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                    <text>nroimciuon
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

25

26. Juni 1985
INHALT

DOKUMENTATION
Reagan f o r d e r t i n t e r n a t i o n a l e S c h r i t t e gegen den Terrorismus
- Erklärung des amerikanischen Präsidenten Außenminister Shultz: Keine Konzessionen an die T e r r o r i s t e n
- Erklärung vor dem Außenpolitischen SenatsausschuB USA fordern UdSSR zur Beendigung i h r e r antijüdischen Kampagne auf
- Erklärung des US-Außenministeriums USA bedauern Nicaraguas Abkehr vom CONTADORA-Prozeß
- Erklärung des US-Außenministeriums HINTERGRUNDMATERIAL
Der Vertrag über die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen (NPT)
- Eine Wartung des amerikanischen Außenministeriums Die Nicaragua-Hilfe im US-Kongreß
- Kurzinformation zum Gesetzgebungsverfahren WISSENSCHAFT UND TECHNIK
"DISCOVERY" nach sieben Tagen zurück
- Erfolgreiches Laser-Experiment im Weltraum - Neue Forschungen zur
Röntgenstrahlenastronomie Noch gefährlicher a l s Heroin
- Eindringliche Warnung vor dem Rauschgift Kokain US-Delegation i n Bonn * * * * *

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel

•: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

25

26. Juni 1985

REAGAN FORDERT INTERNATIONALE SCHRITTE GEGEN DEN TERRORISMUS
- Erklärung des amerikanischen Präsidenten -

Washington -(AD)- Am 20. Juni 1985 gab Präsident Reagan eine Erklärung ab, in der er die Nationen des Westens zum gemeinsamen Kampf gegen
den Terrorismus aufrief. Sie hat folgenden Wortlaut:
Gestern abend hat ein sinnloser Akt des Terrorismus erneut Amerikanern das Leben gekostet, diesmal in El Salvador. Unter den 15 Toten und
13 Verletzten waren zwei amerikanische Geschäftsleute und vier Soldaten
des Marinekorps (Marines), die nicht im Dienst, unbewaffnet und in Zivil
waren. Außerdem wurden neun unschuldige salvadorianische und guatemaltekische Männer und Frauen getötet; 13 wurden verwundet. Diese Greueltat
wie auch der Bombenanschlag, der sich früher am gestrigen Tage in Frankfurt in der Bundesrepublik Deutschland ereignete, beweisen erneut, daß
die Terroristen nicht nur gegen die Vereinigten Staaten Krieg führen,
sondern gegen die zivilisierte Gesellschaft schlechthin. In diesem Krieg
geben unschuldige Zivilisten das Ziel ab. Dies ist ein Krieg, in dem unschuldige Zivilisten ganz bewußt als Opfer auserkoren werden und in dem
die Angehörigen unserer Streitkräfte in ganz besonderem Maße zu Ziel-

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�zu Zielscheiben geworden sind. Das kann nicht so weitergehen. Wir müssen
gegen diejenigen vorgehen, die auf Menschenleben und auf die Werte, die
uns teuer sind, nicht das mindeste geben, und wir müssen gemeinsam mit
anderen Nationen handeln, die genau wie wir demokratische Institutionen
besitzen und Gewaltakten und dem Gebrauch physischer Machtmittel grundsätzlich ablehnend gegenüberstehen. Wir im Westen müssen gemeinsam handeln, wie wir dies schon vor mehr als einem Jahrhundert getan haben, um
die Piraterie von den Meeren zu verbannen, und wie wir dies wieder vor 45
Jahren getan haben, um der Bedrohung durch die Tyrannei zu begegnen.

In Reaktion auf den Tod unserer Marines und zivilen Staatsbürger in
El Salvador habe ich den Außenminister und den Verteidigungsminister angewiesen, der Regierung Präsident Duartes mit Hilfe unserer Nachrichtendienste jegliche Art von Hilfestellung zu leisten, die sie braucht, um
die Terroristen, die diesen Gewaltakt begangen haben, zu finden und zu
bestrafen.Zu diesem Zwecke habe ich heute die beschleunigte Auslieferung
der von der salvadorianischen Regierung im Rahmen der sicherheitspolitischen Hilfe angeforderten Güter angeordnet, und ich bin bereit, meine
Sondervollmachten für Notfälle zu nutzen, um die Streitkräfte El Salvadors mit zusätzlichen militärischen Mitteln zu versehen, die ihnen bei
ihrem Feldzug gegen die kommunistische Guerilla dienlich sein können. Die
Guerilla hofft vergebens, daß unsere Entschlossenheit oder unsere Unterstützung für die Wiederbelebung der Demokratie in El Salvador durch Terrorismus erschüttert werden können. Wenn andere militärische Mittel der
Vereinigten Staaten in dieser Hinsicht zweckdienlich sein können, dann
werde ich sie zur Verfügung stellen. Ich erwarte, daß der Kongreß diese
Maßnahmen unterstützen wird, und ich werde mit den entsprechenden parlamentarischen Ausschüssen des Kongresses darüber beraten, welche weiteren
Schritte in El Salvador und anderswo unternommen werden können, um der
Unterstützung von außen ein Ende zu setzen, die die Terroristen in El
Salvador aus Nicaragua und dem Ostblock erhalten.

Ferner habe ich heute Vizepräsident Bush damit betraut, innerhalb der
amerikanischen Regierung und bei den Beratungen mit unseren Verbündeten
die Federführung zu übernehmen, wenn es darum geht, zu klären, welche militärischen und sonstigen Schritte wir und unsere in gleicher Weise be- 2 -

�Weise bedrohten Freunde unternehmen können, um diesem zunehmend gewalttätigen und

willkürlichen, dabei aber zielgerichteten Anschlag

auf die

Menschlichkeit ein Ende zu bereiten. Vor allem habe ich den Vizepräsidenten gebeten, diese Angelegenheit während der Besuche, die er in der kommenden Woche verschiedenen europäischen Hauptstädten abstatten wird, in
den Vordergrund zu stellen. Nach seiner Rückkehr wird er eine alle Regierungsressorts übergreifende Arbeitsgruppe einberufen, um darüber Empfehlungen zu erarbeiten und mir zur Entscheidung vorzulegen, wie alle verfügbaren Mittel der Vereinigten Staaten bei der Auseinandersetzung mit
diesem Problem am zweckmäßigsten eingesetzt werden können.

Schließlich möchte ich, daß Ihnen, dem amerikanischen Volk, bewußt
ist, daß alles, was wir in dieser Hinsicht unternehmen, nicht in sinnlosem Zorn getan werden darf. Was geschehen ist, erfordert eine wohlerwogene Reaktion auf die Akte der Gesetzlosigkeit derer, die sich nicht an die
Normen der zivilisierten Gesellschaft halten. Als Ihr Präsident glaube
ich, daß unsere Reaktion auf die verbrecherischen Anschläge auf Bürger
unseres Landes den Grundsätzen der Angemessenheit und Verhältnismäßigkeit
genügen muß. Diejenigen, die solche Akte der Gesetzlosigkeit begehen, und
diejenigen, die dergleichen unterstützen, müssen wissen, daß sie niemals
dazu führen werden, daß wir vor terroristischen Forderungen kapitulieren.
Wir sind sowohl eine friedfertige Nation als auch ein gerechtigkeitsliebendes Volk. Wir geraten von Natur aus nur langsam in Zorn und sind großmütig, wenn es darum geht, denen zu helfen, die in weniger glücklichen
Umständen leben. Keine Nation der Welt verhält sich großzügiger gegenüber
Notleidenden. Aber es gibt auch Grenzen, und diese Grenzen sind jetzt erreicht. Wir können nicht dulden, daß Mitmenschen in Lebensgefahr gebracht
werden, nur weil sie das Glück haben, Staatsbürger dieses großen Landes
zu sein.

- 3 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

26. Juni 1985

25

AUSSENMINISTER SHJLTZ:

KEINE KONZESSIONEN AN DIE TERRORISTEN

- Erklärung vor dem Außenpolitischen Senatsausschuß -

WASHINGTON -

(AD) - Die Vereinigten Staaten werden nach den Worten

von US-Außenminister George Shultz keine Konzessionen an die T e r r o r i s t e n
machen und auch andere Staaten nicht drängen, dies zu t u n .
ßenpolitischen Ausschuß

Vor dem Au-

des amerikanischen Senats sagte Shultz

am 19.

Juni 1985, eine solche P o l i t i k könnten sich die USA nicht l e i s t e n .
Die Erklärung des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Herr Vorsitzender, Sie haben mich aufgefordert, heute mit einer Erklärung über die Entführungssituation zu beginnen, und ich begrüße diese
Möglichkeit.
Die Haltung der Vereinigten Staaten in der Frage der Entführung ist
klar und eindeutig.

Wir werden gegenüber den Terroristen weder Konzes-

sionen machen, noch werden wir andere Staaten drängen, dies zu tun. Zu-

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�tun.

Zugeständnisse unter solchen Umständen kämen einem Nachgeben gegen-

über Erpressern g l e i c h . Und was noch schlimmer i s t ,

dies würde

Terror-

i s t e n ü b e r a l l auf der Welt zu der Annahme ermutigen, daß solche Taktiken
E r f o l g haben können.
Wir müssen unsere Staatsbürger heute und i n der Zukunft vor solchen
abscheulichen Handlungen schützen.

Wir können uns keine P o l i t i k der Kon-

zessionen gegenüber dem Terror l e i s t e n .
Der Führer der Amal-Schiiten und J u s t i z m i n i s t e r Nabih B e r r i , hat die
Verantwortung

für

die Verhandlungen mit den Entführern übernommen.

hat uns v e r s i c h e r t , daß die Passagiere sicher und wohlauf seien.

Er

Wir ha-

ben ihm e r k l ä r t , daß wir ihn verantwortlich halten für die sichere Rückkehr unserer Staatsbürger und die s o f o r t i g e Lösung dieser Angelegenheit.
Wir haben ihm und der libanesischen Regierung gegenüber unsere P o s i t i o n
klargemacht.
Die Entführung i s t moralisch unhaltbar und kann durch k e i n e r l e i Gründe g e r e c h t f e r t i g t

werden.

B e r r i , a l s prominenter S c h i i t e n f ü h r e r ,

sollte

sich darüber im klaren s e i n , daß die Entführung nicht nur eine Sache der
Sicherheit

unserer amerikanischen Staatsbürger

ist,

sondern auch seine

eigenen l a n g f r i s t i g e n Interessen und auch die des Libanon berührt.
Eine Teilhaberschaft an der i n t e r n a t i o n a l e n Völkergemeinschaft gründet sich auf Ansehen und auf die B e r e i t s c h a f t , die Grundsätze von Recht
und Ordnung anzuerkennen und aufrechtzuerhalten, auf denen diese Gemeinschaft r u h t .

Wer diese Verpflichtung nicht übernimmt, muß die Konsequen-

zen a l s Geächteter tragen.

Wird diese Entführung f o r t g e s e t z t , dann wird

dies dem Ruf Libanons irreparablen Schaden zufügen und die Hoffnungen der
verschiedenen Bevölkerungsgruppen im Lande auf soziale und p o l i t i s c h e Ger e c h t i g k e i t zurückwerfen.
I s r a e l hat e r k l ä r t , daß es seine P o l i t i k
die

Sicherheitssituation

dies

nach I s r a e l verlegt wurden.

gestattet

-

s e i , die Gefangenen - wie

f r e i z u l a s s e n , die

von Ansar

Die Entführung der TWA-Maschine verhindert

�TWA-Maschine verhindert i n der Tat die Durchführung eines Prozesses, der
b e r e i t s begonnen h a t t e .

Den Entführern miß klargemacht werden, daß i h r

Bemühen, die T WA-Passagiere gegen die Ansar-Gefangenen auszutauschen, ohne moralische Rechtfertigung i s t und keinen E r f o l g haben w i r d .

Ja, dies

i s t kontraproduktiv.
Herr Vorsitzender, die amerikanische Regierung wird nicht ruhen, bis
a l l e unsere Staatsbürger wieder i n Sicherheit mit i h r e n Familien v e r e i n t
sind.

Botschafter Bartholomew i n Beirut steht w e i t e r h i n i n Kontakt mit

Nabih B e r r i sowie mit Präsident Gemayel und anderen verantwortlichen l i banesischen Führern.

Wir arbeiten eng mit anderen Regierungen zusammen,

die ihren Einfluß i n dieser Angelegenheit zum Tragen bringen können.
Algerien hat n a t ü r l i c h von Anfang an eng mit uns zusammengearbeitet.
Eine Anzahl anderer Länder i n dieser Region hat auf die eine oder andere
Weise Erklärungen zu diesem Thema abgegeben, dazu gehören auch, bevor a l les begann, (Präsident) Assad von S y r i e n , der sich allgemein über Entführungen a u s l i e ß , h i e r
Irak hat

in

Washington die

seine Verurteilung

durch seine Zeitung.

tunesische

Regierung, auch der

zum Ausdruck gebracht, genauso wie Ägypten

Der Präsident

hat

gerade einen B r i e f

von König

Hussein e r h a l t e n , i n dem dieser mit allem Nachdruck das - wie er schreibt
- "feige Verbrechen" v e r u r t e i l t .

Ich möchte, daß dieser B r i e f i n das o f -

f i z i e l l e P r o t o k o l l übernommen w i r d .

Er wird i n Kürze v e r ö f f e n t l i c h t

wer-

den; dieses Schreiben i s t eine überaus nachdrückliche Erklärung.
Ich bin also der Meinung, daß die i n t e r n a t i o n a l e
sich darüber im klaren i s t , was vor sich geht.
ließ, erhielt

Völkergemeinschaft

Bevor i c h mein Büro ver-

ich eine Nachricht über eine Bombenexplosion i n F r a n k f u r t .

Wir können also sehen, daß sich die Bedrohung durch den Terrorismus ausb r e i t e t ; dieser Bedrohung muß k l a r und eindeutig entgegengetreten werden,
und wir müssen den meiner Meinung nach echten i n t e r n a t i o n a l e n Konsens i n
dieser Frage fördern.
Wir werden auch w e i t e r h i n a l l e uns zur Verfügung stehenden M i t t e l und
Möglichkeiten ausnutzen, um die sichere Freilassung a l l e r Passagiere und
- 3 -

�Passagiere und Besatzungsmitglieder z erreichen, so daß sie zu ihren Familien und den ihnen Nahestehenden zurückkehren können.

Unsere Ent-

schlossenheit, diese Krise zu einem erfolgreichen und baldigen Ende zu
bringen, ist unerschütterlich.

* * *

- 4 -

�26. Juni 1985

25

USA FORDERN UdSSR ZUR BEENDIGUNG IHRER ANTIJÜDISChEN KAMPAGNE AUF
- Erklärung des US-Außenministeriums -

WASHINGTON -

(AD)

-

Das amerikanische Außenministerium hat am 14.

Juni 1985 die Sowjetunion a u f g e f o r d e r t , i h r e d e r z e i t i g e Kampagne zu beenden, mit der sie eine Erneuerung jüdischer Kultur i n der Sowjetunion zu
verhindern

sucht.

Kampagne s t e l l e

ein

In der Erklärung heißt e s , eine Fortsetzung
"echtes

Hindernis

für

die konstruktiven

dieser

Beziehunge

mit der Sowjetunion d a r , die die Vereinigten Staaten anstreben".

Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Am 1 1 . Juni verhafteten die sowjetischen Behörden den jüdischen Wissenschaftler und Hebraischlehrer Roald Zelichonok.

Fünf Tage vorher wur-

de e i n weiterer Hebräischlehrer, Yevgenij Aizenberg aus Charkow, zu zweieinhalb Jahren Arbeitslager v e r u r t e i l t .

Dem Moskauer Hebräischlehrer Dan

Shapiro wurde verwehrt, Verbindung mit seinem Anwalt aufzunehmen, während

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�aufzunehmen, während er in einem sowjetischen Gefängnis schmachtet und
auf seinen Prozeß wartet.

Insgesamt haben die sowjetischen Behörden seit

Juli letzten Jahres mindestens 14 jüdische Kulturaktivisten verhaftet sieben davon Hebräischlehrer.

Sie sind Hauptopfer dessen, was den Anschein einer offiziellen sowjetischen Kampagne gegen die derzeitige
Kultur in der Sowjetunion hat.

Wiederbelebung der jüdischen

Bislang wurden zehn dieser Menschen ver-

urteilt - einige aufgrund plump gefälschter Vorwürfe angeblich kriminellen Verhaltens, die gezielt darauf gerichtet sind, sie zu diskreditieren.
Zwei wurden nach ihrer Verhaftung brutal zusammengeschlagen.

Wir haben

auch beunruhigende Nachrichten über einen Dritten, Yulij Edelstein, der
in einem Arbeitslager in Sibirien, wo er eine Strafe von drei Jahren verbüßt, immer wieder geschlagen wird.

Viele Juden wurden nicht nur verhaftet und geschlagen, sondern verloren auch ihren Arbeitsplatz, ihre Wohnungen wurden durchsucht, ihre Telefone unbrauchbar gemacht und ihre Post einbehalten.

Artikel in sowjeti-

schen Zeitungen und Programme im sowjetischen Fernsehen brandmarken Hebräischlehrer und andere jüdische Kulturaktivisten als "zionistisch" und
subversiv - wobei oft sogar ihre Namen genannt werden.

Zionismus wird

mit Nazismus gleichgestellt, und jüdische Führer aus dem Zweiten Weltkrieg werden bezichtigt, den Nazis dabei geholfen zu haben, Juden für die
Todeslager zusammenzutreiben.

Obgleich die staatlichen Stellen in der

Sowjetunion behaupten, ihre Kampagne ziele lediglich auf jene, die sie
Zionisten nennen, gibt es doch keinen Zweifel darüber, daß immer aufs
neue wiederholte, unverantwortliche Unterstellungen wie diese die häßlichen Flammen des Antisemitismus schüren können.

Diejenigen sowjetischen Juden, die man aussucht, um sie zu verfolgen,
haben eins gemein:

Sie wollen ihr ethnisches Erbe bewahren, sie wollen

ihre überkommene Sprache lehren und lernen, und sie wollen die Freiheit
haben, die Sowjetunion zu verlassen und in das Land ihrer Wahl zu reisen.
Das Schlimmste, was je einer von ihnen tat, bestand darin, mündlich und
schriftlich gegen ihre schreckliche Behandlung durch die sowjetischen Be- 2-

�sowjetischen Behörden zu protestieren.

Und dafür wurden sie verhaftet,

geschlagen, isoliert, verunglimpft, ins Gefängnis geworfen.

Wir möchten den äußersten Ernst unterstreichen, mit dem wir diese
Entwicklung beobachten.

Das Andauern dieser Kampagne stellt ein echtes

Hindernis für die konstruktiven Beziehunge mit der Sowjetunion dar, die
die Vereinigten Staaten anstreben.

Wir fordern die Sowjetunion auf, die-

se tragische und unnötige Kampagne einzustellen.

Die Verpflichtungen,

die die Sowjetunion freiwillig in Helsinki und andernorts eingegangen
ist, fordern es, und schlichter menschlicher Anstand verlangt es.

- 3-

�26. Juni 1985

25

USA BEDAUERN NICARAGUAS ABKEHR VOM COMTADORA-PROZESS
- Erklärung des US-Außenministeriums -

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium v e r ö f f e n t l i c h t e am 20. Juni 1985 eine Erklärung, i n der das Bedauern der Vereinigten
Staaten über die Abkehr Nicaraguas vom CONTADORA-Prozeß zum Ausdruck gebracht w i r d .
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Wir bedauern den S c h r i t t der nicaraguanisehen Regierung, sich aus dem
CONTADORA-Prozeß zurückzuziehen.
Seit über zwei Jahren bemühen sich die Staaten Mittelamerikas und der
CONTADORA-Gruppe darum, Mittelamerika Frieden zu bringen.
schritt

wurde dabei e r z i e l t ,

Großer F o r t -

zu einem Abkommen zu gelangen, das

manns Interesse an der Sache des Friedens gerecht w i r d .

jeder-

Auf dem T r e f f e n ,

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�Auf dem T r e f f e n , das am 18. &gt;Xini i n Panama begann und das gestern ausgesetzt wurde, s o l l t e e i n Vorschlag der CONTADORA-Gruppe über eine Einigung
bei entscheidenden Sicherheitsfragen erwogen werden.
Vor ernsthafte Verhandlungen g e s t e l l t , weigerte sich Nicaragua sogar,
den Vorschlag der CONTADORA-Gruppe auch nur i n Erwägung zu ziehen.

Wie-

derholte Versuche der v i e r CONTADORA-Mitglieder, die Nicaraguaner umzustimmen, zeigten nur zu d e u t l i c h , daß die nicaraguanische Delegation sich
an klare Anweisungen aus Managua h i e l t .
Die Vereinigten Staaten unterstreichen erneut ihre u n g e t e i l t e Unterstützung einer

verifizierbaren

und umfassenden regionalen Lösung.

Ein

gestern v e r ö f f e n t l i c h t e s Kommunigue der CONTADORA-Gruppe z e i g t , daß Costa
Rica, El Salvador, Guatemala und Hbnduras erneut i h r e Verpflichtung bekräftigten,

zu einem regionalen Abkommen zu gelangen.

A l l e Staaten

in

Mittelamerika sind f ü r den Frieden dort v e r a n t w o r t l i c h , und Nicaragua hat
sich gerade dieser Verantwortung e n t l e d i g t .
Wir fordern die Regierung von Nicaragua a u f , sich dem Friedensprozeß
ieder

anzuschließen, wie i h n der

von den CONTADORA-Staaten entworfene

Plan v o r s i e h t .

* * * * *

�26. Juni 1985

25

DER VERTRAG ÜBER DIE NICHT WUTERVERB^ITUNG VON KERNWAFFEN (NPT)
- Eine Wertung des amerikanischen AußenmLnisteriums -

WASHINGTON -

(AD) -

Das amerikanische AuGenministerium hat im Juni

1985 i n einem Hintergrundartikel

die Fiedeutung des Vertrages über

die

Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen - Non-F'roliferation Treaty oder NPT
- hervorgehoben.
Seit

dieser Vertrag im März 1970 i n Kraft getreten i s t , i s t er e i n

Eckpfeiler der Bemühungen der Vereinigten Staaten und anderer Länder, die
weitere Ausbreitung von Kernwaffen zu verhindern.

Jede amerikanische Ad-

m i n i s t r a t i o n hat a l l e s daran g e s e t z t , eine weltweite Einhaltung des Vertrages zu erreichen.

Kein Rüstungskontrollvertrag i s t von so v i e l e n Län-

dern - 125 - unterzeichnet worden wie der NPT.

Drei der Kernwaffenstaa-

ten - die Vereinigten Staaten, Großbritannien und die UdSSR - sind M i t glieder des Vertrages; Frankreich und China gehören dem Vertrag nicht a n ,
obwohl Frankreich seine Bereitschaft bekundet h a t , sich so zu v e r h a l t e n ,
a l s ob es Signatarstaat wäre.

Der Vertrag

sieht

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�Der Vertrag sieht vor, daß alle fünf Jahre eine tlberprüfungskonferenz
abgehalten werden kann.

Zwei solche Konferenzen haben stattgefunden -

1975 und 1980 - und die dritte ist für September 1985 vorgesehen.

Wie

auf den bisherigen Konferenzen wird auch im herbst dieses Jahres Artikel
für Artikel des Vertrages auf seine Einhaltung überprüft werden.

Der

Nichtweiterverbreitungsvertrag

oder

auch

Atomsperrvertrag

hat

drei Hauptziele:

erstens, eine weitere Ausbreitung von Kernwaffen zu verhindern, was
die treibende Kraft für das Zustandekommen des NPT war;

zweitens, die friedliche nukleare Zusammenarbeit bei entsprechenden
Sicherheiten zu fördern; und

drittens, die Verhandlungen zur Beendigung des nuklearen Wettrüstens
im Sinne einer allgemeinen und vollständigen Abrüstung zu fördern,
ein Ziel, das sich bei den multilateralen Verhandlungen über den Vertrag ergab.
Die Sachartikel des Vertrages sind sorgfältig formuliert worden, um
diesen Zielen zu dienen.

Nach den Bestimmungen des Vertrages sind Kernwaffenstaaten verpflichtet , keinen Nichtnuklearstaat bei dem Erwerb von nuklearen Sprengvorrichtungen zu unterstützen (Artikel I).

Umgekehrt sind alle Nichtnuklear-

staaten verpflichtet, auf die Herstellung oder den sonstigen Erwerb von
Kernwaffen zu verzichten (Artikel II).

Der

Vertrag

sieht

vor, daß die

Internationale

Atomenergiebehörde

(IAEA) internationale Sicherheitsvorkehrungen, einschließlich Inspektionen vor Ort, trifft, um sicherzustellen, daß spaltbares Material in den
Nichtnuklearstaaten
III).

nur für friedliche Zwecke verwendet wird

(Artikel

In diesem Artikel werden die Signatarstaaten ferner verpflichtet,

bei nuklearem Material und bestimmtem Gerät, das in Nichtnuklearstaaten

�i n Nichtnuklearstaaten e x p o r t i e r t
mungen zu bestehen.

w i r d , auf den

IAEA-Sicherheitsbestim-

Das System der Sicherheitsbestimmungen

trägt

zur

Überprüfung der Einhaltung bei und i s t darauf angelegt, eine Abzweigung
von spaltbarem M a t e r i a l von f r i e d l i c h e n Zwecken zur Waffenherstellung zu
entdecken und zu verhindern.
I n A r t i k e l IV wird das Recht der Signatarstaaten anerkannt, Kernenergie f ü r f r i e d l i c h e Zwecke zu entwickeln, und es wird weitestgehender Austausch von Gerät, M a t e r i a l i e n und Informationen für die f r i e d l i c h e
zung der Kernenergie gefordert.

Nut-

Die Signatarstaaten s o l l e n auch Zugang

zu a l l e n V o r t e i l e n der f r i e d l i c h e n Anwendung von nuklearen Sprengkörpern
haben ( A r t i k e l V).
A r t i k e l VI l e g t a l l e n Signatarstaaten a u f , i n gutem Glauben Verhandlungen über wirksame Maßnahmen zur Beendigung des nuklearen

Wettrüstens

mit dem Endziel einer allgemeinen und vollständigen Abrüstung zu führen.
Der Vertrag verkörpert eine allgemein u n t e r s t ü t z t e Norm der Nichtweiterverbreitung.

Die ö f f e n t l i c h e Meinung der Walt i s t i n steigendem Maße

zu der Auffassung gelangt, den Erwerb von nuklearen Sprengkörpern a l s unrechtmäßig und eine Walt mit so vielen Kernwaffen a l s unerwünscht zu betrachten.
Die Vorbereitungen

für

die Uberprüfungskonferenz

laufen.

Im A p r i l

und Oktober 1984 und im A p r i l 1985 fanden Sitzungen des Vorbereitungsausschusses s t a t t .

Auf diesen Sitzungen wurden hauptsächlich Verfahrensfra-

gen behandelt, wie etwa die v o r l ä u f i g e Tagesordnung, Organisation der A r b e i t und Konferenzdaten.
Von Seiten der Vereinigten Staaten laufen die Vorbereitungen schon
s e i t über zwei Jahren.

Dazu gehören ausführliche Konsultationen mit u n -

seren Verbündeten, mit

neutralen und b l o c k f r e i e n Ländern sowie mit

UdSSR und deren Verbündeten.

Bei diesen Konsultationen haben die V e r e i -

nigten Staaten ihre Bereitschaft
des Vertrages zu sprechen.

der

zu erkennen gegeben, über a l l e

Artikel

Sie haben den wichtigen Beitrag hervorgeho- 3 -

�Beitrag hervorgehoben, den der Vertrag zum Weltfrieden und zur i n t e r n a t i o n a l e n Sicherheit
gebracht,

daß die

leistet.
Konferenz

Und sie
diese

haben die

entscheidend

hbffnung zum Ausdruck
wichtigen

Rüstungskon-

trollabkommen b e s t ä t i g t und b e k r ä f t i g t und zu einer noch s t r i k t e r e n E i n haltung des Vertrages

führen w i r d .

Die Vereinigten Staaten haben i h r e

eigenen Anstrengungen zur Förderung einer noch s t r i k t e r e n Einhaltung vers t ä r k t und auf diplomatischem Wage dafür geworben, daß noch mehr Staaten
dem Vertrag b e i t r e t e n .

Um was geht es bei

der Uberprüfungskonferenz?

Die Debatte

dürfte

sich hauptsächlich auf die Zusammenarbeit bei der f r i e d l i c h e n Nutzung der
Kernenergie ( A r t i k e l IV) und auf die Bemühungen zur Beendigung des nuklearen

Wettrüstens

(Artikel

VI)

konzentrieren.

Die

Vereinigten

Staaten

können i h r e f r i e d l i c h e nukleare Zusammenarbeit sehen lassen, aber sie bemühen sich dennoch w e i t e r , um diese Zusammenarbeit noch zu verbessern.
Präsident Reagan hat keinen Zweifel daran gelassen, daß einschneidende,
gerechte und v e r i f i z i e r b a r e Verringerungen der Kernwaffen höchste P r i o r i t ä t haben.

Wir h o f f e n , daß die neuen, im März 1985 i n Genf angelaufenen

Verhandlungen mit

der UdSSR uns a l l e dem l e t z t l i c h e n Z i e l

näherbringen

werden - nämlich der Abschaffung a l l e r Kernwaffen.
Wenn wir i n die Zukunft b l i c k e n , dann i s t und b l e i b t der Nichtweiterverbreitungsvertrag
Walt.

von

lebenswichtiger

Bedeutung

für

eine

sicherere

Der E r f o l g der Uberprüfungskonferenz von 1985 wird von v i e l e n Fak-

toren abhängen, vor allem aber von der Einsicht der Signatarstaaten, daß
der

NPT wesentlich

trägt.

zur

internationalen

Sicherheit

und S t a b i l i t ä t

Eine Vtelt ohne NPT würde zu geringerer p o l i t i s c h e r

bei-

Zurückhaltung

und der Vteiterverbreitung von nuklearen Sprengkörpern, zu wachsenden r e gionalen Spannungen und wachsenden regionalen Argwohn sowie zu einer Senkung der Barrieren gegen den Erwerb von Kernwaffen führen und damit zu
einer

Gefährdung

des

internationalen

Friedens

Stabilität.

* * * * *

und der

internationalen

�26. Juni 1985

25

DIE NICARAGUA-HILFE IM US-KONGRESS
Kurzinformation zum Gesetzgebungsverfahren -

WASHINGTON - (AD) - Am 6. Juni 1985 nahm der amerikanische Senat e i nen Gesetzesentwurf a n , der die

Wiederaufnahme der amerikanischen

Hilfe

für a n t i s a n d i n i s t i s c h e Rebellen i n Nicaragua v o r s i e h t ; am 12. Juni f o l g t e
das Repräsentantenhaus mit einer eigenen Vorlage.

Aus diesem Anlaß wurde

i n Washington die nachstehende Kurzinformation v e r ö f f e n t l i c h t , i n der der
weitere Gang des Gesetzgebungsverfahrens beschrieben w i r d :
Die beiden voneinander abweichenden Gesetzesentwürfe des Repräsentantenhauses und des Senats zur n i c h t m i l i t ä r i s c h e n H i l f e für

antisandinist-

ische Rebellen i n Nicaragua müssen noch miteinander i n Einklang gebracht
werden.

Das diesbezügliche Verfahren i s t

angelaufen, aber es i s t

noch

nicht abzusehen, wann die Endvorlage f e r t i g g e s t e l l t sein wird und P r ä s i dent Reagan zur Unterzeichnung vorgelegt werden kann.

Der stellvertretende

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Der s t e l l v e r t r e t e n d e Pressesprecher des Vteißen Hauses, Larry Speakes,
sagte, der Präsident könne das Gesetz, das die H i l f s l e i s t u n g e n b e i n h a l t e t , b i s zum 4 . J u l i unterzeichnen.

Bevor das Gesetzeswerk dem Präsiden-

ten z u g e l e i t e t werden kann, muß jedoch zunächst eine Reihe von S c h r i t t e n
im Kongreß abgeschlossen werden.
1 . Das Bewilligungsgesetz des Senats
Bevor e i n Vermittlungsausschuß

des Repräsentantenhauses und des Se-

nats ernannt werden kann, um die beiden voneinander abweichenden Gesetzesentwürfe

i n Einklang

zu bringen, muß der Senat das

Haushaltsgesetz

verabschieden, das die Senatsversion des Gesetzesentwurfs über H i l f e

für

die Rebellen e i n s c h l i e ß t .
Dieser Gesetzesentwurf des Senats, der n i c h t m i l i t ä r i s c h e H i l f e i n Höhe von 38 M i l l i o n e n b e i n h a l t e t , war ursprünglich T e i l des Gesetzes zur
A r b e i t des Außenministeriums, wurde aber am 13. Juni vom Bewilligungsausschuß

des Senats

i n e i n Nachtragshaushaltsgesetz

über

13,4

Milliarden

Dollar eingegliedert.
Das Repräsentantenhaus verabschiedete seine Version dieses Nachtragshaushaltsgesetzes am 12. J u n i ; am gleichen Tag stimmte es auch f ü r die
Eingliederung eines Gesetzesentwurfs über n i c h t m i l i t ä r i s c h e H i l f e f ü r Reb e l l e n i n Nicaragua i n Höhe von 27 M i l l i o n e n D o l l a r .
Das Haushaltsgesetz des Senats kann abgeändert werden, wenn es zur
Abstimmung ins Plenum geht.
2. Der Vermittlungsausschuß
Iftenn das Gesetz vom Senat angenommen worden i s t , wird e i n V e r m i t t lungsausschuß

des Repräsentantenhauses und des Senats ernannt, um eine

gemeinsame Kompromißfassung des Gesetzes zu entwerfen.

Diese Endfassung

muß sodann sowohl vom Repräsentantenhaus a l s auch vom Senat verabschiedet
werden.

I n diesem Stadium können Abänderungen eingebracht werden, aber

�werden, aber wenn sie angenommen werden, muß das Gesetz zurück in den
Vermittlungsausschuß.
3. Hauptfragen
Der

Unterschied

zwischen

den Gesetzesentwürfen

beider

Häuser

des

Kongresses, der im Vermittlungsausschuß &lt;im ehesten zu Auseindersetzungen
führen d ü r f t e , b e t r i f f t

die Rolle des Zentralamtes f ü r Nachrichten und

Abwehr (CIA) bei der Auszahlung der Hilf5geld5r.
ligt

Die Senatsversion

bil-

dem CIA eine solche Rolle z u , während das Repräsentantenhaus

dies

ausdrücklich untersagt.
Andere Unterschiede b e t r e f f e n die HEhe der Geldmittel und der Z e i t raum, über den hinweg sie zur Auszahlung kommen s o l l e n .

Die Senatsver-

sion sieht für das am 30. September endende Haushaltsjahr 1985 14 M i l l i o nen Dollar und f ü r das Haushaltsjahr 1986 24 M i l l i o n e n Dollar vor.
Fassung des Repräsentantenhauses sieht

dagegen 27 M i l l i o n e n D o l l a r

Die
vor,

die bis zum 3 1 . März 1986 i n d r e i 90-Tage-Intervallen ausgezahlt werden
sollen.
Die

Version des Repräsentantenhauses

Dollar a l s B e i h i l f e

sieit

außerdem zwei M i l l i o n e n

für die Durchführung eines von der CONTADORA-Gruppe

e r a r b e i t e t e n Friedensabkommens
Senats wird der Präsident

für

die

Region vor.

I n dem Gesetz des

l e d i g l i c h a u f g e f o r d e r t , die

CONTADORA-Initia-

t i v e zu unterstützen.
4. Die Verteilung der Hilfsgelder
Wenn das Gesetz e r s t einmal endgültig verabschiedet und unterzeichnet
worden i s t ,

wird es dem Präsidenten o b l i e g e n , darüber

zu entscheiden,

welche Widerstandsgruppen bedacht werden und wie schnell sie die

Hilfs-

gelder e r h a l t e n .
Bis zur Einstellung der H i l f e im Jahre 1984 war der G r o ß t e i l der M i t t e l an die Demokratischen S t r e i t k r ä f t e Nicaraguas (FDN) gegangen, die im

�die im N o r d t e i l des Landes operieren.

Eine Reihe von Senatoren und Abge-

ordneten des Repräsentantenhauses haben Präsident Reagan s c h r i f t l i c h

er-

sucht, einen T e i l der Hilfsgelder dem im Süden a k t i v e n Demokratisch-Revol u t i o n ä r e n Bündnis, einer Rebellengruppe unter der Führung Eden Pastoras,
zukommen zu lassen.

- 4 -

�Wi//en/chcift
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

26. Juni 1985

25

"DISCOVERY" NACH SIEBEN TAGEN ZURÜCK
Erfolgreiches Laser-Experiment im Vteltraum - Neue Forschungen
zur Röntgenstrahlenastronomie -

-

(AD) - Der amerikanische Raumtransporter DISCOVERY kehrte am Nach-

mittag des 2A. Juni 1985 nach siebentägigem Flug um die Erde zurück und
landete planmäßig auf einer Bahn der Edwards A i r Force Base i n K a l i f o r nien.

Ein umfangreiches Arbeitsprogramm war bewältigt

- ausgeführt von

fünf amerikanischen, einem französischen und einem arabischen Astronauten.

Dem erten Muslim im Vteltraum, Prinz Sultan b i n Salman b i n Abdal

Aziz AI Saud, war P u b l i c i t y gewiß.

Der erfahrene und passionierte F l i e -

ger i s t e i n Neffe des Königs von Saudi Arabien.
zialist

Er war a l s Nutzlastspe-

dabei, um Experimente auszuführen und u.a. Aufnahmen von seiner

Heimat zur Erleichterung geologischer Untersuchungen zu machen.

Am 2. Flugtag (18. Juni) beobachtete er vom Flugdeck aus das Absetzen des r i e s i g e n N a c h r i c h t e n s a t e l l i t e n ARABSAT aus dem Nutzlastraum der
DISCOVERY, 45 Minuten später den Start des S a t e l l i t e n aus der Umlaufbahn

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�der Umlaufbahn i n 320 km Höhe für den Aufstieg zur geostationären Bahn 35
680 km über der Erdoberfläche.
Liga
zur

als

Relaisstation

Übertragung

für

ARABSAT dient den Staaten der Arabischen

Telefongespräche, zur Datenübermittlung und

von regionalen

und kommunalen Fernsehprogrammen.

Signale können f ü r den Gebrauch innerhalb der einzelnen Länder
werden, um p o l i t i s c h e
vermeiden.

Probleme unter

Die

kodiert

den arabischen Benutzerstaaten zu

Ein Schwestersatellit war b e r e i t s einige Monate zuvor von der

europäischen Trägerrakete ARIANE auf eine Umlaufbahn gebracht worden.
Schon am ersten Flugtag hatte die DISCOVERY-Besatzung einen Nachricht e n s a t e l l i t e n abgesetzt, der Eigentum der Regierung Mexikos i s t .

Er e r -

möglicht den Anschluß selbst der abgelegensten Regionen des Landes an die
modernen Ubertragungsmittel

der Fernmeldetechnik.

Für etwa e i n

Viertel

der mexikanischen Bevölkerung gab es bisher weder Fernsehen noch Zugang
zum Telefonnetz.
Am 19. Juni e r f o l g t e s c h l i e ß l i c h der S t a r t des d r i t t e n Nachrichtens a t e l l i t e n (TELSTAR D-3), der das Betriebsnetz des Fernmeldeunternehmens
"American Telephone and Telegraph Company" (At&amp;T) wesentlich
Er

wird

im inneramerikanischen

Dienst

sowie

Hawaii, Alaska und Puerto Rico eingesetzt.

für

die

erweitert.

Verbindungen

mit

Jeder der Auftraggeber

be-

zahlte an die NASA (US-Behörde f ü r L u f t - und Raumfahrt) eine S a t e l l i t e n Startgebühr von e l f M i l l i o n e n D o l l a r .
TELSTAR D-3 (Masse: 630 kg) i s t das d r i t t e Gerät einer neuen Generat i o n von Fernmeldesatelliten.
che a l s

Er vermag f a s t viermal mehr Telefongesprä-

die unmittelbaren Vorläufer

Vielseitigkeit

und Leistungsfähigkeit

gleichzeitig
des

zu ü b e r m i t t e l n .

neuen Gerätetyps

zeigt

Die
sich

auch i n der höheren Kapazität für Faksimile- und Datenschnellübertragung,
der Möglichkeit zur g l e i c h z e i t i g e n Abwicklung von Hunderten von Fernsehkonferenzen

und

zur

Übertragung

von bis

zu 24 Farbfernsehprogrammen.

TELSTAR D-Geräte sind mit verbesserten B a t t e r i e n sowie mit Festkörperverstärkern ausgerüstet.

Während die Lebensdauer der bisherigen Fernmelde-

s a t e l l i t e n ca. sieben Jahre b e t r u g , werden für die neue Generation zehn
Jahre angesetzt.

D-l wurde im Jahr 1983 mit einer DELTA-Raketen, D-2 im

�D-2 im August 1984 beim Jungfernflug der DISCOVERY von Bord des Raumtransporters a g e s t a r t e t .

Erfolgreiches LASER-Experiment
Wegen eines Programmierfehlers, durch den die DISCOVERY i n die

fal-

sche P o s i t i o n gebracht worden war, mußte das Laser-Experiment vom 19. Jun i am 2 1 . Juni wiederholt werden.
Insel

Mauri

im P a z i f i k

blaues

Dabei wurde von einer S t a t i o n auf der
Laser-Licht

geringer

Intensität

aufge-

s t r a h l t , um es von einem kleinen Spiegelsystem an einer Seitenluke
DISCOVERY r e f l e k t i e r e n

zu lassen.

der

Die Astronauten konnten beim ersten

Versuch das Laser-Licht von der Erdoberfläche gut ausmachen, jedoch wurde
wegen der falschen Position des Raumschiffs der Spiegel nicht g e t r o f f e n .
Der zweite Versuch zwei Tage später v e r l i e f dann zu a l l e r
Es s o l l t e

vor allem geklärt

werden, ob und inwieweit

Zufriedenheit.

ein

Laser-Strahl

beim Durchgang durch die Atmosphäre v e r z e r r t würde, was das genaue Anpeilen eines Objektes im Weltraum i n Frage s t e l l e n könnte.

Der computerge-

steuerte L a s e r - S t r a h l , am Ausgangsort Mauri nicht einmal
weitete sich zu einem scheinwerferähnlichen L i c h t k e g e l .
Bord der DISCOVERY erfaßte i h n und warf i h n zurück.

bleistiftdick,
Der Spiegel an

M i t H i l f e des Com-

putersystems i n der S t a t i o n Mauri wurde er dem Raumtransporter ca. eine
Minute lang präzise nachgeführt.

Es war das erste Wsltraumexperiment im Rahmen der Forschungen f ü r das
amerikanische SDI-Programm.. Die Meßdaten vom r e f l e k t i e r e n d e n S t r a h l geben den Wissenschaftlern u.a.

Hinweise darauf, ob mit stärkeren Laser-

Strahlen f e i n d l i c h e Flugobjekte genau genug angepeilt
sie zu zerstören.

werden können, um

Im Rahmen der Entwicklung eines leistungsfähigen Ver-

teidigungssystems wurde die NASA ersucht, ab 1987 bei j ä h r l i c h zwei Raumtransporterflügen SDI-Experimente ausführen zu lassen.

Flüssigkeitsmechanik
- 3 -

�Körper unvorstellbar hoher Dichte b i l d e t .

Röntgenstrahlung von Gasen der

Umgebung könnte e i n Hinweis auf seine Existenz s e i n .
DISCOVERY hatte SPARTAN, einen 1000 kg schweren Forschungssatelliten,
an Bord, der mit Teleskopen und empfindlichen Zählgeräten zur Messung der
I n t e n s i t ä t von Röntgenstrahlung ausgerüstet war.
ausgesetzt

und dann wieder

eingeholt,

Er wurde für 45 Stunden

was die Astronautin Dr.

Shannon

Lucid mit H i l f e des 15 m langen Greifarms besorgte. SPARTAN r i c h t e t e s e i ne Teleskope zum S t e r n b i l d Perseus, so Galaxienhaufen a l s Emissionsquellen von Röntgenstrahlung aus sehr heißen Gasen ausfindig gemacht worden
waren.

Die Instrumente tasteten i n diesem Bereich das Firmament a b , r e -

konstruierten

ein

zweidimensionales

Bild

von der

Röntgenlicht-Emission

und sammelten Daten über die Gastemperaturen i n den Galaxienhaufen.
die

intensive

Strahlung

aus

dem Zentrum

unserer

Milchstraße,

Lichtjahre von der Erde e n t f e r n t , s o l l t e beobachtet werden.

Auch

30 000

Die Auswer-

tung der Aufzeichnungen könnte dazu b e i t r a g e n , Theorien der Astronphysik
zur Entwicklung von Glaxienhaufen und zu Energie- und Materieumsetzungen
im Zentrum einer Galaxie wie dem unserer Milchstraße zu untermauern.

- 5 -

�26. Juni 1985

25

NOCH GEFÄHRLICHER ALS HEROIN
- Eindringliche Warnung vor dem Rauschgift Kokain US-Delegation i n Bonn -

-

(AD)- A l l e

Nationen müßten sich

darauf

e i n s t e l l e n , beim ersten

Auftreten eines Rauschgiftproblems mit dein Gefahren einer S u c h t s t o f f e p i demie k o n f r o n t i e r t
sich selbst

zu werden.

Denn die Erfahrung habe g e z e i g t , daß es

i n einer Gesellschaft,

die bislang von

Rauschgiftproblemen

nicht berührt wurde, mit unglaublicher Geschwindigkeit zur Seuche entwikkelt.

Mit dieser e i n d r i n g l i c h e n

Warnung s k i z z i e r t e Dr. Manuel Gallardo

vom i n t e r n a t i o n a l e n S u c h t s t o f f r e f e r a t

im amerikanischen Außenministerium

die Konzequenzen eines p l ö t z l i c h e n Ausbruches von Drogenmißbrauch.

Neben

den Belastungen i n medizinischer und sozialer H i n s i c h t , die Drogenabhäng i g k e i t mit sich b r i n g e , seien v e r b r e i t e t e Anwendung von Gewalt, Korruption,

politische

und w i r t s c h a f t l i c h e

Instabilität

sowie Aushöhlung der

sozialen Strukturen eines Landes unweigerliche Folgen.

Gallardo , von Hause aus k l i n i s c h e r Psychologe, befaßt sich s e i t mehr
a l s 20 Jahren mit Drogenmißbrauch und i s t s e i t sechs Jahren f ü r das State

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�das State Department tätig.

Seine Bemühungen gelten vor allem der Ein-

dämmung des Verlangens nach Suchtstoffen.

So studierte und untersuchte

er an Ort und Stelle, wie sich Ausbrüche von Kokain- und Heroinmißbrauch
überhaupt entwickeln.

Nach Gallardos Meinung sind mangelnde Kenntnis und mangelndes Verständnis für die Auswirkungen von Drogenmißbrauch, die schließlich zu
erwarten sind, Hauptfaktoren im Hintergrund solcher Epidemien.

Das gelte

heute vor allem für Nationen, die zu Anbauländern für Suchtstoffpflanzen
geworden sind.

Die Pflanzen werden meist von armen Bauern angebaut, die

nun plötzlich entdecken, daß sie mit ihrem Erntegut schnell und leicht zu
Geld kommen können.

Ähnlich sei es mit den Verbindungsleuten zum Handel

und mit korrupten Polizei- und Regierungsbeamten.
von ihren Verbindungen zur Drogenszene.

Auch sie profitieren

"Persönliche Beweggründe, auf

die sich die Leute bei der Beteiligung an illegalen Handlungen berufen,
lassen sich immer irgendwie rechtfertigen", sagt Dr. Gallardo.

An das

Opfer denke niemand - es ist "irgendwo da draußen, weit weg, unbekannt".
Fast noch stärker ausgeprägt sei das Bestreben, gegenüber den schlimmen
Auswirkungen nicht nur den Kopf in den Sand zu stecken, sondern von ihnen
auch nach entsprechenden Informationen nichts wissen zu wollen.

Der in solchen Ländern zunächst verhältnismäßig ruhige Zustand ist
meist nich von langer Dauer.

Die 'Drogendynamik" vermag auch in den Ur-

sprungsländern wie in jeder anderen Nation sehr rasch Veränderungen herbeizuführen.

Bei den modernen Suchtstoffen könne nach Meinung von Dr.

Gallardo ohnehin angenommen werden, daß der eine oder andere Teilbereich
des Problems außer Kontrolle gerate. Das beste Beispiel dafür, wie mäßiger Drogenkonsum eskalieren und epidemieartige Ausmaße annehmen könne,
seien die Länder in der Andenregion Südamerikas, wo der Kokastrauch angebaut werde.

Schon vor Jahren habe man diese Staaten darauf hingewiesen,

daß sich aus der Kokaproduktion, wenn sie weiterhin unkontrolliert bleibe, mit der Zeit viele Probleme ergeben würden,

jedoch hätten viele Fak-

toren jegliche Gegenmaßnahmen zu einem frühen Zeitpunkt verhindert.

Heu-

te sei die Region von einer ganzen Reihe von Problemen bedroht, die alle
mit Drogen zusammenhängen.
Zu

den

Konsequenzen

�Zu den Konsequenzen der Tatsache, daß i n den Andenländern 100 000 b i s
200 000 stark Kokainsüchtige leben, zählen Gallardo zufolge massive Korr u p t i o n , die die Gesellschaft aushöhlt, Bestechung zum "Kauf" der ö f f e n t l i c h e n Meinung und der p o l i t i s c h e n Repräsentation, Gewaltverbrechen mit
Drogenhintergrund und, verursacht durch den immensen Geldfluß im Drogenhandel, mögliche p o l i t i s c h e D e s t a b i l i s i e r u n g .

"Wer hätte angenommen, daß

südamerikanische Präsidenten zu der Erkenntnis kämen, daß Drogen zu einer
überragenden
Gallardo.

Gefahr

für

das

Vtohlergehen

der

Region

führen?",

fragt

"Vter hätte geglaubt, daß Richter und selbst der J u s t i z m i n i s t e r

von Kolumbien von Händlern ermordert würden oder daß Bauern, die Drogenpflanzen anbauen, die p o l i t i s c h e n Systeme Südamerikas bedrohen könnten?"
Manche Nationen, unter ihnen besonders Kolumbien, haben die Gefahren e r kannt und handelten überaus z i e l s t r e b i g verantwortungsbewußt.

Sie s t e l l -

ten sich dem Problem, anstatt es übersehen oder wegdiskutieren zu wollen.
Gallardo

zufolge

ist

jedoch Südamerika nicht

die einzige von einer

sich ständig verstärkenden Drogenepidemie bedrohte Region.

Auch i n Pa-

k i s t a n , Jamaika und Großbritannien nehme Drogenmißbrauch i n erschreckender

Weise zu.

Während Haschisch-Konsum bei einem kleinen T e i l der pa-

kistanischen Bevölkerungskreise von jeher ü b l i c h war, sehe sich das Land
j e t z t einem explosionsartigen Anwachsen der Heroinsucht gegenüber.

Denn

der dort angebaute Schlafmohn werde nunmehr auch i n den Inlandsmarkt geschleust.
Ähnlich sei i n Jamaika Marihuana aus den dort w i l d wachsenden P f l a n zen lange Zeit nur für gewisse medizinische oder r e l i g i ö s e Zwecke verwendet worden.

In den l e t z t e n Jahren jedoch wurden i n Jamaika immer weitere

Kreise der M i t t e l s c h i c h t vom Drogenkonsum erfaßt - und dies nicht nur im
Zusammenhang mit Marihuana.
b e r i c h t e t Gallardo.

Vor allem die Kokainsucht

"Psychiater, die während v i e l e r

nehme stark

Jahre i h r e r

zu,

Praxis

nie Leute mit Kokain-Problemen zu sehen bekamen, haben j e t z t Dutzende und
Aberdutzende

von Patienten

mit

Kokainabhängigkeit."

Besonders

seien die Auswirkungen der i n Zigaretten eingedrehten, nicht

schlimm

gereinigten

Kokapaste.

Großbritannien g l a u b t e ,
- 3 -

�Großbritannien glaubte, die Heroinsucht unter Kontrolle zu haben,
sagt Gallardo.

Jetzt aber werde Heroin von jungen Menschen neu entdeckt.

Die Beteiligung der Mafia am Heroinhandel habe auch in Italien einen
Markt für dieses Rauschgift geschaffen.
viele Heroinsüchtige.
gekommen.

Inzwischen gebe es dort sehr

Zu einer ähnlichen Entwicklung sei es in Malaysia

Im Lande selbst werde weder Schlafmohn angebaut, noch sei frü-

her Opium gewohnheitsmäßig konsumiert worden.

Aber die Händlerringe be-

nutzten Malaysia als Durchgangsland und ließen Heroin für den Inlandsgebrauch "aussickern".
inabhängigen.

Jetzt habe Malaysia eine erhebliche Zahl von Hero-

Und das unvermeidliche Aussickern von Drogen konfrontiere

z.B. Nachbarländer der kokainproduzierenden Region Südamerikas, insbesondere die Nachbarländer Brasilien, Argentinien und Venezuela, mit der Gefahr einer Kokainepidemie.

Kokain - eine Todesdroge

Von einer Kokainepidemie ist nach Meinung Gallardos und zahlreicher
anderer amerikanischer Experten vor allem Europa bedroht.

Die Schmuggel-

strategie der Händler ziele auf diese Region, weil sie sich hier einen
ausbaufähigen Markt erwarteten.

Ähnliche Befürchtungen äußerten auch die

Mitglieder einer amerikanischen Delegation, die sich in London, Bonn und
Rom derzeit um verstärkte internationale Zusammenarbeit in der Rauschgiftbekämpfung

bemüht.

Suchtstoffreferaten

Die Delegation setzt sich aus Vertretern von

im amerikanischen Aißenministerium, des amerikani-

schen Amtes für geistige Gesundheit, Alkohol- und Drogenmißbrauch, der
amerikanischen Behörde für Suchtstoffbekämpfung
Organisationen zusammen.

(DEA) und von privaten

Sie alle suchen nach Mitteln und Wegen, die

Programme der Vereinigten Staaten und der Vereinten Nationen zur Drogenbekämpfung wirksamer zu gestalten.

Kokain gilt heute in den USA als ein überaus gefährliches Rauschgift,
das immer "hungriger" nach dem Suchtstoff mache. Dr. John McDonald, Arzt
und Leiter des amerikanischen Amtes für geistige Gesundheit, Alkohol- und
Drogenmißbrauch, berichtete in Bonn über seine Erfahrungen mit Patienten,
- 4 -

�mit Patienten, die marihuana- und kokainabhängig sind.

Kokain löse u.a.

Psychosen aus und beeinträchtige die Funktionen des zentralen Nervensystems.

Es wirke auf jene Gehirnpartien, die auch das Hunger- und Durst-

empfinden steuern.

So sei zu erklären, daß das Verlangen nach Kokain,

das bei Anfängern zunächst Euphorie und scheinbare Leistungssteigerung,
dann aber Depresionen erzeuge, im gewohnheitsmäßigen Gebrauch immer intensiver werde und sich zu einer Sucht steigere, von der loszukommen nur
wenigen gelingt.

Ihre verheerenden gesundheitlichen und die Persönlich-

keit zerstörenden Auswirkungen machten sich erst nach zwei bis drei Jahren bemerkbar - und dann sei es meistens schon zu spät, um wirksam gegen
die Schädigungen angehen zu können.

Delegationsmitglied Ann Wrobleski, Stellvertretende Unterstaatssekretärin im amerikanischen Außenministerium, verwies darauf, daß in Südamerika enorme Mengen von Kokain produziert würden - weitaus mehr, als z.B.
der amerikanische Markt aufnehmen könne.

So werde jetzt Europa mehr und

mehr mit dem Rauschgift überschwemmt. Experten schätzen, sagte Jon Thomas
vom amerikanischen Außenministerium, daß im Jahr 1985 in Osteuropa mit
einem Konsum von 20 Tonnen zu rechnen sei.

In den Vereinigten Staaten

werden z.Zt. im Jahr ca. 60 Tonnen Kokain abgesetzt.

Man könne anneh-

men, daß zehn Tonnen des Rauschgiftes eine Million Menschen kokainabhängig machen.

Wie Frau Wrobleski berichtete, probierten in den USA täglich

5000 Menschen Kokain zum ersten Mal.

Kokain sei heute keineswegs mehr

ein Problem in reichen Familien, sondern sei zu einem "alarmierenden"
Problem des Mittelstandes geworden.

Auch handle es sich längst nicht

mehr um ein "amerikanisches" Problem.

Andere Teile der Welt würden eben-

falls immer stärker davon betroffen, insbesondere Europa, wie schon aus
den beschlagnahmten Mengen bei westeuropäischen Zoll- und Polizeibehörden
erkennbar sei.

Wenn ein Land verhindern wolle, daß Suchtstoffe an Boden gewinnen und
Rauschgiftkonsum zur Epidemie wird, müsse es äußerst aggressiv die Drogensituation überwachen und ständig von neuem analysieren, meinen die
amerikanischen Experten.

Niemand und kein Staat könne es sich leisten,

die Zügel schleifen zu lassen - auch wenn gegenwärtig keine Gefahr zu

�Gefahr zu drohen scheine.
dikal ändern.

Die Situation könne sich sehr schnell und ra-

Von größter Bedeutung sei jedenfalls auch das Aufspüren

der Geldströme aus dem Drogengeschäft und die Beschlagnahme der teilweise
sogar über renommierte Bankinstitute transferierten Gelder.

Dies sei ei-

ner der Punkte, an dem die Drogenbekämpfung wirksam ansetzen könne - allerdings erfordere dies enge und engagierte internationale Zusammenarbeit.

* * * * *

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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan fordert internationale Schritte gegen den Terrorismus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des amerikanischen Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Außenminister Shultz: Keine Konzessionen an die Terroristen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung vor dem Außenpolitischen Senatsausschuss -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA fordern UdSSR zur Beendigung ihrer antijüdischen Kampagne auf&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Außenministeriums -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA bedauern Nicaraguas Abkehr von CONTADORA-Prozess&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Außenministeriums -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Vertrag über die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen (NPT)&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Eine Wertung des amerikanischen Außenministeriums -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Nicaragua-Hilfe im US-Kongress&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Kurzinformation zum Gesetzgebungsverfahren -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"DISCOVERY" nach sieben Tagen zurück&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erfolgreiches Laser-Experiment im Weltraum - Neue Forschungen zur Röntgenstrahlenastronomie -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Noch gefährlicher als Heroin&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Eindringliche Warnung vor dem Rauschgift Kokain -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;US-Delegation in Bonn -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

24

19. Juni 1985

INHALT
DOKUMENTATION
Reagan:

F r e i h e i t der Geiseln oberstes Z i e l der USA

- Pressekonferenz des US-Präsidenten -

INFORMATION
Richard Burt a l s neuer US-Botschafter i n Bonn vorgesehen
Rozanne L. Ridgway s o l l Nachfolgerin von Richard Burt werden
- Erklärung des Weißen Hauses -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neues Verfahren zur kommerziellen Uran-Anreicherung
Fluoreszierende Algenpigmente a l s Markiersubstanz

* * * * *

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�19. Juni 1985

24

REAGAN: FREIHEIT DER GEISELN OBERSTES ZIEL DER USA
- Pressekonferenz des US-Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan e r k l ä r t e am 18. Juni 1985
auf einer landesweit übertragenen Pressekonferenz unter

Hinweis auf die

Geiselnahme i n B e i r u t , "die Vereinigten Staaten sind heute abend eine Nat i o n , die von i n t e r n a t i o n a l e n T e r r o r i s t e n angegriffen w i r d " .
Gleichzeitig

legte der Präsident

eine Reihe von Maßnahmen d a r ,

die Vereinigten Staaten e r g r e i f e n werden, um i n Zukunft die

die

Sicherheit

von Flugpassagieren zu erhöhen.
Der Präsident eröffnete die Pressekonferenz, die f a s t

ausschließlich

im Zeichen des G e i s e l f a l l e s stand, mit folgender Erklärung:
Vor

einer

Stunde

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Vor einer Stunde kam der Leichnam eines jungen amerikanischen Helden,
des Marinetauchers Robert Dean Stethem, i n einem Sarg i n seine Heimat z u rück, nachdem er zusammengeschlagen und k a l t b l ü t i g erschossen worden war.
Seine Ermordung wie auch das Schicksal der anderen amerikanischen Geis e l n , die

noch immer i n Beirut

unumstößliche Tatsache.

festgehalten werden, u n t e r s t r e i c h t

eine

Die Vereinigten Staaten sind heute abend eine

Nation, die von i n t e r n a t i o n a l e n T e r r o r i s t e n angegriffen w i r d , die

rück-

s i c h t s l o s t ö t e n und unschuldige Bürger zu Gefangenen machen.

I n Reaktion auf diese Tatsache ordne i c h folgende Maßnahmen an:

Ich

habe den Verkehrsminister angewiesen, i n Zusammenarbeit mit dem Außenminister

sofort eine Ausweitung unseres Programms der bewaffneten B e g l e i -

tung auf i n t e r n a t i o n a l e n Flügen amerikanischer Flugzeuge zu sondieren, um
so einen besseren Schutz der Passagiere zu gewährleisten.
Ich habe den Außenminister angewiesen, s o f o r t an a l l e Amerikaner, die
durch

den Internationalen

auszuhändigen, der sie

Flughafen Athen kommen, einen

vor Gefahren warnt.

Reiseratgeber

Diese Vternung wird solange

g e l t e n , bis die griechische Regierung die dortige Sicherheitslage verbessert und b i s sie die Bereitschaft
heitsbestimmungen

des

s i g n a l i s i e r t h a t , sich an die Sicher-

amerikanisch-griechischen

Zivilluftfahrtabkommens

sowie an die Konventionen von Tokio, Montreal und Den Haag h i n s i c h t l i c h
der Verfolgung und der Bestrafung von L u f t p i r a t e n zu h a l t e n .
Ich habe eine umfassende Klärung der Ereignisse um die Entführung des
Flugzeuges i n Athen angefordert.

Ich habe über das Verkehrsministerium

und die Bundesluftfahrtbehörde a l l e amerikanischen Fluggesellschaften e r sucht, zu überprüfen, ob es klug i s t , überhaupt noch Athen a n z u f l i e g e n ,
solange sich die dortige Sicherheitslage nicht bessert.
Des weiteren habe i c h die M i n i s t e r Shultz und Dole angewiesen, mir
darüber Bericht zu e r s t a t t e n , ob wir nicht ausländische Flüge jener Staaten zur Einstellung veranlassen s o l l t e n , deren Regierungen sich n i c h t an
die

entsprechenden

internationalen

Konventionen halten oder

Flughäfen keine angemessene Sicherheit b i e t e n .
- 2-

auf

ihren

Ich rufe a l l e verbündeten

�a l l e verbündeten und befreundeten Regierungen dazu a u f , i h r e Anstrengungen zur Verbesserung der Sicherheit auf i h r e n Flughäfen zu verdoppeln und
noch weitere Maßnahmen zu e r g r e i f e n , um die Entführung von Flugzeugen zu
verhindern.
Ich werde sie außerdem ersuchen, S c h r i t t e zu unternehmen, um Reisen
an Orte unmöglich zu machen, wo Gesetzlosigkeit herrscht und wo unschuldige Passagiere schutzlos s i n d .

Und i c h dränge darauf, daß kein Amerika-

ner i n e i n Land des Nahen und M i t t l e r e n Ostens r e i s t , das nicht

öffent-

l i c h diese Schrecknisse v e r u r t e i l t , sich nicht von ihnen d i s t a n z i e r t und
nicht die s o f o r t i g e , sichere Freilassung unserer Mitbürger f o r d e r t .

Las-

sen Sie mich außerdem den Mördern i n B e i r u t und i h r e n Komplizen klarmachen -

g l e i c h , wer sie sein mögen - , daß Amerika T e r r o r i s t e n gegenüber

niemals Konzessionen machen w i r d .
Terrorismus einladen.

Dies zu t u n , würde nur noch zu mehr

Wir werden auch keine andere Regierung darum e r -

suchen oder die drängen, dies zu t u n .

Wenn wir uns e r s t einmal auf d i e -

sen Heg begeben, wird es kein Ende geben - kein Ende auch des Leidens Unschuldiger und kein Ende der b l u t i g e n Lösegelder, die a l l e
Staaten zahlen müssen.

Dieser Akt des Terrorismus i s t

f ü r den Libanon und insbesondere f ü r
geschah.

zivilisierten

e i n Schandfleck

jene Libanesen, i n deren Namen er

Diejenigen im Libanon, die das getan haben, tun ihrem Land und

i h r e r Sache Schaden a n , und w i r werden sie dafür zur Rechenschaft ziehen.

Ich fordere j e n e , die unsere Mitbürger f e s t h a l t e n , dazu a u f , sie ohne
Vorbedingung f r e i z u l a s s e n .

Ich fordere die Führung des Libanon - die po-

l i t i s c h e und die r e l i g i ö s e - dazu a u f , sich i h r e r Verantwortung zu s t e l l e n und a l l e s Notwendige zu t u n , um dieses Verbrechen j e t z t im Namen des
Gottes zu beenden, den sie verehren.

Und ich ersuche auch andere Regie-

rungen, ihre Stimme zu erheben und ihren Einfluß zu nützen.
griff

ist

ein Angriff

auf a l l e Menschen dieser

Dieser An-

Vfelt, die f r e i

Furcht und der Geissei des Terrorismus leben wollen.

von der

Meine Gedanken und

Gebete sind - wie die a l l e r Amerikaner - bei den im Libanon gefangen Gehaltenen und ihren Familien.

Lassen

Sie

mich

�Lassen Sie mich mit etwas Selbstverständlichem schließen.

Wir b e f i n -

den uns mitten i n einer gefährlichen und ungewissen S i t u a t i o n .

Bevor i c h

auf Ihre Fragen eingehe, muß i c h betonen, daß Spekulationen darüber, welche S c h r i t t e wir unter hypothetischen Umständen e r g r e i f e n oder nicht
greifen

könnten,

könnten.

die

Terroristen

nur

zu noch Schlimmerem

er-

veranlassen

Deshalb wird es v i e l e Fragen geben, auf die i c h nicht antworten

kann oder nicht antworten s o l l t e .

Ich glaube, i c h habe i n dieser E r k l ä -

rung praktisch a l l e Punkte b e r ü h r t , die i c h problemlos d i s k u t i e r e n kann,
und i c h b i n s i c h e r , Sie haben dafür Verständnis.

Die wichtigsten Fragen und Antworten der Pressekonferenz haben f o l genden Wortlaut:
FRAGE:

Die Aufmerksamkeit der Welt konzentriert sich heute abend auf

die Opfer des TW\-Fluges 847.

Aber wie Sie wissen, g i b t es noch sieben

andere Amerikaner, die schon früher e n t f ü h r t worden sind und sich im L i banon i n Gefangenschaft befinden - zwischen d r e i Monaten und einem Jahr.
Werden Sie eine Lösung der gegenwärtigen Krise i n B e i r u t akzeptieren, die
irgendwelche Amerikaner i n Gefangenschaft

belassen würde - die aus dem

Flugzeug Entführten oder j e n e , die b e r e i t s früher e n t f ü h r t wurden.
ANTWORT:

Ganz gewiß geht es i n jedem unserer Gespräche auch um jene

Entführten...

Und wir haben a l l e s unternommen, um herauszufinden, wer

sie i n i h r e r Gewalt h a t , wo sie sich befinden, ob sie zusammen sind oder
g e t r e n n t , und wo sie sich aufhalten k ö n n t e n . . .

Sie können sich

sicher-

l i c h v o r s t e l l e n , daß dies überaus schwierig i s t - i n diesem Gebiet eine
f a s t unmögliche Aufgabe bei a l l den dortigen S p l i t t e r g r u p p e n . . .

Aber wir

haben sie nicht aufgegeben, und bei a l l unseren Gesprächen über die Opfer
der gegenwärtigen Entführung denken wir auch an jene Entführten.
FRAGE:

Können Sie uns sagen, Herr Präsident, was aus der P o l i t i k der

raschen und wirksamen Vergeltung geworden i s t ,
Jahren im Zusammenhang mit

die Sie vor

viereinhalb

dem i n t e r n a t i o n a l e n Terrorismus

angekündigt

haben?
ANTWORT:

Als

ich

�ANTWORT:

Als ich damals darüber sprach, bezog ich mich auf eine Si-

tuation, in der eine Regierung auf der anderen Seite betroffen war, so
daß es eine direkte Quelle des Bösen gab...

Das Problem heute ist die

Frage, wer sind diese Übeltäter, wer sind ihre Komplizen, wo halten sie
sich auf?

Einige Leute meinen, man könnte einen Vergeltungsschlag in die

allgemeine Richtung führen, aber das Ergebnis wäre dann eine terroristische Aktion an sich und das Töten und Opfern unschuldiger Menschen...
Wir haben im Hinblick auf das Sammeln von Geheimdienstinformationen alles
in unseren Kräften Stehende getan, um diese Menschen so wie ihre Aufenthaltsorte, von denen ich sprach, zu finden, und ich kann nur sagen, daß
wir ein beträchtliches Maß an Nachweisen und Beweisen zusammengetragen
haben. Mehr kann ich dazu allerdings nicht sagen.

FRAGE:

Sind Sie der Meinung, daß die amerikanische Politik, in der

Vergangenheit sowie in der Gegenwart, zum Anwachsen des Radikalismus und
des Antiamerikanismus im Nahen Osten beigetragen hat?
ANTWORT:

Nein, ich glaube nicht, daß dies der Fall ist. Als wir und

unsere Verbündeten sowie andere Länder unsere Friedenstruppe dort hatten,
wurden wir uns darüber im klaren, daß mit dem beginnenden Erfolg dieser
Truppe bei der Wahrung einer gewissen Ordnung in diesem Unruhegebiet der
Terrorismus sich anschickte, gegen alle von uns dort vorzugehen, um unseren Auftrag unmöglich zu machen.

Deswegen zog sich schließlich auch die

internationale Friedenstruppe zurück.

Wir scheinen dort auch Angriffs-

ziel zu sein - dessen bin ich sicher -, weil wir mit Israel befreundet
sind und es unterstützen.

Und es greift dort ein Antiamerikanismus auf

Seiten jener um sich, die keinen Frieden mit Israel wollen...

FRAGE:

Manche fragen sich, warum Sie sich nicht ein wenig mehr auf

Israel stützen, da ja die Vereinigten Staaten auch erklären, daß das
Festhalten der schiitischen Gefangenen gegen das Völkerrecht sei; das ist
unsere Position.
ANTWORT: Ja.
FRAGE:

I s r a e l hat

�FRAGE:

Israel hat erklärt, daß es bereit sei; warum stoßen Sie da

nicht nach?

ANTWORT:

Keil dieses Junktim, das jetzt geschaffen worden ist, dies

für sie und für uns unmöglich macht.

Es bestand kein Zweifel, daß die

Israelis stufenweise - sie hatten ja schon damit begonnen - die Gefangenen freilassen würden.

Aber jetzt ist eine Verbindung geschaffen worden,

wo eine solche Maßnahme praktisch ein Nachgeben gegenüber den Terroristen
bedeuten würde...

Und dann würden die Terroristen wissen, daß sie Erfolg

haben und erreichen können, was sie wollen...

FRAGE:

Zahlreiche Amerikaner sind heute abend enttäuscht und fühlen

sich machtlos.

Sie meinen, irgendwie müßte ein Gegenschlag geführt wer-

den gegen diese Menschen, die unsere Bürger entführt und einige von ihnen
ermordet haben.

Was sagen Sie denen, die der Ansicht sind, irgendwie sei

Amerika durch diese Terroriakte geschwächt und wir könnten unsere Staatsbürger im Ausland nicht mehr schützen?

ANTWORT:

Ich glaube, jene Amerikaner kommen zu vorschnellen Schluß-

folgerungen und sind sich nicht darüber im klaren, wie die Situation
wirklich ist.
enttäuschend.

Ich bin jedoch genauso enttäuscht wie jedermann.

Es ist

Aber, wie ich schon gesagt habe, man muß in der Lage sein,

den Gegner genau zu lokalisieren.

Man kann nicht einfach blind darauf

los schießen, ohne jemanden im Visier zu haben.

FRAGE:

Ich habe heute mit der Ehefrau eines der Geiseln gesprochen,

die eine sehr einfache und klare Frage stellte, welche ich jetzt an Sie
weitergeben möchte.

Sie fragte:

Was würden Sie tun, Hsrr Präsident,

wenn Ihre Frau oder eines Ihrer Kinder sich an Bord dieser Maschine befunden hätten?

ANTWORT:
ken...

Ich müßte immer noch an die Sicherheit aller Geiseln den-

Ja, es wäre eine schreckliche Situation...

Aber, wie ich schon

sagte, man kann den Terroristen nicht nachgeben, ohne sich darüber im
klaren zu sein, daß man dann jemand anderen verurteilen würde, durch die-

�durch dieselben Qualen zu gehen und auch andere Menschen damit zu opfern.

FRAGE:

Ist die sichere Rückkehr der Geiseln Ihr oberstes Ziel, und

wie paßt dies in die anderen Überlegungen, die Sie als Präsident in Rechnung stellen müssen?

ANTWORT:

Die sichere Rückkehr ist das Ziel.

Dies muß jedoch in ei-

ner Waise geschehen, die die Entführer wegen ihres Verbrechens nicht auch
noch belohnt, weil diese dann in der nächsten Woche einen erneuten Versuch unternehmen würden.

Es ist ein feiges Verbrechen, bei dem sie alle

Trümpfe haben, wenn erst einmal diese Menschen in ihrer Gewalt sind. Und
wir müssen immer an deren Sicherheit denken. Man könnte in der Tat außer
sich geraten, wenn man an die eine oder andere Vergeltungsmöglichkeit
denkt; aber ich würde wahrscheinlich eine Reihe von Amerikanern zum Tode
verurteilen, wenn ich dieses täte.

FRAGE:...

Im April 1980 sagten Sie aus der Frustration heraus, die

jeder Amerikaner

angesichts

der

damaligen Geiselkrise empfand: "Dies

hätte nicht einmal sechs Tage dauern sollen, geschweige denn sechs Monate." Gibt es demnach einen Zeitpunkt, ab dem nach Ihrer Meinung das nationale Interesse gebietet, daß gehandelt wird?

ANTWORT:

Damals lagen die Dinge ganz anders als heute.

Das Verbre-

chen damals wurde von einer Regierung begangen... Es handelte sich nicht
um ein Verbrechen mit nicht identifizierbaren Tätern.

Die Situation da-

mals unterschied sich daher von der, vor der wir heute stehen, mit Autobomben und Flugzeugentführungen und dergleichen ...

FRAGE:

Vertritt Herr Berri nicht die Regierung des Libanon?

Und

entsteht dadurch nicht eine Situation, wo er für uns sehr wohl identifizierbar ist?

ANTWORT:

Nun, er hat die Geiseln jetzt vermutlich von den Luftpira-

ten übernommen.

Aber aus der Tatsache, daß er ein Amt, einen sogenannten

"Kabinettsposten" in der libanesischen Regierung innehat, zu folgern, daß
- 7-

�folgern, daß die Regierung des Libanon damit beteiligt sei, würde nach
meiner Auffassung bedeuten, dieser Regierung eine Geschlossenheit zuzuschreiben, die sie tatsächlich nicht hat.

Er handelt als Individuum und

in seiner Eigenschaft als Führer der Amal, einer der Gruppen der schiitischen Moslems im Lande... Er hat seine eigene Miliz und seine eigene Armee.

Man kann also nicht einfach sagen, daß wir es mit der Regierung des

Libanon zu tun haben....

FRAGE:

In Ihrer Rede aus dem Jahre 1981, in der Sie von schneller

und wirksamer Vergeltung sprachen, sagten Sie auch, daß unsere Geduld
Grenzen habe.

Hat unsere Geduld bezüglich des gegenwärtigen Problems

Grenzen, oder sind Sie gewillt, es durchzustehen, solange es auch dauern
mag?

ANTWORT:

Ich muß es durchstehen, solange die Geiseln noch am Leben,

aber in Gefahr sind und solange wir noch eine Möglichkeit haben, sie wieder nach Hause zu bringen...

FRAGE:

Glauben Sie, daß, wie das Außenministerium am 4. April er-

klärte, die Israelis die 700 - 800 schiitischen Gefangenen unter Verletzung des Völkerrechts festhalten? Und falls ja, haben Sie irgendwelche
Zusicherungen von den Israelis, daß sie diese Gefangenen freilassen, wenn
wir die Geiseln zurückbekommen?

ANTWORT:

Wir haben darüber nicht mit ihnen gesprochen.

Wie ich

schon sagte, haben wir uns in keiner Weise in Israel und in das, was dort
geschieht, eingemischt.

Was das Völkerrecht angeht, so bin ich der Auf-

fassung, daß die Verbringung der Gefangenen aus ihrem eigenen in ein anderes Land eine Verletzung der Genfer Vereinbarungen darstellt. ...

FRAGE:

Nabih Berri sagte heute, daß er die Geiseln wieder den Ter-

roristen überstellen werde, wenn die Vereinigten Staaten Israel nicht um
die Freilassung der schiitischen Gefangenen ersuchen.

Würden Sie ihn in

diesem Falle verantwortlich machen?
ANTWORT:
- 8-

Ja, das

�ANTWORT:
FRAGE:

Ja, das würde i c h .
Sie haben wiederholt e r k l ä r t , daß Sie gegenüber dem T e r r o r i s -

mus nicht nachgeben können.

Aber jedesmal, wenn wir einen solchen Zwi-

schenfall e r l e b t e n , wie etwa bei den Soldaten des Marinekorps, die
Beirut
nicht

umgekommen s i n d , dann hat die Administration v i e l
gehandelt.

Besteht

nicht

die

Gefahr,

die

in

geredet, aber

Terroristen

im Nahen

Osten könnten zu der Überzeugung kommen, daß die Vereinigten Staaten mehr
b e l l e n a l s beißen und daß sie diese Dinge ungestraft tun können, w e i l sie
wissen, wir üben keine Vergeltung?

ANTWORT:

Ich hoffe

nicht.

Aber lassen Sie mich darauf hinweisen,

daß bei dem damaligen Zwischenfall der Mann oder die Männer - i c h weiß
n i c h t , w i e v i e l Personen i n dem Lastwagen saßen, die das Verbrechen begangen haben - t o t waren.
ser

Das i s t das w i r k l i c h Schreckliche an einigen d i e -

Terrorakte, daß es sich um eine Gruppe von Menschen handelt,

die

glauben, daß sie d i r e k t i n den Himmel kommen, wenn sie sich und andere i n
die Luft sprengen.

Wie kann man eine
herstellen?

Verbindung

zwischen diesen Menschen und anderen

Gab es jemand, der sie auf diesen Wag schickte?

es nicht wissen.

Wir können

Es b l e i b t einem also nur eine Form der Vergeltung üb-

r i g , d . h . man z i e l t i n die allgemeine Richtung und t ö t e t Menschen.

Nun,

dann i s t man selbst e i n T e r r o r i s t . . .
FRAGE:

Sie haben j e t z t e r l e b t , daß I h r Verteidigungshaushalt im Kon-

greß gekürzt wurde, Sie haben im Kongreß hart um die Zahl der MX-Raketen
kämpfen müssen; Sie haben die Kontroverse um Bitburg e r l e b t - und j e t z t
diese Krise um die Geiseln,

hfeben Sie das Gefühl, daß Ihr

Teflon-Uberzug a l s Präsident etwa abgegangen i s t ?

(feuerfester)

Haben Sie kein Glück

mehr?
ANTWORT:
te...

Ich habe nie geglaubt, daß i c h einen Teflon-Uberzug h ä t -

Und was Bitburg angeht, so habe i c h t r o t z mancher Bemühungen der

Presse die Überzeugung gehabt, daß es moralisch r i c h t i g war, das zu t u n .

�zu tun. Und ich bin glücklich, daß ich es getan habe.

Es war eine wertvolle Erfahrung dort drüben.

Und ich wurde belohnt,

als ich vor 10 000 jungen Deutschen sprach und ich am Ende 10 000 junge
Deutsche unsere Nationalhymne singen hörte - in unserer Sprache.
glaube, das war eine Anerkennung.

Ich

Jenen, die andeuten wollten, daß ich

damit in irgendeiner Form sagen wollte, daß wir den hblocaust vergessen
sollten, kann ich sagen:

Das stimmt überhaupt nicht.

Und auch die Deut-

schen versuchen nicht, den hblocaust zu vergessen.

Ich war erstaunt - nach den 40 Jahren der Freundschaft, die auf all
den Haß und das Böse des hblocaust und des Nazismus gefolgt sind - herauszufinden, daß die Deutschen nicht nur die Schreckenslager und Museen
mit Fotos all der schrecklichsten und verachtungswürdigsten Dinge erhalten haben, die geschehen sind, sondern daß sie auch ihre Schulklassen jedes Jahr dorthin bringen und ihnen zeigen und erklären, daß dies niemals
mehr geschehen darf.

Ich habe niemals auch nur angedeutet, mein Besuch dort sollte so etwas wie ein Vergehen und Vergessen bedeuten.

Die Vergebung muß von je-

mand anders kommen - nicht von uns -, wenn es überhaupt eine Vergebung
gibt, und sicherlich dürfen wir niemals vergessen...

* * * * *

- 10-

�19. Juni 1985

24

RICHARD BURT ALS NEUER US-BOTSCHAFTER IN BONN VORGESEHEN

WASHINGTON -

(AD) -

Präsident

Ronald Reagan hat am 17. Juni

1985

seine Absicht bekanntgegeben, den Unterstaatssekretär f ü r europäische und
kanadische

Angelegenheiten

im amerikanischen

Außenministerium,

Richard

B u r t , zum Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika i n der Bundesrepublik Deutschland zu ernennen.

Burt t r i t t die Nachfolge von Botschaf-

t e r Arthur F. Burns a n , der am 1 1 . Mai i n den Ruhestand getreten

ist.

Die Ernennung von Botschafter Burt bedarf noch der Bestätigung durch den
amerikanischen Senat.

Richard Burt wurde am 3. Februar 1947 a l s Sohn eines amerikanischen
Bergbauingenieurs i n der Nähe der chilenischen Hauptstadt Santiago geboren; er s t u d i e r t e an der C o r n e l l - U n i v e r s i t ä t im Staate New York, Abschluß
B.A.

im Jahr 1969, und an der Fletcher School o f Law and Diplomacy im

Staate Massachusetts, Abschluß M.A. im Jahr 1972.
Bereits im Jahr 1971 begann Burt bei der Zeitung "Boston Globe" i n
Massachusetts

seine

publizistische

Karriere;

1972 war er

in

leitender

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�'

er i n l e i t e n d e r Stellung i n der Forschung an der amerikanischen Marineakademie t ä t i g .

Im Jahr 1973 wurde er Berater der Rand Corporation, des

Hudson-Instituts, des Stanford-Forschungsinstituts, des Europäisch-amerikanischen I n s t i t u t s
republikanischer

für Sicherheit und Forschung und einer Arbeitsgruppe

Abgeordneter

1975 war er M i t a r b e i t e r
Studien (IISS)
1975 wurde.

des

Repräsentantenhauses.

des Internationalen

Instituts

Von 1973
für

bis

Strategische

i n London, dessen S t e l l v e r t r e t e n d e r D i r e k t o r er im Jahr

Von 1977 bis 1980 war Burt a l s Korrespondent der "New York

Times" i n Washington t ä t i g .

Im Jahr 1981 übernahm Richard Burt im amerikanischen Außenministerium
das

Referat

für

politisch-militärische

wurde er zum Unterstaatssekretär

Angelegenheiten.

Im Jahr

1983

f ü r europäische und kanadische Angele-

genheiten im State Department ernannt.

In dieser Eigenschaft war er auch

Vorsitzender der Besonderen Beratungsruppe der NATO, i n der die V e r e i n i g ten Staaten i h r e Verbündeten über die Genfer Verhandlungen über nukleare
Mittelstreckensysteme (INF) u n t e r r i c h t e n .
Burt i s t mit der früheren Gahl Lee Hodges v e r h e i r a t e t .

* * # * *

- 2 -

�19. Juni 1985

24

ROZANNE L. RIDGWAY SOLL NACHFOLGERIN VON RICHARD BURT VERDEN
- Erklärung des Vteißen Hauses -

WASHINGTON sicht

(AD) - Präsident Reagan hat am 1 1 . Juni 1985 seine Ab-

bekannt gegeben, Rozanne L.

Ridgway zur Nachfolgerin von Richard

Burt a l s Unterstaatssekretär für europäische und kanadische Angelegenheiten im State Department zu ernennen.

Burt s o l l Botschafter der V e r e i n i g -

ten Staaten i n der Bundesrepublik Deutschland werden.

Frau Ridgway

ist

Berufsdiplomatin und war s e i t 1982 US-Botschafterin i n der Deutschen Demokratischen Republik.

Die Ernennung muG noch vom amerikanischen Senat

b e s t ä t i g t werden.
Die Erklärung des Waißen Hauses hat folgenden Wortlaut:
Der Präsident

hat

heute

seine Absicht

bekannt gegeben, Rozanne

L.

Ridgway zur Unterstaatssekretärin ( f ü r europäische und kanadische Angelegenheiten) zu ernennen.

Sie würde damit Nachfolgerin von Richard B u r t .
Seit

1982 diente

sie

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Seit 1982 diente sie i n Ost-Berlin a l s US-Botschafterin i n der Deutschen Demokratischen Republik.

Davor war sie von 1981 bis 1982 Sonder-

a s s i s t e n t i n des Außenministers; von 1980 bis 1981 Beraterin im Außenministerium; von 1977 bis 1980 Botschafterin i n Finnland; von 1973 b i s 1975
Stellvertretende

Unterstaatssekretärin

für

Meeres-

mit dem Rang einer Botschafterin im Außenministerium.

und

Fischereifragen

Vor dieser Z e i t

-

von 1972 bis 1973 - war sie im Außenministerium a l s S t e l l v e r t r e t e n d e r D i r e k t o r i n der Planungs- und Koordinierungsabteilung des Büros f ü r i n t e r a merikanische Angelegenheiten sowie - von 1970 bis 1972 - a l s Verantwortl i c h e f ü r ecuadorianische Angelegenheiten t ä t i g .

Zu den vorherigen Arbeitsbereichen gehörten:
- von 1967 b i s 1970 - p o l i t i s c h e Abteilung der US-Botschaft i n Oslo;
- von 196A bis 1967 - Büro für europäische Angelegenheiten des Außenministeriums für den Bereich i n t e r n a t i o n a l e Beziehungen;
- von 1962 bis 196A - Visaabteilung des US-Konsulates i n Palermo;
- von 1959 b i s 1962 - Personalabteilung der US-Botschaft i n Manila;
- von 1957 bis 1959 - Informationsabteilung des Außenministeriums.
Frau Ridgway wurde am 22. August 1935 i n S t . Paul im amerikanischen
Bundesstaat

Minnesota

geboren und schloß

University im Jahr 1957 mit einem B.A. ab.

* * * * *

- 2-

ihre

Studien an der

Hamline

�24

19. Juni 1985

NEUES VERFAHREN ZUR KOMMERZIELLEN URAN-ANREICHERUNG

- (AD) - AVLIS (Abkürzung von "Atomic: Vapor Laser Isotope Separation"
-

Isotopentrennung mit Laserenergie) g i l c i n den Vereinigten Staaten a l s

die kommende Technologie

zur

Uranbrennstoff.

amerikanische

kürzlich

vor

Wie der

Isotopentrennung

Journalisten e r k l ä r t e ,

Verfahrens j e t z t

für

die Anreicherung

Energieminister

weide die

John

von

Hterrington

Weiterentwicklung

dieses

verstärkt g e f ö r d e r t , um die Urananreicherung kostengün-

s t i g e r als bisher betreiben zu können und auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig zu sein.
Obgleich die amerikanische Regierung die Entwicklung von Urananreicherung nach dem AVLIS-Verfahren bereits s e i t 13 Jahren f i n a n z i e l l u n t e r s t ü t z t , i s t nicht vor 1995 mit dem Bau der ersten GroQanreicherungsanlage
zu rechnen.

"AVLIS i s t die Technologie der Zukunft", so Herrington, "das

Urananreicherungsverfahren
wirtschaftlich

des 2 1 . Jahrhunderts.

Es i s t

technisch und

gesehen leistungsfähiger und e r f o r d e r t niedrigere Produk-

�niedrigere Produktionskosten a l s das Gasdiffusionsverfahren, das b e r e i t s
s e i t dem Zweiten Vteltkrieg angewandt w i r d . "
Die Mehrzahl der Einzelverfahren f ü r den AVLIS-ProzeQ u n t e r l i e g e n der
Geheimhaltung,

sagte

e i n Sprecher

des Energieministeriums.

Forschung,

Entwicklung und Demonstrationsprojekte würden nunmehr i n t e n s i v e r a l s b i s her

vorangetrieben, da das Gasdiffusionsverfahren

künftige technische Verbesserungen b i e t e .

keine Aussichten auf

A l l e r d i n g s könne man mit d i e -

ser Technologie dem Bedarf der Abnehmer für angereichertes Uran im I n und Ausland noch etwa bis zum Jahr 2000 gerecht werden.
Das Gasdiffusionsverfahren
um Uran mit

dem spaltbaren

erfordert

sehr v i e l e l e k t r i s c h e

Isotop U-235 anzureichern.

zeige sich im P r e i s , e r l ä u t e r t e der Sprecher.
die Kosten energiebezogen.
gieintensiv.

Angesichts

Energieministerium

Energie,

Dieser Umstand

Etwa zu 80 Prozent seien

Demgegenüber sei AVLIS weitaus weniger ener-

des Kostenproblems habe man im amerikanischen

beschlossen, eine

sionsanlagen v o r l ä u f i g s t i l l z u l e g e n .

der

drei

amerikanischen

Gasdiffu-

Und um die Kosten weiter zu senken,

werde auch die nach dem Gaszentrifugenverfahren arbeitende Anreicherungsanlage i n der Nähe von Portsmouth (Ohio) nicht weiter ausgebaut.
Energieminister

Herrington machte d e u t l i c h , daß sich die amerikani-

sche Regierung aus der Entwicklung der Zentrifugentechnologie
rückziehen werde.

ganz zu-

Angesichts der zwingenden Notwendigkeit zur Einsparung

von Kosten sei es s i n n l o s , noch weitere d r e i bis fünf M i l l i a r d e n D o l l a r
i n dieses Projekt zu stecken.

"Wir schätzen, 400 b i s 500 M i l l i o n e n D o l -

l a r i n den nächsten d r e i Jahren bei der Anreicherung einsparen zu können,
indem wir

nicht

sondern uns auf

gleichzeitig
die

beide

neuen Technologien w e i t e r v e r f o l g e n ,

eindeutig überlegenere Technologie

konzentrieren",

sagte Herrington.
•

Im Jahr 1974 beherrschten die USA lOOprozentig den Markt i n der f r e i en Walt für angereichertes Uran.
teil

weniger a l s

Heute beträgt l a u t

50 Prozent, da b i l l i g e r e r

Firmen angeboten werde.

Herrington der An-

Brennstoff

von europäischen

Die USA produzieren mit dem Isotop U-235 ange- 2 -

�U-235 angereichertes Uran für die Reaktoren von Atomkraftwerken und f ü r
bestimmte Verteidigungsprogramme der amerikanischen Regierung.
gieministerium, das gegenwärtig d r e i Gasdiffusionsanlagen

Das Ener-

betreibt,

hat

86 kommerzielle Abnehmer - 52 i n den Vereinigten Staaten, 3A im Ausland.
Es l i e f e r t außerdem hochangereichertes Uran (mit mehr a l s 90 Prozent Konz e n t r a t i o n an U-235)

an die US-Marine für Antriebszwecke

Verteidigungsministerium.

* * * * *

- 3 -

sowie an das

�Uli//en/chcift
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

19. Juni 1985

24

FLUORESZIERENDE ALGENPIGMENTE ALS MARKIERSUBSTANZ

-

(AD) - Farbintensive Pigmente von Algen werden neuerdings a l s Mar-

kierungsstoffe

für

medizinische Diagnose- und Forschungszwecke

benutzt.

Sie können i n zahlreichen Fällen radioaktive Substanzen ersetzen, die zur
Identifizierung

bestimmter

Zellen oder Moleküle

Zellen oder

Proteine e r f o r d e r l i c h

"angehängt", wirken die

sind.

leuchtend blau b i s

An
roten

Pigmente a l s winzige Fluoreszenz-Signale, die den Wissenschaftler i n die
Lage versetzen, Substancen i n überaus geringen Konzentrationen zu erkennen.

Nach Angaben von Dr. Lubert S t r y e r , Professor f ü r Z e l l b i o l o g i e an

der S t a n f o r d - U n i v e r s i t ä t ,

wurden die

fluoreszierenden Molikule

klinisch

b e r e i t s zur Prüfung von Spenderblut auf anomale B e s t a n d t e i l e , die Hinweise auf eine AIDS-Infektion geben könnten, und zur Kontrolle des Spiegels
bestimmter Medikamente wie Digoxin im Blut e r p r o b t .

Das amerikanische

Patentamt i n Washington genehmigte Anfang Juni 1985 der Stanford-Univers i t ä t die Patentrechte für dieses neue Verfahren.
Bei den Pigmenten

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Bei den Pigmenten handelt es sich um sogenannte Phykobiliproteine.
Sie fluoreszieren mit der zehn- bis zwanzigfachen Intensität der meisten
anderen fluoreszierenden Stoffe, die für Markierzwecke verwendet werden.
Und dieser Umstand bedeutet, daß sie mit hochempfindlichen radioaktiven
Indikatoren für bestimmte Zellen und Moleküle in Konkurrenz treten können.

Für eine diagnostische Anwendung müssen die Proteine eine Bindung

mit den Substanzen eingehen, die erfaßt werden sollen.
ihnen ein sogenanntes konjugiertes System.

Sie bilden mit

Ein solches Konjugat kann

beispielsweise mit einem Antikörper-Molekül zustande kommen - einem vom
Immunsystem des Körpers produzierten Protein, das markiert wird, um anomale Zellen oder verdächtige Substanzen aufzufinden.

Handelt es sich da-

bei z.B. um Antikörper, die Krebszellen "erkennen", könnte der Arzt an
Hand von Gewebeproben unter dem Mikroskop oder mit Hilfe eines leistungsfähigen Instruments zum Sortieren von Zellen die fluoreszierenden Einheiten ausfindig machen.

Antikörper und andere spezifische Proteine wurden inzwischen mit drei
Phykobiliproteinen erfolgreich markiert.
benen und roten Bereich.

Sie fluoreszieren im orangefar-

Heitere Markierpigmente seien in der Entwick-

lung, berichtet Prof. Stryer.

Da die Phykobiliproteine in leicht vonein-

ander abweichenden Farbschattierungen fluoreszieren, wenn ein Lichtstrahl
sie anregt, lassen sich mit ihnen mehrere unterschiedliche Arten von Molekülen oder Zellen gleichzeitig beobachten.

Die von Meeresalgen produ-

zierten Pigmente werden in der Natur beim Photosyntheseprozeß genutzt,
mit dem aus Sonnenlicht die für das Wachstum der Algenzellen benötigte
Energie gewonnen wird.

Die Pigmentproteine sind mit bestimmten Pigmenten

der Galle verwandt.

- 2 -

�</text>
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                <text>Amerikadienst 19.06.1985</text>
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Freiheit der Geiseln oberstes Ziel der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz des US-Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Richard Burt als neuer US-Botschafter in Bonn vorgesehen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rozanne L. Ridgway soll Nachfolgerin von Richard Burt werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Weißen Hauses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neues Verfahren zur kommerziellen Uran-Anreicherung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fluoreszierende Algenpigmente als Markiersubstanz&amp;nbsp;&lt;/p&gt;</text>
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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

12. Juni 1985

23
INHALT

DOKUMENTATION:
Reagan: USA werden bei sowjetischer Zurückhaltung SALT II einhalten
- Wortlaut der Erklärung des Präsidenten USA wollen sich bei beiderseitiger Zurückhaltung an SALT halten
- Dokumentation des Weißen Hauses zum Bericht des Präsidenten an den
Kongress Die Strategische Verteidigungsinitative
- Dokumentation des amerikanischen AuGenministeriums -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Röntgenstrahlen von fernen Milchstraßen
- Teleskopaufnahmen während des Siebentage-Fluges der DISCOVERY
Vorbeugung - Früherkennung - Rehabilitation
- Zielsetzungen der WHO-Mitgliedstaaten für die nächsten Jahre -

* * * * *

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�12. Juni 1985

23

REAGAN: USA WERDEN BEI SOWJETISCHER ZURÜCKHALTUNG SALT II EINHALTEN
- Wortlaut der Erklärung des Präsidenten WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat betont, daß die Vereinigten
Staaten

auch weiterhin

die Bestimmungen

des SALT-Vertrages einhalten

werden, wenn die Sowjetunion eine gleiche Zurückhaltung an den Tag legt
und bei den Genfer Verhandlungen aktiv Abkommen zur Rüstungsverminderung
anstrebt. In der am 10. Juni 1985 veröffentlichten Erklärung des amerikanischen Präsidenten
Staaten

zu einem

seien, der

wird

weiter

produktiven

unterstrichen, daß die Vereinigten

Dialog mit der Sowjetunion entschlossen

auf die Reduzierung

des Kriegsrisikos

abziele. Un Moskau

genügend Zeit zu gewähren, den Willen zu beiderseitiger Zurückhaltung zu
demonstrieren, würden die USA ein Unterseeboot der POSEIDON-Klasse außer
Dienst stellen und abwracken, wenn das siebte U-Boot der OHIO-Klasse
"später in diesem Jahr in Dienst gestellt wird".

Die Erklärung des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Im Jahre 1982, am Vorabend der Verhandlungen über eine Verminderung
der strategischen Rüstungen (START), habe ich mich entschlossen, daß die
Vereinigten

Staaten

das

ausgelaufene

SALT

I-Abkommen

oder das nicht

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�oder das nicht ratifizierte SALT II-Abkommen nicht unterlaufen würden,
solange die Sowjet- union eine gleiche Zurückhaltung an den Tag legt.
Trotz meiner ernst- haften Vorbehalte hinsichtlich der Unbilligkeiten des
SALT I-Abkommens und der ernsthaften Mängel des SALT II-Abkommens habe
ich diesen Schritt

ergriffen, um bei Beginn der START-Gespräche eine

Atmosphäre der beiderseitigen Zurückhaltung zu fördern, die ernsthaften
Verhandlungen dienlich wäre.

Seither haben die Vereinigten Staaten keinerlei Maßnahmen ergriffen,
die

die

bestehenden

Vereinigten

Staaten

Rüstungskontrollabkommen
haben

ihren Teil

unterlaufen

dieser Abmachung

würden.

Die

voll und ganz

eingehalten. Die Sowjets haben dies jedoch nicht getan. Sie haben verschiedene Bestimmungen

von

SALT-II

nicht

eingehalten, und wir haben

ernste Bedenken hinsichtlich der (sowjetischen) Einhaltung der Bestimmungen anderer Abmachungen.

Das Verhaltensmuster der sowjetischen Verletzungen unterläuft - wenn
keine Korrektur stattfindet - die Integrität und die Lebensfähigkeit der
Rüstungskontrolle als einem Instrument, das zur Garantie einer sicheren
und stabilen zukünftigen Welt beitragen soll. Die Vereinigten Staaten
werden auch weiterhin gegenüber der Sowjetunion nachdrücklich auf eine
Zerstreuung unserer Bedenken hinsichtlich der sowjetischen Nichteinhaltung hinarbeiten. Wir können es nicht zulassen, daß hier mit zweierlei
Maß gemessen wird, was auf eine einseitige Vertragseinhaltung hinausläuft.

Wir sind weiterhin entschlossen, einen produktiven Dialog mit der
Sowjetunion zu führen, der darauf abzielt, das Kriegsrisiko durch die
Annahme bedeutungsvoller Maßnahmen zu vermindern, die die Sicherheit, die
Stabilität und die Berechenbarkeit verbessern. Ich bin deshalb zu dem
Schluß gekommen, daß es trotz des sowjetischen Verhaltens während der
letzten Jahre weiterhin in unserem Interesse liegt, ein Interimsrahmenwerk echter beiderseitiger Zurückhaltung bei strategischen Offensivwaffen
zu schaffen, wenn wir jetzt bei den laufenden Verhandlungen in Genf mit
erneuter Energie
Nukleararsenale

unser

Ziel

verfolgen.

der

realen Verminderung

Es bleibt

der bestehenden

meine höchste Priorität, solche

Reduzierungen zu erlangen.

Die

Vereinigten

Staaten

�Die Vereinigten Staaten können ein solches Rahmenwerk nicht allein
schaffen.

Es

Schritte

ist

notwendig,

unternimmt,

um

ihre

daß

die

Sowjetunion

Nichteinhaltung

positive,

zu

konkrete

korrigieren,

unsere

anderen Bedenken hinsichtlich einer Nichteinhaltung auszuräumen und ihre
einmalige und ungerechtfertigte

Aufrüstung ins Gegenteil zu verkehren.

Bisher hat sich die Sowjetunion nicht entschieden, in diese Richtung zu
gehen. Un jedoch sicherzustellen, daß jede Möglichkeit zur Schaffung der
von uns angestrebten sicheren, stabilen Zukunft voll aund ganz genützt
wird, bin ich bereit, mehr als das Notwendige in dem Bemühen zu tun, ein
Interimsrahmenwerk echter beiderseitiger Zurückhaltung zu erreichen.
Als integralen Teil dieser Politik werden wir zugleich jene Schritte
ergreifen, die nötig sind, um die nationale Sicherheit der Vereinigten
Staaten

und unserer Verbündeten

zu garantieren, und die aufgrund der

sowjetischen Nichteinhaltungspolitik

erforderlich sind.

Angemessene und

entsprechende Antworten auf die sowjetische Nichteinhaltung sind notwendig, um unsere Sicherheit zu garantieren, um Anreize für eine Korrektur
der sowjetischen Nichteinhaltung zu bieten und um Moskau klarzumachen,
daß Verletzungen der Rüstungskontrollverpflichtungen

ihren realen Preis

haben.

Gewisse
nicht mehr

sowjetische
rückgängig

Flugerprobung

und

der

Verletzungen
zu machen.
Schritte

sind

schon

aufgrund

ihrer

Natur

Dies ist der Fall hinsichtlich

der

der

die

Sowjetunion

in

bezug

auf

Dislozierung der SS-X-25 Rakete, eines zweiten neuen Typs von Interkontinentalraketen (ICBM), der durch das nichtratifizierte SALT II-Abkommen
untersagt

ist.

Da

die

Sowjetunion

verbundene Nichteinhaltung

die

mit

dieser

Raketenentwicklung

nicht rückgängig machen kann, behalten sich

die Vereinigten Staten das Recht vor, in angemessener Weise zum angemessenen

Zeitpunkt

darauf

zu

antworten.

Das

Midgetman-Programm

der

kleinen ICBM ist in dieser Beziehung besonders relevant.

Andere
- 3 -

sowjetische

Schritte

�Andere

sowjetische

rückgängig

gemacht

Schritte

und

durch

der Nichteinhaltung
entsprechende

können

vielleicht

sowjetische

Maßnahmen

korrigiert werden. In diesen Fällen werden wir der Sowjetunion zusätzlich
Zeit einräumen, um solche erforderlichen Korrekturmaßnahmen zu ergreifen.
Während wir die sowjetischen Aktionen auf Beweise positiver, konkreter
Schritte hin überprüfen, die von sowjetischer Seite zur Korrektur dieser
Aktivitäten nötig sind, habe ich das Verteidigungsministerium angewiesen,
eine umfassende Bewertung vorzunehmen mit dem Ziel, spezifische Maßnahmen
aufzuzeigen, die die Vereinigten Staaten ergreifen könnten, um das amerikanische strategische Modernisierungsprogramm notfalls auszubauen - und
zwar als eine angemessene Antwort und als eine Eingrenzung der militärischen Konsequenzen jener sowjetischen Verletzungen bestehender Rüstungskontrollabkommen, die die Sowjets nicht korrigieren.

Im den Sowjets angemessene

Zeit

zu geben, durch Maßnahmen

ihren

Willen zu beweisen, sich uns zu einem Interimsrahmenwerk echter beiderseitiger Zurückhaltung anzuschließen, planen wir, gemäß den vereinbarten
Verfahren

ein POSEIDON-SSBN-Unterseeboot

außer

Dienst

zu stellen und

abzuwracken, wenn das siebte amerikanische Unterseeboot der OHIO-Klasse
später in diesem Jahr in Dienst gestellt wird. Die Vereinigten Staaten
werden
Haltung

sich
bei

jedoch

alle

solchen, in

programmatischen
der

Zukunft

Optionen hinsichtlich

ihrer

sich ergebenden Wegmarkierungen

offenhalten. Wenn solche Wegmarkierungen später erreicht werden, werde
ich die Gesamtsituation daraufhin überprüfen, ob die Sowjets mit ihren
Maßnahmen die Nichteinhaltung korrigiert und Fortschritte in Genf gefördert haben. Dann werde ich von Fall zu Fall eine endgültige Entscheidung
über den Kurs des Handelns der USA treffen.

Ich bin der festen Überzeugung, daß - wollen wir den Rüstungsverminderungsprozeß auf eine stabile und dauerhafte Grundlage stellen und echte
Reduzierungen erreichen - wir uns weiterhin hauptsächlich darauf konzentrieren müssen, den besten Nutzen aus den Aussichten zu ziehen, die die
gegenwärtig in Genf laufenden Verhandlungen bieten. Unsere Politik, einschließlich

der

Schaffung

eines

Interimsrahmenwerkes

echter

�Interimsrahmenwerkes
angemessenen

echter

amerikanischen

beiderseitiger
Antwort

auf

Zurückhaltung

nicht

korrigierte

und

einer

sowjetische

Nichteinhaltung, ist insbesondere darauf gerichtet, über das Notwendige
hinauszugehen, um der Sowjetunion die Möglickeit zu bieten, sich uns bei
diesem Bemühen anzuschließen.

Meine Hoffnung

ist

es, daß

wir

-

sollten

die

Sowjets

sich

uns

anschließen - bei den Genfer Verhandlungen gemeinsam Fortschritte bei der
Ausarbeitung gerechter und verifizierbarer Abkommen erreichen können einschließlich echter Reduzierung des ünfangs der bestehenden Nukleararsenale. Eine solche Leistung würde nicht nur die beste und anhaltendste
Beschränkung

des

Wachstums

nuklearer

Arsenale

gewährleisten,

sondern

dadurch würde auch ein großer Schritt auf dem Wege zur Reduzierung des
Lmfangs dieser Arsenale und zur Schaffung einer sichereren Zukunft für
alle Nationen getan.

* * * * *

- 5-

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

12. Juni 1985

23

USA WOLLEN SICH BEI BEIDERSEITIGER ZURÜCKHALTUNG AN SALT HALTEN
- Dokumentation des Weissen Hauses zum Bericht des
Präsidenten an den Kongress -

WASHINGTON -(AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 10. Juni 1985 dem
amerikanischen Kongress einen gesetzlich geforderten Bericht über die
Politik der Vereinigten Staaten hinsichtlich der Einhaltung der Bestimmungen des nicht ratifizierten SALT-II-Vertrages übermittelt. Das Weiße
Haus hat am gleichen Tag eine Dokumentation zu dem vertraulichen Bericht
veröffentlicht, in dem die wesentlichen Punkte wiedergegeben werden. Danach wollen sich die Vereinigten Staaten bei entsprechender Zurückhaltung
der Sowjetunion weiterhin an die Bestimmungen der SALT-Verträge halten
und sich vor allem um eine einschneidende Verringerung der Kernwaffen
bemühen. Nach der Dokumentation

hat

der Präsident

in seinem Bericht

allerdings die Besorgnis der Administration über Vertragsverletzungen der
Sowjets zum Ausdruck gebracht und bei einer weiteren sowjetischen Nichteinhaltung "angemessene Antworten" angekündigt.

Die Dokumentation des Weißen Hauses hat folgenden Wortlaut:

Einleitung

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Einleitung

Gemäß der gesetzlichen Bestimmungen des Bewilligungsgesetzes für das
Verteidigungsministerium

für das Haushaltsjahr

1985 (1984/85) hat der

Präsident heute (10. Juni) dem Kongress einen vertraulichen Bericht über
die Schaffung eines Interimsrahmenwerkes für die beiderseitige Zurückhaltung hinsichtlich strategischer Waffen zugeleitete. Nachfolgend eine
nicht als Verschlußsache deklarierte Dokumentation auf der Basis des Berichts des Präsidenten.

Hintergrund unserer derzeitigen Politik

Im Jahre 1982, am Vorabend der Verhandlungen über die Verringerung
strategischer Waffen (START), beschloß der Präsident, daß die Vereinigten
Staaten weder das ausgelaufene SALT-I-Abkommen noch das nicht ratifizierte SALT-II-Abkommen

unterlaufen

würden, solange die Sowjetunion eine

gleiche Zurückhaltung üben würde. Trotz ernsthafter Bedenken über die
Unbilligkeiten des SALT-I-Abkommens und der ernsten Mängel des SALT IIAbkommens entschlossen sich die Vereinigten Staaten zu diesem Schritt, um
eine

Atmosphäre

der

beiderseitigen

Zurückhaltung

bei

strategischen

Streitkräften zu schaffen, die zu Beginn von START ernsthaften Verhandlungen förderlich wären. Bei diesem Schritt gingen wir von drei Überlegungen aus:

Erstens, wir waren überzeugt - und sind auch heute noch überzeugt,
daß beiderseitige, verifizierbare Einschränkungen der nuklearen Arsenale
wichtig

sind, vor allem wenn wir versuchen, dem

Ziel einer starken

Verminderung und der schließlichen Abschaffung der nuklearen Bedrohung
näherzukommen, was die SALT-Abkommen nicht erreicht haben. Wir betrachteten die START-Verhandlungen als den Weg zu gerechten und verifizierbaren einschneidenden Verringerungen der nuklearen Arsenale, die wir anstreben. Die Vereinigten Staten waren bereit, der Sowjetunion in Genf
- 2 -

�in Genf

die Elemente

für

solche Abkommen

anzubieten

und

haben

sie

angeboten. Wir waren uns jedoch darüber im klaren, daß die Aushandlung
vernünftiger

Abkommen

Zeit

braucht.

Deshalb

verpflichteten

sich

die

Vereinigten Staaten, die bestehenden Abkommen nicht zu unterlaufen, solange

die Sowjetunion

als

Interimspolitik

gleiche Zurückhaltung

üben

würde, um, wie wir hofften, einen Rahmen der beiderseitigen Zurückhaltung
zu

schaffen, während

wir

Rüstungskontrollprozeß

auf

auf
eine

dem

Wege

zu Abkommen

bessere,

waren,

vernünftigere,

die den

langfristige

Grundlage stellen und echte Verringerungen bringen würde.
Zweitens,

wir

hofften

damals,

daß

die

Führer

der

Sowjetunion

tatsächlich eine gleiche Zurückhaltung an den Tag legen würden.
Drittens, wir waren der Auffassung, daß die Politik der Interimszurückhaltung sich nicht nachteilig auf unsere nationalen Sicherheitsinteressen auswirken würde - vorausgesetzt, die Administration und der Kongreß
arbeiteten zusammen und die Vereinigten Staaten unternähmen die notwendigen Schritte, um die strategischen Vorteile auszugleichen, die die Sowjetunion in den vorangegangenen zehn Jahren erworben hatte.

Leider haben sich diese Überlegungen in bestimmten wichtigen Aspekten
im Laufe der Zeit als nicht richtig erwiesen.

Einhaltung durch die Vereinigten Staaten

Im Einklang mit der Politik der amerikanischen Interimszurückhaltung
haben die Vereinigten Staaten keinerlei Maßnahmen ergriffen, die bestehende Abkommen unterlaufen hätten. Ja, wir haben uns genauestens an die
Bestimmungen des SALT-I- und SALT-II-Abkommens über strategische Offensivwaffen gehalten. So haben wir beispielsweise acht Polaris-Unterseeboote vollständig abgewrackt, als neue Trident-Unterseeboote in Dienst
gestellt wurden. Kurzum, die Vereinigten Staaten haben sich voll und ganz
an ihr Versprechen gehalten.

Nichteinhaltung der Sowjetunion
- 3 -

�Nichteinhaltung der Sowjetunion

Wie in den beiden umfaßenden Berichten des Präsidenten an den Kongreß
vom Januar 1984 und Februar 1985 im einzelnen dargelegt, hat die Sowjetunion wiederholt

ihre Rüstungskontrollverpflichtungen

verletzt. Obwohl

die Sowjets einige Bestimmungen bestehender Rüstungskontrollabkommen eingehalten haben, haben sie doch wichtige Elemente dieser Abkommen und damit zusammenhängende politische Verpflichtungen verletzt.

SALT II

Was das nicht ratifizierte SALT-II-Abkommmen angeht, so gehören zu
diesen Verletzungen die Erprobung und Dislozierung einer zweiten neuen
Interkontinentalrakete - der SS-X-25 - und die Verschlüsselung von Meßdaten bei der Erprobung von Raketen, was die Verifizierung von Abkommen
durch nationale technische Mittel erschwert. Die Sowjetunion hat ferner
wahrscheinlich dieses Abkommen hinsichtlich des Verbotes der Dislozierung
von

SS-16-Interkontinentalraketen

verletzt. Ebenso

bleiben

ernsthafte

Besorgnisse hinsichtlich anderer Fragen bestehen - z.B. hinsichtlich des
Verhältnisses von Mehrfachgefechtsköpfen zum Wurfgewicht der SS-X-25, wie
sie bei den Erprobungen zutage trat.

Andere Übereinkommen

Das

Verhaltensmuster

der

sowjetischen

Nichteinhaltung

bestehender

Abkommen reicht darüber hinaus weit über SALT II hinaus. Die Sowjetunion
betreibt den Bau einer großen Radaranlage mit phasengesteuerter Abtastung
in Zentralsibirien, was eine Verletzung dse ABM-Vertrages darstellt. Wenn
man andere sowjetische Tätigkeiten im Zusammenhang mit ABM hinzunimmt,
einschließlich der gleichlaufenden Erprobung von Luftverteidigungs- und
- 4 -

�LuftverteidigungsABM-Komponenten,
sowjetische

und
dann

ABM-Komponenten
besteht

Vorbereitungen

sowie

ernsthafter

der

Grund

für eine verbotene

Entwicklung
zur

mobiler

Besorgnis

über

landesweite ABM-Vertei-

digung. Eine solche Entwicklung hätte tiefgreifende Auswirkungen auf das
lebenswichtige

Gleichgewicht

zwischen

Ost

und

West.

Die

Sowjetunion

begeht auch wesentliche Verletzungen sowohl des Genfer Protokolls über
chemische als auch der Konvention über biologische und toxische Waffen.
Nach unserem Ermessen hat die Sowjetunion auch den Begrenzten TeststoppVertrag und die Bestimmungen der Schlußakte von Helsinki verletzt. Es ist
ferner wahrscheinlich, daß die Sowjets die Begrenzungen für die Stärke
nuklearer Erprobungen im Rahmen des Schwellen-Vertrages verletzt haben.

SALT I

Selbst hinsichtlich des SALT-I-Vertrages, wo wir festgestellt haben,
daß sich die Sowjets zwar an den Buschstaben des Abkommens gehalten
haben, haben wir Besorgnisse hinsichtlich ihrer Einhaltung des Geistes
des Vertrages. Nachdem sie beispielsweise mit Nuklearraketen bestückte
Unterseeboote der YANKEE-Klasse abgewrackt haben, um den Beschränkungen
von SALT I zu entsprechen, haben sie bereits ein solches Unterseeboot in
ein längeres Unterseboot als das ursprüngliche umgebaut, das mit modernen
seegestützten Langstrecken-Marschflugkörpern bestückt ist. Das ist zwar
keine Verletzung des Buchstabens von SALT I, aber das entstandene Unterseeboot stellt eine Bedrohung der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten dar, die der Bedrohung durch das ursprüngliche Unterseeboot der
YANKEE-Klasse ähnelt.

Auswirkungen der sowjetischen Nichteinhaltung

Das sind sehr entscheidende Fragen, denn wirksame Rüstungskontrolle
verlangt Ernsthaftigkeit bezüglich der Einhaltung. Das Verhaltensmuster
der sowjetischen Verletzungen berührt in zunehmenden Maße unsere nationale

Sicherheit

und

schafft

Ungewißheit
- 5 -

über

die

Streitkräfte,

die

�Streitkräfte, die die Vereinigten Staaten in der Zukunft benötigen werden. Ebenso bedeutsam, wie es die militärischen Folgen der Verletzungen
selbst sind, wirft dieses Verhaltensmuster der sowjetischen Nichteinhaltung grundsätzliche Bedenken bezüglich der Integrität des Rüstungskontrollprozesses auf, Bedenken, die - wenn sie nicht korrigiert werden die Intergrität und Lebensfähigkeit der Rüstungskontrolle als Instrument
unterlaufen, das dazu beiträgt, eine sichere und stabile künftige Welt zu
gewährleisten.

Die bisherige amerikanische Antwort

Die Vereinigten Staaten haben sich konsequent aller geeigneten diplomatischen Kanäle, einschließlich der Ständigen amerikanisch-sowjetischen
Beratungskommission (SCC), bedient, um die Sowjetunion nachdrücklich zu
drängen, diese Aktivitäten, die uns Sorge bereiten, zu erklären und/oder
sie einzustellen. Damit haben wir absolut klar gemacht, daß wir von der
Sowjetunion

erwarten, daß

sie positive

Schritte

unternimmt, um ihre

Nichteinhaltung zu korrigieren und unsere Besorgnis über ihre Nichteinhaltung zu zerstreuen, um die Integrität bestehender Abkommen zu erhalten
und das positive Umfeld zu schaffen, das für erfolgreiche Aushandlung
neuer Abkommen notwendig ist.

Leider hat die Sowjetunion trotz der langen und wiederholten Bemühungen der Vereinigten Staaten, diese Fragen zu lösen, weder befriedigende Erklärungen noch korrigierende Maßnahmen ergriffen. Die sowjetischen
Verletzungen haben vielmehr angedauert und sind mehr geworden, während
die Sowjets gleichzeitig ihre strategischen Streitkräfte weiter ausgebaut
haben. Die Sowjetunion übte also in der Vergangenheit und übt auch in der
Gegenwart nicht die gleiche Zurückhaltung aus, die wir als Bedingung für
unsere Politik der Interimszurückhaltung gesetzt haben. Dieses sowjetische Verhalten ist grundsätzlich schädlich für die Zukunft der Rüstungskontrolle und für die Sicherheit unseres Landes und unserer Verbündeten.

Angemessene
- 6 -

Antwort

�Angemessene Antwort der USA in Zukunft

Die Vereinigten Staaten werden sich weiterhin mit der Sowjetunion
nachdrücklich um die Zerstreuung unserer Bedenken bezüglich der sowjetischen Nichteinhaltung bemühen. Bei diesem Bemühen können wir uns jedoch
nicht zweierlei Maß auferlegen, das bedeuten würde, daß wir einseitig
Vertragstreue halten und damit praktisch einseitig abrüsten. Zumindest in
den Fällen von sowjetischen Verletzungen, die nicht mehr rückgängig zu
machen sind, müssen wir angemessene und entsprechende Antworten geben,
die

der

Sowjetunion

die

militärischen

Vorteile

dieser

Verletzungen

verwehren. In den Fällen der sowjetischen Verletzungen, die korrigiert
werden

können, sollten

wir

uns vergleichsweise

angemessene Antworten

vorbehalten, die den Sowjets einen Anreiz bieten, positive Schritte zur
Bereinigung der Situation vorzunehmen, und die einen notwendigen Schutz
vor

den militärischen Folgen

sowjetischer Verletzungen

gewährleisten,

wenn es die Sowjetunion unterläßt, die notwendigen Korrekturmaßnahmen zu
ergreifen.

In diesem Zusammenhang werden die Vereinigten Staaten angemessene und
entsprechende Antworten auf die sowjetische Nichteinhaltung entwickeln
und wenn notwendig anwenden, um die Sicherheit der Vereinigten Staaten
und ihrer Verbündeten zu gewährleisten und der Sowjetunion einen echten
Anreiz zu bieten, positive, konkrete Schritte zu unternehmen, die notwendig sind, um unsere Bedenken zu zerstreuen.

Notwendigkeit

des

amerikanischen

Modernisierungsprogramms

für

die

strategischen Streitkräfte

Um unsere grundlegende nationale Sicherheit zu gewährleisten und als
Grundlinie für weitere amerikanische Maßnahmen, müssen die Intergrität
und die Kontinuität des strategischen Modernisierungsprogramms der Vereinigten Staaten aufrechterhalten werden. Wenn die Modernisierung der ICBMSäule unserer strategischen

Triade nicht voll verwirklicht wird, wie

�wird, wie dies in unserem umfassenden strategischen Modernisierungsprogramm gefordert wird, dann müßten wir alle Aspekte unserer Planung für
die grundlegenden Erfordernisse unserer nationalen Sicherheit neu überdenken.

Die grundlegenden Ziele der Vereinigten Staaten.

3ei allem Verständnis für die Dringlichkeit der obengenannten Probleme dürfen wir jedoch nicht die grundlegenden Ziele der Vereinigten
Staaten aus den Augen verlieren, die unverändert sind. Im Verlauf der
nächsten zehn Jahre ist es Ziel der Vereinigten Staaten, Umfang und
Zerstörungskraft
radikal

zu

der

bestehenden

verringern

und

zu

und

geplanten

offensiven

einer Stabilisierung

Kernwaffen

des Verhältnisses

zwischen nuklearen Offensiv- und Defensivwaffen - gleich, ob auf der Erde
oder im Weltraum - zu gelangen. Auch jetzt noch hoffen wir auf eine
Übergangsperiode

zu

Atomwaffenarsenalen

einer
und

stabileren

einer

Welt

verstärkten

-

mit

stark

verringerten

Fähigkeit, vor einem Krieg

abzuschrecken, indem man sich in immer größerem Maß auf nichtnukleare
Verteidigungssysteme und immer weniger auf offensive Kernwaffen stützt,
Eine von der Drohung der militärischen Aggression und von Kernwaffen
befreite Welt ist ein Ziel, hinsichtlich dessen zwischen uns, der Sowjetunion und allen anderen Staaten sicherlich Einigkeit besteht.

Die Bedeutung der laufenden Verhandlungen.
Das beste Mittel, um zu diesen Zielen zu gelangen, wäre ein auf dem
weitreichenden Vorschlag zur Verringerung der Kernwaffen gegründetes Abkommen, das wir bei den Verhandlungen über die Verringerung der strategischen Rüstungen in Genf vorgelegt haben. Am raschesten würde man sicherlich zu einer stabileren und sichereren Welt gelangen, wenn beide Seiten
zu scharfen Verringerungen

ihrer strategischen Offensivarsenale bereit

wären und insbesondere die große Anzahl der destabilisierendsten Waffen der strategischen Interkontinentalraketen - beseitigen würden, indem sie
sich mit einem verifizierbaren Gesamtbestand von 5 000 Gefechtsköpfen für
die land- und seegestützten Interkontinentalraketen

auf beiden Seiten

einverstanden erklären.
Unglücklicherweise
- 8 -

�Unglücklicherweise

hat

die Sowjetunion

in den vergangenen Jahren

wenig echtes Interesse daran gezeigt, Zurückhaltung beim Zuwachs ihrer
Kernwaffen an den Tag zu legen - ganz abgesehen von sinnvollen Verringerungen oder Fortschritten in Richtung auf ein verifizierbares, ausgewogenes Abkommen, das solche echte Verringerungen erforderlich machen würde.
Im Gegenteil: Trotz der von unseren Unterhändlern in Genf bei den neuen,
in diesem Jahr begonnen Verhandlungen bewiesenen Ernsthaftigkeit und Beweglichkeit hat sich die Sowjetunion von Verhandlungspositionen zurückgezogen, die sie bis dahin gehalten hatte und hat eine überaus intransigente Haltung eingenommen, die jeden Fortschritt ernsthaft behindert. Wir
sind jedoch nach wie vor entschlossen, mit der Sowjetunion einen produktiven Dialog fortzuführen, der darauf abzielt, das Kriegsrisiko zu verringern, indem sinnvolle Maßnahmen zur Erhöhung von Sicherheit, Stabilität und Berechenbarkeit ergriffen werden.

Erstellung

eines

Interimsrahmenswerkes

für

gegenseitige

Zurückhaltung.
Es liegt auch weiterhin im Interesse der Vereinigten Staaten, ein
Interimsrahmenwerk der echten gegenseitigen Zurückhaltung bei den strategischen Offensivwaffen zu erstellen, während wir mit neuer Kraft bei
den laufenden Verhandlungen in Genf unser Ziel der echten Verringerungen
beim Umfang der bestehenden Nukleararsenale verfolgen. Die Vereinigten
Staaten können einen solchen Rahmen nicht allein erstellen. Auch die
Sowjetunion muß positive, konkrete Schritte - wie sie oben dargelegt
wurden

- unternehmen,

anderen

Bedenken

militärische

um

ihre Nichteinhaltung

hinsichtlich

Aufrüstung

zu

der Einhaltung

beenden

oder

doch

zu revidieren, unsere
zu

zerstreuen

zumindest

und

ihre

erheblich

zu

verringern, die ihresgleichen nicht hat und völlig ungerechtfertigt ist.
Bislang hat sich die Sowjetunion noch nicht zur Einhaltung dieser Linie
entschließen können. Dennoch ist der Präsident im Interesse der Auslotung
aller Möglichkeiten zur Garantie einer sicheren, stabilen Zukunft bereit,
noch einen weiteren großen Schritt über das Notwendige hinaus in Richtung
auf

den

Versuch

hin

zu

tun,

einen

Interimsrahmen

der

echten,

beiderseitigen Zurückhaltung zu erstellen.

Weitere
- 9 -

Zurückhaltung.

�Weitere Zurückhaltung.

Um der Sowjetunion die Möglichkeit zu geben, sich uns bei der Erstellung eines solchen Interimsrahmens echter beiderseitiger Zurückhaltung anzuschließen, der die laufenden Verhandlungen unterstützen würde,
hat der Präsident beschlossen, daß die Vereinigten Staaten auch weiterhin
davon Abstand nehmen werden, die bestehenden Abkommen über die strategischen Rüstungen zu unterlaufen - und zwar in dem Maß, in dem die Sowjetunion eine vergleichbare Zurückhaltung übt und vorausgesetzt, daß die
Sowjetunion bei den Nuklear- und Weltraumgesprächen in Genf aktiv auf
Rüstungsverringerungsabkommen hinarbeitet. Die Vereinigten Staaten werden
ständig die Implikationen dieser Interimspolitik auf die langfristigen
Sicherheitsinteressen

der

Vereinigten

Staaten

und

ihrer

Verbündeten

überprüfen. Damit werden wir die Handlungen der Sowjetunion dahingehend
analysieren, inwieweit sie unsere Besorgnisse hinsichtlich ihrer Vertragsverletzungen, hinsichtlich der ständig sich vermehrenden strategischen Waffen der Sowjetunion und hinsichtlich der sowjetischen Ernsthaftigkeit bei den laufenden Verhandlungen zu zerstreuen vermag.

Angemessene Antwort.
Als integraler Bestandteil der Verwirklichung dieser Politik müssen
wir auch jene Schritte ergreifen, die notwendig sind, um die nationale
Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten zu gewährleisten, und die durch die sowjetische Nichteinhaltung notwendig geworden
sind.

Angemessene

Nichteinhaltung

und

entsprechende

Reaktionen

auf

die

sowjetische

sind auch notwendig, um Moskau klarzumachen, daß Ver-

letzungen der Rüstungskontrollabkommen mit echten Kosten verbunden sind.
Deshalb werden die Vereinigten Staaten solche angemessene und entsprechende Antworten entwickeln und werden jene Maßnahmen ergreifen, die in
Reaktion auf und als Schutz vor den militärischen Folgen nichtkorrigierter sowjetischer Verletzungen

der bestehenden

Rüstungskontrollabkommen

notwendig sind.

Reaktion
- 10 -

auf

�Reaktion auf irreversible sowjetische Verletzungen.

Bestimmte

sowjetische

Verletzungen

sind

ihrer Natur nach nicht

rückgängig zu machen. Dies ist der Fall hinsichtlich der sowjetischen
Flugerprobung

und Schritte

in Richtung auf Dislozierung

der SS-X-25,

eines zweiten neuen Typs der Interkontinentalrakete, wie ihn das nichtratifizierte

SALT

dieser Rakete

II-Abkommen

verbietet. Da

verbundene Nichteinhaltung

die

mit

der Entwicklung

zu diesem Zeitpunkt von der

Sowjetunion nicht korrigiert werden kann, behalten sich die Vereinigten
Staaten aus diesem Grund das Recht vor, angemessen zu reagieren, und die
Vereinigten Staaten werden dies in angemessener Weise und Zeit tun. das
Programm der kleinen ICBM MIDGETMAN ist in dieser Hinsicht von besonderer
Relevanz.

Reaktion auf reversible sowjetische Schritte.
Andere sowjetische Schritte im Rahmen der Nichteinhaltung könnten
rückgängig gemacht und durch sowjetische Maßnahmen korrigiert werden. In
diesen Fällen werden wir einen weiteren Schritt tun und der Sowjetunion
zusätzliche Zeit zugestehen, um solche erforderliche Korrekturmaßnahmen
zu ergreifen. Während wir das sowjetische Verhalten nach Beweisen für
positive, konkrete

Schritte

überwachen, die ihrerseits

zur Korrektur

jener Maßnahmen notwendig sind, wird das Verteidigungsministerium eine
umfassende

Überprüfung

durchführen,

die

darauf

abzielt,

spezifische

Maßnahmen auszuarbeiten, die die Vereinigten Staaten ergreifen könnten,
um im notwendigen Umfang das amerikanische strategische Modernisierungsprogramm zu beschleunigen oder auszuweiten; dies wird in angemessenem
Maße und als Schutz vor den militärischen Folgen sowjetischer Verletzungen bestehender Abkommen geschehen, die die Sowjets bislang noch nicht
korrigiert haben.

Neben

der Entwicklung

militärischer

Reaktionen

Vertragsverletzungen

angemessener und
angesichts

nicht

abgewogener
korrigierter

amerikanischer
sowjetischer

wird diese Überprüfung auch die Konsequenzen des
- 11 -

�Konsequenzen

des

anhaltenden

sowjetischen

Streitkräftezuwachses

über-

denken; wie in der jüngsten Beurteilung der Sicherheitsdienste (National
Intelligence Estimate) zu diesem Thema dargelegt wurde, geht es dabei als
Ergebnis der jüngsten Kongreßmaßnahmen um Änderungen beim ICBM-Anteil des
strategischen Modernisierungsprogramms der Vereinigten Staaten und um die
Frage, wie die zweiten 50 PEACEKEEPER-Raketen angemessen

stationiert

werden könnten. Auch das sowjetische Verhalten während der zweiten und
dritten Runde der Nuklear- und Weltraumgespräche wird dabei voll mit in
Rechnung gestellt.

Kriterien für Optionen bei der Reaktion.

In diesem Kontext der Beurteilung potentieller zukünftiger Schritte
der Vereinigten Staaten werden bestimmte Kriterien benutzt. Die Optionen
werden sich nach den jeweiligen Reaktionen auf spezielle Fälle richten,
wo

sowjetische

Verletzungen

nicht

korrigiert

wurden; damit

soll den

militärischen Konsequenzen solcher sowjetischer Verletzungen vorgebeugt
werden. Dabei muß es sich nicht notwendigerweise um Parallelmaßnahmen
handeln. Vielmehr wird der Versuch unternommen, den Sowjets die potentiellen Vorteile

ihrer Vertragsverletzungen

zu verwehren

und, soweit

möglich, den Sowjets Anreize zu bieten, ihre Schritte zu korrigieren. In
allen Fällen

liegt

die Betonung

auf Optionen, die

die Abschreckung

garantieren, die Stabilität erhöhen und den speziellen Erfordernissen
unserer

nationalen

Sicherheit

unmittelbar

gerecht

werden.

In

dieser

Hinsicht besteht das Ziel der Vereinigten Staaten nicht per se darin,
zusätzliche Streitkräfte aufzubauen, sondern diese Optionen so einzusetzen, daß unsere Sicherheit angesichts nichtkorrigierter sowjetischer
Verletzungen gewährleistet

bleibt und daß den Sowjets Anreize geboten

werden, ihre Handlungen entsprechend zu korrigieren und sich uns dabei
anzuschließen, ein sinnvolles

Interimsrahmenwerk

gegenseitiger Zurück-

haltung zu erstellen.

Zeitplan

der

Prüfung

�Zeitplan der Prüfung durch das Verteidigungsministerium.

Die Ergebnisse dieser Überprüfung werden dem Präsidenten am 15.
November 1985 zur Analyse vorgelegt. Dies wird dem Präsidenten genügend
Zeit geben, um Optionen

der Vereinigten Staaten hinsichtlich unserer

Politik in Erwägung zu ziehen, während wir uns dem Zeitpunkt nähern, an
dem der nicht ratifizierte SALT II-Vertrag am 31. Dezember 1985 auslaufen
würde; auch können im weiteren Markierungen für eine "Politik des Nichtunterlauf ens" gesetzt werden. Und es gäbe auch genügend Zeit, um programmatische Optionen der Vereinigten Staaten in unmittelbarer Reaktion
auf nicht korrigierte Vertragsverletzungen durch die Sowjets zu erwägen,
indem im Bedarfsfall dem Kongreß Anfang 1986 das Verteidigungsprogramm
des Haushaltes 1987 vorgelegt wird.

Das 7. TRIDENT-Unterseeboot.
Um den Sowjets genügend Zeit zu geben, durch ihre Schritte den Willen
zu signalisieren, sich uns für einen Interimrahmen der echten gegenseitigen Zurückhaltung anzuschließen, hat der Präsident zudem das Verteidigungsministerium angewiesen, im Einklang mit vereinbarten Verfahren ein
bestehendes POSEIDON-U-Boot außer Dienst zu stellen und abzuwracken, da
ein siebtes amerikanisches U-Boot der OHIO-Klasse, die USS Alaska, im
Lauf des Jahres in Dienst gestellt wird. Das Verteidigungsministerium
wird jedoch als Teil seines Berichtes die Bandbreite der den Vereinigten
Staaten zur Verfügung

stehenden Optionen überprüfen und bewerten, um

ähnliche einschneidende Schritte

(einschließlich der Probeläufe weiterer

U-Boote der OHIO-Klasse und der Dislozierung des 121. amerikanischen, mit
luftgestützten

Marschflugkörpern

ausgerüsteten

Schweren

Bombers)

in

Zukunft zu behandeln. Die Vereinigten Staaten werden sich auch in Zukunft
alle programmatischen

Optionen

zur Behandlung

solcher

einschneidender

Schritte offenhalten. Wenn derlei Markierungspunkte erreicht sein werden,
wird der Präsident die Gesamtsituation analysieren und hinsichtlich des
amerikanischen Kurses eine endgültige Entscheidung treffen, die sich aus
der jeweiligen Lage und den sowjetischen Maßnahmen in Richtung auf ein
Eingehen auf die obengenannten Bedingungen ergibt.

Wahl
- 13 -

dieses

Kurses

�Wahl dieses Kurses - Zusammenfassung.
Der Präsident ist der festen Überzeugung, daß wir, um den Prozeß der
Rüstungsverringerung auf eine solide, dauerhafte Grundlage zu stellen,
uns auch weiterhin darauf konzentrieren müssen, das Beste aus dem zu
machen,

was

die

laufenden

Verhandlungen

in

Genf

bieten.

Die

oben

ausgeführte Politik - einschließlich der Erstellung eines Interimsrahmenwerkes für wirklich beiderseitige Zurückhaltung und angemessene amerikanische Reaktion auf nichtkorrigierte sowjetische Nichteinhaltung - soll
vor allem dazu dienen, der Sowjetunion dabei entgegenzukommen, sich uns
bei diesem Bemühen anzuschließen. Es ist unsere Hoffnung, daß wir in
diesem Fall gemeinsam in der Lage sein werden, bei den laufenden Genfer
Verhandlungen Fortschritte bei der Ausarbeitung ausgewogener und verifizierbarer Abkommen zu machen, einschließlich echter Verringerungen beim
Umfang der bestehenden Nukleararsenale. Solch eine Leistung würde nicht
nur die beste und dauerhafteste Beschränkung des Anwachsens der Nukleararsenale gewährleisten, sondern sie wäre auch ein großer Schritt in Richtung auf eine Verringerung des Umfangs dieser Arsenale und in Richtung
auf eine sicherere und stabilere Welt.

* * * * *

- 14 -

�12. Juni 1985

23

DIE STRATEGISCHE VERTEIDIGINGSINITIATIVE
Dokumentation des amerikanischen Außenministeriums -

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische AuGenministerium hat am 4. Juni
1985

in

einer

Dokumentation

Forschungsprogramms

ausführlich

Richtung

und

Lmfang

für die Strategische Verteidigungsinitiative

des
(SDI)

dargelegt. Präsident Ronald Reagan hat in seiner Rede vom 23. März 1983
seine Vorstellung von einer Zukunft aufgezeigt, in der die Staaten dieser
Erde sicher leben könnten in dem Wissen, daß ihre nationale Sicherheit
nicht auf der Androhung nuklearer Vergeltung, sondern auf der Fähigkeit
beruhen würde, sich gegen potentielle Angriffe zu verteidigen. Das Forschungsprogramm für die Initiative soll dazu dienen, die Möglichkeiten zu
prüfen, ob und wie diese moderne Technologie zur Verwirklichung dieser
Visison beitragen kann.

Der Strategische Zusammenhang
Das amerikanische SDI-Forschungsprogramm i s t

v o l l und ganz vereinbar

mit den Bestimmungen des ABM-Vertrages und i s t vergleichbar mit der durch

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�mit der durch den ABM-Vertrag erlaubten Forschung, die die Sowjets seit
vielen Jahren betreiben und ist ferner eine Vorsorgemaßnahme gegen ein
sowjetisches Ausbrechen aus den Bestimmungen des ABM-Vertrages durch die
Aufstellung einer landesweiten Raketenabwehr. Diese wichtigen Tatsachen
müssen hervorgehoben werden. Die Grundziele der Strategischen Verteidigungsinitiative lassen sich jedoch am besten erklären und verstehen, wenn
man das strategische Unfeld betrachtet, mit dem wir für den Rest dieses
Jahrhunderts bis ins nächste Jahrhundert hinein leben müssen

Die Herausforderung, vor der wir stehen: Unsere Nation und die mit
uns verbündeten
unserer

Nationen stehen vor einer Reihe von Herausforderungen

Sicherheit.

Jede dieser Herausforderungen

stellt

ihre eigenen

Ansprüche und bietet ihre eigenen Chancen. Die Erhaltung von Frieden und
Freiheit ist und bleibt für immer unser grundlegendes Ziel. Der wesentliche Zweck unserer Streitkräfte, und vor allem unserer Nuklearstreitkräfte, besteht darin, vor einer Aggression und Zwang auf der Basis der
Androhung militärischer Aggression abzuschrecken. Die Abschreckung, für
die die amerikanischen und verbündeten Streitkräfte sorgen, hat es uns
ermöglicht, uns des Friedens und der Freiheit zu erfreuen. Die Art der
militärischen Bedrohung hat sich jedoch geändert und wird sich auch im
nächsten Jahrzehnt auf sehr grundlegende Weise ändern. Wenn wir unsere
Antwort darauf nicht entsprechend einrichten, dann wird die Abschreckung
weniger stabil werden und unsere Anfälligkeit gegenüber Zwang wird sich
dramatisch erhöhen.

Unsere Vorstellung von Abschreckung: In den letzten zwanzig Jahren
war

unsere Vorstellung,

werden

könnte, von

wie die Abschreckung

der Grundidee

am besten

ausgegangen, um

gewährleistet

vor einem

Konflikt

abzuschrecken, genüge es, wenn jede Seite über die Fähigkeit verfügt und

diese

aufrechterhalten

kann

-,

für

jeden

Angriff

Vergeltung

anzudrohen und damit einem Aggressor Kosten aufzuerlegen, die in keinem
Verhältnis zu einem potentiellen Gewinn stehen. Unsere Vorstellung davon,
welches Risiko unsere Streitkräfte aufrechterhalten müßten, um vor einer
Aggression abzuschrecken, hat sich im Laufe der Zeit geändert. Allerdings
hat sich unsere Vorstellung im Laufe der Zeit nicht geändert, daß wir uns
grundlegend

auf

nukleare Vergeltung

verlassen

müssen, wie

sie

durch

offensive Nuklearstreitkräfte geübt werden kann.

Dieser
- 2 -

Grundgedanke

�Dieser Grundgedanke - daß nämlich im Falle, da jede Seite über annähernd

gleiche Streitkräfte

und eine gleiche Kapazität verfügt, für

jeden Angriff Vergeltung zu üben, Stabilität und Abschreckung aufrechterhalten würden - hat auch als Grundlage für die Einstellung der Vereinigten

Staaten

zu

Rüstungsbegrenzungen

dem

Prozeß

der

Verhandlungen

über

Strategische

(SALT) in den siebziger Jahren gedient. Zur Zeit,

als dieser Prozeß begann, gingen die Vereinigten Staaten davon aus, daß
eine auf der Fähigkeit offensiver Vergeltungsstreitkräfte beruhende Abschreckung nicht nur vernünftig, sondern auch notwendig sei, da wir damals glaubten, keine Seite könne je die Technologie für Verteidigungssysteme entwickeln, die die andere Seite wirksam abschrecken könnten.

Heute ist die Situation jedoch grundlegend anders. Wissenschaftliche
Entwicklungen

und einige neue Technologien bieten inzwischen die Mög-

lichkeit zu Verteidigungssystemen, die früher nicht existierten und die
man sich früher auch kaum vorstellen konnte. Die Entwicklung der Verteidigung ist heute bis zu dem Punkt fortgeschritten, wo man vernünftigerweise untersuchen kann, ob neue Technologien neue Optionen, vor allem
nichtnukleare Optionen, bieten, die uns in die Lage versetzen könnten,
uns der Verteidigung zuzuwenden, nicht nur um die Abschreckung zu stärken, sondern auch um uns den 'Übergang zu einer sichereren und stabileren
Basis für die Abschreckung zu erlauben.

Von gleicher Bedeutung ist die Tatsache, daß die Sowjetunion weder
bei den strategischen Offensiv- noch bei den Defensivstreitkräften die
Zurückhaltung gezeigt hat, die wir uns erhofften, als der SALT-Prozeß
begann. Die Tendenzen in der Entwicklung der strategischen Offensiv- und
Defensivstreitkräfte

der

Sowjets

sowie

die

sich

in zunehmendem Maße

abzeichnende sowjetische Neigung zur Täuschung und zur Nichteinhaltung
bestehender Abkommen werden - wenn ihnen auf lange Sicht nicht Einhalt
geboten wird - das militärische Gleichgewicht und die Gegenseitigkeit der
Verwundbarkeit untergraben, auf denen die Abschreckungstheorie im Wesentlichen aufgebaut wurde.

Sowjetische

Verbesserungen

�Sowjetische Verbesserungen der O f f e n s i v s t r e i t k r ä f t e :
ist

und b l e i b t

Die

Sowjetunion

die Hauptbedrohung unserer Sicherheit und der

Sicherheit

unserer Verbündeten. Im Rahmen weitreichender Bemühungen zur Verstärkung
der m i l i t ä r i s c h e n

Kapazität hat d i e Verbesserung der

der Sowjetunion -

die in

nichtung

erlaubt

-

in

Raketenstreitmacht

zunehmendem Maße eine rasche, harte

immer

Zielver-

größerem Maße d i e 'Überlebensfähigkeit

von

S t r e i t k r ä f t e n bedroht, die wir d i s l o z i e r t haben, um vor einer Aggression
abzuschrecken.

Diese Verbesserung s t e l l t

Herausforderung

unserer

Führungsstruktur,
viele

landgestützten

die s i e b e f e h l i g t ,

entscheidend

wichtige

feste

insbesondere eine

unmittelbare

Vergeltungsstreitkräfte

dar.

und

der

Sie bedroht i n gleicher Weise

Einrichtungen

in

den

Vereinigten

Staaten und i n verbündeten Ländern, auf die sich nukleare Vergeltungsund konventionelle S t r e i t k r ä f t e s t ü t z e n , die unsere k o l l e k t i v e Fähigkeit
d a r s t e l l e n , vor K o n f l i k t und Aggressionen abzuschrecken.

Verbeserung
strebt

der

aktiven

Verteidigung

der

Sowjetunion:

Gleichzeitig

die Sowjetunion auch durch die Entwicklung und Verbesserung der

aktiven Verteidigung nach strategischen V o r t e i l e n . Diese a k t i v e V e r t e i digung g i b t der Sowjetunion i n immer größerem Maße die F ä h i g k e i t , Vergeltungsstreitkräften
gegenzutreten,

der Vereinigten Staaten und unserer Verbündeten

vor

allem

einen sowjetischen

für

den F a l l ,

Erstschlag dezimiert

daß unsere S t r e i t k r ä f t e

entdurch

wären. Auch heute noch i s t

die

a k t i v e Verteidigung der Sowjets umfangreich.

So b e s i t z t die

beispielsweise

Raketen-Raketenabwehrsystem

das

(ABM-System),
verbessert

das

einzige

einsatzbereite

zum Schutze Moskaus d i s l o z i e r t

gegenwärtig

Elemente

dieses

Systems.

ist.
Sie

Die

über

ein

umfangreiches Luftverteidigungsnetz

aggressiver Weise d i e Q u a l i t ä t

Sowjetunion

besitzt

einzige einsatzbereite d i s l o z i e r t e Satellitenabwehr-Kapazität
verfügt

Sowjetunion

auch

die

(ASAT). Sie

und verbessert

in

i h r e r Radaranlagen, i h r e r Abfangjäger und

i h r e r Boden-Luft-Raketen. Sie verfügt ferner über ein sehr umfangreiches
Netz von Frühwarn-Radaranlagen gegen Raketen.

All

diese Elemente geben

i h r heute auf diesem Gebiet einen r e l a t i v e n V o r t e i l i n der

strategischen

Verteidigung,

weiterentwik-

und wenn sich diese Verbesserungen logisch

k e l n , dann könnte das die Grundlage f ü r einen entscheidenden Vorsprung i n
Zukunft bieten.
Verbesserung
- 4 -

der

�Verbesserung der passiven Verteidigung der Sowjetunion: Die

Sowjet-

union g i b t auch b e t r ä c h t l i c h e M i t t e l für Maßnahmen der passiven V e r t e i d i gung

aus,

die

Streitkräfte,

darauf
der

abzielen,

militärischen

die

Überlebensfähigkeit

Befehlsstruktur

Führung zu verbessern.

Diese Anstrengungen reichen

der

jüngsten

Beweglichkeit

der

Schiene und Strasse bis

Typen

und

der

eigenen

der

nationalen

von der

Herstellung

von I n t e r k o n t i n e n t a l r a k e t e n

auf

zur weitgehenden Befestigung verschiedener

ent-

scheidend w i c h t i g e r Einrichtungen.
Die sowjetische Forschung und Entwicklung i n der modernen V e r t e i d i gung:

Seit

über

zwei Jahrzehnten hat

weiten Bereichen

der

die Sowjetunion

Anstrengungen

in

strategischen Verteidigung unternommen und a k t i v e

und passive Elemente i n t e g r i e r t .

Die sich daraus ergebenden Entwicklungen

zeigen eine s t e t i g e Verbesserung und Ausweitung der Defensivkapazität der
Sowjetunion.
schen

Darüber hinaus lassen die derzeitigen Muster der

Forschung

betriebenen

und

Entwicklung

und intensiven

-

einschlieölich

Forschungsprogramms

auf

eines
vielen

sowjeti-

seit
der

langem
gleichen

technologischen Grundgebiete, wie sie von unserem SDI-Forschungsprogramm
erfaßt
gleichen
weitere

werden

-

erkennen,

Tempo

anhalten

Verbesserungen

daß diese

werden.
der

Trends

Wenn nichts

Defensive

der

auch
getan

in

Zukunft
wird,

Sowjetunion

die

mit

dann

dem

werden

Wirksamkeit

unserer eigenen derzeitigen Abschreckung untergraben, die sich heute f a s t
ausschließlich auf die Androhung einer nuklearen Vergeltung durch Offensivkräfte stützt.
Programm der

Daher s t e l l t

dieses s e i t langem betriebene sowjetische

defensiven Verbesserungen

allein

eine Herausforderung

der

Abschreckung dar, mit der wir uns befassen müssen.

Sowjetische

Nichteinhaltung

und V e r i f i z i e r u n g :

Und s c h l i e ß l i c h

das Problem der Nichteinhaltung von Rüstungskontrollabkommen
offensivem

wie

defensivem

Anlaß zu ernster

Gebiet

-

einschließlich

ist

sowohl auf

des ABM-Vertrages

-

Sorge. Die sowjetischen T ä t i g k e i t e n wie der Bau i h r e r

- 5 -

�der Bau ihrer neuen Radaranlage mit phasengesteuerter Abtastung in der
Nähe

von Krasnojarsk

in Zentralsibirien

haben

ganz unmittelbare und

unheilvolle Folgen. Wenn sie einsatzbereit ist, wird diese Radaranlage
die Fähigkeit der Sowjetunion erhöhen, eine territoriale Raketenabwehr zu
dislozieren. Aus der Erkenntnis heraus, daß derartige Radaranlagen einen
solchen Beitrag

leisten würden, hat der ABM-Vertrag

den Bau solcher

Radaranlagen an solchen Orten ausdrücklich verboten, und dies war einer
der Hauptpunkte, um die Wirksamkeit des Vertrages zu gewährleisten. Die
Aktivitäten der Sowjetunion im Zusammenhang mit dieser Radaranlage stellen eine direkte Verletztung des ABM-Vertrages dar.

Aber über dieses negative Verhalten der Sowjets im Sinne der Nichteinhaltung

bestehender

Rüstungskontrollabkommen

hinaus

unternimmt

die

Sowjetunion noch andere Maßnahmen, die unsere Fähigkeit behindern, die
sowjetische Einhaltung zu verifizieren. Einige dieser Maßnahmen, wie etwa
die verstärkte Verschlüsselung bei Versuchen, zielen direkt darauf ab,
unsere Fähigkeit zur Beobachtung der Einhaltung zu mindern. Auch andere
Handlungen

der Sowjets

verschärfen

das Problem

der Feststellung der

Einhaltung. So erhöhen die Sowjets beispielsweise die Zahl ihrer mobilen
Raketen, vor allem jener mit Mehrfachgefechtsköpfen, sowie anderer mobiler Systeme, was natürlich die Verifizierung mehr und mehr erschwert.
Wenn wir diesen Entwicklungen nicht begegnen, dann könnten wir in absehbarer Zukunft einen Punkt erreichen, an dem wir nur noch wenig Vertrauen
in unsere Beurteilung des Standes des militärischen Gleichgewichts oder
Ungleichgewichts haben könnten - mit allem, was das für unsere Fähigkeit
bedeutet, die Eskalation während einer Krise zu kontrollieren.

Antwort auf die Herausforderung: Als Antwort auf die seit langem vor
sich gehenden offensiven und defensiven Verbesserungen der Sowjets sind
die Vereinigten Staaten gezwungen, bestimmte Maßnahmen zu ergreifen, die
darauf angelegt sind, kurzfristig die Sicherheit und Stabilität aufrechtzuerhalten und dies auch in Zukunft zu tun. Wir müssen im wesentlichen
auf drei Gebieten handeln.

Modernisierung der
- 6 -

�Modernisierung
unsere

der Vergeltungsstreitkräfte: Als erstes müssen wir

offensiven

nuklearen Vergeltungsstreitkräfte

modernisieren. Das

ist notwendig, um auf kurze Sicht das offensive Gleichgewicht wiederherzustellen und aufrechtzuerhalten, und die strategischen Verhältnisse zu
schaffen, die uns entsprechende ergänzende Maßnahmen auf den Gebieten der
Abrüstungsverhandlungen und der Verteidigungsforschung
haben

im

Jahre

1981

unser

strategisches

ermöglichen. Wir

Modernisierungsprogramm

in

Angriff genommen, das den bis dahin herrschenden Abwärtstrend umkehren
soll. Dieses Modernisierungsprogramm ist vor allem darauf ausgerichtet,
eine stabile Abschreckung aufrechtzuerhalten und gleichzeitig die notwendigen Anreize zu bieten, daß sich die Sowjetunion uns in dem Bemühen anschließt, über wesentliche Verringerungen der nuklearen Arsenale beider
Seiten zu verhandeln.

Über das amerikanische
modernisiert

die NATO

strategische Modernisierungsprogramm

ihre weiterreichenden

hinaus

nuklearen Mittelstrecken-

systeme (LRINF). Unsere britischen und französischen Verbündeten haben
ebenfalls

wichtige

Programme

nuklearen

Vergeltungsstreitkräfte

SDI-Forschungsprogramm
Vereinigten

Staaten

in

bestreitet
und

Angriff
zu

genommen,

verbessern.

um
Das

ihre

eigenen

amerikanische

in keiner Weise diese Programme der

ihrer Verbündeten. Das

SDI-Forschungsprogramm

hängt vielmehr von unseren kollektiven und nationalen Modernisierungsanstrengungen ab, um heute Frieden und Freiheit zu sichern, wenn wir die
Möglichkeiten für künftige Entscheidungen dahingehend überprüfen, wie wir
Sicherheit und Stabilität auf längere Sicht stärken könnten.

Neue Optionen bei der Abschreckung: Gleichwohl laßt sich langfristig
durch die vom sowjetischen Verhaltensmuster verursachten Trends - sowie
durch das Beharren der Sowjets auf eben diesem Verhaltensmuster - der
Eindruck nicht vermeiden, eine über einen langen Zeitraum hinweg bestehende

Abhängigkeit

von

Offensivstreitkräften

könnte

keine

stabile

Grundlage für die Abschreckung bieten. Ja, würde man zulassen, daß sich
diese Trends fortsetzen und die sowjetischen Investitionen sowohl bei den
Offensiv-

als

auch

bei

den

Defensivkapazitäten
- 7 -

ungehindert

und

�ungehindert und unbeantwortet andauern, könnte dadurch konsequenterweise
die theoretische wie auch die empirische Grundlage zerstört werden, auf
die sich die Abschreckung seit einer Generation gründet.

Wir müssen

daher

jetzt

auch

Schritte

unternehmen, um zukünftige

Optionen zu behalten, mit deren Hilfe Abschreckung und Stabilität auch
langfristig sichergestellt werden können; und wir müssen dies auf eine
Art und Weise tun, die es uns sowohl ermöglichen, den destabilisierenden
Zuwachs der sowjetischen Offensivstreitkräfte auszugleichen, als auch den
schon seit langer Zeit bestehenden Hang der Sowjets nach immer mehr
Streitkräften in eine stabilisierendere und beiderseitig nutzbringendere
Richtung zu lenken. Die Strategische Verteidigungsinitiative (SDI) ist
auf eben diese Ziele ausgerichtet. Kurzfristig reagiert das SDI-Programm
auch

unmittelbar

Anstrengungen
bestehenden
erlaubt

auf

bei

die

den

sowjetischen

sind.

Das

derzeitigen

und

umfangreichen

Raketen-Abwehrraketen
Dislozierungen,

SDI-Forschungsprogramm

wie

-

einschließlich

sie

bietet

sowjetischen

gemäß

eine

der

ABM-Vertrag

notwendige

und

kraftvolle Abschreckung gegenüber einer jeden kurzfristigen sowjetischen
Entscheidung, ihre ABM-Kapazität rasch über den im ABM-Vertrag niedergelegten Umfang hinaus auszuweiten. Dies ist in sich schon eine entscheidende

Aufgabe.

Allerdings

liegt

die

übergreifende,

langfristige

Bedeutung von SDI darin, daß sie die Möglichkeit bietet, die gefährlichen
militärischen Trends, wie sie oben dargestellt wurden, umzukehren, indem
man zu einer besseren, stabileren Grundlage der Abschreckung gelangt und
der Sowjetunion neue und zwingende Anreize für eine wirklich ernsthafte
Vereinbarung von Verringerungen bei den bestehenden offensiven Nukleararsenalen bietet.

Die Sowjetunion hat das Potential der fortgeschrittenen Verteidigungskonzepte - insbesondere jene, die die Startphase, die Nachstartphase
und die Flugphase betreffen - zur Veränderung der strategischen Situation
erkannt. Bei unserer Analyse des Potentials, das diesen Systemen innewohnt, streben wir keine Überlegenheit an und suchen keinen einseitigen
Vorteil. Sollte sich jedoch bewahrheiten, was die SDI-Technologie verspricht,

so

könnte

der

destabilisierende
- 8 -

sowjetische

Vorteil

�sowjetische

Vorteil

Abschreckung
werden,

die

ausgeglichen

beträchtlich
dadurch

Interkontinentalraketen

werden.

gestärkt

stabiler

und

würde,

verringert

und

auf
daß
jene

Auch
eine
sich
von

könnte

dadurch

Grundlage
die

die

gestellt

Bedeutung

der

Verteidigungssystemen

erhöht, die niemanden bedrohen.

Verhandlungen und Diplomatie: Für die kommenden zehn Jahre besteht
das Ziel der Vereinigten Staaten darin, zu einer radikalen Verringerung
bei der Zerstörungskraft der vorhandenen und geplanten nuklearen Offensivwaffen zu gelangen sowie eine Stabilisierung des Verhältnisses zwischen nuklearen Offensiv- und Defensivwaffen - gleich, ob auf der Erde
oder im Weltraum - zu erreichen. Gerade auch jetzt gilt unser Bemühen
einer Übgangsperiode zu einer stabileren Welt mit weit weniger Kernwaffen
und

verstärkter

Fähigkeit

zur

durch die erhöhte Konzentration

Abschreckung

eines Krieges, ermöglicht

auf die nichtnuklearen Verteidigungs-

kapazitäten statt auf die offensiven Kernwaffen. Eine Welt frei von der
Bedrohung

durch

militärische

Aggression

und

frei

von Atomwaffen ist

letztlich das Ziel, hinsichtlich dessen zwischen uns, der Sowjetunion und
allen anderen Staaten Einhelligkeit herrschen kann.

Zur Unterstützung dieser Zielsetzungen werden wir auch weiterhin mit
Nachdruck die Verhandlungen verfolgen, die zu ausgewogenen und verfizierbaren Abkommen führen sollen, um die bestehenden Kernarsenale beträchtlich zu verringern. Dabei werden wir auch weiterhin flexibel sein, was
die zur Erreichung dieser Verringerung verwendeten Mechanismen anbelangt,
werden diese Mechanismen jedoch auf ihre Fähigkeit hin überprüfen, die
Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten zu erhöhen, die
strategische Stabilität zu stärken und die Kriegsgefahr zu verringern.

Gleichzeitig wird jetzt und auch weiterhin das SDI-Forschungsprogramm
in voller Übereinstimmung mit dem ABM-Vertrag durchgeführt. Sollte die
Forschung zu positiven Ergebnissen gelangen, werden wir unsere Verbündeten hinsichtlich der möglichen nächsten Schritte konsultieren. Wir würden
uns dann in angemessenem Maße mit der Sowjetunion konsultieren - wobei

�konsultieren - wobei dies im Einklang mit dem Wortlaut des ABM-Vertrags
geschehen würde, der solche Konsultationen vorsieht -, in welchem Maß die
Abschreckung durch die schrittweise Einführung von Defensivsystemen in
die Streitkräftestruktur
Verpflichtung

bedeutet

beider Seiten verstärkt werden könnte. Diese
nicht,

daß

wir

den

Sowjets

hinsichtlich

der

Ergebnisse ein größeres Veto einräumen würden, als die Sowjets ein Veto
über unsere derzeitigen strategischen und Mittelstreckenprogramme haben.
Unsere diesbezügliche Verpflichtung spiegelt unsere Erkenntnis wider, daß
wir auch weiterhin auf Stabilität achten sollten, wenn unsere Forschung
angemessene Resultate zeitigt. Wir haben bereits in Genf mit dem Prozeß
der bilateralen Diskussion begonnen, die notwendig ist, um den Grjndstein
für eine stabile Integration der fortgeschrittenen Verteidigungssysteme
in die Streitkräfte beider Seiten zu legen, und zwar zu einem Zeitpunkt,
da

es

der

technologische

Fortschritt

und

andere

Erwägungen

dies

wünschenswert erscheinen lassen.

WIE DIE SOWJETUNION SDI SIEHT

Wie bereits erwähnt, gibt es in der UdSSR schon seit langem im Rahmen
der Defensivsysteme aller Art ein intensives Forschungs-, Entwicklungsund Dislozierungsprogramm. Ja, in den letzten zwei Jahrzehnten hat die
Sowjetunion

insgesamt

investiert

wie

Infolgedessen
Bereich

der

in

erfreut
aktiven

in
ihre
sie
und

ihre

strategische

umfangreiche
sich

heute

passiven

Verteidigung

strategische
gewisser

Verteidigung.

ebenso

viel

Offensivrüstung.

wichtiger Vorteile im
Die Sowjetunion wird

sicherlich den Versuch unternehmen, diese umfangreichen, langfristigen
Investitionen zu schützen.

•

WIE DIE VERBÜNDETEN SDI SEHEN

Unsere Verbündeten verstehen den militärischen Kontext, in den die
Strategische Verteidigungsinitiative gestellt wurde und unterstützen das
SDI-Forschungsprogramm. Unser gemeinsames Verständnis spiegelt sich in
- 10 -

�spiegelt sich in der Erklärung wider, die dem Treffen Präsident Reagans
mit Premierministerin Thatcher im Dezember folgte, daß nämlich

—
nicht

erstens: Ziel der Vereinigten Staaten und des Westens insgesamt
ist, Überlegenheit

zu erzielen, sondern das Gleichgewicht auf-

rechtzuerhalten, indem die sowjetischen Entwicklungen in Rechnung gestellt werden;

—

zweitens: die SDI-bezogene Entwicklung aus der Sicht der Vertrags-

verpflichtungen heraus eine Angelegenheit von Verhandlungen zu sein hat;

-- drittens: Hauptziel nicht eine Untergrabung der Abschreckung sondern ihre Verstärkung ist; und
—viertens": die Ost-West-Verhandlungen auf eine Sicherheit mit verringertem Umfang der Offensivsysteme beider Seiten abzielen sollten.
Diese gemeinsame Ansicht spiegelt sich auch in anderen Erklärungen
wider, die seither abgeben wurden - zum Beispiel in den Prinzipien, die
kürzlich die Bundesrepublik Deutschland vorschlug, und wonach

—

die bestehende NATO-Strategie der flexiblen Antwort für das Bünd-

nis ihre volle Gültigkeit

behalten muß, solange es keine wirksamere

Alternative zur Kriegsverhütung gibt; und

—

die politische und strategische Einheit des Bündnisses gewahrt

werden muß. Es darf keine Zonen unterschiedlicher Sicherheit im Bündnis
geben, und Europas Sicherheit darf nicht von der Nordamerikas abgekoppelt
werden.

SDI-THEMENBEREIOC

Hier nun ein Dutzend zwingender Punkte, die Richtung und Umfang des
Programms umreißen:

1. Ziel
- 11 -

von

SDI

�1. Ziel von SDI ist nicht, Überlegenheit anzustreben, sondern das
strategische

Gleichgewicht

zu bewahren

und

dadurch

eine stabile Ab-

schreckung sicherzustellen.

Ein zentrales Thema der sowjetischen Propaganda ist die Unterstellung, daß SDI dazu dienen solle, die militärische Überlegenheit der Vereinigten Staaten zu sichern. In den richtigen Zusammenhang der strategischen

Herausforderung

gestellt,

vor

der

wir

und

unsere

Verbündeten

stehen, werden unsere Ziele klar und deutlich. Überlegenheit ist sicher
nicht unser Ziel. Auch ist das SDI-Programm

seiner Natur nach nicht

offensiv. Das SDI-Programm ist ein Forschungsprogramm, das darauf abzielt, bessere Wege zu finden, um die Sicherheit der Vereinigten Staaten
und ihrer Verbündeten zu garantieren, wobei in verstärktem Maße Verteidigungssysteme einbezogen werden, die niemanden bedrohen.

2. Die Forschung wird einige Jahre dauern. Wir beabsichtigen, uns
strikt an die Begrenzungen des ABM-Vertrags zu halten und werden darauf
bestehen, daß die Sowjets das gleiche tun.

Wir führen derzeit ein breitangelegtes Forschungsprogramm durch, das
in vollem Einklang mit dem ABM-Vertrag steht; dabei gibt es noch keinerlei Entscheidung, über den Forschungsbereich hinauszugehen. Das SDI-Forschungsprogramm

ist

überaus

komplexer

Natur

und

betrifft

eine ganze

Bandbreite von Technologien. Es handelt sich nicht um ein Programm, bei
dem alle Überlegungen hinsichtlich der Ressourcen sich einem Zeitplan
unterzuordnen

haben. Es ist vielmehr ein verantwortungsbewußt organi-

siertes Forschungsprogramm, das sich intensiv um kosteneffiziente Möglichkeiten zur Verteidigung der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten
gegenüber der Bedrohung durch nukleare wie nichtnukleare Interkontinentalraketen aller Reichweiten bemüht. Wir hoffen, daß die Forschung in
einem

Maß

vorangeht, daß erste Entwicklungsentscheidungen

Anfang der

neunziger Jahre getroffen werden könnten.

3.

Wir

haben

keinerlei

vorgefaßte
- 12 -

Meinungen

hinsichtlich

der

�hinsichtlich

der

Verteidigungsoptionen,

die

sich

aus

der

Forschung

ergeben können. Wir werden erst dann mit Entwicklung und Dislozierung
beginnen,

wenn

die

Forschung

signalisiert,

daß

strikten

Kriterien

entsprochen wird.

Die Vereinigten Staaten verfolgen das breitangelegte SDI-Forschungsprogramm auf objektive Weise. Wir haben daher auch keine vorgefaßten
Meinungen hinsichtlich des Ergebnisses dieses Forschungsprogramms. Wir
glauben nicht, daß wir vor einer ganzen Reihe von Jahren in der Lage sein
werden, Entscheidungen über Entwicklung oder Dislozierung aufgrund der
Ergebnisse dieser Forschung zu treffen.

Wir

haben

Ergebnisse

bestimmte

Kriterien

dieser Forschung

festgelegt,

denen

die

jeweiligen

genügen müssen. Manche Optionen, die uns

Interimskapazitäten bieten könnten, mögen dabei eher zur Hand sein als
andere, wobei kluge Planung es erforderlich macht, über Optionen gegen
eine ganze Reihe von Ernstfällen zu verfügen. Dennoch zielt das SDI-Forschungsprogramm nicht in erster Linie darauf ab, Optionen für frühestmögliche

Entwicklungs-und

Dislozierungsentscheidungen

an

die Hand

zu

bekommen, sondern auf Optionen, die am besten den von uns festgelegten
Kriterien entsprechen.

4. Innerhalb des SDI-Forschungsprogramms werden wir nur jene Verteidigungssysteme als wünschenswert ansehen, die überlebensfähig und in vernünftigem Maße kosteneffizient sind.

Zwei Argumente gegen SDI lauten, die Dislozierung von Verteidigungssytemen

schade

der Krisenstabilität

und

schüre

nur die ungehinderte

Ausbreitung sowjetischer Offensivwaffen. Wir haben spezielle Kriterien
erstellt, um diesen Befürchtungen angemessen und direkt zu begegnen.

Unser Kriterium
Besorgnis. Wäre

der Überlebensfähigkeit richtet sich an die erste

ein Verteidigungssystem

nicht

in angemessenem

Umfang

überlebensfähig, so könnte ein Gegner tatsächlich in einer Krise geneigt
sein, einen Erstschlag gegenüber den verletzlichen Verteidigungselementen
- 13 -

�verletzlichen Verteidigungselementen

zu führen. Die Anwendung des ge-

nannten Kriteriums stellt daher sicher, daß ein solch verwundbares System
nicht disloziert würde und die Sowjets daher auch keinen Anreiz - und
keine Aussicht hätten -, es zu überwinden.

Das Kriterium der Kosteneffektivität wird sicherstellen, daß jedes
dislozierte Verteidigungssystem
zusätzlichen Offensivwaffen

energisch davor abschrecken würde, mit

zu antworten, da diese Waffen mehr kosten

würden als die zusätzliche Verteidigungskapazität, die zu deren Vernichtung nötig wäre. Dies ist weitaus mehr als nur ein wirtschaftliches
Argument, obwohl es in wirtschaftlichen Begriffen ausgedrückt ist. Wir
wollen bei unserer Bewertung der durch die SDI-Forschung geschaffenen
Optionen das Ausmaß in Erwägung ziehen, in dem gewisse Typen von Defensivsystemen von sich aus einen Gegener ermutigen, sie einfach mit einer
zusätzlichen Offensivkapazität zu überwinden zu suchen, während andere
Systeme

einen

Gegenschlag

entmutigen

können.

Wir

streben

defensive

Optionen an, die ganz klar vor Versuchen abschrecken, zusätzliche Offensivkräfte einzusetzen.

Darüber hinaus drängen wir darauf, offensive Nuklearwaffen durch die
Aushandlung

gerechter

und

verifizierbarer

Abkommen

zu vermindern. Zu

diesen Bemühungen gehört eine Reduzierung der Zahl der Gefechtsköpfe auf
Raketen

auf

ein

gleiches

und

wesentlich

niedrigeres Niveau

als das

heutige.

5. Unser Forschungsprogramm ist noch zu neu, um über die Arten von
Defensivsystemen

-

ob

nun

landgestützt

oder

weltraumgestützt

-

zu

spekulieren, die sich für Entwicklung und Dislozierung als möglich und
wünschenswert erweisen könnten.

Ohne Frage ist eine Erörterung der verschiedenen Technologien, die
geprüft werden, nötig, um das Verständnis für das Forschungsprogramm zu
vertiefen. Spekulationen über die verschiedenen Arten von Defensivsystemen, die vielleicht disloziert werden könnten, sind zum gegenwärtigen
Zeitpunkt jedoch unangebracht. SDI ist ein weitgefächertes Forschungsprogramm,

in

dessen

Rahmen

zahlreiche
- 14 -

Technologien

untersucht

werden.

�untersucht werden. Gegenwärtig sehen wir Vorzüge in dem Potential fortgeschrittener

Technologien, die die Möglichkeiten

einer geschichteten

Verteidigung bieten - mit der Chance also, eine Rakete an verschiedenen
Punkten nach dem Start auszuschalten. Wir sind der Meinung, daß die Möglichkeit einer geschichteten Verteidigung sowohl das Vertrauen in das
Gesamtsystem

fördert

als auch das Problem eines potentiellen Gegners

vergrößert, der versucht, eine solche Verteidigung zu durchdringen. Es
gibt jedoch zahlreiche Wege zu einer solchen Verteidigung.

In diesem Zusammenhang sind wir nach der Rolle der nuklearbezogenen
Forschung

im Hinblick

Verteidigung

auf

unser letztliches Ziel der nichtnuklearen

gefragt worden. Während unser gegenwärtiges Programm den

Nachdruck ohne Frage auf die nichtnuklearen Technologien legt, werden wir
doch die Erforschung der vielversprechenden Konzeptionen fortsetzten, in
deren Rahmen die Nuklearenergie

zum Antrieb von Einrichtungen benutzt

wird, die Raketen in goßer Entfernung zerstören könnten. Es ist ferner
nützlich, sich mit diesen Konzepten zu befassen, um sich ein Bild über
die Möglichkeiten und Wirksamkeit ähnlicher Defensivsysteme zu machen,
die ein Gegner zum Einsatz gegen zukünftige amerikanische Überwachungssowie Defensiv- und Offensivsysteme entwickeln könnte.

6. Der Zweck der von uns angestrebten Defensivoptionen ist klar,
nämlich ein Mittel zur Zerstörung angreifender Raketen zu finden, bevor
diese irgendeines ihrer potentiellen Ziele erreichen können. Letztlich
wollen wir eine Zukunft, in der die Länder in Frieden und Freiheit leben
können und sicher sind in dem Wissen, daß ihre nationale Sicherheit nicht
auf

der

Androhung

nuklearer

Vergeltung

beruht. Daher

wird

sich das

SDI-Forschungsprogramm auf Optionen konzentrieren, die die Basis für die
Beseitigung der allgemeinen Bedrohung bietet, welche von den Raketen ausgeht. Somit ist es nicht das Ziel unserer Forschung - und kann es nicht
sein

-

einfach

unsere

Vergeltungsstreitkräfte

vor

einem

Angriff

zu

schützen.

Wenn ein künftiger Präsident sich entschließt, sich in Richtung auf
eine allgemeine Verteidigung

gegen Raketen
- 15 -

zu bewegen, so werden die

�so werden die technologischen Optionen, die wir erkunden, ohne Zweifel
auch

die

Uberlebensfähigkeit

unserer

Vergeltungskräfte

erhöhen. Dies

erfordert eine stabile Konzeption und einen Prozeß, der uns in die Lage
versetzt, den Übergang zu der von uns angestrebten Zukunft in den Griff
zu bekommen. Diese Konzeption und dieser Prozeß müssen sich auf eine
realistische Bewertung nicht nur der amerikanischen, sondern auch der
sowjetischen

Streitkräfte

sowie

der

über

das

laufende

Haushaltsjahr

hinausgehenden Programme stützen.

Die Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten bleibt
weiterhin unteilbar. Das SDI-Programm zielt darauf ab, die Sicherheit der
Verbündeten wie auch die der Vereinigten Staaten zu stärken. Wir werden
weiterhin eng mit unseren Verbündeten zusammenarbeiten, um sicherzustellen, daß im Zuge der fortschreitenden Forschung die Ansichten unserer
Verbündeten sorgfältig in Betracht gezogen werden.

Dies war seit Begin der Strategischen Verteidigungsinitiative ein
fundamentaler Teil der amerikanischen Politik. Wir haben uns ernsthaft zu
Konsulatationen verpflichtet, und solche Konsultationen werden jedem im
Rahmen des SDI-Forschungsprogramms zu ergreifenden Schritt, der sich auf
unsere Verbündeten auswirken könnte, vorausgehen.

8.Nach Erfüllung unserer Forschungskriterien und nach engen Konsultationen mit unseren Verbündeten, wollen wir, wie dies angemessen erscheint, die Sowjets konsultieren und mit ihnen darüber verhandeln - und
zwar gemäß den Bestimmungen des ABM-Vertrages -, wie die Abschreckung
gefördert werden kann, indem sich beide Seiten mehr auf neue Defensivsysteme stützen. Ja, wir haben bereits versucht, bei den Verteidigungs- und
Weltraumgesprächen in Genf eine Diskussion über das Offensiv-DefensivVerhältnis und die Stabilität in Gang zu bringen, um die Grundlage für
eine Förderung solcher möglicher Konsultationen in der Zukunft zu legen.

Falls
Verbündeten

die
zu

Vereinigten
einem

Staaten

künftigen

in

enger

Zeitpunkt

- 16 -

Konsultation
entscheiden,

mit
mit

ihren
der

�mit der Dislozierung von Defensivsystemen voranzugehen, dann beabsichtigen wir, uns der Mechanismen für amerikanisch-sowjetische Konsultationen
zu bedienen, die im ABM-Vertrag vorgesehen sind. Mit Hilfe dieser Mechanismen und unter voller Berücksichtigung des weitgesteckten sowjetischen
Forschungsprogramms auf dem Gebiet der Defensivsysteme werden wir bemüht
sein, in einer stabilen Weise mit der Sowjetunion voranzukommen.

9. Wir haben die Absicht und die Hoffnung, daß - sollten sich neue
Defensivtechnologien als durchführbar erweisen - wir (in enger und anhaltender Konsultation mit unseren Verbündeten) und die Sowjets gemeinsam
einen Übergang zu einem mehr defensivbezogenen Gleichgewicht schaffen
werden.

Sowjetische Propagandisten haben die Vereinigten Staaten beschuldigt,
sie seien hinsichtlich ihrer Verpflichtung, ein Wettrüsten im Weltraum zu
verhindern, wortbrüchig geworden. Dies stimmt in gar keiner Weise. Wir
wollen kein Wettrüsten - wir wollen genau das Gegenteil, nämlich einen
gemeinsamen begehbaren Weg, der dahin führen soll, daß zu allen Zeiten
eine Kontrolle über das Verhältnis von Offensiv- und Defensivsystemen auf
beiden Seiten gewahrt und dadurch das Vertrauen aller Länder in die Wirksamkeit und die Stabilität des sich ergebenden Gleichgewichts verstärkt
wird.

10. SDI stellt keine Änderung unserer Verpflichtungen dar, vor einem
Krieg abzuschrecken und die Stabilität zu stärken.

Eine erfolgreiche SDI-Forschung sowie die Entwicklung von Defensivoptionen würden nicht zu der Aufgabe der Abschreckung führen, sondern
vielmehr zu einer Stärkung der Abschreckung und zu einer Evolution bei
den

Abschreckungswaffen,

indem

nämlich

Defensivsysteme

hinzugefügt

werden, die niemanden bedrohen. Wir würden einen potentiellen Aggressor
abschrecken, indem wir ihm klarmachen, daß wir ihm die Gewinne verwehren,
die er sonst zu erreichen gehofft hätte, statt ihm lediglich mit Kosten
zu drohen, die hoch genug sind, um solche Gewinne aufzuwiegen.

Die
- 17 -

Vereinigten

Staaten

�Die Vereinigten Staaten unterstützen das grundlegende Prinzip, daß
die jetzt bestehende Methode der Abschreckung sowie die NATO-Strategie
der flexiblen Antwort voll und ganz gültig bleiben und voll unterstützt
werden müssen, solange es keine effektivere Alternative zur Verhinderung
eines Krieges gibt. In klarer Anerkennung dieser Tatsache setzten die
Vereinigten

Staaten

ihr

strategisches

Modernisierungsprogramm

so

nachdrücklich fort und unterstützen so nachhaltig die Anstrengungen ihrer
Verbündeten,

die

eigenen

Verpflichtungen

zur

Aufrechterhaltung

von

Streitkräften - sowohl nuklear wie konventionell - zu erfüllen, welche
für die heutige Abschreckung Sorge tragen.

11. Für die absehbare Zukunft werden offensive Nuklearstreitkräfte
sowie die Aussicht auf nukleare Vergeltung das Hauptelement der Abschrekkung bleiben. Deshalb müssen wir moderne, flexible und glaubwürdige strategische Nuklearstreitkräfte aufrechterhalten.

Hieraus ergibt sich die Tatsache, daß wir eine Reihe von Mitteln
einsetzen müssen, um die Ziele

von heute

zu erreichen, während

wir

gleichzeitig nach besseren Wegen suchen, um unsere langfristigen Ziele zu
erreichen. Hierin

kommt

unser

Grundprinzip

der Aufrechterhaltung

des

amerikanischen strategischen Modernisierungsprogramms und das Prinzip der
so dringend benötigten nationalen Modernisierungsprogramme zum Ausdruck,
die von Großbritannien und Frankreich durchgeführt werden.

12.Unser letztliches Ziel ist es, die Kernwaffen völlig zu beseitigen. Dies ist natürlich ein sehr langfristiges Ziel, das bei Fortsetzung unserer SDI-Forschung gleiche energische Anstrengungen erforderlich
macht, um die durch konventionelle Rüstungsungleichheit gegebene Bedrohung zu beseitigen - sowohl durch konventionelle Streitkräfteverbesserungen als auch durch die Verhandlungen über Rüstungsreduzierungen und
vertrauensbildende Maßnahmen.

Wir sind uns völlig über den Beitrag im klaren, den Kernwaffen zur
Abschreckung einer konventionellen Aggression leisten. Wir sind uns in
gleicher

Weise

über

die Zerstörungskraft
- 18 -

eines Krieges aufgrund von

�aufgrund von konventionellen und chemischen Mitteln im klaren sowie über
die Notwendigkeit, sowohl vor einem solchen Konflikt abzuschrecken als
auch die Gefahr zu vermindern, die von der Androhung einer Aggression mit
solchen Mitteln ausgeht.

- 19 -

�Wi//en/chaft
und Technik

I

United States Information Service
Embassy of the United States of America

12. Juni 1985

23

RÖNTGENSTRAHLEN VON FERNEN MILCHSTRASSEN
- Teleskopaufnahmen während des Siebentage-Fluges der DISCOVERY -

(AD)

-Beim

nächsten

Flug

des

amerikanischen

Raumtransporters

DISCOVERY, der voraussichtlich an 17. Juni 1985 beginnt und sieben Tage
dauern

soll, stehen wichtige astronomische Beobachtungen auf dem Pro-

gramm. Mit dem kleinen Forschungssatelliten SPARTAN 1, der u.a. mit zwei
an Teleskope angeschlossenen Zählgeräten zur Messung von Röntgenstrahlen
ausgerüstet ist, will man Galaxienhaufen im Sternbild Perseus sowie das
Zentrum unserer Milchstrasse näher erforschen. SPARTAN 1 wird vom "Kran"
an Bord der DISCOVERY aus dem Nutzlastraum gehoben und im Weltraum freigesetzt. Nach ca. 40 Stunden manövriert Kommandant Daniel Brandenstein
den Raumtransporter so nahe an den Forschungssatelliten heran, daß dieser
wieder eingeholt und zur Erde zurückgebracht werden kann. Auf seine Meßdaten warten Astrophysiker in Instituten, wo man sich speziell mit Röntgenastronomie befaßt.

Turbulente

Galaxienhaufen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Turbulente Galaxienhaufen finden sich im gesamten Universum. Das sehr
heiße Gas, das sie durchdringt, sendet Röntgenstrahlung aus. Auf Grund
der Beobachtung kosmischer Quellen von Röntgenstrahlung konnten inzwischen Galaxienhaufen

ausgemacht werden, die Millionen von Lichtjahren

entfernt sind. (Ein Lichtjahr ist die Strecke, die Licht in 365 Tagen
zurücklegt - das sind ca. 9,6 Billionen Kilometer.)

Ray Cruddace, Projektwissenschaftler vom Forschungslaboratorium der
US-Marine,

bezeichnet

die

Galaxienhaufen

als

die

Grundbausteine

des

Universums. "Gleichgültig, in welche Richtung wir blicken oder wie weit
wir mit unseren Riesenteleskopen sehen können - wir sehen überall diese
Haufen, die das Universum mehr oder weniger gleichmäßig ausfüllen", sagt
er. Erstes Ziel des SPARTAN-Projekts sei es, Herkunft und Verhalten des
heißen Gases zu untersuchen. Die Ergebnisse könnten helfen, das Puzzlespiel vielleicht etwas zu entwirren, wie diese Haufen im Anfangsstadium
des Universums entstanden und wie sie sich in der Folgezeit entwickelten.

Das zweite Projektziel liegt uns auf der Erde näher - nämlich das
Studium des zentralen Bereichs der Milchstraße. "Dieses Zentrum, um das
die Spiralen dieser riesigen Scheibe rotieren, ist dicht vollgepackt mit
Sternen, und es scheint auch häufig der Ort von Ereignissen zu sein, bei
denen erhebliche Energien im Spiel sind", so Crudacce. "Die heftige Aktivität könnte mit einem massiven zentralen Objekt in Zusammenhang stehen,
bei

dem es sich nach Ansicht

mancher Wissenschaftler

um

ein großes

Schwarzes Loch handelt."

Unter einem Schwarzen Loch ist ein massiver Stern sehr hoher Dichte
zu verstehen, der aber nicht direkt zu beobachten ist, weil Licht und
andere Wellen aus dem elektromagnetischen Spektrum von seiner Oberfläche
nicht abgestrahlt werden können. Auf seine Existenz wird auf Grund seines
Einflusses auf einen nahen Begleitstern geschlossen. Morris Aizenman, der
Leiter der Abteilung Astronomieforschung in der Nationalen Wissenschaftsstiftung (NSF) der USA, hebt hervor, daß die Wirkung eines Schwarzen Lochs

�Schwarzen Lochs nicht mit der eines Staubsaugers verglichen werden könne.
"Es wird kein Material angesogen - aber alles Material, das auf irgendeinem Weg hineingelangt, bleibt gefangen und kann nicht mehr hinaus. Da
die Milchstraße

mit

ihren

Spiralarmen wie ein riesiges Rad rotiert,

gelangt sicherlich auch galaktische Materie in ein eventuell im Zentrum
vorhandenes Schwarzes Loch. Aber das ändert über Hunderte von Millionen
Jahren kaum etwas an der Form unserer Milchstraße." Was die oft heftigen
Aktivitäten im Zentrum verursache, wisse man noch nicht. Aber es sei ein
sehr häufiges Phänomen im Universum und könnte im Zusammenhang mit der
kosmischen Evolution von Bedeutung sein.
SPARTAN erweitert das Raketen-Sonderprogramm der US-8ehörde für Luftund Raumfahrt

(NASA) beträchtlich. Während der letzten zwei Jahrzehnte

betrieb man mit Raketen Grundlagenforschung, die, mit zahlreichen Meßinstrumenten ausgerüstet, zu einem ballistischen Flug in die Hochatmosphäre und in den erdnahen Weltraum geschickt wurden. Die Instrumente
wurden freigesetzt, kehrten am Fallschirm zurück und machten dabei die
vorgesehenen Messungen. Das Gerät SPARTAN schafft die Möglichkeit, vom
Space Shuttle aus die Beobachtungszeiten um das Hundert- bis Tausendfache
zu verlängern. Bei den Raketensonden ergeben sich dafür stets nur wenige
Minuten.

Mit optischen Teleskopen läßt sich das Zentrum unserer Milchstraße
übrigens nicht beobachten, weil es von dichten Staubwolken und den Spiralarmen unserer Galaxis verdeckt ist. Auch sind wegen der Absorptionswirkung der Lufthülle Messungen von Röntgenstrahlung nur außerhalb der
Erdatmosphäre möglich. In den letzten fünf Jahren gelang zwar bereits die
Registrierung

zahlreicher

Quellen

von

Röntgenstrahlung,

SPARTAN wegen der Ausdehnung der Beobachtungszeit

jedoch

ist

ein sehr wichtiges

Forschungsinstrument.

Neben dem Kommandanten Daniel Brandenstein und seinem Kopiloten John
Creighton befinden sich weitere fünf Astronauten an Bord der DISCOVERY.
Shannon Lucid, John Fabian und Steven Nagel sind Missionsspezialisten und
Karriereastronauten der NASA. Als Nutzlastspezialist hat Prinz Abdul Aziz

�Prinz Abdul Aziz AI-Saud, ein Neffe des saudischen Königs, u.a. Aufgaben
im Zusammenhang mit dem Start des zweiten Nachrichtensatelliten für die
Arabische Liga zu erfüllen. Das 1260 kg schwere Gerät ist als Relaisstation für ländereigene und regionale Fernsehprogramme, sowie Schul- und
Bildungsprogramme vorgesehen. Der erste ARABSAT wurde mit der Europarakete ARIANE in den sog. geostationären Orbit befördert. MORELOS, ein
weiterer Nachrichtensatellit, der abgesetzt werden soll, ist das erste
Gerät für Mexiko, über das Fernsehprogramme gesendet sowie Telefon- und
Fernschreibdienstleistungen
satellit an Bord

abgewickelt werden. Der dritte Nachrichten-

(TELSTAR) wird im Auftrag des Unternehmens American

Telephone &amp; Telegraph gestartet. Er soll im Fernmeldedienst für die USA,
Alaska, Hawaii und Puerto Rico eingestzt werden.

Der französische Nutzlastspezialist und Wissenschaftastronaut Patrick
Baudry wird einen in Frankreich entwickelten Echokardiographen erproben,
mit dem Anpassungsreaktionen von Herz und Blutgefäßen an die Mikrogravitation, d.h. den fast schwerelosen Zustand, gemessen werden. Mit Hilfe
eines zweiten französischen Experiments werden Muskelaktivität, Kopfbewegungen und Auf- und Abbewegungen der Augen beobachtet und registriert.
Dies geschieht mittels biochemischer elektronischer Sensoren, Bandaufzeichnungen und Aufnahmen mit einer 16-mm-Kamera.

* * * * *

�1 2 . J u n i 1985

23

VORBEUGUNG - FRlJHZRKENNUNG - REHABILITATION
Z i e l s e t z u n g e n der WHO-Mitgliedstaaten f ü r d i e nächsten Jahre -

GENF die

(AD) -

"Gesundheit

Mitgliedstaaten

Generalversammlung
tiert

neut

der

1978.

bis

zum Jahr 2000"

Vorstellung

Dieses M o t t o
von e i n e r

38. Generalversammlung

bekräftigt.

soll,

alle

UN-WsltgeSundheitsorganisation

im Jahr

als utopische

zum Abschluß

der

für

Und es bedeutet

-

versorgung.
reichende

Jeder s o l l

Zu d i e s e n

(WHO)

vielfach

auf

ihrer

fehlinterpre-

Welt ohne K r a n k h e i t e n -

i n Genf

nach wie

(6. -

vor,

um d i e Grundvoraussetzungen f ü r Gesundheit

schen zu s c h a f f e n .

proklamierten

wurde

20. Mai 1985)

daß a l l e s

er-

g e t a n werden

im I n t e r e s s e a l l e r Men-

z . B . Zugang haben zu m e d i z i n i s c h e r Grund-

Voraussetzungen

Ernährung, einwandfreies

gehören

ferner

richtige

und

aus-

Trinkwasser und Schutzimpfungen

gegen

j e n e K r a n k h e i t e n , gegen d i e b i s h e r Vakzine e n t w i c k e l t worden s i n d .

Für
543,3
vier

1986/87

Millionen
Prozent

das Budget

genehmigte
Dollar,

mehr M i t t e l

mit

die

WHO-Generalversammlung

dem

zugeteilt

für

ländereigene

werden.

einen

Etat

von

Gesundheitsprogramme

Im Gesamtumfang

gegenüber dem vorangegangenen Haushalt u n v e r ä n d e r t .

ist

jedoch

Der ame-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Der amerikanische Delegierte Neil Boyer, D i r e k t o r der Abteilung "Gesundh e i t s - und Suchtstoffangelegenheiten" im Referat f ü r I n t e r n a t i o n a l e Organisationen des amerikanischen Außenministeriums, hob i n Anbetracht dieser
Tatsache die wirksamen Maßnahmen Dr.
t o r s der

Halfdan Mahlers, des Generaldirek-

WHO, zur Straffung der Administration und Senkung von Verwal-

tungsausgaben bei g l e i c h z e i t i g e f f i z i e n t e r e r

Programmpolitik

mit beson-

derer Anerkennung hervor. Aus dem regulären Budget, das nur zum Ausgleich
der I n f l a t i o n s r a t e erhöht werden d a r f , f l i e ß e n mehr a l s 70 Prozent i n die
Länder- und Regionalprogramme.
Dr. Mahler a p p e l l i e r t e

an die M i t g l i e d s t a a t e n , die

schen Querelen herauszuhalten
f ü r a l l e " zu konzentrieren.

WHO aus p o l i t i -

und sich auf das A r b e i t s z i e l

"Gesundheit

Einstimmig angenommen wurde die Resolution,

H i l f e l e i s t u n g e n f ü r Afrika durch die WHO f o r t z u s e t z e n , mit denen die F o l gen von Trockenheit und Hünger für die Gesundheit der Betroffenen so weit
wie nur irgend möglich gemildert werden s o l l e n .

Die amerikanische Dele-

gation setzte sich für Maßnahmen e i n , die gewährleisten s o l l e n , daß die
Reaktion der

WHO bei Notständen auf dem Gesundheitssektor

lungsländern angemessen und r e c h t z e i t i g e r f o l g t .

in

Entwick-

Das regionale Büro f ü r

A f r i k a , das sich mit Notstandshilfen im Gesundheitswesen und f ü r medizinische Versorgung i n den von Dürre und Hunger heimgesuchten afrikanischen
Ländern befaßt, hatte b e r e i t s von der WHO zusätzliche Unterstützung durch
die Einrichtung einer ständigen Arbeitsgruppe

f ü r Katastrophenhilfe

be-

kommen.

Dem Malaria-Problem,
weitreichende
Zeit gewidmet.

soziale

das

nicht

nur

und w i r t s c h a f t l i c h e

gesundheitliche,

sondern

auch

Konseguenzen h a t , wurde

viel

Die Neuerkrankungen und Rückfälle

nehmen -

i n tropischen und subtropischen Ländern - erschreckend zu.

insbesondere
Niemand ver-

mag zu sagen, ob e i n Impfstoff gegen M a l a r i a , der im günstigen F a l l

in

etwa fünf Jahren zu erwarten wäre, die Menschheit von dieser Geissei t a t sächlich befreien könnte.

Der Lebenszyklus der - an äußere Bedingungen

überaus anpassungsfähigen - Plasmodien-Parasiten i s t

so komplex und e r -

faßt so v i e l e Bereiche i n der Natur, daß die technischen Schwierigkeiten
u n v e r g l e i c h l i c h größer s i n d , a l s es bei der Entwicklung bisher
- 2 -

verfügbar

�bisher verfügbar gemachter Vakzine gegen andere Krankheiten der Fall war.
Jedenfalls sollen die Forschungsanstrengungen auf diesem Gebiet intensiviert und gleichzeitig die Therapie sowie die heute möglichen Schutzmaßnahmen verbessert und gewissenhafter durchgeführt bzw. überwacht werden.

Vorbeugende Maßnahmen gegen Dauerbehinderungen, beispielsweise gegen
Verlust des Hörvermögens, und verstärkte Programme für die Rehabilitation
Behinderter wurden veriangt und eingehend erörtert.
die Bedeutung

spezieller

Programme

hingewiesen, um

Außerdem wurde auf
nicht ansteckende

chronische Erkrankungen zu verhindern und besser beherrschen zu können.
Die Mitgliedstaaten wurden aufgefordert, in den Gemeinwesen vor allem Aktivitäten zur Vorbeugung bzw. zur Verhinderung und Kontrolle von Herzund Kreislaufkrankheiten, Lungenkrebs, Diabetes, chronischen Atemwegserkrankungen und anderen nichtansteckenden Krankheiten zu fördern.

Die WHO

solle die Bildung von Arbeitsgruppen unterstützen, die sich mit diesen
Erkrankungen und den jeweiligen Verhältnissen in den einzelnen Ländern
befassen, damit Informationen über Möglichkeiten zur Vorbeugung und Kontrolle eher ausgetauscht und verfügbar gemacht werden können.

Die Delegierten setzten sich für partnerschaftliche Zusammenarbeit
zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen ein und appellierten an die

Regierungen, bei der Durchführung von Gesundheitsprogram-

men die Sachkenntnis und Erfahrung nichtstaatlicher Organisationen in Anspruch zu nehmen.

Auch über die Auswirkungen von Mangelernährung in me-

dizinischer Sicht, über Zusammensetzung

geeigneter Mahlzeiten, Gesund-

heitsprobleme älterer Personengruppen, Berufskrankheiten und ihre Verhütung, richtige Abfallbeseitigung, die Bedeutung von Trinkwasserschutz,
die verschiedenen

Infektionskrankheiten

(einschließlich

der erworbenen

Immunschwäche AIDS) sowie Vorsorgeprogramme für Schwangere, Neugeborene
und Kleinkinder wurde diskutiert.

Die gesundheitlichen Folgen zu früher

Schwangerschaften verlangen besondere Aufmerksamkeit.

Die Mitgliedstaa-

ten sollten mithelfen, darauf hinzuwirken, daß Schwangerschaft bei Halbwüchsigen vor Abschluß der Entwicklung beider Partner vermieden wird.

* * * * *

- 3-

�</text>
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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

15. Mai 1985

19

INHALT

DOKUMENTATION
Präsident Reagan zieht Fazit seiner Europareise
- Pressekonferenz i n Lissabon Reagan:

KVAE t r ä g t zur Minderung der Spannungen i n Europa bei

- Erklärung des Präsidenten zur Europäischen Abrüstungskonferenz

WIRTSCHAFT
40 Jahre f r e i e Wirtschaft - 40 Jahre E r f o l g
- Interview des US-Wirtschaftsexperten Edward M. Bernstein
zur Entwicklung der Weltwirtschaft i n der Nachkriegszeit -

HINTERGRUNDMATERIAL
Kreuzzug gegen die Drogensucht
- I n t e r n a t i o n a l e Aktionen notwendiger denn j e
* * * * *

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

19

15. Mai 1985

PRÄSIDENT REAGAN ZIEHT FAZIT SEINER EUROPAREISE
- Pressekonferenz in Lissabon -

Lissabon -(AD)- Unmittelbar vor seiner Rückkehr in die Vereinigten
Staaten gab Präsident Reagan am 10. Mai L985 in Lissabon eine Pressekonferenz, auf der er die Ergebnisse seiner zehntägigen Europareise bewertete. Nachstehend die wichtigsten Auszüge:

PRÄSIDENT REAGAN: Ich möchte Sie heut2 morgen über einige der bedeutsameren Ergebnisse dieser Reise ins Bild setzen und vor unserer Heimreise
einige Ihrer Fragen beantworten.

Diese Europareise hat viele Höhepunkt?, aber auch einige guälende Augenblicke gesehen. Sie führte uns in eine der jüngsten Hauptstädte Europas und in zwei seiner ältesten sowie in eine Stadt, die das fortwährende
Streben Europas nach Einheit symbolisiert. Auf jeder Station dieser Reise
habe ich betont, daß wir Europa helfen wollen, zu wachsen, und daß wir
bereit sind, es in seinen demokratischen Zielen zu unterstützen und bei
der Bewahrung des Frieden;; an seiner Seite zu stehen.
Wenn wir

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Wenn wir heute die Heimreise antreten, so tun wir dies in dem Bewußtsein, daß die atlantischen Bindungen gefestigt sind und wir unsere Aufgabe erfüllen konnten. Ich möchte zusammenfassen, was, wie ich meine, die
dauerhaften Ergebnisse dieser Reise darstellt.

Unser Besuch in der Bundesrepublik Deutschland hat die deutsch-amerikanischen Beziehungen

gefestigt

und

die Aussichten

auf fortdauernden

Frieden in Europa verbessert. Die politischen Führer der Bundesrepublik
meinten in Zusammenhang mit unserem Besuch, daß eine neue Seite der deutschen Geschichte aufgeschlagen worden sei. ...

Wir haben uns auf eine gemeinsame Strategie zur Gewährleistung eines
fortdauernden wirtschaftlichen Aufschwungs und zur Schaffung von Arbeitsplätzen geeinigt, und wir sind unserem Ziel der Einleitung einer neuen
Runde multilateraler Handelsgespräche nähergekommen ... Alle auf dem Gipfel vertretenen Staaten bestätigten die Notwendigkeit einer neuen Gesprächsrunde, und alle bis auf einen meinten, daß sie Anfang nächsten
Jahres eröffnet werden sollte.

Wir haben mit Genugtuung zur Kenntnis genommen, daß unsere Partner
hinter

unseren Genfer Bemühungen

um eine erhebliche Verminderung der

Kernwaffen stehen. Außerdem haben wir eine Intensivierung der Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des internationalen Drogenhandels vereinbart.

Vor dem Europaparlament in Straßburg haben wir sodann einen vernünftigen Rahmen für eine Verbesserung der Beziehungen mit den Sowjets abgesteckt, dessen Hauptfaktoren Stärke, Realismus, friedlicher Wettstreit
und Verhandlungen sein sollten. Ich habe der Sowjetunion erneut zu verstehen gegeben, daß Amerika aus ganzem Herzen Frieden wünscht. Die von
uns vorgeschlagenen konstruktiven, dem gesunden Menschenverstand entsprechenden Initiativen zum Abbau der zwischen uns bestehenden Spannungen
verdienen eine ernsthafte sowjetische Erwiderung.

In Spanien und Portugal haben wir unsere Bindungen zu diesen beiden
eng befreundeten und geschätzten Partnerstaaten vertieft. Es war ermutigend, sich von den politischen und wirtschaftlichen Fortschritten, die
- 2 -

�Fortschritten, die diese beiden mutigen demokratischen Staaten gemacht
haben, an Ort und Stelle überzeugen zu können.

Es war eine ausgedehnte, historische und voll und ganz lohnende Reise. Gegenwartsfragen von großer Bedeutung konnten offen, energisch und
gründlich erörtert werden. Unsere Begegnungen erbrachten eine starke gemeinsame Verpflichtung auf Freiheit, Demokratie, Wachstum und die Einheit
Europas. ...

FRAGE: Haben Sie die Absicht, im Herbst vor den Vereinten Nationen zu
sprechen und dort möglicherweise mit Gorbatschow zusammenzutreffen ? Und
wieso haben Sie eigentlich während dieser Reise Versöhnung mit den Deutschen, die so viel Schreckliches getan haben, gepredigt, ohne der Sowjetunion das gleiche anzubieten ?

ANTWORT: Ich meine, einiges dazu gesagt zu haben. Ich sprach über die
Veränderungen, die nach unserer Auffassung in diesem der Einheit zustrebenden Europa vonstatten gehen sollten. Ich habe aber auch betont, daß
dies friedlich geschehen müsse ... Was den Auftritt vor der U.N. angeht,
so haben wir bislang keine Bestätigung erhalten, daß Herr Gorbatschow
kommen wird ... Ich habe zu verstehen gegeben, daß, falls er käme, die
Tür zu einer Begegnung offen sei ... Das gilt immer noch ...

FRAGE:

Herr

Präsident,

in

der

Vergangenheit

haben

Sie

zwischen

rechtsgerichteten und marxistischen Diktaturen unterschieden und gesagt,
daß die rechtsgerichteten sich zu Demokratien entwickeln könnten, während
kommunistische Diktaturen dies niemals täten. Hier in Europa haben Sie
jedoch Veränderungen in Osteuropa befürwortet, obwohl die kommunistische
Diktatur dort am nachhaltigsten Fuß gefaßt hat. Wie könnten solche Veränderungen vonstatten gehen, und welches wäre Ihre Rolle dabei ?

ANTWORT: Wir haben gesagt, daß wir jedem nach bestem Vermögen helfen
würden, der einen solchen Wandel vollziehen will. Im übrigen haben wir
allein auf dem amerikanischen Kontinent genug Beispiele für den Wandel
von Militärdiktaturen erlebt ... Heute leben rund 90 Prozent der Menschen
Lateinamerikas in Ländern, die demokratisch sind oder danach streben, es
- 3-

�streben, es zu werden ... Die beiden einzigen totalitären Mächte in unserer Hemisphäre sind Nicaragua und Kuba. Es läßt sich also belegen, daß
rechtsgerichtete Regierungen oder Diktaturen sich ändern können. Wir befinden uns hier ja schließlich in einem Land, das den Weg von der Diktatur zur Demokratie gegangen ist. Für Spanien gilt das gleiche ...

FRAGE; Vor einigen Tagen sagte ein Vertreter Ihres Verteidigungsministeriums, nämlich Richard Perle, daß es seines Erachtens an der Zeit sei,
daß die Vereinigten Staaten aufhörten, sich an das SALT-II-Abkommen zu
halten ... Was halten Sie davon ? ...

ANTWORT: In unserem Lande darf jeder seine Meinung zum Ausdruck bringen, und nur das hat er getan ... Wir haben diesen Vertrag zwar nicht ratifiziert, aber da er von den Unterhändlern unterzeichnet worden war,
hatten wir beschlossen, uns an seine Bestimmungen zu halten. Inzwischen
deutet aber viel darauf hin, daß dies ein ziemlich einseitiger Vorsatz
war. Wenn dem tatsächlich so wäre, bestünde für uns in der Tat kein Anlaß, dabei zu bleiben. Aber darüber wird erst später zu entscheiden sein.
Wir sind noch nicht an einem Punkt angelangt, wo wir die Bestimmungen des
Vertrages übertreten ...

FRAGE: In praktisch allen Staaten, die Sie in Europa besucht haben,
waren die politisch Verantwortlichen gegen das Handelsembargo gegen Nicaragua ... Wie kommt es, daß einige Ihrer engsten Verbündeten in dieser
Sache nicht hinter Ihnen stehen ? ...
ANTWORT: Es ist keineswegs so, daß sie mit uns hinsichtlich der Bedrohung nicht übereinstimmen. Das tun sie. Sie wissen, was sie von Nicaragua zu halten haben. Wir haben es hier jedoch mit grundsätzlichen Meinungsunterschieden im Hinblick auf Sanktionen zu tun. Wir haben selbst
lange darüber nachgedacht. Es gibt eben einige Regierungen, die dergleichen nicht für eine legitime Waffe halten ...

FRAGE: Wie war der Empfang hier in Portugal im Vergleich zu anderen
Ländern in Europa ? ...
ANTWORT: Ich
- 4 -

�ANTWORT: Ich darf sagen, daß ich überall in Europa von der Herzlichkeit der Menschen und von der offenen Gastfreundschaft, mit der ich willkommen geheißen wurde, beeindruckt war. Das war hier genauso wie in jedem
anderen Lande, und ich habe den Empfang durch die Menschen als große Ermutigung empfunden. Wenn Sie nun bestimmte Demonstrationen vor Augen haben - nun, die erlebe ich auch in meinem eigenen Land. Wo man auch hingeht: Man wird immer eine Gruppe vorfinden, die auf der anderen Seite
steht, und manchmal bringt eine solche Gruppe eben ihre Meinung in einer
rüden und ungehörigen Form zum Ausdruck ... Aber ich habe gelernt, das
als einen Teil des Lebens hinzunehmen. Harry Truman hat gesagt: "Wer Hitze nicht verträgt, sollte aus der Küche herausbleiben." Ich kann also nur
sagen, daß ich sehr zufrieden bin. Ich glaube, ich kann in dem Bewußtsein
die Heimreise antreten, daß mich mit Ihren Regierenden eine solide, persönliche Freundschaft verbindet, und auch das Bündnis und die Übereinstimmung zwischen uns. Ich bin wirklich sehr zufrieden. ...

* * * * *

- 5 -

�19

15. Mai 1985

REAGAN: KVAE TRÄGT ZUR MINDERUNG DER SPANNUNGEN IN EUROPA BEI
- Erklärung des Präsidenten zur Europäischen Abrüstungskonferenz

WASHINGTON - (AD) - Zur Eröffnung der sechsten Runde der Konferenz
über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung (KVAE)
erklärte Präsident Reagan am 13. Mai 1985 in Washington, "daß die Vereinigten Staaten willens sind, den sowjetischen Vorschlag der Nichtanwendung von Gewalt zu diskutieren, wenn auch die Sowjetunion hinsichtlich
konkreter vertrauensbildender Maßnahmen zu einem Abkommen bereit ist. Wir
hoffen, daß die Sowjetunion dies ernsthaft in Erwägung ziehen wird."

Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Morgen, am 14. Mai, tritt die Stockholmer Konferenz über Vertrauensund Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE) in ihre
sechste Runde. Die Konferenz umfaßt alle Staaten der NATO und des Warschauer Paktes sowie die neutralen Länder Europas und ist daher in der

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 08-85432

�daher in der einzigartigen Lage, eine herausragende Rolle bei der Verbesserung der Beziehungen zwischen Ost und West zu spielen. Ich messe dieser
Konferenz große Bedeutung bei.

Die NATO-Staaten haben in Stockholm gemeinsam eine Reihe konkreter
vertrauensbildender Maßnahmen eingebracht, die das Ziel verfolgen, die
militärischen Aktivitäten in Europa vorhersagbarer und stabiler zu machen
und dadurch sicherzustellen, daß es niemals zum Einsatz irgendeiner Waffe
kommt. Diese Maßnahmen würden zur Ankündigung und zur Beobachtung aller
miltärischer Aktivitäten über einen bestimmten Umfang hinaus verpflichten
und zudem angemessene Verifizierungsmaßnahmen - wie etwa Austausch von
Informationen und Inspektionen vor Ort - beinhalten. Sie dienen dazu, die
Gefahr eines Krieges durch Fehleinschätzung und Mißvertändnisse zu verringern, gegen einen Überraschungsangriff zu schützen und die politischen
Kosten für jeden Staat beträchtlich zu erhöhen, der zur Einschüchterung
anderer Gewalt androhen sollte.

Dieses ehrgeizige Programm hat die volle Unterstützung aller NATOMitgliedstaaten wie auch die überparteiliche politische Zustimmung hier
in unserem Land. Auch die neutralen und bündnisfreien Staaten Europas
unterstützen die im NATO-Vorschlag dargelegten generellen Grundsätze.
In meiner Rede vor dem Europäischen Parlament in der vergangenen
Woche habe ich die Stockholmer Konferenz erneut darauf gedrängt, hinsichtlich

dieses

Maßnahmenpaketes,

wie

es

die

NATO-Länder

vorgelegt

haben, zu einer raschen Einigung zu gelangen. Und ich habe das Versprechen wiederholt, daß die Vereinigten Staaten willens sind, den sowjetischen Vorschlag der Nichtanwendung von Gewalt zu diskutieren, wenn auch
die Sowjetunion hinsichtlich konkreter vertrauensbildender Maßnahmen zu
einem Abkommen bereit ist. Wir hoffen, daß die Sowjetunion dies ernsthaft
in Erwägung ziehen wird.

In Stockholm haben wir die Möglichkeit, auf praktische Weise an einer
Verringerung

der Spannungen in Europa zu arbeiten. Die Konferenz ist

�Die Konferenz ist nunmehr an einem Punkt angelangt, wo sie in eine noch
intensivere

Verhandlungsphase

eintreten

könnte, wenn

die

Sowjetunion

bereit wäre, sich den anderen Konferenzteilnehmern dabei anzuschließen,
sinnvolle

vertrauensbildende

Maßnahmen

auszuhandeln,

die

beträchtlich

über bestehende Vereinbarungen hinausgehen. Botschafter James E. Goodby,
mein Vertreter auf der Stockholmer Konferenz, hat bei diesem Bestreben
mein ungeteiltes Vertrauen und meine volle Unterstützung.

- 3-

�15. Mai 1985

19

40 JAHRE FREIE WIRTSCHAFT - 40 JAHRE ERFOLG

- Interview des US-Wirtschaftsexperten Edward M. Bernstein
zur Entwicklung der Weltwirtschaft: i n der Nachkriegszeit -

WASHINGTON -

(AD) - Das Handels- und Währungssystem der Nachkriegs-

z e i t , das im Frühjahr 1945 auf der

Wirtschafts- und Währungstagung von

Bretton Woods geschmiedet wurde, hat seine Teilnehmer i n den seither vergangenen 40 Jahren nicht nur zum Widerstand gegen die kommunistische Aggression

befähigt,

sondern ihnen auch einen w i r t s c h a f t l i c h e n

Aufstieg

sondergleichen ermöglicht: Dies betonte der ehemalige Unterstaatssekretär
im US-Finanzministerium und Forschungsdirektor

des I n t e r n a t i o n a l e n Wäh-

rungsfonds, Edward M. B e r n s t e i n , i n einem Interview mit einem V e r t r e t e r
des US-Informationsamtes i n Washington.
Edward M. Bernstein gehörte e i n s t als D i r e k t o r der Abteilung Geld im
US-Finanzministerium
Woods.

selbst

zu den Architekten des Systems von Bretton

"Aufgabe der Demokratien i s t es heute," so meinte B e r n s t e i n , " i h -

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Bernstein,

"ihre

gesamte w i r t s c h a f t l i c h e ,

zu m o b i l i s i e r e n , und ihre

soziale und p o l i t i s c h e

Entschlossenheit

Starke

zu demonstrieren, sich

von

niemandem ihre Rolle i n der Wirtschaft von heute verwehren zu lassen.
Das Interview mit Edward M. Bernstein hat folgenden Wortlaut:
FRAGE:

Die i n Europa siegreichen A l l i i e r t e n - die Vereinigten Staa-

t e n , Großbritannien und die

Sowjetunion -

waren bei Ende des

Zweiten

Weltkrieges das mächtigste M i l i t ä r b ü n d n i s , das die Welt j e gekannt hatte
- e i n Bündnis, das über die Stärke v e r f ü g t e , die nötig war, eine
l i c h e Vteltordnung zu begründen.
zustande?

Worin unterschieden

fried-

Hörum brachten sie diese dann doch nicht
sich die

sowjetischen Vorstellungen

von

der Nachkriegswelt so sehr von denen der westlichen Demokratien?

ANTOWRT:

Die Russen, die stärkste Macht auf dem europäischen K o n t i -

nent, wollten zum herzen des Kontinents werden, foäre ihnen nicht k l a r g e macht worden, daß man ihnen dies nie gestatten würde, so hätten sie ihren
Druck ü b e r a l l auf dem Kontinent zur Geltung bringen können.
ja genau das, was b e r e i t s Napoleon gewollt hatte

Denn das war

und was auch H i t l e r ge-

tan hat.
Dieser marschierte nach Westen und marschierte nach Osten.

Er suchte

sich zum Herren des Kontinents aufzuschwingen.
I n Bretton Woods und später zur Z e i t

des Marshall-Plans hatten wir

a u f r i c h t i g geglaubt, die starken Zerstörungen würden die Sowjetunion dazu
veranlassen, das Schwergewicht auf den Wiederaufbau i h r e r Produktion, die
Erhöhung des Lebensstandards
Wirtschaft

zu legen.

ihres Volkes und die Modernisierung

ihrer

Und das war bis zu einem gewissen Zeitpunkt auch

t a t s ä c h l i c h eine der A l t e r n a t i v e n , die sie i n s Auge gefaßt h a t t e .
Sie nahm an der Konferenz von Bretton Yboös t e i l .

Und gegen Ende

jenes Jahres 1945 ersuchte Rußland die Vereinigten Staaten um einen Kred i t i n Höhe von zehn M i l l i a r d e n D o l l a r .
union einen Kredit

Wir boten daraufhin der Sowjet-

von einer M i l l i a r d e Dollar durch die

Export-Import-

�Export-Import-Bank i n Washington a n , der eine günstige I n t e r i m s h i l f e
zum Anlaufen des Marshall-Plans hätte sein können.
Sie

alle

wissen, der

Sowjetunion

bis

Und wir boten, wie

und den osteuropäischen Staaten

die

Teilnahme am Marshall-Plan an.
Wie ich vermute, war die Sowjetunion zu dem Schluß gelangt, sie würde
w i r t s c h a f t l i c h zu sehr unter den Einfluß der Vereinigten Staaten geraten,
wenn sie versuchte, i h r Land mit massiver amerikanischer H i l f e wiederaufzubauen.
FRAGE:

Wo stünde die Welt heute, wenn die Sowjets M a r s h a l l - P l a n - H i l -

fe angenommen hätten?
ANTWORT:

Ich glaube, wir hätten eine von Grund auf bessere Welt.

Allem voran wäre meines Erachtens der Lebensstandard i n der Sowjetunion heute v i e l , v i e l höher; s t a t t bei Wiederaufbau, Aufschwung, Produkt i o n und Einkommen h i n t e r

Westeuropa, der Bundesrepublik Deutschland und

Frankreich - und auch h i n t e r Japan - herzuhinken, hätte die

Sowjetunion

mit ihnen gleichziehen können.
Meiner Meinung nach wäre das gesamte Umfeld für

die Erhaltung des

Friedens e i n ganz anderes geworden.
FRAGE:

Welche Faktoren bewogen die W e s t a l l i i e r t e n , den Wiederaufbau

bei ihren Kriegsgegnern zu u n t e r s t ü t z e n , ihnen w i r t s c h a f t l i c h zu h e l f e n
und eine demokratische A l l i a n z mit ihnen einzugehen?
ANTWORT:

Ich glaube, uns wurde Folgendes k l a r :

Die Sowjetunion h a t -

te die M ö g l i c h k e i t , ihre gewaltige Militärmacht i n Europa zum Tragen zu
bringen - nicht durch einen Einmarsch oder dessen Androhung, sondern a l l e i n durch die Demonstration dieser Macht mit

dem Hinweis:

"Wenn i h r

nicht so oder so handelt, dann wißt i h r j a , wie die A l t e r n a t i v e aussehen
könnte'."
Dies aber

stellte

�Dies aber s t e l l t e

uns vor die Notwendigkeit, a l l e

jene Gebiete zu

stärken, i n denen der Sowjetunion andernfalls e i n Vordringen l e i c h t g e f a l l e n wäre.

Das waren Deutschland i n Westeuropa, und Japan im Fernen Osten.

FRAGE:

Wieso brachten die Demokratien den Willen a u f , sich der kom-

munistischen Aggression nach dem Krieg zu widersetzen, nachdem sie

sich

Jahre zuvor a l s unfähig erwiesen h a t t e n , gegen die faschistische Aggression zusammenzustehen?

ANTWORT:

Die wahre Antwort hierauf l a u t e t wohl, daß sich die Demo-

k r a t i e n i n den dreißiger
fühlt

Jahren allzusehr dem Frieden v e r p f l i c h t e t

h a t t e n , wenn man das so sagen kann;

ge-

das h e i ß t , sie werteten den

Frieden sehr v i e l höher als a l l e s andere - wie die Preisgabe von P o s i t i o n
um P o s i t i o n an H i t l e r j a s c h l i e ß l i c h gezeigt hat.

Chamberlains

Politik

war "Frieden i n unserer Z e i t . "

Erst a l s er sah, daß H i t l e r , der wie-

derholt

die l e t z t e Forderung, die wir

erklärt

hatte,

"das i s t

haben",

s c h l i e ß l i c h doch i n Polen einmarschierte, entschlossen sich Chamberlain,
die B r i t e n und die Franzosen zum Widerstand.
Als wir i n der Nachkriegszeit, i n den späten v i e r z i g e r Jahren, eine
ähnliche Gefahr erkannten, wie sie H i t l e r d a r g e s t e l l t hatte - daß nämlich
die stärkste Macht auf dem Kontinent diesen zu beherrschen t r a c h t e t e
und w i r , wie im F a l l e

-

H i t l e r , f e s t s t e l l t e n , daß deren Normen, Moralvor-

stellungen und p o l i t i s c h e n wie w i r t s c h a f t l i c h e n Ziele sich von den unseren so stark unterschieden, mußten wir uns ihrem Vordringen widersetzen.
Oder wir

mußten i h r

zumindest

klarmachen:

"Falls

du dich

in

Marsch

s e t z t , wird das nicht ohne Folgen b l e i b e n . "
FRAGE:

Wird das Bündnis der Demokratien, das den Stürmen der l e t z t e n

40 Jahre zu t r o t z e n vermochte, seine K r a f t und Stärke bewahren können?
ANTWORT:

Das wird es meiner Überzeugung nach.

meiner Meinung nach darüber

Wir müssen uns aber

im klaren s e i n , daß sich heute wohl jeder

wohlhabender und zufriedener f ü h l t a l s Ende des Zweiten Weltkrieges.

Und

Menschen, die sich zufrieden und wohlhabend fühlen - und das t r i f f t

für

- A -

�trifft

für Europa, Japan und auch für uns zu - , h o f f e n , daß nichts i h r e n

Frieden s t ö r t .

Wir sind a l l e zufrieden.

Wir freuen uns des Lebens.

Wir lehnen uns geruhsam zurück.

Und wir wollen keine Störungen - wir wollen

keine Störungen etwa durch die Entwicklung neuer Waffen. Wir wollen nicht
den Eindruck erwecken, wir bedienten uns gegenüber den Russen eines rüden
Umgangstones, auch wenn sie uns gegenüber eine solche Sprache sprechen.
FRAGE:

Welche neuen Aufgaben g i b t es f ü r die demokratische A l l i a n z ?

ANTWORT:

Ihr gesamte w i r t s c h a f t l i c h e , soziale und p o l i t i s c h e Stärke

zu m o b i l i s i e r e n und i h r e r

Entschlossenheit

Ausdruck zu v e r l e i h e n ,

sich

von niemandem ihre Rolle i n der Welt untergraben zu lassen.
FRAGE:

Können Sie uns einige der spezifischen Probleme nennen, vor

die sich die demokratische A l l i a n z i n naher und ferner Zukunft

gestellt

sehen wird?
ANTOWRT:

Eines der Probleme, mit denen wir es heute zu tun haben,

i s t die Tatsache, daß das i n t e r n a t i o n a l e Währungssystem, das wir nach dem
Krieg geschaffen haben -

Internationaler

regionalen Entwicklungsbanken -

mit

Währungsfonds, Waltbank und die

neuen Problemen k o n f r o n t i e r t

sind.

Es g i l t , darüber nachzudenken, was sie i n der derzeitigen S i t u a t i o n tun
können. Und sie müssen auch mit mehr M i t t e l n ausgestattet werden.
Um es anders zu sagen:

Bei einem noch so bemerkenswert günstigen i n -

ternationalen w i r t s c h a f t l i c h e n und f i n a n z i e l l e n Aufschwung, Wachstum und
Wahlstand, die unsere Demokratien produzieren, müssen wir

jetzt

riarauf

bedacht s e i n , daß die Veränderungen, die i n der Weltwirtschaft e i n t r e t e n ,
konstruktiver Natur s i n d .
Wir haben z u l e t z t d r e i schlechte Jahre durchlebt.
l a r auf eine beträchtliche höhe steigen sehen.
Währungen der

Er i s t verglichen mit den

größeren europäischen Ländern und auch mit

d u r c h s c h n i t t l i c h über 80 Prozent mehr wert.
bewertet.

Wir haben den D o l dem Yen um

Damit i s t der D o l l a r

über-

Die Folge davon i s t , daß i n den Vereinigten Staaten i n d r e i

�i n d r e i V i e r t e l der Wirtschaft e i n Boom h e r r s c h t , während e i n V i e r t e l
einer Rezession s t e c k t .

Das t r i f f t

in

zu f ü r die Landwirtschaft, den Berg-

bau und jenen T e i l unserer F e r t i g u n g s i n d u s t r i e n , der exportabhängig

ist

und mit Einfuhren konkurrieren muß.
Und i n Europa war eine nur schleppende Erholung von der l e t z t e n Rezession zu beobachten.

Der Grund f ü r den schleppenden Verlauf der Erho-

lung i s t d a r i n zu suchen, daß die europäischen Währungen an Wert verloren
haben.

Man i s t i n Europa gegenüber dem Wechselkurs und dem Außenwert der

eigenen Währung sehr empfindlich.

Dort sieht man die Aufrechterhaltung

der Stärke der eigenen Währung a l s das Problem Nr. 1 an und schirmt die
eigene Volkswirtschaft

nach außen h i n sehr ab -

insbesondere, was den

Geldmarkt angeht.
Hierher gehört auch das Problem der hohen Verschuldung der Entwicklungsländer.

Das sind Probleme, die wir lösen müssen, und i c h b i n über-

zeugt , daß wir sie lösen werden.
sichten der

Weltwirtschaft

Ich b i n kein Pessimist, was die Aus-

angeht.

Ich glaube, die Vereinigten Staaten

werden i n den nächsten 15 Jahren, bis zum Ende dieses Jahrhunderts, noch
mehr l e i s t e n , als sie i n den siebziger Jahren g e l e i s t e t haben.

Und wenn

es auch i n Europa nicht mehr ganz so rasant aufwärts gehen kann wie

in

der Vergangenheit - unmöglich i s t das deshalb schon, weil damals die Ausgangslage eine ganz andere war - , so werden die europäischen Länder - und
auch Japan - doch recht zufrieden sein können.

Und meines Erachtens werden wir eine konstruktive Lösung auch f ü r die
Probleme der Entwicklungsländer finden.
Deshalb b i n i c h , was die Wirtschaft angeht, o p t i m i s t i s c h .

Wir haben

Schwierigkeiten; aber es handelt sich doch um Schwierigkeiten, derer wir
Herr werden können.

Wir s o l l t e n uns a l l e r d i n g s z e i t i g an i h r e Überwin-

dung machen.
Ich kann nicht
sagen.

sehr v i e l zu diplomatischen und m i l i t ä r i s c h e n Fragen

Es besteht nach wie vor die hbffnung, daß wir eines Tages i r g e n d - 6 -

�Tages i r g e n d w i e zu einem E i n v e r s t ä n d n i s m i t der Sowjetunion gelangen werden.

Man h ö r t

immer wieder

einem neuen Kremlchef
bensstandards

sagen:

"Schließlich

haben w i r es j e t z t

zu t u n , der den Nachdruck a u f

des r u s s i s c h e n Volkes

legen w i r d .

die

mit

Hebung des L e -

Das wiederum

bedeutet,

daß e r mehr Ressourcen a u f d i e w i r t s c h a f t l i c h e E n t w i c k l u n g i n d e r S o w j e t u n i o n verwenden muß , und weniger a u f m i l i t ä r i s c h e Zwecke verwenden k a n n .
Und so könnte es s e i n , daß auch i h r e D i p l o m a t i e weniger Schärfe

Das bekomme i c h
Tages auch so s e i n .

FRAGE:

heute o f t

zu h ö r e n .

Und v i e l l e i c h t

zeigt."

w i r d das

eines

I c h h o f f e , womöglich i n den nächsten 15 J a h r e n .

Was s i n d d i e b l e i b e n d e n Lehren aus dem N a c h k r i e g s v e r s u c h , e i n

neues demokratisches

System i n

Europa

zu e r r i c h t e n

und es

gegen

seine

Gegner zu schützen?

ANTWORT:

Die

Menschen A r b e i t
geben muß.

erste

Lehre

besagt

meiner Meinung

n a c h , daß man den

zu einem g u t e n R e a l l o h n und d i e Hoffnung a u f

I c h g l a u b e , wenn s i e

beides

Fortschritt

haben, e n t w i c k e l n s i e

B e w u ß t s e i n , daß s i e etwas zu v e r t e i d i g e n haben.

auch das

Und genau darum geht es

heute.

Erzfeind

der Demokratie

der Demokratie i s t

ist

eine

die berechtigte

tiefe

Depression.

Stärkste

Stütze

H b f f r u n g a u f e i n hohes Maß an B e s c h ä f -

t i g u n g , gute Löhne und e i n anhaltendes

Wachstum.

Und d i e haben w i r

tat-

sächlich.

FRAGE:

Worin i s t

der

Hauptgrund f ü r

den F o r t b e s t a n d der A l l i a n z

zu

sehen?

ANTWORT:

Der Hauptgrund d a f ü r

ist,

daß s i e

so Gutes g e l e i s t e t

Wir s i n d a l s Verbündete und P a r t n e r insbesondere a u f dem Gebiet der
s c h a f t gut g e f a h r e n .
dem E r s t e n

Weltkrieg

hat.
Wirt-

Und wenn man diesen S a c h v e r h a l t m i t dem U n h e i l nach
und

der

k l a r , welcher Wandel e i n g e t r e t e n

großen

Depression

vergleicht,

dann

wird

ist.
Wenn i c h
- 7 -

sage ,

�Wenn i c h sage, die Realeinkommen haben sich s e i t

1944 v e r d r e i f a c h t

oder nahezu v e r d r e i f a c h t , bedeutet das, daß wir i n diesen 40 Jahren größere - doppelt so große - w i r t s c h a f t l i c h e F o r t s c h r i t t e gemacht haben wie
i n der bisherigen Geschichte der Menschheit i n M i l l i o n e n Jahren.

So ge-

w a l t i g war also das Wachstum.
Dennoch tauchen von Z e i t zu Z e i t Probleme a u f , die uns Sorgen machen.
Wir mußten uns wegen der I n f l a t i o n sorgen.
Arbeitslosigkeit
mern müssen.

sorgen.

Und wir müssen uns wegen der

Es g i b t soziale Probleme, um die wir uns küm-

Jedermann aber

ist

heutzutage

zuversichtlich,

daß

diese

Probleme lösbar sind.
So h ä l t die A l l i a n z meiner Auffassung nach i n e r s t e r L i n i e
zusammen, weil

sie

funktioniert.

wirtschaftlichem Gebiet.
sagen:

Besonders

bewährt

hat

sie

Auf diplomatischem Gebiet können wir

deshalb
sich

auf

immerhin

"Sie f u n k t i o n i e r t i n dem Sinne, daß keine echte Gefahr eines neu-

en Krieges b e s t e h t . "

Wir fühlen uns sicherer.

Wir haben somit auf w i r t s c h a f t l i c h e r Ebene gewaltigen E r f o l g und auf
d i p l o m a t i s c h - m i l i t ä r i s c h e r Ebene mindestens eine echte Leistung.
ben Frieden.

Wir sprechen miteinander.

Wir ha-

Niemand war bisher w i l l e n s , zu

e r k l ä r e n , er wäre b e r e i t , Gewalt anzuwenden, um seinen Willen durchzusetzen.

Das i s t w i c h t i g .
FRAGE:

»

Meinen S i e , wie Präsident Reagan, die Demokratie steht im Be-

g r i f f , die t o t a l i t ä r e Staatsformen zu überflügeln?
ANTWORT:

Es besteht meines Erachtens bei uns Übereinstimmung

dar-

über, daß sich die Demokratie, so wie wir sie verstehen - a l s den Willen
des Volkes, wie er
wird.

in

freien

Wahlen zum Ausdruck kommt - ,

durchsetzen

Denken wir dann noch an die Organisierung der Wirtschaft auf eine

Weise, daß sie nicht vom Staat selbst i n s t a a t l i c h e n Unternehmen gelenkt
wird - was ja s c h l i c h t gesagt Sozialismus i s t - , so sehen wir doch übera l l , daß die Regierungen jener Entwicklungsländer, die den russischen Wag
zur Entwicklung erprobt haben, gescheitert s i n d .
Und auf der

�Und auf der anderen Seite geht es den Ländern i n Lateinamerika und im
Fernen Osten, die e i n f r e i e s Wirtschaftssystem haben, bemerkenswert g u t .
Es i s t

schier u n g l a u b l i c h , was i n Formosa, Südkorea, Hongkong, Malaysia

und Singapur e r r e i c h t wurde.

Diese Länder haben i h r e Produktion v e r f ü n f -

und versechsfacht, so daß sie i n den l e t z t e n 20 Jahren zwischen 50 und
100 Prozent zugenommen - i h r reales Pro-Kopf-Einkommen sich im gleichen
Zeitraum verdoppelt bis verdreifacht hat.
Und i n Lateinamerika, wenn wir von Mexiko, B r a s i l i e n und Argentinien
sprechen, das eben e r s t - wie zuvor B r a s i l i e n - zur Demokratie zurückgekehrt
fache.

ist,

betragen die Produktionssteigerungen das Doppelte oder D r e i -

Das i s t eine große Leistung.

derne Volkswirtschaften.

Diese Länder haben heute sehr mo-

Sie befinden sich gegenwärtig i n Schwierigkei-

t e n ; aber das sind Schwierigkeiten, mit denen sich irgendwie fertigwerden
läßt.
Wir müssen uns klarmachen, daß i n weiten Teilen Lateinamerikas, wo
bisher M i l i t ä r r e g i m e bestanden, heute demokratische Regierungen die Macht
ausüben, die auf den Willen i h r e r

Völker hören.

Ich b i n w i r k l i c h

er-

s t a u n t , wie weit wir i n Lateinamerika auf dem Weg zu p o l i t i s c h e r Demokrat i e vorangekommen s i n d .
Selbst i n A f r i k a , wo noch immer extreme Armut h e r r s c h t , sind die Länd e r , denen es am besten geht, nicht s o z i a l i s t i s c h o r i e n t i e r t .

Und d i e j e -

nigen, die es mit dem Sozialismus versucht haben, kehren zu einer

freien

Weltwirtschaft zurück.
Somit bin i c h , was die w i r t s c h a f t l i c h e Seite angeht, sehr zuversichtlich,

daß die

Form der

staatlich

gelenkten

Wirtschaft

schwinden w i r d , daß man den Völkern gestatten w i r d , f r e i
und f r e i Handel zu t r e i b e n .

- 9 -

irgendwie

ver-

zu produzieren

�15. Mai 1985

KREUZZUG GEGEN DIE DROGENSUCHT
- Internationale Aktionen notwendiger denn je -

- (AD) - Die Drogenseuche, ein weltumspannendes Problem, gefährdet
jetzt immer mehr junge Menschen.

Ihnen und ihren Familien zu helfen,

aber auch dem Übel vorzubeugen und es, wo immer möglich, an der Wurzel zu
packen, hat sich Nancy Reagan zum Ziel gesetzt.

Der ungeheuren Schwie-

rigkeiten, die ihrem mit hohem persönlichen Einsatz geführten Kampf entgegenstehen, ist sich die Frau des amerikanischen Präsidenten durchaus
bewußt.

Aber sie weiß auch, daß die Eltern und Angehörigen der Opfer die

wichtigsten Verbündeten in diesem Kampf sind.

So nahm sie die Europareise und den Staatsbesuch Präsident Reagans
Anfang Mai in der Bundesrepublik als besondere Chance wahr, auch hier mit
Eltern Drogenabhängiger zusammenzutreffen.

Frau Marianne von Weizsäcker,

die Frau des Bundespräsidenten, hatte bereits für den ersten Tag in Bonn
Gespräche mit Angehörigen und mit Vertretern von Betreuungsorganisationen
arrangiert, die alle aus eigener schlimmer Erfahrung die Auswirkungen von
Drogen kennen.
Meinungs- und

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Meinungs- und Erfahrungsaustausch unter den Teilnehmern machte erneut
deutlich, was sich wenige Tage zuvor auf einer internationalen Konferenz
in Atlanta (Georgia) so eindrucksvoll gezeigt hatte:

Eltern und Angehö-

rige sind von allen, die sich bemühen, am ehesten in der Lage, ein Bollwerk gegen die Drogenflut zu schaffen.

Für sie bedeuten Drogen nicht we-

niger als für abhängig gewordene junge Menschen selbst eine Tragödie. Und
sie sind es zuallererst, die durch Aufklärung, Informieren und Überzeugen
versuchen, vorzubeugen.

Gut, wenn auch Schule und Organisationen mithel-

fen, junge Menschen zu motivieren, es gar nicht erst aufs "Probieren" ankommen zu lassen.

Dieses Probieren gilt nicht nur für Drogen, sondern

ebenso für den Alkohol - bei Jugendlichen häufig der "Einstieg" zu den
Suchtstoffen.

Auf der PRIDE-Konferenz in Atlanta (PRIDE ist die Abkürzung von "Parents' Resource Institute on Drug Education" - einer privaten Organisation
für Hilfe und Eltemberatung bei Drogenproblemen) zeigte sich eindrucksvoll, daß tatsächlich Hoffnung besteht, eine Art Immunbarriere zu schaffen.

Im Rahmen der PRIDE-Bewegung, die sich die Arbeit an der Basis zum

Ziel gesetzt hat, bildeten sich in den Vereinigten Staaten in den letzten
paar Jahren mehr als 4000 Elternkreise als sehr aktive Arbeitsgruppen in
allen Bundesstaaten.

Erfolge beginnen sich abzuzeichnen:

sum unter Jugendlichen geht langsam zurück.

Der Drogenkon-

Viele machen sich Gedanken

über drogenabhängig gewordene Altersgenossen, möchten sich und ihre Familie frei halten von dem, was noch vor wenigen Jahren als "in" galt.

Die Tagung (24. - 27. April 1985) wurde von mehr als 3000 Personen
besucht, etwa die Hälfte von ihnen Jugendliche.
40 Ländern nahmen an ihr teil.

Auch 125 Delegierte aus

Während der zwei letzten Tage kam Nancy

Reagan mit prominenten Gästen hinzu.

Sie hatte die Frauen ausländischer

Staats- und Regierungschefs nach Washington und Atlanta zu Aussprachen
über Drogenprobleme eingeladen.
ihnen Frau von Weizsäcker.
formulierte:

17 waren der Einladung gefolgt, unter

Sie kamen, wie es Außenminister George Shultz

"... als Erste Damen, als Mütter und als Repräsentanten ih-

rer Völker und Kulturen, die einer internationalen Öffentlichkeit deutlich machen, daß es bei Drogenmißbrauch keine Grenzen, keine nationalen
Tagungen gibt".
Sprecher

der

�Sprecher der Elternkreise, aber auch von Jugendorganisationen, Behörden und Kirchen verwiesen darauf, daß noch in den achtziger Jahren durch
Mytholisierung, medizinische

Fehlinformationen

über Gesundheitsschäden,

aber auch falsche Behauptung über die psychogene Wirkung im Zusammenhang
mit Drogen dem Konsum

von Suchtstoffen viel Vorschub geleistet wurde.

Dr. Carlton Turner, zuständig im Weißen Haus für das Amt für Politik gegen Drogenmißbrauch, prangerte "Gewährenlassen und den Mangel an glaubwürdigen Informationen" in der zurückliegenden Zeit an.

Mrs. Reagan for-

derte allgemein von den Eltern, die "Mauer des Leugnens" von Drogenproblemen ihrer Kinder zu überwinden.

Nur dann seien sie zu tatkräftiger

Hilfe mit Liebe und Zuwendung, aufmerksamem Beobachten, Engagement und
fortdauernder Verpflichtung fähig - zu einer Hilfe, die Regierungsprogramm nie zu geben vermögen.

Drogen - ein Feind aller Nationen
Längst sei das Suchtproblem "kein amerikanisches Problem mehr, das
eine amerikanische Lösung fordere", sagte Jon Thomas, Unterstaatssekretär
im US-Außenministerium für internationale Rauschgiftfragen.
nationale Lösung sei dringend notwendig.

Eine inter-

Die jüngsten Entwicklungen in

Lateinamerika und Afrika in bezug auf Drogenmißbrauch verlangten unmittelbare Aufmerksamkeit.

Unter dem Druck von Altersgenossen habe sich, wie der Psychiater Dr.
Raul Jeri (Peru) berichtete, unter jungen Peruanern ebenso wie in Kolumbien, Ecuador und Bolivien neben dem Konsum von Alkohol der von Kokapaste
wie ein Buschfeuer ausgebreitet.
der Herstellung von Kokain.

(Kokapaste ist ein Zwischenprodukt bei

Sie enthält viele chemische Verunreinigun-

gen, die vom Körper aufgenommen werden und schwere Gesundheitsstörungen
verursachen.)

"Wir haben miterlebt,wie sich diese Epidemie vor unseren

Augen entwickelte, wie Hunderttausende von Menschen der Kokapaste verfielen", sagte er.

Ähnliches

berichtete

�Ähnliches berichtete Dr. Oluwolfe Famuyiwa aus Nigeria und aus anderen Teilen Afrikas, wo bis Mitte der sechziger Jahre nur Marihuana bekannt gewesen sei, und das eng begrenzt. Inzwischen werde es in großer
Menge konsumiert - einer kürzlich in Nigeria angestellten Erhebung zufolge rauche jeder vierte Oberschüler Marihuana.

Wie sehr die Regierung

über die Entwickung besorgt sei, zeige sich u.a. darin, daß Drogenhändlern die Todesstrafe drohe.

Auf Europa komme eine Kokainwelle zu, war sowohl von John Thomas als
auch von Charles Vella, dem Direktor eines Zentrums für Familienstudien
in Mailand, zu hören, als die Beobachtungen von Dr. Giuseppi Degennaro,
einem Beamten der Vereinigten Staaten, zur Sprache kamen.

In Italien

wiesen einige Studien darauf hin, daß dort mindestens 280 000 Jugendliche
drogenabhängig seien.

Auf einem von Bonn aus unternommenen Kurzbesuch in

Rom informierte sich Mrs. Reagan vor Ort über die dortige Situation.

Unter der Diktatur von Verbrechern

"Die Suchtstoffkette vom Erzeuger zum Verbraucher hinterläßt Opfer
entlang des gesamten Weges, den sie nimmt", erklärte Thomas.

Die Men-

schen an beiden Enden, die Produzenten wie die Verbraucher, seien in
Elend aneinandergekettet.

Die Bauern in den Bergen Thailands und Burmas,

die Schlafmohn für Opium anbauen, lebten in Armut, ausgebeutet von den
Händlerorganisationen.

Diesen Bauern sei nicht bewußt, daß ihr Produkt

Aufstände entlang der thailändisch-burmesischen Grenze mitfinanziere und
zum Tod zahlreicher Polizisten und Soldaten beider Länder im Einsatz gegen den Drogenhandel geführt habe.

Das Endprodukt, Heroin, ziehe seine

Spur von Südost- und Südwestasiens bis zu den Süchtigen in Europa, in den
USA und sonstwo.
zu kommen.

Und diese schreckten vor nichts zurück, um an den Stoff

Nichts anderes interessiere sie mehr - nicht die Familie,

nicht ihr Land, nicht einmal sie selbst, nur noch die Droge.

Alle Süchtigen, so Thomas, trügen direkte Mitverantwortung für Korruption, Gewalt und Tod im Zusammenhang mit dem Drogenhandel.
- 4 -

Das gelte

�Das gelte auch für jene, die Suchtstoffe "zur Erholung" konsumieren.
zitierte

Justizminister

Edwin Meese:

"Drogenkonsumenten

Er

leisten sich

nicht nur persönlichen Genuß... Sie unterstützen gleichzeitig jene, die
mit Terror, Folter und Tod Geschäfte machen."

Der Marihuana-Raucher wisse gewöhnlich nichts von den Bedingungen,
unter denen Marihuana in Mexiko, eine der Hauptquellen, angebaut werde.
Bei der Großaktion gegen den illegalen Anbau im mexikanischen Bundesstaat
Chihuahua stellte sich z.B. heraus, daß Kinder regelrecht als Sklaven zu
dieser Arbeit gezwungen werden.

Auch mache sich der Raucher keine Gedan-

ken darüber, daß er mit dem Kauf von neuem Stoff zu den Millionen der
Händlerbosse beitrage - von Leuten, deren Geld durch die "Waschanlagen"
von Geldinstituten gehe, um die illegale Herkunft zu verschleiern, sagte
Thomas.

Überall in der Welt setzten die Händler ihre verbrecherischen

Mittel ein, um im Geschäft zu bleiben, ja es noch auszuweiten.

Und da

derzeit die illegale Drogenherstellung umfangreicher sei als die Nachfrage, suchten sich die Händler zunehmend Absatzmärkte auch in den Erzeugerländern.

Ermutigung durch internationale Zusammenarbeit

Dennoch sähen sich die USA, wie Jon Thomas hervorhob, durch die Mitarbeit der Erzeugerländer bei der Zerstörung illegaler Anbauflächen sowie
durch die Anstrengungen vieler Staaten ebenso wie der Vereinten Nationen
ermutigt, anderen Nationen dabei zu helfen, dem Vertrieb und dem Weiterschleusen von Drogen Einhalt zu gebieten. Den politischen wie den gesellschaftlichen

Auswirkungen

von Drogenmißbrauch

und Drogenhandel

auch die Teilnehmer am Weltwirtschaftsgipfel in Bonn Rechnung.

trugen

Sie ver-

sicherten, alles in ihren Kräften stehende tun zu wollen, um vor allem
die Machenschaften der Händler zu unterbinden.

Das Programm der Reagan-Administration zielt Dr. Turner zufolge auf
folgende Punkte ab:

Aufhalten der Drogenflut so nahe wie möglich an der

Quelle, verschärfter Rechtsvollzug und härtere Strafen für verurteilte

�für verurteilte Drogenhändler, Abfangen von Drogen, bessere Therapieprogramme, Einbeziehung der Öffentlichkeit in das Informations- und Erziehung sprog ramm.

Allerdings sei die Mitarbeit und das Engagement der Fami-

lien, von Menschen an der Basis das Wichtigste in diesem Kampf.

Die PRIDE-Zentrale in Atlanta unterstützt sie mit Informationen, mit
Anregungen und Anleitungen in ihrem Bemühen, der Drogengefährdung ihrer
Kinder wirksam vorzubeugen.

Dr. Thomas Gleaton, Mitgründer und Leiter

von PRIDE, versorgt die Eltern mit Material über Trends in der Drogenszene, über die Auswirkungen von Suchtstoffen, auch über die neuesten Erkenntnisse der medizinischen Forschung.

Mark Gold, der einen landeswei-

ten telefonischen Beratungsdienst gegen die Kokainwelle eingerichtet hat,
berichtete in Atlanta beispielsweise, daß 14 Prozent der Hilfesuchenden
als Folge ihrer Abhängigkeit von Kokain unter Krämpfen und epileptischen
Anfällen litten und daß ihm neun Prozent sagten, Selbstmordversuche unternommen zu haben.

Als Gold im Jahr 1983 mit dem Beratungsdienst be-

gann, rechnete er mit etwa 10 000 Anrufen pro Jahr.
heute ca. 1000 Personen pro Tag Rat und Hilfe.

Statt dessen suchen

Kokain bezeichnete er als

"eine Droge, die geradezu teuflisch für die achtziger Jahre ersonnen ist".

Dr. Gleaton appellierte leidenschaftlich an die anderen Nationen,
doch aus den Erfahrungen Amerikas mit Drogen zu lernen.

"Leider werden

unsere schlimmsten Fehler in der Zeit der siebziger Jahre jetzt in vielen
Ländern noch einmal gemacht", sagte er.

Damit bezog er sich vor allem

auf die Diskussionen, die es zur Zeit in Australien, Dänemark und in den
Niederlanden darüber gibt, ob Marihuana "entkriminalisiert" werden solle.
Solche Kampagnen kämen de facto einer Legalisierung gleich - zum Schaden
junger Menschen, aber ebenso der betroffenen Familien.

* * * * *

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan zieht Fazit seiner Europareise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz in Lissabon -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan: KVAE trägt zur Minderung der Spannungen in Europa bei&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Präsidenten zur Europäischen Abrüstungskonferenz -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;40 Jahre freie Wirtschaft - 40 Jahre Erfolg&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview des US-Wirtschaftsexperten Edward M. Bernstein zur Entwicklung der Weltwirtschaft in der Nachkriegszeit -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kreuzzug gegen die Drogensucht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Internationale Aktionen notwendiger denn je -&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

17

24. April 1985
I N H A L T

DOKUMENTATION
Der 8. Mai: Rückblick und Ausblick
- Von Arthur F. Burns, Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika
in der Bundesrepublik Deutschland Präsident Reagan wird KZ-Gedenkstätte besuchen
- Rede vor der Conference on Religious Liberty USA und UdSSR beenden 5. Gesprächsrunde über Nonproliferationsfragen
- Presseerklärung des US-Außenministeriums -

INFORMATION
Whitehead zum neuen Stellvertretenden US-Außenminister nominiert

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Mensch im Weltraum durch nichts zu ersetzen
- Erfahrungen aus dem DISCOVERY-Flug -

* * * * *

Um Über/cndung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�17

24. April 1985

DER 8. MAI: RUCKBLICK UND AUSBLICK
- Von Arthur F. Burns -

Bonn -(AD)- Der nachstehende Beitrag des amerikanischen Botschafters in der Bundesrepublik Deutschland, Arthur F. Burns, erschien mit
Datum vom 29. April 1985 in dem
SPECIAL REPORT: EUROPE TODAY der
Zeitschrift TIME.

Der 8. Mai 1945, ein Datum, das sich für immer in das Bewußtsein all
derer eingegraben hat, die die Umwälzungen des Zweiten Weltkrieges überlebt haben, kennzeichnet einen der großen Wendepunkte der westlichen Geschichte.

Im Rückblick erkennen wir, daß das Kriegsende die längste Ä'ra

des Friedens und des Wohlstands eingeleitet hat, derer sich Europa je erfreut hat.

Daß dies so kommen würde, war im Jahr 1945 noch keineswegs

abzusehen.

Der Krieg hat auch die Bedingungen der europäischen Sicherheit drastisch verändert.

Die große Kriegsallianz der Vereinigten Staaten und

der Sowjetunion brach unter dem Druck des sowjetischen Expansionismus

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�sowjetischen Expansionismus auseinander.

Aber wie während der Jahre ih-

res Bündnisses spielten beide Mächte auch weiterhin eine zentrale Rolle
für die Zukunft Europas.

Die Konfrontation zwischen Ost und West wurde

zu einer bitteren Tatsache des Lebens in Europa.

In dem Jahrzehnt nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges legten die Nationen des Westens die Animositäten der Vergangenheit bei und schufen die
Grundlagen für eine neue Ära des Fortschritts.

Durch den weitreichenden

Marshall-Plan Amerikas unterstützt, machten sich die Europäer energisch
daran, ihre Städte und ihre Industrie wieder aufzubauen.

Gemeinsam mit

den Vereinigten Staaten schufen sie ein liberales weltweites Handelssystem.

In Europa begannen sie, die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zu

gestalten, aus denen die Europäische Gemeinschaft entstand.

Sie nahmen

ehrgeizige Austauschprogramme für Studenten, Journalisten und Lehrer in
Angriff, um die Verständigung unter den Völkern Westeuropas zu fördern.
Angesichts der kolossalen sowjetischen Militärmacht an den Grenzen Westeuropas schlössen sie sich mit den Vereinigten Staaten und Kanada in der
Organisation des Nordatlantischen Bündnisses zusammen.

Infolge dieser

Entwicklungen ist ein Krieg zwischen Nachbarn im Westen heute undenkbar
geworden, und die politische Union Europas ist eine von vielen gehegte
Hoffnung.

Wirtschaftliche Dynamik wurde das Kennzeichen des Nachkriegseuropa.
Die Bundesrepublik Deutschland, die sich im wahrsten Sinne des Wortes aus
den Ruinen erhob, stand in vorderster Linie.

Die Quelle ihres Erfolges

wurde schon 1950 für jeden Besucher Deutschlands sichtbar, wo Bauarbeiter
oft in der Nacht bei elektrischem Licht arbeiteten, um Termine einhalten
zu können.

In dem Jahrzehnt nach 1949 hat sich das Bruttosozialprodukt

Westdeutschlands mehr als verdoppelt.

Dieses rasche Wachstum wurde ohne

Einschränkung der sozialen Errungenschaften erreicht.

Im Gegenteil, das

Land schuf nicht nur ein starkes Wirtschaftssytem, sondern auch ein humanes.

Heute ist die Demokratie in Westdeutschland tief verwurzelt, und

das soziale und wirtschaftliche System sorgt großzügig für die Belange
des Volkes. Dies gilt weitgehend auch für das übrige Westeuropa.

Heute werden diese Leistungen oft nicht hinreichend gewürdigt, und es
- 2 -

�und es ist viel von europäischem Pessimismus die Rede.

In der ganzen

Welt hat man den Eindruck, daß die Strömungen der Zukunft an Europa vorübergehen.

Warum?

Erstens ist die politische Grundlage des europäischen Selbstvertrauens erschüttert worden.

Die Europäer fühlten sich hilflos, als Konflikte

im Nahen Osten die Ölpreise in den Himmel schießen ließen.

Der sowjeti-

sche Expansionismus, der während der Entspannung der siebziger Jahre in
Schach gehalten zu sein schien, hat die Europäer gegen Ende jenes Jahrzehnts erneut beunruhigt.

Die Unterdrückung Polens, die auf die brutale

Invasion Afghanistans folgte, hat gezeigt, daß die weithin gehegten Annahmen bezüglich eines zurückhaltenden sowjetischen Verhaltens nicht mehr
haltbar waren.

Zweitens, und das ist noch wichtiger, hat eine Konjunkturflaute den
Niedergang des politischen Vertrauens begleitet und bis zu einem gewissen
Grad verstärkt. Der Ölpreisschock der siebziger Jahre hat das wirtschaftliche Wachstum gebremst und es der alternden Industrie des Kontinents zusätzlich erschwert, sich zu behaupten.
wirkten in die gleiche Richtung.

Entwicklungen innerhalb Europas

Sein System der sozialen Sicherheit,

das während der fünfziger und sechziger Jahre leicht getragen werden
konnte, hat sich nach 1970 sehr rasch ausgeweitet.

In dem Maße, in dem

die Sozialausgaben und Subventionen für unrentable Unternehmen in die
Höhe gingen, stiegen auch die Steuern und die Haushaltsdefizite.

Die Be-

lastungen der Industrie durch Reglementierung vervielfachten sich, die
Macht der Gewerkschaften nahm zu, die Arbeitsmärkte erstarrten völlig,
und die Inflationsraten schnellten hoch.

Dies hatte zur Folge, daß die

Gewinne allmählich sanken, die Kapitalinvestitionen in Unternehmen nicht
länger gediehen und die Arbeitslosigkeit auf ein beunruhigendes Niveau
stieg.

Diese Entwicklungen standen in scharfem Gegensatz zu einer nach-

haltigen Vermehrung der Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten und zu
dem bemerkenswerten Wachstum der freien Volkswirtschaften in Ost- und
Südostasien.

Viele Europäer haben in den letzten Jahren zum erstenmal an

ihrer Fähigkeit zu zweifeln begonnen, mit der Zukunft fertig zu werden.

Ich begreife diese Befürchtungen, aber ich teile sie nicht.

Nach

�nicht.

Nach vierjähriger eingehender Beobachtung der Verhältnisse in

Europa sehe ich Anlaß zum Vertrauen in die Zukunft Westeuropas.

Erstens haben sich die massiven Anstrengungen der Sowjetunion, Zweifel am

militärischen und politischen Engagement Amerikas für Europa zu

wecken, als erfolglos erwiesen.

Westdeutschland, Großbritannien, Italien

und in jüngster Zeit auch Belgien haben unerschütterlich an dem NATO-Beschluß von 1979 festgehalten, modernisierte Kernwaffen zu stationieren,
wenn die Sowjets sich weigerten, ihre auf die Städte und militärischen
Einrichtungen

Westeuropas

gerichteten

tödlichen Waffen

zu verringern.

Das NATO-Bündnis hat damit die schwerste Bewährungsprobe in seiner Geschichte bestanden.

Diese Demonstration

europäischer

Entschlossenheit

hat in nicht geringerem Umfang als Präsident Reagans Strategische Verteidigungsinitiative dazu beigetragen, die Sowjets an den Verhandlungstisch
in Genf zurückzubringen.

Infolgedessen haben sich die Aussichten für den

Weltfrieden verbessert.

Zweitens konnte trotz der weitverbreiteten Arbeitslosigkeit der letzten Jahre die soziale Stabilität in ganz Westeuropa aufrechterhalten werden.

Darüber hinaus sind radikale wirtschaftspolitische Ansätze im all-

gemeinen vermieden worden. Wo sie - wie in Frankreich im Jahr 1981 - versucht worden sind, wurden sie später wieder verworfen.

Drittens hat sich die Konjunktur in Westeuropa in den letzten beiden
Jahren wieder erholt, und wenn auch der Aufschwung bisher bescheiden war,
so

verbessern

Schritt.

sich

die

längerfristigen

Aussichten

doch

Schritt

für

In den wichtigsten Ländern Europas hat man damit begonnen, die

Fesseln zu sprengen, die die Kreativität lähmen und dem konstruktiven
Wandel im Wege stehen.

Die Staatshaushalte werden in Ordnung gebracht,

den inflationären Kräften wird erfolgreich Einhalt geboten, und den Kräften des Marktes wird mehr Spielraum eingeräumt.

Man tritt mehr und mehr

dafür ein, die erdrückende Last zu erleichtern, die die Besteuerung der
Individualeinkommen und geschäftlichen Transaktionen den Unternehmen und
Investitionen aufbürdet.

Langsam aber sicher macht man es innovations-

freudigen Unternehmern leichter, in neue und bereits bestehende Märkte
einzudringen.
Viertens ist

�Viertens ist und bleibt die Leistungsfähigkeit seiner Bevölkerung die
lebenswichtigste

Hilfsquelle

Europas.

Während

meiner

Jahre in West-

deutschland habe ich eine beträchtliche Zeit damit verbracht, mit jungen
Menschen zu sprechen.

Ich fand, daß Hochschulstudenten heute in erster

Linie an ihrem Studium und weniger an Demonstrationen auf den Straßen
interessiert sind.

Ich fand, daß die meisten von ihnen konstruktiv über

ihre Karriere denken und Vertrauen in ihre Zukunft zum Ausdruck bringen eine Haltung, die ich noch vor drei oder vier Jahren nicht entdecken
konnte.

Die Hoffnung, diese fundamentalste aller wirtschaftlichen Kräf-

te, beginnt in der Generation wieder zu blühen, die in 15 oder 20 Jahren
die

politische

wird.

und

wirtschaftliche

Führung

in Deutschland

übernehmen

Ich bin davon überzeugt, daß auch in anderen Teilen Westeuropas

ähnliche Veränderungen im Gange sind.

Wenn wir also des 40. Jahrestages des Ende des Zweiten Weltkrieges
gedenken, dann können alle, die an dem gemeinsamen Unterfangen des westlichen Bündnisses beteiligt sind, mit Befriedigung auf ihre Leistungen
zurückblicken und mit Zuversicht in die Zukunft schauen.

Wir müssen uns

jedoch der ernsten Probleme bewußt bleiben, vor denen wir stehen.

Berlin

ist noch immer eine geteilte Stadt, Deutschland ist noch immer ein geteiltes Land, Europa ist noch immer ein geteilter Kontinent, das Wettrüsten dauert noch immer an, die politische Union der westeuropäischen
Länder ist noch immer nicht erreicht, und die weitverbreitete Arbeitslosigkeit, die ihren Schatten über die Volkswirtschaften Westeuropas wirft,
ist noch immer nicht überwunden.

Man ist sich heute über diese Probleme

besser im klaren, als noch vor einigen Jahren, und es besteht Grund zu
der Hoffnung, daß man ihnen mit allen Mitteln zu Leibe rücken wird.

* * * * *

- 5 -

�24. April 1985

17

PRÄSIDENT REAGAN WIRD KZ-GEDENKSTÄTTE BESUCHEN
- Rede vor der Conference on Religious Liberty-

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan wird während seines Besuches
in der Bundesrepublik Deutschland eines der ehemaligen Konzentrationslager besuchen. Dies erklärte er in einer Rede am 16. April 1985 in
Washington von der "Conference on Religious Liberty".

Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Es ist mir eine große Ehre, zu dieser Versammlung zu sprechen. Ich
weiß, daß viele von Ihnen von weither gekommen sind, um heute hier zu
sein, und daß Sie hierauf viel Zeit, viel Energie und viel Sorgfalt
verwendet haben. Und ich kann nur, genau wie Sie, hoffen, daß jene, die
überall in der Welt wegen ihrer Überzeugung

leiden, aus Ihrer Arbeit

neuen Mut schöpfen.

Die Geschichte der Religion

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die Geschichte der Religion und ihrer Auswirkungen auf die Zivilisation kann nicht in wenigen Tagen, geschweige denn Minuten, zusammengefasst

werden.

Aber

ein

entscheidendes, gemeinsames Kennzeichen

aller

Religionen ist die Unterscheidung, die sie zwischen dem Diesseitigen und
dem Jenseitigen treffen. Aus allen Religionen klingt deshalb letztlich
das Wort aus dem Matthäusevangelium: "Gebt Gott, was Gottes ist, und dem
Kaiser, was des Kaisers ist."

Diese Weisung lehrt uns, daß der Mensch nicht gänzlich dem Staat
unterworfen sein kann, daß es noch ein anderes Reich gibt, einen eben
unerklärlichen Bereich des Denkens und Handelns des einzelnen, der heilig
ist und der Kontrolle des Staates gänzlich entzogen. Dieser Gedanke stand
auch immer im Mittelpunkt der Entwicklung der Menschenrechte.

Nur in einem geistigen Klima, das zwischen der Stadt Gottes und der
Stadt des Menschen unterscheidet, das ausdrücklich die Unabhängigkeit des
Reichs Gottes anerkennt und alle Einmischungen des Staates in dessen Vorrechte verbietet, nur in einem solchen Klima konnte der Gedanke der Menschenrechte des einzelnen Wurzeln schlagen, sich entfalten und schließlich blühen und gedeihen.

'Wir haben dieses Klima in allen Demokratien und in unserer eigenen
politischen 'Überlieferung. Die demokratische Konzeption unserer Gründerväter wurzelte in der 'Überzeugung, daß allen Menschen von ihrem Schöpfer
bestimmte unveräußerliche Rechte verliehen worden sind. Und deshalb schufen sie ein Regierungssystem, dessen erklärtes Ziel der Schutz dieser
gottgegebenen Rechte war und ist.

Aber wie Sie nur allzu gut wissen, gibt es heute viele politische
Regime, die die Vorstellung zurückweisen, derzufolge ein Mann oder eine
Frau zu Gott eine größere Loyalität empfinden darf als zum Staat. Als
Marx sein politisches System entwarf, war eine seiner zentralen Thesen
die, daß religiöse Überzeugung zur Zersetzung seiner eigenen Konzeption
führen könnte. Im kommunistischen System sollte denn auch die herrschende
Partei genau die Attribute für sich in Anspruch nehmen, die der religiöse

- 2-

�die der religiöse Glaube allein Gott zuschreibt und der Staat sollte zum
obersten Richter über die Fragen der Wahrheit, der Gerechtigkeit und der
Moral werden.

Marx nannte die Religion einen Feind des Volkes - eine Droge, Opium
für die Massen. Und Lenin sagte, Religion und Kommunismus seien sowohl in
der Theorie als auch in der Praxis nicht miteinander zu vereinbaren. Die
Religion sei zu bekämpfen.

All dies illustriert nur eine Tatsache, die es, wie ich meine, zu
begreifen gilt. Atheismus ist kein zufälliges Element des Kommunismus,
nicht nur Teil der Sache. Er ist die Sache selbst. In Ländern, die unter
die Herrschaft des Kommunismus geraten sind, ist es oft genug die Kirche,
die die stärkste Barriere gegen ein vollkommen totalitäres System bildet.
Und so sind die totalitären Regime stets bestrebt, entweder die Kirche zu
zerstören oder, wenn sich dies als unmöglich erweist, sie zu untergraben.
In der Sowjetunion wurde die Kirche von der kommunistischen Revolution sofort angegriffen. Aber die Sowjets bezeichnen ihre Maßnahmen - in
Reaktion auf die Empfindlichkeit des Westens hinsichtlich der Verweigerung von Grundfreiheiten - als rein defensiv.

Im Jahr 1945 traf sich Josef Stalin mit Harry Hopkins, den Harry
Truman geschickt hatte, um verschiedene Ost-West-Probleme zu besprechen.
Mitten in einem Gespräch über Politik warf Stalin folgendes ein: 1917, so
Stalin, habe die Kommunistische Partei Rußlands das Recht auf Religionsfreiheit als Teil ihres politischen Programms verkündet. Aber die Kirchen
Rußlands hätten über die Sowjetregierung einen Bann ausgesprochen und die
Gemeindemitglieder

aufgefordert, sich dem

Aufruf

der Roten Armee zu

widersetzen. Was konnten wir anderes tun, so Stalin, als der Kirche den
Krieg zu erklären. Er sicherte Hopkins jedoch zu, daß der Zweite Weltkrieg den Gegensatz zwischen Kirche und Staat beendet habe und der Kirche
jetzt die Religionsfreiheit zugesichert werden könnte. Dies aber ist, wie
Sie wissen, nie geschehen.

Die Geschichte lehrt uns,
- 3-

�Die Geschichte lehrt uns, daß man eine Kirche terrorisieren, nicht aber
all das Gute vernichten kann, was in jedem Menschenherzen wohnt. Und deshalb gibt es trotz der damit verbundenen Gefahren überall in der kommunistischen Welt Christen und Juden und Moslems, die auch weiterhin ihre
Religion ausüben. Viele mußten ihren Mut mit dem Gefängnis bezahlen. Wie
etwa Valerie Martschenko, der erst vor einigen Monaten in einem sowjetischen Gefängniskrankenhaus im Alter von 37 Jahren starb. Er war ein Gelehrter und ein Christ, der noch während seines letzten Gerichtsverfahrens von seinem Glauben an Gott und seinem Vertrauen in das Gute im
Menschen sprach. Oder wie Pater Gleb Yakunin, der erst kürzlich für fünf
Jahre nach Sibirien verbannt wurde. Auch er ein "Gefangener des Glaubens". Oder Bronislaw Borowski, der dafür verurteilt wurde, daß er Bibeln
in die Tschechoslowakei geschmuggelt hatte. Und ihre Namen stehen für
viele.

Dr. Ernest Gordon, Präsident der Organisation CREED, einer christlichen Vereinigung, die sich darum bemüht, Dissidenten zu mehr Rechten zu
verhelfen, sprach auf einer Reise, die er vor kurzem nach Osteuropa
unternommen hatte, mit einem Priester, der zehn Jahre in Haft gewesen
war. Der Priester bat ihn, dem Westen eine Botschaft zu überbringen. Wir
leben, so der Priester, mitten in einem Krieg - nicht einem nuklearen,
sondern einem geistigen. Der Niederschlag der atheistischen Explosion
zeigt sich überall. Aber Dr. Gordon fügte auch hinzu: "Dieser Niederschlag mag zwar überall sein, aber wir sollten uns auch daran erinnern,
daß Gott gleichfalls überall ist und nicht einmal Tyranneien ihn fernhalten können."

Wir in den Vereinigten Staaten haben gegen diese schreckliche Mißhandlung von Menschen protestiert, die nichts weniger als Helden dieses
Jahrhunderts sind. Erst vor kurzem wieder überreichten Mitglieder des
Kongresses, die in Moskau mit Generalsekretär Gorbatschow zusammentrafen,
diesem eine Liste mit den Namen baltischer und ukrainischer Frauen und
Männer, die aus Gewissensgründen inhaftiert sind; dabei sorgten der Rat
für sowjetische Juden und andere Gruppen sich unermüdlich darum, sicherzustellen, daß die Kongreßdelegation nicht ohne umfangreiche Daten über
die Unterdrückung der Juden in der Sowjetunion dorthin reiste.

Religiöse
•r

4"

Verfolgung

�Religiöse Verfolgung beschränkt sich natürlich nicht nur auf Europa.
Es gibt sie im Iran, dessen Führung praktisch den Baha1 is den Krieg erklärt hat; es gibt sie in Afghanistan, wo das sowjetische Militär gegenüber der moslemischen Bevölkerung zu immer grausameren Maßnahmen greift;
und es gibt eine weitere Variante der Unterdrückung religiöser Freiheit
auch im Nicaragua des sandinistischen Regimes.

In Nicaragua

steht das sandinistische Regime vor einer politisch

aktiven Kirche, die - obwohl sie die Revolution unterstützte - nunmehr
als ein Haupthindernis dabei angesehen wird, die totalitäre Kontrolle zu
vervollständigen. Erst vor kurzem sagte der nicaraguanische Bischof Pablo
Antonio Vega: "Wir leben mit einer totalitären Ideologie, die niemand in
diesem Land möchte."

Die Sandinisten unternehmen den Versuch, die Kirchenhierarchie in ein
schlechtes Licht zu rücken und zu spalten. Und auf einen neuen Bereich
gilt es ganz besonders zu achten: Wie alle kommunistischen Regime tragen
dorthin

reiste.die

Sandinisten

ihre

Ideologie

in

das

Bildungssystem

hinein und haben mit großangelegten Kampagnen begonnen, Kinder und Erwachsene zu indoktrinieren.

Aber die katholische Kirche kämpft darum, ihre Autonomie zu bewahren
und diese Indoktrinierung von ihren Kirchen und Schulen fernzuhalten. Ich
selbst habe gerade eine mündliche Botschaft des Papstes erhalten, in der
er uns drängt, unsere Bemühungen in Mittelamerika fortzusetzen.

Nun, das, was ich erwähnte, ist noch nicht gelöst. Kuba löste das
Problem, indem alle Privatschulen, einschließlich der kirchlichen Schulen, geschlossen wurden. Die allgemeine Lage der Religionsfreiheit in
Nicaragua wird durch Aussagen aus verschiedensten Quellen belegt, am
deutlichsten aber durch jene, die diesem brutalen Regime entronnen sind.

So hörten wir kürzlich von einem Geistlichen der evangelischen Kirche

- 5-

�der evangelischen Kirche in einem nicaraguanischen Ort, der den Freiheitskämpfern mitteilte, die Sandinisten hätten gedroht, 3 000 Mitglieder
seiner Kirche in Umsiedlungslager zu schicken. Der Geistliche und die
Mitglieder seiner Gemeinde verbergen sich inzwischen in Höhlen und provisorischen Behausungen auf dem Lande.

Die Sandinisten bedrohen auch Juden. Zwei nicaraguanische Flüchtlinge, Sarita und Oscar Kellermann, berichteten von einem sandinistischen
Bombenanschlag auf ihre Synagoge. Die Sandinisten beschmierten die Synagoge mit den Worten "Was Hitler anfing, werden wir zu Ende führen". Und
an das Haus der Kellermanns: "Juden raus aus Nicaragua".

Lassen Sie mich hier anfügen, daß Berichte wie diese hier von organisiertem Zwang, Brutalität und Terror der Grund dafür sind, daß wir den
Kongreß um Hilfe ersuchen, damit den Freiheitskämpfern und den Opfern des
sandinistischen Regimes geholfen werden kann.

Wenn ich in diesen Tagen an Nicaragua denke, so meine ich auch jetzt,
daß man jede neue Regierung daran messen kann, ob sie die ungehinderte
Religionsausübung zuläßt oder nicht. Wenn nicht, so kann man sicher sein,
daß sie ein Feind der Menschheit ist, denn sie unternimmt den Versuch,
das zu verbannen, was das Schönste im Herzen des Menschen ist.

Aber wir sollten nicht verzweifelt sein, denn dies ist nicht die Zeit
dafür. Wir leben zwar in einem dramatischen Zeitalter; überall in der
Welt wird die Staatsmaschinerie wie nie zuvor gegen die Religionsfreiheit
eingesetzt. Aber gleichzeitig erscheinen auch überall in der Welt neue
Gruppen Gläubiger, überall in der Dunkelheit zeigt sich Licht, und man
gibt Gott wieder die Ehre.

Vielleicht ist dies die größte Ironie des kommunistischen Experimentes. Es ist ja gerade der Druck, den es ausübt, der wiederum die Kraft,
die Reibung und die Wärme zu erzeugen scheint, die es dem tiefen Glauben
ermöglicht, erneut als Flamme emporzuschlagen.

Ich bin der 'Überzeugung,
- 6-

�Ich bin der Überzeugung, daß das wichtigste Element unserer Verteidigung der Freiheit unser Beharren darauf ist, unsere Stimme für die Sache
der religiösen Freiheit zu erheben. Ich würde es gerne sehen, wenn sich
dieses Land erneut mit ganzem Herzen dieser Sache widmen würde. Ich
schließe mich Ihrem Wunsch an, daß die protestantischen Kirchen Amerikas,
die katholische Kirche und die jüdischen Organisationen sich jener ihrer
Mitglieder erinnern, die in anderen Ländern im Gefängnis oder in Gefahr
sind. Wir sind die Wächter unserer Brüder, wir alle. Und ich hoffe, daß
die Botschaft dieser Konferenz alle in der Welt erreicht, die wegen ihres
Glaubens inhaftiert sind: Tröstet euch, man hat euch nicht vergessen.
Wir, eure Brüder und Schwestern in Gott, haben eure Sache zur unsrigen
gemacht. Und wir geloben, nie einzuhalten, bis ihr die Freiheit wiedererlangt habt, die euer Geburtsrecht als Kinder Gottes ist.

Lassen Sie mich nun für einen Augenblick ein Thema berühren, das
einen Sturm der Kontroverse ausgelöst hat - meine Entscheidung, einen
Soldatenfriedhof in Bitburg zu besuchen, sowie meine Entscheidung, beim
Staatsbesuch in der Bundesrepublik Deutschland das ehemalige Konzentrationslager Dachau nicht zu besuchen. Es war und bleibt mein Ziel, wie das
von Bundeskanzler Kohl, diesen Besuch in der Bundesrepublik Deutschland
anläßlich des 40. Jahrestages des Kriegsendes in Europa nicht einfach zur
Erinnerung an den militärischen Sieg vor vierzig Jahren zu nützen, sondern auch an die Befreiung Europas, an die Wiedergeburt der deutschen
Freiheit und an die Versöhnung unserer beiden Länder zu denken.

Mein Ziel war und ist es, nicht die Verbrechen des Dritten Reiches in
den zwölf Jahren seiner Herrschaft erneut zu betonen, sondern die gewaltigen Leistungen des deutschen Volkes in den vierzig Jahren der Freiheit,
der Demokratie und des Friedens zu feiern. Damit sollte die Welt daran
erinnert werden, daß seit dem Ende dieses schrecklichen Krieges die Vereinigten

Staaten

und

die Bundesrepublik

Deutschland

ein historisches

Verhältnis geschaffen haben - nicht zwischen Supermacht und Satellit,
sondern zwischen Schwesterrepubliken, die durch gemeinsame Ideale, durch
Bündnis und durch Partnerschaft miteinander verbunden sind. Damit, daß

- 7-

�Damit, daß Bundeskanzler Kohl und ich übereinkamen, gemeinsam einen Kranz
auf dem Friedhof für die gefallenen Deutschen des Krieges niederzulegen,
sollen die vierzig Jahre der Freundschaft zwischen einem freien Deutschland und den Vereinigten Staaten, zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Volk gefestigt werden. Aus diesem Grund habe ich die Einladung
nach Bitburg angenommen, und deshalb gehe ich auch nach Bitburg.

Was meine Entscheidung, nicht nach Dachau, einer jener Stellen der
großen moralischen Obszönität dieser Ära zu gehen, anbelangt, so wurde
sie aufgrund meines irrtümlichen Eindrucks getroffen, ein solcher Besuch
stehe außerhalb des offiziellen Programms. Der jüngste Brief von Bundeskanzler Kohl jedoch machte deutlich, daß die Einladung zum Besuch eines
ehemaligen Konzentrationslagers tatsächlich Teil der geplanten Reiseroute
ist. Ich habe daher diese Einladung nunmehr angenommen und mein Stab in
der Bundesrepublik sucht nach einem Ort, der in unseren zeitlichen Rahmen
paßt.

Ich habe immer gesagt, ich sage es heute und ich werde es auch bei
jener Gelegenheit sagen, daß wir den Holocaust niemals vergessen und nie
wieder zulassen dürfen, daß sich eine solche Scheußlichkeit je wiederholt.

Ich danke Ihnen. Gott schütze Sie alle.

- 8-

�Dokumentation

I

United States Information Service
Embassy of the United States of America

24. April 1985

17

USA UND UDSSR BEENDEN 5. GESPRÄCHSRUNDE ÜBER NONPROLIFERATIONSFRAGEN
- Presseerklärung des US-Außenministeriums -

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium veröffentlichte am
19. April 1985 im Anschluß an die fünfte Runde der amerikanisch-sowjetischen Konsultationen über die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen die
folgende Presseerklärung:
Die Vereinigten Staaten und die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken haben gerade ihre fünfte Konsultationsrunde über Nonproliferationsfragen beendet. Diese Konsultationen fanden vom 15. bis zum 19.
April

in Helsinki

statt. Die

vier

vorausgegangenen Treffen hatten -

beginnend im Dezember 1982 - in Washington, Moskau und Wien stattgefunden. Diese Konsultationen rührten ursprünglich von Gesprächen zwischen
Außenminister Shultz und Außenminister Gromyko im Rahmen der Vollversammlung der Vereinten Nationen im Oktober 1982 her.

Die Konsultationen

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Telex: 8-85432"

�Die Konsultationen deckten eine ganze Bandbreite von Themen ab einschließlich der Aussichten auf Stärkung des internationalen Nonproliferationssystems, der Dritten ÜberprUfungskonferenz des Nonproliferationsvertrags (NPT), der Bedeutung der nuklearen Exportkontrollen und des
beiderseitigen Bestrebens der Vereinigten Staaten und der UdSSR, die
Internationale Atomenergiebehörde

(IAEA) zu stärken. Die amerikanische

Delegation wurde von Sonderbotschafter Richard T. Kennedy, die sowjetische Delegation von A. M. Petrosyants, dem Vorsitzenden des Staatskomitees für Atomenergie, geleitet.

Botschafter Kennedy charakterisierte diese Konsultationen als freundlich und geschäftsmäßig; beide Seiten hätten ein gemeinsames Interesse
daran, die Proliferation

zu verhindern und anderen Ländern dabei zu

helfen, sich der friedlichen Vorteile der Atomenergie zu erfreuen. Die
amerikanische Delegation brachte ihre besondere Wertschätzung

für das

kooperative Verhältnis zum Ausdruck, das sich zwischen beiden Seiten entwickelt hat und das sie in die Lage versetzte, sowohl technische wie auch
politische Probleme auf produktive Weise zu diskutieren.

Diese Konsultationen haben den Wunsch der USA und der UdSSR verdeutlicht, in einem Bereich positive Ergebnisse zu erzielen, der für die
Sicherheit

der gesamten Welt

von entscheidender Bedeutung

ist. Diese

Konsultationen schaffen zugleich einen positiven Rahmen für die Möglichkeit dieser beiden Länder, auf Fortschritt in Bereichen des beiderseitigen Interesses hinsichtlich der Nonproliferation wie auch umfassenderer
technischer und politischer Fragen hinzuarbeiten.

- 2-

�24. April 1985

17

WHITEHEAD ZUM NEUEN STELLVERTRETENDEN US-AUSSENMINISTER NOMINIERT

WASHINGTON -(AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 18. April 1985 John
C. Whitehead zum neuen Stellvertretenden Außenminister der Vereinigten
Staaten

nominiert. Whitehead,

desssen

Ernennung

noch der Bestätigung

durch den amerikanischen Senat bedarf, tritt die Nachfolge von Kenneth
Dam an, der einen Posten als Vizepräsident der Computerfirma IBM übernimmt.

John C. Whitehead, der sich vor kurzem aus dem Bankgeschäft zurückzog, wurde am 2. April 1922 in Evanston im Staate Illinois geboren. Bis
1943 besuchte er das Haverford-College und diente anschließend in der
amerikanischen Marine. Im Jahre 1947 erwarb er den akademischen Grad eines M.B.A. an der Harvard-Universität.

Zuletzt war Whitehead Kopräsident und Seniorpartner der Firma Goldman, Sachs and Company, einer internationalen Investitionsbank; er bekleidete diesen Posten 37 Jahre lang und wird auch weiterhin als Vorsitzender des internationalen Beratungsgremiums der Firma fungieren. Er

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�fungieren. Er hatte ferner Direktorenposten in führenden amerikanischen
Gesellschaften

inne

und

war

Vorsitzender

des

Internationalen

Rettungsausschusses. Ferner ist er Mitglied des Rates für Auswärtige
Beziehungen und des Zentrums für Strategische und Internationale Studien
an der Georgetown-Universität so- wie Treuhänder des Haverford-College
und der Carnegie Corporation. Schließlich gehört er der vom Präsidenten
eingesetzten Kommission für Regierungsaustausch an.

* * * * *

- 2-

�24. April 1985

17

MENSCH IM WELTRAUM DURCH NICHTS ZU ERSETZEN

-Erfahrungen aus dem DISCOVERY-Flug
beim 16. Einsatz eines Raumtransporters -

- (AD). - "Wir wissen, daß Sie dort oben einige Enttäuschungen erlebt
haben - aber wir können, alles in allem, stolz sein auf den vierten Flug
der DISCOVERY und auf das, was Sie erreicht haben", sagte Präsident
Reagan in einem Telefongespräch mit den sieben Astronauten, die sich gerade auf die Rückkehr zur Erde am nächsten Tag vorbereiteten. Die Landung
des am 12. April 1985 gestarteten Raumtransporters erfolgte am 19. April
gegen 16 Uhr auf der Piste des Kennedy-Raumfahrtzentrums in Florida. Die
Besatzung, bestehend aus Karol Bobko (Kommandant), Donald Williams (Pilot), den Missionsspezialisten Dr. Margaret Rhea Seddon, David Griggs und
Jeffrey Hoffman sowie Jake Garn, US-Senator von Utah, und Charles Walker
als Nutzlastspezialist für die Fa. McDonnell Douglas, betrat nach sieben
Tagen im Weltraum wieder heimatlichen Boden.

Nach dem

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�Nach dem problemlosen Absetzen des Nachrichtensatelliten ANIK C-l im
Auftrag der kanadischen Gesellschaft "Telesat Canada" wenige Stunden nach
Erreichen der DISCOVERY-Umlaufbahn in ca. 370 km Höhe war am 14. April
SYNCOM IV-3 (auch als LEASAT 3 bezeichnet) an der Reihe. Dieser von der
Firma

Hughes

Communications

Inc. gebaute

riesige

Nachrichtensatellit

sollte über dem Pazifik stationiert werden. Zwei solcher Geräte stehen
der US-Marine bereits zur Verfügung, zwei weitere sind zur Vervollständigung eines weltweiten Nachrichtenverkehrs zwischen mobilen Land-, Seeund Fliegereinheiten erforderlich. Die Satelliten werden von der Herstellerfirma an die US-Marine vermietet.

Eine gewisse Zeit nach dem Absetzen aus dem Nutzlastraum der DISCOVERY in die Erdumlaufbahn hätte das Feststofftriebwerk im Satelliten automatisch zünden sollen, um ihn auf die Betriebshöhe von 35 680 km, eine
sogenannte erdsynchrone Bahn, zu katapultieren. Aber LEASAT, ein zylinderförmiger Koloss von 6,9 Tonnen Masse, blieb "stumm", die Automatik zur
Aktivierung seiner Stromkreise funktionierte nicht. Optische Inspektionen
durch die DISCOVERY-Besatzung ergaben, daß ein 13 cm langer Hebel an der
Außenseite nicht umgelegt war, was nach dem Absetzen aus dem Nutzlastraum
automatisch

hätte

geschehen

sollen.

Dadurch

wäre

das

Energiesystem

schrittweise aktiviert, die Rotation des Satelliten beschleunigt worden.
Nach 45 Minuten hätte das Feststofftriebwerk gezündet.

Im Kontrollzentrum Houston, bei der Firma Hughes und an Bord suchte
man fieberhaft nach Möglichkeiten, um diesen Hebel doch noch zu betätigen. Die Besatzung bastelte aus allen möglichen Utensilien, u. a. ein
paar Metallrohren und mehrfach aufgeschnittenen Kunststoffeinbänden von
Kladden, in denen Eintragungen zum Flugablauf gemacht wurden, zwei Behelf sgeräte. In einem weder geplanten noch zuvor geübten Ausstiegsmanöver
von drei Stunden Dauer befestigten Jeffrey Hoffman und Dave Griggs die
"Fänger", im Aussehen einer Fliegenklatsche recht ähnlich, an der Spitze
des sogenannten Robotarms. Dr. Margaret Rhea Seddon, deren eigentliche
Aufgabe als Ärztin die Durchführung medizinischer Experimente war, sollte
aus dem Orbiter-Cockpit den ferngesteuerten, 15 cm langen Greifarm so an
den Satelliten heranführen, daß einer der Fänger den Hebel am Satelliten
- 2 -

�am Satelliten zu fassen bekam.

In den Morgenstunden des 16. April hatten Bokbko und Williams die
DISCOVERY zum Rendezvous mit LEASAT geführt und sie aus ursprünglich 80
km Entfernung auf nur neun Meter Abstand heranmanövriert. Rhea Seddon gelang es zweimal, mit einem der provisorischen Fanggeräte den Hebel zu
fassen. Sie stand unter großem Zeitdruck. Denn für das "Greifen" und Umschalten standen nur sechs Minuten zur Verfügung, weil für die - bei erfolgreichem Ablauf zu erwartende - Zündung des Satelliten eine ganz bestimmte Position zur Erde notwendig war. Andernfalls hätte die Gefahr bestanden, daß er - bei fristgerechtem Ablauf der elektrischen Automatik
bis zur Zündung - auf falschen Kurs geraten wäre. Außerdem mußte die
DISCOVERY genügend Zeit haben, sich aus dem Brennbereich des starken
Triebwerkes

in

sichere Entfernung

abzusetzen. Aber

nach dem

zweiten

Greifversuch wurde klar, daß der Hebel klemmte, sich überhaupt nicht
rührte. Statt desssen wurde durch ihn eines der drei Kunststoff-"Bänder"
am Fanggerät, die aus dem Kladdendeckel gefertigt waren, abgerissen.

Vom Kontrollzentrum kam die Anweisung, den Versuch abzubrechen. Zwar
hatte man auch ein weiteres Außenmanöver erwogen, in dem ein Astronaut
von einer Arbeitsplattform an der Spitze des Robotarmes aus versuchen
sollte, den Hebel mit der Hand oder mit Hilfe einer Schlinge zu greifen
und zu betätigen. Aber diese Idee wurde bald als zu gefährlich aufgegeben. Der Satellit befand sich ja in Rotation. Für den GreifVorgang selbst
standen jeweils nur Sekunden zur Verfügung, in denen eien unkontrollierte
Bewegung des Astronauten diesen in größte Gefahr hätte bringen können vor allem dann, wenn sich das Objekt, zwar gewichtlos, aber mit 6,9
Tonnen Masse, auf ihn zubewegt hätte.

Und es enthält nach wie vor mehr als drei Tonnen Treibstoff, in
fester und in flüssiger Form. Der für die Lageregelung vorgesehene Flüssigtreibstoff Hydrazin gilt als besonders gefährlich, so daß auch wegen
einer möglichen Bergung des gestrandeten LEASAT 3 im Verlauf eines späteren Raumtransporter-Unternehmens zuvor sehr genau untersucht werden muß,
ob dies überhaupt zu riskieren wäre. Steven Dorfman, Präsident von Hughes
- 3 -

�von Hughes Communications Inc., ist in diesem Punkt noch skeptisch. Aber
er möchte erst einmal die Analyse der Experten abwarten, was die Ursache
des Versa- gens sein könnte.

Auf die Versicherungsprämien für Raumfahrtgeräte dürfte dieser Vorfall seine Auswirkungen nicht verfehlen. LEASAT ist mit 85 Millionen Dollar versichert. Davon werden 30 Prozent von der Gruppe "International
Technology Underwriters" getragen. James Barrett, der Präsident des Unternehmens, ist der Meinung, daß dieser Versicherungsfall "den Markt erheblich beeinflussen wird". Im vergangenen Jahr haben die Versicherungsgesellschaften für den Verlust von Satelliten 282 Millionen Dollar ausbezahlt. (An Startgebühren für LEASAT 3 hatte die Firma Hughes 18 Millio-

&lt;

nen Dollar an die NASA - U.S. Behörde für Luft- und Raumfahrt - bezahlt.)
Alle Beteiligten sind sich darüber einig, daß die NASA bzw. die Astronauten keine Schuld treffe. Der Fehler sei vielmehr bei der Herstellerfirma
oder deren Zulieferern zu suchen.

Charles Walker, Biotechniker, nahm bereits zum zweiten Mal an einem
Raumtransporterflug teil. Seine Aufgabe war erneut, ein Hormon zu synthetisieren, das nur in der Schwerelosigkeit hergestellt werden kann. Welcher Art dieses Hormon ist und welche Funktion es hat, wurde bisher von
McDonnell Douglas nicht bekanntgegeben. Es verlautete lediglich, daß es
in Tierversuchen und dann am Menschen erprobt werden solle. Erfülle es
die Erwartungen, werde man die Produktion im Weltraum für medizinische
Zwecke aufnehmen. Ein weiteres biotechnisches Experiment galt der Kristallzüchtung von Proteinen, um deren Struktur genau bestimmen zu können.
Dies ist die Voraussetzung dafür, "maßgeschneiderte" pharmazeutische Sub-

,

stanzen zur gezielten Beeinflussung bzw. Hemmung anormaler Vorgänge im
Körper zu entwickeln.

»

Senator Garn, Beobachter für den US-Kongreß und Vorsitzender des für
das NASA-Budget zuständigen Unterausschusses, hatte eine Kurzausbildung
als Nutzlastspezialist absolviert. Er wollte sich für medizinische Experimente zur Verfügung stellen und sich an den Versuchen beteiligen, mit
einfachen Mitteln und Spielzeugobjekten die Effekte von Schwerelosigkeit
- 4 -

�von Schwerelosigkeit zu demonstrieren. Der daraus hergestellte Film wird
als Unterrichtsmate- rial in Grundschulen und in den unteren Klassen von
Oberschulen

verwendet

Papiersegler

filmen.

werden.
"Er

Der

fliegt

Senator

eigentlich

ließ

beispielsweise

ganz ähnlich

einen

wie auf der

Erde", kommentierte Jake Garn. "Aber er bewegt sich langsamer und viel
leichter, wenn er geworfen wird, und er durch die Kabine segelt". Als
Garn

ihn

wieder

eingefangen

hatte

und

"fallen"

ließ,

schwebte

der

Papiersegler bewegungslos im Raum.

Jake Garn bekam die Raumkrankheit während der ersten zwei Flugtage
ausgeprägt zu spüren - von Zeit zu Zeit machten sich Übelkeit und Schwindelgefühl äußerst unangenehm bemerkbar. In der Startphase wurden bei dem
ehemaligen Fliegeroffizier bis zum Eintritt des Raumtransporters in die
Erdumlaufbahn zahlreiche Körperfunktionen erfaßt und gemessen: fünf Sensoren waren am Kopf, vier in der Magengegend und drei am Brustkorb befestigt.

Besonders

intensiv

wurden

bei

dem

jüngsten,

amerikanischen Raumtransporters, Reaktionen

dem

16. Flug

eines

des Herz- und Kreislaufsy-

stems der Astronauten beobachtet. Mit Hilfe des in den USA entwickelten
Echokardiographien ließen sich Veränderungen am Herzen und in den Blutgefäßen unter dem Einfluß der Schwerelosigkeit präzise erfassen. Die Daten
geben Anhaltspunkte dafür, mit welchen Gegenmaßnahmen schädlichen Auswirkungen bei langem Aufenthalt im Weltraum begegnet werden sollte.

"Der Echokardiograph sendet Schallwellen aus und nimmt die Echos auf,
die auf einem Bildschirm das untersuchte Organ darstellen", eklärte Dr.
Seddon bei einer Fernsehsendung aus der DISCOVERY den Zuschauern, während
sie Schallköpfe des Instruments am Brustkorb eines der Astronauten befestigte. "Das Bild können wir auf unserem Videoband speichern. Wir können
sogar bei guter Wiedergabe auf dem Bildschirm das Herzinnere von unten
betrachten und dabei in alle vier Kammern hineinsehen. Wir wollen unter
anderem herausfinden, ob und welche Unterschiede sich in bezug auf die
Größe von Herz und Herzkammern sowie auf das Blutvolumen während des Fluges einstellen. Im Weltraum ist es ohnehin anders als auf der Erde, weil
sich hier die Herzposition anscheinend etwas verändert. Deshalb müssen
- 5 -

�Deshalb müssen wir die besten Punkte zum Ansetzen der Schallköpfe erst
suchen."
Senator Garn, der für den US-Senat einen offiziellen Bericht über
seine Eindrücke und Erfahrungen an Bord des Raumtransporters DISCOVERY
ausarbeiten wird, zeigte sich besonders beeindruckt von den Tätigkeiten
und Funktionen eines Astronauten. Das menschliche Denk- und Entscheidungsvermögen, menschliches Handeln im Weltraum sei durch nichts zu ersetzen, meinte er.

* * * * *

- 6 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der 8. Mai: Rückblick und Ausblick&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Arthur F. Burns, Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan wird KZ-Gedenkstätte besuchen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede vor der Conference on Religious Liberty -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA und UdSSR beenden 5. Gesprächsrunde über Nonproliferationsfragen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Presseerklärung des US-Außenministeriums -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Whitehead zum neuen Stellvertretenden US-Außenminister nominiert&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mensch im Weltraum durch nichts zu ersetzen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erfahrungen aus dem DISCOVERY-Flug -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>16

17. April 1985

&gt;

INHALT

DOKUMENTATION
Neue Realitäten und neue Denkansä'tze
- Von US-Auüenminister George P. Shultz -

HINTERGRUNDMATERIAL

Kampf dem Drogenhandel
- Präsident Reagan und Staatspräsident Betancur unterzeichnen
gemeinsame Erklärung für USA und Kolumbien -

* * * * *

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�17. Mpril 1*85

16

NEU: REALITÄTEN UND NEUE DENKANSÄTZE
- Von US-Außenminister üeorge P. Shultz -

- (AD) - Die englische Üriginalfassung des nachstehenden Beitrags
des amerikanischen Außenministers
George P. Shultz ist in der Frühjahrsausgabe 1985 der Zeitschrift
FOREIGN AFFAIRS erschienen.
Albert Einstein bemerkte einmal, daß die Entwicklung der Kernwaffen
alles verändert habe, außer unserer Denkweise. Wenn so viel Zeit vergehen
mußte, bis selbst eine so dramatische Entwicklung wie die nukleare Revolution in vollem Umfang verstanden wurde, wieviel länger dauert es dann
normalerweise, bis wir die Implikationen der subtileren, schwer greifbaren geschichtlichen Veränderungen verstehen, die sich um uns herum vollziehen.

Die Weltordnung am Ende des gegenwärtigen Jahrhunderts wird sich mit
Sicherheit ganz wesentlich von der Struktur der Weltpolitik bei Beginn
dieses Jahrhunderts unterscheiden. Die Verteilung der Macht und die Dynamik der internationalen Beziehungen sind einem steten Wandlungsprozeß un-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Wandlungsprozeß unterworfen, der von vielerlei t-aktoren vorangetrieben
wird: von der Technik, von wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen
und von der oftmals unterschätzten Kraft von Ideen.

Dieser Prozeß geht

weiter, denn die Geschichte kommt niemals zum Stillstand. Während das 21.
Jahrhundert näherrückt, gewinnt Einsteins Beobachtung eine neue Bedeutung: Unsere Denkweise muß sich neuen Realitäten anpassen.

Wir müssen

die neuen Trends unbedingt begreifen und ihre Implikationen verstehen.

Die Vereinigten Staaten von Amerika befinden sich nicht in der Rolle
eines Zuschauers. Wir sind mitbeteiligt, und wir engagieren uns. Wiederum
ist Amerika in der Lage, die Richtung, die der Gang der Dinge nimmt, maßgeblich zu beeinflussen, und die traaitionellen Ziele und Werte des amerikanischen Volkes haben sich nicht verändert, Es ist unsere Ff licht, bei
der Ausgestaltung der sich entwickelnden Strömungen nach Maidgabe unserer
Ideale und Interessen mitzuwirken und dazu beizutragen, die weltweite
Stabilität auf eine neue Grundlage zu stellen, so daB für kommende Generationen Friede, Wohlstand und Freiheit gesichert sind.

Welches sind die Kräfte des Wandels V Welche neuen "Denkweisen" sind
erforderlich ? Und welches sind die möglichen Elemente eines neuen und
sichereren internationalen Systems ?

So oder so bleibt das sowjetisch-amerikanische Verhältnis ein entscheidender Bestimmungsfaktor der Aussichten für den'Weltfrieden, obwohl
die politische Vorrangstellung der beiden Supermächte heute weniger ausgeprägt ist als vor einigen Jahrzehnten, Die Gestaltung dieses Verhältnisses angesichts sich wandelnder Bedingungen bleibt eine der großen planerischen Herausforderungen für die Vereinigten Staaten.

Solange das sowjetische System seine Triebkraft aus der Ideologie und
aus einem nationalen Streben nach Vergrößerung der eigenen Macht und nach
Untergrabung der Interessen der demokratischen Staaten bezieht, werden
echte Freundschaft und Zusammenarbeit unmöglich bleiben.

Wenn' es über-

haupt Hoffnung auf dauerhafte Stabilität geben soll, dann muß der Westen
diesem

sowjetischen Machtstreben mit Entschiedenheit

widerstehen.

Im

�widerstehen.

Im Zeitalter der thermonuklearen Waffen haben jedoch beide

Seiten gleichzeitig ein gemeinsames Interesse am Überleben und daher auch
allen Anlaß, ihre Rivalität nicht bis zum Äußersten zu treiben und sich
zu bemühen, die Entwicklung im Bereich der Kernwaffen im Griff zu behalten und Mittel und Wege zur Verminderung der Kriegsgefahr zu finden. Man
kann nicht absehen, ob eine beständige Politik des Westens von dieser Art
im Laufe der Zeit zu einer Mäßigung des sowjetischen Systems führen wird.
Vielleicht wird dies nicht der Fall sein.

Aber wie dem auch sei:

Der

Westen muß auf jeden Fall sowjetischen übergriffen mit Entschiedenheit
entgegentreten, gleichzeitig aber die Tür für konstruktivere Entwicklungsmöglichkeiten offenhalten.
Die Amtsübernahme Gorbatschows könnte heute eine neue Gelegenheit zur
Auslotung solcher konstruktiveren Möglichkeiten eröffnet haben. Präsident
Reagan geht diese Aufgabe in positivem Geiste an, ist sich dabei aber realistischerweise auch der Tatsache bewußt, daß die Schwierigkeiten zwischen unseren Ländern auf objektiven Gegebenheiten beruhen und daß die
Lösung dieser Probleme harter Arbeit bedarf.

Im Gegensatz zur Sowjetunion hatten die demokratischen Staaten lange
Zeit Mühe, ihrer Politik Beständigkeit und innere Schlüssigkeit zu verleihen und sich ihre Selbstdisziplin und ihr Gefühl für Strategie zu bewahren.

Freie Gesellschaften sind oftmals ungeduldig.

Die Haltung des

Westens hat in der Vergangenheit zwischen den Extremen des Pessimismus
und der Weltuntergangsstimmung einerseits und der naiven Empfänglichkeit
für ein sowjetisches Lächeln andererseits hin und her geschwankt.

Wir

haben zu oft dazu geneigt, uns geistig entweder auf die Erhöhung unserer
Stärke oder auf Verhandlungen zu konzentrieren.

Es ist uns schwergefal-

len, beides gleichzeitig zu tun, obwohl dies eindeutig der vernünftigste
Weg ist und darüber hinaus wahrscheinlich der einzige, auf dem wir sowohl
unsere Verteidigungsanstrengungen als auch unsere Verhandlungsfähigkeit
aufrechterhalten können.

In den vergangenen vier Jahren haben sich nichtsdestoweniger die
Rahmenbedingungen des amerikanisch-sowjetischen

Verhältnisses drastisch

�Verhältnisses drastisch verändert.

Als die Vereinigten Staaten vor zehn

oder 13 Jahren mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten,
ihre Landesverteidigung vernachlässigten und zögerten, ihre Rolle in der
Weltpolitik auszufüllen, machten sich die Sowjets dies zunutze, indem sie
ihre Aufrüstung rücksichtslos vorwärts trieben.

Sie und ihre Schutzbe-

fohlenen traten in der geopolitischen Arena immer kühner auf.

In der

Annahme, daß der Westen zum Widerstand außerstande sei, intervenierten
sie beispielsweise in Angola, Kambodscha, Äthiopien und Afghanistan.

Sie hatten Grund zu der Annahme, daß das, was sie die weltweite "Korrelation der Kräfte" nennen, sich zu ihren Gunsten veränderte.

Heute besteht unter unseren wichtigsten Verbündeten mehr Einmütigkeit
als je zuvor. Die Vereinigten Staaten sind dabei, ihre militärische Stärke und ihre Wirtschaftskraft wiederherzustellen.

Wir haben unser Selbst-

vertrauen zurückgewonnen, und wir haben einen Präsidenten, den die Bürger
unseres Landes erneut damit betraut haben, eine aktive führungsrolle zu
übernehmen.

im Gegensatz dazu sehen sich die Sowjets tiefgreifenden

strukturellen Wirtschaftsproblemen und unruhigen Verbündeten gegenüber.
In vielen Teilen der Welt befinden sich ihre eigene Diplomatie und ihre
Schutzbefohlenen in der Defensive.

Heute haben wir Grund zu der Annahme,

daB sich die "Korrelation der Kräfte" wieder zu unseren Gunsten verschiebt.

Die beschichte wird uns jedoch nicht die Arbeit abnenmen.

Die Erfah-

rung lehrt, daB die Sowjets immer wieder irgendwo irgendetwas tun werden,
das empörend oder unseren Interessen abträglich ist und die Hoffnungen
auf eine Verbesserung des Ost-West-Verhältnisses dämpft.

Das Geschehen

in der Tschechoslowakei und in Afghanistan, der Abschuß des koreanischen
Verkehrsflugzeuges und das Verhalten der Sowjets im Hinblick auf die Menschenrechte bilden Beispiele hierfür.

Die Frage ist, wie der Westen auf

solch empörende Dinge reagieren soll. Unser Ziel sollte eindeutig darin
bestehen, so vorzugehen, daß ein disziplinierender Effekt auf das Verhalten der Sowjets hervorgerufen wird.

Gleichzeitig müssen wir so planen,

daß unsere eigene Strategie nicht immer wieder von solchen Schocks aus
- 4 -

�Schocks aus dem Gleis geworfen wird.

Wir dürfen uns niemals so eingleisig auf die Verbesserung der Beziehungen mit den Sowjets konzentrieren, daß wir blind gegenüber Handlungsweisen werden, die die Grundlagen eines stabilen Verhältnisses untergraben.

Symbolische Reaktionen auf unannehmbare Verhaltensweisen der So-

wjets haben ebenso ihren Stellenwert wie Vergeltungsmaßnahmen und Sanktionen.

Die Erfahrung lehrt jedoch auch, daß wir in der Praxis geopoli-

tische Übergriffe der Sowjets dadurch am besten abschrecken oder rückgängig machen können, daß wir in der einen oder anderen Weise denjenigen
helfen, die an Ort und Stelle Widerstand leisten.

Viele Verhandlungsan-

strengungen und sonstige politische Bemühungen, die wir mit den Sowjets
unternehmen, liegen im beiderseitigen Interesse, und genau das sollte
grundsätzlich der Fall sein.

Wir haben daher harte Entscheidungen zu treffen, üb eine wichtige
Verhandlungsrunde

nach irgendeinem

sowjetischen Übergriff

unterbrochen

werden sollte, wird immer eine Rechnung mit vielen Faktoren sein.

Als

die Sowjets im Jahre 1983 das südkoreanische Verkehrsflugzeug abschössen,
sorgte Präsident Reagan zwar dafür, daß die Welt die ganze, ungeschminkte
Wahrheit über diesen Greuelakt erfuhr, aber er schickte nichtsdestoweniger unsere Rüstungskontrollunterhändler

zurück nach Genf, weil er der

Überzeugung war, daß eine Verminderung der Kernwaffen unbedingten Vorrang
haben müsse.

Kurzum: Unser "Denkansatz" muß sich auf eine längerfristig durcnhaltbare, an den Zielen und Interessen Amerikas orientierte Strategie richten, die dem Verhalten der Sowjets Rechnung trägt, sich aber nicht auf
bloßes Reagieren beschränkt.

Line solche Strategie erfordert eine fort-

währende Bereitschaft, Probleme auf dem Verhandlungswege zu lösen, wo
dies in unserem (und voraussichtlich im beiderseitigen) Interesse liegt.
Unsere Möglichkeiten werden in dem Maße wachsen, in dem es uns gelingt,
objektive Fakten zu schaffen, die die Sowjets zunehmend zu der Einsicht
bringen, daß es in ihrem Interesse liegt, in allen Bereichen bessere Beziehungen zu uns herzustellen.

Solche Fakten schaffen wir, indem wir die

�wir die Modernisierung
Freunden

beistehen

und

unserer Landesverteidigung
sowjetischen

fortsetzen, unseren

Herausforderungen

entgegentreten.

Wenn wir für das kommende Jahrhundert das amerikanisch-sowjetische Verhältnis auf eine stabile Grundlage stellen wollen, dann müssen wir lernen, eine langfristig angelegte Strategie zu verfolgen, die gleichzeitig
sowohl auf Stärke als auch auf Verhandlungen beruht.

Auch in einem verwandten Bereich, nämlich dem der Rüstungskontrolle,
sehen wir uns der geistigen Herausforderung eines neuen Zeitalters gegenüber.

Die andauernde technologische Revolution bedeutet, daß das strate-

gische Gleichgewicht und damit auch die Erfordernisse der Abschreckung
niemals statisch sein können.

Leider hinken die herkömmlichen Denkansät-

ze bezüglich vieler dieser Fragen hinter der Wirklichkeit her.

Im Mittelpunkt der strategischen Doktrin, auf die sich der Westen
seit Jahrzehnten festgelegt hat, steht letzten Endes das Gleichgewicht
des Schreckens, d.h., die Konfrontation offensiver Potentiale, mittels
derer sich beide Seiten wechselseitig mit Massenvernichtung bedrohen. Die
Abschreckung hat unter diesen Bedingungen funktioniert, und wir dürfen
das, was sich als funktionsfähig erwiesen hat, nicht aufgeben, bis wir
sicher sein können, daß etwas Besseres auch wirklich zur Verfügung steht.
Aus politischen, strategischen und selbst aus moralischen Gründen sind
wir es jedoch unseren Bürgern schuldig, zu prüfen, ob es etwas Besseres
gibt als die herkömmliche Einsicht, daß unsere

Verteidigungsstrategie

sich auf Offensivdrohungen stützen und unsere Bürger dabei ohne jeden
Schutz vor Angriffen lassen muß.

Die Sowjets haben ihrerseits der stra-

tegischen Verteidigung stets enorme theoretische und praktische Bedeutung
beigemessen. In diesem Zusammenhang sind nicht nur ihr Luftverteidigungsund ihr Zivilschutzsystem zu nennen, sondern auch ihr modernisiertes,
rings um Moskau in Stellung gebrachtes Raketenabwehrsystem und ihre intensiven Forschungsarbeiten im Bereich neuer Defensivtechnologien.

Der Prozeß der Anpassung unseres strategischen Denkens an die beständigen Fortschritte der Technik ist niemals einfach.

Die Vehemenz eines

Teils der Kritik an der Strategischen Verteidigungsinitiative (SDl) des
- 6 -

�(SDI) des Präsidenten erklärt sich meines Erachtens weniger daraus, daß
die technische Durchführbarkeit dieses Projekts strittig ist - denn die
zukünftigen Forschungsarbeiten werden diese Streitfrage so oder so in objektiver Weise lösen - als vielmehr daraus, da(3 diese Kritiker angesichts
sich wandelnder strategischer Realitäten zur leidenschaftlichen Verteidigung der orthodoxen Doktrin angetreten sind.

Wir treiben die Forschungs-

arbeiten im Rahmen der SDI voran, weil wir hier positive und sogar revolutionäre Möglichkeiten sehen:

Wir könnten Defensivmittel in die Hand

bekommen, die jeden Angriff auf uns oder unsere Verbündeten zum Scheitern
bringen und damit die Gefahr eines offensiven Erstschlags in die Vergangenheit verweisen könnten.

Aller Wahrscheinlichkeit nach wäre ein neues

strategisches Gleichgewicht auf der Grundlage defensiver Technologien und
drastisch verkleinerter Uffensivpotentiale die stabilste und sicherste
Regelung überhaupt.
Unser Konzept laut sich wie folgt beschreiben: Für die nächsten zehn
Jahre besteht das Ziel der Vereinigten Staaten in einer radikalen Verminderung der Schlagkraft der bestehenden und geplanten nuklearen Offensivwaffen und in einer Stabilisierung des Verhältnisses zwischen nuklearen
Offensiv- und Defensivwaffen auf der Erde und im Weltraum.

Wir richten

uns schon heute auf eine Übergangsphase hin zu einer stabileren Welt ein,
in der der Bestand an Kernwaffen erheblich vermindert sein wird und in
der man in verstärktem Maße in der Lage sein wird, die Kriegsverhütung
durch Abschreckung zunehmend auf der Grundlage nicht-nuklearer Abwehrmöglichkeiten gegen nukleare Offensivwaffen zu gewährleisten.

Diese Über-

gangsphase könnte dann schließlich in die völlige Beseitigung aller Kernwaffen, der offensiven wie der defensiven, einmünden.

Eine kernwaffen-

freie Welt bildet das Lndziel, dem wir, die Sowjetunion und alle übrigen
Nationen zustimmen könnten.

Als in den vergangenen Jahrzehnten die politische Vorrangstellung der
Supermächte abzubröckeln begann, vertraten einige Beobachter die Auffassung, dau eine von fünf Mächten beherrschte Welt im Entstehen begriffen
sei, d.h., eine Welt, in der die Vereinigten Staaten, die Sowjetunion,
Westeuropa, China und Japan die Hauptakteure

sein würden.

Nach der

�Nach der Energiekrise Anfang der siebziger Jahre hoben andere hervor, daß
das Nord-Süd-Verhältnis zunehmend an Bedeutung gewinne.

Wieder andere

sahen das amerikanisch-sowjetische Verhältnis weiterhin im Mittelpunkt.

All diese Sichtweisen beinhalten etwas Wahres. Mitte der achtziger
Jahre liegt jedoch m.t. der tiefgreifendste Trend in der Weltpolitik in
einem anderen Moment, nämlich in der wachsenden Dynamik, dem Zusammenhalt
und der Zusammenarbeit gleichgesonnener Nationen, die wichtige, positive
Ziele teilen.

Solch positive Ziele sind auch die treibende Kraft der amerikanischen
Außenpolitik: Friede, Demokratie, Freiheit und Menschenrechte, Gerechtigkeit für alle Rassen, wirtschaftlicher und sozialer Fortschritt, verstärkte Zusammenarbeit und Rechtsstaatlichkeit.

Diese Ziele sind Leit-

bilder für Völker und Nationen überall auf der Welt, und sie könnten sich
durchaus als der organisatorische Rahmen für eine die große Mehrheit der
Menschheit

umfassende Weltordnung erweisen.

Schon heute spiegeln sie

sich in den neueren Strömungen in vielen Regionen der Welt und in vielen
Bereichen der Außenpolitik wider.

Die enysten und dauerhaftesten auswärtigen Beziehungen, die Amerika
unterhält, sind natürlich seine Bündnisse mit den anderen demokratischen
Staaten.

Dies ist kein Zufall. Die Bindungen zwischen uns und unseren

demokratischen Freunden im Ausland sind gerade deshalb so dauerhaft, weil
sie auf einer moralischen Grundlage stehen und nicht nur auf gemeinsamen
strategischen Interessen beruhen.

Als George Washington seinen Mitbür-

gern riet, keine permanenten Bündnisse einzugehen, ergab sich seine Haltung zum Teil aus der Tatsache, daß es damals kaum andere demokratische
Staaten gab.

Der unsere zählte zu den ersten, und wir hatten allen An-

laß, uns davor zu hüten, uns mit Ländern einzulassen, die unsere demokratischen Grundsätze nicht teilten.

Auf jeden Fall definieren wir heute

unsere strategischen Interessen so, daß sie die Sicherneit und das Wohlergehen der gesamten demokratischen Welt mit einschließen.

Die Bedingungen der Gegenwart bestimmen die Aufgaben des atlantischen
- 8 -

�des atlantischen Bündnisses.

So ist man sich neuerdings zum Beispiel

darüber im klaren, wie wichtig eine Verstärkung der konventionellen Verteidigung ist, um die Sicherheit Europas zu erhöhen, während man gleichzeitig den Stellenwert der Kernwaffen im Konzept der NATO zunehmend vermindert.

Ein starkes westliches Abschreckungspotential bildet die soli-

deste Grundlage, wenn es darum geht, den Osten zu konstruktiven Verhandlungen zu bewegen.
Verbesserung

Kurzfristig ergreifen die Verbündeten Schritte zur

der Einsatzbereitschaft

und

der

Infrastruktur

der NATO.

Längerfristig ist das Bündnis bestrebt, andere besonders schwerwiegende
Mängel zu beheben und darüber hinaus die grundsätzliche Aufgabe der Verbesserung der Effizienz der Rüstungsbeschaffung der Verbündeten anzugehen.

üie Vereinigten Staaten waren immer für die Einheit Westeuropas, weil
sie wissen, daß ein starkes Europa zwar in mancher Hinsicht ein Konkurrent sein, insgesamt aber im Interesse der freien Welt liegen würde.

Wir

wünschen der Europäischen Gemeinschaft alles Gute, und wir ermutigen unsere europäischen Freunde zu weiteren Fortschritten bei der Entwicklung
eines wirklich ganz Europa umfassenden Marktes und bei der Beseitigung
der strukturellen Verkrustungen, die sowohl weiterem Wirtschaftswachstum
als auch einer effektiven wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit uns im Wege
stehen.

In Europa beobachten wir auch neue und kreative Uenkansätze im Hinblick auf das weitere Streben nach politischer Einheit und auf die Verstärkung der westeuropäischen Zusammenarbeit im Bereich der Verteidigung.
Wir stehen den beiden genannten Zielen wohlwollend gegenüber. Wenn Europa
eine Hauptrolle in der Weltpolitik spielt, so kann dies dem Westen nur
nützen.

Was die Verteidigung angeht, so sollten die Völker Westeuropas

sie als eine Investition in ihre eigene Zukunft ansehen, nicht aber als
einen Gefallen, den sie den Vereinigten Staaten tun. Bei einigem staatsmännischem Geschick auf beiden Seiten des Atlantiks wird diese Entwicklung die gemeinsame Verteidigung stärken und in den demokratischen Staaten den Sinn dafür schärfen, daß sie gemeinsame politische Zielvorstellungen verfolgen.
Wenn wir über

�Wenn wir über die Entwicklung Europas nachdenken, dann können wir
Osteuropa nicht außer acht lassen.

Seit der Zeit des Marshall-Plans, als

der Westen den Osten zur Mitwirkung einlud, haben wir stets gewollt, daß
der Erfolg Westeuropas wie ein Leuchtfeuer für ganz Europa wirkt,

üie

gegenwärtige politische Teilung des Kontinents ist völlig künstlich.

Sie

besteht nur, weil sie von den Sowjets mit brutalem Machteinsatz erzwungen
wurde, und die Vereinigten Staaten haben sie niemals als legitim oder
dauerhaft anerkannt.
strebungen.

In bestimmten Ländern gibt es Liberalisierungsbe-

Aber alle Völker Osteuropas vermögen Besseres, verdienen

Besseres und sehnen sich nach Besserem.

In den vergangenen Jahren war

ein machtvoller Drang nach freien Gewerkschaften, nach Wirtschaftsreformen, nach politischer und religiöser Freiheit, nach echtem Frieden und
Sicherheit und nach Menschenrechten gemäß den Versprechen der Schlußakte
von Helsinki zu verzeichnen.

Wir hoffen, daß wir den Tag erleben werden,

an dem die Sowjetunion ihre Denkweise ändert und ihre eigene Sicherheit
in Kategorien definiert, die mit der Freiheit, Sicherheit und Unabhängigkeit ihrer Nachbarstaaten in Einklang zu bringen sind.

Auch in Ostasien und dem Pazifik verändern neue Realitäten unser Bild
von der Welt.

Die wirtschaftliche Dynamik dieser Region gewinnt als Fak-

tor des amerikanischen Außenhandels, als wirtschaftliches Modell für die
Entwicklungsländer und als einzigartige und vielversprechende Zukunftsvision immer mehr an Bedeutung.

In den freien Ländern Ostasiens war im

vergangenen Jahrzehnt eine jährliche Wachstumsrate von sieben Prozent zu
verzeichnen.

In den vergangenen fünf Jahren war unser Handel mit den

Staaten Ostasiens und des Pazifiks umfangreicher als unser Handel mit
jeder anderen Region, und seine relative Bedeutung wächst weiter.

Im

Jahre 1984 erreichte der Handel der Vereinigten Staaten mit dieser Region
ein Volumen von 165 Milliarden Dollar, was rund 30 Prozent vom gesamten
Handelsvolumen der Vereinigten Staaten entspricht.
Südostasiatischer Nationen ist zu einem

Der Zusammenschluß

eindrucksvollen Muster wirt-

schaftlicher Entwicklung und regionaler wirtschaftlicher Zusammenarbeit
geworden.

Die Republik Korea bildet ein spektakuläres Beispiel wirt-

schaftlichen

Erfolgs.

Entsprechend

seiner

gewachsenen

Stärke

spielt

Japan inzwischen eine bedeutsamere Rolle und füllt sie verantwortungs- 10 •

�sie verantwortungsbewußt, positiv und kooperativ aus.

in der Volksrepu-

blik China sind die Hoffnungen auf wirtschaftliche Modernisierung klugerweise in ein kühnes Reformprogramm umgesetzt worden. Chinas langer Marsch
zur Marktwirtschaft ist ein Ereignis von wahrhaft historischen Dimensionen:

Eine große Nation entledigt sich veralteter wirtschaftlicher Dok-

trinen und setzt die Energien ihrer begabten Bevölkerung frei.

Es gibt natürlich auch Probleme, die Gefahren für diese vielversprechende wirtschaftliche Zukunft heraufbeschwören: die sowjetische Aufrüstung in der Region, Akte der Aggression durch die Sowjetunion und ihre
Schutzbefohlenen in Afghanistan und Kambodscha, ungelöste Spannungen auf
der koreanischen Halbinsel, innere Probleme in verschiedenen Ländern.
Ostasien hat ein reiches kulturelles Erbe, aber auch eine turbulente, von
bitteren Konflikten durchzogene Geschichte.

Die Symbolik im Schicksal

von Angkor Wat - ein großartiges antikes Monument, das unter den Gewalttätigkeiten der Neuzeit schwer gelitten hat - bildet sowohl eine Paradoxie als auch eine Warnung.

Dennoch ist die tiefgreifendste Strömung in der Region heute positiver Natur, insbesondere der neuerdings zu verzeichnende Trend in Richtung
auf mehr Zusammenarbeit.

Bei vielen Nationen mit einer enormen Vielfalt

von Kulturen, Rassen und politischen Systemen stellt sich das Gefühl ein,
einer pazifischen Gemeinschaft anzugehören.

Man geht in immer stärkerem

Maße zu regionalen Konsultationen über, und es entwickelt sich ein Gefühl
des gemeinsamen Interesses an der Sicherheit der Region. In diesem Sinne
haben die Vereinigten Staaten ein Jahrzehnt nach Vietnam ihre Position in
Asien mehr als wiederhergestellt.

Wir können auf die Lebenskraft unserer

Bündnisse, Freundschaftsbeziehungen und produktiven Bindungen in dieser
vielversprechenden Region stolz sein.
staatsmännischer

Umsicht

handeln,

Wenn die Nationen mit Weisheit und

dann

könnten

wir

durchaus

an der

Schwelle eines neuen Zeitalters der internationalen Beziehungen im pazifischen Becken stehen.

In Lateinamerika tritt eine andere Strömung zutage: der stetige Vormarsch der Demokratie.

Demokratie ist als Idee natürlich nichts Neues,
- 11 -

�nichts Neues, aber diese neue Entwicklung reviaiert einige Annahmen, die
früher in machen Kreisen über die politische Zukunft der Welt yehegt wurden. Manche Pessimisten pflegten zu behaupten, daß die demokratischen Industriestaaten zu einem permanenten Minderheitenstatus in der Völkergemeinschaft verurteilt seien.

Heute deutet jedoch immer mehr darauf hin,

daß das Ideal der Freiheit lebendig ist und nichts von seiner Ausstrahlungskraft verloren hat. In der westlichen Hemisphäre leben heute über 9U
Prozent der Bevölkerung Lateinamerikas und der Karibik unter demokratischen Regierungen. 1979 war es im Gegensatz dazu erst ein Drittel.

In

weniger als sechs Jahren wurden die Diktatoren von Argentinien, Bolivien,
Ecuador, El Salvador, Honduras, Panama, Peru, Grenada, Brasilien und
Uruguay durch vom Volke gewählte Demokraten ersetzt. Guatemala befindet
sich im Übergäre; zur Demokratie.

Nachdem die Hemisphäre so lange im

Zwielicht der Diktatur verharrt hat, ist dieser Trend in Richtung auf
freie Wahlen und Regierungen, die das Volk vertreten, etwas, das Zustimmung und Unterstützung verdient.

Die Vereinigten Staaten waren immer ein Vorkämpfer der Demokratie.
Demokratische Institutionen bilden die beste Garantie für die Einhaltung
der Menschenrechte und langfristig auch die beste Garantie für Stabilität.

Auf allen Kontinenten ist ein Trend in Richtung auf Demokratie oder

doch zumindest ein Verlanyen nach Demokratie zu verzeichnen.

Beides be-

legt eindeutig, dal3 die Idee der Freiheit keineswegs ein kulturgebundenes
Anliegen oder ein Monopol der westlichen Industriestaaten ist.
Heute beobachten wir ein bedeutsames neues Phänomen. Nach Jahren des
von Kommunisten angeführten Guerillakrieges gegen prowestliche Regierungen erleben wir jetzt dramatische und ermutigende Beispiele eines vom
Volke getragenen Untergrundkampfes gegen kommunistische Regime.

Heute

kann man sagen, daß in einer Reihe sehr unterschiedlich gelagerter Fälle
- in Nicaragua, in Afghanistan, in Kambodscha und in Afrika - marxistisch-leninistische Machthaber eindeutig bei dem Versuch gescheitert sind,
das Verlangen nach einer Regierung, die das Volk vertritt, zu unterdrükken. Darüber hinaus haben sich kommunistische Systeme durchweg als wirtschaftliche Katastrophen erwiesen. Das amerikanische Volk blickt auf eine
- 12 -

• ' .

�auf eine lange und ehrwürdige Tradition der Unterstützung von Menschen
zurück, die für Freiheit, Demokratie und Unabhängigkeit kämpfen, im 19.
Jahrhundert unterstützten wir Simon Bolivar, polnische Patrioten und andere, die nach Freiheit strebten, womit wir in gewisser Weise eine Gegenleistung für die Hilfe erbrachten, die uns bei unserer eigenen Revolution
durch andere Nationen wie z.B. Frankreich zuteil geworden war.

Wenn wir

dieser Tradition den Rücken kehrten, würden wir der sowjetischen Auffassung recht geben, daf3 kommunistische Revolutionen unumkehrbar sind, alle
anderen Länder jedoch dem kommunistischen Zugriff weiter offen stehen;
praktisch würden wir dann die Breschnew-Doktrin ins amerikanische Recht
einführen.

So lange kommunistische Diktaturen keinerlei Hemmungen haben,

im Namen des "sozialistischen

Internationalismus"

zum

Untergrundkampf

aufzuhetzen und ihn zu unterstützen, ist auch nicht einzusehen, warum es
den demokratischen Staaten, die die Zielscheibe dieser Bedrohung bilden,
nicht erlaubt sein sollte, ihre eigenen Interessen und die Demokratie
selbst zu verteidigen.

Was in Mittelamerika auf dem Spiel steht, ist nichts anderes als die
Zukunft der Demokratie. Mit sowjetischer und kubanischer Unterstützung
versuchen die Sandinisten, in Nicaragua ein totalitäres System zu konsolidieren und den Untergrundkampf in der gesamten Region anzuheizen. Unsere Politik ist darauf gerichtet, Demokratie, Reformen und Menschenrechte zu fördern, die

wirtschaftliche

Entwicklung

zu unterstützen, zum

Schutz gegen die beizutragen, die mit Gewalt die Tyrannei verbreiten
wollen, und Gespräche und Verhandlungen sowohl innerhalb der Länder der
Region als auch zwischen ihnen anzuregen. Wir unterstützen demokratische
Regierungen und demokratische politische Kräfte gegen die Extremisten der
Rechten und der Linken. Wenn wir die im Stich lassen, die nach Demokratie
streben, dann werden die Extremisten den Sieg davontragen, und die Kräfte
der Mäuigung und des Rechts werden ihre Opfer sein. Mus diesem Grunde hat
die Administration so hart für effektive Verhandlungen, für wirtschaftsund sicherheitspolitische Hilfe und für den überparteilichen, von der
Kissinger-Kommission entwickelten Plan gearbeitet und wird dies auch weiterhin tun. Die vitalen Interessen unserer Nation und unsere moralische
Verantwortung gebieten, da(3 wir unseren Freunden in ihrem Kampf für die

- 15 -

�für die Freiheit und gegen jene, die die gewaltsame Revolution und die
Unterdrückung verherrlichen, beistehen.

Auch in anderen Teilen der Welt beteiligen sich die Vereinigten Staaten aktiv an den Bemühungen um friedliche Lösungen regionaler Konflikte.
Vermittlungsbemühungen dieser Art entsprechen natürlich der traditionellen Rolle Amerikas, aber neue Rahmenbedingungen erfordern beim Streben
nach Fortschritten auf Seiten aller Beteiligten auch stets neue Denkansä'tze.

Im Nahen Osten beispielsweise sind bei einigen der Hauptakteure in
der Region Anzeichen eines neuen Realismus und eines neuen Verantwortungsbewußtseins zu beobachten. Wenn dies anhält, könnten sich hieraus
die Vorbedingungen für Fortschritte ergeben, die sich einstellen werden,
sobald beide Seiten sich darauf verständigen können, sich am Verhandlungstisch zusammenzusetzen. Die Vereinigten Staaten sind nach wie vor
der Überzeugung, daB die Initiative Präsident Reagans vom 1. September
1982 die besten Aussichten auf eine Lösung des Konflikts bietet. Wir
bemühen uns auch in diesem Jahr intensiv, unsere israelischen und arabischen Freunde zu weiteren Schritten in Richtung auf den Frieden zu
ermuntern. Wir

werden

auch

weiterhin

diejenigen

ermutigen, die nach

Frieden streben, und ihnen gegen die beistehen, die für Gewalt sind und
jeglichen Fortschritt zu blockieren versuchen.

Auch im südlichen Afrika müssen die Vereinigten Staaten eine Schlüsselrolle übernehmen. Wir müssen eine doppelte Zielsetzung verfolgen, nämlich Gerechtigkeit für alle Rassen und Sicherheit für die Region. Diese
doppelte Herausforderung verlangt eine ernsthafte Lageanalyse und nüchternes Denken, keinesfalls jedoch emotionale Reaktionen. Wir haben schon
viel erreicht, aber unser EinfluB ist nicht unbegrenzt. Heute sind im
südlichen Afrika grenzüberschreitende Gewaltakte weitaus seltener als zu
jedem anderen Zeitpunkt seit mehr als einem Jahrzehnt. Im Hinblick auf
eine Regelung für Namibia werden Fortschritte erzielt. Wir haben unsere
Beziehungen zu Mosambik und anderen Staaten der Region gefestigt. Die
Republik Südafrika selbst hat mit vielen ihrer Nachbarn von Zusammenar- 14 -

�von Zusammenarbeit geprägte Beziehungen entwickelt.

Innerhalb der Republik Südafrika ist bereits ein dynamischer Entwicklungsprozeß in Gang gekommen. Heute sind mehr positive Veränderungen zu
verzeichnen als während der siebziger, sechziger oder fünfziger Jahre.
Die positiven Auswirkungen der amerikanischen Präsenz - unsere Diplomatie, unsere Firmen, unsere Hilfsprogramme für schwarze Südafrikaner tragen dazu bei, die Grundlagen für einen weitergehenden Wandel zu schaffen. Mit der Apartheid muß Schluß gemacht werden. Wir müssen als eine
Kraft des konstruktiven, friedlichen Wandels in Erscheinung treten, solange die Möglichkeit dazu noch besteht; nur eine solche Vorgehensweise
steht im Einklang mit den Werten Amerikas. Keinesfalls dürfen wir am Rande stehen und die Kräfte der Polarisierung anfeuern, deren Wirken sich
letztendlich in einem Krieg der Rassen entladen könnte, und es kann nicht
unsere Sache sein, den Menschen Südafrikas ihr Leben noch weiter zu erschweren, denn auch dies könnte zu dem genannten Ergebnis führen.

Auch im Bereich der Weltwirtschaft geht eine wichtige Veränderung vor
sich, eine Veränderung geistiger Art. Die Wirklichkeit ist dabei, in einige seit langem bestehende wirtschaftspolitische

Vorstellungen einzu-

dringen. Heute trifft die Äußerung von Lord Keynes, daß Praktiker immer
die Sklaven irgendwelcher längst verstorbener Wirtschaftswissenschaftler
seien, wahrscheinlich weniger zu als in der Vergangenheit.

Oder viel-

leicht beweisen die Auffassungen über den Ursprung des "Reichtums der
Völker", die Adam Smith vor mehr als zwei Jahrhunderten zum Ausdruck
brachte, heute wieder einmal ihre praktische Gültigkeit.

Auf jeden Fall

haben die Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit eine allgemeine, seit
langem überfällige Skepsis gegenüber planwirtschaftlichen Lösungen, zentraler Planung und staatlichem Dirigismus genährt.

Diese geistige Veränderung

ist zum Teil auf die

außergewöhnliche

Kraft des Aufschwungs in Amerika zurückzuführen. Die Vereinigten Staaten
haben ihr Steuersystem reformiert, um echte Anreize zur Arbeit, zum Sparen, zum Investieren, zur Risiko- und zur Leistungsbereitschaft zu schaffen.

Wir haben die staatliche Reglementierung, staatliche Eingriffe und
- lt&gt; -

�Eingriffe und staatliche Lenkungsversuche eingedämmt. In den Bereichen
Verkehr, Finanzwesen, Kommunikation, Fertigung und Verteilung haben wir
Möglichkeiten zu freierem Wettbewerb geschaffen.
die deutlichste Steigerung
seit 1951 zu verzeichnen.

des Realwachstums

Im vergangenen Jahr war
des Bruttosozialprodukts

Die Inflationsrate war (gemessen am Preisindex

des Bruttosozialprodukts) die niedrigste seit 1967. All dies zusammengenommen hat die Schaffung von zusätzlichen sieben Millionen neuen Arbeitsplätzen innerhalb von zwei Jahren ermöglicht.

Erfolg regt zum Nacheifern an. Ein Trend zum Dezentralisieren, zum
Entreglementieren, zur Reprivatisierung, zum Aufbrechen erstarrter Strukturen und zu einer Vergrößerung des Spielraums der einzelnen Hersteller
und Verbraucher zur freien Zusammenarbeit über den Markt ist nicht nur in
Ostasien, sondern auf allen Kontinenten - d.h., in den anderen Teilen
Asiens, in Europa, Lateinamerika und Afrika - zu verzeichnen. Im Hinblick
auf Afrika umfaßt die amerikanische Reaktion auf die dortige Ernährungskrise nicht nur umfassende Nothilfeaktionen, sondern auch ein längerfristig angelegtes Hilfsprogramm zur Unterstützung der Anstrengungen, die
die afrikanischen Staaten im Hinblick auf Wirtschaftsreformen, insbesondere im Agrarsektor, unternehmen.

Ernstzunehmende Gefahren für die Weltwirtschaft bleiben zwar bestehen, aber die Zukunftsaussichten sind vielversprechend. Eine weltweite
Revolution in der Wirtschaftspolitik und im wirtschaftspolitischen Denken
hat begonnen.

Sie kommt genau zum richtigen Zeitpunkt, da sie mit einer anderen Revolution zusammenfällt - einer Revolution, die die technologischen Grundlagen der Weltwirtschaft erfaßt hat. Es handelt sich um den Vorgang, den
Walter Wriston als "das mit Macht hereinbrechende Zeitalter der Informationstechnik" bezeichnet hat. Die Mikrochip-Computer, die modernen Mittel
der Telekommunikation und der fortwährende Prozeß der Innovation zusammengenommen verändern nicht nur das Nachrichtenwesen und andere Aspekte
des Alltagslebens, sondern stellen auch die herkömmlichen Vorstellungen
von nationaler Souveränität und von der Rolle der Regierung innerhalb der
- 16 -

�innerhalb der Gesellschaft in frage.

Die bloße Existenz dieser neuen Technologien ist ein weiterer Beleg
für die entscheidende Bedeutung des Unternehmertums - und auch für die
Bedeutung

einer Regierungspolitik, die

schafft - als Quell

technologischer

dem

Unternehmertum

Kreativität

und

Wachstums. Die abgeschlossenen Gesellschaftssysteme

freie Bahn

wirtschaftlichen

des Ustens werden

aller Wahrscheinlichkeit nach auf diesen Gebieten weit zurückfallen, und
auch westliche Gesellschaftssysteme, die die Wirtschaft zu vielen Beschränkungen unterwerfen, laufen Gefahr, dieses Schicksal zu erleiden.
Jede Regierung, die plumpe Versuche unternimmt, den Fluß elektroniscner
Informationen zu lenken, zu reglementieren oder zu besteuern, wird darüber hinaus feststellen müssen, daß sie dabei ist, sowohl das Wachstum
der Weltwirtschaft als auch den Fortschritt im eigenen Lande abzuwürgen.
Dies ist einer der Gründe, aus denen die Vereinigten Staaten auf eine
neue Runde von Handelsgesprächen über diese Dienstleistungsbereiche der
Datenverarbeitung

und der Vermittlung

von Informationen

dringen. Die

gesamte freie Welt hätte durch die Schaffung eines offeneren Systems etwas zu gewinnen, denn gemeinsam können wir schnellere und weitergehende
Fortschritte erzielen, als jeder von uns dies für sich allein vermöchte.

Dies weist auf einen weiteren Vorteil hin, dessen sich der Westen
erfreut. Der freie Fluß von Informationen ist seinem Wesen nach mit unserem politischen System und unseren Werten zu vereinbaren. Die kommunistischen Staaten hingegen fürchten die Revolution der Informationstechnik wahrscheinlich
Westens.

sogar

noch mehr

als die militärische Stärke des

Wir alle erinnern uns noch daran, welche Macht die Botschaft

des Ayatollah, die auf Tonbandkassetten im Iran unters Volk gebracht
wurde, entfalten konnte. Was also könnte im Ostblock

tiefgreifendere

Auswirkungen hervorrufen als ähnliche Kassetten, Rundfunksendungen von
außen, Fernmeldesatelliten oder Photokopierautomaten ? Die totalitären
Gesellschaften stehen vor einem Dilemma: Entweder versuchen sie, diese
Technologien abzuwürgen, was bedeuten würde, daß sie im Rahmen der neuen
industriellen Revolution noch weiter zurückfallen, oder aber sie lassen
diese Technologien zu und müssen sich dann damit abfinden, daß ihre tota- 17 -

�ihre totalitäre Herrschaft unabänderlich verfällt. In Wirklichkeit haben
sie gar keine Wahl, da sie niemals imstande sein werden, die Welle des
technologischen Fortschritts gänzlich abzuwehren.

Die Revolution im weltweiten Kommunikationswesen zwingt daher alle
Nationen, ihr herkömmliches Verständnis von nationaler Souveränität zu
überdenken. Wiederum wird uns die Interdependenz der Welt ins Gedächtnis
gerufen, und wir werden auch daran erinnert, daß nur eine Welt, in der
sich die Freiheit immer weiter ausbreiten kann, mit dem Fortschritt der
Technik und der menschlichen Gesellschaft in Einklang steht.

Die von mir soeben beschriebenen Trends sind überwiegend positiver
Natur. Wir erleben jedoch auch Dinge wie z.ß. durch wirtschaftlichen Wandel bedingte soziale Entwurzelung, Entfremdung in den Städten, politische
Turbulenzen und viele der möglichen Quellen und Formen von Unruhe, die
ich bereits erwähnt habe. Die weitere Entwicklung des internationalen Systems wird nur dann im Sinne dieser positiven Trends verlaufen, wenn wir,
d.h., die Vereinigten Staaten und die gesamte freie Welt, unserer Verantwortung gerecht werden, die gebietet, unsere Interessen zu verteidigen
und den Gang der Dinge gemäß unseren Idealen und Zielen zu gestalten.

Zumindest in einer Hinsicht wird die moderne Welt mit ihrer um sicn
greifenden Technologie, ihrem wachsenden Wohlstand und ihrem Streben nach
Demokratie ironischerweise immer verwundbarer, ich denke natürlich an den
Terrorismus. Obwohl die Welt vor der Gefahr eines großen Krieges immer
sicherer wird, sehen sich die demokratischen Nationen heute paradoxerweise einer zunehmenden Bedrohung durch diese neue Form der Kriegführung gegenüber. Der Terrorismus ist heute immer weniger eine isolierte Erscheinung oder das Werk räumlich begrenzt operierender Fanatiker, sondern zunehmend ein Element einer neuen internationalen Strategie der Feinde der
Freiheit. Er ist eine hinterhältige Waffe, die gezielt gegen die demokratischen Staaten, gegen ihre Interessen, ihre Politik und ihre Freunde,
aber auch gegen vollkommen unschuldige Menschen eingesetzt wird. Es gibt
auch

beunruhigende

Querverbindungen

zum

internationalen

Drogenhandel.

Beim Terrorismus handelt es sich um ein Problem, das uns in stärkerem
- 16 -

�in stärkerem Maße als andere Probleme zur Entwicklung neuer üenkansätze
im Hinblick auf die Sicherung unserer Zukunft zwingt. Während des vor uns
liegenden Jahres müssen wir auf das Auftreten ernstzunehmender terroristischer Bedrohungen in Westeuropa, dem Nahen Osten und Lateinamerika
vorbereitet sein, wobei sich die Terroristen in vielen Fällen der Unterstützung oder Ermutigung durch eine Handvoll skrupelloser Regierungen erfreuen werden.

Eine Gegenstrategie bei der Bekämpfung des Terrorismus muß meines Erachtens viele Faktoren umfassen. Wir und unsere Verbündeten müssen uns
noch nachdrücklicher bemühen, unsere Sicherheit zu verbessern, Informationen auszutauschen, polizeiliche Maßnahmen zu koordinieren und auch
sonst zusammenzuarbeiten. Wir in diesem Lande müssen uns außerdem genau
klarmachen, was in moralischer Hinsicht auf dem Spiel steht. Wenn wir
wirklich an unsere moralischen Werte und an unsere Lebensart glauben,
dann müssen wir auch zu ihrer Verteidigung bereit sein. Passive Maidnahmen
werden wahrscheinlich nicht genügen; Möglichkeiten einer aktiveren Abwehr
und Abschreckung müssen in Betracht gezogen werden und auch den nötigen
politischen Rückhalt finden.

Während wir uns unermüdlich bemühen, den Terroristen keine Uhance zu
lassen und keine Mittel in die Hand zu geben, können und müssen wir
schließlich mit äußerster Standfestigkeit dafür sorgen, daß sie auch ihre
Ziele nicht erreichen. Sie versuchen, uns durch Erpressung zu Kursänderungen in unserer Außenpolitik zu zwingen oder uns aus Ländern oder Regionen zu vertreiben, in denen wir wichtige Interessen haben. Das können
wir nicht zulassen. Unter dieser Art von Druck können wir keine Positionen räumen oder unseren Freunden und unserer Verantwortung den Rücken
kehren. Wenn wir den Terroristen auch nur einen Sieg dieser Art zugestehen, dann machen wir sie nur noch kühner, demoralisieren wir alle, die
sich auf uns verlassen, und machen wir die Weltlage noch gefährlicher.

Das Problem ist natürlich von viel allgemeinerer Art. Es geht um die
Grundfrage des Einsatzes der Macht Amerikas zur Verteidigung unserer Interessen und der Bedeutung unserer Macht als letzter Rückhalt unserer
- 19 -

�Rückhalt unserer Diplomatie. Sie spiegelt sich beispielsweise in dem wider, was oft als die "Herausforderungen der Grauzone" bezeichnet wird.
Dieser Begriff bezieht sich auf die Art von regionalen oder örtlichen
Konflikten oder Krisen, die in einer turbulenten Welt wie der unseren
wahrscheinlich immer wieder auftreten werden und, obwohl sie unterhalb
der Schwelle eines großen Krieges liegen, durchaus wichtige Interessen
des Westens berühren können.

In der Tat verhält es sich so, daß die

meisten der großen Konflikte seit 1945 ihren Ursprung in solchen Konflikten in der Dritten Welt hatten. Das Ende der Kolonialherrschaft hat nicht
zu allgemeinem Frieden und Gerechtigkeit geführt,

Ein großer Teil der

Dritten Welt wird von dem andauernden Kampf zwischen den Kräften der Mäßigung und den Kräften des Radikalismus erschüttert - ein Kampf, der von
der Sowjetunion aktiv ausgenutzt und verschärft wird.

Es wäre absurd, zu glauben, daß Amerika sich solchen Herausforderungen einfach entziehen kann. Die Weltlage ist gekennzeichnet von der Möglichkeit großer Instabilität und zahlreicher Gefahren. Daß wir auf einem
schrunpfenden Planeten und in einer Welt zunehmender Interdependenz leben, ist ein Gemeinplatz. Daraus folgt, daß die Vereinigten Staaten als
die stärkste demokratische Nation der Welt ihrer Verantwortung als Verteidiger der Freiheit, der Werte der Demokratie und des Weltfriedens und
als Bürge für die Sicherheit vieler anderer Nationen gerecht werden müssen.

Die Amerikaner haben stets zutiefst an eine Welt geglaubt, in der

Streitigkeiten friedlich beigelegt werden, eine Welt des Rechts, der internationalen Harmonie und der Menschenrechte. Harte Erfahrungen haben
uns jedoch gelehrt, daß eine solche Welt nicht allein durch guten Willen

und Idealismus geschaffen werden kann. Wir haben gelernt, daß wir stark
sein müssen, um den Frieden erhalten und die Freiheit bewahren zu können,
und daß wir darüber hinaus auch bereit sein müssen, unsere Stärke einzusetzen. Wir sind nicht auf Konfrontation aus, aber wir haben aus den Erfahrungen der dreißiger Jahre die Lehre gezogen, daß Beschwichtigungspolitik gegenüber einem Aggressor nur zur Aggression einlädt und die
Kriegsgefahr erhöht.

Die Amerikaner haben zuweilen zu der Annahme geneigt, daß Macht und
- 2ü -

�Macht und

Diplomatie zwei unterschiedliche Alternativen darstellen. Tat-

sächlich müssen Macht und Diplomatie jedoch stets Hand in Hand gehen,
oder wir werden in dieser Welt sehr wenig erreichen. Macht muß stets von
Zielvorstellungen gelenkt werden.

Gleichzeitig ist es eine harte Tat-

sache, daß eine Diplomatie, die sich nicht auf Stärke stützen kann, stets
Pestenfalls unwirksam

und schlimmstenfalls gefährlich sein wird.

Die

Amerikaner werden immer Hemmungen haben, ihre militärische Stärke einzusetzen; dies ist ein Ausweis unserer moralischen Integrität.

Die Anwen-

dung von Gewalt muß stets das letzte Mittel sein, dessen wir uns nur dann
bedienen, wenn andere Mittel der Einflußnahme sich als unzulänglich erwiesen haben.

Eine Großmacht kann sich jedoch der Last der Entscheidung

nicht so einfach entledigen.

Sie ist für die Konsequenzen dessen, was

sie unterläßt, ebenso verantwortlicn wie für die Konsequenzen dessen, was
sie tut.

Ihre Entscheidungen berühren auf jeden Fall das Schicksal vie-

ler anderer Menschen in vielen Teilen der Welt.

Wenn es um die Entscheidung darüber geht, wie und wo wir unsere Macht
einsetzen sollen, müssen wir klug und umsichtig zu Werke gehen.

Die Ver-

einigten Staaten werden stets politische Lösungen für bestehende Probleme
anstreben.

Solche Lösungen werden sich jedoch nie durchsetzen lassen,

wenn wir der Aggression nicht entgegentreten und wenn unsere Diplomatie
sich nicht auf Stärke stützen kann. Unter der Voraussetzung, daß wir die
Modernisierung unserer strategischen Streitkräfte fortsetzen, sind wir
hinlänglich darauf vorbereitet, einen nuklearen Großangriff der Sowjets
durch Abschreckung zu verhindern.

Wir müssen jedoch physisch wie psy-

chisch ebenso auf die Herausforderungen mittleren Ausmaßes vorbereitet
sein, denen wir uns unausweichlich gegenübersehen werden.

Ich habe eine große Spannbreite von Themen berührt, und aus dem Gesagten lassen sich zwei sehr wichtige, sehr grundlegende Schlußfolgerungen ableiten.

Erstens: Meines Erachtens ist sich das amerikanische Volk über das,
was in der unmittelbaren Zukunft zu geschehen hat, im wesentlichen einig.
Vor uns liegen Ziele, über die weithin Einmütigkeit besteht, und Aufga- 21 -

�und Aufgaben, in deren Rahmen sich ein weiterer wichtiger Trend verstärken dürfte, nämlich die Neubildung eines nationalen Konsensus über die
Hauptelemente unserer Außenpolitik.

Dies könnte sich als der wichtigste

unter all den positiven Trends erweisen, denn ein großer Teil unserer
Schwierigkeiten in den vergangenen Jahrzehnten war weitgehend auf die
Tatsache zurückzuführen, daß unser eigenes Volk in verschiedene Lager
gespalten war.

Zweitens: All die unterschiedlichen Themen, die ich berührt habe,
hängen letzten Endes eng zusammen. Die Vereinigten Staaten wollen Frieden
und Sicherheit; wir wollen wirtschaftlichen Fortschritt; wir wollen die
Freiheit, die Demokratie und die Menschenrechte voranbringen. Der herkömmliche Denkansatz besteht darin, hier unterschiedliche Handlungskategorien zu sehen. Wie wir gesehen haben, setzt sich jedoch heute immer
stärker die Einsicht durch, daß hier ein wichtiger Zusammenhang besteht.

Wie ich bereits dargelegt habe, wird immer klarer erkannt, daß wirtschaftlicher Fortschritt an ein politisches Umfeld

der Offenheit und

Freiheit geknüpft ist. In gewissen Kreisen war man früher der Meinung,
daß der Sozialismus das angemessene Modell für Entwicklungsländer sei, da
ein System der zentralen Planung besser zur Mobilisierung und Zuweisung
knapper Ressourcen in der Lage sei. Die historische trfahrung Westeuropas
und Nordamerikas, deren Industrialisierung sich in einem Zeitalter begrenzter Regierungseingriffe vollzog, hielt man nicht für relevant, uie
Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit in der Dritten Welt zeigen jedoch,
daß ein beherrschender Einfluß der Regierung auf eine sich entwickelnde
Volkswirtschaft oftmals die natürlichen Kräfte der Produktion und Produktivität abwürgt und die effektive Verteilung von Ressourcen stört.

In

Entwicklungs- wie in Industrieländern erweist sich als wirklicher Motor
des Wachstums letztlich die natürliche Dynamik von Gesellschaften, die
die Rolle der zentralen Planung so klein wie möglich halten, sich dem
Welthandel öffnen und der Begabung und den Anstrengungen des einzelnen
sowie seiner Bereitschaft zur Übernahme von Risiken und seinen Investitionsentscheidungen freie Entfaltungsmöglichkeiten lassen.
In gleicher Weise
- 22 -

�In gleicher Weise gibt es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch einen Zusammenhang zwischen wirtschaftlichem Fortschritt,
Freiheit und Weltfrieden. In seiner Rede anläßlich der Verleihung des Nobelpreises erklärte Andrei Sacharow:

"Ich bin davon überzeugt, daß internationales Vertrauen, beiderseitiges Verständnis, Abrüstung und internationale Sicherheit undenkbar sind
ohne eine offene Gesellschaft mit Informationsfreiheit, Gewissensfreiheit, Publikationsfreiheit, Reisefreiheit und dem Recht des einzelnen, im
Land seiner Wahl zu leben. Ich bin weiterhin davon überzeugt, daß Gewissensfreiheit im Verein mit anderen Bürgerrechten sowohl die Grundlage für
wissenschaftlichen Fortschritt als auch eine Garantie gegen seinen Mißbrauch für Zwecke, die der Menschheit schaden, darstellt."

Die Implikationen all dessen sind tiefgreifend: Sie besagen, daß die
westlichen Werte der Freiheit und Demokratie, die von gewissen Kreisen
leichthin

als

kulturabhängig,

irrelevant

oder

überholt

wurden, nicht so leicht beiseite geschoben werden können.

abgeschrieben
Diese Werte

bilden den Wuell unserer wirtschaftlichen wie moralischen Stärke, und sie
erweisen sich für die Zukunft der Welt als bedeutsamer, als viele Menschen bislang erkannt haben. Nachdem es mehr als ein Janrhundert lang als
modisch gegolten hat, den marxistischen Mythen über den ökonomischen Determinismus und die "Krise des Kapitalismus" anzuhängen, erweist sich
schließlich, daß der Schlüssel zu Fortschritten der menschlichen Gesellschaft in genau den westlichen Vorstellungen von politischer und wirtschaftlicher Freiheit liegt, von denen der Marxismus zu behaupten pflegte, daß sie veraltet seien. Er hatte unrecht. Der Gipfel der Ironie besteht darin, daß heute gerade das kommunistische System in moralischer
wie in wirtschaftlicher Hinsicht bankrott wirkt. Der Westen hingegen erweist sich als elastisch und regenerationsfähig.

Daher betrifft die wichtigste der Forderungen nacn neuen uenkansätzen
im gegenwärtigen Jahrzehnt unser Selbstverständnis. Wenn Kulturen an sich
glauben, dann gedeihen sie; wenn sie diesen Glauben verlieren, dann verfallen sie. Alle Kulturen treffen auf gewaltige Probleme, aber die Wahr- 23 -

�die Wahrscheinlichkeit, daß eine Gesellschaft

diese

Herausforderungen

meistern kann und sich nicht von ihnen überwältigen läßt, steigt im gleichen Maße, in dem es ihr gelingt, sich diesen unerschütterlichen Glauben
an die Verteidigungswürdigkeit ihrer Werte zu bewahren. Dies ist auch die
Quintessenz der Reagan-Revolution und dessen, wozu der Präsident Amerika
führen wollte.

Im Verlaufe des vergangenen Jahrzehnts hat der Westen eine schwierige
Phase durchlaufen. Aber heute zeichnet sich ein neuer Gang der Dinge ab.
Die nächste Phase der industriellen Revolution wird, wie auch alle vorhergehenden, in der demokratischen Welt eingeleitet, wo dem menschlichen
Geist keine Fesseln angelegt werden und er schöpferisch und innovativ
wirken kann. Auf allen Kontinenten - von Nicaragua bis Kambodscha, von
Polen über Südafrika bis Afghanistan - erweist sich die Sehnsucht nach
Freiheit als die machtvollste politische Kraft dieser Erde.

Während das 21. Jahrhundert näherrückt, ist es an der Zeit, daß sich
die demokratischen Staaten des Wertes ihrer Grundordnung und ihrer Überzeugungen wie auch ihrer Erfolge mit Stolz bewußt werden. Wir sehen uns
zwar Herausforderungen gegenüber, sind aber sehr wohl in der Lage, sie zu
meistern. Die Meinungen darüber, welchem System die Zukunft gehört, wandeln sich. Wenn die freien Nationen ihre Einheit und ihren Glauben an
sich selbst bewahren, dann sind sie wirtschaftlich, technologisch und moralisch im Vorteil.

Die Geschichte steht auf der Seite der Freiheit.

* * * * *

- 24 -

�17. April 1985

16

KAMPF DEJvl DROGENHANDEL

Präsident Reagan und Staatspräsident Betancur unterzeichnen
gemeinsame Erklärung für USA und Kolumbien -

WASHINGTON - (Aü) - Präsident Ronald Reagan und der Staatspräsident
von Kolumbien, Selisario Betancur, setzten sich in einer gemeinsamen Erklärung dafür ein, die Anstrengungen beider Länder zur Ausschaltung des
Handels mit illegalen Drogen "neu zu beleben und zu intensivieren".

Die

am 4. April 1985 in Washington unterzeichnete Erklärung brandmarkt den
Drogenhandel als "verbrecherische Aktivität, die keine Grenzen kennt und
nur durch eine gemeinsame Anstrengung aller darin verwickelten Länder unter Kontrolle gebracht werden kann".

Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:

Sei unserem heutigen Gespräch erörterten wir die Geissei "Rauschgift",

die

unsere

beiden

Nationen,

Menschheit insgesamt heimsucht.

die

gesamte

Hemisphäre

und

die

Wir überprüften die Maßnahmen, die un-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Jie unsere beiden Nationen unternehmen und, einzeln und gemeinsam, unternehmen werden, um die Produktion von illegalen Drogen, den Handel mit ihnen, die Nachfrage und den Konsum zu bekämpfen.

Unsere Nationen wissen um die schrecklichen Auswirkurgen, die Drogenmißbrauch auf Gesundheit und Wohlergehen sowohl des einzelnen als auch im
allgemeinen auf die Wirtschaft und die öffentliche Moral beider Sozialgefüge haben.

Besonders beklagenswert ist es, wenn die Drogengifte bei Ju-

gendlichen und sogar bei kleinen Kindern gefunden werden.

Drogenhandel ist eine verbrecherische Aktivität, die keine Grenzen
kennt und nur durch eine gemeinsame Anstrengung aller darin verwickelten
Länder unter Kontrolle gebracht werden kann.

Wir sind beide besorgt, daß

die Finanzkraft, die aus den enormen Profiten aus dem Handel mit illegalem Drogen resultiert, eine schlimme Bedrohung der Demokratien in der
westlichen Hemisphäre bedeutet.

Unser gemeinsames Engagement für den

Kampf gegen Rauschgift ist ein integraler Teil der engen Beziehungen, die
zwischen unseren beiden Nationen existieren.

Wir halten es beide für

lebensnotwendig, für diese intensivierte Anstrengung die Mitarbeit anderer Regierungen zu gewinnen.

Uns ist bekannt, daß die Schwere des Problems eine Folge sowohl illegaler Produktion und Verteilung von Drogen als auch die wachsende Nachfrage danach ist.

Uns ist ferner bekannt, daß diese Faktoren in enger

Beziehung zueinander stehen und alle Anstrengungen, einen davon zu bekämpfen, ohne gleichzeitig ebenso energische Maßnahmen gegen die anderen
zu treffen, nutzlos sind.

Deshalb ist jede der beiden Regierungen zur

Übernahme ihrer Verantwortung bereit, sowonl die illegale Produktion als
auch den Drogenmißbrauch auszuschalten.

Die Vereingten Staaten erkennen die Anstrengungen, den Linsatz von
Ressourcen und die Opfer an, die Kolumbien aufgebracht hat, um Anbauerträge und Laboratorien zu zerstören, Lieferungen zu beschlagnahmen und
des Drogenhandels verdächtige Personen gerichtlich zu verfolgen sowie
Händler auszuweisen, die in den Vereinigten Staaten wegen Rauschgiftver- 2 -

�wegen Rauschgiftverbrechen angeklagt sind.

Was die Vereinigten Staaten

angeht, so werden hier die Vollzugsmaßnahmen ausgeweitet, und Vorbeugungs- sowie Auf klä'rung sprog ramme zeitigen positive Ergebnisse in Form
rückläufigen Drogenmißbrauchs.

Wir stimmen voll und ganz überein, daß es notwendig ist, diese intensivierten Anstrengungen fortzusetzen und die engstmögliche Zusammenarbeit
im Kampf gegen Drogen zu gewährleisten.

Beide Nationen bekräftigen er-

neut die Achtung vor unseren gegenseitigen rechtlichen Verpflichtungen,
Händler gemäß dem zwischen uns geschlossenen Vertrag auszuweisen, und
bleiben in engem Kontakt, um in gewissen Zeitabständen das Rahmenwerk unserer Zusammenarbeit im Rechts- und Gesetzesvollzug zu überprüfen und zu
verbessern, wie dies für die Anpassung an veränderte Bedingungen in Anbetracht unserer Erfahrungen notwendig ist.

Mit Befriedigung haben wir von der Aufnahme neuer Maßnahmen zur Zusammenarbeit im Kanpf gegen das Drogenproblem Kenntnis genommen.

Mrs.

Reagan und Mrs. Betancur, die heute Vormittag im Weißen Haus ein Gespräch
führten, werden an der Konferenz der "First Ladies" über Drogenmißbrauch
teilnehmen, die am 24. April in Washington abgehalten wird.

Wir sind

überzeugt, daß solche Tagungen, bei denen sie eine führende Rolle spielen, von bleibender Wirkung sein werdea

Kolumbien erneuert seine Verpflichtung, auf allen Ebenen den Drogenhandel zu bekämpfen, die Ernte und die Laboratorien zu vernichten, wo
Drogen verarbeitet werden, den Transport zum amerikanischen Markt zu verhindern und sich darum zu kümmern, daß die für den Handel Verantwortlichen hart bestraft werden.

Die Vereinigten Staaten verpflichten sich,

ihre Anstrengungen zur Reduzierung des Gebrauchs und der Nachfrage nach
Drogen zu ernöhen, Pflanzungen zu vernichten und die Unterstützung des
Kampfes gegen Suchtstoffe zu verstärken.

Der Preis des Erfolgs war bereits hoch.

Er forderte das Leben eines

kolumbianischen Ministers, das von Rodrigo Lara Bonilla, und das von
Vollzugsbeamten beider Länder.

Wir können nicht zulassen, daß solche üp- 3 -

�solche Opfer umsonst gewecen sind.

Wir verpflichten uns beide, unsere

Anstrengungen zur Zerstörung der Händlernetze neu zu beleben und zu intensivieren.

Unsere Entscheidung

ist unabänderlich, unser Engagement

allumfassend.

Nichts wird uns davon abhalten, diesen Kampf zu führen.

gez.

gez.

Ronald Reagan

Belisario Betancur

* * * * *

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue Realitäten und neue Denkansätze&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von US-Außenminister George P. Shultz -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kampf dem Drogenhandel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Reagan und Staatspräsident Betancur unterzeichnen gemeinsame Erklärung für USA und Kolumbien -&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

10. A p r i l 1985

15

INHALT

DOKUMENTATION
Amerikanischer Friedensvorschlag für Nicaragua
- Erklärung Präsident keagans -

WIRTSCHAFT

Wachstum und Handel Hauptthemen auf dem Bonner Wirtschaftsgipfel
&gt;

- Rede von US-Staatssekretär Wallis in New York -

* * * * *

Um Übcr/cn Jung von
ßckgcHcmplorcn
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2035
Telex: 8-85432

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Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

10. April 1985

15

AMERIKANISCHER FRIEDENSVORSCHLAG FLR NICARAGUA
- Erklärung Präsident Reagans -

Washington -(AD)- Am 4. April 1985 rief Präsident Ronald Reagan die
sandinistische Regierung Nicaraguas und die sie bekämpfende demokratische
Widerstandsbewegung dazu auf, die Waffen niederzulegen und unter Vermittlung der Kirche in Gespräche über die Abhaltung freier Wahlen einzutreten. Seine Erklärung hat folgenden Wortlaut:

Ich möchte heute einen Friedensvorschlag für Mittelamerika bekanntgeben, der die Grundlage für Freiheit und Demokratie in dieser von Unruhe
erschütterten Region bilden und die Sicherheit der Grenzen unseres eigenen Landes, unßerer Wirtschaft und unserer Bürger gewährleisten kann.

Am 1. März trafen die Führer der demokratischen Widerstandsbewegung
Nicaraguas in San Jose, der Hauptstadt Costa Ricas, mit einer breit gefächerten Koalition anderer im Exil lebender nicaraguanischer Demokraten
zusammen. Sie verständigten sich auf einen historischen Vorschlag zur
Wiederherstellung von Frieden und Demokratie in ihrem Lande und unterzeichneten ihn anschließend.
Die Mitglieder

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die Mitglieder des demokratischen Widerstandes boten unter der Voraussetzung einen Waffenstillstand an, daß das Regime in Nicaragua sich
dazu bereit erkläre, in einen von der Bischofskonferenz der römischkatholischen Kirche vermittelten Dialog einzutreten, dessen Ziel in der
Wiederherstellung der Demokratie durch freie Wahlen bestehen solle. Bis
zum gegenwärtigen Zeitpunkt lehnt das Regime in Nicaragua dieses Angebot
ab.
Die Staaten Mittelamerikas einschließlich Nicaraguas haben übereinstimmend erklärt, daß eine innenpolitische Aussöhnung eine unumgängliche
Voraussetzung für den Frieden in der Region bilde. Im Gegensatz zu Präsident Duarte von El Salvador, der den Dialog mit seinen Gegnern sucht, haben die Kommunisten in Nicaragua jedoch zumindest bis zum gegenwärtigen
Zeitpunkt den Appellen des Papstes und der nicaraguanischen Bischöfe zur
nationalen Versöhnung die kalte Schulter gezeigt. Wir sind uns darüber im
klaren, daß sich daran ohne irgendwelche Anreize nichts ändern wird.
Aus diesen Gründen fordern viele Nicaraguaner Veränderungen und greifen zu den Waffen, um für die Einlösung der gestohlenen Versprechen von
Freiheit und Demokratie zu kämpfen, 'über 15 000 Menschen - Bauern und
Kleinhändler, Weiße, Schwarze und Miskito-Indianer - haben sich zusammengeschlossen, um für echte Demokratie zu kämpfen.

wir
für
die
ihr

Wir waren schon in der Vergangenheit für Demokratie in Nicaragua, und
sind auch heute für Demokratie. Wir waren schon in der Vergangenheit
nationale Versöhnung, und wir sind auch heute dafür. Wir meinen, daß
Demokratie in Nicaragua genauso viel Unterstützung verdient hat, wie
in El Salvador zuteil geworden ist.

Wir sind stolz auf die Hilfe, die wir El Salvador geleistet haben.
Sie erinnern sich vielleicht daran, daß wir im Jahre 1981 zu hören bekamen, daß die kommunistische Guerilla dabei sei, ihre Endoffensive einzuleiten, daß die Regierung keine Chance mehr habe und daß unsere Haltung
dazu führen werde, daß die Vereinigten Staaten immer tiefer in das Geschehen verwickelt würden.
Nun, die

�Nun, die Kritiker unserer Politik haben Unrecht behalten; Demokratie
und Freiheit sind in El Salvador im Begriff, zu siegen. Präsident Duarte
bringt sein Land wieder in Ordnung und erfreut sich breiter Unterstützung
durch die Bevölkerung. Die amerikanische Hilfe konnte bei alledem strikt
begrenzt gehalten werden.

Die Formel, die sich in El Salvador als richtig erwiesen hat - Unterstützung für Demokratie, Selbstverteidigung, wirtschaftliche Entwicklung
und Dialog - wird sich auch für die gesamte Region als richtig erweisen.
Ohne die Unterstützung durch beide Kongreßarteien

und die Nationale

Überparteiliche Kommission für Mittelamerika unter der Leitung von Henry
Kissinger hätten wir all dies nicht erreichen könnea

Nachdem ich monatelang mit führenden Persönlichkeiten des Kongresses
beraten und mir ihre Bedenken sorgsam angehört habe, unterbreite ich daher heute den folgenden Vorschlag:

Ich rufe beide Seiten auf, die Waffen niederzulegen und auf das Angebot einzugehen, unter Vermittlung der Kirche Gespräche über international
überwachte Wahlen und über eine Beendigung der gegenwärtigen Unterdrückung der Kirche, der Presse und der Rechte des einzelnen aufzunehmen.

Die Angehörigen der demokratischen Widerstandsbewegung ersuche ich,
ihr Angebot eines Waffenstillstands bis zum 1. Juni zu verlängern.

Den Kongreß ersuche ich um die sofortige Freigabe des bereits bewilligten Betrages von 14 Millionen Dollar. Ich verspreche, daü diese Mittel
nicht für Waffen und Munition verwandt werden sollen, solange daü Angebot
eines Waffenstillstands auf dem Tisch liegt. Diese Mittel würden für Nahrungsmittel, Bekleidung, Medikamente und andere lebenswichtige Dinge verwendet werden. Ohne diese grundlegenden Bedarfsgüter kann die demokratische Opposition nicht als Verhandlungspartner auftreten.

Falls die Sandinisten auf dieses Friedensangebot eingehen, werden
diese Beschränkungen bei der Verwendung der Mittel in Kraft bleiben.
Friedensverhandlungen dürfen jedoch nicht zu einem Deckmantel für Täu- 3 -

�für Täuschung und Hinhaltemanöver werden. Wenn nach 60 Verhandlungstagen
keine "Übereinkunft erzielt wird, werde ich diese Beschränkungen aufheben,
falls mich nicht beide Seiten ersuchen, dies zu unterlassen.
Ich möchte betonen, daß die Vereinigten Staaten im Einklang mit den
21 im Rahmen des Contadora-Prozesses definierten Zielen auch weiterhin
folgendes anstreben:
1. Die Erfüllung der von Nicaragua gegenüber der OAS übernommenen
Verpflichtung zur Herstellung demokratischer Zustände.
2. Die Beendigung der Aggression Nicaraguas gegen seine Nachbarn.
3. Den Abzug der nach Tausenden zählenden Militär- und Sicherheitsbediensteten aus dem Ostblock, Kuba und L,ibyen sowie von der PLO und
anderen Stellen.
4. Die Rückführung der nicaraguanischen Streitkräfte auf ein zahlenmäßiges Niveau, das dem der Nachbarstaaten entspricht.
Ich werde heute mit Arturo Cruz, Adolfo Calero und Alfonso Robelo
zusammentreffen, um meinen Vorschlag mit ihnen zu erörtern.
Die Demokratie bildet den Weg zum Frieden. Wenn wir jedoch die tapferen Angehörigen des demokratischen Widerstandes fallen lassen, dann geben
wir den Kommunisten völlig freie Bahn. Die Demokratie kann sich in Mittelamerika durchsetzen, aber der Kongreß muß die Mittel freigeben, durch
die Anreize zum Dialog und zum Frieden geschaffen werden können.
Wenn wir zu wenig Hilfe leisten, dann bedeutet dies ein kommunistisches Mittelamerika und eine Ausbreitung der kommunistischen Subversion
von dort aus nach Süden und Norden. Wir stehen vor der Gefahr, daß 100
Millionen Menschen von Panama bis zu unserer offenen Südgrenze unter die
Herrschaft prosowjetischer Regime geraten könnten. In einem solchen Falle
wären die Vereinigten Staaten von Gewalt, wirtschaftlichem Chaos und einer Flut von Flüchtlingen bedroht.
_ 4 _

Mittelamerika ist

�Mittelamerika ist keineswegs zu einer solch düsteren Zukunft im Zeichen nicht enden wollender Gewalt verurteilt. Wenn die Vereinigten Staaten ihrer Verpflichtung zur Hilfeleistung für die, die heute nach Demokratie streben, gerecht werden, können sie eine vielversprechende Zukunft
schaffen, in der der Friede für alle Amerikaner gesichert ist. Laut uns
im Geiste des Osterfestes entsprechend handeln.

Ich sehe der Zusammenarbeit mit dem Kongreß in dieser wichtigen Angelegenheit in den kommenden Wochen mit Genugtuung entgegen.
(Ende der Erklärung Präsident Reagans;

Nachdem Präsident Reagan seine Erklärung abgegeben hatte, beantwortete er Fragen von Journalisten. Die Fragen und Antworten haben folgenden
Wortlaut (gekürzt):
FRAGE: Herr Präsident, welche Anreize bestehen für die nicaraguanische Regierung ?

ANTWORT: Nun, das gegenwärtige Blutvergießen zu beenden und aus der
schweren Wirtschaftskrise in ihrem Lande herauszukommen, die wegen all
dem, was jene Regierung getan hat, ständig schlimmer wird.
FRAGE: Herr Präsident, Tip 01 Neill hat gesagt, daß dies ein schmutziger Trick sei und daß Sie der amerikanischen Öffentlichkeit weiszumachen versuchten, daß es um humanitäre Hilfe gehe, während Sie in Wirklichkeit einen Geheimplan zu militärischem Vorgehen verfolgten.

ANTWORT: ... Wenn er dies einen schmutzigen Trick nennt, dann hat er
eine merkwürdige Definition für schmutzige Tricks.

FRAGE: Was veranlaßt Sie zu der Annahme, daß dies den Kongreß geneigter machen wird, die von Ihnen vorgeschlagene Hilfe zu akzeptieren ?

ANTWORT: Die Tatsache, daß der Kongreß bei all seinen Bemühungen, die
Fortsetzung unserer Hilfe für die Contras und die Demokratie in Nicaragua
- 5 -

�in Nicaragua zu behindern, die Notwendigkeit einer friedlichen und politischen Lösung betont hat, d.h., einer Lösung von der Art, über die wir
hier sprechen, also einer Lösung, wie sie sich aus Gesprächen zwischen
den Parteien ergeben würde.
FRAGE; Sie haben klargestellt, daü die 14 Millionen Dollar Ihres Erachtens wesentlich sind. Wenn der Kongreß Ihr Ersuchen ablehnen sollte,
würden Sie dann nach anderen Möglichkeiten der Hilfeleistung für die
Contras suchen, d.h., nach anderen Mitteln und Wegen, um Ihren wünsch
nach einer Umstrukturierung der nicaraguanischen Regierung

weiter zu

verfolgen ?
ANTWORT: Ganz gleich was auch geschieht, wir werden nicht einfach
weggehen und sie sich selbst überlassen.
FRAGE: Würden Sie irgendwelche militärischen Aktionen gegen Nicaragua
erwägen ? Sie scheinen Nicaragua ein "entweder - oder" signalisieren zu
wollen, und die 14 Millionen Dollar sind das Drohmittel. Ist das wirklich
genug, um die Regierung Nicaraguas zu stürzen ?
ANTWORT; Es geht nicht um den Sturz der Regierung, sondern um die
Rückkehr zu den Zielen der Revolution, für die einmal sowohl die Contras
als auch die Sandinisten gekämpft haben. Was militärische Aktionen angeht, so hat dergleichen nie in unserer Absicht gelegen. Das haben wir
immer wieder gesagt.
FRAGE: Falls es zu einem Waffenstillstand und zu Gesprächen käme, die
dann aber zu nichts führten, was geschähe dann mit den 14 Millionen Dollar ? Würden davon dann Waffen für die Contras gekauft ?
ANTWORT: Wie ich bereits sagte, könnten wir nach 60 Tagen, falls keine Übereinkunft erzielt würde und falls uns nicht beide Seiten ersuchen
würden, am ursprünglichen Konzept festzuhalten, die 14 Millionen Dollar
verwenden, um den Contras in jeglicher Art und Weise zu helfen. ...
FRAGE: Machen Sie Ihr Friedensangebot vom Rückzug der sowjetischen,

�der sowjetischen, kubanischen und PLO-Berater aus Nicaragua abhängig oder
nur von Gesprächen und einem Ende der Unterdrückung ?

ANTWORT: Wir meinen, daß dies einen Teil der Übereinkunft bilden
sollte, die erzielt werden muß. Genauso haben auch die Contras argumentiert: daß Nicaragua aufhören muß, eine Bedrohung für seine Nachbarn zu
sein, daß die ausländischen Militärs aus dem Land heraus müssen und daß
es zu den demokratischen Zielen zurückkehren muß, von denen die Sandinisten selbst gegenüber der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) gesagt haben, daß sie das gewesen seien, wofür sie im Rahmen der Revolution
gekämpft hättea

FRAGE: Wissen die Contras von Ihrem Vorschlag ? Haben Sie darüber
vorher mit ihnen oder ihren Führern gesprochen ?

ANTWORT: Wir sind gerade dabei, die Leute davon in Kenntnis zu setzen. Sie gehören zu den ersten, die davon erfahren.

FRAGE: Die Sandinisten haben den Vorschlag, den die Contras in San
Jose gemacht haben, bereits abgelehnt. Was veranlaßt Sie zu der Annahme,
daß sie Ihren Vorschlag annehmen werden ?

ANTWORT: Die Tatsache, daß es hier meines Erachtens um mehr geht. Ich
glaube nicht, daß die Sandinisten auf dem amerikanischen Doppelkontinent
völlig allein stehen und alle ihre Nachbarn auf der anderen Seite wissen
wollen. Und wir glauben, daß wir in dieser Angelegenheit die Unterstützung der Contadora-Staaten haben, und wie ich schon sagte, bringt der
Fortgang der Feindseligkeiten große Probleme für die Sandinisten mit sich.
FRAGE: Sie wollen zusichern, daß die 14 Millionen Dollar nicht für
Waffen

und Munition, sondern für humanitäre Hilfe verwendet werden sol-

len ?

ANTWORT: Das ist richtig.

FRAGE: Können die Contras, wenn sie diese Mittel bekommen, nicht das
- 7 -

�nicht das Geld, mit dem sie bisher Nahrungsmittel kaufen mußten, zun Kauf
von Waffen verwenden ? Wäre das unterm Strich nicht das gleiche ?
ANTWORT: Ich glaube, ihre Lage ist nicht so stabil, daß sie sich mit
irgendetwas selbst versorgen können. Darum haben wir vorgeschlagen, daß
diese Mittel zu dem genannten Zweck verwendet werden sollen, solange sie
verhandeln und eine friedliche Regelung herbeizuführen versuchen.
FRAGE; Irgendwie bringen sie es aber auch so fertig, zu überleben;
d.h., sie bekommen Nahrungsmittel und dergleichen. Wenn Sie ihnen also
Geld für Nahrungsmittel geben, können sie dann nicht die Mittel, die sie
bislang dafür aufwenden mußten, für den Kauf von Waffen verwenden ?
ANTWORT; Ich würde sagen, daß sie in einer nahezu verzweifelten Lage
sind.
FRAGE; Wenn Sie alles bekommen, was Sie wollen, würden Sie dann all
unsere Truppen aus Mittelamerika zurück nach Hause bringen ... ?
ANTWORT: Die einzigen Truppen, die wir dort stehen haben, befinden
sich in verschieden Manövern und Übungen.
FRAGE: Das ist zwar richtig, aber sie befinden sich in Gefahr, besonders diejenigen, die gerade nach Honduras geschickt worden sind.
ANTWORT: Nein. ...
FRAGE: Sir, dort unten gibt es Männer und Frauen, die in Gefahr sind.
Würden Sie versprechen, sie wieder heimzubringen ?
ANTWORT: Wenn Sie zurückschauen, dann werden Sie bemerken, daß wir
auf dem Gebiet unserer Nachbarn seit jeher Dschungelausbildung und dergleichen durchgeführt haben. Im Gegensatz zu dem, was einige Stimmen auf
dem Kapitol lauthals verkünden, sind unsere Truppen nicht in diesen Ländern, um irgendjemanden zu bedrohen. Sie sind dort, weil unser Heer seine
neuen Mannschaften ausbilden muß und weil wir gut ausgebildete Streit-

�ausgebildete Streitkräfte brauchen, die überall kämpfen können, wo es
einmal erforderlich sein könnte. Solche Übungen sind in der Vergangenheit
wiederholt in Honduras durchgeführt worden. Das ist alles. Wir haben dort
keine Besatzungstruppen stehen. Auch in El Salvador haben wir immer noch
nicht mehr als 55 Berater ...

* * * *

- 9-

�15

10. April 1985

WACHSTUM UND HANDEL HAUPTTHEMEN REAGANS AUF DEM BONNER
WIRTSCHAFTSGIPFEL

- Rede von US-Staatssekretär Wallis in New York -

NEW YORK - (AD) - Der Staatssekretär für Wirtschaftliche Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Allen Wallis, bezeichnete die
Förderung des wirtschaftlichen Wachstums und des Welthandelssystems als
die wichtigsten Themen, die Präsident Ronald Reagan auf dem Wirtschaftsgipfel in Bonn vom 2. bis 4. Mai 1985 von amerikanischer Seite zur Sprache bringen werde.

Wallis, der wesentlich für die Vorbereitungen des

Bonner Wirtschaftsgipfels verantwortlich ist, sprach am 4. April 1985 vor
dem U.S. Council for International Business in New York.

Als weitere

wichtige Themen nannte er das Wirtschaftswachstum in den Entwicklungsländern, die Zusammenarbeit bei der Lösung der Hungerprobleme in Afrika, Zusammenarbeit im Umweltschutz, Zusammenarbeit bei der Entwicklung einer
bemannten Raumstation und Maßnahmen zur Verhütung von Energiekrisen.

Die Ausführungen von Staatssekretär Wallis haben folgenden Wortlaut:
Das Fr üh j ahr br ing t

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Das Frühjahr bringt eine intensive Runde internationaler Zusammenkünfte, deren Höhepunkt der Bonner Wirtschaftsgipfel sein wird.

Heute in

einer Woche werden der Stellvertretende Außenminister Dam und ich zusammen mit anderen leitenden Regierungsvertretern der Vereinigten Staaten an
der Ministertagung der OECD in Paris teilnehmen.

Nächste Woche werden

hier in Washington die Interims- und Entwicklungsausschüsse des IWF tagen.

Das Gipfeltreffen in Bonn findet vom 2. bis 4. Mai als Eröffnung

des Europabesuches des Präsidenten statt.

Ich möchte heute kurz über unsere Hoffnung für Bonn sprechen.

Zu-

nächst einmal möchte ich jedoch das Gipfeltreffen in die richtige Perspektive rücken.

An den jährlichen Wirtschaftsgipfeln, die 1974 begannen, nehmen die
Staats- und Regierungschefs der sieben größten demokratischen Industrieländer teil:

Japan, Kanada, Großbritannien, die Bundesrepublik Deutsch-

land, Frankreich, Italien und natürlich die Vereinigten Staaten.
der Präsident der Europäischen Kommission ist anwesend.

Auch

Diese Treffen

stellen keinen Anfang oder Selbstzweck dar, sondern sind der wichtigste
Teil eines andauernden Prozesses der Zusammenarbeit und des Dialogs unter
den wichtigen Industriestaaten.

Die Gipfeltreffen bieten nützliche An-

haltspunkte zur Beurteilung dieser Zusammenarbeit.

Die letzten vier Jahre haben eine entscheidende Entwicklung sowohl im
Ton als auch in der Substanz der Gespräche auf höchster Ebene gebracht.
In Ottawa im Jahr 1981 erkannten die meisten Staats- und Regierungschefs,
daß die Tätigkeit ihrer Volkswirtschaften nachließ, aber es fehlte ihnen
an einer klaren Vision, wie die Lage zu beheben sei.

Ja, man war sich

noch nicht ganz im klaren über die Natur der wirtschaftlichen Krise der
Industriewelt,

und

die

marktorientierten

Abhilfsvorschläge

Präsident

Reagans stießen auf unverhüllte Skepsis.

Zur Zeit des Gipfels 1982 in Versailles befanden sich alle großen industriellen Volkswirtschaften in der Rezession, und es lag auf der Hand,
daß ihre wirtschaftlichen Probleme tief verwurzelt waren.

Die Chefs auf

�Die Chefs auf dem Gipfel begannen mit dem schwierigen Prozeß, sich über
Unterschiede in den Ansichten und in der Haltung klar zu werden.

Man

spricht von Versailles gelegentlich als von einem Fehlschlag, weil die
Meinungsverschiedenheiten zwischen den Ländern so klar zu Tage traten und
so stark publiziert wurden.

Es gab Meinungsverschiedenheiten über die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Ost und West und über die Wechselkurse.

In dem Bemühen, die

Meinungsverschiedenheiten abzubauen, wurden mehrere Prograirane ins Leben
gerufen. Eines dieser Programme war ein Prozeß intensiverter politischer
Konsultation unter den fünf führenden Staaten der Gruppe.

Dies führte zu

einem intensiven Meinungsaustausch über die verschiedenen Punkte, ohne
den es den westlichen Regierungen nicht möglich gewesen wäre, zu einer
Übereinkunft über die Mittel und Wege zur Bewältigung gemeinsamer wirtschaftlicher Herausforderungen zu kommen.

Eine zweite von Versailles ausgehende Initiative war eine gründliche
Überprüfung der wirtschaftlichen Beziehungen zu den Ländern des Ostens.
Ein drittes Programm befaßte sich mit der Prüfung der Erfahrungen mit Regierungsinterventionen auf den Devisenmärkten.

Der Wert dieser drei Initiativen wurde auf dem Gipfel in Williamsburg
im Jahr 1983 deutlich.

Der Wirtschaftsgipfel in Williamsburg billigte

kooperative Strategien für die Bewältigung globaler Probleme - die Förderung eines anhaltenden, nichtinflationären Wachstums, eine gesunde Währungs- und Finanzpolitik und eine stärkere Abstützung auf die Kräfte des
Marktes; die Inangriffnahme des internationalen Schuldenproblems durch
einen koordinierten Plan zur Förderung geordneter wirtschaftlicher Anpassungen in wirtschaftlich schlecht stehenden Entwicklungsländern; die Eindämmung des Protektionismus und schließlich die Herbeiführung einer vernünftigen gemeinsamen Haltung bezüglich der Wirtschaftsbeziehungen zum
Ostblock.

Im folgenden Jahr haben diese Strategien Frucht getragen, und so waren die Staats- und Regierungschefs im vorigen Jahr in London in der La-

�in der Lage, die Einstellung zu bekräftigen, die sie in den davorliegenden drei Jahren so mühsam zustandegebracht hatten, und Vorschläge zu machen, wie jede dieser Strategien im Lichte neuerer Erfahrungen verbessert
werden könnte.

Es war eine Gelegenheit, um einmal den wirtschaftlichen

Wiederaufschwung festzustellen und zu feiern und zum andern darauf hinzuweisen, wie andere Länder von unserem nichtinflationären Wachstum und
durch Übernahme der Politik, die es ermöglichte, zu profitieren.

Was bleibt also in Bonn noch zu tun?

Eine ganze Menge. Für die Ver-

einigten Staaten gibt es deutliche Parallelen zwischen den Zielen, die
sich Präsident Reagan zu Beginn seiner zweiten Amtsperiode gesetzt hat,
und den Zielen, die sich nach unserer Überzeugung die sieben größten Industriestaaten der Welt im nächsten Monat in Bonn setzen sollten. Sicherlich besteht eines von vier Zielen darin, mehr zu tun in der gleichen
Richtung.

Es hat keinen Sinn, in eine ungesunde Politik zurückzuverfal-

len, wenn die Politik die wir verfolgen, funktioniert.

Der Aufschwung in

vielen der großen industriellen Volkswirtschaften ist noch immer schwach
und unsicher.

Weil eine gute Wirtschaftspolitik und eine gesunde Wirt-

schaftstätigkeit in den Gipfel-Ländern so entscheidend wichtig ist für
das Wohlergehen der Welt, wird der Präsident auf Maßnahmen dringen, um
die Aussichten auf ein anhaltendes Wachstum und mehr Arbeitsplätze zu
stärken.

Wir gehen davon aus, daß sich der Gipfel auf zwei Gebiete konzentrieren wird:

Beseitigung struktureller Hemmnisse und Sicherung und Stärkung

des internationalen Handelssystems.

Bevor ich auf diese beiden Themen

näher eingehe, möchte ich kurz zusammenfassen, welche andere wichtige
Themen in Bonn besprochen werden dürften.

1.

Das erste ist die Notwendigkeit, die Kooperation fortzusetzen, um

ein anhaltendes Wachstum in den Entwicklungsländern zu fördern.

Die

Haltung, die wir den Problemen der Verschuldung und der Anpassung gegenüber eingenommen haben, hat sich bewährt.

Heute in zwei Wochen

werden bei den Tagungen des Interims- und des Entwicklungsausschusses
des IWF in Washington führende Finanzleute aus der ganzen freien Welt

�freien Welt zusammenkommen, um Bestandsaufnahme zu machen und Vorschläge für die Stärkung unserer gemeinsamen Anstrengungen zu unterbreiten.

Wir werden die Notwendigkeit hervorheben, auf lange Sicht

eine kohärente Politik zu verfolgen, um Anpassung

und anhaltendes

Wachstum zu fördern, und auch die Rollen unterstreichen, die ein offener Handel und private Auslandsinvestionen in diesem Prozeß spielen
müssen.

2.

Ein zweites und besonders dringendes Gebiet des kooperativen Han-

delns auf kurze wie auf lange Sicht ist die Behebung der Ernährungskrise im Subsahara-Afrika.

Die Vereinigten Staaten haben bei diesen

Anstrengungen die führende Rolle

übernommen.

Unsere Hunger- und

Flüchtlingshilfe für Afrika in Höhe von über einer Milliarde Dollar
in diesem Jahr ist mehr als alle anderen Geber zusammen aufgebracht
haben.

Auf lange Sicht ermutigen

wir

grundlegende

Agrarreformen

durch bestehende bilaterale Hilfsprogramme, unser neues Afrikanisches
Wirtschaftsreformprogramm, die Initiative Lebensmittel für den Fortschritt sowie unsere Beteiligung

an multilateralen

Institutionen.

Wir fordern auch eine stärkere Koordinierung der bilateralen Spenden,
um die größtmögliche Auswirkung auf die afrikanische Wirtschaftspolitik und die Entwicklungsaussichten zu erreichen.

3.

Drittens wird in diesem Jahr besonderer Nachdruck auf die Zusam-

menarbeit im Umweltschutz und auf das Verhältnis zwischen Umweltschutz und Wirtschaftswachstum gelegt werden.

Es werden Studien und

andere Arbeiten geprüft werden, die vom vorjährigen Wirtschaftsgipfel
in Auftrag gegeben wurden, und die Beschlüsse der Umweltminister auf
ihrem Treffen im Dezember vorigen Jahres in London dürften voraussichtlich bestätigt werden.

4.

Viertens gehen wir davon aus, daß die Staats- und Regierungschefs

auf dem Gipfel über die Zusammenarbeit auf anderen speziellen Gebieten sprechen werden, einschließlich über Bemühungen, eine bemannte
Raumstation zu entwickeln, sowie über Maßnahmen, um die Wahrscheinrlichkeit potentieller Störungen der Energieversorgung zu verringern

- 5-

�zu verringern und deren Auswirkungen so gering wie möglich zu halten.

Um auf die Hauptthemen zu kommen:

Der Hauptnachdruck auf dem dies-

jährigen Gipfeltreffen wird auf der Beseitigung struktureller Hemmnisse
für ein anhaltendes Wachstum liegen.

Der Wiederaufschwung der Weltwirtschaft hat sich im abgelaufenen Jahr
weiter verstärkt. Angeführt von den Vereinigten Staaten betrug das reale
Wachstum des Bruttosozialproduktes in den OECD-Ländern im Jahr 1984 fast
fünf Prozent, und unser Wachstum war mit 6,9 Prozent das höchste seit
1951.

Darüber hinaus konnte auch in diesem zweiten Jahr eines starken

Wachstums ein Wiederaufleben der Inflation vermieden werden.

Im vergan-

genen Jahr lag der Anstieg der Verbraucherpreise in den Vereinigten Staaten kaum über vier Prozent - eine Rate, die, wie wir annehmen, sich in
den nächsten Jahren stabilisieren dürfte. Was die OECD insgesamt angeht,
so ging die Inflation im vergangenen Jahr auf 5,5 Prozent zurück - die
niedrigste Rate seit 1972.

Im übrigen erhöhte sich das reale Wachstum

des Bruttosozialprodukts im vorigen Jahr in den nicht-OECD-Staaten auf
etwa vier Prozent.

Wenn wir dieses dritte Jahr einer aufeinander folgenden nichtinflationären Expansion eintreten, gibt es jedoch auch einige beunruhigende
Anzeichen.

In den Entwicklungsländern sind die wirtscnaftlichen Aussich-

ten noch immer unausgewogen.

Für viele der größeren Entwicklungsländer,

die entweder schwere Probleme des Schuldendienstes vermieden oder im Zusammenwirken mit dem Internationalen Währungsfonds

(IWF) Schritte zur

wirtschaftlichen Stabilisierung unternommen haben, sind die Aussichten
günstig.

Aber vielen anderen geht es nicht besonders gut. Die Inflation

ist noch immer hoch, selbst in einigen der Länder, die in anderen Aspekten des Anpassungsprozesses erfolgreich sind, und eine anhaltende Expansion wird eine verstärkte Anstrenyung zur Lösung grundlegender struktureller Probleme erfordern.

Aber diese Problme sind heute bekannt, und selbst wenn der Fortschritt nicht so rasch kommt, wie wir es uns wünschen, so geht der Trend

�der Trend doch in die richtige Richtung.

Was im Zusammenhang mit dem

Bonner Gipfel vielleicht mehr Sorgen bereitet, ist die Tatsache, daß die
Gipfel-Länder selbst noch sehr viel unerledigte Aufgaben in ihren eigenen
Anstrengungen übrig gelassen haben, einen anhaltenden nichtinflationären
Wiederaufschwung zu gewährleisten.

In den Vereinigten Staaten hat Präsident Reagans "grundlegender Wandel" in der Wirtschaftspolitik bereits augenfällige Ergebnisse gebracht.
Um unsere anhaltende Expansion jedoch zu sichern, müssen wir übertriebene
Regierungsausgaben kürzen, um einen zunehmenden Aderlaß bei den Mitteln
für den privaten Verbrauch und private Investitionen zu verhindern.

Wir

müssen auch unser Steuersystem reformieren, um die Verzerrungen zu beseitigen, die in den gegenwärtigen Steuersätzen liegen, und die abschreckende Wirkung der hohen Spitzensteuersätze bei der Einkommenssteuer zu verringern.

Dies wird durch anhaltende Anstrengungen ergänzt werden, eine

gesunde Währungspolitik zu verfolgen, die mit niedriger Inflationsrate
und einer anhaltenden Wachstumsrate vereinbar ist, sowie durch Bemühungen, die Märkte von Verordnungen zu befreien und andere strukturelle
Hemmnisse zu beseitigen, die das freie Spiel der Kräfte auf dem Markt behindern.

Auch Japan muß weiterhin alle Aspekte seiner Wirtschaftspolitik stärken.

Darüber hinaus muß Japan die Verantwortungen westlicher wirtschaft-

licher Führung in größerem Umfang übernehmen, die ihr der bisherige Erfolg seiner Wirtschaftspolitik und die Stärke seiner Wirtschaft auferlegt
haben.

Um das System des internationalen Handels und der internationalen

Investitionen zu stärken - sowohl zum eigenen Wohle als auch zum Wohle
der anderen Beteiligten an diesem System - muß Japan vollständig und
rasch seine Verpflichtungen zur Liberalisierung des Kapitalmarktes und
zur Öffnung seiner Märkte für Güter und Dienstleistungen erfüllen.

Die größten strukturellen Hindernisse
schaftswachstum sind in Europa zu finden.

für

ein

nachhaltiges Wirt-

Das deutlichste Zeichen dafür

ist die Disparität zwischen dem jüngsten Wachstums- und Beschäftigungsstand in Europa und in anderen großen Industrieländern.
- 7 -

Das 5,5prozen-

�Das 5,5prozentige Wachstum in Japan im vergangenen Jahr und das 4,6prozentige Wachstum in Kanada sind beachtlich.

Diese beiden Volkswirtschaf-

ten haben weiter neue Arbeitsplätze geschaffen, und als Ergebnis ging die
Arbeitslosenrate in Kanada zurück und die Rate in Japan stabiliserte sich
auf einem sehr niedrigen Stand.

Im Gegensatz dazu betrug das Wachstum in den vier am Gipfel beteiligten europäischen Ländern im vorigen Jahr nur etwa zwei Prozent - und das
war die stärkste Wirtschaftstätigkeit seit vier Jahren.

Die Arbeitslo-

senraten, die in Europa historisch weit niedriger liegen als in den Vereinigten Staaten, sind praktisch in die zweistelligen Zahlen gestiegen
und werden in diesem Jahr einen neuen Höchststand erreichen.

Die Arbeitslosigkeit ist zu einem großen sozialen Problem geworden.
Manche Beobachter haben geglaubt, daß das Hauptproblem in demographischen
Faktoren zu suchen sei - dem Eintritt der Frau ins Arbeitsleben und einem
"Baby-Boom", der in Europa später. kam als in den Vereinigten Staaten.
Dies habe eine "Ausbuchtung" auf dem europäischen Arbeitsmarkt verursacht.

Wenn dies stimmte, dann müßte sich das Arbeitslosenproblem Euro-

pas mit der Zeit von allein lösen.

Leider lassen uns die Tatsachen kei-

nen Raum für solche Selbstgefälligkeit.

Das Problem ist nicht nur eine

ständige wachsende Zahl von Arbeitssuchenden:

Die Zahl der Arbeitsplätze

in Europa ist seit 1970 praktisch überhaupt nicht gewachsen.

In diesem

Zeitraum hat die amerikanische Wirtschaft 27 Millionen neue Arbeitsplätze
geschaffen.

Diese langfristige Stagnation des Arbeitsmarktes in Europa

ist nicht nur für die europäischen Regierungen Anlaß zur Sorge, sondern
auch für ihre Verbündeten und Handelspartner.
Saat politischer

und wirtschaftlicher

Diese Situation trägt die

Instabilität, der

Schwäche des

Bündnisses und des Schadens für die Weltwirtschaft in sich.

Das wesentliche Problem für Europa ist das tiefsitzende Klischee der
Hindernisse für den Wandex, die eine wirksame Nutzung der wirtschaftlichen Ressourcen verhindern.

Diese strukturellen Hindernisse sind auf

dem Arbeitsmarkt besonders lästig, weil sie sowohl das Angebot von wie
auch die Nachfrage nach neuen Beschäftigten verzerren.
Auf der Nachfrageseite
- 8 -

�Auf der Nachfrageseite hat sich die Arbeit selbst so teuer gemacht,
daß sie sich vom Markt verdrängte - vor allem im Herstellungsbereich.
Diese Situation ist nicht nur durch ständige reale Lohnerhöhungen herbeigeführt worden, sondern auch auf Umwegen durch restriktive Arbeitsgesetze
auf gewerkschaftlich organisierten Sektoren und übertrieben gegensätzliche Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Beziehungen.

Diese selbst zugefügten Wun-

den wurden durch die Regierungspolitik vertieft - einschließlich hoher
Arbeitsnebenkosten aus Sozial- und Altersversorgungsabgaben und strikter
Regierungsregelementierungen

für Entlassungen.

So kann beispielsweise

eine französische Firma, die mehr als 50 Beschäftigte entlassen will,
aufgrund von Regierungsverordnungen gezwungen werden, bis zu einem Jahr
zu warten, ehe die Entlassungen wirksam werden.

Verordnungen dieser Art

wurden erlassen, um die Arbeitsplätze zu schützen, aber wie die meisten
Eingriffe der Regierung in den Markt haben sie genau das Gegenteil von
dem bewirkt, was sie bewirken sollten.

Unternehmer zögern, auch in guten

Zeiten neue Beschäftigte einzustellen, weil sie wissen, daß sie sie bei
einem Rückgang der Geschäfte nicht entlassen können.

Ein Europäer hat

mir einmal gesagt, das Geheimnis des Erfolgs der amerikanischen Wirtschaft liege in den drei Worten:

"Sie sind entlassen".

Die Regierungspolitik hat auch das Angebot von Arbeitskräften in Europa gedrückt und dessen Anpassung an sich verändernde wirtschaftliche
Bedingungen erschwert.

Kein Industriestaat überläßt die Arbeitslosen und

Bedürftigen ganz und gar sich selbst.

Die Arbeitslosen- und die Sozial-

unterstützung in Europa sind so großzügig, daß sie wesentlich zu einer
Verkrustung der Arbeitsmärkte beigetragen haben.

Arbeitslose werden sich

weniger nachhaltig um einen neuen Arbeitsplatz bemühen oder einen Arbeitsplatz akzeptieren, der ihnen weniger Einkommen bringt als ihr früherer Arbeitsplatz, wenn die Kombination von Sozial- und Arbeitslosenunterstützung mehr oder weniger auf Dauer fast das gleiche ausmacht wie ihr
früheres Einkommen.

Die geradezu abschreckende Wirkung der hohen Einkom-

mensersatzraten in Europa wird durch die Großzügigkeit der Zuwendungen
für Langzeitarbeitslose verstärkt.

Während in den Vereinigten Staaten

die Arbeitslosenunterstützung nach einigen Monaten gekürzt wird, steigt
in einigen europäischen Ländern das kombinierte Einkommen aus Arbeitslo-

�aus Arbeitslosenunterstützung und Sozialbezügen sogar mit der Zeit.

Diese Verkrustungen des Arbeitsmarktes haben nicht nur die Rate des
wirtschaftlichen Wachstums gedrückt, sondern auch seine Form verzerrt.
Unternehmer, die vor einer Steigerung eines ihrer relativen Kostenfaktoren für einen ihrer wesentlichen Inputs stehen, haben es schwerer, zu
konkurrieren und zu expandieren.

Aber sie können zurückschlagen, indem

sie den relativen Anteil ihrer Inputs verändern.

Dies geschieht in Eu-

ropa schon eine ganze Zeit lang. Eine Studie der EG-Kommission vom vorigen Jahr hat herausgefunden, daß die hohen Arbeitskosten zu einer bedeu-

k

tenden Verlagerung auf arbeitsplatzsparende statt arbeitsplatzschaffende
Investitionenn geführt hat.

»

über diese Verkrustungen des Arbeitsmarktes hinaus stehen unsere Gipfel-Partner vor weiteren strukturellen Problemen, die ihre Wirtschaftstätigkeit hemmen.

Zu den Problemen, die am direktesten das Ergebnis von

Regierungspolitik sind -, und damit auch am ehesten zu beheben wären gehören Kontrollen der Finanzmärkte, verstaatlichte Industrien, die unwirtschaftlich arbeiten, und Subventionen.

Die Besorgnisse über die langfristigen wirtschaftlichen Aussichten in
Europa haben in der Abschwächung europäischer Währungen während der letzten Jahre ihren Niederschlag gefunden - nicht nur gegenüber dem amerikanischen Dollar, sondern auch gegenüber dem japanischen Yen und dem kanadischen Dollar.

Wir hoffen, daß die Schwäche der europäischen Währungen

in der letzten Zeit dazu beitragen wird, unseren Verbündeten die Dringlichkeit ihrer strukturellen Probleme klar zu machen, die nicht nur eines
der Hauptthemen auf dem Bonner Gipfel, sondern auch in der Arbeit der
OECD in den nächsten Jahren sein dürften.

Unser zweites wichtiges Thema für den Gipfel zielt auf die destruktiven Regierungseingriffe in das internationale Handelssystem ab.

Ich

brauche hier niemanden daran zu erinnern, daß der protektonistische Druck
wächst - nicht nur in Europa, wo die zunehmende Arbeitslosigkeit als Erklärung - wenn auch nicht als Entschuldigung - gelten kann, sondern auch
- 10 -

�sondern auch hier in den Vereinigten Staaten.
selbst zu verstärken:

Der Trend scheint sich

Verfechter von Einfuhrbeschränkungen können auf

"unfaire" Handelspraktiken anderer Länder als Provokation verweisen, und
wenn es ihnen gelingt, den Handel einzuschränken, dann wird oft Gleiches
mit Gleichem vergolten.

So wie die Handelsliberalisierung

das Wirtschaftswachstum

in den

fünfziger und sechziger Jahren angefacht hat, so wird es in den achtziger
Jahren durch den Protektionismus bedroht. Die Schließung von Märkten beseitigt Gewinne aus Handel und Spezialisierung.

Dies gefährdet mehr als

jede andere Gefahrenquelle sowohl den derzeitigen wirtschaftlichen Aufschwung als auch die Aussichten auf eine künftige Expansion. Darüber hinaus macht es unsere Strategie zur Lösung des internationalen Schuldenproblems zunichte. Alle großen Länder der freien Welt haben schwer gearbeitet, um die wirtschaftliche Anpassung zu fördern und zu ermöglichen, die
die in Schwierigkeiten steckenden Schuldnerländer vornehmen müssen, um
ihre wirtschaftliche Gesundheit wiederherzustellen.

Bisher haben sich

solche Anpassungen gelohnt. Die Wachstumsaussichten haben sich in diesen
Ländern gesteigert und die Bedrohung des Weltfinanzsystems ist geringer
geworden.

Wenn die sich in Schwierigkeiten befindlichen Schuldnerländer

für ihre Exporte nicht weiterhin Zugang zu den wachsenden Märkten haben,
wird dieser Prozeß jedoch zum Nachteil aller entgleisen.

Die Lösung liegt auf der Hand:

Es ist wesentlich, diesen Prozeß der

Liberalisierung des Handels zu erneuern.

Hochrangige Verpflichtungen auf

internationalen Treffen, dem Protektionismus zu widerstehen, hat es immer
wieder gegeben.

Aber meist sind es leere Worte.

Wir sind längst über

den Punkt hinaus, an dem Verpflichtungen, weiteren Schaden zu verhüten,
genügen könnten.

Wir müssen in der Lage sein, Forderungen nach Protek-

tionismus im eigenen Lande zu begegnen - bei erkennbarem Fortschritt in
der Beseitigung des Protektionismus im Ausland.

Die Vereinigten Staaten haben im letzten Jahr einigen Erfolg bei der
Zurückdrängung des Protektionismus und den Verhandlungen über die stärkere Öffnung von Märkten erzielt.

Wir befinden uns in der intensivsten

- 11 -

�der intensivsten

Runde bilateraler Verhandlungen mit Japan, die es seit

Jahren gegeben hat. Bilaterale Anstrengungen sind jedoch nur von begrenzter Wirkung.

Jetzt ist die Zeit für eine klare Verpflichtung zu einer

neuen Runde formeller, multilateraler Handelsverhandlungen im Rahmen des
Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) gekommen. Eine solche Verpflichtung muß sowohl ein bestimmtes baldiges Zieldatum wie auch die Aufforderung zu breiter Beteiligung einschließen.

Sollten die Gipfel-Staa-

ten ihre Absicht erklären, sofort mit Vorbereitungen zu beginnen, wäre es
möglich, daß die formellen Verhandlungen Anfang 1986 beginnen könnten.
Präsident Reagan hat in seiner Botschaft über die Lage der Nation die Bedeutung dieses Ziels für die Vereinigten Staaten klar herausgestellt:
"Heute rufe ich alle unsere Handelspartner - in den Entwicklungsländern
wie in den Industriestaaten - auf, sich uns in einer neuen Runde von Handelsverhandlungen anzuschließen, um Handel und Wettbewerb anzukurbeln und
die Weltwirtschaft zu stärken, und damit im nächsten Jahr zu beginnen."
Wir halten unsere Ohren offen für eine Antwort auf diesen Appell sowohl
auf der OECD-Ministertagung in diesem Monat wie auf dem Wirtschaftsgipfel
im nächsten Monat in Bonn.

Zusammenfassung
Jeder

verantwortungsbewußte

amerikanische

Regierungsvertreter, der

über einen anstehenden Wirtschaftsgipfel spricht, muß seine Zuhörer davor
warnen, dramatische Ereignisse oder große Durchbrüche zu erwarten.

Das

Ziel solcher Treffen besteht nicht darin, die Staats- und Regierungschefs
in spezifische Verhandlungen zu verwickeln, sondern zu einem breitgefächerten und informellen Gespräch zu ermutigen, das es ihnen erlaubt, zu
einem tieferen Verständnis der jeweiligen Standpunkte und deren Begründung zu gelangen.

Diesmal habe ich jedoch die üblichen Grundregeln gebrochen, indem ich
zugegeben habe, daß wir zumindest auf ein Übereinkommen von entscheidender Bedeutung hoffen.

Wenn das freie internationale Handelssystem über-

leben soll, dann dürfen wir uns nicht den Luxus leisten, unsere Schritte
- 12 -

�unsere Schritte dahinzuschleppen oder Haarspalterei zu betreiben.

Wenn

die Staats- und Regierungschefs auf dem Gipfel nicht die Gelegenheit ergreifen, sich in einer festen Verpflichtung zusammenzuschließen, um eine
neue Runde von Handelsverhandlungen in Gang zu bringen, dann werden fast
mit Sicherheit die Kräfte des Protektionismus die Oberhand gewinnen.

Um unsere Ziele in Bonn ganz allgemein zusammenzufassen, möchte ich
noch einmal die Botschaft über die Lage der Nation zitieren:
einen guten Anfang gemacht. Aber es ist nur ein Anfang.

"Wir haben

Wir sind nicht

hier versammelt, um uns selbst Glück zu wünschen zu dem, was wir getan
haben, sondern um uns in die Pflicht zu nehmen, das zu vollenden, was wir
noch nicht getan haben."

•

- 13 -

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inIERl

r

Information
und
Dokumentation

Dl ElN!

United States Information Service
Embassy of the United States of America

3. April 1985

14
INHALT
DOKUMENTATION
Reagan betont Bedeutung des Weltraums für die Wirtschaft
- Rede des Präsidenten vor dem National Space Club -

Gewalt nur eines der Mittel im Kampf gegen den Terrorismus
- Rede von Robert McFarlane -

HINTERGRUNÜMATERIAl.
Nukleare Planungsgruppe der NATO unterstützt amerikanische
SDI-Forschung

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Internationales Interesse an bemannter Raumstation
*&gt;

- Erste Koordinierungsprogramme der NASA mit anderen Ländern US-Chemie-Industrie beschließt neue Sicherheitsprogramme
- Reaktion amerikanischer Unternehmen auf Bhopal-Unfall -

* * * * *

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�3. April 1985

14

REAGAN BETONT BEDEUTUNG DES WELTRAUMS FÜR DIE WIRTSCHAFT
- Rede des Präsidenten vor dem National Space Club -

WASHINGTON - (AD) - Im Verlauf eines Empfangs beim National Space
Club betonte Präsident Reagan am 29. März 1985 in Washington, der Weltraum biete gerade auch der freien Wirtschaft "neue Chancen, wie sie im
begrenzten Raum der Erde nicht vorstellbar sind". Auch die von ihm vorgeschlagene Strategische Verteidigungsinitiative (SDI) könne es ermöglichen, von einer Abschreckung durch Offensive zu einer Abschreckung durch
Defensive zu gelangen.
Die wesentlichsten Auszüge aus der Ansprache des Präsidenten haben
folgenden Wortlaut:
Einst wurde die Freiheit Amerikas durch
digt. Heute verändert der wissenschaftliche
se, wie wir über unsere Sicherheit denken.
unsere Wissenschaftler auf, ihre Fähigkeiten

Muskete und Patrone verteiFortschritt die Art und WeiVor zwei Jahren fordere ich
und Energien darauf z u v e r -

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 08-85432

�zu verwenden, einen Weg zu finden, der einmal die Kernwaffen - angefangen
bei den Interkontinentalraketen - überflüssig machen könnte.

Wir wollen

das Gleichgewicht des Schreckens - oder die Gegenseitig Gesicherte Vernichtung (MAD), wie es heißt - überflüssig machen und es durch ein System
ersetzen, durch das ein bewaffneter Konflikt nie begonnea werden und das
keine Massenvernichtung mit sich bringen kann - und das dennoch wirksam
einen Krieg verhindert. Dies sollte niemals lediglich als eine andere Methode der Sicherung von Raketensilos mißverstanden werden.

Die Strategische Verteidigungsinitiative ist bisweilen als "Krieg der
Sterne" bezeichnet worden.

Aber es geht dabei nicht um den Krieg, es

geht um den Frieden. Es geht nicht um Vergeltung, sondern um Verhinderung.

Es geht nicht um Angst, sondern um Hoffnung...

Vor 20 Jahren waren wir ganz einfach noch nicht in der Lage, Systeme zu bauen, die verhindert hätten, daß Interkontinentalraketen ihr
Ziel erreichen.

Dem ist aufgrund des technischen Fortschritts vielleicht

bald nicht mehr so. Und deshalb haben wir mit einem energischen Forschungsprogramm begonnen - einem Programm, das weder Verträge verletzt,
noch die Stabilität der Welt bedroht.
Die Möglichkeit, Interkontinentalraketen

schon während

des Starts

oder im ersten Teil ihres Fluges anzugreifen, würde uns in die Lage versetzen, unsere strategischen Vorstellungen grundsätzlich zu ändern und es
uns ermöglichen, die Betonung von der Offensive auf die Defensive zu verlagern.

Was aber könnte moralischer sein als ein System, das dazu dienen

würde, Leben zu retten und nicht erst zu rächen?

Was wäre friedlicher,

als uns nicht mehr auf unsere Fähigkeit verlassen zu müssen, mit weltweiter Vernichtung zu drohen, sondern uns auf Systeme zu stützen, die überhaupt niemanden bedrohen können?

Wir sprechen nicht einfach von einem Konzept zur Verbesserung der Abschreckung, sondern vielmehr von einer neuen Art der Abschreckung; nicht
nur von etwas, das wir unseren Offensivstreitkräften noch hinzufügen,
sondern von Forschung, um herauszufinden, ob ein umfassendes, nichtnukleares Verteidigungssystem möglich ist, ein Schild, das die Kernwaffen gar
- 2-

�Kernwaffen gar nicht erst ihre Ziele erreichen ließe.

Und die SDI-Forschung zielt auch nicht darauf ab, nur die Vereinigten
Staaten zu schützen.

Unsere Sicherheit ist unauflöslich mit der der an-

deren freien Völker verbunden. Ein wesentliches Element der SDI-Forschung
besteht darin, uns letztlich in die Lage zu versetzen, die Vereinigten
Staaten und unsere Verbündeten von ballistischen Lang- und Kurzstreckenraketen zu schützen.

Deshalb werden wir unsere Verbündeten hinsichtlich

der SDI-Forschung nicht einfach konsultieren, sondern aktiv mit ihnen zusammenarbeiten.

Wir haben jene verbündeten Nationen förmlich eingeladen,

die sich uns dabei anschließen wollen, die SDI zu einer voll kooperativen
Forschungsanstrengung zu machen.

Der Verteidigungsminister

wird diese

bilateralen Kooperationsprogramme mit unseren Verbündeten koordinieren.

Unsere Aktivitäten im Weltraum tragen schon jetzt dazu bei, den Frieden zu bewahren - durch Frühwarnung und durch die Möglichkeit, Rüstungsabkommen zu verifizieren.

Unser Forschungsprogramm ist alles andere als

eine Verletzung bestehender Abkommen:

Wenn unsere Gegner erst einmal das

Ziel unseres Forschungsprogramms richtig verstanden haben, wird es beiden
Seiten in Genf neue Anreize bieten, um die Zahl der Kernwaffen zu verringern, die die Menschheit bedrohen.

Wenn wir die Raketen weniger wirksam

machen, machen wir diese Waffen verhandlungsfähiger.

Und bei einem Er-

folg wird die Rüstungsspirale eine Spirale werden, die nach unten geht.

Wir müssen in dem Maß, wie es die SDI-Forschung ermöglicht, die Chancen und Optionen für Frieden und Rüstungsverringerung ausweiten.

Gleich-

zeitig müssen wir durch unser strategisches Modernisierungsprogramm sicherstellen, daß unsere jetzigen Waffen auch weiterhin in der Lage sind,
ihre eigentliche Aufgabe zu erfüllen, bis wir den Punkt erreichen, wo sie
durch ein Defensivsystem ersetzt waerden können.

Möge die Geschichte einst davon berichten, daß in unserer Zeit Amerikas beste Wissenschaftler sich darum bemühten, eine Technologie zu entwickeln, die der Menschheit dabei half, sich von dem nuklearen Panzer zu
befreien. Lassen Sie uns den Weg in ein glücklicheres Kapitel der Menschheitsgeschichte antreten.

Ich bin sicher, daß ein jeder Wissenschaftler
- 3-

�jeder Wissenschaftler Stolz dabei empfinden wird, dazu beizutragen, daß
diese neue Seite der Geschchte aufgeschlagen wird.
Wir haben den Weltraum schon bislang dazu verwendet, unsere Welt sicherer zu machen - und werden dies auch weiterhin tun.

Der Weltraum

trägt auch dazu bei, die Welt wohlhabender zu machen, und bei diesem Unterfangen stehen wir erst am Anfang.

Die Weltraumtechnologie hat bereits

die das Fernmeldewesen revolutioniert und hilft allen - von der Landwirtschaft bis zur Schiffahrt.

Und Industriezweige, die weit entfernt von

unmittelbarem Kontakt zum Weltraumprogramm zu sein scheinen, haben über
alle Erwartungen hinaus daraus Nutzen gezogen...
Der Weltraum sollte und wird in immer größerem Maß ein Ort der Investitionen und der kommerziellen Aktivität werden, ein Zentrum für Unternehmungen der Wirtschaft.

Schon jetzt erkennen Firmen ein großes Po-

tential darin, den Weltraum als neues Umfeld für industrielle Forschung
und Entwicklung von Produkten zu verwenden.

Und während das freie Unter-

nehmertum in den Weltraum expandiert, werden nicht nur neue Wege entdeckt, um die Güter und Dienstleistungen anzubieten, derer wir uns jetzt
erfreuen, sondern neue Chancen, wie sie im begrenzten Raum der Erde nicht
vorstellbar sind, werden sich auftun.

Vor dem Ende des Jahrhunderts wird

es eine kommerzielle Aktivität im Umfang von vielen Milliarden Dollar geben - im Weltraum und wegen des Weltraums...
Die Freiheit des einzelnen und das Gewinnstreben waren der Antrieb
des Fortschritts, der eine amerikanische Wildnis in einen wirtschaftlichen Motor verwandelte, der dem amerikanischen Volk einen Lebensstandard
ermöglichte, der noch immer die Welt mit Neid auf uns blicken läßt. Wir
müssen sicherstellen, daß die gleichen Anreize, die so gut funktionierten, als Amerikas erste Grenze erschlossen wurde, auch jetzt ins Spiel
kommen, wenn es garum geht, die Grenze Weltraum zu überwinden...

* * # * *

�3. April 1985

14

GEWALT NUR EINES DER MITTEL IM KAMPF GEGEN DEN TERRORISMUS
- Rede von Robert McFarlane -

WASHINGTON - (AD) - Am 25. März 1985 hielt der Sicherheitsberater des
amerikanischen Präsidenten, Robert McFarlane, vor dem National Strateyy
Information Center (NSIC) in Washington eine Rede, in der er sich mit den
Problemen des Kampfes gegen den Terrorismus auseinandersetzte.

Sie hat

folgenden Wortlaut:

Ich möchte heute abend darlegen, wie sich das Problem des Terrorismus
gegenwärtig darstellt und wie wir nach Auffassung unserer Administration
in den kommenden Jahren vorgehen müssen, wenn wir eine abschreckende Wirkung gegen diese Geißel der zivilisierten Gesellschaft erzielen wollen.

Es ist mir ein besonderes Vergnügen, gerade vor diesem Forum sprechen
zu dürfen.

Das NSIC versteht sich als Bildungsinstitution und wird die-

sem Anspruch auch gerecht.

Es ist überparteilich, und die Menschen, die

mit und in dem Zentrum arbeiten, decken unser gesamtes politisches Spektrum ab und bringen das geistige Leben praktisch aller Bereiche unserer

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432"

�Bereiche unserer Gesellschaft ein.

Diese Personen kommen aus den Berei-

chen der Künste und des akademischen Lebens, aus der Wirtschaft und den
Gewerkschaften; ehemalige Regierungsbeamte zählen ebenso zu ihnen, wie
qualifizierte Wissenschaftler aus allen Bereichen unserer Gesellschaft.

Der gemeinsame Nenner des NSIC ist die Abneigung gegen den Isolationismus, den Passivismus und all die anderen defätistischen Haltungen gegenüber den Herausforderungen, denen sich der Westen Ende des 20. Jahrhunderts gegenübersieht.

Die Verteidigung der Vereinigten Staaten ist

das Hauptanliegen des NSIC und der Gegenstand, dem es seine Arbeit während der vielen Jahrzehnte seines Bestehens gewidmet hat.

Es hat sich

stets um eine effektive Partnerschaft zwischen der Regierung und der Privatwirtschaft sowie zwischen den zivilen und militärischen Stellen innerhalb des Regierungsapparats bemüht.

Das NSIC vertritt die Auffassung,

daß eine wohlunterrichtete Öffentlichkeit der Schlüssel zur Aufrechterhaltung einer angemessenen Landesverteidigung und damit zur Erhaltung des
Friedens ist.

Der Präsident und ich teilen diese Überzeugung und zollen

der Arbeit des NSIC unseren Beifall.

Was das NSIC vor allem auszeichnet, ist seine Bereitschaft, sich einigen der enorm schwierigen Fragen zu widmen, die oft Aspekte haben, die
in politischer oder anderer Hinsicht heikel sind.

Als beispielsweise in

den sechziger und siebziger Jahren viele Colleges und Universitäten ihre
ROTC-Programme einstellten, (ROTC = Reserve Officers Training Corps, eine
Organisation des Verteidigungsministeriums, die Lehrgänge zur Heranbildung von Reserveoffizieren veranstaltet) bemühte sich das NSIC in Zusammenarbeit mit Dozenten für Marine- und Militärwissenschaften, den inhaltlichen Standard und die Überzeugungskraft dieser so außerordentlich wichtigen Rekrutierungsprogramme für Offiziere zu verbessern.

Als sich Ende der siebziger Jahre die Nachrichtendienste der Vereinigten Staaten Angriffen aus vielerlei Richtungen ausgesetzt sahen, machte sich das NSIC zunächst daran, zu definieren, welches die angemessene
Rolle der Nachrichtendienste in unserer Gesellschaft sei und welche Institutionen dieser Art wir aufrechterhalten müüten.
- 2 -

Daraufhin ging das

�ging cas NSIC dazu über, diesen Auftrag dem amerikanischen Volk darzulegen und zu erklären.

Den Bemühungen des NSIC verdanken wir maßgeblich,

daß die Grundlagen erhalten werden konnten, auf denen wir heute diese
Dienste wieder aufbauen.

Als Ihr Gast möchte ich mich heute abend einem anderen Thema zuwenden, das die Menschen in viele verschiedene Lager teilt und heute erhebliche Gegensätze aufwirft; ein Thema, an dem sich ebenso viele Kontroversen wie konstruktive Untersuchungen entzünden.

Ich spreche vom Thema des

Terrorismus.

In weniger als zwei Jahren hat eine wachsende Zahl von Regierungen
erkannt, daß unter Terrorismus nicht mehr nur die Einzelaktionen einiger
weniger Radikaler, denen es um Schlagzeilen geht, zu verstehen sind.
Terrorismus hat neue und beängstigende Dimensionen angenommen.

Der

Die Häu-

figkeit und Gewalttätigkeit terroristischer Aktionen kann nicht mehr ignoriert werden.

Der Terrorismus hat sein neues Gesicht in der jüngeren Vergangenheit
vielfach unter Beweis gestellt, so z.B. durch die Bombenanschläge auf unsere Botschaften in Beirut und Kuweit, durch den Anschlag auf die amerikanischen und französischen Streitkräfte in Beirut, durch den hinterhältigen Anschlag auf das südkoreanische Kabinett, der sich in Rangun ereignete, durch die Ermordung des Präsidenten Beshir Gemayel und der Ministerpräsidentin Gandhi, durch den Mordanschlag

auf Premierministerin

Thatcher und durch den Anschlag auf Papst Johannes Paul II. auf dem Petersplatz.

Diese terroristischen Anschläge haben uns das beklemmende Gefühl vermittelt, daß sich die Welt irgendwie im Kriegszustand befindet, obwohl es
keine Kriegserklärungen oder klare Fronten gibt.

Wir befinden uns in ei-

nem still schwelenden Kampf gegen einen Feind, der schwer zu finden und
im üblichen militärischen Sinne noch schwerer zu stellen und zu vernichten ist.

Ich weiß, daß
- 3 -

�Ich weiß, daß Sie alle über die Tatsachen und Trends im Hinblick auf
Konflikte geringer Intensität gut unterrichtet sind und daß das NSIC sich
eingehend darüber Gedanken gemacht hat, in welcher Art unser Land darauf
reagieren sollte.

Ich möchte nunmehr die Vorstellungen umreißen, die

sich innerhalb der Administration bilden, um Ihnen einen Eindruck davon
zu vermitteln, wo wir gegenwärtig stehen und welchen Weg unser Land nach
unserer Auffassung einschlagen sollte.

Seit dem Beginn der ersten Amtsperiode Präsident Reagans haben wir
der Analyse verschiedener Aspekte des Problems des internationalen Terrorismus hohe Priorität eingeräumt.

Zum ersten erschien es uns lohnend,

eine gründliche Einschätzung der Natur des Terrorismus und der Art der
Bedrohung, die er für unsere Gesellschaft und unsere Sicherheit darstellt, zu entwickeln.

Dies machte es erforderlich, eine große Menge

nachrichtendienstlicher Informationen wie auch die Erfahrungen anderer
Staaten im einzelnen zu sichten und neue Aufgabestellungen für unsere
Nachrichtendienste zu formulieren, um die Vielzahl von Lücken zu füllen,
die unser Wissensstand aufwies.

Einer der besonders beklemmenden Schlüsse, zu denen wir kamen, lautete, daß die Bedrohung durch den Terrorismus mit Sicherheit von Dauer
sein wird und daß wir bislang nocht nicht über wirksame Mittel verfügen,
mit denen wir ihm begegnen könnten.

Zum zweiten machten wir uns daran,

die Politik der Vereinigten Staaten zu überprüfen.

Inzwischen haben wir

unsere Handlungsmöglichkeiten im Hinblick auf mehrere Arten terroristischer Anschläge sorgfältig abgewogen.

Zum dritten haben wir geprüft,

welche staatlichen Organisationen oder Strukturen bestehen, mittels derer
wir sowohl auf der internationalen als auch auf der nationalen Ebene auf
diese Herausforderung reagieren können.

Dies hat uns veranlaßt, die Wir-

kungsmöglichkeiten der Regierungsbehörden, die in dem Kampf gegen den
Terrorismus eine Rolle spielen - vom FBI, der Justiz und dem CIA bis zum
Finanzministerium, dem Zoll und dem Amt für Alkohol, Tabak und Schußwaffen - erheblich zu verbessern.

Zum vierten haben wir längerfristig ange-

legte Bemühungen eingeleitet, in Zusammenarbeit und Abstimmung mit einigen anderen Regierungen, die unsere Sorgen mittlerweile teilen, verschie- 4 -

�teilen, verschiedene Aspekte des Problems des Terrorismus anzugehen.

In Zusammenhang mit dem Gipfeltreffen der sieben größten Industriestaaten, das im Mai dieses Jahres in Bonn stattfinden wird und an dem wir
teilnehmen werden, haben wir mit den übrigen Partnern erhebliche Fortschritte erzielen können.

Es ist uns gelungen, eine gemeinsame Sichtwei-

se der Natur der Bedrohung zu entwickeln, die Zusammenarbeit zwischen unseren sieben Ländern wesentlich zu verbessern, Informationen auszutauschen und unsere nachrichtendienstlichen Mittel so zu koordinieren, daü
die Möglichkeit besteht, Terroristen zu erkennen, aufzuspüren und möglichst auch festzusetzen, bevor sie eine Gelegenheit zum Zuschlagen haben.

Trotz dieser Anstrengungen kam es überall auf der Welt zu weiteren
terroristischen Anschlägen auf Amerikaner und Verbündete unseres Landes.
Das alles ist Ihnen bestens bekannt.

Seit einigen Jahren war die Zahl

und Heftigkeit terroristischer Anschläge relativ konstant geblieben.

In

den vergangenen beiden Jahren haben sich im Grundmuster des Terrorismus
jedoch wichtige Veränderungen ergeben.

Im April 1983 wurde unsere Botschaft in Beirut durch eine Autobombe
praktisch zerstört.

Es handelte sich dabei nicht um den ersten Anschlag

dieser Art, aber um den ersten, der sich gegen die Vereinigten Staaten
richtete.

Im Oktober 1983 kam es zu verheerenden Anschlägen gegen die

Kaserne unserer Marineinfanteristen und gegen das Hauptquartier des französischen Kontingents der multinationalen Friedenstruppe in Beirut.

Im

Dezember des gleichen Jahres wurde ein weiterer Anschlag mittels einer
Autobombe verübt, bei dem beinahe unsere Botschaft in Kuweit zerstört
worden wäre.

Wie aus diesen Anschlägen zu ersehen ist, wurden die ein-

zelnen terroristischen Aktionen urplötzlich bedeutend gewalttätiger.

Seitdem haben weitere Sabotageakte an Flugzeugen, Bombenattentate,
Mordanschläge und Entführungen gezeigt, daü bestimmte Gruppen und Staaten
- und zwar besonders Staaten - zunehmend und in erheblichem Umfang bereit
sind, sich zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele terroristischer Methoden zu bedienen.

In den meisten Fällen wurden diese Anschläge ohne
- 5 -

�Anschläge ohne Rücksicht auf das Leben Unbeteiligter verübt.

Tatsache

ist, daß wir bislang nichts dagegen unternommen haben, und zwar selbst
dann nicht, wenn wir unmittelbar betroffen waren.

Weil wir selbst die

Rechte anderer achten, waren wir wie gelähmt angesichts eines derartigen
Maßes an Brutalität und einer solch ungeheuerlichen Mißachtung der Rechte
Unbeteiligter.

Da wir eine ungemein freie und offene Gesellschaft haben,

besitzt kaum jemand von uns viel Erfahrung im Umgang mit dieser Art von
Extremismus.

Wir sind zum Lernen gezwungen.

Unsere Wertordnung enthält

kaum etwas, was uns auf den Umgang mit-solchen Machenschaften vorbereitet.

Im Verlaufe des Jahres 1984 erhöhte sich die Zahl der terroristischen
Anschläge drastisch.
zent auf rund 600 an.

Im vergangenen Jahr stieg sie weltweit um 25 ProBis 1984 richtete sich die Hauptwucht dieser An-

schläge gegen amerikanische Staatsbürger und amerikanischen Besitz.

Im

vergangenen Jahr jedoch richtete sich eine große Zahl von Anschlägen gegen Frankreich.
rorismus.

Der Nahe Osten ist nach wie vor ein Nährboden des Ter-

Im Jahr 1984 nahm jedoch die Zahl der Anschläge, die in West-

europa auf europäische wie auf Drittländerziele verübt wurden, erheblich
zu.

Auch Privatleute, Geschäftsleute und Frauen wurden vermehrt zur

Zielscheibe von Anschlägen.

Dieser Trend hielt bis Anfang 1985 an.

Diese Anschläge in Westeuropa deuten auf einige Tendenzen innerhalb
des internationalen Terrorismus hin, die uns Anlaß zur Sorge geben.

Mit

zunehmender Häufigkeit verlassen Terroristen und terroristische Gruppen
ihre Heimatländer und begehen im Ausland Anschläge, manchmal in Zusammenarbeit mit Gesinnungsgenossen.

Das Zusammenwirken der deutschen Rote

Armee Fraktion, der italienischen Roten Brigaden und der französischen
Action Directe in den vergangenen Monaten bildet ein Beispiel dafür.
Solche Operationen im Ausland verschaffen den Terroristen weitaus mehr
Spielraum und Freiheit bei der Zielauswahl und darüber hinaus Gelegenheiten, mit anderen Terrorgruppen in verschiedenen Ländern zusammenzuarbeiten und gemeinsam Mitglieder auszubilden sowie von diesen "Waffenbrüdern"
Unterschlupf und Unterstützung, Informationen und Anregungen zur Vervollkommnung ihrer Kampftechniken zu erhalten.

Außerdem sind umherreisende

Terroristen natürlich weitaus schwerer aufzuspüren als solche, die inner- 6 -

�die innerhalb eines einzelnen Landes bleiben.

Die meisten Terroranschlä'ge waren zwar von der herkömmlichen Art und
umfaßten Bombenattentate, Entführungen und Mordanschlä'ge, aber die Methoden der Terroristen werden eindeutig immer ausgefeilter.

Die Verstärkung

der Explosivkraft von Sprengladungen durch Gasflaschen - eine Waffe, die
bei vielen Anschlägen zum Einsatz kam, für die der sogenannte "Islamische
Jihad" (Heiliger Krieg) die Verantwortung übernahm -, Fernzündung der Ladungen oder ihre Zündung durch fanatische Selbstmörder, die sich mit einem Fahrzeug in die Luft sprengten, bilden Beispiele für technisch-taktische Neuerungen.

Schließlich werden die Gefahren, die von der Aktivität

kleiner Terrorgruppen ausgehen, noch erheblich dadurch erhöht, daß bestimmte Staaten diese Gruppen unterstützen, indem sie ihnen bei der Planung behilflich sind, sie finanzieren, ausbilden, mit Dokumenten versehen
und ihnen Unterschlupf gewähren.

Regierungsamtliche Unterstützung im gegenwärtig zu verzeichnenden Umfang hat die Dynamik des Terrorismus, wie wir ihn aus den sechziger und
siebziger Jahren kennen, erheblich verändert.

Unter der Obhut eines

Staates können kleine Terrorgruppen eine außergewöhnliche Zerstörungskraft entwickeln.

Sie können sich nunmehr ausgefeilterer Techniken be-

dienen, von staatlich finanzierten Ausbildungsprogrammen profitieren und
Bestände an Waffen und Gerät anlegen, die schlagkräftiger, tödlicher und
schwieriger aufzuspüren sind.

Sie können sich staatlicher Ressourcen be-

dienen, um bessere Informationen zu erlangen und ihre Planung zu vervollkommnen.

Sie kommen in den Genuß der immensen Vorteile, die der Besitz

von echten Reisedokumenten und manchmal sogar eines diplomatischen Status
bietet, wenn es darum geht, ihre wahre Identität, ihre Bewegungen und Munitionslieferungen zu verschleiern. Nach einem Anschlag finden sie Unterschlupf in einem Staat, der als ihr Gönner auftritt, was ihre Chance,
nach einer solchen Aktion davonzukommen, wesentlich erhöht.

Die Terrorgruppen bezahlen für all dies zwar dadurch, daß sie sich in
wechselndem Maße der Führung und dem Befehl dieses Staates unterordnen
müssen, aber eine solche staatliche Vormundschaft bringt ihnen auch große
- 7 -

�auch große Vorteile.

All dies hat bewirkt, daß der Terrorismus sich zu

einer fundamentalen Bedrohung unserer nationalen Sicherheit und der unserer Verbündeten entwickelt hat; zu einer Bedrohung, die allem Anschein
nach bestehen bleiben und wachsen wird, bis wir gemeinsam wirksame Mittel
finden, mit denen wir ihr begegnen können.

Ende der fünfziger und Anfang der sechziger Jahre entdeckten Untergrundbewegungen und Terroristen im engeren Sinn, daß sie die öffentliche
Meinung in Ländern wie den Vereinigten Staaten mobilisieren und die Regierungen, gegen die sie kämpften, moralisch, wirtschaftlich und politisch unter Druck setzen konnten, indem sie Meldungen in die internationalen Nachrichtenmedien lancierten.

Von da war es kein weiter Schritt

mehr bis zu der Erkenntnis, daß Anschläge auf Bürger und Einrichtungen
eines anderen Landes einen sicheren Weg bildeten, um die Aufmerksamkeit
der Medien, der 'Öffentlichkeit und des Parlaments dieses Landes auf sich
zu ziehen.

Was den internationalen Terrorismus jedoch zu der Bedrohung für die
Sicherheit gemacht hat, die er heute darstellt, ist die Tatsache, daß
einige Staaten zu der Schlußfolgerung gelangt sind, daß man mittels des
Terrorismus andere Staaten in einer Weise

zu Zugeständnissen

zwingen

kann, wie dies mit den herkömmlichen Mitteln der Diplomatie niemals möglich wäre.

Genau diese Effektivität des Terrorismus als Mittel der Poli-

tik macht seine besondere Verlockung aus und hat dazu geführt, daß er in
den vergangenen Jahren immer häufiger in Erscheinung getreten ist.

Wir

dürfen daher Ausbrüche der Gewalt nicht einmal dann als Ereignisse betrachten, die unsere Interessen nicht berühren, wenn sie nur in kleinerem
Umfang und in entlegenen Regionen auftreten.

Die Bedrohung, der wir uns

gegenübersehen, geht über isolierte und vereinzelte Ausbrüche von Gewalt
hinaus.

Die Bedrohung, der sich die Gesellschaft als ganze heute durch den
Terrorismus ausgesetzt sieht, ist ernster zu nehmen, als die bloße Tatsache, daß es Individuen und Gruppen gibt, deren Zorn sich gegen die Führung ihres Landes richtet.

Diese Bedrohung betrifft in gleicher Weise
- 8 -

�gleicher Weise alle zivilisierten Gesellschaften.

Auch Staatsburger und

Einrichtungen unseres Landes sind bedroht oder real betroffen.

In den

Augen der Menschen, d.h., der Menschen unseres Landes werden durch den
Terrorismus die Richtigkeit unserer Entscheidungen und unsere Fähigkeit
zum Durchhalten unseres politischen Kurses in Frage gestellt und zweifelhaft gemacht.

Der Entscheidungsprozeß innerhalb unserer Regierung wird durch den
Terrorismus gestört.

Das Vertrauen in die Funktionsfähigkeit

Institutionen wird durch ihn schwer in Mitleidenschaft gezogen.

unserer
Wenn wir

es nicht schaffen, ihm wirksam zu begegnen, wird unsere internationale
Glaubwürdigkeit ernsten Schaden erleiden, wie dies vor fünf Jahren während der Geiselaffaire im Iran schon einmal der Fall war.

Der Terroris-

mus verstärkt viele verschiedene Arten und Quellen der Unzufriedenheit.
Er bildet häufig ein Fanal für Menschen, die eigentlich eine andere Sache
vertreten und sie zumeist auch auf gewaltfreie Art und Weise artikulieren.

Er ist ein attraktives Mittel für kleine und schwache Staaten oder

Gruppen und deren Ehrgeiz.

Er bildet einen natürlichen Brennpunkt der

Desinformation und anderer Arten der Täuschung der Öffentlichkeit.

Er

heizt die Leidenschaften an, die in einer Gesellschaft bestehen, und er
polarisiert sie.

Und schließlich ist er ein verlockendes Instrument,

dessen man sich bedienen kann, um den sozialen, politischen und wirtschaftlichen Zusammenbruch eines Staates voranzutreiben.

Einer der größten politischen Erfolge unserer Zeit beruht in der Tatsache, daß die strategische Abschreckung sich als funktionsfähig erwiesen
hat.

Die strategisch-nukleare Abschreckung leistet uns seit über 4u Jah-

ren gute Dienste.

Sie funktioniert so gut, daß unsere Gegner unkonven-

tionelle Mittel und Wege finden mußten, um uns angreifen zu können.

Un-

ser Problem für die Zukunft besteht darin, daß wir uns unterhalb der
Schwelle, ab der die Abschreckung funktioniert, d.h., unterhalb des strategischen Niveaus, einer heimtückischen neuen Bedrohung gegenübersehen.
Es handelt sich dabei nicht um die Gefahr eines Krieges von der Art, die
wir kennen, und auch nicht um die Gefahr eines nukearen Angriffs, sondern
um eine neue Art der Kriegführung, eben den Terrorismus.
Der Gesamteffekt

�Der Gesamteffekt dieser Taktik der Gewalt in kleiner Dosierung besteht in einer langsamen Untergrabung unserer nationalen Sicherheit.

Er

ergibt sich aus der Tatsache, daß in den Augen unserer Freunde und Verbündeten unsere Verläßlichkeit und unsere Fähigkeit zur Bewältigung von
Problemen allmählich abbröckelt und daß sie uns zunehmend weniger zutrauen, daß wir wissen, wie man mit solchen Herausforderungen fertig wird.
Da die politisch Verantwortlichen solch kleinerer befreundeter Staaten
sich Einschüchterungsversuchen und Drohungen gegen ihre persönliche Sicherheit gegenübersehen, entwickeln sie dann im Laufe der Zeit allmählich
eine Neigung, ihre eigenen Wege zu gehen, da ihre stärkeren Freunde hier
in den Vereinigten Staaten augenscheinlich außerstande sind, sie zu beschützen und solchen Bedrohungen entgegenzutreten.

Ich behaupte nicht, daß es sich beim Terrorismus um eine zentral gelenkte Verschwörung handelt, obwohl, wie Außenminister Shultz erklärt
hat, wenig Zweifel
spielt.

darüber

bestehen, welche Rolle

unser Hauptgegner

Nichtsdestoweniger ergeben sich die Probleme, denen wir uns bei

der Auseinandersetzung mit dieser Bedrohung gegenübersehen, nicht aus der
Existenz eines einzelnen Marionettenspielers, der an allen Fäden zieht,
sondern vielmehr aus der Tatsache, daß die einzelnen Zwischenfälle für
sich gesehen nur ein geringes Ausmaß erreichen und daß die Vielzahl der
beteiligten Spieler aus differenzierten Beweggründen heraus handelt und
Unterstützung

aus unterschiedlichen Quellen erhält.

Für manche Leute

verwischt sich der Unterschied zwischen Terrorismus und Untergrundkampf.
Beim Untergrundkampf handelt es sich um den offenen Gebrauch von Waffengewalt, um Veränderungen oder Zugeständnisse von einer totalitären oder
diktatorischen Regierung zu erzwingen, die sich gegen friedliche Formen
der Behebung
sträubt.

von Mißständen

oder

der

gesellschaftlichen

Veränderung

Dies ist unschwer von den Aktivitäten von Gruppen zu unter-

scheiden, die eine demokratische Gesellschaft angreifen, indem sie Geiseln nehmen oder Koffer voll Sprengstoff in Passagierflugzeuge schmuggeln, die vollbesetzt mit unschuldigen Menschen sind.

Eine wirksame Po-

litik gegenüber der Öffentlichkeit erfordert ein klares Verständnis dieser Dinge.

Es ist wesentlich,
- 10 -

�Es ist wesentlich, daß wir unsere Politik in einer Art und Weise darlegen, die für die Terroristen, ihre regierungsamtlichen Schutzherren und
unsere Freunde und Verbündeten klar verständlich ist.

Es ist in diesem

Zusammenhang jedoch nicht erforderlich, unsere Planung im einzelnen darzulegen oder genau zu erläutern, wie wir auf die Umstände, denen wir uns
im Einzelfall gegenübersähen, reagieren würden.

Das Überraschungsmoment

ist ein Vorteil, den wir nicht aufgeben dürfen.

Wenn es soweit ist, muß

unser Verhalten für sich selbst sprechen.

In Anbetracht all dieser Faktoren arbeitet die Administration auf der
Grundlage einiger Verhaltensgrundsätze, die ich Ihnen heute abend darlegen möchte.

Sie sind in einer Direktive des Präsidenten zum Kampf gegen

den Terrorismus enthalten und sollen unsere Entscheidungsfindung in konkreten Krisensituationen leiten.

Zunächst einmal bildet die Anwendung terroristischer Methoden durch
irgendwelche Personen oder Gruppen im Dienste irgendeiner Sache eine Bedrohung unserer nationalen Sicherheit.

Zweitens dem internationalen Ter-

rorismus muß mit allen rechtlich zulässigen Mitteln entgegengetreten werden.

Drittens, terroristische Aktionen oder Drohungen, die von Staaten

gefördert werden, bilden feindselige Akte, und die, die dergleichen betreiben oder fördern, müssen dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Viertens, wenn wir Hinweise darauf erhalten, daß eine terroristische Aktion
gegen uns in Vorbereitung ist, sind

wir verpflichtet, Maßnahmen zum

Schutz unserer Staatsbürger, unseres Eigentums und unserer Interessen zu
treffen.

Fünftens, die Bedrohung durch den Terrorismus stellt eine Ag-

gression dar und rechtfertigt Maßnahmen der Selbstverteidigung.

Es ist

daher wesentlich, die Methoden des Sammeins und Bewertens von Informationen über in terroristische Aktivitäten verwickelte Gruppen und Staaten zu
vervollkommnen, um Angriffe verhindern bzw. zurückschlagen zu können, um
unsere Bürger, Freunde und Verbündeten warnen zu können und um die Erfolgsaussichten terroristischer Anschläge zu verringern.

Secnstens, der

Terrorismus ist ein Problem, das alle demokratischen Nationen betrifft.
Wir müssen daher mit anderen Ländern intensiv zusammenarbeiten, um diese
Bedrohung für die freien und offenen Gesellschaften zu beseitigen.
- 11 -

Wei-

�beseitigen.

Weiterhin müssen wir alle politischen und diplomatischen Re-

gister ziehen, um diejenigen, die sich terroristischer Methoden bedienen
oder sie fördern, zu veranlassen, hiervon Abstand zu nehmen.

Wo immer

dies möglich ist, müssen wir dabei helfen, Mittel und Wege zu finden, dem
legitimen Groll über irgendwelche Mißstände gewaltfreie Ausdrucksmöglichkeiten zu verschaffen.

Ferner sollten terroristische Aktionen, die von

Staaten gefördert oder organisiert worden sind, auf jedem uns zugänglichen Forum

in gebührender

Weise

angeprangert

und

verurteilt

werden.

Schließlich sollten wir, wo immer dies möglich ist, befreundeten Nationen, die sich durch terroristische Drohungen oder Aktionen eingeschüchtert fühlen müssen, helfen und sie mit allen uns zur Verfügung stehenden
Mitteln unterstützen, so u.a. beim Sammeln nachrichtendienstlicher Informationen, durch Ausbildungshilfe und auf Anforderung und in Selbstverteidigung auch durch den Gebrauch von Gewalt

All dies spiegelt meiner Meinung nach deutlich die Komplexität der
Herausforderung, vor die uns der internationale Terrorismus stellt, wie
auch die Notwendigkeit für eine sorgfältig durchdachte Reaktion auf ihn
wider.

Die Festlegung dieser Grundsätze ist jedoch nur der Anfang unse-

rer Aufgabe.

Denn genau hier beginnt die Debatte darüber, wie unsere Re-

aktion im einzelnen aussehen sollte.

Die meisten der uns zur Verfügung

stehenden Optionen geben verhältnismäßig wenig, wenn überhaupt, Grund zur
Kontroverse.

Unsere Regierung unternimmt derzeit umfassende Anstrengun-

gen, um die rein äußere Sicherheit unserer diplomatischen Missionen und
anderen Einrichtungen im Ausland zu verbessern.

Zur Pflicht werden die

Ausbildungsprogramme, durch die unser diplomatisches und militärisches
Personal hinsichtlich der Natur der terroristischen Bedrohung und derjenigen Schritte sensibilisiert wird, die ein jeder ergreifen kann, um seinen eigenen Schutz vor einem terroristischen Angriff zu verbessern.

Wir

arbeiten auch eng mit vielen anderen Regierungen zusammen, um Qualität
und Quantität der Sicherheitsvorkehrungen zu verbessern, die unserem Personal und unseren Einrichtungen im Ausland zur Verfügung stehen, und wir
verstärken unsere Möglichkeiten, um ausländischen Diplomaten, Würdenträgern und Besuchern hier in unserem eigenen Land noch mehr Schutz zu gewähren.
Im vergangenen
- 12 -

�Im vergangenen Jahr haben wir uns auch aktiv an der Ausbildung von
ausländischen Zivilbediensteten beteiligt, die im Bereich Sicherheit und
Terrorismusbekämpfung tätig sind. Unsere eigenen Fähigkeiten bei Beschaffung, Beurteilung und Einsichtnahme in nachrichtendienstliche Ergebnisse
hinsichtlich

terroristischer Aktivitäten wurden verbessert.

Mit Hilfe

des Kongresses haben wir erste Schritte in der Gesetzgebung unternommen,
um die rechtlichen Grundlagen für die Verfolgung und Ergreifung potentieller Terroristen zu stärken und um die Anwendung internationaler Konventionen zu ermöglichen, die ebenfalls zur Verringerung dieser Bedrohung
beitragen können.

In bilateralen und multilateralen Gesprächen streben

wir Abkommen mit anderen Regierungen an, die die Auslieferung tatverdächtiger Terroristen erleichtern, die die Interpretation bestehender Abkommen hinsichtlich des Status des diplomatischen Personals und diplomatischer Missionen straffen und die es ermöglichen, gemeinsam Technologien
im Bereich der Bekämpfung terroristischer Aktivitäten zu nützen sowie die
internationalen Bemühungen in Bereichen gemeinsamen Interessesn, wie der
Sicherheit des Luftverkehrs, zu verstärken.

All diese Programme sind angelaufen und tragen erste Früchte.

Aber

es liegt noch ein weiter Weg vor uns, bis uns ihr volles Potential zur
Verfügung steht.

Wurde auch bisweilen über Tempo, Angemessenheit und

Priorität bei diesen Themen diskutiert, so scheint doch generelle Übereinkunft dahingehend zu bestehen, daß in allen Bereichen weitergearbeitet
werden muß.

Dies ist allerdings nicht der Fall bei dem letzten von mir

genannten Bereich - dem Einsatz von Gewalt -, um terroristischen Attacken
zuvorzukommen bzw. als Antwort auf solche.

Wie ich bereits sagte, liegt begrenzte Gewalt, einschließlich Terrorismus, unterhalb der normalen Schwelle, die eine militärische Reaktion
erforderlich machen würde.

Sowohl Außenminister Shultz als auch Vertei-

digungsminister Weinberger haben der Öffentlichkeit eine Reihe von Vorschlägen unterbreitet, was die Fakten angeht, die dabei eine Rolle spielen, wenn man sich für eine militärische Option entscheidet.

Obwohl die

Medien diese Erklärungen eine Debatte genannt haben, so ist dies eigentlich nicht wirklich der Fall.

Außenminister Shultz hat die Notwendigkeit

- 13-

�die Notwendigkeit betont, die Anwendung von Gewalt als eine realistischerweise zur Verfügung stehende Option in Erwägung zu ziehen, um mit
bestimmten terroristischen Aktionen fertigzuwerden.

Er hat sorgfältig

auf die Risiken und Probleme hingewiesen, die wir in unsere Überlegungen
mit einbeziehen müssen, bevor wir uns für den Einsatz von Gewalt entscheiden - einschließlich der Probleme der Sicherung von Unterstützung
und Zusammenarbeit seitens anderer Regierungen.

Minister Weinberger hat

auf die sehr realen, praktischen Schwierigkeiten hingewiesen, vor denen
die militärische Planung bei dem Versuch steht, Gewalt in geringem Umfang
und über große Entfernungen anzuwenden.

Er hat, wie ich meine, sehr

deutlich darauf hingewiesen, wie schwer hierbei ein Erfolg zu erzielen
ist und hat gleichfalls die Notwendigkeit der Unterstützung durch die
Öffentlichkeit betont, wenn es darum gehen sollte, daß die Vereinigten
Staaten bei der Abwendung eines terroristischen Angriffs auf Gewalt zurückgreifen.
i

Ich persönlich glaube nicht, daß diese Argumente einander ausschließen.

Das Völkerrecht erlaubt die Anwendung von Gewalt zur Selbstvertei-

digung.

Dies ist explizit im Artikel 51 der Charta der vereinten Natio-

nen sanktioniert.

Worum es uns geht, ist eine Reihe von Arbeitsprinzi-

pien, von Regeln, die den sinnvollen Einsatz von Gewalt in bestimmten
Fällen erleichtern, wo diese eindeutig notwendig ist.

Wir wollen, daß

diese Anwendung von Gewalt in einem sinnvollen Verhältnis zur Bedrohung
steht.

Wir wollen, daß sie so genau wie nur möglich zielt.

Wir wollen,

daß sie hinsichtlich des "Wo", des "Wann" und des "Wie" wohlüberlegt ist.
Wir möchten die größtmögliche Zusammenarbeit mit anderen betroffenen Regierungen und mit dem Kongreß.

Und - am wichtigsten - wir wollen den Er-

folg.
Als Staat standen wir oftmals vor der Notwendigkeit einer wirksamen
Antwort auf begrenzte Gewalt. Sie erinnern sich vielleicht an die Jahre
1803, 1804, als die Vereinigten Staaten sich im Mittelmeer einer erheblichen Plage im Mittelmeer konfrontiert sahen, Piraten nämlich, deren
Raubzüge für die Handelsschiffahrt entlang der nordafrikanischen Küste
eine nicht geringe Gefahr bedeuteten. Präsident Jefferson sandte Stephen
Decatur, um dieses Übel an seiner Wurzel zu beseitigen. Parallel und in
- 14-

�und in Ergänzung hierzu schlug Marineleutnant Presley O'Bannon zu Lande
zu - das Ganze, wie man sagen könnte, unsere erste verdeckte Aktion. Gemeinsam führten Decatur und O'Bannon eine absolut erfolgreiche Antiterroraktion durch, und die zivilisierten Nationen der Erde waren ihnen damals alle dankbar.

Die anarchischen Bedingungen, die zu Decaturs und

O'Bannons Zeit in jener Region herrschten, sind meiner Meinung nach in
vieler Hinsicht dem ähnlich, was wir heute in einigen Gegenden der Erde
erleben - insbesondere im Nahen Osten.

Wie wir alle wissen, bringt der Einsatz von Gewalt in einer so freien
und offenen Gesellschaft wie der unsrigen ganz besondere Probleme mit
sich.

Wir haben nie nachlässig oder gleichgültig Gewalt angewendet.

Da-

durch sind wir, wie ich meine, bei unserer Reaktion in einem erheblichen
Nachteil jenen gegenüber, die sich selbst zu unseren Gegnern ernannt haben.

Die Vereinigten Staaten haben Gewalt nie blind eingesetzt und wer-

den dies auch nie tun.

Aber wir müssen die Freiheit haben, einen bewaff-

neten Schlag gegen Terroristen und jene in Erwägung zu ziehen, die sie
unterstützen, wo eine Bedrohung durch keine anderen Mittel aus der Welt
geschafft oder zumindest verringert werden kann.

Mit Geschick haben Ter-

roristen es fertiggebracht, Unschuldige zu zwingen oder manchmal auch zu
überreden, sie vor Vergeltungsmaßnahmen

zu

schützen.

Diese

Tatsache

sollte unsere Besorgnis hervorrufen, wenn wir dem jeweiligen Fall entsprechend die angemessenen Instrumente einer Antwort auswählen.
dürfen andererseits auch nicht wie paralysiert erstarren.
genau das, was die Terroristen zur Zeit erwarten.

Aber wir

Denn das ist

Genau wie wir mit uns

nicht handeln lassen - und das ist, wie Sie wissen, seit Jahren unsere
erklärte Politik gewesen.

Wir können und werden nicht auf Gewalt ver-

zichten, um Terrorakte zu verhindern, ihnen zuvorzukommen oder um auf sie
zu reagieren, wenn die Umstände den Einsatz von Gewalt sinnvoll erscheinen lassen.

Viele Länder, auch die Vereinigten Staaten, haben die spe-

ziellen Kräfte und Möglichkeiten, die erforderlich sind, um Operationen
gegen terroristische Gruppen durchzuführen.

Wenn wir diese Kräfte nicht einsetzen, wo eben dieser Einsatz eindeutig gerechtfertigt ist, werden wir weder den unmittelbaren Nutzen noch

- 15-

�Nutzen noch den Abschreckungseffekt aus der Tatsache ziehen können, daß
wir sie überhaupt haben.

Wir können nicht so handeln, daß Terrorgruppen

und die sie Unterstützenden den Eindruck erhalten, sie könnten Gewalt
gegen uns frei und ungehindert anwenden.

Diese Abschreckung kann aber

nur dann wirklich Anwendung finden, wenn wir gelegentlich unseren Willen
unter Beweis stellen, einer terroristischen Herausforderung mit angemessener Gewalt zu begegnen.

Zu diesem Zweck müssen wir im Ernstfall auf

entsprechende Beweise hin rasch reagieren.

Solange die Terroristen und

die sie unterstützenden Staaten den Eindruck haben, wir seien in unserer
Reaktion behindert oder unsere Reaktion werde sich in endlosen Konsultationen und Debatten verlieren, haben wir tatsächlich überhaupt keine
Abschreckung.
Das NSIC kann meiner Meinung nach in dieser Sache besonders hilfreich
sein, indem Informationen über die Erfordernisse nach rechtzeitigen, raschen und wirksamen Maßnahmen des Präsidenten bereitgestellt werden, um
so sicherzustellen, daß die Vereinigten Staaten wirklich über eine Abschreckung verfügen, die funktioniert, um Gewalt auf niedriger Ebene zu
verringern und letztlich dazu beiträgt, daß wir tatsächlich notwendige
Gewalt in immer geringerem Maß einsetzen müssen. Unsere Verbündeten und
Freunde wollen nicht, daß wir uns unzureichend gerüstet überall in der
Welt auf militärische Abenteuer einlassen - und das will auch der Präsident nicht. Darüber brauchen Sie sich aber keine Sorge zu machen. Wir
haben keine derartigen Absichten. Wir beabsichtigen allerdings, die Kapazität für den raschen und wirksamen Einsatz von Gewalt aufrechtzuerhalten, falls es der Gewalt bedarf, und zwar je nach Bedarf - in Zusammenarbeit mit anderen Regierungen.
Der Einsatz von Gewalt ist gefährlich - ja, und wir müssen stets darum bemüht sein, dies wenn möglich zu vermeiden. Aber, und ich wiederhole
es, nicht um jeden Preis. Darauf als Option bei der Bekämpfung des Terrorismus zu verzichten, bedeutet, zu mehr, nicht zu weniger skrupelloser
terroristischer Brutalität einzuladen. Wir sind uns alle einig, daß die
Unterstützung durch die öffentliche Meinung für unsere Außenpolitik schon
im allgemeinen und umso mehr in dem speziellen Fall von entscheidender
Bedeutung ist, wenn es um die Anwendung von Gewalt, gleich welcher Form,
- 16-

�welcher Form, im internationalen Rahmen geht.

Um offen zu sein: Ich glaube, wir haben dieses Mandat. So hat der
Präsident selbst an seiner Haltung keinerlei Zweifel gelassen - und zwar
schon von seinen ersten Tagen im Amt an, als seine Administration den internationalen Terrorismus zum größten Mißbrauch der Menschenrechte erklärte.

Und ich möchte hinzufügen, daß diese Administration über ihren

ehemaligen und jetzigen Außenminister in gleichem Maß auf die Sowjetunion
verwiesen hat und sie als einen Hauptsponsor und -unterstützer einer ganzen Reihe von Staaten und Gruppen ausgewiesen hat, die dem internationalen Terrorismus angehören.

Wir haben keine Beweise dafür, die uns dazu

bewegen könnten, von dieser Sicht abzugehen. Gleiches kann auch von anderen Staaten gesagt werden, die den Terrorismus als Instrument ihrer Politik benützen.

In diesen Fällen sollten wir bereit sein, eine entspre-

chende militärische Antwort gegen angenommene militärische Ziele in einem
Staat zu richten, der uns gegenüber terroristische Maßnahmen ergreift.
Bei der Entscheidung über einen Angriff auf diese militärischen Ziele
müssen wir nicht auf dem absoluten Beweis dafür bestehen, daß die Ziele
einzig dazu verwendet wurden, den Terrorismus zu unterstützen.

Wir soll-

ten auch nicht über jeden vernünftigen Zweifel hinaus beweisen müssen,
daß ein bestimmtes Element oder eine bestimmte Einzelperson in diesem
Staat für solche Terrorakte verantwortlich ist. Es gibt zum Beispiel ausreichende Beweise dafür, daß radikale Shia-Terroristen auf Lenkung durch
den Iran reagieren, um uns in die Lage zu versetzen, Teheran für solche
Angriffe auf Bürger, Eigentum und Interessen der Vereinigten Staaten verantwortlich zu machen.

Der Terrorismus ist ein empörendes Phänomen, das jene betreiben, die
sich aus eigener Entscheidung
stellen.

außerhalb

der

zivilisierten

Menschheit

Er ist eine Form der Kriegsführung, der sich gegen das Herz der

Zivilisation selbst, gegen ein jegliches annehmbares Schema des politischen und kulturellen Lebens richtet.

Wir können nichts anderes tun als

uns ihm zu stellen, und das bedeutet auch: frontal, wenn nichts anderes
wirkt.

Oberstes Ziel der Terroristen und jener, die sie unterstützen,

- 17-

�sie unterstützen, ausbilden und versorgen, ist es, unsere Werte zu untergraben, unser Selbstvertrauen zu erschüttern und unsere Reaktion zu
schwächen.
In letzter Analyse ist allerdings Gewalt nur eins der Instrumente,
über die wir verfügen.

Auch alle anderen Optionen - Sicherheitsvorkeh-

rungen, Ausbildung, diplomatische Bemühungen, Verbesserung der Institutionen, über die wir unsere Quellen und unser Wissen mit anderen Staaten
teilen, sowie die rechtlichen Methoden, die ich erwähnt habe - müssen auf
integrierte Weise so rigoros wie möglich eingesetzt werden.

Wir müssen

auch weiterhin unsere Fähigkeit unter Beweis stellen, all diese Elemente
der nationalen, wirtschaftlichen, diplomatischen, militärischen, informationstechnischen und verdeckten Möglichkeiten zusammen gegen die Plage
des Terrorismus einzusetzen.

Sollten aber andere Mittel sich als unzu-

reichend erweisen, so muß Gewalt - für sich oder kombiniert mit anderem zur Verfügung stehen.
Die Rechtmäßigkeit dieser Option hängt davon ab, ob wir eine ehrliche
Anstrengung unternommen haben, mit dieser Herausforderung fertig zu werden, ohne Gewalt anzuwenden. Es gibt über diesen Grundsatz innerhalb
dieser Administration keinerlei Diskussion. Und es sollte unter freien
Menschen, die dies bleiben wollen, darüber auch keine geben.

- 18-

�Hintergrund
materiell
United States Information Service
Embassy of the United States of America

3. April 1985

14

NUKLEARE PLANUNGSGRUPPE DER NATO UNTERSTÜTZT AMERIKANISCHE
SDI-FORSCHUNG

- Schreiben Weinbergers an die Verbündeten -

LUXEMBURG - (AD) - Auf der regulären Tagung der Nuklearen Planungsgruppe der NATO am 26. und 28. März 1985 in Luxemburg haben die darin
vertretenen Mitglieder des Atlantischen Bündnisses die amerikanische Forschung auf dem Gebiet der Strategischen Verteidigungsinitiative (SDI) als
richtig bezeichnet und unterstützt. Dies geht aus dem am 27. März veröffentlichten Schlußkommunique' hervor und wurde auch von NATO-Generalsekretär Lord Carrington auf einer Pressekonferenz am gleichen Tag bestätigt.

Der Oberste Alliierte Befehlshaber Europa (SACEUR), General Bernard
Rogers, hatte den in der Nuklearen Planungsgruppe versammelten Verteidigungsministern ferner seine Pläne für den im Vorjahr in Montebello beschlossenen Abzug von 1400 Nuklearwaffen aus Europa dargelegt.

Im Zuge

dieses Abzuges von Waffen soll auch eine Umdislozierung stattfinden, um
Über- und Unterstationierung in bestimmten Gebieten auszugleichen.
Der

amerikanische

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Der amerikanische Verteidigungsminister Caspar Weinberger hatte die
Mitglieder des Atlantischen Bündnisses sowie Japan, Australien und Israel
in Schreiben an die Verteidigungsminister eingeladen, sich an den Forschungsarbeiten für die Strategische Verteidigungsinitiative zu beteiligen.

Das Schreiben des amerikanischen Verteidigungsministers hat folgenden
Wortlaut:

Lieber Kollege,

in dem Zeitrum, seit Präsident Reagan seine Vorstellungen von der
Strategischen Verteidigungsinitiative

(SDI) dargelegt hat, haben viele

unserer Verbündeten informell ihr Interesse an einer Beteiligung an diesem Forschungsprogramm zum Ausdruck gebracht.

Gleichzeitig haben einige

unserer Freunde um eine Klarstellung unserer Politik und unserer Haltung
bezüglich einer solchen Zusammenarbeit gebeten.

Ich schreibe Ihnen heu-

te, um die Auffassungen meiner Regierung zu diesem wichtigen Thema darzulegen und um in einen direkten Dialog mit Ihnen einzutreten.

Wie Sie wissen, besteht der Zweck der Strategischen Verteidigungsinitiative darin festzustellen, ob es kosteneffektive Verteidigungstechnologien gibt, die die Abschreckung stärken und die Stabilität erhöhen könnten. Weil unsere Sicherheit unauflöslich mit der unserer Freunde und Verbündeten verknüpft ist, werden wir in den nächsten Jahren eng mit unseren
Verbündeten

zusammenarbeiten, um sicherzustellen, daß

im Falle einer

künftigen Entscheidung, Defensivsysteme zu dislozieren - eine Entscheidung, bei der die Konsultation mit unseren Verbündeten eine wichtige Rolle spielen würde -, die Sicherheit der Verbündeten ebenso wie die der
Vereinigten Staaten vor einer Aggression erhöht würde.

Darüber hinaus

wird sich das SDI-Programm nicht ausschließlich auf eine Nutzung von
Technologien mit einem Potential gegen Interkontinentalraketen (ICBM) und
unterseebootgestützte Raketen (SLBM) beschränken, sondern auch sorgfältig
Technologien mit einem Potential gegen Raketen mit kürzerer Reichweite
prüfen.
Die Vereinigten
- 2 -

�Die Vereinigten Staaten werden in Übereinstimmung mit ihren bestenenden

internationalen Verpflichtungen, einschließlich des ABM-Vertrages,

mit kooerativer Forschung mit den Verbündeten auf Gebieten der Technologie fortfahren, die zu dem SDI-Forschungsprogramm beitragen könnten.

In

Verfolg dieser Politik ist es den Vereinigten Staaten gestattet - und sie
sind dazu bereit -, solche kooperativen Programme über Daten und Technologie, die unterhalb der Schwelle von Komponenten des ABM-Vertrages liegen, durchzuführen, wie sie mit verbündeten Ländern gegenseitig vereinbart werden könnten.

Wenn Ihr Land daran interessiert ist, mögliche kooperative Anstrengungen oder Beiträge zu prüfen, dann möchte ich Sie bitten, mir im Laufe
von 60 Tagen einen Hinweis Ihres Interesses an einer Beteiligung an dem
SDI-Forschungsprogramm sowie bezüglich der Forschungsgebiete zukommen zu
lassen, in denen Ihr Land führend ist und die Sie als die vielversprechendsten für dieses Programm ansehen.

Um Ihnen eine breitere Basis für

die Beurteilung in Frage kommender Kapazitäten zu geben und um zur Beschleunigung des Prozesses beizutragen, sind die Vereinigten Staaten bereit, in Washington Zusammenkünfte zu arrangieren, damit die wissenschaftlichen und technischen Vertreter Ihrer Regierung sich in diesem
Zeitraum eingehend über das SDI-Programm unterrichten lassen können.

Im Hinblick auf die Möglichkeit, angemessene bilaterale Gespräche
über spezifische Gebiete und Vereinbarungen der Kooperation einzuleiten,
würden wir gerne mit einer baldigen Antwort rechnen.

gez.
Caspar Weinberger

- 3 -

�Uli/zen/chofl
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

14

3. April 1985

INTERNATIONALES INTERESSE AN BEMANNTER RAUMSTATION
- Erste Koordinierungsprogramme der NASA mit anderen Ländern -

WASHINGTON - (AD) - Die amerikanische Behörde für Luft- und Raumfahrt
(NASA) erzielte mit der Europäischen .Veitraumbehörde ESA und den zuständigen Organisationen Kanadas und Japans eine Übereinkunft zur Koordinierung erster Studien über die Entwicklung einer ständig besetzten Raumstation.

Diese soll in den neunziger Jahren in Betrieb genommen werden.

Auf der Basis eines Grundsatzabkommens, über das man sich im März 1985
einigte, werden für die nächsten zwei Jahre Aktivitäten auf diesem Gebiet
zwischen der NASA und den Regierungen befreundeter Länder abgestimmt.
Dies berichtete kürzlich Robert Lottmann, der Leiter der NASA-Abteilung
für Kooperationsprogramme, vor der Auslandspresse in Washington.

In etwa

einem Jahr werde man so weit sein, um endgültig entscheiden zu können,
welche Elemente der Raumstation von den einzelnen ausländischen Partnern
für die vorläufige Entwurfsphase und dann für die Entwicklungsphase übernommen werden.

Die NASA selbst

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Die NASA selbst beginnt im April 1985 offiziell mit ihren Uefinitionsstudien, die eine Entscheidung über die vorläufige Konfiguration der
Raumstation erleichtern.
rien,

Aufenthaltskabinen,

(Erste Entwurfsaufträge der NASA für LaboratoSteuerung

von

Lebenserhaltungssystemen,

An-

triebssystemen und frei fliegende Plattformen wurden Mitte März 1985 an
eine Anzahl amerikanischer Firmen vergeben.)

"Wir nehmen an", sagte

Lottmann, "daß in etwa einem Jahr die Grundkonzeption der Raumstation
feststeht.

Wir

hoffen auch, daß sich bis zu diesem Zeitpunkt geklärt

hat, welche Funktionen unsere internationalen Partner in der Eingangsphase des Raumstation-Programms übernehmen.

Im kommenden Jahr werden wir

mit den Arbeiten über die derzeit erwarteten Anforderungen an die Raumstation und mit den eigentlichen Entwürfen beginnen; die Hardware-Entwicklung soll im Finanzjahr 1987 aufgenommen werden.

Lottmanns Ausführungen zufolge unterscheidet sich die internationale
Beteiligung am Raumstation-Programm sehr deutlich von früheren Kooperationsprogrammen.

Das Engagement der potentiellen Partner erstrecke sich

von vornherein über Jahrzehnte, und sie wüßten, daß sich dies auf ihre
eigenen Weltraumaktivitäten für die neunziger Jahre und darüber hinaus
erheblich auswirken werde, sagte Lottmann.

Er hoffe, daß die Europäische

Weltraumbehörde (ESA), Kanada und Japan in Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten in dreifacher Hinsicht wichtige Rollen übernähmen - als
Benutzer von Einrichtungen, als Erbauer einzelner Elemente und als Betreiber von Ausrüstungen der Raumstation.

Im "Memorandum of Understand-

ing" sei u.a. vereinbart, daß jeder Partner einen Benutzungsplan für die
Raumstation entwickeln werde und sich zum langfristigen Gebrauch mit allem technischen Drum und Dran verpflichte.

Sein Mitspracherecht beim Be-

trieb des Gesamtsystems sei unumstritten.

Als Beispiel für Projekte, die von einzelnen Ländern erwogen würden,
nannte Lottmann einen Vorschlag Kanadas, Definitionsstudien für eine Wartungs- und Dienstleistungseinheit durchzuführen, die der Raumstation anzugliedern sei.

"Man könnte sie als Werkstatt bezeichnen, in die bei-

spielsweise Satelliten für Reparaturen und zum Nachtanken gebracht würden", sagte Robert Lottmann.

Bei technischen Details würden die Möglich- 2 -

�die Möglichkeiten und Erfahrungen ausgewertet, die bisher mit dem von
Kanada

zum Raumtransporterprogramm

striert worden seien.

beigesteuerten

"Manipulator" demon-

Die Kanadier befaßten sich außerdem mit Solarzel-

lenstrukturen zur Energieversorgung von Nutzlasten und als zusätzliche
Energiequelle für die Raumstation. Japan erwä'gt Lottmann zufolge Möglichkeiten zur Konstruktion eines Vielzweck-Experimentmoduls, zu dem sowohl
eine Labor-Druckkabine als auch eine offene Plattform für wissenschaftliche Instrumente zum Studium der Sterne und des Sonnensystems gehörten.

Auch Entwicklungsländer wurden eingeladen, sich am Raumstation-Programm zu beteiligen.

"Falls sie beim Bau der Hardware nicht mitmachen

können, bestünde für sie dennoch die Möglichkeit, die Station zu nutzen.
Von ihnen bereitgestellte wissenschaftliche und kommerzielle Nutzlasten
würden von den USA und anderen internationalen Partnern in der Raumstation betreut", erklärte Lottmann.

Nach Schätzungen der NASA liegt der Kostenaufwand für die Entwicklung
der Raumstation bei elf bis zwölf Milliarden Dollar - Beiträge der Vereinigten Staaten von ca. acht Milliarden Dollar und der ESA von ca. zwei
Milliarden Dollar eingerechnet.

Die vorliegenden Pläne sehen in den kom-

menden acht bis zehn Jahren die Konstruktion und den Bau von Segmenten
vor (auch Module genannt), die auf der Erde vorgefertigt werden.

Mit dem

Raumtransporter werden die Module in niedrige Erdumlaufbahnen befördert,
dort ausgeladen und von Astronauten zusammengebaut.

Die "Monteure" tra-

gen selbstverständlich Raumanzüge und bewegen sich mit eigenen Antriebsaggregaten über gewisse Strecken frei im Raum.

Zur Raumstation gehören mehrere Module - unter ihnen eine Druckkabine, die sechs bis acht Astronauten als Wohn- und Schlafquartier dient,
und ein weiteres Drucksegment, das als Werkstatt und Labor genutzt werden
kann.

Der Station fest angegliedert sind offene Plattformen für automa-

tische oder ferngesteuerte Experimente sowie zur Aufnahme von Beobachtungsinstrumenten.

Daneben wird es auch frei fliegende Plattformen als

Träger für wissenschaftliche Instrumente in eigenen Umlaufbahnen geben.

Die Besatzungen
- 3 -

�Die Besatzungen der Raumstation befassen sich mit Aufgaben der Grundlagenforschung aus Gebieten von Medizin, Astronomie, kosmischer Physik
und Sonnenforschung.

Sie führen ferner Experimente auf dem Gebiet der

Geowissenschaften sowie technologische Experimente durch, die darauf abzielen, Produkte und Dienstleistungen sowohl für die Industrie als auch
für die Masse der Verbraucher zu entwickeln.

Alle paar Wochen legt ein

Raumtransporter an der Raumstation an, damit die Besatzung ganz oder
teilweise ausgetauscht werden kann und
werden.

Versorgungsgüter herangebracht

"Die Raumstation...

wird ständig bemannt sein", erklärte kürz-

lich NASA-Chef James Beggs.

Darin unterscheide sie sich grundsätzlich

von SKYLAB, dem amerikanischen Projekt von 1973/74, und von dem sowjetischen SALYUT-Projekt.

"Von den neunziger Jahren an werden, so glaube

ich, ständig Amerikaner im Weltraum leben und arbeiten", meinte Beggs.

* * * * *

�14

3. April 1985

US-CHEMIE-INDUSTRIE BESCHLIESST NEUE SICHERHEITSPROGRAMME
- Reaktion amerikanischer Unternehmen auf Bhopal-Unfall -

- (AD) - Der Verband der chemischen Industrie in den Vereinigten
Staaten kündigte neue Initiativen zur weiteren Verbesserung der Sicherheitsprogramrne an.

Wie der Verbandsvorsitzende Edwin C. Holmer kürzlich

vor Journalisten sagte, sei dies eine

Reaktion auf Besorgnisse, die nach

dem Unfall in dem Betrieb von Union Carbide in Bhopal (Indien) im Dezember 1984 in der amerikanischen Öffentlichkeit geäußert wurden.

Die un-

mittelbare Antwort jedes Unternehmens sei eine sofortige und gründliche
Überprüfung seiner Sicherheitsmaßnahmen gewesen. Dabei habe sich gezeigt,
daß "Verbesserungen insofern möglich sind, als unsere Katastrophenpläne
in die der kommunalen Stellen wirksamer eingebunden werden können", erklärte Holmer.

Die Initiativen sollen bewirken, daß die chemische Industrie stärker
als bisher in die kommunale Planung für Notstands- und Katastrophenfälle
einbezogen wird.

Sie sollen ferner gewährleisten, daß bei den kommunalen

Stellen alle verfügbaren Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit und der Ab-

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�der Abwehr von Gefahren bekannt sind.

Und sie demonstrieren, daß es die

chemische Industrie für ihre Pflicht hält, Informationen über Gefahren an
die Öffentlichkeit weiterzugeben.

Wie Holmer, Präsident der Exxon Chem-

ical Company, in diesem Zusammenhang erklärte, seien diesen Initiativen
zwei neue Programme zugeordnet - CAER ("Community Awareness and Emergency
Response") sowie das Programm "National Chemical Response and Information
Center".
Dem CAER-Programm liegt die Idee zugrunde, daß der Öffentlichkeit zum
mindestens detaillierte Informationen über die Gefahren, Eigenschaften
und Wirkungen von Chemikalien, über Listen von gefährlichen Substanzen am
Arbeitsplatz sowie über Mitteilungsprogramme in Verbindung mit gesundheitsgefärhdeten Aktivitäten verfügbar gemacht werden sollen.

Dabei han-

delt es sich um Informationen, wie sie von Arbeitgebern entsprechend der
Vorschriften der zuständigen Bundesbehö'rden regelmäßig ausgearbeitet werden.

Das Programm habe zum Ziel, so Holmer, daß das Management des Unternehmens mit den örtlichen Katastrophenschutz-Beauftragten, mit anderen
Industrieunternehmen am Ort und mit interessierten Bürgern Zusammenarbeit, um über Betrieb und Arbeitsablauf zu informieren.

Damit sollen

letztlich "koordinierte Katastrophenschutzpläne für das Gemeinwesen entwickelt werden, die Besorgnisse über Gefahren betreffen, welche sich aus
dem Betrieb eines Chemieunternehmens ergeben könnten, und die Pläne zum
Schutz gegen Naturkatastrophen, Unfälle im Transportwesen und den Ausfall
von Versorgungsanlagen einbeziehen".
Das zweite Programm, werde, wie Holmer hervorhob, überall dort zum
Tragen kommen, wo man von der chemischen Industrie Hilfe oder Unterstützung erwarte.

Dazu sollen u.a. Aktivitäten in Reaktion auf Anforderungen

koordiniert werden, die Informationen über Katastrophenschutzmaßnahmen,
Unterstützung, Ausbildung und eine allgemeine Unterrichtung über Gefahren
von chemischen Stoffen auch außerhalb von Notstandssituationen betreffen.

Das Programm "National Chemical Response and Information Center" wird

�Center" wird in enger Anlehnung an das System "Chemical Transportation
Emergency Center" aufgebaut werden und mit ihm verknüpft sein.

Bei letz-

terem handelt es sich um das Katastrophen schütz- und Warnsystem der chemischen Industrie für die Beförderung ihrer Produkte.

Es gilt beim ame-

rikanischen Verkehrsministerium als die Quelle für Katastrophenschutzinformationen bezüglich gefährlicher Stoffe in Verbindung mit Verkehrsbzw. Transportunfällen. Das bestehende System soll ausgebaut werden, damit

1) rund um die Uhr Informationen über Katastrophenschutzdienste und
medizinisches Personal auch bei Vorfällen verfügbar sind, die mit einem Transport nichts zu tun haben;

2) Hilfe im Notfall an Ort und Stelle auch bei nicht verkehrsbedingten Unfällen möglich ist, und zwar durch ein "gemeinsames Hilfsaktionsnetz" der chemischen Industrie und der professionellen Katastrophenschutzdienste;

3) die Öffentlichkeit über eine zentrale Kontaktstelle, einschließlich einer gebührenfrei anzuwählenden Telefonauskunft, verfügt, um
sich auch außerhalb einer Gefahrensituation Informationen über gefährliche chemische Stoffe zu beschaffen;

4) bestehende Ausbildungsprogramme so ausgebaut werden, daß auf lokaler Ebene auch Katastrophenschutzteams, die nicht der Industrie
angehören, mit entsprechendem Material versorgt werden.

Dem Verband der chemischen Industrie der USA gehören derzeit 17i&gt; amerikanische Unternehmen an.

Sie verfügen zusammen über etwa 90 Prozent

der gesamten Produktionskapazität für chemische Erzeugnisse.

* * * * »

- 3-

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan betont Bedeutung des Weltraums für die Wirtschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des Präsidenten vor dem National Space Club -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewalt nur eines der Mittel im Kampf gegen den Terrorismus&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von Robert McFarlane -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nukleare Planungsgruppe der NATO unterstützt amerikanische SDI-Forschung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Internationales Interesse an bemannter Raumstation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erste Koordinierungsprogramme der NASA mit anderen Ländern -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Chemie-Industrie beschließt neue Sicherheitsprogramme&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Reaktion amerikanischer Unternehmen auf Bhopal- Unfall -&lt;/em&gt;</text>
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27. März 1985

INHALT

1

INFORMATION
USA fordern Aufklärung über den Tod von Major Arthur Nictiolson
- Erklärung von Unterstaatssekretär Burt William Brock zum neuen US-Arbeitsminister nominiert
DOKUMENTATION
Pressekonferenz des US-Präsidenten vom 2 1 . März 1985
- Auszüge Weltweite Abscheu gegen die sowjetische Invasion Afghanistans
- Erklärung Präsident Reagans zum Afghanistan-Tag WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neuer Aufbruch zu den Planeten
Eingehende Klimaanalyse gefordert
- US-Experten schlagen Konsortium f ü r Wetterdaten vor * * * * *

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2035
Telex: 8-85432

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United States Information Service
Embassy of the United States of America

27. März 1985

13

USA FORDERN AUFKLÄRUNG ÜBER DEN TOD VON MAJOR ARTHUR NICHOLSON
- Erklärung von Unterstaatssekretär Burt -

Washington -(AD)- Wie am 26. März 1985 aus dem Weißen Haus verlautete, fordern die Vereinigten Staaten von der Sowjetunion eine Zusicherung,
daß es nie wieder zu Zwischenfällen wie der Erschießung eines amerikanischen Verbindungsoffiziers kommen wird. Auf Fragen über den Tod von Major
Arthur Nicholson hin erklärte der Stellvertretende Pressesprecher des
Weißen Hauses, Larry Speakes, daß die Administration die Absicht habe,
sich in Washington und in der DDR weiter um eine Aufklärung des Vorfalls
zu bemühen. "Wir werden bei den Sowjets auch weiterhin auf eine umfassende Erklärung dringen, und wir erwarten definitiv, auch eine zu bekommen.
Wir möchten zugesichert bekommen, daß es niemals wieder zu einem derartigen Vorfall kommen wird," sagte Speakes.

Im Hinblick auf die Äußerung Präsident Reagans, daß der Zwischenfall
ihm ein Gipfeltreffen mit seinem sowjetischen Amtskollegen Gorbatschow
als "noch dringlicher" erscheinen lasse, erklärte Speakes, daß ein solches Gipfeltreffen ebenso wie die Genfer Rüstungskontrollverhandlungen
einen "Versuch zum Abbau von Spannungen und damit zur Verhinderung sol-

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�Verhinderung solcher Vorfalle" darstelle.

Er bestätigte, daß bei früheren Gelegenheiten Angehörige des sowjetischen Verbindungspersonals in Sperrgebieten der amerikanischen Streitkräfte in der Bundesrepublik aufgegriffen und unversehrt wieder abgeschoben worden seien. Er fügte hinzu, daß die Vereinigten Staaten Angehörige
des sowjetischen Verbindungspersonals auch in Zukunft nicht anders behandeln würden.

Speakes meinte, daß das Weiße riaus keine Einwände gegen die Art und
Weise hege, in der sich Verteidigungsminister Weinberger zu der Tragödie
geäußert habe. Nach Presseberichten hatte Weinberger das Verhalten des
sowjetischen Wachsoldaten als erneuten Ausdruck der inzwischen bekannten
sowjetischen "KAL-Mentalität" bezeichnet, eine Anspielung auf den Abschuß
einer Passagiermaschine der Korean Air Lines durch sowjetische Kampfflugzeuge vor 18 Monaten.

Die Meldung der sowjetischen Nachrichtenagentur TASS, in der es hieb,
daß Nicholson ein Fenster eines sowjetischen Lagergebäudes geöffnet und
durch die Öffnung photographiert habe, wurde vom Sprecher des amerikanischen Außenministeriums, Bernard Kalb, als "offenkundige Zweckbehauptung"
bezeichnet. "Wir können nur sagen, daß die Tatsache, daß die Sowjets nach
der unentschuldbaren Erschießung von Major Nicholson zu allem Überfluß
auch noch eine derart tendenziöse Darstellung des Vorfalls geben, uns mit
Abscheu erfüllt."
Von Journalisten gefragt, ob der Zwischenfall Auswirkungen auf die
Genfer Rüstungskontrollverhandlungen mit den Sowjets haben werde, sagte
Kalb, daß "dieser tragische Vorfall offenkundig nicht zu einer Verbesserung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen beitragen wird. Ich halte
es jedoch für unangemessen, zum gegenwärtigen Zeitpunkt darüber zu spekulieren, welche speziellen Bereiche betroffen sein könnten."

Bereits am 25. März 1985 hatte der Leiter der Europaabteiluny im amerikanischen Außenministerium, Unterstaatssekretär Richard ßurt, vor Journalisten zu dem Vorfall Stellung genommen. Seine Erklärung hat folgenden

�hat folgenden Wortlaut:

Major Nicholson gehörte zu einer aus zwei Mann bestehenden Streife
der Militärischen Verbindungsmission der Vereinigten Staaten in der DDR.
Er und sein Begleiter, Sergeant Schatz, waren unbewaffnet und in einem
amerikanischen Militärfahrzeug unterwegs. Letzteres trug Militärkennzeichen und war als amerikanisches Militärfahrzeug zu erkennen. Die Männer
trugen amerikanische Felduniformen.

Die Militärischen Verbindungsmissionen versehen ihren Dienst auf der
Grundlage eines bilateralen Abkommens zwischen den Streitkräften der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, das kurz nach Ende des Zweiten
Weltkriegs unterzeichnet wurde; im Jahre 1947, um genau zu sein. Die sowjetische Mission ist bei den amerikanischen Streitkräften in der Bundesrepublik Deutschland akkreditiert und wird strikt im Einklang mit den Bestimmungen des Abkommens von 1947 behandelt.
Der Vorfall ereignete sich gestern, am 24. März, um 15.30 Uhr deutscher Zeit in der Nähe von Ludwigslust in der DDR. Ich zeige ihnen den
Ort des Geschehens. Es war genau hier (zeigt es auf einer Karte). Die
gelben

Markierungen

bezeichnen

sogenannte

PRAs,

Permanent

Restricted

Areas (= Sperrbezirke). Es handelt sich dabei um Gebiete, zu denen die
Sowjetunion den Militärischen Verbindungsmissionen den Zutritt verwehrt.
Der Vorfall ereignete sich genau hier (zeigt es auf der Karte), d.h., in
der Nähe, aber nicht innerhalb eines Sperrbezirks.

Als die Zwei-Mann-Streife angegriffen wurde, befand sie sich nicht
innerhalb eines Sperrgebiets, und es waren keine sowjetischen Soldaten in
Sicht. Major Nicholson war aus seinem Fahrzeug ausgestiegen, als auf ihn
und seinen Begleiter etwa um 15.30 Uhr von einem sowjetischen Soldaten,
der aus einem nahegelegenen Waldstück hervorgekommen war, Schüsse abgegeben wurden. Die beiden Männer wurden in keiner Weise gewarnt, bevor die
Schüsse fielen. Einer der ungefähr drei Schüsse, die der sowjetische Soldat abgab, traf Major Nicholson in die Brust.

Als sein Begleiter, Sergeant Schatz, ihm zu Hilfe kommen wollte, wur- 3 -

�wollte, wurde er mit vorgehaltener Waffe zurück zu seinem Fahrzeug befohlen. Mehrere andere sowjetische Soldaten erschienen unmittelbar danach
auf dem Schauplatz und hinderten Major Nicholsons Begleiter daran, ihm
Erste Hilfe zu leisten.
Um etwa 16.20 Uhr traf ein sowjetischer Soldat mit einem Verbandskasten ein. Bis etwa 16.50 Uhr wurden keinerlei Versuche gemacht, Major Nicholson zu helfen. Um diesen Zeitpunkt herum stellte man dann fest, daß
er tot war. Bis etwa 18.30 Uhr wurden Vertreter der Militärischen Verbindungsmission in Potsdam über die Art des Zwischenfalls nicht unterrichtet, so daß der erste amerikanische Vertreter den Schauplatz der Schießerei nicht vor 21.00 Uhr erreichen konnte.
Was ich soeben dargelegt habe, beruht auf den Tatsachen, soweit sie
uns heute bekannt sind. Wir werden natürlich die Einzelheiten weiter prüfen und Lücken in der Darstellung des Hergangs ausfüllen, falls es welche
gibt. Ich bin jedoch sicher, daß die weiteren Untersuchungen, wie umfassend sie auch sein mögen, an einer Grundtatsache nichts ändern werden,
nämlich, daß es für die Ermordung von Major Nicholson oder für den Einsatz von Gewaltmitteln irgendwelcher Art nicht die mindeste Rechtfertigung gibt.

�27. März 1985

13

WILLIAM BROCK ZUM NEUEN US-ARBEITSMINISTER NOMINIERT

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 20. März 1985 den
bisherigen Sonderbeauftragten für HandelsVerhandlungen, William E. Brock,
zum neuen Arbeitsminister nominiert.

Brock, der sich konsequent für freien und fairen Handel eingesetzt
hat, wird - nach erfolgter Bestätigung durch den Senat - Nachfolger von
Raymond J. Donovan sein, der am 15. März von seinem Amt zurücktrat.

Der Präsident verwies auf die bisherige Tätigkeit Brocks mit den
Worten: "Er war Sonderbeauftragter für Handelsverhandlungen, und jemand,
der sich vier Jahre lang mit Fragen des Welthandels auseinandergesetzt
hat, kann mit praktisch jedermann verhandeln." Zugleich betonte Reagan,
daß zu den Hauptaufgaben des künftigen Arbeitsministers gehören werde,
"die Beziehungen zur organisierten und nichtorganisierten Arbeitnehmer-

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D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�nichtorganisierten Arbeitnehmerschaft weiter zu verstärken und sich mit
dem dringlichen Problem der Jugendarbeitslosigkeit, insbesondere bei den
Minderheiten, auseinanderzusetzen."
Brock war seit Januar 1981 als Sonderbeauftragter für Handelsverhandlungen Persönlicher Vertreter des Präsidenten für die Bereiche des Außenhandels. In dieser Eigenschaft setzte er sich mit einer Vielzahl von Problemen - von landwirtschaftlichen Exportsubventionen bis hin zum Stahldumping auf dem amerikanischen Markt - auseinander.
Er trug auch dazu bei, die amerikanischen Handelspartner - wie etwa
Japan, Kanada und die Europäische Gemeinschaft - von der Notwendigkeit
der Verbesserung und Ausweitung der Regeln des Allgemeinen Zoll- und
Handelsabkommens (GATT) zu überzeugen; ihm wird auch viel von dem Verdienst dafür zugeschrieben, daß es Ende 1985 zu einer neuen Runde multilateraler Handelsverhandlungen kommen dürfte. Gleichzeitig ging er gegen
protektionistische Vorschläge des Kongresses zum Schutz der heimischen
Industrie ebenso nachhaltig an wie gegen unfaire Handelspraktiken mancher
Handelspartner der Vereinigten Staaten.
Brock hat betont: "Wir müssen den Protektionismus beseitigen... Wir
stehen vor der Wahl, entweder mehr Handel zu treiben und damit mehr Beschäftigung zu schaffen oder aber weniger Handel zu treiben und mehr
Arbeitslosigkeit zu riskieren. Nur durch eine Ausweitung des Handels
können wir hoffen, in flexiblen Wachstumsindustrien und -Sektoren langfristige Arbeitsplätze zu schaffen."
Brock vertrat den US-Bundesstaat Tennessee als Senator von 1970 bis
1977; dem Repräsentantenhaus gehörte er von 1963 bis 1970 an.
Als gemäßigter Republikaner wurde Brock 1977 Vorsitzender des Republikanischen Nationalausschusses, ein Amt, das er bis 1981 ausübte. Durch
ihn stieg das Parteivermögen um mehr als das Doppelte, und die Partei
konnte ihre Abhängigkeit von relativ wenigen vermögenden Parteifreunden
reduzieren, indem die Beiträge von anderen Mitgliedern erhöht wurden.
- 2-

�erhöht wurden. Reagan wies darauf hin, daß Brock in dieser Position "dazu
beitrug, die Republikanische Partei neu zu formieren. Er legte den Grundstein für einen der größten Siege der Republikanischen Partei in mehreren
Jahrzehnten."

William Emerson Brock, III. wurde am 23. November 1930 in Chattanooga
als Erbe der Brock Candy Company geboren. Er besuchte bis 1953 die
Washington und Lee University in Virginia und ging im selben Jahr als
Leutnant zur Marine. Von 1954 bis 1956 diente er bei der Siebten Flotte
im Fernen Osten.
Im Jahr

1956 trat er in die Süßwarenfabrik

der Familie ein und

leitete die Marktforschungsabteilung des Unternehmens. Als Vizepräsident
der Firma eroberte er sich dann seinen Platz im amerikanischen Kongreß.

Brock ist mit der ehemaligen Laura Handly verheiratet; das Ehepaar hat
drei Söhne und eine Tochter.

- 3-

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4

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mt

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

27. März 1985

13

PRESSEKONFERENZ DES US-PRÄSIDENTEN VOM 2 1 . MÄRZ 1985
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan nahm auf einer Pressekonferenz am 21. März 1985 zu einer Vielzahl innen- und außenpolitischer
Fragen Stellung.

Im außenpolitischen Bereich wurden die Möglichkeiten

eines Gipfeltreffens mit Gorbatschow, die jüngsten Ereignisse in Südafrika, der Besuch des Präsidenten in der Bundesrepublik Deutschland sowie
die Themen Mittelamerika und der Nahe Osten angesprochen.

Auf Fragen

nach der Haltung der Vereinigten Staaten im Nahostkonflikt betonte der
Präsident erneut, daß die Vereinigten Staaten zur Lösung der Probleme
beitragen, aber nicht direkt an Verhandlungen teilnehmen wollten.
ist Sache direkter Verhandlungen
Israel", sagte Reagan wörtlich.

"Dies

zwischen den arabischen Staaten und
Er würdigte die Bemühungen des ägypti-

schen Staatspräsidenten Mubarak und des jordanischen Königs Hussein und
sicherte die Unterstützung der Vereinigten Staaten für alle Friedensbemühungen im Sinne der Abkommen von Camp David zu.

Allerdings komme eine

Zusammenkunft mit der PLO nicht in Frage.

Der Präsident gab

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Der Präsident gab zunächst eine kurze Eingangserklärung ab, die folgenden W ortlaut hat:

Ich möchte zunächst ein paar Worte sagen.

Ich möchte den Senat der

Vereinigten Staaten für seine Entscheidung loben, die Produktion von weiteren 21 MX-Raketen zu bewilligen.

Der Senat hat die Entscheidung von vier Präsidenten gebilligt, daß
die MX-Rakete eine lebenswichtige Komponente der amerikanischen Abschreckung ist.

Jetzt ist die Zeit - die Zeit der Bewährung - für das Reprä-

sentantenhaus gekommen.

Die Abstimmung dort wird die Frage beantworten,

ob wir in Genf Einigkeit demonstrieren, oder ob Amerika der Sowjetunion
als eine Nation gegenüberstehen wird, die in den fundamentalsten Fragen
ihrer nationalen Sicherheit gespalten ist.

Seit über einem Jahrzehnt haben wir über die MX debattiert.

Und wäh-

rend wir debattierten, haben die Sowjets über 600 gleichartige Raketen
disloziert und gegen die Vereinigten Staaten gerichtet.

Jetzt stehen sie

kurz davor, zwei neue landgestützte strategische Systeme zu dislozieren,
und wir debattieren immer noch.

Vor kurzem haben die Parlamente von vier NATO-Ländern mutig dafür gestimmt, die Dislozierung von PERSHING II-Raketen und Marschflugkörpern zu
akzeptieren.

Die NATO-Länder warten jetzt darauf, daß der amerikanische

Kongreß den gleichen Mut an den Tag legt - oder die gleiche Entschlossenheit, wie ich sagen möchte.

Keine Anforderung eines amerikanischen Präsidenten für ein wichtiges
strategisches System ist jemals vom amerikanischen Kongreß verweigert
worden.

Es ist diese überparteiliche Einigkeit in Fragen der nationalen

Verteidigung, die die Sowjets (an den Verhandlungstisch) nach Genf zurückgebracht hat.

Wenn diese Tradition in der nächsten Woche im Reprä-

sentantenhaus nicht aufrechterhalten wird, dann ist wenig Aussicht auf
Erfolg in Genf.

Gipfeltreffen
- 2 -

�Gipfeltreffen

FRAGE:

Herr Präsident, können Sie uns Ihre Gedanken zu einem Gipfel-

treffen sagen - warum glauben Sie, wäre es gut, sich mit Gorbatschow zu
treffen; was, glauben Sie, könnte erreicht werden; und warum wurden Sie
bisher abgewiesen?

ANTWORT:

Ich möchte eigentlich nicht von einer Zurückweisung spre-

chen, denn der Mann ist erst einige Tage im Amt, und ich kann mir in etwa
vorstellen, was jetzt auf ihn zukommt.

Aber ich habe das gleiche bei je-

dem seiner drei Vorgänger empfunden, und dann kamen Dinge dazwischen, die
es unmöglich machten - es gibt eine Reihe von Dingen, bilateralen Fragen,
zwischen unseren beiden Ländern - andere Dinge, über die wir sprechen
müßten, als die, über die wir verhandeln oder auf Ministerebene miteinander reden, und einige dieser Dinge könnten vielleicht weitergebracht werden, wenn wir uns auf einem Gipfel treffen.

Das ist also, was ich mit einer Tagesordnung von Dingen meine, über
die man sprechen könnte - beiderseitige Probleme, vor denen wir stehen und ich meine, es ist höchste Zeit, daß wir das tun.

FRAGE: Wie stehen die Aussichten, daß das bald zustandekommt?
ANTWORT:

Ich glaube, daß sie gut sein sollten.

Einige von uns hat-

ten ein anderthalbstündiges Gespräch mit ihm (Gorbatschow) - der Vizepräsident und der Außenminister, als sie dort waren.

Ich meine daher, die

Chancen sind gut.

Der Grund, warum ich die Einladung ausgesprochen habe, liegt in der
Art des Protokolls, wie es besteht.

Wenn Sie zurückblicken, wissen Sie,

warum. Wir sind an der Reihe als Gastgeber. Darum habe ich den Vorschlag
gemacht, die Einladung wurde für den Zeitpunkt ausgesprochen, an dem er
(Gorbatschow) es für passend findet.

Südafrika

�Südafrika
FRAGE:

Sir, heute wurden von Regierungsorganen in

Südafrika bei ei-

ner, wie es aussieht, anhaltenden Woge von Gewalt der Regierung der weißen Minderheit gegen die Mehrheit der schwarzen Bevölkerung 17 Schwarze
erschossen.

Denken Sie daran, Ihre Politik zu ändern und mehr Druck auf

die südafrikanische Regierung auszuüben, um ihr Verhalten zu ändern?
ANTWORT:

Nein.

Ich kenne den Druck, den wir auf sie ausüben, und

ich kenne die Fortschritte, die wir gemacht haben.
noch ein weiter Weg zurückzulegen ist.

Aber wir wissen, daß

Aber - um es einmal so auszudrüc-

ken - ich glaube, die Tatsache, daß diese Menschen einfach getötet wurden
und daß die Gewalt total von der Seite von Recht und Ordnung ausging,
läßt die Tatsache außer acht, daß die Unruhen dort im Namen von anderen
ausgingen.

Das alles ist tragisch, und wir hoffen, daß das behoben wer-

den kann.

Und es ist auch wichtig zu bedenken, daß auf Seiten der Poli-

zei... einige von der Vollzugsseite, die Gewehre benutzten, auch Schwarze
waren - schwarze Polizisten.
FRAGE: Sehen Sie die Situation so, daß Schwarze eine Bedrohung für
die Weißen darstellten, die Gewehre hatten und die Schwarzen keine?
ANTWORT:

Nein.

Ich sage nur, daß es wachsende Gewalt gegeben hat,

und daß es in Südafrika ein Element gibt, das keine friedliche Regelung
dieser Frage will - das eine gewaltsame Lösung will, das Unruhe in den
Straßen will - und das ist das, was dort vor sich geht.

Ich billige das

nicht, was geschehen ist, und ich glaube, daß wir alle, wie ich sagen
möchte, dieses Regime als widerlich betrachten, aber wir werden weiterhin
versuchen, zu einer friedlichen Lösung beizutragen, wenn wir können.

Besuch in der Bundesrepublik Deutschland
FRAGE:

Herr Präsident, können Sie uns sagen, warum Sie die Entschei-

�die Entscheidung getroffen haben, während Ihrer Deutschlandreise im Mai
am Tag des Sieges in Europa kein Nazi-Konzentrationslager zu besuchen?

ANTWORT:

Jawohl, das kann ich Ihnen sagen.

Ich bin sehr dafür, daß

dieses Mal bei dem Gedenken an die Beendigung des großen Krieges wir
statt der Wiedererweckung der Erinnerungen usw. und der Leidenschaften
jener Zeit diesen Tag vielleicht als den Tag begehen sollten, an dem vor
40 Jahren Frieden und Freundschaft begannen, denn heute finden wir uns
als Verbündete und Freunde der Länder, gegen die wir einst gekämpft haben.

Und daß wir es beinahe als eine Feier des Endes einer 'Ära und des

Beginns dessen begehen sollten, was jetzt für uns rund 40 Jahre des Friedens bedeutet.

Und ich war der Meinung, weil das deutsche Volk - und es leben nur
noch recht wenige, die sich noch an den Krieg erinnern, und sicher kaum
einer, der als Erwachsener irgendwie daran teilgenommen hat - sie (die
Deutschen) haben ein Gefühl, ein Schuldgefühl, das ihnen aufgezwungen
worden ist - und ich halte das für unnötig.

Ich meine, sie sollten Aner-

kennung finden für die Demokratie, die sie aufgebaut haben und die demokratischen Prinzipien, für die sie heute eintreten.

FRAGE:

Hat die westdeutsche Regierung sie gebeten, sich so oder so

zu entscheiden?

ANTWORT:

Nein, aber bei informellen Gesprächen vor einiger Zeit mit

Bundeskanzler Kohl und anderen waren sie der gleichen Ansicht, daß wir
dies als den Beginn von Frieden und Freundschaft zwischen uns begehen
könnten.

Mittelamerika

FRAGE:

Eine Frage zu Mittelamerika:

Stellen Sie, Sir, irgendwelche

'Überlegungen an, die Contras, die gegen die Sandinisten in Nicaragua
kämpfen, als Exilregierung anzuerkennen?
ANTWORT:
- 5 -

Nein,

�ANTWORT:

Nein, daran haben wir überhaupt nicht gedacht, und doch muß

ich Ihnen sagen, daß die Angelegenheit, die jetzt vor dem Kongreß ist die 14 Millionen Dollar (Unterstützung) - nicht das Problem ist.
Es geht darum, daß die Vereinigten Staaten versuchen, einem Volk zu
helfen, dem mit Gewalt, Täuschung und Betrug eine kommunistische Tyrannei
aufgezwungen worden ist, und entweder wir setzen eine Tradition fort, die
wir immer vertreten haben, oder wir geben das ganz auf.
wir sollten das nicht aufgeben.

Und ich meine,

Ich meine, unser Standpunkt ist klar.

* * * * *

- 6-

�27. März 1985

13

WELTWEITE ABSCHEU GEGEN DIE SOWJETISCHE INVASION AFGHANISTANS
- Erklärung Präsident Reagans zum Afghanistan-Tag -

WASHINGTON - (AD) - In einer Proklamation, die den 21. März 1985 den traditionellen Neujahrsbeginn der Bevölkerung Afghanistans - zum Gedenktag gegen die vor fünf Jahren erfolgte Invasion des Landes durch sowjetische Truppen erklärte, sagte Präsident Ronald Reagan: "Die überwältigende Mehrheit der Afghanen befindet sich in einem leidenschaftlichen Kampf, um der sowjetische Besetzung ihres Landes sowie der Herrschaft des Marionettenregimes mit Babrak Karmal an der Spitze ein Ende zu
bereiten."

Der Text der Proklamation hat folgenden Wortlaut:

In einer Zeit des Wohlstands denken wir nicht an Hunger und Mühsal.
In einer Zeit des Friedens denken wir nicht an Leiden und Krieg. In einer
Zeit, da unsere Familien in Gesundheit zusammenleben, denken wir nicht an

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�wir nicht an das Leid, das über uns käme, würden sie auseinandergerissen.
Und doch kann das afghanische Volk sich von derlei Gedanken nicht losreissen, denn Terror, Mühsal und Leiden sind zu einem Teil seines Lebens
geworden, seit die Sowjetunion vor über fünf Jahren brutal in dieses Land
eingefallen ist und es besetzt hat.

Der 21. März ist für das afghanische Volk der Beginn eines neuen
Jahres. Dies ist traditionell ein Feiertag, wenn die Familien zusammenkommen, um den Neubeginn des Lebens zu begehen, um sich zu erfreuen und
um Gott für seine vielen Gaben zu danken.

Aber heute dürfte es in Afghanistan schwer sein, sich an die Tage zu
erinnern, als das Land in Frieden lebte, als es genug zu essen gab und
als das Heim der Menschen sicher war, denn die überwältigende Mehrheit
der Afghanen befindet sich in einem leidenschaftlichen Kampf, um der sowjetische Besetzung ihres Landes sowie der Herrschaft des Marionettenregimes mit Babrak Karmal an der Spitze ein Ende zu bereiten.

Das Jahr 1984 war für die Afghanen besonders hart. Die Sowjets überkam angesichts ihrer Unfähigkeit, den Geist der afghanischen Freiheitskämpfer zu brechen, ein Gefühl der Vergeblichkeit und sie setzten daher
ihre militärische Macht in verstärktem Maße gegen die Zivilbevölkerung
des Landes ein und zwangen weitere Hunderte und Tausende unschuldiger
Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen.

Berichte über die sowjetischen Scheußlichkeiten und Menschenrechtsverletzungen werden von der Weltöffentlichkeit immer stärker beachtet.
Geachtete Organisationen wie die Menschenrechtskommission der Vereinten
Nationen, wie Amnesty International und wie die Helsinki-Beobachtungsgruppen haben erst kürzlich Studien veröffentlicht, die Einzelheiten des
Terrors aufzeigen, dem das afghanische Volk durch die Sowjets und das
Regime Karmals ausgesetzt ist. Karmals unlegitimierte und brutale Machtausübung dauert nur deshalb an, weil sie durch mehr als 100.000 Soldaten
der sowjetischen Besatzungstruppen gestützt wird.

Alle

Amerikaner

�Alle Amerikaner sind empört über die wachsende Brutalitat der Sowjets
gegen das stolze und freiheitsliebende Volk Afghanistans. Auch hat die
gesamte Staatengemeinschaft diese Besetzung Afghanistans verurteilt. Tatsächlich hat die Vollversammlung der Vereinten Nationen - mit der Unterstützung der überwältigenden Mehrheit aller Staaten - sechsmal eindeutige
Resolutionen verabschiedet, die

- den sofortigen Abzug aller ausländischen Truppen aus Afghanistan forderten;
- das Recht des afghanischen Volkes bekräftigten, seine eigene Regierungsform zu bestimmen und sein eigenes wirtschaftliches, politisches
und gesellschaftliche System zu wählen;

- bekräftigten, daß die Bewahrung der Souveränität, der territorialen
Integrität, der politischen Unabhängigkeit und des bündnisfreien Charakters Afghanistans für eine friedliche Lösung des Problems von entscheidender Bedeutung ist; und

- die Schaffung von Bedingungen forderten, die die afghanischen Flüchtlinge in die Lage versetzen sollen, aus freien Stücken, gesichert und
ehrenhaft wieder in ihre Heimat zurückzukehren.

Alle Amerikaner sind geeint in dem Ziel der Freiheit für Afghanistan.
Ich fordere das amerikanische Volk dazu auf, sich zu einer Zeit, da wir
mit Wohlstand und Sicherheit gesegnet sind, an den afghanischen Kampf gegen Tyrannei und Gewaltherrschaft zu erinnern. Wir sind voll der Bewunderung für den unbeugsamen Mut des afghanischen Volkes, das eine Inspiration für alle freiheitsliebenden Nationen der ganzen Welt ist.

Der Afghanistan-Tag wird dazu dienen, die grundlegenden Prinzipien
wieder in die Erinnerung zurückzurufen, um die es geht, wenn ein Volk um
die Freiheit kämpft, seine eigene Zukunft zu bestimmen wie auch um das
Recht, sich ohne Einmischung von außen selbst zu regieren.

Zollen wir

daher dem tapferen afghanischen Volk unseren Tribut, indem wir den 21.

�wir den 21. März 1985 als Afghanistan-Tag begehen. Unsere Bewunderung
gilt auch weiterhin seiner Sache und seiner Standhaftigkeit; wir werden
auch weiterhin alles in unserer Macht Stehende tun, um dem tapferen afghanischen Volk humanitäre Hilfe zukommen zu lassen - einschließlich jenen Millionen afghanischer Flüchtlinge, die gezwungen wurden, aus ihrer
Heimat zu fliehen.

Deshalb erkläre ich, Ronald Reagan, Präsident der Vereinigten Staaten
von Amerika, hiermit den 21. März 1985 zum Afghanistan-Tag.

Zum Zeugnis dessen habe ich dies unterzeichnet am 21. Tag des März im
Jahr unseres Herrn 1985 und im 209. Jahr der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika.

(gezeichnet) Ronald Reagan.

* * * * *

- 4-

�27. März 1985

13

NEUER AUFBRUCH ZU DEN PUANETEN

- (AD) - Mehr als zweieinhalb Jahre wird die Sonde GALILEO zum Jupiter unterwegs sein, bis sie (Ende 1988) in die vorgesehene Umlaufbahn um
diesen grötiten Planeten unseres Sonnensystems eintritt.

Wie Geoffrey

Briggs, Direktor des NASA-Programms für die Erforschung

des Sonnensy-

stems, kürzlich auf der 16. Internationalen Konferenz für Mond- und Planetenforschung

(11. -

15. März

1985 im

Johnson-Raumfahrtzentrum

von

Houston, Texas) berichtete, soll diese Orbitersonde im Mai 1986 an Bord
eines Raumtransporters zunächst in eine Erdumlaufbahn und dann mittels
einer Oberstufe der CENTAUR-Rakete auf den Weg zum Planeten Jupiter gebracht werden.

Der Start vom Kennedy-Raumfahrtzentrum in Florida sei nur

eine Woche nach dem Start von ULYSSES geplant, einer von des amerikanischen Amtes für Luft- und Raumfahrt (NASA) gemeinsam mit der Europäischen
Weltraumbehörde (ESA) gebauten interplanetaren Sonde zur Erforschung der
Sonne aus einer polaren Umlaufbahn.

Gegenwärtig wird erwogen, GALILEO auch zur Beobachtung eines Kleinplaneten einzusetzen.

Es handelt sich um Amphitrite im Asteroidengürtel

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�Astero.1 je* .gürtel zwischen Mars und Jupiter, einen Körper von ca. 200
km Durchmesser.

GALILEO wird ihn im Abstand von 10 000 bis 20 000 km

passieren und, da er rotiert, Aufnahmen von großen Teilen seiner Oberfläche machen können.

Die Bildauflösung dürfte ca. 100 m betragen - was

bedeutet, daG das kleinste, noch erkennbare Objekt in Wirklichkeit etwa
100 m groß ist. Mit einem speziellen Spektrometer unter den Instrumenten
von GALILEO würde der Kleinplanet komplett abgetastet.

Daraus ergäben

sich Rückschlüsse auf seine Größe, seine Form, die spezifische Dichte und
auf die Zusammensetzung der Minerale an der Oberfläche.

Die Auswertung

der Daten könnte die Frage beantworten helfen, ob es sich bei "Amphitrite" um das Fragment eines aufgebrochenen Planeten handelt und ob der
Asteroidengürtel möglicherweise eine Quelle für viele der Meteorite ist,
die auf die Erde stürzen.

Wenn GALILEO im Dezember 1988 in eine Umlaufbahn um den Planeten Jupiter eintritt, beginnen zum ersten Mal Langzeituntersuchungen an seiner
Atmosphäre, an seiner Magnetosphäre und an seinen zahlreichen Monden.
Die Sensoren an Bord dieses Orbiters werden durch eine Atmosphärensonde
ergänzt, die GALILEO ausstoßen wird und die in die dichte Wolkenhülle
eindringen soll.

Messungen über Turbulenzen, Strömungsvorgänge und Zu-

sammensetzung der Lufthülle wären für die Wissenschaftler von größtem
Interesse.

Auch ULYSSES wird nach dem Absetzen aus dem Nutzlastraum des Raumtransporters zunächst einmal den Weg in Richtung Jupiter nehmen.

Die

hohe Gravitationskraft dieses Planeten wird jedoch in einem bestimmten
Routenabschnitt dazu benutzt, die Sonde aus der Umlaufebene der Planeten
um die Sonne hinauszukatapultieren und auf eine Sonnen-Umlaufbahn
bringen, deren Ebene nahezu senkrecht zur Planetenebene steht.

zu

Nur so

ist es möglich, Beobachtungen an der Sonne auch in deren polaren Bereichen zu machen.
lich.

Sie waren bisher einer direkten Sondierung nicht zugäng-

Diese könnte jedoch zu einem besseren Verständnis der Sonnenakti-

vität und deren Einfluß auf Klima und Wetter auf der Erde beitragen.

Am 15. und 21. Dezember 1984 wurden von der Sowjetunion zwei VEGA- 2 -

�zwei VEGA-Sonden zur Venus gestartet.

Sie sollen, so berichtete Valeri

Barsukov, im Juni 1985 bei Annäherung an den Planeten Landegeräte absetzen, die durch die dichte Wolkenhülle bis zur Oberfläche vordringen.
ter Ausnutzung der Gravitationsbeschleunigung

Un-

durch den Planeten Venus

hoffe man schließend die VEGA-Sonden auf eine Route zu lenken, von der
aus im März 1986 die Nahbeobachtung des Halleyschen Kometen möglich wird.
Außerdem wird VEGA Ballongondeln mit Meßgeräten in die Venus-Atmosphäre
senden.

Dies ist ein Gemeinschaftsprojekt der USA mit Frankreich und hat

zum Ziel, die Häufigkeit von Blitzentladungen, vertikale Windböen, Temperatur und Druck der Atmosphäre sowie Positionen und Dichte der Wolken zu
untersuchen.

Möglicherweise bringen die Meßdaten eine Erklärung für die

Tatsache, daß die Venus-Wolken an der Oberfläche mit 400 km Stundengeschwindigkeit um den Planeten kreisen, während es tief unten, nahe der
Oberfläche, kaum Bewegung gibt.

Barsukov gab in Houseton auch einen Bericht über die spektakulären
Radar-Bilder, die die beiden Sonden VENERA 15 und 16 aus ihren Umlaufbahnen um die Venus zur Erde übermittelten.

Mit Hilfe des Seitenradars -

Mikrowellen, die die Dichte Wolkenhülle über der nördlichen Halbkugel
durchdringen konnten - bekam man die bisher klarsten Bilder von Einschlagkratern, Hügelland, Gebirgsketten und anderen auffälligen Merkmalen
der Venus-Oberfläche.

"Die Aufnahmen erlauben uns einen Vergleich der

Venus-Oberfläche mit der anderer Planeten", sagte Barsukov.

"Sie zeigen

geologisch junge Formationen, Land mit vulkanischer Aktivität und starker
horizontaler Spannung - ähnlich wie auf der Erde.

Derartige Spannungs-

zonen sind auf dem Mond, auf dem Mars oder Merkur nicht zu finden.

Dem-

nach ist die Venus in dieser Hinsicht wirklich ein Schwesterplanet der
Erde."

Geoffrey Briggs kündigte an, daß die Vereinigten Staaten die VenusForschung mit dem Start einer Radar-Kartierungssonde im April 1988 von
Bord eines Raumtransporters fortsetzen wollen.

Die Sonde soll in eine

Umlaufbahn um die Venus eintreten und im Laufe der Zeit die gesamte Oberfläche des Planeten abtasten.

Die Bildauflösung dürfte etwa zehnmal grö-

ßer sein als die der VENERA-Radarsonden.
Vorerst

konzentriert

�Vorerst konzentriert sich jedoch das Interesse auf den Halleyschen
Kometen, über dessen Erscheinen schon in manchen alten Chroniken berichtet wurde. ' Nur alle 76 Jahre kommt er auf seiner weit ausschwingenden
Bahn in Sonnennähe und zeigt sich dann als der größte und lichtstärkste
Komet in unserem Sonnensystem.

Nie zuvor verfügte die Wissenschaft über

so leistungsstarke und vielseitige Forschungsinstrumente, um Geheimnissen
dieses Wanderers im kosmischen Raum auf die Spur zu kommen. Von der Europäischen Weltraumbehörde ESA wird das Forschungsgerät GIOTTO auf den Kometen angesetzt.

Japan beabsichtigt mit zwei Sonden den 160 Millionen

Kilometer langen Schweif zu beobachten und zu fotografieren.

Die Verei-

nigten Staaten planen neben ihrer Beteiligung an den VEGA-Missionen eine
spezielle Raumtransportermission ("Astro 1"), um u.a. mit drei Teleskopen
Untersuchungen im ultravioletten Spektralbereich am Kometen durchführen
zu können.

Auch in die äußeren Regionen unseres Sonnensystems dringen jetzt Forschungssatelliten vor.

Die amerikanische Sonde VOYAGER 2 passiert im Ja-

nuar 1986 den Planeten Uranus in einem Abstand von 102 000 km und gibt
damit den Wissenschaftlern erstmals die Möglichkeit, den 1781 von Friedrich Wilhelm Herschel entdeckten Planeten aus relativer Nähe zu beobachten.

Im vergangenen Jahr wurde auf Fotografien mit lichtstarken Fern-

rohren ein Ringsystem um den Uranus gefunden.

VOYAGER 2, im August 1977 gestartet, sandte von seiner Erkundungsfahrt durch den interplanetaren Raum bereits spektakuläre Bilder von
Jupiter und seinen Trabanten sowie von Saturn, dessen Ringsystem und Monden zur Erde.

Von seinem gegenwärtigen Ziel, dem Uranus, ist er noch

etwa 480 Millionen Kilometer entfernt.

Aber er übermittelt bereits Auf-

nahmen, deren Bildauflösung größer ist als auf den Fotos stationärer Teleskope.

Und es ist zu erwarten, daß die Bildschärfe in den nächsten Mo-

naten immer besser wird.

Nach seinem Vorbeiflug am Uranus wird VOYAGER 2

den Planeten Neptun ansteuern.

Briggs berichtete, daß technische Verbesserungen am "Deep Space Net- 4 -

�Space Network" - einer Kette von amerikanischen Bodenbeobachtungsstationen für interplanetare Sonden - zu großen Hoffnungen auf wissenschaftliche Erkenntnisse durch die Uranus- und Neptun-Sondierung berechtigt.
"Als VOYAGER 2 gestartet wurde, konnten wir Meüdaten und andere wissenschaftliche Informationen aus Bereichen nur wenig jenseits der SaturnBahn empfangen", sagte Geoffrey Briggs.

Inzwischen wurde es dennoch mög-

lich, die wegen der großen Entfernung unvorstellbar schwachen VOYAGERSignale weiterhin aufzunehmen und so zu verstärken,

daß sie der wissen-

schaftlichen Analyse zugänglich sind.

Planetenprogramme

Planet

mittlerer Sonnenabstand

Programm

Venus

108 Millionen km

VEGA, VENERA 15, 16,
Venus-Radarkartierung

Jupiter

779 Millionen km

GALILEO, ULYSSES,
VOYAGER 2

Saturn

1427 Millionen km

VOYAGER 2

Uranus

2872 Millionen km

VOYAGER 2

Neptun

45U1 Millionen km

VOYAGER 2

* * * * *

- 5-

�Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

13

27. März 1985

EINGEHENDE KLIMAANALYSEN GEFORDERT
- US-Experten schlagen Konsortium für Wetterdaten vor -

WASHINGTON - (AD) - Die gegenwärtige Dürre in Afrika ist nach Meinung
amerikanischer Wissenschaftler in erster Linie die Folge von einschneidenden Veränderungen im Erdklima.

Deshalb sei es dringend erforderlich,

weltweit meteorologische Daten zu sammeln, um über die Dauer und das zu
erwartende Ausmaß dieser Dürreperiode zuverlässige Voraussagen machen zu
können.

Anläßlich eines von der amerikanischen Bundesbehörde für Meere

und Atmosphäre (NOAA) Anfang März in Washington veranstalteten internationalen Seminars wurde von amerikanischer Seite die Bildung eines Konsortiums vorgeschlagen, das sich um die Beschaffung solcher Daten kümmert.

Ihm sollen Experten aus den USA und aus afrikanischen Ländern an-

gehören.

Wie Dr. Eugene Rasmusson, der Leiter der Abteilung Diagnostik

des NOAA-Zentrums für Klimaanalyse, erklärte, bemühe man sich um Unterstützung des Vorhabens sowohl durch Organisationen

wie NOAA und WMO

(Weltwetterwacht, Organisation der Vereinten Nationen) als auch durch die
Weltbank und durch Stiftungen, die sich auf afrikanische Angelegenheiten
konzentrieren.
Dr. Alan D. Hecht,

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Tel : 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Dr. Alan D. Hecht, der Direktor des NOAA-Amtes für Nationale Programme in Klimafragen, verwies in einem Interview auf Aktivitäten, die als
erstes in Angriff genommen werden sollten:

Bessere Datenerfassung, bes-

sere Kommunikation (d.h. Weitergabe der meteorologischen Daten), Ausbildung von Spezialisten in Afrika, damit diese eigene Forschungsprojekte
durchführen können, und Aufbau eines Informationsnetzes sowohl zwischen
afrikanischen Ländern als auch zwischen Afrika und der übrigen Welt.

Durch die wachsende Zahl von Stationen zur Wetter- wie zur Satelliten-Beobachtung fallen, so Dr. Hecht, unvergleichlich mehr Daten an als
in früheren Jahren.

Diese Einrichtungen geben der Forschung "leistungs-

fähige Instrumente" an die Hand, die dazu genutzt werden müssen, alle
Möglichkeiten zu sondieren.

Es gehe u. a. um Forschungen zur Vorhersage

großräumiger Zirkulation in der Atmosphäre oder z. B. um Untersuchungen
zur Auswirkung von Phänomenen wie des El Nino-Effekts (einer Meeresströmung im Pazifik, die infolge regionaler Änderungen ihres Verlaufs periodische Klimaänderungen zur Folge hat). Solche Studien könnten auch dazu
beitragen, Vorhersagen über klimatische Veränderungen und Bedingungen in
anderen Teilen der Welt, etwa in Afrika, Indien oder Brasilien, zu verbessern.
len.

Es seien komplexe Prozesse, die sich in der Atmosphäre abspie-

Aber die Lufthülle ist nun einmal ein Ganzes, so daß sich Vorgänge

z. B. über dem Pazifik oder über Nordamerika weltweit auswirken.

Dr. Sharon Nicholson, Meteorologin an der Clark University in Worcester (Massachusetts), befaßt sich mit der Frage von KlimaVeränderungen
über lange Zeiträume.

Es gebe einige fragmentarische Unterlagen, aus de-

nen hervorgehe, daß Anfang des 19. Jahrhunderts Afrika eine ähnliche
schwere und anhaltende Dürreperiode durchgemacht haben müsse wie jetzt,
erklärte sie.

Dr. Nicholson ist überzeugt, daß die Ursache für die ge-

genwärtige Trockenheit "in einem schwerwiegenden und sehr wichtigen meteorologischen Phänomen" zu suchen sei, das den Menschen zwinge, sich den
Bedingungen anzupassen.

Möglicherweise dürften Methoden der Bodennut-

zung, die jahrhundertelang üblich waren, jetzt grundsätzlich nicht mehr
angewandt werden.
Über neue Erkenntnisse

�Über neue Erkenntnisse aus Satelliten-Daten berichtete Dr. Yale Mintz
vom amerikanischen Goddard-Institut für Weltraumforschung.

Sie betreffen

die Vorgänge, durch die Bodenfeuchtigkeit in die Atmosphäre gelangt und
zum Niederschlag wird.

Mintz zeigte auf, da(3 die Oberflächenverhältnisse

auf dem Festland

seine Vegetation, insbesondere

und

der Bewuchs mit

Blattpflanzen und Laubbäumen, die Menge der Verdunstungsfeuchtigkeit und
damit auch die Regenmenge bestimmt.

Diese Daten müßten gesammelt und

sorgfältig untersucht werden, sagte Mintz.

Sie seien schon deshalb von

besonderer Bedeutung, weil die Forschung mittels Satelliten noch jung sei
und die auf diese Weise gewonnenen Erkenntnisse künftig immer wichtiger
würden.

Dr. Atanas Todorov, Experte der NOAA und der WMO für Agrometeorologie
und Kenner der Verhältnisse in Afrika, forderte die sofortige Beendigung
der verfehlten Bodennutzung.

Dies sei schwer zu bewerkstelligen und

wahrscheinlich sogar unrealistisch, aber es sei der unbedingt notwendige
erste Schritt, wenn Lösungen für die durch den Menschen und die Natur
verursachten überaus komplexen Probleme gefunden werden sollen.

Todorov

und Nicholson traten für flexible Systeme landwirtschaftlicher Nutzung
ein, wie sie in früheren Jahrhunderten üblich waren.

"Hände weg von be-

sonders ergiebigen Feldfrüchten, die nur unter ganz bestimmten Bedingungen gedeihen und zu Mißernten führen, sobald sich diese Bedingungen ändern" , meinten sie.

Vielmehr sollten sich die Bauern auf verschiedenar-

tige Sorten und Pflanzenkulturen umstellen, damit sowohl in trockenen als
auch in regenreichen Perioden Erträge erwartet werden können.

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA fordern Aufklärung über den Tod von Major Arthur Nicholson&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung von Unterstaatssekretär Burt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;William Brock zum neuen US-Arbeitsminister nominiert&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pressekonferenz des US-Präsidenten vom 21. März 1985&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weltweite Abscheu gegen die sowjetische Invasion Afghanistans&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung Präsident Reagans zum Afghanistan-Tag -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neuer Aufbruch zu den Planeten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eingehende Klimaanalyse gefordert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Experten schlagen Konsortium für Wetterdaten vor -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

zu. März l*8i&gt;

12

INHALT

DOKUMENTATION
Shultz sieht Chancen für Dialog auf höchster Ebene
- Pressekonferenz des US-Autenministers Sowjets arbeiten intensiv an strategischen Defensivtechnologien
- Pressekonferenz von Botschafter Nitze -

Sowjets stellen weitere SS-20 auf
- Pressekonferenz von Unterstaatssekretär Richard Burt -

H1NTERÜRUNDMATER1AL
Hoffnung auf bessere amerikanisch-sowjetische Beziehungen
- Pressekonferenz von US-Vizepräsident Bush in Moskau
Das nordamerikanische Luft- und Weltraumverteidigungssystem (NORAD)
- Kurzinformation * * * * *

Um Über/cndung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�12

20. März 1985

SHULTZ SIEHT CHANCEN F"ÜR DIALOG AUF HÖCHSTER EBENE
- Pressekonferenz des US-Außenministers -

WASHINGTON - (AD) - In einer Erklärung zu Beginn seiner Pressekonferenz am 15. März 1985 in Washington betonte Außenminister George Shultz,
für die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion bestünde "eine Gelegenheit für einen Dialog auf hoher Ebene, um die einzelnen Probleme anzugehen und zu konkreten Ergebnissen zu gelangen."

Zu den Problemen gehören dem Außenminister zufolge die Verringerung
der Rüstungen, die regionalen Meinungsverschiedenheiten, bilaterale Fragen sowie das Thema der Menschenrechte.

"In jedem dieser Bereiche gibt

es Meinungsverschiedenheiten - objektiv unterschiedliche Wertvorstellungen, wie auch Interpretationen des nationalen Interesses -, die nur schwer
beizulegen sein werden."

Die Erklärung

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432*

�Die Erklärung des Außenministers hat folgenden Wortlaut:

Ich war gerade beim Präsidenten und habe ihm über des Vizepräsidenten
und meine Reise nach Moskau sowie über unser Treffen mit Generalsekretär
Gorbatschow Bericht erstattet.

Der Präsident hatte uns eine klare, konstruktive Botschaft mit auf
den Weg gegeben.
Augenblick

Er ist der Meinung, daß dies ein potentiell bedeutsamer

für die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen ist.

Er hat

seine zweite Amtszeit begonnen und seine politischen Vorstellungen sind
überzeugende Wirklichkeit geworden; wir und die Sowjets sitzen in Genf
wieder am Verhandlungstisch; und jetzt gibt es in Moskau diese neue Füh-

i.

rung.

Deshalb haben die beiden Regierungen nun eine Gelegenheit für einen
Dialog auf hoher Ebene, um die einzelnen Probleme anzugehen und zu konkreten Ergebnissen zu gelangen.

Der Präsident ist auch weiterhin bereit,

diesen Prozeß mit Energie und Realismus zu verfolgen.

Hierzu hat er uns

angewiesen, dem Generalsekretär eine freimütige Beurteilung der vor uns
liegenden Hindernisse und Möglichkeiten zu unterbreiten.

Die Themenbereiche selbst sind wohlbekannt: Dazu gehören die Verringerung

der

Rüstungen,

regionale

Meinungsverschiedenheiten,

bilaterale

Fragen sowie die Menschenrechte.
. In jedem dieser Bereiche gibt es Meinungsverschiedenheiten - objektiv
unterschiedliche Wertvorstellungen wie auch Interpretationen des nationalen Interesses -, die nur schwer beizulegen sein werden."
i

Der Präsident hat die feste Absicht, in allen Bereichen auf konstruktivere Beziehungen hinzuarbeiten.

- In Genf ist oberstes Ziel, so bald wie möglich zu einem Abkommen hinsichtlich starker Verringerungen bei den nuklearen Offensivwaffen zu
gelangen.

Außerdem möchten wir mit den Sowjets einen längerfristigen
- 2-

�einen längerfristigen Dialog darüber beginnen, welchen Beitrag die
strategischen

Verteidigungen

Beziehungen leisten könnten.

hinsichtlich

stabilerer

militärischer

Wir sehen auf keiner Seite Hindernisse,

warum wir bei diesen Gesprächen nicht zu einer konkreten Diskussion
kommen sollten.

- Präsident Reagan ist weiterhin der Meinung, daG wir zu einem besseren
Verständnis mit der Sowjetunion hinsichtlich der beiderseitigen Notwendigkeit gelangen

sollten, zu friedlichen Lösungen der Probleme

dieser Welt - insbesondere in Regionen der Krise und der potentiellen
Konfrontation - zu kommen.

- In Widerspiegelung seiner eigenen tiefen 'Überzeugung wie auch jener
des amerikanischen Volkes und des Kongresses sähe der Präsident auch
gerne Fortschritte im Bereich der Menschenrechte.

Er hofft, daß ein

weiterer Dialog und vertrauliche Diplomatie sowie eine tiefere sowjetische Einsicht in die positiven Auswirkungen, die Fortschritte
gerade auf diesem Gebiet auch in anderen Bereiche unserer Beziehungen
haben könnte, Ergebnisse zeitigen.

- Schließlich ist der Präsident bereit, eine Ausweitung der bilateralen
Zusammenarbeit in einer ganzen Bandbreite von Bereichen anzustreben:
Kontakte von Mensch zu Mensch, kultureller Austausch, Sicherheit des
Luftverkehrs, nichtstrategischer Handel und andere Themen des beiderseitigen Interesses.

Derzeit sind wir in einer ganzen Anzahl von Be-

reichen mitten im Gespräch mit den Sowjets.

Es gibt in den Vereinigten Staaten eine natürliche Tendenz, Wandel
optimistisch zu sehen - wir sind eine Nation von Optimisten und das ist
gut so. Wir neigen auch dazu, im Zweifel erst einmal für den anderen zu
sein - und auch das ist gut so.

In diesem Geist setzen wir auch das Ge-

spräch mit der Sowjetunion in mehreren Bereichen fort.
Aber zusammen mit unserem guten Glauben und unserer Hoffnung tragen
wir auch ein gesundes Maß an Realismus mit uns - ein Realismus, der sich

�der sich auf die historische Erfahrung gründet, daß sich unsere Erwartungen nicht immer erfüllt haben.
Wir und die Sowjetunion tragen ein gewaltiges Maß an Verantwortung
für die Aufrechterhaltung des Friedens und die Förderung eines besseren
Verständnisses. In den kommenden Monaten beabsichtigt der Präsident, alle -seine Bemühungen beiden Zielen zu widmen.

* * * # #

�20. März 1985

12

SOWJETS ARBEITEN INTENSIV AN STRATEGISCHEN DEFENSIVTECHNOLUÜiEN
- Pressekonferenz von Botschafter Nitze -

Washington -(AD)- Am 14. März 198i&gt; äußerte sich Botschafter Paul Nitze, der Sonderberater des amerikanischen Präsidenten für Fragen der Rüstungskontrolle, im Gespräch mit Journalisten zur Strategischen Verteidigungsinitiative der Vereinigten Staaten und zu verschiedenen Fragen der
Rüstungskontrolle. Wir geben den Wortlaut des Gesprächs, das am 16. März
von der "Stimme Amerikas" ausgestrahlt wurde, im folgenden in Auszügen
wieder:

FRAGE; Botschafter Nitze, Präsident Reagan hat klargestellt, daß man
über

die

von

ihm

vorgeschlagene

Strategische

Verteidigungsinitiative

(SD1) zwar sprechen, aber nicht verhandeln könne. Die Sowjets haben darauf erwidert, indem sie erklärt haben, daß sie auf eine Weiterführung der
amerikanischen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten im Rahmen der SDI mit
einer erheblichen Vergrößerung ihres Potentials an Offensivwaffen reagieren würden ... Es wird vielfach angenommen, daß damit die Sackgasse für
die gerade anlaufenden Verhandlungen schon vorgezeichnet sei. Gibt es irgendwelche Gründe für die Annahme, daß eine der beiden Seiten sich in
grundlegenden Verhandlungspositionen noch bewegen kann oder wird, nachdem
sich beide durch so viele öffentliche Erklärungen festgelegt haben ?
ANTWORT: ...

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432"

�ANTWORT: ... Bei der SDI handelt es sich um ein Forschungsprogramm.
Der Sinn der in ihrem Rahmen durchzuführenden Forschungsarbeiten besteht
darin, Defensivsysteme zu entwickeln, mittels derer die Wiedereintrittsflugkörper ballistischer Raketen bekämpft werden können. Da die SDI ein
Forschungsprogramm ist, steht sie auch völlig im Einklang mit dem ABMVertrag. Die Sowjets stimmen mit uns darin überein, daß es nicht möglich
ist, ein Abkommen auszuhandeln, mittels dessen sich Forschung begrenzen
ließe. Wirkliche Probleme würden erst dann auftauchen, wenn diese Forschungsarbeiten zu kosteneffektiven und überleuensfähigen Waffensystemen
führten, in diesem Falle würden die Vereinigten Staaten bestrebt sein,
mit der Sowjetunion darüber zu verhandeln, wie solche Systeme bei den
Streitkräften beider Seiten in einer Art und Weise eingeführt werden
könnten, die die beiderseitige Sicherheit erhöhen würde. Das wäre nicht
destabilisierend, sondern von Vorteil für alle und auch von Nutzen für
den Frieden.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind wir bereit, diese Fragen mit der Sowjetunion zu erörtern, obwohl wir noch gar nicht wissen, wie solche Waffensysteme genau aussehen würden, ich wiederhole: Forschung als solche
ist nichts, worüber man verhandeln kann; das war noch nie möglich. Die
Sowjets schlagen auch gar nicht vor bzw. haben nie vorgeschlagen, daß man
die Forschung vertraglich begrenzen sollte. Was mit solchen Waffensystemen getan werden könnte, falls sie tatsächlich entwickelt würden und
machbar erschienen, ist bereits durch den ABM-Vertrag festgelegt, und wir
schlagen vor, an dem Vertrag festzuhalten und mit den Sowjets zu erörtern, wie solche Systeme bei den Streitkräften beider Seiten eingeführt
werden könnten. ...

FRAGE: Herr Botschafter, man fragt sich vielfach, ob eine Bewilligung
der Mittel für die MX-Rakete durch den Kongreß Auswirkungen auf die Verhandlungen in Genf haben würde. ...

ANTWORT: ... Ich habe bei meiner Anhörung (vor dem Kongreß) gesagt,
daß zwischen der Bereitschaft und Entschlossenheit der Vereinigten Staaten zur Aufrechterhaltung eines angemessenen Abschreckungspotentials und
der Möglichkeit

eines sinnvollen Rüstungskontrollabkommens

ein klarer

�ein klarer Zusammenhang besteht ... Als ich gefragt wurde, welche unmittelbaren Auswirkungen sich ergeben würden, sagte ich, daß meines trachtens keine unmittelbare Reaktion erfolgen würde ... Langfristig gesehen
wäre es jedoch sehr schädlich und sogar verheerend für uns, wenn die Mittel für die MX nicht bewilligt würden.

FRAGE: Könnte es nicht sein, daß in dem Falle, daß man eine Ablehnung
der MX durch den Kongreß als Kompromiß der Vereinigten Staaten verstünde,
dies die Sowjets veranlassen würde, ihrerseits Kompromisse zu machen ... V

ANTWORT: Sie erinnern sich sicherlich noch an Harold Brown, der unter
der Carter-Administration Verteidigungsminister war. Ihm wurde einmal eine ähnliche Frage gestellt, und er sagte daraufhin: "Wir haben die Erfahrung gemacht, daß die Sowjets aufrüsten, wenn wir aufrüsten, aber auch
dann aufrüsten, wenn wir nicht aufrüsten." Wir haben bisher noch nicht
erlebt, daß die Sowjets einseitige Rüstungsverminderungen des Westens honoriert hätten. ...
FRAGE: Wenn die Vereinigten Staaten mit der Forschung und Entwicklung
im SDI-Bereich weitermachten und schließlich auch zur Aufstellung solcher
Systeme übergingen, würden die Sowjets dann im Gegenzug nicht einfach ihr
eigenes Offensivpotential

umstrukturieren, beispielsweise

durch seege-

stützte Marschflugkörper ?

ANTWORT: ... Es ist richtig, daß Marschflugkörper eine andere Art von
Waffen darstellen als die Wiedereintrittsflugkörper ballistischer Raketen. Die gegenwärtig gefährlichsten NuklearSysteme, d.h., die, die am
ehesten das Vergeltungspotential der anderen Seite außer Gefecht setzen
könnten, sind jedoch die Wiedereintrittsflugkörper der ballistischen Raketen. Sie haben eine kürzere Flugzeit, eine hohe Treffsicherheit und eine große Zerstörungskraft. Daher bilden die ballistischen Raketen heute
die Hauptgefahr, und ein Abwehrsystem gegen sie würde somit der Hauptgefahr begegnen. Das bedeutet jedoch nicht, daß man alle Gefahren aus der
Welt geschafft hätte, wenn man dieser einen erfolgreich begegnen könnte.
•*•

Ich glaube,

�Ich glaube, es wird oft nicht erkannt, daß die Sowjetunion den Defensiv- und den Offensivwaffen immer das gleiche Maß an Aufmerksamkeit geschenkt hat. Nach unseren Schätzungen haben die Sowjets ungefähr jeweils
die Hälfte ihrer Ausgaben für die strategische Rüstung auf Defensiv- und
auf Offensivsysteme verwandt. ... Sie betreiben schon seit langem Forschungsarbeiten im Bereich neuer Verteidigungstechnologien. ... Bei unseren Forschungsarbeiten handelt es sich also keineswegs um eine einseitige
Angelegenheit. Die Sowjets arbeiten sogar schon länger an diesen Dingen
als wir. Sie sind heute die einzigen, die ein effektives ABM-System (Raketenabwehrsystem) haben ... Lin einsatzfähiges ASAT-System (Antisatellitensystem) besitzen sie ebenfalls schon. Wir dagegen haben zum gegenwärtigen Zeitpunkt weder ein ABM- noch ein einsatzfähiges ASAT-System. Wir
sind erst dabei, ein Forschungsprogramm zur Entwicklung eines solchen Systems einzuleiten. Ich glaube, es ist wichtig für den Westen, keine Lage
entstehen zu lassen, in der nur die Sowjetunion solche Abwehrsysteme besitzt. Die Sowjets verfügen auch über ein sehr starkes Üffensivpotential.
Ihre Möglichkeiten zum Linsatz von Kernwaffen gegen militärische Ziele
sind heute umfassender als die unsrigen. Wenn man dies in Zusammenhang
mit ihrer überlegenen Abwehr sieht, dann kommt man zu dem Schluß, daß wir
vor einer Lage stehen, in der wieder ein besseres Gleichgewicht hergestellt werden muß. Genau das versuchen wir. Wir können das teilweise erreichen, indem wir selbst nachziehen. Ls wäre jedoch besser, wenn man
sich auf eine echte Verminderung der Offensivwaffen sowie auf eine Begrenzung der Defensivwaffen verständigen könnte.

FRAGL: Herr Botschafter, Sie haben die Bedingungen für die Einführung
von SDI-Systemen genannt: Sie müssen überlebensfähig und kosteneffektiv
sein ... Man hat zuweilen gesagt, daß diese Bedingungen extrem streng und
eigentlich nicht zu erfüllen seien. ...

ANTWORT: ... Wenn ich "überlebensfähig" sage, dann spreche ich nicht
von einem perfekten Abwehrsystem, ich meine vielmehr, daß die Bestandteile eines solchen Abwehrsystems ein vernünftiges Maß an Überlebensfähigkeit besitzen sollten ... Wenn dies nicht der Fall wäre, dann könnte ein
Angreifer seinen ersten Schlag gegen die verwundbaren Teile des Systems
richten, die gesamte Abwehr außer Gefecht setzen und sich dann anschlie- 4 -

�dann anschließend den eigentlichen Zielen zuwenden. Zweitens muß man sicherstellen, daß die Bestandteile eines solchen Systems insgesamt kosteneffektiver sind als Offensivwaffen. Mit anderen Worten: Wenn eine zahlenmäßige Vermehrung der Offensivsysteme billiger wäre, bestünde für die andere Seite ein Anreiz, genau dies zu tun. Man kann die andere Seite hiervon nur abbringen, wenn es möglich ist, die üefensivsysteme so zu konzipieren, daß die Kosten einer Verstärkung des Defensivpotentials geringer
sind als die Kosten einer Verstärkung des Offensivpotentials. ...
FRAGE: Botschafter Nitze, welche Fragen stehen nach ihrer Meinung im
Mittelpunkt des Themenbereichs Mittelstreckensysteme ... i

ANTWORT: Die Hauptfrage, die wir bei den INF-Verhandlungen von 1981
bis zum sowjetischen Auszug im Jahre 1983 nicht lösen konnten, ergab sich
aus der sowjetischen Forderung, daß der OdSSR das Recht zugestanden werden müsse, eine große Anzahl von SS-20-Raketen zu behalten, während die
Vereinigten Staaten keine Pershing-il oder landgestützte Marschflugkörper
besitzen dürften ... D.h., der sowjetische Standpunkt lautete: Null für
die Vereinigten Staaten und eine hohe Zahl für die UdSSR. ...

Heute stellt sich die Frage etwas anders. Die NATO hat eine gewisse
Anzahl von Pershing-il und landgestützten Marschflugkörpern aufgestellt.
Die Sowjets hingegen haben im Rahmen dessen, was sie "Gegenmaßnahmen"
nennen, ebenfalls eine Reihe neuer Waffen aufgestellt. ... Sie haben Raketen der Typen SS-12" und SS-22 vorverlegt, solche des Typs SS-23 aufgestellt und einige ihrer Unterseeboote auf vorgeschobenere Positionen beordert, heute geben sie uns zu verstehen, daß nach ihrer Meinung beide
Seiten da stehenbleiben sollten, wo sie angelangt sind. D.h., wir sollen
bei etwas mehr als 100 INF-Raketen anhalten, während sie für sich das
Recht in Anspruch nehmen, alle ihre SS-2U zu behalten ... Das wäre sicherlich keine besonders gute Lösung. Es wäre eine recht einseitige Lösung. ... Wir liegen also ziemlich weit auseinander. ... Es muß daher intensiv verhandelt werden, insbesondere über diese Kernfrage: Null Waffen
gegen sehr viele. ...

Es würde mich überraschen, wenn sich (in Genf) in den nächsten Mona-

�nächsten Monaten viel ergäbe, was für die Öffentlichkeit sichtbar ist,
denn die Tagesgeschäfte bei den Verhandlungen in Genf müssen vertraulich
gehalten werden ... Das ist wichtig, wenn die Verhandlungen ernsthaft
sein sollen. ... Bei der früheren Verhandlungsrunde in Genf haben wir
über viele Punkte Klarheit herstellen und in sehr vielen Fragen Fortschritte erzielen können. ... Das wäre nicht zu schaffen gewesen, wenn
Botschafter Kwitsinsky oder ich jeden Tag nach unseren Sitzungen eine Erklärung vor der Presse abgegeben hätte. ... Man mub bei diesen Gesprächen
ein gewisses Maü an Vertraulichkeit

wahren, wenn man ernstzunehmende

Fortschritte erzielen will. ...

* * * * *

�20. März 19ö5

12

SOWJETS STELLEN WEITERE SS-2Ü AUF
Pressekonferenz von Unterstaatsseketär Richard Burt -

Brüssel -(AD)- Im Anschluß an eine Tagung der Sonderberatungsgruppe
(SCÜ) der NATO gab Unterstaatssekretär Kichard burt, Vorsitzender der
Gruppe und Leiter der Europaabteilung im amerikanischen Außenministerium,
am 9. März 1983 in Brüssel eine Pressekonferenz, auf der er u.a. mitteilte, daß sich die Zahl der sowjetischen SS-20-Raketen auf 414 erhöht habe.
Außerdem kündigte er für die am 12. März eröffneten RüstungskontrollVerhandlungen in Genf amerikanische Initiativen an. Wir geben im folgenden
die Eingangserklärung Burts und Auszüge aus den nachfolgenden Fragen und
Antworten im Wortlaut wieder.

BURT; Im Anschluß an die Zusammenkunft des Nordatlantikrats heute
morgen, bei der auch die Botschafter Kampelman, Tower und Glitman zugegen
waren, trat am Nachmittag die Sonderberatungsgruppe zusammen, um den iNFAspekt (INF = Intermediate-Range Nuclear Forces = Nukleare Mittelstrekkensysteme) der neuen Verhandlungsrunde zu erörtern, die morgen in Genf
von den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion eröffnet wird.

Gemeinsam mit

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432"

�Gemeinsam mit Botschafter Glitman habe ich den Mitgliedern der SCG
erläutert, in welcher Art und Weise die Vereinigten Staaten bei diesen
neuen Verhandlungen eine deutliche Verminderung und wenn möglich eine
völlige Beseitigung der LRiNF-Systeme (LRINF = Long-Range IntermediateRange Nuclear Forces = Nukleare Mittelstreckensysteme Größerer Reichweite) anstreben werden. Wir haben nochmals bestätigt, daß wir an den vom
Bündnis gesetzten Grundkriterien für ein faires und bedeutungsvolles Abkommen festhalten, gleichzeitig aber auch unsere Bereitschaft bekräftigt,
auf unseren früheren initiativen vom September 1983 aufzubauen, die ihnen
innewohnende Flexibilität zu nutzen und allen ernsthaften neuen Vorschlägen der sowjetischen Seite unsere Aufmerksamkeit zu schenKen. Wir haben
darüberhinaus nochmals die Zusicherung des Präsidenten unterstrichen, daß
unseren Unterhändlern Weisungen mit auf den Weg gegeben werden, die sie
in die Lage versetzen, "jeden erfolgversprechenden Weg zu Fortschritten
zu prüfen".

Die Mitglieder der SCG begrüßten die morgige Eröffnung der neuen Verhandlungsrunde und brachten ihre volle Unterstützung für die amerikanische Position zum Ausdruck. Sie vermerkten, daß die amerikanische Position in Genf reichlichen Spielraum für ernsthafte Verhandlungen über ein
faires und verifizierbares Abkommen bietet. Ferner äußerten sie die Auffassung, daß Fortschritte in Richtung auf ein INF-Abkommen möglich sind,
wenn die Sowjetunion eine vergleichbare Bereitschaft an den Tag legt, auf
die Anliegen des Westens einzugehen. Dementsprechend appellierte die SCG
an die Sowjetunion, bei den neuen Verhandlungen eine ernsthafte und entgegenkommende Haltung einzunehmen.

Abschließend bestätigte die SCG erneut ihre Unterstützung für beide
Aspekte - den rüstungs- und den rüstungskontrollpolitischen - des NATUDoppelbeschlusses aus dem Jahre 1979. Das Bündnis ist nach wie vor bereit, die Aufstellung von LRINF-Systemen im Rahmen eines fairen Rüstungskontrollabkommens abzuwandeln, anzuhalten, rückgängig zu machen oder auszusetzen. Wir waren uns darin einig, daß wir alle bereit sein müssen, bei
dem Ringen um ein solches Abkommen viel Geduld, Beharrlichkeit und Entschlossenheit zu zeigen.

FRAGE: Was
- 2 -

�FRAGE: Was wurde auf der Tagung hinsichtlich des Todes von Tschernenko gesagt ? War man der Meinung, daß dies Auswirkungen auf die Verhandlungen haben'könnte ?

ANTWORT: ... Wenn morgen die neue Verhandlungsrunde eröffnet wird,
wird alles seinen gewohnten Gang gehen. Wir haben uns an solche Zwischenfälle gewöhnt. Was Veränderungen in der sowjetischen Führung angeht, so
haben wir den Eindruck, daß die Sowjetunion in der Lage ist, die Regierungsgeschäfte weiterzuführen. Wir werden unsere Strategie, die auf ein
baldiges Abkommen gerichtet ist, nicht ändern ...

FRAGE: Gibt es Anzeichen für die Aufstellung neuer sowjetischer Raketen ... ?

ANTWORT; Wir beobachten einen stetigen Prozeß der Vermehrung von Raketen des Typs SS-20. Ich würde nicht sagen, daß er sich beschleunigt
hat. Während des vergangenen Jahres war jedoch ein stetiges Anwachsen der
Zahl dieser sowjetischen Waffen zu verzeichnen.

FRAGE: Können Sie uns die gegenwärtige Zahl von SS-20 nennen ... ?

ANTWORT: Wir können die Gesamtzahl der SS-20 heute mit 414 angeben.
•• •

FRAGE: Ist heute darüber gesprochen worden, ob die Gefahr besteht,
daß Gegensätze in der Frage der Weltraumwaffen Fortschritte in den Verhandlungen über INF blockieren könnten ?

ANTWORT: ... Einer der wichtigsten Aspekte der sowjetischen Strategie
besteht eindeutig

darin, die Strategische

Verteidigungsinitiative

der

Vereinigten Staaten dadurch unter Druck zu bringen, daß sie Fortschritte
bei den Verhandlungen in den anderen Bereichen von amerikanischen Zugeständnissen in diesem Bereich abhängig machen ... Diese Strategie wird
sich als Burierang erweisen, weil wir vorhaben, bei den Verhandlungen über
nukleare Offensivwaffen sowohl im Bereich der strategischen Waffen als
auch in dem der INF-Systeme die Initiative zu ergreifen ... Wir glauben,
- 3 -

�Wir glauben, daß wir auf diese Weise die Weltraum- und Defensivwaffen von
den Verhandlungen über Offensivwaffen abkoppeln können und daß sich von
daher der Drück der öffentlichen Meinung nicht gegen uns, sondern gegen
die Sowjets richten wird. Sie können die Strategische Verteidigungsinitiative des Präsidenten nicht zum Vorwand nehmen, um mit uns nicht ernsthaft über die Offensivwaffen zu verhandeln. ...

FRAGE: Bedeutet das, daß Sie neue Vorschläge und Ideen haben ... ?

ANTWORT; Wir haben eindeutig neue Ideen.
FRAGE; Können Sie uns von diesen einen Eindruck vermitteln 1

ANTWORT; Nein ... Wenn wir unsere Vorschläge öffentlich und im Detail
erläuterten, bevor wir sie mit den Sowjets erörtert haben, würde man uns
sofort beschuldigen, Propaganda zu betreiben ...

FRAGE; Handelt es sich bei diesen neuen Vorschlägen um Modifikationen
der Positionen, die Sie zuletzt, d.h., Ende 19Ö3 eingenommen hatten, oder
sind sie radikaler ?

ANTWORT; Ich glaube, man kann sagen, daß es sich um Modifikationen
handelt, da die Vorschläge von 1983 auf recht grundlegenden Prinzipien
beruhten. Beispielsweise haben wir gesagt, daß wir im INF-Bereich nichts
tun werden, was unsere konventionelle Verteidigung schwächt. Wir waren
übereingekommen, daß wir die französischen und britischen Waffen nicht in
die Verhandlungen einbeziehen würden und daß die INF-Systeme weltweit begrenzt werden müßten. Diese Grundsätze bilden auch weiterhin die Leitlinien unserer gesamten Verhandlungsposition ... Ich möchte jedoch hinzufügen, daß innerhalb der durch diese Grundsätze gesetzten Beschränkungen
unseres Erachtens eine Menge Spielraum für eine kreative Verhandlungsführung besteht, falls die Sowjets ihrerseits bereit sind, dabei mitzuwirken. ...

* * * * *

- 4-

�20. März 1985

12

HOFFNUNG AUF BESSERE AMERIKANISCH-SOWJETISCHE BEZIEHUNGEN
- Pressekonferenz von US-Vizepräsident Bush in Moskau -

MOSKAU - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident George Bush, als
Leiter

der

amerikanischen

Delegation

zur Beisetzung

des verstorbenen

sowjetischen Staats- und Parteichefs Konstantin Tschernenko in Moskau,
erklärte dort auf einer Pressekonferenz am 13. März 1985 nach seinem
Treffen mit dem neuen Generalsekretär Michail Gorbatschow, die Vereinigten Staaten machten "sich große Hoffnungen, daß es in Genf Fortschritte
gibt und große Hoffnungen, daß es auch insgesamt zu einer Verringerung
der Spannungen kommt."

Die Pressekonferenz des Vizepräsidenten hat in Auszügen folgenden
Wortlaut:
FRAGE: 'Überbrachten Sie ein Schreiben von Präsident Reagan, in dem
Gorbatschow zu einem Gipfeltreffen in Washington eingeladen wird? Und

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�eingeladen wird? Uhd wenn ja: Wie war seine Reaktion? Und wie sind die
Aussichten?
ANTWORT: Ich habe ein Schreiben mitgebracht. Ich werde zwar nichts
über den Inhalt sagen, bin aber der 'Überzeugung, daß der Präsident den
Eindruck hat, ein Treffen wäre nützlich.

FRAGE: Es wird viel darüber geredet, daß nun eine Zeit der Entspannung oder doch zumindest der besseren Beziehungen zwischen Washington und
Moskau käme. Können Sie uns Ihr Urteil zu einer möglichen atmosphärischen
Veränderung geben?

ANTWORT: Ich glaube, beide Seiten hatten den Eindruck eines konstruktiven Gesprächs ohne Polemik. Wenn es innerhalb der letzten Jahre je einen Zeitpunkt gab, an dem ein Fortschritt möglich war, so scheint mir das
jetzt zu sein... Wir hegen große Hoffnungen, daß es in Genf Fortschritte
gibt und große Hoffnungen, daß es auch insgesamt zu einer Verringerung
der Spannungen kommt.

FRAGE: Sprachen

Sie über die Strategische

Verteidigungsoffensive?

Hatten Sie den Eindruck, die neue sowjetische Führung sähe darin ein
unüberwindbares Hindernis für gute Beziehungen?
ANTWORT: ... Wir hatten aus dem Gespräch insgesamt heraus nicht den
Eindruck, irgendetwas sei unüberwindbar.
FRAGE: Inwieweit wurde das Gespräch von Gorbatschow, inwieweit von
Gromyko gelenkt?

ANTWORT: Gorbatschow

lenkte- das' -Treffen und" tat dies mit großem

Selbstvertrauen und großer Sicherheit... natürlich beteiligten sich alle
an der Unterhaltung, aber eindeutig war Gorbatschow der Hauptgesprächspartner, voll Selbstvertrauen in seinen Erklärungen und er hinterließ einen sehr großen Eindruck.

...FRAGE: Welchen Eindruck hatten Sie von Gorbatschows Bereitschaft zu

�Bereitschaft zu einem Treffen mit Reagan?
ANTWORT: Ich kann dies wirklich nicht beantworten. Nicht, um Ihrer Frage
auszuweichen, sondern weil ich Ihnen einfach nichts sagen kann. Aber
wissen Sie, ich habe das sehr angenehme Gefühl - ich kenne den Präsidenten ja nun recht gut - daß es nützlich wäre und gut...

Wir hatten den Eindruck, vielleicht

etwas Fortschritt

gemacht zu

haben, und ich weiß, daß der Präsident dies genauso sehen würde.

* * * * *

- 3-

�20. März 1985

12

DAS NORDAMERIKANISCHE LUFT- UND WELTRAUMVERTEIDIGUNGSSYSTLM (NORAD)

- Kurzinformation -

Washington -(AD)- Die folgende, vom US-Informationsamt (USIA) herausgegebene Kurzinformation
bietet einen Überblick über das Nordamerikanische
Luft- und Weltraumverteidigungssystem (North American Aerospace Defense Command, abgekürzt NORAD).
Gegenwärtige Sachlage

Die Vereinigten Staaten und Kanada haben am Ib. März 1985 in Wuebec
ein neues Abkommen über die Modernisierung des nordamerikanischen Luftverteidigung s-, Warn- und Überwachungssystems unterzeichnet. Gemäß dem
Abkommen wird an der Peripherie des Kontinents ein Warnsystem aufgebaut
werden, um der unmittelbaren Bedronung zu begegnen, die sich aus der erhöhten Schlagkraft der Streitkräfte der Sowjetunion ergibt. Das System
wird in der Lage sein, feindliche Bomber und Marschflugkörper, die innerhalb der Atmosphäre in großer oder geringer Flughöhe in den nordamerikanischen Luftraum eindringen, zu orten und ihren Kurs zu verfolgen.

Überhorizont-Backscatter-Radars (OTH-B) mit großer Reichweite werden

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Reichweite werden einen Hauptbestandteil dieses Systems bilden. Sie werden auf dem Territorium der Vereinigten Staaten aufgestellt werden und
das östliche, westliche und südliche Vorfeld des nordamerikanischen Kontinents abdecken. Das Kernstück des neuen amerikanisch-kanadischen Verteidigung sabkommens bildet jedoch der Ersatz der veralteten Frühwarnkette
(Distant Early Warning [DEWJ radar line) von NORAD durch das Nordwarnsystem.

Eine Kette vorgeschobener Radarstationen wird sich von Nordalaska
über Nordkanada bis zur Küste von Labrador erstrecken. Im Gegensatz zu

*

der alten DEW-Kette, die von der amerikanischen Luftwaffe betrieben wird,
wird das Nordwarnsystem von Kanadiern bedient, befehligt und bemannt werden. Rund 6ü Prozent der Kosten für das neue Radarsystem werden die Vereinigten Staaten tragen; für die restlichen 40 Prozent kommt Kanada auf.

Bei dem alten DEW-System handelt es sich um eine 3 uUÜ Meilen lange
Kette von Radarstationen, die sich durch das Eis und die Tundra der Arktis zwischen Alaska und Grönland erstreckt. Sie war ursprünglich als erste Verteidigungslinie des nordamerikanischen Kontinents gedacht; der kanadische Teil wurde 1^56 fertiggestellt. Zwischen I9i&gt;9 und 1961 wurden
vier neue Stationen hinzugefügt, so daf3 die DEW-Kette danach bis Grönland
reichte. Ihre Hauptfunktion bestand darin, kernwaffentragende sowjetische
Bomber zu orten, sobald die angreifenden Maschinen über dem nördlichen
Horizont erschienen.

In der Erfassung von in geringer Höhe anfliegenden Objekten durch die
gegenwärtige DEW-Kette klaffen zahlreiche Lücken, die Leistung der Radars
ist schlecht, und der Betrieb und die Wartung des Systems sind kostspielig. Bei der Modernisierung der DEW-Kette geht es im Grunde um den Ersatz
von 31 veralteten Radarstationen (vier in Grönland, 21 in Kanada und
sechs in Alaska) durch 52 neue Radaranlagen.

Diese Radars werden den Luftraum tief genug abtasten können, um auch
technologisch fortgeschrittene, tieffliegende Bomber sowie Marschflugkörper, deren Flugbahn dem Geländerelief folgt, zu orten. Sie werden Informationen über den Kurs, die Flughöhe und die Geschwindigkeit einfliegen- 2 -

•

�Geschwindigkeit einfliegender Maschinen liefern. Von den 52 Kadars werden
39 unbemannte Stationen mit kurzer Reichweite sein. Bei den restlichen 13
handelt es sich um Anlagen mit großer Reichweite, die ein Bedienungspersonal von 23U Mann erfordern.

Weitere Schwerpunkte des gemeinsamen amerikanisch-kanadischen Programms zum Ausbau der Luftverteidigung des Kontinents sind die Abdeckung
Nordamerikas durch fliegende frühwarnssysteme (AWAuS) und die Errichtung
von vorgeschobenen Linsatzbasen und Ausweicheinsatzbasen für Kampf- und
AWACS-Flugzeuge.

Was ist NQRAü ?

Das Nordamerikanische Luftverteidigungssystem

wurde im August 1937

gegründet, als die Vereinigten Staaten und ihr NATO-Partner Kanada ihre
Luftverteidigungskräfte zusammenfaßten und sich somit die Verantwortung
für die strategische Verteidigung der Hemisphäre teilten. 1981 wurde der
Name in Nordamerikanisches Luft- und Weltraumverteidigungssystem abgeändert, um Veränderungen in der Aufgabenstellung von NORAD Rechnung zu tragen.
NORAü ist die erste binationale, alle Teilstreitkräfte einbeziehende
Militärorganisation auf dem Kontinent, L S bezeichnet auch das erste im
Frieden zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada geschlossene Verteidigungsabkommen, in dessen Rahmen Streitkräfte beider Länder einem gemeinsamen Überbefehlshaber unterstellt werden.

Organisation

Nach dem amerikanisch-kanadischen NORAU-Abkommen aus dem Jahre 1957
ist der Oberbefehlshaber von NORAü immer ein amerikanischer Luftwaffengeneral, sein Stellvertreter hingegen ein kanadischer ueneral. Der NORADOberbefehlshaber ist über die Vereinigten Stabschefs der amerikanischen
Streitkräfte bzw. den Generalstabschef der kanadischen Streitkräfte den
Regierungen beider Länder verantwortlich. Dem NORAD-Oberbefehlshaber unterstehen gleichzeitig auch das amerikanische Oberkommando für die Luft-

�die Luft- und Weltraumverteidigung und das Oberkommando für den Weltraum.

Den sieben regionalen Kommandobereichen von NORAü (vier im Kernland
der Vereinigten Staaten, zwei in Kanada und einer in Alaska) sind jeweils
Radarsysteme und Abfangjäger zugeteilt. Diese regionalen Kommandobereiche
tragen die Verantwortung für die Luftraumüberwachung und -Verteidigung in
ihren jeweiligen Gebieten. Die Einsatz- und Operationszentrale von NORAD
ist unterirdisch in einem Berg, dem Cheyenne-Mountain-Komplex, in der Nähe von Colorado Springs untergebracht.

Finanzierung

Kanada kommt gegenwärtig für etwa zehn Prozent der direkten Kosten
von NORAD auf.

Auftrag
Der ursprüngliche Auftrag von NORAu war die Verteidigung des Kernlands der Vereinigten Staaten, Kanadas und Alaskas gegen Bomberangriffe.
Im Jahre 1981 definierten die Vereinigten Staaten und Kanada in einer gemeinsamen Erklärung den Luftverteidigungsauftrag von NORMO neu. im Rahmen
dieses neuen Ansatzes wird folgenden Aspekten besondere Beachtung geschenkt:

- der fortlaufenden Modernisierung

der sowjetischen Bomberflotte und

der Entwicklung von see- und luftgestützten Marschflugkörpern in der
Sowjetunion;
- der

Notwendigkeit

verläßlicher Frühwarnsysteme

zur Erfassung

von

Flugobjekten in der Atmosphäre;
- der Begrenzung des möglichen Schadens für das strategische Vergeltungspotential und die entsprechenden Kommandoeinrichtungen;
- der Beherrschung des Vorfeldes des nordamerikanischen Luftraums und,
falls notwendig,
- der Abwehr von Angriffen in der Atmosphäre.

Zu den Hauptaufgaben von NORAü gehört heute, 1. Ereignisse, die eine

�die eine feindliche Handlung beinhalten könnten, zu registrieren; 2. die
obersten Führungsstellen beider Länder über die Nationale Militärbefehlszentrale in Washington, D.C., bzw. über die Nationale Verteidigungsoperationszentrale des Hauptquartiers für die Landesverteidigung

in Ottawa,

Kanada, rechtzeitig, zuverlässig und unzweideutig vor einem Raketenangriff zu warnen und Art und Umfang eines solchen Angriffs korrekt zu bestimmen; 3. mit Mitteln der Weltraumüberwachung Satelliten in Erdumlaufbahnen zu orten, ihre Bahn zu verfolgen, sie zu identifizieren und zu katalogisieren; 4. im Frieden die Ausübung der Hoheitsrechte im amerikanischen und kanadischen Luftraum zu gewährleisten und eine begrenzte Verteidigung gegen Luftangriffe zu sichern.

Gliederung der Streitkräfte

Folgende Organisationen stellen Streitkräften für NORAD ab:

- Das Luftwaffenoberkommando der kanadischen Streitkräfte stellt annähernd 6 U00 Mann Militärpersonal und 2 000 Zivilbedienstete sowie Abfangjäger, Radarstationen und Befehlszentralen zur Verfügung.

- Das Oberkommando für den Weltraum der amerikanischen Luftwaffe stellt
die Raketenwarn- und Weltraumüberwachungssensoren, die Daten an NORAD
übermitteln, und leitet die Zentrale für Weltraumverteidigungsoperationen und andere Einrichtungen im Cheyenne-Mountain-Komplex.

- Das US-Oberkommando der Taktischen Luftstreitkräfte stellt Abfangjäger, Radaranlagen, Befehlszentralen

und

andere Einrichtungen

der

Luftverteidigung im Kernland der Vereinigten Staaten.

- Das Oberkommando der amerikanischen Luftstreitkräfte in Alaska unterhält LuftVerteidigungsverbände in Alaska.

- Die Fliegertruppen der Nationalgarde, der Marine und des Marinekorps
der Vereinigten Staaten stellen Abfangjäger.

- Das Oberkommando für das Fernmeldewesen der amerikanischen Luftwaffe

�amerikanischen Luftwaffe unterhält Hernmeldeeinrichtungen in den Vereinigten Staaten.

Streitkrä'fteumfang

Lage Anfang der sechziger Jahre: Zu dem Zeitpunkt, als das kontinentale Luftverteidigungspotential von NORAD seine größten Stärke erlangt
hatte, umfaßten die von den Vereinigten Staaten und Kanada abgestellten
Streitkräfte u.a.: 2 612 Abfangjäger, 439 Boden-Luft-Raketen

vom Typ

BOMARC, 274 Batterien mit Boden-Luft-Raketen vom Typ NIKE, 2ö6 Radaranlagen mit großer Reichweite, 81 Radaranlagen in der Frühwarnkette, 148 Vorpostenschiffe mit Radaranlagen zum Schließen von Lücken in der Sicherungskette, 68 Befehlszentralen und 77 Frühwarnflugzeuge vom Typ EC-121.
NORAü unterstanden insgesamt 2U7 0U0 Mann.

Die Lage 1984/85: Im Gegensatz dazu umfaßt das gegenwärtige NORAD-Arsenal: 34U Abfangjäger, keine Boden-Luft-Raketen, 83 Radaranlagen mit
großer Reichweite, 31 Radaranlagen in der Frühwarnkette zur Erfassung von
Bombern in mittlerer und großer Flughöhe, keine Vorpostenschiffe, 7 Befehlszentralen, keine EC-121 und Personal in Stärke von insgesamt 37 UOU
Mann. Dafür verfügt NORAD jedoch heute über 8 fliegende Frühwarnsysteme
(AWACS).

* * * * *

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