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                    <text>AMERIKA DIENST

2 . März 1988

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan:

USA und NATO Rente ins am in die Zukunft

- Worldnet-Ansprache von Präsident Reagan Carlueci:

INF bedeutet keine AbkoppelunR von Europa

- Worldnet-Interview mit dem amerikanischen Verteidigungsminister

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Remeinsame Sicherheit ist nicht teilbar - Die westliche Allianz
muß einig, und stark bleiben
- Von Rozanne Ridgeway, Abteilungsleiterin im amerikanischen Außenministerium für europäische und kanadische Angelegenheiten -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
RettunRsgerät für DISCOVERY-BesatzunR
Magnetisches Resonanzverfahren zum Aufspüren von GefäßverenRunR

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

4

9

2. März 1988
REAGAN:

USA UND NATO GEMEINSAM IN DIE ZUKUNFT

- Worldnet-Ansprache von Präsident Reagan WASHINGTON - (AD) - In seiner vom Fernsehsender Worldnet des US-Informationsamtes übertragenen Ansprache anläßlich des bevorstehenden NATO-Gipfels
erklärte Präsident Reagan am 23. Februar 1988, auch nach dem INF-Vertrag würden 4 000 amerikanische Nuklearwaffen und 300 000 Soldaten "als Garantie für
die enge Verflechtung unserer jeweiligen Zukunft" in Europa stationiert bleiben.
Präsident Reagan wird Anfang dieses Monats in Brüssel mit den Staats- und
Regierungschefs der NATO-Mitgliedsstaaten zusammentreffen und bekräftigte in
diesem Zusammenhang erneut, daß die NATO "das Kernstück der Außenpolitik und
eigenen Sicherheit der Vereinigten Staaten darstellt". Reagan betonte ferner,
"ein Angriff auf München kommt einem Angriff auf Chicago gleich".
Nachfolgend veröffentlichen wir die per Satellit übertragene Fernsehansprache Präsident Reagans im Wortlaut.

In wenigen Tagen werde ich mich
auf dem Weg nach Europa zum Treffen
der Staats- und Regierungschefs des
Nordatlantischen Bündnisses befinden.
Dies ist unsere erste Zusammenkunft
nach der Unterzeichnung des INF-Vertrages
durch
Generalsekretär
Gorbatschow und mich in Washington im
Dezember vergangenen Jahres. Dieses
Abkommen war ein Schritt in Richtung
auf Frieden und Freiheit in der Welt
und ein entscheidender Sieg für das
Atlantische Bündnis. Bei dem bevorstehenden Gipfel werden wir also den
Erfolg einer vor mehr als acht Jahren

United States Information Service
Embassy of the United States of Ar

von uns in die Wege geleiteten Politik feiern können, und wir werden uns
die Frage stellen müssen: Was ist
als nächstes zu tun? Bei dieser Gelegenheit möchte ich Ihnen einige Gedanken vortragen, die wir uns in den
Vereinigten Staaten über das Bündnis,
den INF-Vertrag und den vor uns liegenden Weg machen.
Die NATO bildet das Kernstück der
Außenpolitik und eigenen Sicherheit
der Vereinigten Staaten. Die Bewahrung Europas in Frieden, Freiheit und
Demokratie ist für die Bewahrung der

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Vereinigten Staaten in Frieden, Freiheit
und
Demokratie
unabdingbar.
Wenn die uns verbündeten Demokratien
nicht sicher sind, können wir nicht
sicher sein. Wenn Sie bedroht werden, sind wir bedroht. Wenn Sie sich
nicht im Frieden befinden, können wir
nicht in Frieden leben. Ein Angriff
auf Sie ist ein Angriff auf uns.
Dies ist nicht nur eine Sache vertraglicher Formulierungen, so wichtig
diese auch sein mögen.
Dies sind
Tatsachen - ebenso wie die Tatsache
bestehen bleibt, daß eine Bedrohung
der Sicherheit der Staaten Maine, New
York oder Kalifornien gleichzeitig
eine Bedrohung aller 50 amerikanischen Bundesstaaten ist. Kurz gesagt: Ein Angriff auf München kommt
einem Angriff auf Chicago gleich.
Wir Amerikaner haben uns mit der
Erkenntnis schwer getan, wie eng
Frieden und Freiheit der Vereinigten
Staaten mit dem Schicksal Europas
verflochten sind. Eine aus der Zeit
Präsident Washingtons stammende Tradition war es, "ständige Bündnisse"
zu vermeiden. Und dennoch befanden
wir uns bereits zweimal im Verlauf
dieses Jahrhunderts, als Frieden und
Freiheit in Europa auf dem Spiel
standen, inmitten eines Kampfes.
Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges hatten wir gehofft, Frieden,
Freiheit und Demokratie seien in Europa endlich für immer gewährleistet.
Obwohl die Vereinigten Staaten über
mehrere Jahre hinweg bei Nuklearwaffen eine Monopolstellung einnahmen,
lag es uns fern, von diesem Vorteil
zum territorialen oder irgendeinem
anderen Nutzen zu profitieren. Wir
kehrten nach Hause zurück, legten unsere Unifomen ab und die Zivilkleidung wieder an und nahmen das normale
Leben mit unseren Familien in unseren
Gemeinden wieder auf. Die Europäer
sagen häufig, wir Amerikaner seien

naiv. Nun, vor 40 Jahren traf dies
wahrscheinlich zu.
Wir mußten bald lernen, daß die
Welt nach dem Krieg nicht dem entsprach, worum wir während all dieser
jahrelangen Kämpfe gebetet hatten.
Mit zunehmender Besorgnis und Ohnmacht mußten wir beobachten, wie die
Sowjets der in Jalta eingegangenen
Verpflichtung zur Durchführung freier
Wahlen in Osteuropa den Rücken kehrten.
In ganz Osteuropa blieb die
Rote Armee weiterhin eine in vollem
Umfang mobilisierte Besatzungsarmee.
Es gab Versuche, die Demokratien in
Westeuropa zu unterwandern und es gab
das sowjetische Abenteuer in Griechenland, das dem heutigen Unterfangen der Sowjets in Mittelamerika
nicht unähnlich ist.
Als Westeuropa - mit Hilfe des
Marshall-Plans - den Wiederaufbau in
Angriff nahm, begannen alle unsere
Nationen, sich des Charakters der sowjetischen Bedrohung der Demokratien
bewußt zu werden. Und so kamen wir angefangen mit dem Brüsseler Vertrag
von 1948, der die Gründung der Westeuropäischen Union (WEU) zur Folge
hatte und dann, ein Jahr später, des
Nordatlantikvertrages, der sich auf
Kanada und die Vereinigten Staaten
sowie andere europäische Nationen erstreckte - für die Sache der gemeinsamen Sicherheit und des Friedens zusammen. Bei der Unterzeichnung des
Nordatlantikvertrages erklärte Präsident Harry Truman, durch diese Partnerschaft "versuchen wir, einen von
Aggression und Machteinsatz freien
Frieden in der nordatlantischen Gemeinschaft hervorzubringen". Und er
fügte hinzu, "Dieses Gebiet war der
Brennpunkt der letzten beiden Weltkonflikte. Dieses Gebiet vor Krieg
zu bewahren wird ein großer Schritt
in Richtung auf dauerhaften Frieden
in der ganzen Welt sein."

�Frieden war stets das Ziel des
Bündnisses
und
der Zweck seiner
Streitkräfte und Strategien. Und für
nahezu 40 Jahre ist Frieden seine Errungenschaft gewesen - ein Zeitraum
europäischen Friedens, der in der Geschichte seinesgleichen sucht, in dem
wir in den Demokratien in Freiheit
leben und Wohlstand vermehren konnten.
Die Friedensstrategie der NATO
ist stets einfach gewesen - Abwendung
der Aggression, noch vor ihrem Beginn. Genug Stärke und Entschlossenheit beweisen, so daß kein Gegner
auch nur einen Moment lang glauben
könnte, Krieg mache sich bezahlt.
Zunächst bedeutete das atomare
Monopol der NATO einen nuklearen
Schutzschild. Später wurde eine flexiblere Reaktion erforderlich - mit
der wir auf jegliche Art von Agriff
reagieren konnten. Ja, strategische
Nuklearwaffen waren und sind - ebenso
wie andere Nuklearwaffen - nach wie
vor notwendig. Dies kam auch in der
von Präsident Mitterrand im Dezember
vergangenen Jahres abgegebenen Erklärung zum Ausdruck: "zwischen Ost und
West ist der Weltfrieden gewährleistet worden...
durch das nukleare
Gleichgewicht". Aber Mitte der sechziger Jahre mußten wir feststellen,
daß das strategische nukleare Gleichgewicht allein nicht ausreicht, um
den Frieden zu bewahren. Die Gegner
des Bündnisses dürfen sich nicht dem
Glauben hingeben, unsere einzig mögliche Antwort auf einen begrenzten
Angriff sei das Auslösen eines interkontinentalen nuklearen Schlagabtauschs. Sollten sie sich jedoch diesem
Glauben hingeben,
könnten sie bezweifeln, daß wir eine solche Antwort
riskieren würden und versucht sein,
uns auf die Probe zu stellen.
Das
ist natürlich genau der
Grund, warum die in der zweiten Hälf-

te der siebziger Jahre begonnene Stationierung der SS-20 Mittelstreckenraketen mittlerer Reichweite durch
die Sowjets solch eine bedrohliche
Herausforderung
darstellte.
Die
SS-20 waren nicht nur eine neue Waffe, sondern eine völlig neue Dimension der Bedrohung, der die NATO
nichts Vergleichbares entgegenzusetzen hatte.
Ohne Provokation oder
Vorwarnung erschütterte die Sowjetunion die Grundstruktur des europäischen Friedens.
Wie hat der Westen reagiert? Im
Jahr
1977
lenkte
Bundeskanzler
Schmidt unser Augenmerk auf die Bedrohung durch die sowjetischen SS-20.
Im Dezember 1979 verabschiedete die
NATO den Doppelbeschluß.
Die Vereinigten Staaten versuchten zunächst mit den Sowjets zu verhandeln, um sie zum Abzug der SS-20
oder der Zustimmung zum niedrigst
möglichen Gleichstand amerikanischer
und sowjetischer Systeme zu bewegen.
Solange die Sowjets von der Aufgabe
dieser Raketen nicht überzeugt werden
könnten, würde die NATO ebenfalls
eine begrenzte Anzahl ihrer eigenen
INF-Raketen stationieren - die amerikanischen Pershing II und landgestützten Marschflugkörper.
Diese Entscheidung zielte nicht
auf die Stationierung von mehr Raketen in Europa, sondern auf das genaue
Gegenteil ab.
Wie Valery Giscard
d'Estaing sagte, bestand das "bevorzugte Ziel darin, die Sowjetunion zum
Abbau der SS-20 zu zwingen".
Und dies ist uns jetzt gelungen.
Es war nicht leicht. Die Europäer
wissen das nur zu gut. Sie haben
viele Demonstrationen - viele gewalttätige Demonstrationen - gegen die
Stationierung beobachtet. Sie hörten
die zornigen Stimmen, mit denen die

- 3 -

�Vereinigten Staaten und die NATO vermeintlicher Kriegsabsichten beschuldigt wurden.
Sie haben Wahlkämpfe
miterlebt, bei denen die Stationierung zum Thema gemacht wurde. Sie
haben beobachtet, wie die Sowjets auf die pazifistische Gesinnung setzend - meinen Vorschlag zum vollständigen Abbau der INF-Raketen längerer
Reichweite von 1981 als unrealistisch
und nicht ernstgemeint ablehnten,
später den Verhandlungstisch verließen und sowohl vor als auch nach
ihrer Rückkehr ein Ultimatum nach dem
anderen stellten.
Sie konnten den
Mut Ihrer politischen Entscheidungsträger bezeugen, als sie zum Entschluß des Bündnisses standen - vor
allem die politisch Verantwortlichen
der fünf Stationierungsländer: Großbritannien, Belgien, Italien, die
Niederlande und die Bundesrepublik
Deutschland.
Viele derjenigen, die jeden einzelnen Schritt der NATO-Politik angefochten haben, nehmen jetzt deren Erfolg für sich in Anspruch. Diejenigen, die gegen eine Stationierung waren, haben gewonnen - sagen sie.
Premierministerin Thatcher hat den
Kern der Sache getroffen, als sie
kürzlich erklärte, und ich zitiere:
"Ohne die Entschlossenheit der NATO
zur Stationierung wäre das INF-Abkommen nie unterzeichnet worden". Und
sie stellte fest, "die SS-20 wären
immer noch aufgestellt, und wir hätten keinerlei Argument zur Verfügung
gehabt, die Sowjets von ihrem Abbau
zu überzeugen". Und es sind nicht
nur die SS-20, die demontiert werden,
sondern auch die SS-4 und die sowjetischen INF-Raketen kürzerer Reichweite, die SS-12 und SS-23, die an
sich schon eine wachsende Bedrohung
der Sicherheit des Bündnisses darstellten, da sie konventionelle oder
chemische - und auch nukleare - Gefechtsköpfe tragen können. Der INF-

Vertrag bedeutet tatsächlich einen
Sieg für die NATO. Und er sollte den
Kritikern der NATO eine Lektion erteilen.
Ich bin mir bewußt, daß manche
bei dem Abkommen immer noch ein ungutes Gefühl haben. Einige sind über
den konventionellen und chemischen
Vorteil der Sowjets besorgt und darüber,
daß
die
Beseitigung
der
Pershing
II
und
landgestützten
Marschflugkörper den Westen diesen
sowjetischen Streitkräften gegenüber
noch verwundbarer macht. Andere betrachten voll Sorge das Bindeglied
zwischen den amerikanischen und den
europäischen Stützpfeilern der NATO.
Ihre bange Frage lautet, ob der Frieden noch sicher ist, wenn diese Waffen verschrottet worden sind?
Ich bin froh, darauf mit einem
eindeutigen "Ja" antworten zu können.
Die ca. 4 000 in Europa verbleibenden
Nuklearwaffen bilden ein starkes Bindeglied zwischen den Stützpfeilern
der NATO - ebenso wie die mehr als
300 000 amerikanischen Soldaten und
ihre Familien, die in Europa leben
und arbeiten. Die verbleibenden Nuklearwaffen sind gleichmäßig auf das
Gebiet der NATO verteilt - und nicht
in einem Land konzentriert und setzen
somit auch kein Land einem besonderen
Risiko aus.
Um den Frieden gewährleisten zu
können, müssen diese Nuklearwaffen an
ihrem gegenwärtigen Standort verbleiben bis wir auf dem Kontinent mehr
Ausgewogenheit bei den konventionellen Streitkräften erzielen können.
Aufgrund ihrer Existenz und der sowjetischen Kenntnis darüber können
wir das Gleichgewicht beibehalten,
das den Frieden erhält.
Die Vereinigten Staaten bleiben
der NATO-Strategie der flexiblen Re-

- 4 -

�aktion unerschütterlich verpflichtet,
und wir in den Vereinigten Staaten
werden unseren Teil dazu beitragen,
um sicherzustellen, daß die NATO all
jene modernen - konventionellen und
nuklearen - Streitkräfte aufrechterhält, die für die Beibehaltung dieser
Strategie notwendig sind. Schließlich ist unser Ziel nicht ein von
Atomwaffen oder Panzern und Armeen
befreites Europa, sondern ein Europa,
in dem es keine Kriege gibt. Heute
haben wir ein solches Europa, ein Europa im Frieden, das wir erhalten
wollen.
Wenn wir uns die nächsten zehn
Jahre der NATO vor Augen führen, ist
es unsere Aufgabe, all unsere Streitkräfte für den Frieden - einschließlich der nuklearen Streitkräfte - modern und effektiv zu erhalten. Das
wird kontinuierliche Arbeit erfordern,
weil
Militärmaschinerien
schnell veralten. Ferner ist es notwendig, daß wir bei Entwicklung und
Erwerb von Waffen und Material intelligent vorgehen - damit wir für
unser Geld den besten Gegenwert erhalten. Ich selbst rechne mit dem
Pfennig und bin froh, daß die NATO
Wirtschaftlichkeit ernst nimmt.
Bessere Zusammenarbeit unter den
Ländern Westeuropas wird auch der
Verteidigungsplanung und anderen Bereichen förderlich sein, wie wir bereits im Persischen Golf gesehen haben. Und ich möchte hinzufügen, daß
wir Amerikaner eine Zusammenarbeit im
Verteidigungsbereich zwischen unseren
europäischen Partnern auf multilateraler wie auch auf bilateraler Ebene
befürworten, die ihrem Wesen nach der
Kooperation gleichen sollte, wie sie
die Westeuropäische Union und die
Deutschen, Franzosen und andere Regierungen im Rahmen des Bündnisses
demonstriert haben.

Diese Kooperation und Koordination ist für die Stärkung des europäischen Pfeilers im Bündnis - und
damit des gesamten Bündnisses - unabdingbar.
Wir Amerikaner werden unseren
Beitrag zum Erhalt eines starken
Bündnisses leisten.
Unsere Streitkräfte werden in Europa als Garantie
dafür bleiben, daß unsere und Ihre
Zukunft untrennbar verknüpft sind.
Wir werden weiterhin unsere Streitkräfte und den - starken und modernen
- nuklearen Schutzschild beibehalten.
Und wir werden unsere Strategische Verteidigungsinitiative nachdrücklich weiterverfolgen.
Ich muß
noch einmal darauf eingehen, daß zu
Beginn große Verwirrung über unser
SDI-Programm bestand. Es wurde vielfach als "Krieg der Sterne" bezeichnet. Es hieß, dadurch würden amerikanische Waffen gefährlich weit in
den Weltraum eindringen. Es wird jedoch zunehmend erkannt, daß durch
diese Technologie die Bedrohung durch
Waffen nicht erhöht, sondern begrenzt
wird. Sie wird Menschen schützen und
verteidigen. SDI birgt das Versprechen, die Last des nuklearen Terrors
von der Menschheit abzuwenden und
diese Welt sicherer zu machen.
Nicht nur die Vereinigten Staaten
besitzen ein Strategisches Verteidigungsprogramm.
In den letzten zehn
Jahren haben die Sowjets 200 Milliarden Dollar für ihre strategische Verteidigung ausgegeben.
Es wäre ein
schwerwiegender Fehler, dieses Programm nicht weiter zu verfolgen.
Noch bevor es endgültig Wirkung zeitigt, wird die Strategische Verteidigung Abschreckung stärken. Wer auch
immer den Westen mit einem Erstschlag
außer Gefecht zu setzen gedenkt, wird
seine Position überdenken müssen,
weil dadurch das sowjetische Vertrau-

�en auf den militärischen Erfolg eines
solchen Angriffs erschüttert wird.
Aber die Aufrechterhaltung der
Verteidigungsbereitschaft und -fähigkeit unserer Streitkräfte ist nicht
etwa der einzige Punkt auf der Tagesordnung des Bündnisses. Wir wollen
eine sicherere Welt, eine Welt mit
Streitkräften geringeren Umfangs und
weniger Waffen und gleichzeitig das
entscheidende Gleichgewicht beibehalten, das den Frieden gewährleistet.
Das ist das Ziel der gegenwärtig in
Genf geführten START-Verhandlungen ein 50prozentiger Abbau der strategischen
Arsenale
der
Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion.
Wir streben im Bündnis schon lange nach einer Behebung des Ungleichgewichts
bei
den
konventionellen
Streitkräften in Europa.
Wir wünschen ferner größere Offenheit, mehr
Vertrauen und verbesserte Sicherheit,
von denen alle Länder profitieren.
Die erste Priorität aller neuen Verhandlungen muß die Beseitigung der
konventionellen Fähigkeiten zu Überraschungsangriffen und Großoffensiven
sein.
Die Vereinigten Staaten hoffen,
daß die Warschauer Pakt-Staaten sich
gemeinsam mit den NATO-Verbündeten
auf eine Korrektur des vor allem bei
Panzern und Artillerie - den am meisten bedrohenden Landstreitkräften bestehenden Ungleichgewichts konzentrieren. Ein von mehr Sicherheit gekennzeichneter Frieden erfordert, daß
keine Seite ohne Vorwarnung mit ihren
konventionellen Streitkräften einen
massiven Schlag ausführen kann. Ein
besseres Gleichgewicht bei den konventionellen Streitkräften von Ost
und West macht erhebliche Reduzierungen bei den Warschauer Pakt-Staaten
erforderlich - umfangreichere als die
von uns gegebenenfalls vorzunehmenden

- weil ihre Streitkräfte größer und
in stärkerem Maße bedrohend sind.
Wir müssen verifizieren können, daß
sich die Stärke ihrer Streitkräfte im
vereinbarten Rahmen befindet.
Das
mag ehrgeizig klingen, aber wir haben
aus dem Erfolg des Bündnisses mit dem
INF-Vertrag gelernt, daß hochfliegene
Träume durch Solidarität, Entschlossenheit und Durchhaltevermögen Wirklichkit werden können.
Schließlich streben wir auch bei
den Genfer Rüstungskontrollverhandlungen ein wirksames, verifizierbares
und wirklich weltweites Verbot aller
chemischen Waffen an.
Strategische
Rüstungsreduzierungen, ein Gleichgewicht bei den konventionellen Waffen, ein wirksames
Verbot chemischer Waffen - dies sind
unsere Prioritäten für alle Verhandlungen nach dem INF-Vertrag.
Und dennoch vernehmen wir im Vorfeld dieser Verhandlungen Stimmen,
die uns zu einer Abkehr von unserer
Strategie der Kombination von Stärke
und Verhandlungen veranlassen wollen.
Sie sind der Ansicht, die Sowjetunion
habe sich unter ihrer neuen Führung
gewandelt, und
im Zeitalter von
Glasnost könnten wir den Sowjets eher
trauen.
Aber können wir es uns leisten,
zu vergessen, daß Glasnost noch weniger Jahre vom Zeitalter des Gulag
trennen als die NATO besteht? Tatsächlich kollidiert in der Sowjetunion heute eine Politik mit Namen
Glasnost mit der Realität politischer
Unterdrückung.
Wir können es uns
nicht leisten, zu vergessen, daß wir
es mit einem politischen System, einer politischen Kultur und einer politischen Geschichte zu tun haben,
die viele Jahrzehnte und sogar Jahrhunderte zurückzuverfolgen sind. Das

- 6 -

�Pendeln zwischen Glasnost und Gulag
ist weder neu noch gilt es ausschließlich für die Sowjetunion. In
der Geschichte hat dies immer wieder
stattgefunden, wenn ein neuer Zar auf
den Thron kam oder auch während der
Regierungszeit eines einzelnen Zaren.
Wir können es uns nicht leisten, unsere Sicherheit gegen potentielle Motive Einzelner oder moderne Theorien
neuer Führungsspitzen zu verpfänden.
Wir müssen an der Strategie der Stärke und des Dialogs festhalten, die
den Frieden erhalten und für uns beim
INF-Vertrag bemerkenswerte Leistungen
hervorgebracht hat.
Wir müssen uns vergegenwärtigen,
daß für die NATO das Problem nicht im
Heute oder Morgen besteht. Es geht
darum, wie Europa in 15 Jahren aussehen wird. Die Sowjets sprechen über
Offenheit bei internationalen Angelegenheiten. Im vergangenen Jahr habe
ich an der Berliner Mauer erklärt,
daß es für die Sowjets ein einfaches
Mittel gibt, um zu beweisen, wie
ernst sie es mit der Offenheit meinen. Sie können an der Grenze von
Ost nach West beginnen. Sie können
eine Ausweitung des zivilen Luftverkehrs nach Berlin zulassen, so daß
die Stadt zum zentralen Luftkreuz in
Mitteleuropa werden kann. Sie können
zusammen mit Großbritannien, Frankreich und den Vereinigten Staaten
mehr internationale Zusammenkünfte in
Berlin fördern. Sie können Jugendlichen in Ostberlin den Besuch des
Westsektors erlauben, um dort an kulturellen Veranstaltungen teilzunehmen. Sie könnten gemeinsam mit den
Westmächten internationale Sportveranstaltungen in der ganzen Stadt gestatten und ermutigen. Und sie können die Berliner Mauer niederreißen.
Ich kann den Sowjets heute nur
sagen, daß ich meine Vorschläge in
Berlin schon vor neun Monaten unter-

breitet habe. Die Menschen in Berlin
und ganz Europa verdienen eine Antwort. Machen Sie einen Anfang. Bestimmen Sie einen Termin - ein festes
Datum - an dem sie die Mauer niederreißen werden und tun Sie es dann
auch. Dies wäre die eindrucksvolle
Demonstration wahren Engagements für
Offenheit.
In ganz Osteuropa und auch innerhalb der Sowjetunion blicken wir auf
die sowjetische Führungsspitze, damit
sie ihre Ernsthaftigkeit der in Helsinki eingegangenen Verpflichtungen
für
Menschenrechte
unter
Beweis
stellt. Wir warten darauf, daß die
Sowjetunion nicht mehr länger in regionale Konflikte eingreift und in
stärkerem Maße den Reiseverkehr zwischen Ost und West fördert.
Dies
sind die Säulen, auf denen eine dauerhafte Verbesserung der Beziehungen
ruhen muß.
Die
grundlegenden
Meinungsverschiedenheiten zwischen Ost und West
haben nichts mit dem Waffenniveau zu
tun. Wir mißtrauen uns nicht, weil
wir bewaffnet sind. Wir sind vielmehr bewaffnet, weil wir einander
mißtrauen. Das ist eine Frage von
Werten, Überzeugungen und moralischen
Grundsätzen.
Das läßt sich an zahlreichen Beispielen belegen. Wie haben die Sowjets Deutschland und das deutsche
Volk nach dem Krieg behandelt? Was
haben die Demokratien getan? Wie behandeln die Sowjets Länder der Dritten Welt wie etwa Afghanistan oder
Äthiopien heute? Was tut dagegen der
Westen? Wie sieht es heute in Osteuropa aus? Und wie in Westeuropa?
Oder noch einfacher: Was verstehen die Sowjets unter Begriffen wie
Demokratie, Freiheit und Frieden?
Ich bedaure, sagen zu müssen, daß sie

- 7 -

�darunter nicht dasselbe verstehen wie
wir.
Verhandlungen zwischen Ost und
West bedeuten keinen Einklang moralischer Grundsätze oder Lebensstile.
Wir müssen dies öffentlich und wiederholt sagen. So lange wie der Unterschied zwischen Ost und West der
Unterschied
zwischen
Unterdrückung
und Freiheit ist, so lange wie Europäer im Osten nicht frei sprechen und
beten können, so lange wie riesige
Armeen in Osteuropa gegen den Westen
in Stellung gebracht und in gleicher
Weise zum Erstschlag wie die Truppen
der NATO nur zur Verteidigung gegen
einen Angriff ausgebildet werden - so
lange diese Situation in der Welt
vorherrscht, muß die Strategie und
Daseinsberechtigung der NATO darin
bestehen, die Aggrssion zu stoppen,
noch bevor sie ausgeführt wird.

Würde des Menschen, oder, wie Abraham
Lincoln gesagt hat, den Glauben daran, daß "kein Mensch das Recht hat,
einen anderen ohne dessen Zustimmung
zu beherrschen".
Wir alle halten
dieses Motto in Ehren. Wir verteidigen es gemeinsam. Wir haben das Dach
dieser großartigen Struktur eines
Bündnisses fest gefügt, um dieses
Motto gegen alle Stürme und Angriffe
abzustützen.
Die Atlantische Gemeinschaft ist
das Haus der Demokratie. Das Atlantische Bündnis ist der Bewahrer des
größten Vermächtnisses Europas an die
Zukunft - der Freiheit des Menschen
und der Herrschaft der Demokratie.
Das ist die Herausforderung, die sich
dem Bündnis jetzt stellt - stark zu
bleiben, so daß künftige Generationen
Frieden und Freiheit erleben werden
wie wir.

Ich habe bereits auf Äußerungen
Präsident Trumans anläßlich der Unterzeichnung des Nordatlantikvertrages hingewiesen. Bei dieser Gelegenheit hatte er ebenfalls im Zusammenhang mit dem Bündnis bemerkt, wir
seien "wie eine Gruppe von Hausbewohnern, die am selben Ort leben, und
die Entscheidung treffen, ihren gemeinsamen Interessen dadurch Ausdruck
zu verleihen, daß sich sich zu ihrem
gegenseitigen Schutz formell in einem
Verbund zusammenschließen".
In den vergangenen 40 Jahrn sind
wir im Bündnis noch enger zusammengewachsen. Heute leben wir zwar nicht
mehr nur am selben Ort, sondern in
einem einzigen Haus, einem Haus, das
eines Tages die gesamte Menschheit zu
seinen Bewohnern zählen kann - dem
Haus der Demokratie. "Im Haus meines
Vaters gibt es viele Wohnungen". Im
Haus der Demokratie gibt es viele
Sprachen und vielfältige nationale
Traditionen, aber nur ein Ideal - die

- 8-

Vielen Dank und Gott segne Sie.

* * * * * *

�v\N

,-ör,

'VON

AMERIKA DIENST

^ X

Dokumentation

^

2. März 1988

CARLUCCI:

INF BEDEUTET KEINE ABKOPPELUNG VON EUROPA

- Worldnet-Interview mit dem amerikanischen Verteidigungsminister WASHINGTON - (AD) - Im Vorfeld des am 2. und 3. März in Brüssel stattfindenden Gipfeltreffens der NATO-Partner stellte sich Verteidigungsminister
Carlucci am 26. Februar über Worldnet - dem Fernsehsender des US-Informationsamtes - den Fragen ausländischer Journalisten. Carlucci zufolge ist das Gipfeltreffen "lohnenswert", weil es "wichtig ist, daß Staats- und Regierungschefs einander über Rüstungskontrolle, Lastenteilung und andere Bereiche konsultieren. Der Verteidigungsminister betonte ferner, der INF-Vertrag würde
"keineswegs" zur Abkoppelung Westeuropas von den Vereinigten Staaten führen,
und er ging auch auf das noch auszuhandelde START-Abkommen ein, daß er als
"militärisch in unserem Interesse" bezeichnete.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Wortlaut des Fernsehinterviews in Auszügen:
Moderator:
Herr Verteidigungsminister, wird der INF-Vertrag Ihrer
Ansicht nach eine Abkoppelung der
Vereinigten Staaten von der NATO mit
sich bringen?
Carlucci:
Keineswegs.
Die
Vereinigten Staaten engagieren sich
auch weiterhin in der NATO für eine
Strategie der flexiblen Reaktion.
Wir hegen nicht die Absicht, die Zahl
unserer in NATO-Ländern stationierten
300 000 Soldaten zu verringern.
Wir

unterhalten

in

Europa

etwa

United States Information Service
Embassy of the United States of America

4 000 Nuklearwaffen.
Wir sind der
NATO voll und ganz verpflichtet. Der
INF-Vertrag deutet nicht im entferntesten darauf hin, daß es möglichweise in unserem Verhältnis mit Europa
zu einer Abkoppelung kommen könnte.
Frage:
Herr
Verteidigungsminister, Sie haben vor einigen Wochen
in München die Modernisierung der
noch in der Bundesrepublik stationierten Nuklearwaffen gefordert. Sie
haben über Kurzstreckenraketen gesprochen, die das Modell "Lance" ersetzen sollen.
Ein weiteres Ge-

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Telex: 8-85432

�sprächsthema waren die taktischen Boden-Luft-Raketen, nukleare Artillerie
und Flugzeuge mit nuklearen Fähigkeiten.
Halten Sie diese Forderung immer
noch
aufrecht,
nachdem
Präsident
Reagan und Bundeskanzler Kohl übereingekommen sind, daß im Augenblick
in dieser Angelegenheit kein Entscheidungsbedarf besteht?
Carlucci:
Es geht hier nicht
um unsere Forderung.
Im Jahr 1983
sind
die
führenden
Politiker in
Montebello
zusammengekommen.
Die
Premierminister,
Präsidenten
und
Kanzler haben gemeinsam die Entscheidung zur Modernisierung der Nuklearwaffen getroffen.
Die Entscheidung
wurde vom Obersten Allierten Befehlshaber Europa (SACEUR) angenommen und
gilt immer noch.
Die Mehrzweckkampfflugzeuge werden modernisiert.
Unsere nukleare
Artillerie wird modernisiert. Natürlich müssen alle Streitkräfte auf dem
Kriegsschauplatz mit modernstem Gerät
ausgerüstet sein. Es ist im Hinblick
auf ein Nachfolgemodell der Lance-Raketen noch keine spezielle Entscheidung gefallen, aber auch das war Bestandteil des Montebello-Beschlusses.
Das ist ein kontinuierlicher Prozeß. Es ist keine Frage meiner Forderungen, sondern
die Frage der
Durchführung einer von den Staatsund Regierungschefs des NATO-Bündnisses getroffenen Entscheidung.
Frage:
(Tonstörungen)
...
diese von ihnen genannten Waffen...
würden höchstwahrscheinlich deutsches
Territorium treffen.
Verstehen Sie
die Besorgnis über das besondere Risiko, das unser Land zu tragen gezwungen sein könnte?

Carlucci:
Wir
stimmen
nicht
zu, daß die Bundesrepublik Deutschland im Falle eines Nuklearkrieges
das einzige Ziel wäre. Meiner Ansicht nach würde es schwierig für Sie
werden, die anderen NATO-Verbündeten
davon zu überzeugen.
Einige
unserer
Mehrzweckkampfflugzeuge - die F-lll zum Beispiel sind in Großbritannien stationiert.
Darüber hinaus befinden sich noch
weitere
Mehrzweckkampfflugzeuge
in
den Benelux-Ländern. Sie alle wären
Ziele, so daß kein Grund zu der Annahme besteht, die Bundesrepublik sei
das einzige Ziel, wenn die Abschrekkung versagt. Natürlich hoffen wir,
daß die Abschreckung nicht versagt.
Frage: Falls es zu einem konventionellen Krieg kommen sollte,
würde der erste Schritt dazu in der
Bundesrepublik vorgenommen - könnte
es sein, daß die Kurzstreckenraketen
zur Explosion gebracht werden?
Carlucci:
Ich stimme dem wiederum nicht zu. Wenn es zu einem
konventionellen Krieg kommt, wird natürlich die andere Seite versuchen,
die Angriffsfähigkeiten aus der Luft
zu neutralisieren. Einige der Luftstreitkräfte sind nicht in der Bundesrepublik, sondern in anderen Ländern stationiert.
Tatsache ist, daß ein Angriff gegen einen Verbündeten einen Angriff
gegen alle Verbündeten bedeutet. Wir
sitzen hier alle in einem Boot. Es
gibt keine "Singularität".
Frage:
Besteht
seitens Ihrer
Regierung die Absicht - ich denke
hierbei an unsere Engpässe bei der
Besoldung der von uns in der Bundesrepublik benötigten Soldaten - die
Zahl Ihrer Soldaten in unserem Land
zu reduzieren?

- 2 -

�Carlucci:
Nein,
wir
hegen
nicht die Absicht, unsere Soldaten in
der Bundesrepublik zahlenmäßig zu reduzieren.
Wir haben noch ernstere
Haushaltsprobleme als die Bundesrepublik Deutschland.
Unserer Ansicht
nach sollten unsere Verbündeten einen
größeren Beitrag leisten.
Wenn Sie unsere Verteidigungsausgaben im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt betrachten, so sind diese
entschieden höher als die Verteidigungsausgaben der anderen Verbündeten. Es muß also von seiten unserer
europäischen
Verbündeten
vermehrte
Anstrengungen geben, einen Teil dieser Last zu übernehmen.
Frage:
Wie ist Ihre Reaktion
auf das, was Sie selbst in ihrem Bericht an den Kongreß moderne sowjetische Friedensoffensive genannt haben, mit der meiner Ansicht nach ein
Keil in die NATO getrieben werden
soll? Wie reagieren Sie auf (Tonstörungen) ... nur zu sehr auf historische Rüstungskontrollabkommen drängen und Europa auf eine noch gefährlichere Weise der sowjetischen Überlegenheit
ihrer
konventionellen
Streitkräfte aussetzen?
Sollte nicht gemäß den Vorschlägen von Frau Thatcher der Reduzierung
konventioneller
Streitkräfte
erste
Priorität eingeräumt werden, nachdem
bei MBFR so geringe Fortschritte erzielt worden sind oder auch angesichts der Übereinkunft, daß es ein
breiteres Forum und einen weitergefaßten Verhandlungsgegenstand - vom
Atlantik zum Ural - geben sollte?
Carlucci:
Wir müssen der sowjetischen
Rüstungskontrolloffensive
entgegentreten.
Ich weiß nicht, ob
das der richtige Begriff ist. Es
handelt sich hierbei sicherlich um
eine Propaganda-Offensive im Bereich

der Rüstungskontrolle, weil das INFAbkommen primär auf die Initiative
der NATO und nicht auf den Anstoß der
Sowjets zurückgeht.
Dort wird viel über Rüstungskontrolle gesprochen.
Wir dürfen Rüstungskontrolle nicht als Selbstzweck
betrachten, sondern als Mittel zur
Stärkung der Sicherheit der NATO.
Wenn das Abkommen diese Probe besteht, sollten wir es ausführen. Unserer Einschätzung nach besteht der
INF-Vertrag diese Probe. In diesem
Sinne haben wir auch im Senat argumentiert.
Im Hinblick auf die bei START
vorgesehenen 50prozentigen Reduzierungen sind wir der Ansicht, daß dies
auch militärisch in unserem Interesse
liegt.
Ich denke, es hat sich an
vielen Beispielen gezeigt, daß die
Sowjetunion in der Lage ist, ballistische Offensivraketen in einem Ausmaß
zu bauen, das - offen gesagt - weit
über das des Westens hinausgeht.
Es ist wichtig, daß wir Obergrenzen für diese Waffensysteme festsetzen können.
Gleichzeitig sind wir
auch der Ansicht, daß es wichtig ist,
die sogenannten Gespräche über Stabilisierung fortzuführen - über Reduzierungen im konventionellen Bereich.
Beim im vergangenen Herbst in Reykjavik abgehaltenen Außenministertreffen fiel die Entscheidung zugunsten
eines umfassenden Rahmenwerks für die
Rüstungskontrolle aus, mit dessen
Hilfe wir vom INF-Vertrag über das
START-Abkommen bis hin zu Reduzierungen bei den chemischen Waffen und im
konventionellen Bereich gelangen würden.
Wir müssen an all diesen Dingen
arbeiten.

- 3 -

Frage:

Ich

möchte

eine

Frage

�ohne unmittelbaren Bezug zur NATO
stellen. Herr Verteidigungsminister,
liegen Ihnen Informationen über die
mögliche Stationierung sowjetischer
Truppen und Panzer in Armenien zur
Kontrolle von Aufständen vor?
Carlucci:
Nein, darüber habe
ich keine Informationen. Es hat wohl
einige Presseberichte über sowjetische Truppen in diesem Gebiet gegeben. Ich kann das zu diesem Zeitpunkt nicht bestätigen.
Frage:
Herr Carlucci, hat die
italienische Regierung bereits ein
Abkommen mit den Vereinigten Staaten
über den Transfer von 72 amerikanischen F-16 von Spanien zu einem militärischen Stützpunkt in Italien unterzeichnet?
Wenn dem so ist, zu
welchen Bedingungen?
Carlucci:
Die italienische Regierung hat kein solches Abkommen unterzeichent.
Wir betrachten dies
nicht als bilaterale Angelegenheit.
Weder die italienische Regierung noch
die Vereinigten Staaten sehen dies
als bilaterale Angelegenheit.
Sie
ist Sache der NATO und darüber wird
in Brüssel diskutiert werden.
Die italienische Regierung hat
eindeutig erklärt, sie betrachte die
Fähigkeit des 401. Taktischen Geschwaders als sehr wichtig für die
Südflanke der NATO und sei bereit, zu
überprüfen, was zur Erhaltung dieser
Fähigkeit getan werden kann.
Gleichzeitig muß die NATO selbst
herausfinden, welche Ressourcen für
die Infrastruktur des Geschwaders benötgit werden, aber dazu hat die italienische Regierung noch keine Entscheidung getroffen.
Frage:
Herr
Verteidigungsminister, um der Klarheit willen möchte

ich nochmals auf ihren jüngsten Besuch in Lissabon zurückkommen - vor
dem Besuch unseres Premierministers
in den Vereinigten Staaten.
Nach ihren Gesprächen mit Kollegen in Lissabon gab es Presseberichte, denen zufolge unser Verteidigungsminister mit Ihnen ein Abkommen
über die Bedingungen zur Nutzung der
Azoren geschlossen hat...
Als der
Premierminister sich in Washington
aufhielt, gab es wiederum Berichte
der amerikanischen und der hiesigen
Presse, daß kein Abkommen unterzeichnet wurde.
Tatsächlich bestanden
zahlreiche Meinungsverschiedenheiten.
Könnten Sie zunächst die Gespräche erläutern und auch über das sprechen, was in Lissabon mit dem Verteidigungsminister unterzeichent wurde
und was man hier dazu sagte. Und
könnten Sie zweitens etwas über Ihre
gestrigen Diskussionen mit unserem
Premierminister in Washington sagen?
Carlucci:
Es wurde kein Abkommen zwischen mir und dem Verteidigungsminister
unterzeichnet.
Wir
sind übereingekommen, daß ich eine
hochrangige Delegation militärischer
Vertreter nach Lissabon entsenden
würde, damit sie gemeinsam mit dem
portugiesischen Militär ihren Bedarf
an Ausrüstung bestimmen und dann
festlegen, wie wir bei der Deckung
dieses Bedarfs behilflich sein können.
Das Abkommen über die Azoren ist
eine vollendete Tatsache. Das Abkommen ist existent. Er steht nicht zur
Wiederverhandlung an.
Im Zusammenhang mit diesem Abkommen hat der Premierminister
vorgestern
hier
in
Washington um Konsultationen nachgesucht. Wir werden diese Konsultationen abhalten, zu denen meiner Ansicht
nach auch solche Dinge wie Wirtschafts- und Militärhilfe zählen

- 4 -

�welche Probleme es auch sonst geben
mag.
Gleichzeitig hat der Premierminister angedeutet, es sei keine Frage, daß die amerikanische Präsenz auf
den Azoren verringert werden sollte.
Deshalb haben wir diesen Konsultationen gerne entgegengesehen. Wir werden mit der portugiesischen Regierung
zusammenarbeiten, um ihr auf jede erdenkliche Weise zu helfen, ihre sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Bedürfnisse zu decken.
Frage:
Herr
Verteidigungsminister, die Verteidigung Dänemarks
ist in starkem Maße von der Unterstützung durch die NATO und die Vereinigten Staaten abhängig. Inwieweit
sind Sie und die Vereinigten Staaten
bereit, Kürzungen des dänischen Verteidigungshaushalts
zu
akzeptieren
und uns dennoch Hilfe zu leisten?
Eine Reihe dänischer Politikern
glauben augenscheinlich, sie könnten
die Verteidigungsausgaben weiterhin
beschneiden, weil ihren Aussagen zufolge die Verteidigung Dänemarks im
Interesse der NATO liegt, so daß sie
uns ungeachtet unseres eigenen Tuns
helfen werden.
Wie lauten die Vorschläge der
NATO und der Vereinigten Staaten dazu?
Carlucci:
Wir
sind natürlich
enttäuscht, daß Dänemark einen derart
geringen Beitrag zu der gemeinsamen
Verteidigung leistet, indem es seine
eigenen Streitkräfte beibehält.
Wir haben mit der dänischen Regierung Konsultationen darüber abgehalten. Wir haben die dänische Regierung gedrängt, mehr zu tun. Ich
bin sehr wohl bereit, zuzugeben, daß
das NATO-BUndnis im Interesse der
Vereinigten Staaten liegt - darauf

haben wir immer hingewiesen.
Es
liegt jedoch auch im Interesse unserer Verbündeten.
Wir sitzen hier alle in einem
Boot. Es geht nicht um die Frage,
daß einer weniger tut und die anderen
zwingt, mehr zu tun. Es geht um die
Notwendigkeit für uns alle, mehr zu
tun. Wir hoffen also, daß Dänemark
in Zukunft bereit sein wird, seine
Anstrengungen im Bereich der Verteidigung zu verstärken. Das ist für
uns alle von Bedeutung.
Frage:
Herr
Verteidigungsminister, kann ich Ihnen bei dieser Gelegenheit eine Frage zur derzeitigen
Lage in Panama stellen? Die Möglichkeit einer militärischen Intervention
der Vereinigten Staaten in Panama
kann im Augenblick nicht ausgeschlossen werden - wie schätzen Sie die Situation in Panama angesichts der
scheinbar
neugewonnenen
Stärke
Noriegas ein?
Senator D'Amato hat
vor zwei Stunden amerikanische Militärintervention gefordert. Wird dies
im Augenblick ernsthaft erwogen oder
vollständig ausgeschlossen?
Carlucci:
Natürlich kann angesichts einer solchen Situation nichts
vollständig
ausgeschlossen
werden.
Ebensowenig werden ernsthafte Erwägungen angestellt.
Wir sind über
diese Wende der Ereignisse natürlich
nicht erfreut, es wäre jedoch verfrüht, zu diesem Zeitpunkt Maßnahmen
zu ergreifen.
Frage:
Sie sagten, als Ergebnis des INF-Vertrages werde es keine
Abkoppelung
amerikanischer
Truppen
von der Verteidigung Europas geben.
Hier stimme ich mit Ihnen überein.
Aber besteht nicht eine Abkoppelung
im Hinblick auf die Verwundbarkeit
der Sowjetunion, wenn die amerikanischen Raketen, die sowjetisches

- 5 -

�Territorium treffen können, abgezogen
werden?
Der Abbau auf sowjetisches Territorium
gerichteter
amerikanischer
Waffen war seit den siebziger Jahren
stets
Ziel
sowjetischer
Politik.
Bisher war sie zum Scheitern verurteilt, scheint jetzt jedoch Erfolg zu
haben. Meiner Ansicht nach besteht
tatsächlich eine Abkoppelung bei der
Verwundbarkeit der Sowjetunion und
der von Europa insgesamt.
Zweitens wird Ihren Ausführungen
nach die flexible Reaktion durch den
INF-Vertrag
nicht
beeinträchtigt.
Ist es nicht so, daß die flexible Reaktion sich auf die Qualität der Abschreckung gründet - auf die Gefahr
einer Eskalation - und trifft es
nicht ebenfalls zu, daß der INF-Vertrag einige Ungleichgewichte bei einer späteren Eskalation behebt?
Nachdem ich dies alles gesagt habe, möchte ich wie bereits zu Beginn
dieses Worldnets nochmals betonen,
daß ich dennoch eine Ratifizierung
des Vertrages befürworte.
Carlucci: Wir müssen zum Zweck
der Stationierung von Pershing-Raketen zurückkommen. Als Teil des Doppelbeschlusses bestand der Zweck darin, die Sowjets zu Verhandlungen
über den Abbau der SS-20, SS-4 und
SS-5 zu bewegen.
Dieses Ziel haben wir erreicht.
Es gibt andere Waffensysteme, die zu
einem Schlag gegen die Sowjetunion
fähig sind; zum Beispiel können die
in Ihrem Land stationierten F-lllBomber die Sowjetunion treffen. Und
die Unterseeboote der Poseidon-Klasse
der NATO können die Sowjetunion treffen.
Das

sowjetische

Territorium

ist

also nicht unverwundbar. Das Kernstück der flexiblen Reaktion besteht
in unserer Fähigkeit - wie von Ihnen
ausgeführt
- durch konventionelle
Streitkräfte und kriegsschauplatzgebundene Nuklearstreitkräfte zu strategischen Streitkräften hin zu eskalieren.
Strategische Streitkräfte können
die Sowjetunion zweifelsohne treffen.
Darin besteht die Verbindung zwischen
den Vereinigten Staaten und der NATO.
Meiner Ansicht
nach sollten die
Pershings und landgestützten Marschflugkörper nicht unter dem Aspekt eines Ungleichgewichtes bei den letzteren gesehen werden.
Betrachtet man diese Ungleichgewichte, warum sollte man dann nicht
auch die 300 000 amerikanischen und
60 000 britischen in der Bundesrepublik stationierten Soldaten berücksichtigen. Auch beim Mehrzweckkampfflugzeug bis hin zur nuklearen Artillerie und den Lance-Raketensystemen
bestehen noch alle möglichen Ungleichgewichte.
Das Kernstück unserer Abschrekkung, die Strategie der flexiblen Reaktion, bleibt intakt. In diesem Zusammenhang muß festgestellt werden,
daß unsere Vereinigten Stabschefs den
INF-Vertrag militärisch als Vorteil
für die NATO eingeschätzt haben, da
die SS-20, SS-4, SS-5 und insbesondere die SS-23 die Sowjets in die Lage
versetzten, entweder mit Nuklearwaffen oder in einigen Fällen sogar mit
chemischen Waffen einen Schlag gegen
Häfen und das Schienennetz der NATO
auszuführen.
Das Kernstück der Bündnisstrategie liegt in unserer Fähigkeit zur
Stärkung Europas.
Die Beseitigung
dieser Fähigkeit
auf sowjetischer
Seite hat unsere Fähigkeit zur Stär-

- 6 -

�kung Europas verbessert.
Dies ist unserer Ansicht nach ein
gutes Ergebnis und zahlenmäßig gesehen ein asymmetrischer Abbau. Zweifelsohne können die Sowjets einen
Ausgleich mit strategischen Systemen
schaffen, jedoch nicht ohne gewisse
Schwierigkeiten. Die NATO kann natürlich im Großen und Ganzen dasselbe
tun.
Frage:
Herr Minister, in zwei
Wochen werden Sie mit Ihrem sowjetischen Kollegen Jasow zusammenkommen. Ich würde gerne wissen, was Sie
von diesem Treffen erwarten.
Betrachten Sie es vorwiegend als einen
symbolischen Akt oder denken Sie, daß
(unverständlich)
ein
militärisches
Glasnost auf beiden Seiten kurzfristig fertige Ergebnisse hervorbringen
kann und welche Art von Ergebnissen?
Carlucci:
Diese
Frage
kann
wohl am besten mit einem Blick auf
die Tagesordnung beantwortet werden.
Wir haben vor, unsere jeweilige Militärdoktrin zu erörtern.
Dieser Vorschlag wurde von Generalsekretär Gorbatschow unterbreitet,
als er hier in Washinton zu Besuch
war und die Sowjets sprechen, wie Sie
wissen, von einer neuen Strategie des
vernünftigen Mindestmaßes an Verteidigungsfähigkeit. Wir sind uns nicht
ganz sicher, was darunter zu verstehen ist und möchten gerne mehr darüber hören.
Unsere Doktrin ist relativ bekannt, aber wir erläutern sie gerne
im einzelnen und insbesondere im Hinblick auf unsere Strategische Verteidigungsinitiative, die für niemanden
eine Bedrohung darstellt.
Zweitens beabsichtigen wir, die
RUstungskontrollangelegenheiten
von

den konventionellen über START bis
hin zu den Verhandlungen über chemische Waffen zu überarbeiten, nicht
als getrennten Verhandlungsgegenstand
- das ist Sache der Außenminister -,
sondern generell unter dem Aspekt von
Verteidigung und Sicherheit.
Drittens haben wir gebeten, daß
gefährliche Vorkommnisse auf die Tagesordnung gesetzt werden.
Wie Ihnen allen sicherlich bekannt sein dürfte, wurde auf einige
unserer militärischen Verbindungsleute, die von der Bundesrepublik aus
für die DDR zuständig sind, geschossen.
Ein Beauftragter wurde brutal
ermordet. Bei dem Vorfall im Schwarzen Meer wurden unsere Schiffe beschädigt.
Unsere Piloten wurden von Laserstrahlen getroffen. Solchen Vorkommnissen muß Einhalt gebeten werden und
wir müssen sie mit unseren sowjetischen Kollegen besprechen.
Schließlich möchten wir dort, wo
es im Interesse des gegenseitigen
Verständnisses liegen könnte, eine
Reihe von Kontakten zwischen unseren
Militärs in die Wege leiten. Auch
dies möchten wir erörtern.
Frage:
Beabsichtigen die
einigten Staaten, ein Junktim
schen dem Abbau konventioneller
steme und der Unterzeichnung
START-Vertrages herzustellen?

VerzwiSydes

Carlucci:
Nein, diese beiden
Verhandlungen sollten im Wesentlichen
für sich alleine betrachtet werden.
Ein START-Abkommen ist noch in ziemlich welter Ferne. Die neuen Verhandlungen über konventionelle Systeme - die sogenannten "Gespräche über
Stabilisierung" - sind noch nicht
aufgenommen worden, und es handelt

- 7 -

�sich hierbei um Verhandlungen
Bündnis zu Bündnis.

von

Im Rahmen der KSZE nehmen auf unserer Seite ungefähr 26 Nationen an
den unterschiedlichsten Verhandlungen
teil, die eigentlich nicht miteinander verbunden werden können. Gleichzeitig ist es jedoch wünschenswert,
daß beide Verhandlungen aufgrund der
großen Asymmetrien im konventionellen
Bereich so schnell wie möglich vorankommen.
Frage:
Trotz
Ihrer
früheren
Ausführungen scheint in der Bundesrepublik ein echtes Problem bei der
weiteren Modernisierung der nuklearen
Arsenale kürzerer Reichweite zu bestehen.
Werden Sie beim NATO-Gipfel und
bei dem Nachfolgetreffen in Dänemark
im April
auf
den Beschluß von
Montebello drängen, oder werden Sie
das Gewicht auf Reduzierungen im konventionellen Gleichgewicht verlagern,
was anscheinend dem Wunsch der Deutschen, Briten und anderen entspricht?
Carlucci:
Ihre Frage zielt am
Wesentlichen vorbei.
Der Beschluß
von Montebello ist bereits durchgeführt.
Mehrzweckkampfflugzeuge werden modernisiert. Wir befassen uns
jetzt mit anderen Waffensystemen, die
für die taktische Luft-Boden-Rakete
geeignet sein könnten, die Teil des
Montebello-Beschlusses ist.
Die nukleare Artillerie ist in
beträchtlichem Umfang erneuert worden. Wir erörtern jetzt Systeme, die
als Nachfolger der Lance-Raketen in
Frage kommen könnten, aber wir sprechen hier von einem System, das im
Jahr 1995 stationiert werden soll,
und bis dahin ist ja noch etwas Zeit.
Der

Modernisierungsprozeß

macht

Fortschritte. Ich weiß nicht, welche
Entscheidungen getroffen werden müssen. Im Augenblick wird alles getan.
Frage: Herr Carlucci, wäre die
amerikanische Regierung bereit, diesem Montebelloprozeß der Modernisierung taktischer Nuklearwaffen Einhalt
zu gebieten, falls Herr Gorbatschow
einen Vorschlag zum Abbau aller nuklearen Gefechtsfeldwaffen kürzerer
Reichweite (SNF) im Rahmen einer
dreifachen Null-Lösung unterbreiten
würde, der mit einem Angebot zur Aufnahme von Verhandlungen über den Abbau konventioneller Streitkräfte gekoppelt wäre?
Carlucci:
Das
ist
natürlich
eine hypothetische Frage, die nicht
unbedingt beantwortet werden sollte,
da sie der anderen Seite Anhaltspunkte über unsere Verhandlungsposition
geben könnte. Ich möchte aber dennoch sagen, daß ich den Zusammenhang
zwischen diesen beiden Punkten nicht
ganz sehe. Der Modernisierungsprozeß
findet statt, und niemand hat seine
Aufgabe gefordert.
Ich weiß also nicht, warum wir
nicht einfach so weitermachen sollten
wie bisher. Wenn ein Vorschlag über
SNF unterbreitet wird, muß er im Zusammenhang mit dem Außenministertreffen von Reykjavik gesehen werden, bei
dem das schrittweise Vorgehen für die
RüstungskontrollVerhandlungen festgelegt wurde. Diesen Rahmen habe ich
bereits beschrieben, und wir werden
im Einklang damit verfahren müssen.
Frage:
Jeder scheint für den
NATO-Gipfel die Vorhersage anzustellen, daß er praktisch nicht mehr als
eine schlichte Wiederholung der NATOPläne sein wird.
Sehen Sie einen
Gipfel zu diesem Zeitpunkt als wirklich gerechtfertigt an?

.

%

�Carlucci:
Meiner Ansicht nach
ist ein Gipfel sehr nützlich.
Zu
diesem Zeitpunkt befinden wir uns
zweifelsohne an einem Wendepunkt unserer Beziehungen mit der Sowjetunion, die Ereignisse überstürzen
sich auch innerhalb des Bündnisses,
und es ist unerläßlich, daß die politischen Entscheidungsträger einander
zu Themenkomplexen wie Rüstungskontrolle, Lastenteilung, den Aktivitäten der nuklearen und der Verteidigungsplanungsgruppe sowie zum OstWest-Handel konsultieren.

stem für die taktische Luft-Boden-Rakete, die Teil des Montebello-Beschlusses ist, und wir erörtern auch
Systeme, die als Nachfolger der
"Lance" zur Stationierung im Jahr
1995 in Frage kommen könnten.
Der Prozeß macht also Fortschritte, und zu diesem Zeitpunkt sind mir
keine Unstimmigkeiten bekannt.

Es gibt eine Unmenge von Themen,
die erörtert werden müssen. Ein Gipfeltreffen muß keine spektakulären
Ergebnisse zeitigen, um erfolgreich
zu sein. Ein Gipfel hat dann Erfolg,
wenn er zum beständigen Zusammenhalt
des Bündnisses beiträgt, und ich bin
sicher, daß dies bei diesem Gipfeltreffen der Fall sein wird.
Frage:
Nach dem Abkommen zwischen Reagan und Gorbatschow vom vergangenen Dezember waren sich Bonn und
London uneinig über die Notwendigkeit
einer Modernisierung taktischer Nuklearwaffen in Europa. Erachten Sie
diese Modernisierung für notwendig,
und denken Sie, daß sie beim NATO—
Gipfel in Brüssel in der kommenden
Woche erörtert wird?
Carlucci:
Mir sind Unstimmigkeiten über die Modernisierung unbekannt. Die Entscheidung zur Modernisierung wurde von den Staats- und Regierungschefs in Montebello im Jahr
1983 getroffen. Meiner Meinung nach
haben alle dem Montebello-Beschluß
zugestimmt.
Der Modernisierungsprozeß kommt
voran.
Mehrzweckkampfflugzeuge werden modernisiert, die nukleare Artillerie wird modernisiert. Wir alle
befassen uns mit einem geeigneten Sy-

- 9-

�v Ä ^ &lt;

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial
2. März 1988

DIE GEMEINSAME SICHERHEIT IST NICHT TEILBAR DIE WESTLICHE ALLIANZ MUSS EINIG UND STARK BLEIBEN
Von Rozanne Ridgeway, Abteilungsleiterin im amerikanischen Außenministerium für europäische und kanadische Angelegenheiten -

Copyright (c); Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 46 vom 24. Februar 1988

WASHINGTON - Während der amerikanische Senat über das Mittelstrekkenabkommen berät, können wir damit
beginnen, das letzte Kapitel einer
Erfolgsgeschichte der NATO zu schreiben.
Im letzten Jahrzehnt hat das
westliche Bündnis auf eine unerhörte
sowjetische Drohung - die Stationierung der SS-20-Raketen - mit einer
gemeinsamen Politik reagiert. Diese
Politik beruhte auf Lastenteilung,
maßvollen Stationierungen und hartnäckigen Verhandlungen. Sie hat nun
zu einer Vereinbarung geführt, aufgrund derer die SS-20-Drohung gänz-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

lich verschwinden wird. Ich möchte
zwei Faktoren hervorheben, die für
diesen Prozeß von besonderer Bedeutung waren: die grundlegende Überzeugung der NATO, daß gemeinsame Sicherheit nicht teilbar sei, und die
FUhrungsrolle
der
Bundesrepublik
Deutschland.
Das Mittelstreckenabkommen verbessert die westliche Sicherheit auf
zwei wesentliche Weisen. Erstens reduziert es die sowjetische nukleare
Drohung für die gesamte NATO, weil
schon stationierte Raketen und Ab-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�schußrampen abgebaut werden, die mehr
als 1 600 Sprengköpfe tragen können eingeschlossen
sind
alle
SS-20-,
SS-4-, SS-5-, SS-12- und SS-23-Systeme. Im Gegenzug bauen die Vereinigten Staaten die etwa 400 landgestützten Marschflugkörper und Pershing-2Raketen ab, die sie in Europa stationiert hatten. Trotz dieser Reduzierungen bleibt die Fähigkeit der NATO
erhalten, einen Angriff mit einem
ganzen Arsenal nuklearer Kräfte abzuschrecken.
Zum zweiten hat dieser Prozeß der
Sowjetunion
klargemacht,
daß
die
westliche Allianz den politischen
Willen und den Zusammenhalt hat, bei
ihrer vereinbarten Politik zu bleiben
und
Einschüchterungsversuchen
oder
sowjetischen Propagandaoffensiven zu
widerstehen.
Die Forderung der NATO nach einer
Vereinbarung
wurde
hervorgerufen
durch die einseitige sowjetische Stationierung neuer und destabiliserender Waffen, die 1977 begann: Es handelte sich um die SS-20. Diese über
drei Sprengköpfe verfügende Rakete
hat eine größere Reichweite und ist
treffsicherer als die vorher stationierten SS-4- und SS-5-Raketen, die
nur einen Sprengkopf besitzen. Von
ihren Stationierungsorten auf sowjetischem Gebiet aus können die SS-20
Ziele in ganz Europa, im Nahen Osten,
in Nordafrika und in großen Teilen
Asiens und der pazifischen Welt erreichen. Die Transportfähigkeit der
SS-20 ermöglicht es auch, daß diese
Systeme schnell an anderen Orten stationiert werden können, um die Drohung gegenüber
irgendeinem sowjetischen Nachbarn stärker fühlbar zu
machen.
Befürchtungen angesichts dieses
Waffenaufwuchses der Sowjetunion äusserten zuerst europäische NATO-Mit-

glieder; der damalige Bundeskanzler
Helmut Schmidt drückte sie 1977 in
einer Rede in London erstmals drfentlich aus. Das führte zu Konsultationen innerhalb der NATO, die schließlich in den Doppelbeschluß des Jahres
1979 mündeten.
Der Doppelbeschluß
forderte einerseits eine begrenzte
Stationierung
amerikanischer
Pershing-2-Raketen
und
Marschflugkörper. Er rief andererseits die Sowjetunion dazu auf, Verhandlungen
über die Mittelstreckenwaffen zu führen, mit dem Ziel, ein Gleichgewicht
auf niedrigerem Niveau zu erreichen.
Viele dachten, der Doppelbeschluß
könne nie verwirklicht werden. Zuerst verweigerten die Sowjets sogar
Verhandlungen. Und Skeptiker behaupteten, daß die NATO die Stationierung
nie verwirklichen werde.
Aber die
solidarische Unterstützung für Verhandlungen und Stationierungen blieb
in der NATO trotz großen innenpolitischen Drucks erhalten - dank mutiger politischer Führung in der Bundesrepublik Deutschland und in anderen Stationierungsländern.
Die Bundesrepublik spielte während der gesamten Zeit eine Schlüsselrolle, über den ganzen Konsultationsprozeß hinweg - in regelmäßigen
Treffen der NATO, in der "NATO Special Consultative Group" und "High
Level Group" sowie in Treffen der Minister und Regierungschefs - hatte
die Bundesrepublik großen Anteil an
der Bestimmung der Allianzpolitik.
Die Bundesrepublik half dabei, zu erkennen, daß man der Drohung der SS-20
begegnen müsse; sie half dabei, den
Doppelbeschluß der NATO zu entwikkeln; und sie war bei denen, die die
ursprüngliche "Null-Lösung" vorschlugen. Sie gehörte zu den fünf Verbündeten, die amerikanische Nuklearwaffen stationierten, und ging, zusammen
mit Italien und Großbritannien damit

- 2 -

�im Jahr 1983 voran, trotz innenpolitischer
Kontroversen,
sowjetischer
Drohungen und sogar angesichts des
Abbruchs der Verhandlungen durch die
Sowjetunion. Die Bundesrepublik erkannte auch die Notwendigkeit, die
sowjetische Nuklearrüstung
in den
Reichweiten von 500 bis 1 000 Kilometer zu begrenzen, und die Bundesregierung verhielt sich konstruktiv und
verantwortungsbewußt angesichts eines
sowjetischen Versuchs, der in letzter
Minute eine Vereinbarung verhindert
hätte,
nämlich
die
westdeutschen
Pershing-IA-Raketen in das Mittelstreckenabkommen einzubeziehen.
Auf diese Weise ist durch Stärke,
Einigkeit und intensive Konsultationen nicht nur das erste Abkommen in
der Geschichte erreicht worden, mit
dem nukleare Angriffswaffen reduziert
werden, sondern auch das erste Abkommen, das sich mit der sowjetischen
nuklearen Bedrohung der europäischen
NATO-Partner beschäftigt. Dieses Abkommen hat zudem das strengste Verifikationsregime in der Geschichte der
Rüstungskontrolle.
Natürlich löst das Mittelstrekkenabkommen nicht alle unsere Probleme. Dazu war es auch nie gedacht.
Im Nuklearzeitalter gibt es kein
"Sanktuarium" - weder in der NATO
noch im Warschauer Pakt. Es ist eine
unausweichliche Folge der Geographie,
daß einige NATO-Staaten der sowjetischen Drohung stärker ausgesetzt
sind als andere. Die Türkei, Norwegen und die Vereinigten Staaten haben gemeinsame völkerrechtliche Grenzen mit der Sowjetunion. Doch eine
Abschreckung, die auf dem Prinzip der
gemeinsamen Sicherheit beruht, bedeutet auch, daß der Angriff auf einen
Verbündeten ein Angriff auf alle ist.

Das Mittelstreckenabkommen stärkt
die NATO
Auf absehbare Zeit wird das strategische nukleare Arsenal der Sowjetunion weiterhin jede Nation auf der
Erde bedrohen, ob sie ein direkter
Nachbar ist oder auf der anderen Seite des Globus liegt. Das ist ein
Grund
dafür, warum Gedankenspiele
über
"atomwaffenfreie
Zonen" oder
"Korridore" in Europa sinnlos sind.
Es ist auch der Grund dafür, daß wir
die Erreichung eines überprüfbaren
Abkommens, mit dem dieses Langstrekkenarsenal halbiert werden soll, zu
unserer obersten Priorität erklärt
haben. Aber das Mittelstreckenabkommen ist besonders wichtig, weil es
die sowjetische Drohung gegen das
Territorium der europäischen NATOPartner reduziert, während es die
Drohung gegenüber den nordamerikanischen NATO-Mitgliedern nicht verändert. Von der Abrüstung der SS-12
und SS-23 haben diejenigen NATO-Verbündeten, die dem Warschauer PaktTerritorium am nächsten liegen, den
größeren Nutzen.
Indem das Mittelstreckenabkommen
die NATO stärkt, kommt es natürlich
uns allen zugute. Die Einheit des
Bündnisses
Ist
grundlegend.
Abschreckung ist unteilbar.
Deshalb
sind auf dem Territorium vieler Mitgliedstaaten der Allianz nukleare und
konventionelle Streitkräfte stationiert.
Nuklearfähige Trägersysteme
gehören zu den militärischen Kräften
vieler unserer Alliierten.
Dennoch bleiben die strategischen
Nuklearkräfte der Vereinigten Staaten
der letzte Garant der NATO-Abschrekkung. Auch nach dem Mittelstreckenabkommen werden die Vereinigten Staaten immer noch eine Schlachtordnung
nuklearer Systeme in Europa haben;
sie umfaßt luftgestützte Waffen, die

- 3 -

�in das sowjetische Territorium hineinreichen, und landgestützte Systeme. Der Oberste Alliierte Befehlshaber in Europa (SACEUR) verfügt weiterhin über seegestützte Raketen, die
der Verteidigung Europas zugeordnet
sind.
Die Abschreckungsmacht der
NATO in Europa muß und wird stark
bleiben. Mehr als 300 000 amerikanische Soldaten sind in Europa stationiert. Welch besseres Symbol der
Ankoppelung könnte es geben als diese
Amerikaner, die mit ihren Familien
unter den Menschen in der Bundesrepublik Deutschland und den anderen alliierten Ländern leben und arbeiten?
Gleichzeitig hat sich die NATO
verpflichtet - und diese Verpflichtung bleibt bestehen -, nicht mehr
nukleare Waffen in Europa zu stationieren, als nötig sind, um die strategische Abschreckung aufrechtzuerhalten. Die NATO hat nie an einen
sinnlosen Aufwuchs ihrer nuklearen
Kräfte geglaubt.
Statt dessen hat
sie einseitig die amerikanischen nuklearen Kräfte in Europa wesentlich
reduziert, entsprechend der Entscheidung von Montebello aus dem Jahr
1983. Seit 1979 sind mehr als 2 400
amerikanische Nuklearwaffen zurückgezogen und nicht ersetzt worden. Der
Vorrat hat den niedrigsten Stand seit
20 Jahren erreicht. Doch die NATO
muß auch die diesem Abzug korrespondierende Verpflichtung von Montebello
ernst nehmen, die verbleibenden Nuklearkräfte zu modernisieren, damit
alles getan wird, um die Abschreckung
glaubwürdig zu halten.
Das Mittelstreckenabkommen wird
die Sicherheit der Allianz nicht nur
dadurch verbessern, daß es eine nukleare Drohung gegen Europa abbaut,
sondern auch dadurch, daß es die
wachsende Drohung entfernt, die im
Augenblick gegen unsere konventionelle
Verstärkungsfähigkeit
gerichtet

ist, nämlich die sowjetischen SS-12
und SS-23, die in der Lage sind, konventionelle, chemische oder nukleare
Sprengköpfe zu tragen. Es erübrigt
sich, hinzuzufügen, daß die gesamte
sowjetische Bedrohung unserer gemeinsamen Sicherheit nicht auf einen
Schlag eliminiert werden kann. Wir
können auch nicht darauf vertrauen,
daß sich jenes sowjetische Verhalten,
das unsere Verteidigungsallianz in
erster Linie begründet hat, auf einmal grundlegend ändert.
Angesichts
der wachsenden sowjetischen Drohung
muß auch die NATO ihre Anstrengungen
verstärken, um das konventionelle Ungleichgewicht zu korrigieren.
Die Minister der Partnerstaaten
haben die wichtigsten Lücken unserer
konventionellen Rüstung erkannt und
unternehmen Anstrengungen, ihnen zu
begegnen. Das schließt das "Programm
zur Verbesserung der konventionellen
Verteidigung" (conventional defense
improvement program) ein. Wir müssen
diese Initiative mit Nachdruck weiterführen, denn diese Maßnahmen sind
wesentlich, wenn wir weiter darauf
vertrauen wollen, daß weder ein konventioneller noch ein nuklearer Krieg
in Europa je wieder geführt werden
kann. Gleichzeitig steht das Problem
der anhaltenden Ungleichgewichte bei
den konventionellen und chemischen
Waffen an obersten Stelle der Rüstungskontrollagenda, und wir werden
darauf achten, daß jede Verminderung
dieser Waffen nicht einem Verbündeten
zum Nachteil gereicht.
Doch die eigentliche Stärke der
NATO liegt in der Einigkeit über ihren Zweck. Unsere erfolgreiche Erfahrung mit dem Mittelstreckenabkom- .
men und die Führungsrolle, die dabei '
von der Bundesrepublik und den anderen Stationierungsländern der NATO
gespielt wurde, hat das Konzept der
gemeinsamen Sicherheit aller Allianz-

- 4 -

�mitglieder gestärkt. Die Vereinigten
Staaten bleiben diesem Konzept verpflichtet, nicht nur theoretisch,
sondern auch in der Struktur und den
Stationierungsorten
ihrer
Streitkräfte.
Weil wir die politisch schwierigen Stationierungen und ein ehrgeiziges RUstungskontrollziel seit 1979
verfolgt haben, haben die westlichen
Staaten einen historischen Vertrag
erreicht, der ihre Sicherheit verbessert. Das Mittelstreckenabkommen beweist auch den Wert jenes Ansatzes,
der im Harmel-Report vor 20 Jahren
beschlossen wurde: Verteidigung und
Dialog. Es zeigt, daß wir den Frieden in Freiheit erhalten können, wenn
wir einander vertrauen, einig und
stark bleiben, gleichzeitig aber vorsichtig und nachdrücklich verhandeln,
um die Abschreckung auf einem niedrigeren Waffenniveau zu verbessern.

- 5 -

�AMERIKA DIENST
'VON

**

Wissenschaft und Technik
2. März 1988

RETTUNGSGERÄT FÜR DISCOVERY-BESATZUNG

WASHINGTON - (AD) - Der voraussichtlich im August startende Raumtransporter DISCOVERY, wird mit einem Rettungsgerät für die Astronauten ausgerüstet.
Es soll ihnen in einem Notfall die Möglichkeit geben, während der Gleitphase
vor einer Risikolandung den Orbiter rechtzeitig zu verlassen. Gegenwärtig befinden sich zwei Typen solcher Rettungsgeräte In der Erprobung.

Wie Arnold Aldrich, Direktor des
Raumtransportersystems der US-Behörde
für Luft- und Raumfahrt (NASA), kürzlich vor einem Senatsunterausschuß
erklärte, wäre jedoch keines der beiden Geräte in einer Notlage ähnlich
jener von Nutzen, wie sie vor zwei
Jahren mit dem CHALLENGER-Unglück
eintrat. Derzeit gibt es am Startplatz nur Rettungsmöglichkeiten für
den Fall, daß vor Beginn des Starts
eine
Gefahrensituation
eintritt.
Dann könnten sich die Astronauten in
große Körbe aus Drahtgeflecht flüchten, die auf der Ebene des Einstiegs

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in den Orbiter auf der StartturmPlattform bereitstehen und an 360 m
langen Kabeln in sicherer Entfernung
zu Boden gebracht werden. Unterirdische Bunker bieten dort den notwendigen Schutz.
Dem Bericht zufolge würden bei
dem einen der Systeme in der Erprobungsphase kleine Raketen benutzt, um
die Besatzungsmitglieder nacheinander
mit ca. 900 kp Schubkraft (bei einer
vom Körper des Astronauten weggelenkten Strahlrichtung) aus der aufgesprengten Luke in sichere Distanz zum

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�Fluggerät zu ziehen.
Beim zweiten
System dient nach dem Öffnen der Luke
ein teleskopartig verlängerter Ausleger als "Schiene", an der die Astronauten über eine Seilverbindung entlanggleiten, bis sie sich in sicherer
Entfernung lösen. In beiden Fällen
erfolgt die Landung am Fallschirm.
Der als Kommandant für den
DISCOVERY-Flug vorgesehene Astronaut
Frederick Hauck plädiert für das
zweite System, falls sich beide bei
den Tests als gleichwertig erweisen.
Es habe den Vorteil, weniger Raum im
Orbiter zu beanspruchen und keine Explosivstoffe zu benötigen. Den Raumtransporter in seiner jetzigen Konstruktion auf ein anspruchsvolleres
Rettungssystem umzurüsten, erfordere
einige Jahre. Aus diesem Grund könnten prinzipielle Verbesserungen erst
bei der nächsten Generation solcher
Fluggeräte berücksichtigt werden.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON

Wissenschaft und Technik

**

2. März 1988

MAGNETISCHES RESONANZVERFAHREN ZUM AUFSPÜREN VON GEFÄSSVERENGUNG

- (AD) - Zur Diagnose und Lokalisierung von Ablagerungen in Arterien und
Venen, insbesondere in der Karotis (KopfSchlagader) und in den Herzkranzgefäßen, möchte eine Forschergruppe vom Elektronik-Laboratorium der StanfordUniversität (Kalifornien) die bisher üblichen Methoden durch die Anwendung eines von der Kernspintomographie abgeleiteten Verfahrens ersetzen.

Der Hauptvorteil der von Professor
Albert
Macovski
und
Dwight
Nishimura entwickelten Technik, die
in Kürze zur klinischen Erprobung
freigegeben wird, besteht darin, daß
der Patient weder einer Belastung
durch Strahlung noch den Risiken ausgesetzt wird, die sich bei den heute
üblichen invasiven Verfahren ergeben.
Dazu zählt zum Beispiel auch das Einspritzen von Kontrastmitteln für die
Druchführung einer Angiographie oder
Phlebographie.
Macovski

zufolge

erfordern

eine

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Röntgen-Angiographie, mit der Verengungen oder Verschlüsse von Blutgefäßen ermittelt werden oder eine Sondierung von Arterien mittels Katheter
die stationäre Aufnahme des Patienten. Das trifft auch bei nuklearmedizinischen Diagnostikverfahren zu.
Außerdem werden sie erst in einem
Stadium eingesetzt, in dem Symptome
für Störungen der Durchgängigkeit von
Blutgefäßen bereits offenkundig geworden sind.
Den Wissenschaftlern in Stanford
geht es nicht nur darum, Risiken für

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�den Patienten zu vermeiden, sondern
auch
Gefäßverengungen
bereits
im
Frühstadium zu erfassen. Und das ermöglicht
die MRI-Technik
(MRI "Magnetic Resonance Imaging"), die
Nishimura inzwischen an sich selbst
schon mehr als 200 Mal erprobt hat.
Unter der Einwirkung des vom MRI-Gerät erzeugten starken Magnetfeldes,
geben die Kerne von Wasserstoffatomen
typische Signale ab. Diese Signale
werden mittels Computer normalerweise
für die Bildgebung zum Beispiel zur
Darstellung innerer Organe und Gewebeschichten genutzt.

Verfahrens für die Diagnostik wird
gegenwärtig noch durch Vergleichsverfahren nach der üblichen Angiographie-Technik überprüft. An der sehr
viel komplizierteren Sichtbarmachung
der Durchgängigkeit der Herzkranzarterien
wird
noch
gearbeitet.
Nishimura berichtete auf einem Symposium der "Society for Magnetic Resonance" Ende Februar 1988 in Boston
über die neue Methode.

Macovski und Nishimura analysieren jedoch nur das Signal des in den
Gefäßen strömenden Blutes und filtern
das Signal des umgebenden "stationären" Gewebes aus. Für die Darstellung der Karotis-Arterien am Hals
sind zwei Aufnahmeserien erforderlich:
Bei der ersten Sondierung
richten sich die Protonen der Wasserstoffatome im Blut und des Umgebungsgewebes, die wie winzige Stabmagnete
reagieren, am Magnetfeld aus. Das
gilt ebenso für die Protonen des neu
einströmenden Blutes. Bei der zweiten Serie wird durch eine kleine, am
Nacken plazierte Spule ein zusätzliches Magnetfeld angelegt, das die
Protonen des ausströmenden Blutes als Stabmagneten gesehen - in bezug
auf
das
ursprüngliche
Magnetfeld
"kippen" läßt. Knochen und übriges
Gewebe in der Region, die abgebildet
wird, geben das gleiche Signal wie
zuvor ab. Vom Blut kommt dagegen ein
entgegengesetztes Signal. Mit Ausnahme der Blutdaten sind die beiden
Aufnahmeergebnisse
identisch.
Zur
exakten Auswertung werden die Signale
von Muskel- und Knochengewebe subtrahiert. Der ganze Vorgang nimmt etwa
vier Minuten in Anspruch und kann ambulant durchgeführt werden.
Die

Zuverlässigkeit

des

neuen
- 2 -

* * * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: USA und NATO Rente ins am in die Zukunft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Worldnet-Ansprache von Präsident Reagan&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Carlucci: INF bedeutet keine Abkoppelung von Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Worldnet-Interview mit dem amerikanischen Verteidigungsminister&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die gemeinsame Sicherheit ist nicht teilbar - Die westliche Allianz muß einig, und stark bleiben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Rozanne Ridgeway, Abteilungsleiterin im amerikanischen Außenministerium für europäische und kanadische Angelegenheiten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rettungsgerät für DISCOVERY-Besatzung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Magnetisches Resonanzverfahren zum Aufspüren von Gefäßverengung</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

10

9. März 1988
I N H A L T

DOKUMENTATION
NATO unterstützt bilaterale Gespräche über strategische Waffen
- Präsident Reagans Erklärung zum Abschluß des NATO-Glpfels -

Das Ungleichgewicht In der konventionellen Rüstung Eine Herausforderung für die europäische Sicherheit
- Erklärung des Nordatlantikrates -

USA:

Bisher kaum echte Fortschritte beim KSZE-Prozeß

- Ansprache von Botschafter Robert Frowick -

WIRTSCHAFT
US-Handelspolitik:

Sorgen mit Europa

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
AIDS:

Ein Wettlauf mit der Zeit

- US-Kommission unterbreitet weitreichende Vorschläge für
:
Gesundheits- und Sozialpolitik -

* * * * * *

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�«&amp;L?T&lt;

AMERIKA DIENST
Dokumentation
9. März 1988

10

NATO UNTERSTÜTZT BILATERALE GESPRXCHE ÜBER STRATEGISCHE WAFFEN
- Präsident Reagans Erklärung zum Abschluß des NATO-Gipfels BRÜSSEL - (AD) - Nach zweitägigen Konsultationen mit den Staats- und Regierungschefs des Bündnisses erklärte Präsident Reagan zum Abschluß des NATOGipfels am 3. März, die Bündnispartner unterstützten sein Bemühen um Verhandlungen über einschneidende Reduzierungen strategischer Waffen mit der Sowjetunion.
Reagan verwies ferner auf den Konsens der Mitgliedstaaten über den zukünftigen Kurs der NATO.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung im Wortlaut:
Die Staats- und Regierungschefs
des Bündnisses und ich haben gerade
die letzte Runde der Konsultationen
über die gesamte Bandbreite der uns
betreffenden
Problemkreise
abgeschlossen. Lassen Sie mich zunächst
darauf hinweisen, daß sich das Bündnis in einer ausgezeichneten Lage befindet. Wir sind stark, wir sind geeint und leben in Wohlstand - und wir
sind frei.
Dies ist das zweite Gipfeltreffen
des Bündnisses, an dem ich teilnehme.
Ich habe mich hier mit einigen meiner

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Kollegen bereits im Anschluß an meine
erste
Zusammenkunft
mit
Herrn
Gorbatschow getroffen. Unser Treffen
ist also nicht nur ein besonderer Anlaß, sondern vor allem ein Bestandteil im größeren Gefüge enger und anhaltender Konsultationen, die der
Hauptgrund für den Erfolg dieses
Bündnisses sind.
Die NATO geht nun in ihr fünftes
Jahrzehnt. Das Nordatlantische Bündnis ist das erfolgreichste der Geschichte.
Während andere Bündnisse
geschlossen wurden, um Kriege zu ge-

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�winnen, besteht unser grundlegendes
Ziel in der Verhinderung von Kriegen
- und gleichzeitig darin, die Grenzen
der Freiheit zu erhalten und weiter
zu ziehen.
Der INF-Vertrag ist der jüngste
Erfolg der NATO. Meine Kollegen und
ich sind zu Recht stolz auf diese
Leistung. Sie war das unmittelbare
Ergebnis unserer Standfestigkeit und
Beharrlichkeit, als es darum ging,
den von uns als Bündnis vor acht Jahren getroffenen Doppelbeschluß zu
verwirklichen.
Es versteht sich von selbst, daß
unsere Verbündeten diesen Vertrag unterstützen, und jeder politisch Verantwortliche hat seinen Wert für die
sicherheitspolitischen
Belange
des
Bündnisses erneut bestätigt.
Wir
konzentrieren uns jetzt darauf, wie
wir den Herausforderungen der Zukunft
begegnen sollen.
In den vergangenen zwei Tagen haben wir die gesamte Bandbreite von
Problemen behandelt, die unsere gemeinsame Sicherheit betreffen.
Ich
habe wiederum auf die in den Vereinigten Staaten für das Bündnis bestehende starke Unterstützung beider
Parteien hingewiesen und auch auf die
Verpflichtung, daß - ungeachtet der
Regierung - amerikanische Truppen in
Europa bleiben werden, so lange die
Notwendigkeit zur Verteidigung unserer gemeinsamen Werte besteht.
Wir können und werden unseren
Frieden und unsere Freiheit, die unserer Kinder und Kindeskinder nicht
aufs Spiel setzen. Wir alle verstehen die absolute Notwendigkeit der
Aufrechterhaltung einer glaubwürdigen
Abschreckung.
Wir
werden
diese
Glaubwürdigkeit niemals am Verhandlungstisch eintauschen, und wir wollen sie auch nicht durch Versäumnisse

verlieren.
Die unmittelbarste Bedrohung unserer Sicherheit und der Stabilität
in Europa liegt in der massiven militärischen Präsenz der Sowjets. Das
Bündnis hat seine Bedürfnislage gut
überdacht, weiß, was zu tun ist und
hat dazu Programme, zu deren Verwirklichung es sich verpflichtet hat.
Und zweifellos stützt sich das Bündnis auf Stärke und Einigkeit.
Das Bündnis ist die stärkste
treibende Kraft für verbesserte OstWest-Beziehungen. Aus unseren Zusammenkünften hier ergibt sich unser Engagement, weiterhin den Erfordernissen unserer Verteidigung gerecht zu
werden und gleichzeitig mit der sowjetischen Führung Gespräche über unser vier Punkte umfassendes Programm
weiterzuführen. Das Bündnis hat die
Prioritäten seiner Rüstungskontrolle
vereinbart und ist zu deren Verwirklichung bereit. Die NATO unterstützt
mein Bemühen voll und ganz, einschneidende
Reduzierungen
strategischer Waffen auszuhandeln.
Obwohl Rüstungskontrolle einen aber nur einen einzigen - Teil unserer Gespräche bildet, müssen sich
Fortschritte in diesem Bereich immer
auf die Verbesserung unserer Sicherheit stützen und dürfen diese nicht
etwa ersetzen.
Unser Bündnis hat den Frieden in
Europa und im Nordatlantischen Bündnis seit nahezu 40 Jahren gewährleistet. Ich bin nach diesem zweitägigen Treffen zuversichtlicher denn je,
daß das Bündnis auf dem richtigen Weg
ist und daß wir - wie immer - den Mut
und den Willen aufbringen, diesem Weg
zu folgen.
Ich möchte mit der Bemerkung
schließen, daß dieses Treffen eins

- 2 -

�der letzten für Generalsekretär Peter
Carrington
sein
wird.
Lord
Carrington oblag vier wichtige Jahre
lang die Führung des NATO-Bündnisses.
Er hat dieses Schiff der 16
Staaten mit einer Festigkeit gesteuert, die unsere ungeteilte Bewunderung verdient. Ich bin sicher, daß
ich hier auch im Namen meiner Kollegen spreche, wenn ich Lord Carrington
von ganzem Herzen Dank sage und Herr
Dr. Manfred Wörner, der in Zukunft
die Führung übernehmen wird, meine
besten Wünsche übermittle. Der Westen hat keine besseren Führsprecher
als diese beiden herausragenden Politiker.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'4-

"*"

Dokumentation

Ä&lt;

9. März 1988

10
DAS UNGLEICHGEWICHT IN DER KONVENTIONELLEN RÜSTUNG EINE HERAUSFORDERUNG FÜR DIE EUROPÄISCHE SICHERHEIT
- Erklärung des Nordatlantikrates -

BRÜSSEL - (AD) - Am 2. März 1988 veröffentlichten die gegenwärtig an der
Sitzung des Nordatlantikrates in Brüssel teilnehmenden Staats- und Regierungschefs der 16 NATO-Staaten ihre gemeinsame Erklärung mit dem Titel "Konventionelle Rüstungskontrolle: Wege für die Zukunft". Der Erklärung ist zu entnehmen, in welchem Maße das Ungleichgewicht der konventionellen Streitkräfte in
Europa "Kernpunkt" der sicherheitspolitischen Überlegungen auf dem Kontinent
bleibt. Als Zielsetzungen der NATO in den bevorstehenden Verhandlungen über
Stabilität im konventionellen Bereich wurden genannt:
- Errichtung eines sicheren und stabilen Gleichgewichts bei den konventionellen Streitkräften auf niedrigerem Niveau;
- Behebung von Stabilität und Sicherheit beeinträchtigenden Ungleichgewichten;
- Abbau der Fähigkeit zu Überraschungsangriffen und Großoffensiven.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung im Wortlaut:
Im Jahr 1986 haben unsere Regierungen in Halifax unmißverständlich
verbesserte Stärkung der Stabilität
in ganz Europa durch Verhandlungen
zur konventionellen Rüstungskontrolle
gefordert. Gegen Ende desselben Jahres haben sie in Brüssel die grundlegenden Ziele und Vorgehensweisen dieser Verhandlungen erarbeitet.

auf andere Weise zu überwinden suchen, streben wir darüber hinaus nach
Sicherheit und Stabilität in Europa
auf dem niedrigstmöglichen RUstungsniveau. Zu diesem Ziel können sowohl
Rüstungskontrolle als auch angemessene Verteidigungsprogramme beitragen.
A.

Die militäriche Konfrontation in
Europa ist das Ergebnis, nicht etwa
die Ursache der schmerzlichen Teilung, die auf diesem Kontinent lastet. Obwohl wir diese Teilung auch

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Die gegenwärtige Lage

1.
Das über die Notwendigkeit
der Selbstverteidigung hinausgehende
Ausmaß militärischer Präsenz der Sowjetunion in Europa bedeutet sowohl

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�eine direkte Herausforderung für unsere Sicherheit als auch für unsere
Hoffnungen auf einen Wandel der politischen Lage Europas. Damit bleibt
das konventionelle Ungleichgewicht in
Europa Kernpunkt der dortigen sicherheitspolitischen
Erwägungen.
Das
Problem ist weitgehend auf die Überlegenheit des Warschauer Paktes bei
entscheidenden konventionellen Waffensystemen
zurückzuführen.
Aber
dies ist nicht nur eine Frage des
zahlenmäßigen Ungleichgewichts. Andere Asymmetrien sind ebenfalls von
Belang:
- Der Warschauer Pakt besitzt aufgrund der vorne stationierten
Streitkräfte der Sowjetunion die
Fähigkeit zu Überraschungsangriffen und Großoffensiven. Die Verbündeten haben diese Fähigkeit
nicht und streben sie auch nicht
an.
Die Warschauer Pakt-Staaten bilden eine geographische Einheit
während die Länder des Bündnisses
geographisch voneinander getrennt
sind.
- Der Warschauer Pakt kann massive
Verstärkung aus Entfernungen von
nur wenigen hundert Kilometern
heranführen - die Verstärkung der
Verbündeten muß vielfach den Atlantik überqueren.
- Das militärische Einsatzkonzept
und die Aktivitäten des Warschauer Paktes werden noch immer geheimgehalten wohingegen diese in
den Ländern der Verbündeten offengelegt und ständig durch die
Öffentlichkeit überprüft werden.
2.
Diese
Asymmetrien
werden
durch die überwältigende Präsenz konventioneller Streitkräfte der Sowjetunion in Europa noch verstärkt. Sie

stellen 50 Prozent aller aktiven Divisionen in Europa zwischen Atlantik
und Ural. Diese konventionelle Überlegenheit der Sowjets und ihre militärische Präsenz in anderen osteuropäischen Ländern hat sowohl politisch
als auch militärisch Auswirkungen.
Beides wirft einen Schatten über ganz
Europa.
3.
Konventionelle Rüstungskontrolle ist nicht nur technischer Ausgleichsfaktor eines isoliert zu betrachtenden
Problems.
Sie sollte
vielmehr zusammenhängend im Rahmen
von Politik und Sicherheit betrachtet
werden.

B. Der Rahmen für Politik und
Sicherheit
4. Wir bekräftigen unsere Überzeugung, daß Streitkräfte ausschließlich Kriege verhindern und Selbstverteidigung gewährleisten und weder eine Agression auslösen noch politische
oder militärische Einschüchterung zum
Ziel haben.
Unsere Fähigkeit zur
Verhinderung jeglicher Art von Krieg
- sei er nuklear oder konventionell beruht auf unserer Stärke und Entschlossenheit zur Abschreckung jeder
Form der Aggression.
Alle militärischen Ressourcen der Verbündeten
tragen zu dieser Zielsetzung bei.
Dieses Konzept wird sowohl von Mitgliedern als auch von Nichtmitgliedern dieser militärischen Organisation vertreten.
5. Die Wechselbeziehung zwischen
nuklearen und konventionellen Streitkräften ist komplex. Das bestehende
konventionelle
Ungleichgewicht
zugunsten des Warschauer Paktes ist
nicht der einzige Grund für die Präsenz nuklearer Waffen in Europa. Die
Länder des Bündnisses sind und bleiben der Bedrohung sowjetischer Nukle-

�arwaffen unterschiedlicher Reichweiten ausgesetzt. Obwohl ein konventionelles Gleichgewicht der Stabilität enormen Vorschub leisten würde,
kann nur das nukleare Element einen
potentiellen Aggressor mit einem unannehmbaren
Risiko
konfrontieren.
Aus diesem Grunde wird die Abschrekkung in absehbarer Zukunft eine angemessene Mischung nuklearer und konventioneller Streitkräfte erfordern.
6.
Deshalb sind unsere Länder
zur Gewährleistung ihrer Verteidigungsbereitschaft
entschlossen, um
die von uns angestrebte Stabilität zu
erlangen. Wir werden weiterhin dafür
sorgen, daß unsere Streitkräfte effektiv und auf dem gebotenen Stand
sind, insbesondere durch:
- weitere Einhaltung des Prinzips
geteilter Risiken und Pflichten
sowie Anerkennung der entscheidenden Prioritäten zur Stärkung
unserer Verteidigungsfähigkeit;
- Bereitstellung angemessener Verteidigungsausgaben,
die
den
größtmöglichen Gewinn aus unseren
Investitionen im Verteidigungsbereich bringen sollen;
- engere Kooperation mit dem Ziel,
Mängel in Schlüsselbereichen zu
beheben und in diesem Zusammenhang Unterstützung der jüngsten
gesetzgeberischen
und
anderen
Initiativen, mit deren Hilfe die
Zusammenarbeit im Bereich konventioneller Rüstungen - insbesondere Forschung, Entwicklung, Produktion und Beschaffung - gefördert werden soll;
- Hilfsmaßnahmen, um den Bedürfnissen der weniger begünstigten Verbündeten bei der Stärkung ihrer
konventionellen Verteidigung entgegenzukommen und somit ihre ent-

scheidenden Defizite
Bereich zu beheben.

in

diesem

7.
Es wird von entscheidender
Bedeutung sein, daß Verteidigungsund Rüstungskontrollpolitik in einem
ausgewogenen
Verhältnis
zueinander
stehen, um ihren sich gegenseitig ergänzenden Beitrag zur Sicherheit der
Bündnispartner zu gewährleisten. Bei
der Formulierung ihrer Verhandlungsvorschläge zur Stabilität im konventionellen Bereich werden die Verbündeten sicherstellen, daß sie dem anhaltenden Bedarf an Abschreckung und
Verteidigung abträglich sind.
Dementsprechend werden sie keine Vorschläge unterbeiten oder akzeptieren,
die eine Aushöhlung der nuklearen Abschreckungsfähigkeit des Bündnisses
zur Folge hätten.
8. Sicherheit in Europa umfaßt
nicht nur militärische, sondern auch
politische, wirtschaftliche und vor
allem humanitäre
Faktoren.
Unser
Ziel ist ein ungeteiltes Europa, in
dem die Menschen aller Länder die
Freiheit haben, Ideen und Informationen aufzunehmen, sich ihrer grundlegenden Menschenrechte zu erfreuen und
ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen zu können. Die Streitkräfte der
Verbündeten sind außerhalb ihres nationalen Territoriums stationiert, um
diese Werte zu schützen und die Solidarität unseres freien Bündnisses zu
wahren. Aus diesem Grund können sie
nicht mit den in Osteuropa stationierten
sowjetischen
Streitkräften
gleichgesetzt werden. Eine gerechte
und beständige friedliche Ordnung in
Europa erfordert, daß alle Länder ein
Vertrauensverhältnis zu ihren eigenen
Bürgern unterhalten, ihnen eigene politische oder wirtschaftliche Entscheidungen zutrauen und ihnen gestatten, von Bürgern anderer Länder
Informationen aufzunehmen und mit ihnen Gedanken auszutauschen.

- 3 -

�9. Gespräche über konventionelle
Rüstungskontrolle sollten von einer
einheitlichen politischen Vision geleitet sein, die diese Werte widerspiegelt.
Durch das Festhalten an
dieser Vision konnten die Verbündeten
ein positives Ergebnis der Stockholmer Konferenz herbeiführen. Genau
diese Überlegungen haben die Verbündeten zu der Entscheidung veranlaßt,
daß beide der von ihnen jetzt vorgeschlagenen Verhandlungen - über konventionelle Stabilität und über Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen - im Rahmen des KSZE-Prozesses
aufgenommen werden.
10. An den Maßnahmen zur Vertrauens- und Sicherheitsbildung werden alle 35 KSZE-Unterzeichnerstaaten
beteiligt
sein.
Ihre Zielsetzung
wird darin bestehen, auf den Ergebnissen der Stockholmer Konferenz aufzubauen und diese zu vertiefen. Das
dort erzielte Abkommen stellt einen
entscheidenden Schritt zum Abbau des
Risikos eines Krieges in Europa dar.
Bei dessen vollständiger Verwirklichung würde es in Zukunft mehr Transparenz schaffen und zu größerem Vertrauen und besserer Berechenbarkeit
militärischer Aktivitäten in ganz Europa beitragen. Die in Stockholm gegebenen Impulse müssen sich fortsetzen.
11.
Gleichzeitig sind wir uns
der besonderen Verantwortung der 23
Mitglieder beider Verteidigungsbündnisse in Europa bewußt, deren Streitkräfte auf sehr direkte Art und Weise
Einfluß auf das unentbehrliche Sicherheitsgefüge in Europa haben. Aus
diesem Grunde haben wir entschieden,
daß unter den 23 Staaten autonome
Verhandlungen
über
konventionelle
Stabilität stattfinden sollten.
12. Die Übernahme von Mandaten
für beide Verhandlungen muß Bestand-

teil ausgewogenener Ergebnisse beim
Wiener KSZE-Folgetreffen
sein und
macht auch erhebliche Fortschritte in
allen Bereichen der Schlußakte von
Helsinki erforderlich.

C.

Zielsetzungen des Bündnisses

13.
In Übereinstimmung mit den
Prinzipien unseres Konzepts zur konventionellen Rüstungskontrolle, wie
sie in der Erklärung von Brüssel niedergelegt sind, werden wir bei den
bevorstehenden
Verhandlungen
über
konventionelle
Stabilität
folgende
Ziele verfolgen:
- Errichtung
eines sicheren und
stabilen Gleichgewichts bei den
konventionellen Streitkräften auf
niedrigerem Niveau;
- Behebung von Stabilität und Sicherheit beeinträchtigenden Ungleichgewichten;
- als besonders dringlich: Abbau
der Fähigkeit zu Überraschungsangriffen und Großoffensiven.
14. Die letztgenannte Fähigkeit
ist am besorgniserregendsten im Hinblick auf die Eroberung von Territorium durch einen Aggressor. Ihr unerläßlicher Bestandteil ist die Vornestationierung
konventioneller
Streitkräfte mit ihrer Fähigkeit zu
höchster Mobilität und Feuerkraft.
Hierbei sind Panzer und Artillerie
die entscheidenden Komponenten, obwohl sich andere Bestandteile der
Kampffähigkeit als gleichermaßen bedeutend erweisen könnten.
Ferner
darf die Truppenstärke nicht außer
acht gelassen werden. Aber nicht alles Gerät ist für eine Begrenzung wenn auch nur aus technischen Gründen
- geeignet und Truppenstärke allein
ist kein präziser Indikator für Of-

- 4 -

�fensivfähigkeit.

konzentrieren.

15.
Unser Ziel wird weiterhin
darin bestehen, in Europa eine Situation herbeizuführen, in der Einsatzkonzepte für die Streitkräfte sowie
die Anzahl und Stationierung von Waffensystemen Überraschungsangriffe und
Großoffensiven unwahrscheinlich machen. Wir werden dieses Ziel auf der
Basis folgender Kriterien verfolgen:

Unser Ziel ist die Behebung des
konventionellen Ungleichgewichts.
Das kann durch eine Reihe von
Maßnahmen erzielt werden, unter
ihnen Reduzierungen, Begrenzungen, Bestimmungen über die Verlegung von Einheiten und damit in
Zusammenhang stehende Maßnahmen
sowie die Festlegung gleichei
Obergrenzen.

- Wir müssen der Stabilität in ganz
Europa - vom Atlantik bis zum
Ural - Vorschub leisten und dies
auf eine Weise tun, mit der einerseits die Sicherheit unserer
Verbündeten gewahrt und andererseits
der
Konzentration
von
Streitkräften des Warschauer Paktes Rechnung getragen wird sowie
auch der besonderen Probleme, mit
denen sich die Mittlere, Südliche
und Nördliche Region konfrontiert
sehen.

Dieses Ergebnis wird stark asymmetrische
Reduzierungen
des
Ostens erfordern und zum Beispiel
zum Abbau tausender Waffen des
Warschauer Paktes in Europa führen, mit denen ein Überraschungsangriff ausgeführt werden könnte,
unter ihnen Panzer und Artilleriegeschütze.

- Wir sollten Bestimmungen über
stationierte
Streitkräfte
vorschlagen und dabei das Gewicht
der vorne stationierten konventionellen Streitkräfte der Sowjets berücksichtigen. Wir sollten ebenfalls Fähigkeiten zur
Heranführung und Verstärkung der
Streitkräfte in Betracht ziehen.

Die Reduzierung kampfentscheidenden Geräts und die Modifizierung
des sowjetischen Einsatzkonzepts
der Vornestationierung wird nur
einen Teil unseres Konzepts zur
Verringerung des Konfliktrisikos
ausmachen.
Als
entsprechenden
Bestandteil aller Bemühungen zur
Verbesserung von Stabilität und
Sicherheit werden wir ferner Maßnahmen vorschlagen, um bei militärischen Aktivitäten größere Offenheit in ganz Europa zu erzielen, die Erhaltung niedrigerer
Streitkräfteniveaus
zu
sichern
und eine strikte, wirksame und
zuverlässige Regelung zur Überwachung und Verifizierung zu fördern.

- Gleiche zahlenmäßige oder prozentuale Reduzierungen beider Seiten
würden das die Stabilität in Europa bedrohende Ungleichgewicht
nicht beheben. Unsere Vorschläge
werden sich statt dessen auf Ergebnisse und gleiche Reststärken

Diese Regelung zur Überwachung
und Verifizierung muß den Austausch detaillierter Daten über
Streitkräfte und deren Stationierung wie auch das Recht beinhalten, genügend Vor-Ort-Inspektionen durchzuführen, um Vertrauen

- Bei unseren Anstrengungen zur Beseitigung
der
Fähigkeit
zur
Durchführung von Großoffensiven
sollten wir uns auf Waffensysteme
konzentrieren, die eine Schlüsselrolle spielen.

- 5 -

�auf die Einhaltung der vereinbarten Bestimmungen zu schaffen.

D.

Wege für die Zukunft

16. Die frühzeitige Vereinbarung
eines Mandats für Verhandlungen über
konventionelle Stabilität als Teil
ausgewogenen Ergebnisse des Wiener
KSZE-Folgetreffens würde einen wichtigen Schritt nach vorn bedeuten.
Wir streben die Beseitigung des konventionellen Ungleichgewichts an, das
die Stabilität und Sicherheit Europas
in starkem Maße bedroht. Wir streben
ferner die bessere Wahrung der Menschenrechte und Grundfreiheiten an,
von denen dauerhafte Sicherheit und
Stabilität letztlich abhängen.

* * * * *

- 6

�AMERIKA DIENST
V,ON

Dokumentation

4

9. März 1988

10

USA:

BISHER KAUM ECHTE FORTSCHRITTE BEIM KSZE-PROZESS
- Ansprache von Botschafter Robert Frowick -

WIEN - (AD) - Botschafter Robert Frowick zufolge sind bis jetzt kaum Fortschritte bei der Erarbeitung des Schlußdokuments vom Wiener Folgetreffen der
Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa zu verzeichnen. Der
Botschafter gab diese Stellungnahme in seiner Funktion als Stellvertretender
Leiter der amerikanischen Delegation am 26. Februar 1988 vor der KSZE ab.
Nachstehend geben wir den Wortlaut der Erklärung des Botschafters wieder:

Für den heutigen Tag haben wir
eine Zwischenbilanz angekündigt. Die
amerikanische Delegation hätte gerne
eine positive Bilanz gezogen, dies
ist jedoch bedauerlicherweise nicht
möglich. In den bisherigen fünf Tagungswochen in Wien waren geringe
Fortschritte bei unseren Bemühungen
um den Entwurf eines Dokumentes zu
verzeichnen.
Wir
wollen
keine
Schuldzuweisungen vornehmen, insbesondere weil wir gerade seit dieser
Woche wenigstens erste Anzeichen von
Bewegung beobachten konnten. Jüngste
Entwicklungen haben uns Grund zu

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Hoffnungen und Erwartungen gegeben,
aber greifbare Ergebnisse lassen immer noch auf sich warten. Die Hauptverantwortung für das Scheitern der
derzeit laufenden Initiativen liegt
bei denjenigen, die Fortschritte aufgehalten haben. Nach wie vor wird
die amerikanische Delegation auch in
Zukunft auf allen Gebieten unserer
Arbeit zu Fortschritten bereit sein.
Und wie in der Vergangenheit sind wir
auch weiter bereit, die Koordinatoren
bei der Erarbeitung eines umfassenden
und ausgewogenen Schlußdokumentes zu
unterstützen.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Grundsatzfragen
Im Bereich der Grundsatzfragen
ist ein Anstoß unerläßlich. Die kreativen Bemühungen des Koordinators
verdienen eine bessere Erwiederung,
als ihnen bisher zuteil wurde. Die
wesentlichen Ziele des Westens bei
der Behandlung solcher Themen wie dem
Recht, bei Menschenrechtsverletzungen
für Abhilfe zu sorgen, dem Recht der
freien Religionsausübung, der Freizügigkeit und der Rolle der Überwachung
sind noch nicht verwirklicht, obwohl
sie alle im Text des Koordinators
vorgesehen sind. Der Osten behindert
nicht nur den Fortschritt, sondern
kehrt zu der bei früheren Verhandlungsrunden an den Tag gelegten Unnachgiebigkeit zurück.

Korb Zwei
In Korb Zwei wird die amerikanische Delegation auch weiter auf einen - leider immer noch nicht vorliegenden - Text hinarbeiten, der die
wichtige Rolle der wirtschaftlichen,
wissenschaftlichen
und
umweltpolitischen Zusammenarbeit im HelsinkiProzeß anerkennt.
Wir befürworten
ein Ergebnis, das in diesem Punkt
eine eindeutige Verpflichtung sowie
wirkungsvolle Maßnahmen im Anschluß
an die Wiener Verhandlungen umfaßt.

Korb Drei
In Korb Drei wird den tatkräftigen Bemühungen des Koordinators Rechnung getragen, durch informelle Konsultationen Bereiche der Übereinstimmung auszumachen.
Wir hoffen, daß
seine Bemühungen uns einen Schritt
weiter zu Fortschritten in jedem Kapitel von Korb Drei bringen werden.
Dies könnte den Weg zur Behandlung
weit schwierigerer Themen ebnen

einschließlich der zentralen Bestimmungen in der Vorlage des Koordinators über menschliche Kontakte.

Militärische
de8 Bündnisses

Sicherheitsinitiativen

Lassen Sie mich jetzt zum Hauptthema des heutigen Tages kommen: Die
Bilanz der Bemühungen um die Anregung
eines Entwurfs zu Fragen der militärischen Sicherheit.
Diese Bilanz
zeigt, daß die westlichen Delegationen seit der letztgenannten Phase der
3. Runde weit davon entfernt waren,
die Dinge - wie gelegentlich behauptet - schleifen zu lassen, sondern
unbeirrbar energische Schritte unternommen haben, um schließlich den Teil
von Korb Eins des Wiener Schlußdokuments zur militärischen Sicherheit zu
formulieren.

Vier Zielsetzungen
Es ist allgemein bekannt, daß
dieser Teil vier besondere Themenkomplexe beinhaltet. Er umfaßt eine
Bewertung von Stockholm, deren Vorbereitung durch die Unterhändler hier
in Wien das Madrider Schlußdokument
zwingend vorschreibt; eine Präambel,
die zukünftige Ziele der KSZE im Bereich der militärischen Sicherheit
konzeptionell skizziert; ein Abkommen
zur Aufnahme weiterer Verhandlungen
über Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen; und Verständigung
über den Beginn von unabhängigen Verhandlungen über die konventionelle
Stabilität der 23 zu den Bündnissen
gehörenden Länder, die im Rahmen des
KSZE-Prozesses verhandeln werden.
Herr Vorsitzender, die Verhandlungen über diese vier Punkte waren
und sind eine außerordentlich komplexe Aufgabe, da die Vertreter unserer

- 2 -

�&lt;
•

t

35 Länder eine Vielzahl widersprüchlicher nationaler, regionaler und anderer Prioritäten miteinander in Einklang bringen müssen. Es trifft zu,
daß der grundsätzliche Vorschlag des
Bündnisses zur militärischen Sicherheit - Wt. 129 - bis zum vergangenen
Juli nicht zur Vorlage bereit war.
Als er jedoch auf den Verhandlungstisch kam, enthielt er eine besonders
ausgereifte Struktur, die nicht nur
den unterschiedlichen Belangen im Atlantischen Bündnis Rechnung trug,
sondern auch denen des Ostblocks sowie der neutralen und blockfreien
Länder, die am KSZE-Prozeß teilhaben.
Diese Struktur beinhaltete klare und
sorgfältig ausgewogene Formulierungen
für die Präambel, ein Abkommen über
die Durchführung weiterer Verhandlungen über Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen (CSBM), und eine
Verständigung zur Aufnahme von Gesprächen über konventionelle Waffen,
die das Gebiet vom Atlantik bis zum
Ural abdecken. Der Vorschlag wurde
in der Absicht verfaßt, den Entwurf
eines Schlußdokumentes zu erleichtern. Die Bilanz zeigt, daß er dieser Aufgabe gerecht wurde.
Vorschlag Wt. 129 hat zur Vorlage
einer Reihe interessanter und zweckdienlicher Konzepte von anderer Seite
geführt - zum Beispiel Schweden mit
Wt. 131, Jugoslawien mit Wt. 133 und
Zypern mit Wt. 134. Seitdem haben
auch Delegationen aus dem Ostblock
schrittweise eine länger werdende
Reihe vorläufiger Dokumente unterbreitet, die aufgrund ihrer Konzeption zu einer größeren Meinungsvielfalt beigetragen haben.
In dieser
Hinsicht begrüßt meine Delegation besonders die Entwicklungen der vergangenen Woche. Aber Wt. 129 kommt bei
der in der "S"-Gruppe erarbeiteten
Reihe von Dokumenten eine Schlüsselfunktion zu.

Bewertung von Stockholm
Vor Abschluß der 3. Runde im Juli
hat der Westen - insbesondere die Delegation der Vereinigten Staaten - in
der "S"-Gruppe eine Vorlage unterbreitet, die einen Ansatz zur Bewertung von Stockholm vorstellt. Unsere
Vorlage war die wichtige - wenn nicht
die entscheidende - Grundlage für
nachfolgende Verhandlungen
der 4.
Runde, die im September im Vertragsentwurf unmittelbare Erfolge gezeitigt haben wie auch für die am 22.
Oktober ad referendum beschlossene
Bewertung von Stockholm.

Präambel
Bemühungen um den Entwurf einer
Präambel schienen zunächst zügig voranzugehen, da einige Sätze aus Wt.
129 bis zum 12. Oktober rasch beschlossen waren.
Abe1" dann mußten
die Unterhändler zentrale Problemkreise behandeln und die Gespräche
der "S"-Gruppe wurden zu einer Grundsatzdebatte über noch anstehende Themen aus der 4. Runde.

Vertrauens- und sicherheitsbildende
Maßnahmen
Es wurde zunehmend klar, daß vor
der Zustimmung einiger Delegationen
über eine Vorlage ihrer Formulierungen über die noch anstehenden Themen
der Präambel oder der CSBM für die
Unterlagen des Koordinators ein Weg
gefunden werden müßte, um im Wiener
Schlußdokument einen ausdrücklichen
Hinweis für die Wiederaufnahme der
Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa einzufügen. Westliche Delegationen haben häufig Formulierungen für Entwürfe der Präambel
und CSBM vorgeschlagen. Manchmal wa-

- 3 -

�ren wir dem Erfolg sehr nahe. Aber
immer wieder haben andere Rückzieher
gemacht und tatsächlich von einem
Hinausgehen über die konzeptionelle
Debatte Abstand genommen - einer Debatte, die zugegebenermaßen nützlich
und konstruktiv war, auch wenn sie
manchmal unnötig in die Länge gezogen
wurde.

Konventionelle Stabilität
Der Westen hat ferner ernsthafte
Anstrengungen unternommen, um im Wiener Schlußdokument mit dem Entwurf
des Abschnitts über konventionelle
Stabilität zu beginnen. Obwohl Wt.
129 einige Vereinbarungen vorsieht,
die sicherstellen sollen, daß die 23
Teilnehmerländer
an den automomen
konventionellen Gesprächen einen Meinungs- und Informationsaustausch mit
den 12 KSZE-Teilnehmerländern vornehmen, die nicht an diesen Gesprächen
beteiligt sind, fordern die Vertreter
der letztgenannten Länder ein klareres und umfassenderes Bild der Funktionsweise einer solchen Verbindung
im Bereich Information. Manche verweigern den Entwurf von Formulierungen im konventionellen Bereich, bis
ausreichende Klarheit geschaffen ist.
Herr Vorsitzender, diese Situation darf nicht so weiterbestehen.
Die Delegationen der Verbündeten haben aus diesem Grunde wieder einmal
die Führung übernommen und versuchen,
Differenzen abzubauen.

Jüngste Initiativen der Bündnispartner
Seit Beginn der gegenwärtigen
Runde hat der Westen zwei bedeutende
Initiativen in die Wege geleitet.
Eine ist die informelle Bemühung um
einen Weg, den ausdrücklichen Bezug

zur Wiederaufnahme der KVAE zu formulieren. Der hierbei erzielte Erfolg
wird
gleichzeitig
Hindernisse
im
Fortkommen bei der Präambel und Entwürfen zu CSBM überwinden.
Die andere, erst diese Woche eingeleitete Initiative zielt auf die
Klärung von Vorgehensweisen bei einem
künftigen Meinungs- und Informationsaustausch zwischen Vertretern der 23
Länder bei den konventionellen Gesprächen und den 12 nicht an diesen
Gesprächen teilnehmenden Staaten ab.
Wir hoffen, daß die "S"-Gruppe mit
Hilfe dieses letzten, sehr bedeutsamen Schritts des Westens in absehbarer Zukunft schließlich mit dem Entwurf von Formulierungen über konventionelle Gespräche beginnen kann.

i
I

Im Zusammenhang mit den in dieser
Richtung voranschreitenden Bemühungen
möchte ich erneut die unerschütterliche Meinung der Vereinigten Staaten
betonen, derzufolge das Konzept der
Autonomie bei den Gesprächen über
konventionelle Stabilität sowie auch
das Konzept, demzufolge diese Gespräche im Rahmen des KSZE-Prozesses
stattfinden werden, untrennbar sind.
Sie bilden eine klar erkennbare Einheit.
Jeder mögliche Konsens im
Schlußdokument von Wien im Hinblick
auf das Verhältnis der konventionellen Gespräche zu KSZE muß die Gesamtheit dieses konzeptionellen Gefüges
widerspiegeln.
Herr Vorsitzender, zusammenfassend läßt sich sagen, daß der Westen
in den vergangenen Monaten erhebliche
Anstrengungen unternommen hat, um die
"S"-Gruppe zu intensivierten Entwürfen aller vier Teile des Abschnitts
zur militärischen Sicherheit hinzuführen, die im Wiener Schlußdokument
erscheinen sollen. Aber wir sind uns
der Tatsache bewußt, daß wir Endergebnisse nicht im Alleingang hervor-

- 4 -

^

�bringen können. Wir müssen bei anderen um angemessene Anstrengungen und
Flexibilität nachsuchen.
Die Problemkreise sind zu komplex und zahlreich, als daß wir sie bis zum Ende
zurückstellen könnten.
Als Ergebnis dieser jüngsten Initiativen des Bündnisses besteht die
realistische Möglichkeit für bedeutende Fortschritte bei Fragen der militärischen Sicherheit vor Ende dieser Runde. In diesem Bereich sind
die Vereinigten Staaten - wie auch in
allen anderen - bereit, baldige und
bedeutungsvolle Ergebnisse zu erarbeiten.

* * * * * *

- 5 -

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft

'V,QN ^

9. März 1988

10

US-HANDELSPOLITIK:

SORGEN MIT EUROPA

- (AD) - Mit Sorge betrachtet Denis Lamb, seit einigen Monaten amerikanischer Botschafter bei der OECD, die agrarpolitischen Auseinandersetzungen
zwischen den USA und der Europäischen Gemeinschaft. Lamb äußerte sich in einem Gespräch mit der Wirtschaftswoche (Nr. 10 vom 4. März 1988) zu Fragen der

Agrarpolitik:
Die größte Gefahr auf dem Agrarsektor liegt darin,
daß sich das amerikanische System dem
europäischen annähert und das europäische die schlechten Beispiele aus
dem amerikanischen übernimmt.
Die
Überlegungen in Brüssel gehen immer
mehr in Richtung Stillegungsprämien.
Und in den USA liebäugeln die Verantwortlichen mit einem zweigleisigen
Preissystem, das die Exporte künstlich verbilligt.
Wir müssen jetzt
alle dafür sorgen, daß es so weit
nicht kommt. Sonst wird alles nur
noch schlimmer.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

COCOM-LIste:
Niemand
liebt
sie.
Die europäischen Unternehmen
nicht und die amerikanischen Unternehmen auch nicht. Die ganze Diskussion ist wieder aufgebrochen, weil
vor allem der Handel der westlichen
Länder
untereinander
durch
C0C0M
stark behindert wird, nicht etwa,
weil der Osthandel dadurch in Gefahr
geraten wäre. Es lassen sich aber
nicht im Handstreich 20 Prozent der
Liste streichen, weil darin Produktbeschreibungen, nicht Produkte, enthalten sind. Die aber müssen so ausfallen, daß sie strategisch Sinn ma-

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�chen. Soll die Liste geändert werden, dann ist immer irgendein Hersteller stärker betroffen als andere.
Deshalb ist man mit der Liste noch
nicht weitergekommen.
US-Handelsbilanz:
Die Handelsbilanz zeigt Besserung. Eine Abnahme
der Defizite war schon seit einiger
Zeit zu verzeichnen, wurde aber noch
von der Dollar-Abwertung überlagert.
In diesem Jahr wird das Defizit erst
langsam,
im
nächsten
Jahr
dann
schneller abnehmen. Danach aber, das
zeigen Berechnungen der OECD, wird
der Fehlbetrag auf dem Niveau von 100
Milliarden Dollar verharren, weil die
Wirtschaft
unserer
Handelspartner
nicht schnell genug wächst. Der Saldo richtet sich also letztlich nach
dem Wachstumstempo unserer Handelspartner. Wenn Europa nicht kräftig
zulegt, bleibt das Defizit erhalten.

US-Konjunkturaussichten:
Der
Dollar-Verfall hat die amerikanische
Industrie wieder international wettbewerbsfähig gemacht.
Ausländische
Firmen, vor allem aus Japan, investieren weiterhin kräftig in den USA.
Und selbst der Börsenkrach hat sein
Gutes gehabt. Er hat die Sparneigung
wieder anwachsen lassen. Wenn aber
mehr gespart wird, dann brauchen wir
nicht mehr soviel Auslandskapital, um
unser - mittlerweile ebenfalls sinkendes - Budgetdefizit und einen Teil
der Investitionen
zu finanzieren.
Ich bin daher zuversichtlich, daß die
Politik, wie sie zur Zeit in den USA
betrieben wird, unser Land nicht in
eine Rezession stürzen wird. Ich sehe allerdings Raum für eine leicht
ansteigende Inflation.
Wir werden
uns daher selbst an die Kandarre nehmen und Preisdisziplin üben müssen.
Wenn wir das schaffen, dann sollte
auch der einmalige Preisschub, den
die Dollar-Abwertung gebracht hat,
nicht in eine dauerhafte Inflation
münden.

* * * * * *

�v^os^

V,DN

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

^

9. März 1988

10

AIDS:

EIN WETTLAUF MIT DER ZEIT

- US-Kommission unterbreitet weitreichende Vorschläge für Gesundheitsund Sozialpolitik -

WASHINGTON - (AD) - Orientierungshilfe für die Gesetzgebung im amerikanischen Kongreß und in den Parlamenten der amerikanischen Bundesstaaten gibt
der
Ende
Februar
1988
veröffentlichte
Zwischenbericht
der
von
r
^ asident Reagan im September 1987 eingesetzten AIDS-Kommission. Unter der Lei
tung von Admiral a.D. James D. Watkins wurden in den letzten Monaten Analysen un
d Empfehlungen erarbeitet, die bedeutsame Veränderungen im Gesundheitswesen der
Vereinigten Staaten erforderlich machen. Sie basieren auf den Stellungnahmen vo
n mehr als 350 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, aus Medizin und Forschu
ng sowie dem Sozialwesen zum AIDS-Problem. Nach weiteren Anhörungen wird der en
dgültige Bericht der aus 13 Mitgliedern bestehenden Kommission dem Präsidenten i
m Juni vorgelegt.
In einer Pressekonferenz am 24.
Februar warnte Admiral Watkins davor,
mit zweitrangigen Fragen - zum Beispiel Befürwortung oder Ablehnung der
Verteilung von Spritzbestecken an
Fixer oder der Abgabe von Kondomen Zeit und Energie zu vergeuden. Man
habe sich jetzt auf den Komplex AIDS
mit dem Ziel zu konzentrieren, die
Ausbreitung von HIV-Infektionen (HIV
= Human-Retrovirus, das die erworbene
Immunschwächekrankheit AIDS auslöst)
mit allen zur Verfügung stehenden
Mitteln einzudämmen, für die Opfer
Behandlung und Pflege zu ermöglichen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

und neue Therapien zu entwicklen.
Wegen der gegenwärtig auffallend
hohen Ausbreitungsgeschwindigkeit in
der Drogenszene bei Personen, die Heroin - neuerdings auch eine Kokainzubereitung - intravenös spritzen und
sich durch gemeinsamen Gebrauch infizierter Nadeln anstecken, müsse zuallererst auf diesem Gebiet mehr getan
werden. Anfang Februar waren in den
Vereinigten Staaten über 52 000 diagnostizierte AIDS-Fälle offiziell gemeldet. Etwa 66 Prozent davon entfielen auf Homosexuelle und ein klei-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ner Anteil auf bisexuelle Männer. In
der Risikogruppe der Homosexuellen
ist als Folge massiver Aufklärungsaktionen jetzt sogar schon ein Rückgang
von Neuinfektionen festzustellen; allerdings wird die Zahl der subchronischen und chronischen Erkrankungen
ebenso wie die Anzahl der Todesfälle
in den nächsten Jahren noch deutlich
ansteigen, weil die Inkubationszeit
bis zum Ausbruch der Krankheit neun
und mehr Jahre betragen kann.

mindestens 300 000 bereits AIDS-Virusträger
sind.
Dies
berichtete
kürzlich Dr. D. Ian Macdonald, Berater für die Drogenpolitik des Weißen
Hauses und Leiter der Behörde "Alkohol, Drogenmißbrauch und geistige Gesundheit".
Die Infektionsrate ist
jedoch regional und örtlich sehr unterschiedlich: Für New Jersey werden
39 Prozent, für die Stadt New York
bis zu 60 Prozent, für Los Angeles
dagegen nur ca. 2,8 Prozent angenommen.

Doppelproblem;
sucht

Jedenfalls hätten dem Watkins-Berieht zufolge umfassende neue Maßnahmen nicht nur den iv-Drogenabhängigen
selbst, sondern auch ihren Sexualpartnern und ihren Kindern zu gelten.
Immerhin ist Macdonald zufolge in 72
Prozent der AIDS-Infektionen bei Kindern mindestens ein Elternteil ivdrogenabhängig.
Andere
wichtige
Punkte einer "nationalen Strategie"
zur AIDS-Bekämpfung - zum Beispiel
die Epidemiologie von AIDS, Vorbeugung, Information und Erziehung, Diskriminierung, Testprogramme, Sicherheit am Arbeitsplatz, Finanzierung
von Pflege und gesundheitspolitischen
Maßnahmen, rechtliche und internationale Belange - werden bei den nächsten Expertenbefragungen der WatkinsKommission im Vordergrund stehen.
Die daraus resultierenden Empfehlungen wird der abschließende Gesamtbericht enthalten.

AIDS

und

iv-Drogen-

Unter iv-abhängigen Drogensüchtigen - mit einem Anteil von ca. 25
Prozent an der Gesamtzahl der an AIDS
Erkrankten - nehmen die Neuinfektionen derzeit aber um bis zu sieben
Prozent zu. Diese Gruppe zeigt sich
im Gegensatz zu anderen Risikogruppen
den
Appellen
zur
Anwendung
von
Schutzmaßnahmen und Änderung des persönlichen Verhaltens am wenigsten zugänglich.
So bildet sie heute das
gefährlichste Infektionsreservoir für
AIDS - nicht zuletzt deshalb, weil
auch die Weiterverbreitung der Krankheit auf heterosexuellem Wege in erster Linie von dieser Gruppe ausgeht.
(In einem Exklusiv-Interview am 12.
Februar mit dem amerikanischen Informationsamt USIA erwähnte Dr. Harry
Haverkos, Leiter der Abteilung Klinische Medizin des Nationalen Instituts für Drogenmißbrauch/NIDA, in
Westeuropa beobachte man eine ähnliche Entwicklung - außer in Spanien
und Italien, wo Heroinabhängige etwa
60 Prozent der AIDS-Fälle ausmachten,
während in Frankreich der Anteil bei
zehn Prozent und in England bei einem
Prozent liegt.)
Die Anzahl iv-Drogenabhängiger in
den USA wird auf 1,1 bis 1,3 Millionen Personen geschätzt, von denen

Unter
den
iv-Drogenabhängigen
spritzen etwa 900 000 regelmäßig, die
übrigen in Intervallen oder gelegentlieh. Einer neuen NIDA-Befragung unter Suchtkranken zufolge hatten - vor
allem im vergangenen Jahr - 93 Prozent der Heroinabhängigen häufig Nadeln gemeinsam benutzt, 26 Prozent
sogar täglich. Nur 15 Prozent befinden sich in Behandlung. In 24 großen
Städten, wo die Mehrzahl von ihnen
lebt, gibt es für Therapieprogramme

- 2 -

t

i

*

�Wartelisten. In der Regel dauert es
drei bis sechs Monate, bis ein Bewerber in ein solches Programm aufgenommen werden kann. Von den 200 000 ivDrogenabhängigen in New York beispielsweise erhalten derzeit 35 000
eine Therapie.
Laut Watkins müßten jedoch Voraussetzungen geschaffen werden, "auf
Anforderung" eine Therapie sofort in
Angriff nehmen zu können. Entsprechende Empfehlungen der AIDS-Kommission dürften allerdings Kritiker auf
den Plan rufen. Denn manche Fachleute sind der Meinung, daß die "auf Anforderung" des Heroinsüchtigen in einer Reihe von Kliniken und Einrichtungen
zur
ambulanten
Behandlung
praktizierte Umstellung auf Methadon,
die ihn vom Spritzen abbringen soll,
nur den Ersatz eines Narkotikums
durch ein anderes bedeutet.
Zwar
kommt es bei der Umstellung auf
Methadon nicht zu den sonst üblichen
Entzugserscheinungen. An der Abhängigkeit vom Narkotikum ändert sich
jedoch nichts.
Haverkos verwies darauf, daß die
Behandlung suchtkranker AIDS-Patienten besonders schwierig sei, "weil
wir viel weniger wissen als wir wissen müßten. Wir haben ja nicht einmal brauchbare Informationen darüber,
welche Art Drogen sie nehmen, wieviele von ihnen Heroin, wieviele Kokain
spritzen. Das aber wäre für die Therapieprogramme sehr wichtig."
Vermutlich tragen Drogen sogar zu einer
weiteren Schwächung des Immunsystems
bei, erleichtern also die Vermehrung
des AIDS-Virus. Interessant ist in
diesem Zusammenhang eine Beobachtung
der New Yorker Gesundheitsbehörde:
iv-Drogenabhängige Männer überlebten,
nachdem bei ihnen AIDS diagnostiziert
worden war, durchschnittlich 318 Tage, Frauen 298 Tage. Bei Homosexuellen dagegen, die keine Fixer waren,

betrug die durchschnittliche Uberlebensdauer 400 Tage, bei Patienten mit
Kaposi-Sarkom ohne andere AIDS-assoziierte schwere Erkrankungen 568 Tage.
Im Watkins-Bericht werden 3 300
über das ganze Land verteilte neue
Therapiezentren und eine Aufstockung
des in der Suchttherapie tätigen Personals um 32 000 Spezialisten gefordert. Außerdem werden Sonderprogramme für weibliche iv-Drogenabhängige
vorgeschlagen, um Frauen im gebärfähigen Alter, Schwangere und Mütter
besser zu betreuen. Während der Anhörungen wurde zum Beispiel berichtet, daß in einer New Yorker Entbindungsklinik im Stadtteil Bronx zwei
Prozent der
Frauen AIDS-infiziert
seien. In manchen Stadtteilen treffe
dies auf ein bis drei Prozent der
Frauen im gebärfähigen Alter zu. Bei
etwa der Hälfte von ihnen dürfte die
Ansteckung auf heterosexuellem Wege
erfolgt sein, während die andere
Hälfte Drogen nehme. Von den 1 364
AIDS-kranken Frauen in der Stadt New
York waren 60 Prozent selbst iv-drogenabhängig, 22 Prozent hingegen Sexualpartner von iv-Drogenabhängigen.
Einer in Massachusetts durchgeführten Studie zufolge betrug die
Häufigkeit einer AIDS-Infektion bei
Frauen, die kurz zuvor entbunden hatten, etwa 0,1 Prozent in ländlichen
Gebieten, aber bis zu 1 Prozent in
der Stadt. Ein bis zwei Drittel der
Babies sind ebenfalls infiziert. Die
Folgen einer heterosexuellen AIDSUbertragung treffen Frauen aus armen
Bevölkerungsschichten und ihre Kinder
besonders hart.
Experten zufolge
ist die Zahl der AIDS-Fälle bei
Schwarzen und Gruppen mexikanischer
und zentralamerikanischer Herkunft um
das Zwölf- bis Dreizehnfache höher
als bei weißen Amerikanern. 80 Prozent aller Kinder mit AIDS kommen aus
Familien, die einer ethnischen Min-

- 3 -

�derheit angehören.
Watkins fordert, vor allem die
Angehörigen von Minderheiten in Modellprogramme kommunaler Organisationen aufzunehmen.
Iv-Drogenabhängige
sollen im Rahmen ihrer Therapie AIDSTests auf freiwilliger Basis mit entsprechender Beratung angeboten werden
- Aktionen, in die ihre Sexualpartner
und Kinder einzubeziehen sind. Ausserdem sollte NIDA die Forschungen
zur
Behandlung
iv-kokainabhängiger
Suchtkranker intensivieren, weil über
dieses ständig wachsende Problem viel
zu wenig bekannt sei.

Finanzierung
Bundesregierung und Bundesstaaten
müßten, dem Bericht zufolge in den
nächsten zehn Jahren für die Behandlung von Drogenmißbrauch ca. 15 Milliarden Dollar aufwenden.
Weitere
zwei Milliarden Dollar an Bundesmitteln seien für Vorbeugung, Forschung
und Erziehung sowie 2,5 Milliarden
von den Bundesstaaten für die Betreuung Suchtkranker und ihrer Partner im
gleichen Zeitraum erforderlich. Diese Mittel müßten zusätzlich zu den
1,3 Milliarden Dollar aufgewandt werden, die Präsident Reagan für Forschung, Erziehung und Tests zur Bekämpfung der tödlichen Krankheit für
das Haushaltjähr 1989 angefordert hat.
"Unsere Untersuchungen haben erhebliche Probleme im gesamten Gesundheitsversorgungssystem unseres Landes
ans Licht gebracht", sagte Watkins.
"Viele Ärzte haben große Wissenslücken über AIDS, und es gibt Anzeichen
dafür, daß Medizinhochschulen noch
keine Ausbildungspläne für angehende
Ärzte auf dem Gebiet der AIDS-Therapie aufgestellt haben." An Krankenschwestern bestehe großer Mangel - in
den Krankenhäusern seien 13 Prozent

der Stellen nicht besetzt. Bis 1991
würden 500 000 mehr Krankenschwestern
gebraucht, als jetzt tätig seien.
Auch werde man von der pflegerischen
Seite her den Anforderungen der AIDSEpidemie bisher nicht gerecht.
Die Bundesministerien für Gesundheitswesen und Bauwesen sollten Mittel für die Unterbringung HlV-infizierter Kinder in Gruppen oder in
Ubergangsheimen bis zur Aufnahme in
Pflegeheime zur Verfügung stellen.
Auch müßte die häusliche Pflege nicht
versicherter AIDS-Kranker mit Bundesund Staatsmitteln geregelt werden.
Kommunale Krankenhäuser sollten mehr
Geld für mehr Leistungen gegenüber
AIDS-Kranke, vor allem Müttern und
Kindern erhalten. Öffentliche Krankenhäuser sollten Akutbetten in Langzeit-Pflegebetten für HIV-Patienten
und andere chronisch Kranke umwandeln.
Schließlich müßten auch die
Diagnostik- und Therapiezentren für
Bluter mit mehr Geldmitteln ausgestattet werden, um HIV-Tests, Beratung und ähnliche Dienstleistungen
durchführen zu können.
Die Bundesbehörde für Nahrungsund Arzneimittel (FDA) habe sich
Watkins zufolge darum zu kümmern, daß
so rasch wie möglich bessere HIV-Antikörpertests mit größtmöglicher Verfahrens- und
Ergebniszuverlässigkeit
zugelassen werden.
Dasselbe gelte
für die Antigen-Tests.
Sowohl FDA
als auch NIDA benötigten angesichts
ihrer Aufgaben im Zusammenhang mit
AIDS mehr Haushaltmittel, mehr Räumlichkeiten und mehr Personal.

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;NATO unterstützt bilaterale Gespräche über strategische Waffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsident Reagans Erklärung zum Abschluß des NATO-Glpfels&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Ungleichgewicht In der konventionellen Rüstung Eine Herausforderung für die europäische Sicherheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Nordatlantikrates&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA: Bisher kaum echte Fortschritte beim KSZE-Prozeß&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von Botschafter Robert Frowick&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Handelspolitik: Sorgen mit Europa&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;AIDS: Ein Wettlauf mit der Zeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;US-Kommission unterbreitet weitreichende Vorschläge für Gesundheits- und Sozialpolitik&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

4

11

16. März 1988

INHALT

HINTERGRUNDMATERIAL
Shultz umreißt drei Prioritäten der Rüstungskontrollgespräche
- Außenminister Shultz vor dem Bewilligungsausschuß -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Radon-Konzentration in der Raumluft
- Überwachung ratsam wegen Lungenkrebsrisiko -

Neuer Ultraschalltest bei Risikoschwangerschaften

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
'VON

Hintergrundmaterial

4

16. März 1988

11
SHULTZ UMREISST DREI PRIORITÄTEN
DER RÜSTUNGSKONTROLLGESPRÄCHE
- Außenminister Shultz vor dem Bewilligungsausschuß -

WASHINGTON - (AD) - Außenminister Shultz zufolge umfaßt die Tagesordnung
der Ost-West-Gespräche drei Prioritäten für die RUstungskontrollgespräche:
50prozentige Reduzierung der strategischen Offensivwaffen, ein weltweites Verbot chemischer Waffen sowie die Behebung des Ungleichgewichts bei den konventionellen Streitkräften.
Vor dem Bewilligungsausschuß des Repräsentantenhauses für Auswärtige Angelegenheiten erklärte Shultz am 10. März 1988, die Vereinigten Staaten und ihre
Verbündeten hätten "Schritte in die Wege geleitet, die - mit Kooperation der
Sowjetunion - entschiedene Fortschritte in Richtung auf eine von mehr Sicherheit und Menschlichkeit gekennzeichnete Welt mit sich bringen könnten".
Nachstehend bringen wir die Erklärung von Außenminister Shultz in wesentlichen Auzügen.
Ost-West-Beziehungen
Die Vereinigten Staaten und ihre
Verbündeten haben Schritte in die Wege geleitet, die - mit Kooperation
der Sowjetunion - entschiedene Fortschritte in Richtung auf eine von
mehr Sicherheit und Menschlichkeit
gekennzeichnete Welt mit sich bringen
könnten. Können wir dieser Kooperation durch die Sowjetunion sicher
sein? Ja - wenn wir die richtigen
Bedingungen schaffen. Und wie schaffen wir diese Bedingungen? Indem wir
unser uneingeschränktes und aktives

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Engagement unter Beweis und die erforderlichen Mittel
zur Verfügung
stellen.
Die entscheidende Bedeutung des
weltweiten amerikanischen Engagements
wurde während des jüngsten Treffens
von Präsident Reagan mit den Staatsund Regierungschefs der NATO offensichtlich. In Brüssel kamen wir mit
unseren NATO-Partnern überein, daß
wir dieselbe Entschlossenheit an den
Tag legen und die unerläßlichen Mittel zur Verfügung stellen müssen wie
bei der Erarbeitung des INF-Vertra-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ges, wenn wir bei unserer Tagesordnung mit dem Osten Fortschritte erzielen wollen.
Diese Tagesordnung umfaßt folgende Punkte: größere Offenheit und uneingeschränkte Wahrung der Menschenrechte im Osten. Im Bereich der Rüstungskontrolle haben wir drei Prioritäten definiert - 50prozentige Reduzierung der strategischen Offensivwaffen, ein weltweites und wirklich
verifizierbares
Verbot
chemischer
Waffen sowie die Behebung des Ungleichgewichts bei den konventionellen Streitkräften.
Realismus, Stärke und Bereitschaft zum Dialog lautet nach wie vor
Amerikas Devise bei der Fortsetzung
des im Jahr 1985 begonnenen Austausches mit der sowjetischen Führung.
Dieser andauernde Prozeß hat inzwischen eine stabilere und konstruktivere Basis unserer Beziehungen mit
der Sowjetunion zur Folge gehabt. In
der Zeit bis zum nächsten Gipfel in
Moskau werde ich regelmäßig mit Aussenminister Schewardnadse zusammenkommen .
Wir werden das gesamte Spektrum
der uns betreffenden Probleme erörtern, einschließlich Menschenrechte,
Rüstungskontrolle, bilaterale Angelegenheiten und Beilegung regionaler
Konflikte.
Wir werden die sowjetische Regierung weiterhin auffordern, die Menschenrechte und Grundfreiheiten der Menschen in der UdSSR
ebenso zu wahren, wie die souveränen
Rechte ihrer Nachbarn. Bei der Erarbeitung des START-Vertrages müssen
Fortschritte erzielt werden - der
Präsident hat uns allen unmißverständlich zu verstehen gegeben, daß
wir in unserem Bestreben um einen guten Vertrag nicht nachlassen dürfen.

Regionale Konfliktherde
Afghanistan.
Nach acht langen
Jahren könnten sich der Mut und das
Durchhaltevermögen der afghanischen
Widerstandsbewegung und des afghanischen Volkes nun bei den wiederaufgenommenen Genfer Verhandlungen bezahlt machen. Wir sind stolz, daß
wir uns gemeinsam mit diesen und mit
Pakistan behaupten konnten. Die Vereinigten Staaten werden Pakistan und
das afghanische Volk weiterhin unterstützen und Moskau zum raschen Rückzug seiner Truppen und der Beendigung
der Militärhilfe für das Regime in
Kabul drängen. Die Vereinigten Staaten engagieren sich nach wie vor unerschütterlich für den raschen Abzug
sowjetischer Streitkräfte, die Wieder hei. Stellung des unabhängigen und
blockfreien Status in Afghanistan,
wirkliche Selbstbestimmung des afghanischen Volkes sowie die sichere und
würdige Rückkehr der Flüchtlinge.
Der Nahe Osten. Im Nahen Osten
ist es an der Zeit für Entscheidungen. Die Lage dient niemandes Interesse und Verhandlungen müssen rasche
Veränderungen zur Folge haben.
In
meinen Gesprächen mit den politisch
Verantwortlichen in Israel, Jordanien, Syrien und Ägypten nahm Realismus In unserer Einstellung zu Verhandlungen einen zentralen Stellenwert ein.
Unser Ansatz bei den Verhandlungen ist ehrgeizig und zwingend. Er
fordert den baldigen Beginn miteinander
verbundener
Verhandlungen
zu
Übergangs- und endgültigen Lösungen.
Sie werden von einer entsprechend organisierten internationalen Konferenz
in die Wege geleitet und unterstützt.
Dieser Prozeß kann und sollte bereits
Mitte April beginnen. Unser Ansatz
wird den grundsätzlichen Anliegen aller gerecht und ermöglicht ernsthafte

- 2 -

�Verhandlungen.
Aber die technischen Aspekte sind
bei dieser Aufgabe zweitrangig. Unser Ziel ist ein umfassender Frieden.
- Die Sicherheit Israels kann verbessert werden. Israel verdient
Anerkennung und Respekt, wie sie
durch Verhandlungen herbeigeführt
werden. Israel kann von der zunehmenden menschlichen und moralischen Last der Besetzung befreit werden - frei, um seine beachtlichen Talente und Energien
zur Verbesserung der Lebensqualität freizusetzen. Und vor allem
kann Israel Frieden mit seinen
Nachbarn schließen.
- Die Palästinenser können rasch
Kontrolle über die politischen
und wirtschaftlichen Entscheidungen erlangen, die ihr Leben direkt betreffen. Die Palästinenser können aktiv an Verhandlungen
zur Bestimmung ihrer politischen
Zukunft teilnehmen. Die Palästinenser
können
ihre
legitimen
Rechte in Anspruch nehmen und ein
Leben in Würde und Selbstachtung
leben.
Die arabische Welt kann das Blatt
ihrer Geschichte wenden, diesen
schwelenden Konflikt lösen und
sich wieder der Befriedigung alltäglicher menschlicher Bedürfnisse zuwenden. Das Flüchtlingsprobelm kann gelöst werden.
Eine
stabiles neues Umfeld kann geschaffen werden, in dem die
menschlichen und wirtschaftlichen
Ressourcen des Mittleren Ostens
gedeihen können.
Dies ist die Stunde der Bewährung
für die politisch Verantwortlichen im
Mittleren Osten.
Sie alle müssen
sich der Herausforderung des Friedens

stellen und den Radikalismus bekämpfen. Mit Gewalt und Drohungen wird
nichts erreicht. Sie stehen in diametralem Gegensatz zu dem, was mittels Verhandlungen erreicht werden
kann.
Keine Lösung dieses Konfliktes
kann allen Wünschen gerecht werden.
Ein Kompromiß ist erforderlich. Der
von uns vorgelegte Plan ist zwingend.
Er ist ein einheitliches Ganzes. Wir
haben eine baldige Entscheidung gefordert, so daß wir rasche Fortschritte auf dem Weg zu einem umfassenden Frieden machen können.
Mittelamerika.
In Mittelamerika müssen wir unsere Bestrebungen
ebenso realistisch und entschlossen
vorantreiben.
Die Sache des Friedens, der Stabilität und der Demokratie in Mittelamerika - die bereits
durch das sandinistische Regime in
Nicaragua und seine kubanischen und
sowjetischen
Verbündeten
ernsthaft
auf die Probe gestellt worden ist mußte erneut einen Schlag hinnehmen,
als General Noriega sich weigerte,
seine Suspendierung vom Amt als Oberbefehlshaber der panamaischen Streitkräfte hinzunehmen. Die Vereinigten
Staaten haben die von Noriega angestrebte
Amtsenthebung
Präsident
Delvalles vereitelt - eine Enthebung
die ihrem Wesen nach einem Staatsstreich ohne sichtbare Militärpräsenz
gleichkommt.
In Panama sehen wir uns mit einer
Bedrohung
der Demokratie konfrontiert; einer Bedrohung unserer Fähigkeit, den internationalen Drogenschmuggel in den Griff zu bekommen;
einer Bedrohung der Sicherheit und
Stabilität dieses Kontinents.
Wir
werden uns nicht vor unserer Verantwortung drücken und uns gegen diese
dreifache Bedrohung verteidigen - die
Drogenhändler, die Tyrannen und die

- 3-

�Terroristen zu stoppen.
Die von uns in Panama verfolgte
Politik ist geradlinig und konsequent: Ebenso wie viele andere unterstützen wir die Regierung von Präsident Delvalle uneingeschränkt und
unerschütterlich. In eben dieser Woche erhielt Präsident Delvalle enorme
Unterstützung von nahezu allen Seiten
der panamaischen Opposition. Sie haben sich der Einigung für die Sache
der Demokratie verpflichtet.
Diese
Bemühungen verdienen unseren Beifall.
Der Kampf um Demokratie in Panama
hat auch von den anderen Demokratien
auf diesem Kontinent breite Unterstützung erfahren. Vielleicht hat es
der salvadorianische Präsident Duarte
am besten formuliert als er erklärte:
"El Salvador wird als demokratische
Nation niemals einer Lösung zustimmen, die sich auf Machtmißbrauch und
das Aufzwingen
der Diktatur von
Noriega über das panamaische Volk
gründet."
Wir und die demokratische Welt
werden alles in unserer Macht Stehende tun, um zum überleben und Gedeihen
der demokratischen Regierung in Panama beizutragen. Wir werden nach wie
vor aktiv mit Präsident Delvalle und
seiner Regierung bei ihrem Bestreben
zur Wiederherstellung der legitimen
Zivilregierung zusammenarbeiten.
Die Verschlechterung der Lage in
Nicaragua verdeutlicht mein Argument,
daß ein Scheitern der Vereinigten
Staaten bei der materiellen Unterstützung der demokratischen Regierungsform und der Bemühungen um eine
friedliche Beilegung der Konflikte in
Nicaragua und El Salvador nur unseren
eigenen Sicherheitsinteressen schaden
kann. Wenn wir unsere Politik nicht
mit angemessenen Mitteln finanzieren,
werden unsere Freunde und Feinde in

der Welt gleichermaßen zu dem Schluß
kommen, daß es unseren Worten an Substanz,
unserer
Verpflichtung
an
Glaubwürdigkeit und unseren Plänen an
Umsetzung in die Tat mangelt.
Seit der Kongreß keine weitere
Unterstützung der Vereinigten Staaten
für die Widerstandsbewegung in Nicaragua bewilligt hat, haben sich die
Sandinisten erneut zu ihren wahren
totalitären Zielen bekannt. Zunehmende Unterdrückung und Kompromißlosigkeit sind an der Tagesordnung.
Vor zwei Wochen haben die Sandinisten
die von Kardinal Obando y Bravo - dem
von ihnen selbst gewählten Vermittler
- unterbreiteten Vorschläge zur Weiterentwicklung des Friedensplans abgelehnt. Diese Vorschläge waren von
den Vertretern des Widerstandes sofort angenommen worden.
Daraufhin
teilten
die
Sandinisten
Kardinal
Obando mit, daß seine Dienste als
Vermittler nicht länger erforderlich
seien.
Vor kurzem vereitelten die
Kommunisten die Pläne erneut und verschoben ein Treffen mit der Widerstandsbewegung.
In den vergangenen
Wochen haben Gewaltakte der Sandinisten gegen nicaraguanische Bürger
drastisch zugenommen.
Es ist an der Zeit für den Kongreß, sich folgendes vor Augen zu
halten: Die Sandinisten gehen gegen
ihr eigenes Volk mit höchster Brutalität vor.
Diejenigen, die sich
vielleicht der Hoffnung hingegeben
haben, daß die Streichung der Hilfe
an die Freiheitskämpfer dazu beitragen würde, Frieden und Freiheit zu
schaffen, haben einen schwerwiegenden
Fehler begangen.
Sie müssen ihren
Fehler wiedergutmachen bevor es zu
spät ist. Vor kurzem hat Violetta de
Chamorro, die Herausgeberin der führenden Oppositonszeitung Nicaraguas,
an Präsident Arias folgendes geschrieben: "Das sandinistische Regi-

- 4 -

�me profitiert von der Einstellung militärischer Aktionen, durch die es
sich in die Defensive gedrängt sah
und befindet sich jetzt in einer Phase völliger Indifferenz" bezüglich
der Bedingungen der Übereinkunft von
Guatemala.

zusammen. Und wir unterstützen Präsidentin Aquino auf ihrem Weg, Demokratie und Wirtschaftswachstum in ihrem Land zu schaffen, während sich
die Philippinen im Kampf mit aufständischen kommunistischen Rebellen befinden.

Persischer Golf.
In allen übrigen Regionen der Welt sind die amerikanische Präsenz und fortgesetzte
Unterstützung unabdingbar für Stabilität und Wohlstand.
Im strategischen Gebiet des Persischen Golfs
werden dank unserer Politik der Umflaggung fundamentale amerikanische
Interessen gewahrt, und die verbündeten Regierungen folgen unserem Beispiel. Wir werden nach wie vor zu
den Sicherheitsverpflichtungen stehen, die wir unseren Freunden in der
Region gegeben haben. Die internationalen Bemühungen um eine Beendigung des iranisch-irakischen Krieges
werden von uns durch Resolution 598
des Sicherheitsrates der Vereinten
Nationen angeführt. Im Sicherheitsrat arbeiten wir an der Verabschiedung einer Resolution zur Verhängung
von Sanktionen gegen den Iran, solange er sich der Einhaltung von Resolution 598 widersetzt. Ferner setzen
wir unsere aktiven Bemühungen zur Unterbindung von Waffenlieferungen an
den Iran fort.

Der Kampf gegen die kommunistische Aggression in Kambodscha ist
offensichtlich. Wir unterstützen die
ASEAN-Länder und den kambodschanischen nichtkommunistischen Widerstand
bei seinen Bemühungen, eine politische Lösung des Konfliktes in Kambodscha herbeizuführen, der den vollständigen Abzug vietnamesischer Truppen aus Kambodscha und die Selbstbestimmung des kambodschanischen Volkes
umfaßt.

Ostasien.
In Ostasien hat die
weltweite Tendenz zu demokratischen
Regierungen zwei bemerkenswerte Erfolge auf den Philippinen und in Südkorea gezeitigt.
Wir unterstützen die entschiedenen Schritte, die von der Republik
Korea im vergangenen Jahr in Richtung
auf uneingeschränkte Demokratie unternommen worden sind. Wir arbeiten
eng mit Korea bei der Ausrichtung der
Olympischen Spiele 1988 in einer Atmosphäre von Sicherheit und Frieden

Südliches
Afrika.
Apartheid
ist der Kern des Problems im südlichen Afrika und die Hauptquelle der
Instabilität
im südlichen Afrika.
Unser Ziel bleibt der rasche und
friedliche
Regierungswechsel.
Mit
diesem Ziel vor Augen unterstützen
wir Verhandlungen zwischen allen Teilen der südafrikanischen Bevölkerung,
die zum Entstehen einer demokratischen Gesellschaft mit gleichen Rechten für alle führen werden. Zu einer
Zeit, in der das Fehlverhalten der
südafrikanischen Regierung das für
die Schaffung einer freien Gesellschaft unerläßliche Zusammenspiel von
Gedanken unterbindet und Südafrika
von der übrigen freien Welt isoliert,
müssen wir alles in unserer Macht
Stehende tun, um den Dialog aufrechtzuerhalten und neue Gedanken aufzunehmen .
Trotz der jüngsten ernsten Eskalation der Unterdrückung in Südafrika
bleiben wir unerschütterlich unserer
Überzeugung verhaftet, daß unser Ziel
am besten durch eine Mischung von
diplomatischem und politischem Druck

- 5 -

�einerseits und einer Reihe konstruktiver Initiativen andererseits erreicht werden kann. Es ist von entscheidender Bedeutung, daß wir amerikanische Programme weiterhin uneingeschränkt unterstützen, die darauf
ausgerichtet sind, den Opfern der
Apartheid zu helfen und schwarzen
Südafrikanern ihre eigene friedliche
Befreiung durch bessere Erziehung und
zunehmende Wirtschaftsmacht zu ermöglichen. Wir arbeiten mit unseren demokratischen Verbündeten beim Austausch von Daten für Hilfsprogramme
und bei er Erschließung neuer Wege
zusammen, um den freien Informationsfluß nach Südafrika angesichts wachsender Zensur und Unterdrückung zu
gewährleisten.
In den übrigen Gebieten der Region setzen wir unsere Bestrebungen
zu einer ausgehandelten Beilegung der
Konflikte fort, die den Abzug aller
ausländischen Streitkräfte aus Angola
und Namibia und die Unabhängigkeit
Namibias umfaßt. Wir erwarten jetzt
von den Angolanern, daß sie ihr Versprechen für eine Unterstützung des
schrittweisen
vollständigen
Abzugs
kubanischer Streitkräfte einlösen und
von Südafrika, daß es seine Verpflichtungen gemäß Resolution 435 des
Sicherheitsrates der Vereinten Nationen erfüllt. Um wirtschaftliche Unabhängikeit und Stabilität in der gesamten Region zu fördern, unterstützen wir ferner die Arbeit der Konferenz zur Koordinierung der Entwicklung im südlichen Afrika (SADCC).
Zusätzlich zu bilateraler Hilfe stellen wir der SADCC 50 Millionen Dollar
an Hilfsleistungen für das Haushaltsjahr 1988 zur Verfügung.
Die Weltwirtschaft.
Im Bereich
der Weltwirtschaft treten wir in ein
neues Zeitalter ein. Die Weltwirtschaft durchläuft mit der Entwicklung
neuer Technologien einen tiefgreifen-

den Wandel und die Fähigkeiten zu ihrer Anwendung erstrecken sich auf alle Regionen der Welt.
Nationale
Grenzen werden zunehmend überflüssig,
da Produktion, Finanzierung, Technologie und Wissen eine immer internationalere Dimension erhalten. Um so
viel wie möglich von diesem sich
vollziehenden Wandel profitieren zu
können, muß Amerika sicherstellen,
daß unsere wirtschafts- und sozialpolitischen Institutionen
auf diese
Aufgabe vorbereitet sind und In dieser neuen Weltwirtschaft mithalten
können. Wir müssen politische Maßnahmen unterstützen, dank derer die
Marktkräfte das internationale Gefüge
der Handels- und Finanzströme lenken.
Und gemeinsam mit unseren Verbündeten
in den Industrieländern müssen wir
unser Augenmerk auf ein tragfähiges,
nichtinflationäres
Wirtschaftswachstum als vordringliches Ziel der
Wirtschaftspolitik richten.

Nationale Sicherheit
Wie wir feststellen konnten, ist
das unerschütterliche Engagement unserer Verbündeten für die Sicherheit
Amerikas - wie auch unseres für deren
Sicherheit - unerläßlich, wenn wir
einen defensiven Rahmen zu unser aller Schutz aufrechterhalten sollen.
Vielen unserer Freunde in den Entwicklungsländern mangelt es an den
für ihre Verteidigung benötigten Mitteln, während sie gleichzeitig Anstrengungen unternehmen, um die wirtschaftlichen Grundbedürfnisse ihrer
Bevölkerung zu befriedigen. Da wir
wissen, daß sie zur Sicherung ihres
Überlebens und Wachstums beides tun
müssen, gewähren wir diesen Nationen
wirtschaftliche
Unterstützung
und
helfen ihnen bei der Modernisierung
ihrer Streitkräfte. Auch einigen unserer NATO-Partner leisten wir militärische und wirtschaftliche Unter-

- 6 -

�Stützung, um ihnen bei der Modernisierung ihrer Streitkräfte beizustehen und wirtschaftliches Wachstum zu
sichern. Die durch unsere Hilfe herbeigeführten
Verbesserungen
bilden
einen unmittelbaren Beitrag zur gemeinsamen Verteidigung.
Unsere gegenwärtigen Bemühungen
zur Wiederbelebung des arabisch-israelischen
Friedensprozesses
unterstreichen die entscheidende Bedeutung
des Nahen Ostens für die Vereinigten
Staaten.
Israel und Ägypten - zwei Partner
mit Schlüsselfunktionen im nahöstlichen Friedensprozeß - werden im
Haushaltsjahr 1989 - wie auch in den
vergangenen Jahren - den Hauptanteil
unserer Militärhilfe (d. h. Militärhilfe und Wirtschaftshilfe) erhalten
(5,1 Milliarden Dollar oder 62 Prozent der Gesamtmittel). Unsere Militär- und
Wirtschaftshilfeprogramme
für Israel und Ägypten haben eine
Schlüsselrolle bei der Bewahrung des
Friedens in diesen Gebieten gespielt.
In der West Bank und im GazaStreifen stellt unsere Auslandshilfe
einen unmittelbaren Beweis unserer
Entschlossenheit dar, zur Entwicklung
eines besseren Lebens der Menschen in
den besetzten Gebieten beizutragen.
Von den 12,5 Millionen Dollar Wirtschaftshilfe für Regionalprogramme im
Nahen Osten würden 7,5 Millionen über
private Hilfsorganisationen der West
Bank und dem Gaza-Streifen zugute
kommen.
Und von den 18 Millionen
Dollar Wirtschaftshilfe, die wir für
Jordanien beantragt haben, sind sechs
Millionen für Aktivitäten in der West
Bank bestimmt.
Zusätzlich zu den Mitteln für
Israel, Ägypten und die besetzten Gebiete beantragen wir in diesem Haushaltsansatz weitere 196 Millionen

Dollar für Hilfe an unsere engen
Freunde Tunesien, Jordanien, Oman und
Marokko. Damit fördern vir die Aussichten für Stabilität und Wachstum
in der gesamten Region.
Wirtschaftshilfe
wird
außerdem
verwendet, um die Verteidigungsfähigkeit von Freunden und Verbündeten zu
stärken, die uns Zugang zu militärischen Einrichtungen gewähren, die
ihren und unseren Sicherheitsinteressen dienen. In den letzten Jahren
und
insbesondere
im Haushaltsjahr
1988 haben Kürzungen unserer Haushaltsansätze sowie ausgedehnte Streichungen es uns zusammengenommen unmöglich gemacht, die für einige Länder bestehende Verpflichtung, alles
in unseren Kräften Stehende zu tun,
zu erfüllen oder das für einige Länder zur Erfüllung ihrer Verteidigungsaufgaben benötigte Niveau an Unterstützung
bereitzustellen.
Für
Portugal liegt unsere Hilfe weit unter der Verpflichtung zu größtmöglicher Unterstützung, die wir bei Unterzeichnung des gegenwärtig bestehenden Stutzpunktabkommens eingegangen sind; diese Lage hat kürzlich den
portugiesischen Premierminister veranlaßt, um Konsultationen zu diesem
Abkommen zu ersuchen. Die Hilfe an
die Türkei liegt schon jetzt um Hunderte von Millionen Dollar unter dem
Niveau, das notwendig ist, damit unsere türkischen Verbündeten ihre Verpflichtungen der NATO gegenüber erfüllen können. Unsere Hilfe an Griechenland ist um ein Drittel hinter
das Niveau zurückgefallen, das nach
Unterzeichnung unseres Stützpunktabkommens von 1983 bereitgestellt wurde.
Unser Ansatz für das Haushaltsjahr 1989 wird die Versäumnisse der
Vergangenheit nicht wettmachen können. Wir müssen beginnen, den rückläufigen Trend umzukehren.
Deshalb
beantragen wir für diese drei Länder

- 7 -

�1,1 Milliarden Dollar für das Haushaltsjahr 1989.
Auf den Philippinen war unser
Hilfsprogramm
darauf
ausgerichtet,
einem Verbündeten mit großen Problemen bei der Wiederbelebung der Demokratie, der Niederschlagung eines
kommunistischen Aufstandes und der
Förderung wirtschaftlichen Wachstums
zu helfen. Aufgrund der außergewöhnlichen Herausforderungen, mit denen
Präsidentin Aquino in den letzten
Jahren konfrontiert war, konnten wir
Hilfe in einem solchen Ausmaß zur
Verfügung zu stellen, wie es für den
Erfolg ihrer Programme entscheidend
ist.
Trotz der angespannten Haushaltslage dürfen wir die auf den Philippinen auf dem Spiel stehenden
wichtigen gemeinsamen Sicherheitsinteressen wie auch die Notwendigkeit
für eine erhebliche Unterstützung
nicht aus den Augen verlieren.
Ich möchte noch anmerken, daß wir
in nächster Zukunft mit der Regierung
der Philippinen die nach fünf Jahren
anstehende Überprüfung unseres Stützpunktabkommens
durchführen
werden.
Wir sehen einer erfolgreichen Abwicklung dieser Gespräche hoffnungsvoll
entgegen, die den Weg für eine Verlängerung oder Neuverhandlung des im
Jahr 1991 ablaufenden Stützpunktabkommens bereiten würden.
Mittelamerika ist aufgrund seiner
geographischen Nähe und strategischen
Lage für die Vereinigten Staaten von
existentieller Bedeutung. Seit langem haben wir erkannt, daß der beste
Weg zum Schutz unserer Interessen darin besteht, eine vielseitige Politik
zu betreiben, die auf Förderung der
regionalen Sicherheit, Demokratisierung sowie soziale und wirtschaftliche Entwicklung abzielt. Für diesen Zweck beantragen wir im Haushaltsjahr 1989 ca. 900 Millionen Dol-

lar.
Insbesondere im Hinblick auf Nicaragua wird die Administration weiterhin den Kongreß um Bewilligung von
Mitteln für die Contras ersuchen.
Gleichzeitig werden wir weiterhin unseren Freunden in der Region vielfältige Formen von Hilfe gewähren. Im
Falle eines Fehlschlags der gegenwärtig stattfindenden
Bemühungen zur
Friedenssicherung und zum erheblichen
Abbau der Repression in Nicaragua
wird unsere Bereitstellung von Militärhilfe für die anderen Länder in
der Region als Bollwerk gegen sich
ausbreitende Instabilität dienen.

Die Förderung von Wohlstand und Entwicklung
Die Sicherung unseres heimischen
Wohlstandes in einer heute zunehmend
integrierten Weltwirtschaft erfordert
es, daß wir mehr tun als unser eigenes Haus wirtschaftlich in Ordnung zu
halten. Das heißt, daß wir anderen
Ländern bei der Entwicklung ihrer
Volkswirtschaften beistehen müssen.
Dadurch entwickeln wir in der Weltwirtschaft eine wachsende Nachfrage
nach
amerikanischen
Gütern
und
Dienstleistungen. Wachstum und Wohlstand der Vereinigten Staaten wird
mehr denn je von den Bedingungen im
Ausland beeinflußt. Ich spreche dabei nicht nur von den Bedingungen in
Westeuropa und Japan - so wichtig
diese auch sein mögen -, sondern auch
von denen in den Entwicklungsländern.
Diese Länder nehmen über ein Drittel
unserer Exporte auf. Die Produktion
jedes 20. Arbeitnehmers in unseren
Fabriken und die Erträge jedes fünften Acres unseres Farmlandes werden
auf Märkten der Dritten Welt verkauft.
Durch die Förderung wirtschaftlicher Entwicklung im Ausland leisten

- 8-

�wir einen direkten Beitrag zu unserem
eigenen wirtschaftlichen Wohlergehen.
Die gegenwärtig herrschende Stagnation in einer großen Zahl von Entwicklungsländern, insbesondere solchen mit großer Schuldenlast, veranschaulicht diesen Punkt auf lebendige
und schmerzhafte Weise. Zum Beispiel
waren die Staaten Lateinamerikas und
der Karibik in den Jahren 1981 bis
1986 von einem drastischen Rückgang
der Realeinkommen betroffen. Unsere
Exporte in diese Region nahmen um elf
Milliarden Dollar ab. Aus dem gleichen Grund fielen unsere Exporte nach
Afrika um 2,8 Milliarden Dollar. Im
Gegensatz dazu hat sich unser bedeutendes Engagement bei der Entwicklung
Pakistans ausgezahlt.
Im Jahr 1960
betrug das pro-Kopf-Einkommen in Pakistan kaum 100 Dollar. Im Jahr 1985
hatte Pakistan sein Einkommen mehr
als verdoppelt und war zu einem wichtigen Käufer amerikanischer Produkte
geworden. Seit 1979 sind die amerikanischen Exporte nach Pakistan um
mehr als die Hälfte angestiegen.
Zusätzlich zu dem ESF (Wirtschaftshilfefonds) wird Wirtschaftshilfe in vielen Formen gewährt.
- Entwicklungshilfe (1,6 Milliarden
Dollar, einschließlich des neuen
Entwicklungsfonds für Afrika) zur
Finanzierung von Projekten, die
von der Behörde für Internationale Entwicklung (AID) in Bereichen
wie Landwirtschaft, Bildung und
berufliche Bildung, Gesundheit,
Ernährung
und Entwicklung des
Privatsektors durchgeführt werden.
-

Finanzierung der Multilateralen
Entwicklungsbanken (1,3 Milliarden Dollar): 70 Millionen Dollar
werden der Weltbank als erste Rate unseres Beitrags zur neuen
Allgemeinen Kapitalerhöhung überwiesen, die - zusammen mit den

Beiträgen anderer Länder - 75
Milliarden Dollar für projektgebundene Bankkredite und zur Unterstützung wachstumsorientierter
struktureller Anpassungen und politischer
Reformen
freisetzen
wird. Die größte Einzelkomponente in Höhe von 958 Millionen Dollar wird für einen amerikanischen
Beitrag zur achten Aufstockung
der Mittel der Internationalen
Entwicklungsorganisation
(IDA)
verwendet werden.
- Finanzierung von Peace Corps Programmen (150 Millionen Dollar).
- Freiwillige Beiträge zu internationalen Organisationen wie etwa
dem UNO-Entwicklungsprogramm (110
Millionen Dollar) und UNICEF (31
Millionen Dollar).
Der Wohlstand im Inland wird auch
dadurch gefördert, daß wir amerikanischen Exporteuren helfen, mit den
Finanzierungshilfen ausländischer Regierungen zu konkurrieren. Zu diesem
Zweck beantragen wir 705 Millionen
Dollar für das Direktkreditprogramm
der Export-Import-Bank.
Diese Programme gewähren amerikanischen Exporteuren die finanzielle Unterstützung,
um von ausländischen Staaten gestützten Exportkrediten Paroli bieten zu
können.
Die Finanzierung der EXIM
ist außerdem entscheidend auf Märkten, auf denen kommerzielle Finanzierung beschränkt oder gar nicht erhältlich ist, da den Geschäftsbanken
die Risiken zu hoch sind.

Förderung demokratischer und humanitärer Werte
Das amerikanische Volk steht geschlossen hinter unseren Bemühungen
zur Stärkung der Demokratie in der
gesamten Welt. Die Vereinigten Staa-

- 9 -

�ten haben ein vitales Interesse an
der Förderung demokratischer Werte
weltweit und an der Unterstützung
neuer und aufstrebender Demokratien.
Der Aufbau demokratischer Institutionen ist ein langwieriger und schwieriger Prozeß. Verwundbare neue Demokratien sind mit beängstigenden politischen, wirtschaftlichen und militärischen Herausforderungen konfrontiert, bei deren Bewältigung wir ihnen mit mehr als nur Worten der Ermutigung beistehen müssen.
In Mittelamerika und der Karibik
hat unsere Unterstützung demokratischer Kräfte zu guten Ergebnissen
geführt. Demokratische Institutionen
schlagen Wurzeln in Ländern, in denen
noch vor wenigen Jahren viele über
der Frage verzweifelten, ob dies je
geschehen würde.
Diese neuen Demokratien benötigen
dringend unsere Hilfe. Die auf den
Empfehlungen der Nationalen überparteilichen Kommission zu Mittelamerika
beruhenden Initiativen des Präsidenten für das karibische Becken und
Mittelamerika
liefern
umfassende
Strategien für eine solche Unterstützung. Für das Haushaltsjahr 1989 beantragen wir 643 Millionen Dollar
Wirtschaftshilfe für die Länder Mittelamerikas und 148 Millionen Dollar
für die Länder in der Karibik.
Die Vereinigten Staaten sind ihren höchsten Werten nie mehr verhaftet als wenn sie die Menschenrechte
und humanitäre Werte im Ausland verteidigen. In unserer turbulenten und
häufig grausamen Welt bedeutet die
Verteidigung der Menschenrechte mehr,
als nur deren Erwähnung, obwohl Letzteres für sich genommen auch wichtig
ist. Wir müssen außerdem Mittel zur
Verfügung stellen, um vor Unterdrükkung fliehenden Flüchtlingen und von
Mangel und Unglück betroffenen Völ-

kern zu helfen.
In den vergangenen Jahren hat die
von uns gewährte Hilfe praktisch für
Millionen von Afrikanern, die von der
schlimmsten Dürre und Hungersnot dieses Kontinents in diesem Jahrhundert
betroffen waren, den Unterschied zwischen Leben oder Tod bedeutet. Während der Krise stellten die Vereinigten Staaten 2,2 Millionen Tonnen Nahrungsmittelhilfe im Wert von über einer Milliarde Dollar zur Verfügung;
weitere 150 Millionen Dollar wurden
für die Bereitstellung von Medikamenten, Unterkünften, Brunnen und anderen unmittelbaren Bedürfnissen der
von der Dürre am schlimmsten Betroffenen ausgegeben. Diese Mittel wurden zusätzlich zu unserer im gleichen
Zeitraum gewährten normalen Wirtschaftshilfe bereitgestellt.
In ähnlicher Weise haben wir Kolumbien nach dem Vulkanausbruch unterstützt, erhebliche Hilfe nach den
Erdbebenkatastrophen in San Salvador
und Mexiko City geleistet und in 17
afrikanischen Ländern zur Bekämpfung
der
Heuschreckenplage
beigetragen.
Mit unserer Unterstützung für die
Weltgesundheitsorganisation
und
UNICEF ist die Welt von einer der ansteckendsten
und
todbringendsten
Krankheiten befreit und die Kindersterblichkeit
drastisch
verringert
worden.
Wir können auf Amerikas Bilanz
der Hilfsleistungen für die Flüchtlinge der Welt stolz sein. Seit Verabschiedung des Gesetzes zur Unterstützung von Flüchtlingen aus dem
Jahr 1980 hat das amerikanische Volk
mehr als einer halben Million Flüchtlingen ein neues Heim geboten - mehr
als alle anderen Neuansiedlungsländer
zusammen.

- 10 -

Da uns in diesem Jahr weniger Fi-

�nanzmittel zur Verfügnug stehen, um
mindestens dieselbe Zahl von Flüchtlingen wie im Haushaltsjahr 1988 aufzunehmen, müssen wir die diesen
Flüchtlingen gewährten Dienste kürzen. Wenn wir das nicht tun, müßten
wir Flüchtlinge genau zu dem Zeitpunkt zurückweisen, an dem der Druck
der Aufnahme angesichts der steigenden FlUchtlingszahlen aus Vietnam,
der Sowjetunion, Kuba und möglicherweise aus anderen Ländern zunimmt.

Bekämpfung von internationalem
genhandel und Terror!smus

Dro-

Seit 1981 ist die Eindämmung des
Drogenhandels mit
den Vereinigten
Staaten für die Reagan-Administration
ein außenpolitisches Thema ersten
Ranges.
Kolumbien und in jüngster
Zeit Panama stehen als warnendes Beispiel dafür, daß der internationale
Drogenhandel nicht nur eine Bedrohung
für die Gesundheit und das Wohlergehen unserer Bürger, sondern auch für
die nationale
Sicherheit demokratischer Regierungen auf der ganzen
Welt ist. Und die Bedrohung nimmt
weiterhin zu.
Unsere Strategie der Drogenbekämpfung räumt der Hilfe für die
wichtigsten Länder Lateinamerikas und
der Karibik höchste Priorität ein,
wenn es darum geht, dem Kokainhandel
ein Ende zu bereiten. Eine Luftbrükke - das heißt, Hubschrauber und
Flugzeuge zur Unterstützung der Vernichtung von Koka aus der Luft und
auf dem Boden sowie zum Transport von
Polizei und paramilitärischen Truppen
für Einsätze gegen Kokainlabors - ist
in den Anden von entscheidender Bedeutung. Wir haben 18 Millionen Dollar für die Lieferung von Flugzeugen
und deren Unterhaltung veranschlagt.

Teil unserer gesamten Bemühungen zur
Kontrolle des internatioanlen Drogenhandels dar. Unsere direkte Unterstützung vieler ausländischer Regierungen und privater Selbsthilfeorganisationen trägt dazu bei, daß Programme zur Schärfung des öffentlichen
Bewußtseins sowie Projekte durchgeführt werden, um alternative Anbaumöglichkeiten für die Bauern zu finden, die jetzt ihren Lebensunterhalt
mit dem Anbau von Drogen bestreiten.
Wir stärken ferner die Fähigkeit unserer Streitkräfte, Ernten zu vernichten und Drogenlabors zu zerstören.
Der
internationale
Terrorismus
verletzt ebenso wie der internationale Drogenhandel die am höchsten bewahrten humanitären Werte demokratischer Gesellschaften und bedeutet
eine ernsthafte Bedrohung der internationalen Stabilität.
Durch lange
und oftmals bittere Erfahrung haben
wir eine wirksame Politik erarbeitet,
um mit dieser Barbarei unseres modernen Zeitalters fertigzuwerden.
Wir
haben ein besseres Verständnis für
terroristische Methoden entwickelt.
Wir arbeiten eng mit anderen Ländern
zusammen - zum Teil durch den Austausch
von
nachrichtendienstlichem
Material. Wir arbeiten ferner daran,
diejenigen Länder, die nur zögernd
bei der Bekämpfung des internationalen Terrorismus kooperieren, davon zu
überzeugen, daß sie einen Fehler begehen. Wir bieten denen Ausbildung
und Ausrüstungsgegenstände, die den
Wunsch, aber nicht die Mittel zur Zusammenarbeit haben.
Wir haben die
Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz unserer Bürger im In- und Ausland verstärkt. Und wir sind ferner in die
Offensive gegangen, um Terroristen
den Prozeß zu machen, ihre Operationen zu unterbrechen und ihr Netz zu
zerstören. Und wir müssen auf der
Hut und wachsam sein.

Diese Programme stellen nur einen
- 11 -

�Im Jahr 1987 zahlten wir international 832 Terroranschläge.
Von
den Opfern wurden über 600 getötet
und 2 200 verwundet. Mit diesen Zahlen wird das reale Ausmaß terroristischer Aktivitäten zu niedrig angesetzt, weil darin die auf ein Land
beschränkten Anschläge nicht enthalten sind.
Amerikanische Programme zur Verbesserung der Terrorismusbekämpfung
anderer Nationen zielen darauf ab,
Ausbildung,
AusrUstungsgegenstände
und logistische Untertützung zu gewähren. Diese Bemühungen werden vom
amerikanischen Außenministerium koordiniert und von diesem gemeinsam mit
dem Verteidigungs- und Justizministerium, den Nachrichtendiensten und anderen Behörden durchgeführt. Mit den
für das Haushaltsjahr 1989 geforderten Mitteln werden wir etwa 1 500 Sicherheitsbeamte aus der ganzen Welt
in einer Reihe von Methoden zur Terrorismusbekämpfung ausbilden können.
Diese Beamten erhalten ein besonderes
Training, weil sie große Verantwortung für die Sicherheit von Botschaften, im Ausland lebenden Amerikanern
und Reisende übernehmen müssen. Sie
werden zu einer Gesamtzahl von 6 000
weiteren Sicherheitskräften aus 46
anderen Ländern hinzuzurechnen sein,
die in den ersten vier Jahren dieses
Programms ihre Ausbildung zur Terrorismusbekämpfung erhalten haben und
die jetzt gemeinsam mit uns zusammenarbeiten.

Die Notwendigkeit flexibler Mittel
Zur Verwirklichung
all dieser
Zielsetzungen im Bereich der Außenpolitik benötigen wir mehr als Ihre Unterstützung für alle von usn beantragten Mittel, die bereits nur das
Notwendigste abdecken.
Wir werden
ferner eine Gesetzgebung benötigen,

die der Exekutive die notwendige Flexibilität gewährt, um die uns zur
Verfügung stehenden sehr begrenzten
Mittel wirksam einzusetzen.
Wenn wir die benötigte Flexibilität erhalten, können wir mit Hilfe
der für das Haushaltsjahr 1989 geforderten Mittel viele Programme in bescheidenem Maße fortführen, die wir
in diesem Jahr kürzen mußten. Welche
Alternative gibt es?
Können die Vereinigten Staaten
langfristig so vielen Teilen der Welt
ihre Unterstützung vorenthalten und
dennoch die Sicherheit gewährleisten,
den Wohlstand schützen und die demokratischen Werte der freien Welt fördern? Meine Antwort darauf ist ein
unmißverständliches 'Nein'. Wir können die Punkte hier in der Sicherheit
eines
Konferenzraumes
diskutieren,
aber ich versichere Ihnen, daß wir
uns draußen in der Welt nicht den Luxus einer falschen Wahl leisten können.

Zusammenfassung
Abschließend würde ich gerne um
Ihre Aufmerksamkeit für den Adler im
Wappen der Vereinigten Staaten bitten.
Unser international bekanntes
Symbol hält einen Olivenzweig in einer Kralle und ein Bündel Pfeile in
der anderen. Der Kopf des Adlers ist
dem Olivenzweig zugewandt. Unser Adler hält Olivenzweig und Pfeile, weil
Amerika seine militärische Stärke in
den Dienst des Friedens stellen muß,
wenn wir unseren Werten treu bleiben
und unsere Interessen im Ausland vertreten wollen.
Im kommenden Haushaltsjahr werden
zwei aufeinanderfolgende Regierungen
die Last von Amerikas weltweiter Verantwortung tragen. Beide werden sich

- 12 -

�der Herausforderung gegenübersehen,
unsere nationalen Zielsetzungen in
einer komplexen, sich wandelnden Welt
verwirklichen zu müssen. Um dieser
Herausforderung zu begegnen, werden
beide Administrationen nicht nur in
vollem Umfang die geforderten Mittel,
sondern auch die Flexbilität benötigen, diese wirksam einzusetzen.

•
'

Die Botschaft, die ich heute hier
übermitteln will, lautet: Wir dürfen
nicht zulassen, daß der amerikanische
Adler derart unterernährt oder in
seinem Flug behindert wird, daß er
seinen Zugriff auf die Pfeile oder
den Olivenzweig verliert. Weder diese noch die nächste Administration
können sich dies leisten. Dafür tragen seine Schwingen zuviel.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
11

16. März 1983
RADON-KONZENTRATIONEN IN DER RAUMLUFT
- Überwachung ratsam wegen Lungenkrebsrisiko -

WASHINGTON - (AD) - Das radioaktive Edelgas Radon, ein Zerfallsprodukt von
Uran, Radium, Thorium und Actinium in der Erdrinde, muß bei Überschreiten einer bestimmten Konzentration in der Raumluft als Risikofaktor für Lungenkrebs
in Betracht gezogen werden. Je nach der Beschaffenheit des Untergrundes sikkert es in mehr oder minder geringen Mengen aus der Erde - Granitboden beispielsweise gibt mehr ab als Kalk- oder Lehmboden. Im Freien ist Radon so
stark verdünnt, daß es keine Gefahr bedeutet. In Wohnhäusern und anderen Gebäuden kann es sich jedoch, sofern diese von unten her nicht ausreichend abgedichtet sind und nicht für eine ausreichende Belüftung gesorgt ist, zu Konzentrationen anreichern, die ein Risiko bedeuten. Das färb- und geruchlose Gas
Radon, das in mindestens 15 Isotopen mit verschiedenen Halbwertszeiten auftritt, ist seinerseits radioaktivem Zerfall unterworfen. Und es sind seine
Zerfallsprodukte, die Lungenkrebs auslösen und bei Rauchern das Lungenkrebsrisiko sogar um ein Vielfaches steigern können. Man nimmt an, daß es einige
Tausend Todesfälle pro Jahr verursacht.

Zu diesem Schluß kam im November
1987
der
amerikanische
"National
Council of Radiation Protection and
Measurements" (Nationalrat für Strahlenschutz und Strahlungsmessung) in
seinem Bericht über die Ergebnisse
von vier epidemiologischen Studien,
die über mehrere Jahre liefen.
Im
Januar 1988 bestätigte der Nationale
Forschungsrat, Organ der
"National
Academy of Sciences", die bereits von
der Umweltschutzbehörde EPA hervorgehobene Notwendigkeit, auf Radon-Konzentrationen in Wohnhäusern und anderen Gebäuden zu achten. Denn die Ri-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

siken zu hoher Konzentrationen seien
erheblich größer, als die Schätzungen
einer EPA-Studie aus dem Jahr 1984
vermuten ließen.
Grundlage
für die Empfehlungen
bildeten vier getrennte Studien an
insgesamt 22 000 Untertage-Arbeitern
von Bergwerken
u.a.
in
Colorado,
Ontario und Schweden. Mit Hilfe neuer statistischer Methoden konnten,
wie SCIENCE NEWS berichtete, variable
Größen wie das Krebsrisiko einzelner
Altersgruppen und die nach der RadonExposition verstrichene Zeit berück-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�sichtigt werden. Es zeigte sich, daß
das Lungenkrebs-Risiko mit der Dauer
der Exposition steigt und erst 15
Jahre nach Beendigung der Einwirkung
von Radon abzunehmen beginnt. Eine
gewisse Unsicherheit besteht noch bei
der Extrapolation der bei männlichen
Bergarbeitern ermittelten Werte im
Hinblick auf die Situation in Wohngebäuden sowie bei Frauen und Kindern.
Nach Schätzungen der EPA liegt bei
etwa zehn Prozent der Wohnhäuser in
den Vereinigten Staaten die RadonKonzentration über dem als noch zulässig angenommenen Wert.
Wie Warren Sinclair, Präsident
des Nationalrates für Strahlenschutz
und Strahlenmessung, berichtete, liege heutzutage die Radon-Konzentration
in vielen Häusern wegen der verbesserten Wärmeisolierung und des Schutzes gegen Wind und Wetter höher als
in früheren Jahren. Auch scheine infolge
unterschiedlichen
Luftdrucks
zwischen innen und außen Radon-Gas
durch Risse und Öffnungen in Flur und
Wänden aus dem Boden regelrecht angesaugt zu werden. Bei unzureichender
Belüftung könne sich dann karzinogenes Gas ansammeln. Durch Abdichten
von Rissen im Fundament und Kellergeschoß sei es häufig möglich, dem entgegenzuwirken.
Allerdings seien in
jedem Fall für Messungen längere
Zeiträume anzusetzen.
Es gibt zahlreiche natürliche
Quellen für ionisierende Strahlung zum Beispiels kosmische Strahlung von
der Sonne und aus dem Weltraum, radioaktives Gestein und Spuren radioaktiver Stoffe, die in allen Lebewesen zu finden sind. Sie machen zusammen mehr als 80 Prozent der ionisierenden Strahlung aus, der jedermann - bei örtlich und regional unterschiedlichen Strahlungspendeln
ausgesetzt ist. Auf Radon entfallen
ca. 55 Prozent der Strahlenexposition

aus sämtlichen Quellen - auch aus jenen, für die der Mensch verantwortlich ist.
Für den letztgenannten Punkt kommen zum Beispiel Röntgenaufnahmen und
nuklearmedizinische
Untersuchungen
für diagnostische Zwecke in Fragen.
Sie macheu zusammen bis zu 15 Prozent
der gesamten Strahlenexposition aus.
Weitere drei Prozent entfallen auf
Verbraucherprodukte wie Erdgas-Heizungen und Baustoffe. Die Hauptquelle unter den Verbraucherprodukten ist
wiederum Radon aus Quellwasser in Mineralwässern und in Leitungswasser.
Raucher nehmen mit winzigen Mengen
radioaktiven Poloniums, das beim Verbrennen von Tabak frei wird, eine zusätzliche Dosis auf.
Sinclair hob hervor, daß berufliche Exposition plus Strahlung aus
Kernkraftwerken und anderen Umweltquellen - einschließlich des radioaktiven Niederschlags aus Kernwaffentests - nicht ins Gewicht fielen.
Sie machten pro Jahr bis zu 1 Millirem aus; im Vergleich dazu betrage
zum Beispiel die Dosis bei einer herkömmlichen Röntgenaufnahme des Oberkörpers ca. 10 Millirem.
Für die
amerikanische Bevölkerung werde eine
durchschnittliche Jahresdosis von 360
Millirem aus allen Quellen angenommen. Davon entfielen etwa 300 Millirem auf Radon und andere natürliche
Quellen.

�AMERIKA DIENST
VoNe&lt;

Wissenschaft und Technik
16. März 1988

11

NEUER ULTRASCHALLTEST BEI RISIKOSCHWANGERSCHAFTEN

(Der nachstehende Artikel wurde 1987 in "USA TODAY" veröffentlicht)
- (AD) - Mit einem neuen Ultraschalltest, der im Spätstadium der Schwangerschaft zusammen mit der Messung der Herzfrequenz des Babies vorgenommen
werden kann, läßt sich die Fruchtwassermenge kontrollieren. Ist diese zu gering, sollte möglichst rasch die Geburt eingeleitet oder eine Schnittentbindung vorgenommen werden.

Wie
die Zeitung
"USA TODAY"
berichtet, wurde die Methode von Dr.
Jeffrey
Phelan
(University
of
Southern California Medical Schools
in Los Angeles - USA) entwickelt.
Sie wird, so Dr. Susan Rutherford
(USC), vor allem zur Überwachung des
Schwangerschaftsverlaufs bei Frauen
mit Bluthochdruck oder Diabetes sowie
in Fällen angewandt, in denen die
Kindsbewegungen
langsamer
geworden
sind.
Die Methode kann lebenswichtig
für das Baby sein, weil sich infolge

United States Information Service
Embassy of the United States of America

einer zu geringen Fruchtwassermenge
die Nabelschnur, die normalerweise
darin schwimmt, verwickeln oder abgeknickt werden könnte. Das Verfahren
wurde inzwischen bei mehr als 330
Schwangeren angewandt. In einer Reihe von Fällen erwies es sich als die
einzige Möglichkeit, festzustellen,
ob das Baby in Gefahr war. Aus den
Meßdaten für die fetale Herzfrequenz
war dies nicht immer ersichtlich.
Der Test nimmt zwei bis drei Minuten in Anspruch. Er wird erst in
wenigen Kliniken in den USA ange-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�wandt, dürfte jedoch in den nächsten
Jahren zu einer Standardmethode bei
Risikoschwangerschaften werden.

* * * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Shultz umreißt drei Prioritäten der Rüstungskontrollgespräche&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Außenminister Shultz vor dem &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bewilligungsausschuß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Radon-Konzentration in der Raumluft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Überwachung ratsam wegen Lungenkrebsrisiko&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neuer Ultraschalltest bei Risikoschwangerschaften</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
1-7

"**

C&amp;

12

23. März 1988

I N H A L T

DOKUMENTATION
Vereinigte Staaten:

Nicaragua muß Rechte seiner Nachbarn respektleren

- Erklärung vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen -

HINTERGRUNDMATERIAL
Das amerikanische Konzept für den Frieden im Nahen Osten
- Von George P. Shultz -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Ozonschwund bestätigt
- Schutzmaßnahmen für den Schutzschild der Erde laufen an

i
* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
Dokumentation

12

3. März 1933

VEREINIGTE STAATEN:

NICARAGUA MUSS RECHTE SEINER NACHBARN RESPEKTIEREN

- Erklärung vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen -

NEW YORK - ;AD) - Vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen forderte
der amerikanische Botschafter Herbert Okun am 18. März 1988 die Regierung Nicaraguas auf, "ihre aggressive Haltung gegenüber der eigenen Opposition aufzugeben" und "die territorialen und sonstigen Recht«? ihrer Nachbarn ZIJ respektieren". Okun jufolge hat Nicaragua mit dem Eirmarsch von 1 500 tis 2 000
Soldaten "willkürlich die Souveränität von Honduras verletzt".
Die Erklärung Botschafter Okuns hat folgenden Wortlaut:

Ironischerwei.se sind wir wieder
einmal auf Ersuchen Nicaraguas zusammengekommen.
Die
Präsidenten
der
Staaten Mittelanerikas haben sich am
8. August 1987 zu einem Friedensabkommen verpflichtet. Meine Regierung
hat dieses Abkommen begrüßt, betrachtete jedoch das Versprechen Nicaraguas zu dessen Durchführung mit einer
Portion
Skepsis.
Die
Präsidenten
trafen erneut auf dem Gipfel von San
Jose im Januar dieses Jahres zusammen. Sie bekräftigten die Ziele des
Abkommens und betonten die Notwendigkeit, daß Nicaragua seine ursprüng-

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lichen De nokratisierungsVerpflichtungen unverzüglich in die Tat umsetzt.
Nicaragua, das zur Verwirklichung der
Demokratie noch einen weiten Weg zurückzulegen hatte, erging aich bei
der Suche nach einem fairer Waffenstillstand und demokratischen Reformen
in Ausweich- und Hinhaltemanb'vern. Die Ereignisse der vergangenen
Tage haben unsere schlimmsten Befürchtungen in bezug auf Nicaraguas
wahre Absichten bestätigt.
Die Beweislage ist eindeutig und
zwingend.
Betrachten wir die Bilanz

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Telex: 8-85432

�der jüngsten Ereignisse.
-

In der gleichen Woche, in der die
Sandinisten das Abkommen von Guatemala
unterzeichneten,
nahmen
sie die Vorsitzenden der Anwaltskammer und der Menschenrechtsvereinigung fest.

- In der Woche des Gipfeltreffens
vom Januar, auf dem die Sandinisten angeblich
ihre Bereitschaft zu einer flexibleren Haltung in bezug auf die Waffenstill standsgesprMche
erklärten,
wurden führende Vertreter der innenpolitischen Oppositionsparteien verhaftet, weil sie sich in
Guatemala mit führenden Persönlichkeiten des Widerstands getroffen hatten.
Die Sandinisten haben in ihrem
gesamten Umgang mit der bürgerlichen
Opposition Obstruktion betrieben und
weigern sich weiterhin, eine demokratische Verfassungsreform auch nur in
Erwägung zu ziehen.
- Die Sandinisten haben versucht,
die Rolle von Kardinal Obando y
Bravo einzuschränken, der führenden nicaraguanischen Persönlichkeit, die auf beiden Seiten das
höchste Ansehen genießt.
Nur
aufgrund der Proteste des Widerstands nahm er weiterhin als
"Zeuge" an den Treffen teil.
Diejenigen, die sich auf die Versicherungen und Aufrichtigkeit Managuas verließen, können einen von der
unnachgiebigen und arglistigen Haltung der Sandinisten zerschmetterten
Friedensprozeß erkennen:
Gespräche
mit der innenpolitischen Opposition
wurden eingestellt, Gespräche mit dem
Widerstand kamen zum Stillstand, und
heute finden militärische Einfälle
größeren Umfangs nach Honduras statt.

Am schwersten wiegt jedoch die Tatsache, daß sich das sandinistische
Regime ohne wirksame Opposition konsolidiert und die Freiheit zur Destabilisierung der Nation und der Region
besitzt.
Mit der größten Armee in Mittelamerika hat Nicaragua willkürlich die
Souveränität und territoriale Integrität seines friedlichen Nachbarn
Honduras verletzt, dessen Streitkräfte denen der Sandinisten zahlenmäßig
weit unterlegen sind. Flugzeuge der
Sandinisten haben über mehrere Tage
honduranisches
Gebiet
bombardiert.
Die Kämpfe dauern an.
Die Sandinisten haben etwa 1 500 bis 2 000
Soldaten
nach
Honduras
entsaidt.
Meine Regierung legt Wert auf die
Feststellung, daß die demokratis :hen
Präsidenten Mittelamerikas Hond iras
unterstützt und Nicaragua verurteilt
haben.
Honduras ist eng mit den Vereinigten Staaten befreundet. Präsiient
Reagan hat mit der sofortigen Entsendung einer Einsatzbrigade der Infanterie zum LuftwaffenstUtzpunkt Palmerola in Honduras, um die Einsatzbereitschaft im Notfall zu erproben,
einer ausdrücklichen Bitte der Regierung von Honduras entsprochen. Das
Ersuchen von Honduras wurde in der
Presseerklärung vom 16. März erwähnt,
die der Ständige Vertreter von londuras als Dokument der Generalversammlung und des Sicherheitsrates in
Umlauf brachte. Diese Übung ist eine
maßvolle Reaktion, um unsere feste
Unterstützung der demokratischen Regierung von Honduras zu einem Zeitpunkt zum Ausdruck zu bringen, an dem
ihre territoriale Integrität von der
sandinistischen Armee verletzt wird.
Außerdem demonstriert sie gegenüber
den Regierungen und Völkern Mittelamerikas den Ernst, mit dem die Regierung der Vereinigten Staaten die

- 2 -

�Lage in der Region betrachtet. Die
Einsatzbrigade wird nicht in einem
Kampfgebiet stationiert werden und
bedeutet deshalb keine Bedrohung oder
die Anwendung von Gewalt gegen Nicaragua.
Die sandinistische Regierung hat
behauptet, ihre Truppen verfolgten
unmittelbar Untergrundkämpfer. Diese
Behauptung ist falsch. Diese Invasion war kein Zufall. Sie ergab sich
nicht aus einer unmittelbaren Verfolgung, und es handelte sich nicht um
eine versprengte Patrouille. Sie war
und ist eine geplante Offensive auf
dem Territorium einer anderen souveränen Nation unter eindeutiger Verletzung des Völkerrechts und internationaler
Konventionen.
Ja,
sie
stellt eine der größten militärischen
Operationen seit: der Machtergreifung
der Sandinisten im Jahr 1979 dar.
Die Sandinisten haben diese Operation seit Anfang März vorbereitet,
als sie Ausrüstung, Fahrzeuge, Nachschub, Treibstoff und Truppen näher
zur Grenze verlegten und in einer Zone von 45 Meilen zur honduranischen
Grenze ein vorgeschobenes Aufmarschgebiet einrichteten.
Offensichtlich
begannen sie mit der Planung dieses
Angriffs als Reaktion auf eine Abstimmung im amerikanischen Kongreß,
mit der die Hilfe an den nicaraguanischen Widerstand eingestellt wurde.
Noch am 8. März warnte Präsident
Ortega den Widerstand vor "einer weiteren heroischen Operation" der sandinistischen Streitkräfte.
Eine außerordentliche Versammlung
der Sandinistischen Nationalen Befreiungsfront fand am 12. und 13.
März statt. Sie wurde abgehalten, um
"die Stärkung der militärischen Verteidigung der Revolution fortzuführen, insbesondere durch Mobilisierung
der bewaffneten Bevölkerung, um die

vollständige Vernichtung der Söldnertruppen zu beschleunigen", wobei diese Vokabel von den Sandinisten fortwährend zur Beschreibung der Nicaraguaner im Widerstand benutzt wird.
Kurzum, die sorgfältigen und massiven
Vorbereitungen zusammen mit der öffentlich ausgesprochenen Warnung von
Präsident Ortega deuten darauf hin,
daß die Offensive ein grundsätzliches
Ziel verfolgte: die Vernichtung des
Widerstandes als wirksame Kampftruppe.
Diese jüngsten Aktionen der Sandinisten sind eindeutiger Beweis für
deren Entschlossenheit zur Lösung des
Bürgerkrieges mit militärischen statt
politischen Mitteln. Sie stehen im
Sinklang mit sandinistischen Handlungen innerhalb Nicaraguas, die der
Zerschlagung
jeglicher
Opposition
dienen. Die Sandinisten streben nach
Vernichtung
des
Widerstandes
als
wirksamer Kampftruppe, um den inneren
Dialog zu ersticken und die demokratischen Oppositionsgruppen in Nicaragua vollständig zu demoralisieren.
In den Monaten nach Abschluß des Abkommens von Guatemala haben sich die
Sandinisten wiederholt geweigert, wesentliche Probleme mit dem Widerstand
wie auch der demokratischen bürgerlichen Opposition zu diskutieren. Am
28. Februar nannte Kardinal Obando y
Bravo das jüngst von Präsident Ortega
gezeigte Beharren auf der sandinistischen Tagesordnung für Wafiienstillstandsgespräche
"einen
Rückschritt
auf Null".
Die Sandinisten wollen
weder Verhandlungen noch nationale
Versöhnung. Sie wollen die Kapitulation des Widerstandes. Es gibt keinerlei Garantie dafür, daß heimkehrende Widerstandskämpfer je am politischen Leben Nicaraguas teilnehmen
können oder daß ihr Leben und ihre
Freiheit gesichert wären.
Die
Staaten

- 3 -

Regierung
ist der

der Vereinigten
Überzeugung, daß

�Frieden, Demokratie und nationale
Versöhnung das Beste für Mittelamerika sind. Für diese Ziele traten die
mittelamerikanischen Präsidenten in
Guatemala Stadt ein. Deshalb fordern
wir die Regierung Nicaraguas auf, ihre aggressive Haltung gegenüber der
Opposition aufzugeben, die territorialen und sonstigen Rechte ihrer
Nachbarn zu respektieren und aufrichtig mit ihrer militärischen und zivilen Opposition zu verhandeln. Nicaragua muß seinen Verpflichtungen treu
bleiben und seine Haltung der Vergangenheit aufgeben. Jetzt ist es an
der Zeit, den Olivenzweig des Friedens zu ergreifen.

* * * * *

- 4

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial
12

23. März 1988

DAS AMERIKANISCHE KONZEPT FÜR DEN FRIEDEN IM NAHEN OSTEN
- Von George P. Shultz -

Der hier veröffentlichte Artikel von Außenminister Shultz erschien am 18.
März in der Washington Post.

Konfliktlösungen erfolgen nur in
geringem Maße nach festen Regeln.
Jeder Konflikt hat seine eigene Geschichte und ureigene Merkmale. Jeder an einem Konflikt Beteiligte hat
seine eigenen Wünsche, Anliegen und
Ängste.
Die Aufgabe besteht darin,
die richtigen Anreize zu finden, um
die Beteiligten vom Schlachtfeld an
den
Verhandlungstisch
zu
führen.
Verhandlungserfolg
läßt sich nicht
auf eine bestimmte Vorgehensweise zurückführen, sondern vielmehr auf die
Bereitschaft der Parteien, Möglichkeiten zu nutzen, sich mit schwieri-

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gen Entscheidungen auseinanderzusetzen und beiderseits faire Zugeständnisse zu machen.
Im Konflikt zwischen Arabern und
Israelis sind Verhandlungen das richtige Instrument.
Sie geben den Beteiligten ein Mittel an die Hand, um
miteinander umzugehen.
Sie bringen
dauerhafte und realistische Abkommen
hervor, die den grundlegenden Anliegen der Beteiligten gerecht werden.
Die Erfahrung zeigt, daß Araber und
Israelis Abkommen schließen und diese
auch einhalten können.

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Telex: 8-85432

�Die Vereinigten Staaten haben eine Initiative ins Leben gerufen, die
auf die Einleitung von Verhandlungen
abzielt - auf direkte, bilaterale
Verhandlungen zwischen Israelis und
Arabern, mit denen ein umfassender
Frieden erlangt werden kann. Unser
Konzept stützt sich auf alle Bestimmungen und Prinzipien der Resolution
242 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen, die den international
akzeptierten
Verhandlungrahmen
schafft. Im Fall von West Bank und
Gaza sieht die Initiative ein zweistufiges eng verzahntes Verhandlungsgefüge vor, das auf einen grundlegenden Wandel im Charakter der arabischisraelischen Beziehungen abzielt.
Die Vereinigten Staaten sind ein
fester und konsequenter Förderer direkter bilateraler Verhandlungen zwischen Israel und all seinen Nachbarn,
damit ein umfassender Friede erlangt
werden kann. Gleichzeitig waren die
Vereinigten Staaten immer bereit, alle Ansätze - auch eine internationale
Konferenz - zu berücksichtigen, die
zu
direkten
Verhandlungen
führen
könnten.
In den letzten Monaten haben sich
einige der Beteiligten auf eine besondere Art von internationaler Konferenz konzentriert - eine Konferenz
mit bindender Funktion oder absoluten
Vollmachten. Im Januar dieses Jahres
haben die Vereinigten Staaten im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen
ihr Veto eingelegt, nachdem dieser
den Generalsekretär aufgefordert hatte, eine solche Konferenz einzuberufen. Die Vereinigten Staaten äußerten ihre einhellige Überzeugung, daß
eine solche Konferenz echte Verhandlungen unmöglich machen würde. Sie
wäre ein Mittel zur Verhinderung bedeutungsvoller Verhandlungen, nicht
zu deren Förderung.

Das Problem, mit dem sich die Beteiligten im Nahen Osten konfrontiert
sehen, liegt nicht darin, ob eine internationale
Konferenz
einberufen
werden sollte oder nicht. Damit wäre
der Kernpunkt verfehlt. Die Araber
erwarten, daß eine Konferenz Verhandlungen einleiten sollte, denn ohne
eine wohlstrukturierte Konferenz wird
es keine Verhandlungen geben. Aber
die falsche Art Konferenz sollte niemals einberufen werden. Die Vereinigten Staaten werden an einer solchen
Konferenz
nicht
teilnehmen.
Kein unabhängiger Staat würde der
Teilnahme an einer solchen Konferenz
zustimmen, bei der unter Umständen
Urteile über nationale Sicherheitsbelange gefällt würden.
Das Problem lautet, ob der Augenblick gekommen ist, an dem eine Beendigung des arabisch-israelischen Konflikts ausgehandelt werden kann; ob
alle Beteiligten bereit und in der
Lage sind, sich mit schwierigen Entscheidungen auseinanderzusetzen und
ob die Bedingungen der Beteiligten
sich in ein Verfahren einbinden lassen, das den geringsten Anforderungen
gerecht wird.
Die Stärke des amerikanischen Ansatzes besteht in seinem integrierten
Charakter:
kein einzelner Aspekt
darf isoliert, verfälscht oder außer
acht gelassen werden, ohne daß damit
das Gleichgewicht gefährdet würde.
Die von uns geförderte Konferenz initiiert eine Reihe bilateraler Verhandlungen und könnte danach einen
Bericht der Beteiligten über den Status der Verhandlungen erhalten. Die
Vorgehensweise müßte von den Beteiligten noch festgelegt werden. Alle
Konferenzteilnehmer müssen die Sicherheitsratsresolutionen 242 und 338
annehmen und auf Gewalt und Terrorakte verzichten. Die Konferenz erhält
besondere Anweisungen, nicht in die

i

�Verhandlungen einzugreifen, Lösungen
zu erzwingen oder ihr Veto gegen bilaterale Vereinbarungen einzulegen.
Die Vereinigten Staaten engagieren sich für dieses einheitliche Konzept zur Aufnahme direkter bilateraler Verhandlungen. Wir werden nicht
zulassen, daß irgendein Aspekt unseres Vorschlags unterhöhlt, gefährdet
oder über seine Bedeutung hinaus entwickelt wird.
Insbesondere werden
wir nicht erlauben, daß die Konferenz
verbindlichen oder absoluten Charakter erhält, Urteile über die Verhandlungen fällen kann oder ihre von den
Beteiligten vereinbarten Zuständigkeiten überschreitet.
Die Bestandteile eines Friedensprozesses liegen auf der Hand. Es
besteht ein unannehmbarer und unhaltbarer Zustand. Es gibt rivalisierende Parteien mit der Bereitschaft,
sich von Illusionen zu befreien und
Träume der Realität anzupassen. Und
es liegen realistische und realisierbare Konzepte vor, die grundlegende
Anliegen aller berücksichtigen.
Unsere Aufgabe liegt ebenso klar
auf der Hand. Wir müssen einmütig,
entschlossen und hartnäckig handeln,
um Araber und Israelis vom Schlachtfeld zu Verhandlungen zu führen. Die
von den Vereinigten Staaten eingeleitete Initiative - ein zweistufiges
verzahntes Gefüge direkter Verhandlungen, die von einer wohlstrukturierten internationalen Konferenz ins
Leben gerufen werden - ist realistisch und zwingend.
Dies ist der Augenblick für einen
historischen Durchbruch, und das Konzept dafür liegt vor. Die Zeit ist
reif für eine Entscheidung.
*****
- 3

�AMERIKA DIENST
\oN$&lt;

Wissenschaft und Technik
23. März 1988

12
OZONSCHWUND BESTXTIGT

Schutzmaßnahmen für den Schutzschild der Erde laufen an

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Senat hat sich einstimmig einstimmig
für die Ratifizierung des Vertrages über den Schutz der Ozonschicht durch die
Vereinigten Staaten ausgesprochen. Er wurde nach langen internationalen Verhandlungen im vergangenen Jahr in Montreal (Kanada) von 24 Nationen unterzeichnet, u.a. von Japan und der Europäischen Gemeinschaft. inzwischen sind
ihm weitere sieben Nationen einschließlich der Sowjetunion beigetreten. Am 1.
Januar 1989 soll er rechtskräftig werden. Dies ist jedoch nur möglich, wenn
bis dahin elf Nationen ratifiziert haben, auf die zumindest zwei Drittel des
weltweiten Verbrauchs an Chlor-Fluor-Kohlenwasserstoffen (CFC) und Halogenen
entfallen.
Diese beiden Gruppen von Chemikalien gelten als die Hauptverursacher des Abbaus der für alles Leben auf der Erde so wichtigen Ozonschicht.
Bisher hat jedoch nur Mexiko den Vertrag ratifiziert.

Dieser sieht unter anderem vor,
Produktion und Verbrauch von CFC-Verbindungen weltweit bis zum Jahr 1999
um die Hälfte zu verringern.
Sie
werden vielfältig genutzt - für Kühlprozesse, die Herstellung von Kunststoffschaum, die Reinigung elektronischer Bauteile, als Treibgase in
Sprühflaschen.
Die
Partnerstaaten
des Vertrages haben sich außerdem
verpflichtet,
Handelsrestriktionen
gegen CFC-haltige Produkte aus Ländern zu verhängen, die sich ihm nicht
angeschlossen haben. Er gilt als Modell für künftige internationale Vereinbarungen auch zur Eindämmung oder
Lösung anderer Umweltprobleme, etwa
des "Gewächshauseffektes" mit zunehmender Erwärmung der Erde durch die
wachsende Konzentration von Kohlendioxyd und anderen Spurengasen in der

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Atmosphäre.
Vielen amerikanischen Politikern
und Experten, wie auch Lee Thomas,
dem Leiter der amerikanischen Umweltbehörde EPA, geht der Vertrag nicht
weit genug. Einige Senatoren forderten, "rasch und energisch zu handeln,
um Chemikalien, die den Ozonschutzschild der Erde zerstören, nicht nur
zu reduzieren, sondern ganz auszuschalten",
über einen internationalen Maßnahmenkatalog sollte es möglich werden, das Tempo für die CFCBeschränkung zu beschleunigen und die
zulässigen Mengen weiter herabzusetzen,
in seiner jetzigen Form sieht
der Vertrag vor, den Ozonabbau auch
künftig mit wissenschaftlichen Methoden zu beobachten und notfalls drastische Schritte gegen diese Gefahr zu

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�unternehmen.
Senator Robert Stafford, Mitglied
des
Umweltausschusses
des
Senats,
verwies darauf, daß sich der Vertrag
nur mit der Gefahr befasse, die ein
weltweiter Abbau der Ozonschicht bedeuten könne, nicht aber mit dem
"Ozonloch".
Damit wird eine großflächige, besonders starke Ausdünnung
der Ozonschicht über der Antarktis
vor allem in den Monaten September
und Oktober bezeichnet, die in den
letzten Jahren an horizontaler und
vertikaler Ausdehnung sowie an Dauer
zugenommen hat. "Wenn es sich dabei
tatsächlich um eine sich stark beschleunigende
Chlorreaktion
in der
Atmosphäre handelt", sagte er, "befindet sich die Menschheit bereits im
Wettlauf mit der Zeit, um zu verhindern, daß das Ozonloch zum Dauerzustand wird."
Dieses habe sich, wie Senator Max
Baucus bemerkte, von seinem Entstehungsort über der Antarktis bereits
über die südlichen Meere ausgebreitet. Das sei Anlaß zu großer Besorgnis über die Auswirkungen der dadurch
verstärkt eindringenden ultravioletten Strahlung auf alle pflanzlichen
und
tierischen Lebewesen im Meer.
Möglicherweise
beeinträchtigten
die
CFC-Verbindungen
schon
direkt
die
Nahrungsquellen für den Fischbestand
der Meere auf der Südhalbkugel.
im Februar 1988 brach eine amerikanische Forschergruppe von der "National Oceanic and Atmospheric Administration" (Nationalbehörde für Meere und Atmosphäre - NOAA), nach Grönland auf, um die Ozondichte über der
Arktis zu untersuchen.
Sie arbeitet
mit den gleichen Instrumenten, die in
der Antarktis verwendet wurden. Eine
1986 begonnene internationale Studie,
die über 17 Monate lief und an der
über 100 Wisssenschaftler teilnahmen,
ist inzwischen abgeschlossen.
über
vorläufige
richtete ihr Leiter,
Dr. Robert T. Watson,
einer Pressekonferenz

Ergebnisse beder Amerikaner
Mitte März auf
in Washington.

Es habe sich gezeigt, sagte Watson,
der auch Vorsitzender der internationalen
Arbeitsgruppe
"Ozone Trends"
ist, daß in weiten Teilen der Nordhalbkugel ebenfalls Ozon aus Luftschichten zw ischen ca. zehn und 32
km Höhe abgebaut wird.
Betroffen
seien insbesondere Regionen über den
Vereinigten Staaten, Kanada, Westeuropa, China
und
der
Sowjetunion.
Konsequenzen:
Wenn die Ozonschicht
um ein Prozent abgebaut werde, nehme
zum Beispiel Hautkrebs um ein Prozent
zu.
Für den Ozonschwund seien nach
Ansicht
der
meisten
Forscher
die
Chlor-Fluor-KohlenwasserStoffe
verantwortlich
zu
machen.
Weitere
schädliche Gase seien Kohlendioxyd,
Methan und Stickstoffdioxyd, die in
erster
Linie durch
Kohlekraftwerke
und verrottende Futtermittel oder andere biologische Produkte in die Atmosphäre gepumpt werden.
Die Arbeitsgruppe "Ozone Trends"
wird von der US-Behörde für Luftund Raumfahrt (NASA), NOAA, der USBundesbehörde
für Luftfahrt
(FAA),
der UN-Organisation für Meteorologie
(WMO) und der UN-Abteilung für Umweltprogramme gefördert. Sie nahm im
Oktober 1986 ihre Arbeit auf, nachdem
zwei frühere Studien einen bemerkenswerten Rückgang der Ozonkonzentrationen hatten erkennen lassen.
Einem
gleichzeitig in Washington und Genf
veröffentlichten Bericht zufolge ist
die Ozonkonzentration in der Stratosphäre über Meßgebieten zwischen dem
30. und 64 nördlichen Breitengrad von
1969 bis 1986 zwischen 1,7 bis drei
Prozent
zurückgegangen.
Der Abbau
war in den Wintermonaten, von Dezember bis März, mit 2,3 bis 6,2 Prozent
stärker als in der übrigen Jahreszeit, insbesondere in höheren Schichten.
Daraus schließen die Forscher,
daß auch in der Arktis - also in der
nördlichen Hemisphäre - etwa im Monat
Januar ein "Ozonloch" entsteht, wenn
auch nicht so ausgeprägt wie über der
Antarktis.
Dort wurde es vor etwa zehn Jahren in den Monaten September und Oktober - dem antarktischen Frühling -

- 2 -

�zum ersten Mal bemerkt.
"Ein Rückgang um mehr als 50 Prozent in Höhen
zwischen 15 und 20 Kilometern, wurde
beobachtet", heißt es in dem Bericht.
Rowland zufolge könne die Durchmischung mit anderen Luftmassen dazu
führen, daß es auch in anderen Regionen der südlichen Hemisphäre zu niedrigeren
Ozonkonzentrationen
kommt.
Aber noch lägen nicht genügend Daten
aus diesen Gebieten vor, um mit Sicherheit sagen zu können, was sich
dort abspielt.
über die Ergebnisse einer weiteren Studie aus einigen Hundert Kilometern Höhe berichtete vor ein paar
Monaten Dr. Kenneth P. Bowman (Universität
Illinois
in
ChampaignUrbana) in der Zeitschrift "Science".
Mit Hilfe des
Forschungssatelliten
NIMBUS 7 wurde zwischen 1979 und 1986
eine weltweite "Verdünnung" des Ozonschutzschildes um fünf Prozent ermittelt. Da NIMBUS die Erde auf polarer
Bahn umkreist, werden auch Gebiete
erfaßt, die normalerweise mit Meßsonden von der Erde aus nicht zu erreichen sind. In den kritischen Monaten
ging die Ozonkonzentration über den
polen um 30 bis 40 Prozent, im antarktischen "Ozonloch" um bis zu 60
Prozent zurück. über den Tropen dagegen blieb sie stabil.
Die Ozonmoleküle in der Stratosphäre absorbieren Teile des ultravioletten Sonnenlichtes. E S reagiert
jedoch auch mit den Molekülen der ungehindert in die Stratosphäre aufgestiegenen CFC-Verbindungen und spaltet deren Chlor-Atome ab. Diese wiederum wirken als Katalysator, um Ozon
zur Abgabe eines Sauerstoffatoms zu
bringen und ihn so in gewöhnliche
zweiatomige Sauerstoffmoleküle umzuwandeln. Diese aber sind nicht mehr
fähig, ultraviolette Strahlung zu absorbieren.
Inwieweit auch natürliche Schwankungen
der
Ozonkonzentration
eine
Rolle spielen, vermag noch niemand zu
sagen.
sie werden seit drei Jahrzehnten in Perioden von zehn bis 15
Jahren beobachtet.
Welchen Einfluß

der ca. elfjährige sonnenfleckenzyklus dabei haben könnte, bleibt zu untersuchen.

�</text>
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                <text>Amerikadienst 23.03.1988</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vereinigte Staaten: Nicaragua muß Rechte seiner Nachbarn respektieren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das amerikanische Konzept für den Frieden im Nahen Osten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von George P. Shultz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ozonschwund bestätigt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Schutzmaßnahmen für den Schutzschild der Erde laufen an&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

4

30. März 1988

13

INHALT

DOKUMENTATION
Entschlossenheit der Contras schuf Friedensvereinbarung
- Erklärung von Außenminister George Shultz START-Abkommen beim Gipfel in Moskau noch immer möglich
- Fernsehinterview mit Botschafter Max Kampelman WIRTSCHAFT
Reagan stellt Veto gegen protektionistisches Handelsgesetz
in Aussicht
- Rede bei der Reynolds Metals Company in Richmond -

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
30. März 1988

13

ENTSCHLOSSENHEIT DER CONTRAS SCHUF FRIEDENSVEREINBARÜNG FÜR NICARAGUA
- Erklärung von Außenminister George Shultz -

WASHINGTON - (AD) - Die Sechs-Punkte Vereinbarung zwischen den Sandinisten
und dem nicaraguanischen demokratischen Widerstand "ist das Ergebnis der Entschlossenheit und Opferbereitschaft der Freiheitskämpfer in all den Jahrendes
Kampfes."
Dies erklärte der amerikanische Außenminister Shultz am 24. März
und hob gleichzeitig hervor, die Vereinigten Staaten betrachteten die Vereinbarung als "einen wichtigen Schritt vorwärts". Er drängte den amerikanischen
Kongreß zur sofortigen Bereitstellung von Finanzhilfen an die Contras und fügte hinzu, daß "es absolut keine Rechtfertigung für die andauernden Waffenlieferungen" der Sowjetunion und ihrer Verbündeten an die Sandinisten gäbe.
Nachstehend geben wir die Erklärung des Außenministers vollständig wieder:

Nicaragua,
Die Anführer des nicaraguanischen
Widerstands kamen gestern auf nicaraguanischem Boden mit Mitgliedern des
sandinistischen Regimes zusammen und
erzielten eine Vereinbarung, in der
folgende Punkte enthalten sind:
- Sofortige
Einstellung
aller
Feindseligkeiten für einen Zeitraum von 60 Tagen ab dem 1. April,
- Verhandlungen auf höchster Ebene
am 6. April über die Bedingungen
für einen eindeutig festgelegten
Waffenstillstand,
- Durchführung
Amnestie,

einer

stufenweisen

- Maßnahmen zur Verwirklichung des
politischen Dialogs und umfassender politischer Rechte und
- Maßnahmen zur Verifizierung
ses Abkommens.

die-

Diese Vereinbarung ist das Ergebnis der Entschlossenheit und Opferbereitschaft
der
Freiheitskämpfer
in
all den Jahren des Kampfes, einschließlich ihres heldenhaften Widerstands gegen eine sandinistische Offensive mit dem Ziel ihrer Vernichtung in der vergangenen Woche. Ihre
Stärke und Ausdauer hat diese Chance
für Frieden und Freiheit geschaffen.
Wir betrachten diese Übereinkunft als
einen wichtigen Schritt vorwärts.

- Anerkennung der Redefreiheit in

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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�Es bleibt noch viel zu tun, um
diese Chance vollständig zu nutzen.
Diese Vereinbarung sieht eine Fortdauer der Finanzhilfe an die Freiheitskämpfer vor.
Eine solche ist
jedoch nicht vorhanden.
Der Kongreß
sollte diese finanzielle Unterstützung sofort und noch vor der Osterpause bereitstellen, um die Freiheitskämpfer während der weiter laufenden Verhandlungen zu unterstützen.
Wir werden uns mit den Freiheitskämpfern und den vier Demokratien beraten, wie die Vereinigten Staaten
die Aussichten auf Freiheit und Frieden in Nicaragua am besten fördern
können. Andere Nationen müssen ebenfalls eine positive Rolle spielen.
So wie die Waffenstillstands-Vereinbarung derzeit keine weitere amerikanische Militärhilfe vorsieht, gibt
es auch absolut keine Rechtfertigung
für die Fortsetzung jeglicher Waffenlieferungen
der Sowjetunion, Kubas
oder des Ostblocks an Nicaragua.
Die gestrige Vereinbarung sieht
die Wiederaufnahme der Verhandlungen
für den 6. April in Managua vor. Die
Rückkehr der Anführer des nicaraguanischen Widerstands nach Managua wird
ein Triumph für ihre Sache sein.
Die Vereinigten
Staaten werden
sich auch weiter unnachgiebig für
Frieden und Freiheit in Mittelamerika
einsetzen.

* * * * *

- 2

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

"VoN^

30. März 1988

13

START-ABKOMMEN BEIM GIPFEL IN MOSKAU
NOCH IMMER MÖGLICH
- Fernsehinterview mit Botschafter Max Kampelman

WASHINGTON - (AD) - Dem Rüstungskontrollbeauftragten der Vereinigten Staaten, Botschafter Max Kampelman zufolge ist die Unterzeichung eines START-Abkommens zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion beim im Mai anberaumten Gipfeltreffen in Moskau noch immer "möglich".
Bei einem Fernsehinterview am 26. März erklärte Kampelman, "zahlreiche
ernsthafte Probleme stehen noch an", bevor der Vertrag von den beiden Nationen
unterzeichnet werden kann. Beide Länder würden es jedoch "vorziehen", im Mai
oder Juni ein Abkommen zu erzielen.
Kampelman erörterte ferner die amerikanisch-sowjetische Position bezüglich
SDI, Afghanistan, Mittelamerika und dem Nahen Osten.
Nachfolgend bringen wir das Fernsehinterview in wesentlichen Auszügen.
Frage:
Herr Botschafter, Sie sind
bereits Anfang Dezember
in dieser
Fernsehsendung
aufgetreten.
Damals
vertraten Sie die Auffassung, es bestünde eine fast 50prozentige Chance,
daß die Vereinigten Staaten einen
Vertrag mit der Sowjetunion in die
Wege leiten würden, mit dem die Interkontinentalraketen um die Hälfte
reduziert würden. Möchten Sie diese
Aussage revidieren?
Antwort:
Meine von Ihnen zitierte
Prognose war, daß wir einen guten Anfang gemacht haben. Und ich bin immer
noch
dieser
Auffassung.
ich
möchte mich jedoch nicht dahingehend
festlegen, daß das Abkommen im Mai
oder Juni unterschriftsreif sein wird.
Frage:

Was steht dem im Wege?

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Antwort:
Die Vielschichtigkeit
gesamten Problems.

des

Frage:
Trifft es zu, daß die seegestützten
Marschflugkörper
(SLCMs)
das Hauptanliegen der Sowjets sind
und sie - im Gegensatz zu uns - diese
Marschflugkörper in das Abkommen einbeziehen
wollen?
Die Vereinigten
Staaten wünschen dies besonders in
Anbetracht des INF-Vertrages nicht,
der zu einem gewissen Unbehagen in
Europa geführt hat, und aus diesem
Grund sind wir von diesen SLCMs in
höherem Maße als vorher abhängig?
Antwort:
Das wirkliche Problem bei
den
seegestützten
Marschflugkörpern
ist, wie man ein Abkommen verifizieren kann. Die Sowjets sind der Mei-

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�nung, sie können es verifizieren.
Sie haben uns Vorschläge unterbreitet, die von unseren Wissenschaftlern
geprüft wurden.
Sie ergeben keinen
Sinn.
Hierbei handelt es sich also
um ein äußerst wichtiges Problem, für
das es noch keine Lösung gibt. Wenn
- wie Sie sagen - die Sowjets dies
zur
Bedingung
machen, glaube
ich
nicht, daß wir darauf eingehen werden. Meines Wissens handelt es sich
hierbei nicht um eine Bedingung. Ich
habe in den Verhandlungen mit den
Sowjets die Erfahrung gemacht, daß
sie häufig Bedingungen stellen.
im
Verlauf
unserer
Zusammenarbeit hat
sich jedoch anhand der gemachten Erfahrungen gezeigt, daß sie die Bedingung entweden zurücknehmen oder modifizieren, so daß ich ...
Frage:
nicht?
Antwort:
lungen.

Das gilt auch

Das

ist Teil

für uns, oder

von Verhand-

Frage:
Ja - so sind wir anscheinend bei SDI verfahren. Die Strategische Verteidigungsinitiative ...
Antwort:
Frage:

Im Gegenteil.
Nein?

Antwort:
Nein.
Beim
SDI-Programm
bestehen wir noch immer darauf, daß
kein Abkommen irgenwelche negativen
Auswirkungen
auf unser
SDI-Prgramm
haben darf.
Frage;
Gut - aber wir haben zugestimmt - korrigieren Sie mich, falls
dies nicht zutrifft - wir haben zugestimmt, daß SDI jetzt an das STARTAbkommen geknüpft ist.
Antwort:

Nun ...

Frage:
Diese
Administration
hat
bislang die Position vertreten, daß
SDI unabhängig und nicht Teil des
START-Abkommens ist.
Antwort:
Das ist noch immer unsere
Position.
wir fahren zweigleisig.

Wir verhandeln
über beide Themenkomplexe und wir verhandeln gleichzeitig über sie.
So sind wir seit
drei Jahren verfahren. Wir sind bereit, einen START-Vertrag zu unterzeichnen, ohne Weltraum und Verteidigung miteinzubeziehen.
Frage:
Ich möchte mich vergewissern, daß ich das richtig verstanden
haben.
In dieser Woche veröffentlichten Berichten zufolge haben sich
die Vereinigten Staaten zu dem Passus
bereiterklärt, daß SDI an ein STARTAbkommen gekoppelt wird. Und Sie sagen, dies sei nicht der Fall.
Antwort:
Dies ist nicht der Fall.
Praktisch gesehen - ich möchte natürlich auch wenn ich zu ihnen und zu
dem amerikanischen Volk spreche, ganz
genau sein - praktisch gesehen haben
wir keine Einwände dagegen, über beide
Themenkomplexe
gleichzeitig
zu
verhandeln und eine Einigung zu erzielen.
Was uns betrifft, so sind
wir äußerst zufrieden, daß der STARTVertrag jetzt in Kraft tritt, ohne in
den Bereichen Weltraum und Verteidigung auf eine Entscheidung zu warten,
sofern wir dort Einigung erzielen.
Sollten die Sowjets darauf bestehen,
daß sie über beide Themenbereiche
verhandeln wollen, werden wir an beiden arbeiten.
Frage:
Im Zusammenhang mit SDI besteht nach wie vor das Problem, ob
der ABM-Vertrag die Stationierung von
SDI so kontrolliert, daß die Vereinigten Staaten keine Sensoren ins All
abschießen, die anfliegende Raketen
aufspüren können. Wir - also die Administration - haben die Position bezogen, daß der ABM-Vertrag, eng ausgelegt, die Stationierung dieser Sensoren ausschließt.
Zeigen die Vereinigten Staaten Nachgiebigkeit bei
diesem Thema?
Antwort:
Nein,
überhaupt
nicht.
Meiner Meinung nach müßten in Wirklichkeit die Sowjets zustimmen, daß
der Sensor
selbst kein ABM-System
ist.
Der ABM-Vertrag bestimmt, daß
kein ABM-System oder eine Komponente

- 2 -

�stationiert werden darf.
Und offen
gesagt, in meinen Gesprächen mit den
Sowjets habe ich nicht den Eindruck
gewonnen, den Sie vermitteln, daß sie
der Überzeugung sind, die Stationierung aller Sensoren sei im Rahmen des
ABM-Vertrages vertragswidrig.
Frage:
Michail
Gorbatschow
hat
diesen Monat eine Gruppe amerikanischer
Senatoren bei sich begrüßt,
Botschafter Kampelman.
Erinnern Sie
sich an dieses Treffen?
Antwort:
Ja sicher, ich habe auch
mit den Senatoren nach ihrer Rückkehr
gesprochen.
Frage:
Berichten
zufolge
hat
er
den Senatoren gegenüber erklärt, er
wolle einen Vertrag in diesem Jahr
unterzeichnet haben, bei diesem Gipfeltreffen, und er sei sich dabei
voll und ganz der Tatsache bewußt,
daß er während der Amtszeit Ronald
Reagans nicht mehr ratifiziert würde.
Verstehen Sie seine Erklärungen auch
so?
Antwort:
Nein.
Ich verstehe dies
so, daß er es für möglich hält und es
vorziehen würde, wenn der Vertrag zum
Gipfeltreffen unterzeichnungsreif wäre. Dies entspricht unserer Haltung.
Wir halten dies für möglich.
Wir
würden es vorziehen, wenn ein Vertrag
im Rahmen des Gipfels unterzeichnet
würde. Dies ist aber keine Bedingung
unsererseits, und ich halte dies auch
nicht für eine Bedingung der Sowjets.
Ich kann jedoch nur für die Vereinigten Staaten sprechen.
Die Vereinigten Staaten werden sich nicht vom Kalender leiten lassen. Wir haben eine
Präferenz, aber diese wird nicht unsere Haltung in der Substanz beeinflussen.
Wenn wir bis zum Gipfeltreffen einen in unserem Interesse
liegenden
Vertrag bekommen können,
dann wären wir sehr froh darüber.
Wenn nicht, warten wir bis zum Sommer
und bis zum Herbst.
Frage:
Führende Mitglieder
dieser
Administration
George
Shultz,
Ronald Reagan selbst, Howard Baker -

spielen
die Wahrscheinlichkeit
der
Unterzeichnung eines Vertrage? über
ICBMs während des Gipfels herunter.
Sie erklären, es sei unwahrscheinlich, nicht wahr?
Antwort:
Nein, das Wort "unwahrscheinlich" vernehme ich nicht. Ich
erkenne
ein
Herunterspielen,
kein
"unwahrscheinlich". Und dies ist ein
Unterschied.
Lassen Sie mich dies
einmal kurz erklären.
Wir glauben
nicht - und wir meinen, auch das amerikanische Volk
sollte dies nicht
glauben -, daß Erfolg oder Mißerfolg
des Gipfels von der Unterzeichnung
eines Stücks Papier abhängen.
Und
das Herunterspielen hängt mit diesem
Anliegen zusammen.
Die realistische
Vorstellung geht davon aus, daß wir
noch eine Menge ernster Probleme haben, aber die Anweisung des Präsidenten an die Verhandlungsführer
ist
ganz klar: Versuchen Sie, das höchste Ziel zu erreichen. Versuchen Sie
es, wenn Sie können. Wenn Sie eine
in unserem Interesse liegende Vereinbarung erreichen können, dann tun Sie
das bis zum Gipfel. Wenn nicht, dann
werden wir weiter daran arbeiten.
Frage:
Nun, warum will der Präsident dann ein Gipfeltreffen jetzt,
wenn es - wie Sie es auszudrücken belieben - wenig wahrscheinlich, nicht
wahrscheinlich oder unwahrscheinlich
ist, daß dort ein Vertrag unterzeichnet wird - warum will er den Gipfel
jetzt?
Antwort:
Ich
glaube, Ihre
Frage
macht deutlich, warum wir versuchen,
diese Frage herunterzuspielen.
Ihre
Frage unterstellt nämlich, der einzige zweck dieses Gipfels bestehe in
der Unterzeichnung eines Stücks Papier. Ich würde eher davon ausgehen,
daß die Zeit für ein Gipfeltreffen
gekommen
ist, wenn man ernsthafte
Meinungsverschiedenheiten hat - das
heißt aber nicht, daß solche gegenwärtig bestehen. Es macht Sinn, wenn
die politisch Verantwortlichen
der
zwei
großen, militärisch
mächtigen
Länder ...

- 3 -

�Frage:
... ein geselliges
mensein veranstalten.
Antwort:
Miteinander
die
besprechen, wie wir es tun.

Beisam-

Probleme

Frage:
Sind sie sich der Tatsache
bewußt, daß im Juni, kurz nach dem
Gipfel, das Plenum der Kommunistischen Partei in Moskau tagen wird?
Antwort:
ich bin
und ganz bewußt.

mir

dessen

voll

Frage:
Sie sind sich dessen voll
bewußt.
Und
Sie
wissen,
daß
Gorbatschow in diesem Plenum hart bedrängt werden wird.
Und wenn er zu
diesem Plenum in seinem Gepäck das
Gipfeltreffen mit Ronald Reagan mitbringt, dann bekommt er einen guten
Start, mit Rückenwind sozusagen. Also hilft der Gipfel Gorbi, nicht wahr?
Antwort:
Wir hoffen, er wird unseren Beziehungen insgesamt förderlich
sein und auch den Vereinigten Staaten
helfen.
Frage:
Sie sagten fast "wir
fen, er würde Gorbi helfen"...

hof-

Antwort:
Nein,
was
ich
meinte,
war, daß wir hoffen, er würde uns wie
auch ihm helfen.
Frage:
Meine Behauptung geht doch
dahin, daß Ronald Reagan Gorbi auf
dem entscheidenden Juni-Plenum der
Kommunistischen Partei helfen will.
Und deshalb findet dieses Gipfeltreffen wirklich statt.
Was sagen Sie
dazu?
Antwort:
wirklich - nun, es mag
stimmen, daß er Herrn Gorbatschow
helfen möchte - ich weiß das nicht.
Es mag stimmen.
Wenn ja, nun gut.
Es ist jedoch falsch von Ihnen, anzunehmen, daß der Präsident der Vereinigten Staaten nach Moskau reist, um
dem Generalsekretär der Kommunistischen Partei zu helfen ...
Frage:
Trotz der
Tagesordnung
für

Tatsache, daß die
den
Gipfel
sehr

dürftig zu sein scheint?
Antwort:
Oh, Sie sollten nicht annehmen, daß die Tagesordnung dürftig
ist ...
Frage:
Es
ist
eine
ungewöhnlich
dürftige Tagesordnung, nicht wahr?
Antwort:
Nein, das stimmt nicht.
Erstens, die Tagesordnung ist noch
nicht fertiggestellt. Ich war an den
Gesprächen
über diese
Tagesordnung
beteiligt.
Es ist eine umfassende
Tagesordnung. Sie beinhaltet Gespräche über die Menschenrechte.
Nun,
wir hoffen, daß die Afghanistan-Frage
bis dahin gelöst sein wird.
Falls
nicht, dann wird Afghanistan dazugehören. Sicherlich wird der Golf auf
der Tagesordnung stehen. Alle regionalen Probleme werden dazugehören.
Ich hoffe, daß Mittelamerika besprochen wird - ich denke, dies wird der
Fall sein.
Dazu werden bilaterale
Probleme gehören. Es ist keine dürftige Tagesordnung.
Frage:
Besteht
ein
Junktim
zwischen Afghanistan und dem START-Vertrag? D.h., Ronald Reagan sagt der
Sowjetunion "Wenn ihr ein START-Abkommen mit mir abschließen wollt,
dann müßt ihr zuerst aus Afghanistan
abziehen."
Ist das Teil des Geschäfts?
Antwort:
Nein, nein.
Wir sollten
uns darüber im klaren sein, daß wir
das START-Abkommen nicht so betrachten, als ob wir damit den Sowjets
einen Gefallen täten. Wir sind für
ein START-Abkommen, weil es für uns
vorteilhaft ist.
Und wenn es uns
einen Vorteil bietet, warum sollten
wir es dann an irgendetwas anderes
koppeln?
Dies ist dieselbe Antwort
wie auf ihre Frage nach dem Weltraum.
Wenn es nicht in unserem Interesse
liegt, dann wollen wir es nicht.
Frage:
Können Sie vorhersagen, ob
die Sowjets ihre Truppen aus Afghanistan abziehen werden?
Antwort:

Ich

glaube,

daß

sie

das

�ungeachtet der Tatsache tun werden,
ob die Vereinigten Staaten dabei als
Garant auftreten oder nicht.
Frage:
In Nicargua haben Contras
und Sandinisten einen sechzig Tage
währenden
Waffenstillstand
unterzeichnet, in der Hoffnung und dem guten Glauben, daß der in einen lang
anhaltenden Frieden münden wird. Haben Sie den Eindruck, daß die Sowjets
bei den Sandinisten ihren diplomatischen Einfluß geltend gemacht haben,
um diesen Waffenstillstand hervorzubringen?
Antwort:
Ich weiß es nicht, und
ich habe keinen Grund zu dieser Annahme.
Ich hoffe es. ich weiß jedoch, daß die Sowjets seit der Übereinkunft von Guatemala, mit deren
Hilfe Frieden in der Region geschaffen werden soll, 200 Millionen Dollar
gezahlt haben.
im vergangenen Jahr
haben sie und ihre Verbündeten nahezu
eine Milliarde Dollar dorthin geleitet,
im Kongreß verhandeln wir nur
über die Kleinigkeit von 30 oder 40
Millionen Dollar, und dabei geht es
um unseren Hinterhof Nicaragua. Die
Sowjets verursachen weiterhin Unruhe
in der Region, und das gefällt mir
nicht.
Frage:
Wissen Sie etwas über ein
Abkommen zwischen den Supermächten,
wonach die Sowjets dem Abzug ihrer
Truppen vorbehaltlich der Entscheidung der Reagan-Administration, den
Contras keine Hilfe mehr zu gewähren,
aus Afghanistan zustimmen?
Antwort:
es nicht.

Ein

solches

Abkommen

gibt

Frage:
Ich möchte das Thema Naher
Osten anschneiden.
Einer der Bestandteile des Friedensplans im Nahen
Osten ist eine internationale Friedenskonferenz, an der die Sowjetunion
teilnehmen wird. Damit wird ihr diplomatisches Mitspracherecht zum Nahen Osten eingeräumt.
Gleichzeitig
versuchten die Vereinigten Staaten im
Rahmen der Iran-Contra Affäre - wenn
auch in guter Absicht - Kommunika-

tionskanäle mit demlran zu erschliessen, um den Sowjets den Zugriff auf
den Iran zu versperren. Darüber hinaus haben wir im Persischen Golf 11
umgeflaggte
kuwaitische Tanker, um
der sowjetichen Präsenz im Persischen
Golf
entgegenzutreten.
zum
einen
drängen wir die Sowjets durch eine
Seitentür aus dem Nahen Osten heraus,
und zum anderen öffnen wir ihnen Tür
und Tor, indem wir ihnen einen Platz
bei der internationalen Friedenskonferenz im Nahen Osten einräumen. Wie
ist das zu erklären?
Antwort:
Ich glaube nicht, daß ihre Frage auf das eingeht, was wir
hier unter internationaler Konferenz
verstehen.
Wir sprechen nicht von
einer internationalen Konferenz, die
den Sowjets Tür und Tor öffnet. Bei
der Konferenz werden keine Entscheidungen getroffen. Die Konferenz wird
weder Probleme lösen noch Empfehlungen aussprechen.
Sie zielt vielmehr
darauf ab, einen internationalen Rahmen zu schaffen, der sich aus den
fünf
ordentlichen
Mitgliedern
des
Sicherheitsrats zusammensetzt - einen
internationalen Rahmen, in dem Jordanien und Israel verhandeln können.
Wir würden es vorziehen, wenn Jordanien und Israel auf direkten Wege
verhandeln könnten.
Jordanien sagt
dazu, "Entschuldigung, aber wir haben
zuviele Probleme hier".
Inoffiziell
vertreten sie wahrscheinlich die Auffassung, "Sehen Sie doch, wieviele
Menschen ermordet werden. Wir brauchen
internationale
Deckung".
Wir
antworten darauf, "Wenn Sie Deckung
brauchen, haben wir dagegen nichts
einzuwenden, aber sie bietet keinen
Ersatz für direkte Verhandlungen".
Frage:
Vielen
Dank.
Lassen
Sie
mich zu meinem Ausgangspunkt zurückkommen. Mein Argument ist, daß diese
Administration Gorbatschow voll und
ganz für sich eingenommen hat, und es
ist eine Übereinkunft erzielt worden,
derzufolge unseren strategischen und
nationalen Interessen am besten durch
Gorbatschow gedient ist, und aus diesem Grunde wollen wir ihm helfen. Um
nochmals seine Präsenz bei der inter-

- 5 -

�nationale Friedenskonferenz des Nahen
Ostens anzusprechen: wie Sie es auch
immer
erklären wollen, Gorbatschow
wird damit geholfen, weil er es in
der Sowjetunion als Erfolg verbuchen
kann.
In Armenien gibt es Unruhen.
1987 haben Radio Free Europe und Radio Liberty Ort, Zeit und Datum der
Demonstrationen gegen die Sowjetunion
in Armenien, Lettland, Litauen und
Estland ausgestrahlt. In diesem Jahr
sind alle Übertragungen eingestellt.
Bei SDI haben Sie einige Schritte zurück gemacht.
Bei ABM verfolgt man
einen weniger harten Kurs, und es
werden Kompromisse eingegangen. Ihre
Tagesordnung für diesen Gipfel umfaßt
vergleichsweise wenige Punkte.
Und
es wird vielfach die Ansicht vertreten, diese Administration wolle sicherstellen, daß es mit Gorbatschow
nicht so geht wie mit Chruschtschow.
Können Sie darauf näher eingehen?
Frage:
Leider vermengen Sie hier
Wahrheiten mit Halbwahrheiten.
Bei
ABM gibt es keine Kompromisse, die
unseren Interesse zuwiderlaufen. Wir
opfern unser SDI-Programm nicht, ich
möchte das an dieser Stelle eindeutig
klarstellen.
Es ist nicht korrekt,
wenn hier alles in einen Topf geworfen wird. Gorbatschow ist eine Realität, er ist der Generalsekretär.
Wir sind nicht daran interessiert, in
Diskussionen
darüber verwickelt zu
werden, ob er der Beste ist oder ob
der Nächste besser sein wird.
Das
geht uns nichts an, und es steht
nicht in unserer Macht, das zu ändern.

* * * * *
- 6

�AMERIKA DIENST
'VON

Wirtschaft

*

30. März 1988

13

REAGAN STELLT VETO GEGEN PROTEKTIONISTISCHES HANDELSGESETZ IN AUSSICHT
- Rede vor Metallarbeitern in Richmond -

RICHMOND - (AD) - Präsident Reagan hat erneut sein Veto gegen ein Handelsgesetz für den Fall angedroht, daß es "obligatorische Vergeltungsmaßnahmen
oder automatische Schutzregelungen" enthält, die seiner Meinung nach gegen das
Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT) verstoßen und "den Präsidenten
zwingen könnten, Handelskriege vom Zaun zu brechen".
In einer Rede vor Beschäftigten der Reynolds Metals Company in Richmond
erklärte Reagan am 28. März ferner, er würde es vorziehen, zusammen mit den
Mitgliedern des Kongresses an der Erstellung eines "akzeptablen" Gesetzes arbeiten, "das unser gegenwärtiges Gesetz wirklich verbessert".
Die Ausführungen des Präsidenten haben folgenden Wortlaut:

Die Vereinigten Staaten befinden
sich nun im 64. Monat stetigen wirtschaftlichen
Aufschwungs.
Es ist
dies die längste Aufschwungphase in
der Geschichte unserer Nation, die
den bisherigen Rekord bereits jetzt
um sechs Monate schlägt und unvermindert anhält: Das Bruttosozialprodukt
ist im gegenwärtigen Quartal um fast
5 Prozent und im gesamten Jahr 1987
um gesunde 4 Prozent gewachsen. Ein
solches
Wachstum
im fünften
Jahr
eines Aufschwungs ist wahrscheinlich
ebenfalls rekordverdächtig.

ser
daß
eine
sagt
sen

Ich denke jedoch, daß keiner die64 Monate verstrichen ist, ohne
irgendein Experte oder Politiker
drohende Katastrophe vorhergehätte. Manchmal würden wir dieVoraussagen zufolge Glück haben

United States Information Service
Embassy of the United States of America

und mit einer Rezession davonkommen.
Anderen
zufolge
bekämen
wir eine
Große Depression.
Es
tut
mir
leid,
aber
mir
scheint, daß diese Leute den Bezug
zur Realität verloren haben: Während
der Großen Depression wurde die Vorhersage, daß "der Wohlstand kurz bevorsteht", zur Zielscheibe der Kritik. Das Gegenteil trifft heute zu.
Wir haben während des längsten und
kräftigsten Aufschwungs in der Geschichte vernommen, daß "das Unglück
kurz bevorsteht".
Nichts ist für unsere Administration vordringlicher als der Schutz
der wirtschaftlichen Sicherheit der
Vereinigten Staaten.
Seit fast acht
Jahren setzen wir uns für politische

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�Schritte ein, die diese Sicherheit
verbessern.
ich werde jederzeit unser Programm niedriger Steuern, freien und fairen Handels, verringerter
Staatsausgaben
und der Reduzierung
von Bundesvorschriften den Rufen unserer Gegner nach mehr Protektionismus, höheren Steuern und umfangreicher
staatlicher
Ausgabenprogramme
entgegenstellen.
Ich vermute, daß
Sie über diese beiden Ansätze in den
kommenden Monaten noch mehr hören
werden.
Tatsächlich muß man unseren Kritikern ein Verdienst anrechnen. Sie
arbeiten an dem vielleicht größten
Trugbild der Geschichte.
Das Trugbild entwickelt sich weiter, obwohl
es auf Gegenbeweise trifft - aber die
Legendenerzähler
geben
nicht
auf.
Die drei großen Trugbilder heutzutage
sind
die
Deindustrialisierung
der
Vereinigten Staaten, der Abstieg der
Mittelstandes und der Verlust amerikanischer Arbeitsplätze.
Realität hingegen ist die Schaffung von über 15 1/2 Millionen neuen
Arbeitsplätzen seit Beginn der wirtschaftlichen
Gesundung,
und
diese
neuen Arbeitsplätze sind - in Umkehrung des Trends der späten siebziger
Jahre - besser und höher bezahlt.
Realität ist, daß nach Jahren hoher
Inflation, in denen die Amerikaner
ihre Kaufkraft bis zur Unkenntlichkeit schwinden sahen, das Realeinkommen des Durchschnittsamerikaners seit
fünf Jahren beständig gestiegen ist.
Realität ist, daß die Exporte von
Fertigungsgütern steigen, die Produktivität in der verarbeitenden Industrie ihren höchsten Stand erreicht
hat und rapide zunimmt.
Seit 1980
ist die Produktivität im amerikanischen
Fertigungssektor
dreimal
so
stark gestiegen wie in den vergangenen sieben Jahren.
Ein bundesdeutscher Fachmann aus der verarbeitenden
Industrie hat es prägnant formuliert:
"Die Vereinigten Staaten sind das beste Land der Welt im Hinblick auf ihre Fertigungskosten."
Und der Wirtschaftswissenschaftler Warren Brooks

erklärte im Rahmen seiner Prognosen,
daß wir eine Verlagerung zu einer exportorientierten
Wirtsrhaft
erleben
werden, 1988 "könnte mit einem Knall
enden".
Man sollte annehmen, dies gebe in
Washington Anlaß zum Jubeln.
Nicht
bei unserer
Kritikern.
Sie sagen
seit fünf Jahren die Katastrophe in
der Wirtschaft vorher. Sie haben gewartet. Sie haben Geduld walten lassen. Jetzt haben sie die Gelegenheit
ergriffen - und dem Kongreß ein Handelsgesetz vorgelegt, das die Produktivität erstickt, die amerikanische
Wettbewerbsfähigkeit zerstört und all
ihre Visionen vom Jüngsten Tag Wirklichkeit werden läßt. Mit dem offensichtlichen Versuch, die 'europäische
Krankneit' zu importieren, haben sie
Bestimmungen europäischen Stils verfaßt, mit dem Amerikas erstes nationales Gesetz zur Einschränkung des
Rechts
eines
Unternehmens
auf
Schließung seiner Einrichtungen und
Verlegung seines Betriebs geschaffen
würde.
Ein
weiteres
Beispiel
liefert
Honda, das gerade seine ersten Fahrzeuge von Amerika nach Japan exportiert hat.
Mit Hilfe ausländischer
Investitionen sind in Amerika neue
Arbeitsplätze geschaffen worden, und
es kann mehr exportiert werden. Damit ist ebenfalls ein Beitrag zu der
von mir bereits angesprochenen höheren Produktivität der amerikanischen
verarbeitenden
Industrie
geleistet
worden. Was wird also im Kongreß als
Zusatz zum Handelsgesetz vorgeschlagen?
Eine neue Offenlegungspflicht,
die ausländische Investitionen dämpfen und davon abhalten würde, in dieses Land zu fließen.
Aber die vielleicht größte Gefahr
besteht
in obligatorischen Vergeltungsmaßnahmen
oder
automatischen
Schutzregelungen, die von mir oder
von zukünftigen Präsidenten Maßnahmen
erfordern, die eine direkte Verletzung des GATT darstellen und dem nationalen Interesse ernsthaft zuwiderlaufen würden. Wenn diese in Kraft

�treten, könnte damit das internationale Handelssystem geschwächt und der
Präsident
gezwungen
werden,
einen
Handelskrieg vom Zaun zu brechen. Es
ist auf jeden Fall ein schlechter
Vorschlag,
aber
er
ist
besonders
schlecht angesichts der Tatsache, daß
amerikanische Exporte steigen und die
verarbeitende
Industrie
exportiert
wie nie zuvor, und aus diesem Grudne
auch gegen Vergeltungsmaßnahmen extrem verwundbar ist.
Es wird zuviel darüber geredet,
wie Amerika wettbewerbsfähiger werden
könnte, aber dieselben Leute unterstützen
Bestimmungen
im Handelsgesetz, die die Wettbewerbsfähigsten in
unserem Team auf die Strafbank setzen
würden. Es wird darüber geredet, wie
Arbeitsplätze erhalten werden können
und gleichzeitig werden Bestimmungen
unterstützt,
mit
denen
potentiell
Tausende, wenn nicht Millionen amerikanischer Arbeitsplätze zerstört werden.
Sie haben wahrscheinlich gelesen,
daß
das
Handelsgesetz
gute
Fortschritte macht - daß viele protektionistische Bestimmungen über Bord
geworfen wurden. Und das entspricht
in mancher
Hinsicht der Wahrheit.
Aber es gibt noch viel zu tun, bis
diese Gesetze für die amerikanische
Wirtschaft mehr Gutes als Schlechtes
bedeuten.
Ich werde dagegen gegebenenfalls
mein Veto einlegen. Nur die Ausmerzung sämtlicher störender Bestimmungen wird ein Gesetz hervorbringen,
das ich unterzeichnen kann. Ich werde nicht zulassen, daß die wachstumsorientierte amerikanische Wirtschaft
zerstört wird.
Aber ich erarbeite
lieber
mit Kongreßabgeordneten
ein
nicht nur 'akzeptables' Gesetz, sondern ein Gesetz, mit dem unser gegenwärtiges Gesetz eindeutig verbessert
wird.
Es gibt so viele positive Dinge,
die wir erreichen können. Eine neue
Verhandlungsvollmacht, mit der wir
auch in Zukunft Vereinbarungen wie

das
Freihandelsabkommen
mit
Kanada
schaffen können, isr wichtia.
wir
haben
ein neues Weiterbildungsprogramm für Arbeitnehmer empfohlen, die
mit der steigenden Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft ersetzt wurden.
Und es sind viele bestehende
amerikanische Gesetze reformiert worden, wie etwa diejenigen zum Schutz
von Patenten und Copyrights, die Rationalisierung von Exportkontrollbestimmungen, mit denen unsere Exportfähigkeit gefördert werden kann.
Mit der weiteren Arbeit des Kongresses an diesem Gesetz möchte ich
bemerken, daß am Super Tuesday diejenigen eines Besseren belehrt wurden,
deren Prognosen zufolge der Protektionismus im Süden Zuspruch erfahren
würje.
Ich habe oft über Senator Reed
Smoot und den Abgeordneten Willis
Hawley gesprochen, deren gleichnamiges
Gesetz
zum
Zusammenbruch
des
Welthandelssystems und zur Großen Depression
in
Amerika
geführt
hat.
Beide waren der Ansicht, etwas Demagogie im Handel sei gute Politik.
Damit
gelangten
sie
in
di&gt;? Geschichtsbücher.
Aber man führt sich
zu wenig vor Augen, daß beide zwei
Jahre später
ihrer A'mter enthoben
wurden, als die Wähler Zeit hatten,
die Auswirkungen ihres Gesetzes wahrzunehmen.
Protektionismus
ist
nicht
nur
gleichzusetzen mit schlechter Wirtschaft, sondern auch mit schlechter
Politik.
Das amerikanische Volk hat
beschlossen, eine Große
Depression
ist genug und wird den Handelsdemagogen keine zweite Chance geben.
Die Geschichte weist in die entgegengesetzte Richtung - mehr Handel,
nicht weniger; wachsende Zusammenarbeit, nicht Isolationismus und Vergeltung; ein expandierendes weltweites Netz an Investition, Produktion
und Kommunikation, nicht merkantilistische Volkswirtschaften, die hinter
Zollschranken verkümmern. Aus diesem
Grund haben wir auf eine neue GATT-

- 3 -

�Runde gedrängt, die nun in die Wege
geleitet wurde, um das ehrgeizigste
multinationale Programm in der Geschichte des Handels zu erörtern.
Und wie bereits erwähnt, ist dies
auch der Grund, warum wir ein historisches
Handelsabkommen
mit Kanada
geschlossen haben, das Arbeitsplätze,
Wachstum und größere Chancen auf beiden Seiten der Grenze schafft.
Der Umgestaltungsprozeß bei Reynolds Aluminium ist Teil eines umfassenden Prozesses. Die Weltwirtschaft
befindet sich inmitten eines tiefgreifenden Wandels.
Er wurde als
"Informationszeitalter",
"ComputerZeitalter" und "technologische Revolution"
bezeichnet.
Amerika
kann
diese Herausforderung entweder annehmen - wie Sie hier bei Reynolds es
getan haben - oder wir können uns aus
dem
Wettbewerb
herauskatapultieren
und folglich den Anschluß an die sich
uns bietenden neuen Chancen verpassen.
Abschließend möchte ich ein Beispiel anführen, das diesen tiefgreifenden
Wandel
verdeutlicht.
Die
Triebkraft der technologischen Revolution ist die fast täglich zu beobachtende Revolution in der Halbleitertechnik.
Um das Ausmaß des Wandels zu verdeutlichen, den unsere Generation durchlaufen hat, stellt ein
Wissenschaftler
folgenden
Vergleich
an:
"Wenn die Auto.nobilindustrie so
schnelle
und
weitreichende
Fortschritte gemacht hätte wie die Halbleitertechnik in den vergangenen 20
Jahren, würde ein Rolls Royce heute
weniger als drei Dollar kosten, 1
Million Kilometer pro Liter fahren,
genügend
Pferdestärken
haben,
um
einen Ozeandampfer anzutreiben, und
sechs Rolls Royce würden auf einen
Stecknadelkopf passen."
Dies ist mehr als nur eine Explosion der Produktivität.
Die im mysteriösen Bereich der Quantenphysik
eingesetzten Computer von heute signalisieren
einen
Quantensprung
in
eine neue Weltwirtschaft.

Reynolds hat diesen Quantensprung
für sich und die amerikanische Wettbewerbsfähigkeit
arbeiten
lassen.
Amerika ist noch immer führend bei
Innovationen
und
Unternehmergeist,
und wenn wir konkurrenzfähig sein
wollen - woran ich keine Zweifel habe
- werden wir diejenigen sein, die den
Weg in das neue Jahrhundert und die
neue Weltwirtschaft weisen werden.

* * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Entschlossenheit der Contras schuf Friedensvereinbarung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Außenminister George Shultz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;START-Abkommen beim Gipfel in Moskau noch immer möglich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fernsehinterview mit Botschafter Max Kampelman&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan stellt Veto gegen protektionistisches Handelsgesetz in Aussicht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede bei der Reynolds Metals Company &lt;br /&gt;in Richmond&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

6. April 1988

14

INHALT

HINTERGRUNDMATERIAL

Shultz' Friedensplan für den Nahen Osten kommt zum richtigen Zeitpunkt
- Von US-Senator John H. Chafee -

Verfügungen der Vorlage zum Handelsgesetz
- Bericht der Konferenz von Repräsentantenhaus und Senat -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

NASA ändert Startplane für Raumtransporter
- Forschungs-Plattform muß vorzeitig geborgen werden

INMARSAT-Funk auch für den Flugverkehr

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
r

Hintergrundmaterial

%w^

6. April 19i

14

SHÜLTZ' FRIEDENSPLAN Ft)R DEN NAHEN OSTEN
KOMMT ZUM RICHTIGEN ZEITPUNKT
- Von US-Senator John H. Chafee -

Der nachfolgende Artikel wurde am 29. März 1988 im Christian Science Monitor veröffentlicht.

Trotz des Widerstandes von Premierminister Jitzhak Shamir gegen den
von Außenminister Shultz vorgelegten
Friedensplan wird Shultz noch in dieser Woche zu einer weiteren diplomatischen Rundreise durch die Region
aufbrechen und um Unterstützung für
seinen Plan werben.
Seit der ersten Vorlage des Plans
von George Shultz werden die Stimmen
der
Pessimisten
zunehmend
lauter.
Vor der letzten Reise des Außenministers in die Region warnte Henry
Kissinger vor den zahlreichen Fußangeln, die der neue Friedensprozeß
birgt.
"Die vereinigten Staaten dürfen
sich keiner Täuschung hingeben", erklärte er und fügte hinzu, "das idyl-

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lische
Bild
einer
internationalen
Konferenz im Vorfeld einer durch Geben und Nehmen in bilateralen Verhandlungen
zustandegekommenen
Übereinkunft ist eine Fata Morgana. Ein
Patt wird unweigerlich das Ergebnis
direkter Gespräche sein ... "
In Wahrheit ist jedoch kein Zeitpunkt je für die Erlangung des Friedens im Nahen Osten geeignet. Nachdem ich vor kurzem die Region besucht
und mit zahlreichen der politisch
Verantwortlichen gesprochen habe, mit
denen Außenminister Shultz zusammengekommen ist, kann ich mehrere Gründe
dafür aufzählen, warum die Neinsager
widerlegt werden könnten.
Mit dem
Entschluß zu dieser Mission hat sich
Shultz zweifelsohne
eine gewaltige
Aufgabe vorgenommen, aber eine Viel-

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Telex: 8-85432

�zahl von Faktoren lassen diesen Zeitpunkt der Friedensmission vielversprechend erscheinen.
Zunächst muß den tiefgreifenden
Auswirkungen des iranisch-irakischen
Krieges auf die Politik
im Nahen
Osten Rechnung getragen werden. Sie
sind das vordringlichste Anliegen der
arabischen Entscheidungsträger in der
Region.
Sie machen sich ernsthafte
Sorgen über eine Ausbreitung des Konfliktes in die übrige Golfregion und
fühlen sich durch religiösen Extremismus und den Drang nach Hegemonie
des
Khomeini-Regimes bedroht.
Sie
sind bereit, alles in ihrer Macht
Stehende zu tun, um gegen die durch
diesen
Krieg
enstandene
Bedrohung
vorzugehen. Indikator für dieses Anliegen war die im letzten Jahr getroffene Entscheidung, Ägypten trotz
seiner separaten Friedensvereinbarung
mit Israel wieder in die arabischen
Reihen aufzunehmen.
Um ihr Augenmerk uneingeschränkt
auf den iranisch-irakischen Konflik
richten zu können, sind die politischen
Entscheidungsträger
in der
Region besonders an einer wirksamen,
ständigen, auf dem Verhandlungswege
erzielten Lösung für die besetzten
Gebiete interessiert und hören sich
daher die von Shultz unterbreiteten
Vorschläge genau an.
Zweitens ist durch die dreimonatigen Demonstrationen in den besetzten Gebieten die gesamte Aufmerksamkeit der Israelis auf die demographische Zeitbombe gelenkt worden, mit
der sich ihr Land konfrontiert sieht.
Die jugendlichen, steinewerfenden Palästinenser sind die Vorhut einer Bevölkerungsexplosion, als deren Folge
die Juden zu Beginn des nächsten
Jahrhunderts
im
Gazastreifen,
der
Westbank und in Israel selbst nur
noch eine Minderheit sein werden.
Wenn diese militärische Besetzung ohne politische Lösung andauert, könnten aus den jugendlichen Rebellen
verbitterte Erwachsene mit tödlicheren Waffen als steinen werden.

Dies ist der Zeitpunkt, um den
jungen Palästinensern
zu beweisen,
daß Diplomatie und Verhandlungen eine
Lösung hervorbringen können, zu der
Gewalt und Terrorismus nie geführt
haben.
Die Bevölkerung in den besetzten Gebieten wird nicht nur zahlreicher, sondern auch aufgebrachter
werden - es sei denn, alle betroffenen Parteien nutzen die Gunst dieser
Stunde, worauf Shultz drängt. Unter
denjenigen, die sich die Gunst der
Stunde zunutze machen, müssen natürlich Palästinenser sein, die - so
hofft man - ihren höchst schlechberatenen Boykott der Shultz-Initiative
aufgeben werden.
Drittens ist Israel jetzt in der
Lage, von der amerikanischen Führungsrolle zu profitieren.
Die gespaltene Koalitionsregierung ist das
Spiegelbild einer zutiefst geteilten
Nation. Ungefähr die Hälfte der Bevölkerung weigert sich, infolge der
Verhandlungen
auch nur einen Teil
"Groß-Israels"
aufzugeben,
während
die andere Hälfte eine Art "Land-fürFrieden-Vereinbarung"
befürwortet.
Der durch eine dritte, um Israels
Wohlergehen besorgte Partei vorgelegte Friedensplan von Shultz bietet den
Vertretern beider Seiten die Möglichkeit, sich dank eines Vorschlags in
einer Koalition zu vereinigen, der
den Weg aus der Patt-Situation aufzeigt.
Und schließlich sind viele der
heute politisch Verantwortlichen in
den arabischen Ländern der amerikanischen Einflußnahme gegenüber aufgeschlossen.
Das sind diejenigen, mit
denen wir zusammenarbeiten können.
Präsident Hosni Mubarak zum Beispiel zeigt Begeisterung für das Engagament des amerikanischen Außenministers.
König Hussein - der den
Ideen von Außenminister Shultz bestenfalls halbherzig gegenübersteht hat sich um die Friedensverhandlungen
verdient gemacht und Bereitschaft zur
Übernahme von Risiken für die Sache
des Friedens gezeigt. Angesichts der
Gewalttätigkeit im politischen Umfeld

- 2 -

�des Nahen Ostens kann man nicht davon
ausgehen, daß wir immer so entgegenkommende Partner unter den Arabern
haben werden.
Shultz gebührt Ehre und Ermutigung für seine Bemühungen.
Kann es
je einen geeigneteren Zeitpunkt zur
Erlangung des Friedens geben?

* * * * *

- 3 -

�AMERIKA DIENST
'VON

Hintergrundmaterial

*

6. April 1999

14
VERFÜGUNGEN DER VORLAGE ZUM HANDELSGESETZ
Bericht der Konferenz von Repräsentantenhaus und Senat

WASHINGTON - (AD) - Fast 200 Mitglieder des amerikanischen Kongresses haben in intensiver Arbeit die 1 000 Seiten umfassende Vorlage zum Handelsgesetz
zusammengestellt, die Repräsentantenhaus und Senat im vergangenen Jahr verabschiedet haben.
Bis zum 31. März 1989 waren fast alle Meinungsverschiedenheiten zwischen
den 17 Arbeitsgruppen der Konferenz beigelegt und die Berichte erstellt. Nach
Beendigung der Osterpause am 10. April wird der vollständige Gesetzentwurf dem
Kongreß zur Abstimmung vorgelegt.
Vorbehaltlich der sicherlich noch vorzunehmenden
nachfolgend die wesentlichen Verfügungen des Gesetzes.

Verhandlungsvollmacht
- Der Präsident ist zu Verhandlungen über bilaterale und multilaterale
Handelsabkommen
befugt,
insbesondere zur derzeit in Genf
stattfindenden Uruguay-Runde.
- Der Präsident ist befugt, ohne
Konsultation des Kongresses Zölle
um bis zu 50 Prozent zu senken.
Repräsentantenhaus und Senat haben weiterhin das Recht, nicht
die
Zölle betreffende
Abkommen
"auf schnellem Wege" zu entscheiden, das heißt, innerhalb von 60
Tagen nach Vorlage und ohne Zusatzartikel .
Wenn der Präsident im Verlauf der
Uruguay-Runde den Kongreß nicht in

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Änderungen

bringen wir

angemessener Weise zur Handelspolitik
konsultiert, kann der Kongreß auf eine Verfügung zurükgreifen, die die
von beiden Kammern durch Abstimmung
"auf schnellem Wege" getroffene Entscheidung aufhebt.
- Die Vereinigten
Staaten werden
sich zum 1. Januar 1989, also ein
Jahr nach den anderen führenden
Handelsnationen
der
Welt, der
weltweiten Reform der Zollklassifizierungen - dem harmonisierten
System - anschließen.
- Mit der Gesetzesvorlage wird der
Präsident angewiesen, der Sowjetunion und anderen Staatshandelsländern den Zugang zum Allgemeinen
Zoll- und
Handelsabkommen
(GATT) zu verwehren, es sei denn,

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�diese verfolgen eine marktorientierte Politik oder der Kongreß
erteilt seine ausdrückliche Genehmigung.

Unfaire Handelspraktiken
(Abschnitt 301)
- "Vorbehaltlich
anderslautender
Anweisung des Präsidenten" geht
das Recht der Entscheidung über
Sanktionen gegen unfaire Handelspraktiken
eines anderen Landes
vom Präsidenten auf den amerikanischen
Handelsbeauftragten
(USTR) über.
- Der Handelsbeauftragte ist ausschließlich in "ungerechtfertigten" Fällen
(wenn ein anderes
Land ein Abkommen bricht) befugt,
Sanktionen zu verhängen, es sei
denn, die wirtschaftlichen Kosten
würden deren Nutzen überschreiten
oder die nationale Sicherheit wäre gefährdet.
In weniger schwerwiegenden, "unvernünftigen" und "diskriminierenden"
Fällen sind Sanktionen nicht obligator Lach.
- Gemäß den Verfügungen des "Super
30.1", der mit geringfügigen Änderungen aus der Senatsvorlage hervorging, ist es Aufgabe des Handelsbeauftragten, die Länder zu
benennen, die ständig auf unfaire
Handelspraktiken
zurückgreifen.
Der Handelsbeauftragte muß versuchen, solche Praktiken zu unterbinden,
deren
vollständiger
Abbau
amerikanischen
Produkten
beste Exportchancen gewähren würde.
Sollten die Verhandlungen
scheitern, obliegt es dem Handelsbeauftragten, Fälle gemäß Abschnitt 301 zu benennen, die obligatorische Sanktionen zur Folge
haben könnten.
Mit Annahme des "Super 301" verwarfen
die Konferenzteilnehmer
den
vom Repräsentantenhaus verabschiedeten Gephardt-Zusatzartikel, der auf

die Länder mit "übermäßigen und ungerechtfertigten"
Überschüssen
beim
Handel mit den vereinigen Staaten abzielt.
Im Rahmen des Gephardt-Zusatzartikels müßten alle Uberschußländer ihre unfairen Handelspraktiken
aufgeben, andernfalls droht ihnen automatisch die Sanktion, ihre im bilateralen Handel erzielten Überschüsse
um 10 Prozent pro Jahr zu reduzieren.
Obwohl auch mit "Super 301" nicht
voll und ganz einverstanden, nahm das
Weiße Haus gegenüber dem Gephardt-Zusatzartikel
eine noch
ablehnendere
Haltung ein und war entschlossen, das
Handelsgesetz insgesamt mit einem Veto zu belegen.
- Die von den Vereinigten Staaten
erstellte Liste unfairer Handelspraktiken umfaßt zusätzlich die
Verweigerung von Rechten für Arbeitnehmer,
gezielte
Exporte
(Fälle, in denen eine Regierung
Maßnahmen
zu
Exportankurbelung
mit Importhemmnissen in einem bestimmten
Industriezweig
kombiniert) sowie Marktzugang
(wem
eine Regierung mit einem Karte]1
zusammenarbeitet, um Importe abzublocken) .
- Die Konferenz lehnte eine Verfügung ab, derzufolge der Finanzausschuß
des
Senats
oder
der
Haushaltsausschuß
des
Repräsentantenhauses
befugt
wären,
Verfahren
gemäß
Abschnitt
301
einzuleiten.
- Die Internationale Handelskommission
der
Vereinigten
Staaten
(ITC) muß Länder benennen, die
amerikanischen
Auslandsinvestitionen
in staatlich
subventionierte heimische Industrien Beschränkungen
auferlegen.
"Auf
der Grundlage des ITC-Berichtes
ist es Aufgabe des Handelsbeauftragten, Überprüfungen im Rahmen
von Abschnitt 301 eigenständig in
die Wege zu leiten, die sich mit
den seines Erachtens nach ungeheuerlichsten
Praktiken
befassen... " stellt der Konferenzbc-

�Dumping

rieht fest.

- Mit einer weiteren Verfügung wird
verhindert, daß von den Vereinigten Staaten verhängte Dumpingzölle umgangen werden, indem an einem Produkt in den Vereinigten
Staaten oder einem Drittland geringfügige Änderungen vorgenommen
werden oder indem ein zu DumpingPreisen
angebotenes Element in
einem in den Vereinigten Staaten
montierten Produkt verwendet wird.

Der
Handelsbeauftragte muß die
Entscheidung zu einer Überprüfung
im Rahmen von Abschnitt 301 innerhalb von 12 Monaten treffen.

Importentlastung (Abschnitt 201)
- Die
endgültige
Entscheidungsbefugnis, ob für einen Industriezweig
angesichts einer
Importschwemme
vorübergehend
Zölle,
Quoten oder sonstige Entlastungsmaßnahmen
eingeführt
werden,
liegt beim Präsidenten.
Die Gesetzesvorlage des Repräsentantenhauses sieht die Übergabe der
Entscheidungsbefugnis an den Handelsbeauftragten vor.

Unter Dumping versteht man den
Verkauf von Produkten auf einem ausländischen Markt unter dem angemessenen Preis, entweder unterhalb der
Produktionskosten oder unter dem im
Export- oder einem Drittland geforderten Preis.

- Selbst wenn der Handelsbeauftragte Entlastungsmaßnahmen für die
Industrie empfiehlt, liegt es im
Ermessen des Präsidenten, diese
zu verweigern, wenn "zum Beispiel
eine bestimmte Maßnahme größere
wirtschaftliche und soziale Kosten als Nutzen zur Folge haben
würde".

- Die Gesetzesvorlage sieht den Abbau von "zweckentfremdetem Dumping" vor, also der Praxis des
Imports von Waren mit Einzelkomponenten, die auf einem dritten
Markt zu Dumping-Preisen gehandelt werden.
Dies ist ein Verhandlungsziel
der
Vereinigten
Staaten bei der Uruguay-Runde.

Die
nationale
Sicherheit
wurde
der Liste von Fakten hinzugefügt,
die der Präsident bei der Entscheidung für oder gegen Importentlastung für einen Industriezweig erwägen muß.

Das Handelsministerium muß Firmen
überwachen, die mehrfach des Dumping beschuldigt worden sind und
die Überprüfung dieser Fälle unverzüglich in die Wege leiten.

Die Entlastungsmaßnahmen sind auf
acht Jahre beschränkt und können
nach einer Zwei Jahresfrist ablaufen, wenn
die Industrie keine
Schritte zur Anpassung an die
ausländische
Konkurrenz
unternimmt.
Neben Zöllen und Quoten kann der
Präsident staatliche Ausbildungszuschüsse
für Arbeitnehmer
und
durch Auktion erzielte Quoten als
eine Form der Entlastung verfügen.

- 3 -

in
nicht
marktwirtschaftlich
orientierten
Ländern
war
die
Preiskalkulation in Dumpingfallen
stets ein Problem. Anstatt jetzt
einen Preis von einem Ersat^land
anzunehmen, muß das Handelsministerium
den
Preis
anhand
der
Weltmarktpreise für die einzelnen
Komponenten kalkulieren.
Die Konferenzteilnehmer haben eine Verfügung verworfen, anhand
derer
amerikanische
Firmen das
Handelsministerium umgehen könnten, indem sie die Fälle von
fortgesetztem
Dumping
bei
den
amerikanischen
Bundesgerichten
vorbringen.

�- Die Vereinigten
Staaten dulden
jetzt ein geringfügiges Maß an
Dumping und erheben nur dann Zölle, wenn das Dumping eines bestimmten Produktes eine gewisse
Grenze
überschreitet.
Israel,
das als einziges Land ein Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten unterhält, ist von
diesen
Zöllen
befreit,
selbst
wenn das Dumping die "Höchstgrenze" überschreitet.

Exportkontrollen
- Die Vereinigten Staaten verbieten
für drei Jahre Importe der japanischen Toshiba Machine Corporation und der norwegischen Kongsberg Vaapenfabrik wegen des illegalen Verkaufs von Hochtechnologie verbieten, mit der die Sowjetunion das Aufspüren ihrer Unterseeboote erschwert.
Außerdem
wird der amerikanischen Regierung
für drei Jahre der Kauf von Produkten der Muttergesellschaft von
Toshiba untersagt.

Das Recht auf geistiges Eigentum
- Der
Handelsbeauftragte muß die
Länder benennen, die Patente, Urheberrecht, Handelsmarken und anderes
geistiges Eigentum
nicht
entsprechend
schützen.
Falls
Verhandlungen
zur
Unterbindung
dieser Praktiken scheitern, muß
der Handelsbeauftragte eine unverzügliche
Überprüfung
dieser
unfairen Handelspraktiken durchführen, die Sanktionen zur Folge
haben
könnten.
Der
Präsident
kann diese Sanktionen widerrufen,
wenn deren Verhängung den nationalen Wirtschaftsinteressen entgegenstehen.

Ausnahmen von diesen Sanktionen
können für die Aufrechterhaltung der
nationalen Sicherheit, die Heiligkeit
von Verträgen, für die Beschaffung
von Ersatzteilen und aus einigen anderen Gründen gewährt werden.
Für
ähnliche zukünftige Überschreitungen
werden zwei- bis fünfjährige Sanktionen verhängt.

- Der Patentschutz wird auf Herstellungsverfahren, wie etwa den
in der Biotechnik und im pharmazeutischen
Bereich
angewandten
Verfahren ausgeweitet.

COCOM, die Kommission
für den
Ost-West-Handel
- welche sich aus
Vertretern
Japans
und
sämtlicher
NATO-Länder
außer
Island
zusammensetzt - ist eine freiwillige Interessenvereinigung, die sich die Verhinderung einer Verbreitung von Hochtechnologie an nicht mit uns befreundete Länder zum ziel gemacht hat.

Telekommunikation
- Der
Handelsbeauftragte
muß die
Länder benennen, die den Import
von
Telekommunikationsprodukten
mit unfairen Handelsschranken belegen, und - wie im Falle der
Verfügung zum Schutz des geistigen Eigentums - gemäß Abschnitt
301 unverzüglich Maßnahmen gegen
die Länder in die Wege leiten,
die nicht von solchen Praktiken
Abstand nehmen.

- Mit dem Gesetz wird die Kontrolle
von Exporten an COCOM-Länder und
die sogenannten
5(k) Länder
Nicht-COCOM-Länder, die sich an
die COCOM-Regeln halten - gelokkert.

Eine Lizenz für den Export von
Gütern
unterhalb
eines
bestimmten
technologischen
Niveaus wird
nicht
erforderlich, was hauptsächlich auf
Exporte nach China zutrifft.
Jedes
Jahr muß der Handelsminister diesen
Ländern ihren lizenzfreien Status bestätigen, indem er nachweist, daß
diese über ein engmaschiges Exportkontrollsystem verfügen.

den
- 4 -

Zur Verdeutlichung der bestehenRechtslage kamen die Konferenz-

�gelassen, welches
an
ausländische
glieder ächtet.

teilnehmer überein, daß das Verteidigungsminister ium
Exportlizenzen
nur
im Hinblick auf Angelegenheiten der
nationalen
Sicherheit
überprüfen
soll, nicht der Außenpolitik.

Schmiergelder
Regierungsmit-

Landwirtschaft
- Alaska wird der Export von 50 000
Barrel
Rohöl
der
Sorte
North
Slope nach Kanada pro Tag erlaubt.
Der Export raffinierten
Öls von mehr als 70 000 Barrel
pro Tag wird zukünfigen Raffinerien in Alaska verboten.

- Wenn die Uruguay-Runde bis Fnde
September keine Reformen über den
weltweiten Handel mit Aqrarorodukten zustandebringt, wird das
amerikanische
Landwirtschaftsministerium ein Kreditprogramm zur
Vermarktung der heimischen Weizen-, Futtergetreide- und ölsaatenernte im Jahr 1990 durchführen.

Auslandsinvestitionen

Die Höchstgrenze für den im Ausfuhrsteigerungsprogramm bis lQ°n
zugrundegelegten wert der landwirtschaftlichen Erzeugnisse wird
von 1,5 Milliarden auf 2,5 Milliarden
Dollar
angehoben.
nas
Programm ist auf die europäische
Gemeinschaft gerichtet und wird
regierungseigene Mehrerträge als
Subvention
für
amerikanische
landwirtschaftliche
Ausfuhren
einsetzen, um Marktanteile zurückzuerobern und unfairen Wettbewerb
auf Drittmärkten
auszugleichen.

Der Präsident wird die Befugnis
haben, Aufkäufe, Fusionen oder
Übernahmen amerikanischer Firmen
durch
ausländische
Unternehmen
zum Schutz der nationalen Sicherheit zu unterbinden, nicht aber
zum Schutz des "notwendigen Handelsverkehrs", wie eine frühere
Sprachregelung vorsah.
Die Konferenzteilnehmer sind sich
über einen Zusatz uneinig, mit
dem dem Kongreß Zugang zu vertraulichen Informationen des Handelsministeriums
über
ausländische Investoren gewährt würde.
Eine noch viel strengere vom Repräsentatenhaus
verabschiedete
Bestimmung - das Bryant Amendment
- haben sie schon verworfen, welches die Offenlegungspflicht für
ausländische Investoren mit erheblichen Beteiligungen an amerikanischen Geschäfts- oder Immobilienunternehmen vorsah.

Das Finanzierungsniveau für zielgerichtete Ausfuhrbeihilfen, welches Subventionen für die Ausfuhr
von Nicht-Getreideerzeugnisse als
Ausgleich für unfairen Wettbewerb
zur Verfügung stellt, wird - vorbehaltlich der Bewilligunq - im
Jahr 1988 von 110 Millionen auf
215 Millionen Dollar angehoben.

Wegen des Bryant-Amendment drohte
die Regierung ein Veto gegen das Handelsgesetz
an.
Diesen
Streitpunkt
müssen die Konferenzteilnehmer nach
ihrer Rückkehr aus den Ferien noch
beilegen.
- Trotz
der
Unterstützung
des
Weißen Hauses für eine solche Änderung haben die Konferenzteilnehmer eine Bestimmung zur Lockerung des Gesetzes zur Verhinderung korrupter Praktiken fallen

Vergeltungsmaßnahmen
gegen
Länder, die Fleischimporte aufgrund
von Uberprüfungsnormen verbieten,
die nicht allein dem Schutz der
öffentlichen
Gesundheit
dienen,
wird das Gesetz zulassen, aber
nicht vorschreiben.

internationale Verschuldung, Wechselkurse und Finanzen

- 5 -

- Das Gesetz wird zwei Untersuchun-

�gen über die Möglichkeiten zur
Schaffung einer neuen internationalen Behörde verlangen, welche
Schulden der Dritten Welt aufkauft und umschuldet oder umwandelt und die Ermäßigungen an die
Schuldnerländer
zurückfließen
läßt. Die erste Untersuchung wäre innerhalb von sechs Monaten
von der Reagan-Administration zu
erstellen, die zweite innerhalb
von einem Jahr von der kommenden
Regierung.
Wenn die Untersuchungen nicht zu
dem Schluß kommen, daß eine solche
Umschuldungseinrichtung
Zahlungsverzug, Unterbrechung von Schuldenrückzahlung oder die Verminderung des
Wertes ausstehender Schulden zur Folge hat, wird der Finanzminister Verhandlungen über die Schaffung einer
solchen Einrichtung mit anderen Industrieländern aufnehmen.
Finanzminister James Baker, der
seinen eigenen seit 1985 laufenden
Lösungsvorschlag zum Schuldenproblem
favorisiert, tritt der Idee einer
neuen
Umschuldungseinrichtung
energisch entgegen.
- Die
Konferenzteilnehmer
ließen
von
der
Regierung
abgelehnte
Sprachregelungen fallen, die von
den Vereinigten Staaten verlangt
hätten, einen "konkurrenzfähigen"
Wechselkurs für den Dollar festzusetzen und diesen Kurs durch
Marktinterventionen
seitens
der
Zentralbank zu stützen.
In
seiner
derzeitigen
Fassung
verlangt das Gesetz vom Finanzminister
lediglich Verhandlungen, um
die von anderen Ländern zur Schaffung
von Handelsüberschüssen durchgeführte
Manipulation von Wechselkursen zu beenden, eine Bestimmung, die insbesondere auf Südkorea und Taiwan gerichtet ist. Darüber hinaus muß er dem
Gesetz zufolge mit Regierungsvertretern anderer Industrieländer Gespräche führen, um eine bessere Koordinierung
der Wirtschaftspolitik
und
Stabilität der Wechselkurse zu er-

reichen, genau wie die vereinigten
Staaten dies in der Siebeneraruppe
(G-7) derzeit tun.
- Eine auf Japan abzielende Bestimmung wird die Vergabe von vorzugskonzessionen für den Handel
mit amerikanischen Bundesanleihen
an Firmen in solchen Ländern verbieten, die sich weigern, amerikanischen
Firmen
das
aleiche
Recht einzuräumen.
Die Bestimmung trifft drei japanische Firmen, die derzeit die Erlaubnis
haben, direkte Geschäfte mit der
Zentralbank zu tätigen (Nomura,
Nikko und Daiwa) und gibt Japan
vor ihrem Inkrafttreten ein Jahr
Zeit, seine Politik zu ändern.

Arbeit und Bildung
- Trotz der Androhung eines Vetos
vom Weißen
Haus billigten die
Konferenzteilnehmer eine Bestimmung, die von Arbeitgebern in Unternehmen mit über 100 Beschäftigten verlangen wird, eine Firmenschließung 60 Tage im voraus
anzukündigen.
Eine Vorankündigung muß auch bei der Kündigung
von mehr als einem Drittel - oder
über 500 - Mitarbeitern einer
Firma erfolgen.
- Mit Billigung der Regierung bewilligten die Konferenzteilnehmer
980 Millionen Dollar für ein Umschulungsprogramm zur Unterstützung
entlassener
Arbeitskräfte,
gleichgültig ob sie ihre Stelle
durch Importe oder aus anderen
Gründen verloren haben.
- Trotz der Ablehnung durch die Regierung haben die Konferenzteilnehmer außerdem Ausgleichszahlungen
für Arbeitnehmer
in Industriezweigen
ausgeweitet,
die
durch ausländischen Wettbewerb in
Mitleidenschaft
gezogen
wurden.
Das schon bestehende
Programm,
das derzeit 200 Millionen Dollar
pro Jahr kostet, würde um weitere
80 Millionen Dollar aufgestockt.

�Zunächst werden die Gelder aus
Steuereinnahmen
gespeist.
Später
hoffen
die Konferenzteilnehmer
jedoch, die Gelder durch eine allgemeine importgebühr von bis zu 0,15 Prozent zu erhalten.
Dies hinge davon
ab, ob es den vereinigten Staaten gelänge, das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (CATT) zur Genehmigung
einer solchen Gebühr bewegen zu können .

Verschiedenes

See- und Luftverkehr
- Die
Konferenzteilnehmer
kamen
überein, die .'schon heute weitreichende Handlungsfreiheit des Rundesseeamts
zur
Vergeltung
für
ausländische
"Frachtführer"
(Hochseeschiffe, die auf regulären Routen ihren normalen Dienst
verrichten) auszuweiten.
Wenn amerikanischen Linienschiffen im Ausland die gleiche Behandlung die solche Schiffe ihrerseits
in den Vereiniccen Staaten genießen,
verweigert wird, und wenn die Operationen amerikanischer Schiffe durch
unfaire
Handelsschranken
in diesen
Ländern beeinträchtigt werden, kann
die Kommission mit Sanktionen Vergeltung üben, einschließlich einer Gebühr von bis zu einer Million Dollar
auf ein ausländisches Linienschiff.
Die Kommission wird innerhalb von 120
Tagen Nachforschungen über vermutete
unfaire
Handelspraktiken
anstellen
müssen, doch der Präsident könnte gegen
Entscheidungen
der
Kommission
sein Veto einleaen.
Das Ministerium für Transport und
Verkehr wird die zulässige Zeitspanne zur Überprüfung von Behauptungen, wonach amerikanischen
Fluggesellschaften
der
gleiche
Zugang zu ausländischen Flughäfen
und den Luftverkehrsdiensten verweigert wird, von 180 Tagen auf
90 Tage verringern müssen.

- 7 -

- Die
Konferenzteilnehmer
entschlossen sich zur Aufhebuna der
Besteuerung von "unerwarteten Gewinnen" (windfall Drofits) durch
Ölgeschäfte. Die Steuer war zwar
zur Abzweigung von Gewinnen an
die Regierung gedacht, als die
staatliche Kontrolle der amerikanischen Ölpreise 1980 aufaehoben wurde, hat aber seit dem
Preisverfall der vergangenen zwei
Jahre keine Gelder eingebracht .
Das Gesetz wird zusätzliche Mittel in Höhe von 3,5 Millionen
Dollar an das Büro für internationalen Handel des Amts zur Förderung von mittelständigen Unternehmen und fünf Millionen Dollar
für weitere Zuschüsse zur Unterstützung
der
Exporttätir,kei t
kleinerer Betriebe bereitstellen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

6. ADril 1^88

14

NASA ÄNDERT STARTPLÄNE FÜR RAUMTRANSPORTER
Forschungs-Plattform muß vorzeitig geborgen werden

WASHINGTON - (AD) - Weil die am 7. April 1984 von einem Raumtransporter in
460 km Höhe abgesetzte Plattform für Langzeitexperimente (LDEF - Long-Duration
Exposure Facility) früher als erwartet in tiefere Schichten der Frdatmosohäre
eintritt und abzustürzen droht, muß der Zeitplan der US-Behörde für Luft- und
Raumfahrt (NASA) für einige Raumtransporter-Starts geändert werden.

Ursprünglich wollte man das 9 715
kg schwere, mit 57 Experimenten bestückte Gerät des Langley-Forschungszentrums elf Monate nach dem Absetzen
im Weltraum
zur Erde zurückholen.
Aber die Starttermine der Raumtransporter konnten damals nicht eingehalten werden; das CHALLENGER-Unglück
vom Januar 1986 führte zu neuen, massiven Verzögerungen.
Die LDEF-Umlaufbahn wurde bis Anfang der neunziger Jahre als stabil angesehen. Neuere Beobachtungen ergaben jedoch, daß
dies nicht mehr zutrifft, so daß die
NASA
nunmehr
im Juli
1989
einen
Shuttle-Flug
einschieben
muß.
Das
Absinken des LDEF-Satelliten ist eine
indirekte Folge verstärkter Sonnenaktivität, die bewirkt, daß sich die
Erdatmosphäre ausdehnt und der Satellit verstärkter
Bremswirkung durch

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Luftmoleküle ausgesetzt ist.
Am vorgesehenen Termin für den
Start der DISCOVERY (4. August 1988)
soll sich nichts ändern. Jedoch muß
wegen der Rückführung der LDFF-Plattform der zunächst für den Herbst 1989
geplante Start von ASTRO-1, eines
Forschungssatelliten für Messungen im
Ultraviolettbereich, um mehrere Monate verschoben werden. Das Gerät wird
nun mit einem Breitband-Röntaenstrahlenteleskop ausgerüstet, mit dem die
Supernova
1987A
beobachtet
werden
soll. Die Folgereaktionen der Fxplosion dieses Sterns - in mehr als 200
Jahren wegen der Nähe des Objekts das
sensationellste
Ereignis
für
die
Astronomie - werden auch zu dem späteren Zeitpunkt noch erfaßt werden
können.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Die Besatzung der DISCOVERY, die
den ersten Flug mit einem Raumtransporter
nach
der
CHALLENGER-Katastrophe unternimmt, soll einen TDRSSatelliten absetzen.
Er dient für
Bahnbeobachtungen und Datenübermittlung und ist unerläßlich, um beispielsweise die Meßdaten des HubbleWeltraumteleskops zur Erde zu übermitteln. Dieses soll am 1. Juni 1989
von einem Raumtransporter in die Umlaufbahn gebracht werden und erfordert mindestens zwei TDRS-Satelliten.
Der Start eines dritten TDRS-Gerätes
ist für 1989, eines vierten für 1990
geplant. Die TDRS-Geräte machen eine
Reihe
von
NASA-Bodenstationen
zur
Überwachung von Raumtransportern und
anderen Raumfahrzeugen mit der Zeit
überflüssig.

sion anzusehen sind, mit der das Universum entstand.
Den
neuen
NASA-Plänen
zufolge
sind für 1990 zwei zusätzliche Raumtransporter-Missionen
vorgesehen
eine davon in Verbindung mit dem
Raumlabor SPACELAB.
Der Start des
Gammastrahlen-Observatoriums wurde um
drei Monate auf März 1990 vorverlegt.
Der Termin für die ULYSSES-Mission,
eines europäischen Forschungssatelliten zur Sondierung der Polgebiete der
Sonne, bleibt unverändert. Start ist
im Oktober 1990.

* * * * * *
Bei der zweiten Shuttle-Mission
(27. Oktober 1988) wird der Raumtransporter
ATLANTIS
eingesetzt.
Wichtigste Aufgabe ist das Absetzen
von zwei militärischen Nachrichtensatelliten. Am 19. Januar 1989 soll
erneut die DISCOVERY mit TDRS-3 an
Bord und am 2. März 1989 die COLUMBIA
mit
einer
militärischen
Nutzlast
starten.
Unter den Forschungssatelliten, deren Start 1989 mit einem
Raumtransporter erfolgen soll, befinden sich MAGELLAN zur Kartierung des
Planeten Venus sowie GALILEO (Gemeinschaftsprojekt mit der Bundesrepublik
Deutschland) zur Sondierung des Planeten Jupiter.
Noch 1988 werden mit unbemannten
Raketen sechs Nutzlasten, im kommenden Jahr vier und 1990 sieben in Erdumlaufbahnen gebracht.
Damit wurde
auf drei weitere in diesem Zeitraum
vorgesehene Starts verzichtet.
Bis
1995 werden insgesamt 30 nichtmilitärische Nutzlasten, die nach früheren Plänen vom Space Shuttle abgesetzt werden sollten, von unbemannten
Raketen
auf
ihre Bahnen gebracht.
Eine davon ist der COSMIC BACKGROUND
EXPLORER (COBE).
Er registriert die
kosmische
Hintergrundstrahlung
Emissionen, die als Reste der Energiefreisetzung infolge der Urexplo-

�AMERIKA DIENST
7

^ION &amp;

Wissenschaft und Technik

6. April 1988

14

INMARSAT-FUNK AUCH FÜR DEN FLUGVERKEHR

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben die vorgeschlagenen
Zusatzvereinharungen
zur Konvention
der Internationalen Seefunksatelliten
Organisation (INMARSAT) ratifiziert,
die
den
Mitgliedstaaten
erstmals
Funkverbindungen von Flugzeugen aus
über
Satellit
ermöglichen
würden.
Die INMARSAT-Konvention regelt normalerweise
Funkverbindungen
von
Schiffen auf See über Satellit zu
Küstenstationen.
Gegenwärtig werden
4 000 solcher Stationen unterhalten.
Wird auch die Luftfahrt eingeschlossen, müssen zahlreiche weitere Bodenstationen eingerichtet werden.
Ihr
Zahl hängt vom Bedarf ab; für die
neuen
Dienstleistungen
würden
von
INMARSAT Gebühren zur Deckung der Betriebskosten
erhoben.
Die Zusätze
treten in Kraft, wenn 30 oder 45

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Partnerstaaten
ratifiziert
haben;
bisher haben dies 21 getan, die zusammen ca. 70 Prozent der Investitionsanteile für das INMARSAT-System
ausmachen.
Funkverbindungen
via
Satellit
sind - da weniger anfällig gegen atmosphärische Störungen - weitaus zuverlässiger als der bisher übliche
Funk für den Flugverkehr. Der amerikanische Außenminister George Shultz
gab die offizielle Verabschiedung der
neuen Vereinbarungen durch die Vereinigten Staaten auf der Sitzung des
INMARSAT-Direktoriums Ende März 1988
in London bekannt.

+ + + + + +

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Shultz' Friedensplan für den Nahen Osten kommt zum richtigen Zeitpunkt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von US-Senator John H. Chafee&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Verfügungen der Vorlage zum Handelsgesetz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bericht der Konferenz von Repräsentantenhaus und Senat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;NASA ändert Startpläne für Raumtransporter&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Forschungs-Plattform muß vorzeitig&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt; geborgen werden&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;INMARSAT-Funk auch für den Flugverkehr</text>
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                    <text>13. April 1988

15

INHALT
DOKUMENTATION
Reagan;

Vereinigte Staaten stimmen Afghanistan-Vereinbarung zu

- Erklärung des Präsidenten -

HINTERGRUNDMATERIAL
Reagan;

SDI noch aussichtsreicher durch technische Fortschritte

- Interview mit "Strategie Defense" (Copyright (c) 1988 by Phillips Publishing, Inc.)
Sowjetische Desinformation dauert trotz Glasnost unvermindert an
- Auszüge aus USIA-Studie über sowjetische aktive Maßnahmen DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
Die demokratischen Kandidaten und der "Schmelztiegel" New York
- Vorschau auf die Vorwahl im Staat New York -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neuer Supercomputer
- Lösung komplexer Probleme in kürzester Zeit möglich -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

VIQN &amp;
15

13. April 1983

REAGAN:

VEREINIGTE STAATEN STIMMEN AFGHANISTAN-VEREINBARUNG ZU
- Erklärung des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Einer am 11. April 1988 veröffentlichten Erklärung
Präsident Reagans zufolge stimmen die Vereinigten Staaten der in Genf erzielten Afghanistan-Übereinkunft zu, die den Weg für einen Abzug der sowjetischen
Truppen freimacht. Reagan erklärte außerdem, daß er Außenminister Shultz nach
Genf entsenden wird, um für die Vereinigten Staaten als Garantiemacht die Vereinbarungen zu unterzeichnen.
Nachfolgend bringen wir die Erklärung des Präsidenten im Wortlaut:

Ich wurde soeben von meinen nationalen Sicherheitsberatern über den
Inhalt der in Genf ausgehandelten
Afghanistan-Vereinbarungen
informiert, die den vollständigen Abzug
der
sowjetischen
Besatzungstruppen
aus diesem Land vorsehen. Meiner Ansicht nach können die Vereinigten
Staaten sich nun der Sowjetunion als
Garantiemacht für die Genfer Vereinbarungen anschließen.
Ich habe deshalb Außenminister
Shultz gebeten,
uns bei der feierlichen Unterzeichnung dieser historischen Übereinkunft
zu vertreten, die Ende dieser Woche
in Genf stattfinden soll.
Diese Entwicklung wäre ohne den
heldenhaften Kampf des afghanischen
Volkes zur Befreiung seines Landes
von
ausländischer
Besetzung
nicht

United States Information Service
Embassy of the United States of America

möglich gewesen. Wir sind stolz darauf, dem afghanischen Volk bei der
Erringung dieses Triumphs beigestanden zu haben, und es kann auch weiterhin auf unsere Unterstützung zählen.
Auch die Regierung und das Volk
von Pakistan, die Millionen afghanischer
Flüchtlinge während
dieser
Zeit
der sowjetischen
Beherrschung
Afghanistans so großzügig aufgenommen
haben, versichern wir unserer weiteren Freundschaft und Unterstützung.

* * * * *

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�: e°

ST&gt;

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

13. April 1988

15

REAGAN:

SDI NOCH AUSSICHTSREICHER DURCH TECHNISCHE FORTSCHRITTE
- interview mit "Strategie Defense" -

Abgedruckt mit Genehmigung
(Copyright (c) 1988 by Phillips Publishing, Ine
von Strategie Defense, Redaktion, 1850 M. St., N.W., Suite 810, Washington
D.C. 20036.)
WASHINGTON - (AD) - In einem Interview mit dem Informationsblatt "Strategie Defense" hat Präsident Reagan zum Stand der strategischen Verteidigungsinitiative Stellung genommen.
Wir bringen dieses Interview nachfolgend in
voller Länge.

Frage:
vor fünf Jahren, am 23.
März 1983, haben Sie der Nation eine
"Vision der
Zukunft, die Hoffnung
bietet", das Endziel einer Beseitigung der von den strategischen Atomraketen
dargestellten
Bedrohung in
Aussicht gestellt - Ihr Programm der
Strategischen
Verteidigungsinitiative. Ist diese Vision nach fünfjährigen Bemühungen Ihrer Administration
ebenso aussichtsreich oder noch aussichtsreicher als damals, oder haben
die technischen und/oder politischen
Schwierigkeiten dieses Ziel in weite
Ferne gerückt? Wie stellen sich die
Errungenschaften dieser fünf Jahre in
Ihren Augen dar?
Antwort:
Die von mir im Jahr
1983 in meiner Rede umrissene Vision
ist, davon bin ich überzeugt, heute

United States Information Service
Embassy of the United States of America

noch aussichtsreicher, was auf zahlreiche
dramatische
und
aufregende
technische Durchbrüche zurückzuführen
ist, die wir in den vergangenen fünf
Jahren erlebt haben.
Solche Errungenschaften sollten niemanden überraschen, da einige der fähigsten Wissenschaftler unseres Landes an dem
Problem
arbeiten, wie ballistische
Raketen nach dem Abschuß und vor Erreichen des Ziels vernichtet werden
können. Während eines Besuchs in einem Industriebetrieb, der sich mit
SDI-Forschung beschäftigt, habe ich
vor kurzem aus erster Hand einige der
aussichtsreichen Technologien kennengelernt, die, wie wir hoffen, SDI
bald Wirklichkeit werden lassen.
Zum
zweiten
Teil
Ihrer
Frage
möchte ich Folgendes sagen.
Erstens

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Telex: 8-85432

�glauben
viele Amerikaner
fälschlicherweise, die Vereinigten
Staaten
hätten ein aktives System zur Raketenabwehr schon in Stellung gebracht.
Kurz
und bündig:
das haben wir
nicht. Es sind die Sowjets, die heute das einzige einsatzfähige ABM-Syscem der Welt besitzen, das um Moskau
zum Schutz der sowjetischen Führung
stationiert ist.
zweitens befürworten die meisten Amerikaner ein Programm zur Entwicklung und Stationierung von SDI. Leider hat der von den
Demokraten kontrollierte Kongreß die
von uns beantragten Haushaltsmittel
in jedem jähr seit der Schaffung des
Programms reduziert. ich den Kongreß
jedoch auch weiterhin nachdrücklich
zur Unterstützung des SDI-Programms
aufrufen, wie dies das amerikanische
Volk tut.
SDI ist entscheidend für unsere
Bemühungen, den Frieden zu stärken
und langfristig ein sicheres und stabiles strategisches Gleichgewicht zu
sichern.
Es ist lebenswichtig für
die Zukunft dieser Nation, daß das
SDI-Programm die volle Unterstützung
des Kongresses erhält.
Frage:
Trotz ihres ehrenwerten
Ziels hat die Strategische Verteidigungsinitiative
wahrscheinlich
mehr
Kritik vom Kongreß und den großen Medien auf sich gezogen als jedes andere Verteidigungsprogramm Ihrer Administration,
sind Sie der Meinung,
daß diese Kritik im großen und ganzen
gerechtfertigt war oder glauben Sie,
daß sie auf mangelnder Information
beruhte oder einfach politisch motiviert war? Wie haben sich die aufgrund der Opposition im Kongreß vorgenommenen einschneidenden Budgetkürzungen für SDI auf das SDI-Programm
ausgewirkt?
Antwort:
Erstens
möchte
ich
sagen, daß ich jede konstruktive Kritik zu SDI oder anderen Themen begrüße. Solche Kommentare und Empfehlungen sind nützlich für unsere stetige Überprüfung des SDI-Programms,
die eine angemessene Strukturierung
sicherstellen soll, damit wir unser

Ziel erreichen. Dieser Prozeß stellt
sicher, daß die verantwortlichen für
dieses Programm in ihren Bemühungen
nicht nachlassen. Leider gibt es andere, die SDI politisieren wollten,
um es auszuhöhlen. Ich bin nicht der
Meinung, daß wir unsere Zukunft auf
immer und ewig an Atomwaffen und die
Drohung
gegenseitiger
Vernichtung
verpfänden müssen.
Ich glaube, daß
wir die uns zur Verfügung stehende
Technologie benutzen müssen, um eine
Alternative für unsere Zukunft und
die Zukunft unserer Kinder zu suchen,
in meiner Rede von 1983 habe ich die
Frage gestellt: Gibt es keinen besseren Weg zur Sicherung des Friedens,
als
die Androhung
des
nationalen
Selbstmords?
Wäre es nicht besser,
Menschenleben zu retten, als sie zu
rächen?
Ich bleibe diesem Ziel verpflichtet und bin über die Fortschritte erfreut, die bei SDI gemacht
wurden.
Zu den Auswirkungen der Budgetkürzungen
hat
Generalleutnant
Abrahamson
festgestellt, daß hierdurch eine Verzögerung von ein bis
zwei Jahren im Terminkalender des Gesamtprogramms verursacht würde.
Ich
werde mich mit ganzer Kraft beim
Kongreß für die Bewilligung der für
das Haushaltsjahr 1989 für SDI beantragten Mittel (etwa 4,5 Milliarden
Dollar) einsetzen.
Angesichts der
Haushaltsengpässe, mit denen wir uns
kontrontiert
sehen,
wurde
dieser
Haushaltsansatz von der Administration schon so weit wie möglich beschnitten.
Jegliche weitern Kürzungen wären unverantwortlich.
Frage:
Die
Hauptkritikpunkte
an SDI sind dessen möglicherweise
enorme Kosten, die einige schätzen
sie auf bis zu 1 oder 2 Billionen
Dollar schätzen.
Des weiteren wird
vorgetragen, es
sei
technisch
zu
schwierig, von einem Gegner leicht zu
überwinden und würde auf die Sowjetunion destabilisierend und bedrohlich
wirken. Was antworten sie auf diese
Kritikpunkte?
Antwort:

Die

Kostenschätzungen

�von 1 oder 2 Billionen Dollar wurden
von Gruppen oder Einzelpersonen vorgebracht, die als Gegner des Programms bekannt sind.
Solche Schätzungen
entbehren
jeder
Grundlage.
Die Kosten von SDI, wie auch von anderen Großprogrammen sind sicherlich
eine wichtige Frage, die sorgfältiger
und ständiger Prüfung bedarf.
Ein
künftiger Präsident und ein künftiger
Kongreß werden zu entscheiden haben,
ob SDI stationiert werden soll, und
die Gesamtkosten werden dabei sicherlich ein wichtiger Gesichtspunkt sein.
Ich habe wiederholt erklärt, daß
SDI militärisch wirksam, überlebensfähig und kosteneffektiv sein muß,
wenn
es
stationiert
werden
soll.
Dies sind stets meine Kriterien gewesen.
Was
die technische
Machbarkeit
angeht, so ist es es im jetzigen Stadium des Programms noch zu früh, endgültig zu bestimmen, ob das ziel von
SDI erreicht werden kann. Die gewaltigen technischen Fortschritte, die
wir in den vergangenen fünf Jahren
erlebt haben, bieten Grund zum Optimismus. Sie wissen, wie schnell die
Technologie
während
meines
Lebens
fortgeschritten
ist; ich habe gelernt, mein Schicksal nicht denen anzuvertrauen,
die
sagen
"Das
geht
nicht", sondern denjenigen, die sagen
"Ich zeige Ihnen, wie es geht".

zu sichern, und es ist zunehmend
deutlich geworden, daß wir nicht in
der Lage sein werden, dies dadurch zu
erreichen, daß wir ausschließlich auf
eine offensiv ausgerichtete Abschrekkung vertrauen.
SDI stellt eine unmittelbare Antwort nicht nur auf die wachsende Bedrohung
durch
sowjetische
strategische Offensivkräfte, sondern auch
auf die andauernden und intensiven
sowjetischen Bemühungen zur strategischen Verteidigung dar.
Das SDIProgramm liefert eine notwendige und
mächtige
Abschreckung
gegen
jeden
kurzfristigen
Ausbruch der
Sowjets
aus dem ABM-Vertrag.
Dies ist für
sich schon eine entscheidende Aufgabe.
Die langfristige Bedeutung von
SDI besteht jedoch darin, daß es die
Möglichkeit zur Umkehrung der gefährlichen militärischen Trends bietet,
die wir in den vergangenen zwei Jahrzehnten festgestellt haben, indem es
zu einer glaubwürdigeren und stabileren langfristigen Grundlage für die
Abschreckung führt und indem es der
Sowjetunion neue und zwingende Anreize bietet, ernsthaft über Reduzierungen der bestehenden Offensivarsenale
zu verhandeln.

Alle Konzeptionen für die Auslegung des Systems, auch "Architektur"
genannt, beinhalten eine detaillierte
Analyse der Gegenmaßnahmen, die von
den Sowjets vernünftigerweise erwartet werden können, um das Verteidigungssystem zu überwinden oder durcheinander zu bringen.
Wiederum bin
ich zuversichtlich, daß ein militärisch wirksames, überlebensfähiges
und
kosteneffektives
System gebaut
werden kann.

Die Vereinigten Staaten streben
bei ihrer Erforschung des Potentials
moderner
Verteidigungssysteme
streben
weder nach Überlegenheit noch
nach einseitigen Vorteilen.
Stattdessen könnten die destabilisierenden
Merkmale
der gegenwärtigen strategischen
Gleichgewichts
korrigiert
werden, wenn die Aussichten des SDIProgramms bewiesen sind.
Des weiteren würde die Abschreckung erheblich
gestärkt und auf eine solidere Grundlage gestellt, indem die Rolle ballistischer Raketen reduziert wird und
man sich verstärkt auf niemanden bedrohende Verteidigungssysteme konzentriert.

Was die Behauptung anbelangt, SDI
könne "destabilisierend" wirken, bin
ich gänzlich anderer Meinung. im Gegenteil, wir sind entschlossen, die
strategische
Stabilität
langfristig

Frage:
Ihre
Abrüstungsgespräche mit Generalsekretär Gorbatschow
kommen scheinbar trotz der außerordentlich erfolgreichen Unterzeichnung
des INF-Vertrages immer wieder auf

- 3 -

�die sowjetischer Seite erhobene Forderung zurück, die Vereinigten Staaten sollten Entwicklung und Erprobung
des SDI-Programms aufgeben. Dies beinhaltet die selbstverständliche Folgerung, einen weiteren Durchbruch in
der Rüstungskontrolle - einschließlich eines Vertrages über den Abbau
der strategischen Waffen (START)
könne es vorbehaltlich ihrer Zustimmung zu dieser Forderung nicht geben.
Glauben Sie, noch in diesem Jahr eine
Einigung über ein START-Abkommen mit
Herrn Gorbatschow erzielen zu können,
und ist dies auch an Beschränkungen
für SDI gekoppelt?
Und wie erklären
Sie den vehementen Widerstand der Sowjets gegen SDI?
Handelt es sich
hierbei schlicht um Angst vor hochentwickelter amerikanischer Technologie, oder könnte es ihrer Meinung
nach Teil einer generellen sowjetischen Strategie sein, Vorteile im
militärischen Bereich anzustreben, in
diesem Fall durch das Blockieren eines
amerikanischen
Programms
bei
gleichzeitiger heimlicher Fortsetzung
eines eigenen ganz ähnlichen Programms?

Gorbatschow hat das jetzt verstanden.

Antwort:
Die
Sowjets
wollten
Fortschritte in der Rüstungskontrolle
an ein Abkommen koppeln, das unser
SDI-Programm
lahmlegt.
sie werden
sich
erinnern, daß Generalsekretär
Gorbatschow
in
Reykjavik
versucht
hat, ein Junktim zwischen allen Reduzierungen im Bereich der Offensivwaffen - sogar bei INF - und Beschränkungen unserer SDI-Forschung herzustellen,
ich habe dies aus gutem
Grund abgelehnt:
ein schlechtes Rüstungskontrollabkommen ist schlechter
als überhaupt kein Abkommen. Während
unserer
Gipfelgespräche
in
Genf,
Reykjavik
und
zuletzt
hier
in
Washington habe ich Herrn Gorbatchow
gegenüber erklärt, daß SDI kein Verhandlungsgegenstand ist. Es ist für
unsere
zukünftige Sicherheit unerläßlich.

Frage:
Warum hat die amerikanische Regierung sich nicht stärker
bemüht, die von den Sowjets erzielten
Fortschritte
bei der
strategischen
Verteidigung herauszustellen, um so
für ihr eigenes SDI-Programm mehr Unterstützung zu gewinnen? Den meisten
Amerikanern war beispielsweise
die
Existenz eines sowjetischen strategischen Verteidigungsprogramms bis zu
dem Interview von NBC-Korrespondent
Tom
Brokaw
mit
Generalsekretär
Gorbatschow vor dem Washingtoner Gipfel unbekannt.
Hätte man nicht auf
die lange zeit und enormen Gelder,
die der Kreml für strategische Verteidigungsprogramme verwandt hat, in
der Öffentlichkeit
deutlicher aufmerksam machen können?

Meine Position steht fest:
Wir
werden SDI erforschen und entwickeln;
und wenn SDI fertig ist, werden wir
es stationieren.
Ich glaube, Herr
- 4

Was den sowjetischen Widerstand
gegen SDI betrifft, so ist folgendes
klar:
Sie halten nach Möglichkeiten
Ausschau, SDI auszuschalten ohne ihre
eigenen strategischen Verteidigungsprogramme aufgeben zu müssen - Programme, für die sie in den vergangenen zehn Jahren annähernd 200 Milliarden Dollar ausgegeben haben.
Dies
steht in krassem Gegensatz zu unseren
Ausgaben in Höhe von weniger als 13
Milliarden
Dollar
in
fünfjähriger
SDI-Forschung.
Meines Erachtens sind die Sowjets
- genau wie schon bei INF - vor allem
besorgt darüber, ihr faktisches Monopol bei der strategischen Verteidigung zu verlieren.
Es kann auch
sein, daß sie über die technologische
Herausforderung besorgt sind, die SDI
darstellt. Zweifellos haben sie auch
die anderen militärischen Anwendungsmöglichkeiten
oder
"Nebenprodukte"
unserer Forschungs- und Entwicklungsarbeiten im Zusammenhang mit SDI erkannt und sind darüber besorgt.

Antwort:
Ich sehe, worauf Sie
abzielen. Darum ergreife ich persönlich jede passende Gelegenheit, diese
Tatsachen dem amerikanischen Volk zu
vermitteln.
Darum hat meine Regierung auch umfangreiches Material über

�die sowjetischen strategischen Verteidigungs- und
Weltraumprogramme
veröffentlicht.
Ich kann Ihnen versichern, daß wir auch weiter über die
massiven - und jahrelangen - Investionen der Sowjets in die strategische Verteidigung berichten werden.
Wir wissen beispielsweise, daß sie
viele derselben Technologien erforschen, an denen wir in unserem SDIProgramm arbeiten. unseren Schätzungen zufolge beschäftigen sie 10 000
hochqualifizierte Flugwissenschaftler
und -ingenieure und geben allein für
ihr militärisches Laserprogramm annähernd eine Milliarde Dollar pro Jahr
aus.
Ich begrüße, daß der Generalsekretär endlich die Existenz eines eigenen SDI-ähnlichen Programms zugegeben hat. Wir haben es die ganze Zeit
gewußt und versucht, die Öffentlichkeit davon so umfassend wie möglich
zu informieren, aber wir müssen dabei
auch gleichzeitig sicherstellen, daß
unsere nachrichtendienstlichen Quellen und Methoden nicht bekannt werden.
Wir haben darüber hinaus öffentlich auf die sowjetische Nichteinhaltung früherer Rüstungskontrollverträge und -abkommen hingewiesen, wozu
auch der ABM-Vertrag von 1972 gehört.
Im Hinblick auf das Radar von Krasnojarsk habe ich mich immer wieder dafür ausgesprochen, daß hier Abhilfe
geschaffen
und der Radar abgebaut
werden muß. Leider haben die Sowjets
auf unsere Bedenken nicht reagiert.
Frage:
Einige
Kritiker
des
SDI-Programms verbuchen schon den Erfolg einschneidender
Kürzungen des
SDI-Haushalts in den vergangenen Jahren auf ihrer Seite und erklären, das
Programm würde vom nächsten Präsidenten gestrichen.
Was wird Ihr Nachfolger ihrer Ansicht nach aus dem
SDI-Programm
machen?
Welchen
Ratschlag für die Zukunft der Strategischen Verteidigungsinitiative werden sie dem nächsten Präsidenten geben, sei er nun Republikaner oder Demokrat?

Antwort:
Die
Maßnahmen
des
nächsten Präsidenten sind natürlich
nicht vorhersehbar.
Bestimmten Empfehlungen für SDI würde ich jedoch
anbieten;
die zukünftige Sicherheit
des Westens ist keine Frage der Parteipolitik, sondern unabdingbar für
unsere nationale Sicherheit und so
sollte sie auch behandelt werden.
Mein Ratschlag an meinen Nachfolger lautet: Lassen Sie nicht zu, daß
die Sowjets infolge der innenpolitischen Diskussion in den Vereinigten
Staaten oder infolge der Haushaltskürzungen etwas erreichen, das viel
zu wertvoll ist, um es in Verhandlungen aufzugeben. Darüber hinaus möchte ich erneut meiner Auffassung Nachdruck verleihen, daß SDI die Hoffnung
auf eine bessere Zukunft darstellt,
für uns, unsere Kinder und unsere Enkelkinder.
Frage:
Glauben
Sie, daß
der
von seinen Kritikern in den Medien
und im Kongreß im Zusammenhang mit
SDI
geprägte
Ausdruck
"Krieg
der
Sterne" dem Programm in den Augen der
Öffentlichkeit geschadet hat?
Antwort:
Meines Erachtens hatte es auf gewisse Weise diese Wirkung.
Uns sind Meinungsumfragen bekannt, die belegen, daß die Menschen
bei dem Ausdruck "Krieg der Sterne"
Unbehagen empfinden, obwohl sie unsere Idee einer stragetischen Verteidigung nachdrücklich befürworten. Dies
war ganz sicher das Ziel derjenigen,
die das SDI-Programm mit diesem Etikett behaftet haben.
Sie hofften,
dieses wichtige und wirklich entscheidende Konzept in den Augen der
amerikanischen Öffentlichkeit zu bagatellisieren.
Aber ich traue dem
amerikanischen Volk mehr zu.
SDI ist keine Phantasie. Es ist
ein vielschichtiges
und herausforderndes
Programm
wissenschaftlicher
Forschung und Entwicklung bis hin zur
Verwirklichung einer wirksamen Verteidigung gegen ballistische Raketen.
Und trotz der Bemühungen der Kritiker, die öffentliche
Unterstützung

- 5 -

�für das Programm zu untergraben und
dessen Rolle für unsere zukünftige
Sicherheit zu bagatellisieren, indem
sie es mit phantasieausdrücken beschreiben, bin ich im Interesse unserer zukünftigen Sicherheit entschlossen, das Programm weiter fortzusetzen.
Frage:
Welche
Haltung
nimmt
die Regierung zu den jüngsten Vorschlägen des Vorsitzenden des Streikräfteausschusses im Senat, Senator
Sam Nunn ein, der die Aufmerksamkeit
des Pentagons auf die Entwicklung eines sogenannten Systems zum Schutz
vor
irrtümlichen
Raketenabschuß
(ALPS) lenkte?
Sollte ein solches
System angesichts der schon von der
SDI-Gruppe unternommenen Forschungsarbeiten ernsthaft in Erwägung gezogen werden?
Sehen sie dies als eine
Umleitung von ohnehin schon knapp bemessenen Mitteln in ein noch enger
gefaßtes
Gebiet
der
Verteidigung,
oder ist es andererseits vielleicht
als akzeptabler anzusehen, weil es
zumindest eine Weiterentwicklung auf
dem Gebiet der möglichen Stationierung einer strategischen Verteidigung
darstellt?

senden Verteidigung erreicht werden
kann. Die erste Phase einer solchen
Stationierung
sollte uns natürlich
diesem Endziel näherbringen.
Der Bedrohung durch einen versehentlichen Raketenstart muß zweifelsohne ebenso Rechnung getragen werden,
wie einem absichtlichen Angriff mit
ballistischen Waffen durch ein verbrecherisches
Regime.
Gleichzeitig
dürfen wir uns nicht von unserem
Hauptziel einer wirkungsvollen Verteidigung ablenken lassen, die unseren Kriterien der Stationierung gerecht wird.
Solche Verteidigungssysteme müssen in Phasen gebaut werden,
einschließlich der im Weltraum stationierten Elemente.
Jedes System,
das zum Schutz gegen versehentliche
Raketenstarts
gebaut
wurde,
kann
nicht nur Selbstzweck sein;
es muß
vielmehr ein weiterer Schritt auf dem
Weg zu einem strategischen Umfeld
sein, in dem Abschreckung in zunehmendem Maße auf Verteidigung statt
auf Angriff basiert.

Antwort:
Die Vorstellung einer
begrenzten strategischen Verteidigung
ist nicht neu. Ich habe im Laufe der
Jahre eine Vielzahl von Vorschlägen
dieser Art erhalten, selbst von den
energischsten Befürwortern von SDI im
Kapitol.
Die Erklärung von Senator
Nunn, strategische Verteidigung könne
eine nützliche Rolle bei der Verbesserung der Abschreckung und der Minderung der Risiken und Gefahren eines
Krieges spielen, habe ich mit Interesse gelesen. Jede Erklärung diesen
Inhalts ist ein willkommener Beitrag
zu der Diskussion über SDI.
Im Verteidigungsministerium gibt
es ein formelles Gefüge zur Überprüfung der vorgeschlagenen Änderungen
am SDI-Programm:
den Verteidigungsbeschaffungsrat. wie Sie wissen haben wir ja das Konzept einer stufenweisen Stationierung übernommen, in
der
Erkenntnis, daß dadurch unser
höchstes ziel einer wirklich umfas- 6 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'^r/oN

15

13. April 1988

SOWJETISCHE DESINFORMATION DAUERT TROTZ GLASNOST UNVERMINDERT AN
- Auszüge aus USIA-Studie über sowjetische aktive Maßnahmen -

WASHINGTON - (AD) - Die sowjetische Desinformationstaktik dauert einer
amerikanischen Studie zufolge trotz anderslautender Beteuerungen des sowjetischen Parteichefs Gorbatschow und trotz seines Bekenntnisses zu "Glasnost"
unvermindert an. Der vom US-Informationsamt (USIA) am 6. April 1988 veröffentlichte Bericht mit dem Titel "Sowjetische aktive Maßnahmen In der Ära von
Glasnost" kommt unter anderem zu dem Ergebnis, daß es derzeit zwölf wesentliche sowjetische Desinformationskampagnen gibt, von denen zwei erst im vergangenen Jahr angelaufen sind. Eine davon bringt den amerikanischen Geheimdienst CIA fälschlicherweise mit dem Jonestown-Massaker im Jahr 1978 in Verbindung, die andere behauptet, amerikanische Bürger hätten Babies aus Südamerika zu dem Zweck adoptieren wollen, sie für Organspenden "zu zerstückeln".
Nachstehend geben wir den Bericht in seinen wesentlichen Auszügen wieder.

Bei aktiven Maßnahmen handelt es
sich um sorgsam erarbeitete - oftmals
geheime oder irreführende - Einflußoperationen, die von den Sowjets neben herkömmlichen diplomatischen und
Informationsaktivitäten
zur
Unterstützung ihrer Außenpolitik angewandt
werden.
Sie reichen von Grobheiten
bis zu hahnebuchenem Unsinn, von bösartigen antiamerikanischen Desinformationen und Täuschungen bis hin zu
raffinierten besänftigenden Einflußoperationen. Sowjetische aktive Maßnahmen sind insbesondere:
- "Schwarze" KGB-Aktivitäten, wie
beispielsweise Desinformation und
Täuschung, der Einsatz von Einflußagenten und geheime Medienmanipulationen;
"Graue"

von

der

Abteilung (ID) der sowjetischen
kommunistischen
Partei
durchgeführte Aktivitäten, die folgende
Bereiche umfassen:
Planung von
Aktionen
durch
die kommunistischen Parteien vor Ort, durch
sowjetisch gesteuerte internationale Frontorganisationen und vermeintlich unabhängige sowjetische
Freundschaftsvereinigungen, sowie
durch "Massenorganisationen" und
im außenpolitischen Bereich tätige akademische Institute.
"Weiße"
Medienberichterstattung
über diese Aktivitäten und die
Themen der aktiven Maßnahmen unter Leitung der Propagandaabteilung
des
Zentralkomitees
durch nicht geheime Elemente des
sowjetischen Apparats zur Ver-

Internationalen

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�breitung aktiver Maßnahmen:
die
Presseagenturen TASS und Nowosti,
Radio Moskau und Radio Frieden
und Fortschritt, anderen Elementen der sowjetischen Presse und
den
Informationsabteilungen
der
sowjetischen Botschaften im Ausland.
Diese
"weißen" Elemente
liefern außerdem eine Tarnung für
Agenten von KGB und ID.

Jüngste Entwicklungen
Seit dem Genfer Gipfel im Jahr
1985 hat es erhebliche Verlagerungen
im Hinblick auf die Taktik "grauer"
sowjetischer
aktiver Maßnahmen und
ihre Leitung gegeben.
Das Konzept
einer so breit wie möglich angelegten
"Vereinigten
Front" zum Widerstand
gegen die Strategische Verteidigungsinititive und zur Untergrabung amerikanischer Verhandlungspositionen zur
Rüstungskontrolle
ist
mittlerweile
die wichtigste
Stoßrichtung sowjetischer aktiver Maßnahmen im Westen
geworden. Dies hat die Sowjets dazu
veranlaßt, wesentlich sanftere Töne
als in der Vergangenheit anzuschlagen:
- Die sowjetisch gesteuerten Internationalen
Frontorganisationen,
wie beispielsweise der Weltfriedensrat, haben sich versöhnlichere Methoden mit dem Ziel zu eigen
gemacht, um bei "Friedens"-Aktivisten aller Schattierungen Anklang zu finden.
- Vermeintlich
unabhängige
sowjetische
"Massenorganisationen",
wie
beispielsweise
das
Sowjetische
Friedenskomitee,
haben
zahlreiche direkte Kontakte mit
dem Westen aufgenommen, in der
Hoffnung, diese Kanäle zu benutzen, um die Menschen im Westen
von der Logik sowjetischer Ansichten über SDI und Abrüstung zu
überzeugen.
- In ihrem Bemühen zur Öffnung anderer Kanäle zur Beeinflussung
westlicher Eliten nehmen die Sowjets ebenfalls eine Spitzenposi-

tion bei der Organisation neuer
internationaler
"Friedens"-Foren
und Gruppen ein, die sich größtenteils aus Akademikern, Wissenschaftlern, prominenten
Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und Geschäftsleuten zusammensetzen.
Auf allen Gebieten basiert die
derzeitige sowjetische Taktik auf der
Pflege eines offeneren Images und dem
Versuch, positive westliche Auffassungen über den Prozeß von "Glasnost"
und
"Perestrojka" zum
sowjetischen
Vorteil auszunutzen.
Diese
aktiven Maßnahmen werden
von einem neuen und begabten Leiter
der
Internationalen
Abteilung
des
Zentralorgans der sowjetischen kommunistischen Partei koordiniert, dem
früheren sowjetischen Botschafter in
den
Vereinigten
Staaten,
Anatoli
Dobrynin.
Im Laufe von Dobrynins
Amtszeit sind die sowjetischen "grauen" aktiven Maßnahmen wesentlich anspruchsvoller und subtiler geworden.
Auf der Ebene des KGB waren jedoch keine wesentlichen Änderungen in
der Handhabung sowjetischer aktiver
Maßnahmen
festzustellen.
Bösartige
antiamerikanische
Desinformationen
und Täuschungen dauern ebenso unvermindert an wie die massiven sowjetischen Bemühungen, die Presse insgeheim zu manipulieren. Einer der bemerkenswertesten
Züge
der
sowjetischen aktiven Maßnahmen in jüngster
Zeit war die Hartnäckigkeit, mit der
diese Aktivitäten zur gleichen Zeit
durchgeführt wurden, in der die Sowjets eine anspruchsvolle Einflußoperation
inszenierten, die sich auf
"Glasnost"
und
"neues
politisches
Denken" in den bilateralen Beziehungen mit dem Westen konzentriert.
Diese Aktionen dauerten trotz der
Erklärung
des sowjetischen
Parteichefs
Michael
Gorbatschow
beim
Washingtoner Gipfel an, die da lautete:
"Keine weiteren Lügen.
Keine
weitere Desinformation."

- 2 -

�Desinformationstechniken
Sowjetische
Desinformationsberichte sind nicht einfach wahllos zusammengesetzte
ungenaue
Reportagen
von nachlässigen sowjetischen Korrespondenten.
Es handelt sich vielmehr
um absichtliche Lügen oder Entstellungen,
die
von
Spezialisten
im
Dienstbereich A der Ersten Hauptverwaltung
des
KGB
erstellt
wurden.
Dann werden diese Lügen von der Internationalen Abteilung des Zentralorgans
der sowjetischen kommunistischen Partei, der Propagandaabteilung, von der sowjetischen Presse,
dem Rundfunk und den Nachrichtenagenturen, den kommunistischen Parteipublikationen im Ausland, den Informationsabteilungen bei den sowjetischen
Botschaften im Ausland und KGB-Agenten in aller Welt verbreitet.
Ein
Desinformationsbericht
wird
von den Sowjets oftmals in einer obskuren
Dritte-Welt-Zeitung
plaziert,
anschließend von einer sowjetischen
Publikation aufgegriffen und dann von
sowjetischen Nachrichtenagenturen erneut um die ganze Welt verbreitet.
Damit können die Sowjets behaupten,
sie würden lediglich solche in der
ausländischen Presse bereits erschienene Berichte wiederholen.
Um weiterhin jegliche Verantwortlichkeit für diese Berichte von sich
weisen zu können, haben die sowjetischen Behörden stur ihr Recht verteidigt, jede auch noch so absurde
Behauptung zu veröffentlichen, solange sie in der ausländischen Presse
abgedruckt wurde.
Oft sind die von
ihnen zitierten "ausländischen" Quellen Publikationen sowjetisch gesteuerter kommunistischer Parteien oder
vom KGB inspirierte Veröffentlichungen.

die Ansichten solcher Personen und
Organisationen von hiermit vertrauten
Leuten
zurückgewiesen
werden, wenn
sie von Organisationen wie etwa TASS
behandelt werden, als seien sie Vertreter
ernstzunehmender
Meinungen,
mag mancher sensationsgierige Redakteur in anderen Ländern wohl kaum die
Zeit haben oder die Neigung verspüren, die Angelegenheit näher zu prüfen. Auf diese Weise widmet der sowjetische Desinformationsapparat den
Ansichten
antiamerikanischer
Randgruppen und Extremisten breiten Raum
und verschafft ihren häufig gehässigen Botschaften ein weltweites Publikum.
Die sowjetischen Desinformationsspezialisten benutzen auch häufig die
Technik, legitime Quellen und Einzelpersonen zu zitieren, deren Kommentare jedoch absichtlich so aus ihrem
Kontext herauszunehmen, daß dadurch
der Sinn ihrer Aussagen wesentlich
entstellt wird. Auf diese Weise können unbedachte und später zurückgenommene Äußerungen, aus dem Stehgreif
abgegebene Bemerkungen sowie harmlose
Kommentare respektabler Personen und
Organisationen Wasser auf die Mühlen
sowjetischer Desinformation leiten.

Wichtige Kampagnen der
gangenheit

jüngsten

Ver-

Einige der kürzlich von sowjetischen und sowjetisch beeinflußten
Medien verbreiteten wichtigen Desinformationskampagnen
bringenten
fälschlicherweise Behauptungen in Umlauf, wonach die amerikanische Regierung

Außerdem prüfen die Sowjets die
nichtkommunistische Presse gründlich
auf Material, das sie für Desinformationszwecke umarbeiten können.
Oft
bringen sie die konfusen Ansichten
von Extremisten in Umlauf, wenn diese
ihren Zwecken dienlich sind.
Obwohl
- 3 -

- das AIDS-Virus
in
einem
Forschungslabor
der
amerikanischen
Streitkräfte geschaffen habe,
- eine sogenannte "ehtnische Waffe"
entwickelt habe, die nur Nichtweiße tötet,
- im Jahr 1978 das Jonestown-Massaker in Guayana begangen habe,

�- massive und anhaltende Bemühungen
in biologischer Kriegführung unterhalte,

zerstückeln und ihre einzelnen Organe
zu Transplantationszwecken zu verkaufen.

- den afghanischen Mudjahedin chemische und biologische Waffen sowie
"Spielzeugbomben"
geliefert
habe,

All diese Behauptungen über Aktivitäten der amerikanischen Regierung
sind unwahr und weder die Regierung
noch Privatorganisationen oder Enthüllungsjournalisten waren in der Lage, irgendeinen Beweis für den Handel
mit Säuglingsorganen zu erbringen.

-

an der Ermordung, angeblichen Ermordung oder versuchten Ermordung
von Olof Palme. Papst Johannes
Paul II., Indira Gandhi, Martin
Luther King, Aldo Moro, Samora
Machei, Omar Torrijos, Samantha
Smith
und
anderer
prominenter
Persönlichkeiten beteiligt gewesen war,
- den Staatsstreich auf den Fidschi-Inseln im Jahr 1987 begangen
habe,
- die Ermordung führender Oppositioneller in Nicaragua plane, um
danach
die Sandinisten hierfür
verantwortlich zu machen und dies
als Vorwand für eine Aggression
in Mittelamerika zu benutzen,
- protestierende
Frauen
außerhalb
des
amerikanischen
LuftwaffenStützpunkts
Greenham
Common in
England
gefährlicher
Strahlung
aussetze,
- plane, die Sender der Stimme Amerikas auf Sri Lanka zur Kommunikation mit amerikanischen Kriegsschiffen im Indischen Ozean zu
benutzen,
- zahlreiche
Ausbildungslager
für
Terroristen
auf
amerikanischem
Territorium unterhalte,
- den Flug 007 von Korean Airlines
über sowjetischem Territorium als
absichtliche
Provokation
veranlaßt habe.

Einer weiteren sowjetische Desinformationskampagne zufolge importieren Amerikaner - wenn auch nicht die
amerikanische Regierung - Babies aus
Lateinamerika, um sie anschließend zu

Wirkung
Obwohl die Wirkung der sowjetischen
Desinformationskampagnen
schwer zu messen ist, ist die Hartnäckigkeit der sowjetischen Bemühungen, absurde Lügen über die Vereinigten Staaten zu verbreiten, ein wesentliches Anzeichen für die Bedeutung, die ihnen von den Sowjets beigemessen wird.
Die sowjetische Einschätzung
ihres Nutzens wurde von
Ladislaw
Bittman,
dem
ehemaligen
Stellvertretenden Leiter der Desinformationsabteilung des nach sowjetischem Vorbild
aufgebauten
tschechoslowakischen
Geheimdienstes
beschrieben.
Er verglich die Wirkung
der Desinformationsberichte mit der
Wirkung von Gifttropfen, die einem
Menschen ständig eingeflößt werden.
Während die Wirkung eines einzelnen
Tropfens für gewöhnlich nicht wahrgenommen wird, kann die Gesamtwirkung
tödlich sein.

Desinformation und "Glasnost"
Es soll nicht verschwiegen werden, daß trotz "Glasnost" mehrere der
wichtigsten sowjetischen Desinformationskampagnen während der Amtszeit
von Michail Gorbatschow als Generalsekretär der sowjetischen KP gestartet wurden, darunter die Kampagnen
über Jonestown und die Babyorgane aus
Lateinamerika, die beide im Jahr 1987
begannen.
Auch die Desinformationskampagne in Zusammenhang mit AIDS begann ernsthaft erst unter Gorbatschow
im Oktober 1985.

- 4 -

�Während des Washingtoner Gipfeltreffens im Dezember 1987 versicherte
der Generalsekretär dem Direktor der
USIA, Charles Wick, es werde "keine
Lügen, keine Desinformation mehr" geben. Trotz dieser Erklärung hat die
sowjetische Desinformation weiter angehalten.

* * * * *

- 5

�AMERIKA DIENST
'4-

^

Hintergrundmaterial

Ä&lt;

13. April 1988

15

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
DIE DEMOKRATISCHEN KANDIDATEN UND DER "SCHMELZTIEGEL" NEW YORK
- Vorschau auf die Vorwahl im Staat New York -

ALBANY, NEW YORK - (AD) - Eines der aufregendsten und wichtigsten Elemente
des "Schmelztiegels" New York ist die Politik. Dies gilt um so mehr dieses
Jahr, da die drei noch im Rennen befindlichen Präsidentschaftskandidaten der
Demokratischen Partei - Michael Dukakis, Jesse Jackson und Albert Gore - sich
um den Sieg in der Vorwahl am 19. April bewerben. Die politischen Beobachter
bemühen sich gegenwärtig intensiv darum, das Gewicht der verschiedenen ethnischen Ingredienzen dieses Schmelztiegels richtig einzuschätzen.
Wenn Amerikaner an New York denken, dann denken sie für gewöhnlich
an die Stadt New York - die größte,
meistbeachtete und bekannteste Stadt
der Vereinigten Staaten - den "Big
Apple", so genannt, weil vor ca. 40
Jahren ein Jazzmusiker die Stadt als
"größten Apfel am Baum" beschrieb.

ein. Weitere neun Millionen Menschen
leben im nördlichen Teil des Staates
New York - einem Gebiet, das sich
westlich vom Hudson-River bis zu den
Niagara-Fällen und den Großen Seen
erstreckt und aus Farmen, kleineren
Industriestädten sowie auch Großstädten wie Buffalo und Syracuse besteht.

Da etwa acht Millionen Menschen
in dieser Metropole des Finanz- und
Kommunikationswesens und der Kultur
leben, widmen politische Kandidaten
der Stadt New York ein Hauptaugenmerk, insbesondere wegen der dort ansässigen
großen
Blöcke
jüdischer,
schwarzer und hispanischer Wähler.

Die Bewohner dieses nördlichen
Landesteils haben ihre eigenen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Anliegen, und ihre Ansichten unterscheiden sich vielfach von denen
ihrer Landsleute in der Stadt New
York.

Doch trotz ihrer Größe und Vielfalt ist die Stadt New York nicht repräsentativ für den ganzen Staat oder
nimmt gar eine dominierende Stellung

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Die
dominierende
Stellung
New
Yorks im 19. Jahrhundert, die zum Bau
des Erie-Kanals und später der Eisenbahnlinien führte, brachte "alle Arten von Wandel..., sozial und indu-

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�striell" hervor, wie Bern Rottman,
der Sprecher des Ministeriums für
wirtschaftliche
Entwicklung
dieses
Staates erklärt.
Mit dem Anschwellen des Handelsstroms von den Binnenstädten zum Hafen von New York begannen die Menschen, aus der großen Stadt abzuwandern, um den enormen Bedarf an Arbeitskräften im nördlichen Teil des
Staates zu befriedigen, und die Konzentration
ethnischer Gruppen nahm
dort zu.
"Die Bewohner des nördlichen Landesteils sind seßhafter und mögen
traditionell die Dinge so, wie sie
sind, im Gegensatz zur Stadt New
York, die ein Zentrum des Wandels
ist," meint Rottman.
In Wahlen ist daher häufig der
nördliche Teil des Staates New York
das Zünglein an der Waage, in dem
mehr republikanische Wähler angesiedelt sind als in der vorwiegend demokratisch wählenden Stadt.
Bei demokratischen Vorwahlen entfallen auf die Wähler im nördlichen
Teil des Staates ca. 25 Prozent der
Stimmen, die eher gemäßigt bis konservativ wählen. Dem Hauptgeschäftsführer des Demokratischen Ausschusses
im Staat New York zufolge sind es
"die in den Städten im nördlichen
Teil wohnenden weißen Wähler der Arbeiterklasse, die wahrscheinlich eine
Schlüsselposition" bei den diesjährigen Vorwahlen am 19. April einnehmen
werden.
"Das vorrangige und alles andere
in den Schatten stellende Thema im
nördlichen Teil des Staates ist die
wirtschaftliche Entwicklung", erklärt
der Stellvertretende Gouverneur des
Staates New York, Stan Lundine, und
fügt hinzu, er würde den drei demokratischen Präsidentschaftskandidaten
empfehlen, ihren Ausführungen über
die
Wirtschaftslage
einen
persönlichen Anstrich zu verleihen, indem
sie so viele Städte des Nordens besuchen wie möglich.

Alle Kandidaten haben sich vorgenommen, bei ihren Veranstaltungen vor
der Stimmabgabe die Wähler im Norden
entscheidend zu beeinflussen. Natürlich haben sie auch eine Veranstaltung in der Stadt New York im Programm, um dort die einzelnen rassischen und ethnischen Gruppierungen
für sich zu gewinnen.
In der Stadt New York, wo die Demokraten den Republikanern haushoch
überlegen
sind, ist "die demokratische Vorwahl außerordentlich entscheidend", erklärt der Politikwissenschaftler Alan Chartok. "Die Partei setzt sich vorwiegend aus Ideologen zusammen, und sie sind es, die
hauptsächlich bei den Vorwahlen ihre
Stimmen abgeben", fügt der Professor
an der Universität des Staates New
York und Radio- und Fernsehkommentator hinzu.
Von den acht Millionen eingetragenen Wählern in diesem Staat sind
3,8 Millionen Demokraten, 2,6 Millionen Republikaner, 1,4 Millionen ohne
Parteizugehörigkeit und die übrigen
entfallen auf kleinere Parteien, wie
etwa die konservative oder liberale
Partei.
Ethnisch gesehen sind 12
Prozent der wahlberechtigten Bevölkerung im Staat Schwarze, neun Prozent
Juden, acht Prozent Hispano-Amerikaner und zwei Prozent Amerikaner asiatischer Abstammung.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts
spielte
die
Einwanderungsbewegung
beim Bevölkerungswachstum des Staates
New York eine entscheidende Rolle,
und diese zugewanderten Amerikaner,
von denen viele in der Stadt New York
seßhaft wurden, förderten Wohlstandsreformen, die dazu beitrugen, den
Staat zu einem der liberalsten des
ganzen Landes zu machen. Viele ihrer
Nachkommen, die aus den Städten in
die Vororte zogen, tendierten jedoch
zu einer konservativeren Einstellung.
Sie versuchen, einige Bereiche des
Wohlfahrtsstaates ihrer Vorfahren zu
bewahren, jedoch mit strengeren Kontrollmechanismen.
* * * * *

- 2

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%

�AMERIKA DIENST
VI

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A

Wissenschaft und Technik
13. April 1988

15

NEUER SUPERCOMPUTER
- Lösung komplexer Probleme in kürzester Zeit möglich -

WASHINGTON - (AD) - Im Sandia National Laboratory (New Mexico) wird zusammen mit Wissenschaftlern der NCUBE Corporation (Oregon) ein neuer Supercomputer entwickelt, der sich durch eine bisher nie erreichte Arbeitsgeschwindigkeit auszeichnet. Sie wird durch Verknüpfung von mehr als 1 000 kleinen, leistungsfähigen Mikroprozessoren erreicht, die in Parallelverarbeitung auf Teilaspekte eines bestimmten Problems angesetzt werden. Jeder Prozessor besteht
aus einem Silikon-Mikrochip entsprechend der Kapazität eines herkömmlichen
Computers. Wenn, wie in diesem Fall, mehr als Tausend Prozessoren verknüpft
werden, spricht man von "massiver Parallelverarbeitung".
Mit Hilfe dieser
Technik können Probleme in weniger als einem Tausendstel der Zeit gelöst werden, die ein herkömmlicher Computer mit nur einem Prozessor benötigen würde.

Der erste Leistungstest für den
neuen Computer bestand darin, Kräfte
nach Art, Richtung und Wirkungsmechanismus zu berechnen, die bei einem
Metallträger unter Belastung freigesetzt werden.
Die Maschine brauchte
dazu eine Woche.
Ein gewöhnlicher
Computer hätte etwa 20 Jahre benötigt.
Nach Ansicht von John Gustafson
vom Sandia-Laboratorium könnten derartige Computer zur Lösung äußerst
schwieriger Probleme benutzt werden beispielsweise für die langfristige
Wettervorhersage,
bei der Tausende
sich ständig ändernder Phänomene berücksichtigt werden müssen. Die neuen Verfahren der Parallelverarbeitung
schaffen jene zusätzliche Leistungskapazität, die erforderlich ist, um
"zu neuen Durchbrüchen in der Computerwissenschaft
zu kommen", meinte

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Sandia-Mitarbeiter Gilbert Weigand.
Bisher hatten die meisten Computer-Spezialisten angenommen, daß ungeachtet der Anzahl parallel - und
dabei unabhängig voneinander - arbeitender Prozessoren die Geschwindigkeit für die Problemlösung bestenfalls auf das 50- bis lOOfache eines
einzelnen Prozessors gesteigert werden könne. Jetzt wurde mehr als das
Tausendfache erreicht.
Experimentelle Computer mit bis zu 256 Prozessoren existierten bereits.
Aber mit
keinem wurden auch nur annähernd höhere
Arbeitsgeschwindigkeiten
entsprechend der Anzahl von Prozessoren
wie jetzt bei dem Sandia-Computer erzielt.
Eine der Schlüsselaufgaben
besteht in der Entwicklung von Methoden für den gleichzeitigen Betrieb

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�von tausend und mehr hochleistungsfähigen Kleinprozessoren, die alle so
programmiert sind, daß sie zur gleichen Zeit an verschiedenen Teilsaspekten
ein- und desselben
Problems
arbeiten.
Wie Gary Montry berichtete, sei
dies den Forschern u.a. dadurch gelungen, daß sie Probleme bisher unbekannter Größenordnung in Angriff nahmen. Der Supercomputer arbeite am besten, "wenn man die Problemgröße entsprechend der Zahl von Prozessoren
wachsen läßt."
Dadurch komme es zu
der dramatischen tausendfachen Steigerung
der
Arbeitsgeschwindigkeit.
Eine weitere, bei dem neuen Supercomputer benutzte Technik ist die
Verbindung der Prozessoren in einem
komplexen
"Hyperkubus".
Bei einem
gewöhnlichen Kubus säße jeweils ein
Prozessor an einer der acht Ecken,
verbunden über Leitungen entlang jeder Kante.
Ein Huperkubus besteht
aus einer beliebigen Zahl von ineinandergeschachtelten Kuben, wobei jede
Ecke eines Innenkubus mit der nächstgelegenen Ecke des nächsten, nach
außen führenden Kubus verbunden ist.
Die Wissenschaftler nehmen an, daß
der neue Supercomputer pro Sekunde
mehr als 500 Millionen Rechenoperationen durchführen und über eine Milliarde Wörter speichern kann.
Einer der bisher leistungsstärksten
Computer
steht
im Arnes-Forschungszentrum der NASA (US-Behörde
für Luft- und Raumfahrt); er dient
der aeronautischen Forschung. Dieser
Supercomputer vom Typ Cray-2,der 1987
in Betrieb genommen wurde, hat eine
Speicherkapazität von 256 Millionen
Wörtern und kann pro Sekunde 250 Millionen
Rechenoperationen
ausführen.
Gegenwärtig wird er für die Entwicklung der geeignetsten Konfiguration
des Raumflugzeuges benutzt, das wie
ein Flugzeug horizontal startet und
mit verbesserten Düsenantriebssystemen in die Erdumlaufbahn eintritt.
Außerdem arbeiten NASA-Ingenieure mit
dem Caray-2-Computer an einem Rettungssystem
für die Besatzung des
Raumtransporters sowie an einer lei-

stungsfähigeren Konstruktion
biter-Haupttriebwerke .

der Or-

Am Ultrafast Electronics Laboratory der Stanford-UniversitMt entwikkelte inzwischen eine Forschergruppe
auf der Basis von Galliumarsenid einen Chip mit integrierten Schaltkreisen von 3,5 Picosekunden Arbeitsgeschwindigkeit
bei
Raumtemperatur.
Das sind 3,5 Billionstel einer Sekunde.
Damit sind wichtige Voraussetzungen für den Bau von Meßinstrumenten zur Prüfung der neuen Computer
geschaffen worden.

* * * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Vereinigte Staaten stimmen Afghanistan-Vereinbarung zu&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: SDI noch aussichtsreicher durch technische Fortschritte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview mit "Strategie Defense" &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Copyright (c) 1988 by Phillips Publishing, Inc.)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sowjetische Desinformation dauert trotz Glasnost unvermindert an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus USIA-Studie über sowjetische aktive Maßnahmen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988&lt;br /&gt;Die demokratischen Kandiaten und der "Schmelztigel" New York&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vorschau auf die Vorwahl im Staat New York&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neuer Supercomputer&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Lösung komplexer Probleme in kürzester Zeit möglich&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
\ ü N

Sonderdienst

4

13. April 1988

DIE SICHERHEITSPOLITIK DES BÜNDNISSES
IM ZEITALTER SICH WANDELNDER OST-WEST-BEZIEHUNGEN

Rede von
Botschafter Richard R. Burt
gehalten vor den Delegierten heim außenpolitischen Kongreß der CDU
"FREIHEIT, SICHERHEIT, ZUSAMMENARBEIT"

Sperrfrist;

Donnerstag, 14. April 1988, 10.45 MESZ

United States Information Service,
Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�BONN - (AD) - Dem amerikanischen Botschafter Richard R. Burt zufolge sind
Konzepte, die eine "Sicherheitspartnerschaft" mit dem Warschauer Pakt, eine
Entnuklearisierung Europas, eine "defensive Verteidigung" oder die Entamerikanisierung der westlichen Verteidigung propagieren, mit gravierenden Mängeln
behaftet und unnötig. Während er eine konstruktive Debatte über alternative
Strategien und Strukturen der NATO befürwortete, vertrat Burt in einer am 14.
April 1988 in Bonn vor den Delegierten beim außenpolitischen Kongreß der CDU
über "Freiheit, Sicherheit, Zusammenarbeit" gehaltenen Rede die Auffassung,
daß keines der in jüngster Zeit vorgebrachten Konzepte eine gültige Alternative zur heutigen Struktur der westlichen Sicherheit biete. Der Botschafter
sicherte die Unterstützung der Vereinigten Staaten für ein Gesamtkonzept zu,
dessen Formulierung heute schon innerhalb der NATO Gestalt annehme.
Die Rede des amerikanischen Botschafters hat folgenden Wortlaut (es gilt
das gesprochene Wort):

Wir befinden uns in einer interessanten
und
vielversprechenden
Phase der Ost-West-Beziehungen. Dies
gilt ganz besonders für die Rüstungskontrolle. Nach einem von Fehlstarts
und Stagnation gekennzeichneten Jahrzehnt haben wir jetzt ein Abkommen
von großer Tragweite unterzeichnet den INF-Vertrag.
Ferner haben wir
beträchtliche Fortschritte im Hinblick auf ein Abkommen über den Abbau
strategischer Waffen erzielt; wir
sind mit der Aushandlung von Einzelheiten eines Verbots chemischer Waffen befaßt, und wir werden gegebenenfalls in Kürze eine neue Gesprächsrunde über das konventionelle Gleichgewicht mit dem Osten aufnehmen.
Die Chancen für Fortschritte in
den Ost-West-Beziehungen sind natür-

lich nicht auf Rüstungskontrolle allein begrenzt. Die Sowjetunion hat
dem Abzug ihrer Truppen aus Afghanistan zugestimmt.
Ein das gesamte
Spektrum der regionalen Probleme umfassender
Dialog
ist
zwischen
Washington und Moskau zustandegekommen. Und beflügelt durch Perestrojka
und Glasnost im eigenen Land ist der
Klimawechsel - wenn auch noch eher
zögerlich - in der gesamten Sowjetunion allmählich spürbar. Den Völkern Europas bieten sich nun in zweifacher Hinsicht Chancen: der Osten
könnte sein Schicksal selbst in die
Hand nehmen - und der Westen einen
schrittweisen Abbau der Schranken anstreben, die den europäischen Kontinent weiterhin teilen.
Angesichts

dieses

sich

abzeich-

�nenden Wandels sollte es nicht überraschen, daß man sich im Westen - und
insbesondere in der Bundesrepublik
Deutschland - zunehmend damit auseinandersetzt, wie die Sicherheit des
Westens in Zukunft besser gestaltet
werden sollte. Die in weiten Teilen
Europas inzwischen verbreitete Auffassung, die Sowjetunion stelle keine
ernsthafte
militärische
Bedrohung
mehr dar, hat diesen Trend ebenso begünstigt wie die Fortschritte, die
wir bereits im Bereich der atomaren
Rüstungskontrolle erzielt haben. So
konnten wir in der öffentlichen Diskussion eine Reihe von neuen Ansätzen
zum Thema westliche Sicherheit beobachten - einige eher radikal, andere
mit einem gemäßigten Unterton, aber
dennoch mit Schwierigkeiten behaftet.
Einige dieser neuen Ansätze würden das derzeitige Fundament der
westlichen Sicherheit maßgeblich verändern, wenn nicht sogar vollständig
ins Wanken bringen.
Einem - dem
vielleicht radikalsten - dieser Ansätze zufolge würden wir unser traditionelles Vertrauen auf militärische
Einsatzbereitschaft und die gefestigte Struktur des Bündnisses zugunsten
einer sogenannten "Sicherheitspartnerschaft" mit dem Warschauer Pakt
und einer vagen Politik gegenseitiger
Beteuerungen des Verzichts auf Aggressionen aufgeben.
Diesem Ansatz
liegt anscheinend der Gedanke zugrunde, die Europäer in Ost und West sähen sich einer gemeinsamen Gefahr
ausgesetzt - der Bedrohung durch
Krieg und Vernichtung - und sollten
versuchen, diese Gefahr durch gemeinsame politische Maßnahmen zu überwinden statt durch die Beibehaltung der
Streitkräfte. Militärische Bündnisse
und die Aufrechterhaltung der Einsatzbereitschaft - so die Behauptung
weiter - sind weit davon entfernt,
den Frieden zu sichern und tragen nur
dazu bei, Mißtrauen und Unsicherheit
zu nähren.
Eine zweite Kategorie der neuen
Vorschläge
zur Sicherheit fordert
zwar keine Abkehr vom Bündnis, aber
einen radikalen Wandel der bestehen-

den NATO-Doktrin und Struktur. Einem
solchen Vorschlag zufolge würde die
atomare Komponente des Verteidigungspotentials der NATO abgebaut, wohingegen die konventionelle Truppenstruktur weitgehend unberührt bliebe.
Dieser Vorschlag scheint sich aus der
irrigen Auffassung abzuleiten, der
INF-Vertrag
stelle
einen
ersten
Schritt in Richtung auf die unvermeidliche Entnuklearisierung Europas
dar, und könnte vielleicht in Verbindung mit einer einschneidenden Reduzierung der strategischen Waffen zur
vollständigen Abschaffung der nuklearen Abschreckung selbst führen. Er
geht davon aus, daß eine stabile konventionelle Verteidigung auf der Ebene eines annähernden Gleichgewichts
zwischen Ost und West Aggressionen
ebenso erfolgreich abschrecken kann,
wie dies in den vergangenen 40 Jahren
mit Nuklearwaffen möglich war.
Einer Spielart dieses Ansatzes
zufolge sollte der Westen gleichzeitig mit dem Verzicht auf nukleare Abschreckung auch seine konventionellen
Streitkräfte umstrukturieren und ihnen die Fähigkeit zu Offensivoperationen nehmen. Aufgrund dieser Theorie der "defensiven Verteidigung"
sind
Struktur
und Rüstungen
der
Streitkräfte beider Bündnisse heutzutage vorwiegend auf raumgreifende Offensiven ausgerichtet. Damit tragen
sie zur Verfestigung von Bedrohungsvorstellungen auf beiden Seiten sowie
einer Verstärkung des Risikos bei,
daß eine politische Krise zwischen
Ost und West einen vernichtenden bewaffneten Konflikt zur Folge haben
könnte.
Bei dem Versuch, jegliche
Fähigkeit zu Offensivaktionen abzubauen, würden die Befürworter der
"defensiven Verteidigung" die einsatzbereiten Truppen verringern und
den Bestand an Panzern, Artillerie
und Strike-Flugzeugen erheblich abbauen - falls erforderlich durch Verhandlungen mit dem Osten, oder im
Falle des Scheiterns solcher Verhandlungen, einseitig.
Sie planen eine
Streitkräftestruktur, die vorwiegend
aus ausschließlich "defensiv" bewaffneten Reservisten besteht und auf

- 2 -

�Barrikaden und andere passive Mittel
zurückgreift, um den Vormarsch des
Feindes aufzuhalten. Falls erforderlich würde eine Strategie der Guerilla-Kriegführung
angewendet, um die
Invasoren zu schwächen und schließlich zu vertreiben.
Einer dritten Kategorie neuer Ansätze im Bereich der Sicherheit zufolge würde das Atlantische Bündnis
politische Veränderungen
in seiner
Struktur erfahren.
Vorrangig unter
diesen Ansätzen
ist der Vorschlag
einer Entamerikanisierung des Bündnisses und der vollständigen Übernahme
der
eigenen
Verteidigungslast
durch die Europäer.
Dieser Ansatz
fordert die Beibehaltung der derzeitigen Militärstrategie des Bündnisses
und beständiges Vertrauen auf nukleare Abschreckung.
Dadurch würde die
durch den Abzug amerikanischer Truppen entstandene Kluft im konventionellen Bereich mit europäischen und
insbesondere
französischen
Streitkräften
überbrückt,
wobei
Großbritannien und Frankreich die Rolle
der Vereinigten Staaten als nuklearer
Garantiemacht übernehmen würden.
Eine fruchtbare Diskussion über
alternative Strategien und Strukturen
im Bündnis sollte begrüßt und gefördert werden. Selbst wenn sich diese
Alternativen
als nicht
praktikabel
erweisen
sollten, zwingt
uns
die
bloße Tatsache ihrer Erwägung zum
überdenken
unserer
derzeitigen Sicherheitspolitik, um deren Gültigkeit
erneut zu bekräftigen oder die unseres Erachtens erforderlichen Anpassungen
vorzunehmen.
Unter Berücksichtigung all dieser Faktoren sollten wir zu einer genauen Überprüfung
jedes einzelnen dieser in letzter
Zeit
erörterten
Sicherheitskonzepte
bereit sein. Wir sollten jedoch auch
willens sein, in der Öffentlichkeit
das Augenmerk auf die gravierenden
Mängel zu lenken, die sich bei genauer Überprüfung ergeben haben. Ebenso
wie das Befürworten eines Arguments
ist seine Widerlegung elementarer Bestandteil jeder fruchtbaren und konstruktiven Debatte.

- 3

Lassen Sie mich zunächst zum Konzept einer "Sicherheitspartnerschaft"
mit dem Osten Stellung nehmen.
Sicherlich sollten wir mehr Offenheit
in den Ost-West-Beziehungen anstreben:
Jede Seite sollte in der Lage
sein, die eigenen besonderen Sicherheitsinteressen mit der anderen zu
besprechen, die ihrerseits wiederum
bereit sein sollte, sie konstruktiv
zu behandeln.
Genau dies versuchen
wir derzeit mit der Sowjetunion zu
erreichen. Von Offenheit zu Partnerschaft überzugehen hieße jedoch, die
grundlegende Tatsache zu ignorieren,
daß zumindest nach dem heutigen Stand
nur eine geringe Übereinstimmung der
Sicherheitsinteressen in Ost und West
vorliegt.
Das Atlantische
Bündnis
wurde als ein freier Zusammenschluß
demotcratischer Staaten zu dem Zweck
geschaffen, ihre territoriale Integrität und ihre Lebensweise gegen
ausländische Aggression zu verteidigen.
Dies ist auch weiterhin der
Fall.
Trotz "Glasnost" bleibt der
Warschauer Pakt ein Instrument zum
Erhalt des sowjetischen Imperiums in
Osteuropa - und damit der unnatürlichen Teilung des Kontinents.
Wir
müssen klar erkennen, daß sich die
sowjetische
militärische
Bedrohung
gegenüber
Westeuropa
unter
Gorbatschow nicht gewandelt hat. Das
wesentliche Problem europäischer Sicherheit ist auch weiterhin die Tatsache, daß Kampfkraft, Doktrin und
Ausbildung des Warschauer Pakts auf
die Führung eines Offensivkrieges auf
westeuropäischem
Territorium
ausgerichtet sind. Es kann keine wirksame
Strategie für den Westen geben, die
diese zentralen
Punkte außer acht
läßt. Wir sollten ferner in Erinnerung behalten, daß eine Sicherheitspartnerschaft mit einer Sowjetunion,
die ihre Besetzung Osteuropas aufrechterhält, uns die Last der Mitverantwortung für diese Besetzung auferlegen würde.
Das Konzept einer "Sicherheitspartnerschaft"
hat
außerdem
den
schwerwiegenden Mangel, daß es die
Ost-West-Beziehungen
lediglich
auf
ihre militärische Dimension verrin-

�gert.
Es ignoriert die Hauptursache
für die Spannungen in Europa und wendet sich lediglich den Symptomen zu.
Wie Präsident Reagan in seiner Rede
vor dem Brandenburger Tor im vergangenen Juni bemerkte:
"Ost und West
mißtrauen sich nicht, weil wir bewaffnet sind. Wir sind vielmehr bewaffnet, weil wir einander mißtrauen.
Und unsere Differenzen beziehen sich
nicht auf Waffen, sondern auf Weltanschauungen."
Selbstbestimmung
und
Menschenrechte sind ebenso Bestandteil der Sicherheit zwischen Ost und
West wie militärische Stärke und Fähigkeiten.
Bis zur Überwindung der
unnatürlichen Teilung Europas ist jeder Gedanke an die Schaffung einer
"Sicherheitspartnerschaft"
mit
dem
Osten, gelinde gesagt, verfrüht.
Obwohl damit zumindest die Grundstruktur
des
Bündnisses
erhalten
bliebe, ist auch das Konzept der
"konventionellen
Abschreckung"
im
Grunde ebenso wenig durchführbar wie
das
der
"Sicherheitspartnerschaft".
Immer wieder - und am verheerendsten
im Jahr 1914 - hat die Existenz eines
konventionellen
Gleichgewichts
den
Ausbruch eines Krieges nicht verhindern können, und es gibt keinen Grund
zu der Annahme, daß diese historischen Abläufe in absehbarer Zukunft
eine Umkehrung erfahren können. Nur
eine glaubhafte Androhung des Einsatzes nuklearer Waffen kann einen möglichen Angreifer wirklich abschrecken
und somit den Frieden erhalten. Die
nukleare Abschreckung hat uns in den
vergangenen 40 Jahren gute Dienste
erwiesen, und dies sollte so bleiben.
Wir sollten daher die Gipfel-Erklärung der NATO vom März dieses Jahres
begrüßen, in der eine deutliche Bestätigung für die Beibehaltung der
nuklearen Abschreckung sogar für den
Fall enthalten ist, daß wir auf dem
Verhandlungswege zu einem Gleichgewicht bei den konventionellen Streitkräften in Europa gelangen.
"Defensive
Verteidigung"
verstärkt lediglich die Nachteile der
"konventionellen Abschreckung".
Sie
würde der NATO die Beweglichkeit neh-

men, die zur Erwiderung einer Offensive des zahlenmäßig überlegenen Gegners notwendig ist.
Sie würde uns
dazu zwingen, unsere Strategie der
Vorneverteidigung
zugunsten
einer
Verteidigung in der Tiefe aufzugeben
- eine Strategie, die von Generationen politisch und militärisch Verantwortlicher im Westen einstimmig abgelehnt wurde.
Innerhalb der engen
Grenzen Mitteleuropas ist die Verteidigung in der Tiefe gleichbedeutend
mit einer Aufforderung zum Rückzug an
den Rhein.
Sie hätte die völlige
Verwüstung eines Großteils der Bundesrepublik
Deutschland
zur Folge,
eine Verwüstung, die schlimmer als
die des Zweiten Weltkrieges wäre.
Anhänger
der "defensiven Verteidigung" behaupten, ein schwer bewaffneter und zahlenmäßig überlegener Angreifer könne von Partisanen besiegt
werden, die mit
Panzerabwehrwaffen
und ähnlichem ausgerüstet sind.
Die
öffentliche Meinung in Großbritannien
hat diese bizarre Vorstellung ganz
richtig als Scherz abgetan, als diese
vergangenes Jahr im Wahlkampf vorgebracht wurde.
Kein Kenner militärischer Strategien kann dies ernst
nehmen. Kann sich jemand einen Guerillakämpfer vorstellen, der - nur
mit einer Panzerfaust bewaffnet
massivem Artilleriebeschuß widersteht
und dann sowjetische Panzerformationen im Teutoburger Wald oder in den
Straßen
Hamburgs
systematisch
ausschaltet?
Das letzte dieser neuen Konzepte
- die Entamerikanisierung der westlichen Sicherheit - basiert auf einem
grundlegenden Mißverständnis über die
Rolle der amerikanischen Streitkräfte
in Europa sowie über die Auswirkungen
des INF-Vertrages. Die amerikanische
Präsenz in Europa kann nicht lediglich als zahlenmäßige Größe bewertet
werden, als eine gewisse Anzahl von
Personalstellen, die genausogut von
Europäern
besetzt
werden
könnten.
Sie ist vielmehr elementarer Bestandteil einer Strategie, mit der die
Verteidigung Europas und der Vereinigten Staaten aneinander gekoppelt
sind. Es liegt auf der Hand, daß eu-

- 4 -

�ropäische Soldaten diese Rolle nicht
übernehmen können.
Die Befürworter
einer Entamerikanisierung des Bündnisses - auf beiden Seiten des Atlantiks - liegen außerdem schlicht
falsch mit ihrer Annahme, die Beseitigung amerikanischer Mittelstreckenraketen würde letzten Endes zu einem
vollständigen
Abzug
amerikanischer
Truppen aus Europa führen. Amerikanische Streitkräfte bleiben so lange in Europa, wie die Europäer dies
wünschen. Dies möchte ich hier unmißverständlich zum Ausdruck bringen.
Die
Entamerikanisierung
wirft
darüber hinaus eine Reihe weiterer
sehr heikler Fragen auf. Würden die
europäischen Nationen wirklich die
Reihen
der abziehenden Amerikaner
füllen, indem sie den Umfang ihrer
Armeen und ihrer Verteidigungshaushalte vergrößern?
Meiner Meinung
nach könnte ein Abzug amerikanischer
Truppen keinen stimulierenden, sondern eher einen demoralisierenden Effekt haben, der die Europäer dazu
veranlaßt, weniger anstatt mehr zu
tun. Wären Großbritannien und Frankreich darauf vorbereitet, ihren nuklearen Schutz auf die nicht atomar
bewaffneten Länder Westeuropas auszuweiten?
Das bezweifle ich.
Und
schließlich, wie würden letztere an
Entscheidungen zu nuklearen Fragen
teilhaben, wenn Großbritannien und
Frankreich tatsächlich die nuklearen
Garantiemächte für Westeuropa würden?
Unter solchen Umständen würde ich ein
fast unlösbares Problem der Handhabung nuklearer Fragen vorhersehen.
Abgesehen von diesen Argumenten
stellt sich uns die entscheidende
Frage, ob im Gegensatz zu den Erfahrungen zweier Weltkriege das europäische Gleichgewicht nun ohne einen
amerikanischen Beitrag aufrechterhalten werden kann. Wenn die Demokratien Westeuropas glauben, ohne amerikanische Unterstützung in Frieden und
Freiheit leben zu können, würden die
Amerikaner diese Last gerne ablegen.
Wir müssen uns jedoch davor hüten,
beim amerikanischen Kongreß den Eindruck zu erwecken, Europa halte unse-

ren Beitrag für überflüssig, wenn er
dies in Wirklichkeit nicht ist.
Meine Schlußfolgerung aus diesem
kurzen Überblick lautet, daß keines
dieser neu vorgeschlagenen Konzepte
für die Gestaltung der westlichen Sicherheit eine vernünftige Alternative
bietet.
Alle sind mit gravierenden
Mängeln behaftet. Außerdem sind sie
unnötig. Die bloße Tatsache, daß wir
in eine dynamische Phase der OstWest-Beziehungen
eingetreten
sind,
macht nicht zwangsläufig die Preisgabe oder Umstrukturierung des Atlantischen Bündnisses und einen Vorstoß
ins Ungewisse - mit all den damit
einhergehenden Risiken - erforderlich.
Struktur und Strategie des
Bündnisses, wie sie sich in den vergangenen 40 Jahren herausgebildet haben, behalten im Kern heute wie auch
in Zukunft ihre Gültigkeit. Dies war
die zentrale Aussage des NATO-Gipfels
im März. Mit anderen Worten, wie ich
zu sagen pflege: "Wenn etwas nicht
kaputt ist, soll man nicht daran
herumreparieren." Dies ist - meiner
Ansicht nach - der Ausgangspunkt des
von der Christlich Demokratischen
Union am 18. Februar vorgelegten Diskussionsentwurfs zur Außen-, Sicherheits-,
Europa- und
Deutschlandpolitik.
Wie gesagt - das Festhalten an
der Grundstruktur und -Strategie des
Bündnisses schließt andererseits evolutionäre
Anpassungen
nicht
aus.
Tatsache ist, daß die Geschichte der
NATO eine Geschichte stetiger Anpassung an neue technologische und politische Möglichkeiten ist. Zwei dieser gegenwärtig stattfindenden Anpassungsvorgänge sind im Hinblick auf
ihr Potential für eine Stärkung der
Fähigkeiten und des Zusammenhaltes
des Bündnisses besonders bedeutsam.
Erstens ist die weitere Europäisierung des Bündnisses - wiewohl wir
einer Entamerikanisierung entgegentreten sollten - strategisch und politisch sehr wohl sinnvoll. Die Vereinigten Staaten unterstützen die
Stärkung des europäischen Pfeilers

- 5 -

�voll und ganz. Wir begrüßen die Wiederbelebung der WEU, den Ausbau und
die Intensivierung der deutsch-französischen Sicherheitsbeziehungen sowie die Diskussionen über Sicherheitsfragen im Rahmen der europäischen
politischen
Zusammenarbeit.
Diese Bemühungen zur Konsolidierung
des europäischen Pfeilers zielen - so
wie es sein sollte - darauf ab, die
amerikanische Beteiligung am Bündnis
zu ergänzen anstatt sie zu ersetzen.
Neben
den potentiellen
praktischen
Vorteilen
im militärischen
Bereich
haben diese Bemühungen zwei bedeutende politische Vorzüge. Erstens wird
in dem Maße, in dem sich Europa mit
der eigenen Verteidigung identifizieren kann - so daß die NATO nicht lediglich als amerikanische Institution
betrachtet wird - die Unterstützung
für das Bündnis in der europäischen
Öffentlichkeit
wachsen.
Zweitens
wird die Stärkung des europäischen
Pfeilers dazu beitragen, die Amerikaner - und insbesondere skeptische
Kongreßabgeordnete - zu überzeugen,
daß die Europäer der Verteidigung Europas genauso verpflichtet sind wie
sie selbst.
Die zweite Anpassung ist die Neueinschätzung der nuklearen Notwendigkeiten und der Rüstungskontrollprioritäten des Bündnisses, wie sie - zumindest hier in der Bundeshauptstadt
- unter dem Begriff "Gesamtkonzept"
verstanden
wird.
Die
Vereinigten
Staaten unterstützen die Entwicklung
eines
solchen Gesamtkonzepts.
Der
NATO-Gipfel im März hat uns mit der
Verabschiedung
einer
ausführlichen
Erklärung zur konventionellen Stabilität auf diesem Weg einen bedeutenden Schritt vorangebracht.
Die Arbeit hat bereits begonnen: Die Hochrangige Beratergruppe und die Nukleare Planungsgruppe der NATO untersuchen die Anforderungen an die NATO
nach dem INF-Vertrag und die Ständigen Vertreter in Brüssel wurden beauftragt,
ein
weitreichendes
Rüstungskontrollkonzept
auszuarbeiten,
das auf dem Kommunique von Reykjavik
vom Juni 1987 fußt.

Bei der Formulierung eines Gesamtkonzepts wird das Bündnis die besonderen Interessen seiner Mitgliedstaaten
berücksichtigen
müssen.
Zweifellos nimmt die Bundesrepublik
Deutschland mit Blick auf ihre exponierte
geographische
Lage,
ihren
nichtnuklearen Status und als Teil
der gespaltenen deutschen Nation eine
besondere Stellung ein.
Die durch
diese besondere Stellung auferlegten
Lasten können jedoch nicht durch die
Beseitigung
der amerikanischen nuklearen Präsenz auf deutschem Boden
gemindert werden.
Eine Entnuklearisierung würde diese Lasten noch erhöhen.
Die Antwort auf die besondere
Stellung der Bundesrepublik Deutschland ist vielmehr, die Konzeption der
nuklearen Risikoteilung innerhalb des
Bündnisses zu bewahren. Für die Vereinigten Staaten bedeutet Risikoteilung die Absage an das Konzept der
Begrenzung eines Atomkrieges auf europäisches Gebiet; für die Bundesrepublik bedeutet es die Ablehnung der
Entnuklearisierung ihres Territoriums.
Natürlich wird nicht nur in Europa Druck zur Neueinschätzung und Revidierung
der
Grundstruktur
und
-Strategie der NATO ausgeübt.
Der
gleiche Druck besteht auch in den
Vereinigten Staaten in Form von vage
definierten Vorschlägen, denenzufolge
wir
uns
der
internationalen
Verpflichtungen entledigen und in eine
Art von Festung Amerika zurückziehen
sollten.
Manch einer in den Vereinigten Staaten möchte unseren nuklearen Schutzschild abbauen und unsere strategischen Streitkräfte nur
zu unserer eigenen Verteidigung reservieren.
Andere möchten die Zahl
der in Europa stationierten amerikanischen Truppen drastisch reduzieren
- bis hin zu einem vollständigen Abzug. Und wieder andere möchten denjenigen Verbündeten, die nicht "genug" für die Verteidigung ausgeben wie immer man dies definieren mag -,
hohe Strafzölle auferlegen.
Glücklicherweise
werden
diese
Gedanken
weiterhin vom amerikanischen Wähler
abgelehnt.
In den Vereinigten Staaten besteht immer noch ein breiter

- 6 -

�r

Konsens zugunsten der beständigen Unterstützung des Atlantischen Bündnisses und der amerikanischen Verpflichtung für die Verteidigung Europas.
Vor kurzem schlug Außenminister
Shultz als Parole des Bündnisses in
der gegenwärtigen Phase des Wandels
im Ost-West-Verhältnis "auf geradem
Kurs" vor. Dieser aus der Seefahrt
entlehnte Begriff trifft meiner Meinung nach insbesondere auf die Herausforderungen und Chancen zu, mit
denen wir uns heute konfrontiert sehen. Wir müssen einen aktiven Dialog
mit dem Osten führen, der auf die Beseitigung der Ursachen von Spannungen
und auf die Reduzierung der RUstungsniveaus - nuklear und konventionell abzielt. Gleichzeitig müssen wir jedoch Schritte zur Sicherung der weiteren Lebensfähigkeit, Glaubwürdigkeit und Wirksamkeit unserer konventionellen und nuklearen Streitkräfte
in die Wege leiten. Nur ein Bündnis,
das dem heutigen in Beschaffenheit
und Struktur in etwa entspricht, kann
diese beiden unerläßlichen Aufgaben
erfüllen.

- 7 -

�</text>
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                <text>Die Sicherheitspolitik des Bündnisses im Zeitalter sich wandelnder Ost-West-Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Richard R. Burt gehalten vor den Delegierten beim außenpolitischen Kongreß der CDU&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;"Freiheit, Sicherheit, Zusammenarbeit"&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

4

20. April 1938

16

INHALT

DOKUMENTATION
USA verdeutlichen Iran den Preis seines unverantwortlichen Handelns
- Ansprache Präsident Reagans zu den Aktionen im Golf Nach Abzug der Sowjets können Afghanen ihr Schicksal selbst in die
Hand nehmen
- Erklärung von Außenminister George Shultz Von den Garantiemächten eingegangene Verpflichtungen sind
"symmetrisch"
- Erklärung der Vereinigten Staaten zur Afghanistan-Übereinkunft -

WIRTSCHAFT
Baker optimistisch über Aussichten für Weltwirtschaft
- Erklärung vor Interimsausschuß des IWF -

HINTERGRUNDMATERIAL
DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
Bush erläutert seine "zentralen Prinzipien" für die Außenpolitik
- Rede vor Zeitungsredakteuren -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Investitionen in die Zukunft
- Präsident Reagan fordert Bewilligung ausreichender Forschungsmittel -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
VON

**

Dokumentation
20. April 1988

16

USA VERDEUTLICHEN IRAN DEN PREIS SEINES UNVERANTWORTLICHEN HANDELNS
- Ansprache Präsident Reagans zu den Aktionen im Golf -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan zufolge haben die Vereinigten Staaten
am 18. April 1988 einen Schlag gegen zwei militärische Ziele des Iran im Golf
ausgeführt, um "klarzustellen, daß die Iraner sich keinen Illusionen über den
Preis ihres unverantwortlichen Handelns hingeben".
Reagan bezeichnete die Aktion der Vereinigten Staaten als "adäquate Antwort auf den jüngsten militärischen Einsatz des Iran gegen amerikanische
Schiffe in internationalen Gewässern und die fortgesetzten militärischen und
terroristischen Angriffe gegen eine Reihe nicht kriegführender Staaten".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung im Wortlaut:

Heute hat unsere Marine eine adäquate Antwort auf den jüngsten militärischen Einsatz des Iran gegen amerikanische Schiffe in internationalen
Gewässern und die fortgesetzten militärischen und terroristischen Angriffe gegen eine Reihe nicht kriegführender Staaten erteilt.
Nach der
Zerstörung der beiden militärischen
Plattformen des Iran, die nach unserer Warnung von ihrer Besatzung geräumt wurden, versuchten einige iranische
Schiffe
und Boote unsere
Schiffe und Flugzeuge anzugreifen.
Dabei wurden drei iranische Schiffe
und mindestens zwei Boote versenkt
oder sehr schwer beschädigt.
Wir haben diesen Schlag ausgeführt, um klarzustellen, daß die
Iraner sich keinen Illusionen über

United States Information Service
Embassy of the United States of America

den Preis ihres unverantwortlichen
Handelns hingeben.
Wir zielen auf
die Abschreckung - nicht die Provokation - zukünftiger iranischer Angriffe ab. Sie müssen wissen, daß wir
unsere Schiffe schützen werden, und
wenn sie uns bedrohen, müssen sie dafür zahlen. Ein normaleres Verhältnis zum Iran Ist wünschenswert, und
wir sind dazu bereit. Aber ein solches Verhältnis ist so lange nicht
möglich, wie der Iran neutrale Schiffe angreift, seine Nachbarn Dedroht,
den Terrorismus unterstützt und die
Beendigung des blutigen Krieges mit
dem Irak verweigert.

* * * * *

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

4

20. April 1988

16

NACH ABZUG DER SOWJETS
KÖNNEN AFGHANEN IHR SCHICKSAL SELBST IN DIE HAND NEHMEN
- Erklärung von Außenminister George Shultz GENF - (AD) - "Jetzt sind für die afghanische Bevölkerung - von sowjetischen Streitkräften befreit - die Voraussetzungen für die Gestaltung ihrer
eigenen Zukunft und für die Rückkehr der Flüchtlinge in ihre Heimat geschaffen
worden," erklärte Außenminister George Shultz im Anschluß an die Unterzeichnung des Afghanistan-Abkommens im Palast der Nationen am 14. April 1988.
Shultz verlieh der amerikanischen Hoffnung Ausdruck, daß die Sowjetunion "ihren Beitrag zu diesem Prozeß leisten wird, indem sie die Waffenlieferungen an
ihr Vasallenregime in Kabul beendet". Amerikanische Regierungsvertreter haben
den Sowjets gegenüber erklärt, daß es "im Einklang mit unseren Verpflichtungen
als Garantiemacht unser Recht ist, dem Widerstand militärische Hilfe zukommen
zu lassen. Wir sind bereit, dieses Recht auszuüben, werden aber Zurückhaltung
mit ebensolcher Zurückhaltung beantworten."
Nachstehend geben wir die Erklärung des Außenministers zum Auftakt einer
Pressekonferenz in Genf wider:
Heute ist Geschichte gemacht worden. Seit mehr als acht Jahren hat
die afghanische Bevölkerung unter einem brutalen Krieg gelitten, der ihr
unermäßlichen Tod, Vertreibung und
Zerstörung gebracht hat. Die Gemeinschaft der Völker war seit langem bestrebt, den Grund für dieses Leid zu
beseitigen: die sowjetische militärische Besetzung Afghanistans. Diese
Bemühungen haben zum Erfolg geführt,
und die Sowjetunion hat sich nun zur
Einhaltung fester Termine für den Beginn und die Beendigung ihres Truppenabzugs verpflichtet.
Diese Leistung spiegelt hauptsächlich den Mut und die Entschlossenheit der afghanischen Bevölkerung
wider, die zur Wiedererlangung ihrer
nationalen Unabhängigkeit einen hohen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Preis bezahlt hat. Fast eine Million
kostbare Menschenleben sind für diese
Sache geopfert worden, und viele Millionen Afghanen haben Jahre im Exil
verbracht.
Ihre Errungenschaften jedoch werden die Sicherheit der gesamten
Menschheit erhöhen, denn ihr heldenhafter Kampf erinnert uns zu Recht
daran, daß eine bedeutende Macht ihren Willen nicht mit Waffengewalt
selbst dem kleinsten Land aufzwingen
kann, wenn sein Volk in seinem Widerstand vereint ist. Jetzt sind für
die afghanische Bevölkerung - von sowjetischen Streitkräften befreit
die Voraussetzungen für die Gestaltung ihrer eigenen Zukunft und zur
Rückkehr der Flüchlinge in ihre Heimat geschaffen worden. Alle Betrof-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�fenen sind aufgefordert, den Afghanen
bei ihren Bemühungen zur Bildung einer Regierung behilflich zu sein, die
den Willen des afghanischen Volkes
zum Ausdruck bringt. Das derzeitige
Regime in Kabul erfüllt diese Voraussetzung nicht, und wir können es
nicht als legitim ansehen.
Wir begrüßen heute auch die Beständigkeit Pakistans bei seiner Unterstützung für die Sache der Afghanen. Auf zuvorkommende Weise hat es
Millionen afghanischer Flüchtlinge in
seinem Land aufgenommen; es hat sich
um deren Bedürfnisse gekümmert und
ihnen grundlegende Unterstützung gewährt - oft angesichts der Androhung
von
Zwangsmaßnahmen,
militärischer
Übergriffe und terroristischer Aktionen. Und es hat bei den Genfer Gesprächen energisch und gewissenhaft
den Frieden verfolgt. Ich gratuliere
dem pakistanischen Volk, Präsident
Zia-ul-Haq,
Premierminister
Junejo
und Staatsminister Noorani für ihren
Anteil an diesem großen Werk. Ich
zolle Pakistans Engagement, Mut und
Entschlossenheit meine Hochachtung.
Für die Gemeinschaft der Völker
beweist die heutige Errungenschaft,
daß gemeinsames Vorgehen zu Ergebnissen führt. Die wiederholten Aufforderungen der Vollversammlung der Vereinten Nationen zum Abzug der sowjetischen Truppen und die scharfsinnigen und nachdrücklichen Bemühungen
des Generalsekretärs der Vereinten
Nationen und seines persönlichen Vertreters haben Früchte getragen. Wieder einmal ist die Bedeutung der Vereinten Nationen und der Prinzipien
ihrer Charta bei der Beilegung internationaler Konflikte bestätigt worden. Ganz besonders loben möchte ich
die Geduld und Ausdauer von Diego
Cordovez. Als persönlicher Vertreter
des Generalsekretärs hat er bei diesen Verhandlungen eine Schlüsselrolle
eingenommen.
Ferner begrüßen wir die Entscheidung der sowjetischen Führung, die zu
dieser großen Leistung beigetragen
hat.
Die Anwesenheit sowjetischer

Truppen in Afghanistan war ein Affront gegen die Gemeinschaft der Völker und eine große Belastung für die
sowjetisch-amerikanischen
Beziehungen.
Die gewissenhafte Ausführung
der in dem heute unterzeichneten Abkommen enthaltenen Abzugsverpflichtungen wird sehr dazu beitragen, die
Atmosphäre in unseren bilateralen Beziehungen und zur Lösung anderer regionaler Konflikte zu verbessern.
Die Vereinigten Staaten fühlen
sich an diese Vereinbarung gebunden,
weil wir glauben, daß es den Weg zur
Wiederherstellung der Kontrolle der
Afghanen über ihr Land ebnen wird.
Wir haben die Sache der Afghanen entschlossen unterstützt und dies wird
auch in Zukunft so bleiben. Unsere
humanitäre Hilfe an die Afghanen werden wir aufrechterhalten.
Und wir
werden alles in unser Macht Stehende
tun, um zu einer Aussöhnung und einem
Wiederaufbau in Afghanistan beizutragen.
Wir hoffen, daß die Sowjetunion
ihren Beitrag zu diesem Prozeß leisten wird, indem sie die Waffenlieferungen an ihr Vasallenregime in Kabul
beendet. Wir haben den sowjetischen
Führern gegenüber erklärt, daß es im
Einklang mit unseren Verpflichtungen
als Garantiemacht unser Recht ist,
dem Widerstand militärische Hilfe zukommen zu lassen. Wir sind bereit,
dieses Recht auszuüben, werden aber
Zurückhaltung mit ebensolcher Zurückhaltung beantworten."
Heute
haben
wir
den
ersten
Schritt hin zu einer sichereren Zukunft für das afghanische Volk getan.
Aber es bleibt noch viel zu tun, und
wir können nicht ruhen, bis die Versprechungen dieses Tages in vollem
Umfang erfüllt sind. Zunächst müssen
die sowjetischen Truppen vollständig
abgezogen werden.
Zweitens müssen
alle Betroffenen große Anstrengungen
zur Förderung der Wiederansiedlung
und des Wiederaufbaus zu unternehmen.
Und gleichzeitig muß eine Regierung
errichtet werden, welche den legitimen Willen des afghanischen Volkes

- 2 -

�widerspiegelt.
Die Versprechungen von heute müssen zum Erfolg von morgen führen. In
Zusammenarbeit mit den Behörden der
Vereinten Nationen und den vielen
Freunden Afghanistans sind wir bereit, unseren Beitrag hierzu zu leisten.

* * * * *

- 3-

�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

^

20. April 1988

16

VON DEN GARANTIEMÄCHTEN EINGEGANGENE VERPFLICHTUNGEN SIND "SYMMETRISCH"
- Erklärung der Vereinigten Staaten zur Afghanistan-Übereinkunft -

GENF - (AD) - Anläßlich der feierlichen Unterzeichnung der politischen
Beilegung des Afghanistan-Konflikts am 14. April 1988 in Genf haben die Vereinigten Staaten in ihrer Funktion als Garantiemacht eine offizielle Erklärung
abgegeben, mit der erneut bekräftigt wird, "die von den Garantieraächten eingegangenen Verpflichtungen sind symmetrisch".
Die einseitige Erklärung setzt die Sowjetunion davon in Kenntnis, daß sich
die Vereinigten Staaten im Einklang mit ihrer Verpflichtung als Garantiemacht
das Recht vorbehalten, den Vertragsparteien in Afghanistan militärische Unterstützung zu gewähren.
Nachfolgend bringen wir die Erklärung im Wortlaut.
Die Vereinigten Staaten haben
sich bereiterklärt, die Aufgabe einer
Garantiemacht
bei der politischen
Beilegung des Afghanistan-Konflikts
zur Beendigung des Blutvergießens in
diesem von Zerstörung heimgesuchten
Land zu übernehmen und die Rückkehr
von Millionen afghanischer Flüchtlinge in ihr Land zu veranlassen.
Mit der Übernahme der Funktion
einer Garantiemacht geben die Vereinigten Staaten folgende Erklärung
ab:
- Die in Absatz 5 und 6 des Dokuments über die gegenseitigen Beziehungen festgelegten Verpflichtungen zum Truppenabzug sind für
die Beilegung des Konflikts insgesamt von zentraler Bedeutung.

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Embassy of the United States of America

Die Einhaltung dieser Verpflichtungen ist unabdingbar für die
Verwirklichung
dieser
Übereinkunft, das heißt, der Beendigung
ausländischer
Intervention
in
Afghanistan und der Wiederherstellung der Rechte des afghanischen Volkes durch die Ausübung
der Selbstbestimmung, wie sie in
der Charta der Vereinten Nationen
und den Resolutionen der Vollversammlung der Vereinten Nationen
zu Afghanistan gefordert werden.
Die von den Garantiemächten eingegangenen Verpflichtungen sind
symmetrisch. In diesem Zusammenhang haben die Vereinigten Staaten die Sowjetunion davon In
Kenntnis gesetzt, daß sich die
Vereinigten Staaten im Einklang

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Tel.: 0228-339 2035
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�mit ihren Verpflichtungen als Garantiemacht das Recht vorbehalten, den Vertragsparteien in Afghanistan militärische Unterstützung zu gewähren. Sollte die Sowjetunion bei der Bereitstellung
von Militärhilfe für die Vertragsparteien in Afghanistan Zurückhaltung üben, werden sich die
Vereinigten Staaten entsprechend
zurückhalten.
- Die Übernahme der Aufgabe einer
Garantiemacht bei der Beilegung
des Konflikts beinhaltet für die
Vereinigten Staaten
in keiner
Weise die Anerkennung des derzeitigen Regimes in Kabul als rechtmäßige Regierung Afghanistans.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

Wirtschaft

^

20. April 1988

16

BAKER OPTIMISTISCH ÜBER AUSSICHTEN FÜR WELTWIRTSCHAFT
- Erklärung vor Interimsausschuß des IWF WASHINGTON - (AD) - Dem amerikanischen Finanzminister James Baker zufolge
gibt es "berechtigten Anlaß zum Optimismus" im Hinblick auf die wirkliche
Stärke der Weltwirtschaft. In einer Ansprache vor dem Interimsausschuß des
Internationalen Währungsfonds (IWF) nahm Baker am Morgen des 14. April 1988 zu
den Perspektiven für die Weltwirtschaft, IWF-Quoten und der Zuteilung von Sonderziehungsrechten Stellung.
Seine Ausführungen haben folgenden Wortlaut:
Die Perspektiven für die Weltwirtschaft, IWF-Quoten und die Zuteilung
von Sonderziehungsrechten
Seit unserem Treffen im vergangenen September haben wir berechtigten Anlaß zum Optimismus in bezug auf
die wirkliche Stärke unserer Volkswirtschaften und die positive Rolle
des Koordinierungsprozesses, an dem
die wichtigsten Industriestaaten beteiligt sind.
- Die scharfen Kurseinbrüche an den
Aktienmärkten im Oktober haben
uns alle mit Sorge erfüllt. Tatsächlich wuchs jedoch das Bruttosozialprodukt in den Industriestaaten in der zweiten Hälfte des
Jahres 1987 schneller als in der
ersten. Die wirkliche Stärke un-

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Embassy of the United States of America

seres Wirtschaftswachstums wurde
eindeutig
unterschätzt.
Heute
stellen wir einen neuen Optimismus im Hinblick auf die Wachstumsaussichten für 1988 fest.
- Mit dieser Leistung der Industriestaaten wurde ein Umfeld geschaffen, in dem das Welthandelsvolumen um fast fünf Prozent anstieg, dem höchsten Prozentsatz
seit 1984. Insbesondere die Exporte der Nichtölförderländer in
der Dritten Welt nahmen im vergangenen Jahr volumenmäßig um
zehn Prozent zu. Dieser Anstieg
trug zu einem realen Wachstum ihres Bruttosozialproduktes um 4
1/2 Prozent bei.
- Zusätzlich hat in den größten In-

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�dustriestaaten
die
Reduzierung
des
außenwirtschaftlichen
Ungleichgewichts begonnen. In den
Vereinigten Staaten nahmen die
Exporte in den vier Quartalen des
Jahres 1987 real um 18 Prozent
zu, während die Importe um nur
sieben Prozent anstiegen.
Des
weiteren erwarten wir dieses Jahr
einen Rückgang des nominalen Handelsdefizits in Dollar und des
Zahlungsbilanzdefizits der Vereinigten Staaten. Die heute morgen veröffentlichten Handelszahlen dürfen nicht isoliert betrachtet werden. Wie bereits gesagt, sollte den jeweiligen Monatszahlen nicht zuviel Bedeutung
beigemessen werden.
Die monatlichen Handelszahlen sind naturgemäß Schwankungen unterworfen.
Wichtig ist jedoch die Tatsache,
daß wir auf dem Weg verringerter
Ungleichgewichte
vorankommen.
Die Exporte befinden sich weiterhin stark im Aufwind; sie liegen
22 Prozent höher als im vergangenen Jahr und nehmen doppelt so
schnell wie die Importe zu.
- Auch in anderen Ländern werden
weiterhin Fortschritte erzielt.
Der japanische Handelsüberschuß
als Teil des Bruttosozialproduktes erreichte 1986 seinen Zenith
und ist seither stetig gesunken;
der Überschuß der Bundesrepublik
Deutschland hat sich vergangenes
Jahr stabilisiert und wird 1988
voraussichtlich
abnehmen.
Es
gibt mehrere Gründe für dieses
positive Wirtschaftswachstum bei
niedriger Inflation sowie für den
sich abzeichnenden Erfolg bei der
Anpassung
der
außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte.
Einer
ist die unseren Volkswirtschaften
innewohnende Stärke. Ein zweiter
basiert auf den im Zusammenhang
mit der stärkeren Koordinierung
der Weltwirtschaft in den führenden Industriestaaten ergriffenen
Maßnahmen.
Die
Vereinbarungen
der G-7 haben den Rahmen für
wichtige Bemühungen und positive
Ergebnisse abgesteckt:
- 2 -

- Die Vereinigten Staaten haben ihr
Defizit im Bundeshaushalt im vergangenen Haushaltsjahr um 71 Milliarden Dollar gesenkt.
Diese
Abnahme ist gleichbedeutend mit
zwei Prozent des Bruttosozialproduktes.
Das allgemeine Defizit
in den Staatsausgaben - einschließlich der Einzelstaaten und
Gemeinden - fiel im Haushaltsjahr
1987 auf lediglich 2 1/4 Prozent
des Bruttosozialproduktes.
- Die vom Präsidenten und der Führung beider Häuser des Kongresses
Ende vergangenen Jahres erzielte
Haushaltsvereinbarung ist ein bedeutender Schritt zur Sicherstellung einer weiterhin zurückhaltenden Ausgabenpolitik.
- Wie der vom Präsidenten im Februar eingebrachte Haushaltsentwurf
deutlich macht, erwarten wir des
weiteren zusätzliche Verringerungen des Defizits in den kommenden
Jahren, wobei das Defizit im Bundeshaushalt bis zum Haushaltsjahr
1990 auf weniger als zwei Prozent
des Bruttosozialproduktes fallen
soll. Außerdem haben wir - trotz
starken politischen Drucks - erfolgreich protektionistische Maßnahmen vermieden.
- Japan hat eine Wirtschaftspolitik
verfolgt, die auf die Aufrechterhaltung starken Binnenwachstums
und die weitere Öffnung seiner
Märkte für Importwaren ausgerichtet ist.
t

- Großbritannien führt eine einschneidende Steuerreform durch,
zu der auch eine erhebliche Senkung der Spitzensteuersätze gehört.
- Die
Bundesrepublik
Deutschland
hat besondere Investitionshilfen
verabschiedet und die Formulierung ihres bedeutenden mittelfristigen Steuerreformprogramms abgeschlossen.
Meiner Meinung nach sollten die

»

�ersten Auswirkungen dieser und anderer koordinierter
Bemühungen eine
Grundlage für die weitere Verringerung außenwirtschaftlicher Ungleichgewichte auf vertretbare Niveaus mit
geringem Inflationsanstieg liefern.
Die Binnennachfrage in den Vereinigten Staaten wuchs vergangenes Jahr
langsamer als das Bruttosozialprodukt
während die Exporte rapide anstiegen.
Dagegen nimmt in Japan auch weiterhin
die Binnennachfrage schneller zu als
das Bruttosozialprodukt. Das gleiche
gilt für die Bundesrepublik Deutschland.
Diese Entwicklungen leisten
einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung der außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte.
Seit Beginn dieses Jahres hat es
beim Wert des Dollar gegenüber anderen führenden Währungen kaum Veränderungen gegeben. Die allgemein größere Wechselkursstabilität spiegelt eine bessere Koordination von Maßnahmen
sowie den anhalten Anpassungsprozeß
wider. Gestern brachten die Minister
und Notenbankchefs der Gruppe der
sieben führenden Industriestaaten ihre Entschlossenheit
zum Ausdruck,
auch weiterhin ihre Wirtschaftspolitik zu koordinieren, um die grundlegenden Komponenten zu stärken und dadurch die Bedingungen für die Wechselkursstabilität zu verbessern. Zusätzlich verständigten sie sich auf
eine weitere enge Zusammenarbeit auf
den Devisenmärkten.
Im Hinblick auf die mittelfristige Perspektive erkennen wir alle die
Notwendigkeit für weitere Maßnahmen
zur Aufrechterhaltung des Wachstums,
Reduzierung der außenwirtschaftlichen
Ungleichgewichte und Bereitstellung
eines günstigeren Umfelds für die
Entwicklung der Weltwirtschaft sowie
weiterer Fortschritte beim internationalen Schuldenproblem.
Wie Sie,
Herr Vorsitzender, schon festgestellt
haben, erfordert diese mittelfristige
Perspektive, daß wir unser Augenmerk
erneut auf die strukturellen Veränderungen in unseren Volkswirtschaften
richten.

In den Vereinigten Staaten wurden
wir durch den Anstieg der Sparquote
auf 4 3/4 Prozent im vierten Quartal
des
vergangenen
Jahres
ermutigt.
Dies ist ein Anstieg gegenüber 3 1/2
Prozent zu Beginn des Jahres 1987 und
4 1/4 Prozent im Jahr 1986. Die betrieblichen Ersparnisse, die in den
Vereinigten Staaten 80 Prozent aller
privaten Ersparnisse ausmachen, sollten mit der verbesserten Wettbewerbsposition amerikanischer Unternehmen
ebenfalls zunehmen.
Die europäischen Staaten haben
Fortschritte bei der Auflockerung der
Arbeits- und Kapitalmärkte sowie beim
Abbau staatlicher Vorschriften für
Unternehmen erzielt. Es muß jedoch
noch viel mehr getan werden, um das
Beschäftigungsniveau
zu heben und
stärkeres nichtinflationäres Wachstum
zu bewirken.
Japan hat bei der Schaffung von
mehr Wettbewerb und Effizienz auf den
Kapitalmärkten
beachtliche
Fortschritte erzielt. Es besteht jedoch
zusätzlicher
Handlungsbedarf,
um
stärkeren Zugang des Auslands zu japanischen Märkten sicherzustellen und
um die verbleibenden Verkrustungen
auf diesen Märkten zu verringern.
Eine Reihe junger Industriestaaten erzielt gegenwärtig Zahlungsbilanzüberschüsse.
Auch sie müssen
mehr beitragen, um ihre Märkte zu
öffnen und zuzulassen, daß sich die
wirkliche Stärke ihrer Währungen umfassender widerspiegelt.
Zusätzlich zu diesen Aufgaben ist
die Bewahrung eines offenen internationalen Handelssystems ein entscheidender Faktor in der eng verflochtenen Welt von heute. Um eine größere
Liberalisierung des Handels - insbesondere bei Agrarprodukten - zu erreichen, unterstützen wir energisch
die Uruguay-Runde multilateraler Verhandlungen.
Wir fühlen uns verpflichtet, auf eine erfolgreiche Runde hinzuarbeiten. Alle Länder sind
jedoch für den endgültigen Erfolg der
Runde verantwortlich, nicht nur die

�•

Industriestaaten.
Wie Sie wissen, trafen sich gestern die Minister der G-7. Wir haben den Koordinierungsprozeß vorangetrieben, indem wir einen mittelfristigen Rahmen entwickelt haben, um
die Beständigkeit der Politik zu
stärken und die mittelfristigen Ziele
abzustecken. Dann konzentrierten wir
uns auf die Indikatoren für die kurzfristige Leistung, die uns als Instrumente für eine Bestandsaufnahme
der von uns auf dem Weg zu unseren
gemeinsamen Zielen gemachten Fortschritte dienen sollen.
Im Zuge dieses Koordinierungsprozesses sind wir ferner übereingekommen, in die Reihe bereits bestehender
Indikatoren einen Warenpreisindikator
als zusätzliches Instrument zur Analyse aufzunehmen.
Wir engagieren uns nach wie vor
uneingeschränkt für die Stärkung des
Koordinierungsprozesses der Weltwirtschaftspolitik.
In diesem Zusammenhang spielt der Fonds bei der Unterstützung der multilateralen Überwachung eine bedeutende Rolle.
Wir
fordern den Fonds auf, die Wirtschaftsindikatoren vermehrt für die
jeweiligen Länder sowie für die Perspektiven der Weltwirtschaft zur Anwendung zu bringen. Fortschritte auf
dieser Ebene können und werden in anderen Bereichen erzielte Fortschritte
verfestigen.

Quoten des Internationalen Währungsfonds
Im Rahmen der Neunten Allgemeinen
Überprüfung der Quoten stimmt das Direktorium derzeit über einen Resolutionsentwurf
zur Verlängerung des
überprüfungszeitraums bis zum 30. April 1989 ab. Die Vereinigten Staaten
unterstützen diese Resolution. Diese
Verlängerung erscheint angebracht, da
dem IWF zur Wahrnehmung seiner Verantwortlichkeiten zahlreiche Ressourcen zur Verfügung stehen.

Im Zusammenhang mit den einschneidenen
Haushaltskürzungen
muß
unsere erste Priorität bei multilateraler Unterstützung jetzt eine generelle Kapitalaufstockung der Weltbank
sein.
Ich möchte ferner Ihre Aufmerksamkeit auf die rapide zunehmenden
Rückstände an dem IWF zustehenden
Zahlungen lenken.
Dies könnte die
Kreditgeber dazu veranlassen, bei der
Bereitstellung
neuer
Kapitalmittel
für den Fonds eher zurückhaltend vorzugehen.
Es sind bereits Schritte
unternommen worden, um die finanzielle Position des IWF zu gewährleisten,
aber es bleibt noch sehr viel mehr zu
tun.
Wir fordern die sich im Zahlungsrückstand
befindlichen
Mitglieder
auf, jede nur mögliche Anstrengung
zur unverzüglichen Erfüllung ihrer
Verpflichtungen zu unternehmen, und
bitten die übrigen Mitglieder, aktiv
an der Lösung dieses Problems mitzuarbeiten.
Angesichts der Tragweite dieses
Problems sollte die Generaldirektion
unseres Erachtens nach dem nächsten
Interimsausschuß einen Bericht über
diesen Sachverhalt vorlegen, in dem
Schritte entsprechend der Aufgabe des
Fonds als Währungsinstitution aufgezeigt werden, um die bestehenden
Rückstände auszugleichen und zukünftige zu vermeiden.

Zuteilung der Sonderziehungsrechte
Im Hinblick auf die Sonderziehungsrechte sind wir nach wie vor
nicht der Auffassung, daß die in den
Artikeln des Abkommens festgelegten
Kriterien für die Zuweisung - insbesondere die langfristige weltweite
Notwendigkeit einer Aufstockung der
bestehenden Reserven - erfüllt worden
sind. Daher stehen wir einer Zuteilung weiter ablehnend gegenüber.
*****

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'^rlo^

20. April 1988

16

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

BUSH ERLÄUTERT SEINE "ZENTRALEN PRINZIPIEN" FÜR DIE AUSSENPOLITIK
- Rede vor Zeitungedakteuren - (AD) - Der folgende Beitrag ist Teil einer Serie, in der das US-Informationsamt (USIA) die Ansichten der Präsidentschaftskandidaten zu außenpolitischen Angelegenheiten und anderen Fragen internationalen Interesses beleuchtet. Der republikanische Kandidat George Bush hat am 15. April 1988 in einer
von uns nachfolgend im Wortlaut abgedruckten Ansprache vor der Amerikanischen
Gesellschaft der Zeitungsredakteure einige "zentrale Prinzipien" erläutert,
die seiner Meinung zufolge "an der Schwelle zu den neunziger Jahren und zum
21. Jahrhundert" die amerikanische Politik leiten sollten.

Ich möchte hier unaufgefordert
eine politische Prognose wagen: die
Wirtschaft blüht und wird weiter blühen, und bei der Wahl in diesem
Herbst wird es kein wichtigeres Thema
geben als die Außenpolitik.
Das bedeutendste Anliegen eines
jeden Präsidenten ist die nationale
Sicherheit der Vereinigten Staaten
und die Förderung des Friedens in der
ganzen Welt. Darüber hinaus impliziert die steigende Bedeutung des
Welthandels eine weitere Zunahme der
Verflechtung von Außen- und Wirtschaftspolitik.
An der Schwelle zu den neunziger
Jahren und zum 21. Jahrhundert sollte
die
Außenpolitik
der
Vereinigten
Staaten meiner Meinung nach von eini-

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Embassy of the United States of America

gen zentralen
werden:

Prinzipien

geleitet

- Erstens müssen wir aus einer Position der Stärke handeln. Wir
haben das historische INF-Abkommen durch den Wiederaufbau des
amerikanischen
Verteidigungspotentials erreicht, indem wir auf
die sowjetische Raketenaufrüstung
in Europa reagiert und am Verhandlungstisch unnachgiebig auf
verifizierbaren
und
asymmetrischen Reduzierungen der Waffen
bestanden haben.
Im Jahr 1983 reiste ich nach Europa, um angesichts gewalttätiger
Proteste der sogenannten Friedensbewegung
die
Stationierung
unserer
Pershing II-Raketen dort zu verteidi-

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Telex: 8-85432

�gen. Die politisch Verantwortlichen
in Europa und letztlich auch die Öffentlichkeit erkannten die moralische
Stärke unserer Haltung, die auf unserem Vorschlag zur vollständigen Abschaffung dieser Waffen gründete.

tischen.
Wir müssen - im In- und
Ausland - eine Kraft für offene Märkte bleiben und dürfen uns nicht hinter
protektionistischen
Schranken
verkriechen, die Zeugnis von unserer
Unfähigkeit zum Wettbewerb ablegen.

Als ich zu einem späteren Zeitpunkt desselben Jahres wiederum nach
Europa reiste, griffen Demonstranten
unseren Konvoy mit Steinen und Flaschen an. Ein junger Mann durchbrach
die Polizeiabsperrung. Ich kann mich
noch genau an sein haßerfülltes Gesicht erinnern, als er mit seiner
Jacke voller Steine auf das Auto einschlug, in dem Bundeskanzler Kohl und
ich saßen.

Ich möchte auf einige Bereiche
näher eingehen, denen wir in den
neunziger Jahren unsere Aufmerksamkeit zuwenden müssen. Wenn diese Bereiche vernachlässigt werden, könnten
sie für die Vereinigten Staaten zu
einer Quelle von Spannungen und Ärgernissen
werden;
feinfühlig
und
sachkundig
behandelt, könnten sie
aber ebensosehr einen neuen Triumph
für Amerika bedeuten.

Hätten wir auf diejenigen in den
Vereinigten Staaten und im Ausland
gehört, die erklärten, die Antwort
bestehe im Einfrieren der nuklearen
Potentiale, wären in Europa 1 000 sowjetische Gefechtsköpfe festgeschrieben worden, während die NATO keinen
einzigen besaß.
Nur durch unsere
Entschlossenheit zur Schaffung eines
Gegengewichts zu dem sowjetischen Monopol wurden Fortschritte in Genf erzielt.

Zunächst möchte ich mich Mexiko
zuwenden. Man kann nicht so lange in
Texas leben wie ich, ohne ein besonderes Gefühl für unseren stolzen und
sehr unabhängigen südlichen Nachbarn
zu bekommen. Das rasche Wachstum der
hispanischen Bevölkerung und die Verbreitung seiner Kultur im Südwesten was sogar auf meine Familie zutrifft
- hat diesen Schmelztiegel Amerika
erheblich bereichert.

Prinzip Nummer zwei:
Die Vereinigten Staaten müssen sich weiterhin in der Welt engagieren. Wenn wir
diejenigen unterstützen wollen, die
nach Frieden und Demokratie streben und dies müssen wir meiner Meinung
nach -, dann können wir dies nicht
mit Worten allein tun.
Die Sowjets haben sich bereitgefunden, aus Afghanistan abzuziehen
und ihre grausame und barbarische Invasion dieses Landes zu beenden, weil
die Vereinigten Staaten willens waren, sich dort weiterhin zu engagieren - den heroischen Mudjahedin Waffen zu liefern. Als Ergebnis haben
wir einen großen Triumph für die
Freiheit errungen.
Prinzip Nummer drei:
Die Vereinigten Staaten können sich aus der
weltwirtschaftlichen Arena ebenso wenig zurückziehen wie aus der poli-

Wir haben seit langem ein enges,
nahezu brüderliches Verhältnis zu unserem anderen Nachbarn Kanada, das
mit einem Freihandelsabkommen besiegelt wurde, das meines Erachtens nach
als eine der bedeutendsten Leistungen
unserer Administration gelten wird.
Dasselbe Verhältnis möchte ich
mit Mexiko anstreben - ein Verhältnis
wirtschaftlichen Wettbewerbs, strategischer Zusammenarbeit und gegenseitigen Vertrauens - eine Beziehung,
die unseren Unterschieden gerecht
wird, und uns dennoch unseren gemeinsamen Zielen näherbringt - mehr Wohlstand und Freiheit des Einzelnen.
Im vergangenen Jahr habe ich mich
in Loreto privat - ohne Protokollführer - mit Präsident De la Madrid zu
einem fruchtbaren und offenen vierstündigen Gedankenaustausch getroffen, und ich hoffe, bald mit dem Sieger
der
mexikanischen
Präsident-

- 2 -

,
i

�schaftswahl im Juni zusammenzukommen.
Meine Berater haben bereits mit
Vertretern des führenden Kandidaten
Saunas Gespräche über die Zukunft
geführt. Ich bin von seinem Wirtschaftsprogramm "Die Modernisierung
Mexikos" beeindruckt.

«

'

Als Präsident werde ich mich für
die Schaffung einer Mexiko, Kanada
und die Vereinigten Staaten umfassenden Freihandelszone einsetzen.
Die
Bildung eines solchen Nordamerikanischen Bundes würde Jahre in Anspruch nehmen, meiner Ansicht nach
aber allen - Kanadiern, Mexikanern
und Amerikanern - Vorteile bringen,
weil damit das Wirtschaftswachstum
auf dem ganzen Kontinent angekurbelt
würde.
Wir teilen mit Mexiko eine Vielzahl gemeinsamer Interessen - das
Verbot von Drogen, die Bewältigung
der Verschuldung Mexikos wie auch Belange, die Einwanderung, Energiepolitik, Umwelt und Handel betreffen aber kein Problem ist wichtiger als
unsere eigene nationale Sicherheit.
Bei unserer langen und durchlässigen
SUdgrenze zu Mexiko müssen wir alles
tun, um Demokratie und freies Unternehmertum in Mexiko zu untermauern.

,

Demokratie ist auch im Lateinamerika auf dem Vormarsch. Seit unserer
Amtsübernahme haben die folgenden
Länder einen Wandel von der Militärherrschaft zur Demokratie erfahren:
Argentinien, Ecuador, Peru, Honduras,
Grenada, El Salvador, Basilien, Uruguay und Guatemala. Neunzig Prozent
der Bevölkerung Lateinamerikas leben
jetzt in einer Demokratie.
Dieses politische Entwicklungsmuster deutet darauf hin, daß nach
einem Abtritt der jetzigen Regierungen in Chile und Paraguay für diese
Länder die Möglichkeit bestehen könnte, sich der Demokratie in erheblichem Maße anzunähern.
Wir müssen
zusammenstehen und
diese oftmals schwachen Demokratien

schützen - wie in dem Fall, wenn ein
Land wie Nicaragua die "Revolution
ohne Grenzen" ausruft und dann eine
Armee unvergleichlichen Ausmaßes aufstellt, oder wenn Kuba den Versuch
unternimmt, das kleine Land Grenada
zu zerrütten - und dennoch die Narben
der Vergangenheit mit Gefühl behandeln.
Im Augenblick unternehmen wir Anstrengungen zum Schutz der zivilen
Herrschaft in Panama gegen Noriega.
Bis jetzt hat er dem von uns ausgeübten wirtschaftlichen Druck standgehalten, und ich kann Ihnen auch den
Grund dafür nennen: aus verschiedenen gut unterrichteten Quellen verlautet, daß er Unterstützung im Umfang von Millionen Dollar aus Libyen
bezieht.
Wir unterstützen die Demokratie
in Panama, wie wir das in ganz Lateinamerika tun. Noriega muß gehen,
und Noriega wird gehen.
Ich möchte jetzt über Asien sprechen, wo wir weiterhin die Vorteile
des nach dem Krieg erfolgten Wiederaufbaus in Japan genießen, unsere
Verteidigung Südkoreas und die Erneuerung unserer Verbindungen mit China,
wo ich 1974 und 1975 diente.
Die Vereinigten Staaten unterhalten seit den Tagen von Sun Jat-sen
und dem Vertrag von Portsmouth von
1910 sowohl zu China als auch zu Japan die besten Beziehungen. Und unsere stille Diplomatie in Südkorea
scheint dieses Land einer echten Demokratie nähergebracht zu haben.
Aber angesichts der enormen Handelsungleichgewichte macht sich in
den Vereinigten Staaten zunehmend Besorgnis über das sogenannte "Trittbrettfahren" der Japaner im Verteidigungsbereich breit.
Ich erwarte von diesem wohlhabenden Land, daß es alles im Rahmen seiner Verfassung mögliche zu seiner eigenen und der Verteidigung der übrigen Welt tut. Ich bin jedoch nicht

- 3 -

�•t
der Auffassung, daß man Japan nicht
zu einem Ausbau seiner nationalen
Verteidigung drängen sollte.
Mehr
als 40 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg reagieren Japans Nachbarn noch
immer empfindlich auf die Wiederbewaffnung Japans.
Stattdessen fordere ich die Japaner und Koreaner auf, uns bei der Unterstützung von Freiheit und Fortschritt in anderer Weise zur Seite zu
stehen...
zum Beispiel auf den
Philippinen. Dort befinden sich die
wichtigsten amerikanischen Stützpunkte im Pazifik - Clark Air Force und
Subic Bay - und die Verhandlungen
über die Zukunft dieser Stützpunkte
sind gerade erst aufgenommen worden.
Präsidentin Aquino und ihre Regierung sehen sich mit einer außerordentlich schwierigen Wirtschaftslage
und gefährlichen Aufruhrern konfrontiert. Hier besteht Bedarf für vermehrte Hilfe aus dem Ausland, und
wenn solche Hilfe von Korea und Japan
gewährt würde, könnte sie zur Festigung unserer eigenen Position beitragen - einer Position, die nicht nur
zur Gewährleistung der Freiheit auf
den Philippinen beiträgt, sondern
auch der ASEAN-Länder und unserer
Freunde im Pazifik.
Das ist die Art der Lastenteilung, wie sie mir vorschwebt - nicht
nur eine Aufrechnung der Kosten nach
dem Motto "wie Du mir, so ich Dir",
sondern auf Gedankenaustausch und geteilte Verantwortung gegründete wechselseitige und gemeinsame Anstrengungen, die zur Stärkung der freien Welt
insgesamt beitragen.
Wir müssen vermehrte Anstrengungen unternehmen, unsere Freunde in
der Welt davon zu überzeugen, daß die
amerikanischen Stützpunkte sich dort
befinden, um die lebenswichtigen Interessen der freien Welt zu schützen.
Ich reagiere verärgert, wenn einige
Elemente in befreundeten Ländern gedankenlos unsere Stützpunkte als Bedrohung der Souveränität jenes Landes
angreifen. All dies spielt dem Iso-

lationismus im eigenen Land
Hände.

in die

Ich möchte mich jetzt dem Subkontinent zuwenden ... Die Sowjets haben
ihr Versprechen zum Abzug der Truppen
aus Afghanistan gegeben, bisher ist
es aber nur eine Versprechen: Der
Beweis muß erst noch erbracht werden.
Die nächste Herausforderung an
uns wird darin liegen, mit den Ländern der Region und anderen zusammenzuarbeiten, um sicherzustellen, daß
der sowjetische Truppenabzug von Wiederaufbau und Entwicklung gefolgt
ist, so daß dieser Region endlich eine Chance zu Frieden und Freiheit geboten wird.
Der Schlüssel hierzu liegt darin,
alles in unserer Macht stehende zu
tun, um die Beziehungen zwischen zwei
unserer guten Freunden zu verbessern
- Indien und Pakistan - Bestrebungen,
die wir in den vergangenen sieben
Jahren vorangetrieben haben.
Die Stabilität des Subkontinents
wird durch den atomaren Wettbewerb
zwischen diesen beiden Ländern bedroht.
Indien hat einen atomaren
Sprengsatz
gezündet
und
Pakistan
steht kurz davor.
Ich glaube, es
liegt im Interesse keines dieser Länder, diese Richtung weiterzuverfolgen.
Bei einer Reise nach China im
Jahr 1985 habe ich dieses Thema mit
Deng Xiaoping erörtert, der unsere
Bemühungen bei der Begrenzung nuklearer Waffen uneingeschränkt unterstützt.
Die Spirale des nuklearen
Wettrüstens muß ein Ende haben. Die
Inder haben ursprünglich ihre nuklearen Kapazitäten als Reaktion auf die
der Chinesen entwickelt. Jetzt argumentieren die Pakistan!, sie müssten
mit den Indern gleichziehen.
Da
regionale
Spannungen
dem
Wunsch jedes Landes nach Waffen zugrundeliegen, werde ich als Präsident
alles in meiner Macht stehende tun,
Islamabad und Neu Dehli zu einem bilateralen Abkommen zu bewegen, das

- 4 -

�1
jegliche Weiterentwicklung nuklearer
Waffen dort in überprüfbarer Weise
eindämmen würde.
Die Eindämmung der Verbreitung
nuklearer Waffen muß in der amerikanischen Außenpolitik absoluten Vorrang haben - denn es scheint ziemlich
klar zu sein, daß solche Waffen eher
in einem regionalen Konflikt oder bei
einem terroristischen Anschlag verwendet werden, als in einer Auseinandersetzung zwischen den Supermächten.

i

Als Präsident werde ich auf grössere Fortschritte auf diesem Gebiet
und mehr Unterstützung für die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO)
drängen, wobei das Interesse des Präsidenten an der Eindämmung dieser Bedrohung auf jede erdenkliche Art und
Weise deutlicher sichtbar werden soll.
Die IAEO genießt mein rückhaltloses Vertrauen und ich begrüße deren
Bemühungen, aber zur Kontrolle der
Weiterverbreitung müssen wir auf eine
größere Zahl von Vor-Ort-Inspektionen
und
internationalen
Vereinbarungen
hinarbeiten.
Innenpolitisch
werde
ich darauf bestehen, daß unsere Sicherheitsvorkehrungen
gegen
den
Transfer von nuklearer Technologie
rigoros durchgesetzt und regelmäßig
überprüft werden.
Lassen Sie mich nun auch etwas zu
Südafrika sagen. Wir haben dort ein
klares Ziel: die vollständige Beendigung der Apartheid. Um dieses Ziel
zu erreichen, müssen wir meines Erachtens unser Engagement beibehalten.
Wir haben es mit Wirtschaftsanktionen und der Zurückziehung von Anlagekapital versucht, und beides hat
nichts genutzt. Ich bin nicht für
einen Abbruch der diplomatischen Beziehungen. Auch eine Abkehr von den
Sullivan-Prinzipien durch einen vollständigen
Kapitalabzug
unterstütze
ich nicht. Kapitalabzug hat schwarzen Arbeitern schon schwer geschadet
- dies sind die Menschen, denen wir
eigentlich helfen wollen.

Für eine steigende wirtschaftliche Entwicklung in Südafrika wären
dagegen mehr ausgebildete Arbeiter
aus der schwarzen Bevölkerung nötig.
Nur diese Arbeiter, von denen viele
bei amerikanischen Firmen beschäftigt
sind, haben gerade begonnen, ein wenig von der ihnen zustehenden Freiheit zu genießen.
Ich werde aktiv darauf hinarbeiten, Südafrika
dazu zu bewegen,
Nelson Mandela - ohne Bedingungen freizulassen.
Ich werde Mandela dazu ermuntern,
etwas zu tun, wozu er bisher nicht
bereit war: der Gewalt eine Absage
zu erteilen und auf dem Pfad der Gewaltlosigkeit zu wandeln, den auch
Gandhi und Martin Luther King beschritten haben.
Ich werde einen sofortigen Dialog
zwischen der Regierung Südafrikas und
Mandela sowie den anderen verantwortlichen Führern der Schwarzen anregen,
einschließlich
dem
Zulu-Häuptling
Buthelezi, Bischof Tutu sowie den anderen religiösen Führern.
Einfache Antworten auf das Problem Südafrika gibt es nicht. Als
Präsident werde ich an der Beendigung
der dortigen Apartheid arbeiten. Ich
werde mich ebenfalls darum kümmern,
daß unsere eigenen strategischen Interessen durch die Entstehung eines
radikalen
prosowjetischen
Regimes
nicht beeinträchtigt werden.
Unser
Ziel muß lauten: friedlicher Wandel
auf der Basis von Gleichheit zwischen
den Rassen und Demokratie.
Wenn wir Amerikas Stärke und
weltweites Engagement aufrechterhalten, können wir mehr als lediglich
ein Beispiel oder eine Anregung für
andere sein - wir können Triebfeder
für Wandel und Freiheit sein, in Südamerika, in Asien, in Afrika und in
der ganzen Welt.
überall sind Frieden und Demokratie auf dem Vormarsch, und der Kollektivismus tritt immer mehr zurück.

- 5 -

�Unsere Aufgabe in den vor uns liegenden Jahren muß darin bestehen, diesen
Trend zu fördern - für unsere eigenen
Interessen und weil es die richtige
und moralische Handlungsweise ist.
Dies sind die Vereinigten Staaten
von Amerika - das freieste, gerechteste und freigebigste Land, das es
je auf Erden gab. Darin wollen wir
nicht nachlassen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

20. April 1988

16

INVESTITIONEN IN DIE ZUKUNFT
- Präsident Reagan fordert Bewilligung ausreichender Forschungsmittel -

- (AD) - Als eine "unverzichtbare Investition in die Zukunft" bezeichnete
Präsident Ronald Reagan die Bereitstellung ausreichender Mittel für die Grundlagenforschung. In einer landesweit übertragenen Rundfunkansprache appellierte er an den amerikanischen Kongreß, trotz der angespannten Haushaltslage das
vorgelegte Programm zu bewilligen.

Als wichtigste Projekte bezeichnete er neben der Raumstation den
Supraleiter-Großbeschleuniger,
um
dessen Standort sich derzeit mehrere
Bundesstaaten bewerben und die Weiterentwicklung der Supraleitertechnik. Durchbrüche seien auch in der
Biotechnik zu erwarten, die Medizin,
Landwirtschaft und Umweltschutz zu
revolutionieren versprächen.
Gegenwärtig sei man dabei, der
von Bundesbehörden geförderten Forschung
einen größeren Rahmen zu
schaffen. In Zusammenarbeit mit Universitäten seien 14 ingenieurwissenschaftliche
Zentren
speziell
für
Grundlagenforschung in Verbindung mit
Technologien geschaffen worden, die
sich noch in der Entwicklung befinden.
Die Errichtung weiterer zehn

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bis 15 Zentren für Forschung und
Technik auf dem Gebiet der Naturwissenschaft sei geplant.
All diese
Zentren würden eng mit der Industrie
zusammenarbeiten, damit Entdeckungen
schneller als bisher in neue, bessere
und international wettbewerbsfähige
Produkte umgesetzt werden können.
"Wissenschaft ist gewachsen und
mit ihr die Faszination, die sie für
uns alle besitzt", sagte der Präsident. "Aber um in der Wissenschaft
tätig zu sein, müssen mehr und mehr
nationale und sogar multinationale
Mittel in Anspruch genommen werden".
Das Problem heute besteht darin, daß
Wissenschaft auf lokaler Ebene "keine
Wählerschaft" besitze und die Unterstützung seitens der Bundesregierung
wegen der beschränkten Haushaltmittel

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�in Gefahr sei. Der Präsident verwies
auf die immensen Beiträge amerikanischer Forscher zum heutigen Stand
der Wissenschaft. Nach 1945 wurden
mehr Amerikaner mit Nobelpreisen ausgezeichnet als in europäischen Länder
und Japan zusammen. Darüber hinaus
habe man in den USA für die Grundlagenforschung mehr als in anderen Ländern getan - für Forschungen, von denen zunächst niemand sagen könne, was
oder ob überhaupt etwas dabei herauskomme.
Daß durch sie jedoch wichtige
neue Gebiete für die Praxis erschlossen werden, zeigt zum Beispiel die
moderne Lasertechnik.
Reine Forschung, mit Regierungsgeldern finanziert, führte zur Entwicklung des ersten Lasers. Heute, keine drei Jahrzehnte später, werden Laserstrahlen
auf den verschiedensten Gebieten, von
der Mikrochirurgie bis zur Übertragung unvorstellbarer Mengen von Informationsdaten benutzt. Eines Tages
könnten sie sogar ballistische Raketen überflüssig machen. Fernsehen,
Nachrichten- und Computertechnik wären ohne Grundlagenforschung nicht
auf ihrem heutigen Entwicklungsstand.
Und dabei sei - um einen Ausspruch
Albert Einsteins zu zitieren - "Phantasie wichtiger als Wissen". Auch
seL, so Reagan, in der Forschung eines sicher: "Wenn wir es nicht tun,
werden es andere tun, und wir fallen
zurück."
Einer Erhebung der Nationalen
Wissenschaftsstiftung (NSF - National
Science Foundation) zufolge dürften
in den Vereinigten Staaten im Jahr
1988 die Aufwendungen für Forschung
und Entwicklung 132 Milliarden Dollar
betragen, wovon 65 Milliarden aus
staatlichen Quellen kommen. Auf die
Grundlagenforschung entfallen 15 Milliarden Dollar, auf angewandte Forschung 27 Milliarden Dollar und auf
Entwicklung
90 Milliarden Dollar.
Für zwei Drittel der Grundlagenforschung kommt die Bundesregierung auf;
mehr als die Hälfte dieser Bundesmittel geht an Universitäten und Colleges. Angewandte Forschung wird zu

I

52 Prozent von der Industrie, zu 42
Prozent von der Bundesregierung finanziert.
Statistische Angaben über die Anzahl praktizierender Wissenschaftler
und Ingenieure reichen nur bis zum
Jahr 1986, jedoch dürfte die Tendenz
weiterhin steigend sein.
Von den
insgesamt 4,6 Millionen Wissenschaftlern und Ingenieuren waren 2,2 Millionen Wissenschaftler und 2,4 Millionen Ingenieure. 15 Prozent aller
in diesen Berufen Beschäftigten waren
Frauen (d.h. sechs Prozent mehr als
1976).
Unter den Wissenschaftlern
war jeder vierte, unter den Ingenieuren jeder 25. weiblich. Die Beschäftigungsrate in diesen Berufen stieg
von 1976 bis 1986 um 7,1 Prozent an,
bei allen übrigen Tätigkeiten dagegen
nur um 2,1 Prozent. Was die Fachgebiete angeht, so lagen bei den Wissenschaftlern die Schwerpunkte bei
Computerspezialisten (mit 562 600),
Sozialwissenschaften
(427 800) und
Geisteswissenschaften (411 800). Bei
den Ingenieuren standen Elektrotechnik und Elektronik an erster Stelle,
gefolgt von Maschinenbau sowie Hochund Tiefbau.

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA verdeutlichen Iran den Preis seines unverantwortlichen Handelns&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache Präsident Reagans zu den Aktionen im Golf &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach Abzug der Sowjets können Afghanen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Außenminister George Shultz&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Von den Garantiemächten eingegangene Verpflichtungen sind "symmetrisch"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung der Vereinigten Staaten zur Afghanistan-Übereinkunft&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker optimistisch über Aussichten für Weltwirtschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung vor Interimsausschuß des IWF&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988&lt;br /&gt;Bush erläutert seine "zentralen Prinzipien" für die Außenpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede vor Zeitungsredakteuren&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Investitionen in die Zukunft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsident Reagan fordert Bewilligung ausreichender Forschungsmittel&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

27. A p r i l 1938

17

INHALT

DOKUMENTATION
Reagan;

Amerikanische Politik verändert Beziehungen zur Sowjetunion

- Ansprache des Präsidenten vor dem Rat für Auswärtige Politik von
West-Massachusetts -

HINTERGRUNDMATERIAL
Warum INF gut für die NATO Ist
- Von Generalleutnant Colin L. Powell -

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
Dokumentation

17

27. April 1988
REAGAN: AMERIKANISCHE POLITIK VERÄNDERT BEZIEHUNGEN ZUR SOWJETUNION
- Ansprache des Präsidenten vor dem Rat für Auswärtige Politik von
West-Massachusetts -

SPRINGFIELD, MASSACHUSETTS - (AD) - Einen "dramatischen Wandel" erfuhren
Präsident Reagan zufolge die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen, weil
Washington darauf drängte, die "gesamte Bandbreite der wahren Gründe gegenseitigen Mißtrauens" zwischen Ost und West anzusprechen. In einer Ansprache vor
dem Rat für Auswärtige Politik von West-Massachusetts erklärte der Präsident
am 21. April 1988, seine vierte Zusammenkunft mit Generalsekretär Gorbatschow
stünde zu einem Zeitpunkt bevor, da die Verhandlungen über eine "beispiellose
Anzahl von Themen" Fortschritte machten, zu denen Abrüstung, Menschenrechte,
regionale Konflikte sowie Austauschprogramme im wissenschafliehen und kulturellen Bereich gehörten.
Nachstehend veröffentlichen wir die Erklärung des Präsidenten im Wortlaut:

Ich freue mich sehr, heute bei
Ihnen und insbesondere in dem Staat
zu sein, in dem Amerikas Kampf für
die Freiheit seinen Anfang nahm.
"Ich bin mir der Mühsal, des Blutes
und der Schätze sehr wohl bewußt, die
uns die... Unterstützung und Verteidigung dieses Staates kosten wird,"
schrieb John Quincy Adams im Jahr
1776, "und dennoch kann ich trotz all
der Schattenseiten den Strahl der Erleuchtung und des Ruhmes erblicken."
Historiker haben sich seit eh und
je gefragt, was es war, das Männer
wie Adams und jene zahlenmäßig unterlegene Gruppe von Kolonialisten glauben machte, sie könnten die Macht des
gewaltigsten Reiches auf Erden umstürzen. Wie angemessen schien es
da, wenn die britische Musikkapelle

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fünf Jahre später in Yorktown spielte: "Die Welt steht auf dem Kopf."
Die Vorhersagen der klugen Köpfe
Europas haben
sich wahrlich als
falsch erwiesen. Der Mut, die Vision, ja, die Gabe einiger Farmer,
Kaufleute und Rechtsanwälte an diesen
Gestaden zu träumen, läuteten eine
Revolution ein, die heute bis in den
letzten Winkel dieser Welt reicht,
eine Revolution, die immer noch die
Herzen der Menschen erleuchtet und
mit dem Ruhm der menschlichen Freiheit erfüllt.
Sie alle können heute als Mitglieder des Rates für Auswärtige Politik und aktive Beobachter der Weltpolitik bestätigen, wie aussichtslos
zu Beginn dieses Jahrzehnts die Chan-

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�r

cen für die Freiheit waren. Bitte
erinnern Sie sich:
die Demokratie
war in zahlreichen Ländern auf dem
Rückzug; es fand eine beispiellose
Aufrüstung statt; es gab die Geiseln
im Iran und die sowjetische Invasion
in Afghanistan; man sagte wirtschaftliche Engpässe und ein globales Chaos
voraus - von einer Verknappung an Lebensmitteln und Brennstoffen bis hin
zu einer Umweltkatastrophe. All dies
waren die kaum versiegenden Themen,
über die wir in den Medien so viel
erfahren konnten.
Durch die wirtschaftliche Erholung der Vereinigten Staaten und der
westlichen Demokratien hat dieses Gerede jedoch stark nachgelassen. Und
diese wirtschaftliche Erholung, die
in Massachusetts 1981 und 1982 durch
eine Verringerung der staatlichen und
lokalen
Steuersätze
vorweggenommen
wurde, basierte auf der Einsicht, die
den Kern der hier vor zwei Jahrhunderten begonnenen Revolution ausmachte: vertraue den Menschen, halte die
Regierung aus den Dingen heraus, und
lasse die Kraft und Dynamik freier
Menschen sich frei entfalten.
Aber ich bin heute zu Ihnen gekommen, um Ihnen vorzutragen, daß
diese Idee des Vertrauens in die
Kraft menschlicher Freiheit und Übernahme wesentlicher Aufgaben durch den
Einzelnen nicht nur eine gute Basis
für unsere Wirtschaftspolitik war,
sondern sich auch als solide Grundlage unserer Außenpolitik erwiesen hat.
Genau dies gaben wir den Menschen;
deshalb betonten wir erneut, was die
Menschen instinktiv wußten, Experten
jedoch scheuten, öffentlich zuzugeben.
Unsere Erklärungen waren kurz und
bündig. Wir lehnten ab, was Jeane
Kirkpatrick "moralische Äquivalenz"
nannte; wir machten deutlich, daß
Freiheit besser als Totalitarismus,
Kommunismus schlecht und eine Zukunft
nuklearen Terrors unakzeptabel ist.
Wir erörteten, wir stünden zum Frieden ebenso wie zur Freiheit. Wir betonten, wir hielten am Traum unserer
Gründungsväter fest - dem Traum, daß

eines Tages jeder Mann, jede Frau und
jedes Kind in Würde und Freiheit leben können. Daher war unseres Erachtens die Politik des Containment
nicht länger ausreichend, und wir erklärten die Ausweitung menschlicher
Freiheit zu unserem Ziel. Wir sprachen uns für die Demokratie aus. Wir
erklärten, wir arbeiteten auf den Tag
hin, an dem die Menschen aller Nationen in den Genuß der Segnungen der
Freiheit gelangen.
Den Experten schien diese Art der
Offenheit zunächst als gefährlich und
sie hätte ihres Erachtens zu einer
Verschlechterung der sowjetisch-amerikanischen
Beziehungen
geführt.
Aber ganz im Gegenteil: jene Offenheit hat den Sowjets die Ausdauer und
Stärke des Westens vor Augen geführt;
sie hat ihnen zu verstehen gegeben,
daß wir im Hinblick auf sie und ihr
System keine Illusionen haben.

*

Durch die erneute Betonung von
Werten und die wiederholte Darlegung
dessen, wofür wir als Menschen und
als Nation stehen, haben wir natürlich einen moralischen und geistigen
Aspekt hervorgehoben. Dadurch haben
wir eine Hoffnung auf Zukunft und Demokratie zum Ausdruck gebracht, und
wir verdeutlichten, daß wir immer
noch die Gabe der Träume besitzen,
die diesen Kontinent und unser Land
bei seiner Entstehung geprägt hat.
Aber bei alledem haben wir auch
etwas Konkretes unternommen.
Lange
zuvor hatten wir erfahren, daß sich
die Sowjets nur dann zu ernsthaften
Verhandlungen bereit erklären, wenn
ihr Gegenüber zu einer festen Haltung
entschlossen ist. Wir wußten, das
geringste Anzeichen von Schwäche auf
unserer Seite die Sowjets würde dazu
veranlassen, ernsthafte Verhandlungen
zu beenden, Fortschritte auf diplomatischem Gebiet aufzuhalten und zu
versuchen,
jene
offensichtliche
Schwäche auszunutzen.
Wir waren also aufrichtig. Wir
erkannten unsere weitreichenden Meinungsverschiedenheiten
und
ihre

- 2 -

&lt;
*

�grundsätzliche moralische Tragweite
an. Auf diese Weise gaben wir zu,
daß die uns und die Sowjets entzweienden Unterschiede tiefgreifender und
einschneidender waren, als durch das
Zählen von Raketen oder Gefechtsköpfen zu ermessen ist. Wie ich zuvor
bereits erklärt habe, mißtrauen wir
einander nicht, weil wir bewaffnet
sind, sondern wir sind bewaffnet,
weil wir einander mißtrauen. Diese
Äußerungen habe ich bei unserem ersten Treffen in Genf gegenüber Generalsekretär Gorbatschow gemacht.
Daher haben wir uns dazu entschlossen, die gesamte Bandbreite der
wahren Gründe für dieses Mißtrauen
sowie die entscheidenden moralischen
und politischen Themen direkt mit den
Sowjets anzusprechen. In der Vergangenheit schienen die sowjetisch-amerikanischen Beziehungen sich allzu
oft auf ein Thema zu konzentrieren:
Abrüstung. Dies ist eine Stütze, die
nicht stark genug ist, um die gesamte
Plattform
sowjetisch-amerikanischer
Beziehungen zu tragen.
Also haben
wir nicht einfach eine einteilige,
sondern eine breit angelegte vierteilige Tagesordnung für die Rüstungskontrolle aufgestellt. Wir sprachen
über regionale Konflikte, insbesondere in Gebieten wie Afghanistan, Angola und Mittelamerika, wo die sowjetische Expansion zu eklatanten Konfrontationen geführt hat. Wir bestanden darauf, die Menschenrechtsfrage und die sowjetische Nichteinhaltung der Schlußakte von Helsinki
auf die Tagesordnung unserer bilateralen Gespräche zu setzen. Wir legten besonderen Wert auf menschliche
Kontakte und riefen die Sowjets dazu
auf, die künstlichen Schranken niederzureißen, die ihr Volk vom Rest
der Welt isolieren.
Auch das letzte Thema auf der Tagesordnung - die Rüstungskontrolle haben wir einer Überprüfung unterzogen. Wir erklärten, über die bloße
Festlegung neuer Obergrenzen hinausgehen zu wollen, die sogar eine noch
umfangreichere Aufrüstung bei den nuklearen Waffen ermöglicht hätte. Wir

bestanden auf einschneidenden Reduzierungen, nicht einfach Kontrolle
der Zahl von Waffen - Abrüstung und
nicht einfach Rüstungskontrolle.
Dieser Ansatz gegenüber den Sowjets hat nun Früchte getragen: öffentliche Aufrichtigkeit über ihr System und das unsrige und eine umfassende Tagesordnung, mit der die wirklichen Unterschiede zwischen uns offengelegt werden.
Wenn wir die wichtigsten Indikatoren für die wirtschaftliche Situation betrachten, erkennen wir, daß
der weltweite Vorstoß der Freiheit
der beste Indikator für die Position
der Vereinigten Staaten in der Welt
ist. Wenn wir die frei gewählte Regierang in der Republik Korea betrachten, die Siege der angolanischen
Freiheitskämpfer auf dem Schlachtfeld, die Öffnung Chinas und die Liberalisierung seiner Wirtschaft, die
fortschreitende Demokratisierung in
Lateinamerika, auf den Phlippinen und
auf jedem Kontinent - wo diese und
andere Indikatoren stark vertreten
sind, stärkt dies auch Amerika und
unsere Hoffnungen für die Zukunft.
Und dennoch haben die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen trotz
der Freiheit, die sich nun auf dem
Vormarsch
befindet,
einen
dramatischen Wandel erfahren - in ein
Zeitalter echten Engagements. In einem Monat werde ich in Moskau mit
Herrn Gorbatschow zum vierten Gipfel
seit 1985 zusammentreffen. Zwischen
unseren beiden Regierungen finden
Verhandlungen über eine beispiellose
Anzahl von Problemkreisen statt. Der
INF-Vertrag ist Wirklichkeit, und der
Senat sollte nun die Zustimmung zu
seiner
Ratifizierung
geben.
Der
START-Vertrag wird gerade ausgehandelt. Und ich weiß, daß jeder heute
an diese einmalige, überraschende
Tatsache denkt - die Sowjets haben
versprochen, im nächsten Monat mit
dem Abzug ihrer Truppen aus Afghanistan zu beginnen.

- 3 -

Wenn

jemand

vor

einigen

Jahren

�vorhergesagt hätte, noch vor Ende
dieses Jahrzehnts wäre ein Vertrag
über die Beseitigung einer ganzen Kategorie von Nuklearwaffen unterzeichnet, Gespräche über einen 50prozentigen Abbau aller strategischen Nuklearwaffen seien im Gange und die Sowjets hätten einen festen Termin für
den Abzug ihrer Truppen aus Afghanistan bestimmt, dann wäre dieser Jemand auf nicht geringe Skepsis gestoßen. Aber dies ist - unmittelbar
vor dem vierten Gipfel - genau der
Punkt, an dem wir stehen.
Ich möchte jetzt einige der Problemkreise ansprechen, die im Vorfeld
dieses Gipfels noch näher definiert
werden müssen und zunächst auf Afghanistan eingehen.
Die Geschichte verzeichnet wenige
Kämpfe, die so heroisch sind wie die
des afghanischen Volkes gegen die sowjetische Invasion. In acht Jahren
sind mehr als eine Millionen Afghanen
getötet worden. Mehr als fünf Millionen wurden ins Exil geschickt.
Und dennoch hat das afghanische Volk
trotz all seiner Leiden weitergekämpft - ein entschlossener patriotischer Widerstand gegen eine der
mächtigsten und modernsten Armeen.
Ihr Land ist zwar besetzt, aber nicht
erobert worden.
Jetzt haben die Sowjets erklärt,
sie hätten genug.
Der Wille zur
Freiheit hat den Willen zur Macht besiegt, wie er es immer getan hat und
meiner Ansicht nach auch in Zukunft
tun wird.
Aber ich möchte an dieser Stelle
darauf hinweisen, daß die nächsten
Monate keine Zeit der Selbstzufriedenheit sein werden, keine Zeit, um
die Hände in den Schoß zu legen und
sich zu beglückwünschen. Die Sowjets
haben kaum jemals ein Land verlassen
- und schon gar nicht in den vergangenen mehr als dreißig Jahren - das
sie einmal besetzt hatten. Sie haben
oft ihren Abzug versprochen, haben
dies aber im Laufe ihrer Geschichte
kaum jemals wirklich getan - und

wenn, dann nur unter dem Druck des
Westens.
Afghanistan war strategisch gesehen ein wichtiger Gewinn für die Sowjets. Die Errichtung von Luftstützpunkten an den afghanischen Grenzen
zu Iran und Pakistan hätten die Möglichkeiten der Sowjets verbessert,
ihre Macht in die Straße von Hormus
auszuweiten und unsere Fähigkeit bedroht, diesen wichtigen Schiffahrtsweg offenzuhalten.
Wir sind davon
überzeugt, daß sie immer noch hoffen,
ihr zweifelhaftes und zum Scheitern
verurteiltes Marionettenregime halten
zu können, und sie suchen immer noch
das benachbarte Pakistan zu bedrohen,
zu dessen Verteidigung wir uns seit
langem verpflichtet haben.
Uns stellt sich also die Frage:
Haben die Sowjets diese Ziele wirklich
aufgegeben?
Wir wissen es
nicht, und wir können es nicht wissen, bis sich der Vorhang senkt. Wir
müssen klar zu erkennen geben, daß
jede Ausbreitung von Gewalt seitens
der Sowjets oder ihrer Vasallen all
das Gute zunichte machen könnte, das
die Genfer Abkommen für die Ost-WestBeziehungen hoffen ließen.
Die Sowjets sind nunmehr aufgefordert, ihre Streitkräfte spätestens
bis 15. Februar nächsten Jahres vollständig abzuziehen. In der Zwischenzeit wissen sie, daß wir den Mudjahedin auf jede erdenkliche Art und Weise weitere Unterstützung zukommen
lassen, solange sie ihre Freunde In
Kabul unterstützen.
Ich möchte es wiederholen - wir
werden die Mudjahedin so lange unterstützen, wie die Sowjets dem Regime
in Kabul helfen. Die Sowjets kennen
unsere Haltung und wissen, daß diese
Tatsache Vorbedingung der Übereinkunft war.
Aber es handelt sich
hierbei um mehr als nur eine Haltung.
Meinerseits handelt es sich um eine
feste Verpflichtung - die von einer
einstimmigen Resolution des amerikanischen Senats gestützt wird.

- 4 -

�Von Anfang an zielte unsere Afghanistan-Politik darauf ab, diesem
Land wieder zu einem unabhängigen
blockfreien Status zu verhelfen, der
dem afghanischen Volk die Entscheidung über seine eigene Zukunft und
die sichere und ehrenhafte Rückkehr
der Flüchtlinge in ihr Land ermöglichen würde - dieselben Ziele, wie
sie im Laufe der Jahre immer wieder
in zahlreichen Resolutionen der Vollversammlung der Vereinten Nationen
formuliert wurden.

i

*

Aber dies sind nicht die einzigen
Ziele unserer Politik in dieser Region. Im weiteren Sinne beabsichtigt
unsere Politik die Förderung dessen,
was man als "normalere" Beziehungen
zwischen Ost und West bezeichnen
könnte.
Ebensowenig wie diese Sowjetunion, die ihr eigenes Volk unterdrückt, die von ihr mitunterzeichnete Schlußakte von Helsinki über die
Menschenrechte verletzt, die weiterhin das Recht auf Meinungsfreiheit,
freie Religionsausübung und Freizügigkeit unterdrückt - jemals ganz
normale Beziehungen zu den Vereinigten Staaten und der übrigen freien
Welt haben kann, ebensowenig kann eine Sowjetunion, die ständig versucht,
sich in die Angelegenheiten anderer
Länder einzumischen, jemals ein normales Verhältnis mit uns eingehen.
Und genau das ist in Ländern wie Angola, Nicaragua und Äthiopien geschehen. Die Sowjetunion hat gegen den
Willen der Bevölkerung Satellitenregimes zur Regierungsgewalt verholfen
oder diese unterstützt.

mit aufgeblähten Bäuchen sehen oder
Geschichten von Familien hören zu
müssen, die auf ihrem kilometerlangen
Marsch zur Nahrungsmittelvergabe der
Reihe nach starben. Aber jetzt ist
die Hungersnot in ein Land der Hunger
zurückgekehrt.
Äthiopien leidet unter einer Dürrekatastrophe, und es leidet noch
stärker unter einer unzureichenden
Landwirtschaftspolitik. Aber nun ist
zu der Dürre und gescheiterten Politik ein drittes tödliches Element
hinzugekommen - der Krieg.
Die äthiopische Armee hat in
jüngster Zeit in ihrem andauernden
Krieg
gegen die Separatisten in
Eritrea erhebliche Niderlagen erlitten. Das Zusammenspiel von Dürre und
den Zerrüttungen des Krieges ist die
unmittelbare Ursache der Hungersnot
in diesem Teil des Landes. Aber das
äthiopische Regime hat vor kurzem
verfügt, daß alle ausländischen Helfer bei der Bekämpfung der Hungersnot
das Notstandsgebiet im Norden des
Landes verlassen müssen. Das führt
uns zu der erschreckenden Schlußfolgerung, daß Hunger und eine Politik
der verbrannten Erde als Waffe erwogen werden, um die Aufstände niederzuschlagen.

Keines dieser Regime hat den Menschen zu Frieden oder einem besseren
Leben verholfen. Jedes hat Unglück
und Härten mit sich gebracht. Jedes
lastet auf dem Gewissen der Menschheit und ganz besonders das Schicksal
Äthiopiens.

Das Thema Äthiopien steht seit
langem auf der amerikanisch-sowjetischen Tagesordnung, gewinnt jedoch
aufgrund der ungeheuren Katastrophe
für die Menschen zunehmend an Dringlichkeit. Wird die Welt Zeuge eines
weiteren Holocaust?
Wird sie eine
weitere Hungersnot aus politischen
Gründe erleben? Die Sowjets sind der
Hauptlieferant von Waffen und leisten
dem Regime in Addis Abeba die größte
Unterstützung. Ferner liefern sie in
diesem Jahr 250 000 Tonnen Nahrungsmittel.

Vor zwei Jahren glaubte die Welt,
die Hoffnungen aller mitfühlenden
Menschen seien verwirklicht worden
und die Hungersnot in Afrika habe ein
Ende gefunden. Die Menschheit hoffte, niemals wieder Bilder von Kindern

Sie können dieses Desaster im
Keim ersticken.
Ich appelliere an
sie, das äthiopische Regime von der
Abkehr von dieser Entscheidung zu
überzeugen - denn nur sie können dies
- und weitere Bemühungen zur Beendi-

- 5 -

�gung der Hungersnot zu gestatten.
Und ich möchte ferner meiner Hoffnung
Ausdruck verleihen, daß die Sowjetunion gemeinsam mit uns und anderen
besorgten Regierungen auf eine friedliche, ausgehandelte Beilegung dieses
Bürgerkrieges hinarbeitet.
In Äthiopien und praktisch in jedem anderen Land, dem die Sowjets ihr
Regime aufgezwungen haben, müssen die
Themen Menschenrechte und regionale
Konflikte im Kontext eines viel umfassenderen Themenkomplexes betrachtet werden - der sowjetischen Intentionen, Vorhaben und ihres Verhaltens
im eigenen Land wie auch weltweit.
Vor einigen Jahren berichtete der
französische Politologe und Publizist
Jean-Francois Revel über ein Gespräch, das ein Mitglied des französischen Kabinetts mit einem hochrangigen sowjetischen Regierungsbeamten
geführt hat. Revel zufolge erklärte
dieser sowjetische Regierungsbeamte
in einem Rückblick auf die Geschichte
der siebziger Jahre: "Wir nahmen Angola ein - und Sie haben nicht protestiert... Wir haben es zur Kenntnis genommen und in unseren Analysen
vermerkt."
Der sowjetische Regierungsbeamte fuhr fort: "Dann nahmen
wir Mocambique ein - lassen wir das
Thema, Sie wissen ja noch nicht einmal, wo das liegt. Dann nahmen wir
Äthiopien ein, ein entscheidender
Zug... Keine Reaktion... " Und er
fügte hinzu: "Dann nahmen wir Aden
ein und installierten dort einen
wichtigen sowjetischen Stützpunkt...
Aden. Auf der arabischen Halbinsel.
Im Herzen Ihres Nachschubzentrums.
Keine Reaktion." Und der sowjetische
Regierungsbeamte bemerkte abschliessend:
"So stellten wir fest: Wir
können Aden einnehmen."
Die Jahre der Passivität des Westens angesichts sowjetischer Aggression waren natürlich vor sieben Jahren zu Ende. Aber das heutige Problem ist, daß die Mentalität, die
eine solche "Analyse" hervorgebracht
hat, wie der sowjetische Regierungsbeamte sie bezeichnete, immer noch
vorherrscht. Solange dies der Fall

ist, wird die Welt
Frieden erleben.

keinen

wahren

Diese Lektion sollten wir auf dem
eigenen Kontinent, in Nicaragua, besser in die Tat umsetzten. Einige Monate bevor die Sowjets ihre Invasion
in Afghanistan begannen, halfen sie
auch den sandinistischen Kommunisten
in Nicaragua bei der Vereitelung einer demokratischen Revolution.
Die
Kommunisten
versprachen
Demokratie
und Menschenrechte, aber stattdessen
zwangen sie dem Land eine grausame,
schwerbewaffnete Diktatur auf und begannen einen geheimen Krieg der Subversion gegen die friedlichen Nachbarländer Nicaraguas.
Das Volk von Nicaragua griff zu
den Waffen gegen die Kommunisten und
hat einen heldenhaften Kampf geführt.
Aber anstatt dem nicaraguanischen Widerstand dieselbe kontinuierliche Unterstützung wie dem afghanischen Volk
zu gewähren hat unser Kongreß die
Hilfsleistungen
wiederholt
gestrichen. Selbst jetzt, da der Ostblock
Waffen im Wert von einer halben Milliarde Dollar pro Jahr nach Nicaragua
schleust, hat der Kongreß den Freiheitskämpfern die Unterstützung versagt, die sie benötigen, um die Sandinisten zur Erfüllung ihrer demokratischen Versprechen zu bewegen. Ich
denke, es ist an der Zeit, daß der
Kongreß die in Afghanistan gelernte
Lektion beherzigt.
Mit der Unterstützung der Freiheitskämpfer in ihrem Kampf gegen die
brutale Diktatur trägt Amerika zur
Verwirklichung seiner am höchsten
bewahrten Güter bei: Frieden, Freiheit, Menschenrechte und Demokratie.
Gleichzeitig sichern wir unsere eigene Freiheit, indem wir die Kosten der
sowjetischen Aggression in die Höhe
treiben und den Kampf für Freiheit
bis auf die entferntesten Grenzen
ausdehnen.
Manch einer argumentiert, die Sowjetunion nehme in diesen Tagen eine
Neubewertung ihrer Außenpolitik vor,
um sich auf die Reformen im Inneren

- 6 -

t

�zu konzentrieren. Zweifelsohne können wir Zeichen des Wandels ausmachen. Wenn sich jedoch ein solcher
Wandel vollzieht, so deshalb, weil
sie sich die Kosten der Aggression
und der tatsächlichen moralischen Unterschiede zwischen unseren Systemen
klargemacht haben. Wenn wir auf einen grundlegenderen Wandel hoffen
wollen, müssen wir weiterhin fest und
entschlossen bleiben. Wenn wir unsere Verantwortung bei der Festsetzung
dieser Ziele erfüllen und gleichzeitig unsere konstruktive Zusammenarbeit anbieten, dann könnte dies in
der Tat zu einem Wendepunkt in der
Geschichte der Ost-West-Beziehungen
werden.
Mit ihrer jetzt unter Beweis gestellten Bereitwilligkeit zur tatsächlichen Wahrung der Menschenrechte
und der Abkehr von militärischen Lösungen bei der Bewältigung dieser regionalen Konflikte würde die Sowjetunion auch auf Vertrauensbildung und
die Verbesserung der Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern hinarbeiten. Regionale Konflikte und Menschenrechte sind eng miteinander verflochten. Dies sind Themen von moralischer Dimension. Dies sind Belange
der internationalen Sicherheit. Denn
wenn eine Regierung die Rechte seines
eigenen Volkes mißbraucht, so ist
dies ein bitteres Anzeichen ihrer Bereitschaft, Gewalt gegen andere anzuwenden.
Zwei der Grundrechte, deren Einhaltung wir von den Sowjets im Rahmen
der Schlußakte von Helsinki gefordert
haben, sind das Recht zur Ausreise
und das Recht der Freizügigkeit. Wir
können nicht umhin, die Ernsthaftigkeit einer Regierung zu bezweifeln,
die ihrem eigenen Volk mißtraut und
es gegen seinen Willen festhält.
Welchen geeigneteren Weg könnte es
zum besseren Verständnis zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion geben, als freie und unmittelbare Kontakte zwischen unseren beiden
Völkern zu gestatten? Warum händigt
die sowjetische Regierung im neuen
Geist der Offenheit ihren Bürgern

keine Pässe aus? Ich bin davon überzeugt, daß ein solcher Schritt die
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
entscheidend verbessern würde.
Natürlich ist der hiesige Rat für
Auswärtige Politik einer der wichtigsten Sponsoren des vom Informationsamt der US-Regierung (USIA) durchgeführten internationalen Besucherprogramms. Über die Bedeutung menschlicher Kontakte brauche ich Ihnen also nichts zu erzählen. Und ich möchte allen, die ausländischen Besuchern
Unterstützung
und
Gastfreundschaft
gewährt haben, meinen persönlichen
Dank aussprechen.
Ich habe in der Öffentlichkeit
häufig darüber nachgedacht, wie alle
Nationen und alle Völker sich rasch
in Einigkeit und Brüderlichkeit versammeln würden, wenn unser Planet je
von Mächten einer anderen Welt bedroht würde.
Sie hier beim Rat für Auswärtige
Politik sind sich der Erkenntnis,
wieviel
wir
als
Angehörige
der
menschlichen Rasse gemeinsam haben,
besser bewußt als jeder andere. Es
sind schließlich die Regierungen und
nicht die Völker, die Barrieren errichten und Mißverständnisse verursachen.
Als ich vor einigen Jahren eine
Ansprache vor den Vereinten Nationen
hielt, zitierte ich einige Sätze von
Gandhi, die er kurz nach seinem Besuch in Großbritannien zur Erlangung
der Unabhängigkeit Indiens sagte.
"Während dieser in Großbritannien
und Europa verbrachten drei Monate
habe ich keinerlei Erfahrung gemacht,
die mir das Gefühl vermittelt hätte,
daß letztlich Osten doch Osten und
Westen doch Westen ist. Im Gegenteil, ich konnte mich mehr denn je
davon überzeugen, daß die menschliche
Natur unabhängig von den jeweiligen
Gegebenheiten im Grunde gleich ist,
und man tausendfach mit Zuneigung belohnt wird, wenn man mit Vertrauen
und Zuneigung auf den anderen zugeht."

- 7 -

�1

Sie beim Rat für Auswärtige Angelegenheiten haben auf diesem Gebiet
viel Lobenswertes vollbracht.
Und
ich bin voller Zuversicht, daß die
beständig auf Stärke und Offenheit
gegründete amerikanische Außenpolitik
einen neuen Weg in Richtung auf eine
Welt aufzeigt, in der Vertrauen und
Zuneigung unter den Völkern eine alltägliche Realität sein werden. Meine
Vorbereitungen zur Reise nach Moskau
sind von dieser Hoffnung geleitet.
Ich danke für Ihre von Herzen kommende Unterstützung.

* * * * *

- 8

�AMERIKA DIENST
1?

"*"

Hintergrundmaterial

c&amp;

27. April 1988

17

WARUM INF GUT FÜR DIE NATO IST
- Von Generalleutnant Colin L. Powell -

Copyright (c): The American Legion Magazine 1988
WASHINGTON - (AD) - Der Generalleutnant des Heeres Colin L. Powell wurde
im vergangenen November zum Nationalen Sicherheitsberater ernannt. Sein nachstehender Aufsatz wurde in der April-Ausgabe des American Legion Magazine 1988
veröffentlicht:
Der Senat erörtert derzeit den
Vertrag über die nuklearen Mittelstreckenwaffen, den Präsident Reagan
und Generalsekretär Gorbatschow während des Gipfels im vergangenen Dezember unterzeichnet haben. Wir sind
der Auffassung, daß der Vertrag die
derzeit stattfindende Prüfung sicher
bestehen wird. Es ist ein reeller
Vertrag.
Der INF-Vertrag stärkt die Sicherheit der Vereinigten Staaten und
die seiner Verbündeten und stellt bei
unseren Bemühungen um die Sicherung
des Friedens einen Schritt nach vorn
dar. Er beweist die Solidität unseres in den vergangenen sieben Jahren
verfolgten Ansatzes bei der Wiederherstellung der militärischen Stärke
des Westens, bei gleichzeitiger Ver-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

folgung eines realistischen
mit der Sowjetunion.

Dialogs

Die Maßnahmen, welche zum INFVertrag führten, nahmen mit der Stationierung von SS-20 Raketen in den
späten siebziger Jahren ihren Auftakt, womit die Bedrohung Europas und
Asiens eine neue Dimension erreichte.
Die Sowjets wollten diese Bedrohung
wahrscheinlich gegen das Territorium
unserer Verbündeten - und nicht das
unsrige - richten, um so einen Keil
zwischen die Demokratien zu treiben.
Dies aber ließen wir nicht zu.
Mit ihrem Doppelbeschluß von 1979
entschied die NATO, als Gegenmaßnahme
eine begrenzte Anzahl amerikanischer
Pershing-II
und
landgestützter
Marschflugkörper in Europa zu statio-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�nieren, und rief zu amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen über die
Vereinbarung von Obergrenzen für amerikanische und sowjetische INF-Systeme auf der niedrigstmöglichem Niveau
auf.
Die Sowjets führten eine umfassende
Propaganda- und
Einschüchterungskampagne in dem Versuch durch,
die Stationierungen der NATO aufzuhalten. Aber erst nachdem die NATO
mit der Stationierung ihrer eigenen
INF-Raketen begonnen hatte, waren die
Sowjets zu ersthaften Verhandlungen
bereit. Es ist den Verantwortlichen
im Bündnis zu verdanken, daß die NATO
zunächst solide Verhandlungsprinzipien erarbeitete und sich in all den
Jahren sowjetischen Lavierens fest
daran hielt.
Der Westen erreichte
seine Ziele auf folgende Weise:
- Wir bestanden darauf, daß jede
Vereinbarung zu einem Gleichgewicht zwischen den USA und der
Sowjetunion führen muß. Die Sowjets beharrten zunächst auf dem
Recht, mit den nuklearen Arsenalen der Vereinigten Staaten und
ihrer sämtlichen NATO-Verbündeten
in ihrer Gesamtheit einen Gleichstand zu erlangen.
Dann boten
sie einen Abbau in gleichem Umfang an, was zu einer Unterlegenheit der Vereinigten Staaten geführt hätte.
Doch der Westen
stand fest zu seinen Positionen,
und
die
Sowjets
akzeptierten
schließlich - auf der Basis des
Vorschlags der amerikanischen Regierung von 1981 - ein Gleichgewicht bei Null. Dies entsprach
dem Ziel der NATO und stellte eine wichtige Voraussetzung für andere Verhandlungen dar: Asymmetrische sowjetische Reduzierungen
zur Erzielung eines Gleichgewichts mit den Vereinigten Staaten.
- Sämtliche Vereinbarungen sollten
weltweite Gültigkeit haben, da
die sowjetischen INF-Raketen unsere Freunde und Verbündeten auf
zwei Kontinenten bedrohten. Jah- 2 -

relang boten die Sowjets einen
Abbau lediglich in Europa an.
Danach versuchten sie, im Gegenzug für Reduzierungen in Asien
einen Abbau amerikanischer mit
Nuklearwaffen
ausgerüsteter
Schiffe und Flugzeuge in jenem
Teil der Welt auszuhandeln. Wir
blieben fest und bekamen, was wir
wollten.
Obergrenzen für Raketen anderer
Länder kamen für uns nicht in
Frage. Jahrelang haben die Sowjets versucht, eine Reduzierung
der britischen oder französischen
Raketen oder Obergrenzen für deren weitere Aufstockung zu erreichen.
Beide Forderungen mußten
sie fallenlassen.

,
&gt;

- Um die Sowjets an einer Umgehung
der Reduzierung von SS-20-Raketen
durch den Ausbau ihrer INF-Systeme kürzerer Reichweite zu hindern, mußte es gleiche Einschränkungen auf diesem Gebiet geben.
Dem widersetzten sich die Sowjets
für einen längeren Zeitraum und
boten dann einen Abbau ihrer INFRaketen
nur
in
Europa
an.
Schließlich stimmten sie einer
weltweiten Vernichtung dieser Systeme zu.
- Ein INF-Abkommen konnte die konventionellen Fähigkeiten der NATO
nicht begrenzen.
Die Sowjets
forderten beträchtliche Kürzungen
bei den amerikanischen land- und
seegestützten Flugzeugen, die als
Träger nuklearer oder konventioneller Waffen in Frage kommen;
diese Flugzeuge spielen im NATOEinsatzkonzept für die konventionellen Streitkräfte eine wesentliche Rolle.
Wiederum lehnten
wir dies ab, und die Forderung
wurde schließlich fallen gelassen.
- Jedes Abkommen muß eine wirkungsvolle Verifizierung beinhalten.
Jahrelang
lehnten die Sowjets
dies ab und erklärten dann, die
Einzelheiten des Verifizierungsverfahrens könnten nach der Ver-

f

�tragsunterzeichnung
ausgehandelt
werden.
Wir bestanden darauf,
daß die Verifizierung ein integraler Bestandteil jedes Abkommens sein muß. Im Ergebnis hat
dieser Vertrag die schärfsten Verifizierungsbestimmungen in der
Geschichte der Rüstungskontrolle,
einschließlich
mehrerer
Formen
kurzfristig anberaumter Vor-OrtInspektionen. Dies ist ebenfalls
ein wichtiger Präzedenzfall für
andere Verhandlungen.
«
\

Aus dem Umgang des Westens mit
der INF-Frage lassen sich einige
nützliche Lehren für die Zukunft ziehen.
Die NATO war aufgrund ihrer
Stärke und Einheit über viele Jahre
erfolgreich;
wir wußten, was wir
wollten, und wir blieben fest, bis
wir es bekamen. Wenn sich die Befürworter eines Einfrierens der Atomwaffenpotentiale oder einseitiger Abrüstung durchgesetzt hätten, wären wir
jetzt stattdessen mit einem dauerhaften sowjetischen Monopol bei den INFRaketen konfrontiert.

über der konventionellen
kungsfähigkeit der NATO.

Der Vertrag beweist, wie die Sicherheit des Westens gestärkt wird,
wenn wir zur Bewältigung einer gemeinsamen Bedrohung zusammenarbeiten.
INF war das am häufigsten diskutierte
Thema in der Geschichte des Bündnisses. Bei verschiedenen Anlässen baten uns die Verbündeten um eine Abänderung unserer Verhandlungspositionen, und wir kamen diesen Wünschen
nach. Wie der Präsident es formulierte: "Unsere Verbündeten standen
die ganze Zeit auf unserer Seite, und
dies war umgekehrt genauso."

Eine andere Lehre lautet: Dieser
Vertrag verdeutlicht, daß der Westen
an vernünftigen Zielen festhält, und
nicht, daß sich die sowjetischen Ziele gewandelt hätten.
Wenn wir im
Hinblick auf die Sowjetunion realistisch bleiben, werden wir auch
weiterhin sicherstellen, daß die NATO
die modernen und glaubwürdigen nuklearen und konventionellen Streitkräfte aufrechterhält, die sie zur
Erwiderung einer Aggression auf jedem
Niveau benötigt.
i

I

Verstär-

Der INF-Vertrag stärkt die Fähigkeit der NATO, dies zu tun, in zweifacher Hinsicht.
Er beseitigt die
durch sowjetische INF-Raketen - und
insbesondere die SS-20 - geschaffene
Bedrohung unserer nuklearen Abschrekkungsstreitkräfte.
Und durch die
Vernichtung der sowjetischen Kurzstreckenraketen vom Typ SS-12 und
SS-23, die chemische und konventionelle sowie auch nukleare Gefechtsköpfe tragen können, beseitigt er
auch eine erhebliche Bedrohung gegen- 3 -

* * * * *

�</text>
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