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                    <text>riU*7riiTiUr-

und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

40

3 . Oktober 1984

INHALT

DOKUMENTATION
Reagan: Umfassender Meinungsaustausch mit Außenminister Gromyko
- Rundfunkansprache des US-Präsidenten -

Reagan-Gromyko-Begegnung diente der Sache des Friedens
- Pressekonferenz von US-Außenminister Shultz -

Unterstaatssekretär Crocker erläutert Südafrikapolitik der USA
- Erklärung vor dem Afrika-Unterausschuß des US-Senats -

HINTERGRUNDMATERIAL
Rolle des amerikanischen Vizepräsidenten zunehmend wichtiger
- Von Fred Barnes -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
- Unkrautbekämpfung auf neuen Wegen -

Um Über/enduno, von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�'113'

Dokumentation

ITiT3T

United States Information Service
Embassy of the United States of America

3. Oktober 1984

40

REAGAN: UMFASSENDER MEINUNGSAUSTAUSCH MIT AUSSENMINISTER GROMYKO
-Rundfunkansprache des US-Präsidenten-

Washington -(AD) In seiner wöchentlichen Rundfunkansprache betonte
Präsident Reagan am 29. September 1984 nach seinem Zusammentreffen
mit dem sowjetischen Außenminister Gromyko, die Sowjets "wissen, daß
sie aus einer Haltung der Starrheit heraus keinerlei Vorteile erzielen werden, aber daß es zu einem fairen Resultat kommen kann, wenn
sie den Heg der Verhandlungen und des Friedens beschreiten."

Die Rundfunkansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, dies war für die Diplomatie
Amerikas eine überaus geschäftige Kbche. Ich habe vor den Vereinten
Nationen, dem Internationalen Währungsfonds und bei der Weltbank gesprochen und bin mit einer ganzen Reihe von internationalen Führungspersönlichkeiten zusammengetroffen. Dazu gehörte die neue Führung unseres nördlichen Nachbarn, der kanadische Premierminister Brian Mulroney, und - wie Sie wissen - der sowjetische Außenminister Gromyko.
Vor

den

Delegierten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
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Telex: 8-85432

�Vor den Delegierten der Vereinten Nationen unterstrich ich das amerikanische Bemühen um den Weltfrieden durch zuversichtliche und verstärkte Bündnisse sowie durch einen konstruktiven Dialog mit unseren
Gegnern. Ich sprach von der Bedeutung, die wir der Suche nach friedlichen Lösungen regionaler Konflikte beimessen, die viele Staaten
heimsuchen, sowie von der Notwendigkeit demokratischer Prinzipien und
menschlicher Freiheiten als Grundlage für eine gedeihlichere, friedlichere Walt.
Beim IW

und bei der Weltbank konnte ich mitteilen, daß derzeit in

den Vereinigten Staaten ein wirtschaftlicher Wiederaufschwung zu verzeichnen ist, der die übrige Welt aus dem Dunkel der Rezession in die
helleren Tage erneuerter Hoffnung und globaler Prosperität führt.
Das weltweite Wirtschaftswachstum ist heute fast doppelt so hoch
wie vor vier Jahren. Und die Inflation in den Industrieländern ist
auf die Hälfte herabgesunken. Die wachsende wirtschaftliche Interdependenz auf unserer Welt hat für all jene Länder eine im positiven
Sinne sich multiplizierende Wirkung, die sich einer vernünftigen
Politik verschrieben haben - einer Politik, die es den Heilungskräften des Marktes ermöglicht, Chancen für Wachstum und Fortschritt zu
schaffen, die nicht die tödliche Last der staatlichen Einmischung und
des fehlgeleiteten Protektionismus bedrückt.
Aber wir können nur dann dauerhaften Wohlstand haben, wenn der
Frieden sichergestellt ist. Unsere Beziehungen zur Sowjetunion stehen
im Mittelpunkt meiner Aufmerksamkeit; so traf ich gestern im Weißen
Haus mit Außenminister Gromyko zu einem umfassenden Meinungsaustausch
zusammen. Ich habe von Anbeginn meines öffentlichen Wirkens an betont , daß eine erfolgreiche amerikanische Politik gegenüber der
Sowjetunion sich auf Realismus, Stärke und Bereitschaft zu Verhandlungen gründen muß.
Im vergangenen Januar
- 2-

�Im vergangenen Januar habe ich klar und deutlich die Ziele für die
amerikanisch-sowjetischen

Beziehungen

genannt:

Verringerung

und

letztlich Beseitigung der Drohung oder des Einsatzes von Gewalt bei
der Lösung von Meinungsverschiedenheiten; Verringerung der riesigen
Waffenlager in der Welt - besonders bei den Kernwaffen - und Schaffung eines Arbeitsverhältnisses zwischen unseren beiden Ländern, das
von größerem gegenseitigen Verständnis gekennzeichnet ist.

Bei unserem gestrigen Treffen gingen wir auf alle uns trennenden
Fragen ein. Und obgleich ich Herrn Gromyko unsere Enttäuschung darüber nicht verhehlte, daß sein Land im vergangenen Jahr die Genfer
Gespräche über eine Verringerung der Kernwaffen abbrach, sind wir
doch auch weiterhin bereit, die ganze Bandbreite der Rüstungskontrollfragen wieder zu diskutieren, sobald sie es auch sind. Es liegt
in unser beider Interesse, daß diese Gespräche baldmöglichst wieder
beginnen und dabei Fortschritte erzielt werden.

Unsere beiden Länder haben keine höhere Verantwortung als die Verringerung des Ausmaßes der Waffen und die Verbesserung der Verständigung.
Herr Gromyko und ich sprachen auch über die wichtigsten Krisenherde
der Welt. Und ich erklärte ihm, daß es für uns von entscheidender Bedeutung ist, hierüber unsere Meinungen auszutauschen und dazu beizutragen, daß dauerhafte Lösungen für diese regionalen Streitfragen gefunden werden. Wir beschönigten keineswegs die konkreten Probleme,
die unsere beiden Länder trennen. Und wir gingen den Meinungsverschiedenheiten nicht aus dem Weg. Ja, ich war gegenüber Herrn Gromyko
ganz offen, in welcher Hinsicht das sowjetische Verhalten bei uns und
unseren Verbündeten Besorgnis erregt.

Aber es waren nützliche Gespräche. Ich machte klar, daß wir Amerikaner seinem Land gegenüber keine feindseligen Absichten haben und
daß wir keine militärische Überlegenheit über die UdSSR anstreben.

Ich
- 3-

sagte

ihm:

�Ich sagte ihm: "Wenn Ihre Regierung Frieden wünscht, dann wird es
Frieden geben." Und ich sagte, die Vereinigten Staaten sind bereit,
sich mit der Sowjetunion auf echten Fortschritt bei der Lösung der
anstehenden Probleme zuzubewegen.

Frieden, Wohlstand und Demokratie sind keine neuen Ziele. Sie standen stets im Mittelpunkt der amerikanischen Außenpolitik, die über
die Jahre hinweg immer wieder darum bemüht war, die Freiheiten des
einzelnen und den Fortschritt des Menschen in der Welt zu fördern.

Ich glaube, es hat über die vergangenen vier Jahre hinweg einen
großen Wandel gegeben: Die Flut der Freiheit ist wieder im Steigen
begriffen. Vor vier Jahren war hinsichtlich des Einflusses und der
Führung Amerikas Ebbe. Unsere Verteidigung war vernachlässigt worden,
unsere Volkswirtschaft am Zusammenbruch, und andere Staaten wurden
untergraben durch Aufstandsbewegungen, die von kommunistischer Seite
unterstützt wurden. Heute sprüht unsere Wirtschaft vor Leben, unsere
Stärke wird wiederhergestellt, unsere Bündnisse sind solide, und der
Frieden ist sicherer.
Jetzt werden die Sowjets nach Hause zurückkehren, um das Gehörte
abzuwägen. Und sie wissen, daß sie aus einer Haltung der Starrheit
heraus keinerlei Vorteile erzielen werden, aber daß es zu einem
fairen Resultat kommen kann, wenn sie den Weg der Verhandlungen und
des Friedens beschreiten.
Ich danke Ihnen fürs Zuhören. Gott schütze Sie.

X v

v

- 4-

v

v

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

3. Oktober 1984

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REAGAN-GROMYKO-BEGEGNUNG DIENTE DER SACHE DES FRIEDENS
- Pressekonferenz von US-Außenminister Shultz -

Washington -(AD)- Am 28. September 1984 bewertete der amerikanische
Außenminister George Shultz in einer Pressekonferenz in Washington die
Bedeutung der Begegnung zwischen Präsident Reagan und dem sowjetischen
Außenminister Gromyko am gleichen Tage. Shultz meinte, die Begegnung habe
"eindeutig der Sache des Friedens gedient."
Die Niederschrift der Pressekonferenz, die wir in Auszügen wiedergeben,
hat folgenden Wortlaut:
SHULTZ: ... Worum es dem Präsidenten ging, war, Herrn Gromyko als dem
Vertreter der sowjetischen Führungsspitze mitzuteilen, daß zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion konstruktivere Beziehungen hergestellt werden müssen, und ihm die vielfältigen Arten und Weisen darzulegen, in denen dies geschehen könnte. Ich bin sicher, daß es dem Präsidenten gelungen ist, seinen und unseren Standpunkt deutlich zu machen ...
FRAGE: Können Sie uns sagen, wie Herr Gromyko darauf reagiert hat ?
SHULTZ: Das

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Telex: 8-85432

�SHULTZ; Das müssen Sie Herrn Gromyko schon selber fragen ... Alles,
was ich Ihnen sagen kann, ist, daß dies aus unserer Sicht ein sehr intensiver und nützlicher Meinungsaustausch war und daß Herr Gromyko seinen
Auffassungen wie üblich in einer sehr kraftvollen und aggressiven Art
Ausdruck verliehen hat. Der Präsident hat ihm sorgfältig zugehört ... Ich
glaube, beide Seiten hatten den Wunsch, sich so klar wie möglich auszudrücken und um kein Thema herumzureden. Daher waren die Gespräche sehr
direkt ...

FRAGE; Wollen Sie andeuten, daß es zu einem Streit kam ? War die Atmosphäre feindselig ?

SHULTZ: Sie war nicht feindselig, sondern ruhig, entschieden und
sachlich ...

FRAGE: Ist dabei irgendetwas herausgekommen, das zu weiteren Begegnungen zwischen Ihnen und Herrn Gromyko oder dem Präsidenten und Herrn
Gromyko führen könnte - oder gar zu einem Gipfeltreffen 7
SHULTZ: Das Ziel des Präsidenten bestand zunächst einfach darin, seine Auffassungen darzulegen, an denen er übrigens im Falle seiner Wiederwahl festhalten würde. Am Ende sagte der Präsident natürlich, man sei
sich darüber einig, in Kontakt bleiben zu wollen ...
FRAGE: Gab es bei dieser Begegnung irgendwelche Hinweise darauf, daß
die Sowjets bereit sind, zu den Abrüstungsverhandlungen zurückzukehren
oder neue Gespräche über Weltraumwaffen aufzunehmen ?
SHULTZ: Ich möchte nicht versuchen, die Aufnahme bestimmter Gespräche
vorherzusagen. Es ging bei der Begegnung auch gar nicht darum, sich
schwerpunktmäßig einem so speziellen Thema zu widmen, sondern darum, die
Luft zu reinigen und allgemeine Fragen zu erörtern. So war beispielsweise
die Rede davon, was nach unserer Meinung aus unseren Beziehungen werden
soll, oder auch davon, daß es wichtig wäre, sich mit dem Problem der immensen nuklearen Waffenarsenale auseinanderzusetzen und etwas zu ihrer
Verminderung zu unternehmen - von solchen allgemeinen, aber wichtigen
- 2 -

�aber wichtigen Fragen eben. Das Thema der Militarisierung des Weltraums
und ähnliche Probleme wurden im Verlauf der Begegnung allerdings auch
angesprochen.

FRAGE: Glauben Sie, daß diese Begegnung die amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen verändert hat ?

SHULTZ: Das bleibt natürlich abzuwarten. Ich glaube, die Sowjets
müßten aber auf jeden Fall begriffen haben, daß sie es hier mit einem
Mann zu tun haben, der von dem, was er sagt, zutiefst überzeugt ist und
sich dessen Wichtigkeit bewußt ist ...

FRAGE: Hat Gromyko, sei es positiv oder negativ, auf die speziellen
Vorschläge reagiert, die der Präsident in seiner Rede vor den Vereinten
Nationen unterbreitet hat ? Und können Sie uns etwas über die Unterredung
sagen, die die beiden Männer allein im Oval Office geführt haben ...

i

SHULTZ: Die Rede des Präsidenten vor der UN ist zur Sprache gekommen,
aber mehr möchte ich darüber nicht sagen. Die kurze Begegnung unter vier
Augen hatte der Präsident gewünscht, da es etwas gab, was er Herrn Gromyko ohne Zeugen mitteilen wollte. Mehr kann ich auch dazu nicht sagen.
FRAGE: Haben Sie bei der Begegnung irgendetwas zu hören bekommen, was
Sie nicht schon wußten ... ?
SHULTZ: ... Ich fühle mich geehrt, daß ich teilnehmen durfte, aber
ich könnte keine besondere Einsicht benennen, die hervorzuheben wäre.
FRAGE: Haben Sie irgendwelche Veränderungen in der sowjetischen Haltung bemerkt ?
SHULTZ: Der Zweck der Begegnung bestand nicht darin, die sowjetische
Haltung zu irgendeiner Frage zu prüfen, sondern darin, allgemeine Ziele
zu bestimmen und der Zuversicht des Präsidenten Ausdruck zu verleihen,
daß sie zu verwirklichen sind ...
FRAGE:
- 3 -

... Glauben

�FRAGE: ... Glauben Sie, daß die heutige Begegnung der Sache des Friedens in irgendeiner Weise gedient hat ? War Gromyko konstruktiv ?

SHULTZ: Ich bin der Meinung, daß die Begegnung eindeutig der Sache
des Friedens gedient hat, und ich glaube außerdem, daß ein so intensives,
dabei aber ruhiges und sachliches Gespräch zwischen zwei Spitzenvertretern zweier so außerordentlich wichtiger Regierungen auf jeden Fall von
Nutzen ist.
FRAGE: Hat es die Luft gereinigt ?

SHULTZ: ... Ich glaube nicht, daß ein einziges Gespräch die Luft
vollkommen reinigen kann, aber ich meine, daß bei dieser Begegnung zweifellos Fortschritte in diese Richtung gemacht worden sind. ...
FRAGE: Werden beide Seiten dieser Begegnung nun Taten folgen lassen ?

SHULTZ: ... Ich darf Sie daran erinnern, daß von der nuklearen Rüstung bis zu Weltraumfragen, vom Problem der chemischen Waffen über das
der vertrauensbildenden Maßnahmen bis hin zu dem der Atomtests eine breite Palette gehaltvoller amerikanischer Vorschläge - Taten, wenn Sie so
wollen - vorliegt und einer Würdigung durch die Sowjets harrt ...

FRAGE: Könnte man die Dinge zusammenfassen, indem man sagt, daß die
beiden Männer mit Vehemenz ihre an sich bekannten Positionen dargelegt
haben, daß aber vor den Wahlen wahrscheinlich nichts Konkretes mehr geschehen wird ?

SHULTZ: So würde ich das nicht zusammenfassen. Ich kann nicht sagen,
wann weitere Gespräche stattfinden werden. ...
FRAGE: Glauben Sie, daß sich die Haltung des Präsidenten gegenüber
den Sowjets infolge seiner persönlichen Begegnung mit Gromyko gewandelt
hat ? In der Vergangenheit hat er gegenüber den Sowjets ja eine recht
harte Haltung eingenommen.
SHULTZ:
- 4 -

Nun,

�SHULTZ: Nun, die Politik des Präsidenten ist schon immer von einer
Reihe von Vorstellungen bestimmt gewesen. In dieser Hinsicht hat über
seine ganze Amtszeit hinweg tatsächlich immer Kontinuität bestanden. Er
hat von Anfang an ganz klar gesagt, daß wir hinsichtlich der Unterschiede
unserer Gesellschaftssysteme und bestimmter Aspekte des sowjetischen Verhaltens realistisch sein müssen. Er hat auch von Anfang an stets betont,
daß wir unsere militärische, wirtschaftliche und geistige Stärke wiedererlangen müssen. Er hat aber ebenfalls von Anfang an gesagt, daß wir zu
Verhandlungen bereit sein müssen. Zwischen diesen drei Momenten besteht
ein wechselseitiger Zusammenhang; auch heute noch. Ich glaube nicht, daß
sich der Präsident im Verlaufe seiner Amtszeit überhaupt in irgendeiner
Weise geändert hat. Da man sich aber inzwischen mit vielen der Probleme,
die bei Amtsantritt dieser Administration bestanden, auseinandergesetzt
hat oder dabei ist, sich mit ihnen auseinanderzusetzen, betont man heute
stärker die Bedeutung von Verhandlungen ...
FRAGE: Hat der Präsident gegenüber Außenminister Gromyko die Menschenrecht sfrage angesprochen 1

...

SHULTZ: Ja, sicherlich. Er hat von Anfang an gesagt, daß er dieses
Thema bei allen Begegnungen mit den Sowjets ansprechen wird, und das hat
er getan.
FRAGE: Sacharow ?

SHULTZ: über die Namen, über die gesprochen wurde, und über ähnliche
Einzelheiten kann ich Ihnen nichts sagen. ...
FRAGE: Können Sie die Themen aufzählen, über die gesprochen wurde 7
•••

SHULTZ: Zu Beginn verwandten sie viel Zeit darauf, ihre Standpunkte
darzulegen und die vorrangigen Aspekte der Natur unserer Beziehungen zu
diskutieren: wie sie sich weiterentwickeln sollen, daß unbedingt etwas im
Hinblick auf die atomare Bedrohung geschehen muß und dergleichen mehr. Es
war, wenn man so will, ein philosophisches Gespräch, bezog sich aber
- 5 -

�sich aber durchaus auf die brennendsten Probleme ... Auf die Erörterung
der Probleme der nuklearen Rüstung wurde ebenfalls viel Zeit verwandt,
ohne daß über diese Probleme im eigentlichen Sinne verhandelt worden wäre
... Einige regionale Probleme wurden ebenfalls angesprochen, insbesondere
die Lage im Krieg Iran-Irak und im Libanon sowie die palästinensische
Frage ... Außerdem sprach der Präsident ausdrücklich die Menschenrechtsthematik an.
FRAGE: Haben sie über irgendetwas Übereinstimmung erzielt ... ?
SHULTZ: Wie ich schon sagte, kamen sie überein, in Verbindung zu
bleiben. Das war der Schlußpunkt. Ich glaube, dies war nicht die Art von
Begegnung, wo man am Ende sagt, "In Ordnung, jetzt tun wir X, Y und Z."
Worum es dem Präsidenten vielmehr ging, war, seinem Gegenüber einen Eindruck von seinen Überzeugungen, Ansichten und Gefühlen zu vermitteln ...
Das dürfte ihm voll und ganz gelungen sein ...

- 6 -

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40

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

3. Oktober 1984

UNTERSTAATSSHCRETÄR CROCKER ERIÄUTERT SÜDAFRIKAPOLITIK DER USA
-Erklärung vor dem Afrika-Unterausschuß des US-Senats-

Washington - (AD) - in Äußerungen vor dem Unterausschuß für Afrikanische Angelegenheiten des Außenpolitischen Ausschusses des amerikanischen Senats umriß der Unterstaatssekretär für afrikanische Angelegenheiten im US-Außenministerium, ehester Crocker, am 26. September
1984 die Eckpfeiler der amerikanischen Politik in bezug auf Südafrika, zu denen die Suche nach "konstruktivem Wandel weg von der Apartheid und hin zu einem System, das sich auf die Zustimmung der Regierten gründet," gehört.

Der Text der Darlegungen Crockers hat folgenden Wortlaut:

Ich freue mich über diese Gelegenheit, vor dem Unterausschuß zu erscheinen, um klar und deutlich die Politik der Vereinigten Staaten
gegenüber Südafrika, ihr Verhältnis zu unserer regionalen Strategie
des konstruktiven Engagements im südlichen Afrika sowie unsere Einstellung zu den jüngsten Ereignissen in dieser Region darzulegen.

Lassen

Sie mich

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Telex: 8-85432

�Lassen Sie mich gleich zu Beginn ganz offen feststellen, daß die Entwicklung einer Politik, die auf angemessene Weise unsere moralischen
Grundsätze, unsere Interessen als eine Großmacht und die Realitäten
in bezug auf Einfluß und Macht in dieser fernen Region widerspiegelt,
eins der dornigsten Probleme der amerikanischen Außenpolitik darstellt.

Das Dilemma besteht nicht darin, daß unsere Prinzipien und unsere
Interessen in Widerspruch zueinander stünden. Das tun sie nicht: Eine
stabilere Grundlage für die regionale Sicherheit im südlichen Afrika
und ein kontinuierlicher Prozeß des friedlichen Wandels in der Republik Südafrika würden sowohl den Werten als auch den Interessen der
Vereinigten Staaten am besten entsprechen. Das Streben nach Sicherheit und die unbedingte Notwendigkeit des Wandels sind voneinander
abhängig. Die Herausforderung für die amerikanische Politik besteht
darin, eine konkrete Strategie zu entwickeln, die uns diesen zielen
näherbringt. Das heißt, wir müssen Ausmaß und Grenzen des amerikanischen Einflusses erkennen, und dann diesen Einfluß in beständiger und
in sich schlüssiger Weise nutzen. Genau das hat diese Administration
seit dreieinhalb Jahren getan. Beträchtliches wurde erreicht, doch
bleibt noch Vieles zu tun. Unser Land kann mit Stolz auf das verweisen, was bereits getan wurde, um ein Konzept des Wandels durch Verhandlungen und der regionalen Sicherheit im südlichen Afrika zu entwerfen. Doch muß zunächst Getanes und Geplantes auch wirklich verstanden werden.

DIE AMERIKANISCHEN ZIELE IN SÜDAFRIKA
Die jüngsten Ereignisse in Südafrika bestärken uns in unseren moralischen und politischen Auffassungen über das dortige System, das
sich auf einen Rassismus gründet, der sich mittels Gesetz verschanzt
hat. Als Amerikaner, die stolz auf ihre Demokratie der Rassenvielfalt
sind, fühlen wir uns abgestoßen durch die spektakulären Fernsehberichte, über die Polizeiaktionen
schwarzen

Zorns in den

zur Unterdrückung der Ausbrüche

"Townships" von Transvaal und durch die

�und durch die Schlagzeilen über eine Welle von Verhaftungen von Gegnern der neuen Verfassung sowie über rigorose Verbote politischer
Veranstaltungen. Derlei Maßnahmen berühren einen empfindlichen Nerv
des

politischen

Selbstverständnisses

Amerikas.

Sie

bedrohen

die

demokratischen Werte, die wir als Nation hochhalten und die sich
unserer Überzeugung

zufolge in unserer

Außenpolitik

widerspiegeln

müssen. Es war nur allzu angemessen, daß unsere Regierung als erste
ihre Besorgnis über diese Ereignisse sowohl öffentlich als auch auf
diplomatischem Weg zum Ausdruck brachte.
Desgleichen sind wir Amerikaner uns in der Ablehnung von Gesetzen
und Praktiken in Südafrika und andernorts einig, die die grundlegenden Vorstellungen von einem gerechten Prozeßverlauf und von einer
verfassungsgemäßen Regierung beleidigen. Die Theorie der Apartheid
wurzelt in der Vorstellung des Rassischen und der Rassentrennung. In
der Praxis wird aus dieser Apartheid ein System, das sich auf die
Rasse als Organisationsprinzip für Politik und Regierung gründet. Ein
jedes System, das politische Rechte

- einschließlich sogar des Rech-

tes auf Staatsbürgerschaft - auf dieser Grundlage verleiht oder verwehrt, muß es sich gefallen lassen, mit den Worten von Präsident
Reagan als "widerwärtig" bezeichnet zu werden.

Es sollte somit deutlich sein, wogegen wir uns wenden, unser Ziel
ist gleichfalls klar: Präsident Reagan erklärte diese Woche in seiner
Rede vor der UN-Vollersammlung, "daß die Vereinigten Staaten es aus
moralischen Gründen für unabdingbar halten, daß die Rassenpolitik der
Republik Südafrika friedlich, aber mit Entschiedenheit so fortentwickelt wird, daß ein System entsteht, das den Grundnormen der Gerechtigkeit, Freiheit und Menschenwürde entspricht." Seit dem Amtsantritt dieser Administration haben wir immer wieder betont, daß wir
konstruktiven Wandel weg von der Apartheid in Richtung auf ein System
hin anstreben, das sich auf die Zustimmung der Regierten gründet.
Dieses Ziel spiegelt einen breiten nationalen Konsens wider. Wir Amerikaner wehren uns instinktiv gegen eine Politik, die revolutionäre

�die revolutionäre Gewalt und Kampf zwischen den Rassen in Südafrika
förmlich herausfordern müßte - mit all den katastrophalen Folgen, dem
Unglück und dem Blutvergießen, das dies für die Menschen in Südafrika
bedeuten würde, und mit all den zerstörerischen Folgen für das südliche Afrika und der Gefahr Interventionen von außen. Kein ernsthafter Kritiker unserer Politik wagt es, öffentlich für die Apokalypse
einzutreten. Unsere Ziele - die Ziele des amerikanischen Volkes können nur durch einen kontinuierlichen Prozeß des friedlichen, evolutionären Wandels erreicht werden. Wir sind gegen

Gewaltanwendung,

gleich, von welcher Seite. Die Früchte der politischen Gewalt in unserer modernen Welt sind traurige Zeugnisse dafür, was Terrorismus
und Gegenterrorismus bedeuten können.

DIE RAHMENBEDINGUNGEN AMERIKANISCHER POLITIK
Es geht daher nicht um die Frage, ob die Apartheid

gut oder

schlecht ist, sondern vielmehr darum, welches die besten Mittel sind,
zu konstruktivem Wandel in Südafrika zu ermutigen. Lassen Sie mich
mit der Feststellung beginnen, daß Entrüstung und feste Überzeugung
keine Außenpolitik darstellen. Das Problem ist vielmehr, wie sich
Überzeugungen

in Ergebnisse umsetzen lassen. Obgleich wir unsere

Stimme öffentlich erhoben haben und dies auch weiter tun werden, um
unsere Haltung zu verdeutlichen, sind öffentliche Konfrontation und
wechselseitige Polemik doch nicht der eigentliche Weg einer wirkungsvollen Politik. Der Weg der Deklamationen und des Predigens hat in
der Vergangenheit - wie die erkennen mußten, die ihn einschlugen, zu
keinem Ziel geführt, und es ist unwahrscheinlich, daß er heute erfolgreicher sein würde. Letztlich wird eine Großmacht an Ergebnissen
gemessen.

Desgleichen stützen wir uns auch nicht auf Getöse, Drohungen oder
Durchsetzung neuer Strafmaßnahmen gegenüber Südafrika. Alles deutet
vielmehr darauf hin, daß "Nadelstiche" wie Beschränkungen des Verkaufs von Krügerrand oder Einschränkungen der Landerechte südafrikanischer Luftverkehrsgesellschaften die Möglichkeiten einer amerika-

�einer amerikanischen Einflußnahme im Sinne des Wandels nicht verbessern würden. Solche Schritte würden vielmehr auf eine Demonstration
der Machtlosigkeit hinauslaufen und lediglich unseren Einfluß bei
denjenigen untergraben, die wir überzeugen wollen, unsere Administration ist auch weiterhin strikt gegen den Gedanken eines Abzuges von
Investitionen oder anderer Handels- und Investitionssanktionen. Wir
können nicht sehen, wie eine ökonomische Kriegführung gegen die Regierung und das Volk Südafrikas unsere Ziele fördern sollte oder den
Interessen des amerikanischen Volkes oder der Bürger aller Rassen in
Südafrika dienen könnte. Derlei Schritte würden nicht nur zu einem
Ausverkauf amerikanischer Werte an ausländische Interessen führen,
unsere Glaubwürdigkeit als Geschäftspartner

schädigen

und

unseren

Zugang zu einem wichtigen Markt einschränken, sondern auf kommunaler
und bundesstaatlicher Ebene auch ernste verfassungsmäßige Probleme
aufwerfen. Was noch wichtiger ist: Würden derlei Maßnahmen ergriffen,
so könnten sie die schwarze Mehrheit der so dringend nötigen Möglichkeiten zur Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage berauben, die positiven, im Sinne des Wandels wirksamen Kräfte, wie sie die Unterzeichner firmen
bringen

der

Sullivan-Vereinbarung

darstellen,

zum

Erlahmen

(benannt nach Leon Sullivan, einem Geistlichen aus Phila-

delphia, der amerikanischen Firmen den Vorschlag gemacht hatte, sich
nicht aus dem Südafrikageschäft zurückzuziehen, sondern vielmehr dort
allen Beschäftigten, gleich welcher Rasse oder Hautfarbe, in den
Tochterfirmen Chancengleichheit zu gewähren; Anmerkung der Redaktion)
und katastrophale Folgen für die Nachbarstaaten Südafrikas haben. Es
ist

nicht

überraschend,

daß

Erhebungen

von

Professor

Lawrence

Schlemmer, einem bekannten Soziologen, ergaben, daß 75 Prozent der
schwarzen Fabrikarbeiter gegen einen Rückzug der amerikanischen Firmen sind. Es liegt ein Orwellscher Widerspruch darin, derlei Maßnahmen im Namen liberaler und humanitärer Zielsetzungen vorzuschlagen.

Bei der Konzipierung ihrer Politik gegenüber der Republik Südafrika
und im südlichen Afrika ging diese Administration davon aus, daß

- 5-

�davon aus, daß zunächst die Art des amerikanischen Einflusses im regionalen Kontext bestimmt und dann konstruktive Schritte zur Förderung unserer Ziele entwickelt werden mußten. Wir sind ein Element in
einer komplexen regionalen Gleichung, unser Ziel ist es, uns in positiver Weise zu engagieren, unser Gewicht im Sinne der Werte unseres
Landes in die Waagschale zu werfen, Ideen, Institutionen und Gruppen
zu unterstützen, die zu einem dynamischen Prozeß des Wandels beitragen können, Alternativen vorzuschlagen, Tore zu öffnen und Brücken zu
schlagen - nicht das Gegenteil. Unsere Möglichkeiten zur Einflußnahme
in Südafrika hängen zu einem großen Teil davon ab, wie die südafrikanische Führung und die weiße Minderheit insgesamt sich selbst sehen als Teil des Westens wie als Teil Afrikas und im Kampf um die Bewahrung ihrer Identität, die Aufrechterhaltung der Sicherheit und die
Vermeidung internationaler Isolation. Fast während der ganzen Zeit
seit dem
einer

Zweiten Weltkrieg ging dies Selbstverständnis einher mit

Selbstgefälligkeit, die

nur

dann

und

wann

von

plötzlichen

Schocks erschüttert wurde, z. B. von der portugiesischen Revolution,
der

Ausdehnung

der

Entkolonialisierung

auf

Angola,

Mozambik

und

Simbabwe und den Unruhen in Soweto 1976. In den vergangenen zehn
Jahren machte diese Selbstgefälligkeit

einer

Belagerungsmentalität

Platz, verstärkt durch interne Ausbrüche des Zorns und der Entfremdung der Schwarzen, durch zunehmende Guerillagewalt über die Grenzen
hinweg, durch das Fußfassen der sowjetisch-kubanischen Militärmacht
in der Region sowie durch immer schärfere westliche Kritik am südafrikanischen System. Die das Land regierende weiße Oberschicht grub
sich

ein

und

entwickelte

das

Selbstverständnis

einer

regionalen

Supermacht, die bereit ist, ihren Weg wenn nötig allein zu gehen,
Namibia festzuhalten und so viel Druck wie nur möglich auf die Nachbarstaaten auszuüben, die Guerillabewegungen beherbergten. Zu dieser
Belagerungsmentalität gehörte zur Zeit des Amtsantritts von Präsident
Reagan auch noch die Entschlossenheit, innerhalb der Nationalpartei
die ethnische Einheit der weißen Afrikaner zu bewahren, sowie eine
höchst abstrakte Verpflichtung zu inneren Reformen, die jedoch einseitig von oben diktiert werden sollten.
- 6-

�VTährend der letzten drei Jahre war die Politik der Vereinigten Staaten in starkem Maße darauf abgestellt, der von mir bereits beschriebenen
Selbstgefälligkeit und Belagerungsmentalität entgegenzutreten und ein dem
Wandel zuträglicheres Klima herbeizuführen. Wir haben die absolute Notwendigkeit grundlegender Veränderungen wiederholt betont, wobei wir keinen Zweifel daran gelassen haben, daß ein solcher Wandel nicht mit einer
einzigen Entsclieidung eingeleitet werden kann, sondern den Charakter eines kontinuierlichen Prozesses haben muß, und daß wir uns dieser Tatsache
in vollem Umfang bewußt sind. In unserem Dialog mit Südafrikanern aller
Hautfarben haben wir unsere Auffassung deutlich gemacht, daß ein tiefgreifender Wandel eine dringliche Angelegenheit ist. Gleichzeitig haben
wir betont, daß ein solcher Wandel nur durch Konsultationen und Verhandlungen innerhalb der Republik Südafrika und unter Beteiligung aller Südafrikaner herbeigeführt werden kann. Wir wollen den Menschen dort keineswegs unsere eigenen Vorstellungen aufzwingen. Da uns klar war, daß der
Kult der Einheit aller (burischen) "Afrikaner" ernsthaften Reformen entgegensteht, haben wir unseren Tonfall in öffentlichen Stellungnahmen gedämpft, um die südafrikanische Regierung dazu zu bewegen, sich mit den
Realitäten in ihrem Lande selbst auseinanderzusetzen.

Dies ist nicht der Ort, um eine detaillierte Darstellung der permanenten diplomatischen Anstrengungen zu geben, die wir im südlichen Afrika
unternommen haben, um den immer schnelleren Kreislauf der Gewalt anzuhalten, der Anfang der 00er Jahre die ganze Region in seinen Sog zu ziehen
drohte. Diese Bemühungen, die ein integraler Bestandteil unserer Südafrikapolitik sind, waren u.a. darauf gerichtet, eine international akzeptierte Lösung des Konflikts in Namibia auf der Grundlage der Resolution
435 des UN-Sicherheitsrats zu finden, in beide Richtungen grenzüberschreitende Gewaltakte zwischen der Republik Südafrika und ihren Nachbarländern einzudämmen und die Entwicklung eines Klimas der Entspannung in
der Region ebenso anzuregen wie den Abzug der ausländischen Truppen aus
diesem Gebiet. Im Rahmen unserer Vorstellungen, die wir allen Regierungen
der Region unterbreitet haben, haben wir gegenüber den Südafrikanern besonders die Vorteile der Zusammenarbeit und des Verhandeins hervorgehoben. Gleichzeitig haben wir die Kosten und Gefahren dargelegt, die sich

- 7-

�die sich für die Interessen Südafrikas und für unsere bilateralen Beziehungen ergeben würden, wenn es nicht zu einer friedlichen Einigung käme.
Wir sind der Meinung, daß es bei weitem besser ist, im Verhältnis Südafrikas zu seinen Nachbarstaaten Gebiete gemeinsamer Interessen und allseitigen Nutzens abzustecken und zu entwickeln, als sich einfach mit dem
Trend zur Polarisierung und zu gewaltsamen Lösungen abzufinden.

Wir be-

zweifeln entschieden, daß es in Südafrika zu ernsthaften inneren Reformen
kommen kann, solange die Atmosphäre von andauernden Kämpfen an den Landesgrenzen mit allen möglichen Gegnern beherrscht wird. Wir glauben mit
Bestimmtheit sagen zu können, daß den Interessen der Vereinigten Staaten
in der Region wie auch denen ihrer Verbündeten am besten gedient wäre,
wenn sich dort ein Klima größerer Stabilität, verstärkten Wirtschaftswachstums und geringerer Anfälligkeit für Eingriffe von außen entwickeln
könnte.

Heute, nach drei Jahren, glauben wir, daß es deutliche Anzeichen für
einen Fortschritt in Richtung auf eine Atmosphäre gibt, die dem Wandel
zuträglicher ist. Heute spielt der Stand der Beziehungen zwischen Südafrika und den Vereinigten Staaten für die südafrikanische Führung eine
ganz erliebliche Rolle, und wie eng oder distanziert unsere Beziehungen
sind, hängt in starkem Maße von Faktoren wie dem inneren Wandel in Südafrika, Anzeichen für Bewegung und Fortschritten in Richtung auf Sicherheit in der Region ab. Daß der damalige Ministerpräsident und heutige
Staatspräsident P.W. Botha die kühne Entscheidung treffen konnte, Verfassungsvorschläge vorzulegen, die die Nationalpartei zwar ein Drittel ihres
Wählerkerns unter den burischen "Afrikanern" kosteten, ihr aber auch neue
weiße Wählerstimmen von außerhalb dieser Gruppe einbrachten, war zweifellos zum Teil auch unseren bewußten Bemühungen zu verdanken, die Belagerungsmentalität aufzubrechen.

Südafrikas neue Verfassung, der im November 1983 zwei Drittel der
weißen Wählerschaft zustimmten, war Gegenstand erbitterter Diskussionen.
Ironischerweise fielen die Unruhen der letzten Tage und Wochen und die zu
ihrer Unterdrückung eingesetzte Gewalt mit der Einführung einer Verfassung zusammen, die, wenn auch in begrenztem Maße, Möglichkeiten für eine
weitergehende politische Mitbeteiligung nichtweißer Gruppen eröffnet.
- 8 -

�Gruppen eröffnet.

Sogar diese geringfügige Ausdehnung politischer Rechte

auf die Gruppen der sogenannenten "Farbigen" und Asiaten ist von einigen
Vfeißen als Bedrohung und "Messer am Hals" empfunden worden. Die Tatsache,
daß die neue Verfassung keinerlei Einbeziehung der Schwarzen vorsieht,
die 73 Prozent der Bevölkerung Südafrikas ausmachen, mußte deren Verbitterung zwangsläufig vertiefen. Die gegenwärtige Administration der Vereinigten Staaten hat auf diesen grundlegenden Mangel der neuen Verfassung
stets hingewiesen. Wir haben auch nie einen Hehl daraus gemacht, daß wir
dagegen sind, die Schwarzen gewissermaßen "auszubürgern", indem man sie
zu Staatsbürgern sogenannter "Homelands" erklärt. Dannoch wäre es voreilig, die neue Bereitschaft der Weißen zu Reformen oder die der neuen Verfassung innewohnenden Möglichkeiten der Anregung eines zukünftigen Wandels leichthin abzutun. Paradoxerweise hat gerade der Ausschluß der
Schwarzen bewirkt, daß nun die Frage ihrer politischen Rolle in der Zukunft auf der Liste der anstehenden Probleme ganz oben steht. Das hat
auch Staatspräsident Botha in seiner Antrittsrede zu verstehen gegeben.
Es könnte sich sehr wohl erweisen, daß das Abrücken von einer Beschränkung politischer Rechte auf den weißen Bevölkerungsteil auf die Regierenden in Südafrika einen nachhaltigen Einfluß hat. Durch die bloße Tatsache, daß die Beteiligung bei den Wahlen für die "Farbigen" und Asiaten
so gering war, werden sich die gewählten Mitglieder der Kammern der "Farbigen" und Asiaten in noch stärkerem Maße genötigt fühlen, für einen Wandel zu kämpfen. Wir glauben nicht, daß die Beantwortung der Frage, ob die
neue Verfassung einen Fortschritt darstellt, den Geschichtsschreibern der
Zukunft vorbehalten bleiben muß. Wir für unseren Teil sind der Auffassung, daß die Verfassung einen nicht mehr rückgängig zu machenden Schritt
darstellt, gleich, welche Absichten ihre Schöpfer auch gehegt haben mögen. Gerade weil die Wahlen so weithin boykottiert worden sind, wird sich
die Verfassung dahingehend auswirken, daß sie die Weißen zu einer beschleunigten Neubewertung ihrer Alternativen für die Zukunft veranlaßt
und ihnen die Selbstgefälligkeit weiter austreibt.

Wir hegen nach wie vor die Zuversicht, daß in Südafrika eine neue Dynamik am Werk ist, deren Triebfeder in den sozio-ökonomischen und politischen Erfordernissen zu suchen ist.

Die Unruhen und Ausschreitungen der

- 9 -

�Ausschreibungen der vergangenen Wochen stehen zu dieser Annahme nicht in
Widerspruch.

Wie schon Alexis de Tocqueville feststellte, kommt es,

historisch gesehen, zu solchen Erscheinungen immer genau dann, wenn verkrustete Strukturen aufzubrechen beginnen.

Wir appellieren an die süd-

afrikanische Regierung, sich darüber klar zu werden, daß Unterdrückung
keine dauerhafte Antwort auf dieses Problem bilden kann. Wir hoffen, daß
die Regierung einsehen wird, daß es in ihrem eigenen Interesse liegt, die
kürzlich Inhaftierten umgehend auf freien Fuß zu setzen oder zumindest
gegen die, die vor Gericht gestellt werden sollen, unverzüglich Anklage
zu erheben, so daß sie die Möglichkeit haben, sich vor einem ordentlichen
Gericht zu verteidigen.

Wir haben zur Kenntnis genommen, daß Staatsprä-

sident Botha selbst in seiner Antrittsrede betont hat, daß das neue
System einen Dialog nicht nur zwischen den Weißen, "Farbigen" und Asiaten, sondern auch mit den Schwarzen erfordert. Es ist nun Sache der Regierung, dies einzusehen und sich mit legitimierten schwarzen Gesprächspartnern an einen Tisch zu setzen. Wir befürvrcarten einen solchen Prozeß
ungeachtet der Tatsache, daß wir in ihm keine direkte Rolle spielen, und
haben nicht die Absicht, vorgefertigte Lösungen anzubieten.

Ein zweiter Aspekt unserer Bemühungen um Unterstützung des Wandels
ist unsere stille Diplomatie, die wir im Hinblick auf spezifische Verbesserungen und konkrete Probleme bei den Menschen- und Bürgerrechten
betreiben.

Es liegt in der llatur der Sache, daß man nicht öffentlich

über den Inhalt dieser spezifischen Bemühungen sprechen kann.

Dennoch

sind wir in der Erkenntnis, daß der wesentliche Anstoß für den Wandel
innerhalb Südafrikas selbst erfolgen muß, auf mehreren Gebieten aktiv
geworden, um konkrete Verbesserungen zu erreichen:

in Fragen der Inter-

nierung und der Verbannung (bis vor kurzem eine geläufige Praxis, inzwischen dramatisch reduziert), auf dem Gebiete des städtischen Wohnrechts
für Schwarze und der Zwangsbeseitigung schwarzer Gemeinden und in der
Frage der Vergabe von

Reisedokumenten und Visen.

In den mit Menschen-

rechtsfragen befaßten Kreisen Südafrikas werden unsere diesbezüglichen
Bemühungen auch weitgehend anerkannt - nicht jedoch von einigen Kritikern, die sich aus der Ferne den Luxus leisten, solche Dinge als "reine
Verbesserungen am Rande" abzutun.

Wir werden unsere Bemühungen fort-

- 10 -

�Bemühungen fortsetzen, da wir sicher sind, daß der Kongreß und das amerikanische Volk dies wünschen.

Ein dritter Aspekt in unserem Vorgehen war die Gewährung konkreter,
greifbarer Hilfe für jene Gruppen, Institutionen und Prozesse, die für
einen Wandel in Südafrika entscheidend wichtig sind.

Durch vertiefte

Kontakte mit jenen, die die Leidtragenden der Apartheid sind und die sich
um die Mittel zur Förderung eines friedlichen Fortschritts der Schwarzen
bemühen, haben wir eine Reihe von Hilfsprogrammen aufgestellt, auf die
die Amerikaner stolz sein können.

Ich möchte in diesem Zusammenhang un-

terstreichen, daß wir dies in enger Zusammenarbeit mit dem Kongreß getan
haben, der wichtige Initiative ergriffen hat, um unsere Bemühungen zu
verstärken und neue Programme zur Unterstützung der Opfer der Apartheid
ins Leben zu rufen.

Frau Vorsitzende, der Kongreß hat erst kürzlich als Reaktion auf den
von Ihnen und von Ihrem Kollegen Senator Percy aufgezeigten Weg einen
entscheidenden Beitrag zu vermehrten Chancen für die schwarzen Südafrikaner geleistet. Mit den Geldern für humanitäre Hilfe im Rahmen der von
Ihnen in diesem Jahr geförderten Gesetzgebung wurden 60 Projekte in Höhe
von insgesamt 500 000 Dollar unterstützt.

Diese Projekte reichen von der

Hilfe auf dem Erziehungssektor, vor allem in armen Gebieten, bis zur Erstellung von

Rechtsbibliotheken in städtischen Gebieten, mit deren Hilfe

sich die Schwarzen ein besseres Bild über ihre rechtlichen Möglichkeiten
machen können.

Aufbauend auf den während der vorherigen Administration

unterbreiteten Vorschlägen des Abgeordneten Solarz haben wir ein Programm
geschaffen, das ein Modell für die Zusammenarbeit zwischen der Regierung
und dem privaten Sektor darstellt und schwarzen Südafrikanern bei ihrer
Erziehung und Ausbildung hilft. Mit Hilfe von etwa 7,5 Millionen Dollar,
davon mehr als dü$ Hälfte von der Bundesregierung zur Verfügung gestellt,
konnten rund 350 schwarze Südafrikaner zur Fortsetzung ihrer Studien nach
den Vereinigten Staaten kommen.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind rund 50

nach Südafrika zurückgekehrt, um dort das von ihnen Erlernte zur Anwendung zu bringen.

Gegenwärtig
- 11 -

be-

�Gegenwärtig bemühen wir uns um eine

Erweiterung dieser Hilfe auf dem

Erziehungssektor, indem wir ein Stipendienprogramm für Universitätsstudien in Südafrika erstellen.

Wenn in Konsultation mit dem Kongreß die

gegenwärtigen Hindernisse überwunden werden können, dann sollte es für 70
junge Menschen möglich sein, bei einem Kostenaufwand von drei Millionen
Dollar ein fünfjähriges Universitätsstudium aufzunehmen.

Nahezu sechs

Millionen Dollar sind für die Verbesserung der Grundausbildungsprogramme
für Schwarze, für unternehmerische Ausbildung sowie für die Unterstützung
und Ausbildung von schwarzen Gewerkschaftern bereitgestellt worden.

Als

besonders wirksam für die Unterstützung kleinerer Projekte auf Gemeindeebene hat sich der Selbsthilfefonds des Botschafters erwiesen - bei etwa
37 Projekten mit einem Kostenaufwand von 275 000 Dollar in diesem Jahr.
Ferner haben wir über private Gruppen rund 500 000 Dollar an Katastrophenhilfe in DUrregebieten zur Verfügung gestellt - davon die Hälfte in
einem Verhältnis von eins zu drei, wobei wir unterstrichen haben, daß die
Südafrikaner selbst den Hauptanteil dieser Verantwortung tragen sollten.

Diese Bemühungen mögen nicht augenfällig sein, aber sie sind die notwendigen Bausteine eines konstruktiven Vorgehens in Richtung auf den Wandel.

Wenn man sie im Zusammenhang sieht mit den weitaus größeren Bemü-

hungen der Firmen, die das Sullivan-Abkommen unterzeichnet haben, sowie
den Bemühungen der großen Reihe amerikanischer Stiftungen, Universitäten,
Gewerkschaften und anderer privater Organisationen, dann wird klar, wofür
wir in Südafrika einstehen.

Aber es könnte noch mehr getan werden, und

wir sind zur Zusammenarbeit mit dem Kongreß bereit, wenn es darum geht,
zusätzliche Bereiche einer konstruktiven Aktivität festzulegen.

Schwarze

Südafrikaner, die ihre Lebensqualität, ihren Lebensstandard und ihren
Handlungsspielraum

verbessern

wollen

und

nach

Chancengleichheit

und

gleichberechtigter Teilnahme an allen Aspekten des Lebens in Südafrika
streben, wünschen sich nichts sehnlicher als Unterstützung auf einer
Vielzahl von Gebieten.

Dazu gehören die medizinische Versorgung, faire

Beschäftigungspraktiken

und gewerkschaftliche

Beziehungen, das Erzie-

hungs- und Ausbildungswesen, rechtliche Dienstleistungen sowie Wohnungsmöglichkeiten.

Wenn auch die Frage der politischen Rechte weiterhin von

überragender Bedeutung ist, so stehen diese Gebiete erweiterter Chancen
- 12 -

�erweiterter Chancen und Möglichkeiten doch ebenfalls hoch auf der Liste
der Prioritäten der Schwarzen. Wir werden sie nicht ignorieren.

Folgerungen für die Politik in der Region

Frau Vorsitzende, wenn ich jetzt zum Schluß komme, so möchte ich doch
nicht versäumen, noch kurz auf unsere regionalen Anstrengungen und Erfolge im südlichen Afrika einzugehen.

Nach drei Jahren aktiver Diplomatie

mit allen betroffenen Staaten in dieser Region sowie mit unseren Verbündeten sind wir der nationalen Unabhängigkeit Namibias näher als jemals
zuvor.

Obwohl sich die Verhandlungen in einem kritischen Stadium befin-

den, haben wir Grund zu der Annahme, daß wir vielleicht kurz vor den fundamentalen politischen Entscheidungen über die Verwirklichung der Resolution 435 und einem Abkommen über die Frage der kubanischen Truppen in
Angola stehen. Wir haben die Basis für eine Regelung umrissen und sind
einfach zum

Erfolg verpflichtet. Vor einer breiteren regionalen Grund-

lage aus gesehen ist das Ausmaß der grenzüberschreitenden Gewalt im südlichen Afrika zurückgegangen.

Trotz grundlegender politischer Meinungs-

verschiedenheiten werden sich die Nachbarn immer mehr der Verantwortung
für Koexistenz bewußt.
aus.

Kontakte und Kommunikation weiten sich ständig

Die Rolle der Vereinigten Staaten ist die eines Katalysators. Vto

diese Rolle von beiden Seiten begrüßt wird, werden wir sie auch spielen.
Eines möchte ich jedoch ganz klar machen:
strebungen beteiligen, die Beziehungen

Wir werden uns nicht an Be-

zwischen Südafrika und

Nachbarn einer Standardformel zu unterwerfen.

seinen

Jede Beziehung ist ver-

schiedenartig und muß für sich allein gesehen werden.

Das ins Auge fal-

lende Beispiel Namibias und Südafrikas - die ein formelles Abkommen abgeschlossen haben, entsprach den Erfordernissen dieser beiden Parteien.
Koexistenz kann mancherlei Formen annehmen. Was wir jedoch unterstützen,
ist ein regionales Klima des Dialogs, das Verhandlungen und
lichen Wandel eine Chance gibt.

dem fried-

Wir können stolz darauf sein, daß die

Doktrinen des Guerilla-Krieges und des Kasernenstaates - zumindest für
den Augenblick - überwunden worden sind, da die betroffenen Parteien andere Möglichkeiten erkunden. Wir wünschen, daß sie alle Erfolg haben.

- 13 -

�Hintergrund
materiell
United States Information Service
Embassy of the United States of America

3. Oktober 1984

40

ROLLE DES AMERIKANISCHEN VIZEPRÄSIDENTEN ZUNEHMEND WICHTIGER
- Von Fred Barnes -

Nachdruck mit freundlicher
Genehmigung der "Baltimore Sun"

-(AD)- Nachdem Walter Mondale aufgrund seines guten Abschneidens in
der Schlußrunde der Vorwahlen in den Vereinigten Staaten im Juni dieses
Jahres sicher sein konnte, daß ihn die Demokratische Partei zu ihrem Präsidentschaftskandidaten nominieren würde, zog er sich ins heimatliche
Minnesota zurück, um, wie er sagte, "über die wichtigste Entscheidung
nachzudenken, die ich als Kandidat zu treffen habe."
Diese Entscheidung bezog sich jedoch weder darauf, welche Politik er
im Wahlkampf zu V9rtreten habe, noch darauf, welche Taktik in der letzten
Phase des Duells mit Präsident Reagan im Herbst zu wählen sei. Was Mondale veranlaßte, sich in die Abgeschiedenheit Minnesotas zu flüchten, war
die Entscheidung darüber, wen er zu seinem Kandidaten für die Vizepräsidentschaft bestimmen solle. Er fällte seinen Entschluß erst, nachdem er

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�nachdem er einen Monat lang persönliche Gespräche mit möglichen Anwärtern
geführt, mit Dutzenden von Führern der Demokratischen Partei telephoniert, seine Berater und WahlkampfStrategen konsultiert und selbst lange
nachgegrübelt hatte.

Die Kandidatin seiner Wahl war schließlich Geraldine Ferraro, eine
kaum bekannte Kongreßabgeordnete aus New York. Sie ist die erste Frau,
die jemals von einer der großen Parteien in den Vereinigten Staaten als
Vizepräsidentschaftskandidatin aufgestellt worden ist. Ihre Nominierung
wurde von der Parteiführung der Demokraten wie von den Feministinnen
gleichermaßen begrüßt und eine Woche später auf dem Nationalen Parteitag
der Demokraten begeistert angenommen.

Die Nominierung von Geraldine Ferraro löste eine ungewöhnliche Welle
des Interesses an den Unterschieden zwischen den Vizepräsidentschaftskandidaten der beiden Parteien aus.

Daß ein Präsidentschaftskandidat ein derartiges Maß an Sorgfalt auf
die Auswahl seines möglichen Vizepräsidenten verwendet, ist in der amerikanischen Politik eine relativ neue Erscheinung. Auf den ersten Blick mag
es auch seltsam erscheinen, daß man so viel Zeit darauf verwendet, die
geeignete Person für einen Posten zu finden, dessen Inhaber keine wirkliche Macht in Händen hat.

Im amerikanischen Regierungssystem hat der Vizepräsident schließlich
nur eine einzige offizielle Aufgabe, die darin besteht, den Vorsitz über
den Senat, das Oberhaus der gesetzgebenden Körperschaft des Landes, zu
führen und, falls nötig, mit seiner Stimme ein Patt bei Abstimmungen zu
verhindern. Tatsächlich führen Vizepräsidenten jedoch höchst selten den
Vorsitz - die Senatoren bestimmen dazu in der Regel jemanden aus ihren
eigenen Reihen -, und die Notwendigkeit zur Stimmabgabe zwecks Abwendung
eines drohenden Patts ergibt sich höchstens drei- oder viermal im Jahr.
Warum hat dann die Auswahl des Kandidaten für die Vizepräsidentschaft im
Verlaufe der letzten 25 Jahre eine solche Bedeutung erlangt ? Nun, aus
dreierlei Gründen:
Erstens: Wenn
- 2 -

�Erstens: Wenn man bedenkt, daß von den letzten acht Präsidenten vier
zuvor den Posten des Vizepräsidenten innehatten, kann man mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, daß der Inhaber dieses Amtes
eines Tages seinen Weg ins Weiße Haus machen wird.

Zweitens: Die Vizepräsidenten der jüngsten Vergangenheit

haben als

Vertreter und Berater ihrer Präsidenten eine weitaus gewichtigere Rolle
gespielt, als noch ihre Vorgänger vor zehn Jahren.
Drittens: Die Anwärter auf die Vizepräsidentschaft spielen heutzutage
im Wahlkampf eine viel bedeutsamere Rolle, als dies in der Vergangenheit
der Fall war.
Im Jahre 1896 beispielsweise erschien dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten William McKinley die Auswahl seines Stellvertreters so
bedeutungslos, daß er sich bereit erklärte, Theodore Roosevelt für dieses
Amt zu nominieren, nur um ihn den Führern der Republikanischen Partei von
New York vom Hals zu schaffen. Roosevelt hatte sie mit seiner Politik als
Gouverneur des Staates New York verärgert.
Im Jahre 1944 konnte sich der demokratische Präsident Franklin Roosevelt einer vierten Wiederwahl keineswegs sicher sein, gleich, wer sein
Vizepräsident war. Dennoch ging er bereitwillig auf die Wünsche der Parteiführung ein und ließ Henry Wallace, der in der Innen- wie in der Außenpolitik zunehmend linksgerichteten Positionen zuneigte, zugunsten von
Harry Truman fallen, einem Senator, der bis dahin keinerlei staatsmännisches Profil gezeigt hatte.
Und selbst noch im Jahre 1964 nominierte der Republikaner Barry Goldwater ungerührt einen obskuren Kongreßabgeordneten aus New York, William
Miller, als seinen Stellvertreter. Wie Goldwater zu verstehen gab, lag
der einzige Grund für diese Auswahl angeblich darin, daß Miller "Lyndon
Johnson zur Weißglut bringt." Präsident Johnson war der demokratische Gegenspieler Goldwaters.

Tatsächlich steckte hinter Millers Nominierung aber doch etwas mehr.
- 3 -

�etwas mehr. Miller besaß zumindest eine der Eigenschaften, die man für
einen Vizepräsidentschaftskandidaten für wichtig hält: er kam aus einem
anderen

Teil

des Landes

als der Präsidentschaftskandidat.

Goldwater

stammt aus Arizona.
Es sind solche Überlegungen, die sich hinter dem Schlagwort vom Aufstellen einer ausgewogenen Mannschaft verbergen. Sie beruhen auf der Vorstellung, daß der Vizepräsidentschaftskandidat möglicherweise in dem Landesteil, aus dem er stammt, Wählerstimmen gewinnen kann, die dem Präsidentschaftskandidaten andernfalls nicht zugefallen wären. Da die beiden
Kandidaten als Team antreten, ist jeder, der für den

Vizepräsident-

schaftskandidaten stimmen will, gezwungen, auch den Präsidentschaftskandidaten zu wählen.
Regionale Gewichtungen dieser Art spielen in den politischen Überlegungen seit langem eine wichtige Rolle, aber nur im Wahlkampf des Jahres
1960 waren sie wirklich entscheidend. Damals wählte der demokratische
Präsidentschaftskandidat John Kennedy aus Massachusetts den Texaner Lyndon Johnson, der noch in dem Rennen um die Nomierung für die Präsidentschaft sein Rivale gewesen war, als seinen VizepräsidentSchaftskandidaten
aus.
Kennedy wurde mit knappem Vorsprung Wahlsieger. Ohne Johnson an seiner Seite, der in Texas, wo der Katholik Kennedy bei den Wählern nicht
ankam, Stimmen mobilisiert hatte, wäre Kennedy wahrscheinlich von dem Republikaner Richard Nixon geschlagen worden.
Kennedy hatte nicht nur erfolgreich vorgeführt, was man mit einem
ausgewogenen Team erreichen kann; zu seiner Hinterlassenschaft gehört
noch ein anderes Moment, das seitdem bei der Bestimmung des Vizepräsidentschaftskandidaten berücksichtigt wird. Da Kennedy ermordet wurde,
übernahm der von ihm ausgewählte Mann das Amt des Präsidenten. Seit jener
Zeit pflegen die Wähler die Vizepräsidentschaftskandidaten etwas genauer
in Augenschein zu nehmen, um sich ein Urteil darüber zu bilden, ob sie
das Zeug dazu haben, gegebenenfalls ins Amt des Präsidenten aufzurücken.
Als Mitbewerber

�Als Mitbewerber den Vertreter eines anderen Landesteils zu ernennen, ist jedoch nicht die einzige Möglichkeit, ein Parteiprogramm
auszubalancieren. Man kann dies auch in ideologischer Hinsicht tun,
wie dies Ronald Reagan, ein Konservativer, mit großem Erfolg 1980
vorexerzierte, als er George Bush, einen Vertreter der gemäßigten
Linie, auswählte.

Mit Bush gelang es Reagan, die Befürchtungen der gemäßigten Republikaner zu zerstreuen, er würde zu konservativ und ideologiebefrachtet sein. Die Folge davon war, daß Gemäßigte wie der damalige
Gouverneur William Milliken aus Michigan und Howard Baker aus Tennessee , im Senat Fraktionsvorsitzender der Republikanischen Partei, sich
nunmehr überzeugt für Reagan einsetzten.
In der Partei herrschte Eintracht - ganz im Gegensatz zu den
Verleumdungen mancher Gemäßigter, mit denen sich 1964 Goldwater auseinanderzusetzen hatte, als er einen ideologisch völlig Gleichgesinnten zu seinem Mitbewerber machte.
Eine neue Möglichkeit des Ausgleichs besteht darin, eine Frau zu
wählen, wie es in diesem Jahr Mondale mit Frau Ferraro machte. Es war
dies eine Geste gegenüber der so stark politisierten Frauenbewegung,
und es wurde hiermit die Möglichkeit angesprochen - bislang sprechen
politische Theoretiker davon nur im Privaten -, daß Mitbewerber um
die Präsidentschaft automatisch Frauen sein werden.

Eine derartige Entwicklung wird davon abhängen, wie man den Erfolg von Frau Ferraro im Wahlkampf beurteilt. Wird der Eindruck vorherrschen , sie sei für Mondale eine Hilfe gewesen - indem sie vielleicht Millionen von unabhängigen wie republikanischen Frauenstimmen
holt -, dann könnte ein Ausgleich nach Geschlecht durchaus obligatorisch werden. Sollte man in ihr jedoch eher eine Schwächung des
Tickets oder einen Faktor sehen, der vernachlässigt werden kann, dann
wiederum dürfte ein solcher Ausgleich politisch nicht mehr gefragt
sein.
Immer
_ 5 .

aber

muß

�Immer aber muß die gewählte Person den Grundtest bestehen: Sie
muß die Qualitäten haben, die Präsidentschaft zu übernehmen. Natürlich hat dieser Test etwas Subjektives, und Frau Ferraro schien ihn
bestanden zu haben, auch wenn sie erst seit 1979 im Kongreß sitzt.
Erfahrungen in einem öffentlichen Amt konnte sie ansonsten nur als
stellvertretende Staatsanwältin in New York sammeln.

Um zu beweisen, daß sein Mitbewerber über die notwendigen Qualifikationen verfügt, ihn gegebenenfalls zu ersetzen, muß ein Präsidentschaftskandidat

eine

sorgfältige und mühsame Auswahl treffen.

Dennoch: Bis Carter vor acht Jahren Kandidat der Demokraten wurde,
war dieser Prozeß eher etwas ziellos. Und selbst wenn ein Kandidat
größte Sorgfalt bei der Auswahl seines Mitbewerbers walten läßt, so
kann er doch Aspekte übersehen, die sich später als problemreich erweisen.
Da er die eigentlichen Entscheidungsträger der Partei nicht allzu gut kannte, beauftragte Carter seinen engsten Mitarbeiter, Hamilton Jordan, damit, alle demokratischen Gouverneure und Senatoren sowie prominente Mitglieder des Repräsentantenhauses und Bürgermeister
auf der Grundlage ihrer Integrität, Fähigkeit und politischen Akzeptanz hin aufzulisten. Und es war auch Carter, der die Praxis einführte , mögliche Mitbewerber im persönlichen Gespräch kennenzulernen, wobei er mehrere von ihnen in sein Haus in das entlegene Plains in
Georgia zu Einzelgesprächen kommen ließ.
Mondale war verständlicherweise von dem Vorgehen Carters beeindruckt , zumal auf ihn schließlich dessen Wahl fiel. Infolgedessen
ging er im Juni praktisch auf gleiche Weise vor, nachdem er zum
Präsidentschaftskandidaten

nominiert

worden

war.

Er

beauftragte

seinen engsten Mitarbeiter, John Reilly, damit, den Auswahlprozeß zu
beaufsichtigen - wie Carter dies damals getan hatte.

Genau wie jener
sorgte

führte Mondale sieben Interviews durch und

für Gespräche mit

jeweils mindestens einem Vertreter der

größten Interessenvertretungen

in der Partei - Schwarzen, Frauen,

Hispanics, Liberalen und Südstaatlern. Aber nach einem schwierigen
- 6-

�nach einem schwierigen

Kampf um die Nominierung lag auch noch ein

anstrengender Parteitag vor ihm, und er konzentrierte sich deshalb
darauf, jemanden auszuwählen, der unter den Delegierten keinen Widerspruch entfachen würde.

Hätte er den moderaten texanischen Senator Lloyd Bentsen genommen , der dem Ticket ideologisch Gleichgewicht gegeben hätte, so hätten die Liberalen und Feministen lautstark protestiert. Frau Ferraro
stellte sie zufrieden, und

die

Gemäßigten

akzeptierten

sie ohne

Murren.

Aber Qualifikationen für das Amt - wie etwa Erfahrung bei nationalen Themen - sind nicht alles, was ein Kandidat braucht. Seit dem
Wahlkampf des Jahres 1976 beschäftigen sich das Fernsehen und die
Presse ständig mit dem Vizepräsidentschaftskandidaten - und entsprechend werden auch seine Einstellung, seine Persönlichkeit und sein
Verhalten den liyählern bekannt.

Die Aufmerksamkeit der Medien fällt rasch auf sie, wie dies bei
Frau Ferraro der Fall war - auch wenn derlei, dem Argument mancher
politischer Analytiker zufolge, vermieden werden sollte, da der Kandidat für die Vizepräsidentschaft dadurch den Präsidentschaftskandidaten selbst in den Schatten stellt oder in politische Querelen gerät, die von den Medien natürlich gern aufgegriffen werden. Zu Mondales Mißbehagen geschah dies schon, kurz nachdem er Frau Ferraro
ausgewählt hatte.

Trotz seiner gründlichen Analyse ihres Hintergrundes fand er
nichts, was ihn hinsichtlich ihrer verworrenen Finanzen alarmiert
hätte. Aber zwei Wochen lang waren ihr Einkommen und das ihres Ehemannes sowie die Frage nach den von ihr gezahlten Steuern Hauptthema
des Wahlkampfes. Frau Ferraro konnte zwar die Kontroverse durch einen
eindrucksvollen

Auftritt

bei

einer

zweistündigen

Befragung

durch

Reporter aus der Welt schaffen, doch blieb ihr die Peinlichkeit nicht
erspart, über 50 000 Dollar an Steuern nachzahlen zu müssen.
- 7-

Aber

es

hätte

�Aber es hätte schlimmer sein können - wie dies bei dem demokratischen Kandidaten McGovern 1972 der Fall war. Er ernannte Senator
Thomas Eagleton

aus Missouri zu seinem Mitbewerber, mußte jedoch

schon einige Tage später erfahren, daß Eagleton sich wegen einer
psychischen Krankheit einer Elektroschocktherapie unterzogen hatte.

McGovern war gezwungen, Eagleton fallenzulassen, und diese Episode hinterließ bei vielen Wählern den Eindruck, McGovern, der bei
der wichtigen Entscheidung des Mitbewerbers versagt hatte, sei auch
als Präsident nicht der richtige Mann.

Politisch gesehen gibt es einen richtigen Zeitpunkt, zu dem der
Mitbewerber die Aufmerksamkeit auf sich ziehen muß - wenn nämlich die
landesweit übertragenen Debatten im Fernsehen stattfinden. Der erste
Wettstreit dieser Art für die Kandidaten der Vizepräsidentschaft fand
1976 statt, wobei Mondale sich so überzeugend gegen Robert Dole,
Gerald Fords Mitbewerber, durchsetzte, daß dieser Sieg sogar mit dazu
beigetragen haben dürfte, die Wahlen zugunsten von Carter zu entscheiden.

1980 gab es keine Debatte zwischen den Vizepräsidentschaftskandidaten; beide Seiten hatten genug Mühe damit, sich auf eine Debatte zwischen den Kandidaten für die Präsidentschaft selbst zu einigen. Die Gegenüberstellung Ferraro - Bush dürfte jedoch eines der
Hauptereignisse dieses

Wahlkampfes sein, wobei wohl das noch nie

Dagewesene einer Frau als Mitbewerberin der wesentliche Grund für das
Interesse sein wird. Debatten zwischen den Vizepräsidentschaftskandidaten könnten aber durchaus ständiger Teil der Präsidentschaftswahlkämpfe werden.
+ + + + +

- 8 -

�Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

40

3. Oktober 1984

LICHT ALS VERBÜNDETER
- Unkrautbekämpfung auf neuen Wegen -

- (AD) - Eine neue Gruppe wirksamer, für die Umwelt nicht schädlicher
Unkrautvertilgungsmittel wurde von Wissenschaftlern der Universität Illinois in Urbana-Champaign entwickelt.

Sie bezeichnen die Stoffe als "La-

ser "-Herbizide, weil Sonnenlicht erforderlich ist, um den Zerstörungsmechanismus in Gang zu setzen.

Hauptkomponente der Herbizide ist eine normalerweise harmlose Aminosäure,die in allen pflanzlichen und tierischen Organismen vorhanden ist.
Es handelt sich um Delta-Amino-Lävulinsäure
für den grünen Pflanzenfarbstoff Chlorophyll.
Synthese von Tetra-Pyrrol-Molekülen.

(ALA), einen der Bausteine
Pflanzen benutzen ALA zur

Das sind überaus lichtempfindliche

chemische Verbindungen, unentbehrlich für die Bildung von Chlorophyll.
Dieses wiederum ist notwendig in der Photosynthese beim Aufbau von Kohlehydraten aus Kohlendioxid und Wasser mit der Energie des Sonnenlichts.

Erst die Fortschritte, die in jüngster Zeit bei der Erforschung der

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�Erforschung der komplizierten Aufbauprozesse für Chlorophyll und bestimmter Reaktionen bei der Photosynthese gemacht werden konnten, haben die
Entwicklung der "Laser"-Herbizide ermöglicht.

Da deren Ilauptbestandteil

eine biologisch abbaufähige Verbindung ist, die in allen Pflanzen und
Tieren vorkommt, müßte sie nach Ansicht der Wissenschaftler auch unter
umwelthygienischen Gesichtspunkten sicher sein.

Dies wurde von Prof.

Constantin A. Rebeiz (Pflanzenphysiologie) und Prof. Herbert J. Ilopen
(Acker- und Pflanzenbau), den beiden Leitern des Teams von der Universität Illinois, ausdrücklich hervorgehoben.

Die Funktionsweise der "La-

ser "-Herbizide basiere darauf, daß sie die Pflanze veranlassen, lichtempfindliche Chemikalien zu speichern, die unter Einwirkung des Sonnenlichtes in einer Kettenreaktion den Zerstörungsprozeß in Gang setzen.
"Die Pflanzen begehen im wahrsten Sinn des Wortes Selbstmord", sagt
Rebeiz.

Dies sei sowohl vom Mechanismus her als auch in bezug auf Um-

weltauswirkungen ein echter Durchbruch in der Entwicklung von Herbiziden.

"Unsere Forschungen sind auf Unkrautvertilgungsmittel ausgerichtet,

die über eine fest vorgezeichnete und neuartige Wirkungsweise auf der
Basis zuverlässiger biochemischer Prinzipien unerwünschte Pflanzen zerstören. "

Das Herbizid wird kurz vor Anbruch der Nacht versprüht und vom Unkraut absorbiert.

Durch einen chemischen Aktivator

im Herbizid ver-

stärkt, werden in der Dunkelheit mit der zugesetzten ALA-Verbindung sehr
rasch neue Tetrapyrrolgruppen gebildet.

Da Licht fehlt, werden diese

nicht zu Chlorophyll "weiterverarbeitet", sondern bauen bis zum Morgen
ein großes Reservoir lichtempfindlicher Chemikalien auf.

Die Situation

sei ähnlich, so Dr. Rebeiz, wie bei einem langsam aufgefüllten Pulverfaß. Ein Streichholz genüge - in diesem Fall Sonnenlicht -&gt; "um das Pulver zu zünden".

Was sich in der Nacht bilde, sei eine Art kritischer

Masse, in der das Sonnenlicht eine Kettenreaktion auslöse.

Die unter

Lichteinv/irkung in Gang genetzten chemischen Reaktionen führen zur Bildung freier Radikale, durch die die Gewebsstruktur der Pflanzenzellen mit
der Bildung von immer mehr freien Radikalen zerstört werde.

Schließlich

werden die Zellmembranen undicht, die Pflanze "blutet aus".

Sie ver-

trocknet rasch und stirbt ab.

Nach den

�Nach den bisherigen Erfahrungen von

Rebeiz und Hopen sind auf diese

Weise zahlreiche Arten von lästigem Unkraut zu vernichten, wälirend Nutzpflanzen wie Baumwolle oder Sojabohnen zwar im Blattwerk vorübergehend
leichte Schäden aufweisen, dagegen Getreide wie Vfeizen, Hafer, Mais und
Gerste so gut wie gar nicht beeinträchtigt v/erden. Weshalb das so ist,
können die Wissenschaftler noch nicht erklären.

Zur Behandlung von einem

Hektar Fläche genügen ca. 220 g des "Laser"-Herbizids.

Nach Angaben der Wissenschaftler habe man mit den Arbeiten zur Entwicklung geeigneter Verbindungen im Dezember 1982 begonnen, nachdem eine
andere von Prof. Rebeiz geleitete Gruppe einen einmischen Stoff entdeckt
hatte, der bei Pflanzen die Grünfärbung verhinderte.

Rebeiz und Hopen

versuchen jetzt, Verbindungen zu identifizieren, die bei Pflanzen die Eigenproduktion von ALA steigern.
Die Universität Illinois hat bereits die Patentrechte für "Laser "Herbizide erworben. Gegenwärtig bemühen sich in den USA vier Firmen für
agrarwirtschaftliche Produkte um Rechte zur Durchführung

ausgedehnter

Feldversuche und zur Herstellung der entsprechenden Präparate, was zu
günstigeren Preisen führen dürfte.

Denn diese sind bisher noch verhält-

nismäßig hoch.

Die Forschungsarbeiten wurden von der Nationalen Wissenschaftsstiftung der Vereinigten Staaten (NSF) im Rahmen ihres Programms "Stoffwechselbiologie" finanziert.

- 3 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Umfassender Meinungsaustausch mit Außenminister Gromyko&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rundfunkansprache des US-Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan-Gromyko-Begegnung diente der Sache des Friedens&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz von US-Außenminister Shultz -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unterstaatssekretär Crocker erläutert Südafrikapolitik der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung vor dem Afrika-Unterausschuss des US-Senats -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rolle des amerikanischen Vizepräsidenten zunehmend wichtiger&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Fred Barnes -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Unkrautbekämpfung auf neuen Wegen -&lt;/em&gt;</text>
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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

39

DEUTSCHE EINHEIT

üntted States InformstJon Ssrvte»
Embassy ot tne Uniteti Jüatos &lt;.•: .-vnefica
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Deichmanns Aue 29
5300Bonn2

3. Oktober 1990

BUSH LEITET VERTRAG ÜBER
VEREINIGUNG DEUTSCHLANDS
DEM SENAT ZU
Erklärung des Präsidenten, Text des Schreibens

SENAT ERÖRTERT DEN VERTRAG
ÜBER DIE ABSCHLIESSENDE REGLUNG
IN BEZUG AUF DEUTSCHLAND
Anhörung von Robert Zoellick im Senat

GOLFKRISE

UNO-REAKTIONEN AUF IRAKS
AGGRESSION "BEISPIELLOS"
Rede von Präsident Bush vor der
UN-Generalversammlung
BAKER: ÜBERGANG ZUR TAGESORDNUNG
MIT DEM IRAK UNMÖGLICH
Rede vor dem UN-Sicherheitsrat

KSZE

BUSH DRÄNGT KSZE ZU KONSOLIDIERUNG
DER FREIHEIT
Ansprache beim KSZE-Treffen in New York

WETLBANK/IWF

BUSH: ERFOLG DER GATT-RUNDE
UNABDINGBAR
Rede des Präsidenten bei Weltbank und IWF

SOWJETISCHE
MILITÄRMACHT

PENTAGON: SOWJETISCHE MILITÄRMACHT
IMMER NOCH "ENORM"
Auszüge aus "Die sowjetische Militärmacht 1990"

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�DEUTSCHE

EINHEIT
3. Oktober 1990

BUSH LEITET VERTRAG ÜBER VEREINIGUNG
DEUTSCHLANDS DEM SENAT ZU
Erklärung des Präsidenten, Text des Schreibens
WASHINGTON - (AD) - In einer Zeremonie im Rosengarten des Weißen Hauses hat Präsident Bush am 25.
September 1990 ein Schreiben an den Senat unterzeichnet, in dem dieser um die Zustimmung zum Vertrag über
die Vereinigung der beiden deutschen Staaten gebeten wird.
Nachfolgend veröffentlichen wir die von Präsident Bush aus diesem Anlaß abgegebene Erklärung sowie das
Schreiben an den Senat im Wortlaut.

Herr Botschafter, ich heiße Sie nochmals im Weißen
Haus willkommen. Außenminister Baker, verehrte
Gäste, ich freue mich, Sie alle zu diesem historischen
Ereignis begrüßen zu können.
In wenigen Minuten werde ich ein Schreiben an den
Senat der Vereinigten Staaten unterzeichnen, in dem
ich um seinen Rat und seine Zustimmung zur Ratifizierung des Vertrags über die abschlie ßende Regelung in
bezug auf Deutschland bitte. Dieser Vertrag bildet den
Höhepunkt sechsmonatiger Verhandlungen zwischen
den sechs Unterzeichnerstaaten - den beiden deutschen Staaten sowie den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich und der Sowjetunion. Darüber
hinaus bildet erden Höhepunkt von über vierzig Jahren
westlicher Entschlossenheit, von den dunkelsten Stunden des kalten Krieges bis zu den strahlenden neuen
Horizonten, die sich heute vor uns eröffnen.
Dieser Vertrag wird die künstliche Teilung Deutschlands und Berlins beenden. Er wird ferner die Souveränität Deutschlands über sein gesamtes Staatsgebiet
wiederherstellen und alle Rechte und Pflichten der Vier
Mächte aufheben. Dieser Vertrag macht den Weg zur
Erlangung des Ziels frei, das wir Amerikaner seit
langem mit dem deutschen Volk gemeinsam haben ein vereinigtes, demokratisches und souveränes
Deutschland.
Ich beglückwünsche Bundeskanzler Kohl und das so
lange geteilte deutsche Volk sowohl im Osten als auch
im Westen Deutschlands und in Berlin, daß sie ihren

AMERIKA DIENST 39

Traum von nationaler Selbstbestimmung so lange
lebendig erhalten haben. Zusammen mit unseren
Partnern im Atlantischen Bündnis sind wir Amerikaner
stolz darauf, Ihnen bei Ihrer langen Wacht zur Seite
gestanden zu haben. Wir sind besonders stolz darauf,
daß wir im vergangenen Jahr mit Ihnen auf das gemeinsamen Anliegen der Einheit Deutschlands hingearbeitet haben.
Unsere Politik, unser Engagement ist mit der Annäherung an dieses Ziel niemals schwankend geworden.
Heute teilen Deutsche und Amerikaner die Früchte
unserer Freundschaft, und gemeinsam mit unseren
deutschen Freunden blicken wir mit Hoffnung und
Zuversicht in die Zukunft des Neuanfangs, der durch
diesen Vertrag ermöglicht wird.
Stellvertretend für das amerikanische Volk und meine
Vorgänger im Amt des Präsidenten, die diese gemeinsame Entschlossenheit aufrechterhielten, freue ich
mich, dieses Schreiben unterzeichnen zu können, mit
dem dieses historische Dokument dem Senat zur
Beratung und Zustimmung zugeleitet wird.
Ich möchte besonders Außenminister Baker meinen
Dank aussprechen, der sich so intensiv dafür eingesetzt hat und noch einmal erklären, daß es mir ein
Vergnügen war, mit Bundeskanzler Kohl und anderen
Persönlichkeiten aus Deutschland bei dieser wichtigen
Frage zusammenzuarbeiten.
(Ende der Erklärung des Präsidenten)

Seite 1

�Text des Schreibens an den Senat:
An den Senat der Vereinigten Staaten
Ich leite hiermit den Vertrag über die abschließende
Regelung in bezug auf Deutschland und eine vereinbarte Protokollnotiz, die von den Vereinigten Staaten,
der Bundesrepublik Deutschland, der Deutschen
Demokratischen Republik, der Französischen Republik, der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken
und dem Vereinigten Königreich von Großbritannien
und Nordirland am 12. September 1990 in Moskau
unterzeichnet wurden, dem Senat zur Beratung und
Ratifizierung zu. Zur Information des Senats unterbreite ich ferner einen Bericht des Au ßenministeriums
zu diesem Vertrag.
Der von mir heute unterbreitete Vertrag bildet den
Höhepunkt sechsmonatiger Verhandlungen zwischen
den sechs Unterzeichnerstaaten, die als "Zwei-plusVier"-Forum bekanntgeworden sind, das zu diesem
Zweck im Februar 1990 in Ottawa ins Leben gerufen
wurde. Mit dieser Vereinbarung wird die künstliche
Teilung Deutschlands und Berlins beendet. Sie sieht
den vollständigen Abzug aller sowjetischen Streitkräfte innerhalb der nächsten vier Jahre vor. Darüber
hinaus hebt sie sämtliche verbleibenden Rechte und
Pflichten der Vier Mächte für Berlin und Deutschland
als Ganzes auf. Sie schafft deshalb die Grundlage für
die Entstehung einer vereinten, demokratischen und
souveränen Bundesrepublik Deutschland, die in der
Lage und bereit ist, volle und aktive Partnerschaft im
Nordatlantischen Bündnis, der Europäischen Gemeinschaft und den vielen anderen Foren internationaler
Zusammenarbeit zu übernehmen, zu denen die Bundesrepublik Deutschland bereits bedeutende Beiträge
geleistet hat.
Der Vertrag legt fest, daß die gegenwärtigen Grenzen
der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen
Demokratischen Republik die endgültigen und definitiven Grenzen des vereinigten Deutschlands sein werden. Sämtliche Regelungen in bezug auf die Grenzen
Deutschlands mit Polen wurden mit Beteiligung und
Zustimmung der polnischen Regierung ausgehandelt.
Der Vertrag legt fest, daß das Recht eines vereinten
Deutschlands, Bündnissen mit allen daraus resultierenden Rechten und Pflichten anzugehören, nicht
durch irgendwelche Bestimmungen des Vertrags
beeinträchtigt werden soll.
Der Vertrag sieht den Abzug aller sowjetischen Truppen von Gebiet eines vereinigten Deutschlands bis
Ende 1994 vor. Darüber hinaus verbleiben laut Vertrag
auf Antrag der deutschen Regierung die britischen,
französischen und amerikanischen Truppen während
der Übergangszeit in Berlin. Während dieser Zeit hat
die deutsche Regierung völlig freie Hand bezüglich der
Stationierung territorialer Verteidigungseinheiten ihrer
Streitkräfte auf dem Gebiet der ehemaligen Deutschen
Demokratischen Republik. Diese Streitkräfte gehören
Seite 2

nicht der integrierten militärischen Kommandostruktur
der NATO an. Im Anschluß an den Abzug der sowjetischen Truppen im Jahr 1994 wird es keine weiteren
Begrenzungen im Hinblick auf den Standort der deutschen Streitkräfte in ganz Deutschland und ihre Integration in NATO-Strukturen geben. Nichtdeutsche
verbündete Streitkräfte und Kemwaffensysteme werden nicht auf den Territorium der heutigen Deutschen
Demokratischen Republik stationiert oder disloziert.
Die vereinbarte Protokollnotiz - die ich Ihnen ebenfalls
zur Beratung und Zustimmung vorlege - definiert
bestimmte Vorschriften für die Anwendung des Terminus "disloziert".
Der Vertrag enthält eine Reihe von im Namen eines
vereinigten Deutschlands von der Bundesrepublik
Deutschland und der Deutschen Demokratischen
Republik gegebenen Zusicherungen. Unter ihnen sind
die Bekräftigung ihres Verzichts auf nukleare, biologische und chemische Waffen sowie ihre erklärte Absicht, die Personalstärke der deutschen Streitkräfte im
Verlauf von drei oder vier Jahren auf 370 000 Mann zu
reduzieren.
Schließlich sieht der Vertrag die Aufhebung aller verbleibenden Rechte und Pflichten der Vier Mächte für
Berlin und Deutschlands als Ganzes vor.
Darüber hinaus möchte ich die Aufmerksamkeit des
Senats auf den Wortlaut von drei Briefen lenken, die im
Zusammenhang mit sich aus der Vereinigung der
beiden deutschen Staaten ergebenden Fragen ausgetauscht wurden (dem Bericht des Außenministeriums
als Anlage beigefügt). Bei dem ersten Schreiben
handelt es sich um einen Brief von Außenminister
Baker an den Außenminister der Bundesrepublik
Deutschland, Hans-Dietrich Genscher, mit Datum vom
11. September 1990. Das zweite Schreiben ist ein
Brief von Außenminister Genscher und dem Ministerpräsidenten und Au ßenminister der Deutschen Demokratischen Republik, de Maiziere, an ihre Amtskollegen bei den Zwei-plus-Vier-Verhandlungen mit Datum
vom 12. September 1990. Das dritte Schreiben datiert
vom 18. September 1990 und wurde von Außenminister Genscher an seinen Amtskollegen Baker gerichtet.
In ihrem Schreiben vom 12. September an ihre Amtskollegen bei den Zwei-plus-Vier-Verhandlungen übermitteln der Außenminister der Bundesrepublik Deutschland, Genscher, und der Ministerpräsident undAußenminister der Deutschen Demokratischen Republik, de
Maiziere, offiziell mehrere zusätzliche Zusicherungen.
Darin enthalten ist ihre Erklärung, daß die Verfassung
eines vereinigten Deutschlands die freie demokratische Ordnung wahren und die dauerhafte Grundlage
zum Verbot von Parteien und Vereinigungen mit nationalsozialistischen Zielen bieten wird. In seinem Schreiben mit Datum vom 18. September an Außenminister
Baker stellt Au ßenminister Genscher ferner unmi ßverständlich fest, daß die Regierung eines vereinigten

AMERIKA DIENST 39

�Deutschlands die Verantwortung für die Abwicklung
ungeklärter Ansprüche gegen die Deutsche Demokratische Republik übernimmt und zwar sowohl von
amerikanischen Staatsbürgern als auch von jüdischen
Opfern des Naziregimes. In seinem Schreiben verpflichtet er seine Regierung, unmittelbar nach der
Vereinigung die unverzügliche und befriedigende Erfüllung von Ansprüchen jüdischer Opfer des Naziregimes gegen die Deutsche Demokratische Republik
anzustreben. In demselben Schreiben stellt er fest,
daß die Bundesrepublik Deutschland unmittelbar nach
der Vereinigung in Verhandlungen mit der Regierung
der Vereinigten Staaten von Amerika die Ansprüche
amerikanischer Staatsbürger, die zuvor mit der Deutschen Demokratischen Republik erörtert wurden, erledigen wird. Die in diesen beiden Schreiben enthaltenen Verpflichtungen sind ein weiterer Beweis, daß die
Regierung eines vereinigten Deutschlands die beispielhafte Bilanz der Bundesrepublik Deutschland bei
der Förderung demokratischer Werte aufrechterhalten
und weiter ausbauen wird.
Der Vertrag symbolisiert eine herausragende Errungenschaft für unsere deutschen Verbündeten, die die
Vergangenheit oder die Rolle, die Deutschland einstmals bei den Schrecken von 1933 bis 1945 gespielt
hat, nicht vergessen haben, die jedoch in über vier
Jahrzehnten unerschütterlicher Unterstützung für
Demokratie und das westliche Bündnis demonstriert
haben, was die Welt von einem vereinigten Deutschland erwarten kann.
Der Vertrag ist ferner ein Tribut an den Mut und die
Entschlossenheit des deutschen Volkes, Einheit in

*

AMERIKA DIENST 39

Frieden, Freiheit und im Einvernehmen mit seinen
Nachbarn zu erlangen.
Das Entstehen eines freien, vereinigten und demokratischen Deutschlands, das den Vereinigten Staaten
und seinen europäischen Nachbarn durch unlösbare
Bande der Freundschaft, gemeinsamer Werte und
gegenseitiger Interessen verbunden und das bereit ist,
als vollständig einbezogener Partner in einer größeren
Gemeinschaft demokratischer Nationen zu handeln,
war seit über 40 Jahren das beständige Ziel amerikanischer Außenpolitik. Kaum jemals hat ein Präsident
das Privileg gehabt, dem Senat ein Abkommen zur
Beratung und Zustimmung vorzulegen, das so uneingeschränkt unsere nationalen Ziele verwirklicht. Dieses Abkommen ist das Ergebnis jahrzehntelanger
unerschütterlicher Bestrebungen und Entschlossenheit ehemaliger Präsidenten und Kongresse sowie
unserer Verbündeten. Es ist eine Leistung, auf die wir
stolz sein können.
Es ist voll und ganz angebracht, daß die Deutschen
ihren Status als vereinigtes Land zum frühestmöglichen Zeitpunkt offiziell und unumkehrbar, ungehindert
durch heute veraltete und unnötige Rechte der Vier
Mächte erlangen, zu denen auch die Sowjetunion
gehört. Aus diesem Grund bitte ich den Senat, unverzüglich zu handeln, und über den Vertrag und die
vereinbarte Protokollnotiz zu beraten und seine Zustimmung zur Ratifizierung zu erteilen.

(Unterzeichnet) George Bush

* * *

*

Seite 3

�DEUTSCHE

EINHEIT
3. Oktober 1990

SENAT ERÖRTERT DEN VERTRAG ÜBER DIE
ABSCHLIESSENDE REGELUNG IN BEZUG
AUF DEUTSCHLAND
Anhörung von Robert Zoellick im Senat
WASHINGTON - (AD) - Robert Zoellick, Verhandlungsführer des Außenministeriums, gab dem Senat gegenüber am 28. September 1990 die Empfehlung ab, den "Vertrag über die abschlie ßende Regelung in bezug auf
Deutschland" zu ratifizieren.
In einer Anhörung vor dem Senatsausschuß für auswärtige Angelegenheiten erklärte Zoellick, "diese Regelung
symbolisiert die Verwirklichung eines beständigen Ziels der amerikanischen Außenpolitik: die Erlangung eines
vereinigten, demokratischen, souveränen Deutschlands."
Bei der Anhörung konzentrierte sich die Aufmerksamkeit vornehmlich auf die Artikel des Vertrags, die sich auf
eine Begrenzung der deutschen Streitkräfte und den bevorstehenden Abzug sowjetischer Streitkräfte aus der
damaligen Deutschen Demokratischen Republik beziehen.
Nachfolgend veröffentlichen wir Zoellicks Rede im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, verehrte Ausschußmitglieder,
ich danke für diese Gelegenheit, den Vertrag über die
abschließende Regelung in bezug auf Deutschland
heute vor diesem Ausschuß erörtern zu können. Insbesondere möchte ich Ihnen und Ihren Kollegen meinen Dank dafür aussprechen, daß sie diese Vereinbarung in einer Zeit dichtgedrängter Termine vorrangig
behandeln.
Es ist mir eine Ehre, dem Senat diesen Vertrag vorzulegen.
Diese Regelung symbolisiert die Verwirklichung eines
beständigen Ziels der amerikanischen Außenpolitik:
die Erlangung eines vereinigten, demokratischen,
souveränen Deutschlands.
Dieses Deutschland wird die fundamentalen politischen und wirtschaftlichen Werte der Vereinigten Staaten
teilen und ein Deutschland sein, das uns als Verbündeter zur Seite steht.

Es ist ein Triumph für den Präsidenten, der im Jahr
1948 unerschütterlich blieb, als Stalin seine Vertreter
anwies, den Alliierten Kontrollrat zu verlassen und die
Berlinblockade anordnete.
Es ist ein Triumph für den Präsidenten, der den Deutschen versicherte, sie seien nicht allein, indem er der
Welt gegenüber verkündete: "Ich bin ein Berliner."
Es ist ein Triumph für den Präsidenten, der forderte:
"Reißen Sie diese Mauer nieder."
Es ist ein Triumph für den Präsidenten, der die internationale Staatengemeinschaft bei der Unterstützung
Deutschlands anführte, als wir im vergangenen Jahr
an der Sicherstellung der friedlichen Vereinigung eines
demokratischen Deutschlands in einem ungeteilten
und freien Europa arbeiteten.
Es ist ein Triumph für diesen und alle vorherigen
Kongresse, die sich unerschütterlich gegen Aggression gewandt und für Freiheit eingesetzt haben.

Dies ist ein Triumph vierzigjähriger Arbeit.

AMERIKA DIENST 39

Seite 1

�Aber vor allem ist es ein Triumph für das amerikanische Volk, das einem ehemaligen Gegner beim Aufbau einer starken Demokratie und dem Wiederaufbau
einer florierenden Wirtschaft geholfen hat, und das
dann bereit war, gemeinsam mit dem deutschen Volk
Opfer auf sich zu nehmen, um dessen Freiheit zu
schützen. Und weil das amerikanische Volk weiß, daß
Freiheit unteilbar ist, haben auch wir niemals die
Hoffnung aufgegeben, daß ganz Deutschland eines
Tages frei sein würde.
Gelegentlich - und selbst in diesen Zeiten - behaupten
Kommentatoren und Kritiker im In- und Ausland, den
Vereinigten Staaten mangele es an Entschlußkraft
und Durchhaltevermögen. Während wir dieses Kapitel
des kalten Krieges schließen, hoffe ich, daß wir auch
etwas über den Platz der Vereinigten Staaten in der
Welt nach dem kalten Krieg sagen können: Die
Vereinigten Staaten können die Sache der Freiheit
anführen und erhalten - wenn wir geschlossen für unsere gemeinsamen Interessen eintreten.
Dieser abschließenden Regelung liegt jedoch noch
eine andere Geschichte zugrunde.
Es ist die Geschichte eines Volkes, das im Jahr 1953
den ersten Volksaufstand gegen eine neue Tyrannei
anführte.
Auch das deutsche Volk hat in der friedlichen Revolution von 1989 durchgehalten und gelitten und sich
erhoben. Sein Wunsch nach Selbstbestimmung hat
eine Mauer niedergerissen. Und das deutsche Volk ist
der Grund, warum ich Sie heute bitte, die letzten
Relikte der Rechte und Pflichten der Vier Mächte über
ein souveränes Deutschland aufzuheben.
Das Tempo der Ereignisse hat sich seit der Befreiung
des deutschen Volkes am 9. November vergangenen
Jahres erheblich beschleunigt.
Am 28. November 1989 legte Bundeskanzler Kohl
einen Ansatz dar, mit dem das Streben der Deutschen
nach Frieden und Freiheit verwirklicht werden sollte.
Sechs Tage später bekräftigte Präsident Bush seinen
Amtskollegen bei der NATO gegenüber, daß sich die
Vereinigten Staaten und die NATO seit 40 Jahren für
die Vereinigung der beiden deutschen Staaten eingesetzt hätten und wir niemals von diesem Ziel abweichen würden.
Der Präsident stellte als Leitfaden für unsere Politik
vier Prinzipien auf, die Außenminister Baker in seiner
Berliner Rede vom 12. Dezember 1989 weiter ausführte:
Erstens muß die Selbstbestimmung des deutschen
Volkes ungeachtet des Ergebnisses erfolgen.
Zweitens sollte die Wiederherstellung der Einheit im
Rahmen deranhaltenden Verpflichtung Deutschlands
gegenüber der NATO und der Europäischen Gemeinschaft erfolgen.
Seite 2

Drittens muß die Wiederherstellung der Einheit im
Interesse der allgemeinen europäischen Stabilität friedlich und schrittweise erfolgen.
Viertens sollten Grenzfragen gemäß den in der Schlußakte von Helsinki niedergelegten Grundsätzen gelöst
werden.
Diese Punkte fanden die Zustimmung der deutschen
Regierung und anderer Verbündeter, die gemeinsam
mit uns die erneuten Hoffnungen auf die deutsche
Einheit unterstützt haben.
Ich freue mich berichten zu können, daß die von uns
dem Senat unterbreitete abschließende Regelung diesen
vier Grundsätzen voll und ganz gerecht wird.
Nachdem die Vereinigten Staaten bei der Kursbestimmung im Hinblick auf die äußeren Aspekte der Vereinigung maßgeblich beteiligt waren, mußte ein Prozeß
geschaffen werden, der den entscheidenden Parteien
die Lösung der wichtigsten Fragen gestattete. Bis zum
Januar dieses Jahres hatte sich die innere Vereinigung
schon "am Boden" vollzogen. Wir wollten nichts tun,
was den Eindruck erwecken konnte, von außen würde
versucht, die Selbstbestimmung der Deutschen zu
verweigern oder zu verzögern. Der Vollzug der deutschen Einheit erforderte jedoch den vollständigen
Verzicht auf die Rechte und Pflichten der Vier Mächte.
Darüber hinaus verstärkte das Tempo der Ereignisse
"am Boden" die Ängste mancher der Vier Mächte,
insbesondere der Sowjetunion.
Um den gemeinsamen Interessen aller Parteien gerecht zu werden, brachten wir Ende Januar und Anfang
Februar dieses Jahres den Gedanken des Zwei-plusVier-Mechanismus' ins Spiel.
Am 13. Februar gaben wir in Ottawa die Einigung auf
diesen neuen Prozeß bekannt. Die "zwei" Deutschlands und ihr innerer Vereinigungsprozeß standen an
erster Stelle. Der "Zwei-plus-Vier"-Prozeß sollte es
ihnen jedoch ermöglichen, die äußeren Aspekte der
Vereinigung mit den Vier Mächten zu erörtern. Er
verschaffte uns einen Rahmen, innerhalb dessen wir
über die Aufhebung der verbleibenden Einschränkungen der Souveränität Deutschlands verhandeln und
damit die Vereinigung Deutschlands erleichtern konnten. Der Zwei-plus-Vier-Prozeß war femer flexibel
genug, um den besonderen Umständen Rechnung zu
tragen, insbesondere durch die Einladung an Polen, an
unseren Gesprächen über die Grenzen Deutschlands
teilzunehmen.
Wir haben dem Ausschuß den historischen Ablauf des
Zwei-plus-Vier-Prozesses schriftlich dargelegt, und
ich will deshalb in meiner Erklärung nicht mehr auf die
Einzelheiten eingehen. Ich wende mich nun statt
dessen der abschließenden Regelung zu, die den Höhepunkt unserer Arbeit darstellt.

AMERIKA DIENST 39

�Wir sind davon überzeugt, daß der Ihnen vorliegende
Vertrag ein gutes Abkommen ist. Sie haben den
Wortlaut des Vertrags, der vereinbarten Protokollnotiz
sowie von drei Briefen über andere Fragen von möglichem Interesse in Händen. Ich möchte kurz auf die
wichtigsten Artikel dieses Abkommens eingehen.
Die Präambel begrüßt den Entschluß des deutschen
Volkes, in einem demokratischen, vereinigten Staat zu
leben, erkennt die Veränderungen an, die zu einem
ungeteilten und freien Europa geführt haben und erläutert die Prinzipien, die den Kurs Europas nach Beendigung des kalten Krieges bestimmen sollten.
Artikel 1 bestätigt den endgültigen Charakter der Grenzen
des vereinigten Deutschlands. Der polnische Außenminister nahm an dem Treffen teil, bei dem diese
Grundsätze formuliert wurden, und am 15. September
1990 verkündete die polnische Regierung, sie sei mit
diesem Vertrag voll und ganz einverstanden.
Artikel 2 bekräftigt den Willen Deutschlands, daß von
deutschem Boden nur Frieden ausgehen wird.
In Artikel 3 bekräftigt Deutschland seinen Verzicht auf
Herstellung und Besitz von und Verfügungsgewalt
über atomare, biologische und chemische Waffen.
Der Artikel nimmt darüber hinaus Kenntnis von der in
vollem Einvernehmen mit der DDR abgegebenen
Erklärung der Bundesrepublik Deutschland, daß die
Streitkräfte des vereinigten Deutschlands innerhalb
von drei bis vier Jahren nach Inkrafttreten des ersten
KSE-Vertrags auf 370 000 Mann reduziert werden.
Artikel 4 regelt den Abzug der sowjetischen Truppen
von deutschem Boden bis zum Jahr 1994.
Artikel 5 betrifft die Stationierung von Streitkräften in
Berlin und der ehemaligen Deutschen Demokratischen
Republik. Er gestattet die Stationierung von NATOStreitkräften in der ehemaligen DDR nach dem sowjetischen Truppenabzug und erlaubt die Stationierung
deutscher Verbände der Territorialverteidigung, die
nicht in die Bündnisstrukturen integriert sind. Auf
Wunsch der deutschen Regierung werden amerikanische, britische und französische Truppen in dieser
Übergangsperiode in Berlin verbleiben. Nach diesem
Zeitraum dürfen ausländische Streitkräfte in der ehemaligen DDR weder stationiert noch dorthin verlegt
werden. In der vereinbarten Protokollnotiz wird verdeutlicht, daß alle Fragen in bezug auf die Anwendung
des Wortes "verlegt" im letzten Satz dieses Artikels
von der Regierung des vereinten Deutschlands entschieden werden.
Artikel 6 erlaubt die volle Mitgliedschaft Deutschlands
in der NATO. Er legt dar, daß das Recht des vereinigten Deutschlands auf Zugehörigkeit zu Bündnissen mit

* *

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allen sich daraus ergebenden Rechten und Pflichten
von diesem Vertrag nicht berührt wird.
Die übrigen Artikel regeln die Aufhebung der Rechte
der Vier Mächte, das Ratifizierungsverfahren, das
Inkrafttreten und die Hinterlegung der Urschrift des
Vertragstextes.
Die Begleitschreiben enthalten zusätzliche deutsche
Verpflichtungen im Hinblick auf ausstehende Forderungen amerikanischer Staatsbürger und Juden (und
zwar amerikanische Staatsbürger und Nichtamerikaner) gegen die DDR, die Erhaltung von Denkmälern für
die Opfer des Krieges und der Gewaltherrschaft, das
Verbot nationalsozialistischer Parteien und die Erörterung der von der DDR abgeschlossenen völkerrechtlichen Verträge. Ich möchte insbesondere den vom 18.
September datierten Brief von Außenminister Genscher betonen, der zur zügigen und befriedigenden
Regelung von Ansprüchen amerikanischer Staatsbürger und jüdischer Opfer des Holocaust gegen die DDR
verpflichtet.
Herr Vorsitzender, Deutschland wird sich am 3. Oktober vereinigen. Dies wird ein großer Tag für Deutschland, für seine Verbündeten und für Europa sein.
Die Parlamente der Vier Mächte haben die Ratifizierung dieses Vertrags in die Wege geleitet, der die
Rechte der Vier Mächte beendet. Das Parlament des
vereinigten Deutschlands wird sich nach der Vereinigung diesem Vertrag als absolut vordringlicher Frage
widmen. Wir hoffen, nächste Woche ein Dokument zu
unterzeichnen, das die Rechte der Vier Mächte in einer
Interimszeit zwischen der Vereinigung Deutschlands
und der Ratifizierung des Vertrags durch den letzten
Unterzeichnerstaat aufhebt.
Ich fühle mich deshalb von den Äußerungen Senator
Mitchells und einer Reihe anderer Senatoren aus
diesem Ausschuß stark ermutigt, die unser Engagement zur zügigen Behandlung dieses Vertrags teilen.
Wir möchten diese letzten Nachkriegsbeschränkungen so bald wie möglich beenden, damit wir unser
Verhältnis zum vereinigten Deutschland mit derselben
Achtung und Freundschaft beginnen können, die unsere Beziehungen auf dem langen Weg zum 3. Oktober gekennzeichnet haben.
Es ist daher ein besonderes Privileg, den Senat um
seinen Rat und seine Zustimmung zu diesem Vertrag
zu bitten, um die erfolgreiche Partnerschaft zwischen
Kongreß und Regierung zu besiegeln. Diese Partnerschaft hat dem gesamten deutschen Volk geholfen,
das Wort des ersten Kanzlers der Bundesrepublik
Deutschland neu zu fassen: Die Devise lautet nicht
länger "Freiheit über Einheit", sondern "Freiheit und
Einheit".

* *

*

Seite 3

�GOLFKRISE
3. Oktober 1990

UNO-REAKTION AUF IRAKS
AGGRESSION "BEISPIELLOS"
Rede von Präsident Bush vor der UN-Generalversammlung
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Präsident Bush zufolge war die "entschlossene Reaktion der Sicherheitsrats der
Vereinten Nationen auf die unprovozierte Aggression des Irak beispiellos" und fand in der Verabschiedung von
acht wichtigen Resolutionen im Hinblick auf die Lage am Persischen Golf ihren Niederschlag.
Alle hofften, daß die zur Durchsetzung der UN-Sanktionen gegen Irak und zur Verteidigung Saudi-Arabiens in
den Golf entsandten Streitkräfte nicht eingesetzt werden müssen und "unmittelbar nach Beendigung der Mission
nach Hause zurückkehren können". Die Vereinigten Staaten strebten eine "friedliche, diplomatische Lösung"
am Golf an, erklärte Präsident Bush vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen am 1. Oktober 1990.
"Die Hauptaufgabe der Welt besteht vornehmlich - heute und in allen Zeiten - darin, zu demonstrieren, daß
Aggression nicht toleriert oder belohnt wird".
Bush zufolge bietet sich heute eine "echte Möglichkeit, die Vereinten Nationen ihrem eigentlichen Zweck
entsprechend zu nutzen - als Zentrum für internationale kollektive Sicherheit". Er fuhr fort, die in der Sowjetunion stattfindenden Veränderungen hätten maßgeblich zur Stärkung der Vereinten Nationen beigetragen. "Die
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen haben endlich Containment und Konfrontation überwunden, und heute
versuchen wir, das Versprechen gegenseitigen Verständnisses zu erfüllen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Präsident Bush im Wortlaut.

Es ist mir eine große Ehre, heute zur Eröffnung einer
historischen Sitzung der Generalversammlung der
Vereinten Nationen zu Ihnen sprechen zu können.
Vor 45 Jahren, als die Feuer eines tragischen Krieges
noch über zwei Ozeane und zwei Kontinente fegten,
begann eine kleine Gruppe von Männern und Frauen
inmitten der Ruinen nach Hoffnung zu suchen. Sie
kamen in San Francisco zusammen, ließen die Schrekken hinter sich, um eine neue Struktur zu schaffen, mit
der vielleicht ein alter Traum realisert werden könnte.
Ungeheuer idealistisch und dennoch vom Krieg geprägt, versuchten sie eine neue Art von Brücke zu
bauen, eine Brücke zwischen Nationen, eine Brücke
die dazu beitragen könnte, die Menschheit von ihrer
dunkelsten Stunde zu ihrem strahlendsten Tag zu
leiten.
Die Gründung der Vereinten Nationen verkörperte
unsere tiefsten Hoffnungen auf eine friedliche Welt.
Und im vergangenen Jahr sind wir der Verwirklichung
dieser Hoffnungen näher als jemals zuvor gekommen.
Wir wurden Zeuge, wie im Verlauf dieses von Drohungen und Stacheldraht gekennzeichneten Jahrhunderts
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der Weg für ein neues Zeitalter von Frieden, Zusammenarbeit und Freiheit freigemacht wurde.
Die Revolution von 1989 fegte mit ungeahnter Eigendynamik über die Welt hinweg, von einem neuen Wind
der Freiheit getragen, der das politische Klima von
Mitteleuropa bis nach Mittelamerika veränderte und
praktisch jeden Winkel des Globus erreichte.
Dieser Wind wurde von einer einfachen, fundamentalen Tatsache entfacht, die heute praktisch weltweit
anerkannt ist: Der menschliche Geist kann nicht für
immer und ewig eingeschlossen werden. Tatsache ist,
daß die Menschen überall auf der Welt durch dieselben
Dinge motiviert werden: Die Chance, ein erfülltes
Leben zu leben - sich selbst für ein Leben zu entscheiden, in dem sie und ihre Kinder lernen, gesund aufwachsen, ungehindert ihre Religion ausüben und durch
ihrer Hände Arbeit zu Wohlstand gelangen können.
Wir sprechen nicht von der Macht der Nationen, sondern von der Macht des einzelnen. Der Macht, Entscheidungen zu treffen, Risiken einzugehen, der Macht
zum Erfolg.

Seite 1

�Dies ist eine neue und andere Welt. Erstmals seit 1945
sehen wir eine reale Möglichkeit, die Vereinten Nationen ihrem eigentlichen Zweckentsprechend zu nutzen
- als Zentrum für internationale kollektive Sicherheit.
Die in der Sowjetunion stattfindenden Veränderungen
haben maßgeblich zur Stärkung der Vereinten Nationen beigetragen. Die amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen haben endlich Containment und Konfrontation überwunden, und heute versuchen wir, das
Versprechen gegenseitigen Verständnisses zu erfüllen.
Der lange Kampf, der 45 Jahre lang Europa, unsere
beiden Nationen und einen Großteil der Welt gespalten hat, ist beendet. In den vergangenen zwei Jahren
hat sich sehr viel verändert. Die Sowjetunion hat
zahlreiche drastische und entscheidende Schritte
unternommen, um voll und ganz Mitglied der internationalen Staatengemeinschaft werden zu können.
Als die Sowjetunion so vielen von uns bei der Verurteilung der irakischen Aggression zustimmte, konnte kein
Zweifel daran bestehen, daß wir in der Tat vier Jahrzehnte der Geschichte hinter uns gelassen hatten.
Wir hoffen, daß das Instrumentarium der Vereinten
Nationen nicht länger durch die Zwietracht behindert
wird, die wir im Verlauf des kalten Kriegs erleben
mußten. Nun endlich können wir neue Brücken bauen
und alte Mauern niederreißen.
In zwei Tagen wird die Welt Zeuge, wie der kalte Krieg
in Berlin offiziell beendet wird. Und in dieser Zeit der
Prüfungen muß eine grundlegende Frage gestellt
werden. Eine Frage - nicht an eine einzelne Nation sondern an die Vereinten Nationen.

Diese Frage

lautet: Können wir in einer neuen Partnerschaft der
Nationen zusammenarbeiten? Kann die kollektive
Stärke der internationalen Staatengemeinschaft, die in
den Vereinten Nationen ihren Niederschlag findet, uns
bei Abschreckung und Verteidigung gegen Aggression
vereinigen?
Denn der im kalten Krieg geführte Kampf der Ideen ist
nicht der letzte dramatische Kampf dieses Jahrhunderts. Vor zwei Monaten, in den letzten Wochen eines
der hoffnungsvollsten Sommer der Geschichte wurde
die endlose, stille Schönheit der friedlichen kuwaitischen Wüste durch Dieselgestank und den Lärm von
Panzern verpestet. Wiederum verhallte das Grollen
eines entfernten Donners im wolkenlosen Himmel.
Und wiederum erwachte die Welt, um in Gewehrläufe
zu blicken.
Aber dieses Mal war die Welt bereit. Die entschlossene Reaktion des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen auf die unprovozierte Aggression des Irak war
beispiellos. Seit der Invasion am 2. August hat der
Sicherheitsrat acht wichtige Resolutionen verabschiedet, in denen die Bedingungen für eine Lösung der
Krise festgelegt sind.
Seite 2

Das irakische Regime muß sich den Tatsachen stellen. Wie ich bereits im vergangenen Monat gesagt
habe: Die Annexion Kuwaits wird nicht Bestand haben. Das ist nicht allein die Ansicht der Vereinigten
Staaten. Es ist die Ansicht eines jeden Kuwaiters, der
Arabischen Liga und der Vereinten Nationen. Die
irakische Führung sollte wissen: Der Irak hat den Rest
der Welt gegen sich. Ich möchte diese Gelegenheit
ergreifen, die Politik meiner Regierung zu verdeutlichen. Die Vereinigten Staaten unterstützen die Anwendung von Sanktionen, um die irakische Führung
zum unverzüglichen und bedingungslosen Abzug aus
Kuwait zu zwingen. Darüber hinaus unterstützen wir
die Lieferung von Arznei- und Nahrungsmitteln für
humanitäre Zwecke, solange die Verteilung entsprechend überwacht werden kann. Wir liegen nicht mit
dem irakischen Volk im Kampf. Wir wollen nicht, daß
es leidet. Die Welt kämpft gegen den Diktator, der die
Invasion befohlen hat.
Gemeinsam mit anderen Ländern haben wir Streitkräfte zur Durchsetzung der Sanktionen, zur Abschrekkung und gegebenenfalls Verteidigung gegen weitere
Aggression in die Region entsandt. Wir handeln nicht
aus Eigennutz, und unsere Streitkräfte sollen keinen
Tag länger als nötig in Saudi-Arabien bleiben. Die
amerikanischen Streitkräfte wurden auf Bitte der saudiarabischen Regierung entsandt. Das amerikanische
Volk - und dieser Präsident - wollen, daß jeder amerikanische Soldat unmittelbar nach Beendigung der
Mission nach Hause zurückkehrt.
Darüber hinaus möchte ich nochmals betonen, daß wir
alle hier bei den Vereinten Nationen hoffen, die Streitkräfte mögen niemals zum Einsatz kommen. Wir
streben ein friedliche, diplomatische Lösung an. Und
noch etwas - ich bin fest davon überzeugt, daß es im
Anschlu ß an den bedingungslosen Abzug des Irak aus
Kuwait Möglichkeiten geben wird: Für die endgültige
Beilegung der Streitigkeiten zwischen Irak und Kuwait,
für die Staaten am Golf, ein neues Stabilitätsgefüge
aufzubauen und für alle Staaten und Völker der Region, den Konflikt zu lösen, der Araber und Israelis
trennt. Die Hauptaufgabe der Welt besteht jedoch
vornehmlich - heute und in allen Zeiten - darin zu
demonstrieren, daß Aggression nicht toleriert oder
belohnt wird.
Durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ist
der Irak von einem Geschworenengericht ihm Ebenbürtiger - den Nationen der Welt - verurteilt worden.
Heute steht das Regime isoliert und als Anachronismus da, von der zivilisierten Welt nicht durch Raum,
sondern durch Jahrhunderte getrennt.
Die unprovozierte Aggression des Irak ist ein Rückfall
in ein anderes Zeitalter, ein dunkles Relikt einer finsteren Zeit. Der Irak hat Kuwait geplündert, unschuldige
Bürger terrorisiert und selbst Diplomaten als Geiseln
genommen. Der Irak und seine Führung müssen für
diese Verbrechen der Mißachtung und Zerstörung zur

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�Rechenschaft gezogen werden. Aber diese empörende Mißachtung grundlegender Menschenrechte kam
nicht völlig überraschend. Tausende von Irakern wurden
aus politischen und religiösen Gründen exekutiert und
noch mehr durch einen völkermörderischen, gegen
Iraks kurdische Dorfbewohner geführten Krieg unter
Einsatz chemischer Waffen.

Wenn wir in die Zukunft blicken, bietet der Kalender
einen Meilenstein, eine Meßlatte, an der wir unseren
Fortschritt als internationale Staatengemeinschaft
messen können.
Das Jahr 2000 markiert einen Wendepunkt, an dem
nicht nur ein neues Jahrzehnt, nicht nur ein neues
Jahrhundert, sondern ein neues Jahrtausend anbricht.

Als internationale Staatengemeinschaft sind wir zum
Handeln verpflichtet - nicht nur, um den Einsatz unmenschlicher Waffen wie Senf- und Nervengas abzuschrecken - sondern, um solche Waffen endgültig
abzuschaffen. Aus diesem Grund habe ich vor einem
Jahr der Generalversammlung neue Vorschläge über
ein vollständiges Verbot dieser schrecklichen Waffen
unterbreitet.

In zehn Jahren, bei der 55. Sitzung der Generalversammlung, werden sich wiederum viele von uns in
diesem Saal einfinden, die Haare etwas mehr ergraut,
vielleicht mit etwas weniger schwungvollem Gang.
Aber wir werden nicht von weniger Hoffnung oder
Idealismus, oder weniger Vertrauen in den endgültigen
Triumph der Menschheit geleitet sein.

Ich habe versprochen, die Vereinigten Staaten würden
in den ersten acht Jahren des Vertrags über ein Verbot
chemischer Waffen über 98 Prozent ihres Bestands
zerstören und 100 Prozent in 10 Jahren, wenn alle
Nationen mit C-Waffenfähigkeit den Vertrag unterzeichnen.

Ich sehe eine Welt der offenen Grenzen, des offenen
Handels und - was am wichtigsten ist - der geistigen
Offenheit. Eine Welt, die sich des gemeinsamen
Erbes erfreut, das allen Menschen auf der Welt gehört,
die nicht nur auf ihren Heimatort oder ihr Heimatland
stolz sind, sondern auf die Menschheit als Ganzes.

Wir haben dieses Versprechen eingehalten. Im Juni
haben die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion ein
bahnbrechendes Abkommen über die Einstellung der
Produktion und die Zerstörung eines Gro ßteils unserer
Bestände unterzeichnet. Heute werden die chemischen Waffen der Vereinigten Staaten zerstört.

Ich sehe eine Welt, in der ein olympischer Geist
herrscht: Gegründet nicht auf einen Wettstreit aus
Furcht, sondern auf Freude und Ausgelassenheit und
wahres Streben nach herausragenden Leistungen.

Aber die Zeit läuft uns davon. Dies ist nicht nur ein
bilaterales Anliegen. Die Golf krise beweist, wie wichtig
gemeinsames - und unverzügliches - Handeln ist, um
ein absolutes, weltweites Verbot dieser Waffen zu
verwirklichen. Wir müssen darüber hinaus unsere
Anstrengungen verdoppeln, die Verbreitung von Kernwaffen, biologischen Waffen und ballistischen Raketen einzudämmen, die Vernichtung für weit entlegene
Völker bedeuten können.
Die Vereinten Nationen können dazu beitragen, einen
neuen Tag herbeizuführen, einen Tag, an dem diese
schrecklichen Waffen - und die schrecklichen Despoten, die sie zum Einsatz bringen - ein Relikt der
Vergangenheit sein werden. Es ist an uns, diese
dunkle Maschinerie hinter uns zu lassen, in den dunklen Zeiten, in die sie gehören und darauf zu drängen,
eine historische Entwicklung zu einer neuen Weltordnung und einem langen Zeitalter des Friedens zu
einem krönenden Abschluß zu bringen.
Wir haben die Vision einer neuen Partnerschaft der
Nationen, die über den kalten Krieg hinausgeht. Einer
auf Konsultationen, Kooperation und kollektivem Handeln
- insbesondere in internationalen und regionalen Organisationen - gegründeten Partnerschaft. Einer durch
Prinzipien und Rechtsstaatlichkeit und durch gerechte
Verteilung von Kosten und Pflichten getragenen Partnerschaft. Einer Partnerschaft, die mehr Demokratie,
Wohlstand, Frieden und weniger Waffen zum Ziel hat.

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Ich sehe eine Welt, in der die Demokratie weiterhin
neue Freunde gewinnt und alte Feinde umstimmt, in
der alle Teile Amerikas - Norden, Mitte und Süden - ein
Modell für die Zukunft der Menschheit schaffen können - die erste vollkommen demokratische Hemisphäre der Welt.
Und ich sehe eine Welt, die auf dem entstehenden
neuen Modell der europäischen Einheit aufbaut. Nicht
nur Europa, sondern die ganze Welt - "ungeteilt und
frei".
Gerade aus diesem Grund ist die Aggression am Golf
nicht nur eine Bedrohung für die Sicherheit der Region
selbst, sondern für die Vision der ganzen Welt von
unserer Zukunft. Sie droht, den Traum von einer
neuen internationalen Ordnung in einen grauenhaften
Alptraum der Anarchie zu verwandeln, wo das Gesetz
des Dschungels das Völkerrecht verdrängt.
Aus diesem Grund haben die Vereinten Nationen mit
solch historischer Einigkeit und Entschlossenheit reagiert. Und aus diesem Grund ist diese Herausforderung eine Prüfung, bei der wir nicht scheitern dürfen.
Ich bin zuversichtlich, daß wir uns durchsetzen werden. Der Erfolg wird dauerhafte Folgen haben - die
Stärkung zivilisierter Normen des internationalen Verhaltens, die Schaffung eines Präzedenzfalles für internationale Zusammenarbeit, die Verbesserung der
Aussichten unserer Vision von der Zukunft.
Es sind noch zehn Jahre bis zum Ende dieses Jahrhunderts. Zehn Jahre, um die Kämpfe des 20. Jahrhunderts für immer hinter uns zu lassen. Zehn Jahre,
Seite 3

�in denen wir eine neue Partnerschaft zwischen den
Nationen einleiten können. Und in diesen zehn Jahren
kommt den Vereinten Nationen von heute an eine neue
und vitale Rolle beim Aufbau dieser neuen Partnerschaft zu. Im vergangenen Jahr hat uns die Generalversammlung gezeigt, wie wir größere Fortschritte zu
pragmatischeren und erfolgreicheren Vereinten Nationen machen können. Zum ersten Mal beginnt der UNSicherheitsrat so zu funktionieren, wie es von Anfang
an gedacht war.

Wie freie Wahlen, so betrachte ich auch die allgemeine
UNO-Mitgliedschaft aller Staaten als entscheidend für
die Zukunft dieser Organisation und der neuen Partnerschaft, über die wir gesprochen haben. Zur Unterstützung dieses Prinzips und in Zusammenhang mit
Bemühungen der UNO zum Abbau regionaler Spannungen befürworten die Vereinigten Staaten uneingeschränkt die UNO-Mitgliedschaft der Republik Korea.
Wir tun dies, ohne das Endziel der Wiedervereinigung
der koreanischen Halbinsel in Frage zu stellen und
ohne eine gleichzeitige Mitgliedschaft der Volksrepublik Korea abzulehnen.

Heute ist die Zeit gekommen, alte Debatten, alte
Verfahren, alte Kontroversen und alte Resolutionen
beiseitezulegen. Es ist an der Zeit, polemische Angrif- Zur Entwicklung dieser und anderer Initiativen müssen
fe durch pragmatische Maßnahmen zu ersetzen.
wir uns alle in einem neuen Bund zusammenschließen, um die Vereinten Nationen in das 21. Jahrhundert
Wir haben bewiesen, daß die Vereinten Nationen auf zu führen. Ich rufe heute zu umfassenden und langfridie kollektive Stärke der internationalen Staatenge- stigen Bemühungen dafür auf. Wir sollten auf dem
meinschaft zählen können. Wir haben bewiesen, daß Erfolg unseres verehrten Generalsekretärs, meines
sich die Vereinten Nationen der Herausforderung von alten Freundes und Kollegen, Javier Perez de Cuellar,
Aggression stellen können, wie ihre Gründer dies aufbauen. Wir sollten nach mehr Effektivität und
erhofft hatten. Und heute in dieser Zeit der Prüfung Effizienz der Vereinten Nationen streben.
müssen wir darüber hinaus beweisen, daß die Vereinten Nationen der Ort sind, um internationale Unterstüt- Die Vereinigten Staaten verpflichten sich, ihren Teil
zung und einen Konsens zu bilden, damit die anderen beizutragen, um weltweite Sicherheit aufrechtzuerhalvor uns liegenden Herausforderungen bewältigt wer- ten und Demokratie und Wohlstand zu fördern. Meine
den.
Administration engagiert sich uneingeschränkt für die
Unterstützung der Vereinten Nationen und dafür, zu
Die Welt bleibt ein gefährlicher Ort. Unsere Sicherheit bezahlen, wozu wir uns aufgrund der Charta verpflichund unser Wohlergehen hängen häufig - zumindest tet haben. Weltfrieden und -Sicherheit - sowie internateilweise - von Geschehnissen ab, die sich weit ent- tionale Freiheit und Wohlstand - erfordern dies.
fernt zutragen. Wir brauchen ernsthafte, internationale und kooperative Bemühungen, um Fortschritte bei Die Welt muß wissen und verstehen: Von dieser
Bedrohungen der Umwelt, beim Terrorismus, bei der Stunde, von diesem Tage an, aus diesem Saal schreiBewältigung der Schuldenlast, beim Kampf gegen die ten wir nach vorn mit einer neuen Zielstrebigkeit,
Geißel des internationalen Drogenhandels und bei einem neuen Gefühl für Möglichkeiten. Wir stehen
Flüchtlings- und Friedenssicherungsbemühungen auf zusammen, sind bereit, gegen den Strom zu schwimder ganzen Welt zu erreichen.
men, Hindemisse zu überwinden, die schwierigen
Herausforderungen in Angriff zu nehmen, die sich uns
Die Welt bleibt jedoch auch ein Ort der Hoffnung. stellen werden - nicht nur als Vereinte Nationen, sonForderungen nach Demokratie und Menschenrechten dern als Nationen der Welt, die vereint stehen.
leben überall wieder auf. Diese Forderungen sind
Ausdruck der Unterstützung für die in der UNO-Charta Vom letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts soll einverankerten Werte. Sie ermutigen unsere Hoffnungen mal gesagt werden können: Dies war eine Zeit, in der
auf eine stabilere, friedlichere und wohlhabendere die Menschheit endlich mit sich ins reine kam. Als wir
Welt.
aus dem Ruß und Rauch des Industriezeitlaters heraustraten, um eine Revolution des Geistes zu verwirkFreie Wahlen sind die Grundlage demokratischer lichen und eine Reise zu einem neuen Tag, einem
Regierungen und können tiefgreifende Erfolge bewir- neuen Zeitalter und einer neuen Partnerschaft der
ken, wie wir in Namibia und Nicaragua feststellen Nationen anzutreten.
konnten. Die Zeit ist gekommen, um der Rolle der
UNO bei solchen Bemühungen eine formalere Struk- Die Vereinten Nationen erfüllen heute dieses Verspretur zu verleihen. Ich schlage deshalb heute vor, daß chen als Friedensparlament der Welt. Ich beglückdie Vereinten Nationen einen Sonderkoordinator für wünsche Sie. Ich unterstütze Sie. Und ich wünsche
Wahlhilfe ernennen, dem eine UN-Wahlkommission Ihnen Gottes Segen für die kommenden Herausfordezur Seite stehen soll, die sich aus renommierten Fach- rungen.
leuten in aller Welt zusammensetzt.
* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 39

�GOLFKRISE
3. Oktober 1990

BAKER: ÜBERGANG ZUR TAGESORDNUNG
MIT DEM IRAK UNMÖGLICH
Rede vor dem UNO-Sicherheitsrat
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Angesichts der vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gegen den Irak
verhängten neuen Sanktionen erklärte US-Außenminister Baker, mit dem Regime des irakischen Präsidenten
Saddam Hussein "kann man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen", bis seine "brutale Aggression"
gegenüber Kuwait zunichte gemacht worden sei.
"Tatsächlich kann es überhaupt keine Wirtschaftsbeziehungen mit dem Irak geben", erklärte Baker, nachdem
der Sicherheitsrat mit einer Abstimmung von 14 zu 1 Stimme seine achte Resolution seit Saddam Husseins
Invasion und Besetzung des benachbarten Kuwait am 2. August verabschiedete, in der der Irak verurteilt wird.
Die Resolution verbietet den gesamten zivilen Flugverkehr mit dem Irak und dem besetzten Kuwait, außer zu
humanitären Zwecken.
Der Irak ist "unter Quarantäne gestellt, weil seine Vorgehensweise ihn von der Staatengemeinschaft isoliert hat",
erklärt der US-Außenminister in Sicherheitsrat. "Wir befinden uns in einem Kampf, in dem unsere Willenskraft
auf die Probe gestellt wird. Wir dürfen nicht zulassen, daß unsere Hoffnungen und Wünsche vom Ehrgeiz oder

den Drohungen eines Diktators zertreten werden."
Die Verabschiedung der Resolution 670 "demonstriert erneut, daß die internationale Staatengemeinschaft bereit
ist, zugunsten der Isolation des Irak jedes Schlupfloch zu stopfen", erklärte Baker.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenminister Baker im Wortlaut.

Unsere heutige Zusammenkunft ist außergewöhnlich.
Dies ist erst das dritte Mal in der 45jährigen Geschichte
dieser Organistion, daß alle Außenminister der fünf
Ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats zusammenkommen. Die Vereinten Nationen sind kaum jemals
mit einem so dreisten Akt der Aggression konfrontiert
worden wie der irakischen Invasion in Kuwait. Kaum
jemals hat die internationale Staatengemeinschaft eine
solche Einigkeit und Entschlossenheit demonstriert,
daß Aggression nicht zum Erfolg führen sollte.

Nationen würde an Wert verlieren - genau in dem
Augenblick, in dem sie ihrer Verwirklichung näher ist
als jemals zuvor in ihrer Geschichte.

Aktionen haben Konsequenzen! Wenn die internationale Staatengemeinschaft dem Irak gestatten würde,
einen kleinen Nachbarn zu überwältigen und von der
Landkarte auszuradieren, würde damit eine verheerende Botschaft vermittelt. Die Hoffnungen der Welt
auf ein neues, friedlicheres Zeitalter nach dem kalten
Krieg würden schwinden. Die Charta der Vereinten

Elementare Gerechtigkeit und eine besonnene Verfolgung unserer eigenen Interessen haben in dieser
Angelegenheit einmalige Solidarität hervorgebracht.
Wir befinden uns in einem Kampf, in dem unsere
Willenskraft auf die Probe gestellt wird. Wir dürfen
nicht zulassen, daß unsere Hoffnungen und Wünsche
vom Ehrgeiz oder den Drohungen eines Diktators
zertreten werden.

AMERIKA DIENST 39

Im Namen der Vereinigten Staaten möchte ich dem
Rat erklären, daß wir tatsächlich Hoffnungen auf eine
bessere Welt hegen. Die Charta der Vereinten Nationen steht für die Werte des amerikanischen Volkes
und aller Menschen, die wissen, daß Macht allein kein
Recht schaffen darf.

Seite 1

�Unser Ziel muß eindeutig sein und von allen, auch der
irakischen Regierung und dem irakischen Volk richtig
verstanden werden. Die Resolutionen 660 und 662
des Sicherheitsrats weisen den Weg zur Beilegung
des Konflikts: den vollständigen, unverzüglichen und
bedingungslosen Abzug des Irak aus Kuwait, die
Wiedereinsetzung der rechtmäßigen kuwaitischen
Regierung und die Freilassung aller Geiseln. Bis dahin
wird die internationale Staatengemeinschaft mit Resolution 661 und den nachfolgenden Resolutionen für
jeden Tag, an dem die irakische Aggression andauert,
eine hohe und steigende Strafe verhängen.
Die Strafen zeigen erste Auswirkungen, und die kriegerische Sprache aus Bagdad kann die Gefahren der
Isolation nicht überdecken. Drohungen verlängern nur
unnötig die Leiden des irakischen Volkes. Der Irak ist
unter Quarantäne gestellt worden, weil seine brutale
Vorgehensweise ihn von der internationalen Staatengemeinschaft abgesondert hat. Man kann nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Tatsächlich kann
es überhaupt keine Wirtschaftsbeziehungen mit dem
Irak geben.
Heute unterstützen die Vereinigten Staaten zusammen mit anderen Mitgliedern dieses Rats eine neue
Resolution und zusätzliche Maßnahmen:
Erstens verweist der Rat ausdrücklich darauf, daß
Resolution 661 des UNO-Sicherheitsrats auch den
zivilen Flugverkehr umfaßt. Dies demonstriert erneut,
daß die internationale Staatengemeinschaft bereit ist,
zugunsten der Isolation des Irak jedes Schlupfloch zu
stopfen.
Zweitens kommen wir überein, Maßnahmen gegen
jede Regierung zu ergreifen, die einen Versuch zur
Aufhebung der internationalen Quarantäne unternehmen könnte. Keine Versuchung noch so minimaler
Vorteile sollte irgendeine Regierung zur Komplizenschaft mit dem irakischen Angriff auf internationale
Gerechtigkeit und Anstand veranlassen. Ich würde
sogar sagen, je effektiver die Durchführung der Sanktionen , desto wahrscheinlicher ist der friedliche Verlauf
dieses Konflikts.
Drittens erinnern wir die Regierung des Irak daran, daß
es nicht in ihrem Ermessen steht, internationale Verpflichtungen, insbesondere die humanitären Bestimmungen der vierten Genfer Konvention, zu mißachten.
Jeder Tag, an dem irakische Vertreter Grundregeln
des Anstands außer acht lassen, erschwert dem Irak
die Wiederaufnahme in der internationalen Staatengemeinschaft und die Wiedergutmachung des angerichteten Schadens. An diesem Punkt möchte ich auf die
Forderung der Arabischen Liga nach Reparationen
verweisen.
Darüber hinaus sind Tausende unschuldiger Menschen heimatlos geworden. Aus diesem Grund unterstützen die Vereinigten Staaten koordinierte und ein-

Seite 2

heitliche Bestrebungen der Flüchtlingshilfe. Die Ernennung von Saddrudin Aga Kahn ist ein wichtiger
Schritt in diese Richtung.
Viertens unterrichtet der Rat die irakische Regierung
davon, daß ihre anhaltende Nichteinhaltung weitere
Maßnahmen, unter anderem nach Kapitel VII, nach
sich ziehen wird. Die internationale Staatengemeinschaft hat eindeutig ihren Wunsch nach Ausschöpfung
aller friedlichen Möglichkeiten zur Lösung dieser Angelegenheit im Einklang mit den Prinzipien der UNOCharta zum Ausdruck gebracht. Aber wir sind uns alle
sehr wohl bewußt, daß die Charta die Möglichkeit
weiterer einzelner und kollektiver Maßnahmen in Betracht zieht, um sich gegen Aggression und eindeutige
Verletzung internationaler humanitärer Grundsätze zu
verteidigen.
Eduard Schewardnadse hat für uns alle gesprochen,
als er heute erklärt hat: "Dies ist ein massiver Affront
gegen die Menschheit. Im Lichte der jüngsten Ereignisse sollten wir diejenigen, die Aggression als akzeptables Verhalten betrachten, daran erinnern, daß die
Vereinten Nationen über die Macht zur Unterdrückung
von Akten der Aggression verfügen. Es besteht ausreichend Grund zu der Annahme, daß sie von diesem
Recht Gebrauch machen werden. Das wird geschehen , wenn die illegale Besetzung Kuwaits fortbesteht."
Es ist wichtig, zu betonen, daß die von uns verhängten
Sanktionen auf eine Umkehrung der aggressiven Politik
der irakischen Regierung abzielen. Sie richten sich
nicht gegen das irakische Volk, das gezwungen ist, mit
den Konsequenzen einer fehlgeleiteten Politik zu leben.
Der Rat erkennt, daß seine Sanktionen - wie alle
unvorhergesehenen Ereignisse - zahlreiche Mitgliedstaaten teuer zu stehen kommen können. Wir haben
die Pflicht zu gewährleisten, daß kein Land gelähmt
wird, weil es für die Grundsätze der internationalen
Ordnung einsteht. Die Vereinigten Staaten arbeiten
mit anderen Ländern an der Koordinierung internationaler Bestrebungen, um denjenigen Hilfe zu leisten,
die sie am dringendsten benötigen.
Herr Präsident, Mitglieder des Rats, das Ende des
kalten Kriegs hat viele Bedeutungen - vor allem eine
Wiedergeburt der Hoffnung. Die Horizonte der Demokratie, Menschenrechte, nationaler Würde und wirtschaftlichen Fortschritts haben sich ständig erweitert.
Das Ergebnis war auch die Wiedergeburt der Vereinten Nationen. Plötzlich scheinen die Vision der Charta
und die Verwirklichung internationaler Kooperation in
greifbarer Nähe zu liegen. In Mittelamerika, in Namibia
und vielleicht bald in Kambodscha und Afghanistan
setzt diese Organisation mit ihrem Beitrag als Friedensstifter Signale. Zumindest bringen wir erstmals
die Ausbreitung von großen und kleinen Konflikten
unter Kontrolle, die der Menschheit einen so hohen
Preis abfordern.

AMERIKA DIENST 39

�Jetzt sehen wir uns alle zusammen einer ungeheuren
Herausforderung an die Vereinten Nationen und alles,
wofür sie steht, gegenüber. Wenn die Vereinten
Nationen ihre Mission erfüllen und wenn der Frieden
Bestand haben soll, dann darf der irakische Führer von

seinem Angriff auf Anstand und menschliche Grundwerte nicht profitieren dürfen. Wir müssen das tun,
was Gerechtigkeit, Ehre und der Weltfrieden uns
abverlangen: Saddam Husseins brutale Aggression
zunichte machen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 39

Seite 3

�KSZE
3. Oktober 1990

BUSH DRÄNGT KSZE ZU KONSOLIDIERUNG
DER FREIHEIT
- Ansprache beim KSZE-Treffen in New York NEW YORK - (AD) - Präsident Bush hat am 1. Oktober 1990 die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) aufgefordert, den Zuwachs an Freiheit zu "konsolidieren", der "in dem enormen politischen
Umbruch, der das Angesicht Europas verändert hat", seinen Niederschlag gefunden habe.
In einer Ansprache bei der ersten KSZE-Konferenz außerhalb Europas erklärte Bush vor den Außenministern
der 35 Staaten, die Schlußakte von Helsinki aus dem Jahr 1975 - die Gründungscharta der KSZE - sei "Ursprung
und Katalysator" der Veränderungen in Osteuropa gewesen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten beim New Yorker KSZE-Treffen im Wortlaut.

Stellvertretend für das amerikanische Volk ist es mir
eine große Ehre, Sie alle in den Vereinigten Staaten
willkommen zu heißen. Es ist besonders angemessen, daß diese Zusammenkunft der Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa - die erste
auf amerikanischem Boden - in dieser Zeit tiefgreifender Veränderungen stattfindet. Europa tritt in ein
neues und vielversprechendes Zeitalter ein, und dasselbe gilt für die amerikanischen Beziehungen zu
Europa.
Wir Amerikaner sind mit Europa durch ein gemeinsames Erbe, eine gemeinsame Geschichte und durch
gemeinsame kulturelle Bande verknüpft. Durch das
Atlantische Bündnis und die umfassendere Partnerschaft, die unsere beiden Kontinente und unsere Völker verbinden, haben wir zusammen das Ende der
Teilung Europas bewirkt und unseren Blick auf ein
neues, ungeteiltes und freies Europa gerichtet. Zusammen können wir eine neue transatlantische Partnerschaft in der KSZE schmieden - einen Staatenbund
freier Nationen, der den zwischen uns liegenden Ozean
überbrückt.
Im vergangenen Jahr haben wir eine Welt im Wandel
erlebt. Deutschlands lang erwarteter Freudentag bildet den Höhepunkt eines Jahres der Veränderungen,
die einen Kontinent umgestaltet haben. Dieser Umbruch legt Zeugnis ab von der Macht der in der Charta
der KSZE - der Schlußakte von Helsinki - verankerten
Prinzipien. Darin - in den vor 15 Jahren in Helsinki
AMERIKA DIENST 39

niedergelegten Menschenrechten und Grundfreiheiten - erkennen wir Ursache und Katalysator dessen,
was ich als die Revolution von 1989 bezeichne.
In den dunkelsten Tagen der Diktatur strahlten diese
Prinzipien weiter - als leuchtender Stern, der gewöhnliche Menschen zu außergewöhnlichen Taten inspirierte. Denken Sie an Walesa, den Vater der Solidarität. An Sacharow - und seine unbeugsame Menschlichkeit im Angesicht der Repression. An Havel,
Mazowiecki und Antall: Unlängst noch politische
Gefangene - heute Präsident und Ministerpräsidenten
von dreien der jüngsten Demokratien der Welt. Und
Schelew, ein weiterer ehemaliger Häftling, heute Präsident Bulgariens. Denken Sie an all die Millionen
einfacher Männer und Frauen: Endlich frei, ihre Meinung zu äußern - frei, zu leben, arbeiten und glauben,
wie sie möchten.
Die KSZE hat Anteil an diesem gewaltigen Triumph
des menschlichen Geistes. Unsere Herausforderung
besteht jetzt darin, mit dem enormen politischen Umbruch
Schritt zu halten, der das Angesicht Europas verändert
hat - eine KSZE zu schaffen, die diesen großen
Zuwachs an Freiheit konsolidieren und Ost und West
einander näher bringen kann. In Ost- und Mitteleuropa soll diese KSZE dazu beitragen, schwer errungene
demokratische Prinzipien zu verankern und zu stärken. Eine KSZE, die Anteil daran hat, eine solide
Grundlage der Freiheit in dem neuen Europa zu sichern, das heute entsteht.
Seite 1

�Beim Londoner Gipfel im Juli haben die politisch Verantwortlichen des Atlantischen Bündnisses eine Reihe
von Vorschlägen unterbreitet, deren Ziel die Stärkung
der KSZE und die Bündelung ihrer Energien in neue
Richtungen ist.
Wir fordern die Mitgliedstaaten der KSZE auf:
Ein Zentrum zur Konfliktverhütung ins Leben zu
rufen - um auf dem Erfolg der KSZE bei der
Schaffung Vertrauens- und sicherheitsbildender
Maßnahmen aufzubauen, die so viel dazu beigetragen haben, das Risiko eines Krieges aus
Versehen oder aufgrund von Fehleinschätzungen zu reduzieren.
Ein kleines ständiges Sekretariat zu schaffen,
das der KSZE dienen soll - ein Sekretariat, das
einen beschleunigten Fahrplan für KSZE-Konsultationen und Folgekonferenzen unterstützen
könnte.
Ein KSZE-Wahlbüro zu schaffen - um freie und
faire Wahlen zu fördern, das grundlegende demokratische Prinzip, aus dem alle anderen folgen.
Für die Vereinigten Staaten möchte ich die Hoffnung
zum Ausdruck bringen, daß diese neuen Institutionen
- zum gegebenen Zeitpunkt - in den neuen Demokratien Mittel- und Osteuropas angesiedelt werden.
Beim Londoner Gipfeltreffen haben wir darüber
hinaus eine Einladung an die Mitgliedstaaten
ausgesprochen, eine "Europäische Versammlung" einzuberufen: ein Parlament, in dem die
wachsende Familie der Demokratien einen

gemeinsamen Kurs zu diesem neuen, ungeteilten und freien Europa ausarbeiten kann.
Heute, da wir die Vorbereitungen für einen Gipfel der
KSZE-Staaten treffen, appelliere ich an die Minister,
dieses Treffen zu einem Meilenstein in der Geschichte
der KSZE zu machen.
Aus diesem Grund möchte ich noch einen Bereich
ansprechen, in dem rasche Fortschritte entscheidende Bedeutung haben: die andauernden Verhandlungen über die konventionellen Streitkräfte in Europa.
Ein Abkommen zur Reduzierung der konventionellen
Streitkräfte bildet weiterhin den Eckpfeiler einer neuen
Sichei heitsarchitektur für Europa. Aus diesem Grund
gehen die Vereinigten Staaten davon aus, daß ein
Abkommen über die konventionellen Streitkräfte eine
Grundvoraussetzung für einen KSZE-Gipfel bildet.
Ich fordere deshalb heute die Unterhändler in Wien
auf, ihre Anstrengungen in den kommenden Wochen
zu verdoppeln. Wir müssen die noch ausstehenden
Fragen lösen und eine Übereinkunft erzielen, damit
dieses Jahr ein Gipfeltreffen stattfinden kann.
Vor 15 Jahren - in einem in Ost und West gespaltenen
Europa - bot die KSZE eine Vision eines vereinten
Europas - ungeteilt und frei. Heute, da dieses Europa
in greifbare Nähe gerückt ist, bleibt die KSZE von
entscheidender Bedeutung für all das, was Europa
werden kann.
Ich möchte Sie nochmals willkommen heißen. Möge
der Geist, der Europa auf dem Weg nach vorn geführt
hat, auch Ihre Gespräche leiten - und möge Ihrem
Treffen Erfolg beschieden sein.

* * * *

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*

AMERIKA DIENST 39

�IWF/WELTBANK
3. Oktober 1990

BUSH: ERFOLG DER GATT-RUNDE UNABDINGBAR
Rede des Präsidenten bei Weltbank und IWF
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush zufolge können die derzeit unter der Schirmherrschaft des Allgemeinen
Zoll- und Han&lt; Jelsabkommens (GATT) abgehaltenen Handelsgespräche der Uruguay-Runde "die Triebfeder für
Wirtschaftswachstum sein, das uns ins 21. Jahrhundert führt".
In seiner Ansprache vor der Jahresversammlung von Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) am
25. September 1990 forderte Bush die Nationen der Welt auf, ihren Teil beizutragen. In einem ungewöhnlich
starken Appel' für einen erfolgreichen Abschluß der Handelsgespräche warnte der Präsident, ein Scheitern der
Verhandlungen werde "unweigerlich zunehmenden protektionistischen Druck und politische Instabilität ermutigen", etwas, das - so Bush "wir uns schlecht leisten können während wir eine neue Partnerschaft der Nationen
gegen die Aggression am Persischen Golf schmieden."
Bush gab die Gründung einer neuer Finanzkoordinierungsgruppe unter dem Vorsitz des amerikanischen
Finanzministers Nicholas Brady bekannt, die Hilfsleistungen an die von der Golfkrise am meisten betroffenen
Länder weiterleiten soll. Der Präsident forderte die Bank und den Fonds darüber hinaus auf, Maßnahmen zur
Unterstützung der weltweiten Entwicklung zu freien Märkten zu erarbeiten und unterstrich das amerikanische
Engagement ;:ur Förderung von Entwicklung und Wachstum in den aufstrebenden Demokratien in Lateinamerika, Mittel- und Osteuropa, Afrika und Asien.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Präsident Bush im Wortlaut.

Es ist mir eine Ehre und ein Vergnügen, auch in diesem
Jahr wieder mit Ihnen zusammenzutreffen und Sie in
Washington zu diesem bedeutsamen Ereignis willkommen heißen zu dürfen. Und es ist mir eine
besondere Ehre, heute die neuen Mitglieder aus Bulgarien, der Tschechoslowakei, Namibia und natürlich
die Gäste aus der Sowjetunion begrüßen zu können.
Ihre Anwesenheit führt uns vor Augen, wie die Ereignisse des vergangenen Jahres eine neue Partnerschaft der Nationen hervorbringen - und dies ist ein
grundlegender und in der Tat ermutigender Wandel in
der politischen und wirtschaftlichen Ordnung der Welt.
Der in den achtziger Jahren bereits starke Trend zu
demokratischer Herrschaft beschleunigte sich während der sogenannten Revolution von 1989. Die
Rechte des einzelnen wurden bekräftigt und die Rechtsstaatlichkeit besser gewahrt.
Die Freiheit, politisch Verantwortliche - und selbst
politische Systeme - zu wählen, hat in den Ländern
tiiumphiert, die noch vor einem Jahr von Einparteienregimen regiert wurden. Und im Einklang damit begann sich auch wirtschaftliche Freiheit zu entwickeln.
AMERIKA DIENST 39

Heute sehen die politisch Verantwortlichen der Welt in
den Marktkräften das Mittel zur Befriedigung der
Bedürfnisse ihrer Völker. Natürlich hat sich dieser
Wandel nicht problemlos vollzogen. Aber wie ich vor
einem Jahr - bei derselben Veranstaltung - gesagt
habe: "Die Geschworenen haben ihre Entscheidung
gefällt. Die Geschichte hat entschieden." Und heute
sind die Ergebnisse dieses weltweiten Experiments
unmißverständlich. Heute herrscht Konsens, daß
Regierungen allein keinen Wohlstand schaffen können.
Vielmehr macht Wirtschaftswachstum den einzelnen
frei - frei, Risiken einzugehen, Entscheidungen zu
treffen, seine Initiative und Fähigkeiten auf dem Markt
einzusetzen. Wir beobachten dies beispielsweise bei
der Wiederherstellung von Privateigentum in Ländern,
in denen der Staat einst jeden Aspekt des Wirtschaftslebens kontrollierte. Für effiziente Produktion ist Privateigentum immer noch der stärkste Anreiz, den es
gibt.
Zusammen mit der Verjüngung der Märkte ist die
Fähigkeit, individuelle Wirtschaftsentscheidungen zu
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�treffen, der schnellste, wirksamste Weg, breitgefächertes Wirtschaftswachstum zu erzielen und erhalten. Aus diesem Grund leiten die politisch Verantwortlich überall auf der Welt schwierige Wirtschaftsreformen in die Wege, bauen stärkere, flexiblere Privatsektoren auf, verbessern die Effizienz und machen die
Entscheidungsfindung der Regierungen rationaler.
Dieser Prozeß erfordert Zeit. Wirtschaftliche Anpassung ist häufig schwierig. Und in den vergangenen
Monaten ist eine neue Herausforderung aufgetreten,
die diesen Prozeß des Wandels behindern könnte: Die
illegale und nicht provozierte Aggression des Irak
gegen den souveränen Staat Kuwait.
Kuwait und seinem Volk wird eindeutig der größte
Schaden zugefügt. Als die saudi-arabische Grenze
geöffnet wurde, berichteten die neu angekommenen
Flüchtlinge aus Kuwait von neuen Greueltaten und
Schrecken, denen sich das kuwaitische Volk und
Ausländer durch die Besatzungstruppen Saddam
Husseins ausgesetzt sahen.
Heute müssen andere Länder, die sich bereits mit
einem schmerzlichen wirtschaftlichen und politischen
Umbruch konfrontiert sehen, zusätzliche Härten in
Kauf nehmen. Länder, die durch die Unwägbarkeiten
der Ölversorgung, im Handel, durch die Entlassung
von Arbeitnehmern und Flüchtlingsströme erschüttert
werden, sehen sich ernsthaften Herausforderungen
gegenüber.
Diese wachsende Bürde, die auf den am härtesten
betroffenen Ländern lastet, erfordert eine großzügige
Reaktion der internationalen Staatengemeinschaft. Aus
diesem Grund haben wir bereits begonnen, Finanzmittel für die Frontstaaten zu mobiliseren und verantwortungsvolle Lastenteilung unter den Gläubigerländern
sicherzustellen. Die erste Reaktion auf diese Bestrebungen war beeindruckend. Damit Verpflichtungen
jetzt in konkrete Beiträge umgemünzt werden können,
ist es mir eine Ehre, in diesem Zusammenhang die
Gründung der Golf krise-Finanzkoordinierungsgruppe
unter dem Vorsitz von Finanzminister Brady bekanntgeben zu dürfen, die wirksame, rechtzeitige und kontinuierliche finanzielle Unterstützung dieser am härtesten betroffen Länder zum Ziel hat.
Wir dürfen jedoch eine noch größere Gruppe von hier
anwesenden Ländern nicht außer acht lassen, die
unter höheren Ölpreisen und anderen wirtschaftlichen
Engpässen leiden wird.
Obwohl sich die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit zu recht auf die Länder am Krisenherd gelenkt hat,
die die schwerste Wirtschaftslast tragen, darf ich Ihnen
versichern, da ß die übrige Welt sicherlich nicht vergessen wurde und wird.
Diese Zusammenkunft führender Vertreter der Finanzwelt bietet uns eine Gelegenheit zur Erörterung,

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wie wir zusammenarbeiten können, um die besondere
Finanzlast dieser Krise zu bewältigen, und zwar so,
daß der dramatische, weltweite Übergang zu freien
Märkten nicht gefährdet wird.
Der IWF und die Weltbank sind - angesichts ihrer
Schlüsselrolle in der Weltwirtschaft - das Instrument,
das uns allen durch diese Situation hindurchhelfen
kann, indem sie eine Kombination von politischem Rat
und Finanzhilfe bereitstellen. Die politische Führung
der UNO muß durch die wirtschaftliche Führung von
IWF und Weltbank ergänzt werden.
Finanzminister Brady wird in seiner Rede einige spezifische Vorschläge für mögliche Wege zur wirksameren Nutzung laufender IWF- und Weltbankprogramme machen. Ich möchte jedoch nochmals wiederholen: Wir sind entschlossen, den historischen Prozeß
demokratischen Wandels nicht durch das brutale
Verhalten eines Aggressors unterminieren oder die
Entwicklung zu marktorientierten Wirtschaftssystemen
aus dem Ruder laufen zu lassen.
Ich möchte mit einer Vision von der Rolle der Vereinigten Staaten und der Weltwirtschaft fortfahren, an der
wir alle teilhaben können.
Erstens sind wir der Überzeugung, daß die Vereinigten
Staaten zu wirtschaftlicher Stabilität und Wachstum
beitragen sollten. Der größte Beitrag, den die Vereinigten Staaten vielleicht zu einer gesunden Weltwirtschaft leisten können, ist, unser eigenes Haus in
Ordnung zu bringen. Unser Haushaltsdefizit muß
unter Kontrolle gebracht und abgebaut werden.
Zweitens sind die Vereinigten Staaten der Förderung
von Entwicklung und Wachstum in den aufstrebenden
Demokratien in Lateinamerika, Mittel- und Osteuropa,
Afrika und Asien aufs stärkste verpflichtet. In allen vier
Regionen arbeiten wir im Rahmen des Bradyplans an
der Linderung der Schuldenlast. Auf unserem Kontinent, wo der Schuldenüberhang Fortschritt verhindert,
haben wir die Initiative "Enterprise for the Americas" in
die Wege geleitet, um Wirtschaftswachstum durch
Ausbau von Handel und Investitionen zu fördern,
Schulden gegenüber der US-Regierung abzubauen
und Mittel für notwendige Umweltprojekte vor Ort
bereitzustellen. In Osteuropa, wo eine massive
Umstrukturierung erforderlich ist, arbeiten wir mit anderen
Nationen zusammen, um den aufstrebenden Demokratien Hilfsleistungen in Milliardenhöhe zur Verfügung zu stellen. Im immer noch unterentwickelten
Afrika haben viele der Länder mit den niedrigsten
Einkommen bereits vom Schuldennachlaß gegenüber
den Vereinigten Staaten profitiert.
Drittens verpflichten sich die Vereinigten Staaten zur
Schlüsselrolle von IWF und Weltbank bei der Verwirklichung von Wirtschaftsreformen. Reformbestrebungen können nur Erfolg haben, wenn die Länder ihren
Teil der Verantwortung übernehmen. Und das bedeu-

AMERIKA DIENST 39

�tet die Durchführung von Reformen und Privatisierung,
solide makroökonomische Maßnahmen und Strukturpolitik sowie offene Grenzen für Handel und Investitionen.
Aus diesem Grund ist Ihre Arbeit in dieser Woche in
Washington so wichtig. Seit über 40 Jahren haben der
Fonds und die Bank in aller Stille die Talente und
Energien von Industrie- und Entwicklungsländern in
den weltweiten Kampf gegen die Armut eingebracht.
Und heute, in einer Welt, die nicht mehr durch Ideologien und Supei machtblöcke geteilt ist, sind Bank und
Fonds zum Paradebeispiel internationaler Zusammenarbeit geworden. Insbesoidere würdigen wir Ihre
Arbeit an einer Studie über die sowjetische Volkswirtschaft von beispiellosem Unifang. Diese Studie bildet
die Grundlage für Wirtschafts-, Finanz- und Strukturreformen.
Im Verlauf der kommenden Woche wird ein Teil Ihrer
Aufgabe auch darin bestehen, die Zukunft ihrer beiden
renommierten Institutionen :u planen. Ich verpflichte
mich zur kontinuierlichen Unterstützung der Vereinigten Staaten füi eine Weltbank und einen IWF, die so
eindeutig unseren gemeinsamen Kampf zur Verbesserung der Lebensqualität i Her Menschen voranbringen.
Aus diesem G und unterstützen wir die IWF-Quotenaufstockung nnd verbesserte Maßnahmen im Hinblick auf die Zahlungsrückstände beim IWF. Darüber
hinaus möchten wir beide Institutionen auffordern, ihre

Aufmerksamkeit verstärkt auf die Schaffung dynamischer Privatsektoren in den Mitgliedstaaten zu konzentrieren - dem wichtigsten Stimulans zur Belebung
dieser neuen Marktwirtschaften.
Ferner möchten wir die Weltbank bitten, drei anderen
für gesundes und anhaltendes Wachstum unabdingbaren Bereichen hohe Priorität beizumessen. Erstens
dem Umweltschutz. Wie ich im letzten Jahr bereits
gesagt habe: Zerstörung der Umwelt kennt keine
Grenzen. Zweitens muß die Ausmerzung der Armut
weiterhin ein zentrales Anliegen der Bank sein. Und
drittens unterstützen wir Bestrebungen zur Integration
von Frauen in den Entwicklungsprozeß uneingeschränkt.
Nicht zuletzt müssen wir bei unserer Zukunftsplanung
am Edolg einer anderen wichtigen internationalen
Wirtschaftsinstitution zusammenarbeiten - dem GATT.
Von heute an sind es weniger als 70 Tage, die der
vierjährigen Uruguay-Runde internationaler Handelsgespräche verbleiben. Dauerhafte Reformen sind für
Industrie- und Entwicklungsländer gleichermaßen
unabdingbar. Sie sind der Schlüssel zu einer erfolgreichen Runde, die neue Reoeln und Chancen für alle
Länder schafft. Diese Verhandlungen sind eine der
größten wirtschaftlichen Chancen der Welt in diesem
Jahrzehnt. Aber es bleibt noch viel zu tun.
Die Runde behandelt nicht nur Handels- sondern auch
AMERIKA DIENST 39

Wachstumsprobleme. Ui ld sie ist nicht nur eine Übung
für Bürokraten in Genf. Die Handelsgespräche sind
der "letzte Zug, der abfährt", und alle Länder der Welt
müssen aufspringen. Sie können die Triebfeder für
Wirtschaftswachstum sein, das uns ins 21. Jahrhundert führt.
Die Runde verspricht, Hemmnisse in vier entscheidenden Bereichen aus dem Weg zu räumen, die in den
vorhergehenden Runden nicht behandelt wurden:
Dienstleistungen, Investitionen, geistiges Eigentum
und Landwirtschaft. In der Tat sind Agrarreformen
nach wie vor der größte Hemmschuh und drohen die
übrigen Themen der Runde zum Scheitern zu bringen.
Wir müssen die Bauern mit den Bauern konkurrieren
lassen statt mit den tiefen Taschen der Regierungen.
Wir benötigen eine erfolgreiche Lösung der Agrarfragen, wenn wir ein Abkommen erzielen wollen.
Wenn die Länder der Welt in der verbleibenden Zeit
nicht den politischen Mut zur Bewältigung dieser schwierigen Themen aufbringen, werden wir neue Märkte für
unsere Wirtschaftstätigkeit verlieren, unseren Verbrauchern höhere Preise auferlegen und auf neue
Arbeitsplätze und höhere Einkommen für Arbeitnehmer in allen Ländern verzichten müssen.
Und das schlimmste ist, wir werden das vitale, erprobte
Gefüge internationaler Zusammenarbeit gefährden.
Ein Scheitern der Runde wird unweigerlich zunehmenden protektionistischen Druck und politische Instabilität ermutigen. Das ist etwas, was wir uns schlecht
leisten können während wir eine neue Partnerschaft
der Nationen gegen die Aggression am Persischen
Golf schmieden.
Ich bitte Sie, innerhalb Ihrer Regierungen aktiv an der
Sicherstellung des Erfolgs mitzuarbeiten. Und ich bitte
meine Amtskollegen weltweit - wie wir es beim Wirtschaftsgipfel in Houston getan haben - ihre Unterhändler anzuweisen, bis Dezember alle Aspekte der Uruguay-Runde zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen.
Bei all diesen Bestrebungen steht viel auf dem Spiel.
Vor nahezu 35 Jahren nahm Präsident Eisenhower
zum ersten Mal am Treffen von IWF und Weltbank teil.
Er sprach von den Lektionen, die er gelernt hatte,
während er einen Krieg führte, der so viele Soldaten
aus so unterschiedlichen Ländern zusammenführte.
Eisenhower stellte - so wie ich jetzt - fest, daß unter den
Teilnehmern Verbündete bei dieser vornehmen Aufgabe waren. Ich zitiere:
"Eines haben wir schnell herausgefunden: Ohne das
Herz, ohne den Enthusiasmus für die Sache, an der wir
arbeiteten, war keine Zusammenarbeit möglich. Mit
diesem Enthusiasmus - alles andere hinter das Voranbringen der Sache zu stellen -, war Zusammenarbeit
ein leichtes."

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�Wie die Geschlossenheit in den Vereinten Nationen in
den vergangeren zwei Monaten belegt hat, ist der
weltweite Enthusiasmus für die vornehme "Sache"
von heute - die Sache, die ich als "neue Partnerschaft
der Nationen" bezeichnet habe - nicht nur beispiellos

sondern wahrhaft bemerkenswert. Und ich bitte Sie,
bei ihren Sitzungen in dieser Woche solchen Enthusiasmus aufzubringen, um die für den Erfolg erforderlichen neuen Ebenen der Zusammenarbeit hervorzubringen.

* * * * *

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Saite 4

\M ?F 'KA DIENST 39

�SOWJETISCHE

MILITÄRMACHT
3. Oktober 1990

PENTAGON: SOWJETISCHE MILITÄRMACHT
IMMER NOCH "ENORM"
- Auszüge aus "Die sowjetische Militärmacht 1990" WASHINGTON - (AD) - Die sowjetische Militärmacht ist "enorm und weiterhin gegen die Vereinigten Staaten
und ihre Verbündeten gerichtet". Dieses Fazit zieht US-Verteidigungsminister Cheney im Vorwort des jährlichen
Pentagon-Berichts über die sowjetische Militärmacht, der am 25. September 1990 der Öffentlichkeit vorgestellt
wurde. Cheney zufolge "deutet alles darauf hin, daß sich an dieser Tatsache nichts ändern wird".
Obwohl es "in bezug auf die künftige Tendenz der sowjetischen Bedrohung sicherlich Anlaß zu Optimismus gibt",
so Cheney, "lassen die Fakten lediglich den Schluß zu, daß die Sowjetunion eine enorme militärische
Supermacht bleibt. Die Absichten dieses Regimes verändern sich. Aber Absichten allein reichen nicht aus, um
dramatische Veränderungen bei unserem Grad der Einsatzbereitschaft zu unterstützen."
Im Schlußkapitel des Pentagon-Berichts wird festgestellt, daß die freie Welt heute "möglicherweise vor ihrer
schwersten und ernsthaftesten Bewährungsprobe steht: Wie soll sie auf ein sich rasch veränderndes Umfeld
reagieren, in dem sich die Bedrohungen, auf die unsere sicherheitspolitische Haltung über 40 Jahre lang
zugeschnitten war, verringert haben, während neue Instabilität und potentielle Gefahren neue Anforderungen
stellen."
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus dem Vorwort zu "Die sowjetische Militärmacht 1990" und dem
Schlußkapitel mit dem Titel "Aussichten für die Zukunft".

(Vorwort von Verteidigungsminister Cheney)
Die neunte Ausgabe von "Die Sowjetische Militärmacht" wird in einer Zeit beispielloser wirtschaftlicher
und politischer Unruhen in der Sowjetunion veröffentlicht. Diese Unruhen haben ein ungewöhnlich hohes
Maß an Unsicherheit über den künftigen Kurs der
enormen Militärstruktur des Kreml ausgelöst. Jeder
maßgebliche Bericht über die Streitkräfte Moskaus
und die von ihnen ausgehende Bedrohung erfordert
eine wesentlich stärkere Genauigkeit und Bereitschaft,
Nuancen wahrzunehmen, als jemals zuvor. Weder
diejenigen, die fest daran glauben, daß die Sowjets
keine westlichen Interessen mehr bedrohen, noch
diejenigen, die die sowjetische Bedrohung als weitgehend unverändert betrachten, werden sich durch "Die
sowjetische Militärmacht 1990" bestätigt fühlen.
Das uneinheitliche Bild der Bedrohung umfaßt wesentlich mehr als die Sowjetunion selbst. Mit der sich
verringernden Möglichkeit eines weltweiten Konflikts

AMERIKA DIENST 39

nehmen die Gefahren in den Entwicklungsländern zu.
Herausforderungen unserer nationalen Sicherheit
werden diffuser und komplexer. Die Instabilität im
Nahen Osten und andernorts, Terrorismus, Rauschgifthandel und Verbreitung von Waffen gehören zu den
Bedrohungen, die wir bei der Umstrukturierung unserer Verteidigung berücksichtigen müssen.
Gleichzeitig ist es ein Gebot der Klugheit, daß wir uns
auf die gefährlichste Herausforderung unserer nationalen Sicherheit konzentrieren. Die Militärmacht der
Sowjetunion ist enorm und bleibt weiterhin gegen die
Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten gerichtet.
Alles deutet darauf hin, daß sich an dieser Tatsache
nichts ändern wird. Darüber hinaus ist die Bedrohung
nicht mehr eindeutig umrissen. Die Folgen des Wandels in der Sowjetunion sind noch ungewiß.
Eine Einschätzung der sowjetischen Macht wird schwieriger, die Notwendigkeit verstärkt sich, den Modifizierungen der sowjetischen Militärdoktrin und militäri-

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�sehen Fähigkeiten breiteren Raum zu geben. In
einigen Fällen ist der Wandel grundlegender Natur. So
hat zum Beispiel aufgrund des Zusammenbruchs der
sowjetischen Kontrolle über Osteuropa und der mangelnden Bereitschaft des Kreml, die Praktiken der
Vergangenheit fortzusetzen und seine Macht mit Gewalt
aufrechtzuerhalten, im Warschauer Pakt ein Auflösungsprozeß eingesetzt. Infolgedessen hat sich die
Drohung eines Überraschungsangriffs auf die NATO
drastisch verringert. Zur Verteidigung der Handlungsweise seiner Regierung, die es Osteuropa gestattete,
seinen eigenen Weg zu gehen, erklärte der sowjetische Außenminister Schewardnadse: "Ein Block, den
man mit Gewalt davon abhalten muß, sich aufzulösen,
war bei ernsten Angelegenheiten keine Stütze und
kann dies auch in Zukunft nicht sein." Der vorliegende
Bericht beschreibt im Detail, was sich in bezug auf das
sowjetische Einsatzkonzept in Europa verändert hat
und was nicht. Darüber hinaus wird der Charakter der
sowjetischen Bedrohung gegenüber der NATO erörtert.
In anderen Fällen bietet die sowjetische Militärmacht
jedoch weiterhin einen bedrohlichen Anblick. Dies wird
nirgends deutlicher als bei den strategischen Nuklearstreitkräften und der strategischen Verteidigungsfähigkeit. Die Sowjets setzen die Modernisierung ihrer
strategischen Streitkräfte fort, die eine auf die Bedrohung unserer strategischen Streitkräfte ausgerichtete
Doktrin unterstützen. Die öffentlichen Äußerungen
Präsident Gorbatschows über Reformen stehen im
Hinblick auf die strategischen Streitkräfte in krassem
Gegensatz zu den tatsächlich durchgeführten militärischen Stationierungen. Dies ist keine Überraschung.
Wenn ihre militärischen Fähigkeiten nicht durch das
umfangreichste Atomwaffenarsenal der Welt gestützt
würden, könnte die Sowjetunion nicht mehr als Supermacht gelten. Obwohl Gorbatschow von Umgestaltung spricht, kann er sicherlich nicht die Absicht hegen,
sein Land zu einer zweitklassigen Macht zu reformieren.
Die sowjetische Bedrohung wandelt sich, aber sie
verschwindet nicht. Bei der Beobachtung dieses
Wandels kommt der emotionslosen Analyse höhere,
nicht etwa geringere Bedeutung zu. Die sowjetische
Militärmacht 1990 erörtert deshalb das ganze Spektrum von Faktoren, die auf die sowjetischen Streitkräfte Einfluß ausüben.
Seit der letzten Ausgabe haben wir zusätzliche Erkenntnisse über den Charakter des sowjetischen Militärs gewonnen. "Glasnost im militärischen Bereich" ist
nicht weit genug gegangen, aber es besteht bei der
politischen und militärischen Führung größere Bereitschaft, Probleme und Meinungsverschiedenheiten
öffentlich zu erörtern. Dies mag der Reformatmosphäre oder der Tatsache zuzuschreiben sein, daß die
Schwierigkeiten so groß sind, daß man sie einfach
nicht geheimhalten kann.

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So wird zum Beispiel die innenpolitische Unterstützung für den Militärdienst zunehmend in Frage gestellt.
Hauptsächlich aufgrund der baltischen Sezessionsbewegungen, der Kampagnen gegen das Militär und die
Wehrpflicht sowie des offenen Widerstandes einiger
Regierungen (etwa von Armenien) gegen die Wehrpflicht, drücken sich mehr und mehr Sowjetbürger vor
der Wehrpflicht. So gab Verteidigungsminister Jasow
zu, daß zum Einberunfungstermin im Frühjahr mehrere tausend Rekruten nicht angetreten waren. In Armenien kam fast niemand seiner Wehrpflicht nach.
Darüber hinaus bestehen innerhalb des sowjetischen
Militärs eindeutig Meinungsverschiedenheiten über eine
Vielzahl grundsätzlicher Fragen, darunter der Verfall
des sowjetischen Einflusses in Osteuropa, das Tempo
der Reformen in der militärischen Struktur und Glasnost selbst. Viele der jüngeren und mittleren Offiziere
möchten am liebsten die Wehrpflicht überhaupt abschaffen und das Militär von polizeilichen Aufgaben im
Innern entbinden. Elemente des sowjetischen Oberkommandos hingegen lehnen viele Reformbestrebungen Präsident Gorbatschows ab. Wie der vorliegende
Bericht zeigt, ist vieles, was einstmals in bezug auf das
sowjetische Militär als selbstverständlich galt, heute
Gegenstand offener Debatten. Es ist unklar, wie diese
Debatten ausgehen werden.
Ein weiterer Bereich, über den wir neue Erkenntnisse
gewinnen, ist die Verteidigungslast für die sowjetische
Wirtschaft. Schätzungen der Nachrichtendienste zufolge sind die sowjetischen Verteidigungsausgaben in
den vergangenen 25 Jahren kontinuierlich gestiegen
und erreichten in den achtziger Jahren einen Anteil von
1 5 - 1 7 Prozent am geschätzten Bruttosozialprodukt
(BSP). Dagegen vertraten die Sowjets offiziell die
Position, daß die Verteidigungsausgaben - und damit
auch die Belastungen - wesentlich niedriger lägen.
Selbst der von Gorbatschow im Jahr 1989 bekanntgegebene "revidierte" Verteidigungshaushalt (mit dem
die früheren Zahlen vervierfacht wurden) würde bedeuten, daß die Sowjets 9 Prozent ihres BSP für
Verteidigungszwecke aufwenden. Erst kürzlich deuteten die Sowjets an, daß die Lasten in Wirklichkeit höher
liegen. Präsident Gorbatschow hat selbst Ausgaben
zwischen 13 und 15 Prozent des BSP für Verteidigungszwecke zugegeben, während einige sowjetische Wirtschaftswissenschaftler spekuliert haben, daß
die Lasten noch erheblich höher liegen und vielleicht
bis zu 25 Prozent des sowjetischen BSP betragen
könnten.
Dies sind furchteinflö ßende Zahlen für eine Regierung,
die ihren Bergleuten noch nicht einmal genug Seife
liefern kann. Dagegen wurden in den Vereinigten
Staaten in einem Zeitraum beispiellosen Wirtschaftswachstums zwischen 5 und 6 Prozent des BSP für
Verteidigungszwecke bereitgestellt.
Es gibt Hinweise, wonach dieses erstaunliche Ausmaß sowjetischer Ausgaben verringert wird. Zu BeAM ERIKA DIENST 39

�ginn des Jahres 1989 kündigte Präsident Gorbatschow Ausgabenreduzierungen von 14,2 Prozent bis
1991 an. Wir schätzen, daß die sowjetischen Militärausgaben im Jahr 1989 real um 4 bis 5 Prozent gefallen
sind. Selbst angesichts dieser Kürzungen sind die
sowjetischen Verteidigungsaufwendungen höher als
zu dem Zeitpunkt, an dem Gorbatschow an die Macht
kam. Noch wichtiger ist die Tatsache, daß die Ausgaben auf einem Niveau verharren, das eine erhebliche
Modernisierung der sowjetischen Streitkräfte erlauben
wird.
Diese Modernisierung ist besonders bemerkenswert
im Hinblick auf das Atomwaffenarsenal und die strategische Verteidigungsfähigkeit Moskaus. Die sowjetische Interkontinentalstreitmacht (ICBM) wird von Grund
auf verbessert. Dazu gehört die fortgesetzte Stationierung der SS-24, einer mit Mehrfachgefechtsköpfen
ausgerüsteten Rakete, von der es sowohl eine stationäre als auch eine mobile Version gibt, der mobilen
SS-25 und der neuen Version der SS-18, die mit zehn
Gefechtsköpfen ausgerüstet ist. Durch die verbesserte Überlebensfähigkeit der mobilen Systeme, die bei
der neuen SS-18 mit grö ßerer Sprengkraft und Zielgenauigkeit einhergeht, werden die Sowjets eine glaubwürdige Erstschlagfähigkeit gegenüber den amerikanischen silogestützten ICBMs und nicht in Alarmbereitschaft befindlichen Streitkräften beibehalten, selbst
wenn ein START-Vertrag unterzeichnet wird.
Die Modernisierung der Bomberstreitkräfte des Kremls
schließt neue BEAR-H und BLACKJACK-Maschinen
ein, die mit Marschflugkörpern mit verlängerter Reichweite ausgerüstet sind. In der Gesamtzahl der sowjetischen Bomberflotte werden wir wahrscheinlich eine
Verringerung beobachten, da veraltete Bomber außer
Dienst gestellt werden und der Schwerpunkt auf qualitative Verbesserungen, etwa bei den Marschflugkörpern, verlagert wird.
Dasselbe gilt für die sowjetische U- Bootstreitmacht mit
ballistischen Systemen. Die Stationierung der DELTA
IV und TYPHOON, die mit jeweils 16 oder 20 Atomraketen bestückt sind, untermauert die Gesamttendenz
zu Qualität anstatt Quantität.
Die sowjetischen Investitionen in strategische Verteidigungssysteme liegen etwa auf dem gleichen Niveau
wie die Investitionen in offensive Nuklearprogramme.
Die Sowjets haben ihren Schutzgürtel um Moskau zur
Verteidigung gegen ballistische Raketen zu einem
zweistufigen System modernisiert, das in der ganzen
Welt seinesgleichen sucht. Darüber hinaus unterhält
Moskau eine Antisatelliten-Fähigkeit, darunter Systeme, die Satelliten in niedrigen Umlaufbahnen zerstören können.
Forschungsarbeiten über moderne Systeme, wie etwa
Laser, unterstreichen das starke sowjetische Interesse an der militärischen Nutzung des Weltraums. Betrachtet man den anscheinend scharfen Wettbewerb

AMERIKA DIENST 39

um Mittel für die Verteidigung, so sind die sowjetischen
Ausgaben für strategische Verteidigung in der Tat
beeindruckend und deuten auf ein beständiges Engagement zur Entwicklung eines umfassenden Raketenabwehrsystems hin.
Keine gründliche Analyse des sowjetischen Militärs
kann ein einfaches Bild der gegenwärtigen Bedrohung
vermitteln. Debatten über die Zukunft der kommunistischen Partei, die Struktur der Wirtschaft und das
Militär sind weitverbreitet. In einer solchen Atmosphäre ist es schwer vorauszusagen, was im nächsten
Monat, geschweige denn im nächsten Jahr geschehen
wird. In bezug auf die sowjetische Militärmacht gibt es
jedoch einige grundlegende Schritte, die der Kreml
selbst angesichts dieser Ungewißheit ergreifen könnte, um den Westen von der Ernsthaftigkeit seines
Wunschs nach Abbau der Bedrohung zu überzeugen.
Die Vereinigten Staaten würden es beispielsweise
begrüßen, wenn sich die Sowjetunion weniger auf das
Militär stützen würde. Das würde ein Militär erfordern,
das nur über einen vernünftigen Teil des nationalen
Reichtums verfügt. Darüber hinaus sollte der Kreml
seine massiven Militärhilfeprogramme einstellen, die
sich im vergangenen Jahr auf insgesamt 15 Milliarden
Dollar beliefen und Regimen in Afghanistan, Nordkorea, Libyen, Angola, Vietnam, Syrien und besonders
Kuba zugutekommen. Letzteres liegt nur 90 Meilen
von der amerikanischen Küste entfernt. Dies würde
erheblich dazu beitragen, uns zu überzeugen, daß es
der Kreml mit dem "neuen Denken" ernst meint und
seine inneren wirtschaftlichen Probleme in Angriff nimmt,
anstatt weiterhin seine traditionellen geopolitischen
Manöver zu verfolgen.
Jede ernsthafte Analyse des sowjetischen Militärs
enthüllt sowohl ein Bild intensiver innerer Debatten und
ungewisser Absichten als auch von Wandel und Instabilität. Was nicht enthüllt wird, auch wenn wir uns das
sehnlichst wünschen, ist eine ausgedünnte sowjetische Streitkräftestruktur und eine schwächer werdende Bedrohung. Die Wahrheit ist jedoch wesentlich
komplexer. Sicherlich gibt es in bezug auf die künftige
Tendenz der sowjetischen Bedrohung Anlaß zu Optimismus. Die Fakten lassen jedoch lediglich den Schluß
zu, daß die Sowjetunion eine enorme militärische
Supermacht bleibt. Die Absichten dieses Regimes
verändern sich. Aber Absichten allein reichen nicht
aus, um dramatische Veränderungen bei unserem
Grad der Einsatzbereitschaft zu unterstützen. Wir
müssen grundlegende und dauerhafte Veränderungen sowohl bei den Fähigkeiten als auch im Charakter
der sowjetischen Militärmacht feststellen.
(Ende des Vorworts von Verteidigungsminister Cheney)
(Beginn des Schlußkapitels)
Heute steht die freie Welt möglicherweise vor ihrer
schwersten und ernsthaftesten Bewährungsprobe: Wie
Seite 3

�soll sie auf ein sich rasch veränderndes Umfeld reagieren, in dem sich die Bedrohungen, auf die unsere
sicherheitspolitische Haltung über 40 Jahre lang zugeschnitten war, verringert haben, während neue Instabilität und potentielle Gefahren neue Anforderungen
stellen. Die Herausforderung ist so schwerwiegend,
weil die Fragen so komplex und paradox sind, sie ist
ernst, weil eine falsch kalkulierte Antwort eine Weltordnung hervorbringen könnte, die unsere Bestrebungen
nach einem zunehmend friedlichen und sicheren internationalen Umwelt zunichte machen könnte. Ungefähr die einzige Gewißheit, die wir gegenwärtig haben,
ist die Gewißheit weiterer Veränderungen.
Die Rolle der Sowjetunion in einer zunehmend unsicheren Welt ist schwer vorherzusagen. Mehr als vier
Jahrzehnte lang waren die Sowjetunion, ihre Verbündeten und Stellvertreter Hauptbedrohung für Weltfrieden und Sicherheit. Moskau hat seine Macht zur
Einschüchterung, Aggression, versuchter Beherrschung
und Expansion eingesetzt. Echte und dauerhafte
Veränderungen in der sowjetischen Bedrohung können nur aus einer grundlegenden Abkehr Moskaus von
der historischen Anlehnung an Gewalt und deren
Androhung als Instrumente der Außenpolitik entstehen. Dies wäre, um die Worte von Präsident Gorbatschow zu benutzen, eine "revolutionäre Transformation" des sowjetischen Staates.
Im vergangenen Jahr sind ermutigende Ereignisse
eingetreten, die darauf hindeuten, daß sich die Sowjetunion in Richtung einer solchen revolutionären Transformation bewegt, jedoch steckt dieser Prozeß noch in
den Kinderschuhen, und das Endergebnis ist weiterhin
unklar. Die Sowjetunion sieht sich auf dem Weg zu
dieser Umwandlung in ein dauerhaft weniger bedrohliches Land mit erheblichen Hindernissen konfrontiert.
Jahrzehnte wohlbegründeten Argwohns haben im
sowjetischen Volk und auch in der internationalen
Staatengemeinschaft ihre Spuren hinterlassen.
Die sowjetische Militärmacht 1990 beschreibt die vielen Bereiche, in denen sich Veränderungen der sowjetischen Politik, Doktrin und Beziehungen mit der übrigen Welt vollzogen haben. Es ist jedoch noch nicht
klar, in welchem Maß diese Veränderungen dauerhafte Reformen bedeuten. Die grundsätzliche Frage
lautet, ob die Sowjetunion eine Regierung schaffen
wird, die wirklich ihren Bürgern gegenüber und dem
Prinzip der Rechtsstaatlichkeit gemäß rechenschaftspflichtig ist - im Hinblick auf Freiheit, demokratischen
Pluralismus und die allgemeine Achtung der Menschenrechte.
Obwohl es nicht möglich ist, die künftige Form und
Richtung der sowjetischen Politik vorherzusagen, lassen sich eindeutige Veränderungen ausmachen, von
denen einige positive, andere unbekannte Folgen haben
werden:

Seite 4

Reduzierungen und Abzug von Streitkräften
haben zusammen mit der fortschreitenden
Auflösung des Warschauer Pakts die Fähigkeit
der Sowjets erheblich verringert, einen multinationalen, unverstärkten konventionellen Angriff
auf Westeuropa durchzuführen.
Die sowjetische Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten bei den Verhandlungen über
wichtige Abkommen birgt große Chancen zur
Reduzierung der strategischen, konventionellen und chemischen Bedrohung.
Das Aufleben nationalistischer Gefühle in der
Sowjetunion und das damit einhergehende Unabhängigkeitsstreben einiger Republiken stellt
den künftigen Zusammenhalt der UdSSR selbst
in Frage.
Die radikale Umwandlung, die ein fehlgeschlagenes wirtschaftliches und politisches System
auffangen mußte, spaltet die kommunistische
Partei.
Die Sowjets haben einen konstruktiveren Ansatz in bestimmten Bereichen ihrer Außenpolitik
demonstriert, wie der Abzug sowjetischer Truppen aus Afghanistan und die Reduzierung der
Unterstützung für zahlreiche radikale Regime in
Ländern der Dritten Welt bewiesen haben.
Trotz aller positiven Anzeichen für Veränderungen
bleiben beunruhigende Aspekte bestehen.
Die Sowjetunion modernisiert weiterhin ihr strategisches Atomwaffenarsenal, was im allgemeinen zu noch einsatzfähigeren Streitkräften führt.
Die Sowjets sind nach wie vor die einzige Macht
auf der Welt, die in der Lage ist, die Vereinigten
Staaten und ihre Verbündeten zu zerstören.
Infolge grundlegender geographischer und
demographischer Gegebenheiten im Verbund
mit immer noch massiven Militärausgaben verfügt die Sowjetunion über das größte militärische Potential, das jemals ein einzelnes Land
auf dem eurasischen Kontinent besessen hat,
geeignet, um eine Armee von etwa drei Millionen Mann und Waffen mit Tausenden von nuklearen Gefechtsköpfen zu unterhalten.
Die Sowjets stellen weiterhin etwa 15 Milliarden
Dollar zur Verfügung, um die bedrohlichen Aktivitäten einiger Vasallen, wie etwa Kuba, Afghanistan, Vietnam, Kambodscha und Äthiopien zu
unterstützen.
Diese Faktoren haben in der Tat bedeutende Auswirkungen. Wir werden Zeuge eines Übergangs von der
bipolaren Konfrontation, von der die internationalen

AMERIKA DIENST 39

�Beziehungen der Nachkriegszeit geprägt waren. Obwohl
sich die Vorwarnzeit eines konventionellen sowjetischen Angriffs auf Westeuropa erheblich verlängert
hat, stellt der Umfang der verbleibenden militärischen
Fähigkeiten der Sowjets eine ernsthafte Bedrohung für
unsere Zukunftsplanungen dar. Es gibt nach wie vor
unterschiedliche Quellen militärischer Bedrohungen.
Die sowjetische Militärmacht muß vor dem Hintergrund dieser Realitäten bewertet werden. Die Demokratisierung Osteuropas und die zunehmende Auflösung des Warschauer Pakts sind positive Entwicklungen, aber es ist nicht klar, welche Auswirkungen die
anhaltende Modernisierung der strategischen Atomwaffenarsenale der Sowjets und die inneren Unruhen
in der Sowjetunion auf die Sicherheit des Westens
haben. Die unmittelbare Bedrohung eines sternförmig
ausgeführten Angriffs des Warschauer Pakts, der die
NATO in den Atlantik stößt, besteht fast nicht mehr.
Was bleibt, ist eine Sowjetunion mit modernen, zunehmend einsatzfähigen konventionellen und nuklearen
Waffen und der Fähigkeit zu chemischer und biologischer Kampfführung. Diese Waffen werden von einer
Regierung kontrolliert, die sich zunehmenden Herausforderungen im Inland gegenübersieht und die bei
offensiven Operationen nicht auf Unterstützung ihrer
ehemaligen Verbündeten zählen kann. Eine Reaktion
auf die Bedrohung wird nunmehr verkompliziert durch
den unsicheren Fortgang der Ereignisse in der Sowjetunion. Die Reaktion des Westens muß von einer
Vision geleitet sein, die auf den Lehren der Geschichte
basiert. Sie wird moderne, flexible und sichere Streitkräfte erfordern, die in der Lage sind, auf Unerwartetes
zu reagieren.

*

AMERIKA DIENST 39

Das neue Umfeld bedeutet für die Vereinigten Staaten
und den Westen neue Chancen und neue Risiken. Wir
haben die Möglichkeit, zur Verfestigung positiver
Tendenzen für Freiheit und Zusammenarbeit beizutragen zu helfen und negative Trends in günstigere Ergebnisse umzuwandeln. Dennoch bleiben Risiken bestehen im Hinblick auf die massive militärische - konventionelle und nukleare - Fähigkeit, die von einem Sowjetstaat kontrolliert wird, der sich tiefgreifenden Problemen gegenübersieht.
Unsere eigene Sicherheitspolitik muß dieser Unsicherheit Rechnung tragen. Einseitige westliche Abrüstung, die unsere Flexibilität im Umgang mit schwierigen Szenarien unter instabilen neuen Bedingungen
internationaler Sicherheit beseitigt, würde die weltweite Abschreckung schwächen und der Instabilität auf
der Welt Vorschub leisten.
Dies ist ein außergewöhnlicher Augenblick in der
Geschichte. Von den Vereinigten Staaten oder der
Sowjetunion getroffene Entscheidungen werden den
Kurs der Weltpolitik bestimmen. Die Entscheidungen
von heute werden die Aussichten für Sicherheit und
Entwicklung der Freiheit der nächsten Generationen
bestimmen. Die Vereinigten Staaten müssen weiterhin positive Veränderungen fördern und gleichzeitig
die Fähigkeit und Flexibilität behalten, in einem Augenblick der Unruhe und Unsicherheit mit immer noch
ungeheuren militärischen Fähigkeiten der Sowjets
fertigzuwerden - und sie abzuschrecken.

*

Seite 5

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Infoimatio
und
Dokumente! io
United States Information Service
Embassy of the United States of America

3. November 1982

43

h

INHALT

DOKUMENTATION
Weinberger:

Nukleares Einfrieren würde Abschreckung schwächen

- Auszüge aus der Pressekonferenz vom 28. Oktober 1982 US-Sicherheitsberater umreißt außenpolitische Ziele der
Reagan-Admi ni strati on

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Ernährung und Krebs
- Ein Faktor von vielen, der die Gesundheit beeinflußt -

/

Wachstumsfaktor für Knochenzellen
- Protein-Wirkstoff aus menschlichem Knochengewebe isoliert
Von G. Weiss

Um Über/cndung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�43

3. November 1982

WEINBERGER: NUKLEARES EINFRIEREN WÜRDE ABSCHRECKUNG SCHWÄCHEN
- Auszüge aus der Pressekonferenz vom 28. Oktober 1982 -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Caspar
Weinberger hat am 28. Oktober 1982 i'iterstrichen, daß ein Einfrieren der
Nuklearwaffen

das Risiko eines Krieges nicht vermindern, sondern eher

Verhandlungen über einen Rüstungsabbau verhindern könnte. Weinberger
traf diese Feststellung auf einer Pressekonferenz in Washington. Er
äußerte sich ferner zur Situation im Libanon, wobei er darauf hinwies,
daß die Vereinigten Staaten sich zur Unterstützung des Wiederaufbaus
der wirtschaftlichen und militärischen Stärke des Libanon verpflichtet
hätten; allerdings müsse die genaue Rolle der USA noch festgelegt werden.
Im folgenden Auszüge aus der Pressekonferenz:
Frage: Sie haben erklärt, daß die Sowjets eine überlebensfähige
Streitmacht hätten. Die meisten ihrer Gefechtsköpfe befinden sich auf
landgestützten Raketen. Wollen Sie damit sagen, daß wir heute in unserem
Arsenal über keine Waffen verfügen, die die sowjetischen Interkontinentalraketen (ICBM) in ihren Silos angreifen können?
Antwort: Nicht

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Antwort: Nicht in einem hohen Maß an Zuversicht hinsichtlich der verbunkerten Silos, über die die Sowjets verfügen. Sie haben ihre Silos verbunkert, wie sie auch die meisten ihrer Ziele verbunkert haben. Bei uns
ist das nicht der Fall. Mit der Durchschlagskraft und der Genauigkeit,
über die wir verfügen, könnten wir keine große Zuversicht haben, jene Art
von Schaden zuzufügen, wie er für die Aufrechterhaltung einer Abschreckung
wichtig ist. Es geht hier nicht darum, das zum Einsatz bringen zu können.
Es geht vielmehr darum, daß wir die Fähigkeit besitzen, reagieren zu können, sollten die Sowjets einen Erstschlag führen - und zwar in einer Weise, die sie davon überzeugen würde, daß der Schaden, den sie hinnehmen
müßten, so groß wäre, daß sie dies an einem Erstschlag hindert. Deshalb
sind wir so besorgt über eine Aushöhlung und Unterminierung (unserer Position), und deshalb sind wir der Überzeugung, daß wir das strategische
Rüstungsprogramm des Präsidenten durchführen müssen.

Frage: Was haben Sie zu den Behauptungen des sowjetischen Staats- und
Parteichefs Leonid Breschnew zu sagen, daß die Vereinigten Staaten verantwortlich seien für den Krieg im Libanon und für die Probleme, die es
jetzt in Afrika, Asien und Mittelamerika aufgrund der aggressiven Politik
der US/1 gäbe; er hat erklärt, daß "die Vereinigten Staaten die Welt in die
Flammen eines Atomkrieges zu stürzen drohen".
Antwort: Ganz offensichtlich haben wir zu jeder dieser Erklärungen
eine ganz andere Meinung als die Sowjetunion. Nehmen wir doch nur den
Libanon. Ich meine, diese (sowjetische) Erklärung wird durch ihre eigene
Absurdität beantwortet. Wir tun doch alles, was in unseren Kräften steht,
um diese Angelegenheit zu einem Ende zu bringen und im gesamten Nahen
Osten den Frieden wiederherzustellen. Die sowjetischen Bemühungen zielen
nicht in diese Richtung.
Frage: Glauben Sie, daß die auf ein nukleares Einfrieren gerichteten
Bewegungen von Leuten ausgenutzt werden, die Amerika schächen würden?
Antwort: Ich

�Antwort: Ich meine, in erster Linie sollte man sich im Hinblick auf
die Bewegungen für ein nukleares Einfrieren darüber Sorgen machen, daß
einige Leute hier in den USA und im Ausland den Eindruck gewinnen könnten,

daß Amerika nicht mehr den Willen und die Entschlossenheit oder die

Fähigkeit hätte, eine ausreichende Abschreckungsstärke zu bewahren.
Die Probleme hinsichtlich eines Einfrierens betreffen all die Fragen,
die ich gerade dargelegt habe. Es gibt allgemein die falsche Vorstellung, daß beide Seiten einander zerstören könnten, daß jeder Über die
gleich

Anzahl von Gefechtsköpfen verfügte, und was damit noch zusammen-

hängen mag. Bei all dem wird völlig die Wirksamkeit der Abschreckung
übersehen - die einzige Möglichkeit, wie man wirklich diese Fragen beurteilen kann.
Die Wirksamkeit unserer Abschreckung ist aufgrund der Modernisierung
unterhöhlt worden, mit der die Sowjets ihre Systeme ausgestattet haben,
während bei uns dies nicht der Fall war. Wir verfügen heute über Systeme,
die allzu verwundbar sind gegenüber einem Erstschlag der Sowjets, und es
ist von entscheidender Bedeutung, daß wir sie so schnell wie möglich wieder aufbauen. Deshalb wäre ein Einfrieren so gefährlich. Ich spreche hier
überhaupt nicht über Motive. Es sind die Ergebnisse, die mir Sorge bereiten.
Frage: Ganz abgesehen von der technischen Frage der Veralterung dieser
Waffensysteme oder von politischen Fragen: Die katholischen Bischöfe dieses Landes haben einen Hirtenbrief verfaßt, in dem erklärt wird, daß
Kernwaffen schon von Grund aus sowie der Besitz dieser Waffen durch und
durch unmoralisch seien. Wenn auch die Bischöfe sagen, daß ein gewisses
Maß an Abschreckung gegenwärtig toleriert werden müsse, so erklären sie
doch auch, daß neue strategische Systeme eine Sünde darstellten, Stimmen
Sie dem zu?
Antwort: Die

�Antwort: Die Bischöfe haben mir und sicherlich auch vielen anderen
Leuten eine Kopie dieses Entwurfes zugesandt - es ist ein Entwurf. Sie haben
um Stellungnahme ersucht, und wir begrüßen das - die Gelegenheit, dazu
etwas zu sagen. Und wir werden auf viele der Punkte verweisen, die ich
hier heute dargelegt habe, daß nämlich ein Einfrieren zu diesem Zeitpunkt unserer Meinung nach die Gefahr eines Krieges erhöhen würde. Wir
denken dabei natürlich auch daran, daß seine Heiligkeit, der Papst, in
einer Botschaft an die Vereinten Nationen zu verstehen gegeben hat, daß
die Abschreckung eine moralische Politik darstellt.
Frage: Wollen Sie sagen, die Sowjetunion könnte uns bei einem Erstschlag einen so großen Schaden zufügen, daß wir nicht mehr zurückschlagen könnten?
Antwort: Was ich gesagt habe: Das Wesen der Abschreckung besteht
darin, der anderen Seite unsere Fähigkeit zu verdeutlichen, daß nach
einem Erstschlag der Schaden, der ihr zugefügt würde, so unannehmbar
hoch wäre, daß sie auf einen solchen Erstschlag verzichtet. Ich habe
keine mathematische Formel oder Regel, die mir die hierfür notwendigen,
genauen Zahlen sagt. Aber die Sicht der Sowjetunion ist von höchster Bedeutung - genau wie unsere eigene Perspektive, unsere eigene Fähigkeit,
einen Erstschlag dieser Art mit unserem zwanzig Jahre alten Raketensystem
in ungehärteten Silos und unseren zwanzig Jahre alten Bombern zu überstehen, die gegen eine sehr starke Luftverteidigung anzugehen hätten. All
dies sind für mich eindeutige Hinweise darauf, daß wir alles tun müssen,
um unsere Stärke wiederzugewinnen und sicherzustellen, daß wir über eine
angemessene, wirksame Abschreckung verfügen. Und das ist genau das, was
wir versuchen.
Frage: Gibt es Ihrer Meinung nach bei der sowjetischen Einstellung
Aspekte, die Ihnen den Eindruck vermitteln, die Sowjets seien der Meinung, sie könnten mit einem Erstschlag Erfolg haben?
Antwort: Ich
- 4

�Antwort: Ich sehe bei dem, was sie schreiben und was sie tun, Hinweise
darauf, daß sie in zunehmendem Maße zu glauben beginnen, ein Atomkrieg
sei zu gewinnen. Sie tun eine ganze Menge für den Zivilschutz, und man kann
darüber streiten, ob er wirkungsvoll ist oder nicht; aber dennoch bleibt
die Tatsache bestehen, daß sie es tun, und das ist in sich selbst ein wichtiger Punkt.
Frage: Es wird jetzt größerer Wert darauf gelegt, die konventionellen
Streitkräfte der Vereinigten Staaten und der NATO in Europa auszubauen,
um damit die Abhängigkeit von den taktischen Kernwaffen zu verringern.
Welche Auswirkung würde dies auf Überlegungen hinsichtlich der Dislozierung von Gefechtsköpfen mit erhöhter Strahlung (Neutronenwaffe) haben?
Antwort: Alles, was wir im konventionellen und im strategischen Bereich innerhalb der NATO oder andernorts tun, hat zum Ziel, vor einem Angriff, einem Krieg, abzuschrecken, zeigt sich doch im konventionellen
Bereich ein Ungleichgewicht, das schwer zugunsten der Sowjets wiegt. Zur
Abschreckung braucht man genug Streitkräfte, damit die andere Seite weiß,
im Falle eines Angriffes wäre sie einem Vergeltungsschlag ausgesetzt, den
sie nicht erleiden möchte und den sie als zu schwer erachtet. Deshalb ist
es notwendig, die konventionellen Streitkräfte ebenso wie die strategischen
auszubauen. Ein anderer Aspekt kommt hinzu: Viele glauben, wenn man die
konventionellen Streitkräfte auf ein relatives Niveau der Gleichheit bzw.
ein Niveau relativer Abschreckungsfähigkeit anhebe, vermindere sich dadurch die Notwendigkeit oder die Möglichkeit jeder Art von Eskalation zu
Kernwaffen. Daher ist es aus beiden Gründen wichtig, die konventionellen Streitkräfte in der NATO und in anderen Weltgegenden auszubauen, wo
eine Disparität besteht. Die Neutronenwaffe ist lediglich eine Waffe, die
beträchtliche Kapazitäten gegen Panzer hat und über die in diesem Zusammenhang in allen NATO-Ländern Überlegungen angestellt werden.
Frage: Der

�Frage: Der Präsident hat einen Verfassungszusatz über einen ausgewogenen Haushalt vorgeschlagen. Er hat auch deutlich gemacht, daß er die
Steuern nicht weiter erhöhen will. Ist es angesichts dieser Ziele möglich, den Ausbau der Verteidigung in dem Maße beizubehalten, wie Sie
es gern hätten? Es scheint, daß irgendjemand hier etwas geben muß.
Antwort: Erinnern Sie sich daran, daß der Kongreß dem Präsidenten
zu keiner Zeit die Verringerungen bei den Ausgaben, die nicht mit der
Verteidigung zusammenhängen,gewährte, die er angestrebt hatte. Dies war
von Anfang an eines der Probleme, die mehr oder weniger Libersehen wurden.
Das Programm des Präsidenten war ein Programm, bei dem es um beträchtliche
Verringerungen bei den Zuwachsraten der Ausgaben ging - und nicht sehr
viele davon wurden vom Kongreß auch tatsächlich akzeptiert. Die Antwort
auf den anderen Teil Ihrer Frage ergibt sich schon ganz einfach aus der
Tatsache, daß man etwas tun muß, um Sicherheit, Freiheit und Frieden des
Landes zu gewährleisten. Wir sind völlig davon überzeugt, daß w v
Frieden und Freiheit underes Landes in Gefahr bringen, wenn wir nicht
wieder genügend Stärke gewinnen, damit unsere Abschreckung wirksam ist
und auch als wirksam erachtet wird. Es ist von entscheidender Bedeutung,
daß wir nur nicht so angesehen werden, als würden wir nichts tun, sondern
daß wir auch tatsächlich und rechtzeitig wieder genügend Stärke erlangen.
Das andere Problem ist, daß all diese Dinge Zeit brauchen und solche Ausgaben in einer freien, offenen, demokratischen Gesellschaft nie populär
sind. Dennoch ist es von entscheidender Bedeutung, daß man sie nicht nur
ein oder zwei Jahre lang, sondern fünf, sechs oder sieben Jahre lang vornimmt. Das ist der Preis, den wir dafür bezahlen, daß wir unsere Streitkräfte in den siebziger Jahren vernachlässigt haben. Erinnern wir uns
doch daran, daß in jener Zeit die Verteidigungsausgaben um real 19 Prozent zurückgingen, während die anderen Ausgaben um 112 Prozent in die Höhe
gingen. Dabei gab es in der Sowjetunion keinerlei Rückgang, dort gingen
die Verteidigungsausgaben weiter in die Höhe.
Meine knappe Antwort auf Ihre Frage wäre also, daß ich der Meinung

- 6 -

�der Meinung bin, wir haben das zu tun, was der Präsident in seinem Rüstungsnachholprogramm dargelegt hat. Ich glaube, es ist aufzubringen,und die
Wirtschaft kann es ohne Schwierigkeiten tragen. Erinnern Sie sich daran,
welch trübe Voraussagungen von manchen Leuten gemacht wurden, was alles
bei höheren Verteidigungsausgaben geschehen würde: Einmal hieß es, daß dies
die Inflation nur noch verstärken würde - und wir haben trotz zwei Jahren
höherer Verteidigungsausgaben eine niedrigere Inflation. Zum anderen hieß
es, daß dann die Zinsen nie sinken würden - und trotz höherer Verteidigungsausgaben sinken sie. Die Menschen machen sich zurecht über die Arbeitslosigkeit Sorgen. Aber die Verteidigungsausgaben verursachen keine Arbeitslosigkeit. Ich glaube also, die Volkswirtschaft kann sie tragen, die Erfordernisse des Landes, ja, die Ansprüche der Freien Welt erfordern sie.
Eines noch: Ich hoffe, Sie haben nicht den Eindruck, wir ignorierten die
Stimmen für ein Einfrieren der Kernwaffen oder lachten darüber. Das wäre
völlig falsch. Wir machen uns darüber sehr viele Gedanken. Wir glauben
jedoch, daß diesp Haltung falsch ist, weil sie unserer Meinung nach die
Gefahr eines Krieges erhöht. Wir werden auch weiterhin versuchen, klarzustellen, daß wir der Meinung sind, die Verabschiedung eines Vorschlages
zum Einfrieren würde das Risiko und die Gefahr eines Krieges erhöhen und
würde die Sowjets dazu ermutigen, dem Verhandlungstisch fernzubleiben
und all das zu tun, was Herr Breschnew gestern gesagt hat.

+ + + + +

�3. November 1982

43

US-SICHERHEITSBERATER UMREISST AUSSENPOLITISCHE ZIELr
DER REAGAN-ADMINISTRATION

SAN DIEGO, KALIFORNIEN - (AD) - Der Sicherheitsberater Präsident
Reagans, William Clark, hat in einer Rede vor Geschäftsleuten in Kalifornien erneut betont, daß Präsident Reagan von der Notwendigkeit und Möglichkeit einer Verringerung der Kernwaffen auf einen gleichen Stand zwischen den USA und der UdSSR überzeugt ist. Ein Einfrieren auf dem gegenwärtigen Niveau würde jedoch den Sowjets jeden Anreiz zur Beteiligung an
ernsthaften Abrüstungsverhandlungen nehmen.
Die Rede des Beraters für nationale Sicherheit hat folgenden Wortlaut:
Es ist mir eine besondere Ehre, heute zu Ihnen sprechen zu dürfen.
Ich will versuchen, Ihnen einen Bericht über den Stand der Bemühungen des
Präsidenten zu geben, die Führungsrolle der Vereinigten -taaten bei der
Lösung vieler schwieriger Probleme der Weltpolitik wiederherzustellen.
Um dies richtig beurteilen zu können, scheint es mir nützlich, die Tages-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
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Telex: 8-85432

�die Tagesordnung aufzuzeigen, vor der wir standen, als der Präsident sein
Amt übernahm und an das Klima zu erinnern, in dem wir arbeiten mußten.
Wie Sie wissen, waren die siebziger Jahre kein glückliches Jahrzehnt jedenfalls gemessen an dem Glück, das Amerika in der Weltpolitik hatte. Das
war die Folge vieler Faktoren. Zu dem politischen Erbe des Vietnam-Krieges
gehörten unter anderem eine ernsthafte Infragestellung der Zuverlässigkeit
der Vereinigten Staaten als Verbündeter. Ein getrennter und damit nicht in
Zusammenhang stehender Faktor war die dramatische und ganz deutliche Expansion der militärischen Macht der Sowjets. Dieser militärische Aufstieg wurde von einer erhöhten Bereitschaft der Sowjets begeleitet, bei der Ausdehnung ihres Einflusses über ihre Grenzen hinaus Risiken einzugehen. Ihre
Förderung kubanischer Aktivitäten in Angola und ihr sichtbares Vorgehen bei
ihren subversiven Bemühungen in Äthiopien und Südjemrn waren Ausdruck immer
größerer Kühnheit der Sowjets angesichts des Fehlens eines erkennbaren amerikanischen Widerstandes. Dieser Trend des Zögerns und der Unsicherheit
unsererseits stellte unsere Zielsetzung und Entschlossenheit bei unseren
Freunden in Europa und auch andernorts in Frage.
Ein weiterer wichtiger Faktor war eine wesentliche Steigerung unserer
Abhängigkeit und die unserer Verbündeten von überseeischen Ressourcen für
den Betrieb unserer Wirtschaft. Die Auswirkungen dieser und anderer Ereignisse im eigenen Land - auf die wir keine erkennbare Antwort gaben - führten uns an den Rand der wirtschaftlichen Katastrophe.
Diese Ereignisse und Tendenzen führten dazu, daß die Vereinigten Staaten vom Ausland - von der Sowjetunion wie auch von unseren Freunden - als
eine absteigende Nation betrachtet wurden. Wir wurden als unzuverlässig
und im Grunde als unfähig angesehen, unsere eigenen oder die Probleme unserer Freunde zu lösen.
Die große Aufgabe, vor der Präsident Reagan zu Beginn seiner Administration stand, war es, die westliche Welt wieder hinter sich zu sammeln,
- 2 -

�zu sammeln, indem er zeigte, daß die Vereinigten Staaten erneut die führende
Rolle bei der Lösunn dieser Probleme und eine positive Rolle in der Weltpolitik spielen können.

Ordnung im eigenen Haus
Angesichts dieser Tagesordnung steckte der Präsident seinen Kurs in
Richtung auf grundlegende Ziele ab, die einzeln und kollektiv darau-' abzielten, wieder ein größeres Maß an Stabilität und Frieden innerhalb der internationalen Gemeinschaft herzustellen und wirtschaftliches Wachstum und
Entwicklung zu fördern. Es gab zwingende innenpolitische Gründe, das Hauptaugenmerk auf die Wiederherstellung der wirtschaftlichen Stabilität im eigenen Land zu richten. Unsere Wirtschaft und das amerikanische Volk waren mit
Zinssätzen von über 20 Prozent und einer zweistelligen Inflation am Punkt
des Zusammenbrechens angelanf+. Tatsache ist, daß keine Nation die Achtung
anderer erringen kann, wenr sie ihre eigenen Probleme nicht zu i^sen imstande ist. Und richtig ist auch, daß die Leitstellung des Dollar

und Viel-

falt und Kapazität der amerikanischen Industrie für einen anhaltenden internationalen Wiederaufschwung wesentlich sind.
Aus all diesen Gründen hat sich der Präsident daran gemacht, unser eigenes Haus in Ordnung zu bringen.

Wir können heute befriedigt feststellen,

daß wir eindeutig einen Umschwung erzielt haben. Wer hätte noch vor 20 Monaten geglaubt, daß die Zinssätze um 50 Prozent sinken und daß die Inflation
um

einen noch größeren Prozentsatz zurückgehen würde. Das ist ein Fort-

schritt, und wie der Präsident betont hat, haben wir noch mehr auf Lager,
wenn wir nur den Kurs halten.

Neubau der Grundlagen
Die zweite wesentliche Aufgabe für die EHaltung des Friedens war die
Wiederherstellung der Grundlage der Stärke, auf der das Konzept der Ab-

- 3 -

�Konzept der Abschreckung beruht. Aus einer ganzen Anzahl von Gründen hatten
es die Vereinigten Staaten zugelassen, daß ihre Investitionen in die Verteidigung

während der ganzen siebziger Jahre real ständig zurückgingen.

Wir hatten seit Ende der sechziger Jahre keine einzige neue Rakete entwickelt, unsere neuesten B 52-Bomber waren über 20 Jahre alt. Auf der anderen Seite beträgt das Durchschnittsalter sowjetischer Systeme weniger als
fünf Jahre.
Dieser Rückgang fand zu einer Zeit statt, in der die Sowjetunion die
augenfälligste Expansion militärischer Macht in der Geschichte der Menschheit noch beschleunigte. Die UdSSR zog - gemessen an den Verteidigungsausgaben - im Jahr 1971 an den Vereinigten Staaten vorbei. Im Verlauf dieser
Dekade übertrafen die militärischen Investitionen der Sowjets die unsrigen
um über 200 Milliarden Dollar.
Diese dramatische Expansion sowjetischer Macht wurde durch die ganz
augenfällige Steigerung der sowjetischen Bereitschaft, Risiken bei Abenteuern einzugehen, wie ich sie bereits erwähnt habe - in Entwicklungsländern von Afrika bis Afghanistan - in politische Wirkung umgesetzt.
Aufgrund der Initiativen des Präsidenten ist das Wiederaufbauprogramm
jetzt gut in Gang gekommen und wenn wir die Entschlossenheit zeigen, es auch
in den kommenden Jahren fortzuführen, dann bestehen alle Aussichten, daß
eine wirksame Abschreckung bestehen bleibt und daß der Frieden für unsere
eigene Generation und für künftige Generationen bewahrt werden kann.

Gegenseitigkeit und Zurückhaltung
Ein weiteres wichtiges Ziel war nach Auffassung des Präsidenten die
Wiedererrichtung einer festen Basis für die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen. Im Laufe seines ersten Amtsjahres machte der Präsident der
sowjetischen Führung deutlich, daß er bereit sei, ernsthaft mit ihr an der

- 4 -

�an der Lösung des ganzen Bereiches internationaler Probleme auf der Grundlage der Gegenseitigkeit und der Zurückhaltung zu arbeite". Gleichzeitig
machte er jedoch genauso deutlich, daß er angesichts sowjetisch inspirierter
Repression, Subversion oder direkter Aggression nicht schweigen werde sei es, daß sich derlei in Polen, Mittelamerika oder Afghanistan zuträgt.
Dies ist das Gebiet, auf dem der Präsident für seine Maßnahmen - vor allem
für die Sanktionen, die er nach der sowjetisch inspirierten Unterdrückung
in Polen verhängte - Kritik erfuhr. Für den Präsidenten bedeuteten jene
Ereignisse vor Weihnachten letzten Jahres eine erneute Bestätigung dafür,
daß die

Sowjetunion ihren Anspruch auf die Weltrevolution nicht aufgege-

ben hat, vor allem die Revolution jenseits ihrer Grenzen. Es steht den
Sowjets sicherlich frei, diese Wahl zu treffen; aber es ist etwas anderes,
wenn sie sie verwirklichen wollen. Die Chance, sich der Vorteile eines
freien Handels und friedlichen Verkehrs innerhalb der internationalen Gemeinschaft zu erfreuen, ist eine Option, die sie ohne Frage beeinflussen
können.
Solange die Sowjetunion weiterhin von ihrer Bevölkerung Entbehrungen
verlangt und ihre Ressourcen in eine massive Aufrüstung steckt, werden
die Vereinigten Staaten - und das ist das Mindeste - nicht zu diesem Prozeß beitragen, indem s^'e* Technologie, Hardware und Kredite liefern, um den
Sowjets ihre Aufgabe zu erleichtern. Wir dürfen, wie wir meinen, bei diesen
Bemühungen vernünftigerweise die Unterstützung anderer Nationen erwarten,
die mit uns unsere Werte und unsere Grundsätze teilen.

Rüstungskontrolle
Im Nuklearzeitalter - und vor allem nach einem Jahrzehnt einer so erstaunlichen Vergrößerung der sowjetischen Arsenale - muß es die oberste
Priorität eines jeden amerikanischen Präsidenten bleiben, einen Konflikt
zu verhindern, und den Stand der nuklearen Rüstung zu verringern. Dieses

- 5 -

�verringern. Dieses Anliegen wird heute von immer mehr Amerikanern zum Ausdruck gebracht, und das zunehmende öffentliche Interesse an der Kontrolle
von Kernwaffen ist ein außerordentlich gesundes und begrüßenswertes Phänomen. Es kann dazu dienen, dem amerikanischen Volk Einsicht in die Grundkonzepte und Systeme zu vermitteln, die die Stabilität oder Instabilität
des Friedens im Atomzeitalter bestimmen. Während der letzten 37 Jahre ist
das Thema der strategischen Kernwaffen mit Geheimniskrämerei, Fachausdrucken
und hochfliegenden Konzepten umgeben worden, die die meisten Menschen kaum
verstehen konnten. Das Ergebnis war jedoch, daß das amerikanische Volk in
der wichtigsten Frage der öffentlichen Politik seiner Generation uninformiert blieb. Schon allein aus diesem Grunde bedeutet die derzeitige Debatte
eine sehr nützliche Übung.
Lassen Sie mich einen Moment abschweifen, um Ihnen ein paar Beispiele
für jene Art von Fehlinformationen zu geben, die die Haltung in der Öffentlichkeit in dieser Frage fehlgeleitet haben. Wenn ich Sie fragen würde,
ob die Vereinigten Staaten heute mehr Sprengkraft (Megatonnage) besitzen
als vor 20 Jahren oder weniger, dann bin ich sicher, daß die meisten von
Ihnen antworten würden, daß wir heute mehr haben. Die Wahrheit ist jedoch,
daß der heutige Stand weniger als die Hälfte von dem beträgt, was während
der Kennedy-Administration vorhanden war. Und wenn ich Sie in ähnlicher
Weise fragen würde, ob wir heute mehr oder weniger Gefechtsköpfe besitzen
als vor zehn Jahren, dann bin ich sicher, würden die meisten antworten, daß
wir sicherlich mehr haben. In Wirklichkeit ist es aber so, Haß wir im Verlauf der letzten zehn Jahre die Zahl der Gefechtsköpfe in unserem Arsenal
um etwa ein Drittel gesenkt haben.
/
Mir geht es jedoch nicht darum, mit Statistiken zu argumentieren. Der
Präsident ist der Oberzeugung, daß das Niveau in jedem Fall noch zu hoch
ist und daß wir alles in unserer Macht Stehende tun müssen, um es herabzusehen. Diespm 7iel hat die Anweisung des Präsidenten gedient, eine wohlüberlegte, gerechte Rüstungskontrollposition auszuarbeiten, mit der wir
die Sowjetunion zu einem ernsthaften Programm der Verringerungen bewegen

- 6 -

�Verringerungen bewegen wollen. Diese Anweisung sollte zwei Zwecken dienen:
Erstens sollte sie die strategischen Waffen in den Griff bekommen und zweitens sollte sie einen Abbau der Mittel Streckenwaffen bewirken, wie etwa
der sowjetischen SS-20, die unsere Freunde in Europa und anderswo bedrohen.
Was die Mittel Streckenwaffen angeht, so hat der Präsident der Sowjetunion vorgeschlagen, daß wir auf die Dislozierung entsprechender Gegenwaffen
verzichten werden, wenn sie dem Abbau aller ihrer landgestützten Raketen zustimmt, deren Zahl sich global auf über 300 belauft. Mit anderen Worten, wir
schlagen eine Null-Lösung vor. Unsere Verhandlungsführer sitzen jetzt in
Genf mit ihren sowjetischen Kollegen zusammen und bemühen sich, diese von
den Vorteilen einer solchen Lösung nicht nur für ihre Sicherheit, sondern
für die ganze Menschheit zu überzeugen. Wir hoffen, daß sie bald die Klugheit dieses Vorschlages erkennen werden.
Bezüglich der strategischen oder interkontinentalen Waffen hat der
Präsident dramatische Verringerungen auf einen zahlenmäßigen Gleichstand
auf beiden Seiten vorgeschlagen - in etwa eine Verringerung der Zahl der
Gefechtsköpfe um ein Drittel und eine Verringerung der dislozierten RaketenAbschußeinrichtungen auf die Hälfte des gegenwärtigen Standes in den USA,
Auch hier geben sich unsere Verhandlungsführer in Genf alle Mühe, um eine
sowjetische Zustinrniuog. zu diesem Vorschlag zu erreichen.
Im Zusammenhang mit diesen Verhandlungen ist es angebracht, über einen
Vorschlag zu sprechen, der sowohl von Breschnew als auch einer großen Zahl
wohlmeinender Leute in unserem Lande vorgebracht worden ist. Sie haben gefordert, daß wir ein sofortiges Einfrieren der Produktion, Erprobung und
Dislozierung von Kernwaffen vornehmen. Dieser Vorschlag für ein Einfrieren
ist gerade durch seine Einfachheit so attraktiv geworden, vor allem für
jene, die sich von der erkannten Kompliziertheit des Problems haben abschrecken lassen. Aber es bedarf nicht mehr als des gesunden Menschenverstandes, um die Haken an der Sache zu erkennen.
Wenn Sie

- 7 -

�Wenn Sie beispielsweise gefragt würden, ob Sie für ein einseitiges Einfrieren sind, dann würden Sie, wie ich meine, sicherlich mit Nein antworten.
Aber wenn wir die sowjetische Einhaltung eines bilateralen Abkommens über
ein Einfrieren nicht verifizieren könnten, dann würde das praktisch auf eine
Zustimmung zu einem einseitigen Einfrieren hinauslaufen. Wie könnten wir
sicher sein, daß sich die Sowjetunion an den Vorschlag für ein Einfrieren
hielte? Unsere Erfahrungen"auf diesem Gebiet sind, offen gesagt, nicht sehr
ermutigend und infolgedessen steht es uns gut an, den guten Glauben der Sowjets nicht als selbstverständlich vorauszusetzen, wenn der Spielraum für
Irrtümer nur sehr klein ist.
Abgesehen von der Frage der Verifizierung darf man auch vernünftigerweise fragen, ob es sinnvoll wäre, ein bestehendes Ungleichgewicht einzufrieren, das sich aus einem Jahrzehnt sowjetischer Aufrüstung und amerikanischen Rückgangs ergeben hat. Auch hier ist es nützlich, sich das bestehende Ungleichgewicht auf dem Gebiet der Mittel Streckenwaffen vor Augen zu halten. Ich habe bereits erwähnt, daß die Sowjetunion heute mehr als 300 SS-20Raketen besitzt, die Ziele in ganz Westeuropa und in vielen anderen Teilen
der Welt erreichen können. Weder die Vereinigten Staaten noch irgendeiner
unserer Verbündeten besitzen entsprechende landgestützte Systeme, die die
Sowjetunion erreichen könnten. Ein Ungleichgewicht von 300 zu Null, das
auf 600 zu Null anwächst, wenn andere landgestützte Mittelstreckenraketen
der Sowjets eingeschlossen werden, ist weder fair, noch stellt es einen
Beitrag zu einem stabilen Frieden dar. Aus diesem Grunde verhandeln wir in
Genf in einer Anstrengung, die Sowjets zum Abbau dieser Systeme zu bewegen.
Und dies führt mich zu meinem dritten Punkt. Wie würde sich ein Einfrieren auf unsere Hoffnungen auf Fortschritt bei diesen Rüstungskontroll Verhandlungen auswirken? Um das zu beantworten, brauche ich Sie nur in die
Position der Sowjetunion zu versetzen. Wenn Sie in einer Position sind,
in der das Kräfteverhältnis 600 zu Null zu Ihren Gunsten besteht, und die
andere Seite zustimmen würde, dieses Ungleichgewicht einzufrieren, welchen
Anreiz hätten Sie dann wirklich, die Verhandlungen fortzusetzen?
-Kurz gesagt
- 8 -

�Kurz gesagt, weil ein sofortiges Einfrieren auf dem derzeitigen Stand
außerordentlich problematische Verifizierungsfragen aufwirft, weil es ein
Einfrieren eines großen Ungleichgewichts bedeuten würde und weil es der
Sowjetunion jeden Anreiz nehmen würde, über Verringerungen zu verhandeln,
würde dies nicht zu einer wirksamen Rüstungskontrolle beitragen. Und genau
aus diesem Grund hat der Präsident vorgeschlagen, daß wir erst die Kernwaffen auf einen gleichen Stand senken, bevor wir sie einfrieren.
Präsident Reagan ist zutiefst überzeugt, daß wir mit Ausdauer unc Ernsthaftigkeit der Zielsetzung Abkommen erreichen können, die den Umfang der
nuklearen Arsenale auf beiden Seiten echt verringern werden. Er wird in
dieser seiner Überzeugung bestärkt durch den Verlauf von Verhandlunnen, die
bisher stattgefunden haben, und mit Ihrer Unterstützung wird er weiterhin
einen erfolgreichen Abschluß dieser Verhandlungen anstreben.

Beziehungen zu den Entwicklungsländern
Das fünfte Ziel dieser Administration in der Außenpolitik ist die
Schaffung einer neuen Grundlage für unsere Beziehungen zu den Entwicklungsländern der Welt. Der Ansatz des Präsidenten stützt sich stark auf die Anstrengungen des privaten Sektors. Dies wird am deutlichsten sichtbar in dem
Programm, das als Initiative für das Karibische Becken bekanntgeworden ist.
Im Rahmen dieses Programms hat der Präsident eine Kombination von Handel,
Hilfe und Investitionsanreizen in eine sorgfältig ausgewogene Bemühung
zusammengestellt, um die Anstrengungen der Bevölkerung der karibischen Region zur Selbsthilfe zu erleichtern. Wir hoffen, daß wir während der Sondersitzung des Kongresses, die im kommenden Monat beginnt, die gesetzliche
Grundlage für die Handels- und Steuerbestimmungen dieses Programms erreichen, die Anreize für amerikanische Unternehmen bieten, in der Karibik zu
investieren. Durch diesen Prozeß, zusammen mit bescheidener Hilfe und verbessertem Zugang zu überseeischen Märkten, glauben wir, der Bevölkerung
dieses Gebietes, die so lange in Verzweiflung gelebt und eine ständige

- 9 -

�eine ständige Verschlechterung der Handelsbedingungen ohne Aussicht auf
Änderung erleb

hat, neue Hoffnungen zu geben.

Friedensstiftung
Das sechste Ziel der Außenpolitik Reagans - und vielleicht ihr Kernstück - betrifft unsere Verantwortung als Friedensstifter. Seit den ersten
Tagen dieser Administration hat der Präsident ein Maximum an Anstrengungen
darauf verwandt, das Prestige und die Ressourcen Amerikas für die Beilegung
von Streitigkeiten in der ganzen Welt einzusetzen. Gerade in jüngster Zeit
haben wir außerordentliche intensive Anstrengungen darauf verwandt, den
Friedensprozeß im südlichen Afrika und im Nahen Osten zu fördern.
Länger, als sich irgendeiner von uns erinnern kann, haben die Menschen
im Nahen Osten von einem Krieg zum anderen gelebt, ohne daß es eine wirkliche Aussicht auf eine andere Zukunft gegeben hätte. Weil wir die moralische Verpflichtung und wichtige Interessen in dem Gebiet haben, hat der
Präsident seine persönliche Aufmerksamkeit auf die Geschichte dieser Auseinandersetzung und all die damit zusammenhängenden komplexen Dinge konzentriert.
Die-Ergebnisse seiner Analyse kamen in seiner Ansprache an das amerikanische
Volk am 1. September zum Ausdruck. Kurz gesagt hat der Präsident jeder der
drei in der Region vorhandenen Kräfte eine ganz einfache Frage gestellt:
Israel, das in 34 Jahren fünf Kriege erlebt hat, fragte er: Wie ist Eure
Sicherheit am besten gewährleistet? Durch Aufrechterhaltung der Kontrolle
über Gebiete mit der praktisch sicheren Erwartung eines Krieges alle paar
Jahre? Oder ist Eure Sicherheit nicht besser gewährleistet, wenn man eine
politische Abmachung mit den Nachbarn erreicht?
Die PLO, die in den letzten 12 Jahren dreimal verheerende Niederlagen
erlebt hat, fragte der Präsident: Ist die bewaffnete Auseinandersetzung
wirklich der beste Weg, um die Identität der Palästinenser herzustellen?
Und die

- 10 -

�Und die arabischen Staaten des Gebietes fragte er: Hat die Konfrontation mit Israel während der letzten Generation wirklich Euren Interessen
gedient?
&lt;
Der Präsident ist zutiefst überzeugt, daß wir vor einer historischen
Chance stehen, die wir nicht verpassen dürfen. In dem Meinungsaustausch,
den er seit dem 1. September geführt hat, haben wir von vielen Seiten ermutigende Zeichen bekommen. Er hofft, daß es uns in den nächsten Wochen gelingen wird, die Wiedereröffnung der Gespräche für die Schaffung von Übergangsvereinbarungen für das Westjordanland und den Gaza-Streifen durch
einen Prozeß, an dem andere arabische Länder beteiligt sein müssen, zu erreichen. Die Völker dieses Gebietes können dieses dunkle Kapitel ihrer Geschichte zu einem Ende bringen und eine neue Ära der Entwicklung und der
Prosperität erwarten. Der Präsident hat seine größten Bemühungen zugesagt,
um diesen Traum verwirklichen zu helfen.
In einigen anderen Teilen der Welt kann man leichthin vom Weltfrieden
sprechen, denn der Frieden in den Teilen ist eine Realität - eine Realität,
die mehr oder weniger als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt wird. Im
Nahen Ost ist der Weltfrieden ein schwergewichtiges Wort, denn die Realität
scheint außer Reichweite. Wir in den Vereinigten Staaten müssen uns immer
wieder daran erinnern, wie wichtig es ist, einen perfekten Frieden zu gestalten, der nur ein Ziel sein mag, wenn wir bei der Verfolgung dieses Zieles in der Lage sind, den Frieden, den wir besitzen, zu erhalten oder zu
verbessern.
Ich möchte noch kurz auf en"ne damit zusammenhängende Sache kommen. In
einer Rede vor zwei Tagen hat Leonid Breschnew die obersten s wjetisehen
Militärs angesprochen. Er sprach von Hingabe der Sowjetunion an -inen Frieden, der durch amerikanisches "Abenteurertum" bedroht werde. Wir sehen den
Zweck seiner Rede darin, die sowjetischen Militärs zu bestärken, daß sie
weiterhin ihren begünstigten Platz in der sowjetischen Gesellschaft behalten

- 11 -

�Gesellschaft behalten werden. Seine Bemerkungen über verbesserte sowjetischchinesische Beziehungen sollten den Eindruck verbesserter internationaler
Beziehungen erwecken. Mit all dem mußte man rechnen.
*
&lt;; Abe£.die Sowjetunion als den Anwalt eines wahren Friedens darzustellen,
der durch die Vereinigten Staaten bedroht wird, ist kaum überzeugend. Wenn
die Sowjetunion ständig Jahr für Jahr rund 15 Prozent ihr 's Bruttosozialprodukts, das das zweieinhalbfache unseres eigenen beträgt, in die Rüstung
steckt, dann geschieht dies nicht darum, weil sie vor eirier Bedrohung von
außen steht, sondern weil sie diese Art von Streitkräften braucht, um ihre
eigene Bevölkerung unter Kontrolle zu halten, ihre Nachbarn einzuschüchtern
und imperialistische Abenteuer im weit entfernten Afrika, Mittelamerika und
Südostasien zu unterstützen.
Auch wenn Breschnew nicht für ein Amt kandidiert, so ist er doch ein
Politiker, und sein Appell an den Nationalismus und Militarismus muß in diesem Sinne interpretiert werden. Aber wie können wir völlig unbegründete
Beschuldigungen ernstnehmen, die eindeutig nichts anderes sind als ein Vorwand für die weitere Intensivierung der bereits gewaltigen Aufrüstungsanstrengungen der Sowjetunion?
Die Vereinigten Staaten können sich hier sehen lassen. Sie haben ihre
nukleare Macht nicht benutzt, als sie sich eines nuklearen Monopols erfreuten. Sie haben immer wieder echte Vorschläge für Rüstungsbegrenzungen und
Verringerungen angeboten. Sie haben sich genau an die Bestimmungen von Verträgen und Obereinkommen gehalten. Sie haben - ohne Gegenleistung von Moskau - jahrelang ihren Militärhaushalt gesenkt. Das entscheidende Ziel unserer gegenwärtigen militärischen Anstrengung ist die Gewährleistung einer
glaubwürdigen Abschreckung angesichts des überall sichtbaren militärischen
w

Vordringens der Sowjetunion während der Jahre amerikanischer Zurückhaltung.
Wir brauchen uns wegen unserer Rolle im Dienste des Friedens nicht zu
entschuldigen, die wir weiterhin spielen.
+ + + + +

�Wi//en/chcift
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

3. November 1982

43

ERNÄHRUNG UND KREBS
Ein Faktor von vielen, der die Gesundheit beeinflußt

- (AD) - Obgleich wenig darüber bekannt ist, wie und weshalb bestimmte
Organe bzw. Gewebe des menschlichen Körpers von Krebs befallen werden, ist
die Wissenschaft heute "überzeugt, daß durch Veränderungen von Ernährung
und Umweltbedingungen zumindest das Auftreten einiger spezifischer Krebserkrankungen verringert würde. Faktoren, die möglicherweise Krebs erzeugen
(Cancerogene), kann der einzelne täglich ausgesetzt sein. Zu diesen gehören
z.B. bestimmte chemische Verbindungen in Insektiziden, Reinigungsmitteln
und in Substanzen, die die Haltbarkeit der Lebensmittel verlängern. Speisen,
Getränke, bestimmte Genußmittel wie Zigaretten sowie die Art der Ernährung
können ebenso eine Rolle spielen wie der Arbeitsplatz - etwa im Bergbau,
in einer Textilfabrik oder in einem photographischen Betrieb.
Auf dem im September 1982 in Seattle (US-Bundesstaat Washington) abgehaltenen 13. Internationalen Krebskongreß wurde unter vielen anderen Fragen
im Zusammenhang mit Krebs auch das Problem der richtigen Ernährung behandelt,

zu dem zahlreiche neue Studien vorliegen. "Schon binnen kurzem wäre

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�kurzem wäre es in Amerika möglich, die Gesamtzahl der Krebserkrankungen um
ein Drittel zu verringern, wenn die Ernährungsgewohnheiten geändert würden",
meinte der international bekannte Krebsforscher Dennis Burkitt. Für ein
weiteres Drittel sei Zigarettenrauchen verantwortlich - deshalb sei die
Einschränkung des Zigarettenkonsums dringendes Gebot.

In der Statistik

sind nicht die Erkrankungen, sondern nur die Todesfälle durch Krebs erfaßt.
Die Anzahl betrug 1979 fast 404 000 - d.h. 183,5 auf 100 000 Einwohner.
Genaue Angaben für die letzten Jahre liegen noch nicht vor.
Burkitt befaßt sich derzeit mit der Frage, inwieweit sich eine an Ballaststoffen reiche Nahrung günstig auswirken könne. Er halte zwar nicht
viel davon, daß die Ernährungsweise bei bereits manifest gewordenem Krebs
noch hilfreich sein könne, erklärte er. Jedoch sei erwiesenermaßen die
Häufigkeit von Krebs im Verdauungstrakt bei Bevölkerungsgruppen mit einer
Ernährung, die viel Faserstoffe und Stärke, dagegen wenig Fette enthält,
ganz allgemein geringer. Fett sei ein krebsauslösender, dazu das Immunsystem
schwächender Faktor, während Ballaststoffe eine Schutzwirkung hätten.
Magen- und Darmkrebs, Brust- und Prostatakrebs sowie Diabetes sind Krankheiten, die häufig mit der "westlichen Zivilisation" in Zusammenhang gebracht werden. Viele Wissenschaftler sind überzeugt, daß eine übermäßig
kalorienreiche Ernährung die Menschen krebsanfälliger macht.
Ernest Wynder, der Präsident der "American Health Foundation" in New
York, verwies darauf, daß die zunehmende Krebshäufigkeit bei Japanern, die
auswandern oder Ernährungsweise und Lebensstil ändern, ein Beispiel für
die potentiell schädlichen Einflüsse der westlichen Zivilisation sei.
Mundhöhlen-, Kehlkopf- und Speiseröhrenkrebs könnten mit Alkoholkonsum,
Brustkrebs mit zu großen Mengen von gesättigten und ungesättigten Fettsäuren aus der Nahrung und Darmkrebs mit dem Säurespiegel im Kot in Zusammenhang gebracht werden (ballaststoffreiche Kost neutralisiert diese Säuren).
Gleichzeitig kritisierte

- 2 -

�Gleichzeitig kritisierte Wynder aber die große Zahl von Untersuchungen,
die Krebs zu ganz bestimmten Nahrungsmitteln in Beziehung setzen. "Wir dürfen nur solche Stoffe nennen, deren krebsverursachende Wirkunq beim Menschen nachgewiesen ist", meinte er. Beispielsweise stünden Saccharin, Haarfärbemittel und Kaffee, denen cancerogene Wirkungen zugeschreiben worden
waren, in einer sehr schwachen oder überhaupt keiner direkten Beziehung zu
Krebs.
Andererseits gibt es ganz eindeutige Hinweise auf krebserreqende Nahrungs- und Genußmittel, wie eine umfassende Studie aus Japa» zeigt: die
Gefahr, an Speiseröhrenkrebs zu erkranken, nimmt mit höherem Konsum von
Reiswein und Zigaretten zu. Diese Krebsart ist in einigen Gebieten Japans
auffallend häufig. Auch ein haferschleimähnliches Gericht aus Reis mit Tee
im Raun. Wakayama und der Genuß von speziell zubereitetem Schweinefleisch
im Gebiet von Nagoya

erhöhe laut Prof. Kunio Aoki von der Univertität

Nagoya das Risiko, Speiseröhrenkrebs zu bekommen.
- Kochmethoden Die Methoden der Speisenzubereitung scheinen eine wichtige Rolle zu
spielen, wie Wissenschaftler der Universität Kalifornien in Berkeley, insbesondere die Professoren Bruce Arnes und Leonard Bjeldanes, berichten.
Die Wirkungen gekochter Speisen auf die chemischen Vorgänge im Organismus
seien zwar überaus komplex und schwer zu erfassen. Jedoch gebe eine Reihe
von Studien deut'iche Hinweise, daß z.B. hohe Temperaturen und lange Kochzeiten bei Nahrungsmitteln wie Rindfleisch und Eiern Substanzen hervorbringen, die bei bakteriellen Testzeller. zu ausgedehnten Mutationen (Veränderungen der Erbsubstanz) führen. In oft wiederkehrender und entsprechend
hoher Dosierung könnten solche Substanzen ein Faktor sein, der zur Erkrankung an Krebs führt oder genetische Krankheiten auslöst.
Braten im Herd und auf dem Rost sowie grillen entwickeln die stärkste
Aktivität, gefolgt von backen und rösten. Andererseits entwickeln sich

- 3 -

�entwickeln sich nur sehr wenig Mutagene bei Zubereitungsverfahren, die
dem Nahrungsmittel die eigenen Säfte erhalten - z.B. nur leicht garen,
dämpfen, sieden oder kochen im Mikrowellenherd. Gewisse Nahrungsmittel,
etwa Gemüse wie Broccoli oder Rosenkohl, scheinen den Organismus sogar
mit Substanzen zu versorgen, die mutagene Stoffe abzuwehren vermögen.
Zu der oft geäußerten Vermutung, daß Vitamin A (von Vitamin C einmal abgesehen) die Krebsgefahr deutlich verringern könne - eine Reihe
von Forschergruppen präsentierten vorläufige Ergebnisse von Studien mit
bestimmter obst- und gemüsereicher Kost - gibt es noch keine gesicherten
Erkenntnisse. Allerdings scheint das Pro-Vitamin Beta-Karotin, die wichtigste Verbindung zur Bildung von Vitamin A, eine Rolle zu spielen, um den
Körper gegen Krebs (Mutation von Körperzellen mit Bildung bösartiger Tumoren) zu schützen. Nach den bisherigen Beobachtungen von Bruce Arnes,
der vor einigen Jahren den Bakterientest zur Mutagenitätsprüfung ("ArnesTest") entwickelt hat, könnten neben Beta-Karotin auch die Vitamine "E"
und "C" eine gewisse Schutzwirkung für die Körperzellen haben. Entsprechende Langzeituntersuchungen am Menschen durchzuführen sei jedoch kaum
möglich, weil kontrollierte Bedingungen für das Experiment nicht eingehalten werden könnten. Der Einfluß nicht ausschaltbarer anderer Faktoren wie
etwa der von Viren, von anderen krebserzeugende' Substanzen oder von Faktoren, an die der Forscher gar nicht denkt oder die er nicht kennt, verfälsche das Ergebnis.
In seinen jüngsten Studien befaßte sich Arnes mit dem Fettstoffwechsel
im Körper. Es zeigte sich, daß die Aufspaltung (Oxydation) der Fette zur
Bildung endogener (körpereigener) Substanzen führt, die mutagene und cancerogene Wirkungen haben. Wenn Fett im Körper "ranzig wird", also aufgespalten wird, werden Kombinationen von SauerstoffVerbindungen freigesetzt,
die gefährlich sein können. Arnes entwickelte, wie er berichtet, einen
neuen Stamm von Testbakterien, die auf solche Sauerstoffmoleküle reagieren,
welche im menschlichen Urin festgestellt werden. Im menschlichen Organismus
gibt es laut Arnes Substanzen, die vor diesen Sauerstoffmolekülen schützen

- 4 -

�Sauerstoffmolekülen schützen und sie ausschleusen.
Gegenwärtig untersucht Bruce Arnes mögliche Zusammenhänge zwischen Krebs
und Altern auf der Basis der Zelle, um natürliche, krebserregend: sowie körpereigene Faktoren ausfindig zu machen, die gegen Krebs schützen. Dies sei
ein weiterer Weg» das Entstehen von Krebs und seine Ausbreitung im Körper
eher zu erfassen und zu verstehen.
In der Diskussion wurde immer wieder hervorgehoben, daß eine mit Überlegung zusammengestellte, wohlausgewogene Kost am wichtigsten sei. Dazu gehöre die Aufnahme von Vitaminen aus Lebensmitteln - z.B. aus grünem und
gelbem Gemüse als Quelle für Beta-Karotin -, weil viele Wissenschaftler
der Ansicht sind, daß auch andere Nährstoffe in winziger Dosi? aus natürlichen Nahrungsmitteln zusammen mit Beta-Karotin eine Schutzwirkung haben.
Umweltgifte in Luft, Wasser, Nahrung und am Arbeitsplatz spielen mit
Sicherheit eine große Rolle im Zusammenhang mit Erkrankungen an Krebs.
Die wenigsten der zahllosen neuen chemischen Stoffe, insbesondere Syntheseprodukte aus der organischen Chemie, wurden auf chronische Effekte, aber
auch nicht auf ökologische Auswirkungen getestet. Was die "petrochemische
Ära" seit den dreißiger Jahren hervorgebracht hat, versuchte kürzlich Prof.
Samuel Epstein von der Universität Illinois zu veranschaulichen: im Jahr
1940 produzierte die amerikanische Industrie 450 000 Tonnen synthetischer
organischer Stoffe. Bis zum Jahr 1975 war die Jahresproduktion um das
Drei hundertfache größer und belief sich bereits auf 135 Millionen Tonnen.
Von Mnkraut- und SchädlingsVertilgungsmitteln bis hin zu pharmazeutischen
Produkten und Materialien für unzählige andere Verwendungszwecke kommt ihnen
eine wichtige und vorteil bringende Rolle zu - aber manche Synthesestoffe
und Produkte bergen für den Konsumenten, den Arbeiter und die Umwelt Gefahren, die erkannt werden müssen und denen wir nachzugehen haben. Prof,
Takashi Sugimura vom Krebsforschungsinstitut Tokio erwähnte auch Gefahren
aus der Natur, beispielsweise durch Toxine in Pflanzen und deren-Umwandlungsprodukte bei der Speisenzubereitung sowie im Stoffwechsel. Aber -- die

- 5 -

�Aber - die vom Menschen mit der Technik, insbesondere der chemischen Industrie in die Welt gebrachten Gefahren seien zweifellos ein Belastungsfaktor für die menschliche Gesundheit, der mehr als bisher Beachtung finden müsse.
+ + + + +

�43

3. November 1982

WACHTUMSFAKTOR FÜR KNOCHENZELLEN
Protein-Wirkstoff aus menschlichem Knochengewebe isoliert
Von G. Weiss

- (AD) - Ursache der meisten Erkrankungen des Skelettsystems ist nach
ärztlichen Beobachtungen eine anomale Entwicklung der Knochenzellen. Im
ständigen Umbau der Knochensubstanz wachsen die im einen Fall zu schnell,
im anderen zu langsam. Seit langem wird nach einem "Faktor" gesucht, der
möglicherweise das Wachstum der Knochenzellen stimuliert und deren Neubildung und Aufbau im Gleichgewicht mit der Zerstörung durch die sogenannten
Osteoklasten hält.
Dr. John R. Farley und Dr. David J. Baylink von der Universität Loma
Linda in Kalifornien glauben, einen Wirkstoff gefunden zu haben, der beim
Menschen eine Schlüsselfunktion in diesem Prozeß haben könnte. Es handelt
sich um ein Protein mit dem Molekulargewicht 83 000. Die Wissenschaftler
isolierten es aus menschlichem Knochengewebe, das bei Operationen, insbesondere

bei Ersatz des Hüftkopfes durch eine Endoprothese, reseziert wor-

den war. In der amerikanischen Zeitschrift "Biochemistry" (Ausgabe vom

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�(Ausgabe vom 16. Juli 1982) berichteten sie über Versuche an tierischen
und menschlichen Knochenzellkulturen mit diesem Protein, das sie "hSGF"
("human skeletal growth factor" - Wachtumsfaktor im menschlichen Skelett)
nennen.
Farley und Baylink konnten auf mehrjährigen Studien aufbauen, die teils
von ihnen selbst, teils von Kollegen in anderen Instituten und Kliniken
an tierischen Knochen und Knochenzellen durchgeführt worden waren. Dabei
ergab sich, daß SGF schon in geringer Konzentration das Wachstum von embryonalen Hühnerknochen um fast das Dreifache gegenüber nicht behandelten Kulturen, bei menschlichen Knochenzell-Kulturen sogar um mehr als das Zehnfache
steigert. Aber erst mit den jüngsten Arbeiten und Experimenten wurde zum
ersten Mal eindeutig das Vorhandensein des Wirkstoffes im menschlichen Organismus nachgewiesen. Er scheint an die Knochenzellen gekoppelt zu sein.
Denn andere Zelltypen, beispielsweise Hautzellen, zeigten keinerlei Reaktionen.
Nach Ansicht von Farley und Baylink wird das SGF-Protein aus zerstörten
Knochenzellen freigesetzt, deren Bestandteile der Körper wieder resorbiert.
So fördert es das Wachstum der sog. Osteoblasten (an Zytoplasma reiche Knochenneubildungszellen), aus denen sich neue Osteozyten (Knochenzellen) entwickeln. Im gesunden Erwachsenen bleibt die Knochenmasse ungeachtet der
ständigen Ab- und Aufbauprozesse weitgehend konstant. Sie verringert sich
jedoch z.B. bei Knochenschwund (Osteoporose), einer im Alter häufig auftretenden Knochenerkrankung. Bei Patienten mit Paget'Krankheit dagegen nimmt
sie vor allem an den langen Röhrenknochen, am Schädelknochen und an den
Rückenwirbeln bei gleichzeitiger Knochendeformation oft erheblich zu.
Interessanterweise konnten die Wissenschaftler bei Paget'-Patienten
einen z.T. erheblich höheren hSGF-Spiegel im Blut nachweisen, als er bei
gesunden Erwachsenen üblich ist. Das sei, so Baylink, zu erwarten gewesen, weil in diesen Fällen der Knochenabbau sehr viel intensiver als beim
Gesunden vor sich gehe. Dadurch würden erhöhte Mengen des SGF-Proteins

- 2 -

�des SFG-Proteins freigesetzt, was die Knochenneubildung verstärkt stimuliere.
Im Gegensatz dazu müßte der SGF-Spiegel bei Patienten mit Osteoporose niedriger als normal sein. Seine Bestimmung könnte schließlich dem Arzt helfen,
Osteoporose schon im Frühstadium und nicht erst bei Auftreten typischer
Schmerzsymptome, nach einem spontanen Knochenbruch oder an Hand von Röntgenaufnahmen zu erkennen, was meist erst dann geschieht, wenn die Krankheit
schon weit fortgeschritten ist. Könnte aber die Behandlung schon im Frühstadium einsetzen, wäre mit weitaus besseren Ergebnissen zu rechnen, die
außerdem in kürzerer Zeit erzielt würden.
Eine ganze Reihe von Knochenerkrankungen dürfte physiologisch gesehen,
die Folge unvollständiger Aufbauprozesse, unzureichender Speicherung des
Wirkstoffes oder nicht voll funktionsfähiger Rezeptoren für

ihn sein.

Alles in allem seien jedoch, wie Baylink erklärte, noch weitere Studien
erforderlich,'um Wirkungen und Funktionen des hSGF-Proteins im Detail zu
erforschen. Noch werden die Schlußfolgerungen, die Farley und Baylink
aus ihren bisherigen Versuchsergebnissen zogen, von manchen Kollegen skeptisch beurteilt. "Hinsichtlich der Funktion des SGF-Proteins haben auch
wir Vorbehalte", räumt Baylink ein. "Zum allermindesten kommt ihm aber
eine gewisse Funktion bei der Heilung eines Knochenbruchs zu."

+ + + + +

- 3 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weinberger: Nukleares Einfrieren würde Abschreckung schwächen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Pressekonferenz vom 28. Oktober 1982 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Sicherheitsberater umreißt außenpolitische Ziele der Reagan-Administration&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ernährung und Krebs&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ein Faktor von vielen, der die Gesundheit beeinflusst -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wachstumsfaktor für Knochenzellen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Protein-Wirkstoff aus menschlichem Knochengewebe isoliert -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von G. Weiss&lt;/em&gt;</text>
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Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

^
Information^*
United States
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Embassy of tiie
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^r,0N ^

Z12462 C

Deichmanns Aue ^s

53170 Bonn
3. November 1993

44

HANDEL

NAFTA SOLL 200.000
ARBEITSPLÄTZE SCHAFFEN
Rede des Präsidenten in der
John F. Kennedy Library

REGIONALE ABKOMMEN ERLEICHTERN
WELTHANDEL
von Mickey Kantor

WETTBEWERB

WETTBEWERB BEWIRKT
PRODUKTIVITÄTSVORTEILE DER USA
von William Lewis

USIA

ZUSAMMENARBEIT IN
NEUEN NATIONEN
Rede von USIA-Direktor Duffey

DROGEN

USA WOLLEN BEI DROGENBEKÄMPFUNG
MIT ANDEREN LÄNDERN
ZUSAMMENARBEITEN
Erklärung Browns vor der
UN-Generalversammlung

PORTRÄT

RÜSTUNGSKONTROLLE BLEIBT
DRINGENDES ANLIEGEN
Porträt von John Holum

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-33923 72
Fax:0228-3341 02

�HANDEL
3. November 1993

NAFTA SOLL 200.000 ARBEITSPLÄTZE SCHAFFEN
Rede des Präsidenten in der John F. Kennedy Library
BOSTON - (AD) - In einer Rede am 29. Oktober 1993 in der John F. Kennedy Library erklärte Präsident Clinton,
das Abkommen über die Nordamerikanische Freihandelszone (NAFTA) werde bis zum Jahr 1995 ungefähr
200.000 neue Arbeitsplätze schaffen und einen riesigen neuen Markt öffnen. Der Präsident stellte fest: "In noch
viel stärkerem Ausmaß als zu Präsident Kennedys Zeiten verschwindet heutzutage die Grenze zwischen Au ßenund Innenpolitik. Millionen unsererbesten Arbeitsplätze stehen in engem Zusammenhang mit unserer Fähigkeit,
Handel zu treiben sowie unsere Produkte auf der ganzen Welt zu verkaufen, und unsere Fähigkeit zur Schaffung
von Millionen weiterer Arbeitsplätze hängt ganz offensichtlich von unserer Zusammenarbeit mit unseren
Freunden, Nachbarn und Partnern ab, um unsere Chancen in der Weltwirtschaft zu erhöhen."
Nachfolgend veröffentlichen wir das inoffizielle Transkript der Rede Präsident Clintons.

Vielen Dank für Ihre bewegenden Worte, Senator
Kennedy, und für Ihre Freundschaft und Führung. Ich
begrüße Jacky, Caroline, John und alle anderen
anwesenden Mitglieder der Familie Kennedy. Herr
Kongreßabgeordneter Kennedy, ich danke Ihnen für
ihre ausgezeichneten Ausführungen. Ich heiße die
Senatoren, Mitglieder des Kongresses und hier vertretenen Gouverneure sowie alle an diesem historischen
Tag Versammelten willkommen.

flüchtige Zeit John F. Kennedys unter uns einzigartig in
der Geschichte unserer großen Nation.
Er war nur 1.000 Tage lang unser Präsident, aber wie
die M itglieder seiner Familie so beredt darlegten, hat er
unsere Einstellung gegenüber unserem Land, unserer
Welt und unseren zukünftigen Verpflichtungen geändert. Er nahm die Amerikaner mit auf das gewagte
Abenteuer, das er "New Frontier" nannte. Damals
äußerte er: "Die New Frontier, von der ich spreche, ist
kein Versprechen, sondern eine Herausforderung. Sie
faßt nicht das zusammen, was ich dem amerikanischen Volk anbieten, sondern was ich ihm abverlangen will." Er brachte Millionen von uns dazu, persönlich die Verantwortung dafür zu übernehmen, unser
Land voranzubringen und die Sache der Freiheit auf
der ganzen Welt zu fördern. Er überzeugte uns, daß
unsere Bestrebungen sowohl aufregend als auch lohnend sein würden. Er erinnerte uns daran, daß unsere
Demokratie ein kühnes und gewagtes Abenteuer ist.

Ich möchte Ihnen sagen, daß ich mich heute wie zu
Hause fühlte, als ich aus meinem Auto stieg und die
Band von Harvard den Yale Song spielte. Es erinnerte
mich an die Zeit, als Präsident Kennedy seinen Abschluß in Yale machte und feststellte, er hätte weder
auf das eine noch das andere verzichten müssen: Eine
Ausbildung in Harvard und einen Abschluß in Yale. Ich
hatte die Band von Harvard und den Song von Yale.
Harvard hat sehr hohe Maßstäbe. Man hat mir dort
noch keinen akademischen Grad angeboten. Aber für
einige von uns ist Musik wichtiger als ein UniversitätsSeit der dreijährigen Amtszeit Präsident Kennedys
abschluß.
sind drei Jahrzehnte vergangen, aber seine Legende
Der große Sieger in der irischen Mythologie war der lebt weiter an den New Frontiers, die wir noch erforjunge Krieger Cu Chulainn. Der Legende zufolge war schen.
er ein Held, der unter den Sterblichen seinesgleichen
suchte. Eines Tages sagte ihm ein Priester: "Du wirst Denken Sie an seinen Aufruf zu religiöserToleranz vor
glorreich und berühmt sein, aber ein kurzes Leben den Baptistenpredigern in Houston und erinnern Sie
haben." Cu Chulainn erwiderte: "Selbst wenn ich nur sich daran, daß wir erst diese Woche im Senat das von
einen Tag und eine Nacht auf dieser Welt habe, reicht Senator Kennedy vorgelegte Gesetz über die Wiederes aus, vorausgesetzt mein Ruhm und meine Taten herstellung der Religionsfreiheit annahmen. Ich danke
leben weiter." Wie die Legende Cu Chulainns bleibt die Ihnen dafür, Herr Senator. Denken Sie an den Einsatz

AMERIKA DIENST 44

Seite 1

�Präsident Kennedys für die fundamentalen Bürgerrechte und daran, daß wir genau in diesem Jahr das
Motor Voter Act einbrachten, das seit langem wichtigste Bürgerrechtsgesetz. Und ich bin stolz darauf, daß
wir jetzt die im Hinblick auf rassische Herkunft vielfältigste Administration in der Geschichte der Vereinigten
Staaten haben.
Von der auf ihn zurückgehenden Gründung des Peace
Corps bis zur Schaffung des Corps für den Nationalen
Sozialdienst, das durch das soziale Jahr hier in seiner
Heimatstadt Boston inspiriert wurde, zieht sich wie ein
roter Faden die Herausforderung, junge Menschen zu
Höherem zu berufen. Von seinem Weltraumprogramm
bis zur Errichtung der Weltraumstation in diesem Jahr
beobachten wir die kontinuierliche Bereitschaft der
Amerikaner, selbst angesichts wirtschaftlicher Schwierigkeiten die Weite des Universums zu erforschen.
Von seinem Streben nach Gesundheitsversorgung für
ältere Menschen bis zu den Bemühungen um Gesundheitsversorgung für alle Amerikaner, die in dem diese
Woche von der First Lady und mir dem Kongreß
vorgelegten Gesetz enthalten sind, zieht sich ein Faden
der Entschlossenheit, endlich eines der drängendsten
innenpolitischen Probleme in der Geschichte der Vereinigten Staaten zu lösen. Von seinen Bemühungen
um einen Vertrag über das Verbot von Atomtests bis zu
unseren Bestrebungen zur Eindämmung der Weiterverbreitung aller Massenvernichtungswaffen und der
tatsächlichen Zerlegung des Großteils der Atomwaffen weltweit sehen wir die gemeinsame Anstrengung
einer amerikanischen Führungsrolle, die Menschheit
vor der atomaren Vernichtung zu bewahren.

und wir bezahlten den Preis dafür mit einem bedrohten
Frieden, einer Beschränkung des Handels, höheren
Zöllen, der Großen Depression, einem Verlust von
Arbeitsplätzen, zerstörten Leben, dem Ansteigen des
Faschismus im Ausland und einem schrecklichen
Zweiten Weltkrieg, der mehr Opfer unter den jungen
Amerikanern forderte als jeder andere Krieg, mit
Ausnahme unseres eigenen Bürgerkriegs.
Jack Kennedy kehrte nach diesem Zweiten Weltkrieg
mit der Einsicht nach Hause zurück, daß Amerika sich
nicht zurückziehen darf. Wenn wir nicht die Ereignisse
mitbestimmen, werden wir von ihnen bestimmt - und
häufig auf eine Art und Weise, die für uns eine große
Gefahr darstellt. Eine neue Generation von Amerikanern lernte nach dem Zweiten Weltkrieg zusammen
mit ihm diese Lektion. Gemeinsam bauten sie Japan
und Europa wieder auf und dämmten den sowjetischen Expansionismus ein. Sie gründeten die Institutionen für den Erhalt von Sicherheit und Wohlstand
nach dem Krieg. Und indem sie sich entschlossen,
sich nach au ßen statt nach innen zu wenden, brachten
sie dem amerikanischen Volk eine Periode wirtschaftlichen Wachstums und der Sicherheit, die einzigartig in
unserer Geschichte ist. Es entstand eine große Mittelklasse, und der Amerikanische Traum wurde im Leben
der Amerikaner Wirklichkeit, nicht nur in den Augen
ihrer Eltern.

Heute befinden wir uns in einer ähnlichen Zeit großer
Entscheidungen. Das Ende des Kalten Krieges hat
eine sich wandelnde Welt hinterlassen. Das sowjetische Imperium und die Sowjetunion existieren nicht
mehr. Rußland, einst unser atomarer Gegner, ist jetzt
John F. Kennedy verkörperte die Einstellung, daß wir unser Partner beim Abbau der atomaren Bedrohung
sowohl bei Ereignissen jenseits unserer Grenzen als und der Ausweitung von Demokratie. Frühere Feindauch angesichts von Herausforderungen im Heimat- seligkeiten im Nahen Osten weichen jetzt den Verspreland viel bewirken können. Er vertrat die Ansicht, daß chungen des Friedens - ein Wandel, der letzten Monat
Millionen Menschenleben von unserer Führungsrolle für Millionen Menschen durch einen einfachen, aufseund unseren Idealen abhängen sowie unsere eigene henerregenden Händedruck greifbar wurde. Nach
Sicherheit und unser Wohlstand wiederum davon, daß Jahrzehnten der Apartheit ging der Friedensnobelwir die übrige Welt einbeziehen. Und das ist der preis an zwei führende Politiker unterschiedlicher
Grund, warum sein Bild heute immer noch in unseren Hautfarbe, die sich für eine nichtrassische Demokratie
Häusern hängt - nicht nur in den irischen Stadtbezirken in Südafrika einsetzen.
von Boston und Chicago, sondern in Dörfern und
Diese Umbrüche wurden von anderen großen VeränStädten von Afrika bis Lateinamerika.
derungen auf der Welt begleitet, in vielen Fällen sogar
John F. Kennedys frühe Jahre fielen in eine Zeit, in der angetrieben, die durch die Revolution im Kommunikadie meisten Amerikaner nicht der Meinung waren, daß tionswesen sowie den neuen Weltmarkt entstanden,
wir uns in der Welt stark engagieren sollten. Nach dem der von Unternehmergeist und hartem Wettbewerb
Ersten Weltkrieg wendeten sich die Vereinigten Staa- gekennzeichnet ist und sich mit Lichtgeschwindigkeit
ten nach innen und waren nicht bereit, die neuen verändert. Wir sehen hier überall in Amerika die
Lasten des Friedens zu tragen.
Auswirkungen - an unserem Arbeitplatz, in unseren
Familien und in unseren Städten.
Man nannte das Rückkehr zur Normalität. In Wahrheit
war es jedoch ein Rückzug von den harterkämpften Einige dieser Auswirkungen sind keineswegs vielverSchlachtfeldern, auf denen wir einen Sieg errungen sprechend. In vielen Teilen der Welt wird dem Verhatten. Kein Feuerwehrmann in Boston würde es sprechen von Frieden, Freiheit und Demokratie immer
wagen, das Löschwasser zu früh abzudrehen und ein noch entgegengewirkt. Für Millionen Menschen ist
schwelendes Haus zurückzulassen, aber genau das das Versprechen von Wohlstand immer noch eine
tat Amerika in den zwanziger und dreißiger Jahren, Illusion, nicht nur in armen Ländern, sondern zunehSeite2

AMERIKA DIENST 44

�mend auch in den prosperierenden. Hier in unserem
Land hatten wir ebenso wie in anderen reichen Ländern unsere Schwierigkeiten mit der Schaffung von
Arbeitsplätzen und der Erhöhung der Einkommen.
Zur Zeit führt die Technologie nicht zu Wachstum und
Wohlstand für Millionen unserer Bürger. Wir sehen
das an der zunehmenden Unsicherheit in ganz Amerika - die Menschen fürchten um ihre Arbeitsplätze, ihre
Gesundheitsversorgung, ihre Gemeinden, die Ausbildung ihrer Kinder und ihre Sicherheit.
Die neue Weltwirtschaft wird von Demokratie dominiert, jedoch von Kriegen und Unterdrückung beeinträchtigt. Sie wird durch neue Technologien und neue
Horizonte erweitert, jedoch durch langsames Wachstum sowie stagnierende Arbeitsplätze und Einkommen begrenzt. Dennoch ist diese neue Weltwirtschaft
unsere "New Frontier".
Unsere Generation muß jetzt ebenso wie John F.
Kennedy und seine Generation nach dem Ende des
Zweiten Weltkrieges entscheiden, ob wir uns die galoppierenden Veränderungen unserer Zeit zunutze
machen - in der besten Tradition John F. Kennedys
und der Nachkriegsgeneration - zum Wohle des
amerikanischen Volkes, oder ob wir uns von der Welt
zurückziehen und vor unseren eigenen Problemen
zurückschrecken wie nach dem Ersten Weltkrieg.
Werden wir wie die Amerikaner der zwanziger Jahre
dieses Jahrhunderts oder wie die Ende der vierziger
und Anfang der fünfziger Jahre? Werden wir wie die
Amerikaner, die John F. Kennedy zum Präsidenten
wählten, oder wie diejenigen, die der Welt den Rücken
zukehrten und den Preis dafür bezahlten?

Wir müssen dem amerikanischen Volk noch einmal
klarmachen, daß unser Erfolg zu Hause von unserem
Engagement im Ausland abhängt, daß wir uns gleichzeitig unseren Problemen zu Hause stellen und die
Welt einbeziehen müssen. In noch viel stärkerem
Ausmaß als zu Präsident Kennedys Zeiten verschwindet heutzutage die Grenze zwischen Außen- und
Innenpolitik. Millionen unserer besten Arbeitsplätze
stehen in engem Zusammenhang mit unserer Fähigkeit, Handel zu treiben sowie unsere Produkte auf der
ganzen Welt zu verkaufen, und unsere Fähigkeit zur
Schaffung von Millionen weiterer Arbeitsplätze hängt
ganz offensichtlich von unserer Zusammenarbeit mit
unseren Freunden, Nachbarn und Partnern ab, um
unsere Chancen in der Weltwirtschaft zu erhöhen. Aus
diesem Grund müssen wir uns der Konkurrenz stellen
und dürfen uns nicht zurückziehen, und aus diesem
Grund hängt unser Interesse an den Ereignissen innerhalb unserer Grenzen bis zum kleinsten Dorf oder
zur prosperierendsten Gegend einer Stadt von einem
Interesse an unseren Unternehmungen jenseits unserer Grenzen ab.

In den vergangenen Monaten stand dieses Gebot im
Zentrum der Bestrebungen dieser Administration. Wir
haben uns um die Unterstützung der Reformen in
Rußland und den anderen Nachfolgestaaten der
Sowjetunion bemüht. Wir haben unsere Beziehungen
zu Japan auf eine neue Grundlage gestellt, die der
wirtschaftlichen Dynamik der Beziehungen zwischen
unseren beiden Ländern mehr Rechnung trägt. Wir
streben durch die GATT-Gespräche ein neues weltweites Handelsabkommen an. Es gibt jedoch kein
besseres Beispiel für unseren Versuch, die Welt einzubeziehen, als die Sicherstellung eines NordamerikaniPräsident Kennedy verstand diese durch den Wandel schen Freihandelsabkommens mit Kanada und Mexigeschaffenen Herausforderungen. Er glaubte an die ko, das bis zum Jahr 1995 200.000 neue Arbeitsplätze
Öffnung des Welthandelssystems, er glaubte aber für unser Land schaffen, einen riesigen neuen Markt
auch, daß wir Amerikas Arbeitnehmern helfen müs- eröffnen, 90 Millionen Freunde gewinnen und den Weg
sen, die keine Vorteile von der Ausweitung des Han- zur Einbeziehung ganz Lateinamerikas - mit 700 M illiodels hatten, sich an die Härten dieses Handelsund des nen Einwohnern - in ein Handelsgefüge ebnen kann,
das ihnen und uns Wohlstand bringen wird.
internationalen Wettbewerbs anzupassen.
Um den Arbeitnehmern, die aufgrund des Handels
ihren Arbeitsplatz verloren hatten, bei der Suche nach
einem neuen Arbeitsplatz behilflich zu sein, der durch
die erweiterte Weltwirtschaft geschaffen würde, legte
John F. Kennedy 1962 den Vorschlag für das vom
Kongreß erarbeitete Hilfsprogramm für Handelsanpassungen (Trade Adjustments Assistance Program)
vor. 1962 stellte er fest: "Wirtschaftliche Isolation und
eine politische Führungsrolle sind absolut nicht miteinander vereinbar. Die Vereinigten Staaten haben tiefgreifende Veränderungen für eine freie Weltwirtschaftsordnung ermutigt, um die Kräfte der Freiheit zu stärken, aber wir selbst dürfen nicht stillstehen. Wir
müssen unsere eigene Wirtschaft an die Gebote einer
sich wandelnden Welt anpassen und unsere Führungsrolle erneut bekräftigen."

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Gestern abend habe ich bei einer Versammlung von
Führungskräften in New York erklärt, wenn die Unternehmer wollen, daß die Amerikaner in Zeiten großer
Unsicherheit freien Handel unterstützen statt ihn abzulehnen, sollten sie Amerikaner unterstützen, die nicht
nur gewinnen wollen, sondern auch vorübergehend
mobil sein müssen. Sie sollten eine neue, modernere
Vision von Hilfe für Handelsanpassungen fördern, die
dieses Mal funktioniert. Sie haben kein Recht, Opfer
- und sei es nur von einem einzigen Amerikaner - zu
verlangen, es sei denn, sie tätigen gemeinsame Investitionen, damit wir im Geiste des Gemeinschaftsinteresses in diesem Land und zusammen mit Lateinamerika wachsen können.
Heute sage ich Ihnen jedoch, daß es bei unserer
Entscheidung um mehr als Dollars geht, daß ebenso

Seite 3

�wie sich die Unternehmer um ihre Arbeitnehmer kümmern und in ihre Zukunft investieren müssen, die
Amerikaner als Volk ohne Rücksicht auf ihren wirtschaftlichen Status verstehen müssen, daß unser
Schicksal als Nation von unserem kontinuierlichen
Einbeziehen anderer Nationen abhängt. Aus diesem
Grund haben hier in Boston der Kongreßabgeordnete
Kennedy und sein Vorgänger O'Neill von dem Sitz im
Kongreß aus, auf dem einst John F. Kennedy saß,
diese neue Expansion amerikanischer Interessen
unterstützt. Und ich bin der Ansicht, daß Präsident
Kennedy sie ebenfalls unterstützen würde, wenn er
diesen Sitz im Kongreß noch innehätte.
Wie Sie sich vielleicht erinnern, waren die lateinamerikanischen Länder auf dem Weg zu einer Regierung
mit größerer Rechenschaftspflicht und offeneren Volkswirtschaften, als Präsident Kennedy die Allianz für den
Fortschritt befürwortete. Dann ereigneten sich jedoch
eine Reihe von Rückschlägen und Lateinamerika erlebte eine Periode tiefgreifender Unruhen, politischer
Unterdrückung und wirtschaftlicher Zerstörung. All
dies ändert sich jetzt. Die Bestrebungen der lateinamerikanischen Länder werden belohnt: Immer mehr
Demokratien, die am zweitschnellsten wachsende
Region der Welt und der echte Wunsch, enge Freunde
von uns zu sein.
Präsident Roosevelt war ein Verfechter einer gutnachbarschaftlichen Politik gegenüber Lateinamerika.
Präsident Kennedy bezeichnete sie als Allianz für den
Fortschritt. Wir wissen, daß wir keine Politik der
schlechten Nachbarschaft haben können. Wir wissen,
daß wir nicht ein Bündnis zu unserem Schutz auf ihre
Kosten haben können. Wir wissen, daß die Menschen,
die unsere Produkte kaufen und an unserer Zukunft
teilhaben wollen, eine Chance haben sollten, uns bei
der Lösung unserer Probleme im Inland behilflich zu
sein, selbst während wir ihnen dabei helfen, ihr Schicksal selbst zu bestimmen.

und an dem Leid unserer Zeit beteiligen aus Furcht vor
dem Urteil, wir hätten nicht gelebt. Niemand würde je
eine solche Anschuldigung gegen John F. Kennedy
erheben.
Dies ist unsere Stunde der Entscheidung. Dies ist das
Ende des Kalten Krieges. Dies ist der Anbruch des 21.
Jahrhunderts. Es gibt zahlreiche komplexe, frustrierende Probleme, die sehr einfache, tiefgehende und
häufig schmerzliche Auswirkungen auf das Leben der
Menschen haben, denen wir alle dienen wollen. In
diesen Momenten müssen wir jedoch unseren tiefsten
Werten, unseren stärksten Überzeugungen auf den
Grund gehen und andere einbeziehen, nicht uns entziehen.
In diesen Momenten wird unser individueller und unser
nationaler Charakter auf die Probe gestellt. Die uns
heute gemeinsamen Probleme werden von anderen
modernen Nationen geteilt. Niemand kennt all die
Antworten. Aber eines wissen wir: Wir werden die
Antworten niemals finden, wenn wir nicht die Reise
fortsetzen. Wenn wir uns zu einem Weg erwiesenen
Scheiterns zurückwenden, werden wir nie wissen, was
wir in einem neuen und anderen Zeitalter geworden
wären, in dem zum Glück meine Tochter, Ihre Kinder
und unsere Enkelkinder hoffentlich endlich von der
Angst der nuklearen Zerstörung befreit sein werden
und wo sich zumindest ein Großteil des uns konfrontierenden Wettbewerbs auf das gründet, was wir denken
und nicht auf das, was wir in Form von Waffen in den
Händen halten.
Ich sage Ihnen, meine amerikanischen Mitbürger, trotz
all der Schwierigkeiten ist dies ein Zeitalter, in dem
viele Generationen unserer Vorfahren nur zu gerne
gelebt hätten. Dies sind die Herausforderungen, denen
sich so viele unserer Vorfahren allzu gerne gestellt
hätten. Wie können wir uns von ihnen abwenden?

Wir sind es John F. Kennedy heute in diesem Museum
Wir sollten nicht ein Signal aussenden, daß wir unse- schuldig, es nicht nur in unseren Gedanken, sondern
ren Nachbarn und der übrigen Welt den Rücken keh- auch mit unseren Taten zum Leben zu erwecken. Wir
ren, indem wir dieses Abkommen zu Fall bringen. Wir wollen uns der Zukunft mit aller Kraft stellen. Wir
sollten die Menschen hier in unserer Heimat - in ganz wollen niemals zu wenig von uns selbst erwarten. Wir
Amerika - einbeziehen, die dieses Unternehmen nicht wollen niemals zu wenig von den anderen erwarten.
unterstützen, weil sie von den wirtschaftlichen Verän- Wir wollen niemals vor dem Vermächtnis der Generaderungen der vergangenen 15 Jahre hart betroffen tionen von Amerikanern davonlaufen, die den Weg
waren und ihre Rufe, ihr Leid und ihre Frustration von geebnet haben. Wir wollen mehr wie die Amerikaner
ihren nationalen Regierungen nicht wahrgenommen sein, die nach dem Zweiten Weltkrieg nach Hause
wurden. Wir wollen sie beachten, jedoch nicht ein zurückkehrten und weniger wie diejenigen, die sich
Patentrezept auf ihre gerechtfertigten Beschwerden nach dem Ersten Weltkrieg zurückzogen. Das
anwenden, das ihre Probleme verschärft. Wir wollen 21 Jahrhundert kann unser Jahrhundert sein, wenn wir
uns in der Welt ausbreiten und in ihre Zukunft hier in es mit der Energie, Entschlossenheit, Klugheit, dem
unserem Land investieren. Wir können beides tun: tiefen Vertrauen und der Lebensfreude angehen, die
John F. Kennedy Amerika im Jahr 1960 gegeben hat.
Das ist die richtige Antwort.
Senator Kennedy hat Richter Holmes zitiert. Er hat
einmal gesagt, wir alle müßten uns an den Aktionen

Ich danke Ihnen. Gott schütze Sie.

* *
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AMERIKA DIENST 44

�HANDEL
3. November 1993

REGIONALE ABKOMMEN ERLEICHTERN
WELTHANDEL
von Mickey Kantor
WASHINGTON - (AD) - Botschafter Kantor ist der amerikanische Handelsbeauftragte. Der nachfolgende Artikel
erschien erstmals am 13. Oktober 1993 unter einem anderen Titel in der Financial Times und am 3. November
1993 in leicht gekürzter Fassung in DIE WELT.

Im November werden die Vereinigten Staaten in Seattle ein äußerst wichtiges Treffen - das Forum für
asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit
(Asian Pacific Economic Cooperation - APEC) veranstalten, bei dem die Außen- und Wirtschaftsminister
zusammenkommen, und eine Sitzung der Staats- und
Regierungschefs des APEC anberaumen.

Ostasien ist der Exportmarkt Nummer eins für amerikanische Produkte. Das Volumen des transpazifischen Handels der Vereinigten Staaten war doppelt so
groß wie das ihres transatlantischen Handels 1992.

Seit 1989 haben die amerikanischen Exporte nach
Lateinamerika und in die Karibik um über 50 Prozent
und mehr als doppelt so schnell zugenommen wie die
Obwohl die meisten noch nie vom APEC gehört haben, Exporte der Vereinigten Staaten in die übrige Welt,
möchte ich wetten, daß sich dies in den nächsten wodurch diese Region zu unserem am zweitschnellJahren ändern wird. Als neue Organisation gewinnt sten wachsenden Markt wurde. Lateinamerika wiedas Forum an Bedeutung und übernimmt eine größere derum ist ein wachsender Markt für amerikanische
Produkte - 43 Prozent der lateinamerikanischen ImRolle bei der Erleichterung des Handels in Asien.
porte kommen aus den Vereinigten Staaten.
In der Zwischenzeit haben wirdie Verhandlungen über
Zusatzvereinbarungen zum Nordatlantischen Freihan- Während die Volkswirtschaften der Welt sich zunehdelsabkommen (North American Free Trade Agree- mend öffnen, nehmen die protektionistischen Impulse
ment - NAFTA) über Umwelt und Arbeitsbedingungen in Europa zu, insbesondere in den Bereichen Automoabgeschlossen und arbeiten auf die Verabschiedung bilindustrie und Landwirtschaft.
der Zusätze im amerikanischen Kongreß hin.
Das jüngste Beispiel ist Frankreichs Beharren auf
Präsident Clinton hat eindeutig klargestellt, daß erden einer Neuverhandlung des Blair-House-Abkommens,
Beitritt weiterer südamerikanischer Länder zum NAF- das an die Produktion gebundene Agrarsubventionen
TA unterstützt, angenommen, sie haben die geeigne- abbauen würde. Die französische Position, die die
ten Schritte zur Öffnung und Erweiterung des Handels gesamte Uruguay-Runde gefährdet, wird von prakunternommen, um Arbeitsplätze zu schaffen und tisch jedem Land abgelehnt.
Wachstum anzukurbeln.
Angesichts dieser Situation fragen sich einige, ob die
Mit APEC und NAFTA profitieren die Vereinigten Staa- Vereinigten Staaten sich von Europa abwenden ten von den beiden am schnellsten wachsenden ihrem Verbündeten und engen Handelspartner seit
Gebieten der Welt: Asien und Lateinamerika. Viele Jahrzehnten. Andere sind besorgt, daß die Welt in
dieser Länder haben sich in den vergangenen Jahren eine Periode regionaler Handelsblöcke eintritt, die
entschieden, die Kontrolle ihrer Volkswirtschaften und miteinander konkurrieren.
die Fesseln ihres politischen Systems abzulegen.
Die Vereinigten Staaten werden solange wir vorausDie asiatisch-pazifische Region hatte 30 Jahre lang blicken können eine aktive Rolle in Europa spielen. In
das schnellste Wachstum der Welt zu verzeichnen. Europa besteht unser Wunsch in besserem Zugang für

AMERIKA DIENST 44

Seite 1

�amerikanische Waren und nicht darin, daß sich ame- Volkswirtschaft der Welt verpflichtet sowie der Verbesrikanische Unternehmen auf andere Teile des Erdballs serung der Chancen für amerikanische Arbeitnehmer,
konzentrieren. Wenn Europa Bestrebungen zur Er- hochbezahlte und hochwertige Arbeitsplätze zu beweiterung des Handels blockiert, wird es sich selbst kommen.
am meisten schaden. Der Handel der Vereinigten
Staaten mit Asien und Lateinamerika wird weiter zu- Wir sehen uns schließlich der Tatsache gegenüber,
daß unsere Volkswirtschaft sowie die Weltwirtschaft
nehmen, und Europa wird ausgeschlossen.
im Wandel begriffen sind. Die Volkswirtschaften der
Im Hinblick auf das Interesse an regionalen Handels- Welt sind nicht länger in sich geschlossen. Wir alle
abkommen sind diese zu einem neuen Bindeglied im stehen im Wettbewerb in einer Weltwirtschaft, in der
Welthandelssystem geworden. Tatsache ist, daß sie Kapital und Technologie mobil sind. Diese Tendenz
Bestand haben müssen. Die Frage lautet, ob sie den hält an. Die Frage ist nicht, ob wiruns an sie anpassen,
Welthandel erleichtern oder behindern und zu konkur- sondern wie.
rierenden Blöcken führen werden.
Unsere wirtschaftliche Strategie zum Abbau unseres
Die Clinton-Administration vertritt die Auffassung, daß Haushaltsdefizits, die Gesundheitsreform, eine effisie in zweierlei Hinsicht zur Erleichtern ng des Welthan- zientere Regierungsführung, Änderungen im Bildungsdels genutzt werden können. Erstens können sie die und Erziehungswesen, Ausbildung der Arbeitnehmer
Entwicklungsländer auf den Beitritt zum Welthandels- und technologische Investitionen verfolgen allesamt
system vorbereiten. Zweitens können sie den Welt- das gleiche Ziel: den Aufbau einer produktiveren und
handel ergänzen und Verhandlungen in Gang bringen. konkurrenzfähigeren Wirtschaft.
Beispielsweise ist eine der wichtigsten handelspolitischen Prioritäten dieser Administration - wenn nicht
die wichtigste überhaupt- der Abschluß der UruguayRunde und im Anschluß daran weitere Gespräche
über den Abbau der Handelsschranken weltweit.
Die Uruguay-Runde zog sich über mehrere Jahre hin
- eine absurd lange Zeit, insbesondere da sie großenteils von einer weltweiten Rezession gekennzeichnet
war, die durch einen aus dem Abschluß der Runde
resultierenden Abbau von Handelshemmnissen abgemildert worden wäre.
Fragen, die in künftigen GATT-Verhandlungen angesprochen werden, wie umweltpolitische Zusammenarbeit und Investitionen, sollen von den Mitgliedstaaten
des APEC erörtert werden. Die Vereinigten Staaten
werden soweit ihnen das möglich ist bei regionalen
Handelsgesprächen ein Thema zur Sprache bringen,
wenn in dieser Hinsicht bei den globalen Gesprächen
keine Fortschritte erzielt werden.
Die Vereinigten Staaten unterstützen ein stärkeres,
aktiveres APEC, das ein Forum für Konsultationen
über Handelspolitik und die Ausweitung von Handel
und Investitionen werden soll mit dem Ziel, die Handelsschranken in der Region abzubauen und das
multilaterale System zu unterstützen. Obwohl das
APEC noch in der Entwicklung begriffen ist, wurde
bereits offensichtlich, daß es sich zu einer solchen
Organisation entwickelt.
Die Handelspolitik der Clinton-Administration basiert
auf einer neuen Realität: Wir leben in der Weltwirtschaft nach dem Kalten Krieg. Wir sind dem Aufbau
der stärksten, produktivsten und konkurrenzfähigsten

Unsere Handelspolitik ist ein essentieller Bestandteil
dieser Strategie. Die Öffnung neuer Märkte ist der
Schlüssel für die Schaffung neuer Arbeitsplätze und
für Wirtschaftswachstum.
Aus diesem Grund suchen die Vereinigten Staaten
nach Chancen in schnell wachsenden Regionen, beispielsweise Asien und Lateinamerika, in der Hoffnung,
daß neue Handelsvereinbarungen dort die Chancen
für amerikanische Unternehmen und Arbeitnehmer
erhöhen und gleichzeitig die multilateralen Gespräche
voranbringen werden.
Die Existenz einer neuen Weltwirtschaft ist auch für
europäische Arbeitnehmer eine Tatsache. Man sollte
sich vor Augen führen, daß der Abschluß von Gesprächen wie der Uruguay-Runde für die europäischen
Arbeitnehmer und Konsumenten von Vorteil ist.
Diese regionalen Handelsvereinbarungen - das NAFTA, ein wirkliches Freihandelsabkommen, das APEC,
ein Forum für Diskussionen unter den dynamischsten
Volkswirtschaften der Welt - stellen das fortgesetzte
Wachstum dieser Nationen und ihre Eingliederung in
das Welthandelssystem sicher.
Zusätzlich sorgen diese Vereinbarungen dafür, daß
das Streben nach demokratischeren Regierungen und
offeneren politischen und wirtschaftlichen Systemen,
die das lebhafte Wachstum in Asien und Lateinamerika auslösten, andauert.
Wir kehren unserer alten Verantwortung in Europa
nicht den Rücken zu. Wir begrüßen die neue Verantwortung und das Engagement in Asien und auf dem
amerikanischen Kontinent.
* *

Seite 2

AMERIKA DIENST 44

�WETTBEWERB
3. November 1993

WETTBEWERB BEWIRKT
PRODUKTIVITÄTSVORTEILE DER USA
von William Lewis
William Lewis ist Partner des Washingtoner Büros der Wirtschaftsberatungsfirma McKinsey &amp; Company, Inc.
Der nachfolgende Artikel erschien erstmals im Wall Street Journal und wurde ebenfalls in der Financial Times
vom 22. Oktober 1993 zitiert.
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung des Wall Street Journal. Copyright (c) 1993
Dow Jones &amp; Co., Inc. Alle Rechte vorbehalten.

Es werden viele Gründe vorgebracht, warum Industriezweige eines Landes international wettbewerbsfähig werden. Die Debattierenden jeglicher Couleur
scheinen sich jedoch bezüglich einer Tatsache einig zu
sein: Die Vereinigten Staaten hinken hinter ihren
internationalen Wirtschaftskonkurrenten Deutschland
und Japan her, wenn es um die gute altmodische
Herstellungsweise von Sachen geht. Wenn man hohe
Qualität, Superproduktivität, ausgezeichnete Technik
und handwerkliches Können will, finden sich die beispielhaften Modelle in Stuttgart oder Osaka, nicht in
Cleveland. So lautet zumindest die Binsenwahrheit.

Japan führt in fünf Industriezeigen: Autos,
Autoteile, Unterhaltungselektronik, Metallverarbeitung und Stahl.
Die Vereinigten Staaten nehmen in vier Industriezweigen eine Führungsrolle ein: Computer,
Nahrungsmittelverarbeitung, Seife und Reinigungsmittel sowie Bier - und haben bei Autos
gut aufgeholt.
Bemerkenswerterweise führt Deutschland in
keinem Industriezweig und liegt bei sechs von
neun Bereichen weit abgeschlagen an dritter
Stelle, einschließlich Autos und Autoteilen Bereichen, in denen Deutschland häufig als
exemplarisch bezeichnet wird.

Meine Kollegen und ich haben diese Binsenwahrheit
kürzlich auf die Probe gestellt, indem wir die Arbeitsproduktivität in neun repräsentativen Fertigungsindustrien in Deutschland, Japan und den Vereinigten
Weil mehr Japaner in der NahrungsmittelverarStaaten miteinander verglichen: Autos, Autoteile,
beitung als in der Produktion von Stahl, Autos,
Metallverarbeitung, Stahl, Computer, UnterhaltungsAutoteilen und der Metallverarbeitung insgeelektronik, Seife und Reinungsmittel, Bier sowie Nahsamt beschäftigt sind, ist der ermittelte Durchrungsmittelverarbeitung. Wir haben Bereinigungen
schnitt der Produktivität japanischer Arbeitnehbei der Produktqualität und den Konjunkturschwanmer in diesen neun Fallstudien tatsächlich niedkungen vorgenommen. Die Ergebnisse dieser vom
riger als der der Vereinigten Staaten und etwas
McKinsey Global Institute durchgeführten Studie sind
höher als der Deutschlands. Nimmt man die
erhellend - nicht nur aufgrund der Fakten, die sie
Vereinigten Staaten als einen Index von 100,
enthüllen und schaffen, sondern auch wegen der dieergibt sich eine Arbeitsproduktivität Japans von
sen Tatsachen zugrundeliegenden Erklärungen. In83 und Deutschlands von 79.
ternationale Wettbewerbsfähigkeit ist jedoch schlicht
und einfach ein bißchen wie Tennis: Man wird besser, Das Gefälle zwischen der jeweiligen Industrieprodukindem man mit Leuten spielt, die besser als man selbst tivität ist erstaunlich groß. Japan nimmt bei der Stahlsind.
produktion immer noch mit nahezu 50 Prozent eine
Führungsrolle in der Welt ein. Die amerikanische

AMERIKA DIENST 44

Seite 1

�Nahrungsmittelindustrie liegt um fast 70 Prozent vor
der japanischen. Und die deutsche Bierindustrie hinkt
selbst nach Qualitätsunterschieden bereinigt um mehr
als 50 Prozent hinter den Vereinigten Staaten her.

Vorschriften zu Handel und Investitionen sowie von
der Struktur des Marktes für Unternehmenskontrolle
ab. Von den drei Ländern stehen die Vereinigten
Staaten im Hinblick auf den Wettbewerb bei Handel,
Standortverlagerungen (ausländische DirektinvestitiDas ist an sich schon bemerkenswert. Angesichts des onen) sowie Fusionen mit ausländischen Unternehtechnologischen Know-how und im wesentlichen men und Übernahmen an erster Stelle. Obwohl die jamobilem Kapital zwischen Deutschland, Japan und panische Schwer- und Unterhaltungselektronikinduden Vereinigten Staaten und mit Arbeitnehmem in strie im eigenen Land nicht durch Handel oder Kapitaldiesen drei Marktwirtschaften, die sich im Hinblick auf märkte der Konkurrenz ausgesetzt ist, trifft das auf
Ausbildungsstand und Gesundheit nicht signifikant anderen Märkten aufgrund von Handel und ausländiunterscheiden, scheint die Annahme gerechtfertigt, schen Direktinvestitionen im wesentlichen zu.
daß die Produktivität in diesen drei Ländern 1990-45
Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg - ziemlich gleich ist. Im Unterschied dazu muß sich die von geringer ProUm zu verstehen, warum dies nicht der Fall ist - und um duktivität gekennzeichnete japanische Fertigungsinherauszufinden, ob die großen Unterschiede bei der dustrie praktisch nicht dem internationalen WettbeArbeitsproduktivität innerhalb dieser Industriezweige werb stellen. Dasselbe gilt für Deutschland, wo die
Chancen für die Hinterherhinkenden bieten, aufzuho- Hersteller fast nur innerhalb Europas konkurrieren
len - ermittelten wir die Ursachen des Produktivitätsge- müssen. Die freiwilligen Selbstbeschränkungsabkomfälles in jedem der neun Industriezweige.
men zwischen der Europäischen Gemeinschaft und
Japan bieten beispielsweise einen maßgeblichen Schutz
Warum ein Prodktivitätsgefälle? Herkömmliche Erklä- der Automobil- und metallverarbeitenden Industrie.
rungen wie etwa unterschiedliche Fertigungstechnolo- Zudem ist es aufgrund verfahrensrechtlicher Hemmgien und Kostenersparnisse durch optimale Betriebs- nisse schwierig, in traditionellen Industriezweigenden
vergrößerungen spielen bei der Erläuterung des Gefäl- Standort des Unternehmens nach Deutschland zu
les in der Metallverarbeitung, Stahlindustrie, Verarbei- verlagern. Und schließlich bewirken die Aktienanteile
tung von Nahrungsmitteln und bei der Bierherstellung und Vollmachten der führenden Banken bei Abstimeine Rolle. In anderen Bereichen lassen sich diese mungen in Deutschland, daß der Kapitalmarkt für
Faktoren zur Rechtfertigung des Gefälles jedoch nur Fusionen mit ausländischen Unternehmen und Überbedingt anführen. Genausowenig sind es Ausbildung nahmen praktisch geschlossen ist. Infolgedessen
und Qualifikation der Vorarbeiter. In jedem dieser konkurrieren die deutschen Produzenten vornehmlich
Länder sind die Arbeitnehmer mehr oder weniger auf regionaler, nicht auf globaler Ebene. Der Zwang zu
gleich qualifiziert. Es sind auch nicht die Kosten der Innovationen ist gering.
Rohstoffe, die weltweit im wesentlichen gleich hoch
sind. Es scheint, daß hohe Produktivität die Fähigkeit Was geschieht nun mit den Innovationen? DerMechavon Managern stimuliert, neue und immer effizientere nismus zur Übertragung dieser ProduktivitätsverbesWege zur Produktfertigung zu erfinden und die der serungen von Unternehmen zu Unternehmen und von
Techniker, leicht herzustellende Produkte zu entwer- Nation zu Nation macht sich ebenfalls bemerkbar.
fen.
Ausländische Direktinvestitionen - Standortverlagerung - spielen die zentrale Rolle bei UnternehmensnieWeder in der amerikanischen Nahrungsmittelindustrie derlassungen im Ausland. Tatsächlich tragen auslännoch in der japanischen Automobilindustrie gelangen dische Direktinvestitionen in viel stärkerem Ausmaß
die Manager und Ingenieure zu diesen Innovationen, als der Handel zu Produktivitätserhöhungen bei, insweil sie härter arbeiten, klüger oder besser ausgebildet besondere in Deutschland und den Vereinigten Staasind als ihre Kollegen in anderen Ländern. Nein. Sie ten.
tun es, weil sie müssen. Sie sind hartem internationalen Wettbewerb ausgesetzt, bei dem das konstante Niederlassungen führender Hersteller im Ausland
Erweitern der Produktivitätsgrenzen der zu bezahlentragen direkt zu einer Erhöhung der inländide Preis ist.
schen Produktivität bei,
Das Gegenteil trifft ebenfalls zu. Die meisten Unterbeweisen, daß durch Einsatz der vor Ort vornehmen mit niedrigerer Produktivität werden von den
handenen Arbeitskräfte und des Input größtRegierungen vor den schmerzlichen Härten des intermögliche Produktivität erzielt werden kann,
nationalen Wettbewerbs geschützt. Die neun Industriezweige haben eines gemeinsam: Internationale
erhöhen den Konkurrenzdruck auf andere inlänKonkurrenz führt zu hoher Produktivität, Protektionisdische Produzenten und
mus zu Stagnation.
übertragen durch natürliche PersonalbewegunDas Ausmaß, in dem sich die Industrien weltweitem
gen das Wissen über die besten Verfahren auf
Wettbewerb stellen, hängt von den Gesetzen und
andere inländische Produzenten.

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AMERIKA DIENST 44

�Zudem stoßen ausländische Direktinvestitionen auf Produktivitätsunterschiede bei internationalen Indugeringere politische Opposition als Handel, weil sie striezweigen bedeuten große Chancen für hochproArbeitsplätze schaffen statt sie zu zerstören. Folglich duktive Unternehmen. Mit Hilfe ausländischer Direktwerden sie in den kommenden Jahren wahrscheinlich investitionen konnten diese führenden internationalen
stärker anwachsen als der Handel.
Produzenten den örtlichen Unternehmen zwar große
Marktanteile und Gewinne abnehmen, haben aber
Montagestätten japanischer Automobilhersteller in den auch den Lebensstandard in den Gastländern gehoVereinigten Staaten waren von besonderer Bedeu- ben. Ihre erhöhte Produktivität resultiert in höheren
tungfür die Verbesserung der inländischen Produktivi- Löhnen, besseren und sichereren Arbeitsplätzen für
tät sowie als Anreiz für amerikanische Produzenten - die Arbeiter in den Niederlassungen und der Umgeinsbesondere Ford - zur Erhöhung ihrer Produktivität. bung. Staatlicher Schutz oder die Loyalität der örtliVerlagerte amerikanische Computeruntemehrnen haben chen Konsumenten sind keine verläßliche Grundlage
seit der Entstehung dieses Industriezweiges zu sub- für eine langfristig gesunde Wirtschaft oder die weitere
stantieller Produktion in Europa geführt. Im Jahr 1990 Existenz unproduktiver regionaler Unternehmen.
entfielen 56 Prozent der Gesamtproduktion in der Letztlich tragen die produktivsten Firmen den Sieg
Computerindustrie Europas auf ausländische Nieder- davon.
lassungen. Es ist vor allem auf sie zurückzuführen,
daß Deutschlands Produktivität im Computerbereich Was wird mit der deutschen Automobilindustrie genahezu an die amerikanische und japanische heran- schehen, wenn in Großbritannien angesiedelte japanireicht. Außerdem haben multinationale Seifen- und sche Unternehmen ihre Autos in großer Zahl auf das
Reinigungsmittelhersteller, einschließlich Colgate- europäische Festland exportieren? Oder mit der japaPalmolive, Procter &amp; Gamble sowie Unilever bedeu- nischen Nahrungsmittelindustrie, wenn internationale
tende Produktionsstätten in nahezu allen Märkten.
Nahrungsmittelgiganten Fuß fassen? Fragen Sie die
amerikanische Stahl- oder Automobilindustrie. LedigObwohl das Produktivitätsgefälle wirkliche Chancen lich im regionalen Wettbewerb zu bestehen, reicht
fürdie hinterherhinkenden Industrien bietet, die besten nicht aus, wenn die besten Praktiken in anderen Teilen
Praktiken zu lernen und einzuführen, weist es auch auf der Welt greifbar nahe sind.
eine entscheidende Wettbewerbsgefahr hin. Große

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Seite 3

�USIA
3. November 1993

ZUSAMMENARBEIT IN NEUEN NATIONEN
Rede von USIA-Direktor Duffey
CHICAGO - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Direktor des US-Informationsamts (United States
Information Agency - USIA), Joseph Duffey, am 5. Oktober 1993 vor dem Executive Club of Chicago gehaltene
Rede mit dem Titel: "Zusammenarbeit in neuen Nationen - Offene Türen, offene Märkte und geistige Offenheit:
Warum Außen- und Innenpolitik heute 'zwei Seiten derselben Medaille sind'".

In diesem Jahr begehen wir den 40. Jahrestag der
Gründung des US-Informationsamts. Das Amt wurde
von Präsident Eisenhower ins Leben gerufen und
entstand aus dem ehemaligen Büro für Kriegsinformation der Regierung, einer Institution, deren Aufgabe
darin bestand, die amerikanische Öffentlichkeit und
das Ausland im Hinblick auf bestimmte außenpolitische Ziele unserer Nation zu beeinflussen. Das Motto
von USIA in den folgenden Jahren lautete: "Der Welt
die Geschichte Amerikas erzählen".
Wie alles andere in unserem nationalen Leben wurde
auch USIA Teil des Kampfes im Kalten Krieg. Es gab
Tage, an denen wir Studenten in anderen Teilen der
Welt zu überzeugen versuchten, an die Universitäten
Northwestern und DePaul zu kommen, während die
Sowjetunion sie für die Lumumba Universität in Moskau gewinnen wollte.

gleich näher darauf eingehen - bei der Erfüllung menschlichen Strebens und der Schaffung von Wohlstand
sind.
Wir versuchen, dieses Amt neu zu definieren - und
dieser Prozeß ist seit einiger Zeit in Gang. Ich kann ihn
vielleicht am besten beschreiben, indem ich ein bißchen über das spreche, was Präsident Clinton dem
amerikanischen Volk im Hinblick auf das Verständnis
unserer heutigen Außenpolitik zu vermitteln versucht.
Vor einem Jahr haben wir den 500. Jahrestag der
Entdeckung der Neuen Welt durch Christopher Columbus gefeiert - oder "markiert" wäre vielleicht der
bessere Ausdruck.

Der 400. Jahrestag wurde im Jahr 1893 hier in Chicago
ein Jahr nach dem tatsächlichen Jahr weniger kontrovers mit der Weltausstellung gefeiert, einem äußerst
Es waren die Jahre, in denen einige von uns sich mit wichtigen Ereignis in der Geschichte Chicagos. Vor
auswärtigen Angelegenheiten befaßten, bei denen wir 100 Jahren war Chicago die ideale Stadt, um das
anscheinend einen Kampf der Titanen darum kämpf- Wachstum und die Stärke Amerikas zu demonstrieten, ob die zweite Sprache in der Dritten Welt Russisch ren. Einem Historiker zufolge war Chicago schon
damals eine Stadt, die alles überdimensional und
oder Englisch sein sollte.
schnell machte.
Am Ende dieser Periode sieht sich USIA plötzlich mit
der Frage konfrontiert, die uns allen durch den Kopf Ein prominenter Bostoner, Charles Francis Adams,
geht: Wie passen wir uns an die Welt an, in der wir schrieb 1893 über Chicago: "Es war eine junge Stadt
im Westen, die sich instinktiv mit Herz und Seele dem
heute leben, und wie definieren wir sie neu?
Schwung ihrer Zeit verschrieben hatte. Sie hatte die
Kurz gesagt bin ich der Ansicht, in der Welt zeichnet bahnbrechende Tatsache erkannt, daß Dampf die
sich jetzt die wachsende Erkenntnis der Menschen in Welt revolutionierte und ihre gesamte Existenz auf die
allen Ländern ab - nicht in ideologischer, sondern in Macht der modernen Zeiten gebaut."
sehr pragmatischer Hinsicht - daß freie und demokratische Institutionen, repräsentative Institutionen und Chicago war und ist eine stolze Stadt. Es ist die einzige
offene Marktwirtschaften die zwei am besten geeigne- mir bekannte Stadt, in der die Taxifahrer einem erzähten Mechanismen zur Zusammenarbeit - ich werde len, wie schön die Stadt ist und wie stolz sie sind. Das

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Seite 1

�geschieht heute nicht in vielen anderen Teilen Ameri- Nicht allzuviele Jahre später gelangte Henry Ford zu
kas. Vielleicht passiert es nur an einem hellen, sonni- der Einsicht, wenn er Autos produzieren wollte, müßgen Tag wie heute - aber ich war beeindruckt.
ten diejenigen, die sie herstellen, über ein ausreichendes Einkommen verfügen, um sie zu kaufen - eine
Es ist mir eine besondere Ehre, zu einem Treffen mit ziemlich bemerkenswerte Erkenntnis, die ebenfalls
einer Gruppe kluger und aktiver Kommunalvertreter Teil dieses explosiven Wachstums war. Wachstum
eingeladen zu sein, die die traditionelle Führungsrolle und Expansion erfolgten fast ein Jahrhundert lang in
für diese so wichtige amerikanische Stadt fortsetzen. der zweiten Ära der amerikanischen Geschichte.
Vor hundert Jahren, am 12. Juli, kam ein amerikanischer Historiker namens Frederick Jackson Turner
während der Weltausstellung nach Chicago und hielt
eine Rede, deren sich zumindest die Gelehrten als
eine Art bahnbrechenden Kommentars über ein zu
Ende gehendes Zeitalter in der Geschichte Amerikas
erinnern. Er sprach vom "Ende der Grenze". Er
verwies auf die Volkszählung von 1890, bei der die
Statistiker festgestellt hatten, daß es auf dem Kontinent keine physischen Grenzen mehr gab.

Und die meisten der heute hier Anwesenden wurden
während der letzten Jahre dieser Periode enormer
wirtschaftlicher Expansion erwachsen. Die Wirtschaft
wurde von zunehmenden Verkäufen auf überseeische
Märkte angekurbelt. Wir zählten zu den wenigen
Industrienationen der Wert und folglich unterhielten wir
keinen Handel mit der übrigen Welt - wir verkauften,
und zwar jahrzehntelang.

Städte im Süden, die Great Plains und der Far West
waren die Zulieferer und Märkte. Sie schleusten
Rohstoffe zur Industriebasis: Baumwolle aus Mobile,
Holz aus Norfolk, Metalle aus Denver, Vieh aus Kansas City. Und ihre Einwohner waren ein expandierender Markt, der Wirtschaftswachstum ankurbelte.

Die Frage lautet also, wie wir uns ein neues Kapitel,
Kapitel III, in der Geschichte der amerikanischen Wirtschaft vorstellen. Und in der Tat haben landesweit und
insbesondere in Chicago weitblickende Männer und
Frauen in Konferenzsälen, Gewerkschaftsräumen und
Universitäten angefangen, das Skript für das nächste
Zeitalter zu schreiben.

Unsere Wirtschaft wurde auf eine Weise stimuliert, die
Wachstum und Wohlstand hervorbrachte: Durch zwei
"Amerika", erklärte er, "ist am Ende der ersten Ära Kriege und die darauffolgende Verwüstung sowie das
seiner Evolution als Nation angelangt." Und er sprach eskalierende Wettrüsten während des sogenannten
ein wenig über die nationalen Charakterzüge, die Kalten Krieges, aber es war ein Zeitalter enormen
durch die konstanten Chancen des Erkundens und Auftriebs und der Expansion.
Vorwärtsdrängens zu einer physischen Grenze auf
diesem Kontinent geprägt wurden.
Vor einiger Zeit beobachteten wir das Ende dieser Ära
raschen Wachstums in unserer Wirtschaft. Kapitel II in
Die auf das Ende der Grenze folgende Periode war ein der Geschichte der amerikanischen Wirtschaft wurde
Zeitalter enormer Ausweitung aufgrund von Produk- abgeschlossen - diese Tatsache beginnen viele
tion und Handel. Und Chicago ist einer der Orte, an Amerikaner jedoch erst jetzt zu verstehen.
denen sich diese Ära am deutlichsten manifestierte.
Die Stadt war ein Vorreiter beim Antizipieren der Das reale Wachstum beim jährlichen BruttosozialproChancen des neuen Kapitels in der amerikanischen dukt (BSP) - ein Maß für nationalen Wohlstand - fing
Geschichte.
vor über einem Jahrzehnt an abzunehmen. Langsameres Wachstum, größere Abhängigkeit von ExporDer Historiker Carl Abbott schrieb folgenden Satz: ten, ein zunehmendes Ungleichgewicht beim Handel
"Zwischen 1880 und 1920 zogen 605.000 Einwande- und wachsende Defizite bei den nationalen Ausgaben
rer und 790.000 gebürtige Amerikaner in die Gegend waren die Merkmale des vergangenen Jahrzehnts.
von Chicago. Die Chicagoer hoben zur Verbesserung Während der achtziger Jahre hörten die Amerikaner
des Abwassersystems die gesamte Stadt um 3 Meter erstmals Gerede über internationale Wettbewerbsan. Sie bauten die ersten Wolkenkratzer und einige und Produktionprobleme, als unsere Vormachtstelder ersten Getreideaufzüge der Welt. Sie konkurrier- lung im Technologiebereich von den zu Produktionsten mit Odessa als Getreidehafen, mit Pittsburgh als und Herstellungszentren reifenden neuen Nationen im
Stahlstandort, mit Cincinnati als Fleischverpacker, mit Pazifik und in Europa bedroht wurde.
London und Paris als nationales Eisenbahnzentrum."
Wir waren bis vor ungefähr 15 Jahren eine Nation mit
Wir begannen das zweite Kapitel unserer Entwicklung für gewöhnlich hohen jährlichen Handelsbilanzüberals große Volkswirtschaft durch Industrialisierung. Wenn schüssen. Seit 1977 war unsere Handelsbilanz stänSie sich eine Karte der Vereinigten Staaten vor Augen dig negativ und unsere nationale Verschuldung hat
halten, können Sie sehen, wie es tatsächlich funktio- durch staatliche Defizitfinanzierung besonders im letzniert hat. Große Herstellungsbetriebe von Boston bis ten Jahrzehnt kontinuierlich zugenommen. Uns allen
Baltimore, Chicago und St. Louis - in diesem Gebiet wurden diese beunruhigenden Statistiken in den verwar der überwiegende Teil der Fertigungsproduktion gangenen Jahren zu häufig zitiert, als daß ich sie jetzt
und des Wohlstands angesiedelt.
wiederholen müßte.

Seite 2

AMERIKA DIENST 44

�Viele von Ihnen in diesem Raum sind Pioniere bei den
Bestrebungen, eine neue Ära von Wohlstand und
Wachstum zu gestalten. Sie wissen, daß Chicago eine
Weltstadt ist. Sie sind stolz, daß die Stadt jetzt ein
internationaler Flughafen mit direkten Verbindungen
zu den Hauptstädten der Welt ist, den man ohne
Zwischenlandung erreichen kann. Sie haben Informationsverbindungen in unmittelbarer Nähe dieses Clubs,
die dank der neuen Kommunikationstechnologien auf
derganzen Welt direkte Verbindungen zu Märkten und
Industriestandorten herstellen. Nur noch wenige Firmen operieren ausschließlich auf lokalen Märkten,
ganz zu schweigen von Binnenmärkten. Das letzte
Jahrzehnt war für viele von uns ein manchmal schmerzhafter Schnellkurs, um die neuen globalen Märkte zu
verstehen und auf ihnen wettbewerbsfähig zu sein.

hoffen, eine Führungsrolle unter den Nationen der
Welt zu übernehmen, wenn wir unsere eigene Volkswirtschaft nicht in Ordnung bringen können.
Wir können anderen Nationen nicht Disziplin und wirtschaftliche Verantwortung predigen, wenn wir nicht
selbst verantwortungsbewu ßter mit unserem Haushalt
umgehen, angefangen bei der Bundesregierung. Das
bedeutet Zurückhaltung bei den staatichen Ausgaben,
Abbau der teuren Defizite des letzten Jahrzehnts
sowie klügere Investitionen in Bildung, Forschung und
neue Technologien für die Zukunft.
Wir können nicht das Wirtschaftswachstum erzielen,
das eine Zukunft in Wohlstand sichert, und eine Volkswirtschaft, die für Arbeitsplätze und damit Steuereinnahmen sorgt, um unserer Verantwortung im In- und
Ausland gerecht zu werden, wenn wir nicht eine starke,
produktive Wirtschaft haben, auf den Weltmärkten
kaufen und verkaufen und Verbindungen zu Staaten
unterhalten, die unsere Werte offener Kommunikation,
offener Gesellschaften und offener Märkte teilen.

Das nächste Kapitel in der Geschichte der amerikanischen Wirtschaft muß offene und tragfähige Handelsbeziehungen zu anderen Teilen der Welt beinhalten.
Wir müssen in einer sich wandelnden Weltwirtschaft
um neue Märkte kämpfen und sie erobern. Es gibt
keinen anderen Weg zu einem Wirtschaftswachstum, Trotz allem, was wir in den letzten Tagen erlebt haben
das Wohlstand und nationale Sicherheit gewährleisten und woran wir angesichts der fortgesetzten Schwierigwird.
keiten der menschlichen Geschichte ständig erinnert
Die neue Tatsache ist, daß der von uns wechselseitig werden - die Agonie wiederauflebender ethnischer und
mit neuen Märkten in anderen Teilen der Welt zu kultureller Konflikte, die aus dem einen oder anderen
entwickelnde Handel nicht nur der Schlüssel zu unse- Grund von den politisch Verantwortlichen geschürt
werden - fanden in letzter Zeit auch Ereignisse statt,
rem, sondern auch zu ihrem Erfolg ist.
die Anlaß zu großer Hoffnung geben: Nicht nur der
Im vergangenen Jahr hat der damalige Präsident- Zusammenbruch der geschlossenen und repressiven
schaftskandidat Clinton dem amerikanischen Volk eine Regime in Osteuropa und der ehemaligen SowjetuniBeobachtung zu vermitteln versucht, die viele vorher on, sondern auch die beginnende Bewegung zu einer
gemacht hatten, die in diesem Land aber sicherlich demokratischen und repräsentativen Regierung in
keine Binsenwahrheit war: Wir sollten über internatio- Südafafrika sowie die Möglichkeit gegenseitiger Anernale Beziehungen, unsere Außenpolitik und unsere kennung und Einigung im Nahen Osten zwischen
nationale Wirtschaftspolitik als eng miteinander ver- lange Zeit durch Bitterkeit und gewalttätige Auseinanbundene zwei Seiten einer Medaille nachzudenken dersetzungen getrennten Völkern. Es ist im wesentlichen eine Zeit der Hoffnung. Der Zusammenbruch des
beginnen.
sowjetischen Imperiums ist ein praktischer, kein ideoAls Präsident hat Clinton während der vergangenen logischer Sieg.
acht Monate versucht, die Nation in die Richtung
dieser Erkenntnis zu führen. Er hat drei Ziele als Der Nationale Sicherheitsberater, Anthony Lake, beGrundlage eines neuen Ansatzes zur Festsetzung schrieb das vor kurzem folgendermaßen: "Es gibt
unserer Interessen und Rolle in der Welt nach den Milliarden von Menschen auf jedem Kontinent, die
Kalten Krieg definiert.
aufgrund jahrzehntelanger harter Erfahrungen zu dem
Schluß gekommen sind, daß Demokratie und MarktDas erste Ziel ist die Wiederbelebung und Erneuerung wirtschaft der produktivste und befreiendste Weg sind,
unserer nationalen Volkswirtschaft. Das zweite ist ihr Leben zu organisieren."
eine Führungsrolle bei der Förderung demokratischer
Werte, Institutionen und offener Marktwirtschaften in Ihre Schlußfolgerungen stehen im Einklang mit unseder internationalen Staatengemeinschaft und insbe- ren höchsten Werten. Alle Menschen sind von ihrem
sondere den neu entstehenden Nationen. Und das Schöpfer mit dem Recht auf Leben, Freiheit und das
dritte ist eine internationale Führungsrolle sowie die Streben nach Glück ausgestattet. Daher setzen wir
unserer nationalen Sicherheit angemessene militäri- Vertrauen in die Klugheit der freien Menschen, diese
sche Bereitschaft.
Rechte zu verteidigen - mit Hilfe der Demokratie als
bestem Mittel zur Erfüllung kollektiver Bedürfnisse, mit
Denkt man darüber nach, so sind diese drei Ziele Hilfe der Marktwirtschaft als bestem Mittel zur Erfüloffenkundig wirkich eng miteinander verbunden. Jedes lung individueller Bedürfnisse durch Erweiterung der
hängt von den anderen beiden ab. Wir können nicht Chancen, und beide Mittel verstärken einander.

AMERIKA DIENST 44

Seite 3

�Demokratie allein kann zwar Gerechtigkeit herbeiführen, jedoch nicht die materiellen Güter, die der Mensch
zum Leben braucht. Märkte allein können zwar den
Wohlstand mehren, jedoch nicht den Sinn für Gerechtigkeit schaffen, ohne den eine Gesellschaft untergeht.
Der vielleicht größte jetzt zu führende Kampf ist der
Versuch, dieses Land zu überzeugen, sich mit der
übrigen Welt weiterhin für diese Werte einzusetzen.
Wieder einmal geht es nicht, wie es in der Vergangenheit so oft der Fall gewesen sein mag, um eine ideale
oder idealistische Sache, sondern um eine äußerst
praktische, denn es handelt sich hier um unsere Zukunft sowie eine bessere Zukunft für die Völker in
anderen Teilen der Welt.
Wir müssen Mittel und Wege zur besseren Kontrolle
des grenzüberschreitenden Personenverkehrs finden,
da er eine neue Bedrohung in Fragen der Sicherheit,
des Terrorismus, der Kriminalität und der Umwelt
darstellt, die jetzt auf der internationalen Tagesordnung stehen.
Das führt mich zu den beiden Themen, die meines
Erachtens am stärksten verkörpern, was Präsident
Clinton über die Wechselbeziehung zwischen diesen
beiden Belangen und politischen Maßnahmen sagen
wollte. NAFTA ist ein Thema, das jetzt erörtert wird.
Es ist ein Zeichen der Hoffnung.

noch nie mit der Furcht leben, daß sich unsere Dollars
über Nacht in Spielgeld verwandeln. Die Russen und
Ukrainer sowie eine Vielzahl anderer Nationalitäten
haben jedoch Angst, daß der Rubel seinen Wert
verlieren könnte, während ihre Geldbörsen noch prall
damit gefüllt sind.
Wenn es dazu kommt, müssen die Menschen dieser
vor kurzem befreiten Staaten die Last der Umwandlung ihrer Systeme tragen. Viele, jedoch nicht alle,
haben in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht große
Fortschritte gemacht. Trotz der Ereignisse der letzten
Tage scheint mir aufgrund der Geschichte dieser
Region in der Welt, daß der Weg festgelegt und der
Kurs klar ist. Unsere eigene Geschichte zeigt, daß
dieser Kurs nicht einfach ist.
Hier handelt es sich nicht um etwas, das die Bundesregierung tun kann. Wie bei den meisten Dingen ist
auch hier eine Partnerschaft vonnöten, ein gemeinsames Unternehmen, insbesondere mit der amerikanischen Geschäftswelt. Wir haben jetzt die Chance,
Talent, Erfahrung und Investitionen in Schlüsselgebieten zum Tragen zu bringen, die die für einen Wandel
erforderliche Dynamik ankurbeln.

USIA und die von Botschafter Talbott beauftragte
Sonderabteilung des Außenministeriums wurden von
Präsident Clinton gebeten, diese Bestrebungen im
Außenministerium zu leiten, zum ersten Mal gemeinDas gleiche gilt für die jetzt von unserer Regierung sam mit Mitgliedern des Finanzministeriums und der
vorgebrachten Vorschläge - die auch bei vielen Men- Export-Import Bank sowie anderen Zweigen der Reschen in diesem Land Anklang finden - daß wir zusam- gierung, die zusammen einen Wirtschaftsgipfel in St.
men mit Rußland und den anderen Nachfolgestaaten Louis einberiefen. Vorallem sollen diejenigen, die-sei
der Sowjetunion einen Weg für den Aufbau neuer es erfolgreich oder nicht - in Ru ßland und den anderen
Gesellschaften suchen müssen.
Nachfolgestaaten der Sowjetunion unternehmerisch
tätig waren, praktische Erfahrung austauschen und
Die Umgestaltung einer zentralen Planwirtschaft in
anschließend die Programme zum Tragen bringen, die
eine offene Marktwirtschaft, einer Diktatur in eine
eine gemeinsame Grundlage für die jetzt und in ZuDemokratie, des größten Imperiums der Geschichte in
kunft zu unternehmenden Anstrengungen darstellen.
eine Partnerschaft mit den ehemaligen Bestandteilen
dieses Imperiums, wird sich über Jahre erstrecken und Ebenso wie in der Vergangenheit spielt USIA hierbei
möglicherweise auch Rückschläge erleiden. Aber der durch den Austausch von Personen und Informationen
Weg und die Richtung sind festgelegt.
eine Rolle. Die folgenden Programme sind für ameriDie Vereinigten Staaten engagieren sich für die Unter- kanische Unternehmen auf diesem Gebiet von potenstützung der Reformkräfte in Rußland und den neuen tiellem Nutzen:
unabhängigen Staaten, die diese Veränderungen
herbeizuführen versuchen. Unsere Politik beruht auf
der Überzeugung, daß die postkommunistische Reform ein Langzeitunternehmen ist und von uns Geduld
und Beharrlichkeit erfordert. Wir sind der Ansicht, daß
ihre und unsere künftige Sicherheit eng in dem Versuch verbunden sind, demokratische Institutionen und
offene Marktwirtschaften aufzubauen.

Ungefähr 300.000 Unternehmer aus der ehemaligen Sowjetunion werden kurze Zeit zu Orientierungs- und Ausbildungsprogrammen in die
Vereinigten Staaten reisen, und viele von ihnen
werden als Praktikanten in amerikanischen
Unternehmen jeder Größenordnung lernen und
arbeiten. Dieses Programm gewinnt zur Zeit an
Dynamik.

Ich bin sicher, daß sich viele von Ihnen schon einmal
vorgestellt haben, wie es wäre, Bürger eines dieser
Nachfolgestaaten zu sein, sich um die Zukunft seiner
Kinder und Enkelkinder zu sorgen und jeden Tag mit
umwälzenden Reformen zu leben. Sie und ich mußten

Nahezu 1.000 russische Studenten werden an
einjährigen amerikanischen Universitätsprogrammen auf Gebieten wie Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Informatik, Staatsrecht und Landwirtschaft teilnehmen.

Seite 4

AMERIKA DIENST 44

�Rund 1.200 Bürger dieser Länder kommen in
unser Land, um sich an der Universität in den
Bereichen Jura, Wirtschaftswissenschaften,
öffentliche Verwaltung, Politologie, Erziehungswesen, Gesundheitswesen, Energie, Landwirtschaft und Umwelt ausbilden zu lassen.

Welt wir unseren Kindern hinterlassen und in welcher
wir vielleicht selbst alt werden wollen, und weil Ergebnisse nur durch kooperative Unternehmungen erzielt
werden können.

Auf den letzten Seiten der Zeitschrift Newsweek von
dieser Woche schreibt der Kolumnist Joe Kline, die
8.000 bis 10.000 Studenten aus den neuen Amerikaner kämpften jetzt mit "der großen Angst" unabhängigen Staaten kommen hierher, um an "der großen Furcht" - dem Gefühl des Verlustes von
bis zu einem Jahr laufenden Programmen zur Vertrauen in die Zukunft, eine Unsicherheit darüber, ob
Ausbildung in Unternehmensführung, Lehre wir als Nation wieder auf eine Weise prosperieren
demokratischer Institutionen und Englischkur- können, die Chancen für unsere Kinder eröffnet, die
Art von erweiterten Möglichkeiten, die die meisten von
sen teilzunehmen.
uns kannten, spürten und genossen, während wir
Ungefähr 500 Lehrer erhalten hier eine zusätz- aufwuchsen.
liche Ausbildung, auch in Techniken zur Weiterbildung des Lehrkörpers.
Der Appell, das nächste Kapitel der Entstehung unserer Wirtschaft zu verstehen und sich ihm zu stellen, ist
Wir werden zwischen 35 und 50 Partnerschaf- zum jetzigen Zeitpunkt ein Appell, der "großen Angst"
ten im Ausbildungs- und Universitätsbereich zu begegnen und zusammenzuarbeiten, um die Naentwickeln, um die Beziehungen zu amerikani- tion auf einen nicht leichten Kurs zu bringen, der die
schen Bildungseinrichtungen zu verbessern und sich abzeichnende neue Wirtschaft und die neuen
uns dabei auf die Entwicklung von Lehrplan und internationalen Chancen einbezieht.
Lehrkörper in den Bereichen Unternehmensführung und Verwaltung, Lehre der englischen Präsident Clinton fand vielleicht die richtigen Worte,
Sprache und Politologie konzentrieren.
als er vor einigen Wochen mit den ehemaligen Präsidenten Carter, Ford und Bush zusammentraf und
Weitere Programme richten sich auf die Unterstützung feststellte: "Die Frage ist, ob wir genügend Vertrauen
der Entwicklung unabhängiger Medien, der Rechts- in die Zukunft besitzen, daß wir die Arbeitsplätze von
staatlichkeit und des Pluralismus.
morgen schaffen können, oder ob wir den Versuch
unternehmen,
an denen von gestern festzuhalten."
Um Ihnen eine Vorstellung vom Umfang der internationalen Austauschprogramme zu geben: Zur Zeit befinden sich mehr als 400.000 ausländische Studenten in
den Vereinigten Staaten, die jährlich einen Beitrag in
Höhe von sieben bis zehn Milliarden Dollar zu unserer
Volkswirtschaft leisten.

Als Frederick Jackson Turner in jenem Sommer vor
hundert Jahren seine Rede hielt, beendete er sie
folgendermaßen. Er umriß das Ende einer Ära und
äußerte dann: "Seit Kolumbus mit seiner Flotte in die
Gewässer der Neuen Wert segelte, wurde Amerika mit
Chancen gleichgesetzt. Und die Menschen in den
In der Vergangenheit hat sich gezeigt, daß diese
Vereinigten Staaten haben ihre Energie aus dieser
"weichen", langfristigen Investitionen oft greifbare
großen Ausweitung gezogen, die sie nicht immer wählten,
Auswirkungen haben und große Vorteile für Verständsondern die ihnen auch oftmals aufgezwungen wurde.
nis und künftige Zusammenarbeit mit sich bringen, zur
Bewegung ist für Amerika schon immer der dominante
Stärkung der Demokratie beitragen und bisweilen viel
Faktor gewesen", stellte er fest.
schneller Ergebnisse zeitigen, als wir angenommen
hatten.
Heute sind wir dazu aufgerufen, unseren Horizont,
unsere
Phantasie und unsere Belange zu erweitern
Ich hoffe, daß diese Administration ihre Botschaft
sowie
in
vielerlei Hinsicht unsere Fähigkeit, zugunsten
übermitteln wird, wie wir kooperativer als Team oder
eines
neuen
Zeitalters der Chancen zusammenzuarmit Vertretern der amerikanischen Wirtschaft zusambeiten
nicht
nur für Amerika, sondern auch für die
menarbeiten können, denn dies ist ein wichtiges EleVölker
in
anderen
Teilen der Wert. So sieht USIA jetzt
ment für die Sicherung unserer Zukunft. Es ist die
eine
Aufgabe
auf
diesem
besonderen Gebiet, zu einer
einzige Möglichkeit zu erneutem WirtschaftswachsZeit,
in
der
sich
so
viele
Dinge
geändert haben.
tum, weil es das Richtige im Hinblick darauf ist, welche

*

AMERIKA DIENST 44

* * *

*

Seite 5

�DROGEN
3. November 1993

USA WOLLEN BEI DROGENBEKÄMPFUNG
MIT ANDEREN LÄNDERN ZUSAMMENARBEITEN
Erklärung Browns vor der UN-Generalversammlung
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Die Vereinigten Staaten "werden jedes verfügbare Mittel nutzen, um... starke,
kooperative Beziehungen zu anderen Länoern aufzubauen, die ihre Bereitschaft zur Bekämpfung des Drogenhandels unter Beweis stellen", erklärte Lee Brown, der Direktor des Büros für nationale Drogenkontrollpolitik.
In seiner Rede bei einer Tagung hochrangiger Vertreter der UN-Generalversammlung über die Bekämpfung
illegaler Drogen erklärte Brown am 26. Oktober 1993, das Hauptziel sei zwar die "Senkung der Gesamtnachfrage nach Drogen in Amerika", die Vereinigten Staaten würden sich jedoch nicht "ihrer Führungsrolle bei der
Zerschlagung internationaler Drogen- und Verbrechersyndikate entziehen".
Die Zahl der gelegentlich Drogen konsumierenden Amerikaner ist ihm zufolge seit 1979 bedeutend gesunken,
die Kokainverbrauch der Konsumenten harter Drogen scheine jedoch anzusteigen. Die Vereinigten Staaten
würden sich auf die Senkung der Nachfrage, Kontrolle und Prävention von Beschaffungskriminalität und Gewalt
sowie die Unterstützung der Kommunen konzentrieren und ihre Führungsrolle bei internationalen Maßnahmen
zur Drogenkontrolle weiter wahrnehmen, äußerte Brown.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext von Lee Brown.

Wir sind heute hier aus vielen Teilen der Wert zusammengekommen. Wir gehören unterschiedlichen Nationen und Kulturen an. Dennoch sind wiralle mit einer
gemeinsamen Bedrohung konfrontiert: Dem internationalen Drogenhandel und den internationalen Verbrecherorganisationen, die sich weltweit der Herstellung und dem Schmuggel von Drogen verschrieben
haben.

Aspekte des Drogenproblems zu leiten. Dazu zählen
Strategien zur Senkung des Drogenangebots und der
Nachfrage sowie Strategien für Maßnahmen der
Regierung auf Landes-, bundesstaatlicher und kommunaler Ebene.
Zunächst möchte ich Ihnen einen Überblick über die
heutige Drogensituation in den Vereinigten Staaten
geben.

Diese Bedrohung gefährdet unsere Länder, unsere
Gesellschaften, uns selbst und unsere Kinder und
führt zu Kriminalität, Gewalt, Korruption, Umweltzerstörung, sozialem Verfall und ungeheurem persönlichem Leid.

Positiv zu vermerken ist, daß die Zahl der gelegentlich
Drogen konsumierenden Amerikaner bedeutend gesunken ist. 1979 nahmen 24 Millionen Bürgerunseres
Landes mindestens einmal im Monat illegale Drogen,
im letzten Jahr waren es nur noch 11,4 Millionen. Die
Als ehemaliger Polizist, als Vater und Einwohner ver- Zahl der Amerikaner, die regelmäßig Kokain nehmen,
schiedener Gemeinden in meinem Land stand und sank von 5,8 Millionen im Jahr 1985 auf 1,3 Millionen
stehe ich im Kampf gegen Drogen an der Frontlinie - in im vergangenen Jahr - ein bemerkenswerter Rückunseren Innen- und Vorstädten und in den Ländern gang von nahezu 80 Prozent in einem Zeitraum von
dieser Hemisphäre, einschließlich der Andenstaaten, sieben Jahren.
in denen der Drogenhandel die tiefsten Narben hinterAndere Daten geben jedoch Anlaß zur Besorgnis. Der
lassen hat.
Konsum von harten Drogen ist in den letzten sieben
Ich bin per Gesetz dazu verpflichtet, die Formulierung Jahren fast unverändert geblieben, und alle Bemühununserer nationalen Strategie im Hinblick auf sämtliche gen zur Reduzierung der Anzahl von DrogenabhängiAMERIKA DIENST 44

Seite 1

�gen waren vergeblich. Der Kokainkonsum ist anscheinend konstant oder nimmt sogar zu. Der Gesundheitszustand der Süchtigen in unserem Land scheint sich
immer mehr zu verschlechtern. Neue Daten weisen
landesweit einen zehnprozentigen Anstieg von im
Zusammenhang mit Drogenkonsum stehenden Krankenhausaufenthalten zwischen 1991 und 1992 aus.
Es wurde eine Zunahme von 18 Prozent bei den
Krankenhausaufenthalten aufgrund von Kokainkonsum beobachtet, bei Heroin betrug sie sogar dramatische 34 Prozent.
Die neuen Statistiken deuten darauf hin, daß die Ende
der siebziger Jahre begonnene Drogenepidemie in
zunehmenden Maße die Hauptkonsumenten erfaßt.
Gleichermaßen besorgniserregend ist auch die Tatsache, daß zum ersten Mal seit mehreren Jahren 1314jährige wieder mehr Drogen nehmen und sich weniger
der Gefahren bewußt sind. Wir haben noch einen
langen Weg vor uns, bis wir bei unserem Kampf gegen
Drogenmißbrauch Erfolg haben.

folgt wird. Die Legalisierung oder Straffreiheit von
Drogenkonsum würde die Zahl der Abhängigen erhöhen, zu noch schwerwiegenderen Konsequenzen führen
und ist folglich inakzeptabel.
Unser nationales Ziel bleibt letztlich die Senkung der
Gesamtnachfrage nach Drogen in Amerika.
Unsere Interimsstrategie umfaßt eine Vorgehensweise auf vier Ebenen:
Erstens konzentriert sie sich auf die Senkung derNachfrage.
Wir planen eine aggressive Strategie für die
Therapie von Drogenabhängigen, wobei die Konsumenten harter Drogen unser Hauptziel sind.
Wir werden weiterhin der Industrie, den Arbeitgebern und Arbeitnehmern beistehen, um amerikanische Arbeitsplätze frei von Drogen zu halten.
Wirwerden eine nationale Tagesordnung fürdie
Kindererziehung aufstellen, um die jungen
Menschen zu befähigen, dem Drogenkonsum
zu widerstehen und ein drogenfreies Leben zu
führen.

Letzte Woche gaben wir unsere Reaktion auf die
Drogengefahr bekannt: Die Interimsstrategie zur nationalen Drogenkontrolle. Diese Strategie wurde entworfen, um unseren nationalen Bestrebungen zur
Bekämpfung des Drogenproblems eine neue Richtung
Zweitens richtet die Interimsstrategie ihre Aufmerkzu geben und sie zu verstärken.
samkeit auf die Verminderung von BeschaffungskrimiDie Interimsstrategie unterscheidet sich in vielerlei nalität sowie auf Verbrechensbekämpfung und -Verhütung.
Hinsicht von den Strategien der Vergangenheit:
Sie strebt durch Präventionsprogramme für
Risikogruppen die Verhinderung eines Anstiegs
der Zahl von Erstkonsumenten an.
Sie sieht Therapien für Drogensüchtige vor, um
ihren Drogenkonsum zu senken und seine Konsequenzen abzumildern.
Sie betont die Bedeutung von Maßnahmen der
Kommunen zur Bekämpfung von Drogen und
Gewalt.
Sie fördert eine schnelle und angemessene
Bestrafung bei Drogenmißbrauch und Beschaffungskriminalität.

Wir werden einen umfassenden Ansatz zur
Bekämpfung von Kriminalität verfolgen und nach
innovativen und wirksamen Lösungen suchen,
insbesondere solchen, die unsere Gemeinden
miteinbeziehen.
Wir streben eine strengere Gesetzgebung für
den Besitz von Schußwaffen an.
Wir werden uns mit den schrecklichen Auswirkungen von Drogen und Gewalt auf die Jugendlichen befassen und dagegen angehen.
Drittens unterstützt sie die Rationalisierung unserer
Regierung und verleiht unseren Gemeinden mehr
Befugnisse.

Sie unterstützt Forschungsprogramme.
Die Strategie hält an bestimmten grundlegenden
Konzepten fest: Einmal müssen wir unseren umfassenden Kampf gegen Drogen fortsetzen - mit Programmen, die den Nachschub von Drogen in die
Vereinigten Staaten und innerhalb des Landes sowie
die Nachfrage nach Drogen in unserem Land bekämpfen. Unsere Unterstützung der Länder, die den politischen Willen zur Unterbindung von Drogenproduktion
und -handel zeigen, wird fortgesetzt.
Ein weiteres Konzept besteht darin, daß der Besitz und
Konsum illegaler Drogen weiterhin strafrechtlich ver-

Seite 2

Wir beabsichtigen die Abschaffung der Duplizität von Funktionen bei Bundesbehörden.
Wir werden bereits bestehende Organisationen, Ressourcen und Methoden zur Unterbindung des Nachschubs überprüfen um sicherzustellen, daß sie auf die effektivste Weise operieren. Wir werden die Erstellung, Analyse und
Verbreitung unserer nachrichtendienstlichen
Erkenntnisse verbessern.
Wir werden den Gemeinden bei der Bekämpfung von Drogenhandel und -konsum behilflich

AMERIKA DIENST 44

�sein und versuchen, unsere Städte wiederzube- cher Wirtschaftsentwicklung, Menschenrechten und
Schutz der globalen Umwelt.
leben.
Viertens fordert sie die Vereinigten Staaten zur Fortsetzung ihrer internationalen Führungsrolle und Unterstützung der internationalen Drogenbekämpfungsmaßnahmen auf.
Unseres Erachtens stellt der internationale
Drogenhandel eine direkte Bedrohung der Vereinigten Staaten dar und unterminiert unsere
Bestrebungen im Inland zur Verringerung des
Drogenangebots und der Nachfrage. Wir vertreten femer die Auffassung, daß er unsere
Bestrebungen - und die aller freien Nationen bei der Förderung von Demokratie, wirtschaftlicher Stabilität, Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit zunichte macht.
Als Reaktion auf die Bedrohung durch Drogen
müssen wir die zu ihrer Bekämpfung erforderlichen Strafverfolgungs- und Rechtsinstitutionen
aufbauen und verbessern. Die Vereinigten
Staaten werden zu diesem Zweck ihre Ausbildungsprogramme zur Verfügung stellen. Im
Hinblick auf die sich für Betäubungsmittelkontrolle engagierenden Länder werden wir dort,
wo es geeignet erscheint, alternative Entwicklungsprogramme statt des Anbaus von Pflanzen zur Drogenherstellung unterstützen.
Im Hinblick auf die Unterbindung des Nachschubs werden sich die Vereinigten Staaten
mehr auf Bestrebungen in den Ursprungsländern statt auf die Aufbringung und Beschlagnahme von Drogen beim Transport konzentrieren.
Schließlich werden wir die Notwendigkeit unterstreichen, die Drogenhändlerringe selbst zu zerschlagen. Wir werden mit anderen Ländern zusammenarbeiten, um Geldwäscherorganisationen, Lieferanten und chemische Grundstoffe
aufzuspüren und die Drogenbarone auszumachen, von denen die Organisationen geleitet
werden.
Mit anderen Worten, wir werden jedes verfügbare
Mittel nutzen, um das Drogenangebot und die Nachfrage in den Vereinigten Staaten zu verringern und starke, kooperative Beziehungen zu anderen Ländern
aufzubauen, die ihre Bereitschaft zur Bekämpfung des
Drogenhandels unter Beweis stellen.

Wenn wir diese Arbeit bewältigen wollen, ist ein starker
multilateraler Ansatz erforderlich.
Wie kommt es, daß die Drogenkartelle so erfolgreich
und gewinnbringend operieren können? Sie tun mehr,
als nur Drogen zu kaufen und zu verkaufen. Sie
können auch Regierungen kaufen, verkaufen und terrorisieren. Sie sind hochmoderne, äußerst anpassungsfähige multinationale Einheiten. Wir können
unsere Anstrengungen nicht nur auf ein Land beschränken, denn diese kriminellen Organisationen
nutzen die schwache Verteidigung in anderen Ländern
aus. Wir müssen die Drogenkartelle von einer starken
regionalen und multilateralen Verteidigung aus angreifen.
Und wir müssen uns vor Augen führen, daß die internationalen Drogenkartelle nicht von nationalen Gesetzen zur Bewilligung ihrer Budgets abhängen. Ihre
Budgets werden größer, während unsere schrumpfen.
Angesichts der finanziellen Engpässe, mit denen sich
alle Nationen konfrontiert sehen, ist es ein Muß, daß
wir unsere Bestrebungen und unsere Ressourcen
koordinieren und das meiste aus dem machen, was
uns zur Verfügung steht.
Wir sind uns bewußt, daß bereits sehr viel getan und
das Fundament gelegt wurde, auf dem wir unsere
weitere Zusammenarbeit aufbauen.
Die Vereinten Nationen sind vor allem durch das UNDrogenkontrollprogramm, aber zunehmend auch durch
andere Behörden, ein unerläßlicher Partner bei der
Bekämpfung der globalen Bedrohung durch Drogen.
Unter der Leitung des Exekutivdirektors Giacomelli ist
das Drogenkontrollprogramm der Vereinten Nationen
(United Nations Drug Control Program - UNDCP) zum
Stützpfeiler der Drogenkontrollbestrebungen geworden.
Wir tragen die Verantwortung zur Aufrechterhaltung
des internationalen Engagements und Bereitstellung
der Ressourcen zur Drogenbekämpfung auf nationaler und internationaler Ebene.
Meine Regierung glaubt an Taten, nicht nur Worte und aus diesem Grund verdoppeln wir unseren Beitrag
des Jahres 1992 an das UNDCP. Unser Beitrag für
1993 beläuft sich auf 6,2 Millionen Dollar.

Die Notwendigkeit für ein starkes UN-System ist von
zunehmender
Bedeutung. Die US-Behörden mit
Ich möchte einen wesentlichen Punkt unterstreichen:
ähnlichen
Aufgabengebieten
können die AuswirkunTrotz der Notwendigkeit einer Neuorientierung unsegen
von
Betäubungsmittelproduktion,
-handel und
rer Bestrebungen bei der Bekämpfung des Drogen-mißbrauch
nicht
ignorieren.
Die
Vereinten
Nationen
handels als innenpolitisches Thema ist Drogenkontrolsind
nicht
nur
ein
f
riedensichemdes
oder
friedenschafle ein wichtiges Element unserer Außenpolitik sowie
unserer Unterstützung für Demokratien weltweit. fendes Gremium. Sie sind auch ein Forum, das die
Drogenkontrolle ist integraler Bestandteil unserer Aufmerksamkeit auf die Feinde der Demokratie lenkt
Verpflichtung zu Rechtsstaatlichkeit, umweltverträgli- und zu Aktionen gegen sie aufruft. Wir wollen sie zu
einem effektiven Forum machen.
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�Von dieser Zusammenkunft erbitte ich folgendes:

Nationen einigen. Das Ausmaß des Drogenproblems
ist so enorm, daß wir das gesamte UN-System mobilisieren müssen. Wir müssen ferner die internationalen Finanzinstitutionen auffordern, eine größere Rolle
bei der Unterbindung des Drogenhandels zu übernehmen.

Erstens, daß wir heute entschlossen zur Verurteilung
des internationalen Drogenhandels auseinandergehen, die uneingeschränkte Ratifizierung der Wiener
Konvention von 1988 anstreben und darüber hinausgehen, um allen Nationen bei der Verabschiedung von
Gesetzen und dem Aufbau von Institutionen behilflich In seiner Rede vor der Generalversammlung der Verzu sein, mit denen die Ziele der Konvention verwirklicht einten Nationen im vergangenen Monat verwies Präsiwerden können.
dent Clinton darauf, daß unsere Administration die
erste nach dem Kalten Krieg ist. Wir werden nicht
Zweitens, daß wir die Zerschlagung der Drogenhänd- länger von der Bedrohung der nuklearen Vernichtung
lerringe intensivieren, indem wir unsere Bestrebungen heimgesucht. Und dennoch ist dies nicht die Zeit für
auf die sie leitenden Drogenbarone ausrichten. Es Selbstgefälligkeit. Mit dem Ende des Kalten Krieges
genügt nicht, die Kuriere und Dealer, die kleinen Geld- wird die Sicherheit der Nationen durch andere heimwäscher - die "Ersetzbaren" des Drogenhandels - zu tückische und mächtige Feinde von Demokratie und
verhaften und einzusperren.
Freiheit bedroht. Drogenhandel und andere internationale Verbrechen korrumpieren und unterminieren die
Drittens, daß wir verschärft auf die Profite und Geldgrundlegenden Institutionen, die Demokratie unterwaschoperationen der Händler abzielen, effektive einmauern und politische Freiheit fördern - die Rechtsheitliche Abfangverfahren auf See erarbeiten und diese
staatlichkeit sowie freie und offene Volkswirtschaften.
sowie Kontrollen von Chemikalien durchführen.
Viertens, daß wir die Intensivierung unserer multilate- Die Vereinigten Staaten werden sich nicht ihrer Führalen und regionalen Ansätze durch das UNDCP, die rungsrolle bei der Zerschlagung internationaler DroOrganisation Afrikanischer Staaten (OAS), die inter- gen- und Verbrechersyndikate entziehen. Wir fordern
nationalen Finanzinstitutionen, die Dublingruppe und die internationale Staatengemeinschaft auf, sich diedie Einsatzgruppe Finanzaktionen zur gemeinsamen ser Bedrohung kollektiv zu stellen.
Nutzung unserer Ressourcen und Koordinierung un- Mit der erneuerten und kontinuierlichen Verpflichtung
serer Hilfsleistungen beschließen.
der internationalen Staatengemeinschaft zur RechtsUnd letztens, daß sich alle Regierungen auf die Unter- staatlichkeit werden wir obsiegen. Aus der Verantworstützung von Bestrebungen zur Verbesserung des tung - für uns und unsere Kinder - heraus haben wir in
systemübergreifenden Aktionsplans der Vereinten der Tat schlicht und einfach keine andere Wahl.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 44

�PORTRAT
3. November 1993

RÜSTUNGSKONTROLLE BLEIBT
DRINGENDES ANLIEGEN
Porträt von John Holum

WASHINGTON - (AD) - Dem designierten Direktor des
amerikanischen Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung (U.S. Arms Control and Disarmament Agency ACDA), John Holum, zufolge besteht selbst in der Zeit
nach dem Kalten Krieg die Notwendigkeit für "effektive
Rüstungskontrolle und entschiedene Anstrengungen
zur Eindämmung der Weiterverbreitung".
John Holum ist der Ansicht, daß sich "nach dem Ende
des Kalten Krieges die Herausforderungen für die
Rüstungskontrolle geändert haben, diese jedoch nicht
weniger zwingend seien".
Der Jurist Holum arbeitete unter der Carter-Administration im Außenministerium auf den Gebieten Rüstungskontrolle und auswärtige Angelegenheiten,
gehörte zum Mitarbeiterstab des Senats und war Mitglied von Präsident Clintons Wahlkampfteam.
Er stellte fest, daß die Welt ein immer gefährlicherer
Ort wird, "da einige geächtete Staaten nach Technologien streben, die unser aller Sicherheit bedrohen".
Um die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen
und ihrer Trägersysteme zurückzuschrauben, "müssen wir eine unbefristete Ausweitung, universelle Einhaltung sowie entschiedene Durchsetzung des Nichtverbreitungsvertrags anstreben", so Holum.
Bei der Zusammenarbeit mit den Verbündeten "müssen wir noch wirksamere Maßnahmen zur Kontrolle
der Exporte potentiell gefährlicher Technologien sowie
von Mehrzwecktechnologien, die für zivile und militärische Zwecke genutzt werden können, entwickeln und
gleichzeitig das nationale Gebot des Wirtschaftswachstums angehen", betonte der designierte ACDA-Direktor.
Er drängt auf die Durchführung der Konvention über
chemische Waffen, die "beispiellose Verifizierungsbestimmungen" enthält und die Einhaltung des ABMVertrags, "während wir gleichzeitig eine Antwort auf

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die Bedrohung durch taktische ballistische Raketen
erarbeiten".
Holum zufolge müssen ferner Wege zur Eindämmung
des Wettrüstens mit konventionellen Waffen auf regionaler Ebene gefunden werden.
Bei der Anhörung zu seiner Bestätigung vor dem Senat
erklärte der designierte ACDA-Direktor, bei seiner
künftigen Arbeit lasse er sich von folgenden umfassenden Prinzipien leiten:
Rüstungskontrolle als integralem Bestandteil
der nationalen Sicherheit,
angemessener, effektiver Verifizierung als
unabdingbarem Mittel für Rüstungskontrolle und
Rüstungskontrolle weiterhin als nationalem und
nicht parteipolitischem Unternehmen.
Holum wurde am 4. Dezember 1940 in Highmore
(South Dakota) geboren. Er besuchte das Northern
State Teachers College und die juristische Fakultät der
George Washington University.
Von 1965 bis 1979 gehörte er dem Mitarbeiterstab von
Senator George McGovern an, wo er als Rechtsberater tätig war und die Arbeit des Senators im Auswärtigen Ausschu ß leitete. Holum war ferner während der
Vorwahlen der Demokraten zum Präsidentschaftswahlkampf 1972 für alle Anfragen an McGovern zuständig und während des allgemeinen Wahlkampfes
sein wichtigster Redenschreiber.
Holum war von 1979-81 Mitglied des Stabes für Politik
und Planung im Außenministerium und befaßte sich
mit Rüstungskontrolle und Rechtsfragen.
Seit 1981 war er als Rechtsanwalt in der Kanzlei
O'Melveny and Myers tätig und arbeitete bei Rechtsund internationalen Fragen mit Warren Christopher
zusammen, dem ehemaligen geschäftsführenden

Seite 1

�Gesellschafter der Kanzlei und jetzigen Außenminister.
Beim Präsidentschaftswahlkampf 1992 war Holum
einer der Berater Präsident Clintons für Verteidigu ngs-

und Außenpolitik . Davor war er geschäftsführender
Direktor des Komitees für den Entwurf des Wahlprogramms und der Wahlplattform für den nationalen
Parteikonvent der Demokraten im Jahr 1992.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 44

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Handel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;NAFTA soll 200.000 Arbeitsplätze schaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten in der John F. Kennedy Library&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Regionale Abkommen erleichtern Welthandel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Mickey Kantor&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wettbewerb&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wettbewerb bewirkt Produktivitätsvorteile der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von William Lewis&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. USIA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zusammenarbeit in neuen Nationen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von USIA-Direktor Duffey&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Drogen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA wollen bei Drogenbekämpfung mit anderen Ländern zusammenarbeiten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung Browns vor der UN-Generalversammlung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Porträt&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Rüstungskontrolle bleibt dringendes Anliegen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt von John Holum&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>amerika dienst
United
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Information
und
Dokumentation

Telex:08-85432

Nummer

24

3. Dezember 1975

Inhalt

WIRTSCHAFT:

Enders ruft zur Zusammenarbeit der Erdöl Verbraucherländer auf
-Auszüge aus der Rede des US-Unterstaatssekretärs am 21. November
in London-

HINTERGRUNDMATERIAL:

Wieviel Sorgen muß man sich Uni New York machen?
(Aus dem monatlichen Wirtschaftsbrief der First National City Bank
November 75)

INFORMATION:

Fulbright-Stipendien zum Studium in den USA im Studienjahr 1976/77

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�*

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Wirtschaft

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T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

24/1975

ENDERS RUFT ZUR ZUSAMMENARBEIT DER ERDÖLVERBRAUCHERLÄNDER AUF
-Auszüge aus der Rede des US-Unterstaatssekretärs am 21. November in London-

LONDON --(AD)-- Die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) hat nach
Ansicht des Unterstaatssekretä'rs für Wirtschaftsfragen im amerikanischen
Außenministerium, Thomas 0. Enders, bereits Kräfte in Gang gesetzt, die sie
der Möglichkeit berauben werden, die Erdölpreise einseitig festzusetzen.
Historisch gesehen, so meinte Enders, habe die OPEC bereits den Höhepunkt
ihrer Macht überschritten. Trotzdem werde die OPEC wahrscheinlich noch bis
Ende dieses Jahrzehnts maßgeblichen Einfluß auf die Festsetzung der Erdölpreise ausüben können, und dies mache eine Zusammenarbeit der Verbraucherländer unumgänglich.
Die wichtigsten Teile der Ansprache, die Enders am 21. November auf
einem Erdölseminar in London gehalten hat, haben folgenden Wortlaut:
Drei Phänomene bestimmen maßgeblich den Ausblick für die Erdöl politik:
Erstens, die Erdöl Produzenten werden wahrscheinlich auch während der
restlichen Jahre dieses Jahrzehnts über die Macht verfügen, die Erdölpreise
einseitig festzusetzen, obwohl ihre Position in den achtziger Jahren dann
weit weniger gefestigt sein wird.
Zweitens,

�Zweitens, der Prozeß der Zusammenarbeit der Verbraucher auf dem Energiesektor ist bei den endgültigen Verhandlungen über das langfristige Programm
der Internationalen Energieagentur unumgänglich geworden.
Drittens, angesichts des bevorstehenden Beginns des Nord-S'üd-Dialogs
müssen Verbraucher und Erzeuger jetzt weit gründlicher prüfen, wie sie ihre
beiderseitigen Interessen im Laufe der Zeit miteinander in Einklang bringen
können...
Die Rezession hat sich auf den Energiebedarf ausgewirkt und ihn weit
unter den Stand gesenkt, der dem historischen Wachstumstrend entsprechen würde... In den letzten zwei Jahren ist er zurückgegangen. Das Wiederaufleben
des Wirtschaftswachstums im OECD-Raum wird eine Steigerung der Wachstumsrate
des Energieverbrauchs bewirken... Nach unseren

Schätzungen wird die jährliche

Wachstumsrate des Energieverbrauchs in den Jahren von 1973 bis 1980 jeweils
zwischen 2,3 bis 2,5 Prozent liegen... Ich muß jedoch hinzufügen, daß diese
geringere Zunahme des Energiebedarfs zum Teil auf die niedrigere Rate des
Wirtschaftswachstums, die auch ohne das ölproblem zu erwarten gewesen wäre,
zurückzuführen ist.
In den Jahren von 1975 bis 1980 dürfte die eigene
OECD-Länder um jährlich rund 5 Prozent zunehmen... Der
gewachstums und die Zunahme der Eigenversorgung werden
den Bedarf der OECD-Länder an Importöl auswirken. Nach

Energieerzeugung der
Rückgang des Nachfrasich natürlich auf
unseren Vorausschätzun-

gen wird der Bedarf der OECD-Länder in den Jahren 1975 bis 1980 mit rund
27 Millionen Barrel pro Tag nahezu unverändert bleiben, d.h. um noch nicht
eine Million Barrel pro Tag oder jährlich etwa 1 Prozent zunehmen. Fast alle
unabhängigen Schätzungen des gesamten Weltbedarfs an OPEC-Öl sprechen von
einem etwas geringeren Wachstum in der Zeit von 1975 bis 1980. Die von mir erwähnte Schätzung ist vielleicht optimistischer als die meisten anderen, aber
die Ergebnisse lauten alle ähnlich.

�&gt;-

Aber dies löst weder die langfristigen noch die kurzfristigen Probleme.
Es verhindert lediglich, daß sie noch kritischer werden. Wir werden auch weiterhin noch große Mengen an OPEC-Öl importieren müssen. Aber unsere Anfälligkeit gegenüber Manipulationen des ölpreises und der ölbelieferung seitens
der OPEC wird abnehmen, doch wird sie für den größten Teil dieses Zeitraumes
oder sogar die gesamte Zeit noch über unserer Toleranzgrenze bleiben...

Aber selbst wenn die OPEC-Importe schnell wachsen würden, so wird der
gemeinsame Nettoüberschuß in den laufenden Konten im nächsten Jahr noch zunehmen, bevor er dann allmählich zurückgeht.
Im Jahre 1980 wird die OPEC als ganzes einen großen Überschuß in den
laufenden Konten haben, auch wenn er dann niedriger als 1974 und 1975 sein
dürfte, und er wird weitgehend auf die arabischsprechenden Erzeugerländer
am Golf beschränkt bleiben. Die meisten OPEC-Länder werden im Defizit sein,
das durch dei Abzug
on Geld aus den angehäuften Guthaben und den Krediten
finanziert wird. Etwa von 1980 an wird sich das Bild dann ändern, was entscheidend von den Erträgen aus den Grenzgebieten der Vereinigten Staaten, dem
neuen Gebiet im Nordteil Alaskas und dem Äußeren Kontinentalsockel wie auch
den kumulativen Auswirkungen der Sparprogramme der Verbraucherländer abhängen wird. Das Ausmaß der erfolgreichen Ausweitung der Atomenergiegewinnung
wird ebenfalls von Bedeutung, aber nicht so fühlbar sein. Sollten die Erträge
aus dem neuen Gebiet im Norden Alaskas und aus dem Äußeren Kontinentalsockel
die erwarteten 3 bis 4 Millionen Barrel pro Tag erbringen, dann bestehen gute
Aussichten, daß die Nachfrage nach OPEC-Öl soweit gesenkt werden kann, daß
das Kartell nicht mehr lebensfähig ist, es sei denn, die Kernenergiegewinnung
bleibt noch weit hinter den pessimistischsten Voraussagen zurück.
Sollten die neuen amerikanischen Grenzgebiete sich nicht auszahlen - und
wir werden das erst in einigen Jahren wissen -, dann würde der OPEC-Markt abhängig sein von dem Erfolg oder dem Fehl schlag der Einsparungsbemühungen innerhalb der Verbraucherländer. Sind diese Bemühungen nicht nachdrücklich genug,
dann ist damit zu rechnen, daß der Markt sich weiterhin auf dem derzeitigen
- 3 -

�derzeitigen Stand hält, wobei allerdings die meisten der Erdölförderlander
dann Zahlungsbilanzdefizite aufweisen und sich einem wachsenden, aber viel leicht doch nicht entscheidenden Druck von innen ausgesetzt sehen werden.

Sind die Einsparungsbemühungen jedoch stark genug, dann können sie das
Kartell in den achtziger Jahren aushöhlen. Wenn wir sowohl hohe Erträge aus
den amerikanischen Grenzgebieten und nachdrückliche Einsparungsbemühungen
haben, dann wird es unmöglich sein, das Kartell weiter aufrechtzuerhalten.
Diese Aussicht, daß die Erdöl Produzenten wenigstens noch weitere fünf
Jahre, möglicherweise aber auch noch viel länger, eine beherrschende Rolle
auf dem Erdölmarkt spielen werden, macht eine Zusammenarbeit der Verbraucherländer unumgänglich. Die wohl nachhaltigste Reaktion der Verbraucherländer
auf ihre Abhängigkeit wird durch die hohen Energiepreise und deren Einfluß
auf Verbrauch und Investitionen ausgelöst. In jedem der Verbraucherländer
haben der hohe Preis für Elektrizität und Gas den Energieverbrauch in den
Haushaltungen zurückgehen lassen.
-

Einsparungen von 10 Prozent und sogar noch mehr sind in der Industrie
ohne neue Investitionen normal. Obwohl der Benzinverbrauch, trotz starker
Preiserhöhungen, so hoch ist wie zuvor, hat sich bei der Nachfrage nach
neuen Kraftfahrzeugen - in den Vereinigten Staaten und in geringerem Maße
auch in anderen Ländern - eine Wende hin zu sparsameren Wagen bemerkbar gemacht. Oberall dort, wo der Marktpreis dies zuläßt, werden erhebliche neue
Investitionen auf dem Energiesektor vorgenommen.
Aber eine notwendige und wichtige Voraussetzung für eine geringere Abhängigkeit ist auch eine Binnenwirtschaftspolitik zur Stützung des Marktes
oder seiner Funktionsfähigkeit. Das vom Vermittlungsausschuß des Repräsentantenhauses und des Senats verabschiedete Energiegesetz enthält Bestimmungen
bezüglich des Erdölpreises in den nächsten 40 Monaten, die für die Regierung enttäuschend sind. Obwohl jedoch die in dem Gesetz gegebenen Anreize

- 4 -

�Anreize zur Förderung sowie zur Senkung des Verbrauchs in dieser Zeit wenig
wirksam sind, so würden sie sich künftig nachhaltig auf die Energieposition
der USA in den achtziger Jahrer auswirken. Aufgrund seiner Pestimmungen würde
sich seine Wirkung auf die Abhängigkeit als Folge der vollen Herausnahme des
Erdöls aus den Kontrollen und der Einführung von Wirtschaftlichkeitsnormen
für Kraftfahrzeuge und Geräte auf über 4 Millionen Barrel pro Tag bis 1985
erhöhen. Vergleichbare aber nachhaltigere Programme sind bereits in Großbritannien, Frankreich, der Bundesrepublik Deutschland und einigen anderen
Industriestaaten in Kraft.
Schließlich fällt

er Zusammenarbeit zwischen den Verbrauchern noch eine

wichtige Rolle zu.
Erstens, jedes der Verbraucherländer steht vor der schwierigen Aufgabe,
das zur Verringerung seiner Abhängigkeit von importierter Energie erforderliche Kapital so gering wie möglich zu halten. Die neue Energieinvestitionsbehörde mit ihren vorgeschlagenen 100 Milliarden Dollar Kapital soll die Vereinigten Staaten bei dieser Aufgabe unterstüt7en. Aber die Verbraucherländer
können sich gegenseitig helfen, indem sie es Ländern mit viel Kapital, aber
geringen Energiequellen ermöglichen, Investitionen in Großproiekten anderer
Verbraucherländer vorzunehmen. Um attraktiv zu sein, müssen solche Projekte
ausländischen Investoren Zugang zu einem Teil des Gewinns bieten. Das langfristige Programm der Internationalen Energieagentur (IEA) setzt einen Rahmen,
in dem Abzugsgarantien ausgehandelt werden können. Die Vereinigten Staaten
werden, wo immer möglich, solche Garantien für gemeinsame Großprojekte geben,
die die Energieversorgung über das sonst verfügbare Maß hinaus steigern.

Auf manchen Gebieten setzen Umweltschutzerwägungen und andere Einwände
derartigen Projekten gewisse Grenzen, aber auf anderen, wie beispielsweise
der Kohleförderung, bieten sich gute Aussichten.
Zweitens, die Verbraucherländer können gemeinsam handeln, um dafür
sorgen, daß verfügbare Chancen der Energieerschließung auch tatsächlich

- 5 -

zu

�tatsächlich genutzt werden. Dabei müssen derartige Projekte gegen das Risiko einer Preismanipulation durch die OPEC-Länder oder einer Rückkehr zur
freien Konkurrenz auf dem internationalen ölmarkt abgesichert werden. Das
Langzeitprogramm der IEA sieht vor, daß jedes Mitgliedsland dafür sorgt, daß
Importöl innerhalb der eigenen Volkswirtschaft nicht unter einem bestimmten
Mindestpreis verkauft wird. Die IEA-Mitglieder werden diesen Mindestpreis
wahrscheinlich einige Dollar unter dem derzeitigen Marktpreis, jedoch wesentlich über dem "historischen" Preisniveau festlegen.
Drittens, die Verbraucherländer können ihre Energieentwicklung beschleunigen, indem sie sicherstellen, daß jede neue Technologie auf diesem Gebiet
sofort in der ganzen industrialisierten Welt eingeführt wird. Das ist der
Zweck der beispielhaften Richtlinien, die die IEA für geistigen Besitz auf
dem Gebiet der Energie vorgeschlagen hat. Nach diesen Richtlinien hätte jedes
IEA-Mitgliedsland das Recht, nach vereinbarten, fairen Bedingungen neue Energietechnologie, die aus kooperativen Projekten oder Programmen von IEA-Mitgliedern entstanden ist, unter Lizenz zu verwerten, selbst wenn das Land
nicht an dem Projekt oder Programm beteiligt war. Dieses Konzept muß jetzt
auf alle neuei Energietechnologien ausgedehnt werden, die im IEA-Gebiet entwickelt werden.

Viertens, die Verbraucherländer können ihre Bestrebungen nach Unverwundbarkeit auf dem Energiesektor durch Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung verstärken. Das Langzeitprogramm der IEA sieht dabei vier Ebenen der Zusammenarbeit vor:
-- Informationsaustausch auf allen wichtigen Gebieten der Forschung und
Entwicklung (10 Sektoren sind bereits vorgesehen und gegenwärtig werden sechs
weitere hinzugefügt), um sicherzustellen, daß allen IEA-Ländern die technologischen Grundkonzeptionen zur Verfügung stehen;
— gegen- 6 -

�-- gegenseitige Unterstützung in der Entwicklung'nationaler Forschungsund Entwicklungsstrategien, um jedem Land die optimale Nutzung seiner natürlichen Hilfsquellen zu ermöglichen;
-- schrittweise Entwicklung einer gemeinsamen IEA-Forschungs-und Entwicklungsstrategie, um Überschneidungen zu vermeiden und alle Möglichkeiten
auszuschöpfen;
&gt; ••
• '
-- Entwicklung großangelegter kooperativer Projekte, vor allem bei
Technologien mit langer Entwicklungszeit, die sich kein IEA-Mitglied allein
leisten könnte.
Zusammengenommen stellen diese Elemente des IEA-Langzeitprogramms den
ersten Schritt zu einem einheitlichen Energiemarkt dar. Sie sind keineswegs
mit der gemeinsamen Politik unvereinbar, die die Europäische Gemeinschaft
entwickelt hat, sondern würden diese sogar unterstützen. Die gegenwärtige
Frist für die Annahme des Langzeitprogrammes ist der 1. Dezember . Ich bin
sicher, daß die IEA-Mitglieder das ganze Programm annehmen,werden, wenn
vielleicht auch nicht zu dem gesetzten Datum, so doch bis Ende des Jahres.
Mit der Einführung des Langzeitprogrammes wird die Zusammenarbeit der
Verbraucher unwiderruflich. Es wird nicht nur der gegenseitige Austausch
von Investitionen, Handel und Technologien auf dem Energiesektor unter den
IEA-Mitgliedern wesentlich zunehmen, sondern sie werden auch herausfinden,
daß die objektiven Verhältnisse ihrer gemeinsamen Verwundbarkeit durch die
ölexportierenden Länder sie zu engerer politischer Zusammenarbeit bewegen.
Wenn die Verbraucherländer jedes Jahr vor eirveitigen Erhöhungen der Ölpresse stehen - ob mit der Begründung der Konsolidierung früherer OPEC-Gewinne
gegen Inflation oder als Mittel zur Erreichung neuer Gewinne -, dann werden
sie einfach gezwungen sein, eine gemeinsame politische Haltung gegenüber den
Erzeugerländern zu entwickeln. In dieser Hinsicht ist die von den sechs
Staats-und Regierungschefs in Rambouillet an den Tag gelegte Haltung von
Bedeutung. Sie bekräftigten alle, daß es in ihrem gemeinsamen Interesse

- 7-

�Interesse liege, zur Verringerung der Abhängigkeit von importiertem öl und
zur Schaffung ausgewogenerer Bedingungen auf dem Weltenergiemarkt zusammenzuarbeiten.
1

Wie auf allen Märkten so laufen sich bei den ölpreisen die Interessen von
Erzeugern und Verbrauchern zuwider; sie ergänzen sich jedoch in fast allen anderen Phasen des Erdölaustausches.
Um ihren neuerworbenen Reichtum realisieren zu können, müssen die ölerzeuger ihre Wirtschaftssysteme so schnell wie möglich mit denen der Verbraucher
integrieren:
-- Um ihre Bargeldmittel in Waren und Gütern anlegen zu können, sind die
OPEC-Länder auf die OECD angewiesen; heute schon stellen die OPEC-Länder den
am raschesten wachsenden Markt für die OECD-Exporte dar.
— Um hiermit eine neue, nicht auf der Basis des Öls arbeitende Industrie
aufzubauen, brauchen die OPEC-Länder das technische und unternehmerische Können der Verbraucherländer; dieses besondere technische Können wird von den ölexporteuren in weitestem Umfange erworben und dies kommt wiederum den Verbraucherländern zugute.
— Um den Bestand und die Zukunft ihrer neuen, nicht auf der ölbasis arbeitenden Industrien zu sichern, werden die OPEC-Länder neue Märkte brauchen;
dies aber wird neue stabile Handelssysteme und den Abschluß kommerzieller Vereinbarungen erfordern, wie sie bisher noch nicht bestehen.
-- Um einen kontinuierlichen Absatz in einem statischen globalen ölmarkt
zu gewährleisten, wird jeder öl Produzent an bilateralen Lieferabkommen mit
seinen Hauptabnehmern interessiert sein; auch die Verbraucherländer werden daran interessiert sein, um auf diese Weise die Anfälligkeit ihrer Bedarfsdeckung zu verringern.
— Um

- 8 -

�-- Um günstige Investitionsmöglichkeiten für ihre Überschußmittel zu
haben, werden die ölexporteure einen Zugang zu den Kapitalmärkten der Verbraucherländer benötigen; dies wird ebenfalls den Interessen der OECD entgegenkommen.

Das Hauptanliegen des Energie-Dialogs muß es sein, herauszufinden, wie
sich diese gemeinsamen Interessen im einzelnen realisieren lassen. Aber der
Dialog wird ohne Erfolg bleiben, wenn er nicht zugleich das Preisproblem anpackt.
Die Produzenten werden ihrerseits bestrebt sein, mit den Verbrauchern
zu einem übereinkommen zu gelangen, das ihner zumindest

;ewähr gibt, daß

ihr derzeitiges Realeinkommen nicht ausgehöhlt wird. Die Idee einer ölpreisindexierung ist als eine mögliche Basis für Verbraucher-Erzeugerverhandlungen bereits in diesem Zusammenhang zur Sprache gebracht worden.

Viele Verbraucher sehen in diesem Indexierungs-Vorschlag eine an sie
gerichtete Aufforderung, das derzeitige Preisniveau legitim zu machen und
dem Kartell zu helfen, es durchzusetzen. Viele fürchten auch, daß sich diese Konzeption der Indexierung - sobald sie einmal auf dem Markt für ein
Grunderzeugnis eingeführt ist - weiter ausbreiten werde.
Die Verbraucher ihrerseits sind an einer Senkung und einem Einfrieren
der Preise sowie an einer Wiederherstellung des Marktes interessiert oder
aber an anderen Mitteln und Wegen, wie sie an der Preisfestsetzung mitwirken
können. Dies - so glauben jedoch die Erzeuger - würde sie ihrer historisch
rechtmäßigen Gewinne berauben.

Es ist oft gesagt worden, daß Verhandlungen

zwischen Erzeugern und Verbrauchern über den Preis eine Unmöglichkeit sind,
denn:
-- in den ersten Jahren verfügen die Erzeuger über die gesamte Macht
auf den Märkten und wünschen diese einseitig auszuüben, während die Verbraucher befürchten, langfristige Abkommen einzugehen zu einer Zeit, da sie

- 9 -

�sie sich in einer schwachen Verhandlungsposition befinden;
-- in späteren Jahren aber nimmt die Stärke der Verhandlungsposition
bei den Erzeugern in dem Maße ab, wie ihre Importe steigen und ihre ölexporte stagnieren oder zurückgehen; hierauf warten die Verbraucher

um ihre

wieder wachsende Stärke auf den Märkten ins Spiel zu bringen;
-- es wird immer ungewiß bleiben, wann die Marktkräfte sich verschieben
und inwieweit sie beide Seiten abhalten werden, sich festzulegen.

Das könnte durchaus zutreffen. Aber wenn es so ist, dann besteht eindeutig die Gefahr, daß beide Seiten am Ende verlieren:
-- Die Erzeuger könnten den Preis für Rohöl so hoch treiben, daß dadurch der Wille geweckt wird, Investitionen zur Erschließung anderer Energiequellen in einem Ausmaß vorzunehmen, das weit über das für eine Wiederherstellung der ölmarktkonditionen Erforderliche hinausgeht - meiner Ansicht
nach hat der derzeitige öl preis eine solche Höhe bereits erreicht.
-- Massive Investitionen in den Verbraucherländern werden, sobald sie
sich in den kommenden Jahren auszuwirken heqinnen, zu einer erheblichen Verengung des Marktes für die OPEC-Länd- führen unc| höchstwahrscheinlich
auch zu einem niedrigeren Preis - und sie werden die Industrieländer an eine
teure Energie binden. Erfolg oder Mißerfolg des Energiedialogs sind nicht
nur für die Interessen der Industrie-oder ölerzeugerlander so außerordentlich bedeutsam, sondern auch für den Dialog als Ganzes. Die Wachstumsaussichten der nicht-ölerzeugenden Entwicklungsländer im Verlauf der nächsten fünf
Jahre hängen ganz entscheidend von der Entwicklung der ölpreise ab. Und bei
einem Prozeß, bei dem jeder Sektor mit jedem anderen in Verbindung steht,
muß die Energie nahezu zwangsläufig zu der treibenden Kraft in dem Gesamtdialog werden.
Die

�Die OPEC-Länder haben im letzten Jahr eine beachtliche Stärke gezeigt,
indem sie die Rivalitäten unter ihrer Führungsspitze zum Schweigen brachten,
die Talsohle der Rezession ohne nennenswerte Preiseinbrüche durchschritten
und eine beachtliche Preiserhöhung durch Angleichung der unterschiedlichen Interessen ihrer Mitglieder aushandelten.
Historisch gesehen hat die OPEC wahrscheinlich den Höhepunkt ihrer Macht
überschritten. Ein weiter Rahmen für die Anwendung der ölwaffe bleibt. Aber
der unerbittliche Anstieg der Importe der OPEC-Länder schränkt ihn ein; die
politischen Verhandlungen im Nahen Osten nehmen ihm Schritt um Schritt seine
logische Grundlage; das IEA-Abkommen über einen ülausgleich und die öleinlagerung seitens der Verbraucher schafft einen Schutzwall gegen diese Waffe.
Die OPEC wird sich wahrscheinlich für den Rest dieses Jahrzehnts und
vielleicht noch darüber hinaus ihre dominierende Stellung bei der Gestaltung
der ölpreise erhalten können. Aber sie hat bereits Kettenreaktionen in Gang
gesetzt, die ihr im Laufe der Zeit dieses Monopol zwangsläufig nehmen werden.
Die meisten Einsparungsprogramme, und bestimmt die vom amerikanischen Kongreß
beschlossenen, sind schwanzlastig, d.h., sie werden ihre stärkste Wirkung
ziemlich spät und nicht zu Beginn haben, aber diese Wirkung wird in den
achtziger Jahren recht nachhaltig sein.
Die Wirkung alternativer Energiequellen setzt ebenfalls nur langsam ein,
aber sie wird gewaltig sein. Und schließlich war die politische Zusammenarbeit
der Verbraucher anfangs nur zögernd; aber sie hat mit jeder erneuten Zurschaustellung der Macht der Erzeuger zugenommen. Das IEA-Programm gibt uns
bereits eine Basis für einen einheitlichen Energiemarkt der Verbraucher. Wenn
wir jetzt in eine Zeit potentieller Verhandlungen eintreten, dürfte der Verhandlungsprozeß diese

Basis weiter stärken. Die Stärke oder die Schwäche

unseres Willens, Geschick oder Ungeschicklichkeit unserer politischen Führung
können diese Entwicklung beschleunigen oder verzögern; sie können ihre Richtung wahrscheinlich kaum wesentlich ändern.
Zu

- 11 -

�Zu irgendeinem Zeitpunkt werden die beiden Kurven sich wahrscheinlich
treffen, nämlich dort, wo beide Parteien wichtige Fortschritte erzielen müssen. Es ist nicht klar, ob wir bereits an diesem Punkt angelangt sind. Aber
Zweck und erste Aufgabe des Dialogs sollte es sein, eingehend zu untersuchen,
wo sich für die Verhandlungen günstige Bedingungen feststellen lassen. Auf
diese Weise können Erzeuger und Verbraucher mit der Festsetzung von Zielen
beginnen, entsprechend der Beurteilung ihrer jeweiligen Stärke.

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24/1975
WIEVIEL SORGEN MUSS MAN SICH UM NEW YORK MACHEN?
(Aus dem monatlichen Wirtschaftsbrief der First National City Bank November 75)
(c) Copyright 1975 by First National City Bank

Die Möglichkeit eines Konkurses der Stadt New York hat Warnungen vor einer
wirtschaftlichen und finanziellen Katastrophe ausgelöst, die ohne Zweifel übertrieben sind.

Wenn auch niemand mit Sicherheit voraussagen kann, was tatsäch-

lich geschehen wird, so lehrt doch die Geschichte, daß schwere wirtschaftliche
und finanzielle Katastrophen selten - wenn überhaupt je - durch umsichgreifende Gerüchte und Diskussionen in der Öffentlichkeit angekündigt werden. Im Gegenteil, solche unbestimmten, allgemeinen Voraussagen unmittelbar bevorstehender Katastrophen haben sich in der Vergangenheit selten bewahrheitet...
Die Erfahrung spricht gegen diese Domino-Theorie:
-- So wuchs durch den Zusammenbruch der Herstatt-Bank in der Bundesrepublik Deutschland und der Franklin National Bank in den Vereinigten Staaten im
Jahre 1974 die Furcht vor massiven Konkursen der Banken. Doch es gelang, die
Probleme in den Griff zu bekommen...
-- Beim Bankrott der Penn Central im Jahre 1970 - mitten in einer wirtschaftlichen Rezession - ertönte lautes Angstgeschrei, daß der Wertpapiermarkt unmittelbar vor seinem Zusammenbruch stehe. Diese Gefahr wurde durch
Zusicherungen der amerikanischen Bundesbank ausgeschaltet, daß die Banken

- 1 -

�Banken und das Finanzsystem unterstützt werden würden...
Für gewöhnlich arbeitet jede Volkswirtschaft mit einem umfassenden System
von Stabilisierungselementen und "Stoßdämpfern", das die meisten Erschütterungen und Belastungen abfängt. Doch kann ein Wirtschaftssystem gelegentlich auch
so entnervt werden - und zwar vor allem durch eine perverse und die Stabilität schwer erschütternde Geld-und Finanzpolitik - daß seine normale Immunität
weitgehend verloren geht. In einem solchen Falle wird die Wirtschaft anfällig
für einen progressiven, von sich aus sich selbst fortzeugenden Zusammenbruch.
Solche Verhältnisse gab es in den dreißiger Jahren. Jedoch kann man die heutige wirtschaftliche und finanzielle Situation wohl kaum mit der vor vierzig
Jahren vergleichen.
Während der vergangenen zwei Jahrhunderte haben die freien Märkte in
Europa und Nordamerika durch Anpassung von Angebot und Nachfrage als Hauptstoßdämpfer gedient. In den letzten Jahrzehnten jedoch - vor allem seit der
großen Depression - sind die das Gleichgewicht herstellenden Kräfte auf dem
Markt durch staatliche Stabilisierungselemente verstärkt worden. Dazu zählen
die sogenannten automatischen fiskalischen Stabilisierungskräfte - beispielsweise der steile Abfall bei den Einkommenssteuereinnahmen während einer Rezession und dem damit zusammenhängenden Anstieg der Zahlungen für Arbeitslosenunterstützung.
Seit dem Zweiten Weltkrieg sind die Regierungen und Zentralbanken weitaus
klüger und umsichtiger in bezug auf die Geldpolitik geworden als in den dreißiger Jahren. Niemand kann garantieren, daß eine Insolvenz nicht große, kumulative Störungen hervorrufen könnte. Aber die Wahrscheinlichkeit einer Kettenreaktion, die zu einem Zusammenbruch führt, erscheint doch gering und bestimmt
weitaus geringer als im Sommer 1974, als die Finanzmärkte übermäßig angespannt waren und die Rezession um sich zu greifen begann.
Niemand bestreitet, daß es eine Vielzahl örtlich begrenzter Störungen gab.
Die meisten dürften jedoch vorübergehender Natur gewesen sein. Und die meisten

�'

meisten der schmerzlichen, örtlich begrenzten Folgen sind unvermeidlich
- sei es bei einer Zahlungseinstellung oder auch bei den sehr harten Bedingungen bei einem Kredit oder einer Bürgschaft des Staates.
Viele Leute sind beunruhigt, daß ein Konkurs der Stadt New York ein
Austrocknen der Mittel für andere Städte zur Folge haben könnte. Da der Markt
gegenwärtig eine Reihe von Bundesstaaten und Kommunal Verwaltungen einer
skeptischen Oberprüfung unterzieht und einige von ihnen im Augenblick praktisch vom Handel ausgeschlossen bleiben, erbringen Kommunal Schuldverschreibungen im Schnitt nicht so hohe Erträge wie andere Schuldscheine...
Im allgemeinen wird heute vergessen, daß es über eineinviertel Jahrhundert lang immer wieder Wellen von Insolvenzen bei Einzel Staaten und KommunalVerwaltungen gegeben hat - grob gesehen eine in jeder Generation. Die letzte
derartige Welle war in den dreißiger Jahren zu verzeichnen. Auf die zahlungsunfähig gewordenen Kommunal Verwaltungen entfielen damals sogar 10 bis 20 Prozent der insgesamt im ganzen Land anstehenden kommunalen Verschuldung. Der
Schaden blieb weitgehend auf die Städte beschränkt, die sich bereits in finanziellen Schwierigkeiten befanden. Gesunde Verwaltungen waren im allgemeinen
weiter solvent.
Es steht außer Zweifel, daß ein Konkurs der Stadt New York für die Inhaber von Schuldverschreibungen zu einem Ausfall ihrer Zinseinnahmen und zu
einer Besitzminderung führen würde. Für zahlreiche städtische Bedienstete würde ein solcher Konkurs schwere wirtschaftliche Härten zur Folge haben und die
Vertragsfirmen der Stadt müßten auf ihr Geld warten.
Einige Volkswirtschaftler haben verallgemeinert, daß die örtlichen Auswirkungen einen Ausgaben-und Beschäftigtenrückgang im gesamten Land zur Folge
haben würden. Aber derartige Voraussagen, selbst wenn sie das Ergebnis sorgfältiger Computer-Berechnungen sind, bleiben nichts weiter als Vermutungen.
Da man von den Erfahrungen der letzten 30 Jahre ausgehen mußte - einer Zeit,
in der es keine Insolvenzen großer Kommunen gab - mußten die Modelle manipu-

- 3 -

�manipuliert werden, um zu der Annahme einer Lähmung des Marktes für Schuldverschreibungen und eines scharfen Rückgangs der kommunalen und staatlichen Ausgaben zu gelangen - ein Verfahren also, das die Voraussage gleich von vorneherein festlegt.
Der These, daß ein Konkurs eine Kettenreaktion auf den Finanzmärkten
auslösen würde, liegt die Befürchtung zugrunde, daß es zu einem allgemeinen
Abzug von Geldern von solchen Banken kommen würde, die hohe Beträge an
Schuldverschreibungen des Staates New York, der Stadt New York sowie anderer
großer Städte und Verwaltungen in diesem Staate halten.

Diese Möglichkeit

dürfte jedoch äußerst abwegig sein, zumal die Bundesbank erst kürzlich Zusicherungen angeboten hat, de" sie die Einleger schützen und die Bankenliquidität aufrechterhalten würde.
Darüber hinaus haben drei

Bundesaufsichtsbehörden für Banken die An-

fälligkeit des Bankensystems einer genauen Prüfung unterzogen. Der Comptroller of the Currency and Supervisor of Federally Chartered Banks (entspricht
etwa dem Präsidenten des Bundesaufsichtsamtes für Banken), James E. Smith,
erklärte am 18. Oktober

bei einer Anhörung vor dem Senatsausschuß für das

Bankwesen: "Es liegt auf der Hand, daß niemand etwas endgültiges über die
Auswir! ungen eines Bankrotts der Stadt New York sagen kann. Wenn die Wertminderung über kurze Fristen hinaus im wesentlichen auf die Obligationen der
Stadt New York begrenzt werden kann, dann dürfte die Auswirkung auf das nationale Bankensystem zwar lästig und unangenehm, aber ohne ernste Erschütterungen des Bankensystems zu bewältigen sein".
Der Vizepräsident der amerikanischen Bundesbank, George W. Mitchell,
berichtete, daß eine Untersuchung der Bundesbank ergab, daß nur wenige Banken
im Falle eines Konkurses der Stadt New York mit größeren Kapitalverlusten
zu rechnen hätten, und daß es sich bei den meisten von ihnen nur um kleinere
Finanzinstitute handele. "Es scheint daher nicht so, daß sehr viel Kapital
in Gefahr ist", so erklärte er, "zumindest nicht bei den Landesbanken".
Mitchell

�Mitchell wies noch auf einen weiteren wesentlichen Punkt hin, der meist
übersehen worden ist: Die Einzelstaaten und die Gemeinden, die vor allem
während der großen Depression zum Bankrott gezwungen wurden, haben niemals
die Anerkennung ihrer Schulden verweigert.
"Diese Tatsache läßt sich einwandfrei durch die Erfahrung während der
Depression der dreißiger Jahre belegen, als annähernd 4 800 einzelstaatliche
und kommunale Stellen - von über 150 000 insgesamt - ihre Zahlungsunfähigkeit
erklären mußten, darunter 48 Städte mit einer Bevölkerung von 25 000 und darüber... Und doch konnten bis 1938 alle 48 Städte aus dem Konkurs herauskommen
und bis 1945 hatten praktisch alle der genannten Stellen, soweit sie von
einiger Bedeutung waren, eine Regelung ihrer Schuldenprobleme gefunden. Der
Verlust an Kapital und Zinsen aus angemeldeten Konkursen während der großen
Depression wird in einer Studie des Nationalen Büros für Wirtschaftsforschung
auf insgesamt nur 100 Millionen Dollar geschätzt, d.h. auf ein halbes Prozent
der durchschnittlichen Verschuldung von Einzelstaaten und Kommunen in diesem
Zeitraum".
Der Aufsichtsratsvorsitzende der Bundesversicherungsanstalt für Depositen (Federal Deposit Insurance Corporation), Frank Wille, faßte das Ergebnis der Erhebungen seiner Behörde über die potentiellen Auswirkungen eines
Bankrotts der Stadt New York auf die 8 889 amerikanischen Banken, die nicht
Mitglieder des Bundesbankensystems sind, wie folgt zusammen:
"... Nach Ansicht der FDIC würden, falls es zu einem Bankrott der Stadt
New York kommt und falls der Kursverlust bei den ausstehenden Schuldverschreibungen nicht übet 50 Prozent des Nennwertes hinausgeht, wesentlich weniger
als 30 Nichtmitgliedsbanken Anlaß zu ernster Besorgnis für die Überwachung
geben. Die Zahl dieser Banken, die in ernste Schwierigkeiten geraten könnten,
falls der Bankrott auch den Staat New York und die von ihm ausgegebenen Schuldverschreibungen in Mitleidenschaft ziehen würde und falls der Kursverlust ihrer ausgegebenen Schuldverschreibungen 75 Prozent des Nennwertes erreichen
sollte, würde jedoch die Zahl 30 wahrscheinlich nicht übersteigen".
Für
- 5 -

�Für die Erörterung der Frage eines Konkurses oder einer Stützaktion
wirkt das Argument einer wirtschaftlichen und finanziellen Dominowirkung nur
verwirrend. Es ist falsch, sich deshalb Sorge zu machen.
Die Stadt New York hat einen riesigen Schuldenberg angehäuft und ihre
Ausgaben, einschließlich des Schuldendienstes, scheinen ihre Einnahmen jetzt
bei weitem zu übersteigen.

Dieses Problem muß aus der Welt geschafft werden,

bevor die Stadt erneut den Kapitalmarkt in Anspruch nehmen kann. Die Frage,
die gegenwärtig erörtert wird, lautet: wie kann dies am besten geschehen,
wenn die Stadt bei ihren Schulden in Verzug geraten ist oder wenn ein Konkurs
durch irgendeine Stützaktion abgewendet wird?...
Die Argumente gegen eine Bundeshilfe begrünHen sich auf der Auffassung,
daß durch eine solche Aktion ein Präzedenzfall geschaffen würde, der in der
Zukunft zu einer finanziellen Laschheit der Einzelstaaten und der Kommunalverwaltungen geradezu einladen könnte. Beispielsweise haben die vielfachen
Konkurse bei Einzel Staaten und Kommunal Verwaltungen in den vierziger, fünfziger, siebziger und neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts und in den dreissiger Jahren dieses Jahrhunderts zahlreiche andere Einzelstaaten und Städte
veranlaßt,

strenge fiskalische Zurückhaltung zu üben. Das ist weitgehend der

Grund, warum die Probleme der Stadt Nev York heute nicht stärker überzeugen
können.
Manche Leute sind besorgt, daß die dem bundesstaatlichen Regierungssystem zugrundeliegende Gewaltentrennung möglicherweise zusammenbrechen könnte. Nach allem, was geschehen ist, dürfte jedoch klar sein, daß die Stadt
und der Einzel Staat, falls sie eine Bundeshilfe in Anspruch nehmen, auch eine
Kontrolle und Überwachung durch den Bund hinnehmen müßten.

Das

�Das stärkste Argument für eine Bundeshilfe ist nicht die illusorische
Angst vor einer nationalen und internationalen Kettenreaktion, sondern die
Tatsache, daß ernste örtliche probleme vermieden werden, die sich im Falle
eines Konkurses ergeben könnten, ohne daß aber für den Rest des Landes
gleichzeitig irgendwelche Vorteile entstehen. Es bleibt ferner die Frage,
ob ein Konkurs nicht zu einem schnelleren fiskalischen Säuberungsprozeß
in der Stadt New York führen würde...

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24/1975

FULBRIGHT-STIPENDIEN ZUM STUDIUM IN DEN USA IM STUDIENJAHR
1976/77
--(AD)-- Für das Studienjahr 1976/77 schreibt die Fulbright-Kommission eine
beschränkte Anzahl von Reisestipendien aus; Anträge werden in der Zeit vom
1. Dezember 1975 bis 15. Januar 1976 angenommen. Voraussetzungen sind u.a.,
daß die Bewerber einen Studienaufenthalt von einem akademischen Jahr als
ordentliche Studierende planen, daß die Aufenthaltsfinanzierung anderweitig
geplant ist und daß die Bewerber zum Zeitpunkt der Abreise (September 1976)
mindestens 4 Hochschul Semester, davon mindestens 2 an einer deutschen Hochschule studiert haben. Bewerbungsformulare für Fulbright-Reisestipendien
werden direkt bei der Fulbright-Kommission, 53 Bonn-Bad Godesberg, Theaterplatz la, angefordert. vorläufige Anträge sollten innerhalb der Bewerbungsfrist auch dann eingereicht werden, wenn Einzelheiten über das AmerikaStudium noch nicht bekannt sind. Vollstipendien zum Studium in den USA können für 1976/77 nicht mehr beantragt werden.
Weitere Auskünfte erteilen die Akademischen Auslandsämter der deutschen Hochschulen sowie die Fulbright-Kommission selbst.

XXX

�</text>
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Sonderdienst

3. Dezember 1987

CHRONOLOGIE DER ENTWICKLUNG IM BEREICH DER MITTELSTRECKENWAFFEN (INF)
- 1977 bis 1987 -

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Telex: 8-85432

�Anfang 1977

28. Oktober 1977

Die Sowjetunion beginnt mit der
Stationierung von Mittelstreckenraketen des Typs ss-20 im europäischen
Teil der UdSSR.

In einer Rede vor dem internationalen Institut für Strategische Studien in London lenkt Bundeskanzler
Helmut Schmidt die Aufmerksamkeit der
NATO auf die Bedrohung durch die sowjetischen SS-20.

Die SS-20 ist eine moderne mobile
ballistische Rakete mit drei unabhängig
steuerbaren Gefechtsköpfen und
einer Reichweite, die von Stützpunkten tief in der UdSSR ganz Westeuropa
erfaßt.

Er verweist darauf, Parität bei
den strategischen Atomwaffen zwischen
den Vereinigten Staaten und der UdSSR
bedeute "die Vergrößerung der Bedeutung
des Ungleichgewichts
zwischen
Ost und West bei taktischen und kon-

�ventionellen Waffen". Die Stationierung der SS-20 verstärke dieses Ungleichgewicht zwischen NATO und Warschauer Pakt.

zende
Unterstützungsprogramme
Streitkräftemodernisierung
und
stungskontrolle.

von
Rü-

6. Oktober 1979
Ende 1977
Die Nukleare Planungsgruppe (NPG)
der NATO beschließt die Bildung der
Hochrangigen Beratergruppe (HLG), deren Aufgabe in der Untersuchung der
langfristigen Erfordernisse zur Nachrüstung des Bündnisses im INF-Bereich
im Einklang mit seiner Doktrin der
flexiblen Reaktion besteht.
Es wird zwischen zwei Kategorien
von INF unterschieden: solche längerer Reichweite
(LRINF) und solche
kürzerer Reichweite (SRINF).

Generalsekretär Breschnew schlägt
das Einfrieren der Zahl stationierter
sowjetischer SS-20-Raketen vor, falls
die NATO keine gleichgearteten Systeme
stationiert,
weil
"jetzt
ein
Gleichgewicht besteht".
Zu diesem Zeitpunkt sind 130 SS20-Raketen
mit
390
Gefechtsköpfen
stationiert.
Keinerlei amerikanische
ten sind stationiert.

INF-Rake-

12. Dezember 1979
Frühjahr 1979
Die NATO ruft einen Sonderausschuß für Rüstungskontrolle und damit
zusammenhängende Angelegenheiten (SG)
ins Leben, um die Leitlinien zukünftiger
Rüstungskontrollbemühungen
in
bezug auf INF zu formulieren.
(Der
SG wurde nach dem NATO-Doppelbeschluß
von Dezember 1979 in Besondere Beratungsgruppe [SCG] umbenannt).

Sommer 1979
Die Arbeit von HLG und SG wird in
der integrierten Entscheidungsvorlage
zusammengefaßt, in der die Grundziele
der INF-Politik des Bündnisses als
"Abschreckung und Stabilität auf der
Grundlage einer Triade von Streitkräften, die Koppelung dieser Streitkräfte und das wichtige politische
Prinzip der strategischen Einheit des
Bündnisses" definiert werden.
Das Dokument

fordert

sich ergän-

Die NATO verabschiedet einstimmig
eine "zweigleisige" Strategie, um der
Stationierung von SS-20-Raketen durch
die Sowjets entgegenzutreten.
Zum
einen
werden
Rüstungskontrollverhandlungen mit der UdSSR angestrebt, um das Gleichgewicht
im
INF-Bereich
auf
dem
niedrigstmöglichen Niveau wiederherzustellen.
In Ermangelung
eines Rüstungskontrollabkommens wird die NATO andererseits mit der im Dezember 1983 beginnenden Stationierung von 464 amerikanischen
landgestützten
Marschflugkörpern (GLCM) und 108 ballistischen Pershing II-Raketen eine INFNachrüstung in Westeuropa durchführen.

Anfang 1980
Die Vereinigten Staaten
bieten
Verhandlungen über INF an, die von
den Sowjets abgelehnt werden.

�Juli 1980

18. November 1981

Während des Besuchs von Bundeskanzler Schmidt in Moskau verkünden
die Sowjets ihre prinzipielle Einwilligung, an INF-Verhandlungen mit den
Vereinigten Staaten teilzunehmen.

In einer Grundsatzrede, in der er
einen Rahmen für Verhandlungen über
Reduzierungen in allen Waffenkategorien
fordert,
schlägt
Präsident
Reagan
die
"Null-Lösung"
vor
und
stimmt der Aufhebung der geplanten
Stationierung amerikanischer INF-Raketen zu, falls sich die Sowjetunion
bereiterklärt, alle ihre SS-4, SS-5
und SS-20-Raketen zu beseitigen.

Oktober 1980
Die Sowjetunion
behauptet, bei
den INF-Raketen "besteht jetzt ein
Gleichgewicht.
Annähernd 200 sowjetische
SS-20-Raketen
mit
600 Gefechtsköpfen sind zu diesem Zeitpunkt
stationiert.
Keine
amerikanischen
INF-Raketen sind stationiert.

Oktober - November 1980
In Vorgesprächen wird keine Einigung über den Schwerpunkt der INFVerhandlungen zwischen amerikanischen
und
sowjetischen Unterhändlern erzielt.

30. November 1981
In Genf werden formelle Verhandlungen über
INF aufgenommen.
Die
Vereinigten Staaten streben die weltweite
Beseitigung
aller
amerikanischen und sowjetischen LRINF-Raketen sowie damit einhergehenden Beschränkungen für SRINF-Raketen an.

11. Dezember 1981
Die Vereinigton Staaten legen den
Sowjets in Genf formell den Vorschlag
einer "Null-Lösung" vor.

Januar 1981
Die
Reagan-Administration
übernimmt
die
Regierungsgeschäfte
und
leitet eine Überprüfung der amerikanischen Rüstungskontrollpolitik ein.

Frühjahr 1981
Bei einem Treffen des Nordatlantikrats
der
NATO
bekräftigen
die
Außenminister den Doppelbeschluß von
1979.
In Vorbereitung auf Verhandlungen, die zu einem späteren Zeitpunkt dieses Jahres stattfinden sollen, werden die Konsultationen der
Verbündeten fortgeführt.

- 3-

Dezember 1981
Die Sowjets schlagen eine Übereinkunft vor, mit der für jede Seite
eine Obergenze von 300 "Mittelstrekken"-Raketen und nuklearfähigen Flugzeugen in Europa festgelegt würde.
Dabei sollen die unabhängigen britischen
und
französischen Nuklearstreitkräfte auf amerikanischer Seite
verbucht werden.

März 1982
Die Sowjets verkünden ein "Moratorium" für die Stationierung ihrer
-SS-20-Raketen
in
der
europäischen

�UdSSR.
im Zuge der Fertigstellung
ihrer im Bau befindlichen Raketenstiitzpunkte im europäischen Teil der
UdSSR werden weitere Raketen stationiert.
Außerdem wird mit dem Bau
neuer Stützpunkte im asiatischen Teil
der UdSSR begonnen; mit den dort stationierten Raketen können NATO-Ziele
erreicht werden.

Juni 1982
Amerikanische und sowjetische Unterhändler entwickeln ein informelles
Paket von Elementen, die in ein mögliches INF-Abkommen einbezogen werden
sollten, das unter dem Namen "Waldspaziergang" bekannt wird.
Dieser Plan würde:
1.

Eine gleiche Anzahl von
schußvorrichtungen
in
festsetzen.

2.

Die Stationierung amerikanischer
Pershing H-Raketen ausschließen.

3.

INF-AbEuropa

Die zahl der im asiatischen Teil
der UdSSR stationierten SS-20-Raketen einfrieren.

Dieses Paket wird
abgelehnt.

später

von

Moskau

Keine amerikanischen
sind stationiert.

INF-Raketen

Dezember 1982
Die UdSSR schlägt öffentlich eine
Untergrenze für INF-Raketen in Europa
vor, die ausdrücklich mit dem Niveau
britischer und französischer Raketen
verbunden sein und dazu dienen soll,
die Stationierung amerikanischer INFRaketen in Europa zu verhindern.
Die
sowjetische
Forderung
nach
Einbeziehung der unabhängigen nuklearen Abschreckungsstreitkräfte
Großbritanniens und Frankreichs würde der
UdSSR
ein
rechtlich
sanktioniertes
"Recht"
auf
nukleare
Streitkräfte
einräumen, die denjenigen aller anderen
Nuklearmächte
zusammengenommen
entsprechen.
Dies käme einer sowjetischen Forderung nach weltweiter militärischer Überlegenheit und politischer Hegemonie gleich.
Die UdSSR leitet außerdem eine
Propagandakampagne ein, die sich auf
ein angebliches "Moratorium" bei der
Stationierung ihrer SS-20-Raketen im
europäischen
Teil
der
Sowjetunion
konzentriert.
Der sowjetische Vorschlag würde die unbegrenzte Stationierung von SS-20 im asiatischen Teil
der UdSSR gestatten.

August 1982
31. Januar 1983
Der sowjetische Verteidigungsminister Dimitri Ustinow erklärt: "Heute besteht weiterhin ... ein annäherndes
Gleichgewicht
der
Streitkräfte."
über 300 sowjetische SS-20 mit
über 900 Gefechtsköpfe sind bis zu
diesem Zeitpunkt stationiert.

&gt;

Während eines Besuchs in Berlin
verliest Vizepräsident George Bush
einen
"offenen
Brief"
Präsident
Reagans an die Europäer, in dem dieser ein Treffen mit dem sowjetischen
Generalsekretär Juri Andropow und die
Unterzeichnung eines Abkommens vorschlägt, das alle landgestützten amerikanischen und sowjetischen INF-Raketen vom Erdball verbannt.

*

�Februar 1983
Die Vereinigten Staaten wiederholen die im November 1981 nach Konsultationen mit den Verbündeten und mit
deren Zustimmung für die Erlangung
eines Abkommens mit den Sowjets in
den
INF-Verhandlungen
beschlossenen
Kriterien:
1.

Gleiche Rechte und
für die Vereinigten
die UdSSR.

Begrenzungen
Staaten und

2.

Ausschluß unabhängiger nuklearer
Abschreckungsstreitkräfte
von
Drittstaaten,
d.h.
Großbritanniens und Frankreichs, von jeglichem Abkommen.

3.

Verabredete
Begrenzungen
müssen
weltweit angewandt werden; keine
Verlagerung sowjetischer INF-Raketen längerer Reichweite von der
europäischen UdSSR in deren asiatischen Teil.

4.

Keine Schwächung des konventionellen
Abschreckungspotentials
der NATO.

5.

Wirksame Verifizierungsmaßnahmen.

29. März 1983
Die Vereinigten Staaten präsentieren bei den INF-Gesprächen in Genf
einen formellen Vorschlag für ein
Zwischenabkommen.

Gefechtsköpfe auf INF-Abschußvorrichtungen festsetzen würde, und zwar eine möglichst niedrige Anzahl, wobei
Null weiterhin das Endziel sein soll.

April 1983
Der
sowjetische
Außenminister
Andrej Gromyko nennt die "Zwischenlösung" der Vereinigten Staaten unannehmbar.
Er bekräftigt die sowjetische Position, derzufolge keinerlei
amerikanische Stationierungen stattfinden dürfen und die sowjetischen
Stationierungen
an
die
zahl
britischer
und
französischer
strategischer Systeme gekoppelt sein müssen.

3. Mai 1983
Generalsekretär
Andropow
deutet
die Bereitschaft an, INF-Gefechtsköpfe wie auch Raketen bei den INF-Gesprächen zu zählen.
Er wiederholt,
daß die Zahl sowjetischer SS-20-Raketen im europäischen Teil der UdSSR an
die von den Sowjets
festgestellte
Zahl der britischen und französischen
strategischen Systeme gekoppelt würde.
Er weigert sich, die im asiatischen Teil der UdSSR stationierten
Systeme zu berücksichtigen, wohin aus
der europäischen UdSSR abgezogene sowjetische
Raketen
verlegt
werden
könnten, die dann die Freunde und
Verbündeten der Amerikaner in Asien
und Europa bedrohen würden und potentiell
schnell
in die
europäische
UdSSR zurückverlegt werden könnten.

30. März 1983
19. Mai 1983
Präsident
Reagan verkündet öffentlich, die Vereinigten Staaten und
ihre Verbündeten seien bereit, ein
"zwischenabkommen"
über
INF-Raketen
anzunehmen, das weltweit gleiche Niveaus amerikanischer und sowjetischer

Die Vereinigten Staaten legen einen Vertragsentwurf auf den Verhandlungstisch, der den Vorschlag eines
Zwischenabkommens vom 29. März enthält.

- 5 -

�August 1983

Oktober 1983

Generalsekretär Andropow schlägt
die Reduzierung von INF-Raketen und
Abschußvorrichtungen auf das von den
Sowjets definierte Niveau der britischen und französischen Kräfte vor,
falls die Vereinigten Staaten auf die
Stationierung ihrer Pershing II und
Marschflugkörper verzichten.

Generalsekretär Andropow schlägt
eine modifizierte Fassung seines Vorschlags vom Dezember 1982 vor, indem
er verkündet, daß die "UdSSR bereit
ist, die Zahl ihrer SS-20 im europäischen Teil der UdSSR auf 40 mit 120
Gefechtsköpfen zu reduzieren, um die
von den Sowjets festgestellte zahl
britischer
und
französischer
Gefechtsköpfe wettzumachen".

22. September 1983
Bei den Genfer Verhandlungen bieten die Vereinigten Staaten drei neue
Elemente ihres vorgeschlagenen Zwischenabkommens an:
1.

2.

3.

Die Vereinigten
Staaten würden
den Gedanken ernsthaft erwägen,
nicht die Gesamtzahl aller von
den Sowjets weltweit stationierten
INF-Systeme durch amerikanische Stationierungen in Europa
wettzumachen.
Die
Vereinigten
Staaten würden sich jedoch das
Recht
vorbehalten,
andernorts
Stationierungen
vorzunehmen, um
eine gleiche weltweite Obergrenze
zu erzielen.
Die Vereinigten Staaten sind bereit,
ihre
Reduzierungen
von
Pershing II und GLCMs in angemessener Weise zu verteilen.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, Vorschläge zur Einbeziehung
landgestützter Flugzeuge in Erwägung zu ziehen.

26. September 1983
Präsident Reagan bekräftigt die
drei neuen Elemente des vorgeschlagenen Zwischenabkommens in einer Rede
vor der Vollversammlung der Vereinten
Nationen.
- 6

Generalsekretär
Andropow
bietet
das Einfrieren der im asiatischen
Teil der UdSSR stationierten SS-20
an, nachdem ein INF-Abkommen zur Begrenzung der in Europa stationierten
Systeme durchgeführt ist - solange
die vereinigten Staaten keine ähnlichen Systeme in dieser Region stationieren. Andropow verkündet außerdem "zusätzliche Flexibilität" in der
Frage der zählweise von atomwaffentragenden Flugzeugen mittlerer Reichweite, gibt aber keine Einzelheiten
an.

*

Andropow verkündet, daß der Beginn der Stationierung amerikanischer
INF-Raketen
"es
unmöglich
machen
wird,
die
INF-Gespräche
weiterzuführen".
Das sowjetische Verteidigungsministerium erklärt, die UdSSR bereite
sich darauf vor, als Teil "geplanter
Gegenmaßnahmen" gegen die Stationierung amerikanischer Raketen "operativ-taktische" Raketen in der Deutsehen Demokratischen Republik und der
Tschechoslowakei zu dislozieren.
Die Vereinigten Staaten erklären,
der Andropow-Vorschlag enthalte Mängel, weil er weiterhin darauf bestehe, daß die UdSSR für britische und
französische strategische Streitkräfte durch die Stationierung ihrer eigenen INF-Systeme kompensiert werden

(

�müsse und daß es keinerlei amerikanische Stationierungen geben dürfe.
Der
sowjetische
Vorschlag,
im
asiatischen Teil der UdSSR stationierte
INF-Raketen
einzufrieren,
scheint der Sichtweise der Vereinigten Staaten Rechnung zu tragen, dergemäß die INF-Raketen weltweit in Betracht gezogen werden müssen.
Die
Vereinigten Staaten bitten um Einzelheiten für den sowjetischen Vorschlag
zu den Flugzeugen.

•

Die Vereinigten Staaten stellen
fest, daß die sowjetische Drohung einer
Beendigung
der
Verhandlungen,
falls die Vereinigten Staaten Raketen
in Europa stationieren, ungerechtfertigt ist, da die Vereinigten Staaten
zwei Jahre
lang verhandelt haben,
während die Zahl der sowjetischen
SS-20 drastisch anstieg.

420 Gefechtsköpfen
zustimmen.

auf

INF-Raketen

23. November 1983
Die Anlieferung der ersten Komponenten amerikanischer landgestützter Marschflugkörper läuft in Großbritannien
und
der
Bundesrepublik
Deutschland an.
Damit beginnt die
Durchführung
der
INF-Stationierung
gemäß dem zweiten Teil des NATO-Doppelbeschlusses von 1979.
Die sowjetische Delegation bricht
die Genfer Verhandlungen ab.
Die Vereinigten
Staaten
bieten
die Wiederaufnahme der Gespräche an,
wann immer die Sowjets zur Rückkehr
bereit sind.

30. November 1983
27. Oktober 1983
Im kanadischen Montebello verständigen sich die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten darauf, die
nuklearen Fähigkeiten der NATO auf
dem niedrigstmöglichen Niveau zu erhalten, das mit Sicherheit und Abschreckung vereinbar ist. Dazu würde
der Abzug von 1 400 amerikanischen
nuklearen Gefechtsköpfen aus Europa
innerhalb von mehreren Jahren gehören.
Dies zusätzlich zu den 1 000
Gefechtsköpfen, die nach dem Doppelbeschluß der NATO vom Dezember 1979
abgezogen wurden.

15. November 1983
Obwohl
die Vereinigten
Staaten
weiterhin der "Null-Lösung" den Vorzug geben, schlagen die Vereinigten
Staaten vor, daß beide Seiten einer
gleichen
weltweiten Obergrenze von

360 sowjetische
Gefechtsköpfen sind
punkt stationiert.

SS-20 mit
zu diesem

1 080
Zeit-

November 1983
Die
formellen
INF-Verhandlungen
werden
in Abwesenheit
der
sowjetischen Delegation vertagt.

24. November 1984
Am Tag des amerikanischen Erntedankfestes kündigt Präsident Reagan
an, daß sich die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion auf erneute Verhandlungen verständigt haben, bekannt
als Gespräche über Kern- und Weltraumwaffen (NST), die sich mit offensiven Atomwaffen sowie Fragen der
Weltraumverteidigung befassen sollen.

- 7 -

�7 . - 8 . Januar 1985
Außenminister George Shultz und
sein
sowjetischer
Kollege
Andrej
Gromyko treffen sich in Genf, um eine
Tagesordnung für neue umfassende Rüstungskontrollverhandlungen festzulegen, die sich auf strategische Atomwaffen (START), INF sowie die Weltraumverteidigung erstrecken.

gleichem Niveau mit den britischen
und französischen Systemen zulassen
würden.
Generalsekretär Gorbatschow verkündet außerdem ein einseitiges sowjetisches Moratorium für die Stationierung von INF-Raketen in der UdSSR.
Trotzdem geht die Stationierung von
Raketen in bereits im Bau befindlichen Stützpunkten weiter.

12. März 1985
Mai - Juli 1985
Die Vereinigten Staaten und die
UdSSR nehmen in Genf die NST-Gespräche auf.
Die Vereinigten Staaten
streben die Beseitigung oder Reduzierung der INF auf die niedrigstmögliche zahl mit gleichen weltweit gültigen Begrenzungen an.

März - April 1985

Die Vereinigten Staaten bemühen
sich weiterhin, die Sowjetunion fest
und konstruktiv in die Verantwortung
zu nehmen und weisen auf ihre Flexibilität im Hinblick auf jeglichges
Ergebnis hin, durch das gleiche weltweite INF-Begrenzungen für die Vereinigten Staaten und die UdSSR erzielt werden.

Zu Beginn der neuen INF-Verhandlungen bekräftigen die Vereinigten
Staaten ihre Haltung und ihre Vertragsentwürfe von 1982 zur weltweiten
Beseitigung der INF-Raketen und von
1983 für ein Zwischenabkommen über
gleiche
INF-Begrenzungen
auf niedrigstmöglichem Niveau.

Die UdSSR beharrt auf einer Beendigung
der
Stationierung
und
dem
Rückzug bereits stationierter amerikanischer INF sowie der Forderung,
daß INF-Begrenzungen für sowjetische
Systeme die britischen und französischen Streitkräfte berücksichtigen.

In den neuen NST-Gesprächen hält
die UdSSR ihre Position von 1983 aufrecht, indem sie die amerikanische
Stationierung von INF ablehnt und auf
einem Junktim
zwischen den sowjetischen SS-20 und den britischen und
französischen strategischen Systemen
besteht.

3. Oktober 1985

Die sowjetische Delegation legt
einen Vorschlag für ein bilaterales
Moratorium der Stationierung von INF
sowie einen Vorschlag für nachfolgende "Reduzierungen" vor, die zu Null
amerikanischen
INF
führen
würden,
aber
sowjetische
INF-Raketen
auf

Während eines Besuchs in Paris
verkündet Generalsekretär Gorbatschow
Bestandteile eines Gegenvorschlags zu
dem im März 1985 bei NST unterbreiteten
amerikanischen
Vorschlag.
Er
fordert ein Einfrieren der stationierten
amerikanischen
und
sowjetischen INF, gefolgt von "den einschneidendsten"
Reduzierungen
und
kündigt
an, daß
die
sowjetischen
SS-4-Raketen
beseitigt
und
einige
SS-20-Raketen
gefechtsuntüchtig
gemacht werden.

- 8 -

»

'

�31. Oktober 1985
Präsident Reagan verkündet, daß
die Vereinigten Staaten bei den Genfer Gesprächen einen neuen Rüstungskontrollvorschlag
vorlegen
werden.
Dieser Vorschlag schließt INF ein und
baut auf "positiven Elementen" des
sowjetischen Gegenvorschlags von 3.
Oktober 1985 auf, insbesondere der
Möglichkeit eines separaten INF-Abkommens unabhängig von strategischen
Fragen oder Problemen der Weltraumverteidigung.

1. November 1985
Die Antwort der Vereinigten Staaten auf den sowjetischen Gegenvorschlag enthält die folgenden Punkte
zu INF:
1.

2.

obwohl sie der vollständigen Beseitigung der amerikanischen und
sowjetischen INF den Vorzug geben,
schlagen
die
Vereinigten
Staaten - als zwischenschritt die Begrenzung der Stationierung
von
amerikanischen
INF-Abschußvorrichtungen in Europa auf 140
Pershing
II
und
landgestützte
Marschflugkörper
(GLCMs)
vor.
(Jedes GLCM hat vier Raketen.)
Diese zahl soll bis zum 31. Dezember 1985 stationiert werden.
Dieser Vorschlag fordert ferner
Reduzierungen
der
sowjetischen
Anzahl von SS-20-Raketenabschußvorrichtungen in Reichweite der
NATO auf 140. (Jede SS-20-Rakete
besitzt drei Gefechtsköpfe.)
Innerhalb dieser Begrenzung für
Abschußvorrichtungen, könnten die
Vereinigten Staaten und die UdSSR
über eine vereinbarte Zahl von
420 bis 450 Gefechtsköpfen in Europa verfügen.

3.

Um gleiche weltweit gültige Begrenzungen amerikanischer und sowjetischer
INF-Gefechtsköpfe
zu
erreichen, müssen die Sowjets die
SS-20-Abschußvorrichtungen
in
Asien (die außerhalb der Reichweite der NATO in Europa liegen)
im gleichen Verhältnis reduzieren, wie die Anzahl der Abschußvorrichtungen
innerhalb
der
Reichweite der NATO in Europa.

4.

Für SRINF sollten angemessene Beschränkungen
vereinbart
werden,
damit die Sowjets ein Abkommen
über LRINF nicht durch Aufrüstung
mit SRINF umgehen können.

21. November 1985
Auf dem Genfer Gipfeltreffen vereinbaren Präsident Reagan und Generalsekretär
Gorbatschow,
sich
auf
mehrere Probleme der Rüstungskontrolle zu konzentrieren, einschließlich
der
"Idee eines
INF-Zwischenabkommens".

15. Januar 1986
In einem Schreiben an Präsident
Reagan
unterbreitet
Generalsekretär
Gorbatschow
einen
Rüstungskontrollvorschlag, der in Zusammenhang mit
einer vollständigen Beseitigung der
Atomwaffen innerhalb von 15 Jahren
die Forderung beinhaltet, die amerikanischen und sowjetischen LRINF in
Europa in den nächsten 5 bis 8 Jahren
zu beseitigen.
In Gorbatschows Schreiben wird
weiter vorgeschlagen, die britischen
und
französischen
Atomstreitkräfte
nicht gegen die amerikanischen LRINF
in Europa aufzurechnen, sondern sie
auf dem derzeitigen Niveau einzufrieren.
Außerdem soll die Weitergabe

�amerikanischer
Atomwaffensysteme
an
Drittstaaten untersagt werden.
Der
sowjetische Vorschlag
eines Abbaus
der in Europa stationierten SS-20-Raketen spricht weder die östlich des
Urals
stationierten
sowjetischen
LRINF-Raketen an noch beschränkt er
die sowjetischen SRINF.

24. Februar 1986
In
einer
Erklärung
Präsident
Reagans wird verkündet, daß gewisse
Aspekte
des sowjetischen Rüstungskontrollvorschlags von Januar 1986 zu
diesem
Zeitpunkt
nicht
angemessen
sind. Ein Bereich, in dem er hoffe,
"unmittelbare Fortschritte" zu erzielen,
seien
die
INF-Verhandlungen.
Der Präsident stellt fest, daß die
Vereinigten Staaten in Genf schon einen konkreten Plan vorgelegt haben,
der
die Beseitigung
amerikanischer
Pershing II und GLCM sowie der sowjetischen SS-20-Raketen sowohl in Europa als auch in Asien vorsieht.

2. März 1986
Die sowjetischen Vorschläge zur
Einbeziehung unabhängiger britischer
und französischer Nuklearsysteme in
ein
bilaterales
amerikanisch-sowjetisches Abkommen werden vom Sonderberater des Präsidenten zu Rüstungskontrollangelegenheiten, Paul Nitze,
öffentlich kritisiert und zurückgewiesen.
Er bekräftigt die Hauptelemente des amerikanischen Vorschlags
für
gleiche weltweite
Begrenzungen
für LRINF und damit einhergehende Beschränkungen für SRINF.

30. September 1986
Die Vereinigten Staaten und die
UdSSR
kündigen
an, daß
Präsident

Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow sich vom 11. bis 12. Oktober in Reykjavik treffen werden.

11. - 12. Oktober 1986
In Reykjavik
verständigen
sich
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion auf gleiche weltweite Obergrenzen von 100 LRINF-Gefechtsköpfen
für jede Seite, von denen keine in
Europa stationiert werden dürfen.
Die Sowjets bieten außerdem ein
Einfrieren ihrer SRINF-Systeme während der Dauer der Verhandlungen zu
deren Reduzierung an.
Gleichzeitig
verlangen sie jedoch, daß die amerikanischen SRINF-Systeme auf dem gegenwärtigen Niveau, d.h. Null, "eingefroren" werden.
Prinzipiell stimmen sie ebenfalls einigen wichtigen
Verifizierungselementen zu.
Die Sowjets stellen jedoch ein Junktim zwischen einem INF-Abkommen und der amerikanischen Zustimmung von Begrenzungen
ihrer
Strategischen
Verteidigungsinitiative (SDI) her. Diese Begrenzungen gehen über die im ABM-Vertrag aus dem Jahr 1972 vorgesehenen
hinaus.

23. Oktober 1986
Die Vereinigten Staaten legen einen Vorschlag vor, in dem die in
Reykjavik
erzielten
Bereiche
der
Übereinstimmung
ihren
Niederschlag
finden.
7. November 1986
Die
UdSSR
unterbreitet
einen
neuen INF-Vorschlag, in dem sie die
Verpflichtung vom Genfer Gipfel des
Jahres 1985 zum Abschluß eines INFZwischenabkommens
zurückzieht.
Der
Vorschlag enthält außerdem die Weige-

�rung, die in Reykjavik erzielte Übereinstimmung zu akzeptieren, daß INF
von Fragen der Rüstungskontrolle im
strategischen
Bereicht
zu
trennen
ist. Die Sowjets beharren ferner auf
dem Junktim zwischen einem INF-Abkommen und Begrenzungen für SDI.

kanische
und sowjetische
SRINF
innerhalb der Reichweite sowjetischer SS-23 bis SS-12 (Scaleboard) Raketen auf dem bestehenden sowjetischen Niveau.
5.

Verbot der Entwicklung und Stationierung von SRINF-Raketen mit
einer
Reichweite, die
zwischen
der der amerikanischen Pershing
II (der LRINF-Rakete mit der kürzesten Reichweite) und der sowjetischen Scaleboard (der SRINF-Rakete mit der längsten Reichweite)
liegt.

6.

Folgeverhandlungen
über
zusätzliche Begrenzungen für SRINF. Ansonsten würden die Reduzierungen
sechs Monate nach Erzielung eines
ersten INF-Abkommens beginnen.

7.

Austausch von Daten vor und nach
der Durchführung der Reduzierungen.

8.

Vor-Ort-Beobachtung der Beseitigung von Waffen und ein wirksames
Überwachungsverfahren
für
Einrichtungen,
einschließlich
Inspektionen vor Ort im Anschluß an
die Beseitigung der Waffen.

9.

Verhandlungen über die Einzelheiten der Verifizierung, die parallel zu den Verhandlungen über die
Reduzierung der Waffen stattfinden sollen.

15. - 16. November 1986
in Camp David erzielen Präsident
Reagan und Premierministerin Thatcher
Übereinstimmung, daß einem INF-Abkommen mit Begrenzungen für SRINF - mit
wirksamer Verifizierung - Priorität
eingeräumt werden sollte.

15. Januar 1987
Bei den Genfer INF-Verhandlungen
unterbreiten die Vereinigten Staaten
folgenden Vorschlag:
1.

2.

Stufenweise
Reduzierung
der
LRINF-Gefechtsköpfe auf weltweit
100 LRINF-Gefechtsköpfe für jede
Seite bis Ende 1991.
Die verbleibenden sowjetischen LRINF-Gefechtsköpfe
dürfen demgemäß im
asiatischen Teil der Sowjetunion,
die der Vereinigten Staaten auf
amerikanischem Territorium, einschließlich Alaskas, stationiert
werden.
Reduzierung
der
amerikanischen
und sowjetischen LRINF-Gefechtsköpfe in Europa auf Null bis Ende
1991.

3.

Das Abkommen über die Reduzierung
der INF darf nicht von der Lösung
anderer
Probleme außerhalb der
INF-Verhandlungen
abhängen, wie
beim Genfer Gipfel im November
1985 verabredet.

4.

Weltweite Begrenzungen für ameri-

28. Februar 1987
Generalsekretär
Gorbatschow
erklärt
die sowjetische
Bereitschaft
zur
Unterzeichnung
eines separaten
Abkommens
zur
Beseitigung
sowjetischer und amerikanischer INF-Raketen in Europa in einem Zeitraum von
fünf Jahren und verzichtet damit erneut auf die sowjetische Forderung,

- 11 -

�daß jene Raketen Teil eines umfassenden
Rüstungskontrollpakets
sein
müßten.
Diese
sowjetischen
Bedingungen
scheinen mit den in Reykjavik vereinbarten nahezu identisch zu sein. Jeder Seite würde die Beibehaltung von
100 Gefechtsköpfen außerhalb Europas
gestattet - der Sowjetunion im sowjetischen Teil Asiens und den Vereinigten Staaten auf ihrem Territorium.

3. März 1987
Präsident
Reagan
erklärt,
Gorbatschows Erklärung vom 28. Februar, in der die sowjetische Bereitschaft zum Abschluß eines Abkommens
über Reduzierungen der
INF-Systeme
getrennt von Vereinbarungen in den
beiden anderen Bereichen der NST-Verhandlungen
verkündet wurde, "räumt
ernsthafte
Hindernisse
für
Fortschritte auf dem Weg zu INF-Reduzierungen beiseite".
Er fügt hinzu:
"Um diese neue
Möglichkeit voll auszuschöpfen, habe
ich unsere Unterhändler angewiesen,
morgen in Genf mit der Vorlage unseres INF-Vertragsentwurfs zu beginnen.
Ich hoffe, daß die Sowjets dann gemeinsam mit uns ernsthafte Diskussionen über die Einzelheiten aufnehmen
werden, die für die Umsetzung der
einzelnen Bereiche einer grundsätzlichen Übereinkunft in ein konkretes
Abkommen unerläßlich sind.
Und ich
möchte betonen, daß die Frage der Verifizierung das wichtigste der noch
zu lösenden Probleme ist. Weil wir
einem
wahren
und
dauerhaften
Rüstungsabbau verpflichtet sind und die
vollständige Einhaltung sicherstellen
wollen, werden wir weiterhin darauf
bestehen, daß jedes Abkommen wirksam
verifizierbar ist."

4. März 1987
Die Vereinigten
Staaten unterbreiten ihren Entwurf eines amerikanisch-sowjetischen
INF-Verträges,
der die Reduzierung der LRINF-Gefechtsköpfe jeder Seite auf 100 weltweit vorsieht, mit Null in Europa,
wie von den beiden führenden Politikern in Reykjavik vereinbart.
Die
Vereinigten
Staaten
machen
jedoch
deutlich, daß sie weiterhin der vollständigen
Beseitigung
der amerikanischen und sowjetischen INF-Raketen
den Vorzug geben.

12. März 1987
Bei den Genfer INF-Verhandlungen
legen die Vereinigten Staaten einen
Vertragsartikel vor, der einen umfassenden Ansatz für die Verifizierung
eines
INF-Abkommens vorsieht.
Die
Grundelemente des amerikanischen Ansatzes zur Verifizierung sind:
1.

Eine Vorschrift für die Nutzung
und
Nichtbehinderung
Nationaler
Technischer Mittel (NTM), die Bedingung
der
Übertragung
technischer Meßdaten von Raketenflügen, ein Verbot der Verschlüsselung und ein Verbot von Verschleierungsmaßnahmen zur Behinderung der Verifizierung.

2.

Spezifizierung von Bereichen und
Einrichtungen, in denen durch den
Vertrag begrenzte Systeme lokalisiert sein müssen und Verbot ihrer Stationierung an anderen Orten.

3.

Gegenseitiger
Austausch
einer
festgelegten
umfassenden
Reihe
von Daten zu damit verbundenen,
vertraglich
begrenzten
Systemen
sowie
ihren
Unterstützungseinrichtungen und -ausrüstungen.

�4.

Gegenseitige
ser Daten.

Fortschreibung

die-

5.

Spezielle Verfahren zur Vernichtung, Zerlegung und Umrüstung der
LRINF-Systeme, einschließlich Inspektionen vor Ort.

6.

Vor-Ort-lnspektion
und
Überwachung bei Inkrafttreten des Vertrages und im Anschluß, um die
Einhaltung der vertraglich festgelegten
Begrenzungen
sicherzustellen.

dieser Vereinbarung würde zunächst in
der Formel von Reykjavik bestehen,
wonach je 100 Gefechtsköpfe auf Mittelstreckenraketen längerer Reichweite auf sowjetischer Seite in Asien
und auf amerikanischer Seite in den
Vereinigten Staaten stationiert würden. "
Beide
Seiten stimmten
überein,
daß die Reduzierungen der INF-Systeme
in ungefähr
vier bis fünf Jahren
durchgeführt
und daß ein Abkommen
"Vorschriften für sehr strenge und
peinlich genaue Verifizierung beinhalten muß".

26. März 1987
Die
verlängerte
Sitzungsperiode
der
amerikanisch-sowjetischen
NSTVerhandlungen wird beendet. Die Vereinigten Staaten widersprechen einem
sowjetischen Vorschlag, die Verhandlungen über SRINF von einem ersten
INF-Abkommen zu trennen und erklären
dazu, dies sei ein Rückschritt gegenüber den Vereinbarungen, die im Prinzip während der amerikanisch-sowjetischen INF-Verhandlungen der Jahre
1981-83 erzielt und in Reykjavik bekräftigt
wurden.
Der
sowjetische
Vorschlag würde der UdSSR praktisch
ein Monopol auf diese Systeme zubilligen und es den Sowjets freistellen,
ihre schon bestehende SRINF-Streitmacht auszubauen und damit jegliches
INF-Abkommen zu umgehen.

Zu
den
SRINF-Systemen
erklärt
Shultz, beide Seiten stimmten darin
überein, daß es weltweite Begrenzungen geben müsse.
Nach Ansicht der
Vereinigten Staaten müßten alle Beschränkungen dem "Prinzip der Gleichheit" folgen.
Shultz stellt fest, die Sowjets
hätten ihre Absicht erklärt, nach der
Unterzeichnung
eines
INF-Abkommens,
die gegenwärtig in der DDR und der
Tschechoslowakei stationierten SRINFSysteme abzuziehen und zu vernichten
und daß die UdSSR in den Verhandlungen über die verbleibenden Raketen
die Reduzierung der SRINF auf Null
innerhalb
eines Jahres
vorschlagen
werde.

23. April 1987
15. April 1987
Außenminister George Shultz beendet dreitägige Gespräche mit Generalsekretär
Gorbatschow
und
Außenminister Schewardnadse in Moskau.
Shultz erklärt, daß durch harte
Verhandlungen die Aussicht auf Erlangung eines INF-Abkommens in greifbare
Nähe gerückt ist: "Die Grundstruktur

Präsident
Reagan appelliert
an
die Sowjetunion, die Fortschritte bei
den INF-Verhandlungen durch eine Reaktion auf die amerikanischen Vorschläge
zur
Verifizierung
zu beschleunigen.
Der Präsident erklärt,
die sowjetische Zustimmung zu einer
vollständigen Beseitigung der INF-Systeme würde die Verifizierung der
Vertragseinhaltung vereinfachen.

- 13 -

�Zum gegenwärtigen Zeitpunkt stimmen beide Seiten überein, die landgestützten LRINF-Systeme auf 100 Gefechtsköpfe für jede Seite zu reduzieren, von denen keine in Europa
stationiert
sind.
Reagan erklärt,
"ein Ergebnis von Null LRINF - die
Beseitigung dieser ganzen Kategorie
von Raketen -" bleibe die bevorzugte
Lösung für die vereinigten Staaten
und ihre Verbündeten.

27. April 1987
Die Sowjetunion legt einen Vertragsentwurf für INF vor, in dem die
in
Reykjavik
erzielten
grundsätzlichen Vereinbarungen zu den landgestützten LRINF-Raketen ihren Niederschlag finden.
Durch den sowjetischen Vorschlag
würden die LRINF auf jeder Seite nach
fünf Jahren in Europa auf einen stand
von Null abgebaut sein, und im sowjetischen Teil Asiens würde die Anzahl
der
Gefechtsköpfe auf
sowjetischen
LRINF auf 100 Gefechtsköpfe begrenzt
werden, die außerhalb der Reichweite
der Vereinigten Staaten stationiert
sind. Ferner würden damit auf amerikanischem
Territorium
stationierte
amerikanische Gefechtsköpfe auf LRINF
auf
100 solcher Gefechtsköpfe begrenzt, die außerhalb der Recihweite
der Sowjetunion disloziert sind und
somit Stationierungen in Alaska verhindert.

12. Juni 1987
in einem im Anschluß an das Treffen des Nordatlantik-Rates der NATO
in Reykjavik veröffentlichten Kommunique erklären die Außenminister ihre
Unterstützung für die weltweite und
wirkungsvoll verifizierbare Beseitigung aller amerikanischen und sowje- 14

tischen landgestützten SRINF mit einer Reichweite von 500 bis 1 000 km
zum integralen Bestandteil eines I N F Abkommens.
Das Kommunique verlangt von der
Sowjetunion, ihre Forderung nach der
Beibehaltung eines Teils ihrer SS-20
aufzugeben und verleiht dem Wunsch
erneut Ausdruck, alle amerikanischen
und sowjetischen landgestützten INF
längerer Reichweite im Einklang mit
der
traditionellen
Zielsetzung der
NATO abzuschaffen.
Den Außenministern zufolge stellt
das INF-Abkommen einen wichtigen Bestandteil in einem stimmigen und umfassenden
Konzept der Rüstungskontrolle und Abrüstung dar, das in
Übereinstimmung mit der NATO-Strategie der flexiblen Reaktion folgende
Punkte umfassen würde:
1.

Einen
im Rahmen der
laufenden
Genfer Verhandlungen zu erzielenden 50prozentigen Abbau strategischer Offensivwaffen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion;

2.

weltweite
Waffen;

3.

die Errichtung eines stabilen und
gesicherten Niveaus konventioneller Streitkräfte durch Behebung
der Ungleichgewichte in ganz Europa;

4.

greifbare und verifizierbare Reduzierungen
amerikanischer
und
sowjetischer landgestützter atomarer
Raketensysteme
kürzerer
Reichweite, die zu gleichen obergrenzen führen, im Einklang mit
der
Schaffung
eines
Gleichgewichts im konventionellen Bereich
und
der weltweiten
Beseitigung
chemischer Waffen,

Beseitigung

chemischer

�16. Juni 1987
Die vereinigten Staaten legen bei
den Genfer INF-Gesprächen formell ihre Haltung zu SRINF dar. Diese Haltung fordert die weltweite Beseitigung aller amerikanischen und sowjetischen SRINF-Raketensysteme.

Zwei
unverzichtbare
Elemente
sind
ebenfalls darin enthalten: die Vernichtung der von diesem vertrag erfaßten Raketen und ihrer Abschußvorrichtungen und das Verbot einer Umrüstung dieser System und Abschußvorrichtungen zu anderen Waffenarten".

3. August 1987
23. Juni 1987

)

Generalsekretär Gorbatschow verkündet einen Wandel der sowjetischen
Haltung zu INF. Die Sowjets akzeptieren im wesentlichen die "weltweite
doppelte Null-Lösung" und verkünden
ihrerseits
1.

2.

die Bereitschaft, als Teil eines
Abkommens
mit
den
Vereinigten
Staaten alle "Mittelstreckenraketen" im sowjetischen Teil Asiens
zu beseitigen, einschließlich der
100 LRINF-Gefechtsköpfe auf diesen Raketen, wenn auch die Vereinigten Staaten diese Raketen
und Gefechtsköpfe aufgeben;
die Bereitschaft zur Beseitigung
"einsatzfähiger taktischer Raketen (SRINF)", wenn die Vereinigten Staaten dasselbe tun.

28. Juli 1987
Als Reaktion auf die Erklärung,
die Sowjetunion sei nunmehr bereit,
die ursprünglich von den Vereinigten
Staaten vorgelegte weltweite Null-Lösung bei INF zu akzeptieren, bemerkt
Präsident Reagan: "Der heute (von unseren Genfer Unterhändlern) unterbreitete Vorschlag würde peinlich genaue und wirksame Verifizierungsmaßnahmen vorsehen und die Weitergabe
vorhandener amerikanischer und sowjetischer INF und ihrer Abschußvorrichtungen an Drittstaaten verhindern.

Der
sowjetische
Unterhändler
Alexej A. Obukow erklärt, die UdSSR
ziehe einen Kompromiß bei der Lösung
amerikanisch-sowjetischer
Meinungsverschiedenheiten über die bundesdeutschen Pershing 1A in Erwägung.
Die Sowjets hatten diese Raketen als
"Haupthindernis" für ein INF-Abkommen
bezeichnet und ihre Beseitigung gefordert.
Der
amerikanische
Unterhändler
Max Kampelman erklärt, "wir werden im
Rahmen der bilateralen Beziehungen
zwischen den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion keine Verfügung in
dieses Abkommen aufnehmen, die unsere
Verbündeten betrifft".

7. August 1987
Der
sowjetische
Außenminister
Schewardnadse beschuldigt in seiner
Rede vor der Abrüstungskonferenz (mit
40 Teilnehmerstaaten) die Vereinigten
Staaten
und
die
Bundesrepublik
Deutschland, ein INF-Abkommen durch
"juristische
Täuschungsmanöver"
zu
blockieren, um die Ausnahme der 72
Pershing 1A aus einem solchen Abkommen zu rechtfertigen.

26. August 1987
Aufgrundder
Zustimmung der Sowjets zu dem amerikanischen Vorschlag, beide Seiten sollten alle ih-

�re landgestützten LRINF und SRINF beseitigen, legen amerikanische Unterhändler in Genf einen überarbeiteten
Vorschlag
zur
Verifizierung
eines
INF-Abkommens vor.
Der neue amerikanische Plan unterscheidet sich in folgenden Punkten
von dem früheren Vorschlag:
1.

Die Bestimmung entfällt, der zufolge Inspektoren sich außerhalb
der Einrichtungen zur Raketenproduktion
und -montage
aufhalten,
um die Produktionsstätte verlassende Raketen zu zählen.
Diese
Bestimmung ist nicht länger erforderlich, da Produktion, Flugerprobung und Modernisierung der
weltweiten doppelten Null-Lösung
zufolge verboten wären.

2.

Der neue Vorschlag begrenzt ferner
Ad-hoc-lnspektionen
solcher
Einrichtungen, in denen Mittelund Kurzstreckenraketen gelagert
werden, um sicherzustellen, daß
sie wie vorgesehen verschrottet
werden.

3.

Ferner
könnten
Uberraschungsinspektionen von Einrichtungen für
landegestützte
Raketen
längerer
Reichweite
in
den
Vereinigten
Staaten
und
der
Sowjetunion
durchgeführt werden, um sicherzustellen, daß dort keine Mitteloder
Kurzstreckenraketen
versteckt sind.

1. alle ihre LRINF und SRINF gemäß
dem vorgesehenen INF-Vertrag verschrotten,

2.

sich bei der Verschrottung ihrer
Raketen an den noch zu vereinbarenden Zeitplan halten,

3.

die Vertragsbestimmungen
ten.

einhal-

27. August 1987
Die Sowjetunion begrüßt die Erklärung
Bundeskanzler
Kohls.
Ein
Sprecher
des sowjetischen Außenministeriums erklärt, die Möglichkeit
zum Abschluß eines neuen Abkommens
zwischen den Supermächten sei nun
"realistisch" und begrüßt den jüngsten amerikanischen Vorschlag zur Verifizierung eines solchen Vertrages.
Er fügt hinzu, die Sowjetunion sehe
gegenwärtig "keine Probleme" bei der
Gewährleistung der Vertragseinhaltung
durch beide Seiten.

14. September 1987

26. August 1987
Bundeskanzler Kohl erklärt, die
Bundesrepublik Deutschland werde ihre
72
Kurzstreckenraketen
vom
Typ
Pershing 1A abbauen und sie nicht
durch modernere Waffen ersetzen, wenn
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion

Bei den Genfer INF-Verhandlungen
legen die vereinigten Staaten ein Inspektionsprotokoll vor, das im einzelnen die Verfahrensweisen niederlegt, die zur wirksamen Verifizierung
der Einhaltung des INF-Vertrages
der die Beseitigung aller amerikanischen und sowjetischen INF-Raketen
vorsieht - notwendig erachtet werden.
Die
neuen
amerikanischen
Vorschläge fordern die einschneidendsten
Verifizierungsmaßnahmen
in der Geschichte der Rüstungskontrolle. Folgenden Bestandteilen des Vorschlags
kommt eine Schlüsselrolle zu:
1.

- 16 -

Die Bedingung, daß alle INF-Raketen und ihre Abschußvorrichtungen

�geographisch auf vereinbarte Gebiete beschränkt werden oder während der Abbauphase ein vorher
bekanntgegebener
Transfer
zwischen diesen Gebieten stattfindet;
Ein detaillierter, und falls erforderlich,
auf
den
neuesten
Stand
gebrachter
Datenaustausch
über Einrichtungen zur Unterstützung von Raketen und Raketenstützpunkten, die Anzahl der Raketen und Abschußvorrichtungen in
diesen Einrichtungen und Stützpunkten sowie technische Parameter solcher Raketensysteme;
Benachrichtigung über die Bewegung von Raketen und Abschußvorrichtungen zwischen bekanntgegebenen Einrichtungen;
Eine grundlegende Vor-Ort-lnspektion zur Verifizierung der Anzahl
von Raketen und Abschußvorrichtungen bei bekannten Einrichtungen zur Unterstützung von Raketen
und Raketenstützpunkten vor deren
Beseitigung.
Vor-Ort-lnspektion zur Verifizierung der Verschrottung von Raketen und Abschußvorrichtungen.
Kurzfristig anberaumte Nachfolgeinspektion bekanntgegebener Einrichtungen während der Abbauphase
zur Verifizierung der Restbestände, bis zur Verschrottung aller
Raketen;
Kurzfristig
anberaumte
obligatorische
Ad-hoc-Inspektion
bestimmter
Einrichtungen
in
den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, bei denen vertragswidrige Aktivitäten im Zusammenhang
mit Raketen durchgeführt werden
könnten.

8.

Die
Bedingung
einer
separaten
"Abschluß"-Inspektion, um sicherzustellen, daß in einer Einrichtung die mit INF in Zusammenhang
stehenden Aktivitäten tatsächlich
beendet sind, wenn eine Einrichtung außer Betrieb und von der
Liste bekannter Einrichtungen gestrichen ist.

18. September 1987
Nach
einer
Zusammenkunft
in
Washington erklären die beiden Außenminister
Shultz und
Schewardnadse,
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion hätten eine Grundsatzvereinbarung
über
den Abschluß eines
INF-Vertrages erzielt.
Die amerikanische und die sowjetische Delegation in Genf werden angewiesen, eingehend
an der Lösung
noch ausstehender technischer Probleme zu arbeiten und baldmöglichst den
Entwurf für einen Vertragstext zum
Abschluß zu bringen.
Es wird eine Erklärung abgegeben,
derzufolge - zur Unterzeichnung eines
Vertrages über Mittel- und Kurzstrekkenraketen und Behandlung der gesamten Bandbreite der Beziehungen zwischen beiden Ländern - im Herbst 1987
ein Gipfeltreffen zwischen Präsident
Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow
stattfinden
wird.
Der
endgültige Termin soll bei den Gesprächen im Oktober festgelegt werden

22. - 24. Oktober 1987
Bei einer in Moskau stattfindenden Zusammenkunft zwischen hochrangigen amerikanischen und sowjetischen
Regierungsvertretern werden für den
Abschluß
eines INF-Vertrages Fortschritte
erzielt.
Generalsekretär

- 17 -

�Gorbatschow weigert sich, den Termin
für
einen
amerikanisch-sowjetischen
Gipfel festzulegen.

29. Oktober 1987
Die Sowjetunion ändert ihre Haltung und erklärt, sie habe sich mit
den Vereinigten Staaten auf die Modalitäten eines noch vor Jahresende
stattfindenden
Gipfeltreffens
geeinigt.
Der
sowjetische
Außenminister
Schewardnadse
trifft zu Gesprächen
mit Präsident Reagan und Außenminister Shultz in Washington ein.

30. Oktober 1987
Während der Zusammenkünfte zwischen den Außenministern Shultz und
Schewardnadse kommen die Vereinigten
Staaten und Sowjetunion uberein, daß
Generalsekretär Gorbatschow am 7. Dezember 1987 die Vereinigen Staaten
besuchen und gemeinsam mit Präsident
Reagan einen Vertrag zur Beseitigung
einer
gesamten
Kategorie
amerikanischer und sowjetischer INF-Raketen
unterzeichnen wird.
Shultz und Schewardnadse vereinbarten ferner, engen Kontakt mit ihren jeweiligen Genfer Delegation zu
halten, um so baldige Fortschritte
zum Abschluß des INF-Vertrages sicherzustellen.

* * * * *

- 18

�</text>
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*

amcrika
dienet

Herausgeber. U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462C

3. Dezember 1998

24

IRAK

IRAK MUSS SEINEN VERPFLICHTUNGEN
NACHKOMMEN
von Samuel Berger

USA-DEUTSCHLAND

DIE DEUTSCH-AMERIKANISCHEN
BEZIEHUNGEN AM ENDE DES
20. JAHRHUNDERTS
Rede von Botschafter John C. Kornblum

THANKSGIVING

CLINTON PREIST DIE VIELFALT AMERIKAS
Proklamation des Präsidenten zu Thanksgiving

http://www.us-botschaft.de/amerikadienst
http://www.usembassy.de/amerikadienst

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

DeichmannsAue29
D 53170 Bonn

Tel. 0228-3392956
Fax 0228-333138
Internet http://www.usembassy.de

�IRAK

2. Dezember 1998

Irak muß seinen Verpflichtungen nachkommen
von Samuel Berger

(AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel des Nationalen Sicherheitsberaters des Präsidenten,
Samuel Berger.

Vor einer Woche hoffte Saddam Hussein, sich alle
Möglichkeiten offenzuhalten, indem er der internationalen Staatengemeinschaft die Stirn bot und
gleichzeitig ein Ende der internationalen Sanktionen
forderte. Seine Nachbarn und die Welt bestanden
jedoch darauf, daß der Irak seine Verpflichtungen
vollständig erfüllt, und die Vereinigten Staaten und
Großbritannien machten deutlich, daß sie zur Unterstützung dieser Forderung durch militärische Gewalt
bereit waren.
Angesichts der entschlossenen und geeinten internationalen Reaktion kapitulierte Saddam Hussein. Jetzt
sind die UN-Waffeninspektoren in den Irak zurückgekehrt und tun ihre Arbeit - nicht, weil wir Saddams
Zusicherungen trauen, sondern weil wir sie überprüfen
wollen.
Seit Beginn der Krise haben wir darauf hingewiesen,
daß wir unsere gemeinsamen Ziele am besten durch
die Wiederaufnahme der UN-Waffeninspektionen im
Irak erreichen können, weil diese das effektivste Mittel
darstellen, Saddam Hussein auf die Spur zu kommen,
ihn vom Wiederaufbau der Waffen abzuhalten, die er
gegen sein eigenes Volk und die Welt eingesetzt hat,
und diese zu vernichten. Nachdem der Irak jetzt
nachgegeben und den Inspektoren die Rückkehr
gestattet hat, sind die Nationen der ganzen Welt einschließlich der Nachbarn des Irak in der arabischen
Welt - in der beharrlichen Forderung geeint, daß der
Irak seinen Verpflichtungen nachkommt. Und es ist
wichtig, den Grund dafür zu verstehen.
Erstens hat die ganze Welt genug von den ständigen
Täuschungsmanövern und Zuwiderhandlungen des
Irak. Der Irak stimmte einer Bedingung für den
Waffenstillstand im Golfkrieg zu - der Offenlegung
seines gesamten Arsenals von Massenvernichtungs-

AMERIKA DIENST 24

waffen innerhalb von 14 Tagen. Statt dessen verbrachte er den Großteil des Jahrzehnts damit, sich
seinen Verpflichtungen zu entziehen, den Inspektoren
Informationen vorzuenthalten, ihre Arbeit zu behindern
und Informationen direkt vor ihren Augen zu vernichten. Es gibt kein eindeutigeres Beispiel als die
jüngste Entdeckung, daß der Irak VX - die tödlichste
Chemikalie der Welt - hergestellt und Raketengefechtsköpfe damit bestückt hat, die er jederzeit gegen
seine Nachbarn einsetzen kann. Experten aus mehr
als einem Dutzend Ländern haben diese Erkenntnis
jetzt bestätigt.
Zweitens erinnert sich die ganze Welt an die jüngere
Geschichte und weiß, daß Saddam eine Bedrohung
für den Frieden darstellt. Jahr für Jahr hat Saddam in
einem Konflikt nach dem anderen gezeigt, daß er den
Besitz von Waffen anstrebt, um diese einzusetzen.
Und jedes Mal, wenn er sie einsetzte, waren seine
Opfer die Menschen im Nahen Osten. Er führte einen
ein Jahrzehnt währenden Krieg gegen den Iran, der
mindestens eine halbe Million Menschenleben
forderte. Er setzte wiederholt Chemiewaffen gegen
iranische Soldaten ein und feuerte SCUD-Raketen auf
iranische Städte ab. 1990 marschierten seine Truppen in Kuwait ein, exekutierten alle, die Widerstand
leisteten, plünderten das Land, setzten 600 Ölquellen
in Brand, ließen Millionen Tonnen Erdöl in den
Persischen Golf ab und griffen Riad und Manama mit
Raketen an.
Das Hauptopfer der Mißregierung von Saddam
Hussein ist die irakische Bevölkerung. Mehr als
70.000 irakische Kurden verschwanden 1988 wahrend
Saddams mörderischer Anfal-Kampagne, mindestens
5.000 wurden durch Senfgas getötet. Über 150.000
arabische Bewohner der Sumpfgebiete wurden aus
ihren Dörfern vertrieben, als irakische Soldaten die

Seite 1

�südlichen Marschen nach dem Golfkrieg trockenlegten; ihre Kultur wurde zerstört, viele wurden von
Artilleriegranaten und Kampfhubschraubern niedergemetzelt. 1997 wurden den Vereinten Nationen zufolge
im Irak etwa 1.500 politische Gefangene erschossen. Heute leben alle Iraker in der Angst vor willkürlicher Verhaftung und Deportation aus ihren
Häusern.
Seit sieben Jahren versucht die internationale Staatengemeinschaft - nicht Saddam Hussein - das
irakische Volk am Leben zu erhalten.
Als nach dem Einmarsch Saddams in Kuwait Sanktionen gegen den Irak verhängt wurden, nahmen die
Vereinten Nationen Nahrungsmittel, Medikamente und
andere humanitäre Hilfsgüter davon aus. Nach dem
Golfkrieg ergriffen die Vereinigten Staaten die Führungsrolle, als sie vorschlugen, dem Irak den Verkauf
einer bestimmten Menge Erdöls zu gestatten, damit er
deren Erlös für den Kauf humanitärer Güter verwenden kann. Bis 1996 weigerte sich Saddam Hussein,
das zu tun, und hoffte, die Weltmeinung durch das
Aushungern seines Volkes manipulieren zu können.
Das Programm "Öl für Nahrungsmittel" bringt ungefähr
3 Milliarden Dollar jährlich ein, mit denen der Irak
Nahrungsmittel und Medizin kaufen kann.
Die
Lebensmittelversorgung im Irak hat sich verbessert:
Der Durchschnittsbürger erhält pro Tag ungefähr
2.030 Kalorien - eine Menge, die das von den Vereinten Nationen empfohlene tägliche Minimum
übersteigt. Die humanitäre Hilfe für den Irak entspricht fast der gesamten Hilfe der Vereinten Nationen
für alle Länder der Welt während der letzten drei Jahre
zusammengenommen.
Dennoch behindert Saddam Hussein das Programm
und lehnt ausländische Nahrungsmittel- und Medikamentenspenden ab. In der Zwischenzeit gibt die
irakische Regierung ihr Geld für den Bau verschwenderischer Paläste aus, versteckt ihre Waffen und
hortet Lebensmittel für ihre Elitemilitäreinheiten. Der
Irak nimmt Hunderte Millionen Dollar durch den
Schmuggel ein, aber der Großteil dieses Geldes fließt
in die Taschen von Saddam Husseins Familie und
ihrer Anhänger. Seit der Einführung des Programms
"Öl für Nahrungsmittel" hat das Regime seine eigenen
Nahrungsmittelkäufe um 300 bis 500 Millionen Dollar
pro Jahr verringert.
Unter den internationalen Sanktionen ist es Saddams
Regime zur Zeit nur erlaubt, seine Einnahmen aus
den Ölverkäufen für zweierlei auszugeben: Nahrungsmittel und Medikamente. Wenn die Sanktionen

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aufgehoben würden, könnte Saddam Hussein den
ölreichtum seines Landes ganz nach seinem Belieben
ausgeben. "Öl für Nahrungsmittel" würde wahrscheinlich zu "Öl für Panzer". Das irakische Volk
würde wahrscheinlich weniger zu essen bekommen.
Die Nachbarn des Irak müßten zweifelsohne mehr
Angst haben.
Aus diesem Grund werden die Vereinigten Staaten
weiterhin mit Geduld und Entschlossenheit Saddam
Hussein daran zu hindern versuchen, sein Volk zu
gefährden, seine Nachbarn zu bedrohen und die
Sicherheit der Welt zu unterminieren.
Wir suchen nicht die Konfrontation mit dem Irak,
sondern vielmehr das Ende der Konfrontation des Irak
mit der Welt. Wir stellen die Integrität des Irak als
Nation nicht in Frage, sondern vielmehr die Unterdrückung des irakischen Volkes durch die irakische
Regierung, die den Irak entzweit. Unsere Politik ist
dahingehend proirakisch, daß ihre Ziele im Einklang
mit den Interessen der großen Mehrheit des irakischen Volkes stehen. Sie ist dahingehend proislamisch, daß sie versucht, einen Irak aufzubauen, in
dem alle gläubigen Menschen in Frieden leben
können, und einen Nahen Osten, in dem alle gläubigen Menschen in Sicherheit leben können.
In der Tat spiegeln die sechs Millionen amerikanischen Muslime, die in der wachsenden Zahl von
Moscheen und islamischen Zentren ihre Religion
ausüben, die Realität wider, daß es keinen Konflikt
zwischen dem Islam und Amerika gibt. Wie Präsident
Clinton erklärt hat, werden wir auf einem Kurs der
Freundschaft und Achtung für die muslimische Welt
bleiben, selbst während wir versuchen, alle Amerikaner miteinander auszusöhnen und größere Einheit in
unserer zunehmenden Vielfalt zu finden. Wir werden
weiterhin nach gemeinsamen Werten, gemeinsamen
Interessen und gemeinsamen Unternehmungen
suchen.
Gegenüber einem verbrecherischen Regime mit
Massenvernichtungswaffen und einer Geschichte
ihres Einsatzes müssen die Vereinigten Staaten und
ihre Freunde in der muslimischen Welt natürlich
weiterhin geeint sein - denn wir sind alle gefährdet.
Wir alle hoffen zutiefst, daß der Irak der Staatenfamilie
wieder als freiheitsliebendes und gesetzestreues
Mitglied beitritt. Wir alle müssen zusammenarbeiten,
um diese Hoffnung zu verwirklichen - in unserem
eigenen Interesse und im Interesse des langen
Leidens des irakischen Volkes.

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�USA-DEUTSCHLAND

2. Dezember 1998

Die deutsch-amerikanischen Beziehungen
am Ende des 20. Jahrhunderts
Rede von Botschafter John C. Kornblum

BERLIN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Botschafters der Vereinigten Staaten von
Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, John C. Kornblum, bei der Deutschen Bank in Berlin vom 13.
November 1998.

Ich danke Ihnen für die Einladung, heute hier eine
Rede zu halten. Das Thema - die deutsch-amerikanischen Beziehungen am Ende des 20. Jahrhunderts ist uns sowohl vertraut als auch etwas unbekannt.
Vertraut, weil unsere Partnerschaft einzigartig und
natürlich ist. Sie ist auch sehr erfolgreich. Das
Thema ist etwas unbekannt, weil die Gegebenheiten
sich völlig verändert haben. Unsere Tagesordnung
hat sich erweitert. Wir arbeiten nicht nur Seite an
Seite, um ein geteiltes Berlin zu verteidigen oder
Freiheit in Osteuropa zu erreichen. Zusammen mit
unseren Partnern sind wir mit einer Fülle von Herausforderungen konfrontiert - Herausforderungen ohne
klare Definition oder Lösungen.
Wir müssen zusammenarbeiten, um die neue revolutionäre Entwicklung in Wirtschaft und Technologie zu
meistern. Wir müssen auch zusammenarbeiten, um in
einer Welt mit größerer Offenheit und Interdependenz
Stabilität zu bewahren. Die gesellschaftlichen und
sozialen Implikationen alternder Bevölkerungen sind
ein weiterer Problembereich. Es gibt nicht länger
deutsch-amerikanische oder europäisch-amerikanische Fragen. Wir bauen eine integrierte Gesellschaft. Die uns konfrontierenden Fragen sind in
Außen- und Innenpolitik zunehmend ähnlich. Das
heißt nicht, daß es keine geschichtlichen, geographischen und kulturellen Unterschiede gibt. Das Ladenschlußgesetz in Deutschland ist ein Beispiel.
In Europa ist es auch dringend notwendig, einen
tieferen politischen Konsens zu wichtigen Zielen zu
finden. Aber wenn ich höre, daß der MercedesStern bald auf dem Chrysler-Verwaltungsgebäude
stehen wird - oder Bertelsmann bald Englisch

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als Geschäftssprache einführen wird, ist es klar, daß
sich grundsätzlich etwas verändert hat.
Heute möchte ich aus meiner Sicht einige der wichtigsten Elemente dieses neuen Zeitalters erörtern.
Erstens Europa. Seit 1990 scheint es offensichtlich,
daß die europäischen Staaten an der Verwirklichung
unserer gemeinsame Agenda gehindert sein werden,
wenn sie nicht zu einem größeren Konsens gelangen.
Das heißt nicht unbedingt, daß man immer mit einer
Stimme sprechen oder alles in Brüssel ratifizieren
muß. Es heißt, Konsens über die Bedeutung und den
Umfang der europäischen Integration zu erzielen.
Deutschland und die Vereinigten Staaten sind durch
eine lange Geschichte verbunden - eine Freundschaft,
die in zwei grausame Kriege hineingezogen wurde.
Nach 1945 war es nicht möglich, einfach dort weiterzumachen, wo wir aufgehört hatten. Wir mußten etwas
völlig Neues schaffen.
Dieses völlig Neue ging aus den Herausforderungen
des Kalten Krieges und der Bedrohung der Demokratie in ganz Europa durch die Sowjetunion hervor.
Unsere gemeinsame Antwort auf die Berlin-Blockade
vor fünfzig Jahren - Festigkeit und Mut auf Seiten der
Deutschen und Amerikaner gleichermaßen - stellte die
Weichen für die Schaffung einer integrierten Vision
von einem neuen Europa.
Wenn Druck von außen wie die sowjetische Bedrohung einige unserer größten Herausforderungen
und größten Erfolge bedeutete, dann waren die den
Amerikanern und Deutschen gemeinsamen Eigen-

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�Schäften - wie Pragmatismus und Weitblick - entscheidend für den Aufbau unserer Partnerschaft.
Unsere beiden Länder hatten eine Vision für Europa eine Vision, zu der die Verpflichtung zu der neuen
atlantischen Gemeinschaft gehörte, die aus den
Ruinen des alten europäischen Gleichgewichts
entstanden war. Und Deutschland brachte Energie,
Mut und eine Vision von Demokratie für Deutschland
und Europa ein. Deutschlands Weitblick als führende
Macht in Europa zeigt sich in vielfältiger Weise. Einige
Beispiele ragen heraus, wie Deutschlands Vision einer
gemeinsamen Währung und seine Beteiligung an der
internationalen Friedenstruppe um sicherzustellen,
daß Bosnien Frieden und Unabhängigkeit genießen
kann. Das war kein einfacher Schritt für Deutschland,
und ich beglückwünsche Sie zu Ihrer Solidarität und
Ihrem Verantwortungsbewußtsein. Als jemand, der
maßgeblich an der Gestaltung der amerikanischen
Bosnienpolitik beteiligt war, würde ich darüber hinaus
sagen, daß die Vereinigten Staaten mit Deutschland
den größten Konsens darüber erzielten, wie das
Blutvergießen auf dem Balkan beendet werden soll.
Und jetzt hat sich unsere Tagesordnung erweitert. W r
arbeiten nicht nur Seite an Seite, um zur Bewahrung
des zerbrechlichen Friedens in Bosnien beizutragen,
sondern wir streben auch die Gewährleistung an, daß
der Kosovo nicht in den gleichen Sog von Krieg und
Zerstörung gezogen wird.
Wir stehen an der Schwelle zur Erweiterung der
NATO - was an sich schon ein Meilenstein bei der
Vollendung Europas ist. Und die Europäische Union
verfolgt ihr eigenes Erweiterungsprogramm, das das
Potential hat, bei der Überwindung noch bestehender
Teilungs- und Bruchlinien in Europa behilflich zu sein.
Ebenso wie die Aussicht auf die NATO-Erweiterung
die Länder Zentraleuropas veranlaßt hat, sich als
potentielle Verbündete statt als Gegner oder Konkurrenten zu sehen, hat auch die Aussicht auf die
EU-Mitgliedschaft diese Länder ermutigt, die erforderlichen und manchmal schmerzlichen Schritte zu
unternehmen, um ihre Wirtschafts- und Rechtssysteme auf den richtigen Weg zu bringen. Aus
diesem Grund ist es von elementarer Bedeutung, daß
der EU-Erweiterungsprozeß weiterhin so weit wie
möglich nach außen gerichtet ist und ein offenes Ende
hat. Wir dürfen keine neuen Trennlinien ziehen oder
irgendeinem Land in Europa die Tür zu neuen Chancen verschließen.
Der Beginn der Wrtschafts- und Währungsunion kann
große Fortschritte bei der Erlangung eines neuen
Niveaus von europäischem Konsens bedeuten.
Die Vereinigten Staaten haben das Streben Europas
nach engerer Integration von Anfang an unterstützt.
Die Gründung der Montanunion, des Gemeinsamen

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Marktes, des Binnenmarktes und jetzt die Pläne für
eine Erweiterung der EU - all dies haben wir gefördert,
und all dies liegt in unserem ureigenen Interesse.
Wr haben dasselbe Interesse an der Einführung einer
einheitlichen Währung wie an jeder anderen bedeutenden Entwicklung in Europa. Uns ist gut gedient,
wenn Europa wirtschaftlich prosperiert und auf die
Öffnung seiner Märkte sowie die Stärkung seiner
Beziehungen zur Weltwirtschaft hinarbeitet. Europa
wird Vorteile durch eine Wirtschafts- und Währungsunion haben, die diese Ziele unterstützt - und wenn
Europa prosperiert, erhöht das auch den Wohlstand in
den Vereinigten Staaten.
Gleichzeitig möchte ich die wachsende Bedeutung der
praktischen Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und der EU nach der Einführung des
Euro hervorheben. Eine Veränderung dieser Größenordnung wird zwischen Washington und Frankfurt
neue
Kommunikationsverbindungen
erforderlich
machen. Mit dem 1. Januar 1999 - in nur wenigen
Wochen - sollte sich unsere Aufmerksamkeit zunehmend auf die Perfektionierüng unseres neuen Dialogs
konzentrieren.
Die Einführung des Euro wird das erste Ereignis in
einem entscheidenden Jahr sein. Im Verlauf der
nächsten 12 Monate finden eine Reihe wichtiger
Veranstaltungen statt. Deutschland wird die Präsidentschaft der EU übernehmen. Die NATO feiert ihr
50-jähriges Bestehen mit einem Gipfel in Washington
und nimmt drei neue Mitglieder auf. Und Deutschland
wird ein G 8-Gipfeltreffen abhalten. Diese und andere
Schritte werden eine neue Tagesordnung zu einem
breiten Spektrum von Themen definieren - von
Sicherheitsfragen bis zur Überprüfung unserer
internationalen Finanzarchitektur.
Unsere transatlantische Agenda
Die Europäische Union ist heute Amerikas größter
Handelspartner. Obwohl ein Großteil der übrigen Welt
sich in Turbulenzen befindet, wachsen unsere Volkswirtschaften und sind in guter Verfassung.
Amerikanische Unternehmen haben seit der Amtsübernahme von Präsident Clinton nahezu 17 Millionen
Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten geschaffen.
Die Inflationsrate ist auf einem historischen Tiefstand.
Die Zinssätze sind niedrig. Und zum ersten Mal seit 29
Jahren haben wir einen Haushaltsüberschuß.
In Europa beobachten wir anhaltendes Wachstum von
2 bis 3 Prozent pro Jahr. Die Inflation stellt keine echte
Bedrohung dar. Und die Verbraucher geben wieder
mehr aus. Der einzige dunkle Punkt sind die anhaltend hohen Arbeitslosenzahlen.

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�Wir sind der größte Handelspartner des jeweils
anderen Landes, und der bilaterale Investitionsfluß
trägt zu unserem Wohlstand bei. Die amerikanischen
Investitionen in den neuen Bundesländern und das
neue Unternehmen Daimler-Chrysler sind nur die am
stärksten sichtbaren Elemente von Direktinvestitionen
in den transatlantischen Beziehungen, die jetzt die
750-Milliarden-Dollar-Marke
übersteigen.
Jeder
zwölfte amerikanische Fabrikarbeiter ist jetzt bei
einem europäischen Unternehmen angestellt. Und die
amerikanischen Investitionen in Europa machen fast
die Hälfte unserer weltweiten Gesamtinvestitionen
außerhalb unseres Landes aus.
1995 riefen wir die Neue Transatlantische Agenda ins
Leben. Sie trägt bereits Früchte. Zum Beispiel haben
wir ein Abkommen über gegenseitige Anerkennung
(MRA) abgeschlossen, das durch Vorschriften
geschaffene Handelshemmnisse im Wert von 60
Milliarden Dollar abschafft, darunter bei medizinischem Gerät, Pharmazeutika und Telekommunikationsgerät. Ferner einigten wir uns auf Zusammenarbeit im Zollwesen und die Anpassung von Veterinärnormen und -verfahren.
Im Mai schufen wir die Grundlage für ein noch ehrgeizigeres gemeinsames Projekt - die Transatlantische Wirtschaftspartnerschaft (TEP). Im Rahmen
dieser Initiative machen wir mehrere Bereiche von
gegenseitigem Interesse aus, erhöhen den Handel,
sprechen Meinungsverschiedenheiten an und bauen
Handelshemmnisse ab. Mit dem Ziel beträchtlicher
Resultate zum Jahr 2000 deckt diese neue amerikanisch-europäische Handelsinitiative verschiedene
Bereiche ab:
Zum Beispiel: Verbesserung der Zusammenarbeit in der Landwirtschaft im wissenschaftlichen Bereich und bei Regulierungsfragen.
Abbau von Regulierungshemmnissen. Die
Geschäftswelt hat diese Barrieren als wichtigstes Hindernis für die Expansion des Handels
ausgemacht.
Dienstleistungen. Hier besteht unser Ziel im
Abbau von Bürokratie und einer Senkung der
Kosten für die Verbraucher auf unserem
riesigen Dienstleistungsmarkt - der solche
Bereiche wie Telekommunikation, Versicherungen, Reise und Tourismus sowie Vertrieb
umfaßt.
Beim globalen elektronischen Handel arbeiten
wir darauf hin, diesen vielversprechenden
Bereich zollfrei zu halten. Insbesondere
haben wir die Entwicklung eines Arbeitsprogramms in der WTO und eine Stillhaltever-

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pflichtung vereinbart, die sicherstellen, daß
elektronische Übermittlungen zollfrei bleiben.
Ein weiterer Bereich sind Arbeitsnormen, bei
denen wir uns auf Fortschritte bei den wichtigsten Standards auf internationaler Ebene
geeinigt haben.
Umweltfragen sind von entscheidender
Bedeutung, wie die Klimakonferenz in Buenos
Aires vor kurzem demonstrierte. Aus diesem
Grund haben sich die Vereinigten Staaten
und die Europäische Union zur Förderung
und Erlangung eines hohen Niveaus an
Umweltschutz verpflichtet. Die Vereinigten
Staaten hoffen, daß der Gipfel uns dabei
behilflich ist, ein internationales System
handelbarer Emissionszertifikate für Treibhausgase voranzubringen. Ein System handelbarer Emissionszertifikate ist in den Vereinigten Staaten bereits mit großem Erfolg
umgesetzt worden und hat den sauren Regen
zu einem Bruchteil der prognostizierten
Kosten dramatisch verringert. Die Vereinigten
Staaten sind der Auffassung, daß es viele
Lösungen zur Verringerung der Kohlenstoffemissionen gibt, von denen alle Seiten profitieren. Wir sind bedauerlicherweise immer
noch der größte Verursacher von Treibhausgasemissionen. Aber unsere Volkswirtschaft ist die größte der Welt und kann nicht
über Nacht geändert werden. Wir versuchen
nicht, das Problem zu umgehen. Präsident
Clinton hat Anfang dieses Jahres im Rahmen
seiner Strategie für den Schutz des Klimas
eine Reihe von Steuererleichterungen für
Verbraucher eingeführt, die umweltfreundlich
einkaufen. Er stellte ferner 2,7 Milliarden
Dollar für zusätzliche Forschung und die
Entwicklung neuer, energieeffizienter Technologien zur Verfügung. Mit anderen Worten ist
unsere Bilanz sehr viel besser als die Medien
und andere behaupten.
Der letzte Bereich der TEP, den ich erwähnen
möchte, ist meiner Ansicht nach besonders
wichtig. Es ist die Ermutigung der Beteiligung
öffentlicher und Privatunternehmen an der
Gestaltung der Transatlantischen Wirtschaftspartnerschaft. Die Vereinigten Staaten und
die Europäische Union haben sich auf die
Öffnung dieser Partnerschaft geeinigt, um
Interessengruppen wie Unternehmer, Arbeitnehmer, Verbraucher, Umwelt- und Nichtregierungsorganisationen aufzunehmen, die
an der Gestaltung der Tagesordnung mitwirken. Diese vielversprechende Form der
Zusammenarbeit gründet auf der Anerkennung der wichtigen Beiträge des Transatlanti-

Seite 3

�sehen Wirtschaftsdialogs (TABD). Als Pionier
in unternehmerischer Diplomatie kann der
TABD uns bei der Einführung eines Modells
für ein Welthandelssystem behilflich sein, das
zugänglich und offen ist.
Jeder dieser Punkte hat konkrete Vorteile für beide
Seiten. Und die Transatlantische Wirtschaftspartnerschaft ist als Ganzes wichtiger als ihre Bestandteile,
denn sie gewährleistet in Zeiten schnellen globalen
Wandels ständige Kontakte zwischen uns.
Auf dieser Grundlage können wir unsere gemeinsame
Vision und Verantwortung für die Welt aufbauen.
Europa und die Vereinigten Staaten sind jetzt mehr als
je zuvor in wirtschaftlicher Hinsicht weltweit führend.
Das zeigte sich auch auf schmerzliche Weise während der globalen Finanzkrise.
Wie Präsident Clinton bei der Tagung von IWF und
Weltbank im Oktober erklärte, stellen die Ereignisse,
die im vergangenen Jahr mit starken Schwankungen
der thailändischen Währung begannen, jetzt die
gravierendste Finanzkatastrophe der letzten 50 Jahre
dar. Und als weltweit größte Volkswirtschaften
müssen wir und die EU - sowie Japan - die Bestrebungen anführen, eine Lösung zu finden.
Unser Ansatz - Reformprogramme mit dem IWF im
Mittelpunkt - bringt Ergebnisse hervor. Länder wie
Thailand und Korea haben Reformen durchgeführt,
ihre Währungen stabilisiert und die Zinssätze auf das
Niveau von vor der Krise gebracht. Mit Geduld und
Reformen kann dasselbe in Rußland und anderen
betroffenen Ländern geschehen. Dennoch hat die
Krise weiterhin das Potential, sich zu verstärken und
auszuweiten. Daher müssen wir wachsam sein und
gewährleisten, daß der IWF über die Ressourcen und
die politische Unterstützung verfügt, die er im Fall
neuer Notfälle benötigt.
Von der handelspolitischen Perspektive aus gesehen
müssen wir unseren Prinzipien und den im Frühjahr
beim letzten asiatisch-europäischen Gipfel und beim
G 8-Gipfel gemachten spezifischen Zusagen treu
bleiben, indem wir unsere offenen Märkte erhalten und
die multilaterale Liberalisierung fortsetzen. Etwas
anderes würde eine ähnliche Situation wie die in den
dreißiger Jahren provozieren, als sich der Protektionismus in den Vereinigten Staaten und Europa
verstärkte und die Weltwirtschaftskrise verlängerte.
Jeder von uns wird sich dem Druck wachsender
Importe - beispielsweise von Stahl - ausgesetzt sehen,
aber Europa muß einen Teil der Last übernehmen.
Sollte die EU diese Herausforderung nicht bewältigen,
wird der Druck auf uns alle verstärkt.
Dieser Punkt wurde vor kurzem von Wirtschaftsminister Daley eindringlich klargemacht: "Die Ver-

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einigten Staaten allein können nicht alle Exporte aus
Asien aufnehmen. Wr werden nicht der Schuttabladeplatz für krisengeschüttelte Volkswirtschaften sein."
Diese Krise ist eine gute Gelegenheit für Europa, in
globalen Finanzangelegenheiten mehr Verantwortung
zu übernehmen.
Die Ausführungen von Wrtschaftsminister Daley
unterstrichen auch die wachsende Sorge in den
Vereinigten Staaten über das multilaterale Handelssystem. Wir müssen das bestehende System respektieren. Jeder von uns muß die Verpflichtungen der
Uruguay-Runde erfüllen und die Entscheidungen der
Streitschlichtungsausschüsse respektieren.
Dies ist ein großes Anliegen. Die Vereinigten Staaten
haben jetzt Fälle gegen die EU im Hinblick auf die
Bananenmarktordnung und das Verbot von amerikanischem Rindfleisch in der EU abgeschlossen. In
beiden Fällen entschieden die WTO-Streitschlichtungsausschüsse und Berufungsbehörden zugunsten
der Vereinigten Staaten. Die Vereinigten Staaten
würden eine Verhandlungslösung vorziehen, aber wir
werden den Fall nicht zum vierten Mal aufrollen,
nachdem wir ihn die ersten drei Male gewonnen
haben.
Im Zusammenhang mit Bananen und Rindfleisch hat
die EU die Verpflichtung, die Entscheidungen der
WTO-Streitschlichtungsgremien zu respektieren und
umzusetzen. Die Mißachtung der Entscheidungen des
Ausschusses schwächt die Unterstützung für das
Handelssystem, an dessen Aufbau wir so hart gearbeitet haben. Ferner schwächt sie die Abschreckung
von Protektionismus. Und - offen gesagt - schwächt
sie auch die Unterstützung für unsere bilateralen
Beziehungen.
Werte wie Transparenz und Verständnis für die
Sorgen unserer Bürger sind ebenfalls wesentlich. Das
bedeutet, die WTO durch die Öffnung von Streitschlichtungsverfahren und die beschleunigte Veröffentlichung der Berichte der Streitschlichtungsausschüsse transparenter zu gestalten. Die EU kann in
diesem Bereich sehr viel mehr tun.
Ich habe verschiedene wichtige wirtschaftliche
Themen auf unserer transatlantischen Agenda
aufgeführt, aber globale politische Fragen sollten nicht
von unserer langen und manchmal schwierigen
Handelsagenda überschattet werden.
Ein Beispiel sind der Irak und verbrecherische Staaten
im Allgemeinen. Welches ist unser bester Ansatz für
den Umgang mit Staaten, die sich nicht an internationale Normen halten? Wie können Deutschland und
die Vereinigten Staaten bei dieser komplexen Frage
am besten zusammenarbeiten? Je mehr die Vereinigten Staaten und ihre Partner miteinander darüber

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�A

*

kommunizieren, wie man das Problem von Staaten
bewältigt, die Terrorismus unterstützen und die
Menschenrechte verhöhnen, desto besser sind die
Chancen, Irritationen in unseren Beziehungen zu
verhindern. Schließlich besteht Übereinstimmung in
der transatlantischen Welt, daß die Regierungen von
Iran, Irak und Libyen eine Politik verfolgen, die den
Prinzipien des Völkerrechts widerspricht. Deswegen
müssen wir härter auf Maßnahmen hinarbeiten, die
dieses gemeinsame Terrain widerspiegeln. Vor
allem müssen wir Mißverständnisse und Fehleinschätzungen vermeiden.
Themen wie verbrecherische Staaten und andere
komplexe Fragen auf unserer Agenda sind manchmal
verwirrend. Aber es ist klar, daß die demokratischen
Nationen Europas und Nordamerikas ihren Horizont erweitern müssen. Wir benötigen in dieser Zeit
des Wandels in der transatlantischen Welt und überall
auf der Erde eine gemeinsame Agenda.
Deutschland, Amerika und die neue Synthese
Besonders optimistisch bin ich im Hinblick auf die
Rolle, die die deutsch-amerikanische Partnerschaft
bei der Beilegung von Meinungsverschiedenheiten
und der Ausweitung unserer transatlantischen Agenda
spielen kann, damit diese Gemeinschaft ihr wirklich
einzigartiges Potential erfüllen kann.
Die deutsch-amerikanische Partnerschaft ist der Kern
unserer transatlantischen Welt - nicht nur wegen des
deutschen Gewichts in Europa, sondern auch aufgrund unserer gemeinsamen Interessen.
Deutschland sieht sich einem neuen Zeitalter gegenüber - sowohl im Hinblick auf seine nationale Entwicklung als auch im Hinblick auf seinen Platz in der EU.
Die vollständige Integration der neuen Bundesländer
bleibt weiterhin eine Hürde in Deutschland. Noch
wichtiger ist vielleicht, daß es Auswirkungen auf die
anderen EU-Mitgliedstaaten haben wird, wie Deutschland die Herausforderungen der Anpassung seiner
Volkswirtschaft als Ganzes an das Informationszeitalter bewältigt.

Am Ende des 20. Jahrhunderts sehen sich Deutschland, Amerika und die gesamte transatlantische
Gemeinschaft mit einer Reihe systemimmanenter
Fragen konfrontiert. Auf einer Ebene können sie leicht
identifiziert werden: Wachstum unserer Volkswirtschaften, Reform unserer Bildungssysteme und
Bewältigung der Überalterung unserer Bevölkerung,
um nur einige zu nennen.
Auf anderer Ebene wird die Definition dieser neuen
Fragen schwieriger: Wo enden wirtschaftliche und
beginnen soziale Fragen? Renten und die Bildungsreform sind zwei Beispiele. Wo enden nationale und
beginnen internationale Fragen? Die Regulierung des
Internet ist ein Beispiel. Selbst die grundlegende
Frage "Was ist die Natur der Arbeit und wie wird sie
sich mit Beginn des neuen Jahrhunderts wandeln?"
wird von der transatlantischen Gemeinschaft in
zunehmendem Maße behandelt.
Abschließend möchte ich betonen, daß am Ende des
20. Jahrhunderts zahlreiche Herausforderungen zu
bewältigen sind. Gleichzeitig haben wir in den letzten
50 und insbesondere in den letzten zehn Jahren viel
erreicht.
Unsere Errungenschaften haben eine klare Regel für
Erfolg im neuen Zeitalter aufgestellt: Die atlantische
Partnerschaft mit den deutsch-amerikanischen
Beziehungen im Mittelpunkt ist nicht überholt. Sie ist
nicht in Gefahr. Sie ist unentbehrlich. Die zentrale
Logik des Zeitalters nach dem Kalten Krieg lautet: Das
Verschwinden traditioneller Grenzen verlangt eine
Vertiefung und Erweiterung der praktischen werteorientierten Zusammenarbeit zwischen demokratischen Gesellschaften. Unsere euroatlantische Welt
bietet den effektivsten Rahmen für diese Bestrebungen.
Was wir jetzt mehr als alles brauchen, ist eine strategische Agenda. Wir brauchen eine Vision. Wir sind
noch nicht da, aber wir haben den Willen und eine
hervorragende Basis, um dies zu erreichen. Ich bin
fest davon überzeugt, daß das Beste noch vor uns
liegt.
Ich danke Ihnen.

* *

AMERIKA DIENST 24

* *

*

Seite 5

�THANKSGIVING

2. Dezember 1998

Clinton preist die Vielfalt Amerikas
Proklamation des Präsidenten zu Thanksgiving

WASHINGTON - (AD) - Die Vielfalt der Bevölkerung der Vereinigten Staaten stellt sowohl eine Herausforderung als auch eine Chance dar, erklärte Präsident Clinton anläßlich des traditionellen amerikanischen
Feiertags Thanksgiving am 26. November 1998.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Wortlaut der Proklamation des Präsidenten zu Thanksgiving.

Thanksgiving gehört zu den beliebtesten und weithin
begangenen Feiertagen in den Vereinigten Staaten.
Ob sie Nachfahren der ersten Siedler oder neue
Bürger sind - die Amerikaner treffen sich mit Familie
und Freunden, um dem guten Gott für die Segnungen
der Freiheit, des Friedens und der Fülle zu danken.
Wir sind eine Nation, die sich aus Menschen vieler
Länder, Kulturen und Glaubensrichtungen zusammensetzt. Thanksgiving in den Kolonien in Plymouth
1621, als die Pilger aus der Alten Welt gemeinsam mit
den Indianern aus der Neuen Welt feierten, ließen die
Herausforderung und Chance ahnen, die eine solche
Vielfalt uns schon immer bot: Gemeinsam in Frieden
zu leben, unsere Unterschiede zu respektieren und zu
würdigen und die Stärken des anderen bei der Arbeit
des Aufbaus einer großartigen und geeinten Nation zu
nutzen.
Daher sollten wir an Thanksgiving nicht vergessen,
dankbar für die zahlreichen Beiträge zu sein, die jede
Generation von Amerikanern zum Erhalt unserer
Segnungen geleistet hat. W r sind dankbar für die
mutigen Patrioten, die gekämpft haben und gestorben
sind, um unsere Freiheit zu verteidigen und unseren
Glauben an die Würde des Menschen zu bewahren.
Wir sind dankbar für die Männer und Frauen, die
dieses Land jahrzehntelang bearbeitet haben - von
den steinigen Farmen Neuenglands über die riesigen
Weizenfelder der Great Plains bis zu den fruchtbaren
Weinhängen Kaliforniens - und den Reichtum unserer
Nation mit ihren amerikanischen Mitbürgern und
Menschen auf der ganzen Welt teilen. Wr sind
dankbar für die Führungspersönlichkeiten und Visionäre, die uns im Lauf der Jahre aufgefordert haben,

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das amerikanische Versprechen für alle unsere Bürger
zu erfüllen und in unserer Gesellschaft unsere grundlegenden Ideale von Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit Realität werden zu lassen. Wir sind dan kbar für
die zahllosen stillen Helden und Heldinnen, die jeden
Tag hart arbeiten, sich mit Liebe und Sorgfalt um ihre
Familie kümmern und trotzdem noch die Zeit und
Energie aufbringen, ihre Gemeinden zu einem
besseren Ort zu machen. Jeder von uns hat Grund,
stolz auf seine Rolle beim Aufbau Amerikas zu sein,
und jeder von uns hat Grund, unseren amerikanischen
Mitbürgern dankbar für den Erfolg dieser Bestrebungen zu sein.
Aufgrund dessen erkläre ich, William J. Clinton,
Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, kraft
der mir durch die Verfassung und die Gesetze der
Vereinigten Staaten verliehenen Befugnis, Donnerstag, den 26. November 1998 zum nationalen Feiertag
Thanksgiving. Ich fordere alle Bürger der Vereinigten
Staaten auf, sich im Geiste des guten Willens und
beim Gebet zu Hause, in Gotteshäusern und Gemeindezentren zu versammeln, um Gott ihren tiefempfundenen Dank für die zahlreichen Segnungen
zum Ausdruck zu bringen und um unseren Brüdern
und Schwestern in diesem Land, die gemeinsam
unsere großartige amerikanische Familie bilden, die
Hand echter Dankbarkeit und Freundschaft zu
reichen.
Unterzeichnet am 17. Tag des November, im Jahre
des Herrn 1998 und im 223. Jahr der Unabhängigkeitder Vereinigten Staaten von Amerika.
William J. Clinton

Seite 1

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                <text>&lt;strong&gt;1. Irak&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Irak muss seinen Verpflichtungen nackommen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Samuel Berger&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. USA-Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die deutsch-amerikanischen Beziehungen am Ende des 20. Jahrhunderts&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter John C. Kornblum&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Thanksgiving&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton preist die Vielfalt Amerikas &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Proklamation des Präsidenten zu Thanksgiving&lt;/em&gt;</text>
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3
I

Information
und
Dokumentation

1

United States Information Service

4. Januar 1978

INHALT

INFORMATION

Carter nominiert G. William Miller zum Präsidenten des amerikanischen
Zentralbankrates

WIRTSCHAFT
US-Bundesbankmitglied zum Donarkurs
US-Wirtschaft geht mit verhaltenem Optimismus in das neue Jahr
Von unserem Korrespondenten Jon Schaffer

HINTERGRUNDMATERIAL
Neuer US-Verteidigungshaushalt mit realem Wachstum
- Amerika will NATO-Beitrag verstärken Von unserem Korrespondenten Hugh 0. Muir

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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D5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Information

I

United States Information Service

4. Januar 1978

CARTER NOMINIERT G. WILLIAM MILLER
ZUM PRÄSIDENTEN DES AMERIKANISCHEN ZENTRALBANKRATES

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat den amerikanischen Geschäftsmann G. William Miller zum neuen Präsidenten des amerikanischen Zentralbankrates (Bundesbankpräsidenten) nominiert.
Wenn der amerikanische Senat seine Nominierung bestätigt, wird der 52jährige Miller den bisherigen langjährigen Bundesbankpräsidenten Dr. Arthur
Burns, von seinem Posten ablösen.
Der 72jährige bisherige Chef der amerikanischen Notenbank, Dr. Burns,
der sowohl in der amerikanischen Geschäftswelt als auch in internationalen
Wirtschafts- und Finanzkreisen hohes Ansehen als Garant für eine verantwortungsbewußte Fiskalpolitik genießt, bezeichnete die von Carter getroffene
Wahl als "weise und gut" und würdigte die "moralische Integrität und Charakterfestigkeit" seines vorgesehenen Nachfolgers als wichtige Voraussetzungen
für die mit diesem verantwortungsvollen Amt gestellten Aufgaben.
Miller

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�I

Miller erklärte vor der Presse, er werde bemüht sein, die von Burns
eingeschlagene Politik fortzuführen und sie den sich wandelnden wirtschaftr
liehen Verhältnissen anzupassen.

Er glaube, daß es möglich sein werde, die,

Probleme der Inflation und der Arbeitslosigkeit gleichzeitig anzugehen.
Damit steht Miller der Position des amerikanischen Präsidenten etwas näher
als Burns.
G. William Miller ist Präsident der "Textron Inc.",eines Mischkonzerns,
der seinen Hauptsitz in Providence (Rhode Island) hat und 280 Betriebe und
Fabrikanlagen in den Vereinigten Staaten und im Ausland umfaßt.

"Textron"

beschäftigt 65 000 Personen und hatte im Jahre 1976 einen Umsatz von 2,6
Milliarden Dollar.
Gleichzeitig bekleidet Miller den Posten des Direktors der Landeszentral •"
bank von Boston und ist Vorsitzender der Nationalen Unternehmervereinigung.
Miller stammt aus Oklahoma.

Er wurde am 9, März 1925 in Sapulpa gebo-

ren, studierte an der Akademie der amerikanischen Küstenwache und diente als
Offizier im Pazifik und Fernost.
Im Jahre 1952 schloß er sein juristisches Studium an der Universität von
Kalifornien ab und arbeitete anschließend als Anwalt in New York.
Im Juni 1960 wurde Miller zum Präsidenten des "Textron"-Konzerns gewählt
und übernahm 1968 in diesem Konzern den Posten des Generaldirektors; im Jahre
1974 wählte man ihn zum Aufsichtsratsvorsitzenden.
Miller ist außerdem Ko-Vorsitzender im amerikanisch-sowjetischen Handelsund Wirtschaftsrat und im polnisch-amerikanischen Wirtschaftsrat und führte
seit 1977 den Vorsitz im Industrie-Beratungskomitee des Präsidialausschusses
für Chancengleichheit am Arbeitsplatz.
+ + + + +

- 2 -

�I

Wirt/choM

I

United States Information Service

4. Januar 1978

US-BUNDESBANKMITGLIED ZUM DOLLARKURS

Henry C. Wallich, Mitglied des Zentralrates der amerikanischen Bundesbank
(U.S. Federal Reserve System) und bekannter Wirtschaftler, hat in einer Rede
vor dem Amerikanischen Wirtschaftsverband
und dem Amerikanischen Finanzverband am
28. Dezember 1977 in New York zu der Kursentwicklung des US-Dollars Stellung genommen. Seine Ausführungen haben folgenden
Wortlaut:

Wenn wir an der Schwelle des neuen Jahres auf 1977 zurückblicken und
überlegen, wie es 1978 voraussichtlich weitergehen wird, erfüllt uns die Tatsache mit einiger Genugtuung, daß wir Fortschritte gemacht haben und daß die
Aussichten gut sind.

Im internationalen Vergleich schnitten die Vereinigten

Staaten 1977 gut ab, und sie dürften ihre Position 1978 halten.
hen wir uns vor ernste Aufgaben gestellt.

Dennoch se-

Im eigenen Land liegen die In-

flations- und Arbeitslosenraten trotz eines an sich ausreichenden Wirtschaftswachstums nach wie vor außerordentlich hoch.

Wichtige Anpassungen stehen

noch aus - so beispielsweise auf dem Energiesektor.

Was die Außenwirtschaft

angeht, sind wir mit einem sehr großen Defizit in der Bilanz der laufenden
Posten bei einem gleichzeitig erheblichen Verfall des Dollarkurses konfron-

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�konfrontiert. Das alles sind Probleme, derer wir eingedenk bleiben müssen,
wenn wir uns den Aktiva in der Jahresbilanz zuwenden.
Die amerikanische Wirtschaft operiert im Rahmen eines Wechselkurssystems, das auf dem internationalen Einverständnis basiert, daß das Niveau
und die Veränderungen der Wechselkurse von den beherrschenden wirtschaftlichen und finanziellen Faktoren bestimmt werden.

Nach meinem Dafürhalten

ist dies langfristig nicht lediglich eine Richtschnur für die Devisenmarktpolitik, sondern ein einfaches wirtschaftliches Gebot.

Unrealistische Wech-

selkurse lassen sich in einer Welt, in der die Ströme von Waren, Dienstleistungen und insbesondere Kapital glücklicherweise relativ frei sind und
ständig expandieren, langfristig nicht aufrechterhalten.
Sicherlich kann man Wechselkurse kurzfristig durch Faktoren anderer Art
als der der grundlegenden wirtschaftlichen Gegebenheiten beeinflussen. Unsicherheit, irrige Annahmen und destabilisierende Spekulationen sind dazu
angetan, von Zeit zu Zeit größere Ausschläge der Indices zu verursachen.

In

den letzten Monaten scheinen die Devisenmärkte eine solche Periode durchgemacht zu haben. Meiner Meinung nach haben bei den jüngsten Schwankungen auf
den Devisenmärkten vor allem irrige Annahmen eine Rolle gespielt.
Eine solche irrige Annahme scheint mir vor allem der offensichtlich
weit verbreitete Glaube zu sein, die Vereinigten Staaten würden hinsichtlich
der Bewertung des Dollars eine Politik der "stillschweigenden Duldung" praktizieren. Diese Folgerung scheinen viele Teilnehmer am Devisenmarkt aus der
Tatsache gezogen zu haben, daß Amerika auf den Devisenmärkten in der jüngsten
Zeit zwar zunehmend aber doch nur in geringem Umfang interveniert hat. Meiner
Ansicht nach sind alle Überlegungen falsch, die darauf hinauslaufen, die Vereinigten Staaten würden sich keinerlei Sorgen wegen der Bewertung ihrer eigenen
Währung machen oder es sogar gerne sehen, wenn der Dollar im Werte weiter ab"
sinkt, um daraus irgendwelche Vorteile im internationalen Handel ziehen zu
können. Die Vereinigten Staaten haben allen Grund, darauf zu achten, daß
ihre Währung so hoch bewertet wird, wie dies die grundlegenden wirtschaft- 2 -

�wirtschaftlichen Gegebenheiten rechtfertigen.

Erstens haben wir begriffen, daß jedes Absinken des Wechselkurses zur
Steigerung der Inflationsrate beiträgt - wie uns die 1971 erfolgte Abwertung
und die Wechselkursschwankungen der Folgezeit gelehrt haben.

Zuvor hatte

man geglaubt, der Dollarkurs hätte angesichts des verhältnismäßig geringen
Volumens unserer Außenwirtschaft kaum Einfluß auf das Preisgefüge auf dem
Binnenmarkt.

Inzwischen wissen wir aber aus Erfahrung, daß eine Abwertung

die Preise weit über die Aus- und Einfuhren hinausgehend beeinflussen kann.
Die Preise auf dem Binnenmarkt unterliegen ferner dem Einfluß des Wettbewerbsmechanismus.

Eine Abwertung des Dollars schwächt für eine ganze Reihe von

Produkten den Wettbewerb auf dem Binnenmarkt.

Hinzu kommt, daß der Anteil

der Außenwirtschaft am Bruttosozialprodukt seit 1971 von sechs auf zehn Prozent zugenommen hat.

Die amerikanische Wirtschaft ist heute eine offenere

Wirtschaft als damals.

Gerade deshalb wirken sich die Wechselkurse heute sehr

viel stärker auf die Preise auf dem Binnenmarkt aus.

Zweitens:

Der ölpreis ist ein weiterer wichtiger Faktor, der vom Wech-

selkurs des Dollars beeinflußt wird.

Einige OPEC-Sprecher haben erklärt,

ihre Preisentscheidungen würden von der weiteren Entwicklung des Dollarkurses
abhängen.

Das ist, wie ich weiß, kein stichhaltiges Argument, und die OPEC

würde durch eine Erhöhung des ölpreises ihre eigenen Interessen schädigen;
dennoch muß man sich darüber im klaren sein, daß der ölpreis von größter Wichtigkeit bleibt.

Drittens hängt die Brauchbarkeit des Dollars als Reserve-, Handels- und
Investitionswährung für die Vereinigten Staaten und die Welt davon ab, daß
der Dollar auch künftig als eine attraktive Anlagewährung angesehen wird. Gewiß ziehen die Vereinigten Staaten aus der internationalen Rolle des Dollars
gewisse Vorteile.

Sie erleichtert beispielsweise die Finanzierung großer De-

fizite in der Bilanz der laufenden Posten.

Darüber dürfen wir die Tatsache

nicht vergessen, daß eine Währung, auf die die Vermögenswerte anderer Länder
und privater Eigentümer lauten, mit den jeweils stärksten Währungen verglichen

- 3 -

�verglichen wird.

Die Investoren werden die Erträge von Dollarvermögen mit

den Erträgen vergleichen, die ihnen eine Anlage in anderen Währungen bieten
würde und dabei sicher die Unterschiede und Schwankungen in den Zinssätzen
und Wechselkursen mit ins Kalkül ziehen.

Sollte unter den Investoren das

Gefühl um sich greifen, die Anlage in Dollarwerten sei unattraktiv, wird
dies zwangsläufig eine Flucht aus dem Dollar in andere Währungen auslösen
und damit eine erhebliche Instabilität hervorrufen.
Schließlich beeinflußt der Wert des Dollars auch das Wirtschaftsklima
im Ausland.

Wenn der Wert einer so weit verbreiteten Währung wie des Dollars

unsicher erscheint, beeinträchtigt dies die Planung der Unternehmer wie der
privaten Haushalte und kann eine Verminderung der Investitionen und selbst
Veränderungen des Verbrauchergebarens im Ausland zur Folge haben.

Fällt der

Dollarkurs, schrumpfen die Erlöse der Exportindustrien und der mit amerikanischen Einfuhren im Wettbewerb liegenden Industrien im Ausland.
gilt für die Investitionen.

Das gleiche

Die Erholung der Weltwirtschaft, die nur schmerz-

lich langsam vorankommt, könnte durch ein weiteres Fallen des Dollarkurses
weiter verlangsamt werden - sofern das Ausland ein weiteres Absinken des
Dollarkurses nicht zu einer zusätzlichen Stimulierung der heimischen Wirtschaft zu nutzen vermag.
Amerikas Interesse an einem starken Dollar ist unleugbar. Dieses Interesse nach dem Ausmaß der amerikanischen Interventionen auf den Devisenmärkten
bemessen zu wollen, wäre falsch. Die Maßnahmen zur Stützung des Dollars waren
dem Grad der Beunruhigung der Devisenmärkte angepaßt. In dem Maße, in dem die
Kurse in den letzten Monaten schwankten, wurde unsere Stützung verstärkt oder
vermindert. Die Interventionen auf den Devisenmärkten dienen nicht dem Zweck,
die grundlegenden Markttendenzen zu beeinflussen - sie können dies gar nicht,
da die Markttendenzen auf den grundlegenden Wirtschaftsgegebenheiten beruhen.
Beweise dafür, daß Interventionen die Trends auf den Devisenmärkten
nicht verändern können, finden sich allenthalben.

Im Verlaufe des Jahres

1977 bezifferten sich die Dollaraufkäufe internationaler Notenbanken als In-

�Interventionsmaßnahme auf über 30 Milliarden Dollar.

Diese Interventionen

blieben zwar nicht ohne Auswirkung auf den Wert des Dollars, konnten aber
eine fünfprozentige Abwertung gegenüber anderen Hauptwährungen im Verlauf
des Jahres 1977 nicht verhindern.

Der Grund hierfür könnte darin liegen,

daß die grundlegenden wirtschaftlichen Fakten eine höhere Bewertung des
Dollars nicht zulassen.

Interventionen zeigen bleibende Wirkungen nur dann,

wenn die grundlegenden Wirtschaftsindikatoren angemessene Werte ausweisen
und der Markt dennoch keinen dementsprechenden Verlauf nimmt.

Der Grund

könnte jedoch auch in der psychologischen Verfassung des Marktes liegen,
die schon vielfach übertriebene Kursschwankungen auf den Devisenmärkten ausgelöst hat.

Die grundlegenden wirtschaftlichen Gegebenheiten manifestieren

sich auf den Devisenmärkten nicht zwangsläufig sofort und exakt.

Es ist deshalb notwendig, die grundlegenden Gegebenheiten des Dollars
zu überprüfen.

Das umfangreiche derzeitige Defizit der Vereinigten Staaten

in der Bilanz der laufenden Posten ist gegenwärtig der Hauptfaktor in der
Bewertung des Dollars auf dem Markt.

Da niemand ein Defizit in dieser Höhe

hatte, führte es zu einer veränderten Bewertung der Aussichten des Dollars
auf den Märkten.

Man sollte über dieses Defizit hinausblickend die Umstände berücksichtigen, die es hervorgebracht haben und die in Zukunft voraussichtlich neue
Defizite verursachen werden.

Eine wichtige Komponente des Defizits ist das

Volumen unserer öleinfuhren, die sich gegenwärtig auf rund 9,5 Millionen Barrel
pro Tag und wertmäßig auf etwa 45 Milliarden Dollar im Jahr beziffern.
ser Betrag für sich ist selbstverständlich
amerikanische "öldefizit".

Die-

kein korrekter Maßstab für das

Ein solcher läßt sich noch nicht einmal aus dem

Überschuß der öleinfuhren der Vereinigten Staaten über deren Ausfuhren nach
den OPEC-Ländern herauslesen, da wir große unsichtbare Nettoeinkünfte aus
den OPEC-Ländern beziehen, die sich nicht so einfach mit Zahlen belegen lassen.

Hinzu kommt, daß sich ein Defizit im bilateralen Handel mit einem

Lande bis zu einem gewissen Grad durch Überschüsse im bilateralen Handel mit
anderen Ländern ausgleichen läßt.

So ist z.B. der bescheidene Überschuß
- 5 -

�Überschuß der Vereinigten Staaten im Handel mit gewissen europäischen Ländern, die ihrerseits Waren nach den OPEC-Ländern ausführen, indirekt für
uns ein Mittel zur Abdeckung eines dementsprechenden Teils des öldefizits.
Dennoch sieht man zu Recht in einem ungehemmten Ölverbrauch und einer
hieraus resultierenden weiteren Zunahme der öleinfuhren eine schwere Belastung
unserer Handelsbilanz.

Die gegenwärtig im Kongreß anhängige Energiegesetz-

gebung und die vom Präsidenten vorgeschlagenen Maßnahmen sollen eine Verlangsamung der Aufwärtstendenz unserer öleinfuhren bringen.

Die Einsparung von

Energie und die Entwicklung zusätzlicher und als Ersatz geeigneter Energiequellen werden über Zahlungsbilanzerwägungen hinausgreifend in weiten Kreisen
als notwendige Voraussetzung zur Gewährleistung unserer nationalen Sicherheit
erachtet.
Eine weitere wichtige Komponente des derzeitigen Defizits der laufenden
Posten ist zyklischen Charakters. Die Vereinigten Staaten sind der übrigen
Welt hinsichtlich der Erholung von der Rezession der Jahre 1974/75 weit voraus.
Unsere Wirtschaft hat wieder Tritt gefaßt. Wir können damit rechnen, daß die
übrige Welt nachziehen wird. Niemand möchte, dessen bin ich sicher, daß die
Vereinigten Staaten ihr derzeitiges Defizit durch eine Verlangsamung der Wirtschaftstätigkeit im eigenen Lande abbauen. Dem eigentlichen Wesen dieses
Defizits ist deshalb nur durch konjunkturelle Anpassungen Rechnung zu tragen.
Es erhebt sich mit anderen Worten die Frage, wie groß wäre das Defizit, wenn
die Welt als Ganzes ein vernünftiges Maß der Vollbeschäftigung erreicht hätte.
Konjunkturelle Anpassungen müssen von der Überlegung ausgehen, wie die
Wirtschafts- und Preisentwicklung auf den Binnen- und Auslandsmärkten im Falle
der Vollbeschäftigung verlaufen wäre. Hierauf basierend lassen sich dann die
potentiellen Handelsvolumina abschätzen. Ein ökonometrisches Modell, das die
amerikanische Außenhandelsentwicklung in Beziehung zu derartigen Einkommensund Preisberechnungen setzt, läßt erkennen, daß das amerikanische Handelsdefizit von 30 Milliarden Dollar um 10 bis 20 Milliarden Dollar geringer ausgefallen wäre, bestünde in den wichtigsten Industriestaaten Vollbeschäftigung. Da_
- 6 -

�Da eine Rückkehr zur Vollbeschäftigung unseren Überschuß von 12 Milliarden
Dollar in der Dienstleistungsbilanz kaum verändern würde, wäre das Defizit
der laufenden Posten unter solchen Umständen um etwa 18 Millionen Dollar
niedriger.

Berechnungen wie diesen kommt jedoch insofern kein allzu großes Gewicht zu, weil wir nicht wissen, w ^ lange es dauern wird, ehe die Welt wieder zu höheren Beschäftigungsraten zurückkehrt.

Wer derartige tentative

Überlegungen anstrengt, sollte nicht übersehen, daß ein gewisses Defizit
für die Vereinigten Staaten so lange tragbar ist, wie die OPEC-Länder beträchtliche Überschüsse aufweisen

.Die Defizite, die jenen Überschüssen

entsprechen, müssen sich naturgemäß auf alle Länder der Erde verteilen. Da
die Vereinigten Staaten normalerweise ein Kapitalexportland sind, scheint
eine Beteiligung Amerikas am Gesamtdefizit aller nicht der OPEC angehörenden
Länder angebracht, solange andere Länder Schwierigkeiten mit der Finanzierung
größerer Defizite haben.

Berechnungen über ein konjunkturell angepaßtes amerikanischen Handelsdefizit bieten jedoch keine Antwort auf die Frage, ob die Vereinigten Staaten
nicht an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt haben.

Eine Analyse der grundlegen-

den Wirtschaftsfakten muß deshalb auch die Wettbewerbsfähigkeit in Betracht
ziehen.

Was die Beantwortung dieser Frage angeht, können wir ausreichende Hinweise heranziehen.

Einige ergeben sich aus der Untersuchung der internatio-

nalen Exportmarktanteile

Der Anteil der Vereinigten Staaten an den Ausfuh-

ren der Länder der Gruppe der zehn wichtigsten Industriestaaten - ein Maßstab, der die Auswirkungen der jüngsten ungewöhnlichen Entwicklungen auf den
Rohöl- und anderen Rohstoffmärkten weitgehend ausklammert - schrumpfte im
Jahre 1976 und nahm auch &gt;n der ersten Jahreshälfte 1977 weiter, wenn auch
in geringerem Maße ab

Dieser Schrumpfungsprozeß folgte auf drei Jahre der

Steigerung des amerikanischen Anteils an den Exportmärkten und im Anschluß
an zwei Jahre, während derer sich die Wechselkurse auf neue Werte eingependelt
hatten.

Somit ist der amerikanische Anteil, der sich in der ersten Jahres-

�Jahreshälfte 1977 auf 20 Prozent belief, im wesentlichen unverändert gegenüber dem Stand von 1971, als er 20,1 Prozent betrug.

Hierbei ist ferner zu

berücksichtigen, daß die Volkswirtschaften vieler unserer traditionellen Abnehmerstaaten in diesem Zeitraum keineswegs unverhältnismäßig rasch expandiert haben.
Eine weitere Quelle der Sorge um unsere Wettbewerbsfähigkeit hat sich
offensichtlich erledigt.

Wirtschaftswissenschaftliche Forschungsarbeiten aus

den fünfziger Jahren und der ersten Hälfte der sechziger Jahre schienen darauf hinzudeuten, daß die Elastizität der Nachfrage nach amerikanischen Exportgütern als einer Funktion der Einkommensentwicklung im Ausland erheblich geringer sei als die Elastizität der Ausfuhr anderer Staaten als Funktion der
Einkommensentwicklung in den USA.

Jüngere Forschungsarbeiten von Mitarbei-

tern des amerikanischen Zentralbankensystems lassen jedoch erkennen, daß kein
statistisch erheblicher Unterschied zwischen der Elastizität in dem einen
und im anderen Falle besteht. Solange demnach die Wirtschaft der Vereinigten
Staaten und die Volkswirtschaften überall auf der Welt etwa im gleichen Ausmaß expandieren, sollten diesen Untersuchungen zufolge die amerikanischen Ausund Einfuhren etwa dieselben Wachstumsraten wie die der übrigen Welt aufweisen.
Schließlich ergeben sich Hinweise auf die Wettbewerbsfähigkeit auch aus
der Berechnung der "realen" Wechselkurse: der Wechselkurse unter Berücksichtigung internationaler Unterschiede in den Inflationsraten. Der reale Wechsel
kurs des Dollars wird solange gegenüber dem jeder anderen Währung oder Gruppe
von Währungen unverändert bleiben, wie die Schwankungen der nominellen Wechselkurse den unterschiedlichen Preisbewegungen entsprechen.
Wie bei allen Vergleichsrechnungen erhebt sich auch bei den realen Wechselkursen die Frage nach den verwandten Indices und nach dem gewählten Ausgangspunkt.

Im Falle mancher Länder, beispielsweise Japans, führen unter-

schiedliche Indices zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen.

Im Falle der Ver-

einigten Staaten allerdings zeitigen die vier normalerweise angewandten In- 8 -

�Indices - Verbraucherpreis-, Großhandelspreis-, Exportwert- und Arbeitsstückkostenindices - alle in etwa das gleiche Ergebnis.

Ein Vergleich zwi-

schen dem Dollarwert seit Beginn des Floatens der Wechselkurse im März 1973
oder der Durchschnittskurse in der Zeit von März 1973 bis heute zeigt, daß
der reale Wechselkurs des Dollars außenhandelsgewichtet abgewertet wurde,
während die Wettbewerbsfähigkeit zugenommen hat.

Der reale Wechselkurs der

DM zeigt bei Anwendung der gleichen Berechnungsmethode während des gleichen
Zeitraums nur geringfügige Veränderungen.

Für den Yen lassen sich, wie schon

betont, sinnvolle Ergebnisse nur sehr viel schwerer herausdestillieren.

Hierbei sollte man nicht vergessen, daß geringe Veränderungen in den
realen Wechselkursen nicht zwangsläufig als Beweis für ein bestehendes Gleichgewicht zu werten sind.

Wenn echte statt rein monetäre Schocks Veränderungen

in den Zahlungsbilanzen hervorrufen, ist es angebracht, wenn die realen Wechselkurse reagieren und sich verändern; wenn aber Untersuchungen struktureller
Faktoren der Weltwirtschaft erkennen lassen, daß keine größeren Anpassungen
erforderlich sind, deuten Bewegungen der realen Kurse auf Veränderungen in
der Wettbewerbsfähigkeit hin - insbesondere dann, wenn die verschiedenen Indices in etwa die gleichen Ergebnisse aufweisen.

Ich möchte noch ein weiteres Element der Wettbewerbsfähigkeit des Dollars
anführen, das die Kapitalbilanz und nicht die Bilanz der laufenden Posten
betrifft.

Der Dollar ist als Kapitalanlage auch weiterhin wettbewerbsfähig.

Das hängt von den Zinssätzen und den zu erwartenden Wechselkursbewegungen ab.
Sie bestimmen zusammen die Ertragserwartungen des Dollars im Vergleich zu
denen anderer Währungen.

Der Dollar hat seine Position als führende Reserve-

und Anlagewährung in der Nachkriegszeit gefestigt, als die Zinssätze in den
Vereinigten Staaten niedrig und fast überall anderswo auf der Welt hoch lagen.
Inzwischen haben sich die Verhältnisse, was die starken Währungen angeht, in
das Gegenteil verkehrt:

Die Dollarzinsen sind heute beträchtlich höher als

die Zinssätze in der Schweiz, in Deutschland und sogar in Japan.

In
- 9 -

�In Zeiten turbulenter Märkte, in denen sich die Wechselkurse und die damit zusammenhängenden Kapitalanlagewerte rasch und beträchtlich verändern,
treten Zinsüberlegungen normalerweise in den Hintergrund.
Märkte aber beruhigen, gewinnen die Zinssätze an Bedeutung.

Sobald sich die
Heute spiegeln

die Unterschiede in den Zinssätzen dreier wichtiger Anlagewährungen - des
Dollars, der DM und des Schweizer Franken - die unterschiedlichen Inflationsraten in den drei genannten Länder eindeutig wider.

Die realen Zinssätze sind,

mit anderen Worten, in diesen drei Ländern in etwa gleich.
In diesem grundlegenden Sinne scheint der Dollar als Anlage seine Wettbewerbsfähigkeit nicht verloren zu haben.

Von dieser Annahme ausgehend kommt

man zu dem Schluß, daß die Finanzierung des Defizits der Bilanz der laufenden
Posten, die im Jahre 1977 fast ausschließlich über staatliche Kapitalbewegungen
in der Form von Interventionen auf dem Markt erfolgt ist, bei unveränderten
Wechselkursen auch vom privaten Kapital bewältigt werden könnte.
Ich möchte die Elemente der Stärke des Dollars, die meines Erachtens gegeben sind, wie folgt zusammenfassen:
Erstens gibt es eine ausgeprägte konjunkturelle Komponente des Defizits.
Wir wissen nicht, wie lange andere Länder brauchen werden, bis sie zur Vollbeschäftigung zurückkehren; das Licht am Ende des Tunnels ist aber in jedem
Falle bereits zu erkennen.
Zweitens verzeichnen wir eine bescheidene Verbesserung der amerikanischen
Wettbewerbsfähigkeit seit 1973, die sich am "realen" Wechselkurs des Dollars
ablesen läßt.

Sie spiegelt die einigermaßen gute, wenngleich keinesfalls

hervorragende Eindämmung der inflationistischen Entwicklung in den Vereinigten
Staaten wider.

Der Hauptbeitrag zur Stärke des Dollars in der Zukunft muß

aus einer Fortsetzung und Verbesserung unserer Leistungen auf diesem Gebiet
kommen.
Drittens
- 10 -

�Drittens deuten mehrere andere Indices auf hohe Wettbewerbsfähigkeit
amerikanischer Waren hin - insbesondere die Marktanteile und die Nachfrageelstizität.

Diese Wettbewerbsfähigkeit dürfte umso klarer hervortreten,

je mehr sich der Welthandel erholt.

Viertens bestehen bei den konkurrierenden Währungen erhebliche Unterschiede in den Zinssätzen.

Wenn sich die Devisenmärkte beruhigen, werden

diese deutlicher hervortreten als bisher.
Noch fehlt es an konkreten Beweisen für die Annahme, daß die üleinfuhren nicht weiter steigen werden.

Selbst strenge Gesetze, wie sie meiner

Auffassung nach schließlich doch verabschiedet werden dürften, können die
amerikanischen üleinfuhren in naher Zukunft nicht vermindern.

Sobald solche

Gesetze aber bestehen, werden sie dem Markt doch die Gewähr bieten, daß die
Stärke des Dollars nicht durch übermäßige üleinfuhren unterminiert wird und
daß die Aussichten auf eine verminderte Abhängigkeit der Vereinigten Staaten
von üleinfuhren in Zukunft steigen werden.

+ + + + +

- 11 -

�i

Wift/choft
United States Information Service

4. Januar 1978

US-WIRTSCHAFT GEHT MIT VERHALTENEM OPTIMISMUS IN DAS NEUE JAHR
Von unserem Korrespondenten Jon Schaffer

WASHINGTON - (AD) - Wie stets am Ende eines jeden Jahres so haben auch
dieses Mal führende Wirtschaftswissenschaftler, Banken-und Wirtschaftsorganisationen in den letzten Dezemberwochen ihre Prognosen für das neue Jahr
gestellt, wobei die übereinstimmende Meinung darauf hinausläuft, daß ein
umfassender Aufschwung der amerikanischen Wirtschaft wohl kaum vor Ende 1978,
vielleicht sogar erst zum Ende dieses Jahrzehnts zu erwarten steht.

Allgemein wird mit einem anhaltenden Wirtschaftswachstum zumindest bis
Ende 1979 gerechnet, wobei allerdings die Wachstumsraten etwas niedriger als
im letzten Jahr liegen dürften.
wärtigen Stand stehen bleiben.

Die Inflationsrate wird etwa auf dem gegenDagegen kann auf dem Beschäftigungssektor mit

einem gewissen Rückgang der Arbeitslosigkeit gerechnet werden.

Wenn auch die endgültigen Statistiken für 1977 erst in einigen Monaten
vorliegen werden, so teilt man in der Wirtschaft die Auffassung der Regierung,
daß das Tempo des Wirtschaftswachstums

nach dem scharfen Anstieg in der

ersten Jahreshälfte im zweiten Halbjahr 1977 erheblich nachgelassen hat. Nach
allgemeinen Schätzungen dürfte das Bruttosozialprodukt der USA 1977 - nach

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�nach Ausschaltung inflationsbedingter Faktoren - um etwa 4,8 Prozent gestiegen sein, während die Verbraucherpreise zwischen 5,5 und 6,5 Prozent
angezogen haben.

Die Arbeitslosenquote liegt zur Zeit bei 7 Prozent.

Für 1978 wird ein Ansteigen des Bruttosozialprodukts zwischen 5 Prozent - die etwas optimistische Prognose des Vizepräsidenten der U.S. Steel
Company

Joseph Greer - und 3,6 Prozent - nach den etwas pessimistischeren

Berechnungen der Staatsuniversität von Michigan - erwartet.

Die Inflations-

rate dürfte zwischen 5,7 Prozent - Morgan Guaranty Trust - und 6,7 Prozent nach einer Umfrage des "Industry Week Magazine" bei maßgebenden Persönlichkeiten der Wirtschaft - liegen.

Dagegen weichen die Schätzungen über die

Entwicklung der Arbeitslosenquote im neuen Jahr mit 6,4 bis 6,8 Prozent nur
geringfügig voneinander ab.
Die abweichenden Prognosen sind zum Teil darauf zurückzuführen, daß
die einzelnen Wirtschaftsforschungsinstitute unterschiedliche Verfahren anwenden oder von unterschiedlichen Voraussetzungen ausgehen. So setzt Otto
Eckstein von der Data Resources Inc. bei seinen Voraussetzungen voraus, daß
ein Steuersenkungsprogramm in Höhe von 20 Milliarden Dollar verabschiedet wird,
ein den Vorschlägen Präsident Carters im allgemeinen entsprechendes Energieprogramm den Kongreß passiert und die Sozialversicherungsreform sowie weitere innenpolitische Maßnahmen in Kraft treten. Die Professoren Saul Hymans
und Harold Shapiro von der Staatsuniversität von Michigan rechnen zwar mit
einem Energieprogramm, erwarten aber keinerlei Änderungen bei den Regierungsausgaben und lediglich eine begrenzte Geldmengenzunahme. Und die auf der
Novemberkonferenz des Brookings Institute versammelten Wirtschaftler gingen
bei ihren Vorausschätzungen von der augenblicklichen Situation aus.
Eckstein vertritt die Ansicht, daß wenig geschehen ist, was in den
nächsten Jahren zu einem Abbau des harten Grundstocks der Inflationsrate
von gegenwärtig 5,5 bis 6 Prozent führen könnte. Zwar seien Produktivitätssteigerungen erzielt und die Arbeitskosten gesenkt worden. Aber die Lohnsteigerungsrate dürfte kaum unter 8 Prozent zurückfallen,und dazu komme noch
- 2 -

�noch die sich aus der Anhebung der Energiepreise um 15 Prozent ergebende
Erhöhung der Inflationsrate um circa ein Prozent.

Alles in allem seien also

die Aussichten für eine Senkung der Inflationsrate schlecht; allerdings sei
auch eine dramatische Beschleunigung der Inflation höchst unwahrscheinlich.
Sollte es der Regierung jedoch gelingen, so meinte Eckstein, die richtige
Mischung von Maßnahmen für einen Ausgleich des Haushalts durchzusetzen und
die Endverbrauchernachfrage real zu steigern, so könnte der Anstieg des Gesamtpreisniveaus zwischen heute und 1980 auf 5,5 Prozent begrenzt werden.
Der frühere Vorsitzende des Wirtschaftsbeirats des Präsidenten, Professor Walter Heller, pflichtet in seiner Prognose für die National City
Bank of Minneapolis dieser Auffassung Ecksteins bei, bemerkt jedoch einschränkend, daß die Regierung bisher über einen behutsam geführten - aber
unwirksamen - Dialog mit den Gewerkschaften und den Unternehmern über das
"Kostenauftriebskarussell" nicht hinausgekommen ist. Daher bleibe die Aussicht auf ein Absinken der Inflationsrate unter sechs Prozent recht gering,
sofern nicht die Regierung zu "mutigeren" Maßnahmen greife, seien es Leitlinien oder Steuersenkungen, um so auf eine Mäßigung bei den Löhnen hinzuwirken.
Anlage- und Ausrüstungsinvestitionen werden von den Wirtschaftsanalytikern schon immer als wichtiger Frühindikator für eine künftige Zunahme der
Wirtschaftstätigkeit betrachtet.

Im Jahre 1977 dürften die Investitionen der

Wirtschaft um acht bis neun Prozent zugenommen haben.

Die Unsicherheit be-

züglich der Gewinnspannen wird jedoch 1978 nach Ansicht des Vizepräsidenten
der Chase Manhattan Bank, Robert Slighton, zur Zurückhaltung bei den Investitionen mahnen.

Aber auch bezüglich der künftigen Energiepreise, der Verfüg-

barkeit von Energie, der Steuerpolitik, der Umweltnormen sowie zahlreicher
anderer Fragen besteht in der Wirtschaft eine gewisse Unsicherheit.

So hat

eine Umfrage des "Industry Week Magazine" ergeben, daß die Planungen der
Wirtschaft für 1978 lediglich eine Zunahme der Investitionen um 3,9 Prozent
vorsehen.

Das Problem ist nicht, wie Heller hierzu erklärt, daß die Unter-

nehmen nicht über die erforderlichen Mittel verfügen.
- 3 -

Vielmehr zögere die

�die Wirtschaft, neue Kapazitäten zu schaffen, solange die vorhandenen Anlagen nicht voll ausgelastet sind.

Die durchschnittliche Kapazitätsaus-

lastung in der amerikanischen Industrie liegt gegenwärtig bei etwa 83 Prozent.
Die Staatsuniversität von Michigan ist dagegen anderer Ansicht.

Sie

sagt einen Anstieg der Anlageinvestitionen der Wirtschaft von sechs Prozent
für 1978 und von 6,5 resp. 7,1 Prozent in den Jahren 1979 und 1980 voraus,
sofern Steuersenkungen für die Wirtschaft und Steuerkredite für Investitionen
gewährt werden.

Nach ihrer Auffassung haben sich die Investitionsaufwendun-

gen der Wirtschaft in der gegenwärtigen Wiedererholungsperiode weniger stimulierend ausgewirkt als bei ähnlichen Aufschwungsphasen nach dem letzten Weltkrieg.

Ohne irgend welche Steuervergünstigungen würden die Anlageinvesti-

tionen der Wirtschaft 1978 nur um 4,8 Prozent zunehmen.

Da Steuersenkungen

zu einem Anstieg der Verbraucherausgaben und vor allem einer starken Zunahme
der Autokäufe führen würden, werde sich dies auch belebend auf die Investitionstätigkeit auswirken.
In den Prognosen wird ferner darauf hingewiesen, daß die Vereinigten
Staaten auch bei Steuersenkungen nicht mit einem so schnellen Wirtschaftswachstum rechnen können, daß die Arbeitslosigkeit in den nächsten Jahren
entscheidend abgebaut werden kann. Eckstein meint, wenn das von dem Präsidenten angestrebte Ziel einer Verringerung der Arbeitslosigkeit auf fünf
Prozent bis 1980 erreicht werden soll, dann müßten, um die hierfür erforderliche Nachfrage zu schaffen, das Bruttosozialprodukt um jährlich fünf Prozent und die realen Investitionen um jährlich fast zehn Prozent steigen.
Dies sei möglich, wenn der Anstieg von Preisen und Löhnen zwischen heute
und 1980 auf 5,5 resp. 6,6 Prozent herabgedrückt, die Geldpolitik gelokkert und die Zinsen gesenkt würden. Wahrscheinlicher ist jedoch nach Ansicht von Eckstein, daß an der Inflationsfront nur wenig Erfolge und bei
der Schließung der Kluft zwischen realem Wachstum und potentiellem Wachstum
nur begrenzter Erfolg erzielt wird. Die Steuersenkung, mit deren Verabschiedung 1978 zu rechnen sei, werde zu einer Steigerung des Wirtschaftswachstums
- 4 -

�Wirtschaftswachstums im Jahre 1979 um lediglich vier Prozent führen und
erst 1980 werde das Wirtschaftswachstum in die Nähe des gesteckten Zieles
von fünf Prozent kommen und die Arbeitslosigkeit unter sechs Prozent
absinken.

Hymans und Shapiro rechnen trotz einer Steuersenkung für 1979 nur mit
einem Wirtschaftswachstum von 3,25 Prozent - und sollten die Steuern nicht
gesenkt werden, mit einem Wachstum von 2,4 Prozent.

Sie glauben auch nicht,

daß es gelingt, die Arbeitslosigkeit schon 1979 unter sechs Prozent herabzudrücken.

Slighton weist darauf hin, daß die Rekordwirtschaftstätigkeit in den
zwei Jahrzehnten vor dem Ansteigen der Energiepreise kein guter Vergleichsmaßstab für die Leistungen der Wirtschaft in den kommenden zehn Jahren ist.
Die Grenzen für ein mögliches Wachstum seien heute enger geworden.

Das Wirt-

schaftswachstum werde 1978 und in dem darauffolgenden Jahrzehnt voraussichtlich langsamer als in den Jahren von 1951 bis 1971 sein.

Die Vereinigten

Staaten würden sich jetzt immer stärker der wichtigen Impulse bewußt, die der
Außenhandel der US-Wirtschaft geben kann.

Die Aufrechterhaltung eines hohen

Wirtschaftswachstums in den USA sei auch wichtig für die Wiedergesundung der
übrigen Volkswirtschaften.

Die Wirtschaftsanalytiker sagen lediglich ein mäßiges Mengenwachstum
der US-Exporte voraus, wobei die Entwicklung der Ausfuhr den erwarteten
langsamen wirtschaftlichen Aufschwung bei den meisten amerikanischen Handelspartnern entsprechen werde.

Eckstein fügt hinzu, daß die steigenden Zins-

sätze in den USA die Möglichkeiten einiger der amerikanischen Handelspartner
für Zinssenkungen einengen werden,so daß die meisten Länder bei einer konservativen Wirtschaftspolitik bleiben würden.

Die Möglichkeit guter Ernten in den anderen Ländern im neuen Jahr und
die wachsende Neigung zu einer protektionistischen Politik könnten nach Ansicht verschiedener Wirtschaftsexperten zu einer Einschränkung des künftigen
- 5 -

�künftigen Wachstums für den Welthandel führen.

Wenn gleichzeitig das Alaska-

Öl jetzt zu fließen beginnt, werde auch der Anstieg der amerikanischen Erdöleinfuhren sich verlangsamen.
Unter Berücksichtigung aller dieser Voraussagen scheint nach Auffassung
der Wirtschaftsexperten festzustehen, daß der wirtschaftliche Aufschwung ohne
zusätzliche Anregungen, wie sie zum Beispiel von der von Präsident Carter
vorgeschlagenen wesentlichen Steuersenkung ausgehen könnten, sich 1978 nur
recht zögernd fortsetzen werde.
Zusammenfassend stellt der ehemalige Vorsitzende des Wirtschaftsbeirats
des Präsidenten, Arthur Okun, fest, daß der Wirtschaftsaufschwung noch "über
beträchtliche Stärke und Lebensdauer" verfüge, wobei er jedoch von der Erwartung ausgeht, daß eine die Wirtschaft stimulierende Steuersenkung erfolgt.
Hymans und Shapiro sind vorsichtiger:

Wenn die amerikanischen Währungsbehör-

den nicht Mitte 1978 das Ruder herumwerfen und zu einer Politik des leichten
Geldes übergehen und wenn Kongreß und Carter-Administration nicht in der
zweiten Hälfte 1978 größere fiskalische Anreize gewähren, dann werde die
Wirtschaft, völlig unnötig, bis dicht an eine Rezession abrutschen.
Was besagen nun alle diese Prognosen letztlich? Nicht sehr viel, meint
John Kenneth Galbraith, denn keine enthalte Faktoren über die Wirtschaftsaussichten, die nicht auf frühere Erfahrungen zurückgehen. Die Entwicklung,
die die Wirtschaft nimmt, sei dagegen ein Prozeß einer ständigen Anpassung
an Dinge, die noch nie zuvor eingetreten sind.

+ + + + +

�1

4. Januar 1978

NEUER US-VERTEIDIGUNGSHAUSHALT MIT REALEM WACHSTUM
Amerika will NATO-Beitrag verstärken
Von unserem Korrespondenten Hugh 0. Muir

WASHINGTON - (AD) - Die Regierung Carter ist gegenwärtig dabei,
ihren ersten eigenen Verteidigungshaushalt auszuarbeiten, der dem Kongreß
am 23. Januar 1978 vorgelegt werden soll. Wie hierzu aus dem Verteidigunrsministerium verlautet, ist mit einem zwar geringen, aber doch
realem Wachstum der Militärausgaben im Haushaltjahr 1979 - 1. Oktober
1978 bis 30. September 1979 - zu rechnen.
Vertreter des Verteidigungsministeriums wiesen jüngst im Rückblick
auf das erste Jahr der Carter-Administration

auf die Tatsache hin, daß

die Verteidigungsausgaben in Prozent des Bruttosozialprodukts ausgedrückt
im Verlauf der letzten Jahre von rund zehn auf derzeit nur noch fünf bis
sechs Prozent zurückgegangen sind. Die Sowjetunion dagegen hielt die letzten
15 Jahre Verteidigungsaufwendungen in ihrem realen Dollarwert konstant
auf gleicher Höhe.
Der Militärhaushalt der USA für das laufende Finanzjahr wurde be*kanntlich noch von Präsident Ford eingebracht und von Präsident Carter

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex: 08-85432

�Präsident Carter lediglich revidiert. Die wichtigste Entscheidung der
Carter-Administration bezüglich des Haushaltvoranschlags Fords war nach
Auffassung hoher Beamter im Pentagon die Einstellung der Konstruktions~
Planung für weitere überschaubomber des Typs B-l. Im Kongreß stand zum
Jahresende 1977 noch immer ein Gesetz an, das den Bau einer fünften und
sechsten Maschine dieses Typs vorsah. Während der Senat zu verstehen
gegeben hatte, er wolle sich gegen den Bau dieser beiden Flugzeuge wenden,
schien das Repräsentantenhaus eher einer Zustimmung zum Bau zuzuneigen.
Das Verteidigungsministerium dagegen vertrat die Auffassung, die vier
sich gegenwärtig in der Flugerprobung befindlichen B-1-Flugzeuge würden
ausreichen, die erforderliche Weiterentwicklung auf dem Gebiet des überschal lflugs zu gewährleisten; die für die Verwirklichung des genannten
Gesetzes erforderlichen 450 Millionen Dollar für zwei weitere Flugzeuge
des Typs B-l lassen sich mithin ohne negative Folgen einsparen.
Amerikanische Regierungsvertreter sprachen von einer deutlichen
Schwerpunktverlagerung hinsichtlich der Zielsetzungen im Bereich der Verteidigungsanstrengungen im ersten Jahr der Carter-Administration: der
beträchtlichen Aufwertung der militärischen Rolle der NATO. Die ersten
Ergebnisse der auf Initiative der USA eingeleiteten neuen NATO-Planung
dürften schon 1978 sichtbar werden - vor allem auf den Gebieten der
Verstärkung der Panzerabwehr, der Anlage von Materialvorräten und der
Verbesserung des Ersatzwesens. Ob die steigenden amerikanischen Ausgaben
innerhalb der NATO der geplanten dreiprozentigen Anhebung entsprechen
werden, wird einmal vom Fortgang der Inflation und zum anderen von der
Haltung des Kongresses zu dem vorzulegenden Haushaltanschlag abhängen.
Schwierigkeiten bereitete es Präsident Carter und seiner Mannschaft bisher,
die Europäer davon zu überzeugen, daß sie ihrerseits ihre Industrie stärker
auf die militärischen Erfordernisse des Bündnisses ausrichten müssen.
Die NATO-Mitgliedstaaten werden sich aber künftig, so rechnet man in
Washington fest, auch auf dem industriellen Sektor gegenseitig mehr als
bisher unterstützen, statt sich, wie in der Vergangenheit so oft geschehen,
allein auf ihre eigenen nationalen Anstrengungen zu verlassen.
Unter den
- 2 -

�Unter den anstehenden Entscheidungen kommt der über die künftige
Zusammensetzung der Strategischen Streitkräfte der Vereinigten Staaten
und der dami\ einhergehenden Zieldoktrin wohl das größte Gewicht zu insbesondere im Lichte des 1977 gefaßten Beschlusses, im Rahmen des
"Triade"-Verteidigungskonzepts eine Kombination aus B-52 und Marschflugkörpern zu entwickeln» Offen ist auch die Frage nach dem Fortgang der
Entwicklung des MX-Raketensystems - ob auf mobile Raketen oder festinstallierte Raketen wie die landgestützten interkontinentalen ballistischen
Raketen hin geplant werden soll» Die Entscheidung über die Basierung ist
für den Fortgang des Entwicklungs- und Dislozierungsprogramms der MX von
grundsätzlicher Bedeutung.
Wichtigste Überlegung aber ist und bleibt, daß die Sowjetunion ihre
Rüstung auch weiterhin stetig und über Jahre hinweg verstärken und über
Waffen und Ausrüstungen in steigenden Mengen verfügen wird - so zum
Beispiel über immer mehr Panzer» Bei der Gestaltung des amerikanischen
Militärhaushalts müssen sich deshalb, so argumentiert man in Washington,
alle Beteiligten ihrer Verantwortung bewußt sein, einen Haushalt zustandezubringen, der dieser quantitativen Herausforderung ebenso wie der Notwendigkeit der Aufrechterhaltung des amerikanischen Vorsprungs in qualitativer Hinsicht gebührend Rechnung trägt»

+ + + + +

- 3 -

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