritten und haben die Tapferen aufgefordert, mitzukommen, alles zu riskieren, um das Land neu aufzubauen.
Und ebenso wie damals die Freiwilligen sind sie gekommen. Die meisten
der in unserer Wachstumsperiode geschaffenen neuen Arbeitsplätze wurden
von fünf oder weniger Jahre alten
Firmen und von Unternehmen mit unter
20 Mitarbeitern eingerichtet - Firmen
mit Unternehmergeist, die ein Produkt
der Freiheit in Amerika sind.
Und auf der ganzen Welt haben die
Menschen ihre Geschichte - die Geschichte Amerikas - vernommen und
sind aus ihrer Erstarrung erwacht.
In Großbritannien und der Bundesrepublik Deutschland, in Indien und Japan
sind die Steuersätze gefallen und unnötige Vorchriften abgebaut worden.
In Europa wird der Gemeinsame Markt
bald zu einem Markt werden, der wirklich allen Mitgliedern offensteht,
wenn im Jahr 1992 die Beseitigung der
innereuropäischen
Handelsschranken
ansteht.
Und sogar in China, der Sowjetunion und Osteuropa ist unser Beispiel in den Zitadellen des Kommunismus nicht ungehört verhallt und hat
einen Umschwung eingeleitet, den vor
zehn Jahren noch niemand für möglich
gehalten hätte. Eine Wahrheit, die
Sie jüngst vernommen haben und die
mir wiederholt von anderen Politikern
bstätigt worden ist, lautet: Amerika
wird von der ganzen Welt beneidet.
Obwohl wir der Welt in diesen
acht Jahren ein neues Gesicht verliehen haben, bleibt noch viel zu tun.
Und in keinem Bereich sind die
Schritte nach vorn so wichtig für die
Zukunft Amerikas und der Welt wie im
Welthandel. Der große britische Historiker und Staatsmann des 19. Jahrhunderts, Thomas Macauley, schrieb,
daß "freier Handel, eine der Segnungen, mit denen eine Regierung ein
Volk bedenken kann, in nahezu jedem
Land unbeliebt ist."
Nicht so in
Amerika. Im letzten Jahr des Wahlkampfes waren Protektionismus und hö-

�here Steuern mit einem Todesstoß
gleichzusetzen. Und warum? Seit der
Zeit George Washingtons über die
Große Depression der dreißiger Jahre
bis zum heutigen Tag an dem Amerikas
Handel mit dem Ausland expandiert,
ist die Zahl der Arbeitsplätze gestiegen - wenn er zurückging, so verringerte sich auch die Zahl der Arbeitsplätze. Und heute sind mehr als
zehn
Millionen
amerikanische
Arbeitsplätze Import- oder exportabhängig oder beides. Und wir exportieren
mehr als jemals zuvor in unserer Geschichte.
Was die Verbraucher anbelangt, so
haben uns die Schlagzeilen vor nur
zwei Jahren eine Lektion über den
Preis der Protektion erteilt.
Das
geschah, als der Staat New York unter
dem Druck der Handelskommission der
Bundesregierung eine Handelsschranke
abbaute.
Er ließ die Einfuhr von
Milch aus New Jersey zu. Und unmittelbar darauf fiel der Durchschnittspreis für eine Gallone Milch auf der
Lower East Side von Manhattan um 40
Cents.
Und dies ist nicht einmal
Beispiel für den Handel mit einem
Produkt zwischen zwei Ländern, sondern zwischen zwei Bundesstaaten.
Wenn wir das auf eine weltweite Ebene
transponieren, wissen Sie, warum Amerikaner in diesem Jahr wiederholt erklärt haben, daß Protektionismus mit
Destruktivität gleichzusetzen ist und
sie daran nicht teilhaben wollen. So
einfach ist das: Amerika und die
Welt brauchen mehr, nicht weniger
Handel. Und wir sind entschlossen,
den Handel am Leben zu erhalten.
Heute verfolgen wir eine Politik
der drei Schritte. Beim Plaza-Abkommen, dem Tokioter Gipfel und in diesem Jahr beim Weltwirtschaftsgipfel
In Toronto haben wir mit den anderen
wichtigen Industrieländern am ersten
Schritt zusammengearbeitet - der Erweiterung internationaler Zusammenarbeit bei der Währungs- und Steuerpolitik sowie in anderen makroökonomischen Bereichen.
In der Zwischenzeit haben wir als

zweiten Schritt jedes uns im Rahmen
internationaler Abkommen zur Verfügung stehende Instrument benutzt, um
ausländische Märkte zu öffnen. Und
wir sind die erste Administration,
die jemals Fälle unfairer Handelspraktiken aufgegriffen und nicht abgewartet hat, bis die Industrie die
Initiative ergreift. Und vor nicht
allzu langer Zeit haben wir die - von
der Administration und der Industrie
aufgegriffenen - Fälle addiert und
sind zu dem Ergebnis gekommen, daß
die Vereinigten Staaten unter dieser
Administration mehr Fällen unfairer
Handelspraktiken den Kampf angesagt
hat als alle Administrationen in der
Geschichte.
Und wir haben- viel Erfolg gehabt
- bei Agrargütern und juristischen
Dienstleistungen bis zu Bauvorhaben
in Japan, bei Versicherungsfällen und
geistigem Eigentum in Korea sowie
beim Agrarhandel mit Europa.
Die
Märkte sind geöffnet worden. Vor 40
Jahren hat Amerika die Hälfte der
Weltwirtschaft bestritten. Wir waren
im Vergleich zu allen anderen so
groß, daß wir die meisten unfairen
Handelspraktiken im Ausland ignorieren konnten. Heute sind wir auf ein
Viertel zurückgefallen. Und es ist
Zeit, daß sich jeder, der mit uns
Handel treiben will, an die Spielregeln hält.
Dies ist nicht, wie manche behaupten, ein Fall vom Niedergang Amerikas. Tatsächlich ist unser Anteil
am Welthandel seit 1980 gestiegen.
Aber die Depression und der Zweite
Weltkrieg haben uns gelehrt, daß unser Frieden, Wohlstand und unsere
Freiheit nur solange gewährleistet
sind wie der Frieden, Wohlstand und
die Freiheit unserer Freunde.
Im Handel gewinnt jeder, wenn die
Märkte größer werden. Das ist kein
Kampf mit einem Verlierer, obwohl einige Kritiker genau das über den Handel zu denken scheinen.
Allseitige Vorteile sind genau
der Grund, aus dem wir den dritten

- 3 -

�Schritt unserer Strategie der drei
Schritte unternehmen: Bilaterale und
multilaterale Verhandlungen.
In einigen Wochen wird die Zwischenbilanz
der Uruguay-Runde von Handelsgesprächen in Montreal stattfinden.
Ich
kenne kein Problem der letzten acht
Jahre, das in unserer Regierung eine
ähnlich breite Basis der Unterstützung gefunden hätte wie diese Gespräche. Der Kongreß hat seine Unterstützung dokumentiert, indem er dem
Handelsgesetz schnell durchführbare
Bestimmungen beigab. Der neu gewählte Präsident Bush hat bei jedem
Schritt daran mitgewirkt. Jeder, der
sich dem Gedanken hingibt, diese Politik würde sich unter der neuen Administration oder mit dem neuen Kongreß ändern, macht sich etwas vor.
Tatsächlich
beabsichtigen
der
neue Präsident und ich, noch vor der
Zwischenbilanz mit dem Handelsbeauftragten Clayton Yeutter und Landwirtschaftsminister Dick Lyng zusammenzutreffen, um unsere allseitige Unterstützung dieser Verhandlungen zu bekräftigen. Was Handelsgespräche anbelangt, so schreiten diese mit voller Kraft voran.
Vor Aufnahme meiner gegenwärtigen
beruflichen Tätigkeit habe ich als
Vertreter
der
Schauspielergewerkschaft bei den Vertragsverhandlungen
mit den Studios Verhandlungstaktik
gelernt.
Nach
den
Studios
war
Gorbatschow ein Kinderspiel.
Aber
ich habe gelernt, daß es nicht Besseres als einen einzuhaltenden Termin
gibt, um die Verhandlungen wunderbar
zu lenken. Und das ist hier geschehen.
Die Tatsache der anstehenden
Zwischenbilanz hat die Gespräche so
intensiviert und beschleunigt, daß
sie meiner Ansicht nach bereits zu
Beginn dieses Treffens von Erfolg gekrönt sein werden.
Wir versuchen jetzt nicht, die
gesaraten Verhandlungen der UruguayRunde in Montreal durchzuführen. Wir
gehen schrittweise vor, und die hier
zu unternehmenden Schritte sind ganz
einfach. Wie Bergsteiger, die sich

auf die letzte Etappe ihres großen
Aufstiegs vorbereiten, wollen wir sicherstellen, daß wir uns alle darüber
einig sind, wo der Gipfel ist, welchen Weg wir dahin nehmen und wann
wir dort ankommen wollen. Auf dem
Programm stehen geistiges Eigentum,
Dienstleistungen, Investitionen, der
Abbau von Handelsschranken für unsere
Produkte im Ausland und die Verbesserung des Schlichtungsmechanismus bei
Streitigkeiten im Rahmen des GATT.
Dies sind heute die Pfähle im Fleisch
des Welthandels und die großen Lücken
im GATT-System.
Obwohl der Handel mit Dienstleistungen schneller wächst als irgendein anderer Bereich des Welthandels,
gibt es zum Beispiel im Rahmen des
GATT dazu keine Vorschriften, und es
bestehen ganz einfach keine Bestimmungen zum Schutz geistigen Eigentums. Allein im Jahr 1986 haben die
Computer- und
Softwarebranche
aufgrund
fehlender
Vorschriften
zum
Schutz geistigen Eigentums Verluste
im Wert von mehr als vier Milliarden
Dollar erlitten. Es ist an der Zeit,
daß wir etwas dagegen unternehmen,
und ich bin zuversichtlich, daß wir
dies tun werden.
Einer der wichtigsten von uns zu
behandelnden Bereiche ist die Landwirtschaft. Wer kann heute über die
weltweite
staatliche
Agrarpolitik
glücklich sein?
Hat es jemals ein
besseres Beispiel dafür gegeben, wie
sich alles ins Negative verkehren
kann, wenn Regierungen sich zu stark
einmischen? Teuer, destruktiv - insgesamt gesehen bringt die staatliche
Rolle in der Landwirtschaft Nachteile
für die Verbraucher, sie schadet den
Volkswirtschaften der Entwicklungsländer und auch den Bauern.
Die Aussagen von Mises über Nationen treffen auch auf Industriezweige ud einzelne Sektoren zu - umso
geringer die Hindernisse gegenüber
der Privatinitiative, umso besser
geht es ihnen allen.

- 4 -

Wir haben erwähnt, daß die Mit-

�glieder des GATT bis zum Ende des
Jahrhunderts eine Beendigung von politischen Maßnahmen vereinbaren sollten, die den Agrarhandel verzerren.
Andere Länder sagen, dieser Zeitplan
sei unrealistich. Sie könnten teilweise Recht haben. Und deshalb möchte ich heute verkünden, daß unsere
Unterhändler in Montreal bereit sein
werden, eine flexible Anpassung zu
erörtern. Sie werden im Hinblick auf
den Zeitplan solange flexibel sein,
wie alle darüber einig sind, einen
Plan über eine Anpassung mit festen
Terminen für die Beseitigung handelsverzerrender Subventionen und Marktzugangsbeschränkungen zu verabschieden. Was wichtig ist, ist das Endziel.
Einige Länder sind auch besorgt
darüber, daß sie bei wegfallenden
Handelsschranken
in der Landwirtschaft der Gnade anderer ausgeliefert
sind, wenn die Nahrungsmittelvorräte
knapp werden. Auch sie könnten zum
Teil recht haben. Deshalb werden wir
in Montreal auch bereit sein, über
die staatliche Lagerbestände, Erwerb
von Grundeigentum und andere Möglichkeiten der "Nahrungsmittelsicherheit"
zu sprechen.
Man könnte es so formulieren, daß
wir in Montreal bereit sein werden,
über Geflügel, Weizen, Hirse und all
das zu sprechen. Unseren Informationen zufolge liegt der Hemmschuh der
Verhandlungen über den Agrarhandel
bei den starren Zeitplänen und der
Nahrungsmittelsicherheit.
Dieser
Vorschlag dokumentiert das Bestreben
der Vereinigten Staaten, diesen Hemmschuh zu lösen, die Schäden zu beheben und sicherzustellen, daß sich die
Verhandlungen auf ihr Ziel im Jahr
1990 zubewegen.
Es steht mehr auf dem Spiel als
nur ein paar Produkte oder ein paar
Verhandlungen. Die Welt steht an der
Schwelle
eines
neuen
Zeitalters.
Neue Technologien und neue Möglichkeiten, die sich vor einigen Jahren
noch unserer Vorstellungskraft entzogen, werden jetzt verwirklicht. Sie

stellen für die Menschheit eine unvergleichliche Hoffnung dar.
Biotechnologie,
Kommunikationstechik,
medizinische Technik und vieles mehr
können Krankheiten besiegen, dem Hunger auf der Welt ein Ede bereiten und
all das tun, was wir jetzt tun - und
noch mehr - und gleichzeitig in der
Umwelt weniger Schaden anrichten.
Dennoch ist ganz sicher, daß der Weg
zum Eintritt in dieses neue Zeitalter
über den Abbau von Handelsschranken
weltweit führt.
Denken Sie nur an die Computer.
In den sechziger Jahren kostete ein
Computer, der eine Million Instruktionen pro Minute verarbeiten konnte,
fast zwei Millionen Dollar.
Heute
kostet er nur 1 000 Dollar. Die heutigen Tischcomputer sind keine Errungenschaft eines einzigen Landes, sondern die Leistung von drei der vier
Länder, und ihre Halbleiter können
aus irgendeinem von über zehn Ländern
stammen, wobei nicht genau zu sagen
wäre, aus welchem. Wir können die
aufstrebenden
neuen
Technologien
nicht von dem Markt fernhalten, der
sie hervorgebracht hat.
Vor einigen Jahren schrieb der
Wirtschaftswissenschaftler und Philosoph Friedrich Hayek, ich zitiere:
"Während es in den modernen technischen Entwicklungen nichts gibt, das
uns zu umfassender Wirtschaftsplanung
zwingt, beinhalten diese Entwicklungen vieles, das die einer solchen
Planungsgewalt gegebene Macht unendlich gefährlich macht."
Und doch
könnte die gegenwärtig stattfindende
technologische Revolution dieser zentralen Autorität Macht nehmen anstatt
sie mächtiger zu machen. Ein TischPC hat heutzutage eine größere Rechenkapazität als ein ganzer Raum
voller Computer im Jahr 1960. Trotzdem hat vor kurzem ein führender amerikanischer
Forscher
vorausgesagt,
daß in 15 Jahren ein einziger Computer-Chip die gleiche Kapazität wie
die modernsten Supercomputer von heute haben werde.
Der Schriftsteller George Gilder

i-

�hat argumentiert, daß die Kalkulationen zentraler Planer immer bedeutungsloser würden, wenn solche Macht
in die Hände jedes Hackers und jedes
Unternehmers gelegt wird. Je schneller das Tempo der Innovationen, desto
vergeblicher werden sich staatliche
Autoritäten bemühen, Schritt zu halten, Druck auszuüben oder eine Führungsrolle zu Ubenehmen. Das Äußerste, was die Regierungen noch tun
können, besteht darin, große und ungezügelte Märkte bereitzustellen, die
befruchtend für Innovationen wirken
können und solchen Unternehmen, die
im internationalen Wettbewerb bestehen wollen, eine solidere heimische
Grundlage zu bieten.
Aus diesem Grunde haben wir uns
im Verlauf unserer Anstrengungen zum
Abbau der Handelsschranken in der
ganzen Welt darum bemüht, die meisten
Schranken gegenüber unserem wichtigsten Partner, Kanada, zu beseitigen.
Was die Vereinigten Staaten betrifft,
so ist das Freihandelsabkommen ein
Beispiel für Kooperation par excellence. Es ist ein Beweis für das Engagement unserer Regierungen für die
Prinzipien des offenen Markts und der
wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Wie
die führenden Politiker der wichtigsten Industriestaaten beim Gipfel von
Toronto folgerten, stellt es ferner
einen Katalysator für die übrigen
Mitglieder des Welthandelssystems dar.

zusammen einen Schritt nach vorn in
Richtung auf freieren Handel gegangen
sind, waren die Ergebnisse genau wie
erwartet - produktivere und wettbewerbsfähigere Volkswirtschaften, mehr
Arbeitsplätze und größere Vorteile
für die Bürger jedes Landes.
Alle Staaten der Welt stehen vor
der gleichen Frage:
Voranschreiten
oder zurückweichen? Und ich glaube,
es liegt etwas in der Seele des Menschen - der Geist der Hoffnung, ein
Verlangen nach einer besseren Zukunft
für die Kinder, ein Gebet für den
Frieden -, das uns alle letztlich,
vielleicht erst nach langem Zögern,
nach vorn katapultieren wird.
Es
wird uns den Mut geben, uns der Zukunft zu stellen, uns dem Licht des
Morgens zuzuwenden und - wie unsere
Vorfahren dies für uns taten, eine
bessere Welt für unsere Kinder und
deren Kinder in den kommenden Generationen aufzubauen.

Während wir weltweite Verhandlungen über den Handel anstreben, sind
die Vereinigten Staaten der Überzeugung, daß die Zukunft denen gehört,
die Handelsschranken abbauen.
Dies
sind die Länder, die bei der Technologie an vorderster Front stehen.
Dies
sind
die Länder, die den
schnellsten Anstieg des Lebensstandards erleben werden. Dies sind die
Länder, die in den kommenden Jahren
eine führende Rolle in der Welt spielen werden. Wir können nach vorn in
diese Zukunft schreiten oder in die
Vergangenheit des Protektionismus zurückfallen.
Auf einen Nenner gebracht heißt das:
Jedesmal, wenn
Länder in irgendeiner Region der Welt
- 6 -

* * * * * *

�^os^

AMERIKA DIENST
Dokumentation

23. November 1988

A3

REAGAN:

USA UND SOWJETS AUF DEM WEG ZU ABKOMMEN ÜBER KERNWAFFEN

- Erklärung zu den Gesprächen über Nuklear- und Weltraumwaffen -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 16. November 1988 erklärt, er
hinterlasse seinem Nachfolger George Bush "eine solide Grundlage" für den Abschluß von Abkommen mit Moskau in den Gesprächen über Nuklear- und Weltraumwaffen.
In einer schriftlichen Erklärung zum Abschluß der 10. Runde der Gespräche
über Nuklear- und Weltraumwaffen teilte Reagan mit, es bestünden weiterhin
"Meinungsverschiedenheiten in wichtigen Bereichen". Die Vereinigten Staaten
und die UdSSR befänden sich jedoch "auf dem Weg" zum Abschluß eines Abkommens
zuc "erheblichen Reduzierung" ihrer strategischen Kernwaffenarsenale.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Präsidenten im Wortlaut.

Heute wurde die 10. Runde der Gespräche über Nuklear- und Weltraumwaffen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion abgeschlossen. Im Verlauf dieser Verhandlungen
bestand mein Ziel darin, mit der Sowjetunion ein Abkommen über einschneidende, gleichgewichtige und verifizierbare Reduzierungen
in den
strategischen
Kernwaffenarsenalen
beider Seiten als Teil umfassender
Bemühungen zur Verbesserung der strategischen Stabilität und der Verringerung des Kriegsrisikos zu erlangen.
Wir haben in diesen Verhandlungen
bedeutsame Fortschritte erzielt. Wir
haben den INF-Vertrag abgeschlossen
und mit dessen Durchführung begonnen,
den ersten Vertrag, der eine gesamte
Kategorie amerikanischer und sowje-

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tischer Raketen beseitigt, mit den
umfangreichsten je in einen Vertrag
aufgenommenen
Verifizierungsbestimmungen. In den Gesprächen zur Reduzierung
der
strategischen
Waffen
(START) sind wir ebenfalls unserem
Ziel, Reduzierungen bei den destabilisierendsten
Kernwaffen,
den
schnellfliegenden ballistischen Raketen, hier insbesondere bei den schweren Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen,
nähergekommen.
Die Unterhändler haben in einem gemeinsamen Vertragsentwurf umfangreiche und bedeutsame Bereiche der Übereinstimmung fixiert - sowie auch Bereiche, in denen noch Meinungsverschiedenheiten herrschen. Dieser gemeinsame
Vertragsentwurf
spiegelt
ferner
die
von
Generalsekretär
Gorbatschow und mir bei unseren Be-

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�gegnungen in Genf und Reykjavik sowie
bei den Gipfeltreffen in Washington
und Moskau erzielten
Bereiche der
Übereinstimmung sowie die Fortschritte wider, die bei den amerikanischsowjetischen Ministertreffen und in
zehn Verhandlungsrunden in Genf erreicht wurden.
Bei START machen wir gute Fortschritte auf dem Weg zu einem Abkommen, das den Umfang der amerikanischen
und
sowjetischen
strategischen Kernwaffenarsenale erheblich
reduzieren wird. Es besteht Einvernehmen über die Halbierung der stationierten strategischen Streitkräfte
auf eine Obergrenze von 6 000 Gefechtsköpfen auf 1 600 strategischen
Trägersystemen sowie über Untergrenzen von 4 900 ballistischen Gefechtsköpfen sowie 1 540 Gefechtsköpfen auf
154 schweren Raketen. Beide Seiten
haben sich geeinigt, daß das Wurf gewicht der sowjetischen ballistischen
Raketen um ca. 50 Prozent verringert
wird, so daß auf beiden Seiten gleiche Obergrenzen bestehen.
Einvernehmen wurde über die Zahl der jedem
bestehenden Typ ballistischer Raketen
zugeordneten Gefechtsköpfe sowie über
einige Regeln für das Zählen der Bewaffnung auf schweren Bombern erzielt.
Ferner wurde Einigung über
die Umrisse einer Verifizierungsregelung erlangt, darunter mehrere Arten
von Vor-Ort-Inspektionen, Datenaustausch
sowie Maßnahmen, um Täuschungsmöglichkeiten
einzuschränken.
Beide Seiten haben in diesen Bereichen detaillierte Vorschläge gemacht.
Es bleiben Meinungsverschiedenheiten in wichtigen Bereichen bestehen, darunter solche in Bezug auf mobile Interkontinentalraketen, seegestützte Marschflugkörper, die Berechnung der Zahl luftgestützter Marschflugkörper, Untergrenzen bei ICBM-Gefechtsköpfen, Modernisierung schwerer
ICBMs sowie sowjetische Versuche, den
START-Vertrag mit Verfügungen zu verknüpfen, die SDI verstümmeln würden.
Bei den Gesprächen über Weltraumverteidigung haben wir unsere Bemü-

hungen fortgesetzt, Einvernehmen darüber zu erzielen, wie wir und die Sowjets gemeinsam einen stabilen Übergang zu verstärkter Stützung auf
wirksame Verteidigungssysteme vornehmen könnten, falls diese sich als
machbar erweisen. SDI stellt unsere
größte Hoffnung auf eine sicherere
Welt dar, in der sich Abschreckung
zunehmend auf - niemand bedrohende Verteidigungssysteme stützt statt auf
die Androhung von Vergeltung. Ferner
ist SDI für die Sowjets ein wichtiger
Anreiz gewesen, über die Reduzierung
von Kernwaffen zu verhandeln.
Wir
werden SDI nicht zum Verhandlungsgegenstand machen oder Beschränkungen
für SDI akzeptieren, die über die im
ABM-Vertrag vereinbarten hinausgehen.
Schließlich bleibt auch die fortgesetzte mangelnde Bereitschaft der
Sowjets zum Abbau des phasengesteuerten Großradars in Krasnojarsk, das
eine erhebliche Verletzung zentraler
Bestandteile des ABM-Vertrags darstellt, ein Anlaß zu tiefer Besorgnis. Wir haben den Sowjets gegenüber
verdeutlicht, daß wir nichts außer
der vollständigen Einhaltung des Vertrags akzeptieren werden und daß wir
keine weiteren Abkommen über die Verringerung der strategischen Waffen
abschließen können, bevor nicht diese
Verletzung auf eine überprüfbare, unseren Kriterien gerecht werdende Art
und Weise korrigiert worden ist.
Zum Abschluß dieser Runde möchte
ich den Botschaftern Max Kampelman,
Read Hanmer und Henry Cooper sowie
ihren Verhandlungsgruppen meine Anerkennung für die hervorragende Arbelt
aussprechen, die sie in diesen Verhandlungen geleistet haben.
In den Gesprächen über Kern- und
Weltraumwaffen haben wir erhebliche
Fortschritte auf dem Weg zu Vereinbarungen gemacht, die unsere Sicherheit und die unserer Verbündeten
stärken werden. Wir streben jedoch
nach guten, nicht nach schnellen Verträgen, und wir werden auf diesem Weg
keine Abkürzungen nehmen. Wir hinterlassen der nächsten Administration

- 2 -

�eine solide Grundlage, auf der diese
in Zukunft aufbauen kann, und ich bin
zuversichtlich, daß wir - falls die
Sowjets bereit sind, weitere Fortschritte zu erzielen - in der Lage
sein werden, die schwierigen, noch
ausstehenden Probleme zu lösen.

* * * * *

- 3 -

�AMERIKA DIENST
VON

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4

23. November 1988

43

THORNBURGH BEKANNT FÜR HARTE IN DER VERBRECHENSBEKÄMPFUNG
- Porträt von Justizminister Richard Thornburgh -

WASHINGTON - (AD) - Der von dem neu gewählten Präsidenten George Bush in
seinem Amt bestätigte Justizminister Richard "Dick" Thornburgh genießt den Ruf
eines "harten Mannes in der Verbrechensbekämpfung" und unerbittlichen Strafverfolgers.

Er ist bekannt für seinen "methodischen Arbeitsstil" und für einen
kühlen Kopf
in Krisensituationen.
Ferner wird er als "Arbeitstier" beschrieben.

tion vollziehen wird. Thornburgh zufolge wird ihm die Wiederernennung
"Gelegenheit geben, den wie ich hoffe
positiven und produktiven Kurs des
Ministeriums weiterzusteuern".

Bush verkündete am 21. November
1988, daß er den gemäßigten Republikaner als Leiter des Justizministeriums behalten möchte, weil er "das
Ministerium gut kennt" und "eine Bilanz unbestrittener Integrität sowie
Engagement für die Aufrechterhaltung
höchster ethischer Normen" vorweisen
kann.

Neben der Führungsrolle im Kampf
gegen Drogen wird das Justizministerium Thornburgh zufolge seine Bemühungen in der Bekämpfung von Wirtschaftsverbrechen
fortsetzen.
Im
Hinblick auf Korruption im Staatsapparat sagte Thornburgh, es "sollte
wichtig sein, hohe ethische Normen im
Staatsdienst und in unseren Wirtschaftsinstitutionen
zu gewährleisten". Er deutete an, daß Korruption
in Zusammenhang mit Umweltangelegenheiten und Bürgerrechten von den Mitarbeitern des Ministeriums besondere
Aufmerksamkeit gewidmet werde.

Aufgrund
des
Verbleibs
von
Thornburgh an der Spitze des Ressorts
wird allgemein erwartet, daß dieses
Ministerium einen nahtlosen Übergang
von der Reagan zur Bush-Administra-

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�Thornburgh leitet das Justizministerium seit 12. August 1988, als er
zum Nachfolger von Edwin Meese und
76. Justizminister ernannt wurde.
Bei seiner Nominierung im vergangenen Sommer hob Präsident Reagan
Thornburghs "hervorragende Laufbahn"
als ehemaliger Gouverneur von Pennsylvania sowie als erfolgreicher Bekämpfer des organisierten Verbrechens
und des Drogenhandels hervor.

Wiederherstellung der Moral in seinem
Ressort, nachdem ein Sonderstaatsanwalt Ermittlungen gegen seinen Vorgänger Meese geführt hatte. (Meese
wurde nicht angeklagt und behauptete,
die Ermittlungen des Sonderstaatsanwalts hätten seine Unschuld erwiesen.)
Während seiner kurzen Amtszeit
bemühte sich Minister Thornburgh
- die
Moral
wiederherzustellen,
teilweise indem er die Posten auf
der Leitungsebene neu organisierte;

Thornburgh trat sein Amt mit dem
Versprechen an, "Drogenhandel und
Drogenmißbrauch
zum
öffentlichen
Feind Nummer eins zu machen". Zur
zweiten Priorität seines Ministeriums
erklärte er das organisierte Verbrechen sowie Wirtschaftsstraftaten und
Korruption im Amt.
Vor seiner Nominierung durch Präsident Reagan hatte Thornburgh aktiv
am Wahlkampf für Bush teilgenommen.
Sein Name war sogar als möglicher
Kandidat für die Vizepräsidentschaft
genannt worden.
Schließlich entschied Bush sich jedoch für Senator
Dan Quayle.
Schon vor dem republikanischen
Konvent im August hatte es Presseberichte gegeben, denen zufolge Bush
Thornburgh im Amt behalten wollte.
Der republikanische Senator Gordon
Humphrey
zum Beispiel bezeichnete
Thornburghs Nominierung im Juli als
"die erste Nominierung einer Bush-Administration" .
Obwohl der neu gewählte Präsident
angeblich erwogen hatte, Thornburgh
durch jemand anderen abzulösen, geht
das Justizministerium nun nach seiner
Bestätigung
mit
einem
fliegenden
Start in die neue republikanische Administration.
Thornburghs ursprüngliche Nominierung, die eine Bestätigung durch
den Senat erforderte, wurde von beiden Parteien unterstützt.
Der neue Leiter des Justizministeriums unternahm rasch Schritte zur

- den innerhalb des Ministeriums
herrschenden Arbeitsstil von der
Konfrontation zum Kompromiß zu
wandeln;
- neue Bestimmungen für Dienstreisen einzuführen, die Dienstreisen
untersagen, wenn sie nicht unmittelbar mit der Arbeit des Ministeriums in Zusammenhang stehen.
Ferner stellte er eine Anweisung
seines Vorgängers in Frage, die es
Sonderanklägern gestattet hätte, Ermittlungen gegen Mitglieder des Kongresses durchzuführen, die Verfehlungen beschuldigt wurden.
Thornburgh wird wahrscheinlich in
den kommenden Monaten auf die Probe
gestellt werden, wenn sein Ministerium mit erwarteten Haushaltskürzungen konfrontiert wird.
Der Christian Science Monitor
schrieb, von ihm werde erwartet, Mittel umzuverteilen "wo immer dies möglich ist, um die Verwaltung zu verkleinern und die Strafverfolgungsund Ermittlungsbehörden zu verstärken
- insbesondere die Abteilung für Verbrechen sowie die Behörde zur Bekämpfung
des
Drogenhandels
und -mißbrauchs".
Zum Miranda-Urteil, das die Rechte eines Verdächtigen garantiert, hat
Thornburgh erklärt, dieses Urteil
könne noch etwas "Verfeinerung" vertragen. Er ist jedoch nicht der Mei-

- 2 -

�nung, es sei möglich oder nützlich,
es abzuschaffen.
Vor dem Posten
sters war Thornburgh
stitute of Politics
School of Government
versity.

des JustizminiDirektor des Inan der Kennedy
der Harvard Uni-

Thornburgh wurde im Jahr 1932 als
Sohn einer Familie von Ingenieuren in
einem Vorort von Pittsburgh geboren.
Er trat in die Fußstapfen seiner Vorfahren und machte im Jahr 1954 sein
Diplom als Tiefbauingenieur an der
Yale University. Später entschloß er
sich jedoch, Rechtswissenschaft zu
studieren und erlangte im Jahr 1957
einen Abschluß an der University of
Pittsburgh.
Im Jahr 1958 wurde er in Pennsylvania als Anwalt zugelassen und
nahm im folgenden Jahr eine Anwaltstätigkeit
für die Kanzlei Kirkpatrick,
Lockhart,
Johnson
and
Hutchinson in Pittsburgh auf. Dort
arbeitete er fast zehn Jahre lang und
kehrte auch von 1977 bis 1979 für
zwei Jahre zu dieser Kanzlei zurück.
Thornburgh war ferner von 1967
bis 1969 Direktor der American Civil
Liberties Union in Pittsburgh.

sierte Verbrechen verwickelten Straftätern. Seine Erfolge wurden vom damaligen Präsidenten Gerald Ford zur
Kenntnis genommen und führten im Jahr
1975 zu seiner Ernennung zum Stellvertretenden Staatsanwalt der Abteilung Verbrechensbekämpfung im Justizministerium. Er schuf die Abteilung
für die Integrität des Staatsdienstes, die der Verfolgung von Korruption im Amt diente.
Drei Jahre später wurde Thornburgh zum Gouverneur von Pennsylvania
gewählt. Seine Fähigkeit als Krisenmanager wurde ernsthaft auf die Probe
gestellt, als er nach nur drei Monaten im Amt den Unfall im Atomreaktor
von Three Mile Island bei Harrisburg,
der fast eine Kernschmelze zur Folge
hatte, zu bewältigen hatte.
Im Jahr 1987 schlug Thornburgh
das Angebot aus, zum Direktor des FBI
ernannt zu werden.
Thornburgh, der als unersättlicher Leser und Sportfan beschrieben
wird, ist verheiratet und hat vier
Söhne, drei von seiner ersten Frau
Virginia, die im Jahr 1960 bei einem
Autounfall ums Leben kam, und einen
von seiner zweiten Frau, die ebenfalls den Namen Virginia trägt.

Im Jahr 1969 wurde er zum Staatsanwalt für das westliche Pennsylvania
ernannt und erwarb sich bald einen
Ruf als unerbittlicher Verfolger von
in den Drogenhandel oder das organi-

- 3 -

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"VON

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23. November 1988

A3

CAVAZOS LEISTUNGEN FÜHREN ZU SEINER WIEDERERNENNUNG DURCH BUSH
- Porträt des Erziehungsministers Lauro Cavazos -

WASHINGTON - (AD) - Der neu gewählte Präsident Bush verlieh seiner Befriedigung über die Leistungen von Lauro Cavazos Ausdruck, der erst seit kurzer Zeit Erziehungsminister ist, und bestätigte am 21. November den HispanoAmerikaner auch unter der neuen Administration in seinem Amt.
Cavazos ist einer der wenigen Minister in der Geschichte, die unter
einem neuen Präsidenten ihre Position
behalten.
Dennoch wird wenigstens
zwei weiteren Ministern in der BushAdministration diese Ehre zuteil.
Der Justizminister Richard Thornburgh
wird weiterhin das Justizministerium
leiten und Nicholas Brady wird Finanzminister bleiben.
Cavazos, damals Präsident der
Texas Technical University, wurde von
Präsident Reagan am 9. August nominiert und kam so ins Erziehungsministerium. Er ist für seinen Einsatz
für Hispano-Amerikaner
und andere
Minderheiten bekannt - insbesondere
für seine Bemühungen um eine Reduzierung der Quote vorzeitiger Schulabgänger bei dieser Gruppe.

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Cavazos ist Texaner in der sechsten Generation und wurde nach der
Bestätigung seiner Nominierung durch
den Senat der erste Hispano-Amerikaner im einem Ministeramt.
Der amerikanischen Verfassung zufolge ist eine erneute Nominierung
und Bestätigung nicht erforderlich.
In einer Rede vor Schulleitern in
Texas betonte Cavazos 1986, daß Hispano-Amerikaner, die zu 45 Prozent
vorzeitig die Schule verlassen, "Ende
dieses Jahrhunderts in unserem Schulsystem die Mehrheit darstellen werden, und es wird schwierig sein, sie
zum weiteren Besuch der Schule zu bewegen." Er fügte hinzu: "Wir werden
niemals die Welt bekommen, die wir
haben möchten, wenn unsere Kinder ungebildet sind."

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�Cavazos erklärte ebenfalls, Bildung sollte nicht nur den entsprechenden
Berufsgruppen
überlassen
bleiben, sondern jeder Bürger sollte
sie als entscheidenden Bestandteil
der demokratischen Gesellschaft Amerikas unterstützen.
"Es ist sicher wichtig, zur militärischen Verteidigung des Landes bereit zu sein, aber ebenso wichtig ist
die innere Bereitschaft, jedem Kind
eine qualitativ gute Erziehung angedeihen zu lassen."
Obwohl Cavazos Demokrat ist, hat
Reagan ihn den "idealen Kandidaten"
genannt, der William Bennett als Leiter des Erziehungsministeriums ablösen soll. "Sein Engagement für den
Lehrberuf und die Qualität der Erziehung, sein Glauben an die Notwendigkeit grundlegender Veränderungen, und
vor allem seine Betonung der besonderen Bedeutung der Erziehung für Amerikas Minderheiten sind Botschaften,
die hoffentlich überall im Land Gehör
finden werden," erklärte Reagan.

1980 erhielt Cavazos als erster
Absovent der Texas Technical University und erster Hispano-Amerikaner
zwei Posten - als Präsident dieser
Universität und ihrer medizinischen
Fakultät.
Von 1964 bis 1980 war er Professor für Anatomie an der medizinischen
Fakultät der Tufts University und
wurde 1975 ihr Dekan. Von 1954 bis
1964 lehrte er am Medical College in
Virginia als Dozent für Anatomie.
Von 1949 bis 1951 lehrte Cavazos an
der Texas Technical University.
Er hat Abschlüsse der Texas Technical University (1949 B.A., 1951
M.A.) und promovierte 1954 an der
Iowa State University. Von 1945 bis
1946 diente er in der US-Army.
Cavazos ist 1927 geboren und hat
mit seiner Frau Peggy zehn Kinder.
Wohnsitz der Familie ist Lubbock,
Texas.
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4

23. November 1988

43

DARMAN KEHRT IN DIE REGIERUNG ZURÜCK
- Porträt des neuen Haushaltsdirektors -

WASHINGTON - (AD) - Für Richard Darman hatte sein Verlassen des Staatsdienstes zugunsten einer Laufbahn in der Privatwirtschaft lediglich den Charakter einer Stippvisite.
Als der fleißige Darman - in der
Reagan-Administration ein wichtiger
Planer der Außen- und Wirtschaftspolitik - seine Position als Stellvertretender Finanzminister im vergangenen April gegen einen hohen Posten in
Wall Street eintauschte, gab er dafür
"familiäre Verpflichtungen" an, die
"sich im Privatsektor besser erfüllen
ließen".
Am 21. November verkündete der
neu gewählte Präsident George Bush,
Darman werde als Direktor seines
Haushaltsbüros (OMB) wieder für die
Regierung in den Ring steigen. Damit
wird dem 45jährigen Darman die wichtigste Rolle bei der Aufgabe zugewiesen, die manche als die größte Herausforderung der Bush-Administration
betrachten:
die Senkung des hohen

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Haushaltsdefizits.
Bei der Ankündigung seiner Wahl
erklärte Bush, die Position erfordere
"eingehende Kenntnis der Bundesregierung, die Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit dem Kongreß und das Verständnis seiner Arbeitsweise sowie
die Fähigkeit, Einzelheiten von Regierungsprogrammen aufzugreifen und
sie in eine umfassendere Strategie
für die Zukunft unseres Landes einzupassen".
Darman hat in fünf Ministerien
gearbeitet, und als wichtiges Mitglied im Stab des Weißen Hauses unter
Präsident Reagan qualifiziert er sich
Bush zufolge "in allen Punkten".
Bei

seiner

sechsjährigen

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Arbeit

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�unter Präsident Reagan wurde der neue
Leiter des OMB als einer der führenden Köpfe bei der Ausarbeitung des
Programms der Administration betrachtet.
Bei der Formulierung der Strategie über Steuersenkungen und Kürzungen im Bundeshaushalt wurde ihm 1981
eine Schlüsselrolle zugewiesen, ebenso bei den Waffenverkäufen an SaudiArabien 1982 und der Überarbeitung
des Sozialversicherungssystems 1983.
Ferner war er 1985 einer der Wegebereiter des Plaza-Abkommens, in dessen
Rahmen sich die Finanzminister der
wichtigsten Industrieländer zur Wertminderung des Dollars verpflichteten,
damit das Haushaltsdefizit abgebaut
werden konnte.
Darman war einer der wichtigsten
Wegbereiter von Bemühungen der Regierung, die amerikanische Steuergesetzgebung zu ändern, eine Aufgabe, die
1986 mit der Verabschiedung des Gesetzes zur Steuerreform durch beide
Parteien im Kongreß erfolgreich abgeschlossen wurde.
Darman machte auf dem Capitol
Hill viele Überstunden um das zu erarbeiten, was vielen als unerreichbarer Kompromiß erschien. Der damalige
Vorsitzende des Finanzausschusses im
Senat, Senator Robert Packwoood, lobte ihn als "Juwel, ein richtiges Juwel".
Andere haben Darman vielfach als
brillianten, engagierten, kreativen
Mitarbeiter mit Talent beschrieben manchmal mit soviel Selbstbewußtsein,
daß er sich an der Grenze zur
Schroffheit bewegt.
Als Darman die Regierung verließ,
um eine Stelle als Geschäftsführer
der Investmentbank Shearson Lehman
Hutton Inc. anzunehmen, hieß es, er
sei von der Auffassung getrieben, der
Reagan-Administration sei die Luft
ausgegangen und sie könne, geschwächt
durch den Iran-Contra Skandal nichts
Grundlegendes mehr hervorbringen.

Er stritt dies ab und erklärte,
"es gibt für die Reagan-Administration noch interessante Dinge zu tun".
Eines dieser Dinge: der Abschluß eines Kompromisses zum Haushalt mit dem
Kongreß - eine Aufgabe, die er jetzt
in der Bush-Administration leiten
wird.
Obwohl ein großer Teil seiner Arbeit unter der Reagan-Administration
im
Hintergrund
stattfand,
konnte
Darman dennoch Kontroversen in der
Öffentlichkeit hervorrufen. Im Jahr
1987 hielt er eine Rede als Stellvertretender Finanzminister, in der er
die größten Unternehmen des Landes
als aufgebläht und ineffizient bezeichnete.
Er sprach von "einem Problem, das
oftmals unter der Bezeichnung 'corpocracy' zusammengefaßt wird und ein
Hinweis auf die Tendenz von Amerikas
Großunternehmen ist, wie eine Bürokratie zu funktionieren, über die von
Amerikas FUhrungskräften gern gelästert wird: sie sei aufgebläht, wenig risikofreudig, ineffizient und
phantasielos".
Als er im Jahr 1987 zu Shearson
ging, gab Darman in einem Interview
mit der Washington Post zu, daß
jährliche Haushaltsdefizite, die während der Reagan-Administration bis
auf 221 Milliarden Dollar angestiegen
waren, "ein Element der Fehleinschätzung" beinhalteten.
Neben anderen Punkten - so Darman
- "sah das ursprüngliche Wirtschaftsprogramm der Reagan-Regierung den Abbau von Ausgaben im Inland in größerem Umfang vor als sich dies politisch durchführen ließ. Und da ich
zur Gruppe derer gehörte, die die ursprüngliche Strategie ausgearbeitet
und später auch an der Entwicklung
dieser Strategie gearbeitet hat, muß
ich einen Teil der Verantwortung dafür übernehmen."
Im Gegensatz zu manch anderen
Vertretern der Reagan-Administration
hat Darman eindeutig dargelegt, daß

- 2 -

�er an die Fähigkeit der Regierung
glaubt, eine positive Kraft in der
Gesellschaft zu sein. In einem 1983
erschienenen Buch über die Reagan-Administration
schreibt
Lawrence
Barrett, "Darmans schmutziges kleines
Geheimnis lautete, daß er an den
Staat und auch an die Bundesregierung
glaubte."
In
dem
Interview
mit
der
Washington Post sprach Darman über
eine Meinungsverschiedenheit zwischen
ihm
und Reagan.
Während Reagan
glaubt, die enorme Komponente der Sozialversicherung
im
Bundeshaushalt
"muß und kann abgebaut werden", erklärt Darman, politisch betrachtet,
würden die Ausgaben in diesem Bereich
"nahezu auf ihrem jetzigen Stand
bleiben".

Darman wurde 1943 in Charlotte
(North
Carolina) geboren, erhielt
1964 seinen B.A. cum laude und schloß
1967 sein Examen in Betriebswirtschaft ab - beide an der Harvard University.
Im Laufe seiner früheren
Tätigkeit im Staatsdienst hatte er in
den siebziger Jahren verschiedene Positionen inner Unterabteilungsleiter
für Gesundheit und Soziales, Assistent
des
Verteidigungsministers,
Sonderberater
des
Justizministers,
Abteilungsleiter im Handelsministerium und Stellvertretender Vorsitzender der amerikanischen UN-Delegation
bei der Seerechtskonferenz.
Er war von 1977 bis 1980 Dozent
für
Politik
und
Verwaltung
in
Harvard, 1981 wurde er im Weißen Haus
Assistent von Präsident Reagan und
erhielt 1985 seine Stellung im Finanzministerium.
Darman und seine
haben zwei Söhne.

* * * * * *

- 3-

Frau

Kathleen

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23. November 1988

43

SUNUNU BRINGT KONSERVATIVE HALTUNG IN FÜHRUNG DES WEISSEN HAUSES EIN
- Porträt des designierten Stabschefs John Sununu -

WASHINGTON - (AD) - Der neu gewählte Präsident Bush hat mit seiner Wahl
des Gouverneurs von New Hampshire, John Sununu, einen fähigen Manager und konservativen Ideologen zum neuen Stabschef des Weißen Hauses bestimmt.

Sununu, der einen tief in der
Tradition
möglichst
geringfügiger
staatlicher
Eingriffe
verwurzelten
Staat regiert, wird seine republikanischen Werte der Nichteinmischung
in die Wirtschaft, niedriger Steuern
und Staatsausgaben sowie einer starken Verteidigung mit nach Washington
nehmen.
Diese Haltung könnte den neuen
Stabschef in einer Zeit, in der vielfach Forderungen nach einem Ausgleich
laut werden, auf Kollisionskurs zum
demokratisch kontrollierten Kongreß
bringen. Andere Stimmen sehen jedoch
in Sununus Härte einen positiven Faktor bei der Bildung der neuen Administration, die Bush frei machen wird,
selbst im Kongreß um Unterstützung
seiner Politik zu werben.

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Beobachtern zufolge wird Sununu
den Stil eines als Ingenieur ausgebildeten Menschen mit politischem
Temperament ins Weiße Haus einbringen. Es wird ihm nachgesagt, daß er
peinlich genau ist und viele Aufgaben
lieber selbst in die Hand nimmt als
sie zu delegieren.
Sununu wurde am 2. Juli 1939 in
Havana geboren, als sich seine Eltern
im Rahmen einer Geschäftsreise auf
Kuba aufhielten. Sein Vater, ein Libanese, war Inhaber einer Import-Export-Firma in Boston. Seine Mutter
stammt aus El Salvador. Seine Eltern
leben heute als Rentner in Florida.
Sununu machte zunächst mehrere
akademische Abschlüsse in Ingenieurwissenschaft am Massachussetts Insti-

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�tute of Technology (MIT).
Er war
Professor für Ingenieurwissenschaft
und schließlich Stellvertretender Dekan an der Tufts University.

will, einem Problem, das Notenbankchef Alan Greenspan zufolge in die
wirtschaftliche
Katastrophe
führen
könnte.

In seinen drei zweijährigen Amtszeiten als Gouverneur war Sununu beim
Abbau des jährlichen Haushaltsdefizits seines Staates von 44 Millionen
Dollar erfolgreich.
Es gelang ihm
ferner, die Arbeitslosenrate weit unter dem Bundesdurchschnitt zu halten.

"Meiner Ansicht nach liegt ein
wichtiger Faktor zum Abbau des Defizits in der Zusammenarbeit zwischen
dem Weißen Haus und dem Kongreß," erklärte Sununu.
"Im Kongreß deuten
viele Anzeichen darauf hin, daß dies
jetzt als ein Bestreben beider Parteien anerkannt wird, eine Partnerschaft zwischen Exekutive und Legislative."

Er war stellvertretender Vorsitzender von Bushs Wahlkampfleitung,
und Bushs Sieg in der Vorwahl des
Staates New Hamshire, der seiner nach
der Niederlage in den Caucus-Versammlungen von Iowa ins Trudeln geratenen
Kandidatur neuen Auftrieb verschaffte, wird weithin Sununus Unterstützung zugeschrieben.
Sununu wird ein lebhaftes Temperament nachgesagt. Eigenen Aussagen
zufolge war er jedoch sehr gut in der
Lage, mit den Mitgliedern des Staatsparlaments
zusammenzuarbeiten.
Er
könne sehr wohl eine kompromißbereite
Haltung einnehmen, wenn dies nötig
sei.
Kritische Verweise auf seine
mangelnde Erfahrung
in Washington
konterte Sununu unlängst wie folgt:
"Einer meiner Pluspunkte besteht darin, daß ich auf beiden Seiten in
Haus und Senat eine Menge guter
Freunde habe. Ich komme sehr gut mit
ihnen aus."
Trotzdem ist Sununu der Meinung,
daß sich hauptsächlich der neue Präsident um die Unterstützung des Kongresses bemühen wird.
"Eine der besten Voraussetzungen
in der Auseinandersetzung mit dem
Kongreß ist ein Präsident, der das
System versteht - er war früher Mitglied des Kongresses - und ein Präsident, der ein gutes Verhältnis zu Republikanern und Demokraten hat", erklärt Sununu.
Und er versichert, daß der Kongreß mit dem Präsidenten am Abbau des
Haushaltsdefizits
zusammenarbeiten

"Der Vizepräsident hat erklärt,
er wolle dabei persönlich die Führung
übernehmen. Und ich denke, in diesem
Bereiche werden Sie viele Aktivitäten
beobachten
...
der
Vizepräsident
selbst wird mit der Führungsspitze
zusammentreffen und die notwendige
Kommunikation einleiten. Meiner Ansicht nach werden Kongreß und Präsident tatkräftig und schnell an der
Bewältigung dieses Problems zusammenarbeiten."
Eine der schwierigsten Kontroversen, denen sich Sununu aussetzte, war
seine Weigerung, sich an der Verurteilung einer Resolution der Vereinten Nationen zu beteiligen, die Zionismus mit Rassismus gleichsetzt.
Als Vorsitzender der Vereinigung der
Gouverneure war er 1986 der einzige
von 50 Gouverneuren, der nicht unterschrieb.
Aber Sununu stellte zahlreiche
Kritiker zufrieden, als er bei einer
Pressekonferenz am 17. November nach
der Ankündigung seiner Ernennung für
das Weiße Haus erklärte, warum er
diese Verurteilung nicht unterschrieben hatte. Er verwies darauf, daß
der Gouverneur eines Staates zwar die
Gelegenheit zum Gedenken an außenpolitische Ereignisse ergreifen kann,
als Vertreter des Bundesstaates aber
keine formelle Zustimmung zu außenpolitischen Erklärungen abgeben sollte.
Aber er erklärte seine Unterstützung für die Verurteilung der UN-Re-

- 2 -

�Solution gegen den Zionismus als einer Angelegenheit der amerikanischen
Außenpolitik. "Die Haltung der Vereinten Nationen muß geändert werden,"
erklärte Sununu.
Sununu wird als Außenseiter in
Washington eine der wichtigsten Positionen innehaben.
Aber er glaubt,
sein Erfolg könnte von seiner Fähigkeit abhägen, im Hintergrund zu wirken. "Vielleicht habe ich Glück und
bleibe in diesem Prozeß unsichtbar,
aber im Hinblick auf den Druck der
Presse denke ich, daß es sich um einen harten Job handelt."
"Aber wenn es mir gelingt, unsichtbar zu bleiben, habe ich viel
geleistet. Der Schlüssel liegt darin, den Präsidenten zu unterstützen
und ihm das Material für Entscheidungen an die Hand zu geben, aus dem er
dann seine eigenen Schlußfolgerungen
ziehen muß. Und wenn ich hinter ihm
zurücktrete, stimmt das Bild."

* * * * * *

- 3

�AMERIKA DIENST
\ ü N

Hintergrundmaterial

^

43

23. November 1933

PRÄSIDENT REAGANS REDE ZUM HANDEL
- Eine Übersicht des Weißen Hauses -

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine am 17. November
vom Weißen Haus herausgegebene Übersicht zu Präsident Reagans Rede aus Anlaß
der "Konferenz über das Erbe der Reagan-Administration" der Chamber of Commerce Foundation:

Präsident Reagan hat heute vor
der National Chamber of Commerce
Foundation erklärt, daß " in keinem
Bereich die Schritte nach vorn so
wichtig für die Zukunft Amerikas und
der Welt sind wie im Welthandel".
Der Präsident umriß die Tagesordnung der Vereinigten Staaten für die
im nächsten Monat in Montreal stattfindende Zwischenbilanz der UruguayRunde des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT).
Die wichtigsten von den Vereinigten Staaten bei
der Uruguay-Runde eingebrachten Vorschläge betreffen die Bereiche Landwirtschaft, Schutz geistigen Eigentums, Dienstleistungen, Investitionen
und Beilegung von Streitigkeiten.
Von

Beginn

an

war

Präsident

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Reagan ein starker Befürworter der
Uruguay-Runde und ihrer Vollendung
innerhalb des in Punta del Este im
Jahr 1986 vorgesehenen Zeitraums von
vier Jahren. Falls eine fristgerechte Beendigung der Verhandlungen nicht
erreicht werden kann, könnte dies
eine gefährliche Wiedergeburt des
Protektionismus zur Folge haben. Die
Zwischenbilanz ist ein bedeutender
Meilenstein auf diesem Weg. Der Präsident erwartet, daß "wir sichergestellen, daß wir uns alle darüber
einig sind, wo der Gipfel ist, welchen Weg wir dahin nehmen und wann
wir dort ankommen wollen".
Bis heute waren die Verhandlungen
über Landwirtschaft besonders schwierig, was weitgehend auf Besorgnis
über den Zeitplan für Reformen und

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�über Nahrungsmittelsicherheit zurückzuführen ist. Der Präsident kündigte
in diesem Zusammenhang eine Politik
der "flexiblen Anpassung" an, der zufoLge die Vereinigten Staaten bei den
Zeitplänen eine flexible Haltung einnehmen werden, falls die anderen sich
bereiterklären, einen Anpassungsplan
zur
Beendigung
handelsverzerrender
Subventionen und Handelsschranken sowie zur Harmonisierung der Gesundheits- und
HygienebeStimmungen
mit
angemessenen internationalen Normen
zu fixieren.
Der Präsident erklärte ferner,
die Vereinigten Staaten seien bereit,
über
"Nahrungsmittelsicherheit"
zu
sprechen.
Dies betrifft die Frage
des Zugangs zu Nahrungsmitteln für
jedes Land nach Abbau der Handelsschranken.
Er erwähnte dabei ausdrücklich staatliche Vorräte, Landaufkäufe und andere Methoden zur Bewältigung des Problems der Nahrungsmittelknappheit als Ergebnis von Natur- und anderen Katastrophen.
Der Präsident betonte ausdrücklich die Kontinuität der amerikanischen Politik in bezug auf die Verhandlungen der Uruguay-Runde und berief sich dabei auf die Unterstützung
des neu gewählten Präsidenten Bush
für die gegenwärtigen Ziele der amerikanischen Politik. Ferner stellte
er fest, daß er und der neu gewählte
Präsident sich vor der am 5. Dezember
beginnenden Zwischenbilanz mit dem
amerikanischen
Handelsbeauftragten
Clayton Yeutter treffen werden.

Schutz geistigen Eigentums - Der
amerikanische
Vorschlag
zum
Schutz geistigen Eigentums betrifft Handelsprobleme im Hinblick auf Nachahmung oder Produktpiraterie. Er erstreckt sich
auf sämtliche Formen von Rechten
an
geistigem
Eigentum,
einschließlich Patenten, Warenzeichen und Geschäftsgeheimnissen.
Dienstleistungen - Der amerikanische Vorschlag zum Welthandel
mit Dienstleistungen - heute der
wichtigste Sektor der amerikanischen Wirtschaft - würde zum
ersten Mal multilaterale Regelungen über den Handel mit Dienstleistungen einführen.
Investitionen und andere Ziele Weitere amerikanische Ziele in
der Uruguay-Runde sind die Erweiterung der GATT-Regeln und Vorschriften
auf
handelsrelevante
Investitionsmaßnahmen, die Ausweitung
des
Zugangs
amerikanischer Exporteure
zu ausländischen Märkten sowie die Verbesserung des GATT-Mechanismus für
die Schlichtung von Streitfällen.

Hintergrund; Allgemeines Zoll- und
Handelsabkommen (GATT)
Die Vereinigten Staaten waren die
treibende Kraft hinter der Gründung
des GATT im Jahr 1947. Es stelLt das
wichtigste multilaterale Forum dar,
durch das die Reagan-Administration
das Welthandelssystem zu verbessern
versucht hat.

Die amerikanische Tagesordnung
1. Landwirtschaft - Der ursprüngliche Vorschlag der Vereinigten
Staaten in bezug auf den Welthandel mit Agrarprodukten fordert
die gänzliche Abschaffung aller
den Agrarhandel verzerrenden Maßnahmen bis zum Jahr 2000. Dies
ist der umfassendste und weitreichendste Vorschlags für die Reform des Weltagrarhandels, der
jemals unterbreitet wurde.

- GATT ist sowohl ein Regelkodex
als auch ein Forum, in dessen
Rahmen Verhandlungen und andere
Arten
von
Handelsgesprächen
stattfinden. Im Januar 1988 waren 96 Staaten, die über vier
Fünftel des Welthandels ausmachen, Vertragsparteien, wie die
Mitglieder bezeichnet werden.

�Die Uruguay-Runde
Sieben
multilaterale
Verhandlungsrunden sind innerhalb des GATT
durchgeführt worden. Die letzte war
die im Jahr 1979 beendete Tokio-Runde.
Am 20. September 1986 trafen
sich die Handelsminister aus 74 GATTStaaten in Punta del Este (Uruguay),
um eine neue Runde multilateraler
Handelsgespräche einzuleiten, die als
Uruguay-Runde bekannt sind.
- Die Verhandlungsstruktur der Uruguay-Runde wurde im Januar 1987
verabschiedet.
Sie besteht aus
speziellen Verhandlungsgruppen in
15 Themenbereichen.
Die erste
Serie von Gruppentreffen begann
im Februar 1987, die zweite Phase
im Januar 1988.
- Im Dezember 1987 wurde zwischen
den GATT-Vertragsparteien vereinbart, zur Halbzeit ein Treffen
auf Ministerebene abzuhalten, um
die im Verlauf der Uruguay-Runde
erzielten Fortschritte zu bewerten.

einigten Staaten hat zu einer Rekord-Beschäftigungsquote
beigetragen. Seit Beginn des heutigen
Wirtschaftsaufschwungs im November 1982 wurden 18,4 Millionen
neue Arbeitsplätze geschaffen.
Die Beschäftigung in der Textilindustrie wuchs allein im Jahr
1987 um 22 000 Arbeitsplätze. In
den vergangenen zwei Jahren stieg
die Beschäftigung in der verarbeitenden Industrie um 768 000.
Die Vereinigten Staaten haben in
den vergangenen fünf Jahren mehr
Arbeitsplätze geschaffen als alle
anderen westlichen Industriestaaten und Japan zusammen. Der Prozentsatz neugeschaffener Arbeitsplätze lag in den Vereinigten
Staaten doppelt so hoch wie in
Großbritannien, dreimal so hoch
wie in Japan, viermal so hoch wie
in der Bundesrepublik Deutschland
und betrug achtmal soviel wie in
Italien.

Beispiellose Schritte gegen unfaire
Handelspraktiken
Bedeutende Fortschritte im
amerikanischen Handel und deren Auswirkungen auf die Beschäftigung
In der heutigen Rede hat Präsident Reagan viele Leistungen seiner
Administration
aufgezählt.
Durch
harte Maßnahmen gegen die unfairen
Handelspraktiken
anderer
Staaten,
durch die Stärkung der Koordinierung
internationaler Handelspolitik sowie
durch Verhandlungen zur Liberalisierung des Welthandels hat die Administration bedeutende Fortschritte im
amerikanischen Handel erzielt.

Die Reagan-Administration war die
erste Regierung, die aus eigenem Antrieb Fälle unfairer Handelspraktiken
gemäß Abschnitt 301 des Handelsgesetzes von 1974 untersucht hat anstatt
auf Beschwerden der Industrie zu warten, wie dies in der Vergangenheit
üblich war. Während der Reagan-Administration
haben
die
Vereinigten
Staaten mehr Fälle unfairer Handelspraktiken geprüft als jede andere Administration in der Geschichte der
Vereinigten Staaten.

- Seit dem dritten Quartal des Jahres 1986 sind die Exporte amerikanischer Waren real um 40 Prozent gestiegen. Ein Großteil des
enormen Anstiegs der amerikanischen Exportaktivität wurde im
Produktionssektor erzielt.

- Seit der Präsident im September
ein energisches Vorgehen gegen
die unfairen Handelspraktiken anderer Staaten ankündigte, hat die
Administration aufgrund der ihr
in
Abschnitt
301
verliehenen
Macht in 26 Fällen Handelspraktiken untersucht.

- Das

- In 20 Fällen führte dieses Vorge-

Exportwachstum

in

den Ver- 3

�hen zu einer Liberalisierung des
Handels.
In acht dieser Fälle
verfügte Präsident Reagan Sanktionen gemäß Abschnitt 301.

Verstärkte wirtschaftspolitische
Zusammenarbeit
Bei aller Bedeutsamkeit dieses
Vorgehens sind den meisten Wirtschaftswissenschaftlern zufolge unfaire Handelspraktiken doch nur für
einen Bruchteil des amerikanischen
Handelsdefizits verantwortlich. Weit
wichtiger ist der Anteil der makroökonomischen Maßnahmen.
- Die
Reagan-Administration
hat
sich energisch darum bemüht, die
internationale
Koordinierung
wirtschaftspolitischer
Maßnahmen
als Mittel zur Reduzierung der
Ungleichgewichte im Handel, zur
Stabilisierung der Devisenmärkte
und Förderung des Wirtschaftswachstums zu stärken.
- Der
Erfolg
dieser
Bemühungen
spiegelt sich in den von der
Gruppe der sieben führenden Industriestaaten (G-7 = USA, Japan,
Frankreich,
Bundesrepublik
Deutschland, Großbritannien, Kanada und Italien) erzielten Vereinbarungen über den grundsätzlichen Kurs ihrer Wirtschaftspolitik wieder sowie in den speziellen Verpflichtungen, die sie
zur Erlangung dieses Ziels eingegangen sind.
- Der gegenwärtige Export-Boom sowie der erhebliche Rückgang des
Handelsdefizits sind unmittelbar
auf die Tatsache zurückzuführen,
daß die Koordinierung der internationalen Wirtschaftspolitik die
amerikanischen Exporte auf einem
wachsenden
Weltmarkt
preislich
extrem wettbewerbsfähig gemacht
haben.

* * * * * *

- 4-

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

43

23. November 1988

HALFAN - EIN NEUES MEDIKAMENT GEGEN MALARIA

- WASHINGTON - (AD) - Trotz der intensiven Bemühungen um die Ausrottung
der Malaria steht das "Sumpffieber" noch immer als Todesursache bei Kindern in
der Dritten Welt an erster Stelle. Etwa drei Millionen Menschen fallen ihm
alljährlich zum Opfer. Maßnahmen zur Ausrottung sowohl der Parasiten-Überträger (Anopheles-MUcken) als auch zur Bekämpfung der Krankheitserreger (Plasmodien) im Blut scheitern letztlich immer wieder an der Bildung resistenter
Stämme dieser Organismen. Einen wirksamen Impfstoff gibt es noch nicht, obgleich schon seit vielen Jahren daran gearbeitet wird.

Der Hartnäckigkeit der Forscher
sind aber immer wieder Teilerfolge zu
verdanken. Als solcher ist auch die
Entwicklung
des Präparates "Halofantrine"
(in der Pharmazie als
"Halfan" bezeichnet) zu werten, mit
dem Malaria noch bekämpft werden
kann, wenn andere Medikamente infolge
Resistenz der Erreger nichts mehr bewirken. Auf dem 12. Weltkongreß für
Tropische Medizin und Malaria in
Amsterdam (Ende September 1988) wurde
ausführlich darüber berichtet. Mitarbeiter des Arzneimittelunternehmens
"Smith Kline and French Laboratories
International", dem Hersteller des
Präparates, sprachen von einer Heilungsrate von mehr als 95 Prozent sowohl bei Infektionen mit Plasmodium
falciparum (Verursacher von 85 Prozent der Malariafälle mit meist töd-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

lichem Ausgang) als auch bei Infektionen mit Plasmodium vivax, dem
zweithäufigsten Erreger.
Dies traf
auch dort zu, wo das bewährte Chloroquin versagt hatte.
Das ursprünglich im Walter Reed
Army-Forschungsinstitut
(Washington)
entwickelte Halfan wurde seit 1986 in
Malawi, Kenia, Gabun, Pakistan, Thailand und auf den Salomon-Inseln klinisch erprobt. Beteiligt waren daran
einheimische Mediziner und Forscher
aus England sowie Mitarbeiter der
Arzneimittelfirma.
Angesichts der
guten Ergebnisse hat Frankreich das
Medikament
inzwischen
zugelassen;
sechs westafrikanische Länder dürften
es noch 1988 freigeben, die weltweite
Freigabe wird bis Ende 1989 erwartet.

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�Halfan ist ein rasch wirksames
Mittel in der Schizontenphase der
komplexen Zyklen bei der Vermehrung
der Parasiten. Es wird in Tablettenform verabreicht - dreimal in zwölf
Stunden je zwei Tabletten zu 250 mg.
Diese Dosis normalisiert die Temperatur des Patienten in 24 bis 36 Stunden und macht das Blut in 36 bis 48
Stunden parasitenfrei.
Für Kinder
ist das Medikament in Form eines Saftes verfügbar. Dennoch sei das Präparat "nicht als endgültige Antwort,
sondern eben nur als wertvolle Hilfe
bei
Resistenzentwicklung
gegenüber
Standardmedikamenten" zu betrachten,
sagte Dr. Paul Klein vom Walter-ReedInstitut. Irgendwann werde es gegen
Halfan ebenfalls Resistenz geben, wie
diese bei Chloroquin und Meflouin,
auf das man vor Jahren viele Hoffnungen setzte, zu beobachten sei. Dennoch erweisen sich mancherorts diese
Präparate noch immer als wirksam.

die mithelfen, zu verhindern, "daß
Menschen den Parasiten bis zum Entwicklungsstadium als Wirt dienen".
Mit Einzelmaßnahmen sei Malaria wohl
nie auszurotten. Sie müsse von vielen Seiten her gleichzeitig attakkiert werden.

Bei der Suche nach einem Impfstoff, mit dem die Krankheit besiegt
werden könnte, arbeitet Dr. Klein zufolge das Walter-Reed-Institut eng
mit der pharmazeutischen Industrie
zusammen.
Bis er gefunden werde,
müsse aber alles erdenkliche unternommen werden, um, angefangen bei der
Bekämpfung der Moskito-Überträger, in
den gesamten Entwicklungs- und Lebenszyklus der Parasiten einzugreifen, wo immer dies nur möglich ist.
Bis Anfang der vierziger Jahre
war Malaria auch in den Vereinigten
Staaten ein Problem. Man habe damals
mit Insektenvernichtungsmitteln, Wasserbaumaßnahmen und Besprühen stehender Gewässer mit Öl zur Ausrottung
von Moskito-Brutstätten sowie mit der
Verabreichung vorbeugender Medikamente an gefährdete Bevölkerungsgruppen
versucht, die Ubertragungsmechanismen
und Entwicklungszyklen zu unterbrechen. Aus heutiger Sicht könne das
allein jedoch nicht bewirkt haben,
daß Malaria in den USA praktisch verschwunden sei, meinte Dr. Klein.
Eine überzeugende Erklärung gebe es
dafür noch nicht. Allerdings komme
Medikamenten doch große Bedeutung zu,
- 2 -

* * * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Vorschläge zum Agrarhandel modifiziert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsident Reagans Rede vor der Amerikanischen &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Handelskammer&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan: USA und Sowjets auf dem Weg zu Abkommen über Kernwaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung zu den Gesprächen über Nuklear- und Weltraumwaffen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Thornburgh bekannt für Härte in der Verbrechensbekämpfung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt von Justizminister Richard Thornburgh&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Cavazos Leistungen führen zu seiner Wiederernennung durch Bush&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des Erziehungsministers Lauro Cavazos&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Darman kehrt in die Regierung zurück&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des neuen Haushaltsdirektors&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sununu bringt konservative Haltung in Führung des Weißen Hauses ein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des designierten Stabschefs John Sununu&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagans Rede zum Handel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Eine Übersicht des Weißen Hauses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Halfan - ein neues Medikament gegen Malaria</text>
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SAfl

AMERIKA DIENST

30. November 1988

44

I N H A L T

INFORMATION
Paul Nltze - Veteran im Staatsdienst
- Porträt des Sonderberaters für Rüstungskontrollfragen Scowcroft bringt große Erfahrung für seinen Posten mit
- Porträt des neuen Nationalen Sicherheitsberaters -

HINTERGRUNDMATERIAL
Entscheidung über Verweigerung von Visum für Arafat
^^fest und endgültig"
- Informationen zur Entscheidung des amerikanischen Außenministeriums Die Verhandlungen Ober Kern- und Weltraumwaffen:
Amerikanische und sowjetische Vorschläge
- Eine Übersicht der ACDA Sowjetische Landstreitkräfte sind der NATO zahlenmäßig weit überlegen
- Artikel zum Bericht über die konventionellen Streitkräfte der NATO "
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Lungenentzündung Haupttodesursache bei Kindern der Dritten Welt
- Besjsere Diagnosekenntnisse erforderlich Superbeschleuniger kommt nach Texas
- Entscheidung über endgültigen Standort im Januar 1989 -

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Information

&amp;

30. November 1988

44

PAUL NITZE - VETERAN IM STAATSDIENST
- Porträt des Sonderberaters für Rüstungskontrollfragen -

WASHINGTON - (AD) - Paul Nitzes Laufbahn In der Regierung umspannt nahezu
ein halbes Jahrhundert und die Amtszeiten von neun Präsidenten, von denen er
den meisten, angefangen mit Franklin D. Roosevelt während des Zweiten Weltkrieges, diente. Aber im Alter von 81 Jahren scheint Nitze nicht an Ruhestand
zu denken. "Ich mache nur meine Arbeit und bewältige einen Tag nach dem anderen", erklärt er dazu.

Er hatte einige Staatsämter inne
und war Marineminister unter John F.
Kennedy, Stellvertretender Verteidigungsminister unter Lyndon Johnson
und ist gegenwärtig Sonderberater von
Präsident Reagan und Außenminister
Shultz für Rüstungskontrolle.
In einem Exklusivinterview mit
einem Vertreter des US-Informationsamtes erläuterte der altgediente Experte für Verteidigung, Rüstungskontrolle
und
Bündnisangelegenheiten
seine vielen Jahre in der Regierung,
die Debatten und Entscheidungen, an
denen er mitarbeitete und die vor uns
liegenden Herausforderungen.
In der Öffentlichkeit wird er zumeist mit dem INF-Vertrag von 1988
und dem ABM-Vertrag von 1972 identi-

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fizert, an deren Ausarbeitung er beteiligt war. Er ist stolz auf diese
Leistungen. Aber er erklärt, ebenso
stolz auf weniger bekannte Beiträge
zu sein, "wie etwa seinen Beitrag zur
Lösung der Kubakrise im Jahr 1962."
Nitzes Einfluß auf die Politik
der Vereinigten Staaten geht jedoch
noch weiter zurück zu der Zeit vor
dem Kalten Krieg. Es war ein Besuch
im Nazi-Deutschland im Jahr 1937, der
sein Interesse an Außenpolitik weckte. Davor wollte der Harvard-Absolvent (1928) Nitze sein Glück in Wall
Street machen, was ihm auch gelang:
Durch geschickte Investitionen wurde
er noch vor seinem 30. Lebensjahr
Millionär.
Aber

die

grausame

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Realität

der

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�Hitler-Diktatur war für ihn niederschmetternd. Kurz nach seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten ging
er wiederum nach Harvard, um sich in
das Studium weltpolitischer Ereignisse zu vertiefen. Im Jahr 1940 nahm
er eine Tätigkeit in der RooseveltAdministration auf. Er blieb während
des Krieges in Washington und arbeitete vor allem an der Untersuchung
über strategische Bombardierungen, in
der die Wirkung von Bombenangriffen
auf feindliche Ziele untersucht wurde.
In den Jahren Trumans gewann er
rasch an Einfluß und ist besonders
stolz darauf, "am Marshallplan mitgearbeitet zu haben" Er war einer der
Autoren der Truman-Doktrin und des
Memorandums Nr. 68 vom Nationalen Sicherheitsrat, mit dem den Vereinigten
Staaten die erhebliche Steigerung ihrer Verteidigungsausgaben empfohlen
wurde. Dieser Vorschlag hat einige
Kritiker dazu veranlaßt, ihn als Vater des Kalten Krieges zu bezeichnen,
ein Etikett, von dem er behauptet, es
sei "eine zu große Auszeichnung".
Nitzes Ansicht nach ist die Verantwortung für den Kalten Krieg einzig und allein Joseph Stalin zuzuschreiben. "Wenn überhaupt, dann waren wir zu nett", erklärt er. Als
einer, der das Gefühl hat, den wahren
Hintergrund von Stalins Ambitionen
eher als die meisten anderen erkannt
zu haben, vertritt Nitze eindeutig
die Ansicht, daß der Schlüssel zur
Erarbeitung einer wirksamen Außenpolitik in der Wahl der richtigen Leute
liegt. Seiner Argumentation zufolge
"hängt sie eher von den Menschen als
von Organigrammen ab".
"Meiner persönlichen Meinung nach
hat dies in der Zeit am besten funktioniert, als Harry Trumann Präsident
und Dean Acheson Außenminister war
und George Marshall in diesem Team
mitarbeitete. Dieses Triumvirat hat
außerordentlich gut zusammengearbeitet.
Obwohl Nitzes scharfer Intellekt
und harte Arbeit den meisten in den

Jahren unter Truman wohl bewußt war,
wurde er nicht in die Eisenhower-Administration berufen. Dies war nicht
der einzige Zeitraum, in dem er aussenpolitisch aktiv war, ohne Mitglied
der Regierung zu sein.
Er wurde auch von Präsident Jimmy
Carter angegriffen, der ihn Berichten
zufolge als arrogant und unflexibel
bezeichnete.
Die Feindschaft zwischen beiden war jedoch nicht rein
persönlicher
Natur.
Nitze
fand,
Carters RUstungskontrollpolitik ließe
einiges zu wünschen übrig. Insbesondere hegte er starke Vorbehalte gegenüber dem SALT II-Vertrag über die
Begrenzung strategischer Rüstungen,
der vom Senat nicht ratifiziert wurde.
Eine
Administration,
auf
die
Nitze gerne zurückblickt, war die von
John
F.
Kennedy.
Nitze
kannte
Kennedy bereits aus seiner Zeit als
Senator und attestierte ihm "Scharfsinn und großes Interesse" an einer
Vielzahl
außenpolitischer
Themen.
Bei der Berlin-Krise und bei Verteidigungsproblemen
leitete
er
für
Kennedy einen Krisenstab und hatte
unter ihm das Amt des Marineministers
inne. Was das Land zu jener Zeit
brauchte, "war der Auftrieb durch einen Angehörigen einer anderen Generation". Ihm zufolge lieferte Kennedy
diesen Auftrieb.
Nitze ist seit 1981 Mitglied der
jetzigen Administration und war in
jeder Hinsicht ein enger Berater des
Präsidenten und Außenministers in
Fragen der Rüstungskontrolle, insbesondere bei den Verhandlungen mit der
Sowjetunion über strategische Waffen
(START) und ein Abkommen über die
Verteidigung im Weltraum. Obwohl er
sich der sowjetischen Intentionen
wohl bewußt ist, hofft er weiterhin
auf ein Abkommen, "wenn auch nicht
vor dem 20. Januar 1989".
Einige seiner Kritiker vertreten
die Ansicht, er sei jetzt zu optimistisch über RUstungskontrollabkommen mit den Sowjets. Aber Präsident
Reagan setzt starkes Vertrauen in ihn

�und betont seine "unvergleichliche
Erfahrung und Fachkenntnis, die weit
über Rüstungskontrolle hinaus bis zu
den Beziehungen zwischen den Supermächten im allgemeinen geht".
Im Hinblick auf die Aussichten
für
die
Ost-West-Beziehungen
ist
Nitze weiterhin von gedämpftem Optimismus geleitet. Es gebe immer noch
zu wenige Beweise, die auf einen
grundlegenden Wandel im internationalen Verhalten der Sowjetunion hindeuteten. "Es ist viel offensichtlicher
zu sehen, was er (der sowjetische
Staats- und
Parteichef
Michail
Gorbatschow) bei Glasnost und Perestrojka unternimmt, als die Modifikationen in der sowjetischen Strategie
einzuschätzen", meint er.
Nitze
ist
andererseits
davon
überzeugt, daß der "enorme Zuwachs an
Gesprächen und Kontakten zwischen der
Sowjetunion und uns" eine der bedeutendsten Leistungen der Reagan-Administration darstellt.
"Hoffentlich
wird sich dies als anhaltende Veränderung im Verhältnis zwischen Ost und
West erweisen", erklärt er.

wirklicht. Bei seinen Kritikern verstärkte dies jedoch den Eindruck,
Nitze werde immer mehr zur Taube, eine Klage, die er schwer verständlich
findet, da er von anderen aufgrund
seiner harten Haltung gescholten wurde. Während söine Amtszeit in der
Reagan-Administration ihrem Ende entgegengeht, ist Nitze jedoch offenkundig befriedigt über seinen Beitrag zu
den Leistungen der Regierung in der
Rüstungskontrolle und über seine Rolle bei der Eindämmung des Wettrüstens
der Supermächte, das schon in den ersten Tagen seines Staatsdienstes vor
über vier Jahrzehnten begonnen hatte.
Ein neues, gerade veröffentlichtes Buch über ihn stellt teilweise
eine Hommage an sein langes Wirken
als führender Nuklearstratege dar.
Es heißt Master of the Game und
wurde von Strobe Talbott verfaßt.
Darin bezeichnet Talbott Nitze als
"die graue Eminenz der nuklearen Diplomatie" seit nahezu 40 Jahren. "Obwohl es mir immer peinlich ist, etwas
über mich selbst zu lesen", erklärt
Nitze, "habe ich das Buch gelesen und
meine, daß es eine faire Darstellung
ist."

Auf die künftigen Herausforderungen möchte Nitze Anfang Dezember eingehen, wenn er zur Überreichung des
Atlantik-Preises 1988 nach Brüssel
reist. Der Preis wird jedes Jahr von
der NATO für den herausragendsten
Beitrag zum Bündnis verliehen.
Nur selten gelangt ein Abrüstungs-Unterhändler sowohl am Broadway als auch in den Geschichtsbüchern
zu Ruhm. Nitze ist eine Ausnahme.
Sein berühmter "Waldspaziergang", den
er im Jahr 1982 in Genf mit seinem
sowjetischen
Verhandlungspartner
Julij Kwizinski unternahm, wurde zum
Thema eines Broadway-Stücks.
Darin
wird der Plan der beiden Männer dramatisiert, für jede Supermacht die
Zahl der Raketenabschußvorrichtungen
auf 75 zu begrenzen und die Stationierung der Pershing II in Europa zu
verhindern.
Die Vereinbarung wurde nicht ver-

- 3-

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Information
^A

30. November 1988

SCOWCROFT BRINGT GROSSE ERFAHRUNG FÜR SEINEN POSTEN MIT
- Porträt des neuen Nationalen Sicherheitsberaters -

WASHINGTON - (AD) - Die Erklärung des neu gewählten Präsidenten Bush, er
habe mit seiner Ernennung von Brent Scowcroft zum Nationalen Sicherheitsbera
ter eine "wichtige Maßnahme" für die Zusammenstellung eines "starken Teams für
nationale Sicherheit" unternommen, wird ihm sicher die Zustimmung der meisten
Beobachter in Washington eintragen.

Der pensionierte Generalleutnant
der Luftwaffe und altgediente Fachmann für sicherheitspolitische Fragen
in Washington wird von einem seiner
Biographen als "gemäßigter, von Konservativen wie Linken respektierter
Republikaner" bezeichnet und ist möglicherweise einer der intelligentesten und fähigsten Regierungsvertreter im Bereich der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten.
Er
diente bereits unter Präsident Ford
als Nationaler Sicherheitsberater.
Scowcroft ist für seine vorsichtige Position in den amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen
bekannt.
Presseberichten zufolge stieß das für
den 7. Dezember geplante improvisierte Treffen von Präsident Reagan, dem
neuen Präsidenten Bush und dem sowje-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

tischen Generalsekretär Gorbatschow
bei ihm auf wenig Zustimmung, und er
besteht in der Regel auf eingehenden
Vorbereitungen von Rüstungskontrollverhandlungen.
Scowcroft wird in verteidigungs
politischen Kreisen in Washington re
spektiert und erhielt 1986 von Präsident Reagan den Auftrag, unter der
Ägide der Tower-Kommission die Rolle
des Nationalen Sicherheitsrates bei
der Iran-Contra Affäre zu untersuchen. 1983 war Scowcroft in die Firma Kissinger Associates, ein internationales
Consultingunternehmen
des
früheren
Außenministers
Kissinger,
eingetreten.
Scowcroft gilt als
Verwaltungsleiter
mit

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vorsichtiger
ausgeprägtem

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�politischem Gespür und der Fähigkeit,
sowohl zu Konservativen als auch zu
Links liberalen guten Kontakt zu pflegen. Er ist ein Theoretiker im Bereich
der
Rüstungskontrolle
und
spricht Russisch.
Scowcroft
ist Mormone, raucht
nicht, trinkt nicht und gilt als ruhig und fleißig. Er ist ein begeisterter Sportler.
Scowcroft wurde 1925 in Ogden
(Utah) geboren, machte 194 7 sein Examen in West Point und schien sich auf
eine Laufbahn als Militärpilot vorzubereiten. Nach einem frühen schweren
Unfall bei einer Übung, verlegte sich
Scowcroft auf eine eher akademische
Laufbahn. Er arbeitete als Verwaltungsbeamter bei der US-Air Force,
legte 1953 an der Columbia University
ein Examen in internationaler Politik
ab und wurde Spazialist für slavische
Sprachen. 196 7 promovierte er ebenfalls in internationaler Politik an
der Columbia University.
Während dieser Zeit hatte Scowcroft verschiedene Positionen in der
Verwaltung und an der Universität inne. Mitte der fünfziger Jahre lehrte
er in West Point russische Geschichte, und in den sechziger Jahren unterrichtete er politische Wissenschaften an der Air Force Academy.
Er diente ferner im Air Force Hauptquartier in Washington in einem Planungsstab und war Dozent am National
War College.
Scowcroft gelang im Pentagon ein
schneller Aufstieg, und wurde 19 73
Präsident Nixons Militärberater. Im
dieser
Eigenschaft
begleitete
er
Nixon auf dessen legendärer Reise
nach China und zeichnete sich insbesondere als geschickter Verhandlungspartner aus, als es darum ging, 1972
in der schwierigen Phase gegen Ende
des Vietnamkrieges Nixons Reise in
die Sowjetunion zu organisieren.

heit.
In dieser Stellung bestand
eine von Scowcrofts Aufgaben darin,
den Präsidenten jeden Morgen über die
jüngsten nachrichtendienstlichen Erkenntnisse im sicherheitspolitischen
Bereich zu informieren.
Presseberichten zufolge, gewann er mit seiner
zurückhaltenden Art Kissinger, der
später große Stücke auf ihn hielt.
1975 wurde er mit Kissingers Zuspruch Präsident Fords Nationaler Sicherheitsberater. In dieser Stellung
- und später auch als Berater der
Carter-Administration - war Scowcroft
an der Formulierung der amerikanischen Position des 19 79 unterzeichneten SALT II-Vertrages beteiligt.
Unter der Reagan-Administration
arbeitete Scowcroft - der vielen
Reagan-Anhängern, die SALT II als einen Fehler betrachteten, als zu liberal galt - nicht direkt in der Administration, sondern erstellte Bewertungen für eine mögliche Stationierung von MX-Raketen und Konzepte zur
Abschreckung und Rüstungskontrolle.
Im Jahr 1984 reiste Scowcroft in
die Sowjetunion und versuchte, dem
damaligen Generalsekretär Tschemenko
eine persönliche Botschaft Präsident
Reagans zu überbringen, wurde aber
nicht empfangen.
Nach dem Besuch
äußerte sich Scowcroft in Erklärungen
an die Öffentlichkeit pessimistisch
über
die
amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen, billigte jedoch beiden
Seiten "gemeinsame Interessen" zu.
Im Rahmen der Iran-Contra-Affäre
leitete Scowcroft für die Tower-Kommission eine eingehende Untersuchung
im Nationalen Sicherheitsrat, die ihren Niederschlag in einem Bericht
fand, der zu dem Ergebnis kam, daß
hier einzelne Personen und nicht der
Aufbau und Auftrag des NSC selbst
verantwortlich zu machen seien.
Scowcroft ist verheiratet und hat
eine Tochter.

1973 wählte Henry Kissinger Scowcroft als Stellvertretenden Berater
des Präsidenten für nationale Sicher- 2 -

* * * * * *

«

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

44

30. November 1988

ENTSCHEIDUNG ÜBER VERWEIGERUNG VON VISUM FÜR ARAFAT "FEST UND ENDGÜLTIG"
- Informationen zur Entscheidung des amerikanischen Außenministeriums -

WASHINGTON - (AD) - Die Entscheidung über die Verweigerung eines Einreisevisums für den Vorsitzenden der Palästinensischen Befreiungsorganisation
(PLO), Jassir Arafat, ist "fest und endgültig" und wird von Außenminister
Shultz "ohne Wenn und Aber getragen", erklärte der Sprecher des amerikanischen
Außenministeriums Charles Redman am 28. November 1988.

"Unsere Entscheidung, für Arafat
keine Ausnahmegenehmigung zu beantragen, gründet sich auf amerikanische
Gesetze, die Politik der Administration und Besorgnis über die Sicherheit amerikanischer Bürger", betonte
Redman, der daran erinnerte, daß er
zu Monatsanfang bereits mitgeteilt
hatte, falls Arafat einen Visumantrag
stelle, werde dieser "streng geprüft".

Im Weißen Haus erklärte dessen
Sprecher, Marlin Fitzwater, auch Präsident Reagan unterstütze diese Entscheidung.
Ihm zufolge habe Shultz
nach Konsultationen mit dem Nationalen Sicherheitsberater Colin Powell
und anderen die Entscheidung über das
Arafat-Visum getroffen und sich anschließend telefonisch mit dem Präsidenten beraten.

"Genau dies ist geschehen. Als
der Antrag eintraf, wurde er vom Aussenminister sehr sorgfältig erwogen.
Er hörte alle Seiten zu diesem Thema
und traf seine Entscheidung", erklärte Redman. "Diese Entscheidung ist
fest und endgültig, und wird vom Aussenminister ohne Wenn und Aber getragen."

"Natürlich hätte der Präsident
diese Entscheidung verwerfen können",
wenn er dies gewollt hätte, sagte
Fitzwater.
"Er wollte es jedoch
nicht, und in der Tat unterstützt der
Präsident diese Entscheidung."

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Embassy of the United States of America

Fitzwater erklärte, die Vereinigten Staaten würden an einer zur Behandlung der Palästina-Frage nach

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Telex: 8-85432

�Genf einberufenen Sondersitzung der
Vollversammlung der Vereinten Nationen teilnehmen, falls diese - wie von
einigen vorgeschlagen - stattfinde.
Nach den Gründen hierfür gefragt,
antwortete Fitzwater:
"Um nochmals
zu betonen, daß unsere Ablehnung einer Aussetzung der bestehenden rechtlichen Regelungen zwecks Gestattung
der Einreise von Jassir Arafat in unser Land nichts mit den Vereinten Nationen zu tun hat - daß wir keinerlei
Erklärung über die UNO abgegeben haben, sondern über Herrn Arafat und
die Terrorakte der Palästinensischen
Befreiungsorganisation."
Redman nannte eine solche Sitzung
"unnötig", erklärte jedoch, die Vereinigten Staaten würden sich einem
solchen Schritt nicht widersetzen.
Auf Fragen zu dem Beschluß über
Arafat antwortete Fitzwater:
"Ich
meine, wir müssen hier auf die Terrorakte verweisen, die sowohl kürzlich als auch in den vergangenen Monaten stattgefunden haben - am bekanntesten sind wohl die Aktionen des
Abu Abbas, der Mitglied des Exekutivrats der PLO ist und von einem italienischen Gericht für seine Beteiligung an der Ermordung von Leon Klinghoffer im Oktober 1985 in Abwesenheit
zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe
verurteilt wurde. (Anhänger von Abu
Abbas entführten das Kreuzfahrtschiff
"Achille Lauro" und erschossen Klinghoffer, einen an den Rollstuhl gefesselten amerikanischen Juden, und warfen ihn über Bord.) ... Es gibt eine
Reihe weiterer Beispiele für von der
PLO geförderten und von Jassir Arafat
gebilligten Terrorismus, die zu dieser Entscheidung geführt haben."
Auf die Frage, warum israelische
RegierungsVertreter trotz der Ermordung von Palästinensern in den israelisch besetzten Gebieten in die Vereinigten Staaten einreisen dürfen,
antwortete Fitzwater, "wir können
nicht alle anderen Gewaltakte auf der
Welt unter dem Aspekt dieses einen
Falles betrachten. Wir beklagen die

Gewalt auf beiden Seiten im Westjordanland und im Gaza-Streifen. Wir
haben diese Position mehrfach eindeutig klargestellt und unerschütterlich
daran festgehalten. Das Problem, mit
dem wir uns konfrontiert sehen, ist
jedoch der Auftritt von Jassir Arafat
in den Vereinigten Staaten."
Während einer längeren Pressekonferenz betonte Redman wiederholt, daß
die Gründe für die Verweigerung eines
amerikanischen Visums für Arafat mit
der Bekanntgabe von Außenminister
Shultz's Entscheidung in einer Erklärung vom 26. November 1988 im einzelnen erörtert wurden.
"Diese Erklärung macht eindeutig
einen Unterschied zwischen der Erteilung eines Visums und den Gründen,
aus denen der Außenminister sich gegen die Erteilung einer Ausnahmegenehmigung entschieden hat" sowie der
Frage des Friedensprozesses im Nahen
Osten, der Palästina-Frage und der
ganzen Bandbreite von Themen, "die,
wie die Erklärung eindeutig klargestellt hat, von den Vereinigten Staaten weiterhin uneingeschränkt unterstützt werden und für die sie eintreten" , führte der Sprecher des Weißen
Hauses aus.
"Es handelt sich hierbei um zwei
getrennte Probleme", erklärte Redman.
"Einerseits geht es um die Frage des
Visums, und diese Entscheidung wurde
aus
Sicherheitsgründen
getroffen.
Dann geht es um ein anderes Problem,
und das ist die Erörterung der Palästina-Frage vor den Vereinten Nationen."
"Wir stehen der Anhörung des Palästina-Problems vor den Vereinten
Nationen nicht ablehnend gegenüber.
Es handelt sich hierbei um eine wichtige Angelegenheit und dies wurde in
unserer Erklärung vom 26. November
deutlich klargestellt", fuhr er fort.
Es gibt PLO-Sprecher, die ihre Position in New York frei zum Ausdruck
bringen können.
Wir haben dagegen
keine Einwände. Jeder Vorschlag zur
Einberufung einer Vollversammlung der

�Vereinten , Nationen in Genf erübrigt
sich somit, da die PLO derzeit in der
Lage ist, ihre Ansichten vor der UNVollversammlung in New York vorzubringen."
"Daher würden wir einen solchen
Schritt weder begrüßen noch ablehnen", erklärte Redman.
Der Sprecher des Außenministeriums betonte, die vom Außenministerium veröffentlichte Erklärung vom
26. November "ist ein eindeutiges Bekenntnis der tiefgreifenden Besorgnis
über Terroranschläge und Organisationen, die den Terrorismus unterstützen
und in diesem Fall über Jassir Arafat
als Führer der PLO".
Alle von PLO-Mitgliedern eingegangenen Visaanträge werden "von Fall
zu Fall" entschieden, fuhr Redman
fort und stellte fest, den Mitgliedern der PLO-Vertretung in New York
sei "routinemäßig" ein Visum erteilt
worden. "Aber in diesem Fall handelt
es sich um eine andere Person - eine
Person, die Vorsitzender der Organisation ist", führte der Sprecher des
Außenministeriums aus.
Er betonte, die Vereinigten Staaten stimmten nicht mit einer von den
Vereinten
Nationen
herausgegebenen
Erklärung überein, der zufolge die
Entscheidung, Arafat ein Einreisevisum zu verweigern, eine Verletzung
des 1947 geschlossenen UN-Headquarters Agreement bedeute.
"Die Vereinigten Staaten erkennen
an, daß sie durch das Headquarters
Agreement verpflichtet sind, den Mitgliedern der PLO-Vertretung ungehinderten Zugang zu Sitzungen der UN zu
gewähren.
Solchen
Personen wurde
routinemäßig eine Ausnahmegenehmigung
für ein Visum erteilt, und seit 1975
ist eine PLO-Vertretung bei den Vereinten
Nationen
tätig",
erklärte
Redman.
"Das
Headquarters
Agreement
zwingt uns jedoch nicht, jeder von
den Vereinten Nationen eingeladenen

Person die Einreise in die Vereinigten Staaten zu gewähren", fuhr er
fort. "Wie in unserer Erklärung vom
26. November angedeutet, haben die
Vereinigten Staaten ihre Annahme des
Headquarters Agreement davon abhängig
gemacht, daß sie zur Gewährleistung
ihrer eigenen Sicherheit das Recht in
Anspruch nehmen können, sich die Einreise von Ausländern vorzubehalten,
die in Beziehung zu den Vereinten Nationen stehen oder von ihnen eingeladen sind".
"Als Folge dieses Vorbehalts haben die Vereinigten Staaten in der
Vergangenheit von ihrem Recht Gebrauch gemacht, denjenigen Personen
die Einreise zu verweigern, die eine
Bedrohung für ihre Sicherheit darstellen", erklärte er.
Redman verwies darauf, daß in den
achtziger Jahren "einer Reihe von
Vertretern des Iran", die zu den Vereinten Nationen reisen wollten, amerikanische Visa verweigert wurden.
Unsere nationale Sicherheit gründet sich nicht allein auf die Bedrohung für unsere New Yorker Bürger",
erklärt er.
"Wenn wir den Schutz
amerikanischer Bürger erörtern und
über die Bedrohung des Terrorismus
reden, geht dies über die Grenzen einer einzelnen Stadt hinaus."
Auf die Frage nach Behauptungen
einiger
Vertreter
aus dem Nahen
Osten, die Vereinigten Staaten hätten
eine Chance verspielt, die PLO zu einer gemäßigteren Haltung zu ermutigen, um die Möglichkeit für eine
Friedensregelung zu verbessern, betonte der Sprecher, hier handele es
sich um "zwei unterschiedliche Probleme" .
"Zu dem Problem, daß die PLO zu
Schritten in die richtige Richtung
ermutigt werden soll, habe ich nach
der Tagung des Palästinensischen Nationalrates Stellung genommen und auf
die Ergebnisse insbesondere dieses
Treffens
hingewiesen",
bemerkte
Redman.
"Was den Friedensprozeß im

- 3 -

�allgemeinen betrifft, so arbeiten wir
sehr hart daran".
"Es gibt wahrscheinlich kein anderes Land auf der Welt, das ebenso
viel für den Friedensprozeß getan hat
wie die Vereinigten Staaten", erklärte er. "Und wir haben sicherlich die
besten Absichten, dies auch weiterzuführen" .
Dennoch, so betonte Redman, "gibt
es noch andere Probleme auf der Welt.
Eines der wichtigsten ist der Terrorismus. Und das ist das Problem, dem
wir uns bei der Bearbeitung dieser
Bitte um eine Einreisegenehmigung gegenübersehen" .
Bei der Behandlung des Terrorismus, so Redman, machen Begriffe wie
"Ermutigung oder Mißbilligung" keinen
Sinn.
Es mache ebenfalls keinen
Sinn, darauf hinzuweisen, daß ein
Preis für die Mäßigung beim gegenwärtigen Kampf gegen Terrorismus gezahlt
werden muß.
"Die Gemeinschaft aller Länder
der Welt versteht jetzt, daß Terrorimus keinen Platz hat", so der Sprecher. "Er wird immer wieder vorkommen, aber es besteht auf internationaler Ebene ein Konsens darüber, daß
Terrorimus auf der Welt keinen Platz
hat".

* * * * * *

- 4

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial
30. November 1988

44

DIE VERHANDLUNGEN ÜBER KERN- UND WELTRAUMWAFFEN:
AMERIKANISCHE UND SOWJETISCHE VORSCHLÄGE
- Eine Übersicht der ACDA -

- (AD) - (Die folgende Übersicht "Kern- und Weltraumwaffen: Amerikanische
und Sowjetische Vorschläge" wurde am 22. November 1988 von der amerikanischen
Behörde für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) veröffentlicht.)

GESPRÄCHE ÜBER DIE VERRINGERUNG DER
STRATEGISCHEN WAFFEN (START)

Allgemeine Haltung:
Vereinigte Staaten - 50prozentige
stufenweise Reduzierung strategischer
Offensivwaffen bis auf einen beiderseitigen Gleichstand innerhalb von
sieben Jahren nach Inkrafttreten des
Vertrags.
Sowjetunion - 50prozentiger Abbau
der strategischen Offensivwaffen auf
einen beiderseitigen Gleichstand in
zwei Phasen innerhalb von sieben Jahren nach Inkrafttreten des Vertrags,
mit nachfolgenden Verhandlungen über
eine weitere Reduzierung.

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Embassy of the United States of America

Vereinigte Staaten - Das Abkommen
ist nicht abhängig von der Lösung von
Problemen bei der Verteidigung im
Weltraum.
Es können jedoch keine
weiteren
RUstungskontrollabkommen
über strategische Waffen mit der Sowjetunion abgeschlossen werden, solange diese nicht ihre Verletzung des
ABM-Vertrages unter besonderer Berücksichtigung des Radars von Krasnojarsk auf eine verifizierbare Art
und Weise, die amerikanischen Kriterien entspricht, einstellt.
Sowjetunion - Durchführung der
50prozentigen
Reduzierung
abhängig
von der Problemlösung bei der Weltraumverteidigung .

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�Trägersysteme;

Schwere ICBMs:

Vereinigte Staaten - Obergrenze
von 1 600 für die Zahl der strategischen offensiven Trägersysteme; dazu gehören die stationierten Interkontinentalraketen (ICBMs), die stationierten U-Boot-gestützten ballistischen Raketen (SLBMs) und die schweren Bomber.

Vereinigte Staaten - Begrenzung
auf 1 540 Gefechtsköpfe auf 154 stationierten schweren ballistischen Raketen. Verbot der Produktion, Flugerprobung oder Modernisierung neuer
oder bereits bestehender Typen von
schweren ICBMs.

Sowjetunion
Obergrenze
von
1 600 strategischen offensiven Trägersystemen; dazu gehören die stationierten
Abschußvorrichtungen
für
ICBMs und SLBMs sowie die stationierten schweren Bomber.

Sowjetunion
Begrenzung
auf
1 540 Gefechtsköpfe auf 154 stationierten schweren ICBMs. Produktion,
Flugerprobung oder Modernisierung bereits bestehender Typen von schweren
ICBMs gestattet. Entwicklung, Erprobung und Stationierung neuer Typen
von schweren ICBMs verboten.

Gefechtsköpfe;
Wurfgewicht:
Vereinigte Staaten - Obergrenze
von 6 000 Gefechtsköpfen, einschließlich der stationierten Gefechtsköpfe
auf ICBMs und SLBMs sowie luftgestützten, nuklear bewaffneten Marschflugkörpern
längerer
Reichweite
(ALCMs); jeder nur mit Freifallbomben
und Angriffsraketen kurzer Reichweite
(SRAMs) ausgerüstete schwere Bomber
zählt als ein Gefechtskopf.
Sowjetunion - Identisch mit der
Position der Vereinigten Staaten.

Vereinigte Staaten - Das Gesamtwurfgewicht sowjetischer ICBMs und
SLBMs wird auf 50 Prozent ihres am
31. Dezember 1986 bestehenden Wurfgewichtniveaus verringert. Keine Seite
wird während
der Vertragslaufzeit
dieses Niveau überschreiten.
Sowjetunion - Im Prinzip identisch mit der amerikanischen Position, jedoch Reduzierung aufgrund des
Wurfgewichtniveaus bei Vertragsunterzeichnung.

Untergrenzen bei Gefechtsköpfen:
Vereinigte Staaten - Untergrenzen
von 4 900 Gefechtsköpfen auf ballistischen Raketen und 3 000 bis 3 300
ICBM-Gefechtsköpfe.
Sowjetunion - Untergrenze von
4 900 Gefechtsköpfen auf ballistischen Raketen; falls eine Untergrenze
von
3 300
ICBM-Gefechtsköpfen
festgelegt wird, muß ebenfalls eine
Untergrenze von 3 300 SLBM-Gefechtsköpfen vereinbart werden. Untergrenze von 1 100 Bomber-gestützten Gefechtsköpfen.

Gefechtsköpfe auf ballistischen
Raketen:
Vereinigte Staaten - Für bereits
bestehende Typen wird eine bestimmte
Anzahl von Vor-Ort-Inspektionen vereinbart, um zu überprüfen, ob die
stationierten Raketen nicht mehr als
die beim Washingtoner Gipfeltreffen
vereinbarte Zahl von Gefechtsköpfen
enthalten.
Sowjetunion - Für bereits bestehend und künftige Typen wird eine bestimmte Anzahl von Vor-Ort-Inspektionen vereinbart, um zu überprüfen, ob
die stationierten Raketen nicht mehr
als die vereinbarte Zahl von Gefechtsköpfen enthalten.
Für beste-

- 2 -

�hende Typen wurde deren Zahl beim
Washingtoner Gipfeltreffen vereinbart.
Vereinigte Staaten - Für künftige
Typen sowie für Veränderungen in der
Zahl von Gefechtsköpfen auf bestehenden Typen müssen neue Verfahrensweisen vereinbart werden.
Sowjetunion - Keine Angaben.

geschriebenen ALCMs soll der maximalen Anzahl entsprechen, für die jeder
Typ ausgerüstet ist. Nuklear bewaffnete ALCMs sollen durch die vorgeschlagene Untergrenze von 1 100 für
alle von Bombern getragenen Gefechtsköpfe begrenzt werden.

SLCMs;

Mobile ICBMs:
Vereinigte Staaten - Verboten,
falls
Verifizierungsprobleme
nicht
gelöst werden können. In diesem Fall
strikte Begrenzung der zu vereinbarenden Zahl von Gefechtsköpfen.
Sowjetunion - Erlaubt, mit Begrenzung von Abschußvorrichtungen und
Gefechtsköpfen.

Schwere Bomber;
Vereinigte Staaten - Jeder schwere Bomber zählt wie ein strategisches
Trägersystem (SNDV).
Jeder nur für
Freifallbomben und SRAMs ausgerüstete
schwere Bomber würde wie ein Gefechtskopf auf die Obergrenze von
6 000 angerechnet.
Sowjetunion - Identisch mit der
amerikanischen Position.

Vereinigte Staaten - Die Seiten
sollen eine beiderseitig akzeptable
Lösung für die Frage der Begrenzung
der Stationierung nuklear bewaffneter
SLCMs (seegestützte Marschflugkörper)
längerer
Reichweite
ausarbeiten.
Solche Begrenzungen werden die Anrechnung dieser SLCMs auf die Begrenzungen von 6 000 Gefechtsköpfen und
1 600
strategischen
Trägersystemen
nicht berühren.
Beide Seiten verpflichten sich, im Hinblick auf diese
Flugkörper Obergrenzen aufzustellen
und beiderseitig akzeptable und wirksame Methoden der Verifizierung solcher Begrenzungen anzustreben, zu denen die Anwendung Nationaler Technischer Mittel, kooperativer Maßnahmen
und
Vor-Ort-Inspektionen
gehören
könnten. Bis jetzt haben die Vereinigten Staaten noch keine wirksame
Vertifizierungslösung für SLCMs gefunden. Bei Fehlen eines Plans für
die wirksame Verifizierung haben die
Vereinigten
Staaten
vorgeschlagen,
daß beide Seiten nicht bindende Erklärungen über die Anzahl der nuklear
bestückten SLCMs abgeben.

ALCMs;
Vereinigte Staaten - ALCMs werden
als luftgestUtzte, nuklear bewaffnete
Marschflugkörper mit einer Reichweite
von über 1 500 km definiert. Eine
vereinbarte Zahl von ALCMs soll jedem
der für ALCMs ausgerüsteten Bomber
zugeschrieben werden, um auf die
Obergrenze von 6 000 Gefechtsköpfen
angerechnet zu werden.
Sowjetunion
luftgestUtzte,
Marschflugkörper
von über 600 km
der ALCM-fähigen

- ALCMs werden als
nuklear
bewaffnete
mit einer Reichweite
definiert. Die Zahl
schweren Bombern zu-

Sowjetunion - Die Sowjets akzeptieren grundlegende Prinzipien. Besondere Begrenzungen auf 400 für nuklear bewaffnete und 600 für konventionell bewaffnete SLCMs, aber die
Sowjets haben keine wirksamen Verifizierungsmaßnahmen gefunden. Der sowjetische Ansatz würde ferner die
amerikanische
Politik
untergraben,
der zufolge das Vorhandensein atomarer Waffen an irgendeinem bestimmten
Ort weder bestätigt noch dementiert
wird - ein wichtiger Bestandteil der
Abschreckung.

- 3 -

�Verifizierung der Vertragseinhaltung;

zierbare, den amerikanischen Kriterien entsprechende Art und Weise aufgeben.

Vereinigte Staaten - Es müssen
mindestens folgende Regelungen enthalten sein: Datenaustausch vor und
nach Durchführung der Reduzierungen;
Vor-Ort-Inspektionen zur Verifizierung des Datenaustauschs und zur Beobachtung der Beseitigung von Waffen;
dauernde Vor-Ort-Beobachtung von Umkreis sowie Ein- und Ausgängen wichtiger Produktionsstätten; kurzfristig
anberaumte Inspektionen von Orten, an
denen vertraglich begrenzte Systeme
sowohl während als auch nach der Reduzierungsphase
stationiert
sind.
Inspektionen an Orten, an denen eine
Partei heimliche Produktion, Lagerung, Reparatur oder Stationierung
vermutet. Einzelheiten bleiben noch
auszuarbeiten.
Sowjetunion - Im Prinzip identisch mit der amerikanischen Haltung.
Unterschiede bei den Einzelheiten.
Die sowjetischen Regelungen sind für
eine wirksame Verifizierung nicht angemessen.

VERTEIDIGUNG IM WELTRAUM

Allgemeine Haltung:
Vereinigte Staaten - Fragen der
Verteidigung im Weltraum sollen in
einem neuen separaten Vertrag auf der
Grundlage der Gemeinsamen Erklärung
vom Washingtoner
Gipfel behandelt
werden. Die Vereinigten Staaten haben am 22. Januar 1988 einen Vertrag
über Verteidigung im Weltraum im Entwurf vorgelegt. Sie haben die Sowjets erfolglos gedrängt, einen gemeinsamen Vertragsentwurf auszuarbeiten. Mit der Sowjetunion können keine weiteren RUstungskontrollabkommen
über strategische Waffen geschlossen
werden, wenn sie nicht ihre Verletzung des ABM-Vertrages durch das Radar von Krasnojarsk auf eine verifi-

Sowjetunion - Fragen der Verteidigung im Weltraum sollen in einem
neuen separaten Abkommen auf der
Grundlage der Gemeinsamen Erklärung
behandelt werden.
Die Sowjetunion
hat am 22. April 1988 ein Abkommen im
Entwurf unterbreitet.
Die Sowjets
verweigern die Erarbeitung eines gemeinsamen Vertragsentwurfs.

Verpflichtung zur Einhaltung des
ABM-Vertrages
Vereinigte Staaten - Mit dem Abkommen würden sich beide Seiten verpflichten, den ABM-Vertrag in seiner
1972 unterzeichneten Form einzuhalten, gleichzeitig die im Rahmen des
ABM-Vertrages gestattete Forschung,
Entwicklung und Erprobung weiterzuführen und sich in einem bestimmten
Zeitraum nicht zum Zweck der Stationierung oder Erlangung strategischer
Fähigkeiten vom Vertrag zurückzuziehen.
Sowjetunion - Mit dem Abkommen
würden sich beide Seiten zur Beachtung des ABM-Vertrages in seiner 1972
unterzeichneten Form verpflichten und
gleichzeitig die notwendige im ABMVertrag gestattete Forschung, Entwicklung und Erprobung durchführen
und sich während eines bestimmten
Zeitraums (9-10 Jahre) aus keinem
Grund vom ABM-Vertrag zurückziehen.
(N.B.: Die Sowjets legen hier eine
Interpretation des ABM-Vertrages zugrunde, die restriktiver ist als die
1972 von beiden Parteien vereinbarte.)

Aktivitäten in der Phase der Einhaltung
Vereinigte Staaten - Die Vereinigten Staaten haben Inititativen
vorgeschlagen, mit deren Hilfe der
Terminus "notwendige Forschung, Entwicklung und Erprobung, wie sie der
ABM-Vertrag
gestattet"
eindeutiger

- 4 -

�geklärt werden soll.

Regelung nach der Phase des NichtRückzugs

Sowjetunion - keine Vorschläge.
Vereinigte Staaten - Um zu demonstrieren, daß die Erprobung weltraumgestützter Komponenten, die in der
Lage sind, eine ABM-Abfangrakete zu
ersetzen - nach dem ABM-Vertrag gestattet - nicht gleichbedeutend ist
mit der Stationierung solcher Komponenten, sind die Vereinigten Staaten
bereit, diese erlaubte Erprobung nur
von bestimmten ABM-Testsatelliten aus
vorzunehmen. Die Vereinigten Staaten
vertreten die Auffassung, daß die Anzahl von Satelliten, die sich gleichzeitig in der Erdumlaufbahn befinden,
keinesfalls über der realistischen
Anzahl gegebenenfalls stationierter
Systeme liegen sollte. Die Vereinigten Staaten sind der Meinung, daß die
Anzahl von 15 erheblich unter dieser
Grenze liegt.
Sowjetunion - keine Vorschläge.
Vereinigte Staaten - Im Protokoll
über die Berechenbarkeit würde die
Benachrichtung über Tests von Raketenabwehrsystemen im Weltraum festgehalten.
Sowjetunion - Keine Vorschläge.
Vereinigte Staaten - Die Vereinigten Staaten haben ferner vorgeschlagen, daß sich keine Partei auf
der Grundlage des ABM-Vertrages der
Entwicklung, Erprobung oder Stationierung von weltraumgestutzten Sensoren der anderen Partei wiedersetzen
sollte.
Dementsprechend kann jede
Partei weltraumgestützte Sensoren ohne Einschränkung entwickeln, erproben
oder stationieren.
Sowjetunion - Die anfängliche Reaktion der Sowjetunion war ablehnend,
sie hat jedoch Interesse an der weiteren Erörterung dieser Frage geäußert.

Vereinigte Staaten - Eingehende
Gespräche über Stabilität im strategischen Bereich sollen nicht später
als drei Jahre vor Ende des festgesetzten Zeitraums aufgenommen werden,
nach dem - vorbehaltlich anderer Vereinbarungen beider Parteien - jede
Seite ihre Vorgehensweise frei bestimmen kann. Jede der beiden Parteien kann dann frei über die Stationierung einer Raketenabwehr entscheiden und damit über die Beschränkungen
des ABM-Vertrages, denen zufolge die
andere Seite sechs Monate im voraus
schriftlich über eine entsprechende
Absicht benachrichtigt werden muß,
hinausgehen.
(N.B. Die Vereinigten
Staaten streben einen gemeinsamen
Übergang zu einem strategischen System an, das sich eher auf Verteidigung stützt, wenn sich eine effektive
strategische Verteidigung als durchführbar erweist.)
Sowjetunion - Eingehende Gespräche über strategische Stabilität sollen nicht später als drei Jahre vor
Ende des vereinbarten Zeitraums aufgenommen werden. (N.B. Die Sowjets
schlagen als Ziel der Gespräche eine
Vereinbarung über "die weitere Stärkung der strategischen Stabilität"
vor, beide Parteien sollten "die Probleme der ABM-Verteidigung unter Berücksichtigung der neuen Situation
erörtern, die sich aus den Reduzierungen strategischer Offensivwaffen
ergibt".) Im Falle, daß beide Seiten
in ihren Gesprächen nichts anderes
vereinbart haben, kann jede Seite
nach Ablauf des Vertrages selbst ihre
weitere Vorgehensweise im Hinblick
auf den ABM-Vertrag und den STARTVertrag bestimmen, vorbehaltlich der
Einhaltung entsprechender Verfahrensweisen dieser Verträge

Inkrafttreten/Dauer/Bedingungen
Vereinigte Staaten - Das Inkrafttreten ist abhängig vom Inkrafttreten
des START-Vertrages, der Vertrag über

- 5 -

�Verteidigung im Weltraum wäre unbegrenzt gültig, wobei der "bestimmte
Zeitraum"
des
Nicht-Rückzugs
vom
ABM-Vertrag und die Beachtung des
ABM-Vertrages in diesem Zeitraum bis
zur Änderung des Kurses durch eine
der beiden Parteien noch ausgehandelt
werden müßten.
Sowjetunion - Dieses Abkommen
würde gleichzeitig mit dem START-Vertrag in Kraft treten. Die Sowjets
schlagen vor, daß das Abkommen zum
Ende der Nicht-Rückzugs ausläuft.
Der START-Vertrag läuft aus, wenn irgendeine Partei den ABM-Vertrag oder
dieses Abkommen verletzt.

Rücktrittsrecht
Vereinigte Staaten - Die Vereinigten Staaten bestehen darauf, daß
beide Seiten das vom Völkerrecht zugebilligte Rücktrittsrecht beibehalten, auf das sie sich berufen könnten, wenn die höchsten Interessen einer Seite in Gefahr sind. Im Falle
eines
Vertragsbruchs
besteht
das
Recht auf Kündigung oder Aussetzung.
Sowjetunion - Die Sowjets schlagen eine "unbedingte" Verpflichtung
zur Einhaltung vor, derzufolge eine
Partei sich aus keinem Grund vom Abkommen zurückziehen könnte.

Berechenbarkeit
Vereinigte Staaten - Beide Seiten
sollten Möglichkeiten erörtern, um
die Berechenbarkeit der Entwicklung
der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen im strategischen Bereich zu
gewährleisten, unter den Bedingungen
von Stabilität und zum Abbau des Risikos eines Nuklearkrieges. Im Zusammenhang
mit
vertrauensbildenden
Maßnahmen, die für jede Seite die
Programme zur strategischen Verteidigung der jeweils anderen Seite berechenbar machen sollen, haben die Vereinigten Staaten am 15. März 1988 ein
Protokoll über die Berechenbarkeit
vorgelegt, in dem folgende Punkte auf

freiwilliger Basis gefordert werden:
jährlicher Austausch von Statistiken
über Aktivitäten zur strategischen
Verteidigung, gegenseitige Informationsgespräche über die jeweiligen
Bestrebungen
in der strategischen
Verteidigung, .gegenseitige
Besuche
von Forschungseinrichtungen und die
gegenseitige Beobachtung von Tests
zur strategischen Verteidigung. Beide Seiten arbeiten an einem gemeinsamen Entwurf für das Protokoll.
Sowjetunion - Die Sowjets sind
über die Gemeinsame Erklärung vom
Washingtoner Gipfel hinaus nicht näher auf Berechenbarkeit eingegangen.
Die Sowjets haben prinzipiell einige
der von den Vereinigten Staaten vorgeschlagenen vertrauensbildenden Maßnahmen akzeptiert, einschließlich des
Datenaustauschs, der Expertentreffen
und Beobachtung von Tests der strategischen Verteidigung. Dennoch würde
der von den Sowjets am 12. April 1988
unterbreitete Vorschlag zur Verifizierung
solche Maßnahmen zwingend
vorschreiben, um eine Einhaltung des
ABM-Vertrages und des ausgehandelten
Abkommens über Verteidigung im Weltraum sicherzustellen. Darüber hinaus
schlagen sie den Austausch von Informationen zur Klärung zweifelhafter
Situationen vor, ferner Vor-Ort-Inspektionen bestimmter Einrichtungen,
die Anlaß zur Besorgnis bieten und
die Lösung von Fragen der Einhaltung
im
Ständigen
Konsultativausschuß.
Beide Seiten arbeiten an einem gemeinsamen Entwurf für das diesbezügliche Protokoll.

Mittelstreckenraketen
Am 8. Dezember 1987 haben Präsident
Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow in Washington den INFVertrag unterzeichnet. Der amerikanische Senat hat am 26. Mai 1988 eine
zustimmende Resolution verabschiedet,
und beim Gipfeltreffen in Moskau wurden am 1. Juni 1988 Ratifizierungsurkunden ausgetauscht, mit denen der
Vertrag rechtskräftig wurde. Dieser
Vertrag sieht die Beseitigung aller

- 6 -

�amerikanischen und sowjetischen landgestützten
INF-Raketensysteme
der
Reichweite von 500 bis 5 500 Kilometer vor sowie die Abschaffung oderr
Umwandlung entsprechender Einrichtungen innerhalb von drei Jahren nach
Inkrafttreten des Vertrages.
Der
Vertrag verbietet die Herstellung und
Flugerprobung dieser Raketen unmittelbar nach seinem Inkrafttreten.
Nach abgeschlossener Beseitigung wird
der Vertrag alle Einrichtungen der
Stationierung, Lagerung, Wartung und
Herstellung für diese Raketensysteme
verbieten. Der Vertrag sieht die umfassendsten
Verifizierungsbestimmungen in der Geschichte der Rüstungskontrolle wie auch verschiedene Arten
kurzfristiger Inspektion und die Inspektion durch vor Ort stationierte
Expertengruppen vor.
Nach Inkrafttreten
begann die
Verwirklichung der Vertragsbestimmungen.
Im Juli und August wurden
grundlegende
Inspektionen
durchgeführt, um das von jeder Seite gelieferte Datenmaterial über die Anzahl
und den Standort ihrer INF-Raketen
und Einrichtungen zu verifizieren.
Im Rahmen dieser Inspektionen haben
amerikanische Teams 130 sowjetische
Einrichtungen an 115 Standorten in
der Sowjetunion und Stationierungsländern in Osteuropa inspiziert. Die
Sowjetunion hat 31 INF-Einrichtungen
an 21 Orten in den Vereinigten Staaten und Stationierungsländern Westeuropas inspiziert. Jede Seite hat einen ständigen Beobachterposten an den
Ein- und Ausgängen einer Raketenmontage- oder Produktionsstätte auf dem
Territoriums des Vertragspartners bezogen, und im Augenblick werden dort
technische
Überwachungsanlagen
installiert. Seit Beginn der Beseitigung Anfang September haben beide
Seiten im Einklang mit den Vertragsbestimmungen und in Anwesenheit von
Inspektoren der anderen Seite INF-Raketen, Abschußvorrichtungen und entsprechende Ausrüstungsgegenstände demontiert.

* * * * * *

- 7

�AMERIKA DIENST
VON

4

Hintergrundmaterial

30. November 1988

44

SOWJETISCHE LANDSTREITKRÄFTE SIND DER NATO ZAHLENMÄSSIG WEIT ÜBERLEGEN
- Artikel zum Bericht über die konventionellen Streitkräfte der NATO -

WASHINGTON - (AD) - Dem jüngsten Bericht der NATO zufolge hat die Sowjetunion mehr Panzer, Artillerie und Schützenpanzer in Europa stationiert als die
anderen 22 Nationen der NATO und des Warschauer Pakts zusammengenommen.
Der Bericht wurde am 25. November 1988 unter dem Titel Konventionelle
Streitkräfte in Europa: Die Fakten veröffentlicht. In graphischen Darstellungen und Tabellen wird der beträchtliche zahlenmäßige Vorteil im einzelnen
dargestellt, den die Sowjetunion bei den konventionellen Fähigkeiten in der
Region vom Atlantik bis zum Ural aufrechterhält. Dieses Gebiet soll von den
vorgesehenen Verhandlungen über konventionelle Stabilität in Europa (KRK) sowie bei der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) und
den Verhandlungen über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM)
abgedeckt werden.
Mit der Vornestationierung einer solch überlegenen Zahl an Panzern, Artillerie, Hubschraubern, Flugzeugen und Brückenbaugerät steht den Sowjets eine
schnelle, raumgreifende, offensive Kampffähigkeit zur Verfügung, der das Bündnis nichts entgegenstellen kann. Die Mitgliedstaaten der NATO sehen dieses
Ungleichgewicht als den einzigen militärischen Faktor mit der größten destabilisierenden Wirkung in Europa an.
Der NATO-Bericht unterstreicht nicht nur den Vorteil der Sowjetunion gegenüber dem Bündnis bei Panzern, gepanzerten Fahrzeugen und Artillerie, der
beL über zwei zu eins liegt, sondern veranschaulicht auch die zahlenmäßige
Überlegenheit der sowjetischen Waffen und Truppen bei den Streitkräften des
Warschauer Pakts.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Der Bericht stützt sich auf seit Januar 1988 vom internationalen Stab der
NATO zusammengetragene Zahlen aus den 16 Mitgliedstaaten des Bündnisses. Im
Gegensatz zu dem vorliegenden Bericht schloß der letzte, im Jahr 1984 herausgebene Bericht der NATO die Zahlen für Frankreich und Spanien nicht ein.
Mit Veröffentlichung der Daten betont die NATO ihre Verpflichtung zu "Offenheit bei militärischen Angelegenheiten und zunehmender. Transparenz", stellt
der Bericht fest. "Eine vergleichbare Verpflichtung des Ostblocks zu Transparenz wäre ein begrüßenswerter und entscheidender Schritt zur Verbesserung
der Sicherheit in Europa", fährt der Bericht fort.
Da der Warschauer Pakt keine Zahlen zur Verfügung gestellt hat, gründen
sich die Daten über Streitkräfte und Gerät des Warschauer Pakts auf Schätzungen der NATO.
Nachfolgend bringen wir einige der wichtigsten Erkenntnisse des Berichts:
- Kampfpanzer. Die Sowjetunion allein hat 37 000 Panzer. Zusammengenommen verfügen die sechs anderen Nationen des Warschauer Pakts über zusätzliche 14 500 Panzer. Im Gegensatz dazu haben die Vereinigten Staaten
l 800 Panzer, während den anderen NATO-Mitgliedstaaten insgesamt 14 624
Panzer zur Verfügung stehen.
- Schützenpanzer. Die Sowjetunion hat 19 000 Schützenpanzer, während die
übrigen Staaten des Warschauer Pakts über 3 400 verfügen. Die Vereinigten
Staaten besitzen 550; die anderen NATO-Länder 3 603.
- Artillerie. Die Sowjetunion verfügt über 33 000, die übrigen Staaten
des Warschauer Pakts über 10 400 Geschütze. Die Vereinigten Staaten haben
1 100 und die anderen NATO-Mitgliedstaaten 13 358 Geschütze.
- Panzerabwehrwaffen. Die Sowjetunion hat 36 500 Panzerabwehrwaffen zur
Verfügung, die übrigen Staaten des Warschauer Pakts 7 700. Die Vereinigten Staaten haben 3 300 und die anderen NATO-Mitgliedstaaten 14 940.
- Hubschrauber. Die Sowjetunion verfügt über 2 850, die übrigen Staaten
des Warschauer Pakts über 850. Die Vereinigten Staaten haben 700 Hubschrauber, die anderen NATO-Mitgliedstaaten 1 719.
- Ständig vollbemannte Landstreitkräfte. Die Sowjetunion verfügt über
2 200 000 ständig vollbemannte Landstreitkräfte, verglichen mit 890 000
der übrigen Warschauer Pakt-Staaten. Die Vereinigten Staaten haben
216 000, die anderen NATO-Mitgliedstaaten 1 997 593.
- Flugzeuge. Die Sowjetunion verfügt über 6 050 und die übrigen Staaten
des Warschauer Pakts über 2 200 Flugzeuge. Die Vereinigten Staaten haben
800, die übrige NATO 3 177.
Nachfolgend bringen wir eine Auswahl der im Bericht enthaltenen Tabellen
mit nach Ländern aufgelisteten Kampfgerät, das die 16 Mitgliedstaaten der NATO
und die sieben Staaten des Warschauer Pakts im Einsatz haben:

- 2 -

»

[

�Kampfpanzer (1)

Land

Belgien
Kanada
Dänemark
Frankreich
Bundesrepublik
Griechenland
Island
Italien
Luxemburg
Niederlande
Norwegen
Portugal
Spanien
Türkei
Großbritannien
Vereinigte Staaten

Gesamtzahl (2)

320
60
228
1 250
4 330
1 420

Land

Bulgarien
CSSR
DDR
Ungarn
Polen
Rumänien
UdSSR

-

Gesamtzahl (2)
1
3
3
1
3
1
37

800
800
000
300
400
200
000

1 500
-

750
117
66
866
3 000
717
1 800

(1) Beinhaltet folgende Typen: Challenger, M 1, Leopard I und
Leopard II, AMX 30, M 60, Chieftain, Centurion, M 47 und M 48 für die
Mitgliedstaaten der NATO und T 80, T 72, T 64, T 62, T 55/54 und T 10/10M
für die Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts.
(2) Die Gesamtzahlen pro Land beinhalten Kampfpanzer in vollständig
oder teilweise bemannten Einheiten. Die Mitgliedstaaten der NATO haben
insgesamt 5 800 Kampfpanzer gelagert. Der Lagerbestand an Kampfpanzern
der Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts liegt schätzungsweise über dem
der Mitgliedstaaten der NATO.

- 3 -

�Schützenpanzer (1)

Land

Gesamtzahl (2)

Land

Gesamtzahl (2)
.

Belgien
Kanada
Dänemark
Frankreich
Bundesrepublik
Griechenland
Island
Italien
Luxemburg
Niederlande
Norwegen
Portugal
Spanien
Türkei
Großbritannien
Vereinigte Staaten

208
—

750
1 960
100
&amp;
_

Bulgarien
CSSR
DDR
Ungarn
Polen
Rumänien
UdSSR

100
1 100
800
300
1 100
-

19 000

m

585
_
_
_
_

550

(1) Beinhaltet folgende Typen: Marder^ AMX 10P, M 2 (Bradley) und
YPR 765 (25 mm) für die Mltglledstaaten der NATO und BMP 1/2 und BMD 1
für die Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts.
(2) Die Gesamtzahlen pro Land beinhalten Schützenpanzer in vollständig oder teilweise bemannten Einheiten. Die Mitgliedstaaten der NATO
haben insgesamt 575 Schützenpanzer gelagert; Die entsprechende Zahl für
die Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts liegt schätzungsweise über der
für die Mitgliedstaaten der NATO angegebenen Zahl.
(3) Schützenpanzer und andere gepanzerte Kampffahrzeuge können der
folgenden Tabelle entnommen werden, die in zweiter Linie als Plattform
für Panzerabwehrsysteme dienen, auf die auch in der Tabelle über Panzerabwehrwaffen Bezug genommen wird.

�Artillerie

Einschließlich Artillerie, Mörsern und Mehrfach-Raketenwerfern mit
Rohrdurchmesser von 100 mm und darüber.

Land

Gesamtzahl (1)

Land

Gesamtzahl (1)

Belgien
Kanada
Dänemark
Frankreich
Bundesrepublik
Griechenland
Island
Italien
Luxemburg
Niederlande
Norwegen
Portugal
Spanien
Türkei
Großbritannien
Vereinigte Staaten

248
35
542
780
2 220
1 752

Bulgarien
CS SR
DDR 1 700
Ungarn
Polen
Rumänien
UdSSR

2 000
2 100

-

800
2 500
1 300
33 000

2 100
-

667
522
260
1 038
2 800
394
1 100

(1) Die Gesamtstärke pro Land beinhaltet vollständig oder teilweise
bemannte Einheiten. Die Mitgliedstaaten des Nordatlantischen Bündnisses
besitzen insgesamt 2 870 gelagerte Artilleriegeschütze. Die geschätzte
Zahl der von den Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts gelagerten Artilleriegeschütze übertrifft die der NATO-Mitgliedstaaten.

5 -

�Panzerabwehrwaffen
Beinhaltet auf Fahrzeugen montierte und nicht auf Fahrzeugen montierte Abschußvorrichtungen für Panzerabwehr-Lenkflugkörper, Panzerabwehrgeschütze sowie rückstoßfreie Gewehre. Schützenpanzer sowie Hubschrauber,
deren primäre Rolle nicht der Panzerabwehr dient, die aber mit Panzerabwehr-Lenkflugkörpern ausgerüstet sind, werden ebenfalls aufgeführt. (1)

Land

Gesamtzahl (1) Land

Belgien
Kanada
Dänemark
Frankreich
Bundesrepublik
Griechenland
Island
Tta1ien
Luxemburg
Niederlande
Norwegen
Portugal
Spanien
Türkei
Großbritannien
Vereinigte Staaten

518
45
330
1 460
1 710
2 267

Bulgarien
CSSR
DDR 1 700
Ungarn
Polen
Rumänien
UdSSR

-

Gesamtzahl. (1)

500
2 000
800
2 000
70Q
36 500

i—i

2 200
6
674
550
362
1 222
2 400
196
3 300

(1) Hie Gesamtzahl der Schützenpanzer und Hubschrauber, die aufgrund
ihr-er Sekundärrolle als Plattformen für Panzerabwehrwaffen aufgeführt
sin", beträgt für die Mitgliedstaaten der NATO 2 400 Systeme sowie für
die Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts 23 000 Systeme. Diese Schützenpanzer und Hubschrauber werden ebenso in den jeweiligen Tabellen aufgeführt.
(2) Die Gesamtstärke pro Land beinhaltet Panzerabwehrwaffen in vollständig oder teilweise bemannten Einheiten. Die Mitgliedstaaten der NATO
haben insgesamt 2 700 Panzerabwehrwaffen gelagert. Die geschätzte Zahl
der von den Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts gelagerten Panzerabwehrwaflren übertrifft die der NATO-Mitgliedstaaten.

- 6 -

�Hubschrauber
Beinhaltet mit Panzerabwehr-Lenkflugkörpern sowie Maschinengewehren
ausgerüstete Angriffshubschrauber und Transporthubschrauber.

Land

Belgien
Kanada
Dänemark
FrankreIch
Bundesrepublik
Griechenland
Island
Italien
Luxemburg
Niederlande
Norwegen
Portugal
Spanien
Türkei
Großbritannien
Vereinigte Staaten

Gesamtzahl (2) Land

-

Bulgarien
CSSR
DDR
150
Ungarn
Polen
Rumänien
UdSSR

270
554
64
-

Gesamtzahl (2)

100
200
100
200
100
2 850

170
-

54
-

160
160
287
700

(1) Die Gesamtstärke pro Land beinhaltet Hubschrauber in vollständig
oder teilweise bemannten Einheiten. Die Mitgliedstaaten der NATO haben
insgesamt 180 Hubschrauber dieser Kategorie gelagert. Die geschätzte
Zahl der von den Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts gelagerten Hubschrauber übertrifft die der NATO-Mitgliedstaaten.
(2) Hubschrauber, die als Plattformen für Panzerabwehr-Waffensysteme
eingesetzt werden, sind ebenso in der Tabelle "Panzerabwehrwaffen" aufgeführt.

- 7 -

�Mannschaften
Dazu zählen die Angehörigen der Landstreitkräfte einschließlich der
Soldaten im Heer, die Pflichten der landgestützten Luftverteidigung übernehmen. Dazu gehören ferner Angehörige von Stabseinheiten sowie von Einheiten zur allgemeinen Unterstützung und andere Truppen des Verteidigungsministeriums, aber keine paramilitärischen Einheiten.

Land

Gesamtzahl

Land

Gesamtzahl

Belgien
Kanada
Dänemark
Frankreich
Bundesrepublik
Griechenland
Island
Italien
Luxemburg
Niederlande
Norwegen
Portugal
Spanien
Türkei
Großbri tannien
Vereinigte Staaten

68
5
20
267
35i
116

Bulgarien
CSSR
DDR 120 000
Ungarn
Polen
Rumänien
UdSSR

135 000
145 000

000
000
540
000
800
900

-

297 000
695
68 000
25 059
46 949
210 000
380 000
140 560
216 000

80 000
230 000
180 000
2 200 000

�Struktur
Dazu zählen die aktiven Kampf- und Artilleriedivisionen sowie unabhängige Kampf- und Artilleriebrigaden, die gegenwärtig mit etwa 5 Prozent
ihrer Kriegstärke bemannt sind.

Aktive Kampf- und Artilleriedivisionen

Land
(NATO)

auf nationalem
Territorium

Belgien
Kanada
Dänemark
Frankreich
Bundesrepublik
Griechenland
Island
Italien
Luxemburg
Niederlande
Norwegen
Portugal
Spanien
Türkei

1
2
12
12
12
2 2/3
5
13
1
-

Großbritannien

Vereinigte Staaten

außerhalb
nat. Terrotoriums

2
15
12
12

1/3
5
13
4
4

3
4

(Warschauer Pakt)

Bulgarien
CSSR
DDR
Ungarn
Polen
Rumänien
UdSSR

8
11

6

6
13
10
125

31

0
11
6
6
13
10
156

Insgesamt

�Aktive unabhängige Kampf- uod Artlllerlebrlgaden

Lan^
(NATO)

Belgien
Kanada
Dänemark
Frankreich
Bunilesrepubli k
Griechenland
Island
Italien
Luxemburg
Niederlande
Norwegen
Portugal
Spanien
Türkei
Grotßbritannien
Vereinigte Staaten

auf nationalem
Territorium

1
-

außerhalb
nat. Territoriums
1
1

1
-

2

1

4
11

-

-

11

24
-

1
5
8
23
6
—

24
-

\
2
5

23
8
5

(Warschauer Pakt)

Bulgarien
CSS^
DDR
Ungarn
Polen
Rumänien
UdSSR

6
3
1
4
7
5
9

I
1
4
7
5
17

Insgesamt

�Kampfflugzeuge (1)

Land

Belgien
Kanada
Dänemark
Frankreich
Bundesrepublik
Griechenland
Island
Italien
Luxt;mlurg
Niederlande
Norwegen
Portugal
Spanien
Türkei
Großbritannien
Vereinigte Staaten

Insgesamt
(3,4,5)

Land

Insgesamt

144
40
87
450
547
319

Bulgarien
CSSR
DDR 350
Ungarn
Polen
Rumänien
UdSSR

(2,3,4,5)

-

250
400
150
700
350
6 050

250
-

162
78
99
186
370
445
800

(1) Dazu gehören die folgenden Kampfflugzeuge: Bei den Mitgliedsländern des Nordatlantischen Bündnisses: F-16, F-4, F-5, NF-5, F-104,
F-100, F-18, CF-18, F-lll, F-35/RF-35, T-2E, A-7/TA-7, A-10, Alphajet,
G-91, Buccaneer, Harrier, Jaguar, Mirage Fl/3/5, Tornado, F-15, Mirage
2000, Lightning, RF-4, TR-1, C-212, PD808, EF-111, EC-130HY, DC-8
Sarigue, C-160 Gabriel, RF-5, RF-16, RF-84, Hunter, Canberra.
Für die Mitgliedstaaten des Warschauer Paktes: MiG-15, MiG-17,
MiG-21, MiG-23, MiG-25, MiG-27, MiG-29, MiG-31, SU-7, SU-15, SU-17,
SU-22, SU-24, SU-25, SU-27, YAK-28, YAK-28P, L-29, L-39, IL-28, AN-12,
TU-16, TU-22, TU-128, TU-22M.
(2) Dazu zählt der TU-22M (Backfire), wie er für Missionen im Gebiet
zwischen Atlantik und Ural eingesetzt werden kann. Er kann jedoch ebenfalls als Interkontinentalbomber eingesetzt werden und ist gegenwärtig
Thema der START-Verhandlungen.
(3) Dazu gehören landgestützte Marineflugzeuge.
(4) Die Gesamtzahlen betreffen Kampfflugzeuge in Einheiten. Die
Mitglledstaaten des Nordatlantlschen Bündnisses lagern insgesamt 530
Kamp fflugzeuge. Die entsprechende Zahl für die Mitgliedsstaaten des
Warschauer Paktes wird höher geschätzt als die der NATO-Mitgliedsstaaten.
(5) Einsatzfähige Ubungsflugzeuge sind in den Gesamtzahlen nicht
enthalten. Sie machen insgesamt für die NATO etwa 530 Flugzeuge aus und
für die Mitgliedstaaten des Warschauer Paktes über 5 700.

* * * * * *

- 11 -

�AMERIKA DIENST
VON

*

Wissenschaft und Technik

44

30. November 1988

LUNGENENTZÜNDUNG HAUPTTODESURSACHE BEI KINDERN DER DRITTEN WELT
- Bessere Diaenosekenntnisse erforderlich -

IRVINE, KALIFORNIEN - (AD) - Die biologischen Ursachen und die Epidemiologie akuter Infektionskrankheiten der Atmungsorgane bei Kindern in der Dritten
Welt war Hauptthema einer Konferenz in Irvine (Kalifornien).
Bei der Erörterung der ersten,
seit 1982 laufenden multinationalen
Studie zu diesem Fragenkomplex wur le
offenbar, daß Infektionen der Atmungsorgane, insbesondere Lungenentzündungen, inzwischen sogar häufiger
als Todesursachen in Frage kommen a's
Durchfall
verschiedener
Ursachen.
Jährlich sterben etwa v*cr Millionen
Kinder unter fünf Jahren, die meisten
in Ländern der Dritten Welt, an solchen Infektionen.
Die unter der Regie der amerikanischen Nationalen Akademie der
Wissenschaften durchgeführten Studie
wird vom amerikanischen Amt für Internationale Entwicklung (AID) finanziert.
Man will di&lt;.' Ursachen für
diese Infektionen herausfinden und
Risikofaktoren ermitteln, die wahrscheinlich daran beteiligt sind, daß
Kinder erkranken.
Die Entwicklung

United States Information Service
Embassy of the United States of America

von Programmen zur Gesundheitspolitik
der Länder in diesem Teil der Welt
zählten ebenso zu Aufgaben der Studie
wie das Ausfindigmachen von Möglichkeiten zur Vorbeugung und zur Heilung
akuter Atemwegsinfektionen.
In 12
Ländern wurden Tausende von Müttern
und Kindern untersucht.
Einbezogen
sind Argentinien, Bangladesch, Brasilien, Guatemala, Kenia, Kolumbien,
Nigeria, Pakistan, Papua-Neuguinea,
die Philippinen, Thailand und Uruguay. Ende 1989 soll die Studie endgültig abgeschlossen werden, die Veröffentlichung der Ergebnisse in amerikanischen Fachzeitschriften dürfte
in etwa sechs Monaten beginnen.
Die Teilnehmer am Symposium - 64
Ärzte und Verwaltungsfachleute aus 15
Ländern - kamen zu dem Schluß, daß
die Krankheitserreger überall ähnlich
seien.
Bei den Viren habe man es

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�hauptsächlich mit Synzytium-Viren in
Atmungsorganen, mit Parainfluenza-Viren vom Typ 1 und 3, mit Influenzaviren vom Typ A und B und nit Adenoviren zu tun. Bei den Bakterien handle
es sich um "Streptococcus pneumoniae"
und um die drei Haemophilus-Typen.
Die Häufigkeit der Atemwegserkrankungen bei Kindern unter fünf Jahren sei
bei Kindern in Industrieländern und
Ländern der Dritten Welt ziemlich
gleich. Aber die Schwere der Erkrankung sei bei letzteren größer, die
Todesrate um bis zu 50 Prozent höher.
Risikofaktoren ergäben sich vor allem
durch Unterernährung, schlechte hygienische Verhältnisse und übervolle
Schlafräume. Bei armen Familien liege auch die Pflege im argen, weil die
Eltern weder über die notwendigen
Kenntnisse noch die Mittel verfügen,
gegen die Krankheiten der Kinder in
der richtigen Weise anzugehen.
Dennoch könnten durch klinische
Information wenigstens einige Risikofaktoren vermindert werden, meinte
Dr. Thelma Tupasi, Präsidenten der
"Stiftung tropische Krankheiten" mit
Sitz in Makati (Philippinen). Würden
beispielsweise Masern durch Impfen
verhindert, verringere sich das Risiko der Atemwegserkrankungen. Unterund Fehlernährung könne durch einfache Medikamente korrigiert werden.
So habe sich gezeigt, daß Kinder mit
Vitamin-A-Mangel häufiger als andere
von Infektionen des unteren Atmungstraktes befallen werden. Sowohl Erkrankungen als auch Todesfälle waren
nach Vitamin-A-Gaben geringer. Dazu
bedarf es nicht zusätzlichen Personals, sondern nur der richtigen Maßnahmen.
Die Teilnehmer waren sich einig,
daß das Gesundheitspersonal lernen
müsse, bakterielle Pneumonie besser
zu diagnostizieren. "Offenbar haben
wir die Rolle der Bakterien unterschätzt", meinte Tupasi. "Wir müssen
begreifen, wie bedeutsam Bakterien
sind, weil die Therapie der Kinder
von der richtigen Diagnose abhängt.
Die meisten Kinder in Entwicklungsländern sind mit Bakterien infiziert,
wir brauchen viel empfindlichere Erfassungsmethoden."

Außerdem wurde mehr Genauigkeit
in der Beschreibung klinischer Erkrankungen gefordert, die zum Komplex
der akuten Atemwegserkrankungen gehören. Tupasi hält es für erforderlich, biologische Ursachen dieser Erkrankungen zu .identifizieren, damit
Vorbeugungsstrategien
ausgearbeitet
werden können.
"Wir müssen beispielsweise herausfinden", sagte sie,
"ob Viren bei der Entwicklung schwerer Bakterieninfektionen
im Spiel
sind.
Dann könnten wir vielleicht
einen Impfstoff gegen diese Viren
entwickeln.
Außerdem
wissen
wir
nicht genug darüber, welche krankheitsverursachenden
Organismen
in
Neugeborenen existieren.
Auch die
Auswirkung des Gesundheitszustandes
der Mutter auf das Kind ist von grosser Bedeutung. Stillen kann die Widerstandsfähigkeit des Kindes gegen
Infektionskrankheiten stärken.
Muttermilch enthält Zellen, die eindringende Bakterien vernichten.
Daten
aus jüngster Zeit zeigen auch, daß
Muttermilch verhindern kann, daß sich
Bakterien im oberen Teil der Luftwege
festsetzen und später in die Lunge
vordringen, wo sie die Infektion verursachen."
Alles in allem müsse es mehr
grundlegende Informationen und Wissen
über die eingeschlagene Therapie und
die Behandlung mit Antibiotika geben.
Gesundheitsfürsorger könnten für die
Therapie angelernt werden. Die Weltgesundheitsorganisation
(WHO) habe
Richtlinien für Personen ohne medizinische Ausbildung herausgegeben, so
daß diese Leute entscheiden können,
welche Kinder Antibiotika bekommen
sollen.
Dorfgesundheitsfürsorger
könnten nach kurzem Training therapeutische Aufgaben sehr gut wahrnehmen.
"Wir müssen alle verfügbaren
Quellen für medizinische Dienste ausschöpfen", meinte die Wissenschaftlerin, und befürwortete, die traditionellen "Heiler" davon nicht auszunehmen.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
30. November 1988

44

SUPERBESCHLEUNIGER KOMMT NACH TEXAS
- Entscheidung über endgültigen Standort im Januar 1989 -

WASHINGTON - (AD) - John Herrington, Chef des amerikanischen Energieministeriums, gab kürzlich bekannt, daß sich die Regierung für den Bundesstaat
Texas als Standort für den größten und leistungsstärksten Teilchenbeschleuniger der Welt entschieden habe.

Elektromagnet«, die auf so tiefen
Temperaturen gehalten werden, daß der
elektische Widerstand praktisch verschwindet
("Supraleiter"),
werden
Protonen auf nahezu Lichtgeschwindigkeit (300 000 km/sec) beschleunigen.
Der Umfang des Beschleunigerringes
beträgt ca. 85 km. Verständlich, daß
für eine so riesige Anlage ein großes
Gelände benötigt wird.
Es umfaßt
6 400 Hektar. Protonenstrahlen werden gegenläufig auf diese "Rennbahn"
geschickt, so daß bei der Kollision
selbst jene Kräfte überwunden werden,
die elementare Partikel zusammenhalten. Dabei entstehen Kaskaden kleinerer Teilchen, die beobachtet und
analysiert werden können. Dies gibt
den Wissenschaftlern die Möglichkeit,
zum besseren Verständnis der Beschaffenheit von Materie und den Gründen
für ihr Verhalten.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Die Kosten werden sich auf ca.
4,4 Milliarden Dollar belaufen. Jedoch hat der Kongreß im laufenden
Haushaltjahr nur sog. Nebenkosten in
Höhe von 100 Millionen Dollar für
StandortStudien,
ingenieurwissenschaftliche Arbeiten und gewisse Forschungs- und Entwicklungsaufgaben bewilligt. Es ist vorgesehen, 20 Laborgebäude mit etwa 4 000 Arbeitsplätzen zu errichten. Später sollen
dort 2 000 Wissenschaftler und Ingenieure arbeiten, 1 300 weitere Personen werden mit Wartung und Technik
betraut.

* * * * * *

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