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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

27. November 1985

47
I N H A L T

DOKUMENTATION
Gemeinsame Erklärung nach dem Genfer Gipfeltreffen
- Reagan und Gorbatschow wollen Abrüstungsverhandlungen beschleunigen

Genf-Bericht Reagans vor dem amerikanischen Kongreß
- Wortlaut der Ansprache -

USA und UdSSR eröffnen Konsulate in Kiew und New York
- Verlautbarung des Weißen Hauses -

USA und UdSSR unterzeichnen Allgemeines Austauschabkommen
- Verlautbarung des Weißen Hauses -

USA und UdSSR vereinbaren Erweiterung des Austausches und der
Kontakte
- Verlautbarung des Weißen Hauses -

USIA für Kulturabkommen mit UdSSR zuständig
- Presseverlautbarung des US-Informationsamtes * * * * *

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-8543'

i

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

27. November 1985

47

GEMEINSAME ERKLÄRUNG NACH DEM GENFER GIPFELTREFFEN
- Reagan und Gorbatschow wollen Abrüstungsverhandlungen beschleunigen -

GENF - (AD) - Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow wollen
die Verhandlungen über Atom- und Weltraumwaffen beschleunigen, um "ein
Wettrüsten im Weltraum zu verhindern und es auf der Erde zu beenden sowie
die Zahl der Kernwaffen zu begrenzen und zu verringern und die strategische Stabilität zu erhöhen."
In einer am 21. November 1985 veröffentlichten gemeinsamen Erklärung
nach dem Genfer Gipfeltreffen fordern beide "baldigen Fortschritt, insbesondere in den Bereichen gemeinsamen Interesses, einschließlich des Prinzips einer 50prozentigen, zweckdienlich durchgeführten Verringerung der
Kernwaffen der Vereinigten Staaten und der UdSSR sowie des Gedankens eines Interimsabkommens bei den nuklearen Mittelstreckensystemen."

Die gemeinsame Erklärung hat folgenden Wortlaut:
In

gegenseitigem

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2'
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�In gegenseitigem Einvernehmen trafen sich der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Ronald Reagan, und der Generalsekretär des Zentralkomitees

der

Kommunistischen

Partei

der

Gorbatschow, vom 19. bis 21. November in Genf.
amerikanischer

Sowjetunion,

Michail

An dem Treffen nahmen auf

Seite Außenminister George Shultz, Stabchef des Weißen

Hauses, Donald Regan, Sicherheitsberater Robert McFarlane, der amerikanische Botschafter in der UdSSR, Arthur Hartman, der Sonderberatewr des
Präsidenten und Staatssekretär für Rüstungskontrolle, Paul H. Nitze, die
Unterstaatssekretärin

für europäische Angelegenheiten, Rozanne Ridgway,

sowie der Sonderberater des Präsidenten für Fragen der nationalen Sicherheit, Jack Matlock, teil. Auf sowjetischer Seite nahmen das Mitglied des
Politbüros

des

Zentralkomitees

der

KPdSU,

Außenminister

E.A.

Schewardnadse, der Erste Stellvertretende Außenminister, G.M. Kornienko,
der sowjetische Botschafter in den Vereinigten Staaten, A.F. Dobrynin,
der Leiter der Propagandaabteilung des Zentralkomitees der KPdSU, A.N.
Yakowlew, der Leiter der Abteilung für Internationale Information des
Zentralkomitees der KPdSU, L.M. Samjatin, sowie der Assistent des Generalsekretärs des Zentralkomitees der KPdSU, A.M. Alexandrow, teil.

Diese umfassenden Gespräche deckten die grundlegenden Fragen der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen und der gegenwärtigen internationalen
Lage ab.

Die Treffen waren offen und nützlich.

Ernste Meinungsverschie-

denheiten bleiben bei einer Reihe kritischer Fragen bestehen.

Obgleich sie sich der Unterschiede in ihren Systemen und ihrer Behandlung der internationalen Fragen bewußt blieben, gelangten die beiden
Führer dennoch zu einem größeren Verständnis der Sicht der jeweils anderen Seite.

Sie waren sich hinsichtlich der Notwendigkeit der Verbesse-

rung der amerikanisch-sowjetischen

Beziehungen und der internationalen

Lage als Ganzes einig.

In diesem Zusammenhang bestätigten beide Seiten die Bedeutung eines
weitergehenden Dialogs, der ihr Bemühen um Gemeinsamkeiten bei der Behandlung der anstehenden Probleme widerspiegelt.
Sie kamen

�Sie kamen überein, in nächster Zukunft erneut zusammenzutreffen.

Der

Generalsekretär nahm eine Einladung seitens des Präsidenten der Vereinigten Staaten an, die Vereinigten Staaten von Amerika zu besuchen, und der
Präsident der Vereinigten Staaten nahm eine Einladung des Generalsekretärs des Zentralkomitees der KPdSU an, die Sowjetunion zu besuchen.

Die

näheren Vereinbarungen und die zeitliche Planung der Besuche wird durch
diplomatische Kanäle festgelegt werden.

Bei ihren Zusammentreffen kam es zu Übereinstimmung bei einer Reihe
konkreter Fragen.

Die Bereiche der Übereinstimmung sind auf den folgen-

den Seiten aufgelistet.

Sicherheit

Beide Seiten waren nach Erörterung der wichtigsten Sicherheitsfragen
und im Bewußtsein der besonderen Verantwortung der UdSSR und der Vereinigten Staaten für die Aufrechterhaltung des Friedens einer Meinung, daß
ein Atomkrieg nicht gewonnen werden kann und niemals geführt werden darf.
Angesichts der Tatsache, daß jeder Konflikt zwischen der UdSSR und den
Vereinigten Staaten katastrophale Folgen haben könnte, betonten sie die
Bedeutung der Verhinderung eines Krieges zwischen ihnen - gleich, ob nuklear oder konventionell.

Sie werden keine militärische Überlegenheit

anzustreben versuchen.

Nuklear- und Weltraumgespräche

Der Präsident und der Generalsekretär sprachen über die Verhandlungen
bei Kern- und Weltraumwaffen.
Sie kamen überein, die Bemühungen bei diesen Verhandlungen in der Absicht zu intensivieren, die Aufgabe, wie sie in der gemeinsamen amerikanisch-sowjetischen Vereinbarung vom 8. Januar 1985 gestellt wurde, zu erfüllen - nämlich, ein Wettrüsten im Weltraum zu verhindern und es auf der

�auf der Erde zu beenden sowie die Zahl der Kernwaffen zu begrenzen und zu
verringern und die strategische Stabilität zu erhöhen.

Angesichts der kürzlich von den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion unterbreiteten Vorschläge forderten sie baldigen Fortschritt, insbesondere

in den Bereichen gemeinsamen Interesses, einschließlich des

Prinzips einer 50prozentigen, zweckdienlich durchgeführten Verringerung
der Kernwaffen der Vereinigten Staaten und der UdSSR sowie des Gedankens
eines Interimsabkommens bei den nuklearen Mittelstreckensystemen.

Im Rahmen der Verhandlungen über diese Abkommen wird es auch zu Vereinbarungen über wirksame Maßnahmen zur Verifizierung der Einhaltung dieser eingegangenen Verpflichtungen kommen.

Zentren für Risikoverringerung

Beide Seiten kamen überein, auf Expertenniveau die Fragen von Zentren
zu untersuchen, durch die das nukleare Risiko vermindert werden kann, wobei die Fragen und Entwicklungen der Genfer Verhandlungen in Rechnung gestellt werden.

Sie äußerten sich befriedigt über die jüngsten Schritte

in diese Richtung - wie etwa die Modernisierung des Heißen Drahtes zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten.

Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen

Generalsekretär Gorbatschow und Präsident Reagan bekräftigten erneut
die Verpflichtung der UdSSR und der Vereinigten Staaten gegenüber dem
Vertrag über die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen sowie ihr Interesse an einer gemeinsamen, auch mit anderen Staaten betriebenen, Stärkung
des Nichtweiterverbreitungssystems und einer weiteren Ausweitung des Vertrags, unter anderem durch erhöhte Mitgliedschaft.

Sie

stellten

�Sie stellten mit Befriedigung die insgesamt positiven Resultate der
jüngsten Überprüfungskonferenz des Vertrags über die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen fest.

Die UdSSR und die Vereinigten Staaten bekräftigten erneut ihre Verpflichtung, die sie gemäß dem Vertrag über die Nichtweiterverbreitung von
Kernwaffen eingegangen sind, in gutem Glauben und in Einklang mit Artikel
VI des Vertrages Verhandlungen über Fragen der Begrenzung der Kernwaffen
und der Abrüstung zu führen.
Die beiden Seiten haben die Absicht, auch weiterhin für eine Stärkung
der Internationalen Atomenergiebehörde einzutreten sowie die Tätigkeiten
der Behörde bei der Verwirklichung von Schutzmaßnahmen sowie bei der Förderung der friedlichen Verwendung der Kernenergie zu unterstützen.

Sie sehen die Praxis regelmäßiger sowjetisch-amerikanischer Konsultationen hinsichtlich der Nichtweiterverbreitung

von Kernwaffen positiv,

waren diese doch bislang sachlich und konstruktiv, und bringen ihre Absicht zur Fortführung dieser Praxis auch in Zukunft zum Ausdruck.

Chemische Waffen
Im Rahmen ihrer Gespräche über Sicherheitsprobleme bekräftigten beide
Seiten erneut, daß sie für ein generelles und umfassendes Verbot chemischer Waffen sowie die Vernichtung der vorhandenen Bestände solcher Waffen sind.

Sie kamen überein, die Bemühungen um den Abschluß einer wirk-

samen und verifizierbaren internationalen Konvention zu diesem Thema zu
beschleunigen.

Beide Seiten kamen überein, die bilateralen Expertengespräche über
alle Aspekte eines solchen Verbotes chemischer Waffen - einschließlich
der Frage der Verifizierung - zu intensivieren.

Sie kamen überein, einen

Dialog über die Verhinderung der Weiterverbreitung chemischer Waffern in
die Wege zu leiten.
MBFR
- 5-

�MBFR
Beide Seiten unterstrichen die Bedeutung, die sie den Wiener (MBFR)
Verhandlungen beimessen und brachten ihre Bereitschaft zum Ausdruck, sich
um positive Ergebnisse zu bemühen.

KVAE
Beide Seiten, die der Stockholmer Konferenz über Sicherheits- und
Vertrauensbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa große Bedeutung beimessen und den dort erzielten Fortschritt feststellten, brachten ihre Absicht zum Ausdruck, in Zusammenarbeit mit den anderen Teilnehmerstaaten
einen baldigen und erfolgreichen Abschluß der Arbeit der Konferenz zu erleichtern.

Zu diesem Zweck unterstrichen sie erneut die Notwendigkeit

eines Dokumentes, das beiderseitig

annehmbare Vertrauens- und Sicher-

heitsbildende Maßnahmen enthalten und dem Grundsatz der Nichtanwendung
von Gewalt konkreten Ausdruck und konkrete Wirkung verleihen würde.

Anhaltender Dialog

Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow waren sich hinsichtlich der Notwendigkeit einig, den Dialog auf den verschiedensten Ebenen
auf eine regelmäßige Basis zu stellen und zu intensivieren.

Dabei wird

neben Treffen zwischen den Führungen der beiden Länder an regelmäßige
Treffen zwischen dem sowjetischen und dem amerikanischen Außenminister,
sowie zwischen den Spitzen anderer Ministerien und Ämter gedacht.

Sie

sind sich darin einig, daß die jüngsten Treffen der Minister etwa des
Landwirtschafts-, Wohnungsbau- und Umweltschutzministeriums nützlich waren.

Angesichts der Tatsache, daß der Gedankenaustausch hinsichtlich regionaler Fragen auf Expertenebene sich als nützlich erwiesen hat, kamen
sie überein, einen solchen Austausch auf regelmäßiger Basis fortzuführen.
Beide Seiten
- 6-

�Beide Seiten beabsichtigen, die Programme des bilateralen kulturellen, pädagogischen und wissenschaftlich-technischen Austausches auszuweiten und auch die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zu entwickeln.

Der

Präsident der Vereinigten Staaten und der Generalsekretär des Zentralkomitees der KPdSU nahmen an der Unterzeichnung des Abkommens über Kontakte
und Austausch im wissenschaftlichen, pädagogischen und kulturellen Bereich teil.

Sie waren sich hinsichtlich der Bedeutung der Tatsache einig, humanitäre Fälle im Geist der Zusammenarbeit zu lösen.

Sie sind der Meinung, daß es größeres Verständnis zwischen unseren
Völkern geben sollte und daß sie zu diesem Zweck zu mehr Reisen und Kontakten von Volk zu Volk ermutigen wollen.

Luftsicherheit im nordpazifischen Raum
Die beiden Führer stellten mit Befriedigung fest, daß in Zusammenarbeit zwischen der japanischen, der amerikanischen und der sowjetischen
Regierung ein Maßnahmenpaket erstellt wurde, um die Sicherheit der Flugrouten über den Nordpazifik zu erhöhen und haben Schritte ausgearbeitet,
um dies zu verwirklichen.

Zivilluftverkehr/Konsulate
Sie bestätigten, daß Delegationen aus den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion Verhandlungen mit dem Ziel begonnen haben, den Flugverkehr
wieder aufzunehmen.

Die beiden Führer brachten ihren Wunsch zum Aus-

druck, bald zu einem beiderseitig vorteilhaften Abkommen zu gelangen.

In

diesem Zusammenhang wurde Übereinstimmung über die gleichzeitige Eröffnung von Generalkonsulaten in New York und Kiew erzielt.

Umweltschutz

�Umweltschutz

Beide Seiten waren sich hinsichtlich eines Beitrags zum Schutz der
Umwelt - einer weltweiten Aufgabe - mittels gemeinsamer Forschung und
praktischer Maßnahmen einig.

In Einklang mit dem bestehenden amerika-

nisch-sowjetischen Abkommen in diesem Bereich werden nächstes Jahr in
Moskau und in Washington Konsultationen zu bestimmten Programmen der Zusammenarbeit stattfinden.

Austausch und Initiativen

Die beiden Führer waren sich hinsichtlich des Nutzens eines erweiterten Austausches und vermehrter Kontakte einig - auch auf neuartige Weise
in einer ganzen Reihe wissenschaftlicher, erzieherischer, medizinischer
und

sportlicher Bereiche (unter anderem Zusammenarbeit

bei vermehrtem

Austausch im Erziehungsbereich sowie bei Inhalten und Methoden bei den
verschiedenen Ebenen des Schulunterrichts; Maßnahmen zur Förderung des
Russischstudiums in den Vereinigten Staaten und des Englischstudiums in
der UdSSR; jährlicher Austausch von Professoren zur Abhaltung spezieller
Kurse in Geschichte, Kultur und Wirtschaft an den entsprechenden Abteilungen der sowjetischen und amerikanischen Hochschulinstitutionen; Stipendien beider Länder für die besten Studenten der Naturwissenschaften,
der Technologie, der Sozialwissenschaften und der philosophischen Fakultäten für ein akademisches Jahr; Abhaltung regelmäßiger Treffen bei den
verschiedenen

Sportarten

Sportereignissen).

und

verstärkte

Fernsehberichterstattung

von

Beide Seiten kamen überein, die Zusammenarbeit bei

der Bekämpfung der Krebskrankheit wieder aufzunehmen.

Die entsprechenden Stellen in jedem der beiden Länder werden angewiesen, spezielle Programme für diesen Austausch zu erarbeiten.

Die ent-

standenen Programme werden von den Führungen bei ihrem nächsten Treffen
geprüft werden.
Fusionsforschung

�Fusionsforschung

Die beiden Führer betonten die potentielle Bedeutung der Arbeit, die
auf die Nutzung der kontrollierten thermonuklearen Fusion zu friedlichen
Zwecken abzielt und setzten sich in diesem Zusammenhang für die größtmögliche praktikable Entwicklung der internationalen Zusammenarbeit ein, um
zum Nutzen der gesamten Menschheit eine Energiequelle zu erschließen, die
im wesentlichen unerschöpflich ist.

- 9-

�27. November 1985

47

GENF-BERICHT REAGANS VOR DEM AMERIKANISCHEN KONGRESS
- Wortlaut der Ansprache -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat nach seiner Rückkehr
von

dem

Gipfeltreffen

mit

dem

sowjetischen

Generalsekretär

Michail

Gorbatschow dem amerikanischen Kongreß am 21. November 1985 Bericht erstattet.

In seiner Ansprache, die vom amerikanischen Fernsehen übertra-

gen wurde, bezeichnete Reagan die Begegnung in Genf als "für beide Seiten
lohnend".

Das Gipfeltreffen sei ein guter Anfang gewesen, um einen Fort-

schritt auf allen Gebieten zu erreichen.

Jetzt gelte es, auf diesem An-

fang weiter aufzubauen.

Der amerikanische Präsident hatte am gleichen Tag bereits in Brüssel
die Regierungschefs des Nordatlantischen Bündnisses über das Genfer Gipfeltreffen, vor allem über seine über fünfstündigen vertraulichen Gespräche mit Generalsekretär Gorbatschow unterrichtet.

Diese Konsultation mit

dem Bündnis vor und nach dem Gipfeltreffen sei als hervorragendes Beispiel für die Stärke der Allianz angesehen worden, so erklärte der Sprecher des Weißen Hauses, Larry Speakes.
Die Ansprache

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die Ansprache des Präsidenten vor der gemeinsamen Sitzung beider Häuser des amerikanischen Kongresses hat folgenden Wortlaut:

Mr. Speaker, Herr Präsident, Mitglieder des Kongresses, hochverehrte
Gäste, meine amerikanischen Mitbürger.

Es ist schön, wieder zu Hause zu sein.
für diesen wundervollen Empfang.

Nancy und ich danken Ihnen

Und bevor ich fortfahre, möchte ich

Nancy ein persönliches Dankeschön sagen.

Sie war ein hervorragender Bot-

schafter des guten Willens für uns alle.

Sie wußte nicht, daß ich das

hier sagen würde.

Mr. Speaker, Senator Dole, ich möchte Sie wissen lassen, daß Ihre unterstützenden

Erklärungen

sehr hoch geschätzt wurden und werden.

Sie

können es sich nicht vorstellen, was es bedeutet, wenn man bei Verhandlungen mit den Sowjets den Kongreß, die Verbündeten und das amerikanische
Volk fest hinter sich weiß.

Wie Sie wissen, bin ich gerade von Gesprächen mit Generalsekretär
Gorbatschow aus Genf zurückgekehrt.

In den letzten Tagen haben wir über

15 Stunden in mehreren Treffen mit dem Generalsekretär und den Mitgliedern seiner amtlichen Delegation verbracht.

Schätzungsweise fünf dieser

Stunden waren Gesprächen zwischen Gorbatschow und mir, Auge in Auge, gewidmet.

Das war der beste Teil - unser Gipfeltreffen am Kamin.

Ich weiß, daß es viele Kommentare und Meinungen darüber geben wird,
was diese Treffen hervorgebracht haben, und welcher Art sie waren.

In

Genf waren über 3000 Reporter und so ist es möglich, daß es 3000 Meinungen darüber geben wird, was geschehen ist.

Vielleicht ist der alte Rund-

funkberichterstatter in mir, der mich dazu bewogen hat, Ihnen direkt meinen eigenen Bericht zu geben.

Wir kamen zusammen, wie sich das gehört.

Ich hatte einen neuen An-

fang gefordert - und wir haben einen neuen Anfang gemacht.

Ich kann

nicht behaupten, daß wir zu einer geistigen Übereinstimmung über solche
- 2 -

�über solche Grundfragen wie Ideologie oder nationale Zielsetzungen gekommen sind - aber wir verstehen einander jetzt besser.
dend wichtig für den Frieden.

Das ist entschei-

Ich habe eine bessere Vorstellung gewonnen

und ich glaube, auch er.
Es war ein konstruktives Treffen - so konstruktiv sogar, daß ich mich
freue, Herrn Gorbatschow im nächsten Jahr in den Vereinigten Staaten begrüßen zu dürfen.

Und ich habe seine Einladung angenommen, im darauffol-

genden Jahr nach Moskau zu kommen - wir haben das draußen auf dem Parkplatz vereinbart.

Ich habe gefunden, daß Generalsekretär Gorbatschow ein energischer
Verfechter der sowjetischen Politik ist.
ein guter Zuhörer.

Er war ein gewandter Redner und

Unsere Themen wurden durch die Fakten dieses Jahrhun-

derts bestimmt.
Diese letzten 40 Jahre waren keine leichte Zeit für die Welt.

Sie

kennen die Tatsachen, und ich brauche hier die geschichtlichen Abläufe
nicht aufzuzählen.

Es genügt zu sagen, daß es sich die Vereinigten Staa-

ten nicht leisten können, sich Illusionen über die Natur der UdSSR zu machen.

Wir können nicht davon ausgehen, daß sich ihre Ideologie und Ziel-

setzung ändern wird.

Das bedeutet, andauernden Wettbewerb.

Unsere Auf-

gabe besteht darin, dafür zu sorgen, daß dieser Wettbewerb
bleibt.

friedlich

Bei all dem, was uns trennt, können wir es uns nicht leisten,

daß Verwirrung die Dinge noch weiter kompliziert.
einander klar und wir müssen direkt sein.

Wir müssen uns über-

Wir müssen einander den Tribut

der Offenheit zollen.

Als ich das erstemal meinen Amtseid leistete, begannen wir mit der
Sowjetunion auf eine Weise zu verhandeln, die realistischer war, als in
den davorliegenden Jahren.

Und so begannen in einem ganz realen Sinne

die Vorbereitungen für das Gipfeltreffen nicht erst vor einigen Monaten,
sondern schon vor fünf Jahren, als wir - mit der Hilfe des Kongresses
- damit begannen, unsere Wirtschaft zu stärken, unseren nationalen Willen
wieder herzustellen und unsere Verteidigung und unsere Bündnisse wieder

�Bündnisse wieder aufzubauen.

Amerika ist wieder stark - und unsere Stär-

ke hat uns die Fähigkeit verliehen, mit Selbstvertrauen zu sprechen und
dafür zu sorgen, daß keine echte Chance zur Förderung von Freiheit und
Frieden verpaßt wird.
funktioniert.

Ich

Wir dürfen jetzt nicht eine Politik aufgeben, die

brauche

Ihre

anhaltende

Unterstützung,

um

Amerika

stark zu erhalten.

Das ist die Geschichte, die hinter dem Genfer Gipfeltreffen steht,
und das ist der Zusammenhang, in dem es stattgefunden hat.

Und darf ich

hinzufügen, daß wir ganz besonders daran interessiert waren, daß unsere
Treffen den bereits in Gang befindlichen Verhandlungen über eine Verringerung der Kernwaffen Auftrieb geben würden.

Es wäre töricht, wenn man

bei diesem Thema nicht noch einen Schritt weiter - eine Meile weiter
- oder in diesem Falle sogar 4000 Meilen weiter gehen würde.
Wir haben über die großen Probleme unserer Zeit gesprochen.

Ich habe

vor dem ersten Treffen klargemacht, daß keine Frage beiseite geschoben,
kein Problem unterdrückt würde, nur weil die eine oder andere Seite es
als unbequem oder unangenehm empfinden könnte.

Ich habe diese Fragen zum Gipfel mitgebracht und sie Generalsekretär
Gorbatschow vorgelegt.
Wir sprachen über Kernwaffen und wie man sie verringern könnte.

Ich

habe unsere Vorschläge über gerechte, verifizierbare und einschneidende
Verringerungen erläutert.

Ich habe meine Überzeugung dargelegt, daß un-

sere Vorschläge nicht nur eine Welt schaffen würden, die sich sicherer
fühlt, sondern die wirklich sicherer ist.

Ich freue mich, heute abend berichten zu können, daß Generalsekretär
Gorbatschow und ich hier einem gewissen Fortschritt erzielt haben.

Wenn

wir auch noch einen langen Weg vor uns haben, so gehen wir doch zumindest
in die richtige Richtung.

Wir haben die Rüstungskontrolle vorangebracht,

von dem Punkt, an dem wir im Januar dieses Jahres standen, als die Sowjets an den Verhandlungstisch zurückkehrten.
Wir haben

�Wir haben beide unsere Unterhändler angewiesen, ihre lebenswichtige
Arbeit zu beschleunigen.

Die Welt wartet auf Ergebnisse.

Wir kamen in bezug auf Genf vor allem überein, daß jede Seite sich
darangehen sollte, die offensiven Kernwaffen in geeigneten Kategorien um
50 Prozent zu verringern.

In unserer gemeinsamen Erklärung haben wir ei-

nen baldigen Fortschritt in dieser Richtung gefordert und die Gespräche
auf unser Hauptziel, die Verringerung der Angriffswaffen, ausgerichtet.
Wir forderten ein Interimsabkommen über nukleare

Mittelstreckensysteme,

das, wie ich hoffe, zur völligen Abschaffung dieser Klasse von Raketen
führen wird.

All dies mit genauer Verifizierung.

Wir haben auch Fortschritte bei der gemeinsamen Bekämpfung der Weiterverbreitung von Kernwaffen erzielt, ein Gebiet der Rüstungskontrolle,
auf dem wir seit Jahren wirksam zusammengearbeitet haben.

Wir haben auch

einen Dialog über die Bekämpfung der Ausbreitung und Anwendung chemischer
Waffen erörtert, während wir uns über ein totales Verbot bemühen.

Andere

Dialoge auf dem Gebiet der Rüstungskontrolle - in Wien über konventionelle Streitkräfte und in Stockholm über die Verringerung der Möglichkeiten
eines Überraschungsangriffes
erhalten.

in Europa - haben ebenfalls neuen Auftrieb

Und schließlich sind wir übereingekommen, die Arbeit an Risi-

koverminderungszentren zu beginnen - eine Entscheidung, die von den Senatoren Nunn und Warner, die so beredt

für diesen Gedanken

eingetreten

sind, mit besonderer Befriedigung aufgenommen werden dürfte.

Ich habe unsere Strategische Verteidigungsinitiative erklärt - unsere
Forschungsanstrengung,

die die Möglichkeit

defensiver Systeme ins Auge

faßt, die letztlich alle Länder vor der Gefahr eines Atomkrieges schützen
könnten.

Diese Diskussion

führte zu einem sehr direkten Meinungsaus-

tausch.

Herr Gorbatschow beharrte darauf, daß wir ein Strategisches Verteidigungssystem dazu benutzen könnten, um Angriffswaffen in den Weltraum zu
verbringen und eine nukleare Überlegenheit zu gewinnen.
Ich habe

�Ich habe klargemacht, daß SDI nichts mit Angriffswaffen zu tun hat,
sondern daß wir vielmehr nichtnukleare Verteidigungssysteme untersuchen,
die nur angreifende Raketen, aber keine Menschen bedrohen würden.

Wenn

unsere Forschung Erfolg hat, dann wird sie die sicherere und stabilere
Welt, die wir anstreben, sehr viel näher bringen.
selbst

gegen

Raketenangriffe

verteidigen

und

die

Länder könnten sich
Menschheit

könnte

schließlich und endlich aus dem Gefängnis des gegenseitigen Schreckens
entrinnen - das ist mein Traum.

So habe ich die Chance begrüßt, Herrn Gorbatschow erklären zu können,
daß wir eine Nation sind, die verteidigt, statt anzugreifen, daß unsere
Bündnisse defensiv und nicht offensiv sind.
are Überlegenheit an.
der Sowjetunion an.

Wir streben nicht die nukle-

Wir streben keinen Erstschlagsvorteil gegenüber
Ja eines meiner fundamentalen Ziele bei der Rü-

stungskontrolle ist es, Erstschlagwaffen überhaupt abzuschaffen.

Das ist

der Grund, warum wir eine 50prozentige Verringerung der bedrohlichsten
Kernwaffen

vorgeschlagen

haben, vor allem jener, die einen Erstschlag

ausführen könnten.

Ich bin in der Darlegung unserer friedlichen Absichten noch weiter
gegangen.

Ich habe unseren Vorschlag bei den Genfer Verhandlungen für

ein wechselseitiges Programm offener Laboratorien in der strategischen
Verteidigungsforschung erläutert.

Wir machen das Angebot, sowjetischen

Experten zu erlauben, sich aus erster Hand zu vergewissern, daß es bei
SDI nicht um Offensivwaffen geht.

Amerikanischen Wissenschaftlern würde

erlaubt, vergleichbare Einrichtungen des strategischen Verteidigungsprogramms der Sowjets zu besuchen, bei denen es seit vielen Jahren in der
Tat um sehr viel mehr geht als Forschung.

Und schließlich habe ich Herrn Gorbatschow in einem weiteren Punkt
Gewißheit gegeben.

Ich habe für den Fall, daß unsere Forschung die Mög-

lichkeit einer Verteidigung gegen Nuklearraketen aufzeigt, versprochen,
uns mit unseren Verbündeten und mit der Sowjetunion zusammenzusetzen, um
zu sehen, wie wir zusammen alle strategischen Raketen durch eine solche
Verteidigung ersetzen könnten, die niemand bedroht.
Wir haben

�Wir haben über Bedrohungen des Friedens in mehreren Regionen der Welt
gesprochen.

Ich habe meine Vorschläge für einen Friedensprozeß erläu-

tert, um den Kriegen

in Afghanistan, Nicaragua, Äthiopien, Angola und

Kambodscha Einhalt zu gebieten.

Das sind Länder, wo Aufständische, die

für das Volk sprechen, sich gegen

Regime stellen, die

offensichtlich

nicht den Willen des Volkes repräsentieren oder dessen Zustimmung haben.
Ich habe versucht, sehr deutlich zu machen, wo unsere Sympathien liegen,
und ich glaube, es ist mir gelungen.

Wir haben über Menschenrechte gesprochen.

Wir Amerikaner sind der

Überzeugung, daß die Geschichte nichts deutlicher als dieses lehrt:

Jene

Länder, die die Rechte ihrer eigenen Völker achten, neigen unausweichlich
dazu, auch die Rechte ihrer Nachbarn zu achten.
her keine abstrakte moralische Angelegenheit -

Menschenrechte sind dasie sind eine Angelegen-

heit des Friedens.

Und schließlich haben wir über die Kommunikationsschranken

zwischen

unseren Gesellschaften gesprochen, und ich habe meine Vorschläge für echte Kontakte von Volk zu Volk in einem größeren Umfang näher erläutert.

Amerikaner

sollten

die

Hoffnungen und Befürchtungen

Bevölkerung

der

Sowjetunion

kennen

und die Tatsachen ihres Lebens.

- ihre
Und die

Bürger der Sowjetunion müssen den tiefen Wunsch aller Amerikaner nach
Frieden und unser unerschütterliches Eintreten für die Freiheit kennenlernen.

Wie Sie sehen können, erstreckten sich unsere Gespräche über einen
weiten Bereich.

Lassen Sie mich Ihnen hier an dieser Stelle sagen, wo-

rüber wir uns einig waren und worüber nicht.

Wir liegen in einer Reihe von Fragen, wie zu erwarten war, weiterhin
weit auseinander.

Wir haben jedoch in einer Reihe von Dingen Überein-

kunft erzielt, und wir stimmen darin überein, wie ich bereits erwähnte,
weiterhin zusammenzukommen.
Bewegungsspielraum,

Das ist wichtig und sehr gut.

Handlungsspielraum

und

Möglichkeiten

Es gibt immer
des

Fort-

�des Fortschritts, wenn Menschen miteinander reden statt übereinander.

Wir haben ein neues Abkommen geschlossen, das dazu dienen soll, die
besten amerikanischen Künstler und Akademiker in die Sowjetunion zu bringen.

Die Ausstellungen, die zu diesem Austausch gehören werden, sind ei-

nes der wirksamsten Mittel und Wege für den durchschnittlichen Sowjetbürger, unsere Lebensweise kennenzulernen.
Möglichkeiten

Dieses Abkommen wird auch die

für Amerikaner ausweiten, das reiche kulturelle Erbe des

sowjetischen Volkes kennenzulernen - denn seine Künstler und Akademiker
werden hierherkommen.

Wir haben

ferner beschlossen, mit einer Reihe von Initiativen von

Volk zu Volk voranzuschreiten, die über einen stärkeren Kontakt hinausgehen, nicht nur zwischen den politischen Führern unserer beiden Ländern,
sondern auch zwischen unseren Studenten, Lehrern und auch anderen.
haben Nachdruck auf den Jugendaustausch gelegt.
eingefleischte

Vorstellungen

Wir

Das wird dazu beitragen,

zu überwinden, Freundschaften

zu schaffen

und, um es ganz offen zu sagen, eine Alternative zur Propaganda bieten.

Wir haben vereinbart, ein neues sowjetisches Konsulat in New York und
ein neues amerikanischen Konsulat in Kiew einzurichten.

Dies wird zum

erstenmal in Jahrzehnten eine ständige amerikanische Präsenz in der Ukraine bringen.

Wir haben auch zusammen mit der japanischen Regierung mit der Sowjetunion ein Pazifisches Flugsicherungsabkommen geschlossen.

Dies soll dazu

dienen, kooperative Maßnahmen einzuführen, um die Sicherheit der zivilen
Luftfahrt in dieser Region des Pazifik zu verbessern.

Was einmal gesche-

hen ist, darf nie wieder geschehen.

Als einen möglichen Weg, um mit dem künftigen Energiebedarf der Welt
fertigzuwerden, sind wir auch für eine internationale Kooperation eingetreten, um die Durchführbarkeit der Gewinnung von Verschmelzungsenergie
zu prüfen.
Alle diese
- 8 -

�Alle diese Schritte sind Teil einer langfristigen Bemühung, ein stabileres Verhältnis zur Sowjetunion aufzubauen.
daß dies leicht wäre.

Niemand hat je gesagt,

Aber wir sind ein großes Stück weitergekommen.

Was den sowjetischen Expansionismus in einer Reihe von Regionen in
der Welt angeht, so werden wir, obwohl wenig Aussicht auf unmittelbaren
Wandel besteht, weiterhin die heldenhaften Anstrengungen jener unterstützen, die für die Freiheit kämpfen.

Aber wir haben auch vereinbart, unse-

re Zusammenkünfte mit den Sowjets über diese und andere regionale Konflikte fortzusetzen und zu intensivieren, um auf politische Lösungen hinzuarbeiten.
Wir kennen die Grenzen wie auch die Versprechungen von Gipfeltreffen.
Dies war schließlich der elfte Gipfel der Nachkriegszeit - und die Differenzen dauern immer noch an.

Aber wir sind überzeugt, daß fortgesetzte

Treffen zwischen den Führern der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
dazu beitragen können, diese Differenzen zu überbrücken.

Es ist eine Tatsache, daß jeder neue Tag neue Möglichkeiten bringt.
Es liegt an uns, ihn mit jenen Dingen zu erfüllen, die uns dem Fortschritt und dem Frieden näherbringen.

Daher ist Hoffnung eine realist-

ische Einstellung - und Verzweiflung ein uninteressantes kleines Laster.

Hat sich die Reise also gelohnt?

Als vor 30 Jahren Präsident Eisen-

hower gerade von einem Gipfeltreffen in Genf zurückgekehrt war, sagte er
"...die Kluft, die den Osten und den Westen trennt... ist breit und
tief".

Das gilt auch heute noch nach drei Jahrzehnten.

Aber sicherlich war dieses Treffen für beide Seiten lohnend.
Gipfel hat einen neuen Realismus hervorgebracht.

Der

Der Gipfel selbst war

ein guter Anfang und jetzt wird es für uns darauf ankommen, stetig auf
ihm aufzubauen.

Ich warte ebenso wie Sie ungeduldig auf Ergebnisse.

Aber guter Wille

und schöne Hoffnungen allein bringen nicht immer dauerhafte Resultate.

�dauerhafte Resultate.

Patentlösungen lösen keine großen Probleme.

So wie wir uns unsererseits vor Illusionen hüten müssen, so müssen
wir sie auf sowjetischer Seite zerstreuen.

Ich habe Herrn Gorbatschow

klargemacht, daß wir das Mißtrauen und den Argwohn zwischen uns abbauen
müssen, wenn wir solche Dinge vollbringen wollen, wie eine Verringerung
der Waffen; dazu wird es der Taten, nicht nur der Worte allein bedürfen.
Ich glaube, er stimmt mir darin zu.

Wohin geht die Reise von hier?
Beziehungen ist stark.
reit und erstreben ihn.

Nun, unser Wunsch nach verbesserten

Wir sind für einen schrittweisen Fortschritt beWir wissen, daß Frieden mehr ist als nur das

Nichtvorhandensein eines Krieges.

Wir wollen keinen trügerischen Frieden

und keinen zerbrechlichen Frieden.
illusionärer Entspannung aus.

Wir waren nicht auf irgendeine Art

Wir können uns nicht mit kosmetischen Ver-

besserungen zufriedengeben, die die Bewährungsprobe der Zeit nicht bestehen würden.

Wir wollen echten Frieden.

Als ich heute abend zurückflog, habe ich über vieles nachgedacht.

In

einigen Tagen werden Familien in ganz Amerika zusammenkommen, um Thanksgiving - das Erntedankfest - zu feiern.

Und so wie unsere Vorväter einst

nach Amerika reisten, sind wir nach Genf gereist mit Frieden als unserem
Ziel und Freiheit als unserem Leitstern.

Denn es kann nichts Besseres

geben als das Streben nach Frieden und keine größere Zielsetzung als die
Erhaltung der Freiheit.

Es ist jetzt 350 Jahre her, seit dem ersten Danksagungstag, als Pilgerväter und Indianer an der Schwelle eines unbekannten Kontinents zusammensaßen.

Und heute sind wir an der Schwelle einer unbekannten Zukunft

versammelt - aber genau wie unsere Vorväter nicht voller Angst, sondern
voller Hoffnung und Gottvertrauen.

* * * * * *

- 10 -

�27. November 1985

47

USA UND UDSSR ERÖFFNEN KONSULATE IN KIEW UND NEW YORK
- Verlautbarung des Weißen Hauses -

WASHINGTON - (AD) - Das Weiße Haus hat am 21. November 1985 eine Verlautbarung herausgegeben, in der ein Abkommen der Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion über die Eröffnung neuer Konsulate in Kiew und New York
bekanntgegeben wird.
Die Verlautbarung hat folgenden Wortlaut:
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sind übereingekommen, auf
der Basis voller Gegenseitigkeit hinsichtlich der Personalstärke und der
administrativen Vereinbarungen Konsulate in Kiew und New York zu eröffnen.

Nach sowjetischer Auffassung ist diese wechselseitige Eröffnung von

Konsulaten abhängig von dem erfolgreichen Abschluß von Verhandlungen über
die

Wiederaufnahme

des zivilen

Luftverkehrs

zwischen

beiden

Ländern.

Beide Seiten werden weitere Gespräche über die Bedingungen führen, unter
denen die Konsulate personell besetzt und für das Publikum geöffnet werden.
Auf dem

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Auf dem Gipfeltreffen 1974 zwischen Präsident Nixon und Generalsekretär Breschnew wurde eine wechselseitige Eröffnung von Konsulaten in Kiew
und New York vereinbart.

Die ersten Schritte waren damals getan und bei-

de Länder hatten schon Vorausabteilungen am Ort, um die formelle Eröffnung

vorzubereiten, als im Jahr 1979 die Sowjets in Afghanistan einmar-

schierten. Die Vorausabteilungen wurden zurückbeordert.
Im Sommer 1983 stimmten wir im Prinzip erneut zu, Konsulate in Kiew
und New York zu eröffnen.

Weiterer Fortschritt wurde von den Sowjets

verhindert, die die Eröffnung der Konsulate von Verhandlungen über eine
Wiederaufnahme der Flüge der (sowjetischen) Luftfahrtlinie Aeroflot (nach
den USA) abhängig machten.

Wir haben ihre Verknüpfung dieser Fragen

nicht akzeptiert und weiterhin jede der Fragen gesondert behandelt.
Dieses Abkommen über die Eröffnung von Konsulaten steht im Einklang
mit dem Wunsch des Präsidenten, die Kontakte zwischen unseren beiden Völkern auszudehnen und die Verständigung zwischen ihnen zu fördern. Es
handelt sich um einen nützlichen und praktischen Schritt für die Vereinigten Staaten wie für die Sowjetunion. Ein Konsulat in Kiew wird uns
eine amtliche amerikanische Präsenz in einem wichtigen sowjetischen Zentrum der Landwirtschaft, der Kultur und des Handels bieten, das jährlich
von Tausenden von amerikanischen Touristen besucht wird.

* * * * *

- 2-

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

27. November 1985

47

USA UND UDSSR UNTERZEICHNEN ALLGEMEINES AUSTAUSCHABKOMMEN
- Verlautbarung des Weißen Hauses -

WASHINGTON -

AD) - Das Weiße Haus hat am 21. November 1985 eine Ver-

lautbarung über die Unterzeichnung eines Allgemeinen

Austauschabkommens

zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion herausgegeben, die
folgenden Wortlaut hat:

Amerikanisch-sowjetisches Allgemeines Austauschabkommen
Am 21. November 1985 haben die Vereinigten Staaten von Amerika und
die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken in Genf ein Allgemeines
Austauschabkommen unterzeichnet.

Seit über 25 Jahren haben formelle kul-

turelle und erzieherische Austauschprogramme mit der Sowjetunion bestanden.

Die Unterzeichnung dieses Abkommens ist der krönende Abschluß eines

anderthalbjährigen

Prozesses, der im Juni

1984 begann, als Präsident

Reagan bekanntgab, daß die Vereinigten Staaten bereit seien, in Verhandlungen über dieses wichtige Abkommen einzutreten.
Direktere Kontakte

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Direktere Kontakte zwischen dem amerikanischen und sowjetischen Volk
In seiner Ansprache an die Nation am vorigen Donnerstag (14. November) vor seinem Treffen mit Generalsekretär Gorbatschow erklärte Präsident Reagan:

"Dauerhafter Frieden erfordert Offenheit, ehrliche Kommuni-

kation und die Möglichkeit für unsere Völker, einander direkt kennenzulernen".

Während der letzten Jahre ist das Allgemeine Austauschabkommen

zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion ein wichtiges Instrument dieses wichtigen Prozesses gewesen.

Dieses Abkommen ist ein

konkreter Ausdruck dieses Wunsches.

Ziele
Über die beiderseitigen Vorteile hinaus, die sich aus der gemeinsamen
Nutzung von Fachwissen, Ressourcen und Daten für die Lösung gemeinsamer
Probleme ergeben und den kulturellen Reichtum hinaus, den beide Seiten
aus der Teilhabe an den Besten des jeweils anderen gewinnen, können Austauschprogramme auch dazu beitragen, Hindernisse abzubauen, das Mißtrauen
zu vermindern, das Maß der Heimlichtuerei zu senken und eine offenere
Welt herbeizuführen. Wie der Präsident in seiner Rede vor der Smithsonian-Konferenz über amerikanisch-sowjetischen Austausch erklärte, "haben zivilisierte Menschen überall ein echtes Interesse daran, Kontakte,
Kommunikation und Kreativität so breit, tief und frei zu gestalten, wie
nur möglich".

Umfang des Abkommens
Zu den spezifischen Austauschtätigkeiten, die in diesem Abkommen angesprochen werden, gehören:
- wechselseitige amerikanische und sowjetische Ausstellungen zum Thema
Reisen über Aspekte des Lebens und der Gesellschaft eines jeden Landes, die unter sprachkundiger Leitung überall im anderen Land gezeigt
- 2 -

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:

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|

!

�Land gezeigt werden sollen;

Austausch von mindestens zehn einzelnen darstellenden Künstlern und
mindestens zehn großen Gruppen der darstellenden Kunst eines jeden
Landes;

Ausweitung

des

akademischen

und

erzieherischen

Austausches,

ein-

schließlich von 15 Fulbright-Professoren, 40 langfristigen IREX-Forschungsbeauftragten, Sprachlehrerausbildungsprogrammen, Sprachlehreraustausch, Austausch zwischen Archiven und gemeinsamen Seminaren;

Austausch in einem weiten Bereich freiberuflicher Tätigkeiten auf den
Gebieten der Kunst, des Theaters, des Sports, des Films, der Architektur, der Musik, des Rechtswesens, des Journalismus, der Medizin,
der Museen sowie des Rundfunks und Fernsehens;

Austausch von Publikationen, einschließlich Buchausstellungen, Zeitschriften und technischen Publikationen zwischen Bibliotheken;

Verteilung der Zeitschrift "America Illustrated" in der Sowjetunion
und der Zeitschrift "Soviet Life" in den Vereinigten Staaten;

Austausch von Parlamentariern

und

anderen Regierungsvertretern

auf

Bundes-, Landes- und Gemeindeebene; und

Ausweitung des Austausches

zwischen

staatsbürgerlichen

und gesell-

schaftlichen Organisationen sowie des Tourismus und der Sportbegegnungen .

Hintergrund

Amtliche Austauschabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion gibt es seit 1958.

Die Amerikanische Nationalausstellung bot

den Rahmen für das berühmte "Küchengespräch" von 1959 zwischen Nixon und

�Nixon und Chruschtschow.

Von

1959 bis 1972 wurden diese Tätigkeiten

durch eine Reihe von Zwei Jahresabkommen fortgesetzt.

Am 19. Juni 1973

unterzeichneten Präsident Nixon und Generalsekretär Breschnew ein Sechsjahresabkommen.

In den siebziger Jahren, als fast ein Dutzend bilatera-

ler kooperativer Abkommen auf kulturellem, erzieherischem sowie wissenschaftlichem und technologischem Gebiet in Kraft waren, nahm der amerikanisch-sowjetische Austausch zu.

Ein

Austauschabkommen

wird

zwar

zwischen

Regierungen

geschlossen,

aber es ebnet den Weg für ein starkes Engagement des Privatsektors im
Austausch.

Universitäten, Ballettensembles, Theatergruppen, Sportorgani-

sationen, Kirchen und Berufsvereinigungen von 'Ärzten, Rechtsanwälten usw.
können ihre sowjetischen Partnereinrichtungen zu Konferenzen, Konzerten,
Tourneen und Fachtagungen in die Vereinigten Staaten einladen.

Umgekehrt

werden Amerikaner Gegenbesuche in allen Teilen der Sowjetunion machen.

Präsident Reagan hat wiederholt einen stärkeren Zugang zum Fernsehen
und anderen Medien in beiden Ländern durch vereinbarte Vertreter gefordert.

In seiner Rede in der vorigen Woche hat der Präsident die Frage

gestellt:

"Wenn sowjetische Sprecher ungehindert im amerikanischen Fern-

sehen auftreten können und in der amerikanischen Presse abgedruckt und
gelesen werden

- warum

sollte das sowjetische Volk nicht das gleiche

Recht haben, zu sehen, zu hören und zu lesen, was wir Amerikaner zu sagen
haben?"

Das Abkommen schließt jetzt das Prinzip von Fernsehauftritten

von Vertretern beider Länder ein.

* * * * *

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

27. November 1985

47

USA UND UDSSR VEREINBAREN ERWEITERUNG DES AUSTAUSCHES UND DER KONTAKTE
- Verlautbarung des Weißen Hauses -

WASHINGTON - (AD) - Das Weiße Haus hat am 21. November 1985 eine Verlautbarung herausgegeben, in der eine amerikanisch-sowjetische Vereinbarung über die Ausweitung der Austauschprogramme und Kontakte zwischen
beiden Völkern auf Gebieten der Wissenschaft, der Bildung, der Medizin
und des Sports bekanntgegeben wurde.

Die Verlautbarung hat folgenden Wortlaut:
In seiner Ansprache an das amerikanische Volk am 14. November am Vorabend seiner Abreise zum Gipfeltreffen mit Generalsekretär Gorbatschow in
Genf forderte Präsident Reagan eine Reihe neuer kühner Initiativen, um
die Bevölkerung der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in direkten
Kontakt zu bringen.

In seiner Rede erklärte der Präsident:
dert

"Dauerhafter Frieden erfor-

Offenheit, ehrliche Kommunikation und die Möglichkeit für unsere

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�für unsere Völker, einander direkt kennenzulernen."

Der Präsident zeigte

auch seine Entschlossenheit, "bisher noch unentdeckte Wege (zu) finden,
wo amerikanische und sowjetische Bürger fruchtbar zum Wohle der Menschheit zusammenarbeiten können."

In diesem Sinne waren sich die beiden Staatsmänner über die Nützlichkeit einer Ausweitung des Austausches und der Kontakte auf einer Reihe
von Gebieten der Wissenschaft, der Bildung, der Medizin und des Sports
einig.

Hintergrund

Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion hatten über 25 Jahre lang
formelle Kultur- und Austauschprogramme.

Wir haben gerade ein neues All-

gemeines Austauschabkommen für einen akademischen, kulturellen und künstlerischen Austausch

geschlossen.

Dieses Abkommen sieht wechselseitige

Darbietungen aus Theater, Kunst, Design und Technologie vor, die unter
sprachkundiger Leitung das andere Land bereisen.

Traditionelle Austauschprogramme dieser Art sind wertvoll, jedoch ist
mehr notwendig.

Der Präsident hofft, daß wir das gegenseitige Mißtrauen

abbauen, das Maß der Heimlichtuerei verringern und eine offenere Welt
herbeiführen können.

Seine Austauschinitiative erstreckt sich auf neue

Programme, um den tagtäglichen Kontakt zwischen unseren beiden Völkern zu
stärken.

Wie sehen diese Initiativen aus?
Zu den Austauschinitiativen, auf die sich die Vereinigten Staaten und
die UdSSR geeinigt haben, gehören:

- der jährliche Austausch von Professoren, um besondere Lehrveranstaltungen in Geschichte, Kultur und Volkswirtschaft an höheren Bildungsanstalten in der Sowjetunion und Amerika abzuhalten;
- die Schaffung
- 2 -

�- die Schaffung eines amerikanisch-sowjetischen Stipendienprogramms für
die besten Studenten der Naturwissenschaften und der Technologie in
jedem Land jeweils für ein Studienjahr;

- Maßnahmen zur Förderung des Unterrichts in der russischen Sprache in
den Vereinigten Staaten und der englischen Sprache in der UdSSR;

- ein gemeinsames Krebsforschungsprogramm;

- ein Programm für die Zusammenarbeit in der Entwicklung von Software
für Kleincomputer für den Unterricht an Grundschulen und weiterführenden Schulen; und

- Ausweitung der Kontakte im Sport, einschließlich regelmäßiger Wettkämpfe in verschiedenen Sportarten und verstärkte Fernsehberichterstattung über Sportereignisse.
Ziel dieser Initiativen ist es, Brücken zwischen den Völkern beider
Länder zu bauen.

Diese Vorschläge würden Kontakte ausweiten, die Zusam-

menarbeit auf einem der schwierigsten Gebiete der heutigen Medizin stärken und Menschen in beiden Ländern ermutigen, zusammen zu arbeiten und zu
studieren.

Sobald die beiden Regierungen die Türen für diese Art von Austausch
geöffnet haben, wird unsererseits die Administration sich nach geeigneten
Persönlichkeiten für die Leitung dieser Programme umsehen.

Der Präsident

hat daher die Absicht, hochrangige Regierungsvertreter zu ernennen, die
mit

dem Privatsektor

zusammenarbeiten

sollen, um sicherzustellen, daß

diese Austauschinitiativen verwirklicht werden.

Die sich daraus ergeben-

den Programme werden von beiden Führern auf ihrem nächsten Treffen begutachtet werden.

- 3 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

27. November 1985

47

USIA FÜR KULTURABKOMMEN MIT UDSSR ZUSTÄNDIG
- Presseverlautbarung des US-Informationsamtes-

WASHINGTON - (AD) - Ein neues allgemeines Austauschabkommen zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in den Bereichen Kultur, Ausbildung, Wissenschaft und Technologie wurde am 21. November 1985 in Genf
von Außenminister Shultz und seinem sowjetischen Amtskollegen Schewardnadse unterzeichnet.

Diese Unterzeichnung bedeutet das erste offizielle

Austauschabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der UdSSR seit dem
Jahr 1979.

Das neue Abkommen, für das das US-Informationsamt (USIA) zuständig
sein wird, wird bis 1991 gelten und den Umfang der sowjetisch-amerikanischen Beziehungen in einer Vielzahl von Bereichen ausweiten.

Es ermög-

licht es beiden Ländern, über einen Zeitraum von sechs Jahren zwei bis
vier Ausstellungen zu zeigen und gibt jeder Seite das Recht, als Mittel
verstärkter gegenseitiger Verständigung
zum Fernsehen zu fordern.

für ihre Repräsentanten Zugang

Auch Austausch im sportlichen Bereich sowie

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Bereich sowie Kontakte zwischen staatsbürgerlichen und gesellschaftlichen
Organisationen werden betont.

Teil des vereinbarten sechsjährigen "Schirms" ist ein Verfahrensdokument, das die ersten drei Jahre des Abkommens abdeckt und das vorsieht,
daß mindestens zehn öffentliche Konzerte größerer Gruppen der darstellenden Künste und zumindest zehn einzelner Künstler jedes Landes stattfinden.

Es wird erwartet, daß der Austausch im akademischen Bereich auf-

grund der neuen Formulierungen erheblich erweitert wird, wobei an Erweiterung und Vertiefung des Lehr- und Forschungsbereichs für amerikanische
Wissenschaftler, genauer definierte Möglichkeiten für verbesserten Zugang
zu Forschungsmaterial in der UdSSR und Wohnen und Reisen innerhalb der
Sowjetunion gedacht ist.

Andere neue Bereiche des Abkommens ermutigen zu Kontakten zwischen
den Archivaren beider Länder und - zusätzlich zu Lehrern und Wissenschaftlern im Fulbright-Rahmen - zu Austausch von Grundschul- und Gymnasiallehrern.
USIA-Direktor Charles Z. Wick beschrieb die Vereinbarungen mit den
Worten:

"Sie stellen einen neuen Ausgangspunkt der amerikanisch-sowjet-

ischen Abkommen dar, auf die andere bedeutsame und beiderseitig vorteilhafte Abkommen aufbauen können.

Beide Seiten haben die Bereitschaft gezeigt, über die Grenzen früherer Abkommen hinauszugehen, um nicht nur den zahlenmäßigen Austausch zwischen beiden Staaten zu erhöhen, sondern um neue Bereiche des Einverständnisses zu finden, die das Potential in sich tragen, das internationale Verständnis zu verbessern.

Dadurch werden die Spannungen in der

Welt abgebaut und dadurch kommen auch wir dem Ziel eines Weltfriedens näher.

Wenn beide Seiten erkennen, wie wichtig die Rolle ist, die das Fernsehen in der öffentlichen Diplomatie spielt, ist dies ein entscheidender
Schritt beim Aufbau eines konstruktiven Dialogs zwischen unseren beiden
Nationen."
Die Wanderausstellungen,
- 2-

�Die Wanderausstellungen, die das Abkommen vorsieht, werden sich auf
Hauptaspekte von Leben und Gesellschaft der Vereinigten Staaten beziehen
und von russischsprechenden amerikanischen Führern begleitet sein.

"America Illustrated", die russischsprachige Monatsschrift von USIA,
wird auch weiterhin in der Sowjetunion im Austausch zur Verbreitung der
sowjetischen Monatsschrift, "Soviet Life", die in Amerika herauskommt,
erscheinen.

Das erste amerikanisch-sowjetische Austauschabkommen wurde 1958 unterzeichnet, und solche Abkommen liefen bis 1979, als die Vereinigten
Staaten nach dem Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan das Abkommen
aufkündigten.

Die Verteilung von "America Illustrated" und "Soviet Life" wurde auch
noch Anfang der achtziger Jahre trotz fehlender formaler Abkommen fortgesetzt.

Auch der akademische Austausch zwischen den beiden Ländern wurde

fortgeführt, wenn auch in einem erheblich verringerten Umfang.

Die amerikanischen Ausstellungen, die noch unter dem früheren Abkommen in den Jahren 1977 bis 1979 zu sehen waren, waren "Photography USA"
und "Agriculture USA".

Zu den bekannteren Gruppen, die die Sowjetunion

in diesem Zeitraum besuchten, gehörten die "Paul Taylor Dance Company",
das New Yorker Kammerorchester "Pro Arti", die "Nitty Gritty Dirt Band",
B.B. King, das Broadway-Stück "The Gin Game" und "Holiday on Ice".
Der Verhandlungsprozeß über ein neues Abkommen begann im Juli 1984,
als die Vereinigten Staaten der sowjetischen Regierung einen Entwurf vorlegten.

Im darauffolgenden Monat wurden die formellen Gespräche in Mos-

kau begonnen und dabei zwischen beiden Seiten über 60 Sitzungen abgehalten.

* * * * *

- 3-

�</text>
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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

13. November 1985

45

INHALT

DOKUMENTATION
Ansprache von US-Präsident Reagan an das sowjetische Volk
- Wortlaut -

Interview von Präsident Reagan mit sowjetischen Journalisten
- Vollständiger Wortlaut -

INFORMATION

Reagan nominiert neuen US-Gesundheitsminister

* * * * *

Um Über/endunQ von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�13. November 1985

45

ANSPRACHE VON US-PRÄSIDENT REAGAN AN DAS SOWJETISCHE VOLK
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat im Rahmen seiner regelmäßigen Rundfunkansprachen an das amerikanische Volk am 9. November
1985 die Gelegenheit benutzt, um über die Stimme Amerikas (Voice of America - VOA) direkt zum sowjetischen Volk zu sprechen.

Die Ansprache, zu

der ausnahmsweise auch das amerikanische Fernsehen zugelassen war, wurde
über das internationale

Fernsehprogramm

des US-Informationsamtes (U.S.

Information Agency - USIA) "Worldnet" an 50 Länder der Erde ausgestrahlt.
Reagan betonte, die Bevölkerung der Sowjetunion und das amerikanische
Volk müßten in Frieden zusammenleben, die Kernwaffen beseitigen, gemeinsam gegen

den Terrorismus kämpfen

und regionale Konflikte

lösen.

Ein

Atomkrieg, so unterstrich der amerikanische Präsident erneut, könne niemals gewonnen und dürfe niemals geführt werden.

Das Ziel sei eine siche-

rere Welt, in der die Menschen vor Nuklearraketen geschützt seien.

Von

seinem Treffen mit dem sowjetischen Generalsekretär Gorbatschow erhoffe
er sich bessere Beziehungen zwischen beiden Regierungen.
Die Ansprache

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D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Meine amerikanischen Mitbürger,

wir erweitern

heute das Format unserer Rundfunkansprache.

In den

nächsten zehn Minuten werde ich über die Stimme Amerikas zu den Bürgern
der Sowjetunion über das kommende Gipfeltreffen in Genf sprechen.

Meine

Worte sind an sie gerichtet, aber ich möchte, daß auch Sie hier hören,
was ich sage.

Meine Ansprache wird auch über das Fernsehnetz "Worldnet"

in über 50 Länder übertragen.

Also guten Abend.

Aus Washington spreche ich, Ronald Reagan, Präsi-

dent der Vereinigten Staaten zu Ihnen über mein bevorstehendes Treffen
mit Generalsekretär Gorbatschow in Genf und meine Hoffnungen auf ein besseres Verhältnis zwischen unseren beiden Regierungen.

Ihre Führer können sich frei im amerikanischen Rundfunk und Fernsehen
äußern und sich von unseren Zeitschriften und Zeitungen interviewen lassen.

Ich bin sehr dankbar für meine kürzliche und seltene Gelegenheit,

mit Vertretern der sowjetischen Presse zu sprechen.

Ich schätze das zwar

sehr, aber in der Iswestija wurden nur Teile des Interviews abgedruckt,
und vieles von dem, was weggelassen wurde, halte ich für wichtig.

Und so möchte ich mich persönlich als Ehemann, Vater und Großvater an
Sie wenden, die Sie unsere tiefsten Hoffnungen teilen - daß alle unsere
Kinder in einer Welt des Friedens leben und gedeihen können.

Ich bin in einer kleinen Stadt im Herzen Amerikas aufgewachsen, wo
Werte wie Glaube an Gott, Freiheit, Familie, Freunde und die Sorge um den
Nachbarn von allen geteilt werden - Werte, die auch Sie teilen.

Während

meiner Schulzeit habe ich in den Ferien gearbeitet; eine Zeitlang auf dem
Bau und dann mehrere Sommer lang als Rettungsschwimmer in einem Schwimmbad an einem Fluß.

Nach Beendigung meiner Ausbildung wurde ich Sportre-

porter beim Rundfunk und über diese Tätigkeit kam ich als Schauspieler
nach Hollywood, wo ich zum Vorsitzenden unserer Schauspielergewerkschaft
- 2 -

�unserer Schauspielergewerkschaft gewählt wurde.

Ich bin der einzige Prä-

sident der Vereinigten Staaten, der auch Präsident einer Gewerkschaft war.

Zunächst hatte ich nicht die Absicht, mich in der Politik meines Landes zu engagieren.
Möglichkeiten.

Aber Amerika ist ein großes Land voller Chancen und

In den späteren Jahren, einschließlich meinen Jahren als

Gouverneur des Bundesstaates Kalifornien und als Präsident, habe ich niemals die Werte vergessen, die ich als Kind kennengelernt hatte.

Und mei-

ne amerikanischen Mitbürger haben sie ebenso wenig vergessen.

Ich weiß wohl, daß in Ihrer Presse viel über die feindseligen Absichten Amerikas gegen Sie geschrieben worden ist.
rungen zurück.

Ich weise diese Verzer-

Wir Amerikaner sind ein friedliebendes Volk.

hen Ihr Land nicht und werden es nie bedrohen.

Wir bedro-

Das amerikanische Volk

ist tolerant, nicht leicht erregbar, aber unerschütterlich in der Verteidigung seiner Freiheiten und - wie Sie - in der Verteidigung seines Landes.

Mehr als einmal haben sich unsere beiden Länder gegen einen gemeinsamen

Feind

zusammengeschlossen.

Während

unseres

Unabhängigkeitskrieges

hat Rußland die fernen amerikanischen Kolonisten unterstützt.

Anderthalb

Jahrhunderte später vereinten wir uns, um den gemeinsamen Feind Faschismus zu besiegen.

Davor waren wir im Ersten Weltkrieg Verbündete.

Schon bevor wir in den Zweiten Weltkrieg eintraten, lieferte Amerika
gewaltige Mengen an Nahrungsmitteln und Ausrüstung an jene, die gegen die
Nazis kämpften.

Wir versorgten Ihre Streitkräfte mit 14 795 Flugzeugen,

7056 Panzern, mehr als eine halbe Million Fahrzeugen und mehr als sechs
Millionen Tonnen an Lebensmitteln und Nachschub.

Amerika wird niemals den Heldenmut, den Schmerz und schließlich die
Siegesfreude vergessen, die unsere Völker gemeinsam hatten.

Ich erinnere

mich noch, wie Präsident Roosevelt das Heldentum des russischen Volkes
pries.

Wie kann heute einer von uns, der es erlebt hat, das schreckliche

Jahr 1941 vergessen, als die Nazis vor den Toren Moskaus zurückgeworfen
- 3 -

�Moskaus zurückgeworfen wurden; den Mut der Leningrader während der 900tägigen Belagerung, den Sieg von Stalingrad und unser historisches Zusammentreffen an der Elbe 1945?

Amerikaner haben vier Jahre lang an allen Fronten gekämpft und viele
liegen in Nordafrika, Europa, Burma, China, auf den Pazifischen Inseln
und auf dem Boden des Meeres begraben.

Einige liegen auch in sowjeti-

scher Erde - in dem heldenhaften Murmansk, wohin sie kostbaren Nachschub
über die gefährliche Geleitzugsroute gebracht hatten.

Und auch nach dem Sieg haben Amerikaner großzügig geholfen, die vom
Krieg

verwüsteten

Länder wieder aufzubauen, selbst die Länder unserer

früheren Gegner, denn wir hatten den Krieg gegen eine bösartige Ideologie
und nicht gegen ein Volk geführt.
len,

indem

wir

rasch

Und wir bewiesen unseren Friedenswil-

demobilisierten.

Ende

1945

verfügten wir über

Streitkräfte von fast 12 Millionen Mann; 1948 hatten wir diese Zahl auf
weniger als 1,5 Millionen verringert.

Wir waren das einzige Land, das Kernwaffen besaß.

Wir schlugen vor,

diese Waffen völlig einer internationalen Behörde zu unterstellen, damit
kein Land über eine solche zerstörerische Gewalt verfügen könnte.

Wie

schade, daß diese Idee keinen Anklang fand.

Heute stehen wir gemeinsam vor der Herausforderung, die Kernwaffen
aus der Welt zu schaffen.
wieder:

Ich habe es oft gesagt und sage es Ihnen heute

Ein Atomkrieg kann nicht gewonnen werden und darf niemals ge-

führt werden.

Ich bete zu Gott, daß wir die Welt von diesen gefährlichen

Waffen befreien können, nicht zuletzt dadurch, daß wir eine verläßliche
Verteidigung gegen sie finden.

Unsere Unterhändler in Genf bemühen sich mit Nachdruck darum, einen
Durchbruch zu erzielen.

Ich bin erfreut darüber, daß die Sowjetunion

schließlich doch auf unsere ursprünglichen Vorschläge reagiert hat.
haben

diese Reaktion sorgfältig studiert und rasch geantwortet.

Wir
Dies

sind komplizierte Verhandlungen und befriedigende Ergebnisse werden langer, schwerer Arbeit bedürfen.
Lassen Sie

�Lassen Sie mich hinsichtlich unseres Forschungs- und Testprogramms im
Rahmen der Technologien einer strategischen Verteidigung deutlich sein.
Unser Ziel ist es, die Welt durch die Entwicklung eines nichtnuklearen
Sicherheitsschildes sicherer zu machen, das die Menschen dadurch schützt,
daß es den Waffen unmöglich wird, ihre Ziele zu erreichen und hoffentlich
die ballistischen Raketen überflüssig macht.

Ihre eigene Regierung führt

seit langem bei ihren Verteidigungssystemen umfangreiche Programme durch,
modernste Forschung eingeschlossen.

Die Vereinigten Staaten stehen gerade am Anfang eines langen Prozesses der Analyse dieser Verteidigungsmöglichkeiten.

Sollte unsere For-

schung den Beweis erbringen, daß ein Verteidigungsschild gegen Atomraketen möglich ist, dann sollten, so meine ich, unsere beiden Staaten und
jene, die gleichfalls über Atomraketen verfügen, zusammenkommen und eine
Übereinkunft dahingehend treffen, wie die offensiven Kernwaffen Schritt
für Schritt beseitigt werden können, während wir unser Verteidigungssystem allen verfügbar machen.

Ja, wir sollten anfangen, über diesen Pro-

zeß bei den Genfer Rüstungskontrollgesprächen zu reden.
Wir müssen miteinander in Frieden leben.

Die ganze Geschichte Ameri-

kas ist voll des Bemühens um Frieden und um Chancen für den einzelnen
- von Pionieren, die frei sein wollten, nicht zuletzt auch frei von der
alten europäischen Ordnung.

Wir sind stolz auf die Russen, die Ukrainer,

die Juden, die Armenier und die vielen anderen, die an unserer Freiheitsstatue vorübersegelten und an unseren Küsten vor Anker gingen.
Die Vielfalt ist eine unserer größten Stärken.

Dies ist zum Teil

auch der Grund, warum wir auf andere so verwirrend wirken.

Unsere Regie-

rung wird vom Volk gewählt; sie steht weder über dem Volk noch über dem
Gesetz.

Wir sind der Überzeugung, daß man die Wahrheit durch Debatte und Diskussion findet.
nicht im Wasser."

"Die Wahrheit verbrennt nicht im Feuer und sie ertrinkt
Unser System ist oft genug für die gewählten Vertreter

unbequem, denn eine der Institutionen, auf die wir am stolzesten sind,
- 5 -

�stolzesten sind, ist die freie Presse.

Die Presse kritisiert mich, und

manchmal schmerzt das, aber dies ist ihre Rolle - unangenehme Fragen aufzuwerfen und die an der Macht Befindlichen dem Volk gegenüber rechenschaftspflichtig zu machen.

Aber niemand sollte unsere Freiheiten für

Schwäche halten.

Wir sind für den freien und offenen Dialog - nicht nur für uns Amerikaner, sondern für alle Völker.
nen.

Wir glauben an die Freiheit des einzel-

Die Glaubensfreiheit, die Redefreiheit, die Pressefreiheit

sind

- wie es unsere Unabhängigkeitserklärung besagt - unveräußerliche Rechte
aller Menschen.

Vor zehn Jahren unterzeichneten die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion

zusammen mit

33 anderen Staaten

die

Helsinki-Übereinkommen.

Wir alle verpflichteten uns dazu, die Menchenrechte zu achten, unseren
Bürgern zu erlauben, frei zu reden und ungehindert zu reisen und die Kommunikation zwischen den Völkern der Signatarstaaaten zu verbessern.

Ame-

rika fordert die Führer der Staaten auf, sich an das zu halten, wozu sie
sich selbst verpflichtet haben.

Als die beiden mächtigsten Nationen der Erde sind wir es den Menschen
aller anderen Staaten schuldig, nicht nur unser Wort zu halten, sondern
dabei behilflich zu sein, friedliche Lösungen für lokale und regionale
Konflikte zu finden - in Afghanistan, in Afrika, in Lateinamerika und andernorts.
Wir müssen auch gegen den Terrorismus gemeinsam angehen.

Es gibt in

einer zivilisierten Welt keinen Raum für Morde, terroristische Bombenanschläge und andere sinnlose Gewalt.

Ich ersuche Sie und Ihre Regierung

mit Nachdruck darum, sich uns bei der Bekämpfung des Terrorismus anzuschließen und sicherzustellen, daß kein Land den Terroristen Hilfe anbietet oder Schutz gewährt.

Wir haben viel voneinander zu lernen.
hervorragenden

Persönlichkeiten

Wir Amerikaner wurden von den

Ihrer Kultur
- 6 -

um so vieles bereichert.

�vieles bereichert.
Tschechow

Mit den Werken von Tolstoi, Dostojewski, Turgenjew,

und Pasternak

Universitäten

- genau

beschäftigt

wie

man sich an vielen

amerikanische

Autoren,

von

amerikanischen
James

Fenimore

Cooper, Mark Twain, Jack London bis hin zu Ernest Hemingway und William
Faulkner in Ihrem Land populär sind.

Ich möchte erweiterte Kontakte zwischen unseren beiden großen Gesellschaften, woimmer ein gegenseitiges Interesse besteht.

Ich bin insbeson-

dere an einem verstärkten Austausch zwischen den jungen Menschen interessiert, denn sie sind unsere Zukunft.

Wir sollten einen Dialog zwischen

unseren Nationen beginnen, damit die Führungen beider Länder die gleiche
Chance hätten, sich über das Fernsehen an die Bevölkerung des jeweils anderen Landes zu wenden.

Wenn mehr Ihrer Bürger uns besuchten, würden Sie

sehen, daß unser Volk den Frieden genau so inständig wünscht wie Sie
selbst.

Ich hoffe, daß meine Gespräche mit Herrn Gorbatschow in Genf Früchte
tragen und zu weiteren Treffen in der Zukunft führen werden.

Wir erstre-

ben den Frieden nicht nur um unserer selbst willen, sondern für all jene,
die auf diesem kleinen Planeten leben.

Wir haben gemeinsame Grenzen mit drei Ländern - Mexiko, Kanada und
der Sowjetunion.

Wir sind stolz auf unsere freundschaftlichen Beziehun-

gen und auf die offenen
Nachbarn.

Grenzen mit unseren beiden

nordamerikanischen

Und ich hoffe, daß der Tag kommen wird, wenn die enge Insel-

kette, die sich von Alaska bis hin zu der Ostküte Sibiriens erstreckt,
zum Symbol der Bande zwischen unseren beiden großen Völkern sein wird
- und nicht mehr der Distanz, die zwischen uns besteht.

Jedes Ding hat seine Zeit.

Hoffen wir, während Weihnachten und das

Neue Jahr heranrücken, daß dies die Zeit des Friedens sein wird.
danke Ihnen, daß Sie mich hier bei Ihnen zu Hause empfangen haben.

Gott schütze Sie.
* * * * *

- 7-

Ich

�13. November 1985

ENTERVIEW VON PRÄSIDENT REAGAN MIT SOWJETISCHEN JOURNALISTEN
- Vollständiger Wortlaut-

WASHINGTON -• (ADi - Präsident Ronald Reagan hat am 31. Oktober 1985
vier sowjetischen Jojrnalisten im Weißen Haus ein Interview gegeben, das
air Ttontag, dem 4. November in gekürzter Form in der Regierungszeitung
Iswestija erschienen ist.

Ein genauer Vergleich des vollständigen Wortlauts und der von der sowjetischen Zeitung wiedergegebenen Fassung zeigt, daß unter anderem ausgelassen wurden
- der Appell des Präsidenten, sich ihm in der Suche nach einer defensiven, nicht zerstörerischen Abschreckung

vor einem Atomkrieg anzu-

schließen, und sein Angebot, den Sowjets und der Welt liesbezügliche
Forschungsergebnisse zur Verfügung zu stellen;

- sein Hinweis auf die Tatsache, daß den Völkern Osteuropas niemals die
Selbstbestimmung zugestanden wurde, die ihnen in Jalta zugesagt worden war;
- seine Beschuldigung,

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�- seine Beschuldigung, daß die afghanische Regierung, die die Sowjets
nach Afghanistan eingeladen habe, von der Sowjetunion eingesetzt und
später, als die Sowjets mit ihr unzufrieden waren, durch ein neues
Marionettenregime ersetzt worden sei;

- seine Feststellung, daß sich keine amerikanischen Truppen mehr auf
Grenada befinden und das Land sich selbst regiere;

- seinen Vergleich der gegenwärtigem Lage in Grenada mit der in Afghanistan nach der sechsjähr igen Besatzungsherrschaft der Sowjets;

- seinen Appell an die Sowjetunion, amerikanische Vorschläge für eine
Abschaffung der chemischen Waffsn, die Lösung regionaler Konflikte
und die Ausweitung der Kontakte zu prüfen;

- sein Hinweis, daß die Einhaltung der Menschenrechte in der Sowjetunion keine "innere Angelegenheit" sei, sondern eine Sache der Einhaltung vertraglicher Verpflichtungen;

- sein Hinweis darauf, daß die Vereinigten Staaten offen über das strategische Veiteidigungsforschungsprogramm

sprechen, während

die So-

wjetunion aus ihren Verteidigung£programmen ein Geheimnis mache;

- sein Hinweis auf die einseitigen konventionellen und nuklearen Abrüstungsmaßaihmen der Vereinigten Staaten nach dem Kriege.
Schließlich gab die Iswestija ihren Lesern auch keinen Hinweis, daß
das Interview gekürzt worden war.

Nachfolgend der vom Weißen Haus veröffentlichte vollständige Wortlaut
des Interviews:

Der Präsident:
gen.

Darf ich Sie alle begrüßen, es ist mir ein Vergnü-

Ich freue mich sehr über die Gelegenheit, in gewisser Weise zu der

Bevölkerung Ihres Landes sprechen zu können.

Ich war immer der Überzeu-

�der Überzeugung, daß viele Übel dieser Welt verschwinden würden, wenn die
Menschen mehr miteinander reden würden statt übereinander.

Ich freue

mich also auf unsere Zusammenkunft und werde Ihre Fragen gerne beantworten.

FRAGE:

Herr Präsident, wir begrüßen diese Gelegenheit sehr, Ihnen

persönliche Fragen stellen zu können, nachdem Sie freundlicherweise unsere schriftlichen Fragen beantwortet haben.

Wir hoffen, daß sie instruk-

tiv sein werden und - nun, den Erfolg Ihres kommenden Treffens mit unserem Führer erleichtern werden.

ANTWORT:

loh freue mich auf dieses Treffen.

Ich bin hoffnungsvoll

und optimistiscli, daß wir vielleicht einige konkrete Erfolge zustande
br ingen werden.

FRAGE:

Wir möchten unsere Fragen auf Russisch stellen.

Ich hoffe,

Sie haben nichts dagegen.

ANTWORT: Nein.
FRAGE:

Herr Präsident, wir haben uns mit den Antworten vertraut ge-

macht, die Sie uns auf unsere schriftlichen Fragen gegeben haben.

Sie

spiegeln im wesentlichen die alten amerikanischen Vorschläge wider.

Sie

sind ausgewertet worden - sie sind durch die sowjetische Seite als unausgewogen und einseitig zugunsten der amerikanischen Seite bewertet worden.

Und sie haben nicht auf den neuen sowjetischen Vorschlag geantwor-

tet.

Eine Antwort auf den neuen sowjetischen Vorschlag wäre jedoch vor

dem Treffen in Genf von größtem Interesse.

ANTWORT:

Wenn dieses Interview vorbei ist, werde ich eine Erklärung

vor unserer eigenen Presse - vor der ganzen Presse - dahingehend abgeben,
daß wir den sowjetischen Vorschlag geprüft haben, und morgen (1. November) wird unsere Verhandlungsdelegation in Genf auf der Abrüstungskonferenz unsere Antwort unterbreiten, bei der es sich um einen Vorschlag handelt, der erkennen läßt, was wir von dem ursprünglichen Vorschlag gehal- 3 -

�Vorschlag gehalten haben, aber auch von diesem jüngsten (Vorschlag) halten.

Die Antwort wird zeigen, daß wir einige der Zahlen akzeptieren, die

in dem Gegenvorschlag des Generalsekretärs enthalten sind.
Es gibt einige Punkte, in denen wir Kompromisse zwischen einigen Ihrer und einigen unserer Zahlen angeboten haben.

Aber alle diese Zahlen

werden morgen (1. November) vorliegen, und ich möchte heute einfach nur
erklären, daß dies morgen in Genf stattfinden wird.
um einen

detaillierten

Gegenvorschlag

Aber es; handelt sich

- um einen Gegenvorschlag, der

- wie das in Verhandlungen angebracht ist - zeigen wird, dal.; wir, wie ich
gesagt habe, unsererseits einiges von diesem jüngsten Vorschlag akzeptieren und darüber hinaus auch Kompromisse bezüglich frühere: Zahlen, die
wir vorgeschlagen haben.

FRAGE:

Ich möchte Ihnen, Herr Präsident, eine andere Frage stellen.

Nach einer Umfrage der Washington Post und der Fernsehgesellschaft ABC am
Dienstag (29. Oktober) wurde festgestellt, daß 74 Prozent des amerikanischen Volkes - gegenüber 20 Prozent - erklärten, daß sie wollten, daß die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion ihre nuklearen Arsenale verringern und daß die Vereinigten Staaten keine Weltraumwaffen entwickeln.
Das scheint die Wahl zu sein, die das amerikanische Volk qetroffen hat.
Es scheint klar zu sein, daß es ohne Beendigung der Entwicklung von Waffen im Weltraum keine Verringerung der Kernwaffen geben kann.

Das ist

der Standpunkt der sowjetischen Seite. Wie werden Sie also, Herr Präsident, auf diese von der amerikanischen Öffentlichkeit zum Ausdruck gebrachte Meinung reagieren?

ANTWORT:
lung.

Zunächst einmal basiert das auf einer falschen Vorstel-

Die Verwendung des Begriffes "Krieg der Sterne" ist entstanden,

als eine politische Persönlichkeit in Amerika ihn benutzte, um das zu beschreiben, was wir erforschen und prüfen, dann griff ihn unsere Presse
auf, und er fand weltweite Verbreitung.
einem Krieg der Sterne.

Wir reden überhaupt nicht von

Wir reden davon, daß wir prüfen wollen, ob es

nicht eine defensive Waffe gibt, die nicht Menschen tötet, sondern die es
einfach unmöglich macht, daß Nuklearraketen, wenn sie aus ihren Silos ab-

�Silos abgefeuert sind, ihre Ziele treffen, d.h., daß wir diese Waffen abfangen können.

Nun ist es auch richtig, daß - um zu zeigen, daß dies eine falsche
Vorstellung seitens der Menschen ist, wenn Sie den falschen Begriff benutzen - vor nicht allzu langer Zeit eine Umfrage bei unserer Bevölkerung
vorgenommen und die Menschen nach dem "Krieg der Sterne" befragt wurden.
Und ähnlich wie bei der Reaktion auf die genannte Umfrage waren nur etwa
30 Prozent der Menschen in unserem Lande dafür und der Rest dagegen.
Aber in der gleichen Umfrage wurde dann dargestellt, wie ich es darzustellen versucht habe, um was es sich bei unserer Forschung handelt - um
einen strategischen Schutzschild, der keine Menschen tötet, sondern uns
eines Tages - uns alle - in die Lage versetzen wird, die Kernwaffen zu
verringern - sie abzuschaffen.

Und über 90 Prozent des .amerikanischen

Volkes waren dafür, daß wir mit einem solchen Programm voranschreiten.

Das ist. eines der Dinge, über die wir sprechen werden.

Wir sind

- und zwar seit Jahren - für eine Verringerung der Zahl der Kernwaffen
eingetreten.

Es ist einfach unzivilisiert seitens unser aller, daß wir

hier sitzen und die einzige Abschreckung vor einem Krieg offensive Kernwaffen sind, und zwar in solchen Mengen, daß wir beide der Gegenseite Tod
und Verderben von Millionen und Abermillionen von Menschen im jeweils anderen Lande androhen können.

Das ist also die Abschreckung, die uns daran hindern soll, diese Raketen auf einander abzuschießen.

Wäre es nicht sehr viel sinnvoller,

wenn wir herausfinden könnten, daß es - wie es in der Geschichte immer
der Fall war - für jede Waffe eine Abwehrwaffe gibt?
richtige Ausdruck für das, was wir erforschen.

Waffe ist nicht der

Wir forschen nach etwas,

das, wie ich sage, es diesen Raketen praktisch unmöglich machen würde,
ihre Ziele zu erreichen.

Und wenn wir so etwas finden, dann geht mein

Vorschlag dahin, daß wir es der ganzen Welt zur Verfügung stellen.

Wir

wollen es nicht nur zu unserem eigenem Vorteil behalten.

FRAGE:

Herr

�FRAGE:

Herr Präsident, so wie die Lage heute auf der internationalen

Bühne aussieht, werden Versuche, einen solchen Weltraumschild zu schaffen, unweigerlich zu dem Argwohn auf der anderen Seite führen, daß das
Land, das einen solchen Weltraumschild schafft, in der Lage sein wird,
einen Erstschlag zu führen.
schen zustimmen.

Das ist eine Argumentation, der viele Men-

Es sieht nun so cius, daß das amerikanische Volk seine

Wahl verkündet hat, daß es, wenn es zu einer Wahl zwischen der Schaffung
eines

solchen

Weltraumsystems

und

einer

kommt, den Abbau der Kernwaffen vorzieht.

Verringerung

der

Kernwaffen

Das scheint eine realistische

Bewertung seitens des amerikanischen Volkes zu sein.

Und ich möchte nun

fragen, wie die amerikanische Regierung auf die Gefühle des amerikanischen Volkes in dieser Hinsicht reagiert?

ANTWORT:

Zunächst einmal sage ich Ja.

Wenn jemand ein solches Ver-

teidigungsSystem, entwickeln würde und es dann mit seinen eigenen Kernwaffen - offensiven Kernwaffen - verbinden würde, dann könnte ihn das in die
Lage versetzen, in der er versucht sein könnte, einen Erstschlag zu Wägern. Aber Ihr Land, Ihre Regierung, hat schon Jahre, bevor wir überhaupt
angefangen haben daran zu arbeiten, an dieser gleichen Art von Plan zu
arbeiten begonnen, was, wie ich meine, darauf hinweist, daß wir vielleicht ein bißchen argwöhnisch sein sollten, ob Sie es nicht für sich
selbst haben wollen.

Aber ich habe erklärt, und ich bin bereit das auf dem Gipfeltreffen
zu erklären, daß für den Fall, daß eine solche Waffe möglich ist und unsere Forschung dies aufzeigt, wir den Schritt unternehmen würden, aller
Welt mitzuteilen:

"Hier, es steht zur Verfügung". Wir würden diese Waf-

fe oder dieses System - dieses Verteidigungssystem - niemals verwirklichen, ehe wir nicht unsere Nuklearraketen, unsere offensiven Raketen abgeschafft haben.

Vielmehr werden wir es anderen Ländern zur Verfügung

stellen, einschließlich der Sowjetunion, um ein gleiches zu tun.

Nun, wie sieht es denn aus - wer immer von uns zuerst mit diesem Verteidigungssystem herauskommt, die Sowjetunion oder wir oder sonst jemand
- wenn wir dann sagen, niemand solle ein Monopol darauf haben.
- 6 -

Und wir

�Und wir machen dieses Angebot jetzt.

Es wird für die Sowjetunion ebenso

zur Verfügung stehen wie für uns selbst.

Selbst wenn die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten beide erklären, daß sie ihre Offensivwaffen abschaffen werden, werden wir diese Verteidigung verwirklichen - nur für den Fall, daß irgendwo in der Welt ein
Verrückter eines Tages versuchen wird, diese Waffen - Kernwaffen - wieder
zu bauen, c'ienn, vergessen wir das nicht, wir wissen heute, wie sie hergestellt werden.
ben.

Man kann diese Kenntnisse also nicht beiseite schie-

Aber vir wären alle sicher in dem Wissen, daß für den Fall, daß je-

mals jemand ein solches Wahnsinnsprojekt versuchen würde, es keinen gäbe,
der sich nicht selbst dagegen verteidigen könnte.

Ich kann Ihnen also versichern, daß wir nicht verbuchen werden, uns
ein Monopol zu verschaffen, wenn eine solche Waffe entwickelt ist, und
aich keine Hrstschlagsfähigkeit.
FRAGE:

Herr Präsident, ich möchte Sie etwas über einige der Dinge

fragen, die mit gegenseitigem Argwohn und Mißtrauen zu tun haben.

Sie

haben in Ihrer Rede vor den Vereinten Nationen zu erkennen gegeben, daß
die Vereinigten Staaten sich nicht ausdehnen, daß sie keine Truppen in
arderen Ländern haben - aber sie haben welche - und daß sie keine anderen
Länder besetzt hätten. Aber es stehen 550 000 amerikanische Soldaten außerhalb der Vereinigten Staaten.
Stützpunkte.

In 32 Ländern gibt es 1500 militärische

Damit kann man also erkennen, welches Land es ist, das um-

zingelt ist. Und Sie haben zugestimmt, daß die Sowjetunion das Recht habe.', für die Interessen ihrer eigenen Sicherheit zu sorgen.

Und es ist

unvermeidlich, daß sich die Sowjetunion über diese Stützpunkte Sorgen machen muß,die um sie herum liegen.

Die Sowjetunion hingegen hat nicht das gleiche getan,

wie stellen

S:.e es sich also in dieser Hinsicht vor, dieses Gleichgewicht der Sicherheit zu schaffen, von dem Sie gesprochen haben?

ANTWORT:

Ich

�ANTWORT:

Ich kann Ihnen zu den Zahlen, die Sie genannt haben, keine

genaue Antwort geben.
Zahlen sind.

Ich habe das nicht so genau parat, wie hoch die

Aber wir sprechen von zwei verschiedenen Dingen - wir reden

davon, ein Land mit ausländischen Truppen zu besetzen, wie wir erleben,
daß es die Sowjetunion in Afghanistan tut, und es gibt noch andere Länder
- Angola, SüdJemen, Äthiopien.

Sicherlich haben wir Truppen in Stützpunkten.

Der Großteil davon ge-

hört zu den Streitkräften der NATO - dem Bündnis in Europa entlang der
NATO-Linie.

Sie stehen dort als Antwort auf noch überlegenere Zahlen von

Soldaten des Warschauer Paktes, die dort gegen sie aufgestellt sind. Und
die Vereinigten Staaten tragen als ein Mitglied des Bündnisses Truppen zu
den NATO-Streitkräften bei.

Das gleiche gilt für Korea, wo wir auf Einladung der südkoreanischen
Regierung Truppen stehen haben, um den Koreanern dort zu helfen wegen der
Entmilitarisierten Zone und der bedrohlichen Natur Nordkoreas, das Südkorea ohne Warnung angegriffen hatte.

Und das war kein amerikanischer

Krieg, obwohl wir den größten Teil der Truppen stellten.
wurde unter der Flagge der Vereinten Nationen geführt.

Dieser Krieg

Die Vereinten Na-

tionen haben Nordkorea der Aggression unter Verletzung der Charta der
Vereinten Nationen für schuldig befunden.
digt und Nordko.rea schließlich besiegt.

Und so wurde Südkorea verteiAber es hat weiterhin eine be-

trächtliche und bedrohliche Offensivstreitmacht aufrechterhalten.

Was andere Orte angeht: Wir haben Stützpunkte im fernen Pazifik; wir
haben sie seit vielen Jahren auf den Philippinen.
die wir gepachtet haben.

Das sind Stützpunkte,

Wir haben sogar einen Stützpunkt auf Kuba, den

wir gepachtet haben und der bestand, lange bevor es einen Castro auf Kuba
gab - einen Flottenstützpunkt.

Aber das hat, so meine ich, wirklich

nichts mit der Besetzung eines anderen Landes zu tun - einschließlich der
Länder des Warschauer Paktes.

Ihnen wurde niemals die Selbstbestimmung

zugestanden, die in den Übereinkommen von Jalta am Ende des Zweiten Weltkrieges vereinbart worden war.
Ich

glaube

also,

�Ich glaube also, daß meine Erklärung durchaus richtig ist, daß ein
Unterschied besteht zwischen einer Besetzung und dem Unterhalt von Stützpunkten dort, wo nicht gekämpft wird, und wo viele von den Gastländern
dies ausdrücklich gewünscht haben.

FRAGE:

Wenn es eine Volksabstimmung gäbe und dös kubanische Volk

entscheiden würde, daß der Stützpunkt Guantanamo geräumt werden sollte
- würde er dann geräumt?

ANTWORT

Nein, weil der Pachtvertrag vor vielen Jahren abgeschlossen

wurde und nach viele Jahre läuft, und unser Recht, dort zu sein, ist völlig legal.

Der Stützpunkt ist abgezäunt.

Es besteht keinerlei Kontakt

zur Bevölkerung oder dem Hauptteil der Insel.

FRAGE:

Herr Präsident, Sie haben Afghanistan erwähnt.

Ich möchte

segen, daß die sowjetischen Truppen in Afghanistan dort auf Einladung der
afghanischen Regierung stehen, um die afghanische Revolution gegen die
Einmischung von Streitkräften aus dem Ausland zu verteidigen, die von den
Vereinigten Staaten finanziert und unterstützt werden.

Vor den Vereinten Nationen und in Ihren schriftlichen Antworten auf
ursere Fracen haben Sie angedeutet, daß die Vereinigten Staaten nicht
versucht haoen, Gewalt anzuwenden, sondern den Prozeß der Demokratie mit
friedlichen Mitteln fördern wollten.

Wie stimmt diese Antwort mit der

Anwendung von Gewalt durch die Vereinigten Staaten in vielen Ländern
überein - angefangen mit Vietnam, wo sieben Millionen Tonnen Bomben abgeworfen wurden - sieben Millionen Tonnen mehr als im Zweiten Weltkrieg;
und wie steht es mit Grenada?

Ich frage das nicht, um in der Vergangen-

heit herumzuwühlen, sondern einfach, um Dinge richtigzustellen.

ANTWORT:

Und die können richtiggestellt werden, jawohl.

Was zunächst einmal Afghanistan angeht, so hat die Regierung, die die
sowjetischen Truppen eingeladen hat, keine andere Wahl gehabt, denn diese
Regierung war von der Sowjetunion eingesetzt worden und zwar mit der Waf-

�der Waffengewalt, um den Erfolg zugarantieren.

Und der Mann, der an der

Spitze dieser Regierung stand, war bereits zweite Wahl.

Der erste war

nicht zur Zufriedenheit der Sowjetunion, und so marschierten die Sowjets
mit Streitkräften ein, stürzten ihn und setzten ihre zweite Wahl ein, den
Mann, der noch an der Regierung ist.

Im übrigen kämpfen keine Kräfte von außen dort.

Aber es gibt dort

einige Ding2, die, wenn sie allgemeiner bekannt würden, jeden Menschen in
der Welt schockieren würden.

So besteht beispielsweise eine der Waffen,

die gegen die Menschen In Afghanistan eingesetzt werden, aus Spielzeugen
- Puppen, Spielzeugautos, Dinge, die Kindern gefallen.
der Luft abgeworfen.

Aber wenn die Kinder sie aufheben, dann werden ih-

nen die Hände abgerissen.
- Fallen.

Sie werden aus

Sie sind, wie wir es nennen, Booby-traps

4ie wirken wie Landminen.

Das ist kaum mit der Art bewaffne-

ter Kriegführung in Einklang zu bringen, wie sie zwischen Staaten geübt
worden ist.

Vietnam?

Ja, als Vietnam - oder sagen wir besser Französisch Indo-

china - als; Kolonie aufgegeben wurde, hat ein internationales Forum in
Genf - das in Genf zusammenkam - ein Nordvietnam und ein Südvietnam gebildet.

Nordviotnam wurde bereits durch eine kommunistische Gruppe re-

giert und hatte bereits eine Regierung während der japanischen Besetzung
Französisch-Indochinas.

Südvietnam mußte neu anfangen und eine Regierung

bilden.

Wir wurden dort eingeladen - mit Beratern, um ihnen beim Aufbau von
etwas zu helfen, was sie zuvor niemals hatten, eine Armee. Unsere Berater kamen in Zivil.

Sie kamen mit ihren Familien.

Und sie begannen in

einem Land, das keine militärischen Ausbildungsstätten hatte oder Dinge
dieser Art, um Streitkräfte für die Regierung von Südvietnam aufzubauen.

Sie wurden von Anfang an von Terroristen gestört.
mußten die Familien nach Hause geschickt werden.
diert.

Und schließlich

Schulen wurden bombar-

Es kam sogar die Praxis auf, Bomben den Mittelgang eines Kinos

hinunter zu rollen, und es wurden zahllose Menschen getötet, die sich nur
- 10 -

�sich nur übar einen Film freuen wollten.

Und schließlich wurden die Din-

ge dahingehend geändert, daß es unseren Leuten erlaubt wurde, zu ihrem
eigenen Schitz Waffen zu tragen.

Und dar.n, das ist wahr, hat Präsident Kennedy eine Truppeneinheit
entsandt, um Schutz zu bieten.
kelt.

Da:; hat sich zum Vietnam-Krieg entwik-

Zu keinem Zeitpunkt hat die verbündete Streitmacht - und es war

eine verbündete Streitmacht, denn es waren nicht nur amerikanische Truppein dort - zu keinem Zeitpunkt haben wir einen Sieg angestrebt.
leicht war gerade das faLsch.

Viel-

Wir versuchten lediglich, eine entmilita-

risierte Zcne zwischen Nord- und Südvietnam aufrechtzuerhalten.

Und wir

wissen, was heute daraus geworden ist.

Und heute gibt es einen Staat Vietnam.

Er wurde unter Verletzung ei-

nes Vertrages erobert, der in Paris zwischen Nord- und Südvietnam unterzeichnet wurde.

Wir haben Südvietnam verlassen und Nordvietnam überroll-

te es, hat das Land erobert, wie ich sagte, unter Verletzung eines Vertrages.

Aber das gilt für fast alle anderen Orte, die Sie erwähnt haben. Ich
habe jetzt so lange geredet, daß ich die anderen Beispiele vergessen habe), die Sie erwähnten.

FRAGE:

Grenada.

ANTWORT:

Grenada.

Nun, wir hatten dort einige hundert junge ameri-

kanische Medizinstudenten.

Unser Nachrichtendienst fand heraus, daß sie

als potentielle Geiseln tedroht waren, und die Regierung von Grenada bat
um Hilfe, nilitärische Hilfe, nicht nur von den Vereinigten Staaten, sondern von den anderen Ländern des Commonwealth - Inselnationen in der Karibik - von Jamaica, von Dominica und einigen anderen.

Diese haben das

Ersuchen an uns weitergeleitet, weil sie keine Streitkräfte besaßen.

Jawohl, und dann sind wir gelandet.

Und wir fanden Lagerhallen voll

mit Waffen, und sie waren sowjetischer Herkunft. Wir fanden Hunderte von
- 11 -

�Hunderte von Kubanern dort.
die Insel.

Es gab ein kurzes Gefecht.

Wir befreiten

Und nach kurzer Zeit kehrten unsere Truppen nach Hause zu-

rück, nachdem sie unsere Studenten gerettet, nachdem sie die Insel gerettet hatten.

Heute stehen dort keine amerikanischen Truppen mehr. Grena-

da hat eine Demokratie errichtet und regiert sich aufgrund einer Wahl,
die kurz danach von der Bevölkerung abgehalten wurde, und bei der wir
keinerlei Rolle gespielt haben.

Und das ist der Kontrast:

Die sowjetischen Truppen stehen jetzt seit

sechs Jahren in Afghanistan und haben seither ständig gekämpft.

Wir ha-

ben getan, woruri wir gebeten wurden - auf Ersuchen der Regierung von Grenada - und sind wieder nach Hause zurückgekehrt.

FRAGE:

Herr Präsident, bezüglich des ABM-Verträges, der 1972 unter-

zeichnet wurde, so heißt es in Artikel V dieses Vertrages, und ich zitiere, daß "Keine Seite antiballistische Raketenteile oder Systeme, die seegestützt,

luftgestützt,

weltraumgestützt

oder

beweqlich

sind, entwickeln, erproben oder dislozieren wird."

landgestützt

Nun, einige Vertreter

der Administration sagen, der Vertrag laute so, daß er all diese Dinge
erlaube - cie Entwicklung, die Erprobung und die Dislozierung von ABM-Systemen.

Eine

solche

Interpretation

dieses Vertrages

kann sicherlich

nicht dazu beitragen, zu einem Übereinkommen zu gelangen.

Welches

ist der wahre Standpunkt der amerikanischen Administration

bezüglich der Interpretation dieses Vertrages?

Werden sich die Vereinig-

ten Staater; an den Vertrag halten oder nicht?

Die Ergebnisse Ihres Tref-

fens mit Generalsekretär Gorbatschow werden sicherlich zu einem großen
Teil davon abhängen.
ANTWORT:
ges.

Es gibt zwei unterschiedliche Interpretc.tionen des Vertra-

Es gibt einen zusätzlichen Artikel in dem Vertrag, der etwas libe-

raler zu £.ein scheint als Artikel V.

Auf der anderen Seite haben wir

eindeutig zu verstehen gegeben, daß wir uns an eine strikte Auslegung des
Vertrages halten werden.

Was wir auf dem Gebiet der Forschung tun - und

dazu würde Erprobung gehören - liegt im Rahmen des Vertrages.
Was
- 12 -

nun

die

�Was nun die Dislozierung angeht, so gilt, was ich bereits gesagt habe:

Nein.

Wir tun das, was im Rahmen des Vertrages liegt und was die

Sowjetunion schon seit geraumer Zeit tut - die gleiche Art von Forschung
und Entwicklung.

Aber was nun die Dislozierung angeht, so weiß ich nicht, was die Sowjetunion tun würde, wenn oder falls ihre Forschung eine solche Waffe
entwickeln würde, oder wenn sie sie entwickelt.
tun werden, und das habe ich bereits gesagt.

Aber ich weiß, was wir

Wir würden nicht dislozie-

ren - ich habe nicht die Absicht, zu dislozieren - bevor wir uns nicht
mit den anderen Nationen der Welt ;:usammengesetzt haben, und jenen, die
über Nukleerarsenale verfügen, und geprüft haben, ob wir nicht zu einem
Übereinkommen gelangen können, nach dem es eine Dislozierung nur dann
gibt, wenn wir die Kernwaffen abgeschafft haben.

Nun mögen Sie fragen, warum wir die Verteidigung Drauchen, wenn wir
die Kernwaifen abschaffen.

Ich möchte das wiederholen, was ich bereits

gesagt habe. Wir alle wissen, wie die Waffen hergestellt werden, und daß
es möglich ist, daß eines Tages ein Verrückter in der Welt aufstehen
könnte -

wir waren beide Verbündete in einem Krieg, der wegen eines sol-

chen Verrückten entstanden ist - und deshalb wäre es wieder so wie in
Genf nach 3em Ersten Weltkrieg, als die Länder alle zusammentrafen und
erklärten:

Nie mehr Giftgas - aber wir alle behielten die Gasmasken.

Nun diese Waffe wäre, wenn sie entwickelt werden könnte, die Gasmaske von
heute.

Aber wir wollen, daß alle eine besitzen, und die Bedingung, um

sie zu erhalten, und die Bedingung für unsere eigene Dislozierung wäre
die Beseitigung der Offensivwaffen - eine Veränderung zur Aufrechterhaltung von Vertrauen und Frieden unter uns durch den Besitz von Verteidigungssystemen - daß einer den andern mit Kernwaffen vernichten würde.

Wir weiden also diesen Vertrag niemals verletzen, weil, wie ich sagte, wir nicht die Absicht haben, mit einer Dislozierung zu beginnen, wenn
sich eine solche Waffe als praktikabel erweisen sollte.
FRAGE:

Herr Präsident, unsere Zeit ist praktisch abgelaufen, wenn

Sie nicht roch abschließend eine Erklärung abgeben wollen.
ANTWORT:

Nun,

�ANTWORT:

Nun, wir haben nicht alle Fragen behandelt - ich glaube,

ich habe auf zu viele dieser Fragen hier mit langatmigen Antworten die
Zeit hinausgezogen.

Ich weiß, daß Sie noch mehr Fragen haben.

Es tut

mir leid, daß wir keine Zeit mehr dafür haben.

Aber ich möchte nur sagen, daß die Sowjetunion und die Vereinigten
Staaten - ,nun nicht die Sowjetunion, sagen wir, Ruß Luid und die Vereinigten Staaten in zwei Kriegen Verbündeten waren; die Sowjetunion und die
Vereinigten Staaten waren Verbündeten in einem, dem letzten und größten
Krieg, dem Zweiten Weltkrieg.

Amerikaner und Russen starben Seite an

Seite im Kampf gegen den gleichen Gegner.

Amerikaner sind auf sowjetischen Boden beerdigt, und es scheint mir
- und das möchte ich bei diesem Treffen mit dem Generalsekretär zur Sprache bringen - daß die Völker keine Kriege beginnen, sondern Regierungen.
Ich habe hier einen kleinen Ausschnitt, den ich mir dieser Tage aus einem
Artikel abgeschrieben habe, und der Autor dieses Artikels hat eine sehr
große Wahrheit ausgesprochen:
sie bewaffnet sind.

"Nationen mißtrauen einander nicht, weil

Sie bewaffnen sich, weil sie einander mißtrauen."

Nun, ich hoffe, daß wir auf dem Gipfeltreffen vielleicht Mittel und Wege
finden können, daß wir durch Taten und nicht durch Worte, sondern durch
Taten beweisen können, daß es keinen Grund zum Mißtrauen zwischen uns
gibt.

Und dann können wir aufhören, unsere Völker dadurch zu bestrafen,

daß wir unsere Mittel dazu benutzen, diese Waffenarsenale aufzubauen,
statt mehr Dinge für das Wohlergehen der Menschen zu tun.

FRAGE: Wir danken Ihnen sehr, Herr Präsident.
ANTWORT:

Danke schön.

(Ende des formellen Interviews)

Wortlaut des
- 14 -

�Wortlaut des informellen Gesprächs
FRAGE:

Es ist ein Jammer, Sir, daß nicht genug Zeit bleibt, um Ihre

Antworten aif all unsere Fragen zu bekommen.

ANTWORT:

Nun, schon gut.

FRAGE: Wir danken Ihnen, Herr Präsident.

FRAGE:

Herr President, wir körnen leider nicht mehr mit Ihnen über

d;e Geschichte der Fragen sprechen, die wir bereits gestellt haben, weil
wir gelegentlich eine ganz andere Einstellung dazu haben.

Aber wir haben

keine Zeit.
Wie Sie wissen, es gibt eben Unterschiede in dieser Welt.

ANTWORT:

Ich habe auf eine Frac,e gewartet, die es mir erlaubt hätte,

darauf hin-.uweisen, daß im Rahmen der Entspannung, die wir vor einigen
Jahren

hatten, während

die SALT J- und

SALT Il-Verträge

unterzeichnet

wurden, die Sowjetunion ihrem Arsenal über 7000 Gefechi-.sköpfe hinzugefügt
hat.

Und wir haben heute weniger als wir 1969 besaßen.

(sowjetischen Gefechtsköpfe)

Und 3800 dieser

wurden dem Arsenal nach der Unterzeichnung

von SALT 13 hinzugefügt.

FRAGE:

Aber Sie besitzen immer noch mehr Gefechtsköpfe.

ANTWORT:

FRAGE:

Herr Präsident -

ANTWORT;

FRAGE:

Nein, das stimmt nicht.

Nein, das stimmt nicht.

Jawohl, Sie haben an die 12 000.
Sie wissen,

�Sie wissen, daß das ein interessantes Phänomen ist, weil im Jahr 1979
nach sieben Jahren sehr ernsthafter - wie ich sagen möchte - Erforschung
in SALT II Präsident Carter und andere Spezialisten erklärten, daß eine
strategische und militärische Parität bestünde.

Und dann kamen Sie an

die Macht, und Sie sagten, daß es so aussehe, daß die Sowjetunion weit
voraus sei.

Und dann sagten Sie erst kürzlich im September fast das

gleiche, obwohl die Chefs des Gemeinsames Stabes Ihnen mitgeteilt haben,
daß eine Parität besteht. Ist das nicht ein Widerspruch?

ANTWORT:

Nein, wirklich nicht.

Jemand könnte das sagen in dem Sin-

ne, daß wir genug haben für eine Abschreckung, daß wir mit anderen Worten
genug hätten, um es ungemütlich zu inachen, wenn uns jemand angreifen würde.

Aber Ihr Arsenal ist dem unseren zahlenmäßig weit überlegen.

FRAGE:

Manche Leute sagen - die Generäle - Ihre Generäle sagen, daß

sie Ihr Arsenal nicht mit dem unserer Generäle tauschen wollten.

FRAGE:

Ich möchte mit Ihnen auch über diese Geschichten über Puppen

in Afghanistan sprechen. Ich war etwas in Afghanistan - .

DER SPRECHER DES WEISSEN HAUSES:

Vielleicht wird sich wieder einmal

eine Gelegenheit bieten.

FRAGE: Wir hoffen das.
SPEAKES:

Und der Präsident muß jetzt gehen und dem Generalsekretär

durch unsere Presse mitteilen, was er tun wird.

FRAGE:
sicherlich

Wir danken Ihnen sehr Herr Präsident, und wir wünschen Ihnen
Erfolg

und

gute

Ergebnisse

bei

Ihrem

Treffen

mit Herrn

Gorbatschow. Darauf hoffen wir.
ANTWORT:

Ich danke Ihnen.

(Ende des informellen Gesprächs)
SCHRIFTLICHE ANTWORTEN
- 16 -

�SCHRIFTLICHE ANTWORTEN AUF VORAB SCHRIFTLICH EINGEREICHTE FRAGEN

FRAGE 1:

Die bevorstehende Zusammenkunft zwischen Generalsekretär

Gcrbatschow und Ihnen, Herr Präsident, wird aus offenkundigen Gründen als
ein Ereignis von besonderer Bedeutung angesehen.

Beide Seiten haben die

Atsieht bekundet, sich um eine Verbesserung der Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern zu bemühen, um die internationale Lage insgesamt zu
verbessern.

Die Sowjetunion hat über einen längeren Zeitraum hinweg eine

gcnze Reihe konkreter Vorschläge vorgelegt und in verschiedenen Bereichen
einseitige Schritte getan, die unmittelbar auf dieses Ziel gerichtet waren. Was werden die Vereinigten Stajten ihrerseits tun?

ANTWORT

Ich stimme der Auffassung, daß meiner Bixjegnung mit Gene-

rclsekretär Gorbatschow besondere Bedeutung zukomme, voll und ganz zu,
urd ich sehe dieser Zusammenkunft persönlich mit großen Interesse entgegen.

Ich hoffe aufrichtig, daß es uns gelingen wird, den Beziehungen

zwischen unseren beiden Ländern eine Wendung in Richtung auf mehr Sicherheit und Stabilität zu geben.

Ich für meinen Teil weede gewiß tun, was

ich kann, uii dies möglich zu machen.

Wir prüfen natürlich

jeden sowjetischen Vorschlag

sorgfältig, und

wenn wir ihn vielversprechend finden, bringen wir dies auch gern zum Ausdruck.

Wenn wir ihn jedoch für einseitig in seinen Auswirkungen halten,

dann erklären wir, was uns zu dieser Auffassung bringt.

Außerdem haben

auch wir konkrete Vorschläge gemacht - und zwar Dutzende -, die ebenfalls
jeden Aspekt unserer Beziehungen erfassen, von der Beseitigung der chemischen Waffen und der Lösung regionaler Konflikte bis hin zur Erweiterung
von Kontakten und wechselseitigen Begegnungen, und wir hoffen, daß diesen
Vorschlägen die gleiche Sorgfalt und Aufmerksamkeit zuteil wird, die wir
denen der Sowjetunion zollen.

Ich möchte Ihnen einige Beispiele nennen.

Eine Sache, die in den

vergangenen Jahren enorme Spannungen in den amerikanisc:h-sowjetischen Beziehungen hervorgerufen hat, waren Versuche, Probleme überall auf der
- 17 -

�auf der Welt mittels Waffengewalt zu lösen.

Der Gebrauch von Waffenge-

walt, ob in Afghanistan, Kambodscha oder Afrika, hat uns weder dem Frieden noch einer Lösung der vor Ort bestehenden Probleme näher gebracht,
sondern die Menschen dieser Regionen nur in weiteres Leid gestürzt.

Dies

ist außerdem gefährlich, und wir müssen daher einen Weg finden, Versuchen, Probleme gewaltsam zu lösen, Einhalt zu gebieten.

Ich habe deshalb vorgeschlagen, daß unsere beiden Staaten die an diesen Konflikten beteiligten Parteien dazu anhalten sollten, die Waffen
niederzulegen und über Lösungen zu verhandeln; ferner, daß, falls diese
Parteien hisrzu bereit wären, unsere beiden Staaten eine Möglichkeit finden sollten, sich auf die Unterstützung einer friedlichen Regelung zu einigen, und daß sie den kämpfenden Parteien keine Militärhilfe gewähren
sollten.

Und falls tatsächlich Friede hergestellt werden könnte, würden

die Vereinigten Staaten im Rahmen einer internationalen Bemühung um die
Wiederherstellung vom Kriege zerrütterter Volkswirtschaften einen großzügigen Beitrag leisten - genau wie nach dem Zweiten Weltkrieg, als wir zum
Wiederaufbai befreundeter Länder wie auch vormaliger Feindstaaten gleichermaßen beigetragen haben, und darüber hinaus in zahllosen anderen Fällen.

Unsere beiden Regierungen stimmen darin überein, daß unsere Kernwaffenarsenale viel zu groß sind.
stungsabbau.

Wir wünschen beide einen radikalen Rü-

Die Vereinigten Staaten haben im Hinblick auf einen solchen

Abbau konkiete Vorschläge unterbreitet:

die Zahl der Gefechtsköpfe auf

ballistischen Raketen auf 5 000 für jede Seite zu senken und eine ganze
Waffenkategorie, nämlich die der Mittelstreckenraketen, überhaupt aus unseren Arsenalen zu streichen.

Diese Vorschläge beruhen nicht auf dem

Grundsatz ^on "Entweder - Oder".

Wir sind zu Verhandlungen bereit, da

wir wissen, daß Verhandlungen notwendig sind, wenn wir eine Lösung herbeiführen wollen, die dafür sorgt, daß keine Seite sich bedroht fühlt.
Wir sind dazu bereit, unsere Trümpfe aus der Hand zu geben, wenn Sie das
gleiche tun.

Worauf es ankommt, ist, die Verminderung dieser schreckli-

chen Waffen in einer Weise in Angriff zu nehmen, die beiden Seiten ein
Gefühl der Sicherheit verschafft, und dann diesen Prozeß fortzuführen,
bis wir diese Waffen völlig abgeschafft haben.
Die Ereignisse
- 18 -

�Die Ereignisse der letzten 10 - 15 Jahre haben das Mißtrauen zwischen
unseren beiden Staaten erheblich vertieft. Wenn wir die Grundprobleme in
unseren Beziehungen lösen wollen, dann müssen wir etwas unternehmen, um
das Vertrauen im Umgang miteinander wiederherzustellen.

Dies erfordert

bessere Kommunikation, vermehrte Kontakte und erhöhte Aufmerksamkeit, um
sicherzustellen, daß beide Parteien die bereits erzielten Abkommen erfüllen.

Deshalb haben wir sage und schreibe 40 bis 50 Vorschläge gemacht,

um unsere Arbeitsbeziehungen zu verbessern, die Kommunikation auszubauen
und Vertrauen zu schaffen.

Beispielsweise haben wir ein Abkommen über

Zusammenarbeit bei der friedlichen Nutzung des Weltraums vorgeschlagen.
Das gemeinsame Apollo-SojJs-Unternehmen aus dem Jahre 1975 war ein großer
Erfolg, und wir sollten versuchen, diese Art der Zusammenarbeit zu erneuern.

Wir haben auch mehrere Vorschläge im Hinblick auf mehr direkte Kon-

takte zwischen unseren Militärs unterbreitet.

Wenn sie mehr miteinander

sprächen, dann könnten sie vielleicht feststellen, daß zumindest einige
ihrer Befürchtungen unbegründet sind.

Vor all^m aber sollte es mehr Kontakte zwischen den einfachen Bürgern
beider

Länder geben, insbesondere zwischen unseren »Jugendlichen, denn

schließlich gehört ihnen die Zukunft.

Ich möchte, daß wir jedes Jahr

Tausende von Schülern und Studenten in das Land des anderen schicken, damit sie einander kennenlernen, voneinander lernen und vor allem begreifen, daß wir ungeachtet unserer unterschiedlichen Weltanschauungen miteinander in Frieden leben können und müssen.

Es liegt auf der Hand, daß wir nicht in der Lage sein werden, bei einer einzigen Begegnung all die zwischen uns bestehenden Gegensätze zu lösen, aber wir möchten einige konkrete Schritte vorwärts tun.

Vor allem

hoffe ich, daß unsere Zusammenkunft einen echten Prozeß der Problemlösung
in Gang bringen wird und daß wir uns auf einen Weg einigen können, der
uns in eine Welt führen wird, die für alle sicherer ist - und zu wachsender Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Staaten.

FRAGE 2:

Die Sowjetunion tritt für friedliche Koexistenz zwischen

Ländern mi: unterschiedlichen Gesellschaftssystemen ein, also auch mit
- 19 -

�auch mit den Vereinigten Staaten.

In einigen Ihrer Erklärungen haben sie

argumentiert, daß es ungeachtet der Unterschiede zwischen unseren Ländern
notwendig sei, eine militärische Konfrontation zu vermeiden. Mit anderen
Worten, wir müssen lernen, in Frieden zu leben.

Beide Seiten erkennen

also die Tatsache an, daß die Frage der Rüstungsbegrenzung und -Verminderung bestimmend für unsere Beziehungen ist und bleiben wird.
sondere Verantwortung

der Vereinigten

Die be-

Staaten und der UdSSR für das

Schicksal d?r Welt ist eine objektive Tatsache. Was läßt sich nach Ihrer
Meinung bei ihrer Begegnung mit Gorbatschow im Bereich der Sicherheit erreichen?

ANTWORT:

Nun, zunächst einmal würde ich sagen, daß wi: glauben, daß

alle Staaten miteinander in Frieder, leben sollten, ganz gleich, ob sie
gleiche oder unterschiedliche Gesellschaftssysteme haben.

Selbst wenn

gleichartige Gesellschaftssysteme bestehen, sollte dies keinem Land das
Recht geben, gegen ein anderes Gewalt anzuwenden.

Aber Sie haben völlig recht, wenn Sie sagen, daß wir lernen müssen,
in Frieden zu leben.

Wie ich schon oft erklärt habe, ist ein Atomkrieg

nicht zu gewinnen und darf niemals geführt werden.

Dies wiederum bedeu-

tet, daß unsere Länder keine Art von Krieg führen dürfen.

Sie haben weiterhin recht, wenn Sie sagen, daß unsere Staaten eine
besondere Verantwortung für die Welt tragen.

Dies ist nicht nur deshalb

so, weil wir enorme Kernwaffenarsenale besitzen, sondern auch, weil wir
Großmächte sind und unser Beispiel und unsere Handlungen all die anderen
um uns herum berühren, ob uns dies gefällt oder nicht.
In unseren Beziehungen geht es nicht nur darum, neue Abkommen auszuhandeln, sondern auch darum, geschlossene Abkommen zu erfüllen.

Ihr Land

beschuldigt uns oft der Einmischung in "innere" Angelegenheiten in Fragen
wie z.B. der der Menschenrechte, aber genau das ist ein entscheidender
Punkt.

Vor zehn Jahren haben wir beide die Schlußakte von Helsinki un-

terzeichnet

und

uns

bestimmten Verhaltensmaßregeln

unterworfen.

Wir

selbst halten uns an unsere Verpflichtungen und erwarten das auch von an- 20 -

�von anderen.

Darüber hinaus berühren die sowjetisch-amerikanischen Be-

ziehungen auch regionale Konflikte, die politischen Beziehungen zwischen
unseren Freunden und Verbündeten und viele andere Gebiete.

Die Tatsache, daß unsere Länder über die größten und zerstörerischsten Kernwaffenarsenale verfügen, verpflichtet uns nicht nur dazu, sicherzustellen, daß sie nie zum Einsatz kommen, sondern ajch dazu, die
Welt auf den Weg zur Beseitigung dieser furchtbaren Waffen zu führen.

Ich meine, daß meine Begegnung mit Generalsekretär Gorbatschow uns
auf den Weg zu dem Ziel bringen kann, das sich unsere Länder gesetzt haben:

radikale Verminderung der Kernwaffen und Schritte ir Richtung auf

ihre völlige Beseitigung.

Wir können dies tun, indem wir konkrete Mittel

und Wege zur Überwindung von Hindernissen im Verhandlungsprozeß finden
und dadurch unseren Unterhändlern einen wirklichen Anstoß geben.

Wir

werden uns natürlich auch mit anderen Problemen auseinandersetzen müssen,
weil es sehr schwierig sein dürfte, bei der Rüstungskontrolle große Fortschritte zu machen, wenn es uns nicht außerdem gelingt, Spannungen abzubauen, den Gebrauch and die Androhung von Gewalt einzudämmen und Vertrauen in unsere Fähigkeit zum konstruktiven Umgang miteinander aufzubauen.

FRAGE 3:

Es ist: allgemein bekannt, daß die Vereinigten Staaten und

die Sowjetunion sich im Januar dieses Jahres in Genf dahingehend verständigt haben, daß die Verhütung eines Rüstungswettlaufs im Weltraum bei der
neuen Verhandlungsrunde an der Spitze der Dringlichkeitsliste stehen müsse.

Heute versucht jedoch die amerikanische Delegation in Genf, die Ge-

spräche auf eine Erörterung der Frage der Kernwaffen zu begrenzen, und
ist nicht geneigt, über die Verhütung eines Rüstungswettlaufs im Weltraum
zu reden,

/tfie sollen wir diese amerikanische Position verstehen?

ANTWORT:
richtig.

Ihre Beschreibung der Übereinkunft vom Januar ist nicht

Tatsächlich kamen unsere Außenminister überein, "wirksame Ab-

kommen aus2uarboiten, um einen Rüstungswettlauf im Weltraum zu verhüten
und ihn au)' der Erde zu beenden, um die Kernwaffen zu begrenzen und zu
vormindern und um die strategische Stabilität zu festigen".
- 21 -

Weiterhin

�festigen".

Weiterhin kamen sie überein, daß "Gegenstand der Verhandlun-

gen ein Komplex von Fragen bezüglich der Weltraum- und Kernwaffen - strategischer und mittlerer Reichweite - sein wird, wobei all diese Fragen in
ihrem wechselseitigen Zusammenhang erörtert und gelöst werden sollen".

Da in Ihrer Frage ein falsches Verständnis der Position der Vereinigten Staaten zum Ausdruck kommt, möchte ich Ihnen diese nochmals verdeutlichen:

Erstens glauben wir, daß die badrohlichsten Waffen, denen sich die
Menschheit heute gegenübarsieht, die nuklearen Massenvernichtungswaffen
sind.

Es handelt sich dabei um Offensivwaffen, und es gibt sie bereits,

und zwar in einer Anzahl, die viel zu hoch ist. Unsere dringlichste Aufgabe besteht daher darin, mit ihrer radikalen Verminderung zu beginnen
und die Bedingungen zu schaffen, die ihre schließliche Beseitigung ermöglichen.

De: die meisten dieser Waffen auf dem Weg zu ihren Zielen den

Weltraum durchqueren, ist ihre Verminderung im Sinne der Verhütung eines
Rüstungswettlaufs im Weltraum genauso wichtig wie im Sinne der Beendigung
des Wettrüstens auf der Erde.

Wie ich schon bemerkte, haben wir zu diesem Zweck konkrete und präzise Vorschläge gemacht.

Ihre Regierung hat vor kurzem endlich einige Ge-

genvorschläge vorgelegt, und wir werden sie im Geiste echter Kompromißbereitschaft beantworten und uns bemühen, praktische Lösungen anzustreben,
die für beide Länder tragbar sind.
Zweitens glauben wir, daß ein enger Zusammenhang zwischen Offenstund Defensivsystemen besteht und daß diese Fragen daher gemäß der Übereinkunft unserer Außenminister auch als zusammenhängend behandelt werden
sollten.

Unsere Vorschläge stimmen mit dieser Sichtweise vollständig

überein.

In diesem Augenblick streben wir mit den sowjetischen Unter-

händlern ir Genf eine gründliche Erörterung der Frage an, wie sich ein
Gleichgewicht von Offensiv- und Defensivsystemen herstellen ließe und wie
- falls Wissenschaftler in der Zukunft wirksame Abwehrmittel zu entwikkeln vermöchten - wir beide sie nutzen könnten, um unsere Länder und Ver- 22 -

�und Verbündeten zu schützen, ohne den anderen zu bedrohen.

Und falls es

uns jemals gelingen sollto, die Kernwaffen zu beseitigen, dann werden die
Staaten dennoch eine Abwehrmöglichkeit gegen sie brauchen, nämlich für
den Fall, daß irgendein Verrückter einige in die Hand bekommt und versucht, andere Staaten zu erpressen.

Im einzelnen haben wir vorgeschlagen:

- Bei den strategischen Kernwaffen eine Verminderung der Anzahl der Gefechtsköpfe auf ballistischen Raketen auf 5000 für jede Seite.

Dies

wäre eine äußerst drastische Senkung des Rüstungsniveaus, und zwar in
einer Weise, die die strategische Stabilität erhebLich festigen würde.

Wir haben außerdem Verhandlungen über eine strikte Begrenzung

anderer Waffenarten angeboten.

Da die Streitkräftestruktur beider

Seiten unterschiedlic l ist und da die Sowjetunion sicn darüber beschwert hat, daß sie ihre Streitkräfte umstrukturieren müsse, haben
wir angeboten, Abkommen anzustreben, die einen Ausglsich zwischen
diesen unterschiedlichen

Bereichen

amerikanischer

und

sowjetischer

Stärke schaffen würden.

- Im Hinblick auf die nuklearen Mittelstreckenwaffen glauben wir, daß
es am besten wäre, c'iiese gesamte Waffenkategorie zu beseitigen, zu
der die 441 von der Sowjetunion aufgestellten SS 20-Raketen und unsere Pershing II und landgestützten Marschflugkörper gehören.

Für den

Fall, daß dies nicht sofort akzeptabel ist, haben wir außerdem ein
Interimsabkommen angeboten, das auf dem niedrigstmöglichen Niveau eine gleich hohe Anzahl von Gefechtsköpfen auf den amerikanischen und
sowjetischen Raketen dieser Kategorie vorsehen würde.

- Im Weltraum- und Defensivwaffenbereich sind wir bestrebt, mit den sowjetischen Unterhändlern die Möglichkeit zu erörtern, daß neue Technologien es beiden Seiten erlauben könnten, den Übergang zu einem
Konzept zu vollziehen, in dem Defensivwaffen eine größere Rolle spielen, d.h., in dem Sicherheit nicht mehr auf nuklearen Offensivwaffen
beruht.
Um bezüglich

�Um bezüglich unseres Forschungsprogramms im Bereich neuer Defensivsysteme - das in voller Übereinstimmung mit dem ABM-Vertrag durchgeführt
wird

- Mißverständnisse auszuschließen, habe

Forschungsprogramms

für

die

Strategische

ich den Direktor unseres

Verteidigung

nach

schickt, um die sowjetischen Unterhändler ins Bild zu setzen.

Genf geLeider ha-

ben wir keinen vergleichbaren Überblick über Ihre Forschungsarbeiten auf
diesem Gebiet erhalten, obwohl wir wissen, daß diese seit langem laufen
und recht umfangreich sind.

Es fällt mir, offen gestanden, schwer zu verstehen, warum einige Leute unsere Position mißverstehen und mißdeuten.

Die Forschungsarbeiten

für die strategische Verteidigung, die wir in den Vereinigten Staaten
durchführen, bewegen sich in genau den gleichen Bereichen, wie die Forschungsarbeiten, die in der Sowjetunion laufen.
schiede:

Es gibt nur zwei Unter-

Erstens führt die Sowjetunion in vielen dieser Bereiche schon

länger als wir solche Arbeiten durch und liegt daher in einigen davon
vorn.

Zwe tens wird unser Programm offen diskutiert, da unser politi-

sches System eine offene Debatte verlangt, bevor Entscheidungen getroffen
werden.

Diese Unterschiede in der politischen Entscheidungsfindung soll-

ten jedoch nicht zu irrigen Schlußfolgerungen verleiren.

Beide Seiten

führen ähnliche Forschungsarbeiten durch, und daran ist auch nichts auszusetzen .

Diese Tatsache macht es uns je3och schwer, zu verstehen, warum man
uns aller möglichen aggressiven Absichten beschuldigt., wenn wir nichts
anderes tun als Sie auch.

Uns erscheint es wichtig, diese Fragen frei-

mütig zu erörtern.

Kurzum:

Was wir anstreben, ist ein ausgewogenes, faires und verifi-

zierbares /abkommen - oder auch eine Reihe von Abkommen -, das uns in die
Lage versetzt, das durchzuführen, worauf wir uns im Januar in Genf geeinigt hatten:

Das Wettrüsten auf der Erde beenden und ein Wettrüsten im

Weltraum verhindern.

Die Vereinigten Staaten haben keine "gezinkten Kar-

ten" im Ärnel, und wir v/ollen die Sowjetunion bestimnt nicht in irgendeiner Weise bedrohen.

Offen gesagt, wenn die Sowjetunion eine vergleich- 24 -

�eine vergleichbare Haltung einnähme, dann könnten wir sehr rasch Fortschritte in Richtung auf ein Abkommen erzielen.

FRAGE 4:

Herr Präsident, Vertreter Ihrer Regierung behaupten, daß

die Vereinigten Staaten im Rahmen ihrer internationalen Beziehungen für
die Kräfte der Demokratie eintreten.

Wie vereinbaren sich solche Erklä-

rungen mit dem tatsächlichen Verhalten der Vereinigten Staaten?

Wenn man

ein beliebiges Beispiel aus dem Zeitgeschehen herausgreift, dann gewinnt
man eher den Eindruck, da3 immer dann, wenn ein Land von seinem Recht auf
unabhängige Entwicklung Gebrauch machen will - sei es im Nahen Osten, im
südlichen Afrika, in Mittelamerika o3er in Asien -, vor allen anderen die
Vereinigten Staaten jene unterstützen, die sich gegen die Volksmehrheit
und eine rechtmäßige Regierung stemmen.

ANTWORT:

Ihre Behauptungen über das Verhalten der Vereinigten Staa-

ten entbehren jeglicher Grundlage.

Wenn man Ihre Frag? hört, könnte man

meinen, daß die Vereinigten Staaten in einen Krieg in irgendeinem anderen
Land verwickelt seien und sich dabei in Gegensatz zu (. iner Volksmehrheit
gebracht hätten, die Selbstbestimmung wünscht.
chern, daß dies nicht der Fall ist.

Ich kann Ihnen versi-

Wie alle Amerikaner bin ich stolz

darauf, da£ nirgendwo auf der Welt auch nur ein einziger amerikanischer
Soldat im Kampfeinsatz steht. Wenn alle Länder dies von sich sagen könnten, dann Lebten wir wahrhaft in einer Welt mit weniger Spannungen und
Gefahren.

Ja, die Demokratie liegt uns sehr am Herzen.

Sie bildet die Grundla-

ge unseres politischen Systems und unserer gesamten Weltanschauung.

Im

Gegensatz r.u vielen anderen Staaten wurde unsere Nation nicht auf der
Grundlage einer bestimmten ethnischen Gruppe oder Kultur errichtet, sondern auf dar Grundlage des demokratischen Ideals.

So glauben wir zum

Beispiel, daß Regierungen nur dann rechtmäßig sein können, wenn sie vom
Volk eingesatzt sind, und daß sie dem Volk unterworfen sind, das in freien Wahlen diejenigen bestimmt, von denen es regiert wird.

Demokratie be-

deutet jedcch noch mehr als Wahlen, bei denen alle kandidieren können,
die dies wünschen.

Nach unserer Überzeugung gibt es viele Dinge, die so- 25 -

�die sogar eine ordnungsgemäß gewählte Regierung nicht tun darf.

Keine

amerikanische Regierung kann die Freiheit der Rede oder der Religion einschränken, und keine amerikanische Regierung kann den Menschen ihres Landes vorschreiben, wo sie wohnen müssen oder ob sie das Land verlassen
dürfen oder nicht. Diese und die übrigen in unserer Verfassung enthaltenen Freiheiten des einzelnen bilden das kostbarste Geschenk, das unsere
Vorfahren uns hinterlassen haben, und wir werden diese Freiheiten verteidigen, solange wir als Nation bestehen.

Das bedeutet jedoch nicht, daß wir uns für vollkommen halten.
sind wir natürlich nicht.

Das

Wir haben über 200 Jahre damit verbracht, zu

versuchen, gemäß unseren Idealen zu leben und Fehler .n unserer Gesellschaft zu beheben, und das versuchen wir immer noch.

Eies alles bedeutet

auch nicht, daß wir meinen, das Recht zu haben, unser System anderen aufzunötigen.

Das ist nicht so, denn wir glauben, daß jede Nation das Recht

haben sollte, über ihre eigene Lebensform zu bestimmen.

Wenn wir jedoch

sehen, daß andere Nationen von äußeren Mächten bedroht werden, die ihre
Freiheiten zerstören und ihnen die Herrschaft einer M.nderheit mit Waffengewalt aufzwingen wollen, dann werden wir ihnen, wo immer wir können,
helfen, sich dem zu widersetzen.

Wir würden unseren demokratischen Idea-

len nicht gerecht, wenn wir dies nicht täten.

Mit Gewalt reagieren wir nur, wenn sie das äußerste Mittel ist und
wenn wir aier

unsere Verbündeten zu Opfern von Aggression werden.

Im

Zweiten Weltkrieg beispielsweise haben wir uns energisch und in vollem
Umfang an dem erfolgreichen Kampf gegen das Hitlerreg:.me beteiligt, obwohl die Nazis nicht in unser eigenes Land eingedrungen sind.

Wir erin-

nern uns imner noch unseres Bündnisses aus Kriegszeiten und auch des Heldentums, das die Völker der Sowjetunion in jenem Kampf an den Tag gelegt
haben.

Wir erinnern uns auch, daß wir die Tatsache, daß wir eine der

Siegermächte waren, nicht dazu benutzt haben, Territorium zu vereinnahmen
oder zu versuchen, andere zu beherrschen.

Vielmehr haben wir geholfen,

die verwüsteten Länder wiederaufzubauen - und zwar gleichermaßen die Länder unserer Freunde und unserer vormaligen Feinde - und die Demokratie
dort voranzubringen, wo zuvor der Totalitarismus geherrscht hatte. Pro- 26 -

�hatte.

Profitieren wir nicht alle davon, daß Japan und die Bundesrepu-

blik Deutschland heute blühende Demokratien und starke Pfeiler einer stabilen und hijmanen Weltordnung sind?

Nun, das Hauptverdienst hieran kommt

dem deutsch?n und dem japanischen Volk zu, aber wir glauben, daß wir geholfen haben, den Gang der Dinge in diese Richtung zu lenken.

In den Gebieten, die Sie erwähnt haben, sind Trends zu verzeichnen,
von denen \\ir uns ermutigt fühlen, obwohl immer noch viele Unruhegebiete
bleiben.

V\as das südliche Afrika anbelangt, so ist Angola vom Bürger-

krieg zerrissen, abec wir haben beschlossen, keiner Seite Waffen zu liefern und aif eine friedliche Regelung zu dringen.

Was die Republik Süd-

afrika angeht, so ist das System der Apartheid allen Amerikanern ein
Greuel, aber auch hier streben wir eine friedliche Lösung an, und seit
vielen Jahrsn weigern wir uns, der Regierung Südafrikas Waffen oder Polizeiausrüstuig zu liefern.

In Lateinamerika sind beim Übergang von auto-

ritären zu demokratischen Gesellschaftssystemen

große Foitschritte er-

zielt worden, so daß es heute auf jenem Kontinent nur noch vier Staaten
gibt, die keine demokratisch gewählten Regierungen haben.

Seit 1979 ha-

ben sieben lateinamerikanische Staaten beim Übergang /on autoritären zu
demokratischen Systemen große Fortschritte gemacht. Wir sind seit Jahren
einer der nachdrücklichsten Fürsprecher der Entkolonialisierung, und wir
haben unseren Einfluß bei unseren engsten Freunden und Verbündeten geltend gemacht, um diesen Prozeß voranzutreiben.

Der nahezu abgeschlossene

Piozeß der Entkolonialisierung erfüllt uns mit Befriedigung, und wir sind
stolz auf die Rolle, die wir dabei gespielt haben.

Ich möchte betonen, daß unser Ziel darin besteht, den Demokratisierungsprozeß mit friedlichen Mitteln zu fördern. Nicht nur die amerikanische Regierung, sondern das amerikanische Volk insgesamt unterstützt diesen Prozeß mit Wort und Tat.
Die amerikanische Gesellschaft ist schon seit langer Zeit durch ihren
Geist des Freiwilligen Engagements und durch ihr Mitgefühl für die weniger Glücklichen gekennzeichnet.

Was unser eigenes Land angeht, so sind

w.r stolz auf unsere Leistungen bei der Unterstützung jener, die nicht
- 27 -

�die nicht selbst für sich sorgen können. Es ist nicht einfach die Regierung, sondern vielmehr das amerikanische Volk selbst, das durch eine
Vielzahl von freiwilligen Organisationen den in Not Befindlichen Hilfe
leistet, d.h., den Opfern von Überschwemmungen und Brandkatastrophen wie
auch den ALten, Kranken und Behinderten.

Wenn es darum geht, anderen

Völkern zu geben, dann sind die Amerikaner nicht weniger großzügig.

Ich

erinnere an die Arbeit Herbert Hcovers bei der Organisation der ameiikanischen Hilfsanstrengungen zur Ernährung der Opfer der Hungersnot in der
Sowjetunion von 1920.

Solche Anstrengungen machen wir bis. zum heutigen

Tage, seier es Lebensmittel für die Opfer der Hungersnot in Äthiopien
oder Lebensnittel für die Opfer von Erdbeben in Mexiko.

FRAGE

5:

Die

Schritte getan.

Sowjetunion

hat

einseitig

eine

Reihe

bedeutsamer

Sie hat gelobt, nicht als erste Kernwaffen einzusetzen.

Sie hat ein Moratorium für jede Art von Nukleartests ausgesprochen.

Sie

hat die Aufstellung von Mittelstreckenraketen im europäischen Teil ihres
Hoheitsgebists gestoppt und die Zahl dieser Raketen sogcir verringert.
Warum haben die Vereinigten Staaten nichts Vergleichbares getan?

ANTWORT:

Tatsächlich haben wir häufig Schritte unternommen, um Span-

nungen abzubauen und unseren guten Willen zu zeigen, aber vir haben selten eine Gegenleistung bekommen.

Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg,

als wir das einzige Land waren, das Kernwaffen besaß, haben wir vorgeschlagen, sie allesamt einer internationalen Behörde zu überantworter, so
daß keinem einzelnen Land ein derartiges Vernichtungspotential zur Verfügung stünde. Welch ein Jammer, daß diese Idee nicht akzeptiert wurde.

Wir haben unser Nuklearmonopol nicht nur nicht gegen andere genutzt,
sondern auch unsere

friedlichen Absichten bekundet, indem wir unsere

Streitkräfte mit außerordentlicher Geschwindigkeit demobilisiert haben.
Bei Kriegsende im Jahre 1945 hatten wir 12 Millionen Mann unter Waffen.
Anfang 194B hatten wir unsere Streitkräfte auf ein Zehntel dieser Zahl
verringert, d.h., auf 1,2 Millionen Mann.

Seit den sechziger Jahren ha-

ben wir unser Kernwaffenarsenal einseitig abgebaut.

Wir besitzen heute

wesentlich weniger Waffen als im Jahre 1969 und nur ein Drittel des Vernichtung spctentials von damals.
Die Vereinigten

�Die Vereinigten Staaten und die NATO-Verbündeten haben wiederholt zu
verstehen gegeben, daß sie ihre konventionellen wie auch ihre nuklearen
Waffen niemals gebrauchen werden, es sei denn, wir werden angegriffen.

Ich möchte etwas hinzufügen, was in der Sowjetunion vielleicht nicht
allgemein bekannt ist.

In Übereinstimmung mit den NATO-Partnern haben

die Vereinigten Staaten seit 1979 aus Europa weit über 1000 Nukleargefechtsköpfe abgezogen.

Wenn alle unserer diesbezüglichen Vorhaben ab-

geschlossen sind, wird sich die Gesamtzahl der abgezogenen Gefechtsköpfe
auf mehr als 2400 belaufen.

D.h., für jede Mittelstreckenrakete, die wir

aufzustelle! beabsichtigen, werden wir dann fünf andere NukLearwaffen abgezogen haben.

Dies; wird unsere NJklearstreitkräfte in Europa auf den

niedrigsten Stand seit rund 20 Jahren bringen.

Eine vergleichbare Zu-

rückhaltung seitens der Sowjetunion war bisher nicht zu verzeichnen.

Wenn die Sowjetunion heute ihre Mittelstreckenraketen in Europa verringert, sc» ist dies ein längst überfälliger Schritt.

Die Sowjetunion

hat zum gegenwärtigen Zeitpunkt 441 Raketen des Typs SS-20 in Stellung,
jede davon mit drei Gefechtsköpfen, was insgesamt 1323 Gefechtsköpfe ergibt.

Ich muß Sie nicht daran erinnern, daß diese sowjetischen Waffen-

stationierungen zu einem Zeitpunkt begannen, als die NATO in Europa 1-eine
vergleichbaren Systeme besaß. Wir versuchten zunächst, diese Systeme auf
dem Verhandlungswege

zu beseitigen, aber da kein Abkommen zu erzielen

war, ging cie NATO zu einer begrenzten Reaktion über, die nun Schritt für
Schritt abgewickelt tfird. Heute besitzt die Sowjetunion bei Gefechtr.köpfen auf bereits aufgestellten Raketen einen Vorsprung von 7:1.
Position bleibt so, wie sie schon immer war:

Unsere

Es wäre besser, all diese

Raketenarten auf dem Verhandlungswege zu beseitigen.

Aber selbst dann,

wenn unsere Hoffnungen auf ein Abkommen enttäuscht würden und die NATO
ihre eigenen Rüstungspläne in vollem Umfang durchführen müßte, würde dies
lediglich zur Aufstellung von maximal 572 Raketen mit Einzelgefechtskopf
führen.

Darüber hinaus ließ Präsident Carter im Jahre 1978 die Programme für
die Neutronenwaffe und den B-l-Bomber einstellen, ohne daß die Sowjet- 29 -

�die Sowjetunion sich zu einem entsprechenden Schritt bereit gefunden hätte.

Auf die Frage, welche RüstungsVerminderungen die Sowjetunion im Ge-

genzug vornehmen würde, erwiderte einer Ihrer Regierungsvertreter sogar:
"Wir sind keine Philanthropen."

In den Jahren 1977 und 1978 versuchten

die Vereinigten Staaten außerdem, auf dem Verhandlungswege ein Verbot der
Entwicklung

von Antisatollitenwaf fen

herbeizuführen.

Die

Sowjetunion

lehnte ein solches Verbot ab und betrieb die Entwicklung und Erprobung
einer Antisatellitenwaffe weiter.

Nachdem die Sowjetunion nun ein ein-

Sc.tzfähiges Antisatellitensystem aufgebaut hat, schlägt sie heute einen
"Küstungsstop" vor, bevor die Vereinigten Staaten ihr eigenes System erproben könren.

Diese Art von "Rüstungsstop" erscheint uns aus nahelie-

genden Gründen nicht sehr fair, und wenn die RollenverteiLung umgekehrt
wäre, würde Ihnen das auch nicht sehe fair vorkommen.

Die zwischen unseren beiden Staaten anstehenden Fragen sind derart
wichtig, dcß die Standpunkte jeder der beiden Regierungen den Menschen
beider Länder korrekt dargelegt werden sollten. Hierbei kommt den Medien
beider Ländar eine bedeutsame Rolle zu. Wir sollten nicht versuchen, gegeneinander "Punkte zu vorbuchen".

Und die Medien sollten unsere Stand-

punkte nicht verzerrt wiedergeben. Wir sind entschlossen, jeden sowjetischen Vorschlag sorgfältig zu prüfen und nach Möglichkeit Gerneinsamkeiten
zu finden.

Es ist wichtig, daß die sowjetische Regierung das gleiche im

Hinblick auf unsere Vorschläge tut.

Worauf es ankommt, ist, daß wir uns beide ernsthaft mit den Vorschlägen der Gegenseite auseinandersetzen und uns ehrlich bemühen, unsere? Gegensätze in einer Weise zu überbrücken, die den Interessen beider Länder
und denen der ganzen Welt dient.

Genau in diesem Geiste werde ich in

meine Begegnung mit Generalsekretär Gorbatschow hineingehen.

* * * * *

- 30 -

�13. November 1985

45

REAGAN NOMINIERT NEUEN US-GESUNDHEITSMINISTER

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 7. November 1985
den früheren Gouverneur des amerikanischen Bundesstaates Indiana, Otis
Bowen, zum neuen Minister für Gesundheit und Sozialdienste nominiert.
Bowen tritt die Nachfolge von Margaret Heckler an, die im vorigen Monat
zur Botschafter in der Vereinigten Staaten in Irland ernannt worden war.
Die Ernennung von Bowen bedarf noch der Bestätigung durch den amerikanischen Senat.

Otis Bowen wurde am 26. Februar 1918 in Richland Center im Staate Indiana geboren.

Er besuchte die Indiana University in Bloomington bis

1939 und legte dann an der dortigen Medizinischen Fakultät im Jahr 1942
sein Staatsexamen ab.

Als Kleinstadtarzt begann Bowen seine Karriere.

Bis zu seiner Beru-

fung nach Washington war er Professor für Familienmedizin und Direktor
des Instituts für Familienberatung an der Universität, an der er studierte.

Bowen hat in zahlreichen Veröffentlichungen zu medizinischen Fragen

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�medizinischen Fragen Stellung genommen und ist für seine Beiträge auf dem
Gebiet der öffentlichen Gesundheit mehrfach ausgezeichnet worden.

Der Politik wandte sich Bowen in den fünfziger Jahren zu und wurde
1957 als Abgeordneter in das Repräsentantenhaus von Indiana gewählt, wo
er von 1967 bis 1972 das Amt des Sitzungspräsidenten innehatte. Von 1973
bis 1981 war er Gouverneur des Staates Indiana.

Daneben war er in zahl-

reichen Kommissionen und Ausschüssen auf Bundesebene tätig, darunter im
Beirat für die Sozialversicherung, dem Präsidialausschuß für Wissenschaft
und Technologie und dem Präsidialausschuß für Föderalismus.

Bei der Nöminierung erklärte Präsident Reagan vor der Presse, er habe
Bowen ausgewählt, weil "er alle Qualifikationen im Übermaß hat."

* * * * *

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ansprache von US-Präsident Reagan an das sowjetische Volk&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Interview von Präsident Reagan mit sowjetischen Journalisten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Vollständiger Wortlaut -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan nominiert neuen US-Gesundheitsminister&amp;nbsp;</text>
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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

6 . November 1985

44

,*

INHALT

DOKUMENTATION
Abrahamson:

Echte Durchbrüche bei SDI

HINTERSRUNDMATERIAL
Sowjets verfügen über gewaltige Offensivkapazität an chemischen
Waffen
- Bericht des US-Verteidigungsministeriums -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

25 Jahre Laser
- In Forschung, Medizin und Technik heute unentbehrlich

* * * * *

Um Über/endunQ von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

6. November 1985

44

ABRAHAMSON:

ECHTE DURCHBRÜCHE BEI SDI

WASHINGTON - (AD) - Der Leiter der Organisation für die Strategische
Verteidigungsinitiative

(SDI), Generalleutnant James Abrahamson, hat am

30. Oktober 1985 vor dem amerikanischen Senat erklärt, bei dem Programm
seien "echte Durchbrüche" und Fortschritte erzielt worden, wie man sie
kaum erwartet habe.

Der General nahm vor dem Unterausschuß für strate-

gische und taktische Nuklearstreitkräfte des Militärausschusses des Senats zu dem SDI-Programm Stellung und wandte sich dabei gegen die vom
amerikanischen Kongreß vorgenommenen Kürzungen der von der Reagan-Administration beantragten Mittel für SDI, da dadurch das Programm nicht in dem
geplanten Umfang durchgeführt werden könne.

Die Ausführungen von Generalleutnant Abrahamson vor dem Unterausschuß
haben folgenden Wortlaut:

Herr Vorsitzender,

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 08-85432

�Herr Vorsitzender,

ich danke Ihnen für die Gelegenheit wieder vor Ihrem Ausschuß erscheinen und über die Strategische Verteidigungsinitiative sprechen zu
dürfen.

Ich betrachte das immer als Privileg, und ich werde gerne Ihre

sachlichen Fragen bezüglich SDI beantworten.

Seit ich das letztemal vor diesem Ausschuß erschienen bin, haben wir
einen echten Fortschritt wie auch Änderungen in dem Programm erlebt. Wegen der Kürzungen in den von uns beantragten Haushaltsmitteln mußten wir
einige sehr schwierige Entscheidungen bezüglich der Technologien treffen,
die näher untersucht werden müssen.

Wir können es uns angesichts dieser

Kürzungen einfach nicht mehr leisten, das umfassende, vollständige Forschungsprogramm durchzuführen, das vorgesehen war.

Auf der anderen Seite

haben wir aber auf einigen Gebieten wesentliche Durchbrüche erzielt, die
zu einer Neuorientierung einiger unserer Prioritäten geführt haben.

Ich

möchte kurz einige der Erfolge unseres Programms aufzählen und mich dann
näher den Zielen und Prioritäten zuwenden.

Im Laufe des letzten Jahres haben wir ein Programm erlebt, das mit
all den Myriaden von Problemen behaftet war, die mit dem Anfang verbunden
sind - verbunden mit den Anfechtungen, die einem Programm von so gewaltigem Ausmaß und raschem Wachstum innewohnen.

Manche Leute dachten, daß

ein solches Programm überhaupt nicht durchführbar sei, daß die finanziellen Anforderungen zu hoch seien; daß es einfach nicht möglich sei, Erhöhungen der angesetzten Mittel aufzufangen.

Vergleiche mit anderen Pro-

grammen nationaler Priorität machen solche Behauptungen zunichte.

Das

Wachstum von SDI in der angeforderten Höhe und gar in der derzeitig bewilligten Höhe ist sicherlich nicht größer als das Wachstum ähnlicher
Programme.

Darüber hinaus haben wir in diesem Jahr eine Rate der Anweisungen für
SDI aufrechterhalten, die höher liegt, als für andere Abteilungen des
Verteidigungsministeriums.

Rund 90 Prozent unseres Programms war bis En-

de des Haushaltsjahres bewilligt.

Das ist ein besonders bemerkenswerter

�besonders bemerkenswerter Erfolg, der dadurch unterstrichen wurde, daß
das Rechnungsprüfungsamt bei seiner Überprüfung und in seinen Feststellungen die Fähigkeit im Laufe dieses Jahres als positiv lobte.

Aber Zuweisungen von Mitteln sind natürlich nicht alles.

Die Raten

der Ausgaben standen in einem günstigen Vergleich zu den Forschungsausgaben anderer Abteilungen und Programme im Rahmen des Verteidigungsministeriums.

Für das am 30. September zu Ende gegangene Haushaltsjahr er-

reichten die Ausgaben für SDI etwa 43 Prozent.

Wir gehen davon aus, daß

die Ausgaben für ähnliche auf die Forschung ausgerichtete Tätigkeiten,
wie etwa des Amtes für Fortgeschrittene Verteidigungsforschungsprojekte
und das Strategische Forschungs- und Entwicklungsprogramm der Luftwaffe,
etwas niedriger liegen werden als für SDI.

Wir sind jedoch der Auffassung, daß unsere Leistung noch besser war,
als die Zahlen vermuten lassen. Während die Bewilligungen fällig werden,
wenn Kontrakte geschlossen oder Projekte genehmigt werden, kommen die
tatsächlichen Ausgaben manchmal erst Jahre später.

Das ergibt sich aus

möglichen Verzögerungen in der Rechnungstellung entweder der Subkontraktoren gegenüber dem Hauptkontraktor oder auch direkt gegenüber der Regierung; Verzögerungen in der Buchführung; Verzögerungen im Zahlungsprozeß und/oder Verzögerungen in der Gesamtabrechnung.

Wir sind daher der

Ansicht, daß die traditionellen Maßstäbe, die zwar wichtig sind, die
wirksame Nutzung der Mittel nicht deutlich genug erkennen lassen.

Infolgedessen suchen wir nach einem finanziellen Maßstab, der sich
näher an der Leistung orientiert.

Wir möchten das als "unkündbare Ver-

pflichtungen" bezeichnen, die danach definiert werden, wie die Kosten im
Laufe einer gegebenen Zeitspanne auftreten; d.h. Zahlungsverpflichtungen
für erhaltene Güter und Dienstleistungen, sonstige Anschaffungen und bewilligte Leistungen, ob sie bereits bezahlt sind oder nicht.

Wenn wir

diesen Maßstab an das abgelaufenen Haushaltsjahr anlegen, dann ergibt
sich ein sehr viel dynamischeres Bild.

Wir schätzen, daß fast 90 Prozent

unserer Mittel für unkündbare Verpflichtungen angelegt worden sind.

Ich

möchte unterstreichen, daß das tatsächlich eine außergewöhnliche Leistung
- 3 -

�außergewöhnliche Leistung bei einem Programm dieses Ausmaßes ist, und das
im ersten Jahr.

Ich möchte auch ganz schnell noch dazu sagen, daß der

Kredit keineswegs nur der Verwaltungsbehörde des Programms zugute kommt,
sondern, was noch wichtiger ist, Hunderten von Ämtern, Firmen und Einrichtungen, bei denen die Tausende von Amerikanern arbeiten, die sich dem
Erfolg der Initiative des Präsidenten verschrieben haben.

Ich möchte auch noch kurz auf einige wenige unserer bedeutsamen technischen Erfolge des vergangenen Jahres eingehen.

Wir haben einige echte

Durchbrüche und Fortschritte in Ausmaßen erlebt, die niemand erwartete.
So ist beispielsweise die Arbeit auf dem Gebiet der Richtenergie mit
Technologien des atmosphärischen Ausgleichs so weit fortgeschritten, daß
es so aussieht, daß es eine reale Möglichkeit für große, wirksame landgestützte Laser gibt.

Das hat ohne Frage wichtige Auswirkungen auf die

Uberlebensfähigkeit wie auf die Sterblichkeit - zwei der wichtigsten Kriterien unseres Programms, weil die Durchführbarkeit der Stationierung zu
Lande als ein Weg für defensive Optionen zunimmt.

Die Forschung auf dem Gebiet der Freien-Elektronen-Laser

ist weit

schneller fortgeschritten als angenommen, und es besteht die Möglichkeit,
Jahre gegenüber dem einzusparen, was man noch in diesem Frühjahr angenommen hat.

Darüber hinaus hat unser Versuch im vorigen Moant mit dem che-

mischen Wunderlaser - der Laser mit der höchsten Durchschnittskraft der
Welt - gegen eine aufgestellte Antriebsstufe der Titan-Rakete die tödliche Wirkung dieser Technologie vor Augen geführt.

In ähnlicher Weise hatten wir einige sehr ermutigende Ergebnisse auf
dem Gebiet der kinetischen Energie zu verzeichnen.

Diese Technologien

sind ausgereifter und bieten größere Möglichkeiten für frühere Optionen
bezüglich von Defensivsystemen.

Elektromagnetische Abschußeinrichtungen

oder "Schienenkanonen" könnten die Möglichkeit bieten, kleine Projektile
mit extrem hoher Geschwindigkeit abzuschießen - Projektile, die eine Antriebskraft oder einen Gefechtskopf suchen, treffen und durch Aufschlag
vernichten könnten.

Daß es möglich ist, in diesen Einrichtungen hohe

Mengen an Energie zur Geltung zu bringen, hat sich rascher erwiesen als

�erwiesen als erwartet.

Das bedeutet,daß man schwerere Projektile benut-

zen und/oder höhere Energie zur Anwendung bringen könnte.

Insgesamt sind

unsere Arbeiten auf dem Gebiet der Schienenkanone rascher fortgeschritten
als erwartet.

Auch das ist vor allem der Hingabe der Menschen zuzu-

schreiben, die auf diesem Gebiet arbeiten und solche Ergebnisse möglich
machen.

Ich möchte zwar sehr gener die Aufzählung unserer technischen Erfolge
fortsetzen, aber es genügt zusammenfassend zu sagen, daß sie so groß waren, daß sie zu einer Neuorientierung einer Anzahl von Punkten unseres
Programms geführt haben.

Auf der anderen Seite haben Haushaltskürzungen

große - und ich betone große - Revisionen unseres Programms verursacht.
Bei dem gegenwärtigen Stand der Bewilligungen wird das Programm ernstlich
beeinträchtigt, und es mußten wesentliche Änderungen vorgenommen werden.
Das Ergebnis war, daß man in dem Programm voreilige Auswahlen bestimmter
Schlüsseltechnologien vornehmen mußte.

Das wird die Risiken des Pro-

gramms beträchtlich erhöhen, die Durchführung des Programms erschweren,
die Fertigstellung

verzögern, und die Gesamtkosten steigern.

So wird

beispielsweise die Verringerung der Zahl der Kontraktoren in einem einzelnen Projekt den Wettbewerb mindern und das Ausmaß des Projekts verkleinern.

Diese Kürzungen haben das Programm auf einen Minimalstand ge-

bracht, der notwendig ist, um die gesamten Erfordernisse eines strategischen Verteidigungsprogramms zu prüfen.

Gegenüber diesem Rückstand möchte ich jetzt über die Ziele des Programms sprechen und die Prioritäten aufzeigen, wie sie derzeit definiert
worden sind, um die Erreichung dieser Ziele zu ermöglichen.

Die Gesamt-

ziele des SDI-Programms sind:

- Aufstellung eines umfassenden Forschungsund Entwicklungsprogramms, um
Schlüsseltechnologien für die Verteidigung gegen ballistische Raketen
zu entdecken;

- Schaffung der Grundlage für eine sachgerechte Entscheidung über die
technische Gesamtentwicklung Anfang der neunziger Jahre;
Aufrechterhaltung
- 5 -

�- Aufrechterhaltung der Option einer kurzfristigen Dislozierung einer
begrenzten ABM-Kapazität als Antwort auf ein sowjetisches Ausbrechen
aus dem AEM-Vertrag;

- Schwerpunkt nichtnuklearer Vernichtungsmechanismen;

- Schaffung eines Umfeldes für die Rüstungskontrolle, das einer wesentlichen Verringerung der offensiven Nuklearwaffen förderlich ist;

- Koordination von SDI mit anderen Verteidigungsprogrammen und Unterstützung anderer strategischer Verteidigungsaufgaben.

Um diese Ziele wirklich erreichen zu können, muß SDI den Portschritt
in relevanten Technologien ausweiten und beschleunigen.

Das Programm muß

die potentielle Wirksamkeit von möglichen Verteidigungssystemen

gegen

ballistische Raketen feststellen und bewerten, die mit Hilfe dieser Technologien hergestellt und disloziert werden könnten, und gleichzeitig im
Grundsatz zeigen, wie solche Optionen in der Praxis verwirklicht und aufrechterhalten werden könnten.

Dies alles muß unter Anlegung des sehr

strengen Maßstabs der Kosteneffektivität und der Uberlebensfähigkeit erreicht werden.

Und schließlich müssen all diese Anstrengungen in voller

Übereinstimmung mit allen anwendbaren vertraglichen Verpflichtungen der
Vereinigten Staaten erfolgen.

Um das erreichen zu können, habe ich Prioritäten für die Strategische
Verteidigungsinitiative

aufgestellt, wie die Mittel am besten genutzt

werden können.

Diese Prioritäten dienen meinen Direktorn wie auch für

die Tätigkeiten

in den Streitkräften und anderen Regierungsämtern als

Richtschnur für die Formulierung und Ausführung ihres Anteils an SDI, um
die Ziele unseres Programms zu erreichen.

Wir müssen eingehend einen Aufbau in mehreren Schichten und wichtige
Faktoren prüfen, die unsere technologischen Entscheidungen berühren, wie
Fragen der Uberlebensfähigkeit, Tödlichkeit, Gegenmaßnahmen, Rentabilität
und Strategie.

Es ist wesentlich, daß wir diese Fragen so gut wie mög-

�wie möglich durchdenken, damit wir den Kurs des Programms klar und deutlich abstecken können.

Obwohl die für diesen speziellen Teil der Arbeit

zur Verfügung stehenden Mittel relativ bescheiden sind, kann die Bedeutung der Ergebnisse nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Hier geht es

praktisch um alle Phasen von SDI.

Wir müssen in größtmöglichem Maße Technologien ausloten, die uns dabei dienlich
Start- und

sein

könnten,

Nachstartphase

feindliche

Interkontinentalraketen

anzugreifen.

Hierzu

in ihrer

gehören Waffen

auf

der

Grundlage kinetischer und Richtenergie; Sensoren für Frühwarnung, Ortung
und Verfolgung sowie für Kampfführung, Kommunikation, Kommando, Kontrolle
und Nachrichtendienste.

Entscheidend

ist das Reaktionspotential der Ver-

teidigungswaffen bei diesen Stadien des Fluges einer feindlichen Interkontinentalrakete.
finanziell

Denn natürlich ergäbe sich die größte Wirkung - auch

hinsichtlich

der

Verteidigungsausgaben

gesehen

- in

diesen

Phasen, also vor dem Einsatz der Gefechstköpfe einer Rakete und der dazugehörenden Durchdringungshilfen.

Die Auswertung der Daten sowie die Befehls- und Kontrolltechnologien
für die Verteidigung in Phasen oder Schichten müssen umfassend untersucht
werden.

Derzeit definieren wir die Erfordernisse

in diesem Bereich in

dem Maß, in dem sich die Ergebnisse aus den laufenden Untersuchungen herausschälen.
so

rasch

Wir brauchen überdies ComputerSysteme und Hilfssysteme, die

und

so

fehlerfrei

wie

möglich

arbeiten.

Wir

müssen

unsere

Kenntnisse hinsichtlich der Entwicklung umfangreichster, komplexer Software-Systeme
auf

der

durch

für Funktionen der Kampfführung vertiefen.

Basis der

Festlegung

Analyse der

der

Erfordernisse

entsprechenden

im

Netzstruktur

Dies geschieht

Kommunikationsbereich,
sowie Erarbeitung

und

Entwicklung der technologischen Erfordernisse, gefolgt von der Erstellung
einer Erprobungsanlage und Bewertung durch Simulation des Kommunikationssystems.

Es ist offensichtlich, daß diese Arbeiten für das Konzept einer

geschichteten
Bedeutung

Verteidigung

sind.

gegen

Interkontinentalraketen

von

Gleich, welche Ergebnisse unsere Forschung

zentraler
in anderen

Bereichen des Programms erbringt, sind eine verläßliche und unverwüstliche Datenverarbeitung

sowie Befehls- und Kontrollkapazitäten eine Vor-

bedingung.
Neben dem

�Neben dem Bereich der Start- und Nachstart-Phase ist die gründliche
Untersuchung potentieller Möglichkeiten auch in anderen Bereichen notwendig.

Forschung ist auch bei jenen Technologien von entscheidender Bedeu-

tung, die der Verteidigung während der Anflug- und Endphasen dienen.
Hierzu gehören die Alternativen einer kinetischen und Richtenergie, sowie
Forschung im Bereich der Erkennungs- und Verfolgungssensoren.

Wir alle

sind uns der Möglichkeiten einer geschichteten Verteidigung sowie des
Vorteils bewußt, die sich für den Verteidiger durch das Konzept der Vielschichtung ergibt.

Um diesen Vorteil voll auszuschöpfen, müssen wir den

künftigen Führungen unseres Landes die größtmögliche Bandbreite der Verteidigungsoptionen im Verlauf aller Stationen des Fluges einer ballistischen Rakete zur Verfügung stellen.

Der Erfolg von fast allen SDI-Elementen hängt von erheblichen Fortschritten bei den Sekundär technologien ab, die sich mit Raumtriebwerken,
Triebwerkskonditionierung, Billigkomponenten, Raumtransport und Logistik
befassen.

Wir benötigen einen raschen Fortschritt bei diesen Sekundär-

technologien und innovativen neuen Konzepten, damit verläßliche Alternativen, die im Rahmen des Programms entwickelt werden, auch tatsächlich
verwirklicht werden können.

So könnten etwa für einige der möglichen De-

fensivsysteme Energien im Raum nötig werden, wie es sie bislang noch
nicht gab.

Deshalb muß im gesamten Programm sehr genau geprüft werden,

was wir uns jeweils leisten können - etwa das Gewicht der Massen, die wir
in Erdumlaufbahn bringen.

Im Weltraum erhalten Verläßlichkeit, Verfüg-

barkeit und Haltbarkeit offensichtlich eine neue Bedeutung.

Alle Aspekte

der Logistik und der Sekundärtechnologien erfordern von Anfang an die
größte Sorgfalt, und ich habe die Verantwortlichen angewiesen, sich dieser Tatsache bei ihrer Arbeit immer wieder bewußt zu sein.

Des weiteren müssen wir beschleunigt die Anwendungsmöglichkeiten auch
bei der Drohung im Bereich der Kurzstreckenraketen untersuchen.

Unsere

Sicherheit ist unlöslich mit der unserer Verbündeten verknüpft. Wir werden uns nicht nur auf die Erforschung jener Möglichkeiten beschränken,
die gegen Interkontinentalraketen oder seegestützte ballistische Raketen
Erfolg versprechen.

Wir werden ebenso sorgfältig die Technologien prü- 8 -

�Technologien prüfen, die ein Potential gegen ballistische Raketen kürzerer Reichweite haben.

Dies stellt sicher keine erschöpfende Liste der Aktivitäten im Rahmen
der Strategischen Verteidigungsinitiative dar.
Elementen, die nicht erwähnt wurden.

Es gibt eine Vielzahl von

Damit soll in keinster Weise ihre

Wichtigkeit bzw. Bedeutung für das Programm vermindert werden.

Was ich

stattdessen versucht habe, war eine kurze Übersicht jener Elemente von
SDI, denen ich Priorität eingeräumt habe.

Dies sind die Bereiche, denen

wir angesichts begrenzter Mittel mehr Gewicht beim Erreichen der übergeordneten Zielsetzungen beimessen.

In diesem Zusammenhang möchte ich zumindest noch kurz auf das Wirkungspotential und die zivilen Nutzungsmöglichkeiten der SDI-Forschung
eingehen.

Wir glauben, daß sich hier in allen Bereichen des Programms

erhebliche Möglichkeiten auftun. Mir ist selbst sehr viel daran gelegen,
diese große Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen zu lassen, aus den
Forschungsergebnissen von SDI Nutzen zu ziehen und sie in allen unseren
Wirtschafts- und Gesellschaftsbereichen anzuwenden.
be ich innerhalb der SDI-Organisation

ein

Aus diesem Grund ha-

"Office of Educational and

Civil Applications" - ein Referat für Anwendungen auf dem Bildungs- und
Zivilsektor - eingerichtet.

Dessen Direktor wird unter anderem dafür zu-

ständig sein, die zivile Nutzung SDI-bezogener Technologien zu erarbeiten
und zu fördern, soweit dies mit Sicherheitsüberlegungen zu vereinbaren
ist,

und

er

soll

behilflich

sein,

wenn

es

darum

geht,

Anwendungsmöglichkeiten und Techniken zu bestimmen, die für unser Land
von wirtschaftlichem Nutzen sind.

Ich kann meine Verpflichtung zu diesem entscheidend wichtigen Programm und meine Überzeugung nicht deutlich genug ausdrücken, daß es für
unsere Nation von höchster Bedeutung ist.

Verteidigungsminister Wein-

berger hat SDI nicht umsonst die höchste Priorität im Verteidigungsministerium eingeräumt.
das Weiße Haus

Abschließend gibt es mehrere triftige Punkte, wie

festgestellt hat, die diese Bedeutung unterstreichen,

Richtung und Umfang des Programms aufzeigen und wert sind, hier wiederholt zu werden:
- Das Ziel
- 9 -

�- Das Ziel von SDI ist nicht die Erreichung einer Überlegenheit, sondern die Aufrechterhaltung des strategischen Gleichgewichts und damit
die Gewährleistung einer stabilen Abschreckung.

- Die Forschung wird einige Jahre dauern.

Wir haben die Absicht, uns

strikt an die Begrenzungen des ABM-Vertrags zu halten und werden darauf bestehen, daß die Sowjets das ebenfalls tun.

- Wir haben keine vorgefaßten Meinungen bezüglich der Verteidigungsoptionen, die die Forschung zutage bringen könnte.

Wir werden mit der

Entwicklung und Dislozierung nicht beginnen, ehe nicht die Forschung
erkennen läßt, daß die Verteidigung strengen Kriterien entspricht.

- Innerhalb des SDI-Forschungsprogramms werden wir Verteidigungssysteme
nur dann als wünschenswert betrachten, wenn sie bis zum äußersten
überlebensfähig und kosteneffektiv sind.

- Es ist noch zu früh in unserem Forschungsprogramm, um sich Gedanken
über die Art der Verteidigungssysteme - ob landgestützt oder weltraumgestützt - zu machen und darüber, mit welchen Fähigkeiten sie
ausgestattet sein werden - welche sich als möglich erweisen werden
und welche zu entwickeln und zu dislozieren wünschenswert wäre.

- Der Zweck der Verteidigungsoptionen, die wir suchen, liegt auf der
Hand:

Wir wollen Mittel und Wege finden, um angreifende Raketen zu

vernichten, ehe sie eines ihrer potentiellen Ziele erreichen können.
- Die Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten bleibt
unteilbar.

Das SDI-Programm soll die Sicherheit unserer Verbündeten

ebenso stärken wie die Sicherheit der vereinigten Staaten.

Wir wer-

den weiterhin mit unseren Verbündeten eng zusammenarbeiten, um sicherzustellen, daß bei den Fortschritten unserer Forschung die Auffassungen unserer Verbündeten sorgfältig beachtet werden.

- Wenn die
- 10

�- Wenn die Forschung unsere Kriterien erfüllt und wenn wir abschließende Konsultationen mit unseren Verbündeten geführt haben, haben wir
die Absicht, uns in angemessener Weise entsprechend den Bestimmungen
des ABM-Vertrages - die solche Konsultationen vorsehen - mit den Sowjets zu konsultieren und mit ihnen darüber zu verhandeln, wie die
Abschreckung dadurch verbessert werden könnte, daß beide Seiten sich
stärker auf neue Verteidigungssysteme stützen.

Diese Zusage darf je-

doch in keiner Weise so interpretiert werden, daß wir den Sowjets ein
Veto-Recht bezüglich möglicher künftiger Verteidigungsdislozierungen
einräumen würden.

Wir haben im übrigen bereits versucht, Gespräche

über das Verhältnis zwischen offensiven und defensiven Waffen und
Stabilität bei den Genfer Verhandlungen zu führen, um die Grundlage
für solche möglichen künftigen Konsultationen zu legen.

- Wir haben die Absicht und die Hoffnung, daß für den Fall, daß sich
neue Verteidigungstechnologien als machbar erweisen sollten, wir - in
enger und ständiger Konsultation mit unseren Verbündeten - zusammen
mit den Sowjets gemeinsam einen Übergang zu einem mehr auf Verteidigung gestützten Gleichgewicht bewerkstelligen können.

- SDI stellt keine Abkehr von unserer Verpflichtung dar, vor einem
Krieg abzuschrecken und die Stabilität zu fördern.

Wir würden einen

potentiellen Aggressor abschrecken, indem wir deutlich machen, daß
wir ihm die Gewinne verwehren könnten, die er sonst möglicherweise zu
erzielen hoffen könnte, statt ihm lediglich mit Verlusten zu drohen,
die groß genug wären, daß sie diese Gewinne überwiegen würden.

- Für die absehbare Zukunft werden offensive Nuklearstreitkräfte und
die Androhung von nuklearer Vergeltung die wesentlichen Elemente der
Abschreckung bleiben.

Aus diesem Grunde müssen wir moderne, flexible und glaubwürdige strategische Nuklearstreitkräfte aufrechterhalten.

- Unser letztliches
- 11 -

�Unser letztliches Ziel ist die völlige Abschaffung aller Nuklearwaffen.

Dies

ist notwendigerweise

ein sehr langfristiges

Ziel, das

- während wir unsere SDI-Forschung verfolgen - ebenso energische Anstrengungen erfordert, die Drohung zu beseitigen, die das Ungleichgewicht der konventionellen Streitkräfte darstellt, indem wir die konventioenllen Streitkräfte verbessern und gleichzeitig über Rüstungsverminderungen und Vertrauensbildende Maßnahmen verhandeln.

Ich danke Ihnen.

* * * * *

- 12 -

�6. November 1985

44

SOWJETS VERFÜGEN ÜBER GEWALTIGE OFFENSIVKAPAZITÄT AN CHEMISCHEN
WAFFEN

- Bericht des US-Verteidigungsministeriums -

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Verteidigungsministerium hat am
28. Oktober 1985 einen umfassenden Bericht veröffentlicht, aus dem hervorgeht, daß die Sowjetunion über eine gewaltige Kapazität verfügt, um
eine Offensive mit chemischen Waffen zu führen.
Aufklärungsabteilung des Ministeriums -

Der Bericht, der von der

der Defense Intelligence Agency

- zusammengestellt wurde, basiert auf einem Bericht vom Oktober 1983, der
jetzt auf den neuesten Stand gebracht wurde.

Vor der Presse teilte der Stellvertretende Unterstaatssekretär für
chemische Angelegenheiten im Verteidigungsministerium, Thomas Welch, mit,
daß das derzeitige Arsenal der Vereinigten Staaten an chemischen Waffen,
das zum großen Teil noch aus dem Zweiten Weltkrieg stamme, militärisch
fast nutzlos sei und vernichtet werden müsse.

Solange es jedoch kein

weltweites Verbot von chemischen Waffen gebe, müßten die Vereinigten
Staaten angesichts der gewaltigen sowjetischen Vorräte - vor allem entlang den Grenzen der NATO-Länder -

neue, sogenannte binäre Waffen be-

schaffen, deren Lagerung in den jeweils ungiftigen Komponenten ungefähr-

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Komponenten ungefährflich sei.

Erst bei einem etwaigen Einsatz würden

die Komponenten zusammengeführt.
Der Bericht des amerikanischen Verteidigungsministeriums hat folgenden Wortlaut:

DIE BERDROHUIÜ DURCH CHEMISCHE WAFFEN DER SOWJETS

Dies ist eine auf den neuesten Stand gebrachte Version eines Dokuments, das das Verteidigungsministerium
hat.

im Oktober 1983 veröffentlicht

Sie bringt unsere ständigen Anstrengungen zum Ausdruck, Anfragen

von Mitgliedern
Streitkräfte

des Kongresses, der

nach

Presse

nicht als Verschlußsache

und

von Angehörigen der

eingestuften

Informationen

über die Kapazität der Sowjetunion für die chemische Kriegführung zu beantworten.

Es steht außer Frage, daß die Sowjets seit langem eine Politik und
eine Doktrin verfolgen, die von der militärischen Nützlichkeit der chemischen Waffen in der Kriegführung ausgeht.
dort auch heute noch vor.

Diese Auffassung herrscht

Die Sowjets bedienen sich der einschläigen

Technologie für neue oder verbesserte chemische Waffen für die Kriegführung, mit der offensichtlichen Absicht, ihren Vorteil gegenüber dem Westen auszuweiten.

Hinsichtlich der weltweiten Entwicklung im Zusammenhang mit chemischer Kriegeführung stellen wir fest, daß in den letzten 20 Jahren Länder
außerhalb des Bereichs der NATO und des Warschauer Paktes ein starkes Interesse gezeigt haben, eine Kapazität für chemische Kriegführung zu erwerben.

Angesichts dieses Trends haben wir eine kurze Erörterung des

Einsatzes und der Weiterverbreitung chemischer Waffen aufgenommen.

gez.

James A. Williams
Generalleutnant
Direktor
WESENTLICHE

BEURTEILUNGEN

�WESENTLICHE BEURTEILUNGEN

- Obwohl die Sowjets behaupten, es ginge ihnen nur um die Verteidigung
gegen chemische Waffen, so zeigen doch Art und Umfang ihrer Tätigkeiten eine erschreckende Kapazität, offensive Operationen mit chemischen Waffen durchzuführen.

Die sowjetische Politik und Doktrin för-

dern die Notwendigkeit für diese Art von Waffen und ihren Wert in der
Kriegführung.

- Die Sowjes haben in jüngerer Zeit chemische Kampfstoffe und Toxine in
Afghanistan eingesetzt und haben solche an Stellvertreterstreitkräfte
für den Einsatz in Laos und Kambodscha geliefert, was die sowjetische
Bereitschaft zeigt, die chemische und toxische Waffen für die Kriegführung zu nutzen.

- Die Sowjets verfügen über einen weiten Bereich chemischer Kampfstoffe
und damit verbundener Träger- und Verbreitungssysteme.

Die Berech-

nungen für den offensiven Einsatz chemischer Waffen sind angestellt
worden.

- Forschung, Entwicklung und Erprobung gehen weiter.

- Die Sowjets können sehr große Mengen an chemischen Kampfstoffen herstellen.
- Die Depots in der UdSSR haben seit Ende der sechziger Jahre einen wesentlichen Ausbau der Lagerkapazität erfahren.

- Wir sind überzeugt, daß chemische Waffen zusammen mit konventionellen
Waffen in vorgeschobenen Gebieten gegenüber der NATO lagern.

- Eine große Zahl militärischer Spezialisten und militärischer Geräte
verleihen den Sowjets eine von andern unerreichte Fähigkeit, auf einem verseuchten Schlachtfeld zu überleben und zu operieren.

Alle so-

wjetischen Streitkräfte - zu Lande, zu Wasser und in der Luft - erhalten eine eingehende Ausbildung im Schutz vor chemischen Waffen.
- Alle Streitkräfte,

�- Alle Streitkräfte, die gegen sowjetische Streitkräfte kämpfen müßten,
würden ein erhebliches Risiko eingehen, daß die Sowjets chemische
Waffen einsetzen würden.

DIE GESCHICHTE

Die Aktivitäten der Sowjetunion auf dem Gebiet chemischer Waffen können bis zum Ersten Weltkrieg verfolgt werden. Von all den kriegführenden
Parteien in diesem Krieg waren die Russen wahrscheinlich am wenigsten auf
eine chemische Kriegführung vorbereitet.

Die Deutschen benutzten chemische Waffen erstmalig gegen die Russen
im Januar 1915, drei Monate, bevor diese Waffen zum erstenmal an der
Westfront eingesetzt wurden.

Die russische Industrie besaß nicht die Fä-

higkeit, wesentliche Mengen an Kampfstoffen zu produzieren, die Einsatzmittel waren primitiv

und die Ausbildung der

russischen Soldaten in

Schutzmaßnahmen gegen chemische Waffen war minimal.

Folglich erlitten

die Russen höhere Verluste und Todesopfer als irgend ein anderes Volk.
Von den schätzungsweise 500 000 Verlusten durch chemische Waffen bei den
Russen waren über 50 000 Todesfälle.

Wegen der hohen Verluste im Ersten Weltkrieg begann die sowjetische
Führung die Bedeutung der chemischen Kriegführung hervorzuheben.

Während

der zwanziger und dreißiger Jahre wurde die sowjetische Industrie modernisiert, es wurden Fabriken für die Herstellung chemischer Kampfstoffe
gebaut und Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet chemischer Waffen betrieben.

Es wurde eine Organisation für die chemische Kriegführung und

entsprechende Ausbildungsstätten aufgebaut, und bei allen Streitkräften
wurde Wert auf die Vorbereitung auf chemische Kriegführung gelegt.

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges besaßen die Sowjets eine umfangreiche organisatorische Grundlage für die chemische Kriegführung und verfügten über beträchtliche Vorräte an chemischen Waffen.

Zu Ende des

Zweiten Weltkrieges eroberten die Sowjets zwei deutsche Fabrikationsstät- 4 -

�deutsche Fabrikationsstätten

für Nervengas, sowie Lager an chemischen

Kampfstoffen, und verbrachten alles in die Sowjetunion.

In den fünfziger Jahren entwickelten chemische Institute in der Sowjetunion andere Nervengas-Kampfstoffe für die Verwendung als chemische
Waffen.

Seit dem Zweiten Weltkrieg ist das sowjetische Programm für die

chemische Kriegführung unablässig fortgesetzt worden.

Historische Aspekte
- Rußland hatte im Ersten Weltkrieg Verluste durch chemische Kriegführung von fast einer halben Million Mann.

- Die ersten Ausbildungsstätten

für chemische Kriegführung wurden in

den zwanziger Jahren geschaffen.

- Ende des Zweiten Weltkrieges eroberten die Sowjets zwei Fabriken für
die Herstellung von Nervengas und verbrachten sie in die Sowjetunion.

CHEMISCHE KAMPFSTOFFE

Die sowjetische Forschungs- und Entwicklungstätigkeit, gewöhnlich unter Leitung von Chemikern der Streitkräfte, ist weiterhin auf die Entdekkung neuer chemischer Kampfstoffe und Kombinationen ausgerichtet, einschließlich von Methoden, die Schutzmasken, Schutzanzüge und Filtersysteme potentieller Gegner auszuschalten.

Die Sowjets haben eine Reihe chemischer Kampfstoffe, Toxine und Kombinationen in Afghanistan eingesetzt, und ihre Stellvertreterstreitkräfte
haben das in Südostasien -

Laos und Kambodscha - getan.

Eine Gruppe von

Kampfstoffen ist im Laboratorium eindeutig identifiziert worden:
sche Substanzen - als Mykotoxine bekannt.

toxi-

Andere Kampfstoffe sind noch

nicht identifiziert worden.
Sowjetische chemische

�Sowjetische chemische Kampfstoffe

Tödliche Kampfstoffe

Nervenkampfstoffe - einschließlich Sarin, Soman und ein Kampfstoff
der V-Serie.

Hautkampfstoffe - einschließlich Senfgas, Lewisit und eine Mischung
aus beiden

Blutkampfstoffe - Hydrogenzyanid

Erstickungskampfstoffe - Phosgene

Kampfstoffe, die kampfunfähig machen

Ein nicht näher identifizierter Kampfstoff, der Bewußtlosigkeit für
eine Stunde und länger verursacht, ist nach Berichten in Afghanistan verbreitet eingesetzt worden.

Toxine

Die Forschung und Entwicklung einer Vielfalt von Toxinen hält an.

Anmerkungen
- 1. Der Schutz vor allen den oben genannten Kampfstoffen erfordert
Schutzkleidung und/oder Schutzmasken sowie eine rasche Behandlung der
Betroffenen.
- 2. Es gibt anhaltende und nicht anhaltende Kampfstoffe.

Nichtanhal-

tende Kampfstoffe werden nach dem Einsatz relativ rasch abziehen,
während anhaltende Kampfstoffe je nach Wetterverhältnissen stundenlang im Zielgebiet verbleiben, wenn sie nicht von Entgiftungstrupps
beseitigt werden.
3. Wir sind der

�- 3. Wir sind der Überzeugung, daß die Sowjets binäre Systeme für chemische Kampfstoffe untersuchen, weil eine erhebliche Verbesserung der
Sicherheit im Umgang und der Lagerung solcher Stoffe für diese Art
von Systemen typisch ist.

- 4. Diese Liste von Kampfstoffen verleiht den Sowjets die Fähigkeit,
diese Kampfstoffe zu jeder Jahreszeit gegen einen Gegner einzusetzen.

- 5. Produktion und Besitz toxischer Waffen sind durch die Konvention
über das Verbot biologischer und toxischer Waffen von 1972 verboten.

Träger- und Einsatzsysteme

Fast alle konventionellen Waffensysteme der Sowjets von Mörsern

bis

zu weitreichenden taktischen Raketen sind für chemische Munition oder Gefechtsköpfe nutzbar und stehen den Land-, Luft- und Seestreitkräften zur
Verfügung.

Die Sowjets haben die Werte für das Abfeuern chemischer Waf-

fen entwickelt.

Das schließt die Arten und Mengen von Waffen ein, die

notwendig sind, um verschiedene Ziele unter einer Vielfalt von Wetterund Kampfbedingungen anzugreifen.

Sie untersuchen und testen weiterhin

Systeme mit verbesserter Verteilung, größeren Abschußgewichten, größerer
Reichweite und größerer Treffsicherheit.

Dies bietet ihnen eine größere

Flexibilität in Auswahl der Ziele und eine größere Reichweite des Einsatzes.

Sie haben zwei Arten von chemischen Waffen für ihre taktischen Ra-

keten entwickelt - Kompaktmunition und Kleinmunition, die über dem Ziel
abgeregnet werden kann.

SOWJETISCHE TRÄGER- UND EINSATZSYSTEME
- Raketen
- Artillerie
- Minen
- Mehrfachraketenwerfer auf der Schiene und auf LKW

�auf LKW
- Jagdbomber und Kampfhubschrauber mit Bomben, Raketen und
Sprüheinr ichtungen

DIE ZIELE FÜR CHEMISCHE WAFFEN DER SOWJETS

Die Sowjets haben die Doktrinen und die Pläne für den Einsatz chemischer Waffen entwickelt, einschließlich der Zielplanung, und sowjetische
Taktiker haben die notwendigen Verfahren standardisiert.

Wenn ein sowje-

tischer Befehlshaber zu dem Schluß gelangt, eine bestimmte Gefechtslage
sei für den Einsatz chemischer Waffen geeignet, kann er Schläge gegen einige oder alle vorgesehenen Ziele führen - nachdem die höchste sowjetische Befehlsebene die Zustimmung zu dem Einsatz chemischer Waffen gegeben
hat.

Er kann unter anhaltenden oder nicht anhaltenden Kampfstoffen wie

auch unter einer Vielfalt von TrägerSystemen auswählen.

Er wird genau

wissen, welches Ausmaß der Verseuchung er dem Ziel zumuten kann.

Wenn

seine eigenen Streitkräfte verseuchte Gebiete durchqueren müßten, wird er
besonders ausgebildete Einheiten zur Verfügung haben, die für Beratung,
Aufklärung und Entseuchung ausgebildet sind.

Der Umfang und die Vielfalt

des sowjetischen Arsenals an chemischen Waffen bietet dem Befehlshaber
die Mittel, einen ganzen Bereich von Zielen anzugreifen und zu verseuchen.

Bei einem Einsatz sowjetischer Boden-Boden-Raketen würden mindestens
50 Prozent der betroffenen Soldaten ausfallen.

Der Einsatz eines anhal-

tenden Kampfstoffes, wie etwa eines V-KampfStoffes, würde es außerordentlich erschweren, von einem verseuchten Flugplatz aus Kampfeinsätze zu
fliegen, solange der Platz nicht entseucht ist.

Neben den Boden-Boden-

Raketen spielen die Jagdbomber eine wichtige Rolle für den Einsatz von
chemischen Waffen.

Ein Flugzeug vom Typ FLCGGER, das von einem Flufplatz

in der DDR aus operiert, hat einen Einsatzradius, der fast ganz Westeuropa erfaßt.

- Nukleare Trägerwaffen
- 8 -

�- Nukleare Trägerwaffen
- Flugplätze
- Marinestützpunkte und Hafenanlagen
- Befehls- und Leitstellen
- Depots
- Versorgungsrouten
- Truppenkonzentrationen
- Artillerie und Panzer
- Amphibische und Hübschrauber-Landetruppen

DIE SOWJETISCHEN AKTIVITÄTEN IM BEREICH DER ERPROBUNG, HERSTELLUNG UND
LAGERUNG CHEMISCHER WAFFEN

Seit Ende der sechziger Jahre erproben, produzieren und lagern die
Sowjets chemische Waffen.

Was wir in den letzten fünfzehn Jahren beob-

achtet haben, ist nicht das, was wir von einer Nation erwarten, die den
Status quo aufrechterhält.

Erprobung chemischer Waffen durch die Sowjets

Die Testanlage für chemische Kriegführung bei Shikhany ist eine der
größten dieser Art in der Sowjetunion.

Sie wurde Mitte der zwanziger

Jahre angelegt, und eine Reihe von Tests für chemische Waffen wurde Ende
der zwanziger und dreißiger Jahre durchgeführt.

Nachrichtendienstliche

Fotoaufnahmen aus dem Zweiten Weltkrieg bestätigten, daß Shikhany eine
aktive Anlage für die Erprobung chemischer Waffen war.

Seit jener Zeit

ist sie erheblich vergrößert und modernisiert worden und ist auch heute
noch eine stark benutzte Testanlage für chemische Waffen.

Seit Ende der siebziger Jahre haben die Sowjets noch mehrere neue
Testanlagen für chemische Waffen bei Shikhany begonnen und der Bau wird
fortgeführt.

Die Testeinrichtungen, die zur Feststellung der Wirksamkeit

der chemischen Waffen verwendet werden, sind gitterförmig ausgelegt, die
- 9 -

�ausgelegt, die Gitter haben Ring- oder Rechteckform haben.

Diese ver-

schiedenen Gitter messen die Konzentration des Kampfstoffs und die Art
und Weise seiner Verteilung.

Anlage, Form und Umfang dieser Gitter hän-

gen von der Art der Waffe (Bombe, Artillerie, Rakete etc.) und vom Typ
des erprobten Kampfstoffs ab.

Eines der neuen Gitter hat ringförmige Gestalt.

Es wird benützt, um

die Wirksamkeit einer Munition bei der Verteilung der Konzentrationen eines chemischen Kampfstoffes zu untersuchen.

Die rechteckige Gitterstruktur ist ebenfalls ein Beispiel für die Erprobung von chemischen Waffen bei Shikhany.

Die Aufschlagkrater wurden

durch die Explosion chemischer Waffen hervorgerufen.

Die Proben werden

im Fallwind zur Zündung gebracht, um die Konzentration des freiwerdenden
Kampfstoffs zu messen.

Alle Tests dieser Art werden bei vorher festge-

legten Wind- und Temperaturbedingungen durchgeführt und noch immer fortgesetzt.

Auf dem Testgelä'nde von Shikhany befinden sich auch die Anlagen

für Forschung, Entwicklung und Produktion.

Die Herstellung von chemischen Kampfstoffen

Ende des Zweiten Weltkriegs erbeuteten die Sowjets von den Deutschen
große Mengen chemischer Kampfstoffe, desgleichen die Technologie und die
Anlagen, um die Nervengase Tabun und Sarin herzustellen; außerdem die
deutschen Pläne zur Herstellung von Sorten. Zwei deutsche Anlagen für die
Herstellung von Nervengas wurden abgebaut und in die Sowjetunion verbracht, wo sie wieder errichtet wurden.

Die Sowjets haben, gegründet auf

diese frühen Modelle, andere Produktionsanlagen entwickelt und an verschiedenen Orten innerhalb der Sowjetunion Anlagen zur Herstellung von
Kampfstoffen errichtet.

Angesichts der hohen Priorität, die der Möglichkeit der Herstellung
chemischer Kampfstoffe in der Sowjetunion beigemessen wird, hat die umfangreiche moderne chemische Industrie des Landes die Möglichkeit, chemi- 10 -

�Möglichkeit, chemische Kampfstoffe in einem Umfang herzustellen, der zur
Deckung der militärischen Bedürfnisse ausreicht.

Seit Ende der zwanziger

Jahre hat die Industrie ein Programm zur Herstellung dieser Kampfstoffe
und ist heute in der Lage, eine ganze Reihe chemischer Kampfstoffe - wie
Hautreizungen und Erstickungsanfälle hervorrufende Gase sowie Blut- und
Nervengase - zu liefern.

Es gibt in der Sowjetunion Forschungsinstitute, die dabei sind, die
theoretischen Grundlagen für die Herstellung von chemischen Kampfstoffen
von noch stärkerer Töflichkeit zu erarbeiten und die Anlagen und Einrichtungen zu entwerfen, die für deren Herstellung notwendig sind.

Die sowjetischen Depots für chemische Waffen

Die

während

der

letzten

fünf

Jahrzehnte

produzierten

chemischen

Kampfstoffe werden in einem Netz militärischer Depots gelagert, das die
Sowjetunion überzieht.

Diese Depots enthalten Kampfstoffe in Container-

reihen, chemische Kampfmunition, Gasmasken, Schutzanzüge, Dekontaminationslösungen

und -fahrzeuge.

Diese Depots unterstützen

die chemischen

Kampftruppen und unterstehen dem Hauptquartier der chemischen Kampftruppen der Sowjetunion beim Verteidigungsministerium.

Die großen sowjetischen Depots für chemische Kriegführung sind hochgesicherte militärische Anlagen.

Viele Depots haben ein Schienennetz,

das eine rasche Mobilisierung der chemischen Kampfstoffe ermöglicht.

Seit Ende der sechziger hat der Umfang an Kampfstoffen, Waffen und
Material, die in diesen Depots eingelagert sind, erheblich zugenommen
- und dies geht so weiter.

DIE

- 11 -

ORGANISATION

�DIE ORGANISATION DER CHEMISCHEN KRIEGFÜHRUNG DER SOWJETUNION

Zu den laufenden Aktivitäten im Bereich chemischer Waffen gehört eine
große, gutausgebildete Organisation für chemische Kriegführung, die vom
Hauptquartier der Truppen für die chemische Kriegführung
gungsministerium geleitet wird.

im Verteidi-

Dieser Organisation steht ein Drei-Ster-

ne-General vor und sie besteht aus mehr als 45 000 Offizieren und Mannschaftsdienstgraden allein bei den Landstreitkräften.
eine Verdopplung möglich.

Im Krisenfall ist

Zu den wichtigsten Aufgaben gehören:

- technische Beratung der Frontkommandeure hinsichtlich chemischer Waffen und der Folgen ihres Einsatzes;

- Forschungs- und Entwicklungsprogramme für Waffen und Schutzmaßnahmen;

- Herstellung und Lagerung chemischer Waffen sowie Erprobung und Bewertung von Schutzmaterialien;

- Ausbildung aller Streitkräfte hinsichtlich des Einsatzes chemischer
Waffen sowie des Überlebens auf einem verseuchten Gefechtsfeld;
- Entseuchung und Aufklärung;
- Leitung der Hochschulen für chemische Kriegführung.

Zu dieser Spezialistentruppe gehören etwa 30 000 Spezialfahrzeuge für
Dekontamination

und

Aufklärung; zudem wurden mehr

als

200 Lehr- und

Übungsgebiete erarbeitet, um alle Teilstreitkräfte darüber zu unterrichten, wie sie sich im Kampf schützen und nach einem Kampf, bei dem chemische Waffen eingesetzt wurden, wieder entseuchen können.

Bei dieser Aus-

bildung werden echte chemische Kampfstoffe eingesetzt.

Außerdem haben

die Sowjets Schutzfiltersysteme in vielen Kampf- und Kampfunterstützungsfahrzeugen und -schiffen installiert.

Noch

- 12 -

immer

�Noch immer werden neue chemische Kampfstoffe und Waffensysteme, Gegenmittel gegen Vergiftungserscheinungen, neue Schutzanzüge und Gasmasken, Dekontaminationslösungen und neue Fahrzeuge mit FilterSystemen entwickelt, erprobt und ausgewertet.

Ein besonderes Problem von Schutzausrüstungen - auch bei sowjetischen
Modellen - stellt das Gewicht bei längerem Tragen, insbesondere bei höheren Temperaturen, dar.

Die Ausrüstung ist unförmig und unbequem.

Wird

sie bei heißem Wetter über längere Zeit hinweg getragen, erschöpft der
Soldat relativ rasch und seine Kampftüchtigkeit läßt nach.
Fällen kommt es dabei zu Hitzschlag.

In manchen

Demzufolge haben die Sowjets Normen

für die gewünschte Maximaldauer erarbeitet, während der Schutzanzüge bei
den verschiedenen Temperaturen getragen werden können.

Das sowjetische Konzept, einen begonnenen Angriff auch in Schwung zu
halten, setzt die Fähigkeit voraus, Kampfpanzer so rasch wie möglich zu
entseuchen und sie wieder in den Kampf zu schicken.

Dieser Erfordernis

dient ein Düsenaggregat zur Dekontamination, das TMS-65.

Es besteht aus

den Düsen eines Flugzeugmotors, die auf das Chassis eines URAL-375-Lastwagens montiert sind und Entseuchungs-Lösung versprüht.

Die heißen Aus-

puffgase der Düse werden dabei auf die verseuchten Fahrzeuge gerichtet.
Dabei kann abwechselnd Wasser oder eine Entseuchungslösung beigemischt
werden.

Die TMS-65 wird

normalerweise paarweise eingesetzt, je eine

steht auf jeder Straßenseite.

So kann ein durchfahrendes Fahrzeug in we-

niger als einer Minute dekontaminiert werden.
Zweck noch die ARS-14

Daneben gibt es für diesen

(Ausrüstungs- und Bodendekontamination); AGV/DDA

(Mannschafts- und Bekleidungsdekontamination)• sowie die DK zur Teildekontamination von Kampfgruppen.

VERBREITUNG UND VERWENDUNGSMÖGLICHKEITEN

Die Sowjetunion stellt hinsichtlich chemischer Waffen die Hauptbedrohung der Vereinigten Staaten dar.

Dennoch:

Chemische Waffen gelangen

auch in Staaten außerhalb von NATO und Warschauer Pakt.
- 13 -

Die amerikani-

�die amerikanischen Streitkräfte könnten sich auch in einer ganzen Reihe
anderer Länder dem Problem chemischer Waffen ausgesetzt sehen.

Chemische Waffen wurden während des ägyptisch-jemenitischen Krieges
in den sechziger Jahren eingesetzt sowie in Südostasien und Afghanistan
seit Mitte der siebziger Jahre - und des weiteren Anfang der achtziger
Jahre.

Beim äthiopisch-eritreischen Konflikt sowie während des kurzen

Krieges zwischen der Volksrepublik China und Kbrdvietnam sollen gleichfalls chemische Waffen eingesetzt worden sein.

Den jüngsten Einsatz che-

mischer Waffen gab es im Krieg zwischen Iran und Irak.

Es zeigt sich, daß der Einsatz dieser Waffen durch bestimmte Staaten
auch in anderen Ländern das Interesse an ihrem Erwerb wachruft.

Die ei-

nen versuchen, Lieferanten zu finden, die anderen bemühen sich darum, die
Technologie und die Materialien zu beschaffen, die zur unabhängigen Herstellung chemischer Waffen im eigenen Land notwendig sind.

Keines dieser

Länder ist in der Lage, derzeit Tausende von Tonnen chemischer Kampfstoffe herzustellen.

Im Lauf der Zeit sowie mit zunehmendem Wissen und ver-

besserten Produktionsanlagen kann jedoch die Herstellung größerer Mengen
dieser Kampfstoffe und die Entwicklung der notwendigen Trägerwaffen möglich werden.

Es gibt mittlerweile elf Staaten außerhalb von NATO/Warschauer Pakt,
die in ihren Arsenalen chemische Waffen haben; zwei weitere bemühen sich
um die Beschaffung.

Heute verfügen mehr Länder denn je über die Kapazi-

tät für chemische Waffen.

Unsere Streitkräfte, wie auch die unserer Verbündeten, müssen sich
der Tatsache der Beschaffung chemischer Waffen durch solche Staaten bewußt sein.

Sowohl die Streitkräfte als auch die Sicherheitskräfte müssen

wachsam gegenüber einem möglichen Einsatz dieser Waffen durch terroristische Gruppen und Geheimtruppen sein.

* * * * *

- 14 -

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*

United States Information Service
Embassy of the United States of America

44

6. Novenber 1985

25 JAHRE: LASIER
- In Forschung, Medizin und Technik heute unentbehrlich -

- (AD) - Ein Viertel Jahrhundert ist es her, daß der amerikanische
Physiker Theodore H. Maiman, ein Mitarbeiter der Firma Hughes Aircraft
Corporation (Kalifornien), das Laser-Prinzip zum ersten Mal demonstrierte.

Inzwischen sind Laser-Systeme ;:u einem wichtigen und äußerst viel-

seitigen "Instrument" in verschiedenen Bereichen der Forschung, vor allem
aber in der Medizin sowie in Industrie und Technik geworden.

Laser ist die Abkürzung von "Light Amplification by Stimulated Emission of Radiation", d.h. "Lichtverstärkung durch stimulierte Emission von
Strahlung".

Sie wird in Gang gesetzt, wenn die Atome eines Gases oder

festen Körpers durch eine äußere Energiequelle so stark zum Schwingen gebracht werden, daß sie winzige "Lichtpakete" (Photonen) abgeben.

Geraten

diese Photonen zwischen zwei Spiegel und werden ständig hin und her reflektiert, baut sich in einer Art Kettenreaktion ein intensiver, überaus
energiereicher Strahl von monochromatischem Licht auf.

Das ist Licht nur

einer einzigen Wellenlänge, also von "reiner Farbe".

Es bleibt eng ge-

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�eng gebündelt, während sich gewohnliches, aus den verschiedensten Wellenlängen (Spektralfarben) zusammengesetztes Licht rund um die Quelle ausbreitet.

Eine solche Streuung von Licht und damit von Energie gibt es beim Laserstrahl nicht.

Schon mit einer einfachen Linse läßt sich das Licht ei-

nes gewöhnlichen Ein-Watt-Lasers punktförmig so gut bündeln, daß seine
Energie 100 Millionen Watt pro Quadratzentimeter entspricht.

Von einer

Linse gebündelt reicht die Energie des Laserstrahls aus, um jede Art von
Substanz zu schmelzen oder zu zerschneiden.

Über 103 Firmen in aller Welt stellen heutzutage Laser her.

Viele

Hunderte mehr bauen Teile dazu und Systeme, die mit Laser arbeiten.

Vor

kurzem berichtete Anthony DeMaria vom "United Technologies-Forschungszentrum" auf einem Symposium über Laser-Anwendung, daß der Absatz von kommerziellen und militärischen Systemen im Jahr 1984

4,4 Milliarden Dol-

lar erreichte und die Laser-Produktion mehr als 400 Millionen Dollar einbrachte.

Aufwendungen für herkömmliche Laser-Instrumente zu Forschungs-

zwecken in der Waffentechnik und zur Kernfusion seien dabei nicht berücksichtigt.

''Der Markt hatte im vergangenen Jahr die überraschende Wach-

stumsrate von 29 Prozent", sagte DeMaria.

Davon könnten manche Branchen

der Hochtechnologie-Industrie nur träumen.

"Auf dem kommerziellen Sektor

lag das Wachstum sogar bei 44 Prozent".
Die Laser-Technologie gab der Forschung enorme Impulse und beginnt
sich nunmehr auch auf die Industrie auszuwirken.
"Sjperinstrument" der achtziger Jahre.
Messung von Geraden.

Der Laser wurde zum

Geodäten benutzen ihn zur exa&lt;ten

In der Industrie wird er verwendet, um winzige 3oh-

rungen mit höchster Präzision auszuführen.

Nachrichtentechniker übermit-

teln auf Laserstrahlen Informationen über große Entfernungen.

Und Wis-

senschaftler arbeiten mit Laser, um im Zusammenhang mit der Erforscnung
von Krebs und der biologischen Wirkung von Medikamenten und Toxinen Einzelzellen rasch sortieren und analysieren zu können.
permarkt hat Laser schon Eingang gefunden:

Selbst in den Su-

An der Kasse werden die Prei-

se auf den Packungen mit einem Lichttastgerät "gelesen".
Als besonders

�Als besonders vielseitig und segensreich erweist sich die Anwendungn
von Laserstrahlen in der Medizin.

"Jeder gut ausgebildete Neurochirurg

beherrscht heute auch die Lasertechnik", sagt Dr. David Apfelberg, der
Direktor des Laser-Zentrums der "Palo Alto Medical Foundation" (Kalifornien).

"Man benutzt Laser z.B. in der plastischen Chirurgie, zur Behand-

lung bestimmter Leiden im Bereich von Hals, Nase und Ohren, in der Urologie und Gastroenterologie, neuerdings auch in der Gynäkologie."

Dr.

Rodney Perkins (California Ear Institute) berichtete, daß z.B. großflächige rote Flecke (Feuermale), die das Gesicht entstellen und bisher
praktisch nicht behandelt werden konnten, mit Laserstrahlen "gebleicht"
werden.

Die zahllosen winzigen Blutgefäße, durch die die Rotfärbung ent-

steht, absorbieren bei fachgerechter Behandlung das Laserlicht und werden
so verödet.

Mit dem blaugrünen Lichtstrahl des Argon-Lasers lassen sich

durch die Pupille hindurch und ohne jegliche Schädigung des Durchgangsgewebes

winzige

Blutgefäße

versiegeln, die

unter

der Netzhaut bluten.

Schon vielen Patienten wurde so die Sehkraft erhalten.

Ebenso ist es mit

Laserstrahlen möglich, Risse in der Netzhaut zu verschweißen oder eine
Ablösung der Netzhaut zu verhindern.

Operationen zur Entfernung von Gehirntumoren werden schon seit einiger Zeit mit Laser durchgeführt.

Die eng begrenzt wirksame Hitze des La-

serstrahls löse die Tumorzellen auf, erklärte Perkins. Gleichzeitig komme es zur Koagulation, so daß es nur geringe oder gar keine Blutung gebe.

"Der Laser ist ein sehr effektives Instrument für schwer zugängliche

Regionen, noch dazu wenn diese von empfindlichem Gewebe umgeben sind, das
man nicht ziehen oder dehnen möchte."

Dem Kardiologen Robert Ginsburg von der Stanford-Universität gelang
im Jahr 1983 mittels Laser zum ersten Mal die Auflösung von Ablagerungen
in Beinarterien.

Auch wurden Laserstrahlen schon eingesetzt, um in be-

stimmten Fällen von Herzmißbildungen bei Säuglingen
erforderlichen Blutgefäßanschlüsse zu schaffen.

Öffnungen für die

In zwölf amerikanischen

Zentren werden derzeit abstimmbare Farblaser in Verbindung mit einem Hämatoporohyrin-Derivat

(HPD) zum Abtöten von Krebszellen

erprobt.

HPD

wird nämlich nur von Krebszellen, aber nicht von gesunden Zellen absor-

�Zellen absorbiert.

So lassen sich die Krebszellen mit dem Farbstoff mar-

kieren und gleichzeitig für die gezielte Zerstörung durch das Laserlicht
sensibilisieren.
sen-, Lungen

Die bisherigen Resultate bei der Bekämpfung von Bla-

und Hautkrebs sind ermutigend.

Beiläufig erwähnte Perkins,

daß dort, wo chirurgische Eingriffe mit Lasertechnik möglich sind, diese
Verfahren kostengünstiger als bei der Anwendung herkömmlicher Methoden
seien und leichter ambulant durchgeführt werden könnten.
Die Industrie nutzt die Lasertechnik schon seit langem.

Mit Hilfe

des Laserstrahls durchtrennt oder schweißt man empfindliche mikroelektronische Schaltkreise genau so wie schwere Metallteile.

Laserlicht kann

die Oberfläche eines Werkstücks aus Metall so rasch aufschmelzen oder
härten, daß ein nur durch eine dünne Schicht getrenntes zweites Metallblech kalt und unbeschädigt bleibt.
Vom Laser erhofft man sich eines Tages auch billigere und leistungsfähigere Nachrichtenverbindungen. Im Prinzip könnten alle Rundfunk- und
Fernsehsendungen sowie alle Telefongespräche der Welt über einen Lichtstrahl laufen, ohne daß es zu gegenseitigen Störungen käme. Als Trägermedium für diese Lichtstrahlen würden äußerst dünne Glasfasern benutzt.
Experten sind sogar der Meinung, daß Glasfaserkabel, bis Ende der achtziger Jahre am Grund des Atlantik und Pazifik verlegt, den Nachrichtensatelliten erhebliche Konkurrenz machen werden.

* * * *

- 4-

*

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Abrahamson: Echte Durchbrüche bei SDI&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sowjets verfügen über gewaltige Offensivkapazität an chemischen Waffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bericht des US-Verteidigungsministeriums -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;25 Jahre Laser&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- In Forschung, Medizin und Technik heute unentbehrlich -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>nrormoiion
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

43

30. Oktober 1985

I N H A L T

HINTERGRUNDMATERIAL

Die Reagan-Initiative zur Beilegung regionaler Kriege
- Dokumentation des Weißen Hauses Regionale Konflikte und die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
- Dokumentation des Weißen Hauses -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

SPACELAB-Flug "D-l" unter deutscher Regie
- Raumfähre CHALLENGER startet zu siebentägiger Mission

Drogenbekämpfung - ein Schlüsselproblem
- "First-Lady"-Konferenz anläßlich des UN-Jubiläums -

* * * * *

Um Über/endung uon
Belegexemplaren
wird gebeten

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Telex: 8-85432

�30. Oktober 1985

43

DIE REAGAN-INITIATIVE ZUR BEILEGUNG REGIONALER KRIEGE
- Dokumentation des Weißen Hauses -

WASHINGTON - (AD) - Das Weiße Haus hat am 24. Oktober 1985 im Zusammenhang mit der Rede von Präsident Reagan vor der Vollversammlung der
Vereinten Nationen eine Dokumentation über die darin enthaltene große
Initiative zur Beilegung regionaler Kriege veröffentlicht:

In seiner Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen am 24.
Oktober hat Präsident Reagan einen Überblick über die Tätigkeit der Vereinten Nationen während der letzten 40 Jahre gegeben, seine Erwartungen
für das Treffen mit Generalsekretär Gorbatschow im nächsten Monat angesprochen und eine große Initiative für die Beilegung regionaler Kriege
angekündigt, die die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen in den letzten
zehn Jahren verschlechtert haben.

Ein Rückblick:

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�Ein Rückblick:

Das Geschehen der letzten AO Jahre

Der Präsident hat sowohl die Leistungen als auch die Fehlschläge der
Vereinten Nationen aufgezeigt und betont, daß ihre Verbesserung in der
Zukunft eine neuerliche Verpflichtung zu den Ideen der Charta erfordere eine Verpflichtung

zu Menschenrechten und Freiheit als Eckpfeiler des

Friedens.

- Die Charta der Vereinten Nationen bewegt noch immer die Herzen der
Menschen - aber sie fordert Realismus.

- Die Anwendung von Gewalt, um Macht zu gewinnen, auszuüben und zu erhalten ist noch immer weit verbreitet.

Wenn die Ziele der Vereinten

Nationen erreicht werden sollen, dann muß die Freiheit geschützt werden:

freie Völker greifen ihre Nachbarn nicht an.

- Wir erkennen die Erfolge der Vereinten Nationen - von Korea bis zur
Arbeit des Flüchtlings-Hochkommissars und UNICEF - an, aber nicht ihre Fehlschläge - angefangen damit, daß es nicht gelungen ist, echte
Sicherheitsfragen zu lösen, bis zu der unglücklichen Resolution über
die Gleichsetzung von Zionismus und Rassismus.

- Die Vereinigten Staaten sind stolz auf ihren Beitrag zum Frieden
durch Bündnisse, die uns und unsere Freunde vor Aggression schützen
- durch friedensstiftende Bemühungen im Nahen Osten und anderswo.
- "Aber heute ist es wichtiger, zu Ihnen darüber zu sprechen, was mein
Land in den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts zu tun vorschlägt, um
eine sicherere, friedlichere und zivilisiertere Welt zu erreichen."

Die friedliche Behandlung der amerikanisch-sowjetischen Differenzen:
Ein Neubeginn

Der Präsident erklärte, "Der einzige Weg, um Differenzen beizulegen,

- 2 -

�Differenzen beizulegen, ist, sie zu verstehen."

Es müssen offene und um-

fassende Gespräche geführt werden, um einen "Neubeginn" in den Beziehungen zu erreichen.

Er kündigte eine Erörterung der Einhaltung bestehender

Verträge an, begrüßte aber auch die neuen sowjetischen Vorschläge über
Rüstungsverminderungen.

- Wir sprechen die Dinge in aller Offenheit an:

Die Differenzen zwi-

schen den Vereinigten STaaten und der Sowjetunion sind tiefgreifend
und anhaltend.
- Wir begrüßen den friedlichen Wettstreit der Ideen, aber wir können
Gewalt und Subversion nicht als Mittel der Ausbreitung des Totalitarismus akzeptieren.
"Wenn Gorbatschow und ich im kommenden Monat in Genf zusammentreffen,
dann erwarte ich einen Neubeginn im Verhältnis unserer beiden Nationen',
erklärte der Präsident.

- In Nuklearfragen werden wir über sowjetische Verletzungen bestehender
Abkommen sprechen, aber auch über die jüngsten sowjetischen Vorschläge für Rüstungsverringerungen.

Hier hofft der Präsident, einen Pro-

zeß des Gebens und Nehmens in Gang zu bringen.

- Die Vereinigten Staaten wollen mit den Sowjets über das lebenswichtige Verhältnis zwischen offensiven und defensiven Systemen sprechen,
einschließlich der Möglichkeit der Schaffung einer stabilen und sicheren Welt, in der die Verteidigung eine wachsende Rolle spielt.
Die Sowjetunion wird dadurch nicht bedroht.

Die Suche nach wahrem Frieden
Wir wissen, was Frieden ist und was nicht.

Noch vor Genf wird der

Präsident Vorschläge unterbreiten, um Hindernisse für einen freien Kontakt unter Gesellschaften zu überwinden.
- Wahrer Frieden

�- Wahrer Frieden kann nicht auf Unterdrückung ruhen: Das Volk muß seine eigene Regierung kontrollieren.
- Der Frieden kann nicht auf Behinderung der Kommunikation ruhen:

Die

Vereinigten Staaten streben freiere Kontakte von Volk zu Volk an und
werden vor dem Genfer Gipfel wichtige neue Vorschläge unterbreiten,
um diesem Ziel näher zu kommen.
- Der Frieden kann nicht auf gegenseitiger Angst ruhen:

Die Welt

braucht ein Gleichgewicht der Sicherheit und nicht ein Gleichgewicht
des Schreckens.
I
- Und der Frieden kann nicht darauf ruhen, daß man sich von Schwierigkeiten abwendet:

In einem Land findet derzeit einer der tragischsten

Kriege statt.

Die Initiative des Präsidenten zur Lösung regionaler Konflikte:
Ein zentrales Thema in Genf
Das Kernstück der Rede des Präsidenten ist eine Initiative zur Beilegung einer Reihe von Konflikten in der Dritten Welt. Bei allen ist eine
wesentliche, anhaltende - und in einigen Fällen sogar wachsende - Beteiligung der Sowjetunion zu verzeichnen, und sie haben viel dazu beigetragen, um das amerikanisch-sowjetische Verhältnis unter drei Administrationen zu verschlechtern. Der Plan des Präsidenten sieht Fortschritte auf
drei Ebenen vor.
•

1. Verhandlungen der kriegführenden Parteien unter sich;
2.

amerikanisch-sowjetische Verhandlungen; und

3. wirtschaftlicher Wiederaufbau.
- Wir wollen wahren Frieden, so betonte der Präsident, und die Initiative der Vereinigten Staaten will die Konfliktsituation in fünf wichtigen Ländern in Asien, Afrika und Mittelamerika durchbrechen.
- In Afghanistan,
- 4 -

�- In Afghanistan, Kamobdscha, Äthiopien, Angola und Nicaragua sehen wir
gemeinsame Charakteristika:

Regierungen

führen - mit Unterstützung

durch Waffen, Berater und meist auch Truppen von außen - Krieg gegen
ihr eigenes Volk.

Daraus entsteht Krieg gegen die Nachbarn.

- Die sowjetische Rolle in diesen Kriegen hat viel zur Verschlechterung
der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen beigetragen.

Das ist ein

Grund mehr, uns diesen Dingen heute ernsthaft zuzuwenden.

- Im vorigen Jahr hat der Präsident in der Vollversammlung der Vereinten Nationen Gespräche mit der Sowjetunion über regionale Konflikte
vorgeschlagen.

Solche Gespräche haben stattgefunden, aber wir müssen

mehr tun als nur reden, um diese Probleme zu lösen.

- Der Präsident hat einen regionalen Friedensprozeß vorgeschlagen, der
Fortschritte auf drei Ebenen anstrebt:
-1. Der realistische Ausgangspunkt müssen Verhandlungen unter den kriegführenden Parteien eines jeden Konflikts sein.

Verhandlungen - und

eine Verbesserung der politischen Verhältnisse im Innern - sind wesentlich, wenn es zu einer Beending der Gewalt, einem Abzug ausländischer Truppen und nationaler Versöhnung kommen soll.

2. Wenn diese Verhandlungen echte Fortschritte machen, könnten amerikanisch-sowjetische Gespräche stattfinden.

Dabei würde es sich nicht

um Friedensverhandlungen im eigentlichen Sinne handeln, sondern man
würde Mittel und Wege sondieren, wie man Abkommen der kriegführenden
Parteien unterstützen und festigen könne.

Die Hauptaufgabe ist der

Abzug der ausländischen Truppen und die Unterbindung der Waffenzufuhr
von außen.

3. Wenn diese Schritte erfolgreich sind, dann können wir dazu beitragen,
die Wiedereingliederung dieser Länder in die Weltwirtschaft zu vollziehen.

Die Vereinigten Staaten würden sich dabei großzügig ver-

halten.
-

Ohne

einen

�- Ohne einen solchen Fortschritt wird die Unterstützung Amerikas für
demokratische Widerstandsgrupen nicht aufhören und darf auch nicht
aufhören.

- Dieser Plan ist kühn.

Er ist realistisch.

Gang befindliche Friedensbemühungen.

Er ist kein Ersatz für in

Dies hat der Präsident betont.

Er versucht nicht, alle Konflikte überall in der Welt einzubeziehen,
sondern nur diejenigen, die in dieses Muster passen.

Natürlich wird

man anderen Konflikten auf eine andere Weise beizukommen versuchen
müssen.

- Die Sowjetunion hat hier eine außerordentliche Chance, auf eine Weise
zum Frieden beizutragen, die den Dialog auf anderen Gebieten fördern
kann.

Blick in die Zukunft: Ein sicherer Weg in das 21. Jahrhundert

Unter Hinweis auf die Rettungsanstrengungen

nach der Erdbebenkata-

strophe hob der Präsident die Bereitschaft des amerikanischen Volkes hervor, anderen Völkern bei der Erleichterung ihrer Probleme zu helfen.

Es

sei die höchste Pflicht, anderen zu helfen, ein Leben in Freiheit und
Menschenwürde zu leben.

- Die Zukunftsaussichten liegen nicht in militärischen Maßnahmen, ja
nicht einmal in der Rüstungskontrolle, sondern in der Ausweitung der
Freiheit des einzelnen und der Menschenrechte.

- Freiheit ist der Schlüssel zu wirtschaftlicher Dynamik aber auch zum
Frieden.
- In Genf bietet das erste Treffen der höchsten Repräsentanten der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion seit über sechs Jahren die Gelegenheit, unsere Differenzen einzuengen.
- 6 -

Es ist an

�- Es ist an der Zeit, nicht nur über eine bessere Welt zu reden, sondern etwas für sie zu tun.

- Der weltoffene Geist Amerikas regt uns dazu an, anderen zu helfen,
sei es bei Katastrophen und Hungersnöten, sei es bei der Suche nach
Frieden.

- Es gibt für uns kein höheres Ziel, als in einer unruhigen Welt das
Leben zu erhalten und zu schützen.

Darum geht es jetzt.

Es gibt für

uns als Menschen keine höhere Pflicht und kein größeres Anliegen.
Wir sind hier auf Erden, so schloß der Präsident, um unser Leben zu
leben und die Freiheit zu erhalten, um es in Würde leben zu können.

- 7 -

�30. Oktober 1985

43

REGIONALE KONFLIKTE UND DIE AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN BEZIEHUNGEN
- Dokumentation des Weißen Hauses -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat in seiner Rede vor den Vereinten

Nationen

am 24. Oktober 1985 einen dreistufigen

Friedensprozeß

vorgeschlagen, um die in Afghanistan, Kambodscha, Nicaragua, Angola und
Äthiopien noch immer herrschenden kriegerischen Auseinandersetzungen beizulegen.

Die zu diesem Thema vom Weißen Haus herausgegebene Dokumentation hat
folgenden Wortlaut:

Die Initiative des Präsidenten zum Problem regionaler Konflikte

Hintergrund:

Folge des sowjetischen Interventionismus der siebziger

Jahre war eine Reihe repressiver Regime, die versuchten, durch militärische Gewalt den Ländern ihre Ideologien aufzuzwingen und die durch so-

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�durch sowjetische Militärhilfe an der Macht gehalten wurden.

Die Politik dieser Regime brachte in den Ländern selbst eine Opposition hervor, die den Versuch unternahm, eine Liberalisierung herbeizuführen oder das jeweilige Regime zu stürzen.

Daraus ergaben sich Konflikte,

die einen hohen Blutzoll fordern, die über Grenzen hinweg ausufern und
die dazu führen, daß sich militärische Kräfte von außen einmischen.

Der

Präsident hat keinen Zweifel daran gelassen, daß unsere Sympathien jenen
gelten, die sich dem sowjetischen Expansionismus widersetzen, die für die
Freiheit kämpfen und die echte Selbstbestimmung anstreben.

Wenn diese

Probleme nicht durch Verhandlungen und durch sowjetische Zurückhaltung
gelöst werden können, werden sie sich nur verschlimmern.

Der Präsident

hofft, daß seine Vorschläge die Möglichkeit bieten, auf politische, nicht
aber militärische, Lösungen dieser Probleme hinzuarbeiten.

Die Lage:

In seiner Rede vor der Vollversammlung schlug der Präsi-

dent einen dreistufigen Friedensprozeß vor, um die kriegerischen Auseinandersetzungen, die noch immer in Afghanistan, Kambodscha, Nicaragua, Angola und Äthiopien wüten, in den Griff zu bekommen, da die sowjetische
Verstrickung in diesen Ländern auch zu der Verschlechterung der amerikanisch-sowjetischen

Beziehungen

in den siebziger

Jahren geführt hatte.

Die Initiative stellt einen umfassenden Rahmen dar, der die Aussichten
auf Frieden in diesen Ländern verbessern soll.

Er ergänzt regionale und

andere internationale Bemühungen um eine dauerhafte politische Lösung.
Fortschritt in diesem Bereich kann zudem zu einer Verbesserung der allgemeinen Ost-West-Beziehungen beitragen.

1. Die erste Stufe fordert Verhandlungen zwischen den sich bekriegenden Parteien.

Die Gespräche können dabei im jeweiligen Fall unterschied-

liche Gestalt annehmen, aber Verhandlungen und die Verbesserung der internen politischen Bedingungen sind von entscheidender Voraussetzung dafür, ein Ende der Gewalt und echte nationale Aussöhnung herbeizuführen.

2. Ist es in diesen Bereichen erst einmal zu echtem Fortschritt gekommen, so könnten die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion separate
- 2-

�Sowjetunion

separate

Gespräche

abhalten.

Dies

wären

keine

formellen

Friedensverhandlungen, sondern würden ausloten, wie diese beiden Regierungen regionale und andere internationale Friedensbemühungen unterstützen könnten.

In einigen Fällen - wie etwa Afghanistan oder Kambodscha

- könnten die Vereinigten Staaten und die UdSSR Garantien für Abkommen
anbieten, die bereits von den kriegführenden Parteien erzielt wurden.

In

allen Fällen bestünde die amerikanisch-sowjetische Rolle hauptsächlich
darin, die militärische Einmischung von außen zu verringern und dann ganz
zu

beseitigen

- einschließlich

des

verifizierten

Abzugs

ausländischer

Truppen und der Verhinderung des Waffenzustroms von außen.

3. Bei Erfolg der ersten beiden Stufen wäre ein drittes Element einer
langfristigen Lösung möglich: Reintegration der vom Krieg heimgesuchten
Staaten

in die Weltwirtschaft.

Die Vereinigten Staaten wären bereit,

großzügige Beiträge zu leisten, wenn es zu Aussöhnung, Achtung der Menschenrechte und Rückkehr in die Familie freier Völker käme.
Dieses Vorgehen legt die Last des Zustandekommens einer Schlichtung
den kriegführenden Parteien auf und bietet die Möglichkeit, zu Zurückhaltung der Supermächte zu gelangen.

Es ist offensichtlich, daß kein ameri-

kanisch-sowjetisches Kondominium diese Probleme lösen kann. Wir müssen
uns der Tatsache bewußt sein, daß jeder dieser Konflikte seinen eigenen
Charakter hat und seine eigene politische Lösung erfordert.

Regionale

Friedensinitiativen - wie Contadora in Mittelamerika oder die ASEAN-Vorschläge für Kambodscha - bemühen sich darum, auf genau diese speziellen
Charakteristika einzugehen.

Die Vereinigten Staaten unterstützen diese

Initiativen und sind überzeugt, daß dieser Vorschlag insofern eine Ergänzung darstellt daß er die Beteiligung der kriegführenden Parteien vorsieht.

Regionale

Konflikte

und

amerikanisch-sowjetische

Beziehungen:

Die

sowjetische Verwicklung in die Konflikte der Dritten Welt hatte eine direkte Auswirkung auf die Verschlechterung der amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen, insbesondere im Verlauf des vergangenen Jahrzehnts.
Im September
- 3-

�Im September 1984 schlug Präsident Reagan vor der Vollversammlung der
Vereinten Nationen vor, die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sollten auf politischer Ebene einen regelmäßigen Gedankenaustausch über die
wichtigsten Regionen

der Welt führen.

Während des vergangenen

Jahres

führten beide Seiten Expertengespräche über den Nahen Osten, Afghanistan,
das südliche Afrika und Ostasien.

Gespräche über Mittelamerika und die

Karibik werden Ende Oktober stattfinden.

Obgleich diese Gespräche nicht

zu einem dramatischen Durchbruch führten, waren sie nützlich für die Klärung der jeweiligen Positionen und verhinderten Fehleinschätzungen.

Wir

hoffen, daß diese Gespräche in Zukunft auf regelmäßigerer Basis fortgeführt werden.

Der Präsident möchte jedoch über einen reinen Gedanken-

austausch hinausgelangen.

Die einzelnen regionalen Konflikte:

1. Namibia/Angola
Die sowjetische

Intervention

im Konflikt von Angola war der erste

Einsatz von kubanischen Stellvertretertruppen

in den siebziger Jahren.

Kubanische Truppen ermöglichten dem derzeitigen Regime die Machtergreifung, waren jedoch nicht in der Lage, den Widerstand von Gruppen zu brechen, die sich der dortigen Diktatur widersetzen.

Der amerikanische Ver-

such, das Thema - insbesondere das der kubanischen Truppen - mit den Sowjets zu besprechen, stieß jedoch nur auf die brüske Reaktion, dies sei
eine Frage zwischen den Kubanern und den Angolanern.

Die amerikanische Politik hinsichtlich Angola/Namibia zielt auf eine
Verhandlungslösung hin, die die Unabhängigkeit Namibias gemäß Resolution
435-78 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen sowie in diesem Kontext den Abzug sowohl der südafrikanischen Truppen aus Namibia wie auch
der kubanischen Truppen aus Angola ermöglicht.

Zu diesem Zweck bemühen

wir uns darum, die beiden Seiten, Angola und Südafrika, in einen Verhandlungsrahmen einzubinden, innerhalb dessen sie die schweren Entscheidungen
treffen könnten, die für eine solche Regelung notwendig sind.
Die Initiative
- 4-

�Die Initiative des Präsidenten zielt darauf ab, einen Weg zu finden,
der zu einer Verringerung der regionalen Spannungen führt und die Bereitschaft der Sowjetunion prüft, in Angola eine konstruktive Rolle zu spielen.

Die Sowjetunion ist direkt in den angolanischen Konflikt verstrickt

und ist für seine Lösung mitverantwortlich.

Tatsächlich aber scheint die

militärische Verstrickung der Sowjetunion noch zuzunehmen.

Die Vereinig-

ten Staaten werden auch weiterhin bemüht sein, eine Lösung der internationalen Aspekte des Problems herbeizuführen.

Die angolanischen Parteien

müssen zu einer Aussöhnung untereinander gelangen.

Wir fordern die So-

wjetunion auf, zu diesem Prozeß beizutragen und bei der Herbeiführung der
Versöhnung eine konstruktive Rolle zu spielen.

2. Afghanistan

Die sowjetische Invasion Afghanistans im Dezember 1979 machte alle
Aussichten

auf eine

Ratifizierung

des SALT

II-Abkommens

zunichte und

führte zu der Verhängung von Sanktionen durch die Vereinigten Staaten und
andere westliche Länder, einschließlich Japans - Sanktionen, zu denen der
Boykott der Olympischen Spiele in Moskau und das amerikanische Getreideembargo gehörten.

Die sowjetische Besetzung Afghanistans und die anhal-

tende brutale Unterdrückung dieses Landes hat die internationale öffentliche Meinung erregt und die Ost-West-Beziehungen schwer geschädigt.

Im

Rahmen diplomatischer Konsultationen, auch auf höchster Ebene, haben die
Vereinigten Staaten Moskau mit Nachdruck auf einen Truppenabzug aus Afghanistan gedrängt.

Seit der Invasion hat auch die Vollversammlung der

Vereinten Nationen jedes Jahr einen Abzug ausländischer Truppen gefordert.

Die amerikanische Politik hinsichtlich Afghanistan hat die Aushandlung einer politischen Regelung zum Ziel, die sich auf vier Prinzipien
gründet:

vollständiger Abzug der sowjetischen Truppen; Wiederherstellung

der traditionellen Unabhängigkeit und des bündnisfreien Status Afghanistans; Selbstbestimmung des afghanischen Volkes; sichere und ehrenhafte
Rückkehr der Flüchtlinge.

Als Teil dieser Bemühungen unterstützen wir

die laufenden Stellvertretergespräche der Vereinten Nationen.
- 5-

Allerdings

�Nationen.

Allerdings haben diese Gespräche noch nicht die zentrale Frage

des sowjetischen Truppenabzugs berührt.

Die Sowjets beharren darauf, daß

dies eine bilaterale Frage zwischen ihnen und dem afghanischen Regime
sei.

Durch ihre Betonung der Notwendigkeit von Verhandlungen zwischen den
unmittelbar an den Konflikten beteiligten Parteien würde die Initiative
des Präsidenten die Sowjets zwingen, sich der fundamentalen Realität in
Afghanistan zu stellen - der Existenz einer nationalen Befreiungsbewegung
auf breiter Grundlage.

Die zweite Stufe der neuen Initiative unterstützt

und ergänzt unsere Verpflichtung gegenüber dem Bemühen der Vereinten Nationen, als Garant einer durch Verhandlungen erzielten politischen Lösung
zu dienen.

Die amerikanisch-sowjetischen Garantien der Nichteinmischung

durch externe Kräfte würde die Abkommen bekräftigen, die bereits zwischen
den kriegführenden Parteien ausgearbeitet worden sind. Derlei Garantien
würden sowohl für den Abzug ausländischer Truppen als auch der Unterbindung des Waffenzustroms von außen gelten.

Die dritte Stufe würde - durch

generöse Hilfeleistung für das vom Krieg verwüstete Afghanistan - eine
problemlose Reintegration der Vielzahl von Flüchtlingen in die Volkswirtschaft sicherstellen und eine Grundlage für den Wiederaufbau in dem Land
bilden.

3. Kambodscha

Die Invasion und die darauffolgende Besetzung Kambodschas durch vietnamesische Truppen schuf eine erhebliche Bedrohung der Stabilität in Südostasien und eine unmittelbare Bedrohung Thailands.

Außerdem erhöhte die

vorausgegangene Errichtung der sowjetischen Basis bei Camh Ranh Bay - die
unmittelbar mit der Unterstützung der militärischen Anstrengungen Hanois
durch Moskau zusammenhängt - die Gefahr militärischer Zusammenstöße zwischen See- und Lufteinheiten der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.

In diplomatischen Gesprächen drängten die Vereinigten Staaten Mos-

kau, Hanoi von der Notwendigkeit einer politischen Lösung zu überzeugen,
- 6-

�zu überzeugen, die sich auf den Abzug der vietnamesischen Truppen gründet
- und wie dies auch von Resolutionen der Vereinten Nationen, der Internationalen Kambodscha-Konferenz (ICK) und von ASEAN gefordert wird.

Die Vereinigten Staaten unterstützen mit Nachdruck die Bemühungen der
ASEAN-Mitglieder, um eine politische Lösung des Kambodscha-Problems erreichen, die sich auf jenen Elementen gründet, wie sie 1981 von der von
den Vereinten Nationen unterstützten Internationalen Kambodscha-Konferenz
erarbeitet worden waren, nämlich vollständiger Abzug ausländischer Truppen; von den Vereinten Nationen überwachte freie Wahlen sowie Einsatz einer Friedenstruppe der Vereinten Nationen.

Die Vereinigten Staaten sind

der Überzeugung, daß eine dauerhafte Lösung, die für das kambodschanische
Volk und dessen Nachbarn annehmbar ist, sich auf drei Prinzipien gründen
muß.

Eben diese Prinzipien sind enthalten in Resolutionen, die von der

überwältigenden

Mehrheit

der

Vollversammlung

der

Vereinten

Nationen

sechsmal hintereinander verabschiedet wurden.

Der Vorschlag des Präsidenten ist integraler Bestandteil der amerikanischen Unterstützung von ASEAN und ist sich der vorrangigen Bedeutung
bewußt, die die ASEAN-Staaten wie auch die unmittelbar betroffenen Staaten dem Kambodscha-Problem beimessen.

Die vom Präsidenten in seiner Rede

genannten Prinzipien - Verhandlungen, Abzug fremder Truppen und Beendigung der Feindseligkeiten - sind mit jenen der ICK identisch.

Im Juli 1985 schlugen die ASEAN-Staaten indirekte Gespräche zwischen
den kambodschanischen Widerstandskräften und einer vietnamesischen Delegation

vor, einschließlich der Vertreter

Klienten.

von Hanois

kambodschanischen

Solche Gespräche könnten, falls Vietnam ihnen zustimmt, zu

Verhandlungen zwischen den kreigführenden Parteien führen, wie sie die
Initiative des Präsidenten fordert.

4. Nicaragua
- 7-

�4. Nicaragua

In Nicaragua betrügt ein von der Sowjetunion unterstütztes Regime die
demokratischen Ziele der Revolution von 1979 und bewegt sich in immer
stärkerem Maße in totalitärer Richtung, was einen erheblichen und zunehmenden bewaffneten Widerstand im eigenen Land herbeiführt.

Die Weigerung

der Sandinisten, auf die legitimen Sorgen der bewaffneten und zivilen Opposition Nicaraguas einzugehen sowie die zunehmende Hinwendung zur Gewalt
- sowohl

innen- wie außenpolitisch

- haben zur Zunahme der

regionalen

,

Spannungen geführt; die sandinistische Politik der Gewalt haben zu hohem
Blutzoll und wirtschaftlichen

Schwierigkeiten

geführt und bedrohen die

zerbrechlichen Demokratien der Region.

Die amerikanische Politik gegenüber Nicaragua stützt sich auf vier
Grundziele:

innenpolitische Aussöhnung durch Verwirklichung der von der

OAS im Jahr 1979 abgegebenen Versprechungen für eine demokratische, pluralistische Gesellschaft, in der bürgerliche, politische und religiöse
Rechte garantiert sind; Einstellung der Unterstützung der Sandinisten für
die Aufständischen

in El Salvador und in anderen

mittelamerikanischen

Staaten; Beendigung der militärisch-sicherheitspolitischen Bindungen Nicaraguas zum Sowjetblock und Kuba sowie Abzug der militärischen Berater
dieser Staaten aus dem Lande; Verringerung des Militärapparats Nicaraguas
auf einen Umfang von Streitkräften und Typus von Bewaffnung, die vergleichbar mit denen anderer Staaten der Region sind.
Die Vereinigten Staaten haben die Sandinisten immer wieder aufgefordert, durch Gespräche mit der Führung des bewaffneten Widerstandes auf
eine friedliche Lösung des Bürgerkriegs in Nicaragua hinzuwirken und sich
intensiver um die legitimen Klagen zu kümmern, die jene zu diesem Rückgriff auf die Waffen gezwungen haben.
Initiative

des

Hauptursachen

Präsidenten

Die Verhandlungen, wie sie die

vorsehen, würden auf eine Beseitigung

dieses regionalen

Konflikts abzielen:

der

Das Vorhandensein

einer Vielzahl von Beratern und Technikern des Sowjetblocks und Kubas;
der massive Zustrom an militärischen Gütern aus diesen Ländern; schließ- 8-

»

�Ländern; schließlich die direkte Rolle des Sowjetsblocks und Kubas bei
der Erarbeitung

der Militär-, Außen- und

Innenpolitik

Nicaraguas.

Die

amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen hinsichtlich Nicaragua würden die
Verhandlungen

zwischen

den

fünf mittelamerikanischen

Staaten

ergänzen,

die im Rahmen der Contadora-Gruppe stattfinden, um eine umfassende Regelung der Probleme der Region zu erreichen.

Bei der dritten Stufe handelt

es sich im Wesentlichen um die Wiederholung unseres seit langem bestehenden Vorschlags, im Gegenzug zu konkretem Fortschritt in Richtung auf unsere grundsätzlichen Ziele, wie sie oben beschrieben wurden, umfangreiche
Wirtschafts- und Entwicklungshilfe anzubieten.

5. Äthiopien

Unsere Politik ist seit langem die gleiche und zielt ab auf die Achtung der territorialen Integrität Äthiopiens.

Wir unterstützen nicht die

separatistischen Bewegungen, die in diesem Land aktiv sind. Die Aufständischen teilen sich in viele verschiedene Gruppierungen, von denen die
beiden stärksten marxistisch orientiert sind.

Einige der Gruppen werden

auch von Libyen unterstützt.

Äthiopien spielt am Hörn von Afrika - einem wichtigen Teil der Welt,
der durch inneren Streit und regionale politische Konflikte gekennzeichnet ist - eine entscheidende Rolle.

In Äthiopien liegt ein repressives

Regime im Kampf mit der Bevölkerung.

Wir sind davon überzeugt, daß keine

militärische

Lösung möglich

ist, obgleich die Sowjetunion

militärische

Hilfe in großem Umfang gewährt und obwohl sich dort 1700 sowjetische Militärberater

und 2500 kubanische Kampftruppen

aufhalten.

Außerdem hat

das Bemühen um eine militärische Lösung zu Gewalt auch über die Grenze
hinweg und zu einer ernsthaften Verschärfung der regionalen Rivalitäten
geführt.

Die äthiopische Führung hat bislang noch nicht die Bereitschaft

gezeigt, sich ernsthaft mit den Forderungen der Dissidenten nach größerer
Autonomie auseinanderzusetzen.

Angesichts der Tatsache, daß die Sowjet-

union in einem erheblichen Maß dort verwickelt ist, hat sie die Verant-

�die Verantwortung, dazu beizutragen, daß in Äthiopien und in dessen Nachbarländern wieder Frieden einzieht.

Sollten die Sowjets bereit sein, auf

friedliche Versöhnung in Äthiopien hinzuwirken, werden auch die Vereinigten Staaten bereit sein, ihre seit langem andauernden Bemühungen noch
weiter zu verstärken, um zu einer Verbesserung der Beziehungen zwischen
allen Staaten der Region beizutragen.

* * * * *

- 10-

�E

1J

91

•

Uli//en/choU
und Technik

United States Information Service
Embassy of the United States of America

30. Oktober 1985

43

SPACELAB-FLUG "D-l" UNTER DEUTSCHER REGIE
- Raumfähre CHALLENGER startet zu siebentägiger Mission

- (AD) - Als "wichtigen Meilenstein für künftige internationale Zusammenarbeit im Weltraum" bezeichnete der Physiker Dr. Reinhard Furrer
den bevorstehenden Flug mit dem Weltraumlaboratorium SPACELAB an Bord der
amerikanischen Raumfähre CHALLENGER.

Die Mission "D-l" soll am 30. Okto-

ber 1985 beginnen und sieben Tage dauern.

Dr. Furrer ist einer der acht

Astronauten, die das umfangreiche wissenschaftliche und technische Programm durchführen.

Das wissenschaftliche Programm steht dieses Mal unter deutscher Regie.

Deshalb befindet sich das Kontrollzentrum dafür bei der DFVLR in

Oberpfaffenhofen

(Oberbayern).

Die amerikanische

Behörde

für Luftund

Raumfahrt (NASA) ist ausschließlich für den flugtechnischen Bereich des
Unternehmens mit dem Raumtransporter CHALLENGER verantwortlich.
dant ist NASA-Astronaut Henry Hartsfield, Copilot Steven Nagel.

KommanNeben

den drei amerikanischen Missionsspezialisten James Buchli, Guion Bluford
und Bonnie Dunbar

gehören

die beiden

deutschen Physiker Dr. Reinhard

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Dr. Reinhard Furrer und Dr. Ernst Messerschmid sowie der holländische
Physiker Wubbo Ockels zur Astronautenmannschaft:
ler fungieren als die Nutzlastspezialisten.

die drei Wissenschaft-

Die Deutsche Forschungs- und

Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DFVLR) zahlt der NASA 64 Millionen Dollar an Transportgebühren für die 76 verschiedenen Experimente, die
zur Ausführung unter Mikrogravitation, d.h. bei fast völliger Schwerelosigkeit, von Forschungsinstituten der Bundesrepublik und anderer europäischer Länder in Auftrag gegeben sind.

Mit einem Kostenaufwand von 175

Millionen Dollar wurde die Nutzlast in den letzten fünf Jahren vorbereitet und bei der Firma MBB-ERNO in der Bundesrepublik zusammengebaut.

Man

erwarte interessante wissenschaftliche Ergebnisse auf den Gebieten Werkstoffverarbeitung, Medizin, Biologie und Navigation, sagte Dr. Messerschmid.

Aber das Unternehmen

werde auch demonstrieren, daß "wir in

Deutschland mit all den Daten in unserem eigenen Kontrollzentrum fertig
werden können.

Dies ist ein großer Schritt für uns."

Zum ersten Mal in

der Geschichte der amerikanischen Raumfahrt steht die gesamte Nutzlast an
Bord eines Raumschiffs unter ausländischer Kontrolle.

Nach Ansicht von Kommandant Hartsfield könne das in Modulbauweise
konstruierte Weltraumlaboratorium SPACELAB , das unter deutscher Leitung
für das amerikanischer Raumtransporterprogramm entwickelt wurde, als Modell für Wohn- und Arbeitssegmente einer künftigen Raumstation dienen.
Solche, als Druckkabinen gebauten Segmente könnten von einzelnen Ländern,
etwa von der Bundesrepublik Deutschland und Japan - bereitgestellt und
Experimente darin von Wissenschaftlern aus diesen Ländern betreut werden,
während für die Betriebszentrale mit Energieversorgung und Lebenserhaltungssystemen Amerika verantwortlich wäre.

Bei den im SPACELAB durchgeführten Versuchsserien sind manche aus dem
Gebiet der Flüssigkeitsmechanik und der Materialforschung auch von großem
praktischen Interesse.

So will man u.a. die Bewegung von Flüssigkeiten

zwischen festen "Zentren" beobachten.

Solche "flüssigen Brücken" werden

unter irdischen Bedingungen durch die Schwerkraft defomiert.

Im Weltraum

jedoch, unter Mikrogravitation, wird ihre Form ausschließlich von der
sog. Oberflächenspannung

der Flüssigkeit

bestimmt.

Ergebnisse

dieses

Projekts könnten beispielsweise der Produktion von Filmen zugutekommen.
Bei

anderen

�Bei anderen Experimenten will man die Vorgänge bei der Erstarrung einer Anzahl von Materialien untersuchen und messen.

In einem Fall gilt es

beispielsweise, die Kristallbildung innerhalb des gesamten Probenmaterials unter Beobachtung zu halten.

Ziel des Experiments ist es, Wege zu

finden, um ein homogenes, aus seinen Bestandteilen völlig gleichmäßig gemischtes Halbleitermaterial für elektronische Prozesse herstellen zu können.

Einer der Missionsspezialisten verwies darauf, daß es sich bei den

Probenmaterialien, u.a. für organische Kristalle aus Metallen, für keramische Halbleiter, sowohl um Experimente aus der Grundlagenforschung als
auch aus der angewandten Forschung handle.

Die Erstarrung und die Diffu-

sion, d.h. das Eindringen von Atomen und Verbindungen des einen Elements
in ein anderes Element, seien Vorgänge, über die im Detail noch viel zu
wenig bekannt sei.

Bei den Experimenten, die von mehr als 80 Projektleitern mit weit
über 300 Fachkollegen ausgearbeitet wurden, spielen auch Psychologie, Medizin und Biophysik eine wichtige Rolle.

So möchte man mehr über den

Einfluß der Schwerkraft auf Zell- und Entwicklungsprozesse erfahren.

Bei

den meisten dieser Experimente geht es um die Frage, wie tierische und
pflanzliche Zellen das Signal "Schwerkraft" in physiologische Wachstumseffekte umsetzen.

Wegen der allgegenwärtigen Schwerkraft auf der Erde

sind umfassende Untersuchungen dazu nur im Weltraum möglich, wo das Fehlen dieser Schwerkraft, also die "Negativ-Situation" zum mindesten Hinweise auf kritische Stellen in der Zelle und in einem Organismus für die
Effekte der Gravitation geben könnte.

Experimente mit Froscheiern sollen

aufzeigen, wie sich Schwerkraft (bzw. das Fehlen von Schwerkraft) auf das
Eiwachstum auswirkt.

Manche schon vorliegenden Forschungsergebnisse las-

sen darauf schließen, daß die richtige Anlage und Ausdrichtung des Rückgrats von der Schwerkraft abhängt.

Studien am Menschen werden fortgesetzt.

Von früheren Versuchen und

Messungen weiß man z.B., daß Astronauten im Weltraum größer sind - auf
der Wirbelsäule lastet kein Gewicht.

Man erkannte auch, daß sich die

größte Menge des Blutes im Oberkörper ansammelt, und daß das Skelett Calcium verliert, die Knochen also entkalkt werden.
Bei den

�Bei den bevorstehenden Tests sollen wiederum die Auswirkungen von
Mikrogravitation und von Beschleunigungen in der Schwerelosigkeit auf den
Gleichgewichtssinn geprüft werden.

In dem auf Schienen im SPACELAB ge-

fahrenen "Weltraumschlitten" werden Astronauten exakt dosierten VorRückwärtsbewegungen

ausgesetzt.

"Wir wollen

und

herausfinden", so Bonnie

Dunbar, "wie die (für den Gleichgewichtssinn maßgebenden) Innenohrorgane
funktionieren und wie sie möglicherweise zur Weltraumkrankheit beitragen.

Wir wissen darüber noch sehr wenig.

raumkrank, andere nicht - weshalb?

Manche Astronauten werden

Manche erkranken auf einem Flug, beim

nächsten aber nicht - was ist die Ursache?

Jedenfalls werden wir versu-

chen, herauszufinden, was die Raumkrankheit auslöst und wie wir sie vielleicht verhindern können."

Als Teil mehrerer Navigationsexperimente werden die SPACELAB-Astronauten die Synchronisation von Uhren testen und Entfernungen messen.

Die

Versuche dienen dazu, Verfahren zum Navigieren mit Satelliten zu entwikkeln oder zu verbessern.

Satelliten, die sehr präzise Uhren an Bord ha-

ben, können als Referenzpunkte zur Positionsbestimmung benutzt werden.

* * * * *

-4

�ä

Wi//en/chaft
und Technik

111 J

•TTT3T

United States Information Service
Embassy of the United States of America

30. Oktober 1985

A3

DROGENBEKÄMPFUNG - EIN SCHLLJSSELPROBLEM
- First Lady"-Konferenz anläßlich des UN-Jubiläums -

NEW YORK - (AD) - Der Einladung Nancy Reagans, der Frau des amerikanischen Präsidenten, zur zweiten Drogenkonferenz in diesem Jahr waren die
Frauen von 29 Staatsund Regierungschefs gefolgt.

Sie wurde am 22. Okto-

ber 1985 anläßlich des 40jährigen Jubiläums der Vereinten Nationen in New
York abgehalten, ein halbes Jahr nach der ersten Tagung dieser Art in
Washington und Atlanta.

Von Frau zu Frau und von Mutter zu Mutter soll-

ten Suchtprobleme erörtert und über mögliche Wege zur Bekämpfung und Verhinderung der Drogensucht gesprochen werden.

Für die Probleme gibt es

keine nationalen Grenzen - und sie führen Familien aus allen Gesellschaftsschichten gleichermaßen ins Unglück.

Die Konferenz war als Beitrag dafür gedacht, die allgemeine Aufmerksamkeit in der Welt auf die Suchtstoffprobleme und den verbrecherischen
Drogenhandel zu lenken.

Dies betonten Nancy Reagan und Marcella Perez de

Cuellar, die Frau des Generalsekretärs der Vereinten Nationen, die ebenfalls an der Tagung teilnahm.

Sie würdigte besonders den Einsatz von

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Einsatz von Nancy Reagan in der Suchtstoffbekämpfung.

"Drogenmißbrauch

korrumpiert alle Gesellschaften und bedroht die Gesundheit und das Wohlergehen ihrer am ehesten verletzlichen Mitglieder - unserer Kinder", sagte sie, und fuhr fort:

"Die Anwesenden hier können aus einer einzigarti-

gen Position heraus beurteilen, wie wichtig die Verwirklichung des Traumes von den Vereinten Nationen für die ganze Welt ist.

Sie können erken-

nen, wie sehr unsere Völker den Traum der Charta der Vereinten Nationen
vom Frieden, von einem Leben in Würde und mit Chancen für alle anstreben.

Und vielleicht haben gerade wir als Ehefrauen und Mütter die beson-

dere Aufgabe und das ganz besondere Ziel, zur Schaffung einer hoffnungsvollen und verheißungsvollen Zukunft - nicht einer Zukunft der Angst und
Verzweiflung - beizutragen, in die unsere Kindeskinder hineinwachsen können."

Dr. Marsha Schuchard, eine der Gründerinnen der Organisation PRIDE
mit inzwischen mehr als 8000 Aktionsgruppen von amerikanischen Eltern,
verwies darauf, daß Unwissenheit und Gleichgültigkeit im Elternhaus gegenüber dem Drogenproblem

der Propaganda

Händlern das Geschäft erleichtert habe.

für illegale Drogen und den

"Sind sich Eltern der Bedrohung

von Gesundheit und Sicherheit ihrer Kinder durch Drogen erst einmal bewußt geworden, so wenden sie sich mit Energie und Mut ganz spontan dagegen", meinte sie.

Und aufgrund der in den letzten zehn Jahren gesammel-

ten Erfahrungen sei bewiesen, so Dr. Carlton Turner, ein Berater Präsident Reagans für Politik gegen Drogenmißbrauch, daß "ungeachtet der von
der Regierung zur Verfügung gestellten Ressourcen der Erfolg in der Verringerung des Drogenmißbrauchs letztlich von der Vorbeugung durch Informiertsein und Wachsamkeit abhängt".

Seit den ersten Gesprächsrunden der "First Ladies" im April dieses
Jahres über die Drogenprobleme haben viele Nationen begonnen, Mißbrauch
und Handel mit Suchtstoffen unter allen nur möglichen Aspekten zu betrachten.

Auf dem Wirtschaftsgipfel in Bonn, kurze Zeit später, waren

sich die Teilnehmerstaaten einig, daß das Gewicht des Problems größte
Aufmerksamkeit auf verschiedenen Ebenen verlange und im kommenden Jahr in.
Tokio erneut behandelt werden müsse.

Auch im Rahmen der Vereinten Natio-

�Vereinten Nationen forderte jetzt Generalsekretär Perez de Cuellar eine
"Weltkonferenz der Vereinten Nationen über Suchtstoffe" - ein Zeichen dafür, wie ernst internationale Körperschaften die Drogengefahr beurteilen.

Manche Nationen hätten

dank der

Initiativen, die die Frau ihres

Staatspräsidenten oder Regierungschefs in den letzten Monaten unternommen
habe, dennoch erkannt, daß Drogenmißbrauch gestoppt werden könnte, wenn
alle "nein" sagen zum Konsum.

Jon Thomas, Unterstaatssekretär im ameri-

kanischen Außenministerium für internationale Suchtstoffangelegenheiten,
erklärte vor der Gesprächsrunde der "First Ladies" in New York u.a.:
"Das internationale Suchtstoffproblem ist nicht über Nacht zu lösen.
werden lange zu kämpfen haben.

Wir

Aber wenn der Kampf an vielen Fronten

ausgetragen wird - in der Familie, in unseren Gemeinwesen, in unseren
Rechtssystemen

und

in

unseren

regionalen

gemeinsamen

-, dann sollte es möglich sein, ihn zu gewinnen."

Anstrengungen

Eine der wichtigsten

Voraussetzungen dafür sei enge internationale Zusammenarbeit.

Sie sei

zwischen Ursprungs- und Verbraucherländer für illegale Drogen gerade in
letzter Zeit verbessert worden, müsse aber noch wesentlich ausgebaut werden.

- 3 -

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                    <text>fä 11

und
Dokumentation

117

United States Information Service
Embassy of the United States of America

16. Oktober 1985

41

I N H A L T

DOKUMENTATION

USA wünschen friedlichen Wettstreit mit der Sowjetunion
- US-Verteidigungsminister Weinberger vor dem National Press Club

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Datenspeicher Antarktis
- US-Projekte der Forschungssaison 1985/86

* * * * *

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel 0228-339 2035
Telex 8-85432

�AI

16. Oktober 1985

USA WÜNSCHEN FRIEDLICHEN WETTSTREIT MIT DER SOWJETUNION
- US-Verteidigungsminister Weinberger vor dem National Press Club -

WASHINGTON

- (AD) - Der amerikanische

Verteidigungsminister

Caspar

Weinberger betonte in einer Rede am 9. Oktober 1985 in Washington vor dem
National

Press

Club

zum Thema

Verteic igungsstrategie

der Vereinigten

Staaten, es sei das Bestreben der USA, die Sowjetunion davon zu überzeugen, daß es sinnvoller sei, zu einem friedlichen Wettstreit zu gelangen,
als einen militärischen Vorteil dem anderen gegenüber zu erlangen.

Die Rede Weinbergers hat folgenden Wortlaut:

Worum handelt es sich bei unserer Verteidigungsstrategie?
Als Die Reagan-Administration

im Jahr 1981 ins Amt kam, hätte man

lang über die Frage diskutieren können:

Womit sah es schlechter aus,

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�schlechter aus "mit unseren Waffen oder mit unseren strategischen Konzepten?"

Nehmen wir zum Beispiel unsere B-52.

Sie wurden bei den amerika-

nischen Streitkräften vor dem Zeitpunkt eingeführt, da die Piloten, die
sie jetzt fliegen sollten, geboren wurden.

Was die strategischen Konzep-

te angeht, die den Einsatz dieser Piloten und Flugzuege betreffen, so
sind sie ncch älter.

Der größte Teil der Konzepte, die unsere Entschei-

dungen hinsichtlich der Frage prägen, welche Streitkräfte wir brauchen
und wie sie: eingesetzt werden sollen, wurde in den fünfziger und frühen
sechziger Jahren entwickelt.

1931 konnten wir uns keine lange Diskussion in bezug auf die Konzepte
erlauben.

Es gab nur die eine Priorität: die militärische Stärke Ameri-

kas so rasch wie möglich wieder herzustellen.

Unser Ziel war die Wieder-

herstellung einer stabilen Abschreckung. Dies machte es nicht nur erforderlich, hinsichtlich der militärischen Stärke wieder ein Gleichgewicht
mit der Sowjetunion herzustellen, sondern auch die strategischen Konzepte
einer UberprUfung zu unterziehen, die von jenen übernommen worden waren,
die bislang in der politischen Verantwortung gestanden hatten.

Nach viereinhalb Jahren haben wir beträchtliche Fortschritte erzielt
- sowohl, was die Stärkung unserer Streitkräfte, als auch die Neuformulierung

unserer

Verteidigungsstrategie

dieser Aufgaben ist abgeschlossen.

und -politik

anbelangt.

Keine

Aber wenn wir über das nachdenken,

was in den verbleibenden drei Jahren der Reagan-Administration noch geleistet weiden soll, dann scheint die Zeit gekommen zu sein, den Wandel
zusammenzufassen, den es bei unseren Überlegungen im Verteidigungsministerium gegeben hat.
k

Ich verfolge daher heute zwei Absichten: Erstens gilt meine Forderung
einer grundlegenden Überprüfung und Revision des konzeptionellen Arsenals
der fünfziger und frühen sechziger Jahre; zweitens will ich unsere Verteidigungsstrategie beschreiben.

Dabei werde ich die drei Hauptsäulen

unserer Verteidigungspolitik für die neunziger Jahre skizzenhaft darstellen:

SDI und die nukleare Abschreckung; den Einsatz militärischer Gewalt

und die konventionelle Abschreckung; und schließlich eine Strategie zur
- 2-

�Strategie zur Verringerung und Kontrolle der Rüstungen.

1. Die zweite Amtszeit:

Neubewertung der konzeptionellen Arsenale der fünfziger und sechziger
Jahre.

Die korzeptionelle Grundlage der Streitkräfte, die heute unserem Befehl unterstehen, wurde in den fünfziger und frühen sechziger Jahren geschaffen.

Werfen wir einen Blick auf die Liste:

Ee.kalacions&lt;ontrolle,

gegenseitig

gesicherte

Nukleare Abschreckung,

Zerstörung,

strategische

Stabilität, Dominanz des Offensivaspektes, flexible Antwort, Gegengewalt,
begrenzter Xrieg, Eskalationsleitern, Rüstungskontrolle.

Welches waren die dominierenden Kennzeichen jener Welt, in der diese
Ideen formt liert und angewendet wurden?
Sätzen zusammenfassen:

Die Antwort läßt sich in zwei

Die Vereinigten Staaten besaßen die nukleare Vor-

herrschaft und die militärische Überlegenheit.
wir einen entscheidenden

Vorteil.

Bei den Kernwaffen hatten

Insgesamt gesehen, investierten wir

mehr als die Sowjets und hatten bei jeder militärischen Dimension - ausgenommen der Stärke der konventionellen

Truppen - ein gewisses Maß an

Überlegenheit.

Diese 2'eit ist vorüber.

In einer wahrhaft ungeheuerlichen Anstren-

gung - die einen dreimal größeren Anteil am Bruttosozialprodukt der UdSSR
verschlingt als dies die amerikanischen Verteidigungsausgaben

hinsicht-

lich des Bruttosozialprodukt der Vereinigten Staaten tun - wurde die Sowjetunion zu einer militärischen Supermacht.

Ob die Vereinigten Staaten

einfach versuchen sollten, eine Abschreckungsfähigkeit

zurückzuerlangen,

die sich auf ein ungefähres Gleichgewicht der Streitkräfte gründet - darüber kann man sich streiten.

Aber hinsichtlich unserer derzeitigen Pläne

sollte sich niemand falsche Vorstellungen machen.

Das Verteidigungspro-

gramm der Reagan-Administration - expansiv, wie es notwendigerweise auch
sein maß - erhebt nicht den Anspruch, unsere frühere Position der Uberle-

�der Überlegenheit

zurückzugewinnen.

Unsere Bemühungen gelten vielmehr

allein dem Versuch, vom Kongreß die Mittel zu erhalten, die sicherstellen, daß wir die Sowjetunion davor abschrecken können, unsere lebenswichtigen Interessen anzugreifen.

Was bedeutet dieser Wandel des militärischen Gleichgewichts für unsere grundlegenden strategischen Konzepte?

Können Ideen, wie sie in einer

Zeit der militärischen Überlegenheit Amerikas formuliert wurden, unter
den heutigen Bedingungen noch den gleichen Wert haben?

Die Welt hat sich

seit den fünfziger und sechziger Jahren, als die meisten dieser strategischen Konzepte erstellt wurden, so grundlegend geändert, daß viele dieser Konzepte heute überholt sind.

Die mutigste Abkehr dieser Administration von den Dogmen der Vergangenheit

ist

die

Strategische

Verteidigungsinitiative

des

Präsidenten

- eine radikale Zurückweisung des Gedankens einer wohlwollenden Einwilligung in beiderseitige gesicherte Zerstörung.

Unsere Position in bezug

auf den Einsatz militärischer Gewalt stellt eine ähnliche Zurückweisung
der

überkommenen

Weisheit

schrittweiser Eskalation dar.

hinsichtlich

begrenzter

Kriegführung

und

Was die Rüstungskontrolle angeht kam diese

Administration mit einer Einstellung ins Amt, die sich sehr von der Haltung jener unterschied, die den SALT II-Vertrag ausgehandelt hatten.

Was

wir wollten, waren erhebliche Verringerungen - nicht eine Lizenz für die
Sowjets, noch weiter aufzurüsten.

2. Was ist unsere Verteidigungsstrategie?
Am Anfang jeder "neuen" Verteidigungsstrategie für die neunziger Jahre muß die Betonung der Kontinuität stehen.

Die elementaren Interessen

der Vereinigten Staaten sind im Verlauf der vier Jahrzehnte seit dem
Zweiten Weltkrieg auf bemerkenswerte Weise konstant geblieben.

Dies gilt

auch für die Tatsache, daß wir im wesentlichen eine defensiv eingestellte
Macht sind.

Im Gegensatz zur Sowjetunion streben wir nicht mit Gewalt

nach politischen oder territorialen Vorteilen.
- 4-

Diese Kontinuität hin-

�Kontinuität hinsichtlich Interessen und Charakter liegt auch unserer Verteidigungsstrategie der Abschreckung zugrunde.

Das Wort Abschreckung ist mittlerweile so oft wiederholt worden, daß
wir uns häufig gar keine Gedanken mehr darüber machen, was es wirklich
bedeutet.

Es bedeutet, daß wir bemüht sind, unsere lebenswichtigen In-

teressen zu schützen - nicht durch Aggression oder Krieg, sondern durch
die Verhinderung eines Krieges.

Und wir versuchen, einen Krieg dadurch

zu verhindern, daß wir potentielle Angreifer davon überzeugen, daß die
Kosten eines Angriffs auf uns jeden Nutzen übersteigen würden, den sie
daraus zu ziehen hoffen.

Dies ist der zentrale Gedanke unserer heutigen

Verteidigungsstrategie - genau, wie er es praktisch in der gesamten Nachkriegszeit war.
Strategie schafft eins Beziehung zwischen Mittel und Zweck.

Die Mit-

tel unseres Bestrebens, die Sowjets zu überzeugen, sind unsere Streitkräfte, die uns gegen eine Aggression der Sowjetunion verteidigen können,
indem sie dieser Kosten auferlegen würden, von der sie wüßte:

Sie wären

stets große:: als jeglicher Vorteil.

Bei der Planung unserer Abschreckung für die neunziger Jahre hat die
Reagan-Administration

dieses Grundkonzept um zwei zusätzliche Gedanken

erweitert.

Erstens:

Eine wirksame Abschreckung muß sich nicht nur mit den Tat-

sachen dieser Bilanz auseinandersetzen, sondern auch mit der Vorstellung,
die die sowjetische Führung von diesen Tatsachen hat.

Es reicht nicht

aus, wenn die Kosten eines Angriffs die Vorteile überwiegen.

Die sowjet-

ische Führung muß nach Interpretation der Fakten aus eigener Perspektive
heraus - nicht aus der unsrigen - zu dem Schluß gelangen, daß ihren Interessen nicht durch Aggression gedient ist.

Zweitens:

Risiko ist das Kernproblem der Verteidigungsplanung.

Das

stets wiederholte Argument, wir müßten unsere Verpflichtungen verringern,
weil unsere Fähigkeiten nicht ausreichten, um diesen unseren Verpflich- 5-

�unseren Verpflichtungen nachzukommen, ist eine schwerwiegende und gefährliche Verkennung des Problems.

Wir können nie hundertprozentig darauf

vertrauen, daß wir stark genug sind, um vor einem Krieg abzuschrecken
oder eine Aggression zurückzuschlagen.

Die entscheidende Frage ist, wel-

che Ebene hinsichtlich des Risikos eines katastrophalen Krieges ist akzeptabel?

Wieviel sollten wir als Sicherheitsprämie bezahlen, um einen

Krieg zu verhindern, in dem es keine Überlebenden geben könnte?

Wenn man diese Konzepte auf die Situation bezieht, die wir 1981 vorfanden, wird sicher deutlich, warum das Urteil von Präsident Reagan und
mir lautete:

Dies ist eine Periode echter Gefahr.

Zwei Jahrzehnte des

ständigen Anwachsens der sowjetischen Streitkräfte in Verbindung mit einem Jahrzehnt einschneidender amerikanischer Verringerungen waren dabei,
das Gleichgewicht zu verschieben.

Käme die sowjetische Führung zu dem

Eindruck, ihre Aufrüstung erbrächte ihr deutliche Vorteile - und die amerikanischen Nachrichtendienste waren zu dem Schluß gelangt, daß dem so
sei -, könnte sie versucht sein, sich politische oder territoriale Vorteile zu verschaffen. War dies nicht genau der Schluß, zu dem sie gelangt
war, als sie in einem Fall kubanische Stellvertreter nach Angola transportierte

und

in

einem

anderen

Fall

in

Afghanistan

einmarschierte?

Schließlich machte es den Eindruck, die Carter-Administration habe sich
zu einer Strategie entschlossen, die man "gefährliche Abschreckung" nennen konnte.

Und die Täuschung funktionierte noch nicht einmal. Unsere

Versicherungspolice war abgelaufen.
Während sich die Sowjetunion die Fähigkeit verschaffte, unsere bodengestützten Interkontinentalraketen zu bedrohen, schlugen einige Amerikaner vor, wir sollten die Gefahr einfach als unerheblich abtun.

In Ver-

teidigungsstrategien - einschließlich jener von ehemaligen Verteidigungsministern,

deren

Weisheiten

treuherzig

von anderen

übernommen

wurden

- wurde empfohlen, wir sollten der sowjetischen Führung einfach erklären,
wir seien von ihrem Vorteil nicht beeindruckt und wir würden nicht so
provokativ oder unliebenswürdig sein, den Versuch einer Reaktion zu unteTnehmen.

Was aber, wenn unsere Bemühungen, sie zu "erziehen", fehl-

schlagen würden?

Was, wenn aus ihrer Perspektive dieser Vorteil bei den
- 6-

�bei den strategischen Nuklearstreitkräften ihr zusätzliche Hebelmöglichkeiten verschaffte?

Ihre Streitkräfte, ihr Vorwärtsdrang und ihre Vor-

stellung von unserer Inaktivität hätten sie in die Versuchung führen können, eine katastrophale Fehlkalkulation zu machen- ja, vielleicht wäre es
dazu gekommen, wenn es für sie Grund zu der Vermutung gegeben hätte, wir
würden die gigantische Anstrengung nicht unternehmen - die wir dann doch
machten -, um unsere militärische Stärke wiederzuerlangen.

Um dieses Risiko zu verringern, handelten wir in aller Entschlossenheit.

Für uns gab es nur ein Ziel:

die schnellstmögliche Wiederherstel-

lung von Umständen, unter denen die sowjetische Führung sich keiner Illusion darüber

hingeben konnte, daß ihre Streitkräfte eingesetzt werden

könnten, um bedeutsame militärische oder politische Vorteile gegen unsere
lebenswichtigen Interessen zu erlangen.
Wenn Sie mich also nach unserer Strategie fragen, dann möchte ich
ganz einfach sagen, es geht darum, so rasch und so wirksam wie möglich
eine Abschreckung aufzubauen, die so stark wie möglich ist.
zu sein, muß unsere Abschreckung zwei Proben bestehen:

Um wirksam

Sie muß die so-

wjetische Führung glaubwürdig davon überzeugen können, daß sie keinerlei
wesentlichen militärischen Vorteil gegen unsere lebenswichtigen Interessen erlangen kann; und sie muß die Gefahr eines Versagens so gering wie
möglich halten - sei es durch unbeabsichtigte Zwischenfälle, durch nichtgenehmigten Einsatz oder durch Fehlkalkulation seitens der Sowjets.

Und was ist unser Ziel?
einem Satz sagen:

Was wollen wir letztlich?

Frieden und Freiheit.

Ich kann das mit

Nicht Frieden auf Kosten der

Freiheit, sondern wie Präsident John F. Kennedy vor 25 Jahren sagte:
Beides, Frieden und Freiheit.

Unser Ziel ist nicht, zu kämpfen, sondern

unsere Freiheit ohne Kampf zu bewahren - für uns und unsere Verbündeten
sowie für eine immer größer werdende Anzahl von Ländern dieser Welt, indem wir alle zusammenarbeiten und die Lasten und die Vorzüge teilen, die
Frieden und Freiheit ohne Krieg mit sich bringen.

Unsere Strategie, un-

sere Ziele und unser Programm sind so einfach und so lebenswichtig für
unsere

Zukunft, daß ich zu behaupten wage:

Jene, die noch immer die

�immer die_hohle und vage Kritik vorbringen, wir hätten keine Strategie,
stellen sich nur aus ziemlich rechthaberischen Gründen gegen das, was wir
tun.

Die einen glauben, wir wollen nicht so oft kämpfen wie anscheinend

sie es tun, während die andern glauben, alles was wir tun, sei zu kostspielig, wir sollten unser Defizit abbauen und uns vielleicht später Gedanken über unsere künftige Sicherheit machen.

Ich meine, es ist ein

Glück für unsere Zukunft, daß wir einen Präsidenten haben, für den unsere
Sicherheit und unser Überleben an erster Stelle stehen.

Schließlich werden manche von Ihnen sagen:

Wieviel ist genug?

Nach-

dem wir unsere Verteidigungskapazitäten in der ersten Amtszeit gestärkt
haben, könnten wir uns doch nun anderen Prioritäten zuwenden.

Ich will nicht so tun, als gäbe es eine einfache Antwort auf die Frage, wieviel genug ist.

Die Schlußfolgerungen bezüglich, Risiko, Glaub-

würdigkeit und Abschreckung

ruhen auf vielen schwierigen Überlegungen.

Manche Menschen würden lieber dieser Frage entgehen, indem sie sich vorstellen, es gäbe ein eindeutiges Kalkül der Abschreckung.

Der Anspruch

auf - falsche - Präzision dient keinem anderen Zweck als der Verwirrung.

Beim Bau eines Hauses in einem Gebiet, in dem es Orkane oder Erdbeben
gibt, kann der Bauherr mehr oder weniger Vorsichtsmaßnahmen
- und mehr oder weniger
nennt.

ergreifen

für das ausgeben, was man "Sicherheitsprämie"

Man stelle sich nur jemanden vor, der das Haus für seine Familie

dort baut, wo häufig Hurrikane durchziehen und der dieser Bedrohung keine
Aufmerksamkeit schenkt, der seine Familie bei einem Hurrikane lieber in
dem Haus läßt als sie in eine sicherere Gegend zu bringen - nur, um Geld
zu sparen für ein zweites Auto.

Die meisten Amerikaner würden einen sol-

chen Menschen als leichtsinnig und rücksichtslos ansehen. Die Frage, die
sich dem amerikanischen Volk bei der Planung unserer Verteidigung stellt,
ist die, wie vorsichtig oder risikobereit wollen wir bei der Sicherheit
unserer Nation sein.

Man kann es auch zugespitzter

formulieren:

Der Vergleich mit der

"Sicherheitsprämie" beim Bau eines Hauses hat etwas Passives.
- 8-

Unsere

�Passives.

Unsere präventiven Maßnahmen hingegen beeinflussen aktiv die

Absichten potentieller Aggressoren, wenn sie unsere Interessen bedrohen
wollen.

Militärische Stärke ist besser als Schadensbehebung.

Nehmen wir ein anderes einfaches Beispiel.

Unsere internationale Si-

cherheit läßt sich mit unserer Sicherheit vor Straftätern im eigenen Land
vergleichen.

Wenn wir unsere Banken und Häuser vor Einbruch und Raub

schützen, wenn unsere Polizei und unsere Gerichte rasche und eindeutige
Bestrafung von Kriminellen garantieren und wenn wir eine angemessene Versicherung abschließen, verringert sich der Anreiz für einen potentiellen
Straftäter, ein Verbrechen zu begehen.
gen Unfälle zu treffen.

So versuchen wir Vorkehrungen ge-

Gleichermaßen begegnen wir einer möglichen so-

wjetischen Herausforderung, wenn wir über eine ausreichende amerikanische
Verteidigungskapazität verfügen, die die Sowjetunion davon überzeugt, saß
ihre Aggression zum Scheitern verurteilt sein würde.

Das Verteidigungsministerium gibt keinen Pfennig aus, den der Kongreß
nicht bewilligt hat - und kann es auch nicht.

Natürlich weiß ich, daß

viele Kongreßmitglieder und viele Bürger der Meinung sind, man sollte bei
unseren verstärkten Verteidigungsanstrengungen jetzt erst einmal Halt machen oder sie sogar zurückstutzen.

Die Vereinigten Staaten können ihre

Verteidigungsausgaben beschneiden - aber nicht ohne unsere Streitkräfte
zu schwächen.

Die Vereinigten Staaten können ihre Streitkräfte schwä-

chen, - aber nicht ohne unsere Abschreckung zu schwächen; und wir können
natürlich unsere Abschreckung schwächen - nicht jedoch, ohne die Gefahr
einer sowjetischen Aggression und eines Krieges zu erhöhen.

Manche Ame-

rikaner scheinen bereit zu sein, das höhere Risiko einer sowjetischen Aggression in Kauf zu nehmen, indem wir unsere eigene Versicherung verringern.

Aber ich bin noch immer der Ansicht: Wenn das amerikanische Volk

sich diese Alternative genau ansieht, dann wird sich die Mehrheit immer
gegen eine Schwächung unserer Abschreckung und eine Erhöhung der Kriegsgefahr aussprechen.

Und ich kann Ihnen versichern: Solange ich als Ver-

teidigungsminister im Amt bin, werde ich alles in meiner Macht Stehende
tun, um diese Gefahren

so deutlich darzulegen wie ich dies nur kann

- ganz gleich, wie lästig und unangenehm dies für einige auch sein mag
- 9-

�sein mag - und uns an die potentiell katastrophalen Folgen erinnern, wenn
man die Sieherheitsprämie reduziert und sich mit weniger als der sicherstmöglichen Abschreckung zufrieden gibt.

3. Grundpfeiler unserer Verteidigungspolitik der neunziger Jahre

Unsere Verteidigungspolitik der neunziger Jahre hat viele Aspekte.
Ich will hier drei nennen: SDI und die nukleare Abschreckung, Anwendung
von Gewalt und konventionelle Abschreckung sowie eine Strategie zur Verringerung der Rüstung und zur Abrüstung.

SDI und nukleare Abschreckung;

Die Strategische Verteidigungsinitia-

tive des Präsidenten (SDI) verblüfft viele der traditionellen Theoretiker.

Es geht hierbei um eine Strategie, die für ihn die höchste Priori-

tät hat. Und es handelt sich um eine weit sicherere Abschreckung als der
Pakt zu gegenseitigem Selbstmord, den wir eingegangen sind, und der derzeit für uns die einzige Möglichkeit der Friedenssicherung darstellt.

Kritiker der Strategischen Verteidigung sind normalerweise Befürworter der "Gegenseitig Gesicherten Zerstörung" (MAD).

MAD beschreibt eine

Situation, in der beide Supermächte nach Erleiden eines umfassenden nuklearen Erstschlags durch den Gegner immer noch über die Fähigkeit verfügen, den Gegner durch Kernwaffen so zu treffen, daß er als moderne Gesellschaft zerstört wird.

Das ist die Lage heute. Und deshalb nenne ich

das einen Pakt zum gegenseitigen Selbstmord.

Sowohl die Vereingten Staa-

ten als auch die Sowjetunion sind in der Lage, den anderen zu vernichten
- gleich, was dieser unternimmt.

Den Befürwortern von MAD zufolge bildet

dieser gegenseitige Selbstmordpaktr den Grundstein der strategischen Stabilität.

Weil jeder die Möglichkeit hat, die Gesellschaft des anderen zu

zerstören, kann keiner daran denken, einen Krieg zu führen. Dadurch wird
der krieg abgeschreckt.

So setzen sich viele Befürworter von MAD für

Maßnahmen ein, die den Atomkrieg so schrecklich wie möglich machen wür- 10-

�machen würden, um ihn dadurch so undenkbar wie möglich zu machen.

Viele

sind gegen jegliche Form der Verteidigung - vom Zivilschutz bis zur strategischen Verteidigung.

Die Strategische Verteidigungsinitiative von Präsident Reagan stellt
nunmehr die Frage:

Ist eine nukleare Abschreckung, die als einziges Mit-

tel mit der Apokalypse droht, wirklich glaubwürdig?

Wenn die Sowjetunion

sieht, daß wir in Reaktion auf einen begrenzten Nuklearangriff von ihrer
Seite aus keine andere Antwort haben als die, einen Mechanismus auszulösen, der möglicherweise gegenseitigen Selbstmord bedeutet - könnte die
sowjetische Führung dann nicht eines Tages auf den Gedanken kommen, wir
würden auf einen solch begrenzten Angriff lieber nicht reagieren?

Um

dies zu vermeiden zog seit den frühen siebziger Jahren jeder Präsident
und

jeder

Verteidigungsminister

die

Schlußfolgerung,

die

Vereinigten

Staaten würden dann zur Abwehr eines Angriffs in der Lage sein, wenn wir
die Fähigkeit entwickeln, auf selektive sowjetische Angriffe auch selektiv und nicht wahllos reagieren zu können.

Der Einspruch der Befürworter von MAD lautet aber:

Warum etwas auf-

geben, das den Frieden seit nunmehr schon vierzig Jahren bewahrt hat?
Weil dem in Wirklichkeit gar nicht so war. MAD gibt es erst seit kurzem.
Ein Großteil der vergangenen vierzig Jahre wurde zunächst einmal durch
das amerikanische Nuklearmonopol gesichert, dann durch eine beträchtliche
nukleare Überlegenheit der Vereinigten Staaten.

Erst vor kurzem hat die

Sowjetunion die Fähigkeit zu einem gesicherten Zweitschlag gegen die Vereinigten Staaten erhalten.

In dem Maß, in dem die sowjetische Kapazität

sich ausgeweitet hat und sie uns an Anzahl der Startgeräte und hinsichtlich des Wurfgewichts überlegen ist, hat die Glaubwürdigkeit unserer nuklearen Abschreckung nachgelassen.

Für mich gibt es drei völlig überzeugende Argumente für Präsident
Reagans SDI - von denen jede als Argument für das von uns unternommene
Forschungsprogramm ausreicht und die alle drei völlig korrekt sind.

Sie

lauten: der sowjetische Durchbruch, die sowjetische Vertragsaufkündigung
sowie die Möglichkeit, daß Wissenschaft und Technologie Amerikas etwas
- 11-

�Amerikas etwas erreichen können, was manchen als unmöglicher Traum erscheint.

Lassen Sie mich nacheinander auf diese drei Argumente eingehen.

Seit dem ABM-Vertrag des Jahres 1972 hat

die Sowjetunion für ihre

strategische Verteidigung mindestens so viel Mittel verwendet wie für ihre ungeheure Aufrüstung im Bereich der strategischen, nuklearen Offensivwaffen.

Die sowjetische Luftverteidigung besteht mittlerweile aus über

13 000 Startgeräten für Boden-Luft-Raketen sowie einem gewaltigen Radarund Abfangjägernetz.

Die Sowjetunion hat das einzige, vom ABM-Vertrag

gestattete, ABM-System - nämlich das System um Moskau - für Verbesserungen, Erprobungen
gungsanlagen

und Erfahrungen im Bereich von umfassenden Verteidi-

gegen ballistische

Raketen genützt.

Außerdem

investieren

die Sowjets sei über zwei Jahrezehnten gewaltige Summen in alle Formen
der Luftabwehr - einschließlich genau jener Technologien, die unser eigenes

Forschungsprogramm

zur strategischen

Verteidigung

umfaßt.

Selbst

wenn man die Kosten der Strategischen Verteidigungsinitiative des Präsidenten für das Jahr 1985 mit in den Vergleich einbezieht, gibt die Sowjetunion etwa zehnmal so viel für ihre strategische Verteidigung aus wie
die Vereingten Staaten.

Die sowjetische Heuchelei in dieser Frage erreicht wahrlich Orwell'sche Ausmaße.

Zehn Tage, nachdem Präsident Reagan seine Pläne zur Erfor-

schung der Möglichkeit einer strategische Verteidiung darlegte, druckte
die PRAWDA eine Erklärung, in der bedauert wurde, daß so viel wissenschaftliches Talent für die Entwicklung derlei defensiver Systeme vergeudet werde.

Zu den Unterzeichnern dieser Erklärung gehörte der Mann, der

in der Sowjetunion für das strategische Verteidigungsprogramm zuständig
ist, der in der Sowjetunion die tödlichsten strategischen Raketen entworfen hat, der die militärischen Laserprogramme leitet und der Architekt
des jetzt bei Moskau dislozierten Raketenabwehrsystems ist - samt einigen
Dutzend seiner Mitarbeiter.

Mittlerweile haben die Sowjets mehr von den Großradaranlagen mit phasengesteuerter Abtastung disloziert, auf die sich ein landesweites ABMSystem stützen würde, als die ins eigene Land ausgerichteten Radaranla- 12-

�ausgerichteten Radaranlagen, deren Dislozierung die Vereinigten Staaten
für das System geplant hatten, das wir 1972 aufgaben - nämlich zweimal so
viele.

Und dazu gehört auch die Radaranlage, die derzeit bei Krasnojarsk

gebaut wird - eine Anlage, die eklatant und völlig ungerechtfertigt den
ABM-Vertrag verletzt.

Diese Beweislage bringt uns zu dem Schluß, daß die sowjetische Führung zu keiner Zeit die Theorie der gegenseitig gesicherten Zerstörung
akzeptiert hat, für die viele Amerikaner eintreten und die als Grundlage
des ABM-Vertrags diente.

Vielmehr hat die sowjetische Führung eine große

und anhaltende Anstrengung unternommen, die Verwundbarkeit ihres Landes
- und insbesondere iire eigene - zu verringern. So sind die Sowjets uns
heute nicht nur in der Entwicklung und Dislozierung der strategischen
Verteidigung voraus, sondern sie haben auch so viel mehr Mittel in diese
Technologien und in viele andere Bereiche investiert, daß unser SDI-Forschungsprogramm, das der Präsident in die Wege geleitet hat, allein schon
als Vorsichtsmaßnahme gegen einen sowjetischen Durchbruch gerechtfertigt
wäre - selbst wenn dies nur die einzige Überlegung wäre.

Das Argument einer "sowjetischen Vertragsaufkündigung" schließt sich
logisch an.

Die sowjetischen Verteidigungsanstrengungen sind so unent-

wegt, daß wir die Möglichkeit einer konkreten Aufkündigung des ABM-Vertrags in unsere Überlegungen mit einbeziehen müssen.

Wenn die Sowjets

heute eine strategische Verteidigung dislozieren könnten, die ihren Interessen in erheblichem Maße förderlich wäre - wer wollte daran zweifeln,
daß sie das trotz des Vertrags und ihrer heuchlerischen Kritik an unserem
Programm auch tun würden?

Ein tatkräftiges strategisches Verteidigungs-

programm der Vereinigten Staaten ist daher von entscheidender Bedeutung,
um sicherzustellen, daß wir nicht eines Tages aufwachen und sehen, wie
die Sowjets sich an eine umfassende Dislozierung machen.

Ein drittes und nach meiner Ansicht das schlüssigste Argument für unser SDI-Programm ist. die Möglichkeit, daß Wissenschaft und Technologie
eine Zukunft schaffen können, in der Nuklearraketen immer weniger in der
Lage sein werden, ihre schreckliche Mission zu erfüllen und schließlich
- 13-

�und schließlich machtlos und überholt sein werden.

Dieser Weg zu einer

sichereren Welt wird weder leicht noch kurz sein.

Unser Forschungspro-

gramm ist der notwendige erste Schritt.

Aber wenn man bedenkt, was Ex-

perten in der Vergangenheit bezüglich dessen erklärt haben, was in unserer Zukunft nicht getan werden könnte, dann bin ich einigermaßen enttäuscht über die Arroganz, mit der einige hervorragende

amerikanische

Wissenschaftler und andere erklären, der Traum des Präsidenten sei unmöglich.

Erinnern wir uns daran, daß Albert Einstein im Jahr 1932 voraus-

sagte:

"Es besteht nicht das geringste Anzeichen, daß Kernenergie jemals

möglich sein wird.

Das würde bedeuten, daß das Atom beliebig aufgespal-

ten werden müßte."
Solche bedeutsamen Irrtümer bestärken mich nur in meiner Überzeugung,
daß wir ein nachhaltiges Forschungsprogramm

weiterführen müssen.

Das

Ziel und die Entschlossenheit des Präsidenten laufen ganz einfach darauf
hinaus, alles in unseren Kräften Stehende zu tun, um zur Schaffung einer
viel sichereren Welt für kommende Generationen beizutragen.

Selbstver-

ständlich werden wir das nicht aufgeben.
Konventionelle Abschreckung und Anwendung von Gewalt: Ich erwähne
diese Säule unserer Verteidigungspolitik für die neunziger Jahre hauptsächlich deswegen, um den Unterschied zwischen unserer Strategie der konventionellen Abschreckung und den Theorien der kontrollierten Eskalation
und des begrenzten Krieges der späten fünfziger Jahre zu unterstreichen.
Nach den in den fünfziger und Anfang der sechziger Jahren entwickelten
Doktrinen war ein begrenzter Krieg im wesentlichen ein diplomatisches Instrument: ein Instrument, um dem Gegner etwas abzuhandeln. Daher mußte
er von der politischen Führung zentral geleitet und mit ganz genauer Kontrolle durchgeführt werden. Nach den damaligen Theorien würde die
schrittweise Anwendung amerikanischer Gewalt zusammen mit der Androhung
der Eskalation zur nächsten Sprosse auf der Leiter die Gegner Amerikas
dazu bewegen, eine Beilegung zu akzeptieren, mit der sie eine strategische Niederlage verhüten konnten.
Der fatale Fehler
- 14-

�Der fatale Fehler dieser Theorien der fünfziger Jahre bestand darin,
daß sie die innenpolitischen Realitäten der amerikanischen Demokratie außer acht ließen.

Diese Theorien wie auch ihre Anwendung durch Lyndon B.

Johnson in Vietnam in den sechziger Jahren waren eine Nachahmung der Einstellung zum Krieg aus dem 18. Jahrhundert.

In jenen Zeiten war der

Krieg, wie Clausewitz feststellte, noch eine Angelegenheit, die nur Regierungen anging und die Rolle des Volkes war einfach die eines Instruments.

Die Schöpfer der amerikanischen Verfassung lehnten diese Vorstel-

lung vom Krieg ab.

Unsere Verfassung behält allein dem Kongreß als Ver-

treter des Volkes das Recht vor, Krieg zu erklären.

Und so haben vor Ko-

rea und Vietnam - atßer ^ür gelegentliche kurze Exkursionen - die Präsidenten schwer daran gearbeitet, einen öffentlichen Konsens herzustellen,
bevor sie Amerika in den Krieg führten.

So hat sich noch Franklin D.

Roosevelt von 1939 bis 1941 darum bemüht, einen Konsens herzustellen,
selbst als Europa schon eingeschlossen war.

Er konnte nichts anderes

tun, und wenn er auch gerne etwas anderes getan hätte, so hat Roosevelt
niemals daran gedacht, amerikanische Truppen ohne die Billigung des Kongresses und die Sicherstellung der Unterstützung durch das amerikanische
Volk in die Schlacht zu schicken.

In Korea und dann in Vietnam zog Ame-

rika ohne einen starken Konsens der Unterstützung und Zustimmung zu unseren grundlegenden Zielsetzungen in den Krieg.

Und so hat einer meiner

Vorgänger, der frühere Verteidigungsminister Robert McNamara einmal festgestellt, daß "der größte Beitrag, den Vietnam leistet - Recht oder Unrecht steht hier nicht zur Debatte - darin besteht, daß es eine Fähigkeit
in den Vereinigten Staaten entwickelt, einen begrenzten Krieg zu führen,
einen Krieg zu führen ohne die Notwendigkeit, die Öffentlichkeit dazu
aufzustacheln."

Und dieser Erklärung kann ich nur hinzufügen, auch ohne

die Notwendigkeit
Truman und

oder

die

Absicht

zu gewinnen.

Und, wie

Präsident

Präsident Johnson entdecken mußten, das amerikanische Volk

hatte das letzte Wort.

Die sechs Bedingungen, die ich im vorigen Jahr hier für die Anwendung
militärischer Gewalt aufgestellt habe, unterstreichen, daß die amerikanische Regierung, wenn sie daran denkt, amerikanische Streitkräfte im
Kampf einzusetzen, als erstes feststellen muß, daß es um unsere Lebensin- 15-

�unsere Lebensinteressen geht; daß wir bereit sind, genügend Streitkräfte
einzusetzen, um zu siegen; daß wir klar definierte politische und militärische Ziele haben; daß wir unsere Streitkräfte so aufgebaut haben, daß
sie unseren Zielen und Zwecken entsprechen; daß wir vernünftigen Grund zu
der

Annahme

haben, daß

uns

das

amerikanische

Volk

unterstützt; und

schließlich und letztlich, daß amerikanische Streitkräfte nur als letzter
Ausweg zum Kampf eingesetzt werden dürfen.

Die amerikanischen Interessen sind nirgendwo in Stein gemeißelt.

Wir

sollten niemals der Versuchung erliegen, einen weiten Bogen von Lebensinteressen zu definieren, wie dies Außenminister Acheson Anfang der fünfziger Jahre getan hat, damit aber praktisch bekanntgeben, daß bestimmte Gebiete "außerhalb unseres strategischen Perimeters liegen".
nicht zulassen, daß die Sowjets unsere Interessen definieren.

Wir dürfen
Die Beur-

teilung von Lebensinteressen wird manchmal von den Umständen des jeweiligen Falles, der jeweiligen Entwicklung wie auch innewohnender Werte abhängen.

Die Notwendigkeit zu gewinnen, setzt eindeutig definierte Ziel-

setzungen und ein festes und entschlossenes Amerika voraus.

Kein Aspekt meiner Kriterien für die Anwendung von Gewalt fand mehr
Beachtung und Kritik als die Forderung, daß wir die angemessene Gewähr
einer Unterstützung durch das amerikanische Volk brauchen.
Gewähr, so erklären die Kritiker, könne es nicht geben.

Eine solche

Eine Regierung,

die gezwungen sei, auf die Zustimmung des Volkes zu warten, wäre in der
internationalen Politik gelähmt.

Manche Leute behaupten sogar, dies wür-

de bedeuten, daß Amerika überhaupt keinen Krieg führen könne.
Ich habe nicht die Absicht, die Enttäuschungen der Führung in einer
Demokratie

beiseite

richtig informiert.

zu

schieben.

Die Öffentlichkeit

ist nicht

immer

Wenn Roosevelt vielleicht bereit gewesen wäre, aus

eigener Vollmacht im Jahr 1939, 1940 oder 1941 in den Zweiten Weltkrieg
einzutreten, dann hätten das Volk und der Kongreß ihn vielleicht unterstützt.

Das weiß niemand.

Aber wir dürfen nicht vergessen, daß zu dem

Zeitpunkt, als die ganze Macht der öffentlichen Meinung in Amerika eindeutig für die Notwendigkeit des Sieges in einem Weltkrieg mobilisiert
- 16-

�Weltkrieg mobilisiert war, wir auch zusammen mit unseren Verbündeten in
der Lage waren, die bedingungslose Kapitulation der Nazis und der Japaner
sicherzustellen.

Mein Argument lautet nicht, daß das Urteil, zu dem das amerikanische
Volk gelangt ist, unbedingt immer richtig sein muß.
scheidener und wichtiger.

Meine These ist be-

Sie besagt, daß die amerikanische Demokratie

auf dem Grundsatz aufgebaut ist, daß das amerikanische Volk nicht unbedingt immer recht hat, es aber keine bessere Richtschnur für eine kluge
Politik gibt.

Unsere Regierung basiert daher auf einem Prozeß, der den

Präsidenten und den Kongreß zwingt, die Führung zu übernehmen, aber die
Unterstützung des amerikanischen Volkes anzustreben und zu erhalten, um
so einen Kurs des Handelns durchhalten zu können.

Dies alles geht von

der Annahme aus, daß dieser Prozeß auf längere Sicht zu klügeren Entscheidungen führt, als alle anderen bisher bekannten Mechanismen.
Verfassung

behauptet

nicht, daß dieser

Unsere

Prozeß leicht sein wird.

Wie

Churchill einmal bemerkte, ist die Demokratie die schlechteste Regierungsform, die die Menschheit kennt - mit Ausnahme aller anderen Formen.
Unsere Regierung ist auf jeden Fall auf die Überlegung gegründet, daß das
sachkundige Urteil des Volkes eine klügere Richtschnur sein wird, als die
Auffassung eines Präsidenten allein, oder eines Präsidenten samt seiner
Mitarbeiter oder irgendeiner selbsterwählten Elite.

Die Vorsicht, die aus diesen sechs Vorbedingungen für die Anwendung
militärischer

Gewalt herausklingt, ist beabsichtigt.

Es gibt auf der

Welt eine endlose Zahl von Krisenherden, wo man sich vorstellen könnte,
daß amerikanische Streitkräfte eine nützliche Rolle spielen könnten.

Die

Theorie, daß die bloße Präsenz einer unzureichenden Zahl amerikanischer
Soldaten die Dinge im positiven Sinne beeinflussen könnte, reicht für unsere Regierung nicht aus, von amerikanischen Soldaten zu verlangen, daß
sie ihr Leben in Demonstrationen aufs Spiel setzen, die keinen Sinn und
Zweck haben.

Wir sind bereit, unser Leben, unser Hab und Gut und unsere

heilige Ehre einzusetzen, wenn die Sache es wert ist.

Aber die Tatsache,

daß eine begrenzte amerikanische Präsenz eine gewisse diplomatische Hebelwirkung bieten könnte, ist nicht ausreichend.
Es ist mir
- 17-

�Es ist mir vorgeworfen worden, daß ich auf der einen Seite rastlos
unsere militärische Stärke aufbauen würde, daß ich aber auf der anderen
Seite zögere, unsere Streitkräfte einzusetzen.

Ich habe festgestellt,

daß unsere Befehlshaber, die unsere Männer in die Schlacht führen würden,
und ihnen Befehle erteilen müßten, die manchmal zu ihrem Tod führen würden, in gleicher Weise entschieden dafür sind, daß die Notwendigkeit solcher letzten Opfer wirklich die Sache wert sein müssen.

Manche Kritiker

werden diese doppelte Verpflichtung zur Stärke und zur Vorsicht als widersprüchlich beurteilen.

Ich glaube, daß diese doppelte Verpflichtung

eine entscheidende Wahrheit und vielleicht auch ein tiefes Paradox zum
Ausdruck bringt.

Die Erkenntnis und Anerkennung des unserer Demokratie

innewohnenden Zögerns, von unseren Soldaten zu fordern, für ihr Land zu
sterben, hebt noch viel deutlicher die Notwendigkeit hervor, über die militärische Macht zu verfügen, die notwendig ist, um Gegner abzuschrecken.
Der rote Faden, der sich durch die Politik der Reagan-Administration
zieht, ist

die Kombination ausreichender militärischer Stärke mit der

klaren Entschlossenheit, einer Aggression zu widerstehen - und damit Herausforderungen zu entmutigen.

Wenn wir den Angriff, der den Einsatz ame-

rikanischer Soldaten als Antwort notwendig machen würde, verhindern, dann
erreichen wir unser Ziel ohne Krieg.

Frieden durch Stärke ist mehr als

nur ein Schlagwort - er ist eine Tatsache.

Was die Entschlossenheit dieser Administration beflügelt, unsere konventionelle

militärische

Kapazität

auszubauen, die

Einsatzbereitschaft

und das Durchhaltevermögen zu verstärken und die Abhängigkeit von Kernwaffen zu verringern, ist unsere Verpflichtung, die konventionelle Abschreckung

funktionsfähig

Abschreckung

zu machen.

Je stärker unsere konventionelle

ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit eines An-

griffs und desto niedriger ist das Risiko eines Krieges.

Je stärker un-

sere konventionelle Abschreckung ist, desto weniger müssen wir uns auf
die Androhung einer nuklearen Vergeltung verlassen.

Viele Kritiker gaben vor, über die Tatsache erstaunt zu sein, daß
seit dem Zeitpunkt, da Ronald Reagan Präsident wurde und mit dem Wiederaufbau unserer militärischen Stärke begann, die Serie der jährlichen so- 18-

�jährlichen sowjetischen Aggressionen von Angola bis Afghanistan aufgehört
hat.

Wir sind der Überzeugung, daß dies kein reiner Zufall ist.

Eine

Strategie

zur

Verringerung

und

Kontrolle der Rüstungen:

Es

fällt mit schwer, hinsichtlich der Ideen der Rüstungskontrolle aus den
Anfängen der sechziger Jahren unparteiisch zu sein.

Denn wenn man die

Annahmen, von denen das SALT I-Interimsabkommen, der ABM-Vertrag und der
SALT Il-Vertrag ausgehen, genau betrachtet, versteht man, warum Präsident
Reagan dies als "Pseudo-Püstungskontrolle" bezeichnet hat. Als erstes war
man davon ausgegangen, daß ein Abkommen schon an sich gut sei - gleichgültig, welche Auswirkungen es habe.

Zweitens wurden die sowjetischen Motive in Rüstungskontrollverhandlungen als etwas behandelt, was man unabhängig von den allgemeinen politischen und strategischen Zielen der Sowjets betrachten könne, als ob sie
mit den Motivationen nichts zu tun hätten, die ihre strategische Aufrüstung

vorantrieben.

Man ging davon aus, daß sowjetische Rüstungskon-

trollverhandlungen den unsrigen glichen und von ähnlichen Motiven geleitet seien.

Drittens wurden die Anreize für sowjetisches Verhandeln und

Einverständnis vernachlässigt, wodurch Verhandlungen immer wieder in einen Versuch verwandelt wurden, herauszufinden, wozu die Sowjets bereit
wären, ihre Zustimmung zu geben.

Viertens ging man davon aus, daß die

Einhaltung solcher Verträge durch die Sowjets vollständig und umfassend
wäre, selbst wenn keine Strafen für Vertragsverletzungen vorgesehen waren.

Und schließlich ging man davon aus, daß die Sowjetunion diesen Ver-

trägen im wesentlichen mit den gleichen Absichten zugestimmt habe wie die
Vereinigten Staaten.

Diese Annahmen wurden im Lichte der nachfolgenden Ereignisse immer
weniger haltbar.

Während die Vereinigten Staaten nach dem ABM-Vertrag

von 1972 die Ausgaben für ihre Verteidigung senkten, haben die Sowjets im
Gegensatz dazu, wie wir gesehen haben, seit 1972 so viel für ihre strategische Verteidigung investiert, wie sie für ihre außerordentlich offensive Aufrüstung ausgegeben haben.

Mitte der sechziger Jahre stellten die

Vereinigten Staaten den Bau von Abschußrampen für landgestützte Interkon- 19-

�landgestützte

Interkontinentalraketen

ein.

Verteidigungsminister

Mc-

Namara sagte zunächst voraus, daß die Sowjets auf einem Stande einhalten
würden, der etwas niedriger wäre als der unsrige.

Als sie diesen Punkt

überschritten, sagte er voraus, daß sie auf die gleichen Zahlen nachziehen und dann einhalten würden.

In Wirklichkeit übertrafen sie uns zah-

lenmäßig und übertrafen uns weit, was das Wurfgewicht angeht.
Gebiet der unterseebootgestützten
uns.

Nur

auf dem Gebiet

Auf dem

ICBM hielten wir ein, sie überholten

der Gesamtzahl der strategischen Nuklearge-

fechtsköpfe behielten die Vereinigten Staaten ihren Vorsprung, aber die
sowjetischen Programme werden bald an uns vorbeiziehen.

Der ehemalige

Verteidigungsminister Harold Brown hat das Ganze einmal so zusammengefaßt:

"Wenn wir bauen, bauen sie.

Wenn wir anhalten, bauen sie."

Falschinformierte Rüstungskontrollverfechter reden weiterhin von einer Spirale des Wettrüstens zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.

Aber die Tatsachen sprechen eine ganz andere Sprache.

Heute

besitzen die Vereinigten Staaten rund 8000 weniger Kernwaffen als im Jahr
1976.

Die Megatonnage dieser verringerten amerikanischen Streitmacht be-

trägt kaum noch ein Viertel dessen, was sie Ende der sechziger Jahre betrug.

Darüber hinaus hat das NATO-Bündnis beschlossen, die Zahl unserer

in Europa dislozierten Kernwaffen um weitere 1400 zu verringern.

Im Gegensatz dazu haben wir in den letzten Jahren einen stetigen Zuwachs

der

sowjetischen

Nuklearstreitkräfte

erlebt:

8000

strategische

neue Gefechtsköpfe seit 1969, als die SALT I-Verhandlungen in Gang kamen;
4000 davon wurden seit 1979 hinzugefügt, als der SALT Il-Vertrag unterzeichnet wurde.

Selbst im Rahmen der Einschränkungen von SALT II hat die

Sowjetunion mehr Gefechtsköpfe gebaut, die in der Lage sind, unsere Raketensilos zu zerstören, als sie unserer Meinung nach ohne SALT-Abkommen
gehabt hätte.

Die Einhaltung - oder Nichteinhaltung - von Verträgen, ist ein weiteres Blatt desselben Kapitels.

Schlaue Amerikaner gingen davon aus, daß

die Sowjets zwar vielleicht Zweifelsfälle ausnützen könnten, daß sie aber
blanken Betrug vermeiden würden.

Aber selbst im Falle des ABM-Vertrags
- 20-

�ABM-Vertrags haben

die Sowjets massive Verletzungen begangen.

Es muß

selbst die nachhaltigsten Verfechter der alten Schule der Rüstungskontrolle schaudern machen, wenn sie sich fragen, wie die sowjetische Regierung den ABM-Vertrag so flagrant verletzen konnte.

Manche ziehen sich

darauf zurück, daß sie erklären, es handele sich eigentlich nur um Gerüchte oder technische Verletzungen und wir sollten nicht so provokativ
sein, sie zur Kenntnis zu nehmen.
Ohne über Fehler der Vergangenheit spitzfindig zu sein, müssen wir
doch aus dieser Erfahrung lernen.

Die Einstellung der Reagan-Administra-

tion zur Rüstungskontrolle ist eine ganz andere.

Lassen Sie mich vier

entscheidende Punkte hervorheben.

Erstens, Präsident Reagan besteht darauf, daß wir uns beharrlich auf
ein Ziel konzentrieren:

Wie können wir einen Atomkrieg verhindern und

eine sicherere Welt aufbauen, damit diese Generation - und künftige Generationen - in Frieden und Freiheit leben werden.
Kern des Problems zusammengefaßt:
darf niemals geführt werden."
Nachdenken.

Der Präsident hat den

"Ein Atomkrieg kann nicht gewonnen und

Dieser Grundsatz enthält Wiederholung und

Das zwingende Gebot - ein Atomkrieg darf niemals geführt

werden - ergibt sich aus der Tatsache:

In einem großen Atomkrieg zwi-

schen den Supermächten gäbe es keinen Sieger.

Er wäre in der Tat der ge-

genseitige Selbstmord, von dem ich vorhin gesprochen haben.

Die Entschlossenheit des Präsidenten, dafür zu sorgen, daß ein Atomkrieg niemals geführt werden wird, ist das Mandat für unser derzeitiges
Verteidigungsprogramm und unsere Rüstungsverringerungsinitiative.
Ziel kann in einem einzigen Satz ausgedrückt werden:

Unser

Wir wollen sicher-

stellen, daß die Verteidigung der Lebensinteressen Amerikas es niemals
erforderlich machen wird, daß die Vereinigten Staaten einen Atomkrieg
führen müssen.

In unserer Einstellung zu Rüstungsverringerungen - wie in

unserem gesamten Verteidigungsprogramm - wollen wir die Lebensinteressen
der Vereinigten Staaten schützen und verteidigen, indem wir das Risiko
eines Atomkriegs auf den niedrigst möglichen Stand verringern.
Zweitens,
- 21-

Rüstungsverringerung

�Zweitens, Rüstungsverringerung ist eine Komponente unserer umfassenderen nationalen Sicherheitspolitik - und kein isoliertes Ziel oder unabhängiges Instrument.

Rüstungsverringerung ist einer der Wege, auf dem

wir die Ziele unserer nationalen Sicherheit verfolgen können.

Die Er-

kenntnis, daß Rüstungsvechandlungen und -abkommen nur ein Teil des Gesamtverhältnisses zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
sind, stellt eine wichtige Dimension jeder wirksamen Strategie zur Erreichung von RüstungsVerringerungen deutlich und klar heraus.

Diese Di-

mension wurde bei der früheren Einstellung völlig vernachlässigt.
die Dimension der Anreize für die Sowjets.

Es ist

Welches sind die Anreize für

die Sowjets, nützlichen und wirksamen Abkommen für echte Verringerungen
zuzustimmen?

Und was noch entscheidend wichtiger ist, welches sind die

*

Anreize für die Sowjets, das einzuhalten, was sie unterschrieben haben?
Wenn wir die amerikanischen Streitkräfte planen und Waffen beschaffen,
während wir gleichzeitig mit der Sowjetunion verhandeln, dann ist es notwendig, den Sowjets Anreize zu schaffen, Abkommen zuzustimmen, die unseren Interessen dienen.

Fragen Sie sich doch selbst:

Warum beginnt die

Sowjetunion jetzt über große Kürzungen der Offensivstreitkräfte zu sprechen?

Jawohl, so einfach ist das:

Wir müssen nicht nur aus einer Posi-

tion der Stärke heraus verhandeln, sondern das ist in der Tat der einzige
Weg, auf dem wir wirksam verhandeln können.

Es ist nicht der gute Wille

der Sowjets, sondern unsere Stärke, die ihren Wandel herbeigeführt hat.

Drittens, ausgehandelte strukturelle Rüstungsabkommen müssen die Zahl
der Waffen verringern, statt Erhöhungen zu legitimieren. Präsident Reagan
hat die Hauptkriterien für akzeptable Abkommen über eine Verringerung der
Rüstungen dargelegt.

Sie müssen (a) die Zahl der Offensivsysteme wesent-

lich senken, (b) die Parität - nicht nur nach der Zahl der Gefechtsköpfe,
sondern nach Wirksamkeit gemessen - auf einer sehr viel niedrigeren Ebene
auf beiden Seiten als heute herbeiführen, (c) verifizierbar sein und (d)
zu einer allgemeinen Politik der Stärkung des Friedens und der Stabilität
beitragen.

Viertens, über ausgehandelte Verträge zu Strukturen und Zahlen von
Waffen hinaus gibt es einen in gleicher Weise wichtigen Bereich von Ini- 22-

*

�von Initiativen, die die nuklearen Rüstungen kontrollieren und die Risiken ihrer Anwendung verringern.

Diese Initiativen konzentrieren sich auf

Faktoren, die sich auf unbeabsichtigte
Eskalation, Kommunikationskapazität
keiten, falschen

Vorstellungen

Zwischenfälle, nicht genehmigte

und die Beseitigung von Zweideutig-

und

Mißverständnissen

beziehen.

Dieser

Bereich der Tagesordnung unserer Rüstungsverhandlungen schließt eine große Zahl von Maßnahmen ein, die die Vereinigten Staaten unabhängig und ohne sowjetische Nachahmung oder Übereinstimmung ergreifen können, aber auf
eine Weise, die tatsächlich die Risiken von ungewollten Zwischenfällen,
unautorisierten

Einsätzen

oder

unbeabsichtigter

Eskalation

verringern.

Die Reagan-Administration hat auf diesem Gebiet beachtliche Fortschritte
erzielt.

In der zweiten Amtsperiode wollen wir sogar noch größere Fort-

schritte machen.

Wir denken ferner an eine Reihe von Maßnahmen, die wir bilateral mit
der Sowjetunion durchführen können.

Vor über zwei Jahren habe ich den

Sowjets durch ihren Botschafter hier eine längere Liste überreicht, die
unter anderem vorschlägt:

Erstens die Verbesserung des Heißen Drahtes

zwischen Washington und Moskau - was derzeit auf der Basis gegenseitiger
Übereinstimmung stattfindet; zweitens die Abhaltung regelmäßiger Gespräche zwischen hohen Militärs beider Länder; drittens regelmäßige Treffen
auf höchster Ebene von Vertretern der Verteidigungs- und Außenministerien; viertens Einrichtung direkter Fernmeldeverbindungen zwischen unserem
Verteidigungsministerium

und

dem

sowjetischen

Verteidigungsministerium;

fünftens die Begrenzung bestimmter militärischer Manöver, wie etwa Bewegungen von mehr als einer Division in der Nähe der innerdeutschen Grenze
oder Mehrfachstarts

von Nuklearraketen; sechstens ein amerikanisch-so-

wjetisches Abkommen über gemeinsame Vorausplanung zur Abwehr von möglichen terroristischen Akten von Drittländern.

Worum es uns hier wirklich

geht, ist, daß wir uns mit dem Risiko eines Atomkrieges befassen, der aus
Ereignissen entstehen könnte, die außer Kontrolle geraten.

Außer der Zu-

stimmung zur Verbesserung des Heißen Drahtes haben die Sowjets an anderen
Maßnahmen kein Interesse gezeigt.

Ich
- 23-

fasse zusammen:

�Ich fasse zusammen:

Was ist unsere Strategie?

Die Abschreckung für

die neunziger Jahre sollte eine Abschreckung sein, die so sicher und
stark wie möglich ist.
Was ist unser Ziel?

Freiheit und Frieden, der Schutz unserer Lebens-

interessen und derer unserer Verbündeter mit dem niedrig möglichsten Risiko eines Atomkrieges, ja überhaupt eines Krieges.
Was ist unsere Hoffnung? Daß mit der Zeit unsere Entschlossenheit,
der Sowjetunion jeden bedeutsamen, ausnutzbaren militärischen Vorteil gegenüber unseren Lebensinteressen zu verwehren, sie dazu bewegen wird,
sich attraktivere alternative Anwendungsmöglichkeiten ihrer Ressourcen
und ihrer Energien zu überlegen. Wir machen uns keine Illusionen, daß
die sowjetische Führung etwa durch unsere Worte oder durch irgendwelche
kurzfristigen Demonstrationen unserer Verpflichtung überzeugt werden
könnte. Aber wir sind der Überzeugung, daß wir mit der Zeit, wenn wir
unsere feste langfristige Entschlossenheit, eine nachhaltige und wirksame
Abschreckung aufrechtzuerhalten, an den Tag legen und einsetzen, nicht
nur den Frieden erhalten, sondern auch die Sowjetunion zu einem friedlichen Wettbewerb bewegen können. Zu einem friedlichen Wettbewerb der Ideen, in dem wir die Möglichkeit haben, dem sowjetischen Volk die Verbesserung der Lebensqualität unserer Bürger und die Vorzüge unserer Freiheit
und unserer Werte zu zeigen, würden wir sie begrüßen. Aufgrund der erheblichen inneren, wirtschaftlichen und landwirtschaftlichen Probleme,
vor denen die Sowjetunion heute steht, sind wir überzeugt, daß Generalsekretär Gorbatschow keine klügere Entscheidung treffen könnte, als die
Tatsache zu akzeptieren, daß wir keine militärische Bedrohung für ihn
darstellen und daß er seine Priorität von der Suche nach sowjetischen militärischen Vorteilen jetzt zu einem friedlichen Wettbewerb verlagern
kann.

* * * * *

�16. Oktober 1985

16

DATENSPEICHER ANTARKTIS
- US-Projekte der Forschungssaison 1985/86 -

- (AD) - Von Vulkanismus im Gebiet des Ross-Eisschelfs bis zur Dichte
von Kolonien einzelliger Algen reichen die amerikanischen Forschungsprojekte während des Australsommers 1985/86 in der Antarktis.

Seit 30 Jah-

ren kommen Wissenschaftler von zahlreichen Universitäten der Vereinigten
Staaten für die Monate November bis Februar - manche auch für längere
Zeit - zum "Weißen Kontinent".

Dank der Abgeschiedenheit dieser fernen

Region und ihres extrem kalten Klimas sind dort "Indikatoren" für Umweltbedingungen in vergangenen Erdzeitaltern nahezu unverfälscht konserviert.
So bietet die Antarktis ideale Möglichkeiten für Untersuchungen zu bestimmten Perioden der Erdgeschichte, dazu von physikalischen, chemischen
und biologischen Prozessen, die heute für die verschiedensten naturwissenschaftlichen Disziplinen von Bedeutung sind.

An den 87 von der "Na-

tionalen Wissenschaftsstiftung" (NSF) der USA für die diesjährige Saison
vorgesehenen Forschungsprojekten sind 320 amerikanische

Wissenschaftler

beteiligt.
Allein 60 Forscher

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Allein 60 Forscher von 12 amerikanischen Universitäten, die meisten
von

ihnen

Geologen, werden

Transantarktik-Gebirge

sich auf das Beardmore-Gletschergebiet

zwischen

McMurdo-Sund

und

Südpol

im

konzentrieren.

Mit ca. 160 km Länge und bis zu 50 km Breite ist dieser Gletscher einer
der vielen Eisströme, die Eismassen von der mächtigen ostantarktischen
Platte zum Ross-Eisschelf transportieren.

Da das Beardmore-Gebiet aber

auch weite eisfreie Flächen mit gut erhaltenen Gletscherablagerungen aufweist und überdies relativ nahe zur Mitte des Kontinents liegt, ist es
ein interessantes Naturlaboratorium zur Überprüfung der sich zum Teil erheblich widersprechenden Hypothesen über das Verhalten des antarktischen
Eispanzers :.m Verlauf der Eiszeitalter auf unserer Erde.

Wie in den vergangenen Jahren arbeiten die Wissenschaftler aus den
Vereinigten Staaten nicht nur auf den amerikanischen Antarktis-Stationen
urd Forschungsschiffen, sondern pflegen auch enge Kontakte zu Kollegen
aus Großbritannien, Frankreich, Kanada, Japan, Neuseeland, Polen und der
Sowjetunion.

Manche Projekte werden gemeinsam mit Wissenschaftlern aus

diesen Ländern durchgeführt.

Leiter der Expedition in der Beardmore-Region ist Prof. David Elliot,
Geologe von der Staatsuniversität Ohio.

Er hatte im Jahr 1967 zusammen

mit drei Kollegen zum ersten Mal ein Wirbeltier-Fossil in der Antarktis
entdeckt.

Es handelte sich um einen Kieferknochen von einem "Labyrintho-

dont", einer Amphibienart.

Diese Panzerlurche, seit Millionen

ausgestorben, gelten als die ältesten vierfüßigen Wirbeltiere.

Jahren
Sie er-

reichten Größen von der eines Salamanders bis zu jenen von Alligatoren.
Vor etwa 350 bis 200 Millionen Jahren waren sie weit verbreitet.
Fundstelle Lag ca. 520 km vom Südpol entfernt.

Die

In den kommenden Monaten

wird man in Beardmore-Gebiet nach weiteren Überresten von Wirbeltieren
aus der Zeit vor 280 bis 210 Millionen Jahren suchen.

Eine kleine Gruppe von Geologen befaßt sich mit der Herkunft der Ablagerungen, die die Gletscher auf den Gipfeln des transantarktischen Gebirges vor mehr als drei Millionen Jahren zurückließen.

Diese Studien

konnten helfen, eine Erklärung dafür zu finden, weshalb solche Ablagerun- 2 -

�solche Ablagerungen, die in Höhenbereichen von mehr als 3000 m über dem
Meeresspiegel gefunden werden, marine Mikrofossilien enthalten.

"Das An-

wachsen und die Veränderungen der antarktischen Eisplatten, wie wir sie
heute kennen, dürfte vor mehr als 30 Millionen Jahren begonnen haben",
meinte Prof. Elliot.

Vom Zeitpunkt und der Größenordnung der Veränderun-

gen wisse man sehr wenig.

Vielleicht bringen die Untersuchungen in der

bevorstehenden Saison mehr Licht ins Dunkel der Vergangenheit.
taniker interessieren sich für fossile Ablagerungen in Torf.

Paläobo-

Sie suchen

nach pflanzlichen Überresten, die mit Kieselsäure durchsetzt sind.

Durch

die Kieselsäure blieben die Strukturen gut erhalten, obgleich die Pflanzen schon vor 250 Millionen Jahren gelebt haben können.

Natürlich spielen auch Meteoritenfunde wieder eine wichtige Rolle.
Denn die Beten aus fernen kosmischen Welten sind, sofern sie in der Antarktis auf die Erde stürzten, seitdem praktisch unverändert.
sind

sie

frei von organischen

Vor allem

"Verunreinigungen" irdischen Ursprungs.

Sie helfen nicht nur, mehr Informationen über Herkunft und Entwicklung
von Planeten und ihren Monden, sondern auch Hinweise auf den Ausgangsort
der Meteoriten sowie über die Stärke der kosmischen Strahlung in grauer
Vorzeit zu vermitteln.

Reges Leben am Rand der Eismassen
Viele zufällige Beobachtungen und die Ergebnisse einiger Meßprojekte
ließen darauf schließen, daß die Grenzzone zwischen Eismassen und Meer
- und das gilt für fast alle Randmeere der Antarktis - mehr pflanzliche
und tierische Lebewesen und eine höhere biologische Aktivität aufweist
als offenes Meer oder Packeis allein.

Es wird vermutet, daß die Randzone

ein wichtiges Nahrungsgebiet für Seevögel und Säugetiere, insbesondere
Robben, darstellt.

Auf einer Expedition im Nordteil des Weddell-Meeres

in November und Dezember 1983 waren dichte Felder blühender Algen und
auffallend viele wirbellose Tiere, die dort Nahrung suchten, bemerkt worden .
Diesem Phänomen

�Diesem Phänomen will man jetzt mit einem speziellen Forschungsprojekt
("Antarctic Marine Ecosystem Research at the Ice Edge Zone" - AMERIEZ)
auf den Grund gehen.

Erkundungen des marinen Ökosystems im Grenzgebiet

der Eisfelder unternehmen 12 Forscher unter der Leitung von Dr. Cornelius
Sullivan (Universität Südkalifornien) an Bord des Forschungsschiffes MELVILLE und des Eisbrechers GLACIER.

Zur Zeit seiner größten Ausdehnung,

bei Frühlungsbeginn In der Antarktis, umfaßt das der Randzone zugerechnete Packeis rund um den Kontinent eine Fläche von 18 bis 20,7 Millionen
Quadratkilometern - weit mehr, als die 14,2 Millionen Quadratkilometer
des antarktischen Kontinents ausmachen.

Die Beobachtungen schließen ne-

ben biologischen Studien auch eine Vielzahl physikalischer und chemischer
Untersuchungen zur Aufklärung der Bedingungen ein, die die hohe biologische Aktivität in der Eisrandzone aufrechterhalten.

Mit Kaltwasser-Taucherausrüstungen
Scripps-Meeresforschungsinstitut

begeben sich Wissenschaftler vom

(La Jolla, Kalifornien) bei der Ross-

meer-Insel unter die 10 m dicke Eisdecke, um in ca. 30 m Wassertiefe einzellige tierische Bodenbewohner

("Rhizopoden") zu studieren.

Obgleich

diese Tierchen vom Typ "Foraminifera" überaus häufig sind, weiß man über
ihren Platz innerhalb der Nahrungskette, ihre Bedeutung beim Energietransfer und ihre Wirkung auf andere Organismen so gut wie nichts.

So

konzentrieren sich die Untersuchungen u.a. auf die Nahrung der RhizopodKolonien, von denen es vom Flachwasser bis hin zu großen Meerestiefen
ganz spezielle Arten gibt.

Außerdem will man mehr über ihre Populations-

dichte und Biomasse sowie über ihren Nahrungswert für andere Tiere herausfinden.

Eine andere Spezies, nämlich die einzelligen Kieselalgen (Diatomeen),
sind heute wichtige Indikatoren in der Meeresforschung.

Untersuchungen

im Rossmeer und Weddell-Meer ließen nämlich vermuten, daß aufgrund von
veränderten Massen oder der Gruppierung von Massen in Sedimentschichten
auf physikalische Veränderungen im Meer selbst (d.h. Temperatur und Dichte bzw. Salzgehalt) Rückschlüsse gezogen werden können.

Neue Studien im

Weddellund Rossmeer sollen helfen, diese Hypothese zu erhärten und so ein
neues "Instrument" zur Erforschung prähistorischer Meere und der Ozeane

�der Ozeane unserer Zeit sowie des Einflusses jeweiliger Umweltbedingungen
zu schaffen.

Mit Klimaveränderungen und der Vergletscherung während der letzten
2000 Jahre in der Antarktis befassen sich Geophysiker von der Staatsuniversität Ohio.

"Leitmaterial" dazu liefern Bohrkerne aus Gletschereis,

die ähnlich wie Baumringe und Sedimente in Seen vieles über Klimaschwankungen aussagen können.

Bisher durchgeführte Analysen von Bohrkernen bis

aus 500 m Eistiefe zeigten, daß von Eiszeiten und Zwischeneiszeiten wohl
stets der ganze Erdball betroffen wird.

Systematisch werden Eisborhkerne

bis aus 500 m und 100 m Tiefe entnommen.

Nach Meinung mancher Geophysi-

ker könnten die Analysen der "flachen" Bohrkerne sogar wichtige Hinweise
geben, um künftige Klimaentwicklungen vorhersagen zu können.

Mit den Da-

ten aus de:: Antarktis werden entsprechende Daten aus Südamerika, Grönland, Alaska und China zur genaueren Erforschung der Klimaschwankungen in
den letzten zwei Jahrtausenden verglichen.

Magnetfeldund Schwerkraftmes-

sungen am Untergrund der Eismassen, dazu Radarmessungen des Eispanzers
und der Grenzzone zum Untergrund vervollständigen das Bild.

Mit

der Hypothese, daß von winzigen pflanzlichen

Meeresorganismen

(z.B. Phytoplankton) produzierte Schwefelgase eine wichtige Quelle für
Sulfataerosole über der Antarktis seien, befassen sich drei Forscher von
der Universität Virginia.

Schwefel in der Form von Sulfaten macht 80 bis

90 Prozent der Aerosole in der Luft über der Antarktis aus.

Aber dafür

können die Verwitterung der Erdkruste, Meeressalze, die Oxydation von atmosphärischen

Bestandteilen, stratosphärische

Aerosole

nur zu 65 Prozent verantwortlich gemacht werden.

und

Vulkanismus

Die restlichen 35 Pro-

zent dürften aus biologischen Quellen stammen - absolute Beweise gibt es
dafür aber noch nicht.

Vielleicht helfen nun die Forschungen

in den

Randmeeren der Antarktis weiter.

In einem Gemeinschaftsprojekt mit französischen Wissenschaftlern unternehmen Geophysiker von der Universität Alaska Messungen an den Fallwinden aus dem Innern des antarktischen Kontinents, die großen Einfluß
auf das Klima der Antarktis und die Ausdehnung des Packeises in den Rand-

�den Randzonen haben.

Sie werden durch stark abgekühlte, dichte Luft ver-

ursacht, die eher durch Schwerkraft denn durch Temperaturunterschiede
oder RotationsVorgänge vom hohen Eispanzer abströmt.

Es sind starke und

stetige Windströmungen, deren Geschwindigkeit dem topographischen Gefälle
entspricht.

Sie wehen immer über großen Eismassen - aber in der Antark-

tis mit ihrem 3000 m dicken Eispanzer am Südpol treten sie besonders heftig auf.

Mit automatischen Wetterstationen, Drachen- und Ballonsonden

will man sowohl an der Küste als auch 1000 km weit im Inland jahreszeitlichen Schwankungen bei den Fallwinden und dem Einfluß von Drucksystemen
auf sie auf die Spur kommen.

Heißer Lavasee

Auf der Rossinsel, am Rande des Ross-Eisschelfs, erhebt sich der mehr
als 4000 m hohe Vulkan Mount Erebus.

Er ist noch immer aktiv.

Was ihn

besonders auszeichnet - er enthält den einzigen ständigen Lavasee der Erde, der der Forschung zugänglich ist. Mit der Auswertung seismischer Daten wollen Geologen der Universität Alaska versuchen, die Geometrie und
das

eruptive

Verhalten

des darunterliegenden

Magmas

(aufgeschmolzenes

Tiefengestein) zu erkunden, das den Lavasee des Mount Erebus speist.
Auch die allgemeine Erdbebentätigkeit in der Rossinsel-Region soll beobachtet werden.

Seit 1980 unterhalten Neuseeland und Japan ein umfassendes Netz seismologischer Meßstationen in diesem Gebiet.

Es dient der exakten Lokali-

sierung von Mikrobeben, um aktive Gebiete der Vulkane auf der Rossinsel
definieren zu können.

Auch erlaubt es die Beobachtung der Freisetzung

und der Schwankungen seismischer Energie über lange Zeiträume.
see des Mount Erebus wurde im Jahr 1972 entdeckt.
genden vier Jahre nahm seine Größe ständig zu.
relativ stabil geblieben.

* * * * *

Der Lava-

Während der darauffolSeit 1976 jedoch ist er

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA wünschen friedlichen Wettstreit mit der Sowjetunion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Verteidigungsminister Weinberger vor dem National Press Club -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Datenspeicher Antarktis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Projekte der Forschungssaison 1985/86 -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

40

9. Oktober 1985

I N H A L T

DOKUMENTATION
Direktor Wick erläutert Arbeit des US-Informationsdienstes in
Deutschland
- Ansprache auf einer deutsch-amerikanischen Konferenz der
Stanford-Universität -

HINTERGRUNDMATERIAL
Drogenmißbrauch - ein internationales Problem
- Wichtige Programme des US-Außenministeriums bei der Suche nach
Lösungen -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Planet Uranus im Visier
- Intensive Beobachtungen durch Raumsonde VOYAGER 2 ab 4. November -

* * * * *

Um Übci/endun9 von
ßckgotcmploren
mi/d gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�9. 0&lt;tober 1965

40

DIREKTOR WICK ERLÄUTERT ARBEIT DES US-INFORMATIONSDIENSTES
IN DEUTSCHLAND

- Ansprache auf einer deutsch-amerikanischen Konferenz der
Stanford-Universität -

WASHINGTON - (AD) - Im Rahmen einer von der Stanford-Universität veranstalteten Konferenz über deutsch-amerikanische kulturelle Beziehungen
erläuterte der Direktor des US-Informationsamtes (USIA), Charles Z. Wick,
am 20. September 1985 die Arbeit seines Amtes in der Bundesrepublik
Deutschland.

Er hob hervor, daß die Vereinigten Staaten und die Bundes-

republik Deutschland durch ihr gemeinsames kulturelles Erbe miteinander
verbunden seien und verwies auf eine ganze Reihe zwischenstaatlicher kultureller Bemühungen, bei denen gerade auch USIA eine herausragende Rolle
spielt.

Die Rede von Direktor Wick hat folgenden Wortlaut:
Es ist mir eine

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Es ist mir eine große Freude, vor dieser erlauchten Gruppe Deutscher
und Amerikaner zu einem Thema von so erheblicher Bedeutung zu sprechen den kulturellen Beziehungen zwischen unseren beiden Nationen.

Die Mitar-

beiter des US-Informationsamtes arbeiten mit großem Stolz und mit großer
Freude in diesem Bereich, und ich weiß, daß unsere Arbeit aus den Erkenntnissen und Impulsen Nutzen ziehen wird, die diese Konferenz mit sich
bringt.

Auf einer am Eingang der USIA-Zentrale in Washington angebrachten Tafel heißt es: "Telling America's Story To The World" - Die Darstellung
Amerikas in der Welt.
stark vereinfachend.

Dieser Satz ist schlicht und direkt, aber kaun zu
Nichts ist für unsere Freiheit und die unserer Ver-

bündeten wichtiger, als daß "unsere Geschichte" überall vollständig und
überzeugend erzählt wird.

Ein Teil dieser "Geschichte" umfaßt die Erklärung unserer Politik.
Ein zweiter Teil befaßt sich damit, wer wir als Volk sind, wie wir leben,
was wir geleistet haben, welches unsere rterte sind.
dessen ist eine sehr komplexe Aufgabe.

Die Vermittlung all

Es ist das, was wir "öffentliche

Diplomatie" nennen.

Ich möchte zu Beginn ganz allgemein etwas zur öffentlichen Diplomatie
sagen und dann einige der wichtigen kulturellen Bindungen zwischen unseren beiden Staaten beschreiben.

Zum Schluß würde ich gerne noch auf mei-

ne Überzeugung eingehen, daß unser Erfolg, unsere gemeinsamen Werte Deutschen wie Amerikanern zu vermitteln, für unser Überleben als freie Völker
und für die Sache des Weltfriedens von entscheidender Bedeutung ist.

Ich sagte, daß sich die öffentliche Diplomatie in zwei Kategorien
gliedern läßt: Vermittlung von Politik und Vermittlung von Werten.

Beide

Aufgaben sind eng miteinander verbunden, aber zwischen ihnen gibt es auch
eine ganz natürliche Trennung.

Im Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland gibt es für "Information" und "Kultur" verschiedene Abteilungen.
- 2-

Bei USIA beschäftigen wir

�beschäftigen wir uns mit beidem, aber die meisten unserer Posten im Ausland sind in "Informations"- und "Kultur"-Abteilungen gegliedert.

Politik und aktuelle Nachrichten sind Aufgabengebiet der Presse- und
Informationsabteilung.

Zu ihren Instrumenten gehören Pressekonferenzen,

Presseveröffentlichungen,

Tageszeitungen,

die

elektronischen

Medi

Hier geht es um die Darstellung der Fakten und die Erklärung von Politik.

Gestatten Sie mir einige Beispiele für die Informationsbemühungen von
USIA.
Im Jahr 1983 gab es in Europa Kontroversen und Mißverständnisse bezüglich des sogenannten "Doppelbeschlusses", der aus der Besorgnis des
früheren Bundeskanzlers Helmut Schmidt hinsichtlich der sowjetischen Raketenaufrüstung erwachsen war.

Die Sowjets starteten einen umfassender.

Versuch der Einschüchterung und der Fehlinformationen.

Posten des US-Informationsdienstes (USIS) in Europa - und insbesondere in der Bundesrepublik Deutschland - bemühten sich intensiv darum, den
Europäern die Position und die Gründe der amerikanischen Regierung kl -&gt;rzumachen.

Wir legten dar, daß der NATO-Beschluß einer Modernisierung der

Nuklearstreitkräfte eine entscheidende Reaktion auf die massive sowjetische Aufrüstung mit auf Westeuropa gerichteten Raketen darstellte.

Es.

gab im Arsenal der NATO keine solchen Raketen, und trotz unserer langwierigen Verhandlungen mit ihnen weigerten sich die Sowjets, diesem Ungleichgewicht

ein

Ende

zu

bereiten.

Wie

Sie

wissen,

unterstützten

schließlich Deutsche wie Amerikaner die angemessenen Gegenmaßnahmen zur
Wiederherstellung des Gleichgewichts, das die NATO in die Lage versetzt,
den Frieden zu bewahren.

Derzeit gibt es viele Fehlinformationen und Mißverständnisse - und
sogar Desinformationen - hinsichtlich der Strategischen Verteidigungsinitiative des Präsidenten (SDI).

Auch hier scheut USIA keine Mühe, der

Wahrheit zum Durchbruch zu verhelfen.
Ich habe die

�Ich habe die Bedeutung der elektronischen Medien bei der Informationsarbeit genannt.
mühungen

Wir bei USIA sind stolz auf unsere bahnbrechenden Be-

in der Nutzung

des internationalen Satellitenfernsehens, um

'Amerika in der Welt darzustellen'.

Ich spreche von WORLDNET, womit wir

im November 1983 begonnen haben.
Über WORLDNET können Journalisten, in amerikanischen Botschaften oder
an anderen Orten in Europa versammelt, Vertreter der amerikanischen Regierung hören und sehen, wenn diese ihre Fragen beantworten.

Auch Ange-

hörige anderer Regierungen und Experten von außerhalb der Regierung nehmen teil, um die Nuancen amerikanischer Politik besser verstehen zu können.
An diesen Live-Interviews, die nicht geprobt werden und bei denen es
keinerlei Barrieren gibt, haben von amerikanischer Seite bereits Vizepräsident Bush, Außenminister Shultz und andere Kabinettsmitglieder sowie
viele unserer Chefunterhändler bei den internationalen Abrüstungsverhandlungen teilgenommen.
Am 5. Dezember 1983 führten wir mittels WORLDNET die erste 'extraterrestrische* internationale Pressekonferenz durch. Sie schuf die Verbindung zwischen den CHALLENGER-Astronauten, einschließlich Ulf Merbold,
Präsident Reagan in Washington sowie Bundeskanzler Kohl, der sich zu jener Zeit gerade in Athen aufhilet und über 70 europäischen Journalisten
aus acht Staaten, einschließlich der Bundesrepublik Deutschland. Präsident Reagan nannte die Sendung "eine tolle Konferenzschaltung" - und das
war sie wirklich.
Vergangenes Frühjahr expandierte WORLDNET zu einem täglich zweistündigen TV-Satellitenprogramm nach Europa und brachte die neuesten Entwicklungen der Wissenschaft, Kultur und Geschäftswelt Amerikas.

Hervorragen-

de Amerikaner, die nicht der Regierung angehören, nehmen an Interviews
mit Journalisten aus europäischen Hauptstädten teil.
Für jene unter

�Für jene unter Ihnen, die es nicht wissen, möchte ich auch noch erwähnen, daß wir unsere Sendungen der Stimme Amerikas nach Westeuropa nach
vielen Jahren der Stille wieder aufnehmen.

Wir sind uns -"twar nicht si-

cher, ob unsere Einschaltquoten mit "Dallas" zu vergleichen sind, aber
wir werden den Zuhörern ein Bild des amerikanischen Lebers bieten, wie
die meisten von uns es führen.

Bei all diesen Bemühungen leitet uns unsere unerschütterliche Verpflichtung zu offener Diskussion und freiem Informationsfluß.

Wir sind

der Ansicht, daß die Welt ein Recht darauf hat, die Fakten zu kennen.
Wir leiden nicht darunter, wenn amerikanische Regierungsvertreter sich
bereiterklären, die Fragen ausländischer Journalisten zu beantworten.

Im

Gegenteil - die Stärke unserer Argumente kann nur zunehmen, wenn sie dem
prüfenden Blick der Öffentlichkeit ausgesetzt ist.

Ich habe nun den "Informations"-Aspekt der öffentlichen Diplonatie
angesprochen; lassen Sie mich nun zum "kulturellen" Aspekt kommen.

Durch

ihn vermitteln wir, wer und was wir als Volk sind, wie wir leben, was wir
geleistet haben und was wir wertschätzen.

Als Arthur Bums amerikanischer Botschafter in Bonn war, hat er oft
darauf hingewiesen:

Wir haben eine Pflicht, auf die Unterschiede zwi-

schen unseren Demokratien und den gegen uns stehenden totalitären Staaten
hinzuweisen.

Botschafter Bums nannte diese Unterschiede in einer Rede,

die er in München hielt, in der für ihn typischen hellsichtigen Eloquenz
beim Namen.

Ich möchte Ihnen daher einen Absatz aus dieser Rede vorlesen.

"Das demokratische System macht es jungen Menschen möglich, alles zu
lesen und zu studieren, was sie nur wollen.

Es versetzt sie in die Lage,

sich selbständig zu machen oder für einen Arbeitgeber zu arbeiten, den
sie sich selbst aussuchen können.

Es erlaubt ihnen, das ihnen zur Verfü-

gung stehende Geld nach eigenem Gutdünken auszugeben, ob im eigenen Land
oder im Ausland.

Es gestattet ihnen ferner, eigene Gedanken zu politi-

schen, wirtschaftlichen, kulturellen und religiösen Fragen frei zu äußern, die sie für wichtig halten.

Und wenn sie mit irgendwelchen Aspek- 5-

�irgendwelchen Aspekten ihres Lebens unzufrieden sind, gestattet ihnen das
demokratische System - dieses, und nichts anderes -, ihrer Unzufriedenheit

durch Proteste, Demonstrationen

öffentlich Ausdruck zu geben.

oder andere Mißfallensäußerungen

Ein solches Privileg existiert in totali-

tären Gesellschaften mitnichten.

Wenn unsere jungen Menschen aber die

Vorrechte der Demokratie für selbstverständlich halten - so wie sie die
Luft als selbstverständlich ansehen, die sie atmen -, dann nur, weil sie
selbst niemals ohne das eine oder das andere leben mußten.

Ihre Brüder

in Osteuropa wissen es besser - insbesondere jene, die früher einmal
selbst in Freiheit gelebt haben.

Bedauerlicherweise vermochten wir diese grundlegende Wahrheit im Denken vieler junger Deutscher nicht hinreichend zu verankern - und leider
auch nicht im Denken vieler junger Amerikaner."

Botschafter Burns wies auch oft darauf hin, daß das enggespannte Netz
gemeinsamer Werte zwischen unseren beiden Völkern in den letzten Jahren
nachgegeben hat.

Das hängt teilweise damit zusammen, daß wir jetzt weni-

ger eng miteinander verbunden sind, als dies in den Jahrzehnten nach 1945
der Fall war.

Ich weiß, daß viele von Ihnen hier in diesem Saal an den Ereignissen
jener Periode beteiligt waren, als enge Zusammenarbeit und ein großes Maß
an harter Arbeit ein "Wirtschaftswunder" schufen, und aus dem politischen
Chaos des Jahres 1945 ein stabiler, demokratischer Staat erwuchs, in dem
die Rechte des einzelnen garantiert sind.

Der erstaunlichste Aspekt hieran war vielleicht die Tatsache, daß all
dies in einer Atmosphäre der Spannung geschafft wurde, die die ständige
Bedrohung durch den Osten hervorrief.

Jeder, der damals zwischen den

Ruinen des Jahres 1945 stand, wäre als kühnster Optimist angesehen worden, hätte er die erfolgreiche, freie und demokratische Bundesrepublik
Deutschland des Jahres 1985 vorhergesagt.
Und doch ist es

�Und doch ist es beunruhigend, daß einige der Jungeren unter uns Deutsche wie Amerikaner

- all dies

für selbstverständlich

zu halten

scheinen.

Wie Sie wissen, bemüht sich USIA zusammen mit der Regierung der Bundesrepublik Deutschland schon seit einigen Jahren darum, unter den jungen
Menschen in unseren Ländern wieder das Bewußtsein hinsichtlich der Werte
zu erneuern, die wir teilen.

Im Anschluß an vorausgegangene Bemühungen von Kollegen Ihres Auswärtigen Amtes und unseres State Departments wurde ich 1982 zum Vorsitzenden
eines interministeriellen

Lenkungsausschusses

für amerikanisch-dejtsche

Kontakte ernannt. Mein Pendant auf deutscher Seite ist Berndt von Steden.
Wir bemühen uns um verstärkte Kontakte auf allen Ebenen zwischen unseren
beiden Ländern, um dazu beizutragen, das "Informationsdefizit" wieder
auszugleichen, das zwischen uns entstanden war.

Bei USIA wurde eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die si^h ständig um
diese Kontakte kümmert und die nun Teil unseres Büros für Ausbildungsund Kulturangelegenheiten

ist.

Es ist das einzige Büro innerhalb von

USIA, das sich der Förderung der Austauschaktivitäten mit einem einzelnen
Land widmet.

Eine der ersten größeren Aktivitäten der deutsch-amerikanischen Kontaktinitiative bezog sich auf die Feier des 300. Jahrestages deutscher
Einwanderung in die Vereinigten Staaten, die 1983 in unseren beiden Ländern abgehalten wurde.

Unter der Koordinierung durch USIA wurde in den

Vereinigten Staaten eine Präsidialkommission gebildet, um das Interesse
an diesem Ereignis zu fördern und zur Koordinierung der verschiedenen
Festlichkeiten beizutragen.

Ich war in dieser Kommission der persönliche

Vertreter des Präsidenten.

In der Bundesrepublik Deutschland

bereiteten USIS-Mitarbeiter mit

deutschen Kollegen auf Gemeinde-, Länder- und Bundesebene die Feiern zu
diesem 300. Jahrestag vor.

Ich selbst nahm an den Feierlichkeiten in

�Feierlichkeiten in Krefeld im Juni 1983 teil.

Dieser 300. Jahrestag erinnerte an ein bedeutendes Ereignis der amerikanischen Geschichte - an die mehr als sieben Millionen Deutsche, die
nach Amerika gekommen sind und die für unser Land Unschätzbares geleistet
haben.

Sie haben zusammen mit ihren Kindern und Kindeskindern - 60 Mil-

lionen Amerikaner sagen ja, sie seien deutschstämmig - dazu beigetragen,
jene Bande des gemeinsamen kulturellen Erbes zu knüpfen, die uns verbinden.

Die Feiern zu diesem 300. Jahrestag ermöglichten es uns, Aufmerk-

samkeit auf diese gemeinsamen kulturellen Werte zu lenken, und ich bin
stolz auf die Rolle, die USIA hierbei gespielt hat.

Als ein Ergebnis des Interesses, das der 300. Jahrestag hervorrief,
wird nunmehr an der Mall in Washington, ganz in der Nähe des WashingtonDenkmals, ein deutsch-amerikanischer Freundschaftsgarten angelegt.

Der

Garten wird durch über eine halbe Million Dollar an Privatspenden finanziert.

Er wird als lebendes Denkmal der Bindungen zwischen unseren bei-

den Völkern dienen.
Das Jahr der Dreihundertjahrfeier fiel mit dem ersten Jahr des internationalen Jugendaustauschprogramms

Präsident Reagans

zusammen.

Diese

Initiative schließt alle unsere Partnerländer des Wirtschaftsgipfels sowie einige weitere Länder ein, wobei das US-Informationsamt mehr Mittel
für den Jugendaustausch mit der Bundesrepublik Deutschland aufwendet als
für den Austausch mit allen anderen Ländern zusammen.

Das Kongreß-Bundestag-Programm ist gerade ein Jahr alt.

In diesem

Jahr haben 250 amerikanische und 334 deutsche Schüler im jeweils anderen
Land bei Gastfamilien verbracht und die Schule besucht.

Kann es einen

besseren Weg geben, ein anderes Land kennenzulernen - und anderen das eigene Land nahezubringen?

Unser Ziel ist, mit der Zeit rund 1000 junge

Menschen jährlich in das Kongreß-Bundestag-Programm aufzunehmen - 500 in
jede Richtung.
Im

vergangenen

Jahr

�Im vergangenen Jahr haben unsere gemeinsamen Jugendaustauschanstrengungen

sich

auch

auf

kurzfristige

Austauschorganisationen erstreckt.

Einzelprojekte

und

Zuwendungen an

Dies hat Aktivitäten wie den drei-

wöchigen Amerikabesuch von zwei deutschen Parteijugendgruppen zur Beobachtung der Wahlen in den Vereinigten Staaten ermöglicht.

Natürlich gedeihen auch die etablierten Austauschprogramme, wie das
Fulbright-Programm weiter, und ich freue mich, mitteilen zu können, daß
die amerikanischen Mittel für diese Aktivitäten erhöht worden sind.

Im

Jahr 1985 wird es über 700 deutsche und amerikanische FulbrLght-Stipendiaten geben. Der Beitrag der amerikanischen Regierung zu dieser Austauschtätigkeit beläuft sich auf 2,4 Millionen Dollar, und dieser Beitrag wird
von der deutschen Bundesregierung nicht nur in gleicher Höhe aufgewogen,
sondern sogar übertroffen.

USIA hat auch seit langem das Internationale Besucherprogramm durchgeführt, das einmonatige Besuche von deutschen Fachleuten aus Politik,
Journalismus, Wirtschaft und Bildungswesen vorsieht.

Im Rahmen dieses

Programms kommen jährlich über 60 Personen auf Einladung unserer USISStellen in Deutschland nach den Vereinigten Staaten.

Ich gehe davon aus,

daß einige von Ihnen hier in unserem Lande mit diesem ausgezeichneten
Programm in Berührung gekommen sind.

Ich habe in einiger Ausführlichkeit über unser Austauschprogramm gesprochen, weil ich überzeugt bin, daß es für sich genommen die wichtigste
Anstrengung in der öffentlichen Diplomatie ist, die wir in der Bundesrepublik Deutschland betreiben.

Es ist immer ein wahres Vergnügen, mit

Leuten zusammenzutreffen, die an solchen Austauschprogrammen teilgenommen
haben.

Sie kommen mit einem ganz anderen Verständnis für unser gemein-

sames kulturelles Erbe wieder und auch für Dinge, die uns als Völker
unterscheiden.

Auf jeden Fall wird ihr Einsatz für die deutsch-amerika-

nische Freundschaft größer.

Wenn wir uns den kulturellen Dimensionen der öffentlichen Diplomatie
zuwenden, dann möchte ich auch den Privatsektor erwähnen.
- 9-

Der Beitrag

�Der Beitrag von privater Seite ist wahrscheinlich kaum zu ermessen und
sicherlich größer als der der Regierung - und das ist auch richtig so.

USIA erleichtert viele Aktivitäten des Privatsektors.

So beantworten

beispielsweise unsere Stellen in der Bundesrepublik Deutschland fast 4000
Anfragen pro Monat von Deutschen, die an einem Studium in den Vereinigten
Staaten interessiert sind.

Im akademischen Jahr 1983/84 studierten über

3700 Deutsche an amerikanischen Colleges und Universitäten - die große
Mehrheit im Rahmen des privaten Austauschs oder aufgrund rein persönlicher Vereinbarungen.

In ähnlicher Weise reisen jedes Jahr die vielen Symphonieorchester,
Tanzgruppen und Kunstausstellungen über den Atlantik hin und her, ohne
daß die Regierung finanziell wesentlich dazu beiträgt.

Ich habe versucht, einen großen Überblick über die kulturelle Komponente der öffentlichen Diplomatie des US-Informationsamtes in der Bundesrepublik Deutschland zu geben.

Weltweit unterhält USIA 214 Posten in 129

Ländern mit einem Budget von 796 Millionen Dollar für 1985 - eine Steigerung um 75 Prozent seit 1981.

Kein Land, in dem wir tätig sind, ist wichtiger als die Bundesrepublik Deutschland.

Mit über 30 Amerikanern in neun Städten ist USIS-

Deutschland einer der größten Posten in der Welt.

Wir unterhalten weiterhin sieben Amerika-Häuser als Kulturzentren in
der Bundesrepublik Deutschland, von denen jedes über eine umfangreiche
Bücherei verfügt.

Wir entsenden einige unserer fähigsten höheren Beamten

zu USIS-Deutschland.
stand, hat

an

Tom Tuch, der von 1980 bis 1984 dort an der Spitze

dieser

Konferenz

hier

teilgenommen, und

ebenso Terry

Catherman, der im nächsten Monat als Botschaftsrat für öffentliche Angelegenheiten an unsere Botschaft nach Bonn gehen wird.

Ich darf hinzufügen, daß ich mit unserem neuen Botschafter in der
Bundesrepublik Deutschland, Richard Burt, kurz vor seiner Abreise nach
- 10-

�Abreise nach Bonn zusammentraf.

Ich weiß, er teilt meine Ansicht über

die Bedeutung des Kulturaustausches zwischen unseren beiden Ländern.

Unser Nachdruck auf Deutschland

ist durchaus gerechtfertigt.

Die

Bundesrepublik Deutschland ist heute einer unserer wichtigsten Verbündeten.

Sie hat die größte Bevölkerung aller unserer europäischen NATO-

Partner.

Sie führt die größte und bestausgerüstete Verteidigungsstreit-

macht in NATO-Europa ins Feld.
delspartner.

Sie ist unser größter europäischer Han-

Und vor allem teilt sie mit uns eine Überzeugung von der

Würde des Menschen und eine Achtung der Herrschaft des Rechts.

Die Erhaltung der Freiheit und des Friedens für uns selbst und unsere
Kinder hängt von der Lebenskraft der Partnerschaft unserer beiden großen
Länder ab.

Und echte Verständigung unter Regierungen hängt von dem Ver-

ständnis ab, das unter Völkern herrscht.

Dies gilt ganz besonders für

Demokratien, wo die Regierungen durch das Denken ihrer Bürger beeinflußt
werden, ja

dieses

widerspiegeln.

Ein einfühlsames Verständnis unter

Deutschen und Amerikanern für die Kultur des jeweils anderen herbeizuführen, muß unser gemeinsames Ziel sein.

Lassen Sie mich schließen mit einem Dank an das deutsche Auswärtige
Amt, an Botschafter Witte, an Botschafter van Well und Frau Dr. Linsmayer, wie auch an die Stanford-Universität, daß mich hierher eingeladen
wurde.

Ich weiß, daß die sorgfältige Analyse, die dieser Kongreß an-

stellt, dazu beiträgt, die Ziele zu erreichen, nach denen wir alle streben.

* * * * *

- 11-

�9. Oktober 1985

40

DROGENMISSBRAUCH - EIN INTERNATIONALES PROBLEM

- Wichtige Programme des US-Außenministeriums
bei der Suche nach Lösungen -

WASHINGTON - (AD) - Der Mißbrauch von Heroin, Kokain, Marihuana und
anderen gefährlichen Drogen verursacht

in den Vereinigten Staaten, in

Kanada, Westeuropa und zahlreichen weiteren Ländern schwerwiegende psychologische, soziale und gesundheitliche Probleme.

Außerdem machen sich

dort, wo diese Drogen produziert oder durchgeschleust werden, immer mehr
schädliche Auswirkungen bemerkbar.

Schätzungen aus dem Jahr 1984 zufolge

werden in den Vereinigten Staaten ca. 5,9 Tonnen an importiertem Heroin,
55 bis 76 Tonnen am importiertem Kokain und 7800 bis 9200 Tonnen - meist
importiertes - Marihuana konsumiert.

Aus den für 1984 verfügbaren Sta-

tistiken geht hervor, daß vor allem unter jungen Leuten der MarihuanaKonsum zurückgeht.
geringer.

Der Verbrauch von Heroin war im letzten Jahr etwas

Dagegen ist der Kokaingenuß weiterhin stark verbreitet, und

der Verbrauch anderer gefährlicher Drogen nimmt sogar zu.

Die illegale

Produktion von Opium, Heroin, Kokain und Marihuana übersteigt erheblich
den weltweit geschätzten Bedarf.
Quellen:

Opium

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Quellen:

Opium für die Verarbeitung zu Heroin für den Absatz auf den

Weltmärkten kommt vor allem aus drei Regionen - aus Mexiko, dem "Goldenen
Dreieck" mit Burma, Thailand und Laos, sowie aus dem "Goldenen Halbmond"
mit Iran, Afghanistan und Pakistan.

Der größte Teil des Opiums und neu-

erdings große Mengen des in Südost- und Südwestasien produzierten Heroins
werden von immer mehr Süchtigen in den Herkunftsregionen selbst konsumiert.

Kokain stammt in erster Linie von Cocastrauch-Blättern aus Anbau-

gebieten in Bolivien und Peru.

Kolumbien hat sich sowohl zum Raffinerie-

platz wie auch zum Durchgangsland für den Handel und zum Coca-Anbauland
entwickelt.

In weiteren südamerikanischen Ländern wird seit kurzem Coca

angebaut und Kokain raffiniert.

Auch Marihuana kommt aus vielen Quellen.

Als Folge einer Vernichtungskampagne bei Anpflanzungen kommt aus Kolumbien jetzt weniger als die Hälfte des in den USA konsumierten Marihuanas.
Auch der Hanfanbau in den USA selbst und die Produktion in Jamaika gingen
zurück.

Die restlichen Mengen stammen aus Mexiko, Belize und anderen

Quellen im Ausland.

Dank wirksamer Kontrolle an der Quelle ist auch das

Angebot an Methaqualon erheblich geringer geworden.

Rolle des amerikanischen Außeministeriums:
nationale Suchtstoffangelegenheiten"

Der "Abteilung für inter-

(Bureau of International Narcotics

Matters - INM), die von einem Unterstaatssekretär geleitet wird, obliegt
es,

die

internationalen

Maßnahmen

Rauschgiftkontrolle zu koordinieren.

der

amerikanischen

Regierung

zur

INM strebt eine Verstärkung der An-

strengungen auf diplomatischem Gebiet und im Rahmen der amerikanischen
Programme an, das Angebot an gefährlichen Drogen, die in die Vereinigten
Staaten gelangen, zu reduzieren.

Im Haushaltjähr 1985 hatte INM für bi-

laterale und multilaterale Suchtstoff-Kontrollprogramme 51 Millionen Dollar zur Verfügung.

Die Mittel werden verwendet für:

- Vernichtung von Anpflanzungen, Kontrollprogramme
- Unterstützung beim Rechtsvollzug
- Ausrüstungen und Material
- Aus- und Weiterbildung von ausländischem Personal aus dem Justizbereich
- Entwicklungshilfe
- 2 -

�- Entwicklungshilfe für den Aufbau wirtschaftlicher Alternativen zu
illegal produzierten Drogenpflanzen
- Technische Hilfe für Programme zur Eindämmung der Nachfrage nach
Drogen.

INM arbeitet mit den Koordinatoren für Suchtstoffangelegenheiten in
den Regionalreferaten des amerikanischen Außenministeriums und der amerikanischen Botschaften sowie mit dem Amt für Internationale Entwicklung
(AID) bei Projekten zusammen, die Entwicklungshilfe in Bolivien, Peru und
Pakistan mit Drogenkontrolle verbinden.

Gemeinsam mit dem "Bureau of In-

ternational Organization Affairs" innerhalb des amerikanischen Außenministeriums werden multilaterale Kontrollmaßnahmen mit Behörden der Vereinten Nationen koordiniert.
für Drogenbekämpfung

Mit dem Weißen Haus, dem amerikanischen Amt

(DEA), der amerikanischen Zollbehörde, der US-Kü-

stenwacht und anderen amerikanischen Behörden mit einschlägigen Aktivitäten im In- und Ausland besteht enge Zusammenarbeit.

Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß Drogenkontrolle, eine
im Rahmen von Verträgen wahrzunehmende Regierungsaufgabe, aLs internationale Verpflichtung behandelt werden sollte.

INM hebt hervor, daß Produk-

tions- und Transitländer aufgrund dieser Verträge die Hauptverantwortung
für die Kontrolle des Anbaus, der Produktion und Weitergabe illegaler
Suchtstoffe tragen.

Zur Unterstützung dieser Länder gibt INM den Pro-

grammen zur Kontrolle der Produktion und Unterbindung des Handels schon
am Herkunftsort höchste Priorität.

Programme:

Wenn einschneidende Blockierungen und selbst die Vernich-

tung von Anbauflächen in nur einem oder zwei Produktionsgebieten durchgesetzt werden, so bewirkt dies nicht mehr als einen vorübergehenden Rückgang des Angebots an Suchtstoffen.

Deshalb hat die Strategie von INM zum

Ziel, letztlich die Produktion in allen wichtigen Regionen gleichzeitig
zu kontrollieren, damit es zu einschneidender und dauerhafter Angebotsverminderung

kommt.

In wichtigen Ländern der Opiumproduktion

(Burma,

Thailand, Mexiko und Pakistan) und in Transitländern, wo Opium zu Heroin
verarbeitet

oder

durchgeschleust

wird, sind
- 3 -

INM-Drogenkontrollprojekte

�INM-Drogenkontrollprojekte eingerichtet.

INM unterstützt die Kontrolle

des Coca-Anbaus und Projekte zur Unterbindung der Kokainproduktion in Bolivien, Peru, Ekuador, Brasilien und Kolumbien sowie Projekte zur Kontrolle der Produktion und des Handels mit Marihuana in Mexiko, Jamaika,
Panama und Kolumbien.

Die Behörde unterstützt außerdem Gegenaktionen und

juristische Maßnahmen in anderen Produktions- und Transitländern in den
drei wichtigsten Regionen - Lateinamerika, Südost- und Südwestasien - und
hilft Dutzenden von Ländern durch die Finanzierung von Ausbildungsprogrammen für Angehörige der Justiz und des Zolls.
Multilaterale Bemühungen: Drogenmißbrauch ist nicht nur ein amerikanisches Problem. Betroffen sind alle Nationen, von den ärmsten bis zu
den reichsten - Länder, die Drogen produzieren und damit Handel treiben,
und Länder, in denen Drogen konsumiert werden. Die amerikanische Regierung hat von jeher den höchsten Kostenanteil für internationale Kontrollprogramme getragen. Ihre diplomatischen Anstrengungen samt wirtschaftlicher Unterstützung und multilateraler Aktivitäten, Produktionsländer zur
Mitarbeit zu gewinnen, zeigen immer größere Wirksamkeit. Im Jahr 1985
erkannten viele Regierungen, vor allem die der Herkunftsländer, im Drogenhandel eine starke Bedrohung sowohl ihrer nationalen Sicherheit als
auch ihres wirtschaftlichen und sozialen Wohlergehens. Die Auswirkung
der Gegenmaßnahmen gegen Drogenhandel bei den Produktions- und Verbraucherländern schafft neue Chancen für wirksamere bilaterale und multilaterale Programme. Die Regierung der Vereinigten Staaten verfolgt außerdem
Ziele der Suchtstoffkontrolle auf internationaler Ebene im Rahmen der
Vollversammlung der Vereinten Nationen, des UN-Wirtschafts- und Sozialrates und anderer UN-Behörden. Zu den UN-Behörden, die Kontrollmaßnahmen
für Handel und Gebrauch von Suchtstoffen und anderen psychotropen Substanzen anwenden und multilaterale Anstrengungen zur Unterbindung von
Produktion, Handel und Mißbrauch von Drogen unterstützen, zählen die
Suchtstoff-Kommission und deren Spezialabteilung für Suchtstoffe, das
internationale Direktorium für Suchtstoffkontrolle und der UN-Fonds zur
Bekämpfung von Drogenmißbrauch, der wichtige Projekte in der ganzen Welt
unterstützt.
* * * * *

�Wi/zen/chcift
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

40

9. Oktober 1985

PLANET URANUS IM VISIER
- Intensive Beobachtungen durch Raumsonde VOYAGER 2 ab 4. November

- (AD) - Auf Uranus, den drittgrößten Planeten in unserem Sonnensystem, konzentriert sich während der kommenden Monate das Interesse vieler
Astronomen in der ganzen Welt.
schen Raumsonde VOYAGER 2.

Er ist das nächste Ziel der amerikani-

Im Jahr 1977 gestartet, passierte sie 1979

den Planeten Jupiter, 1981 den Saturn.

Über beide Großplaneten sowie

über deren Trabanten und das Ringsystem des Saturn lieferte sie, wie
schon zuvor VOYAGER 1, unschätzbar wertvolle Informationen, dazu aufsehenerregende Fernsehaufnahmen.

Unter der Einwirkung der Gravitationskraft des Saturn wurde VOYAGER 2
auf einen Kurs gebracht, der den für eine Vielzahl von Meßaufgaben programmierten

Roboter

jetzt zum Planeten Uranus führt.

tionskraft wiederum lenkt ihn in Richtung Neptun.

Diesen zweitletzten

Planeten unseres Sonnensystems wird er 1989 passieren.
von ihm Aufnahmen und Beobachtungsdaten zu bekommen.

Dessen Gravita-

Man hofft, auch
Pluto jedoch, der

vermutlich äußerste Trabant der Sonne, bleibt außerhalb des VOYAGER-Beob-

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�VOYAGER-Beobachtungsbereichs.

Ihr

weiterer

Weg

führt die Sonde, wie

schon VOYAGER 1, in immer fernere Regionen, die nicht mehr zu unserem
Sonnensystem

gerechnet werden.

Aber solange die Bordinstrumente samt

Energieversorgung funktionsfähig bleiben, werden wir Meßdaten bekommen es sei denn, die Signale sind infolge der immer größeren Entfernung so
schwach, daß sie nicht mehr erfaßt werden können.

VOYAGER 2 wird am 24. Januar 1986 den Uranus im Abstand von weniger
als 100 000 km passieren.
Milliarden Kilometer.

Die Entfernung zur Erde beträgt dann fast 2,9

Das bedeutet, daß Funksignale, die die Sonde über-

mittelt, zwei Stunden und 45 Minuten zu den Empfangsstationen brauchen.
Da sie auf dem Weg durch den interplanetaren Raum abgeschwächt werden,
wurden Vorkehrungen getroffen, um sie verstärken und gut aufnehmen zu
können.

So hat man beispielsweise in Australien zwei große 63-m-Parabol-

antennen zusammengeschaltet, um ihre Empfindlichkeit zu verdoppeln.

Die Robotersonde hat offenbar ihren Flug durch den Raum jenseits des
Saturn gut überstanden.

Bereits seit Juli 1985 schickt sie Fotos von

Uranus zur Erde, allerdings noch in verhältnismäßig großen Zeitabständen.
Noch erscheint dieser Planet als kleiner, verschwommener Ball.

Die bläu-

lich-grüne Färbung ist auf den Methangehalt seiner Atmosphäre zurückzuführen.

Wenn am 4. November die intensive Beobachtungsphase beginnt, in

der sich VOYAGER 2 dem Uranus mit mehr als 65 000 km pro Stunde nähert,
funkt die Sonde für jeweils 36 Stunden alle fünf Minuten ein Foto.
schließend wird jede Aufnahmeserie noch einmal gesendet.

An-

Die Wissen-

schaftler hoffen, aus diesem Material einen Film herstellen zu können,
der Hinweise auf die atmosphärische Dynamik des Planeten zu geben vermag.

Sehr schwierig dürfte es werden, die fünf Monde des Uranus zu beobachten.

Der Grund dafür ist die Tatsache, daß die Rotationsachse dieses

Planeten der Ebene seines Umlaufs um die Sonne parallel ist, die Umlaufbahn seiner Monde also senkrecht dazu steht.

Dies ist ein ungewöhnliches

Phänomen und von keinem anderen Planeten bekannt.

(Über die Ausrichtung

der Achse von Pluto weiß man allerdings noch nichts.)

Da sich VOYAGER 2

aber dem Uranus in der Umlaufebene der Planeten nähert, hängt es von der

�von der jeweiligen Position der Uranus-Monde ab, ob sie überhaupt beobachtet werden können.

Denn das Trabanten- und Ringsystem wird ja mit ho-

her Geschwindigkeit in wenigen Stunden passiert.

Um dennoch möglichst

scharfe Aufnahmen zu erhalten, muß der Roboter mit seinen Kameras unter
Vorausberechnung

der Laufzeit der Signale während des Durchgangs durch

das Uranus-System sehr exakt gesteuert werden.

'Über diesen Planeten ist noch außerordentlich wenig bekannt.
wurde

er

schon

im

Jahr

1781

von

dem

britischen

Astronomen

William

Herschel entdeckt - aber erst 1977 brachten Fernrohrbeobachtungen
erste Hinweise darauf, daß Uranus von Ringen umgeben ist.
zu den Ringen des Saturn sind es dunkle Gebilde.

Zwar
z.B.

Im Gegensatz

Beobachtungen aus jüng-

ster Zeit lassen neben den bisher aufgefundenen Ringen die Existenz eines
weiteren Ringes zwischen den beiden inneren Monden vermuten.

Möglicher-

weise gibt es sogar mehr als die fünf Monde, von denen man heute weiß.

Aus der Dynamik der Atmosphäre hofft man auf die tatsächliche Rotationsgeschwindigkeit des Uranus Rückschlüsse ziehen zu können.

Der Pla-

net mit seinen 51 000 km Durchmesser - fast viermal mehr als der Durchmesser der Erde - könnte bisherigen Berechnungen zufolge eine Tageslänge
von 16, aber vielleicht auch von 24 Stunden haben.
relativ dicht.

Seine Atmosphäre ist

An Bestandteilen wurden die Elemente Wasserstoff, Stick-

stoff, Kohlenstoff und Sauerstoff festgestellt.

Es ist eine Art "kosmischen Billards", das VOYAGER 2 nach dem Durchgang am Uranus Kurs auf Neptun nehmen läßt.

Dreieinhalb Jahre später,

nach Überwindung von fast einer Milliarde weiterer Kilometer im interplanetaren Raum, wird die Sonde das System dieses Planeten in etwa 10 000 km
Abstand von seinem Innenmond Triton passieren.

* * * * *

- 3-

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Direktor Wick erläutert Arbeit des US-Informationsdienstes in Deutschland&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache auf einer deutsch-amerikanischen Konferenz der Stanford-Universität -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Drogenmissbrauch - ein internationales Problem&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wichtige Programme des US-Außenministeriums bei der Suche nach Lösungen -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Planet Uranus im Visier&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Intensive Beobachtungen durch Raumsonde VOYAGER 2 ab 4. November -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

2. Oktober 1985

39

INHALT

INFORMATION
Neuer Leiter der US-Delegation auf der KVAE nominiert

WIRTSCHAFT

Amtliche Erklärung zur amerikanischen Handelspolitik
- Wortlaut -

HINTERGRUNDMATERIAL

ehester Crocker:

Vorsicht bei Sanktionen gegen Südafrika geboten

- WORLDNET-Interview mit US-Unterstaatssekretär für afrikanische
Angelegenheiten * * * * *

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�2. Oktober 1985

39

NEUER LEITER DER US-DELEGATION AUF DER KVAE NOMINIERT

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 27. September
1985 den Karrierediplomaten Robert L. Barry zum Nachfolger von Botschafter James Goodby als neuen Leiter der amerikanischen Delegation auf der
Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa nominiert.

Barry, dessen Ernennung noch der Bestätigung

durch den amerikanischen Senat bedarf, hat den Rang eines persönlichen
Gesandten und wird für die Zeit seiner Mission in Stockholm den Rang eines Botschafters erhalten.

In der PresseVerlautbarung des Weißen Hauses heißt es:

Der Präsident gab heute seine Absicht bekannt, Robert L. Barry aus
New

Hampshire, einen

Gesandten

aus dem Auswärtigen

Dienst

für seine

Dienstzeit als Vertreter der Vereinigten Staaten auf der Konferenz über
Vertrauens-

und Sicherheitsbildende

(KVAE) zum Botschafter zu ernennen.

Maßnahmen

und Abrüstung

in Europa

Er soll die Nachfolge von James E.

Goodby antreten.
Barry wurde am

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Barry wurde am 28. August 1934 in Pr.ttsburgh in Pennsylvanien geboren.

Er studierte am Dartmouth College - 1956 B.A. - und an der Co-

lumbia-Universität - 1962 M.A.
von Oxford.

Von 1956-57 besuchte er die Universität

Seine Fremdsprachen

sind Russisch, Serbo-Kroatisch, Bul-

garisch und Französisch.

Von 1957-60 diente Barry als Leutnant in der amerikanischen Marine
und trat 1962 in den Auswärtigen Dienst der Vereinigten Staaten ein. Von
1963-65 war er Vizekonsul in Zagreb; von 1965-67 in der Abteilung für sowjetische Angelegenheiten im State Department; von 1967-68 studierte er
Russisch in München (Garniisch); von 1968-70 im Konsulat und dann in der
politischen Abteilung

an der amerikanischen Botschaft in Moskau; von

1970-71 in der politischen Abteilung der amerikanischen Mission bei den
Vereinten Nationen in New York; von 1971-73 Stellvertretender Leiter des
Generalkonsulats

in Leningrad; von 1973-75 beim

US-Informationsdienst

(USIA) als Leiter der Sowjetabteilung der Stimme Amerikas.

Im Jahr 1975 kehrte Barry als Stellvertretender Direktor der Abteilung für sowjetische Angelegenheiten in das amerikanische Außenministerium zurück; 1977 wurde er Direktor der Abteilung für Angelegenheiten der
Vereinten Nationen; 1978 Stellvertretender Unterstaatssekretär für internationale Organisationen und 1979 Stellvertretender Unterstaatssekretär
für europäische Angelegenheiten.

Im Jahr 1981 wurde er zum Botschafter

seines Landes in Bulgarien ernannt, ein Posten, den er innehatte, bis er
1984 bedeutende Forschungsaufgaben an der Columbia-Universität übernahm.

Barry ist verheiratet und hat zwei Kinder.

* * * * *

�2. Oktober 1985

39

PMTLICHE ERKLÄRUNG ZUR AMERIKANISCHEN HANDELSPOLITIK
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Die amerikanische Regierung hat am 23. September
15»85 eine längere amtliche Erklärung zur Handelspolitik der Vereinigten
Staaten herausgegeben.
ten des Präsidenter

Die Erklärung, cie vom Büro des Senderbeauftrag-

für Handelsverhandlungen

ausgearbeitet wurde, hat

folgenden Wortlaut:

Die Grundprinzipien der Administration für den Handel

Eine Politik des freien und fairen Handels liegt im Interesse der
Bürger der Vereinigten Staaten und der ganzen Welt.

Eine solche Politik

schafft mehr Arbeitsplätze, bringt eine bessere Nutzung der Ressourcen
unseres Landes, bringt rascheres Wachstum und Innovation hervor und gewährleistet einen höheren Lebensstandard für Amerikaner.

Freier und fai-

rer Handel ist auch unseren nationalen Sicherheitsinteressen dienlich,
weil er das wirtschaftliche und politische System unserer Handelspartner
in den Industriestaaten und Entwicklungsländern stärkt.
Trotz dieser

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Trotz dieser klaren Vorteile haben Forderungen nach Protektionismus
angehalten und in den letzten Jahren zugenommen.

Protektionismus ist

teuer und der wirtschaftlichen Prosperitat und den Sicherheitsinteressen
unseres Landes abträglich.

Protektionistische Vorschläge für Importab-

gaben oder Importquoten - ob sie zum Zwecke politischer Gewinne gemacht
werden oder nicht - sind unverantwortlich und gefährlich.

Die Vereinigten Staaten spielen die entscheidende Rolle bei der Gewährleistung und Förderung eines offenen weltweiten Handelssystems.

Wenn

die Vereinigten Staaten bei der Verteidigung und Förderung eines offeneren weltweiten Handelssystems versagen, dann ist das System in Gefahr zusammenzubrechen, was unser nationales Wohlergehen negativ beeinflussen
würde.

Das internationale Handelssystem basiert auf Zusammenarbeit.

Damit

haben auch unsere Handelspartner eine starke Verpflichtung, ein offeneres
Handelssystem zu unterstützen.

Zu dieser Verpflichtung gehören:

Abbau

der Handelsschranken, Abschaffung der Subventionen und anderer Formen unfairer Handelspraktiken und Eintritt in Verhandlungen über eine weitere
Liberalisierung des Handels im Rahmen des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (3ATT).

Seit dem Zweiten Weltkrieg haben wir bedeutsame Fort-

schritte in einem offenen weltweiten Handelssystem erreicht.
tionismus droht, dieses System

zu untergraben.

Der Protek-

Unsere Handelspartner

müssen sich mit uns zusammenschließen, um das Handelssystem weiter zu
verbessern, das zu dem wirtschaftlichen Wachstum und der Sicherheit der
Vereinigten Staaten und unserer Verbündeten beigetragen hat.

Amerika hat sich nie vor der Konkurrenz gefürchtet.

Wenn der Handel

den Regeln folgt und eine gleiche Wettbewerbschance besteht, dann ist die
amerikanische Wirtschaft so konkurrenzfähig wie jede andere.
fairer Handel und wir werden diesen nicht in Frage stellen.

Das ist

Wenn diese

Bedingungen nicht existieren, dann ist es unfairer Handel, und den werden
wir bekämpfen.

In der Erklärung

�In der Erklärung über die Handelspolitik von 1981 hat die Administration erkennen lassen, welche hohe Priorität sie dem internationalen Handel einräumt.

In der Erklärung wird das doppelte Ziel der Stärkung des

privaten Sektors durch das binnenwirtschaftliche Aufschwungprogramm des
Präsidenten und der internationalen Förderung eines offenen und fairen
Handels betont.

Seither sind die realen Privatinvestitionen rascher ge-

stiegen als das Bruttosozialprodukt, vor allem &lt;vas Dauergüter für die
Hersteller angeht, und heute machen Investitionen in Anlagen und Gerät
einen höheren Anteil am Gesamtaufkommen aus als zu irgend einem anderen
Zeitpunkt der Nachkriegsgeschichte.

Dies läßt erkennen, daß die ameri-

kanische Industrie Neuanschaffungen in den modernsten und produktivsten
Technologien vornimmt, die es gibt, und eine feste Grundlage aufbaut, um
ihre Wettbewerbsfähigkeit auf lange Sicht zu verbessern.

Die grundsätzliche Einstellung der Administration war und ist, den
Kräften des privaten Marktes so freien Lauf wie nur möglich zu lassen.
Das Ergebnis dieser Einstellung hat sich als sehr positiv erwiesen.
Warenproduktion stieg um 17 Prozent.

Die

Seit 1980 hat die Zahl der zivilen

Arbeitsplätze in der Privatindustrie um acht Millionen zugenommen.

Die

Preissteigerung ist von zweistelligen Zahlen - 12,4 Prozent im Jahr 1980
- auf weniger als vier Prozent zurückgegangen.

Laufende Bemühungen, un-

sere Binnenwirtschaft durch die Wiederherstellung eines nichtinflationären Wachstums zu stärken, werden weiter dazu beitragen, die Leistung unserer Wirtschaft in den kommenden Jahren zu steigern und unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.

International gesehen hat die Administration ihre Bemühungen um ein
offeneres und faires System des Welthandels verstärkt, in dem sich die
Kräfte des Marktes frei von Regierungsreglementierungen und Subventionen
entwickeln

können.

Die Administration

hat

sich bemüht, ausländische

Schranken für amerikanische Exporte abzubauen, ausländischen Subventionen
und anderen unfairen Handelspraktiken im Ausland entgegenzuwirken und unsere gesetzliche Vollmacht zu nutzen, um unsere Handelspartner zu drängen, ihren Verpflichtungen nachzukommen.
Wir sind weiterhin
- 3 -

�Wir sind weiterhin der Ansicht, daß offene Märkte auf der Basis gegenseitig vereinbarter Regeln und gerechter Handelsbeziehungen in unserem
nationalen Interesse liegen.

Herausforderung eines expandierenden Welthandels

Die amerikanische Wirtschaft wird immer stärker in die Weltwirtschaft
integriert.

Arbeitgeber, Aroeitnehmer

und

Regierungsvertreter

unseres

Landes auf allen Ebenen müssen diese grundlegende Tatsache immer stärker
in Rechnung stellen.

Im Jahr 1985 werden die amerikanischen Exporte und

Importe von Waren und Dienstleistungen etwa 21 Prozent unseres Bruttosozialproduktes ausmachen.

Dem stehen 13 Prozent im Jahr 1970 und nur neun

Prozent im Jahr 1950 gegenüber.

Der Trend in unserer Wirtschaft zu einer größeren Rolle im internationalen Handel ist unumkehrbar.

Rasches Wachstum und rascher Wandel in

den Volkswirtschaften anderer Länder - sowohl der Industriestaaten als
auch der Entwicklungsländer - bieten neue und wachsende Märkte für unsere
Exporte und Quellen für unsere Importe.

Als Ergebnis werden die amerika-

nische Produktion und der amerikanische Verbrauch in immer stärkerem Maße
den entsprechenden Phänomenen im Ausland integriert.

Die wachsende Abhängigkeit unserer industriellen und landwirtschaftlichen Erzeuger von ausländischen Märkten und die große Herausforderung
ausländischer Konkurrenz auf unserem Binnenmarkt machen es für uns zwingend notwendig, auch weiterhin eine starke und wettbewwerbsfähige einheimische Wirtschaft und ein offeneres weltweites System des Handels und
der Kapitalflüsse zu fördern.

Diese Administration mißt politischen Maß-

nahmen, die diesen Zielen dienen, eine hohe Priorität bei.

Mit dieser wachsenden Bedeutung internationaler Märkte für unsere
Wirtschaft gehen wachsende Bedrohungen des offenen und marktorientierten
Handels einher.

Weitreichende

staatliche Eingriffe in die Volkswirt-

schaften unserer Handelspartner gefährden unsere Fähigkeit, international

- 4 -

�Fähigkeit, international Geschäfte zu machen.

Diese Administration wird

auch weiterhin mit allen Kräften nach Liberalisierung des Handels sowie
einer Politik auf den Gebieten der Industrie, der Landwirtschaft und des
geistigen Eigentums und der Investitionen im Ausland streben, die unsere
Erzeuger in die Lage versetzt, ihre Exporte zu steigern und Wachstum und
Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten zu erhöhen.

Wir müssen uns auch mit den protektlonistischen Forderungen im eigenen Lande befassen.

Befürworter von Einfuhrabgaben oder anderer Formen

des Protektionismus führen immer wieder unser großes Handelsdefizit als
Argument für eine Beschränkung der Einfuhren an.

Sie argumentieren, un-

ser Handelsdefizit hemme das Wirtschaftswachstum im eigenen Lande.

Aber

eine solche Analyse ist ebenso falsch wie die vorgeschlagene Abhilfe.
Protektionismus nützt nur einigen Industriezweigen auf Kosten der übrigen
Volkswirtschaft.

Weniger Einfuhren werden durch weniger Ausfuhren aufge-

hoben, und die Handelsbilanz wird höchstens temporär verbessert.

Protek-

tionismus treibt die Kosten für den Verbraucher in die Höhe und lenkt die
Mittel innerhalb der Wirtschaft in falsche Bahnen.

Und er setzt eine

Handelskriegspsychologie der Vergeltung und weiterer Marktbeschränkungen
in Gang.

Der beste Beweis, daß freie Märkte und freier Handel funktionieren,
ist unser eigenes Wachstum in letzter Zeit, verglichen mit dem langsameren der Volkswirtschaften unserer Handelspartner.

Unser Handelsdefizit

ist groß geworden, aber gleichzeitig sind seit 1980 rund acht Millionen
neue Arbeitsplätze geschaffen worden.

Unser kräftiges Wachstum in den

letzten Jahren hat die Nachfrage nach einheimischen wie nach ausländischen Erzeugnissen angeregt.

Wir müssen einsehen, daß es unser eigenes

starkes Wachstum nicht gegeben hätte, wenn wir nicht auch eine stärkere
Nachfrage nach Importen geschaffen hätten.

Die Verfügbarkeit von Impor-

ten hat unseren Interessen gedient, indem sie den Amerikanern eine größere Auswahl zu niedrigeren Preisen geboten und geholfen hat, befreundete
Länder wirtschaftlich stabil zu halten.

Im Gegensatz zu

- 5 -

�Im Gegensatz zu dem kräftigen wirtschaftlichen Wachstum und der steigenden Nachfrage in den Vereinigten Staaten während der letzten Jahre war
das Wachstum bei unseren Handelspartnern im allgemeinen niedriger.

Der

große Unterschied zwischen unserem Wachstum und dem unserer Handelspartner hat zusätzlich zu unserem Handelsdefizit - und dem Handelsüberschuß
unserer Partner - beigetragen.

Während der Zuwachs unserer industriellen

Produktion seit 1982 rund 19 Prozent betrug, war der Zuwachs in den wichtigsten Industriestaaten, die unsere Handelspartner sind, im allgemeinen
wesentlich geringer:

rund 17 Prozent in Kanada, 2,5 Prozent in Frank-

reich, acht Prozent in der Bundesrepublik Deutschland, neun Prozent in
Großbritannien und 1,4 Prozent in Italien.

Im Gegensatz zu den acht Mil-

lionen Arbeitsplätze, die seit 1980 in unserem Lande geschaffen wurden,
hat es in Europa seit über zehn Jahren keine Nettozunahme der Arbeitsplätze mehr gegeben.

Stärkere private Investitionen in diesen und an-

deren Ländern würden helfen, die Kluft zwischen ihrem Wachstum und ihrer
Beschäftigungslage und der unsrigen zu schließen.

Dies wiederum würde

dazu beitragen, unser Defizit abzubauen, weil die Auslandsnachfrage nach
unseren Erzeugnissen im Verhältnis zu unserer Nachfrage nach ihren Produkten steigen würde.

Das internationale Schuldenproblem vieler Entwicklungsländer hat deren Fähigkeit beschnitten, Importe aus den Vereinigten Staaten zu kaufen.
Die amerikanischen Exporte in die hochverschuldeten Entwicklungsländer
sind in einigen Fällen seit 1981 halbiert worden.

Wenn diese Schuldner-

länder eine Politik einführen, die eine Abkehr ihrer Volkswirtschaften
von regierungskontrollierten zu marktorientierten Entscheidungen bedeuten
und wenn sie das Vertrauen der internationalen Geschäfts- und Bankenwelt
zurückgewinnen würden, dann würde ihr Wachstumspotential wieder hergestellt und amerikanische Exporte in diese Länder würden wieder zunehmen.

Die Administration wird die verschuldeten Entwicklungsländer dazu ermutigen, die Behinderungen der Funktion der Marktkräfte in ihren Volkswirtschaften abzubauen, die Produktion durch Marktanreize für Unternehmen
und Beschäftigte zu steigern und Eigenkapital an die Stelle von Schulden
zu setzen, indem die eigene und ausländische Investition angeregt wird.

- 6 -

�angeregt wird.

Diese Maßnahmen werden das wirtschaftliche Wachstum för-

dern und damit die Fähigkeit zum Schuldendienst erhöhen und wieder Chancen für amerikanische Exporte schaffen.

Der Dollar auf den internationalen Märkten

Seit 19"?8 ist der Dollar im Verhältnis zum Wert der Währungen unserer
wichtigsten Handelspartner, die Industrieländer sind, wesentlich im Wert
gestiegen.

Der Kursanstieg wurde durch eine zusätzlicne weltweite Nach-

frage nach auf Dollar lautenden Papieren verstärkt - dies wiederum ist
Ausdruck dec großen Wachstumserwartungen und Sicherheit von Investitionen
in der amerikanischen Wirtschaft.

Diese Kapitalströme haben unsere Mit-

tel für die Produktion verstärkt und uns geholfen, die Inflation unter
Kontrolle zu halten.

Das Anwachsen des Dollarwertes hat zwar unsere Wirtschaft bereichert,
aber es hat auch unseren Exporten zusätzliche Hindernisse in den Weg gelegt und hat die Importe gefördert.

Die Administration macht sich Sorgen

über die Auswirkungen des Wertanstiegs des Dollar auf unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit.

Viele amerikanische Produzenten sind heute im

Vergleich zu ihren Konkurrenten in Übersee relativ weniger wettbewerbsfähig geworden, weil der Dollar in den letzten sieben Jahren im Wert gestiegen ist.

Dieses Problem läßt sich jedoch nicht über Nacht lösen. Wir

sollten nicht versuchen, den Zustrom von Kapital abzublocken, das aus den
positiven

Aussichten

für

unser

wirtschaftliches

Wachstum

möchte und zu diesen positiven Aussichten beiträgt.

profitieren

Die Stärke des Dol-

lar reflektiert teilweise auch die relative Stärke unserer Wirtschaft.

Ein wichtiger Beitrag, um den Wertanstieg des Dollar zu dämpfen, würde darin bestehen, daß es unseren Handelspartnern gelingt, das Wachstum
ihrer eigenen Volkswirtschaften zu beschleunigen.

Dies würde wesentlich

zu einer Zunahme der amerikanischen Exporte beitragen, und zwar durch eine schrittweise Stärkung ihrer Währungen und die Auswirkung ihrer höheren
Einkommen auf den Kauf amerikanischer Erzeugnisse.
- 7 -

Die Administration

�Die Administration ermutigt unsere Handelspartner, eine Politik zu betreiben, die ihr wirtschaftliches Wachstum beschleunigt und sie wird die
Teilnehmer

am

Bonner Wirtschaftsgipfel

drängen, ihren Verpflichtungen

nachzukommen und die Starrheiten und UngLeichgewichte in ihren Volkswirtschaften zu beseitigen.

Wir wollen keine altmodischen "Lockvogel"-Erhö-

hungen der Regierungsausgaben und auch keine inflationäre Geldpolitik,
sondern vielmehr eine Änderung der Politik im Sinne der Senkung von

Aus-

gaben und Steuern, der Neuverteilung von Mitteln und der Liberalisierung
der Geldmärkte - Schritte, die die Wachstumschancen auf Dauer erhöhen
würden.

Bundesausgaben, Steuern und Verordnungen

Das Programm der Administration für den wirtschaftlichen Wiederaufschwung hat Anreize geboten, wieder zu investieren, die Produktivität zu
steigern und die Inflation von dem gefährlich hohen Stand der Jahre 1979
und 1980 herunterzudrücken.

Die daraus resultierende Verringerung der

Zinssätze hat, verbunden mit einer Senkung der Höchstsätze für die Einkommen- und Körperschaftssteuer, die Investitionstätigkeit angeregt und
einen starken Aufschwung mit niedriger Inflation ausgelöst.

Die Expansion von Investitionen in Anlagen und Ausrüstungen seit 1982
führte zu dem raschesten wirtschaftlichen Aufschwung der Nachkriegszeit.
Investitionen, die heute getätigt werden, werden auf lange Sicht die amerikanische Wettbewerbsfähigkeit auf unseren Auslands- und Binnenmärkten
stärken.
Es ist für unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit wichtig, daß
wir im Rahmen unserer Steuerpolitik den Anreiz zur Spar- und Investitionstätigkeit aufrechterhalten.

Die Administration hat als Teil ihres

Steuerreformvorschlages jene Elemente unseres Steuertarifs beibehalten,
die die Spar- und Investitionstätigkeit des einzelnen und von Unternehmen
begünstigen - einschließlich

niedrigerer Einkommen- und Körperschafts-

steuersätze, indexierter Abschreibung von Anlagen und der Möglichkeit,

- 8 -

�der Möglichkeit, Ausgaben für Forschung und Entwicklung abzusetzen.

Der

Steuerreformvorschlag des Präsidenten ist wesentlich, um die Wirtschaft
zu stärken und amerikanische Unternehmen auf den internationalen Märkten
wettbewerbsfähig zu machen.

Eine weitere große Initiative der Administration zur Senkung der Bundesausgaben ist ebenfalls wichtig zur Verbesserung unserer internationalen Wettbewerbsfähigkeit:

Dämpfung des Dollarwertes und Abbau der An-

sprüche, den solche Ausgaben an die Ressourcen des Landes stellen.

Re-

gierungsausgaben ziehen - ob sie aus Steuern oder aus Anleihen finanziert
werden - Mittel vom privaten Sektor ab, führen zu der Notwendigkeit, viele Milliarcen an geliehenem Kapital einzuführen und tragen zur Steigerung
des Wertes des Dollar bei.

Der hohe Stand der öffentlichen Ausgaben hat noch andere negative
Auswirkungen auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes.
Er hat die Senkung der Zinssätze verhindert.

Wenn die Regierungsausgaben

nicht wieder auf vernünftige Ausmaße zurückgeschraubt v/erden, dann werden
Mittel von expandierenden Investitionen auf dem Privatsektor abgezogen.
Die amerikanischen Unternehmer haben wiederholt angedeutet, daß die finanziellen Kosten des Kapitals ein großes Problem für amerikanische Firmen sind, die auf Weltmärkten konkurrieren.

Wir müssen die Zinssätze

weiter senken, indem wir die Regierungsausgaben abbauen.

Die Administration hat große Anstrengungen unternommen, um den Kongreß dazu zu bewegen, die Bundesausgaben wesentlich zu verringern.

Sol-

che Verringerungen würden nicht nur der Wirtschaft unseres Landes zugute
kommen, sondern auch unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit wesentlich verbessern.

Die Zinssätze könnten weiter gesenkt werden, es würden

mehr Mittel für produktive Zwecke auf dem Privatsektor frei und, was sehr
wichtig ist, wir könnten mit einer Änderung des Dollarkurses rechnen, die
den amerikanischen Exporten und den mit Importen konkurrierenden amerikanischen Industrien zugute käme.

Wir müssen uns jedoch darüber im klaren

sein, daß ein Abbau des Defizits im Regierungshaushalt nicht unbedingt zu
einer raschen und starken Senkung des Dollarkurses führen muß, was posi-

- 9 -

�was positiv zu verzeichnen ist, weil es die Anziehungskraft amerikanischer Wertpapiere weiter erhöhen würde.

Auf jeden Fall würde aber eine

schärfere Kontrolle der Bundesausgaben und eine wirksamere Nutzung öffentlicher Mittel die Leistung der Wirtschaft und unsere internationale
Wettbewerbsfähigkeit verbessern.

Die Administration hat sich auch verpflichtet, die Last der Bundesverordnungen und Erlasse zu verringern, die das Wachstum, die Produktivität und die Exporte der amerikanischen Wirtschaft unnötig hemmen.

Auf

der Exportseite hat die Administration gesetzliche Regelungen in Form des
Gesetzes für Exporthandelsfirmen von 1982 angestrebt und erhalten, das es
Banken erlaubt, sich aktiv an der Gründung von Exporthandelsgesellschaften zu beteiligen, um den Export von amerikanischen Gütern und Dienstleistungen zu fördern.

Die Administration wird die Anwendung dieses Geset-

zes ständig überprüfen und falls sich dies als notwendig erweisen sollte,
weitere Änderungen vorschlagen.

Im Bereich der binnenwirtschaftlichen Verordnungen wird die Einführung von mehr Wettbewerb in bisher reglementierten Sektoren die Produktivität

und

unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit

steigern.

Die

Administration wird ferner bei der Überprüfung vorgeschlagener Verordnungen und bei der Ausarbeitung weiterer Initiativen zur Aufhebung von Verordnungen an die Auswirkungen auf den Handel denken.

Wir werden prüfen,

wie weit der Prozeß der Aufhebung von Verordnungen als Hebel auf den Handel wirken kann, um Auslandsmärkte zu öffnen, wodurch das Problem ausländischer Lieferanten als Trittbrettfahrer so klein wie möglich gehalten
werden kann.

Die

internationale

Wettbewerbsfähigkeit

amerikanischer

Industrien

hängt auch vom Schutz des in den Vereinigten Staaten entstandenen geistigen Eigentums - Patente, Urheberrechte und Markenzeichen - ab.

Die Ad-

ministration wird ihre Anstrengungen verstärken, in den Vereinigten Staaten entstandenes geistiges Eigentum zu schützen.

Wir werden die laufen-

den Bemühungen auf diesem entscheidend wichtigen Gebiet dahingehend beschleunigen,

daß

die

Administration

- 10 -

legislative

und

administrative

�und administrative Schritte unternimmt.

Auf einem damit zusammenhängen-

den Gebiet führt die Administration ein wichtiges neues Programm durch,
das darauf abzielt, das Tempo der Kommerzialisierung von Produkten und
Verfahren zu beschleunigen, die durch Investitionen der Regierung in Forschung und Entwicklung entstanden sind.

Die Administration setzt mit

Nachdruck Gesetze durch, die Universitäten und kleinen Unternehmen Eigentum an Technologie überträgt, die mit Bundesmitteln entwickelt worden
sind.

Die Administration überprüft ferner die Antikartellgesetze oder Verordnungen, die

unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit

hemmen, und

wird sie zu verändern suchen.

Internationale Finanz- und Entwicklungspolitik

Die Administration unterstützt ferner aktiv die amerikanischen Handelsinteressen, indem sie auf dem Gebiet der internationalen Finanz- und
Entwicklungspolitik Initiativen ergreift.

Auf dem jüngsten Wirtschafts-

glpfel und auf Ministertagungen haben wir unsere ausländischen Partner
aufgefordert, eine auf Wirtschaftswachstum ausgerichtete Politik einzuschlagen.

Das würde das amerikanische Handelsdefizit durch eine stärkere

Nachfrage nach unseren Exporten abbauen und würde auch den hochverschuldeten Entwicklungsländern zusätzliche Exportchancen bieten.

Die Administration unterstützt aktiv die Bemühungen, die vom Internationalen Währungsfonds und von der Weltbank koordiniert werden, um das
internationale Finanzsystem zu stärken und die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern.

Zu diesem Zweck sind die Vereinigten Staaten bereit, den möglichen
Wert einer Einladung zu einem hochrangigen Treffen der Industrieländer zu
prüfen, um die verschiedenen Fragen zu analysieren, die mit der Umwandlung der Feststellungen der Zehnergruppe in geeignete Maßnahmen zusammenhängen.

Eine solche Konferenz könnte auf den Studien der Zehnergruppe
- 11 -

�der Zehnergruppe aufbauen und in kooperativer Weise über Politik und
Wirtschaftstätigkeit der wichtisten Industriestaaten sprechen und darüber
beraten, wie diese verbessert werden können, um eine Konvergenz zu nichtinflationärem Wachstum zu schaffen.

Die amerikanischen Exporte haben in den letzten Jahren aufgrund der
Auslandsschuldenkrise

in einer Reihe von Entwicklungsländern gelitten.

Mit Auflagen verbundene Finanzierungsprogramme des IWF können Schuldnerländern dabei helfen, den "Übergang zu einem anhaltenden Wachstum zu finden.

Zu diesem Zweck ist es wichtig, daß die Vereinigten Staaten die Be-

mühungen des IWF unterstützen, eine makro- und mikroökonomische Reform
der Wirtschaftspolitik im Rahmen der mit den Schuldnerländern ausgehandelten Hilfsprogramme zu erreichen.

Die Administration ist der Überzeugung, daß die Reform der Handelsund Investitionspolitik Teil der politischen Reformen sein sollte, über
die der IWF im Rahmen seiner konditionierten Finanzierungsprogramme verhandelt. Verringerte Exportsubventionen und ein

Abbau der Handelsschran-

ken werden den Bemühungen vieler Entwicklungsländer zugute kommen, ihre
wirtschaftliche Leistung zu verbessern und ihr wirtschaftliches Wachstum
zu beschleunigen.

Die Administration wird weiterhin in ihrer Einstellung

und Stimmabgabe im IWF auf diese Reformen drängen.

Solche Bemühungen

werden zu einem offeneren und gesünderen internationalen Umfeld für den
Handel und das Wachstum in den Vereinigten Staaten und in den Entwicklungsländern beitragen.

In ihren Beziehungen zur Weltbank hat die Administration auf eine
Ausweitung der Rolle des Privatsektors bei Förderung des langfristigen
wirtschaftlichen Wachstums in den Entwicklungsländern gedrängt.

Die Un-

terstützung der Administration hat wesentlich zur Aufstellung eines der
Interamerikanischen Entwicklungsbank übertragenen Programms für den Privatsektor in Höhe von 200 Millionen Dollar beigetragen.

Die Administration ist der Überzeugung, daß weniger staatliche Eingriffe in die Volkswirtschaft

der Entwicklungsländer
- 12 -

und weniger Be-

�weniger Beschränkungen der einheimischen und ausländischen Investitionen
sehr stark zu einer raschen Entwicklung und einem raschen Wachstum des
Welthandels beitragen werden.

Eine Liberalisierung der einschränkenden

Bestimmungen in den Entwicklungsländern bezüglich ausländischer Investitionen kann den Wettbewerb fördern und die schlechte Leistung verbessern,
die durch geschützte

einheimische Monopole entsteht, und

gleichzeitig

Mittel und produktive Fähigkeiten freisetzen, um den Erfordernissen des
Schuldendienstes dieser Länder nachkommen zu können.

Die Administration

unterstützt die Einrichtung des Amtes für Multilaterale Investitionsgarantien (MIGA), die kürzlich von der Weltbank beschlossen wurde, um den
internationalen Fluß der Investitionen

zu fördern.

Die Administration

ermutigt ferner die Entwicklungsländer, die Investitionen durch Aushandlung von Aokommen zu fördern, durch die ausländische Investitionen geschützt und wie eigene nationale Investitionen behandelt werden, sowie
durch Verstärkung des Schutzes von geistigem Eigentum.

Die Administration wird die Weltbank weiterhin drängen, eine marktorientierte Entwicklungspolitik zu unterstützen und zu fördern.

Preis-

kontrollen und Subventionen verzerren oft die Entwicklung und den Handel
und führen zu einer Vergeudung von Mitteln der Weltbank, und zur Entwicklung von Industrien, deren 'Überleben auf dem internationalen Markt von
anhaltender Unterstützung durch die Regierung abhängt.

Eine solche Poli-

tik kann amerikanischen Industriezweigen Schaden zufügen, die mit ausländischen Firmen in Konkurrenz stehen, die von ihren Regierungen unterstützt werden.

Wir haben eine Reihe von Anleihen der multilateralen Ent-

wicklungsbanken

unterstützt, die der Reform von Märkten und Handel in

Entwicklungsländern dienen.

Handelspolitik: Garantie verbesserten Marktzugangs und faireren Handels

Die

amerikanische

Handelspolitik

muß von einer

realistischen Ein-

schätzung der Wettbewerbssituation der Vereinigten Staaten innerhalb der
Weltwirtschaft ausgehen.

Sicherlich bleibt unsere Nation auch weiterhin

stark und lebensfrähig, bleibt sie der wirtschaftliche Führer der freien

- 13 -

�der freien Welt, deren politische Führungsrolle sich auf diese Stärke
stützt.

Aber zur Ausübung dieser Rolle müssen wir auch weiterhin unsere

Bemühungen auf die Schaffung der Bedingungen eines offenen und expandierenden Welthandels richten, der zu weltweiter Prosperität beiträgt.

Die Administration bekräftigt erneut ihre grundlegende handelspolitische Position, wie diese in ihrer Erklärung vom 8. Juli 1981 dargelegt
worden ist.

In Einklang mit dieser Position wird die Administration auch

weiterhin ungehinderteren Zugang für die amerikanischen Exporte zu den
ausländischen

Märkten

und

fairere

Handelsbedingungen

anstreben, sich

gleichzeitig aber sowohl im eigenen Land wie auch im Ausland Bestrebungen
entgegenstellen, die protektionistischer Natur sind.

Wir streben gegen-

über unseren Haupthandelspartnern, den großen und entwickelten Industriestaaten, eine substantielle Handelsliberalisierung an, durch die den amerikanischen Produkten mehr Märkte erschlossen werden.

Die Vereinigten

Staaten werden die notwendigen Initiativen ergreifen, damit bei einer
ganzen Reihe ausländischer Märkte - insbesondere Japan und den wichtigsten Entwicklungsländern - ein ausgewogenerer Zugang möglich wird.

Unsere Handelspolitik muß konzertierte Bemühungen mit unseren Handelspartnern zur langfristigen Schaffung offenerer Bedingungen im Welthandelssystem

mit einer Bereitschaft verbinden, je nach Notwendigkeit

kurzfristigere Schritte zu unternehmen, um faire Wettbewerbsbedingungen
für die amerikanische Wirtschaft sicherzustellen.

Die anderen Staaten müssen erkennen, daß es unmöglich ist, in den
Vereinigten Staaten politische Unterstützung für die Schaffung und Aufrechterhaltung eines offeneren Handelssystems zu erhalten, wenn es nicht
bald auch im Ausland zu Fortschritten bei der Erzielung offenerer und gerechterer Bedingungen für den Handel kommt.

Die Vereinigten Staaten wer-

den alle Fragen des Welthandels auf entschlossene, jedoch nicht auf Konfrontation abzielende Weise angehen.

Wir werden jedoch, falls notwendig,

Maßnahmen ergreifen, um im Ausland offenere Märkte zu erreichen und uns
selbst gegen unfaire Handelspraktiken anderer Staaten verteidigen.
Die Administration

- 14 -

�Die Administration wird verstärkt die ihr vom Kongreß gegebenen Möglichkeiten ausschöpfen, um gegen unfaire Handelspraktiken anderer Länder
anzugehen, die Handel und Investitionen der Vereinigten Staaten verzerren; sie wird nachdrücklich die Handelsinteressen und Rechte der Vereinigten Staaten gemäß amerikanischer und GATT-Bestimmungen verfolgen und
darauf drängen, daß auch die anderen Staaten ihre Verpflichtungen gegenüber den Vereinigten Staaten einhalten, wie sie sich aus ihren Handelsabkommen ergeben.
Des weiteren werden wir mit allem Nachdruck jene amerikanischen Gesetze in Anwendung bringen, die darauf abzielen, ausländischen Dumpingund Subventlonspraktiken entgegenzuwirken.

Am Wettbewerb im Welthandel sollten sich die Unternehmen der Wirtschaftswelt, nicht aber die Finanzministerien der Regierungen beteiligen.
Die sorgfältige Aushandlung verbesserter internationaler Regeln hinsichtlich Exportsubventionen ist für diese Administration ein Unterfangen von
höchster Priorität.

Wo derlei Regeln fehlen, unzureichend oder in ihrer

Anwendung nicht zufriedenstellend sind, werden die Vereinigten Staaten
ihre Exporteure

mit Nachdruck

gegen

die Subventionsprogramme

anderer

Staaten verteidigen.

Die Administration wird ihre Bemühungen verstärken, gegen die Probleme der Exportfinanzhilfe ausländischer Regierungen anzugehen, insbesondere dann, wenn es um Mischkredite geht; gleichzeitige wird sie auf ein
internationales Abkommen drängen, um subventionierte Exportfinanzierungen
aus der Welt zu schaffen.

Zu sogenannten "Mischkrediten" kommt es, wenn

Regierungen Exportkredite mit finanziellen Hilfsdarlehen kombinieren, um
die Kreditkosten der Exportverkäufe dadurch zu senken.

Mischkredite bil-

den im Welthandelssystem ein erhebliches und zunehmendes Subventionsproblem.

Die Export-Import-Bank wird mit einer konsequenten und zielgerich-

teten Politik beginnen, die auf die Mischkreditgewährungspolitik abhebt.
Gleichzeitig wird die Administration eine Bewilligung in Höhe von 300
Millionen Dollar für Zuschüsse anstreben, um bis zu 100 Milliarden Dollar
an Mischkreditdarlehen zu unterstützen.
In den vergangenen

- 15 -

�In den vergangenen zwei Jahren hat die Administration mit Erfolg Abkommen geschlossen, um Zinssubventionen oei Verkäufen von Großflugzeugen
und Kernkraftanlagen ins Ausland zu begrenzen.

Dieses Beispiel interna-

tionaler Zusammenarbeit muß auch auf das Problem der Mischkredite angewandt werden.

Die Administration wird auf Anträge amerikanischen Firmen und Einzelpersonen eingehen, bei denen es sich um gerechtfertigte Klagen über unfaire ausländische Handelspraktiken handelt.

Der Präsident hat kürzlich

angekündigt, daß fünf Fälle gemäß Absatz 301 des Handelsgesetzes von 1974
eingeleitet bzw. beschleunigt werden, um gegen unfaire ausländische Handelspraktiken anzugehen.

Es ist dies das erste Mal, daß ein Präsident

diesen wichtigen Schritt getan hat.

Die Administration wird außerdem

taktische Maßnahmen ergreifen, die auf die Beseitigung unfairer Praktiken
im Welthandel und auf die Öffnung ausländischer Märkte abzielen, sollten
sich Anstrengungen zur Lösung dieser Probleme durch Konsultationen als
vergeblich erweisen. Verweigerung bzw. Begrenzung des Zugangs zum amerikanischen Markt könnte im Verlauf dieses Prozesses eine notwendige Maßnahme darstellen.

Die Administration unterstützt die auf eine Öffnung des Marktes gerichtete Zielsetzung der Gesetzgebung

eines ausgewogenen Marktzugangs,

wird sich jedoch jeder Gesetzgebung widersetzen, die den Präsidenten
zwingen sollte, amerikanische Märkte auf der Grundlage sektoraler Reziprozität zu schließen.

Der richtige Weg besteht darin, der Administra-

tion die Handlungfreiheit
schranken auszuhandeln.

zu geben, den Abbau ausländischer Handels-

Des weiteren wird die Administration ihrem Be-

richt an den Kongreß bezüglich des Themas der Ausrichtung auf ausländische Industrien entsprechend fortfahren, indem sie auch weiterhin die potentiellen Probleme - und mögliche Lösungen - untersucht, die sich aus
dem gezielten ausländischen Maßnahmen ergeben.

Wir werden uns um die Beseitigung von Zollschranken und Verzerrungen
für den amerikanischen Handel mit Dienstleistungen und Hochtechnologiegütern (Bereichen, in denen wir einen beträchtlichen, weltweiten Wettbe-

- 16 -

�weltweiten Wettbewerbsvorteil haben) sowie für direkte amerikanische Investitionen im Ausland bemühen.

Eine wichtige neue Priorität im Bereich

des Handels wird es sein, Schranken und Verzerrrungen für den amerikanischen Handel zu verringern und schließlich zu beseitigen, die sich aus
dem unzureichenden Schutz amerikanischen geistigen Eigentums im Ausland
ergebem - Patenten, Urheberrechten und Markenzeichen.

Im Bereich des Handels mit landwirtschaftlichen Gütern wird die Administration auch weiterhin gegen ausländische Exportsubventionen ange;hen,
die unsere traditionellen Auslandsmärkte gefährden.

Die Administration

wird auch weiterhin die mögliche Anwendung des Programms eines Warentauschgeschäftes ausloten, um unsere Handelspartner, insbesondere in Europa, dazu zu ermutigen, sich zur Beseitigung der Agrarexportsubventionen
zu verpflichten.

Vereinzelte und temporäre Sicherungen und nationale Sicherheit
Die Bürger der Vereinigten Staaten haben größtes Interesse an freiem
und fairem Handel. Offener Handel schafft mehr Arbeitsplätze, produktivere Verwendung der Ressourcen des Landes, raschere Innovation und einen
höheren Lebensstandard.

Er fördert zudem unsere nationalen Sicherheits-

interessen, weil die wirtschaftlichen und politischen Systeme befreundeter Staaten gestärkt werden. Protektionismus - in Form von Zollerhöhungen
oder von Quoten - wäre kostspielig und stünde den wirtschaftlichen und
sicherheitspolitischen Interessen unseres Landes entgegen.

Es ist jedoch international anerkannt, daß es gelegentlich für Staaten notwendig ist, Industriezweige eine Zeitlang vor schwerwiegenden Folgen zu schützen, die sich hauptsächlich durch eine Flut von Importen ergeben.

Gelegentliche

Sicherungsmaßnahmen

der Vereinigten Staaten, in

Einklang mit unseren Handelsgesetzen ergriffen, widersprechen unseren internationalen Verpflichtungen nicht.

Sie müssen jedoch die übergreifen-

den wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Interessen unseres Landes
widerspiegeln.

Entsprechende Erleichterungen müssen im wirtschaftlichen

- 17 -

�im wirtschaftlichen

Interesse der Nation liegen; sie müssen temporär

sein, über ihre Laufzeit hinweg reduziert werden und Aussicht auf Anpassung dieses Teils der amerikanischen Industrie bieten, damit er nach Einstellung dieser Erleichterungen auch wieder wettbewerbsfähig ist.
Anstelle von Protektion wird die Administration Wege
Weiterbildung von Arbeitnehmern zu fördern.

prüfen, die

Die Administration wird be-

stehende Hilfprogramme für Arbeitnehmer einer Überprüfung unterziehen, um
sicherzustellen, daß dadurch eine wirksame und humane Anpassungspolitik
gefördert wird, die zu einem Maximum an Wandel und Mobilität sowie
- (a) Ausbildung und Umschulungsprogrammen - finanziert durch Regierung, Gewerkschaften und Arbeitgeber - auf umfassender und dauerhafter Grundlage; und
- (b) Unterstützung für entlassene Arbeitnehmer durch Stellendienste,
Arbeitsplatzbanken, Ausbildung und Umzugsbeihilfen beitragen.
Die Administration behält sich das Recht vor, auf wirtschaftliche Bedingungen im internationalen Rahmen sowie auf ein Maß an Importen zu reagieren, das inländische Industriezweige bedroht, die für unsere langfristige nationale Sicherheit von entscheidender Bedeutung sind. Außerdem
wird die Administration mit Nachdruck unsere Exportkontrollgesetze im Interesse unserer eigenen nationalen Sicherheit zur Anwendung bringen.
Gleichzeitig erkennt die Administration die Tatsache der Erfolgschancen
des Auslandes sowie die Bedeutung unserer Reputation als verläßlicher
Lieferant an. Wir sind uns aber auch der Tatsache bewußt, daß künftige
technische Fortschritte der amerikanischen Industrie von der Aufrechterhaltung des größtmöglichen Zugangs zu den internationalen Märkten sowie
von der Förderung des umfassendsten Austausches wissenschaftlicher Information abhängen.

Internationale Verhandlungen
- 18 -

�Internationale Verhandlungen zur Verbesserung des Zugangs zu den Märkten
und zur Erzielung eines gerechteren Handels

Es besteht ein großes Bedürfnis zur Stärkung des internationalen Handelssystems durch gemeinsame Anstrengungen der Vereinigten Staaten und
ihrer Handelspartner, um besseren Zugang zum und fairere Bedingungen im
Welthandel zu erhalten.

Es besteht die zwingende Notwendigkeit zur Über-

arbeitung d=s Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT), das seit 40
Jahren das internationale rechtliche Rahmenwerk für den Welthandel darstellt.

Die Wirksamkeit des GATT hat in den letzten Jahren nachgelassen,

hauptsächlich weil seine Maschinerie und seine Regeln nicht den neuen Bedürfnissen der internationalen Handelsgemeinschaft angepaßt wurden.

Das GATT muß in den folgenden Bereichen gestärkt werden:

- Beilegung von Streitigkeiten (gleich, ob in Form von Sicherheitsklauseln, bei Restriktionen für neue Industriezweige oder bei Zahlungsbilanzrestriktionen) sowie

- Regeln bei der Gewährung von Exportsubventionen.

Die GATT-Verhandlungen müssen außerdem ein erheblich verbessertes Umfeld für den Handel mit landwirtschaftlichen Produkten erbringen.

Ver-

handlungen sind notwendig, um den Kodex bei den nichttarifären Handelsschranken zu verbessern, der zuerst im Rahmen der Tokio-Runde entwickelt
wurde.

Und das GATT muß auch Problembereiche untersuchen und in Bereiche

hineinwirken, die in zunehmendem Maß für den Welthandel wichtig werden,
einschließlich

des _Schutzes des geistigen Eigentums, des Handels mit

Dienstleistungen und der handelsverzerrenden Investitionspraktiken.

Die Vereinigten Staaten haben ihre Handelspartner darauf gedrängt, in
eine neue Multilaterale Verhandlungsrunde einzutreten, um sich bald mit
diesen Fragen im Rahmen des GATT auseinanderzusetzen.

Eine solche Runde

wäre ein positives Zeichen dafür, daß die GATT-Mitglieder noch immer an
ein offenes Handelssystem sowie daran glauben, daß das GATT als Institu- 19 -

�als Institution fähig ist, sich den Bedingungen des Wandels anzupassen.
Diese Verhandlungen sollten Anfang 1986 beginnen.

Während für uns oberste Priorität die Verbesserung des Welthandelssystems durch eine neue Runde multilateraler Handelsverhandlungen ist, sind
die Vereinigten Staaten auch an der Möglichkeit interessiert, eine weitere Liberalisierung von Handel und Investitionen durch die Aushanrilung
bilateraler Freihandelsabkommen, wie das kürzlich mit Israel abgeschlossene, zu erzielen.

Wir sind der Überzeugung, daß bisweilen solche Abkom-

men unsere multilaterale Bemühungen vervollständigen sowie ein höheres und für beide Seiten vorteilhaftes - Maß an Liberalisierung ermöglichen
könnten, als dies innerhalb des multilateralen Kontext möglich wäre.

Die Vereinigten Staaten werden allen ernsthaften Vorschlägen zum Einstieg in die Aushandlung solcher Abkommen sorgfältige Überlegung angedeihen lassen.

Oberster Gesichtspunkt bei der Bewertung solcher Vorschläge

wird ihr wirtschaftlicher Wert für die Vereinigten Staaten sein; wir werden kein Abkommen verfolgen, das nicht deutlich in unserem wirtschaftlichen und kommerziellen Interesse liegt.

Schließlich werden die Aus-

sichten auf deutlichen Fortschritt in einer neuen Runde mulitlateraler
Handelsverhandlungen auch unsere Überlegungen hinsichtlich solch bilateraler Initiativen beeinflussen.

Die Administration wird sich eng mit dem Kongreß und den Vertretern
des Privatsektors konsultieren, bevor sie in formelle Verhandlungen eintritt, die darauf abzielen, irgendwelche bilaterale Freihandelsvereinbarungen zu erreichen und sie wird auch den Kongreß bezüglich ihrer Absichten in Einklang mit bestehendem amerikanischen Recht informieren.
Neben möglichen bilateralen Freihandelsvereinbarungen werden die Vereinigten Staaten andere bilaterale Bemühungen unternehmen, um den Zugang
für amerikanischen Handel und Investitionen zu verbessern.

Diese bilate-

ralen Anstrengungen könnten spezifische oder sektorale Handelsfragen angehen.

Erst kürzlich haben die Vereinigten Staaten sektorenspezifische

Diskussionen mit der japanischen Regierung begonnen, um den Zugang ameri-

- 20 -

�Zugang amerikanischer Hersteller von Telekommunikationsausrüstungen, medizinischen

und

pharmazeutischen

Produkten, elektronischen

Gütern und

forstwirtschaftlichen Produkten auf dem japanischen Markt zu verbessern.
Neue Sektoren werden hinzukommen, die Aussicht auf verstärkte amerikanische Exporte bieten.

Die Administration ist auch in Gespräche mit der japanischen Regierung eingetreten, um in Japan offenere Finanzmärkte zu bekommen und dem
Yen eine Rolle zuzuweisen, der stärker Japans erhöhte wirtschaftliche Bedeutung in der Weltwirtschaft widerspiegelt.

Wir werden auch nachfassen,

was die Verwirklichung von Verpflichtungen anbelangt, die Japan in diesem
Bereich eingegangen ist.

Andere

bilaterale

fortgeschrittenen

Initiativen

umfassen

Entwicklungsländern

Marktöffnungsgespräche

mit

(zum Beispiel Taiwan und Korea)

sowie Initiativen zur Aushandlung bilateraler Investitionsverträge mit
Entwicklungsländern.

Solche Verträge umfassen nichtdiskriminierende Be-

handlung, Schutz gegen Enteignung, das Recht des freien Transfers von
Mitteln, Schlichtung von Investitionsstreitigkeiten und Schutz des geistigen Eigentums amerikanischer Investoren.

Zusammenfassung der Handelspolitik der Administration

In dieser Zeit großer Herausforderung für die Zukunft des amerikanischen und internationalen Handels wird die Administration ein aktives
Programm durchführen, um die Hauptelemente ihrer Handelsstrategie zu verwirklichen - Aufrechterhaltung einer starken und wachsenden nationalen
wie internationalen Wirtschaft sowie offenere und gerechtere Bedingungen
für den amerikanischen Handel.

Zusammengefaßt: Die Administration wird Folgendes tun:

Nationale und internationale

21 -

�Nationale und internationale Wirtschaftspolitik

1. Die Administration wird zum Vorteil unseres Außenhandels wie auch
unseres gesamten Binnenhandels mit Nachdruck darauf hinarbeiten, die öffentlichen Ausgaben unter Kontrolle zu bringen.

Der Kongreß und die Öf-

fentlichkeit müssen sich klar der negativen Auswirkungen übermäßiger Regierungsausgaben und Haushaltsdefizite auf den Wert des Dollar und auf
den amerikanischen Handel bewußt sein.

Da der Kongreß zur Verringerung

des Handelsdefizits beitragen will, sollte er seine Energien auf die Beschneidung

übermäßiger

Ausgaben

und

Haushaltsdefizite

konzentrieren,

statt protektionistische Gesetze zu unterstützen.

2. Die Administration wird auch weiterhin darauf drängen, daß der
Steuerrefonnvorschlag des Präsidenten angenommen wird, der entscheidend
dafür ist, unsere Wirtschaft zu stärken und die amerikanische Geschäftswelt auf den Weltmärkten wettbewerbsfähiger zu machen.

3. Die Administration wird unsere eigenen Antikartellgesetze oder
Verordnungen in dem Maß überprüfen und eine Erweiterung herbeizuführen
suchen, in dem sie unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit behindern.

4. Die Administration wird bei der Überprüfung vorgeschlagener Verordnungen und bei der Entwicklung weiterer Initiativen zur Aufhebung von
Verordnungen die Auswirkungen auf den Handel in Betracht ziehen.

Die Ad-

ministration wird die Hebelmöglichkeit in Anwendung bringen, die durch
ihren Prozeß der Aufhebung von Verordnungen geschaffen wurde, um den Versuch zu machen, ausländische Märkte zu öffnen und dadurch das Problem des
Wettbewerbsvorteils ausländische Anbieter zu verringern.

5. Die Administration wird ihre Bemühungen zum Schutz von geistigem
Eigentum verstärken

(Patente, Urheberrechte, Warenzeichen); wir werden

unsere Bemühungen in diesem Bereich mit dem Ziel möglicher Initiativen
der Administration im legislativen und administrativen Bereich.

6. Die Vereinigten
- 22 -

�6. Die Vereinigten Staaten werden ihre Handelspartner auffordern, eine Politik zu betreiben, die deren wirtschaftliches Wachstum beschleunigt
und damit unsere Exportmöglichkeiten erhöht.

Insbesondere werden wir die

Teilnehmer des Bonner Gipfels darauf drängen, ihren Verpflichtungen nachzukommen, Starrheiten und Unausgewogenheiten ihrer Volkswirtschaften zu
beseitigen.

Die Vereinigten Staaten werden außerdem auch weiterhin Ge-

spräche innerhalb des IWF und der OECD zum Verfolg dieser Strategie führen.
7. Die Administration wird die schuldenbeladenen Entwicklungsländer
dazu ermutigen, staatliche Hindernisse abzubauen, die dem Funktionieren
ihrer Märkte entgegenstehen; wir werden ihre Produktion durch Marktanreize für ihre Firmen und Mitarbeiter ermutigen und Schulden durch Eigenkapital ersetzen, indem wir sowohl zu inländischen als auch ausländischen
Investitionen anregen.
8. Die Anstrengungen des Jahres 1984 im Bereich Yen-Dollar zur Liberalisierung der Finanzmärkte Japans und zur Internationalisierung des Yen
werden fortgesetzt.

Freie und faire Handelspolitik

9. Da die Vereinigten Staaten für ihr Wohlergehen sowohl von Exporten
als auch Importen abhängig sind und weil Protektionismus kostspielig und
kontraproduktiv ist, bleibt es Ziel der Administration, auf ein freieres
und faires Handelssystem hinzuarbeiten.
10. Die Vereinigten Staaten werden mit Nachdruck ihre Rechte und Interessen im Welthandel gemäß amerikanischer und GATT-Bestimmungen verfolgen und werden darauf drängen, daß auch andere Staaten ihren Verpflichtungen und HandelsVereinbarungen mit den Vereinigten Staaten nachkommen.

11. Die Administration wird auch weiterhin mit Nachdruck die amerikanischen Antidumping- und Zollausgleichsgesetze anwenden.
12. In der Vergangenheit
- 23 -

�12. In der Vergangenheit haben die Vereinigten Staaten Untersuchungen
über unfairen Handel gemäß Absatz 301 lediglich als Antwort auf formelle
Anträge amerikanischer Industriezweige auf Maßnahmen in die Wege geleitet.

Die Administration wird im Maße, wie es ihr angemessen erscheint,

auch selbst solche Fälle aufgreifen, um unfaire Handelspraktiken des Auslands zu untersuchen.

13. Wo die Regeln für Exportsubventionen fehlen, unzureichend oder in
ihrer Durchführung unbefriedigend sind, werden die Vereinigten Staaten
mit Nachdruck ihre Exporteure gegen Subventionsprogramme anderer Staaten
verteidigen.

Außerdem wird die Export-Import-Bank eine aggressive und

gezielte Mischkreditpolitik in die Wege leiten.

Gleichzeitig wird sich

die Administration um eine Zuweisung in Höhe von 300 Millionen Dollar für
Darlehen bemühen, um damit bis zu 1 Milliarde Dollar an Mischkrediten zu
unterstützen.

14. Die Administration wird taktische Maßnahmen ergreifen, die auf
die Beseitigung unfairer Praktiken im Welthandel und die Öffnung ausländischer Märkte abzielen, sollten Bemühungen um die Lösung dieser Probleme
auf dem Weg von Konsultationen fehlschlagen.

Verweigerung oder Begren-

zung des Zugangs zum amerikanischen Markt könnte im Rahmen dieses Prozesses eine notwendige Maßnahme sein.

15. Die Administration wird die marktöffnenden Ziele der Gesetze über
fairen Marktzugang unterstützen; aber sie wird sich gegen Gesetze wehren,
die vom Präsidenten verlangen würden, amerikanische Märkte auf der Grundlage sektoraler Reziprozität zu schließen.

Der richtige Weg ist, der Ad-

ministration die Vollmacht zu gewähren, Abbau der Schranken im Außenhandel auszuhandeln.

16. Die Vereinigten Staaten werden auch weiterhin mit Japan marktorientierte, sektorselektive Gespräche führen.

Es werden jedoch bei den

laufenden Sektorgesprächen zeitliche Begrenzungen eingeführt werden, nach
deren Ablauf spezielle Verpflichtungen bewertet und Folgeverfahren eröffnet werden.

Neue Bereiche werden hinzugenommen, die vermehrte amerika-

nische Exporte versprechen.
17.
- 24 -

Die

Administration

�17. Die Administration wird ihre Belichte an den Kongreß zum Thema
gezielter Maßnahmen der ausländischen

Industrie fortsetzen, indem sie

auch weiterhin die potentiellen Probleme, die durch solch gezielte ausländische Maßnahmen geschaffen werden - und unter Umständen mögliche Gegenmittel - untersucht.

Politische Schritte zjr Förderung des amerikanischen Exports

18. Die Vereinigten Staaten werden si:h um eine Verringerung des Handelsdefizit unseres Landes bemühen, indem sie die Exporte ausweiten werden, statt Importe zu beschränken.

19. Die Administration wird mit Beratungsgruppen des Privatsektors
zusammenarbeiten (z.B.dem Exportrat des Präsidenten), um die Exportförderung zu verbessern und den amerikanischen Firmen aabei zu helfen, ihre
weltweiten Marktanstrengungen auszuweiten.

20. Die Administration wird die staatliche Exportförderung im Verlauf
der Budgetüberprüfung dieses Herbstes bewerten und diese Aktivitäten ändern, falls notwendig, um ihre Wirksamkeit zu erhöhen.

21. Die Administration wird sich erneut um Gesetze bemühen, um die
für den Export leistungshemmenden Faktoren des Gesetzes über korrupte
Praktiken im Außenhandel zu beseitigen.

Multilaterale und bilaterale Handelsverhandlungen für amerikanische
Exporte und fairen Handel

22. Es besteht ein großes Bedürfnis nach einem umfassenderen, disziplinierteren und wirksameren System von Regeln für den Welthandel.

Die

Administration wird ihre Bemühungen fortsetzen, eine neue GATT-Verhandlungsrunde in die Wege zu leiten.
23.
- 25 -

Die

Administration

�23. Die Administration wird mögliche bilaterale und multilaterale
Verhandlungsmöglichkeiten prüfen, um sowohl den Marktzugang zu verbessern
als auch die Fairness zu vergrößern und die umfassenderen Interessen des
multilateralen Verhandlungsprozesses zu fördern.

Sicherheitsklauseln und nationale Sicherheitspolitik

24. Die Administration ist sowohl im In- als auch im Ausland marktorientierten Lösungen der Handelsprobleme orientiert; aber gelegentliche
Ausnahmen könnten notwendig sein.

25. Importerleichterungen werden im Bedarfsfall transparent, temporär, zeitlich abgestimmt sein und über einen bestimmten Zeitraum hinweg
allmählich abgebaut werden und zu internationaler Wettbewerbsfähigkeit
führen.

26. Die Administration wird bestehende Hilfsprogramme für Arbeitnehmer überprüfen, um sicherzustellen, daß sie eine wirksame und humane Anpassungspolitik fördern.

27. Die Administration behält sich das Recht vor, auf bestimmte Wirtschaftsbedingungen im internationalen Rahmen zu reagieren; außerdem wird
sie auf die Auswirkungen jener Importe reagieren, die inländische Industriezweige bedrohen, die für unsere langfristige nationale Sicherheit
von entscheidender Bedeutung sind.
28. Die Administration wird im Interesse unserer eigenen nationalen
Sicherheit unsere Exportkontrollgesetze mit Nachdruck in Anwendung bringen.

Gleichzeitig ist sich die Administration der Tatsache bewußt, daß

unsere Güter im Ausland zur Verfügung stehen müssen und weiß um die Bedeutung unseres Rufes als verläßlicher Anbieter.

- 26 -

�United States Information Service
Embassy of the United States of America

2. Oktober 1985

39

CHESTER CROCKER: VORSICHT BEI SANKTIONEN GEGEN SÜDAFRIKA GEBOTEN

WORLDNET-Interview mit US-Unterstaatssekretär
für afrikanische Angelegenheiten
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - ehester Crocker, Unterstaatssekretär für afrikanische Angelegenheiten, diskutierte am 27. September 1985 im Rahmen des
Satelliten-Fernsehprogramms des US-Infomationsamt.es, WORLDNET, mit Medienkorrespondenten in Bonn, Brüssel, Den Haag, Lissabon, London, Paris
und Rio de Janeiro die Südafrikapolitik dar amerikanischen Regierung.

Nachstehend

der

Wortlaut

der Korrespondentenfragen

aus

Bonn

und

Crockers Antworten:
FRAGE:

Mr. Crocker, Sie sagten, die Regierung in Pretoria sei eine

reformerische Regierung.

Wie können Sie das sagen, wenn alle Schwarzen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�alle Schwarzen durch die Verfassung von der Beteiligung an der politischen Macht ausdrücklich ausgeschlossen sind?

Eine weitere Frage betrifft die Haltung der Reagan-Administration
hinsichtlich der südafrikanischen Homeland-Politik und der Umsiedlungsprogramme großen Stils. Was denken Sie hierüber?

ANTWORT:

Hinsichtlich de-s von Ihnen angesprochenen Reform-Aspektes

scheinen mir die Tatsachen für sich zu sprechen.

Es gab hinsichtlich der

Abkehr von der Apartheid sowoil in Theorie als auch in Praxis in den vergangenen vier oder -"ünf Jahren in Südafrika mehr Wandel a_\s in den vorausgegangenen vierzig Jahren.

Nimmt man zum Beispiel den Status der Ge-

werkschaften, so erkennt man, daß über die Hälfte der gewerkschaftlich
zusammengeschlossenen Arbeitnehmer in Südafrika Schwarze sind.
noch vor fünf Jahren nicht so.

Dem war

Es gibt Vohn- und Bodenrechte, das gesam-

te Konzept der Wohn- und Aufenthaltsproblematik in Südafrika wurde in
Überlegungen in Richtung auf Änderungen einbezogen und dann gab es auch
Wandel in einigen konkreten Bereichen der Politik.

Wir kennen die begrenzten Schritte, die unternommen wurden, um den
Mischlingen und Asiaten begrenzte politische Rechte zuzugestehen.
meinen daher, gewisse Maßnahmen wurden ergriffen.
sie nicht adäguat.

Wir

Offensichtlich sind

Sie gehen noch nicht das Problem der politischen

Rechte der Schwarzen an.

Aber es gab prinzipielle Erklärungen der Regie-

rung, wonach die Schwarzen politische Rechte erhalten müssen und sie politische Beteiligung auf höchster Ebene, also der nationalen Ebene, haben
sollten.

Was noch fehlt, sind konkrete Formeln oder überhaupt Verhand-

lungen, um zu diesem Ergebnis zu gelangen.

Was den zweiten Punkt, die Homeland-Politik anbelangt, so haben wir
immer wieder - unter jeder Administration bis zurück zu jener von Dwight
Eisenhower - die Homeland-Politik abgelehnt.

Sie löst keines der Proble-

me Südafrikas. Wir können die Entnationalisierung der schwarzen Mehrheit
nicht unterstützen und tun dies auch nicht.

Wie Sie wissen, wird die

zwangsweise Umsiedlung seit einiger Zer: schon einer Überprüfung unter- 2-

�Überprüfung unterzogen. Wir hoffen, daß mit dieser Politik endlich Schluß
gemacht wird.
FRAGE:

In welchem Maß herrscht in Ihrer Administration Zufriedenheit

über die jüngsten Druckmaßnahmen seitens der Europäer, um Wirtschaftssanktionen einzuführen?

Sind Sie hiermit zufrieden oder hätten Sie gern

mehr davon gehabt?

ANTWORT:

Es steht uns ratürlich nicht zu, darüber zu entscheiden,

was andere Staaten tun sollten; aber wir haben die Linie aufgezeigt, die
wir zu ziehen versuchen.
rika verhängt.

Wir haben keire Handelssanktionen gegen Südaf-

Wir haben aucn nicht die Absicht. Wir glauben nicht, daß

derlei Sinn hat.

Wenn sie also für die Vereinigten Staaten keinen Sinn

machen, dann dürfte unser Argument dahingehen, daß sie auch für die Bundesrepublik Deutschland keinen Sinn machen.

Ich nehme also an, daß die

beiden Regierungen das mehr oder minder auch ähnlich sehen.
andere Regierungen nicht, Sanktionen zu verhängen.

Wir drängen

Wir drängen sie viel-

mehr dazu, sehr sorgfältig auf die Wir&lt;ungen zu achten, die derlei in
Südafrika und im südlichen Afrika hat und sich bewußt zu sein, daß wir,
wenn wir nicht sehr vorsichtig sind, mit Streichhölzern spielen.

FRAGE:

Ich habe eine ähnliche Frage;.

Sind Sie mit dem Zustand und

der Art von Kooperation und Koordination zwischen den Vereinigten Staaten
und der Europäischen Gemeinschaft zufrieden, was Südafrika anbelangt?
ANTWORT:

Wir stehen mit unseren wichtigsten europäischen Partnern in

sehr regelmäßigem Dialog über diese Art Fragen, und wir wollen ihn aufrechterhalten und fortführen.

Es ist dies meiner Meinung nach eine sehr,

sehr nützliche Bemühung auf beiden Seiten des Atlantik.

Dabei geht es

nicht nur um Südafrika; es geht auch um die Lage im südlichen Afrika.
Hinsichtlich Namibia stehen die Westlichen Fünf in regelmäßigem Kontakt
miteinander.

Was Südafrika angeht, so meine ich, es ist nützlich, wenn

die westliche Welt mehr oder minder mit einer gemeinsamen Stimme spricht
- ebenso wie hinsichtlich der Notwendigkeit, die Anliegen der Schwarzen
zu fördern, die Apartheid abzuschaffen und nicht das zu zerstören, was es

�was es hier gibt: die vielversprechendste Volkswirtschaft auf dem gesamten Subkontinent.
FRAGE:

Mr. Crocker, was halten Sie von dem reuen Kompromiß der Bon-

ner Koalition hinsichtlich Südafrika?

[ch denke an das Kulturabkommen,

von dem Sie wahrscheinlich wissen, und an den Kompromiß, der besagt, das
Abkommen wird aufgehoben, man hat jedoch sechs Monate Zeit und in dieser
Zeit

auch die Gelegenheit

zu der Übereinkunft, daß jeder, auch die

Schwarzen, sich an den kulturellen Beziehungen zur Bundesrepublik beteiligen können?

ANTWORT:

Nun, Sie sprechen Themen an, die mir nicht so geläufig

sind, wie sie es vielleicht sein sollten.

Ich würde Folgendes sagen:

Wir sind nicht der Meinung, die Erschwerung der Kontakte, etwa der kulturellen

Kontakte,

staatsmännischen

stelle

in

sich

selbst

Akt dar - um es so zu

einen ungeheuer kreativen,
formulieren.

Was Südafrika

braucht, sind mehr Beziehungen zur westlichen Welt, nicht weniger. Aber
es geht nicht nur jm Beziehungen zur öffentlichen Meinung des Westens
oder Beziehungen zwischen westlichen Regierungen und der südafrikanischen
Regierung; es geht um Beziehungen für alle Menschen in Südafrika und in
diesem Sinn können wir uns voll mit den Geist Ihrer Frage identifizieren.

In unsrem eigenen Fall bezieht sich konstruktives Engagement nicht

nur auf die Regierung Südafrikas, sondern auf alle Südafrikaner.

Wir

bauen durch unsere Programme, die direkte Unterstützung für Fortschritt
der schwarzen Mehrheit umfassen, Brücken und Institutionen in ganz Südafrika.

Ich meine, darum geht es wirklich, und das ist etwas Positives.

Aber wir sollten Südafrika nicht noch weiter isolieren.

Das führt nur

dazu, daß es sich noch weiter in seine Wagenburg zurückzieht.

FRAGE:

Wie steht es um Tendenzen in den Vereinigten Staaten, die

RENAMO-Guerilla zu unterstützen?

Genauer:

Man sagt, Mitglieder des Par-

laments bereiteten einen Gesetzesvorschlag für massive Unterstützung der
RENAMO vor?
ANTWORT:

Ich

�ANTWORT:

Ich kenne keinerlei Vorschläge für massive Unterstützung.

Es gibt einige Mitglieder in unserem Kongreß, die die Klugheit und die
Brillianz der jetzigen amerikanischen Politik bezüglich dieses Teils der
Welt noch nicht recht erkannt haben.
beit betreiben.
werden.

Wir müssen da noch Aufklärungsar-

Ich glaube, daß wir im Lauf der Zeit damit Erfolg haben

Es ist nicht unsere Haltung, es ist nicht Haltung der Regierung,

daß Unterstützung vcn RENAMO einen Weg in Richtung auf Erfolg in Mozambique darstellt.

Wir versuchen, dort einen regionalen und internen Frie-

densprozeß zu unterstützen; u~id die gleiche Politik betreibt auch Präsident Machel.

Die RENAMO-Guerilla repräsentiert

demokratischen und christlichen Kräfte.

Ln unseren Augen keine

Wenn man auf die geschichtliche

Entwicklung blickt, ist es natürlich etwas komplizierter.

* * * * *

- 5-

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neuer Leiter der US-Delegation auf der KVAE nominiert&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amtliche Erklärung zur amerikanischen Handelspolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Chester Crocker: Vorsicht bei Sanktionen gegen Südafrika geboten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- WORLDNET-Interview mit US-Unterstaatssekretär für afrikanische Angelegenheiten -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>2 5 . September 1985

38

INHALT
INFORMATION
Gedanken zur Geschichte und Fortentwicklung der deutschamerikanischen Beziehungen
- Rede des Botschafters der Vereinigten Staaten von Amerika, Richard
Burt, anläßlich des 200. Jahrestages des ersten amerikanisch-preussischen Vertrages in der Staatsbibliothek Berlin am 25. Sept. 1985 DOKUMENTATION
Reagan umreißt Handelspolitik der USA
- Rede vor amerikanischen Unternehmern Reagan-Pressekonferenz vom 17. September
- Auszüge HINTERGRUND
UDSSR verstärkt um westliche Technologie bemüht
- Erklärung von US-Verteidigungsminister Weinberger WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Die erste Begegnung mit einem Kometen
- Amerikanische Raumsonde durchflog Schweif von "Giacobini-Zinner"

* * * * *

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�25. S.eptember 1985

38

GEDANKEN ZUR GESCHICHTE UND FORTENTWICKLUNG
DER DEUTSCH-AMERIKANISCHEN BEZIEHUNGEN

- Rede des Botschafters der Vereinigten Staaten von Amerika,
RICHARD BURT,
anläßlich des 200. Jahrestages des ersten
amerikanisch-preußischen Vertrages in der Staatsbibliothek Berlin
am 25. September 1985 -

"Dies ist der liberalste Vertrag, den unabhängige Mächte jemals eingegangen sind...Er wird in vollerem Umfang dazu beitragen, eine allgemeine Befriedung herbeizuführen als irgendeine Maßnahme, die die Menschheit bisher versucht hat", so schrieb George Washington. Er meinte damit das damals gerade geschlossene Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten von
Amerika und dem Königreich Preußen.

Auf beiden Seiten des Abkommens standen überragende Figuren der Aufklärung. Hier in dieser Stadt regierte Friedrich der Große, Freund der

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Freund der fortschrittlichsten Denker seiner Zeit, Förderer der Künste,
ein Soldatenkönig, aber auch ein Philosophenkönig. Einer der wichtigsten
Männer, die

auf

amerikanischer

Seite unterzeichnet

hatten

- Benjamin

Franklin - war ein universalgebildeter Philosoph und Staatsmann, eine der
größten geistigen Gestalten seiner, ja, jeder Zeit. Der abgeschlossene
Vertrag wurde von der Londoner Monthly Review als "die beste Lektion in
Humanität" bezeichnet, "die ein Philosophenkönig (Friedrich der Große),
in Übereinstimmung mit einem philosophischenen Patrioten (Franklin) handelnd, den Fürsten und Staatsmännern der Erde überhaupt erteilen konnte."

Selten hatte ein Abkommen bedeutsamere Gründerväter oder fand wärmere
Unterstützung. Dieser Vertrag war innovativ und selbst aus heutiger Sicht
bemerkenswert weitsichtig. Er betonte das Konzept der Handelsliberalisierung. Er machte das Wohlergehen und das Glück der Menschen zu seinem Ziel
und nicht die Macht und Vorrechte der vertragschließenden Staaten. Er
legte Regeln für die Behandlung Kriegsgefangener fest und nahm damit viel
von der späteren Genfer Konvention von 1929 vorweg. Es handelte sich hier
um ein weitblickendes Abkommen, das solche modernen Konzepte wie Freihandel, Menschenrechte und Rüstungskontrolle aufgriff.

Im Laufe der zwei Jahrhunderte, seit dieses Dokument unterzeichnet
wurde, haben sich unsere beiden Länder, Deutschland und Amerika, voneinander entfernt und gerieten schließlich zweimal in Konflikt miteinander,
nur um schließlich ein Band zu schmieden, dessen Festigkeit, Intensität
und Bedeutung in der menschlichen Geschichte wahrscheinlich nicht seinesgleichen hat. Auf einer Feier wie dieser hier ist es natürlich für einen
amerikanischen Botschafter in Deutschland verlockend, seine Ausführungen
ausschließlich auf diese letzten vierzig Jahre zu konzentrieren, in denen
die Geschichte der deutsch-amerikanischen Zusammenarbeit so positiv und
das Ausmaß unser gemeinsamen Leistungen so

eindrucksvoll waren.

Und doch hat uns die Geschichte durch die Tragödie ebenso viel zu
lehren wie durch den Triumph. Wir erleben hier in der Bundesrepublik
Deutschland ein erneutes Interesse an der deutschen Vergangenheit, vor
allem an der Geschichte jenes Staates, dessen Hauptstadt Berlin war, und
- 2-

�war und um die herum das moderne Deutschland aufgebaut wurde. Dieses Interesse wird durch das Gebäude symbolisiert, in dem wir jetzt zusammengekommen sind, die Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz.

Wenn Sie mir erlauben, möchte ich deshalb einen Rückblick auf die
ganzen

zwei

Jahrhunderte

der

Beziehungen

zwischen

amerikanischen

und

deutschen Regierungen geben und nicht nur auf das anfängliche Versprechen, das dieser Vertrag im Sinne der geistigen wie auch kommerziellen
und politischen Übereinstimmung der Interessen gab, sondern auch auf die
tiefe Enttäuschung dieser Hoffnungen und schließlich auf ihre endgültige
Bewertung in der Schaffung einer besonderen Beziehung zwischen unseren
beiden Ländern in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Als dieser Vertrag vor 200 Jahren unterzeichnet wurde, befanden sich
die Vereinigten Staaten und Preußen in einer vergleichbaren internationalen Position. Sie waren beiden Außenseiter

im internationalen System.

Amerika war ein Außenseiter, weil es physisch isoliert war, weil seine
Bewohner oder deren Vorfahren beschlossen hatten, Europa zu verlassen,
weil sie als Amerikaner beschlossen hatten, ihre politische Unabhängigkeit von Europa zu bekräftigen, und weil sie ein einzigartiges politisches System eingeführt hatten, das die meisten europäischen Monarchien
zutiefst

beunruhigte. Preußen

Dreißigjährige
Deutschland

Krieg und

wiederum

war ein Außenseiter, weil der

der daraus resultierende Westfälische

Friede

für über zwei Jahrhunderte zur Spaltung und Machtlosigkeit

verurteilte.

Die relative Schwäche beider und das, was sie als Gefahr seitens
Großbritanniens und Frankreichs empfanden, trug in beiden Ländern zu der
weitverbreiteten Auffassung bei, daß sie etwas Besonderes seien und deshalb als Modell für die übrige Welt dienen könnten.

Aber es gab noch weitere Ähnlichkeiten zwischen beiden Staaten. Wie
Gräfin Dönhoff schrieb, hingen beide Staaten ursprünglich der Philosophie
der Aufklärung an. Das Preußen Friedrich des Großen war ein Zentrum der
religiösen Toleranz in Europa. Er gewährte vielen aus religiösen Gründen
- 3-

�religiösen Gründen Verfolgten Asyl, den Hugenotten aus Frankreich und anderen von andernorts. Er war der erste Herrscher in Europa, der die Folter abschaffte. Er gewährte den Jesuiten Zuflucht als der Papst ihren Orden auflöste. Er baute in dieser Stadt für seine katholischen Untertanen
die große St. Hedwigskirche.

Auch die Gründerväter Amerikas waren Söhne der Aufklärung. Die Verfassung, die sie entwarfen, und unsere vorausgegangene Revolution waren
Marksteine in der Verbreitung der Gedanken der Aufklärung. Und die Amerikaner haben sich lange Zeit Deutschland so wie Amerika vorgestellt. Einer
der größten amerikanischen Historiker, George Bancroft, der letzte amerikanische Gesandte in Preußen und erster Gesandter im Deutschen Reich,
schrieb 1870, daß "die deutschen Institutionen und die unserigen sich
stark ähneln."

Aber die beiden Länder begannen auseinanderzutreiben. Deutsche und
amerikanische Historiker - Golo Mann und Gordon Craig zählen sicherlich
zu den herausragendsten - sind sich hinsichtlich der Ursachen einig. Was
vielen berühmten Amerikanern ein aufgeklärtes Preußen zu sein schien,
wurde eben dies immer weniger. Der Rationalismus des 18. Jahrhunderts
hatte Amerika zu einer individualistischen, dezentralisierten Demokratie
geführt. In Preußen und später im Kaiserreich führte die Aufklärung jedoch zu einer Konzentration auf das persönliche Eigenleben und damit zu
einer Abneigung, am öffentlichen Leben und somit an der Politik teilzunehmen. Dies überließ die Regierung, und vor allem die Außenpolitik, den
Händen einiger weniger, fast allmächtiger Gegner der Demokratie: der Monarchie und einer Offizierskaste.

Der imperialistische Wettlauf beider Länder nach Kolonien wurde durch
die sang- und klanglose Entlassung des unersetzlichen Lotsen des Reiches,
Fürst Bismarck, durch den jungen Kaiser und dessen unüberlegten, gierigen
Griff nach Weltmacht verschärft. Und so kämpften Deutschland und die Vereinigten Staaten im Ersten Weltkrieg als Gegner. Amerikas Eintritt in den
Ersten Weltkrieg trug entscheidend zur Beendigung dieses Konflikts bei.
Aber sofort danach zog sich Amerika in eine unrühmliche Isolation zurück.
- 4-

�Isolation zurück. Es trug damit dazu bei, die Grundlagen einer neuen,
stabilen internationalen Ordnung zu zerstören, nachdem die Stützen der
alten Ordnung weggefegt worden waren.

Die sich abmühende Weimarer Demokratie brachte eine Neubelebung deutscher demokratischer Traditionen, die niemals zuvor zu vollem Erfolg gekommen, die aber auch nie ganz ausgestorben waren. Die Weimarer Verfassung spiegelte den gleichen Nachdruck auf religiöse Freiheit wider, wie
sie in der Verfassung des gescheiterten Frankfurter Parlamentes von 1348,
ja sogar in einem Artikel des preußisch-amerionischen Vertrages niedergelegt war, dessen 200. Jahrestag wir heute hier feiern. Im Bewußtsein
der Notwendigkeit eines wirtschaftlichen Wiederaufschwungs Deutschlands,
sollte die Weltwirtschaft wieder gedeihen, boten die Vereinigten Staaten
der Weimarer Republik beträchtliche wirtschaftliche Hilfe. Diese Politik
wurde nachdrücklich von dem damaligen Handelsminister und späteren Präsidenten Herbert Hoover vertreten.

Aber die finanzielle Unterstützung seitens Amerikas konnte kein Ersatz sein für die notwendigere amerikanische Verpflichtung zu Stabilität
und Frieden in Europa, wie sie vom Völkerbund vorgesehen worden war. Unter dem wachsenden inneren und äußeren Druck ürach die Weimarer Republik
schließlich zusammen; Nazismus und Faschismus triumphierten, und Europa
taumelte in einen schrecklichen Alptraum hinein.

Bundespräsident von Weizsäcker erklärte am 8. Mai 1985 vor dem Deutschen Bundestag: "Hitler wollte die Herrschaft über Europa und zwar durch
Krieg." Aus jüngeren Forschungen geht hervor, daß er tatsächlich auch die
Absicht hatte, schließlich die Vereinigten Staaten zu erobern. Er unterschätzte, wie der Kaiser, Macht und Willen Amerikas völlig. Aus dem eitlen Traum des Isolationismus aufgerüttelt, schloß sich Amerika mit seinen
Verbündeten zusammen, um Hitler und seinen Mitverbrechern die endgültige
Niederlage zu bereiten.

Bundespräsident

von

Weizsäcker

führte

in

der

gleichen

Rede aus:

"...wir haben allen Grund, den 8. Mai 1945 als das Ende eines Irrweges
- 5-

�eines Irrweges deutscher Geschichte zu erkennen, das den Keim der Hoffnung auf eine bessere Zukunft barg."

Danach standen die Deutschen, vor alLem in Berlin und die Berliner,
lange Krisen durch, widersetzten sich erfolgreich der Tyrannei und verteidigten ihre Freihsit und Sicherheit. Die Berliner, unterstützt durch
die Verbündeten, hielten die drei Westsektoren dieser Stadt als eine Insel der Freiheit aufrecht. Man darf niemals vergessen, daß die ersten Europäer, die gegen kommunistische Versuche ihrer Unterwerfung rebellierten, Berliner waren, die die gewaltsame Vereinigung von Sozialdemokraten
und Kommunisten

ablehnten, die Stalin

jnd Ulbricht in der Sowjetzone

durchsetzten.

Dafür, daß sie zu diesem Sieg der Freiheit inspirierten und hinführten, verdienen Ernst Reuter und Kurt Schumacher zu den Helden unserer
Zeit gerechnet zu werden. Der erste landesweite Aufstand gegen kommunistische und ausländische Herrschaft 195:&gt; begann in Berlin und breitete
sich über ganz Ostdeutschland aus.
In der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts haben unsere beiden Länder,
Deutschland und die Vereinigten Staaten, ihre Idee einer Sonderstellung,
ihr Sendungsbewußtsein und ihre gegenseitige Feindseligkeit aufgegeben.
Unter der überparteilichen außenpolitischen Führung von Truman, Vandenberg, Eisenhower und Acheson wandte sicn Amerika vom Isolationismus ab
und einem aktiven Engagement zu, das durch den Marshall-Plan, das Punkt-Vier-Programm und die Gründung der NATO symbolisiert wurde.

Die Bundesrepublik Deutschland wurde ein integraler Bestandteil des
Westens.

Ihre Führer errichteten

einen neuen

liberalen

demokratischen

Staat. Konrad Adenauer führte eine zweite politische Revolution in Westeuropa durch: die deutsch-französische Versöhnung, die Errichtung der Europäischen Gemeinschaft und den deutschen Beitritt zur NATO. Es war in
der Tat Adenauer, der zusammen mit Schuman, de Gasperi und Monnet Europa
aus einem Schlachtfeld in ein gemeinsames Unterfangen des Friedens und
der Stabilität durch Einheit verwandelte. Unter der Führung von Konrad
-6-

�von Konrad Adenauer gaben die Deutschen all das auf, was Professor Richard Löwenthal als 'Zwischenkultur1 bezeichnet hat - eine kulturelle Haltung, die besagt, daß Deutschland sich sowohl von Ost als auch von West
unterscheidet -, als auch die 'Schaukelstellung', eine Politik des Jonglierens zwischen Ost und West, gaben es auf zugunsten der Einigung Westeuropas mit Deutschland als vollem und gleichwertigem Partner.

Ein

ancerer

wichtiger

Mitbegründer

des

neuen

und

demokratischen

Deutschlands ist ein Mann, dessen Tod wir in dieser Woche betrauern, Axel
Springer. Er hatte in seiner Jugend erlebt, daß ein Tyrann als erstes die
Medien in seine Gewalt bringt, um die Information zu unterdrücken und die
Kritik zum Schweigen zu bringen. Nach dem Kriege macnte sich Springer
rasch und tatkräftig daran, dem deutschen Volke wieder eine freie und unabhängige

Fresse

zurückzubringen, jenen

Eckpfeiler

eines

unabhängigen

Landes. Darüber hinaus trat er für eine Vision eines Deutschlands ein,
gegründet auf der doppelten Idee von Demokratie und Einheit. Diese Vision
kommt vielleicht am besten durch die Örtlichkeit des Verlagshauses von
Axel Springer hier in Berlin zum Ausdruck.

Wenn man aus dem Jahr 1985 auf die Geschichte der Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern zurückblickt, dann lassen sich meiner Meinung nach mehrere Schlußfolgerungen ziehen, die von dauernder Bedeutung
sind.

Erstens, das deutsch-amerikanische Verhältnis ist stets nur dann voll
zur Entfaltung gekommen, wenn beide Seiten sich einer Koinzidenz ihrer
strategischen Interessen und Werte erfreuten. Ende des 18. Jahrhunderts
und Anfang des 19. Jahrhunderts hatten die beiden Staaten, Amerika und
Preußen, ähnliche Positionen an der Peripherie inne und hatten ein gemeinsames Interesse daran, die Achtung der Rechte kleinerer Staaten zu
sichern.

Aber obwohl einige Amerikaner der Meinung waren, daß die Vereinigten
Staaten und Preußen ähnliche Gesellschaftssysteme hätten, war dies nicht
der Fall und dies wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts immer deutlicher.

�immer deutlicher. Andererseits hatten

Amerika und Deutschland

in den

zwanziger und dreißiger Jahren ähnliche politische Systeme und soziale
Wertvorstellungen. Aber obgleich die Vereinigten Staaten in diesem Zeitraum der Weimarer Republik moralische und sogar finanzielle Unterstützung
zuteil werden ließsen, erkannten sie nicht das vitale geopolitische Interesse, das sie an der Sicherheit und wirtschaftlichen Stabilität der europäischen Demokratien, einschließlich der sich abmühenden deutschen Demokratie, hatten. Erst in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts ist uns
eine echte Koinzidenz deutscher und amerikanischer Strategie und politischer Interessen gelungen, eine Koinzidenz, in der 'Realpolitik' und moralisches Gebot in Einklang wirken und unsere beiden Länder zur Zusammenarbeit zwingen.
Wenn diese Zusammenarbeit fortdauern soll, dann müssen wir ihre beiden Wurzeln pflegen. Die Hauptmotive der deutsch-amerikanischen Zusammenarbeit sind und bleiben gemeinsame Wirtschafts- und Sicherheitsanliegen.
Wir müssen dafür sorgen, daß neue Generationen die potentiellen Bedrohungen unserer gemeinsamen Interessen durch Engstirnigkeit und durch den
sowjetischen Expansionismus auch wirklich begreifen. Gleichzeitig dürfen
wir die Werce nicht vernachlässigen, die uns noch enger verbinden - unsere gemeinsamen Wertvorstellungen von der Rolle des einzelnen in der Gesellschaft, der Funktion des Staates und der Würde des Menschen.
Eine zweite Lehre unserer Geschichte, die mit der ersten eng zusammenhängt, ist die Notwendigkeit, unsere Werte aktiv zu verteidigen, für
unsere Ideale einzutreten und jene zu unterstützen, die unsere Vorstellungen teilen. Diese Lehre ist den Amerikanern schwergefallen. Wir haben
es aus unserer Tradition heraus vorgezogen, daß unsere Nation andere allein durch ihr Beispiel führen und als das ideale 'neue Jerusalem' wirken
solle, das andere Gesellschaften bewundern und nachahmen sollten. Aber
der Erste und der Zweite Weltkrieg haben gezeigt, daß es selbst für eine
Großmacht nicht genug ist, allein durch ihr Beispiel führen zu wollen.
In der Bundesrepublik Deutschland gibt es heute Spuren einer ähnlichen Auffassung - eine Überzeugung, daß Deutschland aufgrund seiner Geschichte und als derzeit geteilter Staat im Wesentlichen eine passive
- 8-

�eine passive Rolle in der internationalen Politik spielen sollte. Glücklicherweise ist dies nicht mehr die vorherrschende Auffassung in unseren
beiden Ländern. Damit hat die Bundesrepublik Deutschland einen großen und
innovativen Beitrag zur Praxis internationaler Angelegenheiten geleistet,
und zwar durch die Schaffung und Finanzierung von 'Stiftungen' politischer Parteien, die sich als eines ihrer Ziele die Ausbreitung demokratischer Werte gesetzt haben. Die Lebenskraft der neuen Demokratien in Portugal und Spanien ist nicht zuletzt dieser deutschen Hilfe zu verdanken.

Die dauerhafteste und wichtigste amerikanische Verpflichtung zur Verteidigung gemeinsamer Werte ist selbstverständlich das NATO-Bündnis. Aber
die

Anziehungskraft

der

Demokratie

und

der persönlichen

Freiheit

ist

weltweit, und die Fortschritte in Richtung auf dieses Ziel sind in letzter Zeit selbst in der Dritten Welt augenfällig geworden. Von Lateinamerika bis Süd- und Südostasien ist die Demokratie in wachsendem Maße nicht
nur die Woge der Zukunft, sondern eine Realität von heute. In Polen wie
in Südafrika, in Afghanistan wie in Nicaragua erleben wir täglich den Beweis, daß Freiheit eine weltweite Erwartung ist, die zwar zeitweilig unterdrückt, aber niemals ausgelöscht werden kann.

Die dritte Lektion der Geschichte ist, daß für die absehbare Zukunft
die Sicherheit Europas das aktive und nnh^ltpnHp—FnrpQgment amerikanischer Macht erfordert. Aber wenn die Sicherheit Europas von amerikanischer Macht abhängt, dann hängt sie noch viel mehr von europäischen Anstrengungen, und vor allem den Anstrengungen des bevölkerungsreichsten,
wohlhabendsten

Staat

Westeuropas, der

Bundesrepublik

Deutschland,

ab.

Diese Anstrengungen aufzugeben oder zu verringern und als Folge die Verringerung der Verpflichtung Amerikas herauszufordern, würde das Risiko
eines Krieges und damit die Sicherheit der Niederlage wesentlich erhöhen.
Jene, die durch die Schaffung kernwaffenfreier Zonen, durch den Abzug
amerikanischer

Streitkräfte

oder dadurch

"die Abschreckung überwinden"

wollen, daß sie den verbündeten Streitkräften die Fähigkeit zum Gegenangriff nehmen, überlassen an erster Stelle Berlin und schließlich ganz
Westeuropa auf Gnade oder Ungnade der Sowjetunion.

Wir

müssen

�Wir müssen also aus der Geschichte lernen und dürfen ihre Lehren
nicht in den Wind schlagen. Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
streben danach, das Gleichgewicht der Macht aufrechtzuerhalten, von dem
der Frieden abhängt, aber sie wollen das auf einem niedrigeren Stand des
Risikos und der Kosten tun. Wir wollen bedeutsame, aber ausgewogene Verringerungen

der

nuklearen

und

konventionellen

Streitkräfte

sowie

die

ganzliche Beseitigung chemischer Waffen aushandeln. Wir wollen die Abschreckung aufrechterhalten, während wir über eine beiderseits nützliche
Verringerung unserer Verteidigungsanstrengungen und einer erweiterten Zusammenarbeit auf anderen Gebieten gemeinsamen Interesses verhandeln. In
diesem Geiste sehen wir dem Genfer Treffen zwischen Präsident Reagan und
Generalsekretär Gorbatschow entgegen. Wir hoffen inbrünstig, daß dies der
erste Schritt in einem produktiven neuen Dialog auf höchster Ebene unserer beiden Regierungen sein wird.

Dies führt mich zu der vierten und letzten Schlußfolgerung hinsichtlich

der deutsch-amerikanischen

Beziehungen. Während

der letzten

vier

Jahrzehnte haben wir zusammen eine Sicherheitsstruktur in Europa und ein
internationales Handelssystem aufgebaut, das Europa die längste Periode
des Friedens und der Prosperität in seiner Geschichte beschert hat. Zusammen haben wir die Demokratie in Westeuropa gefestigt und den Funken in
andere Länder getragen. Zusammen haben wir mit dem Osten verhandelt und
Abkommen wie das Vier-Mächte-Abkommen über Berlin erreicht, die die Spannungen abgebaut, das Leben unserer Völker verbessert und die Aussichten
für noch grundlegendere Verbesserungen in der Zukunft geschaffen haben.

Auf der Grundlage dessen, was wir in der Vergangenheit geleistet haben, müssen wir deshalb zu dem Schluß kommen, daß die künftigen Chancen
und Möglichkeiten der deutsch-amerikanischen Zusammenarbeit eindrucksvoll
sind. Sicherlich sind die vor aus liegenden Probleme beachtlich. Wir müssen zusammen an bedeutsamen Rüstungsverringerungen arbeiten. Wir müssen
dem Protektivi^niig—widerstehen—und

ein offenes Handelssystem stärken.

Wir müssen unsere Gesellschaften dazu entwickeln, Vorteile aus den Möglichkeiten neuer Technologien zu ziehen. Wir müssen diese neuen Technologien auf die Lösung großer sozialer wie auch wirtschaftlicher Probleme
- 10-

�wirtschaftlicher Probleme und vor allem auf den Schutz der Umwelt ausrichten. Wenn wir zusammenarbeiten, dann können wir, dessen bin ich sicher, bei all diesen und anderen dringenden Aufgaben Erfolg haben.

Wenn

wir, Herr

Regierender

Bürgermeister, über

unser

bilaterales

Bündnis sprechen, dann wäre es ein Versäumnis, wenn wir uns nicht auch
den weitergefaßten transatlantischen Bindungen zuwenden würden. Die Vereinigten Staaten haban seit den Tagen von Monnet, Schuman und Adenauer
die europäische Einigung nachdrücklich unterstützt. Wir stimmen mit Bundeskanzler Kohl überein, daß die Aufgabe der Staatsmänner heute darin bestehen

muß, den

europäischen

Pfeiler

der transatlantischen

Brücke

zu

stärken. Kein amerikanischer Präsident ist in seiner Unterstützung dieses
Prozesses rückhaltloser als Präsident Reagan. Er erklärte im Sommer dieses Jahres vor dem Europaparlament: "Amerika bleibt, wie vor vierzig Jahren, der Einheit Europas verschrieben. Wir betrachten ein starkes und
vereintes Europa auch weiterhin nicht als einen Rivalen, sondern als einen um so stärkeren Partner."

Präsident Reagan teilt auch mit Bundeskanzler Kohl und anderen hier
eine weitergefaßte, längerfristige Vision von Europa, eines Europas, das
die derzeitigen Schranken überwindet, die diese Stadt, diese Nation und
diesen Kontinent teilen. Wir unterstützen also die Bemühungen des Bundeskanzlers und der Regierung, im Innern und kooperativ friedlich auf die
Schaffung eines größeren Europas hinzuarbeiten, eines Europas freier Völker, eines Eiuropas, in dem ein wiedervereintes Deutschland seinen ihm zustehenden Platz einnehmen kann.

Heute, nach 200 Jahren, treten die deutsch-amerikanischen Beziehungen
in das Stadium einer, wie ich es nennen möchte, reifen Partnerschaft ein.
Es ist eine Partnerschaft, weil wir in den Vereinigten Staaten deutschen
Anliegen, Hoffnungen

und Wünschen

gegenüber

sensitiver

geworden

sind,

weil die Deutschen zu recht als vollwertige Partner behandelt werden wollen. Es ist eine
Deutschland

als

reife Partnerschaft, weil sowohl die Bundesrepublik

auch

die

Vereinigten

Staaten

dazu

bereit

sind,

daß

Deutschland größere Verantwortung übernimmt und der internationalen Ge- 11-

�internationalen Gemeinschaft neue Führungsimpulse gibt.
Aufgrund des Einflusses unserer beider Länder, der Dynamik unserer
Gesellschaften und der Großzügigkeit unserer Völker bietet diese Partnerschaft großiB Möglichkeiten. Und so hat aas, was vor 200 Jahren begonnen
hat, schließlich Frucht getragen. Der Freundschafts- und Handelsvertrag
von 1785 zwischen seiner Majestät dem König von Preußen und den Vereinigten Staaten von Amerika hat zwei kleine Länder verbunden, aber er war das
Werk großer Männer, und er hat große Prinzipien zum Ausdruck gebracht.
Herr Regiereinder Bürgermeister, wir dürfen stolz sein.

* * * * *

- 12-

�38

25.September 1985

REAGAN UMREISST HANDELSPOLITIK DER USA
- Refle vor amerikanischen Unternehmern -

WASHINGTON -(AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 23. September 1985
vor amerikanischen Unternehmern im Weißen Haus die Handelspolitik der
Vereinigten Staaten dargelegt, die auf freien Handel und offene Märkte
abzielt. Reagan forderte eine stärkere Öffnung ausländischer Märkte für
amerikanische Exporte und kündigte Gegenmaßnahmen an, wenn andere Länder
weiter unfaire Handelspraktiken betrieben. Er habe, so sagte der Präsident, seinen Sonderbeauftragten für Handelsfragen, Clayton Yeutter, angewiesen, den internationalen Handel genau zu beobachten und Verfahren zu
entwickeln, um unfairen Handelspraktiken begegnen zu können.

Die vom amerikanischen Fernsehen übertragene Ansprache des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich freue mich über diese Gelegenheit, zu Ihnen über die drängenden
Fragen der Herausforderung Amerikas auf dem Gebiet des Handels in den
achtziger Jahren und darüber hinaus zu sprechen.

Lassen

Sie

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Lassen Sie mich zu Beginn sagen, daß unsere Handelspolitik fest auf
der Grundlage freier und offener Märkte - des freien Handels - steht. Ich
bin mir, wie Sie auch, der unausweichlichen Schlußfolgerung bewußt, die
uns die Geschichte gelehrt hat: Je freier der Fluß des Welthandels ist,
umso größer ist die Fülle des menschlichen Fortschrittes und der Frieden
unter den Nationen.

Ich brauche Ihnen sicherlich nicht die Vorteile freier und offener
Märkte zu erklären. Sie schaffen mehr Arbeitsplätze, eine produktivere
Nutzung der Ressourcen unseres Landes, eine raschere Innovation und einen
höheren Lebensstandard. Sie stärken unsere nationale Sicherheit, weil
dann unsere Wirtschaft, das Fundament unserer Verteidigung, stärker ist.

Ich freue mich, daß die Vereinigten Staaten seit dem Zweiten Weltkrieg die entscheidende Rolle dabei gespielt haben, ein offenes Handelssystem zu gewährleisten und zu fördern. Und ich weiß, daß dieses System
zum Nachteil aller zusammenbrechen wird, venn wir jemals in der Verteidigung und Förderung des weltweiten freien Handelssystems nachlassen.
Aber unsere Rolle kann unsere Handelspartner nicht von ihrer großen
Verantwortung befreien, uns in dem Streben nach einem offeneren Handelssystem zu unterstützen. Kein Land, selbst wenn es so groß und so stark
ist wie die Vereinigten Staaten, kann allein ein freies Handelssystem
sicherstellen. Alles, was wir und andere getan haben, um für den freien
Fluß von Gütern und Dienstleistungen und Kapital zu sorgen, basiert auf
Kooperation. Unsere Handelspartner müssen mit uns zusammen daran arbeiten, das Handelssystem zu verbessern, das so viel zum wirtschaftlichen
Wachstum und der Sicherheit unserer Verbündeter und uns selbst beigetragen hat.

Und lassen Sie mich Ihnen, den führenden Persönlichkeiten der Industrie, hier sagen, daß meine Bewunderung für die Geschäftswelt in den
Vereinigten Staaten größer ist denn je. Sie wissen, daß es in Washington
- 2 -

�in Washington Leute gibt, die gelegentlich zu vergessen scheinen, um was
es bei der Wirtschaft eigentlich geht. Sie überreichen mir Berichte, in
denen es heißt, die "Wirtschaft" tue dies und die "Wirtschaft" tue das aber sie reden nie vom Geschäft. Irgendwo auf ihrem Karriereweg haben
diese Leute in Washington vergessen, daß die Wirtschaft Geschäft ist. Das
Geschäft scnafft neue Produkte und neue Dienstleistungen. Das Geschäft
schafft Arbeitsplätze. Das Geschäft schafft Wohlstand für unsere Gemeinden und für unser ganzes Land. Und Geschäft besteht aus den Menschen, die
es betreibeii - von dem leitenden Direktor bis zum Arbeiter in unseren
Fabriken.

Ich wei3 auch, daß die amerikanische Geschäftswelt niemals vor der
Konkurrenz Angst gehabt hat. Ich weiß, daß die amerikanische Wirtschaft
so innovativ, so leistungsfähig und wettbswerbsfähig ist, wie jede andere
in der Welt, wenn gleiche Wettbewerbsbedingungen

herrschen. Ich weiß

auch, daß der amerikanische Arbeiter ebenso gut und produktiv ist wie
jeder andere in der Welt.

Und aus diesem Grunde müssen sich all? an die Regeln halten, wenn das
internationale Handelssystem funktionieren soll - alle müssen dafür sorgen, daß die Märkte offen sind. Und vo: allem, freier Handel ist per
definitionem fairer Handel.

Wenn Binnenmärkte für Exporte anderer geschlossen werden, dann ist
das kein freier Handel mehr.

Wenn Regierungen ihre Hersteller und Landwirte subventionieren, so
daß sie Güter zu Dumpingpreisen auf andere Märkte werfen können, dann ist
das kein freier Handel mehr.

Wenn Regierungen die Fälschung oder Nachahmung amerikanischer Erzeugnisse dulden, dann stehlen sie uns unsere Zukunft, und dann ist das kein
freier Handel mehr.

Wenn Regierungen

�Wenn Regierungen Industriezweige zum eigenen Handelsvorteil subventionieren und für die Kosten bürgen, dann legen sie dem Konkurrenten eine
unfaire Last auf, und das ist kein freier Handel mehr.

Ich habe vier Jahre lang in Versailles und Williamsburg, in London
und Bonn versucht, unsere Handelspartner dazu zu bewegen, ihre Handelsschranken abzubauen, ihre Subventionen und anderen unfairen Handelspraktiken aufzugeben, in Verhandlungen über eine noch weitere Öffnung der
Märkte einzutreten und das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT),
die internationale Übereinkunft, die den Welthandel bestimmt, zu stärken.
Ich werde diese 'Siele weiterverfolgen.

Aber ich möchte auch dem amerikanischen Volk und unseren Handelspartnern signalisieren, daß wir all die Maßnahmen ergreifen werden, die notwendig sind, um unsere Rechte und Interessen im internationalen Handel
gemäß unseren Gesetzen und des GATT zu vertreten, und dafür zu sorgen,
daß andere ebenfalls ihre Verpflichtungen und ihre Handelsabkommen mit
uns erfüllen.

Ich bin der Überzeugung, daß ein Handel, wenn er nicht allen gegenüber fair ist, nur dem Namen nach 'frei' ist.

Ich werde nicht die Hände in den Schoß legen und zusehen, wie die
amerikanische

Wirtschaft

wegen

unfairer

Handelspraktiken

im Ausland

untergeht. Ich werde nicht die Hände in den Schoß legen und zusehen, wie
amerikanische Arbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren, weil andere Länder
sich nicht an die Regeln halten.
Wir haben unserer Wirtschaft Anreize gegeben, um ihr Wachstum zu
geben und Arbeitsplätze zu schaffen. Und, wie Sie wissen, die Wirtschaft
hat sich belebt. Wir haben in den letzten 33 Monaten über acht Millionen
neue Arbeitsplätze geschaffen. Allein seit 1980 ist die Gütererzeugung um
17 Prozent gestiegen.

Aber

ich

�Aber ich habe nicht vergessen, daß selbst im Rahmen dieser Prosperität einige Industriezweige und Arbeitnehmer vor Schwierigkeiten stehen.
Den Arbeitnehmern gegenüber, die durch industrielle Umstrukturierungen
ihren Arbeitsplatz verloren haben, sind v/ir zur Hilfe verpflichtet.
Jenen Industriezweigen gegenüber, die Opfer unfairen Handels geworden
sind, werden wir uns unermüdlich bemühen, für eine Beseitigung dieser
Praktiken ::u sorgen.
Erst vor einigen Wochen habe ich don Handelsbeauftragten der Vereinigten Staaten gebeten, eine Untersuchung über unfaire Handelspraktiken
durchzuführen - das erste Mal, daß ein Fräsident so etwas getan hat. Und,
wie Sie wissen, haben wir selbst drei Fälle aufgerollt, um ein koreanisches Gesetz, das einen fairen Wettbewerb amerikanischer Versicherungsgesellschaften verbietet, sowie ein brasilianisches Gesetz zu untersuchen, das den Verkauf von amerikanischen Hochtechnologieprodukten einschränkt sowie schließlich
amerikanischer

japanische Einschränkungen

Tabakerzeugnissse.

Ich

habe

ferner

für den Verkauf

den

amerikanischen

Handelsbeauftragten angewiesen, die laufenden Fälle von Restriktionen des
Gemeinsamen Marktes für Dosenobst und japanische Einschränkungen für die
Importe von Leder und Lederschuhbekleidung beschleunigt zu klären.

Aber ich meine, es muß noch mehr getan werden. Ich gebe daher heute
bekannt: Ich habe Botschafter Yeutter angewiesen, die Dinge ständig zu
beobachten und Maßnahmen in Fällen von unfairem Handel zu ergreifen, die
amerikanische Unternehmen und Arbeitnehmer benachteiligen. Ich habe den
Finanzminister angewiesen, mit dem Kongreß zusammenzuarbeiten, um einen
Fonds von 300 Millionen Dollar zu schaffen, der Mischanleihen-Kredite in
Höhe von einer Milliarde Dollar

absichern soll. Diese Mittel werden

unsere Verluste gegenüber Handelspartnern ausgleichen, die zu Mitteln
greifen, die praktisch als Subventionen zu bezeichnen sind, um amerikanischen Unternehmen den fairen Zugang zu den Weltmärkten zu verwehren.
- 5 -

�zu verwehren. Und ich habe die Anweisung erteilt, daß diese Initiativen
fortgesetzt werden, bis unfaire Kreditsubventionen unserer Handelspartner
durch Verhandlungen mit ihnen abgeschafft worden sind.
Ich habe des weiteren Finanzminister Jim Baker angewiesen, die Teilnehmer der Konferenzen des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank
in Seoul darüber zu informieren, daß wir bei unseren Überlegungen und
Entscheidungen

die

Handelspraktiken

anderer

Staaten

mit

in Rechnung

stellen werden.

Ein

Hauptfaktor

Kombination

aus

des

unserer

Anwachsens
sehr

schwachen Wirtschaftstätigkeit

unseres

starken

Handelsdefizits

war

die

Wirtschaftstätigkeit

und

der

unserer Haupthandelspartner

während der

vergangenen vier Jahre. Das hat zu einer Verringerung unserer Exporte
geführt und zu der Schwäche der anderen Währungen gegenüber dem Dollar
beigetragen; dadurch wurden weitere Importe in die Vereinigten Staaten
begünstigt und unsere Exporte benachteiligt.

Gestern

habe

ich Finanzminister

Baker

angewiesen, gemeinsam

mit

seinen Kollegen der anderen großen Industriestaaten Maßnahmen zur Förderung eines stärkeren und ausgewogeneren Wachstums unserer Volkswirtschaften anzukündigen und dadurch die anderen Währungen zu stärken. Dies wird
den amerikanischen Produkten bessere Märkte schaffen und die Wettbewerbslage unserer Industrie, Landwirtschaft und Arbeitnehmer verbessern.
Ich habe den Außenminister angewiesen, zeitliche Begrenzungen bei den
laufenden Verhandlungen anzustreben, um Märkte bei speziellen Produktbereichen in Japan zu öffnen.
Ich habe den amerikanischen Sonderbeauftragten für Handelsverhandlungen angewiesen, die Verhandlungen mit allen Staaten zu beschleunigen, wo
Fälschung und Nachahmung amerikanischer Waren betrieben wird, damit diese
Praktiken

baldigst

eingestellt

werden.

Und

ich

hoffe

auf

die

�auf die Zusammenarbeit mit dem Kongreß, um die Bemühungen zum Schutz von
Patenten, von Urheberrechten, von Firmenzeichen und anderen Rechten an
geistigem Eigentum zu verstärken.
Und schließlich verfüge ich heute die Einsetzung einer speziellen
Kommission, zusammengesetzt aus den zuständigen Behörden unserer Regierung, deren Aufgabe darin bestehen wird, gegen uns gerichtete unfaire
Handelspraktiken

aufzudecken,

sowie

Strategien

und Programme

zu ent-

wickeln und durchzuführen, um jenen rasch zu begegnen und sie aus der
Walt zu schaffen.

Ich hoEfe auch auf die Zusammenarbeit mit dem Kongreß bei der Verwirklichung

der

notwendigen Gesetzgebung, die uns dabei helfen wird,

freien und fairen Handel zu fördern und die Arbeitsplätze amerikanischer
Arbeitnehmer zu sichern. Zu den Themen, die wir gemeinsam angehen sollten, gehören:
- Gesetze zur Unterstützung unserer neuen Initiativen im Bereich der
Handelsverhandlungen, die - neben annderem - die Zölle verringern und
darum bemüht sein sollten, alle anderen Handelshindernisse abzubauen.

- Schutz geistiger Eigentumsrechte, einschließlich des Schutzes gegen
Handel mit Waren, die amerikanische Patentrechte übertreten, längerfristige Kredite für landwirtschaftlich genutzte Chemikalien sowie Beseitigung des Mißbrauches des Gesetzes der Informationsfreiheit, womit unserer
Geschäftswelt geholfen würde, ihren Besitzstand zu halten.

- Verbesserung

unserer Antidumping- und Ausgleichsabgaben-Gesetze,

damit auch die Staatswirtschaftsländer einem vorhersehbaren Preisgefüge
unterliegen und dadurch unsere Unternehmen die Möglichkeit haben, sich
gegen unfaires Dumping durch solche Länder zu schützen. Wir sollten diese
Gesetze auch verbessern, damit die Geschäftswelt umfassenden und raschen
Schutz dabei erhält, wenn sie Hilfe gegen unfaire Importe braucht.

- Erweiterung unserer

�- Erweiterung unserer Handelsgesetze, um zu zeitlichen Begrenzungen
bei der Regelung von Streitigkeiten und zu einem beschleunigten Spezialverfahren bei verderblichen Gütern zu gelangen. Wir sollten keine Fälle
mehr zulassen, die 16 Jahre lang dauern und keine Schlichtungen mehr
tolerieren, die so kostspielig und zeitraubend sind, daß jede Hilfe unwirksam ist.

Ich weise auch den Arbeitsminister an, Möglichkeiten zu prüfen, um
Arbeitnehmern zu helfen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben, damit sie
in einem neuen Industriezweig wieder eine Beschäftigung finden können.
Ich hoffe bei dieser Aufgabe, die von 30 entscheidender Bedeutung ist,
auf eine Zusammenarbeit mit dem Kongreß.

Zudem begrüße ich die Vorschläge von Mitgliedern des Kongresses bei
anderen anstehenden Gesetzen, die die Förderung eines freien und fairen
Handels zun Ziel haben. Ich werde mit ihnen zusammenarbeiten, damit es
zur Verabschiedung guter Gesetze kommt. Im Gegensatz hierzu werde ich
mich mit Nachdruck gegen alle Maßnahmen wenden - und gegebenenfalls mein
Veto einlegen -, die meiner Meinung nach das wirtschaftliche Wachstum
schädigen, Arbeitsplätze beseitigen und den Welthandel verringern.

Aber ich werde diese Diskussion nicht zu einem Ende kommen lassen,
ohne nicht alle an unser oberstes Ziel zu erinnern - die Ausweitung
freier und offener Märkte überall. Es gibt Leute, die aus guten Motiven
heraus Gesetze und Programme vorgeschlagen haben, die ihrer Natur nach
rein protektionistisch sind. Diese Vorschläge würden die Preise der Güter
und Dienstleistungen in die Höhe treiben, die die amerikanischen Verbraucher im ganzen Land zu zahlen haben würden. Sie würden zur Vergeltung
durch unsere ausländischen Handelspartner einladen, es käme umgekehrt zum
Verlust von Arbeitsplätzen für jene amerikanischen Arbeitnehmer, die in
Industrien tätig sind, die Opfer einer solchen Vergeltung sein würden,
und die Stabilität des internationalen Währungs- und Handelssystems käme
durcheinander.

Endergebnis
- 8 -

solch

�Endergebnis solch kontraproduktiver Vorschläge wäre nicht der Schutz
der Verbraucher, Farmer oder Geschäftsleute. Tatsächlich würde das Gegenteil eintreten. Wir würden Marktanteile, Arbeitsplätze und unseren Wohlstand verlieren.

Um die Hindernisse für die freien Märkte abzubauen, werden wir unsere
Bemühungen verstärken, eine neue GATT-Verhandlungsrunde mit unseren Handelspartnern einzuläuten und hoffen, daß die GATT-Mitglieder gleichfalls
der Ansicht sind, daß Handelsschranken für den Handel mit landwirtschaftlichen Produkten, mit Dienstleistungen, Technologien, Investitionen und
den klassischen Industriezweigen abgebaut werden müssen.

Aber wenn diese Verhandlungen nicht in Gang kommen oder wenn es nur
zu unzureichenden Fortschritten kommt, werde ich unsere Unterhändler anweisen, regionale und bilaterale Abkommen mit anderen Staaten zu sondieren.
Hier bei uns werden wir mit unseren Bemühungen fortfahren, übermäßige
öffentliche Augaben zu beschneiden und unseren Vorschlag der Steuerreform
voranzutreiben, der von entscheidender Bedeutung dafür ist, unsere eigene
Volkswirtschaft zu stärken und die amerikanische Geschäftswelt auf den
Weltmärkten wettbewerbsfähiger zu machen.

Des weiteren werden wir unsere Handelspartner dazu ermutigen - wie
dies auf dem Bonner Gipfel vereinbart wurde -, ihr eigenes wirtschaftliches Wachstum

durch

Überwindung

der Starrheit und Unausgewogenheiten

ihrer Volkswirtschaften zu beschleunigen. Und wir werden sie dazu drängen, eine solide Finanz- und Währungspolitik zu betreiben, um sich umfassend an dem Wachstumspotential zu beteiligen, das es für alle gibt.

Wir werden uns um Stärkung und Verbesserung der Wirkungsweise des
internationalen
weniger

Währungssystems

entwickelten

Staaten

bemühen und werden die verschuldeten,
der

Welt

dazu

ermutigen, Investitions-

�Investitionshindernisse abzubauen und zu beseitigen sowie die internen
Restriktionen aus der Welt zu schaffen, die ihr eigenes Wirtschaftswachstum blockieren.

Lassen Sie mich zusammenfassen. Unsere Verpflichtung zum Freihandel
gilt unvermindert. Wir werden tatkräftig unsere Politik der Förderung
freier und offener Märkte in diesem Land und in der ganzen Welt fortsetzen. Wir werden darauf bestehen, daß alle Länder sich ihrer Verantwortung stellen, den freien Handel überall zu bewahren und zu verbessern.
Möge

jedoch

niemand

an

unserer

Entschlossenheit

zweifeln, uns allen

unfairen Handelspraktiken entgegenzustellen. Es ist nicht richtig, daß
der amerikanische Arbeitnehmer und der -amerikanische Geschäftsmann auch
weiterhin die Lasten tragen, die ihnen durch jene auferlegt werden, die
das Welthandelssystem mißbrauchen.

Wir wollen keinen Handelskrieg mit anderen Staaten; wir wollen, daß
andere Staaten

sich uns dabei anschließen, das Welthandelssystem zum

Nutzen aller auszuweiten und zu verbessern.
Wir wollen andere Staaten nicht davon abhalten, Güter in den vereinigten Staaten zu verkaufen; wir wollen aber auch anderen Staaten mehr
von unseren Gütern verkaufen.

Wir haben nicht vor, Amerika vor dem Erfolg anderer zu schützen; wir
wollen alle in den Erfolg des amerikanischen Traums einbeziehen.

- 10 -

�25. September 1985

38

REAGAN-PRESSEKONFERENZ VOM 17. SEPTEMBER 1985
- Auszüge -

WASHINGTON -(AD) - Präsident Ronald Reagan gab auf einer vom amerikanischen Fernsehen übertragenen Pressekonferenz am 17. September 1985
seiner Hoffnung Ausdruck, daß sein Treffen mit dem sowjetischen Generalsekretär Gorbatschow im November in Genf zu einer Änderung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen im positiven Sinne führen werde. Gleichzeitig steckte Reagan den amerikanischen Standpunkt ab. Der Präsident
nahm auch in innen- und wirtschaftspolitischen Fragen Stellung und wandte
sich mit allem Nachdruck gegen prohibitionistische Maßnahmen.

Nachfolgend geben wir seine einleitende Erklärung und die Fragen und
Antworten im Zusammenhang mit dem amerikanisch-sowjetischen Verhältnis im
Wortlaut wieder:

Erklärung: Guten Abend, Bitte nehmen Sie Platz. Ich habe eine Erklärung abzugeben.

Wir

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

sind

Tel 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Wir sind erfreut, daß wir zunehmende Beweise für eine neue Stärke
unserer Wirtschaft

durch

unsere Politik

niedriger

Steuern

und eines

freien und fairen Handels feststellen können. Amerika nimmt hinsichtlich
seines Wachstums seit 33 aufeinander folgenden Monaten in der Welt eine
führende Position ein und hat über acht Millionen neue Arbeitsplätze
geschaffen. Die Inflation wurde unter vier Prozent gehalten, während es
Ländern, die an hohen Steuern und protektionistischer Politik festhalten,
nicht nur nicht gelungen ist, unsere Leistung zu erreichen, sondern es
auch zu einem Rückgang der Arbeitsplätze und einem Abfluß ihrer Investitionen in die Vereinigten Staaten kam.

Der Motor unseres Fortschrittes ist die Chance, die der einzelne hat.
Ich ersuche daher den Kongress, mit mir zusammen und nicht gegen mich zu
arbeiten, wenn es darum geht, die Bundesausgaben in Schranken zu halten,
unseren Plan für eine faire Besteuerung und weitere Senkung der Steuersätze zu verabschieden, geschlossene Märkte in Übersee zu öffnen und
andere Nationen zu drängen, ihre Steuern zu senken, um ihre Volkswirtschaften und ihre Fähigkeiten zu stärken, amerikanische Erzeugnisse zu
kaufen.
Wir brauchen ein stärkeres Wachstum - nicht nur im eigenen Lande,
sondern in der ganzen Welt. Und wir brauchen freien und fairen Handel für
alle. Das ist der Weg der Kooperation und des Erfolges, der unser Volk
noch produktiver macht und der zu einem Jahrzehnt des Wachstums und in
den nächsten vier Jahren zu zehn Millionen neuen Arbeitsplätze führen
kann.

Aber es gibt auch einen anderen Weg, der nur wegführen kann von
Chance und Fortschritt: Ein sinnloses Losstürmen auf dem Weg zum Protektionismus wird sich als eine Einbahnstraße zur wirtschaftlichen Katastrophe erweisen. Das ist die Lehre aus dem Smoot-Hawley-Steuergesetz von
1930, das dazu beitrug, einen weltweiten Handelskrieg auszulösen, der
sich ausbreitete, verschärfte und sich zu der schwersten Depression in
der Geschichte auswuchs. Ich weiß, wovon ich rede, denn ich habe es erlebt.

Ich

habe

�Ich habe die Agonie dieses Landes erlebt und gespUrt, was dieses
schreckliche Gesetz mit sich brachte. Wenn wir den gleichen Fehler noch
einmal begehen, dann werden wir diesen Preis erneut bezahlen müssen.
Amerikaner, deren Arbeitsplatz von Exporten von Maschinen, Flugzeugen,
hochtechnischer Elektronik und chemischer Erzeugnisse abhängt, wären die
ersten Opfer einer Vergeltung.

Landwirtschaft
befinden,

würden

und Industrie, die sich bereits in Schwierigkeiten
noch

verwundbarer

werden. Protektionistische

Zölle

würden zur Vergeltung einladen, die, wie ich bereits sagte, im wahrsten
Sinne des Wortes Zehntausenden amerikanischen Familienfarmen den wirtschaftlichen Todesstoß versetzen könnte.

Wir haben angefangen, in den letzten viereinhalb Jahren viele gute
Dinge für Amerika zu erreichen. Es bleibt noch viel zu tun, und es kann
noch getan werden. Lassen Sie uns daher nicht all diesen Fortschritt und
all unsere Hoffnung auf die Zukunft aufs Spiel setzen, indem wir beginnen, uns auf eine schiefe Ebene impulsiver Handlungen und unkluger Urteile zu begeben. Jetzt ist die Zeit fUr kühle Köpfe und klare Weitsicht.

Frage: Herr Präsident, wenn Sie jetzt dem Gipfeltreffen immer näher
rücken, ist eine der großen Fragen, ob Sie bereit wären, die Möglichkeiten zu sondieren, auf einen Handel mit den Weltraumwaffen oder großen
Verringerungen des sowjetischen Arsenals einzugehen.

Antwort: Nein, wir reden hier von der Strategischen Verteidigungsinitiative (SDI). Es tut mir leid, daß irgend jemand die Bezeichnung "Krieg
der Sterne" erfunden hat, denn um einen solchen handelt es sich nicht es geht lediglich darum, ob es uns gelingt, eine defensive Waffe zu
finden, damit wir mit dem Gedanken Schluß machen können, daß unsere
Abschreckung von der Androhung der Vergeltung abhängen sollte - gleich,
ob seitens der Sowjets oder ob von unserer Seite -, von dem Abschlachten
von Millionen von Menschen durch Nuklearwaffen. Und statt solcher Art

�statt solcher Art Verhandlungen sollten wir uns auf diesem Gipfeltreffen
mit der

Frage

beschäftigen, wie wir

uns als Alternative

zu dieser

blanken, nackten nuklearen Drohung jeder Seite - uns gegenseitig in die
Luft zu jagen - defensiven Waffen zuwenden könnten. Und ich hoffe, daß
wir, sollte sich eine solche Waffe als praktikabel erweisen, dann eine
echte Chance haben, schrecklichen Offensivwaffen - diese Kernwaffen völlig abschaffen zu können.

Und

ich möchte auch darauf hinweisen: In der Frage, ob das als

Trumpfkarte bei Verhandlungen benutzt werden sollte, bin ich der Meinung,
dies sollte keinesfalls so sein. Es ist eine Tatsache, daß die Sowjetunion uns in dieser Art von Forschung voraus Ist - sie betreibt das schon
sehr viel Länger - und ebenfalls nach einer Defensivwaffe sucht.

Frage: Her Präsident, Sie wollen damit also wirklich sagen, daß Sie
darüber nicht verhandeln werden, und daß Sie wirklich Versuche durchführen wollen, nur um herauszufinden, ob es durchführbar ist. Aber bereiten
Sie damit nicht den Weg für eine Militarisierung der Himmel vor, weil die
Sowjets praktisch gezwungen sind, eine Waffe zu bauen - eine Offensivwaffe, um dem Krieg der Sterne zu begegnen?

Antwort:

Nein,

die

strategische

Verteidigungsinitative,

die

wir

anstreben, ist etwas, das - wie früher etwa ein Flugabwehrgeschütz gegen
Bomber - gegen diese Offensivwaffen - diese Raketen - benutzt werden
könnte. Das bedeutet nicht, daß wir überhaupt nicht verhandeln wollen.
Praktisch war es doch so, daß die Seite, die

- in all den Monaten in

Genf und bei den Rüstungskontrollverhandlungen - nicht verhandeln wollte,
die Sowjetunion war.

Wir haben mindestens sechs Versionen möglicher Verringerungen und
sechs verschiedene Wege angeboten, um ihr Interesse an Verhandlungen mit
uns über eine Verringerung der Gefechtsköpfe zu wecken. Sie haben nichts
gebracht. Sie will einfach nicht reden oder verhandeln.

Aber bei dem ursprünglichen Gedanken von Waffen im Weltraum ging es

�ging es darum, zusätzlich zu den Raketen, die wir gegenwärtig haben, der
Fähigkeit, sie abzurufen und auf jedes Ziel nach Wahl in der ganzen Welt
einzusetzen, und da waren wir uns einig.

Das ist keineswegs das, worüber wir jetzt reden. Wir sprechen von
einer Waffe, die keine Menschen tötet - sie vernichtet Waffen. Und wie
ich bereits sagte, sie (die Sowjets) haben diesen Weg sondiert, aber hier
gibt es viel Verhandlungsspielraum. Man könnte darüber sprechen, sich für
den Fall, daß sich eine solche Waffe als praktikabel erweist, vor einer
Dislozierung mit anderen Ländern zuammenzusetzten und zu sagen: "Nun, ist
das nicht eine Antwort?"

Ich sehe das nicht als etwas an, was wir unserem Arsenal hinzufügen
würden, um unsere Kapazität ihnen (den Sowjets) gegenüber zu vergrößern.
Ich sehe das so, daß dann die Zeit kommen wird, wo wir sagen könnten:
"Ist das nicht für uns alle die Antwort auf die Frage, ob wir Kernwaffen
brauchen?"

Frage:

Herr

Präsident, warum

haben

die Vereinigten

Staaten

die

Erwartungen für das Gipfeltreffen, wenn Sie im November mit Gorbatschow
zusammenkommen, ständig so heruntergespielt? Selbst als die Sowjetunion
immer wieder behauptet hat, Gipfeltreffen seien für große und wichtige
Entscheidungen da und damit unsere Erwartungen erhöht hat.

Antwort: Es beunruhigt mich etws, daß sie alles Mögliche tun, um Erwartungen zu wecken - besonders angesichts von Gipfeltreffen der Vergangenheit und dessen, was sie da gebracht haben.

Vielleicht sind wir zu sehr besorgt. Aber wir machen uns Sorgen, daß
sie eine Euphorie wecken könnten und die Menschen von diesem Gipfeltreffen beinahe ein Wunder erwarten könnten. Aber ich scheue mich nicht, hier
ganz klar zu sagen, daß wir dieses Gipfeltreffen sehr ernst nehmen und
daß wir versuchen werden, echte

Gespräche zu führen, die zu einer Verän-

derung des Verhältnisses zwischen unseren beiden Ländern führen könnten;
nicht, daß wir

uns

lieben lernen werden

- das nicht -, aber eine

�aber eine Änderung, durch die wir diese Gefahr eines möglichen Krieges
oder eines nuklearen Angriffs zwischen uns ausräumen könnten und wir
schließlich zu der Einsicht gelangen, daß wir - obwohl wir ihr System
nicht schätzen und sie nicht das unsrige - in der Welt zusammenleben
müssen und wir in Frieden zusammenleben können. Und das werden wir sehr
ernst nehmen.

Frage: Das läßt darauf schließen, daß sie in der Lage sein werden,
irgend eine Art von Übereinkommen zu erreichen. Können Sie ein Übereinkommen erreichend- Oder glauben Sie, daß dieses Treffen hauptsächlich dazu
dient, sich kennenzulernen?

Antwort: Nein, das muß mehr sein als ein bloßes Kennenlernen - obwohl
auch das wichtig ist. Wie Sie wissen, he.be ich schon früher gesagt, man
beginnt nach meiner Ansicht Probleme zu lösen, wenn man anfängt, statt
übereinander miteinander zu reden. Und ich meine, es ist höchste Zeit,
daß wir miteinander reden.

Frage: Herr Präsident, wir haben dieser Tage einen Versuch mit einer
Antisatellitenwaffe

durchgeführt

und

die Sowjets haben erklärt, dies

zeige, daß Sie es mit einer Beschränkung des Wettrüstens im Weltraum
nicht ernst meinten und daß es das Gipfeltreffen erschwere. Warum mußten
diese Versuche jetzt durchgeführt werden? Hätten wir nicht bis nach dem
Gipfeltreffen warten können?

Antwort: Nein, ich glaube nicht, weil wir, wie ich gesagt habe, aufholen müssen - wir liegen zurück - und dies war der Zeitplan, den wir bezüglich der Entwicklung dieser Waffe einzuhalten hofften. Und die Versuche wurden nicht wegen oder aus Überlegungen bezüglich des Gipfeltreffens
durchgeführt. Der Versuch stand einfach an. Sie haben solche Versuche
durchgeführt, und wir haben sie deswegen nicht beschimpft.

Frage:

Zum

Gipfeltreffen,

Sir:

Die

britische

Premierminister in

Margaret Thatcher kam mit Gorbatschow zusammen und sagte: "Ich mag Herrn
Gorbatschow und wir können miteinander verhandeln." Ist es Ihrer Meinung
- 6 -

�Ihrer Meinung nach wichtig, daß Sie und Gorbatschow sich auf dem Gipfeltreffen mögen, um miteinander verhandeln ;:u können?

Antwort: Ich habe nicht die Absicht, ihm einen Freundschaftsring oder
so etwas zu verehren. Dieser Meinung bin ich ernsthaft. Ich glaube, sie
hat das so beobachtet, und es ist wahrscheinlich - wie unsere eigenen
Leute, die drüben waren, unsere Gruppe von Senatoren, die mit ihm zusammenkamen, festgestellt haben - daß er ein umgänglicher Mensch ist. Auch
ich werde das sicherlich sein. Es ist nicht notwendig, daß wir uns lieben
oder uns mögen. Es ist nur notwendig, daß wir bereit sind, einzusehen,
daß zum Wohle der Menschen, die wir vertreten auf dieser Seite des Ozeans
und dort drüben, daß jedermann besser daran sein wird, wenn wir bezüglich
der Kriegsgefahr

zu Entscheidungen kommen können. Wir sind die beiden

einzigen Länder der Welt, so glaube ich, die einen Weltkrieg beginnen
könnten. Und wir sind die beiden einigen, die ihn verhindern können. Und
ich glaube, das ist eine große Verantwortung gegenüber der ganzen Menschheit, und die sollten wir wirklich ernst nehmen.

Frage: Manche Leute glauben, daß die Sowjets den Propagandakrieg vor
dem Gipfeltreffen gewinnen; daß Gorbatschow in den letzten Tagen eine
Reihe von Vorschlägen für Versuchsmoratorien für eine C-Waffenfreie Zone
in Europa gemacht hat, während die Vereinigten Staaten eine Antisatellitenwaffe erproben und eine Komponente von SDI. Wenn sie (die Sowjets)
also von Frieden sprechen, während wir Waffen erproben, schlägt dann
Gorbatschow Sie nicht mit Ihren eigenen Waffen.
Antwort: Ich habe keinen Propagandakrieg angefangen. Ich bereite mich
darauf vor, zu diesem Treffen zu gehen und über etwas zu reden, über das
meiner Meinung nach geredet werden muß.

Ich glaube, was Sie erwähnten,

ist die Fortsetzung

einer alten

——-*

Propagandakampagne, die hauptsächlich auf unsere Verbündeten in Europa
"ab"zlelt und dem Bemühen dient, den Eindruck zu erwecken, wir seien die
Kriegstreiber und sie die lieben Menschen, ich glaube nicht, daß unsere

�daß unsere Verbündeten darauf hereinfallen, und ich nehme das überhaupt
nicht ernst. Gorbatschow kann jede Taktik anwenden, die er will. Wir
werden uns treffen, und wir werden ernsthaft über die Fragen sprechen,
die ich gerade erwähnt habe.

Frage:

Sie sind

als recht geschickter

Unterhändler bekannt, und

manche Leute glauben, daß Sie, selbst für den Fall Sie wären bereit, über
SDI zu verhandeln, uns das jetzt hier nicht sagen, sondern bis Genf
warten würden. Wollen Sie dem amerikanischen Volk heute abend mitteilen,
daß Sie jeden Handel mit den Sowjets zu diesem Zeitpunkt der Erprobung,
Dislozierung, Forschung oder Entwicklung von SDI ausschließen?

Antwort: Was ich sagen will, ist, daß die Forschung, ob eine solche
Waffe machbar ist, keinen Vertrag verletzt. Sie wird fortgesetzt werden.
Dabei wird es eines Tages, wenn dieser Punkt erreicht ist, um Versuche
gehen. Auf der anderen Seite werde ich kurz vor der Dislozierung anhalten, weil ich, wie ich bereits erklärt habe, bereit bin, mit unseren
Verbündeten darüber zu sprechen, und mit den Sowjets - überhaupt mit
jedem - darüber zu sprechen, welche Bedeutung es hätte, wenn es so benutzt werden könnte, daß es die Welt von der nuklearen Bedrohung befreien
würde.

Frage: Aber Entwicklung und Erprobung - Sie schließen einen Handel
darüber aus?
Antwort: Ich meine, es handelt sich hier um legitime Forschung, und,
jawohl, ich schließe einen Handel darüber aus. Es macht mir nichts aus und ich pflege, wie Sie schon sagten, normalerweise nicht über Verhandlungsstrategie zu sprechen -, das heute hier zu sagen. Aber das ist zu
wichtig für die Welt, als daß wir bereit wären, das als Gegenleistung für
eine andere Zahl von Nuklearraketen anzubieten, wenn ohnehin schon genug
vorhanden sind, um unsere beiden Länder in die Luft zu jagen.

- 8 -

�25. September 1985

38

UdSSR VERSTÄRKT UM WESTLICHE TECHNOLOGIE BEMÜHT
- Erklärung von US-Verteidigungsminister Weinberger -

WASHINGTON -

(AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Caspar

Weinberger gab im Zusammenhang mit der Veröffentlichung eines Berichtes
über "Die Beschaffung militärisch wichtiger westlicher Technologie durch
die Sowjetunion" am 18. September

1985 im US-Verteidigungsministerium

eine Erklärung ab, die folgenden Wortlaut hat:

Wir legen dem amerikanische Volk heute einen zutiefst ernüchternden
Bericht vor und veröffentlichen Einzelheiten darüber, auf welche Weise
sich die Sowjets in einer massiven und weltweiten Anstrengung darum bemühen, ihre Waffen zu verbessern, indem sie sich unsere westliche Technologie

beschaffen. Die

sensitiven

Informationen, die bislang geheim

waren und die wir jetzt preisgeben, konzentrieren sich auf legale wie
illegale Aktivitäten der Sowjetunion in den Vereinigten Staaten und stellen meiner Meinung nach ein weit ernsthafteres Problem dar, als wir dies
bislang vermutet hatten.

Enthüllungen

aus

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Enthüllungen aus jüngster Zeit in Europa machen gleichfalls deutlich,
daß ähnliche nachrichtendienstliche und damit verwandte Bemühungen des
Sowjetblocks auch weiterhin in mit uns verbündeten und befreundeten Ländern in größtem Umfang durchgeführt werden.

Der heutige Bericht ist das Ergebnis einer die gesamte Regierung
umfassenden Bemühung, an der rund 22 Behörden beteiligt waren. Da die
Einsicht

in das Ausmaß dieses Problems der Schlüssel dazu

Unterstützung
heute

ist, die

der Öffentlichkeit zu erlangen, veröffentlichen wir ihn

in dem Versuch, diesem gefährlichen Abfluß unserer wichtigsten

nationalen Mittel in diesem Bereich - d. h. natürlich unserer Hochtechnologie, unserer überlegenen Technologie - Einhalt zu gebieten, da dieser
Abfluß zu unseren potentiellen Gegnern schon zu lang andauert.

Dieser Bericht wirft ein Schlaglicht auf eine Statistik, die das erstaunliche Ausmaß der sowjetischen Übernahme westlicher Technologie enthüllt. Schätzungen sogar der Gegenseite zufolge profitieren mehr als
5 000 militärische Forschungsprojekte der Sowjetunion in beträchtlichem
Maß von der aus dem Westen beschafften Technologie. Daran läßt sich der
Umfang und das Ausmaß ihrer Programme ermessen, ich habe lediglich 5 000
Projekte ausgewählt. Leider gibt es noch viele andere. Bei 27 Prozent
handelt es sich um Projekte, wo das Forschungsstadium übersprungen wurde,
oder

die

Zeit

zur

Entwicklung

eines Waffensytems erheblich

verkürzt

wurde. Bei zwei Prozent wurde eine bestimmte Richtung eingeschlagen und
diese dann verfeinert oder geändert, als unsere Technologie erhältlich
wurde; bei fünf Prozent handelte es sich um Forschungsprojekte, die überhaupt erst dadurch aufgenommen wurden. Es ist dies hier kein Versuch, auf
die Be3eutung eines jeden dieser 5 000 Projekte einzugehen. Aber jedes
davon ist von Bedeutung und nimmt die Gestalt eines verbesserten Waffensytems an, mit dem wir uns auseinanderzusetzen haben.

Konkret bedeutet dies, daß wir die Aufrüstung der Sowjetunion subventionieren; die Kosten hierfür sind natürlich erschreckend. Dadurch, daß
sie sich systematisch westliche Geheimnisse beschaffen - von Herstellern

�von Herstellern von hochtechnologisehen Erzeugnissen, von Forschungszentren und Universitäten, von Auftragnehmern für den Verteidigungsbereich gewinnen die Sowjets bei manchen ihrer militärischen Programme bis zu
mehreren Jahren, sparen

jährlich

in der wissenschaftlichen

Forschung

gewaltige Summen und zwingen uns, für unsere eigene Verteidigung weit
mehr auszugeben, als dies sonst der Fall wäre.

Das Bild des sowjetischen Programms; ist meiner Meinung nach sehr
deutlich: Es werden Tausende von Geheimdienstoffizieren, Wissenschaftlern, Diplomaten sowie Militärpersonal und Spione eingesetzt und ohne
Skrupel auch Kollaborateure im Westen verwandt. Die Sowjets operieren an
zv/ei Fronten. Zum einen haben sie sich eine VieLzahl von Material bei
militärischer und exportkontrollierter Hardware des Westens beschaft; zum
andern haben sie auch viele - gleich, ob geheime, nicht geheime oder sich
im Eigentum von Firmen befindliche - Dokumente erlangt, derer sie sich
bedienen, um die Wirksamkeit ihrer Waffen und ihrer militärischen Ausrüstung zu verbessern.

An der Spitze dieser Aktivitäten steht der Direktor der sowjetischen
Militärisch-industriellen
risch-industrielle

Kominission

Instrumentarium

(VPK), die das mächtigste militäin der

Sowjetunion

darstellt. Sie

setzt sich aus den Direktoren der wichtigsten Industriezweige zusammen,
die militärische Güter produzieren; an ihrer Spitze steht ein Herr Smirnoff. Sie arbeitet sehr eng mit dem Staatsausschuß für Wissenschaft und
Technologie zusammen sowie mit dem KGB und der GHJ, dem militärischen
Gegenstück zum KGB. Sie beschaffen, was ihnen die sowjetische Verteidigungsindustrie als notwendig zeigt, und sie beschaffen es sich im Westen.
Es wird zur Stärkung und Modernisierung der sowjetischen Kriegsmaschinerie verwendet, wobei vieles hereingeholt wird, was auf den ersten Blick
seinen militärischen Wert nicht erkennen läßt. Dieser Tatbestand ist auch
das Argument, das häufig von Leuten ins Spiel gebracht wird, deren Interesse vor allem der Förderung des Handels gilt: Es gehe um Dinge, die keinen besonderen militärischen Wert hätten. In der Sowjetunion kann nahezu
alles militärisch verwertet werden und nahezu alles, was beschafft wird,
wird

als Ergebnis einer direkten Anforderung des Militärs beschafft,

�des Militärs beschafft, übersetzt und durch diese verschiedenen Organisationen wirksam eingesetzt. Es gibt eine Art von Prüfliste, in die alles
eingetragen wird, was man möchte; links wird dann niedergelegt, was man
erhalten hat und so kann man im Vergleich sehen, wie die Dinge stehen.

Ein anderer Teil der sowjetischen Beschaffung geht über das Außenhandelsministerium und die Geheimdienste; ihce Aufgabe ist es, an die Objekte selbst heranzukommen, Tausende von Objekten - Exportkontrollen unterliegende Mikroelektronik, Computer aller Art, an denen sie schon lange
Zeit interessiert sind sowie andere Güter aus dem Westen, die der Exportkontrolle unterliegen.

All diese Güter werden direkt in der sowjetischen Produktion benützt,
um ihre vecalteten Fabriken effizienter

zu machen; natürlich verletzt

Hardware, die auf diese Weise erlangt wocden ist, unsere Exportkontrollgesetze sowie die unserer Verbündeten.

Die Vereinigten Staaten haben bereits eine ganze Reihe von Schritten
unternommen, um den Sowjets ihre Beschaffung zu erschweren oder in manchen Fällen unmöglich zu machen. Die Administration hat ihr Exportkontrollsystem in den vergangenen fünf Jahren erheblich verstärkt und wir
haben ein glaubwürdiges Programm erarbeitet, das wirklich zu einer Kraft
geworden ist, mit der diejenigen rechnen müssen, die den Versuch unternehmen, unsere Technologien in die falschen Bahnen zu lenken. Wir drängen
unsere Verbündeten und andere befreundete Staaten darauf, sicherzustellen, daß die technologische Führung, die der Westen noch immer innehat,
nicht untergraben wird, damit unsere Soldaten sich nicht eines Tages auf
dem Schlachtfeld Waffen gegenübersehen, die durch unsere eigene Technologie entwickelt wurde - was in der Vergangenheit schon geschehen ist.
Wir hoffen, daß es in Zukunft nicht mehr geschehen wird.

Sicherheit im technologischen Bereich ist eine absolut lebenswichtige
Komponente unserer Verteidigung. Ohne die technologische Führungsposition
des Westens, die wir

innehaben, wäre unsere Fähigkeit, eine wirksame

�r
eine wirksame Abschreckung aufrechtzuerhalten, äußerst gefährdet, aber
viel mehr muß zu diesem ganzen Thema noch gezeigt, und viel mehr muß noch
gesagt und getan werden.

- 5-

�Wi//en/chaft
und Technik

Li

United States Information Service
Embassy of the United States of America

25.September 1985

38

DIE ERSTE BEGEGNUNG MIT EINEM KOMETEN
Amerikanische Raumsonde durchflog Schweif von "Giacobini-Zinner"

- (AD) - Das Rendezvous der ICE-Raumsonde mit einem Kometen, das erste in der Geschichte der Raumfahrt überhaupt, war weniger riskant als
von den Wissenschaftlern befürchtet. ICE

(Abkürzung f'ir "International

Cometary Explorer" - Internationale Kometensonde) durchflog am 11. September 1985 die 'Nahtstelle' zwischen Kopf und Schweif des Kometen Giacobini-Zinner etwa 8000 km hinter dem Kern des Kometenkopfes. Dabei stellte
sich heraus, daß der Schweif - zumindest in diesem Bereich - sehr viel
weniger Staubteilchen enthielt, als Theorien über seine Zusammensetzung
hatten vermuten lassen. Jedenfalls kam es weder zu einer Beschädigung der
Sensoren und Antennen noch wurde die Leistungsfähigkeit der Solarzellen
auf der Außenseite des trommeiförmigen Satelliten beeinträchtigt. Sie
versorgen ihn durch die Umwandlung von Sonnenlicht in Elektrizität mit
Strom für den Betrieb der Bordgeräte.

ICE - 1,5 m hoch, 1,7 m im Durchmesser, Antennenspannweite mehr als
90 m - übermittelte dem "Goddard Space Flight Center", einem Forschungs-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

T e l . : 0 2 2 8 - 3 3 9 2035
Telex: 8-85432

�einem Forschungsinstitut der US-Behörde für Luft- und Raumfahrt (NASA) in
Greenbelt (Maryland), eine Fülle neuer und überaus wichtiger Daten. Der
Satellit wurde zum Vorreiter der fünf Kometensonden, die von der Sowjetunion, der europäischen Organisation für Weltraumforschung sowie Japan
auf den Wej geschickt wurden, um den Kometen Halley während der Phase
seiner größten Annäherung im März 1986 eingehend zu untersuchen.

Ursprünglich hatte ICE die Aufgabe, als eine von drei Sonden den Sonnenwind und dessen Auswirkungen auf das erdmagnetische Feld in einem ganz
bestimmten Bereich zwischen Sonne und E;:de zu beobachten. Im Jahr 1978
unter der Bezeichnung ISEE-3 ("International Sun-Earth Explorer") von den
USA als amerikanischer Beitrag zu einem r.nternationalen Forschungsprojekt
gestartet, wurde der Satellit (Masse: 422 kg) ab Mitte 1982 allmählich
umgelenkt mit dem Ziel, ihn zu einem Rendezvous mit dem Kometen Giacobini-Zinner zu führen. Im Gegensatz zum Halleyschen Kometen, der alle 76
Jahre seine größte Sonnennähe erreicht, beträgt die Umlaufzeit dieses
"Vagabunden" nur sechseinhalb Jahre. Als besonderer Vorteil war die Tatsache zu werten, daß Giacobini-Zinner

zum Rendevous-Zeitpunkt mit der

Sonde nur 70 Millionen km von der Erde entfernt war, während der Abstand
des Kometen Halley zur Erde in der Zeit der intensiven Beobachtungen im
nächsten Jahr fast 130 Millionen Kilometer betragen wird. Um die Meßdaten
gut zu empfangen, sind leistungsstärkere Sender erforderlich, als dieser
Forschungssatellit sie an Bord hat.
Ähnlich wie bei den interplanetaren VOYAGER-Sonden der Vereinigten
Staaten, die unter Ausnutzung der Gravitationskraft von Großplaneten auf
neue Bahnen katapultiert wurden, benutzte man zusätzlich die Gravitationskraft des Erdmondes, um die nun in ICE umbenannte Sonde auf einen Kurs
zu bringen, auf dem sie die Bahn des Kometen Giacobini-Zinner kreuzen
würde. Mit nur 120 km Abstand von der Mondoberfläche schwang sie im Dezember 1983 am Erdtrabanten vorbei. Die ihr dabei erteilte Beschleunigung
reichte aus, um die Flugrichtung für ein Zusammentreffen mit dem Kometen
einhalb Jahre später vorzugegeben. Allerdings wurden immer wieder Nachkorrekturen mit Hilfe der kleinen Bordtriebwerke erforderlich. Denn die
Bahn eines Kometen kann sich bei Annäherung an die Sonne sprunghaft an-

�sprunghaft ändern. Sie wird dadurch mitbestimmt, wieviel und wie rasch
Materie aus seinem Kern verdampft und wie sich auf Grund solcher Vorgänge
der Schweif auf der sonnenabgewandten Seite ausrichtet.

Von Erdobservatorien aus wurde die Gesamtlänge des Schweifes von Giacobini-Zinner mit ca. 750 000 km ermittelt. Die Dicke im Durchflugbereich
wurde mit ca. 5000 km angenommen. Aber ICE brauchte erheblich länger für
den "Durchgang", als man angesichts dieses Wertes erwartet hatte, nämlich
20 Minuten. Somit mußte die Schweifzone unittelbar hinter dem "Kopf"
22000 bis 24000 km breit sein. Es ist jener Bereich, wo sich Plasma aus
verdampften und ionisierten Molekülen zum Schweif formiert.

Die Sonde
Kohlenmonoyd

fand elektisch geladene Moleküle von Wasser

(HO) und

(CO). Dies sei, meinte der Leiter der Abteilung Astronomie

am Goddard-Institut, John Brandt, die eiste direkte Bestätigung der Annahme, daß ein Komet einem "schmutzigen Schneeball" ähnlich sei. Entgegen
den Schweif-Modellen erwies sich der Schweif von Giacobini-Zinner ("G-Z")
als ein nicht symmetrisches Gebilde. ICE registrierte, so wird jedenfalls
auf Grund der Messdaten vermutet, die "Schockwelle" auf der der Sonne zugekehrten Seite, die der dem Kometen entgegenströmende Sonnenwind verursacht. Bereiche starker

Turbulenz

folgten solcher

relativer Ruhe und

niedrigerer Plasmatemperaturen. Bestimmte Radiowellen

zeigten dann an,

daß sich die Sonde im SchweifZentrum befand, wo die Dichte der Materie am
größten ist. Aber erst nach Zurücklegen einer Gesamtstrecke von mehr als
300 000 km seit Erfassen der ersten "G-Z"-Meßdaten war anzunehmen, daß
die Sonde den Einflußberich des Kometen Giacobini-Zinner wieder verlasen
hatte. Auf ihrem Weiterflug ist im März 1986 ein Durchgang durch die Region zwischen unserer Erde und dem Halleyschen Kometen mit Messungen des
Sonnenwindes zu erwarten. Sie wird dann weitere Daten über den möglichen
Einfluß eines Kometen im Raum zwischen der Sonne und ihrem Trabanten
übermitteln.

Zur Zeit des ICE-Rendevous mit Giacobini-Zinner berieten in Washington Mitarbeiter internationaler Forschungseinrichtungen über die Koordinierung des Projekte ihrer Länder zum Studium von Kometen. Die Vertreter

�Die Vertreter der Sowjetunion, Westeuropas und Japans werteten die ICE-Mission als ungemein wertvolle Hilfe

für ihre eigenen Programme: Die

Sowjets wollen mit zwei Sonden, die europäischen Länder mit einer Sonde
im März des kommenden Jahres den Kern des; Halleyschen Kometen fotografieren, während zwei japanische Sonden Sonnenwindphänomene in Kometennähe
untersuchen sollen. Die Vereinigten Staaten beabsichtigen, zur gleichen
Zeit mit einem Raumtransporter ein Teleskop für Ultraviolett-Astronomie
und drei Kameras in eine Erdumlaufbahn zu bringen, um von dort aus sieben
bis zehn Tage lang den Halleyschen Kometen zu beobachten.

* * * * *

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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 25.09.1985</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gedanken zur Geschichte und Fortentwicklung der deutsch-amerikanischen Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des Botschafters der Vereinigten Staaten von Amerika, Richard Burt, anlässlich des 200. Jahrestages des ersten amerikanisch-preusischen Vertrages in der Staatsbibliothek Berlin am 25. Sept. 1985 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan umreißt Handelspolitik der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede vor amerikanischen Unternehmern -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan-Pressekonferenz vom 17. September&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;UDSSR verstärkt um westliche Technologie bemüht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung von US-Verteidigungsminister Weinberger -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die erste Begegnung mit einem Kometen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Amerikanische Raumsonde durchflog Schweif von "Giacobini-Zinner" -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>nroffitciuon
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

1 8 . September 1985

37

INHALT

INFORMATION
Interview von Botschafter Burt mit den Sender Freies Berlin

DOKUMENTATION
USA um Verhinderung eines Wettrüstens im Weltraum bemüht
- Anhörung von ACDA-Direktor Adelman -

HINTERGRUND
Bericht des US-Außenministeriums über Bekämpfung des Rauschgifthandels
- Außenpolitischer Senatsausschuß befaßt sich mit dem internationalen
Drogenproblem -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
"TITANIC" NACH 73 JAHREN GEFUNDEN
- US-Technologie hilft Objekte in der Tiefsee orten -

* * * * *

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2035
Telex: 8-85432

�18.September 1985

37

INTERVIEW VON BOTSCHAFTER BURT MIT DEM SENDER FREIES BERLIN

BERLIN -(AD) - Der neue amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland, Richard R. Burt, gab bei seinem ersten Besuch in Berlin
am 14. September dem Sender Freies Berlin ein Interview, das von der ARD
am 16. September in der Sendung "Kontraste" um 21.15 Uhr ausgestrahlt
wurde.
Das Interview mit dem SFB-Korrespondenten Joachim Braun hat folgenden
Wortlaut:
Frage: Herr Botschafter, am gleichen Tag, an dem Sie von Präsident
von Weizsäcker in Bonn Ihr Agreement als amerikanischer Botschafter erhielten, kamen Sie zu Ihrem ersten offiziellen Besuch nach Berlin. Ist
das Zufall, oder war es Ihre Absicht, eine politische Geste an den Anfang
zu setzen?
Antwort: Es war kein Zufall. Bei der Überreichung meines Beglaubigungsschreibens sagte ich zu Präsident von Weizsäcker, daß Berlin für die

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Berlin für die Vereinigten Staaten von besonderer Wichtigkeit ist. Wir
haben hier besondere Verantwortungen, und ich glaube, wir haben auch eine
enge Beziehung zu den Menschen dieser Stidt. Sie sind mutig und wir respektieren sie. Darum werde ich, als Botschafter in Deutschland, stets ein
besonderes Augenmerk auf Berlin richten.

Frage: Als Sie hier mit dem Regierenden Bürgermeister zusammentrafen,
erwähnten

Sie

auch

ein

geopolitisches

Interesse, das die Vereinigten

Staaten an Berlin nehmen. Könnten Sie sich näher darüber äußern?

Antwort: Ich finde, der erste Punkt, den man erwähnen muß, ist der,
daß die amerikanische Präsenz in Europa seit mehr als 30 Jahren einen
Konflikt auf diesem Kontinent verhindert hat. Das Engagement der Vereinigten Staaten in Europa ist ein unentbehrlicher Aspekt der europäischen
Sicherheit, und ich glaube, Berlin symbolisiert unsere Rolle in Europa.
Die Anwesenheit amerikanischer Truppen in der geteilten Stadt, in dieser
Inselstaat, ist, so meine ich, ein Symbol unserer geopolitischen Präsenz
in Europa als Mittel, um vor einem Koflikt abzuschrecken

Frage: Während der letzten Tage hatten wir in Berlin das Jahrestreffen des Internationalen

Instituts flir Strategische Studien, das seinen

Sitz in London hat. Sie haben vor dieser Konferenz eine wichtige Rede
Über den Zusammenhalt der Allianz gehalten. Wie sehen Sie persönlich die
augenblickliche Lage des atlantischen Bündnisses?

Antwort: Wie ich auf/Konferenz sagte, finde ich, daß die augenblickliche Situation des Bündnisses im wesentlichen sehr gesund ist. Ich glaube nicht, daß wir Krisen vor uns haben, obwohl fortwährend Über eine Krise im Westen geredet wird. Das Bündnis war in der Lage, Herausforderungen
erfolgreich zu begegnen und seine Einheit zu bewahren. Meiner Ansicht
nach war das beste Beispiel hierfUr die ganze Frage der Raketenstationierung in Europa und der Bundesrepublik. Es gab Befürchtungen, daß die
Stationierung eine Krise der Ost-West-Beziehungen herbeiführen würde. Das
war nicht der Fall. Tatsächlich glaube ich, die Stärke und Einigkeit der
Allianz ist der Grund, daß wir heute in Genf über Rüstungskontrolle ver- 2 -

�Rüstungskontrolle verhandeln, und daß Gorbatschow Reagan im November in
Genf treffen wird. Ich glaube also, daß das Bündnis stark ist, daß es Zusammenhalt hat, und dies ist, so meine :.ch, eine Vorbedingung für Fortschritt im amerikanisch-sowjetischen Verhältnis.
Frage: In ein paar Wochen werden wir das erste Treffen eines amerikanischen Präsidenten mit einem sowjetischen Parteichef nach sechs Jahren
haben. Erwarten Sie persönlich von diesem Gipfeltreffen eine Wende in den
sowjetisch-amerikanischen Beziehungen?
Antwort: Wir sind zu einer Verbesserung der amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen bereit. Aber, wie man so sagt: zum Tango gehören zwei. Wir
hoffen, daß die Sowjetunion und Gorbatschow genauso bereit sind, und wir
hoffen auch, daß er konkrete Ideen hat, wie die Beziehungen verbessert
werden können. Wir sähen eine Verbesserung der Beziehungen sehr gerne.
Aber es muß eine wirkliche Verbesserung sein. Das heißt, sie muß auf die
Punkte, die wirklichen Streitfragen, eingehen, die uns trennen: die Probleme

des

Einsatzes

sowjetischer

Truppon

in verschiedenen

Teilen

der

Welt; die anhaltende sowjetische Aufrüstung und, natürlich, die Menschenrechtsprobleme innerhalb der Sowjetunion. Wie wir bereits gesagt haben:
Was dies Treffen bestenfalls zustandebringen kann, ist die Aufstellung
einer Tagesordnung für ein ernsthaftes Gsspräch zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion.

Ich danke Ihnen, Herr Botschafter.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

- 3-

�18. September .985

37

USA UM VERHINDERUNG EINES WETTRÜSTENS IM WELTRAUM BE4UHT
- Anhörung von ACDA-Direktor Adelman -

WASHINGTON Amtes

(AD) - Kenneth Adelman, Direktor des amerikanischen

für Rüstungskontrolle

und Abrüstung

(ACDA), unterstrich am 11.

September 1985 in einer Erklärung vor den Unterausschuß des US-Repräsentantenhauses

für

Rüstungskontrolle

und

internationale

Sicherheit

die

ernsthafte Absicht der Vereinigten Staaten, zusammen mit der UdSSR zu
Rüstungskontrollvereinbarungen zu gelangen, um ein Wettrüsten im Weltraum
zu verhindern.

Hinsichtlich der Erprobung einer Antisatellitenwaffe durch die Vereinigten Staaten betonte Adelman: "Wir sind der Überzeugung, daß diese Erprobung für die Sowjetunion einen Anreiz dazu darstellen kann, zu Abkommen über eine ganze Bandbreite von Themen zu gelangen."

Die

Ausführungen

Adelmans

vor

dem Unterausschuß

haben

folgenden

Wortlaut:

Es

ist

mir

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Es ist mir ein Vergnügen, vor dem Unterausschuß des Repräsentantenhauses für Rüstungskontrolle und internationale Sicherheit zu erscheinen,
um

die

Rüstungskontrolle

im Antisatellitenbereich

zur

Diskussion

zu

stellen. Meiner Meinung nach stellte die Bestätigung des Präsidenten, wie
sie

vom

Ausgabeermächtigungsgesetz

für

das

Verteidigungsministecium

gefordert wird, das bedeutsamste Ereignis der jüngsten Zeit in diesem
Bereich dar. Deshalb möchte ich mich heute in meiner Erklärung sowohl auf
den Fortschritt der Verhandlungen in Genf als auch auf diese Bestätigung
und ihre Auswirkungen für die Rüstungskontrolle konzentrieren. Zunächst
jedoch möchce ich einen Blick auf die Konzeption der Regierung in Sachen
Weltraumrüstungskontrolle werfen.

Der Hintergrund: Seit 28 Jahren haben die Vereinigten Staaten zu
friedlichen Zwecken Satelliten im Weltraum - einschließlich zur Unterstützung der nationalen Sicherheit und der Rüstungskontrolle. Satelliten
zur Früherkennung von Raketenstarts ermöglichen die Sofortwarnung bei
einem Angriff durch

Interkontinentalraketen. Nachrichten- und Naviga-

tionssatelliten dienen der Unterstützung des Befehls- und Leitsystems der
Streitkräfte der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten. Andere Satelliten stellen die nationalen technischer Mittel der Vereinigten Staaten
bereit, um zur Verifizierung der Einhaltung bestehender Rüstungskontrollvereinbarungen beizutragen.

Die Vereinigten Staaten sind Mitwirkender und Vertragspartei einiger
der

wichtigsten

internationalen Abkommen, die die Weltraumaktivitäten

regeln - einschließlich der Charta der Vereinten Nationen, des Weltraumvertrags, des Begrenzten Teststoppabkommens und des ABM-Vertrags. Auf
amerikanische Initiative hin wurden in den Jahren 1978-79 mit der Sowjetunion

Gespräche

über

Rüstungskontrolle;

bei

den

Antisatellitenwaffen

geführt. Die Vereinigten Staaten unterstützten auch die kürzlich erfolgte
Bildung eines Ad-hoc-Ausschusses zur Diskussion der Rüstungskontrolle bei
Weltraumwaffen im Rahmen der von 40 Staaten beschickten Abrüstungskonferenz in Genf.

Die

Politik

der

�Die Politik der Vereinigten Staaten: Die nationale Weltraumpolitik
der Vereinigten

Staaten wurde am 4. Juli

1982 von Präsident Reagan

formuliert und am 31. März 1984 in seinem Bericht an den Kongreß über die
amerikanische Politik und ASAT-Rüstungskontrolle erneut bekräftigt: "Die
Vereinigten Staaten werden verifizierbaie und ausgewogene Rüstungskontrollmaßnahmen
spezieller

in Erwägung ziehen, die die Erprobung und Dislozierung

Waffensysteme

verbieten

oder

ansonsten

begrenzen

würden,

solange solche Maßnahmen im Einklang mi: der nationalen Sicherheit der
Vereinigten Staaten stehen."

Von diesen Kriterien geleitet haben die Vereinigten Staaten eine
Bandbreite möglicher Optionen
waffen

untersucht.

Zu

den

für die Rüstungskontrolle bei WeltraumFaktoren,

die

die

ASAT-Rüstungskontrolle

erschweren, gehören die unterschiedlichsten Bedrohungen der Satelliten
der Vereinigten

Staaten

und

ihrer Verbündeten

sowie Bedrohungen der

erdgebundene^n Streitkräfte der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten,
wie

sie

von

den

Lenk-

und

BeobachtungssatelHten

der

Sowjetunion

ausgehen.

Je nach Umfang und Wirksamkeit eines Abkommens könnte ein verifizierbares Abkommen der Rüstungskontrolle bei Weltraumwaffen - wenn es eingehalten wird - spezielle Bedrohungen von Satelliten begrenzen und künftige
Bedrohungen

von

so

wichtigen

einschränken. Begrenzungen
könnten

bei

Satelliten
speziellen

wie

etwa

Frühwarnsatelliten

Bedrohungen

von

Satelliten

zusammen mit Maßnahmen der Überlebensfähigkeit von Satelliten

dazu beitragen, die Stabilität zu bewahren und zu verstärken. Abkommen
könnten auch die politische Schwelle für Angriffe auf Weltraumobjekte
anheben

und

einige

uneingeschränkten

der

internationalen

militärischen

Aktivität

Bedenken

hinsichtlich

im Weltraum

aus

der

der
Welt

schaffen.

Am 22. November 1984 kamen die Vereinigten Staaten und die UdSSR
überein, in neue Verhandlungen mit dem Ziel einzutreten, zu beiderseitig
akzeptablen Abkommen über die ganze Bandbreite der Probleme, die Kern-

�Probleme, die Kern- und Weltraumwaffen

betreffend,

zu gelangen. Das

Treffen zwischen den Außenministern Grcmyko und Shultz am 7. und 8.
Januar leitete diesen Prozeß ein, indem ein Grundsatzabkommen hinsichtlich des Themas und der Ziele der Verhandlungen erreicht wurde.

Man kam überein, daß das Ziel der Verhandlungen sein sollte, wirksame
Abkommen auszuarbeiten, die darauf abzielen, ein Wettrüsten im Weltraum
zu verhindern und es auf der Erde zu beer den, die Kernwaffen zu begrenzen
und zu reduzieren sowie die strategische Stabilität zu stärken. Die Verhandlungen werden von jeweils einer Delegation geführt, die in drei Gruppen aufgeteilt ist, von denen eine die Verteidigungs- und Weltraumfragen
behandelt.

Rüstungskontrollfragen: Die ASAT-Rüstungskontrollgespräche der Jahre
1978-79 brachten erhebliche amerikanisch-sowjetische Meinungsunterschiede
zutage, und die hierauf folgenden Bemühungen gaben den Rüstungskontrollfragen im Weltraumbereich schärfere Konturen. Die Rüstungskontrolle bei
Weltraumwaffen umfaßt Schwierigkeiten, zu denen die folgenden gehören:

Verifizierung: Die Probleme der Verifizierung erschweren sich für
Weltraumsysteme

noch,

weil

die

Satelliten,

die

der

amerikanischen

Sicherheit sowie der ihrer Verbündeten dienen, nur gering an Zahl sind;
ein Vertragsbruch würde daher selbst in kleinem Rahmen ein überproportionelles Risiko in sich bergen. So würde zum Beispiel ein Verbot aller
ASAT-Systeme die Beseitigung des gegenwärtigen sowjetischen ASAT-Abfangsystems erforderlich machen; bislang gibt es jedoch keine zufriedenstellenden Möglichkeiten, um die sowjetische Einhaltung eines solchen Schrittes wirksam verifizieren zu können. Der sowjetische AbfangElugkörper ist
relativ klein und wird durch eine Antriebsrakete von einer Startrampe aus
gestartet, wie sie auch für andere Weltraummissionen verwendet werden.
Wir wissen nicht, wie viele Abfangflugkörper bereits hergestellt wurden,
und die UdSSR könnte einen geheimen Vorrat beibehalten.

Auflösung: Zu den
- 4-

�Auflösung: Zu den Kriterien, die bei der Bewertung der Auswirkungen
einer

jeden

potentiellen

Rüstungskontrollmaßnahme

auf

die

nationale

Sicherheit verwendet werden müssen, gehört d:.e der "Auflösung". Das ist
die Gefahr, daß ein Staat einseitigen Verteil erlangen könnte, wenn das
Abkommen aus irgendeinem Grund nicht m^hr

in Kraft ist - etwa durch

plötzliche Aufkündigung - und er sich einen Vorsprung dadurch verschafft,
daß er einen Waffentyp baut bzw. disloziert, der bislang verboten bzw.
erheblich

begrenzt

worden war. Die Bedeutung

gewisser

entscheidender

amerikanischer Satelliten, die in ihrer ,\nzahl begrenzt sind, könnte für
die Sowjets einen Anreiz bilden, sich die Fähigkeit zu erhalten, aus
einem Vertrag auszubrechen.
Definition: Eine Weltraumwaffe zum Zwec'c der Rüstungskontrolle zu
definieren, ist sehr schwierig. Zu den Welt.aumwäffen könnten gehören:
Koorbitale und zum direkten Aufstieg befähigte Abfangflugkörper
modifizierte
aktive

ballistische

elektronische

und

ABM-Rake :en),

Gegemaßnahmen

sowie

Waffen

mit

Waffen,

die

(d.h.

Richtenergie,
in

bemannte

Weltraumstationen verbracht werden könnten. Das Problem wird dadurch noch
verschlimmert, daß unbewaffnete Weltraunsysteme, einschließlich ziviler
Systeme, über Eigenschaften verfügen, die nur schwer von Eigenschaften
von Waffen zu unterscheiden sind. Zudem haben viele Systene, die nicht
als ASAT-Waffen entworfen sind, ihrer &lt;\rt nach ASAT-Kapazitäten

(bzw.

Restkapazitäten).

Freigabe von Information: Informationen hinsichtlich gewisser amerikanischer Weltraumsysteme, die mit der nationalen Sicherheit verknüpft
sind, gehören zu den sensitivsten

Informationen

im Regierungsbereich.

Maßnahmen mit dem Ziel einer erhöhten Verifizierung eines ASAT-Rüstungskontrollabkommens, die gleich welche Form des Zugangs zu amerikanisehen
Weltraumsystemen erforderlich machen sollten, könnten ein unannehmbares
Risiko der Gefährdung des Schutzes dieser Informationen mit sich bringen.

Verwund'oarkeit
ASAT-Rüstungskontrolle

der
würde

Satelliten-Unterstützungssysteme.
nicht
- 5-

die

Uberlebensfähigkeit

Die
anderer

�Überlebensfähigkeit anderer Elemente in einem Weltraumsystem sicherstellen. Bodenstationen, Abschußanlagen und Nachrichtenverbindungen könnten
in manchen Fällen verletzbarer sein als die Satelliten selbst.

Die
keine

sowjetische militärische Weltraombedrohung
eigentlichen

sowjetische

Waffen

Weltraumsysteme

sind:
sollen

Bestimmte
-

auch

durch Systeme, die

laufende
wenn

und

sie

geplante

selbst

keine

eigentlichen Waffen sind - die erdgebundenen Streitkräfte der Sowjetunion
im Fall einer Krise oder eines Konflikts unterstützen. Diese Satelliten
haben den Zweck, sowjetischen Waffenplattformen Radardaten sowie durch
elektronische Aufklärung

erbrachte Zielinformationen

zur Verfügung

zu

stellen, um Flotten- und Heeresverbände der Vereinigten Staaten und ihrer
Verbündeten angreifen zu können. In Reaktion auf diese Bedrohung und als
Gegenmaßnahme zum sowjetischen ASAT-System haben die Vereinigten Staaten
das Miniature Vehicle-System

(Kleinflugk'jrper -System). Der Zweck dieses

Systems besteht darin, Bedrohungen von Weltraumsystemen der Vereinigten
Staaten

und

ihrer

Verbündeten

sowjetischen ASAT-Angriff

fernzuhalten,

indem

sie

auf

einen

auf gleiche Weise reagieren können und zur

Abschreckung vor einem konventionellen uid nuklearen Konflikt beitragen,
indem sie die sowjetischen Satelliten gefährden, die die feindlichen
Streitkräfte unterstützen.

Sowjetische

und

amerikanische

ASAT--Systeme:

Zu den

gegenwärtigen

sowjetischen ASAT-Kapazitäten gehört ein Abfcingflugkörpersystem, das das
einzig einsatzfähige ASAT-System der Welt darstellt; außerdem verfügen
die Sowjets über bodengestutzte Testlaser, wahrscheinlich mit ASAT-Kapazitäten, möglicherweise die nuklear bestückten GALOSH ABM-Abfangraketen,
die wahrscheinlich nur der Veränderung ihrer Software bedürfen, um in
einer ASAT-Rolle eingesetzt zu werden und die technologische Kapazität
hätten, um elektronische Kriegführung gegen Weltraumsysteme zu betreiben.
Es gab über ein Dutzend Versuche mit dem Abfangflugkörpersystem, das wir
als einsät;;fähig ansehen - einschließlich von Versuchen während eines
Manövers der strategischen Streitkräfte der Sowjetunion im Jahr 1982.

Die

sowjetische

�Die sowjetische Kapazität eines Orb;.tal-Abfangflugkörpers in großen
Höhen ist eine mögliche Bedrohung, jedoch haben wir noch keinen direkten
Beweis für ein solches Programm der Sowjets, und wir dürften solche
Beweise auch nicht vor dem Versuchsstadium erhalten. Vielleicht ziehen
die Sowjets auch andere Techniken vor, am dieses Ziel zu erreichen. So
könnten sie zum Beispiel auch ihre in der Entwicklung begriffenen Kapazitäten der elektronischen Kriegführung gegen Satelliten in großen Höhen
einsetzen. Wir können derzeit nicht sagen, welche -- wenn überhaupt welche
- derartige Extremhöhenkapazitäten von der UdSSR vielleicht schon entwickelt wurden oder entwickelt werden.

Weitere - bzw. in Zukunft mögliche - sowjetische Bemühungen, die zur
Herstellung von ASAT-Systemen führen könnten - beinhalten Entwicklungen
von Waffen mit Richtenergie. Wir haben Hinweise darauf, da3 die Sowjets
mit der Entwicklung von bodengestützten Lasern für die ASAT-Anwendung
fortfahren. Außerdem glauben wir, daß die Sowjets Forschung und Entwicklung im Bereich der raumgestutzten Iaser--ASAT-Systeme betreiben. Wir
haben bislang noch keine Beweise

für sowjetische Programme zur Ent-

wicklung von ASAT-Waffen, die auf Teilchenstrahltechnologie basieren.

Das amerikanische ASAT-System, das :sich derzeit in der Entwicklung
befindet, inesteht aus einem
zweistufigen

nichtnukle^aren MV-Gefechtskopf

SRAM/Altair-Treibsatz.

Dieser

wird

von

auf einem

einem

speziell

umgerüsteten F-18 Jäger emporgetragen und abgefeuert. Der MV-Flugkörper
wird in der Lage sein, Satelliten auf niedrigen Umlaufbahnen anzugreifen.
Das System wird derzeit erprobt. Es soll auf jeweils einer Luftwaffenbasis an beiden Küsten der Vereinigten Staaten disloziert werden.

Die Vereinigten Staaten führten am 13. November 1984 den zweiten Test
eines MV-Flugkörpers durch. Dabei ging es um kein Ziel; es ging lediglich
darum, die Sensorfähigkeit zum Auffinden und Verfolgen einer Infrarotquelle zu demonstrieren. Nach der jüngsten Erklärung des Präsidenten
gegenüber dem Kongreß planen die Vereinigten Staaten für diesen Monat die
Durchführung eines Test mit dem W

gegen ein Objekt im Weltraum. Die

�Weltraum. Die Vereinigten Staaten haben nicht die Absicht, die Höhenkapazität des NV ASAT-Systems auszuweiten, um Satelliten auf höheren Umlaufbahnen zu gefährden. Wir untersuchen jedoch Möglichkeiten, durch die die
amerikanische ASAT-Kapazität verbessert werden kann. Das amerikanische
ASAT-Progranm wird auf eine Art und We.se durchgeführt, die in vollem
Einklang mit allen amerikanischen Verpflichtungen - einschließlich den
ABM- und Weltraumverträgen - steht.
Die

Strategische

Verteidigungsinitiative

und

ASAT:

Die

Rede von

Präsident Reagan vom 23. März 1983 legte dio Richtung dessen fest, was
wir nunmehr die Strategische Verteidigungsinltiative

(SDI) nennen. Neue

Technologien werden verfügbar, die eine groß.ingelegte Forschungsanstrengung im Verteidigungsbereich gegen ballistischen Raketen rechtfertigen.
Das

SDI-Forschungsprogramm

einen

sowjetischen

ist zugleich

Austritt

aus

dem

eine kluge Absicherung gegen
ABM-Vertrag.

(Die

Sowjetunion

verbessert derzeit ihr einsatzbereites A3M-System um Moskau und betreibt
aggressive Forschungs- und Entwicklungsprogräume sowohl bei den herkömmlichen ABM-Systemen wie auch bei fortgeschrittenen ABM-Technologien wie
etwa den Hochenergielasern.) SDI ist ein Programm zur Forschung auf einer
ganzen Bandbreite von Technologien, die oin Verteidigungspotential sowohl
für die Vereinigten Staaten als auch fUr ihre Verbündeten haben. Ziel ist
die Untersuchung möglicher Mittel zur Erhöhung der Abschreckung. Die Vereinigten Staaten haben noch keine Entscheidung hinsichtlich der Entwikklung oder Dislozierung eines ABM-Systems getroffen. Das SDI-Programm
soll seiner Struktur nach begründete Entscheidungen unterstützen, die in
den

frühen neunziger

Jahren dahingehend getroffen werden, ob fortge-

schrittene Verteidigungssysteme entwickelt und disloziert werden sollen.

Die Forschung im Rahmen von SDI wird in Einklang mit allen laufenden
amerikanischen Vertragsverpflichtungen

stehen, einschließlich dem ABM-

Vertrag. SDI ist abschließender Baustein der amerikanischen Politik, die
beträchtliche Verringerungen bei den offensiven Nuklearwaffen fordert.
Dem

ist so, weil eine Verteidigung, deren Wirksamkeit zu geringeren

Kosten aufrechterhalten werden kann als notwendig wären, um immer neue

�immer neue Offensivwaffen zu beschaffen, das Potential in sich birgt, den
Wert einer ballistischen Raketenstreitmaoht zu verringern und daher die
Möglichkeit von ausgehandelten Verringerungen verstärkt. Sowohl SDI als
auch unser Antisatellitenprogramm zielen darauf ab, die Abschreckung zu
erhöhen unc die strategische Stabilität zu stärken - dies jedoch auf
unterschiedlichem Wege. Viele der Techrologien, die Teil der SDI-Forschung

und

des

ASAT-Programm

ASAT-Programms

sind,

sind

miteinander

verwandt. Das

ist jedoch eine kürzerfr stige Bemühung zur Entwicklung

einer Antisatellitenwaffe, die darauf abzielt, ein spezielles militärisches Ungleichgewicht aufzuheben, wie dies oben besprochen vnirde, und hat
keine ABM-Kapazität. SDI andererseits ist ein langfristiges Forschungsprogramm. Die amerikanische Position bei der ASAT-Waffenkontrolle sollte
weder die Ergebnisse der SDI-Forschung r.räjudizieren, noch die Forschung
selbst ausschließen.

Fortschritt bei den Verhandlungen: Bei den Verteidigungs- und Weltraumverhandlungen

konzentriert sich die amerikanische Haltung auf die

Notwendigkeit, die Instabilität anzugehen, die in der derzeitigen strategischen Situation besteht. Die Vereinigten Staaten haben betont, wie
wichtig es ist, der Erosion des ABM-Vertrags Systems Einhalt zu gebieten
sowie

andere

sowjetische

Rüstungskontrollabkommen

Maßnahmen

zu

korrigieren,

die

bestehende

verletzen. Die Vereinigten Staaten haben ihre

Sicht der Beziehung zwischen Offensiv- und Defensivstreitkräften sowie
den

potentiellen

Beitrag

der

Defensivkräfte

für

unsere

gegenseitige

Sicherheit dargelegt und aufgezeigt, wie beide Seiten allmählich einen
stabilen Übergang zu einer Situation bewerkstelligen könnten, in der man
sich in verstärktem Maß auf Defensivstreitkräfte stützt. In dem Bemühen,
das amerikanische SDI-Forschungsprogramm aufzuhalten, hat die Sowjetunion
ein umfassendes Verbot von Forschung, Entwicklung, Erprobung und Dislozierung dessen vorgeschlagen - und forciert dies noch immer -, was sie
"Waffen zu einem Schlag im Weltraum" nennt. Sie hat das amerikanische
Einverständnis zu einem solchen Verbot zu einer Vorbedingung für Fortschritte - ja, selbst einer detaillierten Diskussion - hinsichtlich Verringerungen

der

offensiven

Kernwaffen

gemacht,

hat

jedoch

die

�hat jedoch die Verifizierungsprobleme nicht angesprochen. Die Antwort der
Vereinigten Staaten lautet, daß Forschung nach dem ABM-Vertrag erlaubt
ist und daß ein Verbot der SDI-Forschung unannehmbar ist, da es weder
verifizierbar, noch wünschbar wäre, und daß derlei Vorbedingungen nur zu
Verzögerungen dabei führen, zu den Diskussionen zu kommen, die zu Fortschritt

en.in Richtung

auf Verringerungen

der

Nukleararr;enale

führen

können.

Die Bestätigung des Präsidenten:

Am 20. August bestätigte der Präsident dorn Kongreß, wie vom Kongreß
gefordert, folgendes:

1. Die Vereinigten Staaten bemühen sich in gutem Glauben darum, mit
der Sowjetunion ein beidereitiges und verifizierbares Abkommen mit den
engstmögliehen Begrenzungen

bei den Antisatellitenwaffen

auszuhandeln,

das im Einklang mit den nationalen Sicherheitsinteressen der Vereinigten
Staaten steht.

2. Solange ein Abkommen über derlei strikte Begrenzungen noch aussteht, ist die Erprobung des vom F-18 gestarteten MV-Antiatellitengefechtskopfes gegen Objekte

im Weltraum durch die Vereinigten Staaten

notwendig, um eindeutigen und nicht wieder gutzumachenden Schaden von der
nationalen Sicherheit abzuwenden.

3. Eine solche Erprobung würde keinen irreversiblen Schritt darstellen, der auf schwerwiegende Weise die Aussichten auf Verhandlungen über
Antisatellitenwaffen beeinträchtigen würde.

4. Eine solche Erprobung steht in vollem Einklang mit den Rechten und
Pflichten der Vereinigten Staaten gemäß dem ABM-Vertrag von 1972, da
solche Rechte

und Pflichten

zum

Zeitpunkt dieser

Erprobung bestehen

bleiben.
Ich möchte auf die Argumentation eingehen, die dieser Bestätigung
zugrunde liegen.
1.
- 10-

Bemühen

um

�1. Bemühungen um die Aushandlung der größtmöglichen Begrenzungen. Wie
Sie wissen, nehmen die Vereinigten Staat.en derzeit in Genf an Verhandlungen über eine ganze Bandbreite von Nuklear- und Weltraumfragen einschließlich der Verhinderung eines Wettrüstens im All - teil.

Wir waren bislang nicht in der Lage, einen speziellen ASAT-Vorschlag
auszuarbeiten, der den Anforderungen gerecht wird, wie sie der Kongreß im
Jahr 1984 gestellt hat - daß ein jegliches Abkommen verifizierbar sein
müsse und in Einklang mit der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten zu stehen habe. Wir bemühen uns mit 3er UdSSR ernsthaft um Rüstungskontrollabkommen, die darauf abzielen, ein Wettrüsten im Weltraum zu verhindern. Wir werden auch weiterhin in gutem Glauben mögliche ASAT-Begrenzungen untersuchen, um herauszufinden, ob solche Begrenzungen in Einklang
mit den nationalen Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten stehen,
und wir werden auch weiterhin mit den Sowjets deren Vorscnläge und die
damit verbundenen Probleme analysieren. Wir handeln damit in Einklang mit
dem ersten Erfordernis der Bestätigung.

2. Die Notwendigkeit einer MV-Erprobung. Hauptziel einer amerikanischen ASAT-Kapazität ist es, Bedrohungen der Weltraumsysteme der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten abzuwehren und - im Rahmen der vom
Völkerrecht auferlegten Begrenzungen - einem jeglichen Widersacher Vorteile zu verwehren, die sich aus der offensiven Nutzung von weltraumgestützten Systemen ergeben, die die Abschr&lt;x:kung untergraben könnten.
Die UdSSR hat das einzige einsatzbereite ASAT-System der Welt, das
über die wirksame Kapazität verfügt, entscheidende amerikanische Weltraumsysteme

in erdnaher

Umlaufbahn

Weltraumsysteme gegenüber
sind - von elektronischer

aufzuspüren

und

zu

zerstören. Da

einer ganzen Reihe von Drohungen verwundbar
Kriegführung bis

zu nuklearen Effekten -,

könnte die Sowjetunion außerdem - ohne unser Wissen - eine Vielfalt
anderer Mittel zum Angriff auf unsere Satelliten entwickelt haben.

Eine

wachsende

�Eine wachsende

Bedrohung

stellen

auch vorhandene

und potentielle

sowjetische Satelliten dar, die - obgleich selbst keine Waffen - dazu
entworfen sind, im Fall eines Konfliktes die erdgebundenen Streitkräfte
der UdSSR direkt zu unterstützen. Dazu gehören Ozeanaufklärungssatelliten, die Radar und elektronische Nachrichtenübermittlung In dem Bemühen
verwenden, Zieldaten für einen Angriff auf Flotten der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten zur Verfügung zu stellen. Dazu gehören auch
Foto- und elektronische Nachrichtensatelliten, die Zieldaten und andere
Informationen liefern, die zur Unterstützung der sowjetischen Landstreitkräfte nützlich

sind. Diese sowjetischen Weltraumobjekte stellen eine

eindeutige Bedrohung unserer nationalen Sicherheit und der unserer Verbündeten dar.

Die Vereinigten Staaten müssen die notwendigen Schritte ergreifen, um
eine Situation zu vermeiden, in der die Sowjetunion über die volle Freiheit verfügt, wirksame Angriffe auf unsere Weltraumsysteme in dem Wissen
durchzuführen,
Zieldaten

daß

ihre

zur Verfügung

Weltraumobjekte,
stellen, gegen

einschließlich

einen

jener,

amerikanischen

die

Angriff

unverletzlich sind. Die aus dieser Asymmetrie resultierende Instabilität
bringt die Gefahr nicht wiedergutzumachenden Schadens für die vereinigten
Staaten mit sich. Die Entwicklung eines glaubwürdigen Antisatellitensystems durch die Vereinigten Staaten ist ein notwendiger, integraler Bestandteil dar Maßnahmen, die notwendig sind, um diese Situation zu vermeiden. Daher

ist die Erprobung des MV-Flugkörpers

gegen Objekte im

Weltraum durch die Vereinigten Staaten notwendig, um einen eindeutigen
und nicht wiedergutzumachenden Schaden von der nationalen Sicherheit der
Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten abzuwenden.

3. Auswirkung

auf die Verhandlungen: Die ASAT-Erprobung, die wir

durchzuführen gedenken, folgt mit einem Abstand von über einem Jahrzehnt
dem Einstieg der UdSSR in die Erprobung eines koorbitalen ASAT-Systems,
das eine ganze Zeit lang das einzig einsatzfähige ASAT-System der Welt
gewesen

ist. Die Sowjets haben zudem, wie oben erwähnt, auch andere

Systeme erprobt - und in einigen Fällen disloziert -, denen ASAT-Kapazitäten innewohnen. Die Tatsache des Vorhandenseins solcher sowjetischer
- 12-

�solcher sowjetischer Kapazitäten sowie ihre Erprobung schließen effektiv
die Möglichkeit aus, daß die Erprobung der MV-ASAT durch die Vereinigten
Staaten einen irreversiblen Schritt darstellen.

Außerdem sind wir der Meinung, daß derlei Erprobung einen Anreiz für
die Sowjetunion darstellen kann, zu Abkcmmen über eine ganze Bandbreite
von Themen zu gelangen und sie daher die Aussichten auf einen erfolgreichen Abschluß der laufenden Verhandlungen nicht beeinträchtigen würde.

4. Vereinbarkeit mit dem ABM-Vertrac: Die Erprobung des amerikanischen F-18-MV-ASAT-Systems gegen Objekte im Weltraum durch die Vereinigten Staaten wird dem System nicht die Fäügkeit verleihen, gegen strategische Interkontinentalraketen oder deren Elemente auf ihrer Flugbahn
anzugehen und wird keinen Versuch nach ABM-Art sein. Daher

ist einer

solcher Versuch auch nicht durch den ABM-\'ertrag verboten.

Rüstungskontrolle bei Weltraumwaffen ist ein schwieriger Bereich; ich
hoffe, daß diese Darlegungen dazu beigetragen haben, die Haltung der
Administration hierzu zu erläutern.

- 13-

�37

18. September :,985

BERICHT DES US-AUSSENMINISTERIUMS ÜBER BEKÄMPFUNG DES RAUSCHGIFTHANDELS
- Außenpolitischer Senatsausschuß befaßt sich mit dem
internationalen Drogenproblem WASHINGTON -(AD) - Die Abteilung für internationale Rauschgiftfragen
im amerikanischen Außenministerium hat am 11. September 1983 dem Kongreß
der

Vereinigten Staaten

Jahresbericht

einen halbjährlichen

über die internationale

Ergänzungsbericht

zu dem

Bekämpfung des Rauschgifthandels

zugeleitet. In dem Bericht werden, nach Ländern geordnet, die Bemühungen
der Vereinigten Staaten im internationalen Rahmen dargelegt, mit dem Drogenproblem fertigzuwerden.

Der Außenpolitische Ausschuß des Senats befaßte sich im Zusammenhang
mit dem Bericht mit dem Thema Drogen. Der amerikanische Justizminister
Edwin Meese hob vor dem Ausschuß hervor, daß man den Drogenmißbrauch heute längst nicht mehr als ein amerikanisches Problem ansehen könne, vielmehr herrsche "die weltweite Erkenntnis, daß der Rauschgiftmißbrauch alle
unsere Gesellschaften bedroht". Daher beteiligten sich heute mehr Länder
- selbst Ursprungs- und Transit- sowie Vecbraucherländer - an der Bekämpfung des Rauschgifthandels.
Vor

dem

Ausschuß

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Vor dem Ausschuß nahm auch der Unterstaatssekretär für internationale
Rauschgiftfragen, Jon Thomas, dessen Abteilung den genannten Bericht erstellt hat, zu den Bemühungen um die Losung des Drogenproblems in den
Vereinigten Staaten selbst Stellung. Auch Thomas verwies auf die internationale Zusammenarbeit in diesem Zusammenahng und erklärte, die Reagan-Administration könne erste Erfolge in cer nationalen Strategie für die
Bekämpfung

des

Rauschgifthandels

verbuchen.

Allerdings

seien

weitere

große Anstrengungen auf nationaler und Internationaler Ebene notwendig,
um dem Drogenproblem beizukomen.
Nachfolgend geben wir den Zwischenbericht des amerikanischen Außenministeriums In wesentlichen Auszügen weiter:

LATEINMAMER1KA
Argentinien: Bundespolizei und Zollbehörden
hungen um die Bekämpfung des Rauschgifthandels
koordinierteren Anstrengung, dem einheimischen
genhandel zu begegnen, vor allem der Raffinerie
in den nördlichen Provinzen.

reorganisieien ihre Bemüim Rahmen einer neuen und
und internationalen Dround dem Handel mit Kokain

Belize: Die Vereinigten Staaten haben seit Dezember 1984 einen aktiven Dialog mit Ministerpräsident Esquivo gefünrt, in dem die Vereinigten
Staaten unterstrichen haben, daß die Ausrottung der Pflanzen aus der Luft
die entscheidende Bewährungsprobe für die Verpflichtung Belizes sei, dem
ständig steigenden Cannabisanbau Einhalt zu gebieten. Aber während die
Regierung von Belize wiederholt unterstrichen hat, daß sie sich zur Kontrolle des Rauschgifthandels verpflichtet, haba und die angeforderte amerikanische Anleitung für Ausrottungsmaßnahmen aus der Luft erhalten möchte, hat sie bisher (nach dem Stand vom 30. August) die Ausrottung der Marijuanapflanzen aus der Luft nicht wieder aufgenommen.
Bolivien: Die neue (seit August) Regierung von Präsident Paz Estens-

�Präsident Paz Estenssoro hat schwere wirtschaftliche Probleme und eine
chronische Instabilität geerbt, mit denen frühere Regierungen zu kämpfen
hatten., aber sie hat sich

verpflichtet, mit allem Nachdruck und vorran-

gig gegen den Rauschgifthandel vorzugehen. Bolivien ist weiterhin eines
der beiden Hauptlieferländer von Cocablättern (mit Peru) für den Weltmarkt für Kokain. Die Regierung kann sich auf einen wichtigen Erlaß vom
Mai 1985 stützen, der ein weitreichendes Mandat für die Einschränkung der
Produk- tion und der Vermarktung von illegalem Coca bietet. Damit werden
die Aktivitäten des Jahres 1985 gestärkt, zu denen wichtige Überraschungsunternehmen

und

Beschlagnahmen,

jedoch

nicht

die

Ausrottung

gehören

(Stand August). Die Bolivianer sind sich durchaus darüber iro klaren, daß
die

ame- rikanische Unterstützung

von bestimmten Bedingungen

abhängig

ist, vor allem von der Trennung der geschäftlichen Verknüpfungen.

Brasilien; Die neue zivile Regierung von Präsident Sarney mißt der
Bekämpfung ihrer gesellschaftlich-wirtschaftlichen Probleme überragenden
Vorrang bei, hat aber, trotz strenger Sparmaßnahmen der Entwicklung eines
umfassenden Programmes der Vorbeugung und Bekämpfung ebenfalls hohe Priorität eingeräumt, zu dem auch die Ausrottung der zunehmenden Coca- und
Marijuanaanpflanzungen

gehört. Im Juli

wurde ein neuer Bundesdrogenrat

ins Leben gerufen, um Empfehlungen für die Politik und neue Initativen
auszuarbeiten, und die brasilianische Bundespolizei setzt ihre aggressiven Bekämpfungs- und Ausrottungstätigkei :en fort, einschließlich starker
Unterstützungszusagen für die Operation "Fredrico III" (Coca) und "Operation Satellite" (Marijuana). Die brasilianische Polizei berichtet, daß
sie bis zum Ende der ersten Phase (bis 20. August) über 981 000 Cocabüsche vernichtet hat. Eine zweite Phase soll später in in diesem Monat
(September) anlaufen.

Kolumbien: Als Vorreiter in Lateinamerika setzt Kolumbien sein großes
Programm zur Vernichtung von Marijuana fort, durch das über die Hälfte
der Ernte von 1985 vernichtet werden könnte, während die Forschung auf
dem Gebiet der Herbizide fortgesetzt wird, die die Ausrottung von Cocabüschen aus der Luft erlauben. Die Kolumbianer konnten im Juli von ihrem
Rekordergebnis für einen Monat berichten •• sie sprühten 1 115 Hektar Ma- 3 -

�1 115 Hektar Marijuana. Jüngste Statistiken (Juli) zeigen, daß das höchst
wirksame Marijuana-Vernichtungsprogramm des Jahres 1984 in einigen traditionellen Ge- bieten vom Marijuanaanbau abgehalten hat und viele frühere
Felder aufgegeben wurden. Obwohl auch in anderen südamerikanischen Ländern neue Raffinerieanlagen für Kokain aufgetaucht sind, so bleibt Kolumbien doch die Hauptquelle für die Raffinerie von Kokain, das in die Vereinigten Staaten und auf die europäischen Märkte exportiert wird. Die
Staatspolizei hat ihre Razzien verstärkt, die auf Händler, ihre Boote und
Flugzeuge wie auf ihre Laboratorien abzielen, die zusammen mit zahlreichen Landebahnen zerstört wurden. Kolumbien hat sechs Personen unter der
Anklage von Rauschgifthandel an die Vereinigten Staaten ausgeliefert die Vereinigten

Staaten haben einen Amerikaner ausgeliefert, was eine

deutliche Demonstration ihrer Verpflichtungen unter der Betancur-Administration darstellt, den Rauschgifthandel unter Kontrolle zu bringen. Bis
Mitte des Jahres (1985) machte Kolumbien gute Fortschritte in seinem Parallelprogramm der Zusammenarbeit und Koordination mit seinen Nachbarländern; dazu gehören ein Auslieferungsabkonmen mit Venezuela, ein multinationales Funknetz für die Strafverfolgungsbehörden, ein gemeinsames Vernichtungsprogramm mit Ecuador und eine erfolgreiche Strafverfolgung über
die Grenzen hinweg mit Peru. Im Sommer erörterten kolumbianische und amerikanische Behörden mehrere mögliche neue Initativen, um die destabilisierenden Wirkungen dieser verschiedenen Druckmaßnahmen auf die Netze der
Hand- 1er auf ein Höchstmaß zu steigern.

Costa Rica: Die Kenntnisse von zunehmenden Kokaintransporten durch
Costa Rica, wie auch die Entdeckung großangelegter Marijuanapflanzungen
im Lande und die Publizität, die der kurzfristige Unterschlupf mexikanischer Rauschgifthändler in San Jose gefunden hat, haben die Empfindlichkeit der Öffentlichkeit und der Strafverfolgungsbehörden für die Notwendigkeit

der Kontrolle des Rauschgifthandies geschärft. In den letzten

sechs Monaten konnten 60 Hektar mit Marijuana vernichtet werden, die eine
Ernte von 120 Tonnen Marijuana geliefert hätten.

Ecuador: Das verstärkte Programm, das die Regierung Febres Corderos
in Angriff genommen hat, könnte für die Vernichtung und Beschlagnahme von
- 4 -

�Beschlagnahme von Rauschgift im Jahre 1985 neue Rekorde aufstellen. Im
Rahmen der Kampagne wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres 1985
rund 230 Hektar Coca vernichtet, und das Programm schließt jetzt gemeinsame Maßmahmen mit Kolumbien ein. Durch diese gemeinsame Anstrengung wurden in den ersten Monaten seiner Durchführung bereits 66 Hektar Coca vernichtet und 13 Laboratorien zerstört.

Mexiko; Die Regierung hat wesentliche Veränderungen bei ihren Strafverfolgungs- und Sicherheitskräften vorgenommen, einschließlich von personellen Veränderungen an der Spitze des Justizministeriums, das in erster Linie für die Ausrottung des Drogenhandels und die Strafverfolgung
zuständig ist. Diese Veränderungen wurden zum Teil durch das harte Sparprogramm Mexikos, aber auch durch erneute Zusicherungen von Präsident de
la Madrid ausgelöst, die Einsatzbereitschaft und Wirksamkeit des mexikanischen Rauschgiftbekämpfungsprogramms zu stärken, nachdem im Februar der
Agent Camarana der Amerikanischen

Rauschgiftbekämpfungsbehörde DEA

(im

US-Justizministerium) getötet worden war und Beweise für Korruption in
amtlichen Kreisen offenkundig wurden, wie auch für die verstärkte Produktion von Opium und Marijuana. Aus Mexiko kommen weiterhin rund ein Dritte L der amerikanischen Heroineinfuhren und ein steigender Anteil der Mari.juanaimporte. Mexiko ist auch ein Hauptransitland für Kokain geworden.
Drei der wichtigsten Händler des Landes wurden im Zuge der Untersuchung
nach dem Tode Camarenas verhaftet, und zu der Reorganisation des Rauschgif tkontrollprogramms gehört auch die Zustimmung zu Überwachungen aus der
Luft und Beobachtungsprogrammen aus der Luft mit amerikanischer Hilfe,
die die Wirksamkeit der Kontrolle des Anbaus von Kapselmohn und Marijuana
wieder herstellen sollen. Der amerikanische Justizminister Meese, Unterstaatssektretär Thomas und der Leiter des Amtes für die Bekämpfung des
Rauschgifthandels (DEA) (im US-Justizministerium), Lawn, trafen im August
mit dem mexikanischen Justizminister und anderen Regierungsvertretern zusammen, um eine Verstärkung der Zusammenarbeit zu besprechen.

Panama; Die Regierung hat im September Sprühoperationen gegen Marijuanapflanzungen zugestimmt, die über bisherige Erwartungen hinausgehen
dürften. Panama ist auch in Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten
- 5 -

�Vereinigten Staaten über ein gegenseitiges Rechtshilfeabkommen eingetreten, das zu den amerikanischen Anstrengungen zählt, der Geldwäsche von
Gewinnnen aus dem Rauschgifthandel Einhalt zu gebieten. Ferner fand eine
Zusammenarbeit bei Razzien statt, die zu einer Beschlagnahme von Rauschgift und chemischen Aufbereitungsmitteln führten.

Peru:

Die Operation Condor, eine erfolgreiche Anstrengung zusammen

mit kolumbianischen und amerikanischen Strafverfolgungsbehörden, ist das
erste Beispiel

für die Zusage des neuen peruanischen Präsidenten Alan

Garcia, der Herstellung von und dem Hancel mit Rauschgift in diesem Andenstaate - der zu den beiden Hauptlieferanten von Cocablättern gehört,
den Weltmarkt mit Kokain beliefern - Einhalt zu gebieten. Bis Ende August
wurden über 2 400 kg von Kokainbasis und Kokainpaste sowie Aufbereitungschemikalien und Geräte beschlagnahmt. Die neue Regierung hat 37 Generäle
der Polizei entlassen und dürfte über 200 Oberste und andere Offiziere
aus dem Dienst entfernen. Die Ausrottung von Coca ging in den letzten Monaten

der

Belaunde-Regierung

trotz erneuter

Gewalttätigkeiten

weiter,

aber die Beschlagnahmungen gingen wegen der Aktivitäten der Terroristen
stark zurück, nachdem die Regierung das Obere Huallaga-Tal zum Notstandsgebiet erklärt hatte und das peruanische Militär seinen Kampf gegen das
Rauschgift einschränkte.

Venezuela: Präsident Lusinchi hat seine führende Rolle im Kampf gegen
den Rauschgifthandel im internationalen Rahmen beibehalten, indem er sich
für Lösungen einsetzt, die zu Überlegungen für eine neue internationale
Konvention

gegen

den Rauschgifthandel

führen und in nationalem

Rahmen

durch eine verstärkte Kampagne gegen den Drogenhandel. Zu den Strafverfolgungsmaßnahmen gehören die Schaffung einer 100 Mann starken Drogenbekämpfungseinheit der Nationalgarde sowie die Reorganisation der Staatspolizei.

DIE KARIBIK
Bahamas;

Die

bedeutsamste

gemeinsame
- 6 -

Anstrengung

der

Vereinigten

�der Vereinigten Staaten und der Bahamas wurde in diesem Jahr unter der
Bezeichnung "Blauer Blitz" eingeleitet. Die Beschlagnahmungen von Kokain
beliefen sich in den ersten sechs Monaten auf insgesamt 4 332 Pfund. Die
Regierung Findling steht unter starkem Druck, wirksame Maßnahmen zu ergreifen, ein Druck, der aus monatelangsn Untersuchungen

über amtliche

Verbindungen sowie der zunehmenden Kokainsucht auf den Bahamas entstand.
Die von den Vereinigten Staaten unterstützte Operation auf den Bahamas
ist weiterhin erfolgreich und führte in diesem Jahr zur Beschlagnahme von
fast 130 Tonnen Marijuana und drei Tonnen Kokain.

Jamaica:: Die Regierung Seaga hat in cen ersten sechs Monaten des Jahres 1985 beträchtliche Fortschritte erzielt, den Marijuanaanbau und den
Drogenhandel zu bekämpfen. Die Berichte über Vernichtungen lassen erkennen, daG in den letzten sechs Monaten mehr Marijuana ausgerottet wurde
als im ganzen Jahr 1984. Eine Überprüfung aus der Luft hat ergeben, daß
beträchtlich weniger Marijuana angebaut wurde als erwartet. Die Schätzungen der Frühjahrsernste dürften zu hoch gewesen sein und das Ausrottungsprogramm beginnt Wirkung zu zeigen. Die Herbstvernichtungskampagne beginnt im September und die Vereinigten Staaten werden wieder bei der
Luftaufklärung

des Marijuanaanbaus

urter einer neuen Befehlsstruktur

behiLflich

sein. Die erst

reorganisierten Behörden von Jamaica

haben zwei große Gruppen von Rauschgifthändlern
weiter

kürzlich

festgenommen und haben

Landepisten von Rauschgifthändlern zerstört und große Beschlag-

nahmungen vorgenommen.

SÜDWESTASIEN

Indien: Es herrscht weiter Besorgnis über das potentiell gefährliche
Anwachsen der gesetzlich erlaubten Opiumvorräte im Lande wie auch über
den Transit von Heroin aus Pakistan und Burma sowie die Lieferungen von
Aufbereitungschemikalien an Heroinlaboratorien im Goldenen Dreieck. Als
Antwort darauf bildete die Regierung Gandhi eine neue Strafverfolgungsbehcrde und plant eine Verschärfung

der einschlägigen Gesetze. Die Be-

schlagnahmungen von Heroin sind im Jahre 1984 gestiegen und dürften neue
- 7 -

�dürften neue Höchststände erreichen.

Pakistan:

Wenn

die

Opiumproduktion

auch

unter

den

historischen

Höchstständen bleibt und die Regierung Zia ihr Verbot von Opium ausdehnt,
so bleibt Pakistan doch ein wichtiger Lieferant von Opium und ein wichtiges Herstellungs- und Exportland von Morphiumbasen und gereinigtem Heroin. Ein beträchtlicher Teil des Opiumhandels kommt aus Afghanistan. Pakistan, das in zunehmenden Maße unter Heroinsucht leidet, hat begonnen,
seine Maßnahmen zur Bekämpfung des Rauschgifthandels zu verschärfen. In
der ersten Hälfte des Jahres 1985 wurde \/on großen Beschlagnahmungen von
Opium und Heroin berichtet und auch einige wichtige Heroinlaboratorien
zerstört.

Syrien: Den amerikanischen Behörden ist keine Produktion von Rauschgift in Syrien bekannt, aber der Transithandel durch dieses Land hält unvermindert an. Die Regierung berichtet zwar von umfassenderen Bemühungen
zur Bekämpfung des Drogenhandels, aber das syrische Militär im Libanon
hat keine Verbindung mit der Rauschgiftpolizei und dürfte eher den Transithandel durch den Libanon erleichtern und fördern.

Türkei: Die Regierung geht weiterhin wirksam gegen die verbotene Abzweigung aus ihrer gesetzlich erlaubten Opiumerzeugung vor und hat ein
besonderes Polizeiprojekt

ausgearbeitet, um dem Rauschgiftschmuggel in

den bergigen Ostprovinzen Einhalt zu gebieten.

SUDOSTASIEN
Burma: Das Programm der Regierung, um die größte illegale Opiumproduktion der Welt einzudämmen, dürfte in diesem Herbst durch ein Programm
zur vollständigen Ausrottung neuen Auftrieb erfahren. Weil Gruppen von
Aufständischen, vor allem die Kommunistische Partei Burmas und die Vereinigte Shan-Armee, einen großen Teil des Gebietes kontrollieren, in dem
Opium hergestellt wird, plant die Regierung Vernichtungsmethoden aus der
Luft, durch die der Mohn ausgerottet wird. Die Produktion dürfte im Jahre
- 8 -

�im Jahre 1985 auch zurückgehen, weil in vielen Gebieten schlechtes Weter
herrschte. Die Regierung führt weiterhin militärische Razzien gegen die
Hauptquartiere und die Laboratorien der Händler durch.

Hongkong: Die Regierung von Hongkong setzt ihre Bemühungen zur Bekämpfung des Rauschgifthandels nachhaltig

fort. Der kürzliche Rückgang

des Preises von Heroin im Straßenhandel könnte bedeuten, da3 mehr Heroin
exportiert

wurde, aber Regierungsvertreter

aus Hongkong

weisen

darauf

hin, daß keine Eeweise dafür vorliegen, daß Heroin in bedeutsamen Mengen
exportiert Mjrde. Ein kürzliches Urteil des Obersten Gerichtshofes erlaubt es disr Regierung

von Hongkong, Pngeklagte in Rauschgiftdelikten

auszuliefern.

Indonesien: Die Regierung von Präsident Suharto, die sich offensichtlich zunehmende Sorgen über den Transithandel mit Drtgen, über die steigende Produktion von Marijuana im eigenen Lande und über die Heroinsucht
in Indonesien macht, behandelt den Drogenmißbrauch als langfristige Bedrohung der gesellschaftlchen Stabilität. Die Regierung gab im Mai die
Reorganisation der Leitung der Rauschgiftpolizei des Landes bekannt. Eine
Kampagne gegen Händler und sonstige Gesetzesbrecher führte zur Verhaftung
von Polzeibaamten, die im Rauschgifthandel steckten und es wurden harte
Urteile, vor allem gegen Heroinhändler, ausgesprochen.

Laos: Über die Rauschgiftherstellung in Laos ist wenig bekannt und
die Regierung des Landes behauptet, daß die illegale Produktion und der
illegale Verbrauch unter Kontrolle stünden.
Malaysia: Die Regierung betrachtet den Rauschgifthandel als eine Bedrohung der nationalen Sicherheit und fördert weiterhin Aktivitäten der
Vereinten Nationen und der anderen ASEAN-Mitglieder zur Drogenbekämpfung
und sucht gleichzeitig ihre eigenen Anstrengungen auf diesem Gebiet zu
intensivieren. Malaysia, das über den Mangel an politischem Willen seiner
Nachbarn zur Bekämpfung des Rauschgifthandels besorgt ist, hat eine diplomatische Initiative ins Leben gerufen, um auch die Führer anderer Länder der Region auf diese Gefahren hinzuweisen.
Philippinen:
- 9 -

Das

�Philippinen: Das Programm der Regierung zur Ausrottung von Marijuana
hatte im Jahre 1984 seinen bisher größten Erfolg, aber der Anbau ist noch
immer weit verbreitet und die Philippinen sind ein Marijuanalieferland
für Südostasien, Japan, Australien und die Vereinigten Staaten.
Thailand: Die jüngste Einschätzung der Opiumernte 1984-85 in Thailnad
zeigt, daß das Anbaugebiet größer geworden ist, daß aber aufgrund ungünstiger Wetterbedingungen sowie verstärkter Vernichtungsoperationen durch
thailändische Einheiten weniger Opium produziert wurde. Thailand will
sein Konzept des "kontrollierten Dorfes" weiter ausdehnen, in dessen Rahmen die Dorfbewohner sich verpflichten, kein Opium anzubauen und dafür
wirtschaftliche Unterstützung für das Do:f erhalten. Thailand setzt auch
seine Anstrengungen zur Ausrottung von Marijuana fort, in deren Rahmen in
drei Monaten bis Ende Januar 1985 über 1500 Tonnen Marijuanapflanzen vernichtet wurden. Sondereinheiten setzten ihre Operationen gegen Drogenhändler in den Grenzgebieten fort und haben große Lieferungen beschlagnahmt.

AFRIKA
ÄGYPTEN: Trotz verbesserter Überwachung durch die ägyptische Regierung werden weiterhin Opium und Haschisch aus dem Libanon und aus Pakistan nach 'Ägypten eingeführt. Ägypten bleibt ein Transitgebiet für Heroinlieferungen an Drittländer, und es besteht große Besorgnis, daß in
Ägypten selbst Heroinlaboratorien entstehen könnten.
Marokko: In einigen Gebieten ist de:? Anbau von Rauschgift - hauptsächlich Haschisch - für den Export nach Europa eine der Hauptwirtschaftstätigkeiten. Die Rauschgitftbekämpfungsanstrengungen der Regierung
konzentrieren sich auf die Exporte. Die Regierung scheut vor der direkten
Konfrontation mit den Anbauern in Gebieten zurück, in denen historisch
und noch heute die Regierung große Schwierigkeiten hatte und hat, ihre
volle Autorität geltend zu machen. Damit sieht es so aus, als ob der
- 10 -

�als ob der Stand des Anbaus und des Mißbrauchs für die nächste Zukunft
einigermaßen gleich bleiben wird.

SONSTIGE LÄNDER

Wie es in dem öffentlichen Gesetz Ni. 86-164 vorgesehen ist, befaßt
sich dieser Bericht hauptsächlich mit den Haupterzeugerländern, in denen
Rauschgift angebaut und gereinigt wird. Die amerikanische Regierung beteiligt sicn jedoch aktiv an Untersuchungen und unterstützt Bemühungen
vieler Transitländer, dem Schmuggel mit verbotenen Drogen Einhalt zu gebieten.

Die amerikanische Regierung steht in Verbindung mit mehreren Ländern,
die in diesem Bericht nicht aufgeführt sind, wie beispielsweise Haiti,
Paraguay, der Dominikanischen Republik, Honduras, Guatemala und anderen.
Die amerikansiche Regierung befaßt sich auch mit anderen Aspekten des
Rauschgifthandels, wie etwa der Untersuchung von Geldwäsche, und hat immer Abkommen über finanzielle Informationen angestrebt, wie etwa das vorjährige Abkommen mit den Cayman-Inseln.

Und die amerikanische Regierung beobachtet weiterhin verdächtige Tätigkeiten von Regierungsvertretern

in vsrschiedenen Ländern und selbst

von Regierungen wie in Kuba, Nicaragua und Bulgarien. Es hat in jüngster
Zeit

wichtige

Kontakte

von

Vertretern

des

Außenministeriums

und

der

Rauschgiftbehörde mit den Bulgaren gegeben, um Situationen zu beseitigen,
in denen amtliche Regierungsstellen und Regierungvertreter nach Berichten
in den Rauschgifthandel verwickelt waren.

Und das amerikanische Außenministerium verfolgt auf der ganzen Welt
Berichte über mögliche Verwicklungen terroristischer Gruppen und anderer
politische

Aufständischer, die den Rauschgifthandel

etwa benutzen, um

ihre Aktivitäten, einschließlich ihrer Waffenkäufe, zu finanzieren.
* * * * *

- 11 -

�18. September 1985

37

"TITANIC" NACH 73 JAHNEN GEFUNDEN
- US-Technologie hilft Objekte

-

n der Tiefsee orten -

(AD) - Die genaue Position des "T Ltanic"-Wracks, das ca. 400 See-

meilen südöstlich von Neufundland auf dem Grund des Nordatlantik liegt,
wollte Dr. Robert D. Ballard nicht preise eben. Der leitende Wissenschaftler für Tiefseeprojekte der "Woods Hole Oceanographic Institutions", Massachusetts, und seine Kollegen möchten vorhindern, daß der vor 73 Jahren
auf seiner Jungfernfahrt untergegangene Luxusdampfer jetzt von Souvenirjägern zur Geschäftemacherei ausgeschlachtet wird. Die Welt solle die Ruhe der mehr als 1500 Toten respektieren, meinte Ballard auf einer Pressekonferenz am 11. September 1985. Von den 2200 Passagieren, die sich damals an Bord der Schiffes befanden, waren nur knapp 700 gerettet worden.

Das Schicksal des als unsinkbar geltenden modernsten Schiffes seiner
Zeit, und das seiner vielen prominenten Passagiere hat seit dem Unglückstag, dem 10. April 1912, für Menschen in aller Welt eine besondere Faszination. Dokumentierte Funksprüche und Belichte von Überlebenden lieferten
immer wieder Stoff für realistische oder auch mehr oder weniger phanta-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�weniger phantasievolle Schilderungen der Stunden und Minuten vor und nach
der Katastrophe. Der 353 m lange Ozeanriese war mit einem Eisberg kollidiert. Dabei wurde eine Seitenwand

aufgeschlitzt. Zweieinhalb Stunden

später versank die "TITANIC" in den kalten Fluten. Das Meer ist dort etwa
4 000 m tief.

Technisch gut vorbereitete, aber ebenso auch abenteuerliche Versuche,
das Wrack der "TITANIC" zu orten gab es in den vergangenen sieben Jahrzehnten zur Genüge, immer wieder ohne Efolg. Es gelang schließlich Anfangs September 1985, und zwar amerikanischen und französischen Wissenschaftlern in einer Zusammenarbeit von Bord der Forschungsschiffe "KNORR"
und "SUROIT". 13 Experten des amerikanischen Laboratoriums trafen im August in dem als Ort der Katastrophe vermuteten Seebereich mit ihren französischen Kollegen zusammen, die seit Wochen von der "SUROIT" aus das Gebiet sondiert hatten. Die "SUROIT" ist Expeditionsschiff eines Instituts
in Paris. Mit modernsten Spezialgeräten und Instrumenten suchten die Forscher nach Anhaltspunkten für Überreste der "TITANIC".

Wie John Lehman, Staatssekretär für die US-Marine, am 11. September
auf einer Pressekonferenz am Sitz der "National Geographie Society" in
Washington bemerkte, zeigte die Auffindung des Wracks, welche Bedeutung
die bis vor kurzem noch unzugängliche Tiefsee für Kultur- und Wirtschaf tsgüter der Welt besitze. Dank neuer Techniken würden Möglichkeiten
eröffnet, selbst Schiffswracks aus der Antike samt ihrer Ladung zu orten,
vielleicht sogar zu bergen. Mineralstoffe am Meeresgrund aufzufinden und
abzubauen zähle zu den wichtigen Industrieprojekten der Zukunft.

Der Meeresgeologe Dr. Ballard erläuterte den Journalisten die Techniken der Unterwassersondierungen mit Sonar-Echolot, Scheinwerfern und Kameras. Die Instrumente werden auf einem schlittenähnlichen Gerät, ARGO,
zum Meeresboden abgesenkt, das mit einem dicken Stahlkabel mit dem Schiff
verbunden bleibt. In dem Kabel befinden sich die Versorgungsleitungen zur
Fernsteuerung des Tiefseeschlittens und seiner Instrumente. ARGO, fast
fünf Meter lang und mehr als zwei Meter breit, wird normalerweise zur Ermittlung der Unterwasser-Topographie und zum Vermessen von Erhebungen und
Spalten benutzt. Sobald die Echolotdaten der seitlich ihre Signale aus-

�Signal aussendenden Sonar-Instrumente et^as Interessantes vermuten lassen, können die Fernsehkameras auf das Objekt eingestellt werden. Ihre
Aufnahmen erscheinen sofort auf Bildschicm an Bord der "KNORR"; gleichzeitig werden sie von Computern erfaßt unü, zur Verbesserung der Bildwerte, aufbereitet. Sei geben dem Wissenschaftler eine Möglichkeit zur direkten "Sicnt" auf den Meeresboden. ARGO kann bis in Bereiche von mehr
als 6 00 m unter dem Wasserspiegel operieren. Gerät samt Instrumente halten dem gewaltigen Druck in dieser Tiefe stand.

Die französischen Wissenschaftler hatten durch Eingrenzung des Katastrophenortes mit ihrem neuartigen Sonarsystem SAR ganz wichtige Vorarbeit geleistet. Nun konnte die "KNORR", so Ballard, sich mit ARGO auf einen bestimmten Bereich von Sanddünen in dar Nähe eines gigantischen Tiefseegrabens konzentrieren. Als schließlich die ARGO-Kameras die Aufnahme
von einem der Kessel der "TITANIC" nach oben schickten, wußte man an Bord
der "KNORR", daß das Unglücksschiff gefunden war.
Fünf Tage brauchten die Wissenschaftler, um die Videobänder mit den
Aufnahmen der Fernsehkameras fertigzustellen. Gleichzeitig wurde ein weiterer Unterwasser-Roboter, ANGUS, auf das Objekt angesetzt, um Farbaufnahmen auf 35 mm-Film zu machen.

Bei den Bildern handle es sich nicht um Nahaufnahmen, sagte Ballard.
Umso erstaunlicher sei, wieviele Einzelheiten sie erkennen ließen, ja daß
sie überhaupt in solcher Tiefe gemacht werden konnten. Sie zeigen in erster Linie den Bugbereich. Die "TITANIC" sei nicht gekippt, sondern liege
aufrecht auf dem Meeresgrund, auf einigen Bildern seien Teile des Hecks
erfaßt, das vom sinkenden Schiff losbrach.
Die Entwicklung des ARGO-Systems begann 1982, dürfte aber erst 1988
abgeschlossen sein. Kostenpunkt: ca. 2,8 Millionen Dollar. Wie Dr. Ballard erklärte, sei man bemüht, vorhandene Techniken optimal zu kombinieren, anstatt völlig neue Verfahren zu entwickeln. Im Dezember 1985 werde
man im Pazifik mit ARGO einen 190 km langen Abschnitt der viele Tausende
von Kilometern umfassenden Unterwasser-Bergketten der Weltmeere untersu-

�Weltmeere untersuchen. Sie bedecken, soweit man bisher weiß, 20 Prozent
der Erdoberfläche. Die bevorstehende Expedition sei der erste umfassende
Versuch, sich ein Bild vom Aussehen und der Beschaffenheit der Abhänge
eines Tiefseegebirges zu machen. Möglicherweise lassen sich mit ARGO auch
weitere Hinsweise auf Lebewesen finden, wie sie von heißen Quellen in der
Tiefsee entdeckt worden sind.

Im nächsten Jahr beabsichtigt Dr. Ballard, mit dem bemannten Tiefsee-Forschungs-Unterseeboot

"ALVIN" die

"TITANIC" noch einmal aufzusu-

chen, um das Wrack direkt zu inspizieren. Außerdem sollen weitere Aufnahmen mit Hilfe unbemannter Geräte gemacht werden, die sich im Meeresforschungslabor Woods Hole noch in der Entwicklung befinden.

* * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Interview von Botschafter Burt mit dem Sender Freies Berlin&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA um Verhinderung eines Wettrüstens im Weltraum bemüht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Anhörung von ACDA-Direktor Adelman -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bericht des US-Außenministeriums über Bekämpfung des Rauschgifthandels&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Außenpolitischer Senatsausschuss befasst sich mit dem internationalen Drogenproblem -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"TITANIC" nach 73 Jahren gefunden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Technologie hilft Objekte in der Tiefsee orten -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>W^H

nrormotion
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

11. September 1985

36

INHALT

INFORMATION
Regan kündigt Maßnahmen gegen Südafrika an
- Erklärung des Präsidenten und Schreiben an den Kongress DOKUMENTATION
Dokumentation des Weißen Hauses zur Südafrikapolitik der USA

HINTERGRUND
Die Sandinisten und die Radikalen im Nahen Osten
- Bericht des US-Außenministeriums -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Weltraumplattform für Industrie und Forschung
- Erste Außenstation soll 1989 gestartet werden -

* * * * *

Um Ubei/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel-: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�11. September L985

36

REAGAN KÜNDIGT MASSNAHMEN GEGEN SÜDAFRIKA AN
- Erklärung des Präsidenten und Schreiben an den Kongreß -

WASHINGTON -(AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 9. September Maßnahmen gegen die Regierung von Südafrika angekündigt, die gegen die
Apartheid abzielen. Reagan unterzeichnete einen Präsidialerlaß, durch den
unter anderem die Lieferung von Computern, Nuklearexporte und Kredite an
die südafrikanische Regierung eingeschränkt werden. Auch die Einfuhr der
südafrikanischen Goldmünze Krügerrand
möglicherweise

in die Vereinigten Staaten soll

unterbunden werden. In einem Schreiben an den Kongreß

unterrichtete der Präsident diesen von den getroffenen Maßnahmen. Die
Politik der südafrikanischen Regierung, so heißt es in dem Schreiben,
"stellt

eine

außergewöhnliche

und

außerordentliche

Bedrohung

der

Außenpolitik und der Wirtschaft der Vereinigten Staaten dar".

Der Präsident betonte anläßlich der Unterzeichnung seines Erlasses,
daß er gegen ein Gesetz des Kongresses über Wirtschaftssanktionen - in
der vorliegenden Form - sein Veto einlegen würde, weil es genau den
Bevölkerungsgruppen

in Südafrika schaden würde, denen die Vereinigten

Staaten helfen wollten. Die von ihm angeordneten Maßnahmen dienten am
besten dem Ziel der Vereinigten Staaten, dort die Apartheid abzuschaffen

und zur Förderung

Hosttacn 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�und zur Förderung von Frieden und Gerechtigkeit im Lande beizutragen.
Die Erklärung des Präsidenten anläßlich der Unterzeichnung des Präsidialerlasses hat folgenden Wortlaut:

Ich möchte heute morgen über Südafrika sprechen - über das, was Amerika tun kann, um dazu beizutragen, Frieden und Gerechtigkeit in jenem so
von rassischen Konflikten geplagten und heimgesuchten Land zu fördern.

Das System der Apartheid bedeutet bewußte, systematische und institutionalisierte rassische Diskriminierung, die der schwarzen Mehrheit ihre
gottgegebenen Rechte verweigert. Die Einstellung Amerikas zur Apartheid
ist einfach und klar: Wir glauben, daß sie falsch ist. Wir verurteilen
sie. Wir sind vereint in der Hoffnung, daß der Tag kommen wird, an dem es
keine Apartheid mehr gibt.

Unser Einfluß auf die südafrikanische Gesellschaft ist begrenzt. Aber
wir haben einigen Einfluß, und die Frage ist, wie wir ihn nutzen. Viele
Mfinschen guten Willens in diesem Lande haben andere Ansichten. Nach meiner Auffassung müssen wir auf friedliche Entwicklung und Reform hinarbeiten. Unser Ziel kann nicht sein, Südafrika mit wirtschaftlichen Sanktionen zu strafen, die nur genau jene Menschen treffen würden, denen wir
helfen wollen.
Ich glaube, daß wir all jenen helfen müssen, die sich friedlich der
Apartheid widersetzen, und wir müssen uns darüber im klaren sein, daß
jene Gegner der Apartheid, die Terror und Gewalt anwenden, nicht Freiheit
und Rettung, sondern noch mehr Leiden und noch größere Chancen für einen
erweiterten sowjetischen Einfluß in Südafrika und in der ganzen Region
bringen werden.

Was wir in Südafrika erleben, ist der Anfang eines Wandlungsprozesses. Die bisherigen Änderungen in der Politk sind unzureichend - aber
ironischerweise genügten sie, um Erwartungen zu wecken und Forderungen
nach

weiterreichendem

sofortigen

Wandel

hervorzurufen.

Es

ist

die

�hervorzurufen. Es ist die wachsende wirtschaftliche Macht der schwarzen
Mehrheit, die sie in die Lage versetzt hat, auf politischem Wandel zu
bestehen.

Südafrika ist kein totalitärer Staat. Es gibt eine heftige Oppositionspresse. Jeden Tag erleben wir deutliche Proteste und Zugang zu den
internationalen Medien, der in vielen Teilen Afrikas - oder im übrigen
auch in der Sowjetunion - niemals möglich wäre. Aber es ist unser aktives
Engagement - unsere Bereitschaft, es zu versuchen -, die uns Einfluß verleiht.

Jawohl, wir in Amerika haben - aufgrund dessen, was wir sind und für
was wir einstehen - Einfluß, um Gutes J:U tun. Wir haben auch gewaltige
Möglichkeiten, die Dinge zu verschlechtern. Bevor wir schicksalsschwere
Schritte unternehmen, müssen wir gut über die entscheidende Frage nachdenken: Tragen wir zur Änderung des Systems bei? Oder strafen wir die
Schwarzen, denen wir helfen wollen?

Seit vielen Administrationen bestand die amerikanische Politik darin,
unseren Einfluß und Hebelkraft gegen die Apartheid und nicht gegen unschuldige Menschen zur Geltung zu bringen, die selbst Opfer der Apartheid
sind.

Wenn wir unserem Erbe treu bleiben wollen, dann dürfen wir nicht
aufgeben, sondern müssen zupacken; unsere Hilfe für das Bildungswesen der
Schwarzen und die Gemeinschaftsentwicklung, die den politischen Dialog
erfordert, ausweiten; die Südafrikaner aller Rassen aufrufen, die Chance
für eine friedliche Anpassung zu nutzen, ehe es zu spät ist.

Ich achte und teile die Ziele, die viele Mitglieder des Kongresses
bewogen
Apartheid

haben, eine Botschaft der
auszusenden. Aber

amerikanischen

wenn wir

das

Besorgnis über die

tun, dann dürfen

wir

das

wirtschaftliche Wohlergehen von Millionen von Menschen in Südafrika und
im südlichen Afrika nicht schädigen. Wenn wir wirklich - wie ich es tue eine

überparteiliche

Basis

des

Konsenses

in

der

Unterstützung

der

�Unterstützung der amerikanischen Politik schaffen wollen, dann ist dies
die Basis, auf der wir aufbauen können.

Deswegen unterzeichne ich heute einen Präsidialerlaß, der ein Paket
von Maßnahmen

aulösen wird, die gegen die Maschinerie der Apartheid

gerichtet sind und ein klares Ziel haben, ohne wahllos jene Menschen zu
bestrafen, die selbst Opfer dieses Systems sind - Maßnahmen, die die
Vereinigten Staaten von der Apartheid distanzieren und uns positiv mit
friedlichem Wandel verbinden werden.

Zu diesem Schreiben gehören:

- ein Verbot aller Computer-Exporte, die mit der Durchsetzung der
Apartheid zu tun haben und an die Sicherheitskräfte;

- ein Verbot des Exportes von nuklearen Gütern oder Nukleartechnologie an Südafrika, außer zur Gewährleistung der Durchführung von Sicherheitsbestimmungen

der

Internationalen

Weiterverbreitung

(von

Kernwaffen)

oder

Atomenergiebehörde
soweit

sie

gegen

die

aus: humanitären

Gründen notwendig sind, um Gesundheit und Sicherheit zu schützen;,

- ein Verbot von Anleihen an die südafrikanische Regierung, außer
bestimmten Krediten, die die wirtschaftlichen Chancen oder Bildungs-,
Wohnungs- und Gesundheitseinrichtungen betreffen, die Südafrikanern aller
Rassen zugänglich sind.

Ich werde ferner den Außenminister und den Vertreter der Vereinigten
Staaten für Handelsfragen anweisen, sich mit unseren wichtigen Handelspartnern bezüglich des Verbotes der Einfuhr von Krügerrands zu konsultieren. Ich werde auch den Finanzminister anweisen, mir innerhalb von 60
Tagen über die Durchführbarkeit der Prägung einer amerikanischen Goldmünze zu berichten, die

für unsere Münzsammler

eine Alternative zum

Krügerrand darstellen würden.

Ich

möchte

die

�Ich möchte die laufenden Tätigkeiten unserer Regierung und privater
amerikanischer Bürger ermutigen, den Lebensstandard der schwarzen Mehrheit in Südafrika zu heben. Der Sullivan-Kodex - von einem geachteten
schwarzen Geistlichen aus Philadelphia, Reverend Leon Sullivan, ausgearbeitet - hat die höchsten Normen für die Behandlung von Arbeitskräften
für fortschrittliche Arbeitgeber in ganz Südafrika aufgestellt. Ich rufe
alle amerikanischen Unternehmen auf, sich an diese Normen zu halten, und
ich habe den amerikanischen Botschafter in Südafrika angewiesen, alle nur
möglichen Anstrengungen zu unternehmen, die Unternehmen, die sie - die
Sullivan-Prinzipien - noch nicht eingeführt haben, dies zu tun.

Darüber

hinaus wird

mein

Präsidialerlaß jegliche Exporthilfe für

amerikanische Firmen in Südafrika verbieten, die mehr als 25 Personen
beschäftigen und sich nicht bis Ende dieses Jahres an die umfassenden
Prinzipien für die faire Behandlung von Arbeitskräften halten, die im
Erlaß dargelegt sind.
Ich habe weiter den Außenminister angewiesen, die Mittel wesentlich
zu erhöhen, die wir als Stipendien für Südafrikaner bereitstellen, die
durch die Apartheid benachteiligt sind, sowie der Mittel, die unsere
Botschaft einsetzt, um Menschenrechtsprogramme in Südafrika zu fördern.

Und schließlich habe ich Außenminister Shultz angewiesen, einen Beratungsausschuß prominenter

Amerikaner

einzusetzen, um Empfehlungen

für

Maßnahmen auszuarbeiten, um den friedlichen Wandel in Südafrika zu ermutigen. Der Beratungsausschuß soll seinen ersten Bericht innerhalb von
12 Monaten vorlegen.

Ich bin überzeugt, daß die heute von mir verkündeten Maßnahmen unsere
Ziele am besten fördern werden. Wenn der Kongreß mir die Gesetzesvorlage
in der vom Vermittlungsausschuß gebilligten Form zur Unterzeichnung vorlegen sollte, dann wäre ich gezwungen, mein Veto einzulegen. Das braucht
nicht zu geschehen, ich möchte mit dem Kongreß zusammenarbeiten, um die
überparteiliche Unterstützung der amerikanischen Politik gegenüber

�Politik gegenüber Südafrika zu fördern. Aus diesem Grunde habe ich heute
diesen Präsidialerlaß unterzeichnet.

Vor

drei

Monaten

habe

ich

unseren

Botschafter

in

Südafrika

zu

Konsultationen zurückberufen, damit er an der intensiven Überprüfung der
Lage im südlichen Afrika teilnehmen konnte, die wir durchgeführt haben.
Ich sende ihn jetzt wieder zurück mit einer Botschaft an Staatspräsident
Botha, in der unsere schweren Bedenken hinsichtlich der gegenwärtigen
Krise unterstrichen werden und die das enthält, was nach unserer Beurteilung notwendig ist, um das Vertrauen nach außen wiederherzustellen und im
eigenen Land von der Konfrontation zu Verhandlungen zu gelangen. Diese
Probleme Südafrikas sind nicht über Nacht entstanden, und sie werden
nicht über Nacht gelöst werden können, aber es ist keine Zeit zu verlieren. Sich aus diesem Drama zurückzuziehen - oder gar die Flammen zu
schüren -, wird weder unseren Interessen noch den Interessen des südafrikanischen Volkes dienen.

Wenn sich alle Amerikaner hinter ein gemeinsames Programm stellen,
dann können wir umso mehr Einfluß zum Guten iiusüben. Wollen wir also mit
klarer Sicht und offenem Herzen voranschreiten und für Gerechtigkeit und
Brüderlichkeit und Frieden arbeiten.

Das Schreiben des Präsidenten an den Kongreß hat folgenden Wortlaut:
Gemäß Artikel 204 (b) des Gesetzes über Vollmachten bei einem internationalen Wirtschaftsnotstand, 50 U.S.C. 1703 (b) informiere ich hiermit
den Kongreß darüber, daß ich meine gesetzliche Vollmacht zu der Erklärung
genützt habe, daß die Politik und die Handlungen der Regierung von Südafrika eine außergewöhnliche und außerordentliche Bedrohung der Außenpolitik und der Wirtschaft der Vereinigten Staaten darstellen sowie zu der
Ausrufung eines nationalen Notstandes, um dieser Bedrohung zu begegnen.

Gemäß dieser und anderer gesetzlicher Vollmachten habe ich bestimmte

�habe

ich

bestimmte

Transaktionen

-

einschließlich

der

folgenden

verboten:

(1) Gewährung

oder

Genehmigung

von Bankkrediten

an die

südafrika-

nische Regierung - mit bestimmten enggefaßten Ausnahmen;

(2) den Export von Computern und verwandten Gütern bzw. Technologien
an bestimmte Regierungsstellen und alle mit der Durchsetzung der Apartheid befaßten Dienststellen der südafrikanischen Regierung;

(3) alle Nuklearexporte sowie verwandte Transaktionen nach Südafrika
- mit bestimmten enggefaßten Ausnahmen;

(4) die Einfuhr von in Südafrika hergestellten Waffen, Munition oder
Militärfahrzeugen in die Vereinigten Staaten; und

(5) Verlängerung der Absatzhilfen an US-Unternehmen in Südafrika, die
mehr als 25 Beschäftigte haben und sich nicht an bestimmte faire Gewerkschaftsmaßstäbe halten.

Außerdem habe ich

(6)

den

Handelsfragen

Außenminister
angewiesen,

und
die

den

amerikanischen

Repräsentanten

anderen Vertragsparteien

des

für

Allgemeinen

Zoll- und Handelsabkommens in der Absicht zu konsultieren, den Import des
Krügerrand zu verbieten;

(7) den Finanzminister angewiesen, innerhalb von 60 Tagen eine Studie
hinsichtlich der Möglichkeit fertigzustellen, amerikanische Goldmünzen zu
prägen;

(8) den Außenminister angewiesen, die notwendigen Schritte zur Erhöhung der Mittel zu unternehmen, die als Stipendien für diejenigen in Südafrika zur Verfügung stehen, die durch das System der Apartheid benachteiligt sind und die Mittel zu erhöhen, die dem Menschenrechtsfonds für
Südafrika zugeteilt sind;

(9)

den

Außenmnister

�(9) den Außenmnister angewiesen, einen Beratungsausschuß ins Leben zu
rufen, der Empfehlungen hinsichtlich von Maßnahmen aussprechen soll, die
zu einem friedlichen Wandel in Südafrika ermutigen.

Schließlich belohnt dieser Erlass

(9) die Bemühungen jener amerikanischen Unternehmen in Südafrika, die
sich freiwillig an die Prinzipien gerechter Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer und der Nichtdiskriminierung halten und fordert
alle amerikanischen Unternehmen auf, ein Gleiches zu tun.

Ich füge eine Kopie des Präsidialerlasses bei, den ich mit Abgabe
dieser Erklärung und Ausübung meiner Amtsgewalt verkündet habe.

1. Ich habe diese Schritte in Reaktion auf die derzeitige Lage in
Südafrika verfügt. Es gehört zur Außenpolitik der Vereinigten Staaten,
friedlichen Wandel in Südafrika anzustreben und hierbei insbesondere ein
Ende der widerlichen Praxis und Politik der Apartheid sowie die Bildung
einer

Regierung, die sich auf Zustimmung der Regierten gründet. Die

jüngsten Entwicklungen in Südafrika haben schwerwiegende Auswirkungen auf
die Aussicht auf friedlichen Wandel und auf Stabilität in der Region als
Ganzes - einer Region von strategischer Bedeutung für die Vereinigten
Staaten. Die vor kurzem erfolgte Ausrufung des Notstandes in 36 Verwaltungsbezirken durch die Regierung von Südafrika, die Massenfestnahmen und
-Verhaftungen sowie die darauffolgende Finanzkrise sind für die Außenpolitik

und die Wirtschaft der Vereinigten Staaten von unmittelbarer

Besorgnis. Das Tempo der Reform in Südafrika hat weder die Erwartungen
der

Staatengemeinschaft

noch

der Menschen

in Südafrika erfüllt. Die

jüngsten Maßnahmen der Regierung hinsichtlich von Verhandlungen über die
Beteiligung aller Südafrikaner an der Regierung dieses Landes haben nicht
in ausreichendem Maß die Spannungen abgebaut und dürften sogar die Lage
noch verschärft haben.

Es ist meiner Meinung nach unter derlei Umständen für dieses Land

�für dieses Land notwendig, zu der Einsicht zu gelangen, daß unsere Außenpolitik, die einen Wandel durch friedliche Mittel anstrebt, ernsthaft
gefährdet ist. Damit dieses Land erfolgreich die Ereignisse in jenem Land
beeinflussen kann, ist es für die Vereinigten Staaten notwendig, mit
einer Stimme zu sprechen und dadurch unsere Opposition zur Apartheid zu
demonstrieren, daß wir bestimmte Maßnahmen ergreifen, die speziell auf
die wichtigsten Aspekte der Politik der Apartheit und der mit ihrer
Durchführung befaßten Regierungsstellen abzielen.

2. Die oben dargelegten Maßnahmen, von denen viele auch die Überlegungen des Kongresses widerspiegeln, werden der südafrikanischen Regierung rasch den Ernst unserer Besorgnisse hinsichtlich der Lage in diesem
Land klarmachen. Zudem mobilisiert diese Erklärung den Einfluß des Privatsektors

zur

Schaffung

von mehr wirtschaftlichem Wohlergehen, mehr

Freiheit und mehr politischem Einfluß der Schwarzen und der anderen
Nichtweißen in Südafrika.

1985(Gezeichnet) RONALD REAGAN

* * * * *

- 9-

�11. September 1985

36

DOKUMENTATION DES WEISSEN HAUSES ZUR SUDAFRIKAPOLITIK DER USA

WASHINGTON - (AD) - Die folgende Dokumentation, am 9. September 1985
vom Weißen Haus herausgegeben, beschreibt die von Präsident Reagan in
einem Präsidialerlaß angekündigten Maßnahmen gegen die Apartheid in Südafrika:

—

Der Präsident sendet der südafrikanischen Regierung ein deutliches

Signal: Die Apartheid muß verschwinden; jetzt ist die Zeit für mutige
Schritte gekommen; diese Schritte unterstreichen seine starke Führung in
dieser Frage.

—

Die amerikanische Politik umfaßt schon seit langem Maßnahmen, die

uns von der Apartheid distanzieren.
—

Die Aktionen stehen in Einklang mit der Absicht des Präsidenten,

beim Drängen auf Wandel in Südafrika aktiv Präsenz und Einfluß auf amerikanische Unternehmen, Kirchen, Lehrer und Diplomaten aufrechtzuerhalten.

—

Der

Präsident

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�—

Der Präsident teilt die Sorge des amerikanischen Volkes über den

Rassismus; seine Maßnahmen haben den Zweck, für die ganze Nation zu sprechen und das amerikanische Volk bei dieser wichtigen Frage einig zu
wissen.

—

Die Maßnahmen des Präsidenten wurden nicht in der Absicht ge-

troffen, der südafrikanische Wirtschaft zu schaden und damit jenen, denen
wir

zu

helfen

suchen; sie

zielen

auf

ganz

bestimmte

Elemente

des

Regierungsapparates.

—

Der Präsident will mit dem Kongreß auf überparteilicher Basis zu-

sammenarbeiten, um positive und produktive Änderungen in der Politik der
südafrikanischen Regierung zu bewirken.

—

Der Präsidialerlaß verpflichtet die Vereinigten Staaten dazu, eine

starke Präsenz in Südafrika aufrechtzuerhalten, unterstützt faire Beschäftigungspraktiken amerikanischer Unternehmen, erhöht die Mittel der
amerikanischen Regierung für Stipendien und Aktivitäten im Bereich der
Menschenrechte.
—

Der Präsidialerlaß verbietet es

amerikanischen Banken, der süd-

afrikanischen Regierung Darlehen zu gewähren - mit der Ausnahme von Darlehen, die das Wohlergehen aller Südafrikaner fördern würden.

—

Der Präsidialerlaß verbietet alle Exporte von Computern an mili-

tärische, polizeiliche und andere, die Apartheid durchsetzende, behördliche Stellen.
—

Der

Präsidialerlaß verbietet amerikanische Nuklearexporte nach

Südafrika, mit der Ausnahme von Produkten, die für Gesundheit und Sicherheit sowie für Sicherheitsprogramme der Internationalen Atomenergiebehörde benötigt werden.

Der

Präsidialerlaß

�—

Der Präsidialerlaß verpflichtet die Unternehmen, sich an Prin-

zipien zu halten, die jenen des freiwilligen Sullivan-Programms ähnlich
sind; Ziel ist es, Freiwilligkeit zu ermöglichen, doch denen Handelshilfen der amerikanischen Regierung zu verweigern, die sich nicht hieran
halten.

—

Der Präsidialerlaß fordert von der amerikanischen Regierung Kon-

sultierung ihrer GMT-Partner bezüglich eines Verbotes des Krügerrand.

—

Der Präsidialerlaß fordert den Finanzminister auf, die Möglichkeit

der Prägung und Ausgabe von eigenen Goldmünzen zu untersuchen.

—

Der Präsidialerlaß weist den Außenminister an, einen Beratungsaus-

schuß prominenter amerikanischer Bürger ins Leben zu rufen, der Empfehlungen hinsichtlich Maßnahmen geben kann, durch die friedlicher Wandel in
Südafrika ermutigt wird.

—

Der Präsidialerlaß wird die von den Vereinigten Staaten unter-

stützte Resolution der Vereinten Nationen
südafrikanischer Waffen ausführen.

- 3 -

über ein Verbot von Importen

�11. September 1985

36

DIE SANDINISTEN UND DIE RADIKALEN IM NAHEN OSTEN
- Bericht des US-Außenministeriums -

WASHINGTON -(AD) - Die Untergrundverbindungen der Sandinisten in Nicaragua zu der Palästinensischen Befreiungsorganisaton PLO gehen bis auf
das Jahr 1969 - also zehn Jahre vor die Machtergreifung der Sandinisten
in Managua - zurück. Dies geht aus einem Bericht des amerikanischen Aussenministeriums hervor, der am 3. September 1985 veröffentlicht wurde.
Der Bericht stützt sich auf Presseveröffentlichungen von Experten sowie
auf Studien unabhängiger amerikanischer Stiftungen, die sich mit nahöstlichen und lateinamerikanischen Angelegenheiten befassen. Danach wurden
Mitglieder der Sandinistischen Nationalen Befreiungsfront (FSLN) bereits
1969 in Ausbildungslagern der PLO und Kubas im Libanon und in Libyen als
Terroristen geschult. V7eiter werden Verbindungen zu der baskischen Terrororganisation ETA, der Roten Armeefraktion und den italienischen Roten
Brigaden nachgewiesen. Nachdem sie in Nicaragua an die Macht gekommen waren, versorgten die Sandinisten Radikale und Terroristen aus dem Nahen
Osten, Lateinamerika und Europa mit falschen Pässen, um ihre Untergrund-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�ihre Untergrundtätikgeit zu erleichtern.

Der Bericht des amerikanischen Außenministeriums hat folgenden Wortlaut: (Fußnoten am Ende)

EINLEITUNG

Analytiker der Außenpolitik und der Medien haben Beziehungen der Sandinisten zu den Kubanern und den Sowjets sowie eine Abhängigkeit der Sandinisten von Unterstützung, Waffen und Beratern aus dem Ostblock festgestellt. Dieses Beziehungen sind unbestreitbar den Interessen der Vereinigten Staaten und der westlichen Hemispäre abträglich. Dieser Bericht
geht jedoch auf einen anderen, allerdings damit in einem Zusammenhang
stehenden Aspekt der Politik der Sandinisten ein:

die Beziehungen zwischen den Sandinisten und radikalen Gruppen und
Staaten im Nahen Osten, einschließlich terroristischer Elemente, die von
diesen Gruppen und Staaten unterstützt werden. Ihre Verbindungen zur PLO
bestanden bereits über zehn Jahre vor der Revolution in Nicaragua. Libyen
hat den Sandinisten vor und nach der Revolution Unterstützung zukommen
lassen - zunächst mit der oder durch die PLO und später durch eigene Vereinbarungen mit der sandinistischen Regierung. In jüngerer Zeit haben die
Sandinisten engere Beziehungen zum Iran hergestellt.

Die Beziehungen zwischen den Sandinisten und Radikalen im Nahen Osten
sind das Ergebnis jahrelanger, sorgfältig ausgebauter Kontakte zwischen
radikalen Kräften in Mittelamerika und im Nahen Osten. Der Bericht beschreibt, wie die Verbindungen zustande kamen, die gegenseitige Unterstützung, die sich die PLO und die FSLN geleistet haben und die Beziehungen der Sandinisten zu Libyen und dem Iran.

ERSTE KONTAKTE:

�ERSTE KONTAKE: AUSBILDUNG UND WAFFEN

Das internationale Debüt der PLO fand 1966 in Havanna auf der Ersten
Konferenz der Organisation der Solidarität der Völker Asiens, Afrikas und
Lateinamerikas

statt

(auch

bekannt

als Drei-Kontinente-Konferenz).

Auf dieser Konferenz brachte Fidel Castro 500 Delegierte radikaler linker
Grupen aus der ganzen Welt zusammen, um eine Strategie für die sogenannte
(2)
globale revolutionäre Bewegung
zu entwickeln.

Die Ergebnisse dieser Konferenz begannen sich bald abzuzeichnen. In
den Monaten nach der Konferenz entstanden in verschiedenen Ländern Guerilla-Ausbildungslager, vor allem in Kuba, in der Sowjetunion, im Libanon
(3)
und in Libyen.
Zu den ersten, die in den kubanischen und sowjetischen Lagern ausgebildet wurden, gehörten dank der auf der Drei-Kontinen(4)
te-Konferenz entwicklten
engen Beziehungen auch Mitglieder der PLO.

Die Ausbildungskurse
Monate

und

schlössen

Sprengkörpern auch

in diesen Lagern dauerten

neben der

im allgemeinen sechs

praktischen Ausbildung mit Waffen und

ideologische Indoktrination ein. Diese Indoktrination

war nach den Theorien von Marx, Lenin und Stalin ausgerichtet. Zu den
vermittelten Themen gehörten "Die Beziehungen Rußlands zur Dritten Welt",
"Der Kampf gegen den Imperialismus", "Der Sowjetische Beitrag zur Befreiung der Palästinenser", "Die Verbindung des Zionismus zum Imperialismus"
und

"Die reaktionäre Natur Nordjemens und Saudi-Arabiens". Zur prakti-

schen Ausbildung gehörte unter anderem die Sprengung von Munitionslagern,
Brücken

und Fahrzeugen, das Verlegen von Landminen, Grundausbildung

biologischer

und

chemischer

Kriegsführung,

Scharfschießen

und

in

Tarnung,

taktischer Einsatz im Gelände sowie der Einsatz und die Wartung sowjeti(5)
sehen Geräts, wie Raketen und tragbare Raketenwerfer.

Nach bestandenen Lehrgängen gründeten die PLO-Terroristen eigene Ausbildungslager für Terroristen - zunächst im Libanon und später in Libyen.
Zu den

im Libanon ausgebildeten Nicaraguanern soll nach Berichten auch

Tomas Borge, der Innenminister und einer der neun Kommandanten des FSLN-Direktorats gehören.
Der Vertreter der

�Der Vertreter der Sandinisten, Benito Escobar, vereinbarte mit drei
Vertretern der PLO - auch schon 1969 - in Mexiko-Stadt eine gemeinsam von
der PLO und Kubanern durchgeführte Ausbildung im Libanon für ein Kontin(7)
gent von 50 bis 70 Sandinisten.
Später wurden weitere Grupen von
(8)
Sandinisten in PLO-Lager in Libyen geschickt.

Der derzeitige Stellvertretende Innenminister Rene Vivas, der verstorbene Minister

für das Fernmeldewesen, Enrique Schmidt, und Henry

Ruiz, Minister für Zusammenarbeit mit dem Ausland, wurden gleichfalls in
den Jahren 1969-70 von der PLO ausgebildet.

BETEILIGUNG DER SANDINISTEN AM TERRORISMUS DER SIEBZIGER JAHRE IM NAHEN
OSTEN
Die Investitionen in die Ausbildung von Nicaraguanern trugen für die
PLO unmittelbare Früchte. Als die PLO und ihre radikalen Gruppen, wie die
Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) im Jahre 1970 versuchten,
König

Hussein

von

Jordanien

zu

stürzen,

nahmen

auch

von

der

PLO

ausgebildete Sandinisten an dem Umsturzversuch teil.

Eine gemeinsame Operation der PLO und der Sandinisten wurde in einem
Interview des Sprechers der Sandinisten, Jorge Mandi, mit einer kuwaitischen Zeitung angesprochen: "Eine Gruppe von Sandinisten nahm an der Operation teil, um vier Flugzeuge zu entführen, die die PFLP erobert hatte
und auf einem WUstenflugplatz in Joradanien bereithielt. Einer unserer
Kameraden wurde bei einer weiteren EntfUhrungsaktion verwundet, an der
Leila Khaled teilnahm. Sie befehligte die Operation und unsere Kameraden
halfen ihr bei der Durchführung. Viele der Einheiten der Sandinistischen
Bewegung befanden sich auf Revolutionsstützpunkten der Palästinenser in
Jordanien.... Nicaraguanisches und palästinensisches Blut wurden bei den
Kämpfen des 'Schwarzen September' in Amman und anderswo gemeinsam vergossen"

. Bei der von Mandi angesprochenen "Entführungsoperation" han-

delte es sich um die Entführung eines Flugzeuges der Fluggesellschaft El

�Fluggesellschaft El AI auf dem Weg von Tel Aviv nach London am 6. September 1970.

Bei diesem Entführungsversuch wurde der Sandinist Patrick
(12)
Arguello getötet. Er war in einem PLO-Lager ausgebildet worden.
Arguello wird heute von den Sandinisten als Held verehrt und ein großer, im
Bau befindlicher Damm wird nach ihm benannt.

In diesem Zeitraum war nach Berichten Tomas Borge, einer der Gründer
der FSLN, der Hauptkontaktmann zwischen den Sandinisten und der PLO. Borge wurde in Damaskus und Beirut zu einer bekannten Figur, nicht nur, weil
er im Auftrag der Sandinisten reiste, sondern auch im Auftrag von Fidel
Castro. Borge war offensichtlich Anfang der siebziger Jahre so etwas wie
der Gesandte im Nahen Osten, weil er gute Beziehungen zur PLO hatte und
(13)
in diesem Gebiet ausgebildet worden war.

So begann die Symbiose zwischen den Sandinisten und der PLO. Von der
PLO erhielten die Sandinisten Ausbildung im Guerillakrieg sowie die Chance, ihre Fähigkeiten bei terroristischen Akten der PLO, wie etwa Flugzeugentführungen und im Kampf gegen König Hussein in Jordanien praktisch
zu erproben. Die PLO wurde von den Sandinisten bei Operationen unterstützt, die weltweit Schlagzeilen machten und zahllosen anderen Terroristen als Beispiel dienten.

DIE SANDINISTISCHE REVOLUTION UND DIE PLO-BETEILIGUNG IN DEN SIEBZIGER
JAHREN
Die in den PLO-Lagern im Nahen Osten ausgebildeten Sandinisten gewannen einen weiteren Vorteil, der genauso wertvoll war wie ihre Guerilla(14)
ausbildung: Kontakte zu Quellen an Hilfe und Waffen.
Auch hier war
Tomas Borge einer der Hauptvermittler, wenn es galt, Hilfe und Waffen zu
organisieren. In seiner doppelten Tätigkeit als Verbindungsmann zur PLO
und als Gesandter Castros konnte er eine Vielzahl von Kontakten im radikalen Nahen Osten herstellen, die ihm bei der Vorbereitung der sandinist ischen Revolution gute Dienste leisteten.

Borge

benutzte

�Borge benutzte die Hilfe der PLO, um Waffen aus Nordkorea und Vietnam
für die Sandinisten zu erlangen. Ein Teil dieser Waffen wurde mit liby(15)
schem Geld bezahlt.
. Nach Berichten kamen auch Nachschub- und Waffenlieferungen von der PLO selbst.
Im Juli 1979 wurde eine Flugzeugladung bei einer Zwischenlandung in Tunis abgefangen. Das von der PLO
gecharterte Flugzeug, das angeblich Medikamente aus Beirut für nicaraguanische Flüchtlinge transportierte, hatte in Wirklichkeit 50 Tonnen Waffen, darunter eine Flugabwehrkanone an Bord. Die tunesische Regierung
(17)
verweigerte den Weitertransport.

Gleichzeitig erhielten die Beziehungen der Sandinisten zu den radikalen Elementen der PLO formellere Gestalt. Benito Escobar, der früher Vereinbarungen mit der PLO für die Ausbildung von Sandinisten in PLO-Lagern
getroffen hatte, traf im Februar 1978 in Mexiko-Stadt mit Issam Ali, dem
Verbindungsmann der PLO in Lateinamerika und Mitglied der Demokratischen
Front für die Befreiung Palästinas (DFLP), zusammen. Die PLO und die Sandinisten veröffentlichten am 5. Februar 1978 ein gemeinsames Kommunique,
in dem sie "die Bande der Solidarität" bekräftigten, "die zwischen den
(18)
beiden revolutionären Organisationen bestehen".
Auf dieses Kommunique folgte am 6. März 1978 eine gemeinsame DFLP-FSLN-Erklärung, die eine
gemeinsame Kriegserklärung an "den Yankee-Imperialismus, das rassistische
(19)
Regime in Israel" und an die Regierung von Nicaragua enthielt.
Die Beziehungen zwischen der PLO und den Sandinsiten wurden im Jahre
1978 und Anfang 1979 immer enger, wobei eine wesentliche Unterstützung
von Libyen kam.

Im Jahre 1979 lud Ghaddafi die Führer der mittel-

amerikanischen Guerilla-Gruppen, einschließlich der Sandinisten, zu einem
Treffen in Bengasi ein, auf dem er ihnen finanzielle und politische Un(21)
terStützung zusicherte.

REVOLUTIONARE SOLIDARITÄT: MILITÄRISCHE UND WIRTSCHAFTLICHE BINDUNGEN
Kurz nach ihrer Machtübernahme belohnten die Sandinisten die PLO für
deren Hilfe bei ihrer Revolution durch Gewährung einer Beziehung "von Re-

�"von Regierung zu Regierung", wie es eine solche bis dahin noch nicht gegeben hatte. (22) In den meisten Ländern war der PLO bestenfalls die Eröffnung eines "Büros" gestattet worden; in Managua durfte sie eine "Botschaft" einrichten, deren oberster Repräsentant den Titel

"Botschafter"

trägt. Dem PLO-Botschafter

und seinem Mitarbeiterstab wurden die vollen
(23)
diplomatischen Privilegien zuerkannt.

Im Juli

1980 kam Jassir Arafat zu einem viertägigen

"Staatsbesuch"

nach Nicaragua, um die vollen diplomatischen Beziehungen zwischen der nicaraguanischen Regierung und der PLO auch formell zu bekräftigen. Am 22.
Juli pries Arafat auf einem Empfang, der ihm zu Ehren gegeben wurde, "die
strategischen

und militärischen

der palästinensischen

Bindungen

zwischen

den Sandinisten

Revolution." Innenminister Borge antwortete:

und
"Die

Bindungen zwischen uns sind nicht neu. Deine Genossen kamen nicht nur zur
Ausbildung in unser Land, sondern auch zum Kampf. Eure Feinde sind unsere
(24)
Feinde."
Arafat ging am gleichen Tag im Verlauf eines Interviews
mit Radio Sandino auf dieses Thema ein: "Der Sieg des nicaraguanischen
Volkes ist der Sieg der Palästinenser... Die Freiheit

in Nicaragua ist

die gleiche wie in Palästina... Deshalb ist der einzige Weg verstärkter
Kampf gegen Imperialismus, Kolonialismus und Zionismus." Er beschloß das
Interview mit der Wiederholung: "Gemeinsam gegen Imperialismus, Koloni(25)
alismus und Zionismus."
In einer Rede in der Cesar-Augusto-Silva-Halle

(gleichfalls am 22. Juli) erklärte Arafat, umgeben von Borge und

einigen der neun Komandanten: "Jeder, der Nicaragua bedroht, wird die palästinensischen Kämpfer gegen sich haben."v

Arafats

Hinweis

auf

"strategische

und

'

militärische

Bindungen"

war

nicht nur diplomatische Höflichkeit. Kurz nach seinem Besuch in Nicaragua
schickte er Hauptmann Mutglag Hamadan von der PLO als Chef eines Kontingents von 25 Militärtechnikern
brauch

von Waffen

zur Einweisung der Sandinisten beim Ge(27)
aus dem Ostblock.
im November 1980 stellte die

PLO den Sandinisten ein Darlehen von 12 Millionen Dollar zur VerfU(28)
gung.
Im Januar 1981 wurde eine Gruppe von PLO-Piloten nach Nicaragua geschickt, um den Sandinisten beim Einsatz von Hubschraubern und
(29)
Transportflugzeugen zu helfen.
Seit Mai 1981 war die PLO tief in
- 7 -

�PLO tief in Aktivitäten der Militär- und Guerillaausbildung in Nicaragua
verwickelt.

Berichte Mitte des Jahres 1982 signalisierten, daß PIX&gt;

-Offiziere an spezieller Guerillaausbildung in Nicaragua beteiligt wa-»
(31)
ren.v ' Obgleich der Zusammenbruch der Machtbasis der PLO im Libanon
im Jahr 1982 die Möglichkeiten der PLO verringerte, selbst aggressiv tätig zu sein und radikale Regime und Bewegungen in der ganzen Welt zu finanzieren, dauerten Präsenz, Ausbildung und andere Aktivitäten der PLO in
Nicaragua an.

Die antizionistische Rhetorik der Sandinisten, ihre engen Beziehungen
zu radikalen arabischen Gruppen sowie ihre Anstrengungen, Gesellschaft
und Wirtschaft Nicaraguas nach dem Muster marxistisch-leninistischer Rezepte zu organisieren, trugen dazu bei, daß fast die gesamte jüdische Gemeinschaft Nicaraguas bis 1981 das Land verlassen hatte.

DIE SANDINISTEN UND LIBYEN

Zwar hatte die PLO als Vermittler dabei geholfen, die ersten Beziehungen zwischen den Sandinisten und der libyschen Regierung zu entwikkeln, doch hatten diese zum Zeitpunkt ihrer Machtergreifung im Jahr 1979
schon enge direkte Beziehungen zu dem Regime Ghaddafis hergestellt. (33)
Bei der Zusammenarbeit mit Libyen waren Tomas Borge und Bauminister Moises Hassan die herausragenden Gestalten. Beide spielten eine entscheidende Rolle, als es darum ging, 1981 ein Darlehen in Höhe von 100 Millionen
Dollar zu erhalten. Borge unternahm Ende 1980 eine Reise nach Libyen, die
in der Öffentlichkeit nicht bekannt wurde, um die Vereinbarungen für ein
Darlehen abzuschließen und über das libysche Angebot zu sprechen, in Nicaragua gemeinsam in der Landwirtschaft tätig zu werden.

Am 20. Juni 1981 begingen die Sandinisten in Managua glanzvoll den
11. Jahrestag jenes Momentes, da Ghaddafi die Luftwaffenstützpunkte der
Vereinigten Staaten auf libyschem Territorium geschlossen hatte. Das JunT
tamitglied Sergio Ramirez erklärte während der öffentlichen Feier in seiner Rede: "Die Bindungen zwischen dem libyschen und dem nicaraguanischen

�dem nicaraguanischen Volk sind nicht neu, sondern wurden nur noch verstärkt, als die Sandinistische Front auf dem Schlachtfeld kämpfte, um die
Freiheit für unsere Heimat zu erringen. Die Solidarität mit dem libyschen
Volk, der libyschen Regierung und mit Genosse Muammar Ghaddafi zeigte
sich immer wieder auf das Deutlichste. Diese Solidarität wurde seit dem
Triumph unserer Revolution nur noch realer, noch wirksamer und noch brü(35)
derlicher."
Der Repräsentant des libyschen "Volksbüros" (wie ihre
Botschaften genannt werden), Ibrahim Mohammed Frahat, gab diese Komplimente bei seiner Antwort an Borge in Anspielung auf Libyens "besondere
Freundschaft" zurück.
Wie bei der PLO war auch Libyens Unterstützung der Sandinisten nicht
rein wirtschaftlich. Die Libyer haben auch Waffen an die Sandinisten geliefert. Eine große Waffenlieferung wurde im April 1983 in Brasilien aufgedeckt. Vier libysche Flugzeuge waren aus technischen Gründen in Brasilien zwischengelandet. Die Besatzung behauptete, die Flugzeuge transportierten medizinische Güter nach Kolumbien. Die Brasilianer wurden mißtrauisch, als die Piloten keine Ladepapiere vorweisen konnten. Die Flugzeuge wurden von mißtrauischen brasilianischen Behördenvertretern durchsucht; sie fanden rund 84 Tonnen Waffen, Munition und andere militärische
Ausrüstung. Berichten zufolge enthielten die Flugzeuge - drei davon sowjetischer Bauart -: zwei zerlegte Kampfflugzeuge, ferngesteuerte Raketen,
Gewehre, Maschinengewehre, Mörser, Panzerfäuste, 90 mm-Geschütze, acht
Raketenstartgeräte zum Mehrfacheinsatz, fünf Tonnen Bomben, acht Flugabwehrkanonen, 600 leichte Artillerieraketen sowie weitere Kisten mit nicht
(37)
spezifiziertem militärischem Gerät.
Dabei war dies nur eine aus
einer ganzen Reihe von Lieferungen militärischesr Güter an die Sandini(38)
sten.v
Die erste Reaktion der Sandinisten auf die Aufdeckung dieser Waffenlieferung war fast genauso erwähnenswert wie die Lieferung selbst. Der
nicaraguanische Botschafter

in Brasilien, Ernesto Gutierrez, erklärte:

"Es war ein Geschenk unserer libyschen Genossen, aber ich weiß nicht, was
„(39)
es war."

Später
- 9 -

gestand

�Später

gestand

Nationalrates und

Rafael

Solis, damals

Sekretär

des

Nicaraguanischen

inzwischen Abgeordneter der FSLN bei der Nationalver-

sammlung, daß die Waffen für die sandinistische Armee bestimmt waren. Er
fügte hinzu, man solle nicht überrascht darüber sein, daß die sandinistische Regierung Waffen aus Libyen und den Staaten des Sowjetblocks erhielt; außerdem betonte er, solche Beziehungen zum Zweck der Waffenversorgung würden in Managua offen diskutiert. Auf die Frage, warum die Lieferung unter dem Etikett "Medizinische Güter" lief, erklärte Solis, hierauf müßten die Libyer eine Antwort geben.

'Ghaddafis Antwort war, daß

die Flugzeuge tatsächlich Waffen nach Nicaragua transportiert hätten und
er sich für alle Probleme entschuldige, die dieser Vorfall den brasilianischen Behörden verursacht habe.

Berichten zufolge hatten libysche Piloten und Mechaniker auch mit der
(42)
Ausbildung von Sandinisten zu tun.

DIE ACHSE SANDINISTEN-IRAN-LIBYEN

In der letzten Zeit hat sich das Verhältnis zwischen Libyen und Nica(43)
ragua sowohl in Worten als auch in Taten verdichtet.
So vertrat zum
Beispiel Tomas Borge am 1. September 1984 die sandinistische Regierung
zum 15. Jahrestag des Sturzes des libyschen Königs Idris durch Ghaddafi
(ein Ereignis, das von prominenten gemäßigten arabischen Führern

igno-

riert wurde). Ghaddafi erklärte unter Hinweis auf die Anwesenheit Borges:

"Die Kämpfer, die Waffen und die Unterstützung Libyens für das nicaraguanische Volk kamen dorthin, weil man dort mit uns kämpft. Sie bekämpfen
(44)
Amerika auf eigenem Boden."'
Ghaddafis Anspielung auf die "Kämpfer"
kann wörtlich genommen werden, da es Berichte gibt, denen zufolge Libyer
die Sandinisten im Kampf gegen den bewaffneten demokratischen Widerstand
unterstützen und auch als Berater und Ausbilder von Piloten dienen.

Auch die Wirtschaftsbeziehungen

zwischen Libyen und der sandinisti-

schen Regierung bestehen fort. Am 16. Januar 1985 kündigten die Sandinisten ein Handelsabkommen über libysches Erdöl an. Dieses Abkommen beläuft
- 10 -

�Abkommen beläuft sich auf 15 Millionen Dollar.

Die Beziehungen Nicaraguas zum Iran bestehen schon seit Jahren, wie
etwa der Besuch Ernesto Cardenals im Iran im Mai 1983 zeigt. Cardenal,
Kultusminister der Sandinisten, wurde von Ayatollah Khomeini in Privataudienz empfangen - etwas, das Besuchern aus dem Westen nur selten gelingt.
Im März 1984 kam das Juntamitglied Sergio Ramirez in den Iran, um Han(47)
delsfragen und andere Themen zu besprechen.
Ergebnis dieses Besuchs
war ein Handelsabkommen zwischen Nicaragua und dem Iran in Höhe von 23
Millionen Dollar.v

'

1985 verstärkten sich die Kontakte auf hoher Ebene noch weiter. Mohammed Mirmehdi, Irans Stellvertretender Außenminister, traf am 14. Janu(49)
ar 1985 mit dem Sandinistenführer Präsident Daniel Ortega zusammen.
Obgleich das Treffen nach außen nur dem Zweck diente, Ortega zu seiner
Amtseinführung zu gratulieren (der nicaraguanische Rundfunk spricht von
ihm noch immer als "Comandante Ortega"), war Thema der Gespräche mit
größter Wahrscheinlichkeit auch die Planung des Besuches des iranischen
Ministerpräsidenten, der eine Woche später stattfand.

Am 23. Januar 1985 kam Ministerpräsident Mirhussein Musavi nach Nicaragua und traf dort (zum dritten Mal) mit Daniel Ortega und anderen Mitgliedern der sandinistischen Regierung zusammen. Die Berichte über den
Inhalt des Treffens zwischen Ortega und Musavi gehen auseinander; die
meisten Beobachter sind der Meinung, die Lieferung von Handfeuerwaffen
aus dem Iran sowie ein ölabkommen wurden besprochen.

'Einem Bericht

von ABC News zufolge soll Ministerpräsident Musavi die Terroroperationen
des Iran kontrollieren.

Die Sandinisten bestätigen, daß mit dem Iran über ein Erdölabkommen
gesprochen wurde, bestreiten indessen eine Übereinkunft hinsichtlich Waffenlieferungen. Dennoch gab es Berichte, denen zufolge am 25. Januar 1985
zwei Schiffsladungen mit Waffen vom Iran aus in Richtung Nicaragua abgingen, um auf ihrem Weg von nicaraguanisehen Schiffen übernommen zu werden;
auch soll der Iran Mittel für internationale Terroristen bereitstellen,

�Terroristen bereitstellen, die sich in Nicaragua aufhalten.

'

EIN ZUFLUCHTSORT FÜR SUBVERSIVE ELEMENTE

Die FSLN-Regierung hat Radikalen und Terroristen aus anderen Staaten,
einschließlich Radikalen aus dem Nahen Osten, aus Lateinamerika und aus
Europa nicaraguanische Pässe ausgestellt und sie so in die Lage versetzt,
in die Länder des Westens zu reisen, ohne daß ihre eigentliche Identität
(53)
bekannt wird.
Agenten der PLO, in Mittelamerika und Panama aktiv,
benützen Nicaragua als Operationsbasis. Die Bereitschaft der Sandinisten,
neue Dokumente zur Verfügung zu stellen und eine Basis zu bieten, von der
aus Aktionen unternommen werden können, ist zweifellos ein Grund dafür,
daß Nicaragua für Terroristen und Radikale aus Europa wie auch aus Lateinamerika eine Anlaufstelle geworden ist. Zu den Gruppierungen, die bekanntermaßen in Nicaragua präsent sind, gehören die baskische Untergrundorganisation ETA, die deutsche Baader-Meinhof-Gruppe sowie die Roten Bri(54) •
gaden Italiens.

'Wie im Falle der PLO benützen einige Mitglieder die-

ser Gruppen Nicaragua als Basis, um regionale Aktivitäten ihrer Organisationen durchzuführen. Andere wiederum befinden sich aus "revolutionärer
Solidarität" in Nicaragua und nehmen an dem Kampf gegen die bewaffneten
Gruppen des demokratischen antisandinistIschen Widerstandes teil. Wieder
andere - meist ausgebildete Leute, die aufgrund der Tatsache, daß sie in
ihrer Heimat von den Behörden gesucht werden, dort keine Arbeit mehr finden können - kamen nach Nicaragua, um dort einen Arbeitsplatz zu erhalten
und ersetzen damit die Techniker- und Managerschicht, die vor dem Kommunismus aus Nicaragua geflohen ist.

SCHLUSSFOLGERUNGEN

Die Beziehungen der Sandinisten zur PLO und zu radikalen Staaten des
Nahen Ostens sind nunmehr über eineinhalb Jahrzehnte alt. Sandinisten erhielten im Libanon und in Libyen Ausbildung durch die PLO und kämpften
neben der PLO gegen König Hussein von Jordanien noch vor der Zeit, da die
- 12 -

�2. David J. Kopilow, "Castro, Israel, and the PLO" (Washington, D.C:
The Cuban-American National Foundation, 1984), S.5.

3. Ciaire Sterling, "The Terror Network" (New York:

Holt, Rinehart

and Winston, 1981), S. 115; Center for International Security, "The Sandinista-PLO Axis: A Challenge

to the Free World"

(Washington, D.C:

Februar 1984), S. 2.
4. Eileen Skully, "The PLO's Growing Latin American Base," S. 2.

5. Ciaire Sterling, "The Terror Network", S. 279.

6. Center for International Security, "The Sandinista-PLO Axis", S. 2.
7. Ebenda, auch erwähnt in Anti-Defamation League, "PLO Activities in
Latin America" (New York: Mai 1982), S. 9.
8. Eileen Skully, "The PLO's Growing Latin American Base", S. 4.
9. Juan 0. Tamayo, "Sandinistas Attract a Who's Who of Terrorists",
The Miami Herald, 3. März 1985, S. 3.

10. Jorge Mandi, zitiert in "al-Watan" (Kuwait), 7. August 1979; zitiert von David Kopilow, "Castro, Israel, and the PLO", S. 11.

11. Israeli Defense Forces Spokesman, "The PLO and International Terror", (März 1981), S. 7.
12. Center for International Security, "The Sandinista-PLO Axis", S.
2, 15.

13. "The Arab-lsraeli Contest for Influence in Latin America", Business week, 3. Mai 1983, S. 52.
14.
- 13 -

Ebenda

�da die sandinistische Revolution begann. Beim Aufbau ihrer eigenen revolutionären Kapazitäten stützten sich die Sandinisten auf die PLO und auf
Libyen zwecks Waffen, zwecks Geld für Waffen und zwecks Hilfe beim Transport von Waffen.

Auch nach der Machtübernahme der Sandinisten bestanden diese Beziehungen fort. Die PLO schickte Gelder und militärische Ausbilder; die Libyer schickten Millionen Dollar an Finanzhilfe sowie Waffen, Piloten und
Militärberater. Die PLO erhielt vollen diplomatischen Status sowie die
Erlaubnis, an der Militär- und Guerillaausbildung in Lagern in Nicaragua
teilzunehmen. Die politischen Bindungen zwischen den Sandinisten und der
PLO sowie den Sandinisten und Libyen sind stark, und die politische Solidarität, die sich in Taten sowie bei Staatsbesuchen und Jahrestagen manifestiert, unterstreicht die Intensität dieser Beziehungen.

Zu der politischen, militärischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit
der Sandinisten mit den radikalen Staaten des Nahen Ostens und der PLO
kommt Nicaraguas Verstrickung

in den

internationalen Terrorismus. Die

Sandinisten konnten nicht die Tatsache verdecken, daß Nicaragua zu einem
sicheren Zufluchtsort für internationale Terroristengruppen wie die deutsche Baader-Meinhof-Bande, die italienischen Roten Brigaden und die baskische Untergrundsorganisation ETA geworden ist. Die Staaten und Gruppierungen des Nahen Ostens, mit denen Nicaragua in Beziehung steht - die
PLO, Libyen und der Iran - sind bekannt für ihre Beteiligung an Terroraktivitäten, einschließlich Planung, Ausbildung, Finanzierung und Durchführung von Terrorakten. Die Beziehungen der Sandinisten zu diesem Netz
stellen für die westliche Hemisphäre eine immer größere Gefahr dar.

FUSSNOTEN
1. Eileen Skully, "The PLO's Growing Latin American Base" (Washington, D.C.: The Heritage Foundation, 2. August 1983), S. 2
2.

- 14 -

David

J.

�14. Ebenda
15. Eileen Skully, "The PLO's Growing Latin American Base", S. 4.

16. John J. Tierney, Jr., "Somozas and Sandinistas:

The U.S. and Ni-

caragua in the Twentieth Century" (Washington, D.C.: Council for Inter-American Security, 1982), S. 62.

17. Christopher Dickey, "Palestinians Challenging Israel for Influence in Central America", The Washington Post, 29. Mai 1982, S. Al4? siehe auch U.S. News and World Report, 23. Juli 1979.

18. Melech Ben-Moshe, "Nicaraguan Status as Israel's Friend May Be
Jeopardized by Latin-PLO Tie", The Detroit Jewish News, 29. Dezember
1978, S. 18.
19. Ebenda; ADL, "PLO Activities in Latin America", S. 9.

20. Eileen Skully, "The PLO's Growing Latin American Base", S. 4.

21. Ciaire Sterling, "The Terror Network", S. 270.

22. Christopher

Dickey,

"Palestinians Challenging

Israel...", The

Washington Post, 29. Mai 1982, S. A14.

23. Center for International Security, "The Sandinista-PLO Axis", S.
3.

24. Ebenda

25. Niederschrift von Arafat-Interview, Managua Domestic News Service, 4:00 GMT, 22. Juli 1980, FBIS, Central America, 23. Juli 1980, S. P
7.

26.
- 15 -

San

Jose

�26. San Jose Radio Reloj, 17:30 GMT, 22. Juli 1980, FBIS, Central
America, 23. Juli 1980, S. P 8.

27. ADL,

"PLO Activities

in Latin America", S. 10; Christopher

Dickey, "Palestinians Challenging Israel...", The Washington Post, 29,
Mai 1982, S. A14.

28. Robert F. Lamberg, "The PLO in Latin America", Swiss Review of
World Affairs, Juni 1982, S. 12.

29. "The PLO on the Wing in Nicaragua", Newsweek, 15. März 1982, S.
19; Robert F. Lamberg, "The PLO in Latin America", S. 12; Rede von Arafat, 11. Januar 1982 Beirut Arab University gesendet über Voice of Palestine, 12. Janaur 1982, um 11:35 Uhr (Arafat unter "nom de guerre" "Abu
Ammar"), FBIS, Middle East, 13. Janaur 1982, S. A 1.

Siehe auch The Wall

Street Journal, 14. Januar 1982, S. 4.

30. Robert F. Lamberg, "The PLO in Latin America", S. 122; "The Arab-Israeli Contest for Influence in Latin America", Business Week, 3. Mai
1982, S. 52; Clifford A. Kiracofe, "The Soviet Network in Central America", Midstream, Mai 1981, S. 5.

31. "The Arab-lsraeli Contest for Influence in Latin America", Business Week, 3. Mai 1982; Robert F. Lamberg, "The PLO in Latin America",
Swiss Review of World Affairs, Juni 1982.
32. Innerhalb von 18 Monaten nach der Revolution vom 19. Juli hatten
die Sandinisten die Synagoge von Managua beschlagnahmt, und die meisten
Mitglieder der

kleinen jüdischen Gemeinde das Landes hatten Nicaragua

verlassen. Juden aus Nicaragua haben

im Exil über ihr Verfolgung durch

die Sandinisten berichtet. Die Sandinisten behaupten, sie seien nicht
antisemitisch, aber die Juden Nicaraguas hätten eine "bürgerlicht Einstellung", die es ihnen unmöglich mache sich an eine sozialistische Revolution anzupassen. Ob es nun Antisemitismus oder die marxistisch-leninistische Ideologie der Sandinisten war, das Ergebnis war das gleiche:
- 16 -

�das gleiche: Verfolgung der Juden, Beschlagnahme ihres Besitzes und der
Synagoge und schließlich Auszug der jüdischen Gemeinde aus Nicaragua. Wie
die Sandinisten

die Juden behandelten ist folgenden Quellen zu entneh-

men: "The Jews and the Nicaraguan Issue", Erklärung von Jaime Daremblum
im Weißen Haus am 13. März 1985; "Nicaraguan Jews feels the Sting of
Ouster", The Miami Herald, 2. Juli 1982, S. 16A; "NJC Statement on Nicaragua", herausgegeben von 'The National Jewish Coalition', Capitol Hill
Office, März 1985; "Religious Repression in Nicarauga", Erklärungen von
Rabbi Morton Rosenthal und Mr. isaac Stavisky, Congressional Record, 4.
August 1983, S. E4021.

33. David J. Kopilow, "Castro, Israel and the PLO", S. 3; Christopher
Dickey, "Palestinians Challenging Israel....", The Washington Post, 29.
Mai 1982, S. Al4.
34. ADL, "PLO Activities in Latin America", S. 9. Aus einem Bericht
der Washington Post geht hervor, daß dieses Investitionsangebot eine
Höchstgrenze von 3 Milliarden Dollar hatte. Siehe Christopher Dickey,
"Arab States Help Nicaragua Avoid Ties to Superpowers", The Washington
Post, 19. Juli 1981, S. A18.

35. Christopher Dickey, "Arab States Help Nicaragua...", The Washington Post, 19. Juli 1981, S. A 18.

36. Ebenda
37. Richard House, "Brazilians Study Libyan Arms Cargo:

Reports Vary

on Contents", The Washington Post, 26. April 1983, S. Al4; Richard House,
"Brazil Acts to Wind Down Planes Affair; Libya Seeks to Fly Out Arms",
The Washington Post, 27. April 1983, S. Al7.

"Italians to Return Arms to

Libya from Brazil", The Washington Post, 1. Mai 1983, S. A24.

38. James Gerstenzang, "Libyan Arms, Bound for Nicaragua, Called 'Tip
of the Iceberg'", Buffalo News, 26. April 1983, S. A6. (AP)

39. "Brazil To Seize Arms from Libyan Planes",
- 17 -

Buffalo News, 21.

�News, 21. April 1983, S. A4 (UPI).

40. "Nicaraguan Aide Says Libyan Air Shipment En Route to the Army",
The Washington Post, 23. April 1983, S. A21.

1. "Bogota Denies Capturing Libyan Arms", Buffalo News, 22. April
1983, S. A4; Richard House, "Brazilians, After Search, Confirm Libyan
Planes Carried Arms", The Washington Post, 24. April 1983, S. A28.

42.

Department

of

State,

"The

Sandinista

Military

Build-up"

(Washington, D.C.: Mai 1985), S. 32.

43. Judith Miller, "Qaddafi Says He Has Sent Troops To Help Nicaragua
Against U.S.", The New York Times, 2. September 1984, S. 11.

44. Ebenda

45. Ebenda; David Lamb, "Khadafy:
Miami

Herald,

2. September

Libyans Aid Sandinistas", The

1984, Information

Service

Latin

America

(ISLA), S. 117.
46.

"15-Million Dollar Trade Agreement Signed With Libya", Panama

City ACAN, 16. Januar 1985, 18:33 GMT, FBIS, Central America, 17. Januar,
1985, S. P 4.
47. John Lantigua, "Iran Denies It Gives Arms to Nicaragua", The Washington Post, 26. Januar 1985, S. A20.
48. Ebenda
49. "Ortega Receives OAS, Iranian, Zambian Officials", Managua Radio
Noticias, 14. Januar 1985, 12:00 GMT, FBIS, Central America, 15. Januar
1985, S. 8.
50. David Hoffman, "Reagan Calls Iran, Libya and PLO A 'New Danger'
- 18 -

�'New Danger' in Central America", The Washington Post, 25. Januar 1985,
S. AI; "Tehran Reports Arrival", Tehran Domestic News Service, 24. Januar
1985, 4:30 GMT, FBIS, Central America, 24. Januar 1985, S. P 20.

51. "World New Tonight with Peter Jennings", ABC News 24. Januar
1985, 7:25 EST.
52. "World News Tonight with Peter Jennings", ABC News, 25. Januar
1985, 7:10 EST.
53.Zeugenaussage des Exdiplomaten Antonio Farach aus Nicaragua vor
dem Untersuchungsausschuß für Alkoholismus und Drogenmißbrauch des Senatsausschusses

für Arbeit

und menschliche Ressourcen, 98. Kongress,

zweite Sitzungsperiode, am 2. August 1984. Farach erklärte, daß er von
seinen

Vorgesetzten

die

Anweisung

erhielt,

Nichtnicaraguanern,

ein-

schließlich Personen aus dem Nahen Osten, Pässe auszustellen. Siehe auch
Clifford A. Kiracofe, "The Soviet Network in Central America", Midstream,
S. 5.

54. Juan 0. Tamayo, "World's Leftists Find a Haven in Nicaragua", The
Miami Herald, 3. März 1985, S. 1.

* * * * *

- 19 -

�Uli/zen/chofl
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

11. September 1985

36

WELTRAUMPLATTFORM FÜR INDUSTRIE UND FORSCHUNG
- Erste Außenstation soll 1989 gestartet werden -

- (AD) - Über den Start der ersten kommerziellen Weltraumplattform im
Jahr 1989 von Bord eines amerikanischen Raumtransporters unterzeichnete
die amerikanische Behörde für Luft- und Raumfahrt (NASA) eine Vereinbarung mit dem amerikanischen Privatunternehmen "Space Industries, Inc." in
Houston

(Texas). Die Außenstation soll für industrielle Zwecke und für

Aufgaben der Forschung verwendet werden. Es handelt sich, wie NASA-Administrator James Beggs auf einer Pressekonferenz erklärte, um die erste
von einem Privatunternehmen gebaute Einrichtung dieser Art, die eine bemannte Raumstation ergänzen und schließlich dem Aufbau eines "Industrieparks" im Weltraum dienen soll. Mitte der neunziger Jahre dürfte sie betriebsbereit sein.

Die Außenstation ist zwar nicht ständig besetzt, wird jedoch mit einem Druckmodul ausgestattet, in dem Astronauten wie auf der Erde wohnen
und arbeiten können. Dies wird dann erforderlich werden, wenn die Plattform an die benachbarte Raumstation angekoppelt ist oder wenn der Raum-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�der Raumtransporter anlegt. Um die zentrale Druckeinheit sind Fabrikations- und Labormoduln, Dockvorrichtungen und, zu beiden Seiten, zwei
große Solarzellen-Flügel gruppiert. Zusätzliche Moduln können jeweils als
komplette Einheit angebaut und "wie Eisenbahnwaggons" aneinandergereiht
werden. Die Baukosten für die erste Außenstation werden auf 250 bis 500
Millionen Dollar geschätzt.

Die erste ISF ("Industrial Space Facility" - Industriestation) soll
Firmen, die an Fabrikationsprozessen im Weltraum interessiert sind, die
Möglichkeit geben, damit zu beginnen, noch ehe die erste Raumstation für
solche Zwecke zur Verfügung steht. Den Betrieb der ISF übernimmt das Unternehmen "Space Industries, Inc.", das verfügbare Arbeitsflächen verpachtet. Die Produktionsprozesse

der ersten

Interessenten werden von

Astronauten aus dem Raumtransporter betreut. Später soll dies von einer
Raumstation aus geschehen. "Besonders geeignete Kandidaten für die ISF
wären Firmen, die die Schwerelosigkeit für kontinuierliche Prozesse nutzen wollen", sagte Beggs. "In solchen Fällen wäre nur einige Male im Jahr
eine fachmännische Kontrolle oder menschliche Intervention erforderlich."
Beggs sieht Möglichkeiten vor allem zur Herstellung pharmazeutischer
und biotechnischer Produkte, von Kristallen besonderer Reinheit und in
"idealer" Ausbildung, was unter irdischen Bedingungen äußerst schwer oder
überhaupt nicht zu erzielen ist. Für die Gewinnung neuartiger Werkstoffe,
insbesondere neuer Metalle und Legierungen, ergäben sich sehr gute Chancen.

Nach Ansicht von Max Faget, Präsident von "Space Industries, Inc.",
dürften Firmen, die im Weltraum verarbeiten und produzieren, ab Mitte der
neunziger Jahre Einkünfte in Milliardenhöhe pro Jahr aus solchen Prozessen erwarten können. Zu den neuen Produkten zählten beispielsweise Medikamente zur Behandlung von Diabetes, Emphysem und verschiedenen Blutkrankheiten. Außerdem bestehe großes Interesse für spezielle Kristalle,
die in Hochgeschwindigkeitscomputern und anderen Elektronik-Ausrüstungen
modernster Bauart gebraucht werden. Die Außenstation diene ferner der
NASA und anderen Regierungsbehörden als "Teststation" zur Entwicklung von

�Entwicklung von Ausrüstungen für den Weltraum sowie zur Durchführung von
Forschungsprojekten auf den Gebieten Biologie und Medizin. Vorläufig sollen Astronauten mit dem Raumtransporter ca. alle drei Monate an der
Plattform anlegen, Ausgangsstoffe für Fabrikationsprozesse anliefern und
Fertigprodukte mitnehmen, außerdem Wartungs- und Reparaturarbeiten ausführen und, soweit erforderlich, neue Ausrüstungen installieren.

Wie Beggs berichtete, erkennen immer mehr Unternehmen die einzigartigen Chancen für Forschungen und für die Produkte unter den Bedingungen
der Schwerelosigkeit. Die NASA habe mit 20 Firmen der Luft- und Raunn
fahrtindustrie und anderen Branchen bereits Vereinbarungen getroffen und
stehe mit weiteren 24 Unternehmen wegen kommerzieller Weltraumprojekte in
Verhandlung. Das erste Produkt - winzige Kügelchen aus Polystyren - sei
bereits in Gebrauch: Das amerikanische Bundesamt für Materialprüfung und
technische Normen gab die Genehmigung

für ihre Verwendung, um wissen-

schaftliche Instrumente zu eichen und um ein Standardmaß für Kleinpartikel wie rote Blutkörperchen und industrielle Schadstoffe zu haben.

- 3 -

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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan kündigt Maßnahmen gegen Südafrika an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Präsidenten und Schreiben an den Kongress -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dokumentation des Weißen Hauses zur Südafrikapolitik der USA&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Sandinisten und die Radikalen im Nahen Osten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bericht des US-Außenministeriums -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weltraumplattform für Industrie und Forschung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erste Außenstation soll 1989 gestartet werden -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;</text>
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