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                    <text>AMERIKA DIENST

•
2 1 . O k t o b e r 1987

37

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan lobt amerikanische Bundesbank und internationale Kooperation
- Erklärung des Präsidenten zu den Finanzmärkten Reagan: Operation der Vereinigten Staaten "überlegte und gemäßigte
Antwort* an den Iran
- Erklärung des Präsidenten zum amerikanischen Vergeltungsschlag
im Golf Shultz: Friedenspläne müssen in Nicaragua verwirklicht werden
- Rede vor dem Auswärtigen Ausschuß des Repräsentantenhauses Rowny: SDI "kein Verhandlungsgegenstand"
- Rede vor Ehemaligen des National War College -

HINTERGRUNDMATERIAL
Rüstungskontrolle wichtigstes Thema bei Shultz-Besuch in Moskau
- Informationsgespräch mit Botschafter Nitze Begrenzungen von Atomwaffentests
- Übersicht des Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung -

* * * * * *

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Embassy of the United States of America

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Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
r/

u

•""-

Dokumentation

Ä&lt;

21. Oktober 1987

37

REAGAN LOBT AMERIKANISCHE BUNDESBANK UND INTERNATIONALE KOOPERATION
- Erklärung des Präsidenten zu den Finanzmärkten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan sprach sowohl der amerikanischen
Zentralbank als auch hochrangigen bundesdeutschen und japanischen Regierungsvertretern am 20. Oktober sein Lob aus für ihre feste Zusage, sich auf den Finanz- und Devisenmärkten für Stabilität einzusetzen.
Er befürwortete ferner Diskussionen mit den Führern beider
Kongreß über eine Paketlösung zum Abbau des Haushaltsdefizits.

Parteien

im

Nachfolgend veröffentlichen wir diese Erklärung im Wortlaut:

Ich möchte Ihnen meine Stellungnahme verlesen.
ich denke, Sie alle
wissen, daß die Börse mit einem Zuwachs von 102,27 Punkten schloß und
604 Millionen Aktien gehandelt wurden.
Ich komme gerade von einem
Treffen
mit meinen Finanzberatern,
und wir haben die Entwicklungen der
letzten Tage auf den Finanzmärkten
sowie die bisher von uns unternommenen Aktionen und Optionen für zusätzliche Maßnahmen eingehend geprüft.
Wir standen in ständigem Kontakt
mit den Wirtschaftspolitikern beider

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Länder, den Börsen der Welt und ihren
Teilnehmern.
Trotz anhaltender Besorgnis freue ich mich, daß die von
der Bundesbank unternommenen Maßnahmen einen heilsamen Effekt auf die
Börsen hatten.
Die Zinssätze sind
allgemein gefallen.
Ich freue mich
ebenfalls über die heute von zwei
Banken
unternommenen
wichtigen
Schritte zur Senkung ihrer PrimaRaten.
Ich bin der Ansicht, daß auf den
Märkten noch Spielraum für einen weiteren Rückgang der Zinssätze besteht

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Telex: 8-85432

�und ich bin besonders erfreut darüber, daß der Rentenmarkt fest und
die Devisenkurse stabil sind.
Gestern
haben
Finanzminister
Baker und sein bundesdeutscher Kollege Stoltenberg erneut unsere Übereinkunft mit der Bundesrepublik bestätigt, zur Schaffung nicht-inflationären Wachstums und stabiler Wechselkurse die Wirtschaftspolitik zu koordinieren.
Finanzminister
Miyazawa
gab eine Erklärung in gleichem Sinne
ab, in der er die Absicht Japans bekräftigte, mit anderen Industrieländern wirtschaftlich zusammenzuarbeiten und eine Wirtschaftspolitik zu
verfolgen, die ein anhaltendes Wachstum der japanischen Wirtschaft hervorbringen wird.
In einem Telefongespräch mit dem
designierten japanischen Ministerpräsidenten Takeshita hat dieser heute
morgen erklärt, seine höchste Priorität sei die Erhaltung stabiler Wirtschaftsbeziehungen mit den Vereinigten Staaten. Die Vereinigten Staaten
verpflichten sich weiterhin auf das
Louvre-Abkommen, und heute habe ich
die erste Sequestrationsverfügung unter dem Gramm-Rudman-Hollings-Gesetz
unterzeichnet.
Trotzdem glaube ich, daß es vorzuziehen ist, wenn sich nach Möglichkeit die Exekutive und die Legislative über eine Paketlösung zum Abbau
des Haushaltsdefizits einigen.
Demgemäß verfüge ich, daß zu diesem
Zweck Gespräche mit den Führern beider Parteien im Kongreß unternommen
werden.
Die wirtschaftliche
Basis
dieses Landes bleibt solide, und unsere Bürger sollten nicht in Panik
verfallen. Ich habe großes Vertrauen
in die Zukunft.
* * * * *

�AMERIKA DIENST
-4-

^

Ä«

Dokumentation
21. Oktober 1987

37
REAGAN: OPERATION DER VEREINIGTEN STAATEN
"ÜBERLEGTE UND GEMÄSSIGTE ANTWORT" AN DEN IRAN

- Erklärung des Präsidenten zum amerikanischen Vergeltungsschlag im Golf WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan zufolge sind die am 19. Oktober 1987
gegen eine zu militärischen Zwecken genutzte iranische Bohrinsel im Persischen
Golf gerichteten Operationen der Vereingten Staaten "eine überlegte und zugleich gemäßigte Antwort" auf die "rechtswidrige Anwendung von Gewalt gegen
die Vereinigten Staaten und auf zahlreiche Verletzungen der Rechte anderer
friedlicher Nationen" durch den Iran.
In einer vom Weißen Haus veröffentlichten Erklärung verwies der Präsident
darauf, daß die unverfrorenen Attacken des Iran... auf unter amerikanischer
Flagge fahrende Schiffe "trotz zahlreicher Botschaften seitens der Regierung
der Vereinigten Staaten an die Regierung Irans, in denen vor den Konsequenzen
gewarnt wurde", erfolgte.
Nachfolgend bringen wir die Erklärung Präsident Reagans im Wortlaut.
Kraft meines Amtes als Oberbefehlshaber
der
Streitkräfte
haben
amerikanische Kriegsschiffe um 7.00
Uhr Washingtoner Ortszeit einen Angriff auf eine zu militärischen Zwekken genutzte iranische Bohrinsel
in
internationalen
Gewässern
im Persischen Golf ausgeführt. Diese Bohrinsel ist zu mehreren iranischen Angriffen gegen die nicht am Krieg beteiligte Schiffahrt genutzt worden.
Die durch keinerlei Provokation ausgelösten Anschläge auf amerikanische
und andere Schiffe friedlicher Nationen und insbesondere das vorsätzliche

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Embassy of the United States of America

Legen von Minen und Abfeuern von Seidenraupen-Raketen, die unter amerikanischer
Flagge
fahrende
Schiffe
trafen, erfolgten trotz zahlreicher
Botschaften seitens der Regierung der
Vereinigten Staaten an die Regierung
Irans, in denen vor den Konsequenzen
gewarnt wurde.
Die Operation gegen die zu militärischen Zwecken genutzte iranische
Bohrinsel erfolgte im Anschluß an Beratungen mit führenden Kongreßabgeordneten und befreundeten Regierungen. Sie ist eine überlegte und an-

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�gemessene Antwort auf die rechtswidrige Anwendung von Gewalt gegen die
Vereinigten Staaten und auf zahlreiche Verletzungen der Rechte anderer
friedlicher Nationen. Sie ist die im
Einklang mit dem Gesetz stehende Ausübung des Rechts auf Selbstverteidigung, das in Artikel 51 der Charta
der Vereinten Nationen verbrieft ist
und in diesem Sinne haben wir den
Präsidenten des Weltsicherheitsrates
informiert.
Die Vereinigten Staaten wünschen
keine militärische Konfrontation mit
dem Iran, die Regierung Irans sollte
sich jedoch keinen Illusionen bezüglich unserer Entschlossenheit und Fähigkeit, unsere Schiffe und Interessen gegen nicht provozierte Angriffe
zu schützen, hingeben. Wir haben die
Regierung Irans von unserem Wunsch
nach einer unverzüglichen Beendigung
der Spannungen in der Region und der
Beendigung des Krieges zwischen Iran
und Irak durch die unverzügliche Anwendung von Resolution 598 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen
informiert.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

21. Oktober 1987

37

SHULTZ:

FRIEDENSPLXNE MÜSSEN IN NICARAGUA VERWIRKLICHT WERDEN

- Rede vor dem Auswärtigen Ausschuß des Repräsentantenhauses -

WASHINGTON - (AD) - Außenminister Shultz zufolge müssen die Vereinigten
Staaten "sicherstellen, daß der Wright-Reagan-Friedensplan und die Vereinbarung von Guatemala" in Nicaragua verwirklicht werden. Dem Auswärtigen Ausschuß des Repräsentantenhauses gegenüber erklärte Shultz am 13. Oktober 1987
ferner, es dürfe "keine sowjetische oder kubanische Militärpräsenz in Nicaragua geben" und das Land solle "keine militärische oder subversive Bedrohung
für seine Nachbarn oder die Region darstellen.
Nachfolgend geben wir den Wortlaut der Rede wieder.

Ich bin froh über diese Gelegenheit zu einer gemeinsamen kritischen
Würdigung der Entwicklungen in Mittelamerika.
Bevor ich mich jedoch
den Einzelheiten widme, möchte ich
unsere Botschaft klar zum Ausdruck
bringen. Es ist eine eindeutige und
einfache Botschaft:
- Die Vereinigten Staaten befürworten Frieden
und Demokratie in
Mittelamerika.
Präsident Reagan
hat sich dort entschlossen und
sehr geschickt für Frieden und
Demokratie eingesetzt.
Und als

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Embassy of the United States of America

Ergebnis haben wir einige bemerkenswerte
Fortschritte
festgestellt.
Im August wurde in Guatemala von
den fünf Präsidenten Mittelamerikas eine Vereinbarung getroffen.
Diese Vereinbarung eröffnet eine
Chance für weitere Fortschritte.
Es besteht immer noch eine Bedrohung für die Demokratie, und unsere nationalen Sicherheitsinteressen sind weiterhin sehr groß.
Deshalb ist es umso wichtiger,
daß wir zur Durchführung dieser

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�Vereinbarung einen
trag leisten.

soliden

Bei-

- Die bis heute erzielten Fortschritte wurden erreicht, weil
die Diplomatie auf stärke beruhte.
Heute steht sie an vorderster Front. Wenn wir jedoch weiterhin Fortschritte machen wollen, dann ist es wichtig, den
Druck und die Anreize, die uns
überhaupt erst so weit gebracht
haben, aufrecht zu erhalten.

Fortschritte in Mittelamerika
Manchmal frage ich mich, wieviele
Menschen sich noch daran erinnern,
daß in den Jahren 1980/81 die meisten
Experten der Meinung waren, es sei zu
spät, um die Gewalt in El Salvador
und den Aufruhr in Nicaragua zu beenden. Die Sowjetunion und Kuba zogen
direkten Nutzen aus diesen, unseren
Gestaden so nahen Konflikten.
Meinungen wurden laut, die Vereinigten
Staaten
könnten
letztlich vor die
Wahl gestellt werden, entweder Truppen einzusetzen, um den Kommunismus
in Mittelamerika zu stoppen - oder
die Sowjetunion nach und nach zur beherrschenden
Macht zwischen Panama
und Mexiko werden zu lassen.
Diese Geschichte
und Gegenbehauptungen
hörungen vor diesem
send dokumentiert.
damals gedacht wurde
stehen.

von Behauptungen
ist mit den AnAusschuß umfasSie zeigt, wie
und wo wir heute

Der Präsident verstand, der Kommunismus könne Mittelamerika genauso
wenig Freiheit oder Wohlstand bringen, wie er dies in Kuba vermochte.
Deshalb beschloß er, die Mittelamerikaner zu unterstützen, die willens
waren, für Demokratie und Menschenwürde zu arbeiten und, falls nötig,
- 2

zu kämpfen.
Durch unsere Unterstützung der Bemühungen
Mittelamerikas
zur Erlangung von Freiheit und Wohlstand würden wir auch unsere eigene
Sicherheit schützen.
Diese Entscheidung war der erste
Schritt, um das Steuer in Mittelamerika herumzuwerfen.
Ein Land nach
dem anderen erlebte zu Beginn dieses
Jahrzehnts eine bemerkenswerte Erholung aus fast katastrophalen Verhältnissen.
Heute bieten
demokratisch
gewählte Regierungen in El Salvador,
Honduras und unlängst in Guatemala
ihren Bürgern die Aussicht auf eine
bessere Zukunft. Costa Rica genießt
weiterhin Freiheit und Rechtsstaatlichkeit, wie dies schon seit Jahrzehnten der Fall ist.
Wir können auf die Rolle unseres
Landes bei diesen Fortschritten stolz
sein. Und ich meine genau dies: Die
Amerikaner insgesamt, Demokraten und
Republikaner, können stolz auf die
Beiträge unseres Landes sein. Unsere
Strategie bestand darin, Reformen und
Freiheit zu unterstützen, sie genoß
bedeutende überparteiliche Unterstützung, und sie hat funktioniert.
Denken Sie an das, was in El Salvador
geschehen
ist:
Konfrontiert
mit der Guerrilla-Offensive des Jahres 1981 hat diese Administration die
amerikanische Militärhilfe erhöht
aber wir haben ebenso die amerikanische Unterstützung für die Initiativen der Carter-Administration zur
Förderung der Landreform und der Menschenrechte fortgeführt.
Wir haben
Entwicklung,
Demokratie,
Diplomatie
und Verteidigung als Teile eines zusammenhängenden
Ganzen
unterstützt.
Viele Probleme bleiben bestehen, aber
heute wissen die salvadoranischen Demokraten, daß sie auf die politische
und materielle Unterstützung der Vereinigten Staaten zählen können.

�Die
Nationale
Überparteiliche
Kommission hat dieses umfassende Konzept für ganz Mittelamerika weiterentwickelt.
In den letzten Jahren
haben überparteiliche Mehrheiten im
Kongreß konsequent die erhöhten Mittel bewilligt, die für das Funktionieren dieser demokratischen Entwicklung unabdingbar waren.

Hinter den Friedensmaßnahmen
Vor
diesem allgemeinen Hintergrund haben drei Entwicklungen eine
bedeutende Chance für den Frieden
hervorgebracht.

Während die Vereinigten Staaten
und ihre Nachbarn ihre Zusammenarbeit
für die Demokratie aufnahmen, wurde
es zunehmend augenfällig, daß Nicaragua an einer Zusammenarbeit nicht interessiert war. Der Grund war damals
derselbe wie heute:
Die kommunistischen Sandinisten bilden bei diesem
demokratischen Trend eine eklatante
Ausnahme.
Als Somoza im Jahr 1979 floh,
wurde in intensiven Verhandlungen unter Mitwirkung der OAS eine Koalitionsregierung gebildet, die der Demokratie verpflichtet war. Aber die
Demokraten Nicaraguas sahen sich bald
einer neuen Diktatur ausgesetzt, die
dieses Mal von einer bewaffneten kommunistischen
Minderheit
gesteuert
wurde. Heute ist die Hilfe des Ostblocks an die nicaraguanischen Kommunisten höher als die gesamte amerikanische Hilfe an ganz Mittelamerika
und zehn mal so hoch, wie die amerikanische
Hilfe an
den
nicaraguanischen Widerstand.
Die Geschichte verzeichnet also
Fortschritte wie auch anhaltende Gefahr. Die mittelamerikanischen Demokratien haben an Zusammenhalt und
Entschlossenheit
zugenommen.
Aber
Nicaragua bleibt ein Hindernis für
die Einheit Mittelamerikas, ein Hemmschuh für die regionale Entwicklung
und ein Mittel, um die Rivalität zwischen Ost und West auf das amerikanische Festland zu tragen.
- 3 -

- Die erste besteht im Erfolg der
demokratischen Kräfte des nicaraguanischen
Widerstandes.
Seit
Januar sind sie durch ihre verbesserte militärische Leistungsfähigkeit zu einer ernsten Herausforderung für die Kommunisten
geworden. Im Mai wurde durch ihre erweiterte politische Führung
bestätigt, daß sie eine Kraft für
wahre
Demokratie
in
Nicaragua
sind.
- Die zweite ist der Wright-ReaganFriedensplan.
Am
5.
August
stellten Präsident Reagan und der
Sprecher des Repräsentantenhauses
Wright
klar, die
grundlegenden
amerikanischen
Sicherheitsziele
in Mittelamerika seien keine Angelegenheit parteilicher Auseinandersetzungen.
Sie
stimmten
überein, daß die amerikanischen
Interessen ein demokratisches Nicaragua erfordern, das keine militärische Bedrohung seiner Nachbarn oder eine Basis für sowjetische und kubanische Aktivitäten
darstellt, die der Sicherheit unseres Landes abträglich sind.
- Die dritte ist die Vereinbarung
von Guatemala. Am 7. August trafen sich die Präsidenten Arias
von Costa Rica, Azcona von Honduras, Cerezo von Guatemala und
Duarte von El Salvador mit Nicaraguas Präsident Ortega in Guatemala,
um
über
ein
regionales
Friedensabkommen
zu
sprechen.
Gedrängt durch den Konsens unter
seinen Nachbarn und die Realitäten der
sich
verschlechternden

�inneren Lage Nicaraguas unterzeichnete Ortega zusammen mit den
demokratischen Präsidenten.

Die Vereinbarung von Guatemala
Die Vereinbarung
von Guatemala
verleiht einer auf Freiheit gegründeten Vision regionalen Friedens Ausdruck. Diese Vision hängt entscheidend von der gleichzeitigen Durchführung einer Reihe gegenseitiger Verpflichtungen ab.
Wie Präsident Reagan am 7. Oktober vor der OAS sagte, ist "Demokratie die Grundlinie" dieser Verpflichtungen.
Die Vereinbarung von Guatemala verpflichtet
die fünf Unterzeichnerstaaten Mittelamerikas, einschließlich Nicaraguas, innerhalb von
90 Tagen nach der Unterzeichnung, also bis zum 7. November, zur Demokratisierung.
Ihr zufolge muß Demokratisierung
vollständige
Pressefreiheit, vollständigen politischen Pluralismus und die Aufhebung jedweder
Ausnahmezustände enthalten.
Jede Regierung muß gleichermaßen
alle notwendigen Schritte zur Erlangung
eines
wirksam
ausgehandelten
Waffenstillstands und des Prozesses
der nationalen Aussöhnung unternehmen.
Jede Regierung muß ein Amnestiegesetz erlassen, das sich auf bewaffnete und unbewaffnete politische
Oppositionsgruppen erstreckt.
Die
Unterzeichner
verpflichten
sich, die Nutzung ihres nationalen
Territoriums zur militärischen Versorgung von Streitkräften zu verweigern, die andere Regierungen zu destabilisieren trachten.
Die Unterstützung irregulärer Truppen ist zu
beenden, mit Ausnahme der für die Umsiedlung der Kombattanten und die
freiwillige Rückführung von Flüchlin-

gen erforderlichen Hilfsleistungen.
Die Einhaltung der Vereinbarung
ist von einer internationalen Kommission zu überprüfen (die aus den Generalsekretären der Organisation Amerikanischer Staaten und der Vereinten
Nationen sowie den Außenministern der
fünf
Mittelamerikanischen
Nationen
und den acht Nationen der CONTADORAund der Unterstützungsgruppe zusammengesetzt ist). Die endgültige Entscheidung bleibt jedoch Mittelamerika
selbst vorbehalten.
Die im Friedensplan festgelegten
Schlüsseldaten sind der 7. November
1987, an dem der Demokratisierungsprozeß und die Feuereinstellung vollständig in Kraft treten sollen und
der 7. Januar 1988, an dem deren Ergebnisse ausgewertet werden sollen.
Die Vereinbarung
von Guatemala
besteht nicht aus einer Reihe isolierter unilateraler Verpflichtungen,
sondern ist vielmehr ein Regionalplan
mit überlappenden und sich gegenseitig verstärkenden bindenden Zusagen.
Um zu gewährleisten, daß deren Anwendung sich nicht einseitig vollzieht,
sind diese Verpflichtungen von allen
Vertragsparteien gleichzeitig durchzuführen.
Wenn ein Teil scheitert,
bricht die gesamte Struktur zusammen.
Wenn kein Waffenstillstand ausgehandelt und keine umfassende Amnestie
erlassen wird, bleiben alle anderen
Maßnahmen in der Schwebe. Wenn der
Plan erfolgreich verwirklicht werden
soll müssen wir sicher sein, daß für
die komplexen Prozesse der Demokratisierung und der nationalen Aussöhnung
feste aber durchführbare
Kriterien
bestehen, die Fortschrittsbestrebungen zeitlich ernsthaft begrenzt werden und das Bewußtsein für die Kosten
eines Scheiterns der Vereinbarung geschärft wird.

�Mit anderen Worten, die Vereinbarung von Guatemala ist ein sehr ehrgeiziges Dokument.
Ihr Erfolg ist
nicht
von
vorneherein
garantiert.
Aber sie ist ein kühner Schritt in
die richtige Richtung.

Diplomatische Bemühungen der Vereinigten Staaten
Können
die Vereinigten
Staaten
zur Verwirklichung der Vereinbarung
von Guatemala beitragen? Die Antwort
darauf ist, daß es zweifelsohne in
unserem
Interesse
liegt, zumindest
den Versuch zu unternehmen. Wir werden und müssen diese Vereinbarung in
vollem Umfang und mit aller Kraft unterstützen.
Als Demokratien haben wir und die
freien
Nationen
Mittelamerikas
gleichgerichtete
SicherheitSinteressen. Gemeinsam sehen wir uns der Bedrohung des Kommunismus auf dem Kontinent ausgesetzt.
Die Vereinbarung
von Guatemala behandelt diese strategischen Sicherheitsbelange nicht ausdrücklich.
Aber wir dürfen nicht
vergessen, daß das
nicaraguanische
Regime von der Sowjetunion bewaffnet
wird, daß seine Sicherheit im Inland
von
Tausenden militärischer, nachrichtendienstlicher und polizeilicher
Berater aus Kuba und den Ostblockstaaten abhängt und Nicaragua nur 900
Meilen von unserer südlichen Grenze
und 300 Meilen vom Panamakanal entfernt liegt.
Die sowjetischen und
kubanischen
militärischen
Verflechtungen mit Nicaragua - militärische
Einrichtungen, Berater, Hilfsleistungen, Entwicklungsstand der Waffen sind Themen von vordringlichem und
direktem Interesse für uns, und sie
müssen bewältigt werden.
Politische Demokratie in Nicarague würde unsere Besorgnis fast gänz-

lich ausräumen, da keine wirklich demokratische Regierung ihre Nachbarn
angreifen oder die militärische Nutzung ihres Territoriums durch die Sowjetunion gestatten würde. Wir können jedoch unsere strategischen Interessen nicht in der bloßen Hoffnung
aufs Spiel setzen, daß sich in Nicaragua ein positiver innenpolitischer
Wandel vollziehen wird.
Es liegt in
unserer Verantwortung, sicherzustellen, daß der Wright-Reagan-Friedensplan und die Vereinbarung von Guatemala verwirklicht werden, daß die sowjetische oder kubanische Militärpräsenz in Nicaragua abgebaut wird und
Nicaragua
keine
militärische
oder
subversive Bedrohung für seine Nachbarn oder die Region darstellt.
Zur Unterstützung der Vereinbarung von Guatemala und des WrightReagan-Plans haben wir unsere diplomatischen Konsultationen in Mittelamerika intensiviert.
Der Präsident
hat Botschafter Morris Busby, einen
herausragendeden
Karierrediplomaten
im Auswärtigen Dienst zum Sondergesandten für die Region ernannt.
In
Zusammenarbeit mit dem Staatssekretär
für Inneramerikanische Angelegenheiten, Elliot Abrams, steht er in ständigem Kontakt mit den Hauptbeteiligten dieser Verhandlungen.
Zur Gewährleistung
der
in der
Vereinbarung
geforderten
demokratischen Reformen haben wir ferner eine Reihe diplomatischer Verbindungen
in Lateinamerika und Europa geknüpft.
Ich bin bei der Vollversammlung der
Vereinten Nationen mit meinen Kollegen aus Lateinamerika zusammengekommen.
In den kommenden Wochen sind
mehrere hochrangige bilaterale Besuche vorgesehen.
Die Generalversammlung der Organisation Amerikanischer
Staaten wird im nächsten Monat tagen.
Und wenn die Zeit gekommen ist, werden sie auch mich in Mittelamerika

- 5 -

�und als er sich weigerte, zu gehen, wurde er inhaftiert.

sehen.

Überwachung des Demokratisierungsprozesses

- Vor zwei Sonntagen, am 27. September 1987, wurden 18 meist jugendliche Mitglieder der Christlich-Sozialen Partei von der regimetreuen Polizei auf dem Weg zu
einer Feier anläßlich des Jahrestages der Parteigründung verhaftet.
Die Polizei erklärte, sie
seien wegen "Umgehung des Militärdienstes"
in
Haft
genommen
worden, aber der ehemalige Präsident von Venezuela, Luis Herrera,
bezeichnete es als einen "offenkundigen Akt politischer Verfolgung".

Die Sandinisten tragen die Verantwortung für die rapide Ausbreitung
des bewaffneten Widerstands, da sie
dem nicaraguanischen Volk nicht gestatteten, in Frieden zu leben. Dies
ist das Kernstück der Realität, die
es zu verändern gilt. Wenn es Frieden und Demokratie in Nicaragua und
regionale Stabilität und Ruhe in Mittelamerika geben soll, müssen alle
Nicaraguaner
in politischer, wirtschaftlicher und religiöser Freiheit
leben können.
Daß eine Umkehrung dieser Größenordnung ohne Kampf stattfindet, ist
unwahrscheinlich.
Das Regime in Nicaragua hat keinerlei Verständnis dafür gezeigt, daß Proteste und aktive
politische Organisierung und Mitgliederwerbung normale Bestandteile dessen sind, was eine Demokratie ausmacht.
Diejenigen, die sich in Nicaragua für die Demokratie einsetzen,
gehen damit ein persönliches Risiko
ein, wie der nachfolgenden Chronologie von Ereignissen entnommen werden
kann.
- Am 15. August 1987, nur acht Tage
nach der Unterzeichnung der Vereinbarung
von Guatemala, löste
die Polizei des Ortega Regimes
einen friedlichen Marsch in Managua auf.
Dr. Alberto Saborio,
Präsident
der
nicaraguanischen
Anwaltskammer wurde verhaftet und
mißhandelt, weil er gegen den
Einsatz von Polizeihunden gegen
die Marschierer protestiert hatte. Dr. Lino Hernandez, dem Leiter
der unabhängigen Menschenrechtskommission wurde ein Viehtreiberstock in den Magen gerammt

- Und dann dürfen wir das Erbe der
Vergangenheit
nicht
vergessen.
Im Juni 1985 wurde der Generalsekretär der Sozialdemokratischen
Jugendorganisation eines absurden
Vergehens bezichtigt:
Er allein
habe gleichzeitig 16 Männer der
Polizei
Ortegas
angegriffen.
Nach
seiner Verurteilung
durch
ein politisches Gericht befindet
er sich zur Verbüßung einer dreijährigen Haftstrafe immer noch im
Gefängnis.
Das Risiko der Verfolgung und
noch schlimmerer Verbrechen ist nicht
auf aktive Politiker beschränkt. Ich
möchte nur zwei von all denen nennen,
die es gewagt haben, eine führende
Rolle bei der Unterstützung der Vereinbarung von Guatemala zu übernehmen:

- 6 -

- Pablo Antonio Cuadra, im Jahr
1912 in Managua geboren, ist seit
mehr als 50 Jahren einer der führenden
Dichter
Nicaraguas
und
spielt seit 30 Jahren eine Rolle
als Förderer
jüngerer Schriftsteller.
Unter Somoza wurde er
zweimal in Haft genommen.

�viel Tamtam wieder in den Äther
ging. Sein Sender ist jedoch in
solch einem schlechten zustand,
daß der Ton fast überall in Managua nicht gehört werden konnte,
ganz zu schweigen vom übrigen
Land.

- Bismarck Carballo ist ein 1950 in
der Provinz Masaya geborener nicaraguanischer
Priester,
der
Sprecher der Erzdiözese von Managua war und zum ersten Mal an die
Öffentlichkeit trat, als er von
der Entscheidung der Bischofskonferenz las, Angehörige einer proSomoza Kundgebung im Jahr 1977 zu
exkommunizieren.

- Oder sie kann auch in Form eines
falschen Eindrucks von Offenheit
auftreten. Wieviel Wahrheit enthält die Überschrift "Regierung
läßt politische Häftlinge frei",
wenn die Regierung, wie im heutigen Nicaragua, noch immer neunoder zehntausend politische Gefangene
festhält?
Und
welche
Auswirkungen hat dies auf die Demokratie, wenn die Regierung immer noch das Recht für sich in
Anspruch nimmt, sie willkürlich
wieder gefangen zu nehmen?

Das
Ortega-Regime
verweigerte
diesen beiden Männenr ihre Stimme in
der Öffentlichkeit:
Cuadra, als La
Prensa, deren Mitherausgeber er war,
geschlossen wurde: und Carballo, als
er öffentlich diskredidiert und gezwungen wurde, mehr als ein Jahr im
Exil zu leben.
Seit dem 1. Oktober 1987 schreibt
Cuadra wieder - beflügelt von dem
neuerwachten Geist der Freiheit, die
er für sein geliebtes Nicaragua erhofft.
Auch Carballo ist zurück und
leitet Radio Catolica.
Daß diesen
beiden Männern nun die Freiheit gewährt worden ist, zu publizieren und
zu
senden
ist
ein
entschiedener
Schritt nach vorne.
Einzelne Schritte wie diese sind
jedoch leicht rückgängig zu machen,
besonders in einem totalitären System, in dem Gewalt viele Formen annimmt:
Sie kann in der Form auftreten,
daß die Anführer einer Organisation in Freiheit belassen, aber
ihre Anhänger inhaftiert werden.
Wie im Falle der Unabhängigen Liberalen Partei, deren Hauptanführer frei, 200 der aktiven Parteimitglieder aber im Gefängnis sind.
- Sie kann in Form der verdeckten
Zensur auftreten. Wie es mit Radio Catolica geschehen ist, das
am 2. Oktober 1987 mittags mit

Das Verhalten des Ortega-Regimes
bei der Erfüllung seiner Verpflichtung zur Freiheit
kann nicht nur
daran gemessen werden, was mit einigen wenigen geschieht, unabhängig davon, wie prominent sie sind.
Die
Einhaltung der Verpflichtungen muß an
der
Rückkehr
18
ausgewiesener
Priester
gemessen werden und zwar
nicht
nur
der
bekanntesten,
wie
Carballo; an der Freilassung aller
der Tausenden Nicaraguaner, die aus
politischen Gründen inhaftiert sind,
nicht nur Hernandez und saborio. Bis
dies geschieht, steht das Regime in
Nicaragua nur an zweiter Stelle hinter Kuba, was Niederträchtigkeit und
die Verweigerung der Freiheit für
seine Bürger anbetrifft.
in der Tat
befinden sich, abgesehen von Kuba, in
Nicaragua mehr
Menschen aus politischen Gründen im Gefängnis als in
allen anderen Ländern der westlichen
Hemisphäre zusammengenommen.
Wenn die Bereitschaft des OrtegaRegimes ernst gemeint ist, muß sie an

- 7 -

�der Abschaffung jeglicher Zensur und
jeglichen auf Radio, Fernsehen und
gedruckte Medien ausgeübten versteckten Drucks, nicht nur bei der bekannten Zeitung
La Prensa
und
Radio
Catolica, gemessen werden. Es reicht
nicht aus, das Recht auf Widerspruch
den Buchstaben nach zu bestätigen:
das Regime muß auch die Störung von
Radiosendungen beenden, neue Lizenzen
an Radiostationen und Zeitungen vergeben, die darum ersuchen und den Erwerb oder Import von Druckmaschinen,
Papier, Druckerschwärze und anderen
zur Ausübung der Meinungsfreiheit unerläßlichen Materialien erlauben.
In der
Vergangenheit
hat
das
Ortega-Regime all diese grundlegenden
Notwendigkeiten
des
demokratischen
Lebens durch anhaltende Unterdrückung
in Gestalt von Legalismus und Bürokratie direkt oder indirekt verweigert.
Das Risiko besteht nunmehr
darin, daß das Regime diese verstekkte Kontrolle dazu benutzt, die Unklarheiten im Zeitplan für den Frieden, im amerikanischen Haushalt und
im Sitzungskalender
des Kongresses
auszunutzen, in dem Versuch, den Widerstand
zu vernichten, ohne eine
echte Hinwendung zur Demokratie in
Nicaragua zuzulassen.

Nationale Aussöhnung
Der entscheidende Prüfstein der
Vereinbarung von Guatemala wird daher
in der Bereitschaft des Ortega-Regimes bestehen, den Widerstand und die
politischen
Oppositionsparteien
in
einen Dialog einzubeziehen, der zu
einer unumstößlichen politischen Öffnung führt, die nicht willkürlich zunichte gemacht werden kann.
Die Vereinbarung
von Guatemala
ist vernünftigerweise von der Erkenntnis getragen, daß zwei Voraus-

setzungen erfüllt werden müssen, um
die Kämpfe zu beenden und bewaffnete
Gegner in friedliche politische Rivalen zu verwandeln: ein ausgehandelter
Waffenstillstand und eine vollständige Amnestie. Beides gemeinsam garantiert den Rebellen garantiert, daß
sie in ihre Heimat zurückkehren und
am demokratischen politischen Leben
ihrer Länder teilnehmen können. Aus
diesem Grund forderte La Prensa in
einem am Tag ihres Wiedererscheinens
(1. Oktober) veröffentlichten Leitartikel eine
"vollständige Amnestie,
Aussöhnung durch einen Dialog mit den
bewaffneten
Rebellen
und
uneingeschränkte Aufhebung des Ausnahmezustands,
der
seit
1982
im
Lande
herrscht".
Um der Vereinbarung von Guatemala
Folge zu leisten, haben Präsident
Duarte und Präsident Cerezo direkte
Verhandlungen mit den Führern der Rebellen in deren Ländern aufgenommen.
Die in dieser Woche in Spanien stattfindenden Gespräche sind seit Jahren
die ersten offiziellen Kontakte zwischen der Regierung Guatemalas und
den Rebellen. in El Salvador hat die
Regierung gemeinsam mit den Guerillas
zwei gemischte Kommissionen gebildet.
In einer von ihnen soll der Waffenstillstand
ausgehandelt werden, in
der anderen wird über Anmestie und
nationale Aussöhnung diskutiert.
Am vergangenen Dienstag erklärte
Präsident Duarte nach einem persönlichen zusammentreffen mit den Führern der salvadorianischen Guerilla,
ein zentraler Gedanke der Vereinbarung von Guatemala bestehe darin, daß
die Länder Mittelamerikas ihre Meinungsverschiedenheiten
unter
sich
beilegen.
"Wir Salvadorianer dürfen
nicht als Entschuldigung für fehlende
Gespräche mit den Rebellen in El Salvador anführen, es sei besser, mit
Kuba oder der Sowjetunion zu verhan-

�Macht zur Unterstützung der
Diplomatie

dein", stellte er fest.
Präsident Duarte erklärte weiter,
"darüber hinaus sollte Nicaragua keine Entschuldigungen der Art vorbringen, das Land werde nur mit den Vereinigten Staaten verhandeln und nicht
mit den nicaraguanischen Rebellen,
die in Nicaragua kämpfen... Die Entscheidung liegt nicht bei den Vereinigten Staaten... Die Nicaraguaner
müssen
die
Entscheidung
treffen.
Deshalb
fordere
ich
(Präsident
Ortega) auf, einen Dialog mit allen
Nicaraguanern aufzunehmen".
Wenn Präsident Ortega bereit ist,
die Vereinbarung von Guatemala sowohl
mit Worten als auch mit Taten zu verwirklichen, sollte er eine vollständige Anmestie gewähren; er sollte direkt mit der Widerstandsbewegung einen Waffenstillstand aushandeln; und
er sollte mit seinen Politikern vertrauensbildende Maßnahmen entwerfen,
damit
der
Waffenstillstand
einer
vollständigen und friedlichen politischen Wiedereingliederung des Widerstands in ein freies Nicaragua den
Weg bahnen kann.
Die Vereinbarung
von Guatemala
fordert
Waffenstillstand,
Amnestie
und
Demokratie
als
gleichzeitig
durchzuführende Maßnahmen.
In einfachen Worten bedeutet dieser komplizierte Prozeß, daß
Kugeln
eingetauscht werden, aber nur gegen verbriefte politische Rechte und Wahlen.
Wenn die Regierung Ortega es dem Widerstand nicht ermöglicht, auf offenem Wege nach Nicaragua zurückzukehren und sich frei zur Teilnahme an
der Politik zusammenzuschließen, dann
bedeuten
gleichzeitig
anzuwendende
Maßnahmen auch, daß Nicaraguas Nachbarn nicht verpflichtet sind, dem Widerstand militärische und politische
Unterstützungsaktivitäten
in
ihren
Ländern zu verweigern.

Vor weniger als einem Jahr bewilligte der
Kongreß dem
nicaraguanischen Widerstand 100 Millionen Dollar an Hilfsleistungen.
Durch vorsichtige und wohlüberlegte Verwendung
dieser Gelder - unter Aufsicht des
Kongresses und insbesondere der beiden Geheimdienstausschüsse - hat die
Widerstandsbewegung
erhebliche
Vorteile erlangt.
ihre Kampfeinheiten
sind in der Lage, auf der gesamten
nicaraguanischen Landfläche zu operieren. Sie haben die Verwundbarkeit
dieses
angeschlagenen
Regimes
und
seiner modernen sowjetischen Ausrüstung demonstriert.
Die öffentliche
Unterstützung ist für die Guerillas
in manchen Gebieten so groß, daß das
Regime ganze Dörfer gewaltsam umgesiedelt hat, um sie an der Unterstützung der Widerstandsbewegung zu hindern.
Der Widerstand hat die Vereinbarung von Guatemala begrüßt und ist
bereit, einen Waffenstillstand auszuhandeln.
Das Ortega-Regime hat sich
bis
jetzt
geweigert
und
versucht
statt dessen, die Kämpfer mit ihren
politischen
Führern
zu
entzweien.
Wenn
der
Waffenstillstand
Wirkung
zeigen soll, kann er nicht einfach
ausgerufen
werden;
die
Kämpfenden
selbst müssen sich über die Bedingungen einigen.
Aber die Regierung Ortega stellt
nicht das einzige Hindernis für eine
wirksame Durchführung der Vereinbarung von Guatemala dar. Der Zeitplan
ist ein weiteres Problem.
Die Vereinbarung
fordert die Durchführung
des Waffenstillstandes und der Regelungen für den Demokratisierungsprozeß im November, die Auswertung der
Ergebnisse soll hingegen erst im kommenden Januar erfolgen. Wenn der Wi-

- 9 -

�derstand keine neuen Gelder erhält,
wird dieser Zeitplan zugunsten der
Kommunisten
arbeiten.
Irgendwann
wird sich die Widerstandsbewegung einem modernen sowjetischen Waffenarsenal und kubanischen Beratern gegenübersehen und gleichzeitig seine Ressourcen erschöpft haben.
Wenn dies
geschieht, werden die von den Sowjets
weiterhin in wachsender Zahl gelieferten Kampfhubschrauber, Raketenwerfer, Langstreckenartillerie und Minen
die Hoffnung auf Demokratie zerstören
und den Kommunisten einen militärischen Sieg sichern.
Deshalb sind fortdauernde Hilfsleistungen an die
Freiheitskämpfer
der
Schlüssel
zur
Demokratisierung
und vollständigen Verwirklichung der
Vereinbarung von Guatemala.
Unsere
Unterstützung der Widerstandsbewegung
hat die Vereinbarung erst möglich gemacht.
Ihre weitere Verfügbarkeit
dieser Mittel ist ebenso unerläßlich,
um sicherzustellen, daß die Vereinbarung von Guatemala auf eine Art und
Weise durchgeführt wird, die einen
ausgehandelten
Waffenstillstand
und
eine Hinwendung zur Demokratie in Nicaragua sichert.
Aus diesen Grunde wird der Präsident vor dem Erntedankfest eine Abstimmung über zusätzliche Hilfsleistungen für die Widerstandsbewegung
fordern. Diese Hilfe, die über einen
Zeitraum von 18 Monaten hinweg gewährt und 270 Millinonn Dollar betragen soll, ist zur Unterstützung des
Abkommens und zur Sicherung seiner
Dauerhaftigkeit notwendig.
Wie der
Präsident am 7. Oktober vor der OAS
erklärte, wird "diese Hilfe fortgeführt, bis die Sandinisten in Verhandlungen mit den Freiheitskämpfern
eine Übereinkunft für einen Waffenstillstand erzielen und in Nicaragua
echte Demokratie
hergestellt ist".
Die Form unserer Hilfe wird aus-

schließlich von den Ereignissen bei
der Durchführung der Vereinbarung abhängen. Wenn die Vereinbarung erwartungsgemäß funktioniert, wird sie auf
die
friedliche
Wiedereingliederung
des Widerstands in ein freies Nicaragua abzielen; wenn nicht, wird sie
die Fortdauer des Kampfes für die
Freiheit bis zu seinem Erfolg fortzuführen.

Zusammenfassung
Die Vereinigten Staaten haben es
in der Vergangenheit allzu häufig
versäumt, sich mit den Hoffnungen der
Menschen in Mittelamerika auf Freiheit und ein besseres Leben zu identifizieren.
Allzu häufig schien unsere Regierung gleichgültig, wenn demokratische Werte auf dem Spiel standen.
Jetzt ist ein Prozeß gegenseitiger Maßnahmen in Gang gesetzt worden,
der das Ortega-Regime zu einem tiefgreifenden sozialen und politischen
Wandel
in
Nicaragua
verpflichtet.
Wir wissen jedoch noch nicht, ob Erwartungen realistisch sind, daß sich
dieser Wandel vollzieht.
Aber wir
werden ganz entschieden unseren Teil
dazu betragen.
Wir müssen zweifeln
und Unsicherheit an der Fähigkeit und
dem Engagement der Vereinigten Staaten ein Ende machen, die durch die
wiederkehrende Folge wechselnder politischer
Entscheidungen
und durch
zögerliche und uneinige Debatten noch
verschärft werden.
Es liegt nicht in unserem nationalen
Interesse,
aufgrund
einer
bloßen Hoffnung oder Vermutung dem
durch eine glaubwürdige Widerstandsbewegung auf die Regierung Ortega
ausgeübten Druck ein Ende zu bereiten.
Es wäre unverantwortlich, der
Demokratisierung in Nicaragua Tür und

- 10 -

�Tor zu öffnen und dann zuzulassen,
daß diese wieder zugeschlagen werden.
Wir können Nicaragua nicht ohne die
notwendigen Mittel für einen friedlichen politischen Kampf gegen seine
kommunistischen Gegner überlassen.
Wenn in Nicaragua eine Demokratisierung stattfindet, so deshalb, weil
tapfere Nicaraguaner es wagten, sich
der Sache der Freiheit zu verpflichten.
Wir haben ihre Sache unterstützt; sie ist auch zu unserer Sache
geworden. Wenn das Regime in Nicaragua seinen Verpflichtungen im Hinblick auf eine Demokratisierung nicht
in gutem Glauben nachkommt, müssen
wir sicherstellen, daß unsere Freunde
sich selbst überlassen bleiben. Unsere
anhaltende
Unterstützung
ist
notwendig, wenn Diplomatie Erfolg haben soll.
Deshalb sollten wir über alle
Parteigrenzen hinaus die vollständige
Durchführung
der
Vereinbarung
von
Guatemala fordern, und wir sollten
tun, was wir tun müssen, um die existentiellen Interessen in dieser Region zu schützen.
Laßt uns nach
Frieden und Freiheit streben, und wir
wollen denen, die dafür in Nicaragua
kämpfen, unsere anhaltende Unterstützung gewähren, bis ihr Kampf zu Ende
ist. Wir wollen unsere Macht hi ter
die Diplomatie der Demokratie in Nicaragua stellen, damit unsere Sicherheitsinteressen
und unsere moralischen und politischen Zielsetzungen
sich in diesem Resultat vereinigen.

* * * * *

- 11 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

37

21. Oktober 1987

ROWNY:

SDI "KEIN VERHANDLUNGSGEGENSTAND"

Rede vor Ehemaligen des National War College

COLORADO SPRINGS - (AD) - Dem amerikanischen Berater für Rüstungskontrollfragen, Edward Rowny, zufolge können Fortschritte bei der Reduzierung offensiver Atomwaffen erzielt werden, "sobald die Sowjets einsehen, daß die Bestrebungen der Freien Welt zum Schutz vor einem Angriff mit ballistischen Raketen
kein 'Verhandlungsgegenstand' sind".
Vor ehemaligen Studenten des National
War College in Colorado Springs erklärte Rowny am 16. Oktober 1987, der sowjetische Außenminister Schewardnadse habe unlängst vorgeschlagen, den ABM-Vertrag strikt einzuhalten. "Dies würde tatsächlich bedeuten, daß wir SDI aufgrund jeglicher von den Sowjets gewählten Interpretation des ABM-Vertrages begrenzen müßten."
Nachfolgend bringen wir Rownys Äußerungen im Wortlaut:
Während das Treffen zwischen den
Außenministern
Shultz
und
Schewardnadse in der kommenden Woche
immer näher rückt bietet sich dieser
Zeitpunkt an, um eine Bestandsaufnahme des Erreichten und noch zu Erreichenden in der Rüstungskontrolle vorzunehmen. Meiner Meinung nach haben
wir mit harter Arbeit bereits viel
erreicht.

ersten Mal eine ganze Kategorie von
Atomwaffen nicht nur begrenzen, sondern wirklich beseitigen würde. Nach
seiner Fertigstellung wird dieses Abkommen eine bedeutende politische und
diplomatische Errungenschaft darstellen, wenn wir seine Endphase mit den
gleichen realistischen Leitprinzipien
angehen, die uns zu dem derzeitigen
Stand geführt haben.

Durch amerikanische Entschlossenheit, unterstützt von der Solidarität
der Verbündeten, ist ein INF-Abkommen
in greifbare Nähe gerückt, das zum

Auf dem Weg zur Fertigstellung
eines INF-Abkommens können wir uns
auf beide Enden der Rüstungskontrollskala konzentrieren.
Selbst während

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�wir noch an einem INF-Abkommen arbeiten, müssen wir unsere Bemühungen zur
Beseitigung des konventionellen Ungleichgewichts verdoppeln.
Außerdem
genießen
erhebliche
Verringerungen
der strategischen Offensivwaffen weiterhin unsere höchste Priorität.

Verstärkte Aufmerksamkeit für konventionelles Ungleichgewicht
Das
konventionelle
Ungleichgewicht bildet weiterhin eine wichtige
Quelle der militärischen Instabilität
zwischen Ost und West. In Mitteleuropa haben die Sowjets 30 Divisionen
in vorgeschobenen Stellungen stationiert, die mit Panzern, Artillerie
und gepanzerten Fahrzeugen für offensive
Operationen
vorgesehen
sind.
Das konventionelle Ungleichgewicht in
Europa leitet sich nicht allein von
großen
quantitativen
Vorteilen
in
Schlüsselbereichen der Kampffähigkeit
der Sowjets und des Warschauer Pakts
her,
sondern
ebenso
von
geographischen Asymmetrien; die Streitkräfte des Warschauer Pakts können
leicht durch Truppen aus der Sowjetunion verstärkt werden.
Die
massive
Aufrüstung
der
Streitkräfte der Sowjetunion und des
Warschauer Pakts, durch die Westeuropa bedroht wird, läßt sich weder
durch politische noch durch militärische Gründe rechtfertigen. Die Sowjets behaupten, daß zwischen Ost und
West
ein
stabiles
konventionelles
Gleichgewicht herrscht.
In besonderen Gebieten und bei bestimmten Waffensystemen
genießt der Warschauer
Pakt jedoch eine Überlegenheit von
bis zu 3:1 gegenüber den konventionellen Streitkräften des Westens.
Keine Handlung der Sowjets könnte
eine skeptische Welt mehr von einer
Xnderung
der
sowjetischen
strate-

gischen ziele überzeugen als erhebliche Reduzierungen dieser massiven
Streitkräfte und ernsthafte Bemühungen der Sowjets, auf unsere Besorgnisse bezüglich der konventionellen
Stabilität einzugehen.
Im Bemühen um konstruktive Verhandlungen
über
konventionelle
Streitkräfte hat die NATO vor kurzem
die Einrichtung zweier Verhandlungen
ausschließlich
über
konventionelle
Sicherheit gefordert, die im Rahmen
der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit
in Europa
stattfinden
sollen.
Eine dieser Verhandlungen,
an der alle 35 KSZE-Teilnehmerstaaten
beteiligt sein sollen, würde die Arbeit der Stockholmer Konferenz über
sicherheits- und
vertrauensbildende
Maßnahmen
fortsetzen.
Die andere,
auf die 23 Mitgliedsstaaten von NATO
und Warschauer Pakt begrenzte, würde
die Schaffung eines stabileren konventionellen Gleichgewichts zwischen
den beiden Bündnissystemen zum Ziel
haben. Sie würde die Beendigung destabilisierender
militärischer
Ungleichgewichte sowie die Verringerung
der Fähigkeit zu Überraschungsangriffen und ausgedehnten Offensivoperationen anstreben.
Die Reaktion der NATO auf die
Herausforderung durch die konventionelle Macht der Sowjets und des Warschauer Pakts muß darin bestehen, ihre konventionelle Verteidigungsfähigkeit zu stärken und zu verbessern.
Zu diesem Zweck hat das Bündnis eine
Initiative zur Verbesserung der konventionellen Verteidigung (CDI) unternommen.
Falls
diese
energisch
verfolgt wird, könnte CDI ebenso wie
die Strategische Verteidigungsinitiative der Vereinigten Staaten zu erheblichen Verbesserungen der Verteidigungsfähigkeit durch technologische
Entwicklungen führen.

�Der Westen
besitzt mit seinem
freien Ideenaustausch und der Mobilität von Kapital und Facharbeitskräften einen unübertroffenen vorteil.
Koordinierte
und
höchst
effektive
Forschungs- und
Entwicklungsanstrengungen könnten die Wirksamkeit der
konventionellen Streitkräfte der NATO
revolutionieren.
Ohne eine wesentliche Erweiterung der Personalstärke
- der teuersten Komponente der westlichen Streitkräfte - könnten solche
Anstrengungen uns bei der Beseitigung
des gegenwärtig bestehenden konventionellen Ungleichgewichts unterstützen.

Die Bedeutung eines START-Abkommens
Bei den Verhandlungen über die
Verringerung strategischer Rüstungen
(START) besteht nunmehr die Möglichkeit, offensive strategische Nukleararsenale einschneidend zu verringern.
Bei ihrer Zusammenkunft im vergangenen Monat bestätigten die Außenminister Shultz und Schewardnadse erneut ihren Einsatz für einen 50prozentigen Abbau strategischer Waffen.
Dieser Problemkreis hat für Präsident
Reagan höchste Priorität und wurde
von Generalsekretär Gorbatschow als
"Kernproblem"
der
Rüstungskontrolle
bezeichnet.
Wenn diese Bestätigung in ein
wirkungsvolles
START-Abkommen
umgesetzt werden soll, müssen die Sowjets
bei zwei wichtigen Punkten Entgegenkommen zeigen.
Erstens im Bereich der Untergrenzen.
Ein Abkommen über einen einschneidenden Abbau strategischer Offensivwaffen um 50 Prozent allein das heißt, 1 600 Trägersysteme und
6 000 Gefechtsköpfe - wird kein stabiles strategisches Verhältnis garantieren. Demgemäß enthält der von

uns in Genf zu START vorgelegte Vertragsentwurf zusätzlich zu der Gesamtgrenze von 6 000 Gefechtsköpfen
drei Untergrenzen.
Mit diesen Maßnahmen würde die Gesamtzahl der Gefechtsköpfe auf ballistischen Raketen
auf 4 800 begrenzt, Gefechtsköpfe auf
ICBMs auf 3 300, und es gäbe 1 650
Gefechtsköpfe
auf erlaubten ICBMs,
außer
denen
auf
silo-gestützten
leichten
und
mittleren
ICBMs
mit
sechs oder weniger Gefechtsköpfen.
Diese Untergrenzen würden den gegenwärtig
bestehenden,
bedeutenden
Vorteil der Sowjets bei ballistischen
Raketen verringern, besonders bei den
bei
einem
Erstschlag
wirkungsvoll
einsetzbaren großen ICBMs mit Mehrfachgefechtsköpfen.
Die Untergrenzen
würden nach den Verringerungen bei
den Streitkräften ein Gleichgewicht
herstellen.
Darüber hinaus würden
sie zukünftige nachteilige Veränderungen beim Aufbau der Streitkräfte
verhindern.
Der wichtigste Faktor ist, daß
Untergrenzen benötigt werden, um sicherzustellen, daß Verringerungen bei
strategischen
Waffen
stabilisierend
sind und zu verhindern, daß bei den
Arsenalen der Zukunft eine Konzentration auf ballistische Raketen erfolgt.
Als Reaktion auf unsere geplanten Untergrenzen haben die Sowjets vorgeschlagen, jeden Bereich
der Triade auf 60 Prozent des Gesamtumfangs abzubauen.
Aber ohne eine
zusätzlich Obergrenze auf Gefechtsköpfe ballistischer Raketen ist diese
Methode in höchsten Maße unangemessen.
Damit würde den Sowjets nach
generellen 50prozentigen Verringerungen bei START die Beibehaltung strategischer Streitkräfte gestattet, die
sich ausschließlich aus ballistischen
Raketen zusammensetzt.
Darüber hinaus würde damit der Sowjetunion die
Beibehaltung einer hohen Konzentra-

- 3 -

�tion von Gefechtsköpfen auf mit Mehrfachgefechtsköpfen
ausgestatteten
ICBMs erlaubt. Ein Vertrag, der solche eine Zusammensetzung der Streitkräfte nach erfolgten Verringerungen
zuläßt, würde nicht die strategische
Stabilität stärken.

Warum SDI nicht eingetauscht werden
sollte
Ein zweiter Bereich sowjetischer
Unnachgiebigkeit gegen wirkungsvolle
Verringerungen bei strategischen Rüstungen ist das sowjetische Beharren
auf einem Junktim. Sie bestehen weiterhin darauf, ein mögliches STARTAbkommen zum Faustpfand für eine amerikanische Zustimmung zur Beschränkung unserer Erforschung von Systemen
zur Verteidigung gegen einen Angriff
ballistischer
Raketen
zu
machen.
Diese Kopplung ist ungerechtfertigt.
Sie macht die Abschaffung oder zumindest die ernsthafte Beschneidung
der amerikanischen Strategischen Verteidigungsinitiative zu einer Bedingung für ein START-Abkommen.
Trotzdem ziehen sowohl wir als auch die
Sowjets großen Nutzen aus einem wohlformulierten Abkommen mit 50prozentigen Verringerungen bei START.
Bei
50prozentigen
Verringerungen
würden
wir die strategischen Nuklearwaffen,
die den Sowjets Anlaß zur Besorgnis
geben, abbauen. Sie müßten dann ihre
ICBM-Streitkräfte, die uns Grund zur
Sorge bieten, verringern.
Da damit
beide Seite einen Vorteil erzielen
würden, gibt es keinen Grund, ein
START-Abkommen
als
Faustpfand
für
Einschränkungen unseres SDI-Programms
zu benutzen.
Bei der Zusammenkunft im September stellte uns der um "Flexibilität"
bestrebte Außenminister Schewardnadse
vor zwei Alternativen.
Wir könnten
entweder zehn Jahre lang am ABM-Ver-

trag
"strikt
festhalten", wie
er
"1972 unterzeichnet und ratifiziert"
worden sei oder einer Anzahl von Vorrichtungen zustimmen, die nicht in
den Weltraum gebracht würden, wenn
sie
bestimmte
"Leistungsparameter"
überschritten, wir sind besorgt darüber, daß die Sowjets hier alten Wein
in neue Schläuche gegossen haben.
Obwohl wir den sowjetischen Vorschlag
noch nicht eindeutig beurteilen können, können wir keine Alternative akzeptieren, die uns auf ein SDI-Programm nach sowjetischen Bedingungen
beschränken würde.
Ebensowenig können wir unsere Forschung in höchstem
Maße restriktiven und nicht-verifizierbaren Beschränkungen unterwerfen,
die enger gefaßt sind als der ABMVertrag,
in diesem
Vertrag
wird
"Forschung" weder erwähnt noch eingeschränkt.
Bei den Problemen der strategischen Offensivwaffen und der Verteidigung gegen ballistische Raketen
ist die Politik Präsident Reagans
eindeutig. Wir müssen weiterhin bei
den Sowjets darauf dringen, daß einschneidende Verringerungen bei strategischen
Offensivwaffen,
besonders
bei den am meisten destabilisierenden, Vorteile in sich bergen.
Die
Sowjetunion würde gern über bestimmte
Beschränkungen bei der SDI-Forschung
im Austausch gegen ein START-Abkommen
verhandeln.
Wenn wir uns auf solch
ein Manöver mit den Sowjets einlassen, gingen wir das Risiko ein, SDI
zu lähmen.
SDI ist und bleibt ein zielgerichtetes Programm, mit dem das Problem der Verteidigung gegen ballistische Raketen untersucht wird, das
die Basis für einen gemeinsamen Übergang
zu
einem
stabileren
strategischen Verhältnis liefern könnte.
Wir müssen die Sowjets von dem Irrtum
befreien, daß sie ihr Ziel erreichen

�können.
Wir sollten nicht vergessen, daß
es zusammen mit der Entschlossenheit
der NATO zu INF SDI war, das die Sowjets im Januar 1985 wieder zurück zu
den Verhandlungen über Nuklearwaffen
gebracht hat, nachdem sie den Verhandlungstisch im Dezember 1983 verlassen hatten. Lassen sie uns klarstellen, daß SDI kein Verhandlungsgegenstand ist, sondern ein Programm,
zu dessen Fortsetzung wir fest entschlossen sind.
Als solches bietet
es den Sowjets einen starken Anreiz,
einschneidenden
Verringerungen
bei
strategischen
Waffen
zuzustimmen.
Sogar wenn die jetzt bei START zur
Verhandlung
stehenden
SOprozentigen
Reduzierungen erzielt sind, wird SDI
ein wesentlicher Anreiz für die Sowjets
sein, weitere Verringerungen
vorzunehmen.
Darüber
hinaus würde
SDI die Integrität neuer Rüstungsabkommen unterstreichen, indem es den
Sowjets
den
Anreiz
zur
Täuschung
nimmt.
Wir wollen auch die Funktion von
SDI als Absicherung gegen das starke
sowjetische Engagement bei ihrer eigenen
strategischen
Verteidigung
nicht außer acht lassen.
Wenn wir
ihnen das Monopol bei der Verteidigung lassen, würde damit der Frieden
und die Freiheit des Westens durch
Aushöhlung der Glaubwürdigkeit unserer Abschreckung bedroht.
Entgegen
sowjetischer Propaganda sollte klar
sein, daß es keine Wahl gibt zwischen
einer Welt mit oder ohne strategische
Verteidigungssysteme.
Die freie Welt
muß sich entscheiden, ob sie den Sowjets gestatten will, die einzige
Macht mit einer Verteidigung gegen
ballistische Raketen zu sein.

Wie kann eine genaue Verifizierung
der Reduzierung von INF grantiert
werden?
Die Sowjets sind Meister von Verhandlungen kurz vor Toresschluß. Im
Verlauf der kommenden Wochen könnten
sie mit dem Versuch enormen Druck
ausüben, uns zu einem voreiligen Verzicht auf die noch ausstehenden Einzelheiten eines INF-Vertrages und dabei insbesondere der bedeutenden Verifizierungsbestimmungen zu bringen.
Sie werden den Versuch unternehmen,
uns zu einem Kompromiß unserer Position zu bewegen, um den "Prozeß" in
Gang zu halten.
Wir werden unser Möglichstes tun,
damit sich diese Erwartung für die
Sowjets nicht erfüllt.
Einer der
schlüssigsten Grundsätze der Außenpolitik Präsident Reagans besagt, daß
jedes Rüstungskontrollabkommen wirksam verifizierbar sein muß, wenn es
die Stabilität verbessern und einen
anhaltenden Beitrag zu Frieden und
Sicherheit leisten soll.
Der Präsident hat eindeutig klargestellt, daß
er sich nicht mit weniger begnügen
wird.
Die Vereinigten Staaten verfolgen
bei der Verifizierung eines INF-Rüstungsbegrenzungsabkommens
drei
grundlegende Ziele:
Erstens, Vertrauen
men zu gewährleisten.

in das Abkom-

Zweitens, die Sowjets von Verletzungen des Vertrages abzuhalten, indem die Wahrscheinlichkeit der Aufdeckung solcher Vertragsverletzungen
erhöht wird.
Drittens, schnelle und eindeutige
Aufdeckung
jeglicher
sowjetischer
Verletzungen zu gestatten und damit
die frühzeitige Warnung vor einer

- 5 -

�möglichen oder tatsächlichen Bedrohung der Sicherheit der Vereinigten
Staaten und der Verbündeten zu verbinden.

- Detaillierter und - falls erforderlich
aktualisierter
Austausch von Daten über den Standort der Raketenunterstützungseinrichtungen und Raketenstellungen
sowie die Anzahl der Raketen und
Abschußvorrichtungen
auf
diesen
Einrichtungen und Stützpunkten.

Am 14. September 1987 haben wir
in Genf ein Inspektionsprotokoll mit
den Einzelheiten der von uns für die
Verifizierung der wirksamen Einhaltung eines INF-Vertrages für notwendig erachteten Vorgehensweise vorgelegt, eine Übereinkunft, die den Abbau aller amerikanischen und sowjetischen INF-Raketen vorsieht - die
"weltweite
doppelte
Null-Lösung".
Unser
Verifizierungsvorschlag
würde
die
überzeugendsten
Vorbeugungsmaßnahmen gegen Täuschungsversuche
in
der Geschichte der Rüstungskontrolle
verwirklichen.
Die Sowjets haben ihre Zustimmung
zu unserem Verifizierungsplan einschließlich der bisher nie dagewesenen Vor-Ort-Insepktion in groben Zügen
erklärt.
Aber
bekanntlich
"steckt der Teufel im Detail".
im
weiteren Verlauf der
Verhandlungen
werden wir darauf bestehen, daß sich
die Sowjets zu wirksamen, in allen
Einzelheiten und schriftlich vorgelegten
Verifizierungsmaßnahmen
verpflichten.
Selbst mit einem Abkommen über
den
vollständigen weltweiten Abbau
der
INF-Raketen
verlangen
Vorbeugungsmaßnahmen
gegen
Täuschungsversuche eine anspruchsvolle Serie von
Verifizierungsmaßnahmen.
Lassen Sie
mich Ihnen die Kernstücke des in Genf
vorgelegten Plans nennen:
- Die Voraussetzung, daß alle INFRaketen und Abschußvorrichtungen
geographisch in vereinbarten Gebieten
stationiert würden oder
sich während des Abzugszeitraums
auf dem Transport zwischen diesen
Gebieten befinden.

- Ankündigung
der Transporte
von
Raketen und Abschußvorrichtungen
zwischen
den
bekanntgegebenen
Einrichtungen.
- Eine grundlegende Vor-Ort-Inspektion zur Verifizierung der Anzahl
von Raketen und Abschußvorrichtungen auf bekanntgegebenen Raketenunterstützungseinrichtungen
und Raketenstellungen.
-

Vor-Ort-Inspektion zur Verifizierung der Vernichtung von Raketen
und Abschußvorrichtungen.
- Nachfolgende,
kurzfristig
anberaumte Inspektion der bekenntgegebenen Einrichtungen während des
Reduzierungszeitraums zur Verifizierung
restlicher
Systeme bis
zum vollständigen Abbau aller Raketen.

- Kurzfristig
anberaumte, obligatorische
ad-hoc-Inspektion
bestimmter
Einrichtungen
in
den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, auf denen vertragswidrige Raketenaktivitäten durchgeführt werden könnten.
- Voraussetzung einer unabhängigen
"Abschlußinspektion" zur Gewährleistung, daß in der Tat alle mit
INF-Raketen verbundenen Aktivitäten beendet worden sind, wenn ein
Standort stillgelegt und von der
Liste der bekanntgegebenen Einrichtungen gestrichen worden ist.

�Sobald die Sowjets erkennen, daß
das amerikanische Volk fest hinter
einer wirksamen Verifizierung steht,
werden wir meiner Meinung nach rasch
ein Ende der Verzögerungstaktik in
letzter Minute seitens der Sowjets
beobachten können. Die Verifizierung
ist der endgültige Prüfstein dafür,
ob die sowjetische Seite sich einem
lohnenden INF-Abkommen wirklich verpflichtet fühlt.

Schlußfolgerung
Wir nähern uns der nächsten entscheidenen Phase in unserer Beziehung
zur Sowjetunion in der klaren Erkenntnis unserer grundlegenden ziele.
Wir haben umfassenden Einblick in die
sowjetischen
Verhandlungspraktiken
gewonnen und sind uns bewußt, daß wir
die Risiken und Möglichkeiten sorgfältig gegeneinander abwägen müssen.
Vielleicht werden wir tatsächlich ein
Abkommen erzielen können, das zu einer stabileren, weniger gefährlichen
Welt führt. Aber selbst wenn wir so
erfolgreich zusammenkommen, muß unser
Volk verstehen, daß dies kein Grund
zur Euphorie ist.
Angesichts eines
fast
fertigen INF-Abkommens
dürfen
wir die Hände nicht in den Schoß legen. Wir befinden uns erst am Anfang
unserer Aufgabe, die sowjetische militärische Bedrohung abzubauen - es
gilt noch ein großes Stück Arbeit zu
bewältigen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

21. Oktober 1987

37

RÜSTUNGSKONTROLLE WICHTIGSTES THEMA BEI SHÜLTZ-BESÜCH IN MOSKAU
- Informationsgespräch mit Botschafter Nitze -

WASHINGTON - (AD) - Bei seinem Treffen mit dem sowjetischen Außenminister
Schewardnadse in Moskau am 22. und 23. Oktober 1987 wird Außenminister Shultz
hauptsächlich "die gesamte Skala der Rüstungskontrollfragen" ansprechen. Botschafter Paul Nitze zufolge werden Menschenrechtsfragen sowie bilaterale und
regionale Probleme weitere Themen sein.
Der Sonderberater von Präsident
Reagan und Shultz in Rüstungskontrollfragen erklärte am 14. Oktober
im
amerikanischen
Außenministerium
ausländischen Journalisten gegenüber,
die amerikanischen und sowjetischen
Delegationen arbeiteten in Genf an
der Vervollkommnung eines vereinbarten Vertragsentwurfs zu INF (Mittelstreckenraketen).
Die
Unterhändler
hofften, bis zum Besuch von Außenminister Shultz in Moskau ihre Meinungsverschiedenheiten über die vorgeschlagene Sprachregelung des Vertrages "weitgehend ausgeräumt" zu ha-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

ben. Die große Hoffnung, so erklärte
Nitze, "bestünde darin, daß sie bis
dahin gänzlich ausgeräumt werden können" .
Auf
Fragen
zur Struktur
eines
INF-Abkommens sagte er, dieses würde
den Haupttext und mehrere Zusatzprotokolle umfassen, wovon eines die
Frage
der
Verifizierung
behandeln
würde.
Nitze
räumte
ein,
daß
die
Pershing lA-Raketen der Bundesrepublik Deutschland eine der Fragen sei-

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�en, die von den Unterhändlern noch
gelöst werden müßten.
Dazu gehöre
insbesondere die Erzielung einer Vereinbarung
"über das Verfahren zur
endgültigen Vernichtung der INF-Raketen" auf amerikanischer und sowjetischer Seite, erklärte der Botschafter, sowie auch "der Gefechtsköpfe,
die wir gegenwärtig für die deutschen
Pershing 1A bereit halten".
Was den "zeitlichen Rahmen" zur
endgültigen Beseitigung der Wiedereintrittsflugkörper (RVs) auf beiden
Seiten, einschließlich der RVs für
die deutschen Pershing IA-Raketen angehe, so versuchten beide Seiten "die
definitiven Einzelheiten der Durchführung" zu erarbeiten, erklärte er.
Die Sowjets seien nicht der Ansicht,
die Pershing IA-Raketen bildeten ein
"unüberwindliches
Problem",
fügte
Nitze hinzu.
Die Sprachregelung des Vertrages
wird auf die Beseitigung der amerikanischen
Gefechtsköpfe
verweisen,
"einschließlich
der
amerikanischen
Gefechtsköpfe
für
die
deutschen
Pershings, jedoch nur dann, wenn die
von Bundeskanzler Kohl genannten Bedingungen erfüllt sind".
Falls noch verbleibende Fragen zu
INF während des kommenden Treffens in
Moskau zu lösen seien, erklärte der
Botschafter, so hoffe man, daß diese
"schnell" gelöst würden, so daß eine
Vereinbarung über Zeit und Ort eines
Gipfeltreffens Reagan-Gorbatschow erreicht werden kann. Dies würde dann
den Weg für die beiden politisch Verantwortlichen
ebnen, um
sich
auf
Fortschritte für ein START-Abkommen
zu konzentrieren.
Botschafter Nitze, der den Außenminister in die Sowjetunion begleiten
wird, erklärte, "Wenn wir das INF-Abkommen bald abhandeln, könnten wir

uns auf die verbleibenden Probleme
konzentrieren, bei denen wir im Hinblick auf die Erlangung eines STARTAbkommens
unterschiedlicher
Meinung
sind". Auf die Frage, ob ein STARTAbkommen
vor
Ende
der
Regierung
Reagan
geschlossen
werden
könnte,
antwortete Nitze: "Daran glaube ich.
Genau daran arbeiten wir".
Nitze verwies darauf, "die nächste größere Aufgabe ist die Erlangung
eines START-Abkommens" und fügte hinzu, "die Sowjets stimmen zu, daß dies
wichtig ist". Er erklärte, er glaube
nicht daran, daß die verbleibenden
Probleme "unlösbar" sind.
Beim
Treffen
von
Shultz
und
Schewardnadse vom 15. bis 17. September in Washington stimmten die Sowjets laut Nitze dem 50prozentigen
Abbau vom gegenwärtigen Stand der
Wurfgewichte auf ihren schweren Raketen zu. Die Vereinigten Staaten warten jedoch noch darauf, daß sie dies
formell in einem Brief oder einer Erklärung vorlegen.
Nitze verwies auf drei Bereiche,
in denen zwischen der Sowjetunion und
den Vereinigten Staaten unterschiedliche Auffassungen bestehen. Die Sowjets glauben Nitze zufolge zum Beispiel nicht daran, daß Untergrenzen
bei Gefechtsköpfen
notwendig
sind.
Die Haltung der Vereinigten Staaten
fordert eine Obergrenze von 6 000 Gefechtsköpfen, mit Untergrenzen
von
4 800
Gefechtsköpfen
auf
ballistischen Raketen.
Innerhalb dieser Untergrenze von
4 800 haben die Vereinigten Staaten
weiterhin 3 300 Gefechtsköpfe auf Interkontinentalraketen
vorgeschlagen
sowie eine weitere Untergrenze von
1 650 "auf die erlaubten Gefechtsköpfe von schweren Raketen und solchen
Systemen mit mehr als sechs Gefechts-

- 2 -

�köpfen", erklärte Nitze. Die Vereinigten Staaten e*rachten solche Untergrenzen als "notwendig, um sicherzustellen, daß ein Abbau wirklich zunehmende Stabilität nach sich zieht".
Obwohl sich die beiden Supermächte im Prinzip über Regelungen zur Verifizierung einig sind, müssen sie
dennoch, so betonte der Botschafter,
"Details ausarbeiten, wie diese auf
eine Art und Weise konzipiert werden
können, so daß man überzeugt sein
kann, daß beide Seiten die Durchführung des Abkommens mit großem Vertrauen überwachen können".
Die im September in Washington
abgehaltenen Gespräche gaben den Sowjets eine Möglichkeit, ihre Haltung
im Hinblick auf die strategische Verteidigung
und den ABM-Vertrag von
1972 eindeutig darzulegen, erklärte
Nitze, aber es gab keinen Fortschritt
bei "einer Lösung unserer Meinungsverschiedenheiten".
Da die Sowjets
weiterhin ein START-Abkommen mit Problemen der Verteidigung im Weltraum
koppeln,
"bestehen zwischen
beiden
Seiten Meinungsverschiedenheiten".
Nach den Gesprächen in Moskau
wird
Außenminister
Shultz
nach
Brüssel reisen, um mit den Mitgliedern des Nordatlantischen Bündnisses
zusammenzutreffen, wie er es auch in
der Vergangenheit nach einer wichtigen Zusammenkunft getan hat.
Nitze
nannte dies einen Prozeß der Konsultationen, nicht eine Bestrebung, die
Zustimmung
der NATO-Verbündeten
zu
INF zu erlangen. Nitze fügte hinzu,
"die Folge von Konsultationen zwischen den Mitgliedern des Nordatlantischen Bündnisses war äußerst hilfreich und stellt ein wichtiges Element der Stärke des Bündnisses dar".
* * * * *

- 3 -

�AMERIKA DIENST
^7

Hintergrundmaterial

C&amp;

21. Oktober 1987

37

BEGRENZUNGEN VON ATOMWAFFENTESTS
Übersicht des Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung

- (AD) - In den vergangenen vier Jahrzehnten hat ein starkes nukleares Abschreckungspotential die Sicherheit der Vereinigten Staaten garantiert und dazu beigetragen, die Freiheit ihrer Verbündeten und Freunde zu erhalten. Solange die Vereinigten Staaten sich zu ihrer Sicherheit auf Atomwaffen verlassen müssen, müssen sie gewährleisten, daß diese Waffen betriebssicher, geschützt, verläßlich, wirksam und überlebensfähig sind - mit anderen Worten:
daß das Abschreckungspotential der Vereinigten Staaten glaubwürdig ist. Dies
erfordert ein gewisses Maß an unterirdischen Tests.
Insbesondere und in Übereinstimmung mit bestehenden Verträgen führen die
Vereinigten Staaten solche Tests zu folgenden Zwecken durch:
- Um die Wirksamkeit unseres nuklearen Abschreckungspotentials sicherzustellen.
Durch Tests wird
die Fortführung unseres Programms
zur Modernisierung dieser Waffen
ermöglicht, die aufgrund der andauernden Ausweitung und Verbesserung sowjetischer strategischer
Offensivsysteme und der Tatsache
erforderlich ist, daß die älteren
strategischen Waffen der Vereinigten Staaten das Ende ihrer Lebensdauer erreicht haben.
- Um deren Verläßlichkeit

aufrecht

United States Information Service
Embassy of the United States of America

zu
erhalten.
Atomwaffentests
sind notwendig, um Verschlechterungen oder andere Probleme zu
erkennen, die bei gelagerten Waffen auftreten können.
zum Beispiel wurde es den Vereinigten
Staaten durch Tests ermöglicht,
Probleme beim Gefechtskopf
der
von Polaris-U-Booten abgefeuerten
ballistischen
Raketen
auszumerzen, die unser seegestütztes Abschreckungspotential
neutralisiert haben könnten, wenn wir sie
nicht behoben hätten. Tests von
gelagerten Waffen sind erforder-

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�lieh, um zu bestätigen, daß die
Waffen, auf die wir zur Erhaltung
des
Friedens
angewiesen
sind,
weiterhin
ein verläßliches und
glaubwürdiges Abschreckungspotential bilden.
- Um die Uberlebensfähigkeit zu sichern. Atomwaffentests gestatten
es den Vereinigten Staaten, ihre
militärischen und Führungsmittel
echter atomarer Wirkung auszusetzen. Dies ermöglicht es den Vereinigten Staaten, die Uberlebensfähigkeit
ihrer
Ausrüstung
zu
verbessern und damit die Glaubwürdigkeit ihrer Abschreckung zu
erhöhen.
- Um Betriebssicherheit und Schutz
zu
verbessern.
Atomwaffentests
gestatten
es
den
Vereinigten
Staaten, die Charakteristika bezüglich
Betriebssicherheit
und
Schutz weiter zu verbessern, die
Explosionen aus Versehen oder die
unbefugte Anwendung von Atomwaffen
verhindern.
Beispielsweise
haben
Atomwaffentests
zu
Konstruktionen geführt, die modernste Vorrichtungen gegen die Benutzung durch Terroristen beinhalten sowie gegen die Verseuchung durch radioaktives Material
im unwahrscheinlichen Fall eines
Unfalls.
Ein Umfassendes Testverbot (CTB)
bleibt das langfristige Ziel der Vereinigten Staaten.
Solange die Vereinigten Staaten und ihre Freunde und
Verbündeten sich jedoch zur Abschrekkung von Aggressionen auf Atomwaffen
verlassen müssen, wird weiterhin ein
gewisses Maß an Atomwaffentests erforderlich sein.
Wir glauben, daß
ein solches Verbot im Kontext einer
Zeit gesehen werden muß, in der wir
uns nicht auf die atomare Abschrekkung verlassen müssen, um die welt-

weite Sicherheit und Stabilität zu
garantieren und in der wir breite,
einschneidende und verifizierbare Rüstungsreduzierungen,
erheblich
verbesserte
Verifizierungsfähigkeiten,
erweiterte vertrauensbildende Maßnahmen und ein stabileres Gleichgewicht
bei den konventionellen Streitkräften
erreicht haben werden.
Die vordringlichste Priorität der
Vereinigten Staaten bei der Begrenzung von Atomwaffentests gilt den
notwendigen
Verbesserungen
bei der
Verifizierung des nichtratifizierten
Schwellenvertrags (TTBT) und des Vertrags über Atomexplosionen zu friedlichen Zwecken (PNET) . In den vergangenen Jahren hat der Präsident die
folgenden Initiativen in die Wege geleitet, um dieses Ziel zu verwirklichen:
- Im Jahr 1983 versuchen die Vereinigten Staaten mehrmals erfolglos, die Sowjetunion in Gespräche
zur
Verbesserung
grundlegender
Verifizierungsverfahren von TTBT
und PNET einzubinden.
- September
1984.
Der
Präsident
schlägt direkte Messungen der Explosionskraft amerikanischer und
sowjetischer Atomwaffentests vor
Ort, d.h. in den jeweiligen Testgebieten, vor.
- Juli 1985.
Der Präsident lädt
sowjetische Experten - ohne Vorbedingungen - ein, das amerikanische Testgelände zu besuchen
und dort die Sprengkraft eines
amerikanischen
Tests zu messen
und zu diesem Zweck beliebige Instrumente mitzubringen, die der
UdSSR zur Erfüllung dieser Aufgabe erforderlich erscheinen.
- Dezember
1985.
Der
Präsident
schlägt ein Treffen technischer

�Experten
vor, um
amerikanische
und sowjetische Ansätze zum Thema
Verifizierung zu diskutieren.
- März 1986.
Der Präsident lädt
die Sowjets ein, das Testgebiet
in Nevada zu besuchen, um mit
amerikanischen Experten die Verifizierung zu diskutieren, CORRTEX
- ein direktes, hydrodynamisches
System zur Messung der Sprengkraft vor Ort, das von den Vereinigten Staaten vorgezogen wird
- zu prüfen und um einen Test zu
beobachten.
Seit Juli 1986 haben amerikanische und sowjetische Experten in
Genf sechs Sitzungsrunden zu Fragen
in Zusammenhang mit Atomwaffentests
abgehalten, die letzte fand vom 13.
bis 20. Juli 1987 statt.
In diesen
Expertentreffen
zu
Atomwaffentests
haben die Vereinigten Staaten ihre
Sorgen zur Verifizierung von TTBT und
PNET vorgetragen.
Wir haben ferner
die CORRTEX-Technik und ihre Anwendung für Sprengkraftmessungen vor Ort
beschrieben. Die UdSSR hat ihre Ansichten zu einem umfassenden Verbot
von Atomwaffentests unii zu seismischen Techniken der Sprengkraftschätzung vorgetragen.
Unlängst hat sie
ihren Vorschlag für gemeinsame Experimente in Atomtestgebieten zur Verbesserung der Verifizierung vorgetragen.
Die Vereinigten Staaten engagieren sich für wirkungsvolle und verifizierbare Abkommen mit der Sowjetunion über die Begrenzung von Atomwaffentests, mit deren Hilfe die Sicherheit
aller Nationen verbessert
werden könnte. Aus diesem Grunde hat
der Präsident einen praktischen stufenweisen Prozeß vorgeschlagen.
Er
schlug vor, die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion sollten unmittelbar Verhandlungen
über Atomwaffen-

tests aufnehmen, um zunächst Probleme
der Verifizierung von zwei bestehenden, aber nicht ratifizierten Verträgen, dem Schwellenvertrag
und dem
Vertrag
über
Atomexplosionen
zu
friedlichen zwecken, zu lösen. Wenn
unser Anliegen der Verifizierung berücksichtigt wird und die Verträge
zur Ratifizierung
gelangen, werden
die Vereinigten Staaten vorschlagen,
daß wir gemeinsam mit der Sowjetunion
in Verhandlungen über Möglichkeiten
zur Durchführung eines stufenweisen
gleichlaufenden Programms - zusammen
mit einem Programm zum Abbau und der
letztlichen Abschaffung aller Nuklearwaffen zur Begrenzung und als
Endziel der Beendigung von Nukleartests eintreten.
Beim Abschluß der Zusammenkünfte
vom 15 bis 17. September erklärten
Außenminister Shultz und der sowjetische
Außenminister
Schewardnadse:
"Die amerikanische
und die sowjetische
Seite sind übereingekommen,
vor dem 1. Dezember 1987 umfassende
stufenweise Verhandlungen über Atomwaffentests aufzunehmen, die in einem
einzelnen Forum durchgeführt werden.
Als ersten Schritt werden sich beide
Seiten bei diesen Verhandlungen auf
wirksame Verifizierungsmaßnahmen einigen, die eine Ratifizierung
des
amerikanisch-sowjetischen
Schwellenvertrages von 1974 und des Vertrages
über Kernexplosionen zu friedlichen
Zwecken
von
1976
ermöglichen
und
daranzugehen, weitere mittelfristige
Begrenzungen über Atomtests auszuhandeln, die dann zur endgültigen Zielsetzung
einer
völligen Abschaffung
von Atomtests als Teil eines wirkungsvollen Abrüstungsprozesses führen.
Mit diesem Prozeß würde unter
anderem als erste Priorität das Ziel
eines Abbaus von Nuklearwaffen und
letztlich deren Abschaffung verfolgt.
Zum zweck der Ausarbeitung verbesserter Verifizierungsmaßnahmen für die

- 3 -

�amerikanisch-sowjetischen
Vertrage
von 1974 und 1976 beabsichtigen beide
Seiten die Konzeption und Durchführung gemeinsamer Experimente zur Verifizierung auf dem Testgelände der
jeweils anderen Seite. Diese Verifizierungsmaßnahmen werden in angemessenem Maße bei nachfolgenden Abkommen
über die Begrenzung von Atomwaffentests angewandt werden."

* * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan lobt amerikanische Bundesbank und internationale Kooperation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten zu den Finanzmärkten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Operation der Vereinigten Staaten "überlegte und gemäßigte&lt;br /&gt;Antwort" an den Iran&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten zum amerikanischen Vergeltungsschlag im Golf&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shultz: Friedenspläne müssen in Nicaragua verwirklicht werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede vor dem Auswärtigen Ausschuß des Repräsentantenhauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rowny: SDI "kein Verhandlungsgegenstand"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede vor Ehemaligen des National War College &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rüstungskontrolle wichtigstes Thema bei Shultz-Besuch in Moskau&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Informationsgespräch mit Botschafter Nitze&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Begrenzungen von Atomwaffentests&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht des Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
^ON

*

28 O k t o b e r 1987

38

I N H A L T

Dokumentation
Reagan verhängt Handelsembargo gegen Iran
- Erklärung des Präsidenten Reagan: US-Streitkräfte bleiben im Golf "solange wie nötig*
- Pressekonferenz im Weißen Haus Reagan; Wirtschaftshilfe fördert Demokratie und Pluralismus
- Rede des Präsidenten vor der Gruppe zur Finanzierung der
Außenpolitik Shultz: Führende NATO-Politiker sehen Fortschritte bei
INF-Gesprächen
- Pressekonferenz im NATO-Hauptquartier -

Hintergrundmaterial
Handelssanktionen gegen Iran
- Eine Übersicht des Weißen Hauses Rüstungskontrollinitiativen der Vereinigten Staaten
- Eine Übersicht des US-Außenministeriums -

* * * * *

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�AMERIKA DIENST

\ %

VON

e

Dokumentation
28. Oktober 1987

38

REAGAN VERHÄNGT HANDELSEMBARGO GEGEN IRAN
- Erklärung des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Mit einer am 26. Oktober veröffentlichten Erklärung
verfügte Präsident Reagan ein Embargo für alle amerikanischen Importe aus dem
Iran sowie ein Verbot für den Export von 14 amerikanischen Produktkategorien,
die möglicherweise militärische Verwendung finden könnten, in den Iran. Der
Präsident erklärte, diese wirtschaftlichen Maßnahmen würden "nach erfolglosen
Versuchen zum Abbau der Spannungen" mit dieser Nation getroffen.
Reagan verwies weiter darauf, die "von mir eingeleiteten Maßnahmen sind
ein direktes Ergebnis von Aktionen der iranischen Regierung, einschließlich
ihrer unprovozierten Angriffe auf amerikanische Streitkräfte und Handelsschiffe".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung im Wortlaut:
bot
für
iranische Waren
wird
so
schnell wie möglich in Kraft gesetzt
Ich habe den Finanzminister und
werden.
Die zusätzlichen Kontrollen
den Außenminister angewiesen, Maßnahfür Exporte in den Iran werden in etmen für ein Embargo auf alle amerikanischen Importe aus dem Iran zu erwa einer Woche bis zu zehn Tagen in
greifen.
Gleichzeitig verfügen wir
Kraft treten.
ein Exportverbot von vierzehn umfassenden amerikanischen ProduktkategoDer Kongreß selbst ist in diesem
rien, die möglicherweise militärische
wichtigen Bereich schnell und entVerwendung finden könnten.
Wie es
schlossen vorangekommen, und die Addas Gesetz erfordert, haben wir den
ministration sieht einer engen ZusamKongreß zu diesen Aktionen konsulmenarbeit mit dem Kongreß gerne enttiert, und im Augenblick wird der
gegen, um sicherzustellen, daß jegliKongreß von uns über diese Maßnahmen
che zukünftige Gesetzgebung unserem
formell unterrichtet. Das Importverallgemeinen Ziel dient, die Sicher-

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Telex: 8-85432

�heitsresolution 598 der Vereinten Nationen anzuwenden
und Frieden und
Stabilität in der Golf-Region wiederherzustellen.

Worten eindeutig ablehnend.

* * * * *
Die von mir eingeleiteten Maßnahmen sind ein direktes Ergebnis von
Aktionen
der
iranischen Regierung,
einschließlich
ihrer
unprovozierten
Angriffe
auf amerikanische Streitkräfte und Handelsschiffe, ihrer Verweigerung einer Annahme der UN-Sicherheitsresolution 598, ihrer fortgesetzten Aggression gegen friedliche
Nationen im Persischen Golf und ihrer
Unterstützung
des Terrorismus dort
und in anderen Teilen der Welt. Diese Maßnahmen werden so lange in Kraft
bleiben, wie der Iran auf seiner aggressiven Mißachtung der grundlegendsten internationalen Verhaltensnormen
besteht.
Ich möchte besonders betonen, daß
wir diese wirtschaftlichen Maßnahmen
lediglich nach wiederholten, aber erfolglosen Versuchen
zum Abbau der
Spannungen mit dem Iran und als Reaktion auf das anhaltende und zunehmend
kriegerische Verhalten der iranischen
Regierung treffen. Sie bedeuten keine Auseinandersetzung mit dem iranischen Volk. Wie ich bereits vielfach
erwähnt habe, nehmen die Vereinigten
Staten die Revolution im Iran als
Tatsache hin und respektieren das
Recht des iranischen Volkes auf die
Wahl der von ihm gewünschten Regierung.
Die Vereinigten
Staaten
hoffen
auf normalere Beziehungen mit dem
Iran, wenn die Aggressivität des Iran
und die Spannnungen in der Region abnehmen.
Wir haben dem Iran diese
Punkte wiederholt auf diplomatischem
Wege und auch mit öffentlichen Erklärungen zur Kenntnis gebracht. Leider
war die Reaktion der iranischen Regierung bis heute in Taten wie in
- 2 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'V,oN^

38

28. Oktober 1987
REAGAN:

US-STREITKRÄFTE BLEIBEN IM GOLF "SOLANGE WIE NÖTIG"
- Pressekonferenz im Weißen Haus -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 22. Oktober 1987 während einer
vom Fernsehen übertragenen Pressekonferenz im Weißen Haus erklärt, daß die
amerikanischen Seestreitkräfte zur Sicherung der freien Schiffahrt im Golf
bleiben werden "solange dies nötig ist". Er warnte gleichzeitig die Iraner
vor "provokativen Akten gegen uns oder andere".
Zu den Aussichten eines Gipfeltreffens mit Generalsekretär Gorbatschow zur
Unterzeichnung eines INF-Abkommens sagte der Präsident, "wir haben weder Informationen darüber noch ein Datum, zu dem er nach Washington kommen wird".
Nachfolgend bringen wir die Pressekonferenz im Wortlaut:

Präsident:
Ich
möchte
zunächst
eine Erklärung abgeben.
Ich möchte
mit der Erklärung beginnen, daß ich
wirklich froh bin, daß Nancy wieder
zuhause ist und es ihr wirklich gut
geht.
In den vergangenen Tagen haben
wir Amerikaner die Turbulenzen an der
Börse beobachtet. Es ist wichtig für
uns zu verstehen, was geschieht und
daß wir darauf ruhig und besonnen reagieren.
Obwohl wir nach mehreren
Tagen der Kursverluste zwei Tage mit
Kurssteigerungen erlebt haben, können

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wir nicht davon ausgehen, daß die
übermäßige
Unbeständigkeit
an der
Börse vorüber ist. Es scheint jedoch, daß das System funktioniert.
Obwohl
einiger
Grund
zur
Sorge
bleibt, besteht auch ein Handlungsbedarf.
Und heute abend plane ich die
folgenden Schritte, um dieser Herausforderung zu begegnen.
Erstens werde ich mich mit den
Führern beider Parteien im Kongreß
treffen, um ein Verfahren für die Gespräche zur Reduzierung des Defizits
auszuarbeiten, das sowohl produktiv

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Tel.: 0228-339 2035
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�als auch konstruktiv ist. Ich ernenne Stabschef Howard Baker und meinen
Finanzminister Jim Baker zusammen mit
dem Direktor meines Haushaltsbüros,
Jim Miller, zu Leitern der Arbeitsgruppe des Weißen Hauses.
Und ich
ersuche
Sprecher
Jim
Wright, den
Mehrheitsführer im Senat Robert Byrd,
den Minderheitsführer Bob Dole sowie
den Minderheitsführer im Repräsentantenhaus, Bob Michel, ihre Vertreter
zu benennen, so daß dieses Verfahren
unverzüglich beginnen kann.
Zweitens stelle ich alle Bereiche
zur Diskussion, ausgenommen die Sozialversicherung, und zwar ohne weitere Vorbedingungen.
ich appelliere
an die Führer im Kongreß, das gleiche
zu tun.
Um diesem Verfahren Erfolg zu bescheren, wird in dieser Situation von
allen Seiten ein Beitrag verlangt.
Es muß ein Paket erarbeitet werden,
das Steuern und Ausgaben so niedrig
wie möglich hält.
Ich kann heute
abend die endgültigen Zahlen für das
Defizit des Haushaltsjahres 1987 verkünden, die eine Reduzierung von 228
Milliarden Dollar im Jahr 1986 auf
148 Miliarden Dollar in diesem Jahr
anzeigen, was einen Defizitrückgang
um 73 Milliarden Dollar bedeutet.
Dieser Wandel hat sich nicht lediglich aufgrund eines einmaligen Anstiegs der Steuereinnahmen vollzogen,
sondern aufgrund
einer Reduzierung
der Ausgaben.
Drittens appelliere ich an die
Mitglieder des Kongresses, sich mir
anzuschließen
und
unseren
Wirtschaftspartnern deutlich zu signalisieren, daß die Handelsmärkte offenbleiben und nicht geschlossen werden
sollten und daß die Vereinigten Staaten allen Rufen nach protektionistischen Maßnahmen widerstehen werden.
- 2

Und viertens setze ich eine Projektgruppe ein, die in den kommenden
30-60 Tagen die Verfahren an den Börsen untersuchen und Empfehlungen für
möglicherweise notwendige Änderungen
unterbreiten wird - diese Dreiergruppe wird von Senator Nick Brady geleitet.
In früheren Zeiten hat dieses
Land, wenn es sich mit Herausforderungen konfrontiert sah, diese dadurch gelöst, daß es sich zusammenschloß, und auch jetzt sollten wir
alle genau prüfen, wo wir stehen, als
Land und als Einzelpersonen. Es können und werden weiterhin Anpassungen
vorgenommen werden, damit dieses Land
auf dem Weg der fiskalischen Vernunft
und
anhaltenden
wirtschaftlichen
Stärke bleibt.
Frage:
Der
Kurseinbruch
an
den
Börsen zeigt, daß eine Vertrauenskrise
bezüglich
der
wirtschaftlichen
Stabilität und der Führung unserer
Regierung besteht.
Ist diese Furcht
berechtigt, und wie ernst ist die Gefahr einer Rezession oder etwas noch
schlimmerem?
Antwort:
Nun, zunächst waren alle
Indices - der Index, der dazu benutzt
wird, um zu beurteilen, ob wir wirtschaftlich gesund sind etc. - in 10
der vergangenen 11 Monate aufwärts
und auf weiteres Wachstum gerichtet.
Und mit unserer großen Beschäftigungsquote, der Tatsache, daß wir
eine zweistellige Inflationsrate gesenkt haben und mit dem bei uns bestehenden Wohlstand könnte bei diesen
Ereignissen an der Börse eine Rezession nur dann zustande kommen, wenn
genügend Leute, ohne die Situation zu
verstehen, in Panik verfielen und
sich dazu entschließen würden, Käufe
von Dingen zurückzustellen, die sie
normalerweise tätigen würden.
Dies

�könnte zu einer Rezession führen.
etwas ist schon einmal geschehen.

So

Aber ich glaube nicht, daß für so
etwas ein echter Grund besteht. Meiner Meinung nach war dies eine seit
langem überfällige Korrektur, und ich
weiß nicht, welche Faktoren zu diesem
gewissermaßen
panikartigen
Stadium
geführt haben. Wir werden dies jedoch eingehend beobachten.
Ich bin
sehr mit dem einverstanden, was die
Börsenleitung in den nächsten drei
Tagen unternehmen wird - der Handel
wird weitergehen, aber die Zeiten
werden um zwei Stunden gekürzt werden, um jedermann die Chance zu geben, die große Zahl an Aufträgen zu
verarbeiten.
Aber dies ist meiner Meinung nach
nur eine Angelegenheit der Börse und
überhaupt kein Anzeichen für eine Rezession oder schwere Zeiten.
Frage:
Ich möchte Sie noch fragen,
warum Sie ihre Ansicht zu Steuererhöhungen von "nur über meine Leiche" zu
"jede Erhöhung so niedrig wie möglich
halten" geändert haben?
Antwort:
Nun, ich werde mich mit
den Führern des Senats treffen, weil
es nach über sechseinhalb Jahren der
Bemühungen - meinerseits -, das Defizit zu senken und den Weg für einen
ausgeglichenen Haushalt zu ebnen, wie
dies vom Gramm-Rudman-Hollings-Gesetz
vorgesehen war, höchste Zeit dc&lt;iür
ist.
Und falls dies ein Faktor bei
der Bildung von Vertrauen seitens des
Bürgers war, dann werde ich ihnen dabei entgegenkommen.
Nun, sie werden
ihre Tagesordnung haben. Sie werden
ihr Programm haben.
Aber ich habe
meine eigenen.
Ich habe zu Beginn
des Jahres ein Haushaltsprogramm vorgelegt, und wie sie dies jedes Jahr
seit meinem Amtsantritt getan haben,
haben sie es einfach beiseite gelegt

und sich geweigert,
berücksichtigen.

es

auch

nur

zu

Mein Programm enthielt jedoch 22
Milliarden
Dollar
an
zusätzlichen
Steuereinnahmen.
Ich sagte: zusätzliche Steuereinnahmen. Es gibt andere Wege, die man beschreiten kann und
die nicht abschreckend auf die Wirtschaft wirken, wie dies bei Steuern
der Fall sein kann.
Aber ich habe
gesagt: nun gut, ich werde ihnen zuhören, was ihnen als Antwort auf dieses Problem vorschwebt.
Ich erwarte
jedoch von ihnen auch, daß sie sich
anhören, was mir vorschwebt. Und die
Masse dieser 22 Milliarden Dollar hat
nichts mit Steuern zu tun. Tatsächlich könnte ich heute schon behaupten, daß wir 5,5 Milliarden dieser 22
Milliarden Dollar schon haben, und
der Kongreß hat erklärt, ich könnte
sie nicht zur Senkung des Defizits
verwenden.
Das ist das Spektrum von
Aktivposten und Schulden, die wir nur
in den letzten Wochen erreicht haben.
Frage:
Herr Präsident, Ihre Politik im Persischen Golf hat zu verbreiteter
Unsicherheit
und
Furcht
beigetragen, daß Vergeltung auf beiden Seiten zu einer Eskalation von
Feindseligkeiten und mehr Terrorismus
führen wird.
Haben sie sich verschätzt? Und gibt es für diese Politik eine Grenze? Ich möchte nach Ihrer Antwort noch eine Frage stellen.
Antwort:
Ich meine, wir haben uns
keineswegs
verschätzt.
Wir
sind
nicht dort, um einen Krieg vom Zaun
zu brechen.
Und wir sind dort, um
die Schiffahrt neutraler Nationen in
internationalen Gewässern zu schützen, die dem Völkerrecht zufolge für
jeglichen Verkehr offen sein sollen.
Andererseits haben die Iraner in
ihrem irrationalen Verhalten Angriffe
- wie dies auch bei dem jüngsten Vor3 -

�fall geschah -, gegen Kuwait durchgeführt und eine ölverladeplattform vor
der Küste, auf die sie offensichtlich
eine
Seidenraupen-Rakete
abgefeuert
haben, dadurch beschädigt. Wir haben
gesagt, daß wir uns im Falle eines
gegen uns gerichteten Angriffs verteidigen werden. Und wir werden uns
dieser Aufgabe sicherlich weiterhin
widmen.
inzwischen haben sich eine
Reihe anderer Staaten mit uns zusammengetan, um die Seewege offenzuhalten. Ich sehe jedoch nicht, das dies
zu einem Krieg oder ähnlichem führt.
Und ich denke nicht, daß es irgendeinen Grund zur Panik gibt.
Meiner
Meinung nach haben wir sehr gut gehandelt.
Frage:
Herr Präsident, sie haben
erklärt, daß Ihrer Meinung nach das
Gesetz über die Kriegsvollmachten des
Präsidenten (War Powers Act) nicht
verfassungskonform
ist.
Sind
Sie
denn der Meinung, daß Sie das Recht
haben, nur die von Ihnen ausgesuchten
Gesetze zu befolgen?
Antwort:
Nun,
andere
Präsidenten
haben dies auch so gehalten. Tatsache ist, daß wir einen Teil dieses
Gesetzes einhalten - obwohl wir das
nicht so nennen -, aber wir haben
Konsultationen mit dem Kongreß abgehalten, ihm Bericht erstattet und
mitgeteilt, was wir unternehmen - und
dies im voraus, wie im Falle dieses
jüngsten Schlages.
Aber es gehören
noch andere Teile zu diesem Gesetz,
die unserer Meinung zu sehr in unsere
Rechte und Strategien etc. eingreifen
würden.
Lassen sie mich ausführen, daß es
seit dem Jahr 1798 über 200 militärische Aktionen der Vereinigten Staaten
im Ausland gegeben hat.
In unserer
gesamten Geschichte waren wir jedoch
lediglich in fünf erklärte Kriege
verwickelt.
In 62 dieser über 200

Fälle handelte der Kongreß - entweder
durch die Bewilligung von Mitteln für
diese Aktionen oder die Verabschiedung von Resolutionen oder die Ratifizierung von Verträgen durch den Senat oder ähnliches.
Aber in der
Mehrheit - etwa 140 - dieser Fälle
handelten
amerikanische
Präsidenten
eigenständig, indem sie amerikanische
Truppen einsetzten, weil sie der Meinung waren, daß dies für unsere nationale Sicherheit und unser Wohlergehen nötig war.
Frage:
Herr Präsident, trotz ihrer
vorhergehenden Antwort - Sie und Ihre
Berater haben klargestellt, daß neue
Steuern möglich sind, wenn sie diese
Verhandlungen mit dem Kongreß aufnehmen.
Und viele unter uns sind nun
erstaunt.
Im Jahr 1984 versprachen
Sie, die Steuern nicht zu erhöhen,
und Sie werden sich erinnern, daß in
dem gleichen Jahr Walter Mondale erklärte, es sei an der Zeit, dem amerikanischen Volk reinen Wein einzuschenken.
Er sagte, Mr. Reagan und
ich werden beide die Steuern erhöhen,
der
Unterschied
bestehe darin, so
sagte er, daß Sie dies niemandem sagen
würden.
Verstoßen
Sie
jetzt
nicht gegen Ihr eigenes Wahlkampfversprechen, wenn Sie über neue Steuern
verhandeln?
Antwort:
Nein.
Und ich stehe nun
an einem Platz, wo ich meiner Meinung
nach diese Dinge oder künftige Maßnahmen nicht weiter besprechen kann,
weil ich ungefähr ein Viertel Jahrhundert lang Verhandlungen für eine Gewerkschaft gegen die Arbeitgeber geführt habe. Und man redet nicht vorher über seine Strategie oder darüber, was man tun wird und was nicht,
sonst ist es müßig, überhaupt an Verhandlungen teilzunehmen.
Ich werde
Ihnen also nur sagen, daß ich in diesen Verhandlungen
darauf
hinweisen
werde, daß ich, wie ich eben schon

�sagte, auf meiner Seite 22 Milliarden
Dollar habe.
Nun, die gesamte von
uns allen angestrebte Reduzierung beträgt 23 Milliarden Dollar. Und der
Großteil meiner
Summe besteht aus
Einnahmen, die nicht von steuern oder
ähnlichem herrühren. Lassen Sie mich
aber noch etwas erklären, das wir alle, wie ich denke, verstehen sollten
- warum ich eine so starke Überzeugung
bezüglich
der
Steuersituation
und der Zuflucht zu Steuererhöhungen
zur Beseitigung eines Defizits besitze, wenn dies nichts dazu beitragen
wird.
In all diesen Jahren, in diesen
59
Monaten
des
Wirtschaftsaufschwungs, sind unsere Einnahmen - also, meiner Meinung nach rührt dieser
Aufschwung
hauptsächlich
von
den
Steuersenkungen her, die wir zu Anfang meiner Administration durchgeführt haben. Aber in diesem gesamten
Zeitraum betrug der Anteil der Einnahmen am Bruttosozialprodukt Jahr
für Jahr etwa 19 Prozent. Dabei ist
das BSP in dieser Zeit enorm angestiegen. Wenn wir also heute Einnahmen erzielen, die immer noch 19 Prozent dieses größeren BSP betragen,
würde dies anzeigen, daß die Einnahmen ausreichend sind.
Das Problem
besteht jedoch darin, daß das Defizit
- nun, vielleicht sollte ich besser
sagen, daß
der
Ausgabenanteil
am
Bruttosozialprodukt ungefähr 23 bis
24 Prozent beträgt, so daß dies also
ansteigt, während die Einnahmen anteilsmäßig gleich bleiben. Und dies
ist etwas, was wir in Betracht ziehen
sollten, wenn wir den Wohlstand aufrecht erhalten wollen.
Ich sage dies im Hinblick
Steuern
und
Einnahmequellen.
dürfen keine nachteilige Wirkung
die Wirtschaft haben.
Frage:

Daran

anschließend,

auf
Sie
auf

Herr

Präsident, sind Ihrer Meinung nach
einige
Arten
von
Steuern
weniger
schädlich
als
andere?
Sagen
wir
"Sündensteuern" - auf Alkohol und Tabak?
Sind diese für die Wirtschaft
weniger schädlich als vielleicht eine
Erhöhung der Einkommensteuer?
Antwort:
Lassen Sie mich nur antworten, daß es einige Steuern gibt,
wie etwa die Einkommensteuer, die
eine direktere Wirkung auf die Wirtschaft haben als andere Steuern. Ich
werde aber nicht weiter darüber sprechen, was wir in dieser Hinsicht tun
werden.
Frage:
Herr Präsident, lassen Sie
uns bei diesen Thema bleiben, wenn
dies möglich ist. Am Montag (dem 19.
Oktober) sagten Sie, daß trotz des
Kurseinbruchs an der Börse die Wirtschaft gesund sei. Am Mittwoch (dem
21. Oktober) sagten Sie, daß sich die
Entwicklung umgekehrt habe. Nun sind
Sie heute bereit, sich mit dem Kongreß zu treffen.
Worauf ist diese
Kehrtwendung nach Monaten der Zurückweisung
eines Haushaltsgipfels zurückzuführen?
Antwort:
Nein, ich habe mich nicht
geweigert.
Wir haben, wie übrigens
in jedem Jahr, wie dies gesetzlich
vorgeschrieben
ist, einen Haushalt
vorgelegt.
Und dieser Haushalt hat
Einnahmen vorgesehen, wie ich eben
erläutert habe.
Der Kongreß wollte
sich diesen Haushalt noch nicht einmal ansehen. Und die Art und Weise,
in der wir unseren Haushalt entwikkeln unterscheidet sich von der Arbeitsweise des Kongresses.
Mit den
Männern und Frauen, die die Programme
durchführen müssen, den Abteilungsleitern
und
Kabinettsmitgliedern,
verbringen wir Wochen und täglich
Stunden und schöpfen aus ihrem Detailwissen, um zu entscheiden, wiviel
Geld sie benötigen, um die Aufgaben

- 5 -

�zu erfüllen, die uns der Kongreß mit
dem Programm auferlegt hat.
Dann
leiten wir dies an den Kongreß weiter.
Und diese Kongreßabgeordneten,
die von der Durchführeung dieser Programme keine Ahnung haben, haben gerade abgestimmt, um ein Programm für
eine bestimmte Aufgabe zu verabschieden. Dann drehen sie sich um und sagen, oh nein, Sie brauchen ja Millionen Dollar mehr zur Erreichung des
Ziels als Sie beantragt haben.
Nun, meiner Meinung nach ist dies
schlecht organisiert, und wir bemühen
uns seit langem darum, Wege zu finden, um die Ausgaben zu reduzieren.
Mit
dem
Gramm-Rudman-Hollings-Programm, mit der verabschiedeten Sequestrationsvorschrift
müssen wir uns
nun zusammensetzen und eine Entscheidung fällen.
Frage:
Wenn ich daran anschließen
dürfte - ich frage mich, ob es erst
einer Krise bedurfte, um Sie zu der
Bereitschaft zu bringen, sich mit dem
Kongreß zu treffen und ob Sie, wenn
Sie sich schon früher getroffen hätten, nicht die Marktkrise dieser Woche hätten abwenden können?
Antwort:
Nein, ich denke, daß die
Krise schon solange besteht, wie ich
Haushaltsentwürfe
vorlege, die sie
noch nicht einmal anschauen.
Wenn
sie unsere Haushaltsentwürfe geprüft
hätten, dann hätte im vergangenen
Jahr das kumulative Defizit - wenn
sie unseren Haushalt
verabschiedet
hätten - 207 Milliarden Dollar weniger betragen als schließlich der Fall
war.
Frage: Zurück zum Golf, Herr Präsident.
Wieviel Kooperation erhalten
Sie von der Sowjetunion bei der Wiederherstellung von Stabilität im Golf
und bei der Beendigung des Kriegs
zwischen Iran und Irak?

Antwort:
Nun, die Sowjetunion hat
mit uns zusammen die Resolution 598
verabschiedet. Das war, wie Sie wissen, die Resolution des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen.
Sie
haben sie mit uns zusammen unterstützt. Nun, der Iran ist der einzige von beiden, der sich bis heute
weigert, diese Resolution anzuerkennen.
Wir bemühen uns immer noch
energisch für ihre Durchführung, bevor wir uns dem zweiten Schritt zuwenden - nämlich, was wir tun werden,
falls sie nicht akzeptieren.
Wir
halten uns da noch zurück, weil der
Generalsekretär der UNO sich immer
noch bemüht, den Iran zur Zusammenarbeit zu bewegen. Wenn der Iran dazu
nicht bereit ist, dann werden wir im
Sicherheitsrat die Verabschiedung der
zweiten Bestimmung, einem Waffenembargo gegen den Iran, zu gewärtigen
haben.
Aber sie waren kooperativ und haben die Resolution anerkannt.
Frage:
Und welches sind die Aussichten für eine von den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion gemeinsam
geförderte Friedenskonferenz?
Antwort:
Nun, lange Zeit haben wir
die Meinung anderer geteilt, wonach
sich die arabischen Staaten technisch
immer noch mit Israel im Kriegszustand befinden, daß diese und Israel
sich an einen Tisch setzen könnten
und sollten. Einige haben große Anstrengungen unternommen, wie z. B.
König Hussein von Jordanien - wie
weit ist er gegangen, um dies zustande zu bringen. Aber es hat einfach
nicht
funktioniert.
Und
zunehmen
wurde die Ansicht vorgebracht, wir
sollten
eine
internationale
Gruppe
bilden, um ihnen dabei zu helfen,
sich
an einen Tisch zu setzen und
Frieden zu bringen. Und schließlich

�sind wir dazu übergegangen, dies zu
sondieren. Das hat der Außenminister
gerade im Nahen Osten getan. Und bis
jetzt zieht Israel es vor, diesen weg
nicht einzuschlagen.
Frage:
Zu Beginn dieser Woche haben die Vereinigten Staaten eine iranische Bohrinsel im Golf angegriffen.
Trotzdem feuerte der Iran wiederum
eine Seidenraupen-Rakete auf Kuwait.
Glauben Sie wirklich, daß Sie den
Ayatollah aufhalten können?
Antwort:
Nun, der Ayatollah befindet sich im Krieg, und wenn er seine
provokativen Akte gegen uns oder andere fortsetzt, dann nimmt er ein
großes Risiko in Kauf, weil wir reagieren werden. Wir werden nicht ruhig dort sitzen und sind der Überzeugung, auf der Grundlage von all dem,
was er gesagt und getan hat, daß er
das noch einmal getan hätte, was er
das erste Mal tat, wenn wir nicht zurückgeschlagen hätten, wie wir dies
unlängst getan haben.
Wir werden
versuchen, ihm klarzumachen, daß es
ein bißchen zu teuer ist, wenn er so
weitermacht.
Frage:
Herr Präsident, daran anschließend - als diese ganze Operation begann, hatten die Vereinigten
Staaten fünf Schiffe im Golf. Heute
haben Sie mehr als 30 in diesem Gebiet.
Können Sie irgendeine Grenze
des
amerikanischen
Engagements
im
Persischen Golf nennen und uns sagen,
wie lange diese Begleitaktion weitergehen soll?
Antwort:
Nein,
ich
kann
Ihnen
nicht sagen, wie lange dies noch dauern wird, aber ich kann Ihnen sagen,
daß wir genauso eine Flotte im Mittelmeer und in der Karibik unterhalten - wie auch an anderen Orten. Wir
unterhalten dort eine Flottenpräsenz
seit 1949.
Und wir müssen daran

festhalten solange es nötig ist, zu
handeln, um internationale Gewässer
für Handel und Wirtschaft offenzuhalten.
Und keine Nation besitzt das
Recht, diese zu schließen, insbesondere wenn es sich bei den Beteiligten
nicht um Feinde handelt, mit denen
sie sich im Kriege befindet, sondern
um neutrale Staaten.
Frage:
Glauben Sie, es wäre eine
gute Idee, wenn Sie mehr Banken dazu
bewegen könnten, ihre Zinssätze zu
senken, wie einige das diese Woche
getan haben, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Wirtschaft wiederherzustellen?
Antwort:
Nun, ich denke, sie haben
das eigenständig getan, und ich denke, daß dies eine sehr weise Entscheidung war.
Frage:
Was ist mit den Unternehmen
- glauben Sie, daß die Unternehmen
einige Preise senken und etwas weniger Gewinn machen sollten, um den
Verkauf zu stimulieren und damit unsere Wirtschaft anzukurbeln?
Antwort;.
Ich werde keinerlei solche Vorschläge machen.
Ich denke,
daß das die Aufgabe der Unternehmen
selbst ist. Und wie ich schon sagte,
es bestehen keinerlei Anzeichen einer
sich verschlechternden Wirtschaftslage.
Wir haben heute die höchste Beschäftigungsquote in der gesamten Geschichte der Vereinigten Staaten.
Frage:
Herr
Präsident,
ich
habe
gehört, was Sie heute abend mitzuteilen hatten, und es ist mir immer noch
nicht klar, ob Sie einem Kompromißpaket zum Haushalt zustimmen werden,
das höhere Steuern beinhaltet. Werden Sie dies tun?

- 7 -

�Antwort:
Wie ich Ihnen bereits gesagt habe, kann ich nicht im vorhinein diskutieren, was ich tun werde
oder nicht, aber ich kann Ihnen sagen, daß ich meine Meinung nicht geändert habe, niemals steuern hinzunehmen, die schädliche Auswirkungen
auf die Wirtschaft haben werden. Und
die meisten Steuererhöhungen
haben
eine solche Wirkung.
Steuern sind nicht die politische
Maßnahme - oder das Problem - des Defizits. Das Defizit ist auf zu hohe
Ausgaben zurückzuführen.
Jeder einzelne Dollar zusätzlicher Staatseinnahmen seit 1980 - und das heißt,
einschließlich unserer Steuersenkungen
jedem
Dollar
zusätzlicher
Staatseinnahmen
stehen 1,25
Dollar
zusätzlicher Ausgaben gegenüber.
Frage:
Offensichtlich
liegt
ihnen
diese Angelegenheit sehr am Herzen.
Antwort:

Ja.

Frage:
Sie waren einer der stärksten Befürworter der angebotsorientierten Wirtschaft.
Was ist falsch
gelaufen?
Antwort:
Was ist wo falsch gelaufen?
Bei der
angebotsorientierten
Wirtschaft?
Frage:
Warum befinden wir uns dann
in solch einem wirtschaftlichen Chaos?
Antwort:
Weil mehr als ein halbes
Jahrhundert lang, das ausschließlich
von Kongreß bestimmt war - und zwar
beide Häuser des Kongresses von einer
Partei - man das Prinzip der öffentlichen Verschuldung, ausgehend
von
der
sogenannten
"Keynesianischen
Theorie" verfolgt hat - offene öffentliche Verschuldung auf der Grundlage der Behauptung, daß dies zur
Aufrechterhaltung des Wohlstands er-

forderlich gewesen sei - und es nicht
schädlich sei, da wir unsere eigenen
Schuldner waren. Und einige von uns
sagten Jahr um Jahr, daß es so lange
weitergehen würde, bis die Dinge ausser Kontrolle gerieten. Und sie müssen ihren Glauben daran aufgeben,
ich glaube, ich muß ihnen verdeutlichen, daß Maynard Keynes nicht einmal
einen Abschluß in Wirtschaftswissenschaften hatte.
Frage:
Antwort:

Die Demokraten Was?

Frage:
Waren
es
die
Demokraten,
die dafür verantwortlich waren?
Antwort:
Nun, Sie können nachsehen, wer in beiden Häusern des Kongresses in den vergangenen 50 Jahren
die Mehrheit hatte.
Frage:
Herr Präsident, Sie haben
sich in den vergangenen sechs Monaten
bei
ihren
öffentlichen
Auftritten
stets ein Vergnügen daraus gemacht zu
sagen, daß Sie gegen jegliche Steuererhöhung, die über Ihren Schreibtisch
geht, ein klares Veto einlegen werden.
Sie haben das in dieser oder
jener
Form zum Ausdruck gebracht.
Werden Sie es nun, angesichts der
Krise in der Wall Street in dieser
Woche, nicht mehr sagen?
Antwort:
Sie versuchen alle, mich
zu der Aussage zu bewegen, was ich
machen werde, wenn ich mich mit den
anderen an den Tisch setze. Und ich
werde Ihnen sagen, welche Schritte
meiner Meinung nach für die Wirtschaft der Vereinigten Staaten unbedingt erforderlich sind. Zufälligerweise bin ich immer noch davon überzeugt, daß die Besteuerung die ganzen
Probleme verursacht hat, die wir hatten, als ich mein Amt übernahm.

�Frage:
Aber es klingt, als seien
Sie grundsätzlich immer noch gegen
eine
Steuererhöhung
eingestellt,
gleichgültig, ob Sie es nun Anhebung
der Staatseinnahmen oder Steuererhöhungen nennen.
Antwort:
Nein.
Es gibt zahlreiche
Quellen für Staatseinnahmen, die wir
angeführt haben.
Ich befürworte die
Bezahlung
bestimmter
Dienstleistungen, daß es Dinge gibt, die von der
Regierung für, sagen wir, eine bestimmte Gruppe von Menschen getan
werden, eine Dienstleistung, die erbracht wird.
ich finde nicht, daß
die Steuerzahler für die Dienstleistung zahlen sollten, wenn sie auf
eine bestimmte Gruppe begrenzt ist.
Diese Gruppen sollten einen Beitrag
für diese Dienstleistung entrichten.
Frage:
Sind Sie
Steuererhöhungen?

immer

noch

gegen

Antwort:
Sie werden es herausfinden, wenn ich mich dort hinsetzen
werde.
Frage:
Während Ihre Kommentare zur
Haushaltslage in den vergangenen Tagen und auch heute abend eher versöhnlich waren, haben Sie zu Beginn
der Woche dem Kongreß draußen auf dem
Rasen hinter dem Weißen Haus eindeutig die Schuld an dem Defizit zugewiesen.
Trägt das Weiße Haus nicht
auch seinen Teil an diesem Chaos?
Antwort:
Einen
Moment
mal.
Der
Präsident
der
Vereinigten
Staaten
kann keinen Pfennig ausgeben.
Nur
der Kongreß kann die Ausgabe von Geldern bewilligen.
Und seit nunmher
sechs Jahren habe ich den Kongreß
wiederholt um weniger Geld gebeten
und er hat im Gegenzug mehr bewilligt
- mehr Geld zum Ausgeben und zwar auf
solche Weise, daß ich dagegen kein
Veto einlegen kann, wenn sie alles in

einen Topf werfen anstelle von Zuwendungen in Haushaltsfortschreibungen wir hatten seitdem ich hier bin kein
Defizit - oder einen Haushalt. Nein
- dem Kongreß obliegt die Befugnis
und wir müssen ihn überzeugen, daß
die von uns angeforderten Mittel ausreichen, um die Programme so zweckmäßig zu unterstützen, wie von denjenigen vorgesehen, die sie ausarbeiten und durchführen. Und jeder Haushaltsplan, den ich dem Kongreß vorgelegt habe, wurde von ihm auf die lange Bank geschoben und mit wurde gesagt, er sei ein totgeborenes Kind.
Und kurz nach dem Ersten eines Fiskaljahres sehen wir uns dann mit Resolutionen konfrontiert, die ungefähr
13 Haushaltsvorlagen enthalten.
Ich
bin der Überzeugung, daß es absolut
gerechtfertigt ist, wenn ich sage,
daß der Präsident nicht dafür verantwortlich ist.
Sie können bis ins
Jahr 1931 zurückgehen - seitdem haben
wir immer defizitär gewirtschaftet.
Frage:
über
Ihren
AIDS-Ausschuß
sind Kontroversen und Unmut laut geworden.
Selbst
Kardinal O'Connor,
eines der prominentesten Mitglieder
dieses Ausschusses hat erklärt, daß
er seine Zeit im Kampf gegen diese
Seuche besser damit verbringen könnte, auf lokaler Ebene dagegen anzukämpfen.
Was werden Sie in diesem
Zusammenhang unternehmen?
Antwort:
Nun, die paar, die abgesprungen sind, werden wir ersetzen.
Wir haben einen neuen Vorsitzenden
für die Kommission ernannt. Wir sind
der Auffassung, daß die Kommission
eine Vielzahl von Fähigkeiten besitzen sollte, da sie sich mit einem
außerorentlich komplexen Problem befaßt. Daher versuchen wir, so viele
Vertreter wie möglich aus dem Geschäftsleben, dem medizinischen Bereich, aus dem Gesundheitswesen und
so weiter für unsere Sache zu gewin-

- 9 -

�nen.
Und es sind noch zwei Stellen
offen.
Ich gebe mich noch immer der
Hoffnung hin, daß wir Neues hinzulernen und herausfinden, was wir bei der
Bekämpfung dieser schrecklichen Seuche noch tun und besser tun können.
Wir haben unser Mittel zur Bekämpfung von AIDS in jedem Jahr neu
aufgestockt. Und im nächsten Jahr das heißt, im derzeitigen Fiskaljahr,
da der 1. Oktober ja bereits verstrichen ist - werden wir mehr als 1 Milliarde Dollar
für AIDS aufwenden.
Daher benötigen wir meiner Meinung
nach eine Kommission - jemanden, der
uns behilflich ist und uns berät, wie
wir diese Mittel am besten verwenden.
Frage:
Glauben Sie, daß der Ausschuß
seinen Bericht
termingerecht
vorlegen wird?
Antwort:
Ich hoffe
aus, daß er es kann.

und

gehe

Frage:
Wären Sie im Anschluß daran
bereit, wieder nach Kanada zu gehen
und einige der kanandischen Gesetzgeber zusammenzurufen und mit ihnen zu
sprechen, wie Sie das gerade jetzt
hier getan haben?

davon

Frage:
zurück
zu Wirtschaft
und
Handel und
Ihren Ausführungen des
heutigen Abends zum Thema Handel.
Viele Wirtschaftswissenschaftler sind
der Auffassung, daß ein rascher, todsicherer Weg, der Wirtschaft zu einem
starken Aufschwung zu verhelfen, in
der Schaffung eines tatsächlich gemeinsamen Marktes für Nordamerika läge. Sie haben jetzt diese Gespräche
mit Premierminister Mulroney in die
Wege
geleitet
und
Finanzminister
Baker hat die Verhandlungen kürzlich
zu Ende gebracht, aber das Abkommen das kanadisch-amerikanische Handelsabkommen wird vehement abgelehnt
insbesondere in Kanada und in einigen
Teilen der Vereinigten Staaten. Besteht eine Möglichkeit, daß sich Ihr
Büro dahinterstellt und den notwendigen Druck ausübt?
Antwort:
daß ich

besteht darin, daß es zur Zeit ein
Parlament in Kanada gibt, das auch
noch darüber entscheiden muß.
Und
soweit ich das verstehe, ist es bezüglich einiger weniger Punkte etwas
zurückhaltend.
Meiner Meinung nach
ist das Handelsabkommen, das wir mit
diesem Land erzielt haben, einer der
größten Meilensteine der Geschichte
in diesem Bereich.
Wir sind zwei
großartige Partner - und wir sind die
Größten - wir sind^ vom Volumen her
gesehen
die größten
Handelspartner
der Welt. Und dies wäre ein außerordentlicher Schritt nach vorne für alle von uns.

Sie können darauf wetten,
dahinterstehe.
Das Problem
- 10

Antwort:
Ich bin nicht so sicher,
ob es mir mit ausländischen Gesetzgebern besser gelingt als mit unseren
eigenen.
Frage:
Jetzt, wo das INF-Abkommen
unmittelbar
vor
seinem
Abschluß
steht, wären die strategischen Waffen
an der Reihe. Die Sowjets haben ihre
Bereitschaft erklärt, diese Raketen
in dem von uns gewünschten Maße abzubauen, wenn Sie einigen Begrenzungen
bei der Erprobung strategischer Verteidigungswaffen
zustimmen
würden.
Zahlreiche
Experten
haben erklärt,
daß dafür
keine Verlangsamung des
Programms
in unmittelbarer
Zukunft
erforderlich sei.
Warum haben Sie
ihre Unterhändler angewiesen, daß sie
dieses Problem mit den Sowjets nicht
einmal diskutieren sollten?
Antwort:
Wenn man es zum Verhandlungsgegenstand macht, wird es ein
Verhandlungsgegenstand.
Und wir haben gesagt, daß dies, eine wahre Ver-

�teidigung
gegen Nuklearwaffen, den
wichtigsten Faktor darstellen kann,
der hoffentlich
eines Tages diese
Waffen überflüssig werden läßt - ich
habe meine eigenen Worte kürzlich aus
dem Munde von Herrn Schewardnadse gehört, als er mir gegenüber das erwähnte, was ich bereits unzählige Male in den Parlamenten und gesetzgebenden Gremien der Welt geäußert habe
- ein Nuklearkrieg kann nicht gewonnen und darf niemals gekämpft werden.
Und das Beste zur Erlangung dieses
Ziels ist die Perfektionierung dieses
Plans, von dem wir glauben, daß er
perfektioniert werden kann, und dann
der Welt sagen zu können: wir haben
eine Verteidigung gegen Nuklearraketen und werden sie der Welt zugänglich machen, wenn die Welt ihre Nuklearwaffen aufgibt.
Frage:
Angesichts der Wahrscheir.
lichkeit eines Gipfels hier in d^n
Vereinigten Staaten zur Unterzeichnung des Vertrages über Mittelstrekkenraketen - welche Art von Gipfeltreffen
sehen
Sie
mit
Herrn
Gorbatschow voraus? was soll er von
diesem Land sehen, was wollen Sie ihm
zeigen und auf welche Weise denken
Sie, daß dadurch die Beziehungen der
Supermächte beeinflußt werden?
Antwort:
Uns liegen weder Einzelheiten oder Termine vor noch wissen
wir, ob er kommt. Wir glauben, daß
es dazu kommen wird, und ich wünsche
es mir sehr. Ich hoffe auch, daü er
dann Zeit haben wird, sich viel von
Amerika anzusehen - er war nie zuvor
in diesem Land.
Und ich glaube, es
wäre gut, wenn er Dinge sehen könnte,
deren Inszenierung er uns nicht vorwerfen könnte. Er soll alles sehen.
Ich habe daran gedacht, es wäre
nett - nach dem was ich über ihre
Häuser am Strand weiß - ihn in unsere, im Jahr 1872 erbaute 1 500 Fuß

große Lehmhütte einzuladen, um ihm zu
zeigen, wie ein Kapitalist seine Ferien verbringt.
Frage:
Bitte nehmen Sie zur Bestätigung von Bork Stellung. Sie haben
gesagt, sie werden dem Senat, wenn er
Bork zurückweist, jemanden geben, den
sie genausowenig mögen. Das scheint
mir eine herausfordernde Bemerkung.
Sowohl Sie als auch der Senat haben
ihre verfassungsmäßigen Pflichten erfüllt.
Die Menschen üben mit ihrer
Meinungsäußerung ihre demokratischen
Privilegien aus.
Die Mehrheit der
Senatoren
und den
Meinungsumfragen
zufolge auch die Mehrheit des amerikanischen Volkes hat Bork zurückgewiesen.
Obwohl es schien, daß ihre
Herausforderung auf den Senat abzielte, haben Sie nicht in Wirklichkeit
die
funktionierende
Demokratie
in
Amerika herausgefordert, während sie
überall auf der Welt Demokratie postulieren?
Antwort:
Meiner Ansicht nach gab
es bei dieser Wahl eines Richters und
dem, was sie hier als Demokratie bezeichnet haben, keine Verfahrensweisen, wie sie hätten sein sollen. Wir
haben
keinen politischen
Vertreter
gewählt, der mit Wählerstimmen aus
seinem Amt entfernt werden könnte.
Zum ersten Mal in der Geschichte gab
es
private
Interessengruppen
von
vielfältiger
Schattierung, die auf
Einzelne Druck ausgeübt haben, eine
bestimmte Wahl zu treffen.
Ich habe
damit gemeint, ich werde versuchen,
jemand anderes zu finden, wenn er bei
der Wahl verliert.
Die fähigsten
Köpfe der Rechtsprechung, unter ihnen
der ehemalige Justizminister, haben
Borks Qualifikationen bezeugt.
Ich
werde versuchen, jemanden zu finden,
der ebenso qualifiziert ist.
Meiner Ansicht nach wurde
Angelegenheit politisiert, und

- 11 -

diese
Rich-

�ter Bork war einer der ersten, der
erklärte, abgesehen von seiner Person
sollten wir sicherstellen, daß dieser
Prozeß der Bestätigung eines vom Präsidenten
vorgeschlagenen
Kandidaten
durch den Senat nicht in einen politischen Wettbewerb verwandelt und so
getan wird, als ob das Volk darüber
abstimmen sollte.
Und ich glaube,
wenn sie die Qualifikationen der Personen, die sich für ihn ausgesprochen
haben mit denen seiner Gegner vergleichen, schneiden die Befürworter
weit besser ab.

ist sehr frustrierend für mich, weil
ich in diesem Kampf auf der anderen
Seite stand, lange, bevor es ein
Kampf wurde. Und ich möchte noch betonen, daß der Vorsitzende von CORE des Komitees zur Rassengleichheit einer der Zeugen war, die sich für
Richter Bork ausgesprochen haben.
Frage:

Vielen Dank, Herr Präsident.

* * * * *
Frage:
Sie sagen, die Sache wurde
politisiert. Sie wurde nicht von Anfang an politisiert, weil ich mich an
den Fall von vor zwei Jahren erinnere, als Senator Paul Trible den Verband schwarzer Rechtsanwälte in Virginia bat, einen Schwarzen als obersten Richter vorzuschlagen.
Und ich
zitiere hier
den Brief
von Paul
Trible, "schlagen Sie jemanden vor,
der die konservative Auffassung Präsident Reagans teilt".
Und wie Sie
wissen,
ist
es
schwierig,
einen
Schwarzen zu finden, der das tut.
Und dann sagen Sie, Interessengruppen
hätten Druck ausgeübt - macht das
nicht Amerika aus, die Interessengruppen? Ich weiß nicht, ob Sie über
die Bürgerrechtsbewegung, Frauen oder
wen auch immer sprechen - sie sind
amerikanische Bürger, und stehen ihnen nicht gewisse Rechte zu? Beantworten Sie mir bitte diese Frage.
Antwort:
Wenn das so wäre, hätten
wir bereits früher entschieden, Richter mittels einer öffentlichen Wahl
zu wählen. und man hat entschieden,
daß dies wahrscheinlich nicht der Weg
sei, um diejenigen mit den besten
Qualifikationen zu finden. Zur Frage
der Rassengleichheit bin ich mir darüber im klaren, daß manche glauben,
ich hätte in dieser Hinsicht Vorurteile und sei ein Rassist. Und das
- 12 -

�AMERIKA DIENST
V,oN

4

Dokumentation

28. Oktober 1987

38

REAGAN: WIRTSCHAFTSHILFE FÖRDERT DEMOKRATIE UND PLURALISMUS
- Rede des Präsidenten vor der Gruppe zur Finanzierung der Außenpolitik WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan erklärte am 21. Oktober, amerikanische Wirtschaftshilfe helfe den Entwicklungsländern dabei, "dem Unternehmertum
und den Chancen der eigenen Bevölkerung den Weg zu ebnen".
Der Präsident griff den Kongreß vor allem wegen dessen anhaltender Kürzungen seiner Forderungen für den Bereich Auslandshilfe im Haushalt an und erklärte, daß wirtschaftliche Hilfsleistungen den Ländern dabei helfen, "ihre
eigenen Institutionen des Pluralismus und der Demokratie zu schaffen" und sich
damit gegen Subversion und Aggression zu schützen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede im Wortlaut:
In diesem Jahr gedenken wir der
42 Jahre andauernden Friedens in der
Welt; das heißt nicht, daß keine Konflikte stattgefunden hätten - natürlich gab es die. Aber es bedeutet,
daß die Menschheit seit 42 Jahre keine Weltkriege mehr von der Art erfahren hat, wie sie in der ersten Hälfte
dieses Jahrhunderts zweimal die zivilisierten Völker heimgesucht haben.
Dieser Frieden ist nicht ohne Opfer zustande gekommen. Junge Amerikaner haben für seine Erhaltung gekämpft und ihr Leben gegeben, und er

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Embassy of the United States of America

ist auch nicht ohne Entschlußkraft
hervorgebracht worden.
Er ist entstanden, weil Amerika bereit war, die
Verantwortung einer Führungsrolle auf
sich zu nehmen.
Niemand als die hier heute Anwesenden hat ein besseres Verständnis
davon, daß wir - ob es uns gefällt
oder nicht - in der freien Welt die
Führung übernehmen, und daß dies keine von uns erbetene Rolle ist.
Es
ist eine Rolle, die uns durch die Geschichte und die Hoffnungen all jener
auferlegt worden ist, die auf der

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Telex: 8-85432

�ganzen Welt nach Frieden streben. Es
heißt, daß geographische Lage das
Schicksal bestimmt, aber ich möchte
behaupten, daß mehr als dies das
Schicksal ausmacht.
Wir sind eine
Weltmacht mit weltweiten Interessen
und weltweiter
Verantwortung.
Wir
können diese Grundwahrheit ignorieren, ihr aber nicht entrinnen, und
jeglicher Rückzug von unseren Pflichten gefährdet sowohl unsere nationalen Ideale als auch unsere nationalen
Interessen.
Alle Amerikaner sind sich über
die grundlegenden Zielsetzungen unserer Außenpolitik einig.
Wir wollen
die Demokratie fördern, weil sie das
Richtige ist, und weil es bei demokratischen Regierungen weniger wahrscheinlich ist, daß sie in Aggressionen verwickelt werden.
Wir wollen
eine wachsende Weltwirtschaft, in der
das
freie
Unternehmertum
funktioniert, weil dies genau die Welt ist,
in der die Menschen das beste und,
ich würde sagen, in materieller und
geistiger Hinsicht das annehmbarste
Leben führen. Und wir wollen mit unseren Freunden und Verbündeten dafür
arbeiten, regionale Konflikte zu vermeiden und die Sicherheit befreundeter Nationen zu verbessern. •
Diese Ziele stehen mit etwas in
Zusammenhang, das dauerhafter ist als
die täglich veraltenden Schlagzeilen
oder engstirnige Politik der Sonderinteressen, die allzu oft die Tagesordnung
in
Washington
beherrscht.
Sie stehen mit dem in Zusammenhang,
was wir das nationale Interesse nennen - das jeden Amerikaner angeht.
Dennoch ist in den vergangenen Jahren
jede alte und vielfach vorgebrachte
Ausrede, um keine Hilfe für diese
Ziele zu gewähren, mit zunehmender
Sympathie im Kongreß angehört worden.
Diese Ausreden kennen sie.

Wir können uns keine Auslandshilfe mehr leisten.
Es ist Verschwendung, Geld in
diese armen Länder zu pumpen, oder
Freunde kann man nicht kaufen andere Länder nehmen das Geld und
verachten uns dafür.
Diese Ausreden machen ihrem Namen
Ehre - sie sind völlig falsch.
Geld geben, ohne im Gegenzug etwas dafür zu erhalten?
Die Wahrheit
ist, daß wir gegenwärtig, wie auch in
der Vergangenheit, sehr wenig für die
Auslandshilfe ausgeben, wenn man den
gesamten Regierungshaushalt zugrundelegt.
In den späten vierziger und
frühen fünfziger Jahren haben wir zu
Zeiten des Marshall-Planes 11 Cents
eines jeden Dollar im Bundeshaushalt
für Auslandshilfe ausgegeben.
Diese Zahl ist vor zwanzig Jahren
bereits auf 4 Cents pro Dollar gefallen und weiter zurückgegangen bis in
die jüngste Zeit, in der wir weniger
als 2 Cents jedes Dollars zur Unterstützung unserer Außenpolitik ausgeben.
Und es ist genau dieses Geld, das
sich besonders auszahlt. Gibt es jemanden, der die Ansicht vertritt, wir
in Amerika würden dasselbe Leben und
ebensolche Sicherheit genießen, wenn
wir die Uhr zurückdrehen und den
Marshall-Plan ungeschehen machen würden?
Heute geht unsere Hilfe für die
wirtschaftliche
Entwicklung an die
Länder der Dritten Welt, die 35 Prozent unserer Exportgüter aufnehmen mehr als der Gesamtumfang amerikanischer Waren, die von West- und Osteuropa, der Sowjetunion und China zusammen importiert werden.
Und mit
jeder exportierten Milliarde Dollar
erhalten wir den Amerikanern 26 000

- 2 -

�auch - Demokratie. Wahre, volle und
sichtbare Demokratie.

Arbeitsplätze.
Ebensolche Bedeutung hat Lateinamerika, das im nächsten Jahrhundert
die Schlüsselrolle für unseren Frieden und Wohlstand einnehmen wird, die
Europa in diesem Jahrhundert zufällt.
Wenn wir das jetzt außer acht lassen,
werden wir später dafür zahlen müssen.
Wir steht es daher mit dem Vorwurf, wir verschwendeten unser Geld
mit dem Versuch, Freunde zu kaufen?
Die Wahrheit ist, daß das von uns für
die Förderung der Sicherheit ausgegebene Geld bedeutet, daß unsere Verbündeten auf der ganzen Welt wie auch
wir nicht nur die eigene, sondern unsere gemeinsame Sicherheit verteidigen können.
Und wir sollten nicht vergessen,
daß wir keine Freunde kaufen.
Wir
helfen unseren Freunden. Wir helfen
ihnen, dem Unternehmertum
und den
Chancen der eigenen Bevölkerung den
Weg zu ebnen, ihre eigenen Institutionen des Pluralismus und der Demokratie zu errichten, und wir helfen
ihnen, sich gegen von außen angefachten Druck und Subversion zu verteidigen.
Und jeder, der Zweifel darüber
hegt, wie etwa die Völker Mittelamerikas dazu stehen, hätte vergangene
Woche hier im Weißen Haus sein sollen, als Präsident Duarte aus El Salvador im Namen der Menschen seines
Landes von der Tribüne stieg, an der
Fahnenwache
vorbei
über den Rasen
ging, um die amerikanische Flagge zu
ehren und zu küssen. Oder vielleicht
hätten sie mit unserer früheren UN Botschafterin
Jeane
Kirkpartrick
letzte Woche in Managua sein sollen,
als diese dort von der jubelnden Menge begrüßt wurde. Jemand sagte dazu:
"Wir wollen das, was sie für Nicaragua fordert". Und genau das will ich

In den letzten Wochen hat der
Kongreß die Finanzierung der Außenpolitik soweit eingeschränkt, daß damit
jetzt das Interesse und die Sicherheit unserer Nation geschädigt werden. Wir mußten bereits unsere Beziehungen zu den Verbündeten im Bereich der wirtschaftlichen und militärischen
Unterstützung
drastisch
einschränken.
Und das geschieht angesichts erhöhter Ausgaben für nationale Programme.
Zum Beispiel stieg
der gesamte Bundeshaushalt im Jahr
1987 um fast 2 Prozent; im Gegensatz
dazu wurde die Auslandshilfe 1986 um
29 Prozent und 1987 um weitere 11
Prozent abgebaut.
Der Kongreß setzt bei der Verteilung des Geldes seine eigenen Prioritäten, läßt hingegen die Prioritäten
und Verpflichtungen, die diese Nation
bei der Gestaltung der nationalen
Sicherheit hat, außer acht. Wenn besondere
Interessen berührt werden,
verhält sich der Kongreß nur allzu
oft wie Annie in dem Musical 'Oklahoma' - er kann nicht nein sagen.
Für das in diesem Oktober beginnende Finanzjahr habe ich einen sehr
bescheidenen
Vorschlag
eingebracht,
mit dessen Hilfe wir immer noch den
in vergangenen Jahren durch Kürzungen
verursachten Schaden wettmachen und
auf einen Finanzierungsstand zurückkehren könnten, der unsere Sicherheit
nicht gefährdet.
Aber der Kongreß
kürzt jetzt wiederum, und die von den
Ausschüssen
sowohl des Senats als
auch des Repräsentantenhauses bewilligten Beträge - die jetzt dem Ausschuß zur Bewilligung des Verteidigungshaushaltes vorliegen - sind um
15 Prozent niedriger als der Betrag,
den wir zur notwendigen Durchführung
unserer Arbeit als Minimum fordern.

- 3 -

�Wie es jetzt steht, ist der für
die Auslandshilfe
vorgesehene Teil
des Haushalts einer der wenigen, die
zurückgegangen sind; alle anderen Titel sind angestiegen.
Und erst in
jüngster Zeit wurde noch mehr Schaden
angerichtet, als der Senat dem Gesetz
über die Genehmigung der Gelder für
das Außenministerium 86 Zusatzartikel
hinzufügte.
Es ist Zeit, daß der
Kongreß
die
besonderen
Interessen
beiseite schiebt und das nationale
Interesse zum Maß aller Dinge erhebt.
Deshalb bin ich heute hierher gekommen, um Ihnen allen für das zu
danken, was Sie tun. Wenn wir diese
Botschaft
übermitteln,
können
wir
einige
Ansichten
ändern.
Es
ist
nicht so, daß man auf dem Capitol
Hill nicht das Richtige tun will.
Die meisten tun es. Aber sie brauchen manchmal eine Ermutigung.
Und
wie ich oft gesagt habe: Um sie zu
erleuchten, muß man ihnen zuvor kräftig einheizen.
Ich könnte mit diesem Thema und
einigen anderen Punkten fortfahren,
aber ich möchte hier nur einige Zahlen der letzten Jahre anführen, die
für Sie von Interesse sein könnten.
Für jeden Dollar, den sie im Verteidigungshaushalt gekürzt haben, sind
zwei Dollar zusätzlich in nationale
Programme geflossen.
Und bei der
Verteidigung sind etwa 125 Milliarden
Dollar gekürzt worden.
250 Milliarden Dollar sind zusätzlich in die nationalen Ausgaben geflossen.
Ich denke, wir sind zu diesem
Thema einer Meinung. Und ich möchte
Ihnen sagen, daß es mir jetzt viel
besser geht, wo ich mich bei Ihnen
bedanke und Ihnen wünsche, daß Gott
Sie bei dem schützen möge, was Sie
tun. Vielen Dank.

- 4

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

"VoN^

38

28. Oktober 1987
SHULTZ:

FÜHRENDE NATO-POLITIKER SEHEN FORTSCHRITTE BEI INF-GESPRXCHEN
- Pressekonferenz im NATO-Hauptquartier -

WASHINGTON - (AD) - US-Außenminister Shultz hat anläßlich einer Pressekonferenz im Brüsseler NATO-Hauptquartier am 24. Oktober 1987 mitgeteilt, er habe
am Vortage führenden Politikern des Bündnisses über seine Moskauer Gespräche
berichtet. Die NATO-Politiker "teilen den Eindruck andauernder Fortschritte"
bei den INF-Verhandlungen, erklärte er. "Wir sehen dem Abschluß eines INFVertrages entgegen."
Nachfolgend geben wir die Pressekonferenz im Wortlaut wieder:
Ich komme gerade von mehr als
zweieinhalbstündigen
Konsultationen
mit meinen NATO-Kollegen. Generalsekretär Carrington teilte uns zu Anfang dieses Treffens mit, dies sei
das 56. Konsultationstreffen speziell
zu INF und damit zusammenhängenden
Fragen seit Beginn dieser Verhandlungen.
Ich sagte ihm, manchmal fühlte
ich mich, als ob ich an 75 dieser
Treffen teilgenommen hätte. Trotzdem
hat es sich wie immer gelohnt.
Ich
gab meinen Kollegen eine vollständige
Beschreibung der Treffen in Moskau,
und ich denke, daß jeder dazu Stellung nahm und seine Einschätzung aussprach. Meiner Meinung nach kann gesagt werden, daß wir alle den Eindruck andauernder Fortschritte teilen. Dies ist sehr erfreulich, ins-

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besondere deshalb, weil wir alle den
Grund dafür erkennen können - nämlich
unsere Strategie, die bis zum HarmelBericht zurückgeht, und die wir, in
den Worten eines der Mitglieder, mit
"aktiver
Geduld"
umgesetzt
haben.
Wir werden diesen Kurs weiterverfolgen.
Es ist eine Frage der Beständigkeit, und wir sehen dem Abschluß
eines INF-Vertrages entgegen. Dieser
scheint klar erkennbar zu sein, und
gleichzeitig sehen wir, wie andere
Bereiche damit in Einklang kommen.
Ich würde sagen, daß die Beteiligten
ihr Interesse an der Entwicklung im

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�Bereich der Menschenrechte sowie auf
regionaler Ebene und selbstverständlich im Bereich der Rüstungskontrolle
zum Ausdruck brachten.
Es war also
ein sehr fruchtbarer Morgen, und ich
möchte allen meinen Kollegen hiermit
danken - fast alle nahmen an diesem
Treffen teil. Wir hatten einen guten
Austausch.
Frage:
Sind die Vereinigten Staaten bereit, ein INP-Abkommen ohne ein
Gipfeltreffen zu unterzeichnen?
Antwort:
ich
meine, wir
wollen,
daß es unterzeichnet wird, und ich
meine auch, es wäre gut, wenn dies im
Rahmen eines Gipfeltreffens geschähe.
Wenn aber auf absehbare Zeit kein
Gipfeltreffen
stattfindet, um dies
zeitgerecht zu tun, werden wir uns
nach anderen Wegen dafür umsehen.
Die Betonung liegt hier auf der Substanz und auf der Ausführung, aber es
ist ein sehr bedeutendes Abkommen,
und meiner Meinung nach ist es wünschenswert, wenn dies überhaupt möglich ist, es in Gegenwart der zwei
höchsten Politiker zu tun, die letztlich dafür verantwortlich sind.
Frage:
Bedeutet
dies, daß
Ihrer
Meinung nach die Sowjets ein INF-Abkommen nicht verzögern würden, bis
sie ihrer Ansicht zur strategischen
Verteidigungsinitiative
zum
Durchbruch verholfen haben?
Antwort:
Ich glaube, es gibt dafür
keine Anzeichen. Ich habe mir flüchtig das Protokoll der Pressekonferenz
angesehen,
die
Herr
Schewardnadse
nach meiner Abreise in Moskau gegeben
hat. Jemand fragte ihn etwas ähnliches, und er gab darauf etwa die
gleiche Antwort, die ich gerade gegeben habe.
Frage:
Gibt
es
Anzeichen
dafür,
daß
Herr
Gorbatschow
eventuell

Schwierigkeiten mit seinem Politbüro
und führenden Kräften innerhalb der
Sowjetunion haben könnte?
Antwort:
Ich kann dazu eigentlich
nichts Substantielles sagen.
Er ist
ein sehr eindrucksvoller, starker und
energischer
Mann,
wenn
man
ihn
trifft.
Soweit ich dies beurteilen
kann, scheiden weiterhin Mitglieder
des Politbüros aus demselben aus, die
schon lange vor ihm dazugehörten.
Ich kann dazu nichts sagen.
Er hat
viel von seiner Zeit für das Gespräch
mit mir verwendet.
Wir haben verschiedene Fragen erörtert.
Er hat
sehr vertraulich darüber gesprochen.
Frage:
Seit Sie Moskau verließen,
haben die Sowjets eine Tass-Nachricht
zu dem gestrigen Treffen veröffentlicht.
Darin sind zwei Vorschläge
enthalten, auf die Sie vielleicht reagieren könnten.
Der eine ist ein
Vorschlag Herrn Gorbatschows, wonach
ab 1. November ein Moratorium für Arbeiten in Verbindung mit Produktion,
Erprobung und Stationierung von Mittelstreckenraketen längerer und kürzerer
Reichweite
verkündet
werden
soll.
Der andere ist ebenfalls ein
Vorschlag von ihm, wonach - Tass zufolge - ein einseitiges einjähriges
Moratorium bezüglich aller Arbeiten
am Radarsystem
von Krasnojarsk
in
Kraft treten soll. Als Gegenleistung
würde er einen ähnlichen Schritt in
bezug auf das amerikanische Radar in
Schottland akzeptieren.
Könnten Sie
zu diesen Vorschlägen Stellung nehmen?
Antwort:
Ja, das kann ich.
Der
erste ist natürlich von der Art, daß
kein Fisch anbeißen würde.
Und es
ist der andauernde Prozeß, mit dem
man zu sehen versucht, ob man das Ergebnis, das wir mit Hilfe des Vertrages zu erreichen versuchen, nicht
auch erreichen kann, bevor der Vertrag vereinbart ist. Wir werden wei-

�teemachen bis wir ein Abkommen haben,
das wir gegenseitig erarbeitet haben,
und dann werden wir entsprechend handeln.
Was nun das Radar von Krasnojarsk
angeht, so stellt es eine eindeutige
Verletzung
des
ABM-Vertrages
dar.
Wir sprechen weiter über die Einhaltung des ABM-Vertrages.
Es bedeutet
eine klare Verletzung.
Der Vertrag
stipuliert, daß solch ein phasengesteuertes Radar, wenn ein neues gebaut wird, an der Peripherie eines
Landes erbaut und nach außen gerichtet sein muß.
Dieses System jedoch
steht im Landesinneren und ist nach
innen gerichtet.
Was immer man zu
seinem Zweck behaupten mag, es ist
eine Verletzung. Die Einstellung der
Arbeiten sind nicht das Entscheidende. Der entscheidende Punkt ist, daß
es nicht dort stehen sollte. Was nun
unsere beiden von ihm erwähnten Radar Systeme angeht, so besagt der ABMVertrag eindeutig, daß bestehende Radarsysteme zulässig sind und daß diese modernisiert werden können. Genau
dies tun wir.
Ich kann also diese
Gleichstellung nicht akzeptieren.
Frage:
Haben die europäischen Verbündeten enttäuscht darüber reagiert,
daß Ihre Treffen in Moskau nicht zu
einem Gipfeltreffen
geführt haben,
und haben sie die Position der Administration zu SDI unterstützt, das
wieder einmal den Weg zu versperren
scheint?
Antwort:
Natürlich
sind
alle an
der Frage des Gipfeltreffens interessiert.
Meiner Meinung nach ist es
mehr die Tatsache, daß Fragen gestellt werden, wie dieser Umschwung
der Ereignisse zu erklären ist, wenn
man bedenkt, daß es auf die sowjetische Initiative in Washington zurückzuführen ist, ein Gipfeltreffen für
den Herbst dieses Jahres anzukündi-

gen.
Die Voraussetzungen haben sich
nicht so entscheidend geändert, abgesehen von der Tatsache, daß ein INFAbkommen in noch greifbarere Nähe gerückt ist und bei START weitere Fortschritte erzielt worden sind. Meiner
Meinung nach konzentrierten sich die
Diskussionen mehr auf Inhalt und Substanz der stattfindenden Verhandlungen und hier herrschte die generelle
Ansicht vor, daß die Entwicklungen,
von denen ich berichtet habe und die
Herr Schewardnadse in seiner gut besuchten
Pressekonferenz
erläuterte,
entsprechend verliefen und sich Fortschritte abzeichneten.
Und auf eben
dies konzentrieren wir unsere Aufmerksamkeit.
Bei
unserem
Treffen
sind wir kaum auf die Strategische
Verteidigungsinitiative
eingegangen,
aber ich habe im großen und ganzen
das Gefühl, wenn wir lernen, wie wir
uns gegen ballistische Raketen verteidigen können, dann ist damit schon
viel erreicht. Und sicherlich ist es
für den Präsidenten ein Anliegen, daß
ein stabileres Gleichgewicht von Angriff und Verteidigung höchst wünschenswert ist. Was ist denn letztlich so gut an einer Welt, in der unsere Sich'theit von unserer Fähigkeit
abhängt, uns gegenseitig in 30 Minuten auszuradieren?
Ich glaube, wir
können Besseres leisten, und eben das
versucht der Präsident.
Frage:
In Moskau hätten bei INF
Fortschritte erzielt werden können;
die Sowjets sind jedoch nicht erschienen.
Können Sie uns Ihre Ansicht erläutern, warum sie nicht darauf eingegangen sind?
Antwort:
Gestern morgen fand die
Sitzung
einer Arbeitsgruppe statt;
man hatte sich auf eine bestimmte
Zeit für den Beginn der Sitzung geeinigt und die sowjetische Seite ist
nicht erschienen.
Im Verlauf der
zweitägigen Sitzungen in Moskau, ein-

- 3 -

�schließlich der allerletzten, die wir
im Anschluß an mein Treffen mit Generalsekretär Gorbatschow hatten, haben
wir selbst dort weiterhin Fortschritte bei INF und einer Vielzahl von
Themen erreicht, durch die wir uns in
Moskau
hindurchgearbeitet
hatten.
Wir haben einige sehr wichtige Themenkomplexe erledigt und ich glaube,
beide Seiten hatten das Gefühl, daß
wir die Anzahl der verbleibenden Themen ganz allmählich, aber entscheidend verringert haben.
Es ist nur
noch eine Frage von Wochen, diese
Probleme ganz vom Tisch zu schaffen.
Frage:
ist das Thema der deutschen
PIA erneut angeschnitten worden?

teidigung
im
haben,
die
deckten...

Weltraum
unterbreitet
sich
jedoch
nicht

Antwort:
Ich habe gesagt, daß unsere Vorschläge offensichtlich unterschiedlich sind. Aber wenn wir unsere Fähigkeit, in anderen Bereichen
eine Einigung oder Annäherung zu erzielen, in Gegensatz dazu stellen, so
liegt es vielleicht daran, daß wir
unterschiedliche Zielsetzungen haben.
Das erschwert den Kompromiß, der zur
Erlangung eines Abkommens erforderlich ist. Das heißt natürlich nicht,
daß wir das nicht können und wir werden es weiter versuchen.
Aber ich
habe dies nur als eine mögliche Erklärung dafür vorgebracht, warum es
dort schwieriger war.

Antwort:
Wir haben eine zufriedenstellende Lösung zur Bewältigung dieses Themas ausgearbeitet und die zufriedenstellende
Lösung
beinhaltet,
daß dieses Thema in dem Vertrag nicht
erwähnt wird.
Wir sehen dies als
eine Angelegenheit zwischen uns und
der Bundesrepublik Deutschland. Aber
auf der Grundlage der von Bundeskanzler Kohl einseitig abgegebenen
Erklärung konnten wir eine Verfahrensweise ausarbeiten, mittels derer man
sich mit den Gefechtsköpfen in amerikanischem
Besitz dann auseinandersetzten wird, wenn sie sozusagen unbelastet von ihrer Beziehung zu dem
zugehörigen System sind.
Man wirr*
mit ihnen genauso verfahren wie mit
anderen
ähnlichen
Gefechtsköpfen.
Wie genau dies geschehen soll habt.i
wir
sehr sorgfältig
ausgearbeitet,
und meiner Meinung nach ist das Ergebnis offensichtlich zur Zufriedenheit der Sowjets ausgefallen, zu unserer Zufriedenheit und zur Zufriedenheit der Bundesrepublik Deutschland. Dieses Problem ist also bewältigt.

Antwort:
Ich weiß
nicht, ob es
eine Voraussetzung für ein Gipfeltreffen ist oder nicht. Ich weiß jedoch, daß sich Herr Gorbatschow offensichtlich zu dem Zeitpunkt, als
wir die einzelnen Probleme und die
Lage besprachen, nicht auf die Festsetzung eines Termins einlassen wollte. Wir schienen beide die Möglichkeit eines Gipfeltreffens in den Vereinigten Staaten in diesem Jahr unbedingt offen halten zu wollen und haben während unserer Unterredung die
Möglichkeit
eines
Nachfolgetreffens
in Moskau im Frühjahr oder im weiteren Verlauf des Jahres 1988 erörtert.
Herr Gorbatschow ist sich also der
Termine vollständig gewahr und wir
werden einfach abwarten müssen.

Frage:
In Moskau haben Sie gesagt,
daß beide Seiten Vorschläge zur Ver-

Frage:
Gestern abend sagte
Fitzwater, der Sprecher des

- 4

Frage:
Werden
irgendwelche
neuen
Verteidigungsinitiativen erforderlich
sein, um die unterschiedlichen Zielsetzungen harmonisieren zu können, da
dies jetzt eine der Voraussetzungen
für ein Gipfeltreffen ist?

Marl in
Weißen

�Hauses, daß Herrn Gorbatschows Gesinnungswandel und die gescheiterte
Festsetzung des Termins Fragen über
die von ihm verfolgten Absichten laut
werden lassen. Würden Sie mit dieser
Bewertung übereinstimmen und sind Sie
jetzt alle besorgt, daß der Gesinnungswandel von Herrn Gorbatschow die
Verfolgung des sowjetischen Dialogs
erschwert?
Antwort:
Für Spekulationen
dieser
Art habe ich nicht sehr viel übrig.
Ich berichte Tatsachen und Tatsache
ist, daß wir uns getroffen haben und
bei der ganzen Bandbreite entscheidender Probleme beträchtliche Fortschritte erzielt worden sind.
Dies
ist von besonderem Interesse.
Seit
die Sowjets ihren Vorschlag zu einem
Gipfeltreffen im Herbst 1987 unterbreiteten und dem gestrigen Treffen
mit Herrn Gorbatschow scheint sich
einiges verändert
zu haben.
Wenn
überhaupt, so sind die gestern vorgelegten Bedingungen günstiger, könnte
man sagen, als noch vor einem Monat
oder so in Washington.
Worauf das
gestrige
Verhalten
zurückzuführen
ist, weiß ich auch nicht. Ich werde
es also einfach dabei belassen.
Frage:
Zwei Fragen zur Verifizierung. Erstens, sind sich die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion im
Hinblick auf den Zeitplan für den Abbau von Mittelstreckenraketen kürzerer und längerer Reichweite nähergekommen?
Und die zweite Frage ist,
haben Sie bei Ihrem heutigen Treffen
mit den NATO-Ministern mit den Ländern
gesprochen, die
amerikanische
INF-Streitkräfte aufnehmen, wie Sie
die Inspektionsrechte der Sowjets in
der Praxis handhaben werden, wenn und
falls ein Abkommen erzielt wird?
Antwort:
Zur ersten Frage lautet
die Antwort ja, wir haben uns auf das
sogenannte schrittweise Vorgehen ge-

einigt.
Das
ist
definitiv.
Zur
zweiten Frage möchte ich sagen, daß
wir uns durch das Inspektionsverfahren und die Vor-Ort-Inspektion bekanntgegebener und ehemals bekanntgegebener Einrichtungen hindurcharbeiten, die natürlich die Einrichtungen
der Stationierungsländer einschliessen. Das alles ist in der NATO ausgearbeitet worden und wir diskutieren
die Frage, wieviele Inspektionen jede
Seite forden kann.
Wir haben einen Vorschlag unterbreitet, sie haben einen Vorschlag
entgegengehalten, und daran arbeiten
wir jetzt. Verhandlungen durchlaufen
solch einen Prozeß. Er wird auf eine
professionelle und gute Art und Weise
durchgeführt.
Wir befinden uns natürlich in engen Konsultationen mit
den Regierungen der Länder, in denen
Stützpunkte bestehen, und es werden
keine Schritte ohne deren Einwilligung unternommen.
Frage:
Zwei Fragen.
Erstens, wie
stehen die Aussichten für einen Gipfel zwischen Präsident Reagan und den
Verbündeten in Brüssel oder anderswo,
der von dem Gipfeltreffen mit Gorbatschow abhängt; und zweitens, glauben
Sie, Herr Gorbatschow ist sich der
Tatsache bewußt, daß im kommenden
Jahr in den Vereinigten Staaten Wahlen stattfinden?
Antwort:
Ich denke, er weiß, daß
diese stattfinden werden.
Trotzdem
deuten alle von mir wahrgenommenen
Anzeichen - und ich habe seine Erklärungen wohl richtig wiedergegeben darauf hin, daß wir beide auf den Abschluß eines INF-Abkommens drängen.
Ich für meinen Teil sehe Bestandteile
eines
Abkommens
über
strategische
Waffen sich abzeichnen, dem eine ungeheure Bedeutung zukäme.
Natürlich
muß ich sagen, daß die damit in Zusammenhang stehenden Probleme der Ve5 -

�rifizierung im Vergleich die B e g e bungen zur Verifizierung bei INF wie
ein Kinderspiel aussehen lassen. Das
wird sehr viel schwieriger werden,
aber die Bestandteile liegen vor uns,
und der Generalsekretär scheint bereit zu sein, daran zu arbeiten.
Frage:
Was INF betrifft, besteht
bereits Übereinstimmung mit der anderen Seite, wann die weitere Stationierung
zusätzlicher
NATO-Mittelstreckenwaf fen eingestellt wird, nach
der Unterzeichnung oder nach der Ratifizierung des INF-Vertrages?
Die
zweite Frage lautet: haben Sie in
Moskau auch Fortschritte zur Frage
weiterer Verhandlungen beider Seiten
über den Abbau konventioneller Waffen
in Europa erzielt?
Antwort:
Ich habe darauf bereits
im Hinblick auf den vom Generalsekretär am 1. November
unterbreiteten
Vorschlag geantwortet.
Es wäre sehr
unklug von uns - und ich bin sicher,
er versteht das - uns nach dem mutmaßlichen Vertrag zu richten, bevor
er auch nur unterzeichnet oder ratifiziert ist. So kann man nicht verhandeln. Und natürlich wird der Vertrag Bestimmungen enthalten, die sich
mit der Frage der stufenweisen Durchführung der Reduzierungen befassen.
Ob die Verbündeten nach der Unterzeichnung dazu eine bestimmte Position beziehen wollen, bleibt abzuwarten. Darüber wird zur Stunde diskutiert.
So stehen also die Dinge.
Wie lautete Ihre zweite Frage?
Frage:
Ob Sie in Moskau ebenfalls
Fortschritte bei den künftigen Verhandlungen beider Seiten über einen
Abbau der konventionellen Streitkräfte erzielt haben.
Antwort:
Dieses Thema wurde diskutiert. Die Sowjets wollen weiterhin
den Bereich der Nuklearwaffen in die-

se Gespräche einbeziehen, was die
Bündnispartner zurückgewiesen haben,
und wir lehnen dies ebenfalls ab.
Aber grundsätzlich handelt es sich
hier um eine Angelegenheit des Bündnisses, nicht um ein bilaterales Problem.
Wir
sind natürlich bereit,
diese Probleme zu besprechen, aber
darüber wird man in Wien diskutieren.
Unser
Botschafter
Ledogar
und die
Botschafter der anderen NATO-Staaten
und ihre Kollegen des Warschauer Paktes diskutieren darüber, und das ist
der Stand der Dinge.
Frage:
Wie
sehen
Ihre
nächsten
Schritte zu INF und Gipfel aus?
Antwort:
Die nächsten Schritte zu
INF werden in Genf unternommen werden.
Ich bin bereits heute morgen,
vor dieser Pressekonferenz, mit Botschafter
Glitman
zusammengetroffen,
und wir haben weitere Vorgehensweisen
besprochen; es gibt viele Impulse.
Wir werden diese Probleme bearbeiten,
und ich erwarte von ihm regelmäßig
neueste Berichte über den Verlauf der
Verhandlungen.
Herr
Schewardnadse
und ich sind gestern abend vor meiner
Abreise aus Moskau übereingekommen,
daß wir unsere beiden Chef-Unterhändler bitten werden, uns zum Ende dieser und dann wieder zum Ende der
nächsten Woche einen Bericht vorzulegen. Mit anderen Worten, wir drängen
auf ein Ende hin, wollen uns aber natürlich die Zeit nehmen, um sicherzustellen, daß die Dinge auf eine befriedigende
Art und Weise beendet
werden.
Soviel zum Stand der Dinge
bei INF.
Und wir werden weiterhin an Fortschritten im Bereich der strategischen Waffen arbeiten.
wir wollen
den Prozeß der Überprüfung des Themas
Verifizierung anheizen, so daß wir
später nicht das Gefühl haben müssen,
zwar ein Abkommen zu haben, aber den-

�noch Frustration über die Verifizierung aufkommt, weil wir uns nicht
früh genug damit beschäftigt haben.
Wir müssen das jetzt angehen.
Das
werden wir tun und auch an anderen
Bereichen arbeiten, die ich hier erwähnt habe.
Was die Frage des Gipfels betrifft, so stehen die Dinge so, daß
eine Übereinkunft zwischen den beiden
Staatsoberhäuptern
in Genf
erzielt
wurde, man wolle sich gegenseitig sozusagen zu Hause besuchen.
Es ist
eine Einladung an Herrn Gorbatschow
ergangen, und wenn er bereit ist, sie
anzunehmen, werden wir bereit sein,
ihn zu empfangen.
Frage:
Ich weiß, daß Ihre Besprechungen mit dem Präsidenten vertraulich sind, trotzdem verlautete gestern abend aus Washington, Sie und
Botschafter Nitze hätten den Präsidenten gedrängt, beim Problem SDI
flexibler zu sein...
Antwort:
Dieser
Bericht
entbehrt
jeder realistischen Grundlage.
Ich
habe während meines Aufenthalts in
Moskau zweimal mit dem Präsidenten
gesprochen, ihm Bericht erstattet und
mir seine Ansichten angehört. Darüber fanden jedoch keine Diskussionen
statt. Sowohl Botschafter Nitze - er
nickt mit dem Kopf, weil er meinen
Aufführungen zustimmt, und weil er
weiß, was ich sagen will - als auch
ich sind einhellige Verfechter der
Idee, daß es wichtig für die Vereinigten Staaten und für unsere Freunde
ist, zu lernen, wie wir uns gegen
ballistische
Raketen
verteidigen,
wenn wir das können.

ven Fragen, aber wenn sich die Möglichkeit
herausstellen
sollte, ein
INF-Abkommen
bei
einem
Gipfel
in
einem Drittland, an einem Ort wie
Genf etwa, zu unterzeichnen, wäre das
möglich?
Antwort:
Ich glaube, es ist vordringlich, das INF-Abkommen hervorzubringen.
Und wir müssen abwarten,
was sich im Hinblick auf ein Gipfeltreffen ergibt - ich habe die Situation so gut ich kann, beschrieben und angesichts dessen müssen wir sehen, was zusätzlich benötigt wird,
damit es von den beiden Staatsoberhäuptern oder anderen auf irgendeine
Weise unterzeichnet wird.
Auf jeden
Fall stellt sich diese Frage erst in
der Zukunft.
Die maßgebenden Dinge
des Augenblicks sind: erstens, etwas
zustande zu bringen, das unterzeichnet werden kann; zweitens, wir werden
sehen, wie sich die Geschichte im
Hinblick auf ein Gipfeltreffen entwickelt. Aber wir wollen es zu Ende
bringen, und das will auch die Sowjetunion allem Anschein nach, und ich
bin sicher, wir werden einen Weg finden, um das zu tun.

Frage::
Sie haben angedeutet, es
bestünde im Hinblick
auf künftige
Gipfeltreffen
ein
Abkommen,
sich
wechselseitig zu Hause zu besuchen.
Ich weiß, sie mögen keine spekulati- 7 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
I7

Hintergrundmaterial

et

28. Oktober 1987

38

HANDELSSANKTIONEN GEGEN IRAN

Eine Übersicht des Weißen Hauses (Die folgende Übersicht über die Handelssanktionen gegen Iran wurde am 26. Oktober 1987 vom Weißen Haus veröffentlicht.)

Neue Sanktionen
Als Reaktion auf die fortgesetzte
Unterstützung
terroristischer
Anschläge durch den Iran und dessen unprovozierte Angriffe auf amerikanische Streitkräfte und unter amerikanischer Flagge fahrende Schiffe sowie
die neutrale Schiffahrt im Golf allgemein benutzt der Präsident die ihm
durch Abschnitt 505 des Gesetzes über
internationale Sicherheit und Zusammenarbeit (international Security and
Cooperation Development Act) verliehenen Befugnisse zum Verbot jeglicher

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Importe aus dem Iran. Durchführungsbestimmungen zu diesem Beschluß werden
vom Finanzministerium
erlassen
werden.
Diese Maßnahmen werden
genden Gründen ergriffen:

aus

fol-

- Die Regierung des Iran hat die
Resolution
598 des
Sicherheitsrats
der Vereinten Nationen nicht befolgt
und hält weiterhin an der Führung des
Krieges gegen den Irak fest.
-

Der

Großteil

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

der

Exporterlöse

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�des Iran wird durch Rohöl erzielt,
während Kaviar, Pistazien und einige
Textilprodukte geringere Erträge erbringen.
- Die amerikanischen Importe aus
dem Iran erreichten im Jahr 1986 insgesamt einen Wert von 600 Millionen
Dollar, und zwar 500 Milionen Dollar
für öl und 100 Millionen Dollar für
andere Importe.
Der vom Iran im
Zeitraum von Januar bis Juli 1987
durch den Verkauf von öl an die Vereinigten Staaten erzielte Erlös wird
auf 1 Milliarde Dollar geschätzt.
- Die Importe iranischen Rohöls
in die Vereinigten Staaten und ihre
Territorien betrugen im Jahr 1986
durchschnittlich 90 000 Faß pro Tag
(bpd); in den ersten sieben Monaten
des Jahres 1987 schnellten sie auf
durchschnittlich
250 000 bpd empor
(allein im Juli 1987 620 000 bpd).
Für den August werden die Einfuhren
auf 4 68 000 bpd und für September auf
345 000 bpd geschätzt.
Dieser Anstieg laßt sich teilweise durch die
gestiegene iranische Produktion zur
Erzielung höherer Einnahmen für die
Kriegsanstrengungen erklären.
Der
Präsident
verkündet
heute
(26. Oktober 1987) seine Absicht, zusätzliche
Exportkontrollen
für
14
weitergefaßte Kategorien von militärisch nutzbaren Artikeln einzuführen.
Dadurch erhöht sich die Zahl derjenigen Artikel, deren Export in den Iran
schon heute laut Exportverwaltungsgesetz kontrolliert wird (siehe Liste
am Ende dieser Übersicht).
Am 23. Januar 1984 stufte der
amerikanische Außenminister den Iran
als einen Staat ein, der wiederholt
den internationalen Terrorismus unterstützt hat. Deshalb wurden gemäß
Abschnitt 6 des Exportverwaltungsgesetzes von 1979 (EAA) und seiner Zu- 2

satzartikel außenpolitisch begründete
Exportkontrollen gegen den Iran verhängt.
Diese erstreckten sich auf
Flugzeuge, Hubschrauber sowie dazugehörige Teile und Komponenten, Außenbordmotoren mit 45 oder mehr PS,
Grundstoffe für die Herstellung chemischer Waffen, Artikel zur Verbrechensbekämpfung sowie alle Güter und
technischen Daten, die der nationalen
Sicherheitskontrolle
unterliegen,
wenn sie für einen militärischen Endverbraucher
oder
zum militärischen
Endverbrauch bestimmt sind.
Zusätzlich wurden am 25. September 1987
Atemgeräte und dazugehörige Tauchausrüstungen
der Liste
kontrollierter
Exportartikel
hinzugefügt.
Vorschriften
verschiedener
Statuten
schließen jegliche nukleare Zusammenarbeit größeren ümfangs mit dem Iran
aus.
Diesen Kontrollen, wie auch den
heute neu verkündeten Kontrollen liegen Ereignisse
zugrunde, die sich
nach den Vereinbarungen von Algier
aus dem Jahr 1981 zugetragen haben.
Sie stehen nicht mit den Handelskontrollen und der Einfrierung iranischer Vermögenswerte
zusammen, die
während
des Geiseldramas
im Jahr
1979-1980 gegen den Iran verhängt
wurden.
Diese frühreren Exportkontrollen wurden im Anschluß an die
Übereinkunft von Algier im Jahr 1981
aufgehoben.
Aufgrund unserer Politik der Neutralität im Krieg zwischen Iran und
Irak besteht weiterhin ein Embargo
für militärische Güter.
Weiterhin unterliegen die folgenden Produktkategorien Exportkontrollen für den Iran:
Mobile Kommunikationsausrüstungen
Boote,

einschließlich

Schlauch-

�booten
Radgetriebene,
Zugmaschinen

geländegängige

Große Dieselmotoren
Nichtstrategische
und -komponenten

Flugzeugteile

Tragbare Elektrogeneratoren
Alle Bootsmotoren (Außen- und Innenbordmotoren jeglicher Leistung)
Andere
Bootsausrüstungen
(Oberflächen- und
Tragflügelboote
sowie
akustische ünterwasserdetektoren)
Ausrüstungen
tographie

zur

Unterwasserpho-

Tauchfähige Systeme
Atemgeräte
Druckkabine

für

Flugzeuge

mit

Sonarausrüstungen
Elektronische Testgeräte
Verschlüsselungsgeräte

* * * * *
- 3 -

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

28. Oktober 1987

38

RÜSTUNGSKONTROLLINITIATIVEN DER VEREINIGTEN STAATEN
- Eine Übersicht des US-Außenministeriums (Die folgende Übersicht über die Rüstungskontrollinitiativen der Vereinigten
Staaten wurde am 20. Oktober 1987 vom US-Außenministerium veröffentlicht.)
Verhandlungen
zur
Verringerung
der Rüstungen bilden einen Hauptbestandteil der Strategie dieser Administration, um einen sicheren Frieden
zu schaffen und die nationale Sicherheit zu gewährleisten. Mit Rüstungsreduzierungen streben wir danach, die
strategische Stabilität auf niedrigeren Niveaus der militärischen Streitkräfte zu verbessern und dadurch das
Konfliktrisiko zu senken. Die Vereinigten Staaten versuchen, solche Verringerungen
bei
den
Verhandlungen
über Kern- und Weltraumwaffen (START,
INF sowie Verteidigung im Weltraum)
in Genf sowie in anderen Verhandlungsforen zu erreichen.
In diesen
Foren haben die Vereinigten Staaten
Initiativen unterbreitet, um die Welt
zu einem sichereren Ort zu machen.
Strategische
Offensivwaffen:
Die
Vereinigten Staaten messen ihren Bemühungen zur Erzielung eines gleichgewichtigen und wirksam verifizierba-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

ren Abkommens mit der Sowjetunion
über
einschneidende
Reduzierungen
strategischer
Atomwaffen
höchste
Priorität bei. Als einen konkreten
Schritt zu diesem Ziel haben die Vereinigten Staaten bei den Verhandlungen über die Verringerung strategischer Rüstungen (START) in Genf am 8.
Mai 1987 einen Vertragsentwurf vorgelegt. Der amerikanische Vertragsentwurf spiegelt grundsätzlich die Bereiche
wider,
in denen
Präsident
Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow
im vergangenen
Oktober
in
Reykjavik
Übereinstimmung
erzielt

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�hatten.
Er sieht den 50prozentigen
Abbau amerikanischer und sowjetischer
strategischer Atomwaffen bis auf eine
Höchstgrenze von 1 600 stationierten
Interkontinentalraketen und schweren
Bombern mit bis zu 6 000 auf beiden
Seiten Gefechtsköpfen vor, mit angemessenen Untergrenzen und in einem
Zeitraum von sieben Jahren nach Inkrafttreten des Vertrages.
Der amerikanische Vertragsentwurf
setzt zusätzlich zu den Obergrenzen
bestimmte Beschränkungen bei den destabilisierendsten und gefährlichsten
Nuklearsystemen fest - den schnell
fliegenden ballistischen Raketen, besonders den sowjetischen schweren Interkontinentalraketen (ICBMs).
Deshalb haben wir Grenzen und Untergrenzen für bestimmte Typen von Gefechtsköpfen auf ballistischen Raketen und
eine Grenze für Wurfgewichte ballistischer Raketen vorgeschlagen.
Unser Vorschlag umfaßt außerdem detaillierte Bestimmungen, die darauf abzielen, jeden Zweifelsfall bei den
bereits vereinbarten Punkten auszuschalten sowie ausführliche Bestimmungen
zur
Verifizierung
einschließlich Inspektionen vor Ort -,
mit denen sichergestellt werden soll,
daß jede Seite auf die vollständige
Einhaltung des Abkommens durch den
Vertragspartner vertrauen kann.
Am 31. Juli haben die Sowjets
einen Vertragsentwurf vorgelegt, der
in seinem Aufbau dem amerikanischen
ähnlich ist und der einige gemeinsame
Sprachregelungen
enthält.
Dieser
sowjetische Entwurf hat jedoch bei
den wichtigsten, noch
ausstehenden
Problemen keinerlei Bewegung angeboten; dazu gehören auch die Untergrenzen für die gefährlichsten Raketensysteme.
Er machte weiterhin Verringerungen strategischer Offensivwaffen
von Beschränkungen für die strategische Verteidigung abhängig, die über
- 2

die im bereits bestehenden ABM-Vertrag vereinbarten hinausgehen.
Im
Rahmen
ihrer
Washingtoner
Treffen
im September
verständigten
sich die Außenminister
Shultz und
Schewardnadse darauf, die Bemühungen
bei den Genfer Verhandlungen zu intensivieren,
um
eine
Übereinkunft
über
die
50prozentige
Reduzierung
strategischer Offensivwaffen zu erlangen.
Die Minister kamen außerdem
überein, daß solche Reduzierungen ein
wichtiges Thema
ihrer Rüstungskontrollgespräche im Rahmen ihres im Oktober in Moskau stattfindenden Treffens bilden solle. Während des Ministertreffens - und seither bei den
Genfer Verhandlungen - wurden bei den
ausstehenden Problemen einige Fortschritte erzielt; beispielsweise haben die Sowjets nun eine Begrenzung
auf 1 540 Gefechtsköpfe auf schweren
ICBMs vorgeschlagen.
Trotzdem
bleiben
grundlegende
Probleme bestehen, darunter die von
den Vereinigten Staaten vorgeschlagene Untergrenze für die Gesamtzahl der
Gefechtsköpfe auf ballistischen Raketen, die vertraglich festgelegte Begrenzung der Wurfgewichte sowie das
Verbot mobiler ICBMs.
Ein weiteres
Problem ist das andauernde sowjetische Beharren auf einem Junktim zwischen
START-Verringerungen
und der
amerikanischen Zustimmung zu weiteren
Beschränkungen
für
Verteidigungssysteme gegen ballistische Raketen. In
diesem Bereich werden die Vereinigten
Staaten keinerlei Maßnahmen akzeptieren, mit denen die Strategische Verteidigungsinitiative
(SDI)
gelähmt
oder gänzlich beseitigt würde. Aufgrund der Aussichten, die sie als
sichereres
Mittel der
Abschreckung
bietet, ist SDI für die künftige Sicherheit der Vereinigten Staaten und
ihrer Verbündeten unverzichtbar.

�Die Vereinigten Staaten sind der
Ansicht, daß ihr Vertragsentwurf zu
START eine solide Grundlage für die
Schaffung eines faireren und dauerhaften Abkommens liefert, um zum ersten Mal in der Geschichte einschneidende Verringerungen
der strategischen
Atomarsenale der
Vereinigten
Staaten und der UdSSR zu erlangen.
Die Vereinigten Staaten sind überzeugt, daß ein START-Vertrag kurzfristig verwirklicht werden könnte, wenn
die Sowjets bereit wären, sich diesem
Ziel ebenso ernsthaft zu widmen wie
die Vereinigten Staaten.
Mittelstreckenwaffen
(INF):
Während
der Septembertreffen
zwischen
den Außenministern Shultz und Schewardnadse in Washington haben sich
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion grundsätzlich auf den Abschluß
eines Vertrags verständigt,
der eine gesamte Kategorie amerikanischer und sowjetischer INF (Reichweite: 500 - 5 500 Kilometer) beseitigen
würde.
Die Genfer Unterhändler beider Seiten wurden angewiesen, intensiv an der Lösung noch verbleibender
technischer Fragen zu arbeiten und
alsbald einen Vertragsentwurf zu erstellen. Die Minister werden sich am
22. und 23. Oktober in Moskau treffen, um die Fortschritte für ein INFAbkommen sowie andere Elemente der
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
einer kritischen Überprüfung zu unterziehen.
Ein INF-Abkommen könnte
diesen Herbst im Rahmen eines Gipfeltreffens
zwischen
Präsident Reagan
und Generalsekretär Gorbatschow unterzeichnet werden.
Diese Fortschritte wurden durch
die westliche Entschlossenheit ermöglicht,
am
NATO-Doppelbeschluß
von
1979 festzuhalten, der eine Reaktion
auf die Stationierung von SS-20 Raketen durch die Sowjets darstellte.
Die Entschlossenheit der NATO zur Um-

kehrung des Ungleichgewichts im INFBereich durch die Stationierung amerikanischer
INF-Raketen
längerer
Reichweite bei gleichzeitiger Bereitschaft zu Verhandlungen mit den Sowjets, um ein Gleichgewicht bei INF
auf dem niedrigstmöglichen Niveau zu
erreichen, zahlt sich heute aus.
Das voraussichtliche INF-Abkommen
stimmt in den Hauptbereichen der Verhandlungen mit den seit langem von
den Vereinigten Staaten vertretenen
Positionen
überein.
Dieser
Erfolg
ist eine direkte Konsequenz des unerschütterlichen Einsatzes des Präsidenten für wahre Rüstungsreduzierungen und der Solidarität der Verbündeten bei der Unterstützung dieser Ziele:
Mittelstreckenraketen längerer
Reichweite (LRINF): Seit der Aufnahme formeller Gespräche mit der Sowjetunion im November 1981 haben die
Vereinigten Staaten die Abschaffung
aller amerikanischen und sowjetischen
LRINF-Systeme angestrebt.
Dies entsprach dem ursprünglichen Vorschlag
des Präsidenten einer "Null-Lösung",
der zuerst im Jahr 1981 erfolgte. Im
Juli
1987
stimmten
die
Sowjets
schließlich
der Beseitigung
dieser
Systeme zu.
Mittelstreckenraketen kürzerer
Reichweite
(SRINF):
Seit
Aufnahme
der Verhandlungen haben die Vereinigten Staaten darauf bestanden, daß ein
INF-Abkommen die SRINF begrenzen müsse, um die Umgehung einer Übereinkunft zu den LRINF durch eine sowjetische Aufrüstung mit Systemen kürzerer Reichweite zu verhindern.
Die
Vereinbarung
der Beseitigung
aller
amerikanischen und sowjetischen SRINF
als integraler Bestandteil eines INFAbkommens erfüllt diese amerikanische
Forderung.

- 3 -

�Reduzierungen
weltweit:
Die
Vereinigten
Staaten
bestehen
seit
langem darauf, daß jegliche Begrenzung von INF-Systemen weltweit gelten
muß, um eine Verlagerung der Bedrohung von einer Region in eine andere
zu verhindern.
Die Sowjets haben
dies im Kontext der weltweiten Beseitigung beider Kategorien amerikanischer
und sowjetischer
INF akzeptiert, die unter dem Terminus "weltweite doppelte Null-Lösung" bekannt
ist.
Während diese und weitere Grundsatzvereinbarungen
mit den Sowjets
erreicht wurden, haben die Vereinigten Staaten jedoch klargestellt, daß
bilaterale Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der UdSSR weder
die Streitkräfte von Drittstaaten begrenzen noch bestehende Kooperationsprogramme mit unseren Verbündeten beeinträchtigen können.
Obwohl
die Vereinigten
Staaten
und die Sowjetunion sich prinzipiell
auf den Abschluß eines INF-Abkommens
verständigt haben, bedürfen bedeutende Fragen weiterhin einer Lösung,
insbesondere die wichtigen Einzelheiten der Verifizierungsverfahren und
des Zeitplans für die Reduzierungen.
Die wirksame Verifizierung ist unentbehrlich, um sicherzustellen, daß ein
INF-Abkommen dauerhaft zu Frieden und
Stabilität beiträgt.
Demgemäß haben
wir die strengste Verifizierungsregelung vorgeschlagen, die jemals für
ein Rüstungskontrollabkommen angewendet wurde.
Die Genfer Delegationen
beider Seiten sind sehr darum bemüht,
verbleibende Probleme zu lösen.
Probleme der Verteidigung im Weltraum:
Während
ihrer
Washingtoner
Treffen im September haben die Außenminister Shultz und Schewardnadse sowie Experten beider Seiten ihre Positionen zu Fragen der Weltraumvertei-

digung entwickelt, wobei die Kluft
zwischen ihnen nicht verringert werden konnte. Sowohl bei den im April
1987 abgehaltenen Treffen von Außenminister Shultz in Moskau als auch im
Anschluß daran bei den Verhandlungen
über Kern- und Weltraumwaffen in Genf
legten die Vereinigten Staaten einen
neuen Vorschlag zu Problemen der Verteidigung im Weltraum vor.
Dieser
neue Vorschlag umfaßt folgende Bestandteile:
- die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion würden die Verpflichtung
eingehen, sich bis 1994 nicht vom
ABM-Vertrag zurückzuziehen.
- Während dieses Zeitraums würden
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion alle Vorschriften des ABMVertrags strikt einhalten und gleichzeitig die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten sowie Tests weiterführen, die dem ABM-Vertrag zufolge erlaubt sind.
- Diese Verpflichtung wäre abhängig von der Anwendung 50prozentiger
Reduzierungen strategischer Offensivwaffen auf gleiche Niveaus innerhalb
von sieben Jahren nach Inkrafttreten
eines START-Abkommens.
- Jede Seite hat das Recht, sich
aus Gründen höchster Interessen oder
des materiellen Bruchs dieses, des
START- oder
des
ABM-Vertrags, den
vorgeschlagenen Vertrag zu kündigen.
- Nach 1994 hätte jede Seite das
Recht, moderne
Verteidigungssysteme
zu stationieren, sofern die Vertragsparteien keine anderweitige Regelung
beschließen.
Als Reaktion auf die vorgebrachten sowjetischen Anliegen haben die
Vereinigten
Staaten
außerdem
Vorschläge unterbreitet, um gegenseitig

- 4 -

�das Vertrauen und die Berechenbarkeit
der
Erforschung
moderner
strategischer
Verteidigungstechnologien
zu
stärken.
In dieser Hinsicht haben
die Vereinigten Staaten vorgeschlagen, daß sie selbst und die Sowjetunion jährlich Daten über geplante
Aktivitäten im Bereich der strategischen Verteidigung austauschen sollten. Darüber hinaus bemühen wir uns
darum, daß die Vereinigten Staaten
und die UdSSR gegenseitige Informationsgespräche über ihre jeweiligen
Bemühungen bei der strategischen Verteidigung und Besichtigungen der damit in Zusammenhang stehenden Einrichtungen durchführen, wie wir dies
bereits mit unserer Initiative der
Offenen Labors vorgeschlagen haben.
Schließlich haben wir vorgeschlagen,
gemeinsam vereinbarte Verfahrensweisen für die gegenseitige Beobachtung
der Erprobung im Bereich der strategischen Verteidigung anzuwenden.
Atomtests:
Im Rahmen des Washingtoner Ministertreffens im September
1987
vereinbarten
die
Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion, am 1.
Dezember 1987 umfassende und stufenweise Verhandlungen
über Atomtests
aufzunehmen. Als ersten Schritt werden beide Seiten wirksame Verifizierungsmaßnahmen
vereinbaren, die es
ermöglichen sollen, den Schwellenvertrag sowie den Vertrag über Atomexplosionen zu friedlichen Zwecken zu
ratifizieren.
Nach Erfüllung dieser
Verifizierungsanliegen und Ratifizierung der Verträge würden die Vereinigten Staaten und die UdSSR umgehend
in Verhandlungen über Möglichkeiten
zur schrittweisen Durchführung eines
Parallelprogramms - in Zusammenhang
mit einem Programm zur Reduzierung
und
letztlichen
Beseitigung
aller
Atomwaffen - eintreten, um Atomtests
zu begrenzen und schließlich ganz abzuschaffen.

Zentren zur Reduzierung des nuklearen Risikos:
Am 15. September 1987
unterzeichneten
die
Außenminister
Shultz und Schewardnadse ein Abkommen
zur Errichtung von Zentren zur Reduzierung des nuklearen Risikos in ihren jeweiligen Hauptstädten.
Dieses
Abkommen, das unmittelbar auf eine
amerikanische Initiative zurückgeht,
stellt eine praktische Maßnahme dar,
die
die
internationale
Sicherheit
durch die Verringerung des Konfliktrisikos
zwischen
den
Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion erhöhen
wird, das durch Zufälle, Fehlinterpretation oder falsche Berechnungen
entstehen könnte. Die Zentren werden
eine Rolle beim Austausch von Informationen und Ankündigungen spielen,
die gemäß den bestehenden und möglichen zukünftigen Rüstungskontrollabkommen und Vereinbarungen vertrauensbildender Maßnahmen erforderlich sind.
Nichtverbreitungsvertrag:
Vom
28.
- 30. Juli 1987 hielten die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion die
neunte Rund der andauernden Konsultationsserie zur Nichtverbreitung von
Atomwaffen ab, die im Dezember 1982
begonnen hatte. Diese Konsultationen
deckten ein breites Spektrum von Fragen ab, einschließlich der Aussichten
auf
Stärkung
der
internationalen
Nichtverbreitungsregelung, Unterstützung
des
Nichtverbreitungsvertrags
und des beiderseitigen Wunsches der
Vereinigten Staaten und der UdSSR zur
Stärkung der Internationalen Atomenergiebehörde.
Diese Konsultationen
sind keine Verhandlungen sondern eher
Gespräche
zur
Überprüfung
unterschiedlicher Themen gemeinsamen Interesses.
Die Vereinigten
Staaten
und die Sowjetunion sind beide außerordentlich
daran
interessiert, die
gefährliche Verbreitung von Atomwaffen zu verhindern und haben sich darauf geeinigt, diese Konsultationen
als Forum
für Gespräche und einen

- 5 -

�Meinungsaustausch zu benutzen.
Die
nächste Gesprächsrunde ist vorläufig
für Januar 1988 in Washington angesetzt.
Chemische
Waffen:
Im April
1984
haben die Vereinigten Staaten bei der
Genfer Abrüstungskonferenz, an der 40
Nationen teilnahmen, einen umfassenden Vertrag vorgelegt, der das Verbot
der Entwicklung, Herstellung, des Gebrauchs, Transfers und der Lagerung
chemischer Waffen mit verschiedenen
Mitteln zu verifizieren sucht und damit sofortige und obligatorische VorOrt-Inspektionen
in
Zweifelsfällen
verbindet. Beim Genfer Gipfeltreffen
vom November 1985 vereinbarten Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow die Intensivierung bilateraler Gespräche über alle Aspekte eines
umfassenden weltweiten Verbots chemischer Waffen und dessen Verifizierung. Seitdem haben wir sechs Runden
bilateraler Gespräche zu einem Vertrag über chemische Waffen abgehalten.
Eine siebte Runde ist für Dezember 1987 anberaumt.
Die bilateralen Vertragsgespräche
haben einige Meinungsverschiedenheiten abgebaut, und die Sowjets gaben
schließlich im März 1987 den Besitz
chemischer Waffen zu.
(Tatsächlich
besitzen die Sowjets das bei weitem
größte Arsenal an chemischen Wafen,
das sie zudem auch regelmäßig modernisiert haben.) Trotzdem bleiben bedeutende Meinungsverschiedenheiten in
wichtigen
Bereichen bestehen, einschließlich der Beseitigung von Produktionsstätten für chemische Waffen,
der Überwachung der chemischen Industrie zum Schutz vor Aktivitäten, die
einem solchen Vertrag zufolge verboten sind, der Verfahren für unangemeldete Inspektionen in Verdachtsfällen,
Durchführungsbestimmungen
zum
Vertrag, Kostenverteilung und technischer Unterstützung.

Zusätzlich zu den Vertragsgesprächen arbeiten wir mit Verbündeten und
anderen befreundeten Nationen sowie
mit den Sowjets zusammen, um die
Weiterverbreitung
chemischer
Waffen
zu verhindern.
Besonders als Reaktion auf die andauernde Verwendung
chemischer Waffen im Krieg zwischen
Iran und Irak haben die Vereinigten
Staaten und siebzehn andere westliche
Industrienationen seit 1985 Konsultationen abgehalten, um Exportkontrollen für mit chemischen waffen in Verbindung zu bringende Artikel abzustimmen und andere Mechanismen zu
entwickeln, die der illegalen Verwendung chemischer Waffen und deren gefährlicher Verbreitung in andere Länder
Einhalt
gebieten.
Wir
haben
ebenfalls in bilateralen Gesprächen
mit den Sowjets über die Weiterverbreitung chemischer Waffen Exportkontrollen und politische Schritte geprüft, um die Verbreitung chemischer
Waffen einzudämmen.
Konferenz
über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE):
Nach fast
dreijährigen
Verhandlungen
hat die
Stockholmer
KVAE-Konferenz
mit
35
Teilnehmerstaaten im September 1986
eine Reihe konkreter Maßnahmen verabschiedet, die der Verbesserung von
Offenheit und Berechenbarkeit militärischer Aktivitäten in Europa dienen
sollten.
Diese auf Vorschläge der
NATO zurückgehenden Maßnahmen sehen
die vorherige Benachrichtigung über
alle militärischen Aktivitäten oberhalb einer Größenordnung von 13 000
Soldaten oder 300 Panzern vor, sowie
die Beobachtung militärischer Aktivitäten oberhalb einer Grenzevon 17 000
Soldaten und die jährliche Vorankündigung
bevorstehender
militärischer
Aktivitäten.
Das Abkommen
enthält
ebenfalls Bestimmungen für Vor-Ortinspektionen in der Luft und am Boden

�zwecks Verifizierung.
Trotz
ihres
bescheidenen
Umfangs
stimmten
die
Sowjets damit zum ersten Mal einer
Inspektion auf ihrem eigenen Staatsgebiet zur Verifizierung eines internationalen
Sicherheitsabkommens
zu.
Die Vereinigten Staaten sehen sich
durch die bis zu diesem Zeitpunkt demonstrierte Art der Durchführung ermutigt, in der sich insgesamt sowohl
Buchstaben als auch Geist des Stockholmer Dokuments widerspiegeln.
Am 30. August 1987 haben die Vereinigten Staaten - unter den Bestimmungen des Stockholmer Dokuments
erfolgreich die erste jemals durchgeführte Vor-Ort-lnspektion eines sowjetischen
Manövers
abgeschlossen.
Die Vereinigten
Staaten
betrachten
den erfolgreichen Abschluß dieser Inspektion als Schritt im Prozeß der
Verbesserung von Offenheit sowie bei
der Bildung von Vertrauen und Sicherheit in Europa.
Im September hat
Großbritannien ein Manöver in der DDR
inspiziert, an dem sowjetische und
DDR-Truppen teilnahmen; Anfang Oktober führte die Sowjetunion eine ähnliche Inspektion bei einem Manöver in
der Türkei durch, an dem US-Truppen
beteiligt waren.
Beiderseitige und Ausgewogene Truppenreduzierungen (MBFR):
Am 5. Dezember 1985 legte die NATO bei de t
MBFR-Verhandlungen eine wichtige neue
Initiative vor, die auf Anliegen des
Ostblocks
eingeht.
Der
Vorschlag
stellte den Wunsch des Westens nach
einer Datenübereinkunft über den augenblicklichen Stand der Streitkräfte
noch vor Unterzeichnung des Vertrages
zurück.
Die Sowjets hatten geltend gemacht, daß diese westliche Forderung
das Haupthemmnis
für ein Abkommen
sei.
Der Vorschlag forderte ferner
einen zeitlich begrenzten, in einer

ersten Phase durchgeführten Abzug von
5 000 amerikanischen und 11 500 sowjetischen Soldaten, dem eine dreijährige Verpflichtung aller dort Truppen
unterhaltenden Parteien folgen sollte, ihre Truppenstärke nicht zu erhöhen.
In diesem Zeitraum würden die
verbleibenden Streitkräfte durch nationale technische Maßnahmen verifiziert, sowie durch vereinbarte Einund Auslaßpunkte, den Austausch von
Daten und 30 jährliche Vor-Ort-Inspektionen. Bis jetzt haben die Sowjets nicht konstruktiv auf die Initiative des Westens reagiert.
NATO-Arbeitsgruppe auf höchster Ebene für konventionelle
Rüstungskontrolle:
Diese Arbeitsgruppe
legte
dem Nordatlantikrat am 11. Dezember
1986 ihren Bericht über Tendenzen der
konventionellen Rüstungskontrollpolitik der NATO vor. Bei dieser Sitzung
verabschiedeten die NATO-Minister die
"Erklärung von Brüssel", in der die
Bereitschaft der NATO zu neuen Verhandlungen mit dem Warschauer Pakt
dargelegt wird, die darauf ausgerichtet sind, ein "verifizierbares, umfassendes und stabiles Gleichgewicht
konventio.oller Streitkräfte auf niedrigerer Ebene" in ganz Europa vom
Atlantik bis zum Ural herzustellen.
Im Februar 1987 nahm die NATO Gespräche mit dem Warschauer Pakt zur Erarbeitung eines Mandats für neue Verhandlungen auf.
Im Juli legten Vertreter der NATO den Entwurf eines
Mandats für Verhandlungen vor, das
die 23 Nationen von NATO und Warschauer Pakt direkt einschließen und
sich auf ihre konventionellen Streitkräfte zu Lande in ganz Europa vom
Atlantik bis zum Ural erstrecken würde.
Diese Verhandlungen würden im
Rahmen des KSZE-Prozesses stattfinden, aber in bezug auf Themen, Teilnahme und Verfahren eigenständig sein.

- 7 -

�Chronologie:

1. Januar 1986 bis 20. Oktober 1987

AMERIKANISCH-SOWJETISCHE RÜSTUNGSKONTROLLVERHANDLUNGEN

Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen
Runde
Runde
Runde
Runde

IV
V
VI
VII

Runde

VIII

16. Januar
- 4. März
1986
8. Mai
- 26. Juni
1986
18. September - 13. November
1986
15. Januar
- 6. März
1987
(INF dauerten bis 26. März)
Aufnahme am 23. April (INF) und 5. Mai 1987
(START und Gespräche über Verteidigung im Weltraum)

Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und
Abrüstung in Europa (multilateral)
Runde
Runde
Runde
Runde

IX
X
XI
XII

- 15. März
1986
Januar
April
- 23. Mai
1986
Juni
- 18. Juli
1986
- 19. September 1986
August
Ein Abkommen wurde geschlossen

28.
15.
10.
19.

Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
Erste Runde der Nachfolgekonferenz:
4. November - 20. Dezember 1986
Zweite Runde der Nachfolgekonferenz:
27. Januar
- 11. April
1987
Dritte Runde der Nachfolgekonferenz:
4. Mai
- 31. Juli
1987
Vierte Runde der Nachfolgekonferenz:
22. September - 21. November 1987
(voraussichtlicher Abschlußtermin)

Abrüstungskonferenz (multilateral)
Rumpfsitzung des Ausschusses für chemische Waffen:
13. Januar
- 31. Januar
1986
Früh Jahrssitzung:
4. Februar
- 25. April
1986
Sommersitzung:
10. Juni
- 29. August
1986
Konsultationen der Vorsitzenden des Auschusses für chemische Waffen:
24. November
- 17. Dezember 1986
RumpfSitzung des Ausschusses für chemische Waffen:
6. Januar
- 30. Januar
1987
Früh Jahrssitzung:
2. Februar
- 30. April
1987
Sommersitzung:
8. Juni
- 26. August
1987
- 8

�Beiderseitige und Ausgewogene Truppenreduzierungen
Runde
Runde
Runde
Runde
Runde
Runde

38
39
40
41
42
43

(multilateral)

- 20. März
1986
30. Januar
1986
15. Mai
3 Juli
25. September - 4 Dezember 1986
1987
- 19. März
29. Januar
- 2. Juli
1987
14. Mai
24. September - 3 Dezember 1987
(voraussichtlicher AbSchlußtermin)

Zentren zur nuklearen Risikoverringerung
Runde I:
Runde II:

13. Januar
1987
3. - 4. Mai 1987
(ein Abkommen wurde ad referendum geschlossen)
Das Abkommen wurde am 15. September 1987 in Washington unterzeichnet

AMERIKANISCH-SOWJETISCHE RÜSTUNGSKONTROLLSITZUNGEN AUF EXPERTENEBENE

Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen
11. - 12. August
1986 in Moskau
5. - 6. September 1986 in Washington
2. - 5. Dezember 1986 in Genf auf Unterhändlerebene
Gespräche über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen
6. 11. -

7. August
1986 in Moskau
12. September 1986 in Washington

Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und
Abrüstung in Europa
14. - 15. August

1986 in Stockholm

Gespräche über den Vertrag über chemische Waffen
28.
15.
1.
28.
16.
20.

Januar
April
Juli
Oktober
Februar
Juli

- 3. Februar
- 25. April
- 18. Juli
- 18. November
- 5. März
- 7. August

1986
1986
1986
1986
1987
1987

in
in
in
in
in
in

Gen
Genf
Genf
New York
Genf
Genf

Konvention über biologische und toxische Waffen
Expertensitzung :

31. März - 15. April 1987 in Genf

- 9 -

�Gespräche über die Nichtverbreitung von chemischen Waffen
5. 4. 7. -

6. März
1986 in Bern
5. September 1986 in Bern
8. Oktober
1987 in Bern

Atomtests
Erste Sitzung
Zweite Sitzung
Dritte Sitzung
Vierte Sitzung

Fünfte Sitzung :
Sechste Sitzung:

25. Juli
- 1. August
1986 in Genf
4. September
- 18. September 1986 in Genf
13. November
- 25. November 1986 in Genf
22. Januar 1987, am 9. Februar unterbrochen,
am 16. März wiederaufgenommen, am 20. März in
Genf beendet
18. Mai
- 29. Mai
1987 in Genf
13. Juli
- 20. Juli
1987 in Genf

Zentren zur nuklearen Risikoverringerung
5. - 6. Mai 1986 in Genf
25. August 1986 in Genf
Gespräche über die Nichtverbreitung von Nuklearwaffen
15. - 18. Dezember 1986 in Washington
28. - 30. Juli
1987 in Moskau

- 10 -

�</text>
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                <text>Amerikadienst 28.10.1987</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan verhängt Handelsembargo gegen Iran&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Reagan: US-Streitkräfte bleiben im Golf "solange wie nötig"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz im Weißen Haus&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Wirtschaftshilfe fördert Demokratie und Pluralismus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten vor der Gruppe zur Finanzierung der Außenpolitik&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shultz: führende NATO-Politiker sehen Fortschritte bei&lt;br /&gt;INF-Gesprächen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz im NATO-Hauptquartier&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Handelssanktionen gegen Iran&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rüstungskontrollinitiativen der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des US-Außenministeriums&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>^° s *&lt;

AMERIKA DIENST

^

#

^7-ioN ^

39

4 . November 1987

I N H A L T

Dokumentation
Gipfeltreffen am 7. Dezember in den Vereinigten Staaten
- Gemeinsame Erklärung der amerikanischen und sowjetischen Seite

Reagan fuhrt INF-Fortschritte auf "Zusammenhalt* des
Bündnisses zurück
- Rede des Präsidenten in West Point -

Wissenschaft und Technik
Drogen:

Der Konsument macht sich strafbar

- Immer mehr US-Bundesstaaten erlassen entsprechende Gesetze

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
"VON

^

Dokumentation

39

4. November 1987

GIPFELTREFFEN AM 7. DEZEMBER IN DEN VEREINIGTEN STAATEN
Gemeinsame Erklärung der amerikanischen und sowjetischen Seite -

WASHINGTON - (AD) - Einer am 30. Oktober 1987 in Washington veröffentlichten gemeinsamen Erklärung zufolge werden sich Präsident Reagan und der
sowjetische Staatschef Gorbatschow am 7. Dezember in den Vereinigten Staaten
treffen.
Der Erklärung ist zu entnehmen, daß beide Spitzenpolitiker die "gesamte
Bandbreite amerikanisch-sowjetischer Beziehungen" behandeln und "den Vertrag
über die vollständige Abschaffung amerikanischer und sowjetischer Mittel- und
Kurzstreckenraketen unterzeichnen".
Nachfolgend veröffentlichen wir diese Erklärung im Wortlaut:
Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow bauen auf den in
den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
erzielten
Fortschritt, einschließlich des Austauschs auf höchster
Ebene
und
den
Diskussionen
zwischen
den
Außenministern
Schewardnadse
und
Shultz
in
Washington vom 30. Oktober sowie auf
ihre Gespräche in Moskau, und sie haben vereinbart, ab dem 7. Dezember
1987 in Washington zusammenzutreffen.
Der Präsident und der Generalsekretär messen der Abhaltung eines be-

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Embassy of the United States of America

deutsamen Treffens größte Bedeutung
bei, das die gesamte Bandbreite von
den zwischen beiden Ländern bestehenden Problemen behandelt - Rüstungsreduzierungen, Menschenrechte und humanitäre
Angelegenheiten,
Beilegung
regionaler Konflikte und bilaterale
Beziehungen - und beim gesamten Spektrum dieser Probleme Fortschritte erzielt.
Beide Seiten haben sich auf einen
Aktionsplan für die weitere Entwicklung
des
amerikanisch-sowjetischen
Dialogs geeinigt, der die nachfolgend

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�genannten Punkte umfaßt.
Sie haben vereinbart, so bald wie
möglich den Vertrag über die vollständige
Abschaffung
amerikanischer
und
sowjetischer Mittel- und Kurzstreckenraketen zu schließen.
Bei ihrer Zusammenkunft in den
Vereinigten Staaten werden der Präsident und der Generalsekretär zusätzlich zur Überarbeitung der gesamten
Bandbreite
amerikanisch-sowjetischer
Beziehungen, den Vertrag über die
vollständige
Abschaffung
amerikanischer und sowjetischer Mittel- und
Kurzstreckenraketen
unterzeichnen;
das Programm für künftige Kontakte
zwischen den Spitzenpolitikern beider
Länder festlegen und eingehend die
Erarbeitung von Instruktionen an Delegationen erwägen - für einen zukünftigen Vertrag über den 50prozentigen Abbau amerikanischer und sowjetischer Offensivwaffen und die Beachtung und Beibehaltung vom ABM-Vertrages während eines vereinbarten Zeitraums.
Der Präsident und der Generalsekretär planen ein weiteres gemeinsames
Treffen in der ersten Hälfte des Jahres 1988 in der Sowjetunion, bei dem
ebenfalls Fortschritte bei der gesamten
Bandbreite
amerikanisch-sowjetischer
Beziehungen
erzielt
werden
sollen.
Aus diesem Grunde werden
beide Seiten am baldigen Abschluß eines Vertrages arbeiten, der die Vereinbarung
zum
50prozentigen
Abbau
strategischer Offensivwaffen verwirklicht und beim Besuch des Präsidenten
in Moskau unterzeichnet werden könnte.
Die Außenminister
Schewardnadse
und Shultz werden eng zusammenarbeiten, um eingehende und schnelle Vorbereitungen des bevorstehenden Gipfeltreffens in Washington sicherzustellen.
* * * * *
- 2

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON**

39

4. November 1987
REAGAN FÜHRT INF-FORTSCHRITTE AUF "ZUSAMMENHALT" DES BÜNDNISSES ZURÜCK
- Rede des Präsidenten in West Point -

WEST POINT - (AD) In einer Ansprache vor Kadetten der amerikanischen Militärakademie in West Point hat Präsident Reagan am 28. Oktober 1987 die "bedeutenden positiven Schritte" in Richtung auf ein amerikanisch-sowjetisches Abkommen über Mittelstreckenwaffen (INF) als unmittelbares Ergebnis des "Zusammenhalts" innerhalb der NATO bezeichnet. Reagan erklärte darüber hinaus, er
sei bereit, die amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen "fortzusetzen und zu
intensivieren", fügte aber gleichzeitig hinzu, ein Gipfeltreffen sei "keine
Voraussetzung für Fortschritte bei der vorliegenden Tagesordnung".
Nachfolgend bringen wir die Ansprache des Präsidenten in ihren wesentlichen Auszügen:

Von Anbeginn hat unsere Administration darauf bestanden, die Beziehungen dieses Landes zur Sowjetunion
auf Realismus, nicht auf Illusionen
zu gründen. Dies mag wie eine Binsenwahrheit klingen, aber bei unserem
Amtsantritt bedurfte der historische
Hintergrund
einer
Neuformulierung.
Und diese Neuformulierung nahmen wir
vor.
Wir sagten die Wahrheit über die
massive sowjetische Aufrüstung.
Wir
sagten die Wahrheit über Afghanistan
und Polen. Wir sagten die Wahrheit

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Embassy of the United States of America

über Wirtschaftswachstum und Lebensstandards - daß nicht die Demokratien
von
rückständigen
Volkswirtschaften
geprägt sind und daß nicht der Westen
tatsächlich von einem Rückgang der
Lebenserwartung betroffen ist.
Wir
sagten die Wahrheit über den moralischen Unterschied zwischen ihrem System und unserem.
Beim Amtsantritt meiner Administration waren die Streitkräfte der
Vereinigten Staaten im Verfall begriffen.
Heute ist die Situation
eine gänzlich andere. Besoldung und

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Tel.: 0228-339 2035
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�Ausbildung unserer Streitkräfte sind
beträchtlich verbessert.
Die Marine
wurde ausgebaut. Waffensysteme aller
Art wurden
aufgrund
der
neuesten
technologischen Erkenntnisse modernisiert. Als Ergebnis unserer Bemühungen werden Sie die Einführung von
über
400
neuen
Systemen
erleben.
Außerdem haben wir mit den Arbeiten
für einen dramatischen Neuanfang bei
militärischer
Strategie
wie
auch
Technologie begonnen. Unsere Strategische Verteidigungsinitiative bietet
die Hoffnung, ballistische Raketen
überflüssig zu machen und gleichzeitig die Abschreckung sicherzustellen,
indem sie unser Leben schützt, nicht
bedroht.
Kurz gesagt: wir
haben
Schwäche durch Stärke ersetzt.
Vor diesem Hintergrund möchte ich
mich nun der speziellen Thematik zuwenden. Die Tagesordnung unserer Beziehungen zur Sowjetunion hat sich
auf vier entscheidende Bereiche konzentriert: Erstens, die Menschenrechte, weil wir als Amerikaner uns der
Freiheit verpflichtet fühlen; zweitens, auf dem Verhandlungsweg herbeigeführte Lösungen regionaler Konflikte; drittens, Ausbau der Kontakte
zwischen unseren Völkern und viertens, die Rüstungskontrolle.
In einigen Bereichen dieses vierteiligen Programms haben wir Fortschritte
erzielt.
Auf
kultureller
und wissenschaftlicher Ebene sowie in
anderen Bereichen hat der bilaterale
Austausch seit meinem Genfer Treffen
mit Herrn Gorbatschow im Jahr 1985
einen dramatischen Aufschwung erfahren.
Bei den Menschenrechten waren
ebenfalls
positive
Entwicklungen
wahrzunehmen.
Einige politische Gefangene
sind
freigelassen
worden.
Die Zahl der Ausreisenden ist etwas
angestiegen. Und natürlich redet man
in der Sowjetunion über Reformen über eine zunehmend großzügige Ausle-

gung sowjetischer Gesetze und Wirtschaftsreformen, die der Initiative
des Einzelnen größeren Auftrieb verleihen könnten.
Wir hegen keine Illusionen. obwohl im sowjetischen System ein Wandel
stattgefunden
hat, bleibt das
nicht von demokratischen Institutionen
kontrollierte
Einparteiensystem
intakt. Dennoch begrüßen wir die erfolgten Veränderungen.
Und wir fordern sie auf, noch mehr Veränderungen
vorzunehmen.
Bei den regionalen Konflikten ist
die sowjetische Haltung hingegen besorgniserregend.
Wer nach Beweisen
für den anhaltenden Expansionismus ja Imperialismus - der Sowjets sucht,
braucht nicht weiter als nach Nicaragua oder Afghanistan zu blicken. Wir
verfolgen bei diesen regionalen Konflikten eine gradlinige Politik. Wir
werden weiterhin gemeinsam mit den
Sowjets versuchen, politische Lösungen für regionale Konflikte zu erarbeiten - Lösungen, mit denen ausländische Truppen abgeschafft und das
Schicksal von Nationen in die Hände
ihrer
eigenen Völker
zurückgegeben
wird.
In Nicaragua unterstützen wir
den Friedensplan, wie er im vergangenen August von den Präsidenten Mittelamerikas vereinbart wurde und der
auf der Einführung einer vollständigen und echten Demokratie in Nicaragua besteht.
Darüber hinaus müssen
die Streitkräfte des Ostblocks und
Kubas dieses Land verlassen: das ist
zur Sicherung unserer eigenen Sicherheit unerläßlich.
Was den demokratischen Widerstand
in Nicaragua betrifft, so hat er
jetzt seit sieben Jahren Jahr für
Jahr gekämpft, Opfer gebracht und gelitten. Es sind die Widerstandskämpfer - tapfere, vielfach noch jugendliche Mitglieder des Widerstandes -

- 2 -

�die verhindert haben, daß die kommunistischen
Sandinisten
ihre
Macht
festigen konnten und die sie zum gegenwärtigen
Friedensplan
gezwungen
haben. Es sind, kurz gesagt, die Widerstandskämpfer, die Nicaragua wenigstens eine Chance für echte Freiheit gegeben haben.
Ich weiß, daß Sie, meine Freunde,
mir zustimmen werden, wenn ich sage,
daß wir diese tapferen Männer und
Frauen, diese Soldaten, nicht aufgeben dürfen.
Ich möchte Ihnen versprechen, daß Nicaragua seine Freiheit erhalten wird, und wir werden
dem Widerstand bei der Fortführung
seines tapferen Kampfes helfen, bis
die Freiheit sicher ist.
Damit komme ich zum letzten Punkt
unseres Programms amerikanisch-sowjetischer Beziehungen und Rüstungskontrolle. In diesem Bereich stehen wir
mit unserem Realismus und unserem
Einsatz kurz vor der Hervorbringung
historischer
Ergebnisse.
Im
Jahr
1977 haben die Sowjets zum ersten Mal
ihre SS-20 stationiert.
Die „SS-20
stellte eine qualitativ neue und unprovozierte Bedrohung gegenüber unseren Freunden und Verbündeten dar, sie
ist eine Nuklearrakete mit drei Gefechtsköpfen, die binnen Minuten nach
ihrem Abschuß Westeuropa und einen
Großteil Asiens erreichen kann. Sie
erinnern sich, daß die NATO über keine vergleichbare Waffe in ihrem Arsenal verfügte, mit der dieser neuen
Streitmacht begegnet werden konnte.
Bis 1979 hatten die Sowjets etwa
130 INF-Raketen mit 390 Gefechtsköpfen
stationiert.
Generalsekretär
Breschnew erklärte, "jetzt besteht
ein Gleichgewicht".
Im März 1982
verkündeten sie ein "Moratorium" für
die Stationierung neuer INF-Raketen
in Europa.
Aber dabei handelte es
sich nur um ein Täuschungsmanöver,

und bis August 1982 war die Zahl sowjetischer INF-Raketen auf über 300
mit mehr als 900 Gefechtsköpfen angestiegen.
Wie reagierte nun der Westen darauf?
1977
nahm
Bundeskanzler
Schmidt eine Führungsrolle bei der
Forderung
nach
der
Stationierung
NATO-eigener INF-Raketen ein, um dieser neuerlichen sowjetischen Bedrohung entgegenzutreten. Und im Dezember 1979 traf die NATO ihren Doppelbeschluß.
Erstens würden die Vereinigten Staaten mit den Sowjets verhandeln und versuchen, sie zum Abzug
ihrer SS-20 zu bewegen.
Zweitens würden die Vereinigten
Staaten, solange die Sowjets dies
verweigerten, eine begrenzte Anzahl
ihrer eigenen INF-Raketen - Pershing
II und landgestützte Marschflugkörper
- in Europa stationieren.
Es ist muß betont werden, daß das
Ziel dieser Entscheidung nicht die
Stationierung amerikanischer Raketen
an sich war. Sie war nur ein Mittel
zum Zweck. Um den zur Zeit des NATODoppelbschlusses amtierenden französischen
Präsidenten Valery Giscard
d'Estaing zu zitieren, war " ... die
Stationierung der Pershing II in Europa ... eine taktische Übung mit dem
wünschenswerten Ziel, die Sowjets zum
Abbau ihrer SS-20 zu zwingen".
Ohne Zweifel wollten die Sowjets
die Entschlossenheit der NATO testen.
Und wahrhaftig mußte die Stationierung unserer INF-Raketen trotz scharfer politischer Proteste und sogar
Massendemonstrationen erfolgen.
Ich erinnere mich an meine Bonner
Rede von 1982. Tausende von Demonstranten marschierten mit Sprechchören auf. Und ich konnte mich des Gedankens nicht erwehren: Welche Iro-

- 3 -

�nie.
Dies alles, die Stationierung
der Raketen, gegen die sie demonstrierten, geschah doch zur Sicherung
des Friedens, nach dem sie strebten
und der Freiheit, in der sie lebten.
Dennoch hielt die NATO fest zusammen.
Angesichts der von uns demonstrierten stärke, mit der wir,
wenn dies erforderlich werden sollte,
die Glaubwürdigkeit unserer Abschrekkungshaltung
sichern würden, indem
wir auf Gewalt mit Gewalt reagieren,
kehrten die Sowjets schließlich an
den - zuvor verlassenen - Verhandlungstisch zurück und nahmen ernsthafte Gespräche über die Möglichkeit
des Abzugs ihrer eigenen INF-Raketen
auf.
Ich freue mich, Ihnen mitzuteilen, daß das in greifbare Nähe gerückte Abkommen auf dem Vorschlag basiert, den die Vereinigten Staaten in
Konsultation mit ihren Verbündeten im
Jahr 1981 vorgelegt haben - der NullLösung.
Mit der Null-Lösung wird
ganz einfach die Abschaffung dieser
gesamten Kategorie amerikanischer und
sowjetischer INF-Raketen gefordert.
Diesem
Abkommen zufolge werden
die Sowjets viermal soviele nukleare
Gefechtsköpfe abbauen müssen wie die
Vereinigten Staaten.
Darüber hinaus
müssen die Sowjets nicht nur ihr gesamtes Arsenal an SS-20 und SS-4,
sondern auch ihre Kurzstreckenraketen
der Typen SS-12 und SS-23 verschrotten. Wie ich bereits sagte, werden
all diese Raketen abgeschafft. Aber
wie werden wir wissen, daß die Sowjets ihre Raketen wirklich verschrottet haben? Wie Sie wissen, haben die
Sowjets bereits ein langes Register
von Verletzungen früherer Rüstungskontrollabkommen.
Offen
gesagt,
zweifeln wir an ihren Worten.
Ich stimme zu, daß jeder Vertrag

eine wirksame Verifizierung vorsehen
muß,
einschließlich
Vor-Ort-Inspektionen von Einrichtungen vor und während der Reduzierungen sowie kurzfristig anberaumte Inspektionen im Anschluß daran. Insgesamt gesehen sind
die von uns vorgelegten Verifizierungsmaßnahmen die einschneidendsten
in der Geschichte der Rüstungskontrollverhandlungen.
Ich werde mich
nicht mit weniger zufrieden geben.
Gleichzeitig mit den Fortschritten bei INF haben wir einschneidenden
Reduzierungen bei amerikanischen und
sowjetischen
strategischen
Waffen
höchste
Priorität
beigemessen.
Selbst Herr Gorbatschow hat strategische Waffen als die "Wurzel des Problems"
der
Rüstungskontrolle
beschrieben und wir stimmen mit ihm
überein. Aus diesem Grund haben wir
die Verhandlungen über strategische
Waffen in Genf vorangetrieben.
Bei
unserem Vorschlag, die strategischen
Arsenale um die Hälfte zu reduzieren,
sind große Fortschritte erzielt worden. Die Sowjets müssen jedoch aufhören, Reduzierungen bei den strategischen Offensivwaffen als Faustpfand
für Maßnahmen einzusetzen, die unser
SDI-Programm zunichte machen würden insbesondere, da die Sowjets bereits
Milliarden für ein eigenes strategisches Verteidigungsprogramm ausgeben.
Und das bringt mich zu den Ereignissen der letzten Woche in Moskau.
wie Außenminister shultz berichtete, hat er mit Außenminister Schewardnadse
und
Generalsekretär
Gorbatschow lebhafte, zum Teil sogar
erhitzte Diskussionen geführt.
Das
war keine Überraschung.
Die ganze
Bandbreite der Themen auf unserer Tagesordnung wurde abgedeckt.
Es wurden wichtige Schritte in Richtung auf
ein
INF-Abkommen
unternommen
und
Fortschritte auch in anderen Berei-

- 4 -

'

�chen erzielt, nicht nur bei der Rüstungskontrolle.
Wie ich heute bereits bekanntgegeben habe, wird Aussenminister Schewardnadse am 30. Oktober nach Washington kommen und zur
Fortsetzung dieser Gespräche mit mir
und Außenminister
Shultz zusammentreffen.
Lassen Sie mich wiederholen, was
ich bereits gesagt habe. Für die politisch Verantwortlichen und für Nationen können Gipfeltreffen nützlich
sein - Gelegenheiten zu offenen Gesprächen und eine Brücke für bessere
Beziehungen. Es wäre gut, wenn Herr
Gorbatshow unser Land einmal selbst
sehen könnte. Ich bin zu einer Fortführung
und Intensivierung
unserer
Verhandlungen bereit, aber ein Gipfeltreffen ist nicht die Voraussetzung für Fortschritte bei der vorliegenden Tagesordnung.
Wenn der Generalsekretär zu einem
Besuch der Vereinigten Staaten bereit
ist, werden ich und das amerikanische
Volk ihn willkommen heißen.
Wir dürfen nicht vergessen, daß
wir an diesem Punkt nur als stabiles
Bündnis angelangt sind - ein Bündnis,
das sich aus der NATO, dem Kongreß
und dem amerikanischen Volk zusammensetzt. Wenn wir weiterhin echte Ergebnisse sehen und die Sowjets von
ernsthaften Verhandlungen überzeugen
wollen, muß dieser Zusammenhalt fortbestehen.
Einige haben das Argument vorgebracht, wenn die INF-Raketen abgebaut
sind, hätte sich unsere Verpflichtung
gegenüber Europa abgeschwächt.
Dies
ist jedoch schlicht unrichtig.
Wir halten unsere uneingeschränkte Verpflichtung gegenüber der NATOStrategie aufrecht, Aggressionen auf
jeder Ebene abzublocken.
In Europa

selbst werden wir eine große Anzahl
von Nuklearwaffen unterschiedlichster
Kategorien
stationiert
lassen, bis
hin zu landgestützten Systemen - sowie Flugzeugen
und
Unterseebooten,
die als Trägersysteme für Nuklearwaffen eingesetzt werden können. Und in
Konsultationen mit unseren NATO-Partnern sind wir übereingekommen, daß
weitere Reduzierungen von Nuklearwaffen nur im Zusammenhang mit erheblichen Fortschritten im Kräfteverhältnis bei den chemischen und konventionellen Streitkräften stattfinden können.
Im
Verlauf
dieser
jahrelangen
Verhandlungen
sind neue Realitäten
ins Spiel gekommen - neue Realitäten,
die
neue
Möglichkeiten
eröffnen.
Insbesondere konnten wir in jüngster
Zeit
das
Entstehen
einer
Bereitschaft, ja sogar eines gewissen Eifers unter einigen unserer europäischen Verbündeten beobachten, bei der
Bereitstellung ihrer eigenen Verteidigung eine größere und besser koordinierte Rolle zu spielen. Wir Amerikaner begrüßen dies.
In den vergangenen vier Jahrzehnten hat 3ie NATO in der Tat ein Bündnis zwischen einer Vielzahl von Partnern und einem sehr überlegenen Partner verkörpert.
Heute jedoch haben
unsere europäischen Verbündeten sich
aus den Ruinen des Krieges zu neuer
Lebensfähigkeit, Wohlstand und wachsender Einheit als ein Kontinent erhoben.
Und deswegen möchte ich unterstreichen, daß das Bündnis jetzt
mehr und mehr zu einem Bündnis zwischen gleichen Partnern und tatsächlich
zwischen
Kontinenten
werden
sollte. Um die Worte des ehemaligen
Außenministers Henry Kissinger zu zitieren, ist es an der Zeit für unser
Land, " ... den Gedanken einer europäischen Identität bei der Verteidung
zu begrüßen, der letztlich die atlan-

- 5 -

�tische Zusammenarbeit anspornen muß".
Dies also ist die Abrechnung, die
ich
Ihnen
heute
vorlegen
wollte.
Denn, meine Damen und Herren in West
Point, ich glaube, das ist es - eine
Abrechnung - die wir, die politisch
Verantwortlichen im zivilen Bereich
Ihnen, die die Last unserer Entcheidungen zu tragen haben, von Zeit zu
Zeit schulden.
Aber ich bin nicht nur hierhergekommen, um Ihnen Informationen zu geben. Ich bin auch gekommen, um Hilfe
von Ihnen zu erbitten.
Wenn wir ein INF-Abkommen mit den
Sowjets erzielen, wenn seine Bestimmungen erfüllt und die INF-Raketen
vernichtet worden sind, werden Sie
Ihren Posten als Zugführer und Truppenkommandeure einnehmen - und selbst
dann, wenn ich und die anderen Mitglieder
der Administration
bereits
für einige Jahre ihr Amt niedergelegt
haben werden, steht
Ihre Karriere
erst am Anfang.
ich bitte Sie daher, die Zukunft
der Republik zu bewahren. Setzen Sie
den Mut und die Festigkeit ein, die
diese Akademie Sie beim Umgang mit
Ihren Gegnern lehrt.
Benutzen Sie
all Ihre Gechicklichkeit als Soldaten
und Ihren guten willen als Amerikaner, um die wachsende Beziehung mit
unseren Freunden und Verbündeten zu
erhalten und zu fördern.
Und verleugnen Sie nie - niemals - die Werte, für die diese Akademie und unser
Land stehen: Pflicht. Ehre. Vaterland.
Als Oberbefehlshaber war ich in
den vergangenen sieben Jahren immer
wieder von der hohen beruflichen Qualifikation unserer Offiziere und dem
Pflichtbewußtsein der Soldaten beeindruckt, die ich bei Geländeübungen

getroffen habe. Aber derjenige, der
mich am tiefsten beeindruckt hat, ist
ein
Angehöriger
des
amerikanischen
Heeres, den ich nie persönlich kennengelernt habe.
Er hieß Sean Luketina und war 23
Jahre alt. Er hatte nicht das Privileg, diese Akademie besuchen zu dürfen. Er war ein Feldwebel, ein Soldat, wie diejenigen, über die Sie das
Kommando führen werden.
In diesem Monat, im Oktober vor
vier Jahren, kämpfte Sean Luketina
bei der Invasion von Grenada.
Er
wurde verwundet - schwer verwundet.
Er wurde in ein Krankenhaus in Puerto
Rico evakuiert, wo sein Vater, ein
Heeresoffizier im Ruhestand, ihn besuchte.
Immer wieder verlor er das
Bewußtsein.
In einem Moment, in dem
er bei Bewußtsein war, fragte ihn
sein Vater: "Sean, war es das wert?"
"Ja, Vater," antwortete er.
Und dann fragte sein Vater ihn:
"Würdest Du es wieder tun, mein Sohn?"
Feldwebel Luketina sah seinem Vater in die Augen und sagte nur: "Zum
Teufel, ja, Vater."
Pflicht.
Ehre.
Vaterland.
Sean Luketina starb für die Sache, der die Armee dieser Republik
stets gedient hat, vom Hunger und
blutgetränkten Schnee in Valley Forge
bis hin zu der schweren Bürde der
Wachsamkeit an den Grenzen Deutschlands und Koreas. Es ist die Sache
des Lebens, wie Gott das Leben vor bestimmt hat.
Es ist die Sache der
menschlichen Freiheit.
Und so erklingen noch heute die
stolzen Worte wie vor 25 Jahren,
ebenso wie sie in dieser Akademie
noch in 25 Jahren erklingen werden,

�und 25 Jahre danach.
Vaterland.

Pflicht.

Ehre.

Erlauben sie mir die Bemerkung,
daß ich heute etwas empfinde, das
auch General MacArthur empfunden haben muß. Ihre Jugend, ihr Optimismus
geben mir Stärke. Und wenn ich auf
Ihre jungen Gesichter blicke, fühle
ich mich wie jemand, der von der Bühne abtritt, noch fast bevor Sie Ihren
ersten Auftritt hatten - in meinem
Herzen hege ich großes Vertrauen in
die Zukunft unseres Landes. Denn ich
weiß, daß Sie die Zukunft verteidigen
werden.

* * * * *

- 7 -

�AMERIKA DIENST
%

'"v"

Wissenschaft und Technik

&lt;&amp;

04. November 1987

39

DROGEN:

DER KONSUMENT MACHT SICH STRAFBAR

Immer mehr US-Bundesstaaten erlassen entsprechende Gesetze
WASHINGTON - (AD) - Immer mehr amerikanische Bundesstaaten gehen dazu
über, den Gebrauch von Rauschgiften ebenso unter Strafe zu stellen wie den
Handel mit Drogen. In drei Staaten sind bereits Gesetze in Kraft, denenzufolge z.B. bei Personen unter 21 Jahren der Besitz von Alkohol oder illegalen
Drogen automatisch zum Entzug des Führerscheins für ein Jahr führt. Die Gerichte von New York gehen dazu über, Kraftfahrzeuge von Personen zu beschlagnahmen, die beim Kauf von Kokain in allen seinen Handelsformen erwischt werden.
Aufgrund der bisherigen Erfahrungen müsse in der Öffentlichkeit klipp
und klar gesagt werden, daß die Konsumenten für ihr Handeln selbst verantwortlich seien, erklärte Dr. Ian Macdonald, der Sonderberater Präsident Reagans
für Maßnahmen zur Bekämpfung des Drogenmißbrauchs.
Dr. Macdonald erörterte die erweiterte Offensive der Vereinigten
Staaten im Kampf gegen Rauschgift mit
Experten aus juristischen, medizinischen und sozialen Berufen sowie mit
Journalisten im Rahmen einer Fernsehsatellitenübertragung des USIA-Worldnet-Programms
(Washington).
Angeschlossen waren Stationen in Bogota,
Caracas, Mexico City und Santo Domingo.
Während bei Personen, die keine
Drogen
nehmen, Vorbeugungsund Aufklärungsmaßnahmen am wirksamsten zu
sein
scheinen, dürften Konsumenten

United States Information Service
Embassy of the United States of America

von Rauschgift eher auf persönliche
Verluste, Strafverfolgung und Kritik
im sozialen Umfeld reagieren.
Immer
deutlicher zeige sich, daß "wir es
uns nicht länger leisten können, bei
anderen Drogenkonsum zu dulden", sagte Macdonald.
Und immer mehr setze
sich die Erkenntnis durch, daß man
selbst Verantwortung mittrage, wenn
man einem anderen weiterhin
freie
Hand lasse, durch sein Verhalten sich
selbst oder seine Familie, seine Firma oder sein Land zu gefährden.
Umfragen

aus

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

jüngster

Zeit

in

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�amerikanischen Familien und bei Oberschlülern deuten auf eine abflachende
Kurve für Einsteiger in den Kokainkonsum hin. Jedoch gebe es auch Anzeichen dafür, daß unter den schätzungsweise 12 Millionen Menschen, die
innerhalb eines Zeitraums von 12 Monaten Kokain nahmen, mehr als früher
dies regelmäßig und unter Gebrauch
größerer Mengen tun. Auch werde, so
Macdonald, über ernstere Folgen für
die Gesundheit berichtet - Notaufnahmen in Krankenhäuser, Eingliederung
in Therapieprogramme, bis hin zu Todesfällen.

großer Erfolg beschieden sein", meinte Dr. Macdonald.

Aus
dieser
Entwicklung
ergebe
sich - zumindest in den Vereinigten
Staaten - die Botschaft an alle, daß
"Kokain gefährlich ist und süchtig
macht", sagts Macdonald. "Leider machen aber die bereits Abhängigen die
Erfahrung, wie schwer es ist, den
Konsum dieser Droge zu beherrschen und sie sehen sich im Dilemma."
Eine härtere Haltung inbezug auf
Drogenkonsum ist auch aus neuen Gesetzen erkennbar, die im Hinblick auf
die Produktion von Drogen mit ähnlicher chemischer Zusammensetzung wie
illegale
Drogen
erlassen
werden.
Diese Art synthetischer Drogen ("designer drugs") sind mittels legaler
chemischer
Reagenzien
herstellbar.
Wie Macdonald erklärte, werden die
Gesetze so geändert, daß synthetisch
hergestellte Drogen, die verbotenen
Rauschmitteln sehr ähnlich sind, bis
zum Beweis des Gegenteils vom ersten
Tag an als illegal.gelten. Notwendig
sei auf jeden Fall eine umfassende
Strategie, die sowohl den Rechtsvollzug als auch die Drosselung des Konsums einbeziehe. Wenn man die Menschen nicht davon überzeugen könne,
gar nicht erst in den Drogenkonsum
einzusteigen oder die Abhängigen zum
Aussteigen
zu
veranlassen,
dürfte
"unseren anderen Anstrengungen kein
- 2 -

* * * * *

»

I

4

»

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gipfeltreffen am 7. Dezember in den Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gemeinsame Erklärung der amerikanischen und sowjetischen Seite&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan fuhrt INF-Fortschritte auf "Zusammenhalt" des&lt;br /&gt;Bündnisses zurück&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten in West Point&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Drogen: Der Konsument macht sich strafbar&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Immer mehr US-Bundesstaaten erlassen entsprechende Gesetze &lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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AMERIKA DIENST
Sonderdienst
4. November 1987
DIE WELTWIRTSCHAFT:

PERSPEKTIVEN FÜR EINE GETEILTE VERANTWORTUNG

Ansprache des amerikanischen Botschafters,
Richard R. Burt
vor der
Amerikanischen Handelskammer in der Bundesrepublik,
Atlantik-Brücke,
Industrie- und Handelskammer Mittlerer Neckar
Weißer Saal, Neues Schloß
Stuttgart
am 4. November 1987

Sperrfrist:

Mittwoch, 4. November 1987, 18.00 Uhr (MEZ)

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Herr Ministerpräsident Späth,
Herr Oberbürgermeister Rommel,
Generalbundesanwalt Rebmann,
Herr General Crowell,
General Child,
Herr Leibinger,
Professor Dr. Thümmel,
Herr Dr. Bechtle,
meine Damen und Herren.

Ich danke Herrn Ministerpräsident
Späth für seine freundlichen Begrüssungsworte. Ferner danke ich der Industrie- und Handelskammer Mittlerer
Neckar, der Repräsentanz
Stuttgart
der Amerikanischen Handelskammer in
Deutschland
sowie
der
Außenstelle
Baden-Württemberg der Atlantik-Brücke
für die Möglichkeit, heute abend hier
sein zu können.
Ich freue mich immer wieder über
einen Besuch in dem von Dynamik geprägten
Südwesten Deutschlands und
besonders in dieser schönen Stadt,

die in den deutsch-amerikanischen Beziehungen nach dem Kriege solch einen
besonderen Stellenwert einnimmt. Bei
den Zusammentreffen mit Ihrem tatkräftigen
Ministerpräsidenten
und
zahlreichen
anderen Vertretern
des
politischen, kulturellen
und wirtschaftlichen Lebens in Baden-Württemberg habe ich einen nachhaltigen Eindruck von der Intensität und Ernsthaftigkeit
deutsch-amerikanischer
Partnerschaft in dieser Region gewonnen.
Baden-Württemberg

zählt

zu

den

�wohlhabendsten und produktivsten Regionen der Bundesrepublik und pflegt
im Handels- und
Investitionsbereich
enge Verbindungen mit den Vereinigten
Staaten und vielen anderen Ländern
der Welt.
Der Handel zwischen den
Vereinigten Staaten und dem Südwesten
der Bundesrepublik beläuft sich jährlich auf
mehr
als
20 Milliarden
D-Mark.
Angesichts
einer
solchen
Außenhandelstätigkeit
liegt es auf
der Hand, daß internationale wirtschaftliche Entwicklungen für BadenWürttemberg von existentiellem Interesse sind.
Meine Damen und Herren, die jüngsten Turbulenzen auf den Wertpapiermärkten
hielten die Aufmerksamkeit
der Welt gefangen.
Es ist unerläßlich, daß wir das
Geschehene prüfen und versuchen, unsere Lehren daraus zu ziehen.
Aber
es ist wichtig, daß wir dabei ruhig
und analytisch vorgehen und uns nicht
von Emotionen leiten lassen. Insbesondere aber sollten wir wirtschaftlichen Nationalismus und gegenseitige
Schuldzuweisungen vermeiden.
Die Ereignisse der
vergangenen
drei Wochen haben eindeutig gezeigt,
daß die Weltwirtschaft noch stärker
verflochten ist, als wir dies bisher
angenommen hatten.
Auf sehr plastische Weise sehen wir uns mit den
Konsequenzen
der
Interdependenz in
der Weltwirtschaft konfrontiert.
Es
ist daher an der Zeit, nicht länger
anklagend den Zeigefinger zu erheben.
Statt dessen müssen wir jetzt die
Lehren aus dieser Krise ziehen - nämlich, daß die Weltwirtschaft dringend
ein
System geteilter
Verantwortung
benötigt. Es gibt keinen Ersatz für
die gemeinsame Führungsrolle der maßgeblichen Handelsländer.
Bundesbankpräsident Pohl hat sich zu Beginn
dieser Wochen in New York ähnlich ge-

äußert. Gegenüber dem American Council on Germany erklärte Herr Pohl:
"Es gibt keine Alternative zur engen
Zusammenarbeit von Politikern in einer Welt, in der die Märkte so eng
verflochten
sind
und
Schockwellen
nicht auf ein Land beschränkt werden
können."
Ich stimme voll und ganz
mit ihm überein.
Im Verlauf der letzten 40 Jahre
sind wir Zeugen eines tiefgreifenden
Wandels in der Weltwirtschaft geworden. Nach dem Zweiten Weltkrieg bis
in die fünfziger und sechziger Jahre,
als Europa und Japan sich allmählich
von der Verwüstung und den Erschütterungen des Krieges erholten, waren
die Vereinigten Staaten dem Rest der
Welt wirtschaftlich überlegen.
Aber
in den vergangenen 15 Jahren hat das
Kräfteverhältnis
in
der
Weltwirtschaft einen bemerkenswerten Wandel
erfahren. Heute treten Japan und Europa, angeführt von der Bundesrepublik Deutschland, als gleichwertige
Wirtschaftspartner
der
Vereinigten
Staaten in Erscheinung.
Japan und
die Bundesrepublik allein sind für
nahezu ein Fünftel des Welthandels
verantwortlich, so daß eine in Tokio
oder Bonn eingeschlagene Politik bedeutende weltweite Auswirkungen hat.
Aber haben sich politische Entscheidungsprozesse in der Weltwirtschaft
diesen Realitäten
angepaßt?
Die effektive Organisation der heutigen mehrpoligen Weltwirtschaft erfordert eine neue Art der Zusammenarbeit. Sie verlangt, daß die Bundesrepublik, Japan und die anderen führenden Industrieländer ihre Rolle und
ihre Verantwortung neu überdenken und
demgemäß handeln.
Es ist ernüchternd, wenn man sich
vor Augen führt, daß die internationale Gemeinschaft sich bereits in der
Vergangenheit dieser Herausforderung

- 2 -

�gegenübersah und an ihr versagte. Im
19. und frühen 20. Jahrhundert hatte
Großbritannien die Vorherrschaft in
der Weltwirtschaft inne.
Der Welthandel wurde von London aus beherrscht, Großbritannien
belieferte
den Markt und stellte die zur Führung
der
Weltwirtschaft
erforderlichen
Mittel bereit. Nach dem Ersten Weltkrieg begann dieses System zu brökkeln. Gegenüber Großbritannien stieg
die
wirtschaftliche
Macht
anderer
Länder - insbesondere der Vereinigten
Staaten - an, und es wurde immer komplizierter, eine Führungsrolle in der
Weltwirtschaft zu übernehmen.
Großbritannien suchte die Unterstützung
und Kooperation der Vereinigten Staaten.
Aber bei uns war die Stimmung
von Isolationismus und die Außenpolitik von Protektionismus geprägt. Der
Kongreß
verfügte
die
berüchtigten
Smoot-Hawley-Zölle,
mit
denen
die
Weltwirtschaft praktisch zum Stillstand kam und die Große Depression
der dreißiger
Jahre noch vertieft
wurde.
In den letzten drei Wochen haben
wir eine dringende Warnung erhalten:
die Weltmärkte erfordern eine koordinierte
und effektive
Führungsrolle
der Regierungen.
Es ist zwingend
notwendig, daß die führenden Industrieländer
die
Bundesrepublik,
Japan und die Vereinigten Staaten bei der Kontrolle der Kräfte auf den
Weltmärkten
zusammenarbeiten.
Und
den geeignetsten Ausgangspunkt hierfür bietet der Handel.

II. Handel
Der Handel bildet den Grundstein
der heutigen integrierten Weltwirtschaft.
Gegenwärtig befinden sich Welthandel und Zahlungsverkehr nicht im

Gleichgewicht. Bei den beiden größten Handelsländern - den Vereinigten
Staaten und der Bundesrepublik - besteht im Handel ein erhebliches Ungleichgewicht. Die Vereinigten Staaten importieren für 150 Milliarden
Dollar mehr im Jahr als sie exportieren.
Bei der Bundesrepublik übertrifft der Export den Import um 110
Milliarden D-Mark.
In einem dynamischen
multilateralen
System
herrscht bei den Handelsbilanzen selten ein vollständiges Gleichgewicht.
Aber das erhebliche Ungleichgewicht
im Handel der Vereinigten Staaten,
der Bundesrepublik, Japans und anderer Haupthandelsländer ist nicht normal, nicht erträglich und kaum vereinbar mit einer langfristigen Stabilität im internationalen Handel und
Zahlungsverkehr.
Ich möchte mich jetzt dem amerikanischen
Handelsdefizit
zuwenden.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist nahezu jeder der Meinung, daß das starke
amerikanische Wachstum die Attraktivität unserer Währung erheblich erhöhte. Das Ergebnis war ein überbewerteter Dollarkurs, der die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Produkte im In- und Ausland
untergraben
hat.
Angegriffen
vom Wechselkurs,
der schwindenden Inlandsnachfrage in
hochverschuldeten Entwicklungsländern
und relativ geringem Wachstum außerhalb der Vereinigten Staaten stagnierten unsere Exporte, während die
Importe
ins Unermeßliche
gestiegen
sind.
Manche behaupten, das Handelsdefizit spiegele die minderwertige Qualität amerikanischer Produkte wider
oder
den Niedergang
amerikanischer
Produktivität oder irgendein anderes
grundsätzliches
Problem der amerikanischen Wettbewerbsfähigkeit.
Aber
die Tatsachen leisten dieser Meinung
keinen Vorschub.

- 3 -

�Bis zum Jahr 1981, das heißt, bis
der Dollar eine Wertsteigerung erfuhr, hatten die Vereinigten Staaten
einen
erheblichen
Handelsüberschuß.
Es scheint schwer vorstellbar, daß
die Qualität amerikanischer Produkte
in so kurzer Zeit so rapide abgenommen haben soll.
Vielmehr hat das
amerikanische
Management
unter dem
Druck preiswerter Importe seine Kosten auf ein Minimum zurückgeschraubt
und somit im Hinblick auf Produktivität und Effizienz erhebliche Verbesserungen erzielt. Das ist nicht ohne
erhebliche Kosten und Anpassungen im
Inland erreicht worden. Der Wert der
Betriebsvermögen
ist gefallen, und
Unternehmen,
Banken
und
landwirtschaftliche
Betriebe
mußten
ihre
Pforten schließen. Aber als Ergebnis
stehen amerikanische Geschäftsbetriebe heute besser da als in vielen Jahren zuvor, um den Herausforderungen
des in- und ausländischen Wettbewerbs
zu begegnen.
Wie die Verbraucher in der Bundesrepublik bevorzugen auch die Amerikaner
Fernsehgeräte,
Fotokopierer
und Videorecorder aus Japan.
Aber
auch wir stellen Produkte her, für
die in der Welt Nachfrage besteht.
Im vergangenen Jahr erreichten die
amerikanischen Exporte in die Bundesrepublik Deutschland einen Gesamtwert
von 27 Milliarden D-Mark.
Für die
Bundesrepublik sind die Vereinigten
Staaten
der
führende
ausländische
Lieferant für Computer-Hardware and
Software. Die amerikanischen Exporte
von Maschinen, Transportausrüstungen
und
Präzisionsinstrumenten
beliefen
sich auf nahezu elf Milliarden D-Mark.
Makroökonomische
Faktoren
haben
heute den größten Einfluß auf den
amerikanischen Handel.
Die Beweise
für diese Behauptung treten gerade
jetzt zutage.
Aufgrund der augenblicklichen
hohen
Dollarabwertung

zeigen die Handelsdaten nach heutigem
Dollarkurs weiterhin ein erhebliches
Defizit der Vereinigten Staaten an.
Zieht man den Schleier des Geldes jedoch einmal beiseite, dann erkennen
wir einen schnellen Anstieg amerikanischer Exporte: im August um 15
Prozent jährlich, während unsere Importe real weder fallen noch steigen.
Dies bedeutet nicht, daß wir unsere Exportleistungen nicht noch verbessern könnten. Die Größe des amerikanischen
Binnenmarktes macht es
vielen Firmen immer noch leicht, die
Komplexität
des
Welthandels
außer
acht zu lassen. In unserem Land bestehen Gesetze und Vorschriften, die
Exporte sogar abschrecken.
Und im
Hinblick auf die für Erfolge auf Auslandsmärkten notwendigen langfristigen und geduldigen Anstrengungen müssen wir noch viel von Europa und
Japan lernen.
Wir müssen Sprachen
lernen und uns mit fremden Kulturen
vertraut machen; wir müssen lernen,
unsere Produkte ausländischen Normen
und Geschmacksrichtungen besser anzupassen.
Was wir jedoch nicht benötigen,
sind die Rezepte der Protektionisten.
Leider ist es für die Befürworter
des Protektionismus nur allzu leicht,
ihre Ansichten zu rechtfertigen. Sie
können anführen, daß amerikanischen
Herstellern ausländische Märkte nicht
in demselben Maß offenstehen, wie der
amerikanische Markt ausländischen Anbietern zugänglich ist. Zu viele europäische Regierungen subventionieren
und schützen zu viele heimische Industrien.
In der Bundesrepublik sind
Subventionen
ein solch
anerkannter
Bestandteil
des
Wirtschaftslebens,
daß man über deren verzerrende Wirkungen erst jetzt ernsthaft zu diskutieren beginnt.

- 4 -

�Allein
in
der
Bundesrepublik
Deutschland sind fast 10 Milliarden
D-Mark an Subventionen in das AirbusProgramm geflossen.
Ein Teil davon
wird zurückgezahlt werden, das meiste
jedoch nicht. Die Schaffung und Erhaltung
einer
Luftfahrtindustrie
durch Subventionen fördert im In- und
Ausland eine ineffiziente internationale Verteilung von Mitteln. Letztlich zahlen die Verbraucher in der
ganzen Welt mehr für weniger. In der
vorigen Woche haben sich amerikanische und europäische Unterhändler
erfolgreich darum bemüht, einen Rahmen zu erstellen, um unsere Meinungsverschiedenheiten in bezug auf den
Airbus beizulegen.
Eine meiner Meinung nach annehmbare Lösung wird jedoch den Abbau von Subventionen und
mehr Transparenz der Unterstützungsprogramme für den Airbus erfordern.
Auch die Politik im Telekommunikationswesen
muß überdacht werden.
Hier erleben wir schnelle Veränderungen sowohl bei den Technologien wie
auch bei den institutionellen Organisationsformen.
Auch in diesem Bereich stellen wir fest, daß der Markt
die treibende Kraft des technologischen Wandels ist.
Der internationale Wettbewerb auf
dem
Telekommunikationssektor
drängt
die Unternehmen nicht nur dazu, in
schnellerem Tempo billigere und bessere Geräte und Dienstleistungen zu
erfinden. Die umfangreiche Einbeziehung von Wettbewerbskräften hat das
Telekommunikationswesen in den Vereinigten
Staaten,
Großbritannien,
Japan und Frankreich gestärkt.
Auch
die Bundesrepublik Deutschland wird
endlich von diesem Wandel erfaßt.
Die von Professor Witte geleitete Regierungskommission für die Neuordnung
des Fernmeldewesens hat vor kurzem
ihren Bericht vorgelegt. Die Kommission hat sorgfältige und durchdachte

Arbeit
geleistet.
Unserer
Meinung
nach
verdienen
ihre
Empfehlungen
ernsthafte, schnelle und wohlwollende
Beachtung, denn auch hier kann eine
ängstliche und starre Haltung uns allen nur Schaden zufügen.
Das
schwerwiegendste
und
vordringlichste
Problem
des
heutigen
Welthandels ist jedoch die Landwirtschaft. Ganz offen gesagt, haben wir
es mit einer Krise zu tun. Die Kosten landwirtschaftlicher Unterstützungsprogramme sind außer Kontrolle
geraten.
Die Steuerzahler in der Europäischen
Gemeinschaft
werden
dieses
Jahr 26 Milliarden Dollar und die
Verbraucher zusätzlich 40 Milliarden
Dollar ausgeben, um die Gemeinsame
Agrarpolitik
zu unterstützen.
Der
Großteil dieser Gelder wird die Bauern noch nicht einmal erreichen! Dem
EG-System zufolge kostet es den Steuerzahler eine Mark fünfzig, um dem
Erzeuger eine Mark zukommen zu lassen. Es wäre sehr viel billiger, dem
Produzenten direkt die eine Mark zu
geben.
Innerhalb von wenigen Jahren ist
die Europäische Gemeinschaft vom Importeur von Agrarprodukten zu einem
Hauptexporteur geworden.
Die EG ist
heute der Welt größter Exporteur von
Butter,
Geflügel,
Rindfleisch
und
raffiniertem Zucker.
Die
Überschüsse
sind
riesig.
Eine Bonner Verbrauchergruppe berichtete kürzlich, daß die Europäische
Gemeinschaft im vergangenen Jahr über
zweieinhalb Millionen Tonnen Früchte
und Gemüse vernichtet hat.
Sie erklärte weiter, daß dieses Vernichtungsprogramm Kosten von 500 Millionen
D-Mark
verschlang, wovon
ein
Drittel auf den deutschen Steuerzahler entfiel. Die Menge vernichteter

- 5 -

�Tomaten, Pfirsiche, Spfel und anderer
Erzeugnisse war so hoch wie die halbe
Jahresproduktion
der
Bundesrepublik
Deutschland.
Aber im Agrarbereich sieht unsere
Bilanz nicht viel besser aus als Ihre. Auch uns bedrücken Subventionen
und Überproduktion.
Auf beiden Seiten des Atlantiks
ruinieren wir nicht nur uns selbst,
sondern wir fügen auch Freunden und
Verbündeten
in Industrie- und Entwicklungsländern Schaden zu.
Zur Bewältigung dieser Krise haben die Vereinigten Staaten bei der
gegenwärtig in Genf tagenden UruguayRunde multilateraler Handelsgespräche
einen
umfassenden
Reformvorschlag
vorgelegt.
Wir schlagen vor, praktisch alle Agrarsubventionen und Handelsschranken innerhalb einer Zehnjahresfrist auslaufen zu lassen.
Kritiker haben unseren Vorschlag
utopisch, naiv oder noch schlimmer
genannt. Aber da so viele unter uns
für eine so geringe Gegenleistung so
viel bezahlen, ist eindeutig die Zeit
des Handelns gekommen. Kein Land allein kann die heutigen Praktiken abschaffen, ohne durch die Maßnahmen
anderer schwer geschädigt zu werden.
Die einzige Hoffnung bietet ein umfassendes
internationales
Abkommen,
mit dem jeder zu einheitlichem Vorgehen und einem einheitlichen Zeitplan
verpflichtet wird.
Wir wissen, daß
dies ein sehr ehrgeiziges Unterfangen
ist und
daß eine
Einigung
nicht
schmerzlos sein wird.
Wenn wir jedoch Erfolg haben, werden die Vorteile für die Landwirtschaft der Welt,
den Welthandel und eine gesunde Weltwirtschaft alle Mühen und Anstrengungen wert sein.

III. Makroökonomische Politik und
Wachstum
Dies sind jedoch Ziele für die
Zukunft. Lassen Sie mich zur Gegenwart zurückkehren.
Heute befürchten
viele eine Rezession. Manchmal vergessen wir, daß sich die führenden
Industrieländer vor sechs Jahren in
einer solchen befanden. Die Arbeitslosigkeit stieg jährlich um fünf Millionen, und die Inflationsrate betrug
nahezu zehn Prozent. Es gab Spekulationen über einen Anstieg des ölpreises auf über 50 Dollar pro Faß und
Sorgen wurden laut, einige der großen
Schuldnerländer der Dritten Welt seien der Zahlungsunfähigkeit nahe.
Heute sind die meisten OECD-Länder
von
Wohlstand
geprägt.
Die
durchschnittliche Inflationsrate ist
noch nicht einmal halb so hoch wie
vor fünf Jahren.
Die Verschuldung
der Dritten Welt ist weiterhin ein
Problem, aber die Gefahr der Zahlungsunfähigkeit ist erheblich geringer geworden.
Die amerikanische Wirtschaft war
die treibende Kraft hinter dieser bemerkenswerten Kehrtwendung. Wir sind
im Begriff, die längste Periode anhaltenden Wirtschaftswachstums in unserer modernen Geschichte zu verzeichnen. In den letzten drei Jahren
stieg
das Bruttosozialprodukt
real
jährlich
um
durchschnittlich
fast
vier
Prozent.
Die
Inflationsrate
fiel von über zehn Prozent in den
frühen achtziger Jahren auf ein Niveau von nur ein Prozent im vergangenen Jahr, und auch dieses Jahr bleibt
der Preisanstieg
gering.
Fast 14
Millionen neuer Arbeitsplätze wurden
in den vergangenen fünf Jahren in den
Vereinigten Staaten geschaffen.
Professor
Lester
schaftswissenschaftler

- 6

Thurow, Wirtam
Massachu-

�setts Institute of Technology, hat
geschätzt, daß das Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten zusätzlich zu neuen Arbeitsplätzen in
der amerikanischen Wirtschaft sechs
Millionen Arbeitsplätze in Europa und
Japan geschaffen hat. Ohne das amerikanische Wirtschaftswachstum in den
achtziger
Jahren wären Europa und
Japan heute damit beschäftigt, sich
von einer Rezession zu erholen, anstatt sie zu verhindern.
Wie Sie sicherlich wissen, hat
das amerikanische Wirtschaftswachstum
der letzten Jahre jedoch auch seinen
Preis
gefordert.
Die
Vereinigten
Staaten verzeichnen heute sehr hohe
Defizite
in Haushalt
und Handel.
Wirtschaftswissenschaftler
sind
bekannt dafür, daß sie über fast alles
unterschiedlicher Meinung sind. Über
einen Punkt sind sich jedoch fast alle einig:
Diese in der Weltwirtschaft
bestehenden
Ungleichgewichte
in Finanzwesen und Handel - einschließlich der amerikanischen Haushalts- und Handelsdefizite - lassen
sich nicht aufrechterhalten.
Langfristig werden die Wirtschaftskräfte
uns wieder ins Gleichgewicht zurückdrängen.
Die Kurseinbrüche an den Aktienmärkten könnten uns jedoch zum Teil
die Botschaft vermitteln, daß langfristige
Perspektiven
ungemütlich
kurz werden. Anpassung - eine Rückkehr zum Gleichgewicht - wird stattfinden, gleichgültig, ob wir uns dagegen wehren oder sie fördern.
Die
Wahl vor der wir stehen - und es ist
unsere einzige Wahl - ist, ob wir uns
auf einem hohen Handelsniveau durch
Wachstum oder auf einem niedrigen
durch Rezession anpassen.

IV.

Anpassung

Welchen Weg könnte die Anpassung
einschlagen?
Einige vertreten die
Auffassung, daß Protektionismus der
Weg zur Wiederherstellung des Gleichgewichts ist. Sie glauben, daß verminderter Zugang ausländischer Produkte zu den amerikanischen Märkten
der einfachste und logischste Weg zur
Verringerung des Handelsdefizits der
Vereinigten Staaten ist.
Eine Verlangsamung
der amerikanischen Konjunktur wäre eine weitere Möglichkeit.
Wenn wir in den Vereinigten
Staaten die Bremse anziehen, würden
sich die Importe verringern und das
Handelsdefizit sinken. Ein Zusammenbruch des Dollar würde ein Gleichgewicht erzwingen, jedoch auf Kosten
höherer
Zinssätze.
Ist
dies
das
Gleichgewicht,
das
wir
anstreben?
Eindeutig nicht.
Dies würde verlangsamtes Weltwirtschaftswachstum, höhere Arbeitslosigkeit und schlechtere Aussichten
für die hochverschuldeten
Entwicklungsländer
zur Folge haben.
Die
Welt würde in eine Rezession gestürzt.
Die Herausforderung, mit der wir
uns konfrontiert sehen, ist der notwendige Abbau der Ungleichgewichte,
während gleichzeitig ein hohes Niveau
der Wirtschafts- und Handelstätigkeit
aufrechterhalten wird. Die Ereignisse der vergangenen drei Wochen bestätigen, daß dies am besten - und in
der Tat ausschließlich - auf gemeinsamer Basis erreicht werden kann.
Die Vereinigten Staaten, die Bundesrepublik Deutschland und andere führende Wirtschaftsnationen müssen gemeinsam einen Prozeß der Anpassung
einleiten, durch den Ungleichgewichte
bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung
einer gesunden Weltwirtschaft verringert werden.

- 7 -

�Die erforderliche Anpassung hat
unterschiedliche, sich jedoch gegenseitig
verstärkende Bemühungen zur
Folge.
Mit anderen Worten, es muß
eine
Arbeitsteilung
zwischen
den
Uberschußländern
und den defizitär
wirtschaftenden
Ländern geben.
Im
Handelsbereich wird von den Vereingten Staaten die Ablehnung protektionistischer Maßnahmen gefordert sowie
die kontinuierliche Anpassung an die
Mechanismen
ausländischen
Wettbewerbs.
Von der Bundesrepublik wird
die Lockerung von Verkrustungen des
Markts durch Deregulierung, Liberalisierung und Kürzung von Subventionen
verlangt.
Bei der Steuer- und Währungspolitik
kommt den Vereinigten
Staaten die Aufgabe zu, weiterhin
energisch eine Politik zu verfolgen,
die auf eine Verringerung des Haushaltsdefizits ausgerichtet ist. Die
Aufgabe der Bundesrepublik Deutschland
ist
es,
nichtinf lationärr.s
Wachstum im Inland zu fördern.
In den vergangenen Jahren konnte
das
Wirtschaftswachstum
in
Europa
bestenfalls als mäßig bezeichnet werden. In den Ländern der Europäischen
Gemeinschaft sind 16 Millionen Menschen ohne Arbeit und seit den siebziger Jahren wurden unter dem Strich
gesehen so gut wie keine neuen Arbeitsplätze geschaffen. Die Europäer
- einschließlich zahlreicher Bundesbürger - scheinen der Auffassung zu
sein, wenn Europa bereit ist, mit hoher
Arbeitslosigkeit
und
relativer
Stagnation zu leben, so sei dies Europas Sache und zwar ausschließlich.
Heute abend habe ich keine wichtigere
Botschaft zu übermitteln, als ihnen
folgendes zu sagen: Alles, was Europa im Bereich des Wachstums unternimmt, ist entscheidend für die Gesundung der Weltwirtschaft.
Gleichgültigkeit
und
Selbstzufriedenheit
könnten die Welt in eine Rezession
treiben.

Der entscheidende Punkt ist nämlich, daß die Vereinigten Staaten es
sich nicht länger leisten können, für
die Welt der Konsument zu sein, auf
den man in letzter Minute zurückgreift.
Wir können nicht weiterhin
für anhaltendes Weltwirtschaftswachstum sorgen und gleichzeitig unser eigenes Ungleichgewicht beheben.
Angesichts der gegenwärtigen Situation vernimmt man in der Bundesrepublik Deutschland häufig das Argument, eine drohende Inflation verhindere entschiedenere Bestrebungen zur
Stimulierung des Wachstums. Mit einem weit unterhalb seinen Möglichkeiten liegendem Wirtschaftswachstum und
einer - in diesem Jahr - höchstwahrscheinlich weniger als ein Prozent
ausmachenden Inflationsrate erscheint
mir die Furcht vor diesem Gespenst
der Inflation unbegründet.
Die fünf
führenden
deutschen
Wirtschaftsforschungsinstitute scheinen meine Meinung zu teilen und haben in dieser
Woche eine auf größere Expansion ausgerichtete Politik gefordert.
Seien Sie versichert, ich bin mir
des Beitrags voll und ganz bewußt,
den die Vereingten Staaten zu diesem
Anpassungsprozeß leisten müssen. Die
Hand in Hand gehenden Handels- und
Haushaltsdefizite
müssen
verringert
werden.
Und sie verringern sich.
Wie ich bereits erwähnte, steigen die
amerikanischen Exporte drastisch an.
Das Bundeshaushaltsdefizit, das sich
im Fiskaljahr 1986 auf 220 Milliarden
Dollar belief, ging im Jahr 1987 um
70 Milliarden zurück.
Ein weiter Weg liegt noch vor
uns, aber echte Fortschritte sind bereits erzielt worden.
Es mag Sie
überraschen, daß das Haushaltsdefizit
der Vereingten Staaten, wenn die sehr
hohen Haushaltsüberschüsse der Bundesstaaten und Gemeinden hinzugerech-

- 8 -

�net werden, insgesamt gesehen niedriger ist als das der OECD-Länder im
Durchschnitt.
Diskussionen zwischen
dem Präsidenten und dem Kongreß über
eine weitere Reduzierung des Defizits
sind mit erneuter Dringlichkeit aufgenommen worden, und zusätzliche einschneidende Kürzungen stehen in Aussicht. Die Vereinigten Staaten bemühen sich intensiv, die von ihnen geforderten
Anpassungen
vorzunehmen.
Es ist von vorrangiger Bedeutung, daß
sie im Einklang mit den deutschen
stehen.
Lassen Sie mich dies eindeutig
klarstellen:
Ich spreche nicht über
die inzwischen angezweifelte Lokomotiv-Theorie der siebziger Jahre. ich
spreche vielmehr von einer koordinierten
Strategie
des
stabilen,
nichtinflationären Wachstums der führenden Industrienationen.
Nur wenn
die Bundesrepublik bereit ist, eine
Strategie zugunsten des Wachstums zu
verabschieden, wird es möglich sein,
ein hohes Niveau im Welthandel und
bei der Wirtschaftstätigkeit zu erzielen.

V.

Schlußbemerkung

Inmitten der Aufregung über die
jüngsten Ereignisse ist es von vorrangiger Bedeutung, die Dinge in ihrer richtigen Perspektive zu belassen.
Die nach dem Zweiten Weltkrieg
gegründeten
internationalen
Wirtschaftsinstitutionen haben uns gute
Dienste geleistet. Es ist nicht zuviel gesagt, daß sie hervorragend
funktioniert haben.
Sie haben uns
Stabilität
und Wohlstand gebracht,
die in der Geschichte ihresgleichen
suchen.

sich

Vor
25 Jahren stellte mancher
noch ernsthaft die Frage, ob

zentral
gelenkte Wirtschaften
oder
freies
Unternehmertum
größere
Aussichten
für
die
Befriedigung
der
wirtschaftlichen Bedürfnisse der Welt
hätten.
Diese Diskussion ist beendet. Heute sind die Marktkräfte und
Marktinstitutionen weltweit als die
mächtige
Antriebskraft
für
wirtschaftlichen Wohlstand anerkannt, die
sie tatsächlich sind. Diese Tatsache
wird von den Entwicklungen in China
und der Sowjetunion noch untermauert.
Die Vereinigten Staaten spielen
in der Weltwirtschaft immer noch eine
bedeutende Rolle.
Aus gutem Grund
blicken die freien Menschen - ebenso
wie die unfreien - auf die Vereinigten Staaten als politische, wirtschaftliche und moralische Führungskraft.
Und wir sind immer noch bereit und in der Lage, diese Rolle zu
übernehmen.
Aber die Welt kann sich nicht
länger auf die Vereinigten Staaten
allein verlassen, wenn es um die in
der Weltwirtschaft notwendige Führung
geht.
Der beispiellose wirtschaftliche Aufschwung der Nachkriegszeit
war so durchgreifend und so erfolgreich, daß die relative Wirtschaftsmacht anderer - besonders Japans und
der Bundesrepublik - sich erheblich
verbessert hat.
Mit dieser
Macht
entsteht Verantwortung.
Die Wirtschaftsmächte der Welt müssen über
engstirnige
Anliegen
hinausschauen.
Jeder von uns sollte seine Handlungen
in einer weiteren Perspektive betrachten. Wir müssen die Auswirkungen unserer politischen Maßnahmen und
die Untätigkeit der anderen auf das
Wohlergehen und das gesamte Erscheinungsbild der Weltwirtschaft abwägen.
Die Vereinigten Staaten akzeptieren ihre Verantwortung.
Wir müssen
das Handels- und Haushaltsdefizit abbauen und gleichzeitig ein Wachstum

- 9 -

�ohne
Inflation hervorbringen.
Die
Pflicht, die der Bundesrepublik und
ihren europäischen Partnern zukommt,
besteht darin, größere Märkte für ihre eigenen sowie die Produkte der
Welt
bereitzustellen.
Die Bundesrepublik muß das Wirtschaftswachstum
mit einer angemessenen Mischung aus
Währungspolitik, steuerlichen Maßnahmen und Strukturpolitik ankurbeln.
Bei unserem Zusammentreffen heute
abend können wir uns eines Gefühls
der Besorgnis über die Solidität der
Weltwirtschaft nicht erwehren.
Ich
wiederhole nochmals: Die Märkte haben gerade eine ernstliche Warnung
möglicher
Konseguenzen
des
wirtschaftlichen
Nationalismus,
wirtschaftlicher
Engstirnigkeit
und
Selbstzufriedenheit abgegeben.
Gleichzeitig ist dies ein Augenblick
historischer
Chancen.
Mit
Weitblick und politischem Mut können
wir ein System geteilter Verantwortung hervorbringen.
Dies muß unser
Ziel sein.

* * * * * *

�</text>
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^7

AMERIKA DIENST

&lt;#

1 2 . November 1987

40

I N H A L T

INFORMATIONEN
Präsident Reagans neuer Verteidigungsminister
- Ein Kurzporträt von Frank Carlucci Neuer Nationaler Sicherheitsberater mit 'Entschlußkraft*
- Kurzbiographie von Generalleutnant Colin Powell -

DOKUMENTATION
Reagan: INF-Vertrag muß langfristig im Interesse der NATO liegen
- Worldnet-Ansprache des amerikanischen Präsidenten -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
UN-Resolution: Gemeinsam gegen AIDS
- Offenheit, tatkräftige Programme, Zusammenarbeit - Experten und
Politiker sind gefordert NASA-Starttermine bis 1995
- Bemannte und unbemannte Missionen für Forschung, Verteidigung und
Wetterbeobachtung -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Information
12. November 1987

40

PRÄSIDENT REAGANS NEUER VERTEIDIGUNGSMINISTER
- Ein Kurzporträt von Frank Carlucci -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan zufolge, der seinen jetzigen nationalen Sicherheitsberater für das Amt des Verteidigungsministers nominiert hat,
ist Frank Carlucci "der am besten qualifizierte Mann in den Vereinigten Staaten, um die Arbeit von Cap (Weinberger) weiterzuführen".

Im Lauf seiner langen und hervorragenden
Laufbahn
im
öffentlichen
Dienst erwarb Carlucci sich den Ruf
eines "guten Zuhörers und Mitarbeiters, der politische Entscheidungen
umzusetzen versteht".
Im Falle seiner Bestätigung d m c h
den Senat wird er in das Pentagon als
Nachfolger Caspar Weinbergers zurückkehren, zu dessen Mitarbeitern er als
Stellvertretender Minister schon früher gehörte. Weinberger hatte am 5.
November 1987 seinen Rücktritt angekündigt .

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Bekannt
als Verwaltungsfachmann
und Krisenmanager der Reagan-Administration ist Carlucci seit elf Monaten Berater des Präsidenten in Angelegenheiten
der nationalen
Sicherheit. Er hatte diesen Posten während
der
Iran-Contra-Ermittlungen
übernommen .
Außerdem
hatte
Carlucci
schon
hochrangige Positionen beim Geheimdienst
CIA, im Gesundheitsministerium, Amt für Haushaltsplanung (OMB),
dem Büro für wirtschaftliche Chancengleichheit (OEO) und dem auswärtigen

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Dienst inne, wobei er sowohl republikanischen wie auch demokratischen Administrationen diente.
Carlucci wurde im Jahr 1930 in
Scranton,
Pennsylvania,
geboren.
Nach dem Besuch der Wyoming Seminary
College
Preparatory
School
in
Kingston, Pennsylvania, ging er zur
Universität Princeton, wo er im Jahr
1952 den Grad
eines Bachelor
in
Business Administration erwarb.
Nach dem Besuch des College diente er als Geschützoffizier in der Marine auf der USS Rombach. Er wurde
im Jahr 1955 im Rang eines Leutnants
entlassen. Danach führte er im Jahr
1956 weiterführende Studien im Fach
Business Administration an der Universität Harvard durch.
Nach seinem Eintritt in den auswärtigen Dienst der Vereinigten Staaten im Jahr 1956 diente Carlucci als
Vize-Konsul und Wirtschaftsattache in
Johannesburg.
Im Jahr 1960 wurde er
nach Zaire (der damaligen Demokratischen Republik Kongo) versetzt, wo
er
zunächst
Vize-Konsul
und
anschließend zweiter Sekretär zuständig
für politische Angelegenheiten war.
Nach
einer
Dienstzeit
im
Washingtoner Außenministerium als zuständiger Referent für den Kongo im
Jahr 1962 diente Carlucci kurzzeitig
in Tansania. Von 1965 bis 1969 hatte
er verschiedene Verwaltungsposten an
der amerikanischen Botschaft in Brasilien inne.
Während
seiner
diplomatischen
Laufbahn wurde er mit dem Superior
Service
Award
ausgezeichnet,
der
höchsten Auszeichnung des auswärtigen
Dienstes. Für seinen Dienst in Brasilien erhielt er außerdem den Superior Honor Award.

Auf Initiative des damaligen Direktors des Büros für wirtschaftliche
Chancengleichheit
(OEO),
Donald
Rumsfeld, eines alten Freundes, beschäftigte sich Carlucci anschließend
mit dem Kampf gegen die Armut.
In
den Jahren 1969 und
1970 war er
Rumsfelds Nachfolger als Direktor des
OEO.
1971 wurde Carluci von Präsident
Nixon zum beigeordneten Direktor des
Amtes für Haushaltsplanung berufen.
Dessen
damaliger
Direktor,
Caspar
Weinberger, beförderte ihn nach einem
Jahr zu seinem Stellvertreter.
Von
1972 bis 1974 war er Unterstaatssekretär für Gesundheit, Bildung und Sozialwesen.
Von 1975 bis 1978 diente Carlucci
unter den Präsidenten Ford und Carter
als Botschafter der Vereinigten Staaten in Portugal. Im Jahr 1978 wurde
er zum Stellvertretenden Direktor der
Central intelligence Agency ernannt.
Er übte diese Funktion bis 1981 aus,
als er nach der Wahl Reagans zum
Stellvertretenden
Verteidigungsminister unter Caspar Weinberger berufen wurde.
1983 wechselte Carlucci in die
Privatwirtschaft über und wurde Präsident von Sears World Trade Inc.,
einer in Washington ansässigen Firma,
die sich mit dem weltweiten Ankauf
und Vertrieb von Rohstoffen und Fertigprodukten beschäftigt. Als Reagan
ihn zum Nationalen Sicherheitsberater
ernannte, war er Aufsichtsratsvorsitzender dieses Unternehmens.
Carlucci
drei Kinder.

ist verheiratet

* * * * *

und

hat

�AMERIKA DIENST
'VON

Information

4

12. November 1987

40

NEUER NATIONALER SICHERHEITSBERATER MIT "ENTSCHLUSSKRAFT"
- Kurzbiographie von Generalleutnant Colin Powell -

WASHINGTON - (AD) - Der von Präsident Reagan am 5. November 1987 zum neuen
Sicherheitsberater ernannte Generalleutnant Colin Powell wird von seinen Kollegen für seinen "scharfen Intellekt" und seine "pragmatische Entschlußkraft"
geschätzt.

Der 50jährige Powell war seit Januar 1987 stellvertretender Berater
des Präsidenten zu Fragen der nationalen Sicherheit und im Nationalen
Sicherheitsrat
(NSC)
direkt
Frank
Carlucci unterstellt, der von Präsident Reagan am 5. November zum neuen
Verteidigungsminister ernannt wurde.

zu, daß Powell und Carlucci bei der
"Umstrukturierung und Leitung des Nationalen Sicherheitsstabes" eng zusammengearbeitet
hätten
und
"mit
Powell an der Spitze des Nationalen
Sicherheitsrates wird ein nahtloser
Übergang geschaffen und das gute Team
bleibt bestehen".

"General Powell hat eine hervorragende Laufbahn im militärischen Bereich sowie auf der höchsten Ebene
unserer Regierung absolviert", sagte
der Präsident bei Bekanntgabe der Ernennung. Präsident Reagan fügte hin-

Vor seiner Tätigkeit beim NSC war
Powell von 1986-1987 Kommandierender
General des 5. Korps der U.S. Army in
der Bundesrepublik Deutschland.
Von
1983-1986 war er der ranghöchste Militärberater
von
Verteidigungsmi-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�nister Weinberger und brachte sein
Fachwissen und seinen Rat in militärische Operationen wie den Luftangriff
auf Libyen im Jahr 1986 ein.
Powell wird aufgrund seiner langjährigen militärischen Erfahrung im
Gelände als "echter Soldat" angesehen. Er hatte unter anderem in Fort
Leavenworth, Kansas, und Fort Carson,
Colorado, Schlüsselpositionen
inne.
Für eine im Jahr 1963 in Vietnam erlittene Verwundung wurde er mit dem
"Purple Heart" ausgezeichnet.
Powell, der als erster Schwarzer
den höchsten nationalen Sicherheitsposten übernimmt, machte im Jahr 1958
seinen Studienabschluß am City College in New York und wurde damals zum
Leutnannt ernannt. Er durchlief die
Ränge im Heer in rascher Folge. Zusätzlich zum Purple Heart erhielt er
zahlreiche militärische Auszeichnungen wie die Distinguished
Service
Medal und den Bronze Star.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

12. November 1987

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REAGAN: INF-VERTRAG MÜSS LANGFRISTIG IM INTERESSE DER NATO LIEGEN
- Worldnet-Ansprache des amerikanischen Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - In einer am 4. November 1987 über "Worldnet", den Satellitenfernsehsender des US-Informationsamts, übertragenen Ansprache zu den
gegenwärtigen Verhandlungen über Mittelstreckenwaffen (INF) hat Präsident
Reagan erklärt, jeder Vertrag über Atomwaffen mit der Sowjetunion werde "realistisch sein und langfristig im Interesse aller Mitgliedsstaaten des Bündnisses liegen, ansonsten wird kein Vertrag unterzeichnet". Ein solcher Vertrag
"wird strengste Vorschriften für die effektive Verifizierung enthalten, einschließlich Vor-Ort-Inspektionen von Einrichtungen vor und nach den Reduzierungen sowie kurzfristig anberaumte Inspektionen danach".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten im Wortlaut:

Ich grüße Sie.
Ich spreche zu
Ihnen hier aus Washington über die
Satellitenkanäle von "Worldnet" und
"Stimme Amerikas". Dies ist wiederum
ein anschauliches Beispiel für die
dramatischen Auswirkungen der Technologie auf unser Leben.
Die Wissenschaft verkürzt Entfernungen, überwindet Hindernisse und öffnet Grenzen. Heute arbeiten Menschen miteinander in weit voneinander entfernten
Ländern, sie treiben Handel, ja sie
spielen sogar miteinander über diese
Entfernungen.
Wie man es noch vor
einem Jahrhundert kaum für möglich

United States Information Service
Embassy of the United States of America

gehalten hätte, stehen wir im Begriff,
eine
echte
Gemeinschaft
vielleicht sogar eine Familie - freier Menschen zu werden, die verbunden
sind durch menschliche Werte und demokratische
Ideale
und
die
einen
Wohlstand teilen, der eng mit unserem
gemeinsam Handel und unserer Wirtschaftstätigkeit verflochten ist.
In einer früheren Epoche dieses
Jahrhunderts, als Faschismus und Kommunismus auf dem Vormarsch waren,
glaubten manche, das Licht der Demokratie könne ausgelöscht werden.
Es

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�wurde befürchtet, die Xra der parlamentarischen
Regierungssysteme,
der
politischen
und
wirtschaftlichen
Freiheit, könnte sich als kurzes Zwischenspiel
der Geschichte
erweisen
und genauso verschwinden, wie die
griechische Demokratie und die Römische Republik untergegangen sind.
Nun, ohne die in großspurigen
Truppenaufmärschen
und
politischen
Massenspektakeln zur Schau gestellte
Macht mag unsere Sache außergewöhnlich gefährdet und zerbrechlich erschienen sein.
Heute sollte jedoch
klar sein, daß der Mut und der Elan
freier
Menschen
zu
leicht
unterschätzt werden. Dies gilt ebenso für
unsere Entschlossenheit zur Zusammenarbeit, zur Bestimmung
gemeinsamer
Ziele und zum gemeinsamen Handeln zu
unserer Verteidigung.
Victor Hugo hat einmal geschrieben:
"Die Menschen entbehren nicht
der Stärke; sie entbehren des Willens." Nun, in meinem Leben habe ich
immer wieder Beweise gesehen, die
mich in der Überzeugung bestärkt haben, daß diejenigen, die in Freiheit
leben, ganz bestimmt den Willen haben, selbst unter enormem Druck und
selbst in fast aussichtslosen Situationen frei zu bleiben.
Diejenigen
unter uns, die den Zweiten Weltkrieg
erlebten, haben diesen Willen bei den
Briten
gesehen,
deren
unbeugsamer
Geist selbst unter schwersten Bombardements nicht gebrochen wurde.
Wir
sahen ihn bei den französischen Truppen und der Resistance, die für die
Befreiung ihrer Heimat kämpften, bei
den Soldaten der polnischen Heimatarmee in Warschau, bei den moralischen Helden auf dem gesamten Kontinent, auch in Deutschland selbst,
die oft unter Aufopferung des eigenen
Lebens Widerstand gegen den Nazismus
leisteten.
wir sahen ihn auch bei
denen, die alles riskierten, um Ju- 2

den, oft wildfremde Menschen, vor den
Todeslagern zu retten. Wir sahen ihn
in der Normandie, wo Amerikaner sich
mit Menschen aus ganz Europa vereinten, um den Atlantikwall zu durchbrechen und in das Landesinnere vorzustoßen. Sie vereinigten sich in einem gewaltigen Kreuzzug, um den Kontinent von Hitlers Nationalsozialismus und all den mit ihm verbundenen
Schrecken zu befreien.
Ja, und in den vier Jahrzehnten
seit dem Ende des zweiten Weltkriegs
haben die freien Völker der Welt weiterhin ihren Mut bewiesen und, was
ebenso wichtig ist, wie nie zuvor ihre Solidarität untereinander demonstriert.
Das Nordatlantische Bündnis, ein dauerhafter Triumph der Einheit und Zusammenarbeit freier Völker, hat den Frieden auf dem europäischen Kontinent über vier Jahrzehnte bewahrt.
Es ist ein Schild
der Demokratie und das großartigste
Abschreckungsmittel gegen Kriege in
der Geschichte.
Vier Jahrzehnte Frieden in Europa
sind kein Zufall gewesen. Diejenigen
haben sie verdient, die in Uniform
Wache hielten, und diejenigen von uns
haben sie bezahlt, mit deren Steuern
unsere verbündeten Streitkräfte bemannt, ausgerüstet und mit den konventionellen und atomaren Waffen versorgt werden, die zur Abschreckung
einer Aggression notwendig sind. Wir
alle mußten unser Teil dazu beitragen, sonst hätte es nicht funktioniert.
Aber
es hat funktioniert.
Das Bündnis wurde vorbereitet, um jeder Herausforderung entgegenzutreten.
Die Botschaft an jeden, der den Frieden bedrohen könnte, war schlicht und
direkt:
"Daran dürft ihr nicht einmal denken."
Und als unser Wille auf die Probe
gestellt wurde, haben wir uns als

�Verbündete zusammengefunden, als Menschen, deren Schicksale unlösbar miteinander verknüpft sind, und wir ha.ben als Einheit gehandelt, um der
Herausforderung
zu begegnen.
Dies
war nicht leicht, aber wir haben getan, was notwendig war, um unseren
Ländern die Freiheit zu erhalten und
den Frieden zu bewahren.
Dies gilt
sicherlich für die Reaktion des Bündnisses auf die ungeheure Ausdehnung
der sowjetischen Militärmacht in den
späten siebziger Jahren, insbesondere
die Einführung der neuen SS-20 Mittelstreckenraketen.
Die Sowjets stationierten
ihre
ersten SS-20 im Jahr 1977. Diese mit
drei Gefechtsköpfen ausgerüstete Waffe könnte jeden Punkt in Westeuropa
und einen Großteil Asiens erreichen.
Obwohl die NATO keine vergleichbare
Waffe als Gegenmittel besaß, hatte
sich bis August 1982 die Zahl der sowjetischen INF-Raketen auf über 300
mit über 900 Gefechtsköpfen erhöht.
Was wir damals erlebten, war ein
Versuch, das militärische Kräfteverhältnis in Europa aus dem Gleichgewicht zu bringen und die Sicherheitsbindungen
zwischen Europa und den
Vereinigten Staaten zu untergraben.
Unser Zusammenhalt wurde auf die Probe gestellt, und hätte das Bündnis
nicht entschlossen
gehandelt, dann
wären daraus langfristig ernsthatte
und sogar katastrophale Konsequenzen
entstanden.
Aber wir haben gehandelt. Im Dezember 1979 beschlossen die führenden
Politiker des Westens, "zweigleisig"
vorzugehen:
Erstens würden die Vereinigten
Staaten mit den Sowjets verhandeln,
um sie zu überzeugen, ihre neuen Raketen wieder abzubauen.

Zweitens würde die NATO - solange
die Sowjets ihren Kurs weiterverfolgten und die Stationierung ihrer Raketen aufrechterhielten - in Europa eine begrenzte Anzahl von Pershing II
und bodengestützten Marschflugkörpern
dislozieren. Das Ziel des Bündnisses
waren jedoch weniger Raketen anstatt
mehr.
Unser Plan hing von unerschütterlicher
Solidarität
und
Festigkeit
selbst angesichts immensen Drucks ab,
und
dieser
Druck
wurde
ausgeübt.
Hätten diejenigen, die mit dem Ziel
des Einfrierens der Atomwaffen und
einseitiger Abrüstung protestierten,
die Oberhand gewonnen, so wäre Europa
heute dazu verdammt, im Schatten sowjetischer atomar bewaffneter INF-Raketen zu leben. Es muß der Demokratie zugute gehalten werden, daß der
politische Mut und Weitblick der verantwortlichen europäischen Politiker
obsiegte. Diese Entschlossenheit ermöglichte die Erlangung eines historischen Abkommens - eines Abkommens,
durch das eine gesamte Kategorie amerikanischer und sowjetischer INF-Systeme von der Erde verbannt wird.
Das bevorstehende Abkommen basiert auf dem Vorschlag, den die Vereinigten Staaten in Abstimmung mit
den Spitzenpolitikern der Verbündeten
im Jahr 1981 vorgelegt haben - der
"Null-Lösung".
Der Planung zufolge
sollen die Sowjets viermal soviele
Gefechtsköpfe beseitigen wie die Vereinigten Staaten. Nicht nur das gesamte Arsenal sowjetischer
Raketen
der Typen SS-20 und SS-4 wird vernichtet, sondern auch die SS-12 und
SS-23 Kurzstreckenraketen.
Das wird
die erste beiderseitige Reduzierung
von Nukleararsenalen in der Geschichte der Welt sein.
Darüber
schaffenden

- 3 -

hinaus können die abzusowjetischen
Kurzstrek-

�kenraketen nicht nur nukleare, sondern auch chemische und konventionelle Gefechtsköpfe tragen.
So machen
wir im Hinblick auf den Abbau dieser
Bedrohung Europas einen vielversprechenden Anfang.
Solche Errungenschaften sind weder das Ergebnis von Wunschdenken
noch werden sie durch laute Xußerung
des Verlangens nach Frieden wahrscheinlicher.
Anhaltender
Fortschritt entsteht aus nüchternem Realismus, energischen Anstrengungen und
Prinzipientreue. Ich kann Ihnen versichern, daß jeder von mir unterzeichnete Vertrag entweder realistisch sein und im langfristigen Interesse aller Mitglieder des Bündnisses
liegen wird, oder es wird überhaupt
kein Abkommen unterzeichnet.
Zum Beispiel hat die Sowjetunion
ein langes Register der Nicht-Einhaltung
bisheriger
Rüstungskontrollabkommen.
Somit wird jeder neue Vertrag unanfechtbare Bestimmungen für
eine wirksame Verifizierung enthalten, einschließlich
Vor-Ort-Inspektionen der Einrichtungen vor und während der Reduzierungen und kurzfristige Inspektionen im Anschluß daran.
Die von uns vorgelegten Verifizierungsmaßnahmen
sind die einschneidensten in der Geschichte der Rüstungskontrollverhandlungen.
Niemar
von uns im Bündnis darf sich mit weniger zufriedengeben.
Rüstungskontrolle - wenn sie mit
Sorgfalt, zur Sicherstellung der anhaltenden Glaubwürdigkeit unserer Abschreckung, sowohl auf nuklearer als
auch auf konventioneller Ebene durchgeführt wird - liegt im Interesse aller westlichen Länder.
Und jedes
INF-Abkommen sollte nicht als Ende
eines Prozesses, sondern als dessen
Beginn, als erster großer Schritt,
betrachtet werden.

Wir haben mit den Sowjets über
mögliche Reduzierungen der Arsenale
unserer strategischen Waffen verhandelt, denen wir höchste Priorität
beimessen. Es ist wiederum ein amerikanischer Vorschlag, der das Kernstück der Verhandlungen bildet - ein
ernsthaftes Angebot zur Reduzierung
der Arsenale
unserer
strategischen
Waffen um die Hälfte.
Erhebliche
Fortschritte sind erzielt worden, und
eine weitere Bewegung ist zu erwarten, wenn seitens der Sowjets Fexibilität erkennbar ist.
Völlig unannehmbar ist jedoch die
sowjetische Taktik, diesen Abbau der
Offensivwaffen
als
Faustpfand
für
Maßnahmen
einzusetzen,
die
unsere
Strategische
Verteidigungsinitiative
zunichte machen.
Wir wollen nicht
ohne jegliche Gegenleistung auf SDI
verzichten, das Hoffnung auf eine
sicherere Welt bietet, in der beide
Seiten stärker auf ihre Verteidigung
- die niemanden bedroht - vertrauen
als
auf
Offensivstreitkräfte.
Es
sollte unserer Aufmerksamkeit nicht
entgangen
sein,
daß
die
Sowjets
selbst Milliarden in ein eigenes Programm zur strategischen Verteidigung
investiert haben.
In jüngster Zeit war viel über
Reformen zu vernehmen, die jetzt in
der
Sowjetunion
eingeführt
worden
sind.
Man sagt, Glasnost habe eine
neue
Sra
eingeleitet.
Wer
würde
nicht hoffen wollen, daß diese Berichte der Wahrheit entsprechen und
der Optimismus gerechtfertigt
ist?
Ein wacher Verstand gebietet uns jedoch, daß wir bei der Entscheidung
darüber, was Wirklichkeit oder Illusion ist, nach greifbaren Verhaltensänderungen - nach Taten, nicht nach
Worten - Ausschau halten.
Wir werden zum Beispiel die Menschenrechtslage
in der
Sowjetunion

�eingehend
beobachten.
Es ist nur
schwer vorstellbar, daß man einer Regierung, die Freiheit im eigenen Land
weiterhin unterdrückt und das Vertrauen
ihres
eigenen
Volkes
mißbraucht, trauen kann, wenn es darum
geht, Abkommen mit anderen einzuhalten.
In diesem Jahr wurde es in der
Tat einigen sehr prominenten Persönlichkeiten gestattet, die Sowjetunion
zu verlassen.
Das ist eine bessere
Bilanz als die vergangenen Jahre,
dennoch gibt es immer noch viele weitere Fälle von Auswanderungswilligen
oder geteilten
Familien.
Und wir
sollten uns vor Augen führen, daß eine Verweigerung des Rechts auf Auswanderung nur einen geringen Teil der
Probleme im repressiven sowjetischen
System
ausmacht.
Ein
Zugeständnis
der Rede-, Religions- und Pressefreiheit, die Freilassung aller Gefangenen aus Gewissensgründen und eine Beendigung der Praxis, geistig völlig
gesunde
politische
Dissidenten
in
psychiatrische Kliniken einzuweisen,
ferner die Zulassung einer wahren Opposition und Freiheit der politischen
Wahl: diese Dinge - die wir alle als
selbstverständlich betrachten - würden das Zeichen setzen, daß ein wahrer Wendepunkt erreicht worden ist
und auch auf internationaler Ebene
Hoffnung auf einen positiven Wan lel
wecken.
Wenn es eine Beobachtung
gibt, die in der heutigen Welt Bedeutung hat, dann, daß Frieden und Freiheit Hand in Hand gehen. Je mehr die
sowjetische Führung ihr System öffnet
und ihr Volk befreit, umso wahrscheinlicher wird es, daß die Spannnungen zwischen Ost und West abnehmen.
Wenn wir uns das vor Augen führen, hoffen wir auch, in der sowjetischen
Außenpolitik
Veränderungen
wahrnehmen zu können. Mit der Besetzung Afghanistans haben sich die So-

wjets ganz klar in eine höchst prekäre Situation manövriert. Das afghanische Volk hat sich als das tapferste überhaupt erwiesen. Es kann sich
bei seinem Kampf um Unabhängigkeit
der Sympathie und Unterstützung aller
freien
Nationen
weiterhin
sicher
sein.
Die sowjetische Führung kann
die Anerkennung aller Menschen guten
Willens auf der Welt dadurch gewinnen, daß sie ihr Land aus einer Situation befreit, in der sie nicht gewinnen können, indem sie ihre Kampfhubschrauber am Boden lassen, sofort
ihre Truppen abziehen und es dem afghanischen Volk gestatten, sein eigenes Schicksal zu wählen. Solche Maßnahmen würden nicht als Rückzug, sondern als ein mutiger und positiver
Schritt gewertet.
Ein weiteres Zeichen - näher bei
Ihnen zu Hause und auf Ihrer Seite
des Atlantiks - wäre eine Lockerung
des sowjetischen Zugriffs auf Osteuropa. Warum sollten die Völker Europas wie jetzt mit Stacheldraht, Wachtürmen und Maschinengewehren geteilt
bleiben?
Warum sollten nicht alle
Europäer frei reisen, sich gegenseitig besuchen oder miteinander in Geschäftsbeziehungen
treten
dürfen?
Sollte
nicht die
Breschnew-Doktrin
letztlich aufgegeben werden?
Warum
sollten, vier Jahrzehnte nach dem
Krieg, noch 17 Millionen Deutsche wie
Gefangene in ihrem eigenen Land behandelt werden?
Eine wirkliche Öffnung und Anerkennung ihrer souveränen
Unabhängigkeit würde von allen Völkern Ost- und Mitteleuropas begrüßt
und keineswegs die Sicherheit der Sowjetunion oder eines anderen Landes
bedrohen.
Vor einigen Monaten habe ich Berlin
besucht.
Ich
stand
an
der
furchtbaren Mauer, die so mächtig die
Narbe symbolisiert, die den europäischen Kontinent teilt.
Es ist an

- 5 -

�der Zeit, daß diese Wunde heilt und
diese Narbe verschwindet.
wäre das
keine wunderbare Aussicht für die
Welt, wenn sich eines Tages Herr
Gorbatschow und ich in Berlin treffen
und gemeinsam die ersten Steine dieser Mauer abtragen könnten - und wir
könnten weitere Mauern einreißen, bis
das Mißtrauen zwischen unseren Völkern und die Narben der Vergangenheit
vergessen sind.
Vor einigen Monaten habe ich mir
den mutigen Kampf vor 40 Jahren ins
Gedächtnis zurückgerufen, mit dem der
europäische Kontinent befreit wurde.
Wir müssen zugeben, daß die Völker
der Sowjetunion in diesem heldenhaften Kampf tapfer gefochten und so immense Opfer gebracht haben, um den
gemeinsamen Feind zu besiegen. Nach
dem Krieg wurden wir zu Gegnern und
manchmal sogar erbitterten Feinden.
Das hätte nicht geschehen müssen unc
braucht nicht weiter so zu bleiben.
Jede Doktrin, die lehrt, oder jeder
Politiker, der behauptet, die Geschichte ginge ihren vorgezeichneten
Weg und Konflikte zwischen Völkern
und
Systemen seien
unausweichlich,
hat unrecht.
wir unterliegen nicht
etwa Kräften, die sich außerhalb unserer Kontrolle befinden. Wir, alle
Menschen in jedem Land, können die
Welt, in der wir leben, gestalten und
die Zukunft bestimmen.
Wir in d&lt; i
westlichen
Demokratien
haben gene )
das getan. Gemeinsam haben wir einen
freieren und wohlhabenderen Lebensstil und eine Gemeinschaft
freier
Menschen geschaffen. Ich bin sicher,
daß Sie mir zustimmen - die Tür steht
all denen offen, die den Weg mit uns
zusammen gehen wollen.
Der
deutsche
Dichter
Heinrich
Heine hat geschrieben, "Macht Euch
nicht über unsere Träumer lustig...
Ihre Worte werden als Samen der Freiheit aufgehen". Heute scheint unsere

Vision nicht nur einer friedlicheren
Welt, sondern einer Welt, in der demokratische Rechte in jedem Land genossen werden, noch mehr in den Mittelpunkt und fast in greifbare Nähe
gerückt zu sein. Wir werden weiterhin danach Ausschau halten und Hoffnungen
hegen, dennoch
müssen
wir
wachsam sein.
Stärke und Lebensfähigkeit des Bündnisses bleiben wesentliche Faktoren, auch wenn ein Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion neue Chancen
für den Frieden eröffnet. Genau diese von der NATO demonstrierte Stärke
ist eine Voraussetzung für einen solchen Fortschritt. Schwäche, Verwundbarkeit und Wunschdenken können zunichte machen, was durch Entschlossenheit erreicht worden ist.
Dennoch kann dies eine Zeit tiefgreifenden Wandels sein. Wie Ihnen
sicherlich bekannt sein wird, hat Generalsekretär Gorbatschow meine Einladung angenommen, Anfang Dezember zu
einem Gipfeltreffen nach Washington
zu kommen. wir werden dann persönlich das breite Spektrum der Themenkomplexe erörtern, von denen ich heute zu ihnen gesprochen habe. In der
Tat erwarte ich, daß wir im Verlauf
unserer
Besprechungen das Abkommen
über
amerikanische und
sowjetische
INF-Raketen unterzeichnen werden.
Unsererseits
bleibt
die
Verpflichtung
der Vereinigten
Staaten
gegenüber dem Bündnis und der Sicherheit Europas uneingeschränkt bestehen
- unabhängig davon, ob wir ein INFAbkommen
unterzeichnen oder nicht.
Mehr als 300 000 amerikanische Soldaten bei Ihnen auf dem Kontinent sowie
unsere unerschütterliche Garantie der
nuklearen
Abschreckung
untermauern
dieses
Gelöbnis.
Diejenigen,
die
voll Sorge darüber
sind, daß wir
vielleicht
davon abweichen
könnten
oder die Abschreckung geschwächt wür-

�de, haben in beiden Punkten unrecht.
Durch diesen Erfolg werden unsere
Bande eher gestärkt denn geschwächt.
Solch ein historischer Abbau von Nuklearwaffen, wie er jetzt in unmittelbare Nähe gerückt zu sein scheint,
wird greifbarer Widerhall der Einheit, Stärke und Entschlossenheit des
Bündnisses sein.
Was unsere Fähigkeit zur Wahrung
des Friedens anbetrifft, wird die
NATO-Strategie der flexiblen Reaktion
weiterhin gewährleisten, daß Aggressionen auf jeder Ebene unterbunden
werden.
Eine auf Nuklearwaffen unterschiedlichster Kategorie gegründete wirksame Abschreckung, bis hin zu
landgestützten und Trägersystemen auf
Flugzeugen und Unterseebooten, dient
immer noch dem Schutz Europas und
bleibt dort stationiert.
Und wir
sind mit unseren Verbündeten übereingekommen, daß Fortschritte im Kräfteverhältnis bei den chemischen und
konventionellen
Streitkräften
vor
jeglichem
weiteren Abbau
nuklearer
Streitkräfte
in Europa
stattfinden
müssen.

,

»

Das Bündnis hatte bereits seit
einiger Zeit ein Modernisierungsprogramm für unsere Streitkräfte in die
Wege geleitet, so daß eine glaubwürdige Abschreckung
langfristig ai!'rechterhalten werden kann. Aus diesem
Grund
konzentrieren
sich
die
wichtigsten Initiativen auf die Verbesserung der konventionellen Stärke
der NATO. Und nachdem 18 Jahre lang
einseitig
von jeglicher
Produktion
chemischer
Waffen Abstand
genommen
wurde, werden bei unseren bescheidenen chemischen Waffenbeständen jetzt
Fortschritte
erzielt.
Die Sowjetunion besitzt allerdings das bei weitem umfassendste Arsenal chemischer
Waffen der Welt.

Aber ebenso wie wir bei den INFVerhandlungen vorgehen, versuchen wir
auch im chemischen und konventionellen Bereich die Diskrepanzen, mit denen wir uns konfrontiert sehen, auf
dem
Verhandlungswege
zu
beheben.
Tatsächlich
haben
die
Vereinigten
Staaten mit Unterstützung der Verbündeten im Jahr 1984 ein durchgreifendes Verbot chemischer Waffen vorgeschlagen.
Im Hinblick auf die konventionellen Streitkräfte ist das Bündnis bereit - sofern der Osten uns auf halbem Wege entgegenkommt - mit gegenseitigen und ausgewogenen Truppenreduzierungen, den sogenannten
MBFR,
einen Truppenabbau
in Mitteleuropa
vorzunehmen.
Gleichzeitig wird
in
Wien ein Abkommen zwischen Ost und
West angestrebt, das erneute Verhandlungen über konventionelle Stabilität
vom Atlantischen Ozean bis zum Ural
zwingend erforderlich macht.
Wie Sie sehen können, ist unsere
gemeinsame Tagensordnung im Sicherheitsbereich breitgefächert und ehrgeizig. Ein INF-Abkommen ist ein bedeutender erster Schritt, jedoch nur
der erste, in Richtung auf unser umfassenderes Ziel.
Es darf kein Zweifel daran bestehen, daß die Bürger der Vereinigten
Staaten voll und ganz verstehen und
zu würdigen wissen, daß wir in der
Sache des Friedens Partner mit Ihnen,
den Völkern der uns verbundenen westlichen Demokratien, sind. Aus diesem
Grund
begrüßen
wir
die
jüngsten
Schritte, die wir als neue Bereitschaft, ja sogar als gewissen Eifer
unter
einigen unserer
europäischen
Verbündeten
betrachten, im Bereich
der europäischen Verteidigung die Kooperation und Koordinierung untereinander zu intensivieren. Die wachsende Kooperation
zwischen
Frankreich

�und der Bundesrepublik
Deutschland
ist ein positives Zeichen, ebenso wie
die Modernisierung der unabhängigen
nuklearen
Abschreckung
in
Großbritannien und Frankreich, die beide
lebenswichtige Bestandtile des westlichen Sicherheitssystems sind.
In
der vergangenen Woche haben die Aussen- und
Verteidigungsminister
der
Westeuropäischen
Union eine beeindruckende
Erklärung
veröffentlicht.
In ihr wurde erneut die Bedeutung der
Aufrechterhaltung
unserer
nuklearen
und konventionellen Abschreckung bekräftigt und eine positive westeuropäische Identität für den Bereich der
Verteidigung
im Rahmen des Atlantischen
Bündnisses bestätigt.
wir
begrüßen diese Entwicklungen.
Im Verlauf der vergangenen vier
Jahrzehnte
wurden
die
Vereinigten
Staaten allzu häufig als überlegener
Partner im Bündnis gesehen.
Heute,
da die Wirtschaftsmacht Westeuropas
mit der der Vereinigten Staaten absolut vergleichbar ist, ist schon seit
langem die Zeit gekommen, in der wir
uns
selbst
als
gleichberechtigte
Partner
einschätzen.
Und
eine
gleichberechtigte Partnerschaft sollte unsere Bindungen nicht schwächen,
sondern stärken.
Sie sollte unsere
Möglichkeiten nicht begrenzen, sondern erweitern.
In den vergangenen vier Jahrzehn ten waren die Menschen in den Vereinigten Staaten und Europa die Antriebskraft für Fortschritt und Freiheit auf diesem Erdball. Und in einigen
wenigen
Jahren,
wenn
die
Menschheit buchstäblich in ein neues
Jahrtausend eintritt, werden wir den
Grundstein für eine Zukunft in Wohlstand und Freiheit gelegt haben. Die
Prophezeiungen
derjenigen
Zweifler
und Despoten haben sich als falsch
erwiesen
- und
zwar
als
absolut
falsch -, die in frühen Epochen die-

ses Jahrhunderts dachten, Demokratie
würde bald ausgestorben sein.
Wir
haben sichergestellt, daß es in den
vor uns liegenden Jahrhunderten die
freien Menschen sein werden, die die
Geschicke der Menschheit lenken werden, und lassen Sie mich prophezeien, daß eines Tages Freiheit und Gerechtigkeit diesen Planeten beherrschen werden. Freiheit ist nicht nur
das Geburtsrecht einiger weniger, sie
ist das von Gott gegebene Recht aller
seiner Kinder in jedem Land.
Sie
läßt sich nicht erzwingen.
Es wird
Freiheit geben, weil die Freiheit das
einzig wahre ist und weil Freiheit
funktioniert.
Es wird Freiheit geben, weil Kooperation und guter Wille
unter den freien Menschen obsiegen
werden.
Vor einigen Jahren vernahm ich
die Geschichte eines älteren Ehepaares - Natalia und Nels Mortensen das in der kleinen Stadt Marstal auf
der Insel Aerö in Dänemark lebt. In
den letzten 40 Jahren haben sie das
Grab eines jungen Mannes gepflegt,
den sie nie kennengelernt haben. Sie
jäten das Unkraut und pflanzen Blumen
und immer weht eine kleine amerikanische Fahne. Wenn sie verschlissen
ist, wird sie durch eine neue ersetzt.
Sie wachen über die letzte Ruhestätte des Feldwebels der amerikanischen Luftwaffe Jack Wagner, der
den Tod fand, als sein Flugzeug am
20. Juni 1944 in der Nähe von Aero
abgeschossen wurde, das damals besetztes Gebiet war.
Jack Wagners
Körper wurde einige Tage später ans
Ufer gespült, und die Nachricht darüber verbreitete sich wie ein Lauffeuer in der kleinen Gemeinde.
Als
die Besatzungstruppen der Nationalsozialisten den jungen Amerikaner beerdigen wollten, sahen sie, daß nahezu
die ganze 2 000 Einwohner zählende
Gemeinde sich seit den frühen Morgen-

�stunden an seinem Grab versammelt
hatte, um dem jungen Piloten ihre
letzte Ehre zu erweisen. Der Weg war
von Blumen gesäumt.
Und als die
Truppen den jungen Jack Wagner seiner
Ruhestätte übergaben, hielt die Bevölkerung einen Trauergottesdienst ab
und legte rote, weiße und blaue Blumen auf sein Grab, zusammen mit einer
Schleife, auf der zu lesen stand:
"Wir danken Dir für das, was Du getan
hast."
Jack war ein 19 Jahre alter Amerikaner aus snyder County in Pennsylvania. Die dänischen Einwohner hatten ihn nie persönlich kennengelernt,
aber sie wußten, daß dieser junge
Mann sein Leben für sie gelassen hatte.
Er war genug um das Schicksal
anderer Menschen besorgt, denen er
niemals begegnet war, um das höchste
Opfer für ihre Freiheit zu erbringen.
Die Mortensens haben das nie vergessen. Sie kümmern sich immer noch um
sein Grab, als sei er ein Familienmitglied gewesen.
und in gewisser
Weise war er das. Ebenso wie wir alle Teil der Familie freier Menschen
sind.
Viele junge Menschen aus all unseren Ländern haben ihr Leben zur
Wahrung der Freiheit gelassen, die
wir heute genießen.
Viele unserer
Kinder
leisten noch ihren Die r ?t.
Sie stehen gemeinsam an den Bastionen
der Freiheit. Wir sorgen uns um jeden einzelnen von ihnen, als sei er
oder sie unser eigen Fleisch und
Blut.
Laßt uns soviel Mut aufbringen, wie sie aufbringen; laßt uns von
eben dem Stolz erfüllt sein, von dem
sie erfüllt sind.
Ich danke Ihnen, daß sie
Augenblick mit mir gemeinsam
haben. Gott schütze Sie.

diesen
erlebt

* * * * *

- 9 -

�AMERIKA DIENST
VON

^

Wissenschaft und Technik
12. November 1987

40

UN-RESOLUTION:

GEMEINSAM GEGEN AIDS

Offenheit, tatkräftige Programme, Zusammenarbeit
Politiker sind gefordert -

Experten und

WASHINGTON - (AD) - Eine "historische Resolution" nannte Charles Redman,
Sprecher des amerikanischen Außenministeriums, den Beschluß der Vollversammlung der Vereinten Nationen vom 26. Oktober 1987, weltweit alles zu tun, um
die Immunschwächekrankheit AIDS zu bekämpfen und geeignete Vorbeugungsmaßnahmen durchzusetzen.
Staaten aller politischen Systeme hätten sich bereit erklärt, das AIDS-Sonderprogramm der Weltgesundheitsorganisation (WHO), einer
Organisation der Vereinten Nationen, nach Kräften zu unterstützen.

WHO-Generaldirektor Dr. Halfdan
Mahler verwies darauf, daß der Kampf
gegen AIDS und mit AIDS in Zusammenhang stehende Probleme "sowohl von
jeder einzelnen Regierung als auch
von der internationalen Gemeinschaft
vordringlich behandelt werden muß...
AIDS ist nicht nur eine Krankheit,
ein medizinischer Zustand, ein Gesundheitsproblem.
AIDS ist eine Bedrohung für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung, für Menschen
in der produktivsten Phase ihres Lebens, für Familien und das Leben in
der Familie, für Mütter und ihre Kin-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

der - für ganze Kulturen und Bevölkerungsgruppen".
Im
November
1986
hatten
Dr.
Mahler und Dr. Jonathan Mann, der Direktor des AIDS-Sonderprogramms der
WHO, eine weltweite Kampagne zur Förderung von Information und Zusammenarbeit eröffnet.
Als ein wichtiges
erstes Ergebnis sei, so Dr. Mahler,
die Bereitschaft von bisher 91 Ländern (40 in Afrika, 30 im Mittleren
Osten, in Asien und Ozeanien, 15 in
Nord- und Südamerika und sechs in Europa) zu werten, mit der WHO bei der

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�Einrichtung, Verbesserung und straffung nationaler Programme zusammenzuarbeiten.
Insgesamt 149 Länder verfügten nunmehr über nationale AIDSKomitees. An der offiziellen Meldung
von AIDS-Fällen an die WHO beteiligen
sich inzwischen 126 Länder (Stand vom
21. Oktober 1987: 62 445 Fälle weltweit). Auf Betreiben der WHO wird in
nächster
Zeit eine
"Weltkommission
für AIDS" gebildet, der Wissenschaftler, Politiker, Pädagogen, Sozialwissenschaftler sowie Vertreter der verschiedenen Fachgebiete der sozialen
Berufe und der Medien angehören sollten, "um alles zu beobachten und zu
überwachen, was auf internationaler
Ebene in bezug auf AIDS vor sich
geht".
Epidemiologen, Laborfachleute, Experten für Planung sowie für
Informations- und Fortbildungsprojekte haben sich bisher in 250 Arbeitseinsätzen mit den Problemen in einzelnen
Regionen
befaßt.
Die
WHO
richtete eine Virusbank ein, über die
internationale Wissenschaftler im Interesse der Forschung Studienmaterial
und Proben austauschen können.

ben, in Krankenhäusern, Schulen, im
öffentlichen Dienst und in vielen anderen wichtigen Bereichen tätig seien.
Die Inlandsmärkte der Entwicklungsländer, aber auch ihre Arbeitsmärkte erlitten Einbußen, was u.a. zu
einem Rückgang von Investitionen aus
dem Ausland
führen könne.
Kinder
fallen der Seuche zum Opfer, Zukunftshoffnungen
werden
zunichte.
Mühsam errungene Erfolge der WHO und
anderer Organisationen in der Eindämmung
der Kindersterblichkeit
seien
gefährdet, sagte Kopp. Darüber hinaus reduzierten die Aufwendungen für
AIDS zwangsläufig Gelder und Personal
für andere Programme im Gesundheitsund Erziehungswesen, aber auch für
Programme auf vielen anderen Gebieten.
Projekte
der
Auslandshilfe
durch internationale Banken und Industrieländer seien, so werde befürchtet, in der Durchführung nicht mehr
gesichert.

Dr. C. Everett Koop, ranghöchster
Arzt der Vereinigten Staaten ("Surgeon General"), gab in seiner Ansprache vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen zu bedenken, daß AIDS
eine Gefahr für die Gesellschaft als
Ganzes, nicht nur für eine oder mehrere abgrenzbare Gruppen darstelle.
Aus diesem Grund seien alle verfügbaren Informationen offenzulegen, damit
sie erfolgreich als Arbeitsbasis genutzt werden könnten.

Aber auch in den Industrieländern
zeichneten sich, wie Dr. Koop unterstrich, schlimme Konsequenzen ab. So
wurden in den USA bislang 43 000
AIDS-Fälle
gemeldet,
25 000
AIDSKranke verstarben.
Man befürchte,
daß
schätzungsweise
1,5
Millionen
Amerikaner
infiziert
seien.
Sie
könnten
das HIV-Virus weitergeben,
ohne selbst Krankheitssymptome zu haben. Nach den gegenwärtigen Erkenntnissen sei zu erwarten, daß bei 30
bis 50 Prozent der Virusträger innerhalb von sieben Jahren nach der Infektion die Krankheit zum Ausbruch
komme.

Für die Entwicklungsländer wirke
sich die AIDS-Seuche noch katastrophaler aus als für die Industrieländer.
Denn sie treffe Menschen im
besten Alter, die normalerweise für
die Kinder, die Alten, die Kranken
sorgten, die in ihrem Lande in der
Landwirtschaft,
in
Industriebetrie-

AIDS
verursache
"astronomische
Kosten", sagte Dr. Koop. Die Behandlung eines einzigen Patienten könne
50 000 Dollar
und mehr erfordern.
"Wir schätzen, daß bis 1991 die Therapiekosten für AIDS allein in den
USA acht bis 16 Milliarden Dollar pro
Jahr erreichen". Wohl gebe es bemer-

- 2

�kenswerte Fortschritte in der Forschung - man habe in sechs Jahren
über AIDS mehr gelernt als in 40 Jahren über Poliomyelitis (spinale Kinderlähmung) oder in noch längerer
Zeit über Keuchhusten. Aber die Wissenschaft könne keine Wunder vollbringen. Und selbst wenn es gelänge,
einen Impfstoff zu entwickeln, dauere
es wegen der langen Inkubationszeit
Jahre, bis man definitiv sagen könne,
ob er wirksam sei oder nicht.
Deshalb müsse man mit gleicher
Intensität auch andere Aufgaben anpacken, die im AIDS-Umfeld gestellt
sind.
Eine davon sei sogar schon in
kurzer Zeit zu lösen - nämlich die
Gewährleistung HIV-freier Blutkonserven.
"Könnten wir dies, wenn alle
zusammenarbeiten,
bis
etwa
1991
schaffen?",
fragte
Dr. Koop fordernd...
"Die Technologie und die
Mittel dafür haben wir."

Neue Forschungsergebnisse
Seit der Einführung von Bluttests
zum Nachweis von HIV-fnfektionen im
Jahr 1985 ist in den Vereinigten
Staaten die Gefahr einer AIDS-Infektion durch Spenderblut drastisch zurückgegangen. Dennoch kann unter Umständen
ein
Virusträger
unerkannt
bleiben.
Wie Dr. Gerald
Sand" r,
(Präsidium des Amerikanischen Rc en
Kreuzes) erklärte, könne dies vielleicht bei einem unter 10 000 Blutspendern der Fall sein.
Unbekannt ist nach wie vor, bei
welcher Virenkonzentration mit einer
Infektion zu rechnen ist.
Wissenschaftler des amerikanischen Nationalen
Krebsforschungsinstituts
(NCI)
halten jedenfalls bei Spenderblut die
Anwendung neuer Tests für erforderlich, die bereits eine Antigen-Produktion als frühen Hinweis auf be-

stimmte Proteine aus dem AIDS-Virus
erkennen lassen. Die Forscher fanden
mit solchen Tests in einer Studie an
Homosexuellen Zeitdifferenzen bis zu
14 Monaten zwischen einer ersten positiven Reaktion, d.h. Bildung von
Antigenen, und dem späteren Nachweis
der Bildung von Antikörpern gegen die
AIDS-Viren.
Für den letztgenannten
Prozeß hatte man bisher eine Latenzzeit von nur drei bis 12 Wochen angenommen. Die neuen Antigen-Tests sind
allerdings
komplizierter
und kostspieliger als die Bluttests auf Antikörper. Leider sagen auch sie nichts
darüber aus, wie groß die Wahrscheinlichkeit
ist, daß eine
infizierte
Person AIDS überträgt, oder ab welcher
Antigen-Konzentration
im Blut
mit einer Weitergabe der Infektion
gerechnet werden muß.
Unterschiede in der Inkubationszeit, d.h. der Zeit von der Infektion
bis zum ersten Auftreten von Krankheitssymptomen, entdeckte eine amerikanische Forschergruppe von der Universität Georgia (Athens, Georgia) in
Zusammenarbeit mit englischen Kollegen. Während diese Periode bei Kindern bis zum vierten Lebensjahr im
Durchschnitt nur knapp zwei Jahre betrug und auch bei Personen über 60 vermutlich u.a. beeinflußt von deren
gesundheitlichem Gesamtzustand - wenig länger war, zeigten sich bei den
übrigen Altersgruppen auffallende Unterschiede
zwischen den Geschlechtern:
Männliche Personen erkrankten
nach etwa fünf bis sechs Jahren,
weibliche Personen dagegen erst nach
ca. neun Jahren. Worauf diese unterschiedliche Inkubationszeiten zurückgehen könnten, wird gegenwärtig untersucht .
Bei der Durchführung verschiedener anderer Studien in Kliniken von
New York, Florida und Kalifornien
fiel auf, daß Frauen der Krankheit

- 3 -

�nach ihrem massiven Ausbruch offenbar
früher erliegen als Männer. Während
bei letzteren eine durchschnittliche
Uberlebenszeit von 12 bis 14 Monaten
ermittelt wurde, betrug diese bei
Frauen nur knapp sieben Monate. Hier
könnte allerdings der Umstand eine
Rolle spielen, daß weibliche Patienten meist aus der Drogenszene kamen,
ihre körperliche Widerstandsfähigkeit
schon seit längerer Zeit beeinträchtigt war, und daß die Mehrzahl erst
sehr spät einen Arzt aufsuchte. Einer Erhebung des Gesundheitsamtes der
Stadt New York zufolge starben dort
seit 1982 mehr Personen aus der Gruppe der Fixer an AIDS (53 Prozent) als
aus der Gruppe der homo- und bisexuellen Männer (38 Prozent).
inzwischen liegen auch Beobachtungen über die längerfristige Wirkung
des
Medikaments
"Retrovir"
(AZT-Azidothymidin) vor. Wie Mediziner der Universität Miami berichten,
setzten gegen Ende des ersten Behandlungsjahres
nach
anfänglicher
Gewichtszunahme
und Verbesserung der
Immunlage bei den mei-ten Patienten
erneut Gewichtsverlust und Ausbreitung
opportunistischer
Infektionen
ein. Bei fast 70 Prozent mußte wegen
schwerer Nebenwirkungen, insbesondere
Anämie, die eigentlich notwendig Dosis reduziert werden. Zur Bekämpfung
einer der häufigsten Begleiterkr. kungen, der parasitären Lungenentzi•*•düng "Pneumocystis carinii", erproben
gegenwärtig Wissenschaftler der Universität Kalifornien (San Francisco)
und
des
Sloan-Kettering-Krebsforschungszentrums in New York eine Behandlung mit dem Präparat "Pentamidinisothionat" in Aerosolform.
Die
Toxizität wird durch diese ARt der
Applikation verringert, die Wirksamkeit gegen die Infektion erhöht.

Pflege
Amerikanische Gesundheitsexperten
beklagen einen schwerwiegenden Mangel
an Einrichtungen
zur Pflege AIDSKranker. Auch gebe es zu wenig Fachpersonal für Diagnose, Therapie und
Beratung von Personen mit AIDS. Die
medizinischen
Hochschulen
sollten
mehr
Ausbildungsmöglichkeiten
für
Xrzte, Zahnärzte, Krankenschwestern,
andere Assistenzberufe und Sozialarbeiter
schaffen, damit AIDS-Kranke
und ihre Familien besser betreut werden können.
Und gerade im Hinblick
auf AIDS sollte dem Drogenproblem
noch mehr Aufmerksamkeit zugewendet
werden, als dies bisher schon der
Fall sei. Dies gelte vor allem für
jene Gruppe von Drogenabhängigen, die
sich Rauschgifte intravenös spritzen.
Dr. C. Everett Koop äußerte sich
besorgt über Berichte, daß sich hier
und dort Xrzte, Schwestern oder anderes im Gesundheitswesen tätiges Personal weigere, sich mit AIDS-Patienten oder Personen, die ihrer Ansicht
nach
AIDS-infiziert
sein
könnten,
überhaupt zu befassen.
"Dieses Verhalten
einer
fehlinformierten
und
ängstlichen Minderheit könnte das Gefüge der traditionellen, auf den hippokratischen Eid gegründeten Medizin
zerstören", sagte Koop.
"So etwas
dürfen wir nicht geschehen lassen.
Wir dürfen uns nicht von jenen abwenden, die unsere Hilfe brauchen. Genau so wichtig ist es, daß wir selbst
die Hoffnung nicht aufgeben oder unsere Länder und deren Volkswirtschaften dem Wüten dieser Pandemie einfach
überlassen.
Sicherlich gibt es Menschen, die wir nicht retten können.
Aber ich bin überzeugt, daß unsere
wissenschaftlichen
Anstrengungen
im
Verein mit Sachkenntnis und Erziehung
zu richtigem Verhalten dieser schrekklichen Krankheit schließlich 'Einhalt' gebieten werden."
* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

12. November 1987

40

NASA-STARTTERMINE BIS 1995
- Bemannte und unbemannte Missionen für Forschung, Verteidigung und
Wetterbeobachtung -

WASHINGTON - (AD) - In einem offiziellen Manifest gab die amerikanische
Behörde für Luft- und Raumfahrt (NASA) am 22. Oktober 1987 ihr Programm für
bemannte und unbemannte Missionen für die nächsten Jahre bekannt. Demnach ist
der erste Start des Raumtransporters DISCOVERY, mit dem nach dem CHALLENGERUnglück vom Januar 1986 der bemannte Raumflug wiederaufgenommen werden soll,
für den 26. Juni 1988 vorgesehen. Die vier Astronauten an Bord werden u.a.
die Aufgabe haben, einen TDRS-Satelliten der NASA, der wichtige Funktionen für
Bahnbeobachtungen und Datenübermittlung erfüllt, im Orbit abzusetzen. Noch im
gleichen Jahr sollen zwei, 1989 und 1990 insgesamt sieben militärische Nutzlasten mit Raumtransportern in den Weltraum gebracht werden.

Für 1989 sind vier seit langem
vorbereitete
wissenschaftliche
Missionen
in
Verbindung
mit
"Space
Shuttle"-Einsätzen geplant.
So soll
im April das Projekt MAGELLAN beginnen. Es hat zum Ziel, mit Radar hoher Bildauflösung die Oberfläche des
Planeten Venus möglichst genau zu
kartieren.
Im Juni folgen entsprechend dem Terminplan ASTRO-1, ein Observatorium für Beobachtungen im ultravioletten Spektralbereich, und das
Weltraumteleskop.
Gemeinsam mit der
Europäischen Weltraumorganisation ESA
mit einem Kostenaufwand von 1,3 Mil-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

liarden Dollar entwickelt, soll das
"Hubble-Teleskop" der Forschung sehr
viel detailliertere und weiter reichende Einblicke in die Tiefe des
Universums geben, als dies mit allen
anderen Instrumenten möglich ist.
Im Oktober 1989 will die NASA den
GALILEO-Satelliten starten. Bei diesem Gemeinschaftsprojekt mit der Bundesrepublik Deutschland geht es um
die erste umfassende Beobachtung bzw.
Sondierung des Planeten Jupiter und
seiner
Monde
über
einen
längeren
Zeitraum.
12 Monate
später
soll

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�ULYSSES in den Weltraum gebracht werden.
Das Forschungsgerät, von NASA
und ESA gemeinsam entwickelt, wird
die nördliche Polregion der Sonne unter die Lupe nehmen.
Dies ist ein
Gebiet, das noch nie direkt beobachtet werden konnte, weil sich alle
bisher gestarteten Satelliten in der
Umlaufebene der Planeten um die Sonne
bewegen.

nisch-kanadischen
Radar-Satelliten
für die Beobachtung und Fernerkundung
von Festland, Meeresgebieten und Eismassen auf der Erdoberfläche.

Der Raumtransporter wird im Jahr
1990 außerdem
dazu benutzt, einen
englischen Nachrichtensatelliten, eine europäische Plattform für Langzeitexperimente im Weltraum und ein
Observatorium zur Erfassung von Gammastrahlung sowie zur Lokalisierung
von Gammastrahlen-Quellen in der Erdumlaufbahn
abzusetzen.
Über
1990
hinaus liegen noch keine Terminangaben für bemannte Raumflüge vor.
Bis Ende 1995 sind von der NASA
48 Starts unbemannter Raketen mit militärischen Nutzlasten, Wettersatelliten und einigen Forschungssatelliten vorgesehen. Mit einer DELTA-Rakete will man im Februar 1989 einen
EXPLORER-Satelliten für die Untersuchung
der
kosmischen
Hintergrundstrahlung in den Weltraum bringen.
Ein Jahr später folgt ein Satellit
zur Beobachtung von Röntgenstrahlung
und im August 1991 ein Forschungsgerät für den Bereich extrem kurzwelliger Ultraviolettstrahlung.
So wird
es möglich, einen "Himmelsatlas" für
das elektromagnetische
Spektrum zu
erstellen und die Strahlungsquellen
zu katalogisieren.
Vorläufig nur geplant sind für
Februar 1993 eine Mission, die zu einem
Redezvous
mit
einem
Kometen
führt, im März 1993 der Start eines
Mondsatelliten für geologische Beobachtungen und die Untersuchung des
Mondmagnetfeldes, und schließlich im
Juni 1994 der Start eines amerika- 2 -

* * * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Informationen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagans neuer Verteidigungsminister&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ein Kurzporträt von Frank Carlucci&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neuer Nationaler Sicherheitsberater mit "Entschlußkraft"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kurzbiographie von Generalleutnant Colin Powell&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: INF-Vertrag muß langfristig im Interesse der NATO liegen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Worldnet-Ansprache des amerikanischen &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;UN-Resolution: Gemeinsam gegen AIDS&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Offenheit, tatkräftige Programme, Zusammenarbeit - Experten und Politiker sind gefordert&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;NASA-Starttermine bis 1995&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bemannte und unbemannte Missionen für Forschung, Verteidigung und Wetterbeobachtung&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

^

41

1 9 . November 1987

I N H A L T

DOKUMENTATION
Ist die NATO noch zettgemäß?
- Rede des amerikanischen Botschafters Richard R. Burt -

Shultz:

USA müssen Frieden in Nicaragua 'jede Chance* geben

- Ansprache von Außenminister Shultz vor der OAS -

WIRTSCHAFT
Länderbericht über das voraussichtliche Volumen des Handels mit der
Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1987
- Herausgegeben vom Büro des US-Handelsbeauftragten -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
AIDS-Frühbehandlung mit Interferon
- Neue Therapien in der Erprobung -

* * * * * *

United States Information Service
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�AMERIKA DIENST
r/

L?

""*•"

Dokumentation

\A

19. November 1987

41

IST DIE NATO NOCH ZEITGEMXSS?

MÜNCHEN - (AD) - In einer Ansprache am 16. November 1987 vor. der HannsSeidel-Stiftung in München bekräftigte Botschafter Richard Burt, daß zahlreiche Bundesbürger sowohl auf der linken wie der rechte Seite des politischen
Spektrums bedauerlicherweise die falsche Lehre aus dem bevorstehenden amerikanisch-sowjetischen Abkommen über Mittelstreckenraketen (INF) ziehen.
"In
Wahrheit aber ist diese Übereinkunft nicht ein Sieg für Gorbatschow, sondern
für die NATO. Sie ist zustande gekommen, weil das Bündnis den Mut hatte, den
Doppelbeschluß zu verabschieden, weil es unter äußerst schwierigen Bedingungen
die Stationierung der LRINF vorantrieb und angesichts sowjetischer Drohungen
fest zusammenhielt.
Die richtige Lehre aus den INF-Verhandlungen lautet,
Festigkeit und Zusammenhalt sind eine Voraussetzung für den Umgang mit den
Sowjets."
Nochfolgend veröffentlichen wir den Text der Rede im Wortlaut:
Kaum eine Institution der Gegenwart ist je so eingehend untersucht
worden wie die NATO. Zeit ihres Bestehens wurden unter Politikern, Wissenschaftlern und Kommentatoren immer
wieder Themen wie "Befindet sich die
NATO in einer Krise" oder "Ist die
NATO in Auflösung begriffen?" diskutiert.
Die Kritik scheint in den
letzten Jahren an Umfang zugenommen
zu haben. Viele behaupten, der Nutzen der NATO als Instrument kollektiver Sicherheit habe sich überlebt und
sie könne keinen Beitrag mehr zur Lösung der Art von Problemen leisten,

United States Information Service
Embassy of the United States of America

mit denen sich die meisten ihrer Mitgliedsstaaten in den neunziger Jahren
konfrontiert sehen werden.
Gedanken, die NATO liege in den
letzten Zügen oder etwa, sie sei
nicht mehr zeitgemäß, möchte ich entschieden entgegentreten.
Ich kann
innerhalb des Bündnisses weder bedeutende strukturelle Probleme ausmachen
noch erkenne ich irgendwelche tragfähigen Alternativen. Damit möchte ich
natürlich nicht bestreiten, daß es
Probleme
gibt.
Tatsächlich
sieht
sich die NATO gegenwärtig einer Reihe

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�großer Herausforderungen ausgesetzt,
die teils von innen, teils von außen
an sie gestellt werden.
Die bedeutendste Herausforderung
von außen besteht in der geschickten
sowjetischen
Diplomatie.
Unter
Gorbatschow decken sich die Grundzüge
sowjetischer
Strategie
mit
der
Breschnews, insbesondere die Ausdehnung sowjetischer politischer Hegemonie auf ganz Europa durch die Abkoppelung Westeuropas von den Vereinigten Staaten. Was sich hingegen verändert hat, ist die sowjetische Taktik. In einer Zeit, in der Rüstungskontrolle in praktisch allen westlichen Staaten einen wichtigen innenpolitischen Stellenwert einnimmt, ist
die neue sowjetische Führung darum
bemüht, ihre Ziele jetzt durch Rüstungskontrolle zu erreichen, statt
durch die fortgesetzte Aufrüstung ihrer Streitkräfte.
Durch die Denuklearisierung
Europas
meinen
Gorbatschow und seine Berater, diese
Abkoppelung mit Hilfe ihrer konventionellen Überlegenheit erzielen zu
können.
Eine große Herausforderung, die
von innen an das Bündnis gestellt
wird, liegt im zunehmenden Kirchturmdenken in Europa und dem Unilateralismus in den Vereinigten Staaten.
In Europa befürwortet manch einer die
"Europäisierung"
dieses
Kontinents,
die eine verringerte Rolle der Vereinigten Staaten, atomwaffenfreie Zonen und Denuklearisierung impliziert.
Es werden Argumente vorgebracht wie
etwa, Europa dürfe nicht Gefahr laufen, zum Schlachtfeld der Supermächte
zu werden.
Das Spiegelbild dieses
Trends ist die wachsende Frustration
über die Europäer in den Vereinigten
Staaten, die wiederum Vorschläge zum
Abzug amerikanischer Truppen und Diskussionen über die Reduzierung der
amerikanischen Nuklearpräsenz in Eu-

ropa zur Folge hat. Weitere Herausforderungen lassen sich in der wachsenden Popularität der Rüstungskontrollrhetorik und in dem - besonders
in Europa - weitverbreiteten Glauben
erkennen, Rüstungskontrolle sei ein
Allheilmittel für Sicherheitsprobleme.
Kurzum: der in den fünfziger und
sechziger Jahren erarbeitete und in
den siebziger Jahren zunehmenden Belastungen
ausgesetzte
atlantische
Konsens ist nun in den achtziger Jahren in Gefahr. Von beiden Enden des
politischen Spektrums wird Druck auf
ihn ausgeübt.
Dies ist aus der gegenwärtigen
Debatte über den bevorstehenden INFVertrag klar ersichtlich.
Die von
vielen Europäern zum Ausdruck gebrachten Ansichten und Befürchtungen
haben, so scheint mir, weniger mit
dem Vertrag an sich zu tun als mit
den Lehren, die aus ihm zu ziehen
sind. viele Deutsche, sowohl aus dem
linken wie dem rechten Lager, ziehen
leider die falschen Lehren.
Erstens sind viele der Ansicht,
wir verdankten dieses Abkommen Generalsekretär Gorbatschow, und Glasnost
und Perestroika
trügen hier erste
Früchte. In Wahrheit aber ist diese
Übereinkunft
nicht
ein
Sieg
für
Gorbatschow, sondern für die NATO.
Sie ist zustande gekommen, weil das
Bündnis den Mut hatte, den Doppelbeschluß zu verabschieden, weil es unter äußerst schwierigen Bedingungen
die Stationierung der LRINF vorantrieb
und
angesichts
sowjetischer
Drohungen
fest
zusammenhielt.
Die
richtige Lehre aus den INF-Verhandlungen lautet, Festigkeit und Zusammenhalt sind eine Voraussetzung für
den Umgang mit den Sowjets.
in der Tat ist das vielleicht
wichtigste Resultat der INF-Verhand-

- 2 -

�lungen, daß der einseitigen Abrüstung
des Westens damit ein Ende bereitet
werden sollte. Wie sich die meisten
von Ihnen erinnern werden, gab es Anfang der achtziger Jahre eine ausgedehnte Debatte in den NATO-Ländern,
ob das Bündnis pershing II-Raketen
und Marschflugkörper stationieren und
damit eine glaubwürdige Verhandlungsposition in Genf schaffen solle, oder
ob wir die Bedrohung durch die SS-20
außer acht lassen, einseitig auf die
Stationierung verzichten und hoffen
sollten, daß die Sowjets auf die
gleiche Weise reagierten.
Der verlauf der INF-Verhandlungen hat eindeutig die Gültigkeit des ersten Arguments bestätigt. Es ist jetzt erwiesen, daß der wirksame Weg zur Rüstungskontrolle am Verhandlungstisch
zu finden ist und daß wir, um bei
Verhandlungen
mit
der
Sowjetunion
Fortschritte zu erzielen, starke und
energische Verteidigungsanstrengungen
aufrechterhalten müssen.
Der zweiten, oft im linken Lager
aus der Erfahrung mit INF gezogenen
falschen Lehre zufolge bedeutet dieses Abkommen einen Wendepunkt in der
Entwicklung
westlicher
Strategien,
einen ersten Schritt auf dem Weg zum
atomwaffenfreien Europa und zum Verzicht auf nukleare Abschreckung. ich
möchte eindeutig klarstellen, daß die
Vereinigten Staaten nicht die Absicht
hegen, diesen Weg einzuschlagen.
In
absehbarer Zukunft wird das Bündnis
weiterhin auf seine Strategie der
flexiblen Reaktion bauen, deren wesentlicher Bestandteil die nukleare
Abschreckung bleibt.
Nach dem Abschluß eines Vertrages über Mittelstreckenraketen
bleibt
immer
noch
eine erhebliche Anzahl und Vielfalt
nuklearer Trägersysteme der vereinigten Staaten - Flugzeuge, Raketen und
Schiffe - für die Verteidigung Europas erhalten.

Die dritte falsche Lehre, die
häufig im rechten Lager aus den Erfahrungen mit INF gezogen wird, besagt, die Abschaffung amerikanischer
LRINF sei der erste Schritt zu einem
Rückzug der Amerikaner aus Europa.
Nichts könnte weniger der Wahrheit
entsprechen. Die Vereinigten Staaten
werden ihre Truppen nicht aus Europa
abziehen. Trotz der Vorschläge einiger Politiker in Washington unterstützt die amerikanische Öffentlichkeit - wie jüngste Meinungsumfragen
bestätigt haben - einhellig unser Engagement und die starke amerikanische
Präsenz in Europa. Wichtig ist, daß
durch europäische Furcht vor einem
amerikanischen
Truppenabzug
nicht
Geister gerufen werden, die man nicht
wieder los wird.
Die
Christlich
Soziale
Union
tritt seit langem für ein starkes
Bündnis
und
gesunde
amerikanischdeutsche Beziehungen ein.
Sie sind
in
der
Vergangenheit
stets
gute
Freunde Amerikas gewesen und werden
dies, wie ich glaube, auch weiterhin
sein. In den vor uns liegenden Monaten müssen wir gemeinsam eine Aufgabe
angehen, die für die künftige Solidität des Bündnisses von existentieller
Bedeutung ist, das heißt, wir müssen
sicherstellen, daß die Öffentlichkeit
aus den Erfahrungen mit INF die richtigen Lehren zieht.
Nur wenn wir
dieses ziel mit Erfolg erreichen,
können wir eine feste Grundlage für
weitere Bemühungen zur Stärkung des
Bündnisses errichten.
Kritiker
des
Bündnisses
von
rechts und von links verweisen auf
einige
anhaltende
reale
Probleme.
Europäische Kritiker äußern zu Recht,
die Vereinigten Staaten hätten manchmal versäumt, Konsultationen mit ihren europäischen Partnern abzuhalten
und auch nicht immer die Ansichten
der Europäer in ihrer ganzen Band-

�breite berücksichtigt.
Amerikanische
Kritiker haben wiederum recht mit ihrem Hinweis darauf, die Europäer hätten es unterlassen, die weltweite
Verantwortung zu übernehmen, die ihrer wirtschaftlichen Bedeutung entspricht.

Abzug von 100 000 amerikanischen Soldaten aus Europa in andere Gebiete
läßt sich nicht verwirklichen.
Dieser Ansatz würde keinesfalls die Europäer zu vermehrten Verteidigungsanstrengungen
anregen, sondern genau
das Gegenteil bewirken.

Trotzdem sollten wir uns bei der
Beurteilung der Probleme und Herausforderungen, mit denen sich die NATO
heute konfrontiert
sieht, folgende
Schlüsselfrage stellen: Gibt es als
tragfähige Alternative eine übergreifende Struktur, mit der die Sicherheit des Westens gleichermaßen garantiert werden kann?
Meine Antwort
darauf ist ein klares "Nein".

Was kann und soll nun unternommen
werden, um den wahren Herausforderungen entgegenzutreten, die sich der
NATO stellen?
Die Lösung liegt meiner Ansicht nach nicht in der Erfindung eines großartigen neuen Modells.
Vielmehr sollten wir unseren Völkern
gewisse
Grundprinzipien
vor
Augen
führen, die das Bündnis untermauern
und uns dieser Prinzipien - so kraftvoll und überzeugend wir dies vermögen - versichern.
Ich würde diese
fünf Grundsätze folgendermaßen definieren:

Es sind in der Tat von verschiedenen Seiten Alternativen zur gegenwärtigen Struktur gefordert worden.
Aber diese sind entweder politisch
unrealistisch oder nicht funktionsfähig, wenn es darum geht, die Sicherheit Europas zu garantieren.
Zum
Beispiel könnte die Alternative einer
völlig unabhängigen europäischen Verteidigungsgemeinschaft - deren Kernstück
die europäische
Abschreckung
und eine politische Struktur zur Kontrolle
dieser
Abschreckung
bilden
würde
- langfristig machbar sein,
aber sicherlich nicht zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Desgleichen würde ein
entmilitarisiertes
Europa
Traum
manches
europäischen
Linken
- im
Schatten
sowjetischer
Militärmacht
nicht lange überleben. Aus ähnlichen
Gründen würde eine politische Verständigung mit der Sowjetunion nicht
die Sicherheit Europas garantieren.
Eine
Variante
wie
etwa
Helmut
Schmidts Vorschlag, in Europa die
Rolle der Amerikaner von Frankreich
übernehmen zu lassen, ist ebensowenig
durchführbar.
Frankreich ist weder
bereit noch in der Lage, solch eine
Verantwortung
zu
tragen.
Auch
Zbigniew
Brzezinskis Vorschlag zum

- Erstens ist das Engagement der
Vereinigten Staaten auf dem Kontinent
sowohl
im Hinblick auf
Truppen als auch
Nuklearwaffen
jetzt und in Zukunft entscheidend.
Für die Glaubwürdigkeit
der Strategie des Bündnisses muß
dieses
Engagement
ein
wesentlicher Bestandteil sein und nicht
nur Zeichen setzen.
- Zweitens wird nukleare Abschrekkung
stets unverzichtbarer
Bestandteil der Strategie des Bündnisses sein.
Das bedeutet, daß
die Präsenz amerikanischer Nuklearwaffen auf europäischem Boden
ebenso
wie
die
Beibehaltung
schlagkräftiger
strategischer
Streitkräfte
in
Mitteleuropa
durch
die
Vereinigten
Staaten
weiterhin ein wesentliches Element der westlichen
Sicherheit
bilden, auch bei unseren gegenwärtigen Bestrebungen zum Abbau
von Nuklearwaffen durch ausgehandelte Abkommen.

�- Drittens muß sich das Bündnis zur
Aufrechterhaltung
der
Strategie
der flexiblen Reaktion auf ausreichende konventionelle Streitkräfte
stützen
können.
Angesichts des derzeitigen Kräfteverhältnisses
ist eine gemeinsame
Anstrengung zur Behebung des bestehenden
konventionellen
Ungleichgewichts - sei es durch
Verstärkung der Streitkräfte oder
Rüstungskontrolle oder eine Kombination der beiden - unerläßlich.
- viertens muß es innerhalb des
Bündnisses
zu
einer
gerechten
Verteilung der Lasten kommen, die
nicht einfach in Zahlen gegeneinander aufgerechnet werden können.
Lasten nichtfinanzieller Art, wie
zum Beispiel die Dichte der stationierten
Streitkräfte
sowie
Häufigkeit und Umfang von Übungen
sollten ebenfalls berücksichtigt
werden.
Auch in bezug auf Verantwortlichkeiten
außerhalb
des
Bündnisgebietes muß in der NATO
eine
Lastenverteilung
erfolgen.
In
diesem
Zusammenhang
sollte
nicht unerwähnt bleiben, wie sehr
die amerikanische Regierung die
Entscheidung der Bundesregierung
zu schätzen weiß, als Ausgleich
für die Aktivitäten der Amerikaner und der anderen Bündnispartner im Persischen Golf Schiffe
der Bundesmarine ins Mittelmeer
zu entsenden.
- Fünftens und letztens muß das
Prinzip des gleichmäßig verteilten Risikos innerhalb des Bündnisses
aufrechterhalten
werden.
Von keinem Mitglied des Bündnisses oder einer Gruppe von Bündnispartnern
kann die Übernahme
erheblich größerer Risiken verlangt werden, als sie die anderen
NATO-Partner erwartungsgemäß tragen müssen.
Das Territorium der

europäischen Verbündeten darf weder als ausschließlicher Kriegsschauplatz
für einen nuklearen
oder konventionellen Konflikt in
Erwägung
gezogen
werden,
noch
darf es einen Automatismus geben,
der zur raschen und unvermeidlichen Eskalation eines strategischen Krieges in Mitteleuropa
führen würde.
Die Lösung besteht meiner Meinung
nach daher nicht darin, die bestehende Struktur der NATO zu ersetzen,
sondern sie vielmehr zu verstärken,
indem
diese
fünf
Grundsätze
als
Richtlinien Anwendung finden.
Wenn
wir in eine Welt nach INF eintreten,
werden wir unser besonderes Augenmerk
darauf richten müssen, daß uns die
zur Durchführung dieser Strategie erforderlichen Streitkräfte garantiert
zur Verfügung stehen.
Von
vordringlichster
Bedeutung
könnte sein, daß wir zu einer Zeit,
in der ein Abkommen über die Beseitigung nuklearer Waffen in greifbare
Nähe gerückt zu sein scheint, sicherstellen müssen, daß das Bündnis über
ausreichende
konventionelle
Streitkräfte verfügt.
Der Verstärkung der
konventionellen
Streitkräfte
sollte
höchste Priorität beigemessen werden.
Gleichzeitig müssen wir die Gewähr
dafür bieten, daß das Bündnis im Einklang mit dem Beschluß von Montebello
ein angemessenes Arsenal moderner nuklearer Fähigkeiten kürzerer, mittlerer und längerer Reichweite beibehält.
Der zur Verhandlung stehende
INF-Vertrag enthält keinerlei Verfügungen, die uns von der Aufrechterhaltung eines solchen Arsenals abhalten würden.
Ferner müssen wir einen umfassenden und einheitlichen Ansatz zur Rüstungskontrolle erarbeiten, der sich
mit den von mir formulierten fünf

- 5 -

�Grundsätzen deckt.
insbesondere im
Hinblick auf konventionelle Rüstungskontrolle sollten sich die Bestrebungen des Bündnisses auf die Hauptursache der Unsicherheit auf dem europäischen Kontinent - die Invasionsfähigkeit des Warschauer Pakts - konzentrieren.
Dieser Ansatz hat drei
eindeutige
Implikationen.
Erstens
müssen wir unsere Aufmerksamkeit auf
die bedrohlichsten Elemente der Militärmacht des warschauer Pakts lenken,
das heißt, die gepanzerten Streitkräfte
der
Sowjetunion.
Zweitens
müssen die Reduzierungen einschneidend und stark asymmetrisch vorgenommen werden. Und drittens dürfen Reduzierungen
des Westens nicht auf
amerikanische
Streitkräfte
konzentriert sein, da die anhaltende Präsenz amerikanischer Truppen auf europäischem Boden für die Verteidigung
Europas ebenso entscheidend ist wie
die Präsenz der amerikanischen Nuklearwaffen hier.
Zusammenfassend kann man sagen,
daß uns die NATO in den etwas mehr
als 40 Jahren seit ihrer Gründung gute Dienste geleistet hat und von einer alternativen Sicherheitsstruktur
für den Westen keine Rede sein kann.
Die vor uns liegende Aufgabe besteht
daher vielmehr in der Stärkung der
uns zur Verfügung stehenden Struktur
und in der Verbesserung unserer Strategie.
Unter den Teilnehmern dieser
Konferenz befinden sich einige der
engagiertesten Verfechter des Atlantischen Bündnisses und der deutschamerikanischen Beziehungen im besonderen. Wir freuen uns, daß Sie uns
in der vor uns liegenden Zeit mit Rat
und Unterstützung zur Seite stehen
werden.

* * * * *

�18. November 1987

41

SHULTZ:

USA MÜSSEN FRIEDEN IN NICARAGUA "JEDE CHANCE" GEBEN

- Ansprache von Außenminister Shultz vor der OAS -

WASHINGTON - (AD) - Vor der Generalversammlung der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) erklärte Außenminister Shultz am 10. November 1987, die
Reagan Administration stelle bis nächstes Jahr keine weitere Unterstützung für
die Widerstandskämpfer in Nicaragua bereit.
"Das heißt nicht, daß wir die Hände in den Schoß legen, wenn die Sandinisten den militärischen Sieg zu erlangen suchen", fuhr Shultz fort.
"Wir
werden die Widerstandskämpfer angesichts hochentwickelter sowjetischer Waffen
und kubanischer Berater nicht ohne die erforderlichen Mittel sich selbst überlassen" .
Nachfolgend bringen wir die Ausführungen von Außenminister shultz im Wortlaut.
Herr Präsident, sehr geehrte Kollegen, Delegationsleiter, Herr Generalsekretär,
Herr
stellvertretender
Generalsekretär, meine Damen und Herren.
Der Charta der Organisation Amerikanischer Staaten zufolge ist es
der
"historische Auftrag Amerikas,
allen Menschen ein freies Land zu
bieten".
Der
demokratische
Wandel, der
sich
jetzt
in unserer
Hemisphäre
vollzieht, verleiht unserem gemeinsa-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

men Auftrag neues Leben. Der brasilianische Präsident Sarney hat diesen
Wandel als das "erstaunlichste und
bewegendste politische Ereignis der
jüngsten Jahre bezeichnet".
Präsident Reagan zitiert es als "eines des
stolzesten Kapitel in der Geschichte
der Menschheit".
Zweifelsohne sollte dieser demokratische Wandel auch ein Augenblick
des Triumphes für unsere regionalen
Organisationen sein.
So sollte es sein, aber

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

dem

ist

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�nicht so. Oder zumindest noch nicht.
Viele
unserer Mitgliedsländer
sind
demokratischer als je zuvor.
Aber
einige sind noch immer undemokratisch, und einige wenige sind mit System undemokratisch. Und überall auf
der Welt versuchen wir immer noch,
den durch geringes Wirtschaftswachstum und ungleich verteilte Entwicklungen entstandenen menschlichen Problemen Herr zu werden.
Beide Probleme - die politischen
wie die wirtschaftlichen - sind gravierend.
Beide tragen zu Spannungen
bei, die Einfluß auf die internationale
Sicherheit
haben.
In meinen
heutigen Ausführungen möchte ich diese beiden Problemkreise ansprechen.

Ankurbelung von Wirtschaftswachstum
und sozialer Entwicklung
Ich setze großes Vertrauen in eine bessere wirtschaftliche
Zukunft
für Lateinamerika. Die von uns seit
1982 gemeinsam unternommenen Anstrengungen stärken mein Vertrauen.
Dieses ist die fünfte Generalversammlung, an der ich als Außenminister
teilnehme. Seit den Tagen der Krise
im Jahr 1982 haben sich die Wirtschaftsstatistiken
über
die . Jahre
hinweg konstant verbessert.
Seit dem im Jahr 1985 in Seoul
ins Leben gerufenen Programm für anhaltendes Wachstum haben wir große
Anstrengungen unternommen.
Das Gesamtwirtschaftswachstum beläuft sich
jetzt ohne Unterbrechungen im dritten
Jahr auf über 3 Prozent - im Jahr
1986 erreichte es fast 4 Prozent.
Die Interamerikanische Entwicklungsbank berichtet, daß das Jahr 1986 für
zwei
Drittel ihrer
Mitgliedsländer
einen besseren Verlauf nahm als 1985.
Andere Indikatoren sind ebenfalls positiv: Die Exporterlöse steiqen wei- 2

terhin an, die Importe erholen sich,
die Lage auf dem Rohstoffmarkt verbessert sich, das reale Pro-Kopf-Einkommen ist angestiegen, es gibt Anzeichen für eine Erholung der Kapitalflucht, und die
Inflationsraten
sind niedrig.
Erneute Kreditvergabe und Hilfsleistungen an die Region seitens der
internationalen Finanz- und Entwicklungsinstitutionen beliefen sich im
Jahr 1986 auf mehr als 9 Milliarden
Dollar.
Im Verlauf der vergangenen
zwei Jahre sind über 9 Milliarden
Dollar an ausstehenden Handelsschulden
zurückgeflossen.
Das amerikanische Defizit im Handel mit Lateinamerika und der Karibik beläuft sich
weiterhin auf 15 Milliarden Dollar
jährlich. Auch dadurch ist ein wichtiger Beitrag zu den Wachstumsaussichten für Lateinamerika insgesamt
geleistet worden.
Als Antwort auf die besonderen
Probleme im Karibischen Becken haben
die Vereinigten
Staaten seit 1981
mehr als 7 Milliarden Dollar an bilateraler Wirtschaftshilfe zur Verfügung gestellt.
Dies ist fünf mal
mehr als die 1,4 Milliarden Dollar an
militärischer Hilfe, die wir zur Wahrung
lebenswichtiger
Sicherheitsinteressen ausgegeben haben. Selbst in
Fällen, in denen wir uns auf verfügbare offizielle Hilfsleistungen konzentriert haben, bleiben wir tragfähigen
Entwicklungen
verpflichtet.
Wir sind uns bewußt, daß solche Entwicklungen sich nur auf einen starken
Privatsektor gründen können und nicht
auf
langfristige
Abhängigkeit
von
ausländischer
Hilfe.
Entsprechend
haben wir versucht, einen Anreiz für
Investitionen zu schaffen, indem wir
im Rahmen der Initiative Karibisches
Becken eine Lockerung des Handels bewirkt haben. Das fruchtbare Ergebnis
war eine mehr als 30prozentiqe Zu-

�wachsrate bei amerikanischen Importen
nicht herkömmlicher Produkte aus den
Ländern des Karibischen Beckens in
den vergangenen drei Jahren bis 1986.
Weltweit liegt das Pro-Kopf-Einkommen jedoch noch weit unter dem Niveau, das erreicht worden war, bevor
die Finanzflüsse im Jahr 1982 zum
Problem wurden.
zusätzlich
trüben
die
derzeitigen
Entwicklungen
das
wirtschaftliche Bild. Wir müssen alles in unserer Macht stehende tun, um
dies zu beheben. Der starke Abwärtstrend der Zinssätze hatte die lateinamerikanischen Forderungen für geleistete Dienste um ca. 5 Milliarden
Dollar pro Jahr verringert, aber die
Zinssätze sind wieder im Ansteigen
begriffen.
In den vereinigten Staaten unternehmen wir vermehrte Anstrengungen, um unserer Haushaltsdefizit unter Kontrolle zu bringen.
Unter Präsident Reagan haben wir protektionistischen
Maßnahmen
vehement
widerstanden, dennoch üben die Verfechter des Protektionismus weiterhin
starken Druck aus.
Wir sind entschlossen, ein offenes Handelssystem
aufrechtzuerhalten.
Wir werden uns
weiterhin gegen solche Maßnahmen wehren und dafür benötigen wir Ihre Hilfe.
Wir sind der Überzeugung, daß die
internationalen
FinanzInstitutionen
der Weltbank und des Internationalen
Währungsfonds eine Schlüsselrolle bei
der Förderung des Wachstums übernehmen müssen.
Daher haben wir unsere
Zustimmung zur Teilnahme an den Verhandlungen über eine Kapitalaufstokkung der Weltbank gegeben.
Darüber
hinaus haben wir einen neuen ausländischen Reservefonds für den internationalen Währungsfonds vorgeschlagen, durch den unvorhergesehene Entwicklungen
wie geringere Rohstoffpreise, ein vermindertes Exportvolumen und höhere Zinssätze aufgefangen

werden.
Eine starke Weltwirtschaft erfordert anhaltende Wirtschaftsreformen.
Wie Ihnen sicherlich bekannt sein
wird, haben wir von den führenden
Überschußländern verstärkte Maßnahmen
erwartet.
Die Märkte geben einen
Hinweis darauf, daß die Vereinigten
Staaten zu lange die Lokomotive des
Weltwirtschaftswachstums
waren
und
sich in Wirklichkeit etwas übernommen
haben.
Auch hier ist Ihre aktive
Teilnahme vonnöten. sie können dazu
beitragen, unsere Handelspartner, von
der Bedeutung einer Verringerung ihrer Handelsüberschüsse zu überzeugen.
Sie können auch helfen, indem Sie mit
stärkerer Entschlossenheit die Wirtschaftsreformen durchführen, die für
zukünftiges
Wachstum
erforderlich
sind.
Wir alle, die wir in dieser
Hemisphäre leben, müssen an der Ankurbelung unserer Sparraten und der
Investitionstätigkeit
arbeiten
und
uns vor allem zu vermehrter Zusammenarbeit verpflichten, um die notwendigen Bedingungen zu schaffen, die bis
in die neunziger Jahre und darüber
hinaus anhaltendes Wachstum und den
Aufschwung
der Demokratie
sichern,
von dem Lateinamerika in den achtziger Jahren gekennzeichnet war.

Die Übereinkunft von Guatemala
Ich möchte mich jetzt der von
fünf unserer Mitgliedsstaaten ergriffenen Initiative zuwenden, in Mittelamerika Frieden durch Demokratie zu
schaffen.
Meine Regierung ist der
festen Überzeugung, daß das Guatemala-Abkommen entschiedenen Fortschritt
herbeiführen kann.
Unsere Organisation sollte keine Mühe scheuen, den
mittelamerikanischen Mitgliedsstaaten
bei ihren Bestrebungen zur Erlangung
des Friedens behilflich zu sein.

- 3 -

�Die Hand in Hand gehenden Forderungen der Übereinkunft von Guatemala
- Demokratie und nationale Aussöhnung
- fügen sich zu dem einzigen Weg zusammen, durch den dem Blutvergießen
ein Ende bereitet, uneingeschränkte
Teilnahme
am politischen Geschehen
und der Abbau des Ost-West-Konflikts
in der Region gewährleistet werden
können.
Die Verleihung des diesjährigen
Friedensnobelpreises an den Präsidenten
eines
unserer
Mitgliedsländer
spiegelt diese Realität wider.
Wir
beglückwünschen
Präsident
Arias.
Seine Auszeichnung ist gleichzeitig
die Anerkennung seiner fortgesetzten
Bemühungen, den demokratischen Wandel
der Region und den jahrelangen Kampf
des mittelamerikanischen Volkes und
der demokratischen Führung zu Ende zu
bringen.
Die Durchführung des GuatemalaAbkommens erweist sich als relativ
kompliziert, aber die ihm zugrunde
liegende Vision ist in Wirklichkeit
sehr einfach. Es ist die Vision eines auf Freiheit und Demokratie gegründeten regionalen Friedens.
Der
Demokratisierungsprozeß
muß
Pressefreiheit,
uneingeschränkten
politischen Pluralismus sowie freie Wahlen und die Aufhebung des Ausnahmezustands
beinhalten.
Wie
Präsident
Reagan vor dem Ständigen Rat der OAS
formulierte,
ist
"Demokratie
der
Grundpfeiler" der Übereinkunft von
Guatemala.
Parallel zu diesem Demokratisierungsprozeß muß ein Prozeß der nationalen Aussöhnung einhergehen.
jede
Regierung sollte alle eforderlichen
Schritte unternehmen, um einen wirksamen,
ausgehandelten
Waffenstillstand mit den bewaffneten Oppositionsgruppen zu erzielen und in einen
fruchtbaren Dialog mit ihren poli-

tischen
Gegener
einzutreten.
Zur
weiteren
Förderung
des
nationalen
Aussöhnungsprozesses muß jede Regierung außerdem ein Amnestiegesetz zur
"Gewährleistung der Unverletzlichkeit
des Lebens und der Freiheit in allen
ihren Formen" verabschieden.
Gleichzeitig mit der Einhaltung
dieser Verpflichtung zur Demokratisierung
und
nationalen
Aussöhnung
verpflichten sich die Unterzeichnerstaaten, Streitkräften, die
andere
Staaten destabilisieren, die Benutzung
ihres nationalen
Territoriums
für militärische Zwecke zu verweigern.
Ferner werden dritte Parteien
aufgerufen, ihre Unterstützung irregulärer Truppen aufzugeben, mit Ausnahme der Fälle, in denen sie für die
Umsiedlung der Kombattanten und die
freiwillige Rückkehr der Flüchtlinge
erforderlich ist.
Schließlich, und dies ist von
vorrangiger Bedeutung, ist die Übereinkunft von Guatemala nicht eine
Reihe
isolierter
unilateraler
Verpflichtungen:
Sie ist, wie in der
Übereinkunft
zu lesen steht, "ein
harmonisches und unteilbares Ganzes".
Sie ist ein Ganzes, das vollständig
von der gleichzeitigen Verwirklichung
gegenseitiger
Verpflichtungen
abhängt.
Damit das Abkommen Wirkung
zeitigen kann, müssen alle Seiten ihre Verpflichtungen erfüllen. Der Erfolg fordert einen ernstzunehmenden
Zeitplan für den Fortschritt und das
Bewußtsein darüber, welcher Preis für
ein Scheitern zu zahlen ist.

Sicherheitsbelange
Die Übereinkunft von Guatemala
behandelt strategische Sicherheitsbelange nicht ausdrücklich. Die sowjetischen und kubanischen militärischen
Verbindungen mit Nicaragua - mili-

�tärische Einrichtungen, Berater, unterschiedliche Hilfsleistungen, hochentwickelte Waffengattungen
- sind
Themen von lebenswichtigem und unmittelbarem
Interesse
für
uns.
Der
Frieden erfordert, daß wir uns mit
diesen Themen befassen. Ein vernünftiges Gleichgewicht unter den Streitkräften Mittelamerikas ist unabdingbar für anhaltenden Frieden.
Diese grundlegenden Sicherheitsziele in Mittelamerika erfahren in
den Vereinigten Staaten starke Unterstützung durch beide Parteien. Unsere beiden großen Parteien wünschen
ein demokratisches Nicaragua, das weder eine militärische Bedrohung für
seine Nachbarn noch eine Plattform
für der Sicherheit der Hemisphäre abträgliche, feindliche sowjetische und
kubanische Aktivitäten darstellt.
Politische Demokratie in Nicaragua würde sich größtenteils mit diesen Sicherheitsbelangen befassen, da
keine wirklich demokratische Regierung ihre Nachbarn angreifen oder die
Benutzung ihres Territoriums für militärische zwecke durch die Sowjetunion gestatten würde.
Wir sind also wieder bei der
grundlegenden Frage angelangt, die in
der Übereinkunft von Guatemala ausdrücklich
angesprochen
wird:
Wie
kann Demokratie in Nicaragua erzielt
werden?

Gebrochene Verprechen
Der Kampf für Demokratie in Nicargua ist nicht neu.
Im Jahr 1979
stimmte die Organisation Amerikanischer
Staaten
mit
überwältigender
Mehrheit - in eben diesem Saal - für
die Ablösung der Somoza-Diktatur und
forderte die "Wahrung der Menschenrechte aller Nicaraguaner ohne Aus-

nahme" sowie
wie möglich".

"freie

Wahlen

so

bald

Diese Forderung war Bestandteil
langwieriger
Verhandlungen
zwischen
den Regierungen auf unserem Kontinent
und der politischen Koalition, die
das Somoza-Regime bekämpfte.
In Besprechungen, Dokumenten und selbst in
vor dieser Organisation abgegebenen
Erklärungen bekräftigten die im Exil
lebenden
Juntamitglieder
und
ihre
Vertreter die Verpflichtung zu einer
pluralistischen Demokratie, gemischten Wirtschaft und einer blockfreien
Außenpolitik.
Einige
der
Regierungsvertreter
des heutigen Nicaragua trugen dazu
bei, diese politische
Vereinbarung
auszuhandeln.
Dennoch
bestätigen
eben diese politisch Verantwortlich
jetzt ihr absolutes Recht zur Gründung eines leninistischen Parteienstaates,
der
die
Wirtschaft
beherrscht und eine Verbindung mit dem
sowjetischen Block eingegangen ist.
Vor dem Sturz des Somoza-Regimes
haben die Sandinisten den Nicaraguanern wiederholt versichert, sie würden die Grundrechte und -freiheiten
aller
Nicaraguaner
schützen.
Die
wichtigsten dieser Zusagen finden ihren Niederschlag in einem Dokument
namens
"Gesetzesentwurf
über
die
Rechte und Sicherheiten der Nicaraguaner", das zum Grundgesetz der neuen nicaraguanischen Regierung werden
sollte.
Der Entwurf wurde noch zur
Amtszeit Somozas verbreitet, erhielt
dann am 21. August 1979 als Dekret
Nr. 52 Gesetzeskraft und stellt ein
umfassendes und feierliches versprechen der FSLN an das nicaraguanische
Volk dar.
Artikel 1 des Gesetzes garantiert
dem Volk von Nicaragua das "Recht auf
freie und vollständige Selbstbestim-

- 5 -

�mung zur Schaffung seiner politischen
Bedingungen".
Artikel
4 erklärt,
"Ausländer dürfen sich nicht in die
politischen Angelegenheiten des Landes einmischen". Es hat sich jedoch
gezeigt, daß das heute bestehende politische System von der kleinen, zur
Elite der sandinistischen Partei zählenden Minderheit und mit Hilfe Tausender Kubaner und anderer Ausländer
aus dem Ostblock bestimmt wird.
Den Artikeln 22, 23 und 25 des
Gesetzes kommt im Hinblick auf die
Aussichten einer Einhaltung der Übereinkunft von Guatemala besondere Bedeutung zu. Sie gewähren das Recht
auf
friedliche
Zusammenkünfte
und
Versammlungsfreiheit,
ferner
das
Recht, sich zu organisieren und politischen Parteien beizutreten, an öffentlichen Aktivitäten teilzunehmen,
Gesuche für die Abschaffung von Mißständen einzureichen, zu wählen und
bei Wahlen zu kandidieren.
Es hat
sich jedoch gezeigt, daß die Sandinisten noch fünf Jahre nach der Entmachtung Somozas keine Wahlen zuließen, und wenn, dann nur unter Bedingungen, die dazu angetan waren,
ein vorgefertigtes Ergebnis hervorzubringen.
Diese Tatsachen
liefern erheblichen Grund zur Skepsis darüber, ob
die Regierung von Nicaragua unter dem
Friedensvertrag die Absicht hegt, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Es
bedeutet, daß die Leistungen der nicaraguanischen Regierung zur Erfüllung ihrer jüngst eingegangenen Verpflichtungen zur Freiheit nicht an
dem gemessen werden können, was einzelnen Bürgern - wie bekannt diese
auch sein mögen - widerfährt.
Es
müssen weitreichende und dauerhafte
Reformen
durchgeführt
werden,
um
sicherzustellen, daß dieses Mal Fortschritte für die Demokratie echt und
unwiderruflich sind.

Nationale Aussöhnung
Am Tag, an dem 'La Prensa' die
Wiederaufnahme ihres Erscheinens gestattet wurde (1. Oktober), forderte
sie in ihrem Leitartikel "völlige Amnestie, Aussöhnung durch einen Dialog
mit den bewaffneten Rebellen und uneingeschränkte Aufhebung des Ausnahmezustandes, unter dem sich das Land
seit 1982 befindet".
Diese drei Maßnahmen - ein ausgehandelter Waffenstillstand, vollständige Amnestie und die Aufhebung des
Ausnahmezustandes - sind unabdingbar,
wenn die heute bewaffneten Feinde ihre Differenzen als politische Rivalen
beilegen wollen. Diese Schritte würden möglicherweise die meisten Nicaraguaner - Flüchtlinge und politische
Exilanten,
junge
Widerstandskämpfer
und junge Männer, die für die Armee
der Sandinisten verpflichtet wurden davon überzeugen, daß sie wirklich in
ihre Heimat zurückkehren und an der
demokratischen Politik ihrer Länder
teilnehmen können.
Vollständig
und
gerecht
angewandt, könnten diese Maßnahmen einen
Teil der Skepsis darüber abbauen, ob
Präsident Ortega wirklich die Widerstandsbewegung und die Oppositionsparteien an einem Prozeß beteiligen
will, der zu Aussöhnung und unwiderruflicher
demokratischer
Öffnung
führt. Das ist die grundlegende Prüfung.
Die
Erklärung
Präsident
Ortegas vom 5. November, er werde
sich zu indirekten Gesprächen mit der
Widerstandsbewegung
bereiterklären,
ist ein begrüßenswerter Fortschritt.
Wir begrüßen jeden noch so zaghaften
Schritt der nicaraguanischen Regierung, der darauf abzielt, die Kampfhandlungen und die ihnen zugrundliegenden Konflikte zu beenden. je direkter die Verhandlungen, umso größer
die Wahrscheinlichkeit eines Fort6 -

�Schritts.
Die Präsidenten Duarte und Cerezo
haben bereits in ihren jeweiligen
Ländern mit den Führern der Rebellen
direkte
Verhandlungen
aufgenommen.
Die Mitte Oktober in Spanien abgehaltenen Verhandlungen stellen seit mehr
als einer Generation die ersten offiziellen Kontakte zwischen der guatemaltekischen Regierung und den Guerillas dar.
In El Salvador fanden
häufiger - wenn auch mit Unterbrechungen - Dialoge statt, und die Regierung hat mit den Guerillas zwei
gemischte
Kommissionen
gebildet.
Eine von ihnen soll einen Waffenstillstand aushandeln, die andere Gespräche über Anmestie und nationale
Ausöhnung führen.
Die bis heute erzielten Ergebnisse lassen vermuten, daß die marxistisch-leninistischen Kräfte möglicherweise noch nicht bereit sind, Frieden
zu schließen. Bei der Eröffnungsversammlung der salvadorianischen Kommission für den Abschluß eines Waffenstillstands verweigerten die Guerilla-Führer Diskussionen über die
Bedingungen eines Waffenstillstandes.
Zu einem späteren Zeitpunkt lehnten
sie es ab, an Gesprächen zur Aussöhnung teilzunehmen, die für den 30.
Oktober in Mexiko City angesetzt waren,
in ähnlicher Weise wiesen die
guatemaltekischen Rebellen die Einladung der Regierung Cerezo zur Teilnahme am politischen Prozeß zurück.
Um die Übereinkunft von Guatemala
in Wort und Tat zu verwirklichen,
müssen Präsident Ortega und die Widerstandsbewegung auf eine Art und
Weise miteinander verhandeln, bei der
diese Bereiche direkt
angesprochen
werden.
Ein wirksamer Waffenstillstand kann nicht nur von einer Seite
ausgerufen
werden; diejenigen, die
auf beiden Seiten kämpfen, müssen

sich darüber einigen, was geschehen
soll. Dadurch würden die politischen
Führer in die Lage versetzt, vertrauensbildende Maßnahmen auszuarbeiten,
mit deren Hilfe der vollständigen und
friedlichen
politischen
Wiedereingliederung aller Nicaraguaner in ein
freies Nicaragua der Weg bereitet
werden könnte.
Eine vollständige Amnestie
ist
für einen jeden solchen Prozeß unabdingbar. Im September hat die Nationale
Konferenz der
(römisch-katholischer) Bischöfe Nicaraguas Amnestie
als Maßnahme definiert, mit der "beiden Seiten (geholfen werden soll),
die in der Vergangenheit an ihren
Brüdern begangenen Vergehen zu vergessen". Jede Amnestie muß auch auf
politische Gefangene, aktive Mitglieder der Widerstandsbewegung und jene,
die lieber aus ihrer Heimat geflohen
sind als daß sie unter einem totalitären Regime leben wollten, anwendbar
sein.
Die
Erklärung
Präsident
Ortegas vom 5. November, daß die Sandinisten bereit seien, etwa 1 000 politische
Gefangene
zu
begnadigen,
während Tausende hinter Gittern bleiben müssen, ist kaum ein Anfang.
Die Führer des demokratischen Widerstands
in Nicaragua
haben
die
Übereinkunft
von Guatemala
begrüßt
und Schritte zu deren Einhaltung unternommen.
Sie haben ihre Bereitschaft
erklärt, einen Waffenstillstand auszuhandeln und die jüngsten
Vorschläge aus Managua als nützlichen
Ansatzpunkt begrüßt. Wir alle müssen
hoffen, daß Präsident Ortegas jüngster Vorschlag sich als aufrichtig
erweisen und zum logischen nächsten
Schritt führen wird - direkten Verhandlungen von genau der Art, wie sie
die Präsidenten Cerezo und Duarte geführt haben.

- 7 -

�Amerikanische Unterstützung für den
Frieden
Die
Regierung
der
Vereinigten
Staaten ist davon überzeugt, daß die
militärischen und politischen Erfolge
der nicaraguanischen Widerstandsbewegung
dazu
beigetragen
haben, dem
Frieden eine Chance einzuräumen. Wir
sind ferner der Überzeugung, daß die
Sandinisten ohne diesen Druck nicht
die von ihnen am 5. November angekündigten Schritte unternommen hätten.
Wir haben auch Verständnis dafür, daß
Frieden ein Prozeß ist. Als wir also
gebeten wurden, uns bis zum 5. November nicht um erneute Hilfe für die
Widerstandsbewegung zu bemühen - und
dem "Frieden eine Chance zu geben" haben wir unsere aktiven diplomatischen Bemühungen fortgeführt, diesen Forderungen aber Beachtung geschenkt.
Heute kann ich Ihnen mitteilen,
daß wir bis zum nächsten Jahr keine
weitere Militärhilfe für die Widerstandsbewegung fordern werden.
Das
heißt nicht, daß wir die Hände in den
Schoß legen, wenn die Sandinisten einen militärischen Sieg zu erlangen
suchen. Wir werden die Widerstandskämpfer
angesichts
hochentwickelter
sowjetischer Waffen und kubanischer
Berater nicht ohne die erforderlichen
Mittel sich selbst überlassen.
Wir
werden nicht zulassen, daß der Friedensprozeß zu einem Schutzschild für
die physische Ausrottung des nicaraguanischen Widerstandes wird.
Wir
werden
vielmehr
dem
Frieden
jede
Chance geben.
Wie
Präsident
Reagan
vor
dem
Ständigen Rat erklärte, wird die Hilfe der Vereinigten Staaten "weitergeführt, bis die Sandinisten in ihren
Verhandlungen mit den Freiheitskämpfern ein Abkommen über einen Waffenstillstand schließen und die Demokra-

tie vollständig in Nicaragua verankert ist".
Die Form unserer Hilfe
wird von den Gegebenheiten bei der
Durchführung
der
Übereinkunft
von
Guatemala abhängen. Wenn es unseren
Hoffnungen gemäß funktioniert, werden
die Hilfsleistungen der friedlichen
Wiedereingliederung des Widerstandes
in ein freies Nicaragua zufließen;
wenn nicht, werden sie zur Weiterführung des Kampfes bis zu seinem Erfolg
Verwendung finden.
in den vor uns liegenden Wochen
und Monaten werden die Vereinigten
Staaten das Abkommen von Guatemala
auch auf andere Art und Weise unterstützen.
Präsident Reagan hat die
Delegationsleiter dieser Versammlung
gestern davon informiert, daß ich zu
gemeinsamen Gesprächen mit den Außenministern aller fünf Staaten Mittelamerikas, einschließlich des Vertreters der Sandinisten, bereit sein
werde, wenn unter der Vermittlung
Kardinal Obandos ernsthafte Verhandlungen zwischen den Sandinisten und
den Freiheitskämpfern geführt werden.
Vor und während eines solchen
Treffens werden wir natürlich weiterhin enge Konsultationen mit den mittelamerikanischen Demokratien und dem
nicaraguanischen
Widerstand
darüber
weiterführen, wie diese multilateralen Verhandlungen am besten zur nationalen Aussöhnung in Nicaragua beitragen könnten.

Die Rolle der OAS
Der OAS und ihren Mitgliedern
fällt im Hinblick auf Nicaragua eine
besondere Verantwortung zu.
Dieses Mal müssen wir im Gegensatz zu 1979 sicherstellen, daß die
für die Demokratie eingegangenen Verpflichtungen eingehalten werden. Die

�Menschen in Mittelamerika müssen weiterhin die Hauptrolle spielen.
Die
Übereinkunft von Guatemala ist ihr
Werk. Sie sind näher mit dem Problem
konfrontiert und auf direktere Art
und Weise beteiligt. Aber diese Organisation, die sich mit den Jahren
große Sachkenntnis über die Region
erworben hat, sollte eine wichtige
Quelle der Unterstützung sein.
Die Erhaltung des Friedens erfordert Beteiligung und Sachkenntnis in
der Region selbst.
Dieses Prinzip
einer
Vormachtstellung
der
Region
wird ausdrücklich in Artikel 23 der
OAS-Charta erwähnt, in dem die Mitgliedsstaaten
aufgefordert
werden,
Maßnahmen innerhalb der Region zu ergreifen, ehe sie sich mit strittigen
Fragen an die Vereinten Nationen wenden.
Es findet seinen Niederschlag
ebenfalls in Artikel 52 der Charta
der vereinten Nationen, in dem alle
Mitglieder
aufgerufen werden, jede
nur mögliche Anstrengung zu unternehmen, um Streitigkeiten mittels regionaler Organisationen zu lösen, bevor
sie dem Sicherheitsrat zur Kenntnis
gebracht werden.
Der Generalsekretär dieser Organisation ist Mitglied der durch die
Übereinkunft von Guatemala eingesetzten Kommission für Verifizierung und
Folgemaßnahmen.
Es werden große Anstrengungen und ein ernsthaftes Engagement aller Mitglieder der Organisation und auch des Generalsekretärs
und seiner Mitarbeiter nötig sein,
wenn sich diese Kommission an einem
gerechten und strukturierten Prozeß
beteiligen will, mit dessen Hilfe im
Rahmen
der
Übereinkunft
erzielte
Fortschritte gemessen werden sollen.
Mir ist bewußt, daß manche Beobachter sich fragen, ob multilaterale
Organisationen in der Lage sind, bei
den Problemen der Hemisphäre, denen

höchste
Priorität
zukommt,
eine
Schlüsselrolle zu spielen. wir sind
der Ansicht, daß die OAS dies unter
Beweis gestellt hat. Die OAS hat bei
der
Überwachung der
Menschenrechte
Hervorragendes geleistet, am offensichtlichsten durch ihre Aktivitäten
und eindrucksvollen Berichte der Interamerikanischen
Menschenrechtskommission. Sie hat den demokratischen
Prozessen durch die Beobachtung von
Wahlen und andere technische Hilfsleistungen große Unterstützung erwiesen.
Sie hat versucht, den Ländern
zu helfen, die ihre Rechtssysteme
verbessern wollten.
Sie ist neue
Verpflichtungen im Kampf gegen den
Drogenmißbrauch
und
den
illegalen
Rauschgifthandel in dieser Hemisphäre
eingegangen,
insbesondere
mit
dem
erst letztes Jahr in Rio de Janeiro
vereinbarten Anti-Drogen Aktionsprogramm.
Und natürlich kann die OAS
zahlreiche Erfolge bei ihren Aktivitäten zur Friedenssicherung vorweisen, von denen viele in Mittelamerika
stattfanden.
Es trifft zu, daß die finanzielle
Lage der OAS nicht gut ist.
Das
spiegelt
zum Teil die umfassenden
wirtschaftlichen
und
finanziellen
Schwierigkeiten der Mitgliedsstaaten
wider. Wir haben dieses Problem bei
unserem Zusammentreffen in Cartagena
im Jahr 1985 besprochen. Nach diesem
Treffen habe ich Präsident Reagan empfohlen, wir sollten die Zustimmung
des Kongresses einholen, um unseren
vollen Anteil an diese Organisation
zu zahlen, was die Vereinigten Staaten seit mehreren Jahren unterlassen
haben.
Der Präsident hat dem zugestimmt.
Dann hat der Kongreß seine
Zustimmung erteilt, konnte aber angesichts der angespannten Haushaltslage
keine Mittel bereitstellen. Wir werden es weiter versuchen.

- 9 -

�Das amerikanische
Außenministerium hat in den vergangenen drei Jahren einschneidende Haushaltskürzungen
erfahren. Im vergangenen Jahr mußten
wir schwierige Anpassungen vornehmen,
die im Vergleich zu dem, was uns bevorsteht,
geringfügig
erscheinen
könnten.
Im kommenden Jahr müssen
wir noch größere Anpassungen vornehmen.
Diese drastische Kürzung der
finanziellen
Mittel
für auswärtige
Angelegenheiten hat uns unter anderem
dazu gezwungen, unser Angebot, bei
dieser Generalversammlung als Gastgeber
zu
fungieren,
zurückzuziehen.
Ich möchte wiederholen, was ich dem
Generalsekretär damals erklärt habe.
Diese Entscheidung ändert nichts an
unserem entschlossenen Engagement für
die Organisation amerikanischer Staaten.
Ich habe bereits in Cartagena
auf unseren Wunsch hingewiesen, daß
diese Organisation eine Kraft von
entscheidender Bedeutung sein muß.

Die neue Solidarität
Mit dem Erstarken der Demokratie
in dieser Hemispäre ist ein neues
Phänomen zutage getreten, eine neue
Solidarität unter den demokratischen
Staaten sowie unter Gruppen und Einzelpersonen, die der Demokratie verpflichtet sind. Die Zunahme bei der
Anzahl demokratisch gewählter Staatsund Regierungschefs in Süd- und Mittelamerika sowie in der Karibik hat
auch zu einer verbesserten Kommunikation und Kooperation zwischen diesen
geführt. Wenn die Demokratie in einem Land unter Druck gerät, dann beeilen sich die demokratischen Politiker in der ganzen Hemisphäre, ihre
demokratischen Kollegen zu unterstützen.
Diese neue demokratische Solidarität tritt ebenso offensichtlich unter einfachen Bürgern zutage. Mit- 10

glieder politischer Parteien, Gewerkschafter, Bürgerrechtler und andere
vereinen sich über die Grenzen hinweg, um Erfahrungen auszutauschen und
sich gegenseitig
in ihrem Streben
nach demokratischen Regierungsformen
zu unterstützen. Wir haben ihnen gegenüber eine feierliche Verpflichtung
zur Bereitstellung des von ihnen geforderten politischen und wirtschaftlichen Rahmens - einer verantwortlichen, dem Volk gegenüber rechenschaftspflichtigen
Regierung
und
wirtschaftlichen Chancen für alle.
Zusätzlich hat die Geschichte der
letzten 25 Jahre eindeutig gezeigt,
daß unsere Sicherheit und die Sicherheit aller freien Länder in ganz Amerika durch die Konsolidierung solcher
Regierungen gestärkt wird, die auf
ein demokratisches Mandat gegründet
sind, die Pflichten und schwierige
Entscheidungen
anerkennen,
denen
freie und souveräne Nationen unterworfen sind und die frei sind, ihre
eigenen Interessen zu verfolgen. Da
wir ebenfalls Demokratien sind, deckt
sich die Mehrzahl unserer Interessen;
wenn dies nicht der Fall ist, dann
können wir unserer Meinung nach die
Reife, den politischen Willen und die
Differenziertheit aufbringen, um unsere Meinungsverschiedenheiten in befriedigender Weise zu lösen.
Die vielversprechenden Aussichten
einer durch gemeinsame demokratische
Überzeugungen und Praktiken verbundenen Hemisphäre werden von uns hoch
eingeschätzt. Deshalb werden wir unermüdlich an der Verwirklichung dieses Ziels arbeiten. Wir werden durch
das ermutigt, was wir sehen.
Mehr
und mehr sprechen die Premierminister
der Karibik und die Präsidenten Lateinamerikas miteinander und mit uns
in Nordamerika die gleiche Sprache.
Es ist die Sprache der Demokratie.
Wir alle werden die gegen Monatsende

�in Haiti und Surinam stattfindenden
Wahlen genau beobachten, um festzustellen, daß sie wirklich den Willen
des Volkes widerspiegeln.
Und wir
werden weiterhin die Bemühungen zum
Wiederaufbau demokratischer Ordnungen
in Chile, Panama und Paraguay beobachten.
Heute befindet sich Mittelamerika
an einem besonders wichtigen Scheideweg.
Ein regionaler Rahmen für die
Verwirklichung der Demokratie ist von
den politischen Führern Mittelamerikas selbst entwickelt und vereinbart
worden.
Sie sind nicht davon überzeugt, daß das nicaraguanische Volk
zu einem Leben unter einer totalitären Regierung
verdammt
ist.
Wir
stimmen ihnen zu.
Sie sehen keinen
Grund für die Bevölkerung der mittelamerikanischen Demokratien, eine Zukunft dauernder Unsicherheit hinzunehmen. Wir stimmen ihnen zu.
Sie
sehen keinen Grund für Mittelamerika,
eine Zukunft großer, die spärlichen
Mittel aufsaugender Armeen hinzunehmen, eine Zukunft ständiger Wachsamkeit an den Staatsgrenzen, dauernder
Furcht, Überwachung und Zweifel. Wir
stimmen ihnen zu.

nen helfen, nur um zu gestatten, daß
sie gleich wieder zugeschlagen würde.
Wir müssen unsere vereinte Macht einsetzen, um die Diplomatie der Demokratie in Nicaragua zu unterstützen,
denn
unsere
Sicherheitsinteressen,
unsere moralischen Werte und unsere
politischen Ziele werden alle Teil
dieses Ergebnisses sein.
So wie wir uns dem 500. Jahrestag
der Entdeckung der neuen Welt durch
die alte nähern, haben wir eine historische Chance, eine Erklärung zur
Zukunft dieser Hemisphäre abzugeben,
eine Warnung an die Diktatoren auszusprechen, daß sie in diesem Teil der
Welt nicht willkommen sind und daß
sie in der Tat auf verlorenem Posten
stehen werden.
Nur dann werden wir behaupten
können, daß wir unserer Verpflichtung
als Mitglieder dieser großen Organisation Genüge getan haben, den Menschen ein Land der Freiheit zu bieten: der Freiheit für alle Menschen
in all unseren Ländern.

In dem Kampf, der heute diejenigen Nicaraguaner, die an die Demokratie glauben, von denen scheidet, die
von Totalitarismus und Diktatur überzeugt sind - nicht nur in Nicaragua,
sondern als Ideal für die gesamte Hemisphäre -, müssen wir an der Seite
der Demokraten stehen.
Die Sicherheit Mittelamerikas - und letztlich
die Sicherheit aller Demokratien
hängt davon ab.
Wir in der Organisation Amerikanischer Staaten tragen eine ganz besondere Verantwortung.
Nach den Ereignissen des Jahres 1979 wäre es
doppelt verantwortungslos, wenn wir
die Tür der Demokratisierung zu öff- 11 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft
19. November 1987

41

LXNDERBERICHT ÜBER DAS VORAUSSICHTLICHE VOLUMEN DES HANDELS
MIT DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND IM JAHR 1987
- Herausgegeben vom Büro des US-Handelsbeauftragten -

WASHINGTON - (AD) - Das Büro des Handeslbeauftragten der Vereinigten Staaten hat kürzlich den Länderbericht 1987 über das voraussichtliche Volumen des
Handels mit der Bundesrepublik Deutschland veröffentlicht.
Dieser Bericht
soll wesentliche, im Ausland bestehende Handelshemmnisse für amerikanische Exporte aufdecken sowie bisherige und zukünftige Maßnahmen zum Abbau dieser
Hemmnisse und zur Verbesserung des Handelsumfelds erläutern.
Im Rahmen der Bemühungen, das Bewußtsein für Handelshemmnisse zu schärfen,
aufgrund derer amerikanische Exporteure in bestimmten Bereichen der deutschen
Wirtschaft nur schwer konkurrieren können, erscheint uns die Veröffentlichung
des nachfolgenden Berichts nützlich.

Die Vereinigten Staaten sind der
größte, nicht zur Europäischen Gemeinschaft (EG) zählende Handelspartner der Bundesrepublik Deutschland.
Die Vereinigten Staaten haben im Jahr
1986 mehr als 10 Prozent des gesamten
Exportvolumens
der
Bundesrepublik
aufgenommen, und stellen 6,5 Prozent
der Gesamtimporte.

ist
der
teil
mit

Die
Bundesrepublik
Deutschland
der drittgrößte
Handelspartner
vereinigten Staaten und ihr Anam gesamten bilateralen Handels
den vereinigten Staaten beträgt

United States Information Service
Embassy of the United States of America

mehr als 6 Prozent. Der Handel zwischen beiden Ländern belief sich im
Jahr 1986 auf 36,5 Milliarden Dollar.
Das amerikanische Handelsdefizit
mit der Bundesrepublik ist seit 1981
stetig angestiegen. Im Jahr 1986 betrug es 15,7 Milliarden Dollar, gegenüber 12,3 Milliarden im Jahr 1985.
Das Volumen amerikanischer Exporte in
die
Bundesrepublik
Deutschland erreichte im Jahr 1980 mit 10,6 Milliarden Dollar seinen Höchststand und
stagnierte 1985 bei etwa 9 Milliarden
Dollar.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Im Jahr 1986 erhöhten sich die
amerikanischen
Exporte
jedoch
auf
10,4 Milliarden Dollar. Gleichzeitig
nahmen die Importe in die Vereinigten
Staaten stetig zu.
Sie stiegen im
Jahr 1986 auf 26,1 Milliarden Dollar,
gegenüber
21,2 Milliarden im Jahr
1985.
Zu den wichtigsten Exportgütern der Vereinigten Staaten für die
Bundesrepublik
Deutschland
zählten
1986
Büromaschinen,
Flugzeuge
und
Computer.
Hauptimportwaren
in die
Vereinigten Staaten waren Fahrzeuge,
Industriemaschinen und Motoren.
Amerikanische Direktinvestitionen
in der Bundesrepublik Deutschland beliefen sich zum Ende des Jahres 1986
auf 20,3 Milliarden Dollar. Im Vergleich dazu hatten deutsche Investitionen in den Vereinigten Staaten
einen Gesamtumfang von 17,4 Milliarden Dollar.

1. Normen, Prüfung, Kennzeichnung
und Zulassung
A.

Beschreibung

Die
Bundesrepublik
Deutschland
hat in den Jahren 1986 und 1987 jeweils eine überarbeitete Verordnung
für medizinische Geräte herausgegeben,
über diese Verordnungen wurden
Hersteller und andere Interessenten
nicht gemäß dem Normenkodex des Allgemeinen
Zoll- und
Handelsabkommens
(GATT) unterrichtet.
Eine der überarbeiteten Bestimmungen bezieht sich
auf mehr als 100 private bundesdeutsche Normen, die auf ähnliche Weise
ohne
Berücksichtigung
nicht-bundesdeutscher Interessen erarbeitet wurden.
B.

nische Exporte medizinischer Geräte
(einschließlich
Bildgeräte) in die
Bundesrepublik Deutschland auswirken.
Die
Exporte amerikanischer medizinischer Ausrüstung in die Bundesrepublik erreichten 1986 einen Gesamtumfang von 263 Millionen Dollar.
C.

Bisherige und zukünftige Maßnahmen

Die Vereinigten Staaten haben in
diesem Bereich eng mit der heimischen
Industrie
zusammengearbeitet.
Sie
erheben weiterhin Einspruch dagegen,
daß es die Bundesrepublik Deutschland
unterlassen hat, das GATT von der
Veröffentlichung von Richtlinien für
medizinische Geräte zu unterrichten.
Im Juni 1986 haben die Vereinigten
Staaten
der
Bundesrepublik
Deutschland einen Fragenkatalog mit
der Bitte um Klärung der Verordnungen
über medizinische Geräte übermittelt.
Die Antwort der Bundesrepublik vom
Oktober 1986 warf zusätzliche Fragen
des Verbandes der Hersteller von Gütern
für
die
Gesundheitsfürsorge
(Health Industry Manufacturers Association - HIMA) und des Verbandes der
Hersteller von elektrischen Geräten
(National
Electrical
Manufacturers
Association - NEMA) auf.
Im Juni
1987 wurde ein weiterer Fragenkatalog
an
die
Bundesrepublik
Deutschland
übersandt.
Amerikanische Firmen bewerten gegenwärtig
die
Auswirkungen
neuer
deutscher
Vorschriften,
die
sich
nachteilig auf die Exporte einiger
Geräte auswirken könnten. Diese Bewertung wird in Abstimmung mit amerikanischen Durchführungs- und Handelsbehörden vorgenommen.

Voraussichtliche Auswirkungen
2.

Die
überarbeiteten
könnten sich nachteilig

Verordnungen
auf amerika-

Staatliche Beschaffung

Beschaffung gemäß staatlichen Rieht-

�ternehmen.
Diese Unternehmen haben
keine großen
Dampfgeneratoren
oder
Stromtransformatoren
aus
den
Vereinigten Staten bezogen.

linien
A.

Beschreibung

Eine erhebliche Anzahl bundesdeutscher Ausschreibungen, die unter
den
staatlichen
Beschaffungskodex
fallen, entsprechen nicht den Anforderungen des Kodex, von minidestens
30 Tagen Frist zwischen Veröffentlichung
und endgültigem
Abgabetermin
des Angebots. Im Jahr 1986 entsprachen 65 von 370 Ausschreibungen (18
Prozent)
nicht
den
Anforderungen.
Von verkürzten Abgabeterminen waren
eine große Bandbreite von Produkten
betroffen, einschließlich Zubehör für
LebensmittelVerpackungen,
Industriekühlschränke, Dieselkraftstoff, Magnetplatten, Druckund Verpackungsmaschinen.
B.

Voraussichtliche Auswirkungen

Amerikanische
Unternehmen
sind
bei diesen Produkten weltweit führend. Wenn sie am Wettbewerb beteiligt werden, könnte Ihnen ein bedeutender
Marktanteil
der
staatlichen
Beschaffung zukommen. Dennoch liegen
die
voraussichtlichen
Auswirkungen
unter 5 Millionen Dollar pro Jahr.
C.

Bisherige und zukünftige Maßnahmen

Sofern erforderlich, tragen die
Vereinigten Staaten dem Bundesministerium für Wirtschaft die Probleme
der verkürzten Abgabefrist bei Ausschreibungen vor.

Elektrisches Großgerät
A.

Beschreibung

Regierungsstellen
(auf Bundes-,
einzelstaatlicher und kommunaler Ebene) sind zu etwa 66 Prozent Kapitaleigner deutscher Stromversorgungsun-

Deutsche Versorgungsbetriebe nehmen ihre Beschaffung im allgemeinen
aus einer Liste "in Frage kommender
Lieferanten" für bestimmte Ausschreibungen vor. Ausländische Firmen kommen weder für Dampfturbinen noch für
große
Stromtransformatoren
in
Betracht.
B.

voraussichtliche Auswirkungen

Die genaue Einschätzung der Gesamtauswirkungen
dieser
Handelsschranke
bereitet
Schwierigkeiten.
Dennoch könnten amerikanische Lieferanten in diesem Sektor Zuschläge erhalten, wenn ihnen der Wettbewerb erlaubt wäre. Der Umfang des deutschen
Marktes
für
Turbogeneratoren
und
Transformatoren wird auf etwa 350
Millionen Dollar im Jahr geschätzt.
C.

Bisherige und zukünftige Maßnahmen

Die Vereinigten Staaten versuchen
jetzt
die
Bevozugung
inländischer
Produkte abzubauen und verhandeln erneut über den GATT-Kodex zur staatlichen Beschaffung. Die zweite Phase
dieser Verhandlungen über eine Erweiterung des Kodex auf neue Bereiche
wurde zu Beginn des Jahres 1987 aufgenommen.
Die Vereinigten Staaten drängen
die Bundesrepublik weiterhin, Behörden, die in beträchtlichenm Umfang
elektrisches Großgerät erwerben, in
den Kodex aufzunehmen. Vom Kodex erfaßten Behörden ist es nicht erlaubt,
Produkte
anderer Unterzeichner
des
Kodex zu benachteiligen.
Die Sonderkommission des Präsidenten hat Einlassungen der amerika-

- 3 -

�nischen Industrie über unfaire Handelspraktiken in diesem Sektor geprüft.
Die Regierung wertet gegenwärtig diese Vorwürfe unterstützendes
statistisches Material der Industrie
aus, um herauszufinden, wie dieser
Problemkreis mit den westeuropäischen
Ländern und Japan in Zukunft behandelt werden soll. Die Regierung wird
im Herbst 1987 weitere Maßnahmen in
Erwägung ziehen.

3.

Andere Handelhemmnisse

Staatliche Unterstützung für Verkehrsflugzeuge:
Subventionen
für
Entwicklung und Produktion, Kaufanreize, übermäßiger Druck auf die Auswahl der Verkäufer und die Beschaffung bei den nationalen Fluggesellschaften.

A.

Beschreibung

Im Juni 1987 erklärte die Bundesrepublik Deutschland, sie würde 1,65
Milliarden Dollar zur Förderung der
Programme für die Verkehrsflugzeuge
Airbus A 330 und A 340 bereitstellen.
Dieser Betrag wurde zusätzlich zu den
früher bereits für Luftfahrtprogramme
des Airbus-Konsortiums aufgewendeten
Milliarden Dollar gewährt.
Die mit diesen Programmen geförderten Flugzeuge stehen in direktem
Wettbewerb mit Flugzeugen von Boeing
und McDonnell Douglas.
Der Airbus
A 330 und A 340 konkurrieren mit der
Boeing 767 und anderen Typen sowie
mit der MD-11 von McDonnell Douglas.
Unzureichende Informationen über
die wirtschaftliche Analyse hinter
diesen Entscheidungen zur Förderung,
die Bedingungen für die Bereitstellung dieser Starthilfe und ihre Rückzahlung an die Regierung erschweren

Schätzungen, ob bei der Vergabe der
Subventionen eine Rückzahlung ernsthaft erwartet wurde. Die Vereinigten
Staaten stellen in Frage, daß diese
Programme auf der Grundlage normaler
Kriterien wirtschaftlich existenzfähig sind und im Einklang mit den Verpflichtungen
des
GATT-Luftffahrtabkommens stehen.
Bisher gewährte finanzielle Förderung
der
Bundesrepublik
an
den
deutschen Partner von Airbus Industries, die
Deutsche
Airbus
(eine
Tochtergesellschaft
von
Messerschmidt-Boelkow-Blohm oder MBB, die
ganz in deren Eigentum steht) konzentrierte sich auf die Entwicklungsphase einzelner Luftfahrtprogramme.
Am
3. Juni 1987 erklärte die Bundesrepublik Deutschland jedoch, sie würde
die Garantieleistungen für Schulden
im Gegenwert
von
1,06
Milliarden
Dollar nachkommen, die MBB bei der
Finanzierung der Produktionsphase für
den Airbus A 300 und A 310 gemacht
hatte.
Die Tilgung der durch Produktionskosten
entstandenen
Schulden
mittels
Subventionen
bedeutet
eine
eindeutige Abkehr von in der Vergangenheit üblichen Praktiken.
Obwohl
die Bundesrepublik erklärte, MBB würde die Schulden durch die Verkäufe
des Airbus A 300 und A 310 zurückzahlen, ist es höchst zweifelhaft, ob es
überhaupt zu genügend Verkäufen kommt.
Zusätzlich zu diesen Subventionen
für den Airbus besteht Grund zu der
Annahme,
daß
die
Bundesrepublik
Deutschland und andere Ländervertreter des Airbus-Konsortiums unter Zuhilfenahme
politischer
und
wirtschaftlicher Anreize Einfluß auf Verkäufe an Drittländer genommen haben,
um
dem
Airbus
gegenüber
amerikanischen Flugzeugen einen Vorteil zu
verschaffen.

- 4 -

�Die amerikanische Luftfahrtindustrie hat ferner die Beschuldigung
vorgebracht, daß staatliche Interventionen bezüglich der Entscheidungen
über die Auswahl der Anbieter von
Airbus-Bauteilen sowie Entscheidungen
über die Beschaffung von Triebwerken
und Flugzeugen durch nationale und
andere europäische Fluggesellschaften
amerikanische Exporte geschädigt hätten.
Die vereinigten Staaten
daß solche Praktiken nicht
GATT-Luftfahrtabkommen
im
stehen.
B.

glauben,
mit dem
Einklang

Voraussichtliche Auswirkungen

Schätzungen
der
amerikanischen
Flugzeugindustrie
zufolge
hat
die
Einführung des A 320 sie den Verkauf
von mehr als 150 Verkehrsflugzeugen
gekostet.
Geht man davon aus, daß
die amerikanischen Hersteller diese
Verkäufe getätigt hätten und unter
Berücksichtigung
des
von
amerikanischen Lieferanten zum A 320 beigesteuerten Wertanteils, hatten diese
Subventionen bis zum heutigen Tage
Auswirkungen im Umfang von ca. 3 Milliarden
Dollar
möglicher
amerikanischer Verkäufe.
Obwohl Berechnungen über die Auswirkungen
der Airbus-Programme auf
den
amerikanischen
Beschäftigungsmarkt
im einzelnen
nicht
möglich
sind, werden ca. 50 000 amerikanische
Arbeitsplätze
verloren gehen, wenn
die Airbus-Industries ihr Ziel von
600 Verkaufseinheiten des A 320 bis
1998 erreichen.
Zuverlässige Schätzungen über den durch andere AirbusProgramme verursachten Verlust amerikanischer Arbeitsplätze stehen nicht
zur Verfügung.
Das offensichtliche
Erlassen der staatlich garantierten
Darlehen für den A 300 und A 310
führt jedoch zu einer Erhöhung jedes

einzelnen Elements bei den Subventionen
dieser
Unterstützungsprogramme
und ihrer handelsverzerrenden Auswirkungen.
Ferner scheinen die aggressiven
Verkaufspraktiken
der
Airbus-Industrie bei zahlreichen Verkaufswettbewerben zu einem Druck auf die Preise
geführt zu haben.
Eine anhaltende
Gewinnspannenerosion könnte langfristig einschneidende Auswirkungen auf
die amerikanische Industrie haben.
Es gibt Beweise dafür, daß staatliche Interventionen für den Airbus
seitens der Bundesrepublik und anderer Länder bei Verkaufswettbewerben
in Drittländern und Europa und bei
Entscheidungen im Hinblick auf Bezugsquellen
für
Einzelteile
und
Triebwerke
beträchtliche
Umsatzverluste der amerikanischen Flugzeugindustrie ausgelöst haben. Fortgesetzte politische und wirtschaftliche Interventionen
zugunsten
des
Airbus
könnten weitere Umsatzverluste amerikanischer Flugzeughersteller, Exportrückgänge sowie Importerhöhungen zur
Folge haben.
C.

Bisherige und zukünftige Maßnahmen

Die Vereinigten Staaten haben die
besonderen Praktiken der Airbus-partnerregierungen zum ersten Mal im Oktober 1984 im GATT-Flugzeugausschuß
angesprochen.
Die Vereinigten Staaten haben weiterhin gefordert, daß
Flugzeugsubventionen dem GATT-Subventionsausschuß zur Kenntnis gebracht
werden, wie dies in den generellen
Vereinbarungen und dem Subventionskodex vorgesehen ist.
Als Konsequenz
der
zunehmenden
Besorgnis über Aktionen, die aus der
Sicht der Administration nicht im
Einklang
mit
den
Verfügungen
des
Flugzeugabkommens
stehen,
beraumte

- 5 -

�die Sonderkommission des Präsidenten
im Herbst 1985 eine Überprüfung zum
Thema Airbus an. Der Rat für Wirtschaftpolitik (EPC) leitete auf Empfehlung
der Sonderkommission
eine
Reihe von Maßnahmen zur Behebung der
Situation in die Wege.
Als Ergebnis wurden im Frühjahr
1986 informelle Gespräche auf höchster Ebene zwischen den vereinigten
Staaten
und
der
Bundesrepublik
Deutschland,
Frankreich
und
Großbritannien aufgenommen. Das Ziel war
die
Erarbeitung
einer
gemeinsamen
Auslegung der einzelnen Artikel des
Flugzeugabkommens,
insbesondere
von
Artikel 4, der staatlichen Druck und
staatliche
Anreize behandelt
sowie
von Artikel 6 über staatliche Subventionen und Fördermittel. Obwohl diese Gespräche auch nützlich waren, war
das Ergebnis aus der Sicht der Vereinigten
Staaten
unbefriedigend.
Daraufhin besuchte eine amerikanische
Delegation auf politischer Ebene die
Hauptstädte der drei Airbus-Partnerländer im Februar 1987 zur Erörterung
der einzelnen Regierungsinterventionen, die zu einer Verzerrung des
Markts
für kommerzielle Transportflugzeuge führen könnten.
Im Anschluß daran traf der Rat
für Wirtschaftspolitik folgende Entscheidungen: 1.) Den amerikanischen
Handelsvertreter durch die Einberufung einer Sondersitzung des Flugzeugausschusses unverzüglich zur Klärung und Unterstützung der Schlüsselverfügungen
des
Flugzeugabkommens
aufzufordern;
2.) Das amerikanische
Handelsministerium
zur
Durchführung
einer Studie über die Unternehmen des
Airbus-Industriekonsortiums
anzuweisen, einschließlich erhaltener Unterstützungen,
Programmkosten,
Preisfestsetzung der Airbus-Produkte sowie
deren Auswirkungen auf die amerikanische Industrie und 3.) die Handels- 6

behörden zur Überwachung derzeitiger
Airbus-Verkaufskampagnen auf unfaire
Praktiken aufzufordern.
Im Einklang mit dem Kabinettsbeschluß berief der amerikanische Handelsbeauftragte
im März 1986 eine
Sondersitzung
des GATT-Flugzeugausschusses zur Erörterung der amerikanischen Besorgnis über Artikel 4 und
6 ein. Seit damals sind eine Reihe
intensiver informeller Gespräche und
Konsultationen mit der EG-Kommission
und den Airbus-Partnerländern anberaumt worden.
Am 23. Juli 1987 überprüfte der
GATT-Flugzeugausschuß den Stand dieser Bemühungen offiziell. Obwohl im
Hinblick auf die Auslegung des Wortlauts von Artikel 4 im großen und
ganzen
Übereinstimmung
herrschte,
konnten bei der Auslegung der Verfügungen von Artikel 6 nur geringe
Fortschritte erzielt werden.
Die Vereinigten
Staaten
stehen
mit den anderen Parteien weiterhin
zur Erarbeitung einer ausgehandelten
Beilegung ihrer Differenzen in Verbindung.
Der Rat für Wirtschaftspolitik wird das Ergebnis dieser Bemühungen, die Studie des Handelsministeriums sowie die jüngsten Marktentwicklungen daraufhin überprüfen, ob
weitere
Schritte
zur
Verringerung
oder Beseitigung der handelsverzerrenden Auswirkungen der von den Airbus-Partner regier ungen
ergriffenen
Maßnahmen erforderlich sind.
Zugang zum Telekommunikationsmarkt
A.

Beschreibung

1.)

Beschaffung

Die Deutsche Bundespost erwirbt
ca. 60 Prozent des Fernmeldegeräts
für die Bundesrepublik.
Die Bundes-

�post legt bei allen Ausschreibungen,
die
technische Sachkenntnis erfordern, ein selektives Ausschreibungsverfahren zugrunde.
Nur gut eingeführte Unternehmen können an der Ausschreibung teilnehmen.
Die vorgehensweise der Bundespost
benachteiligt ausländische Unternehmen
ohne
Herstellungseinrichtungen
oder sonstige bedeutende technische
Repräsentanz in der Bundesrepublik.
Solche Unternehmen sind von der Teilnahme an der Entwicklung neuer Gerätespezifikationen ausgeschlossen oder
kommen nicht als Gerätelieferanten,
insbesondere
für Schalt- und Ubertragungsgeräte, in Frage.
Die
Bundespost
hat
sich
verpflichtet, ab 1985 10 Prozent der Beschaffung von Endgeräten dem internationalen Wettbewerb zu öffnen.
2.)
Normen, Prüfung,
Zulassung

Kennzeichnung,

Die deutschen Bestimmungen über
den Anschluß von Geräten an das Netz
sind sehr viel strenger als die in
den vereinigten Staaten angewandten.
Zahlreiche deutsche Normen und Vorschriften erstrecken sich bis auf das
Design und schließen Spezifikationen
ein, die über diejenigen hinausgehen,
die zur Verhinderung einer "Beschädigung des Netzes" erforderlich sind.

kanischen System ist das Verfahren
der Bundespost wie folgt:
1.)
im
Ausland
erstellte Prüfdaten
werden
nicht anerkannt; 2.)
Eigenzulassung
durch den Hersteller ist nicht gestattet;
3.)
erfordert die erneute
Zulassung nach geringfügigen Veränderungen am zugelassenen Gerät und 4.)
erlegt
unnötige
Wartungs- und
Installationsbestimmungen auf.
3.)

Dienstleistungen

Privatunternehmen können über das
öffentlich geschaltete Netz erweiterte Dienstleistungen anbieten, dürfen
diese
erweiterten
Dienstleistungen
jedoch ohne vorherige Genehmigung der
Bundespost nicht über geleaste Leitungen anbieten.
Der Weiterverkauf
geleaster Leitungskapazität ist nicht
gestattet.
Privatunternehmen können
erweiterte Dienstleistungen im Rahmen
des
öffentlich
geschalteten
Netzes
über
geleaste
Leitungen
anbieten.
Dies erhöht jedoch die Kosten des Anbieters
dieser
Dienstleistung
beträchtlich (verglichen mit den Kosten
von zum Pauschalpreis geleasten Leitungen) und können die angebotene
Dienstleistung unrentabel machen.

Dem von der Bundespost angewandten Verfahren zur Normenfestsetzung
mangelt es an Transparenz.
Anbieter
haben wenig Möglichkeiten, auf den
Entwurf der Normen und Vorschriften
Einfluß zu nehmen.

Privatunternehmen
beschweren
sich, daß sie der Bundespost eine detaillierte Beschreibung der jeweils
angebotenen
Dienstleistung
vorlegen
müssen.
Sie haben die Befürchtung,
die Bundespost könnte sich entscheiden,
eine
solche
Dienstleistung
selbst anzubieten und damit privaten
Wettbewerb ausschalten.
Die Bundespost bietet bereits bestimmte Dienstleistungen an, die Privatunternehmen
nicht auch anbieten dürfen.

Die Verfahrensweisen der Bundespost zur Prüfung, Zulassung sowie den
Anschluß von Endgeräten beschränken
den amerikanischen Zugang zum deutschen Markt. Im Gegensatz zum ameri-

Obwohl die Bundespost mengenabhängige Tarife für geleaste Leitungen
eingeführt hat, bevorzugen amerikanische
Unternehmen
kostenabhängige
Pauschaltarife.
Durch mengenabhängi-

- 7 -

�ge Tarife werden privater Initiativen
zur
Einführung
neuer
verbesserter
Dienstleistungen beträchtlich verringert.
In Zusammenhang mit der für das
Jahr 1988 geplanten Einführung des
neuen ISDN-Systems (integrated Services Digital Network) entwickelt die
Deutsche Bundespost gegenwärtig eine
neue Tarifstruktur.
Die neue Regelung bietet keine Garantie dafür, daß
die Bundespost sich selbst die gleichen Tarife in Rechnung stellen wird
wie ihren privaten Wettbewerbern.

B.

sich
Telekommunikationsexperten
aus
beiden Ländern zu informellen technischen Gesprächen mit dem ziel, in
Zusammenhang mit dem Marktzugang stehende Belange anzusprechen.
Diese
Gespräche
konzentrierten
sich vor allem auf drei Gebiete: 1)
Einweisung in die spezifischen Kriterien des bundesdeutschen Telekommunikationssystems; 2) Vorbringen amerikanischer
Sorgen
über
fehlenden
Marktzugang;
3)
Erläuterung
des
durch Deregulierung in den Vereinigten Staaten geschaffenen flexibleren
und wettbewerbsfähigeren Telekommunikationssystems.

Voraussichtliche Auswirkungen

Der Markt für Telekommunikationsausrüstungen
in der
Bundesrepublik
Deutschland wurde im Jahr 1986 auf
ein Gesamtvolumen von 4,9 Milliarden
Dollar geschätzt. Bis 1988 wird ein
Umfang von 5,7 Milliarden Dollar erwartet.
Im Jahr 1986 erreichten die
Exporte der Vereinigten Staaten in
die Bundesrepublik ein Gesamtvolumen
von
109
Millionen
Dollar.
Eine
durchgreifende
Liberalisierung
der
Haltung der Bundespost im Hinblick
auf Beschaffung, Normen und Dienstleistungen würde den größten Telekommunikationsmarkt Europas für amerikanische Unternehmen öffnen.

Insbesondere haben die Vereinigten Staaten die Bundesrepublik dringend ersucht, bei der Öffnung ihres
Marktes in sechs wichtigen, vom amerikanischen
Wirtschaftsminister
im
Juli 1986 definierten Bereichen Fortschritte zu machen. Die Vereinigten
Staaten sind gegenwärtig damit befaßt, die Marktzugangsgespräche vom
Juni 1987 auszuwerten, um die nächsten Schritte zu erwägen.
Im Rahmen dieser Gespräche erklärte die Bundesrepublik ihre Absicht, in folgenden Einzelbereichen
eine Lockerung durchzuführen:
1.)

C.

Bisherige und zukünftige Maßnahmen

Die Vereinigten Staaten haben mit
Vertretern
der
Bundesrepublik
Deutschland vier Gesprächsrunden über
das Problem des Marktzugangs abgehalten - die letzte fand im Juni 1987
statt.
Im Juni 1986 fanden außerdem
Konsultationen mit deutschen Vertretern über die zum 1. Januar 1988 zusammen mit der Einführung von ISDN in
Kraft tretende Telekommunikationsordnung (TKO) statt. Zusätzlich trafen

Beschaffung

Die
Bundesrepublik
Deutschland
hat sich verpflichtet, seit 1985 10
Prozent der Beschaffungen im Fernmeldebereich dem internationalen Wettbewerb zu öffnen.
internationale Ausschreibungen
werden
im offiziellen
Mitteilungsblatt der Europäischen Gemeinschaft veröffentlicht.
Einer Erklärung der Bundesrepublik Deutschland zufolge "haben alle
potentiellen und qualifizierten Lieferanten Zugang zu (mit der Ausarbei-

�tung von Spezifikationen beschäftigten) Arbeitsgruppen".
Die Bundesrepublik hat die EG außerdem aufgefordert, ihre Zustimmung zu einer Ausdehnung
der
GATT-Richtlinien
für
staatliche Beschaffungen auf die Beschaffung
von Fernmeldegerät durch
die
Post- und
Fernmeldeverwaltungen
zu geben.
Inzwischen ist die Deutsche Bundespost dabei, ihre Spezifikationen
für
Nebenstellenvermittlungsanlagen zu überarbeiten, um Beschränkungen bezüglich der Zahl von
Anschlüssen pro Anlage aufzuheben.

2.)
Normen, Prüfung,
Zulassung

Kennzeichnung,

Durch bilaterale Kontakte ermutigen die Vereinigten Staaten die Bundesrepublik Deutschland, ihre Prüfund zulassungsverfahren für Endgeräte
zu lockern.
Die Bundesrepublik ist
gegenwärtig damit befaßt, ihre Zulassungsverfahren
in
einer
einzigen
Richtlinie zusammenzufassen, mit der
ein Recht auf Zulassung geschaffen
und
ein Einspruchsverfahren
eingeführt wird.

schlag über die Anerkennung von Prüfdaten, die Straffung der Zulassungsverfahren und Transparenz bilateraler
oder
regionaler
Normenabkommen
für
die
mögliche
Zustimmung
in
der
Uruguay-Runde berücksichtigen wird.
3.)

Dienstleistungen

Mitte des Jahres 1986 hat die
Bundesrepublik ihre Forderung aufgehoben, wonach 50 Prozent der Informationsverarbeitung
dem
Binnenmarkt
vorbehalten sein sollen. Die Bundespost
hat
bereits
mengenabhängige
Preise für geleaste Leitungen eingeführt.
Die Vereinigten Staaten fordern die Bundespost auf, zu einem
kostenabhängigen Tarifsystem zurückzukehren und Beschränkungen für geleaste Leitungen aufzuheben, die an
das
geschaltete Netz
angeschlossen
sind.

Die Bundesrepublik hat ferner ihre Bereitschaft
zum
Ausdruck
gebracht, die Anerkennung von in den
Vereinigten Staaten erstellten Prüfdaten für die Typenzulassung in Erwägung zu ziehen.
Dies gilt für bestimmte, in einer Typenzulassungsdirektive der EG aufgeführte Produkte.
Die Bundespost hat außerdem angeboten, für amerikanische Anbieter ein
Seminar
über deutsche Vorschriften
für das Fernmeldewesen und durchgeführte Liberalisierungsmaßnahmen abzuhalten.
Die
Bundesrepublik
Deutschland
ist ferner im Normenausschuß des GATT
vertreten, der einen von den Vereinigten
Staaten
vorgelegten
Vor- 9 -

�AMERIKA DIENST
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«

Wissenschaft und Technik
18. November 1987

41

AIDS-FRÜHBEHANDLUNG MIT INTERFERON
- Neue Therapien in der Erprobung -

WASHINGTON - (AD) - Der natürliche Wirkstoff Interferon, der versuchsweise
in der Krebstherapie angewandt wird, könnte auch für die Behandlung von AIDSKranken Bedeutung gewinnen. Diese Ansicht vertrat Dr. Anthony Fauci, der Direktor des Nationalen
Instituts für Allergie
und
Infektionskrankheiten
(Bethesda, Maryland), auf der Jahrestagung der Internationalen Gesellschaft
für Interferonforschung Anfang November 1987 in Washington.
Interferon ist
ein in der menschlichen Zelle gebildetes Glykoprotein, das die Vermehrung von
Viren, aber auch von einer Anzahl anderer Krankheitserreger, im Organismus
hemmt. Dank biotechnischer Verfahren kann Interferon inzwischen synthetisiert
werden, so daß es in ausreichenden Mengen verfügbar wäre.

Wie Fauci berichtete, habe man
sowohl bei AIDS-infizierten Personen,
die
noch
keine
Krankheitssymptome
zeigten, als auch bei AIDS-Patienten
mit
Kaposi-Sarkom
beobachtet,
daß
Alpha-Interferon
die
HIV-Vermehrung
hemmt (HIV - "Human Immunodeficiency
Virus", d.h. immunschwäche auslösendes Virus).
Bei
50 Prozent der
asymptomatischen Probanden, also Patienten
ohne
Krankheitssymptomen,
seien nach 12wöchiger Behandlung keine HIV-Viren mehr nachweisbar gewesen.
Bei Patienten mit den für das
Kaposi-Sarkom typischen Hautgeschwü-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

ren brachten Injektionen mit AlphaInterferon
die
Oberflächenläsionen
zum Verschwinden.
Auch kam es bei
mindestens 50 Prozent der mit Interferon behandelten Personen zu einer
Rückbildung von Tumoren.
Nach bisherigen Erfahrungen sei
aber nur dann mit der Rückbildung der
häufig in Verbindung mit AIDS auftretenden
Kaposi-Tumoren
zu
rechnen,
wenn noch ein hoher T-Lymphozytenspiegel vorhanden sei, sich die AIDSInfektion somit noch in den ersten
Stadien befinde. Personen mit einem

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�niedrigen
T-Lymphozytenspiegel
reagierten wenig oder gar nicht auf die
Behandlung, sagte Fauci. Deshalb sei
der frühzeitige Beginn der Therapie
auf jeden Fall vor dem Zusammenbruch
des Immunsystems des Körpers überaus
wichtig.
Die Zerstörung der T-Lymphozyten
(spezielle
Gruppe
weißer
Blutkörperchen) durch AIDS-Viren sei
einer der Vorgänge, die zur Schwächung der Abwehrkraft gegen Krankheitskeime aller Art führten.
Laborstudien hatten bereits gezeigt, daß Interferon die Vermehrung
von AIDS-Viren und deren Fähigkeit
zur Zellzerstörung zu hemmen vermag.
Beim Vergleich der Zellkulturen von
Patienten mit Kaposi-Sarkom aus Gruppen, die nach verschiedenen Verfahren
behandelt wurden, wurde festgestell,
daß im etwa gleichen Infektionsstadium bei Personen unter InterferonTherapie die Virusaktivität wesentlich geringer war als bei Patienten,
die kein Interferon erhielten.

sich noch in der Erprobung. Es habe
den Anschein, so Fauci, daß Trimetrexat das Leben vieler AIDS-Opfer um
Jahre verlängern könne.
Und im Gegensatz zu den beiden anderen Medikamenten, die derzeit zur Behandlung
von Pneumocystis
carinii
angewandt
werden, sei seine Toxizität sehr viel
geringer und durch Änderung der Dosierung
leicht
regulierbar.
Nach
Meinung von Dr. Carmen Allegra, unter
deren Leitung die NCI-Studie durchgeführt wird, eignet sich das Präparat
zur Behandlung praktisch aller AIDSPatienten, was man von den übrigen
bisher verfügbaren Medikamenten nicht
sagen könne.

Körpereigene Auslösersubstanzen für
Virusaktivität?

Allerdings ist auch Alpha-Interferon nicht frei von Nebenwirkungen.
Es kann Fieber, Müdigkeit und Appetitlosigkeit
hervorrufen.
Jedoch
halten die Wissenschaftler angesichts
des Allgemeinzustandes von AIDS-Kranken Auswirkungen dieser Art für nicht
allzu besorgniserregend.

Neben Interferon, das in allen
Körperzellen gebildet wird und von
allen sogenannten Zytokinen bisher am
besten erforscht ist, gibt es noch
zahlreiche ähnliche Stoffe. Sie werden von speziellen Zellgruppen abgesondert. Bei immunologischen Prozessen verschiedenster Art treten sie in
Erscheinung, geben stimulierende oder
dämpfende Signale an andere Zellen
weiter. Allerdings tappt die Wissenschaft in bezug auf ihre Wirkungsmechanismen noch weitgehend im Dunkeln.

Dr. Fauci referierte ferner über
die
versuchsweise
Anwendung
von
Trimetrexat zur Bekämpfung einer der
häufigsten
opportunistischen
Infektionen bei AIDS-Kranken, nämlich der
parasitären
Lungenentzündung
Pneumocystis carinii.
Auf sie entfällt
der weitaus größte Anteil der Todesursachen bei Menschen, die an der unheilbaren Krankheit leiden. Das Präparat wurde von Forschern des Nationalen Krebsinstituts der Vereinigten
Staaten (NCI) ursprünglich für die
Krebstherapie entwickelt und befindet

Dr. James curran, der Direktor
für AIDS-Programme bei den Zentren
für Krankheitsüberwachung in Atlanta
(Georgia), vermutet, daß eines dieser
Zytokine eine Schlüsselrolle bei der
Aktivierung
von AIDS-Viren
spielen
könnte. Denn eine schlüssige Antwort
auf die Frage, weshalb AIDS-Viren
fünf bis sieben oder noch mehr Jahre
latent im menschlichen Körper verbleiben, ohne aktiv zu werden, gebe
es bisher nicht.
Auf einer Tagung
der "Association of American Medical
Colleges" in Washington berichtete er

- 2 -

�am 9. November 1987 über Laborversuche, die erstmals hätten erkennen
lassen, wie Zytokine (Proteinsubstanzen) aus dem Immunsystem des Körpers
die Ausbreitung von Viren in Gang
setzen können, die zur AIDS-Erkrankung führen.

ner tatsächlichen Infektion sei die
Gefahr größer, daß latente AIDS-Viren
aktiviert werden.

So wurde durch in vitro-Experimente
("im
Reagenzglas")
demonstriert, daß z.B. andere Virusinfektionen wie Hepatitis und Herpes das
AIDS-Virus
zu aktivieren vermögen.
Dies
lasse
vermuten,
daß
es
im
menschlichen Organismus - falls ein
ähnliches Phänomen existiert - vielleicht Faktoren gäbe, die das Tempo
der
virenvermehrung
gegenüber
der
Zerstörung des Immunsystems regulieren können. Jedoch sei noch keineswegs klar, ob einer der Faktoren, die
als Aktiviator der AIDS-Viren in frage kommen, in irgendeiner Weise besser kontrollierbar wäre als das AIDSVirus selbst. Auf jeden Fall sollte
man sich mit diesem Forschungsgebiet
gründlich befassen, meinte Curran.

* * * * * *

Dr. Fauci, der an den Studien und
der Abfassung des Berichtes selbst
beteiligt war, hatte bereits früher
gefordert,
HlV-infizierte
Personen
gegen andere Infektionen so gut wie
nur irgend möglich zu schützen. Denn
Neuinfektionen wären gleichbedeutend
mit weiteren Reizfaktoren für ihr Immunsystem und könnten die Produktion
von Zytokinen auslösen.
Er hob jedoch
hervor, daß
nach
bisherigem
Kenntnisstand gewöhnliche Infektionen
wie Schnupfen oder Erkältungskrankheiten AIDS nicht zum Ausbruch brächten, da sie normalerweise keine massive Reaktion des Immunsystems verursachten. Auch sollte niemand vor einer Schutzimpfung, z.B. gegen Hepatitis, zurückschrecken, da eine Hepatitis-Infektion vermutlich gravierendere Folgen hätte als immunologische
Prozesse nach einer Impfung. Bei ei- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ist die NATO noch zeitgemäß?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des amerikanischen Botschafters Richard R. Burt &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shultz: USA müssen Frieden in Nicaragua "jede Chance" geben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von Außenminister Shultz vor der OAS&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Länderbericht über das voraussichtliche Volumen des Handels mit der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1987&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Herausgegeben vom Büro des US-Handelsbeauftragten &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;AIDS-Frühbehandlung mit Interferon&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neue Therapien in der Erprobung&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

Sonderdienst

4

25. November 1987

DIE REVOLUTION IM INFORMATIONSWESEN
UND DIE DEUTSCH-AMERIKANISCHEN BEZIEHUNGEN

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Der amerikanische Botschafter Richard R. Burt hat auf dem BertelsmannForum am 24. November die deutschen und amerikanischen Massenmedien dazu aufgerufen, sich intensiver darum zu bemühen, die breite Öffentlichkeit besser
über die drängenden politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit zu unterrichten.
Im Zusammenhang mit den revolutionären Entwicklungen im Bereich der Massenkommunikation verwies Burt auf das Paradoxon, daß "es mehr Informationen
gibt, aber weniger Verständnis".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede im Wortlaut:

Die
Bemerkung, wir
lebten
im
Zeitalter einer Revolution im Informationswesen, ist zu einem Gemeinplatz geworden. Aber selbst wenn es
sich hierbei um einen Gemeinplatz
handelt, ist es doch eine unbestreitbare Tatsache.
Diese Revolution hat zwei Dimensionen, die beide in den Auswirkungen
moderner Technik auf die Kommunikation begründet sind. Erstens ist die
Fülle der uns heute zur Verfügung
stehenden Informationen im wahrsten
Sinne des Wortes überwältigend.

In den Vereinigten Staaten erscheinen zum Beispiel etwa 1 700 Tagesund
9 000 Wochenzeitungen.
Der
Leser kann unter mehr als 11 300
Zeitschriften wählen, die nahezu alle
Interessengebiete abdecken. Amerikaner haben über einen der 7 000 Kabelfernsehsender Zugang zu insgesamt 150
Fernsehkanälen, von denen viele 24
Stunden täglich senden.
Das Radionetz ist mit seinen mehr als 9 000
Stationen in den Vereinigten Staaten
ebenso weitverzweigt.
Bei den gedruckten Medien können sich Amerika-

�ner zum Beispiel einem der 50 000
neuen Bücher zuwenden, die jedes Jahr
von über 350 verschiedenen Verlagshäusern herausgegeben werden.
Die Zahlen sind in Europa gleichermaßen beeindruckend.
Allein in
der Bundesrepublik
werden
jährlich
etwa ebensoviele Bücher veröffentlicht wie in den Vereinigten Staaten,
5 000 davon als Übersetzungen aus dem
Englischen.
Das
Verlagswesen
hat
seit
dem
zweiten Weltkrieg
einen
ebenso großen Aufschwung erfahren wie
das Fernsehen. Im Jahr 1950 stellten
auf der Frankfurter Buchmesse lediglich 460 Verlage aus. In diesem Jahr
waren es 7 147.
Deutsche Verleger
bringen inzwischen 6 900 verschiedene
Publikationen auf den Markt. In der
Bundesrepublik werden über 1 300 Tages- und Wochenzeitungen herausgegeben, und die Gesamtzahl der Zeitungsleser ist sicher größer als in den
Vereinigten
Staaten.
Rundfunk
und
Fernsehen sind in der Bundesrepublik
in geringerem Umfang ausgebaut als in
meinem Land, dennoch gibt es neun
Rundfunkstationen und 10 Kabelsender,
die täglich mehr als 60 Stunden Fernseh- und 700 Stunden Rundfunkübertragungen senden - wenn man die zahlreichen deutschen Haushalten zugänglichen Sendungen aus dem Ausland unberücksichtigt läßt.
Die zweite Dimension dieser Revolution im Kommunikationswesen ist Geschwindigkeit.
Heute arbeiten wir
weltweit
mit
"Echtzeit"-Informationen. Rundfunk und Fernsehen ermöglichen uns mehr denn je die unmittelbare Teilnahme an überall stattfindenden Ereignissen. Wir können das Geschehen im Augenblick seines Geschehens miterleben. Spätestens am nächsten Tag liefert uns die Morgenzeitung ein breites Spektrum von Analysen und Hintergrundberichten.

All dies ist möglich, weil in den
vergangenen vier Jahrzehnten im Kommunikationswesen wahrhaft spektakuläre Fortschritte stattgefunden haben.
Die Massenmedien, Vertreter aus Wirtschaft und Regierung, Forscher und
Büroangestellte können auf elektronischem Wege Informationen
austauschen, sich von Satelliten abgegebene
oder durch Glasfaserkabel verbreitete
Signale zunutze machen und damit in
Bruchteilen von Sekunden Kontinente
verbinden.
Von jedem Computerterminal hier haben Sie zum Beispiel sofortigen Zugang zu Hunderten von Datenbanken in den Vereinigten Staaten
und
anderswo.
Für
Dokumente
und
graphische Darstellungen gibt es Telefax, mit dem Vorlagen bildgetreu
übermittelt werden können. Nachrichtenagenturen
können auf elektronischem Wege Berichte weltweit übermitteln, während ihre Kunden denselben
Computer, mit dem sie einen Bericht
empfangen, zu dessen Weitergabe zum
Druck und zur Übermittlung der Informationen
an
den
Leser
benutzen.
Fernsehzuschauer können an jedem mit
einer Videokamera erreichbaren Schauplatz dabeisein.
Aber diese Umwälzungen im Informationswesen enthalten ein Paradoxon.
Es gibt mehr Informationen, aber weniger Verständnis.
Zumindest was die westliche Welt
betrifft, sind sowohl politische Entscheidungsträger als auch die Öffentlichkeit ohne Frage besser informiert
als noch vor einem Jahrhundert oder
auch nur vor einem Jahrzehnt.
Aber
das heißt nicht, daß wir einander
besser verstehen.
Die Informationen
haben nicht etwa Vorurteile und engstirniges Denken abgebaut, die - mehr
noch als schlichte Ignoranz - die Zusammenarbeit erschweren.
Zum Teil

- 2

ergibt

sich

unser

Pro-

�blem aus der Revolution im Informationswesen selbst. Wie die von mir
angeführten wenigen Beispiele zeigen,
ertrinken wir buchstäblich in Informationen.
Und diese
Informationen
stürzen so schnell auf uns ein, daß
ein Bemühen um Verständnis der Ereignisse in der Welt dem Versuch gleichkommt, einen Film im Zeitraffer zu
verstehen.
Aber das reicht als Erklärung dafür nicht aus, warum sich Europäer
und Amerikaner in einer zunehmend integrierten und interdependenten Welt
politisch und psychologisch einigeln.
Das ist keine Erklärung dafür, warum
wir mehr denn je zu Mißverständnissen
neigen als jemals zuvor, warum wir an
überholten,
unvollständigen,
stark
vereinfachten oder ganz einfach falschen Bildern und Klischeevorstellungen festhalten und sie dazu benutzen,
eigennützige und kurzsichtige politische Maßnahmen zu rechtfertigen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg schien
es, als ob wir die Lektionen der
zwanziger und dreißiger Jahre gelernt
hätten - daß eine Politik, die sich
auf
Kirchturmdenken
und nationalen
Egoismus stützt, langfristig destruktiv und sinnlos ist. In der unmittelbaren Nachkriegszeit hat eine begabte Generation von Amerikanern und
Europäern optimistisch
und erfolgreich an der Sicherheit und dem Wohlstand des Westens gearbeitet.
Wir
haben gemeinsam Sicherheitsvereinbarungen getroffen und Bündnisse zu unserem Schutz geschaffen.
Wir haben
destruktiven
Protektionismus
durch
ein offenes internationales Handelssystem ersetzt. Wir haben neue pädagogische Austauschprogramme erarbeitet, die Wissenschaftler und Studenten aus der gesamten westlichen Welt
zusammengeführt haben.
Aber

in

den

vergangenen

Jahren

ist meiner Ansicht nach unsere Fähigkeit zur Erarbeitung gemeinsamer Ziele stetig unterhöhlt worden. Mit dem
Heranwachsen einer neuen Generation
ohne persönliche Erinnerung an die
Kriegsjahre haben westliche Politiker
zu erkennen versäumt, daß das internationale System den Erfordernissen
eines neuen Zeitalters angepaßt werden mußte. Die wirtschaftlichen und
politischen Schockwellen der späten
sechziger und siebziger Jahre haben
daher die alte Mentalität des Einzelkämpf ertums wiederbelebt.
Ich erkenne insbesondere die zunehmende Hinwendung zum wirtschaftlichen Kirchturmdenken.
Amerikaner,
Europäer und Japaner stimmen überein,
daß freier Handel uns mehr Wohlstand
und
Sicherheit
bringt.
Aber
wir
scheinen alle unsere eigenen Entschuldigungen für eben die Entscheidungen zu haben, die weltweit das
Wirtschaftswachstum
lähmen und das
offene
Welthandelssystem
aushöhlen.
Als Ergebnis davon befinden wir uns
in einem Teufelskreis, der - wenn er
nicht unterbrochen wird - unsere Kassen
leeren, unseren
Lebensstandard
verringern und in einen neuen Handelskrieg münden wird.
Und
Kirchturmdenken
beschränkt
sich bei weitem nicht nur auf den
Handel.
in den Vereinigten Staaten
tendieren wir zunehmend zum Unilateralismus, der mit einer Reihe von
Verzerrungen und falschen Vorstellungen gerechtfertigt wird. von meinen
Landsleuten sind Vorwürfe zu vernehmen, die Europäer seien zu sehr geneigt, sich sowjetischem Einfluß anzupassen. Andere vertreten die Ansicht, die Europäer seien in bezug
auf ihre Verteidigung Schmarotzer und
nicht bereit, die zu ihrem Schutz
notwendigen Opfer
zu bringen; sie
ließen sich von Terroristen erpressen
und zeigten selten Bereitschaft, die

- 3 -

�Vereinigten
Staaten bei
regionalen
Konflikten in der Dritten Welt zu unterstützen.
Auf der anderen Seite scheinen zu
viele Europäer der Ansicht zu sein,
die Amerikaner hielten an der starren
Ideologie
des
Kalten
Krieges
der
fünfziger Jahre fest, die eine mögliche Entwicklung besserer Ost-West-Beziehungen
nicht zuläßt; Amerikaner
seien hoffnungslose
Waffenfanatiker
und nur allzu leicht zu deren Gebrauch bereit.
Ferner besteht die
Meinung, eine amerikanische Bereitschaft, in regionale Konflikte einzugreifen oder gegen Terroristen vorzugehen, sei unberechenbar, nicht vorherzusehen und gefährlich.
Wir nehmen auf beiden Seiten des
Atlantiks einen Auftrieb engstirniger
Vorschläge
und
Denkschemata
wahr.
Sie haben ihren Ursprung vornehmlich
an den beiden extremen Enden des politischen Spektrums, die (wenn auch
aus sehr unterschiedlichen Gründen)
Europa und Amerika voneinander abgekoppelt
sehen möchten.
Unglücklicherweise finden diese Schemata immer
mehr Eingang ins allgemeine öffentliche
Denken.
Auf
amerikanischer
Seite gibt es protektionistische Gesetzesentwürfe, die sich durchaus mit
Smoot-Hawley messen können; kurzsichtige Vorschläge zur Einsparung von
Milliarden Dollar durch den Abzug unserer Truppen aus Europa; sogar Vorschläge zur Wiedergewinnung unseres
"Handlungsspielraumes" durch Austritt
aus der NATO.
In Europa hören wir intellektuelle Rechtfertigungen der "Xquidistanz"
zwischen den "Supermächten", begründet in ihrer sogenannten "moralischen
Gleichwertigkeit".
Es gibt zunehmend
Forderungen
nach
Denuklearisierung,
"defensiver
Verteidigung"
und
der
"Europäisierung Europas".
- 4

Nahezu all diesen Vorschläge ist
eines gemein - sie sind extrem engstirnig.
Viele
ihrer
Befürworter
streben nach einer einfachen Lösung
für schwierige Probleme in der Wirtschaft und im Haushalt, einer Lösung,
die uns nicht zwingt, die Vorzüge der
amerikanischen
Konsumgesellschaft
oder des europäischen Wohlfahrtsstaates
aufzugeben.
Manche
Politiker
hoffen auf Stimmen bei den nächsten
Wahlen.
Andere
sind
einfach
bestrebt, Sicherheit um jeden Preis zu
erlangen - koste es, was es wolle.
Aber
solche Ideen wären lediglich
leicht zu verwerfende Hirngespinste
extremistischer Außenseiter, wenn sie
nicht ihren Widerhall im Bewußtsein
der Öffentlichkeit fänden.
Und die
Öffentlichkeit
wird meiner
Ansicht
nach nicht von simplem Egoismus getrieben. In der Tat denken die Menschen überall, sie brächten Opfer und
zeigten Flexibilität, Kreativität und
ihre Bereitschaft zur Übernahme von
Risiken, ausländische "Freunde" täten
jedoch genau das Gegenteil.
Kurzum, zahlreiche Probleme entstehen aus Fehleinschätzungen, die
trotz der Revolution im Informationswesen weiterhin gedeihen.
Und wenn
wir nicht daran arbeiten, diese Fehleinschätzungen aus der Welt zu schaffen,
könnten
wir
in
ernsthafte
Schwierigkeiten geraten.
Meiner Ansicht nach gibt es nur eine Lösung
für das Problem der Fehleinschätzungen - größeres Verständnis. Wie ich
bereits angedeutet habe, führen mehr
Informationen und bessere Technik im
Kommunikationswesen
nicht
notwendigerweise zu besserem Verständnis. Im
Falle der Beziehungen zwischen den
Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland können wir dieses bessere Verständnis nur erreichen, wenn wir sowohl die Gemeinsamkeiten als auch die Unterschiede zwischen unseren beiden Ländern erkennen

�- und uns diese auch bewußt machen.
Meiner Meinung nach hat das Amerikabild
der
Deutschen
und
das
Deutschlandbild der Amerikaner in der
Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg drei
Stadien durchlaufen.
Das erste Stadium dauerte von
Kriegsende bis in die sechziger Jahre.
Die schreckliche Erfahrung der
Jahre 1933 bis 45, die offene amerikanische Politik nach dem Krieg und
die Großzügigkeit einzelner Amerikaner führten dazu, daß zahlreiche, vor
allem junge Deutsche den Vereinigten
Staaten
Modellcharakter
beimaßen.
Das traf auf ein breites
Spektrum
der deutschen Gesellschaft und sogar
auf viele Intellektuelle zu.
Somit
hatten die Vereinigten Staaten in der
Zeit des Wiederaufbaus, den fünfziger
Jahren, diesem Land ihren Stempel
aufgedrückt. Die oberflächlichen Gemeinsamkeiten wurden so beträchtlich,
daß ein Besucher nahezu jeder deutschen Stadt sich vorstellen konnte,
in den Vereinigten Staaten zu sein.
Auf beiden Seiten entwickelte sich
ein Mythos über unsere Beziehungen der Mythos gleicher Identität.
Aber die deutsche Hinwendung zu
Amerika in den fünfziger Jahren war
zu unkritisch und die deutsche Betrachtungsweise nahezu aller Aspekte
des amerikanischen Lebens zu idealistisch.
Der amerikanische Blickwinkel war das Spiegelbild der deutschen Betrachtungsweise - angesichts
so großer Ähnlichkeit mit den Vereinigten Staaten sahen Amerikaner die
Bundesrepublik zunehmend als "KleinAmerika", das zufällig in Europa beheimatet war.
Diese Ansichten brachten Erwartungen mit sich, die am Ende nicht
aufrechterhalten werden konnten. Das
führte zum zweiten Stadium unserer

Beziehungen
in der
Nachkriegszeit.
Als die Bundesrepublik sich dem Ende
ihrer erfolgreichen Wiederaufbauphase
näherte, begannen die Deutschen wiederum
über
ihre
eigene
Identität
nachzudenken, darüber, was es heißt und was es heißen sollte - Deutscher
zu sein. Weil die Deutschen ihre Gesellschaft der Nachkriegszeit so sehr
nach amerikanischem Muster ausgerichtet hatten, wurde die Diskussion über
die deutsche Identität ironischerweise vornehmlich über amerikanische Lebensqualität und amerikanische Politik geführt. Der in den späten sechziger und frühen siebziger Jahren vor
allem durch den Vietnamkrieg entfachte Aufruhr teilte Amerika. Aber er
hatte hier vielleicht noch größere
Auswirkungen. Wir in den Vereinigten
Staaten haben einen Krieg verloren.
Viele, vor allem junge Deutsche, haben ihr Ideal verloren.
Die Vereinigten Staaten, denen in den fünfziger Jahren Modellcharakter zugekommen war, hatten für viele junge Deutsche in den siebziger Jahren ein Negativ-Image.
Amerikaner, die der Fehleinschätzung einer Amerikanisierung der Bundesrepublik unterlagen, fühlten sich
durch
die
scheinbar
schonungslose
Kritik der Deutschen verunsichert und
betroffen. Viele betrachteten Kritik
an den Vereinigten Staaten als Zeichen eines virulenten Antiamerikanismus in der Bundesrepublik.
Auf beiden Seiten bekamen viele das Gefühl,
unser gesamtes Verhältnis sei in Gefahr.
In den achtziger Jahren haben wir
begonnen, uns dem dritten Stadium in
unserem Verhältnis
anzunähern, das
weder romantisch verbrämt noch desillusioniert
ist
sondern
auf
einer
realistischeren Einschätzung unserer
Unterschiede und Gemeinsamkeiten beruht.

- 5 -

�Dieses neue Stadium wird von der
Tatsache geprägt, daß die Deutschen
jetzt gegenüber den Vereinigten Staaten ihre eigene Identität zu finden
und zu behaupten suchen.
Ein neues
Interesse an deutscher Geschichte ist
erwacht, ein neuer Stolz auf deutsche
Kultur
und die neue Bereitschaft,
einem gewissen Bewußtsein deutscher
Leistungen in einer Reihe von Lebensbereichen offen Ausdruck zu verleihen. Kurzum: es gibt zunehmend Beweise dafür, daß sich eine deutsche
Identität herausbildet - eine Identität, die sich weder als Imitation
noch als Ablehnung der Vereinigten
Staaten versteht.
Manch einer auf beiden Seiten des
Atlantiks empfindet diese Entwicklung
als beunruhigend.
Einige Beobachter
stellen Spekulationen über die Bedeutung
des Wiederauflebens
deutscher
Kultur und deutschen Stolzes an; dies
heiße, daß beide Gesellschaften auseinanderdriften und daß die enge Kooperation, die bis heute unsere Nachkriegsbeziehungen geprägt hat, unvermeidlich zum Scheitern verurteilt sei.
Ich kann solch eine düstere Prophezeiung nicht hinnehmen.
Es ist
nicht schlecht, daß die Deutschen den
Stolz auf ihre Kultur und Geschichte
wiedergewinnen - dies ist ein notwendiger Schritt auf der Suche nach
Identität. Es sollte uns nicht beunruhigen, daß wir in so vielen Dingen
verschieden sind. unsere Unterschiede sind einfach eine Tatsache, ein
Faktum,
das
auf
unterschiedlichen
geographischen Gegebenheiten und geschichtlichen
Erfahrungen beruht
und die Auswirkungen unserer Unterschiede sind genau das Gegenteil von
dem, was die Pessimisten behaupten.
Die wichtigen und interessanten Bereiche, in denen sich unsere Länder
voneinander unterscheiden, akzentuieren die sich gegenseitig ergänzenden

Starken, die meiner Meinung nach lohnende Chancen für die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit eröffnen.
Erstens unterscheiden wir uns der
Größe nach. Die Vereinigten Staaten
sind ein Kontinent mit nur wenigen
Nachbarn und geschützt durch zwei
Ozeane.
Die Bundesrepublik ist geographisch kompakt und von zahlreichen
Nachbarstaaten umgeben.
Während die
Vereinigten Staaten aufgrund dieser
Situation eher zum Alleingang neigen,
wird die Bundesrepublik von den Erfordernissen der internationalen Zusammenarbeit geleitet.
Zweitens unterscheiden wir uns,
wiewohl beide von Vielfalt geprägt,
eben in unserer Vielfalt.
Das auf
einer komplexen, sich ständig verändernden ethnischen Mischung beruhende
Gefüge
der
amerikanischen
Gesellschaft hat zu einem Reichtum an Sprache, Küche, Kunst, Lebensstilen und
Ansätzen zur Problemlösung geführt,
der in der Welt einzigartig ist. Die
Bundesrepublik Deutschland ist ethnisch viel homogener.
Ihre Vielfalt
hat ihre Wurzeln in Geschichte und
geschichtlichem Erinnerungsvermögen und das Ausmaß dieser Vielfalt spiegelt die Tatsache wider, daß die Bundesrepublik
- nahezu als einziges
Land in Europa - nicht eine Hauptstadt besitzt sondern deren mehrere,
eine für die Politik, eine für das
Finanzwesen, eine für den Handel und
eine für die Medien. Jede bedeutende
Stadt der Bundesrepublik spielt in
einem bestimmten Lebensbereich eine
nationale Führungsrolle.
Drittens:
Obwohl wir viele gemeinsame demokratische Institutionen
teilen, funktionieren
unsere politischen Systeme auf verschiedene Art
und Weise. Das System der Bundesrepublik beruht auf relativ zentralisierten und vergleichsweise diszipli-

�nierten politischen Parteien.
Deutsche Politiker machen Karriere, wenn
sie in ihrer Partei Karriere machen.
Dieses System dient dazu, die politischen Debatten einander
näherzubringen,
indem
es
nationalen
und
langfristig
angelegten
politischen
Maßnahmen hohe Priorität in der Innen- wie auch
in der Außenpolitik
einräumt.
Das politische System der
Vereinigten Staaten hingegen ist von
schwachen Parteien und dezentral organisierter
Macht
gekennzeichnet.
Amerikanische
Politiker haben eine
individuelle Machtbasis auf lokaler
Ebene.
Die
amerikanische
Politik
spiegelt die Vielfalt der Vereinigten
Staaten wider und projiziert diese
Vielfalt auf die Gestaltung ihrer Innen- und Außenpolitik.
Viertens sind unsere Wirtschaftsstrukturen in wichtigen Bereichen unterschiedlicher
Art.
Die deutsche
Gesellschaft ist wirtschaftlich homogener und bietet nahezu all ihren
Bürgern einen hohen Lebensstandard,
ein bemerkenswertes Maß an Arbeitsplatzsicherheit und ein verläßliches
soziales Netz.
Deutsche Unternehmen
sind auf langfristigen Erfolg angelegt, auf Sicherheit und - darüber
läßt sich streiten - auf das Erzielen
einer "annehmbaren" statt einer maximalen Gewinnmarge.
in den Vereinigten Staaten ist der Wohlstand weniger
gleichmäßig verteilt, jedoch ermutigt
die größere soziale Mobilität Innovationen, bietet immense Möglichkeiten
und erlaubt unserem Land, eine erhebliche Zahl von Einwanderern schneller
in die Gesellschaft zu integrieren.
Geschichten des Aufstiegs vom Tellerwäscher zum Millionär sind immer noch
ein normaler Bestandteil amerikanischen Lebens. Natürlich besteht neben der Möglichkeit des Erfolgs auch
die des Scheiterns; und Scheitern
kann in der amerikanischen Gesellschaft mit großen Risiken verbunden
- 7

sein, insbesondere, weil unser soziales Netz bei weitem nicht so engmaschig geknüpft ist wie das deutsche.
Risiken einzugehen ist jedoch ein anerkannter Teil des amerikanischen Systems.
Geschäftsleute
können
mit
einem
Unternehmen
scheitern
und
trotzdem in der Lage sein, mit einem
anderen Erfolg zu haben.
Im Unterschied dazu scheinen die Deutschen
eher risikofeindlich zu sein.
Fünftens ist die Bundesrepublik
Deutschland
grundsätzlich
eine beständige und gefestigte Gesellschaft.
Demgegenüber
sind
die
Vereinigten
Staaten weiterhin ein Land ruheloser
Einwanderer. Die geographische Mobilität in den Vereinigten Staaten ist
legendär.
Nahezu ein Fünftel der
amerikanischen Bevölkerung zieht jedes Jahr um - eine Statistik, die für
viele Deutsche schwer faßbar
ist.
Die Deutschen sind weniger mobil, und
diese Tatsache bringt Probleme für
Unternehmer und Regionen mit sich,
die aus den durch den technologischen
Wandel
geschaffenen
Möglichkeiten
Vorteile zu ziehen suchen. Natürlich
sind mit der amerikanischen Mobilität
auch Kosten verbunden.
Es ermangelt
uns oft an einem gewachsenen Sinn für
Tradition und Lokalpatriotismus, wie
er in der Bundesrepublik so offen
sichtbar ist.
Sechstens und letztens ist die
geographische Mobilität in den Vereinigten Staaten gepaart mit einem
fast ebensolchen Ausmaß an sozialer
Mobilität, sowohl vertikal als auch
horizontal.
Diese einmalige amerikanische Qualität führt zu gesellschaftlichen Spannungen und gelegentlichen Auseinandersetzungen, aber sie
bedeutet auch größere Möglichkeiten
und mehr Innovation. Die gegenseitige Befruchtung unterschiedlicher Berufsgruppen ist in den Vereinigten
Staaten
besonders
ausgeprägt.

�Rechtsanwälte
werden
Unternehmer.
Unternehmer
werden Präsidenten von
Universitäten.
Professoren
gründen
Unternehmen.
Filmschauspieler werden
Politiker - und sogar Staatsmänner.
Es scheint mir, daß die Deutschen im
Gegensatz
dazu
neigen, früh
eine
Laufbahn
einzuschlagen
und
dieser
treu zu bleiben. Natürlich hat auch
dies vorteile - der erfahrene deutsche Beamte, Politiker oder Unternehmer wird in seine Tätigkeit ein Maß
an Professionalismus, eine Reihe von
Fähigkeiten und eine historische Perspektive einbringen, die ihn befähigen, die sich entwickelnden Veränderungen in ihrer "langfristigen Perspektive" zu sehen. Deshalb besteht
bei der Entscheidungsfindung in der
Bundesrepublik ein größeres Maß an
Kontinuität als in den Vereinigten
Staaten, wo in der Regierung ein Kommen und Gehen herrscht und Führungskräfte in der Wirtschaft häufiger ihren Arbeitsplatz wechseln.
Man ist
deshalb eher kurzfristigem Denken und
schnellen Entschlüssen bei Problemlösungen zugeneigt.
Ich kann unsere grundlegenden Unterschiede am besten zusammenfassen,
indem ich sage, daß die geordnetere
und weniger mobile deutsche Gesellschaft ein Gefühl der Gemeinschaft
und der Zusammengehörigkeit fördert.
Wenn man dieser Gleichung noch den
Wohlfahrtsstaat hinzufügt, dann bekommt man als Ergebnis ein hochentwickeltes Gefühl dafür, daß das Resultat
jeglicher
gesellschaftlicher
Interaktion
letzlich
"fair"
sein
sollte.
Sozial, wirtschaftlich und politisch herrscht
in den Vereinigten
Staaten ein wesentlich rauheres Klima.
Nicht alle Beteiligten werden
zum gleichen Ergebnis kommen.
Aber
unsere Gesellschaft schafft jedem die
Möglichkeit, einen Versuch zu unter- 8

nehmen.
Kurzgesagt: wo die Gesellschaft der Bundesrepublik das Bedürfnis nach Fairneß betont, legt die
amerikanische Gesellschaft die Betonung auf die Möglichkeiten.
Die Erkenntnis, daß wir nicht
gleich sind, ist wichtig, wenn wir
verstehen sollen, warum wir von Zeit
zu Zeit auf gleiche Entwicklungen unterschiedlich
reagieren.
Und
was
ebenso wichtig ist: dies ist meiner
Meinung nach der beste Grund für uns,
unsere Beziehungen zu erhalten und zu
stärken.
Unser gemeinsames strategisches Interesse macht deutsch-amerikanische
Zusammenarbeit
erforderlich. Unsere gemeinsamen politischen
Werte ermöglichen diese Zusammenarbeit.
Es sind jedoch unsere unterschiedlichen Stärken und Schwächen,
die diese Zusammenarbeit so lohnend
machen können. Jeder bringt in unser
Verhältnis Dinge ein, von denen der
andere lernen und profitieren kann.
Während wir uns also auf die
neunziger Jahre vorbereiten, sollten
wir jetzt in ein neues Stadium unserer Beziehungen eintreten, eine Phase, in der sowohl Deutsche wie auch
Amerikaner realistischere Erwartungen
aneinander haben. Wir sollten in der
Lage sein, unsere Unterschiede zu erkennen, ohne von ihnen beunruhigt zu
werden und sowohl aus den Bereichen,
in denen wir uns unterscheiden, als
auch aus unseren Gemeinsamkeiten Nutzen zu ziehen.
Wir müssen uns vor Augen führen,
daß wir unveräußerliche Werte teilen,
die es gestatten, daß die zwischen
uns bestehenden Unterschiede Möglichkeiten
anstatt
Gefahren
bedeuten.
Das amerikanische Unternehmertum kann
von deutscher Stabilität, Kontinuität
und der Fähigkeit, langfristige strategische Planungen
vorzunehmen und
hochwertige
Waren
zu
produzieren,

�lernen. Die Deutschen können lernen,
indem sie beobachten - den amerikanischen Unternehmergeist, die Bereitschaft zum Risiko und die Vitalität
im Bereich der kleineren Unternehmen.
Die Amerikaner können von den Deutschen eine Menge in bezug auf Haushaltsdisziplin
und
Spargewohnheiten
lernen - aber den Deutschen würde es
gut anstehen, herauszufinden, wie die
Vereinigten Staaten ein solch schnelles Wirtschaftswachstum erreicht und
so viele Arbeitsplätze geschaffen haben.
Der
Lernprozeß
ist
mindestens
ebenso wichtig in anderen Bereichen
der Politik. Die Vereinigten Staaten
müssen zum Beispiel ihre Neigung zum
Unilateralismus
kontrollieren,
den
Entschluß fassen, sich nicht von der
Verteidigung Europas zurückzuziehen während die Deutschen und andere Europäer bereit sein sollten, außerhalb
Europas eine umfassendere Verantwortung für die Sicherheit zu übernehmen.
Kurzum:
wir können viel voneinander lernen und uns somit gegenseitig ergänzen - aber nur, wenn wir
einander verstehen.
Das neue Bewußtsein einer nationalen deutschen Identität auf beiden
Seiten des Atlantiks kann unter diesen Bedingungen in der Tat zur Stärkung des deutsch-amerikanischen Verhältnisses beitragen. Umgekehrt können amerikanische und deutsche Fehleinschätzungen
äußerst
entzweiend
wirken.
Beispielsweise
sind viele
Deutsche immer noch davon überzeugt,
sie lebten in einem kleinen, schwachen Land, das zwischen zwei Supermächten eingekeilt
und unfähig zu
entscheidender
Einflußnahme
ist.
Diese deutsche Selbsteinschätzung ist
für viele Amerikaner schwer begreiflich. Sie betrachten die Bundesrepublik als eines der stabilsten, wohl- 9

habendsten,
demokratischsten
und
mächtigsten Länder der Welt - die
größte Handelsnation der Welt, die
wirtschaftlich den vierten und vom
Verteidigungsaufwand her den dritten
Platz in der Welt einnimmt.
Setzt
man diese Gegebenheiten voraus, dann
können die Amerikaner unschwer zu der
Schlußfolgerung
gelangen,
daß
die
Deutschen zusammen mit den Japanern
darauf bedacht sind, einen möglichst
großen Anteil des Weltmarktes zu erobern und gleichzeitig die Kosten und
Risiken der Bewahrung des Friedens
und eines stabilen Weltwirtschaftssystems
den
Vereinigten
Staaten
zu
überlassen.
Diese
Fehleinschätzung
erleichtert die Rechtfertigung egoistischer, unilateralistischer amerikanischer Maßnahmen - welche wiederum
in diesem Land Neigungen zu einer Inselmentalität verstärken.
Wie können wir es bewerkstelligen, daß wir einander besser verstehen? Wie ich schon festgestellt habe,
besitzen wir viele Wege, um uns zu
verständigen, um Informationen
und
Ideen
auszutauschen.
Bisweilen
scheinen die Institutionen, durch die
wir kommunizieren, uns jedoch daran
zu hindern, einander wirklich zu verstehen.
So spielt zum Beispiel an
amerikanischen Schulen und Universitäten
der
Deutschunterricht
eine
solch untergeordnete Rolle, daß die
meisten Amerikaner von dem reichen
Vermächtnis deutscher Geschichte und
Kultur ausgeschlossen sind. Deutsche
Bildungsstätten leisten Hervorragendes auf dem Gebiet des Englischunterrichts, präsentieren
jedoch
häufig
ein solch verzerrtes Bild der amerikanischen Gesellschaft und Politik,
daß der Lernende kaum verstehen kann,
was er in dieser Sprache sieht und
hört. Um nur ein einziges typisches
Beispiel zu nennen:
in einem Text
über Minderheiten in den Vereinigten
Staaten wird erklärt: "Spricht man

�von den Negern und den Puertorikanern, dann meint man nichtorganisierte
und
ungelernte
Arbeiter,
die
schlecht
bezahlte Arbeitsplätze in
Hotels, Restaurants, kleinen Fabriken
innehaben
oder
Sozialhilfeempfänger
sind". Der Autor, dem offensichtlich
völlig entgangen ist, daß Millionen
von schwarzen und puertorikanischen
Amerikanern hochgebildet und wohlhabend sind, macht sich der Verleumdung
Amerikas als rassistischer Gesellschaft schuldig.
Austauschprogramme tragen, unabhängig davon, ob sie aus öffentlichen
oder privaten Mitteln gefördert werden, in hohem Maße dazu bei, die Menschen einander näher zu bringen und
das gegenseitige Verständnis zu verbessern. Die Einfühlungsvermögen und
Verständnis für eine andere Kultur
hervorbringende persönliche Erfahrung
ist noch immer unersetzlich.
Bedauerlicherweise ist jedoch die Zahl der
Teilnehmer an solchen Programmen begrenzt.
Die Vereinigten Staaten und
die Bundesrepublik Deutschland führen
eine
Vielzahl
unterschiedlichster
Austauschprogramme
durch, aber die
sich jährlich auf einige tausend belaufende
Teilnehmerzahl
entspricht
nur einem Bruchteil der Bevölkerung
beider Länder.
Die Buchindustrie ist ein weiterer großer Kommunikator der Gesellschaft, mit dessen Hilfe eine Fülle
von Informationen von einem Land ins
andere getragen und vermittelt werden. Dennoch ist auch sie einer Reihe harter wirtschaftlicher Zwänge unterworfen - es reicht nicht aus, ein
gutes Buch zu veröffentlichen - es
muß auch verkauft werden. Die Ergebnisse sind vorhersehbar.
Eine kürzlich vom US-Informationsamt
(United
States Information Agency - USIA) erstellte Studie kam zum Beispiel zu
dem Ergebnis, daß es, trotz der in

jedem Jahr von deutschen Verlegern
übersetzten und auf den Markt gebrachten Vielzahl amerikanischer Titel schwierig ist, von Amerikanern
geschriebene
Bücher
über
amerikanische Politik, Wirtschaft oder Gesellschaft in deutschen Bücherregalen
zu finden. Sachbücher verkaufen sich
in der Bundesrepublik nur in Ausnahmefällen so gut wie etwa Lee Iacoccas
Autobiographie. Die Anzahl wichtiger
deutscher Bücher, die übersetzt und
in Amerika herausgegeben werden, ist
natürlich noch geringer.
in der Welt von heute sind die
wichtigsten Kommunikationsinstitutionen
zweifelsohne
die Massenmedien,
worunter ich Zeitungen, Zeitschriften, Radio und natürlich vor allem
das Fernsehen verstehe.
Die meisten
Menschen beziehen das Gros ihrer Informationen
aus
den
Medien.
Abschließend möchte ich daher gerne einige Anmerkungen über den Journalismus und die Medien machen, weniger
aus theoretischer Sicht als aus meiner eigenen Erfahrung als Journalist.
Paradoxerweise führen die bloße
Fülle der von den Medien verarbeiteten Informationen, die Geschwindigkeit ihrer Verbreitung und ihr intensiver Wettbewerb allzu häufig zu einer Berichterstattung, die trivial,
oberflächlich und sogar konformistisch ist.
Dies gilt in besonderem
Maße für das Fernsehen, zweifelsohne
das spektakulärste Produkt der Revolution in der Kommunikationstechnologie. Erst vor 50 Jahren verließen
die ersten Fernsehgeräte die Forschungslabors.
Der Preis war unerschwinglich, das Bild
schrecklich,
und es gab sowieso wenig, was man
sich ansehen konnte.
Heute ist das
Fernsehen sowohl in Amerika und - in
zunehmendem Maße - in Europa einer
der größten Industriezweige.

�Meinungsumfragen
belegen,
daß
sich die Menschen immer mehr auf das
Fernsehen als erste Informationsquelle über Ereignisse in der Welt verlassen.
Die
Aufmerksamkeit
der
"Fernsehgeneration"
ist von kurzer
Dauer, über die internationalen Themenkomplexe erfährt sie zumeist aus
den nur 30 bis 60 Sekunden dauernden
Sequenzen
in den Abendnachrichten.
Der Bürger von heute, der häufig unter zeitdruck steht, ist meist glücklich darüber, daß das Fernsehen die
scheinbar
wichtigsten
Fakten
so
schnell zur Verfügung stellen kann.
Meine
eigenen
Erfahrungen
als
Journalist haben mir zu der Überzeugung verholfen, daß das Fernsehen die
traditionelle Schwäche des Journalismus noch verschärft - um so mehr als
die gedruckten Medien, die zwangsläufig
zur Bereitstellung
eingehender
Informationen
besser
ausgerüstet
sind, beim Wetteifern um die begrenzte Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit
den Stil des Fernsehens zu imitieren
suchen.
Zum Beispiel zwingt das Fernsehen
den Journalisten mehr denn je, möglichst der erste mit einer Nachricht
zu sein. Einen anderen Fersehsender
um nur ein paar Minuten "auszustechen" könnte bedeuten, man kommt in
die Abendnachrichten und der andere
nicht.
Sie heimsen die Lorbeeren
ein, und er bekommt Xrger.
Für
ernsthafte
Analysen
bleibt
keine
Zeit.
Das Ergebnis des "Sensationsjournalismus" ist, daß Journalismus
als Beruf nicht diejenigen anzieht,
die komplexe Themenbereiche im einzelnen untersuchen wollen.
Der ständige Zwang zu einer Erstmeldung führt auch zu "Herden Journalismus" und dem Problem unzusammenhängender Nachrichten.
Die Journalisten versuchen sich vor dem Ausste-

chen durch eine Erstmeldung zu schützen, indem sie sich jeden Tag oder
jede Woche
untereinander
für
ein
Leitthema entscheiden. Jeder konzentriert sich in höchstem Maße auf dieses Thema - bis zur nächsten Woche,
wenn ein anderes Thema herausgegriffen wird. Wir können aus einer Vielzahl von Fernsehkanälen
auswählen,
aber nur allzu häufig wird über diesselben Nachrichten - und wenig anderes - auf jedem Kanal berichtet. Als
Ergebnis dessen ist das welterschütternde Problem von heute morgen bereits vergessen.
Der Öffentlichkeit
wird keine Gelegenheit gegeben - erst
recht nicht durch die Darstellung im
Fernsehen
- sich zu umfassenderen
Themenkomplexen eine Meinung zu bilden. Die Diskussion über die Mittelstreckenraketen ist hierfür ein anschauliches Beispiel. Vor vier Jahren konzentrierten sich alle Nachrichten über INF auf die Stationierung
der
amerikanischen
Raketen.
Heute ist ihre Beseitigung, zusammen
mit den entsprechenden sowjetischen
Waffen, das Hauptthema. Aber die Medien stellen keine Verbindung zwischen diesen beiden Themen her - tragen nichts zum Verständnis der Öffentlickeit bei, daß die Stationierung von gestern die unabdingbare
Voraussetzung für das historische Abkommen von heute war.
Das Fernsehen verschärft auch den
traditionellen Hang der Journalisten
zur Übertreibung. Die Reporter haben
immer gewußt, daß es Geschichten von
"menschlichem Interesse" bedarf, um
Zeitungen und Zeitschriften zu verkaufen. Aber das Fernsehen trägt die
Nachrichten mit nie dagewesener Dramatik in unsere Wohnzimmer - Abend
für Abend leben wir mit den Schrecken
von Vietnam oder Beirut, dem Terror
des jüngsten Geiseldramas, mit apokalyptischen Visionen dessen, was mit
Tschernobyl, dem Einleiten von chemi-

- 11 -

�kalien in den Rhein, der explosiven
Lage am Persischen Golf auf uns zukommen wird. Die Fähigkeit des Fernsehens, jede einzelne Nachricht zu
dramatisieren, wirft zwangsläufig die
Frage auf, ob der Zuschauer dadurch
besser informiert wird - oder einfach
zu einer emotionaleren Betrachtungsweise gelangt und häufig komplexe Ereignisse nur als Zusammenprall von
Gut und Böse versteht, die sich in
nichts von den jüngsten HollywoodProdukten unterscheiden.
Was heute nicht fotografiert und
im Fernsehen übertragen werden kann,
hat
keinen
Nachrichtenwert.
Der
Krieg zwischen Iran und Irak ist
einer der blutigsten und zerstörerischsten Konflikte der jüngsten Geschichte - und dennoch besteht, weil
die Kombattanten das Fernsehen vom
Kriegsschauplatz ferngehalten haben,
in der westlichen Öffentlichkeit wenig Sorge darüber, was mit den Menschen dieser beiden Länder geschieht
- und wenig Bereitschaft, eine Politik zur Beendigung des Krieges zu unterstützen.
Natürlich ist das Fernsehen nicht
der alleinige Sündenbock.
unter den
Journalisten herrscht auch ein gewisser "Standesdünkel", der einer Entfaltung echter Sachkenntnis zuwiderläuft.
Von jedem Journalisten wird
erwartet, ein Allroundgenie zu sein,
das mit der gleichen Gewandtheit über
jede Geschichte berichten kann, sei
es die Hochzeit im Lokalteil oder
komplexe
RüstungskontrollVerhandlungen. Das Ergebnis ist allzu häufig,
daß der Leser oder Zuschauer nur eine
entsprechend oberflächliche Berichterstattung über jede Geschichte erhält. Die meisten Journalisten, die
sich mit komplizierten
politischen
Fragen auseinandersetzen, sind intelligent und haben ihr Metier von der
Pike auf gelernt, aber vielen mangelt
- 1

es an der Sachkenntnis, über diese
Sachverhalte im Zusammenhang zu berichten.
Es ist offenkundig, daß die Probleme der Medien in Europa und Amerika nicht identisch sind. In den Vereinigten Staaten machen kommerzielle
Interessen und der Medienwettbewerb
die Nachrichtenberichterstattung häufig zu einer Art Unterhaltungssendung. Dies führt notwendigerweise zu
Oberflächlichkeit.
Aber während unsere Nachrichtenmedien vielleicht zu
sehr
auf
Wettbewerb
ausgerichtet
sind, trifft dies für Ihre nicht in
ausreichendem
Maße zu.
Staatliche
Einflußnahme und Subventionen führen
zu Konformität der Medien und Politisierung der Nachrichten - die Öffentlichkeit erhält gelegentlich nur einen Aspekt einer Geschichte und nur
einen Teil der Fakten.
Dies gilt
wiederum insbesondere für das Fernsehen. Die Zunahme der privaten Kabelund Satellitenfernsehsender
in der
Bundesrepublik ist daher, denke ich,
eine positive Entwicklung, die ermutigt werden sollte. im weiteren Sinne würde sogar eine Lockerung des Telekommunikationsmarktes in der Bundesrepublik in starkem Maße zu einer
Vielfalt - und damit Qualität - der
jedermann zur Verfügung stehenden Informationen beitragen.
In diesem Zeitalter der Information müssen wir uns bewußt sein, daß
die Medien zum wichtigsten Teilnehmer
am politischen Prozeß geworden sind.
Sie haben aufgehört, bloße Beobachter
zu sein - wenn sie das je waren. Hohe Regierungsvertreter und leitende
Geschäftsführer verbringen viel zeit
damit, sich Gedanken zu machen, wie
sie und ihre Entscheidungen in der
Presse
dargestellt werden.
Häufig
sind es die Medien, von denen die Tagesordnung des öffentlichen Interesses bestimmt wird, indem sie die Auf-

t

\

'

�merksamkeit auf ein bestimmtes Thema
lenken. Ebenso häufig setzen die Medien die Handlungsparameter,
indem
sie bestimmte politische Ansätze als
gut und andere als schlecht bezeichnen.
Sollten ihnen meine Ausführungen
kritisch erschienen sein, so hoffe
ich doch, daß ich auch dem schwierigen Auftrag der Medien gerecht geworden bin.
Dennoch
haben wir
das
Recht, zu fordern, daß die Medien
sich selbst verbessern.
Die Medien
sind eine der mächtigsten Institutionen unserer Gesellschaft.
Wie jede
andere mächtige
Institution müssen
sie der übrigen Gesellschaft gegenüber verantwortlich sein. Die Medien
sollten zur Lösung unseres Problems
gegenseitiger
Fehleinschätzung
beitragen, und nicht Teil des Problems
sein.
Aber wir können nicht die ganze
Schuld den Medien anlasten oder ihnen
die gesamte Verantwortung dafür aufbürden, uns zu besser informierten
Menschen zu machen. Es ist von vordringlicher Bedeutung, daß politische
Entscheidungsträger, insbesondere die
Experten auf dem Gebiet der Außenpolitik, aktiv an der Unterrichtung der
Öffentlichkeit über komplexe Sachverhalte mitwirken. In diesem Zusammenhang habe ich mich besonders gefreut,
kürzlich
durch
Herrn
Professor
Biedenkopf
von
den
Plänen
des
Bertelsmann-Unternehmens zu erfahren,
regelmäßig stattfindende Treffen in
unseren beiden Ländern ins Leben zu
rufen, bei denen Experten und politische Entscheidungsträger mit Journalisten
zu eingehenden
Gesprächen
über die Hauptprobleme deutsch-amerikanischer Beziehungen zusammenkommen
werden.
Das ist genau die Art von
Unterstützung, die wir dem ernsthaften Journalisten gewähren müssen, der
zum besseren Verständnis zwischen un-

seren beiden Ländern beiträgt.
Es reicht nicht aus, Lippenbekenntnisse zum Recht der Öffentlichkeit auf wissen abzulegen - wir müssen auch der Tatsache Rechnung tragen, daß eine verantwortungsbewußte
Öffentlichkeit verstehen muß - denn
in einer Demokratie kann der Mangel
an Verständnis seitens der Öffentlichkeit effektives Regieren unmöglich machen. Angesichts der Wirkung
der Medien auf den Entscheidungsprozeß
kann
die
Trivialisierung
der
Nachrichten auch die Trivialisierung
der Regierungspolitik bedeuten.
Der
politische Entscheidungsträger sollte
erkennen, daß die Medien für das Verständnis unabdingbar sind, und daß
Journalismus - ebenso wie Politik,
Diplomatie, Handel oder wissenschaftliche Forschung - einer der entscheidenden Berufe des öffentlichen Lebens
ist. Wir müssen die Journalisten wie
unseresgleichen behandeln.
Für diejenigen unter uns, die mit
der Verbesserung des europäisch-amerikanischen Verständnisses beauftragt
sind, ist es frustrierend, daß so
viele Fehleinschätzungen anscheinend
unzugänglich
für Korrekturen durch
die Fülle von Informationen sind, die
über den Atlantik hin und her geschickt werden.
Unsere gemeinsamen Werte und Interessen sind jedoch ungleich größer
als unsere Unterschiede - und selbst
unsere Unterschiede bergen - wie ich
versucht habe, herauszuarbeiten - in
sich den Keim der fruchtbaren Zusammenarbeit. Wenn wir unsere Sensibilität
für Unterschiede entwickeln,
dann glaube
ich, daß
die
"reife
deutsch-amerikanische Partnerschaft",
von der ich so häufig gesprochen habe, Realität wird und nicht länger
nur eine Zielvorstellung bleibt.
* * * * * *

- 1

�</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

2 . Dezember 1987

42

I N H A L T

DOKUMENTATION

Regionale Konflikte beim Gipfel im Brennpunkt
- Präsident Reagans wöchentliche Rundfunkansprache

HINTERGRUUNDHATERIAL

Die Bedeutung von SDI
- Ein Überblick -

Die Reduzierung der strategischen Waffen
- Eine Übersicht der amerikanischen Regierung

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Antarktisches "Ozonloch* hat weltweite Auswirkungen
- Schutzabkommen von Montreal nur ein erster Schritt

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
%

^

at

Dokumentation

42

2. Dezember 1987

REGIONALE KONFLIKTE BEIM GIPFEL IM BRENNPUNKT
- Präsident Reagans wöchentliche Rundfunkansprache -

WASHINGTON - (AD) - in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache an die Nation bekundete Präsident Reagan am 28. November die Absicht, dem sowjetischen
Verhalten in regionalen Konflikten auf der Tagesordnung des Gipfels erste
Priorität einräumen zu wollen.
Der Präsident erklärte, sein Appell an
Gorbatschow werde lauten, "wo auch immer die Sowjets oder ihre Vasallen gewaltsam ihre Interessen durchzusetzen suchen - in Nicaragua, Afghanistan,
Angola, Kambodscha oder anderswo - sollten sie dem Einhalt gebieten und die
Völker in diesen Ländern ihr eigenes Schicksal wählen lassen". "...das Verhalten der Sowjets in diesen Regionen bleibt ein Haupthindernis für die Verbesserung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rundfunkansprache im Wortlaut:

Meine
amerikanischen
Mitbürger,
ich möchte mit Ihnen über mein bevorstehendes Treffen mit Generalsekretär
Gorbatschow sprechen.
Aber zunächst
hoffe ich, daß Sie gemeinsam mit mir
das tun werden, was viele von uns gemeinsam mit ihren Familien erst vor
zwei Tagen getan haben - innehalten,
um das zu betrachten, wofür wir dankbar sein müssen.
Amerika befindet sich heute im
Frieden. Trotz mancher Höhen und Tiefen ist unsere Wirtschaft immer noch
stark und steigerungsfähig. Und wenn

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das Erntedankfest immer noch die Zeit
ist, in der wir besonders der vom
Glück weniger Begünstigten gedenken
sollten, dann müssen wir in diesen
Zeiten wirtschaftlichen Wachstums sicherlich dafür danken, daß die Zahl
der in Armut lebenden Amerikaner auf
ihren niedrigsten Stand der letzten
fünf Jahre gefallen ist.
Mit dem Wirtschaftswachstum hat
auch die private Wohltätigkeit zugenommen. Private Spenden für wohltätige Zwecke haben in jedem der vergangenen vier Jahre neue Rekordzahlen

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�erreicht. Wer würde daran zweifeln,
daß wir unserem Schöpfer gegenüber
eine
große Dankesschuld
abzutragen
haben?
Nach 200 Jahren herrschen in
unserem Land immer noch Freiheit und
- Güte.
Wie Sie wissen, werde ich mich in
zehn Tagen in Washington mit Generalsekretär Gorbatschow treffen.
Wenn
alles klappt, werden wir gemeinsam
ein Abkommen unterzeichnen, mit dem
zu ersten Mal in der Geschichte eine
gesamte Kategorie amerikanischer und
sowjetischer
Raketen
abgeschafft
wird.
Aber dieses Abkommen muß im
Zusammenhang mit unseren umfassenderen Beziehungen zur Sowjetunion gesehen werden.
Unsere Regierung hat seit ihren
Anfängen darauf bestanden, daß vier
wesentliche Bereiche mit den Sowjets
behandelt werden. Die Menschenrechte
sind
einer
davon.
Menschenrechte
charakterisieren
schließlich
unsere
Nation.
In diesem Bereich haben wir
gewisse Fortschritte erzielt. In der
Sowjetunion
sind einige politische
Gefangene
freigelassen worden; die
Zahl der Auswanderer ist leicht angestiegen, und es wird über die Gewährung
beschränkter
wirtschaftlicher
Freiheiten für die Völker der Sowjetunion gesprochen.
Dennoch ist all
dies viel zu wenig.
Und Menschenrechte werden ein Punkt auf der Tagesordnung bleiben, wenn ich Herrn
Gorbatschow treffe.
Die Erweiterung bilateraler Beziehungen,
besonders
menschlicher
Kontakte, ist der zweite von uns hervorgehobene Bereich. Auch hier haben
wir nach meinem ersten Genfer Gipfeltreffen mit Herrn Gorbatschow gewisse
Fortschritte, insbesondere beim Kulturaustausch,
verzeichnet.
Das
Bolschoi-Ballett
hat
eine
Tournee
durch die Vereinigten Staaten unter-

nommen.
Und
viele
amerikanische
Künstler wiederum haben die Sowjetunion besucht.
ich denke besonders
an die historische Rückkehr des Pianisten Wladimir Horowitz nach Moskau
im vergangenen Jahr, seinen ersten
Besuch in Rußland nach mehr als 60
Jahren.
Regionale
Konflikte bilden den
dritten wesentlichen
Punkt in den
amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen, und die amerikanische Haltung
ist ganz einfach zu erklären:
Wo
auch immer die Sowjets oder ihre Vasallen
gewaltsam
ihre
Interessen
durchzusetzen suchen - in Nicaragua,
Afghanistan, Angola, Kambodscha oder
anderswo - sollten sie dem Einhalt
gebieten und die Völker in diesen
Ländern ihr eigenes Schicksal wählen
lassen.
Und ich versichere Ihnen,
daß ich diesem Thema auf der Tagesordnung des Gipfels erste Priorität
einräumen werde. ich werde daran erinnern, daß das Verhalten der Sowjets
in diesen Regionen ein Haupthindernis
für die Verbesserung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen bleibt.
Damit
komme
ich
zum
vierten
Hauptpunkt unseres Programms - meinem
Streben nach einer besseren Möglichkeit zur Abschreckung von Agression
und dauerhaften Erhaltung der Sicherheit statt der Drohung mit Vergeltung
durch nukleare Offensivwaffen.
Eine
Antwort darauf
ist unsere Strategische
Verteidigungsintiative
oder
SDI, unsere Arbeit an einem Verteidigungssystem, das uns und unseren Verbündeten
einen Schutzschild
bietet
und dabei niemanden bedroht.
Eine
zweite Antwort waren die Rüstungskontrollverhandlungen mit den Sowjets
- Verhandlungen, die das INF-Abkommen
hervorgebracht
haben,
das
Herr
Gorbatschow
und
ich
unterzeichnen
wollen.
Mit diesem Abkommen wird,
wie ich bereits sagte, eine gesamte

- 2 -

�Kategorie sowjetischer und amerikanischer
Mittelstreckenwaffen
abgeschafft. Für jeden auf unserer Seite
abgebauten Gefechtskopf werden die
Sowjets nahezu vier abschaffen.
Da die Sowjets ein Register der
Verletzung von Rüstungskontrollabkommen vorzuweisen haben, bestehen wir
auf dem strengsten System zur Verifizierung in der Geschichte der Rüstungskontrolle. Und wir werden weiterhin die Sowjets zu Fortschritten
bei den START-Gesprächen drängen, in
deren Rahmen wir einen SOprozentigen
Abbau der strategischen Waffenarsenale beider Seiten vorgeschlagen haben.
Aber die Sowjets müssen ihre Taktik
aufgeben,
den
Abbau
strategischer
Waffen als Pfand für ihre Bemühungen
zur Lähmung unseres SDI-Programms zu
betrachten.
Lassen Sie mich Ihnen versichern,
daß SDI kein Faustpfand ist. Es ist
der Weg zu einer sichereren Zukunft.
Wir müssen uns darüber
im klaren
sein, daß die Sowjets unsere Gegner
sind und unsere Gegner bleiben werden
- die Gegner all derer, die an die
Freiheit des Menschen glauben. Dennoch müssen wir in unseren Bemühungen, die Sache der Freiheit voranzutreiben, mit den Sowjets sachlich,
aus einer Position der Stärke heraus
und im Namen des Friedens verhandeln.
Vielen Dank
fürs Zuhören, bis
nächste Woche, und Gott schütze Sie.

* * * * *

- 3 -

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

2. Dezember 1987

42

DIE BEDEUTUNG VON SDI
- Ein Überblick -

"Völlig unannehmbar ist die sowjetische Taktik, Reduzierungen als Faustpfand für Maßnahmen einzusetzen, die unsere Strategische Verteidigungsinitiative zunichte machen ... Wir werden SDI nicht zum Tauschobjekt machen."
Präsident Reagan am 4. November 1987

Die
Strategische
Verteidigungsinitiative
(SDI) Präsident
Reagans
verkörpert unsere größten Hoffnungen
auf eine sicherere Welt - eine Welt,
in der unsere Sicherheit und die unserer Verbündeten nicht länger auf
Abschreckung durch die Androhung von
Massenvernichtung gegründet ist.
Die
Reagan-Administration
hat
stets über eine klar umrissene Strategie verfügt, um der Bedrohung durch
die sowjetische Aufrüstung mit offensiven
Atomwaffen
entgegenzutreten.
Unser Ziel besteht darin, den Frieden
sicherer zu machen und ein stabiles

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strategisches Gleichgewicht
stig zu gewährleisten.
Diese
Strategie
wichtige Bestandteile:

langfri-

enthält

drei

- Modernisierung unseres strategischen Abschreckungspotentials, da
wir uns zur Erhaltung des Friedens weiterhin auf die Androhung
von
Vergeltung
mit
Atomwaffen
stützen.
- Das streben nach einschneidenden,
gleichgewichtigen und wirksam ve-

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�'

rifizierbaren
Reduzierungen
der
amerikanischen
und
sowjetischen
Atomwaffen.

- SDI hat dazu beigetragen, daß die
Sowjets Anfang 1985 zu den Verhandlungen
über Atomwaffen zurückkehrten, die sie Ende 1983
abgebrochen hatten.

- Mit
Hilfe
der
amerikanischen
Strategischen
Verteidigungsinitiative die Suche nach einem sichereren und moralisch vorzuziehenden
Mittel zur Abschreckung
des Krieges voranzutreiben, indem
wir zur Verbesserung unserer Sicherheit zunehmend auf Verteidigungssysteme vertrauen.
SDI ist ein Forschungs- und Technologieprogramm mit dem Ziel, bis zu
den frühen neunziger Jahren zu zeigen, ob wirksame Verteidigungssysteme
gegen ballistische Raketen für die
Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten machbar sind.
Die aussichtsreichsten Konzepte stützen sich auf
gestaffelte Verteidigungssysteme für
das Abfangen der Raketen des Angreifers in jeder Flugphase - in der Antriebsphase, mitten im Flug und in
der Endphase.

- SDI unterstreicht die Integrität
jeglichen neuen Rüstungskontrollabkommens, indem es für die Sowjets die Anreize zum Betrug verringert.
Das Register sowjetischer Verletzungen früherer Rüstungskontrollabkommen macht diesen Aspekt besonders bedeutungsvoll.
- SDI bietet
den
Sowjets
einen
starken Anreiz, auf den Vorschlag
des Präsidenten zur 50prozentigen
Reduzierung
der
strategischen
Waffen einzugehen.
Selbst wenn eine 50prozentige Reduzierung
der strategischen Waffen
erreicht ist, wird SDI weiterhin unerläßlich sein, um die Sowjets zu
weiteren Reduzierungen zu bewegen.

- unser Engagement für SDI ist unerschütterlich.
Der
Präsident
hat erklärt:
"SDI ist kein Verhandlungsgegenstand.
Es ist ein
Eckpfeiler
unserer
Sicherheitsstrategie für die neunziger Jahre
und darüber hinaus.
Wir werden
es erforschen.
Wir werden es
entwickeln. Und wenn es fertiggestellt ist, werden wir es stationieren. "
SDI dient
dender Ziele:

einer

Reihe

entschei-

- Mit SDI suchen wir nach einen defensiven Mittel zur Abschreckung
von Aggressionen, das auf Systemen beruht, mit denen die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten vor einem Angriff mit ballistischen Raketen geschützt werden.
- 2 -

- Schließlich bildet SDI eine Versicherung gegen einen versehentlichen Raketenabschuß oder künftige Drohungen mit ballistischen
Raketen - seien sie atomar, konventionell oder chemisch bewaffnet - durch Länder, die alle Gesetze
der
Staatengemeinschaft
mißachten.
- Die möglichen Vorteile von SDI
wiegen die Kosten bei weitem auf.
Die Ausgaben für SDI vom Haushaltsjahr 1984 bis einschließlich
1988 werden sich auf etwa 12 Milliarden Dollar oder annähernd 13
Dollar jährlich pro Kopf der amerikanischen Bevölkerung belaufen
- ein geringer Preis für eine sicherere Zukunft.

�Die Bedeutung von SDI wird durch
die seit langem bestehenden, umfangreichen Programme der Sowjets zur
strategischen Verteidigung noch betont.

Abschreckung untergraben würden,
Dies hätte verheerende Auswirkungen auf die Sicherheit des Westens,

- Im Unterschied zu unseren eigenen
bescheidenen Ausgaben haben die
Sowjets
in den vergangenen 10
Jahren etwa 200 Milliarden Dollar
für ihre strategischen Verteidigungsprogramme aufgewendet, ungefähr ebenso viel wie für ihre
strategischen Offensivstreitkräfte.
Zu den Programmen der Sowjets gehören:
- Das
einzige
Verteidigungssystem
gegen ballistische Raketen der
Welt, das um Moskau herum stationiert ist und von den Sowjets
ständig verbessert wird.
- Der Bau eines großen phasengesteuerten
Radars
nahe
Krasnojarsk, das den ABM-Vertrag von
1972 verletzt.
- Forschung, Entwicklung und Erprobung, einschließlich eines mit 1
Milliarde Dollar pro Jahr ausgestatteten
Programms
für LaserWaffen -, das 10 000 erfahrene
Wissenschaftler und Techniker beschäftigt.
Wir können den Sowjets kein Monopol auf strategische Verteidigungssysteme einräumen.
- Wenn beide Seiten sie besitzen,
können
strategische
Verteidigungssysteme stabilisierend wirken und die Drohung des Krieges
verringern. Wenn die Sowjets sie
allein
besitzen, werden
solche
Systeme den Frieden bedrohen, da
sie die Glaubwürdigkeit unserer
- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

2. Dezember 1987

42

DIE REDUZIERUNG DER STRATEGISCHEN WAFFEN
- Eine Übersicht der amerikanischen Regierung -

- (AD) - Die Vereinigten Staaten messen den Bemühungen zur Erlangung eines
ausgewogenen und wirksam verifizierbaren Abkommens mit der Sowjetunion über
einschneidende Reduzierungen der strategischen Atomwaffen höchste Priorität
bei. insbesondere liegt unsererseits die Betonung auf den gefährlichsten Waffen - den schnell fliegenden ballistischen Raketen, darunter besonders die
großen Interkontinentalraketen (ICBMs) mit Mehrfachgefechtsköpfen.

Als einen konkreten Schritt zu
diesem
Ziel haben die Vereinigten
Staaten bei den Verhandlungen über
nuklear-strategische
Waffen
(START)
in Genf am 8. Mai 1987 einen Vertragsentwurf vorgelegt.
Dieser Entwurf
spiegelt
die
von
Präsident
Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow im vergangenen Oktober in
Reykjavik erzielten Bereiche grundsätzlicher Übereinstimmung wider und
sieht eine Reduzierung der strategischen Offensivwaffen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion um
ca. 50 Prozent vor.

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Der amerikanische Vertragsentwurf
liefert eine solide Grundlage für die
Schaffung eines fairen und dauerhaften START-Abkommens.
Er sieht unter
anderem vor:
- Amerikanische und sowjetische Reduzierungen auf ein Maximum von
1 600 stationierten ballistischen
Raketen und schweren Bombern mit
höchstens
6 000
Gefechtsköpfen
innerhalb einer Frist von sieben
Jahren
nach
Inkrafttreten
des
Vertrages.

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�- Untergrenzen
für
Gefechtsköpfe
auf schnell fliegenden ballistischen Raketen, insbesondere derjenigen
auf
ICBMs,
denjenigen
Nuklearsystemen mit der destabilisierendsten und gefährlichsten
Wirkung.
- Eine 50prozentige Reduzierung des
heutigen Wurfgewichts der sowjetischen ballistischen Raketen auf
eine für beide Parteien gültige
Höchstgrenze.
- Ein Verbot mobiler ICBMs, das auf
von diesen hervorgerufenen Bedenken bezüglich Verifizierung und
Stabilität beruht.
- Eine ausführliche Verifizierungsregelung mit dem ziel, die beiderseitige Einhaltung des Abkommens so umfassend wie möglich sicherzustellen.
Der von den Sowjets am 31. Juli
vorgelegte Vertragsentwurf
bedeutet
eine willkommene Abkehr von der sowjetischen Praxis der Vergangenheit,
sehr allgemein abgefaßte Dokumente zu
präsentieren, die lediglich grundlegende Prinzipien enthielten. in seinem Aufbau ähnelt er dem amerikanischen Entwurf, und er enthält einige gemeinsame Sprachregelungen. Dies
hat die Erstellung eines gemeinsamen
Vertragsentwurfs, der die noch ungelösten Probleme umreißt, erleichtert.
Der sowjetische Entwurf hat jedoch bei den wichtigsten noch zu lösenden Fragen, einschließlich der Untergrenzen für die gefährlichsten Raketensysteme, keinerlei Bewegung signalisiert.
Zusätzlich hat er Reduzierungen bei den strategischen Offensivwaffen
von
Begrenzungen
der
strategischen
Verteidigung
abhängig
gemacht, die über die bereits im ABMVertrag vereinbarten hinausgehen und
- 2

unserer Meinung nach eine Fortführung
sowjetischer Bemühungen zur Lähmung
der amerikanischen Strategischen Verteidigungsinitiative (SDI) bedeuten.
Der Präsident hat eindeutig erklärt, daß er keinerlei Maßnahmen
hinnehmen kann und will, die zur Beseitigung oder Lähmung von SDI führen
würden - eines Forschungs- und Entwicklungsprogramms, das für die Stärkung der Sicherheit der Vereinigten
Staaten und ihrer Verbündeten in der
Zukunft sowie die Sicherung des langfristigen
strategischen
Gleichgewichts großartige Aussichten enthält.
Im
Rahmen
ihres
Washingtoner
Treffens im September haben die Aussenminister Shultz und Schewardnadse
vereinbart, bei den Genfer Verhandlungen die Bemühungen zur Erlangung
eines Abkommens zur 50prozentigen Reduzierung der strategischen Offensivwaffen zu intensivieren. Während des
Ministertreffens - und seither bei
den Genfer Verhandlungen - wurden
Fortschritte bei noch ungelösten Fragen erzielt.
Zum Beispiel schlugen
die Sowjets eine Begrenzung auf 1 540
Gefechtsköpfe auf schweren ICBMs vor,
obwohl dieser Ansatz die Entwicklungen neuer, noch bedrohlicher, schwerer
ICBMs keinerlei
Beschränkungen
unterwirft.
Während ihrer Treffen im Oktober
(22. bis 23. Oktober in Moskau und
30. Oktober in Washington) hielten
die
Außenminister
Shultz
und
Schewardnadse intensive Gespräche zu
START ab. Die Sowjets schlugen folgende neue Untergrenzen vor:
3 000
bis 3 300 Gefechtsköpfe auf Interkontinentalraketen
(ICBMs), 1 800 bis
2 000 Gefechtsköpfe auf seegestützten
ballistischen Raketen (SLBMs) sowie
800 bis 900 Gefechtsköpfe auf luftgestützten
Marschflugkörpern
(ALCMs).
Dieser Vorschlag
stellt nicht die

�notwendige Freiheit für eine Mischung
bereit, die die
stabilisierenderen
Systeme begünstigen würde, und er
würde von den Vereinigten Staaten
verlangen, ihre SLBMs und ALCMs um
über 50 Prozent zu verringern und
gleichzeitig
bei den ICBMs aufzurüsten.
Wenn jedoch die im sowjetischen Vorschlag enthaltenen Zahlen
auf die Struktur hindeuten sollen,
die die Sowjets für ihre eigenen
Streitkräfte wünschen, dann sollten
die Sowjets in der Lage sein, die von
den Vereinigten Staaten vorgeschlagenen Untergrenzen zu akzeptieren.

te, wenn die Sowjets nun dazu bereit
sind, sich diesem Ziel mit dem gleichen Ernst zu widmen wie die Vereinigten Staaten und wenn sie ihr Beharren auf Maßnahmen aufgeben, die
SDI lähmen würden.

Beim Washingtoner Treffen verabredeten beide Seiten, daß Generalsekretär Gorbatschow
im Dezember die
Vereinigten Staaten besuchen wolle,
um ein INF-Abkommen zu unterzeichnen
und daß Präsident Reagan in der ersten Hälfte des Jahres 1988 die Sowjetunion besuchen werde, unter anderem mit der Absicht, ein START-Abkommen zu unterzeichnen.
Beide Seiten
vereinbarten, intensiv auf solch einen
Vertrag
hinzuarbeiten.
START
wird in den Gesprächen mit Generalsekretär Gorbatschow bei dessen Besuch im Dezember einen hohen Stellenwert einnehmen.
Trotzdem
bleiben wichtige Meinungsverschiedenheiten bestehen, einschließlich der Untergrenzen bei bestimmten Arten von Gefechtsköpfen auf
ballistischen Raketen, einer vertraglich
festgelegten
Begrenzung
des
Wurfgewichts und dem Verbot mobiler
ICBMs.
Ein weiterer Streitpunkt ist
das sowjetische Beharren auf einem
Junktim zwischen den START-Reduzierungen
und weiteren
Beschränkungen
der Verteidigung gegen ballistische
Raketen.
Die Vereinigten Staaten sind der
Ansicht, daß ein START-Vertrag nächstes Jahr fertiggestellt werden könn- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

4

Wissenschaft und Technik

2. Dezember 1987

42

ANTARKTISCHES "OZONLOCH" HAT WELTWEITE AUSWIRKUNGEN
- Schutzabkommen von Montreal nur ein erster Schritte -

WASHINGTON - (AD) - Die Meßergebnisse für die Ozonkonzentration in der
Stratosphäre über der Antarktis zwischen August und Oktober 1987 waren alarmierend.
Dr. Peter Wilkniss, der Direktor für die Polarforschungsprogramme
der Nationalen Wissenschaftsstiftung (NSF) der Vereinigten Staaten, erklärte
bei Anhörungen vor einem Unterausschuß des amerikanischen Senats, er fürchte
um die Gesundheit und Sicherheit seiner Mitarbeiter in dieser Region.

Die durchschnittliche Dichte der
Ozonschicht
in
den
antarktischen
Luftmassen betrug kaum mehr die Hälfte des Normalwertes, der in Höhen
zwischen 12 und ca. 35 km zu erwarten
wäre.
In diesem Bereich der Atmosphäre
sammeln
sich
Ozonmoleküle
(dreiatomiger
Sauerstoff), die für
den Schutz von Menschen, Tieren und
Pflanzen auf der Erde - einschließlich des Planktons im Meer - gegen
gefährliche
ultraviolette
Strahlen
von der Sonne eine wichtige Rolle
spielen.
Wird die stratosphärische
Ozonschicht zu dünn, dringt zu viel
UV-Licht bis zur Erdoberfläche durch.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Mehr Fälle von Hautkrebs, grauem Star
und Schädigung des Immunsystems beim
Menschen sind nur einige der Folgen.
Die Entdeckung des in der antarktischen Frühlingszeit besonders auffälligen "Ozonlochs" durch britische
Forscher im Jahr 1979, die 1985 in
einer wissenschaftlichen Zeitschrift
darüber
berichteten, wurde anfangs
mit
zweifeln
begegnet.
Aber
die
Nachprüfung von Meßdaten aller Art,
auch solcher von Instrumenten in Forschungssatelliten,
bestätigte,
daß
diese Entwicklung
sogar schon gut

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�zehn Jahre lang erfaßt, aber zunächst
als Meßfehler mißdeutet und in ihrer
Bedeutung nicht erkannt worden war.
Amerikanische Forschergruppen befassen sich seit 1985 mit dem Ozonschwund über dem Südkontinent.
in
diesem Jahr wurde diesem Problem von
weltweiter Bedeutung besonders intensiv
nachgegangen.
Meßstationen am
Boden, Wetterballons, Daten aus Satelliten
und
"fliegende
Laboratorien", zu denen ein Flugzeug vom Typ
DC-8 und ein Höhenforschungsflugzeug
vom Typ ER-2 umgebaut wurden, dienten
wissenschaftlichen Beobachtungen speziell im Hinblick auf den Ozonabbau.
Nicht nur Forschergruppen amerikanischer Universitäten und anderer
Institute, sondern auch Laboratorien
in Chile, Argentinien, Frankreich,
Großbritannien und Neuseeland beteiligten sich an den Studien, die die
US-Behörde
für Luft- und Raumfahrt
(NASA)
koordinierte.
Vom
chilenischen Punta Arenas, der südlichsten
Stadt der Erde aus, flogen die beiden
Flugzeuge
insgesamt
25
Einsätze.
Dreizehn entfielen auf die DC-8 mit
jeweils etwa 40 Wissenschaftlern an
Bord. Mit der ER-2 dagegen war der
Pilot allein unterwegs.
Es wurden
Höhen bis 22 000 Meter erreicht. Im
Vergleich dazu wurde die DC-8 relativ
niedrig geflogen.
Nur gelegentlich
stieg sie bis ca. 15 000 Meter. Sie
sondierte die Atmosphäre über der
Antarktis in allen Himmelsrichtungen
bis zum Südpol - in einem Bereich,
der wegen der gefährlichen Winde von
militärischen und kommerziellen Flugzeugen stets gemieden wird.
Die oft riskanten Einsätze der
ER-2 brachten die wichtige Erkenntnis, daß sich im Gegensatz zu anderen
Gebieten der Erde, wo die Luft in so
großer Höhe klar ist, über der Antarktis in extremer Kälte Wolken aus

feinsten Eispartikeln bis weit in die
Stratosphäre hinauf halten.
Selbst
in 22 000 Meter Höhe gibt es keine
freie Sicht.
Erst seit kurzem weiß
man, daß die Eispartikel wegen ihrer
Oberflächen geeignet sind, chemische
Reaktionen, die u.a. Ozon zerstören,
um ein vielfaches zu beschleunigen.
Das mag einer der Gründe sein, weshalb in Verbindung mit weltweiten meteorologischen Vorgängen die stratosphärische Ozonkonzentration über der
Antarktis im Winter und am Frühlingsanfang so drastisch zurückgeht.
Zu den Hauptfeinden des Ozons in
der Stratosphäre zählen die Chlorfluorkohlenwasserstoffe (FCKW).
Nach
ihrer Freisetzung - etwa als Treibgas, aus Kühlmitteln oder aus Schaummaterial - bewegen sie sich zunächst
völlig reaktionsträge und somit unbehelligt durch die Troposphäre langsam
aufwärts.
Erst unter den besonderen
Bedingungen der Stratosphäre beginnen
sie mit anderen Gasen, Molekülen und
freien Atomen zu reagieren.
Allmählich gelingt es der Forschung, die komplizierten Reaktionen
im Zusammenhang mit dem Abbau des
Ozons in der Stratosphäre zu entschlüsseln.
Nach Ansicht von Prof.
Michael McElroy, der die Abteilung
für Geo- und Planetenforschung an der
Harvard-Universität
(Cambridge,
Massachusetts) leitet, versteht man
heute die Vorgänge unter den besonders extremen Bedingungen
für die
Ozonschicht über der Antarktis zu etwa 80 Prozent. "Es gibt keinen Zweifel mehr, daß chlorhaltige Industriegase für eine dramatische großräumige
Veränderung in der Stratosphäre verantwortlich sind", sagte er.
Aber
man könne nicht einfach darüber hinweggehen, wenn die Ozonschicht etwa
zwei Monate lang über fast zehn Prozent einer Hemisphäre stark verdünnt
bleibe. Und es gebe keinen Grund für

- 2 -

*

&lt;

,

?

�die Annahme, daß diese Ozonverluste
in absehbarer Zeit wettgemacht würden.
Dr. Wilkniss berichtete, daß die
Wissenschaftler in der Antarktis atmosphärische
Konzentrationen
von
Chlormonoxyd (einer aus CFKW-Verbindungen abgespaltenen Substanz) gefunden hätten, die etwa das Hundertfache
der Konzentrationen betragen, die in
der übrigen Welt gemessen werden.
(Dies ist ein wichtiger Hinweis auf
spezielle atmosphärische Bedingungen
für chemische Reaktionen in dieser
Region.) Besonders starken Ozonabbau
beobachtete man in ca. 15 000 Meter
Höhe, wo nur noch drei Prozent der
als normal angesehenen Werte zu ermitteln waren. im Durchschnitt habe,
so Dr. Robert Watson (Leitender Wissenschaftler für das Ozonprojekt der
NASA), im September 1987 die Ozonkonzentration
in
stratosphärischen
Schichten über der Antarktis nicht
einmal mehr 50 Prozent der vor etwa
zehn Jahren geltenden "Normalwerte"
betragen.
im Jahr 1985 wurde nach
Winterende ein Rückgang um 4 0 Prozent, im Jahr 1986 um 35 Prozent verzeichnet. Daß ungewöhnliche Vorgänge
im Spiel
sein müssen, sieht Dr.
Watson beispielsweise in dem Rückgang
der Ozondichte um zehn Prozent über
einem drei Millionen Quadratkilometer
großen Gebiet an einem einzigen Tag.
Chemische Substanzen allein könnten
dies niemals bewirken, meinte er.
Die Auswertung der Daten dürfte
mindestens noch ein halbes Jahr in
Anspruch nehmen.
Dann werden erste
wissenschaftliche Berichte in Fachzeitschriften erscheinen.
Die Forscher sind sich darüber einig, daß es
falsch wäre, anzunehmen, die über der
Antarktis beobachteten chemischen Reaktionen könnten sich andernorts, etwa in der Atmosphäre über den gemässigten Zonen, nicht ereignen. Dr. F.
Sherwood Rowland (Universität Kali-

fornien), der 1974 zusammen mit Dr.
Mario J. Molina zum ersten Mal vor
den Halogenverbindungen gewarnt hatte, verwies u.a. auf Beobachtungen in
Europa und den Vereinigten Staaten:
In der Schweiz, wo im Raum von Arosa
seit 1931 Ozonmessungen durchgeführt
werden, zeigte sich, daß jedes Jahr
im März die Werte um etwa neun Prozent unter dem Durchschnitt liegen.
Und von Meßstationen in Norddakota
und Maine im Norden der USA werden
jeden Winter bemerkenswerte Ozonverluste registriert.
Das im September 1987 von 46 Nationen in Montreal (Kanada^ unterzeichnete Protokoll der Vereinten Nationen über die Kontrolle von Chlorfluorkohlenwasserstoffen
bezeichnet
Rowland als einen wichtigen ersten
Schritt, der aber vor dem Jahr 2000
relativ geringe Auswirkungen auf die
Chlormengen in der Atmosphäre haben
werde.
Das Protokoll sieht vor, daß
die meisten Signatarstaaten, insbesondere
die
Industrieländer,
die
CFKW-Produktion
bzw. den Verbrauch
bis 1990 auf dem jetzigen Stand einfrieren und im nächsten Jahrzehnt um
50 Prozent verringern.
Dagegen wird
Entwicklungsländern
eine
Weiterführung des Verbrauchs für ein Jahrzehnt
zugestanden, damit sie Lücken in bestimmten Technologien, z.B. in der
Kühltechnik, schließen können. Wegen
der langen Lebensdauer der CFKW-Verbindungen in der Atmosphäre, für die
bis zu 110 Jahre angesetzt werden,
müßten
jedoch Rowland
zufolge die
Emissionen vollständig aufhören, um
den gegenwärtigen Stand der Chlorkonzentrationen in etwa zu halten.

Zusammenarbeit mit der Sowjetunion
Im Rahmen der am 2. November 1987
bekanntgegebenen
Zusammenarbeit
der
Vereinigten Staaten mit der Sowjet-

- 3 -

�union in der Klimaforschung über 30
gemeinsame Projekte spielen auch der
Abbau
des
stratosphärischen
Ozons
über der Antarktis und die amerikanischen
Satellitenbeobachtungen
zur
weltweiten Überwachung der Ozondichte
eine wichtige Rolle. Die Ozonmessungen über der Antarktis werden koordiniert, ermittelte Daten ausgetauscht;
für ein- und zweidimensionale Modelle
für Ozon und andere Spurengase sowie
Messungen der CFKW-Aufnahme wurde Zusammenarbeit
vereinbart.
Außerdem
ist ein gemeinsames Experiment auf
der &gt; Heiss-Insel
(Franz-Josef-Land)
zum Studium der Beziehungen zwischen
stratosphärischen
Aerosolen in der
Arktis und
ihrer Auswirkungen auf
Ozon in der Stratosphäre vorgesehen.

* * * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Regionale Konflikte beim Gipfel im Brennpunkt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsident Reagans wöchentliche Rundfunkansprache&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Bedeutung von SDI&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ein Überblick&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Reduzierung der strategischen Waffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht der amerikanischen Regierung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Antarktisches "Ozonloch" hat weltweite Auswirkungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Schutzabkommen von Montreal nur &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;ein erster Schritt&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
Sonderdienst

3. Dezember 1987

CHRONOLOGIE DER ENTWICKLUNG IM BEREICH DER MITTELSTRECKENWAFFEN (INF)
- 1977 bis 1987 -

United States Information Service
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�Anfang 1977

28. Oktober 1977

Die Sowjetunion beginnt mit der
Stationierung von Mittelstreckenraketen des Typs ss-20 im europäischen
Teil der UdSSR.

In einer Rede vor dem internationalen Institut für Strategische Studien in London lenkt Bundeskanzler
Helmut Schmidt die Aufmerksamkeit der
NATO auf die Bedrohung durch die sowjetischen SS-20.

Die SS-20 ist eine moderne mobile
ballistische Rakete mit drei unabhängig
steuerbaren Gefechtsköpfen und
einer Reichweite, die von Stützpunkten tief in der UdSSR ganz Westeuropa
erfaßt.

Er verweist darauf, Parität bei
den strategischen Atomwaffen zwischen
den Vereinigten Staaten und der UdSSR
bedeute "die Vergrößerung der Bedeutung
des Ungleichgewichts
zwischen
Ost und West bei taktischen und kon-

�ventionellen Waffen". Die Stationierung der SS-20 verstärke dieses Ungleichgewicht zwischen NATO und Warschauer Pakt.

zende
Unterstützungsprogramme
Streitkräftemodernisierung
und
stungskontrolle.

von
Rü-

6. Oktober 1979
Ende 1977
Die Nukleare Planungsgruppe (NPG)
der NATO beschließt die Bildung der
Hochrangigen Beratergruppe (HLG), deren Aufgabe in der Untersuchung der
langfristigen Erfordernisse zur Nachrüstung des Bündnisses im INF-Bereich
im Einklang mit seiner Doktrin der
flexiblen Reaktion besteht.
Es wird zwischen zwei Kategorien
von INF unterschieden: solche längerer Reichweite
(LRINF) und solche
kürzerer Reichweite (SRINF).

Generalsekretär Breschnew schlägt
das Einfrieren der Zahl stationierter
sowjetischer SS-20-Raketen vor, falls
die NATO keine gleichgearteten Systeme
stationiert,
weil
"jetzt
ein
Gleichgewicht besteht".
Zu diesem Zeitpunkt sind 130 SS20-Raketen
mit
390
Gefechtsköpfen
stationiert.
Keinerlei amerikanische
ten sind stationiert.

INF-Rake-

12. Dezember 1979
Frühjahr 1979
Die NATO ruft einen Sonderausschuß für Rüstungskontrolle und damit
zusammenhängende Angelegenheiten (SG)
ins Leben, um die Leitlinien zukünftiger
Rüstungskontrollbemühungen
in
bezug auf INF zu formulieren.
(Der
SG wurde nach dem NATO-Doppelbeschluß
von Dezember 1979 in Besondere Beratungsgruppe [SCG] umbenannt).

Sommer 1979
Die Arbeit von HLG und SG wird in
der integrierten Entscheidungsvorlage
zusammengefaßt, in der die Grundziele
der INF-Politik des Bündnisses als
"Abschreckung und Stabilität auf der
Grundlage einer Triade von Streitkräften, die Koppelung dieser Streitkräfte und das wichtige politische
Prinzip der strategischen Einheit des
Bündnisses" definiert werden.
Das Dokument

fordert

sich ergän-

Die NATO verabschiedet einstimmig
eine "zweigleisige" Strategie, um der
Stationierung von SS-20-Raketen durch
die Sowjets entgegenzutreten.
Zum
einen
werden
Rüstungskontrollverhandlungen mit der UdSSR angestrebt, um das Gleichgewicht
im
INF-Bereich
auf
dem
niedrigstmöglichen Niveau wiederherzustellen.
In Ermangelung
eines Rüstungskontrollabkommens wird die NATO andererseits mit der im Dezember 1983 beginnenden Stationierung von 464 amerikanischen
landgestützten
Marschflugkörpern (GLCM) und 108 ballistischen Pershing II-Raketen eine INFNachrüstung in Westeuropa durchführen.

Anfang 1980
Die Vereinigten Staaten
bieten
Verhandlungen über INF an, die von
den Sowjets abgelehnt werden.

�Juli 1980

18. November 1981

Während des Besuchs von Bundeskanzler Schmidt in Moskau verkünden
die Sowjets ihre prinzipielle Einwilligung, an INF-Verhandlungen mit den
Vereinigten Staaten teilzunehmen.

In einer Grundsatzrede, in der er
einen Rahmen für Verhandlungen über
Reduzierungen in allen Waffenkategorien
fordert,
schlägt
Präsident
Reagan
die
"Null-Lösung"
vor
und
stimmt der Aufhebung der geplanten
Stationierung amerikanischer INF-Raketen zu, falls sich die Sowjetunion
bereiterklärt, alle ihre SS-4, SS-5
und SS-20-Raketen zu beseitigen.

Oktober 1980
Die Sowjetunion
behauptet, bei
den INF-Raketen "besteht jetzt ein
Gleichgewicht.
Annähernd 200 sowjetische
SS-20-Raketen
mit
600 Gefechtsköpfen sind zu diesem Zeitpunkt
stationiert.
Keine
amerikanischen
INF-Raketen sind stationiert.

Oktober - November 1980
In Vorgesprächen wird keine Einigung über den Schwerpunkt der INFVerhandlungen zwischen amerikanischen
und
sowjetischen Unterhändlern erzielt.

30. November 1981
In Genf werden formelle Verhandlungen über
INF aufgenommen.
Die
Vereinigten Staaten streben die weltweite
Beseitigung
aller
amerikanischen und sowjetischen LRINF-Raketen sowie damit einhergehenden Beschränkungen für SRINF-Raketen an.

11. Dezember 1981
Die Vereinigton Staaten legen den
Sowjets in Genf formell den Vorschlag
einer "Null-Lösung" vor.

Januar 1981
Die
Reagan-Administration
übernimmt
die
Regierungsgeschäfte
und
leitet eine Überprüfung der amerikanischen Rüstungskontrollpolitik ein.

Frühjahr 1981
Bei einem Treffen des Nordatlantikrats
der
NATO
bekräftigen
die
Außenminister den Doppelbeschluß von
1979.
In Vorbereitung auf Verhandlungen, die zu einem späteren Zeitpunkt dieses Jahres stattfinden sollen, werden die Konsultationen der
Verbündeten fortgeführt.

- 3-

Dezember 1981
Die Sowjets schlagen eine Übereinkunft vor, mit der für jede Seite
eine Obergenze von 300 "Mittelstrekken"-Raketen und nuklearfähigen Flugzeugen in Europa festgelegt würde.
Dabei sollen die unabhängigen britischen
und
französischen Nuklearstreitkräfte auf amerikanischer Seite
verbucht werden.

März 1982
Die Sowjets verkünden ein "Moratorium" für die Stationierung ihrer
-SS-20-Raketen
in
der
europäischen

�UdSSR.
im Zuge der Fertigstellung
ihrer im Bau befindlichen Raketenstiitzpunkte im europäischen Teil der
UdSSR werden weitere Raketen stationiert.
Außerdem wird mit dem Bau
neuer Stützpunkte im asiatischen Teil
der UdSSR begonnen; mit den dort stationierten Raketen können NATO-Ziele
erreicht werden.

Juni 1982
Amerikanische und sowjetische Unterhändler entwickeln ein informelles
Paket von Elementen, die in ein mögliches INF-Abkommen einbezogen werden
sollten, das unter dem Namen "Waldspaziergang" bekannt wird.
Dieser Plan würde:
1.

Eine gleiche Anzahl von
schußvorrichtungen
in
festsetzen.

2.

Die Stationierung amerikanischer
Pershing H-Raketen ausschließen.

3.

INF-AbEuropa

Die zahl der im asiatischen Teil
der UdSSR stationierten SS-20-Raketen einfrieren.

Dieses Paket wird
abgelehnt.

später

von

Moskau

Keine amerikanischen
sind stationiert.

INF-Raketen

Dezember 1982
Die UdSSR schlägt öffentlich eine
Untergrenze für INF-Raketen in Europa
vor, die ausdrücklich mit dem Niveau
britischer und französischer Raketen
verbunden sein und dazu dienen soll,
die Stationierung amerikanischer INFRaketen in Europa zu verhindern.
Die
sowjetische
Forderung
nach
Einbeziehung der unabhängigen nuklearen Abschreckungsstreitkräfte
Großbritanniens und Frankreichs würde der
UdSSR
ein
rechtlich
sanktioniertes
"Recht"
auf
nukleare
Streitkräfte
einräumen, die denjenigen aller anderen
Nuklearmächte
zusammengenommen
entsprechen.
Dies käme einer sowjetischen Forderung nach weltweiter militärischer Überlegenheit und politischer Hegemonie gleich.
Die UdSSR leitet außerdem eine
Propagandakampagne ein, die sich auf
ein angebliches "Moratorium" bei der
Stationierung ihrer SS-20-Raketen im
europäischen
Teil
der
Sowjetunion
konzentriert.
Der sowjetische Vorschlag würde die unbegrenzte Stationierung von SS-20 im asiatischen Teil
der UdSSR gestatten.

August 1982
31. Januar 1983
Der sowjetische Verteidigungsminister Dimitri Ustinow erklärt: "Heute besteht weiterhin ... ein annäherndes
Gleichgewicht
der
Streitkräfte."
über 300 sowjetische SS-20 mit
über 900 Gefechtsköpfe sind bis zu
diesem Zeitpunkt stationiert.

&gt;

Während eines Besuchs in Berlin
verliest Vizepräsident George Bush
einen
"offenen
Brief"
Präsident
Reagans an die Europäer, in dem dieser ein Treffen mit dem sowjetischen
Generalsekretär Juri Andropow und die
Unterzeichnung eines Abkommens vorschlägt, das alle landgestützten amerikanischen und sowjetischen INF-Raketen vom Erdball verbannt.

*

�Februar 1983
Die Vereinigten Staaten wiederholen die im November 1981 nach Konsultationen mit den Verbündeten und mit
deren Zustimmung für die Erlangung
eines Abkommens mit den Sowjets in
den
INF-Verhandlungen
beschlossenen
Kriterien:
1.

Gleiche Rechte und
für die Vereinigten
die UdSSR.

Begrenzungen
Staaten und

2.

Ausschluß unabhängiger nuklearer
Abschreckungsstreitkräfte
von
Drittstaaten,
d.h.
Großbritanniens und Frankreichs, von jeglichem Abkommen.

3.

Verabredete
Begrenzungen
müssen
weltweit angewandt werden; keine
Verlagerung sowjetischer INF-Raketen längerer Reichweite von der
europäischen UdSSR in deren asiatischen Teil.

4.

Keine Schwächung des konventionellen
Abschreckungspotentials
der NATO.

5.

Wirksame Verifizierungsmaßnahmen.

29. März 1983
Die Vereinigten Staaten präsentieren bei den INF-Gesprächen in Genf
einen formellen Vorschlag für ein
Zwischenabkommen.

Gefechtsköpfe auf INF-Abschußvorrichtungen festsetzen würde, und zwar eine möglichst niedrige Anzahl, wobei
Null weiterhin das Endziel sein soll.

April 1983
Der
sowjetische
Außenminister
Andrej Gromyko nennt die "Zwischenlösung" der Vereinigten Staaten unannehmbar.
Er bekräftigt die sowjetische Position, derzufolge keinerlei
amerikanische Stationierungen stattfinden dürfen und die sowjetischen
Stationierungen
an
die
zahl
britischer
und
französischer
strategischer Systeme gekoppelt sein müssen.

3. Mai 1983
Generalsekretär
Andropow
deutet
die Bereitschaft an, INF-Gefechtsköpfe wie auch Raketen bei den INF-Gesprächen zu zählen.
Er wiederholt,
daß die Zahl sowjetischer SS-20-Raketen im europäischen Teil der UdSSR an
die von den Sowjets
festgestellte
Zahl der britischen und französischen
strategischen Systeme gekoppelt würde.
Er weigert sich, die im asiatischen Teil der UdSSR stationierten
Systeme zu berücksichtigen, wohin aus
der europäischen UdSSR abgezogene sowjetische
Raketen
verlegt
werden
könnten, die dann die Freunde und
Verbündeten der Amerikaner in Asien
und Europa bedrohen würden und potentiell
schnell
in die
europäische
UdSSR zurückverlegt werden könnten.

30. März 1983
19. Mai 1983
Präsident
Reagan verkündet öffentlich, die Vereinigten Staaten und
ihre Verbündeten seien bereit, ein
"zwischenabkommen"
über
INF-Raketen
anzunehmen, das weltweit gleiche Niveaus amerikanischer und sowjetischer

Die Vereinigten Staaten legen einen Vertragsentwurf auf den Verhandlungstisch, der den Vorschlag eines
Zwischenabkommens vom 29. März enthält.

- 5 -

�August 1983

Oktober 1983

Generalsekretär Andropow schlägt
die Reduzierung von INF-Raketen und
Abschußvorrichtungen auf das von den
Sowjets definierte Niveau der britischen und französischen Kräfte vor,
falls die Vereinigten Staaten auf die
Stationierung ihrer Pershing II und
Marschflugkörper verzichten.

Generalsekretär Andropow schlägt
eine modifizierte Fassung seines Vorschlags vom Dezember 1982 vor, indem
er verkündet, daß die "UdSSR bereit
ist, die Zahl ihrer SS-20 im europäischen Teil der UdSSR auf 40 mit 120
Gefechtsköpfen zu reduzieren, um die
von den Sowjets festgestellte zahl
britischer
und
französischer
Gefechtsköpfe wettzumachen".

22. September 1983
Bei den Genfer Verhandlungen bieten die Vereinigten Staaten drei neue
Elemente ihres vorgeschlagenen Zwischenabkommens an:
1.

2.

3.

Die Vereinigten
Staaten würden
den Gedanken ernsthaft erwägen,
nicht die Gesamtzahl aller von
den Sowjets weltweit stationierten
INF-Systeme durch amerikanische Stationierungen in Europa
wettzumachen.
Die
Vereinigten
Staaten würden sich jedoch das
Recht
vorbehalten,
andernorts
Stationierungen
vorzunehmen, um
eine gleiche weltweite Obergrenze
zu erzielen.
Die Vereinigten Staaten sind bereit,
ihre
Reduzierungen
von
Pershing II und GLCMs in angemessener Weise zu verteilen.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, Vorschläge zur Einbeziehung
landgestützter Flugzeuge in Erwägung zu ziehen.

26. September 1983
Präsident Reagan bekräftigt die
drei neuen Elemente des vorgeschlagenen Zwischenabkommens in einer Rede
vor der Vollversammlung der Vereinten
Nationen.
- 6

Generalsekretär
Andropow
bietet
das Einfrieren der im asiatischen
Teil der UdSSR stationierten SS-20
an, nachdem ein INF-Abkommen zur Begrenzung der in Europa stationierten
Systeme durchgeführt ist - solange
die vereinigten Staaten keine ähnlichen Systeme in dieser Region stationieren. Andropow verkündet außerdem "zusätzliche Flexibilität" in der
Frage der zählweise von atomwaffentragenden Flugzeugen mittlerer Reichweite, gibt aber keine Einzelheiten
an.

*

Andropow verkündet, daß der Beginn der Stationierung amerikanischer
INF-Raketen
"es
unmöglich
machen
wird,
die
INF-Gespräche
weiterzuführen".
Das sowjetische Verteidigungsministerium erklärt, die UdSSR bereite
sich darauf vor, als Teil "geplanter
Gegenmaßnahmen" gegen die Stationierung amerikanischer Raketen "operativ-taktische" Raketen in der Deutsehen Demokratischen Republik und der
Tschechoslowakei zu dislozieren.
Die Vereinigten Staaten erklären,
der Andropow-Vorschlag enthalte Mängel, weil er weiterhin darauf bestehe, daß die UdSSR für britische und
französische strategische Streitkräfte durch die Stationierung ihrer eigenen INF-Systeme kompensiert werden

(

�müsse und daß es keinerlei amerikanische Stationierungen geben dürfe.
Der
sowjetische
Vorschlag,
im
asiatischen Teil der UdSSR stationierte
INF-Raketen
einzufrieren,
scheint der Sichtweise der Vereinigten Staaten Rechnung zu tragen, dergemäß die INF-Raketen weltweit in Betracht gezogen werden müssen.
Die
Vereinigten Staaten bitten um Einzelheiten für den sowjetischen Vorschlag
zu den Flugzeugen.

•

Die Vereinigten Staaten stellen
fest, daß die sowjetische Drohung einer
Beendigung
der
Verhandlungen,
falls die Vereinigten Staaten Raketen
in Europa stationieren, ungerechtfertigt ist, da die Vereinigten Staaten
zwei Jahre
lang verhandelt haben,
während die Zahl der sowjetischen
SS-20 drastisch anstieg.

420 Gefechtsköpfen
zustimmen.

auf

INF-Raketen

23. November 1983
Die Anlieferung der ersten Komponenten amerikanischer landgestützter Marschflugkörper läuft in Großbritannien
und
der
Bundesrepublik
Deutschland an.
Damit beginnt die
Durchführung
der
INF-Stationierung
gemäß dem zweiten Teil des NATO-Doppelbeschlusses von 1979.
Die sowjetische Delegation bricht
die Genfer Verhandlungen ab.
Die Vereinigten
Staaten
bieten
die Wiederaufnahme der Gespräche an,
wann immer die Sowjets zur Rückkehr
bereit sind.

30. November 1983
27. Oktober 1983
Im kanadischen Montebello verständigen sich die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten darauf, die
nuklearen Fähigkeiten der NATO auf
dem niedrigstmöglichen Niveau zu erhalten, das mit Sicherheit und Abschreckung vereinbar ist. Dazu würde
der Abzug von 1 400 amerikanischen
nuklearen Gefechtsköpfen aus Europa
innerhalb von mehreren Jahren gehören.
Dies zusätzlich zu den 1 000
Gefechtsköpfen, die nach dem Doppelbeschluß der NATO vom Dezember 1979
abgezogen wurden.

15. November 1983
Obwohl
die Vereinigten
Staaten
weiterhin der "Null-Lösung" den Vorzug geben, schlagen die Vereinigten
Staaten vor, daß beide Seiten einer
gleichen
weltweiten Obergrenze von

360 sowjetische
Gefechtsköpfen sind
punkt stationiert.

SS-20 mit
zu diesem

1 080
Zeit-

November 1983
Die
formellen
INF-Verhandlungen
werden
in Abwesenheit
der
sowjetischen Delegation vertagt.

24. November 1984
Am Tag des amerikanischen Erntedankfestes kündigt Präsident Reagan
an, daß sich die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion auf erneute Verhandlungen verständigt haben, bekannt
als Gespräche über Kern- und Weltraumwaffen (NST), die sich mit offensiven Atomwaffen sowie Fragen der
Weltraumverteidigung befassen sollen.

- 7 -

�7 . - 8 . Januar 1985
Außenminister George Shultz und
sein
sowjetischer
Kollege
Andrej
Gromyko treffen sich in Genf, um eine
Tagesordnung für neue umfassende Rüstungskontrollverhandlungen festzulegen, die sich auf strategische Atomwaffen (START), INF sowie die Weltraumverteidigung erstrecken.

gleichem Niveau mit den britischen
und französischen Systemen zulassen
würden.
Generalsekretär Gorbatschow verkündet außerdem ein einseitiges sowjetisches Moratorium für die Stationierung von INF-Raketen in der UdSSR.
Trotzdem geht die Stationierung von
Raketen in bereits im Bau befindlichen Stützpunkten weiter.

12. März 1985
Mai - Juli 1985
Die Vereinigten Staaten und die
UdSSR nehmen in Genf die NST-Gespräche auf.
Die Vereinigten Staaten
streben die Beseitigung oder Reduzierung der INF auf die niedrigstmögliche zahl mit gleichen weltweit gültigen Begrenzungen an.

März - April 1985

Die Vereinigten Staaten bemühen
sich weiterhin, die Sowjetunion fest
und konstruktiv in die Verantwortung
zu nehmen und weisen auf ihre Flexibilität im Hinblick auf jeglichges
Ergebnis hin, durch das gleiche weltweite INF-Begrenzungen für die Vereinigten Staaten und die UdSSR erzielt werden.

Zu Beginn der neuen INF-Verhandlungen bekräftigen die Vereinigten
Staaten ihre Haltung und ihre Vertragsentwürfe von 1982 zur weltweiten
Beseitigung der INF-Raketen und von
1983 für ein Zwischenabkommen über
gleiche
INF-Begrenzungen
auf niedrigstmöglichem Niveau.

Die UdSSR beharrt auf einer Beendigung
der
Stationierung
und
dem
Rückzug bereits stationierter amerikanischer INF sowie der Forderung,
daß INF-Begrenzungen für sowjetische
Systeme die britischen und französischen Streitkräfte berücksichtigen.

In den neuen NST-Gesprächen hält
die UdSSR ihre Position von 1983 aufrecht, indem sie die amerikanische
Stationierung von INF ablehnt und auf
einem Junktim
zwischen den sowjetischen SS-20 und den britischen und
französischen strategischen Systemen
besteht.

3. Oktober 1985

Die sowjetische Delegation legt
einen Vorschlag für ein bilaterales
Moratorium der Stationierung von INF
sowie einen Vorschlag für nachfolgende "Reduzierungen" vor, die zu Null
amerikanischen
INF
führen
würden,
aber
sowjetische
INF-Raketen
auf

Während eines Besuchs in Paris
verkündet Generalsekretär Gorbatschow
Bestandteile eines Gegenvorschlags zu
dem im März 1985 bei NST unterbreiteten
amerikanischen
Vorschlag.
Er
fordert ein Einfrieren der stationierten
amerikanischen
und
sowjetischen INF, gefolgt von "den einschneidendsten"
Reduzierungen
und
kündigt
an, daß
die
sowjetischen
SS-4-Raketen
beseitigt
und
einige
SS-20-Raketen
gefechtsuntüchtig
gemacht werden.

- 8 -

»

'

�31. Oktober 1985
Präsident Reagan verkündet, daß
die Vereinigten Staaten bei den Genfer Gesprächen einen neuen Rüstungskontrollvorschlag
vorlegen
werden.
Dieser Vorschlag schließt INF ein und
baut auf "positiven Elementen" des
sowjetischen Gegenvorschlags von 3.
Oktober 1985 auf, insbesondere der
Möglichkeit eines separaten INF-Abkommens unabhängig von strategischen
Fragen oder Problemen der Weltraumverteidigung.

1. November 1985
Die Antwort der Vereinigten Staaten auf den sowjetischen Gegenvorschlag enthält die folgenden Punkte
zu INF:
1.

2.

obwohl sie der vollständigen Beseitigung der amerikanischen und
sowjetischen INF den Vorzug geben,
schlagen
die
Vereinigten
Staaten - als zwischenschritt die Begrenzung der Stationierung
von
amerikanischen
INF-Abschußvorrichtungen in Europa auf 140
Pershing
II
und
landgestützte
Marschflugkörper
(GLCMs)
vor.
(Jedes GLCM hat vier Raketen.)
Diese zahl soll bis zum 31. Dezember 1985 stationiert werden.
Dieser Vorschlag fordert ferner
Reduzierungen
der
sowjetischen
Anzahl von SS-20-Raketenabschußvorrichtungen in Reichweite der
NATO auf 140. (Jede SS-20-Rakete
besitzt drei Gefechtsköpfe.)
Innerhalb dieser Begrenzung für
Abschußvorrichtungen, könnten die
Vereinigten Staaten und die UdSSR
über eine vereinbarte Zahl von
420 bis 450 Gefechtsköpfen in Europa verfügen.

3.

Um gleiche weltweit gültige Begrenzungen amerikanischer und sowjetischer
INF-Gefechtsköpfe
zu
erreichen, müssen die Sowjets die
SS-20-Abschußvorrichtungen
in
Asien (die außerhalb der Reichweite der NATO in Europa liegen)
im gleichen Verhältnis reduzieren, wie die Anzahl der Abschußvorrichtungen
innerhalb
der
Reichweite der NATO in Europa.

4.

Für SRINF sollten angemessene Beschränkungen
vereinbart
werden,
damit die Sowjets ein Abkommen
über LRINF nicht durch Aufrüstung
mit SRINF umgehen können.

21. November 1985
Auf dem Genfer Gipfeltreffen vereinbaren Präsident Reagan und Generalsekretär
Gorbatschow,
sich
auf
mehrere Probleme der Rüstungskontrolle zu konzentrieren, einschließlich
der
"Idee eines
INF-Zwischenabkommens".

15. Januar 1986
In einem Schreiben an Präsident
Reagan
unterbreitet
Generalsekretär
Gorbatschow
einen
Rüstungskontrollvorschlag, der in Zusammenhang mit
einer vollständigen Beseitigung der
Atomwaffen innerhalb von 15 Jahren
die Forderung beinhaltet, die amerikanischen und sowjetischen LRINF in
Europa in den nächsten 5 bis 8 Jahren
zu beseitigen.
In Gorbatschows Schreiben wird
weiter vorgeschlagen, die britischen
und
französischen
Atomstreitkräfte
nicht gegen die amerikanischen LRINF
in Europa aufzurechnen, sondern sie
auf dem derzeitigen Niveau einzufrieren.
Außerdem soll die Weitergabe

�amerikanischer
Atomwaffensysteme
an
Drittstaaten untersagt werden.
Der
sowjetische Vorschlag
eines Abbaus
der in Europa stationierten SS-20-Raketen spricht weder die östlich des
Urals
stationierten
sowjetischen
LRINF-Raketen an noch beschränkt er
die sowjetischen SRINF.

24. Februar 1986
In
einer
Erklärung
Präsident
Reagans wird verkündet, daß gewisse
Aspekte
des sowjetischen Rüstungskontrollvorschlags von Januar 1986 zu
diesem
Zeitpunkt
nicht
angemessen
sind. Ein Bereich, in dem er hoffe,
"unmittelbare Fortschritte" zu erzielen,
seien
die
INF-Verhandlungen.
Der Präsident stellt fest, daß die
Vereinigten Staaten in Genf schon einen konkreten Plan vorgelegt haben,
der
die Beseitigung
amerikanischer
Pershing II und GLCM sowie der sowjetischen SS-20-Raketen sowohl in Europa als auch in Asien vorsieht.

2. März 1986
Die sowjetischen Vorschläge zur
Einbeziehung unabhängiger britischer
und französischer Nuklearsysteme in
ein
bilaterales
amerikanisch-sowjetisches Abkommen werden vom Sonderberater des Präsidenten zu Rüstungskontrollangelegenheiten, Paul Nitze,
öffentlich kritisiert und zurückgewiesen.
Er bekräftigt die Hauptelemente des amerikanischen Vorschlags
für
gleiche weltweite
Begrenzungen
für LRINF und damit einhergehende Beschränkungen für SRINF.

30. September 1986
Die Vereinigten Staaten und die
UdSSR
kündigen
an, daß
Präsident

Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow sich vom 11. bis 12. Oktober in Reykjavik treffen werden.

11. - 12. Oktober 1986
In Reykjavik
verständigen
sich
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion auf gleiche weltweite Obergrenzen von 100 LRINF-Gefechtsköpfen
für jede Seite, von denen keine in
Europa stationiert werden dürfen.
Die Sowjets bieten außerdem ein
Einfrieren ihrer SRINF-Systeme während der Dauer der Verhandlungen zu
deren Reduzierung an.
Gleichzeitig
verlangen sie jedoch, daß die amerikanischen SRINF-Systeme auf dem gegenwärtigen Niveau, d.h. Null, "eingefroren" werden.
Prinzipiell stimmen sie ebenfalls einigen wichtigen
Verifizierungselementen zu.
Die Sowjets stellen jedoch ein Junktim zwischen einem INF-Abkommen und der amerikanischen Zustimmung von Begrenzungen
ihrer
Strategischen
Verteidigungsinitiative (SDI) her. Diese Begrenzungen gehen über die im ABM-Vertrag aus dem Jahr 1972 vorgesehenen
hinaus.

23. Oktober 1986
Die Vereinigten Staaten legen einen Vorschlag vor, in dem die in
Reykjavik
erzielten
Bereiche
der
Übereinstimmung
ihren
Niederschlag
finden.
7. November 1986
Die
UdSSR
unterbreitet
einen
neuen INF-Vorschlag, in dem sie die
Verpflichtung vom Genfer Gipfel des
Jahres 1985 zum Abschluß eines INFZwischenabkommens
zurückzieht.
Der
Vorschlag enthält außerdem die Weige-

�rung, die in Reykjavik erzielte Übereinstimmung zu akzeptieren, daß INF
von Fragen der Rüstungskontrolle im
strategischen
Bereicht
zu
trennen
ist. Die Sowjets beharren ferner auf
dem Junktim zwischen einem INF-Abkommen und Begrenzungen für SDI.

kanische
und sowjetische
SRINF
innerhalb der Reichweite sowjetischer SS-23 bis SS-12 (Scaleboard) Raketen auf dem bestehenden sowjetischen Niveau.
5.

Verbot der Entwicklung und Stationierung von SRINF-Raketen mit
einer
Reichweite, die
zwischen
der der amerikanischen Pershing
II (der LRINF-Rakete mit der kürzesten Reichweite) und der sowjetischen Scaleboard (der SRINF-Rakete mit der längsten Reichweite)
liegt.

6.

Folgeverhandlungen
über
zusätzliche Begrenzungen für SRINF. Ansonsten würden die Reduzierungen
sechs Monate nach Erzielung eines
ersten INF-Abkommens beginnen.

7.

Austausch von Daten vor und nach
der Durchführung der Reduzierungen.

8.

Vor-Ort-Beobachtung der Beseitigung von Waffen und ein wirksames
Überwachungsverfahren
für
Einrichtungen,
einschließlich
Inspektionen vor Ort im Anschluß an
die Beseitigung der Waffen.

9.

Verhandlungen über die Einzelheiten der Verifizierung, die parallel zu den Verhandlungen über die
Reduzierung der Waffen stattfinden sollen.

15. - 16. November 1986
in Camp David erzielen Präsident
Reagan und Premierministerin Thatcher
Übereinstimmung, daß einem INF-Abkommen mit Begrenzungen für SRINF - mit
wirksamer Verifizierung - Priorität
eingeräumt werden sollte.

15. Januar 1987
Bei den Genfer INF-Verhandlungen
unterbreiten die Vereinigten Staaten
folgenden Vorschlag:
1.

2.

Stufenweise
Reduzierung
der
LRINF-Gefechtsköpfe auf weltweit
100 LRINF-Gefechtsköpfe für jede
Seite bis Ende 1991.
Die verbleibenden sowjetischen LRINF-Gefechtsköpfe
dürfen demgemäß im
asiatischen Teil der Sowjetunion,
die der Vereinigten Staaten auf
amerikanischem Territorium, einschließlich Alaskas, stationiert
werden.
Reduzierung
der
amerikanischen
und sowjetischen LRINF-Gefechtsköpfe in Europa auf Null bis Ende
1991.

3.

Das Abkommen über die Reduzierung
der INF darf nicht von der Lösung
anderer
Probleme außerhalb der
INF-Verhandlungen
abhängen, wie
beim Genfer Gipfel im November
1985 verabredet.

4.

Weltweite Begrenzungen für ameri-

28. Februar 1987
Generalsekretär
Gorbatschow
erklärt
die sowjetische
Bereitschaft
zur
Unterzeichnung
eines separaten
Abkommens
zur
Beseitigung
sowjetischer und amerikanischer INF-Raketen in Europa in einem Zeitraum von
fünf Jahren und verzichtet damit erneut auf die sowjetische Forderung,

- 11 -

�daß jene Raketen Teil eines umfassenden
Rüstungskontrollpakets
sein
müßten.
Diese
sowjetischen
Bedingungen
scheinen mit den in Reykjavik vereinbarten nahezu identisch zu sein. Jeder Seite würde die Beibehaltung von
100 Gefechtsköpfen außerhalb Europas
gestattet - der Sowjetunion im sowjetischen Teil Asiens und den Vereinigten Staaten auf ihrem Territorium.

3. März 1987
Präsident
Reagan
erklärt,
Gorbatschows Erklärung vom 28. Februar, in der die sowjetische Bereitschaft zum Abschluß eines Abkommens
über Reduzierungen der
INF-Systeme
getrennt von Vereinbarungen in den
beiden anderen Bereichen der NST-Verhandlungen
verkündet wurde, "räumt
ernsthafte
Hindernisse
für
Fortschritte auf dem Weg zu INF-Reduzierungen beiseite".
Er fügt hinzu:
"Um diese neue
Möglichkeit voll auszuschöpfen, habe
ich unsere Unterhändler angewiesen,
morgen in Genf mit der Vorlage unseres INF-Vertragsentwurfs zu beginnen.
Ich hoffe, daß die Sowjets dann gemeinsam mit uns ernsthafte Diskussionen über die Einzelheiten aufnehmen
werden, die für die Umsetzung der
einzelnen Bereiche einer grundsätzlichen Übereinkunft in ein konkretes
Abkommen unerläßlich sind.
Und ich
möchte betonen, daß die Frage der Verifizierung das wichtigste der noch
zu lösenden Probleme ist. Weil wir
einem
wahren
und
dauerhaften
Rüstungsabbau verpflichtet sind und die
vollständige Einhaltung sicherstellen
wollen, werden wir weiterhin darauf
bestehen, daß jedes Abkommen wirksam
verifizierbar ist."

4. März 1987
Die Vereinigten
Staaten unterbreiten ihren Entwurf eines amerikanisch-sowjetischen
INF-Verträges,
der die Reduzierung der LRINF-Gefechtsköpfe jeder Seite auf 100 weltweit vorsieht, mit Null in Europa,
wie von den beiden führenden Politikern in Reykjavik vereinbart.
Die
Vereinigten
Staaten
machen
jedoch
deutlich, daß sie weiterhin der vollständigen
Beseitigung
der amerikanischen und sowjetischen INF-Raketen
den Vorzug geben.

12. März 1987
Bei den Genfer INF-Verhandlungen
legen die Vereinigten Staaten einen
Vertragsartikel vor, der einen umfassenden Ansatz für die Verifizierung
eines
INF-Abkommens vorsieht.
Die
Grundelemente des amerikanischen Ansatzes zur Verifizierung sind:
1.

Eine Vorschrift für die Nutzung
und
Nichtbehinderung
Nationaler
Technischer Mittel (NTM), die Bedingung
der
Übertragung
technischer Meßdaten von Raketenflügen, ein Verbot der Verschlüsselung und ein Verbot von Verschleierungsmaßnahmen zur Behinderung der Verifizierung.

2.

Spezifizierung von Bereichen und
Einrichtungen, in denen durch den
Vertrag begrenzte Systeme lokalisiert sein müssen und Verbot ihrer Stationierung an anderen Orten.

3.

Gegenseitiger
Austausch
einer
festgelegten
umfassenden
Reihe
von Daten zu damit verbundenen,
vertraglich
begrenzten
Systemen
sowie
ihren
Unterstützungseinrichtungen und -ausrüstungen.

�4.

Gegenseitige
ser Daten.

Fortschreibung

die-

5.

Spezielle Verfahren zur Vernichtung, Zerlegung und Umrüstung der
LRINF-Systeme, einschließlich Inspektionen vor Ort.

6.

Vor-Ort-lnspektion
und
Überwachung bei Inkrafttreten des Vertrages und im Anschluß, um die
Einhaltung der vertraglich festgelegten
Begrenzungen
sicherzustellen.

dieser Vereinbarung würde zunächst in
der Formel von Reykjavik bestehen,
wonach je 100 Gefechtsköpfe auf Mittelstreckenraketen längerer Reichweite auf sowjetischer Seite in Asien
und auf amerikanischer Seite in den
Vereinigten Staaten stationiert würden. "
Beide
Seiten stimmten
überein,
daß die Reduzierungen der INF-Systeme
in ungefähr
vier bis fünf Jahren
durchgeführt
und daß ein Abkommen
"Vorschriften für sehr strenge und
peinlich genaue Verifizierung beinhalten muß".

26. März 1987
Die
verlängerte
Sitzungsperiode
der
amerikanisch-sowjetischen
NSTVerhandlungen wird beendet. Die Vereinigten Staaten widersprechen einem
sowjetischen Vorschlag, die Verhandlungen über SRINF von einem ersten
INF-Abkommen zu trennen und erklären
dazu, dies sei ein Rückschritt gegenüber den Vereinbarungen, die im Prinzip während der amerikanisch-sowjetischen INF-Verhandlungen der Jahre
1981-83 erzielt und in Reykjavik bekräftigt
wurden.
Der
sowjetische
Vorschlag würde der UdSSR praktisch
ein Monopol auf diese Systeme zubilligen und es den Sowjets freistellen,
ihre schon bestehende SRINF-Streitmacht auszubauen und damit jegliches
INF-Abkommen zu umgehen.

Zu
den
SRINF-Systemen
erklärt
Shultz, beide Seiten stimmten darin
überein, daß es weltweite Begrenzungen geben müsse.
Nach Ansicht der
Vereinigten Staaten müßten alle Beschränkungen dem "Prinzip der Gleichheit" folgen.
Shultz stellt fest, die Sowjets
hätten ihre Absicht erklärt, nach der
Unterzeichnung
eines
INF-Abkommens,
die gegenwärtig in der DDR und der
Tschechoslowakei stationierten SRINFSysteme abzuziehen und zu vernichten
und daß die UdSSR in den Verhandlungen über die verbleibenden Raketen
die Reduzierung der SRINF auf Null
innerhalb
eines Jahres
vorschlagen
werde.

23. April 1987
15. April 1987
Außenminister George Shultz beendet dreitägige Gespräche mit Generalsekretär
Gorbatschow
und
Außenminister Schewardnadse in Moskau.
Shultz erklärt, daß durch harte
Verhandlungen die Aussicht auf Erlangung eines INF-Abkommens in greifbare
Nähe gerückt ist: "Die Grundstruktur

Präsident
Reagan appelliert
an
die Sowjetunion, die Fortschritte bei
den INF-Verhandlungen durch eine Reaktion auf die amerikanischen Vorschläge
zur
Verifizierung
zu beschleunigen.
Der Präsident erklärt,
die sowjetische Zustimmung zu einer
vollständigen Beseitigung der INF-Systeme würde die Verifizierung der
Vertragseinhaltung vereinfachen.

- 13 -

�Zum gegenwärtigen Zeitpunkt stimmen beide Seiten überein, die landgestützten LRINF-Systeme auf 100 Gefechtsköpfe für jede Seite zu reduzieren, von denen keine in Europa
stationiert
sind.
Reagan erklärt,
"ein Ergebnis von Null LRINF - die
Beseitigung dieser ganzen Kategorie
von Raketen -" bleibe die bevorzugte
Lösung für die vereinigten Staaten
und ihre Verbündeten.

27. April 1987
Die Sowjetunion legt einen Vertragsentwurf für INF vor, in dem die
in
Reykjavik
erzielten
grundsätzlichen Vereinbarungen zu den landgestützten LRINF-Raketen ihren Niederschlag finden.
Durch den sowjetischen Vorschlag
würden die LRINF auf jeder Seite nach
fünf Jahren in Europa auf einen stand
von Null abgebaut sein, und im sowjetischen Teil Asiens würde die Anzahl
der
Gefechtsköpfe auf
sowjetischen
LRINF auf 100 Gefechtsköpfe begrenzt
werden, die außerhalb der Reichweite
der Vereinigten Staaten stationiert
sind. Ferner würden damit auf amerikanischem
Territorium
stationierte
amerikanische Gefechtsköpfe auf LRINF
auf
100 solcher Gefechtsköpfe begrenzt, die außerhalb der Recihweite
der Sowjetunion disloziert sind und
somit Stationierungen in Alaska verhindert.

12. Juni 1987
in einem im Anschluß an das Treffen des Nordatlantik-Rates der NATO
in Reykjavik veröffentlichten Kommunique erklären die Außenminister ihre
Unterstützung für die weltweite und
wirkungsvoll verifizierbare Beseitigung aller amerikanischen und sowje- 14

tischen landgestützten SRINF mit einer Reichweite von 500 bis 1 000 km
zum integralen Bestandteil eines I N F Abkommens.
Das Kommunique verlangt von der
Sowjetunion, ihre Forderung nach der
Beibehaltung eines Teils ihrer SS-20
aufzugeben und verleiht dem Wunsch
erneut Ausdruck, alle amerikanischen
und sowjetischen landgestützten INF
längerer Reichweite im Einklang mit
der
traditionellen
Zielsetzung der
NATO abzuschaffen.
Den Außenministern zufolge stellt
das INF-Abkommen einen wichtigen Bestandteil in einem stimmigen und umfassenden
Konzept der Rüstungskontrolle und Abrüstung dar, das in
Übereinstimmung mit der NATO-Strategie der flexiblen Reaktion folgende
Punkte umfassen würde:
1.

Einen
im Rahmen der
laufenden
Genfer Verhandlungen zu erzielenden 50prozentigen Abbau strategischer Offensivwaffen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion;

2.

weltweite
Waffen;

3.

die Errichtung eines stabilen und
gesicherten Niveaus konventioneller Streitkräfte durch Behebung
der Ungleichgewichte in ganz Europa;

4.

greifbare und verifizierbare Reduzierungen
amerikanischer
und
sowjetischer landgestützter atomarer
Raketensysteme
kürzerer
Reichweite, die zu gleichen obergrenzen führen, im Einklang mit
der
Schaffung
eines
Gleichgewichts im konventionellen Bereich
und
der weltweiten
Beseitigung
chemischer Waffen,

Beseitigung

chemischer

�16. Juni 1987
Die vereinigten Staaten legen bei
den Genfer INF-Gesprächen formell ihre Haltung zu SRINF dar. Diese Haltung fordert die weltweite Beseitigung aller amerikanischen und sowjetischen SRINF-Raketensysteme.

Zwei
unverzichtbare
Elemente
sind
ebenfalls darin enthalten: die Vernichtung der von diesem vertrag erfaßten Raketen und ihrer Abschußvorrichtungen und das Verbot einer Umrüstung dieser System und Abschußvorrichtungen zu anderen Waffenarten".

3. August 1987
23. Juni 1987

)

Generalsekretär Gorbatschow verkündet einen Wandel der sowjetischen
Haltung zu INF. Die Sowjets akzeptieren im wesentlichen die "weltweite
doppelte Null-Lösung" und verkünden
ihrerseits
1.

2.

die Bereitschaft, als Teil eines
Abkommens
mit
den
Vereinigten
Staaten alle "Mittelstreckenraketen" im sowjetischen Teil Asiens
zu beseitigen, einschließlich der
100 LRINF-Gefechtsköpfe auf diesen Raketen, wenn auch die Vereinigten Staaten diese Raketen
und Gefechtsköpfe aufgeben;
die Bereitschaft zur Beseitigung
"einsatzfähiger taktischer Raketen (SRINF)", wenn die Vereinigten Staaten dasselbe tun.

28. Juli 1987
Als Reaktion auf die Erklärung,
die Sowjetunion sei nunmehr bereit,
die ursprünglich von den Vereinigten
Staaten vorgelegte weltweite Null-Lösung bei INF zu akzeptieren, bemerkt
Präsident Reagan: "Der heute (von unseren Genfer Unterhändlern) unterbreitete Vorschlag würde peinlich genaue und wirksame Verifizierungsmaßnahmen vorsehen und die Weitergabe
vorhandener amerikanischer und sowjetischer INF und ihrer Abschußvorrichtungen an Drittstaaten verhindern.

Der
sowjetische
Unterhändler
Alexej A. Obukow erklärt, die UdSSR
ziehe einen Kompromiß bei der Lösung
amerikanisch-sowjetischer
Meinungsverschiedenheiten über die bundesdeutschen Pershing 1A in Erwägung.
Die Sowjets hatten diese Raketen als
"Haupthindernis" für ein INF-Abkommen
bezeichnet und ihre Beseitigung gefordert.
Der
amerikanische
Unterhändler
Max Kampelman erklärt, "wir werden im
Rahmen der bilateralen Beziehungen
zwischen den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion keine Verfügung in
dieses Abkommen aufnehmen, die unsere
Verbündeten betrifft".

7. August 1987
Der
sowjetische
Außenminister
Schewardnadse beschuldigt in seiner
Rede vor der Abrüstungskonferenz (mit
40 Teilnehmerstaaten) die Vereinigten
Staaten
und
die
Bundesrepublik
Deutschland, ein INF-Abkommen durch
"juristische
Täuschungsmanöver"
zu
blockieren, um die Ausnahme der 72
Pershing 1A aus einem solchen Abkommen zu rechtfertigen.

26. August 1987
Aufgrundder
Zustimmung der Sowjets zu dem amerikanischen Vorschlag, beide Seiten sollten alle ih-

�re landgestützten LRINF und SRINF beseitigen, legen amerikanische Unterhändler in Genf einen überarbeiteten
Vorschlag
zur
Verifizierung
eines
INF-Abkommens vor.
Der neue amerikanische Plan unterscheidet sich in folgenden Punkten
von dem früheren Vorschlag:
1.

Die Bestimmung entfällt, der zufolge Inspektoren sich außerhalb
der Einrichtungen zur Raketenproduktion
und -montage
aufhalten,
um die Produktionsstätte verlassende Raketen zu zählen.
Diese
Bestimmung ist nicht länger erforderlich, da Produktion, Flugerprobung und Modernisierung der
weltweiten doppelten Null-Lösung
zufolge verboten wären.

2.

Der neue Vorschlag begrenzt ferner
Ad-hoc-lnspektionen
solcher
Einrichtungen, in denen Mittelund Kurzstreckenraketen gelagert
werden, um sicherzustellen, daß
sie wie vorgesehen verschrottet
werden.

3.

Ferner
könnten
Uberraschungsinspektionen von Einrichtungen für
landegestützte
Raketen
längerer
Reichweite
in
den
Vereinigten
Staaten
und
der
Sowjetunion
durchgeführt werden, um sicherzustellen, daß dort keine Mitteloder
Kurzstreckenraketen
versteckt sind.

1. alle ihre LRINF und SRINF gemäß
dem vorgesehenen INF-Vertrag verschrotten,

2.

sich bei der Verschrottung ihrer
Raketen an den noch zu vereinbarenden Zeitplan halten,

3.

die Vertragsbestimmungen
ten.

einhal-

27. August 1987
Die Sowjetunion begrüßt die Erklärung
Bundeskanzler
Kohls.
Ein
Sprecher
des sowjetischen Außenministeriums erklärt, die Möglichkeit
zum Abschluß eines neuen Abkommens
zwischen den Supermächten sei nun
"realistisch" und begrüßt den jüngsten amerikanischen Vorschlag zur Verifizierung eines solchen Vertrages.
Er fügt hinzu, die Sowjetunion sehe
gegenwärtig "keine Probleme" bei der
Gewährleistung der Vertragseinhaltung
durch beide Seiten.

14. September 1987

26. August 1987
Bundeskanzler Kohl erklärt, die
Bundesrepublik Deutschland werde ihre
72
Kurzstreckenraketen
vom
Typ
Pershing 1A abbauen und sie nicht
durch modernere Waffen ersetzen, wenn
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion

Bei den Genfer INF-Verhandlungen
legen die vereinigten Staaten ein Inspektionsprotokoll vor, das im einzelnen die Verfahrensweisen niederlegt, die zur wirksamen Verifizierung
der Einhaltung des INF-Vertrages
der die Beseitigung aller amerikanischen und sowjetischen INF-Raketen
vorsieht - notwendig erachtet werden.
Die
neuen
amerikanischen
Vorschläge fordern die einschneidendsten
Verifizierungsmaßnahmen
in der Geschichte der Rüstungskontrolle. Folgenden Bestandteilen des Vorschlags
kommt eine Schlüsselrolle zu:
1.

- 16 -

Die Bedingung, daß alle INF-Raketen und ihre Abschußvorrichtungen

�geographisch auf vereinbarte Gebiete beschränkt werden oder während der Abbauphase ein vorher
bekanntgegebener
Transfer
zwischen diesen Gebieten stattfindet;
Ein detaillierter, und falls erforderlich,
auf
den
neuesten
Stand
gebrachter
Datenaustausch
über Einrichtungen zur Unterstützung von Raketen und Raketenstützpunkten, die Anzahl der Raketen und Abschußvorrichtungen in
diesen Einrichtungen und Stützpunkten sowie technische Parameter solcher Raketensysteme;
Benachrichtigung über die Bewegung von Raketen und Abschußvorrichtungen zwischen bekanntgegebenen Einrichtungen;
Eine grundlegende Vor-Ort-lnspektion zur Verifizierung der Anzahl
von Raketen und Abschußvorrichtungen bei bekannten Einrichtungen zur Unterstützung von Raketen
und Raketenstützpunkten vor deren
Beseitigung.
Vor-Ort-lnspektion zur Verifizierung der Verschrottung von Raketen und Abschußvorrichtungen.
Kurzfristig anberaumte Nachfolgeinspektion bekanntgegebener Einrichtungen während der Abbauphase
zur Verifizierung der Restbestände, bis zur Verschrottung aller
Raketen;
Kurzfristig
anberaumte
obligatorische
Ad-hoc-Inspektion
bestimmter
Einrichtungen
in
den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, bei denen vertragswidrige Aktivitäten im Zusammenhang
mit Raketen durchgeführt werden
könnten.

8.

Die
Bedingung
einer
separaten
"Abschluß"-Inspektion, um sicherzustellen, daß in einer Einrichtung die mit INF in Zusammenhang
stehenden Aktivitäten tatsächlich
beendet sind, wenn eine Einrichtung außer Betrieb und von der
Liste bekannter Einrichtungen gestrichen ist.

18. September 1987
Nach
einer
Zusammenkunft
in
Washington erklären die beiden Außenminister
Shultz und
Schewardnadse,
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion hätten eine Grundsatzvereinbarung
über
den Abschluß eines
INF-Vertrages erzielt.
Die amerikanische und die sowjetische Delegation in Genf werden angewiesen, eingehend
an der Lösung
noch ausstehender technischer Probleme zu arbeiten und baldmöglichst den
Entwurf für einen Vertragstext zum
Abschluß zu bringen.
Es wird eine Erklärung abgegeben,
derzufolge - zur Unterzeichnung eines
Vertrages über Mittel- und Kurzstrekkenraketen und Behandlung der gesamten Bandbreite der Beziehungen zwischen beiden Ländern - im Herbst 1987
ein Gipfeltreffen zwischen Präsident
Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow
stattfinden
wird.
Der
endgültige Termin soll bei den Gesprächen im Oktober festgelegt werden

22. - 24. Oktober 1987
Bei einer in Moskau stattfindenden Zusammenkunft zwischen hochrangigen amerikanischen und sowjetischen
Regierungsvertretern werden für den
Abschluß
eines INF-Vertrages Fortschritte
erzielt.
Generalsekretär

- 17 -

�Gorbatschow weigert sich, den Termin
für
einen
amerikanisch-sowjetischen
Gipfel festzulegen.

29. Oktober 1987
Die Sowjetunion ändert ihre Haltung und erklärt, sie habe sich mit
den Vereinigten Staaten auf die Modalitäten eines noch vor Jahresende
stattfindenden
Gipfeltreffens
geeinigt.
Der
sowjetische
Außenminister
Schewardnadse
trifft zu Gesprächen
mit Präsident Reagan und Außenminister Shultz in Washington ein.

30. Oktober 1987
Während der Zusammenkünfte zwischen den Außenministern Shultz und
Schewardnadse kommen die Vereinigten
Staaten und Sowjetunion uberein, daß
Generalsekretär Gorbatschow am 7. Dezember 1987 die Vereinigen Staaten
besuchen und gemeinsam mit Präsident
Reagan einen Vertrag zur Beseitigung
einer
gesamten
Kategorie
amerikanischer und sowjetischer INF-Raketen
unterzeichnen wird.
Shultz und Schewardnadse vereinbarten ferner, engen Kontakt mit ihren jeweiligen Genfer Delegation zu
halten, um so baldige Fortschritte
zum Abschluß des INF-Vertrages sicherzustellen.

* * * * *

- 18

�</text>
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'VON

4

Sonderdienst

7. Dezember 1987

HINTERGRUNDMATERIAL ZUM GIPFELTREFFEN ZWISCHEN
PRÄSIDENT REAGAN UND GENERALSEKRETÄR GORBATSCHOW IN WASHINGTON
- 7. BIS 10. DEZEMBER 1987 -

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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�7 . Dezember

I N H A L T

INF "Erster Schritt* zu einer sichereren Welt
- Auszüge aus einer Rede Präsident Reagans in Florida

Die Konsultationen im atlantischen Bündnis
- Eine Übersicht -

Die Initiative des Präsidenten zu regionalen Konflikten
- Eine Übersicht -

Die sowjetische Nichteinhaltung von Rüstungskontrollabkommen
- Auszüge aus dem Bericht des Präsidenten -

* * * * * *

1987

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

"V,oN^

7. Dezember 1987

INF "ERSTER SCHRITT" ZU EINER SICHEREREN WELT
Auszüge aus einer Rede Präsident Reagans in Florida

JACKSONVILLE, FLORIDA - (AD) - Präsident Reagan zufolge ist die bevorstehende Unterzeichnung des Vertrages über Mittelstreckenraketen (INF) ein "erster Schritt über die offene Grenze hin zu einer sichereren Welt ...".
In seinen am 1. Dezember 1987 vor Schülern der Duval county High School
und deren Eltern gemachten Ausführungen betonte der Präsident ferner, daß
"wahrer Frieden" Gespräche mit der Sowjetunion in den Bereichen der Übereinstimmung wie denen der Meinungsverschiedenheiten erfordere bis hin zur Lage in
Afghanistan und Mittelamerika.
Nachfolgend bringen wir Auszüge der Ansprache Präsident Reagans

In nur wenigen Tagen werde ich
mit Generalsekretär Gorbatschow zusammenkommen.
Wir werden das erste
Rüstungskontrollabkommen in der Geschichte der Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern unterzeichnen.
Jahrelang haben die Kritiker auf
der ganzen Welt beharrlich wiederholt, daß es unmöglich sein würde,
ein Abkommen des Inhalts zu erzielen,
wie wir es jetzt erarbeitet haben.
Vor sechs jähren, als ich die Beseitigung einer gesamten Kategorie amerikanischer und sowjetischer Mittel-

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streckenraketen vorschlug, spotteten
sie, daß dies doch wohl nicht mein
Ernst sein könne. Ihrer Meinung nach
war es ein sicheres Anzeichen dafür,
daß ich von vorneherein gegen jegliche Abrüstung eingestellt sei. Und
sie fügten hinzu, ich solle etwas anbieten, dem die Sowjets zustimmen
könnten - selbst wenn ich nicht der
Überzeugung wäre, daß dies im besten
Interesse Amerikas läge. Und dennoch
haben wir - und unter wir verstehe
ich Sie und all die Amerikaner, die
am Wiederaufbau
unserer
nationalen
Verteidigung mitgewirkt und uns in

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�unserem Entschluß unterstützt haben,
daß kein Rüstungsabkommen immer noch
besser ist als ein schlechtes Rüstungsabkommen - alle zusammengehalten.
Wir haben Ziele gesetzt. Wir
haben Pläne gemacht. Wir haben hart
gearbeitet.
Viele eben dieser Kritiker haben
auch vorgebracht, es sei provokativ,
die Wahrheit über Repression in der
Sowjetunion zu sagen, über die sowjetischen Abenteuer in Übersee, über
die sowjetischen Vertragsbrüche der
Vergangenheit. Wir haben dem entgegengehalten,
daß
die
Vereinigten
Staaten von Amerika niemals davor zurückschrecken dürften, die Wahrheit
über jeden zu sagen.
Als Ergebnis der harten Arbeit
und der unendlichen Geduld stehen wir
jetzt kurz vor der Unterzeichnung eines Abkommens, das genau die von mir
vor sechs Jahren gemachten Vorschläge
verwirklichen wird, von denen die
Kritiker behaupteten, sie seien unmöglich,
zum ersten Mal in der Geschichte werden wir eine gesamte Kategorie
amerikanischer
und
sowjetischer Nuklearwaffen von der Erdoberfläche verbannen.
Im Anschluß an das Gipfeltreffen
werden unsere Unterhändler die Arbeit
an einem Abkommen fortsetzen, das zu
einer 50prozentigen Reduzierung der
amerikanischen und sowjetischen atomaren Langstreckenarsenale
und der
Wiederherstellung des Kräftegleichgewichts
bei
den
konventionellen
Streitkräften
führen könnte - das
heißt, der Armeen, die sich in Europa
gegenüberstehen.
Es besteht ein Ungleichgewicht zugunsten der Sowjets.
Mit dem Abkommen über atomare Mittelstreckenwaffen machen wir einen ersten Schritte über die offene Grenze
hin zu einer sichereren Welt für Sie
und Ihre Kinder. Und mein Plan - un-

ser Plan - sollte darin bestehen, auf
diesem Weg weiter voranzuschreiten.
In all der Aufregung über den
Gipfel, die Unterzeichnung des Vertrages u.s.w. dürfen wir nicht vergessen, daß Frieden mehr bedeutet,
als den Abbau von Waffen. Vor über
einem Jahrzehnt gab es in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen eine
Annäherung, die wir als "Detente" bezeichneten.
Während sie jedoch von
Freundschaft sprachen, arbeiteten die
Sowjets intensiver denn je am umfangreichsten militärischen Aufrüstungsprogramm
der
Weltgeschichte.
Sie
verstärkten ihre Aggression in der
gesamten Welt. Und ihre Innenpolitik
wurde immer repressiver. Wir wollen
keine bloßen Worte. Dieses Mal wollen wir wahren Frieden.
Ein osteuropäischer Dissident hat
einmal geschrieben: "... die Wahrung
der Menschenrechte ist die grundlegende Bedingung und alleinige Garantie für wahren Frieden." Ich glaube,
er hat Recht.
wahrer Frieden und
Freiheit sind unteilbar.
Aus diesem
Grund ist es für uns alle so wichtig,
daß die Sowjets im vergangenen Jahr
über 200 politische Gefangene freigelassen und anscheinend die Zensur in
Kunst und Medien etwas gelockert haben.
Deshalb sind wir auch so besorgt
darüber, daß sich noch viel mehr politische Gefangene im Gefängnis, in
der Verbannung und in psychiatrischen
Anstalten befinden.
Etwa 10 000 Juden warten auf die Genehmigung zur
Ausreise. Die Verfolgung von Gläubigen dauert an.
Einige, wie etwa
Ludmilla
Andruschenko
und
Pater
Alsonas Swarinskas sind inhaftiert ihr einziges Verbrechen bestand darin, daß sie ihre Religion ausüben
und Gott huldigen wollten. Nun, Herr
Gorbatschow und ich werden auch dar-

�über sprechen.

men.

Wir werden auch über den sowjetischen Expansionismus in der ganzen
Welt, wie etwa in Afghanistan, sprechen.
Seit der Invasion der Roten
Armee vor acht Jahren hat das afghanische Volk eine Million Opfer zu beklagen gehabt. Mindestens vier Millionen wurden zur Flucht ins Exil getrieben, während Freiheitskämpfer gegen die Invasoren zu den Waffen griffen.

Ich werde ihm ebenso sagen, daß
es für die Sowjets an der Zeit ist,
Kambodscha, Äthiopien, Angola und Nicaragua zu verlassen.

Wer sind diese Freiheitskämpfer?
Viele würden zu Ihren Mitschülern gehören, lebten sie hier in Jacksonville - so jung sind sie. Sie haben
gegen eine der größten und bestgerüsteten Armeen der Welt zu den Waffen
gegriffen, weil sie gesehen haben,
was kommunistische Unterdrückung bedeutet. Für einige von ihnen bedeutet sie, daß sie gehindert werden,
nach den Geboten ihrer Religion zu
leben.
Für andere, daß ihre Eltern
ermordet und die Ernte sowie selbst
ganze Dörfer
in willkürlichen und
wiederholten Überfällen der Sowjets
zerstört wurden. Oder, daß ein kleiner Bruder oder eine Schwester durch
als Spielzeug getarnte
sowjetische
Minen eine Hand verlor.
Die Unterdrückung hat viele Gesichter.
Es
gibt viele Gründe, für die Freiheit
zu kämpfen.
Die einfachen Menschen Afghanistans stellen keine Bedrohung sowjetischen Territoriums dar.
Sie tun
dies heute nicht. Sie haben dies nie
getan. Die Sowjetunion hat in diesem
Krieg kein legitimes Ziel. ich werde
Herrn Gorbatschow sagen, daß es für
die Sowjets an der Zeit ist, ein endgültiges Datum für den Rückzug festzulegen, Gespräche mit den Freiheitskämpfern zu führen und dem Volk von
Afghanistan
zu
gestatten,
sein
Schicksal selbst in die Hand zu neh-

Selbst während die fünf mittelamerikanischen Länder nach Wegen zum
Frieden suchen, fließt ein Strom von
Kanonen, Flugzeugen, Geschossen, Panzern und anderen Hilfsmitteln im Wert
von Milliarden von Dollar nach Nicaragua. Warum? Um einen unserer führenden nationalen Strategen, zbigniew
Brzezinski, zu zitieren: "Im Mittelamerika steht potentiell die Fähigkeit der Vereinigten Staaten auf dem
Spiel, westliche Interessen in der
ganzen Welt zu verteidigen."
Und er
fügt hinzu: "Wenn die sowjetisch-kubanische Präsenz in Nicaragua die gesamte Region destabilisiert, ... werden sich die Vereinigten Staaten unweigerlich (aus Europa und dem Pazifik) zurückziehen", um ihre eigene
Grenze zu verteidigen.
Ich möchte, daß mein Treffen mit
Generalsekretär Gorbatschow dazu beiträgt, wahren Frieden zu schaffen,
der Ihr Leben lang andauert, während
des Lebens Ihrer Kinder und Ihrer
Kindeskinder. Deshalb werden wir die
Bereiche der Übereinstimmung zwischen
uns behandeln und ebenso die Streitpunkte zwischen uns betonen.
Manch
einer meint, es werde den Sowjets unmöglich sein, zuzuhören.
Aber wir
haben schon einen weiten Weg zurückgelegt, indem wir stark, beständig
und entschlossen waren.

- 3 -

�x^° S ^

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

VION ^

7. Dezember 1987

DIE KONSULTATIONEN IM ATLANTISCHEN BÜNDNIS
- Eine Übersicht -

- (AD) - Die Organisation des Nordatlantikvertrags hält auf politischer
und militärischer Ebene eingehende und forlaufende Konsultationen ab.
Die
Konsultationen unter den Mitgliedstaaten der NATO finden in einer Vielzahl von
Foren und auf zahlreichen Ebenen sowohl multilateral wie bilateral statt, vor
Beginn jedes amerikanisch-sowjetischen Gipfeltreffens und im Anschluß daran
werden üblicherweise Beratungen auf höchster Ebene durchgeführt. Einzelne Unterorganisationen der NATO kommen in regelmäßigen Sitzungen zur ständigen Beratung zusammen. Nachfolgend geben wir einen kurzen Abriß einiger Gremien.

I.

Der Nordatlantikrat - NAC

Der Nordatlantikrat und der Verteidigungs-Planungsausschuß
(DPC)
sind die höchsten Gremien für Entscheidungen und Foren für Konsultationen im Bündnis und setzen sich aus
Vertretern der 16 Mitgliedstaaten zusammen. Der Rat kommt auf der Ebene
der Ständigen Vertreter (Botschafter)
mindestens einmal in der Woche zusammen.
Die Tagungen der Außenminister
finden zweimal jährlich statt. Gelegentlich tritt der Rat auch mit Vertretern aus den Hauptstädten oder -

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sofern erforderlich - auf der Ebene
der Staats- und Regierungschefs zusammen.

II. Der Verteidigungs-Planungsausschuß - DPC
Der
Verteidigungs-planungsausschuß besteht aus den Vertretern der
Mitgliedstaaten und behandelt Fragen,
die spezifisch mit der Verteidigung
zusammenhängen. Wie der Rat tagt er
sowohl in ständiger Sitzung auf der
Ebene der Botschafter als auch zwei-

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�mal im Jahr auf der Ebene der Verteidigungsminister.

III.
pe - NPG

Die Nukleare Planungsgrup-

Die Nukleare Planungsgruppe wurde
aus der Notwendigkeit gegründet, die
Mitgliedstaaten der NATO ohne Nuklearwaffen an der nuklearen Planung des
Bündnisses zu beteiligen. An den Tagungen nehmen 14 Staaten teil (alle
NATO-Mitgliedstaaten mit Ausnahme von
Frankreich und Island, wobei letzteres
derzeit
Beobachterstatus
einnimmt).
Die Nukleare Planungsgruppe
tritt unter Vorsitz des Generalsekretärs der NATO zusammen, ebenso wie
dies auch bei Treffen auf der Ebene
der Ständigen Vertreter und zweimal
jährlich auf der Ebene der Verteidigungsminister eforderlich ist.

IV.

Der Militärausschuß

Der Militärausschuß ist die höchste Instanz des Bündnisses und erteilt dem Rat und dem Ausschuß Empfehlungen.
Er
besteht
aus
den
Stabschefs der Mitgliedsländer außer
Frankreich und Island.
(Frankreich
ist durch den Chef der französischen
Militärmission
im
Militärausschuß
vertreten.
Island unterhält keine
Streitkräfte, kann aber mit einem zivilen
Vertreter
an
den
Sitzungen
teilnehmen).
Der
Militärausschuß
kommt zweimal im Jahr zusammen und
tagt in ständiger Sitzung mit den von
jedem Stabschef ernannten und delegierten ständigen militärischen Vertretern.

wurde im Jahr 1979 zur Unterstützung
der Verhandlungen im Zusammenhang mit
dem NATO-Doppelbeschluß von 1979 eingesetzt, insbesondere für die amerikanisch-sowjetischen
Verhandlungen
über
Mittelstreckensysteme
(INF).
Alle NATO-Mitgliedstaaten mit Ausnahme von Frankreich und Island sind in
der Besonderen Beratungsgruppe vertreten.
Den Vorsitz haben die Vereinigten Staaten inne und hochrangige
Vertreter
der Außenministerien
der
verbündeten Staaten nehmen an den
Sitzungen teil.
Die Besondere Beratungsruppe tritt zusammen, wenn es
der amerikanische Vorsitzende für erforderlich erachtet.

VI. Die Hochrangige Beratergruppe - HLG
Die
Hochrangige
Beratergruppe
wurde zur Unterstützung der Stationierungsentscheidung des NATO-Doppelbeschlusses von 1979 gegründet und
ist ein Gremium der Nuklearen Planungsgruppe.
Sie
setzt
sich
aus
hochrangigen Vertretern der Verteidigunsministerien
der
NATO-Mitgliedstaaten außer Frankreich und Island
zusammen und steht unter dem Vorsitz
der Vereinigten Staaten.
Die Hochrangige
Beratergruppe
beschäftigt
sich mit von der Nuklearen Planungsgruppe
gestellten
Sonderprojekten.
Sie tritt zusammen, wenn es der amerikanische Vorsitzende für erforderlich erachtet.

* * * * * *
V.
Die
pe - SCG
Die

Besondere

Besondere

Beratungsgrup-

Beratungsgruppe

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

^ r I O N *&gt;

7. Dezember 1987

DIE INITIATIVE DES PRÄSIDENTEN ZU REGIONALEN KONFLIKTEN
- Eine Übersicht -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - In einer Rede vor den Vereinten Nationen hat Präsident Reagan am 24. Oktober 1985 eine tiefgreifende Initiative
zur Erlangung von Frieden und innerer Aussöhnung, Beendigung ausländischen militärischen Engagements und Förderung des wirtschaftlichen Wiederaufbaus in
den Konfliktherden Afghanistan, Kambodscha, Nicaragua, Angola und Äthiopien
angekündigt. Der Präsident erklärte damals:
"... das durchgängige Muster,
das wir bei diesen fünf Konflikten feststellen, sollte so bald wie möglich
durchbrochen werden." Bis heute hat es keinerlei formelle Reaktion der Sowjetunion auf diesen Vorschlag gegeben. Sie steht der Politik der Vereinigten
Staaten in der Dritten Welt weiterhin sehr kritisch gegenüber.

Trotzdem haben die Sowjets in
jüngeren Verlautbarungen zu einigen
regionalen
Konflikten, z.B. Afghanistan
und
Kambodscha,
begonnen,
teilweise
die
Sprache, wenn
auch
nicht die Substanz, dieser Initiative
zu übernehmen.
Die regionale Initiative baut auf
dem im Jahr 1985 aufgenommenen Zyklus
jährlicher
amerikanisch-sowjetischer
Regionalgespräche
auf, der Treffen
zwischen hochrangigen amerikanischen
und sowjetischen Experten zu Afghanistan, dem Mittleren Osten, dem Süd-

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lichen Afrika, Ostasien und dem Pazifik sowie Mittelamerika und der Karibik vorsieht. Im Jahr 1986 wurde der
Dialog auf allgemeine regionale Übersichten
auf
Abteilungsleiterebene
ausgedehnt. Der dritte Zyklus dieses
Dialogs, der zur Klarstellung von Positionen beigetragen und beiden Seiten gestattet hat, Möglichkeiten der
Zusammenarbeit beim Abbau regionaler
Spannungen zu sondieren, ist nun nahezu beendet, im Jahr 1987 wurden im
Juli der Mittlere Osten und das Südliche Afrika behandelt, die Experten
zu Afghanistan und Ostasien trafen

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�sich im September, und Gespräche zu
Mittelamerika wurden Ende Oktober geführt, in seinen Treffen mit führenden sowjetischen Politikern hat der
Präsident die Sowjetunion gedrängt,
sich über das Gesprächsstadium hinaus
zu Handlungen bereitzuerklären, die
der Lösung regionaler Probleme dienen.
Der Plan des Präsidenten aus dem
Jahr 1985 enthält einen umfassenden
und flexiblen Rahmen für die Zusammenarbeit zwischen den kriegführenden
Parteien, zwischen den Vereinigten
Staaten und der UdSSR sowie zwischen
anderen interessierten Parteien. Der
Plan, der bestehende Friedensbemühungen ergänzen und fördern würde, sieht
Handlungen auf drei Ebenen vor:
- Den Ausgangspunkt bildet ein Verhandlungsprozeß
zwischen
den
kriegführenden
Parteien
selbst.
"Die Form dieser Gespräche kann
und soll variieren", erklärte der
Präsident, "aber Verhandlungen und eine Verbesserung der innenpolitischen
Bedingungen - sind
unerläßlich
für die Beendigung
der Gewalt, den Rückzug der ausländischen Truppen und die nationale Aussöhnung."
- Die zweite Ebene sieht amerikanisch-sowjetische Gespräche darüber vor, wie die zwischen den
kriegführenden Parteien stattfindenden Gespräche am besten gefördert werden können, wenn echte
Fortschritte bei diesen Verhandlungen erzielt werden. "In jedem
Fall", so sagte der Präsident,
"besteht die primäre Aufgabe darin, dieses Ziel zu fördern: die
überprüfbare Beseitigung der ausländischen Militärpräsenz und Zurückhaltung
bei
Waffenlieferungen."
- Die

dritte

Ebene

beinhaltet

in- 2

ternationale Bemühungen, um diese
Länder wieder in die Weltwirtschaft
einzugliedern.
"Trotz
vergangener
Meinungsverschiedenheiten", versprach der Präsident,
"würden die Vereinigten Staaten
großzügig auf eine demokratische
Aussöhnung mit dem Volk, die Wahrung der Menschenrechte und Rückkehr in die Familie der freien
Nationen reagieren."
Der Plan erlegt die Hauptlast zur
Erzielung einer gütlichen Einigung den kriegführenden Parteien
auf, nicht den Vereinigten Staaten oder der Sowjetunion, um Lösungen zu erzwingen.
Wie der
Präsident feststellte, bietet der
Plan
jedoch
"der
sowjetischen
Seite eine außergewöhnliche Chance, einen Beitrag zu regionalem
Frieden zu leisten, der widerum
den künftigen Dialog und Verhandlungen über andere ernste Probleme fördern kann."

Die fünf Konfliktherde
Die fünf Kriege bilden den Kern
internationaler
Spannungen.
obwohl
ihnen allen lokale Streitigkeiten zugrunde liegen, besitzen sie gemeinsame Merkmale. Der Präsident beschrieb
diese Kriege folgendermaßen:
- "... (sie) sind das Ergebnis einer von außen aufgezwungenen Ideologie, die die Nationen entzweit
und Regime schafft, die sich nahezu seit dem Tage ihrer Machtergreifung im Kriegszustand mit dem
eigenen Volk befinden."
- "... (sie) fordern enorme Opfer
an Menschen und drohen, sich über
die Grenzen auszubreiten und gefährliche Konfrontationen auszulösen."

�- "... (sie haben) eine große Rolle
bei der Bildung von Argwohn und
Spannungen ... im Hinblick auf
den zweck der sowjetischen Politik gespielt."
Die sowjetisch geprägten Regime
wurden in allen fünf Fällen durch eine direkte militärische Intervention
erzwungen oder durch sowjetische Hilfe an der Macht gehalten. Ihre Politik hat zur Bildung einer inneren Opposition geführt, die danach trachtet, sie zu liberalisieren oder zu
stürzen. "Bis diese Verhandlungen zu
definitiven
Fortschritten
führen",
bekräftigte der Präsident, "darf und
wird die Unterstützung der Vereinigten Staaten für den Kampf der demokratischen
Widerstandskräfte
nicht
aufhören."

* * * * *

- 3

�AMERIKA DIENST
'VON

Hintergrundmaterial

4

7. Dezember 1987

DIE SOWJETISCHE NICHTEINHALTUNG VON RÜSTUNGSKONTROLLABKOMMEN

- Auszüge aus dem Bericht des Präsidenten -

- (AD) - (Die folgenden Auszüge aus dem Bericht des Präsidenten über die
sowjetische Nichteinhaltung von Rüstungskontrollabkommen enthalten Erkenntnisse auf dem stand vom 2. Dezember 1987.)

Der ABM-Vertrag

chen Verpflichtung dar.

Vertragsstatus
1.
Der ABM-Vertrag von 1972 und dessen Protokoll untersagen die Stationierung von ABM-Systemen, ausgenommen
ein ABM-System um die Landeshauptstadt
jedes Vertragspartners oder,
alternativ dazu, um ein Stationierungsgebiet von ICBMs. Der ABM-Vertrag ist in Kraft und von unbegrenzter Dauer. Sowjetische Handlungen im
Widerspruch zum ABM-Vertrag stellen
deshalb Verletzungen einer rechtli-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Das Radar von Krasnojarsk

Verpflichtung:
Um die Entwicklung einer territorialen Verteidigung
oder die Schaffung einer Basis für
eine
territoriale
ABM-Verteidigung
auszuschließen, bestimmt der ABM-Vertrag, daß Radarsysteme für die Frühwarnung vor Angriffen mit ballistischen Raketen nur an der Peripherie
des Staatsgebietes einer jeden Vertragspartei aufgestellt werden dürfen

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�und daß sie nach außen orientiert
sein müssen. Der Vertrag erlaubt die
Stationierung (ohne Ansehen der Lage
oder
Orientierung) großer Radarsysteme mit phasengesteuerter Abtastung
zum zwecke der Verfolgung von Objekten im Weltraum oder zur Nutzung als
nationales
technisches
Mittel
zur
Verifizierung der Einhaltung von Rüstungskontrollabkommen.
Fragestellung:
Der Bericht des
Präsidenten vom März 1987 untersuchte
die Frage, ob das Radar von Krasnojarsk den Bestimmungen des ABM-Vertrags über Radarsysteme mit phasengesteuerter Abtastung entspricht. Wir
haben diese Frage erneut untersucht.
Ergebnis:
Die amerikanische Regierung bestätigt den Schluß des Berichts vom März 1987, wonach das
neue, sich in Krasnojarsk im Bau befindliche Radarsystem zur phasengesteuerten Abtastung eine Verletzung
der
rechtlichen Verpflichtungen
im
Rahmen des ABM-Vertrages von 1972
darstellt.
Dies
ist
deshalb
der
Fall, weil es in seiner Verbindung
von Ort der Stationierung, Orientierung und Fähigkeit durch diesen Vertrag verboten ist. Die Bautätigkeit
hielt im Jahr 1987 an. Die Abwesenheit glaubwürdiger anderweitiger Erklärungen
haben unsere
Beurteilung
seines zwecks erhä'rtet.
Trotz amerikanischer Aufforderungen sind keinerlei
Korrekturmaßnahmen
getroffen
worden. Diese und andere sowjetische
Aktivitäten bezüglich ABM deuten an,
daß die UdSSR mit Arbeiten an einer
ABM-Verteidigung
ihres
nationalen
Territoriums befaßt sein könnte.

die Entwicklung, Erprobung oder Stationierung von mobilen, landgestützten ABM-Systemen oder Komponenten.
Fragestellung:
Der Bericht vom
März 1987 untersuchte die Frage, ob
die Sowjetunion in Verletzung ihrer
rechtlichen Verpflichtungen aus dem
ABM-Vertrag ein mobiles, landgestütztes ABM-System oder Komponenten für
ein solches System entwickelt hat.
Wir haben diese Frage erneut untersucht und dabei die Auswirkungen der
sowjetischen Arbeiten in Gomel einbezogen.
Ergebnis:
Die amerikanische Regierung
bestätigt die
Erkenntnisse
des Berichts vom März 1987, wonach
die Beweislage im Hinblick auf sowjetische Aktivitäten bezüglich der Mobilität von Komponenten eines ABM-Systems unklar ist, daß jedoch Entwicklung und Erprobung von Komponenten
eines ABM-Systems durch die Sowjetunion, die anscheinend zur Stationierung in Stellungen ausgelegt sind,
für die relativ geringfügige Vorbereitungen benötigt werden, eine potentielle Verletzung der Verpflichtungen gemäß dem ABM-Vertrag darstellen.
Die kürzlich vorgenommene Verlegung von Teilen eines Systems der
Typen FLAT TWIN und PAWN SHOP verstärkt unsere Bedenken gegenüber der
Mobilität von ABM-Systemkomponenten.
Diese
sowie
weitere
ABM-relevante
sowjetische Aktivitäten deuten darauf
hin, daß die UdSSR mit Arbeiten zur
Schaffung einer landesweiten ABM-Verteidigung befaßt sein könnte.

3.
Gleichzeitige
Erprobung
von
ABM- und Luftverteidigungskomponenten
2. Die Mobilität von
ponenten

ABM-Systemkom-

Verpflichtung:
Paragraph 1 von
Artikel V des ABM-Vertrages untersagt

Verpflichtung:
Durch den ABMVertrag und dessen Protokoll wird den
Parteien eine Begrenzung auf je ein
ABM-Stationierungsgebiet
auferlegt.

�Zusätzlich zu den ABM-Systemen und -Komponenten in diesem einen Stationierungsgebiet
können die Parteien
ABM-Systeme und Komponenten für Entwicklungs- und
Erprobungszwecke
besitzen, wenn diese sich in den vereinbarten
Erprobungsgebieten
befinden. Der Vertrag untersagt außerdem,
Komponenten, die nicht zum ABM-System
gehören, die Fähigkeit zu verleihen,
"strategische
ballistische
Raketen
oder ihre Elemente im Flug abzuwehren" und verbietet es den Parteien,
sie in "einer ABM-Form" zu erproben.
Die Parteien kamen überein, daß die
gleichzeitige Erprobung von SAM- (Boden-Luft-Rakete) und ABM-Systemkomponenten verboten ist.
Fragestellung:
Der Bericht vom
März 1987 untersuchte die Frage, ob
die Sowjetunion gleichzeitig Elemente
der
SAM- und
ABM-Systeme
getestet
hat, was eine Verletzung ihrer gegenteiligen
rechtlichen
Verpflichtung
von 1978 darstellt. Diese Verpflichtung hatte zum Ziel, die Erprobung
von Luftverteidigungssystemen in ABMForm weiter zu begrenzen. Wir haben
diese Frage erneut untersucht.
Ergebnis:
Die amerikanische Regierung
bestätigt die Erkenntnisse
des Berichts vom März 1987, daß die
Beweise für sowjetische Aktivitäten
im Bereich gleichzeitiger Operationen
unzureichend sind, um die Einhaltung
der sowjetischen Verpflichtungen im
Rahmen des ABM-Vertrags umfassend bewerten zu können.
Die Sowjetunion
hat jedoch Versuche unter Einbeziehung
von
Luftverteidigungs-Radarsystemen bei ABM-relevanten Aktivitäten
durchgeführt.
Die zahlreichen und
anhaltenden Vorfälle des gleichzeitigen Betriebs von ABM- und SAM-Komponenten sowie die mangelhafte sowjetische Berücksichtigung der amerikanischen Bedenken sind Zeichen dafür,
daß die UdSSR wahrscheinlich das Ver-

bot der Erprobung von SAM-Komponenten
in ABM-Form verletzt hat. In mehreren Fällen scheint dies sehr wahrscheinlich. Diese und andere ABM-relevante
Aktivitäten
deuten
darauf
hin, daß die UdSSR mit der Vorbereitung einer landesweiten ABM-Verteidigung befaßt sein könnte.

4.
ABM-Fähigkeit
steme

moderner

SAM-Sy-

Verpflichtung:
Gemäß Artikel VI,
Absatz
(a) des
ABM-Vertrags
verpflichtet sich jede Partei, nicht im
ABM-Vertrag definierte Abfangraketen,
Abschußvorrichtungen
oder
Radarsysteme auch nicht mit
"Fähigkeiten
auszustatten, um strategische ballistische Raketen oder deren Elemente
im Flug abzuwehren und diese nicht in
ABM-Form zu testen..."
Fragestellung:
Der Bericht vom
März 1987 untersuchte die Frage, ob
die Sowjetunion in Verletzung ihrer
rechtlichen Verpflichtungen im Rahmen
des ABM-Vertrags ein SAM-System oder
eine Komponente in ABM-Form getestet
oder sie mit Fähigkeiten ausgestattet
hat, strategische ballistische Raketen oder deren Elemente im Flug abzuwehren. Wir haben diese Frage erneut
untersucht.
Ergebnis: Die Regierung der Vereinigten Staaten bestätigt die Erkenntnisse
des
Berichts
vom
März
1987, wonach die Beweise für sowjetische Handlungen
zur Verbesserung
von SAM unzureichend sind, um die
Einhaltung
der
sowjetischen
Verpflichtung im Rahmen des ABM-Vertrags
zu bewerten.
Diese und andere ABMrelevante
Aktivitäten
der
Sowjets
deuten darauf hin, daß die UdSSR mit
Arbeiten zur Schaffung einer landesweiten ABM-Verteidigung befaßt sein
könnte.

- 3 -

�5.
Schnelles Nachladen
schußvorrichtungen

von

ABM-Ab-

Verpflichtung:
Der
ABM-Vertrag
beschränkt die Anzahl von dislozierten ABM-Abschußvorrichtungen und von
dislozierten Abfangraketen auf 100.
Er begrenzt nicht die Anzahl der Abfangraketen, die gebaut und gelagert
werden können. Paragraph 2, Artikel
V des Vertrags verbietet die Entwicklung, Erprobung oder
Stationierung
von "automatischen oder halbautomatischen oder anderen ähnlichen Systemen
zum schnellen Nachladen" der erlaubten Abschußvorrichtungen.
Fragestellung:
Der Bericht vom
März 1987 untersuchte die Frage, ob
die Sowjetunion in Verletzung ihrer
rechtlichen Verpflichtungen aus dem
ABM-Vertrag automatische, halbautomatische
oder
ähnliche
Systeme
zum
schnellen Nachladen von ABM-Abschußvorrichtungen entwickelt, erprobt und
disloziert hat. Wir haben diese Frage erneut untersucht.
Ergebnis: Die Regierung der Vereinigten Staaten bekräftigt die Erkenntnisse
des Berichts
vom
März
1987, wonach auf der Grundlage des
zur Verfügung stehenden Beweismaterials die Handlungen der UdSSR in bezug
auf das schnelle Nachladen von ABMAbschußvorrichtungen
gemäß
ihrer
rechtlichen Verpflichtungen aus dem
ABM-Vertrag zu verschiedenen Deutungen Anlaß geben. Die Nachladefähigkeit der Sowjetunion erfüllt uns mit
ernster Besorgnis. Diese und andere
ABM-relevante Handlungen deuten darauf hin, daß die UdSSR mit der Vorbereitung einer landesweiten ABM-Verteidigung befaßt sein könnte.

6.

ABM-Komponeneten in Gomel
- 4

Verpflichtung:
Zur Verhinderung
der Stationierung einer territorialen
Verteidigung oder der Bereitstellung
einer
Grundlage
zur
territorialen
Verteidigung enthält der ABM-Vertrag
die Verfügung, daß ABM-Komponenten
nicht außerhalb des zulässigen Stationierungsgebiets
für
ABM-Systeme
oder eines bestimmten ABM-Erprobungsgeländes für welchen Zweck auch immer
disloziert werden dürfen.
Fragestellung:
im März 1987 wurde von der amerikanischen Regierung
in einer Elekronikfirma im ca. 550
Kilometer südwestlich von Moskau gelegenen Gomel das Auftauchen größerer
Teile des ursprünglichen FLAT TWIN
Radars einschließlich aller Modularsektionen
des
Radargehäuses
sowie
eines PAWN SHOP Transporters beobachtet . Der Zeitpunkt der Ankunft der
Teile des FLAT TWIN und des PAWN SHOP
deuten darauf hin, daß sie von den
Radars stammten, die vom Raketenerprobungszentrum von Sary Shagan abgezogen worden waren, wo die Sowjets im
Januar 1987 beim Abbau einer Vielzahl
dieser
ABM-Komponenten
beobachtet
werden konnten.
Die Besorgnis der
Vereinigten Staaten über das Problem
der mobilen ABM-Komponenten, das bereits mit den Sowjets erörtet wurde,
könnte durch dieses Vorgehen der sowjetischen Seite noch verschärft werden.
Ergebnis: Die Regierung der Vereinigten Staaten kommt zu der Schlußfolgerung, daß die Handlungen der
Sowjets
im
Zusammenhang
mit
dem
Transfer eines FLAT TWIN ABM-Radars
und eines PAWN SHOP Transporters, die
Komponenten eines ABM-Systems sind,
von einem Erprobungsgelände und dem
Beginn der Stationierung auf einem
Gelände außerhalb des ABM-Stationierungsgebiets
oder
einem ABM-Erprobungsgelände eine Verletzung des ABM-

�Vertrages darstellt.
Obwohl es unwahrscheinlich erscheint, daß die Aktionen in Gomel zur Unterstützung der
ABM-Verteidigung in diesem Gebiet gedacht sind, steht die Stationierung
solcher Radars in Gomel unabhängig
von ihrer Funktion nicht im Einklang
mit den Verpflichtungen des ABM-Vertrags. Diese und andere ABM-relevante Aktivitäten der Sowjetunion legen
die Vermutung nahe, daß die UdSSR mit
Arbeiten zur Schaffung einer landesweiten ABM-Verteidigung befaßt sein
könnte.

(z. B. Bau von Radaranlagen, gleichzeitige Erprobung, Modernisierung von
SAM, schnelles Nachladen von ABM,
ABM-Mobilität und die Stationierung
von ABM-Komponenten in Gomel) darauf
hindeuten, daß die UdSSR mit Arbeiten
zur Schaffung einer landesweiten ABMVerteidigung befaßt sein könnte.

7.

Vertragsstatus:
Die
Konvention
über biologische und toxische Waffen
aus dem jähr 1972 (BWC) sowie das
Genfer Protokoll von 1925 sind multilaterale Verträge, bei denen sowohl
die Vereinigten Staaten als auch die
Sowjetunion
Vertragsparteien
sind.
Sowjetische Handlungen, die nicht im
Einklang mit diesen Verträgen und dem
völkerrechtlichen
Brauch
gemäß dem
Genfer
Protokoll von 1925 stehen,
sind Verletzungen
rechtlicher
Verpflichtungen.

Territoriale ABM-Verteidigung

Verpflichtung:
Der
ABM-Vertrag
und das Protokoll erlauben jeder Partei eine einzige operative Stellung.
Ausdrücklich erlaubt sind die Modernisierung und Ersetzung von ABM-Systemen oder deren Komponenten, und
ausdrücklich anerkannt ist die Existenz von ABM-Erprobungsgebieten zur
Entwicklung und Erprobung von ABMKomponenten. Der ABM-Vertrag verbietet
jedoch die Dislozierung eines
ABM-Systems zur Verteidigung des nationalen
Territoriums der
Parteien
und untersagt ihnen, einen Stützpunkt
für solch eine Verteidigung zur Verfügung zu stellen.
Fragestellung:
Der Bericht vom
März 1987 untersuchte die Frage, ob
die Sowjets ein ABM-System zur Verteidigung ihres Staatsgebiets disloziert oder einen Stützpunkt für solch
eine Verteidigung zur Verfügung gestellt haben.
Dieser Bericht untersucht erneut diese Frage.
Ergebnis: Die Regierung der Vereinigten Staaten bestätigt die Erkenntnisse
des
Berichts
vom
März
1987, daß im ganzen gesehen die Handlungen der Sowjetunion im Hinblick
auf ABM und ABM-relevante Aktivitäten

Die Konvention über biologische Waffen und das Genfer Protokoll von 1925
Chemische,
sche Waffen

biologische

und

toxi-

Verpflichtungen:
Die BWC-Konvention verbietet die Entwicklung, Produktion, Lagerung oder den Besitz und
Transfer von mikrobischen oder anderen biologischen Mitteln oder Giften
außer in kleinen Mengen zu prophylaktischen, Verteidigungs- oder anderen
friedlichen Zwecken.
Sie verbietet
auch Waffen, Ausrüstung oder Mittel
zur Verbreitung
solcher
Wirkstoffe
oder Gifte. Das Genfer Protokoll von
1925 sowie die damit im Zusammenhang
stehenden Regeln des völkerrechtlichen Brauchs verbieten den Ersteinsatz von erstickenden, giftigen oder
anderen Gasen im Krieg sowie von allen entsprechenden Flüssigkeiten, Materialien oder Vorrichtungen und verbietet die Verwendung bakteriologischer Methoden der Kriegführung.

- 5 -

�Fragestellung:
Der Bericht vom
März 1987 untersuchte, ob die Sowjets
Bestimmungen verletzt haben, die Entwicklung, Produktion, Transfer, Besitz und Verwendung biologischer und
toxischer Waffen verbieten und ob sie
für die Verwendung tödlicher Chemikalien verantwortlich waren.
Dieser
Bericht untersucht erneut diese Frage.
Ergebnis: Die Regierung der Vereinigten Staaten ist zu dem Schluß
gekommen, daß anhaltende Aktivitäten
im Verlauf des Jahres 1987 in vermuteten Einrichtungen für biologische
und toxische Waffen in der Sowjetunion und Berichte, daß ein sowjetisches BW-Programm jetzt die Prüfung
neuer Arten von Wirkstoffen zur biologischen
Verteidigung
beinhalten
könnte, die Schlußfolgerung des Berichts vom März 1987 bestätigen, wonach die Sowjetunion in Verletzung
ihrer rechtlichen Verpflichtung gemäß
der Konvention über biologische und
toxische Waffen aus dem Jahr 1972 ein
offensives Programm sowie eine Kapazität der biologischen Kriegführung
aufrechterhält.
Beschuldigungen hinsichtlich des
Einsatzes tödlicher Chemikalien oder
Gifte in Kambodscha, Laos oder Afghanistan im Jahr 1987 konnten gemäß der
strengen Richtlinien unserer Beweisführung nicht bestätigt werden. Daher gibt es keine Grundlage für eine
Erweiterung der Schlußfolgerung vom
März 1987, wonach die Sowjetunion in
Verletzung
ihrer
rechtlichen
Verpflichtung gemäß dem Völkerrecht, wie
dies im Genfer Protokoll von 1925 und
in der Konvention über biologische
und toxische Waffen aus dem Jahr 1972
kodifiziert ist, Produktion, Transfer
und Einsatz von Trichothezen-Mykotoxinen zu militärischen . Zwecken in
Laos, Kambodscha und Afghanistan betrieben hat.

Vertrag
über
suchsverbot

ein

begrenztes

Ver-

Vertragsstatus: Der Vertrag über
ein begrenztes Verbot von Atomversuchen (LTBT) in der Atmosphäre, im
Weltraum und unter Wasser ist ein
multilateraler Vertrag, der für die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion im Jahr 1963 in Kraft trat.
Sowjetische Schritte, die nicht mit
diesem Vertrag in Einklang stehen,
sind Verletzungen einer rechtlichen
Verpflichtung.

*

»

Verpflichtung:
Dieser
Vertrag
verbietet speziell Atomexplosionen in
der Atmosphäre, im Weltraum und unter
Wasser. Er verbietet auch Atomexplosionen
in jeder anderen Umgebung,
"wenn solche Explosionen dazu führen,
daß radioaktive Rückstände außerhalb
der Landesgrenzen des Staates anfallen, unter dessen Gesetzgebung oder
Kontrolle
eine
solche
Explosion
durchgeführt wird".
Fragestellung:
Der Bericht vom
März 1987 untersuchte, ob die unterirdischen Atomversuche der UdSSR dazu
führten, daß radioaktive Rückstände
außerhalb ihrer Landesgrenze anfielen.
Dieser Bericht untersucht erneut diese Frage.
Die
Regierung
der
Vereinigten
Staaten bestätigt die Erkenntnisse
des Berichts vom März 1987, nach denen die sowjetischen Praktiken bei
unterirdischen
Atomversuchen
dazu
führten, daß bei zahlreichen Gelegenheiten radioaktive Stoffe frei wurden
und radioaktive Rückstände in Verletzung der rechtlichen Verpflichtungen
gemäß dem begrenzten Teststoppvertrag
auch außerhalb des Territoriums der
Sowjetunion gelangten.
Die Sowjetunion traf nicht die notwendigen Vor-

*

�kehrungen, um die Verseuchung der Umwelt durch radioaktive Substanzen so
gering wie möglich zu halten und dies
trotz
zahlreicher
amerikanischer
Schritte und Forderungen nach Korrektivmaßnahmen. Diese Praktiken dauern
an. Seit der Wiederaufnahme der sowjetischen unterirdischen Atomversuche
im Februar 1987 haben die Vereinigten
Staaten der Sowjetunion bei zwei verschiedenen
Gelegenheiten
Demarchen
überbracht, bei denen den Sowjets
eindeutig die Freisetzung radioaktiver Rückstände nachgewiesen
werden
konnte.

* * * * *

- 7

�</text>
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