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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

4 . September 1985

35

INHALT

INFORMATION
Reagan will Gorbatschow auf halbem Wege entgegenkommen
- Zugang zu sowjetischen Medien würde den Dialog verbessern -

DOKUMENTATION
Reagan würdigt Atomsperrvertrag als historische Leistung
- Ansprache des US-Abrüstungsbeauftragten in Genf -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Zugang zu US-Nachrichtensatelliten soll allen Nationen offenstehen
- Flexibilität - Schlüssel zu wirtschaftlichem Betrieb -

* * * * *

Um Übei/cndung von
Belegexemplaren
uiird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�4. September 1985

,35

REAGAN WILL GORBATSCHOW AUF HALBEM WEGE ENTGEGENKOMMEN
Zugang zu sowjetischen Medien würde den Dialog verbessern -

WASHINGTON

-

(AD) - Präsident Ronald

Reagan hat

in einer

Erklärung

des Weißen Hauses vom 3. September 1985 erneut betont, er sei bereit, den
Sowjets auf halbem Wege entgegenzukommen.
Wie der Stellvertretende Pressesprecher des Weißen Hauses, Larry
Speakes, mitteilte, hat der Präsident die von Generalsekretär Gorbatschow
in seinem Interview mit dem amerikanischen Nachrichtenmagazin TIME geäußerte Ansicht, begrüßt, bei dem Gipfeltreffen im November "ernsthafte
Vorschläge zu unterbreiten". Wenn Präsident Reagan sich in ähnlicher Weise durch sowjetische Medien an die Bevölkerung der Sowjetunion wenden
könnte, so Speakes, "dann würde das ohne Frage unseren Dialog erleichtern" .
Speakes

wies

in

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Speakes wies in diesem Zusammenhang darauf hin, daß der Direktor des
US-Informationsamtes, Charles

Z. Wick, bereits

im Januar

dieses

Jahres

Leonid Samjatin, der in der UdSSR für internationale Information zuständig

ist, den Vorschlag

für wechselseitige Erklärungen

im Fernsehen ge-

macht, jedoch bisher keine Antwort auf diesen Vorschlag erhalten habe. Es
gehe nicht um eine öffentliche Debatte, sondern darum, der jeweils anderen Seite die eigene Auffassung zu vermitteln.
Bezüglich der Vorbereitungen das Treffens im November in Genf erklär-"
te der Sprecher des Weißen Hauses, diese fänden am besten "über vertrauliche, diplomatische Kanäle" statt, und nicht in den Medien. Auf die Er-*
klärung Gorbatschows in dem TIMi;-lnt erview angesprochen, die amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen hätten sich ernsthaft verschlechtert,
antwortete Speakes, der Präsident habe immer die Auffassung vertreten,
"dass wir mit der Sowjetunion in realistischer Weise verhandelt haben.
Wenn wir Schwierigkeiten, Meinungsverschiedenheiten in dieser Beziehung
sehen, d a m werden wir nicht zögern, auf sie hinzuweisen." Die Administration sei sich im klaren, daß es "ernsthafte Meinungsverschiedenheiten
zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion gebe, aber das ist
umso mehr ein Grund, daß wir in einer Atmosphäre zusammenkommen, die
einem Ergebnis förderlich ist, das zu Mitteln und Wegen führt, um mit
diesen Problemen fertigzuwerden . "
Wenn oeide Seiten mit einer konstruktiven Einstellung zu dem Gipfeltreffen im November kämen, so betonte der Sprecher des Weißen Hauses,
dann gebe es keinen Grund, warum nicht ein Maß an Erfolg bezüglich von
Vereinbarungen erzielt werden könne, wie man die Meinungsverschiedenheit
ten beilegen könne. Die Vereinigten Staaten meinten es ernst mit ihrer
Gesprächsbereitschaft. "Wir sind bereit", so unterstrich Speakes, "mit.
den Sowjets bei diesem Treffen auf einer realistischen Basis zu verhandeln, auf der Basis der Bereitschaft, ernsthafte Gespräche zu führen und
ihnen in einer Reihe von Fragen auf halbem Wege entgegenzukommen. Das
Wichtige ist, daß dieses Treffen zustandekommt, daß die beiden Männer

�die beiden Männer sich Auge in Auge gegenüberstehen, sich gegenseitig abschätzen können, ihre Meinung zu den verschiedenen Themen äußern können
und dann

in der Lage sind, eine Tagesordnung aufzustellen, um mit diesen

Problemen in Zukunft fertigzuwerden."
Die Erklärung

von Speakes

zu Beginn

seiner

Presseunterrichtung

hat

folgenden Wortlaut:
Wir begrüßen die Erklärung von Generalsekretär Gorbatschow, wonach er
bereit ist, bei dem Treffen mit Präsident Reagan im November ernsthafte
Vorschläge auf den Tisch zu legen.
Was die Vereinigten Staaten anbelangt, so sieht der Präsident diese
Beziehungen in ihrer ganzen Bedeutsamkeit und ist bereit, den Sowjets in
dem Bemühen um eine Lösung der Probleme auf halbem Wege entgegenzukommen.
Der Präsident hofft, daß das Treffen in Genf die Grundlage dafür schaffen
wird, die Probleme zu lösen, vor denen unsere beiden Nationen stehen.
Unsere Vorstellung von den Ursachen der derzeitigen amerikanisch-sowjetischen Spannungen unterscheiden sich beträchtlich von denen, die Herr
Gorbatschow dafür angibt. Aber wir beabsichtigen nicht, darüber in den
Medien zu diskutieren. Die Vorbereitungen für das Treffen in Genf werden
am besten über vertrauliche diplomatische Kanäle geführt.
Wir

freuen uns über die Tatsache, daß Herr Gorbatschow

in der Lage

war, seine Ansichten der amerikanischen Öffentlichkeit darzulegen. Das
Interview ist ein erstklassiges Beispiel für die Offenheit des amerikanischen Systems und für den Zugang zu den amerikanischen Medien, dessen
sich die Sowjets erfreuen. Wenn Präsident Reagan eine vergleichbare
Möglichkeit hätte, über die sowjetischen Medien seine Ansichten dem sowjetischen Volk darzulegen, so würde dies ohne Zweifel unseren Dialog verbessern und Zeichen der sowjetischen Bereitschaft sein, in einem wichtigen Aspekt der Verbesserung unserer Beziehungen eine gewisse Gegenseitigkeit zu akzeptieren.
Hätte

Präsident

Reagan

�Hätte
Präsident
Reagan
direkten
Zugang
zur
sowjetischen
Öffentlichkeit, so wäre dies ein großer Schritt in Richtung auf eine
Verbesserung des Verständnisses zwischen unseren beiden Völkern. Ziel
eines solchen Austausches wäre nicht die Debatte, sondern eine Darlegung
der Ansichten beider Seiten.

* * * * *

�4. September 1985

35

REAGAN WÜRDIGT ATOMSPERRVERTRAG ALS HISTORISCHE LEISTUNG
- Ansprache des US-Abrüstungsbeauffragten in Genf -

GENF -(AD)- Der Direktor des amerikanischen Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA), Kenneth Adelmann, hat der Überprüfungskonferenz für den Atomsperrvertrag (Non-Proliferation Treaty - NPT) in Genf am
28. August eine Botschaft von Präsident Reagan überbracht, in der dieser
den Vertrag als eine historische Leistung und als wichtigen Eckpfeiler in
den Bemühungen um die Verhinderung der weiteren Ausbreitung der Kernwaffen bezeichnet. In seinen eigenen Ausführungen betonte Adelmann, der Vertrag, den 125 Länder unterzeichnet haben, habe die Welt sicherer gemacht.

Die Ausführungen Adelmanns, die die Botschaft des Präsidenten einschließen, haben folgenden Wortlaut:

Vor 40 Jahren erlebte die Welt die Geburt einer neuen Art von Waffe
von nie dagewesener und bisher unvorstellbarer Zerstörungskraft. Seither
mußten sich alle Länder und Völker der Erde den Versprechungen und den
Gefahren des Atoms stellen.
Während der nächsten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Während der nächsten vier Wochen werden die hie.: versammelten hervorragenden Delegierten die feierliche Verpflichtung haben, Ubei das wichtigste Thema unserer Zeit zu sprechen - d:e nukleare Herausforderung. Zusammen werden wir den Beitrag werten, den der vertrag über d:e Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen geleistet hat. Präsident Reagan hat die
Vorstellung meines Landes von der vor uns liegenden Aufgabe in einer Botschaft formuliert, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte:

"Es ist mir ein großes Vergnügen, diese Botschaft an die Delegierten
der Dritten Überprüfungskonferenz für den Nichtweiterverbreitungsvertrag
zu richten - einem Ereignis, das auch mit dem 15. Jahrestag der Unterzeichnung dieses Vertrages zusammenfällt. Der Nichtweiterverbreitungsvertrag ist eine historische Leistung. Er ist ein entscheidender Eckpfeiler
unserer gemeinsamen Bemühungen, die weitere Ausbreitung von Kernwaffen zu
verhindern und gleichzeitig den Vertragspartnern einen geeigneten Rahmen
zu bieten, um die Segnungen des friedlichen Atoms genießen zu können. Indem wir die Gefahr der weiteren Ausbreitung der Kernwaffen und das Risiko
eines Atomkrieges verringern, tragen wir ::ur Sicherheit und dem Wohlergehen aller Länder und Völker bei.

Mein zentrales Anliegen der Rüstungskontrolle ist die wesentliche Reduzierung und schließlich Abschaffung der Kernwaffen und die Befreiung
der Welt von der nuklearen Bedrohung. Zu diesem Zweck haben die Vereinigten Staaten in Genf radikale Verringerungen der Zahl der vorhandenen
Kernwaffen vorgeschlagen. Das ist nach meiner Überzeugung der direkteste
und beste Weg, wenn wir die Gefahr eines Atomkrieges beseitigen wollen.

Gleichzeitig bin ich der Überzeugung, daß verifizierbare Begrenzungen
der Nuklearversuche eine nützliche, wenn auch bescheidene Rolle spielen
können. Aus diesem Grunde habe ich am 29. Juli erneut meinen Wunsch geäußert, einen Prozeß in Gang zu setzen, der es den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion erlauben wird, die Basis für wirksam verifizierbare
Begrenzungen für unterirdische Versuche zu schaffen. Wir haben die Sowjetunion eingeladen, Beobachter mit allen Instrumenten ihrer Wahl zu ent-

�zu entsenden, um einen Nuklearversuch auf unserem Gelände zu messen. Diese Einladung ist an keine Vorbedingungen gebunden.

Ein weiteres wesentliches Ziel der Vereinigten Staaten ist der Aufbau
einer stabilen, kooperativen Beziehung zur Sowjetunion. Von den gemeinsamen Interessen unserer beiden Länder gehören die Vermeidung eines Krieges
und der Abbau des RüstungsStandes zu den wichtigsten. Wie ich bereits
früher erklärt habe, beginnt die Kooperation mit der Kommunikation, und
ich freue mich, im November mit Generalsekretär Gorbatschow zusammenzutreffen.

Alle Vertragsparteien des NPT tragen heute mit an der Verpflichtung,
eine Bestandsaufnahme zu machen, auf faire und ausgewogene Weise zu begutachten, wie die lebenswichtigen Ziele der Vertrages eingehalten werden
und sich zu überlegen, wie wir es noch besser machen könnten.
Wenn das Funktionieren des wichtigen Vertrages überprüft wird, dann
sollte die Konferenz auch die Tatsache feiern, daß er ein großer Erfolg
ist. Die Vereinigten Staaten bleiben feierlich den in dem Vertrag niedergelegten Zielen und seiner Vision einer stabileren und sichereren Welt
für alle Nationen verpflichtet."

Wie Präsident Reagan sagt, obliegt uns jetzt die Verantwortung, Bestandsaufnahmen für den NPT zu machen. Diese Aufgabe ist heute besonders
nützlich, da wir auf etwas mehr als der halben Strecke zwischen dem Inkrafttreten des Vertrages und der Frage seiner Verlängerung im Jahre 1995
angekommen sind.

Sicherlich gibt es eine Vielfalt von Meinungen, wie man die nukleare
Herausforderung bewältigen kann, und diese werden hier in diesem Saal in
den nächsten vier Wochen zum Ausdruck kommen.

Und so soll es auch sein.

Als freie Menschen verstehen und respektieren wir Amerikaner die Be-

�Amerikaner die Bedeutung der Meinungsvielfalt. Das konkrete Ergebnis dieser Konferenz sei es eine Schlußerklärung oder etwas anderes - ist weit
weniger wichtig als daß wir eine ehrliche und ausgewogene Überprüfung abhalten - mit ei- ner, wie ich sage, kompletten Vielfalt der Meinungen.
Ich bin mir ganz sicher, daß eine solche Überprüfung zutage bringen wird,
daß wir alle ein großes gemeinsames Interesse c.m NPT haben und daß dieser
Vertrag den Sicherheitsinteressen aller Lander dient.

Warum? Weil er unsere Welt sicherer gemacht: hat. Man kann von keinem
Vertrag verlangen, daß er mehr leistet. Wie einer unserer Gründerväter,
John Jay, in den Pörderalistischen Dokumenten erklärt hat: 'Von den vielen Zielen, denen ein kluges und freies Vok seine Aufmerksamkeit zuwendet, kommt die Vorsorge für seine Sicherheit an erster Stelle."

Der NPT wurde abgeschlossen, um drei Zielen und Zwecken zu dienen:
der Ausbreitung der Kernwaffen Einhalt zu gebieten, den Mitgliedsländern
zu helfen, friedliche nukleare Kapazitäten zu entwickeln und zu einem
weiteren Fortschritt in umfassenden Rüstungskontroll- und Abrüstungsmaßnahmen zu führen. Wie weit hat er diese Ziel erreicht?
Am besten sicherlich das erste Ziel, das zentrale Element des Vertrages, das allen Ländern zugute kommt. Ende der fünfziger und Anfang der
sechziger Jahre befürchtete man, daß der weiteren Ausbreitung der Kernwaffen kein Einhalt geboten werden könne. Ein Sonderausschuß der Nationalen Planungsvereinigung der Vereinigten Staaten sagte beispielsweise 1958
voraus, daß "bis 1970 alle Länder mit einer ins Gewicht fallenden militärischen Stärke ihr Arsenal an Kernwaffen besitzen werden - strategischen,
taktischen oder beiden." Ähnliche Befürchtungen führten z. T. zu einer
von Irland eingebrachten Resolution der Vollversammlung der Vereinten Nationen, die die Aufmerksamkeit auf die Gefahren der Weiterverbreitung und
die Notwendigkeit, ihr entgegenzutreten, lenkte. Präsident John F. Kennedy warnte zwei Jahre später vor einer Welt, die bis 1975 15 bis 20 Länder
mit Kernwaffen haben könnte.

Solche ängstlichen Erwartungen hätten zu einem diplomatischen Fata- 4 -

�diplomatischen Fatalismus und zur politischen Stagnation führen können.
Aber dem war nicht so. Die Führer der Welt waren klug genug, positive
Maßnahmen zu ergreifen, um der drohenden Gefahr zu begegnen. Das Ergebnis
war der Nichtweiterverbreitungsvertrag. Und seit seinem Inkrafttreten im
Jahre 1970 hat er eine wahrhaft entscheidende Rolle gespielt, der Weiterverbreitung der Bombe Einhalt zu gebieten. Wer hätte geglaubt, daß in den
folgenden 15 Jahren nur ein Land - Indien - einen nuklearen Sprengkörper
zünden würde? Es waren nur wenige Leute, aber es war doch so.

Als Ergebnis leben wir alle heute sicherer. Das ist zum Teil darauf
zurückzuführen, daß der Vertrag weitgehend eingehalten wurde, daß über
125 Länder bereit waren, auf den Erwerb von nuklearen Sprengsätzen zu
verzichten und für all ihre nuklearen Tätigkeiten die Sicherheitsbestimmungen der IAEA zu akzeptieren. Diese Schritte haben dazu beigetragen,
sowohl den innenpolitischen Druck als auch die internationalen Besorgnisse zu mildern, die sonst vielleicht einen Run auf Kernwaffen hätten auslösen können. Die Nichtweiterverbreitungs- wie auch die Sicherheitsbestimmungen des Vertrages haben beide als Grundlage für eine vernünftige
Politik der Versorgung mit nuklearem Material geführt.

Und was noch wichtiger ist, der Vertrag spiegelt mit seiner wachsenden Zahl der Parteien - allein seit der letzten Überprüfungskonferenz
sind 16 neue Länder dazugekommen - eine immer breitere universale Norm
für die Nichtweiterverbreitung wieder. Eine Welt mit vielen Nuklearmächten ist vermeidbar und muß vermieden werden. Wenn sich ein Staat auf den
Weg zum Erwerb dieser Waffen machen würde, dann würde ihm internationale
Besorgnis und nicht stillschweigendes Einverständis entgegenschlagen. Die
Beschaffung dieser Waffen würde auf internationale Verurteilung stoßen
und nicht auf Zustimmung. Diese zum Zeitpunkt der Schaffung des NPT aufgestellten Normen sind seither jedes Jahr verstärkt worden.

Alle Länder haben ein Interesse, die weitere Ausbreitung von Kernwaffen zu verhindern. Wir in den Vereinigten Staaten wissen, daß eine Welt
mit vielen Nuklearmächten unsere Sicherheit und die unserer Verbündeten
bedrohen würde. Aber die Ausbreitung von Kernwaffen würde in gleicher

�in gleicher Weise - wenn nicht noch mehr - die Nachbarn der neuen Waffen^
Staaten bedrohen und früher oder später die Sicherheit der neuen Besitzer
selbst untergraben. Alter Argwohn und Spannungen würden verschärft. Das
Risiko eines Konfliktes würde steigen. Das Ergebnis wäre weniger Sicherheit für jeden von uns und damit für uns alle.

Diese einfache Tatsache wird, wie ich sagte, weitgehend anerkannt.
Diese Anerkennung ist die Grundlage der Kooperation unter uns, um den NPT
und andere Vorkehrungen gegen die weitere Ausbreitung der Bombe aufrechtzuerhalten und zu stärken. Sie kommt in den Bemühungen vieler von uns in
Ost und West, blockgebunden oder blockfrei, zum Ausdruck, noch mehr Länder zu überzeugen, dem Vertrag beizutreten. Sie kommt im übrigen in der
Einhaltung des Vertrages durch jedes unserer Lander zum Ausdruck - was
ihn zu demtesteingehaltenenRüstungskontrollvertrag macht, den es je
gegeben hat,

Aber die Zusagen zur Einhaltung des Vertrages sind noch nicht genug.
Wir müssen unseren Worten Taten folgen lassen. Die Vereinigten Staaten
haben das getan, wie es in den Informationen dokumentiert wird, die wir
dem Vorbereitungsausschuß zugeleitet haben, ich möchte das kurz zusammenfassen:

Erstens, seit der Überprüfungskonferenz von 1980 haben wir unsere Exportbestimmungen verschärft, um es noch unwahrscheinlicher zu machen, daß
amerikanische Exporte zum Risiko einer Weiterverbreitung beitragen könnten. Wir haben uns mit anderen NPT-LieferStaaten verständigt, die sogenannten "Alarm-Listen" zu verbessern, die geschaffen wurden, um den Vertragspartnern zu helfen, ihre Verpflichtungen gemäß Artikel III einzuhalten.
Zweitens, haben wir alle Nuklearliefecländer aufgefordert, sich uns
in der Forderung nach umfassenden oder vollständigen Sicherheitsbestimmungen für die friedliche nukleare Tätigkeit eines Nichtwaffenstaates als
Voraussetzung für wesentliche neue Lieferzusagen anzuschließen. Vertragsparteien des NPT akzeptieren bereits solche umfassenden oder vollständi-

�oder vollständigen Sicherheitsbestimmungen für ihre friedlichen Tätigkeiten. Wenn von nicht dem Vertrag angehörigen Ländern die Annahme dieser
Sicherheitsbestimmungen als Voraussetzung für Lieferungen gefordert wird,
dann würde dies einer Gleichbehandlung entsprechen. Ferner würde die Aufgabe der IAEA erleichert, und es bestünde größere Gewähr für die friedlichen Absichten eines Landes auf nuklearem Gebiet. Wir sind weiter der
Überzeugung, daß alle Lieferländer eine solche Haltung einnehmen sollten.

Drittens, ebenfalls seit der letzten Überprüfungskonferenz ist das
Sicherheitsabkommen, das die Routineinspektion von friedlichen Nukleareinrichtungen in den Vereinigten Staaten erlaubt, verwirklicht

worden.

Die IAEA hat jetzt das Recht, ihre Sicherheitsbestimmungen auf über 230
private oder in Regierungsbesitz befindliche Nukklearanlagen anzuwenden.
Wir begrüßen Inspektionen jener Anlagen, die von der IAEA ausgesucht werden, als ein Mittel, um die Unterstützung der Vereinigten Staaten für
wirksame Sicherheitsbestimmungen zu demonstrieren, und wir werden das
weiterhin tun.

Wir appellieren an andere, diesem Beispiel zu folgen. Wir sind erfreut über den kürzlichen Abschluß eines sowjetischen freiwilligen
Sicherheitsabkommen mit der IAEA, und wir hoffen, daß die Sowjets zusätzliche Typen und Zahlen von Anlagen für Sicherheitsbestimmungen zugänglich
machen werden. Wir hoffen, daß auch China für einige seiner Nukleareinrichtungen IAEA-Sicherheitsbestimmungen akzeptieren wird.

Viertens, die Vereinigten Staaten haben im Jahre 1981 das Protokoll I
des Vertrages von Tlatelolco ratifiziert, das eine kernwaffenfreie Zone
in Lateinamerika schafft. Durch diesen Akt haben wir uns verpflichtet,
keine Kernwaffen in amerikanischen Territorien in dieser Zone zu lagern
oder zu dislozieren. Wir hatten zuvor Protokoll II des Vertrages ratifiziert, wodurch sich die Vereinigten Staaten verpflichtet haben, gegen
Vertragsparteien des Vertrages von Tlatelolco keine Kernwaffen einzusetzen oder ihren Einsatz anzudrohen. Vor einigen Wochen wurde eine weitere
Initiative bekanntgegeben: der Entwurf für eine kernwaffenfreie Zone im
Südpazifik. Wir sind bereit, diesen neuen Vertragsentwurf mit Interesse

�mit Interesse und vorurteilslos zu prüfen.

Der NPT ist also ein großer Erfolg, wenn es darum geht, das erste
Ziel zu erreichen, nämlich der Ausbreitung der Kernwaffen Einhalt zu gebieten. Und, wie es in einem der berühmten Parkinsonschen Gesetze heißt:
Der Erfolg einer Politik kann an den Katastrophen gemessen werden, die
nicht eintreten. Die Weiterverbreitung, mit der man vor Jahrzehnten gerechnet hatte - diese Katastrophe - ist nicht eingetreten.

Wie sieht es nun in bezug auf das zweite Ziel des Vertrages, die Förderung der friedlichen Nutzung der Kernenergie aus? Hier ist das Bild
sehr gut.

Seit den ersten Tagen des Programmes "Atome für den Frieden" haben
die Vereinigten Staaten anderen Ländern dabei geholfen, friedlichen Nutzen aus der Kernenergie zu ziehen - um ihren Energiebedarf zu befriedigen, ihren Bedarf im Bereich der Medizin und der Gesundheitsvorsorge, in
der Wissenschaft, in der Industrie und in der Landwirtschaft. Wir waren
damals der Überzeugung - und sind es noch heute -, daß alle dem NPT angehörigen Staaten - insbesondere die Entwicklungsländer - eine legitimes
Recht haben, diese friedlichen Anwendungen zu betreiben und daß die Vertragsparteien besondere Vorteile erhalten sollten.

Während der gesamten bisherigen Laufzeit des Vertrags hat sich die
friedliche nukleare Zusammenarbeit zwischen den NPT-Vertragsparteien
ständig verstärkt. Die Nichtweiterverbreitungsverpflichtungen der Vertragsparteien schufen das Vertrauen, daß friedliche nukleare Hilfe und
Exporte nicht zur Herstellung von Kernwaffen mißbraucht würden. Dieses
Vertrauen hat überhaupt erst die Versorgung im Nuklearbereich ermöglicht.

Die Vergangenheit zeigt das Maß, in dem sich die Hilfe für die Vertragsparteien gesteigert hat. In den vergangenen 15 Jahren wurden zehntausende von Studenten aus den Entwicklungsländern in den Nuklearwissenschaften und in verwandten Bereichen ausgebildet, und diese Zahl nimmt
ständig zu. Fast 20 Entwicklungsländer besitzen jetzt eigene Forschungs-

�eigene Forschungsreaktoren. Und seit 1980 hat die IAEA fast 150 Millionen
Dollar an technischer Hilfe bereitgestellt - und damit die Mittel des
vorhergehenden Jahrzehnts mehr als verdoppelt, wobei der größte Teil dieser Gelder an NPT-Vertragsparteien ging.

Dies ist auch mit der Grund dafür, daß die Republik Korea nunmehr einen beträchtlichen Teil ihrer Elektrizität aus Kernenergie gewinnt. Mexiko, die Philippinen und Ägypten sind dabei, Kernkraftanlagen zu errichten. Andere dürften diesem Beispiel in den kommenden Jahren folgen.
Auch hier haben die Vereinigten Staaten erhebliche Hilfe geleistet,
wie ein paar Beispiele aus unseren Aktivitäten seit 1980 deutlich belegen:

— Praktisch die gesamte amerikanische Exportfinanzierung im Nuklearbereich - insgesamt über 1 Milliarde Dollar - ging an NPT-Vertragsstaaten.
— Es wurden spezielle Ausbildungsvereinbarungen getroffen, um Technologietransfer nur mit solchen Staaten ZJ fördern, die dem NPT oder dem
Vertrag von Tlatelolco angehören.
— Wir haben Hunderte von Stipendien für technische Ausbildung unter
der IAEA fast ausschließlich für NPT-Vertragssstaaten gewährt.

— Alle zusätzlichen amerikanischen Haushaltsmittel für Projekte
technischer Hilfe, die nicht durch die IAEA bereitgestellt wurden, gingen
an NPT-Vertragsparteien.

—Wir haben unsere Regeln und Vorschriften modifiziert, um die Lizensierung von Exporten in NPT-Vertragsparteien zu erleichtern.

—Und wir haben fast 22 Millionen Dollar für das technische Hilfsprogramm der IAEA ausgewiesen.

Zusammengefaßt: Was dieses zweite Ziel des NPT angeht, so haben wir
viele konkrete Maßnahmen ergriffen und erhebliche Mittel aufgewandt, um
- 9 -

�aufgewandt um friedliche Nuklearprogramnie zu fördern, die den Entwicklungsländern von echtem Nutzen sind. Wie stets kann auch hier mehr getan
werden. Wir werden auch weiterhin mit anderen zusammenarbeiten, um dazu
beizutragen, daß sichergestellt wird, daß uns allen der ganze Vorteil der
friedlichen Mög- lichkeiten des Atoms zuteil werden kann.

Das dritte - aber gewiß nicht das geringste - Ziel des NPT wird in
der Forderung von Artikel VI zum Ausdruck gebracht, nämlich nach "Verhandlungen in gutem Glauben über wirksame Maßnahmen in bezug auf die Beendigung des nuklearen Wettrüstens..." Genau zu diesem Zweck stehen die
Vereinigten Staaten mitten in einer ganzen Bandbreite von Rüstungskontrollverhandlungen. Wir sind unseren Verpflichtungen gemäß Artikel VI gerecht geworden - und werden dies auch weiterhin tun. Dennoch teilen wir
voll und ganz den Eindruck, der diesen Saal beherrscht und der sicherlich
hier noch seinen Ausdruck finden wird - daß nämlich die Ergebnisse dieser
Verhandlungen bislang enttäuschend gewesen sind.

Dieses Ziel beträchtlicher Rüstungskontrolle existiert unabhängig vom
NPT, obgleich dieser es eindeutig verstärkt. Keine andere Nation bzw.
Gruppe von Nationen hat eine stärkere Motivation hinsichtlich konkreter
Schritte zur Beendigung und Reversion des nuklearen Wettlaufs als wir.
Keine andere Nation bzw. Gruppe von Nationen wünscht mehr einen Fortschritt gemäß Artikel VI.

Ich würde sogar noch weiter gehen: Keine Nation bzw. Gruppe von Nationen wünscht Fortschritte in der Rüstungskontrolle mehr als die Vereinigten Staaten von Amerika. Verhinderung eines Atomkrieges und Bewegung in
Richtung auf das Ziel der Beseitigung der Kernwaffen sind Präsident Reagans oberste Prioritäten. Er hat es so oft gesagt: Ein Atomkrieg kann nie
gewonnen und darf nie geführt werden.

Viele von Ihnen werden im Lauf des kommenden Monats darauf verweißen,
wie dürftig der Fortschritt in Richtung auf das Ziel der Beseitigung der
Kernwaffen gewesen ist, seit der Vertrag in Kraft trat. Wir können dieser
Argumentation nur zustimmen, wenn vielleicht auch nicht mit den entspre-

-10-

�mit den entsprechenden Erklärungen.

Und dennoch sollten wir nicht außer acht lassen, daß einiger Fortschritt erzielt worden ist. Der ABM-Vertrag setzt Begrenzungen bei der
Dislozierung von Raketenverteidigungen; die SALT-Verträge begrenzten das
Anwachsen der strategischen Offensivkräfte - wenn sie sie leider auch
nicht verringerten.

Niemand kann leugnen, daß es heute schlicht und einfach zu viele
Kernwaffen auf der Welt gibt. Niemand kann leugnen, daß wir mit der
dringlichsten aller Aufgaben vorangehen müssen, diese Waffen zu verringern und schließlich zu beseitigen. Niemand kann leugnen, daß es hierzu
der Taten - und nicht der Worte - bedarf.

Die Vereinigten Staaten haben sich dieser Aufgabe voll und ganz verpflichtet. Wir verhandeln nicht nur intensiv und flexibel, sondern wir
haben auch zur Verringerung der Kernwaffen einseitige Schritte und Maßnahmen zusammen mit unseren Verbündeten unternommen. Seit der NPT in den
sechziger Jahren ausgehandelt wurde, haben die Vereinigten Staaten einseitig ihr totales Nukleararsenal um ein Viertel verringert. Seit Aushandlung des NPT haben wir, erneut einseitig, die Gesamtzerstörungskraft
unseres nuklearen Arsenals um gut über die Hälfte verringert. Und seit
der letzten Überprüfungskonferenz haben die Vereinigten Staaten gemeinsam
mit ihren NATO-Verbü'ndeten 1000 nukleare Gefechtsköpfe aus Europa abgezogen und danach noch einmal im Jahr 1983 den Entschluß gefaßt, weitere
1400 abzuziehen.

Seit der letzten Uberprüfungskonferenz - und erneut heute - schlagen
die Vereinigten Staaten der Sowjetunion vor, Beobachter, ausgerüstet mit
jeder Art von Instrument, die sie mitzubringen wünschen, zu einem unserer
Atomtests zu schicken. Wenn die Sowjets zustimmen - was wir hoffen -, so
kann dadurch ein Prozeß in Gang kommen, der wirksam dazu beiträgt, Begrenzungen bei unterirdischen Nuklearversuchen zu verifizieren.

Was uns anbelangt, so bleiben wir als langfristigem Ziel auch wei-

�Ziel auch weiterhin einem vollständigen Verbot von Nuklearversuchen verpflichtet. Aber wir sind nicht der Meinung, daß dies der nächste Schritt
bei unserem Bemühungen um einen Abbau der nuklearen Bedrohung sein sollte. Ein Verbot von Atomversuchen würde nicht die Anzahl der Kernwaffen
verringern. Und unsere dringlichste Aufgabe muß eine erhebliche Verringerung der bestehenden nuklearen Arsenale sein.

Aus diesem Grund haben die Vereinigten Staaten seit der letzten Überprüfungskonferenz - erst bei den START- und INF-Verhandlungen sowie nunmehr bei den Genfer Nuklear- und Weltraumverhandlungen - weitreichende
Vorschläge zur radikalen Verringerung der Anzahl strategischer ballistischer Raketen, ihrer Gefechtsköpfe sowie ihres Zerstörungspotentials auf
den Tisch gelegt. Es sind diese Systeme, die heute die ernsteste Bedrohung darstellen. Zusätzliche Vorschläge der Vereinigten Staaten würden
eine ganze Kategorie von Kernwaffen abschaffen - die sogenannten nuklearen Mittelstreckensysteme. Unser Ziel ist es, in die Rüstungskontrolle
Bewegung zu bringen: konkrete Abkommen auszuhandeln, die wirksam, verifizierbar und ausgewogen bei der Behandlung beider Seiten sind.

In wenigen Wochen wird in dieser Stadt die nächste Runde der Nuklearund Weltraumverhandlungen aufgenommen. Wir wissen, daß es dabei um viel
geht. Wir sind auch weiterhin davon überzeugt, daß Abkommen erzielt werden können, die die Stabilität stärken und der Sicherheit aller Länder
dienen würden.
Wie sieht es also 15 Jahre nach Inkrafttreten des Vertrags damit aus,
was in Verfolg dieser drei Ziele geleistet worden ist? Eine gute Note
gilt es für das erste Ziel der Einhaltung der Nichtweiterverbreitung von
Kernwaffen auszustellen; ein eindeutig positives Ergebnis auch bei der
Förderung der friedlichen Nutzung der Kernenergie; aber trotz fortgesetzter Verhandlungen weniger Fortschritt als erwartet beim Erreichen solider
Rüstungskontrollabkommen. Wie sieht die Gesamtwertung aus? Hat der NPT
unter dem Strich den Interessen seiner Vertragsparteien erfolgreich gedient?

Schauen wir - 12 -

�Schauen wir - bevor wir zu dieser abschließenden Bewertung gelangen noch einmal auf die vier Jahrzehnte seit Anbruch des Atomzeitalters zurück. Seither wurden die Kernwaffen glücklicherweise nicht als eben nur
hypergewaltige konventionelle Waffen betrachtet. Sie wurden in über vier
Jahrzehnten nicht eingesetzt.

Gleichzeitig erlebte man in den vier Jahrzehnten des nuklearen Friedens vier Jahrzehnte der unzähligen kleineren Kriege, die Hunderttausenden das Leben kosteten. Die Liste der Länder, nuklear oder nichtnuklear,
die in solche Konflikte verwickelt waren, würde viele Seiten füllen.
Stellen wir uns nur einen Augenblick lang die Folgen für all unsere Mitbürger und für die Welt vor, wenn auch nu: in einem dieser Konflikte
Kernwaffen eingesetzt worden wären.

Hierin liegt die abschließende Bewertung des Atomsperrvertrags. Er
war ein sehr guter Eckpfeiler für den Erfolg, dessen wir uns bislang erfreut haben, wenn es darum ging, eine weitere Verbreitung dec Kernwaffen
zu verhindern. Er war - und ist auch weiterhin - ein moralischer und politischer Imperativ für die derzeitigen Kernwaffenstaaten, zusätzliche
Maßnahmen auszuhandeln, um die Drohung durch einen Atomkrieg zu verringern und letztlich zu beseitigen. Beide Aspekte dienen der Sicherheit eines jeden, in diesem Saale vertretenen Landes und liegen auch im Interesse jener, die nicht Mitglied sind. Wir sollten außerdem auch nicht den
Beitrag vergessen, den der Vertrag dabei leistet, die Vorzüge der friedlichen Nutzung des Atoms verfügbar zu machen.

Deshalb war der NPT aus der Sicht der Vereinigten Staaten und als
Ganzes gesehen, bislang sehr erfolgreich. Ohne ihn wäre die Welt ganz
einfach ein weit gefährlicherer Ort. Dies ist ein entscheidender Punkt,
den wir nie außer Acht lassen dürfen, auch wenn wir von dem Fortschritt
in dem einen oder anderen speziellen Bereich enttäuscht sind.

Wollen wir deshalb in den kommenden Wochen hier die Erfolge des Vertrags anerkennen, während wir zugleich den Blick dafür behalten, wo es
noch des weiteren Fortschritts bedarf. Die Vereinigten Staaten werden ih- 13 -

�Staaten werden ihre Vorstellungen offen darlegen und sie werden ihren
Aussichten aufmerksam zuhören.

Am wichtigsten aber ist, daß wir uns erneut den Prinzipien und Zielsetzungen des Vertrages verpflichten. Sie waren solide, als der Vertrag
geboren wurde. Und sie sind auch heute noch solide. Wir werden bei dieser
erneuten Verpflichtung an Ihrer Seite stehen. Und wir werden auch an Ihrer Seite stehen, wenn es darum geht, daß unsere Taten auch in Zukunft
diese Prinzipien verwirklichen. Und wir werden an Ihrer Seite stehen, um
weiter auf den Erfolgen des Vertrages aufzubauen.

Das erwartet die Welt von uns. Und wir können es uns nicht leisten,
hinter diesem Anspruch zurückzubleiben.

* * * * *

- 14

�4

Wi//cn/chcift
und Technik

II M \ UV

• i\ I d i; Li ri

United States Information Service
Embassy ot tne United States of America

4. September 1385

35

ZUGANG ZJ US-NACHRICHTENSATELLITEN SOLL ALLEN NATIONEN OFFENSTEHEN
- Flexibilität - Schlüssel zu wirtschaftlichem Betrieb -

- (AD) •- Delegierte aus mehr als 120 Ländern, die dem Verband der Internationalen Fernmeldeunion

(ITU) (mit insgesamt 159 Mitgliedsstaaten)

angehören, erörtern derzeit in Genf Fragen der weiteren Stationierung von
Nachrichtensatelliten im Weltraum. Allen Nationen soll der Zugang offenstehen, gleichzeitig

soll er den

jeweiligen Erfordernissen angemessen

sein.

Auf dieser "World Administrative Radio Conference on the Use of the
Geostationary Orbit and the Planning of Space Services Utilizing It" (abgekürzt "Space WARC", für "Internationale Verwaltungskonferenz über die
Benutzung geostationärer Bahnen und die Planung von Dienstleistungen")
stehen u.a. die Zuteilung und Ausnutzung von Frequenzen, aber auch eine
mögliche Reservierung von Frequenzen für eine spätere Verwendung zur Diskussion. Letzteres ist vor allem für Entwicklungsländer von Interesse,
die heute nicht über Fernmeldesatelliten verfügen, jedoch irgendwann eigene Satelliten betreiben wollen.

"Space WARC" ist in zwei Sitzungsperioden unterteilt. Die gegenwärti-

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Die gegenwärtige erste Periode (8. August bis 14. September 1985) gilt
der Planung. In der für 1988 vorgesehenen zweiten Sitzungsperiode will
man sich auf die Durchführung jener Pläne von 1985 konzentrieren, die
sich in der Zwischenzeit als erfolgreich erwiesen haben.

Science Fiction wurde Wirklichkeit

Künstliche Erdsatelliten und ihre Stationierung in einem "erdsynchronen" Orbit, von Arthur C. Clarke im Februar 1945 vorgeschlagen, galt damals als eine Utopie, wurde bestenfalls als Science Fiction akzeptiert.
Heute, 40 Jahre später, ist beides Realität. Mindestens 138 Nachrichtensatelliten befinden sich gegenwärtig auf dieser Umlaufbahn in ca. 35 680
km Höhe über dem Äquator. Dort ist die Umlaufgeschwindigkeit eines Satelliten um unsere Erde gerade so groß wie deren Umdrehungsgeschwindigkeit,
so daß er in Relation zu Stationen auf der Erdoberfläche am Himmel stillzustehen scheint. Das bedeutet, daß er ständig als Relaisstation verfügbar ist. Im Gegensatz zu den ersten Nachrichtensatelliten, die die Erde
in geringeren Höhen umkreisten, verschwindet er nicht nach gewisser Zeit
hinter dem Horizont.

Die modernen Nachrichtensatelliten ermöglichen Verbindungen von Punkt
zu Punkt, aber ebenso von einem Punkt ;:u zahlreichen anderen Stationen
gleichzeitig. Sie übermitteln Funk- und Fernsehsendungen, Wetterberichte
und Vorhersagen, Daten jeder Art und Vielfalt, Telefongespräche zwischen
Kontinenten und rund um die Erde. Manche werden von einzelnen Ländern,
andere von regionalen und internationalen Organisationen betrieben. Der
Einsatz von rund 160 weiteren Nachrichtensatelliten ist vorgesehen.

Aber der geostationäre Orbit ist eine nicht veränderbare Größe. Und
das bedeutet, daß er nur eine bestimmte Zahl von Satelliten aufnehmen
kann. Sich Gedanken darüber zu machen, wie man seine ÜberfüLlung und eine
Schmälerung der übertragungsqualitat durch Interfrequenzen vermeiden oder
zumindest eingrenzen kann, ist eine der Hauptaufgaben der gegenwärtigen
Konferenz.
Die

Industrieländer

�Die Industrieländer halten eine Neuformulierung der ITU-Abmachungen
nicht für notwendig. Nach ihrer Meinung ermöglicht der Fortschritt der
Technik eine ständige Ausweitung der Kapazitäten des Funkspektrums, womit
man dem wachsenden Bedarf noch immer voraus sei. Dem halten vor allem
Entwicklungsländer

entgegen, daß es für sie keine Orbitalposition und

keine Frequenzen mehr geben werde, wenn sie später einmal in der Lage
seien, eigene Satelliten einzusetzen. Se.'.bst wenn ihnen durch technische
Fortschritte doch noch ein Zugang bliebe, würde dies so teuer, daß sie
ihn sich gar nicht leisten könnten. Deshalb solle für sie jetzt schon ein
Teil der weniger kostspieligen niedrigeren Frequenzbereiche des Funkspektrums bis zu dem Zeitpunkt reserviert werden, an dem sie die neue Technik
nutzen könnten.

Schlüssel: Flexibilität

Gegenwärtig werden Positionen im Orbit und Betriebsfrequenzen für alle geostationären Satelliten von der ITU zugeteilt. Sie tut dies jedoch
erst dann, wenn das betreffende Land nachweist, daß es einen Satelliten
innerhalb von fünf Jahren starten bzw. starten lassen kann. Die ITU, eine
Organisation der Vereinten Nationen, handhabt die Bestimmungen unbürokratisch und flexibel.

Die Vereinigten Staaten plädieren dafür, diese Flexibilität auch in
Bezug auf den Ausbau von Übertragunsfrequenzen zu erhalten. Sie verfügen
über die umfassendsten Erfahrungen und haben selbst viel in den Betrieb
und die Planung von Nachrichtensatellitennetzen investiert. Darüber hinaus spielten und spielen sie eine führende Rolle in technischen Verbesserungen zur Steigerung der Kapazität einzelner Satelliten wie zur Plazierung einer größeren Anzahl von Satelliten in bestimmten geostationären
Or b i ta1abschn i tten.
•

In einem am 1. März 1985 von der Bundeskommission für das Fernmeldewesen (FCC) vorgelegten Bericht heißt es u. a., die US-Regierung "bleibt
- 3 -

�US-Regierung "bleibt offen für ein breites Spektrum von Optionen, die 'in
der Praxis gleichbe rechtigten Zugang für alle' herbeiführen". Die notwendige Flexibilität, aber auch die gerechte Verteilung der Zugänge zum
Satellitenorbit werde durch eine langfristige Reservierung und damit die
Blockierung nicht genutzter Frequenzbänder nur beeinträchtigt. Für niemanden ergäte sich dadurch ein Vorteil.

Allerdings schlagen die Vereinigten Staaten vor, Entwicklungsländern
generell bestimmte Abschnitte des Funkwollenspektrums, und zwar im Bereich zwischen 3700 und 7075 Megahertz [im sog. C-Band mit 4 - 6

Giga-

hertz), vorzubehalten. Mit dem als ein "Expansionsband" definierten Bereich erhielten Entwicklungsländer die Gewähr für einen späteren Zugang
zum geostationären Orbit. Auf diesem Band könnten sie eine große Zahl von
Nachrichtenverbindungen

für

ihren Inlandsbedarf unterbringen, und zwar

auf relativ wirtschaftliche Weise. Demgegenüber lägen die Betriebskosten
bei Benutzung höherer Frequenzen, etwa bei 11 - 14 Gigahertz, um 40 Prozent höher.

Dem amerikanischen Vorschlag zufolge müßte ein Land der ITU bereits
15 Jahre im voraus jeden Plan zum Start eines Nachrichtensatelliten zur
Kenntnis bringen und innerhalb von fünf Cahren die auf den neuesten Stand
gebrachten technischen Details vorlegen, Die Vereinigten Staaten seien
dann ihrerseits bereit, für mindestens zehn Jahre auf die Benutzung dieser Expansionsbänder

im Inlandsfernmeldewesen freiwillig zu verzichten.

Sie appellieren an andere Industrieländer, sich diesem Schritt anzuschließen.

Die USA verweisen darauf, daß einem erhöhten Bedarf an Stationierungsplätzen im erdsynchronen Orbit und an Frequenzen durch allmähliche
Verringerung der Abstände zwischen den einzelnen Statelliten Rechnung getragen werden könne. Gegenwärtig sind diosem Näherrücken Grenzen gesetzt,
weil bei zu geringem Abstand zweier Satelliten voneinander die Gefahr besteht, daß sich die von beiden ausgestrahlten Signale überlagern, es zu
Interferenzen kommt. Diese Störungen lass;en sich durch technische Verbesserungen bei Satelliten wie Erdefunkstollen reduzieren oder ganz aus-

�oder ganz ausschalten, wie auf Grund vor. neuen Forschungsergebnissen zu
erwarten ist und wie es in geringem Umfang bereits praktiziert wird.

Auch durch neue Positionierungsverfahren ließen sich Verbesserungen
erzielen. So eruiert gegenwärtig die NASA (US-Bundesbehörde für Luft- und
Raumfahrt) Möglichkeiten zur Unterbringung einer Vielzahl von Satelliten
auf einer Weltraumplattform, mit der danr eine bestimmte Position im Orbit besetzt wird. Gegenwärtig

ist für jeden einzelnen Satelliten eine

spezielle Position erforderlich.

Zu den technischen Fortschritten zählen neben einer ständig mehr ausgeweiteten Nutzung von Mikrowellenfrequenzen, insbesondere in Richtung
noch kürzerer Wellen, die Mehrfachverwendung einer bestimmten Frequenz
durch mehr als nur eine Antenne mit Abstrahlung in geographisch getrennte
Gebiete. Dann werden polarisationstechni&lt;en angewandt, um die Kapazität
von Satelliten zu verdoppeln. Bei der Konstruktion von INTELSAT V wurde
die Frequenz-Mehrfachverwendung bereits berücksichtigt, und diese Verwendungsmöglichkeit wurde durch Polarisation noch verdoppelt. INTELSAT VI
ist nun so angelegt, daß, in Verbindung nit noch moderneren Technologien,
seine Kapazität doppelt so groß wie die von INTELSAT V sein wird. Im Rahmen der rasch voranschreitenden Modernisierung spielt auch die digitale
Modulation, durch die sich die Kapazität eines Kanals pro Satelliten-Transponder um das Drei- bis Zehnfache steigern läßt, eine wichtige
Rolle.

Gemeinsame Satellitennutzung
Eine gemeinsame Nutzung einzelner Satelliten trägt viel dazu bei, die
Kosten zu senken. Am bekanntesten ist wohl die Internationale Fernmeldesatelliten-Organisation (INTELSAT). Die von ihr betriebenen 15 Satelliten
im geostationären Orbit dienen 162 Mitgliedstaaten und Benutzern in aller
Welt. Sie bedient die stark in Anspruch genommen transatlantsichen und
traspazifischen Routen, ermöglicht aber ebenso nationale und internationale Verbindungen für "Kleinverbraucher" und in weniger frequentierten

�weniger

frequentierten

Regionen. Darüberhinaus

vermietet

sie Übertra-

gungskapazitäten an derzeit 24 Staaten, vor allem an Entwicklungsländer,
für deren Inlandsbedarf.

Daß regionaler Gemeinschaftsbetrieb die Systeme besser nutzt, stellen
Europa mit EÜTELSAT (mit 24 angeschlossenen Ländern), die PALAPA-Systeme
Indonesiens und ARABSAT unter Beweis. Indien erzielte durch seinen im August 1983 vom Raumtransporter CHALLENGER aus zum geostationären Orbit gestarteten

INSAT-Satelliten

spektakuläre Einsparungen: Mit Aufwendungen

von 130 Millionen Dollar waren Leistungen auf den Gebieten von Telefonund Wetterdienst, Fernsehübertragungen ind Funksendungen s:u den entlegendsten Dörfern zu erzielen, die beim Einsatz von erdgebundenen Systemen
schätzungsweise ein Siebentausendfaches gekostet hätten. Indische Wissenschaftler hatten gemeinsam mit Ford AEROSPACE den Satelliten entwickelt.

Die Bedienung der Fernmeldesatelliten erfordert Fachleute. Seit der
Gründung des USTTI

(U.S. Telecommunications Training Institute) im Jahr

1983 wurden dort 370 Manager und Techniker aus 71 Entwicklungsländern in
den einschlägigen Fachgebieten ausgebildet. Dazu zählen z.B. Hochfrequenz-Funktechnik, Satellitensysteme für die Bedienung ländlicher Gebiete
und der Betrieb von Rundfunk- uind FernsehSystemen. Für die Jahre 1985/86
sind bereits 400 Kandidaten für 27 weitere Kurse vorgemerkt.

* * * * *

�</text>
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                    <text>^H

^P^^^H

nrormouon
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

28. August 1985

34

INHALT

DOKUMENTATION
Reagan : 5DI soll Leben retten
- Auszüge aus der Ansprache des Präsidenten in Los Angeles Fortschritt in der Rüstungskontrolle hängt vom Verhalten der Soviets
ab_
- Ausführungen von US-Sicherheitsberater McFarlane -

HINTERGRUND
Großeinsatz gegen Cannbis-Anpflanzungen
- "Operation Delta-9" vernichtet Marihuana-Ernte WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Elektrowerkstatt im freien Weltraum
- DISCOVERY-Astronauten bemühen sich um Reparatur eines
Nachrichtensatelliten * * * * *

Um Über/endung von
ßelegexemplcwen
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

T e l . : 0 2 2 8 - 3 3 9 2035
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

28. August 1985

34

REAGAN:

SDI SOli LE3EN FETTEN

- Auszüge aus der Ansprache des Präsidenten in Los; Angeles -

LOG ANGFXiES - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat in einer Ansprache
in Los Ange3.es am 22. August 1985 betont, die /on ihm 1983 in die Wege
geleitete Strategische Verteidigungsinitiative (SDI) solle dazu dienen,
"Leben zu retten". Auf einem Essen, das die Republikanische Partei Kaliforniens veranstaltete, um Mittel für die Wahlcampf&lt;asse zu sammeln, wies
Reagan darauf hin, daß SDI einen Weg aus dem nakleacen Dilemra biete und
der Erfolg des Programms daran gemessen werde, wieviel Kenschenleben es
retten statt vernichten könne.

Zu seinen wichtigsten politischen Aufgaben in seiner zwe:.ten Amtszelt
sagte Präsident Reagan:

Wir sind stolz auf das, was wir erreicht haben, aber es bleibt noch
viel zu tun.

Diesen Herbst werden

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Diesen Herbst werden wir uns um die unfassendste Steuerreform bemühen, die dieses Land seit den zwanziger Jahren erlebt hat. Sie wird die
Steuersätze senken und die Maschen der Gesetzgebung schließen; sie wird
fair sein; und wenn sie erst einmal durchgeführt ist, wird sie unserer
Wirtschaft neue Kraft geben und die Investitionstätigkeit und die Unternehmen anregen. Die Menschen werden einen Anreiz haben, ihre Mittel in
Arbeitsplätze schaffende Geschäfts- und Handelsunternehmungen anzulegen,
statt sie unproduktiv in Sicherheit zu bringen oder die Steuer zu umgehen. Wir werden das alles dem Volk direkt vortragen. Es geht um die
Wahl zwischen dem Einzelinteresse und dem Gesamtinteresse. Das ist eine
große Sache, und mit Ihrer Hilfe werden wir sie für Amerika gewinnen.

Mit Blick in die Zukunft führen wir ein Forschungsprogramm weiter,
das uns einen Ausweg aus dem nuklearen Dilemma bietet, unter dem die
Menschheit seit vier Jahrzehnten leidet. Das Forschungsprogramm der
Strategischen Verteidigungsinitiative (SDI) bietet uns die Hoffnung, uns
selbst und unsere Verbündeten vor einem Angriff mit Atomraketen zu
schützen. Dies wird es uns ermöglichen, uns darauf zu konzentrieren,
Menschenleben zu retten, statt auf ihre Vernichtung zu zählen. Wir suchen
einen Schild gegen Kernwaffen - wir wollen die Technologie benutzen, um
mehr Sicherheit für uns zu erreichen. Unser Erfolg wird an der Zahl der
Menschenleben gemessen werden, die wir retten können - nicht vernichten.

Wir hören von unseren selbsternannten Experten immer wieder, unser
SDI-Konzept sei undurchführbar und eine Geldverschwendung. Nun, wenn das
wahr wäre, warum regen sich die Sowjets so sehr darüber auf? Warum investieren sie denn dann so viele Rubel in die gleichen Technologien?

Einer der Gründe, warum die Amerikaner uns gewählt haben, ist der,
daß wir nicht vor unserer Verpflichtung zurückschrecken, alles Notwendige
zu tun, um die Sicherheit unseres Landes zu erhalten und unseren Kindern
und Kindeskindern die Segnungen der Freiheit zu erhalten.
Dies wird nirgendwo deutlicher als in Mittelamerika. Wir haben in den
letzten viereinhalb Jahren eine verzweifelte Lage gewendet. Langsam und

�Langsam und still und ohne großes Aufsehen wurde eine der stolzesten
Leistungen dieser Administration vollbracht. Als wir die Regierung in
Washington übernahmen, war die Frage, die auf jedermanns Lippen lag:
"Wird El Salvador an die Kommunisten fallen?" Heute ist die Frage: "Wird
die Demokratie in Nicaragua siegen?" Und morgen wird die Frage lauten:
"Wie bald?"

Wir sind standhaft geblieben. Wir werden weiterhin alles Notwendige
tun, um die Sicherheit unseres Landes zu schützen und den Völkern Mittelamerikas zu helfen, freie, blühende und demokratische Länder aufzubauen.

- 3 -

�28. August 1985

34

FORTSCHRITT IN DER RÜSTUNGSKONTROLLE
HÄNGT VOM VERHALTEN DER SOWJETS AB
- Ausführungen von US-Sicherheitsberater McFarlane -

SANTA BARBARA, KALIFORNIEN - (AD) - Ohne eine radikale Änderung der
E i n s t e l l u n g der Sowjets

i n Sicherheitsfragen wird es schwer s e i n , auch

nur minimale F o r t s c h r i t t e

i n der Rüstungskontrolle und i n der Verbesse-

rung der Beziehungen zu Moskau zu e r z i e l e n .

Dies e r k l ä r t e der Berater

Präsident Reagans f ü r Fragen der nationalen S i c h e r h e i t , Robert McFarlane,
am 19. August

1985 vor

privaten Bürgervereinigungen

i n Santa

Barbara.

Der Präsident, so betonte McFarlane, sei nach wie vor b e r e i t , der Sowjetunion auf halbem Wege entgegenzukommen.
Der Sicherheitsberater

wies darauf h i n , daß die sowjetische

Haltung

i n regionalen Fragen, wie die sowjetische Invasion Afghanistans, die Unterstützung t e r r o r i s t i s c h e r
als S t e l l v e r t r e t e r
kleine

Fortschritte

Staaten wie Libyen oder die Benutzung Kubas

die Motivation der Sowjets
in

fragwürdig mache.

den amerikanisch-sowjetischen

Selbst

Beziehungen wären

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Beziehungen wären nur mit größten Schwierigkeiten zu erzielen.

Die Ausführungen von McFarlane haben folgenden Wortlaut:

Präsident Reagan wird bald in Genf mit dem Generalsekretär der KPdSU,
Gorbatschow, zusammentreffen.

Das Treffen findet in einem historischen Moment statt, wenn man bedenkt, wie gewaltig der Wandel im Westen war und wie groß das augenscheinliche Potential für einen Wandel im Osten ist.

In den letzten vier

Jahren haben wir hier in den Vereinigten Staaten und ganz allgemein im
Westen eine politische, wirtschaftliche und soziale Erneuerung von historischem Ausmaß erlebt.

Vor vier Jahren schienen wir durch die moralischen und institutionellen Nachwehen von Vietnam und Watergate gelähmt zu sein.

Unsere wirt-

schaftlichen Probleme schienen überdimensional zu sein und es waren keine
Lösungen in Sicht.

Das militärische Kräfteverhältnis hatte sich in dra-

matischer Weise zu unserem Nachteil verlagert, und die Auswirkungen dieses Zustandes waren in dem wachsenden Einfluß der Sowjets von Angola bis
Äthiopien und von Indochina über Afghanistan bis Nicaragua zu erkennen.
Unsere Bündnisse waren schwer erschüttert und die führenden Persönlichkeiten von London über Paris bis Moskau fragten sich, ob die Vereinigten
Staaten vom Iteg abgekommen seien und ob wir überhaupt noch in der Lage
wären, unsere Fähigkeit wiederzugewinnen, eine positive Führungsrolle in
der Weltpolitik zu spielen.

Heute sieht das Bild augenfällig anders aus.
unsere

Präsident Reagan hat

Wirtschaft auf einen soliden Weg zum Aufschwung gebracht.

Grundlage unserer Stärke ist wiederhergestellt worden.

Die

Der sowjetischen

Expansion ist Einhalt geboten worden, ja sie ist auf einer kleinen Insel
in der Karibik sogar zurückgedrängt worden.

Alles in allem, Amerika hat

wieder zu sich selbst gefunden; es übt eine Führungsrolle aus und der
Frieden ist sicherer geworden.
Auf der sowjetischen
- 2 -

�Auf der sowjetischen Seite der Bilanz ist das Bild weniger klar. Aber
es existiert sicherlich die Möglichkeit für eine vielversprechende Zukunft.

Die Sowjetunion hat einen neuen Führer - einen Mann, der nicht

mit den Vfechselfällen von Vorwahlen und Ifehlkämpfen zu ringen braucht;
einen Mann also, der vielleicht bis zur Jahrhundertwende im Amt bleiben
kann.

Hier in den Vereinigten Staaten - einem Land der Optimisten mit dem
größten Optimisten unserer Geschichte an der Spitze Beste.

hoffen wir auf das

Natürlich sind wir nüchtern genug zu wissen, daß unser Optimismus

nicht immer gerechtfertigt ist; doch wir geben ihn nicht auf.

Wenn wir

uns auf den heg machen in eine, wie wir hoffen, vielversprechende Zukunft, dann sollten wir offen und ehrlich vorgehen und unsere Ziele und
Zwecke wie auch unsere Zweifel deutlich machen und weder mit unseren
Hoffnungen noch mit unseren Befürchtungen hinter dem Berge halten.

Wir erleben eine Zeit, in der die Dinge im Kreml ziemlich im Fluß
sind und man sich Gedanken über sich selbst macht.

Die Sowjets haben ein

Recht zu wissen, wo wir stehen, wenn sie kohärente Entscheidungen treffen
sollen.

Wenn wir ihnen einige unserer Besorgnisse mitteilen, können wir

vielleicht ihre Überlegungen beeinflussen.

Und genau das will ich heute

tun.

Es wird oft gesagt, daß die Rivalität zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjtunion unveränderlich und es unsere Aufgabe sei, sie
nicht zu beenden, sondern sie lediglich unter Kontrolle zu halten. Manche Leute sagen, daß es seit 1945 nur einen toeg gebe, sie zu beenden, und
der sei zu schrecklich, als daß man auch nur daran denken könne.

Aber

für viele andere wird die Unausweichlichkeit dieser Konkurrenz nicht allein durch die harten Tatsachen des Atomzeitalters hervorgerufen.

Sie

hat sehr viel tiefere, ältere - und wie manche Leute sagen - unauslöschlichere Ursachen.

Für manche Leute haben die berühmten Vorhersagen von

Tocqueville vor 150 Jahren eine volkstümliche, wenn nicht gar intellektuelle Gültigkeit angenommen.
Jeder, der mit
- 3 -

�Jeder, der mit den konkreten Problemen zu tun h a t , die diese Länder
trennen, weiß, daß praktische Entscheidungen der P o l i t i k niemals von der
Annahme ausgehen, v i e l l e i c h t

sei eine grundlegende Änderung der

isch-amerikanischen Beziehungen i n S i c h t .

sowjet-

Im Gegenteil, wir müssen die

Konkurrenz a l s eine gegebene Tatsache hinnehmen und das Beste daraus machen.

Aber das darf nicht zur Ausrede dafür werden, daß wir etwa n i c h t

an das dächten, was den Kern unserer Meinungsverschiedenheiten ausmacht.
Seit v i e l e n Jahren beschäftige ich mich mit den Problemen der

Vfeltpoli-

t i k ; aber niemand konnte mich bislang von der Existenz eines Naturgesetzes überzeugen, das von zwei bevölkerungsreichen und mächtigen Ländern
der

Erde

Vtenn sie

verlangt,

in

ständiger

sich f e i n d s e l i g

Feindseligkeit

verhaftet

gegenüberstehen, dann hat dies

zu

bleiben.

wahrscheinlich

andere Gründe a l s nur die Tatsache i h r e r Gegensätzlichkeit, i h r e r großen
Bevölkerung, i h r e r Macht oder i h r e r Entfernung voneinander.

Ich glaube, die

e i g e n t l i c h e n Kräfte

sich ändern können - und ändern.
militärische

Rivalität

des K o n f l i k t s

sind Dinge, die

Vtenn zwischen zwei großen Ländern eine

besteht, dann wird sie weniger durch die

Steffen

selbst hervorgerufen, als durch die Art und Vfeise, wie beide Seiten über
militärische

Sicherheit

denken.

Vtenn es eine

geopolitische

Rivalität

g i b t , dann wird diese nicht durch die Gegebenheiten der Geographie verursacht , sondern durch die A r t und Vteise, wie beide Seiten i h r e p o l i t i s c h e
Sicherheit und ihre anderen Interessen d e f i n i e r e n .

Vtenn es zu einem Zu-

sammenprall der Ideen kommt - nun, dann kann man sagen, daß selbst Ideologien nicht ewig dauern.

Manche p o l i t i s c h e n Ideologien sind die Quelle

f a s t grenzenloser Energie und K r e a t i v i t ä t , aber andere sind wahre Gefängn i s s e , die nicht

nur jene einsperren, die an sie glauben, sondern auch

die v i e l e n anderen, die nicht daran glauben.

Nichts kann die menschliche

Energie und K r e a t i v i t ä t mehr einschränken a l s eine schlechte Idee.

Aber

Ideen s i n d , wie i c h gesagt habe, Gott sei Dank nicht u n s t e r b l i c h .

Sie

sind e i n e r , wie man es gelegentlich nennt, "Therapie der R e a l i t ä t " u n t e r worfen - sie müssen vor der Z e i t und der Erfahrung bestehen.
kann man sie mit etwas Glück abwerfen.
ses stürzen gelegentlich e i n .

Manchmal

Vvände eines g e i s t i g e n Gefängnis-

Und so selten es i n diesem Jahrhundert des

i n s t i t u t i o n a l i s i e r t e n Fanatismus auch vorkommen mag - Menschen ändern i h -

�ändern i h r e Meinung.
Wir wissen aus den Erklärungen der sowjetischen Führer, daß dieser
Tage

viele

der

bestehenden

überprüfen werden.
war

sicherlich

politischen

Die Bewährungsprobe

hart.

Generalsekretär

Vorstellungen

besonders

genau

vor der Z e i t und der Erfahrung
Gorbatschow

selbst

hat

kürzlich

"eine neue Einstellung zu a l l den Mängeln, negativen Entscheidungen und
zu a l l e n Arten von Schlamperei" g e f o r d e r t .

Er machte d e u t l i c h , daß die

Neubewertung lange hinausgeschoben worden s e i .

I n Zukunft, so seine Wor-

t e , "wird mehr Ordnung gefordert werden, mehr wissenschaftliches Streben,
mehr wichtige Entscheidungen, usw.

A l l e s i n allem wird es einer M o b i l i -

sierung der schöpferischen Kräfte und der Fähigkeit bedürfen, die Dinge
i n unserem Lande neu zu ordnen und neu i n A n g r i f f zu nehmen - nicht nur
i n der Wirtschaft, sondern auch im g e s e l l s c h a f t l i c h e n Bereich, im Bereich
der K u l t u r , der Ideologie und i n a l l e n anderen Bereichen."

Das scheinen hoffnungsvolle Worte zu s e i n , aber v i e l l e i c h t werden Sie
mir

zustimmen, daß wir h i e r

im Westen es von außen sehr schwer haben,

diese Worte r i c h t i g zu i n t e r p r e t i e r e n .
Prozeß des t i e f g r e i f e n d e n

Wir können nicht wissen, ob e i n

Wandels im Gange i s t oder n i c h t .

I n der Ver-

gangenheit war der Eindruck des Wandels nicht mehr a l s eine Maske, h i n t e r
der die starren Formen des Systems weiterbestanden.

Jeder neue Führer

- so stark er auch einen toöndel befürwortet haben mag - mußte erkennen,
daß die Tatsache, daß er durch die Befolgung der Regeln des Systems an
die Macht gekommen war, i h n auch zum Gefangenen dieser

Regeln machte.

Wenn e i n solcher Prozeß i n Gang kommen s o l l t e , dann wird das schwer f e s t zustellen s e i n ; wir wissen n i c h t , ob wir einen Beitrag zu diesem Prozeß
l e i s t e n können oder nicht und wir können nicht voraussagen, wie er ausgehen w i r d .

Aber da er uns sehr stark b e r ü h r t , i s t

es s i c h e r l i c h ange-

bracht , daß wir die Art von Fragen vorschlagen, die wir i n dieser

Hin-

s i c h t s t e l l e n werden - die Fragen, deren Antwort einen wesentlichen E i n fluß auf unsere eigene P o l i t i k haben werden.

Ich gehe davon aus, daß die

sowjetischen Führer ebenfalls gerne wissen möchten, wie w i r darüber denken, welche A r t von Änderung am meisten dazu beitragen könnte, das amerikanisch-sowjetische Verhältnis s t a b i l e r zu g e s t a l t e n .

Manchmal vernehmen

�Manchmal vernehmen wir Klagen der Sowjets, sie wüßten nicht, worauf wir
hinauswollten - lassen Sie mich also offen darüber sprechen.

Ich möchte mit militärischen Fragen beginnen.

Ich habe gesagt, daß

die Räder der militärischen Rivalität nicht durch die Waffen selbst in
Bewegung gesetzt werden, sondern durch das Denken, das die Waffen beherrscht, durch die politischen Doktrinen, Entscheidungen und Interessen,
wie sie durch die Organisation, den Aufbau und den Umfang einer Militärmaschinerie zum Ausdruck kommen.

In den letzten Jahren waren einige so-

wjetische Entscheidungen sehr beunruhigend für uns, da sie eine Einstellung zu Sicherheitsfragen erkennen ließen, die sich von der unsrigen völlig unterscheidet.

Damit meine ich nicht nur, daß die sowjetischen Mili-

tärausgaben so hoch sind - obwohl sie wirklich hoch sind.
möchte ich nicht hinaus.

Aber darauf

Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf etwas ganz

anderes lenken - auf Entscheidungen, die die Konkurrenz auf einem Gebiet
neu beleben oder in Gang setzen, wo es bisher überhaupt keine Konkurrenz
gab.

Nehmen Sie die chemischen Waffen.

In diesem Jahrhundert haben diese

Waffen bei der Öffentlichkeit im Westen eine Abscheu und einen Schrecken
hervorgerufen wie nur die Kernwaffen. Es war ein Schrecken, der es unseren Regierungen sogar ermöglichte, recht erfolgreich zu handeln.

Das

Genfer Protokoll von 1925 war viele Jahre lang das Rüstungskontrollabkommen, das am meisten Unterstützung und Einhaltung fand.

Als Ergebnis nah-

men unsere eigenen Kapazitäten, Vorräte und unsere Ausbildung stetig ab.
Leider verlief die Entwicklung in der Sowjetunion nicht parallel dazu,
deren große Anstrengungen auf diesem Gebiet von uns nicht länger ignoriert werden konnten.

Aus diesem Grunde haben wir jetzt vorgeschlagen,

unser eigenes Programm für chemische Waffen zu modernisieren.

Wir würden

das lieber nicht tun; der Kongreß würde das auch lieber nicht tun; und
wir haben versucht, daran vorbei zu kommen.

Im April 1984 hat Präsident

Reagan Vizepräsident Bush mit Vorschlägen nach Genf gesandt, über ein
völliges Verbot chemischer Waffen zu verhandeln - aber seitdem haben die
Verhandlungen keine Fortschritte gebracht.
Durch diese

�Durch diese Entwicklung drängt sich zwangsläufig eine Frage auf: Väs
hat die Sowjetunion aus der Wiederbelebung dieses Wettstreits gewonnen?
Ist es vor allem heute, da chemische Waffen von kleinen Ländern billig
hergestellt und tödlich eingesetzt werden, nicht zwingend notwendig, daß
wir verifizierbare Kontrollen finden?

Ich wünschte, das wäre ein völlig isolierter Fall.

Aber wir können

das gleiche Prinzip in der Frage erkennen, die die sowjetisch-amerikanischen Rüstungskontrollverhandlungen - wie auch die Kontroverse in der Öffentlichkeit - während der ersten Amtszeit des Präsidenten beherrschte:
Die nuklearen Mittelstreckensysteme (INF).
storischer Rückblick ganz nützlich.

Auch hier ist ein kleiner hi-

Sie wissen sicherlich, daß die Ver-

einigten Staaten viele Jahre ihre Kapazitäten bei den Mittelstreckenraketen in Europa immer weiter abgebaut haben.
getan.

Die Sowjets haben das nicht

In den fünfziger und sechziger Jahren wurden im westlichen Bünd-

nis viele Pläne entwickelt, um den sowjetischen Vorsprung auszugleichen,
aber einer nach dem anderen wurde aus einer ganzen Reihe unterschiedlicher Gründe wieder aufgegeben.

Mit dem Aufkommen der Entspannung Ende

der sechziger Jahre begann das Gefühl der Dringlichkeit dieser Angelegenheit zu schwinden.

Und vor allem die militärischen Besorgnisse, die

durch den steigenden Raketenvorsprung der Sowjets hervorgerufen wurden,
nahmen mit der Zeit ab:

Die Sowjetunion schien ihre großen Mittelstrek-

kenraketen veralten zu lassen.

Aber dann geschah etwas Merkwürdiges. Die Sowjets begannen stattdessen, mit der SS-20, einer der schrecklichsten Waffen, die der Osten je
eingeführt hat, ihre Streitmacht zu verstärken.

Um mich kurz zu fassen:

Das Ergebnis war ein NATO-Beschluß, daß diesen neuen sowjetischen Dislozierungen etwas entgegengesetzt werden müsse.

Im Jahr 1983, nachdem wir

uns zwei Jahre vergeblich bemüht hatten, eine Lösung des INF-Problems
auszuhandeln, begann der Westen seine eigenen Raketen aufzustellen.

Die nuklearen Mittelstreckensysteme machen dieser Tage keine Schlagzeilen mehr, und dies mag einen analytischen Vorteil haben.

Wir haben

heute zu dem Ablauf dieser Ereignisse einen gewissen Abstand gewonnen und

�gewonnen und haben die Pflicht, sie kritisch zu beurteilen, tos geschah?
Es war ein Streit zwischen Ost und West über eine Frage entstanden, die
manche längst erledigt geglaubt hatten.

Dies führt zu zwei Fragen, die

meinern Meinung nach noch immer schwer zu beantworten sind: tos glaubte
die Sowjetunion aus der Neubelebung dieser Konkurrenz zu gewinnen?

tos

hat sie aus jahrelangen einseitigen Verhandlungspositionen gewonnen, die
von der Erwartung westlicher Uneinigkeit ausgingen?

Und lassen Sie mich schließlich eine militärische Frage aufgreifen,
die Schlagzeilen macht:

das Verhältnis zwischen offensiven und defensi-

ven strategischen Systemen.

Wie Sie wissen, kamen die Vereinigten Staa-

ten und die Sowjetunion im Jahr 1972 überein, wonach keine Seite eine Abwehr gegen ballistische Flugkörper aufbauen solle.

Die Sowjetunion un-

terhält seither um ihre Hauptstadt ein Verteidigungssystem, das durch den
Vertrag gestattet ist.
getan.

Die Vereinigten Staaten haben nichts dergleichen

Beide Seiten haben Forschung betrieben, wie der Vertrag das ge-

stattet. Die sowjetische Forschungsanstrengung war außerordentlich stark.

Nun hat Präsident Reagan völlig im Einklang mit den Begrenzungen des
ABM-Vertrages die Strategische Verteidigungsinitiative (SDI) vorgeschlagen, um die Möglichkeiten einer Verteidigung neu zu prüfen.
vor allem waren es, die zu dieser Entscheidung führten:

Zwei Gründe

Erstens die ge-

waltige offensive Aufrüstung der Sowjets im vergangenen Jahrzehnt, die
die Überlebensfähigkeit unserer Streitkräfte in Frage gestellt hat; und
zweitens der Wjnsch des Präsidenten, wirklich herauszufinden, ob die Zerbrechlichkeit des nuklearen Gleichgewichts verringert werden kann, indem
man sich von der moriisch unbefriedigenden Doktrin der nuklearen Vergeltung entfernt.

Wie der Präsident oft gesagt hat, handelt es sich hier um

die hoffnungsvollste Chance unserer Zeit.

Wir sind überzeugt, daß sie

zur Sicherheit beider Seiten beitragen könnte, vor allem, wenn wir bei
den Genfer Abrüstungsverhandlungen Fortschritte erzielen.

Wir hoffen, in

diesen Verhandlungen herausfinden zu können, wie beide Seiten die strategische Stabilität gestärkt wissen wollen. Aber wie haben die Sowjets reagiert?

Öffentliche Erklärungen der Sowjets, mit denen viele von Ihnen

vertraut sein werden, schlagen einfach etwas vor, worüber unserer Auffas-

�unserer Auffassung nach überhaupt nicht verhandelt werden und was auch
nicht verfiziert werden kann:

Ein Verbot der Forschung - zu einem Zeit-

punkt, da sie, die Sowjets, selbst das größte Forschungsprogramm auf Erden betreiben.

Und als ein Meisterwerk von Unverfrorenheit behaupten sie

immer wieder, unser Programm ziele darauf ab, eine Erstschlagkapazität zu
erwerben.

Kurzum, wir haben mit der Aufnahme eines wirklichen Dialogs eine ganze Menge Schwierigkeiten.

Und angesichts der anderen, von mir erwähnten

Beispiele haben wir uns einige beunruhigende Fragen zu stellen.

Wird die

Sowjetunion diese Probleme potentiell kooperativ angehen oder wird sie
alles unter einem Nullsummen-Aspekt betrachten?

Die anderen Beispiele

- chemische Waffen und INF - lassen den Schliß zu, daß diese Taktik des
Alles oder Nichts den Sowjets nicht wirklich dienlich ist.

Offensichtlich hängt viel von der Beantwortung dieser Fragen ab.

Der

Präsident ist die Verpflichtung eingegangen, der Sowjetunion bei der Ausarbeitung verantwortungsbewußter Lösungen für die anstehenden Probleme
auf halbem Vtege entgegenzukommen.
te wiederholen.

Ich kann diese Verpflichtung auch heu-

Aber ohne eine gewisse Änderung in der Haltung der So-

wjets bei Sicherheitsfragen und bei dem ihr zugrundeliegenden Denkansatz
fürchte ich, daß selbst schrittweise Verbesserungen nur sehr schwer zu
erreichen sein werden; und selbst diese werden nur mit Mühe an Schwungkraft gewinnen und sich gegenseitig bestärken.

Die Probleme sowjetisch-amerikanischer Rivalität gehen natürlich über
das Militärische hinaus.

Da gibt es die überaus wichtige Frage, wie jede

Seite ihre Interessen in der toelt definiert.

Viele Menschen im Westen

halten nach Zeichen des Wandels Ausschau, was die Vorstellungen anbelangt , die die Sowjetunion von den Problemenm der internationalen Politik
hat.

Manche Leute, die sich mit dieser Frage auseinandersetzen, argumen-

tieren, die UdSSR sei nunmehr das, was man eine "reife" Nation nennt; sie
werde nicht mehr von Lenins alter Doktrin - "Je schlimmer, desto besser"
- geleitet; sie werde nicht mehr so stark von ihrer ideologischen Abneigung gegenüber dem Westen angetrieben; und sie habe es nicht mehr nötig,
- 9 -

�mehr nötig, jede sich bietende Gelegenheit zu ergreifen, um zu ihrem eigenen Vorteil die Politik Amerikas zu lähmen.

Das währen sicherlich wichtige Veränderungen.
finden, ob sie echt sind?
men.

Wie können wir heraus-

Offensichtlich nur durch praktische Maßnah-

Wenn es in Moskau um die Diskussion dieser Fragen geht, sollte sich

die sowjetische Führung der Tatsache bewußt sein, daß wir an praktische
Dinge, wie Afghanistan, Kuba und Libyen, denken.

Nehmen wir Afghanistan.

Heute führen 120 000 sowjetische Soldaten

den brutalsten Krieg, den es derzeit auf der Erde gibt.

WDZU?

Das läßt

sich nicht leicht sagen. Manche Leute im Westen glauben, die Sowjetunion
habe zu dem kommunistischen Staatsstreich im Jahr 1978 aufgehetzt, der
der Invasion des Jahres 1979 vorausging.

Wie Sie wissen, haben sich die

staatlichen Stellen wie die Kommentatoren in der Sowjetunion stets hiervon distanziert und erklären, sie hätten damit nichts zu tun.

Uns fehlen

die entsprechenden Erkenntnisse, aber wir können uns Fragen über die sowjetische Politik stellen, um uns über deren Ziele Klarheit zu verschaffen.

Wenn die Sowjets sich wirklich von allem distanzieren wollen, wenn
sie wirklich zeigen wollen, daß sie kein Interesse daran haben, derlei
Ereignisse zu schüren - warum stehen dann 120 000 Soldaten in Afghanistan
und beschützen die paar Leute, die diesen Staatsstreich gegen das afghanische Volk unternahmen?
zen ein

ihnen

Die Sowjets sagen, sie brauchten an ihren Gren-

freundlich

gesonnenes Afghanistan.

Wir können diesen

Wjnsch womöglich verstehen, aber wie kann man diese Freundschaft denn
verwirklichen?

Wir sagen der sowjetische Führung:

Eure derzeitige Poli-

tik verstärkt nur den Haß des afghanischen Volkes.

Haben die Sowjets ei-

ne nichtmilitärische Strategie, um mit diesem Problem

fertigzuwerden?

Wenn dem so ist, werden sie uns bereit finden, ihnen dabei zu helfen, sie
zu verwirklichen.

Oder nehmen Sie Libyen.

Es gibt heute nur wenige Regierungen, wenn

überhaupt welche, deren Politik insgesamt mit dem Ausdruck umschrieben
- 10 -

�Ausdruck

umschrieben

werden

könnte:

"Je schlechter, desto besser."

Oberst Ghaddafi steht im Gefolge dieser Tradition, die versucht, Unruhe
und Instabilität zu provozieren oder von ihr zu profitieren.

Angesichts

dieser Tatsache müssen wir Amerikaner einige ernste Fragen hinsichtlich
seiner Unterstützung durch die Sowjetunion stellen.
wird genügen:

Ein kleines Beispiel

Vtelchen Nutzen hat angesichts all der Terrorismus-Probleme

in diesem Teil der Vfelt die Tatsache, daß die Sowjetunion Ghaddafi Unterseeboote zur Verfügung stellt?

Oder wem dient es angesichts des Krieges

im Persischen Golf, der sich endlos hinzuziehen scheint, wenn sie Oberst
Ghaddafi Raketen gibt, die ihren Iteg in den Iran finden und schließlich
mitten in Bagdad landen, der Hauptstadt eines Landes, das einen Freundschaf tsvertrag mit der Sowjetunion hat?
Freundschaftsverträgen sein?
stem Ernst zu fragen:

Soll das die Bedeutung von

Wir Amerikaner haben das Recht, mit voll-

Vfenn dieses "Je schlechter, desto besser" nicht

sowjetische Politik sein sollte - sollte dann das Verhältnis zwischen der
Sowjetunion und Oberst Ghaddafi nicht ganz anders sein?

Nehmen Sie schließlich Kuba.

Auf dem Preisschild der sowjetischen

Unterstützung Kubas stehen nach Berechnungen unserer Experten etwa 5 Milliarden Dollar im Jahr.

Zum Vergleich:

Das ist in etwa so viel wie wir

für Ägypten und Israel zusammen zur Verfügung stellen - wobei beide Länder zusammengenommen eine fünfmal größere Bevölkerung haben als Kuba.
Kuba muß also für die sowjetische Politik eine Verpflichtung von ganz erheblicher

Bedeutung

darstellen.

Eine

Verpflichtung

aber

wozu?

Uns

scheint, um ganz offen zu sein, der Hauptvorteil für die Sowjetunion darin zu liegen, daß Kuba - die kubanischen Truppen, die kubanischen Berater und die kubanischen Basen - zu offensiven Zwecken genutzt werden kann.

Die kubanische Politik der letzten zehn Jahre ist wirklich außergewöhnlich, und sie ist umso außergewöhnlicher, weil sie gar nicht so hätte
zu sein brauchen.

Rund die ersten zehn Jahre nach der Raketenkrise von

1962 war Kuba für die sowjetisch-amerikanischen Beziehungen kein entscheidendes Reizthema.

Jetzt ist es eines.

Kubas Soldaten sind in Krie-

ge auf zwei Kontinenten verwickelt und trotz des internationalen Drucks
aus vielen Richtungen gibt es kein Zeichen für ihren Rückzug in die Hsi- 11 -

�die Heimat.

Das Muster ist in etwa das gleiche wie bei den chemischen

Waffen oder bei den Raketen in Europa, das ich bereits skizziert habe.
Die Sowjetunion hat eine Konfliktquelle erneut offengelegt.
aus Vorteile gezogen?

Hat sie dar-

Wir hoffen, daß man sich diese Frage in Moskau

stellen wird.

Es sollte keinerlei Zweifel hinsichtlich der Fähigkeit der Vereinigten Staaten geben, mit diesen Schwierigkeiten fertigzuwerden, wenn sie
sich uns in den Weg stellen. Aber darum geht es nicht. Sicher, wir müssen der Sicherheit Pakistans mehr Aufmerksamkeit schenken, als dies vor
einigen Jahren der Fall war - aber das kann getan werden.
müssen wir heute der Sicherheit

Desgleichen

von El Salvador mehr Aufmerksamkeit

schenken als vorher, aber auch das können wir in den Griff bekommen. Und
nicht anders betrachten wir die Probleme, die Libyen für seine Nachbarstaaten, zu denen einige gute Freunde der Vereinigten Staaten gehören,
schafft.

Die verbleibende Frage betrifft die umfassendere

Wirkung, die all

dies auf die sowjetisch-amerikanischen Beziehungen sowie darauf hat, ob
dies wirklich die Wirkung ist, die die sowjetische Seite wünscht.

Sie

schickt uns sicherlich laute und unüberhörbare Botschaften über die Motivationen sowjetischer Politik.
reichen nur schwieriger.

Das macht Verbesserungen in anderen Be-

Es ist nur eine Garantie dafür, daß jedweder

kleine Schritt vorwärts , den wir möglicherweise machen könnten, isoliert
bleiben wird und nur mühsam gesichert werden kann - von einer Würdigung
im vorhinein durch beide Seiten ganz abgesehen.

Hinzuzufügen wäre, daß sich an all dem nichts ändert, wenn man sowjetischerseits von Moskaus Verantwortung zur Hilfe für andere "sozialistische" Staaten hört.

Das reduziert sich für uns natürlich darauf,

daß anderen Regierungen dabei geholfen wird, ihre Völker zu unterdrükken.

Wir sind der Meinung, daß der Sozialismus sowjetischen Stils vielen

großen Nationen Leid gebracht und deren Fähigkeiten nur eingeschränkt
hat.

Hiervon sind wir absolut überzeugt.

Zweifellos ist die sowjetische

Führung anderer Meinung, aber damit ist es nicht getan.
- 12 -

Ich hoffe viel-

�hoffe vielmehr, sie werden schließlich doch einmal eine andere Frage
überdenken.

Ob nämlich eine derartige sowjetische Verwicklung überhaupt

aus ihrer eigenen Interpretation heraus gerechtfertigt ist.

So erinnern

wir uns hier im Westen zum Beispiel an die Bemerkung von Generalsekretär
Andropow über den Unterschied zwischen dem Aufbau des Sozialismus einerseits und seiner bloßen Proklamierung andererseits.

Wir hoffen, daß solch eine Skepsis Quelle des Zweifels darüber sein
kann, ob die von mir beschriebene Politik der Sowjetunion wirklich deren
Interessen gedient hat.

Bisher habe ich von den politisch-militärischen Fragen gesprochen,
die unsere Beziehungen trüben.

Sie dominieren fast immer die Tagesord-

nung der zwischen uns bestehenden Probleme.
unsere Unterhändler.

Auf sie konzentrieren sich

Es gibt noch weit mehr Themen, die ich aufgreifen

könnte - von Polen bis zur Weiterverbreitung von Kernwaffen.

Wie wichtig

sie auch sein mögen, so gehören sie doch nicht zu dem Bereich, in dem die
Veränderungen von größter Tragweite stattfinden könnten.

Offen gesagt,

die dauerhafteste und weitreichendste Verbesserung der sowjetisch-amerikanischen Beziehungen - und wahrscheinlich der sowjetischen Beziehungen
mit fast allen Ländern der Erdekönnte sich durch Ereignisse innerhalb der
Sowjetunion vollziehen.

Wenn Amerikaner gegenüber sowjetischen Regierungsvertretern die Frage
der Menschenrechte aufwerfen, wissen sie, was auf sie wartet.

Der so-

wjetischen Haltung zufolge mischen wir uns in "inner Angelegenheiten"
ein.

Die sowjetische Seite hat sich mittlerweile auch an das gewöhnt,

was wir normalerweise darauf antwortetn - daß nämlich viele dieser Fragen
Verpflichtungen beinhalten, die durch die Schlußakte von Helsinki eingegangen wurden.

Wir sprechen von Verpflichtungen, die die Sowjetunion

freiwillig eingegangen ist.

Dies ist ein wichtiger Punkt.
genommen werden.

Unterzeichnete Verträge müssen ernst-

Aber dies ist nicht der Hauptgrund dafür, daß Amerika-

ner ein Interesse an den Menschenrechten und an der Demokratie bekunden.
- 13 -

�Demokratie bekunden.

Und es geht auch nicht allein darum, daß wir an Mo-

ral in der Politik glauben, oder daß unser Herz bei den sowjetischen Juden ist, die emigrieren wollen, dies aber nicht können.
gentliche Grund

ist, daß echter Fortschritt

Nein, der ei-

in dieser Richtung eine

grundlegende Wirkung auf das internationale System und auf die Art und
Weise haben würde, wie wir miteinander verkehren.

Als Präsident Reagan im April 1984 in China war, hielt er eine Rede,
die sicherlich eine der freimütigsten war, die jemals von einem führenden
Politiker gehalten wurde, der ein Land mit anderem politischem System besucht.

Seine Botschaft war einfach:

"Vertraut dem Volk."

Für uns ist

die Bedeutung eines solchen Satzes offensichtlich, aber viele der Ideologien des 20. Jahrhunderts gründen sich auf Argwohn gegenüber dem Volk,
auf der Überzeugung, daß es zu selbständigem Handeln nicht fähig sei.
Deshalb lassen Sie mich kurz darlegen, was es, ganz praktisch gesehen,
bedeutet, dem Volk zu vertrauen.
wir ganz konkret.

Erstens:

Lassen wir Gefühle beiseite und seien

Was kann ein Volk tun, wenn man ihm vertraut?

Nur das Volk kann die landwirtschaftliche Produktivität re-

volutionieren.

Alle anderen Versuche gehen hoffnungslos in die Irre.

Vor über 20 Jahren beschuldigte die Kommunistische Partei der Sowjetunion
die Chinesische Partei des Glaubens "Wenn ein Volk Sandalen trägt und aus
einer einzigen großen Schüssel Wassersuppe ißt - das ist Kommunismus."
Heute könnte man eine derartige sarkastische Unterstellung nicht mehr machen.

In den vergangenen sieben Jahren hat sich die landwirtschaftliche

Produktivität in China verdoppelt.

Und während seines jüngsten Besuchs

hier bei uns sprach der indische Ministerpräsident Gandhi von den Fortschritten, die Indiens Landwirtschaft aufgrund verstärkter Anreize gemacht habe,
dies?

heute ist Indien bei Weizen ein Nettoexporteur.

Wie kommt

Das Volk schaffte es.

Zweitens:

Nur das Volk kann die wissenschaftlich-technologische Re-

volution schaffen.

Und sie wird in jenen Ländern geschafft, die sich

heute des raschesten Wirtschaftswachstums erfreuen.
zentralen Planwirtschaft kann das schaffen.
- 14 -

Kein Ministerium der

In den Vereinigten Staaten

'

�Vereinigten Staaten i s t das Schlagwort f ü r Itendel i n der Struktur unserer
Volkswirtschaft die Dezentralisierung - und schon schießen Firmen aus dem
Boden, die neue Produkte etwa im Bereich der Informationstechnologie a n bieten.
dent

In seiner Rede i n China, die ich gerade erwähnte, sagte P r ä s i -

Reagan:

"Täuschen wir

uns n i c h t :

Jene, die diese

lebenswichtige

Hahrheit mißachten, werden i h r e Länder dazu verdammen, immer weiter z u rückzufallen.. ."
Schließlich:
neu beleben...

Nur das Volk kann seine nationale Kultur immer wieder
Kein Ministerium der Kultur kann das.

Sicher wird jedes Volk diese Aufgaben auf seine eigene Vfeise b e w ä l t i gen.

Jede Kultur hat ihre Besonderheiten.

Bei allem Handel b l e i b t China

eindeutig chinesisch und erkennbar s o z i a l i s t i s c h .
erwähnten Aufgaben zu bewältigen, g i l t

Aber um diese von mir

für a l l e Menschen dasselbe:

Sie

müssen i h r e Entscheidungen selbst f ä l l e n , sie müssen i h r e Fähigkeiten zum
Tragen bringen, sie müssen i n der Lage s e i n , von anderen zu lernen und
sie müssen Kenntnis von den entscheidenden Faktoren des w i r t s c h a f t l i c h e n
und sozialen Lebens haben.

Es g i l t , die i n s t i t u t i o n a l i s i e r t e

Geheimnis-

krämerei abzuschütteln, die die übrige Vtelt nur absurd und s e l b s t z e r s t ö rerisch findet.

Es g i l t , über die ganz einfachen Dinge Bescheid zu wis-

sen - etwa den Umfang der Vteizenernte des vergangenen Jahreswie über die
größeren
geht.

Zusammenhänge

- etwa

das, was draußen

in

der

Vfelt

vor

sich

Menschen müssen i h r Land verlassen d ü r f e n , wenn sie dies w o l l e n .

Wird ihnen a l l das verweigert, b l e i b t ihnen nicht v i e l zu tun ü b r i g .

Der sowjetischen Führung würde ich sagen, daß dies nicht etwa unsere
romantischen

Ideale

sind.

auch i h r e r eigenen Z i e l e .

Sie

sind

vielmehr

praktische

Erfordernisse

Und sie sind praktische Erfordernisse von Z i e -

l e n , die auch wir selbst haben, denn sie sind der Schlüssel zur Veränderung der Ost-Vfest-Beziehungen.
Lassen Sie mich zum Abschluß zu den praktischen Perspektiven zurückkehren, mit denen i c h begonnen habe:
Erwartung

der

Veränderung

des

Wir planen unsere P o l i t i k nicht

Ost-Vfest-Verhältnisses.

- 15 -

Wir

in

streben

�Wir streben schrittweise Verbesserungen an und wir betrachten deren Wart
nicht als unerheblich.

Die sowjetische Führung sollte wissen, daß Präsi-

dent Reagan bereit ist, geduldig und methodisch kleine Schritte vorwärts
zu tun und daß wir nach Maßgabe dessen reagieren, was wir von ihr bekommen.

Es scheint mir, daß wir zu diesem Zeitpunkt des Nachdenkens in der
Sowjetunion von uns wie von der sowjetischen Seite mehr fordern sollten.
Wir sollten erkennen, daß jene, die nur kleine Verbesserungen anstreben,
am Ende oft überhaupt keine erreichen.

Wir erkennen kosmetische Verbes-

serungen , wenn wir sie sehen, und wir kennen die Bedeutung und den Wart
großen Wandels.

Wir sollten uns jene Fragen stellen und auf den Antwor-

ten beharren, die wegweisend sind.

* * * * *

- 16 -

�28. August 1985

34

GROSSEINSATZ IN DEN USA GEGEN CANNABIS-ANPFLANZUNGEN
- "Operation Delta-9" vernichtet Marihusna-Ernte -

- (AD) -- Dank der Zusammenarbeit mit einigen Anfaulendem und wirksamer juristischer Maßnahmen im Inland gelang es den Vereinigten Staaten,
das Einschleusen von Marihuana (Haschisch* aus Mittsl- und Südamerika
merklich einzudämmen. Dies veranlaßt die Drahtzieher hinter der Drogenszene, den illegalen Cannabis-Anbau (indischer Hanf) in den Vereinigten
Staaten selbst zu forcieren.
Die Frühernte war Anfang Ajgust zu erwarten. Dagegen lie"? nun fünf
Tage lang die "Operation Delta-9". Die Bezeichnung ist in Kurzform von
der chemischen Formel für den aktiven Bestandteil in Marihuana abgeleitet. Mehr als 2200 Beamte und Mitarbeiter von Hundes-, Staats- und Kommunalbehörden, vom Bundesforstdienst bis zur Küstenwacht, waren landesweit
im Einsatz. Koordiniert wurden die in allen 50 Bundesstaaten gleichzeitig
durchgeführten Aktionen von 150 Mitarbeitern der DEA (Bundesbehörde für
Rauschgiftbekämpfung). Bill Deac, der Sprecher der DEA, bezeichnete sie
als den "größten Einsatz gegen Marihuana in dec Geschichte".
Schon am ersten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Schon am ersten Tag wurden 336 Anpflanzungen ausgemacht und, in 30
Bundesstaaten, weit über 100 000 Cannabis-Pflanzen vernichtet. Rund 55
Personen karren in Haft, Waffen aller ^rt wurden beschlagnahmt. Die Pflanzer greifen immer mehr zur Gewalt, um ihre Cannabis-Felder zu schützen mit Fallen, Schrotflinten, Dynamit, Wachhunden und anderen Mitteln gehen
sie gegen Eindringlinge vor. In Arkansas wurde ein Polizeihubschrauber
beschossen, jedoch gab es keine Verletzten.

Wie DEA-Administrator Jack C. Lawn, der zusammen mit Justizminister
Edwin Meese III von einem Hubschrauber aus einen Teil der Einsätze beobachtete, in einer Pressekonferenz berichtete, seien im vergangenen Jahr
in den Vereinigten Staaten etwa 12 Prozent des konsumierten Marihuana im
Lande selbst angebaut worden. Während der Kampagnen gegen den Cannabis-Anbau im Jahr 1984 wurden Felder mit mehr als 13 Millionen Pflanzen zerstört, 4941 Personen wurden in Haft genommen.

Die Strafen für jene, die in diesem Jahr wegen Drogenkriminalität
festgenommen werden, fallen aufgrund einer Gesetzesänderung vom vergangenen Jahr erheblich härter aus: Wer Cannabis-Pflanzen anbaut, hat mit bis
zu 15 Jahren Gefängnis und bis zu 250 000 Dollar Geldstrafe zu rechnen.
Das Land, auf dem der indische Hanf steht, wird konfisziert. Das Gleiche
geschieht mit allen anderen persönlichen Gegenständen, die zum Anbau benutzt oder mit Einkünften aus dem Verkauf von Marihuana angschafft wurden. Die drastischen Strafen sollen vor dem Anbau, der Herstellung und
der Weitergabe von Haschisch abschrecken. Dem neuen Gesetz zufolge werden
bei Händlern mit Heroin, Kokain und anderen Suchtstoffen Bankguthaben,
Eigenheime, Autos und anderes, mit ihren Gewinnen angeschafftes Eigentum
eingezogen. Sie haben mit 20 Jahren Zuchthaus und 250 000 Dollar Geldstrafe zu rechnen. Übrigens wurden auch die Strafen für privaten Drogenmißbrauch verschärft.

Appelle an die Weltöffentlichkeit
- 2 -

�Appelle an die Weltöffentlichkeit

Der Schutz von Jugend und Familien vor Drogenmißbrauch und den damit
verbundenen katastrophalen Folgewirkungen ist ein besonderes Anliegen von
Nancy Reagan, der Frau des amerikanischen Präsidenten. Im April dieses
Jahres hatte sie zum ersten Mal Frauen von Staats- und Regierungschefs zu
Gesprächen über Drogenprobleme eingeladen, zu denen die "First Ladies"
von 17 Ländern nach Washington kamen. Anschließend nahm die Gruppe noch
für zwei Tage an der überaus erfolgreichen diesjährigen PRIDE-Konferenz
teil. (PRIDE ist die Abkürzung von "Parents' Resource Institute on Drug
Education" - einer privaten Organisation für Familienhilfe und Elternberatung bei Drogenproblemen.) Im Rahmen der PRIDE-Bewegung, die sich die
Arbeit an der Basis zum Ziel gesetzt hat, bildeten sich in den Vereinigten Staaten in den letzten paar Jahren mehr als 4 000 Elternkreise als
sehr aktive Arbeitsgruppen in sämtlichen 50 Bundesstaaten. Mancherorts
sind auch Schulen und Jugendorganisationen in die PRIDE-Tätigkeiten einbezogen.

Nancy Reagan beabsichtigt, die Feierlichkeiten anläßlich des 40jährigen Bestehens der Vereinten Nationen im Oktober 1985 zum Anlaß zu nehmen, zu einer wesentlich erweiterten Konferenz über das Drogenproblem die
Frauen der Staats- und Regierungschefs einzuladen, die sich zur UN-Tagung
in New York einfinden. Vorbeugung, Information und Erziehung zur Immunität gegen die Verlockungen von Suchtstoffen aller Art werden als die
wichtigsten Punkte erörtert. Fast alle Teilnehmerinnen sind ja selbst
Mütter und somit auch persönlich daran interessiert, daß ihre Kinder oder
Enkel und deren Freunde nicht in den Rauschgiftstrudel gezogen werden.
Manche der First Ladies setzen sich in ihren Ländern bereits aktiv für
den Schutz der Jugend vor Drogen ein. Die Frau des amerikanischen Präsidenten hofft, durch die bevorstehende Tagung im Rahmen der Vereinten Nationen die Weltöffentlichkeit stärker als bisher für den Kampf gegen
Rauschgift und Suchtstoffe zu mobilisieren.
* * * * *

- 3-

�34

28. August 1985

ELEKTROWERKSTATT IM FREIEN WELTRAUM
Discovery-Astronauten bemühen sich um Reparatur
eines Nachrichtensatelliten -

- (AD) - Deram 27. August 1985 gestartete amerikanische Raumtransporter
DISCOVERY soll bei seiner sechsten Mission im All mit fünf Astronauten an
Bord acht Tage lang die Erde umkreisen. Aber zunächst waren es widrige
Wetterbedingungen am Kap Canaveral, dann Probleme mit dem Hauptcomputer,
die eine Verschiebung des ursprünglich für den 24. August geplanten
Starts der Raumfähre notwendig machten.

Der 20. Einsatz eines amerikanischen Raumtransporters steht unter der
Führung von Astronaut Joe Engle, Kopilot beim zweiten Flug der COLUMBIA
und, in den sechziger Jahren, Pilot des inzwischen legendären Raketenflugzeuges X-15, mit dem er in großen Höhen operierte. Zur jetzigen
DISCOVERY-Besatzung gehören außerdem Richard Covey als Kopilot, John
Lounge als Missionspezialist und Dr. William Fisher sowie James van
Höften als Nutzlastspezialisten.
Van Höften wird

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Van Höften wird seine Erfahrungen beim Einfangen und bei der Reparatur des Sonnenforschungssatelliten SOLARMAX im vergangenen Jahr gut gebrauchen könne. Denn ihm und Fisher steht die schwierigste Aufgabe der
neuen Mission bevor - nämlich das Einholen und die Reparatur des Nachrichtensatelliten SYNCOM IV-3 (auch als LEASAT bezeichnet). Er blieb
stumm, reagierte auf keinerlei Funkbefehle, zündete nicht die Feststofftriebwerke zur Weiterbeförderung auf die Äquatorbahn in 36 000 km Höhe,
nachdem er am 14. April 1985 aus dem Nutzlastraum der DISCOVERY bei ihrem
damaligen vierten Einsatz abgesetzte worden war. Zwar gaben sich drei
Astronauten zwei Tage später in einem improvisierten Außenbordmanöver und
mit improvisierten Hilfsmitteln jede nur erdenkliche Mühe, die Elektrik
des 4,25 mal 4,25 m großen Kolosses doch noch funktionsfähig zu bekommen
und den Aktivierungsmechanismus in Gang zu setzen - aber vergeblich. Die
NASA entschied dann, daß zunächst die Ursache der Panne ausfindig gemacht
werden müße. SYNCOM wurde erst einmal seinem Schicksal überlassen.

Inzwischen ergaben Untersuchungen bei der Herstellerfirma Hughes Communications Inc., die den Satelliten an die amerikanische Marine für deren weltweites Nachrichtennetz vermieten sollte, daß mit großer Wahrscheinlichkeit der Zeitgeber für den gesagten Ablauf der Aktivierung der
SYNCOM-Systeme von der Stromzuführung abgeschnitten und damit funktionsunfähig geworden war. Dies könnte auch die Erklärung dafür sein, daß ein
Hebel an der Außenseite des Satelliten, der sich beim Absetzen aus dem
Raumtransporter automatisch hätte umlegen und die Systemaktivierung in
Gang setzen sollen, auf die von den Astronauten damals vorgenommen Manipulationen absolut nicht reagierte. Denn auch für diesen Hebel war ein
Signal vom Zeitgeber erforderlich.

In Laboratorien und Werkstätten der Fa. Hughes wie der NASA hat man
inzwischen Verfahren und Hilfsgeräte entwickelt, um z. B. durch das Anbringen von Griffen auf beiden Seiten des riesigen Satelliten Greifmöglichkeiten und eine Halterung für den 17 m langen "Robotkran" an Bord
der DISCOVERY zu schaffen und den defekten Zeitgeber durch die Montage
von Überbrückungsleitungen zu ersetzen.
Gut sechs Stunden

�Gut sechs Stunden Arbeitszeit im Weltraum werden die Astronauten
Fisher und Van Höften benötigen, wenn erst einmal das Rendevous mit dem
defekten Nachrichtensatelliten und die Annäherung des Raumtransporters
auf ca. 12 m Abstand gelungen ist. Auf der Arbeitsplattform an der Spitze
des Kranes "verankert", wird Van Höften nach dem Anbringen des ersten
Griffes in einem bestimmten Bereich der SYNCOM-Seitenwand zunächst versuchen, den langsam rotierenden Satelliten (er dreht sich vermutlich pro
Minute einmal um die eigene Achse) immer wieder an diesem Griff zu fassen
zu bekommen und wenigstens ein paar Sekunden zu halten. "Halten" bedeutet
allmähliches Abbremsen. Das dürfte angesichts der Masse des Objekts (fast
sieben Tonnen) und der daraus resultierenden Trägheitskraft zur Fortsetzung der Eigenbewegung nicht ganz einfach sein. Zumindest erfordert es
viel Geschick, Geduld und wohl doch erheblich viel Zeit.

Erst wenn SYNCOM zum Stillstand gekommen ist, kann Fisher, im offenen
Nützlastraum an einer Leine gesichert, den zweiten Griff an der gegenüberliegenden Seite des Außenwand und die Halterung für den Kran anbringen. Dies ist die Voraussetzung dafür, daß der vom Cockpit der DISCOVERY
aus ferngesteuerte Robotarm den Satelliten greift, fest zu halten bekommt
und in den Nutzlastraum absenkt, wo die Reparatur vorgenommen werden soll.

Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit - ein Vorhaben unter Begleitumständen, für die es noch keinen Präzedenzfall gibt. Denn SYNCOM ist, mit
3350 kg Treibstoff für seine Feststofftriebwerke und 2212 kg flüssigem
Treibstoff beladen, ein brisantes Objekt. Die NASA und die Astronauten
versichern, daß alle erdenklichen Vorsichtsmaßnahmen bedacht worden seien
und keine Gefahr bestünde. Auch dürfte allein schon die Weltraumkälte,
der SYNCOM während der vergangenen viereinhalb Monate ausgeliefert war,
bewirkt haben, daß die Zündfähigkeit des Treibstoffes noch eine Zeitlang
beeinträchtigt sein wird. Denn die auch für die Zündung wichtige Temperaturregelung für die einzelnen Systeme kann überhaupt erst in Gang kommen,
wenn die Elektronik wieder funktioniert.

Van Höften und Fisher umgehen den nicht funktionsfähigen Zeitgeber
- 3 -

�funktionsfähigen Zeitgeber durch Verlegen neuer Leitungen und vorübergehendes Neuschalten von Ver- bindungen. Sie öffnen die Seitenwand, montieren zwei neue Acht-Stunden-Zeitgeber, benutzen zur Prüfung und Aktivierung bestimmter Systeme Buchsen, die sonst nur dem Hersteller zum Durchprüfen des Satelliten in der Werkstatt dienen, und montieren vorübergehend ein Schaltsystem, damit endlich die Rundstrahlantenne ausgefahren
werden kann. Auch sie hatte sich im April einfach nicht gerührt. Sie wird
dringend gebraucht, um die Funkbefehle der Kontrollstation auf der Erde
für SYNCOM aufzunehmen und ständige Verbindung zum Satelliten zu halten.
Während der ganzen Zeit können die Astronauten mit beiden Händen am Satelliten arbeiten - der Robotkran hält ihn in Position. Ist die Reparatur
beendet, wird SYNCOM wieder freigegeben, wobei van Höften versuchen wird,
ihn erneut in Rotation zu versetzen. Wünschenswert wären zwei Umdrehungen
pro Minute. Die DISCOVERY kann sich nun absetzen. Die zuständige Bodenstation für SYNCOM übernimmt mittels Funkbefehl die Aktivierung und künftige Steuerung. Bis zur Zündung der Feststoffraketen, die SYNCOM IV-3 in
knapp 36 000 km Hohe katapultieren sollen, können allerdings noch zwei
Monate vergehen. Und erst dann ist zu beurteilen, ob der Reparaturversuch
tatsächlich erfolgreich war.

Nicht vor dem sechsten Flugtag soll die Rettungsaktion beginnen. In
den ersten drei Tagen steht das Absetzen von drei Nachrichtensatelliten
auf dem Programm. Einer davon ist, mit einiger Veränderung, vom gleichen
Typ wie SYNCOM IV-3. Beim zweiten Nachrichtensatelliten handelt es sich
um AUSSAT-1, der im Auftrag der australischen Regierung abgesetzt wird
und abgelegene Gebiete an das Fernmelde- und Fernsehnetz anschließen
soll. Auftraggeber für den dritten Nachrichtensatelliten ist das Unternehmen "American Satellite Corporation". Außerdem hat die Firma "3M" mit
der NASA die Fortsetzung der Experimente zur Züchtung von Kristallen aus
organischen Lösungen vereinbart, die bei einem DISCOVERY-Flug im November
1984 in speziellen Reaktoren an Bord des Raumtransporters zum ersten Mal
in der Schwerelosigkeit durchgeführt wurden. Die Kristalle sollen der
Elektronik, Optik und Filmtechnik neue Möglichkeiten eröffnen.
* * * * *

- 4-

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: SDI soll Leben retten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Ansprache des Präsidenten in Los Angeles -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fortschritt in der Rüstungskontrolle hängt vom Verhalten der Sowjets ab&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ausführungen von US-Sicherheitsberater McFarlane -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Großeinsatz gegen Cannabis-Anpflanzungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- "Operation Delta-9" vernichtet Marihuana-Ernte -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Elektrowerkstatt im freien Weltraum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- DISCOVERY-Astronauten bemühen sich um Reperatur eines Nachrichtensatelliten -&lt;/em&gt;</text>
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mIER

Information
und
Dokumentation

11 t1^

Dl Ell

United States Information Service
Embassy of the United States of America

33

21.

August

1985

I N H A L T

WIRTSCHAFT
USA rechnen mit Entscheidungen über Reform des
Internationalen Währungsfonds im kommenden Jahr
- USIA-Interview mit IWF-Direktor Dallara HINTERGRUNDMATERIAL
Zusammenarbeit in der Atompolitik
- Sonderbotschafter Richard T. Kennedy erläutert
Prinzipien der amerikanischen Regierung WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neue Gebührenordnung für Raumtransporterflüge
- Inanspruchnahme des Frachtraums soll Kosten decken

+ + + + +

Um Übef/cndung von
ßelegexemplcwen
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�2 1 . August 1985

33

USA RECHNEN MIT ENTSCHEIDUNGEN ÜBER REFORM DES INTERNATIONALEN
WÄHRUNGSFONDS M KOMMENDEN JAHR
- USIA-Interview mit IV\F-Direktor Dallara -

WASHINGTON -(AD) - Die Vereinigten Staaten rechnen im Frühjahr nächsten Jahres mit Entscheidungen über eine Reform des I n t e r n a t i o n a l e n Währungsfonds (IMF), die der Organisation mehr Einfluß auf die P o l i t i k
großen Industrienationen geben w i r d .

Dadurch s o l l t e n rasche Schwankungen

der Wechselkurse v e r r i n g e r t und das i n t e r n a t i o n a l e
samt verbessert werden.
US-Informationsamtes
Direktor

der

Währungssystem insge-

In einem Interview mit dem Korrespondenten des

(USIA) Jon Schaffer e r k l ä r t e der amerikanische IW^-

Charles Dallara

die Entscheidungen der Finanzminister

Ländern i n Tokio am 2 1 . Juni seien zwar nicht

von e l f

" w e l t e r s c h ü t t e r n d " , aber

sie gingen " s i c h e r l i c h i n die r i c h t i g e Richtung".

Das amerikanische M i t g l i e d des IW^-Direktoriums rechnet auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds im Oktober nur mit einer

all-

gemeinen Diskussion über die Reformvorschläge; die e i g e n t l i c h e n Entschei-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�eigentlichen Entscheidungen durften nach seiner Ansicht im Frühjahr 1986
fallen.

Die Vereinigten Staaten haben in Tokio noch schärfere Maßnahmen

für die "Aufsicht" über die Tätigkeit des IWF vorgeschlagen, die Gruppe
konnte sich jedoch nicht auf all diese Vorschläge einigen.

Dallara be-

tonte in dem Interview, die Vereinigten Staaten würden jedoch auf jeden
Fall an der Forderung nach größerer Publizität der Empfehlungen der einzelnen Mitgliedsländer festhalten.

Dallara bezeichnete das Europäische Währungssystem

(EWS) als nütz-

liche Einrichtung, jedoch sei es nicht ohne weiteres auf außereuropäische
Regionen übertragbar.

Auch ein System fester Wechselkurse lehnte Dallara

ab, weil es keine gesunde wirtschaftliche Entwicklung fördern könne.

Die Fragen und Antworten zur Reform des IWF haben folgenden Wortlaut:

FRAGE:

Die Zehnergruppe hat kürzlich eine Studie über Mittel und We-

ge zur Verbesserung des internationalen Währungssystems abgeschlossen.
Diese wird Anfang Oktober dem IWF vorgelegt werden.

Die darin enthalte-

nen Empfehlungen scheinen die gegenwärtige Situation nicht wesentlich zu
verändern.

Ist dem so, weil die Experten und Minister der elf damit be-

fai3ten Staaten mit der heutigen Arbeitsweise des Systems voll und ganz
zufrieden waren, oder weil sie in unterschiedliche Richtungen gingen und
sich nicht einigen konnten?

ANTWORT:

Ich glaube, weder das eine noch das andere ist richtig.

Sicherlich bestand kein überwältigendes Maß an Zufriedenheit mit dem gegenwärtigen System.

Aber auf der anderen Seite entstammen die Probleme

im System nicht einfach dem System selbst, sondern den Unzulänglichkeiten
der Politik und des Verhaltens einzelner Länder. Man muß Verbesserungen
des Systems zustandebringen, die politisch realistisch sind.

Ich meine,

die Empfehlungen, die sich aus der Studie ergeben, sind zwar nicht welterschütternd, aber sie gehen sicherlich in die richtige Richtung.

FRAGE:

In welcher Hinsicht ist das Ganze bedeutsam?
ANTWORT:

Es ist

�ANTWORT:

Es ist erstens bedeutsam, weil es seit 1976 die erste um-

fassende Überprüfung

des Funktionierens des Systems auf breiter Basis

darstellt.

Daher ist doch recht erhellend, was der Bericht über das Sy-

stem sagt.

Der Bericht läßt beispielsweise erkennen, daß das System in

sich die Flexibilität bewiesen hat, auf Schocks und Belastungen und Divergenzen der Wirtschaftstätigkeit zu reagieren, die das System der Währungsparität nicht gezeigt hat.

Auf der anderen Seite räumt der Bericht

ein, daß das System eine Reihe von Schwächen hat - daß die Schwankungen
der Wechselkurse beträchtlich waren und sich negativ ausgewirkt haben.

Auch wenn die Empfehlungen, mit diesen Schwächen fertig zu werden,
nicht immer den Problemen gerecht erscheinen mögen, so verkörpern sie
doch das, was wirtschaftlich erwünscht ist, und Vorschläge, über die tatsächlich ein Konsens erzielt werden könnte.
Der Bericht macht deutlich, daß größere Stabilität in den Wechselkursen unweigerlich eine stärkere Konvergenz der Wirtschaftstätigkeit und
der wirtschaftlichen Aussichten erfordern wird.

Ob diese Konvergenz der

Wirtschaftstätigkeit genügen wird, um eine größere Stabilität der Wechselkurse zu erreichen oder nicht, ist eine andere Frage. Aber es herrscht
sicherlich ein Konsens, daß eine größere Konvergenz der Wirtschaftstätigkeit der wichtigen Industrieländer wesentlich ist.

Nach meiner Auffas-

sung ist eines der wichtigsten Ergebnisse des Berichtes, daß er die Ansicht bestärkt, daß der wichtigste Beitrag, den viele Länder zu einer
größeren

internationalen

Währungsstabilität

leisten

können, darin be-

steht, dafür zu sorgen, daß ihre eigene nationale Wirtschaftspolitik gesund ist und ein nichtinflationäres Wachstum fördert.

FRAGE:

Inwieweit

sind

die

heutigen Probleme

der

internationalen

Wirtschaft, und vor allem inwieweit sind die Probleme, die die Entwicklungsländer heute durchmachen, auf zu starke Fluktuation der Wechselkurse
zurückzu führen?

ANTWORT:

Ich bin sicherlich nicht der Ansicht, daß die Probleme, vor

denen die Entwicklungsländer heute stehen, weitgehend oder auch nur we-

�nur wesentlich von den Schwankungen oder Fluktuationen der Wechselkurse
herrühren.

Und ich glaube auch nicht, daß die großen Probleme, vor denen

die Industrieländer stehen, aus solchen Schwankungen oder Fluktuationen
herrühren.

Ich bin jedoch der Überzeugung, daß die Divergenz in der

Wirtschaftstätigkeit in den letzten Jahren und die Unterschiede in den
wirtschaftlichen Aussichten, die der Markt unter den großen Industrieländern gezeigt hat, einen wichtigen Faktor dargestellt haben, der zu den
Wechselkursbewegungen geführt hat, die jetzt zu den ernsten Problemen der
einzelnen Volkswirtschaften beigetragen haben.

FRAGE:

Bedarf es einer verstärkten Intervention, um diese Instabili-

tät einigermaßen zu korrigieren?

ANTWORT:

Ich glaube nicht; sicherlich nicht isoliert von grundlegen-

den Änderungen der Politik.

Intervention - vor allem die sogenannte ste-

rilisierte Intervention - stellt keine Änderung der Währungspolitik dar,
sondern wird vor allem ausgeübt, um den Devisenmarkt durch Marktmanipulation zu beeinflußen - und das ist nur von begrenztem Nutzen.

Aber ich

möchte rasch hinzufügen, daß Interventionen eine Rolle gespielt haben und weiterhin spielen könnten - wenn es gilt, Marktturbulenzen zu begegnen, oder wenn sie im Zusammenhang mit grundlegenden Änderungen der Politik ausgeübt werden.

Aber Intervention an und für sich kann genau das

Gegenteil von dem bewirken, was man will.

FRAGE:

Ich glaube,- wie Sie selbst gesagt haben - ,daß die meisten

der wichtigen Länder sich darauf einigen könnten, daß eine gesunde Wirtschaftspolitik der wichtigste Schritt zur Stabilität der Wechselkurse wäre.

Aber wie bringen Sie das zustande?

Die Vereinigten Staaten haben

eine verstärkte Aufsicht des IWF vorgeschlagen.

Aber manche Leute würden

argumentieren, daß der IWF keine Exekutivmacht besitzt, während in dem
Fall, in dem man die Regierungen zur Aufrechterhaltung fester Wechselkurse verpflichten würde, eine automatische Disziplin ins Spiel käme.

Hat

dieses Argument etwas für sich?

ANTWORT:

Natürlich

�ANTWORT:

Natürlich ist da etwas dran, aber nicht viel.

Ich glaube,

wir haben erlebt, daß feste Wechselkurse sicherlich zu einer bestimmten
Form der Disziplin führen können, aber nach meiner Ansicht ist das eine
falsche Form der Disziplin, eine sehr willkürliche Form der Disziplin,
die in Wirklichkeit keine großen Aussichten in sich birgt, wirksam eine
gesunde Politik unter den großen Industrieländern zu fördern.

Auf der

anderen Seite muß man auch erkennen, daß das System, das wir gegenwärtig
haben, nicht immer eine sehr große Disziplin erkennen läßt.

Und so haben

wir Verständnis für die Auffassung, daß die Aufsicht des IWF Länder stärker ermutigen kann, die notwendigen Änderungen der Politik vorzunehmen,
die die internationale Gemeinschaft und hoffentlich auch das Land selbst
für unerläßlich halten.

Der Bericht des Zehnergruppe enthält viele Vorschläge für eine Stärkung der IWF-Aufsieht, und ich persönlich glaube, daß sie aussichtsreich
sind, obwohl viele Leute sie für grundsätzlich unzureichend halten angesichts der Probleme, mit denen das gegenwärtige System zu kämpfen hat.
Aber ich bin der Meinung, daß letztlich ein System, das eine stufenweise,
vernünftige , verbesserte Form der Ermutigung enthält und Länder dazu veranlaßt und drängt, das in ihrem Interesse und im Interesse der internationalen Gemeinschaft stehende zu tun, ein System ist, das wahrscheinlich
besser

funktionieren wird als ein System mit willkürlich eingebauten

Starrheiten der Wechselkurse.

FRAGE:

Wie sehen Sie in diesem Zusammenhang das Europäische Wäh-

rungssystem (EWS)?

Würde nicht dadurch ein Maß an Stabilität erreicht,

wie es sie außerhalb des EWS nicht gibt?

ANTWORT:

Ich glaube wirklich nicht, daß man das EWS einfach auf den

breiteren globalen Kontext projizieren kann.

Das EWS ist offensichtlich

Teil eines breiterangelegten Bestrebens, letztlich zu wirtschaftlicher
und politischer Integration zu gelangen.

Das EWS ist ein währungstechni-

sches und monetäres Arrangement, das Hand in Hand mit den Handelsvereinbarungen geht, die es zwischen den Mitgliedstaaten gibt.

Ich möchte

nicht abstreiten, daß das europäische Währungsarrangement für seine Mit-

�seine Mitgliedstaaten gewisse positive Wirkungen hat; aber wenn man auf
die rund sechs Jahre zurückblickt, seit es nun das EWS gibt, so glaube
ich doch, daß man einige ernste Zweifel hegen darf, in wieweit es wirklich eine Konvergenz der einzelnen Wirtschaftspolitiken gefördert hat.
Die jüngste Anpassung des Europäischen Währungs Systems mit seiner Abwertung der Lira und der Aufwertung aller anderen Währungen im EWS ist doch,
wie ich meine, ein Hinweis auf die Probleme, die von Zeit zu Zeit auftreten.

Es war dies zwar die erste Neuanpassung in mehr als zwei Jahren,

und in der Zwischenzeit gab es auch eine merkliche Konvergenz der Politik
der wichtigsten Mitglieder des EW5; aber einige Mitglieder - insbesondere
Italien - verfolgen doch auch weiterhin eine Politik, die meiner Meinung
nach von dem Verhalten und der Politik der anderen Länder abweicht - und
zwar in einem Ausmaß, das von Zeit zu Zeit zu Spannungen beiträgt.

Ich

glaube, ein System der festen Wechselkurse zwischen den Währungen der
Mitgliedstaaten kann in einem gewissen Umfang eine solide Politik zwischen den Neuanpassungen fördern; aber ich glaube nicht, daß das EWS in
dieser Hinsicht in der Vergangenheit nur einseitig Vorteile brachte, und
ich glaube eigentlich auch nicht, daß es sich aus dem Kontext herausnehmen und transferieren läßt.

FRAGE:

Es ist doch letztlich die Politik der großen Staaten, die das

Funktionieren des Internationalen Währungssystems entscheidet.

Kann die

Kontrolle durch den IWF wirklich die Politik von Ländern wie den Vereinigten Staaten beeinflussen?

ANTWORT:
gar direkter.

Ich glaube ja. Derzeit indirekt, in Zukunft vielleicht soDie einzelnen Länder reagieren im Kontext ihrer Konsulta-

tionen mit dem IWF unterschiedlich; aber aus meiner Teilnahme an den
jüngsten Artikel IV-Konsultationen zwischen den Vereinigten Staaten und
dem IWF kann ich beurteilen, daß dies ein gesunder Prozeß ist.

Es ist

ein Geben und Nehmen, wobei der IWF seine Sicht von dem vorträgt, was
richtig und falsch ist, und die Vereinigten Staaten wiederum ihre Politik
darlegen.

Wenn einige der Vorschläge, die wir zur Stärkung der Kontrolle

gemacht haben, verwirklicht werden, so wird die Wirkung nicht nur auf die
Vereinigten Staaten, sondern auch auf andere Länder noch signifikanter
sein.
FRAGE: Lassen Sie

�FRAGE:

Lassen Sie mich genauer sein.

Nehmen wir an, die Vereinigten

Staaten würden einen inflationären Kurs einschlagen:

Wäre die Kontrolle

durch den IVvF in der Lage, diese Tendenzen zu dämpfen?

ANTWORT:

Lassen Sie mich ein Beispiel anführen, das nicht nur Ihre

spezielle Frage bezüglich der Vereinigten Staaten beantwortet, sondern
bezüglich jedes anderen großen Industriestaates, falls er einen inflationären Kurs einschlagen sollte.

In einem solchen Fall verfügt der IWF

derzeit über Bestimmungen für spezielle ad_ hoc-Konsultationen mit Mitgliedstaaten - oder "ergänzende" Konsultationen, wie sie in bestimmten
Teilen der IWF-Entscheidungen genannt werden -, wenn der Eindruck vorhanden ist, es gäbe einen Grund zur Beunruhigung darüber, daß die Politik
oder das Wirtschaftsverhalten eines Landes ein beträchtliches Risiko für
das Mitglied oder für die internationale Gemeinschaft im Ganzen darstelle.

Diese Bestimmungen für Sonderkonsultationen wurden allerdings bis-

lang nur sehr unregelmäßig genützt.

Wir haben eine regelmäßigere Nutzung dieser Bestimmungen vorgeschlagen - und der G-10-Bericht hat diesen Vorschlag auch angenommen.

Wenn

zum Beispiel die Vereinigten Staaten oder Großbritannien oder Frankreich
eine Politik beginnen würden, die aus der Sicht des IWF oder der internationalen Gemeinschaft

insgesamt grundsätzlich in die falsche Richtung

weisen und potentiell größte Probleme nicht nur für das betreffende Land,
sondern für die internationale Gemeinschaft insgesamt aufwerfen würde, so
könnte der IWF versuchen, in eine spezielle Konsultation mit dem betreffenden Land gemäß Artikel IV der IWF-Satzung einzutreten, um die Aufmerksamkeit auf die fragliche Politik zu lenken und zu veranlassen, daß das
Direktorium des IWF sich speziell mit der Politik dieses Landes beschäftigt und sie eingehend diskutiert.

Ich selbst glaube, daß dies poten-

tiell von Bedeutung sein könnte.

FRAGE:

Stimmt es, daß dieser Prozeß gegenüber den großen Staaten

eigentlich nur die Hebelwirkung hat, daß die Politik, mit der der IWF
nicht übereinstimmt, der 'Öffentlichkeit mitgeteilt wird?

Und sogar das

Ausmaß, in dem der IWF diese Gespräche publik machen kann, ist sehr begrenzt.
ANTWORT:

Ich würde

�ANTWORT:

Ich würde nicht sagen, daß es keinerlei Hsbelwirkung hat.

Ich meine, die Hebelwirkung ist derzeit nicht ausreichend und könnte verstärkt werden. Ein weiterer unserer Vorschläge geht dahin, daß eine ausgewählte Anzahl von Staaten - vielleicht 20 oder 25 Industrie- und Entwicklungsländer , die für das Funktionieren des Systems von besonderer Bedeutung sind - aufgefordert wird, dem IWF sechs Monate nach Beendigung
einer Konsultation gemäß Artikel IV einen Bericht vorzulegen, in dem die
Maßnahmen dargelegt werden, die in Reaktion auf den Konsultationsprozeß
ergriffen wurden oder in dem festgehalten wird, wo man den einzelnen Vorschlägen, mit denen man nicht übereinstimmte, nicht nachging.

Die Aus-

formulierung eines solchen Berichtes könnte hilfreich sein und zu Veränderungen in der jeweiligen Politik führen, wenn solche erforderlich sein
sollten.

Die Frage der Publizität ist etwas, für das sich die Vereinigten
Staaten intensiv und energisch eingesetzt haben, aber nur wenige Staaten
haben dies bislang unterstützt.

Dies ist recht enttäuschend, denn wir

sind der Ansicht, daß die öffentliche Meinung hinsichtlich der Haltung
des IWF gegenüber einem Mitgliedstaat von Bedeutung sein und dessen Politik ändern könnte.

Andere Staaten zögerten in dieser Hinsicht, weil sie

Bedenken in bezug auf die Vertraulichkeit des Prozesses haben; aber wir
sind nur zu gern bereit, es zu versuchen, wenn auch die andern hierzu bereit sind. Bislang war dem nicht so.

FRAGE:

Bedeutet dies, daß Sie beim Treffen des Interimsausschusses

im Oktober nicht auf mehr Offenlegung drängen werden?
ANTWORT:

Nein.

Es bedeutet, daß wir hoffen, noch mehr Staaten wür-

den es sich noch einmal überlegen; und soviel ich weiß, wird auch weiterhin hierauf gedrängt.

Es ist leicht zu sagen:

"Wir hätten gern mehr Pu-

blizität bei den Vereinigten Staaten, aber wir wollen nicht mehr Publizität bei uns." Und man unterschätzt auch leicht den potentiellen Effekt,
den derlei auf ein Land haben kann.
FRAGE:

Der Sechsmonatsbericht für ausgewählte Staaten - glauben Sie,

da3 es hierzu im Oktober kommt?
ANTWORT:

Nein, wir

�ANTWORT:

Nein, wir glauben nicht, daß diese Vorschläge schon im Ok-

tober angenommen werden.

Im Oktober in Seoul wird eine erste Diskussion

der Minister und Nötenbankprasidenten stattfinden; sie werden die Sache
dann dem IWF für weitere und eingehendere Analyse vorlegen.

Vielleicht

nächstes Frühjahr dürfte dann der Interimsausschuß auf der Entscheidungsebene auf diese Fragen zurückkommen.

- 9 -

�2 ] . August 1985

33

ZUSAMMENARBEIT IN DER ATCMPOLITIK
Sonderbotschafter Richard T. Kennedy e r l ä u t e r t P r i n z i p i e n der
amerikanischen Regierung -

WASHINGTON - (AD) - Mehr a l s 125 Länder sind inzwischen Partner des
Vertrages über die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen - Non-Prolifera»»
t i o n Treaty

(NPT).

Er s t e l l t

Rüstungskontrollverträge

somit einen der am weitesten

der Geschichte

dar.

von 1978 über die Nichtweiterverbreitung

verbreiteten

Dem amerikanischen Gesetz

von Kernwaffen zufolge müssen

Staaten, die keine Kernwaffen besitzen und sich um Exporte oder Zusammena r b e i t mit den Vereinigten Staaten auf nuklearem Gebiet bemühen, die S i cherungsbestimmungen der

IAEA

(Internationale

Atomenergie-Behörde)

hin-

s i c h t l i c h a l l e r A k t i v i t ä t e n mit Nuklearmaterial und Ausrüstung zu f r i e d »
liehen Zwecken akzeptieren.

Die Mitgliedstaaten des NPT-Vertrages h a l t e n

sich an diese Bestimmungen.
Präsident Reagan b e k r ä f t i g t e mehrmals, daß die Unterstützung des NPT
und des Vertrages von Tlatelolco über eine Kernwaffen f r e i e Zone i n La-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�i n Lateinamerika die wichtigsten Elemente der amerikanischen N o n - P r o l i f e rationspolitik

seien.

Gleichzeitig

forderte

er

alle

Lieferländer

auf,

bei a l l e n bedeutsamen neuen L i e f e r v e r p f l i c h t u n g e n die Einhaltung umfassender IAEA-Sicherungsmaßnahmen zur Bedingung zu machen.

Diese Sicherun-

gen s o l l e n das Abzweigen von Nuklearmaterial für Atomsprengsätze v e r h i n dern.

Ihre Anerkennung s o l l Nachbarstaaten d e u t l i c h machen, daß das be-

treffende Land keine Nuklearwaffen haben w i l l .

Die IAEA-Maßnahmen schaf-

fen somit e i n Sicherungssystem, das die Verwendung von nuklearen Material i e n und Ausrüstungen f ü r ausschließlich f r i e d l i c h e Zwecke gewährleistet.
Für September 1985 wird eine d r i t t e Konferenz zur Überprüfung des N i c h t weiterverbreitungsvertrages v o r b e r e i t e t .

Gemeinsam mit anderen Vertrags-

partnern werden sich die Vereinigten Staaten darum bemühen, den so l e benswichtigen Beitrag
Notwendigkeit

einer

dieses Abkommens zur Sicherung der
noch weitergehenden Einhaltung

seiner

Vtelt und die
Bestimmungen

erneut zu b e k r ä f t i g e n .

Dies bedeute n i c h t , wie Sonderbotschafter Richard T. Kennedy vor e i nem f ü r

Nichtweiterverbreitung

von Kernwaffen zuständigen Unterausschuß

des amerikanischen Kongresses e r k l ä r t e , daß sich die USA der z i v i l e n Anwendung von Plutonium i n Ländern mit hochentwickelten Atomenergieprogrammen widersetzten,
eingehalten

sofern

werden.

bestimmte

Kennedy,

strenge

Bedingungen und

Sonderberater

von

Kontrollen

Außenminister

George

Shultz i n Fragen der N o n - P r o l i f e r a t i o n s p o l i t i k und der Kernenergie, verwies darauf, daß die USA heute nicht mehr das Monopol f ü r Kerntechnik besäßen.

So sei eine r e a l i s t i s c h e P o l i t i k angebracht, die auf Kooperation

mit anderen Ländern, jedoch nicht auf Konfrontation ausgerichtet

ist.

I n Kennedys Anhörung vor dem Ausschuß ging es. u.a. um Zusammenarbeit
der Vereinigten Staaten mit anderen Ländern h i n s i c h t l i c h einer

WLederauf-

arbeitung abgebrannten Uranmaterials und die Verwendung von daraus gewonnenem Plutonium i n z i v i l e n Atomenergieprogrammen.

Die amerikanische Re-

gierung bemühe sich b e h a r r l i c h darum, daß die von i h r v e r f o l g t e
die

v o l l e Übereinstimmung mit

der Nichtweiterverbreitung

den Zielen der

Politik

"Non-Proliferation",

also

von Kernwaffen, gewährleiste, sagte Kennedy.

Präsident Reagan habe e r k l ä r t , daß die Verhinderung einer Nichtweiterver- 2 -

�einer

Nichtweiterverbreitung

von nuklearen Sprengsätzen eine der

"kri-

t i s c h s t e n Herausforderungen unserer Nation i n i n t e r n a t i o n a l e n Angelegenheiten" sei.

Eine weitere P r o l i f e r a t i o n würde eine ernste Bedrohung des

i n t e r n a t i o n a l e n Friedens, regionaler und globaler S t a b i l i t ä t und der S i cherheitsinteressen der USA ebenso wie anderer Länder bedeuten.
rikanische

Regierung

werde

Nichtweiterverbreitung
tischen V o r t e i l e

niemals

ihre

Grundsätze

zugunsten irgendwelcher

aufgeben.

Und sie

Die ame-

hinsichtlich

kommerziellen oder

sei der Meinung, daQ diese

der
poli-

Richt-

schnur eine allgemeine Norm für a l l e Länder sein s o l l t e .
Jedoch
Kennedy.

sei

es

mit

Proklamationen

nicht

getan,

sagte

Botschafter

Eine solche P o l i t i k müsse auch zu konkreten Ergebnissen führen,

was die Unterstützung der anderen Nuklear-Lieferländer der Wslt i n bezug
auf k r i t i s c h e M a t e r i a l i e n und Ausrüstungen, Sicherungsmaßnahmen und andere NPT-Fragen e r f o r d e r e .

So s t e l l e die Zusammenarbeit mit anderen Län-

dern i n der f r i e d l i c h e n Nutzung der Atomenergie unter angemessenen Sicherungen und Kontrollen eine notwendige Ergänzung der von den USA mit Entschiedenheit: vertretenen N o n p r o l i f e r a t i o n s p o l i t i k dar.

Autarkieprobleme i n der Energieversorgung
Viele

Länder

verfügen nicht

mit

etablierter

und im Aufbau b e f i n d l i c h e r

über eigene Vorkommen f o s s i l e r

auf organischer Basis.

oder anderer

Industrie
Brennstoffe

Sie betrachten die Erschließung von Kernenergie

für i h r nationales Wohlergehen und i h r e Energiesicherheit als lebenswichtig.

Und zur v o l l e n Ausnutzung des Kernenergiepotentials

haben einige

von ihnen - bestimmte westeuropäische Länder und Japan - Pläne zur Wiederaufarbeitung abgebrannter Brennstoffe
wie

zur

Verwendung

des

daraus

aus Atomkraftwerksreaktoren

abgetrennten

Plutoniums

Brennstoff zur zusätzlichen Stromerzeugung ausgearbeitet.

als

so-

nuklearen

Ihre Pläne um-

fassen auch die Entwicklung von Brütern und anderen modernen Reaktortypen
sowie die Verwendung von Mischoxyden aus Plutonium und Uran a l s Brenns t o f f für Leichtwasserreaktoren ("thermische Rückführung").
Inwieweit diese

�Inwieweit diese Programme wirtschaftlich gerechtfertigt sind, sei dahingestellt, sagte Botschafter Kennedy.

Jedoch sei für diese Länder we-

niger die Rentabilität als die Entschlossenheit ausschlaggebend, einen
höchstmöglichen Grad von Unabhängigkeit in ihrer Fähigkeit zur Energieproduktion zu erzielen.

Die Ölschocks der siebziger Jahre, aber auch die

Ende der siebziger Jahre sich ständig ändernden gesetzlichen und politischen Gegebenheiten in den Vereinigten Staaten bei Nuklearexporten bewirkten erhebliche Ungewißheiten in den Energieplänen anderer Länder.
Deshalb halten sie die Entwicklung einer weniger von ausländischen Lieferungen abhängigen und damit weniger gegen Störungen von außen anfälligen
eigenen Energie-Infrastruktur für wichtig.

Es gebe selbstverständlich auch andere Motive, meinte Botschafter
Kennedy.

Einige Länder mit fortschrittlichen Nuklearprogrammen sähen in

der Wiederaufarbeitung eine denkbare wichtige Möglichkeit zur Beseitigung
von Atommüll - nicht nur in technischer Hinsicht, sondern auch zur Lösung
politischer Probleme.

Denn in manchen Staaten könnten die Regierungen

die Opposition gegen ihre Atomenergieprogramme aufgrund der Furcht vor
Umweltschäden nur mit dem Versprechen überwinden, die Abfälle wieder aufzuarbeiten, anstatt sie einem Endlager zuzuführen.

In diesen Ländern

würde Widerstand oder Einmischung seitens der USA in der Frage der Wiederaufarbeitung als Gefährdung der Nuklearprogramme angesehen.

Dies bereite den USA ernste Sorgen, aber das gelte auch hinsichtlich
der Möglichkeit, Plutonium für Atomwaffen zu verwenden.

"Wir sehen uns

der Notwendigkeit gegenüber", so Kennedy, "eine realistische Politik zu
entwickeln, die beides berücksichtigt."
brand-Wiederaufarbeitung

und

Dabei solle keinesfalls die Ab-

die Verwendung

von Plutonium

für zivile

Zwecke in Ländern mit hochentwickelten Atomkraftprogrammen, wo die Gefahr
der Proliferation nicht gegeben sei, verhindert oder reduziert werden
- vorausgesetzt, daß bestimmte strenge Bedingungen und Kontrollen beibehielten würden.

Die Reagan-Administration sei sich der Gefährlichkeit von Plutonium,
dessen Verwendung sorgfältige Kontrollen und Sicherungen verlange, voll- 4 -

�verlange, v o l l a u f

bewußt, e r k l ä r t e Kennedy.

So habe der Präsident auch

die Verpflichtung der USA kategorisch b e k r ä f t i g t , den Transfer von s e n s i tivem Nuklearmaterial zu verhindern, wo die Gefahr der P r o l i f e r a t i o n Zurückhaltung e r f o r d e r e .

Die Vereinigten Staaten drangen wiederholt

a u f , diese Ansicht als i n t e r n a t i o n a l e Norm zu akzeptieren.

Sie

dar-

initiier-

ten und b e t e i l i g t e n sich an zahlreichen m u l t i l a t e r a l e n Anstrengungen, die
Sicherheitsvorkehrungen bei Plutonium zu verbessern und das Risiko seiner
Anwendung zu n i c h t f r i e d l i c h e n Zwecken zu v e r r i n g e r n .

Dazu gehörten auch

die Überprüfung und stärkere Absicherung der vom Zangger-Ausschuß aufges t e l l t e n Liste

für

nukleare Exporte und

Wiederaufbereitungsausrüstungen

sowie enge Zusammenarbeit mit der IAEA und anderen Nationen i n der Entwicklung wirksamerer Maßnahmen zum Schutz von

Wiederaufarbeitungsbetrie-

ben und Anlagen, wo Plutonium vorhanden i s t .
Die Vereinigten Staaten könnten jedoch Industrieländern mit hochentwickelten Nuklearprogrammen keine P o l i t i k

hinsichtlich

der

Wiederaufar-

beitung und der Anwendung von Plutonium, die möglicherweise einem k ü n f t i gen Energiebedarf Rechnung tragen s o l l , d i k t i e r e n oder vorschreiben.

Es

sei f a l s c h , anzunehmen, daß die USA die Kontrolle über das i n der Welt
vorhandene

Plutonium

besäßen.

Vielmehr

hätten

sie,

wie

Botschafter

Kennedy e r k l ä r t e , derzeit die Kontrolle über 50 Prozent der i n der Welt
vorhandenen Kernbrennstoffe, mit denen Plutonium produziert werden könnte.

Die Vereinigten Staaten k o n t r o l l i e r t e n einen T e i l dieses M a t e r i a l s ,

weil es i n den USA produziert und gelagert werde.

Bei anders gelagerten

Fällen l i e f e r n die USA i n andere Länder Kernbrennstoff aufgrund von Vereinbarungen,

die

u.a.

besagen,

daß

Amerika

den Verwendungszweck

Brennstoffs und der Abbrandelemente genehmigen muß.
von EURATOM (Europäische Atomenergie-Gemeinschaft)

des

Ein großer T e i l des
genutzten

amerikani-

schen Kernbrennstoffs unterliege aufgrund früher abgeschlossener Verträge
jedoch

nicht

der

direkten

Kennedys werde der A n t e i l

amerikanischen

Kontrolle.

der unter amerikanischer

Nach

Kontrolle

Ansicht
stehenden

Kernbrennstoffe der Welt bis zum Jahr 2000 sogar auf ca. 20 Prozent zurückgehen.

Im Bereich von

�Im Bereich von EURATOM, wo v i e l im Zusammenhang mit der Brutreaktor—
Entwicklung

und der

"thermischen Rückführung" geplant

werde,

verfügten

die USA gegenwärtig nicht über Zustimmungsrechte bei der Wiederaufarbeitung von Abbrandelementen amerikanischer Herkunft.

Einer k ü r z l i c h veröf-

f e n t l i c h t e n Studie zufolge dürften die EURATOM -Länder bis zum Jahr 2000
i n Abbrandlementen sowie i n e x t r a h i e r t e r Form mehr a l s 330 Tonnen s p a l t baren Plutoniums angesammelt haben, wobei weder Abbrand noch Plutonium
amerikanischen

Wiederaufarbeitungskontrollen

unterliege.

Von der Menge

kämen - neue oder r e v i d i e r t e Vereinbarungen über Zusammenarbeit vorausgesetzt - höchstens 40 Tonnen i n Frage, da das übrige Material nicht amerikanischer Herkunft s e i .

Dies seien vorsichtige Schätzungen.

In anderen Ländern mit hochentwickelten Nuklearprogrammen gelten die
Zustimmungsrechte der USA l e d i g l i c h für einen T e i l des gegenwärtig vorhandenen oder

zu

erwartenden M a t e r i a l s .

Der

gleichen

Studie

zufolge

dürften sich bis zum Jahr 2000 i n Japan 11,3 Tonnen spaltbaren P l u t o n i ums, das nicht
I n Spanien l i e g t

amerikanischer

Kontrolle

u n t e r l i e g t , angesammelt haben.

die Menge bei 18,9 Tonnen, i n Schweden bei 2,4 Tonnen

und i n der Schweiz bei 4,2 Tonnen.

Die EURATQM-Länder und Japan hätten

wiederholt klargemacht, daß sie Plutonium für

i h r e z i v i l e n Energiepläne

als wesentlich, ja sogar lebenswichtig betrachteten.

Gelegentlich werde damit argumentiert, so Kennedy, daß die

Wiederauf-

aröeitung von Abbrand und die Verwendung von Plutonium i n z i v i l e n Atomkraftprogrammen der Industrieländer aneren Ländern mit e r s t im Aufbau beg r i f f e n e n Nuklearprogrammen e i n "schlechtes B e i s p i e l " gebe.

Jedoch sei

zum einen keineswegs k l a r , daß h i n t e r einem Nuklearprogramm i n der D r i t ten Walt überhaupt der Wünsch zur Nachahmung de r i n d u s t r i a l i s i e r t e n

Walt

stehe, und zum anderen gebe es keinen Beweis d a f ü r , daß Selbstbeschränkung, ja

Selbstverleugnung auf Seiten der Industrieländer

zu ähnlicher

Enthaltsamkeit bei den Ländern der D r i t t e n Vtelt führen werde.
Ein weiteres Argument
Politik

von Gegnern der gegenwärtigen

amerikanischen

zur Wiederaufarbeitung von Abbrand und der Verwendung von P l u t o -

nium gehe Kennedy zufolge dahin, daß durch eine Ermutigung oder zumindest
- 6 -

�oder zumindest eine Duldung solcher Aktivitäten der Tag noch früher kommen werde, an dem Plutonium als "Routineware" betrachtet und somit auch
leichter für Mißbräuche abgezweigt oder für Terroristen eher zugänglich
werden könnte.

Diese Art Gefahren seien jedoch in den Griff zu bekommen

und die Vereinigten Staaten führten in der Entwicklung verbesserter technischer Schutzmaßnahmen.

Nuklearer Terrorismus werde von der amerikani-

schen Regierung als potentielle, äußerst ernste Bedrohung der nationalen
Sicherheit betrachtet.

Entsprechende und angemessene Schritte zu seiner

Verhinderung würden bereits unternommen und werden auch künftig unternommen werden.

Auf Anregung der Exekutive habe der Kongreß im Jahr 1982

entsprechende Strafgesetze verabschiedet.

Auf internationaler Basis habe

sich die Regierung sehr um Vereinbarungen zwischen den großen Nuklearlieferanten bemüht.

Angemessene

technische Sicherungsmaßnahmen seien als

Bedingung für nukleare Exporte gefordert worden.

Verbesserte Kooperationsabkommen angestrebt

Im Rahmen der Bemühungen um neue oder verbesserte Kooperationsabkommen, die strengere Nonproliferationsbestimmungen berücksichtigen, und um
eine Wiederherstellung des Vertrauens zu den Vereinigten Staaten als zuverlässigem Lieferanten habe die Regierung mit Japan und den EURATOI-Ländern gewisse langfristige Arrangements zur Wiederaufarbeitung von Material, das amerikanischer Kontrolle unterliege, und zur Verwendung des daraus abgetrennten Plutoniums erörtert.

Kennedy verwies darauf, daß Ab-

sicherungen gegen eine Beeinträchtigung von Verteidigung und Sicherheit
der USA eingearbeitet seien und die Vereinbarungen nicht zu einer bedeutsamen Erhöhung des Risikos der Proliferation führen würden.

Auch bei anderen Ländern, mit denen Kooperationsabkommen bestehen,
seien die USA bereit, bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen den Transfer von Material amerikanischer Herkunft in französische und britische
Wiederaufarbeitungsanlagen

im Vorhinein

zu genehmigen.

Beispielsweise

enthielten die 1984 in Kraft getretenen neuen Kooperationsabkommen mit
Norwegen und Schweden und das neue Abkommen mit Finnland, das z.Zt. dem

�z. Zt. dem Kongreß vorliege, die im Voraus gegebene Zustimmung der Vereinigten Staaten, daß diese Länder Material, das unter die Vereinbarungen
fällt, ohne vorherige Rückfrage bei den USA zu bestimmten Wiederaufarbeitungsanlagen

in Großbritannien oder Frankreich

transferieren könnten.

Norwegen, Schweden und Finnland seien ihrerseits gehalten, über solche
Transfers Buch zu führen und die USA von jeder einzelnen Materialüberstellung zu unterrichten.

Sie seien außerdem verpflichtet, im Voraus von

EURATOM die Bestätigung einzuholen, daß das Material innerhalb EURATOM
entsprechend dem US-EURATGM-Kooperationsabkommen behandelt werde, um die
juristische Kontrolle über das gesamte, im Rahmen des Transfers abgetrennten Plutonium zu behalten, und von den USA im Voraus die Zustimmung zu einem späteren Transfer in ein anderes Land oder für eine Verwendung von Plutonium zu erlangen.

Die von den USA verfolgte Politik müsse realistisch sein und Realitäten berücksichtigen.

Japan und mehrere EURATCM-Länder bauten inzwischen

eigene Anlagen - mit und ohne von den USA bereitgestellter sensitiver
Technologie bzw. mit und ohne Vorbild amerikanischer Ausrüstungen.

So

sei jetzt das vordringliche Ziel der USA, die stärksten Sicherungsmaßnahmen und den stärksten physischen Schutz sicherzustellen.

Ein Beitrag da-

zu könne sich aus der unmittelbaren Beteiligung der Vereinigten Staaten
am Entwurf und an der Ausrüstung für die betreffenden Anlagen ergeben.

Die Vereinigten Staaten seien dabei, wieder ein abschätzbarer und zuverlässiger Partner für friedliche nukleare Zusammenarbeit im Rahmen angemessener Sicherungen und Kontrollen zu werden.

Ihre Politik treffe

vernünftige Unterscheidungen zwischen engen Verbündeten und Freunden zum
einen, die fortschrttliche nukleare Programme, dazu die gleichen Ziele
der Nichtweiterverbreitung haben und die kein Proliferationsrisiko darstellen, und solchen Staaten zum andern, die ein derartiges Risiko darstellen oder darstellen könnten.

Die USA verfolgten eine sorgfältig definierte, abgewogene und zurückhaltende Politik.

Sie könnte nach Kennedys Meinung die Fähigkeit der

Vereinigten Staaten erheblich steigern, auf ausländische Nuklearprogramme
- 8 -

�ausländische Nuklearprogramme in einer Vteise Einfluß zu nehmen, die die
eigenen Nonproliferationsziele erreichen hilft.

Diese Politik entspreche

jener Kanadas und Australiens - von Ländern, die selbst eine starke Nbnproliferationspolitik
vereinbarten
Eine

betreiben und, wie die Vereinigten Staaten, auf

Rechten als Teil

erfolgreiche

ihrer nuklearen Exportpolitik

Nuklearpolitik

müsse

gegenseitigem Vertrauen basieren.

&gt;

* * * * #

auf

bestehen.

gegenseitiger Achtung

und

�33

21. August 1985

NEUE GEBÜHRENORDNUNG FÜR RRIJMTRANSPORTERFLÜGE
Inanspruchnahme des Frachtraums soll Kosten (decken -

WASHINGTON - (AD) - Die Abgabe von Nutzlastraum im amerikanischen
Raumtransporter an ausländische und kommerzielle Benutzer per Auktionsgebot ist mit Beginn des US-Haushaltsjahres 1989 vorgesehen.

Präsident

Reagan forderte eine Preispolitik, die bei Beteiligung des genannten Benutzerkreises eine volle Kostendeckung ermöglicht.

Als Mindestgebot für

den gesamten Nutzlastraum werden 74 Millionen Dollar pro Flug genannt (in
Dollar von 1982).

Allerdings teilen sich jeweils mehrere Benutzer in

diese Gebühr, weil für keine der Nutzlasten ausländischer und kommerzieller Auftraggeber der gesamte Frachtraum benötigt wird.

Gegenwärtig gilt

noch die 1977 festgesetzte "Einführungsgebühr" von 38 Millionen Dollar
für den gesamten Frachtraum.

Das Waiße Haus gab zur Neuordnung ein In-

formationsblatt mit folgendem Wortlaut heraus:

"Der Präsident hat folgende Maßnahmen zu Raumtransportergebühren für
ausländische und kommerzielle Benutzer angeordnet:

Die Nationale Raumfahrtstrategie erfordert die Entwicklung eines Pia-

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�eines Planes zur Einführung der vollen Kostenerstattung bei ausländischen
und kommerziellen Raumtransporterflügen nach dem 1. Oktober 1988.

Mit Beginn des Haushaltjahres 1989 wird die Raumtransporterkapazität
nach dem Auktionsverfahren an ausländische und kommerzielle Benutzer vergeben.

Der Administrator der NASA wird Auktionsrichtlinien festsetzen,

um eine maximale Entschädigung für die Regierung und gleiche Behandlung
aller potentiellen Startkunden zu gewährleisten.

Als Mindestsumme für ein komplettes Nutzlastraum-Gebot pro Flug werden 74 Millionen Dollar (nach dem Dollarwert von 1982) festgesetzt. Drei
komplette Nutzlastkapazitäten pro Jahr stehen dem ausländischen und kommerziellen Markt bis zur Frist von zwei Jahren vor dem Startjahr zur Verfügung.

Von diesem Zeitpunkt an kann die NASA noch offene Kapazitätsan-

teile anbieten.

Die NASA ist befugt, im Rahmen der oben genannten Quoten

Gebote für mehrere Nutzlasten zum Auktionspreis zu akzeptieren.

Die oben

genannten Quoten gelten nicht für Flüge mit neuartiger und innovativer
Nutzung des Iteltraums.

Die NASA wird die Erfahrungen mit Raumtransporterkosten und die erwartete künftige Effektivität dieser Preispolitik im Hinblick auf die
Anwendung der Nationalen Raumfahrtpolitik unter veränderlichen Marktbedingungen jährlich neu überprüfen.

Die NASA wird ihren Jahresbericht

zusammen mit jeder Art von Empfehlungen zu Veränderungen des

Auktions-

mindestpreises oder anderer Aspekte dieser Preispolitik dem Präsidialreferenten für Angelegenheiten der Nationalen Sicherheit und dem Direktor
des Amtes für Management und Budget vorlegen.

Jegliche Art politischer

Fragen, die sich aus diesem Jahresbericht ergeben, können dem interministeriellen Ältestenrat für Raumfahrtangelegenheiten unterbreitet werden.

Die vom amerikanischen Verteidigungsministerium (DOD) für Raumtransporterflüge erhobene Gebühr wird unabhängig von der bei ausländischen und
kommerziellen Kunden angewandten Preispolitik berechnet. Sie gründet sich
auf die Startstrategie im Interesse der Nationalen Sicherheit und auf eine angemessene Entschädigung für DOD-Dienstleistungen in Verbindung mit
Raumtransporterflügen."
• * * * *

- 2-

�</text>
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                <text>Amerikadienst 21.08.1985</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA rechnen mit Entscheidungen über Reform des Internationalen Währungsfonds im kommenden Jahr&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USIA-Interview mit IWF-Direktor Dallara -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zusammenarbeit in der Atompolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Sonderbotschafter Richard T. Kennedy erläutert Prinzipien der amerikanischen Regierung -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue Gebührenordnung für Raumtransporterflüge&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Inanspruchnahme des Frachtraums soll Kosten decken -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

32

14. August 1985

INHAL

HINTERGRUNOMATERIAL
Keine amerikanischen Vorbedingungen für G i p f e l t r e f f e n
- Euronet-Pressekonferenz der US-Unteistaa:ssekretärin f ü r
europäische Angelegenheiten -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Raumflug für die Wissenschaft
- Jüngster CHALLENGER-Einsatz:

Großartiger E r f o l g -

* * * * *

Um Über/endung von
ßelegcKcmploren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�32

14. August 1985

KEINE AMERIKANISCHEN VORBEDINGUNGEN FÜR GIPFELTREFFEN
Euronet-Pressekonferenz der US-Unterstaatssekretärin für
europäische Angelegenheiten -

WASHINGTON - (AD) - Die Unterstaatssekretärin f ü r europäische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Rozanne Ridgway,
i n einem Fernsehinterview

erklärte

am 7. August 1985, es gebe für das geplante

G i p f e l t r e f f e n zwischen Präsident Reagan und dem sowjetischen Generalsekr e t ä r Gorbatschow im November dieses Jahres von Seiten der
Staaten

keine

Vorbedingungen.

Rozanne

Ridgway,

die

Vereinigten

Botschafterin

der

Vereinigten Staaten i n Ostberlin war und j e t z t im amerikanischen Außenministerium die Nachfolge von Richard B u r t , dem neuen Botschafter der Vere i n i g t e n Staaten i n Bonn, angetreten h a t , betonte, zwar bestünden bezügl i c h der Menschenrechte Differenzen, die ausgeräumt werden müßten, aber
von Vorbedingungen könne man nicht

sprechen.

Die

Unterstaatssekretärin

nahm i n dem vom US-Informationsamt (USIA) über S a t e l l i t nach Europa ausgestrahlten Fernsehinterview unter anderem auch zu der Frage eines s t ä n digen

Moratoriums

für

Kernwaffenversuche,

zur

Strategischen

Verteidi-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Strategischen Verteidigungsinitiative (SDI), zum Helsinki-Prozeß und zum
Ost-Wsst-Verhältnis generell Stellung.

Das Interview hat - in leicht gekürzter Form - folgenden Wortlaut:

FRAGE:

Wir wissen, daß Sie bei dem Treffen zwischen (US-Außenmini-

ster) Shultz und (dem sowjetischen Außenminister) Schewardnadse in Helsinki dabei waren.

Ich möchte Sie fragen, was Sie von dem fotogenen

Lächeln von Außenminister Schewardnadse halten, von dem so viele Ihrer
Kollegen eingenommen waren; oder haben Sie hinter dem Lächeln und hinter
dem, was der neue sowjetische Stil der 'Öffentlichkeitsarbeit zu sein
scheint, eine Veränderung in der Sache oder einen Wandel in der sowjetischen Außenpolitik festgestellt?

Darf man auf ein erfolgreiches Ergeb-

nis des Gipfeltreffens im November hoffen, nachdem man weiß, daß sich die
Sowjetunion geweigert hat, in Genf über Menschenrechte zu sprechen?

ANTWORT:

Das ist schon eine Frage, die Sie da gestellt haben.

enthält mehrere Elemente.

Lassen Sie mich von oben anfangen.

Sie

Das Zusam-

mentreffen in Helsinki war eine wichtige Zusammenkunft - die erste Zusammenkunft mit dem neuen sowjetischen Außenminister.

Und wir haben, wie

wir hinterher erklärten, festgestellt, daß die Entwicklung dieser Zusammenkunft es uns ermöglicht hat, einen sehr sachlichen Dialog zu führen.
Wir haben auch das Wort offen gebraucht, denn wir stellten fest, daß wir
in der Lage waren, einigermaßen tiefgehend einen ganzen Bereich von Fragen zu besprechen - einen Meinungsaustausch darüber zu führen, wo die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sich in wichtigen Tagesfragen engagieren.

Wir haben uns sehr davor gehütet, zu versuchen, die an dem Treffen
beteiligten Personen zu beurteilen, so wie andere nicht versucht haben,
uns zu beurteilen.

Die Persönlichkeit spielt in diesem Geschäft natür-

lich eine sehr große Rolle, aber es ging um die Sache.

Außenminister

Shultz erklärte nach dem Treffen, er glaube, es sei ein guter Anfang gemacht worden, und ich glaube, wenn man nach etwas Ausschau hält, was, wie
man sagen könnte, Hoffnung bietet, dann darf man mit einer solchen Beur- 2 -

�solchen Eteurteilung als "guter Anfang" sicherlich zufrieden sein.

Es

liegen noch viele Wochen vor uns, bis es im November zu dem Treffen zwischen Präsident Reagan und Parteisekretär Gorbatschow kommt.

Es bleibt

noch viel zu tun. Das war nur ein erster Schritt.

FRAGE:

Ich glaube, ein Teil der Frage war auch, ob es in Helsinki

einen sachlichen Unterschied gab?

ANTWORT:

Es handelte sich nicht um eine Zusammenkunft, auf der man

einen Unterschied in der Sache zu vernehmen erwartet.

Es handelte sich,

wie ich sagte, um einen ersten Schritt auf dem Wag nach Genf.

Es war,

wenn Sie so wollen, eine Chance für uns, die Fragenkategorien aufzuzeigen, die uns interessieren.

Es geht hier um Rüstungskontrolle, regionale

Fragen, bilaterale Fragen, Menschenrechte.

Sie haben ganz recht, wir

werden mit der Zeit eine unterschiedliche Tagesordnung haben.

Auf unse-

rer stehen immer die Menschenrechte, aber wir versuchen nicht, uns auf
eine Tagesordnung zu einigen.
ge, die uns interessieren.

Wir sagen ganz einfach:

Das sind die Din-

Helsinki gab uns die Gelegenheit zu diesem

Zeitpunkt des ersten Schrittes, die Probleme darzulegen, über die gesprochen werden muß.

Keine Seite hat den Versuch gemacht, über die Sache

selbst zu sprechen; es war eine Vorbereitung.

FRAGE:

Als frühere Botschafterin in Ostberlin und jetzige Beraterin

von Außenminister Shultz in europäischen Angelegenheiten - welche Strategie gegenüber den Mitgliedern des l/ferschauer Paktes würden Sie vertreten?...

ANTWORT:

Die Administration hat natürlich von Anfang an eine sehr

klare Politik gegenüber Osteuropa eingeschlagen, und wir sind bereit, mit
den Ländern Osteuropas - den Mitgliedern des Warschauer Paktes, wie Sie
sagen - auf individueller Basis umzugehen, je nach dem Inhalt ihrer Politik und ihrem erkennbaren Wjnsch oder nicht erkennbaren Winsen, ein positives Verhältnis mit uns zu haben...

FRAGE:

Ich möchte

�FRAGE:

Ich möchte noch einmal auf Htelsinki zurückkommen.

Ich g l a u -

be, es wurde unter anderem a l s Anlaß für eine neue Entspannung benutzt.
Die Sowjetunion hat e i n fünfmonatiges Verbot bei Kernwaffenversuchen vorgeschlagen und die Vereinigten Staaten hatten einen anderen Vorschlag unt e r b r e i t e t , wonach die Sowjetunion Beobachter nach Nevada entsenden s o l l t e , um dort einen Versuch zu beobachten.

Kam der sowjetische

Vorschlag

für Sie überraschend?
ANTWORT:

Nein, wir waren überhaupt nicht überrascht.

Die Sowjetuni-

on hat s e i t v i e l e n , v i e l e n Jahren Vorschläge u n t e r b r e i t e t , die unter der
Bezeichnung 'Moratorium" l a u f e n , und es i s t eine ganze Sammlung solcher
Moratorien bekannt.

Wir sind von unserem Standpunkt aus, wie Sie wissen,

der Überzeugung, daß die

anstehenden Probleme nicht

durch d e r l e i

Vor-

schläge gelöst werden können, sondern i n Genf gelöst werden müssen, wo
die Aufgabe, die die Welt gelöst sehen möchte, d a r i n besteht, eine r a d i kale

Verringerung

rascht?

Nein'.

der

Kernwaffen

herbeizuführen.

Unvorbereitet,

über-

Wir sind es gewohnt, daß solche Vorschläge von Z e i t zu

Zeit auftauchen.
FRAGE:

Ifenn wir von dem sprechen, was die Helt möchte, was halten

Sie von einem Versuchsverbot oder einer Versuchsüberwachung?
ANTWORT:

Das Problem, um das es auf diesem enorm komplexen Gebiet

der Rüstungskontrolle geht, i s t

die V e r i f i z i e r u n g .

Beide Seiten müssen

w i r k l i c h e s Vertrauen d a r i n haben können, daß geschlossene Abkommen auch
eingehaltene
werden Sie

Abkommen sind.

Und wenn man dieser Frage nachgeht, dann

sehen, daß wir

durch Technologie, durch Expertenaustausch,

durch - wie im Falle unseres Vorschlags zur Beobachtung von Kernversuchen
- so ins einzelne gehende Dinge wie Vergleichsmessungen M i t t e l und Hege
finden müssen, um s i c h e r z u s t e l l e n , daß die Messungen auf beiden Seiten
die gleichen s i n d .
nicht so dramatisch.

Das i s t

alles

nicht

so a u g e n f ä l l i g und

Die Leute lesen das v i e l l e i c h t

nicht zu Ende, weil es ihnen zu technisch i s t .
zeugung i s t

vielleicht

i n der Zeitung gar

Aber nach unserer Über-

das der e i g e n t l i c h e Kern der Sache - V e r i f i z i e r u n g , V e r i f i -

z i e r b a r k e i t , V e r l ä ß l i c h k e i t , Vertrauen.

Und wir müssen diese Frage an-

�Frage anpacken.

Das war der Grund, warum Präsident Reagan im September

1984 seinen Vorschlag unterbreitet und erst kürzlich näher dargelegt hat.

FRAGE:

Ja schon, aber die Vorschläge der Sowjetunion schienen Aus-

druck dieses neuen Stils zu sein.

Der alte Stil - wie sie beispielsweise

zum "Krieg der Sterne" stehen - schien doch das Haupthindernis in Genf zu
sein,

Warum glauben Sie, daß die Sowjets so sehr dagegen sind?

ANTWORT:

Der Grund ist, wie ich meine, ganz einfach.

Es ist erwie-

sen, daß die Sowjetunion sich seit vielen, vielen Jahren mit solcher Forschung beschäftigt.

Sie hat, wenn man auf die Einzelheiten blickt, auf

diesem Gebiet wahrscheinlich einen großen Vorsprung gegenüber den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten.

Wir sind uns endlich über die Not-

wendigkeit klar geworden, eine solche Forschung zu betreiben, in die Zukunft zu blicken, unsere strategische Position bis Ende dieses Jahrhunderts zu verbessern.
sich natürlich

Und wenn man einen Vorsprung hat, dann gewöhnt man

daran, sich dieses Vorsprungs

zu erfreuen und möchte

nicht, daß andere aufholen.

Der erste Schritt ist also, daß man sich der amerikanischen Strategischen Verteidigungsinitiative widersetzt als einer Sache, die angeblich
der Rüstungskontrolle im Wage steht.
Wage.

Dabei steht sie überhaupt nicht im

Der nächste Schritt ist der, daß man dafür sorgt, daß sie mißver-

standen wird und als etwas gesehen wird, was sie gar nicht ist.

Um was

es in WirklLchkeit geht, ist - wie jeder, der die Sache kennt, weiß - ein
außerordentlich kluger Schritt, um die Forschung zu betreiben, die notwendig ist, um herauszufinden, ob es im Sinne der Technologie, der Kosten, der Überlebensfähigkeit usw. wirklich möglich ist, die Elemente einer neuen Position auf der Basis der Verteidigung herauszufinden.

FRAGE:

SDI fand in Europa eine sehr kühle Aufnahme.

Warum glauben

Sie, daß das so war?

ANTWORT:

Manchmal glaube ich, daß wir sagen können, was wir wollen

und zunächst cbch eine kühle Aufnahme finden.

Und dann beginnen die Leu-

�die Leute nachzudenken und es sich zu überlegen und stellen dann schließlich fest, daß der Vorschlag gar nicht so schlecht ist.

Selbstverständ-

lich hat keiner, der die Sache kennt, gesagt, man solle diese Forschung
nicht betreiben.

Und wenn dann schließlich das Verständnis dem unsrigen

gleichkommt, dann haben wir trotzdem noch unter Etiketten zu leiden, und
der Begriff "Krieg der Sterne" hat sich sicherlich als sehr eingängig erwiesen.

Und niemand, der bei der Formulierung einer Schlagzeile, bei der

es um "Krieg der Sterne" oder um eine "Untersuchung der Möglichkeiten für
eine neue strategische Position" geht, die Kahl hat, wird sich für die
längere Formulierung entscheiden.

Und so stehen wir, wenn Sie so wollen,

einem Unterschied zwischen dem, um was es in dem Dialog zwischen den Vereinigten Staaten und Europa eigentlich geht, und dem, wie es in den
Medien dargestellt wird.

FRAGE:

Es gibt in Europa ein Gegenprojekt, Eureka.

Sehen Sie eine

Art Konkurrenz zwischen beiden Projekten?

ANTWORT:

Nein.

Ich weiß natürlich, daß das ein sehr populäres Thema

ist, aber diese ganze neue Welt der Wissenschaft und Technologie, mit der
sich Wissenschaftler, Techniker und Strategen in Nordamerika und in Europa befassen, hat Platz für alle, und wir sind der Überzeugung, daß SDI
und Eureka miteinander vereinbar sind und bleiben werden...

FRAGE:

Darf ich Sie fragen, ob Sie irgendwie hoffen, eine einheit-

liche westliche Linie im Zusammenhang mit dem kommenden Treffen zwischen
Präsident Reagan und Parteisekretär Gorbatschow aufrechterhalten zu können?

Und zwar in dem Sinne, in dem die Erklärungen und Reden in Helsinki

abgefaßt waren, wo alle westeuropäischen Länder, wie Sie auch, die Menschenrechtsfrage hervorgehoben haben, obgleich es doch einen Unterschied
gab, denn Sie haben sich deutlicher ausgesprochen:
redet und vielleicht ein bißchen aggressiver.

Sie haben offener ge-

Glauben Sie, daß die West-

europäer bei der Stange bleiben und grundsätzlich die gleiche Linie verfolgen wie Sie, oder sehen Sie eine wachsende Kluft zwischen Europa und
den Vereinigten Staaten?
ANTWORT:
- 6 -

Ich sehe

�ANTWORT:

Ich sehe keine echte Kluft.

im Stil gehabt.

Wir haben immer Unterschiede

Niemand würde sich doch wohlfühlen, wenn alle Erklärun-

gen in Helsinki über einen Leisten geschlagen worden wären oder genau die
gleichen Dinge hervorgehoben hätten.

Ich möchte in diesem Zusammenhang

nur an die Zusammenarbeit erinnern, die wir in Madrid zur Zeit der Madrider Folgekonferenz erlebt haben...
anbetrifft.

gerade was auch die Menschenrechte

Daß wir es vorgezogen haben, diese Anliegen in Helsinki auf

verschiedene Waise zum Ausdruck zu bringen, ist einfach ein Ausdruck der
Tatsache, daß wir verschiedene Länder sind.
Auftreten von Differenzen.

Ich rechne nicht mit dem

Wir rechnen vielmehr damit, uns durch einen

Konsultationsprozeß über die Auffassungen unserer Verbündeten und anderer
in Europa auf dem laufenden zu halten; zu wissen, was ihre Anliegen sind,
Bescheid zu wissen, was sie über das denken, was wir in den kommenden Wochen und Monaten zu tun gedenken und diese ihre Gedanken in unser eigenes
Denken einzubeziehen.

Ich rechne also nicht damit, daß Differenzen ent-

stehen, denn es hat auch in der Vergangenheit keine gegeben; ich rechne
vielmehr mit einer Ära der weiteren Zusammenarbeit und der sehr, sehr engen Konsultation...

FRAGE:

Können Sie uns eine genauere Vorstellung davon geben, wie

nach Ihrer Auffassung die Tagesordnung in Genf aussehen sollte - vor allem, was das Thema Nummer eins sein sollte?

ANTWORT:

Es gibt natürlich keine festgelegte Tagesordnung - in dem

Sinne, wie wir diesen Begriff "feste Tagesordnung" verstehen.

Aber die

anstehenden Fragen ordnen sich nach unserer Auffassung ohnehin in etwa
vier Kategorien ein - Rüstungskontrolle, die regionalen Fragen, die bilateralen Fragen und, wie schon gesagt, die Menschenrechte.

Und es ist

kein Zufall, daß ich die Liste mit Rüstungskontrolle begonnen habe; ich
habe auch keinen Zweifel daran, daß zwar alle Themen wichtig sind und alle Chancen und Möglichkeiten bieten, daß aber der Hauptschwerpunkt für
alle Menschen auf der Rüstungskontrolle liegt.

Das soll nicht heißen,

daß alles zu schaffen ist. Man muß aber einfach zugeben, daß, wer immer
die Liste der Themen aufstellt, die in Genf erörtert werden sollten, das
Thema Rüstungskontrolle am Anfang steht.
FRAGE:

Eines der

�FRAGE:

Eines der anderen Themen, die Sie genannt haben, sind regio-

nale Probleme. An welche Regionen müßten wir da denken?

ANTWORT:

Natürlich steht Afghanistan weiterhin im Mittelpunkt des

Interesses.

Wir haben in den letzten Monaten die Möglichkeit gehabt, auf

Expertenebene mit der Sowjetunion einen Meinungsaustausch - wenn man das
so bezeichnen kann - über den Nahen und Mittleren Osten, über das südliche Afrika und solche Art von Fragen zu führen.

FRAGE: Mittelamerika?

ANTWORT:

Natürlich , Mittelamerika nicht ausgeschlossen.

FRAGE:

Noch eine Frage zu SDI.

Die Einladung an die europäischen

Staaten zur Teilnahme an dem Forschungsprogramm erging an die europäischen Länder jeweils separat,

Was halten Sie von den europäischen Versu-

chen, im Rahmen der Westeuropäischen Union eine gemeinsame Antwort hierauf zu geben?

ANTWORT:

Diese Frage ist mir im Moment nicht allzu vertraut.

habe mich erst noch einzugewöhnen.

Ich

Das wird Ihnen sicher nicht immer als

Antwort ausreichen, aber lassen Sie mich hier nur so viel sagen: Hie die
Europäer sich organisieren, ist natürlich ganz allein ihre Sache.

Der-

zeit verhandeln wir auf individueller Basis, weil die Europäer selbst auf
diese Heise auf uns reagiert haben.

Bei anderer Entwicklung werden wir

natürlich entsprechend handeln.

FRAGE:

Gibt es für eine europäische Antwort, was Sie betrifft, noch

immer einen zeitlichen Rahmen?

ANTWORT:

Meinen Sie, so viele Tage für dieses und so viele Tage für

jenes?
FRAGE:

Verteidigungsminister Wsinberger hatte einmal einen Zeitplan

von zwei Monaten.
ANTWORT:

Nun, davon

�ANTWORT:

Nun, davon kam man schon vor einiger Zeit ab; Zeitpläne in

dieser Art von Geschäft werden eher durch das Tempo bestimmt, mit der
sich die Technologie entwickelt.

Für mich gibt es jetzt nur den Zeit-

plan, der sich aus dem natürlichen Lauf der Dinge ergibt.

FRAGE:

Auch wenn Sie nun schon fast alle Fragen beantwortet haben,

möchte ich noch einmal auf die Frage des Moratoriums zurückkommen.

Prä-

sident Reagan stimmte am Montag in seiner Pressekonferenz der Möglichkeit
eines Moratoriums zu, sobald die Vereinigten Staaten ihre eigenen Nukleartests beendet hätten. Muß man dies als eine radikale Änderung der amerikanischen Position ansehen?

FRAGE:

Nein, ich glaube, man sollte dies überhaupt nicht so sehen.

Was der Präsident sagen wollte, war wirklich nichts Neues.

Es war die

Bestätigung einer Politik, die wir seit vielen, vielen Jahren verfolgen.
Natürlich möchte man - mit einem Blick nach vorn in der Geschichte - hoffen, daß man einmal in einer Walt anlangt, in der es solche Tests nicht
mehr geben wird.

Aber die Erklärung des Präsidenten vom Montag verdeut-

lichte sehr genau den Kontext, in dem er ein Moratorium sieht, all die
noch zu erledigende Arbeit, die Verifizierung, das Bemühen um vertrauensbildende Maßnahmen, um Verringerung der offensiven Arsenale.
gehört zu jeder Diskussion um ein Moratorium.
Gedanken des Präsidenten.

All dies

All dies lag hinter dem

Es war dies keine radikale Abkehr; wir haben

nichts Neues gesagt.

FRAGE:

Der Präsident sprach von der Möglichkeit eines Moratoriums

nach Abschluß der amerikanischen Versuche.

Wissen Sie, wann das sein

könnte?

ANTWORT:

Für uns ist es ein Gebot der Stunde, die Lücke zu schlie-

ßen, die zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten hinsichtlich der bereits getanen Arbeit existiert.

Wir liegen hier weit zurück

- ich glaube, der Präsident erwähnte das. Er verwies auf die sowjetische
Raketenentwicklung und nannte zwei oder drei der sowjetischen Raketen,
die aufgrund beschleunigter und umfassender Testprogramme entwickelt und

�entwickelt und einsatzfähig gemacht wurden.
getan.

Wir haben nichts dergleichen

Ich kann wirklich nichts über einen Zeitplan sagen.

Ich kann nur

sagen, daß die Vereinigten Staaten entschlossen sind, eine Haltung einzunehmen, die auf unsere Erfordernisse Rücksicht nimmt; gleichzeitig will
ich hinzufügen, daß das eigentliche Thema nicht Moratorien sind - es geht
nicht um schnelle Antworten. Das Thema ist Genf, wo wir sagen:

Wir sind

flexibel, wir sind da, um radikale Verringerungen bei den strategischen
Cffensivarsenalen zu erreichen.

Und um genau das geht es.

Ist erst das

einmal getan, kann man weitersehen - kann noch mehr bei den Testverboten
und ähnlichem tun.

Es handelt sich um ein umfangreiches Programm.

Es

sträubt sich wirklich gegen einen Zeitplan.

FRAGE:

Sie sagten, das zentrale Thema ist die Frage der Verifizier-

barkeit?

ANTWORT: Absolut.

FRAGE:

Ohne ins Detail zu gehen: Könnten Sie uns sagen, was genau

die Vereinigten Staaten hinsichtlich der sowjetischen Experimente wissen
wollen? Und zweitens: Was ist mit der Einladung sowjetischer Experten zu
Ihren Versuchen?

ANTWORT:

Im Zentrum des Vorschlags, den der Präsident im September

1984 vor den Vereinten Nationen darlegte und den er einige Tage vor dem
Helsinki-Treffen wiederholte, steht die Verifizierbarkeit.

Und es ging

hier um ein sehr einfaches Problem, die Kalibrierung von Instrumenten
durch Experten beider Seiten. Als der Vorschlag zum erstenmal unterbreitet wurde, schlugen wir den Austausch von Experten beider Seiten vor; ein
Expertenteam von uns sollte in die Sowjetunion kommen, um die Kalibrierungsapparatur bei ihren Testanlagen zu überprüfen, eine Gruppe von ihnen, um bei uns dasselbe zu tun.

Hierauf kam nie eine Reaktion; deshalb

tat der Präsident den Schritt einer einseitigen Einladung:

"Iftenn ihr

nicht wollt, daß wir zu euch kommen, gut, dann laden wir euch zu uns ein.
Kommt nach Nevada, bringt eure Meßinstrumente mit..."

Ich glaube, darum

ging der Vorschlag des Präsidenten, Vertreter sollten zum Ort der Versu- 10 -

�der Versuche kommen und mit unseren Experten zusammenarbeiten.

Jemand hat schon darauf hingewiesen:

Wenn Wissenschaftler und Exper-

ten zusammenkommen, gibt es keine Geheimnisse.

Hier kann sich schon ein

gewisses Maß an Vertrauen durch das Wissen aufbauen, das man von dem hat,
was die andere Seite in diesem Bereich tut.
union zustimmt; bislang ist dem nicht so.

Wir hoffen, daß die SowjetAber wir werden weiter hof-

fen ...

FRAGE (Ansager):
stellen.

Bevor wir weitermachen, möchte ich gern eine Frage

Ganz offensichtlich wird das Treffen im November zwischen Prä-

sident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow der Höhepunkt des diplomatischen Jahres sein.

Können Sie uns etwas darüber sagen, wie wir hier in

Washington oder Ihre Abteilung eine Vorstellung von Michail Gorbatschow
erarbeitet? Ist er der neue Junge der alten Truppe?...

ANTWORT:

Man sollte davon ausgehen, daß alle Staaten unabhängig von

ihrem sozialen System von einer Reihe durchgängiger nationaler Interessen
ausgehen, die über alle Veränderungen an der Spitze fortdauern. Man muß
allerdings auch sagen, daß die jeweilige Führung diesen Fragen eine unterschiedliche Bedeutung beimißt, eine unterschiedliche Wahl dahingehend
trifft, wie die Ressourcen eingesetzt werden sollen, in welche Richtung
man seine Leute einsetzt, wie man am besten dem Ganzen dienen will.

Wir

können nunmehr sagen, daß wir einige Veränderungen bei der Akzentuierung
sehen, und sicherlich sehen wir erhebliche Tatkraft, wenn es darum geht,
Probleme auf neue Weise anzugehen.

Aber ich glaube, es ist noch zu früh,

darüber hinauszugehen und positive Ergebnisse oder größere Veränderungen
vorherzusagen - sicherlich keine Umstellung der sowjetischen Interessen,
wie sie die Sowjetunion versteht.

FRAGE (Ansager):

Wir können nicht behaupten, es gäbe schon eine kon-

krete Veränderung in der Ideologie?

ANTWORT:

Und wenn ich zurückblicke, so sehe ich auch nichts, was un-

terstellen könnte, daß Sie damit recht hätten, eine solche zu erwarten.
FRAGE:
- 11 -

Die Sowjetunion

�FRAGE:

Die Sowjetunion hat in den vergangenen zehn, fünfzehn Jahren

mit einer sehr geschickten Tradition begonnen:

Jedesmal vor einem wich-

tigen Treffen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion ließ
die

sowjetische

Regierung

einige

bekannte

politische Gefangene

frei.

Glauben Sie, dies wird auch vor Genf so sein, oder sind Sie unter allen
Umständen dazu bereit, nach Genf zu gehen?

ANTWORT:

Wir haben keine Vorbedingungen für Genf gestellt, wie dies

Ihre Frage unterstellt.

Wie Sie durch die Rede in Helsinki wissen, haben

wir eine Liste von Personen, die für uns repräsentativ hinsichtlich der
verschiedenen Menschenrechtsverletzungen sind, die es in der Sowjetunion
gibt.

Wir würden uns über jeden Freigelassenen freuen.

Aber wir haben

keine Vorbedingungen gestellt.

FRAGE:

Ich habe eine Frage, die sich aus einer Pressekonferenz von

Botschafter Mandelewitsch in Kopenhagen ergibt, der alle Unterstellungen
zurückwies, wonach die Sowjets an einer
oder daß sie überhaupt
bauen.

Weltraumverteidigung arbeiten

irgendwelche Angriffs- oder Verteidigungswaffen

Jetzt hören wir von der amerikanischen Regierung, daß sie an sol-

chen Waffen bauen.

ANTWORT:

Wem sollen wir in Europa glauben?

Ich würde sagen, Sie glauben den Vereinigten Staaten.

Was

die Wahrheit anbelangt, haben wir die besseren Karten.

FRAGE: Können Sie Beweise dafür bringen?
ANTWORT:

Das würde ich sehr gern, nur ist dies hier nicht die rich-

tige Gelegenheit.

Ich meine, die Beweise liegen vor, die Informationen

stehen zur Verfügung; und ich glaube, es gibt aus den ernstzunehmenden
Kreisen unserer Verbündeten kein Argument, das darauf hindeuten würde,
daß wir keine Forschung betreiben sollten, weil etwa die Sowjets dies
nicht täten. Das stimmt ganz einfach nicht - sie betreiben Forschung.

FRAGE:

Die Russen haben damit gedroht, die Genfer Konferenz zu ver-

lassen, wenn Sie mit dem SDI-Programm beginnen.
- 12 -

Was werden Sie in dieser

�in dieser Hinsicht tun?

ANTWORT:

Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Sowjets ernsthaft

hieran denken...

Die Genfer Verhandlungen zu verlassen bedeutet, die

zentralen Verhandlungen zu verlassen, die sich mit einem Themenkreis beschäftigen, von dem unsere Völker, von dem die Öffentlichkeit erwartet,
daß er auf eine Waise gelöst wird, die weiterhin Sicherheit gewährleistet, aber auch die Drohung eines Atomkrieges verringert.

Und ich kann

mir nicht vorstellen, daß eine verantwortungsbewußte Führung sich von einem solchen Forum zurückzieht.

FRAGE:

Eine Frage zu den Menschenrechten.

Bisweilen wird nach Hel-

sinki argumentiert, die Frage der Menschenrechte blockiere jede Art von
Gespräch zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion und vergifte die Beziehungen.

Glauben Sie nicht, daß Sie es durch den Druck, wie

ihn etwa Außenminister Shultz in seiner Rede in Helsinki ausübte , den Sowjets unmöglich machen, einen Wag aus ihrer Lage herauszufinden?

ANTWORT:

Nun, es gibt einen sehr einfachen Wag, den die Sowjets ein-

schlagen können, um aus ihrer Lage herauszukommen.

Sie könnten die Per-

sonen freilassen, deren Namen von der Liste des Außenministers verlesen
wurden.

Mir wurde diese Frage genau wie den anderen Mitgliedern unserer

Delegation in Helsinki gestellt:

"Warum habt ihr das getan? Glaubt ihr,

es hilft?" Ich glaube, es ist absolut notwendig, daß die Vereinigten
Staaten unter Beweis stellen, daß sie noch immer daran glauben, daß die
Menschenrechte und die Rechte des einzelnen der wichtigste Aspekt unserer
Gesellschaft sind. Darum geht es für uns. Und es wäre sicherlich falsch,
wenn wir uns still verhielten und Reden hielten, die ganz andere Prioritäten signalisieren.

Das werden wir nicht tun.

Menschen bedeuten uns

etwas, und unsere Reden spiegeln dies wider.

FRAGE:

Auch die Sowjets haben ja eine öffentliche Meinung, der sie

sich stellen müssen.

Wie könnten die Sowjets Ihrer Vorstellung nach vor-

gehen bei der Ankündigung, Sacharow, Schtscharanski, Orlow und einige andere Systemkritiker freizulassen?
ANTWORT:
- 13 -

Ich glaube

�ANTWORT:

Ich glaube nicht, daß die Sowjets dabei, wie Sie es sehen,

viele Probleme mit ihrer öffentlichen Meinung haben, wenn es überhaupt in
der Sowjetunion eine öffentliche Meinung gibt. Und ich glaube auch nicht,
daß die öffentliche Meinung dort von einem solchen Akt beleidigt wäre.
Manche mögen das für einen falschen politischen Kurs halten, aber die öf
fentliche Meinung ist für die Sowjetunion sicher kein Problem.

FRAGE:

Besteht die Möglichkeit, die Hoffnung, daß die Sowjets die

Freilassung einiger der bekannteren Dissidenten - ich denke an Sacharow,
Schtscharanski - vor dem Treffen im November einleiten?

ANTWORT:

Wir hoffen jeden Tag, daß man diesen oder jenen aus dieser

Gruppe freiläßt, und wir würden jeden Zeitpunkt hierfür begrüßen.

FRAGE:

Noch eine Frage zum Thema Testverbot.

Sind die Vereinigten

Staaten angesichts der Einwände gegen ein einseitiges Moratorium und angesichts der Bedeutung der Verifizierbarkeit noch immer für einen umfassenden Teststoppvertrag?

ANTWORT:
langem.

Die Vereinigten Staaten überprüfen diese Frage schon seit

Dies ist alles Teil eines langen, langen Weges, den es noch zu

gehen gilt.
FRAGE:

lauben Sie, daß das Sowjetsystem so, wie es nun einmal ist,

die Verwirklichung der Menschenrechte, wie wir sie verstehen, überleben
könnte?

Und wenn nein:

Wären die Vereinigten Staaten bereit, in Genf

oder an einem andren Ort zu einer Vereinbarung zu gelangen, ohne darauf
zu bestehen, hinsichtlich dieser Rechte ganz konsequent zu sein?

ANTWORT:

Wir haben immer wieder gesagt, daß das sowjetische Verhal-

ten im Bereich der Menschenrechte die Haltung der Öffentlichkeit hinsichtlich der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen beeinflußt.
man gar nicht leugnen.

Das kann

So sehen es meine Landsleute; und so werden sie

es immer sehen.
Und wir haben
- 14 -

�Und wir haben gesagt, daß der KSZE-Prozeß ein ausgewogener Prozeß
sein muß, daß die Schlußakte nicht lediglich ein Sicherheitsdokument ist.
Sie ist ein Dokument, das eine Reaktion bei einer ganzen Bandbreite von
Themen erforderlich macht, zu denen auch die zwischenmenschlichen Kontakte und die Menschenrechte gehören.

Aber man muß sehr genau aufpassen, daß man aus der Notwendigkeit
heraus, zwischen uns anstehende Fragen anzupacken, nicht Verhältnisse
schafft, die als Bedingungen oder Vorbedingungen interpretiert werden
könnten.
System.

Man muß die Welt nehmen, wie sie ist.
Wir haben das unsrige.

Die Sowjets haben ihr

Wir haben eine Vorstellung davon, was

die grundlegenden Menschenrechte sind, sie haben die ihre.

Es gibt Un-

terschiede. Daran muß, wenn Sie so wollen, über ganze Menschenalter hinweg gearbeitet werden; inzwischen sollten wir uns auch auf anderes konzentrieren...

Wir sollten versuchen, Vorbedingungen zu vermeiden, denn wir sind bereit, uns der Welt so zu stellen, wie sie ist...

* * * * *

- 15 -

�32

14. August 1985

RAUMFLUG FÜR DIE WISSENS:hAFT
Jüngster CmLLENGER-Einsatz:

Großartiger E r f o l g -

- (AD) Nach einem achttägigen Flug mit 127 Erdumkreisungen kehrte der
US-Raumtran:?porter

Ct-ALLENGER am 6.

Raumfähre, die am 29. J u l i
landete

in

der

Mojave-WJ'ste

August

L985 zur Erde zurück.

am Kap Canaveral i n Florida
in

Kalifornien

auf

gestartet

einem

Die
war,

ausgetrockneten

Salzsee innerhalb des Areals von Edwards A i r Force Base.

Eine wissen-

schaftliche Mission mit überaus komplexen und schwierigen Aufgaben, auf
die sich zwei der N u t z l a s t s p e z i a l i s t e n an Bord sieben Jahre lang vorbereitet

h a t t e n , war zu Ende.

Die Auswertung der Meß- und Aufnahmedaten

aus Gebieten der Sonnen-, Atmosphären- und Plasmaphysik, der
U l t r a v i o l e t t - und

Röntgenastronomie,

der

Biologie,

Infrarot-,

Physiologie

und der

technologischen Forschung wird Monate , t e i l w e i s e sogar Jahre i n Anspruch
nehmen.

Es war der 50. bemannte Raumflug der US-Behörde f ü r L u f t - und

Raumfahrt

(NASA),

gleichzeitig

der

achte

Flug

des

Raumtransporters

Challenger.
Die Panne

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die Panne während der Startphase, in der sich eines der drei Haupttriebwerke wahrscheinlich infolge der Fehlmessung eines Hitzesensors automatisch abschaltete, konnte durch längere Brenndauer der beiden anderen
Triebwerke und Ablassen von Treibstoff insoweit wettgemacht werden, als
auf diese totise der drohende Abbruch des Fluges mit Notlandung in Spanien
vermieden wurde.

Die ursprünglich vorgesehene Umlaufhöhe von 300 km wur-

de allerdings nicht erreicht.

CWLLENGER umkreiste die Erde ca. 60 km

tiefer, was aber, wie sich inzwischen herausstellte, die vorgesehenen
Messungen und Beoachtungen weitaus weniger beeinträchtigte als zunächst
befürchtet.

Das Programm wurde zumindestens 80 bis 85 Prozent erfüllt.

Eugene Urban, der wissenschaftliche Direktor für den 19. Einsatz eines
amerikanischen
Vtorten:

Raumtransporters, kommentierte

das Unternehmen mit den

"Eine großartige, erfolgreiche Mission".

Gemeint war die Ausbeute an neuen und überaus interessanten Forschungsdaten, die mit Hilfe von 13 Meß- und Experimentierinstrumenten
(Gesamtgewicht:

ca. 15 Tonnen) gewonnen wurde.

Die Mehrzahl von ihnen

war auf drei im Nutzlastraum hintereinander aufgereihten Paletten montiert.

Diese Instrumententräger sind Bestandteil des von der Europä-

ischen Heltraumorganisation ESA beigesteuerten und unter deutscher Leitung entwickelten Vfeltraumlabors SPACELAB.

Die Arbeitsräume für Astro-

nauten, als Druckkabinen konstruiert, waren jedoch dieses Mal nicht dabei, sondern nur das "Iglu".

Dabei handelt es sich um einen kleineren

Druckbehälter zur Aufnahme von Untersystemen für den Betrieb der Computer , für die Datenübertragung und die Temperaturregelung der einzelnen
Forschungsinstrumente.

Die Aktivierung des unter Leitung der Firma Dornier (Friedrichshafen)
gebauten, ca. eine Tonne schweren IPS-Geräts machte anfangs Schwierigkeiten und gelang erst nach mehreren Versuchen.

Es war eine wichtige Kompo-

nente im Programm, denn IPS ("Instrument Pointing System") erlaubt die
Feineinstellung und präzise automatische Nachführung von Teleskopen, Kameras oder Spektrometern zur Beobachtung kosmischer Objekte.

Dies ge-

schieht mit einer möglichen Abweichung von weniger als einer Bogensekunde, wenn die Raumfähre mit rundum abgeschalteten Steuerungsdüsen fliegt,
- 2-

�Steuerungsdüsen f l i e g t , und die Genauigkeit l i e g t immerhin noch bei zehn
Bogensekunden, wenn die

Triebwerke

zu Manövrierzwecken gezündet

werden

müssen.
Ein besonderer E r f o l g sind die Tausende von Aufnahmen von der Sonne,
die unter IPS-Ausrichtung mit v i e r

leistungsstarken Teleskopen von Mag-

n e t f e l d e r n , Eruptionen und r i e s i g e n , aus dem Sonneninneren aufsteigenden
"Blasen" gemacht und zur Erde ü b e r m i t t e l t wurden.
hatten einen Durchmesser von mehr als 100 000 km.
das "System zur Messung solarer Magnet-

Manche dieser Blasen
Eines der Instrumente,

und Bewegungsfelder", diente da-

z u , Stärke, Struktur und Entwicklung von Magnetfeldern i n der Sonnenatmosphäre zu beobachten und mögliche Beziehungen zu anderen solaren Phänomenen und Magnetfeldern auf der Sonne ausfindig zu machen.

Das Korona-He-

lium-Experiment, von Großbritannien beigesteuert, hatte zum Z i e l , die auf
der Sonne vorhandenen heliummengen zu messen.

Dabei wurde i n Verbindung

mit der Emission von U l t r a v i o l e t t s t r a h l u n g das Korona-Gas auf Temperatur e n , Dichte und Zusammensetzung a n a l y s i e r t .

Mit dem vom Forschungsinstitut
laren Ultraviolett-Teleskop
besonders

hohem

(Strahlenkorona)
werden.

der US-Marine (NRL) entwickelten "So-

und UV-Spektrographen" - e i n Instrument

Auflösungsvermögen

-

sollten

Chromosphäre,

und der Übergang zwischen beiden Schichten

mit

Korona

beobachtet

Die von stationären Observatorien nur bei t o t a l e r Sonnenfinster-

nis und dann nur für sehr kurze Zeit sichtbare Chromosphäre, l i e g t

zwi-

schen der Photosphäre, der wenige Hindert Kilometer dicken, leuchtenden
Schicht der Sonnenoberfläche, und der äußersten Schicht der Sonnenatmosphäre, der Korona.

Bisherigen Ergebnissen der Sonnenforschung

zufolge

hat die stark turbulente Chromosphäre eine Ausdehnung von mehreren Tausend Kilometern.
falls

Das v i e r t e

vom NRL eingesetzter

erfaßte Kurz-

Instrument, e i n beim CHALLENGER-Flug eben'Monitor

für

solares

Ultraviolettspektrum",

und Langzeitschwankungen innerhalb des Gesamtspektrums der

von der Sonne e m i t t i e r t e n u l t r a v i o l e t t e n Strahlung.

Schon auf

den ersten B i l d e r n

vom Magnet- und

Bewegungsfeldteleskop

war, wie N u t z l a s t s p e z i a l i s t Dr. Loren Acton von Bord der ChALLENGER den

�CHALLENGER den Projektwissenschaftlern in der Missionszentrale Houston
berichtete, jede kleine Granule zu erkennen.

Als "Granulation" bezeich-

net man die Struktur der nicht gleichmäßig hellen, sondern eher "körnigen" Photosphäre, in der sich helle, in ständigem Wechsel befindliche
Körnchen ("Granula") in runder oder ovaler Ausbildung von dunkler erscheinender Umgebung deutlich abheben.

Sie haben eine "Lebensdauer" von

wenigen Minuten und zeigen Turbulenzvorgänge an.

Das Magnetteleskop gibt der Forschung Gelegenheit, mehr über die Magnetfelder zu erfahren, die schichtweise in der gesamten Sonnenatmosphäre
vorhanden sind.

Diese Magnetfelder spielen eine Schlüsselrolle für die

Struktur und Dynamik der Sonnenatmosphäre.

Manche von ihnen sind viel-

tausendfach stärker als das Magnetfeld unserer Erde.

Jedoch sind sie in

ihren Details von stationären Observatorien aus nicht zu beobachten, weil
die Turbulenzen in der Erdatmosphäre eine Erfassung kurzfristiger Veränderungen unmöglich machen.

Die Wissenschaftler untersuchen auch die Beziehung zwischen Magnetfeldern, Granulen und sog. Supergranulen.

Bei den "normalen" Granulen,

die Durchmesser von etwa 800 - 1000 km haben, handelt es sich um "Blasen"
aufgrund von Konvektionsprozessen.

Sie wirken als riesige "Fahrstühle"

für den Transport von Wärme aus dem "Ofen" im Sonneninnern zur Oberfläche.

Sie dürften bei der Aufheizung der äußeren Sonnenatmosphäre eine

ganz wichtige Rolle spielen.
als die üblichen Granulen.

"Supergranulen" sind etwa 400 Mal größer

Während sich die letztgenannten in etwa 1000

km Tiefe bilden, kommen die Supergranulen aus Bereichen von ca. 15 000 km
unterhalb der Oberfläche.

Das Magnetteleskop übermittelt auch äußerst fein gezeichnete Bilder
von dunklen, sog. Sonnenflecken zur Erde.

Diese treten auf, wenn sich

Magnetfelder unterhalb der Sonnenoberfläche verknaueln und eruptionsartig
durch die Photosphäre, die hell leuchtende Sonnenoberfläche, nach oben
dringen. Man nimmt heute an., daß Sonnenfackeln, d.h. gewaltige Explosionen , mit denen Sonnenmaterie in den Raum hinaus geschleudert wird, eine
Folge des Zusammenbruchs von Magnetfeldern sind, die zwischen den Sonnen-

�den Sonnenflecken bogenförmig über der Sonnenoberfläche

liegen.

Diese

Felder wandern und verändern ihre Form. Sie können sich über Gebiete z w i schen Regionen von Sonnenaktivität mit Materieabstrahlung e r s t r e c k e n , die
in

ihrer

Ausdehnung etwa der

Entfernung Erde-Mond

(mittlerer

Abstand:

384 000 km) entsprechen.
Nach Meinung Urbans schaffen die koordinierten Messungen eine Mögl i c h k e i t , mehr darüber zu erfahren, wie die Sonne t a t s ä c h l i c h

"funktio-

n i e r t " , wie Energie aus t i e f e n Regionen zu weit entfernten anderen Bereichen t r a n s p o r t i e r t

wird und wie Gase auf ihrem toeg vom Sonneninneren

nach außen von e i n paar Tausend Grad Temperatur auf mehr als eine M i l l i o n
Grad aufgeheizt werden.
"Die Sonne, einer

von v i e l e n M i l l i a r d e n Sternen im Universum, kann

uns nicht nur h e l f e n , mehr E i n b l i c k i n die kosmische E v o l u t i o n , sondern
auch i n thermonukleare Prozesse zu bekommen, die Energie
sagt Urban.
nen P r o j e k t ,

produzieren",

Dies diene auch dem inzwischen weltweit i n A n g r i f f genommethermonukleare Prozesse für

die Stromerzeugung nutzbar

zu

machen.
M i t einem f ü r kosmische Röntgenstrahlung empfindlichen Teleskop, das
auf der zweiten SPACELAB-Palette montiert war, versuchte man, extrem h e i ße Objekte zu beobachten, die sehr kurzwellige Strahlung aussenden.

Zu

diesen gehören beispielsweise die r i e s i g e n Hsißgas-Walken, von denen Galaxienhaufen umgeben s i n d .

Man vermutet, daß sie die Entwicklung einer

Galaxis, d . h . eines unserer Milchstraße ähnlichen Systems, beeinflussen.
G l e i c h z e i t i g erfaßte e i n kleines I n f r a r o t t e l e s k o p

"kühlere" Objekte wie

Planeten, aber auch Itolken, aus denen sich e r s t Sterne b i l d e n , sowie f e r ne Galaxien und die sogenannte Hintergrundstrahlung vom Unviersum.

So-

bald nämlich e i n Objekt nicht heiß genug i s t , um Strahlung a l s sichtbares
Licht

auszusenden, e m i t t i e r t

es

langwelligeren Infrarotspektrums.

Energie

hauptsächlich

im Bereich

Vom I n f r a r o t t e l e s k o p erhoffen sich die

Wissenschaftler weitere Erkenntnisse zu den v i e l e n Entdeckungen, die
den l e t z t e n

zwei Jahren mit

werden konnten.

des

IRAS ( I n f r a r o t - A s t r o n o m i e s a t e l l i t )

in

gemacht

M i t H i l f e dieses Forschungssatelliten wurden neue Korne-

�neue Kometen, Materieschwaden um Sterne als mögliche "Brutstätten" für
die Entwicklung von Planetenbegleitern einer anderen Sonne und noch völlig mysteriöse Objekte am Rand des von uns beobachtbaren Universums gefunden.

Zu den Technologieprojekten zählte u.a. die Beobachtung des Verhaltens von supraflüssigem Helium in der Schwerelosigkeit.

Unter irdischen

Bedingungen wird Helium dann superflüssig, wenn es auf eine Temperatur
abgekühlt wird, die nur geringfügig über dem absoluten Nullpunkt von minus 273,15 Grad Celsius liegt.

Es bleibt nicht als Flüssigkeit am Boden

liegen, sondern steigt die Gefäßwand empor.

j

Das Experiment an Bord der

ChALLENGER Könnte helfen, Unterschiede zwischen normal flüssigem Helium
und superflüssigem Helium zu ermitteln und die Eignung der Superflüssigkeit als Kühlmittel besser zu beurteilen.

Auch die biologischen Experimente dürften manche neuen Erkenntnisse
bringen:

Bei einem ging es um Veränderungen des Knochenstoffwechsels un-

ter Schwerelosigkeit (Astronaut Dr. Musgrave, ein Arzt, entnahm allen Besatzungsmitgliedern in bestimmten Abständen während des Fluges Blutproben, die nun auf ihren Mineralgehalt analysiert werden).

Ein weiteres

Experiment sollte Untersuchungen zum Einfluß der Schwerelosigkeit auf die
Ligninbildung in Pflanzen ermöglichen.
fer-, Kiefern-, Bohnen-

und

Dazu wurde das Wachstum von Ha-

Sonnenblumensetzlingen

beobachtet.

"Wenn

wir mehr darüber wissen, wie Lignin in einer Pflanze gebildet wird, könnten wir vielleicht Pflanzen züchten, die weniger aufwendig vom Stoffwechsel her Energie zum Wachstum produzieren", sagte Urban.

Dann ergäbe sich

eine Möglichkeit, größere Mengen von Pflanzenmaterial für Nahrung, Papierherstellung oder andere Zwecke zu bekommen.

Lignin ist ein Polymer,

das zahlreichen Pflanzen die Steifheit verleiht, um gegen die Schwerkraft
aufrecht zu stehen.

- 6 -

f

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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Keine amerikanischen Vorbedingungen für Gipfeltreffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Euronet-Pressekonferenz der US-Unterstaatssekretärin für europäische Angelegenheiten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Raumflug für die Wissenschaft&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Jüngster CHALLENGER-Einsatz: Großartiger Erfolg -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

7. August 1985

INHALT

DOKUMENTATION
Präsident Reagan:

Niemals wieder Einsatz von Atomwaffen

- Erklärung zum 40. Jahrestag des ersten Atombombenabwurfs Reagan b i e t e t ständiges Moratorium f ü r Kernwaffenversuche an
- Pressekonferenz des US-Präsidenten vom 5. August 1985 -

HINTERGRUNDMATERIAL
Kostendämpfung für den Raumflug
- SDI-Chef Abrahamson f o r d e r t "Nationale I n i t i a t i v e "

* * * * *

Um Ubcr/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel : 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�7. August 1985

32

PRÄSIDENT REAGAN: NIEMALS WIEDER EINSATZ VON ATOMWAFFEN
- Erklärung zum 40. Jahrestag des ersten Atombombenabwurfs -

WASHINGTON -

(AD) - Präsident Ronald Reagan hat i n einer

Erklärung

zum 40. Jahrestag des Abwurfs einer Atombombe auf Hiroshima b e t o n t , daß
a l l e Nationen der Welt dafür sorgen müssen, daß das Atom niemals wieder
a l s Waffe des Krieges Verwendung finden w i r d .

I n seiner Erklärung vom 6.

August 1985 hat der Präsident hervorgehoben, daß die Vereinigten Staaten
a l l e s tun werden, um eine f r i e d l i c h e r e Welt aufzubauen.

Reagan wies auch

darauf h i n , daß das Ende des Zweiten Weltkriegs den Beginn einer
spiellosen Freundschaft

bei-

zwischen den Vereinigten Staaten und Japan ge-

bracht habe.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
I n dieser Woche gedenken M i l l i o n e n von Menschen auf der ganzen Welt
des 40. Jahrestages der ersten und einzigen Einsätze von Kernwaffen - Geschehnisse, die einen langen und schrecklichen Krieg beendet haben.

Mit

dem Ende des Krieges entstand eine beispiellose Freundschaft zwischen den

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�zwischen den freien Völkern und demokratischen Regierungen der Vereinigten Staaten und Japans.

Wenn wir also über die Bedeutung der Ereignisse

vor 40 Jahren nachdenken, dann dürfen wir und die Bevölkerung Japans
stolz darauf sein, daß wir gezeigt haben, daß selbst zwischen früheren
Gegnern im Kriege eine dauerhafte Versöhnung möglich ist.

Wir dürfen niemals vergessen, was die Kernwaffen über Hiroshima und
Nagasaki gebracht haben.

Und doch dürfen wir auch nicht vergessen, daß

die Aufrechterhaltung unserer starken nuklearen Abschreckung vier Jahrzehnte lang die Sicherheit der Vereinigten Staaten und die Freiheit unserer Verbündeten in Asien und Europa gewährleistet hat.

In Europa bedeu-

ten diese Jahre die längste Friedensperiode seit Anfang des 19. Jahrhunderts.

Der Frieden hat uns nicht selbstgefällig gemacht, denn wir streben
weiterhin nach Hegen, um die Risiken eines Krieges noch mehr zu verringern.

Wie ich oft erklärt habe:

"Ein Atomkrieg kann nicht gewonnen wer-

den und darf niemals geführt werden."

Dieser Jahrestag ist daher nicht

nur Anlaß zur Erinnerung, sondern auch zum Handeln.

Die Vereinigten Staaten werden jeden vernünftigen Schritt tun, um eine friedlichere Welt aufzubauen.

Erst vorige Woche habe ich der sowjeti-

schen Führung eine Einladung zukommen lassen, ein Team sowjetischer Experten nach unserem Versuchsgelände in Nevada zu entsenden, um einen amerikanischen Atomversuch zu beobachten und seine Stärke zu messen.
Angebot gilt ohne Vorbedingungen.

Mein

Den sowjetischen Experten wurde frei-

gestellt, alle Instrumente und Einrichtungen mitzubringen, die sie für
notwendig erachteten, um die Stärke des Versuches zu messen.
war einfach und klar:

Unser Ziel

Einen Prozeß in Gang zu setzen, der hinsichtlich

der Begrenzung von Nuklearversuchen das Vertrauen und die Zusammenarbeit
zwischen unseren Nationen wesentlich erhöhen könnte.

Ich hoffe, daß die sowjetische Führung diese Einladung im Geiste des
guten Willens annehmen wird, in dem sie ergangen ist.

Ich möchte auch an

die Führung der Sowjetunion appellieren, mit uns zusammenzuarbeiten, um
- 2 -

�zusammenzuarbeiten, um einschneidende, v e r i f i z i e r b a r e
ringerungen der Nukleararsenale

und gerechte

zu erreichen; die Fragen bezüglich

Verder

Einhaltung bestehender Rüstungskontrollabkommen zu lösen und einen kons t r u k t i v e n Dialog über M i t t e l und toege zur Verringerung des Risikos eines
unbeabsichtigten Krieges i n Gang zu bringen.
Wir müssen auch wachsam sein i n unseren Bemühungen, die Ausbreitung
von Kernwaffen zu verhindern - und h i e r müssen a l l e

Nationen die

tragen h e l f e n .

Nukleartechnologie

Jene, die aus dem Transfer s e n s i t i v e r

Last

i n Unruhegebiete der Erde Gewinn schlagen möchten, s t e l l e n eine Bedrohung
des Weltfriedens dar.

Hier miß gehandelt werden, und wir ermutigen a l l e

Länder, sich uns i n der Forderung nach umfassenden Sicherheitsgarantien
a l s Vorbedingung für den Nuklearexport anzuschließen.
Wir sehen der d r i t t e n Uberprüfungskonferenz

für den Nichtweiterver-

b r e i t u n g s v e r t r a g , die i n diesem Monat beginnen w i r d , mit Interesse entgegen.

Die Vereinigten Staaten, die Sowjetunion und a l l e Länder der Welt

müssen das i h r i g e t u n , um zu gewährleisten, daß das Atom niemals wieder
als eine Waffe des Krieges, sondern nur noch a l s Instrument des Friedens
verwendet w i r d .

- 3 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

7. August 1985

32

REAGAN BIETET STÄNDIGES MORATORIUM FÜR KERNWAFFENVERSUCH AN
- Pressekonferenz des US-Präsidenten vom 5. August 1985 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat e i n ständiges Moratorium f ü r Kernwaffenversuche angeboten, wenn die Sowjets b e r e i t wären, i h r
z e i t l i c h begrenztes Moratorium f ü r Kernversuche nach dem 1 . Januar 1986
i n e i n ständiges Moratorium zu verwandeln oder wenn sie b e r e i t s e i e n , b i l a t e r a l e Inspektionen der Versuche der j e w e i l s anderen Seite zuzustimmen.
Auf einer vom amerikanischen Fernsehen übertragenen Pressekonferenz am 5.
August 1985 betonte der Präsident, daß dieses Angebot für den Zeitpunkt
nach dem Abschluß der gegenwärtigen amerikanischen Versuchsreihe

gelte.

Diese Versuche seien durch die massive sowjetische Aufrüstung notwendig
geworden.

Reagan wies darauf h i n , daß eine Lösung a l l dieser Fragen an

den Konferenztisch i n Genf gehöre, denn wenn man zu einer Einigung über
eine wesentliche Verringerung und schließliche Abschaffung a l l e r Kernwaffen kommen könne, dann gäbe es auch keine Notwendigkeit mehr f ü r Kernwaffenversuche.

Der

Stellvertretende

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 08-85432

�Der Stellvertretende Sprecher des Weißen Hauses Edward Djerejian erklärte später vor der Presse, der Präsident habe mit seinem Angebot "keine neue Initiative vorgeschlagen".

Die Vereinigten Staaten unterstützten

seit langem das Ziel von Verhandlungen über ein Versuchsverbot im Zusammenhang mit einschneidenden und verifizierbaren Verringerungen der Kernwaffen, wesentlich verbesserten Verifizierungsmethoden, verstärkten vertrauensbildenden Maßnahmen und der Aufrechterhaltung einer wirksamen Abschreckung.

Im wesentlichen, so betonte der Stellvertretende Sprecher

des Heißen Hauses, gehe es um das Verifizierungsproblem und um den Vorsprung der Sowjetunion in der Entwicklung und Modernisierung von Kernwaffen.

"Wir dürfen nicht vergessen", so betonte Djerejian, "daß die

grundsätzliche Notwendigkeit für unsere Versuche aus der massiven Aufrüstung der sowjetischen Offensivkraft herrührt".

Der Präsident eröffnete die Pressekonferenz, die sich zu einem großen
Teil mit Fragen des amerikanischen Haushalts und der Gesundheit des Präsidenten befaßte, mit einer einleitenden Erklärung, die folgenden Wortlaut hat:
Ich möchte zunächst eine Erklärung abgeben.

Ich möchte diese Gele-

genheit benutzen, einen Blick zurück zu tun und auch einen Blick in die
Zukunft auf unsere Erwartungen für diesen Herbst.
tet sich zu einem Jahr des Fortschritts.

Das Jahr 1985 gestal-

Die Wirtschaft erfreut sich gu-

ter Gesundheit, Amerika lebt in Frieden und trägt dazu bei, die Grenzen
der Freiheit zu erweitern.

Wir können Vertrauen aus der Tatsache schöpfen, daß die Zinssätze
noch immer nach unten neigen, daß die Inflationsrate noch immer unter
vier Prozent bleibt und daß in diesem Jahr fast 600 000 neue Arbeitsplätze geschaffen wurden.

Und jetzt, da die Batterien der Wirtschaft neu

aufgeladen sind, starten wir mit neuem Schwung.

Der Weg vor uns läßt ei-

nen starken Arbeitsmarkt erkennen, ohne neue Steuererhöhungen, die uns
bremsen würden und ohne dunkle Walken der Inflation am Horizont.

Aber es gibt
- 2 -

�Aber es gibt vieles, was wir tun können und müssen, um dieses Jahr zu
einem noch besseren Jahr zu machen.

Wir haben die Absicht, eine große

Herbstoffensive zu starten und uns an das Volk zu wenden und mit dem Kongreß zu arbeiten, um große und dringend erforderliche Reformen zu erreichen.

Wir werden unsere Bemühungen um eine Haushaltsreform, um ein Veto-

recht für Einzelposten - das A3 Gouverneure von Einzelstaaten bereits besitzen - und um einen ausgewogenen

Haushalt

intensivieren, um damit

schließlich dem Kongreß aufzuerlegen, daß er nicht mehr ausgibt, als er
einnimmt.

Wir können die chronischen Überausgaben des Kongresses nicht

mit dem Zuckerbrot freundlicher Appelle an gute Absichten verringern,
sondern wir müssen auch in der Lage sein, die Peitsche echter Disziplin
zu schwingen.

Wir werden auch den Gebieten der Landwirtschaft und des Handels besondere Aufmerksamkeit zuwenden, weil sie eine so große Auswirkung auf
den Haushalt und die Gesundheit unserer Wirtschaft haben.

Bis zum Tag

der Arbeit (2. September) werden wir alle Hindernisse für die Verabschiedung der Steuerreform aus dem Wege räumen.

Wir können uns nicht mit den

Ungerechtigkeiten und Erschwernissen der derzeitigen Steuersätze abfinden.

Wir müssen sie durch ein neues System ersetzen, das dem amerikani-

schen Volk niedrigere Hächststeuersätze und eine größere Fairness bietet.
Um unserer Zukunft willen gibt es keine höhere oder dringendere Priorität.

Von Seiten der Legislative erreichten wir nicht alle die Einsparungen, die wir angestrebt haben, aber wir haben an dem Prinzip festgehalten
- und es ist uns gelungen, daran festzuhalten, das ich als entscheidend
wichtig ansehe, wenn es um den Abbau des Haushaltsdefizits geht, daß wir
nicht das Einkommen der Menschen senken, sondern die Ausgaben der Regierung.

Es werden viele Bewilligungsgesetze anstehen, und ich bin ent-

schlossen, jedes von ihnen Zeile um Zeile genau zu prüfen, um, wenn notwendig, mein Veto einzulegen.

Was die Außenpolitik angeht, so haben wir die Woge der schrittweisen
sowjetischen Expansion, die vor fünf Jahren so deutlich zu erkennen war,
zurückgedrängt.

Unsere Bündnisse sind stärker und wir haben unsere Füh-

�unsere Führungsposition wiedergewonnen, wir arbeiten an der Lösung der
internationalen Schuldenlast, wir marschieren der Ausbreitung der Demokratie voran und wir suchen echte Fortschritte in entscheidenden globalen
Fragen von den Menschenrechten bis zur Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen.

In Genf sind wir in der besten Position seit über einer Generation,
um echte Verringerungen der Kernwaffen zu erreichen.

Alles, was wir

brauchen, ist eine ernsthafte Einstellung der Sowjets.

Ich sehe meinem

Zusammentreffen mit Generalsekretär Gorbatschow in Genf im November dieses Jahres mit Erwartung entgegen.

Und auch dieses:
zubauen.

Wir haben begonnen, unsere Verteidigung wieder auf-

Unsere konventionellen Streitkräfte sind stärker.

Der Kongreß

hat unser strategisches Modernisierungsprogramm unterstützt und unsere
Abschreckung ist stärker.

Aber wir müssen weitermachen und dieses Pro-

gramm abschließen.

Wir setzen auch unsere Forschung auf dem Gebiet unserer nichtnuklearen strategischen Verteidigungsinitiative

fort, die die große hbffnung

bietet, daß wir vielleicht eines Tages die Menschen dieses Planeten vor
der Drohung eines nuklearen Angriffs schnützen können.

Und wir haben ei-

nen Durchbruch erzielt, als der Kongreß die Bedeutung Mittelamerikas für
unsere nationale Sicherheit erkannte und der Hilfe für die Freiheitskämpfer zustimmte.

Die Sache der Freiheit ist die Sache des Friedens und ich möchte all
jenen im Kongreß, die für die Unterstützung der Freiheitsbewegung in Nicaragua , Afghanistan und Kambodscha, und für die Aufhebung des Clark-Gesetzeszusatzes gestimmt haben - der die Hilfe für die Freiheitskämpfer in
Angola verbot -, mein Lob aussprechen.

Wir haben also, wie ich gesagt

habe, gut angefangen, aber es bleibt noch vieles zu tun.

Die außenpolitischen Fragen und Antworten der Pressekonferenz haben
folgenden Wortlaut:
FRAGE:

Herr Präsident,

�FRAGE:

l-terr Präsident, eine Frage zu Südafrika.

Beabsichtigen Sie

die Fortsetzung Ihrer Politik des konstruktiven Engagements oder sind Sie
der Ansicht, jetzt sei bald die Zeit gekommen, Schritte - wie etwa Sanktionen - zu unternehmen?

ANTWORT:

Ich bin der Meinung, daß die Ergebnisse, die dieses kon-

struktive Engagement mit Südafrika gezeitigt haben, ein Fortführen dieser
Politik rechtfertigt.
Sicherlich sind wir alle der Meinung - und wir haben dies auch deutlich gemacht -, daß die Apartheid abstoßend ist...

Man sollte aber auch

das Positive betrachten, das unser sogenanntes "konstruktives Engagement"
bislang mit sich gebracht hat - in immer größerem Maß vollständige zweirassige Eriehung; dann die Tatsache der über 100 Millionen Dollar, die
die dortige amerikanische Geschäftswelt im Lauf der vergangenen Jahre für
Ausbildung und Unterkunft der Schwarzen beigetragen hat; schließlich das
Faktum, daß das Verbot gemischtrassiger Ehen nicht länger existiert; daß
rund

vierzig Geschäftsbereiche

für Geschäfte

freigegeben wurden, die

Schwarzen gehören; Schwarze in der Gewerkschaftsbewegung; verstärkte Aufhebung der Rassentrennung in Hotels, Restaurants, Parks, Sportanlagen und
dergleichen.

Ich kann gar nicht alles aufzählen; aber alles trägt zur letztendlichen Antwort bei.

Und nimmt man die Worte von Buthelezi, des Führers der

Zulu, die ja rund ein Drittel der schwarzen Bevölkerung Südafrikas ausmachen, dann zeigt sich:

Er spricht gegen den Gedanken der Feindschaft,

der Sanktionen und sagt, was auch wir sagen, daß derlei nur den Menschen
schaden würde, denen wir zu helfen suchen.

FRAGE:

Sie werden also Ihr Veto einlegen?

ANTWORT:

... Im Prinzip bleibt es bei dem, was ich schon sagte: Mei-

ner Meinung nach ist die Fortführung unseres derzeitigen Programms der
beste Weg, auf dem wir eine Hilfe für die schwarze Bevölkerung Südafrikas
sein können.
FRAGE: Aber der

�FRAGE:
che.

Aber der Ausnahmezustand geht jetzt schon in seine dritte Wo-

Ihre Regierung hat seine Aufhebung gefordert und doch gab es keine

Reaktion hierauf.

Was werden Sie tun, um der südafrikanischen Regierung

dies stärker zu verdeutlichen?

ANTWORT:

Ich glaube, wir haben schon einigen Einfluß ausgeübt, und

sie selbst haben Fortschritt in diese Richtung versprochen.

Jetzt aller-

dings sprechen Sie von einer Regierungsreaktion auf Gewalt, die für alle
Menschen dort schädlich war.

Wir sahen Gewalt zwischen Schwarzen ebenso

wie seitens der Polizei gegen aufrührerisches Verhalten. Man muß bisweilen auch die Tatsache von Aktionen anerkennen, die in dem Bemühen ergriffen werden, Gewalt zu verhindern.

FRAGE:

Würden Sie Ihr Veto gegen ein Gesetz einlegen, das bereits

vom Repräsentantenhaus verabschiedet wurde und das, wie es den Anschein
hat, auch im Senat durchkommen wird?

ANTWORT:

Lassen Sie mich warten, bis ich sehe, was auf meinen

Schreibtisch kommt.

Ich weiß, daß es hier Dinge gibt, die gerade in der

Richtung nützlich sind, von der ich gesprochen habe.

Ich weiß allerdings

auch, daß die Sanktionen nicht nur für die Schwarzen dort Schaden anrichten würden, sondern daß sie auch schlecht für die angrenzenden Staaten
wären, deren Volkswirtschaften hinsichtlich Handel und Wirtschaftsbeziehungen von Südafrika abhängen.

FRAGE:

Könnte man also mit Recht sagen, daß es in der amerikani-

schen Politik keine Änderungen geben wird, daß man die Zügel nicht etwas
strafft?
ANTWORT:

Das hängt davon ab, was Sie unter Änderung verstehen; wenn

Sie damit Sanktionen und dergleichen meinen - nein.

Aber es kann natür-

lich Fluktuationen im Gespräch und in den Beziehungen zu einer anderen
Regierung geben.

FRAGE:
- 6 -

Was halten

�FRAGE:

Was halten Sie von den konservativen Attacken gegen Außenmi-

nister Shultz, er sei nicht antikommunistisch genug?

ANTWORT:

Sie entbehren jeglicher Grundlage und sie sind zutiefst

lächerlich.

Ich habe völliges Vertrauen in Außenminister Shultz und in

die Tatsache, daß er die Politik betreibt, an die ich glaube.

FRAGE:

Sie wissen, Gorbatschow sagte, wir seien Barbaren gewesen,

die Atombombe abzuwerfen.
ANTWORT:

Was halten Sie davon?

Ich dachte immer, es sei barbarisch von Stalin gewesen, 20

Millionen seiner eigenen Landleute umzubringen.

Wir hingegen warfen die Bombe in dem Bestreben ab, das zu beenden,
was der größte Krieg in der Geschichte der Menschheit war.

Der Wider-

stand des Feindes und die Inselkämpfe, die zur Invasion Japans führten,
bewiesen uns, daß wir auf Widerstand bis zum Tode treffen würden.

Man

schätzte die Verluste bei weiterem Vorrücekn auf mehr als eine Million.
Und ich glaube, jenen, die damals diese schreckliche Entscheidung zu
treffen hatten, jetzt etwas anderes unterstellen zu wollen, ist lächerlich.

Schrecklich wie es war, müssen wir meiner Meinung nach doch auch sagen, daß dadurch die Welt eine Vorstellung von dem Schrecken der Kernwaffen erhielt.

Und das hilft uns jetzt vielleicht dabei, uns eines Tages

von ihnen zu befreien.

Dies müssen wir erkennen - und auch die Tatsache ,

daß die Präsenz unserer Kernwaffen als ein Mittel der Abschreckung uns
die längste Periode des Friedens - 40 Jahre Frieden - gebracht hat, die
es jemals gab.

FRAGE:

Hierzu noch:

Warum greifen Sie nicht Gorbatschows Vorschlag

eines gemeinsamen Moratoriums bei Nuklearversuchen auf?

ANTWORT:

Die Sowjetunion ist uns bei der Entwicklung und der Moder-

nisierung der Kernwaffen voraus.

Sie hat eben ihre Versuche beendet, ein
- 7 -

�beendet, ein paar stehen vielleicht noch aus, die sie womöglich noch vor
dem 6. - dem vorgeschlagenen Beginn - dazwischenquetschen werden.

Aber

sie hatte ihre Versuche mit der SS-24, der SS-25 und der SS-18 beendet,
die unserer MX vergleichbar ist. Und wir haben mit den Versuchen bei einigen unserer Waffentypen, die mit den ihrigen Schritt halten sollen,
noch nicht einmal richtig begonnen, geschweige denn die Tests abgeschlossen.

Deshalb kommtihr Vorschlag für ein beiderseitiges - erst einseitiges
- Moratorium für mehrere Monate nach Abschluß ihrer Versuche.
chen nichts mehr zu tun.

Sie brau-

Ihr Drängen auf ein beiderseitiges Moratorium

bedeutet, daß wir dann nicht mehr in der Lage wären, mit ihnen Schritt zu
halten.

Und wir haben hierfür ein Beispiel aus der Zeit Kennedys.

Damals ging es um Versuche bei ABM und dergleichen.

Wir bemühten uns

um einen Vertrag, die Sowjetunion weigerte sich; sie brachte ihre Versuche zu einem Ende. Als dann der Kongreß für uns grünes Licht gab, sagten
die Sowjets sofort zu Präsident Kennedy:

"Oh ja, wir sind jetzt bereit,

über ein Moratorium bei Tests zu sprechen."

Und aus diesem Grund haben wird gesagt:
suche durchführen - genau dieselben wie ihr.

"Wir müssen noch unsere VerIhr könnt gern jemand her-

überschicken und alle unsere Versuche beobachten."

Und wir würden gern noch Folgendes hinzufügen:

Wenn sie nach dem be-

grenzten Moratorium, das etwa im Dezember zu Ende gehen sollte, bereit
sind, es zu einem ständigen Moratorium zu machen oder wenn sie bereit
sind, mit uns übereinzustimmen und bilaterale Inspektionen bei den Test
der jeweils anderen Seite zu haben, so sind wir hierzu auch bereit.

FRAGE:

Sie sagten, alle unsere Versuche zu beobachten?

Sie würden

bis zu einem totalen Moratorium gehen, einem ständigen Moratorium bei allen unterirdischen Tests? Allen Tests?

ANTWORT:
- 8 -

Ich weiß

�ANTWORT:

Ich weiß n i c h t , ob wir i n der Lage wären, unsere b i s zum

Jahresende zu beenden.

Vtenn wir unsere abgeschlossen haben und sie keine

neuen unternehmen FRAGE:

Nun, sie sagen, wir h ä t t e n . . .

ANTWORT:
FRAGE:
ANTWORT:

Ja, das wäre gut.
. . . unsere i n Nevada abgeschlossen.
Oh nein.

Wir sprechen noch immer vom Typ MIDGETMAN, um

i h r e SS-24 oder SS-25 aufzuwiegen.

Und wir haben bis j e t z t noch nicht

einmal damit angefangen.
FRAGE:
ANTWORT:

Vtenn könnte das sein?
Das weiß ich n i c h t .

kreten Fakten zurückkehren.

Innerhalb eines Jahres?
Lassen Sie uns inzwischen zu zwei kon-

I n Genf s o l l t e n die Entscheidungen g e t r o f f e n

werden und nicht mit Moratorien dieser A r t .

Vfenden wir uns dem Bemühen

z u , e i n f ü r a l l e Mal die Anzahl der Kernwaffen zu v e r r i n g e r n , was hoff e n t l i c h zu i h r e r v ö l l i g e n Beseitigung führen w i r d .
überhaupt keine Notwendigkeit mehr für Versuche.

* * * * *

- 9 -

Dann gäbe es nämlich

�7. August 1985

31

KOSTENDÄMPFUNG FÜR DEN RAUMFLUG
5DI-Chef Abrahamson f o r d e r t "Nationale I n i t i a t i v e " -

-

(AD) - Zu den sich j e t z t abzeichnenden und zukünftigen S t a r t e r f o r -

dernissen i n den neunziger Jahren äußerte sich während einer

dreitägigen

Anhörung Generalleutnant James Abrahamson, Direktor der Organisation für
die Strategische V e r t e i d i g u n g s i n i t i a t i v e
ses

für

Wissenschaft

amerikanischen

und Technologie

Repräsentantenhauses.

(SDI) vor Gremien des Ausschussowie des Militärausschusses

des

Seinen

die

Worten

zufolge

Stationierung einer Abschirmung gegen nukleare b a l l i s t i s c h e

würde

Raketen "den

Shuttle-Unternehmen vergleichbare Flüge" e r f o r d e r n , die sowohl der gegenwärtigen als auch der vorgesehenen

rationalen

S t a r t k a p a z i t ä t i n etwa e n t -

sprächen oder sogar merklich darüber lägen.

In einer Diskussion betonte

Abrahamson außerdem die Notwendigkeit einer

"nationalen I n i t i a t i v e "

Senkung der Kosten für den Transport i n den Waltraum.

Ebenso wie das ge-

samte SDI-Programm müsse die Beförderung eines Verteidigungssystems
Raketenabwehr i n den Erdorbit

"kosteneffektiv"

sein.

zur
zur

Wir bringen nach-

folgend den Wortlaut der Erklärung Abrahamsons:
Das Thema ' Transport

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Das Thema ' Transport i n den Weltraum'
teidigungsinitiative

des

Präsidenten

von

ist

für die Strategische

außerordentlicher

Ver-

Bedeutung.

Der Transport i n den Vteltraum wird i n unseren gegenwärtigen Untersuchungen a l s k r i t i s c h e Technologie und wichtigste Kategorie für den Kostenanstieg i d e n t i f i z i e r t .

Dies wird durch die Folgerungen b e s t ä t i g t , zu denen

das von Dr. Fletcher geführte Team zum Studium der Verteidigungstechnologien gekommen i s t .
den unsere

Die r e l a t i v hohen Kosten für unsere Startsysteme wer-

Fähigkeit,

eine

finanzierbare

strategische

Verteidigung

zu

d i s l o z i e r e n , wesentlich beeinflussen.

Es i s t unsere A b s i c h t , f ü r v i e l e unserer technologischen Forschungsprogramme

den Raumtransporter

Wir gehen davon aus,

als

das primäre

Startgerät

zu benutzen.

im Rahmen der Grundlagenforschungen während der

Haushaltsjahre 1987 bis 1991 den Raumtransporter i n einem Umfang zu nutzen, der i n etwa einem Flug pro Jahr e n t s p r i c h t .

Wir nehmen a n , diesem

Erfordernis am besten gerecht zu werden, wenn wir innerhalb dieser
j e w e i l s zweimal die Hälfte des Frachtraums belegen.
sich ändern.

Zeit

Diese Schätzung mag

So könnte beispielsweise für unseren ersten STS-Flug (Space

Transportation System) im Haushaltsjahr 1987 der gesamte Frachtraum benöt i g t werden.
spielsweise

Außerdem werden zahlreiche SDI-Sekundärexperimente wie b e i das

überaus

erfolgreiche

Hochpräzisions-Nachführexperiment,

das während eines der jüngsten Shuttle-Flüge durchgeführt wurde, i n Erwägung gezogen und bei künftigen Shuttle-Unternehmen m i t g e f ü h r t .

Wir

planen

die

SDI-Forschung

im

Hinblick

auf

ausreichenden

Fort-

s c h r i t t und technische R e i f e , so daß e i n k ü n f t i g e r Präsident ebenso wie
der Kongreß Anfang der neunziger Jahre entwicklungstechnische

Entschei-

dungen f ü r e i n Verteidigungssystem für die Vereinigten Staaten und unsere
Verbündeten

treffen

können.

Vfenn diese

Entscheidungen

zu

technischen

Entwicklungen führen s o l l e n , e r f o r d e r t dies zweifellos zusätzliche Transporte i n den Vteltraum.
die Erfordernisse

Es i s t schwierig, j e t z t schon zu sagen, wie groß

wären; grob geschätzt könnten s i e , beginnend mit dem

Haushaltsjahr 1992, fünf Raumtransporterflügen pro Jahr entsprechen. Diese Flugerfordernisse sind mit den Anforderungen vereinbar, die den L u f t s t r e i t k r ä f t e n f ü r die Zusammenstellung der Missionsmodelle auf nationaler

�auf nationaler Ebene und für das Verteidigungsministerium im Zusammenhang
mit STS-Einsätzen eingeräumt wurden.
derungen d e f i n i e r t

Je besser unsere Entwicklungsanfor-

werden können, desto e f f e k t i v e r

werden auch unsere

Fluganforderungen r e v i d i e r t und mit den verantwortlichen Organisation koordiniert.
Vorausschätzungen einer möglichen SDI-Dislozierung sind nur v o r l ä u f i ger Natur und ihrem Wssen nach äußerst dynamisch.
ren wir

viele

mögliche

Startanforderungen.

Schemata

mit

Gegenwärtig a n a l y s i e -

einem b r e i t e n Spektrum

denkbarer

Diese Schemata sind noch keineswegs ausgereift

und

machen es äußerst schwierig, zum gegenwärtigen Zeitpunkt e i n genaues Missionsmodell

aufzustellen.

Um jedoch auf

Ihre Fragen zu den möglichen

SDI-Startanforderungen für eine System-Dislozierung zurückzukommen, möchte ich eine Anzahl von shuttle-äguivalenten Flügen vorschlagen, die i h r e r
Natur nach der gegenwärtigen und k ü n f t i g vorgesehenen nationalen S t a r t k a pazität entsprächen oder sie sogar d e u t l i c h überstiegen.

Es steht kaum außer Z w e i f e l , daß auf längere Sicht der Umfang der nat i o n a l e n Startanforderungen die gegenwärtigen Startkapazitäten ü b e r s t e i gen w i r d .

Aus diesem Grund gab der Präsident k ü r z l i c h Anweisung f ü r die

Fertigstellung

einer

natonalen Studie

über

Transporte

in

den

Vfeltraum

e i n s c h l i e ß l i c h der e r f o r d e r l i c h e n I n f r a s t r u k t u r , die vom Verteidigungsministerium und dem Amt für L u f t - und Raumfahrt (NASA) gemeinsam ausgearbeitet wird.
gierung

für

Die Studie wird p o t e n t i e l l e Missionserfordernisse der Renationale und z i v i l e

Aufgaben im Vteltraum für die Z e i t ab

1995 ausweisen, die verschiedenen Möglichkeiten für die T r a n s p o r t - I n f r a struktur

zur aufgabengerechten Durchführung dieser Missionen d e f i n i e r e n ,

anwendbare Technologien für die Trägergeräte angeben und s c h l i e ß l i c h die
j e w e i l i g e n Aufgabenspektren benennen.

In der Studie wird man sich mit

a l l e n Aspekten von Startmöglichkeiten befassen, e i n s c h l i e ß l i c h der j e w e i l i g e n Operationen, der
auch am Boden.

Wartung und der L o g i s t i k

sowohl im Weltraum a l s

Die Regierung vertraut darauf, daß die mit der Studie ge-

gebenen Empfehlungen die USA i n die Lage versetzen werden, fortdauernden
Zugang zum Weltraum und die führende Rolle beim Transport i n den Weltraum
zu behalten.

Der endgültige Bericht

s o l l im Mai 1986 vorgelegt werden.

- 3 -

�vorgelegt werden.

Von diesem Bericht wird ein breit angelegtes Technolo-

gie-Investitionsprogramm

für künftige nationale Erfordernisse ausgehen.

Als potentieller Anwender für eine verbesserte nationale Startkapazität
in der Zukunft wird SDI in den nächsten Jahren Forschungsinvestitionen
vornehmen um, dazu beizutragen, daß dramatisch niedrigere Kosten und erhöhte Operationsflexibilität im Bedarfsfall verfügbar sind.

Unser besonderes Interesse gilt einem breiten Spektrum modernster
Technologien.

Diese Technologien könnten sowohl einem nach dem Shuttle-

Prinzip projektiertem Startvehikel als möglicherweise auch einem völlig
neuem System dienen.

Am Anfang steht die Forderung, daß wir unsere ge-

genwärtigen arbeitsintensiven Aufgaben wesentlich reduzieren müssen.

Um

dies zu erreichen, suchen wir nach Verbesserungen in unseren gegenwärtigen Operationen am Boden und im Waltraum, bei der Missionsplanung, in Fabrikation und Produktion, in der Ausarbeitung der Software und in der Logistik.

Da zum gegenwärtigen Zeitpunkt unsere künftigen Starterfordernisse
noch ziemlich unklar sind, ist Flexibilität jetzt eines unserer Hauptziele.

Ich bezweifle, daß ein einziger Typ von Startgerät diesen Anforde-

rungen gerecht werden könnte, und es ist wahrscheinlich, daß eine ganze
Familie von Trägergeräten gebraucht würde.

Meines Erachtens liegt auch

der Schlüssel zu künftigen leistungsfähigen Startoperationen für kommerzielle Zwecke in flexiblen Operationen.

Die Vereinigten Staaten und die

westliche Veit haben eine aufregende und lebendige Zukunft in Waltraumaktivitäten aller Art vor sich.

Der Schlüssel zu dieser Zukunft - seien

es Aktivitäten im Interesse der Sicherheit, der wissenschaftlichen Forschung oder der kommerziellen Nutzung - der Schlüssel also liegt in einem
flexiblen und rentablen Waltraumtransportsystem.

Die Vereinigten Staaten

müssen Menschen, Ideen, Geld und Führungskraft investieren, um diese Zukunft Wirklichkeit werden zu lassen.

- 4 -

�</text>
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                <text>Amerikadienst 07.08.1985</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan: Niemals wieder Einsatz von Atomwaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung zum 40. Jahrestag des ersten Atombombenabwurfs -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan bietet ständiges Moratorium für Kernwaffenversuche an&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz des US-Präsidenten vom 5. August 1985 -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kostendämpfung für den Raumflug&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- SDI-Chef Abrahamson fordert "Nationale Initiative" -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Information
und

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

30

31. J u l i 1985

INHALT
DOKUMENTATION
Shultz:

Schlußakte von Helsinki - Neue Ära f ü r Europa

- Rede des US-Außenministers auf der KSZE-Jubiläumsfeier Richard B u r t :

USA werden KSZE-Prozeß nicht aufgeben

- EURONET-Interview zum 10. Jahrestag der Schlußakte von Helsinki
Sowjets blockieren F o r t s c h r i t t e bei Verhandlungen über chemische
Waffen
- Rede des US-Delegierten bei der Genfer Abrüstungskonferenz -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Raumstation - Katalysator für f r i e d l i c h e Weltraumnutzung
- Präsident Reagan würdigt Errungenschaften und künftige Projekte
im Dienst der Menschheit Amerikanisch-sowjetische Zusammenarbeit im Weltraum
- Gründliche Projekte-Bewertung e r f o r d e r l i c h - Neubeginn an der Basis
vorgeschlagen * * * * *

Um Übcr/cndung von
ßeleQexemptaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

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Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

30

31. J u l i 1985

SHJLTZ: SChLUSSAKTE VON HELSINKI - NEUE A'RA FÜR EUROPA
Rede des US-Außenministers auf der KSZE-Jubiläumsfeier -

HELSINKI -

(AD) - Der amerikanische Außenminister George Shultz wies

am 30. J u l i 1985 i n Helsinki i n seiner Rede zum zehnten Jahrestag der Unterzeichnung der Schlußakte
niemand "die K l u f t

von Helsinki

im Jahr 1975 darauf h i n , daß

zwischen Erhofftem und Erreichtem" b e s t r e i t e n könne;

er betonte jedoch auch, daß dennoch Hoffnung auf "eine neue Ära für die
Beziehungen i n Europa" bestehe, "die die Versprechen von Helsinki neues
Leben einhauchen".
Die Rede des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:

Die p o l i t i s c h e n Werte der Neuzeit, die unserer Z i v i l i s a t i o n zugrunde
l i e g e n , e r b l i c k t e n i n Europa das L i c h t der Welt.

Der Glaube an mensch-

lichen F o r t s c h r i t t , an die Rechte des einzelnen gegenüber dem S t a a t , an

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Staat, an eine friedliche internationale Ordnung - dies ist das Vermächtnis, das uns das Denken und die Kultur Europas seit der Aufklärung überliefert haben.

Bisweilen wurde die Flamme dieses humanitären Denkens

durch Unterdrückung, Intoleranz und Krieg zurückgedrängt.

Aber immer

auch waren diese Werte lebendig und bedeuteten für die Menschheit Hoffnung und Inspiration - auf die Erweiterung der Grenzen menschlichen Wissens , auf einen Aufstieg zu höheren Bereichen der menschlichen Existenz,
auf friedliches Zusammenleben mit unseren Nachbarn, auf Vertrauen in
Fortschritt und in Freiheit für uns selbst und unsere Welt.

Tragischerweise ist Europa heute ein geteilter Kontinent.
Ideale der europäischen Zivilisation sind nicht verschwunden.

Doch die
Sie leben

noch immer in jedem Land, in jeder Stadt und jedem Dorf, auf jeder Straße, in jedem Heim, in West und Ost.

Sie verbinden Europa.

Die Barrie-

ren, die Mauern, der Stacheldraht und die Waffen können die Europäer
nicht wirklich von ihrem Erbe trennen.

Die geistige Stärke der europäi-

schen Zivilisation kann nicht durch künstliche und listenreiche, von Regierungen geschaffene Hindernisse auseinandergebrochen werden.

Europa, vergessen wir dies nicht, war auch früher schon geteilt,
wenngleich niemals so radikal.

Politische Systeme von erheblichem Unter-

schied lebten Seite an Seite über Hunderte von Jahre hinweg auf diesem
Kontinent.

Es gab Kaiserreiche, konstitutionelle Monarchien und Dikta-

turen neben Republiken und Demokratien.

Religionskriege brachten über

die Jahrhunderte hinweg unzähligen Unschuldigen den Tod.

Und allein in

diesem Jahrhundert machten die Menschen Europas zwei Weltkriege durch,
die ihren Kontinent verwüsteten.

Nur die heldenhaften Anstrengungen der

westlichen Demokratien und der Sowjetunion retteten Europa vor Hitlers
Tyrannei. Aber Europa hat auch diese schweren Zeiten überstanden.

Und der moderne Gedanke der Freiheit ist seit dem 18. Jahrhundert gewachsen und gediehen.

Er hat alle Konflikte und Teilungen in der Ge-

schichte Europas überlebt, weil selbst in den dunkelsten Augenblicken das
Streben der Menschen nach Freiheit der Rede und des Denken sowie nach ungehinderten

Bewegungsfreiheit

auf

dem

- 2-

ganzen

Kontinent

niemals

ver-

�niemals verschwand.

Der Glaube an die Rechte des einzelnen ist in der

europäischen Philosophie und Geschichte tief verwurzelt.

Vielleicht kann kein Angehöriger meiner Generation hier erwarten, daß
die Mauern und der Stacheldraht wie von Zauberhand noch zu unserer Lebzeit verschwinden werden, aber sicherlich muß sich die Teilung zu Lebzeiten vieler ändern, die heute leben.

Und dennoch gibt es einige Dinge, auf die wir schon jetzt hoffen können:

daß der Gedanke der Freiheit in Europa auch weiterhin wächst, sogar

in den Bereichen der Finsternis hinter den Mauern, und daß Frieden über
diesen Kontinent herrscht, trotz anhaltender Konfrontation zwischen Ost
und West.

Heute stehen Mächte und politische Vterte einander in Europa im

Wettstreit gegenüber.

Ihre Differenzen mögen letztlich vielleicht nicht

miteinander vereinbar sein. Aber wir hoffen dies nicht. Allerdings wird
es Spannungen solange geben, wie manche auch weiterhin darauf beharren,
die grundlegendsten Menschenrechte zu verletzten.

Aber könne wir nicht

wenigstens die Drohung eines bewaffneten Konfliktes verringern?

Können

wir nicht ein größeres Maß an Freiheit für alle Europäer, für alle Menschen erreichen?

Wir, die Erben des europäischen Geistes, müssen ihn für

die kommenden Generationen auf dem ganzen Kontinent lebendig erhalten.

Dies sind die Hoffnungen, die die Konferenz von Helsinki vor einem
Jahrzehnt inspirierten.

Die Staatsmänner in Helsinki begriffen, daß die

beiden Ziele von Frieden und größerer Freiheit in Europa unlösbar miteinander verbunden sind.

Sie erkannten, daß wir es uns selbst und unseren

Kindern schuldig waren, die große europäische Tradition auch in diesen
schwierigen Zeiten am Leben zu erhalten.

Heute begehen wir den zehnten Jahrestag der Schlußakte von Helsinki.
Wenn sich aus der Geschichte der ersten zehn Jahre der Schlußakte eine
einzelne Lektion ziehen läßt, so ist es genau die, daß die Interessen des
einzelnen Menschen ein grundlegender Teil der Sicherheit und der Stabilität in Europa sind.

Größere Sicherheit und ein stabilerer Frieden zwi-

schen unseren Staaten hängen von größerer Freiheit für die Menschen in
Europa ab.
Die Schlußakte

�Die Schlußakte war Ausdruck der humanistischen Tradition Europas.
Sie

akzentuierte

Freiheiten.

die grundlegendsten Menschenrechte und

fundamentalen

Sie forderte einen freieren Fluß von Informationen, Ideen

und Menschen.

Sie bot die Möglichkeit größerer Zusammenarbeit zwischen

Staaten und Menschen.

Sie unterstrich die grundsätzlichen Prinzipien der

Beziehungen zwischen Staaten.

Und sie bekräftigte in ihrer Struktur und

in ihrer Zielsetzung die Erkenntnis, daß Sicherheit, wirtschaftliche Beziehungen, Menschenrechte
gleicher Bedeutung

und Kontakte

zwischen den Völkern alle von

sind und miteinander in Beziehung stehen.

Friede

schließt die Totalität unserer Beziehung ein.

Bei der Unterzeichnung der Schlußakte vor zehn Jahren bestand für uns
als Regierungen die Erkenntnis, daß wir über die traditionelle Tagesordnung von Regierungen hinauszugehen hätten, um Fortschritt in Richtung auf
mehr Sicherheit und auf einen stabileren Frieden zu machen.

Wir erkann-

ten, daß unsere Sicherheitsbedürfnisse über Mauern und Waffen hinausgehen
mußten, daß hierzu auch gehörte, Wage zu finden, um Mißtrauen abzubauen,
Hindernisse zu beseitigen, größeres Vertrauen zu schaffen und die Kontakte zwischen den Völkern in Europa zu verstärken.

Und wir erkannten, daß

dies nur erreicht werden könne, wenn die Verpflichtungen über unsere Regierungen hinausreichen würden, um auch die Hoffnungen, den guten Willen
und die echten Bemühungen unserer Völker einzuschließen.

Und in der Tat wurde der Schlußakte von Helsinki die Aufmerksamkeit
und die Begeisterung unserer Völker zuteil, weil sie all jenem förderlich
war, was die europäische Zivilisation über die Jahrhunderte hinweg verband, und weil sie das Tor für eine bessere Zukunft öffnete. Die Schlußakte beschrieb Wage, um Abgründe zu überbrücken und um zumindest etwas
von dem Mauern niederzureißen, die seit 1945 errichtet worden waren. Sie
bot eine Definition unserer gemeinsamen Sicherheit, die sowohl umfassend
als auch präzise war.

Sie gab den Bürgern aller Teilnehmerstaaten die

Hoffnung, daß sie alle ihre Möglichkeiten ausschöpfen und zu einer besseren, sichereren Walt beitragen könnten.

Vor allem aber war sie bestrebt,

die Rechte des einzelnen zu bewahren.
Die Botschaft der

�Die Botschaft der Schlußakte bestand darin, daß wir die Teilungen in
Europa abbauen, daß wir die von ihnen verursachten Leiden verringern und
daß wir darauf hoffen können, eines Tages einen ungeteilten, friedlichen
Kontinent zu erleben, wenn wir klug genug, praktisch genug und engagiert
genug sind.

Wir alle waren uns bewußt, daß es nicht leicht sein würde, aus unseren Hbffnungen Wirklichkeit werden zu lassen.

Wir waren uns bewußt, daß

unsere Erwartungen hinsichtlich dessen, was sein könnte, durch Realismus
gedämpft werden müßten und daß Fortschritt nur langsam kommen würde.

Wir

wußten, daß - wie Präsident Ford es formuliert hatte - , "die Geschichte
diese Konferenz nicht nach dem beurteilen wird, was wir heute hier sagen,
sondern nach dem, was wir morgen tun werden -

nicht nach den Verspre-

chungen die wir machen, sondern nach den Versprechen, die wir halten."
Aber wir wußten auch, daß die hier niedergelegten Ziele und Grundsätze es
wert waren, daß man sich für sie engagierte.

Das Besondere an der Schlußakte bestand darin, daß sie nicht nur Ausdruck von Ziel und

Grundsätzen war; sie war zugleich ein Programm prak-

tischer Schritte, um aus unseren hbffnungen Realität werden zu lassen.
Sie bot einen Maßstab, um den es sich zu bemühen galt und an dem mann unser Verhalten messen konnte.

Vielleicht werden wir nicht so bald den Tag

erleben, da alle Staaten diesem Maßstab gerecht werden, aber durch eben
diese Bemühungen könnten ein sichererer Frieden, mehr Freiheit des einzelnen und somit eine größere Verwirklichung des gewaltigen Potentials
Europas zustande kommen.

Können wir auf die vergangenen zehn Jahre zurückblicken und zumindest
begrenzten Fortschritt sehen?

Ich glaube, die Antwort ist ja - auch wenn

es noch immer die Realität der europäischen Teilung gibt.

Betrachten wir

uns noch einmal diese vergangenen zehn Jahre und beurteilen wir ganz
praktisch und konkret den Fortschritt nach Maßgabe der Schlußakte.
me Erklärungen sind billig.

From-

Echter Fortschritt kann nur in seiner Aus-

wirkung auf den Menschen gesehen werden.
Die Schlußakte
- 5-

�Die Schlußakte hatte einige praktische Auswirkungen.

Heute

reisen

Journalisten ungehinderter

zwischen unseren Ländern.

Eine große Zahl von Bürgern aus einigen osteuropäischen Ländern wurden
mit ihren Familien im Vtesten zusammengeführt.

Wenn wir betrachten, wo-

rauf wir hofften, und was uns möglich erschien, als die Schlußakte unterzeichnet wurde, so trugen unsere Folgekonferenzen in Belgrad und Madrid
dazu bei, diese Öffnungen und Möglichkeiten am Leben zu erhalten.

In

gleichem Maße erhalten unser jüngstes Treffen in Ottawa wie auch die
derzeitigen Verhandlungen in Stockholm unsere Vorstellungen für die Zukunft am Leben.

Das Erreichte sollte nicht unterschätzt werden.

Es hat den Vteg ge-

wiesen, den wir weitergehen müssen, wenn wir in Zukunft unsere Beziehungen auf eine bessere und stabilere Grundlage stellen wollen und wenn wir
die Möglichkeit der Freiheit für alle Europäer schaffen wollen.

Und doch kann zehn Jahre nach der Unterzeichnung der Schlußakte niemand die Kluft zwischem Erhofftem und Erreichtem leugnen.

Trotz des kon-

kreten Vtertes der Schlußakte als Verhaltensmaßstab wurden die wichtigsten
Versprechen, die vor einem Jahrzehnt abgegeben wurden, nicht eingehalten.

Die Sachlage im einzelnen

In der Schlußakte haben wir uns alle verpflichtet, Anträge von Einzelpersonen auf Familienzusammenführung positiv und auf humane Art und
Vteise zu behandeln.

In den letzten fünf Jahren ist jedoch die Zahl der

sowjetischen Bürger jüdischer Nationalität, denen man, hauptsächlich aus
Gründen der Familienzusammenführung, die Ausreise gestattet hat, von über
51 000 auf 896 gefallen.

Im Hinblick auf sowjetische Bürger deutscher

oder armenischer Nationalität war der gleiche bedauernswerte Trend zu
verzeichnen.

Es gibt mehr
- 6-

�Es gibt mehr als 20 Fälle amerikanisch-sowjetischer Ehen, in denen
dem sowjetischen Ehepartner ungeachtet der in der Schlußakte von Helsinki
enthaltenen Sonderbestimmungen die Ausreiseerlaubnis zweimal oder noch
öfter verweigert wurde.

Juri Balowlenkow, der im Jahre 1978 eine ameri-

kanische Staatsbürgerin geheiratet hat, befand sich vom 25. März bis zum
4. Juli dieses Jahres aus Protest gegen die Tatsache, daß man ihm seit
sechs Jahren die Ausreise verweigert, im Hungerstreik.

Er hat nur eine

seiner beiden Töchter jemals zu Gesicht bekommen und befindet sich in
sehr schlechter gesundheitlicher Verfassung.

Die Schlußakte sichert jedem einzelnen das Recht zu, von den Bestimmungen des Abkommens Kenntnis zu erhalten und im Einklang mit ihnen zu
handeln.

Die Gruppe von Bürgern, die sich in Moskau zusammengefunden

hatte, um die Durchführung der Schlußakte in der Sowjetunion zu überwachen, löste sich jedoch im September 1982 aus Angst vor weiterer Verfolgung auf.

Es handelte sich dabei um eine Gruppe engagierter sowjetischer

Bürger, die den Entschluß ihres Landes zur Unterzeichnung der Schlußakte
von Helsinki mit Genugtuung

und Stolz begrüßt hatten.

Heute jedoch

siecht Jurij Orlow, der Gründer der Gruppe, nach siebenjähriger Haft in
einem Arbeitslager

in einem entlegenen Teil Sibiriens dahin.

Anatoly

Schtscharansky, ein Gründungsmitglied der Gruppe, wurde 1977 unter einer
falschen Anschuldigung inhaftiert, hat einen Teil seiner 13jährigen Haftstrafe im berüchtigten Gefängnis von Christopol abgeleistet und verbringt
nun den

Rest

in einem

der

brutalsten Arbeitslager

der Sowjetunion.

Anatoly Martschenko, ein weiteres Mitglied der Gruppe, leistet gegenwärtig eine 12jährige Haftstrafe ab und darf seit über einem Jahr mit seiner
Familie keinen Briefwechsel mehr führen.

Der Gesundheitszustand von Iwan

Kowaljow, der ebenfalls Mitglied der Gruppe war, hat sich Berichten zufolge seit seiner Verlegung in ein Arbeitslager erheblich verschlechtert.
Seine Gattin und eine

seiner Mitgefährtinnen

in der Gruppe, Tatjana

Osipowa, waren ursprünglich zu fünf Jahren Lagerhaft verurteilt worden,
aber die Strafe wurde vor kurzem um zwei Jahre verlängert.

Sergej Batowrin, der Gründer einer Friedensgruppe in Moskau, wurde
zunächst schikaniert, dann in eine psychiatrische Anstalt gesteckt und
- 7-

�gesteckt und s c h l i e ß l i c h , a l s er nicht davon abließ , für den Frieden i n
der gleichen Vteise einzutreten wie so v i e l e Tausende junger Menschen i n
anderen Ländern auch, aus seinem Heimatland einfach hinausgeworfen.

An-

deren Friedensaktivisten wie auch solchen Personen, die f ü r die Rechte
der Frauen oder
widerfahren.

für

f r e i e Gewerkschaften gekämpft haben, i s t

ähnliches

Im Januar dieses Jahres wurden i n Moskau die Gründer einer

sozialdemokratischen P a r t e i i n s Gefängnis geworfen.
Am 14. Juni dieses Jahres wurden i n Danzig Bogdan L i s , Adam Michnik
und Wladyslaw Frasyniuk zu Haftstrafen zwischen zweieinhalb und d r e i e i n halb Jahren v e r u r t e i l t .

Die gegen sie erhobenen Anschuldigungen hatten

vorgeblich nichts mit ihrem eigentlichen "Verbrechen" zu t u n : Sie hatten
bei dem Kampf um f r e i e Gewerkschaften i n der vordersten Reihe gestanden,
wobei anzumerken i s t , daß das Recht auf Gewerkschaftsfreiheit im Schlußdokument der Madrider Folgekonferenz anerkannt w i r d .
mir

Klebanows, i n

der Sowjetunion eine

Die Versuche WLadi-

f r e i e Gewerkschaft

zu gründen,

trugen ihm jedoch eine v i e r j ä h r i g e Einweisung i n eine psychiatrische

Kli-

nik e i n .
E i n d e r a r t i g e r Mißbrauch der Psychiatrie b l i e b keineswegs auf Gewerkschafter und Friedensaktivisten beschränkt.

I n der Ukraine wird Wladimir

Chailo, e i n evangelischer B a p t i s t , wegen seines Glaubens und seiner Bemühungen um Ausreise mit seiner G a t t i n und seinen 15 Kindern s e i t 1980 i n
psychiatrischen K l i n i k e n festgehalten.

Das Angebot, daß man i h n f r e i l a s -

sen werde, wenn er seinen Glauben aufgäbe, hat er abgelehnt.
All

diejenigen,

die

ihre

religiöse

Überzeugung a k t i v

möchten - und zwar C h r i s t e n , Juden und Moslems - ,
Haft oder Einweisung i n psychiatrische A n s t a l t e n .

praktizieren

r i s k i e r e n Schikanen,
B a p t i s t e n , ukrainische

und l i t a u i s c h e Katholiken, Russisch-Orthodoxe, Adventisten vom Siebenten
Tage und Angehörige der Pfingstbewegung - sie a l l e werden i n zunehmendem
Maße unterdrückt.

Dina Schwedsowa, Wasyl Kobrin, Pater Alfonsas Swarins-

kas, Pater Gleb Jakunin, Pastor N i k o l a i Goretoi und Pastor V i k t o r

Walter

sind nur einige der Christen, die gegenwärtig i n der Sowjetunion wegen
ihres Glaubens Strafen von b i s zu zwölf Jahren im Gefängnis oder i n der

�in der Verbannung ableisten.

Eine kleine Gemeinde der Pfingstbewegung

aus dem Dorf Tschuguewka in der sowjetischen Fernostprovinz hatte in den
vergangenen Monaten schwer zu leiden.

Zehn Gemeindeälteste sind zu bis

zu fünf Jahren Lagerhaft verurteilt worden, und die anderen verloren ihre
Arbeitsstellen.

Sechs Familien hat man angedroht, ihnen das Sorgerecht

für ihre Kinder zu entziehen.

Seit Juli vergangenen Jahres sind in der Sowjetunion zumindest 16 in
der jüdischen Glaubensgemeinschaft tätige Personen, darunter neun Hebräischlehrer, inhaftiert worden; viele sind aufgrund offensichtlich fingierter Anklagen schuldig gesprochen und zu drei bis vier Jahren Strafoder Lagerhaft verurteilt worden.

Iosif Berenschtein, der gegenwärtig

eine vierjährige Haftstrafe ableistet, wurde im Gefängnis schwer zusammengeschlagen und mit Messerstichen verletzt, so daß er sein Augenlicht
fast verloren hat.

July Edelschtein, der eine dreijährige Strafe ablei-

stet, wurde in einem sibirischen Arbeitslager Berichten zufolge wiederholt zusammengeschlagen, und zwar im Rahmen eines Versuchs der Lagerleitung, "ihm seinen religiösen Fanatismus auszutreiben".

Abusakar Rahimow, ein Moslem aus Taschkent im sowjetischen Zentralasien, wurde 1982 zu sieben Jahren verschärfter Zwangsarbeit verurteilt,
weil er islamisches Schrifttum, u.a. Übersetzungen des Korans, verteilt
hatte.

Im vergangenen Jahr wurden in der Tschechoslowakei sieben Priester
und Nonnen wegen "Widersetzlichkeit gegen die staatliche Aufsicht über
die Kirchen und religiösen Orden" inhaftiert.

Schließlich ist auch Andrei Sacharow, der Mann, der mehr als jeder
andere die Ideale der Schlußakte verkörpert, in seiner Verbannung - wahrscheinlich immer noch in Gorki - nach wie vor völlig von der Außenwelt
isoliert.

Sogar jetzt, während ich spreche, könnte er sich in einer Kli-

nik befinden, da er vor kurzem in einen Hungerstreik getreten war, um
seiner geliebten Gattin zu einer ordentlichen medizinischen Behandlung zu
verhelfen.

Wir haben Grund zu der Annahme, daß man ihn zwangsernährt

hat, um seinen Hungerstreik zum Scheitern zu bringen.
Wir

können

nicht

�Wir können nicht über den Helsinki-Prozeß sprechen, ohne auch über
Menschen zu sprechen, denn ihnen soll die Schlußakte von Helsinki ja eigentlich zugute kommen. Außerdem hat das Schicksal dieser Einzelpersonen
Auswirkungen auf das Verhalten von Tausenden, vielleicht sogar von Millionen von anderen, indem es ihnen vor Augen führt, was mit denen geschieht, die es wagen, von ihren Rechten und Freiheiten Gebrauch zu machen.

Mein Land und die meisten der anderen hier vertretenen Staaten sind
nach wie vor entschlossen, das Programm der Schlußakte und alle ihre Bestimmungen in die Tat umzusetzen.
Geduld erfordern wird.

Wir wissen, daß dies harte Arbeit und

Wir meinen, daß praktische Schritte zur Verbesse-

rung der Zusammenarbeit zwischen Staaten, zur Vermehrung der Kontakte
zwischen den Völkern und zur besseren Gewährleistung der Achtung vor den
Rechten des Individuums den sichersten Prüfstein für politische Absichten
darstellen.

Die Bestimmungen der Schlußakte sind unteilbar.

Auf allen

Gebieten müssen Fortschritte erzielt werden. Auf der Folgekonferenz, die
im kommenden Jahr in Wien stattfinden wird, werden wir erneut eine Gelegenheit zur Bewertung dieser Fortschritte haben.

Wir sind davon überzeugt, daß die Zukunft nicht so düster aussehen
muß wie die jüngere Vergangenheit.

Während wir dem nächsten Jahrzehnt

des KSZE-Prozesses entgegensehen, sollten wir auch einen Blick zurückwerfen und uns die praktischen, nutzbringenden Maßnahmen vergegenwärtigen,
die wir damals aufgelistet haben, und uns selbst an den Maßstäben messen,
die wir aufgestellt haben.

Die Stockholmer Konferenz bietet uns eine Gelegenheit, im militärischen Bereich mehr Vertrauen und Sicherheit herzustellen.

Das von den

westlichen Teilnehmern in Stockholm vorgeschlagene Paket konkreter Maßnahmen bezieht sich auf einige der Ursachen von Kriegen, nämlich auf
Fehleinschätzungen und -Interpretationen.

Diese Maßnahmen könnten dazu

beitragen, sicherzustellen, daß die bestehenden Streitkräfte niemals zum
Einsatz kommen.

Sie ermuntern zu mehr Offenheit über Fragen der Streit-

kräfte und zu einem verstärkten Informationsaustausch, und dies würde das
gegenseitige Verständnis verbessern und die Gefahr eines Uberraschungsan- 10-

�eines Überraschungsangriffs vermindern. Wie Präsident Reagan vor mehr als
einem Jahr in Dublin und erst unlängst wieder in Straßburg erklärte, sind
wir bereit, das Prinzip des Gewaltverzichts - auf das die Vereinigten
Staaten ohnehin verpflichtet sind - zu erörtern, wenn dies die Sowjetunion veranlassen könnte, über Abkommen zu verhandeln, die diesem Prinzip
eine konkrete Bedeutung verleihen würden.

Es sollte möglich sein, eine

Lösung zu finden, die unsere Sicherheit erhöht, den Frieden in Europa
stärkt und hierdurch schließlich dazu beiträgt, die Lebensbedingungen unserer Völker zu verbessern.

Wir sind bereit, in Stockholm die Dinge in

allen Bereichen voranzutreiben.

Durch Schritte, die eine unmittelbare Bedeutung für das Leben der
Menschen haben, können wir unser aller Sicherheit erhöhen, einen stabileren Frieden schaffen und die Lebendigkeit der europäischen Zivilisation
in der Zukunft stärken.

Die Freiheit des Individuums, über sein Geschick

selbst zu bestimmen, ist nicht nur ein gutes Endziel, sondern auch ein
guter Ausgangspunkt.

Fortschreitende Verbesserungen sind sehr wichtig,

aber dies gilt auch für konkrete Schritte, die z.B. dem Ziel dienen, bessere Auswanderungsbedingungen

zu schaffen, Ehegatten und Personen mit

doppelter Staatsbürgerschaft die Vereinigung mit ihren Lieben zu ermöglichen und Menschenrechtskämpfer und Religionslehrer wieder auf freien
Fuß zu setzen.

Jeder von uns hat die Pflicht, auf Fortschritte zu dringen, wo immer
dies möglich ist.

Eine besonders dringliche Aufgabe besteht darin, der

Ausbreitung chemischer Waffen Einhalt zu gebieten.

In den letzten Jahren

sind solche Waffen zu oft in brutaler Waise eingesetzt worden, und zwar
nicht nur gegen Militärstreitkräfte , sondern auch gegen unschuldige Zivilisten.

Die Wsiterverbreitung und der Einsatz dieser Waffen deuten in

unheilvoller Waise darauf hin, daß gegenwärtig Hemmungen fallen, die lange bestanden haben.

Wir alle müssen uns überlegen, welche Schritte wir

ergreifen können, um dem Einsatz dieser Waffen jetzt Einhalt zu gebieten,
ihre

Weiterverbreitung

zu verhindern und den Bemühungen in Genf mehr

Schubkraft zu geben, d.h., den Bemühungen um einen verifizierbaren Vertrag, der diese Waffen wirklich für immer verbieten würde.
Die Vereinigten
- 11-

�Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben bei den gegenwärtig
in Genf

laufenden

Rüstungskontrollverhandlungen

die

Gelegenheit, zur

Schaffung einer sichereren Vtelt beizutragen, und im November werden die
führenden Persönlichkeiten unserer Länder zusammentreffen, um das gesamte
Spektrum der zwischen uns anstehenden Fragen zu überprüfen.
reit und willens, diese Gelegenheit zu nutzen.

Wir sind be-

Unsere beiden Länder

sollten in geduldiger und ernsthafter Arbeit darangehen, Probleme zu lösen und zum Nutzen unserer beiden wie auch anderer Staaten Abkommen zu
schließen.

Schritte zur Verminderung von Waffen und zur Verbesserung der Sicherheit , Schritte zur Verstärkung des Austauschs im wirtschaftlichen und in
anderen Bereichen sowie Schritte zur Linderung von Leid und zur Bereicherung des Lebens der Menschen - all dies verstärkt sich wechselseitig.
All dies bildet einen Teil des gleichen in der Schlußakte von Helsinki
niedergelegten Gesamtplans zur Sicherheit und Zusammenarbeit.

In ihrer

Gesamtheit könnten solche Schritte eine neue Ära der Beziehungen in Europa einläuten, eine Ära, die den Versprechen von Helsinki und der größeren
Verheißung der Geschichte Europas neues Leben einhauchen könnte.

Diese Schritte sind keineswegs umwälzend oder schwer einzuleiten,
aber sie sind wichtig und haben eine weitergehende Bedeutung.
dern von uns allen

Sie for-

lediglich Mut und den entsprechenden politischen

Willen.

- 12-

�3 1 . J u l i 1985

30

RICHARD BURT: USA VERDEN KSZE-PROZESS NICHT AUFGEBEN
- EURONET-Interview zum 10. Jahrestag der Schlußakte von Helsinki -

WASHINGTON - (AD) - Im Rahmen einer über F e r n s e h s a t e l l i t

geschalteten

Pressekonferenz mit europäischen Journalisten (EURONET) bewertete Richard
B u r t , der kommende US-Botschafter
24.

Juli

i n der Bundesrepublik Deutschland, am

1985 die Ergebnisse der vor zehn Jahren von 35 Staaten u n t e r -

zeichneten Schlußakte von H e l s i n k i .
Auf der p o s i t i v e n Seite seien
- mehr Kontakte zwischen Ost und West,

- ungehindertere Reisemöglichkeiten für Journalisten nach Osteuropa

sowie ein vermindertes Konfliktrisiko in Europa
zu verbuchen.
In negativer

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�I n negativer Hinsicht hatte "sich das, was im Bereich der Menschenrechte i n der Sowjetunion und i n einigen anderen osteuropäischen Staaten
geschieht, nicht verbessert.

Ja, es hat sich v e r s c h l e c h t e r t . "

Das EURONET-Interview mit Botschafter Burt hat folgenden Wortlaut:

FRAGE:

Mr. B u r t , vor zehn Jahren wurde die Schlußakte der Konferenz

über Sicherheit und Zusammenarbeit i n Europa (KSZE) h i e r i n Helsinki u n terzeichnet.

Wie würden Sie den KSZE-Prozeß bewerten, und wie s i e h t

Ihr

Grußwort zum 10. Jahrestag der Helsinki-Konferenz aus, der nächste Woche
begangen wird?
ANTWORT:
könnte.

Ich glaube, das i s t

Ich würde erst

die beste Frage, die man mir

einmal sagen, daß ich mich nicht

möchte, da der Außenminister,

stellen

"vordrängen"

der die amerikanische Delegation

nächste

Woche i n Helsinki l e i t e t , unsere S i c h t , was den 10. Jahrestag anbelangt,
darlegen w i r d .

Aber es g i b t

n a t ü r l i c h einige Punkte, die

zehnjährigen Erfahrung mit der Schlußakte sagen könnte.
fen zu sein:

i c h zu der

Und um ganz o f -

Wenn wir die Schlußakte bewerten, erkennen wir einiges an

Plus und einiges an Minus.
Was die p o s i t i v e Seite angeht, so b e k r ä f t i g t e die Schlußakte einige
sehr

wichtige

Verpflichtungen

hinsichtlich

der Menschenrechte, die

die

Staaten b e r e i t s i n früheren Abkommen eingegangen waren, so z. B. i n der
Charta der Vereinten Nationen.
zwischen

Ost

und

Die Schlußakte hat zu größeren Kontakten

West g e f ü h r t ,

Staaten i n Osteuropa.

insbesondere

zu den

nichtsowjetischen

Sie ermöglichte es den J o u r n a l i s t e n , sich ungehin-

derter i n einigen osteuropäischen Ländern zu bewegen; b l i c k t man also auf
diese Leistungen, so müssen wir sagen, daß es einigen F o r t s c h r i t t i n dem
sehr wichtigen Bereich der zwischenmenschlichen Kontakte gegeben hat.
Und n a t ü r l i c h schuf die Schlußakte einige vertrauensbildende Maßnahmen, die zum G r ö ß t t e i l

von den Staaten i n Ost- und Westeuropa

befolgt

werden und d i e , wie wir h o f f e n , die Spannungen v e r r i n g e r t , das Vertrauen

�das Vertrauen vertieft und somit auch das Konfliktrisiko in Europa verringert haben.
Was die negative Seite anbelangt, so müssen wir erkennen, daß die Sowjetunion den Verpflichtungen nicht gerecht geworden ist, die sie in der
Schlußakte übernahm, daß sich das, was im Bereich der Menschenrechte in
der Sowjetunion und in einigen anderen osteuropäischen Staaten geschieht,
nicht verbessert hat.

Ja, es hat sich verschlechtert. Uberwachungsgrup-

pen, die nach der Unterzeichnung der Schlußakte in Ländern wie der Sowjetunion und der Tschechoslowakei gebildet worden waren, wurden verfolgt, ja, die Gründer dieser 'Überwachungsgruppen wurden in der Sowjetunion inhaftiert oder befinden sich in psychiatrischen Kliniken.

Es ist daher wichtig, bei der Beurteilung der zehnjährigen Geschichte
der Schußakte von Helsinki den Taten wie den Werten Aufmerksamkeit zu
schenken, und ich bin sicher, daß Außenminister Shultz bei der Beschreibung unserer Haltung zu diesem zehnjährigen Jubiläum sich nächste Wache
in Helsinki auf die Taten konzentrieren wird.

FRAGE:

Außenminister Shultz wird in Helsinki zum erstenmal seinen

sowjetischen Amtskollegen

Schewardnadse

treffen.

Im November

sich Präsident Reagan und Parteichef Gorbatschow in Genf.

treffen

Wie steht es

heute um die Aussicht der Beziehungen zwischen den Supermächten?

ANTWORT:

Auch das ist wieder eine sehr wichtige Frage.

Wir sind

durch die Tatsache ermutigt, daß dieser Prozeß von Treffen auf höchster
Ebene in Gang gekommen ist.

Der Präsident der Vereinigten Staaten von

Amerika hat immer wieder betont, daß Dialog ein wichtiger Aspekt unserer
Politik gegenüber der Sowjetunion ist, und wir sähen gern Fortschritte
mit der Sowjetunion bei einer ganzen Bandbreite von Fragen - einschließlich der Rüstungskontrolle und der Frage der Menschenrechte, auf die ich
vor ein paar Minuten abhob, einschließlich der regionalen Probleme in
Ländern wie Afghanistan, in unruhigen Regionen wie Südostasien und im
südlichen Afrika; und wir hätten gerne Fortschritt in unseren bilateralen
Beziehungen.
Aber bei der

�Aber bei der Einbeziehung der Sowjetunion in diesen Dialog ist es
sehr wichtig, daß beide Seiten bereit sind, sich auf halbem Wag zu treffen, daß beide Seiten bereit und willens zu wichtigen Kompromissen sind,
damit es zu Fortschritt kommen kann; und bislang können wir nicht erkennen, daß die Sowjetunion etwa in Genf, im Rüstungskontrollbereich oder im
Bereich der Menschenrechte zu Kompromissen oder zu einer Flexibilität bereit ist, die es ermöglichen würde, einander auf halbem Wage entgegen zu
kommen.

Deshalb warnen wir vor zu hohen Erwartungen sowohl hinsichtlich des
Treffens nächste Wache zwischen Außenminister Shultz und dem neuen sowjetischen Außenminister Schewardnadse, als auch hinsichtlich des Treffens im November zwischen Präsident Reagan und Herrn Gorbatschow.
sind von der Bedeutung der Fortsetzung dieses Dialogs überzeugt.

Wir

Es ist

allerdings auch wichtig, daß unsere Erwartungen im Westen nicht so sehr
steigen, daß wir meinen, nur um des Fortschrittes bei diesen Beziehungen
willen müßten wir unsere Position tiefgreifenden Veränderungen unterziehen.

FRAGE:

In den Vereinigten Staaten bezog man sich auf die Schlußakte

meistens nur als die Menschenrechtsvereinbarungen von Helsinki.

Glauben

Sie nicht, daß dies eine zu große Betonung auf lediglich einen Teil der
Schlußakte legt, während etwa der zweite Teil, der sich auf Handel und
dergleichen bezieht sowie der erste Teil über Sicherheit dabei vergessen
werden?
ANTWORT:

Nein, ich glaube nicht, denn jedermann denkt auch an den

Sicherheits- und Handelsaspekt.
men.

Beide Seiten wollen ins Geschäft kom-

Sowohl die Wirtschaft im Westen als auch die Regierungen im Osten

haben immer nachdrücklich auf verstärkten Handel gedrängt.
also gewissermaßen Interessenvertretungen
baut.

Es sind hier

für vermehrten Handel einge-

Und natürlich denkt jeder auch an die Sicherheitsfrage.

Derzeit findet ja in Stockholm die KVAE, die Konferenz über Vertrauensbildende Maßnahmen und Abrüstung statt.

Es konzentriert sich also er-

�also erhebliche Aufmerksamkeit auf die Aussicht auf verbesserte v e r t r a u ensbildende Maßnahmen, die auf den Konferenzen von Helsinki und Madrid
aufbauen.
Das Problem besteht d a r i n , daß man l e i c h t die Menschenrechtsdimension
vergessen kann, weil v i e l e Regierungen im Osten, insbesondere i n der Sowjetunion,

diesen Aspekt

der Schlußakte

" D r i t t e n Korb", am l i e b s t e n unter

von H e l s i n k i , den sogenannten

den Teppich kehren würden.

Es

ist

l e i c h t , das Flehen der Menschen zu vergessen, die emigrieren möchten.

Es

i s t l e i c h t , Menschen zu vergessen, die i n den k o n t r o l l i e r t e n , t o t a l i t ä r e n
Gesellschaften f r e i über das Thema Abrüstung oder andere Fragen sprechen
möchten.

Deshalb i s t es w i c h t i g , daß wir eine ausgewogene Diskussion von

Helsinki haben, das von Ihnen angesprochene Gleichgewicht

bewahren und

daran denken, auf das Problem der Menschenrechte hinzuweisen.
ist

Und dies

etwas, was für uns i n den Vereinigten Staaten und insbesondere

für

unsere KSZE-Kommission, zu der ja sehr herausragende M i t g l i e d e r des Kongresses gehören, eine große Bedeutung hat - und wir i n der Reagan-Admin i s t r a t i o n stimmen dieser Sicht der Dinge zu.
FRAGE:

Mr. B u r t , eine l e t z t e Frage,

hürden Sie sagen, daß die Han-

delsembargos und Begrenzungen beim Hochtechnologiehandel zwischen Ost und
Vtest den Verpflichtungen der Schlußakte gerecht werden, was die amerikanische Seite anbelangt?
ANTWORT:

Ich würde s i c h e r l i c h sagen, daß unsere Bemühungen um eine

Kontrolle des Transfers modernster Technologie i n den Osten i n Einklang
mit der Schlußakte von Helsinki s t e h t , da es bei i h r ja doch e i n z i g darum
geht, die Sicherheit i n Europa aufrechtzuerhalten.

Und es erhöht die S i -

cherheit i n Europa n i c h t , wenn die Vereinigten Staaten oder andere westl i c h e Länder der Sowjetunion modernste Technologie zur Verfügung s t e l l e n ,
die f ü r m i l i t ä r i s c h e Zwecke ausgebeutet werden kann und dann die S t r e i t k r ä f t e der westlichen Länder dazu zwingt, mehr für die Verteidigung auszugeben.

Einziger Zweck
- 5-

�Einziger Zweck der Schlußakte von Helsinki ist ja, die Sicherheit zu
bewahren und die Stabilität zu erhöhen, und dies wird nicht dadurch erreicht , daß man der Sowjetunion Technologie zur Verfügung stellt, die sie
zu militärischen Zwecken nutzen kann.

FRAGE:

Glauben Sie, es wäre angsichts der Tatsache, daß der KSZE-

Prozeß ursprünglich blockfrei gedacht war, aus amerikanischer Sicht möglich , diesen Gedanken wiederzubeleben?

ANTWORT:

Es ist sehr wichtig, den KSZE-Prozeß nicht als einen Dialog

zwischen dem NATO-Bündnis und dem

Warschauer Pakt anzusehen.

Es ist

vielmehr aus unserer Sicht des KSZE-Prozesses sehr wichtig für uns, die
Rolle und den Beitrag der neutralen und bündnisfreien Staaten anzuerkennen. Sie können in diesem Prozeß eine hervorragende Rolle spielen und haben dies in der Tat bislang ja auch getan.

Das Endergebnis der Madrider Konferenz vor etwa einem Jahr wurde ja
auch zu einem Großteil von den einfallsreichen und kreativen Ideen der
neutralen und bündnisfreien Länder gestaltet.

Und bei den jetzt laufen-

den KVAE-Verhandlungen in Stockholm spielen diese Staaten ja gleichfalls
eine wertvolle Rolle.

Was also die amerikanische Perspektive anbelangt, so konsultieren wir
natürlich auch hinsichtlich der KSZE-Fragen eng unsere Verbündeten, aber
wir möchten gleichfalls auch unsere Kanäle zu den neutralen und bündnisfreien Ländern weit offenhalten, da sie an diesem Prozeß einen wichtigen
Anteil haben und eine wertvolle Rolle spielen können.

FRAGE:

Vor zehn Jahren wurde das Treffen in Helsinki in einer Zeit,

wie ich sagen möchte, sehr großer Entspannung abgehalten.
wir in einer sehr düsteren Periode.

Heute leben

Wir erwarten uns bestimmte Ergebnis-

se von den Gipfeltreffen zwischen der UdSSR und den USA.

Glauben Sie,

daß von diesem Punkt in naher Zukunft ein gewisser Einfluß ausgehen wird?
Wie sehen Sie die Rolle der Gruppe neutraler und bündnisfreier Staaten in
Europa?
ANTWORT: Nun,
- 6-

�ANTWORT:

Nun, ganz kurz:

Wie schon gesagt können die neutralen und

bündnisfreien Staaten eine wichtige Rolle spielen.

Sie sehen die Pro-

bleme der Außen- und Sicherheitspolitik unter einem kreativen und innovativen Aspekt, und deshalb ist es unser Bestreben, ihre Meinung sowohl
innerhalb als auch außerhalb des KSZE-Rahmens zu hören.

Wann ich aber

noch einmal auf das zurückkommen darf, was Sie eben darüber sagten, daß
die Schlußakte von Helsinki an einem Höhepunkt der Entspannung unterzeichnet worden sei, so glaube ich, daß wir mit uns selbst sehr offen
hinsichtlich der Frage waren, warum es seit Unterzeichnung der Schlußakte
von Helsinki in den Vereinigten Staaten wie auch in anderen westlichen
Ländern so viel Enttäuschung hinsichtlich des Entspannungsprozesses gab.
Nach der Unterzeichnung der Schlußakte von Helsinki erlebten wir die sowjetische Unterstützung der Intervention kubanischer Streitkräfte in Angola.

Dann natürlich die Ankunft kubanischer Soldaten und sowjetischer

Militärberater in Äthiopien.

Wir wurden Zeuge der sowjetischen Invasion

Afghanistans und schließlich erlebten wir während der gesamten siebziger
Jahre eine noch nie dagewesene sowjetische Aufrüstung sowohl bei den nuklearen als auch bei den konventionellen Streitkräften.

Und das bringt mich auf den Ausgangspunkt zurück.

Abkommen sind

wichtig und Dialog ist wichtig, aber Fakten und Taten sind gleichfalls
wichtig, und Abkommen sind nur so wichtig wie die Bereitschaft der Länder, die diese Abkommen unterzeichnet haben, sie auch einzuhalten.

Und

deshalb müssen wir unseren Blick nicht nur auf das richten, was in solchen Abkommen steht, sondern auch auf die Frage der Einhaltung - gleich,
ob es sich um Einhaltung von Rüstungskontrollabkommen oder um politische
Verpflichtungen der Art handelt, wie sie die Sowjetunion in der Schlußakte von Helsinki eingegangen ist.

Und wenn ich zum Schluß noch eins sagen darf:
fen

Es ist falsch, Tref-

- gleich ob zwischen dem amerikanischen und dem sowjetischen Außen-

minister oder zwischen Generalsekretär Gorbatschow und Präsident Reagan an und für sich als mögliche Lösung all dieser schwierigen Probleme anzusehen.

Sie können eine Hilfe sein.

Aber sie können nur dann eine Hilfe

sein, wenn beide Seiten bereit sind, ihr Verhalten so zu ändern und anzu-

�und anzupassen, daß ein stabileres Verhältnis geschaffen wird.

Und was

uns anbelangt, so sind wir hierzu bereit und hoffen, daß auch die Sowjetunion es ist.

FRAGE:

In der Schlußakte wurde der Menschenrechtsfrage große Auf-

merksamkeit gewidmet.

Wie Sie wissen, gründet sich der Internationale

Artikel der Menschenrechte hauptsächlich auf das Recht jeder Nation auf
ihren eigenen Staat und ihre eigene Lebensweise.

Während der vergangenen

zehn Jahre gab es viele Beispiele für Verstösse und Begrenzungen bei diesen Rechten, sowohl in Europa als auch außerhalb dieses Kontinents.

Wenn

Sie der Meinung sind, daß eine der ernstesten Verletzungen der Menschenrechte darin besteht, das Modell der eigenen Gesellschaft einem anderen
Staat aufzuzwingen:

Wie sehen Sie dann die Beziehungen zwischen den Ver-

einigten Staaten und der sandinistischen Regierung in Nicaragua?

ANTWORT:

Ich glaube nicht, daß ich unbedingt die Prämisse Ihrer Fra-

ge akzeptiere.

Es ist wichtig, zu sehen, daß die Regierungen der Schluß-

akte von Helsinki übereinkamen, im Bereich der Menschenrechte bestimmte
Dinge zu tun.

Ob richtig oder falsch: Sie kamen überein.

Sie kamen

überein hinsichtlich größerer Bewegungsfreiheit von Menschen, hinsichtlich eines freieren Gedankenaustausches.

Sie setzten einen internatio-

nalen Maßstab für uns, um Verhaltensweisen in diesem Bereich zu beurteilen.

Als Folge dessen haben wir, wie ich meine, völlige Freiheit, die

Haltung einer Regierung in diesem Bereich zu überprüfen.

Es geht nicht

um das Bestreben unsererseits oder anderer Regierungen, sich in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten einzumischen.

Diese Staaten kamen

schließlich in Helsinki hinsichtlich bestimmter Maßstäbe im Bereich der
Menschenrechte überein, und alles, was wir hier tun, besteht darin, diese
Frage aufzuwerfen und jene Regierung für die Verpflichtungen verantwortlich zu machen, die sie freiwillig eingegangen sind.

Wenn also zum Bei-

spiel die Sowjetunion meint, die Schlußakte von Helsinki nicht mehr anerkennen zu wollen, diese Bestimmungen im Bereich der Menschenrechte nicht
mehr länger zu unterstützen, dann hat sie die Freiheit, dieses Abkommen
aufzukündigen.

Aber solange Regierungen die Schlußakte von Helsinki an-

erkennen, dann nehmen wir uns in den Vereinigten Staaten die Freiheit - 8-

�die Freiheit - genau wie andere Regierungen dies auch in unserem Fall getan haben -, Fragen der Einhaltung aufzuwerfen.

FRAGE:

Ich würde Ihnen gern eine Frage hinsichtlich der wirtschaft-

lichen Zusammenarbeit stellen, wie sie in der Schlußakte vorgesehen ist.
Ich glaube, man kann sagen, daß die gegenwärtige amerikanische Regierung
meistens

verhältnismäßig

mißtrauisch

westeuropäischen Verbündeten

hinsichtlich

des

Wjnsches

nach mehr wirtschaftlicher

mit den osteuropäischen Staaten war.

ihrer

Zusammenarbeit

Könnten Sie sagen, ob diese Haltung

sich erheblich geändert hat?

ANTWORT:

Ich glaube nicht, daß dies wirklich korrekt ist.

Erstens

hat der Präsident in sehr klaren Worten gesagt, daß wir verstärkten Handel zwischen den Vereinigten Staaten und den Ländern in Osteuropa unterstützen, und in der Tat nimmt der amerikanische Handel mit vielen Staaten
Osteuropas einschließlich der Sowjetunion zu.

Handelsminister Malcolm

Baldrige war im vergangenen Frühjahr in der Sowjetunion und hat über Möglichkeiten verstärkter wirtschaftlicher Zusammenarbeit und mehr Handel
mit der Sowjetunion gesprochen, wobei natürlich der Handel mit Getreide
ein besonders gutes Beispiel für den beiderseitigen Nutzen des Handels
ist.

Was Jugoslawien anbelangt, hatten wir kürzlich den Besuch von Premierminister Planinc, der äußerst erfolgreich verlief und sich auf die
Möglichkeiten

konzentrierte, wie der amerikanisch-jugoslawische

und die wirtschaftliche Zusammenarbeit verstärkt werden könnten.

Handel
Es gibt

jedoch einen Bereich, der Anlaß zur Besorgnis gibt, nämlich dem der Zweibereichs-Technologie, also

der

Hochtechnologie, die

zu

militärischen

Zwecken verwendet werden könnte. Es ist offenkundig, daß es nicht in unserem Interesse liegt, der Sowjetunion modernste Technologie zur Verfügung zu stellen, die für militärische Zwecke ausgebeutet werden kann.
Und es gibt kein Abkommen - einschließlich der Schlußakte von Helsinki -,
das uns zwingen würde, derlei Technologie zur Verfügung zu stellen.

Wir sind also

�Wir sind also offen für verstärkten Handel zwischen Ost und West,
müssen aber auf dieses eine Problem der militärischen Technologie achten.

FRAGE:

Könnten Sie mir erklären, was man in Washington derzeit über

den Zusammenhang zwischen dem sowjetischen Verhalten im Menschenrechtsbereich und Fortschritt bei anderen bilateralen Verhandlungen, wie etwa in
Genf, denkt?

ANTWORT:

Es gibt keinen formellen Zusammenhang zwischen Fortschrit-

ten bei den Menschenrechten und Fortschritten bei den Nuklear- und Waltraumgesprächen in Genf.

Wir wünschen Fortschritte bei diesen Gesprächen

in allen diskutierten Bereichen, d.h. Fortschritte bei der Verringerung
der strategischen Waffen, Fortschritte bei der Verringerung der nuklearen
Mittelstreckenwaffen, und wir würden die Sowjets auch gern in einen Dialog über die Frage bringen, wie wir, wenn das möglich ist, zu einem stabileren strategischen Gleichgewicht kommen könnten, wobei größere Betonung auf die strategische Verteidigung gelegt wird.

Wie Sie wissen, gelang uns das bislang roch nicht, weil die Sowjetunion eine Vorbedingung
sagt:

für diese Gespräche gestellt hat, indem sie

Wenn wir unsere Forschung bei der Strategischen Verteidigungsini-

tiative nicht fallenlassen, wird sie nicht zu einem Abkommen über Begrenzungen bei den offensiven Nuklearwaffen bereit sein.

Aber wir haben in

diesem Bereich keine mechanische Verbindung zum Verhalten im Menschenrechtsbereich gefordert oder geschaffen.

Gleiches gilt auch für andere

Elemente der Beziehungen.

Wir wollen die Menschenrechtsfrage mit der Sowjetunion diskutieren,
und ich bin sicher, daß Außenminister Shultz nächste Woche in Helsinki
die Menschenrechtsfrage aufwerfen wird, wenn er sich mit Herrn Schewardnadse zusammensetzt.

Aber wir haben keine mechanischen Parallelabläufe

aufgezwungen.

Nachdem dies gesagt ist, möchte ich jedoch hinzufügen, daß es meiner
Meinung nach schwer ist, für die kommende Zeit konkrete Verbesserungen
- 10-

�konkrete Verbesserungen der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen i n a n deren Bereichen wie etwa bei der Rüstungskontrolle , bei regionalen Fragen
oder im w i r t s c h a f t l i c h e n Bereich zu erkennen, solange es nicht zu einer
gewissen Verbesserung bei der Menschenrechtsfrage kommt; nicht einmal so
sehr, weil w i r , die Reagan-Administration, uns etwa zu einer solch mechanischen Verkettung entschlossen h ä t t e n , sondern weil der

amerikanische

Kongreß und das amerikanische Volk sich nur schwer eine

Normalisierung

der amerikanisch-sowjetischen

Beziehungen i n diesem oder jenem Bereich

bei fehlendem F o r t s c h r i t t bei den Menschenrechten v o r s t e l l e n können.

Ich

glaube nämlich, daß es i n der amerikanischen Außenpolitik eine wichtige
moralische, ethische Dimension g i b t und daß es nicht möglich i s t , vor der
Tatsache der sich verschlechternden Menschenrechtslage i n der Sowjetunion
die Augen zu verschließen.
FRAGE:

I s t Ihrer Meinung nach dann das Scheitern des SALT I I - V e r t r a -

ges i n keinster

Vfeise eine Folge oder eine Reflexion jener Haltung, die

Sie gerade zum Ausdruck brachten, von Helsinki?
ANTWORT:
FRAGE:

Vfes meinen Sie mit "das Scheitern des SALT I I - V e r t r a g s " ?

Die Tatsache der N i c h t r a t i f i z i e r u n g . . .

ANTWDRT:

Nein, der Präsident hat k ü r z l i c h e r s t wieder e r k l ä r t , daß

er zunächst auch weiterhin an diesen Begrenzungen f e s t h a l t e n werde.

Er

hat sich auch weiterhin an die Bestimmungen der bestehenden Rustungskontrollabkommen gehalten, obgleich er der Meinung i s t , daß es Probleme mit
diesen Abkommen g i b t .

Und er hat dies gesagt, weil er b e r e i t

ist,

bei

den Beziehungen zur Sowjetunion entgegenkommend zu s e i n .
Um Ihre Frage zu beantworten:
eindeutigen, direkten

Ich glaube also n i c h t , daß es einen

Zusammenhang zwischen dem sowjetischen

Verhalten

bei den Menschenrechten und unserer P o l i t i k der Einhaltung von Rustungskontrollabkommen g i b t .
FRAGE:
- 11-

tos

genau

�FRAGE:

Was genau hoffen Sie aus diesem Treffen zum 10. Jahrestag in

Helsinki zu bekommen?

In wieweit glauben Sie, wenn Sie, wenn die ameri-

kanische Delegation danach nach Washington zurückkehrt, haben sich Ihre
Beziehungen zur Sowjetunion verbessert, oder in wieweit ist die Sache der
Menschenrechte gefördert worden?

ANTWORT:

Zweierlei wäre meiner Meinung nach für die Vereinigten

Staaten in Helsinki nützliche Ergebnisse.

Erstens die Gelegenheit für

den Außenminister, Kontakte zum neuen sowjetischen Außenminister herzustellen - nicht nur die zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion anstehenden Fragen zu besprechen, sondern auch ein Gefühl für den
neuen Gesprächspartner zu bekommen und hoffentlich auch ein Arbeitsverhältnis zu entwickeln, das durch sich selbst nützlich sein kann sowie die
Tagesordnung für ein Treffen zwischen dem Präsidenten und Herrn Gorbatschow im November zu planen.

Zweitens glaube ich im breiteren Kontext der Konferenz selbst, daß
der Außenminister nicht nur die Bedeutung der Menschenrechte im Gesamtzusammenhang der KSZE ansprechen wird; er wird nicht nur einfach den Text
der Schlußakte würdigen, sondern sich auf die Frage der Einhaltung des
Textes konzentrieren, also auf die Bedeutung der Überwachung der Menschenrechtssituation in allen 35 Staaten.
Er wird also sicher unterstreichen wollen, daß Menschenrechte nicht
nur wichtig sind, sondern daß bei mehreren Beispielen, insbesondere in
der Sowjetunion, die Lage sich eher verschlechtert als verbessert hat,
und daß wir ehrlich genug mit uns selbst sein müssen, um über dieses Problem zu sprechen.

FRAGE:

Warum sollte der Westen mit dem Helsinki-Prozeß fortfahren,

wenn die Sowjetunion und die Staaten des Warschauer Paktes in der Vergangenheit wiederholt bewiesen haben, daß sie nicht gewillt sind, dem Text
der Schlußakte von Helsinki gerecht zu werden?
ANTWORT:

Das ist

�ANTWORT:

Das i s t eine gute Frage und meine Antwort i s t , daß e s , wie

ich schon sagte, einiges an Plus g i b t , einige Bereiche, wo es Verbesserungen gegeben h a t .

I n einigen Ländern g i b t es einen ungehinderteren I n -

formationsfluß und es g i b t für die Menschen mehr F r e i z ü g i g k e i t .
Am wichtigsten i s t meines Erachtens aber, daß die Schlußakte von Hels i n k i genau wie die UN-Charta einen Maßstab b i l d e t , den man bei der Beurt e i l u n g der Bereitschaft eines Landes zum Eingehen auf Menschenrechtsfragen anlegen kann.

Sie e r ö f f n e t uns auch M i t t e l und Wage, um solche F r a -

gen zur Sprache zu bringen.

Wenn es die Schlußakte von Helsinki

nicht

gäbe, wäre es für uns z.B. schwieriger, die Frage der Menschenrechte
der Sowjetunion zur Sprache zu bringen.

Die Tatsache, daß die

in

Sowjet-

union der Schlußakte zugestimmt h a t , die Tatsache, daß sie entsprechende
Verpflichtungen

übernommen h a t , und die

Tatsache, daß sie

diesen Ver-

pflichtungen nicht nachkommt, g i b t uns heute die M ö g l i c h k e i t , diese Fragen zur Sprache zu b r i n g e n , und zwar ganz l e g i t i m .
FRAGE:

Wird der gesamte Helsinki-Prozeß nicht i n gewisser Waise da-

durch zur Bedeutungslosigkeit

v e r u r t e i l t , daß F o r t s c h r i t t e i n diesem Be-

reich im Grunde davon abhängen, wie gut die Beziehungen zwischen Washington und Moskau sind?
ANTWORT:

Nein, das glaube i c h n i c h t .

Ich würde geltend machen, daß

ohne den Helsinki-Prozeß und ohne die KSZE der Ost-West-Dialog v i e l l e i c h t
in

noch stärkerem Maße vom amerikanisch-sowjetischen

Dialog

beherrscht

werden würde und daß der KSZE-Prozeß einen Versuch d a r s t e l l t , andere Länder i n diesen Prozeß einzubeziehen.
beispielsweise

Im Rüstungskontrollbereich g i b t es

die Verhandlungen i n Stockholm, wo 35 Staaten Gespräche

über sehr wichtige Fragen f ü h r e n , z.B. über die Beherrschung von Krisen
und über

Vertrauensbildung

im m i l i t ä r i s c h e n und

Bereich.

Ohne diese Konferenz könnte eine Reihe von Ländern am Dialog

über diese Fragen nicht teilnehmen.

sicherheitspolitischen

Im Mittelpunkt des Rüstungskontroll-

dialogs stünden dann im wesentlichen die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion.
treten.

Ich würde daher genau den entgegengesetzten Standpunkt

Der amerikanisch-sowjetische Dialog i s t

- 13-

ver-

n a t ü r l i c h w i c h t i g ; das

�wichtig; das ist eine Tatsache, an der man nicht vorbeikommt. Der KSZEProzeß hat es jecbch einer großen Anzahl von Staaten ermöglicht, sich an
diesem Dialog direkt zu beteiligen, und aus unserem Blickwinkel ist das
zu begrüßen.

FRAGE:

Mr. Burt, morgen wird in Kopenhagen ein internationales Tri-

bunal zusammentreten, um die, wie es heißt, "illegale sowjetische Besetzung der baltischen Staaten und den Kampf für Freiheit und nationale
Rechte in diesen Staaten" zu erörtern, und zwar, wie es weiter heißt, gemäß dem Abkommen von Helsinki. Andererseits wird oft gesagt, daß dieses
Abkommen die bestehenden geographischen und politischen Gegebenheiten in
Europa bestätigt, also auch die Annexion der baltischen Staaten durch die
Sowjets.

Können Sie dazu etwas sagen?

ANTWORT:

Nun, das ist eine der Fragen, mit denen man sehr leicht und

schnell in Schwierigkeiten geraten kann.

Ich möchte einfach sagen, daß

die Schlußakte die Möglichkeit friedlicher Veränderungen in Europa nicht
ausschließt, und zwar nirgendwo in Europa.
Menschen ihr Selbstbestimmungsrecht ausüben.

Sie schließt nicht aus, daß
Wir alle erkennen an, daß

Veränderungen stattfinden können und sollten, und wir hoffen, daß sie
tatsächlich stattfinden und zwar in Übereinstimmung mit dem Recht der
Selbstbestimmung.

FRAGE:

Die Konferenz über Menschenrechte innerhalb des Rahmens des

europäischen Sicherheitsprozesses, die im Oktober stattfand, erbrachte
keine sichtbaren Ergebnisse.

Ihre Administration spricht manchmal von

einer Verbindung zwischen dem sowjetischen Verhalten auf dem Gebiete der
Menschenrechte und dem Fortschritt auf anderen Gebieten der Ost-West-Beziehungen.

Vtenn man keinen Dialog über die Menschenrechte mit den So-

wjets haben kann, könnte das dann Fortschritte auf anderen Gebieten ausschließen, wie zum Beispiel bei der Stockholmer Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen in Europa?

ANTWORT:

Wir haben niemals gesagt, daß wir nicht bereit seien, in

Stockholm Fortschritte zu machen, weil die Sowjetunion ihrerseits nicht
- 14-

�ihrerseits nicht bereit ist, Fortschritte in anderen Teilen unserer Beziehungen zu machen. Wir möchten gerne, daß die Stockholmer Konferenz von
sich aus Fortschritte erzielt, und wir sind sehr darum bemüht, bei diesen
Verhandlungen Fortschritte zu machen.

Aber von diesen spezifischen Ver-

handlungen abgesehen, und im Hinblick auf den Helsinki-Proza3 als Ganzes,
meine ich, daß es eine Beziehung zwischen den verschiedenen Teilen gibt,
und wir sollten nicht zulassen, daß die KSZE-Tagesordnung vom Sicherheitsaspekt oder vom wirtschaftlichen Aspekt beherrscht wird.

Wie ich

gerade gesagt habe, ist es recht einfach, die Menschenrechtsfrage einfach
unter den Teppich zu kehren, und wie ich auch bereits zuvor gesagt habe,
scheint es mir, daß auf längere Sicht gesehen, eine wesentliche Verbesserung

im amerikanisch-sowjetischen Verhältnis als Ganzes nicht möglich

sein wird ohne einige Fortschritte in der Frage der Menschenrechte. Dies
haben wir der Sowjetunion über die verschiedensten Kanäle klargemacht.

FRAGE:

Würden Sie sagen, daß der Westen völlig unschuldig hinsicht-

lich der Respektierung der Menschenrechte ist?

Moskau schlägt manchmal

zurück, indem es die Vereinigten Staaten beschuldigt, die Rechte der
Schwarzen und der Indianer zu mißachten.

ANTWORT:

Nun, keiner ist völlig frei von Schuld auf dem Gebiete der

Menschenrechte.

Aber es ist doch klar, daß es Unterschiede gibt.

Und

nach meiner Ansicht - und ich denke auch nach Ansicht eines jeden ehrlichen Beobachters - gibt es fundamentale Unterschiede zwischen den Problemen der Menschenrechtssituation in den Vereinigten Staaten oder in den
Ländern des Westens in ihrer Gesamtheit und denen der Sowjetunion.

Ja,

ich möchte nicht einmal in eine derartige Diskussion eintreten, weil ich
meine, daß wir anerkennen müssen, daß die Verpflichtung unter der Schlußakte von Helsinki - wonach den Journalisten die Rechte oder Möglichkeiten, hier zu arbeiten, eingeräumt werden, wonach die Helsinki-Uberwachungskommission arbeiten können - bei uns erfüllt werden.

Wir haben

hier in unserem Lande einen Helsinki-'Überwachungsausschuß.

Wir haben

eine KSZE-Kommission.

Wir prüfen sogar die Menschenrechtsfragen in un-

serem Lande, um sicherzustellen, daß wir uns in Übereinstimmung mit jenem
Abkommen befinden.

Und dies ist doch einfach nicht der Fall in der So- 15-

�der Sowjetunion.

FRAGE:

Die Helsinki-Vereinbarungen haben den Dissidenten in der So-

wjetunion im Hinblick auf die Menschenrechte neuen Auftrieb gegeben. Würden Sie dies als ein wichtiges Ergebnis von Helsinki ansehen?

ANTWORT:

Was nach meiner Meinung wichtig ist - das habe ich schon

vorher gesagt - ist, daß die Schlußakte von Helsinki wie die Charta der
Vereinten Nationen uns eine interne Meßlatte an die Hand gibt, eine Möglichkeit, durch die wir Regierungen die Erfüllung oder Nichterfüllung eines international vereinbarten Leistungsstandards beurteilen können.

Und

das ist eben so wichtig.

FRAGE:

Die Zukunft des europäischen Sicherheitsprozesses steht na-

türlich in Zusammenhang mit den Beziehungen zwischen den Supermächten.
Würden Sie das Faktum, daß es in diesem Herbst zwischen Präsident Ronald
Reagan und dem sowjetischen Parteichef Gorbatschow ein Zusammentreffen
geben wird, als Teil eines konstruktiveren Dialoges bewerten, der sich
auch auf den KSZE-Prozeß auswirken könnte?
ANTWORT:

Wir hoffen natürlich, daß das Treffen in Genf der Beginn

einer konstruktiveren Phase in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
sein wird, die wiederum dem europäischen Sicherheitsprozeß zugute kommen
könnte.

Aber wir wissen es nicht.

Ein Zusammentreffen an sich muß das

Verhältnis nicht notwendigerweise verbessern.

Ja, wenn wir zu hohe Er-

wartungen an ein solches Zusammentreffen knüpfen, wenn wir erwarten, daß
dieses Treffen das amerikanisch-sowjetische Verhältnis grundlegend ändern
wird, und dies dann nicht so ist, dann werden unsere Hoffnungen und die
Hoffenungen der westlichen Öffentlichkeit zunichte gemacht und dann könnte dies die gegenteiligen Auswirkungen haben.

Wir müssen uns darüber im klaren sein, daß wir uns in einem Prozeß
befinden, einem Prozeß der Erörterungen auf hoher Ebene mit den Sowjets.
Herr Gromyko traf im vergangenen Jahr mit dem Präsidenten zusammen. Außenminister Shultz wird in der nächsten Wjche mit Außenminister Scheward- 16-

�Außenminister Schewardnadse in Helsinki sprechen.

Wir hoffen, daß Außen-

minister Schewardnadse mit dem Präsidenten im September in Washington zusammentreffen wird.

Wir beginnen also einen Prozeß des Dialoges mit der

Sowjetunion, der - wie wir hoffen - letztlich konkrete Resultate erbringen wird.

Aber wir müssen unsere Erwartungen in Schach halten, und wir

müssen uns darüber im klaren sein, daß Gespräche noch kein Ersatz für
Handlungen sind, daß wir, soll das amerikanisch-sowjetische Verhältnis
stabilisiert werden, uns mit dem sowjetischen Militäraufbau auseinandersetzen müssen, mit dem Problem der sowjetischen Menschenrechtsmißachtungen und der Bereitschaft Moskaus, im Ausland militärische Macht einzusetzen oder damit zu drohen.

Das sind die wirklich ernsten Probleme, und

Teil einer effektiven Strategie im Hinblick auf die Gespräche mit den Sowjets ist es, diese Fragen mit den Sowjets zu behandeln und bereit zu
sein, diese Probleme als die wahren Hindernisse in unseren Beziehungen
aufzuzeigen statt sie zu ignorieren.

FRAGE:

Ich möchte Sie bitten, kurz Ihre Meinung, die Meinung Ihrer

Regierung, hinsichtlich der Entwicklung der Menschenrechte in Osteuropa
nach den Vereinbarungen von Helsinki darzulegen.

Hat Helsinki überhaupt

irgendwelche Auswirkungen gehabt, oder ist die Situation unverändert?

ANTWORT:

Ich möchte nur in aller Kürze sagen, daß es im Hinblick auf

Osteuropa schwer ist, zu verallgemeinern.

Meiner Meinung nach hat es in

einigen Ländern Gebiete der Verbesserung gegeben.
es dies nicht.

In einigen Ländern gab

Wir führen mit jenen Ländern eigene bilaterale Gespräche.

In allen Fällen sind die Menschenrechte Teil der Tagesordnung, wenn wir
mit jenen Regierungen sprechen.

Wie ich bereits sagte, gibt es seit der

Unterzeichnung der Schlußakte Gebiete, auf denen Verbesserungen stattgefunden haben, insbesondere in gewissen Ländern in Osteuropa.

Leider hat

es auf dem Gebiete der Menschenrechte in der Sowjetunion wenig Verbesserungen, ja sogar Rückschritte gegeben.

FRAGE:

Was erwarten Sie von Ihrem neuen Posten (als Botschafter der

Vereinigten Staaten in der Bundesrepublik Deutschland), und glauben Sie,
daß Sie einiges tun können, um die Beziehungen zwischen der Bundesrepu- 17-

�der Bundesrepublik und der DDR sowie der Sowjetunion entsprechend der
Schlußakte von Helsinki zu verbessern?

ANTWORT:

Nun, ich werde mich mit der Frage, was ich als Botschafter

in Deutschland tun werde, nicht befassen, weil ich noch nicht vereidigt
worden bin, und ich möchte darüber solange nicht sprechen, bis ich tatsächlich diese Verantwortung übernommen habe.

Aber um Ihre weiterreichende Frage zu beantworten, sicherlich steht
die Schlußakte von Helsinki, und das Konzept eines friedlichen Wandels,
das ja eingebettet ist in der Schlußakte, in Übereinstimmung mit einem
Prozeß der deutschen Wiedervereinigung auf der Grundlage der Selbstbestimmung, der friedlichen Wiedervereinigung, in Übereinstimmung mit der
seit langem bestehenden Politik der Bundesregierung und der amerikanischen Unterstützung dieser Politik.

FRAGE:

Mr. Burt, was können die Vereinigten Staaten tun, um Druck

auf die Sowjetunion und ihre Verbündeten zur Verbesserung der Haltung in
der Menschenrechtsfrage auszuüben?
die Meistbegünstigtenklausel.

Ich denke insbesondere an Hebel wie

Könnte man beispielsweise Rumänien diese

entziehen?

ANTWORT:

Wir müssen uns darüber im klaren sein, daß es aufgrund ei-

ner Entscheidung des amerikanischen Kogresses, die in den siebziger Jahren getroffen wurde, in der amerikanischen Politik eine Art eingebauten
Mechanismus gibt.

Der Jackson-Vanik-Zusatz hat im Falle der Sowjetunion

und anderer osteuropäischer Länder die Gewährung des Meistbegünstigstenstatus mit der Frage der Auswanderung formell verbunden.

Wir haben Rumänien diesen Meistbegünstigtenstatus gewährt, weil dieses Land den Bestimmungen dieses Gesetzes entsprochen hat.
bereit erklärt, einem Auswanderungsprogramm zuzustimmen.

Es hat sich

Und wir haben

im Laufe der Jahr eine Reihe von Gesprächen mit Rumänien über die Auswanderungsfrage geführt und insbesondere im weiteren Sinne über die Menschenrechte, so daß wir Rumänien auch weiterhin diesen Handelsstatus ein- 18-

�Handelsstatus einräumen konnten.

Die Sowjetunion hat von Zeit zu Zeit die Frage der Meistbegünstigung
aufgeworfen und wir haben den Sowjets erklärt, daß wir diese Maßnahme ergreifen könnten, wenn sie bereit seien, dieser Gesetzgebung zu entsprechen.

Aber solange dies nicht der Fall ist, ist dies einfach nicht mög-

lich , und ich sehe in naher Zukunft keine Chance, daß der Jackson-VanikZusatz aufgehoben wird.

Es gibt also diesen eingebauten, in der Gesetz-

gebung vorgesehenen Mechanismus - eine Verknüpfung, wenn Sie so wollen,
zwischen den Wirtschaftsbeziehungen der Vereinigten Staaten mit Ländern
des Ostens und deren Haltung in der Menschenrechtsfrage.

FRAGE:

Mr. Burt, wie ich die Dinge sehe, läuft bei der Schlußakte

von Helsinki sehr viel auf Leistung und Gegenleistung hinaus:

Die So-

wjetunion machte Konzessionen auf dem Gebiete der Menschenrechte, und der
Westen akzeptierte, was sich die Sowjetunion so dringend wünschte, nämlich die Annahme der endgültigen Grenzen, die durch den Zweiten Weltkrieg
in Osteuropa geschaffen wurden.

Als designierter Botschafter in Bonn

werden Sie sich über der Tatsache im klaren sein, daß einige wichtige
Persönlichkeiten in der westdeutschen Regierungskoalition diese endgültigen Grenzen wieder einmal in Frage gestellt haben, und es ist doch sehr
wohl möglich, daß Sie sich in der nächsten Woche in Helsinki Fragen seitens der Sowjetunion und anderer osteuropäischer Länder gegenübergestellt
sehen, wie denn Ihre Antwort auf diese sich neu abzeichnende Haltung in
Deutschland sein wird.

ANTWORT:

Sie haben zwar keine Frage gestellt, aber alles was ich

hierzu sagen möchte, ist sehr einfach, daß die Sowjetunion und gelegentlich einige andere osteuropäische Regierungsvertreter uns gegenüber die
sogenannte "Revanchismus-Frage" aufgeworfen haben.

Wir haben dieses Kon-

zept niemals akzeptiert und wir haben den Sowjets und anderen gegenüber
sehr deutlich und geduldig zum Ausdruck gebracht, daß wir voll und ganz
die Politik und die Standpunkte unserer Verbündeten in Bonn unterstützen.

FRAGE:
- 19-

Mr. Burt,

�FRAGE:

Mr. Burt, haben Ihre Kontakte mit den Vertretern des Sowjet-

blocks während des "Spionenaustausches" im vergangenen Monat Ihre Haltung
gegenüber diesen Ländern in Europa beeinflußt, Ihre Erwartungen hinsichtlich der Art und

Heise, wie man sich mit ihnen auseinandersetzt, und

glauben Sie, daß dies Ihre Arbeitsweise als Botschafter in Bonn und gegenüber den Ländern des Sowjetblocks, soweit Sie mit Ihnen zu tun haben,
beeinflussen wird?

ANTWORT: Nein.

FRAGE:

Mr. Burt, Ich teile nicht hundertprozentig Ihre ziemlich op-

timistische Bewertung der zehn Jahre seit den Vereinbarungen von Helsinki.

Ich meine, es ist viel negativer, und als ein Beispiel möchte ich

die Konferenz von Ottawa heranziehen, die ein sehr großer Fehlschlag war.
Es gibt nun einige Leute, sogar in den Vereinigten Staaten - einige Senatoren des Kongresses der Vereinigten Staaten - die vorschlagen könnten,
daß die amerikanische Regierung und ganz allgemein auch die westlichen
Regierungen ganz einfach einseitig den sogenannten "Helsinki-Prozeß" suspendieren sollten.

Trotz alledem - und während Dissidenten hingerichtet

werden, Sacharow verschwunden ist und die sowjetischen Juden einfach abgeblockt werden - wollen Sie diesen glücklichen Jahrestag auf Ministerebene feierlich begehen.

Können Sie eigentlich

sagen, was genau Sie in

Helsinki feiern wollen und was halten Sie zweitens von der Idee einer
einseitigen Suspendierung des Helsinki-Abkommens als eine Antwort auf die
sowjetischen Verletzungen fast aller Paragraphen des Helsinki-Vertrages?
Und die letzte Frage bezieht sich auf einige Erklärungen von Regierungsvertretern in der Reagan-Administration in Washington, in denen angedeutet wird, daß die neue Regierung in Moskau in einigen grundlegenden Fragen flexibler sein könnte - auf dem Gebiete der Menschenrechte und in der
Politik ganz allgemein?

ANTWORT:

Zunächst einmal frage ich mich, ob Sie von demselben Inter-

view sprechen, was mich angeht, weil ich nicht glaube, daß ich mich überaus optimistisch über den Helsinki-Prozeß geäußert habe.

Ich sagte, es

hätte einige positive Entwicklungen gegeben, aber ich denke doch, daß
- 20-

�doch, daß meine Ausführungen einige der negativen Besorgnisse unterstrichen haben, die wir im Hinblick auf diesen Prozeß empfinden.

Wie Sie

wissen, habe ich darauf hingewiesen, daß die Schlußakte von Helsinki
nicht zu irgendwelchen wichtigen Verbesserungen auf dem Gebiete der Menschenrechte in der Sowjetunion geführt hat, und ich stimme mit Ihnen
überein, daß sich die Situation sogar verschlechtert hat.

Ich sprach

über die allgemeine Verschlechterung in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen seit der Schlußakte von Helsinki, von dem Anwachsen der sowjetischen Militärmacht und dem Einsatz dieser Macht im Ausland.

Ich meine

also , daß wir die Probleme, die es in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen gibt, sowie die Tatsache, daß die Schlußakte von Helsinki nicht
zu irgendeiner bedeutsamen Verbesserung gerade der Menschenrechtsdimension dieser Beziehungen geführt hat, sehr realistisch einschätzen.

Ich sehe in keiner Weise - weder nach Umfang noch nach Form - das
Treffen in Helsinki in der nächsten Woche als eine Feier an, und ich habe
das Wort "Feier" auch nicht gebraucht. Das Treffen in der nächsten Woche
wird uns allerdings die Gelegenheit bieten, die Walt daran zu erinnern,
daß die Sowjetunion die Bestimmungen der Schlußakte von Helsinki nicht
eingehalten hat.

Punktum1.

Es wird dem amerikanischen Außenminister fer-

ner die Möglichkeit bieten, mit dem neuen sowjetischen Außenminister zusammenzutreffen, und unserer Meinung nach ist es nützlich, diese Kontakte
aufrechtzuerhalten.

Was nun jedoch Ihre Frage hinsichtlich eines Ver-

zichtes auf die Schlußakte von Helsinki angeht, so meinen wir, daß dies
ein Fehler wäre, weil wir in der nächsten Woche, wie ich schon gesagt
habe, die Gelegenheit haben, der Welt vor Augen zu führen, daß die Sowjetunion diese Schlußakte nicht eingehalten hat; und wenn wir dieses
Abkommen aufgeben, dann verlieren wir eben diese Möglichkeit und damit
auch, was ich vorhin schon als "Meßlatte" bezeichnet habe, mit der wir
die Haltung der Sowjetunion in der Menschenrechtsfrage beurteilen können.
Ich glaube also, es wäre kontraproduktiv und kurzsichtig, würden wir einen solchen Schritt ergreifen.

Aber was die allgemeine Tendenz Ihrer

Frage angeht, sowie die Besorgnisse hinsichtlich der sowjetischen Befolgung der Menschenrechte und des Verhältnisses zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion sowie der Gründe für die Verschlechterung der
- 21-

�Verschlechterung der Beziehungen, so stimme i c h Ihnen sehr wohl z u .
FRAGE:

Mr. B u r t , habe i c h Sie r i c h t i g verstanden, wenn i c h sage, daQ

der Jackson-Vanik-Zusatz

immer noch G ü l t i g k e i t

h a t , und wenn dies

der

F a l l i s t , bedeutet das dann, daß es eine Verbindung g i b t zwischen Fragen
des Handels und der Menschenrechte, wie beispielsweise

i n diesem F a l l e

der jüdischen Auswanderung aus der Sowjetunion?
ANTWORT:
FRAGE:
habe.

Ja.
Ich wollte nur wissen, ob ich Ihre Antwort richtig verstanden

Ist der Jackson-Vanik-Zusatz immer noch gültig, und wenn ja, be-

deutet dies, daß es eine Verbindung gibt - eine politische Verbindung zwischen Fragen des Handels und der Menschenrechte in der Sowjetunion und
hauptsächlich - wie in diesem Falle - in bezug auf die jüdischen Auswanderer aus der Sowjetunion?

ANTWORT: Und meine Antwort war ja. Es gibt sie.
FRAGE:

Mr. Burt, Solschenizin wurde ein Jahr vor der Unterzeichnung

der Schlußakte von Helsinki aus der Sowjetunion ausgewiesen.

Auf der

Konferenz, die unlängst in Ottawa stattfand, wurde zum ersten Male kein
Abkommen unterzeichnet, ja nicht einmal entworfen.

War ist nach Ihrer

Meinung für diese außergewöhnliche Situation verantwortlich?

ANTWORT:

Wir sind nicht notwendigerweise der Meinung, daß die Tat-

sache , daß in Ottawa kein Entwurf für ein Abkommen oder eine Erklärung
vorgelegt wurde, bedeutet, die Konferenz von Ottawa sei an sich ein Fehlschlag gewesen.

Zweck der Konferenz von Ottawa war es, die Haltung in

der Menschenrechts frage zu überprüfen, wie dies in dem Mandat der Madrider Folgekonferenz vorgesehen war, und diese Haltung in der Menschenrechtsfrage wurde eingehend überprüft und diskutiert.

Meiner Meinung

nach ist es ein Fehler, jede dieser KSZE-Folgekonferenzen von Helsinki
und Madrid unter dem Gesichtspunkt des Erfolges oder des Fehlschlages zu
beurteilen, nur weil sie vereinbarte Erklärungen hervorgebracht haben
- 22-

�hervorgebracht haben oder nicht.

Was wichtig ist, und ich betone noch

einmal, was wichtig ist, sind die tatsächliche Politik und die Haltung
der Regierungen hinsichtlich der Bestimmungen der Schlußakte von Helsinki , und es ist nützlich, ja es ist lebenswichtig, daß die 35 Nationen zusammenkommen und eine offene und freie Erörterung über ihre Leistungen im
Rahmen dieser Abkommen führen.

Ich meine, wichtiger als die Frage, ob oder ob nicht Einigung über
ein Stück Papier erzielt wurde, ist die Tatsache, daß ein solches Treffen
stattfindet und daß diese Fragen vorgebracht werden.

Ich meine also , daß

wir mit der Konferenz von Ottawa zufrieden sind, und uns geht es nicht
darum, irgendjemandem die Schuld zu geben.

Natürlich hätten wir am Ende

dieser Konferenz lieber eine Erklärung gesehen, aber wir hätten eine Erklärung, die uns zufriedengestellt hätte, Offensicht nicht erreichen können, weil die Sowjetunion dies nicht zugelassen hätte.

Dennoch haben wir

in Ottawa unser wahres ziel erreicht, das darin bestand, öffentlich und
offen die Fragen der Erfüllung der Menschenrechte anzusprechen.

FRAGE:

Auf der Konferenz von Helsinki im Jahr 1975 wies der damalige

Außenminister Jobert seine Amtskollegen warnend darauf hin, daß die zwei
Großmächte Gespräche führten, und er fügte hinzu:

"Sicherheit muß ver-

dient werden; sie wird nicht in einer Lotterie gewonnen."

Was würden Sie

dazu sagen?

ANTWORT:

Ich denke, das ist absolut richtig.

Sicherheit muß ver-

dient werden, und man gewinnt sie nicht in einer Lotterie.

Deshalb soll-

te dieser Prozeß der Gespräche in Helsinki in der nächsten Woche nur als
Teil eines Gesamtbemühens zur Wahrung der Sicherheit in Europa gesehen
werden - eines Bemühens, das die Versuche der westlichen Länder im NATOBündnis um die Aufrechterhaltung eines militärischen Gleichgewichtes beinhaltet, das die Anstrengungen einiger neutraler und blockfreier Länder
zur Wahrung ihrer eigenen Selbstverteidigungskapazität einschließt, daß
die amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen in Genf über eine Verminderung der offensiven Atomwaffen beinhaltet.

All dies ist Teil eines weit-

gefächterten Prozesses, der darauf abzielt, die Sicherheit zu schützen.
- 23-

�zu schützen.

Und ich glaube, es i s t manchmal e i n Fehler, wenn man nur

auf die Diplomatie oder nur auf den KSZE-Prozeß a l s die einzige
f ü r die europäische Sicherheit b l i c k t .

Option

Der KSZE-Prozeß muß nur a l s

ein

Instrument eines weitgespannten Verhandlungsnetzes und anderer A k t i v i t ä ten und Verteidigungsmaßnahmen gesehen werden, die dazu bestimmt

sind,

unsere Sicherheit

einen

zu bewahren und g l e i c h z e i t i g Möglichkeiten

für

f r i e d l i c h e n Handel zu b i e t e n .
FRAGE:

Wie können Ihrer Meinung nach junge Menschen zehn Jahre nach

der Unterzeichnung der Vereinbarung von Helsinki die Ergebnisse

dieser

Absprachen heute sehen und i n t e r p r e t i e r e n ?
ANTWORT:

Das i s t

eine

sehr

gute Frage, und die Antwort muß wohl

s e i n , daß junge Menschen aus der Schlußakte von Helsinki wahrscheinlich
eine Lehre ziehen können.

Irgendwie fühle i c h mich an die Zeit vor dem

Zweiten Weltkrieg e r i n n e r t , an die Erfahrungen h i n s i c h t l i c h der Verträge
und der i n t e r n a t i o n a l e n Konferenzen i n den zwanziger und dreißiger Jahr e n , die einen weiteren großen Krieg i n Europa verhindern s o l l t e n ; und
dann gab es sogar roch den Kellogg-Briand-Pakt, der den Krieg überhaupt
ächtete.

Der Zweite Weltkrieg wurde dann doch n i c h t v e r h i n d e r t , aber das

s o l l keineswegs besagen, daß der KSZE-Prozeß und die Schlußakte von Helsinki

aus den siebziger

Papier d a r s t e l l e n .

Jahren bedeutungslos

sind und nur

ein

Stück

Jedes Papier, auch die Schlußakte von H e l s i n k i ,

ist

nur so g u t , wie die Entschlossenheit der Signatarstaaten dieses Papieres,
s i c h e r z u s t e l l e n , daß die mit diesem Dokument übernommenen Verpflichtungen
auch eingehalten werden.

Und deshalb i s t es nach unserer Ansicht wich-

t i g , daß wir den KSZE-Prozeß f o r t f ü h r e n und daß wir auch w e i t e r h i n sehr
l a u t und sehr k l a r unsere Besorgnisse zum Ausdruck b r i n g e n , wenn diese
Verpflichtungen v e r l e t z t

werden.

Und deshalb wird Außenminister

Shultz

i n der nächsten Wache i n Helsinki sehr offen über die Schlußakte sprechen.

Er wird unsere Enttäuschung zum Ausdruck bringen, nicht weil w i r

gegen die Schlußakte s i n d , sondern weil wir sie erhalten w o l l e n .

FRAGE:

Wenn man an das Treffen i n der nächsten Woche denkt, was i s t

dann nach i h r e r Meinung w i c h t i g e r :

Beispielsweise die Gelegenheit zu b i -

- 24-

�zu bilateralen Gesprächen zwischen Außenminister Schewardnadse und Außenminister Shultz oder die eigentliche Feier?

ANTWORT:

Sie werden mich nicht dazu bringen, diese Frage zu beant-

worten, weil die Zusammenkünfte zwischen den 35 Staatenmännern, die von
den Außenministern abgegebenen Erklärungen ganz offensichtlich wichtig
sind.

Und wichtig ist natürlich auch das bilaterale Gespräch zwischen

dem amerikanischen Außenminister und seinem sowjetischen Amtskollegen.
Ich würde wirklich nicht sagen wollen, daß eine sei wichtiger als das andere.
durch

Was ich aber sagen will, ist, daß beides Hand in Hand geht, daß
den amerikanischen-sowjetischen

Dialog

und die Möglichkeit

für

Fortschritte in diesem Dialog wohl auch der KSZE-Prozeß als Ganzes gefördert werden könnte.

Ich meine also, beides ist wichtig und zwischen bei-

den besteht eine Wechselbeziehung.

FRAGE:

Mr. Burt, Sie reisen anläßlich dieses Jubiläums nach Helsin-

ki, um, wie Sie gerade gesagt haben, zu erklären, daß die Sowjetunion
ihren in der Schlußakte von Helsinki eingegangenen Verpflichtungen nicht
nachgekommen ist.

Wenn kein Fortschritt in Sicht ist, würden Sie dann

sagen, daß die Zeit gekommen ist, wo man sie (die Schlußakte) als "alcen
Brief, der der Vergangenheit angehört", bezeichnen muß?

ANTWORT:

Nein. Und ich habe den Eindruck, daß Ihre Frage darauf ab-

gestellt ist, Ihnen eine Schlagzeile zu geben.

Ich habe weder gesagt,

daß sie ein toter Brief sei, noch habe ich gesagt, daß sie ein völliger
Fehlschlag sei.

Ich habe vielmehr gesagt, daß wir enttäuscht sind, und

ich glaube, jeder der sich eingehend mit der Schlußakte von Helsinki befaßt und dann die sowjetische Haltung genau unter die Lupe genommen hat,
muß einfach enttäuscht sein.

Wir geben den Prozeß keineswegs auf.

Was

wir tun, ist vielmehr der Versuch, den Prozeß dadurch zu retten, daß wir
ehrlich sind, und daß geschieht, indem man deutlich und offen über die
Lücke zwischen den sowjetischen Verpflichtungen und deren Erfüllung seitens der Sowjetunion spricht in der Hoffnung, daß im Laufe der Zeit diese
Lücke durch Verbesserungen im Hinblick auf die Erfüllung durch die Sowjetunion geschlossen wird.
Ich möchte noch
- 25-

�Ich möchte noch einmal unterstreichen, daß wir diesen Prozeß nicht
aufgeben, weil die Schlußakte, die in diesem Dokument niedergelegten Verpflichtungen, die in dieser Akte zum Ausdruck kommenden Ideale einen sehr
wichtigen internationalen Kodex bieten, der unserer Meinung nach nützlich
ist als eine Möglichkeit, die Länder zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen
zu drängen.

* * * * *

- 26-

�30

31. Juli 1985

SOWJETS BLOCKIEREN FORTSCHRITTE BEI VERHANDLUNGEN ÜBER CHEMISCHE WAFFEN
- Rede des US-Delegierten bei der Genfer Abrüstungskonferenz -

Genf -(AD)- In einer Rede vor der Genfer Abrüstungskonferenz beschuldigte der amerikanische Delegierte Donald Lowitz am 23. Juli 1985 die Sowjetunion, Fortschritte bei den Verhandlungen über ein Verbot chemischer
Waffen zu blockieren. Er wies darauf hin, daß die UdSSR ihre Bestände an
Waffen dieser Art in großem Umfang ausgebaut hat, obwohl die Vereinigten
Staaten 16 Jahre lang keinerlei Rüstungsanstrengungen auf diesem Gebiet
unternommen haben. Die Rede des Delegierten hat folgenden Wortlaut:

Wir stehen bei den Verhandlungen über chemische Waffen vor den letzten Wochen der gegenwärtigen Sitzungsperiode, und es erscheint mir wichtig, daß meine Delegation heute zu dieser Frage kurz Stellung nimmt.

In seiner Rede vor der Abrüstungskonferenz im Februar dieses Jahres
hat Kenneth Adelman, der Direktor des Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung der Vereinigten Staaten, erneut unterstrichen, daß unser Land
diesen Verhandlungen vorrangige Bedeutung beimißt. Eine baldige vertragliche Vereinbarung über ein umfassendes und verifizierbares Verbot von

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Verbot von chemischen Waffen hat für die Vereinigten Staaten nach wie vor
oberste Priorität. Leider haben wir bislang in diesem Jahr wenig konkrete
Fortschritte in Richtung auf dieses Ziel gemacht.

Indem

die Abrüstungskonferenz einen Ausschuß für chemische Waffen

eingesetzt und mit Verhandlungen über diesen Gegenstand betraut hat, hat
sie die Bedeutung und Dringlichkeit eines umfassenden Verbots dieser Waffen anerkannt. Dieser Verhandlungsauftrag ist ein konkreter Ausdruck des
allgemeinen Abscheus vor diesen schrecklichen Waffen sowie des nachdrücklichen Wunsches der Völker in aller Welt, sich ihrer für immer zu entledigen. Die Vereinigten Staaten unterstützen diese Zielsetzung in vollem
Umfang und sind entschlossen, sich nach bestem Vermögen um einen möglichst baldigen Abschluß der Verhandlungen zu bemühen.

Meine Regierung ist über den mangelnden Fortschritt bei diesen Verhandlungen

insbesondere deshalb besorgt, weil gleichzeitig

immer mehr

Staaten in den Besitz chemischer Waffen gelangen, die früher nicht über
dergleichen verfügt haben. Die Weiterverbreitung dieser Waffen gefährdet
nicht nur die Stabilität in Brennpunktregionen

der Welt, sondern er-

schwert auch den Abschluß einer umfassenden C-Waffen-Konvention. Je mehr
Staaten über solche Waffen verfügen, desto schwieriger wird es, wie wir
befürchten, werden, ein weltweites Abkommen über ein völliges Verbot
durchzusetzen.

Ein zweiter Faktor, der unsere Aufgabe dringlich macht, ist der zunehmende Einsatz chemischer Waffen. Die Vereinigten Staaten stehen in der
vordersten Reihe derer, die den Einsatz chemischer Waffen verurteilen,
und zwar überall, wo es zu solchen Einsätzen gekommen ist, also in Südostasien, in Afghanistan und unlängst gegen den Iran. Die vorliegenden
Beweise für den Gebrauch solcher Waffen sind erdrückend. Dennoch haben
viele Nationen die Zuverlässigkeit dieses Beweismaterials in Zweifel gezogen, ohne die Tatsachen einer genauen Überprüfung zu unterziehen, und
leider haben sich nur wenige bemüßigt gefühlt, gegen den Einsatz chemischer Waffen oder gegen das Schneckentempo der Verhandlungen hier auf
dieser Konferenz die Stimme zu erheben.
Das Genfer
- 2 -

�Das Genfer Protokoll aus dem Jahre 1925, das den Einsatz chemischer
Waffen verbietet, ist ein Abkommen von außerordentlicher Bedeutung für
die Menschheit. Es verkörpert die allseitige Verpflichtung der Nationen,
keine chemischen Waffen einzusetzen. Umso bedauernswerter ist es daher,
daß die "Würdigung", die das Abkommen in der jüngeren Vergangenheit erfahren hat, in einem Vertragsbruch bestand. Außerdem verhindert das Genfer Protokoll nicht den Erwerb, die Herstellung, die Lagerung oder die
Weitergabe von chemischen Waffen.

Nach dem Völkerrecht ist der Erwerb chemischer Waffen nicht illegal.
Um der weiteren Verbreitung von chemischen Waffen möglichst wirksam entgegenzutreten und um der Möglichkeit ihres Einsatzes vorzubeugen, müssen
wir ihren Erwerb und Besitz für illegal erklären. Dies läßt sich eindeutig am besten durch eine umfassende C-Waffen-Konvention erreichen. Hierin
liegt einer der hauptsächlichen Beweggründe, die die Vereinigten Staaten
veranlassen, hier auf dieser Abrüstungskonferenz den unverzüglichen Abschluß einer solchen Konvention anzustreben.

Die betrübliche Lage hinsichtlich des Einsatzes von chemischen Waffen
unterstreicht, daß die Konvention irgendeinen Mechanismus enthalten müßte, mittels dessen immer dann, wenn der Verdacht aufkommt, daß sie verletzt wird, jederzeit und überall schnell und unzweideutig Klarheit über
die Tatsachen geschaffen werden könnte. Leider hat es die Delegation der
Sowjetunion wiederholt abgelehnt, auf den allgemeinen Wunsch anderer Delegationen nach verläßlicher Verifizierung der Bestimmungen eines C-Waffen-Verbots einzugehen. Der detaillierte Vorschlag der Vereinigten Staaten zur Frage der Verifizierung der Einhaltung eines Abkommens wurde von
der sowjetischen Delegation wiederholt als "nicht ernsthaft" abqualifiziert, ohne daß sie indessen konkrete Alternativen vorgelegt hätte, die
der Notwendigkeit Rechnung zu tragen vermöchten, allen Betroffenen die
Gewißheit zu verschaffen, daß die Staaten sich wirklich an die Konvention
halten. Meine Delegation möchte alle anderen Delegationen dazu ermuntern,
genaue und konkrete Vorschläge zu machen, die uns eine solide und vernünftige Grundlage für die Auflösung unserer Meinungsunterschiede verschaffen können. Der amerikanische Entwurf einer solchen Konvention in
Konferenzdokument 500 stellt keinen ultimativen Vorschlag dar, und die
- 3 -

�und die dort vorgesehenen Regelungen werden der Notwendigkeit einer zuverlässigen Verifizierung

gerecht. Wir sind bereit, alle gleich guten

oder besseren Alternativen in Betracht zu ziehen, aber mit weniger wirksamen Lösungen können wir uns nicht zufrieden geben. Die Delegation der
Vereinigten Staaten hat es an Bemühungen zur Belebung des Verhandlungsprozesses nicht fehlen lassen. Noch vor nicht langer Zeit, nämlich im
Rahmen unserer Initiative vom 28. März dieses Jahres, haben wir drei Vorschläge unterbreitet, um die Arbeit des Ausschusses zu beschleunigen.

Er erste besagte, daß die Arbeit durch Ansetzen einer Verhandlungssitzung im Herbst auf eine rationalere Grundlage gestellt werden sollte.
Wenn dies nicht geschieht, sind, wie ich schon damals sagte, Fortschritte
in der Zeit vom August bis zum Februar von vornherein unmöglich. Ich
möchte hinzufügen, daß meine Delegation den Eindruck hat, daß diejenigen,
die gezögert haben, einer Verlängerung des Terminplanes für die Arbeit
des C-Waffen-Ausschusses zuzustimmen, gleichzeitig diejenigen sind, die
von einer weiteren Verbreitung und Verwendung von chemischen Waffen am
stärksten bedroht wären und daher eigentlich am ehesten an einem möglichst baldigen Abschluß der Verhandlungen interessiert sein sollten.

Unsere zweite Anregung war, daß der Ausschuß sich auf solche Fragen
konzentrieren solle, die eine Art Schlüssel zu Fortschritten bilden. In
der Arbeitsgruppe B versucht der Ausschuß, die Frage der Offenlegung der
Lagerbestände an chemischen Waffen anzugehen, aber obwohl gewisse Fortschritte zu verzeichnen waren, haben wir das wichtige Problem des Zeitplans hierfür noch nicht lösen können. Auch in der gleichermaßen wichtigen Frage der Produktionseinrichtungen für chemische Waffen kommen wir
nicht weiter. Es sollte sich von selbst verstehen, daß die Definition
einer Einrichtung für die Herstellung chemischer Waffen zumindest solche
Anlagen einschließt, deren einziger Zweck darin besteht, Chemikalien zu
produzieren, die ausschließlich in chemischen Waffen Verwendung finden.
Unbegreiflicherweise weigert sich die Gruppe der sozialistischen Staaten
in der Arbeitsgruppe A aber, auch nur eine derart grundlegende Definition
zu akzeptieren. Bei der Lösung des weitergehenden Problems, sicherzustellen, daß chemische Waffen nicht unter dem Deckmantel kommerzieller Chemieproduktion hergestellt werden, steckt die Arbeitsgruppe A in gleicher
- 4 -

�in gleicher Weise fest.

In der Arbeitsgruppe C sehen wir einer Prüfung der Frage von Inspektionen auf Begehren mit Interesse entgegen. Es handelt sich hierbei mit
Sicherheit um eine der Kernfragen der Verhandlungen, und wir sollten sie
mit der gebührenden Gründlichkeit erörtern. Eine solche Diskussion über
die dem wichtigen Konzept von Inspektionen auf Begehren zugrunde liegenden Prinzipien wie auch über die Notwendigkeit, daß Staaten aufkommende
Zweifel an ihrer Vertragstreue schnellstens ausräumen müssen, ist eindeutig erforderlich, wenn wir mit unseren Verhandlungen weiterkommen wollen.

Meine letzte Anregung zur Beschleunigung unserer Arbeit bezog sich
auf die Verhandlungsbereitschaft der Delegationen. Ich stelle mit Betrüben fest, daß die Delegation der Sowjetunion vielen Sitzungen der Arbeitsgruppen praktisch

stumm

beigewohnt

hat. Ihr Schweigen war Fort-

schritten sicherlich nicht förderlich und gibt ernsten Anlaß zu der Frage, ob die Sowjetunion ungeachtet all ihrer Behauptungen an einer Konvention über chemische Waffen wirklich interessiert ist. Ferner ist zu
vermerken, daß die sowjetische Delegation zwar unsere Vorschläge zur Frage der Verifizierung kritisiert, selbst aber im C-Waffen-Ausschuß keinen
konkreten Vorschlag zu diesem Thema vorgelegt hat, seit die Vereinigten
Staaten im vergangenen Jahr ihren Entwurf für eine Konvention auf den
Tisch gelegt haben.

Wie ich eingangs sagte, besteht das vorrangige Ziel der Vereinigten
Staaten in einer unverzüglichen Vereinbarung über ein effektives und verifizierbares Verbot chemischer Waffen. Leider werden unsere Verhandlungen jedoch nicht nur durch die Schwierigkeiten behindert, mit denen wir
im C-Waffen-Ausschuß

zu tun hatten, sondern zusätzlich möglicherweise

auch noch durch äußere Faktoren. Das gegenwärtige Ungleichgewicht zwischen den C-Waffen-Potentialen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion könnte sich als ein solches Hindernis erweisen.

Die langen Debatten, die in den letzten fünf Jahren innerhalb unseres
Regierungsapparats und im Kongreß der Vereinigten Staaten geführt worden
sind, belegen zur Genüge, daß es meiner Regierung widerstreben würde, die
- 5 -

�würde, die Produktion chemischer Waffen wieder anlaufen zu lassen. In den
vergangenen 16 Jahren - d.h., während eines Zeitraums, in dem die Vereinigten Staaten einseitig auf die Herstellung chemischer Waffen verzichtet
haben - hat die Sowjetunion ihre C-Waffen-Produktion weiterlaufen lassen
und die Schlagkraft ihrer umfangreichen Streitkräfte für die chemische
Kriegführung fortlaufend erhöht.
Die diesjährige Debatte im amerikanischen Kongreß hat erneut unterstrichen, daß die Administration, der Kongreß und das amerikanische Volk
chemische Waffen weitaus lieber verbieten als bauen würden. Wenn wir hier
unverzüglich eine Konvention ausarbeiten könnten, würden die Vereinigten
Staaten von der Herstellung binärer Kampfstoffe absehen. Ein Hindernis
für den Abschluß unserer Verhandlungen wäre das amerikanische Binärkampfstoff programm ohnehin auf keinen Fall.
Ich möchte diesen Punkt gern näher erläutern. Die Erklärung, die der
geschätzte Vertreter der Sowjetunion, Botschafter Issraeljan, am 18. Juli
dieses Jahres abgab, bildete einen Versuch, angebliche Unterschiede in
den Standpunkten der Vereinigten Staaten und der UdSSR zur Frage der Behandlung von Binärkampfstoffen in der Konvention hervorzuheben.
Die schlichte Wahrheit ist jedoch, daß die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten sich im wesentlichen übereinstimmend über die Art der Behandlung dieser Waffen in der Konvention geäußert haben. Die Sowjetunion
möchte sie zusammen mit anderen hochtoxischen, tödlichen Waffen zerstören. Die Vereinigten Staaten wollen dies ebenfalls. Die Sowjetunion möchte sowohl hochtoxische, tödliche Waffen als auch die Herstellung der entscheidenden Vorprodukte binärer Kampfstoffe unzweideutig verbieten. Auch
die Vereinigten Staaten möchten dies. Gegensätze im Grundsätzlichen bestehen hier nicht.
Da die sowjetische Erklärung nun aber ein Gebiet, auf dem im wesentlichen Übereinstimmung besteht, so darstellt, als ob es dort Gegensätze
gäbe, bekommt man den Eindruck, daß sie im Hinblick auf ein eigentlich
bereits gelöstes Problem Verwirrung stiftet. Wir meinen, daß es besser
wäre, gemeinsam an der Lösung der verbleibenden Probleme zu arbeiten,
- 6 -

�zu arbeiten, anstatt zu versuchen, neue Probleme zu schaffen. Die Erklärung der sowjetischen Delegation vom 18. Juli enthielt noch weitere unbegründete Unterstellungen und demagogische Behauptungen, zu denen meine
Delegation bereits Stellung genommen hat. Ich bedauere, daß das notwendig
war, und ich hoffe sehr, daß es seitens der Sowjetunion und ihrer sozialistischen Partner keine weiteren Erklärungen geben wird, die solche Gegenvorstellungen meiner Delegation erforderlich machen.

Bislang konnten in diesem Jahr zwar nur magere Ergebnisse erzielt
werden, aber während der verbleibenden Wochen dieser Sitzungsperiode haben wir noch genügend Zeit für konstruktive Arbeit. Ich rufe alle Delegationen

auf, zusammen

mit

uns ernsthafte Verhandlungsanstrengungen

zu

machen. Wir sollten uns gemeinsam bemühen, Mittel und Wege zu finden, wie
wir unsere Arbeit einem erfolgreichen Abschluß näher bringen können.

Die Konferenz sollte den Verhandlungen über die C-Waffen-Konvention
nur einen einzigen Text zugrunde legen. Eine gute Grundlage dafür bietet
der Anhang zum Bericht 1984 des C-Waffen-Ausschusses, d.h., zum Konferenzdokument

539. Ein

solcher Verhandlungstext, der bereits erzielte

Übereinkünfte einbezieht, würde sicherstellen, daß Fortschritte, die wir
machen, in unsere zukünftigen Verhandlungsrunden übertragen werden.

Die Geschichte bietet uns heute eine einzigartige Gelegenheit: Die
Gelegenheit, chemische Waffen vom Angesicht der Erde zu verbannen. Die
Geschichte wird kein freundliches Urteil über uns fällen, wenn wir es
versäumen, diese Gelegenheit zu ergreifen. Die Delegation der Vereinigten
Staaten ist entschieden für den unverzüglichen Abschluß einer umfassenden
und verifizierbaren C-Waffen-Konvention, und wir sind bereit, unsere Entschlossenheit hierzu unter Beweis zu stellen. Wir hoffen, daß andere Delegationen bereit sind, sich uns hierin anzuschließen.

- 7 -

�31. J u l i 1985

30

RAUMSTATION - KATALYSATOR FÜR FRIEDLICHE WELTRAUMNUTZUNG
Präsident Reagan würdigt Errungenschaften und künftige Projekte
im Dienst der Menschheit -

WASHINGTON -

(AD) - In seiner Proklamation zum 16. Jahrestag der e r -

sten Landung von Menschen auf dem Mond (20. J u l i 1969) verwies Präsident
Ronald Reagan auf die Bedeutung der Raumfahrt a l s Instrument, den Aufbau
und die Funktionssysteme unserer Erde, das Sonnensystem und das Universum
besser zu verstehen.

"Ferngesteuerte S a t e l l i t e n wurden zum Mars, Saturn

und Jupiter entsandt.

Wann a l l e s nach Plan v e r l ä u f t , werden die äußeren

Planeten Uranus und Neptun beim Vorbeiflug der VOYAGER-Sonde 1986 bzw.
1989 näher erkundet.

Innerhalb des nächsten Jahres sind erste

Rendez-

vous-Experimente mit Kometen (Giacobini-Zinner und Halley) geplant.
leistungsstarke

Hubble-Teleskop

wird

in

GALILEO zum Jupiter auf den Wag gebracht.

eine

Erdumlaufbahn, die

Wissenschaftler i n a l l e r

Das
Sonde
Welt

warten gespannt auf die Ergebnisse."
M i t jedem neuen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Mit

jedem neuen Flug demonstriere und erweitere der

seine Einsatzmöglichkeiten, e r k l ä r t e der Präsident.

Raumtransporter

Im Verlauf des l e t z -

ten Jahres wurden von dem Fluggerät aus S a t e l l i t e n g e s t a r t e t , im Vfeltraum
r e p a r i e r t oder e i n g e h o l t , um zurückgebracht und auf der Erde r e p a r i e r t zu
werden.

Mit dem i n Europa entworfenen und gebauten Waltraumlabor SPACE-

LAB an Bord seien Daten aus einem weiten Spektrum von D i s z i p l i n e n e r f a ß t ,
M a t e r i a l i e n getestet und der Ablauf chemischer Reaktionen v e r f o l g t worden.
Unter der Leitung der NASA (US-Behörde f ü r L u f t - und Raumfahrt) werde, so Präsident Reagan, die Raumstation als nächster logischer
geplant und gebaut.

M i t i h r e r Inbetriebnahme Anfang bis M i t t e der neun-

ziger Jahre werde sie e i n Katalysator f ü r die Ausweitung der
Nutzung des

Weltraums im Dienst

schaft s e i n .
strielle

Schritt

von Wissenschaft,

friedlichen

I n d u s t r i e und

Wirt-

Sie werde a l s Laboratorium f ü r M a t e r i a l v e r a r b e i t u n g , i n d u -

und wissenschaftliche

Forschung, a l s

f ü r Astronomie- und Erdbeobachtungen dienen.

permanentes

Laboratorium

Es sei vorgesehen, sie a l s

Vorrats- und Nachschubdepot und a l s eine Basis zu nutzen, von der aus andere S a t e l l i t e n oder Satelliten-Gruppen
die den ersten

"Industriepark

betrieben und gewartet

im Waltraum" b i l d e t e n .

M i t der

werden,
Partner-

schaft Japans, Europas und Kanadas am Projekt werde auf lange Sicht den
Interessen a l l e r gedient.
"Waltraumforschung i s t
bemerkte Präsident Reagan.

wenig mehr a l s e i n V i e r t e l Jahrhundert

" I n dieser kurzen Z e i t l e r n t e man mehr über

den Kosmos und unseren Bezug zum Kosmos a l s
Jahrhunderten
kenntnissen

zusammengenommen.

aus der

alt",

Von den sich

friedlichen

in

allen

stetig

Waltraumforschung

* * * * *
- 2 -

ausweitenden

und i h r e r

können a l l e h i e r auf dem Raumschiff Erde p r o f i t i e r e n .
J u l i 1969 l e b t w e i t e r . "

vorangegangenen
Er-

Anwendung

Der Geist des 20.

�3 1 . J u l i 1985

30

AMERIKANISCH-SOWJETISCH ZUSAMMENARBEIT UM WELTRAUM
Gründliche Projekte-Bewertung e r f o r d e r l i c h - Neubeginn an der Basis
vorgeschlagen -

-

(AD) - Zum zehnten Jahrestag des amerikanisch-sowjetischen Gemein-

schaftsfluges APOLLO-SOJUS am 17/18. J u l i 1975 hatten das "American I n s t i t u t e of Aeronautics and A s t r o n a u t i c s " , eine p r i v a t e Organisation zur
Förderung von L u f t -

und Raumfahrt, und die amerikanische

Planetarische

Gesellschaft zu einer Konferenz nach Washington eingeladen.

Anwesend wa-

ren auch die amerikanischen Astronauten und sowjetischen Kosmonauten, die
1975 das Rendezvous und Koppelmanöver der beiden bemannten Raumschiffe i n
der Erdumlaufbahn durchführten.

Es kam damals zu gegenseitigen Besuchen

der Besatzungen und gemeinsamen wissenschaftlichen Experimenten im Weltraum.

Seine größte Bedeutung habe der h i s t o r i s c h e Flug mit dem Beweis gefunden, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion zur Zusammenarb e i t fähig s e i e n , e r k l ä r t e n der Amerikaner Deke Slayton und der Sowjet-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�der Sowjetrusse Alexej Leonov, die 1975 dabei waren.

Dem Zusammenführen

der Raumschiffe im Erdorbit sei die Kooperation von Tausenden und Abertausenden amerikanischer und sowjetischer Fachleute auf der Erde vorausgegangen.

"Ungeachtet der Tatsache, daß wir verschiedene Sprechen spre-

chen, verschiedenen Kulturen angehören, i s t

es beiden Ländern möglich,

für eine konstruktive Sache zusammenzuarbeiten", meinte Slayton.

Auf der Konferenz wurden u.a. die Möglichkeiten für einen gemeinsamen
bemannten amerikanisch-sowjetischen Flug zum Planeten Mars e r ö r t e r t .

Ei-

ne Form der Zusammenarbeit könnte aber auch d a r i n bestehen, daß Geräte i n
diesem oder jenem Lande h e r g e s t e l l t und von a l l e n an einer Raumfahrtmission b e t e i l i g t e n Ländern gemeinsam benutzt werden.

Denn angesichts der

Kosten von Projekten wie dem einer Expedition zum Mars wäre e s , wie Kosmonaut Valery

Kubasov sagte, zur Lösung der anstehenden Probleme

nütz-

l i c h , die Anstrengungen einer Reihe von Ländern zusammenzufassen.
Auf Fragen von J o u r n a l i s t e n , welchen Nutzen die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion aus einer künftigen Kooperation i n der Raumfahrt z i e hen könnten, meinte Leonov, daß die Erfahrungen und Errungenschaften j e des der beiden Länder einander ergänzen würden.

"Wir i n der Sowjetunion

haben große Erfahrung i n bemannten Langzeitflögen.

Der l e t z t e Flug dau-

e r t e 237 Tage, und wir beabsichtigen, die Flugdauer weiter auszudehnen,
um zu untersuchen, welche Möglichkeiten der Mensch unter solchen Bedingungen hat.

Auch benutzen wir die Flüge für medizinische Zwecke oder um

a l l e erdenklichen M a t e r i a l i e n herzustellen und K r i s t a l l e zu züchten.

Die

USA haben große Erfahrungen mit dem Einsatz von Raumschiffen des Transporter-Typs.
der

Zweifellos sind a l l e diese Erfahrungen von großem Vfert, die

ganzen Menschheit

gehören s o l l t e n . "

Aber nur die

Regierungen der

beiden Länder hätten die Kompetenz, e r k l ä r t e Leonov, zu sagen, ob es zu
künftigen amerikanisch-sowjetischen Raumfahrtmissionen kommen werde. "Die
notwendige Bedingung f ü r Zusammenarbeit auf jedem Gebiet wäre eine Verminderung der Spannungen und die Verbesserung der Beziehungen zwischen
unseren Ländern."

Analyse f ü r den
- 2-

�Analyse für den US-Kongreß
Ein technisches Memorandum zu einer möglichen Wiederaufnahme der amerikanisch-sowjetischen Zusammenarbeit im Weltraum wurde am 17. J u l i 1985
vom Amt für

Technologiefolgen-Abschätzung

(OTA), einer

überparteilichen

I n s t i t u t i o n im Dienst des US-Kongresses, v e r ö f f e n t l i c h t .

Der Bericht mit

dem T i t e l "Amerikanisch-sowjetische Zusammenarbeit im Weltraum"
deren

sieht i n

Wiederaufnahme eine Gelegenheit zu wesentlichen F o r t s c h r i t t e n auf

einigen Gebieten der Weltraumforschung.
arbeit

Reihe von Differenzen

zwi-

schen den beiden Ländern, wie sie auf der Erde bestünden, beigelegt

sei-

en.

unwahrscheinlich, solange

nicht

Jedoch sei eine solche Zusammeneine

Die Haltung der Sowjetunion gegenüber einer Zusammenarbeit sei davon

geprägt,

"die allgemeine Einstellung zu amerikanisch-swojetischen Bezie-

hungen widerzuspiegeln".
dem Bericht

zufolge

Eine wichtige Herausforderung für die USA sind

Kooperationsvereinbarungen,

die

Zusammenarbeit

im

Waltraum g e h a l t v o l l und lebensfähig e r h a l t e n , g l e i c h z e i t i g aber die Wahrs c h e i n l i c h k e i t mindern, die m i l i t ä r i s c h e n Fähigkeiten der Sowjetunion zu
fördern".

Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion unterzeichneten 1972 eine
Vereinbarung über Zusammenarbeit

im Waltraum, die

1977 erneuert

wurde.

M i t einer von Präsident Reagan im Oktober 1984 unterzeichneten Order wurden die gesetzlichen Grundlagen für die

Waiterverfolgung der Bemühungen

um eine Erneuerung dieses 1982 abgelaufenen Abkommens geschaffen.

Jedoch

haben die zuständigen sowjetischen S t e l l e n auf mehrere amerikanische Vorstöße zur Wiederaufnahme der b i l a t e r a l e n Zusammenarbeit bisher n i c h t reagiert.

Sie h ä t t e n , wie es i n dem Bericht h e i ß t , e r k l ä r t , daß "das SDI-

Programm (Strategische V e r t e i d i g u n g s i n i t i a t i v e )

der USA e i n ernstes Hin-

dernis für jede wesentliche Zusammenarbeit im Waltraum d a r s t e l l t und m i litärische

wie strategische

Fragen von Bedeutung gelöst

werden müßten,

ehe ernsthafte Erörterungen über die Erneuerung einer b i l a t e r a l e n Zusammenarbeit größeren Umfangs im Waltraum i n A n g r i f f genommen werden können".

Der

Bericht

war

von

den

Senatoren

Charles

Matsunaga und Claiborne P e l l angefordert worden.

McC.

Mathias,

Spark

Für sie und eine Reihe

�eine Reihe anderer amerikanischer P o l i t i k e r , die e i n amerikanisch-sowjetisches Weltraumabkommen ins Auge fassen, i s t nach wie vor der damit möglicherweise verbundene Transfer m i l i t ä r i s c h wichtiger
nologie e i n Problempunkt.

" s e n s i t i v e r " Tech-

Die Kontroversen i n den Debatten über die Wie-

deraufnahme kreisen denn auch, wie es i n dem Bericht h e i ß t , um die Fragen, welchen außenpolitischen Zielen mit
werde.

dieser Zusammenarbeit

gedient

Die Analytiker innerhalb von OTA s t e l l t e n f e s t , daß die Sowjets

i h r Raumfahrtprogramm stets dazu nutzten, "nicht nur Kooperation zu f ö r d e r n , sondern auch andere, i h r e r Natur nach eher aus Konkurrenz und Konf r o n t a t i o n gerichtete außenpolitische Ziele zu v e r f o l g e n " .

Zur Klärung bestimmter wissenschaftlicher
Zusammenhang mit e i n r

und technischer Fragen im

amerikanisch-sowjetischen Kooperation im

Weltraum

b e r i e f OTA im Mai 198A einen A r b e i t s k r e i s von 13 amerikanischen Forschern
ein.

Sie a l l e hatten b e r e i t s an Gemeinschaftsprogrammen mit der Sowjet-

union auf den Gebieten Planetenforschung und biologisch-medizinische Wissenschaften m i t g e a r b e i t e t .

Sie empfahlen, eine neuerliche Zusammenarbeit

zunächst auf unterer Ebene mit Datenaustausch zwischen einzelnen Wissens c h a f t l e r n zu beginnen.
Künftige Zusammenarbeit könnte, wie es i n dem Bericht h e i ß t , auf f r ü heren Erfolgen i n der Erforschung der Planeten, der Beziehungen Sonne-Erde und i n der Astrophysik basieren.

Dies würde Probleme eines Technolo-

gietransfers auf e i n Mindestmaß verringern und g l e i c h z e i t i g e i n Maximum
an wissenschaftlichen Ergebnissen erbringen.

Als besonders v i e l v e r s p r e -

chend für eine künftige Zusammenarbeit g i l t der Bereich der Exobiologie,
d.h.

der Erforschung außerirdischen Lebens.

Dazu zählen beispielsweise

auch die Suche nach außerirdischen i n t e l l i g e n t e n Lebewesen sowie gemeinsame Projekte zum Sammeln und Analysieren von Meteoriten aus der Antarktis.

Zu Studien aus den Gebieten der der Astrophysik könnten u.a. SPACE -

LAB-Instrumente wie Röntgenstrahlen-Detektoren bei Langzeitflügen von S0JUS-Raumschiffen erneut eingesetzt werden.

Weitere Möglichkeiten ergäben

s i c h , wie die Wissenschaftler e r k l ä r t e n , z.B. durch eine Koordination getrennter Mars-Missionen oder sogar einer gemeinsamen Mars-Mission, um Bodenproben vom Mars zur Erde zu bringen.
Ein Ergebnis der
- 4-

�Ein Ergebnis der Vereinbarungen von 1972 und 1977 war der

Informa-

tionsaustausch über menschliche Reaktionen auf Raumflugbedingungen.

Von

größtem Vtert f ü r die Vereinigten Staaten seien Daten über die Auswirkungen von Langzeitflügen über das Ausmaß der Entmineralisierung des Skel e t t s und die Veränderungen beim kardiovaskulären System unter dem E i n fluß der Schwerelosigkeit gewesen.

* * * * *

- 5-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Shultz: Schlussakte von Helsinki - Neue Ära für Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Außenministers auf der KSZE-Jubiläumsfeier -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Richard Burt: USA werden KSZE-Prozess nicht aufgeben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- EURONET-Interview zum 10. Jahrestag der Schlussakte von Helsinki -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sowjets blockieren Fortschritte bei Verhandlungen über chemische Waffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Delegierten bei der Genfer Abrüstungskonferenz -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Raumstation - Katalysator für friedliche Weltraumnutzung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Reagan würdigt Errungenschaften und künftige Projekte im Dienst der Menschheit -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetische Zusammenarbeit im Weltraum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Gründliche Projekte-Bwertung erforderlich - Neubeginn an der Basis vorgeschlagen -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

i II I M»

• i\ 111

United States Information Service
Embassy of the United States of America

24.

29

Juli

1985

I N H A L T

DOKUMENTATION
REAGAN BETONT PRODUKTIVEN CHARAKTER DER AMERIKANISCH-CHINESISCHEN
BEZIEHUNGEN
- Erklärung des Präsidenten zur Begrüßung von Li Xiannian REAGAN: USA WERDEN AUCH WEITERHIN FÜR UNTERDRÜCKTE NATIONEN EINTRETEN
- Proklamation des Präsidenten BÜNDNISSE DER WESTLICHEN WELT WAHREN FRIEDEN UND FREIHEIT
- Rede von US-Außenminister Shultz in Honolulu DER STAND DER GENFER RÜSTUNGSKONTROLLVERHANDLUNGEN
- Pressekonferenz von Sicherheitsberater McFarlane INFORMATION
JAMES C. MILLER ZUM NEUEN DIREKTOR DES US-AMTES FÜR HAUSHALTSPLANNUNG
ERNANNT
WIRTSCHAFT
FREIER HANDEL MIT ÖLPRODUKTEN GEFORDERT
- US-Energieminister Herrington warnt vor Protektionismus * * * * *

Um Über/endung von
ßelcgeKcmplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�24. Juli 1985

.29

REAGAN BETONT PRODUKTIVEN CHARAKTER
DER AMERIKANISCH-CHINESISCHEN BEZIEHUNGEN
- Erklärung des Präsidenten zur Begrüßung von Li Xiannian -

WASHINGTON - (AD) - In seiner Ansprache zur Begrüßung des chinesischen Präsidenten Li Xiannian am 23. Juli 1985 im Weißen Haus betonte
Präsident Reagan, die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und
China seien von steigender Produktivität gekennzeichnet. Wenn es auch in
mancher Hinsicht unterschiedliche Meinungen gebe, so werde doch das Prinzip des gegenseitigen Respektes und des beiderseitigen Nutzens im Vordergrund stehen.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Es ist mir ein Vergnügen, Sie, Präsident Li, heute willkommen zu
heißen. Dies ist Ihre erste Reise in die Vereinigten Staaten und der
erste Besuch eines chinesischen Staatsoberhauptes in unserem Land.
Es

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

ist

eine

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 08-85432

�Es ist eine große Ehre, Sie, Ihre Frau und die Sie begleitende verdienstvolle Delegation als unsere Gäste bei uns zu haben. Während meines
Besuches in China im vergangenen Jahr hatte ich die Gelegenheit, Präsident Li kennenzulernen. Unter der Leitung
weisen Führern

erfreut

von Präsident

Li und anderen

sich das chinesische Volk größerer

Produktivität

und eines steigenden Lebensstandards.
Das amerikanische Volk

arbeitet

mit ihnen als Freunden und als Ge-

schäftspartner zusammen. Der Handel zwischen uns hat Rekordausmaße angenommen und steigt weiter. Die wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit wird in einer ganzen Bandbreite von Unternehmungen genützt, und
auch hier ist ein Anstieg zu erwarten.
Unser

Austausch

trächtlich, nimmt

im

Bildungs-

gleichfalls

und

Kulturbereich,

schon

bislang

be-

zu. Wir befinden uns in der Anfangsphase

der Zusammenarbeit auch bei Drogenkontrolle und beim Antiterrorismus. Und
durch unsere gemeinsame Ablehnung von Aggression verstärken wir nicht nur
unsere beiderseitige Sicherheit, sondern unterstützen zugleich den Weltfrieden.
Unsere beiden Völker sollten stolz darauf sein, daß in ein paar
wenigen Jahren eine solide Grundlage des guten Willens geschaffen wurde.
Unsere Beziehungen sind von wachsender Produktivität gekennzeichnet, die
sich nicht auf einzelne Persönlichkeiten oder auf die Zufälle des Augenblicks gründen, sondern auf die Erkenntnis, daß unsere Nationen in beträchtlichem Ausmaß gemeinsame Interessen haben und auf die Einsicht, wie
viel Vorteile sich für uns aus dem guten Willen zwischen uns ergeben
haben.
Dies bedeutet nicht, daß es nicht Bereiche gäbe, wo Meinungsverschiedenheiten herrschen. Doch werden wir auch weiterhin jede Differenz im
richtigen Verhältnis sehen. Als ich mit Ihnen, Präsident Li, in der
Großen Halle in Peking zusammentraf, schlug ich eine chinesische Weisheit
vor, die als Instrument bei der Schaffung immer stärkerer Beziehungen

�stärkerer Beziehungen zwischen uns dienen kann: hu jing, hu hui - gegenseitige Achtung, beiderseitiger Nutzen. Machen wir in diesem Geiste weiter. Hu jing, hu hui. Als Führer zweier großer Nationen sollten wir nicht
mehr erwarten und nicht weniger akzeptieren.
Präsident Li, wir Amerikaner schätzen die Bindungen, die wir mit dem
chinesischen Volk in den vergangenen dreizehn Jahren aufgebaut haben,
sehr hoch. Wir freuen uns mit Ihnen über den wirtschaftlichen Erfolg,
dessen sich Ihr Land erfreut, und es ist mir ein Vergnügen, bei diesem
Modernisierungsbestreben einen kleinen Anteil zu haben. Wir wünschen dem
chinesischen Volk, was wir uns selbst wünschen - in Frieden zu leben und
sich des Wohlstandes zu erfreuen. Durch Zusammenarbeit können die Völker
unserer beiden Länder dieses hohe Ziel erreichen. Wir sind erfreut, Sie
hier bei uns zu haben.

- 3-

�24. J u l i 1985

28

REAGAN: USA VERDEN AUCH WIITERHIN FlJR UNTERDRÜCKTE NATIONEN EINTRETEN
- Proklamation des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat die Woche vom 2 1 . b i s
27. J u l i 1985 zur "Woche der unterdrückten Nationen" proklamiert und betont , daß sich die USA auch weiterhin für die F r e i h e i t der unterdrückten
Menschen i n a l l e r

Welt einsetzen werden.

verzügliche Freilassung
veröffentlichten

jener

Proklamation

"Wir werden w e i t e r h i n die u n -

f o r d e r n " , so heißt

es i n der am 1 9 . J u l i

"die zu Unrecht v e r f o l g t

und ungerechter-

weise i n h a f t i e r t s i n d " .
Die Proklamation des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Die einzigartige und historische Bedeutung unserer Nation hat sich
immer aus unserer Rolle als Modell der politischen Freiheit, der sozialen
Gerechtigkeit und der Chancen für den einzelnen hergeleitet.

Wenn wir

als Nation auch nicht vollkommen sind, so haben wir der Welt doch immer
die Vision der Freiheit geboten.

Es ist eine Vision, die als Triebkraft

hinter all unseren nationalen Bemühungen stand und die uns immer noch als

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 08-85432

�noch a l s Anker des Gewissens d i e n t .

Die Menschlichkeit und Gerechtigkeit

unseres gesamten p o l i t i s c h e n Lebens sowie die F r e i h e i t und Unbegrenztheit
der persönlichen Chancen sind I n s p i r a t i o n f ü r die Völker der Vtelt - sowohl für

d i e j e n i g e n , die

frei

i h r e n Bestrebungen nachgehen können, a l s

auch für solche, die dies nicht können.
Die E i n z i g a r t i g k e i t

unserer Vision von F r e i h e i t r ü h r t nicht nur aus

der h i s t o r i s c h e n Entwicklung her, sondern auch aus der Überzeugung, daß
die Segnungen der F r e i h e i t und der Gerechtigkeit rechtmäßig der gesamten
Menschheit gehören.

Die Vtelt l e i d e t immer noch unter der Bekämpfung d i e -

ses fundamentalen Grundsatzes, aber unsere Überzeugung, daß die p o l i t i sche F r e i h e i t das gerechte Erbe a l l e r Nationen und Menschen i s t ,
unerschütterlich.

bleibt

Unser E i n t r e t e n f ü r dieses P r i n z i p i s t durch die

tra-

gische Geschichte der Eroberung, der Unterjochung und der Unterdrückung,
denen so v i e l e Nationen der Vtelt ausgesetzt s i n d , nicht geschwächt worden.
Wir a l l e

wissen um die

Ideologien, rücksichtsloser

v i e l e n Nationen, die das Opfer

totalitärer

Regime und Besatzungstruppen geworden s i n d .

Dies sind die Nationen, die von Kräften unterdrückt werden, die der F r e i h e i t , der Unabhängigkeit
gegenüberstehen.

und der

nationalen Selbstbestimmung

feindlich

Dieses Leben i n der Unterdrückung und der Kampf dagegen

erfordern besonderen Mut und besondere Opfer.

Die Nationen Osteuropas,

die s e i t Jahrzehnten Eroberung und Unterdrückung kennen; d i e j e n i g e n , die
um i h r e Rettung vor der kommunistischen Expansion i n Lateinamerika kämpf e n , und die Menschen i n Afghanistan und Kamputschea, die gegen Invasion
und m i l i t ä r i s c h e Besetzung seitens i h r e r Nachbarn kämpfen:

Sie a l l e ha-

ben unsere besondere Unterstützung n ö t i g . Für j e n e , die F r e i h e i t , Sicherh e i t und Frieden suchen, sind wir die KJter ihres Traumes.
Unser Land wird auch weiterhin für die F r e i h e i t derjenigen e i n t r e t e n ,
denen die Segnungen der F r e i h e i t

verwehrt werden.

Wir werden w e i t e r h i n

die unverzügliche Freilassung jener f o r d e r n , die zu unrecht v e r f o l g t und
ungerechterweise i n h a f t i e r t s i n d .
ihrer

Solange mutige Männer und Frauen wegen

nationalen Herkunft, ihres r e l i g i ö s e n Glaubens und ihres

Wunsches

nach F r e i h e i t v e r f o l g t werden können, werden die Vereinigten Staaten darauf

dringen, daß die Signatarstaaten der Charta der Vereinten Nationen

�Vereinten Nationen und der Abkommen von Helsinki i h r e Verpflichtungen e r f ü l l e n und die P r i n z i p i e n sowie den Geist dieser i n t e r n a t i o n a l e n Übereinkommen und Vereinbarungen respektieren.
I n jedem Jahr erneuern wir unsere Entschlossenheit, den Kampf um die
Freiheit

in aller

Vfelt zu u n t e r s t ü t z e n , indem wir die Wiche der u n t e r -

drückten Nationen begehen.

Dies i s t eine

toche,

i n der a l l e Amerikaner

aufgefordert werden, sich vor Augen zu führen, daß die F r e i h e i t e n , derer
sie sich als inhärente Rechte e r f r e u e n , v i e l e n Nationen verweigert
den.

wer-

Dies i s t eine Z e i t , i n der wir i n a l l e r Ö f f e n t l i c h k e i t unsere Über-

zeugung bekräftigen

s o l l t e n , daß die Flamme der F r e i h e i t

nicht

ausge-

löscht werden w i r d , solange diese Nationen den Kampf nicht aufgeben und
solange wir i n unserer Unterstützung u n e r s c h ü t t e r l i c h b l e i b e n .

Gemeinsam

mit den Menschen dieser unterdrückten Nationen kämpfen wir gegen m i l i t ä r ische Besetzung, p o l i t i s c h e

Unterdrückung, kommunistische Expansion und

totalitäre Brutalität.
Der Kongreß hat aufgrund der am 17. J u l i 1959 g e b i l l i g t e n Resolution
den Präsidenten ermächtigt und a u f g e f o r d e r t , die d r i t t e Ifoche im J u l i a l s
"Vüche der unterdrückten Nationen" zu bestimmen.
Daher proklamiere i c h , Ronald Reagan, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, die am 2 1 . J u l i 1985 beginnende hbche a l s Itoche der u n terdrückten Nationen.

Ich fordere die Bevölkerung der Vereinigten Staa-

ten a u f , diese Vtoche mit angemessenen F e i e r l i c h k e i t e n und A k t i v i t ä t e n zu
begehen, um damit das E i n t r e t e n für die i n t e r n a t i o n a l e n P r i n z i p i e n der
Gerechtigkeit und der F r e i h e i t zu b e k r ä f t i g e n , die uns vereinen und anderen Ansporn geben.
Zum Zeugnis dessen unterzeichne i c h diese Proklamation am 19.

Juli,

im Jahr des Herrn 1985 und im 210. Jahr der Unabhängigkeit der V e r e i n i g ten Staaten von Amerika.
gez.
Ronald Reagan
- 3 -

�29

24. J u l i 1985

BÜNDNISSE DER WESTLICFCN CLT VlAHREN FRIEDEN UND FREIFEIT
- Rede von US-Außenminister Shultz i n Honolulu-

HONOLULU -

(AD) - Der amerikanische Außenminister George Shultz be-

tonte am 17. J u l i 1985 i n Honolulu im Rahmen einer vom East-Wsst-Center
und dem P a c i f i c and Asian A f f a i r s Council i n i t i i e r t e n Rede, das weltweite
Bündnissystem der demokratischen Staaten

"hat -

i n Europa wie auch im

größten T e i l Asiens - den Frieden erhalten und die F r e i h e i t bewahrt". Es
sei nicht genug, wenn Verbündete l e d i g l i c h i n der Zusicherung l e b t e n , im
F a l l eines Krieges komme man sich gegenseitig zur H i l f e : "Verbündete müssen gemeinsam daran a r b e i t e n , s i c h e r z u s t e l l e n , daß wir über die Fähigkeit
verfügen, einen solchen Krieg auch auszutragen und zu gewinnen - und daß
unsere Gegner sich dessen bewußt s i n d . Erst das i s t echte Abschreckung."
Die Rede des amerikanischen Außenministers hat folgenden

tortlaut:
Am 4 . Februar

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Am 4. Februar dieses Jahres lehnte Neuseeland e i n Ersuchen der V e r e i nigten Staaten um Einlauferlaubnis für die BUCHANAN, einen konventionell
angetriebenen Zerstörer der amerikanischen Marine, der an einer Seeübung
des ANZUS-Paktes teilnehmen s o l l t e , ab. Die Regierung von Neuseeland e n t sprach dieser B i t t e n i c h t , weil die Vereinigten Staaten das Vorhandensein
von Kernwaffen an Bord des Schiffes weder bestätigen noch i n Abrede s t e l len wollten.

Die Entscheidung Neuseelands kam nach monatelangen n i c h t ö f f e n t l i c h e n
Konsultationen

zwischen

unseren

beiden

Ländern,

bei

denen

wir

eine

freundschaftliche Lösung auszufinden suchten. Wir wiesen darauf h i n , daß
Zugang unserer Schiffe

zu Häfen zusammen mit unserer weltweit

gültigen

P o l i t i k , das Vorhandensein von Kernwaffen an Bord der Schiffe weder zu
bestätigen, noch i n Abrede zu s t e l l e n , e i n wesentliches Element der S i cherheitsbeziehungen im Rahmen des ANZUS-Paktes d a r s t e l l t . Konsequenz der
neuseeländischen Entscheidung war,

daß kein amerikanisches S c h i f f ,

das

nicht a l s eindeutig ohne Atomwaffen an Bord i d e n t i f i z i e r t werden kann, j e
wieder i n Neuseeland vor Anker gehen könne. Ohne Zugang zu Häfen könnten
wir jedoch unsere Vertragsverpflichtungen weder i n Friedenszeiten noch im
F a l l einer Krise e r f ü l l e n .

Unsere P o l i t i k , das Vorhandensein von Atom-

waffen an Bord unserer Schiffe
stellen, ist
sere

weder zu b e s t ä t i g e n , hoch i n Abrede zu

von entscheidender Bedeutung: Sie hindert Gegner daran, un-

einsatzfähigsten

Schiffe

zu

identifizieren,

erhöht

dadurch

die

Schwierigkeiten einer Zielbestimmung und v e r s t ä r k t somit die Abschreckung.

Es i s t

dies unsererseits keine Herausforderung an das Recht Neusee-

lands, seine eigene P o l i t i k

zu formulieren. Auch andere verbündete, be-

freundete und neutrale Staaten haben i n bezug auf Kernwaffen i h r e eigene
P o l i t i k , erlauben jedoch'Schiffsbesuche.
Kein anderer Verbündeter verweigert jedoch das Einlaufen i n Häfen wegen unserer P o l i t i k des "Weder Bestätigens noch i n Abrede S t e l i e n s " , wie
dies Neuseeland getan hat. S o l l t e es das Z i e l Neuseelands gewesen s e i n ,
die Sicherheit im P a z i f i k zu erhöhen und die Atomgefahr zu v e r r i n g e r n , so
hat es gegen seine eigenen Interessen gehandelt: Durch Schaffung eines
- 2-

�Schaffung eines neuen Elementes des Risikos und der Ungewißheit hat Neuseeland die regionale Stabilität - eines der wichtigsten Bindeglieder bei
den Bemühungen um die Verhinderung eines Atomkrieges - geschwächt. Die
Erosion der westlichen Einheit schwächt aber auch die Position des Westens und seine Erfolgschancen bei der Rüstungskontrolle.

Als

sich

Neuseeland

dazu

entschloß, die BUCHQNAN

zurückzuweisen,

fällte es gleichzeitig die Entscheidung darüber, daß die grundlegenden
operativen Elemente des ANZUS-Vertrages auf sich selbst nicht anwendbar
seien. In einem gewissen Sinn warf Neuseeland seine Arbeit hin - die Aufgabe nämlich, gemeinsam an der Verteidigung unserer gemeinsamen Sicherheit zu arbeiten. Unvermeidlicherweise folgte hieraus eine Annullierung
bzw. Umstrukturierung einer Reihe militärischer Übungen und des militärischen Austausches mit Neuseeland - einschließlich des Manövers, an dem
die BUChANAN hätte teilnehmen sollen.

Wir haben die Tür jedoch offengelassen. Der Präsident erklärte am 7.
Februar: "Es ist unsere größte Hoffnung, daß Neuseeland die traditionelle
Zusammenarbeit wiederherstellt, die zwischen unseren beiden Ländern bestanden hat. Verbündete müssen als Partner zusammenarbeiten, um ihrer gemeinsamen Verantwortung gerecht zu werden." Neuseeland aber bleibt ein
Freund.

Wir hoffen, daß unsere derzeitigen Meinungsverschiedenheiten schließlich überwunden und daß weitere Handlungen unterlassen werden, die diese
Meinungsverschiedenheiten nur noch verstärken könnten.

Unsere Meinungsverschiedenheiten mit Neuseeland sind spezieller und
augenblicklicher Natur - und doch werfen sie die grundsätzlichsten Fragen
über Bündnisse und über Bündnisverpflichtungen in der heutigen Welt auf:
Was ist Sinn und Zweck unserer Bündnisse? Was ist an einem Bündis von Demokratien so unverwechselbar? Wie behandeln wir in einer neuen Ära unsere
Bündnisse zur Förderung der gemeinsamen Zielsetzung?

Das Ziel unserer

�Das Ziel unserer Bündnisse

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges sahen sich die westlichen Demokratien, die sich mit der Sowjetunion zusammengetan hatten, um Hitler
zu besiegen, bald selbst einer weiteren Bedrohung von Frieden und Freiheit

gegenüber. Die

Sowjetunion

nutzte

den Vorteil der zeitweiligen

Schwäche der Staaten, die sich um ihre Genesung nach dem Krieg bemühten;
sie strebte eine Ausweitung ihrer Macht und die Kontrolle in Europa und
in Asien an. Der Westen reagierte hierauf mit einer Vereinigung zur gemeinsamen Verteidigung

seiner

Werte und des Weltfriedens. 1949 unter-

zeichneten die Vereinigten Staaten, Kanada und die Staaten Westeuropas
den Nordatlantikvertrag.

Ein Jahr später - nach der kommunistischen Invasion Südkoreas - wurde
dieses Bündnisnetz auf Ostasien und den pazifischen Raum ausgedehnt, wo
die Vereinigten Staaten in Bündnisse mit Japan, Australien und Neuseeland, den Philippinen - sowie später Korea und Thailand - eintraten.

Das Ziel unserer Bündnisse vor 35 Jahren war es, vor Aggressionen gegen die Bündnispartner abzuschrecken, die durch die Sowjetunion und ihre
Stellvertreter begünstigt oder selbst durchgeführt werden würden. Schon
damals herrschte bei allen Klarheit über die sowjetische Macht und ihre
expansionistischen Ziele. Heute sollte dies angesichts der massiven sowjetischen Aufrüstung im Verlauf der vergangenen zwei Jahrzehnte, der sowjetischen Invasion Afghanistans und der Bemühungen, die Reichweite sowjetischer Macht bis nach Afrika, Asien und Mittelamerika auszudehnen,
nur noch evidenter sein. Der Zweck unserer Bündnisse ist daher auch heute
noch der gleiche: Vor einer sowjetischen Aggression in Europa und Asien
dadurch abzuschrecken, daß über den letzten Schatten eines Zweifels hinweg deutlich gemacht wird, daß die Nationen des Bündnisses Widerstand
leisten, zurückschlagen und den Aggressor bestrafen werden.

Und noch etwas, das vor 35 Jahren galt, gilt auch heute: Es reicht
nicht aus, wenn bei den Verbündeten Übereinstimmung dahingehend herrscht,
da3 sie einander zu Hilfe kommen werden, wenn ein Krieg ausbricht. Worte
- 4t-

�ausbricht.

Worte und Abkommen allein können vor keinem Krieg abschrek-

ken. Verbündete müssen gemeinsam daran arbeiten, sicherzustellen, daß wir
über die Fähigkeit verfügen, einen solchen Krieg auch auszutragen und zu
gewinnen - und daß unsere Gegner sich dessen bewußt sind. Erst das ist
echte Abschreckung."

Die einzigartigen Qualitäten demokratischer Bündnisse

Auch wenn Klarheit über das Ziel unserer Bündnisse herrscht, können
wir erst dann dieses Ziel erreichen, wenn wir uns mit gleicher Deutlichkeit der besonderen Eigenschaften eines Bündnisses von Demokratien bewußt
sind.

Denn unser Bündnissystem der Nachkriegszeit ist einzigartig. In der
Geschichte gab es viele Bündnisse; aber nie zuvor gab es eine solch dauerhafte Partnerschaft zwischen so vielen, der Demokratie verpflichteten
Staaten. Heute sind unsere wichtigsten Bündnisse demokratische Bündnisse;
es sind keine Abkommen zwischen Herrschern oder regierenden Eliten, sondern zwischen Völkern. Den mit anderen Staaten eingegangenen Verpflichtungen muß von den jeweiligen Völkern durch ihre gewählten Vertreter zugestimmt werden, und sie müssen deren Unterstützung genießen.

Diese einzigartige Tatsache ist eine ständige Quelle der Stärke. Die
Bindungen zwischen Völkern mit gemeinsamen Wertvorstellungen können die
immer wiederkehrenden Veränderungen an der Spitze überleben, wo andere
Arten von Bündnissen vielleicht schon zusammengebrochen wären. Die Demokratien sind nicht nur durch das strategische Interesse, sondern auch
durch moralische Bande vereint, die unserer Zusammenarbeit eine besondere
Vertraulichkeit und Vollständigkeit verleihen.

So sagte der portugiesische Präsident Eanes kürzlich in bezug auf die
Beteiligung seines Landes an der Verteidigung der Warte und Grundprinzipien des NATO-Bündnisses: "Geehrt durch seine Wiedervereinigung mit demokratischen Staaten teilt Portugal nunmehr ohne Zögern die historischen
Ideale und wesentlichen Zielsetzungen des Vertrags von Washington."
Allerdings bringen
- 5-

�Allerdings bringen Bündnisses zwischen Völkern - im Gegensatz zu solchen zwischen Herrschern - auch besondere Probleme mit sich und stellen
größere Anforderungen an alle Partner,

Abschreckung vor einer Aggression ist niemals eine leichte Aufgabe,
Aber für Demokratien stellt sich eine besondere Schwierigkeit. Eine Demokratie zu Friedenszeiten

würde sich viel lieber auf die unmittelbareren

und greifbareren sozialen Vorteile für ihr Volk als auf die potentielle
Gefahr konzentrieren, die jenseits des Horizontes existiert. Ja, bisweilen halten wir es für selbstverständlich, daß die Sicherheit selbst ein
entscheidender Teil unseres öffentlichen Wohles ist. Die schmerzlichen
Lektionen dieses Jahrhunderts haben uns unglücklicherweise noch nicht von
der Versuchung befreit, uns der Lasten der Vorsorge zu entledigen.

Eine Demokratie hat daher in Friedenszeiten ihre Schwierigkeiten dabei, sich auf einen Krieg vorzubreiten, um vor einem Krieg abzuschrecken.
Aber es ist eine Illusion zu glauben, Opfer könnten problemlos hinausgeschoben werden und andere würden schon die Pflichten übernehmen.

Tatsache ist, daß die kollektive Abschreckung durch die Verbündeten
den Sicherheitsschirm darstellt, in dessen Schutz die Staaten das Wohlergehen ihrer Völker fördern können.

Wenn auch nur ein Partner sich vor seiner Verantwortung drückt, geraten Gesundheit und Einheit des gesamten Bündnisses in Gefahr. Alle Verbündeten stehen zu Hause vor denselben Problemen; alle würden es vorziehen, ihre Mittel anderweitig einzusetzen, um der Bevölkerung Ihres Landes
raschere und greifbarere Vorteile zu bieten; und alle würden lieber die
politischen Komplikationen vermeiden, die sich unter Umständen durch die
Erfüllung der Bündnisverpflichtungen ergeben. Wenn auch nur ein Partner
nicht zu diesen Opfern bereit ist, so werden sich die anderen fragen, warum sie ihren Anteil der Last tragen sollen. Die Folge wäre eine allmähliche Erosion der Verpflichtung gegenüber der gemeinsamen Sache,

Geteilte Verantwortung
- 6-

�Geteilte Verantwortung

Vtes sind nun genau die "geteilten Verantwortlichkeiten", von denen
Präsident Reagan sprach? Die erste und grundlegendste Verantwortung besteht darin, daß jeder von uns seinen Teil bei der Aufrechterhaltung der
gesamten Abschreckungsstärke des Bündnisses zu tragen hat. Für die Vereinigten Staaten bedeutet dies, daß sie ihre eigene Stärke sowohl im konventionellen wie im nuklearen Bereich wiederherstellen.

Es bedeutet - so gut wie wir dies nur können - Hilfe für unsere Verbündeten dabei, ihre Stärke - sowohl wirtschaftlich wie militärisch aufrechtzuerhalten. Es bedeutet Konsultation und Planung, damit die gemeinsamen Anstrengungen wirksam auf gemeinsame Ziele ausgerichtet werden.
Schließlich - und am wichtigsten - bedeutet es, durch Vtorte wie durch Taten deutlich zu machen, daß wir in aller Entschlossenheit der Verteidigung unserer Verbündeten verpflichtet sind, daß wir gewillt sind, für die
Verteidigung unserer gemeinsamen Ideale und unserer Sicherheit zu handeln.

Unsere Verbündeten haben natürlich gleichermaßen eine ernste Verantwortung, zur Aufrechterhaltung

der Abschreckungsstärke

des Bündnisses

beizutgragen. Sie müssen die notwendigen Anstrengungen unternehmen, um
ihre eigene Sicherheit zu garantieren - insbesonder im Bereich der konventionellen Verteidigung. Von entscheidender Bedeutung sind auch gemeinsame Manöver

und

nachrichtendienstliche

Zusammenarbeit.

Sie

brauchen

nicht über ihre eigene nukleare Abschreckung zu verfügen; aber wenn sie
die unsrige untergraben - wie dies Neuseeland getan hat -, dann schwächen
sie ihre eigene nationale Sicherheit. Eine Nation allein kann ihren Verpflichtungen nicht selektiv nachkommen, ohne die Sicherheit aller auszuhöhlen und die öffentliche Unterstützung für das Bündnis zu untergraben.

In der modernen Vtelt umfaßt die Sicherung des Friedens und die Verhütung eines Atomkrieges allerdings mehr als die Aufrechterhaltung einer
angemessenen Abschreckung. Wir haben auch die gemeinsame Verantwortung,
uns um ein konstruktiveres Verhältnis zu unseren Gegnern zu bemühen.
Unsere Verbündeten

�Unsere Verbündeten haben das Recht, von den Vereinigten Staaten zu
erwarten, ihre Beziehungen zur Sowjetunion verantwortungsbewußt zu gestalten. Als nukleare Supermächte haben die Vereinigten Staaten wie auch
die Sowjetunion eine besondere Verantwortung darin, sich um eine Verringerung der Gefahr eines Atomkrieges zu bemühen. Unsere Verbündeten können
von uns erwarten, sinnvolle Vorschläge zu unterbreiten und im Verfolg der
Rüstungsverringerung am Verhandlungstisch alle Wege auszuloten, die nur
irgendwie Aussicht auf Erfolg bieten. Wir werden dies in unserem eigenen
Interesse wie auch dem Interesse der freien Walt tun. Wir konsultieren
unsere Verbündeten auf jeder Stufe des Verhandlungsprozesses und bemühen
uns zusammen mit unseren Verbündeten darum, Positionen vorzulegen, die im Einklang mit der Sicherheit des Bündisses - so flexibel wie nur möglich sind.
In dieser Hinsicht haben auch unsere Verbündeten eine Verantwortung.
Ein Hauptziel der Sowjetunion während der gesamten Nachkriegszeit war ein
Aufbrechen des Bündnisses. Statt sich mit dem Ziel eines ausgewogenen und
stabilen strategischen Gleichgewichts ernsthaft um Rüstungskontrollverhandlungen zu bemühen, haben die Sowjets oft versucht, MeinungsverschieT
denheiten zwischen den Verbündeten hervorzurufen oder auszunützen, was
dazu führte, daß wir untereinander verhandelten, während sie selbst sich
zurücklehnten und auf einseitige Zugeständnisses warteten, für die sie
selbst nichts zu geben hatten.

Unsere Einigkeit ist für den Erfolg der Ost-West-Verhandlungen von
entscheidender Bedeutung. Die Sowjets müssen einsehen, daß ihre Bemühungen, das Bündnis zu spalten, keinen Erfolg haben werden.

Die Mitglieder des Atlantischen Bündnisses wiesen hierauf laut und
deutlich hin, als wir angesichts der größten sowjetischen Propaganda-Kampagne , die es jemals gegeben hatte, unseren INF-Beschluß in die Tat umsetzten. Wir müssen auch weiterhin standhaft bleiben. Die Sowjets müssen
sehen, daß sie nur durch Verhandlungen Begrenzungen unserer Streitkräfte
erlangen können und nur dann, wenn sie bereit sind, Konzessionen zu machen, die den unsrigen entsprechen.
Der Aspekt der
- 8-

�Der Aspekt der Einigkeit ist auch für die derzeitige Diskussion der
Strategischen Verteidigungsinitiative - SDI - relevant. Präsident Reagan
hat die Verantwortung, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um die Welt
vor der nuklearen Gefahr zu schützen. Aus diesem Grund läßt er Forschung
bei der strategischen Verteidigung betreiben, die - sollte sie sich als
durchführbar erweisen - die Drohung eines Erstschlags verringern und uns
dem Tag näherbringen kann, da die Nukleararsenale abgebaut werden können.

Die sowjetische Propaganda in bezug auf SDI ist sowohl zynisch als
auch heuchlerisch. Die Sowjets arbeiten intensiv an der strategischen
Verteidigung und tun dies seit Jahren. Im Verlauf der vergangenen zwei
Jahrzehnte haben sie in etwa genau so viel für die strategische Verteidigung wie für ihre massiven offensiven Nuklearwaffen ausgegeben. Sie haben um Moskau das einzige einsatzbereite Abwehrsystem der Vfelt gegen ballistische Raketen disloziert. Ihre ausgedehnte Radaranlage mit phasengesteuerter Abtastung bei Krasnojarsk in Sibirien stellt eine Verletzung
des ABM-Vertrags dar. Seit den sechziger Jahren betreiben die Sowjets
Forschung im Bereich fortgeschrittener Technologien für die strategische
Verteidigung, einschließlich hbchenergielasern, Teilchenstrahlwaffen, Radiofrequenzwaffen und Vfeffen auf der Grundlage kinetischer Energie.

Dies sind die gleichen Technologietypen, die die Vereinigten Staaten
jetzt im Rahmen des SDI-Programms untersuchen. Und es ist nicht überraschend, daß die Sowjets vorschlugen, unsere Forschung zum Stillstand zu
bringen, während sie mit ihrer fortfahren.

Wir sollten uns nicht durch solche zweckdienliche Propaganda in die
Irre führen lassen. Die NATO-Ministertagung in Lissabon im vergangenen
Monat zeigte solide Unterstützung für die amerikanische Position in Genf.
Vtenn wir wollen, daß Genf ein Erfolg wird, dann müssen wir auch weiterhin
sicherstellen, daß die Sowjets keinen Grund für die hbffnung bekommen,
uns wegen SDI auseinanderzudividieren.

Gegenseitiges Vertrauen
- 9-

�Gegenseitiges Vertrauen und breitere Zusammenarbeit

Die gemeinamen Verantwortlichkeiten in einem demokratischen Bündis
sind breiter und tiefer als die Abschreckung vor einer militärischen Bedrohung. Eine solche Partnerschaft hängt von einem tieferen Band des gegenseitigen Vertrauens und der gegenseitigen Unterstützung bei einer ganzen Bandbreite von Aspekten unserer Beziehungen ab.

Viele Herausforderungen der gemeinsamen Interessen liegen schließlich
außerhalb des Geltungsbereichs formeller Verträge. Aber Zusammenarbeit
dabei, mit diesen Herausforderungen fertigzuwerden, ist nicht nur wichtig, um die Interessen der einzelnen Verbündeten zu schützen, sondern
auch, um das gegenseitige Vertrauen zu stärken, das dem gesamten Bündnissystem zugrunde liegt. Wir können nicht zulassen, daß die Feinde unserer
Lebensweise alle Verbündeten nacheinander angreifen, in der HDffnung, man
könne uns auf diese Heise entzweien und uns somit unfähig zu einer koordinierten Reaktion machen.

Das aber ist genau eine der Hoffnungen des internationalen Terrornetzes. In Vtesteuropa haben Terroristen und ihre Helfershelfer versucht, die
Struktur des NATO-Bündnisses zu schwächen, indem sie Furcht säten und
Zerstörung über die Bevölkerungen der NATO-Staaten brachten. Im Nahen
Osten rechnen die Terroristen und ihre Helfershelfer mit der Uneinigkeit,
die wirksame Sanktionen gegen jene verhindert, die den Terrorismus beherbergen. Bei der jüngsten Flugzeugentführung, der TW\ 847, hofften die
Terroristen, Spannungen bei der engen und dauerhaften Freundschaft zwischen den Vereinigten Staaten und Israel zu verursachen. In Asien versuchten sie unter anderem, die Bindungen Südkoreas zu seinem Vertragspartner, den Vereinigten Staaten, zu schwächen, indem nordkoreanische
Terroristen in Rangun auf südkoreanische Regierungsvertreter ein Bombenattentat verübten und sie töteten.

Diese

mörderischen

Versuche, uns

zu

entzweien, Unsicherheit

und

Furcht unter den Völkern zu säen, sind erfolglos gewesen und werden erfolglos bleiben. Aber wir müssen mehr tun, als nur das Gegenwärtige zu
- 10-

�Gegenwärtige zu sichern. Wir müssen zurückschlagen. Wir müssen einsehen,
daß wir unter ständiger Attacke stehen. Wir müssen zusammenarbeiten, um
sowohl die Terroristen abzuschrecken und zu bestrafen, als auch jene, die
sie unterstützen und ihnen einen sicheren Hafen bieten.

Unsere Bündnisverträge erklären, daQ ein Angriff auf einen Verbündeten ein Angriff auf alle ist. Als diese Verträge unterzeichnet wurden,
waren wir darauf vorbereitet, uns gegen herkömmliche Bedrohungen zu verteidigen.

Damit aber kein Mißverständnis aufkommt: Die Drohung, die der Terrorismus darstellt, ist nicht weniger real, sondern ist auch eine Form der
Kriegsführung, ist auch ein direkter Angriff auf die Interessen des demokratischen Bündnisses. Kein Staat kann sich einfach still verhalten oder
untätig bleiben. Kein Staat kann es sich leisten, seine Interessen so eng
zu definieren, daQ er der Meinung ist, dies alles gehe ihn nichts an.
Kein Staat wird verschont bleiben.

Und der Terrorismus ist nur ein Thema, wo Zusammenarbeit außerhalb
der formellen Bundisse von entscheidender Bedeutung ist. Der Kampf gegen
den internationalen Drogenschmuggel - der eindeutig mit dem Terrorismus
in Zusammenhang steht - erfordert desgleichen die Zusammenarbeit. Wir in
der westlichen Hemisphäre sehen nur zu deutlich die Bemühungen Kubas und
Nicaraguas im Drogenbereich. Keiner von uns kann dieses Problem ignorieren. In mehr oder weniger großem Ausmaß sind wir alle durch die Drogenplage geschwächt. Auf dem Bonner Gipfel und bei ASEAN veröffentlichten
wir zusammen mit unseren Partnern Erklärungen, die unsere verstärkte Entschlossenheit unterstrichen, im Kampf gegen den Drogenhandel und die Terroristen zusammenzuarbeiten, die oft genug davon profitieren.

Das

gleiche

Gebot

der Zusammenarbeit

gilt

für

Wirtschaftsfragen.

Wirtschaftliche Probleme sind oft die Quelle der strittigsten Meinungsverschiedenheiten

zwischen Verbündeten. Innenpolitische Aspekte wiegen

schwer bei vielen wirtschaftlichen Entscheidungen - und dem sollte auch
so sein. Beispielsweise aber ist Protektionismus zerstörerisch für uns
alle.
Wir können es
- 11-

�Wir können es uns nicht leisten, daß wirtschaftliche Meinungsverschiedenheiten die politische Einheit untergraben, die unsere gemeinsame
Sicherheit garantiert - die Sicherheit, die unserem gemeinsamen Wohlergehen zugrundeliegt. Unsere Uneinigkeiten können nur Schatten auf unsere
gemeinsame Zukunft werfen und sere Gegner nur erfreuen.

Auch bei regionalen Fragen sind wir einander Unterstützung schuldig,
wenn die vitalen Interessen eines Verbündeten bedroht sind, sogar dann,
wenn es um keine Vertragsverpflichtungen geht. So sieht sich zum Beispiel
Thailand heute der Bedrohung

durch eine vietnamesische Aggression in

Kamputschea gegenüber. Wir stellen Thailand direkte Hilfe zur Verfügung,
um dem thailändischen Volk dabei zu helfen, seine Sicherheitsinteressen
zu verteidigen. Aber darüber hinaus müssen wir offen für die Bedenken
Thailands sein und offen für seine Vorstellung von dem besten Wag, auf
dem man mit der Lage in Kamputschea und mit den Problemen der vietnamesischen Aggression fertigwerden kann. Desgleichen schulden wir der Republik Korea Unterstützung und Verständnis in ihren Bemühungen, Nordkorea
zu einem direkten und verantwortungsbewußten Dialog zu bewegen.

Vor einigen Jahren standen die Vereinigten Staaten im Südatlantik vor
einem Dilemma: Sowohl Argentinien als auch Großbritannien sind Freunde.
Die amerikanischen Interessen, eng definiert, hätten vielleicht das Einnehmen einer neutralen Position gefordert. Unsere NATO-Verpflichtungen
erfordern von uns nicht, unsere europäischen Verbündeten außerhalb des
nordatlantischen Bereiches zu unterstützen.

Dennoch unterstützten wir das Prinzip, daß solche Dispute nicht gewaltsam gelöst werden sollten. Wir hatten recht, dies zu tun, und wir
hatten recht, unserem NATO-Partner, Großbritannien, dabei zu helfen, dieses Prinzip hochzuhalten.

Wir sind der Meinung, daß es heute in Mittelamerika auch für uns um
ähnlich wichtige Interessen geht. Die Kommunisten Nicaraguas versuchen
mit kubanischer und sowjetischer Unterstützung, auf dem mittelamerikanischen Festland einen totalitären Staat zu konsolidieren. Sie versuchen,
- 12-

�Sie versuchen, ihre Nachbarn zu untergraben, indem sie kommunistische Guerilla

und

Terroristen

unterstützen.

Wir ersuchen unsere Verbündeten

nicht, uns dabei zu helfen, der kommunistischen Aggression in unserer
Hemisphäre aktiv zu widerstehen. Aber wir haben allen Grund zu erwarten,
daß sie nicht unsere eigenen Bemühungen in einer Region untergraben, die
für uns von so lebenswichtiger Bedeutung ist. Verbündete haben die Freiheit, bei vielen politischen Fragen unterschiedlicher Meinung zu sein.
Aber gutes Einvernehmen der Nationen und die Aufrechterhaltung des gegenseitigen Vertrauens fordern Verständnis für jene, die am meisten betroffen sind.

Der Geist der Einheit des Bündnisses

Bevor wir in den Krieg gegen Hitler eintraten, erläuterte Franklin
Roosevelt das Pacht- und Leihprogramm mit einem einfachen Beispiel. Wenn
man sieht, daß das Haus eines Nachbarn brennt, so überläßt man ihm das
eigene Gartenhaus. Und man fordert ihn nicht auf, dafür zu bezahlen, denn
man weiß, daß er es tun wird, wenn er kann. Das ist der Geist der gegenseitigen Unterstützung, der uns leiten muß.

Bisher haben wir und alle unsere Verbündeten hervorragende Arbeit geleistet. Unsere Bündnisse funktionieren. Sie haben die Skeptiker widerlegt und auch jene, die sich immer wieder über Verwirrung beklagt haben.
Seit 35 Jahren hat unser weltweites Bündnissystem in Europa wie auch im
größten Teil Asiens den Frieden erhalten und die Freiheit bewahrt. Seit
35 Jahren sind Nationen und Völker mit unterschiedlichen Kulturen und unterschiedlicher Geschichte, mit unterschiedlichen Bedürfnissen und unterschiedlichen nationalen Zielen - auch bisweilen mit unterschiedlichen
Vorstellungen von der richtigen Art und Weise, wie den vielen internationalen Herausforderungen zu begegnen sei - dennoch der Partnerschaft zur
Verteidigung dessen, was uns wert ist, verpflichtet.

Wir haben die Abschreckungsstärke bewahrt, von der sowohl unsere Sicherheit als auch unsere Freiheit abhängen. Wir haben darauf hingearbei- 13-

�darauf hingearbeitet, die nuklearen Arsenale zu verringern und unsere
konventionelle Abschreckung zu erhöhen, sogar angesichts der Erkenntnis,
daß , zumindest für den Augenblick, die nukleare Abschreckung für die Sicherheit von uns allen - im atlantischen wie im pazifischen Raum - von
entscheidender Bedeutung ist.

Natürlich stehen wir vor Problemen. Wie könnten freie und souveräne
Völker nicht gelegentlich unterschiedlicher Meinung sein? Aber jene, die
möchten, daß sich die Vereinigten Staaten ihrer Verpflichtungen entledigen, haben eine gefährlich kurzsichtige Vorstellung von unseren Interessen. Eine Walt, in der die Vereinigten Staaten sich aus ihren weltweiten
Bündnissen oder auch nur von einem Teil der Bündnisstruktur zurückgezogen
hätten, wäre in der Tat eine schlimme Welt. Die Argumente für Isolationismus oder Unilateralismus hätten schon vor langer Zeit zerschlagen werden sollen. Das globale Gleichgewicht wäre um so vieles unsicherer. Und
es wäre auch keine ernsthafte Option für unsere Verbündeten: Die Aggression , die wir in so vielen Teilen der Welt sehen, hat gezeigt, daß es
keine Verteidigung in der Isolation gibt. Sich in einer Walt neuer Gefahren aus dem gemeinsamen Sicherheitssystem zurückzuziehen, wäre für einen
jeden von uns töricht.

Jene die möchten, daß wir Meinungsverschiedenheiten in den Bündnissen
ignorieren oder einfach darüber hinweggehen, sind gleich kurzsichtig.
Bündnisse wie die unsrigen müssen sorgfältig gehütet werden, wenn sie gedeihen sollen. Alle Seiten müssen sich des Preises bewußt sein, um den es
geht, wenn die Solidarität geschwächt ist. Die Regierungen müssen ihre
Völker führen und informieren. Alle Seiten müssen dafür sorgen, daß die
Erosion des Geistes der Einheit zwischen ihren Völkern verhindert wird der Einheit, die die entscheidende Grundlage unserer gemeinsamen Freiheit
darstellt.

Präsident Reagan sagte es vor den Vereinten Nationen im vergangenen
September so: "Jedes Bündnis bringt Lasten und Verpflichtungen mit sich,
aber diese sind weit geringer als die Gefahren und die Opfer, zu denen es
kommen würde, wenn die friedliebenden Nationen untereinander uneins und
- 14-

�uneins uns nachlässig hinsichtlich ihrer gemeinsamen Sicherheit wären."

Die amerikanische Unterstützung der Bündnisse ist daher nicht Teil
irgendeiner sentimentalen Anhänglichkeit an Vergangenes und auch keine
gedankenlose Verehrung der Kontinuität. Wir unterstützen unsere Bündnisse
vor allem, weil sie funktionieren. Die Erfahrung hat gezeigt, daß wir unsere Meinungsverschiedenheiten überwinden können, wenn wir eine echte Anstrengung hierzu unternehmen. Und wir unterstützen unsere Bündnisse vor
allem wegen der Iterte und der Ideale, die sie verteidigen sollen. Mögen
Amerika und Amerikas Verbündete stets der weltweiten Sache des Friedens
und der Demokratie, der Sicherheit und des Friedens treu bleiben.

- 15-

�29

24. Juli 1985

DER STAND DER GENFER RUSTUNGSKONTROLLVERHANDLUNGEN
- Pressekonferenz von Sicherheitsberater McFarlane -

Washington -(AD)- Am 19. Juli 1985 gab der Sicherheitsberater Präsident Reagans, Robert McFarlane, in Washington im Rahmen einer Pressekonferenz Auskunft über den Stand der Genfer Rüstungskontrollverhandlungen
mit den Sowjets. Wir geben im folgenden den Wortlaut seiner Eingangserklärung sowie Auszüge aus den nachfolgenden Fragen und Antworten wieder.
MCFARLANE: Die zweite Runde der Genfer Verhandlungen über Nuklearund Weltraumwaffen ist soeben abgeschlossen worden, und unsere Unterhändler sind nach Washington zurückgekehrt. Leider hat es bis heute bei den
Gesprächen kaum wirkliche Fortschritte gegeben. Falls die Sowjets irgendwelche Vorstellungen über Rüstungsverminderungen und deren Verwirklichung
im Bereich der Kernwaffen haben, so haben sie diese bis zum gegenwärtigen
Zeitpunkt für sich behalten. Ihre Vorgehensweise ist immer noch eher propagandistisch; es geht ihnen immer noch mehr darum, politisch Punkte zu
verbuchen und die öffentliche Meinung zu beeinflussen, als ernsthaft zu
verhandeln.
Im Verlauf

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
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Telex: 8-85432

�Im Verlauf der Gespräche haben die Sowjets wiederholt, daß sie auf
verschiedene Arten von Moratorien bestehen, und zwar auf Moratorien, die
insofern unfair sind, als sie bestehende Ungleichgewichte festschreiben
und überdies nicht verifizierbar sein würden.

Außerdem fahren sie damit fort, künstlich starre Verknüpfungen der
verschiedenen Verhandlungskomplexe herzustellen, wobei sie Fortschritte
in einem Bereich vom Gang der Dinge in den anderen abhängig machen. Diese
Verknüpfungen haben praktisch die Form sowjetischer Vorbedingungen angenommen, die unsere Hoffnungen auf Fortschritte bei den Gesprächen außerordentlich trüben. Angesichts der Bedeutung und Komplexität dieser Verhandlungen sind wir enttäuscht, wenn auch nicht überrascht darüber, daß
wir bislang kaum vorangekommen sind. Und ich meine, wenn man sich die Geschichte der Verhandlungen mit den Sowjets anschaut, dann ist klar, daß
dergleichen Geduld erfordert. Fortschritte brauchen sehr viel Zeit.

Es gibt aber auch einige Anzeichen, die sich als vielversprechend erweisen könnten. So haben sich die Sowjets bei dieser Runde als geringfügig weniger polemisch gezeigt als bei der ersten Runde, und in einigen
Gebieten haben sie begonnen, auf unsere Bemühungen um einen ernsthaften
Dialog zu reagieren.

Ich möchte nun die Kernpunkte der letzten Verhandlungsrunde Bereich
für Bereich rekapitulieren, d.h., den Bereich der Verminderung der strategischen Waffen (START), den der Mittelstreckenwaffen (INF) und den der
Weltraumverteidigung.

Bei den START-Verhandlungen, wo die Vereinigten Staaten konkrete Vorschläge über weitgehende Rüstungsverminderungen auf den Tisch gelegt haben, haben auch die Sowjets ein umfassendes Konzept für mögliche Verminderungen der strategischen Waffen vorgelegt. Dieses Konzept bleibt jedoch
sehr unscharf. Die Sowjets haben keinerlei Hinweise darauf gegeben, welche konkreten und genauen zahlenmäßigen Begrenzungen sie anstreben, und
wir wissen auch nicht, in welcher Weise dieses Konzept den besonderen Anliegen der Vereinigten Staaten im Hinblick auf die Verminderung der am
stärksten destabilisierenden Systeme, d.h., der ballistischen Raketen,
- 2 -

�ballistischen Raketen, gerecht werden könnte.

Wir können daher noch nicht abschätzen, ob sich hieraus im Laufe der
Zeit echte Fortschritte ergeben werden. Wir hoffen es. Wir haben die Haltung der Sowjets im Hinblick auf dieses umfassende Konzept geprüft und
werden dies auch weiterhin tun, um festzustellen, ob es irgendeine Grundlage für Fortschritte in der nächsten Verhandlungsrunde bieten kann.

Im Bereich der Weltraumverteidigung haben die Sowjets begonnen, mit
uns ernsthaftere Gespräche zu führen. Sie bestehen jedoch noch immer darauf, auch Forschungsarbeiten zu verbieten, obwohl Forschungsarbeiten nach
dem ABM-Vertrag zulässig sind. Außerdem wäre ein solches Verbot seiner
Natur nach unverifizierbar. Ferner sind sie immer noch nicht auf unsere
sehr ernsthaften Bedenken hinsichtlich der Einhaltung von Abkommen eingegangen. Sie haben sich darum bisher nicht gekümmert und auch ihr Verhalten nicht korrigiert.

Im Bereich der nuklearen Mittelstreckenwaffen, also im INF-Bereich,
wo die Vereinigten Staaten die völlige Beseitigung dieser gesamten Waffengattung

oder

zumindest

umfassende

weltweite

Rüstungsverminderungen

vorgeschlagen haben, hat sich überhaupt nichts bewegt. Wir glauben, daß
sich bei der am 19. September beginnenden nächsten Runde klarer zeigen
sollte, ob in diesem Bereich kurzfristig Fortschritte zu erzielen sind
oder nicht.

Wir hoffen aufrichtig, daß die Sowjets diese Fragen bis dahin einer
erneuten Betrachtung unterziehen und ihren Unterhändlern im September die
Flexibilität mit auf den Weg nach Genf geben werden, die unsere Unterhändler bereits besitzen. In der Zwischenzeit werden die Vereinigten
Staaten alles in ihrer Macht Stehende tun, um die Gespräche voranzubringen. Der Präsident ist nach wie vor entschlossen, einen echten, fairen
und verifizierbaren Abbau der Kernwaffenarsenale herbeizuführen. Wir haben konstruktive Ideen auf den Tisch gelegt, und der Präsident hat unseren Unterhändlern ein bisher nicht gekanntes Maß an Flexibilität eingeräumt. Wir hoffen, daß auch die Sowjets bei der nächsten Runde zu echten
Konzessionen nach dem Prinzip der Gegenseitigkeit bereit sein werden.
Abschließend möchte

�Abschließend möchte ich betonen, daß wir geduldig bleiben werden. Wir
sind bereit, so lange in Genf zu bleiben, wie notwendig ist, um Abkommen
zu erzielen, die den Interessen beider Seiten gerecht werden. Wir hoffen,
daß auch die Sowjets dazu bereit sind, daß ihnen die Nutzlosigkeit ihres
gegenwärtigen Vorgehens klar wird und daß sie zu einer ernsthafteren Art
des Verhandeins übergehen.

FRAGE: Glauben Sie, daß das Gipfeltreffen (zwischen Reagan und Gorbatschow) aus der Sackgasse herausführen kann - wenn das überhaupt möglich
ist ? ... Und Sie sagten, daß es ernsthafte Gespräche über den "Krieg der
Sterne" gegeben habe. Worum ging es dabei ?

ANTWORT: Ich möchte die zweite Frage zuerst beantworten. Während der
ersten Verhandlungsrunde war der Präsident der Meinung, daß es wichtig
sei, der Sowjetunion sein Konzept klar zu machen, demzufolge es im Laufe
der Zeit beiden Seiten zum Nutzen gereichen würde, wenn sie sich weniger
auf offensive und stärker auf defensive Waffensysteme stützen würden. In
der ersten Runde waren die Sowjets jedoch nicht einmal bereit, sich dies
auch nur anzuhören.

Diesmal hingegen waren sie bereit, sich unsere Erläuterungen über den
möglichen Verlauf eines solchen Entwicklungs-

oder, wenn man so will,

Übergangsprozesses anzuhören und uns darlegen zu lassen, warum er im Interesse beider Seiten läge. Ich würde nicht sagen, daß das brennend wichtig ist, aber es ist immerhin eine Veränderung.

Was das Gipfeltreffen in Genf angeht, so meine ich, daß wir erkannt
haben, daß die mangelnde Bereitschaft der Sowjets, sich außenpolitischen
Fragen zu widmen, sich wahrscheinlich aus der Tatsache erklärt, daß sie
mit innenpolitischen Problemen voll und ganz beschäftigt sind. Die Veränderungen im Politbüro, das Ausscheiden alter und der Aufstieg neuer Leute
belegen dies.

Wenn man nun überlegt, was in Genf herauskommen kann oder auch nicht,
dann meine ich, daß diese grundlegend wichtigen innenpolitischen Angelegenheiten und die Fähigkeit oder Unfähigkeit der Sowjets, hier Lösungen
- 4 -

�hier Lösungen zu finden, darüber entscheiden werden, ob sie bereit sind,
sich (außenpolitisch) zu engagieren.

Der Präsident wird mit der Erwartung zu dem Gipfeltreffen nach Genf
reisen, daß man dort eine Tagesordnung aufstellen wird, auf der sicherlich auch die Rüstungskontrolle stehen wird, und daß man dort Prioritäten
für die Lösung auch anderer anstehender Fragen bilateraler und regionaler
Natur und auch solcher der Menschenrechte setzen wird. Aber es wäre wahrscheinlich unrealistisch, von den Sowjets umwälzende Veränderungen zu erwarten ...

FRAGE: Sie haben die Verknüpfung der drei Rüstungskontrollkomplexe
durch die Sowjets mißbilligt, aber im Januar haben die Außenminister
Shultz und Gromyko im Rahmen ihrer Verständigungsversuche gesagt, daß
diese drei Themenkomplexe in ihrem Zusammenhang erörtert und gelöst werden würden. ...

ANTWORT: Dennoch ist die sowjetische Position nicht legitim. Die Absicht und das Verständnis gingen im Januar eindeutig dahin, daß es eine
offenkundige Beziehung zwischen Offensiv- und Defensivwaffen gebe. ... Im
Bewußtsein dieser Beziehung kann man im START- oder im INF-Bereich die
Dinge vorantreiben und sich auf Abkommen einigen, die den Interessen beider Seiten dienen.

Wenn man annimmt, daß das möglich ist - was wir nachdrücklich tun -,
dann macht es keinen Sinn, daß man die Möglichkeit zu Fortschritten nicht
nutzt, nichts ratifiziert, nichts in Kraft setzt. Solche Fortschritte an
Bedingungen zu knüpfen und sie dazu zu benutzen, dem Gegenüber unvernünftige Zugeständnisse in anderen Bereichen abtrotzen zu wollen, ist ganz
einfach kein Zeichen für guten Willen bei den Verhandlungen.

FRAGE: Welche Standpunkte vertreten beide Seiten gegenwärtig in bezug
auf die Weltraumforschung und die Entwicklung und Erprobung von entsprechenden Systemen ?

ANTWORT: Die Sowjets haben noch letzte Woche auf ein Verbot der Er-

�der Erforschung, Entwicklung, Erprobung und Stationierung strategischer
Verteidigungssysteme bestanden, obwohl sie im eigenen Lande seit vielen
Jahren selbst ein umfangreiches Forschungsprogramm betreiben. Dabei geht
es durchaus nicht nur um die Erforschung, sondern auch um die Erprobung
und Stationierung von Defensivsystemen. ...

FRAGE: Haben sie im Hinblick auf die Weltraumforschung in irgendeiner
Form zu erkennen gegeben, daß sie flexibel sind ?

ANTWORT: Nein.

FRAGE: Wenn man davon ausgeht, daß alle drei Rüstungskontrollkomplexe
wegen der Frage der Forschung im Rahmen der Strategischen Verteidigungsinitiative (SDI) in der Sackgasse stecken, hängen dann zukünftige Fortschritte davon ab, daß sich die Sowjets in dieser Frage rühren, oder gibt
es eine Mittelposition, auf die die Vereinigten Staaten sich zubewegen
könnten - oder sind wir an einem Punkt, wo es allein an den Sowjets
liegt, ob es irgendwelche Fortschritte gibt ? ...

ANTWORT: Der sowjetische Standpunkt zur strategischen Verteidigung
ist aus zwei Gründen unvernünftig: Erstens ist die Vorstellung, daß Forschung etwas Schlimmes sein könne, abwegig. ... Zweitens betreiben die
Sowjets ihr eigenes Programm mit großem Nachdruck, und es ist schon weit
gediehen. Es ist daher unvernünftig, wenn sie behaupten, daß sie dies
dürfen, wir aber nicht. Außerdem spricht sehr viel dafür, daß beide Seiten nur gewinnen könnten, wenn sie sich stärker auf Defensivsysteme stützen würden. Defensivsysteme sind schließlich gegen niemanden gerichtet,
sie fügen Menschen keinen Schaden zu, sie zerstören nichts - außer andere
Waffensysteme. Es gibt also sowohl moralische als auch militärische und
historische Überlegungen, die unsere Position rechtfertigen.

FRAGE: Die amerikanische Position ist mir klar. Mir geht es um etwas
anderes: Können die Vereinigten Staaten in dieser Frage irgendwelche Zugeständnisse machen, oder läuft alles darauf hinaus, daß die Sowjets von
ihrer unnachgiebigen Haltung abrücken müssen ?
ANTWORT: Ich

�ANTWORT: Ich glaube, es gibt keine Grundlage für Veränderungen in der
Position der Vereinigten Staaten. ...
FRAGE: Im Juni gab es angeblich eine Äußerung von Marschall Achromejew, derzufolge ernsthafte Verminderungen bei den Offensivsystemen möglich seien, wenn die Forschungsarbeiten zum "Krieg der Sterne" und zu SDI
wirklich

im Bereich der wissenschaftlichen Forschung blieben. Glauben

Sie, daß das ernst gemeint ist, oder war es nur Propaganda ?
ANTWORT: Da die Sowjets das nicht in Vorschläge umgesetzt haben und
noch nicht einmal bereit waren, auf unsere diesbezüglichen Fragen zu antworten, kann man das wirklich nicht sehr ernst nehmen. ...

- 7 -

�24. J u l i 1985

28

JAMES C. MILLER ZUM NEUEN DIREKTOR DES US-AMTES FÜR WUSWLTSPLANUNG
ERNANNT

WASHINGTON -

(AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 19. J u l i 1985 den

bisherigen L e i t e r des US-Amtes f ü r den Binnenhandel, James C. M i l l e r , zum
neuen Direktor
Er t r i t t

des Amtes f ü r

Haushaltsplarung

(Budgetdirektor)

ernannt.

die Nachfolge von David A. Stockman a n , der am 1 . August aus

diesem Amt ausscheidet und zur New Yorker Investment-Firma Salomon B r o t h ers geht.

Die Ernennung M i l l e r s muß noch vom amerikanischen Senat bestä-

t i g t werden.
M i l l e r gehört s e i t September 1981 dem Bundesamt f ü r den Binnenhandel
(Federal Trade Oommission) a n , das a l s selbständige Behörde f ü r die S i cherung des f r e i e n Wettbewerbs i n den USA und die Bekämpfung unlauterer
Geschäftsmethoden im Handel verantwortlich i s t .

Zuvor war er E x e k u t i v d i -

rektor der Arbeitsgruppe des Präsidenten f ü r die Abschaffung ü b e r f l ü s s i ger Regierungsverordnungen.

Der neue Budgetdirektor

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�Der neue Budgetdirektor kann auf eine längere Tätigkeit im Dienst der
amerikanischen Regierung zurückblicken.

In den Jahren 1974/75 arbeitete

er in führender Stellung im Stab des wirtschaftlichen Beirats des amerikanischen Präsidenten, wo er sich als Fachmann für Fragen der Antitrustpolitik einen Namen machte. Außerdem gehörte er unter Präsident Ford der
Uberprüfungskommission an, die sich mit einer Reform der amerikanischen
RegierungsVorschriften befaßte.

Ende der sechziger und Anfang der sieb-

ziger Jahre arbeitete er im Wirtschaftsstab des amerikanischen Verkehrsministeriums.

Auch als Wissenschaftler war Miller lange Jahre tätig.

Er lehrte an

der Universität von Texas und betrieb Forschungsarbeiten an der renommierten Brookings Institution und dem American Enterprise Institute.

Miller wurde am 25. Juni 1942 in Atlanta, Georgia, geboren.

Er stu-

dierte an der Universität von Georgia Wirtschaftswissenschaften und promovierte 1969 an der Universität von Virginia.

Er ist Verfasser zahlrei-

cher Bücher und Schriften, die sich vor allem mit Fragen der Lohn- und
Preisstabilität, mit der Beseitigung überflüssiger Regierungsverordnungen
sowie mit Problemen der amerikanischen Verkehrspolitik befassen.

Miller ist verheiratet und hat drei Kinder.

- 2 -

�24. J u l i 1985

29

FREIER HANDEL MIT OLPRODUKTEN GEFORDERT
- US-Energieminister Herrington warnt vor Protektionismus -

PARIS/WASHINGTON -

(AD) - Vor der Ministerratskonferenz der I n t e r n a -

t i o n a l e n Energie-Agentur (IEA) i n P a r i s , die s e i t nunmehr zehn Jahren bes t e h t , setzte sich der amerikanische Energieminister John Herrington für
freien

Handel

mit

Preise und V o r t e i l e

Ölprodukten

ein.

Nur

so könnten

wettbewerbsfähige

f ü r den Verbraucher gewährleistet und die wachsende

Gefahr des Protektionismus eingedämmt werden.

Auch sähen die Vereinigten

Staaten wenig Sinn i n m u l t i l a t e r a l e n Produzenten-Verbraucher-Dialogen, ob
auf o f f i z i e l l e r

Ebene oder

in

inoffiziellem

Rahmen.

Diese würden nur

s t a a t l i c h e n Maßnahmen zur Festsetzung von Preisen und Produktionsmengen
den Wag bereiten - f ü r Größen a l s o , die vom Markt bestimmt werden s o l l ten.

Die USA wünschten eine I E A - P o l i t i k , die gegen Verwundbarkeit durch

unsichere Energieversorgung besser zu schützen vermag.

Deshalb befürwor-

teten sie auch rasche F o r t s c h r i t t e auf den Gebieten Kernenergie und der
Nutzung sauberer Kohle.

Herrington verwies

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�Herrington verwies darauf, daß die Reagan-Administration mit besonderem Nachdruck e i n Programm zur Erschließung umfangreicher, noch unber ü h r t e r Energiequellen auf amerikanischem T e r r i t o r i u m v e r f o l g e .
eine sicherere Energieversorgung s e i t
das f r e i e

Spiel

der Marktkräfte

Da f ü r

den Ölschocks der siebziger

e i n wichtiger

Faktor

war,

Jahre

solle

auch

k ü n f t i g der Markt bei der Ausarbeitung und Anwendung von Regierungsprogrammen im Vordergrund stehen.

Diese Programme - beispielsweise der Auf-

bau einer strategischen 'Ölreserve der USA (mit 489 M i l l i o n e n Barrel Vorr a t Ende 1985) oder bestimmte Projekte von Grundlagenforschung und Entwicklung

-

dienten

lebenswichtigen

Sicherheitsinteressen.

Hindernisse

f ü r eine weitergehende Erschließung und Nutzung von 'Öl, Erdgas, Kohle und
nuklearen

Ressourcen sowie f ü r

deren Export

sollten

beseitigt

werden.

Eine solche P o l i t i k der USA d ü r f t e sich f ü r a l l e 21 IEA-Mitgliedstaaten
günstig auswirken, meint Herrington.

Keine Nation sei i n der Lage, w e l t -

weite Energieprobleme a l l e i n anzugehen, noch weniger im Wettbewerb mit
anderen Verbraucherländern.

Die Vereinigten Staaten f ü h l t e n sich im Rah-

men der IEA auch w e i t e r h i n kooperativen Maßnahmen v e r p f l i c h t e t . '

Die IEA

habe während der vergangenen zehn Jahre, unter sehr rasch sich ändernden
Verhältnissen,

ihre

Funktionsfähigkeit,

Flexibilität

und Dynamik

unter

Beweis g e s t e l l t .

Das habe sich vor allem i n der Frage der 'Ölbevorratung g e z e i g t , mit
der die Möglichkeit gegeben s e i , f r ü h z e i t i g auf Störungen der Belieferung
zu reagieren.

Ebenso bedeutsam sei der Konsens h i n s i c h t l i c h der Sicher-

h e i t i n der Erdgasversorgung.
Erschließung

eigener

Deshalb verdienten die F o r t s c h r i t t e i n der

Erdgasvorkommen der

OECD-Länder

(Organisation

für

w i r t s c h a f t l i c h e Zusammenarbeit und Entwicklung) besondere Bedeutung.
Man dürfe auch nicht vergessen, wie groß die Interdependenz der i n ternationalen Wirtschaft

sei.

Viele Verbündete der Vereinigten Staaten,

mit denen die nationale Sicherheit und das w i r t s c h a f t l i c h e Wohlergehen i n
Amerika eng verknüpft s i n d , seien im Energiebereich weitaus v e r l e t z l i c h e r
als

die

Vereinigten Staaten.

So i m p o r t i e r t e

beispielsweise

Westeuropa

noch immer 40 Prozent seines Netto-Energieberdarfs, Japan sogar fast a l les.

I n den l e t z t e n fünf Jahren sei die EnergieSicherung i n den USA e r -

�USA erheblich größer geworden.

Verknappungen gebe es nicht mehr.

Der

gesamte Energieverbrauch im Jahr 198A entspreche etwa dem von 1973, a l s
Bevölkerungszahl und W i r t s c h a f t s a k t i v i t ä t e n im Vergleich zu heute n i e d r i g e r lagen.

Dennoch nähme der w i r t s c h a f t l i c h e Ausstoß weiter zu - t r o t z

des geringeren Pro-Kopf-Verbrauchs an Energie.

Die Energiemenge, die zur

Erzeugung des Bruttosozialproduktes pro Dollar ( i n f l a t i o n s b e r e i n i g t )
n ö t i g t w i r d , sei sogar über 20 Prozent geringer als 1973.

be-

I n den l e t z t e n

v i e r Jahren habe sich die E f f i z i e n z der Energienutzung um 13 Prozent e r höht - dies sei der beste Wert, der i n einem solchen Zeitraum jemals e r r e i c h t wurde.

Aber so eindrucksvoll dieser F o r t s c h r i t t

auch s e i , dürfe

er doch nicht dazu v e r l e i t e n , die Hände i n den Schoß zu legen.

Die USA

müßten für den N o t f a l l gut gerüstet sein und im eigenen Land die Entwicklungen

vorantreiben,

Würden bestehende

die

die

Hindernisse

Erschließung
für

von Ressourcen ermöglichen.

die Produktion und Nutzung e i n h e i m i -

scher Energieguellen wie Kohle, Kernkraft sowie der "Öl- und Erdgasvorkommen nicht
Zeiten.

abgebaut, r i s k i e r e

man die

Wiederkehr

früherer

krisenreicher

Ebenso wichtig bleibe e i n starkes i n t e r n a t i o n a l e s Programm, das

die Verbündeten zu einer P o l i t i k ermutige, die eine e f f e k t i v e r e

Produk-

t i o n und Nutzung von Energie f ö r d e r t .
Sehr zu begrüßen s e i , wie e i n Sprecher des amerikanischen Energieministeriums v e r s i c h e r t e , die Vereinbarung des IEA-Ministerrates, über Angebot und Nachfrage die Marktkräfte bestimmen zu lassen.

Die Regierungen

s o l l t e n es nicht i n der Hand haben, festzulegen, welche Mengen an 'Ölraffinerieprodukten jedes Land importieren d ü r f e . Mit dieser Bestimmung s o l l e d e u t l i c h Druck auf Japan ausgeübt werden, Protektionismus zum Schutz
der inländischen R a f f i n e r i e n einzuschränken und die Importschranken gegen
Raffinerieprodukte aus anderen Ländern zu senken.
e i n i g t e n Staaten stehen mit

Nach Ansicht der Ver-

den bisherigen Gepflogenheiten auch andere

Handelsprobleme zwischen Japan und den USA i n Verbindung.

Da j e t z t

auch v i e l e Entwicklungsländer über eine M i n e r a l ö l i n d u s t r i e

verfügen, wachse den Worten eines Beamten aus dem Energieministerium zufolge die Weltkapazität für Erdölprodukte v i e l schneller an a l s die Nachfrage nach ihnen.

I n Saudi Arabien, Kuweit und Libyen seien d e r z e i t wei-

�derzeit

weitere Raffinerien i n Bau.

Ab 1987 bringen diese pro Tag 1,2

M i l l i o n e n Barrel an Produkten auf den Markt.

Gegenwärtig sind es etwa

800 000 Barrel (1 B a r r e l = 159 L i t e r ) pro Tag.

Ein großer T e i l der Über-

schußkapazitat werde i n die Vereinigten Staaten e x p o r t i e r t , während Japan
a l s Markt noch geschlossen s e i .
US-Energieminister Herrington äußerte sich nach dem Abschluß der Konferenz

sehr

befriedigt

darüber,

daß a l l e

IEA-Länder

einen gemeinsamen

Nenner gefunden haben, um offene Marktbedingungen beizubehalten oder beschleunigt einzuführen.

Man beabsichtige, dies i n der Wsise zu handha-

ben, daß zusätzliche Erdölprodukte von jedem IEA-Mitgliedsland aufgenommen werden können, ohne damit den Markt zu verzerren.

"Offene Märkte ge-

währleisten wettbewerbsfähige Preise und f o l g l i c h V o r t e i l e
braucher", e r k l ä r t e e r .

f ü r den Ver-

"Zu diesem Iffeg g i b t es keine A l t e r n a t i v e , wenn

wir eine steigende Flut von Protektionismus vermeiden w o l l e n , aus dem wir
alle

i n schlechterer

Verfassung hervorgehen würden im Vergleich zu den

Bedingungen, die wir heute haben."

Herrington äußerte sich

überzeugt,

daß Japan e h r l i c h bestrebt s e i , seine Märkte zu öffnen und die Bürde des
wachsenden Angebots zn Erdölprodukten gemeinsam mit anderen IEA-Ländern
zu tragen.

Von einigen IEA-Mitgliedern wurde während der Pariser Konferenz der
Wjnsch nach m u l t i l a t e r a l e n Gesprächen zwischen Ländern der IEA und der
OPEC (Organisation erdölexportierender

Staaten)

vorgebracht.

zahl sprach sich jedoch dagegen aus.

Auf eine Frage von Journalisten

sagte Herrington, daß er den gegenwärtigen Zeitpunkt

für

Die Mehr-

multilaterale

Gespräche von Produzenten und Verbrauchern nicht f ü r geeignet h a l t e und
auch die meisten IEA-Mitglieder dafür e i n t r ä t e n , die 1983 vom M i n i s t e r r a t
entwickelte P o s i t i o n beizubehalten.
ziehungen mit

Die USA seien an konstruktiven Be-

den energieproduzierenden und exportierenden Ländern v i e l

gelegen, und sie seien überzeugt, daß dies am besten auf b i l a t e r a l e r Bas i s zu e r z i e l e n s e i .

Die IEA s e i i n diesem Zusammenhang e i n nützliches

Forum f ü r den Austausch von Informationen.

Auf mögliche

�Auf mögliche Auswirkungen eines

drastischen Absinkens der "Ölpreise

auf dem Weltmarkt angesprochen, e r k l ä r t e

Hrrington:

"Eines der Dinge,

die wir i n der i n t e r n a t i o n a l e n Wirtschaft und i n den Beziehungen zwischen
Ländern brauchen, i s t S t a b i l i t ä t . . .
oder ' r a d i k a l e r

Wenn Sie von 'drastischem Rückgang'

Bewegung i n Preis oder Belieferung'

i c h , daß radikale Bewegungen nicht gut s i n d .

sprechen, so meine

Wir hätten l i e b e r S t a b i l i -

t ä t und allmähliche Veränderung, f a l l s es Veränderungen geben s o l l . "

Als e i n Gebiet von besonderem Interesse f ü r die Vereinigten Staaten
bezeichnete

Herrington verstärkte

schung und Entwicklung.
für

den Rahmen für

internationale

Zusammenarbeit

in

For-

Das Kommunique des IEA-Ministerrats schaffe da-

bemerkenswerten F o r t s c h r i t t

i n den nächsten Jahren.

Auch seien die USA b e s t r e b t , für die Nutzung der noch immer unzureichend
eingesetzten Kernenergie und einer
unter w i r t s c h a f t l i c h

"sauberen Kohle" rasche

tragbaren Bedingungen zu e r z i e l e n .

Fortschritte

Über eine M i t -

wirkung der Regierungen bei der Einsparung von Energie gebe es
schiedliche Standpunkte.

unter-

Jedoch sei man sich e i n i g darüber, daß im l e t z -

ten Jahrzehnt die Bemühungen um Einsparung die Energiesicherheit

gestei-

gert hätten und diese "Energiequelle" k ü n f t i g noch mehr i n Anspruch genommen werden müsse.

Ein weiterer wichtiger Punkt sei für die USA e i n s t a r k e s , wirksames
Umweltprogramm.

Und sie sähen "eine der Aufgaben der IEA d a r i n , s i c h e r -

z u s t e l l e n , daß der E n e r g i e p o l i t i k das i h r zustehende Gewicht i n Umweltentscheidungen

beigemessen

wird",

erklärte

Herrington.

"Gleichzeitig

wünschen w i r , daß sich die IEA auch w e i t e r h i n eindeutig auf Fragen der
Energiepolitik

konzentriert,

insbesondere auf E n e r g i e p o l i t i k unter

ihren

mannigfaltigen Aspekten."
Auch habe die IEA nach Ansicht der USA eine wichtige Rolle bei der
I d e n t i f i z i e r u n g von Barrieren für die Marktkräfte und zur Förderung eines
f r e i e n Marktes zu s p i e l e n .

Die Höhe des Energieverbrauchs werde w e i t e r -

h i n von Veränderungen der Preise bestimmt.

Die Konsumenten seien nach

den Preisschocks der siebziger Jahre stärker zu a l t e r n a t i v e n , vom Preis
her besser wettbewerbsfähigen Energieträgern übergegangen, und der Nutz-

�der Nutzeffekt der Energienutzung wurde erhöht.

So liege heute der Vfelt-

verbrauch an Öl fünf bis sechs M i l l i o n e n Barrel pro Tag n i e d r i g e r a l s zur
Zeit des höchsten Verbrauchs im Jahr 1979.

Inzwischen erhöhte sich j e -

doch die Ölproduktion aus Ländern, die nicht der OPEC angehören.

Außer-

dem werden neue Ölvorkommen erschlossen, beispielsweise i n Kolumbien, im
Jemen, i n China und im P a z i f i k

vor der Halbinsel S ü d k a l i f o r n i e n .

Alle

diese Faktoren wirkten zusammen und führten b e r e i t s dazu, daß, weltweit
gesehen, die Ölproduktion aus erschlossenen Vorkommen um ca. zehn M i l l i o nen Barrel pro Tag gedrosselt wurde.

G l e i c h z e i t i g s e i , so e r k l ä r t e Her-

r i n g t o n vor dem Energie-Unterausschuß des Repräsentantenhauses mit einem
weiteren Preisdruck
rechnen.

auf

Längerfristige

sicherheitsfaktoren
dem Vfeltölmarkt

dem Ifeltmarkt

f ü r Öl i n der

nächsten Z e i t

zu

Vorhersagen seien zwar mit sehr v i e l mehr Un-

behaftet.

Jedoch sei es denkbar, daß die Lage auf

im nächsten Jahrzehnt wieder etwas angespannter

werden

könnte, wenn die gegenwärtige Überschußproduktionskapazität abgebaut i s t .

- 6 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan betont produktiven Charakter der amerikanisch-chinesischen Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Präsidenten zur Begrüßung von Li Xiannian -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan: USA werden auch weiterhin für unterdrückte Nationen eintreten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Proklamation des Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bündnisse der westlichen Welt wahren Frieden und Freiheit&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von US-Außenminister Shultz in Honolulu -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Stand der Genfer Rüstungskontrollverhandlungen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz von Sicherheitsberater McFarlane -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;James C. Miller zum neuen Direktor des US-Amtes für Haushaltsplanung ernannt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Freier Handel mit Ölprodukten gefordert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Energieminister Herrington warnt vor Protektionismus -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>nrormouon
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

28

17. J u l i 1985
INHALT

INFORMATION
USA von sowjetischer Haltung i n Genf enttäuscht
- Erklärung des Pressesprechers des VfeiQen Hauses Erklärung Kampelmans zum Abschluß der zweiten Verhandlungsrunde i n
Genf

HINTERGRUNDMATERIAL
SDI aus der Sicht eines Unterhändlers
- Von Max M. Kampelman Chronologie der Ereignisse i n Afghanistan
- 2. Quartal 1985 -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Helfer unter Wasser
- Roboter für Arbeiten i n großer Meerestiefe * * * * *

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�17. J u l i 1985

28

USA VON SOWJETISCHER HALTUNG IN GENF ENTTÄUSCHT
- Erklärung des Pressesprechers des Weißen Hauses -

WASHINGTON -

(AD) - Larry Speakes, Pressesprecher des Weißen Hauses,

brachte i n einer Erklärung, die am 16. J u l i 1985 im Anschluß an die Beendigung der

zweiten Verhandlungsrunde

der Genfer

Rüstungskontrollver-

handlungen abgegeben wurde, seine Enttäuschung über die Sowjetunion zum
Ausdruck, die

"sich a l s unfähig erwies, konkret zu verhandeln und sich

mit klaren Fakten auseinanderzusetzen."
Die Erklärung von Speakes hat folgenden Wortlaut:
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben heute die
Runde

der

Hauptziel

Nuklear-

und

Waltraumverhandlungen

in

Genf

zweite

abgeschlossen.

der

Vereinigten Staaten bleiben wesentliche, ausgewogene und

verifizierbare

Verringerungen beim Umfang der bestehenden Nukleararsena-

l e . Die Vereinigten Staaten t r a t e n i n die zweite Runde der Nkjklear- und

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Nuklear- und Vfeltraumverhandlungen mit konkreten, d e t a i l l i e r t e n Vorschlägen e i n , um eben dieses Z i e l zu erreichen und waren b e r e i t , i n jedem der
d r e i Verhandlungsbereiche zu F o r t s c h r i t t e n mit der Sowjetunion zu gelangen.
Im Bereich der strategisch-nuklearen Offensivwaffen i s t die amerikanische Delegation f l e x i b e l , um zu den wesentlichen Verringerungen zu gelangen , die wir anstreben und sie i s t
scher a l t e r n a t i v e r

b e r e i t , über eine Reihe s p e z i f i -

Vfege zu verhandeln, die zu d e r l e i Verringerungen f ü h -

ren könnten.
H i n s i c h t l i c h der Nuklearen Mittelstreckensysteme

(INF)

besteht unser

oberstes Z i e l auch weiterhin i n der Beseitigung der gesamten Klasse von
Kernwaffen,

die

von landgestützten

INF-Flugkörper

getragen werden. Zu

diesem Zweck verfügt die amerikanische Delegation über die Beweglichkeit
und über den Ermessensspielraum, auf

e i n Zwischenabkommen hinzuwirken,

dessen Z i e l gleiche amerikanische und sowjetische Begrenzungen i n

welt-

weitem Rahmen auf dem niedrigstmöglichen Niveau wären.
Desgleichen waren und sind wir noch immer zu einem d e t a i l l i e r t e m Meinungsaustausch im Bereich der Verteidigung und des Weltraums b e r e i t .
Während der

zweiten Runde b l i e b

die

sowjetische

Position

bedauer-

licherweise v e r b a r r i k a d i e r t , es gab k e i n e r l e i Bewegung bei i h r e n formalen
Positionen. Die sowjetische Delegation wiederholte i h r e Vorschläge eines
Moratoriums und machte auch w e i t e r h i n F o r t s c h r i t t e - j a , sogar eine Erörterung der Einzelheiten - bei der Verringerung der offensiven Nuklearwaffen -

von der Annahme i h r e r Forderungen nach e i n s e i t i g e n amerikanischen

Konzessionen abhängig, zu denen u n r e a l i s t i s c h e und nicht
Beschränkungen bei

der Forschung

im Verteidigungs- und

verifizierbare
Vfeltraumbereich

gehören würden.
Gegen Ende dieser Runde brachten die Sowjets einige Konzepte v o r , die
mögliche Verringerungen bei den vorhandenen strategisch-offensiven Nukleararsenalen beinhalten könnten. A l l e r d i n g s scheint die bei diesen Konzep-

�diesen Konzepten vorgeschlagene Zählmethode darauf angelegt zu sein, die
Beibehaltung des Hauptbereichs des sowjetischen Vorteils zu begünstigen d.h. ihrer Kapazität zur raschen Zerstörung gehärteter Ziele, also des
besorgniserregendsten Elementes der derzeitigen strategischen Gleichung.
Die Bemühungen der amerikanischen Delegation, auf unsere Fragen über diese Konzepte hinsichtlich der Problemkreise wie Anzahl, Obergrenzen und
Quoten bei möglichen Verringerungen von den Sowjets eine Antwort zu erhalten, blieben bislang im wesentlichen erfolglos. In dieser Hinsicht
sind wir enttäuscht darüber, daß die Sowjetunion sich als unfähig erwies,
konkret zu verhandeln und sich mit klaren Fakten auseinanderzusetzen, sogar dann, wenn diese nur als grobe Verhandlungsziele abgesteckt waren,
lehrend die Vereinigten Staaten sofort darangingen, die sowjetischen Konzepte zu analysieren, weigerten sich die Sowjets leider, über die amerikanischen Vorschläge zu diskutieren.

Zusammengefaßt: Wir sind in etwa dort, wo wir unseren Erwartungen zufolge sein würden - angesichts der Tatsache, daß wir erst am Ende der
zweiten Runde von Verhandlungen solcher Komplexität und Bedeutung stehen.
Wir hoffen, daß die Sowjetunion im Verlauf der nächsten Verhandlungsrunde
entgegenkommender sein wird.

- 3-

�17. J u l i 1985

23

ERKLÄRUNG KAMPELMANS ZUM ABSChLUSS DER Z E I T E N VERHANDLUNGSRUNDE
I N GENF

GENF - (AD) - Der amerikanische Chefdelegierte bei den amerikanischsowjetischen

Rüstungskontrollverhandlungen

in

Genf,

Botschafter

Max

Kampelman, versicherte zum Abschluß der zweiten Runde dieser Verhandlungen am 16. Juli 1985, daß die Vereinigten Staaten entschlossen seien,
nach Wiederaufnahme der Verhandlungen am 19. September ein Rüstungskontrollabkommen zu erreichen. Man werde weder leicht noch rasch ein Abkommen erzielen können, aber es sei ein größerer Nachdruck auf Dialog statt
auf Polemik zu verzeichnen.

Der Leiter der sowjetischen Delegation, Bot-

schafter Viktor Karpow, hatte zum Abschluß der Verhandlungsrunde erklärt,
er sei unzufrieden, da es keinen Fortschritt gegeben habe.

Die erste Runde der Genfer Verhandlungen dauerte vom 12. März bis 23.
April; die zweite begann am 30. Mai
Die Erklärung Kampelmans zum Abschluß der zweiten Verhandlungsrunde
hat folgenden Wortlaut:
Die

amerikanische

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die amerikanische und die sowjetische Delegation haben heute ihre
zweite Verhandlungsrunde abgeschlossen.

Die amerikanische Delegation hat von Anfang an erkannt, daß bei Verhandlungen so komplexer Natur ein Abkommen nicht leicht oder rasch erreicht werden kann. Aber wir stellen einen größeren Nachdruck auf Dialog
und weniger Nachdruck auf Polemik fest.

Kenn unsere beiden Delegationen am 19. September zurückkehren, werden
sich unsere Außenminister getroffen haben.

Die amerikanische Delegation

wird im September ihre Arbeit mit der weiteren Entschlossenheit wieder
aufnehmen, ein wirksames, gerechtes und verifizierbares Abkommen zu erreichen.

Botschafter Tower, Botschafter Glitman und ich werden morgen nach
Brüssel fliegen, um den Nordatlantikrat über die Ergebnisse der zweiten
Verhandlungsrunde zu unterrichten.

Wir werden am Donnerstag zu weiteren

Konsultationen nach Washington zurückkehren und dem Präsidenten und dem
Außenminister unseren Bericht unterbreiten.

* * * * *

�17. J u l i 1985

28

SDI AUS DER SICHT EINES UNTERHÄNDLERS
- Von Max. M. Kampelman -

Der Autor des nachstehenden A r t i k e l s ,
Max M. Kampelman, i s t Chef der amerikanischen Delegation, die i n Genf mit der
Sowjetunion über Nuklearund Vfeltraumwaffen verhandelt. Der A r t i k e l b a s i e r t
auf einer Rede Kampelmans i n Florenz.

Einer der ersten Vorschläge , den die Vereinigten Staaten der sowjetischen Delegation u n t e r b r e i t e t e n , a l s im März 1985 die Verhandlungen über
Nuklear- und Weltraumwaffen begannen, war, sich auf die
der Verhandlungen zu einigen.

Vertraulichkeit

Dieses Übereinkommen untersagt

den M i t -

g l i e d e r n beider Delegationen, sich ö f f e n t l i c h zum I n h a l t der Verhandlungen zu äußern.

Das s o l l dem Zweck dienen, daß beide Seiten i n ihrem Be-

streben, einen F o r t s c h r i t t

zu e r r e i c h e n , o f f e n sprechen und a l t e r n a t i v e

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�und alternative Vorschläge unterbreiten können, ohne fürchten zu müssen,
daß dies am nächsten Tag in der "New York Times", der "Prawda" oder dem
"Oorriere della Sera" erscheint.

Wir von der amerikanischen Seite woll-

ten damit natürlich die Sowjetunion davon überzeugen, daß wir es ernst
meinten mit den Verhandlungen und es als unsere Aufgabe betrachteten, zu
den sowjetischen Unterhändlern zu reden und nicht zur Öffentlichkeit, um
damit um öffentliche Anerkennung und Unterstützung zu buhlen.

Ich kann

also nichts darüber sagen, was in Genf passiert. Vorüber ich jedoch sprechen möchte, ist meine Einstellung als Unterhändler zur Strategischen
Verteidigungsinitiative (SDI) und darübe::, wie SDI mit Rüstungskontrolle
zusammenhängt.

Gestatten Sie mir, mit einem Zitat zu beginnen, dessen Urheberschaft
dem Leser nicht gleich bekannt sein dürfte. Es lautet:

"Wenn die Sicherheit eines Staates nur auf der gegenseitigen Abschreckung mit Hilfe mächtiger Nuklearraketen beruht, ist sie direkt von
dem guten Willen und den Plänen der anderen Seite abhängig, also von einem höchst subjektiven und unbestimmten Faktor...

Die Schaffung eines wirksamen Raketenabwehrsystems versetzt den Staat
in die Lage, seine Verteidigung in erster Linie von seinen eigenen Möglichkeiten und nicht nur von der gegenseitigen Abschreckung abhängig zu
machen..."

Das ist tatsächlich kein Zitat von Präsident Reagan, Verteidigungsminister Weinberger oder Außenminister Shultz, noch von irgend einem anderen Sprecher der amerikanischen Regierung.

Dieses Zitat stammt von dem

sowjetischen Generalmajor Talenskij, der diese Gedanken in einem Artikel
der sowjetischen Zeitschrift "Internationale Angelegenheiten" im Oktober
1964 äußerte.

Ich möchte meinen, General Talenskij hat uns einen guten

Weg gewiesen, um über die Zwecke und Ziele der Strategischen Verteidigungsinitiative zu sprechen.

An

diesem

entscheidenden

�An diesem entscheidenden Punkt sind sich die Vereinigten Staaten und
ihre

Verbündeten e i n i g

in

der Auffassung, daß unsere Sicherheit

ganz wesentlich vom P r i n z i p der Abschreckung abhängt.

heute

Unsere Auffassung

von Abschreckung basiert notwendigerweise auf der Theorie der b e i d e r s e i tigen Verwundbarkeit bis zur Vernichtung.

Der testen i s t davon ausgegan-

gen, daß i n dem F a l l e , daß jede Seite ihre Fähigkeit bewahren kann, gegen
einen A n g r i f f

der anderen Seite eine nukleare Vergeltung anzudrohen, er

einem Aggressor einen so hohen Preis auferlegen kann, daß er i n keinem
Verhältnis zu den möglichen Gewinnen aus einer Aggression s t e h t .
Fähigkeit

Diese

zur Vergeltung, die von manchen Leuten a l s Gleichgewicht

Schreckens bezeichent

wird,

soll

des

dazu dienen, einen Krieg zwischen Ost

und Vtest zu verhüten.
Unter diesen Prämissen haben wir Begrenzungen der Raketenabwehr-Raketensysteme gefordert und zugestimmt.

Die Begrenzungen bestärkten dieses

Konzept

gewährleisten, daß selbst

der Abschreckung, indem sie

für

den

F a l l , daß eine Seite einen entwaffnenden Erstschlag f ü h r t , die überlebenden Waffensysteme der anderen Seite i n der i_age wären, zu ihren Z i e l e n
durchzudringen und massive Schäden anzurichten.
Diese Form der Abschreckung auf der Basis der beiderseitigen Verwundbarkeit

hat

sich bisher a l s e r f o l g r e i c h erwiesen, einen Krieg

Ost und Vtest zu verhindern.

zwischen

Aber es i s t auch eine unbestreitbare

Tat-

sache, daß aufgrund der raschen technologischen Entwicklungen und einer
massiven sowjetischen Aufrüstung das gegenwärtige System gewisse Schwächen aufweist - Schwächen, die i n Europa ebenso früh erkannt wurden wie
i n den Vereinigten Staaten.
tollen

wir zunächst einmal die g e i s t i g e n Grundlagen einer

Strategie

untersuchen, die auf der b e i d e r s e i t i g e n Verwundbarkeit b i s zur Vernichtung beruht.

Wie i c h b e r e i t s gesagt habe, s t ü t z t sich diese Form der Ab-

schreckung auf die v e r n ü n f t i g e , e i n s i c h t i g e Annahme, daß niemand eine bestimmte Handlung unternehmen w i r d , wenn es auf der Hand l i e g t , daß der
Preis sehr v i e l höher sein wird a l s der Nutzen, den man erwarten könnte.
Diese

Argumentation

�Diese Argumentation ist eine gute Grundlage auf den Gebieten von Handel und Finanzen.

Aber sie mag nicht die beste aller möglichen Formeln

für die internationalen Beziehungen sein, vor allem nicht für Beziehungen
zwischen Systemen, die so radikal verschieden sind wie Ost und West. Der
Banker und der Geschäftsmann arbeiten in einer vertrauten Umgebung und in
einem vertrauten Rahmen, innerhalb derer es relativ leicht ist, das Verhalten und die Absichten aller Beteiligten zu erkennen.

Aber wir müssen

uns doch fragen, wie gut wir die Denkweisen der Sowjets verstehen, und
inwieweit wir wissen, welche Risiken sie unter bestimmten Umständen einzugehen bereit sind.

Gleichzeitig müssen wir uns fragen, wie gut die So-

wjets uns und unseren Willen verstehen, Freiheiten zu verteidigen, die
ihnen völlig fremd sind.
Es gibt genug Gründe zu der Annahme, daß die Weisheit auf diesem Gebiet nicht unfehlbar ist.

Haben die Vereinigten Staaten beispielsweise

1962 mit dem kühnen Spiel Chruschtschows gerechnet, heimlich Raketen nach
Kuba zu schaffen?

Und hat Chruschtschow mit einer so kühnen Reaktion

Präsident Kennedys auf den Versuch gerechnet, das strategische Gleichgewicht zu verändern?

Die Antwort auf beiden Seiten lautet:

Nein.

So ha-

ben also beide Seiten eine Sache, bei der es um ihre internationale Sicherheit ging, falsch eingeschätzt.

Nach dem gegenwärtigen Muster der Abschreckung, vor allem in Krisenzeiten, erfordert Stabilität, daß die Sowjets die Absichten und Fähigkeiten des Westens nicht falsch einschätzen.

Stabilität setzt auch voraus,

daß wir im Westen die sowjetischen Motivationen und Fähigkeiten verstehen.

Die

augenfälligen Unterschiede

zwischen unseren konkurrierenden

Ideologien erschweren die Erfüllung dieser Voraussetzung ungemein.

Da es doch um so viel geht, sollten wir uns daher zu Recht fragen, ob
es für uns im Westen notwendig oder klug ist, sich auf ewig auf etwas zu
verlassen, was General Talenskij als einen "höchst subjektiven und unbestimmten Faktor" bezeichnet hat, d.h. auf unsere unvollkommene Erkenntnis
der Ziele und der Risikobereitschaft der anderen Seite.

Es ist sicher-

lich angebracht, ohne Aufgabe dessen, was wir haben, nach einem besseren

�einem besseren Weg zu suchen, wenn eine bessere Form der Abschreckung gefunden werden kann.

Die Abschreckung bleibt für unsere Sicherheit und für die Erhaltung
des Friedens unerläßlich.

Aber ich bin überzeugt, wir sind alle der Mei-

nung , daß es besser wäre, dem Aggressor seine Ziele zu verwehren, als uns
nur auf unsere Fähigkeit
bestrafen.

zu verlassen, ihn

für seine Aggression zu

Unsere Völker erwarten von ihren Regierungen, daß sie sie vor

einem Angriff schützen und nicht nur, daß sie in der Lage sind, zurückzuschlagen, wenn sie angegriffen werden.

Es ist genau diese Aussicht auf eine wirksamere Abschreckung, die
durch die Forschung auf dem Gebiet der strategischen Verteidigung geboten
wird.

Wir untersuchen - völlig im Rahmen bestehender Rüstungskontrollab-

kommen - die Möglichkeit, ob Verteidigungstechnologien es uns erlauben
werden, den Preis für einen Angriff auf die Vereinigten Staaten und ihre
Verbündeten so hoch zu treiben, daß kein Aggressor sich einen solchen Angriff vorstellen könnte.

Wenn unsere Forschung ergeben sollte, daß eine

wirksame Verteidigung machbar ist, dann wäre diese Verteidigung selbstverständlich gegen Offensivraketen und nicht gegen die Bevölkerung gerichtet.

Und sie würde den Hauptschwerpunkt auf nichtnukleare und nicht

auf nukleare Technologien legen.

Die Debatte über SDI, soweit sie Europa berührt, ist bis zu einem
Punkt angeschwollen, an dem die Gefahr besteht, daß einige der simplen
Wahrheiten bezüglich dieses Forschungsprogramms einfach verwischt werden.

Die Debatte in Demokratien neigt häufig dazu, zu übertreiben und

Probleme bis zur Unkenntlichkeit zu dramatisieren.

Wir alle, die demo-

kratische Institutionen hoch schätzen, sind aufgerufen, die öffentliche
Meinung niemals außer acht zu lassen und ständig mit einem Gefühl der Realität und Verantwortlichkeit an sie zu appellieren.

Lassen Sie mich

versuchen, in diesem Sinne die SDI-Debatte in eine ausgewogenere Perspektive zu rücken.

Stellen Sie sich

�S t e l l e n Sie sich b i t t e mit mir v o r , keiner von uns hätte j e etwas von
SDI gehört, sondern wir unternähmen nur eine nüchterne Analyse der s t r a tegischen Probleme, vor denen wir heute im testen aufgrund der s o w j e t i schen Militärmacht stehen.
Das erste unserer Probleme bestünde d a r i n , da(3 es deutliche Anzeichen
dafür g i b t , daß die Sowjetunion ihre m i l i t ä r i s c h e Strategie nicht auf das
gründet, was unserer Ansicht nach eine b e i d e r s e i t i g vereinbarte Prämisse
der Abschreckung

und gegenseitig

gesicherten Zerstörung war.

Im Jahr

1972 t r a t e n wir unter SALT I dem ABM-Vertrag b e i , der dem Aufbau von Verteidigungsanlagen strenge Begrenzungen aufgrund jener Theorie a u f e r l e g t e ,
wonach es den j e w e i l i g e n nuklearen Offensivwaffen möglich sein
durch ihre Fähigkeit

sollte,

zur Vergeltung vor einer Aggression abzuschrecken.

Die Lebensfähigkeit des ABM-Vertrags hing i n entscheidendem Maß von bet r ä c h t l i c h e n Verringerungen der strategisch-nuklearen Offensivwaffen a b ,
und unser SALT I-Unterhändler betonte dies damals auch.
Leider kam es zu diesen Begrenzungen bei den Offensivwaffen

nicht.

Stattdessen begann die Sowjetunion mit der größten m i l i t ä r i s c h e n A u f r ü stung der Geschichte.

Seit den frühen siebziger Jahren hat die Sowjet-

union d r e i

neue Typen von b a l l i s t i s c h e n

disloziert,

dazu acht verbesserte Versionen bestehender ICBM, fünf neue

Typen

seegestützter

ballistischer

Interkontinentalraketen

Kernwaffen

(SLBM),

fünf

(ICBM)

verbesserte

Versionen bestehender SLBM und einen neuen Interkontinentalbomber.
Gegensatz
disloziert,

hierzu

haben die

Vereinigten

Staaten keine

Im

neuen ICBM-Typen

nur einen neuen Typ von Atomunterseebooten, nur einen neuen

Typ unterseebootgestützter

Raketen und keine neuen Typen eines schweren

Bombers.
Das zweite Problem bestünde i n der Tatsache, daß die Sowjetunion sich
nicht an den ABM-Vertrag gehalten hat.

Die Sowjets haben - i n e i n d e u t i -

ger Vertragsverletzung - eine r i e s i g e Radaranlage bei Krasnojarsk i n S i b i r i e n gebaut.

Und sie haben eine Reihe weiterer Maßnahmen e r g r i f f e n ,

die uns Anlaß zur Sorge geben, daß sie womöglich dabei s i n d , eine landesweite

Verteidigung

gegen

Interkontinentalraketen
- 6 -

vorzubereiten

-

dies

�vorzubereiten - dies trotz ihrer Verpflichtung aus dem Jahr 1972 zum Gegenteil.

Das dritte Problem unserer Analyse besteht darin, daß die Sowjetunion
beim Ausbau ihrer Defensivkapazitäten äußerste Aktivität zeigt.

Sie be-

sitzt das einzige einsatzbereite ABM-System der Welt und hat es gerade
modernisiert.
stem der
Welt.

Sie besitzt das einzige einsatzbereite Antisatellitensy-

Vtelt.

Sie hat das umfassendste Luftverteidigungssystem der

Und sie hat gewaltige Mittel auf die passive Verteidigung zum

Schutz ihrer Führung, ihres Befehlsund Leitsystems, ihrer Industrie und
ihrer Bevölkerung verwandt.

Im Lauf der letzten 20 Jahre hat die So-

wjetunion in etwa so viel für die Defensive wie für die Offensive ausgegeben - ein klarer Hinweis darauf, daß die Gedanken von Generalmajor
Talenskij in seinem Land fortleben.

Das vierte Problem ist das noch intensivierte Forschungsprogramm der
Sowjets auf dem Gebiet der strategischen Verteidigung.

In vielen Fällen

geht diese Forschung von einer fortgeschrittenen technologischen Basis
aus.

So ist zum Beispiel die Laser-Forschung schon sehr weit vorangekom-

men; so teilten sich ein amerikanischer und zwei sowjetische Wissenschaftler einen Nobelpreis für die Erfindung des Laser.

Es ist daher

ironisch - und natürlich für uns unannehmbar -, daß die Sowjetunion oberste Priorität darin sieht, unser SDI-Programm zu verbieten, während es
der sowjetischen Forschung möglich sein soll, ungehindert fortzufahren.

Diese vier Probleme liegen der Entscheidung von Präsident Reagan zugrunde , die Forschung auf dem Gebiet der strategischen Verteidigung zu
intensivieren.

Ich benutze das Wbrt "intensivieren", weil wir bereits

ein Forschungsprogramm hatten, als Präsident Reagan sein Amt antrat. Angesichts der vier von mir genannten Probleme wäre es in der Tat für jeden
amerikanischen Präsidenten unklug gewesen, diese Forschung nicht fortzuführen.

Das bringt mich zu dem Hinweis, daß wir ein Forschungsprogramm durchführen.

Eine Entscheidung über eine Fortführung der strategischen Ver- 7 -

�strategischen Verteidigung steht e r s t nach Jahren an; sie wird v i e l l e i c h t
von Präsident Reagans Nachfolger g e t r o f f e n werden, aber sie wird s i c h e r l i c h noch nicht unter Präsident Reagan selbst entscheidungsreif s e i n . Und
ich muß auch betonen, daß die Entscheidung i n keinster
stimmt i s t .

Es g i b t eine Menge Beispiele

für

Heise vorherbe-

Waffensysteme, bei denen

die Forschung abgeschlossen wurde, die aber n i c h t d i s l o z i e r t oder beibehalten wurden.

Der B-70-Bomber und unser eigenes ABM-Systgem sind h i e r -

für gute B e i s p i e l e .

Es wird auch keine Entscheidungen über SDI ohne gründliche Gespräche
und Konsultationen mit unseren Verbündeten geben.

Es gab b e r e i t s

inner-

halb der NATO eine ganze Reihe e r n s t h a f t e r Diskussionen über SDI.

Wir

haben b e r e i t s unsere Verbündeten zur Teilnahme an der wissenschaftlichen
Forschung eingeladen.

Wir begrüßen Vorschläge, Ratschläge und auch Be-

denken unserer Verbündeten.

Wir glauben f e s t an die strategische Einheit

des westlichen Bündnisses; g l e i c h , wie sie sich e n t w i c k e l t , muß SDI e i n
Faktor der Stärkung dieser Einheit s e i n .

Stärkt SDI diese Einheit

nicht,

wird sie nicht w e i t e r v e r f o l g t .
Lassen Sie mich auch dies betonen:

Wir setzen eine Forschung

fort,

die i n vollem Einklang mit dem ABM-Vertrag steht - wie auch mit a l l e n anderen Rüstungskontroll-Verpflichtungen,

die

wir

eingegangen sind -

und

dies wird auf Anordnung von Präsident Reagan auch so bleiben.
In einem A r t i k e l i n der Prawda i n diesem Jahr e r k l ä r t e der
ische Marschall Akromejew, daß SDI "nicht mit den P r i n z i p i e n
i s t , die die Grundlage des ABM-Vertrages b i l d e n . "
ne Behauptung, die i n hohem Maß ambivalent i s t .

sowjet-

vereinbar

Dies i s t n a t ü r l i c h e i Aber lassen Sie mich dem

die klare und unzweideutige Erklärung eines Mannes s t e l l e n , f ü r den Mars c h a l l Akromejew einmal a r b e i t e t e .
minister Gretschko -

gleichfalls

Im Jahr 1972 e r k l ä r t e Verteidigungsi n der Prawda - ,

daß der ABM-Vertrag

"keine Begrenzungen f ü r Forschung und Experimente a u f e r l e g t , die darauf
abzielen,

das Problem der Verteidigung

des Landes gegen einen

Angriff

durch Atomraketen zu l ö s e n . "

Ich wiederhole, daß unsere Forschung keine

Verletzung

oder

des

ABM-Vertrages

irgendeiner

- 8 -

anderen

internationalen

�anderen internationalen Verpflichtung darstellt, die wir eingegangen sind.

Was wäre schließlich, wenn wir in einigen Jahren, nach Abschluß unserer Forschungen, nach Konsultation unserer Verbündeten und in vollem Einklang mit dem ABM-Vertrag, zu der Überzeugung kommen würden, die strategische Verteidigung könne zu einer besseren Welt führen?

Wir würden dann

in Konsultationen, wenn angemessen, Verhandlungen, mit der Sowjetunion
darüber eintreten, wie die Abschreckung für beide Seiten durch schrittweise Eingliederung der Denfensivsysteme
beider Seiten verbessert werden könnte.

in die Streitkräftestrukturen
Wir haben schon jetzt den Vor-

schlag unterbreitet, Gespräche über dieses Thema zu beginnen.

Sollten wir uns in Zukunft für SDI entscheiden, würden Abschreckung
und Stabilität das strategische Konzept sein, anhand dessen wir den Wert
der strategischen Verteidigung messen könnten.

SDI bedeutet nicht An-

griff, sondern Abschreckung; sie ist ein Versuch, einen Wag zu finden, um
die Abschreckung mit Hilfe der modernen Technologie zu verbessern.

Präsident Reagan drückt es so aus:

"Langfristig gesehen sind wir zuversichtlich, daß SDI ein entscheidendes Mittel dabei sein wird, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion ohne Sorge umfassenden Verringerungen und schließlich sogar der
Beseitigung der Interkontinentalraketen und der Kernwaffen zustimmen können, über die sie derzeit verfügen."

Das Bild, das ich gezeichnet habe, ist kein revolutionäres.

Sicher,

es ist ein Bild revolutionärer Technologien, Technologien, die den Wissenschaftler wie auch den Laien faszinieren, weil sie neue Grenzen für
den menschlichen Geist eröffnen.

Aber es ist kein Bild revolutionärer

Ziele - unser Ziel ist und bleibt eine sicherere und stabilere Welt. Und
es ist auch kein Bild revolutionärer Strategien - die Strategie hinter
SDI bleibt die akzeptierte NATO-Strategie der Abschreckung.

Und es ist

auch kein Bild der revolutionären Beziehungen - unsere Partnerschaft mit
unseren Verbündeten bleibt Eckstein unserer Bemühungen bei SDI wie bei

�wie bei allen anderen Elementen unserer strategischen Politik.

Was ich gesagt habe, soll nicht bedeuten, daß SDI nicht auch eine
Herausforderung für unser Bündnis beinhaltet.

Natürlich gibt es Heraus-

forderungen für die NATO-Strategie, Herausforderungen für die europäische
Einigung, Herausforderungen für die Natur der Sicherheitsgarantien der
Vereinigten Staaten für Europa.
solchen Problemen.

Aber wir standen auch bisher schon vor

Und wir standen vor ihnen in den sechziger Jahren bei

der Debatte über die Strategie der flexiblen Antwort.

Wir standen vor

ihnen in den siebziger Jahren bei der Debatte über die nuklearen Mittelstreckensysteme.

Ich zweifle nicht daran, da wir diese neue Herausfor-

derung überwinden werden, wie wir dies auch bei den früheren Herausforderungen getan haben - mit Kreativität, mit Entschlossenheit und mit dem
aufrichtigen Wünsch nach Frieden.

* * * * *

- 10 -

�17. J u l i 1985

28

CHRONOLOGIE DER EREIGNISSE: IN AFGHANISTAN
- 2 . Q u a r t a l 1985 -

9. April 1985
Afghanische

Widerstandskämpfer

g r i f f e n Ende März zwei große Versor-

gungskonvois südlich des strategisch wichtigen Salang-Straßentunnels a n ,
wobei mehrere hundert Soldaten getötet sowie 90 b i s 115 LkW, Tanklastzüge
und gepanzerte Fahrzeuge vernichtet wurden.

Dies berichteten

Diplomaten und Mujahedin-Sprecher i n Islamabad.

westliche

Aufgrund dieser Berichte

hat der Kommandeur der Mujahedin im Panjsher-Tal, Ahmad Shah Masood mit
H i l f e einer Zeitbombe i n einem Konvoi eine Reihe von Explosionen ausgelöst.

Der zweite Konvoi wurde während eines dreistündigen Kampfes am 30.

März am Eingang des Tales v e r n i c h t e t .

17. April
US-Senator Gordon Humphrey aus New Hampshire, der Kovorsitzende der
ü b e r p a r t e i l i c h e n Arbeitsgruppe f ü r Afghanistan im amerikanischen Kongreß ,

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�amerikanischen Kongreß, brachte eine Gesetzesvorlage ein, die von 17 weiteren Senatoren unterstützt und in der die Aufhebung der Meistbegünstigungsklausel für Afghanistan gefordert wird.

(Eine ähnliche Vorlage wur-

de am 15. Mai im amerikanischen Repräsentantenhaus vorgelegt).

Die af-

ghanischen Exporte nach den Vereinigten Staaten beliefen sich im Jahr
198A auf 12,9 Millionen Dollar - etwa zwei Prozent der Gesamtexporte des
Landes.

Die amerikanischen Exporte betrugen 7,3 Millionen Dollar.

23. - 25. April
Das Regime i n Kabul veranstaltete e i i e dreitägige Große Ratsversammlung -

ein traditionelles

Stammestreffen, das s e i t

dem kommunistischen

Staatsstreich von 1978 nicht mehr einberufen worden war.
Mujahedin-Sprecher

in

Pakistan

erklärten,

die

1796 Delegierten

weitgehend von dem Babrak Karmal-Regime ausgesucht
versuchen w o l l e ,

die

Unterstützung

Diplomaten und
seien

worden, das dadurch

der Außen- und I n n e n p o l i t i k

Kabuls

durch das Volk zu demonstrieren.
26. A p r i l
I n Neu Delhi gab Muhammed Yusuf Azim, eines der fünf M i t g l i e d e r des
Obersten Gerichtshofes Afghanistans, bekannt, daß er sich nach Indien abgesetzt habe.

Der Richter e r k l ä r t e , einige seiner jüngsten Entscheidun-

gen hätten ihm scharfe Warnungen eingebracht, so daß er seine Verhaftung
fürchten mußte.

Der Richter e r k l ä r t e

f e r n e r , er würde beim UN-Hochkom-

missar

für

das Flüchtlingswesen um einen Status a l s F l ü c h t l i n g nachsu-

chen.

Ihm seien zumindest 100 Todesurteile bekannt, die von speziellen

Revnlutionsgerichten i n Kabul g e b i l l i g t v/orden seien.
seien v o l l s t r e c k t

Zahlreiche U r t e i l e

worden, ohne daß zuvo:r der Oberste Gerichtshof

unter-

r i c h t e t worden s e i .
30. A p r i l
Mehrere hundert afghanische Zivilisten wurden Ende März und im April
von sowjetischen Truppen und Angehörigen der afghanischen Armee im Rahmen

�im Rahmen von Vergeltungsmaßnahmen i n der ö s t l i c h e n Provinz Laghman, sowie i n den Provinzen Kunduz und Samangan im Norden des Landes und i n der
Provinz

Herat

im

Vtesten Afghanistans

getötet.

festliche

diplomatische

Kreise i n Islamabad b e r i c h t e t e n , daß die A n g r i f f e auf die Z i v i l b e v ö l k e rung im Frühling dieses Jahres an I n t e n s i t ä t und Grausamkeit zugenommen
hätten.
2. Mai
Im Jahresbericht des Internationalen Instituts für Strategische Studien in London heißt es, der Krieg in Afghanistan werde weitergehen, wobei keine Seite den Sieg erringen werde. Die Sowjetunion, so wird in dem
Bericht weiter erklärt, weigere sich, irgend eine Änderung in der Natur
und der Zusammenstzung des Regimes in Kabul in Erwägung zu ziehen, die
möglicherweise zu einem Verlust der Kontrolle führen könne.

Die sowjet-

ischen Truppen hätten in fünf Jahren zwischen 20 000 und 25 000 Mann an
Verlusten gehabt;

die Stärke der afghanischen Armee habe sich aufgrund

von Desertionen und Einberufungsentziehungen von 90 000 auf 40 000 Mann
vermindert.

Dagegen hätten die Mujahedin ihre Kampfstärke und militär-

ische Koordination trotz der anhaltenden Meinungsverschiedenheiten zwischen den verschiedenen afghanischen politischen Parteien im Ausland vergrößert.

6. Mai
Der sowjetische Botschafter Witaliy Smirnow, erklärte vor Journalisten in Islamabad, 12 sowjetische und 12 afghanische Soldaten seien am
27. April getötet worden, als sie versuchten, aus einem Gefängnis in Zangali in der Nähe von Peschawar zu fliehen.

Pakistan wies später sowjet-

ische und afghanische Proteste zurück, '«onach Provokateure von Afghanistan aus auf afghanische Flüchtlinge in Matanni in der Nähe von Peschawar
gefeuert hätten und durch eigene Explosivstoffe umgekommen seien.

1A. Mai

�14. Mai

Westliche diplomatische Kreise erklärten in Islamabad und Neu Delhi,
eine

sowjetische Einsatzgruppe

von Panzern und gepanzerten Fahrzeugen

hätten in der Provinz Laghman über 1000 Zivilisten getötet, weil diese
die Mujahedin unterstützt hätten.

15. Mai

Nach Mitteilung

pakistanischer

Regierungsvertreter

haben sich die

Luft- und Artillerieangriffe der Sowjets und des Regimes in Kabul auf pakistanisches Gebiet entlang der nordwestlichen Grenze Afghanistans in
diesem Jahr verdoppelt.

Die "New York Times" berichtete, bis zu diesem

Zeitpunkt im Jahr 1985 sei der pakistanische Luftraum 83 mal verletzt
worden, verglichen mit 88 Luftraumverletzungen im gesamten Vorjahr.

16. Mai

Sieben afghanische politische Parteien, die zuvor in zwei Bündnisse die "Fundamentalisten" und die "Gemäßigten" geteilt waren, haben sich in
einem neuen Bündnis zusammengeschlossen.

Dies geht aus einer gemeinsamen

Erklärung hervor, die die Parteiführer auf einer Pressekonfrenz in Peschawar verlasen.

Der islamische Widerstand Afghanistans, so wurde in

der Erklärung betont, habe einen "überaus sensitiven Punkt" erreicht.
Die Parteien hätten beschlossen, "ihre Kräfte in einer vereinten Front
gegen einen gemeinsamen Feind zu mobilisieren und ihre internen Meinungsverschiedenheiten beizulegen".
Anerkennung bemühen.

Sie wollten sich ferner um internationale

Eine Exilregierung wurde jedoch nicht eingesetzt.

Drei weitere Parteien schlössen sich der neuen Organisation nicht an.

17. Mai
Der S t e l l v e r t r e t e n d e UN-Generalsekretär Diego Oordovez wird Ende Mai
einer M i t t e i l u n g der Vereinten Nationen z u f o l g e , mit V e r t r e t e r n i n I s l a mabad und Kabul über eine v i e r t e Runde i n d i r e k t e r Gespräche i n Genf mit

�Genf mit dem Z i e l einer umfassenden p o l i t i s c h e n Lösung der Afghanistanfrage beraten.
tagt worden.

Eine frühere Gesprächsrunde war i n Genf im Februar

ver-

Die Gespräche waren im Jahr 1982 gemäß einer Resolution der

UN-Vollversammlung aufgenommen worden.
28. Mai
Laut Berichten diplomatischer Kreise und Sprecher der Mujahedin haben
Tausende von sowjetischen

und afghanischen Soldaten, u n t e r s t ü t z t

durch

L u f t s t r e i t k r ä f t e und Panzer, i n der Kunar-Provinz eine großangelegte Offensive
sollte

eingeleitet.

Die

Operation, die

bisher

größte

dieses

Jahres,

sich auf das Kunar-Tal konzentrieren, das i n das C h i t r a l - T a l

Pakistan einmündet.

in

Z i e l dieser Offensive sei e s , die Mujahedin und ihre

Vorräte abzuschneiden und die i n Grenznähe gelegene Garnison Barikowt zu
entsetzen, die s e i t Herbst vergangenen Jahres eingeschlossen i s t .
3 1 . Mai
Der S t e l l v e r t r e t e n d e UN-Generalsekretär Diego Cordovez g i b t

bekannt,

daß Ende Juni die v i e r t e Runde der Gespräche über e i n Afghanistan-Abkommen i n Genf s t a t t f i n d e n s o l l .
Islamabad m i t ,

nachdem er

Oordovez t e i l t e

zuvor dort

sowie

dies vor Journalisten

in

In Kabul Konsultativbespre-

chungen geführt hat.
Pakistanische RegierungsVertreter e r k l ä r t e n , daß sowjetische und a f ghanische Flugzeuge bei v i e r Gelegenheiten i n den Luftraum über der nordwestlichen Grenzprovinz, zum T e i l bis zu 14 Kilometern eingedrungen s e i en. Diese Flugzeuge hätten die Ortschaft Swir im C h i t r a l - T a l bombardiert,
wobei e l f Personen getötet und 32 verwundet worden seien.
gegen diese Bombardierungen Protest e i n .

Pakistan legte

Das amerikanische Außenministe-

r i j m bezeichnete diese A n g r i f f e a l s einen rücksichtslosen "Akt" und f o r derte erneut die Lösung des Afghanistanproblem:; am Verhandlungstisch.

2.

Juni

�2. Juni
Die "Washington Post" t e i l t e
Regierungsvertreter
nistan s e i t

m i t , daß amerikanische und sowjetische

Ende Juni i h r erstes

d r e i Jahren führen wollen.

"Expertengespräch" über AfghaDieses Zusammentreffen fände im

Rahmen b i l a t e r a l e r Gespräche über regionale Probleme s t a t t , wie dies Präsident Reagan i n seiner Ansprache vor der UN-Vollversammlung im September
vergangenen Jahres vorgeschlagen h a t t e .
4. Juni
Der S t e l l v e r t r e t e n d e

UN-Generalsekretär

Diego

Dbrdovez e r k l ä r t e

auf

einer Presskonferenz i n New York, daß die nächste Gesprächsrunde über A f ghanistan am 19. oder 20. Juni s t a t t f i n d e n s o l l t e n .

Er betonte, daß sich

bei den mit diesem Problem befaßten Personen die Erkenntnis durchzusetzen
beginne, daß es keine m i l i t ä r i s c h e Lösung für das Afghanistanproblem gäbe.

Dieses Problem könne nur diplomatisch und p o l i t i s c h gelöst werden.

4. b i s 8. Juni
Die i n der vergangenen Ifoche begonnenen Offensive mit dem Z i e l ,
afghanischen Mujahedin

und

ihre

Gefolgsleute

in

der

Kunar-Provinz

die
im

Osten des Landes zu v e r n i c h t e n , scheint die bisher größte dieses Jahres
zu sein.

In Berichten aus Islamabad hieß e s , etwa 10 000 sowjetische

Truppen seien an dieser Operation, die von sowjetischen Spezialeinheiten
g e l e i t e t werden, eingesetzt.
die

eingeschlossene

Grenze e r r e i c h t .

Garnison

Sowjetische Panzer hätten Berichten zufolge
Barikowt

in

der

Nähe der

pakistanischen

Ein Sprecher der Mujahedin e r k l ä r t e , die Freiheitskämp-

f e r hätten schwere Verluste e r l i t t e n , große Landstriche seien verwüstet
worden und Hunderte von Flüchtlingen seien nach Pakistan geflohen.
1 1 . Juni
I n Berichten aus Islamabad heißt e s , die Kämpfe im Kunar-Teil h i e l t e n
a n , einige sowjetische S t r e i t k r ä f t e

seien jedoch dabei, sich aus der Re-

�der Region zurückzuziehen.

Eine genaue Beurteilung der seit drei Wichen

andauernden Kämpfe könne noch nicht erfolgen, doch hätten beide Seiten
schwere Verluste hinnehmen müssen.

13. Juni
Der indische Ministerpräsident
offiziellen
politische

Besuches i n

Rajiv Ghandi forderte während seines

Washington vor dem amerikanischen Kongreß

Lösung des Afghanistanproblems, und e r k l ä r t e , er

die I n i t i a t i v e des UN-Generalsekretärs zu diesem Zweck.

eine

unterstütze

Er t r e t e für e i -

ne p o l i t i s c h e Lösung e i n , so e r k l ä r t e der indische M i n i s t e r p r ä s i d e n t , die
die Souveränität, I n t e g r i t ä t und Unabhängigkeit und den b l o c k f r e i e n Status Afghanistans garantiere und den Flüchtlingen die Möglichkeit

biete,

sicher und ehrenhaft i n i h r Land zurückzukehren.
18. Juni
Nach diplomatischen Quellen i n Islamabad wurden am 12. Juni auf dem
großen Luftstützpunkt Shindand i n der Provinz Farah 20 afghanische F l u g zeuge i n die Luft gesprengt.

Es bestand -&lt;eine K l a r h e i t darüber, ob diese

Aktion das Ergebnis eines Mujahedin-Angriffes
Luftstützpunkt

auf den schwer bewachten

war oder möglicherweise Sabotage.

( I n einem späteren Be-

r i c h t wurde b e s t ä t i g t , daß es sich um Sabotage gehandelt habe.)
Die unter sowjetischer Führung stehende Streitmacht von 10 000 Soldaten i n der Kunar-Provinz b r i c h t möglicherweise ihren s e i t v i e r Wichen anhaltenden Einsatz zur Zerstörung von Stützpunkten der Mujahedin und zum
Abschneiden der I n f i l t r a t i o n s w e g e ab.

Nach diplomatischen Quellen i n I s -

lamabad e r l i t t e n die Angreifer Verluste von etwa 800 Mann; die Anzahl der
Toten i s t nicht bekannt.
18. bis 19. Juni
Amerikanische und sowjetische Regierungsvertreter t r a f e n i n Washington zu ihrem ersten o f f i z i e l l e n Afghanistangespräch s e i t d r e i Jahren z u -

�Jahren zusammen.

Das amerikanische Außenministerium bezeichnete die Er-

örterungen als offen und sachlich.

Die Washington Post zitierte einen

Vertreter des State Department mit den Werten, daß die Sowjetunion ihren
bekannten Standpunkt wiederholt und erklärt habe, Genf sei der Ort wo
Bewegungen in dieser Frage erwartet werden sollten.

20. bis 25. Juni
V e r t r e t e r Pakistans und Afghanistans werden am 27. August nach Genf
zurückkehren, um die v i e r t e Gesprächsrunde über eine umfassende Lösung
des Afghanistanproblems wieder aufzunehmen, e r k l ä r t e r der S t e l l v e r t r e t e n de UN-Generalsekretär Diego Gordovez vor der Presse, i n Genf.

Er war zu

getrennten Gesprächen mit der pakistaniscnen und der afghanischen Delegat i o n zusammengetroffen.
Stellvertretende

Die soeben beendeten Gespräche, so e r k l ä r t e der

UN-Generalsekretär,

hätten

sich

auf

Vertragsentwürfe

k o n z e n t r i e r t , mit deren H i l f e eine endgültige Lösung herbeigeführt werden
könne.

Eine Reihe schwieriger p o l i t i s c h e r Entscheidungen müsse von den

betroffenen Parteien noch g e t r o f f e n werden, doch seien F o r t s c h r i t t e

er-

z i e l t worden.
25. Juni
Diplomaten i n Islamabad sprachen davon, daß eine Gruppe verärgerter
und unzufriedener

Offiziere

der

afghanischen L u f t s t r e i t k r ä f t e

etwa

20

Flugzeuge auf dem Luftstützpunkt Shindand i n die L u f t gesprengt h ä t t e n .
Die Saboteure seien h i n g e r i c h t e t worden.

Es hieß, diese O f f i z i e r e hätten

Sabotage b e t r i e b e n , w e i l d r e i afghanische P i l o t e n , die i n Herat im Norden
des Landes s t a t i o n i e r t

waren, Anfang dieses Jahres h i n g e r i c h t e t

worden

s e i e n , weil sie i h r e Bomben auf WJ'stengebiete s t a t t auf afghanische Dörfer abgeworfen hätten.
Diplomatische

Quellen

berichteten

ferner,

daß sich

die

Kämpfe

im

Panjsher-Tal i n der l e t z t e n Zeit i n t e n s i v i e r t hätten und daß e i n a f g h a n i scher
worden

General M i t t e
sei.

Am 28.

des Monats entweder
Juni

wurde

in
- 8 -

getötet

Kabul der

oder

gefangengenommen

Tod von

Brigadegeneral

�von Brigadegeneral Ammaduddin, dem Stabschef des 1. Armeekorps, bekanntgegeben, der auf dem "Schlachtfeld" gefallen sei.
"großen Verlustes" wurden nicht bekannt.

* * * * *

- 9-

Nähere Umstände dieses

�28

17. J u l i 1985

HELFER UNTER WASSER
Roboter für Arbeiten i n großer Meerestiefe -

- (AD) - Was zunächst aussichtlos e r s c h i e n , wurde mit H i l f e eines Unterwasser-Roboters

nun doch e r r e i c h t

-

die Auffindung und Bergung von

Flugschreiber und Cockpit-Recorder des am 23. Juni 1985 vor der

irischen

Küste abgestürzten Großraumflugzeugs der F l u g l i n i e

Von den

AIR INDIA.

Aufzeichungen der Instrumente, mit denen Daten von sämtlichen Flugbewegungen und betriebstechnischen D e t a i l s sowie die Äußerungen der Besatzung
i n der Pilotenkabine auf Magnetband festgehalten werden, e r h o f f t die Untersuchungskommission Hinweise auf die mögliche Ursache der Katastrophe.
Sie kam ohne jede Vorwarnung und kostete a l l e n 329 Insassen das Leben.
Am 10. und 1 1 . J u l i holten Spezialisten an Bord eines

französischen

Kabellegeschiffes, die im Auftrag eines i n t e r n a t i o n a l e n Firmenkonsortiums
den i n den USA gebauten Roboter SCARAB normalerweise zum Aufspüren von
Schadstellen, zum Reparieren und Neuverlegen von Transatlantikkabeln benutzen, die elektronischen Dokumente vom Meeresboden i n mehr a l s 2000 m

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�a l s 2000 m T i e f e .

Dies war das erste M a l , daß der über e i n 3000 m langes

Versorgungskabel vom S c h i f f aus ferngesteuerte Roboter i n so großer Wassertiefe operierte.

Er wird über das Kabel mit Strom gespeist, bekommt

die Kommandos für Fortbewegung, Einsatz

von Fernsehkamera und Sonarsy-

stem, f ü r die e l e k t r i s c h e Betätigung der "Arme" und die hydraulische Aktivierung ihrer Greifer.

Auf gleichem Vteg gelangen die Daten und Fern-

sehaufnahmen aus der Tiefe zurück i n die Steuerungs- und Beobachtungszentrale

an Bord des S c h i f f e s .

Der Roboter hat die Ausmaße eines K l e i n -

l a s t e r s und wiegt ca. 2,8 Tonnen.

SCARAB (Abkürzung
Burial" -

Hilfsgerät

für

"Submersible

Craft

for

Assisting

Repair

and

f ü r Unterwasserreparatur und Verlegearbeit am Mee-

resgrund) i s t einer von mehreren Robotertypen, die für bestimmte Einsatzbereiche entwickelt wurden und weiter verbessert werden.
Menschen ersetzen, wenn für
sind.

ihn die Bedingungen vor Ort

Sie s o l l e n den
zu

gefährlich

So werden beispielweise nach dem S t a r t eines Raumtransporters am

Kap Canaveral die ausgebrannten und abgesprengten Raketen mit ferngesteuerten U-Fahrzeugen aus dem A t l a n t i k geborgen.
für

Unterwasserinspektionen

Andere Roboter setzt man

bei bestimmten nuklearen Systemen e i n .

Na-

t ü r l i c h stehen auch bekannte Klein-U-Boote, etwa f ü r Aufgaben im Rahmen
meereskundlicher
Verfügung.

Forschungen oder f ü r

Inspektionen an "Ölplattformen zur

Aber deren Operationsfähigkeit i s t i n bezug auf Zeit und T i e -

fe meist r e l a t i v begrenzt.
Die Bestrebungen der Entwicklungsingenieure

gehen d a h i n , die unbe-

mannten U-Fahrzeuge s c h l i e ß l i c h von der Nabelschnur zum Versorgungsschiff
zu befreien und "autonom", d . h .
Mutterschiff,

in

der

Tiefe

mit möglichst

operieren

wenig I n s t r u k t i o n e n vom

zu lassen.

Gegenwärtig

befinden

sich i n den Vereinigten Staaten d r e i Grundtypen autonomer Unterwasserroboter (ARS - "Autonomous Robot Submersibles") i n der Entwicklung, b e r i c h t e t John Douglas i n der Z e i t s c h r i f t "High Technology".
Im Aussehen wie i n i h r e n Funktionen haben a l l e eine gewisse Ä h n l i c h k e i t mit Meereslebewesen.

Da i s t einmal der "Typ Hai" - schlank gebaut,

f ü r Vorwärtsbewegung und Schwebefähigkeit k o n s t r u i e r t , l e i s t u n g f ä h i g h i n - 2 -

�l e i s t u n g s f ä h i g h i n s i c h t l i c h Reichweite
digkeit,

i n erster Linie

( b i s etwa 1000 km) und Geschwin-

für Suche und Inspektion gedacht.

Allerdings

i s t zu wenig Raum für zusätzliche Energie; vorhanden, un den Schub zu e r höhen und um zusätzliche elektronische Ausrüstungen zu betreiben.
Gewicht
kleine

und

Widerstand

Manipulatorarme

niedrig

bleiben,

verwendbar.

Mit

sind

keine

dem Einsatz

Damit

oder

bestensfalls

für

kommerzielle

Zwecke i s t i n etwa d r e i bis fünf Jahren zu rechnen.
Für die US-Marine wurde b e r e i t s e i n " H a i " mit Schleppsystem gebaut,
der Objekte auf dem Meeresgrund noch i n 6 000 m Tiefe o r t e t und i d e n t i f i ziert.
sind.

Aus 300 m Abstand erfaßt er Objekte, die mindestens 90 cm groß
Das Fahrzeug i s t 60 m b r e i t und 4.2 m lang.

Die Automatik an Bord

des Mutterschiffes umfaßt die Signalverarbeitung, Aufzeichnung und Analyse von Daten aus der Tiefe sowie die Kontrolle des Seitensonar- und des
Schleppsystems.

Drei Transponder am Meeresgrund geben Fixpunkte für die

Navigation sowohl des M u t t e r s c h i f f s als such des Unterwasser-Hilfsgerätes
ab.
Ganz anders der "Typ Krabbe" - e i n starkes Gerät, das am Boden k r i e chen und fähig sein s o l l , schwere Lasten f ü r Bau-, Rettungs- und Reparaturarbeiten

zu

transportieren.

rückwärts bewegen.

Es würde

sich

hauptsächlich

vor-

Starke hydraulische Systeme würden einen oder

und
zwei

greiferähnliche Manipulatoren bewegen und auf 10 Zentimeter genau steuern.

Zwar käme die Energie auch h i e r über Kabel vom M u t t e r s c h i f f ,

aber

Computer im Unterwasserfahrzeug würden die meisten Operationen d i r i g i e r e n .
Die F o r t s c h r i t t e i n der Oomputergraphik könnten es sogar eines Tages
möglich machen, i n

den Speicher

des Unterwasser-Fahrzeugcomputers

eine

Zeichnung von dem gesuchten Objekt einzugeben und vor Ort die Konturen
des gefundenen Objekts mit den vom Computer gesteuerten Manipulatoren abtasten und auf diese

Weise i d e n t i f i z i e r e n zu lassen.

Dies lohnte

sich

vor allem bei starker Wassertrübung.
A l s d r i t t e n ARS-Typ nennen M i t a r b e i t e r eines Zentrums der US-Marine
die "Krake" - e i n vielarmiges, gut drehfähiges Gerät, das um Hindernisse

�um Hindernisse herummanövrieren kann. Drei oder mehr Elektromanipulatoren
mit austauschbaren Werkzeugen würden große Konstruktionssegmente unter
Wasser aufbauen oder reparieren.

Dieses Fahrzeug muß in der Lage sein,

sich um die eigene Achse zu drehen und sich sowohl horizontal als auch
vertikal zu bewegen.

Zwei oder mehr der Manipulatorarme würden es veran-

kern und stabilisieren, während die freien Arme die Arbeit verrichten und
dabei millimetergenau

operieren.

Die Schwierigkeiten zur

Verwicklung

solcher Pläne liegen gegenwärtig bei der Manipulatortechnik.

Geräte vom

"Typ Krake" dürften deshalb erst in etwa 15 Jahren, vom "Typ Krabbe" kaum
vor Ablauf von acht bis zehn Jahren einsatzfähig sein.

# * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA von sowjetischer Haltung in Genf enttäuscht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Pressesprechers des Weißen Hauses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Kampelmans zum Abschluss der zweiten Verhandlungsrunde in Genf&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;SDI aus der Sicht eines Unterhändlers&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Max M. Kampelman -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Chronologie der Ereignisse in Afghanistan&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- 2. Quartal 1985 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Helfer unter Wasser&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Roboter für Arbeiten in großer Meerestiefe -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>nfeimcilion
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

10. J u l i 1985

27

I N H A L T

DOKUMENTATION
Z i v i l i s i e r t e V ö l k e r müssen gegen T e r r o r i s m u s vorgehen
- Rede P r ä s i d e n t Reagans USA und G r o ß b r i t a n n i e n f o r d e r n E i n s t e l l u n g der Flüge nach B e i r u t
- E r k l ä r u n g von P r e m i e r m i n i s t e r i n Thatcher und V i z e p r ä s i d e n t Bush G i p f e l t r e f f e n kann Verbesserung der a m e r i k a n i s c h - s o w j e t i s c h e n
Beziehungen bewirken
- Pressekonferenz von US-Außenminister S h u l t z USA bedauern Mangel an F o r t s c h r i t t e n auf der KVAE
- E r k l ä r u n g des U S - D e l e g i e r t e n zum Abschluß der 6.

Sitzungsperiode

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Raumfähre "CWLLENG"ER" m i t Spacelab-Kombination
- P r o j e k t e zur E r f o r s c h u n g d e r Sonne, t i e f e r kosmischer B e r e i c h e
und der i r d i s c h e n Umwelt "INTELSAT" umspannt d i e Welt
- D i e n s t l e i s t u n g e n f ü r 160 Länder und T e r r i t o r i e n

-

Umweltschutz braucht neue Ideen
- I n t e g r i e r t e Programme k ü n f t i g im Vordergrund Themenindex Amerika D i e n s t 1985
* * * * *

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�10. Juli 1985

27

ZIVILISIERTE VÖLKER MÜSSEN GEGE^ TERRORISMUS VORGEHEN
- Rede Präsident Reagans -

WASHINGTON - (AD) - Am 8. Juli 1985 hielt Präsident Reagan vor der
Amerikanischen Anwaltskammer in Washington eine Rede, in der er die Gemeinschaft der zivilisierten Völker zum gemeinsamen Vorgehen gegen den
Terrorismus aufrief.

Die Ausführungen des Präsidenten haben folgenden

Wortlaut:

Ich freue mich, heute vor einem Berufsverband sprechen zu können, der
nicht nur der größte seiner Art auf der Walt ist, sondern sich auch ausschließlich einem Gegenstand widmet, der den Ausgangspunkt jeder freien
Gesellschaft bildet, einem Gegenstand, der zum Kern dessen zählt, was zivilisiertes Leben ausmacht:

dem Gesetz, unseren Gerichten und unserem

Rechtswesen und der Gerechtigkeit selbst.

Ich möchte Ihnen in aller Offenheit sagen, daß ich die Absicht hatte,
heute hier zu erscheinen und mich zu einer Reihe juristischer Fragen zu
äußern:

zu den Problemen unserer Gerichtshöfe, zu der Art und Wsise, in

der unsere Administration dem Kartellrecht und den Bürgerrechtsgesetzen

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 08-85432

�den Bürgerrechtsgesetzen Geltung verschafft, sowie zu unserem gegenwärtigen Vorgehen gegen den Drogenhandel und das organisierte Verbrechen im
allgemeinen.

Aber ich fürchte, die Erörterung dieser Dinge wird warten müssen, bis
sich eine neue Gelegenheit findet, denn sie ist von Ereignissen auf der
internationalen Bühne überholt worden, und als Präsident fühle ich mich
genötigt, heute zu diesen Ereignissen Stellung zu nehmen.

Ich meine

aber, daß diese Angelegenheiten Ihr Interesse finden werden, und zwar
nicht nur, weil Sie Amerikaner sind, sondern auch, weil Sie als Juristen
beruflich mit dem Recht und mit der Bedrohung befaßt sind, der es durch
Verbrecher in unserem Lande selbst wie auch in internationalem Maßstab
ausgesetzt ist.

Daß wir heute nicht dazu kommen, die Fragen zu erörtern, die ich ursprünglich ansprechen wollte, hängt mit dem zusammen, was die amerikanischen Geiseln und darüber hinaus ganz Amerika in den vergangenen WDchen
durchmachen mußten.

Das, worum es mir heute geht, greift jedoch sogar noch über die Sorgen hinaus, die uns die schrecklichen Ereignisse in Beirut und El Salvador oder das tragische Ende der Maschine der Air India, der Bombenanschlag auf Narita oder die Entführung der Maschine der Jordanian Airlines
bereitet haben.

Wir müssen über diese Geschehnisse hinausschauen, denn

ich glaube, daß sie, so entsetzlich sie auch sein mögen, unseren Blick
für eine noch größere und düsterere terroristische Bedrohung nicht trüben
dürfen.

Man ist versucht, einen Terroranschlag einfach nur als das willkürliche Werk einer kleinen Gruppe von Fanatikern zu betrachten.

Eine sol-

che Fehleinschätzung ist äußerst gefährlich, denn die Anschläge, denen
sich Amerika, seine Bürger, seine Verbündeten und andere demokratische
Nationen in den letzten Jahren ausgesetzt sahen, verschmelzen in ihrer
Gesamtheit zum Phänomen eines Terrorismus, der durchaus strategische Implikationen und politische Ziele hat.

Und nur, wenn wir die Dinge nicht

aus einem taktischen, sondern aus einem strategischen Blickwinkel sehen,

�Blickwinkel sehen, nur wenn wir uns über das Grundmuster des Terrors und
seine Hintermänner Klarheit verschaffen, können wir hoffen, eine Strategie zu seiner Bekämpfung zu entwickeln.

Kommen wir also zu den Tatsachen.

Folgendes wissen wir:

In den

letzten Jahren kam es beständig und in immer schlimmerem Maße zu Terroranschlägen auf die Vereinigten Staaten, unsere Verbündeten und Staaten
der Dritten

Welt, die unseren Interessen wohlwollend

gegenüberstehen.

Die Anzahl der Terroranschläge stieg von rund 500 im Jahre 1983 auf mehr
als 600 im Jahre 1984.

Allein im vergangenen Jahr waren 305 Bombenan-

schläge zu verzeichnen, im Durchschnitt also fast einer pro Tag.

Einige

der schlimmsten Anschläge richteten sich gegen Amerikaner oder amerikanisches Eigentum und amerikanische Einrichtungen.

Diese Tendenz hielt 1985

unvermindert an, und in den meisten Fällen sind unschuldige Zivilisten
die Opfer der Gewalt.

Wenn Terroranschläge auch weiterhin so häufig

bleiben, wie sie es gegenwärtig sind, dann werden wir 1985 rund Tausend
zu verzeichnen haben - das steht uns bevor, wenn die zivilisierten Völker
nicht gemeinsam handeln, um diesem Angriff auf die Menschlichkeit ein Ende zu bereiten.

In den letzten Jahren war der Nahe Osten einer der Hauptbrennpunkte
dieser Anschläge, Anschläge, die sich gegen die Vereinigten Staaten, Israel, Frankreich, Jordanien und Großbritannien richteten.

Auch in Belgi-

en, der Bundesrepublik Deutschland und Frankreich verübten linksgerichtete Terrorgruppen eine Reihe offenkundig koordinierter Terror- und Mordanschläge; sie setzten im Sommer 1984 ein, kulminierten im Januar und Februar dieses Jahres und richteten sich gegen Einrichtungen der Vereinigten Staaten und der NATO sowie gegen Vertreter der Streitkräfte und der
Wirtschaft der genannten Nationen.

Was wissen wir nun über die Ursprünge dieser Angriffe und über das
gesamte Grundmuster der Terroranschläge der letzten Jahre?

Allein im

Jahre 1983 fand das Zentralamt für Nachrichten und Abwehr (CIA) eindeutige Indizien für eine Verwicklung des Iran in 57 Terroranschläge oder
konnte solche Indizien erhärten.

Die Mehrzahl dieser Anschläge wurde

zwar im Libanon verübt, aber eine erhöhte Aktivität von mit dem Iran sym- 3 -

�Iran sympathisierenden Terroristen war auch in ganz Europa zu verzeichnen.

In Spanien und Frankreich kam es zu entsprechenden Vorfällen, und

in Italien wurden sieben proiranische libanesische Studenten wegen Vorbereitung eines Anschlags auf die amerikanische Botschaft verhaftet. Derartige Gewaltakte dauern an.

Es wird niemanden von Ihnen überraschen, zu erfahren, daß wir neben
dem Iran noch einen anderen tief in den Terrorismus verstrickten Staat,
nämlich Libyen, namhaft machen konnten.

Nach den uns vorliegenden Indi-

zien bestand bei zumindest 25 der Vorfälle des letzten Jahres eine Ver-

&lt;

bindung zu libyschen Agenten oder sonstigen im Auftrag Libyens handelnden
Kräften.

Die frevelhaften Verstöße des Obersten Gaddafi gegen die Grund-

'

sätze zivilisierten Verhaltens sind natürlich ebenso infam wie die des
Ayatollah Khomeini. Der Vorfall im vergangenen Jahr, bei dem eine britische Polizistin aus der libyschen Botschaft heraus niedergeschossen wurde, bildet nur eines der zahlreichen Beispiele.

Seit September 198A ha-

ben vom Iran unterstützte Terrorgruppen fast 30 Anschläge verübt, und
erst vor kurzem hat die ägyptische Regierung einen von Libyen geförderten
Bombenanschlag auf unsere Botschaft in Kairo vereitelt.

Genau diese von

Libyen an den Tag gelegte Haltung der staatlichen Billigung von Mordanschlägen und Terrorismus veranlaßte die Vereinigten Staaten vor einigen
Jahren, libysche Diplomaten auszuweisen, und auch andere Nationen haben
sich in der Zwischenzeit zu ähnlichen Schritten gezwungen gesehen.

Aber

auch wenn wir wissen, daß Oberst Gaddafi mit dem Terrorismus im Bunde
ist, sollten wir ihm immerhin zugestehen, daß er offen ist:

Kürzlich

sagte er, Libyen sei - ich zitiere - "in der Lage, den Terrorismus bis
ins Innerste Amerikas zu tragen.

Wir sind auch in der Lage zu physischen

Liquidierungen, zu Zerstörungen und zur Brandstiftung innerhalb Amerikas."

Im übrigen ist es auch wichtig, sich hier vor Augen zu halten, daß
das Wissen um die tiefe und anhaltende Verstrickung des Iran und Libyens
in den internationalen Terrorismus keineswegs auf unsere eigene Regierung
beschränkt ist.

Die Polizei in den meisten Ländern Europas hält dies

heute für erwiesen, ganz zu schweigen von den Warnungen, die von Spitzenpolitikern in aller Welt ausgesprochen worden sind.

So hat beispielswei-

se die politische Führung Jordaniens öffentlich erklärt, daß die Zerstö- 4 -

„

�die Zerstörung der jordanischen Botschaft in Tripoli auf libysche Aktionen zurückzuführen sei.

Neben dem Iran und Libyen gibt es noch drei weitere Regierungen, die
den Feldzug des internationalen Terrorismus gegen die Vereinigten Staaten, ihre Verbündeten und gemäßigte Länder der Dritten Vfelt aktiv unterstützen.

Zum ersten wäre Nordkorea zu nennen.

Das Ausmaß und die Brutalität

nordkoreanischer Gewaltakte gegen die Vereinigten Staaten und gegen das
mit uns verbündete Südkorea sind aktenkundig.

Flugzeuge unseres Landes

sind abgeschossen worden, bei Grenzzwischenfällen sind Angehörige unserer
Streitkräfte ermordet worden, und vor zwei Jahren wurden vier Mitglieder
des südkoreanischen Kabinetts in Burma von nordkoreanischen Terroristen
bei einem Bombenanschlag in die Luft gesprengt, der eigentlich dem Leben
von Präsident Chun gegolten hatte.

Dieser Vorfall war nur ein weiterer

in einer endlosen Reihe von Angriffen Nordkoreas auf die Republik Korea.

Weniger bekannt und weniger leicht verständlich sind die umfassenderen Verbindungen Nordkoreas zum internationalen Netz des Terrorismus. Es
fehlt heute die Zeit, all die Bemühungen aufzuzählen, die Nordkorea zur
Förderung des Separatismus, der Gewalt und des verdeckten Kampfes in anderen Ländern weit
hat.

jenseits

seiner unmittelbaren Grenzen unternommen

Um nur ein Beispiel anzuführen:

Die Bemühungen Nordkoreas, in dem

freien und gedeihenden Staat Sri Lanka dem Separatismus und dem Terrorismus zur Ausbreitung zu verhelfen, sind eine grundlegende und fortwirkende
Ursache von Spannungen im südlichen Asien, ganz zu schweigen von den Verstrickungen Nordkoreas hier in unserer eigenen Hemisphäre, zu denen beispielsweise ein geheimes Rüstungsabkommen mit der ehemaligen kommunistischen Regierung Grenadas zählte.

Ich werde sogleich auch einiges zur

Verstrickung Nordkoreas in Mittelamerika sagen.

Des weiteren ist Kuba zu nennen, dessen Regierung seit den sechziger
Jahren ganz unverhohlen Terroristen bewaffnet, ausgebildet und angeleitet
hat, die auf zumindest drei Kontinenten operieren, unter anderem in Lateinamerika.

Die CAS hat wiederholt Sanktionen gegen Castro verhängt,
- 5 -

�Castro verhängt, weil er dem Terrorismus an Orten und i n Ländern Vorschub
g e l e i s t e t h a t , die zu zahlreich s i n d , als daß man sie a l l e nennen könnte.

Gleiches g i l t

auch f ü r A f r i k a .

Präsident

Carter beschuldigte

die

Regierung Castros o f f e n der Unterstützung und Ausbildung von katangesischen T e r r o r i s t e n , die von Angola aus einen A n g r i f f auf Zaire unternommen
hatten.

Und sogar im Hinblick auf den Nahen Osten hat Castro selbst be-

s t ä t i g t , daß er Anfang der siebziger Jahre den Sandinisten a k t i v h a l f a l s
sie dort bei den t e r r o r i s t i s c h e n Gruppen der PLO ihre Leute ausbildeten.

Schließlich b l e i b t der jüngste Partner des I r a n s , Libyens, Nordkoreas
und Kubas bei der i n t e r n a t i o n a l e n Terrorkampagne zu nennen:
stische Regime i n Nicaragua.

das kommuni-

Die Sandinisten fördern nicht nur den Ter-

r o r i n El Salvador, Costa Rica und Honduras - d . h . , einen T e r r o r , der u n längst

zur Ermordung von v i e r

amerikanischen M a r i n e i n f a n t e r i s t e n ,

amerikanischen Z i v i l i s t e n und sieben Lateinamerikanern führte - ,

zwei

sondern

i h r Land i s t auch einer der wichtigsten Schlupfwinkel der Vifelt f ü r i n t e r nationale T e r r o r i s t e n .

Angehörige der i t a l i e n i s c h e n Regierung haben N i -

caragua o f f e n beschuldigt, einige der schlimmsten T e r r o r i s t e n I t a l i e n s zu
beherbergen, und wir haben Hinweise darauf, daß nicht nur die

italieni-

schen Roten Brigaden, sondern auch andere Kräfte aus den übelsten Terrorgruppen der

Welt -

der westdeutschen Baader-M einhoff-Bande, der

baski-

schen ETA, der PLO, der Tupamaros und der IRA - i n Nicaragua Unterschlupf
gefunden haben und von der kommunistischen D i k t a t u r dieses Landes unters t ü t z t werden.

Das kommunistische Regime i n Nicaragja hat sich zu einem Knotenpunkt
des Terrornetzes gemacht und b i l d e t geradezu eine F a l l s t u d i e
Ausdehnung.
dinisten

für dessen

Vergegenwärtigen Sie sich für einen Augenblick, daß die San-

nicht

nur

feste

internationale

Bündnisse mit Kuba und Libyen

eingegangen sind - u.a. erhalten sie enorme Mengen an Vfeffen und M u n i t i on-,

sondern auch von Nordkorea

i n großem Umfang u n t e r s t ü t z t

werden.

Sie scheuen sich auch gar n i c h t , einzuräumen, daß sie i n der Schuld der
Regierung des nordkoreanischen D i k t a t o r s Kim Il-Sung stehen.

Sowohl Da-

n i e l a l s auch Humberto Ortega haben Nordkorea unlängst o f f i z i e l l e Staatsbesuche a b g e s t a t t e t , um weitere H i l f e zu erlangen und förmlichere Beziehungen h e r z u s t e l l e n .

Nicaragua i s t also mit Kuba, Libyen und Nordkorea

�und Nordkorea im Bunde.
ziehungen zum Iran?

Bleibt nur noch der Iran.

Wie steht es mit Be-

Nun, erst kürzlich besuchte der iranische Minister-

präsident Nicaragua und übermittelte die Solidaritätsbekundungen des Ayatollahs an die sandinistischen Kommunisten.

Ich sprach vorhin von den strategischen Zielen, die die Beweggründe
all

dieser

terroristischen

Staaten

bilden.

Ich werde hierzu

gleich

selbst einige Anmerkungen machen, aber warum lassen wir nicht zunächst
die Führer dieser außerhalb des Rechts stehenden Regierungen selbst ihre
Ziele darlegen?

Während seines Staatsbesuchs in Nordkorea vernahm Daniel Ortega , der
Führer der Sandinisten Nicaraguas, aus dem Munde Kim Il-Sungs folgendes
über die gemeinsamen Ziele Nordkoreas und Nicaraguas:
der

revolutionären

Staaten der

"Wenn die Völker

Welt den amerikanischen

Imperialismus

überall dort, wo er seine Klauen der Aggression ausstreckt, unter Druck
setzen und ihm Schläge versetzen, dann werden sie ihn zur Machtlosigkeit
verurteilen und es ihm unmöglich machen, sich weiter als Herrscher aufzuspielen."

Und Oberst Gaddafi, der mit Nordkorea ein formelles Bündnis

unterhält, sprach ganz im Sinne Kim Il-Sungs, als er die Aufgaben des
Terrornetzes darlegte:

"Wir müssen Amerika zwingen, an hundert Fronten

überall auf der Erde zu kämpfen.

Wir müssen es zwingen, im Libanon zu

kämpfen, im Tschad zu kämpfen, im Sudan zu kämpfen und in El Salvador zu
kämpfen."

So liegen die Dinge also:

Der Iran, Libyen, Nordkorea, Kuba und Ni-

caragua liegen zwar auf verschiedenen Kontinenten und Tausende von Meilen
getrennt, aber sie verfolgen die gleichen Ziele und Zwecke.

Was ich Ih-

nen sagen möchte, ist, daß die Zunahme des Terrorismus in den letzten
Jahren auf die immer stärkere Verstrickung dieser Staaten in den Terrorismus in jeder Region der Welt zurückzuführen ist.

Wir haben es mit

einem Terrorismus zu tun, der Teil eines Gesamtplanes ist - das Werk eines Bundes terroristischer Staaten.

Die meisten der Terroristen, die

amerikanische Staatsbürger entführen und ermorden und Anschläge auf amerikanische Einrichtungen verüben, werden von einer Kerngruppe radikaler
und totalitärer Regierungen, einer Art neuer, internationaler Mord GmbH,
- 7 -

�Mord GmbH, ausgebildet, finanziert und direkt oder indirekt gesteuert.
All diese Staaten werden von einem einfachen, verbrecherischen Phänomen
vereint:

ihrem fanatischen Haß auf die Vereinigten Staaten, unser Volk,

unseren Lebensstil und unsere Rolle in der Wfelt.

Der strategische Zweck des von diesen gesetzlosen Staaten geförderten
Terrorismus ist klar:

die Vereinigten Staaten zu desorientieren, unsere

Außenpolitik zu stören oder zu ändern, Zwietracht zwischen uns und unseren Verbündeten zu säen, uns wohlgesonnene Nationen der Dritten Vtelt einzuschüchtern, die gemeinsam mit uns auf die friedliche Beilegung regionaler Konflikte hinarbeiten, und schließlich, den amerikanischen Einfluß in
den Gebieten der Vtelt zu unterbinden, wo wir uns um das Entstehen stabiler und demokratischer Regierungssysteme bemühen.

Kurzum:

Es geht dar-

um, uns zum Rückzug zu veranlassen und uns zu zwingen, uns zu verschanzen
und zur "Festung Amerika" zu werden.

Ihr wirkliches Ziel besteht darin,

Amerika aus der Vtelt zu vertreiben.

Deshalb lassen diese terroristischen Staaten denen, die unser Land
angreifen, Vteffen, Ausbildung und Unterstützung zukommen, und deshalb
können wir uns einer Tatsache gewiß sein:

Diese terroristischen Staaten

sind dabei, kriegerische Handlungen gegen die Regierung und das Volk der
Vereinigten Staaten auszuführen, und nach dem Völkerrecht hat jedes Land,
das zum Opfer kriegerischer Handlungen wird, das Recht, sich zu verteidigen.

Den gesetzlosen Regierungen, die den internationalen Terrorismus gegen unser Land fördern, möchte ich jetzt eine kurze Lektion in amerikanischer Geschichte geben.

Verschiedene Male in der Vergangenheit Amerikas

haben ausländische Tyrannen, Kriegstreiber und totalitäre Diktatoren die
allseits bekannte Liebenswürdigkeit, Geduld und Großherzigkeit des amerikanischen Volkes fälschlicherweise als Zeichen der Schwäche oder gar der
Dekadenz ausgelegt.

Es ist richtig:

Wir sind ein unbeschwertes Volk,

nicht leicht in Zorn zu bringen, und wir möchten nicht gerne an jedem Horizont eine Gefahr heraufziehen sehen.

Aber genauso richtig ist, daß es

- wenn die Emotionen des amerikanischen Volkes, sein Patriotismus und
- 8 -

�Patriotismus und sein Ä'rger angefacht werden - keine Grenzen für die nationale Tapferkeit und seine verzehrende Leidenschaft gibt, um die von
allen hochgehaltene Tradition der Freiheit zu schützen.
hat es einmal so ausgedrückt:

Teddy Roosevelt

"Das amerikanische Volk gerät nicht leicht

in Zorn, aber wenn dieser Zorn einmal angefacht ist, dann brennt er wie
eine sich verzehrende Flamme."

Und eine andere führende Persönlichkeit,

dieses Mal ein ausländischer Gegner, nämlich Admiral Yamamoto, warnte
sein eigenes Land nach dem Angriff auf Pearl Harbor, indem er sagte, er
fürchte, "wir haben einen schlafenden Riesen aufgeweckt, und seine Reaktion wird furchtbar sein".

Ja,

wir

Amerikaner,

haben

unsere

Meinungsverschiedenheiten, die

manchmal laut und fast immer in der Öffentlichkeit ausgetragen werden.
Das liegt in der Natur unserer offenen Gesellschaft. Aber keine ausländische Macht sollte Meinungsverschiedenheiten für Uneinigkeit halten. Jene, die versucht sind, das zu tun, sollten an unseren Nationalcharakter
und unsere Geschichte denken - eine Geschichte, an deren Weg die Trümmer
von Regimen liegen, die den Fehler gemacht haben, die Energie und den
Willen des amerikanischen Volkes zu unterschätzen.

Lassen Sie mich also für ein einiges Volks sprechen.
fach sagen:

Wir sind Amerikaner.

Wir lieben unser Land.

Ich möchte einWir lieben die

Werte, für die dieses Land einsteht, und wir werden dieses Land immer
verteidigen.

Wir stehen für die Freiheit ein - für unsere eigene und für

die unserer Kinder -, und wir werden immer bereit sein, für diese Freiheit Opfer zu bringen.

Das amerikanische Volk wird also keine - und ich wiederhole:

keine -

Einschüchterung, keinen Terror und keine ausgesprochenen Kriegshandlungen
gegen unser Land und unsere Menschen dulden.

Und insbesondere werden wir

nicht diese Angriffe von gesetzlosen Staaten dulden, die von der seltsamsten Sammlung von kriminellen Außenseitern, Verrückten und gemeinen
Verbrechern seit dem Dritten Reich regiert werden.

Ich habe heute

�Ich habe heute Ihre Zeit in Anspruch genommen, um die Art dieses Netzes terroristischer Staaten aufzuzeigen, so daß wir als Nation wissen,
gegen wen wir stehen und die langfristigen Ziele erkennen, die dieses
Bündnis krimineller Regierungen motivieren.

Nehmen Sie aber nicht auch nur für einen Augenblick an, daß meine
Darlegungen allumfassend sind.

Zunächst einmal gibt es einige terrorist-

ische Organisationen, deren Stärke zwar nicht der Stärke j'ener Gruppen
entspricht, die durch das von mir bereits erwähnte terroristische Netz
unterstützt werden, die sich jedoch auf gewisse Lokalitäten oder Länder
stützen, die nicht notwendigerweise in dieses internationale Netz eingebunden sind.

Und zweitens sind die von mir heute erwähnten Länder nicht

notwendigerweise die einzigen, die den Terrorismus gegen die Vereinigten
Staaten und ihre Verbündeten unterstützen.

Die Länder, die ich aufge-

zählt habe, sind lediglich diejenigen, die am direktesten mit dem Terrorismus in Verbindung gebracht werden können.

Nun gilt es, die Tatsache der engen Beziehungen der Sowjetunion zu
fast allen dieser Terroristenstaaten, die ich erwähnt habe, sowie die
Folgen dieser sowjetischen Bindungen auf die bilateralen Beziehungen zu
den Vereinigten Staaten und anderen demokratischen Staaten im Auge zu
behalten.

Deshalb hat auch Außenminister Shultz - genau wie sein Amts-

vorgänger Haig - in seiner Rede vom 24. Juni vergangenen Jahres offen die
Frage der sowjetischen Unterstützung terroristischer Organisationen aufgeworfen.

Was die Sowjetunion betrifft, so gibt es einen Punkt, den ich heute
nicht unerwähnt lassen kann.

Bei der jüngsten Geiselkrise in Beirut wur-

den 39 Amerikaner brutal gefangengenommen; ein Angehöriger der amerikanischen Marine wurde brutal geschlagen; ein weiterer zusammengetreten und
erschossen; die Familien und Freunde dieser Geiseln erduldeten unbeschreibliche Leiden; und ein Gefühl der Verzweiflung, des Ärgers und der
Hit lief durch unsere Nation wie ein Präriefeuer.

Die sowjetische Regie-

rung nun nahm über ihre staatlich kontrollierte Presse dazu offiziell
Stellung.

Die sowjetische Regierung behauptete nämlich, die Vereinigten
- 10 -

�die Vereinigten Staaten machten sich über diese Krise keine ernsthaften
Gedanken, sondern seien von einer - und ich gebrauche hier das Wart der
Sowjets - "H/sterie" ergriffen.

Die Sowjetunion unterstellte außerdem,

die Vereinigten Staaten suchten nur einen - und ich gebrauche wieder ihre
(forte - "Vorwand" für eine militärische - und noch einmal gebrauche ich
ihre Warte - "Invasion".

Nun, meine Damen und Herren, es gibt für derlei ein nichtsowjetisches
Wort.

Es ist ein äußerst nützliches, über die Zeiten hinweg erprobtes,

ganz und gar amerikanisches Ifort, ein Wart mit tiefen Wjrzeln in unserer
reichen landwirtschaftlichen, bäuerlichen Tradition.

Jetzt gibt es für uns alle in der Gemeinschaft zivilisierter Staaten
viel zu tun.

Wir müssen gegen die kriminelle Bedrohung des Terrorismus

mit dem ganzen Gewicht des Gesetzes vorgehen - sowohl national wie international.

Wir werden Schritte ergreifen, damit jene, die diese Art von

Scheußlichkeiten begehen, wie sie die Welt in den letzten Wachen erlebt
hat, aufgefunden, ergriffen und angeklagt werden.

Wir werden als freie Völker gemeinsam handeln, als Völker, die verhindern wollen, daß unsere Bürger gefangengenommen, erschossen oder durch
Bomben in Flugzeugen umgebracht werden - genau wie wir gemeinsam handelten, um die Meere um die Jahrhundertwende von der Piraterie zu befreien.
Und Sie als Kenner der Gesetze wissen ja , wie das Gesetz die Piraten bezeichnet: "hostis humanis" - " Feinde der ganzen Menschheit".

Es darf

auf Erden keinen sicheren Ort für jene Monster geben, wohin sie sich zurückziehen, wo sie sich ausbilden oder wo sie ihre grausamen und tödlichen Fertigkeiten praktizieren können.

Wir müssen gemeinsam - oder wenn

nötig - auch allein handeln, um sicherzustellen, daß Terroristen nirgends
mehr sicher sind.

Vizepräsident Bush kam vergangene

Wache nach intensiven Gesprächen

mit unseren Verbündeten hinsichtlich praktischer Schritte zur Bekämpfung
des Terrorismus aus Europa zurück.

Er wird auf Regierungsebene eine Ar-

beitsgruppe leiten, um unsere Bemühungen zu überprüfen - und Verbesserun- 11 -

�und Verbesserungen empfehlen -, wie wir dem Terrorismus Einhalt gebieten
können.

Hinsichtlich jener Länder, die solche Akte unterstützen oder die keine Schritte gegen terroristische Verbrecher unternehen, muß die zivilisierte Vtelt sicherstellen, daß auf ihre Unterlassungen und ihre Vergehen
mit Taten reagiert wird, die Beweis unserer gemeinsamen Entschlossenheit
sind, diese Art von Aktivität zu beenden.

So habe ich zum Beispiel unse-

re Verbündeten und andere Staaten dahingehend informiert, daß der Internationale Flughafen Beirut, über den seit 1970 13 Prozent der Flugzeugentführungen der Vtelt liefen, sicher werden muß. Bis dahin sollte der
Flughafen geschlossen werden.

Schließlich möchte ich, daß Sie eine Herausforderung annehmen - nämlich Teil der Lösung des Problems des Terrorismus zu werden.

Sie sorgen

sich grundlegend um das Recht, und das Recht ist es, das die Terroristen
mit den Füßen treten.

Sie müssen dieses Problem in Konferenzen und Ver-

sammlungen ansprechen, um zu einem besseren nationalen und internationalen gesetzlichen Rahmenwerk zu gelangen, um mit dem Terrorismus fertigzuwerden.

Sie müssen dieser Regierung und anderen dabei helfen, durch das

Gesetz die Gesetzlosigkeit zu bekämpfen.

Wo Gesetze erlassen werden müs-

sen, um den zuständigen Stellen das Handeln zu ermöglichen, sollten Sie
dabei helfen, sie zu erlassen oder zu verändern.

In der Vergangenheit

haben Anwälte geholfen, wenn die Zivilisation durch Gesetzesbrecher bedroht war. Jetzt ist die Zeit gekommen, dies erneut zu tun.
Was ich heute dargelegt habe, ist nicht erfreulich, und auch die Lösung wird nicht einfach sein.

Die Antwort auf die Bedrohung durch den

internationalen Terrorismus ist schwierig - aber sie kann gefunden werden.

Sie findet sich in einem klaren Verständnis des Problems und im

Ausdruck unseres nationalen Willens, etwas dagegen zu tun.

Dies war mit

allen wichtigen Fragen so; deshalb war auch unsere Unabhängigkeitserklärung für unsere Revolution wichtiger als jede einzelne militärische Aktivität oder jede einzelne Schlacht.

Und deshalb fangen wir heute keine

politischen Diskussionen an oder konzentrieren uns auf strategische 0p- 12 -

�strategische Optionen, sondern stellen lediglich die Tatsachen über die
Natur des internationalen Terrorismus fest und bekräftigen den Willen
Amerikas, ihm zu widerstehen.

Aber es gibt noch einen anderen Punkt zu erwähnen - den Punkt, den
ich zu Anfang dieser Diskussion angesprochen habe.

Wenn wir den Terror-

ismus unter strategischen, nicht nur unter taktischen Aspekten sehen,
müssen wir zugleich erkennen, daß die größte hbffnung der Terroristen und
ihrer

Helfershelfer - der eigentliche Grund

für die Grausamkeit und

Scheußlichkeit ihrer Taktiken - darin besteht, das amerikanische Volk von
seinen Zielen abzubringen, Uneinigkeit zu säen, unsere Außenpolitik zu
stören oder zu ändern, uns von unserer sehr konkreten hbffnung abzubringen, daß eines Tages

der Alptraum

totalitärer

Herrschaft

enden und

Selbstregierung und individuelle Freiheiten das Geburtsrecht eines jeden
Menschen auf Erden sein werden.

Und hier, liebe Mitbürger, finden wir das eigentliche Motiv hinter
dem

fanatischen

Terrornetzes.

und

zunehmenden Antiamerikanismus

des internationalen

Ich sage schon seit Jahren, daß die Sache der totalitären

Ideologie im Schwinden begriffen ist; daß überall in der Welt Geist und
Wille sich auflehnen, daß die Flut der Sehnsucht

nach Freiheit und

Selbstregierung anschwillt.

Nun, keiner spürt dies deutlicher als jene, die jetzt an der Spitze
der totalitären Staaten stehen, insbesondere jener Nationen an der äußeren Peripherie der totalitären Welt wie der Iran, Libyen, Nordkorea, Kuba
und Nicaragua.

Ihrer Machthaber leben in Furcht; sie wissen, daß die

Freiheit auf dem Vormarsch ist und daß ihre Zeit an der Macht vorüber
sein wird, wenn die Freiheit triumphiert.

Es ist wahr, daß totalitäre Regierungen sehr mächtig sind und kurzfristig gesehen besser organisiert wwerden können als die Demokratien.
Aber wahr ist auch - und niemand weiß dies besser als die totalitären
Machthaber selbst -, daß diese Regime auf eine Waise schwach sind, wie es
eine Demokratie nie sein kann; denn die Zerbrechlichkeit einer totalitä- 13 -

�einer totalitären Regierung ist die Zerbrechlichkeit aller Regime, die
ihre Völker nur dadurch im Griff haben, daß sie sich auf die Instrumente
der Unterdrückung eines Polizeistaates stützen.

Und darum geht es um so viel, darum müssen wir durchhalten.

Es geht

um die Freiheit selbst - unsere eigene und die der ganzen Walt. Ja, Amerika ist noch immer ein Symbol - für einige wenige ein Symbol, das sie
fürchten und hassen.

Aber für viele andere - für viele Millionen andere

- ein Symbol, das man liebt, ein Land, das ein neues Jerusalem bedeutet.

Teddy Roosevelt - und er ist ein Präsident, der sich unter diesen Umständen gut zitieren läßt - formulierte es so:

"Wir hier in Amerika hal-

ten in unseren Händen die Hoffnung der Welt, das Geschick der kommenden
Jahre; und Scham und Schande werden über uns kommen, wenn in unseren Augen das Licht fester Entschlossenheit nachläßt, wenn wir die goldenen
Hoffnungen der Menschen in den Staub treten."

Und dieses Licht fester Entschlossenheit und jene goldenen Hoffnungen
müssen müssen von uns erhalten und geschützt und mit Gottes Hilfe an die
kommenden Generationen weitergereicht werden.

Ich möchte nicht schließen, ohne Ihnen eine kleine Geschichte zu erzählen.

Wenn ich sage, "Wir sind ein Symbol der Hoffnung", so habe ich

zu Hause auf meinem Schreibtisch einen Brief, unterzeichnet von zehn sowjetischen Frauen. Sie sind alle in einem Gefangenenlager - einem Arbeitslager - in der Sowjetunion.

Das Papier ist nicht größer als 2,5 mal

1 Inch - und doch schrieben sie darauf einen vollständigen Brief, unterzeichneten ihn alle zehn und schmuggelten ihn zusammen mit einem anderen
Dokument - nur wenig größer, vielleicht ein Stück Papier von 3 mal 3 Inch
-, der Liste der Hungerstreiks, durch die sie gegangen waren, aus dem
Land.

Sie schmuggelten diese Dokumente hinaus, damit sie mich erreichen

sollten, denn diese Frauen wollten mir und Ihnen allen sagen, daß die
Vereinigten Staaten dort, wo sie sind, in diesem Gefängnis, immer noch
ihre Hoffnung sind, um durchzuhalten - ihre Hoffnung für die Walt.

Ich

- 14 -

danke

Ihnen

�Ich danke Ihnen allen, Gott segne Sie.

* * # * *

- 15 -

�10. Juli 1985

27

USA UND GROSSBRITANNIEN FORDERN EINSTELLUNG DER FLUGE NACH BEIRUT
- Erklärung von Premierministerin Thatcher und Vizepräsident Bush -

LONDOND - (AD) - In einer gemeinsamen Erklärung kündigten die britische Premierministerin Margaret Thatcher und der amerikanische Vizepräsident George Bush "als einen sofortigen ersten Schritt" zur Bekämpfung
des Terrorismus ihr Bemühen an, auch die Beteiligung anderer Staaten an
der Einstellung der Flüge nach Beirut zu erlangen.

Die gemeinsame Erklärung, die am 3. Juli 1985 veröffentlicht wurde,
hat folgenden Wortlaut:
Vizepräsident Bush und ich haben eingehend das Thema Terrorismus wie
auch die Bedrohung erörtert, die er für die zivilisierten und demokratischen Völker darstellt. Die Regierungen des Vereinigten Königreichs und
der Vereinigten Staaten von Amerika erklären ihre Entschlossenheit zur
Zusammenarbeit mit allen gleichgesinnten Staaten zur Bekämpfung dieses

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�Bekämpfung dieses Übels. Insbesondere muß dem Terrorismus gegen die internationale Zivilluftfahrt und gegen jene Millionen unschuldiger Passagiere Einhalt geboten werden, die heutzutage mit dem Flugzeug reisen.

Als einen sofortigen ersten Schritt werden das Vereinigte Königreich
und die Vereinigten Staaten von Amerika die Zustimmung all jener Staaten
anstreben, die ihre Sorge um die Sicherheit der zivilen Luftfahrt teilen,
alle Flüge zwischen ihren Ländern und dem Internationalen Flughafen Beirut einzustellen.

Die Regierungen des Vereinigten Königreichs und der Vereinigten Staaten von Amerika werden sich außerdem darum bemühen, die Sicherheit der
zivilen Luftfahrt durch alle angemessenen multinationalen Institutionen,
einschließlich der ICAO (International Civil Aviation Organisation - Internationale Zivilluftfahrtorganisation), zu erhöhen.

Insbesondere betonen sie die Bedeutung folgender Maßnahmen:

- Stärkung der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation zur Verbesserung ihrer Möglichkeiten, mit dem gegen die Zivilluftfahrt gerichteten Terrorismus fertigzuwerden.

- Druck auf jene Staaten, die - direkt oder indirekt - den Terrorismus
unterstützen, diese Unterstützung einzustellen.

- Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den Vollstreckungsbehörden
zwecks größerer Wirksamkeit bei der Bekämpfung von Terroristen.
- Bemühen um verstärkte Verpflichtung bei der Anwendung bestehender Abkommen zur Bekämpfung von Verbrechen gegen die zivile Luftfahrt; sowie

- Zusammenarbeit zur Neubelebung der Erklärung von Bonn aus dem Jahr
1978.

- 2-

�ä

inIE

1J 1 1 k l

2

DlEl

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

27

10. Juli 1985

GIPFELTREFFEN KANN VERBESSERUNG DER
AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN BEZIEHUNGEN BEWIRKEN
- Pressekonferenz von US-Außenminister Shultz -

Washington -(AD)- Am 3. Juli 1985 gab der amerikanische Außenminister
George Shultz in Washington eine Pressekonferenz, auf der er die Erwartungen darlegte, die von Seiten der Vereinigten Staaten an ein Gipfeltreffen zwischen Präsident Reagan und dem sowjetischen Parteichef Gorbatschow geknüpft werden. Die diesbezüglichen Passagen der Pressekonferenz
haben folgenden Wortlaut:

AUSSENMINISTER SHULTZ: Präsident Reagan hat schon oft erklärt, daß er
den Wunsch habe, die Beziehungen und die Kommunikation zwischen uns und
der sowjetischen Regierung zu verbessern und Mittel und Wege zum Abbau
der zwischen uns bestehenden Gegensätze zu finden. Er betrachtet die geplante Begegnung mit Generalsekretär Gorbatschow als eine Gelegenheit zur
Vertiefung des Dialogs und zur Schaffung der Grundlagen für praktische
Schritte zur Verbesserung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen.

Bei dieser Begegnung werden sich die beiden Staatsmänner natürlich

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�Staatsmänner natürlich miteinander bekannt machen; das ist schon gesagt
worden und stellt eine in sich lohnende Sache dar. Nach Auffassung des
Präsidenten besteht der beste Weg, miteinander bekannt zu werden, jedoch
darin, ernsthafte und substanzielle Gespräche über die Hauptprobleme zwischen unseren Staaten zu führen. Wenn wir an diese Gespräche herangehen,
dann wollen wir diese Hauptprobleme in der einen oder anderen Weise erörtern, und soweit ich das beurteilen kann, werden dies auch die Sowjets
wünschen.

Wir geben uns bezüglich des Auseinanderklaffens der amerikanischen
und der sowjetischen Politik keinen Illusionen hin, und auch nicht bezüglich der Tatsache, daß unsere Systeme sich ganz erheblich unterscheiden.
Der Entwicklung unserer Beziehungen eine konstruktivere Richtung zu geben, ist von daher ein schwieriges Problem. Gleichzeitig meine ich aber
auch, daß die politisch Verantwortlichen beider Seiten sich unbedingt der
Aufgabe stellen müssen, Mittel und Wege zu finden, wie zwei unterschiedliche Systeme in der kleinen Welt, in der wir leben, koexistieren können.
Es ist deshalb wichtig, daß wir unsere gemeinsamen Anstrengungen verdoppeln, um Wege zum Abbau von Spannungen zu finden und die Gefahr von Konfrontationen und Konflikten zu verringern. Der Präsident hofft, daß dieses Treffen uns zu Fortschritten in diese Richtung verhelfen kann.

Ich meine, man sollte all dies als einen fortwährenden Prozeß verstehen, und das Treffen zwischen dem Präsidenten und dem Generalsekretär
wird einen sehr wichtigen Teilabschnitt desselben bilden. Ich bin sicher,
daß ihm zielstrebige Vorbereitungsarbeiten vorausgehen werden, und wenn
das Treffen erfolgreich ist, dann wird es eine Art Tagesordnung der Dinge
liefern, mit denen wir uns in der Zukunft zu befassen haben werden. Das
Treffen sollte als bedeutsam betrachtet werden, gleichzeitig aber auch
als Teil eines Prozesses, der bereits in Gang ist, der schon vor der Begegnung in Gang war und der hinterher weitergehen wird.

Da Generalsekretär Gorbatschow erklärt hat, daß er den Wunsch habe,
praktische Mittel und Wege zur Verbesserung der Beziehungen zu finden,
und da die Überlegungen des Präsidenten der Vereinigten Staaten sich in
die gleiche Richtung bewegen, hoffen und erwarten wir, daß beide Seiten
- 2 -

�beide Seiten an diese Begegnung im gleichen konstruktiven Geist herangehen werden.

Wenn Sie Fragen haben, bin ich gerne bereit, sie zu beantworten.

FRAGE: Meinen Sie, daß diese Begegnung zu irgendwelchen greifbaren
Aktionen führen könnte und daß es etwas gibt, woran wir uns halten können
bzw. wonach wir den Erfolg oder Mißerfolg bemessen können ... ?

ANTWORT: Ich glaube nicht, daß es klug wäre, eine Art Punktetabelle
zu konstruieren, auf der man dann den Erfolg einträgt. Ich bin sicher,
daß es eine ernsthafte und substantielle Begegnung sein wird. Das ist mit
Sicherheit das, was wir wollen, und ich bin davon überzeugt, daß die Sowjets das ebenfalls wollen. Welchen Gang das Treffen jedoch nehmen wird,
bleibt abzuwarten. Wir haben mit der Sowjetunion über die große Spannbreite an zwischen uns anstehenden Fragen natürlich zahlreiche Gespräche
geführt und werden vor dem Treffen noch weitere führen, aber wir müssen
ganz einfach abwarten, wie es sich anläßt.

FRAGE: Worin wird seine Substanz bestehen, und was wird die breitgefaßte Tagesordnung im einzelnen beinhalten ?

ANTWORT: Das kann ich Ihnen nicht sagen, weil wir das nicht ausgearbeitet haben. Ich glaube, wenn die führenden Politiker dieser beiden großen Nationen zusammenkommen, dann wird ihre Begegnung mit einiger Wahrscheinlich eine Art Eigendynamik entfalten, und sie werden bis zu einem
gewissen Grade ihre Tagesordnung selbst aufstellen.

Wir haben natürlich vor, über diplomatische Kanäle Gespräche zu führen, die dazu dienen können, die Begegnung zumindest etwas zu strukturieren, und wir arbeiten selbstverständlich weiter an den Dingen, über die
wir bereits verhandeln. Wir versuchen aber nicht, den Gang der Begegnung
bis ins einzelne festzulegen.

FRAGE: Herr Außenminister, Sie werden Ihren neuen sowjetischen Amtskollegen in Helsinki und wahrscheinlich auch in New York treffen, aber
- 3 -

�treffen, aber das werden nur recht kurze Begegnungen von etwa einem Tag
sein. Könnten Sie sich vorstellen, selbst zu Vorbereitungsgesprächen nach
Moskau zu reisen ...

?

ANTWORT: Dergleichen ist nicht geplant. Ich freue mich auf die Begegnung mit dem neuen sowjetischen Außenminister in Helsinki und begrüße die
Gelegenheit, mit ihm sprechen zu können und ihn kennenzulernen ...

Wir wissen zwar noch nicht definitiv, erwarten aber, daß der neue
Außenminister, wie Sie andeuteten, zur UN-Versammlung nach New York kommen wird. Er würde sich dann wahrscheinlich etwas länger dort aufhalten,
so daß wir während dieser Zeit eine Gelegenheit zu zumindest einem, vielleicht auch mehreren Zusammenkünften hätten.

FRAGE: Mr. Shultz, Herr Gorbatschow hat angedeutet, daß die Sowjets
sich aus den RüstungskontrollVerhandlungen

zurückziehen könnten, da es

dort keine Fortschritte gebe. Wird Präsident Reagan Ihres Erachtens von
daher unter besonderem Druck stehen, diese Angelegenheit voranzubringen,
so daß sich die Sowjets nach dem Gipfeltreffen nicht aus den Verhandlungen zurückziehen ?

ANTWORT; Soweit es uns betrifft, besteht kein besonderer Druck. Es
ist kein besonderer Druck erforderlich, um den Präsidenten für einen
Fortgang der Genfer Verhandlungen zu interessieren. Zu diesem Zweck haben
wir, wie ich meine, recht interessante und entgegenkommende Vorschläge
auf den Tisch gelegt, und unsere Unterhändler sind zur Stelle und verhandlungsbereit. Das ist unsere Haltung, und so wird sie bleiben.

Was Abkommen angeht, so begrüßen wir natürlich immer die Gelegenheit
zu einer guten Vereinbarung, aber wir sind nicht an Abkommen als Selbstzweck interessiert und erwarten das auch nicht von der anderen Seite.

FRAGE: Herr Außenminister, im November wird das von den Sowjets verkündete Moratorium für Mittelstreckenraketen auslaufen, und für November
hat Präsident Reagan einen Bericht über die nächsten Entscheidungen über
die weitere Einhaltung des SALT-II-Abkommens angefordert. Glauben Sie,
- 4 -

�Glauben Sie, daß die Mitte November stattfindende Begegnung im Lichte
dieser Tatsachen zu einem entscheidenden Wendepunkt werden könnte ...

?

ANTWORT: Das wäre sicherlich übertrieben, und vor Begriffen wie "Wendepunkt" möchte ich mich bewußt hüten. Aber wir halten das Treffen sicherlich für sehr wichtig und sind, wie ich schon sagte, bereit zu ernsthaften und substanziellen Gesprächen im Rahmen eines fortwährenden Prozesses. In diesem Sinne wir der Präsident in das Treffen hineingehen.

FRAGE: In den letzten vier Jahren haben Sie und der Präsident sich
buchstäblich heiser geredet, um uns klarzumachen, daß ein Gipfeltreffen
sinnlos sei, wenn es nicht gut vorbereitet werde und gute Aussichten auf
substantielle Ergebnisse biete. Was hat sich geändert ?

ANTWORT: Erstens glaube ich, daß es intensive Vorbereitungsarbeiten
geben wird. Es wird nicht so ablaufen, daß zwei Leute ohne Vorbereitung
zusammentreffen und einfach nur "Hallo" sagen. Wir möchten, daß das Treffen gründlich vorbereitet wird, und da die Sowjetunion dies auch will,
werden wir das auch tun.

Wir haben es mit einer neuen sowjetischen Führung zu tun, die sich
fest etabliert hat. Es gibt einen neuen Außenminister und einen Präsidenten, dessen Amtszeit grundsätzlich noch vor ihm liegt und der seine Politik festgelegt hat, und ich meine, daß es unter diesen Umständen sinnvoll
ist, daß diese beiden Männer (Reagan und Gorbatschow) zusammentreffen.

Wie Sie wissen, waren sie schon vor einiger Zeit übereinstimmend der
Meinung, daß eine Begegnung eine gute Idee wäre, und jetzt haben sie sich
über die Zeit und den Ort geeinigt. Sie haben sich gegenseitig wissen
lassen, daß sie möchten, daß sich aus dem Treffen konstruktivere Beziehungen ergeben. Die ersten beiden Bedingungen sind also erfüllt, und
vielleicht wird auch die dritte erfüllt werden. Auf jeden Fall ist dies
aber der Geist, in dem die Vereinigten Staaten in das Treffen hineingehen.
FRAGE: Die Administration hat in der Vergangenheit erklärt, daß erst
Anzeichen für Fortschritte bei den Rüstungskontrollverhandlungen sichtbar
- 5 -

�RüstungskontrollVerhandlungen sichtbar werden müßten, bevor ein Gipfeltreffen Aussicht auf Erfolg biete. Erwarten Sie, daß die Rüstungskontrollverhandlungen zwischen dem gegenwärtigen Zeitpunkt und November einen positiven Verlauf nehmen werden, oder werden sie praktisch bis nach
dem Gipfel auf Eis gelegt ?

ANTWORT; Was uns angeht, so sind wir zu Fortschritten bereit. Wie ich
vor einer Minute sagte, haben wir solide Vorschläge auf den Tisch gelegt,
und unsere Unterhändler sind zu den bei Verhandlungen üblichen wechselseitigen Konzessionen bereit.

Tatsächlich gibt es bei diesen Verhandlungen jedoch keine wirklichen
Fortschritte. Das ist nur eine sachliche Beschreibung ihres Stands, und
das ist alles, was sich gegenwärtig zu diesem Thema sagen läßt. ...

FRAGE; In den vergangenen Jahren hat die Administration davon gesprochen, daß die Sowjets den internationalen Terrorismus unterstützen, insbesondere durch Ausbildung, Bewaffnung und Finanzierung von Terrorgruppen. Tut die Sowjetunion dies nach Ihrem derzeitigen Informationsstand
auch weiterhin, und falls ja, könnte dies ein Gesprächsthema für das Gipfeltreffen werden ?

ANTWORT: Über die Tagesordnung für das Gipfeltreffen muß noch entschieden werden, aber die Luftpiraterie und der Terrorismus sind natürlich ein Thema, mit dem sich jeder auseinandersetzen muß. Wahrscheinlich
werden wir es erörtern wollen.
FRAGE: Was ist mit dem ersten Teil der Frage ?

ANTWORT: Dazu möchte ich nichts sagen.

FRAGE: Mir ist klar, daß es noch zu früh für die Aufstellung der Tagesordnung ist, aber weiß der Präsident vielleicht trotzdem schon, ob er
bei einem Gipfeltreffen Afghanistan oder die Rolle der Sowjets in Mittelamerika erörtern will ?
ANTWORT: Wir
- 6 -

�ANTWORT: Wir selbst haben, allgemein gesagt, eine vierteilige Tagesordnung. Die Sowjetunion hat ihre eigene Tagesordnung, aber wir haben mit
den Sowjets natürlich über Rüstungskontrollfragen gesprochen. Sie sind
sehr wichtig und spielen eine zentrale Rolle. Es gibt eine ganze Reihe
von bilateralen Möglichkeiten und Problemen, wo Fortschritte möglich sind.

Wir haben mit den Sowjets einen Gesprächrahmen über die sogenannten
regionalen Probleme entwickelt. Sie haben eines erwähnt: Afghanistan. Wir
hatten unlängst mit sowjetischen Regierungsvertretern ein Gespräch über
Afghanistan; die regionalen Problemen

sind also in irgendeiner Weise

durchaus Gesprächthemen. Außerdem haben wir die allgemeine Frage der Menschenrechte immer auf unserer Tagesordnung. Tatsächlich beruht ja eines
der grundlegenden Motive für meine Reise nach Helsinki zur Teilnahme an
der Zusammenkunft aus Anlaß des 10. Jahrestages der Schlußakte von Helsinki in dem Bestreben, auf die Verpflichtungen aufmerksam zu machen, die
von den Regierungen aller Signatarstaaten dieser Akte übernommen worden
sind. ...

FRAGE; Wurde Genf von den beiden Supermächten (als Schauplatz des
Gipfeltreffens) ausgewählt, um den Kernwaffengesprächen, die dort stattfinden, einen besonderen Anstoß zu geben ? Und könnten Sie sagen, ob nach
Ihrer Meinung vom gegenwärtigen Zeitpunkt bis November Fortschritte in
Genf möglich sind, wenn die Sowjets auch weiterhin als Vorbedingung für
echte Verhandlungen fordern, daß die Vereinigten Staaten ihr "Krieg-derSterne"- oder SDI-Programm aufgeben ?

ANTWORT: Nicht unter diesen Bedingungen. Fortschritte sind zwar immer
möglich, aber bis heute haben die Verhandlungen nichts erbracht, was darauf hindeuten würde, daß dies wahrscheinlich ist. Unsere Leute werden
dort aber weitermachen und auch weiterhin mit gutem Willen und guten Vorschlägen weiterarbeiten.

Was die Auswahl Genfs angeht, so ist es eine Stadt, die historisch
als neutrale Stätte gilt, wo Treffen dieser Art abgehalten werden können
und wo es gute Einrichtungen gibt. Es bietet sich also als Schauplatz für
diese Art von Treffen förmlich an.
FRAGE: Ist

�FRAGE: Ist es wahrscheinlich, daß die Polenfrage während des Gipfeltreffens zur Sprache kommt 7

...

ANTWORT: Das kann gut sein. Sie gehört zum Komplex der regionalen
Probleme, aber ich kann nicht sagen, was tatsächlich zur Sprache kommen
wird und was nicht. Sie müssen sich vergegenwärtigen, daß das Treffen
zwar zwei Tage dauern wird, dies aber dennoch ein sehr beschränkter Zeitrahmen ist. Wir werden versuchen, ihn so effektiv wie möglich zu nutzen,
und die Probleme, die die Polenfrage auf wirft, halten wir für sehr wichtig. Aber was tatsächlich zur Sprache kommen wird und wie die Tagesordnung aussehen wird, kann ich heute noch nicht sagen, weil wir sie noch
nicht formuliert haben. ...
FRAGE: Ist es denkbar oder wahrscheinlich, daß die Supermächte einen
Monat nach dem Genfer Treffen zulassen würden, daß SALT II ausläuft ?
ANTWORT: Ich möchte nicht darüber spekulieren, was nach den bevorstehenden Genfer Gesprächen geschehen könnte und was nicht. Wie ich schon
sagte, muß die Tagesordnung erst noch festgelegt werden. ...

- 8 -

�10. J u l i 1985

27

USA BEDAUERN MANGEL AN FORTSCHRITTEN AUF DER KVAE
- Erklärung des US-Delegierten zum Abschluß der 6. Sitzungsperiode -

STOCKHOLM - (AD) - Der amerikanische Chefdelegierte auf der Stockholmer

Konferenz

über

Vertrauens-

und Sicherheitsbildende

Maßnahmen und

Abrü- stung i n Europa (KVAE), Botschafter James Goodby, hat das Bedauern
der Vereinigten Staaten über den Mangel an echten F o r t s c h r i t t e n auf der
Kon- ferenz zum Ausdruck gebracht.

In einer Rede auf der Abschlußsitzung

der sechsten Sitzungsperiode der KVAE am 5. J u l i 1985 betonte Goodby, die
Vereinigten Staaten strebten s u b s t a n t i e l l e , konkrete und
Schritte

über die Maßnahmen der Schlußakte

verifizierbare

von Helsinki hinaus an und

seien auch b e r e i t , mit der Sowjetunion über Gewaltverzicht zu sprechen,
wenn diese

endlich

zu w i r k l i c h e n

Vertrauens-

und

sicherheitsbildenden

Maß- nahmen b e r e i t s e i .

Die Rede des amerikanischen Chefdelegierten hat folgenden Wortlaut:

Die

amerikanische

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die amerikanische Delegation hat heute Verstärkung durch sechs hervorragende M i t g l i e d e r des amerikanischen Repräsentantenhaus unter Führung
des Abgeordneten Dante F a s c e l l , Vorsitzender
schusses, e r h a l t e n .

des Außenpolitischen Aus-

Der Abgeordnete Fascell i s t s e i t langem mit dem Hel-

sinki-Prozeß verbunden.

Von 1976 b i s zum Frühjahr dieses Jahres war er

Vorsitzender der Amerikanischen Kommission f ü r Sicherheit und Zusammenarbeit

i n Europa, die die Entwicklungen dieses Prozesses i n a l l e n

verfolgt.

Teilen

Der Kovorsitzende der Kommission, der Abgeordnete Steny hbyer,

w e i l t ebenfalls heute unter uns.

Weiter habe ich die Ehre zu begrüßen

die Abgeordneten U d a l l , Smith, Oollins und Mica, die a l l e eine führende
Rolle im Repräsentantenhaus s p i e l e n .

Daß sie die weite Reise unternommen

haben, um uns i n unserer Arbeit zu u n t e r s t ü t z e n , i s t f ü r mich e i n Grund
zum Stolz und zur Freude.

Ihre Reise i s t eine Demonstration, daß diese

Konferenz und der ganze Helsinki-Prozeß dem amerikanischen Volk und s e i nen V e r t r e t e r n im Kongreß e i n großes Anliegen s i n d .

Wie Präsident Reagan

am 13. Mai zu Beginn dieser Sitzungsperiode e r k l ä r t e , e r f r e u t

sich das

Programm, das die amerikanische Delegation h i e r v e r t r e t e n h a t , der überp a r t e i l i c h e n Unterstützung i n den Vereinigten Staaten.

Herr Vorsitzender, meine Delegation hat die Arbeit

dieser

sechsten

Sitzungsperiode mit besonderer S o r g f a l t v e r f o l g t - was geschehen i s t , und
was nicht geschehen i s t .

Es war eine Sitzungsperiode, die durch E r e i g -

nisse außerhalb dieses Saales überschattet

wurde; eine Sitzungsperiode,

die a l l jene unter uns enttäuscht h a t , die gehofft h a t t e n , den Beginn e i ner

intensiven Verhandlungsphase

zu erleben;

und eine

Sitzungsperiode,

die uns wegen des Mangels an greifbaren Ergebnissen enttäuscht.
herrscht Grund zur Ermutigung.

Und doch

Der F o r t s c h r i t t wird g e l e g e n t l i c h an der

Art der sich ändernden Schwierigkeiten gemessen und weniger am Fehlen von
Schwierigkeiten.

Und so mag es uns heute auch gehen.

Aus der Sicht von

vor einigen Monaten können wir erkennen, daß die Stockholmer

Konferenz

den Kanal noch t i e f e r ausgehoben h a t , i n dem der große Strom unserer Arbeit f l i e ß t .

Die Probleme sind k l a r e r zutage g e t r e t e n , der Bereich unse-

rer Debatten i s t k l a r e r d e f i n i e r t , unser Vokabular g l e i c h t sich zunehmend
an.
Was das angeht,
- 2 -

�Was das angeht, was in dieser Sitzungsperiode geschehen ist, so können wir sagen, daß die Konferenz wichtige Klarstellungen erhalten hat,
welche militärischen Aktivitäten angekündigt werden sollten, wie und wann
sie angekündigt werden sollten, wie ein Beobachtungsprogramm aufgebaut
werden sollte und wie eine Verifizierungsvereinbarung funktionieren könnte.

Der ehrenwerte Vertreter Finnlands hat das gut formuliert, als er
sagte, daß "Verständnis für den Standpunkt einer anderen Partei natürlich
nicht bedeutet, daß man gleicher Meinung sein muß , daß aber ein solches
Verständnis eine notwendige Vorbedingung für alle internationalen Verhandlungen ist, die auf Ergebnisse abzielen, welche im Interesse und zum
Wohle aller sind.

In dieser Hinsicht sind wir der Erfüllung des Mandats

der Konferenz einen Schritte näher gekommen."

Was nun das angeht, was nicht geschehen ist, so muß gesagt werden,
daß manche unserer Verhandlungspartner die große Möglichkeit dieser Konferenz noch nicht begriffen zu haben scheinen.

Ihre Vorstellung von der

Konferenz bleibt eine begrenzte. Die von den östlichen Delegationen vorgelegten Arbeitspapiere lassen diese begrenzte Vorstellung erkennen. Sehen wir uns das einmal an:

- Die östlichen Vorschläge auf dem Gebiet der Ankündigung erstrecken
sich nur auf großangelegte Manöverund Truppenbewegungen.

Sie lassen

die Forderungn der Schlußakte nach Ankündigung auch kleinerer Manöver
außer acht.

Sie erkennen offensichtlich die vertrauensbildende Wir-

kung der Ankündigung von mehr militärischen Aktivitäten im Sinne unseres Mandates nicht an.

Man muß sich fragen, wie wir mit dieser

Einstellung die Vorhersagbarkeit des militärischen Verhaltens unserer
Länder in Friedenszeiten erhöhen können.

Wie können wir dafür sor-

gen, daß eventuelle Unklarheiten unserer Absichten stärker ausgeräumt
werden, wenn von der Ankündigungspf.licht nur einige wenige große Aktivitäten erfaßt werden?

Die östliche Einstellung
- 3 -

�- Die östliche Einstellung zur Beobachtung ist ebenfalls zu eng und
einschränkend.

Nur großangelegte Aktivitäten sollen beobachtet wer-

den, und selbst diese sollen nur von einigen wenigen Ländern, die
nicht dem gleichen Bündnis angehören, beobachtet werden dürfen - offensichtlich nur von jenen, die nach dem Urteil der östlichen Staaten
Grund haben könnten, sich durch eine bestimmte Aktivität bedroht zu
fühlen.

Diese Einstellung läßt sowohl das Ziel der Vertrauens- und

Sicherheitsbildung unter allen 35 Staaten wie auch das Prinzip der
Gegenseitigkeit außer acht.

- Die östliche Einstellung zur Verifizierung ist auch begrenzt.

Sie

geht von der Anwendung nationaler technischer Mittel aus - mit dem
Ergebnis, daß einige Staaten bei der Feststellung der Einhaltung vereinbarter Verpflichtungen sehr stark im Nachteil wären.

Die einzige

andere Hilfe für die Verifizierung, die offensichtlich allen 35 Staaten geboten werden soll, ist so etwas wie die Möglichkeit eines therapeutischen Gespräches.

Ist diese begrenzte Vorstellung das, was wir uns als Ergebnis von
sechs Jahren der Bemühungen in Madrid und Stockholm wünschen?

Ist das

das militärisch bedeutsame Ergebnis, über das zu verhandeln alle 35 zugestimmt haben?

Ich glaube nicht'.

Gegen diese begrenzte Vorstellung stehen, Herr Vorsitzender, die detaillierten Vorschläge im "Erweiterten Dokument SC.l".

Die in diesen

Vorschlägen aufgezeigte Ankündigungspflicht soll dazu dienen, das Vertrauen durch die Herstellung vorhersagbarer Muster der militärischen Aktivitäten zu stärken. Die Beobachtungspflicht macht es allen Teilnehmerstaaten weitestgehend möglich, sich der Roitinenatur aller angekündigten
Aktivitäten

zu

versichern.

Die

Informationsund

Verifizierungspflicht

bietet allen 35 Staaten auf gleicher Basis Mechanismen für eine Teilhabe
an Informationen sowohl auf einer routinemäßigen Basis der Zusammenarbeit
als auch in Zeiten der Krise.

Sie bietet ferner die Möglichkeit von be-

sonderen Inspektionen militärischer Tätigkeiten vor Ort und gibt damit
den betroffenen Staaten die Gelegenheit der Kooperation, um eine even-

�eine

eventuell destabilisierende

Situation zu vermeiden und die Ver-

pflichtung zur Vertrauens- und Sicherheitsbildung zu demonstrieren.

In der Arbeitsgruppe B hat meine Delegation am 2. Juli klar und deutlich zum Ausdruck gebracht, daß das genannte Dokument SC.l sich sehr viel
eingehender und wesentlicher als die östlichen Vorschläge mit den Aktivitäten, einschließlich Luftaktivitäten, Flottenaktivitäten und Truppenbewegungen, befaßt, von denen die östlichen Delegationen behaupten, sie
hätten besondere Bedeutung.

Welche Mängel auch immer andere an dem "Er-

weiterten Dokument SC.l" entdecken mögen, es ist kaum zu bestreiten, daß
in dem Falle, in dem die darin vorgeschlagenen Verfahren verwirklicht
würden, diese systematisch und regelmäßig auf ein breites Spektrum militärischer Aktivitäten angewandt würden, um Vertrauen und Sicherheit auf
einer kooperativen Basis zu stärken.

Die zur Auswahl stehenden Möglichkeiten sind aufgezeigt worden.

Ich

zweifle kaum daran, welche Vorstellung die meisten Delegationen wählen
würden.

Wie ich bereits am 21. Juni erklärt habe, "ist meine Delegation

verpflichtet, hier in Stockholm über wesentliche konkrete und verifizierbare Maßnahmen zu verhandeln - Maßnahmen, die weit über die begrenzten
Sicherheitsmaßnahmen hinausgehen, die vor zehn Jahren in Helsinki vereinbart wurden".

Herr Vorsitzender, unser Mandat beschreibt das Ziel dieser Konferenz
als Ergreifen neuer, wirksamer und konkreter Maßnahmen, um Fortschritte
bei der Stärkung von Vertrauen und Sicherheit zu erzielen und Abrüstung
zu erreichen.

Das Mandat signalisiert, daß das Erreichen dieses Zieles

die Verpflichtung der Staaten nur noch deutlicher unterstreicht, sich in
ihren Beziehungen der Androhung oder Anwendung von Gewalt zu enthalten.
Diese Übereinkunft wurde dem Madrider Mandat aufgrund der westlichen Erkenntnis hinzugefügt, daß die Notwendigkeit besteht, das universell anerkannte Gewaltverzichtsprinzip in praktische, realisierbarae Maßnahmen umzusetzen.

Wie die UN-Studie über Vertrauensbildende Maßnahmen betont,

muß dieses Konzept einem Programm der Vertrauensbildung zugrunde liegen.
Dennoch: Vor etwas
- 5 -

�Dennoch: Vor etwas über einem Jahr sprach Präsident Reagan eine Problematik an, die die Sowjetunion "das Hauptanliegen" dieser Konfernz genannt hat, indem er darauf hinwies, die Vereinigten Staaten seien bereit,
das Prinzip der Nichtanwendung von Gewalt zu diskutieren, wenn die Sowjetunion konkrete Vertrauens und sicherheitsbildende Maßnahmen jener Art
aushandeln würde, wie sie von den westlichen Staaten vorgeschlagen wurden.

Seither haben meine Delegation wie auch andere immer wieder darüber

diskutiert, auf welche Waise das Prinzip der Nichtanwendung von Gewalt in
ein Dokument eingebaut werden könnte, bezüglich dessen man auf dieser
Konferenz Einigkeit erzielt.
In meiner jüngsten Erklärung zu diesem Thema stellte ich am 24. Mai
bei der Diskussion der Möglichkeit einer organischen Verschmelzung zwischen dem Prinzip der Nichtanwendung von Gewalt und den vertrauensbildenden Maßnahmen unter anderem fest: "Wir sind der Meinung, daß dieser Weg
eine Möglichkeit eröffnet, zu einer Übereinstimmung hinsichtlich der Verpflichtungen

zu gelangen, die

greifbarer, verifizierbarer Beweis der

friedlichen Absichten einer Nation wären und die somit den Inhalt einer
geeigneten Erklärung unserer Absichten und Ziele - einschließlich des
Prinzips der Nichtanwendung von Gewalt oder der Androhung des Einsatzes
von Gewalt - sein könnten.
lich

die

neuerliche

Mit anderen Worten: Wir wollen nicht ledig-

Bekräftigung

eines bestehenden Prinzips, sondern

vielmehr die Bestärkung dieses Prinzips durch zusätzliche praktische Verpflichtungen." Doch es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Beispiele für
die Bereitschaft meiner Delegation, die Nichtanwendung von Gewalt zu diskutieren:

- Die Erklärung des Vertreters der Vereinigten Staaten in der Arbeitsgruppe A am 12. März, die den sowjetischen Vorschlag über einen Vertrag zur Nichtanwendung von Gewalt kommentierte.

- Die Erklärung meiner Delegation in der Arbeitsgruppe A am 18. Juni,
die bis ins einzelne die Position der Vereinigten Staaten hinsichtlich der ganzen Frage des Prinzips der Nichtanwendung von Gewalt beschrieb.

Im Verlauf derselben Sitzung bezog sich der Vertreter der

�- Vertreter der Niederlande ausdrücklich auf SC. 6; damit spiegelte er
zugleich die Ansichten meiner Delegation wider.

Als Präsident Reagan in Dublin einen Kompromiß vorschlug, zu dem auch
die Frage der Nichtanwendung von Gewalt gehörte und den er erneut im vergangenen Mai in Straßburg aufgriff, ging er davon aus, daß sein Angebot
bei diesen Verhandlungen zu einem Geben und Nehmen führen würde.

Auf das

Angebot reagierte die Sowjetunion jedoch damit, daß sie sagte: "Wir werden unseren Vorschlag der Nichtanwendung von Gewalt mit unseren vertrauensbildenden Maßnahmen kombinieren, und das sollte euch zufriedenstellen."

Nun, das stellt uns eben nicht zufrieden.

Wir sehen seitens der

sowjetischen Delegation wenig Interesse daran, sich ernsthaft mit unseren
im "Erweiterten Dokument SC.l" niedergelegten Vorschlägen auseinanderzusetzen. Die bescheidenen Bemühungen der sowjetischen Delegation hinsichtlich einer Benachrichtigung und Beobachtung wurden von einem Mangel an
Bereitschaft begleitet, über die Praxis der Schlußakte von Helsinki hinsichtlich des Austausches von Informationen hinauszugehen.

Wie ich be-

reits erwähnte, besteht die sowjetische Haltung bezüglich der Verifizierung in dem Vorschlag, nationale technische Mittel, verstärkt durch etwas
diplomatisches Gespräch, seien ausreichend.

Außerdem gab es den Versuch,

die klare Bedeutung des Madrider Mandates hinsichtlich des Verhältnisses
zwischen Marineaktivitäten und militärischen Aktivitäten auf dem europäischen Kontinent zu ändern.

In all dem können wir wenig Einsicht in die Notwendigkeit erkennen,
das Prinzip des Gewaltverzichts im Sinne unseres Mandats zu verstärken,
zu konkreten und praktischen Maßnahmen zu gelangen, die weit über die
Praxis der Schlußakte von Helsinki hinausgehen.

Die allgemeine Tendenz

der Konferenz läuft jedoch auf eine Überzeugung hinaus, die sich nicht
mit bedeutungslosen Abkommen zufrieden geben oder die Verhöhnung unseres
Mandats hinnehmen wird.

Und schließlich wird sich bei allen die Logik

durchsetzen, daß es besser ist, mehr zu tun für die gemeinsame Sicherheit
als weniger. Aber wie lange können wir noch warten?

Herr Vorsitzender,
- 7 -

�Herr Vorsitzender, am Ende der vorigen Sitzungsperiode haben 16 westliche Delegationen das "Erweiterte Dokument SC.l" unterbreitet, das die
umfassende, voll ausgearbeitete Verhandlungsposition unserer Länder darstellt, und zwar in den detaillierten Formulierungen, wie sie für einen
Entwurf notwendig sind.

Meine Delegation hat den 'Äußerungen anderer zu

den sechs Maßnahmen von Dokument SC.l aufmerksam zugehört.

Wir begrüßen

diese Beiträge zu unseren eigenen Gedanken, und wir werden flexibel über
solche Maßnahmen verhandeln.

Am Ende ist es der Inhalt eines Schlußdoku-

ments und nicht die Form, der die Wirksamkeit der Maßnahmen gewährleisten
wird, die wir beschließen.

Das Dokument SC.l ist und bleibt die einzige

detaillierte, umfassende Verhandlungsposition, die auf dem Tisch liegt.
Wir ermutigen andere, ihre Gedanken in vergleichbarer Sprache beizutragen, damit die Konferenz all das Rohmaterial vorliegen hat, das sie
braucht, um in detailliertere Verhandlungen einzutreten.

Herr Vorsitzender, meine Delegation ist sich der hohen Bedeutung, die
viele unserer Verhandlungspartner der Frage der Zurückhaltung beimessen,
voll und ganz bewußt.

Wir haben untersucht, was von den verschiedenen

Delegationen zu dem Thema Zurückhaltung gesagt worden ist.

Und wir ste-

hen den allgemeinen Zielen, die im Zusammenhang mit Zurückhaltung erwähnt
worden sind, durchaus sympathisch gegenüber.

Mehr Genauigkeit bezüglich

der gewünschten Resultate bei der Zurückhaltung wären jedoch für unsere
weiteren

Untersuchungen

nützlich.

In diesem Zusammenhang möchte ich

feststellen, daß meine Delegation der Überzeugung ist, daß das Dokument
SC.l einen Zurückhaltungseffekt auf militärische Aktivitäten hätte, wie
dies auch von anderen Delegationen anerkannt worden ist.

Ich glaube, man

ist sich generell darüber einig, daß jede Maßnahme der Zurückhaltung sich
auf alle Teilnehmerstaaten gleich und fair erstrecken muß und für keinen
Staat oder keine Staatengruppe einen Nachteil oder Vorteil bringen darf.
Ich muß leider sagen, daß meine Delegation bisher keine Maßnahme der Zurückhaltung gesehen hat, die diese Probe bestehen und die Stabilität
stärken würde - und nicht eher destabilisierende Faktoren einbringen würde.

Wir setzen unsere eigenen Studien fort.

Wir werden jedes hier vor-

gelegte neue Konzept sorgfältig prüfen.
Und schließlich,
- 8 -

�Und schließlich, Herr Vorsitzender, sieht meine Delegation ein positives Anzeichen in der Tatsache, daß die Konferenz in der Lage war, sich
einen Arbeitsplan für die nächste Sitzungsperiode zu geben - ohne lange
Verfahrensdebatten, die uns von der Sachdiskussion abgehalten hätten.
Ich habe während der Sitzungsperiode schon einmal gesagt, daß ich keinen
"bequemen Weg" zum Erfolg der Konferenz sehe.

Der Weg ist voller Hinder-

nisse, und sie sind nicht leicht wegzuräumen.

Nur beharrliche, einfalls-

reiche Arbeit an Sachfragen wird uns weiter bringen.

Der Aufbau dieser

Konferenz, d.h. ihre Arbeitsstruktur, kann zur Leistungsfähigkeit bei der
Bewältigung unserer Aufgaben beitragen, ja das Tempo des Fortschritts
steigern.

Aber es versteht sich von selbst, daß wir einfach eine Ar-

beitsstruktur einführen müssen, wenn das für die Erleichterung unserer
Verhandlungen notwendig ist.

Ein solcher Aufbau kann nicht nur in schematischen Zeichnungen bestehen.

Er erfordert auch das verbindende Material, und das ist bedauer-

licherweise nicht in dem Maße vorhanden, wie die meisten es sich wünschen.

Ein großer Baumeister hat einmal gesagt, daß sich die Form der

Funktion unterordnen muß.

Wenn diese Konferenz diesem Prinzip folgen

will, dann muß sie nach Auffassung meiner Delegation die Funktionen weiter ausbauen, von denen wir hoffen, daß sie unsere Arbeitsstruktur tragen
werden.

Denn es liegt auf der Hand, daß es eher an Übereinkunft über die

Funktion mangelt, die einem Fortschritt im Wege steht, als an der Arbeitsstruktur.

Schließlich und letztlich ist der Schlüssel zum Fort-

schritt nicht in der Form einer Arbeitsstruktur zu finden, sondern in dem
politischen Willen aller Teilnehmer, sich den der Konferenz vorliegenden
Problemen ernsthaft und konstruktiv zuzuwenden und sie zu lösen.

All jene von uns, die das Erweiterte Dokument S C I befürworten, hoffen auf aktivere Verhandlungen im Herbst. Es war und ist unser Ziel, ohne Verzug in intensive und entscheidende Verhandlungen einzutreten.

Das

war der Grund warum wir das Erweiterte Dokument S C I überhaupt vorgelegt
haben.

Ob das möglich sein wird, hängt mehr von der Qualität unserer Er-

örterungen als von der Quantität einfallsreicher Verfahrensweisen ab.
Meine Delegation - und ich bin sicher, daß ich auch für andere spechen
- 9 -

�andere sprechen kann - ist gegenüber allen Vorschlägen offen, wie unsere
Arbeitsstruktur unsere Arbeit wirksamer unterstützen könnte.

Wenn wir

beispielsweise die derzeitige Arbeitsstruktur in einer etwas informellen
Weise nutzen könnten und in der Lage wären, mehr Gemeinsamkeiten zu finden, dann würde das sicherlich uns allen helfen, den Übergang zu einer
entscheidenden Phase unserer Verhandlungen zu bewirken.

Herr Vorsitzender, wenn unsere Delegation im September nach Stockholm
zurückkehren wird, dann werden sich unsere Außenminister in Helsinki getroffen haben, um des 10. Jahrestages der Schlußakte und des Kooperationsprozesses zu gedenken, von dem diese Konferenz ein Teil ist.

Für

die Vereinigten Staaten ist Helsinki eine Mahnung, daß echte Sicherheit
nicht nur eine Frage militärischer, sondern auch ziviler, politischer,
sozialer, wirtschaftlicher, kultureller und humanitärer Anliegen, d.h.
auch der Menschenrechte, ist.

Wenn die Arbeit dieser Konferenz im nächsten Jahr in Wien beurteilt
werden wird, dann wird dies nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit
dem Fortschritt geschehen, der in der Förderung aller zehn Prinzipien der
Schlußakte gemacht worden ist.

Und die künftige Entwicklung der Sicher-

heitskomponente des Halsinki-Prozesses wird ohne Zweifel von einem solchen ausgewogenen Fortschritt abhängen.

Wie ich auf dieser Plenarsitzung

vor zwei Wbchen gesagt habe, ist die Stockholmer Konferenz ein integraler
Bestandteil des Helsinki-Prozesses, nicht nur weil formelle Übereinkünfte
es so wollen, sondern aufgrund der Wahrheit, daß Menschenrechte, Frieden
und Sicherheit unzertrennlich sind.

Nur auf dieser Basis kann der Geist

der Übereinkunft von Helsinki verwirklicht werden.

Was die amerikanische Delegation angeht, so werden wir unsere Arbeit
hier nach denselben Maßstäben fortsetzen, wie wir sie in anderen Teilen
des Helsinki-Prozesses anlegen, d.h., wir wollen ein Abkommen erreichen,
das von der Sache her bedeutsam und verifizierbar ist, denn ohne das hätte ein Abkommen keine Chance, einen bedeutsamen Beitrag zur Sicherheit
Europas zu leisten.

Zu Beginn dieser Konferenz hat Außenminister Shultz

darum ersucht, daß wir uns in unseren Verhandlungen so verhalten, daß Hi- 10 -

�daß Historiker

diese

Zusammenkunft

einmal

Ost-West-Beziehungen bezeichnen können.

als einen

Wendepunkt

i n den

Diese Chancen haben wir noch im-

mer, obwohl die Z e i t , die uns b i s Wien b l e i b t , immer kürzer w i r d .

Aber

wir

klug

können diese Herausforderung bewältigen, wenn wir unsere Z e i t

nutzen.

- 11 -

�10. J u l i 1985

27

RAUMFÄHRE "CHALLENGER" MIT SDACELAB-KCMBINATION
Projekte zur Erforschung der Sonne, t i e f e r kosmischer Bereiche
und der irdischen Umwelt -

-

(AD)

-

Wissenschaftler

bezeichnen den bevorstehenden OALLENGER-

l u g , den 19. Einsatz eines amerikanischen Raumtransporters, a l s eines der
a r b e i t s r e i c h s t e n und vom Programm her kompliziertesten Vorhaben, das b i s her im Weltraum unternommen worden s e i .
an Bord i s t f ü r den 12. J u l i vorgesehen.
li,

Der Start mit sieben Astronauten
Sieben Tage später, am 19. Ju-

wird CWLLENGER auf dem Gelände von Edwards A i r Force Base i n K a l i -

fornien zurückerwartet.
C. Gordon F u l l e r t o n , P i l o t beim d r i t t e n Space S h u t t l e - F l u g , i s t Kommandant

der

CH\LLENGER, Waltraumneuling

Roy Bridges der

Kopilot.

Die

Missionsspezialisten Story Musgrave, Anthony England und K a r l Henize sind
Karriereastronauten mit abgeschlossenem naturwissenschaftlichem

Studium.

Die beiden "Gastforscher" an Bord - Loren Acton und John-David Bartoe -

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�John-David Bartoe -

sind als Spezialisten für Sonnenphysik am Lockheed

Research Laboratory i n Palo Alto bzw. am Forschungsinstitut der US-Marine
tätig.
Das zum großen T e i l
Vteltraumlaboratorium

in

der Bundesrepublik entwickelte

SPACELAB f l i e g t

in

neuartiger

wird das Kernstück dieser Mission b i l d e n .
raum

wurden

weitere

u.a.

Teleskope

für

Kombination mit und

Auf d r e i Paletten im N u t z l a s t -

Röntgenstrahlenund

Infrarotastronomie,

wissenschaftliche Meß- und Beobachtungsinstrumente

chungen im f r e i e n Vfeltraum montiert.

und gebaute

für

Untersu-

Sie werden ergänzt durch e i n " I g -

l u " , einen Druckbehälter, i n dem Computer und Aufzeichnungsgeräte
gebracht

unter-

sind (Die Labor-Druckkabine, i n der ohne Raumanzug gearbeitet

werden kann, i s t

dieses Mal nicht dabei).

zwei Tonnen schwer Nutzlast

Hinzu kommt als

wichtigste,

das "Instrument Pointing System" (IPS) aus

den Vferkstätten der Fa. Dornier i n F r i e d r i c h s h a f e n , daß die Ausrichtung
von Teleskopen, Kameras, Spektrometern und anderen Instrumenten auf Geräteträgern wie z.B. den SPACELAB-Paletten mit e i n z i g a r t i g e r Präzision e r laubt.

Kreiselgeräte des IPS-Systems halten die Instrumente auch auf i h -

re Beobachtunsziele
die Erde umkreist.

im Vfeltraum g e r i c h t e t ,

während der

Raumtransporter

Diese neue Technik s o l l Manöver zur Positionsverände-

rung des Space Shuttle ü b e r f l ü s s i g machen, die bisher unternommen werden
mußten, um z.B. die Sonne oder bestimmte Regionen der Sonne zu f i x i e r e n ,
um von diesen scharfen Abbildungen und exakte Meßdaten z.B. von der S t ä r ke der solaren Magnetfelder oder der Heliumkonzentration i n der Sonnenkorona zu bekommen.
Für einige andere der insgesamt 13 Experimente - e l f sind von amerikanischen, zwei von b r i t i s c h e n I n s t i t u t e n vorbereitet worden - i s t

wie-

derum eine exakt dosierte Aktivierung der CHALLENGER-Triebwerke über ganz
bestimmten Referenzpunkten auf der Erde unumgänglich.

Es geht dabei um

Experimente zur Plasmaforschung - i n diesem F a l l zur besseren Erforschung
der irdischen Ionosphäre.

Diese umfaßt Schichten i n der Erdatmosphäre,

wo die Luft nicht aus n e u t r a l e n , sondern aus e l e k t r i s c h geladenen T e i l chen besteht und somit e i n Plasma b i l d e t .

Die Existenz der

Ionosphäre

i s t die Voraussetzung f ü r den Funkverkehr um die Erde mit K u r z - , M i t t e l - 2 -

�Kurz-, Mittel- und Langwellen, weil diese an der Ionosphäre reflektiert
werden, während nur Ultrakurzwellen durch sie hindurchgehen.

Mittels der

TriebwerksZündungen, bei denen wasserbildende Abgase ausgestoßen werden,
will man die Ionosphäre vorübergehend an bestimmten Stellen "durchlöchern" und damit für niederfrequente Funkwellen durchlässig machen.

So

ergäbe sich z.B. eine Möglichkeit, auf der Erde auch niederfrequente Radiosignale von kosmischen Quellen zu empfangen.

* * * * *

- 3 -

�10. J u l i 1985

27

"INTELSAT" UMSPANNT DIE V£LT
- Dienstleistungen für 160 Länder und T e r r i t o r i e n -

-

(AD) - Ein umfangreiches Netz von i n t e r n a t i o n a l e n S a t e l l i t e n weit

draußen im Weltraum ü b e r m i t t e l t

i n Sekundenschnelle Börsenberichte

rund

um die Erde, versorgt selbst die abgelegensten Regionen mit dringend e r betenen oder neuesten medizinischen Informationen und läßt Menschen
aller

in

Vtelt über Fernsehen d i r e k t an Ereignissen wie etwa der Sommerolym-

piade 1984 i n Los Angeles teilnehmen.

INTELSAT, die I n t e r n a t i o n a l e Fern-

meldesatelliten-Organisation, w i c k e l t über ihre leistungsfähigen "Relaiss t a t i o n e n " am Himmel - sie umkreisen die Erde i n knapp 36 000 km Höhe etwa zwei D r i t t e l der transozeanischen Ferngespräche und die Übertragung
p r a k t i s c h a l l e r i n t e r k o n t i n e n t a l e n Fernsehsendungen ab.
Zwischen der Stationierung
Typ INTELSAT V mit

ihres

jüngsten N a c h r i c h t e n s a t e l l i t e n vom

einer ATLAS-CENTAUR-Rakete Ende Juni

1985 und dem

S t a r t des ersten kommerziellen N a c h r i c h t e n s a t e l l i t e n EARLY BIRD am 6. April

1965 liegen nur 20 Jahre.

Aber die neue Technik hat die Kommunika-

tionsmöglichkeiten grundlegend verändert und i n einem noch vor zwei Jahr-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�zwei Jahrzehnten kaum vorstellbarem Maß e r w e i t e r t .

EARLY BIRD, 32 kg

schwer, wurde von einem i n den USA gegründeten i n t e r n a t i o n a l e n Konsortium
auf den Vfeg gebracht, dem heute 109 M i t g l i e d s t a a t e n angehören.
tellit

Der Sa-

konnte 240 Telefongespräche oder e i n Fernsehprogramm i n Schwarz-

Vteiß übertragen.

Der neueste N a c h r i c h t e n s a t e l l i t ,

INTELSAT V I , der im

nächsten Jahr gestartet werden s o l l , wird eine 170 Mal größere Kapazität
besitzen.

EARLY BIRD war mit Bodenstationen i n sieben Ländern - Bundes-

republik Deutschland, Frankreich, Großbritannien, I t a l i e n , Kanada, Spanien und den Vereinigten Staaten - verbunden.

Das heutige INTELSAT-Netz

umfaßt 850 Erdefunkstationen, von denen aus mehr a l s 160 Länder und Terr i t o r i e n bedient werden.

Informationen, Nachrichten, Daten jeder erdenk-

l i c h e n Art gehen um die Vfelt.

Über INTELSAT l ä u f t auch der "heiße Draht"

zwischen den Vereinigten Staaten und dem Kreml und der Kontakt unter den
Einheiten der UN-Friedenstruppe.

Am Anfang von INTELSAT stand das amerikanische N a c h r i c h t e n s a t e l l i t e n Gesetz von 1962, mit dem der amerikanische Kongreß die p o l i t i s c h e Absicht
v e r f o l g t e , " i n Übereinstimmung und Zusammenarbeit mit anderen Ländern...
e i n kommerzielles Nachrichtensatelliten-System a l s T e i l eines verbesserten globalen Kommunikationsnetzes" aufzubauen.

Auch s o l l t e dafür gesorgt

werden, daß die vorgesehenen Dienstleistungen den " w i r t s c h a f t l i c h weniger
entwickelten Ländern" ebenso wie den Industrieländern zugute kämen.
erstes wurde COMSAT, dem amerikanischen p r i v a t e n
Unternehmen, die

Verantwortung

für

ben i n a l l e r

Nachrichtensatelliten-

den Aufbau eines

kommerzieller Fernmeldesatelliten übertragen.

Als

weltweiten

Netzes

CCMSAT-Repräsentanten war-

Vfelt um M i t a r b e i t , was zur Unterzeichnung von Interimsver-

einbarungen und s c h l i e ß l i c h zur Bildung von INTELSAT f ü h r t e .
I n der Z e i t von 1965 bis 1972, i n der CCMSAT mit dem INTELSAT-Management beauftragt war, wurden v i e r Generationen von Fernmeldesatelliten gebaut und i n Dienst g e s t e l l t .

Die Zahl der Erdefunkstationen wurde von

ursprünglich fünf Antennen auf e i n weltweites Netz mit 79 Stationen e r w e i t e r t , und zu den anfänglich e l f M i t g l i e d s t a a t e n g e s e l l t e n sich weitere
72 Nationen.
blieb,

Grundprinzip bei a l l e n damaligen und späteren Verhandlungen

wie k ü r z l i c h

INTELSAT-Generaldirektor
- 2 -

Richard

Colino

sagte, die

�sagte, die Wahrung der Leistungsfähigkeit im Rahmen i n t e r n a t i o n a l e r P a r t nerschaft mit Besitzrechten und Entscheidungsgewalt i n den Händen v i e l e r
Nationen.

"Daran durfte

standteil

nicht

gerüttelt

werden.

Dies war f e s t e r

Be-

im Beschluß der Vereinigten Staaten, an ihrem technologischen

Vorsprung andere

teilhaben

zu l a s s e n . "

Heute sei

INTELSAT das e r s t e ,

größte, technisch modernste und unter geographischen wie p o l i t i s c h e n Aspekten v i e l g e s t a l t i g s t e

Satellitensystem f ü r den Allgemeingebrauch.

den 109 Mitgliedstaaten werden d r e i V i e r t e l
gerechnet.

Von

zu den Entwicklungsländern

Die Besitzrechte an INTELSAT lägen zu etwa zwei D r i t t e l n

Händen von 25 Industrieländern.

I n das l e t z t e D r i t t e l

in

t e i l t e n sich 85

Entwicklungsländern, auf deren T e r r i t o r i u m 60 Prozent der Antennenanlagen
stehen.
Die Sowjetunion machte von dem Angebot, sich an INTELSAT zu b e t e i l i gen, keinen Gebrauch.

S t a t t dessen förderte s i e , wie Wreatham G a t h r i g h t ,

e i n ehemaliges M i t g l i e d des Planungsstabes im amerikanischen Außenministerium,

erklärte,

den Aufbau der Konkurrenzorganisation

INTERSPUTNIK.

Aber das INTERSPUTNIK-Netz werde von kaum mehr Ländern genutzt a l s jenen,
die d i r e k t e p o l i t i s c h e Bindungen an die Sowjetunion haben.
Im Verlauf des l e t z t e n Jahrzehnts hat INTELSAT mit erheblicher Unterstützung

von CCMSAT Hinderte

neuer

gramme über S a t e l l i t e n e i n g e f ü h r t .
zufolge

die

inländischen

1975 i n e r s t e r L i n i e

internationaler

Dienstleistungspro-

Zu den größten Erfolgen zählen Golino

Pachtverträge

für

für Entwicklungsländer

Dienstleistungen,
bereitgestellt

die

seit

werden.

Sie

beanspruchen sehr kleine Einheiten der S a t e l l i t e n k a p a z i t ä t und kosten r e l a t i v geringe Gebühren, so daß die einzelnen Länder i h r e S a t e l l i t e n k a p a zität

allmählich ausbauen und die Einrichtung von Bodenstationen, Tele-

fonnetzen und Radiostationen entsprechend i h r e r f i n a n z i e l l e n Möglichkeiten i n A n g r i f f nehmen können.

Etwa zehn Prozent a l l e r

INTELSAT-Einkünfte

kommen aus Inlandspachtverträgen, die j e t z t i n 20 Entwicklungsländern und
i n sieben Industrieländern i n Kraft
für

sind.

Kostengünstige

Pachtverträge

den Inlandsbetrieb ermöglichen jedem Land den Zugang zu D i e n s t l e i -

stungen via Fernmeldesatelliten und zum geostationären Orbit ( d . h . einer
R e l a i s s t a t i o n i n ca. 36 000 km Hb'he, von der aus jeweils bestimmte Regio- 3 -

�bestimmte Regionen auf der Erdoberfläche ständig erreichbar s i n d ) , ohne
e i n eigenes Satellitensystem aufbauen oder technische Einrichtungen eines
anderen Landes i n Anspruch nehmen zu müssen.
Seit

1978 g i b t

es das "INTELSAT Assitance and Development

(IADP)", e i n Hilfsund Entwicklungsprogramm f ü r

Program

jedes Land, das f ü r

Ausbau bestehender Erdefunkstationen, die Planung inländischer

den

Pachtsy-

steme oder den Anschluß nationaler Netze an das INTELSAT-System t e c h n i sche Unterstützung b e n ö t i g t .
tiert.

Inzwischen haben 74 Länder von IADP p r o f i -

M i t dem zu äußerst niedrigen Gebühren für Entwicklungsländer e i n -

gerichteten Inund Auslandstelefonsystem VISTA g i b t INTELSAT den Regierungen dieser Staaten die M ö g l i c h k e i t , auch die abgelegensten Teile des j e weiligen Landes i n das Nachrichtennetz einzubeziehen.
auf Vorschlag

S c h l i e ß l i c h wurde

von Nigeria e i n Ausund Fortbildungsprogramm f ü r junge Aka-

demiker und Spezialisten i n der INTELSAT-Zentrale f ü r Fachgebiete wie F i nanzwesen, Fernmeldetechnik und technische Koordination e i n g e r i c h t e t .

Es

basiert auf einem Trainingsprogramm, das CCMSAT i n der ersten Aufbauphase
der i n t e r n a t i o n a l e n Organisation den M i t g l i e d s t a a t e n anbot.

- 4 -

�10. J u l i 1985

27

IM\€LTSCHJTZ BRAUCHT NEUE IDEEN
- I n t e g r i e r t e Programme k ü n f t i g im Vordergrund -

-

(AD) -

"Neue Lösungen für a l t e Probleme" müßten die Nationen f i n -

den, wenn sie Umweltschadstoffe
ausmerzen wollen.
Leiter

unter Kontrolle

bringen und weitgehend

Diese Auffassung v e r t r a t k ü r z l i c h Lee M. Thomas, der

der amerikanischen Bundesbehörde für Umweltschutz (EPA) , im Ver-

lauf einer auf m i n i s t e r i e l l e r Ebene abgehaltenen Konferenz der OECD-Mitgliedstaaten (OECD - Organisation für w i r t s c h a f t l i c h e Zusammenarbeit und
Entwicklung) i n Paris.
besorgniserregenden

"Wir sehen uns j e t z t einer neuen 'Generation'

Schädigungsmöglichkeiten

gegenüber,

von

beispielsweise

den Risiken durch Chemikalien für die menschliche Gesundheit und die Umw e l t , durch den Umgang mit gefährlichen A b f a l l s t o f f e n , durch sauren Niederschlag und durch das Zusammenwirken von Schadstoffen i n L u f t ,
und Boden", e r k l ä r t e

er.

Diese

Probleme

verlangten

Vösser

fachübergreifende

Maßnahmen zur Unschädlichmachung, neuartige H i l f s m i t t e l , generell gesehen
neue Ausgangspositionen und neue Ideen.

"Verhinderung und Kontrolle

von Umweltverschmutzung" war das Thema

der Konferenz, mit der Aktionen für die nächsten fünf Jahre

vorbereitet

Postfach 20 03 00 Tel 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Jahre vorbereitet

werden s o l l t e n .

Die neuen Umweltsorgen und j e t z t

be-

stehenden Möglichkeiten der Umweltschädigung seien schwer zu i d e n t i f i z i e r e n , zu analysieren und anzugehen, meinte der EPA-Chef.

Es bedeute häu-

f i g w i r t s c h a f t l i c h e Belastungen, sie lösen zu wollen - und ebenso, n i c h t s
dagegen zu unternehmen.

Jedenfalls unterschieden sie sich z. T. erheb-

l i c h von den bisher bekanntgewordenen Auswirkungen und e r f o r d e r t e n A k t i o nen auf einer höheren Ebene.

I n den fünf Jahren s e i t der l e t z t e n Kommissions-Sitzung seien i n der
Bekämpfung und Kontrolle v i e l e r Schadstoffe

solide F o r t s c h r i t t e

erzielt

worden durch
- Verringerung der Luftund

Wasserverschmutzung t r o t z

Wirtschaftswach-

stum und Zunahme der Bevölkerungszahlen i n den Industrieländern;
- bessere Bewältigung des Hausmüllproblems;
- Verringerung und S t a b i l i s i e r u n g

der Konzentrationen von bestimmten,

schwer abbaufähigen Chemikalien und Pestiziden i n der Umwelt;
- Schutzmaßnahmen für v i e l e Landschaften, die zu Naturparks und Naturschutzgebieten e r k l ä r t wurden.
Aber es bleibe
schädliche

noch sehr v i e l

Nebenprodukte

neuer

zu t j n

-

Technologien

Schutzvorkehrungen t r e f f e n , forderte Thomas.

vor allem müsse man gegen
von

vornherein

wirksame

Da dies a l l e s Geld k o s t e ,

müßten die Programme der OECD-Länder zur Vermeidung von Doppelgleisigkeit
gut k o o r d i n i e r t werden und meßbare Ergebnisse i n der Form realer Verbesserungen des UmweltzuStandes versprechen.
Zu den wohl
Thomas aus:

vordringlichsten

Fragen i n den nächsten Jahren

führte

" Z u a l l e r e r s t bedeuten die herkömmlichen Luftschadstoffe

Dauerproblem, insbesondere
noch überschritten werden.

i n den Stadtregionen, wo die

ein

Ozonhöchstwerte

Wir brauchen neue Strategien f ü r diese a l t e n

Probleme, w e i l Schadstoffe häufig weit j e n s e i t s des Raumes, i n dem sie

-

2 -

�dem sie f r e i g e s e t z t werden, wirksam werden. So s o l l t e n v i e l e unserer Kont r a llmaßnahmen regional und nicht

l o k a l ansetzen.

Schad- Stoffe schon i n der Atmosphäre.

Auch reagieren v i e l e

Und wenn sich die Konzentration

des einen Schadstoffs ä n d e r t , kann dies auch die Konzentration eines anderen Stoffes

beeinflussen.

Saurer Regen und regionaler

fotochemischer

Smog sind Bespiele für die Schadstoffgemische, die aus feinen P a r t i k e l n ,
Ozon, Schwefeldioxyden, Stickstoffoxyden und i h r e n Sekundärprodukten geb i l d e t werden, die keineswegs nur die I n d u s t r i e - und S t a d t r e g i o n , aus der
sie kommen, beeinträchtigen.
Unsere Erfahrungen

mit

Art

und Ausmaß des toxischen Problems

der

Luftverschmutzung aus den l e t z t e n paar Jahren führten dazu, daß wir j e t z t
einige der Maßnahmen, die wir dagegen unternehmen, ausweiten und mit anderen Schwerpunkten versehen.

Wir haben erkannt, daß toxische Stoffe

in

der Luft weit mehr a l s angenommen mit a l l e n Arten von A k t i v i t ä t e n einer
modernen Gesellschaft i n Zusammenhang stehen.

Das schließt nicht nur den

Betrieb großer Industriewerke e i n , sondern auch A l l t ä g l i c h e s
l i c h e n Bereich wie Autofahren,

im persön-

hfeizen oder chemisches Reinigen.

Wir ha-

ben auch g e l e r n t , daß es sich bei den meisten toxischen Stoffen i n der
Luft

um feine P a r t i k e l

und gasförmige organische Verbindungen

Diese stehen als T e i l des Schwerpunktprogramms zur

handelt.

Schadstoffbekämpfung

unter K o n t r o l l e , was dazu f ü h r t e , daß toxische Luftverschmutzung b e r e i t s
geringer geworden i s t .

Wir beabsichtigen, uns j e t z t vor allem auf die Eindämmung jener Probleme zu konzentrieren, die am meisten mit der Verursachung von Krebs und
anderen Krankheiten zu tun haben könnten.
mittlungen

Methoden

zur

Risikobewertung

größtmöglichen Gesundheitsschutz
schen zu erreichen.

für

die

Wir werden f ü r genauere Eranwenden

und

versuchen,

den

größtmögliche Anzahl von Men-

Unsere Behörde wird a l l e i h r zur Verfügung stehenden

r e c h t l i c h e n Möglichkeiten einsetzen - nicht nur i n bezug auf L u f t r e i n h a l t u n g , sondern bei a l l e n Programmen - , um die v i e l s c h i c h t i g e n und v i e l f ä l t i g e n Aspekte der toxischen Luftverschmutzung anzugehen.

Wasserver schmutzung
-

3 -

�Wasserverschmutzung verlangt
Aufmerksamkeit.

auch i n den entwickelten Ländern große

Viele der städtischen Kläranlagen f u n k t i o n i e r e n nicht so

gut oder sind ü b e r l a s t e t .

Zu v i e l e Industriebetriebe halten sich n i c h t

an i h r e Einleitungsgrenzwerte.

Auf diesen Gebieten müßten Programme zur

Durchsetzung der Vorschriften g e s t r a f f t

und v e r s t ä r k t

der OECD-Mitgliedstaaten berücksichtigt werden.
gen durch großflächig

sowie Erfahrungen

Außerdem sind Belastun-

wirksame Quellen wie S t i c k s t o f f d ü n g e r ,

Pestizide

und Abwässer aus Stadtregionen noch nicht ausreichend vermindert.
ist

e i n komplexes Problem, weil das Vorgehen zur Kontrolle

Dies

ortsabhängig

i s t und Veränderungen i n der Bodennutzung und l a n d w i r t s c h a f t l i c h e n Praxis
im Gefolge hat.
Was gefährliche A b f a l l s t o f f e

angeht, so e x i s t i e r e n z a h l l o s e , i n z w i -

schen geschlossene Deponien, von denen unmittelbare Gefahren für die Umwelt

und menschliche Gesundheit

ausgehen.

I n den Vereinigten

Staaten

s t e l l t e n wir f e s t , daß jede Deponie eine spezielle und komplexe Herausforderung

darstellt,

stark s t r a p a z i e r t .

die

unsere

gegenwärtigen analytischen

Hilfsmittel

Bei der Entscheidung über Plätze zur Endlagerung und

der A r t und Weise der Behandlung müssen wir zuvor die Risiken und Kosten
jeder einzelnen Option analysieren.

In den USA versuchen wir

zunächst,

der "Öffentlichkeit die S i t u a t i o n zu erklären - i n der Hoffnung, daß uns
i n f o r m i e r t e Bürger helfen können, für die Risikobewältigung zu v e r n ü n f t i gen Beschlüssen zu kommen.
I n den kommenden Jahren sehen sich unsere Behörden angesichts unserer
Erfahrungen i n den l e t z t e n Jahren wahrscheinlich gezwungen, im t ä g l i c h e n
Umgang mit

gefährlichen A b f a l l s t o f f e n

im Lande selbst die Programme zu

i h r e r Beseitigung drastisch zu ändern.

Wir i n den USA sind d a b e i , sie zu

überprüfen

und wirksamer

zu g e s t a l t e n .

Dabei

sind Veränderungen aus

jüngster Z e i t zu berücksichtigen, zu denen neue Technologien f ü r den Umgang mit gefährlichen A f b f ä l l e n , neue wissenschaftliche Erkenntnisse über
ihre Auswirkungen und, a l s Wichtigstes, die Einsicht gehören, daß gutes
Management das kostspielige Problem der Beseitigung n i c h t
Deponien von Problemmüll vermeidet.

kontrollierter

Vielfach werden gefährliche A b f a l l -

s t o f f e auch i n andere Länder t r a n s p o r t i e r t .

-

Die Bemühungen der OECD, f ü r

4 -

�OECD,

für

diese

Uberwachungs-

und

grenzüberschreitenden

Transporte

Protokollierungssystem

ein

einzurichten,

internationales
sollten

in

den

nächsten Jahren besonderen Vorrang haben.

Chemikalien
Ein schwieriges K a p i t e l s t e l l e n die auf dem Markt vorhandenen Chemik a l i e n und Pestizide dar, die auf i h r e Auswirkungen auf die menschliche
Gesundheit und die Umwelt noch n i c h t ausreichend getestet s i n d .
sen diese Produkte

entsprechend

p r ü f e n , ebenso

j e n e , die

Wir müs-

neu auf

den

Markt kommen s o l l t e n .
Seit

den siebziger

Jahren hat eine Reihe von Ländern innerhalb der

OECD Gesetze zur Kontrolle g i f t i g e r Chemikalien erlassen, und auch i n der
i n t e r n a t i o n a l e n Harmonisierung unserer

rationalen

Programme zur Chemika-

l i e n k o n t r o l l e haben wir mit dem einschlägigen OECD-Programm F o r t s c h r i t t e
erzielt.

Dieses Programm können wir bei der nächsten Fachkonferenz im

Jahr 1986 weiter voranbringen.
Wir a l l e wissen, daß Umweltbelastungen durch g i f t i g e Chemikalien a l s
Schadstoffe aus der Luft ins Wasser, aus Oberflächenwasser ins Grundwass e r , vom Wasser i n den Boden und so f o r t wandern können.
konzentriert

sich unsere

Umweltschutzstrategie

einzelne Trägermedien der Schadstoffe.

auf

Aber noch immer

Einzelprogramme

für

Von nun an müssen wir den mög-

lichen Übergang von einem Medium ins andere unbedingt i n Rechnung s t e l len.

Denken w i r nur daran, daß z.B. durch die Entfernung von Wasserbe-

lastungsstoffen i n Betrieben der organischen Chemie häufig f l ü c h t i g e

or-

ganische Substanzen i n die Atmosphäre entweichen, was i n der Umgebung die
Gesundheit von Menschen beeinträchtigen kann.

Ein weiteres B e i s p i e l sind

die Flächenbelastungen i n der Landwirtschaft.

Da h ä l t man beispielsweise

den Wasserabfluß zurück und läßt Regenwasser i n den Boden e i n s i c k e r n , um
die Verschmutzung von Gewässern durch Pestizide zu verhindern.

Das aber

kann zu einer Pestizidverseuchung des Grundwassers i n unbekanntem Ausmaß
führen.
Des weiteren müssen
-

5 -

�Des weiteren müssen wir uns mit den weltweit i n Erscheinung tretenden
Problemkomplexen der durch menschliche A k t i v i t ä t e n ausgelösten Klimaveränderungen und Ausdünnung der Ozonschicht näher befassen.
enge Zusammenarbeit

- eine Nation a l l e i n könnte nicht

Dies e r f o r d e r t
viel

ausrichten.

So wird der zuständige OECD-Arbeitskreis, der im nächsten Jahr zusamment r e t e n s o l l , uns Gelegenheit geben, die neuesten wissenschaftlichen Bewertungen und die Möglichkeiten f ü r Problemlösungen zu e r ö r t e r n .

Das Zu-

standekommen der Wiener Konvention f ü r den Schutz der Ozonschicht b i l d e t
dafür eine gute Ausgangsposition.

Und es i s t

w i c h t i g , daß wir die

tat-

k r ä f t i g e Arbeit auch i n der Umweltkommission der Vereinten Nationen (UNEP
- United Nations Environmental Program) weiterführen.

Giftige

Chemikalien, gefährliche A b f ä l l e , und die L e i c h t i g k e i t ,

mit

der sie von einem Medium ins andere wandern, bedeuten für uns eine ganz
neue Herausforderung für
recht

Schadstoffkontrollen.

Wenn wir

ihr

nicht

ge-

werden, können die schwer e r a r b e i t e t e n F o r t s c h r i t t e unserer wich-

t i g s t e n Umweltschutzprogramme gefährdet s e i n .

Wir müssen uns immer wie-

der vor Augen führen, daß der Planet, auf dem wir leben, e i n geschlossenes System d a r s t e l l t .

Nichts i s t h i e r so weit abseits gelegen, a l s daß

es zur Abfallgrube gemacht werden könnte.
Und aus diesem Grund müssen wir Wege f i n d e n , um f ü r die Ausarbeitung
unserer Vorschriften und Kontrollprogramme ganze Systeme zu analysieren.
Wir müssen ferner Risiken f ü r die menschliche Gesundheit und die Umwelt
besser abschätzen l e r n e n , worum sich die Vereinigten Staaten b e r e i t s sehr
aktiv

bemühen.

Und wir müssen im Interesse des Risikomanagements Ver-

fahrensweisen zur Beschlußfassung s t r a f f e n und uns mit den Methoden der
Partnerstaaten befassen, um unsere Maßnahmen zum Schutz der Umwelt zu
harmonisieren.
Bei unseren Kontrollmaßnahmen s o l l t e n wir außerdem die R i s i k o v e r r i n gerung und die riskanten Auswirkungen j e g l i c h e r Schadstoffumsetzungen aus
einem Medium ins andere bedenken.

I n den Vereinigten Staaten haben wir

j e t z t mit der Überprüfung unseres Vorschriftenkatalogs begonnen, um Wage
zur Reduzierung oder Ausschaltung des Schadstofftransfers

-

6 -

von einem Me-

�einem Medium ins andere zu finden. Und wir brauchen neue Arten von Informationen - nennen wir sie integrierte Risikoanalyse und neuartige integrierte Management-Programme, damit wir diese Probleme angehen können.
Ebenso sollten wir die Reduzierung von Schadstoffen an der Quelle als
wichtigen Punkt mehr hervorheben.

Wir möchten, daß die Industrie weniger

Geld dafür ausgibt, um vom Risiko doch noch einiges - wenn auch immer weniger - zu profitieren, sondern daß sie mehr Geld aufwendet, um Prozesse
und Produkte zu entwickeln, die von vornherein Schadstoffärmer sind."

* * * * *

- 7-

�THEMENINDEX AMERIKA DIENST 1985
Nachstehend ist eine Liste der
2. Januar bis zum 3. Juli 1985
Überblick über die wichtigsten
die Nummer der Ausgabe, in der

Thenen, die im Amerika Dienst vom
erschienen sind. Sie gibt einen
Thenenkreise. Angegeben ist jeweils
das betreffende Thema behandelt wird
Nummern der Ausgaben

Themenkreis
1.

Ost-West-Beziehungen
Genfer Verhandlungen

2, 3, 4, 5, 11, 12, 20,
21

US-UdSSR Beziehungen

11, 12

Sowjetisch-Kubanisch
Machenschaften in Mittelamerika und in der Karibik

Sonderdienst 1. April

2.

NATO/Atlantische Verbindung

11

3.

Amerikanisch-Deutsche
Beziehungen

7

Vereinigten Staaten
US-Innenpolitik/Lage der Nation 3, 6, 13, 22
Präsident Reagans Amtsantr ittsrede

Sonderdienst 22. Jan.

Präsident Reagans Botschaft
über die Lage der Nation.

Sonderdienst 7. Feb.

Die US-Wirtschaftspolitik
schafft neue Arbeitsplätze

Sonderdienst 17. April

Reagans Besuch des Europäischen Parlaments in
Straßburg

Sonderdienst 8. Mai

Religion in den USA

17

US-Außenpolitik

(allgemein)

1, 4, 6, 16, 17

US-Nahrungsmittelhilfe in
Afrika

9, 20, 23

Mittelamerika und die Karibik

4, 5, 15, 18, 21, 25

Nichtweiterverbreitung von
Kernwaffen

25

�Themenkreis

Nummern der Ausgaben

Multilaterale Handelsgespräche

Sonderdienst 17. April

US-Außenministerium berichtet
über die Entwicklung der Lage
in Mittelamerika.

Sonderdienst 24. April

Verteidigung/Rüstungskontrolle
Abrüstung

6, 9, 13, 18, 22, 23

Strategische Verteidigungsinitiative (SDI)

8, 11, 14, 20, 21, 23

Kernwaffen

3, 5

US Verteidigung

(allgemein)

7, 12

Sowjetische Verteidigung und
Verteidigungstechnologie

7, 12

Konferenz über Vertrauensund Sicherheitsbildende
Maßnahmen und Abrüstung
in Europa (KVAE)

8, 19

Wissenschaft und Technik
Welträum/Raumfähre

2, 3, 4, 9, 13, 14, 17,
18, 22, 23, 26

Wissenschaft (allgemein)

11

Kernkraft (allgemein)

17

Uranforschung

24

Medizin

4, 5, 7, 21

Klima

8, 13

Bedeutende Ereignisse
Bhopal-Unfall

14

Nicholson Ermordung

13

Beiruter TWA Geiseln

24, 26

Internationale Probleme und Themen
Drogenprobleme

5, 16, 19, 25

Terrorismus

14, 25, 26

2 -

�Themenkreis

10.

Nummern der Ausgaben

Menschenrechte

2, 8

Umwelt

8

Besondere Themen
Afghanistan

1, 3, 13, 18

Bonner Wirtschaftsgipfel

15, 19

US-Informationen zuir Bonner

Sonderdienste 17, 23,
30. April

Wirtschaftsgipfel
Weltwirtschaft (allgemein)

9, 19

Botschafter Arthur Eurns

17

Botschafter Richard Burt

24

4. Juli

26

Euronet/Worldnet

7

Anti-Semitismus in der
UdSSR

25

Vereinte Nationen (UNO)
Sonderdienste 1985
22.01.85

Präsident Reagans Air tsantr ittsrede

07.02.85

Präsident Reagans Botschaft über die Lage der Nation

01.04.85

Die Sowjetisch-Kubanischen Machenschaften in
Mittelamerika und in der Karibik

17.04.85

Die US-Wirtschaftspolitik schafft neue Arbeitsplätze

17.04.85

Multilaterale Handelsgespräche

24.04.85

US-Außenministerium berichtet über die Entwicklung der
Lage in Mittelamerika

30.04.85

US-Informationen zum Bonner Wirtschaftsgipfel

08.05.85

Reagans Besuch des Europäischen Parlaments in Straßburg
* * * * *

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zivilisierte Völker müssen gegen Terrorismus vorgehen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede Präsident Reagans -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA und Großbritannien fordern Einstellung der Flüge nach Beirut&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung von Premierministerin Thatcher und Vizepräsident Bush -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gipfeltreffen kann Verbesserung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen bewirken&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz von US-Außenminister Shultz -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA bedauern Mangel an Fortschritten auf der KVAE&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Delegierten zum Abschluss der 6. Sitzungsperiode -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Raumfähre "CHALLENGER" mit Spacelab-Kombination&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Projekte zur Erforschung der Sonne, tiefer kosmischer Bereiche und der irdischen Umwelt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"INTELSAT" umspannt die Welt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Dienstleistungen für 160 Länder und Territorien -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Umweltschutz braucht neue Ideen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Integrierte Programme künftig im Vordergrund -&lt;/em&gt;</text>
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Dokumentation

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United States Information Service
Embassy of the United States of America

26

3. J u l i 1985

INHALT
DOKUMENTATION
Erklärung Präsident Reagans nach Entlassung der Geiseln
- Wortlaut Erklärung von Vizepräsident Bush bei Ankunft der freigelassenen
Geiseln
Die Vereinigten Staaten im Kampf gegen den Terrorismus
- Pressekonferenz von Außenminister Shultz A. J u l i : Wichtig f ü r die F r e i h e i t i n a l l e r Vfelt
- Erklärung Reagans zum amerikanischen Unabhängigkeitstag Präsident Reagan l e g t Nahost-Politik der USA dar
- Interview mit einem arabischen Journalisten -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die sowjetische Aufrüstung im Bereich der strategischen Waffen
- Bericht von Sachverständigen des CIA -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
25 Jahre Wetterbeobachtung aus dem Vteltraum
* * * * *

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�3. J u l i 1985

26

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT FEAGANS NACH ENTLASSUNG DER GEISELN

- Wort Laut -

WASHINGTON -

(AD) - Präsident Ronald Reagan hat i n einer Fernsehan-

sprache i n der Nacht des 30. Juni 198!
l e t z t e i 39 Geiseln des TV\A-Fluges als
s e l b s t , für

(Ortszeit)

die Freilassung der

einer Moment der Freude für

sie

ihre Angehörigen und f ü r das armrika ilscha Vo Lk bezeichnet,

aber auch c i e T e r r o r i s t e n vor weiteren Anschlägen gewarnt.
Dil? Ansprache des Präsidenten, die e:- naci derr Abflug der Geiseln von
Damaskus nach Frankfurt/Nain h i e l t , hat folgenden l i b r t l a u t :
Die 39 Amerikaner, die von T e r r o r i s t e n

im Libanon 17 Tage lanc

Geiseln festgehalten wurden, sind f r e i , sicher und i r
auf ihrem Weg nach F r a n k f u r t .

als

diesem Augenblick

Sie werden b.ild wieder daheim s e i n .

Das

i s t e i n Moment der Freude

für s i e , für i h r e Angehörigen und für unsere

Nation; und Amerika ö f f n e t

sein Herz im Dankgebet an den Allmächtigen

Gott.

Wir dürfen dankbar s e i n , daß unser G.auben, unser Mut und unsere

F e s t i g k e i t sich ausgezahlt hahen. Aber das ist: kein Augenblick zum F e i e r n .
Wir wollen keinen

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�Wir wollen keinen Zweifel daran lassen, daß sieben Amerikaner, die
noch im Libanon gefangengehalten werden, zusammen mit weiteren unschuldigen Geiseln aus anderen Ländern freigelassen werden müssen; daß die Mörder von Robert Stethem und unseren Soldaten des Marinekorps und unseren
Zivilisten in El Salvador zur Rechenschaft gezogen werden müssen; daß jene, die in der ganzen Welt für Terrorakt? verantwortlich sind, von zivilisierten Nationen gestellt werden müsser; daß die internationale Gemeinschaft dafür sorgen muß, daß all unsere Flugplätze sicher sind und der
zivile Luftverkehr geschützt wird und daß sich die Welt zusammenschließen
muß, um entscheidende Maßnahmen zu treffen gegen Terroristen, gegen Länder, die Terroristen fördern, und gegen Länder, die Terroristen sicheren
Unterschlupf gewähren.

Dieses Drama hat uns daran erinnert, wie kostbar und zerbrechlich die
Freiheiten und die Normen des Anstandes in einer zivilisierten Gesellschaft sind, wie sehr ein zivilisiertes Leben vom Vertrauen in andere
Menschen abhängt und wie diese Werte, die wir so hoch halten, auch mit
Tapferkeit verteidigt werden müssen - einer Tapferkeit, die still und
tief in der Seele liegen mag, die aber in jeder Zeit der Gefahr hervortritt , wenn wir sie rufen.

Freiheit, Demokratie und Frieden haben Feinde.
schütterliche Freunde haben.

Sie müssen auch uner-

Die Vereinigten Staaten geben Terroristen

keine Belohnungen und keine Garantien. • Wir machen keine Zugeständnisse.
Wir machen keine faulen Geschäfte.

Länder, die Terroristen eine Heim-

statt gewähren, untergraben ihre eigene Stabilität und gefährden ihre eigene Bevölkerung.

Terroristen merkt euch:
euch zurückschlagen.

Wir werden im Libanon und anderswo gegen

Wir werden gegen eure feigen Angriffe auf amerika-

nische Bürger und amerikanisches Eigentum zurückschlagen.

Mehrere Länder haben sich aktiv an den Bemühungen beteiligt, unsere
Mitbürger frei zu bekommen.
nommen.

Syrien hat eine zentrale Verantwortung über-

Die Bemühungen der algerischen Regierung waren ebenfalls ein

�ebenfalls e i n Beispiel der konstruktiven Zusammenarbeit gegen eine d i r e k te Herausforderung durch gesetzlose T e r r o r i s t e n .

König Hussein hat früh

und nachdrücklich eine Verurteilung der Geiselnahmen ausgesprochen.

Auch

Saudi-Arabien l e i s t e t e einen wirkungsvollen B e i t r a g .
Ehrend der

l e t z t e n 17 Tage standen wir auch i n engem Kontakt

mit

I s r a e l und einer Reihe von Regierungen i n Europa und im Nahen Osten sowie
mit

i n t e r n a t i o n a l e n Organisationen, denen a l l e n die Sicherheit

Freilassung der Geiseln e i n großes Anliegen war.
vergessen und a l l
gestanden haben.
getan haben.
getan i s t .

und die

Wir werden das nicht

jenen Dank sagen, die uns geholfen und uns zur Seite
Und wir werden auch jene nicht vergessen, die das nicht

Wir werden nicht ruhen, ehe nicht der Gerechtigkeit Genüge
Wir werden nicht ruhen, ehe nicht die Weltgemeinschaft

P f l i c h t e n nachkommt.

ihren

Wir a p p e l l i e r e n an j e n e , die dazu beigetragen ha-

ben, die Freilassung dieser T WA-Passagiere s i c h e r z u s t e l l e n , noch größere
Energie und noch größeren Einsatz zu zeigen, um die Freilassung a l l e r anderen, die noch im Libanon festgehalten werden, s i c h e r z u s t e l l e n .
appellieren an die

Und w i r

Weltgemeinschaft, ihre Zusammenarbeit zu s t ä r k e n , um

dieses häßliche, gefährliche Übel des Terrorismus auszurotten.

Ich möchte h i e r noch eine persönliche Bemerkung anfügen.

Wie Sie a l -

l e haben Nancy und i c h diese Tage m i t e r l e b t ; und wie Sie haben wir beide
•um das gebetet, was j e t z t eingetreten i s t .

Und wie Sie danken wir Gott

und harren mit angehaltenem Atem auf i h r e endgültige Heimkehr an unsere
Küsten.

- 3 -

�3. J u l i 1985

26

ERKLÄRUNG VON VIZEPRÄSIDENT BUSH BEI ANKUNFT DER FREIGELASSENEN GEISELN

FRANKFURTMAIN -

(AD) - Der amerikanische Vizepräsident George Bush

gab am 1 . J u l i 1985 nach Ankunft der i n Beirut freigelassenen 39 amerikanischen Geiseln die folgende Erklärung ab:
Unsere Leute sind zurück.

Sie sind gesund und werden i n Kürze nach

Hause zu i h r e n Familien kommen.
Während dieser qualvollen Z e i t hatten Sie einen ganz besonderen Platz
i n den Herzen a l l e r Amerikaner - Tag f ü r Tag h o f f t e n und beteten sie f ü r
Ihre sichere Rückkehr.

Sie sind zurück, und Amerika wich nicht von s e i -

nen P r i n z i p i e n ab, um Sie zurückzubringen.

Freunde und Nachbarn h a l f e n

Ihren Familien während der schrecklichen und quälenden Vfertezeit - und
Amerika zeigte sich damit von seiner besten S e i t e .

Und während heute die

Nachricht von Ihrer Freilassung den Äther e r f ü l l t , heißen wir Sie gemeinsam mit Ihren Familien willkommen.

Manchmal schlägt das Schicksal zu und

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�zu und t r i f f t

eine Gruppe von Menschen, und manchmal b r i n g t das Schicksal

eben Tragik und Leiden. Als der TW\-Flug 847 gekapert wurde, bewiesen Sie
Charakter und Mut.

Sie ertrugen diese grausame und schmerzvolle Erfah-

rung tapfer und beherzt.

I h r Land i s t s t o l z auf S i e .

Aber t r a g i s c h war

vor allem auch die brutale Ermordung von Robert Stethem.

Ich stand neben

seiner F a m i l i e , a l s er seine l e t z t e Ruhe fand, und sah die Würde und das
Leid seiner Mutter und seines Vaters.
Dienst seines Landes s t a r b .
Amerikaner

gefangengehalten.

Ihr Sohn war e i n

Held, der im

Und noch heute werden irgendwo im Libanon
Und bei

aller

Freude über

Rückkehr v e r u r t e i l e n die z i v i l i s i e r t e n Menschen i n a l l e r

Ihre

sichere

Vtelt die Taten

d e r e r , deren k r i m i n e l l e s Verhalten das Leiden jener f o r t s e t z t .

Ihre Fa-

m i l i e n , die nicht an der Freude dieses Augenblicks teilhaben können, s o l len wissen, daß unsere Herzen mit ihnen sind und daß wir auch w e i t e r h i n
a l l e Anstrengungen unternehmen werden, um die sichere Rückkehr i h r e r L i e ben zu erreichen.
Sie a l l e .

Ich b i n sehr s t o l z , h i e r zu s e i n , b i n sehr s t o l z auf

Ich b i n s t o l z , mit einem Presidenten zusammenzuarbeiten, der

beim Einsatz der Stärke und der Macht unserer großen Nation Mut, Geduld
und Vfeisheit z e i g t .

Willkommen zu Hause.

* * * * *

- 2-

Gott schütze Amerika.

�3. J u l i 1985

26

DIE VEREINIGTEN STAATEN IM KAMPF GEGEN DEN TERRORISMUS
- Pressekonferenz von Außenminister Shultz -

WASHINGTON George Shultz

(AD) - Am 30. Juni 1985 gab amerikanische Außenminister

anläßlich

der Freilassung

von 39 i n

Beirut

festgehaltenen Amerikanern eine Pressekonferenz, auf der er
zu dem Problem des Terrorismus Stellung nahm.

als

Geiseln

ausführlich

Wir geben im folgenden den

Wortlaut der Pressekonferenz wieder:
FRAGE:

Herr Außenminister, können Sie e r k l ä r e n , weshalb S y r i e n , e i n

Land, das von den Vereinigten Staaten oftmals der Unterstützung von Terroristen bezichtigt

wurde, so h i l f r e i c h gewesen i s t ?

Wird sich daraus

eine Veränderung unserer Haltung gegenüber Syrien ergeben?
ANTWORT:

Ich kenne die Gründe n i c h t , hoffe aber, daß sich daraus ab-

lesen l ä ß t , daß Syrien zu der gleichen Schlußfolgerung gekommen i s t , wie
andere

Staaten auch, nämlich, daß L u f t p i r a t e r i e

und Terrorismus

etwas

Schlechtes sind.
FRAGE:

Was i s t

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�FRAGE:

Was i s t mit den Sieben, die immer noch im Libanon sind? Haf-

fen S i e , daß Syrien sich auch h i e r a l s h i l f r e i c h erweisen könnte? Und wie
steht es mit Vergeltung?
ANTWORT:

Wir haben über die Sieben mit Syrien gesprochen, und wir

haben den meines Erachtens

zutreffenden Eindruck,

daß Präsident

sich i n t e n s i v um eine Lösung dieses Problems bemüht, worüber w i r

Assad
froh

sind.
FRAGE:
ANTWORT:
FRAGE:

Und wie steht es mit Vergeltung? . . .
Kein Kommentar dazu.
Herr Außenminister, was körnen Sie uns über die Möglichkeit

einer Freilassung der i n I s r a e l festgehaltenen libanesischen Gefangenen
sagen . . . ?
ANTWORT:

I s r a e l hatte schon vor a l l diesen Ereignissen zu verstehen

gegeben, daß es die Absicht habe, diese Gefangenen f r e i z u l a s s e n , und heute habe i c h Verteidigungsminister Rabin im amerikanischen Fernsehen sagen
hören, daß diese Gefangenen nur z e i t w e i l i g i n h a f t i e r t seien - i c h glaube,
das waren seine Worte - und daß I s r a e l die Absicht habe, sie
sen.

freizulas-

Ich erwarte daher, daß dies geschehen w i r d .
FRAGE:

Wird das nicht

a l s Gegenleistung verstanden werden, selbst

dann, wenn es keine d i r e k t e Verknüpfung gegeben hat?
ANTWORT:
all

Es g i b t keine Verknüpfung, und da die I s r a e l i s

diesen Ereignissen die Absicht

h a t t e n , entsprechend

zu

schon vor
verfahren,

s o l l t e die Geiselnahme sie nicht daran hindern, das auszuführen, was sie
v o l l und ganz tun w o l l t e n .

Es g i b t also keine Verknüpfung, und i c h g l a u -

be, es i s t sehr w i c h t i g , daß wir und andere, die im Kampf gegen den Terrorismus stehen, zur Kenntnis nehmen, daß eine solche Verknüpfung n i c h t
besteht.
FRAGE:
- 2 -

Herr Außenminister,

�FRAGE:
Israel

hferr

Außenminister,

wollen

noch mit Syrien Gespräche geführt

Sie

sagen,

daß

Sie

weder

mit

haben und daß a l l e s quasi von

selbst abgelaufen i s t ?
ANTWORT:
FRAGE:

N a t ü r l i c h n i c h t . Das w o l l t e i c h n a t ü r l i c h nicht sagen.
Wie i s t es dann gelaufen?

ANTWORT:

Wir haben zahlreiche Gespräche mit v i e l e n Regierungen ge-

f ü h r t , auch mit der israelischen und i n den l e t z t e n Tagen besonders mit
S y r i e n , und wir haben s t e t s b e t o n t , daß diese Geiseln und die anderen,
die

noch

festgehalten

werden, freigelassen werden s o l l t e n .

Wir haben

ferner darauf hingewiesen, daß I s r a e l vor E i n t r i t t dieser Ereignisse dabei gewesen s e i , die Gefangenen zu entlassen, und daß die Geiselnahme daher eindeutig einen Prozeß behindere, der b e r e i t s angelaufen war.
FRAGE:

Können Sie e r k l ä r e n , warum die Dinge gestern ins Stocken ka-

men, warum es eine Verzögerung gab und welche Rolle Syrien bei der Lösung
des Problems gespielt hat?
ANTWORT:

Das Problem bestand augenscheinlich d a r i n , daß die

die sich im Gewahrsam der Hszbollah befanden, nicht

Vier,

freigegeben und mit

der Gruppe der übrigen Geiseln zusammengeführt wurden, aber mir i s t

nicht

bekannt, warum dies geschah und was die B e t e i l i g t e n s c h l i e ß l i c h anderen
Sinnes werden l i e ß .

Ich weiß nur, daß die Syrer gestern abend an uns

herantraten und sagten, daß sie es für n ü t z l i c h halten würden, wenn wir
eine Erklärung mit

einem bestimmten Teror abgäben.

Deshalb

arbeiteten

wir eine Erklärung aus, die die von uns s e i t langem eingenommene Haltung
b e s t ä t i g t e , und v e r ö f f e n t l i c h t e n s i e .
FRAGE:

Haben sie (die Syrer) bei der Abfassung dieses Freilassungs-

szenarios geholfen?
ANTWORT:

Sie haben uns wissen lassen, was die Erklärung ihres Erach-

tens sinnvollerweise

beinhalten

s o l l t e , aber geschrieben wurde sie

von

�sie von uns.

Wie ich bereits sagte, bezieht sie sich auf Dinge, die wir

ohnehin seit langem vertreten, und dürfte daher keinen Anlaß zur Beanstandung geben.

FRAGE:

Liegen Ihnen Hinweise darauf vor, daß der Iran bei der Her-

beiführung oder der Überwindung der Verzögerung zwischen der gestern gescheiterten und der heute erfolgten Freilassung irgendwie beteiligt war?

ANTWORT: Nein.

FRAGE:

Ist die Regierung, wie der Präsident sagte, zur Vergeltung

entschlossen?

ANTWORT:

Räumen Sie mir eine Minute Zeit ein, um Ihnen zu erläutern,

welche Politik wir im Hinblick auf die Bekämpfung des Terrorismus verfolgen.

Erstens

...muß innerhalb des amerikani.schen Volkes ein allgemeines

Bewußtsein der Natur dieser Bedrohung und ihrer Bedeutung bestehen, und
auch eine Einsicht, warum es notwendig ist, ihr gegenüber eine bestimmte
Art von Haltung einzunehmen.

Insbesondere muß man sich darüber im klaren

sein, warum es wichtig ist, mit Terroristen keinen Handel abzuschließen.
Zweitens bemühen wir uns sehr intensiv und mit beträchtlichem Erfolg,
unsere nachrichtendienstlichen Möglichkeiten auszubauen, so daß wir nicht
nur immer besser in der Lage sind, festzustellen, wer der Täter war,
nachdem etwas geschehen ist, sondern auch - und das ist noch wichtiger auf Dinge aufmerksam zu werden, die geschehen könnten.

Es ist wichtig, daß wir dazu in der Lage sind, es ist wichtig, daß
unsere Freunde dazu in der Lage sind, und es ist wichtig, daß die nachrichtendienstlichen Netze untereinander verflochten sind.

In den vergangenen neun Monaten waren wir in über 60 Fällen in der
Lage, Dingen auf die Spur zu kommen, die wahrscheinlich geschehen wären,
- 4 -

�geschehen wären, die wir aber ans TagesL.cht bringen oder v e r e i t e l n oder
wegen derer wir i n anderer Waise t ä t i g werden konnten.
durchaus etwas.

Wir bewirken also

Und i c h darf sagen, dalö d i e j e n i g e n , die

terroristische

Unternehmungen planen oder ausführen, wahrscheinlich recht überrascht wär e n , wenn sie wüßten, w i e v i e l wir über sie erfahren.
D r i t t e n s müssen wir offenkundig bestimmte Sclxtzmaßnahmen e r g r e i f e n .
Im Augenblick r i c h t e t sich die Aufmerksankeit der Menschen vorrangig auf
Flugzeuge und Flughäfen, und n a t ü r l i c h setzen wir uns dami; s e i t
Jahren auseinander.
Ergebnisse

vielen

Auch hier müssen wir noch mehr tun unc noch bessere

erzielen,

aber

dia

Techniken, die

entwickelt

worden

sind,

funktionieren.

So wurden beispielsweise auf amerikanischen Flughäfen i n den l e t z t e n
20 Jahren
nahmt.

rund 3 000

Waffen und Sprengkörper

jeglicher

Art

beschlag-

Eine andere Frage b e t r i f f t n a t ü r l i c h unsere Botschaftsgebäude und

ähnliche Einrichtungen; auch dort g i b t es Schutzmaß nahmen.
Viertens müssen wir unser« Möglichkeiten ausbauen, a k t i v e

Verteidi-

gungsmaßnahmen zu e r g r e i f e n , :so daß T e r r o r i s t e n i n zunehmendem Maße e r kennen, daß ihre Aktionen i h r e n Preis ha^en, und so daß wi? i n der Lage
s i n d , etwas vorbeugend zu verhindern, wem wir sehen, daß es sich zusammenbraut.
Dies sind also die v i e r Grjndzüge unserer P o l i t i k , und i c h meine, wir
kommen voran.

Es handelt sich h i e r offenkundig um etwas, woran hart und

k o n t i n u i e r l i c h gearbeitet werden muß.
FRAGE:
zu ziehen.

Der Präsident sprach davon, 1ie L u f t p i r a t e n zur Rechenschaft
Kann man realistischerweise

darauf h o f f e n , und wenn j a , wie

s o l l dies ablaufen?
ANTWORT:

Insbesondere

möchten wir

sicherlich

Robert Stethem zusammengeschlagen und erschossen h a t .
in

diesem Augenblick

der Freude über die

herausbekommen, wer
Ich meine, daß wir

Freilassung

von 39 Menschen

�39 Menschen nicht nur an die sieben denken müssen, nach denen wir immer
noch suchen, sondern auch daran, daß einer zusammengeschlagen und ermordet wurde und daß in El Salvador sechs Amerikaner und eine Reihe Salvadorianer erschossen worden sind.

Wir müssen an die Menschen in der abge-

stürzten Maschine der Air India denken.

Man muß auch an die Leute von

der Gepäckabfertigung auf dem Flughafen Narita denken.

Es gibt also eine

Menge von Schandtaten auf der Walt.

Wir möchten aber, um auf Ihre Frage zurückzukommen, auf jeden Fall
herausfinden, wer geschossen hat, und den Täter zusammen mit seinen Mitverschwörern der Justiz überantworten.

FRAGE:

ANTWORT:

Welcher Art von Justiz könnten sie überantwortet werden?

Wenn sie zu identifizieren sind, dann gibt es vermutlich

auch Rechtsprozesse, und wir werden tun, was wir können, damit sie auch
angewandt werden.

FRAGE:

Herr Außenminister, der Präsident hat seine Dankbarkeit für

die geleistete Hilfe gegenüber Syrien zum Ausdruck gebracht, meines Wissens aber Herrn Berri nicht erwähnt... Wie bewerten Sie die Rolle, die er
bei der Freilassung der Geiseln gespielt hat?

ANTWORT:

Er hat sich selbst in verschiedenen Rollen dargestellt.

hat sich als Vermittler dargestellt.
der Gruppe dargestellt.

Er

Er hat sich als Partei und Mitglied

Ich glaube daher, daß wir uns über Herrn Berri

erst noch klar werden müssen.

FRAGE:

Harr Außenminister, Sie sagten, daß die Terroristen einen

Preis zahlen müssen.

Wenn man aber die weltweite Aufmerksamkeit, die die

Forderungen der Terroristen gefunden haben, sowie die verständnisvollen
Äußerungen der Geiseln und das bisherige Ausbleiben jeder Art von Vergeltung in Betracht stellt, sieht es dann nicht so aus, als ob diese Terroristen keinerlei Preis zahlen mußten, sondern in der Tat gewonnen haben?
ANTWORT:
- 6 -

Ich glaube,

�ANTWORT:

Ich glaube, daß sie doch einen Preis gezahlt haben.

Und

dieser Kampf gegen den Terrorismus ist natürlich eine Sache, die voll in
Gang ist.

Wir stecken mittendrin.

...Jemand stellte eine Frage über die einzelnen Täter, und wir werden
sie suchen.

Ich kann auch sagen, daß in den letzten 15 Jahren 15 Prozent

aller Flugzeugentführungen außerhalb der Vereinigten Staaten auf dem Beiruter Flughafen entweder ihren Ausgang genommen, ihren Abschluß gefunden
oder ihn berührt haben. Der Beiruter Flughafen ist zu einer Art sicherem
Unterschlupf für Terroristen geworden.

Das gehört sicherlich zu den Din-

gen, die wir und andere Staaten berücksichtigen müssen.

Solange Beirut

ein Unterschlupf für Terroristen ist, sollte dieser Ort von der Völkergemeinschaft

nicht frequentiert werden.

Daher müssen wir auf diesen

Flughafen nach meiner Meinung ein waches Auge haben.

FRAGE:

Sie sagten, Sie erwarten, daß Israel die libanesischen Gefan-

genen freiläßt. Höben Sie eine Vorstellung davon, wie lang es dauern
wird, bis alle frei sind?
ANTWORT:

Darüber muß Israel entscheiden; meine Erklärung gründet

sich auf das, was Israel gesagt hat.

FRAGE:

Sehen Sie in der vergangene Nacht vom Außenministerium veröf-

fentlichten Erklärung eine Begrenzung der amerikanischen Möglichkeiten
zur Vergeltung?

ANTWORT:

Die Erklärung gibt unsere Ansichten über den Libanon wie-

der. Ähnliches wurde in der Vergangenheit mehrfach erklärt, und wir haben
nichts dagegen, diese Ansichten erneut zu bekräftigen.

FRAGE: Man sagte hier, die Beurteilung Assads und Syriens stehe noch
aus.

Auch wenn er in diesem Fall hilfreich war:

Die eigentliche Probe

besteht darin, ob er auch noch die sieben anderen herbeischaffen kann.
Ist dies also ein singuläres Moment der Zusammenarbeit oder hat er wirklich seine Position und die amerikanisch-syrischen Beziehungen verbessert?
ANTWORT:

Präsident

�ANTWORT:

Präsident Assad war auch bei anderen Gelegenheiten hilf-

reich - und bei dieser hier ganz sicherlich.

Wir haben Informationen

darüber, daß er sich auch intensiv um das Problem der anderen Geiseln bemüht, und begrüßen das natürlich.

FRAGE:

Wäre es nicht ein guter Gedanke, die Israelis zu ersuchen,

die schiitischen Gefangenen erst dann zu entlassen, wenn wir die sieben
anderen Opfer freibekommen haben?

ANTWORT:

Das würde zu einer Verbindung führen, die wir nicht wollen.

Unsere Geiseln im Libanon sollten freikommen.

Punkt.

Um nichts anderes

geht es hier. Wir wollen das mit nichts anderem in Zusammenhang bringen.

FRAGE:

Warum gab es keinen militärischen Rettungsversuch, als die

Vereinigten Staaten in Algerien eine solche Chance zu haben schienen?

ANTWORT:

Ich möchte keinen Kommentar zu militärisch möglichen Optio-

nen abgeben.

FRAGE:

Sie sagten, diese Terroristen hätten einen Preis bezahlt.

Welcher Preis ist das - nachdem es den Anschein hat, sie hätten bekommen,
was sie wollten?

ANTWORT:

Der Libanon und der Beiruter Flughafen haben sich selbst

durch ihre Handlungen vor der Staatengemeinschaft als Ausgestoßene erwiesen.

Sicherlich ist der Libanon ein Ort erheblichen Chaos, und ich glau-

be, dies allein ist schon ein hoher Preis, den die Menschen dort zahlen
müssen. Und noch ist nicht alles vorbei.

FRAGE:

Dazu noch: Fordern Sie einen weltweiten Boykott des Beiruter

Flughafens? Werden die Vereinigten Staaten Maßnahmen ergreifen, um andere
Flugzeuge bzw. unsere Flugzeuge von einem Flug dorthin abzuhalten?

Was

wollen Sie genau hinsichtlich dieses Flughafens machen?

ANTWORT:

Wir werden

�ANTWORT:

Wir werden diesbezüglich mit unseren Freunden sprechen. Wir

hoffen, ein konkretes Handlungsmuster erstellen zu können.

Wir haben je-

denfalls eine sehr klare Vorstellung von diesem Flughafen und das habe
ich hiermit gesagt.

FRAGE:

Sie sprachen von den Leuten, die Robert Stethem erschossen

haben, und daß wir versuchen, sie der Justiz zuzuführen. Sie sprachen dabei von gerichtlichen Schritten. Warden wir also nicht den Versuch machen , Vergeltung im Sinne einer Rache gegen einen größeren Personenkreis
zu üben?

ANTWORT:

Rache ist ein Gefühl, das Menschen überkommt - das geht uns

allen so. Aber vom Standpunkt der aktiven Verteidigung aus gesehen, müssen wir uns darüber Gedanken machen, wie wir Kosten aufzwingen können,
wie die Zukunft aussieht und wie wir all dem zuvorkommen können. Gleichzeitig müsssen alle, die ein Verbrechen begehen - und dies ist sicherlich
in jedermanns Verständnis ein Verbrechen -, der Gerechtigkeit zugeführt
werden; und wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, damit dies
auch geschieht.

FRAGE:

Waren Sie nicht enttäuscht, als die Geiseln auf ihrer Presse-

konferenz nichts Positives über die amerikanische Regierung und ihre Bemühungen , aber viel Positives über die Amal zu sagen hatten?

ANTWORT:

Sie sprachen für sich selbst und sie haben ein Recht auf

ihre eigene Meinung. Sie gingen durch ein Trauma.

Gott schütze sie. Ich

bin froh, daß sie auf ihrem Wag nach Hause sind.

FRAGE:

Noch eine Frage zu den Mördern unseres Mannes.

Wollen Sie

versuchen, daß die Regierung des Libanon sie ausliefert?

ANTWORT:

Ich zeige hier keinen juristischen Wag auf.

Ich sage nur:

"Hier ist eine Person, die zusammen mit anderen einen Mord begangen hat;
kaltblütigen Mord nach brutalen Schlägen". Derlei muß bestraft werden.
FRAGE:
- 9 -

Nun gut.

�FRAGE:

Nun g u t .

Die Frage i s t doch aber, ob Sie versuchen werden,

es im S t i l l e n zu t u n , oder ob es durch die P r i n z i p i e n des i n t e r n a t i o n a l e n
Rechtes geschieht?
ANTWORT:

N a t ü r l i c h , wir sind e i n Volk mit P r i n z i p i e n . Aber i c h g l a u -

be , es s o l l t e getan werden.
FRAGE:

Was den Beiruter Flughafen angeht, so g i b t es meines Wissens

nur v i e r F l u g l i n i e n , die i h n a n f l i e g e n .

Und von der Middle East A i r l i n e

abgesehen, g i b t es nur wöchentliche Flüge.

I s t es a l s Maßnahme genug,

d r e i F l u g l i n i e n anzuweisen, i h r e wöchentlichen Flüge d o r t h i n einzustellen?
ANTWORT:

Wir werden sehen. Ich meine jedoch, daß e i n Flughafen, der

an einer so großen Zahl von Flugzeugentführungen b e t e i l i g t i s t und zu dem
man gewissermaßen kommen kann, um sich dort Verstärkung zu h o l e n , auf u n serer

"Betreten verboten"-Liste

stehen s o l l t e .

Darum geht es doch. Es

geht n i c h t um w i r t s c h a f t l i c h e Sanktionen oder ähnliches.
FRAGE:

Der Präsident sagte, man werde sich an die e r i n n e r n , die uns

geholfen haben und auch an j e n e , die uns nicht geholfen haben.

Wer waren

j e n e , die uns nicht geholfen haben?
ANTWORT:

Ich möchte dazu nichts

sagen; aber wir haben eine

klare

Vorstellung davon.
FRAGE:

Der Präsident

benutzte eine

den Terrorismus zu v e r u r t e i l e n .

ziemlich deutliche Sprache, um

Was g i b t e s , um sie zur Freilassung der

verbliebenen sieben Amerikaner zu zwingen?
ANTWORT:

Sie

werden auf

die

gleichen Überlegungen eingehen,

die

s c h l i e ß l i c h zur Freilassung der 39 anderen heute geführt haben. S i c h e r ,
wenn es Menschlichkeit g i b t , s o l l t e das getan - und zwar s o f o r t getan werden.

Auf jeden F a l l werden wir uns w e i t e r h i n darum bemühen.

Und wie

i c h schon sagte, haben wir den Eindruck, daß Präsident Assad h i e r doch
w i l l e n s i s t , und auch wir werden weiter darauf drängen.
FRAGE:

Wenn Ihnen

�FRAGE:

Wenn Ihnen so viel an Gerechtigkeit liegt und wenn es stimmt,

daß es Libanesen gibt, die schon seit zwei Jahren in Israel in Gefangenschaft sind:

Warum drängen Sie nicht auch gegenüber Israel darauf, daß

dort auch Menschen freikommen, die als potentielle Terroristen gefangengenommen wurden und niemals unter Anklage gestellt wurden?

Wir legten

vor den Vereinten Nationen und ähnlichen Foren gegen alles unser Veto
ein, was ihnen hätte helfen können?

ANTWORT:

Ich möchte hierauf nur sagen, daß die Probleme von Gefange-

nen in Israel und die unserer Geiseln in Beirut in keinem Zusammenhang
miteinander standen.

FRAGE:

ANTWORT:
Sorgen.

(Unverständlich)

Wir machen uns über Ungerechtigkeit auf der ganzen Welt

Aber was die Behandlung des Terrorismus angeht, so ist einer der

schlimmsten Fehler der, es Terroristen zu ermöglichen, Verknüpfungen zwischen unterschiedlichen Dingen zu schaffen, indem man auf sie eingeht.
Wann wir dies zulassen, kann jeder, der irgendwo in der Welt einen Grund
zur Klage hat, sich ein paar Leute greifen - etwa berühmte Leute wie Sie1.
- und sagen: Die Vereinigten Staaten müssen jetzt etwas gegen seine Sorgen tun, oder er werde sie nicht freilassen.
mitmachen. Das ist die Antwort.

- 11 -

Das aber werden wir nicht

�3. Juli 1985

26

A. JULI:

WICHTIG FÜR DIE FREIHEIT IN ALLER WELT

- Erklärung Reagans zum amerikanischen Unabhängigkeitstag -

WASHINGTON - (AD) - Der 4. Juli ist nach den Worten Präsident Reagans
der Geburtstag Amerikas, doch sei dies auch ein Tag, der wichtig für jeden ist, der an die Freiheit glaubt.
In

einer

Erklärung

Reagan die amerikanische

zum

amerikanischen

Unabhängigkeitstag

Unabhängigkeitserklärung

ein

nannte

"ausdrucksvolles

Dokument, in dem die Rechte des Menschen und das Konzept der Freiheit des
einzelnen niedergelegt sind".

Die Erklärung Reagans hat folgenden Wortlaut:
Die Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli 1776 kennzeichnete sowohl den Anfang einer neuen Nation als auch den Beginn einer
großen Epoche in der Geschichte der Weltpolitik.

An diesem Tag wurde in

Philadelphia eine Republik geboren, die sich auf die Idee der Freiheit
für alle stützt.

Am 4. Juli feiert Amerika seinen Geburtstag, aber dies

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�aber dies ist auch ein Tag, der wichtig ist für jeden, der an die Freiheit glaubt.

Die Unabhängigkeitserklärung eröffnete dem Volk eine Möglichkeit des
Regierens wie niemals zuvor.

Jedem einzelnen wurde der Besitz bestimmter

unveräußerlicher Rechte bestätigt.

Und diese Rechte wiederum setzten un-

ser Volk in die Lage, an seinem politischen System teilzuhaben.

Dies war

eine echte Revolution, der die Idee zugrunde lag, daß die Regierung der
Zustimmung derjenigen bedarf, die sie regiert.

Über Nacht wurden die

Amerikaner als Bürger eines freien Landen anerkannt, wo sie doch vorher
nur koloniale Untertanen eines weitentfernten Monarchen gewesen waren.

Bis auf den heutigen Tag ist dieses ausdrucksvolle Dokument, in dem
die Rechte des Menschen und das Konzept der Freiheit des einzelnen niedergelegt sind, richtungweisend und aktuell geblieben.
terhin eine tiefgreifende Bedeutung für uns.

Es hat auch wei-

Wir sollten uns der Worte

von John Adams erinnern, der anläßlich seiner Unterzeichnung in einem
Brief an seine Frau Abigail von "der denkwürdigsten Epoche in der Geschichte Amerikas" sprach und schrieb:

"Ich möchte glauben, daß dieser

Tag von den uns nachfolgenden Generationen als der große Jahrestag gefeiert werden wird.

Er sollte durch ernste Gebete an Gott den Allmächtigen

als Tag der Befreiung begangen werden."

Wollen wir uns an diesem Unabhängigkeitstag 1985 von der Weisheit
dieses großen amerikanischen Staatsmannes und all unserer Gründungsväter
leiten lassen.

Lassen Sie uns, wenn wir heute der 209 Jahre der Freiheit

gedenken, Gott um seinen Segen und um seine Hilfe bei der Wahrung des
kostbaren Vermächtnisses der Unabhängigkeitserklärung bitten.

* * * * *

- 2-

�3. J u l i 1985

26

PRÄSIDENT REAGAN LEGT NA HOST-POLITIK DER USA DAR
- Interview mit einem arabischen Journalisten -

WASHINGTON -

(AD) - Präsident

Ronald Reagan hat erneut b e t o n t , daß

e i n Frieden im Nahen Osten von den unmittelbar B e t e i l i g t e n ausgehandelt
werden müsse und nicht von außen a u f e r l e g t werden könne.
äußerte sich a u s f ü h r l i c h

zur Nah- und M i t t e l o s t p o l i t i k

Der Präsident
der

Vereinigten

Staaten i n einem Interview mit dem arabischen Journalisten Nasser E.'ddin
Nashashibi am 1 1 . Juni 1985, dessen Wortlaut am 26. Juni vom Weißen Haus
v e r ö f f e n t l i c h t wurde.
Die Fragen und Antworten haben folgenden
FRAGE:

Warum zögert

die

amerikanische

tortlaut:
Regierung, eine

Neubelebung

eines Nahost-Friedensplans i n die Wege zu l e i t e n ?
ANTWORT:

Meine I n i t i a t i v e , die ich i n meiner Rede vom 1 . September

1982 e r l ä u t e r t e , i s t noch immer auf dem T i s c h , und wir sind w e i t e r h i n der
Ansicht, daß sie den vielversprechendsten Vorschlag f ü r einen F o r t s c h r i t t

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�einen F o r t s c h r i t t

zum Frieden d a r s t e l l t , der j e u n t e r b r e i t e t wurde.

Wir

haben nicht gezögert, die am K o n f l i k t B e t e i l i g t e n zu drängen, M i t t e l und
Wsge zu f i n d e n , den Friedensprozeß voranzutreiben.

Die Dinge sind j e t z t

i n der Region i n Bewegung geraten, und wir werden das t u n , was angebracht
i s t , um diese Bewegung i n Gang zu h a l t e n .

Aber wir müssen uns darüber im

klaren s e i n , daß der Frieden nur e r r e i c h t werden kann, wenn die B e t e i l i g ten b e r e i t s i n d , d i r e k t miteinander zu verhandeln.
FRAGE:

Wie b e u r t e i l e n Sie den kür;:lichen Besuch von König Hussein

von Jordanien i n Washington?
ANTWORT:

Ich glaube, wir verstehen uns sehr g u t , und i c h bewundere

den Mut und die Würde des Königs.

Die jüngsten S c h r i t t e des Königs und

anderer i n der Region haben dem Friedeisprozeß

neuen A u f t r i e b gegeben.

König Hjseein l i e ß i n Washington seinen Aünsch und den seiner p a l ä s t i n e n sichen Partner nach einer f r i e d l i c h e n Lösung auf dem Verhandlungswege mit
einer

jordanisch-palästinensischen

Delegation auf

der einen und

Israel

auf der anderen Seite i n einem unterstützenden i n t e r n a t i o n a l e n Umfeld e r kennen.

Der König strebt eine f r i e d l i c h e Lösung auf der Grundlage der

Resolutionen 242 und 338 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen an.
Der Besuch bot uns Gelegenheit, unsere Auffassungen zu b e k r ä f t i g e n , daß
e i n gerechter und dauerhafter Frieden s.ch der legitimen Rechte des palästinensischen Volkes wie auch der Sicherheit a l l e r Staaten i n der Region annehmen muß.
Der König b e k r ä f t i g t e unsere gemeinsame V e r p f l i c h t u n g , so rasch wie
möglich -

" i n diesem Jahr", sagte der König - zu d i r e k t e n Verhandlungen

zwischen den B e t e i l i g t e n zu kommen.

Wir h o f f e n , daß wir i n der Lage sein

werden, den B e t e i l i g t e n dabei zu h e l f e n , auf der Grundlage dieser Zusammenkünfte aufzubauen.

Ich b i n überzeugt, daß sich die Ereignisse i n der

r i c h t i g e n Richtung entwickeln.
FRAGE:

Würde e i n Prozeß, der eine Mischung aus dem "Fez"-Plan von

Fahd, der R e a g a n - I n i t i a t i v e , der kürzlichen Entschließung zwischen Jordanien und der PLO und der Resolution 242 d a r s t e l l t , zu einer neuen F r i e - 2 -

�neuen Friedensanstrengung führen, wenn man die Vorbehalte der Israelis in
Rechnung stellt?

ANTWORT:

Ich glaube, daß sich eine neue und zunehmend realistische

Einstellung zum Frieden entwickelt.

Sie gründet sich auf eine Reihe von

Beiträgen, einschließlich der von Ihnen angeführten.

Die Resolution 242

des Sicherheitsrates ist und bleibt die Hauptgrundlage für Verhandlungen.
Ich kann das Endergebnis nicht voraussagen, aber ich bin überzeugt, daß
Sie, wenn der Frieden erreicht sein wird, zurückblicken und sagen können,
daß viele dieser Beiträge eine wichtige Rolle gespielt haben.

Und es ist auch wichtig zu wissen, daß meine eigenen Vorschläge im
großen und ganzen das aufzeigen, was die Vereinigten Staaten in Verhandlungen unterstützen würden.

Wir haben niemandem gesagt, er müsse sich

unseren Standpunkten anschließen.

Es steht allen Beteiligten frei , ihre

eigenen Auffassungen am Verhandlungstisch
davon aus, daß sie das tun werden.

zu vertreten, und wir gehen

Das Wichtigste ist, daß direkte Ver-

handlungen beginnen, denn nur durch ein6;n solchen Prozeß des Gebens und
Nehmens werden Differenzen überwunden und ein gerechter und dauerhafter
Frieden erreicht.

FRAGE:

Da wir jetzt auf dem Wege zu Verhandlungen zwischen den Ara-

bern und den Israelis sind, was erwarter Sie von den Arabern und den Israelis, bevor sie sich zu Verhandlungen zusammensetzen?

ANTWORT:

Wir versuchen uns von allem fernzuhalten, was auch nur so

aussehen könnte, als ob wir Lösungen für die Probleme aufzwingen wollten.
Alles, was wir zu tun versuchen, ist, dazu beizutragen, daß sie zusammenkommen.

Es sieht so aus, als ob es bei den Lösungen darum geht, daß eine

Seite Territorium aufgibt, um dafür eine Grenze zu erhalten, die verteidigt werden kann und an der der Frieden garantiert wird.

Die arabischen

Staaten müssen einsehen, daß Israel das Recht hat, als Staat zu existieren, und daß der Frieden auch den Arabern Sicherheit bieten wird.

FRAGE:
- 3 -

Und was,

�FRAGE:

Und was, Herr Präsident, hoffen S i e , daß die Araber

ihrer-

s e i t s von j e t z t bis zum Beginn kommender Verhandlungen tun werden?
ANTWORT:

Ich h o f f e , daß sich die Araber stärker h i n t e r König Hussein

s t e l l e n und ihn unterstützen werden, s t a t t ihn a l l e i n zu lassen.
FRAGE:

Dieser Punkt i s t sehr w i c h t i g , l-ferr Präsident.

ANTWORT:

König Hussein verdient es zu wissen, daß die Araber ihn i n

dem u n t e r s t ü t z e n , was er zu tun versucht.
FRAGE:

Gibt es etwas, was Sie sich i n diesen Tagen von den I s r a e l i s

wünschen?
ANTWORT:

Die I s r a e l i s warten, wie e:s Peres gesagt h a t , darauf,

sich

an den Verhandlungstisch zu setzen.
FRAGE:

Kürzliche Besuche von König Fahd und Präsident Mubarak haben

diesen das Gefühl v e r m i t t e l t , die Reagan-Administration habe k e i n besonderes Interesse an einer umfassenden Lösung des Nahost-Problems.

I s t es

nicht so, daß dieser Mangel an Interesse verbunden mit den Verheerungen
im Libanon eine Supermacht wie die Vereinigten Staaten e i g e n t l i c h veranlassen müßte, sich a l l e B e t e i l i g t e n am Mahostkonflikt zu g r e i f e n und i h nen eine Lösung zu d i k t i e r e n , die für a l l e gerecht i s t ?
ATNWORT:

Mit dieser Erklärung b i n ich nicht einverstanden. Ich g l a u -

be n i c h t , daß König Fahd und Präsident Mubarak einen Mangel an Interesse
an einem Frieden im Nahen Osten seitens der Vereinigten Staaten empfinden.

Nichts wäre weiter von der Wahrheit e n t f e r n t a l s d i e s .

Die V e r e i -

nigten Staaten haben e i n t i e f e s und dauerhaftes Interesse an einer umfassenden Friedenslösung im Nahen Osten, und wir haben diese Tatsache immer
wieder a l l unseren Freunden i n der Region m i t g e t e i l t .
Ich b i n jedoch nicht der Auffassung, daß eine Lösung, die von i r g e n d einer Macht von außen aufgezwungen würde: möglich oder auch nur wünschens-

�nur wünschenswert wäre für die Beteiligten.

Wirklichkeit ist, daß ein

Frieden nur durch die Bereitschaft der Beteiligten erreicht werden kann,
sich an den Verhandlungstisch zu setzen und ihre Differenzen auszudiskutieren. Meine Initiative vom 1. September hat die Standpunkte aufgezeigt,
die die Vereinigten Staaten unterstützen würden, aber ein echter Frieden
kann nur durch die Beteiligten selbst in direkten Verhandlungen erreicht
werden.

FRAGE:

Wie lange werden die Vereinigten Staaten noch den Verlust des

Lebens unschuldiger Menschen im Libanon, im Irak, im Iran, in Israel und
im Westjordanland dulden?

Verdienen die USA dafür auch noch antiamerika-

nische Gefühle, die wir in diesem Gebiet feststellen müssen?

ANTWORT:

Die Vereinigten Staaten sind zutiefst besorgt über das Lei-

den der Menschen im Nahen Osten, das durch die vielen Konflikte in diesem Gebiet hervorgerufen wird.

Die Bemühungen, zu Lösungen dieser Pro-

bleme beizutragen, hat zu den mit an oberster Stelle stehenden Aufgaben
der letzten acht Administrationen gehört, und man sollte nicht vergessen,
daß Amerika einen hohen Preis an Menschenleben, Anstrengungen und Ressourcen bezahlt hat.

Wir werden diese Bemühungen nicht aufgeben, aber

die Wirklichkeit ist und bleibt, daß Lösungen nur gefunden werden können,
wenn die am Konflikt Beteiligten ihre eigene Entscheidung treffen, einen
friedlichen Weg zur Beilegung ihrer Differenzen zu suchen.
führen zu Ergebnissen.
und wir arbeiten aktiv

Verhandlungen

Ägypten und Israel haben das eindeutig bewiesen,
daran, den Verhandlungsprozeß

zur Lösung der

Streitigkeiten in der Region zu unterstützen.

Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, daß Amerikaner und die Völker
des Nahen Ostens einen großen Bereich gemeinsamer Interessen und Werte
haben.

Dies ist ein Bereich, der jeden Tag größer wird durch Handelsbe-

ziehungen, wissenschaftliche Aktivitäten und gemeinsame wissenschaftliche
Anstrengungen.

Die Mitwirkung eines saudischen Astronauten bei der Aus-

setzung des (arabischen Satelliten) ARABSAT ist ein Ereignis, das ein
Ausdruck der großen wissenschaftlichen und mathematischen Leistungen der
Araber ist, lange bevor die Neue Welt entdeckt wurde.

Und es sollte uns

�sollte uns daran erinnern, wie eng unsere Zukunft miteinander verknüpft
ist.

FRAGE:

Wir lesen überall, daß der Sudan die Kornkammer der Walt sein

könnte und nicht nur für dieses Gebiet und für Ägypten, sondern auch für
Äthiopien und die dort sterbenden Massen.

Kann nicht die amerikanische

Regierung alle ihre Ressourcen und Möglichkeiten darauf konzentrieren,
mit einer Luftbrücke Menschen und Gerät in den Sudan zu bringen und Seite
an Seite mit den Einheimischen zu arbeiten, um die Lage zu retten?

ANTWORT:

Wie Sie wissen, wird der Sudan wie seine Nachbarländer in

diesem Jahr von der schlimmsten Dürre sedt 100 Jahren heimgesucht.

Der

fehlende Regen hat zu einem gewaltigen Defizit an Getreide und Millionen
hungernder Menschen geführt.

Die Vereinigten Staaten haben auf diese Ka-

tastrophe reagiert, indem sie eine Million Tonnen Lebensmittel geschickt
haben.

Diese Hilfe hat massive Anstrengungen zur Überwindung der Entfer-

nungen gekostet und ein Transportproblem aufgeworfen.

Wie ich höre, ist

jeder sechste Sudanese von amerikanischer Lebensmittelhilfe abhängig. Der
Sudan hat noch eine weitere Last auf sich genommen, indem er hunderttausende von geflohenen Opfern der Hungersnot und des Krieges in Nachbarländern aufgenommen hat.

Die Vereinigten Staaten haben auf die verschiedenen Appelle der sudanesischen Regierung und der Vereinten Nationen, diesen Flüchtlingen, deren Zahl jetzt eine Million überschritten hat, zu helfen, großzügig reagiert.

Wir sind uns trotz der Verheerungen der Dürre über das landwirt-

schaftliche Potential des Sudan im klaren.

Unsere Entwicklungshilfe legt

besonderen Wert auf die Förderung von Technologie und Einrichtungen, die
der besseren Nutzung der vielen Millionen Hektar Ackerland dienen, die
jetzt brach liegen.

Zusammen mit anderen Geberländern und internationa-

len Organisationen wenden wir uns dem Problem des Wiederaufbaus der Landwirtschaft nach der Dürre zu.

Das wird eine große Anstrengung seitens

des Sudan erfordern, und wir sind bereit zu helfen.

FRAGE:

Fürchten Sie

�FRAGE:

Fürchten Sie n i c h t , daß die Sowjets i h r e P o s i t i o n und i h r e n

Einfluß im Nahen Osten zurückgewinnen und dem Westen P a r o l i bieten könnten?
ANTWORT:

Ich b i n der Meinung, daß der Einfluß der Sowjetunion im Na-

hen Osten an i h r e r Bereitschaft gemessen werden s o l l t e , eine konstruktive
Rolle bei der Lösung der Probleme i n der Region zu s p i e l e n .

Aber die So-

wjets haben sich a l l e s andere als k o n s t r u k t i v verhalten - eine Tatsache,
auf die von den Führern i n der Region o f t hingewiesen wurde.
FRAGE:

Es h e i ß t , M i t t e l - und Südamerika seien aufgrund i h r e r Nähe zu

den Vereinigten Staaten f ü r diese von Bedeutung.

Messen Sie dem M i t t e l -

meer - besonders der T ü r k e i , Griechenland und Zypern - nicht die gleiche
Bedeutung bei?
ANTWORT:

Sowohl

die

westliche

Hemisphäre a l s

auch das Mittelmeer

sind für die Sicherheit der Vereinigten Staaten Gebiete von entscheidender Bedeutung.

Die Türkei und Griechenland sind wichtige

NATO-Partner

und sind für die Aufrechterhaltung der S : a b i l i t ä t i n diesem strategischen
Gebiet der Erde von ausschlaggebender Bedeutung.
Auch unsere Beziehungen zur Regierung von Zypern sind eng und freundschaftlich.
FRAGE:

Warum hat die Reagan-Administration nicht auf das neue Ver-

h ä l t n i s zwischen Libyen und Marokko reagiert?
ANTOWRT:
intensiver

Die marokkanische Regierung und wir hatten eine ganze Reihe

und gründlicher

marokkanisch-libyschen
schen Beziehungen.

Gespräche h i n s i c h t l i c h

Unions-Vertrags

auf

Marokko kennt unsere

die

der Auswirkungen des
amerikanisch-marokkani-

ablehnende

Haltung

zu diesem

V e r t r a g , aber wir sind damit z u f r i e d e n g e s t e l l t , daß der Vertrag n i c h t auf
eine Waise e r f ü l l t w i r d , durch die unsere b i l a t e r a l e n Beziehungen zu Marokko hätten beeinflußt

werden können.

Wir werden a l l e r d i n g s auch wei-

t e r h i n seine Verwirklichung beobachten.
Die Vereinigten
- 7 -

�Die Vereinigten Staaten schätzen i h r e Beziehungen zu Marokko
und wir h o f f e n , daß diese Beziehungen solide bleiben.

sehr,

König Hassan hat

die Gründe f ü r diesen Vertrag genannt und hat darauf hingewiesen, daß er
sich auf

die

frühere

Unsere Einschätzung
wohlbekannt.

Unterstützung Libyens

der

tadelnswerten Natur

Wir werden erst

für

die P o l i s a r i o

des libyschen

bezieht.

Regimes

ist

dann unsere Haltung gegenüber Libyen än-

d e r n , wenn Oberst Ghaddafi seine Unterstützung des i n t e r n a t i o n a l e n Terrorismus und seine Subversion anderer Regierungen e i n s t e l l t .
FRAGE:

Wie sieht die Lösung des Sahara-Konfliktes ziwschen Marokko

und der P o l i s a r i o aus?
ANTWORT:

Die Vereinigten Staaten unterstützen die Bemühungen um eine

Verhandlungslösung durch eine Feuereinstellung und e i n anschließendes Referendum.

Die Vereinigten Staaten sind der Überzeugung, daß eine p o l i -

tische Lösung der einzige Wag zur Beendigung des K o n f l i k t e s i s t .
FRAGE:

Könnte die Reagan-Administration das Gebiet

unterschiedliche Gruppen betrachten:

nicht

als

vier

1 . die Länder Nordafrikas; 2. den

Sudan und Ägypten; 3. die arabische Halbinsel und 4. das fruchtbare Land,
zu dem Jordanien, S y r i e n , der Libanon, I s r a e l und - h o f f e n t l i c h - auch
Palästina
vielleicht

gehören?
leichter

Aus geopolitischer

Sicht

könnten die Probleme dann

gelöst werden, a l s wenn man die gesamte Region a l s

e i n großes Problem b e t r a c h t e t .

V i e l l e i c h t könnten v i e r k l e i n e r e Probleme

eher i n den G r i f f zu bekommen sein a l s e i n großes?
ANTWORT:

Auf Ihre Frage g i b t es keine einfache Antwort.

Wir sehen

den Nahen Osten als eine Region großer V i e l f a l t mit v i e l e n Gemeinsamkeiten.

Wir behandeln i h n a l s eine

Region, sehen aber z u g l e i c h , daß die

einzelnen Länder ihre eigenen Probleme und Interessen haben.

Sicherlich

g i b t es e i n gewisses Maß an Zusammenhang zwischen separaten Ereignissen
und Problemen, aber dies i s t nicht i n a l l e n Fällen so.

Je nach Thema ge-

hen wir die Dinge b i l a t e r a l und m u l t i l a t e r r a l an.
FRAGE:

Wie d e f i n i e r e n

�FRAGE:

Wie definieren Sie - kurz gesagt - die derzeitigen amerika-

nisch-libyschen Beziehungen, wenn es überhaupt welche gibt?

ANTWORT:

Unsere Beziehungen sind minimal.

Wir haben in Libyen keine

offizielle Vertretung, und dies wird so iDleiben, bis Libyen sein Verhalten ändert.

Auch hier sind wir bereit, unsere Beziehungen zu Libyen zu

verbessern - aber nur, wenn Ghaddafi seine Unterstützung des internationalen Terrorismus und seine Subversion von Regierungen vollständig und
für immer aufgibt.
FRAGE:

Früheren Administrationen gelang es doch immerhin fast, das

Dilemma des Nahen Ostens einer Lösung zuzuführen.

Könnten Sie nicht

jetzt, da Sie so überzeugend wiedergewählt wurden, die im Streit liegenden Gruppoen auf Ihre Ranch nach Santa Barbara einladen, wie dies Präsident Carter in Camp David tat?
ANTWORT:

Es geht vor allem um Verhandlungen; der Ort ist nicht das

Problem.
FRAGE:

Wir sahen, wie es Ihnen auf äußerst diplomatische Weise ge-

lang, entgegen allen Erwartungen die Sov/jets wieder an den Verhandlungstisch zu bringen.

Ich kann nicht glauben, daß Sie das nicht heute auch

im Nahen Osten schaffen.

ANTWORT:
sant.

Oder?

Die Parallele mit den Abrüstungsverhandlungen ist interes-

Ich wünschte mir, die an dem Konflikt im Nahen Osten Beteiligten

würden sich an einen Tisch setzen und miteinander verhandeln; aber ich
bin sicher, daß die Entwicklung in diese Richtung geht.

Der wichtigste

Aspekt Ihrer Parellele ist der, daß beide - wir und die Sowjetunion übereinkamen, die Rüstungskontrollverhandlungen
spräch stattfinden.

müßten im direkten Ge-

Wir wissen, daß bei den Positionen keine Überein-

stimmung herrscht, und wir sind auch hinsichtlich des Ergebnisses nicht
sicher, aber wir sind davon überzeugt, daß der Versuch sinnvoll ist,
durch direktes Gespräch auf ein Abkommen hinzuarbeiten.

Auch im Nahen

Osten müssen die Parteien zu dem Schluß gelangen, daß es am besten ist,
- 9 -

�besten ist, einen gerechten und dauerhaften Frieden durch direkte Verhandlungen anzusteuern.

FRAGE:

Warum sind Sie gegen die Teilnahme der Sowjets an einer in-

ternationalen Konfrenz über den Nahen Osten - wie dies bereits von vielen
arabischen Staaten und von der Sowjetunion vorgeschlagen wurde?

ANTWORT:
ist:

Das sind eigentlich zwei verschiedene Fragen.

Die erste

Warum sind wir der Meinung, eire internationale Konferenz trage

nicht zu einer friedlichen Lösung bei?
internationale

Unserer Meinung nach würde eine

Konferenz praktisch gesehen nur zu politischem Theater

führen, aber nichts zu einer Lösung beitragen.
können echte Ergebnisse zeitigen.

Nur direkte Verhandlungen

Wir verstehen Jordaniens Wünsch nach

einem unterstützenden internationalen Kontext, in dem direkte Verhandlungen beginnen könnten.

Wir werden unsere Gespräche sowohl mit Jordanien

als auch mit Israel fortsetzen, um zu zeigen, wie ein solcher Kontext am
besten erstellt werden kann.

Die zweite Frage bezieht sich auf die Bereitschaft der Sowjets, zu
Lösungen für die Probleme des Nahen Ostens beizutragen.

Wir haben immer

wieder gezeigt, daß wir eine konstruktive Haltung der Sowjetunion bei den
Problemen der Region begrüßen würden.

Wir haben auch verdeutlicht, wel-

che Art von Aktivitäten unserer Meinung nach konstruktiv wären.

Bislang

war ihre Haltung jedoch in keinster Wr;ise hilfreich, und wir erkennen
auch keine Hinweise darauf, daß sich dies ändern könnte.

FRAGE:
genkommender

Glauben Sie, daß die neue Führung in der Sowjetunion entgesein könnte, was die Zusammenarbeit mit den Vereinigten

Staaten bei Waltfrieden und Sicherheit, insbesondere in Afrika und im
Nahen Osten, angeht?

ANTWORT:

Diese Frage muß Herr Gorbatschow beantworten.

Wir jeden-

falls sind der Ansicht, unsere beiden Länder sollten ihre Beiträge zu einer friedlichen Lösung der Probleme in diesen Regionen leisten - und sie
nicht erst noch gefährlicher machen. Wir sind auch der Meinung, wir soll- 10 -

�wir sollten Konfrontationen bei diesen Themen zu vermeiden suchen.

Wir

hoffen, daß solche Gespräche dazu beitragen können, Mißverständnisse zu
vermeiden, die sonst zur Konfrontation führen könnten.

Wir haben solche

Ge spräche über das südliche Afrika und den Nahen Osten geführt.

Aber

obgleich diese Gespräche nützlich waren, so haben sie bislang noch keine
größere Bereitschaft seitens der Sowjetunion erkennen lassen, friedliche
Lösungen zu fördern - und nicht zu behindern.

FRAGE:

Wie stellen Sie sich das Ende des Kriegs zwischen dem Iran

und dem Irak vor?

Sollen wir glauben, daß diese regionalen Kriege für

die westlichen Volkswirtschaften notwendig sind, wie wir dies an westlichen Universitäten gelernt haben?

ANTWORT:

Jede Behauptung, wonach

regionale Kriege

irgendwie den

westlichen Wirtschaftsinteressen dienen, ist marxistischer Unsinn und hat
in der Außenpolitik der Vereinigten Staaten nichts zu suchen.
Wir haben ein zwingendes humanitäres Interesse an der frühestmöglichen Beendigung dieses Blutvergießens. Außerdem würde den Sicherheitsund Wirtschaftsinteressen der Vereinigten Staaten, ihrer westlichen Verbündeten und ihrer Freunde in der Region am besten durch eine sofortiges
Ende dieses Krieges gedient - eines Kriegsendes, das, beiden Ländern ihre
Unabhängigkeit beläßt und sie in die Lage versetzt, ihre nationale Entwicklung fortzusetzen.

FRAGE:

Glauben Sie nicht, daß die anhaltende Unruhe und die Kriege

im Nahen Osten auch die Sicherheit der "Hintertür" des NATO-Bündnisses
beeinflussen?

ANTWORT:

Ja - und das ist ein sehr beunruhigendes Problem.

Die Welt

kann die Folgen der Instabilität in keinem Teil der Erde ignorieren, und
wir müssen gemeinsam alle Anstrengungen unternehmen, um Lösungen für regionale Probleme zu finden.

FRAGE:
- 11 -

Sind Sie

�FRAGE:

Sind Sie zufrieden, was die Sicherheit der Golf Staaten vor

äußerer Gefahr anbelangt?

ANTWORT:
den.

Nein, ich bin mit der derzeitigen Situation nicht zufrie-

Solange noch der iranisch-irakische Krieg anhält und solange noch

der Iran eine Politik der Unterstützung des Terrorismus verfolgt und sich
weigert, wieder eine verantwortungsbewußte

Rolle in der Staatengemein-

schaft zu übernehymen, werden Stabilität und Sicherheit der Golfstaaten
gefährdet bleiben.

Die Vereinigten Staaten haben ein lebenswichtiges In-

teresse daran, die Freiheit der Schiffahrt im Golf und die Stabilität der
Region insgesamt aufrechtzuerhalten, und wir haben uns zusammen mit unseren Freunden in dem Gebiet - einschließlich Saudi-Arabiens und der anderen Mitglieder des Gulf Cooperation Council - darum bemüht, ihre legitimen Verteidigungsbedürfnisse zu unterstützen und ihre kollektiven Sicherheitsanstrengungen zu ermutigen.

Diese Länder sind jetzt in einer besse-

ren Lage, mit ihren eigenen Mitteln ihre Souveränität und territoriale
Integrität gegen potentielle Gegner zu verteidigen, aber es bleibt noch
mehr zu tun.

Wir sind mit den Golfstaaten der Meinung, daß der einzige

W?g zur Beendigung des Krieges zwischen dem Irak und dem Iran friedliche
Verhandlungen sind, und wir haben ihre Bemühungen im Rahmen der UN und
auch in anderen Foren unterstützt.

Wir unterstützen auch die Position

Kuweits und anderer Golfstaaten, wonach der einzige Weg zur Vernichtung
des Terrorismus darin besteht, auf seine Forderungen und Provokationen
nicht einzugehen und mit anderen betroffenen Mitgliedern der internationalen Gemeinschaft zusammenzuarbeiten, um Wage zur endgültigen Beseitigung dieser Geißel zu finden.

FRAGE: Sehen Sie Lösungen für die Situation in Afghanistan?

ANTWORT:

Der Krieg in Afghanistan ist Folge der Anwesenheit von über

115 000 sowjetischen Soldaten, die versuchen, das afghanische Volk zu unterdrücken.

Es gibt nur eine Lösung für dieses Problem: den vollständi-

gen Rückzug der sowjetischen Truppen. Eine politische Verhandlungslösung
ist auch weiterhin Ziel der amerikanischen Politik.
Die sowjetischen
- 12 -

�Die sowjetischen Streitkräfte können in ihrem derzeitigen Umfang den
afghanischen

Widerstand nicht niederschlagen, aber der Widerstand kann

auch nicht hoffen, die sowjetische Armee aus Afghanistan zu vertreiben.
Es ist also notwendig, vom Schlachtfeld zum Verhandlungstisch zu gehen.
Wir unterstützen voll und ganz den starken Widerstand der Regierung von
Pakistan gegenüber Einschüchterung über die Grenze hinweg.

Wir sind durch die Ankündigung der Vereinten Nationen ermutigt, gegen
Ende Juni in Genf eine weitere Runde indirekter oder Stellvertretergespräche über Afghanistan zu führen.

Es ist unsere Hoffnung, daß es dort

Fortschritte in Richtung auf eine Lösung geben kann, auch wenn das jüngste Anwachsen der sowjetischen Militäraktivitäten keinen Anlaß zu Optimismus gibt.

In Kontakten mit den Sowjets haben wir auf den verschie-

densten Ebenen unsere Unterstützung für eine politische Verhandlungslösung betont.

Wir werden sicherlich auch weiterhin den sowjetischen Amts-

trägern gegenüber in künftigen Gesprächen unseren Standpunkt klarmachen.

FRAGE:

Wenn wir einmal Ihre offizielle Stellung als Führer der Frei-

en Welt vergessen und offen zwischen uns als Menschen sprechen:

Wie wür-

den Sie die Lage im Nahen Osten lösen?

ANTWORT:

Die amerikanische Verfassung erlaubt es mir nicht, einfach

meine Stellung als Präsident der Vereinigten Staaten zu vergessen.

Den-

noch glaube ich, daß die Vorschläge, die ich am 1. September 1982 unterbreitet habe, den sinnvollsten Weg darstellen, um zum nächsten Schritt
einer Lösung des arabisch-israelischen Konfliktes zu gelangen.

Es ist

jedoch wichtig, festzuhalten, daß es sich hierbei um Positionen handelt,
die die Vereinigten Staaten bei Verhandlungen einnehmen würden. Wir drängen die anderen Beteiligten nicht, sich ihnen von vornherein anzuschließen; ja, wir erwarten von ihnen vielmehr, ihre eigenen Vorstellungen auf
den Tisch zu legen.

Denn darum geht es ja bei Verhandlungen - daß unter-

schiedliche Standpunkte miteinander ausgesöhnt werden.

Wichtig ist, daß

solche Verhandlungen aufgenommen werden und daß die einzelnen Parteien
ihre Meinungsverschiedenheiten direkt auf friedliche Weise aus der Welt
schaffen.
FRAGE:
- 13 -

Erlauben Sie

�FRAGE:

Erlauben Sie mir, Herr Präsident, Ihnen noch einmal als einem

großen Mann des Friedens zu danken.

Wir alle sind nur eine kurze Zeit

auf dieser Erde, und worum es vor allem geht, sind das Urteil der Geschichte und die Bewertung durch die Nachwelt.

Die Geschichte aber wird

Sie als einen großen Kämpfer für Frieden und Gerechtigkeit beurteilen.
Gott schütze Sie.
ANTWORT:

Ich verspreche, daß wir uns alle bemühen werden.

Es war

mir eine Freunde, Sie hier zu diesem Gespräch gehabt zu haben. Gott
schütze auch Sie.

- 1A -

�3 . J u l i 1985

26

DIE SOWJETISCHE AUFRÜSTUNG IM BEREICH DER STRATEGISCHEN WAFFEN
- Bericht von Sachverständigen des CIA -

Washington -(AD)- Der Nationale Nachrichtendienstliche Beirat

(Natio-

nal I n t e l l i g e n c e Council), e i n zwölfköpfiges Sachverständigengremium, das
dem Direktor des US-Zentralamtes f ü r Nachrichten und Abwehr (CIA) unmittelbar u n t e r s t e l l t

i s t , s p r i c h t den Sowjets die Fähigkeit z u , ihre s t r a -

tegischen S t r e i t k r ä f t e

bis M i t t e der neunziger Jahre umfassend zu moder-

nisieren und auszubauen. Ein entsprechender Bericht wurde von V e r t r e t e r n
des Beirats am 26. Juni 1985 im Rahmen einer Anhörung vor einem KongreQausschuß vorgelegt. Er hat folgenden Wortlaut:
Einführung
Bis M i t t e der neunziger Jahre werden die Sowjets nahezu a l l e der nuklearen Offensivwaffen i n t e r k o n t i n e n t a l e r Reichweite, über die sie gegenwärtig verfügen - d . h . , ihre l a n d - und seegestützten b a l l i s t i s c h e n Raketen sowie ihre schweren Bomber - durch neue, verbesserte Systeme e r s e t z t
haben. Neue mobile Interkontinentalraketen

(ICBM) und mehrere Typen von

Marschflugkörpern stehen vor der I n d i e n s t s t e l l u n g .

Während der

nächsten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�der nächsten fünf Jahre wird sich die Zahl der Gefechtsköpfe auf s t r a t e gischen Vfeffen um einige Tausend erhöhen; e i n roch umfassenderer Ausbau
i n den neunziger jähren i s t möglich. Wir sind besorgt über die Arbeiten
im Bereich der strategischen Verteidigung, die die Sowjets s e i t
betreiben (so u.a.

langem

e i n umfangreiches Projekt zum Schutz i h r e r Führung),

über die Tatsache, daß sie e i n ausgedehntes Abwehrsystem gegen b a l l i s t i sche Raketen a u f s t e l l e n könnten, und über i h r e erheblichen Anstrengungen
im technologischen Bereich der Richtenerciiewaffen, insbesondere der htochenergielaser.

Die energischen Anstrengurgen der Sowjets bei der

Erfor-

schung, Entwicklung und Aufstellung strategischer Kfeffen sind nichts Neues; sie ergeben sich aus der unentwegten Entschlossenheit zum Ausbau und
zur Verbesserung ihres strategischen P o t e n t i a l s , die sie i n den vergangenen beiden .Jahrzehnten an den Tag gelegt haben.

Die sowjetische Führung bemüht s i c h , ihre S t r e i t k r ä f t e auf die Möglichkeit

vorzubereiten, daß sie t a t s ä c h l i c h einen Atomkrieg führen müs-

sen. Sie haben v i e l e der Probleme der Durchführung m i l i t ä r i s c h e r

Opera-

tionen i n einem Atomkrieg ernsthaft i n A n g r i f f genommen und hierdurch i h re Möglichkeiten

verbessert,

mit

den zahlreichen möglichen Lagen, die

sich i n einem solchen K o n f l i k t ergeben können, fertigzuwerden.
Nach unserer Auffassung würde das Z i e l der Sowjets bei der Planung
i h r e r m i l i t ä r i s c h e n Operationen d a r i n bestehen, einen Atomkrieg zu i h r e n
Bedingungen zu beenden, und zwar durch Neutralisierung der Fähigkeit der
interkontinentalen

und

taktischen

Nuklearstreitkräfte

der

Vereinigten

Staaten zur Verhinderung eines sowjetischen Sieges i n einem Krieg auf dem
europäisch-asiatischen Kontinent.
1 . Strategische Offensivwaffen
Der wichtigste

neuere Trend bei den Offensivwaffen i s t

der Bau von

Stellungen für mobile strategische Raketen, und zwar f ü r M i t t e l s t r e c k e n raketen

(IR3M) vom Typ SS-20 wie auch für neue

Interkontinentalraketen

(ICBM).
- Im

Jahr

1984

leiteten

die

Sowjets

ein

bis

dahin

beispielloses

�dahin

beispielloses

Bauprogramm

für

neue SS-20-Stellungen

ein.

In

keinem der vorhergehenden Jahre i s t mit dem Bau so v i e l e r neuer S t e l lungen begonnen worden.
- Bei den Vorbereitungen

für

die Aufstellung

von zwei neuen mobilen

ICBM, der auf straßengängigen Fahrzeugen montierten SS-X-25 und der
auf

Schienenfahrzeugen montierten S5-X-24, haben die Sowjets

Fortschritte

erzielt.

Daß sich die Sowjets

zur Aufstellung

große

mobiler

ICBM entschlossen haben, i s t gleichbedeutend mit einer Grundentscheidung über den künftigen Ressourceneinsatz, denn Systeme dieser

Art

erfordern erheblich umfangreichere I n f r a s t r u k t u r e i n r i c h t u n g e n a l s s i logestützte Systeme und sind daher i n Betrieb und Wartung weitaus kostenintensiver.
Dank bestimmter P r o j e k t e , die b e r e i t s s e i t

Jahren l a u f e n , wird das

sowjetische strategische Offensivpotential b i s M i t t e der neunziger Jahre
in all

seinen Teilbereichen umfassend modernisiert worden s e i n . Die So-

wjets werden sich zwar auch weiterhin suf o r t s f e s t e , s i l o g e s t ü t z t e ICBM
s t ü t z e n , daneben aber auch eine große Zahl mobiler ICBM a u f s t e l l e n . Auch
die seegestützten Waffen und die Bomberflotte werden i n erheblichem Umfang verbessert werden. Zu den hauptsächlichen Veränderungen, die im Bereich a l l dieser Waffen vorgenommen werden, zählen u.a. die folgenden:
- Verbesserung der Einsatzmöglichkeiten

gegen gehärtete

Ziele.

Schon

heute besitzen die Sowjets für i h r e ICBM genügend zum Einsatz gegen
gehärtete

Ziele

amerikanische

geeignete

Wiedereintrittsflugkörper,

um

sämtliche

ICBM-Silos und Abschußleitzentralen angreifen zu kön-

nen. I n der Zukunft wird ihnen sogar noch eine größere Anzahl von zum
Einsatz

gegen gehärtete

Ziele

geeigneten

Wiedereintrittsflugkörpern

zur Verfügung stehen. Schon heute hätten sie bei einem solchen Angriff

gute

Chancen, MINUTEMAN-Silos

tatsächlich

zu zerstören.

Die

vorausberechneten Verbesserungen der T r e f f s i c h e r h e i t der neuen schweren ICBM, die die Sowjets nach unseren Annahmen Ende der
Jahre i n Dienst

achtziger

s t e l l e n werden, würden diese Chancen noch d e u t l i c h

erhöhen.
- Eine d e u t l i c h

�- Eine d e u t l i c h bessere Überlebensfähigkeit

des Gesamtpotentials durch

Verbesserungen im Bereich der unterseebootgestützten Raketen (SLBM)
( z . B . Einführung von l e i s e r e n Unterseebooten und von Raketen größerer
Reichweite) und durch die I n d i e n s t s t e l l u n g mobiler ICBM. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt würde e i n großer T e i l der s i l o g e s t ü t z t e n ICBM der
Sowjets einen amerikanischen A n g r i f f überleben. Vfenn die Vereinigten
Staaten

jedoch

in

den nächsten zehn Jahren t r e f f s i c h e r e r e

Raketen

a u f s t e l l t e n , würden die sowjetischen ICBM-Silos verwundbarer werden.
Die Sowjets werden sich dann zunehnend auf die

Überlebensfähigkeit

i h r e r mobilen ICBM und SLBM verlassen.
- Eine erhebliche Erhöhung der Zahl de:: durch Bomber ins Z i e l zu b r i n genden Gefechtsköpfe i n f o l g e der I n d i e n s t s t e l l u n g neuer Bombertypen,
die

mit

Langstreckenmarschflugkörpem

zum Einsatz

gegen

Landziele

ausgestattet sein werden.
1 . 1 . ICBM
Bis M i t t e der neunziger Jahre werden die gegenwärtig vorhandenen sowjetischen IC8M fast gänzlich durch neue Systeme ersetzt worden s e i n :
- Die Sowjets t r e f f e n Vorbereitungen zur Aufstellung von ICBM des Typs
SS-X-24 i n Silos im Jahre 1986 und a j f schienenbeweglichen Abschußgeräten im Jahre 1987. Wir erwarten, d;*ß die mit zehn Mehrfachgefechtsköpfen (MIRV) ausgerüsteten ICBM des Typs SS-X-24 an die S t e l l e der
silogestützten

ICBM der Typen SS-1"? und SS-19 t r e t e n werden. Auch

diese ä l t e r e n Typen tragen Mehrfachgefechtsköpfe, jedoch eine g e r i n gere Anzahl.

- Die Sowjets haben mit der Ausmusterung ä l t e r e r
des Typs SS-11 mit Einzelgefechtskopf
zeitig

Vorbereitungen

Einzelgefechtskopf

für

silogestützter

ICBM

begonnen, während sie g l e i c h -

die Aufstellung

der ebenfalls

mit

einem

versehenen, auf straßengängige Fahrzeuge montier-

ten und somit mobilen SS-X-25 t r e f f e n . Wir erwarten, daß die SS-X-25
bis Ende 1985 einsatzbereit sein w i r d .

- Wir erwarten,

�- Wir erwarten, daß im Zeitraum von 1986 bis 1990 zumindest d r e i neue
ICBM-Typen i n die Flugerprobung gehen werden:
- Eine neue s i l o g e s t ü t z t e schwere ICBM a l s Ersatz für die SS-18.
- Eine neue Version der SS-X-2A.
- Eine neue Version der mobilen SS-X-25 mit der Möglichkeit zur Ausrüstung mit Mehrfachgefechtskopf.
1.2. Die SS-20
Man kann davon ausgehen, daß der Bestand an Mittelstreckenraketen des
Typs SS-20 i n f o l g e des ausgedehnten BauProgramms für neue Stellungen b i s
1987 auf mehr a l s 450 a u f g e s t e l l t e Abschußgeräte angewachsen sein w i r d .
1984 wurde mit dem Bau von mehr neuen Stellungen begonnen a l s i n jedem
der vorangehenden Jahre. Die Gesamtzahl läge noch wesentlich höher, wenn
die Sowjets nicht i n den m i t t l e r e n Landesteilen der UdSSR gelegene SS-20Stellungen

aufgelöst

h ä t t e n , um sie

zu Stellungen

SS-X-25 umbauen zu können. Ein Nachfolgemodell

für

für

ICBM des

Typs

die SS-20, das wie

diese d r e i Gefechtsköpfe t r ä g t und wahrscheinlich eine noch höhere Vernichtungskraft haben w i r d , ging 1984 i n die Flugerprobung.
1 . 3 . SLBM
Im Rahmen eines ausgedehnten Modernisierungsprogramms wird der gesamte

sowjetische

Bestand an mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgerüsteten SLBM

erneuert werden; außerdem werden wesentlich bessere mit b a l l i s t i s c h e n Raketen bewaffnete, atomgetriebene Unterseeboote (SSBN) e i n g e f ü h r t . Folgende größere Veränderungen werden vorgenommen werden:
- Indienstnahme von Unterseebooten der DELTA-IV-Klasse und von weiteren
Einheiten der TYPHOON-Klasse. Diese Boote weisen Verbesserungen a u f ,
die

ihre Uberlebensfähigkeit

erhöhen. Eine weitere

neue Klasse

von

Unterseebooten wird wahrscheinlich Anfang der neunziger Jahre eingef ü h r t werden.
- Ab Ende

1985 oder

Anfang

1986 Stationierung

neuer

SLBM vom Typ

�vom Typ SS-NX-23 auf Booten der DELTA-IV- und DELTA-III-Klasse. Die
gegenüber

der

gegenwärtig

auf

den

DELTA-III-Booten

stationierten

SS-N-18-Rakete erhöhte Reichweite der SS-NX-23 wird den mit

dieser

neuen Waffe ausgestatteten SSBN zu einer größeren Uberlebensfä'higkeit
v e r h e l f e n , da sie dann i n der Lage sein werden, i n geringerer E n t f e r nung zu den sowjetischen Küsten zu o p e r i e r e n , wo die sowjetische Mar i n e sie besser decken kann.

- Ein Ersatzmodell

für

die

auf SSBN der TYPHOON-Klasse

stationierte

SS-N-20 wird wahrscheinlich Ende 1985 oder 1986 i n die Flugerprobung
gehen, und eine Rakete von der A r t der SS-NX-23 wird wahrscheinlich
gegen Ende der achtziger Jahre erprobt werden.
1.4. Schwere Bomber
Die

sowjetische

Flotte

von schweren Bombern durchläuft

gegenwärtig

ihre erste große Modernisierung s e i t den sechziger Jahren; b i s M i t t e der
neunziger
sein.

Jahre

werden die

meisten der

ä l t e r e n Bomber e r s e t z t

Schwere Bomber werden dann bei A n g r i f f e n über

worden

interkontinentale

Entfernungen hinweg eine größere Rolle s p i e l e n :
- Luftgestützte Marschflugkörper
1984 e i n s a t z b e r e i t ;

mit

(ALQV) vom Typ AS-15 wurden im Jahre

ihnen wurden Flugzeuge vom Typ BEAR H aus

neuester Produktion ausgestattet.

Indem sich die Sowjets neu herge-

s t e l l t e r Flugzeuge eines ä l t e r e n Baumusters bedienten, waren sie

in

der Lage, ALCM mindestens v i e r Jahre vor dem Zeitpunkt i n Dienst zu
stellen,

zu dem dies möglich gewesen wäre, wenn sie auf den neuen

BLAQXJACK-Bomber gewartet hätten.
- Wir gehen davon aus, daß der BLACKJ^QX 1988 oder 1989 seine Einsatzr e i f e erlangt haben und sowohl ALCM a l s auch Bomben tragen w i r d .
1.5. Marschflugkörper
Die ALCM sind die ersten Modelle in einer Reihe von zum Einsatz gegen
Landziele

bestimmten

Langstreckenmarschflugkörpern,

- 6 -

deren

Einführung

�deren Einführung bevorsteht.

Wir erwarten, daß die Sowjets während der

nächsten

3 000 mit

zehn Jahre 2 000 -

ALCM, seegestützte Marschflugkörper
körper

Nukleargefechtsköpfen

versehene

(SLCM) und landgestützte Marschflug-

(GLCM) s t a t i o n i e r e n werden. Die Stationierung von Marschflugkör-

pern verschafft den Sowjets neue Moglichikeiten, Z i e l e i n den Vereinigten
Staaten aus a l l e n möglichen Richtungen anzugreifen.
1.6. Das Anwachsen des i n t e r k o n t i n e n t a l e r

Offensivpotentials

Vorausschätzungen des Anwachsens der Zahl der Gefechtsköpfe auf den
sowjetischen Offensivwaffen i n t e r k o n t i n e n t a l e r Reichweite:
- Dieses P o t e n t i a l umfaßt gegenwärtig mehr a l s 9 000 Gefechtsköpfe auf
rund 2 500 Abschußgeräten für b a l l i s t i s c h e Raketen und schweren Bombern. Die meisten Gefechtsköpfe sind auf ICBM montiert.
- Die Zahl der Gefechtsköpfe s t e i g t : Die neuen sowjetischen Unterseeboote der TYPHOON- und DELTA-IV-Klasse, die Bomber vom Typ BEAR H und
die ICBM vom Typ SS-X-24 werden wesentlich mehr Gefechtsköpfe tragen
a l s die Systeme, an deren S t e l l e sie t r e t e n .
- Wenn die Sowjets auch 1990 noch rtnd 2 500 schwere Bomber und Abschußgeräte für Raketen haben und d3bei innerhalb der im Rahmen von
SALT I I

vereinbarten Begrenzungen f ü r jede

Waffenkategorie

bleiben,

wird die Zahl der ihnen zur Verfügung stehenden Gefechtsköpfe b i s dah i n auf mehr a l s 12 000 anwachsen.
- Auch der von den Sowjets im Jahre 1983 bei den Gesprächen über eine
Verminderung der strategischen Waffen (START) u n t e r b r e i t e t e Vorschlag
würde zu einer Erhöhung der Zahl der Gefechtsköpfe führen. A l l e r d i n g s
würden die Sowjets nach den i n diesem Vorschlag vorgesehenen Begrenzungen b i s 1990 etwa 1 000 Gefechtsköpfe weniger haben, a l s sie gemäß
der Begrenzungen von SALT I I haben dürfen.
- Der amerikanische

START-Vorsehlag aus dem Jahre 1983 würde

Trend hingegen umkehren und bis
-

diesen

1990 zu erheblichen Verminderungen
7 -

�erheblichen Verminderungen führen.
- Die Sowjets werden zwar i h r i n t e r k o n t i n e n t a l e s O f f e n s i v p o t e n t i a l auch
ohne Rüstungskontrollbeschränkungen
von 12 000 lichkeit

licht

unbedingt über die Grenze

13 000 Gefechtsköpfen hinaus e r w e i t e r n , aber die Mög-

zu einem erheblichen weitergehenden Ausbau haben sie

e i n d e u t i g ; bis M i t t e der neunziger

ganz

Dahre könnten sie es auf 16 000

b i s 21 000 Gefechtsköpfe bringen. Die kleinere der beiden genannten
Zahlen ergäbe sich bei einem A n h a l t e l der i n der jüngeren Vergangenh e i t zu beobachtenden Trends beim Tenpo der Stationierung neuer Waff e n ; um hingegen die höhere Zahl zu e r r e i c h e n , wäre zwar keineswegs
die Anspannung a l l e r K r ä f t e , aber doch e i n wesentlich höherer Einsatz
von Ressourcen e r f o r d e r l i c h .

Wenn die Sowjets i n den nächsten Jahren die Flugerprobung der
stischen Raketen vorantreiben, deren Stationierungsbeginn
achtziger

und Anfang der

wichtigen Entscheidungen

neunziger
stehen.

Jahre geplant

Insbesondere

ist,

haben sie

balli-

f ü r Ende der

werden sie
rein

vor

technisch

gesehen die M ö g l i c h k e i t , neue ICBM entweder i n einer A r t und Weise zu e r proben, die den i n dem u n r a t i f i z i e r t e n SALT-II-Vertrag enthaltenen Begrenzungen f ü r die Eigenschaften und die Verbesserung von Waffensystemen
e n t s p r i c h t , oder aber e i n Testverfahren zu wählen, das sich über diese
Begrenzungen hinwegsetzt.

2. Strategische Verteidigung
Die aktiven und passiven Einrichtungen der strategischen Verteidigung
der

Sowjets

könnten

zwar

im

Falle

eines

Großangriffs

das

Entstehen

schwerster Schäden nicht verhindern, s o l l e n aber den Schutz der Führung
sowie m i l i t ä r i s c h e r Einrichtungen im engeren und weiteren Sinne zumindest
so weit gewährleisten, daß i h r e Funktionsfähigkeit unter Kriegsbedingungen erhalten b l e i b t . Da die Sowjets im Verlaufe der nächsten zehn Jahre
eine Reihe von neuen Waffentypen einführen und v i e l e der ä l t e r e n Systeme
ausmustern werden, wird sich die Schlagkraft i h r e r strategischen V e r t e i digjng wesentlich erhöhen. Folgende wichtige Entwicklungen sind zu nennen:

2 . 1 . Raketenabwehr

�2 . 1 . Raketenabwehr
- Die Sowjets befassen sich
Entwicklung

seit

und Stationierung

v i e l e n Jahren mit

der Erforschung,

von Raketenabwehrsystemen

(ABM-Syste-

men).
- Wenn das verbesserte ABM-System bei Moskau um das Jahr 1987 herum
f e r t i g g e s t e l l t sein w i r d , wird es IOC) silogestü'tzte Raketen mit hoher
Startbeschleunigung und m o d i f i z i e r t e Abfangraketen vom Typ GALOSH umfassen und damit bedeutsame Abwehrmnglichkeiten gegen begrenzte Ang r i f f e auf besonders wichtige Ziele i n Raum Moskau e r ö f f n e n .
- Man kann davon ausgehen, daß bis zum Ende des Jahrzehnts e i n neues
Netz

von

Radargroßanlagen

mit

phasengesteuerter

Abtastung

(ein-

s c h l i e ß l i c h der bei Krasnojarsk) einsatzbereit sein w i r d . Die Sowjets
werden dann über

stark

verbesserte Möglichkeiten der

Früherfassung

anfliegender b a l l i s t i s c h e r Raketen, der Angriffsbewertung und der genauen Zielverfolgung
nisch

in

verfügen. Diese Radaranlagen werden zwar t e c h -

der Lage s e i n ,

eine unterstützende

Funktion

für

die Ge-

f e c h t s l e i t u n g im Rahmen eines ausgedehnten ABM-Systems zu übernehmen,
aber es i s t

ungewiß, ob die Sowjets diesen Radaranlagen eine

Rolle

bei der umfassenden Aufstellung von A3M-Waffen zugedacht haben.
- Das SA-X-12-System, das im Zeitraum 1985/86 bei den sowjetischen Bodentruppen eingeführt werden s o l l , kann gegen Flugzeuge herkömmlicher
Bauart, Marschflugkörper

und taktische

ballistische

Raketen einge-

setzt werden. Es könnte i n gewissem Umfang auch zum Abfangen e i n i g e r
der Typen von Wiedereintrittsflugkörpern eingesetzt werden, die auf
den strategischen b a l l i s t i s c h e n Raketen der Vereinigten Staaten verwendet werden. Seine technischen Einsatzmöglichkeiten rücken das Problem i n den Vordergrund, daß durch technologische Verbesserungen der
Unterschied zwischen Flugabwehr- und ABM-Systemen verwischt w i r d . Die
Entwicklung

neuerer,

noch komplexerer

Flugabwehrraketensysteme

wird

dieses Problem noch weiter komplizieren.
Was uns besondere Sorge b e r e i t e t , i s t die Tatsache, daß die f o r t l a u -

�die fortlaufenden Entwicklungsarbeiten der Sowjets ihnen die Möglichkeit
zur Aufstellung von ABM-Systemen i n großem Umfang eröffnen könnten. Die
Sowjets besitzen b e r e i t s die Hauptkomponenten für e i n ABM-System, die f ü r
den umfassenden Aufbau von ABM-Einrichtungen über die durch den ABM-Vertrag gesteckten Grenzen hinaus genutzt werden könnten. Zu diesen Komponenten zählen Radaranlagen, e i n o b e r i r d i s c h aufzubauendes Raketenabschußgerät und die Rakete mit hoher Startbeschleunigung, die um Moskau herum
i n Stellung gebracht werden w i r d . Es besteht die M ö g l i c h k e i t , die Produktionseinrichtungen, die

i n Zusammenhang mit dem Ausbau des Moskauer

ABM-Systems geschaffen worden s i n d , auch für den umfassenden Aufbau von
ABM-Einrichtungen zu nutzen. Nach unserer Auffassung könnten die Sowjets
durchaus sehr rasch weitere ABM-Anlagen aufbauen, um die Verteidigungseinrichtungen bei Moskau zu verstärken und besonders wichtige Ziele

in

der westlichen UdSSR zu decken. Bis Anfang der neunziger Jahre könnten
auch wichtige Ziele ö s t l i c h
werden.

des Urals

Ln diese Verteidigung einbezogen

Vtenn die Sowjets derartige Maßnahmen i n Betracht ziehen, werden

sie indessen die m i l i t ä r i s c h e n V o r t e i l e , die solche Verteidigungseinrichtungen i n ihren Augen haben mögen, gegen die N a c h t e i l e , die insbesondere
aus der Reaktion der Vereinigten Staater und i h r e r Verbündeten erwachsen
könnten, abwägen müssen.

2.2. Luftverteidigung
Neue

strategische

Flugabwehrsysteme

mit

Einsatzmöglichkeiten

gegen

Ziele i n geringer Flughöhe werden i n zunehmender Zahl a u f g e s t e l l t werden.
Die Sowjets setzen die Stationierung der neuen, gegen Ziele i n b e l i e b i g e r
Flughöhe einsetzbaren Boden-Luft-Rakete

vom Typ SA-10 f o r t ,

führen neue

Flugzeuge mit verbesserten Einsatzmöglichkeiten gegen t i e f f l i e g e n d e Ziele
ein

und

werden

im

Jahre

1985

das

fliegende

Frühwarn- und

Leitsystem

(AVßCS) vom Typ MAINSTAY i n den Truppendienst übernehmen. Vtenn die

ver-

besserten Systeme zur Truppe kommen, wird es für die d e r z e i t i g verfügbaren Bomber zusehends schwieriger werden, die sowjetische L u f t v e r t e i d i g u n g
zu durchstoßen. Gegen amerikanische Marschflugkörper wäre dieses V e r t e i digungssystem

jedoch

wesentlich

weniger

wirksam.

Vfihrend der

nächsten

zehn Jahre wird die sowjetische Luftverteidigung wahrscheinlich nicht

in

dar Lage s e i n , im F a l l e eines A n g r i f f s , der von Bombern und Marschflug-

- 10 -

�und Marschflugkörpern gemeinsam vorgetragen wird, genug davon abzuschießen, um zu verhindern, daß die UdSSR schwerste Schäden erleidet. Wir
glauben jedoch, daß die Sowjets imstande sind, viele besonders wichtige
Führungs-, Befehls-, Militär- und Wirtschaftseinrichtungen, die im Kriege
eine bedeutsame Rolle spielen würden, zunehmend besser vor Luftangriffen
zu schützen.

2.3. U-Boot-Abwehr
Bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt verfügen die Sowjets nicht über w i r k same M i t t e l zur Ortung von auf See b e f i n d l i c h e n amerikanischen Unterseebooten, die mit b a l l i s t i s c h e n Raketen bewaffnet sind (SSBN). Wir erwart e n , daß die Sowjets ihre Arbeiten i n a l l e n technologischen Bereichen der
U-Boot-Abwehr

(ASW) auch weiter

hier

Lösungen für

mögliche

mit

Nschdruck

vorantreiben werden, da

die Probleme der Bekämpfung

amerikanischer

SSBN und des Schutzes i h r e r eigenen SSBN vor amerikanischen Jagd-U-Booten
liegen.

Wir sind besorgt über die energische ASW-Forschung und die tech-

nologischen Anstrengungen der Sowjets. Wir glauben jedoch n i c h t , daß die
reale Möglichkeit besteht, daß die Sowjets i n den neunziger Jahren e i n
System einführen könnten, das eine erheb Liehe Gefahr für auf See kreuzende amerikanische SSBN d a r s t e l l e n würde.
2 . 4 . Der Schutz der Führung
Die Sowjets betreiben e i n umfangreiches Programm, das dem Schutz i h r e r Führung d i e n t .

Nach unserer Auffassung würde bei einer

Vorwarnzeit

von nur einigen Stunden e i n großer Teil der kriegsmäßigen Führungsstruktur

die ersten Auswirkungen eines amerikanischen nuklearen Großangriffs

überleben. Wir schätzen, daß für Führungskräfte der nationalen und r e g i o nalen Ebene zumindest 800, v i e l l e i c h t

sogar 1 500 Ausweichstandorte

zur

Verfügung stehen. T i e f u n t e r i r d i s c h angelegte Einrichtungen könnten das
Überleben der obersten nationalen Führung gewährleisten; h i e r i n

besteht

eines der vorrangigen Ziele der sowjetischen Pläne f ü r die Regierung i n
Kriegszeiten.
3. Führungs-

-

11 -

�3. Fuhrungs- und Kommandoeinrichtungen

In den nächsten zehn Jahren wird es zu erheblichen Verbesserungen der
Schlagkraft der strategischen Offensivwaffen der Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion kommen, aber dennoch würden auf beiden Seiten umfangreiche Teile des militärischen Potentials selbst schwere Atomschläge überleben. Wie sicher sich die Sowjets ihrer Befähigung zum Ausfechten weltweiter Konflikte und zur Begrenzung des Schadens, den die Sowjetunion erleiden würde, sein können, hängt weitgehend von Erwägungen bezüglich der
Fuhrungs- und Kommandoeinrichtungen ab, d.h., von ihrer Fähigkeit, die
Funktionstüchtigkeit

ihrer

eigenen

Fuhrungs- und

Kommandoeinrichtungen

aufrechtzuerhalten, wie auch von ihren Möglichkeiten, die Vereinigten
Staaten und ihre Verbündeten der Fähigkeit zum Führen und Befehligen ihrer Streitkräfte ganz oder teilweise zu berauben.

- Amerikanische Angriffe könnten zwar viele bekannte, ortsfeste Befehls-,

Kommando- und

Kommunikationseinrichtungen

zerstören, aber

dank der Tatsache, daß die Sowjets s;.ch diesem Bereich schwerpunktmäßig gewidmet haben, besitzen sie he^te zahlreiche gehärtete Schlüsseleinrichtungen

sowie

Kommunikationsanlagen

in Mehrfachauslegung.

Die Sowjets könnten daher höchstwahrscheinlich die Funktionsfähigkeit
ihres Befehls- und Kommandosystems insgesamt aufrechterhalten, obwohl
es wahrscheinlich in Mitleidenschaft gezogen würde und sie sich bei
der Gewährleistung seines Weiterbetriebs Schwierigkeiten gegenübersehen könnten.

- Wir glauben, daß die Sowjets fortwährende Angriffe gegen die strategischen Befehls-, Kommando- und Komrrunikationseinrichtungen der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten richten würden, um die Koordination von Vergeltungsschlägen nach Möglichkeit zu verhindern oder zu
erschweren. Hierdurch würden die Sowjets die Belastung ihrer eigenen
strategischen Verteidigung vermindern und die Fähigkeit der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten herabsetzen, zur Regenerierung ihrer Streitkräfte militärische und zivile Ressourcen heranzuziehen.
Die Sowjets würden zwar im Hinblick auf diese Aufgabe erhebliche Anstrengungen unternehmen, sind wahrscheinlich aber keineswegs sicher,
- 12 -

�keineswegs sicher, daß sie diese Ziele auch wirklich erreichen könnten.
4. Das Weltraumprogramm
Das von den Sowjets mit Nachdruck
überwiegend

betriebene Keltraumprogramm ist

militärischer Natur. Mehr als 70 Prozent der sowjetischen

Weltraumunternehmen dienen ausschließlich militärischen Zwecken, und von
den übrigen haben viele eine militärisch-zivile Doppelfunktion. Die Sowjets betrachten den Weltraum als integralen Bestandteil ihres militärischen offensiven und defensiven Gesamt.konzepts und nicht etwa als getrennten oder aussparbaren Bereich. Die Sowjets würden zwar gern in der
Lage sein, dem Feind im Krieg die Nutzung des Weltraums zu verwehren,
aber ihre gegenwärtigen Möglichkeiten zur Bekämpfung von Satelliten sind
begrenzt und reichen nicht aus, um diesen offenkundigen Erfordernissen
gerecht zu werden. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt bieten nicht nur das speziell dafür konzipierte nichtnukleare Qrbitalabfangsystem, sondern auch
andere Systeme wie die nukleare ABM-Abfangrakete vom Typ GALOSH und zwei
erdgestützte hbchenergielaser die Möglichkeit, einige Satelliten in erdnahen Umlaufbahnen zu vernichten oder zu stören, aber die mögliche Bedrohung für Satelliten in höheren Umlaufbahnen ist begrenzt. Wahrscheinlich
würden die Sowjets im Verlaufe eines größeren konventionellen Krieges und
im Anfangsstadium eines Atomkriegs vergehen, die Satelliten der Vereinigten Staaten zu vernichten oder zu stören. Ihre diesbezüglichen Mittel
würden jedoch einen Nuklearangriff nicht überleben. Gewisse Verbesserungen bei den sowjetischen Einrichtungen zur Satellitenbekämpfung stehen
jedoch zu erwarten.

5. Richtenergiewaffen

und

mit

kinetischer Energie arbeitende hbchge-

schwindigkeitswaffen
Richtenergiewaffen und mit kinetischer Energie arbeitende Waffen für
eine Reihe strategischer Anwendungsmöglichkeiten könnten eventuell entwickelt werden, so z.B. zur Bekämpfung von Satelliten, zur Flugabwehr,
zum Einsatz auf dem Gefechtsfeld und langfristig auch zur Abwehr ballistischer Raketen.
- 13 -

Es agibt

�Es gibt starke Indizien dafür, daß die Sowjets an der Entwicklung von
HDchenergielaserwaffen arbeiten, und zwar in einigen Fällen schon seit
den sechziger Jahren:

- Nach unserer Schätzung würde ein Laserwaffenprogramm vom Umfang des
sowjetischen in den Vereinigten Staaten ungefähr eine Milliarde Dollar jährlich kosten.

- Man geht davon aus, daß sich in zwei Anlagen auf dem Testgelände bei
Saryshagan l-bchenergielaser befinden, die möglicherweise als Antisatellitenwaffen eingesetzt werden könnten.

- Wir sind besorgt über ein sowjetisches Großprojekt zur Entwicklung
erdgestützter Laserwaffen zur Abwehr von Wiedereintrittsflugkörpern
im Endanflug. Es ist jedoch weitgehemd ungewiß, ob die Verwendung von
erdgestützten Lasern zur Raketenabwehr machbar und durchführbar ist.
Wir erwarten, daß die Sowjets die Funktionstüchtigkeit eines solchen
Systems in den achtziger Jahren testen werden, wobei sie wahrscheinlich eine der Hochenergielaseranlagen bei Saryshagan verwenden werden. Ein einsatzfähiges System könnte erst viele Jahre später in
Dienst gestellt werden, wahrscheinlich erst nach der Jahrtausendwende.
- Die Sowjets scheinen zwei HDchenergielaserwaffen zu entwickeln, die
möglicherweise zur strategischen Luftverteidigung eingesetzt werden
könnten, und zwar zum Objektschutz am Boden und zur See.

- Die Sowjets arbeiten weiter an der Entwicklung eines in ein Flugzeug
eingebauten Lasers.

- Die Sowjets betreiben u.a. auch ein Forschungsprojekt zur Entwicklung
von HDchenergielaserwaffen für den Einsatz im Weltraum. Anfang der
neunziger Jahre könnte der Prototyp einer weltraumgestützten Hochenergielaserwaffe zur Satellitenbekämpfung in einer erdnahen Umlaufbahn erprobt werden, aber selbst wenn die Tests erfolgreich verliefen, könnte ein solches System kaum vor Mitte der neunziger Jahre die
Einsatzreife erlangen.
Ferner betreiben
- 14 -

�Ferner betreiben die Sowjets für das Militär Forschungsarbeiten mit
dem Ziel der Entwicklung von Partikelstrahlenwaffen (PBW). Wir glauben,
daß die Sowjets schließlich einen Versuch zum Bau einer weltraumgestützten PBW unternehmen werden, aber da die technischen Anforderungen ungemein hoch sind, ist es nach unserem Dafürhalten unwahrscheinlich, daß sie
noch vor dem Jahr 2000 einen Prototyp testen werden.
Die Sowjets haben im Bereich der "rechrologien, die zur Entwicklung
von Radiofrequenzwaffen

(RF-Waffen) genutzt werden können, einen hohen

Leistungsstandard erreicht, so daß sie nach unserer Meinung wahrscheinlich in der Lage sind, den Prototyp eineis RF-Waffensystems zu entwickeln.
Eine solche Vteffe kann benutzt werden, um bestimmte Komponenten von Raketen oder Satelliten zu stören oder außer Funktion zu setzen.

Wir befürchten, daß die Programme cer Sowjets im Bereich der Richtenergietechnik schon so weit fortgeschritten sein könnten, daß sie zum
Bau einsatzfähiger erdgestützter Antisatellitenwaffen in der Lage sind.

Seit den sechziger Jahren haben die Sowjets erhebliche Mittel für
Forschungs- und Entwicklungsarbeiten im Bereich von Technologien aufgewandt , die möglicherweise zum Bau von mit kinetischer Energie arbeitenden
Hbchgeschwindigkeitswaffen eingesetzt werden können.

6. Mittelaufwand für die erwarteten Entwicklungen und Rüstungskontrollerwägungen

Etwa jeweils ein Zehntel, insgesamt also ein Fünftel der gesamten Rüstungsausgaben, werden für die strategischen Offensiv- und Defensivwaffen
aufgewandt. Obwohl die Programme der Sowjets in den Bereichen der Erforschung, Entwicklung und Aufstellung strategischer

Waffen bereits einen

erheblichen Umfang haben, wird der Aufwand von Mitteln weiter erhöht. Wir
schätzen, daß die Gesamtinvestitionen und Betriebskosten für die sowjetischen Programme in dem Bereich der strategischen Offensivwaffen (Systeme
interkontinentaler Reichweite und Mittelstreckenwaffen) und in dem der
strategischen Defensivwaffen (unter Außerachtlassung der Möglichkeit eines umfassenden Aufbaus von Raketenabwehrsystemen) in den nächsten fünf

- 15 -

�nächsten fünf Jahren zu einer jährlichen Steigerung der sowjetischen Gesamtausgaben für strategische Waffen um fünf bis sieben Prozent führen
werden. (Sollte es zu einer umfassenden Aufstellung von Raketenabwehrsystemen kommen, würde sich die Zuwachsrate auf sieben bis zehn Prozent belaufen.)

Da die Wachstumsrate bei den nichtstrategischen Programmen mit ungefähr drei Prozent angenommen wird, würde eine Steigerung der Ausgaben für
strategische Programme um fünf bis sieben Prozent auf eine jährliche Erhöhung der gesamten Rüstungsausgaben um drei bis vier Prozent hinauslaufen. Gleichzeitig zeichnet sich ab, daß die sowjetische Wirtschaft für
den Rest des Jahrzehnts nur sehr geringe Zuwachsraten zu verzeichnen haben wird. Wenn nun aber der für die Rüstung aufgewandte Teil des Bruttosozialprodukts größer wird, werden die Sowjets vor der schwierigen Entscheidung stehen, ob sie die Zuwachsrate der Investitionen kürzen sollen,
obwohl diese von zentraler Bedeutung für die Modernisierung ihrer Wirtschaft sind, oder ob sie die Produktion von Verbrauchsgütern zurückschrauben sollen, obwohl diese im Rahmen der sowjetischen Bemühungen um
eine Anhebung der Arbeitsproduktivität einen hohen Stellenwert hat.

Ungeachtet der ernsten Wirtschaftsprobleme, die seit Mitte der siebziger Jahre bestehen, hatten die militärischen Beschaffungsprogramme der
Sowjets Jahr für Jahr einen erheblichen Umfang; insbesondere beschaffen
die Sowjets auch weiterhin neue strategische Waffen in großer Zahl. So
haben die Sowjets beispielsweise seit Mitte der siebziger Jahre ihr Potential an mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgestatteten ICBM aufgestellt und
ausgebaut, neue SSBN mit Mehrfachgefechtsköpfen tragenden SLBM in Dienst
gestellt und die mobilen Raketen vom SS-20 eingeführt. In den letzten
Jahren haben die Sowjets ihren Mittelaufwand für neu entwickelte Systeme
erhöht, insbesondere im Hinblick auf die Aufstellung kostspieliger mobiler Raketensysteme. Obwohl die Sowjets vor schweren Wirtschaftsproblemen
stehen, deutet nichts darauf hin, daß sie sich genötigt fühlen, auf
wichtige strategische Rüstungsprogramme zu verzichten, oder daß sie im
Bereich der Rüstungskontrolle größere Zugeständnisse machen werden, um
den wirtschaftlichen Druck zu mildern. Ausschlaggebend für die Rüstungsund Rüstungskontrollentscheidungen der Sowjets werden wahrscheinlich auch

- 16 -

�wahrscheinlich auch weiterhin ihre Einschätzungen des politisch-strategischen Nutzens und die Dynamik der Waffentechnik bleiben. Nach unserer
Auffassung werden die strategischen Waffen bei der Mittelzuweisung auch
weiterhin oberste Priorität behalten und daher von wirtschaftlichen Problemen in geringerem Umfang betroffen werden als jeder andere Teilbereich
der Streitkräfte der Sowjetunion. Wir glauben jedoch auch, daß Entscheidungen über Umfang und Tempo der Modernisierung der strategischen Waffen
infolge der angespannten Wirtschaftslage heute wahrscheinlich in stärkerem Maße als in der Vergangenheit von wirtschaftlichen Faktoren beeinflußt

werden und

daß

einige Stationierungsprogramme

gestreckt werden

könnten.

Wir glauben, daß die Sowjets entschlossen sind, keinerlei Abstriche
an dem zuzulassen, was die UdSSR im vergangenen Jahrzehnt militärisch erreicht hat. Sie sind sich der Tatsache bewußt, daß die neuen strategischen Waffensysteme, die die Vereinigten Staaten gegenwärtig einführen
oder entwickeln, die Gefährdung ihrer silogestützten ICBM erhöhen, ihre
Anstrengungen im Bereich der U-Boot-Abwehr komplizieren und ihre Luftverteidigung vor zunehmend komplexere Probleme stellen. Durch ihr Verhalten
und ihre Propaganda haben die Sowjets zu erkennen gegeben, daß sie über
die Strategische Verteidigungsinitiative (SDI) der Vereinigten Staaten,
in deren Mittelpunkt fortgeschrittene Technologien stehen, sehr besorgt
sind. Sie glauben, daß SDI sie zwingen könnte, ihre Entwicklungsprogramme
für ballistische

Offensivraketen umzustellen, um diese

Waffen weniger

verwundbar zu machen, oder daß SDI einen kostspieligen Hochtechnologiewettlauf ohne absehbares Ende auslösen könnte, und wahrscheinlich befürchten sie, daß ihre eigenen Anstrengungen in diesem Bereich mit denen
der Vereinigten Staaten nicht Schritt halten können. Wahrscheinlich bereitet ihnen auch die Möglichkeit Sorge, daß SDI zu anhaltenden Anstrengungen der Vereinigten Staaten im Bereich der strategischen Verteidigung
führen könnte.

Die sowjetische Führung betrachtet die Rüstungskontrollpolitik als
wichtigen Faktor im Rahmen ihrer Bemühungen, strategische Vorteile zu erlangen. Die Sowjets sind dann bereit, im Hinblick auf die Erhöhung der
Leistungsfähigkeit

von Streitkräften und die Aufstellung neuer

- 17 -

Waffen

�neuer Haffen Begrenzungen auszuhandeln, wenn dies ihren Interessen dient.
Moskau glaubt seit langem, daß Rüstungskontrolle zuerst und vor allem die
Schlagkraft der Streitkräfte der Sowjetunion im Verhältnis zu der ihrer
Gegner schützen muß. Die Sowjets versuchen, die Modernisierung der amerikanischen Streitkräfte sowohl durch den Rüstungskontrollprozeß selbst als
auch durch jedes sich daraus ergebende Abkommen zu begrenzen. In Zukunft
wird im Mittelpunkt der sowjetischen Rustungskontrollpolitik der Versuch
stehen, die Möglichkeiten der Vereinigten Staaten zur Abwehr ballistischer Raketen und zur Kriegführung im Weltraum zu begrenzen; dies wird
eine ihrer hervorstechendsten Eigenarten ausmachen. Die Sowjets werden
versuchen, sich der Rüstungskontrollverhandlungen als Mittel zur Verzögerung oder Vereitelung des amerikanischen SDI-Programms zu bedienen.

* * * * *

- 18 -

�3. J u l i 1985

26

25 JAhRE WETTERBEOBACHTUNG AUS OEM WELTRAUM

-

(AD) - Mit dem S t a r t des ersten arrerikanischen TIROS-Satelliten am

1 . A p r i l 1960 öffnete sich für die Wetterkundler eine neue und, wie sich
i n 25 Jahren z e i g t e , ungemein wichtige Eeobachtungsperspektive.
nem ViertelJahrhundert

waren sie noch auf

Vor e i -

Wahrnehmungen angewiesen, die

zu Lande und auf den Meeren, v i e l l e i c h t auch noch von Flugzeugen aus gemacht wurden.

Jetzt aber ergab sich die M ö g l i c h k e i t , Strukturen und Zug-

richtung r i e s i g e r

Wblkenfelder und, mitte:ls empfindlicher Sensoren, S t r ö -

mungsmuster und Temperaturen i n den Stockwerken der Erdatmosphäre rund um
den Globus zu beobachten - und rund um cie Uhr dazu.

Die mit diesen Sa-

t e l l i t e n zunehmend umfangreicher und mit

immer größerer Genauigkeit ge-

wonnenen Informationen

b i l d e n heute

Kern der

möglichst

Vorhersagen

zuverlässige

Grundlage für den E r f o l g i s t

der

gebraucht

Wetterdaten, die

werden.

Eine

für

wesentliche

die enge i n t e r n a t i o n a l e Zusammenarbeit von

Wissenschaftlern vor allem aus den USA, Europa, Japan, Indien und der Sowjetunion und ca. 40 weiteren Ländern, die i n der

WMO (UN-Weltorgani-

s a t i o n f ü r Meteorologie) zusammengeschlossen s i n d .
Die neuen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die neuen Erkenntnisse aus den Gebieten der Meteorologie und Atmosphärenphysik

bedeuteten eine

besondere Förderung

für

die

"Weltwetter-

wacht" der VMO, eines überaus komplexen Beobachtungs- und Vorhersagesystems.

S a t e l l i t e n d a t e n waren gewissermaßen der Motor, um die Leistungen

der VMO k o n t i n u i e r l i c h zu verbessern - nicht nur i n bezug auf die Q u a l i tät

kurzfristigerer

Zeitdauer,

Wettervorhersagen,

sondern auch i n

bezug auf

die

f ü r die Vorhersagen mit r e l a t i v e r Genauigkeit gemacht werden

können.
Die

gegenwärtige

"Flotte"

von

Wetterbeobachtungssatelliten

besteht

zum T e i l aus geostationären Geräten, die auf ä q u a t o r i a l e r Bahn i n 35 680
km Höhe eine p r a k t i s c h feste P o s i t i o n einnehmen, w e i l die Umlaufgeschwindigkeit

eines S a t e l l i t e n i n diesem Abstand der

Rotationsgeschwindigkeit

der Erde e n t s p r i c h t , und zum anderen au:; S a t e l l i t e n auf polaren Umlaufbahnen i n ca. 800 km Höhe.

Deren Bahnebene steht senkrecht zur Bahnebene

der geostationären W e t t e r s a t e l l i t e n , die von der Europäischen Weltraumorganisation ESA, den Vereinigten Staaten, Japan und Indien g e s t e l l t
den.

wer-

Die S a t e l l i t e n auf polarer Bahn kommen aus den USA und der Sowjet-

union.

Neben ihren Aufgaben zur Wetterbeobachtung und der ständigen Aus-

strahlung von Vfetterdaten, die jeder empfangen kann, der daran i n t e r e s s i e r t i s t , nehmen sie auch Notsignale von Flugzeugen und Schiffen auf und
geben diese an große Bodenstationen weiter.

Die Umlaufbahnen über beide

Pole machen i n f o l g e der West-Ost-Drehung der Erde eine komplette Beobachtung der Erdoberfläche mit j e w e i l s gleichmäßiger Verschiebung um bestimmte Längengradeinheiten möglich.
Ein moderner W e t t e r s a t e l l i t

kostet derzeit 50 bis 100 M i l l i o n e n D o l -

lar.

Die j ä h r l i c h e n Betriebskosten liegen bei 20 b i s 40 M i l l i o n e n D o l -

lar.

Mehr a l s

80 Prozent der VMO-Mitgliedstaaten machen vom Direktem-

pfang der Satelliten-Wetterdaten Gebrauch, die durch hydrologische Meßdaten ergänzt werden.

Die übrigen M i t g l i e d e r benutzen die Vorhersagen, die

aus S a t e l l i t e n d a t e n e r a r b e i t e t und über die VMO im Rahmen eines w e l t w e i ten Nachrichtennetzes v e r m i t t e l t werden.

Die Weltwetterorganisation

för-

dert außerdem durch Ausbildungskurse und Forschungsprojekte die Aus- und
Weiterbildung von Spezialisten aus den i h r angeschlossenen Staaten.
* * * * *
- 2 -

�</text>
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