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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

*

3. Juni

21

1987

I N H A L T
DOKUMENTATION

Persischer Golf sollte nicht von Iran und UdSSR beherrscht werden
- Präsident Reagan zur Situation im Persischen Golf Marshall-Plan auch heute noch inspirativ
- Präsident Reagans Proklamation zum Gedenkmonat für George C.
Marshall Reagan fordert "routinemäßigen" AIDS-Test
- Rede vor der amerikanischen Stiftung für AIDS-Forschung -

INFORMATION
Greenspan bringt reiche Erfahrungen bei der amerikanischen Bundesbank
ein
- Kurzbiographie des neuen Vorsitzenden der Bundesbank NIDA verzeichnet Erfolge bei Drogenbekämpfungskampagne
- Artikel über die Drogenkonferenz in Honolulu 9

Eltern kommt Schlusselrolle bei Bekämpfung des Drogenmißbrauchs zu
- Artikel über die Drogenkonferenz in Honolulu -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Verkehrsflugzeug mit fünffacher Schallgeschwindigkeit
- Vorreiter für das amerikanische Weltraumflugzeug -

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
VON

&amp;

Dokumentation

21

3. Juni 1987

PERSISCHER GOLF SOLLTE NICHT VON IRAN UND UDSSR BEHERRSCHT WERDEN
- Präsident Reagan zur Situation im Persischen Golf -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan gelobte in seiner am 29. Mai 1987
gehaltenen Ansprache, die "Benutzung der wichtigen Schiffahrtswege des Persischen Golfs wird nicht von den Iranern gelenkt werden" und "sollen nicht unter die Oberaufsicht der Sowjetunion gelangen".
Der Präsident bezeichnete es als seine Pflicht, sicherzustellen, daß zur
angemessenen Abschreckung Streitkräfte in dem Gebiet unterhalten werden, falls notwendig - auch zur Verteidigung gegen jedweden zufälligen oder beabsichtigten Angriff.
Nachfolgend drucken wir die Rede des Präsidenten im Wortlaut.
Ich möchte heute nachmittag direkt über die lebenswichtigen Interessen des amerikanischen Volkes sprechen, lebenswichtige Interessen, die
im Gebiet des Persischen Golfes auf
dem Spiel stehen. Es mag nach einer
wirtschaftlichen
Erholung
in einer
Rekordzeit von 54 Monaten leichtfallen, zu vergessen, wie wichtig der
Persische Golf für unsere nationale
Sicherheit ist.
Aber ich glaube, daß sich jeder
Anwesende und jeder meiner Zuhörer an
die schmerzlichen Auswirkungen der

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Ölkrise im Mittleren Osten vor einigen Jahren erinnern kann - an die
endlosen, demoralisierenden Schlangen
an den Tankstellen, die Verknappung,
Rationierung, die steigenden Energiepreise, die zweistelligen Inflationsraten und die ungeheure Verwirrung,
die unsere Wirtschaft in ihren Grundfesten erschütterte.
Dieselbe wirtschaftliche Verwirrung durchdrang alle Teile der Welt,
beeinträchtigte
ausländische Volkswirtschaften, verschärfte internationale Spannungen und erhöhte in ge-

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�fährlichem Ausmaß die Möglichkeiten
für regionale Konflikte und weitreichende Kriege.
Die grundlegende Kraft für den
Frieden in der Welt - die Vereinigten
Staaten
und
andere
demokratische
Staaten - wurden als erheblich geschwächt angesehen.
Unsere Volkswirtschaften und unser Volk wurden
als Sklaven der ölproduzierenden Länder der Welt betrachtet. Das könnte
sich wiederholen, wenn es dem Iran
und
der
Sowjetunion
gelingt, den
friedlichen
arabischen Staaten des
Persischen Golfs ihren Willen aufzuzwingen und wenn es dem Iran erlaubt
würde, das freie Passieren neutraler
Schiffe zu blockieren.
Aber dies wird sich nicht wiederholen, nicht während der Amtszeit
dieses Präsidenten.
Ich bin entschlossen,
daß
unsere
nationale
Volkswirtschaft
niemals
wieder
zu
einer Sklavin wird; daß wir nicht zu
den Tagen der Schlangen an den Tankstellen, der Verknappung, Inflation,
wirtschaftlichen Verwirrung und internationalen Erniedrigungen zurückkehren werden.
Lassen Sie es mich
Ihnen deutlich sagen - die Benutzung
der lebenswichtigen Schiffahrtwege im
Persischen Golf wird nicht von den
Iranern
diktiert
werden.
Diese
Durchfahrten sollen nicht unter die
Oberaufsicht der Sowjetunion gelangen. Der Persische Golf wird für die
Schiffahrt aller Länder der Welt offen bleiben. Ich werde es nicht zulassen, daß der Mittlere Osten ein
Engpaß für die Freiheit oder ein Pulverfaß für internationale Konflikte
wird.
Freiheit der Schiffahrt ist im
Völkerrecht keine leere Klausel. Sie
ist für die Gesundheit und Sicherheit
Amerikas und die Stärke unseres Bündnisses lebenswichtig.

Unsere Präsenz im Persischen Golf
ist ebenso wichtig, wenn es um die
Verhinderung
größerer
Konflikte im
Mittleren Osten geht, und sie bildet
eine Voraussetzung für die Beendigung
des brutalen und gewalttätigen, jetzt
sechseinhalb Jahre währenden Krieges
zwischen Iran und Irak. Auf diplomatischer Ebene tun wir, was wir können, um diesen Krieg zu seinem Ende
zu führen, und diese Bemühungen werden anhalten.
Zusammengenommen halten die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
ihre Präsenz im Golf aufrecht, um den
ungehinderten Umschlag des Öls zu unterstützen, um unsere Freunde und
Verbündeten in der Region unseres Engagements für ihren Frieden und ihr
Wohlergehen zu versichern, um sicherzustellen,
daß
die
Freiheit
der
Schiffahrt und andere international
vereinbarte
Grundsätze
respektiert
und beachtet werden. Kurz gesagt, um
die Sache des Friedens zu unterstützen.
Bis
zur
Wiederherstellung
des
Friedens und bis für die Schiffahrt
in der Region - besonders für die
Schiffahrt
unter
amerikanischem
Schutz - keine Risiken mehr bestehen,
müssen wir eine angemessene Präsenz
zum Zwecke der Abschreckung aufrechterhalten, und um uns, falls notwendig, gegen jedweden zufälligen oder
jeden beabsichtigen Angriff zu verteidigen.
Als Oberbefehlshaber ist
es meine Pflicht, sicherzustellen,
daß Streitkräfte in diesem Gebiet unterhalten werden, die diesem zweck
angemessen dienen.
Unser ziel ist das Streben nach
Frieden und nicht die Provokation.
Aber unsere Interessen und die unserer Freunde müssen gewahrt werden.
Wir sind im Persischen Golf, um unse-

- 2 -

�re nationalen, und zusammen mit unseren Verbündeten, die Interessen der
gesamten westlichen Welt zu schützen.
Der Frieden steht auf dem Spiel. Unsere nationalen Interessen stehen auf
dem Spiel. Und wir werden die Fehler
der Vergangenheit nicht wiederholen.
Schwäche und ein Mangel an Entschlossenheit und Stärke werden nur
diejenigen ermutigen, die den ölfluß
als Mittel zu nutzen suchen, als Waffe, um dem amerikanischen Volk im Inland Schwierigkeiten zu bereiten, uns
im Ausland zu behindern und um im gesamten Mittleren Osten und der Welt
Konflikte und Gewalt zu fördern.

- 3 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
21

3. Juni 1987

MARSHALL-PLAN AUCH HEUTE NOCH INSPIRATIV
- Präsident Reagans Proklamation zum Gedenkmonat für George C. Marshall -

WASHINGTON - (AD) - In seiner Proklamation vom 1. Juni 1987 erklärte Präsident Reagan den Juni 1987 zum Gedenkmonat für George C. Marshall und nannte
dessen Plan zum Wiederaufbau des vom Krieg zerstörten Europa "ein stolzes Monument der Geschichte unserer Nation".
Wie Präsident Reagan ausführte, ist der Marshall-Plan "auch heute noch inspirativ, weil er aufzeigt, welche Möglichkeiten bestehen, wenn Nationen ihre
Differenzen beilegen, um sich einer gemeinsmen Herausforderung zu stellen".
Die Proklamation hat folgenden Wortlaut:

Am 5. Juni vor 40 Jahren legte
der
damalige
Außenminister
George
Catlett Marshall Jr. in seiner Rede
bei einer Examensfeier der Universität Harvard seinen Plan zum Wiederaufbau des durch den Krieg zerstörten
Europa vor. Es ist wahrhaft angemessen, daß wir zum 40. Jahrestag dieses
Plans, der als Marshall-Plan bekannt
wurde,
eine
Gedenkfeier
abhalten,
weil er die Grundlage für das bemerkenswerteste
Zeitalter
von Frieden
und Wohlstand in der Geschichte bildet.
Der Plan verkörperte in höchstem Maße das amerikanische Engagement für Frieden und Freiheit in Eu-

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ropa und trug angemessenerweise den
Namen George Marshalls.
Als Stabschef der Armee im Zweiten Weltkrieg
trug er entscheidend zur Befreiung
Europas
bei; nachdem
Frieden geschlossen worden war, arbeitete er
ebenso tatkräftig als Außenminister
daran, Europa auf einem neuen Niveau
der Stärke und Vitalität wiederhergestellt zu sehen.
Der Marshall-Plan ist ein stolzes
Monument der Geschichte unserer Nation, weil sein Ursprung in unserem
großen und hochherzigen Geist liegt

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�wie auch in unserem Einsatz für die
Prinzipien der wechselseitigen Abhängigkeit, Selbstbestimmung und Offenheit gegenüber einer positiven Zusammenarbeit.
Der Plan war über die
kühnsten Erwartungen hinaus erfolgreich und bleibt heute noch inspirativ, weil er aufzeigt, welche Möglichkeiten
bestehen, wenn Nationen
ihre Differenzen beilegen, um sich
einer gemeinsamen Herausforderung zu
stellen.
Wir nehmen diese Gelegenheit auch
zum Anlaß, um George C. Marshall für
seine lebenslange Hingabe an die Vereinigten Staaten von Amerika zu ehren. Er bekleidete bei unserer härtesten Waffenprobe in der Armee eine
Führungsposition, diente als Außenund Verteidigungsminister
und wurde
der erste Berufssoldat, dem der Friedensnobelpreis verliehen wurde.
Er
wird uns immer als Inbegriff des Bürgers in Uniform in Erinnerung bleiben.

Aus diesem Grunde erkläre ich,
Ronald Reagan, Präsident der Vereinigten Staaten
von Amerika, den
Juni 1987 zum Gedenkmonat für George
C. Marshall, ich fordere alle Amerikaner auf, diesen Monat mit entsprechenden
Programmen, Feierlichkeiten
und anderen Veranstaltungen zu begehen.
Dies zu bezeugen, habe ich an
diesem ersten Tag des Juni, im Jahre
des Herrn
neunzehnhundertsiebenundachtzig und im zweihundertelften Jahr
der Unabhängigkeit
der Vereinigten
Staaten
von Amerika
meine Unterschrift geleistet.

gez.
Ronald Reagan

Der Kongreß hat durch Senatsbeschluß 70 den Monat Juni zum "Gedenkmonat für George C. Marshall" erklärt
und den Präsidenten ermächtigt und
aufgefordert, zu diesem Anlaß eine
Proklamation zu unterzeichnen.

- 2 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON**

3. Juni 1987

21

REAGAN FORDERT "ROUTINEM&amp;SSIGEN" AIDS-TEST
- Rede vor der amerikanischen Stiftung für AIDS-Forschung -

WASHINGTON - (AD) - In seinen Ausführungen vor der Amerikanischen Stiftung
für AIDS Forschung (American Foundation for AIDS Research) forderte Präsident
Reagan am 31. Mai 1987 "routinemäßige" AIDS-Tests für alle Insassen in Bundes-, Landes- und Regionalgefängnissen, für diejenigen, die um eine Heiratsurkunde nachsuchen sowie für alle, die Kliniken zur Behandlung von Geschlechtskrankheiten oder Drogenabhängigkeit aufsuchen.
Reagan hielt seine Rede anläßlich der von der Weltgesundheitsorganisation
und zahlreichen amerikanischen Regierungsbehörden veranstalteten Dritten Internationalen Konferenz über AIDS, zu der Tausende von Wissenschaftlern und
Forschern zusammengekommen waren.
Die Rede Präsident Reagans hat folgenden Wortlaut:
Ich möchte Ihnen allen meinen
Dank dafür aussprechen, daß Sie sich
dem Kampf gegen AIDS verschrieben haben,
und ich möchte ebenfalls der
amerikanischen Stiftung für AIDS-Forschung und den Empfängern der Auszeichnungen für ihre Beiträge danken.
Es erfüllt mich mit besonderer Freude, daß sich unter den heute abend
Geehrten auch ein Mitglied der Administration befindet.
Dr. Koop verkörpert das, was man von jedem Generalarzt erwartet - er ist ein ehrenwerter Mensch, ein guter Arzt und ein
Verfechter des öffentlichen Gesund-

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heitswesens. Auch den anderen Ärzten
und Forschern, die heute abend nicht
hier anwesend sein können, möchte ich
meinen Dank aussprechen.
Sie alle
haben in den frühen Tagen der Krankheit wahrhaften Mut an den Tag gelegt, als wir uns noch nicht bewußt
waren, wie todbringend AIDS ist. Sie
haben ein persönliches Risiko für medizinische Erkenntnisse und für das
Wohlergehen ihrer Patienten auf sich
genommen.
Und dies verdient unsere
aufrichtige Dankbarkeit und Anerkennung.

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�Ich möchte heute abend über die
Krankheit sprechen, die uns alle hier
zusammengeführt
hat.
Der
Dichter
W.H. Auden hat gesagt, daß die wahren
Männer der Tat in diesen Zeiten nicht
die Politiker oder Staatsmänner sind,
sondern
die
Wissenschaftler.
ich
glaube, diese Aussage hat besondere
Gültigkeit, wenn wir uns mit der
AIDS-Epidemie auseinandersetzen.
Diejenigen unter uns, die der Regierung angehören, können unsere Bürger über die Gefahren aufklären; wir
können sicheres Verhalten ermutigen;
Tests zur Bestimmung der Verbreitung
des Virus durchführen; wir können alle
möglichen
Maßnahmen
ergreifen.
Aber nur die medizinische Wissenschaft kann jemals AIDS wirklich bekämpfen.
Und wir haben bereits beachtliche Fortschritte erzielt.
Wenn man bedenkt, daß wir von der
Existenz dieser Krankheit nicht einmal wußten, bis im Juni 1981 fünf
Fälle
in
Kalifornien
auftauchten.
Das eigentliche AIDS-Virus wurde 1984
entdeckt. Die Bluttests standen 1985
zur Verfügung.
Ein Medikament zur
Behandlung, AZT, wurde in Rekordzeit
auf den Markt gebracht, und andere
werden folgen. In zahlreichen Labors
wird an einem Impfstoff gearbeitet.
Zusätzlich zu den privaten und
gemeinschaftlichen
Forschungen, die
in unserem Land und überall auf der
Welt durchgeführt werden, hat die
Bundesregierung in diesem Haushaltsjahr 317 Millionen Dollar für die
AIDS-Forschung und insgesamt 766 Millionen Dollar vorgesehen.
Im nächsten Jahr beabsichtigen wir 30 Prozent mehr für die Forschung aufzuwenden - 413 Millionen Dollar von insgesamt 1 Milliarde Dollar. Die Ausgaben für AIDS bilden einen der Bereiche, die im Budget am schnellsten
wachsen, und, meine Damen und Herren,

sie verdienen es.
Wir reißen auch die Schranken der
Vorschriften nieder, damit die AIDSMedikamente von den pharmazeutischen
Labors so schnell wie möglich auf den
Markt kommen. Es ergibt keinen Sinn
- und es ist in der Tat sogar grausam
- sterbenden Patienten die Hoffnung
auf neue Medikamente vorzuenthalten.
Und ich verurteile nicht diejenigen,
die für die Freigabe der AIDS-Medikamente auf die Straße gingen und protestierten, bevor der letzte Federstrich gezogen war.
ich habe Verständnis für sie, und wir werden Hilfe - und Hoffnung - zur Verfügung
stellen, und zwar so schnell wir können.
Die Wissenschaft ist eindeutig zu
atemberaubenden Fortschritten fähig,
aber sie kann keine Wunder vollbringen.
Aufgrund der langen Inkubationszeit von AIDS wird es Jahre dauern, die Wirkung eines Impfstofs herauszufinden.
Die
Tests
erfordern
Zeit, und das ist ein Problem, das
nicht mit Geld gelöst werden kann.
Wir werden frühestens gegen Mitte bis
Ende der neunziger Jahre einen Impfstoff auf dem Markt haben.
Da wir keine Heilung
für die
Krankheit und keinen Impfstoff gegen
sie haben, lautet die Frage, wie wir
uns in der Zwischenzeit angesichts
dieser
Krankheit verhalten
sollen?
Wie schützen wir die Bürger unserer
Nation?
Und wo fangen wir an?
Zum
einen ist es absolut notwendig, daß
das amerikanische Volk Wesen und Ausmaß des AIDS-Problems erkennt.
Und
es ist wichtig, daß die Bundes- und
Landesregierungen dies ebenfalls tun.
Ich habe kürzlich meine Absicht
verkündet, wegen
der
Konsequenzen
dieser Krankheit für unsere Gesellschaft eine nationale AIDS-Kommission

- 2 -

�ins Leben zu rufen.
Wir benötigen
umfassende Antworten. Was können wir
zum Schutz der Amerikaner tun, die
nicht mit dem Virus infiziert sind?
Wie können wir am besten für diejenigen sorgen, die krank sind und im
Sterben liegen?
Wie bewältigen wir
eine Krankheit, die unser Gesundheitsfürsorgesystem
überschwemmen
könnte? Die AIDS-Kommission wird dazu beitragen, die besten Ideen Amerikas zur Bewältigung der AIDS-Krise
herauszukristallisieren.
Einige Dinge sind uns bereits bekannt - die
kalten Statistiken.
Aber ich werde
Ihnen nicht die grausamen Fakten darüber aufzählen, wie viele bereits gestorben sind oder höchstwahrscheinlich sterben werden. Ich werde nicht
die Zahlen und Gruppen derjenigen
aufschlüsseln, die wir verloren haben, denn ich möchte nicht, daß die
Amerikaner denken, AIDS beträfe nur
bestimmte Gruppen. AIDS betrifft uns
alle.
Unsere
Bürger
müssen
folgendes
wissen: Amerika sieht sich mit einer
Krankheit konfrontiert, die tödlich
ist und die sich ausbreitet.
Dies
erforderdert Eile, nicht Panik.
Es
erfordert Mitgefühl, nicht Verurteilung. Und es erfordert Verständnis,
nicht
Ignoranz.
Es
ist
außerdem
wichtig, daß die Amerikaner diejenigen nicht zurückstoßen, die von der
Krankheit
infiziert
sind,
sondern
würde- und liebevoll für sie sorgen.
Das letzte Urteil liegt bei Gott; es
liegt bei uns, das Leiden zu mildern
und Heilung zu finden. Wir befinden
uns in einem Kampf gegen Krankheit,
nicht
gegen
unsere
amerikanischen
Mitbürger.
Wir dürfen diejenigen, die mit
dem AIDS-Virus infiziert sind, nicht
der Diskriminierung aussetzen.
Ich
stimme mit dem Minister für Bildung
und Gesundheit Bennett überein - wir

müssen uns standhaft gegen jede Diskriminierung der mit AIDS Infizierten
zur Wehr setzen. Wir müssen die Verfolgung
unserer Mitbürger, sei es
durch
Ignoranz oder Böswilligkeit,
verhindern.
So gefährlich und tödlich AIDS
auch ist, viele der mit dieser Krankheit verbundenen Ängste sind unbegründet.
Diese Ängste gründen sich
auf Ignoranz.
Mir wurde von einem
Zeitungsfoto berichtet, auf dem ein
Baby in einem Krankenhausbettchen mit
einem Schild darüber gezeigt wurde,
auf dem zu lesen stand:
"AIDS
nicht
berühren".
Glücklicherweise
war dieses Foto vor einigen Jahren
aufgenommen worden, und wir wissen
heute, daß es für solche Ängste keinen Grund gibt.
Aber ähnliche Vorfälle ereignen
sich immer noch überall in diesem
Land. Ich habe über einen AIDS-infizierten Mann gelesen, der an seinen
Arbeitsplatz zurückkehrte und anonyme
Zettel auf seinem Schreibtisch fand
mit solchen Sätzen wie:
"Benutzung
unseres WasserSpenders verboten".
Mir wurde von einem Vorfall in
Florida berichtet, bei dem drei Brüder im Alter von 10, 9 und 7 Jahren,
alle Bluter und AIDS-Träger, beteiligt waren. Der Pastor forderte die
ganze Familie auf, nicht mehr in die
Kirche zu kommen.
Meine Damen und
Herren - dies sind altmodische Ängste, die im "Home of the Brave" keinen Platz haben.
Der öffentliche Gesundheitsdienst
hat festgestellt, daß kein medizinischer Grund dafür vorliegt, eine mit
dem Virus infizierte Person von regelmäßigem Schulbesuch oder der Arbeit
abzuhalten.
Es gibt
keinen
Grund für diejenigen, die AIDS-Träger
sind, ein scharlachrotes A zu tragen.

- 3 -

�AIDS ist nicht eine zufällig ansteckende Krankheit. Wir sind immer
noch dabei, zu lernen, wie AIDS übertragen wird, aber die Experten sagen
uns, daß man es nicht von Telephonen,
in Schwimmbädern oder von Wasserspendern
bekommt.
Wir
bekommen
AIDS
nicht, wenn wir jemandem die Hand
schütteln oder im Bus oder sonst irgendwo sitzen. Und am allerwichtigsten ist, man bekommt AIDS nicht, indem man Blut spendet.
Zum Abbau der Ängste ist Erziehung entscheidend. Und Erziehung ist
ebenfalls der entscheidende Faktor,
um die Weiterverbreitung der Krankheit zu stoppen. Da wir bisher noch
keine Heilung und keinen Impfstoff
zur Behandlung haben, ist das einzige, was die Verbreitung von AIDS im
Augenblick eindämmen kann, ein Wandel
im Verhalten derjenigen Amerikaner,
die davon bedroht sind.
Wie ich bereits ausgeführt habe,
ist es Aufgabe der Regierung, wissenschaftliche und sachdienliche Informationen zur Verfügung zu stellen.
Organisationen können dazu beitragen,
diese Informationen
zu verbreiten,
ebenso wie Gemeinden und religiöse
Gruppierungen.
und natürlich können
dies auch die Schulen - unter Anleitung der Eltern und mit der Verpflichtung, so hoffe ich, daß die
AIDS-Erziehung oder jeder Aspekt der
Sexualerziehung nicht wertneutral gehandhabt werden.
Ein Dekan der st. Pauls Kathedrale in London hat einmal gesagt: "Das
Ziel der Erziehung ist nicht die
Kenntnis der Fakten, sondern der Werte".
Und das ist von der Wahrheit
nicht allzuweit entfernt.
Erziehung
ist das Wissen, sich anzupassen, erwachsen zu werden, sich selbst und
die Welt um uns herum zu verstehen.

Und Werte sind es, die uns bei den
Entscheidungen
des
Lebens
leiten.
Eine dieser Entscheidungen betrifft
unser Sexualverhalten.
Wie Generalarzt Dr. Koop ausgeführt hat, können wir von Kindern,
denen
Selbstwertgefühl
vermittelt
worden ist, erwarten, daß sie sich
selbst und anderen mit größerem Respekt entgegentreten.
Und wo immer
Selbstrespekt und gegenseitiger Respekt vorherrschen, gibt es keinen
Dogenmißbrauch und sexuelle Promiskuität - die natürlich die beiden
Hauptursachen für AIDS sind.
Auch
Nancy hat bei ihrer Arbeit herausgefunden, daß Selbstachtung die beste
Verteidigung
gegen
Drogenmißbrauch
darstellt.
Wir wissen, daß es diejenigen geben wird, die trotzdem weitermachen.
Nachdem eine moralische Grundlage definiert worden ist, kann man präventive und andere spezifische Maßnahmen
diskutieren.
Und es gibt einen weiteren Aspekt
bei der Vermittlung von Werten, der
hier erwähnt werden muß. Als Einzelpersonen haben wir eine moralische
Verpflichtung, andere nicht in Gefahr
zu bringen - und das kann heißen, andere mit einer Pistole, einem Auto
oder mit einem Virus in Gefahr zu
bringen. Wenn eine Person Grund zu
der Annahme hat, er oder sie sei
AIDS-Träger, dann hat diese Person
die moralische Pflicht, sich einem
Test zu unterziehen. Der menschliche
Anstand gebietet dies. Und der Grund
dafür ist sehr einfach - unschuldige
Menschen werden durch das Virus infiziert, und einige von ihnen werden
AIDS bekommen und sterben.
Lassen Sie mich Ihnen eine Geschichte über junge, unwissende Menschen erzählen.
Ein Arzt in einem

- 4 -

�Landkreis in Kentucky behandelte eine
Frau, die das AIDS-Virus von ihrem
Ehemann erworben hatte, der sich Drogen intravenös spritzte. Später wurden sie geschieden, und keiner der
beiden wußte, daß sie infiziert waren. Sie heirateten wieder einen anderen Partner, und heute hat bereits
einer von ihnen die Krankheit an den
neuen Ehepartner weitergegeben.

Darüber hinaus habe ich um eine
Überprüfung anderer Verantwortungsbereiche des Bundes nachgesucht, wie
etwa der Krankenhäuser für Kriegsveteranen, um herauszufinden, ob in
diesen Bereichen Tests angemessen wären. Diese Untersuchungen finden zusätzlich zu den bei den Streitkräften
und
im Auswärtigen Dienst bereits
durchgeführten Tests statt.

Ebensowenig, wie die meisten Menschen wissen, ob sie Träger des Virus
sind, wissen wir, in welchem Maße das
Virus unsere gesamte Gesellschaft bereits infiziert hat. AIDS verbreitet
sich heimtückisch unter unserer Bevölkerung, und dennoch haben wir noch
keine präzise Vorstellung über das
Ausmaß der Verbreitung.
Es ist an
der Zeit, daß wir genau wissen, womit
wir
uns
auseinandersetzen
müssen.
Und aus diesem Grund unterstütze ich
routinemäßige Tests.

Ich möchte mich jetzt dem zuwenden, was die Einzelstaaten tun können. Einige haben die Arbeit bereits
aufgenommen.
Ich berücksichtige die
freie Entscheidung des einzelnen, ermutige aber die Staaten, denjenigen,
die sich um eine Heiratsurkunde bemühen oder Patienten von Kliniken für
Geschlechtskrankheiten
oder
Drogenentzug Routineuntersuchungen anzubieten.
Und ich ermutige die Einzelstaaten, in Staats- oder Regionalgefängnissen
Routineuntersuchungen
zu
verlangen.

Ich habe das Ministerium für Gesundheits- und
Sozialwesen
um eine
baldmögliche Feststellung des Ausmaßes gebeten, in dem das AIDS-Virus
unsere Gesellschaft bereits durchsetzt hat sowie um eine Vorhersage
der zukünftigen Dimensionen
Ich habe ferner das Ministerium
für das Gesundheits- und Sozialwesen
gebeten, das AIDS-Virus in die Liste
der ansteckenden Krankheiten aufzunehmen, aufgrund derer Einwanderern
und Personen, die um ständigen Wohnsitz in den Vereinigten Staaten nachsuchen, die Einreise verwehrt werden
kann.
Ich habe das Justizministerium
ersucht, Tests bei allen in Bundesgefängnissen
einsitzenden
Häftlingen
vorzusehen und Wege aufzuzeigen, um
nicht infizierte Insassen und ihre
Familien zu schützen.

Tests werden uns nicht nur mehr
Informationen als Entscheidungsgrundlage liefern, sondern auch im Falle
der Heiratsurkunden wenigstens einigen Babys ersparen, mit AIDS geboren
zu werden. Und jeder, der weiß, wie
schrecklich AIDS den Körper angreift,
kann sich dieser menschlichen Betrachtungsweise nicht entziehen. Ich
würde annehmen, daß sich jeder Heiratswillige testen lassen möchte.
Sie wissen, daß es ein Sprichwort
gibt, das besagt, wo die Nacht am
dunkelsten ist, leuchten die Sterne
am hellsten. Und bei dieser schrecklichen
AIDS-Seuche
gab
es
einige
lichte Momente. Ich spreche von all
den Freiwilligen im ganzen Land, die
sich um die Kranken und Hilflosen gekümmert haben.

Jahr
- 5 -

Zum Beispiel haben im vergangenen
etwa 450 Freiwillige im Rahmen

�des Shanti-Projekts 87 Prozent der
AIDS-Patienten San Franciscos 130 000
Stunden an seelischem Rückhalt und
praktischer
Unterstützung
gegeben.
Diese Art des Mitgefühls hat sich
über das ganze Land ausgebreitet und
symbolisiert die beste Tradition der
Fürsorge. Und ich ermutige die Amerikaner, diesem Beispiel zu folgen
und freiwillig ihren an AIDS erkrankten Mitbürgern zu helfen.
Abschließend möchte ich Ihnen etwas aus der Zeitung vorlesen, das
ebenfalls den amerikanische Geist widerspiegelt. Ein junger an AIDS erkrankter Mann hat gesagt:
"Obwohl
ich den Tod akzeptiere, ist der Kampf
um das Leben wichtig, und ich werde
diese Krankheit mit jedem Atemzug bekämpfen, der mir bleibt".

* * * * * *

- 6

�^£°s7&lt;

VOM

AMERIKA DIENST
Information

&amp;

3. Juni 1987

21

GREENSPAN BRINGT REICHE ERFAHRUNGEN BEI DER
AMERIKANISCHEN BUNDESBANK EIN
- Kurzbiographie des neuen Vorsitzenden der Bundesbank -

WASHINGTON - (AD) - Viele Wirtschaftswissenschaftler
haben
darauf
hingewiesen, daß es schwierig wäre,
jemanden
mit
der
Kompetenz
Paul
Volckers zu finden, der ihm als Vorsitzenden der Bundesbank folgen könnte.
Aber am 2. Juni hat Präsident
Reagan einen Kandidaten für die Nachfolge
Volckers
vorgeschlagen,
der
nach übereinstimmender Auffassung umfangreiche
Fachkenntnisse
und eine
gesunde
Handhabung
der
Geldpolitik
für den Posten mitbringt.

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Embassy of the United States of America

Der
Volkswirtschaftler
Alan
Greenspan, früherer Berater der Präsidenten Nixon und Ford, trat häufig
als Zeuge vor Ausschüssen des Kongresses auf. Er wird Volcker innerhalb der nächsten Monate ablösen,
wenn er vom Senat bestätigt wird.
Nach der Ankündigung berichtete
Volcker einigen Journalisten im Weißen Haus, er kenne Greenspan seit 30
Jahren.
Er sagte wörtlich:
"Ich
kenne einige seiner Begabungen, seine
Erfahrung, seine Fähigkeiten und sei-

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�ne Hingabe. Und ich bin erfreut, daß
der Präsident ihn gebeten hat, das
Amt anzutreten und daß er zugestimmt
hat."

Greenspans "eine ausgezeichnete Wahl"
und fuhr fort:
"Ich glaube nicht,
daß
der
Präsident
einen
besseren
Nachfolger hätte finden können."

Bei einem anderen Informationsgespräch sagte der amerikanische Finanzminister James Baker: "Ich glaube, daß die Qualifikationen von Dr.
Greenspan absolut hervorragend sind,
und ich erwarte nicht, daß es bei
seiner
Bestätigung
Probleme
geben
wird.
ich glaube, wir haben während
der
vergangenen Tage Spekulationen
darüber erlebt, ob es eine negative
Reaktion (auf den Märkten) geben würde.
Aber ich glaube wirklich, daß
wir eine Fortsetzung dieser Art von
Aktivitäten für einen längeren Zeitabschnitt nicht erleben werden, wenn
der Markt sein Augenmerk auf die Qualifikationen des Nachfolgers von Paul
Volcker richtet."

Der Vorsitzende des Bankausschusses, William Proxmire, dessen Auschuß
dafür verantwortlich ist, dem gesamten Senat zu empfehlen, ob dieser die
Berufung Greenspans unterstützen oder
ablehnen soll, sagte jedoch am 2. Juni im Senat, daß er über die Entscheidung
der Regierung
enttäuscht
sei und nicht verstünde, warum diese
getroffen worden wäre.

Die
Nominierung
von
Greenspan
stieß im Kongreß auf überwiegend positive Reaktionen beider Parteien.
Der
Mehrheitsführer
im
Senat,
Robert Byrd, nannte Greenspan "einen
Mann mit bemerkenswerter Erfahrung";
der "Einpeitscher" der Mehrheit im
Senat, Alan cranston, beschrieb ihn
als "einen sehr geachteten konservativen Volkswirtschaftler" und fuhr
fort:
"Möglicherweise
verfolgt
Greenspan
die
gleiche
Linie
wie
Volcker, aber er hat nicht volckers
gradlinigen Lebenslauf."
Der demokratische Senator Donald
Riegle, Mitglied sowohl des Finanzwie des Bankausschusses, erklärte,
Greenspan sei "ein Mann der Vernunft
und besitze außergewöhnliches berufliches Geschick."
Der Senator Jake Garn, ranghöchstes Mitglied der Minderheit im Bankausschuß
nannte
die
Nominierung

Finanzielle Kreise äußerten große
Unterstützung für Greenspan.
Der Präsident der Chase Manhattan
Bank, Thomas G. LeBrecque, erklärte
in einer Stellungnahme nach Reagans
Ankündigung:
"Ich
würde
von
Greenspan erwarten, daß er ein weiterer starker und erfolgreicher Chef
der Bundesbank sein wird, der die
Tradition einer gesunden Finanzpolitik fortsetzt."
Robert Dederick, der wichtigste
Volkswirtschaftler der Northern Trust
Company
in
Chicago,
erklärte:
"Greenspan ist ganz sicher ein besonders
fähiger
Nachfolger
für
Paul
Volcker.
Er ist ein pragmatischer,
solider
Konservativer.
Er ist in
sehr starkem Maße ein Mensch, der um
die Inflation besorgt ist, was eine
hervorragende Eigenschaft für einen
Leiter der Bundesbank ist."
Wie Volcker ist Greenspan der Ansicht, daß der Abbau des Haushaltsdefizits der Schlüssel zu einer langfristigen Stabilisierung der amerikanischen Wirtschaft ist. Vor einigen Jahren sagte er, daß "die Bundesbankpolitik durch die sie umgebenden
fiskalischen
Gegebenheiten
eingeschränkt" sei.

�in den vergangenen Jahren hat
Greenspan auch an der Wirksamkeit der
Wechselkurs-Interventionen zur Stabilisierung der Währungen einige Zweifel geäußert.
Die Berufung Greenspans erfolgte
nicht als völlige Überraschung. Wann
immer in den vergangenen Jahren Gerüchte über einen möglichen Rücktritt
Volckers aufkamen, stand Greenspans
Name als wahrscheinlicher
Kandidat
bei jedem ganz oben auf der Liste.
Er
ist derzeit
Präsident
bei
Townsend-Greenspan and Company, einer
anerkannten New Yorker Beratungs- und
Planungsfirma, der er seit 1954 angehört.

von beiden Parteien getragenes Paket
über Steuererhöhungen und einen Abbau
der Zuwendungen vorschlug, um das
kränkelnde System zu unterstützen.
Greenspan hat zahllose Auszeichnungen erhalten und war der letzte
Präsident und ein Mitglied der Nationalen Gesellschaft der Wirtschaftswissenschaftler. Er ist Mitglied des
Rates für Auswärtige Beziehungen.
Er hat an der New York University
Wirtschaftswissenschaften
studiert
und anschließend
darin promoviert.
Er hat ferner an der Colombia University studiert.
Greenspan wurde am 6.
in New York City geboren.

Eine seiner Hauptfähigkeiten bestand darin, aufgrund wirtschaftlicher Zahlen ein Bild für die weitere
Entwicklung der Wirtschaft im allgemeinen oder eines bestimmten Teiles
hieraus zu entwickeln.
Greenspan war Berater im Sachverständigenrat des Präsidenten (CEA),
im amerikanischen
Finanzministerium
und von 1970 bis 1974 bei der Bundesbank.
Während dieser Zeit trat er
gegen die von Präsident Nixon eingeführten
Lohn- und
Preiskontrollen
ein.
Von 1974 bis 1977 war er der
Vorsitzende des Sachverständigenrates
von Präsident Ford.
Während der Amtszeit von Präsident Carter war er Berater im Haushaltsbüro des Kongresses, und seit
1981 ist er Mitglied in Präsident
Reagans Beirat für Wirtschaftspolitik.
Von 1981 bis 1983 war er Vorsitzender von Präsident Reagans Konsultativkommission über die Reform des
Sozialversicherungssystems,
die
ein
- 3 -

März

1926

�AMERIKA DIENST
Information

"VoN^

3. Juni 1987

21

NIDA VERZEICHNET ERFOLGE BEI

DROGENBEKXMPFUNGSKAMPAGNE

- Artikel über die Drogenkonferenz in Honolulu -

HONOLULU - (AD) - Das Nationale Institut für Drogenmißbrauch (National Institute on Drug Abuse - NIDA) hat vor kurzem bei einer Sonderkonferenz im OstWest-Zentrum das Geheimnis seiner Erfolge gelüftet, die es gemeinsam mit einer
Gruppe von internationalen Führungskräften beim Kampf gegen Drogenmißbrauch
mit den beiden Kampagnen "Sag einfach nein" und "Kokain: die große Lüge" erzielt hat.

Laut Elaine Johnson, der Stellvertretenden Direktorin von NIDA, ist
die Erkenntnis des Problems der erste
Schritt, wenn man einen wirksamen
Werbefeldzug zur Verhütung des Drogenmißbrauchs in Angriff nehmen will.
NIDA ist als führende Bundesbehörde verantwortlich für die Verringerung der Nachfrage nach illegalen
Drogen in den Vereinigten Staaten und
wird in diesem Jahr 25 Millionen Dollar für Forschungsprojekte über illegale Drogen und die Auswirkungen ihres Gebrauchs aufwenden.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Johnson stellte fest, daß 14 Millionen Dollar für die Erforschung von
Kokain und anderen Aufputschmitteln
vorgesehen sind.
Elf Millionen Dollar sind für die Marihuana-Forschung
bestimmt, denn Marihuana ist, laut
Johnson,
"die
am
häufigsten
mißbrauchte Droge
in den Vereinigten
Staaten.
Ihre Ausführungen konzentrierten sich jedoch im wesentlichen
auf die Entwicklung von NIDAs Kokainbekämpfungskampagne.
Zusätzlich

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

zu

einer

umfassenden

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Kenntnis des Problems, mit dem wir
uns konfrontiert sehen, ist Johnson
zufolge seitens der Planer von Werbefeldzügen auch eine umfassende Kenntnis wirksamer Interventions- und Präventionstechniken notwendig; sie müssen sicherstellen, daß nur beruflich
qualifizierte Werbeproduktionsgesellschaften beschäftigt werden, damit
der Produkttyp entwickelt wird, der
öffentliche Aufmerksamkeit und Wertschätzung erfährt; und sie müssen die
Unterstützung des Hauptkerns der Interessengruppen gewinnen, die für die
Kampagne eintreten wollen.
Johnson vermittelte ihr hart erarbeitetes Wissen und ihre Erfahrung
an 46 Vertreter aus Regierung und
Privatindustrie, die an der einwöchigen, vom Ost-West-Zentrum und dem USInformationsamt (USIA) veranstalteten
Konferenz (25. - 29. Mai) mit dem
Thema:
"Mobilisierung
der Öffentlichkeit gegen Drogenmißbrauch" teilnahmen.
Johnson betonte, daß "der scheinbare Erfolg bei der Verbreitung unserer Botschaft zum Teil sicherlich der
Qualität der staatlichen Aufklärungskampagne
(PSA) zu verdanken ist".
Sie stellte fest, daß die Fernsehspots für die "Kokain: die große Lüge"
Kampagne
beim
amerikanischen
Film- und Videofestival Preise gewonnen haben und auch für andere Wettbewerbe eingereicht worden sind.
Um ein so ausgereiftes Produkt zu
erzielen, schloß NIDA einen Vertrag
mit dem Werberat, einer freiwilligen
Gruppe von Werbeagenturen und Mediengesellschaften,
die
Organisationen
des öffentlichen
Dienstes bei der
Produktion und Verbreitung nationaler
Medienkampagnen behilflich sind. Für
ihre Kunden stellt die Gruppe die
freiwilligen kreativen Dienste einer
führenden Werbeagentur zur Verfügung.

Im Falle von NIDA hieß die Werbeagentur Needham Harper Worldwide.
NIDA hatte jedoch selbst ihre Arbeit getan, bevor die Kampagne in die
Wege geleitet wurde. Johnson stellte
fest, daß aufgrund einer von NIDA
durchgeführten
nationalen
Untersuchung der Haushalte seit 1982 schätzungsweise 20 bis 24 Millionen Amerikaner zumindest einmal in ihrem Leben
Kokain probiert hatten.
"Junge Erwachsene", erklärte sie,
"im Alter zwischen 18 und 25 Jahren,
machten den höchsten Prozentsatz beim
Kokaingebrauch aus: 28 Prozent hatten die Droge mindestens einmal im
Leben probiert".
Schenkt man den medizinischen Experten Glauben, so steht Kokain bei
den Abhängikeitsziffern an führender
Stelle. Bestimmte Formen von Kokain,
wie zum Beispiel Crack, haben Srzten
zufolge eine Abhängigkeitsziffer von
schätzungsweise
70 Prozent
bereits
nach dem ersten Experiment mit der
Droge.
Johnson erläuterte Studien, aus
denen hervorgeht, daß die Wirkung von
Kokain auf die Lustzentren des Gehirns eine hochgradige Abhängigkeit
herbeiführt, ganz abgesehen davon,
daß es die Voraussetzung für Schlaganfälle
und
Herzinfarkte
schafft.
Bisher herrschte der weitverbreitete,
aber abwegige Glaube, so Johnson, Kokain mache nicht süchtig und sei
nicht gefährlich.
"NIDAs
Kommunikationsstrategie
für
die Verhütung
des
Drogenmißbrauchs war darauf ausgerichtet, das
Bewußtsein der Öffentlichkeit zunehmend auf die ernsthaften sozialen und
gesundheitlichen Konsequenzen des Kokaingebrauchs zu lenken, wobei besondere Betonung auf die Bekämpfung be-

�stehender
Gerüchte
erklärte Johnson.

gelenkt

wurde",

"Die kreative Strategie", erläutete sie, "bestand einfach darin,
folgende
Botschaft
zu
vermitteln:
Kokain macht hochgradig süchtig und
verursacht ernsthafte soziale, medizinische
und
psychische
Probleme.
Der Spruch 'Kokain: die große Lüge1
fordert die im allgemeinen vorherrschenden
Überzeugungen
und Verhaltensweisen gegenüber Kokain und seinen Versprechungen heraus".

West-Zentrum
ist Bestandteil
eines
einmonatigen
Programms,
in
dessen
Verlauf die Teilnehmer elf Städte in
den Vereinigten Staten besuchen werden, um erste Bemühungen bei der Bekämpfung des Drogenmißbrauchs zu beobachten.
Das
Programm
wird
in
Washington, D.C., mit der Begutachtung der von der amerikanischen Regierung und dem Privatsektor in die
Wege geleiteten initiativen zum Ende
kommen.

13 staatliche Aufklärungskampagnen wurden produziert und im amerikanischen
Fernsehen gesendet.
Die
Häufigkeit, mit der sie auf den lokalen Fernsehkanälen gezeigt wurden,
wurde
aufgezeichnet,
erklärte
Johnson, und die Ergebnisse waren
hervorragend: die Zahl der Sendungen
beläuft sich auf 1 500 bis 2 500 pro
Monat.
NIDA gewann daraufhin die Unterstützung von First Lady Nancy Reagan,
bekannten
Sportgrößen,
Mitgliedern
der Nationalen Elternbewegung und anderen, die sich der Verhütung des
Drogenmißbrauchs unter den Jugendlichen des Landes verschrieben hatten,
führte Johnson aus.
Zusätzlich zu allen diesen Maßnahmen, "unterhält NIDA 24 Stunden am
Tag einen gebührenfreien Telephon-Ansagedienst, der
Informationen
über
die Wirkung von Kokain gibt und an
den man sich um Hilfe bei der Bewältigung des Abhängigkeitsproblems wenden kann".
Mehr als 7 000 Anrufe werden pro
Monat beantwortet, erklärte Johnson,
und dies ist ein guter Hinweis auf
den Erfolg der Kampagne.
Die einwöchige Konferenz

im Ost- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
%

"""""

Information

A&lt;

3. Juni 1987

21

ELTERN KOMMT SCHLÜSSELROLLE BEI

BEKSMPFÜNG

DES DROGENMISSBRAÜCHS ZU

- Artikel Über die Drogenkonferenz in Honolulu -

HONOLULU - (AD) - Die Eltern sind es, die Thomas Gleaton, dem Geschäftsführer und Mitbegründer von PRIDE zufolge, den wichtigsten Bestandteil einer
wirkungsvollen Kampagne zur Drogenbekämpfung darstellen.
"In jeder Gesellschaftsform, sei sie
städtische Ordnung, gibt es keine bessere
Macht der kriminellen Drogenhändler als
Gleaton einer Gruppe von 46 internationalen
gen Drogen beteiligt sind.

nun ein Stammesgefüge oder eine
Waffe gegen die außergewöhnliche
die Mütter und Väter", erklärte
Führungskräften, die am Kampf ge-

PRIDE, eine Abkürzung für Parent's Resource Institute for Drug
Education Inc. (Elternhilfe-institut
zur Aufklärung über Drogen) wurde
1977 an der Georgia State University
gegründet, um Eltern aufzuklären und
zu informieren, die der kommerziellen
Drogenkultur den Kampf ansagen wollen. Seit seiner Gründung hat PRIDE
seinen Einfluß ausgeweitet, um Eltern
auf der ganzen Welt zu helfen.

Gleaton hielt seine Rede am 28.
Mai 1987 anläßlich der einwöchigen
internationalen Konferenz zur "Mobilisierung
der Öffentlichkeit
gegen
den Drogenmißbrauch", die im OstWest-Zentrum abgehalten wurde.

"Die internationale PRIDE-Initiative soll Eltern und Jugendliche auf
der ganzen Welt in einem Geflecht

Die vom US-Informationsamt (USIA)
unterstützte Konferenz soll Vertreter
der Regierung und des Privatsektors

United States Information Service
Embassy of the United States of America

verbinden, das die weltweiten Tendenzen des sich ausbreitenden Drogenmißbrauchs
abwenden
kann",
erklärte
Gleaton.

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�aus der ganzen Welt zu einem Gedankenaustausch über Methoden der Kontrolle des Betäubungsmittelmißbrauchs
zusammenführen. Die Konferenz bildet
nur einen Teil eines einmonatigen
Programms, im Rahmen dessen die Teilnehmer
11
Städte
der
Vereinigten
Staaten besuchen werden, um vor Ort
Bemühungen zur Bekämpfung des Drogenmißbrauchs zu studieren.
Gleaton beschrieb den Konferenzteilnehmern die Arbeit von PRIDE und
forderte sie auf, in ihren Heimatländern ähnliche Organisationen ins Leben zu rufen.
Gleaton
erklärte
der
Gruppe,
"PRIDE ist der Ansicht, langfristige
Planung und Kontakte zwischen Elterngruppen und Schulsystemen bieten das
beste Mittel zur
Aufrechterhaltung
der Kontinuität von Projekten zur
Vorbeugung".
Gleaton wies darauf hin, PRIDE
und verwandte Organisationen, bei denen Eltern und Schulbehörden zusammenarbeiten,
seien
in
der
Lage,
•praktische Strategien zur Aufklärung
der
Eltern, gemeinsame Verhaltensrichtlinien und soziale Alternativen
für die Jugendlichen" zu entwickeln,
durch die Probleme von jugendlichen
mit Drogen, Alkohol und Disziplin erheblich abgebaut werden können.
Gleaton beschrieb die von PRIDE
zur Verfügung gestellten Hilfsmittel,
zu denen Broschüren, Filme, Videokassetten und Tonbänder für verschiedene
Altersstufen und lokale Interessengruppen zählen, die mit Programmen
zur Verhütung des Drogenmißbrauchs
befaßt
sind;
ferner
bestehen
per
Computer
erfaßte Kontakte
zwischen
den Eltern, mittels derer die freiwilligen PRIDE-Mitarbeiter in jedem
Staat den neu hinzugekommenen ihre
Hilfe anbieten können; es gibt einen
- 2

Koordinator
von Elterngruppen, der
bei
organisatorischen
Fragen hilft
und auf Probleme eingeht; es besteht
ferner ein gebührenfreier TelephonAnsagedienst, der laufend neueste Informationen
über
Betäubungsmittel
liefert.
Darüber hinaus stellt PRIDE eine
Fülle von Material als Teil seiner
Leistungen auf internationaler Ebene
bereit.
Gleaton zufolge haben die Vereinigten Staaten nur langsam auf die
steigenden Zahlen der Drogenabhängigen reagiert.
"PRIDE ist der Ansicht, daß die Vereinigten Staaten
den Eltern und Jugendlichen auf der
ganzen Welt gegenüber eine Gewissensschuld abzutragen haben".
Gleaton widersprach dem allgemein
vorgebrachten
Argument,
Drogenmißbrauch sei ein Verbrechen, bei dem es
keine Opfer gäbe.
Er erklärte, Benutzer von Drogen unterstützten "ein
ungeheures
Kartell von Drogenhändlern".
Er wandte sich ebenfalls gegen
das Argument, der Gebrauch von Betäubungsmitteln ließe sich mit Alkoholmißbrauch oder Tabakkonsum vergleichen. Ihm zufolge liegt die Zahl der
Alkoholabhängigen in den Vereinigten
Staaten bei etwa 10 Prozent aller Alkoholkonsumenten,
im Gegensatz dazu
werden 18 Prozent aller Raucher von
Marihuana zu Drogenabhängigen.
Bei der Konferenz im Ost-West
Zentrum sprach ferner Anne Meyer, die
stellvertretende Vorsitzende der Nationalen Elternvereinigung für eine
drogenfreie Jugend, einer freiwillige
Hilfsorganisation
für
Elterngruppen
zur Aufklärung und Verhütung des Drogenmißbrauchs.
Diese nationale Vereinigung koordiniert die Organisation

�der Teilnehmer, die in verschiedenen
Staaten an Programmen zur Verhütung
des Drogenmißbrauchs arbeiten.
Meyer berichtete ihren Zuhörern,
sie habe an ihre perfekte Familie geglaubt, bis sie eine Marihuana-Pfeife
in der Jackentasche eines ihrer fünf
Kinder gefunden hätte.
An diesem
Punkt habe sie Schritte unternommen,
um sich und ihre Kindern über Betäubungsmittel
und die Verhütung des
Drogenmißbrauchs aufzuklären.
Meyer zufolge besteht unter Eltern die Tendenz, zu leugnen, daß ein
Drogenproblem ihre eigenen Kinder betreffen könnte.
Als Ergebnis ihrer
eigenen Erfahrungen arbeitete sie aktiv bei verschiedenen Programmen zur
Verhütung
des
Betäubungsmittelmißbrauchs mit und war an der Gründung
der
Initiative
"Citizens for Drug
Awareness" (Bürger schärfen ihr Bewußtsein für Drogen) in Deerfield,
Illinois beteiligt.
Meyer betonte die Bedeutung der
Belehrung junger Menschen über die
Gefahren des Drogenmißbrauchs.
Das
wirkungsvollste
Verhütungsprogramm
bestehe
darin,
ausgebildete
junge
Menschen zu anderen Jugendlichen über
den Einfluß von Drogen sprechen zu
lassen.

* * * * *

- 3 -

�AMERIKA DIENST
VON

**

Wissenschaft und Technik

3. Juni 1987

21

VERKEHRSFLUGZEUG MIT FÜNFFACHER SCHALLGESCHWINDIGKEIT
- Vorreiter für das amerikanische Weltraumflugzeug -

WASHINGTON - (AD) - Im Rahmen einer vom US-Informationsamt (USIA) veranstalteten WORLDNET-Diskussion via Fernsehsatelliten-Schaltung mit Teilnehmern
in Paris, London, Madrid, Montreal und Den Haag wurden u.a. amerikanische Projekte zur Entwicklung eines kommerziellen Überschallflugzeuges erörtert. Dieses soll fünffache Schallgeschwindigkeit erreichen, also mehr als doppelt so
schnell wie die CONCORDE fliegen. Bis zum Jahr 2000 könnte es einsatzbereit
sein. Das Flugzeug soll bis zu 300 Passagiere aufnehmen und Strecken z.B.
zwischen Washington bzw. New York und Tokio oder L O S Angeles und sidney in
zwei bis drei Stunden zurücklegen.
Infolge seiner
großen Flughöhe
von 32 000 m sei der Überschallknall
am Boden kaum zu hören, meinte Donald
Fuqua, der Präsident des Verbandes
der
amerikanischen
Luft- und Raumfahrtindustrie.
Gemeinsam
mit
Crawford
Bubaker, der im amerikanischen Handelsministerium für kommerzielle Luft- und Raumfahrt zuständig ist, beantwortete Fuqua Fragen
von Vertretern der europäischen Luftund
Raumfahrtindustrie
sowie
von
Journalisten.
Auf dem 37. Pariser
Aero-Salon, der am 11. Juni 1987 eröffnet wird, sind Modelle des neuen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Verkehrsflugzeuges
sowie
des
als
"Orient-Express" bezeichneten amerikanischen Weltraumflugzeuges zu besichtigen.
Für die Entwicklung des "Nationalen Raumflugzeuges", wie "Orient-Express" offiziell heißt, befürwortete
Präsident Reagan in seiner Botschaft
zur Lage der Nation vom Februar 1986.
Es handelt sich dabei um ein Hyperschallflugzeug, das Geschwindigkeiten
bis zum 25fachen der Schallgeschwindigkeit erreichen soll.
Es könnte
von Flugplatz-Rollbahnen starten und

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�beim Steigflug Beschleunigungen erzielen, die ihm sogar den Eintritt in
eine niedrige Erdumlaufbahn
ermöglichten.
Und das bedeutet, daß es
auch geeignet wäre, eines Tages den
Raumtransporter abzulösen.
Es ließe
sich zum Absetzen von Nutzlasten im
Weltraum, zum Einholen von Satelliten
und für Rendezvous-Manöver mit einer
Raumstation
verwenden.
Die
Forschungs- und Entwicklungskosten, einschließlich der Kosten für Flugtests,
werden auf ca. drei Milliarden Dollar
beziffert.
Die
Antriebsenergie
erhält
es
nicht, wie die jetzigen Raumfluggeräte, von Raketen mit mehreren Antriebsstufen, sondern von SCRAMJETTriebwerken.
Diese arbeiten im unteren
atmosphärischen
Bereich
als
"luftatmende" Motoren, so daß vom
Start bis zum Eintritt in eine Erdumlaufbahn nur eine einzige Antriebsstufe erforderlich wäre. Der vertikale Start, für den Raketen bestimmte
Vorrichtungen benötigen, fällt fort,
eine Rollbahn genügt.
Durch diese
Technik werden hohe Kosteneinsparungen möglich.
(Man strebt derzeit
eine Reduzierung der Kosten um 90
Prozent an.)
Luftatmende Triebwerke
für Raumfluggeräte befinden sich noch
in der Entwicklung.
Versuchstriebwerke wurden bereits im Windkanal erprobt. Bisher erzielte man Leistungen
bis
zur
achtfachen
Schallgeschwindigkeit.
Zum
Uberschall-Passagierflugzeug
erklärte Fuqua, dieses gefährde infolge seiner großen Flughöhe (mehr
als 30 000 Meter) die Ozonschicht in
der Erdatmosphäre weniger als andere
Uberschallfluggeräte, die sich in geringeren Höhen bewegen.
Wegen solcher Bedenken hatten die USA vor eineinhalb Jahrzehnten auf die Weiterentwicklung eines Uberschallverkehrsflugzeugs,
das
zweieinhalbfache

Schallgeschwindigkeit
te, verzichtet.

erreichen

soll-

Das neue Verkehrsflugzeug
soll
den nordamerikanischen Kontinent den
Staaten entlang der Pazifikküste und
anderen Teilen der Welt näherbringen,
wie dies schon durch das Düsenflugzeug in bezug auf Nordamerika und Europa geschah. Nach Ansicht der Industrie werde sich der Flugverkehr zwischen den Vereinigten Staaten und den
Anliegerstaaten des Stillen Ozeans im
Fernen Osten jährlich um fast das
Fünffache ausweiten, so daß um das
Jahr 2000 mehr als 30 Millionen Passagiere pro Jahr zu befördern wären.
In der Bedienung anderer Städte, die
mehr als 10 000 km auseinanderliegen,
müsse zur gleichen Zeit mit etwa 50
Millionen Passagieren pro Jahr gerechnet werden.
Trotz
der
Rückschläge
in der
Raumfahrt, die die USA und Europa in
letzter zeit hinnehmen mußten, werden
die Raumfahrtprogramme energisch vorangetrieben.
Dies werde auch, so
sagten die beiden Interviewpartner in
Washington, auf dem Aero-Salon in
Paris deutlich. Mehr als 1200 internationale Aussteller informieren die
Öffentlichkeit über modernste Ausrüstungen und neueste Dienstleistungen
in der Luftfahrt. Im amerikanischen
Pavillon sind u.a. eine Ausstellung
der amerikanischen Behörde für Luftund Raumfahrt (NASA) über neue flugtechnische Entwicklungen sowie erstmals eine Ausstellung der amerikanischen Luftstreitkräfte zu sehen.

- 2 -

* * * * * *

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j

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Persischer Golf sollte nicht von Iran und UdSSR beherrscht werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Reagan zur Situation im Persischen Golf -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Marshall-Plan auch heute noch inspirativ&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Reagans Proklamation zum Gedenkmonat für George C. Marshall -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan fordert "rountinemäßigen" AIDS-Test&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede vor der amerikanischen Stiftung für AIDS-Forschung -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Greenspan bringt reiche Erfahrungen bei der amerikanischen Bundesbank ein&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Kurzbiographie des neuen Vorsitzenden der Bundesbank -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;NIDA verzeichnet Erfolge bei Drogenbekämpfungskampagne&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Artikel über die Drogenkonferenz in Honolulu -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eltern kommt Schlüsselrolle bei Bekämpfung des Drogenmissbrauchs zu&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Artikel über die Drogenkonferenz in Honolulu -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Verkehrsflugzeug mit fünffacher Schnellgeschwindigkeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Vorreiter für das amerikanische Weltraumflugzeug -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

1 0 . J u n i 1987

22

I N H A L T

DOKUMENTATION
Der Marshall-Plan leitete 'Zeitalter der Freiheit* ein
- Präsident Reagans Ansprache an die Jugend Europas Niedrigeres Rüstungsniveau zur Stabilisierung der Ost-WestBeziehungen angestrebt
- Erklärung der Gipfelpartner Öltransport muB im Golf fortgesetzt werden können
- Erklärung der Gipfelpartner Gipfelpartner erzielen Einigung über Sanktionen zur
Terror ismusbekämpfung
- Erklärung zum Terrorismus Schlußkommunique des Weltwirtschaftsgipfels in Venedig
- Wortlaut der Erklärung -

WIRTSCHAFT
Teilweise Aufhebung der Handelssanktionen gegen Japan
- Erklärung Präsident Reagans in Venedig -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neuer Starttermin für nächsten Raumtransporter-Flug

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
Dokumentation
10. Juni 1987

22
DER MARSHALL-PLAN LEITETE "ZEITALTER DER FREIHEIT" EIN
- Präsident Reagans Ansprache an die Jugend Europas -

VENEDIG - (AD) - In seiner am 5. Juni im "Worldnet", dem per Satellit übertragenen Programm des US-Informationsamtes (USIA), gehaltenen Rede an die Jugend
Europas bezeichnete Präsident Reagan den Marshall-Plan als Beginn eines "neuen
Zeitalters der Freiheit, eines neuen Zeitalters der Hoffnung und des Wohlstandes, die in der Geschichte der Menschheit ihresgleichen suchen - für die
ganze Welt ein Vorbild dessen, was der freie Mensch erreichen kann". Reagan
wies darauf hin, daß die durch das schnelle Entstehen moderner Technologien
beeinflußte Weltwirtschaft gegenwärtig tiefgreifenden Umwandlungen ausgesetzt
ist, die "nach Freiheit verlangen".
Der Präsident erklärte ferner, daß die vom 8. bis 10. Juni am Weltwirtschaftsgipfel in Venedig teilnehmenden sieben wichtigsten Industrienationen
ihren Beitrag zur Stärkung von Freiheit und wirtschaftlichem Wohlstand leisten
können, indem sie gemeinsame Maßnahmen anwenden, die neue Möglichkeiten und
Wachstum für die Wirtschaft hervorbringen.
Die Rede Präsident Reagans hat folgenden Wortlaut:
Guten Tag. Ich spreche heute aus
Venedig über das Satellitenprogramm
"Worldnet" zu Ihnen.
Ich bin hierhergekommen, um anläßlich des 13.
Weltwirtschaftsgipfels
mit
den
Staats- und Regierungschefs von Japan,
Frankreich,
Kanada,
Italien,
Großbritannien und der Bundesrepublik
Deutschland zusammenzutreffen.
Unsere Aufgabe wird darin bestehen, festzustellen, wie wir uns als Gemeinschaft auf die Herausforderung eines
neuen Jahrhunderts vorbereiten können.
Wir richten unseren Blick in die

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Zukunft - und aus diesem Grunde möchte ich in den nächsten Minuten meine
Ausführungen besonders an die Jugend
Europas richten.
Gestatten Sie mir
als einem Menschen, dessen Leben den
größten Teil dieses Jahrhunderts umspannt, einige Beobachtungen über das
nächste Jahrhundert - über eine Zukunft der wachsenden Hoffnungen und
Möglichkeiten, in der Träume Wirklichkeit werden können, wenn wir nur
den Mut haben, sie weiterzuverfolgen.
Vor nicht allzulanger Zeit, im
vergangenen Jahrzehnt, war es Mode,

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�über das Zeitalter der Grenzen zu
sprechen.
Es wurde behauptet, die
Ressourcen der Welt gingen zu Ende,
die Welt stehe kurz vor dem Untergang, würde immer ärmer. Es war eine
Zeit der zurückgehenden Erwartungen,
in der die Menschen lernen mußten,
mit weniger auszukommen.

kann, wenn die totalitären Länder
keine Reformen durchführen - der einzige Kurs, den die Welt beim Eintritt
in das 21. Jahrhundert einschlagen
kann, besteht in der Wahl von Freiheit und freien Gesellschaften, die
das gesamte Potential der Menschheit
freisetzen.

In jenen Jahren machte die westliche Welt etwas durch, das nur als
Krise des Vertrauens in unsere Grundwerte beschrieben werden kann.
Es
waren zunehmend stimmen über die sogenannte "Annäherung" der freien Welt
und der kommunistischen Länder zu
vernehmen. Es wurde behauptet, Freiheit sei ein Luxus, den wir uns nicht
länger leisten könnten.
Angesichts
der Zwangslage einer kleiner werdenden Welt müßten die freien Nationen
immer mehr von ihren wirtschaftlichen
und politischen
Freiheiten abgeben
und
zunehmend staatliche
Kontrolle
akzeptieren.

Die Welt und ihre Wirtschaft befinden sich inmitten einer tiefgreifenden Umwandlung.
Manchmal vollzieht sich dieser Wandel so schnell,
daß man ihm kaum folgen kann, aber
lassen Sie mich Ihnen nur einige Beispiele für die technologische Revolution anführen.
Diese Beispiele sollen als Maß dafür dienen, wie weit
wir gekommen sind, sowie als Richtschnur, die uns den Weg weist.

Ich möchte Ihnen heute darlegen,
wie und warum das Gegenteil eingetreten ist, wie das "Zeitalter der Grenzen" durch eine Wiederbelebung politischer und wirtschaftlicher Freiheit
hinweggefegt wurde, wie unsere Volkswirtschaften in ein neues Zeitalter
eintraten, in dem sie die Grenzen der
materiellen Ressourcen überschritten.
Gegenwärtig ist nicht die "Annäherung", sondern der Unterschied zwischen den freien und unfreien Ländern
deutlicher geworden - während die totalitären Staaten zunehmend von "Offenheit" und "Liberalisierung" sprechen, sollten sie in Anerkenntnis
dessen, und sei es nur zum überleben,
ihren Gesellschaften
mehr
Freiheit
einräumen.
Und ich möchte heute zu Ihnen
darüber sprechen, wie dieser Unterschied
zwischen demokratischen und
totalitären Staaten nur noch zunehmen

Angesichts der Anstrengungen der
Zeitungen,
mit
den
offensichtlich
täglichen Durchbrüchen in den Labors
Schritt zu halten, ging in jüngster
Zeit oft der Begriff "Supraleitfähigkeit" durch die Schlagzeilen.
Erst
vor einem halben Jahr galt Supraleitfähigkeit
als
wissenschaftliches
Randgebiet, als Phänomen von geringem
praktischen Nutzen.
Jetzt vertreten
Wissenschaftler die Ansicht, es könne
unser Leben verändern.
"Es zeigt,
daß all die von uns gehegten Träume
Wirklichkeit werden können", erklärte
ein Forscher.
"Der Himmel ist die
Grenze".
Wissenschaftler
sprechen
von
Hochgeschwindigkeitszügen,
die
über
Gleise schweben. Autohersteller planen bereits elektrische Autos. Manche sind der Ansicht, Sonnenenergie
könnte konkurrenzfähig werden.
Alles, was mit Strom funktioniert, wie
etwa Motoren, Generatoren, Kabel und
Magnete, könnte auf verblüffende Art
und Weise
leistungsfähiger
werden.
Das bedeutet eine geringere Abhängigkeit von ausländischem öl, weniger

- 2 -

�Umweltverschmutzung und eine sauberere Umwelt - es würde wie eine Adrenalinstoß auf die Weltwirtschaft wirken, das Wachstum und die Schaffung
von Arbeitsplätzen vorantreiben und
die Lebensqualität aller verbessern.
Durch
Supraleitfähigkeit
wird
eine andere Revolution beschleunigt die täglich in der Computerindustrie
stattfindende Revolution.
Ein jüngster Vorstoß ist der neue HalbleiterChip. Bei bestimmten Aufgaben könnte
eine Handvoll dieser Chips, die pro
Stück etwa zwei Dollar kosten, Supercomputern im Wert von Abermillionen
Dollar überlegen sein. Der folgende
Vergleich stammt von einem Wissenschaftler.
Wenn die Technologie im
Automobilbereich so schnell fortgeschritten wäre wie die HalbleiterTechnologie
in den vergangenen 20
Jahren, so kostete diesem Wissenschaftler
zufolge ein Rolls Royce
jetzt weniger als drei Dollar, mit
einer Gallone Treibstoff könnte man
drei Millionen
Meilen zurücklegen,
genug Strom erzeugen, um einen Ozeandampfer anzutreiben, und sechs solcher Chips wären nur so groß wie ein
Stecknadelkopf.
Dies ist jedoch mehr als eine explosionsartige Entwicklung der Produktivität.
Die heutigen Computer
werden in der geheimnisvollen Welt
der Quantenphysik betrieben und signalisieren einen Quantensprung in der
Weltwirtschaft. Wir bewegen uns von
der Wirtschaft der industriellen Revolution - einer Wirtschaft, die sich
aus den materiellen Ressourcen und
Bodenschätzen der Erde versorgt und
an diese gebunden ist - zu einer
"Wirtschaft des Verstandes", wie das
Buch
eines
Wirtschaftswissenschaftlers betitelt ist, in der menschliche
Phantasie, Kreativität und Mut die
wertvollsten Grundstoffe bilden.

Denken Sie nur an diesen kleinen
Computerchip.
Solche Chips sind die
treibende Kraft der modernen Wirtschaft, aber sie werden aus dem Silikon des Sandes, einem der gewöhnlichsten Stoffe der Erde, gewonnen. Ihr
Wert besteht nicht in dem Material,
aus dem sie hergestellt werden, sondern in dem mikroskopischen Aufbau,
zu dem sie vom genialen menschlichen
Verstand zusammengefügt werden. Oder
nehmen
sie
dieses
"Worldnet"-Programm, das durch eine Satellitenschaltung
übertragen wird.
Dieser
Satellit
- Produktion
menschlichen
Erfindergeistes
- ersetzt
Tausende
von Tonnen aus der Erde gegrabenen
und zu Kabeln gedrehten Kupfers. Wir
bewegen uns von einem Zeitalter der
Objekte in ein Zeitalter der Gedanken, des Triumphes von Geist über Materie. Es ist der Verstand des Menschen - frei für Erfindungen, Experimente, Träume - der die Wirtschaft
und die Welt der Zukunft gestalten
wird.
Das
sind
allerdings
schlechte
Nachrichten für dirigistische Systeme.
Der zentral gelenkte Staat kann
aus dem Boden Metalle oder öl fördern.
Obwohl weniger produktiv als
eine freie Wirtschaft, kann er riesige Fabriken und Fließbänder betreiben.
Aber er kann nicht den Geist
des
Unternehmertums
hervorbringen.
Er kann nicht die Wagnisse freier
Märkte imitieren oder das innovative
Element von Experimenten, die Wissen
und Fortschritt mit sich bringen.
Keine Regierung kann den Unternehmer
schaffen, oder diesen Funken der Erfindung entzünden. Alles was sie tun
können, ist ihre Menschen freizugeben
- ihnen die Freiheit des Geistes und
der Seele zu gewähren.
Einige vertreten die Ansicht, daß
staatliche
Planung
wirkungsvoller
ist, da man sich auf Steuervergünsti-

- 3 -

�gungen und andere Subventionen für
Unternehmen verlassen kann.
Schätzungsweise 70 Prozent der nahezu 14
Millionen neu geschaffenen Arbeitsplätze sind aus neuen, kleinen und
wachsenden Firmen entstanden.
Eines
der
erfolgreichsten
Computer-Unternehmen in Amerika wurde von zwei
College-Studenten in der Garage hinter ihrem Haus gegründet.
Der fruchtbarste und am schnellsten wachsende Sektor einer
jeden
Wirtschaft ist der Bereich, der bis
jetzt erst als Traum in einem Kopf
oder als Eingebung in einem Herzen
besteht. Niemand kann jemals vorhersagen, wo der Wandel seinen Ursprung
haben wird oder etwa die Industrien
der Zukunft vorhersehen.
Keine Regierung würde je diese beiden jungen
Männer als Zielgruppe angesehen haben, die Tag und Nacht arbeiteten, um
ihren Traum in einer Garage zu verwirklichen.
Beim
diesjährigen
Wirtschaftsgipfel in Venedig sehen wir um uns
herum eine Weltwirtschaft, die von
raschen Veränderungen gekennzeichnet
ist - und es sind Veränderungen, die
nach Freiheit verlangen. Was können
die Regierungen tun? Sie können das
tun, was unsere Gipfelpartner in die
Wege geleitet haben, angefangen von
politischen Maßnahmen, die neue Möglichkeiten und Wachstum für die Wirtschaft fördern - niedrige Steuersätze, Privatisierung und Aufhebung der
Kontrolle.
Sie
sollten
ferner
Schritte zum Abbau der handelsverzerrenden Subventionen und eines Arbeitsrechts unternehmen, das Arbeitslosigkeit fördert.
Ganz oben auf unserer Tagesordnung werden auch die Maßnahmen stehen, mit denen wir die Zusammenarbeit
zwischen unseren Ländern verbessern
können.
AgrarSubventionen waren zum

Beispiel eine der schlimmsten Missetaten, die für unsere zunehmenden
Handelsspannungen verantwortlich waren.
Laßt
uns
gemeinsam
diesen
kostenintensiven Agrarwettlauf abbrechen, indem wir uns für das Jahr 2000
das ziel einer Welt setzen, in der es
keine Subventionen mehr gibt. In der
Zwischenzeit müssen wir unsere Verpflichtung zum Abbau der Wechselkursschwankungen und zur Ankurbelung des
Wirtschaftswachstums
einhalten.
In
Deutschland
verlangsamt
sich
das
Wirtschaftswachstum
und damit verlangsamt sich das Wachstum in ganz
Westeuropa.
Es ist von vordringlicher Bedeutung, daß die Bundesrepublik
Deutschland der Verpflichtung
zur Wiederbelebung ihrer stagnierenden Wirtschaft nachkommt. Auch Japan
könnte dazu beitragen, das Ungleichgewicht der Weltwirtschaft zu beheben, indem es das Ungleichgewicht
seiner
eigenen Wirtschaft zurechtrückt. Es ist an der Zeit, daß Japan
dem Nachholbedarf der Verbrauchernachfrage im eigenen Land freien Lauf
läßt.
Gestattet
dem
japanischen
Volk, mehr von dieser beachtlichen
Wirtschaft zu profitieren, an deren
Aufbau es so hart gearbeitet hat.
ich
weiß,
daß
Premierminister
Nakasone dies erkannt und dem japanischen Unterhaus kürzlich ein Maßnahmenprogramm
vorgelegt hat.
Das
japanische Versprechen, den Entwicklungsländern zur Erleichterung ihrer
enormen Schuldenlast mehr als 20 Milliarden Dollar Finanzhilfe zu gewähren,
ist
ebenfalls
ein
positiver
Schritt in diese Richtung.
Wenn wir das amerikanische Haushaltsdefizit betrachten, so können
wir wahrhafte Fortschritte verzeichnen. Aber wir müsssen noch mehr tun.
In den vor uns liegenden Monaten werde ich mich, wie ich es bei der Steuerreform getan habe, direkt an das
amerikanische Volk wenden. Ich werde

- 4 -

�erklären, daß wir jegliche Sonderrechte in unserem Steuersystem abgeschafft haben - und jetzt ist es an
der Zeit, unseren Haushalt davon zu
befreien. Es ist Zeit für eine echte
Haushaltsreform.
Und nicht zuletzt müssen alle Nationen dem Ruf nach Protektionismus
widerstehen.
Der sogenannte Protektionismus ist so schädlich wie eine
Droge.
Er wird zur Zerstörung all
derer führen, die ihn anwenden. Und
deshalb nenne ich ihn "destruktivistisch", denn das einzige, was er hervorbringt
ist,
Verlangsamung
des
Wachstums, Vernichtung von Arbeitsplätzen und Behinderung des Fortschritts. Während wir dem Beginn eines neuen Jahrhunderts entgegengehen,
wiegen jedoch die Möglichkeiten bei
weitem die Probleme auf, mit denen
wir uns konfrontiert sehen. Wenn wir
die Welt betrachten, sehen wir ein
zunehmendes Maß an Freiheit. Während
freie Märkte Asien beleben, finden in
Mittel- und Südamerika immer häufiger
freie Wahlen statt.
In Afrika sind
sich viele der politisch Verantwortlichen
einig,
daß
Freiheit
den
Schlüssel für die Entwicklung darstellt.
In China bedeuten Reformen
für mehr als eine Milliarde Menschen
einen ersten Geschmack von Freiheit.
Dennoch dürfen wir darüber nicht vergessen, daß dieser Woge der Freiheit
heute eine unversöhnliche Realität
entgegensteht.
Nächste Woche werde
ich mich an die Menschen in WestBerlin wenden.
ich werde vor der
Mauer stehen, die wie eine offene
Wunde im Herzen Europas klafft - die
Mauer, die all das verkörpert, was
unseren
demokratischen
Werten
der
Freiheit und Menschenrechte am feindseligsten gegenübersteht.
Ein
Regime,
das
von
solcher
Furcht vor seinem eigenen Volk beseelt ist, daß es dieses Volk hinter

einer Mauer einsperren muß, ist ein
Regime, das stets eine Quelle der
Spannungen in Europa darstellen wird.
Es wird sich immer mit den freien
Menschen überall auf der Welt in Widerstreit befinden.
wie der Zufall
es will, ist der heutige 5. Juni der
40. Jahrestag der feierlichen Einführung des Marshall-Plans.
Jene Tage
waren von erheblicher Großzügigkeit
und überragendem Mut gekennzeichnet als sich die Länder Europas aus der
Asche des Krieges erhoben, ihre jahrhundertealten
Feindseligkeiten
beilegten und sich gemeinsam mit Amerika
an den Aufbau eines neuen Zeitalters
der Freiheit und des Wohlstands begaben.
Im Geiste jener Zeit bot Amerika
allen europäischen Nationen die Vergünstigungen des Marshall-Plans an:
Ost und West, einschließlich der Sowjetunion.
Die Grundregeln lauteten
einfach: Offenheit und guter Wille alle Länder mußten ihre Bücher offenlegen und keinem Land wurde gestattet, den Plan zugunsten politischem
Profits zu manipulieren. Einige Länder
unter
sowjetischer
Herrschaft
hatten gehofft, an dem Plan teilhaben
zu können - aber Stalin befahl deren
Vertreter nach Hause zurück. Die Sowjets erlaubten ihnen nicht, ihre Bücher - oder ihre Länder - dem frischen Wind der Freiheit und des Unternehmertums zu öffnen.
Wir haben viel über den sowjetischen Wunsch nach einer Beteiligung
an der Weltwirtschaft gehört - und
nicht mehr länger das fünfte Rad am
Wagen sein zu wollen.
Die Grundregeln bleiben die gleichen wie vor 40
Jahren.
Kein Spielverderber
sein.
Keine Manipulation der Weltorganisationen für politische Vorteile. öffnet die Wirtschaft, öffnet das politische System.
öffnet die Grenzen.
Laßt die Menschen gehen.
Laßt sie

- 5 -

�reisen, wohin sie wollen, und leben,
wo sie wollen.
Laßt sie ins Licht
der Freiheit eintauchen.
Und
noch
ein
weiterer
Punkt:
Laßt die Waffen zu Hause. Gebt Afghanistan auf - sie haben dort nichts
zu suchen. Baut die auf Europa gerichteten Waffen ab. Dann werden wir
sie gerne als konstruktiven Partner
bei unseren Projekten für das 21.
Jahrhundert willkommen heißen.
Als ich das letzte Mal an einem
Wirtschaftsgipfel in Europa teilnahm,
gingen viele junge Menschen auf die
Straße, um zu demonstrieren.
Sie
forderten das Ende der Atomwaffen.
Wie gerne wollte ich sie wissen lassen, daß ich im Herzen mit Ihnen
fühlte, daß auch ich den Tag herbeisehnte, an dem die Menschheit frei
vom Schrecken der nuklearen Vernichtung leben könnte.
Aber die Aufgabe war nicht so
leicht, wie einfach einen Vertrag zu
unterzeichnen. Die Mauer, die Europa
teilt - die unter Mißachtung der sowjetischen Versprechungen und jeden
menschlichen Anstandes errichtet wurde - hat uns dies bewiesen.
Wir
konnten unsere Freiheit und unser Leben nicht für eine so fadenscheinige
Sicherheit verpfänden. Wenn ein Vertrag überhaupt etwas wert sein soll,
muß er durch Inspektionen vor Ort verifizierbar sein. Er muß die Gesamtzahl der Waffen auf beiden Seiten
entscheidend
verringern, und nicht
einfach die Aufrüstung kodifizieren,
wie dies Verträge in der Vergangenheit so häufig getan haben. Am wichtigsten ist, daß keine Seite überlegen oder verwundbar sein darf.
Unsere Beharrlichkeit und Standhaftigkeit könnte sich jetzt in einem
Abkommen bezahlt machen, das sehr in
unserem Interesse liegt und unsere
- 6

Bedingungen erfüllt.
Wir
Ziel natürlich noch nicht
einige entscheidende Fragen
offen. Aber die Aussichten

haben das
erreicht;
sind noch
sind gut.

Es ist wichtig zu betonen, daß
der jetzt von uns ausgehandelte Vertrag über Mittelstreckenwaffen nicht
das Ende, sondern den Anfang von Abrüstungsbemühungen darstellt.
Unsere
höchste
Priorität bleibt weiterhin
der einschneidende, gerechte und verifizierbare Abbau der interkontinentalen nuklearen Waffensysteme.
Und
so lange die Sowjetunion chemische
Waffen hortet und umfassende konventionelle Streitkräfte unterhält, die
auf ihrem eigenen Territorium und in
Ost-Europa in Angriffsposition stehen, müssen die freien Nationen Europas stark und bereit bleiben, in Anbetracht der sowjetischen Überlegenheit bei diesen Streitkräften müssen
wir sogar unsere konventionelle Verteidigungsfähikeit
verbessern,
so
schwierig und teuer das auch sein
mag.
Die Vereinigten Staaten werden
ihre Verpflichtung zur Verteidigung
Europas nicht aufgeben.
Wir werden
die Glaubwürdigkeit der NATO-Strategie der flexiblen Reaktion aufrechterhalten, die uns gut gedient hat und
weiterhin das Kernstück der Strategie
des Bündnisses bildet.
Gleichzeitig liegt unser höchstes
Ziel auch weiterhin nicht nur darin,
nukleare Waffen zu reduzieren und zu
beschränken, sondern darin, diese für
immer überflüssig zu machen, und eine
auf Hochtechnologie basierende Verteidigung zu schaffen, die nukleare
Waffen zerstört, bevor diese den Menschen zerstören können. Die technologischen Durchbrüche, auf die ich
zuvor hingewiesen hatte - Supraleitfähigkeit und Großcomputer auf einem
Chip - könnten uns sehr schnell dem
Tag näherbringen, an dem die Menschheit nicht mehr länger vor den vom

�Himmel kommenden Schrecken Angst haben muß, wenn wir frei, zuversichtlich, sicher und friedlich atmen können.
Wenn ich den jungen Leuten Europas eine Botschaft vermitteln kann,
dann diese:
Die Geschichte ist auf
Seiten der Freien. Hoffnung und unerschütterlicher
Glaube
an
unsere
grundsätzlichen
Werte der
Freiheit
und Menschenrechte - dies sind die
einzigen Leitlinien, die wir brauchen, um nicht nur ins 21. Jahrhundert, sondern ins dritte Jahrtausend
zu reisen.
Die in der westlichen
Welt noch vor einem Jahrzehnt bestehende Krise des Vertrauens ist durch
Stärke und Zuversicht ersetzt worden.
Nun spricht der Osten von Offenheit,
von "Glasnost". Wir hoffen, daß die
ersten wenigen Anzeichen eines Wandels in der Sowjetunion auf einen
wirklichen
Wunsch hindeuten, diese
geschlossene Gesellschaft zu öffnen.

des Marshall-Plans feiern, können wir
stolz auf das sein, was wir gemeinsam
geschaffen haben:
Ein neues Zeitalter der Freiheit, ein neues Zeitalter
der Hoffnung und des Wohlstandes, die
in der Geschichte der Menschheit ihresgleichen suchen - für die ganze
Welt ein Vorbild dessen, was der
freie Mensch leisten kann.
Dies ist eine andere Welt als vor
40 Jahren.
Die jüngere Generation
Europas, also diejenigen von ihnen,
die nach dem Zweiten Weltkrieg geboren wurden, mußten nicht die Zerstörung und den Kummer aus der Zeit Ihrer Eltern erleiden. Aber Ihre Herausforderung ist nicht weniger groß sie besteht in nichts Geringerem, als
das Versprechen an die Zukunft anzunehmen und die Lehren unserer Freiheit an eine wartende Welt weiterzugeben.

Die Wahl liegt bei ihnen:
Sie
können entweder am Fortschritt der
Geschichte teilhaben, oder aber immer
weiter in die wirtschaftliche Bedeutungslosigkeit
zurückfallen.
Wir
können uns auf den Tag freuen, an dem
die Technologie die Bedrohung des gegenseitigen nuklearen Schreckens abschafft - wenn nicht mehr lediglich
eine Ansammlung
gewaltiger
Vorräte
von Nuklearwaffen eine Nation zur Supermacht werden läßt, dann wird die
Sowjetunion als das erscheinen, was
sie wirklich ist: Ein Land, das individuelle
Freiheiten
einer
antiquierten
materialistischen
Philosophie des 19. Jahrhunderts geopfert
hat - ein Beispiel für die Welt, wie
man ein Land nicht regieren sollte.
Der Gegensatz zwischen Totalitarismus
und Freiheit wird sogar noch deutlicher werden.
Wenn wir heute den 40. Jahrestag
- 7 -

Vielen Dank und Gott schütze Sie.

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VoN^

10. Juni 1987

22
NIEDRIGERES RÜSTUNGSNIVEAU ZUR STABILISIERUNG
DER OST-WEST-BEZIEHUNGEN ANGESTREBT
- Erklärung der Gipfelpartner -

VENEDIG - (AD) Die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden
westlichen Industrienationen bekundeten in ihrer am 9. Juni in Venedig abgegebenen Stellungnahme die Absicht, "den militärischen Wettlauf zwischen Ost und
West auf niedrigerem Rüstungsniveau zu stabilisieren".
Die Gipfelpartner erklärten ferner, sie verfolgten "mit aufmerksamem Interesse die jüngsten innen- und außenpolitischen Entwicklungen in der Sowjetunion" und drückten die Hoffnung aus, daß diese sich zur "Verbesserung der politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Beziehungen zwischen
den Ländern in Ost und West als sehr bedeutsam erweisen werden".
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
1.
Wir, die Staats- und Regierungschefs der sieben großen Industriestaaten und die Vertreter der
Europäischen Gemeinschaft, haben die
Ost-West-Beziehungen
erörtert.
Wir
bekräftigen unsere gemeinsamen Grundsätze und Ziele sowie unser gemeinsames Bekenntnis zur Wahrung und Stärkung des Friedens.
2.
Mit Stolz erkennen wir, daß
die Dynamik und der Wohlstand der Gesellschaft unserer Länder in unseren
gemeinsamen Werten der Freiheit, der
Demokratie und der Achtung der Men-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

schenrechte
ihren
Ursprung
haben.
Wir bekennen uns erneut zu der Verpflichtung, nach einer freien, demokratischeren und humaneren Welt zu
streben.
3.
Innerhalb
der
bestehenden
Bündnisse ist jeder von uns entschlossen, eine starke und glaubwürdige Verteidigung aufrechtzuerhalten,
welche die Sicherheit keines Staates
bedroht, die Freiheit schützt, Aggression durch Abschreckung verhindert und den Frieden wahrt. Wir werden uns weiterhin über alle unsere

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�gemeinsamen Belange betreffenden Angelegenheiten eingehend konsultieren.
Von den Grundsätzen, die uns alle
leiten, werden wir nicht abgehen.
4. Seit unserem letzten Treffen
haben sich neue Chancen für Fortschritte in den Ost-West-Beziehungen
ergeben. Wir fühlen uns durch diese
Entwicklung ermutigt. Sie bestätigen
die Solidität der Politik, die jeder
von uns in seiner Entschlossenheit,
eine freiere und sicherere Welt zu
schaffen, verfolgt hat.
5. Wir verfolgen mit aufmerksamem Interesse die jüngsten innen- und
außenpolitischen Entwicklungen in der
Sowjetunion.
Wir hoffen, daß sie
sich für die Verbesserung der politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Beziehungen zwischen
den Ländern in Ost und West als sehr
bedeutsam erweisen werden.
Gleichzeitig bleiben tiefgreifende Unterschiede bestehen; jeder von uns muß
auf jedweden Aspekt der sowjetischen
Politik weiterhin wachsam und umsichtig reagieren.
6.
Wir bekräftigen unser Bekenntnis zum Frieden und zu höherer
Sicherheit auf niedrigerem Rüstungsniveau, wir streben nach umfassenden
Bemühungen zum Abbau der Spannungen
und zur Herbeiführung nachprüfbarer
Rüstungsreduzierungen.
Wir bekräftigen die anhaltende Bedeutung der nuklearen Abschreckung für die Wahrung
des Friedens, stellen aber gleichzeitig mit Befriedigung fest, daß der
Rüstungskontrolldialog vertieft worden ist und sich günstigere Aussichten auf einen Abbau der nuklearen
Streitkräfte abzeichnen.
Wir würdigen die Bemühungen der Vereinigten
Staten,
ausgewogene,
substantielle
und
nachprüfbare
Kernwaffenreduzierungen auszuhandeln. Wir betonen unsere Entschlossenheit, konventionelle

Stabilität
auf niedrigerem Streitkräfteniveau zu verbessern und die
völlige Beseitigung chemischer Waffen
zu erreichen. Wir glauben, daß diese
Ziele aktiv verfolgt und in konkrete
Vereinbarungen umgesetzt werden sollten.
Wir
fordern die Sowjetunion
nachdrücklich auf, positiv und konstruktiv zu verhandeln. Eine wirksame Lösung dieser Fragen ist eine wesentliche Voraussetzung für echte und
dauerhafte Stabilität in der Welt.
7.
Wir werden nicht nur sowjetischen Erklärungen, sondern auch sowjetischen Taten in Angelegenheiten,
die
uns
ein
gemeinsames
Anliegen
sind, große Aufmerksamkeit
widmen;
insbesondere
- fordern wir bedeutende und dauerhafte Fortschritte bei den Menschenrechten, denn dies ist für
die
Vertrauensbildung
zwischen
unseren
Nationen
wesentlich.
Noch immer bleibt viel zu tun, um
den in der Schlußakte von Helsinki vereinbarten und seitdem bekräftigten Grundsätzen und eingegangenen Verpflichtungen gerecht
zu werden.
- wünschen wir eine schnelle und
friedliche Lösung von regionalen
Konflikten und insbesondere den
raschen und vollständigen Abzug
der sowjetischen Streitkräfte aus
Afghanistan,
damit
das
afghanische Volk über seine eigene Zukunft frei bestimmen kann.
- fördern wir verstärkte Kontakte,
einen
freien
Gedankenaustausch
und intensiveren Dialog zwischen
unseren Bürgern und den Bürgern
der Sowjetunion und Osteuropas.
8. So strebt jeder von uns danach, den militärischen Wettlauf zwischen Ost und West auf niedrigerem

- 2 -

�Rüstungsniveau zu stabilisieren; stabile politische Lösungen von regionalen Konflikten zu fördern; dauerhafte
Verbesserungen bei den Menschenrechten sicherzustellen; und Kontakte und
Vertrauen
zwischen Regierungen und
Völker in einer humaneren Welt zu
schaffen.
In allen Bereichen sind
Fortschritte
erforderlich, um eine
dauerhafte Grundlage für stabile und
konstruktive Beziehungen zwischen den
Ländern in Ost und West zu errichten.

* * * * * *
- 3 -

�AMERIKA DIENST
% ^

Dokumentation

a

10. Juni 1987

22

ÖLTRANSPORT MÜSS IM GOLF FORTGESETZT WERDEN KÖNNEN
- Erklärung der Gipfelpartner -

Venedig - (AD) - Die sieben großen Demokratien mahnten in einer gemeinsamen Erklärung, daß sich der Öltransport durch die Straße von Hormus "weiterhin frei und ungehindert" bewegen muß. Sie waren sich in ihrer gemeinsamen
Erklärung vom 9. Juni dahingehend einig, daß "neue und abgestimmte internationale Bemühungen erforderlich sind", um zu einer Beendigung des Krieges zwischen Iran und Irak beizutragen.

Nachstehend drucken wir den Text der Erklärung im Wortlaut:
Wir waren uns dahingehend einig,
daß neue und abgestimmte internationale Bemühungen dringend erforderlich
sind, um zu einer Beendigung des
Krieges zwischen Iran und dem Irak
beizutragen.
Wir sind für ein möglichst frühes, auf dem Verhandlungswege erreichtes Ende des Krieges, das
die territoriale Unversehrtheit und
Unabhängigkeit des Irak und Iran unangetastet läßt. Beide Länder haben
unter diesem langen und tragischen
Krieg sehr gelitten.
Die Nachbarstaaten sind von einer möglichen Ausweitung des Konflikts bedroht.
Wir

United States Information Service
Embassy of the United States of America

fordern beide Parteien erneut auf,
ein sofortiges Ende des Krieges auszuhandeln.
Wir unterstützen
nachdrücklich die Vermittlungsbemühungen
des Generalsekretärs der Vereinten
Nationen und drängen auf die Verabschiedung
gerechter
und
wirksamer
Maßnahmen
durch den
Sicherheitsrat
der Vereinten Nationen.
Mit dieser
Zielsetzung bekräftigen wir, daß der
Grundsatz der freien Schiffahrt im
Golf für uns und für andere von ausschlaggebender Bedeutung ist und aufrechterhalten werden muß.
Der Öltransport und der sonstige Verkehr

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�muß sich weiterhin frei und ungehindert durch die Straße von Hormus bewegen können.

Die
Staats- und
Regierungschefs
fordern andere Regierungen nachdrücklich auf, sich dieser Verpflichtung
anzuschließen.

Anlage
* * * * * *
Die
Staats- und
Regierungschefs
erinnern daran, daß sie in ihrer Erklärung von Tokio zum internationalen
Terrorismus vereinbarten, der Bonner
Erklärung von 1978 bei der Bewältigung aller die zivile Luftfahrt bedrohenden Formen des Terrorismus zu
größerer
Wirksamkeit
zu verhelfen.
In Fällen, in denen ein Land die Auslieferung oder gerichtliche Verfolgung derjenigen, die in dem Übereinkommen von Montreal zur Bekämpfung
widerrechtlicher Handlungen gegen die
Sicherheit der Zivilluftfahrt genannte strafbare Handlungen begangen haben, verweigert beziehungsweise das
betroffene Flugzeug nicht zurückgibt,
sind die Staats- und Regierungschefs
daher gemeinsam entschlossen, durch
die Regierungen sofort dafür zu sorgen, daß gemäß der Bonner Erklärung
sämtliche Flüge in ein solches Land
eingestellt werden.
Gleichzeitig werden ihre Regierungen Schritte einleiten, damit gemäß der Bonner Erklärung sämtliche
Einflüge
durch
Luftfahrtunternehmen
dieses Landes aus ihm oder aus jedem
anderen Land unterbunden werden.
Die
Staats- und
Regierungschefs
beabsichtigen ferner, die Bonner Erklärung zu gegebener Zeit zu erweitern, so daß sie künftige einschlägige Änderungen des genannten Übereinkommens oder anderer Luftfahrtübereinkommen in bezug auf die Auslieferung oder gerichtliche Verfolgung der
Täter abdeckt.
- 2 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON**

10. Juni 1987

22
GIPFELPARTNER ERZIELEN EINIGUNG ÜBER SANKTIONEN
ZUR

TERRORISMUSBEKXMPÜNG

- Erklärung zum Terrorismus VENEDIG - (AD) - Die sieben großen Demokratien kamen sich in ihrer Erklärung vom 9. Juni überein, daß alle Formen des Terrorismus den gleichen Sanktionen unterliegen, wie sie in der Bonner Erklärung zu Flugzeugentführungen
vereinbart worden sind.
Die Gipfelpartner bekräftigten in der in Venedig verabschiedeten Erklärung
zum Terrorismus ihre Verpflichtung, "gegenüber Terroristen keinerlei Zugeständnisse zu machen" und forderten zu verstärkter internationaler Zusammenarbeit "zwischen uns und mit anderen Staaten... in allen geeigneten Gremien"
zur Bekämpfung des Terrorismus auf.
Nachfolgend drucken wir die Erklärung und die Anlage im Wortlaut.

Wir, die Staats- und Regierungschefs von sieben großen Demokratien
und die Vertreter der Europäischen
Gemeinschaft, die wir uns hier in Venedig versammelt haben, sind uns der
Sorge unserer Völker über die Bedrohung durch den Terrorismus zutiefst
bewußt;

Formen
des
Terrorismus
einschließlich
Flugzeugentführungen
und Geiselnahmen und bekunden erneut unsere Auffassung, daß es
für den Terrorismus, gleich welche
Motive
er hat, keinerlei
Rechtfertigung gibt;

- wir bekräftigen die in früheren
Gipfelkonferenzen in Bonn, Venedig, Ottawa, London und Tokio
ausgesprochenen Verpflichtungen;

wir bekräftigen unser aller Bekenntnis zu dem Grundsatz, gegenüber Terroristen und ihren Helfern keinerlei Zugeständnisse zu
machen;

- wir verurteilen

wir sind nach wie vor entschlos-

entschieden

alle

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Embassy of the United States of America

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Telex: 8-85432

�sen, gegenüber jedem Staat, der
offenkundig an der Finanzierung
oder Unterstützung des internationalen
Terrorismus
beteiligt
ist, im Rahmen des Völkerechts
innerhalb
unseres
eigenen
Hoheitsgebiets
wirksame
Maßnahmen
anzuwenden;

führten Maßnahmen beschlossen, um
der Bonner Erklärung von 1978 bei
der Bewältigung aller die zivile
Luftfahrt bedrohenden Formen des
Terrorismus zu größerer Wirksamkeit zu verhelfen;
- wir verpflichten uns, Terroristen
nach rechtsstaatlichen Grundsätzen vor Gericht zu bringen. Jeder von uns sagt eine verstärkte
Mitarbeit
in den einschlägigen
Gremien und im Rahmen der innerstaatlichen
Rechtsvorschriften
und des Völkerrechts bei Ermittlungs-, Verhaftungs- und gerichtlichen Verfolgungsmaßnahmen gegen
Terroristen zu. Insbesondere bekräftigen wir den in einschlägigen internationalen Übereinkünften
niedergelegten
Grundsatz,
diejenigen,
die
terroristische
Gewalttaten verübt haben, im Einklang
mit
innerstaatlichen
Rechtsvorschriften und jenen internationalen Übereinkünften vor
Gericht zu stellen oder auszuliefern.

- wir begrüßen die Fortschritte,
die seit unserer letzten Zusammenkunft im Mai 1986 in Tokio bei
der
internationalen
Zusammenarbeit gegen den Terrorismus erzielt worden sind, und insbesondere die Initiative Frankreichs
und Deutschlands, im Mai in Paris
eine Tagung der für die Terrorismusbekämpfung
zuständigen
Minister einzuberufen;
- wir bekräftigen unsere Entschlossenheit, sowohl durch nationale
Maßnahmen als auch durch internationale
Zusammenarbeit
zwischen
uns und gegebenenfalls mit anderen Staaten den Terrorismus zu
bekämpfen und erneuern daher unseren Appell an alle gleichgesinnten Länder, die internationale Zusammenarbeit in allen geeigneten Gremien zu festigen und
auszubauen;

* * *

Anlage
- wir werden unsere Bemühungen zur
Erhöhung der Sicherheit von Reisenden fortsetzen.
Wir begrüßen
die Sicherheitsverbesserungen auf
Flughäfen und im Schiffsverkehr
und fördern die Arbeit der internationalen Zivilluftfahrt-Organisation
und der
internationalen
Seeschiffahrts-Organisation
auf
diesem Gebiet.
Jeder von uns
wird weiterhin die Tätigkeit von
Luftfahrtunternehmen, die Sicherheitsprobleme
aufwerfen,
genau
überwachen.
Die Staats- und Regierungschefs haben die in der
Anlage dieser
Erklärung aufge-

Die
Staats- und
Regierungschefs
erinnern daran, daß sie in ihrer Erklärung von Tokio zum internationalen
Terrorismus vereinbarten, der Bonner
Erklärung von 1978 bei der Bewältigung aller die zivile Luftfahrt bedrohenden Formen des Terrorismus zu
größerer
Wirksamkeit
zu verhelfen.
In Fällen, in denen ein Land die Auslieferung oder gerichtliche Verfolgung derjenigen, die in dem Übereinkommen von Montreal zur Bekämpfung
widerrechtlicher Handlungen gegen die
Sicherheit der Zivilluftfahrt genann-

- 2 -

�te strafbare Handlungen begangen haben/ verweigert beziehungsweise das
betroffene Flugzeug nicht zurückgibt,
sind die Staats- und Regierungschefs
daher gemeinsam entschlossen, durch
die Regierungen sofort dafür zu sorgen, daß gemäß der Bonner Erklärung
sämtliche Flüge in ein solches Land
eingestellt werden.
Gleichzeitig werden ihre Regierungen Schritte einleiten, damit gemäß der Bonner Erklärung sämtliche
Einflüge
durch
Luftfahrtunternehmen
dieses Landes aus ihm oder aus jedem
anderen Land unterbunden werden.
Die
Staats- und
Regierungschefs
beabsichtigen ferner, die Bonner Erklärung zu gegebener Zeit zu erweitern, so daß sie künftige einschlägige Änderungen des genannten Übereinkommens oder anderer Luftfahrtübereinkommen in bezug auf die Auslieferung oder gerichtliche Verfolgung der
Täter abdeckt.
Die
Staats- und
Regierungschefs
fordern andere Regierungen nachdrücklich auf, sich dieser Verpflichtung
anzuschließen.

* * * * * *

�J&gt;^

AMERIKA DIENST
Dokumentation
10. Juni 1987

22

SCHLUSSKOMMDNIQÜE DES WELTWIRTSCHAFTSGIPFELS
IN VENEDIG
- Wortlaut der Erklärung -

VENEDIG - (AD) - Nachfolgend drucken wir den Wortlaut des Schlußkommuniques der Staats- und Regierungschefs der sieben größten Industriestaaten bei
ihrem Gipfeltreffen in Venedig.

Wirtschaftserklärung von Venedig
Wir, die Staats- und Regierungschefs der sieben großen Industriestaaten und die Vertreter der Europäischen Gemeinschaft, sind vom 8.
bis 10. Juni 1987 in Venedig zusammengekommen, um die Fortschritte zu
überprüfen, die unsere Länder einzeln
und gemeinsam bei der Durchführung
der Politik erzielt haben, zu der wir
uns auf früheren Gipfeln verpflichtet
haben.
Wir sind nach wie vor entschlossen, die Wachstums-, Stabilitäts-,
Beschäftigungs- und
Wohl-

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Embassy of the United States of America

standspolitik für unsere Länder und
für die Weltwirtschaft zu verfolgen.
Wir können seit unserer Zusammenkunft im letzten Jahr auf eine Reihe
positiver
Entwicklungen
zurückblikken. Das Wachstum setzt sich nunmehr
im fünften Jahr fort, wenn auch mit
niedrigeren Raten. Die durchschnittlichen
Inflationsraten
haben
sich
verringert.
Die Zinsen sind allgemein zurückgegangen.
Unter den führenden Währungen ist es zu Wechselkursänderungen gekommen, die mit der
Zeit zu einer dauerhaften Struktur

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Tel.: 0228-339 2035
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�der Leistungsbilanzpositionen beitragen werden und die Währungen in Zonen
gebracht haben, die im Großen und
Ganzen den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entsprechen.
Volumenmäßig
hat eine Anpassung der Handelsströme
bereits eingesetzt, auch wenn die Ungleichgewichte wertmäßig nach wie vor
zu groß sind.

Makroökonomische Politik und Wechselkurse
Seit Tokio haben die Gipfelländer
die Koordinierung ihrer Wirtschaftspolitik mit dem Ziel verstärkt, die
Vereinbarkeit
der
einzelstaatlichen
Maßnahmen untereinander und auf internationaler Ebene zu gewährleisten.
Dies ist für ein größeres und anhaltendes weltweites Wachstum, verringerte außenwirtschaftliche Ungleichgewichte und stabilere Wechselkursverhältnisse wesentlich.
Angesichts
der im Louvre und in Washington erreichten wirtschaftspolitischen Vereinbarungen könnten weitere substantielle Verschiebungen in den Wechselkursen Bemühungen um eine Steigerung
des Wachstums und der Erleichterung
der Anpassungen vereiteln.
Wir bekräftigen
unsere Verpflichtung
zur
raschen und vollständigen Durchführung dieser Vereinbarungen.
Nun müssen wir die Probleme lösen, die trotzdem noch in einigen unserer
Länder bestehen;
außenwirtschaftliche
Ungleichgewichte,
die
noch immer groß sind;
unverändert
hohe Arbeitslosigkeit;
große staatliche Defizite;
hohe reale Zinsen.
Desgleichen gibt es fortgesetzt Handelsbeschränkungen
und
verstärkten
protektionistischen Druck, anhaltende
Schwäche vieler
Rohstoffmärkte und
geringere
Aussichten
für
Entwicklungsländer, Wachstum zu erreichen,
die nötigen Absatzmärkte zu finden
- 2

und ihre
nen.

Auslandsschulden

zu

bedie-

Die Beseitigung außenwirtschaftlicher Ungleichgewichte wird ein langer und schwieriger Prozeß sein. Das
Problem, diese Ungleichgewichte
zu
beheben und gleichzeitig das Wachstum
aufrechtzuerhalten, wird durch Wechselkursänderungen allein nicht gelöst
werden.
Uberschußländer werden ihre
Politik so ausrichten, daß die Binnennachfrage gestärkt und außenwirtschaftliche Überschüsse abgebaut werden, zwar eine Politik verfolgen, die
ein stetiges Wachstum bei niedriger
Inflation fördert, aber gleichzeitig
ihre
fiskalischen
und
außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte verringern.
Wir fordern andere Industriestaaten auf, sich an den Bemühungen zur
Stützung der Weltkonjunktur zu beteiligen. Wir fordern auch die Schwellenländer mit schnellem Wachstum und
großen
außenwirtschaftlichen
Überschüssen zur Übernahme größerer Verantwortung auf, wenn es darum geht,
durch den Abbau von Handelsschranken
sowie durch die Verfolgung einer Politik, dank deren ihre Währungen die
wirtschaftlichen
Rahmenbedingungen
vollständiger
widerspiegeln
können,
ein offenes Welthandelssystem
aufrechtzuerhalten.
Unter
den Gipfelländern
bleibt
Haushaltsdisziplin ein wichtiges mittelfristiges Ziel, und eine Reihe von
ihnen müssen weiterhin den Abbau bestehender Ungleichgewichte im staatlichen Sektor anstreben.
Diejenigen
Gipfelländer, die bei der Haushaltskonsolidierung bedeutende Fortschritte erzielt
haben
und
über
große
außenwirtschaftliche Überschüsse verfügen, sind nach wie vor verpflichtet, innerhalb eines Rahmens mittelfristiger
fiskalischer
Ziele
eine

�Fiskal- und Geldpolitik zu verfolgen,
die
auf
die
Stärkung
binnenwirtschaftlicher Wachstumskräfte abzielt.
Die Geldpolitik sollte zudem inflationsfreies Wachstum unterstützen und
die Stabilität der Wechselkurse fördern. Angesichts der in vielen Ländern zu erwartenden niedrigen Inflation wäre eine weitere marktorientierte Senkung der Zinsen hilfreich.

der Entwicklung und Durchführung verstärkter Abmachungen für die im vergangenen Jahr
in Tokyo geforderte
multilaterale Überwachung und wirtschaftspolitische Abstimmung erzielten Fortschritte.
Der neue Koordinierungsprozeß, zu dem auch die Verwendung wirtschaftlicher
Indikatoren
gehört, wird die Bemühungen um mehr
Kohärenz und gegenseitige Vereinbarkeit der Politik unserer Länder stärken.

Strukturpolitik
Einig sind wir uns auch über die
Notwendigkeit einer wirksamen Strukturpolitik mit dem besonderen Ziel
der Arbeitsplatzbeschaffung.
Zu diesem Zweck werden wir
- den Wettbewerb fördern, um
industrielle
Anpassung
zu
schleunigen;

die
be-

- große
Ungleichgewichte
zwischen
Angebot
und
Nachfrage
in der
Landwirtschaft verringern;
- arbeitsplatzbeschaffende
tionen erleichtern;

Investi-

- das Funktionieren
märkte verbessern;

Arbeits-

- die weitere Öffnung
märkte fördern;

der

der

Binnen-

- für die Beseitigung von Unzulänglichkeiten und Beschränkungen der
Kapitalmärkte sowie für die Verbeserung des Funktionierens der
internationalen Finanzmärkte Anreize schaffen.

Die
Staats- und
Regierungschefs
bekräftigen die unter anderem in bezug auf Wechselkurse und auf den Tagungen
der
Gruppe der
Sieben
im
Louvre und in Washington verabschiedeten Strategien und Verpflichtungen.
Sie sind sich einig, daß - falls das
weltwirtschaftliche Wachstum in Zukunft unzureichend ist - zusätzliche
Maßnahmen geboten sind, damit ihre
gemeinsamen
Ziele
erreicht
werden
können.
Demgemäß fordern sie ihre
Minister
auf,
erforderlichenfalls
weitere geeignete politische Maßnahmen zu entwickeln und zur Förderung
der
Wechselkursstabilität
weiterhin
eng zusammenzuarbeiten.
Die
Koordinierung
der
Wirtschaftspolitik
ist ein kontinuierlicher Prozeß, der sich im Laufe der
Zeit herausbilden und wirksamer werden wird.
Die Staats- und Regierungschefs bestätigen
die von der
Gruppe der sieben Finanzminister erreichten Vereinbarungen, wonach mit
Hilfe des Internationalen Währungsfonds
(IWF) die Überwachung
ihrer
Volkswirtschaften
anhand von Wirtschaftsindikatoren,
einschließlich
der
Wechselkurse,
gestärkt
werden
soll, und zwar insbesondere durch

Multilaterale Überwachung und wirtschaftspolitische Abstimmung
Wir begrüßen sehr die von
Gruppe der sieben Finanzminister

der
bei
- 3 -

- die Verpflichtung jedes Landes,
für seine Wirtschaft mittelfristige Ziele und Prognosen aufzustellen, und der Gruppe als sol-

�eher, sowohl einzelstaatlich als
auch gemeinsam in sich geschlossene Ziele und Prognosen zu erarbeiten; und
- die Verwendung von Leistungsindikatoren, anhand derer die aktuellen wirtschaftlichen Trends geprüft und beurteilt werden können
und mit denen sich feststellen
läßt, ob erhebliche Abweichungen
von
einem
beabsichtigten
Kurs
eingetreten sind, so daß Abhilfemaßnahmen
in
Erwägung
gezogen
werden müssen.
Die
Staats- und
Regierungschefs
erachten diese Maßnahmen als wichtige
Schritte für die Förderung eines anhaltenden, inflationsfreien globalen
Wachstums und größerer Währungsstabilität.
Sie fordern die Gruppe der
sieben Finanzminister und Notenbankpräsidenten auf
- ihre
Koordinierungsanstrengungen
im Hinblick auf eine rasche und
wirksame Durchführund der vereinbarten Strategien und Verpflichtungen zu intensivieren;
- die Wirtschaftsentwicklung in Zusammenarbeit
mit dem Leitenden
Direktor des IWF genau zu überwachen; und
- weitere, für eine wirksame Gestaltung des Abstimmungsprozesses
geeignete Verbesserungen zu prüfen.

Handel
Wir beobachten mit großer Sorge
den
zunehmenden
protektionistischen
Druck.
Die Uruguay-Runde kann zur
Aufrechterhaltung
und Stärkung des
multilateralen Handelssystems und zur
Erreichung einer für alle Länder vor-

teilhaften verstärkten Handelsliberalisierung eine wichtige Rolle spielen.
Angesichts der Verzahnung von
Wachstum, Handel und Entwicklung ist
es wesentlich, das multilaterale System auf der Grundlage der Prinzipien
und Regeln des Allgemeinen Zoll- und
Handelsabkommens (GATT) zu verbessern
und immer mehr Bereiche des Welthandels einer vereinbarten wirksamen und
durchsetzbaren
multilateralen
Disziplin zu unterstellen.
Protektionistische Vorgehensweisen wären diesem Ziel abträglich, würden die Gefahr weiterer Wechselkursinstabilität
erhöhen
und
die
Entwicklungs- und
Verschuldungsprobleme verschärfen.
Wir bekennen unsn uneingeschränkt
zu der Verpflichtung, unter Einhaltung der in der Ministererklärung zur
Uruguay-Runde bekräftigten Grundsätze
des "Standstill" und des "Rollback"
geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Es
ist wichtig, im GATT ein multilaterales System von Grundsätzen und Regeln
für den Handel mit Dienstleistungen,
für handelsbezogene Investitionsmaßnahmen und für gewerbliche Schutzrechte einzurichten.
Die Ausweitung
des
multilateralen
Handelssystems
wird bei der Förderung des Wachstums
und der Verstärkung des Handels, der
Investitionen
und des Technologietransfers auch den Entwicklungsländern Nutzen bringen.
Auf der Grundlage der Ministererklärung zur Uruguay-Runde und der
Prinzipien des GATT fordern wir alle
Vertragsparteien auf, zur Gewährleistung
gegenseitiger
Vorteile
und
größeren Nutzens für alle Teilnehmerstaaten in gutem Glauben und mit aller gebotenen Eile umfassende Verhandlungen
durchzuführen.
Kanada,
Japan, die Vereinigten Staaten und
die Europäische Gemeinschaft werden
in den kommenden Monaten in Genf einen
breitgefächerten
Katalog
sub-

�stantieller
Vorschläge
vorlegen.
Fortschritte
in
der
Uruguay-Runde
werden stets einer sorgfältigen politischen
Überprüfung
unterliegen.
In diesem Zusammenhang sollten die
Einleitung, die Abwicklung und die
Durchführung der Ergebnisse der Verhandlungen als Teil eines Ganzen behandelt werden; in einem frühren Stadium erreichte Vereinbarungen könnten
jedoch auf vorläufiger oder endgültiger Basis durch eine Übereinkunft
noch vor dem förmlichen Abschluß der
Verhandlungen verwirklicht und sollten bei der Bewertung der allgemeinen
Verhandlungsergebnisse berücksichtigt
werden.
Ein starkes, glaubwürdiges
und
funktionstüchtiges GATT ist für das
Wohlergehen aller Handelsländer wesentlich und das beste Bollwerk gegen
zunehmenden
bilateralen
protektionistischen Druck.
Das Funktionieren
des GATT sollte durch eine Stärkung
seiner Rolle bei der Aufrechterhaltung eines offenen multilateralen Systems und seiner Fähigkeit zur Beilegung von Streitigkeiten sowie durch
eine bessere Koordinierung zwischen
dem GATT, dem IWF und der Weltbank
verbessert werden. Wir sind der Ansicht, daß gegebenenfalls im Verlauf
der Verhandlungen eine Zusammenkunft
des
Ausschusses
für
multilaterale
Handelsverhandlungen
auf
Ministerebene nützlich wäre.

Landwirtschaft
Auf dem Gipfel in Tokio haben wir
den Ernst der Agrarproblematik festgestellt.
Wir stimmten darin überein, daß die landwirtschaftliche Produktionsstruktur im Lichte der Weltnachfrage angepaßt werden muß, und
brachten unsere Entschlossenheit zum
Ausdruck, die Arbeit der OECD auf
diesem Gebiet voll und ganz zu unter-

stützen.
Dabei erkannten wir alle
die Bedeutung der Landwirtschaft für
das Wohlergehen unserer ländlichen
Gemeinden. Im vergangenen Jahr haben
wir die in Tokio entworfene Strategie
aktiv verfolgt, und wir nehmen mit
Befriedigung die in der Ministererklärung von Punta del Este angenommene Vereinbarung über die Ziele der
Landwirtschaftsverhandlungen
in der
Uruguay-Runde zur Kenntnis.
Wir bekräftigen unser Bekenntnis
zu der wichtigen, im Ministerkommunique der OECD vom 13. Mai 1987 niedergelegten
Vereinbarung
über
die
Landwirtschaft; hierzu gehören insbesondere die Darstellung des Ausmaßes
und der Dringlichkeit des Problems,
die einen ausgewogene und flexible
Durchführung
abgestimmter
Reformen
der Agrarpolitik erforderlich machen;
die Beurteilung der schwerwiegenden
Auswirkungen
der
zunehmenden
Ungleichgewichte von Angebot und Nachfrage bei den wichtigsten Agrarprodukten sowohl auf Industrie- als auch
auf
Entwicklungsländer;
Anerkennung
der
gmemeinsamen Verantwortung
für
die Probleme sowie deren ausgewogene,
wirksame und dauerhafte Lösung; die
Reformgrundsätze
und
die erforderlichen Maßnahmen.
Langfristig besteht
das
Ziel darin, durch
den
schrittweisen,
konzertierten
Abbau
der Hilfen für die Landwirtschaft wie
auch durch alle sonstigen geeigneten
Mittel die Voraussetzungen dafür zu
schaffen, daß die Marktsignale die
Ausrichtung der Agrarproduktion beeinflussen können, wobei soziale und
andere Anliegen wie zum Beispiel Ernährungssicherheit, Umweltschutz und
generell
die Beschäftigungslage
zu
berücksichtigen sind.
Wir
unterstreichen
unsere Verpflichtungen zu abgestimmten Vorgehen
mit dem Ziel, im eigenen Land und
durch umfassende Verhandlungen in der

- 5 -

�Uruguay-Runde die erforderlichen agrarpolitischen Anpassungen zu vollziehen.
Wie auf anderen Gebieten
werden wir auch hierzu umfassende
Vorschläge vorlegen, damit die Verhandlungen in den kommenden Monaten
im Einklang mit dem Mandat der Ministererklärung
durchgeführt
werden
können, und wir beabsichtigen, bei
unserer nächsten Tagung die erzielten
Fortschritte sowie die noch zu lösenden Aufgaben zu überprüfen.
Um inzwischen ein Klima größeren
Vertrauens zu schaffen, das die Aussichten auf schnelle Fortschritte in
der Uruguay-Runde insgesamt verbessern und einen Schritt auf dem Wege
zu den von diesen Verhandlungen zu
erwartenden langfristigen Ergebnissen
darstellen würde, fordern wir andere
Länder auf, unserer Übereinkunft zuzustimmen, wonach wir auf Maßnahmen
verzichten, die - indem sie die landwirtschaftliche
überschußproduktion
weiter anregen, den Schutz erhöhen
oder die Weltmärkte destabilisieren das Verhandlungsklima verschlechtern
und generell die Handelsbeziehungen
schädigen würden.

Entwicklungsländer und Verschuldung
Wir messen der Förderung solider
wirtschaftlicher Fortschritte in den
Entwicklungsländern
mit
all
ihren
verschiedenartigen Gegebenheiten und
Bedürfnissen besondere Bedeutung bei.
Die Probleme vieler hochverschuldeter
Entwicklungsländer
geben
Anlaß
zu
wirtschaftlicher und politischer Besorgnis und können in Ländern mit demokratischen Systemen eine Bedrohung
für die politische Stabilität darstellen.
Wir würdigen die mutigen
Bemühungen vieler dieser Länder zur
Erlangung von Wirtschaftswachstum und
Stabilität.

- 6

Wir unterstreichen die anhaltende
Bedeutung der öffentlichen Entwicklungshilfe und begrüßen die verstärkten
Anstrengungen
einiger
unserer
Länder auf diesem Gebiet. Wir erinnern an das von internationalen Organisationen festgelegte Ziel (0,7 Prozent) für die künftige Höhe der öffentlichen
Entwicklungshilfe;
desgleichen stellen wir fest, daß die
Finanzströme insgesamt für die Entwicklung wichtig sind.
Wir unterstützen
tatkräftig die Tätigkeiten
der internationalen Finanzinstitutionen, einschließlich jener regionalen
Entwicklungsbanken, die Zielsetzungsreformen der Anleihenehmer begünstigen und deren Strukturanpassungsprogramme finanzieren, insbesondere
- unterstützen
wir
die
aufgrund
seiner
Beratungs- und
Finanzierungsaufgaben zentrale Rolle des
IWF und fördern eine engere Zusammenarbeit zwischen dem IWF und
der Weltbank, vor allem bei ihren
Strukturanpassungskrediten;
- nehmen wir mit Befriedigung den
Beitrag der achten Wiederauffüllung der Internationalen Entwicklungsorganisation
(IDA)
zur
Kenntnis;
- unterstützen wir eine allgemeine
Aufstockung
des
Kapitals
der
Weltbank, wenn dies durch eine
erhöhte Nachfrage nach Qualitätsausleihungen, durch ihre erweiterte Rolle in der Schuldenstrategie und durch die Notwendigkeit
einer Aufrechterhaltung der finanziellen Stabilität der Institution gerechtfertigt ist;
- begrüßen wir im Lichte der verschiedenen Beiträge unserer Länder
zur
öffentlichen
Entwicklungshilfe die jüngste Initiative
der
japanischen Regierung, die

�ein neues System vorgelegt hat,
demzufolge
Japan
den
Entwicklungsländern zusätzliche Ressourcen bereitstellen wird.

zur Gewährleistung fortgesetzter Unterstützung für die Schuldnerländer
zu entwickeln.
Vor allem Schuldnerländer sollten
Maßnahmen ergreifen, um schuldenneutrale Kapitalströme, insbesondere Direktinvestitionen,
zu
erleichtern.
In diesem
Zusammenhang sollte die
"Multilateral
Investment
Guarantee
Agency" (MIGA) möglichst bald ihre
Aufgaben zu erfüllen beginnen.
Es
kommt darauf an, daß die Exportkreditanstalten bei der schnellen Wiederaufnahme oder Verstärkung der Dekkung für Länder, die umfassende Anpassungsprogramme verwirklichen, flexibel bleiben.

Im Hinblick auf die Hauptschuldnerländer mit mittleren Einkommen unterstützen wir weiterhin die gegenwärtige
Wachstums- und
einzelfallorientierte Strategie. Drei Elemente
sind zur Stärkung der Wachstumsaussichten der Schuldnerländer erforderlich: Verabschiedung umfassender Reformen makroökonomischer und struktureller Art durch die Schuldnerstaaten selbst; verstärkte Kreditgewährung durch internationale Finanzinstitutionen, insbesondere durch die
Weltbank; und angemessene Kreditvergabe der Geschäftsbanken zur Unterstützung der Reformen in Schuldnerländern. Wir werden unseren Teil dadurch beisteuern, daß wir einen Beitrag zur Erhaltung des Wachstums und
zur Ausweitung des Handels leisten.
Eine Reihe von UmschuldungsVereinbarungen haben in einem gewissen Ausmaß
erneutes
Wachstum, die Beseitigung
von Ungleichgewichten und bedeutsame
Fortschritte bei der Wiederherstellung
der
Kreditwürdigkeit
mancher
Länder ermöglicht. In einigen Fällen
fehlt es jedoch noch immer an einer
geeigneten
Strukturanpassungs- und
Wachstumspolitik, die darauf abzielt,
für die effiziente Nutzung inländischer
Ersparnisse, die Rückführung
von Fluchtkapital, einen verstärkten
Zustrom
von
Auslands-Direktinvestitionen und insbesondere für Reformen
der Finanzmärkte Anreize zu schaffen.

Wir sind uns der Probleme der
Entwicklungsländer
bewußt,
deren
Volkswirtschaften ausschließlich oder
überwiegend von der Ausfuhr von Rohstoffen
mit
anhaltend
niedrigem
Preisniveau abhängig sind.
Es geht
darum, das Funktionieren der Rohstoffmärkte,
beispielsweise
durch
bessere
Information
und
größere
Transparenz,
zu
verbessern.
Eine
weitere
Diversifizierung
dieser
Volkswirtschaften
sollte
gefördert
werden mit Hilfe der internationalen
Finanzinstitutionen, durch eine Politik, die darauf abzielt, die Bemühungen dieser Staaten um eine verbesserte Verarbeitung ihrer Erzeugnisse zu
unterstützen, die Chancen durch eine
Liberalisierung des Zugangs zu den
Märkten zu erhöhen und ein für den
Strukturwandel
günstigeres
internationales Klima zu schaffen.

Desgleichen ist es notwendig, die
Kreditvergabe
durch
Geschäftsbanken
in rechtzeitiger und wirksamer Weise
zu mobilisieren. In diesem Zusammenhang unterstützen wir Bemühungen von
Geschäftsbanken und Schuldnerländern,
ein Auswahlangebot alternativer Verhandlungs- und Finanzierungsverfahren

Wir erkennen an, daß die Probleme
einiger der ärmsten Länder, vor allem
südlich
der
Sahara,
beispiellos
schwierig sind und einer besonderen
Behandlung
bedürfen.
Diese Länder
sind
unter
anderem
gekennzeichnet
durch akute Armut, begrenzte Investitionsmittel für ihre eigene Entwick-

- 7 -

�lung, unüberschaubare Schuldenlasten
und eine starke Abhängigkeit von einem oder zwei Produkten sowie dadurch, daß sie größtenteils bei Regierungen
von Industriestaten oder
bei internationalen Finanzinstitutionen verschuldet sind. Für diejenigen
der ärmsten Länder, die Anpassungsbemühungen ergreifen, sollte die Möglichkeit
der Anwendung
niedrigerer
Zinsen auf ihre vorhandenen Schulden
erwogen werden, und insbesondere im
Pariser Club sollten Vereinbarungen
über längere Tilgungsfristen und tilgungsfreie Zeiten erreicht werden, um
die Schuldendienstlast
zu mildern.
Wir begrüßen die von einigen von uns
eingebrachten Vorschläge sowie den
Vorschlag des Leitenden Direktors des
IWF für eine erhebliche Aufstockung
der
Mittel der Strukturanpassungsfazilität ab 1. Januar 1988 für die
Dauer von drei Jahren. Wir dringen
auf einen Abschluß der Gespräche über
diese Vorschläge in diesem Jahr. Wir
dringen auf einen Abschluß der Gespräche über diese Vorschläge in diesem Jahr.
Wir halten fest, daß UNCTAD VII
eine Gelegenheit bietet, mit den Entwicklungsländern Gespräche zu führen,
um zu einer gemeinsamen Sicht der
großen weltwirtschaftlichen Probleme
und Strategien zu gelangen.

sation für Normung (ISO) und dem Internationalen Rat wissenschaftlicher
Vereinigungen (ICSU) sowie mit der
Unterstützung anderer interessierter
internationaler
Organisationen
und
Länder ein Forum für den Informationsaustausch und für Konsultationen
einzurichten, so daß auf diesem wichtigen Gebiet kontinuierliche
Fortschritte sichergestellt werden können.
Den von den Umweltsachverständigen in ihrem Bericht als vorrangig
bezeichneten
Umweltproblemen
sollte
ungeteilte
Aufmerksamkeit
gewidmet
werden.
Wir unterstreichen unsere eigene
Verantwortung bei der Förderung von
Bemühungen mit dem Ziel einer wirksamen
Bekämpfung von
Umweltproblemen
mit weltweiten Auswirkungen, so zum
Beispiel Abnahme des Ozongehalts in
der Stratosphäre, Klimaveränderungen,
saurer Regen, gefährdete Arten, gefährliche Stoffe, Luft- und Wasserverschmutzung
sowie die
Zerstörung
der tropischen Wälder. Wir beabsichtigen auch, andere Umweltthemen zu
untersuchen, wie zum Beispiel strenge
Umweltschutzauflagen als Anreiz für
Innovationen und für die Entwicklung
sauberer, kostengünstiger
und verbrauchsarmer Technologien sowie die
Förderung des Welthandels mit umweltfreundlichen
Erzeugnissen,
umweltfreundlichen Industrieanlagen und anderen Umweltschutztechnologien.

Umwelt
Im Nachgang zu unseren früheren
Verpflichtungen, eine gesunde Umwelt
zu erhalten und künftigen Generationen weiterzugeben, begrüßen wir den
Bericht
der
Umweltsachverständigen
über die Verbesserung und Harmonisierung von Umweltmeßtechniken und -verfahren.
Dementsprechend
jermutigen
wir das Umweltprogramm der Vereinten
Nationen (UNEP) dazu, in Zusammenarbeit mit der Internationalen Organi- 8

Wir begrüßen die insbesondere in
der internationalen Atomenergie-Organisation seit Tokio gemachten Fortschritte
bei
der
Verstärkung
der
wirksamen internationalen Zusammenarbeit in bezug auf die Sicherheit bei
der Handhabung der Kernenergie.

Sonstige Fragen
Wir

begrüßen

die

Initiative

Ja-

�pans
für ein
Wissenschaftsprogramm
für Vorstöße in neue Bereiche der Humanbiologie,
die
darauf
abzielt,
durch
internationale
Zusammenarbeit
die Grundlagenforschung
im Bereich
biologischer Funktionen zu fördern.
Wir sind dankbar, daß unseren Wissenschaftlern
informelle
Gelegenheiten
geboten wurden, an einigen Erörterungen
der
japanischen
Durchführbarkeitsstudie teilzunehmen. Wir nehmen
zur Kenntnis, daß diese Studie fortgesetzt wird, und würden gerne auch
in Zukunft von den Fortschritten unterrichtet werden.
Wir begrüßen den positiven Beitrag der im Januar 1987 in Kyote
veranstalteten Konferenz hochrangiger
Sachverständiger über die zukünftige
Rolle der Bildung in unserer Gesellschaft .

über die Gesundheitsprobleme (mündliche Erklärung der Londoner Vorsitzenden über Krebs und mündliche Erklärung des Bonner Vorsitzenden über
Drogen) stellen die Staats- und Regierungschefs und die Vertreter der
Europäischen Gemeinschaft fest, daß
AIDS eines der größten potentiellen
Gesundheitsprobleme in der Welt darstellt.
Die nationalen Anstrengungen
müssen verstärkt und durch internationale Zusammenarbeit und abgestimmte Kampagnen
in ihrer Wirksamkeit
verbessert werden, um der weiteren
Ausbreitung von AIDS Einhalt zu gebieten.
Es muß sichergestellt sein,
daß die ergriffenen Maßnahmen im Einklang
mit den Grundsätzen der Menschenrechte stehen. In diesem Zusammenhang haben sie sich darauf geeinigt, daß

Wir werden auch in Zukunft die
ethischen
Folgen
biowissenschaftlicher
Entwicklungen
einer
Prüfung
unterziehen. Nach den von den Regierungen der Gipfelländer - 1984 von
Japan, 1985 von Frankreich, 1986 von
der
Bundesrepublik
Deutschland
und
1987 von Kanada - veranstalteten Konferenzen begrüßen wir das Angebot der
italienischen
Regierung,
im
April
1988 in Italien die nächste Konferenz
über Bioethik auszurichten.

Nächster Wirtschaftsgipfel
Wir
haben
vereinbart,
uns
im
nächsten Jahr wieder zu treffen, und
haben die Einladung des kanadischen
Ministerpräsidenten nach Kanada angenommen .

Erklärung zu AIDS
Aufgrund
ihrer bereits in der
Vergangenheit
geäußerten
Besorgnis
- 9 -

- Doppelarbeit
die
internationale
Zusammenarbeit nicht verbessert.
Einer Stärkung bestehender Organisationen
durch die Gewährung
uneingeschränkter politischer Unterstützung sowie durch die Bereitstellung
der
erforderlichen
finanziellen, personellen und administrativen Ressourcen ist Vorrang einzuräumen.
Um die weltweiten
Bemühungen
zur AIDS-Bekämpfung auf internationaler Ebene zusammenzufassen, eignet sich
als Forum die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am besten, und
alle Länder sollten zur vollen
Zusammenarbeit mit der WHO sowie
zur Unterstützung ihres AIDS-SonderProgramms aufgerufen werden;
- mangels eines Impfstoffes
oder
einer Therapie die aussichtsreichste AIDS-Bekämpfung und -Verhütung
in einer Strategie besteht, bei der die Öffentlichkeit
über den Ernst der AIDS-Epidemie,
die Art und Weise der Übertragung
des AIDS-Virus sowie über prakti-

�sehe Maßnahmen aufgeklärt wird,
die jeder einzelne zur Vermeidung
einer Infektion oder Weiterverbreitung ergreifen kann.
Geeignete Gelegenheiten zum Austausch
von Informationen über nationale
Aufklärungskampagnen
und
innerstaatliche Maßnahmen sollten genutzt werden.
Die Staats- und
Regierungschefs und die Vertreter
der Europäischen Gemeinschaft begrüßen den Vorschlag der britischen Regierung, zusammen mit der
WHO eine internationale Konferenz
auf Ministerebene über die AIDSAufklärung
der
Öffentlichkeit
auszurichten;
sie bei der Grundlagenforschung
und bei klinischen Untersuchungen
zur Verhütung und Behandlung von
AIDS sowie beim Informationsaustausch
weitere
Zusammenarbeit
fördern werden (wie zum Fall des
EG-Programms).
Die
Staats- und
Regierungschefs und die Vertreter
der Europäischen Gemeinschaft begrüßen und unterstützen gemeinsames Vorgehen von Forschern in den
sieben Ländern (wie beim gemeinsamen Programm französischer und
amerikanischer Forscher, das zur
Zeit erweitert wird, und ähnlichen Programmen) und überall in
der Welt mit dem Ziel, eine Therapie für die Krankheit zu finden, Bestandteile des Virus klinisch zu testen und einen wirksamen Impfstoff zu entwickeln. Die
Staats- und
Regierungschefs
und
die Vertreter der
Europäischen
Gemeinschaft
begrüßen den Vorschlag des Präsidenten der Französischen
Republik,
der
die
Schaffung
eines
internationalen
Ausschusses über die durch AIDS
aufgeworfenen
ethischen
Fragen
zum Ziele hat.

Erklärung über Drogen
Die
Staats- und
Regierungschefs
haben
das
Problem
des
Drogenmißbrauchs
untersucht,
das
tragische
Verluste an Menschenleben verursacht
und nun die Menschen überall in der
Welt und insbesondere junge Menschen
und ihre Familien bedroht. Sie betonen, wie wichtig eine Strategie zur
Unterstützung nationaler, regionaler
und
multilateraler
Kampagnen
zur
Überwindung dieses Problems ist. Sie
beabsichtigen, ihren Kampf gegen die
illegale Herstellung und Vermarktung
von Drogen fortzusetzen und alle erforderlichen Voraussetzungen für eine
wirksamere internationale Zusammenarbeit zu schaffen. Desgleichen werden
sie darauf hinwirken, daß der illegale Anbau natürlicher Drogen unterbunden und durch den Anbau anderer Erzeugnisse ersetzt wird, die der gesellschaftlichen
und
wirtschaftlichen
Entwicklung
förderlich sind.
Die Staats- und Regierungschefs begrüßen die bilateral und multilateral
bereits erreichten Vereinbarungen und
erwarten, daß die von den Vereinten
Nationen in der nächstern Woche nach
Wien einberufene Internationale Konferenz über Drogenmißbrauch und illegalen Drogenhandel von Erfolg gekrönt
sein wird.

- 10 -

* * * * * *

�J&gt;^'®

'VON

AMERIKA DIENST
Wirtschaft

e

*

10. Juni 1987

22
TEILWEISE AUFHEBUNG DER HANDELSSANKTIONEN GEGEN JAPAN
- Erklärung Präsident Reagans in Venedig -

VENEDIG - (AD) - In Anerkennung der Fortschritte Japans bei der Drosselung
der Verkäufe von modernen Halbleiter-Chips zu Preisen unterhalb der Produktionskosten auf Drittmärkten hat Präsident Reagan die teilweise Aufhebung der
amerikanischen Handelssanktionen gegen Japan angekündigt. Im Anschluß an bilaterale Verhandlungen mit dem japanischen Ministerpräsidenten Nakasone am 8.
Juni 1987 erklärte der Präsident, er halte es in Anbetracht der noch nicht
völligen Einhaltung des Halbleiterabkommens für angemessen, eine "Lockerung
der Sanktionen" von nur 51 Millionen Dollar zu verfügen, was ungefähr 17 Prozent des Gesamtwerts der jährlichen japanischen Verkäufe von Halbleitern an
die Vereinigten Staaten entspricht.
Nachstehend folgt die Erklärung Präsident Reagans im Wortlaut:

Eines unserer Hauptanliegen anläßlich
der
Eröffnung
des Wirtschaftsgipfels muß die Beseitigung
von Handelshemmnissen sein, die darauf ausgerichtet sind, das Ungleichgewicht des Handels aufrechtzuerhalten und die zum Protektionismus führen. Wir sollten uns zu freiem Wettbewerb bei einer fairen Marktlage
verpflichten.
Vor fast sechs Wochen habe ich
eine Anordnung zur Verhängung von
Sanktionen
auf japanische
Produkte
unterschrieben, als Reaktion auf die

United States Information Service
Embassy of the United States of America

japanische
Nichteinhaltung
unserer
Abkommen über Anti-Dumping und den
Marktzugang
von
Halbleitern.
Die
eindeutige Botschaft brachte unsere
Absicht zum Ausdruck, den fairen Handel ernst zu nehmen. Ebenso deutlich
war unser Wunsch, diese Sanktionen
aufzuheben, sobald die Fakten einen
"eindeutigen und anhaltenden Beweis"
der Einhaltung anzeigen.
Japan ist
sowohl ein führender Wirtschaftspartner wie auch ein zuverlässiger Freund
und Verbündeter, und wir wollen jede
Anstrengung
unternehmen, um unsere
Meinungsverschiedenheiten so schnell

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�wie möglich zu beseitigen.
Bedauerlicherweise ist mir eine
erste Überprüfung der Fakten über die
Halbleiter nicht hinreichend genug,
um die verhängten Sanktionen im Gesamtumfang aufzuheben.
Es gibt jedoch auf einem Gebiet nachdrückliche
Hinweise darauf, daß das Dumping von
Halbleiter-Chips mit dynamischem RAMSpeicher
(DRAMs)
auf
Drittmärkten
nachgelassen hat. Es ist ganz offensichtlich, daß eine merkliche Verbesserung auf diesem einen Gebiet stattgefunden hat.
Ich bin mir der Besorgnis im
Kongreß bewußt, ob konsequent und positiv auf die Einhaltung vorgegangen
ist.
Ich habe daher heute eine entsprechende Antwort angeordnet. DRAMs
machen 60 Prozent der 135 Millionen
Dollar an Sanktionen aus, die im Zusammenhang mit dem Dumping verhängt
wurden.
Die Angaben zu DRAMs verzeichnen einen Anstieg von einer 59prozentigen
zu einer
85prozentigen
Einhaltung des angemessenen Marktwertes, womit mehr als die Hälfte des
Weges zu einem annehmbaren ziel zurückgelegt ist. Ich ordne eine Aufhebung von Sanktionen in Höhe von 51
Millionen Dollar an, was einer 17prozentigen
Kürzung
des
Gesamtwertes
entspricht. Diese Aufhebung steht im
genauen Verhältnis zum bis heute erreichten Fortschritt.
Die japanische Regierung hat mir
die Zusicherung gegeben, daß dieses
positive Gesamtbild beim Dumping auf
Drittmärkten
anhalten
wird.
Wenn
sich herausstellen sollte, daß dies
nicht der Fall ist, werde ich nicht
zögern, die jetzt aufgehobenen Teilsanktionen wieder zu verhängen.

+ + + + + +

- 2

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
10. Juni 1987

22
NEUER STARTTERMIN FÜR NÄCHSTEN RAUMTRANSPORTER-FLUG

WASHINGTON - (AD) - Für den ersten Start eines amerikanischen Raumtransporters nach der CHALLENGER-Katastrophe vom 28. Januar 1986 wurde jetzt der
Monat Juni 1988 ins Auge gefaßt. Der genaue Termin soll später bekanntgegeben
werden. In einer am 20. Mai 1987 herausgegebenen Presseverlautbarung erklärte
Dr. James C. Fletcher, Administrator der US-Behörde für Luft- und Raumfahrt
(NASA), daß diese Änderung zusätzliche Bodentests vor dem Start ermögliche.
Ursprünglich war der 18. Februar 1988 als Termin vorgesehen. Sicherheit des
"Space Shuttle"-Fluges ist jedoch, Fletcher zufolge, für die NASA oberstes Gebot. Die revidierten Pläne, nach denen der Raumtransporter wieder flugbereit
gemacht werde, seien ehrgeizig und setzten voraus, daß die Test- und Vorbereitungsziele voll erreicht werden.
Die
NASA
gab
ferner
bekannt,
statt der für 1988 vorgesehenen sechs
Flüge würden nur drei durchgeführt.
Im Augenblick plane die Behörde sieben
Raumtransportermissionen
für
1989, eine weniger als im Manifest
vom Oktober 1986 angegeben.
Welche
Nutzlasten für die einzelnen Missionen an Bord genommen werden sollen,
werde später bekannt gegeben.
Dem
jüngsten Zeitplan zufolge sollte beim
ersten
Flug ein TDRS-Satellit der
NASA abgesetzt werden, der für Bahnbeobachtungen
und
Datenübermittlung
benötigt wird.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Beim zusätzlichen Erprobungsprogramm für den Raumtransporter DISCOVERY, mit dem der erste Flug unternommen werden soll, geht es vor allem um
Brenntests der drei Haupttriebwerke
und
einen simulierten Start-Countdown, bei dem der große Außentank mit
Treibstoff gefüllt wird. Beide Tests
sind ca. sechs Wochen vor dem Start
vorgesehen. An den Feststoffraketen,
die in der ersten Aufstiegsphase hohe
zusätzliche Schubkraft liefern, hat
man nicht nur an der Verbindung der
Segmente, sondern auch an anderen

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Teilen
Verbesserungen
vorgenommen.
Ein Leck in einer der Segmentverbindungen hatte im vergangenen Jahr das
Unglück ausgelöst, bei dem die sieben
Astronauten den Tod fanden.

* * * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Marshall-Plan leitete "Zeitalter der Freiheit" ein&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Reagans an die Jugend Europas -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Niedrigeres Rüstungsniveau zur Stabilisierung der Ost-West-Beziehungen angestrebt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung der Gipfelpartner -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Öltransport muss im Golf fortgesetzt werden können&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung der Gipfelpartner -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gipfelpartner erzielen Einigung über Sanktionen zur Terrorismusbekämpfung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung zum Terrorismus -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schlusskommunique des Weltwirtschaftsgipfels in Venedig&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Erklärung -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Teilweise Aufhebung der Handelssanktionen gegen Japan&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung Präsident Reagans in Venedig -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neuer Starttermin für nächsten Raumtransporter-Flug</text>
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                    <text>:eo sv

VION

AMERIKA DIENST
4

Sonderdienst

15. Juni 1987

BERLINER MAUER NIEDERREISSEN FÜR DIE SACHE DES FRIEDENS
- Ansprache Präsident Reagans vor dem Brandenburger Tor -

United States Information Service
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�BERLIN - (AD) - In seiner am 12. Juni 1987 vor dem Brandenburger Tor in
Berlin gehaltenen Rede forderte Präsident Reagan den sowjetischen Generalsekretär Gorbatschow auf, dieses Tor zu öffnen und die Mauer niederzureißen.
Er erklärte: "Nur' Freiheit führt zu Wohlstand. Freiheit ersetzt den Völkerhaß durch Einvernehmen und Frieden".
Reagan schlug darüber hinaus vor, Berlin wieder zu einem Zentrum der Luftfahrt zu machen, in der Stadt verstärkt internationale Konferenzen abzuhalten
und beide Teile der Stadt als Veranstaltungsort für eine Olympiade in Betracht
zu ziehen.
Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Herr Bundeskanzler Kohl, Herr Regierender Bürgermeister Diepgen, meine Damen und Herren.
Vor 24 Jahren hat Präsident John
F. Kennedy Berlin besucht und vor dem
Rathaus zu den Menschen dieser Stadt
und
der
ganzen
Welt
gesprochen.
Seitdem sind zwei Präsidenten in ihrer jeweiligen Amtszeit nach Berlin
gekommen. ich selbst unternehme heute meinen zweiten Besuch in diese
Stadt.
Wir

amerikanischen

Präsidenten

kommen nach Berlin, weil wir gerade
an diesem Ort von der Freiheit sprechen sollten. Aber ich muß gestehen,
daß es noch andere Dinge sind, die
uns hierhergeführt haben: das Gefühl
für Geschichte in dieser Stadt, die
mehr als 500 Jahre älter ist als unsere eigene Nation.
Die Schönheit
des Grunewalds und des Tiergartens.
Am meisten aber Ihr Mut und Ihre Entschlossenheit .
Vielleicht hat der Komponist Paul
Lincke die amerikanischen Präsidenten
richtig eingeschätzt.
Wissen Sie,

�ich komme heute hierher wie so viele
Präsidenten vor mir, weil, wo ich
auch hingehe und was ich auch tue:
"ich hab' noch einen Koffer in Berlin"
Unsere heutige Veranstaltung wird
in ganz Westeuropa und Nordamerika
ausgestrahlt.
ich denke, daß sie
auch im Ostblock zu hören und zu sehen sein wird.
ich möchte auch den Zuhörern in
Osteuropa
meine herzlichsten
Grüße
und die besten Wünsche des amerikanischen Volkes aussprechen. Denen,
die in Ost-Berlin zuhören, gebühren
einige besondere Worte.
Obwohl ich
nicht bei ihnen sein kann, richte ich
meine
Ansprache
selbstverständlich
ebenso an Sie wie an meine unmittelbaren Zuhörer. Ich stehe genauso zu
Ihnen wie zu ihren Landsleuten im Westen in dem festen, unerschütterlichen Glauben:
Es gibt nur ein
Berlin.
Hinter mir steht eine Mauer, die
die freien Sektoren dieser Stadt umschließt,
ein
Teil
der
massiven
Schranken, die den gesamten Kontinent
Europa spalten.
Südlich der Ostsee
schneiden
diese
Schranken
durch
Deutschland hindurch einen Riß aus
Stacheldraht, Beton, Hundelaufanlagen
und Wachtürmen. Weiter im Süden mag
es keine sichtbare, augenfällige Mauer geben.
Aber es bleiben trotzdem
noch die bewaffneten Wachposten und
Kontrolltürme - immer noch eine Einschränkung der Freizügigkeit, immer
noch ein Instrument, Menschen den
Willen eines totalitären Staates aufzuzwingen.
Es ist jedoch gerade in Berlin,
wo die Mauer am sichtbarsten aufragt;
sie spaltet die Stadt genau an der
Stelle, wo Zeitungsphotos und Fernsehschirme
diese
brutale
Teilung
eines Kontinents für das Bewußtsein

der Welt festhalten. Jeder Deutsche,
der vor dem Brandenburger Tor steht,
ist ein Mensch, der von seinen Landsleuten getrennt ist.
Jeder dieser
Menschen ist ein Berliner, der gezwungen ist, diese sichtbare Wunde zu
ertragen.
Präsident von Weizsäcker hat einmal gesagt:
Die deutsche Frage ist
so lange offen, wie das Brandenburger
Tor zu ist. Heute sage ich: solange
das Tor zu ist, solange wird diese
Mauer als Wunde forbestehen; es ist
nicht die deutsche Frage allein, die
offen bleibt, sondern die Frage der
Freiheit für die gesamte Menschheit.
ich komme jedoch nicht hierher,
um zu klagen.
Denn ich erkenne in
Berlin ein Signal der Hoffnung - im
Schatten dieser Mauer sogar ein Signal des Triumphes.
im Frühjahr 1945, als die Berliner aus ihren Luftschutzbunkern heraustraten, fanden sie Verwüstung vor.
Tausende von Kilometern entfernt bot
das Volk der Vereinigten Staaten seine Hilfe an; und im Jahr 1947 verkündete
Außenminister
George
Marshall
die
Schaffung
dessen,
was
als
Marshall-Plan bekannt werden sollte.
In diesem Monat vor genau vierzig
Jahren erklärte er: "Unsere Politik
richtet sich nicht gegen irgendein
Land oder irgendeine Doktrin, sondern
gegen Hunger, Armut, Verzweiflung und
Chaos".
Gerade sah ich im Reichstag eine
Tafel, die an diesen 40. Jahrestag
des
Marshall-Plans erinnerte.
Ich
war beeindruckt von diesem Schild auf
einem alten, verfallenen Gebäudeteil,
der
gerade
wiederaufgebaut
wurde.
Ich weiß, daß Berliner meiner Generation sich daran erinnern können, solche Schilder im gesamten Westsektor
der Stadt gesehen zu haben.
Auf dem

- 2 -

�Schild
steht
ganz
einfach:
hilft der Marshall-Plan.
Zur
kung der freien Welt".

"Hier
Stär-

Eine starke und freie Welt - im
Westen ist dieser Traum Wirklichkeit
geworden.
Japan erhob sich aus den
Trümmern zu einer gigantischen Wirtschaftsmacht.
Frankreich,
Italien,
Belgien - nahezu jede Nation Westeuropas erlebte eine politische und
wirtschaftliche
Wiedergeburt.
Die
Europäische
Gemeinschaft wurde gegründet.
Im Westen Deutschlands und hier
in Berlin wurden Wunder vollbracht,
das "Wirtschaftswunder" fand statt.
Adenauer, Erhard, Reuter und andere
Politiker wußten um die praktische
Bedeutung der Freiheit - daß nur,
wenn
dem Journalisten
Redefreiheit
eingeräumt wird, die Wahrheit gedeihen kann, nur wenn Landwirte und Geschäftsleute wirtschaftliche Freiheit
genießen, kann Wohlstand entstehen.
Die deutschen Politiker setzten die
Zölle herab, entwickelten den freien
Handel und senkten die Steuern. Allein in den Jahren 1950 bis 1960 verdoppelte sich der Lebensstandard in
der
Bundesrepublik
Deutschland
und
Berlin.

Aus der Zerstörung - aus bloßen
Ruinen - haben Sie, die Berliner, in
Freiheit eine Stadt wiederaufgebaut,
die wiederum als eine der großartigsten der Erde einzuordnen ist.
Die
Sowjets mögen andere Pläne gehabt haben. Aber meine Freunde, es gab einige Dinge, die die Sowjets nicht berücksichtigten: Berliner Herz, Berliner Humor und Berliner Schnauze.
In den fünfziger Jahren prophezeite
Chruschtschow:
"Wir
werden
Euch begraben". Aber heute erblicken
wir im Westen eine freie Welt, die
ein Niveau an Wohlstand und Wohlergehen erlangt hat, die in der Geschichte ihresgleichen suchen.
Die kommunistische Welt leidet unter Fehlschlägen,
technologischer
Rückständigkeit, einer Verschlechterung des
allgemeinen
Gesundheitszustandes.
Sogar eines der wichtigsten Grundbedürfnisse wird nicht befriedigt - Lebensmittel. Noch heute kann sich die
Sowjetunion nicht selbst ernähren.
Nach vier Jahrzehnten ist nun für
die
gesamte
Welt
klar:
Freiheit
führt zu Wohlstand. Freiheit ersetzt
den Völkerhaß durch Einvernehmen und
Frieden.
Freiheit siegt.

Wo vor vier Jahrzehnten nur Trümmer lagen, haben jetzt die Westsektoren Berlins die umfangreichste industrielle Produktion aller Städte in
Deutschland; Bürotürme, schöne Wohnanlagen
und
Siedlungen;
prächtige
Straßen und ausgedehnten Parks.
Wo
die Kultur einer Stadt zerstört zu
sein schien, gibt es heute zwei große
Universitäten,
Orchester
und
eine
Oper, zahllose Theater und Museen.
Wo einst Bedarf bestand, herrscht
heute Fülle - Lebensmittel, Kleider,
Autos, die wunderbare Warenwelt des
Ku'dämm.

Jetzt wird den Sowjets auch allmählich die Bedeutung der Freiheit
klar. Aus Moskau ist viel von einer
neuen Politik der Reform und Offenheit zu vernehmen. Einige politische
Gefangene sind freigelassen worden.
Bestimmte
ausländische
Nachrichtensendungen werden nicht länger gestört. Manche Wirtschaftsunternehmen
können jetzt freier von staatlicher
Kontrolle operieren.
Sind dies die Anfänge tiefgreifender Veränderungen im Sowjetstaat?
Oder sind es Scheingesten, die im

- 3 -

�Westen falsche Hoffnungen wecken oder
das sowjetische System festigen sollen, ohne es zu verändern? Wir sind
der Ansicht, daß Freiheit und Sicherheit zusammengehen - daß das Vorrükken der Menschenrechte die Sache des
Friedens nur vorantreiben kann. Die
Sowjets würden damit ein unmißverständliches Zeichen setzen, das die
Sache von Freiheit und Frieden dramatisch vorantreiben würde.
Generalsekretär Gorbatschow, wenn
Sie nach Frieden streben - wenn Sie
Wohlstand für die Sowjetunion und für
Osteuropa wünschen - wenn Sie die Liberalisierung wollen, dann kommen Sie
hierher zu diesem Tor.
Herr Gorbatschow, öffnen Sie dieses Tor.
Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder.
Ich weiß um die Angst vor einem
Krieg und das Leid der Teilung, die
diesen Kontinent heimsuchen - und ich
verbürge mich für die Bemühungen meines Landes zur Überwindung dieser
Bürde.
Freilich bleibt es weiterhin
notwendig, uns der sowjetischen Expansion zu widersetzen.
Das heißt,
wir im Westen müssen eine starke Verteidigung aufrechterhalten.
Dennoch
streben wir nach Frieden.
Deshalb
werden wir darum ringen, die Waffen
auf beiden Seiten zu reduzieren.
Vor zehn Jahren begannen die Sowjets, das westliche Bündnis mit einer neuerlichen schwerwiegenden Bedrohung
herauszufordern:
zahllose
neue und gefährliche Nuklearraketen
des Typs SS-20, die in der Lage sind,
jede Hauptstadt in Europa zu treffen.
Das westliche Bündnis reagierte, indem es sich für eine Gegenstationierung einsetzte, bis daß die Sowjets
Verhandlungen über eine bessere Lö-

sung zustimmten - besonders der Abschaffung solcher Waffen auf beiden
Seiten. Viele Monate lang haben sich
die Sowjets geweigert, ernsthaft zu
verhandeln.
Als das Bündnis sich
darauf vorbereitete, seine Gegenstationierung
fortzuführen,
gab
es
schwierige Augenblicke - Augenblicke
heftiger Proteste wie die anläßlich
meines Besuches in dieser Stadt im
Jahr 1982 - und später zogen sich die
Sowjets vom Verhandlungstisch zurück.
Aber das Bündnis stand fest zusammen.
Und ich fordere diejenigen,
die damals protestierten - und die
heutigen Demonstranten - auf, sich
diese Tatsache zu merken:
Weil wir
stark blieben, sind die Sowjets an
den Verhandlungstisch zurückgekehrt.
Weil wir stark geblieben sind, besteht heute die Möglichkeit, nicht
nur die Zunahme der Waffen einzuschränken, sondern zum ersten Mal
eine gesamte Klasse nuklearer Waffen
von der Erdoberfläche zu beseitigen.
Gerade treffen sich die NATO-Minister in Island, um die jüngsten
Fortschritte zu überprüfen, die unsere Vorschläge hervorgebracht haben.
Ferner haben wir bei den Verhandlungen in Genf einschneidende Reduzierungen
strategische
Offensivwaffen
vorgeschlagen.
Und die westlichen
Verbündeten
haben
ihrerseits weitreichende Vorschläge zum Abbau der
Gefahr eines konventionellen Krieges
und vollständigen Abschaffung aller
chemischen Waffen unterbreitet.
Als
Teil
dieser
Anstrengungen
verbürge ich mich für die Aufrechterhaltung unserer
Fähigkeit zur Abschreckung
einer
möglichen
sowjetischen Aggression, auf welchem Niveau sie auch stattfinden mag.
Und
in Zusammenarbeit mit einigen unserer
Verbündeten betreiben die Vereinigten
Staaten
weiterhin die
Strategische

- 4 -

�Verteidigungsinitiative
- ein Forschungsprojekt,
das
Abschreckung
nicht auf die Androhung einer offensiven Vergeltung stützt, sondern auf
eine Verteidigung, die wahrhaft abwehrt; kurz gesagt, auf Systeme, die
die Bevölkerung nicht angreifen, sondern sie schützen.
Auf diesem Weg versuchen wir die
Sicherheit
Europas und der ganzen
Welt zu erhöhen.
Aber eins dürfen
wir nicht vergessen:
Ost und West
mißtrauen sich nicht, weil wir bewaffnet sind. Wir sind vielmehr bewaffnet, weil wir einander mißtrauen.
Und unsere Differenzen beziehen sich
nicht auf Waffen, sondern auf Weltanschauung. Als Präsident Kennedy vor
24 Jahren seine Ansprache vor dem
Rathaus hielt, war das freie Berlin
bedroht und belagert. Trotzdem kann
Berlin heute seiner Freiheit sicher
sein, trotz all des Drucks, der auf
dieser Stadt lastet.
Und die Idee
dieser Freiheit verwandelt die Erde.
Auf den Philippinen sowie in Südund Mittelamerika hat es eine Wiedergeburt der Demokratie gegeben.
Der
gesamte pazifische Raum bringt mit
Hilfe seiner Märkte ein Wunderwerk
nach dem anderen an wirtschaftlichem
Wachstum hervor. In den Industrienationen findet eine technologische Revolution statt - eine Revolution, die
von
schnellen,
dramatischen
Fortschritten im Bereich der Computertechnik und Telekommunikation geprägt
ist.
In Europa verweigert nur eine Nation den Beitritt zur freien Welt.
Der Weg ist auch anderen Ostblockstaaten versperrt...
Aber in diesem
Zeitalter des doppelten Wirtschaftswachstums, der Informationen und Innovation hat die Sowjetunion immer
noch die Wahl. Sie muß grundlegende
Veränderungen vornehmen oder sie wird

sich überleben.
Daher
besteht
heute
Hoffnung.
Wir im Westen sind bereit, gemeinsam
mit dem Osten an einer wahren Offenheit zu arbeiten - die Schranken niederzureißen, die die Menschen trennen, eine sicherere und freiere Welt
zu schaffen. Und sicherlich gibt es
keinen besseren Ort als Berlin, den
Angelpunkt von Ost und West, um damit
anzufangen.
Freie Berliner:
Heute vertreten
die Vereinigten Staaten wie in der
Vergangenheit die strikte Einhaltung
und volle Anwendung aller Teile des
Viermächte-Abkommens von 1971.
Lassen Sie uns diese Gelegenheit, den
750. Jahrestag dieser Stadt, zum Anlaß nehmen, um in ein neues Zeitalter
aufzubrechen - um nach einem noch
ausgefüllteren, reicheren Leben für
das Berlin der Zukunft zu streben.
Lassen Sie uns gemeinsam die Bindungen
zwischen
der
Bundesrepublik
Deutschland
und
den
Westsektoren
Berlins aufrechterhalten und entwikkeln, wie dies im Abkommen von 1971
vorgesehen ist.
Und ich unterbreite Herrn Gorbatschow folgenden Vorschlag:
Bringen
wir die Ost- und Westteile der Stadt
enger zusammen.
Alle Bewohner der
gesamten Stadt Berlin sollen die Vorzüge genießen, die das Leben in einer
der größten Städte der Welt mit sich
bringt.
öffnen wir Berlin dem gesamten
Europa, Ost und West, gegenüber noch
weiter.
Durch eine Erweiterung des
lebenswichtigen
Zugangs
zu
dieser
Stadt auf dem Luftweg finden wir Wege,
den
kommerziellen
Luftverkehr
nach Berlin bequemer, vorteilhafter
und wirtschaftlicher zu machen. Wir
sehen dem Tag entgegen, an dem WestBerlin eines der wichtigsten Zentren

- 5 -

�der Luftfahrt im gesamten Mitteleuropa werden kann.
Gemeinsam mit ihren französischen
und britischen Partnern möchten die
Vereinigten Staaten es ermöglichen,
zusätzliche internationale Konferenzen in Berlin abzuhalten.
Es wäre
für Berlin nur angemessen, als Veranstaltungsort für die Konferenzen der
Vereinten Nationen zu dienen, oder
für Konferenzen über Menschenrechte
und
Rüstungskontrolle
oder
andere
Problemkreise, die eine internationale Zusammenarbeit verlangen.
Wenn wir den Horizont junger Menschen erweitern, dienen wir auch der
Stärkung der Hoffnung für die Zukunft.
Zur Erlangung dieses Ziels
möchten wir Sommeraustauschprogramme,
kulturelle Veranstaltungen und Programme für junge Berliner aus dem
Osten fördern.
Ich bin sicher, daß
unsere französischen und britischen
Freunde dasselbe tun werden. Und ich
hege die Hoffnung, daß in Ost-Berlin
eine entsprechende
Stelle gefunden
werden kann, die Besuche junger Menschen aus den Westsektoren ausweitet.
Und nun zu einem letzten Vorschlag, der mir sehr am Herzen liegt.
Der Sport stellt eine Quelle der
Freude und Weiterentwicklung dar, und
Sie werden bemerkt haben, daß die Republik Korea - Südkorea - ihre Zustimmung erteilt hat, daß einige Veranstaltungen der Olympiade von 1988
im Norden des Landes stattfinden können. Warum können nicht internationale sportliche Wettbewerbe verschiedenster Art in beiden Teilen dieser
Stadt abgehalten werden?
Und wie
könnte man besser die Offenheit dieser Stadt dokumentieren als durch das
Angebot, in naher Zukunft die Olympischen Spiele hier in Berlin, im Osten
und im Westen, abzuhalten?

Wie ich bereits erwähnt habe, haben Sie, die Berliner, in diesen vier
Jahrzehnten
eine
großartige
Stadt
wiederaufgebaut. Sie haben das trotz
vieler Bedrohungen getan:
Die Sowjets versuchten, zum Beispiel bei
Ihnen die Ostmark als Währung einzuführen. Es gab die Blockade. Trotz
der Herausforderungen der Mauer blüht
diese Stadt heute.
Was hält Sie hier?
Sicherlich läßt sich viel über
Ihre Stärke und Ihre Entschlossenheit
sagen.
Aber
ich glaube, dahinter
steht noch etwas anderes. Der gesamte Charakter Berlins, sein Lebensgefühl und seine Lebensart. Nicht nur
Idealismus - niemand könnte lange in
Berlin leben, ohne seiner Illusionen
völlig beraubt zu werden. Sie haben
die Schwierigkeiten
des Lebens in
Berlin erkannt, aber dennoch die Entscheidung getroffen, sie zu akzeptieren.
Dadurch wird diese großartige
und stolze Stadt ständig weiterentwickelt. Welch ein Gegensatz zu einer totalitären Umgebung, die keine
menschlichen Kräfte oder Hoffnungen
freisetzt.
Sie sprechen mit einer
mächtigen Stimme der Zustimmung - die
diese Stadt und ihre Zukunft bejaht,
ein "ja" zur Freiheit.
Das heißt,
das, was Sie in Berlin hält, ist die
Liebe - eine tiefe und aufrichtige
Liebe.
Hier treffen wir den Kern der Sache, den grundlegendsten Unterschied
zwischen Ost und West. Die totalitäre Welt bringt Rückständigkeit hervor, weil sie dem Geist Gewalt antut,
dem menschlichen Drang zuwiderläuft,
zu schaffen, zu genießen und zu verehren.
Für die totalitäre Welt stellen
sogar die Symbole der Liebe und des
Glaubens eine Herausforderung dar.

- 6 -

�Bevor die Ost-Berliner ihre Kirchen
wiederaufbauten, haben sie ein weitliches Monument errichtet, das die
Stadt dominiert - den Fernsehturm am
Alexanderplatz.
Seither haben die
Behörden daran gearbeitet, um das zu
korrigieren, was sie als den wesentlichsten Mangel des Turms ansagen;
sie behandelten den oberen Glasbereich mit verschiedenen Farben und
Chemikalien.
Dennoch erstrahlt dieser Bereich - der sich über das gesamte Berlin erhebt - auch heute noch
beim Sonneneinfall
im Zeichen des
Kreuzes. Dort in Berlin können Symbole der Liebe und des Glaubens genauso wie die Stadt selbst nicht unterdrückt werden.
Als ich gerade aus dem Reichstag
blickte
- dieser Verkörperung der
deutschen Einheit - fielen mir diese
an die Mauer gesprühten Worte auf,
die vielleicht von einem jungen Berliner stammen und eine Antwort auf
die deutsche Frage darstellen: "Diese Mauer wird fallen.
Glaube wird
Wirklichkeit".
Ja, quer durch Europa wird die
Mauer fallen.
Denn sie kann dem
Glauben nicht standhalten. Sie kann
der Wahrheit nicht standhalten.
Die Mauer wird der Freiheit nicht
standhalten können.
Vielen Dank.

* * * * * *
- 7 -

�</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST&#13;
'VON&#13;
&#13;
*&#13;
24. Juni&#13;
&#13;
23&#13;
&#13;
1987&#13;
&#13;
I N H A L T&#13;
&#13;
DOKUMENTATION&#13;
&#13;
Gute amerikanisch-deutsche Beziehungen bekräftigt&#13;
- Ansprache Präsident Reagans auf dem Köln-Bonner Flughafen -&#13;
&#13;
zunehmender Konsens über geringere staatliche Eingriffe&#13;
- Präsident Reagans Rede zum Abschluß des Gipfeltreffens in Venedig&#13;
&#13;
Zimmermann lobt Ergebnisse der NATO-Konferenz&#13;
- KSZE-Botschafter zur Sitzung des Nordatlantikrats -&#13;
&#13;
WISSENSCHAFT UND TECHNIK&#13;
&#13;
Supraleitfähigkeit - die Anwendung rückt näher&#13;
- Neue Materialien mit günstig hohen Sprungtemperaturen&#13;
&#13;
* * * * * *&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�AMERIKA DIENST&#13;
'VON&#13;
&#13;
Dokumentation&#13;
&#13;
4&#13;
&#13;
24. Juni 19ö7&#13;
&#13;
23&#13;
&#13;
GÜTE AMERIKANISCH-DEUTSCHE BEZIEHUNGEN BEKRÄFTIGT&#13;
Ansprache Präsident Reagans auf dem Köln-Bonner Flughafen -&#13;
&#13;
BONN - (AD) - In seiner Ansprache auf dem Köln-Bonner Flughafen vom 12.&#13;
Juni 1987 erklärte Präsident Reagan zum Abschluß des Weltwirtschaftsgipfels in&#13;
Venedig, es "sei allein schon damit viel ereicht, daß wir zusammenkommen und&#13;
miteinander sprechen - denn wir sind enge Freunde gev.ori.ieii".&#13;
Reagan wies ferner auf das mit Bundeskanzler Kohl erzielte Einvernehmen im&#13;
Bereich der Sicherheitspolitik hin und verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, daß&#13;
noch vor Ende des Jahres ein Rüstungskontrollabkommen mit der Sowjetunion erzielt werden könnte.&#13;
Nachfolgend die Ansprache des Präsidenten im Wortlaut:&#13;
&#13;
Meine Gespräche mit Herrn Bundeskanzler Kohl und seinen Kollegen haben alle meine Erwartungen erfüllt.&#13;
Sie sind eine Bestätigung dafür, daß&#13;
die Beziehungen&#13;
zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland so gestaltet sind&#13;
wie die zwischen engen Verbündeten&#13;
und Freunden.&#13;
Bundeskanzler Kohl und ich haben&#13;
zusammen mit den anderen Verbündeten&#13;
und Partnern in Venedig bereits die&#13;
Gelegenheit zur Erörterung der wichtigsten&#13;
Themenkomplexe gehabt, mit&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
denen die Welt sich heute konfrontiert sieht. In Venedig sind bedeutende Schritte in die Wege geleitet&#13;
worden, um anhaltenden wirtschaftlichen Fortschritt und die Freiheit&#13;
für unsere Nationen sicherzustellen.&#13;
Hier in Bonn haben wir insbesondere&#13;
über Fortschritte in der Abrüstung&#13;
und die Ost-West-Beziehungen gesprochen.&#13;
Herr Bundeskanzler Kohl und ich&#13;
befinden uns in völligem Einvernehmen&#13;
über die Notwendigkeit der Fortführung unserer engen Konsultationen bei&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�I&#13;
&#13;
der Verfolgung&#13;
unseres gemeinsames&#13;
Ziels, die durch die Politik der Bedrohung und militärische Macht des&#13;
Warschauer&#13;
Pakts bestehende Gefahr&#13;
für Europa abzuwenden. wir empfinden&#13;
beide große Genugtuung über den NATODoppelbeschluß von 1979 bezüglich der&#13;
Mittelstreckenwaffen (INF).&#13;
Als das&#13;
Bündnis sich auf diesen Beschluß einigte, war er zunächst umstritten,&#13;
doch in der Zwischenzeit hat er eindeutigen Erfolg gezeitigt. wir hoffen, noch vor Ende des Jahres 1987&#13;
ein Abkommen mit der Sowjetunion erzielen zu können, durch das eine Kategorie&#13;
nuklearer&#13;
Waffen drastisch&#13;
reduziert&#13;
und möglicherweise&#13;
vollständig abgebaut werden könnte, die&#13;
für unsere Freunde und Verbündeten in&#13;
Europa und Asien eine besondere Bedrohung darstellt.&#13;
Bei unserem Streben nach einem&#13;
noch sichereren und stabileren Frieden sehe ich der weiteren engen Zusammenarbeit und den Konsultationen&#13;
mit Herrn Bundeskanzler Kohl und seiner Regierung gerne entgegen.&#13;
und ich möchte nier noch etwas&#13;
hinzufügen.&#13;
Über Weltwirtschaftsgipfel&#13;
und&#13;
die&#13;
Zusammenkünfte&#13;
der&#13;
Staats- und Regierungschefs der sieben Nationen wird in jedem Jahr viel&#13;
berichtet und die Frage gestellt, ob&#13;
damit tatsächlich etwas erreicht wird&#13;
oder nicht.&#13;
Ich darf Ihnen versichern, daß allein schon damit sehr&#13;
viel erreicht würde, wenn wir einfach&#13;
nur&#13;
zusammenkommen&#13;
und miteinander&#13;
sprechen - denn wir sind enge Freunde&#13;
geworden.&#13;
in der Öffentlichkeit gebrauchen wir unsere Titel, wie es das&#13;
Protokoll vorschreibt. Aber bei unseren Begegnungen reden wir uns mit&#13;
dem Vornamen an und versammeln uns&#13;
nicht so sehr als Staats- und Regierungschefs, sondern vielmehr als enge&#13;
persönlich Freunde, die einer Erneuerung ihrer Freundschaft dank dieser&#13;
&#13;
Treffen untereinander und gegebenenfalls mit anderen, sofern wir dies&#13;
ermöglichen können, gerne entgegensehen.&#13;
Die vergangenen Tage waren besonders schön für uns, zunächst in Venedig, heute vormittag in Berlin und&#13;
nun hier in Bonn - und dies in dem&#13;
Bewußtsein, daß man mit liebgewordenen Freunden zusammen ist. Daher sagen wir ihnen allen heute auf Wiedersehen und verabschieden uns ganz persönlich von unseren lieben Freunden,&#13;
Herrn Bundeskanzler&#13;
Kohl und Frau&#13;
Kohl und allen anderen, denen wir&#13;
hier begegnet sind.&#13;
Gott schütze Sie alle und hoffentlich sehen wir uns bald wieder.&#13;
Vielen Dank.&#13;
&#13;
�AMERIKA DIENST&#13;
4-7&#13;
&#13;
C$&#13;
&#13;
Dokumentation&#13;
24. Juni 1987&#13;
&#13;
23&#13;
&#13;
ZUNEHMENDER KONSENS ÜBER GERINGERE STAATLICHE EINGRIFFE&#13;
- Präsident Reagans Rede zum Abschluß des Gipfeltreffens von Venedig WASHINGTON - (AD) - In seiner landesweit übertragenen Fernsehansprache&#13;
erklärte Präsident Reagan am 15. Juni 1987 zum Abschluß des Weltwirtschaftsgipfels in Venedig, die offiziellen Gespräche hätten unter anderem die Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung und die Hilfe für Millionen von Menschen&#13;
in den Entwicklungsländern zum Thema gehabt, damit diese zu einem höheren Lebensstandard und produktiveren Volkswirtschaften gelangen könnten.&#13;
Reagan wies ferner auf die "überwältigenden Anhaltspunkte" beim Gipfeltreffen in Venedig hin, die den Schluß zulassen, daß ein Konsens für geringere&#13;
staatliche Eingriffe und mehr persönliche Freiheit auf der ganzen Welt erzielt&#13;
werden kann.&#13;
Nachfolgend drucken wir die Rede Präsident Reagans im Wortlaut:&#13;
&#13;
Ich komme gerade aus Venedig zurück, wo ich mit den Staats- und Regierungchefs der anderen sechs demokratischen Industrieländer zu unserem&#13;
jährlich stattfindenden Wirtschaftsgipfel zusammengekommen bin. Sie haben Berichte gehört und gelesen, wonach bei diesem Gipfel keine wirklichen Ergebnisse erzielt wurden und&#13;
daß&#13;
insbesondere&#13;
die&#13;
Vereinigten&#13;
Staaten mit leeren Händen nach Hause&#13;
zurückgekehrt sind.&#13;
Dies war mein siebter Gipfel, und&#13;
zum siebten Mal höre ich jetzt diesen&#13;
Spruch.&#13;
Tatsache ist, daß wir von&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
diesem Gipfel nach Hause gekommen&#13;
sind mit all dem, was wir uns vorgenommen hatten, zu erreichen.&#13;
Und&#13;
heute abend möchte ich Ihnen von den&#13;
dort getroffenen Entscheidungen berichten, die Ihre wirtschaftliche Zukunft und die Ihrer Kinder direkt betreffen.&#13;
Ich habe auch eine besondere Botschaft, die unsere eigene Volkswirtschaft betrifft und auch die Handlungen, die sowohl die Art der von uns&#13;
in der vergangenen Woche in Venedig&#13;
erzielten&#13;
Fortschritte in Richtung&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�auf&#13;
eine wirtschaftliche&#13;
Gesundung&#13;
als&#13;
auch&#13;
den&#13;
Wohlstand&#13;
gefährden&#13;
könnten, an dessen Erlangung wir alle&#13;
hier in Amerika in den vergangenen&#13;
sechs Jahren so hart gearbeitet haben.&#13;
Aber bevor ich beginne, möchte&#13;
ich eine persönliche Bemerkung über&#13;
etwas machen, das wir am letzten Tag&#13;
unserer Reise gesehen haben, als wir&#13;
uns in Berlin aufhielten, um den 750.&#13;
Jahrestag&#13;
dieser&#13;
großartigen&#13;
Stadt&#13;
mitzufeiern. Ich weiß, daß viele von&#13;
Ihnen über die Jahre hinweg Bilder&#13;
und Filmberichte über die Mauer gesehen haben, die Berlin teilt.&#13;
Aber&#13;
glauben Sie mir, daß kein Amerikaner,&#13;
der sie vor sich sieht - den Beton&#13;
und Zement, die Posten und Wachtürme,&#13;
die Hundelaufanlagen und den Stacheldraht - jemals wieder seine Freiheit&#13;
oder das wertvolle Geschenk, das Amerika heißt, als selbstverständlich&#13;
hinnehmen kann.&#13;
Das Geschenk der&#13;
Freiheit ist wirklich das Geburtsrecht der gesamten Menschheit - und&#13;
deshalb habe ich dort den sowjetischen Staatschef Herrn Gorbatschow&#13;
aufgefordert, der Welt ein neues Zeichen der Offenheit zu setzen, indem&#13;
er diese Mauer niederreißt.&#13;
ich kann Ihnen heute abend berichten, daß der diesjährige Weltwirtschaftsgipfel&#13;
in Venedig nicht&#13;
nur in einer Reihe von einzelnen Problembereichen&#13;
erfolgreich,&#13;
sondern&#13;
daß der von den führenden Politikern&#13;
der Welt bekundete Geist der Übereinstimmung besonders stark war. Sicher&#13;
werden Sie sich daran erinnern, daß&#13;
sich noch im Jahr 1981, als ich an&#13;
meinem ersten Gipfel teilnahm, unsere&#13;
eigene Volkswirtschaft wie auch die&#13;
Weltwirtschaft in ernster Gefahr befanden.&#13;
In den Industrieländern belief sich die Inflationsrate auf zehn&#13;
Prozent und mehr, ganz zu schweigen&#13;
von den hohen Zinssätzen, der überhöhten Steuerlast, zu vielen staat-&#13;
&#13;
lichen Reglementierungen und Eingriffen. Schlimmer als all dies wog, daß&#13;
es praktisch keine Übereinkünfte unter den Politikern der Welt gab, wie&#13;
man mit dieser drohenden Krise fertigwerden sollte.&#13;
Mittlerweile&#13;
haben&#13;
wir&#13;
jedoch&#13;
Fortschritte erzielt. Mit der amerikanischen&#13;
Volkswirtschaft&#13;
an&#13;
der&#13;
Spitze haben wir eine internationale&#13;
Bewegung&#13;
für mehr Wirtschaftswachstum, bessere Möglichkeiten für den&#13;
Einzelnen durch Steuersenkung und Abbau der staatlichen Reglementierung&#13;
eingeleitet. Wir haben die Zinssätze&#13;
gesenkt, der Inflation Einhalt geboten, die Arbeitslosigkeit&#13;
abgebaut&#13;
und Fachleute verblüfft, indem wir&#13;
gezeigt haben, daß das Wirtschaftswachstum nicht nur für ein oder zwei&#13;
Jahre, sondern dauernd aufrechterhalten werden kann - seit mehr als vier&#13;
Jahren.&#13;
in der vergangenen Woche habe ich&#13;
in Venedig überwältigende Anhaltspunkte dafür wahrgenommen, daß dieser&#13;
Konsens&#13;
über&#13;
geringere&#13;
staatliche&#13;
Einflußnahme und stärkere persönliche&#13;
Freiheit weiterhin auf der ganzen&#13;
Welt zunimmt.&#13;
Tatsächlich befaßten&#13;
sich unsere offiziellen Gespräche unter anderem mit der Förderung der&#13;
wirtschaftlichen Entwicklung in den&#13;
weniger wohlhabenden Ländern der Welt&#13;
und der Unterstützung der Millionen&#13;
Menschen in den Entwicklungsländern,&#13;
damit diese einen höheren Lebensstandard und produktivere Volkswirtschaften erlangen.&#13;
Erinnern wir uns daran, daß diese&#13;
internationale&#13;
Bewegung&#13;
zur&#13;
wirtschaftlichen Freiheit für das tägliche Leben eines jeden von uns hier&#13;
in Amerika einschneidend&#13;
verändert&#13;
hat. jeder von uns erinnert sich an&#13;
die Zeit vor einigen Jahren, als die&#13;
Steuern der Regierung genau zu dem&#13;
&#13;
�Zeitpunkt immer mehr vom Einkommen&#13;
der amerikanischen Arbeiter vereinnahmten, als eine zweistellige Inflationsrate die Ersparnisse aufzehrte&#13;
und so zu einer besonderen Bürde für&#13;
die armen und älteren Mitbürger wurde.&#13;
Im Gegensatz dazu befinden wir&#13;
uns heute in unserem 54. Monat des&#13;
wirtschaftlichen Wachstums, das Realeinkommen der Familien steigt, die&#13;
Armut ist auf dem Rückzug, und wir&#13;
haben in diesem Land die erstaunliche&#13;
Zahl von 250 000 Arbeitsplätzen pro&#13;
Monat geschaffen.&#13;
Das bedeutet mehr&#13;
als 13 Millionen Arbeitsplätze in etwas über vier Jahren.&#13;
&#13;
schaftlicher&#13;
Produkte&#13;
und&#13;
einen&#13;
schrumpfenden Markt für amerikanische&#13;
Güter&#13;
hervorbringen.&#13;
Unser&#13;
Ziel&#13;
sollte darin bestehen, Subventionen&#13;
für die Landwirtschaft bis zum Jahr&#13;
2000 abzuschaffen.&#13;
Und ich werde&#13;
weiterhin&#13;
auf&#13;
diese&#13;
Verpflichtung&#13;
dringen.&#13;
&#13;
Sicherlich hatte ich in Venedig&#13;
auch diese Art von Fortschritten bei&#13;
uns im Inland im Sinn. Deshalb habe&#13;
ich mich auch über viele der dort getroffenen&#13;
Entscheidungen&#13;
gefreut:&#13;
zusätzlich zur Bestätigung des allgemeinen Konsens über wirtschaftliches&#13;
Wachstum haben wir vereinbart, weiterhin gegen Handelsschranken wie etwa hohe Zölle anzutreten, die langfristig Weltmärkte schrumpfen lassen,&#13;
das Wachstum anhalten und die Anzahl&#13;
neuer Arbeitsplätze verringern.&#13;
&#13;
Aber es war bereits ein Schritt&#13;
nach vorn, dieses Problem beim Gipfel&#13;
auf den Tisch zu bringen, und ich&#13;
glaube, daß sich die Tatsache der Beachtung unserer Aufforderungen in den&#13;
Reaktionen zeigt, die unsere Gipfelpartner den amerikanischen Belangen&#13;
gegenüber bekundet haben.&#13;
Sie wissen, wie sehr wir aufeinander angewiesen sind und sind sich bewußt, wie&#13;
sehr ihre eigene Zukunft davon abhängt, was wir hier in den Vereinigten Staaten tun; wie wichtig es für&#13;
sie ist, Amerika wirtschaftlich gesund und stark zu erhalten. Sie wissen auch, daß der von uns gemeinsam&#13;
erzielte wirtschaftliche Fortschritt&#13;
die Demokratien in die Lage versetzt&#13;
hat, ihre Verteidigung wiederaufzubauen, den Frieden in der Welt zu erhalten und unser Bündnis zu stärken.&#13;
&#13;
Wir haben ebenfalls im Bereich&#13;
der Subventionen für die Landwirtschaft&#13;
erhebliche&#13;
Fortschritte erzielt, ich habe schon mehrfach darauf hingewiesen, aber jetzt ist es an&#13;
der Zeit, Spekulanten, die nur ihren&#13;
Vorteil aus den staatlichen Subventionen erzielen wollen, aus dem Geschäft mit der Landwirtschaft zu vertreiben - und die Landwirtschaft den&#13;
Landwirten zurückzugeben. Meiner Ansicht nach ist es bemerkenswert, daß&#13;
heute so viele amerikanische Landwirte die Landwirtschaft der Vereinigten&#13;
Staten und des Auslands gern wieder&#13;
auf die Grundlage freier Märkte stellen wollen.&#13;
Sie wissen, daß staatliche Subventionen in anderen Ländern&#13;
eine&#13;
weltweite&#13;
Schwemme&#13;
landwirt-&#13;
&#13;
Ich war zum Beispiel besonders&#13;
erfreut über die Unterstützung, die&#13;
unsere Verbündeten unserer Politik im&#13;
Persischen Golf erwiesen haben; sie&#13;
wurde ohne Zögern auch weiterhin gewährt.&#13;
Unsere Verbündeten wissen um&#13;
den strategischen Wert dieser Region&#13;
und arbeiten zu den gleichen Zwecken&#13;
wie wir daran. Tatsächlich hat Großbritannien einen größeren Teil seiner&#13;
Flotte in den Golf entsandt als wir&#13;
und gewährt seit Januar über 100 britischen Flaggschiffen Schutz. Frankreich hat ebenfalls die Stärke seiner&#13;
Marine im Golf zur Verfügung gestellt.&#13;
Die Bundesrepublik Deutschland und Japan können aufgrund ihrer&#13;
Verfassung keine Streitkräfte stationieren, arbeiten aber aktiv an ande-&#13;
&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
�ren Mitteln zur Hilfeleistung.&#13;
Unsere eigene Rolle im Golf ist&#13;
von existentieller&#13;
Bedeutung.&#13;
Sie&#13;
besteht darin, unsere Interessen zu&#13;
schützen und unseren Freunden in der&#13;
Region dabei zu helfen, die ihren zu&#13;
bewahren. unsere unmittelbare Aufgabe im Golf ist eindeutig - und sollte&#13;
nicht übertrieben werden.&#13;
Sie besteht darin, amerikanischen&#13;
Flaggschiffe das Geleit zu gewähren, einer&#13;
traditionellen&#13;
Aufgabe der Marine;&#13;
eine Aufgabe, die sie sowohl im Golf&#13;
als auch in anderen Regionen ausgeübt&#13;
hat. in jüngster Zeit hat es einige&#13;
Kontroversen über elf neue amerikanische Flaggschiffe gegeben, die zu&#13;
unserer&#13;
Handelsflotte&#13;
hinzugekommen&#13;
sind.&#13;
Damit keine Mißverständnisse&#13;
aufkommen: wir werden unsere Verantwortung für diese Schiffe angesichts&#13;
von Bedrohungen durch den Iran oder&#13;
irgendjemand anders übernehmen. Wenn&#13;
wir dabei versagen - einfach, weil&#13;
diese Schiffe bisher unter kuwaitischer Flagge fuhren - würden wir&#13;
unsere Rolle als Seemacht aufgeben.&#13;
Und wir würden den Sowjets Möglichkeiten eröffnen, in diesen Engpaß des&#13;
ölflusses der freien Welt zu stoßen.&#13;
Kurz gesagt: Wenn wir diese Aufgabe&#13;
nicht übernehmen, werden das die Sowjets tun.&#13;
Und damit würde unsere&#13;
eigene nationale Sicherheit wie auch&#13;
die unserer verbündeten gefährdet.&#13;
In Venedig wurden auch unsere gegenwärtigen Verhandlungen mit der Sowjetunion besprochen - und ich glaube, jeder Amerikaner kann sich über&#13;
die&#13;
Einmütigkeit&#13;
und&#13;
Unterstützung&#13;
freuen, die unsere Verbündeten bekundet haben. Wie die meisten von Ihnen&#13;
wissen, befinden wir uns im Augenblick in äußerst heiklen Verhandlungen mit den Sowjets, die zu einem&#13;
historischen&#13;
Abrüstungsvertrag&#13;
über&#13;
den Abbau der&#13;
Mittelstreckenwaffen&#13;
(INF) führen könnten. über diese An-&#13;
&#13;
gelegenheit wurde in der vergangenen&#13;
Woche&#13;
ebenfalls&#13;
beim&#13;
Treffen&#13;
der&#13;
NATO-Außenminister in Island gesprochen, ich habe Außenminister Shultz1&#13;
Bericht über dieses NATO-Treffen erhalten, und ich freue mich, Ihnen&#13;
mitteilen zu können, daß wir und unsere Verbündeten zu unserer Verhandlungsposition&#13;
volle&#13;
Übereinstimmung&#13;
erzielt haben.&#13;
Vor sechs Jahren schlugen die&#13;
Vereinigten Staaten mit der sogenannten "Null-Lösung" eine Maßnahme vor,&#13;
die auf den vollständigen Abbau amerikanischer und sowjetischer landgestützter Mittelstreckenraketen längerer Reichweite (INF) abzielte. Viele&#13;
bezeichneten sie damals als lächerlich und wiesen darauf hin, daß die&#13;
Sowjets dieser Maßnahme niemals zustimmen würden. Wir sind jedoch fest&#13;
geblieben, und in diesem Jahr haben&#13;
die Sowjets eine vergleichbare Position eingenommen.&#13;
Heute abend kann&#13;
ich Ihnen daher mitteilen, daß die&#13;
Vereinigten Staaten, mit der Unterstützung ihrer Verbündeten, der Sowjetunion ebenfalls formell die weltweite Abschaffung aller amerikanischen und sowjetischen landgestützten&#13;
INF-Raketen kürzerer Reichweite vorschlagen wird&#13;
- bei&#13;
gleichzeitigen&#13;
einschneidenden Reduzierungen - und,&#13;
so hoffen wir, dem endgültigen Abbau&#13;
- der INF-Raketen längerer Reichweite,&#13;
ich habe unseren INF-Unterhändler angewiesen, der Sowjetunion diesen neuen Vorschlag als integralen&#13;
Bestandteil des INF-Vertrages zu unterbreiten, den die Vereinigten Staaten in Genf bereits auf den Verhandlungstisch gelegt haben.&#13;
Während wir und unsere Verbündeten&#13;
diese&#13;
historische&#13;
Gelegenheit&#13;
wahrnehmen, sollten wir uns an das&#13;
Lieblingswort eines großen Gesetzgebers und bedeutenden Mitglieds der&#13;
Demokratischen Partei, des verstürbe-&#13;
&#13;
�nen&#13;
&#13;
Senators Scoop Jackson, erinnern&#13;
an&#13;
das Wort&#13;
"Zweiparteientum".&#13;
Denn nur mit der Unterstützung des&#13;
Kongresses und der Hilfe unserer Verbündeten wird es uns gelingen, diese&#13;
historischen Abrüstungsbemühungen zu&#13;
vollenden.&#13;
In Venedig wurde auch vollständige Übereinstimmung über die Bedeutsamkeit erzielt, die Sowjetunion zu&#13;
Fortschritten bei anderen wichtigen&#13;
Rüstungsverhandlungen zu drängen, wie&#13;
zum Beispiel bei unseren Bestrebungen&#13;
um eine 50prozentigen Kürzung der&#13;
strategischen Waffen. Auch bezüglich&#13;
der Notwendigkeit sowjetischer Fortschritte im Bereich der Menschenrechte und bei regionalen Konflikten, vor&#13;
allem im Falle Afghanistans, waren&#13;
wir uns einig. Und während wir die&#13;
neuen Äußerungen der Offenheit von&#13;
sowjetischer Seite begrüßten, ist es&#13;
unserer Meinung nach an der Zeit, zu&#13;
sehen, ob ihre Taten ihren Worten gerecht werden.&#13;
Während ich ihnen heute abend berichten kann, daß unsere Arbeit an&#13;
diesen&#13;
Themenkomplexen&#13;
in&#13;
Venedig&#13;
fruchtbar war, sehe ich mich jedoch&#13;
aufrichtigerweise dazu verpflichtet,&#13;
Ihnen auch das eine beunruhigende&#13;
Thema unserer Gespräche mitzuteilen:&#13;
nämlich die anhaltende Bedrohung der&#13;
öffentlichen Verschuldung. Offen gesagt muß ich Sie auch wissen lassen,&#13;
daß ich bei den anderen sechs Gipfelteilnehmern ein Gefühl der Beunruhigung über Amerikas Verpflichtung zu&#13;
einem konsequenten, praktikablen Plan&#13;
zum Abbau&#13;
unseres Defizits spüren&#13;
konnte.&#13;
Diese Besorgnis wurde von&#13;
den Gipfelpartnern weder auf aufdringliche noch auf offensive Art und&#13;
Weise vorgebracht - sie sind sich nur&#13;
alle bewußt, wie wechselseitig abhängig unsere Wirtschaften sind - und&#13;
sie wissen, daß eine geschwächte amerikanische Wirtschaft eine Bedrohung&#13;
&#13;
ihres anhaltenden Wachstums darstellt.&#13;
Ich teile ihre Besorgnis.&#13;
Mißverstehen Sie mich nicht: Wir alle,&#13;
die wir voll Stolz auf unsere wirtschaftlichen&#13;
Errungenschaften&#13;
blikken, sind uns der Bemühungen bewußt,&#13;
die wir zur Eindämmung der öffentlichen Verschuldung unternommen haben, im Jahr 1983 machte die öffentliche Verschuldung insgesamt 6,3 Prozent&#13;
unseres&#13;
Bruttosozialprodukts&#13;
aus; heute beläuft sie sich auf 3,9&#13;
Prozent - ein nahezu 40prozentiger&#13;
Rückgang in nur vier Jahren. Auch in&#13;
diesem Jahr wird unser Defizit um&#13;
fast 48 Milliarden Dollar&#13;
gekürzt&#13;
werden, was einer Verringerung um&#13;
mehr als 20 Prozent entspricht. Dieser Rückgang ist das Ergebnis harter&#13;
Arbeit; harte Arbeit, die bereits vor&#13;
einigen Jahren verrichtet wurde, als&#13;
der Kongreß - angespornt von vielen&#13;
unter uns, die für eine zurückhaltende Steuerpolitik kämpften - zusammenkam und das sogenannte Gramm-RudmanHollings Gesetz verabschiedete, mit&#13;
dem ein Programm zur allmählichen&#13;
Verringerung unseres Defizits und zum&#13;
langfristigen Haushaltsausgleich eingeführt wurde.&#13;
Das alles sind gute Nachrichten.&#13;
Oder zumindest waren es gute Nachrichten. Sie sehen, daß wir in der&#13;
kritischen&#13;
Entscheidungsphase&#13;
zwischen denjenigen, die weiterhin Ihr&#13;
Geld ausgeben und Ihre Steuern erhöhen wollen und denen unter uns, die&#13;
einer Rückkehr zu der veralteten Politik des "Steuern über Steuern, Ausgaben&#13;
über&#13;
Ausgaben"&#13;
widerstehen,&#13;
jetzt die Zerreißgrenze erreicht haben. Daher habe ich eine persönliche&#13;
Entscheidung getroffen, etwas zu tun,&#13;
was jeder Präsident ohne zu Zögern&#13;
tun sollte, wenn er es tun muß. Und&#13;
das ist, sich an Sie, das amerikanische Volk, zu wenden und Ihnen die&#13;
Fakten vorzulegen.&#13;
&#13;
- 5 -&#13;
&#13;
�findet.&#13;
Das verfahren zur Verabschiedung&#13;
des Haushalts durch den Kongreß, das&#13;
angeblich im Jahr 1974 und nochmals&#13;
im Jahr&#13;
1985&#13;
überarbeitet&#13;
wurde,&#13;
funktioniert nicht. Vor Monaten habe&#13;
ich dem Kongreß einen soliden Haushalt unterbreitet, der die diesjährige Verschuldungsgrenze berücksichtigte und gleichzeitig unseren nationalen&#13;
Sicherheitsbedürfnissen&#13;
gerecht&#13;
wurde, ich habe zusätzliche Mittel&#13;
für entscheidende Probleme im Inland&#13;
wie zum Beispiel AIDS und die Sicherheit der Luftfahrt zur Verfügung gestellt und die Neigung zu weiteren&#13;
Bundesausgaben unter Kontrolle gehalten. Aber anstatt auf der Grundlage&#13;
dieses Haushaltsentwurfes vorzugehen,&#13;
verwarf der Kongreß den Vorschlag und&#13;
erwägt einen Plan, der, im Verhältnis&#13;
zu unserem Bruttosozialprodukt, die&#13;
Verteidigungsausgaben in den nächsten&#13;
Jahren drastisch bis auf das gefährliche Niveau der späten siebziger&#13;
Jahre reduziert, ein Plan, der auch&#13;
unsere Sicherheitsleistungen und Bestrebungen zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit&#13;
im&#13;
Ausland&#13;
zunichte&#13;
macht. Und was ist aus dieser unter&#13;
dem Gramm-Rudman-Hollings Gesetz feierlich verkündeten Zurückhaltung bei&#13;
kostspieligen Inlandsausgaben geworden? Sie hat sich in Luft aufgelöst.&#13;
Und um diesen Abfall vom Glauben zu&#13;
bezahlen, wird Ihnen, den Steuerzahlern, in den nächsten vier Jahren&#13;
eine Rechnung von ungefähr 100 Milliarden Dollar aufgebürdet werden.&#13;
Wenn diese Tendenz nicht aufgehalten wird - und zwar jetzt - laufen&#13;
wir Gefahr, alle an der Wirtschaftsfront erzielten Fortschritte zu verlieren.&#13;
Wenn unsere Bemühungen um&#13;
eine Verringerung des Haushaltsdefizits nicht konsequent und glaubwürdig&#13;
sind, werden wir der Welt signalisieren, daß die amerikanische Wirtschaft&#13;
sich wieder in Schwierigkeiten be-&#13;
&#13;
Die Optionen sind auf folgende&#13;
Alternativen reduziert:&#13;
Mehr staatliche&#13;
Einflußnahme,&#13;
mehr&#13;
Steuern,&#13;
mehr Reglementierungen und ein Rückfall in die alten Zeiten der wirtschaftlichen&#13;
Inflation und Stagnation.&#13;
Oder, andererseits:&#13;
Zusätzliches Wachstum, mehr Chancen, angemessene nationale Sicherheit - und&#13;
mehr für das Familienbudget, nicht&#13;
für den Bundeshaushalt.&#13;
Die Entscheidung liegt bei uns wie ich bereits ausgeführt habe, ist&#13;
die Zerreißgrenze erreicht, die Zeit&#13;
für Entscheidungen gekommen.&#13;
Folgendes müssen wir also tun.&#13;
Erstens müssen wir zusammen mit dem&#13;
Kongreß das verfahren zur Verabschiedung des Haushalt erneuern und alle&#13;
diese&#13;
Verzögerungen&#13;
und&#13;
verpaßten&#13;
Termine und gebrochenen Versprechen&#13;
beenden. Wir können damit beginnen,&#13;
indem wir den Kongreß dazu bringen,&#13;
über einen Zusatzartikel zur Verfassung - mit ja oder nein, dafür oder&#13;
dagegen - abzustimmen, der die öffentliche Verschuldung jetzt und für&#13;
immer beendet, ein Zusatzartikel, der&#13;
per Gesetz einen ausgewogenen Haushalts herbeiführt.&#13;
Zweitens, benötige ich Ihre direkte Hilfe bei der Einflußnahme auf&#13;
Ihre Vertreter im Kongreß, einem Paket zum zuverlässigen Abbau des Defizits zuzustimmen und daran festzuhalten.&#13;
Ich verpflichte mich, von meinem Veto-Recht Gebrauch zu machen, um&#13;
große Ausgaben aufzuhalten, die über&#13;
die&#13;
im&#13;
Gramm-Rudman-Hollings&#13;
Plan&#13;
festgesetzten&#13;
Ziele&#13;
hinausgehen.&#13;
Aber wir müssen noch weiter gehen.&#13;
Sie können versichert sein, daß es&#13;
viele Kongreßmitglieder gibt, mit denen wir zusammenarbeiten können, und&#13;
wenn Sie diese wissen lassen, wie Sie&#13;
&#13;
�denken, können wir einen Konsens über&#13;
den Etat erarbeiten, um die Ausgaben&#13;
in diesem Jahr niedrig zu halten.&#13;
Einige sprechen sogar von einem Haushaltsgipfeltreffen - nun, wir sind&#13;
jederzeit zu Gesprächen und Konsultationen bereit, aber nicht, wenn das&#13;
Ziel&#13;
zusätzliche&#13;
Ausgaben,&#13;
höhere&#13;
Steuern und weniger Verteidigung ist.&#13;
Was wir wollen sind weniger Ausgaben,&#13;
Punkt. Und ich glaube, auch Sie wollen das.&#13;
Und drittens gibt es noch etwas,&#13;
das Sie hoffentlich fordern werden nämlich das selektive Veto. Der Präsident sollte die Möglichkeit haben,&#13;
von der die Gouverneure von 43 Staaten Gebrauch machen, um diese Art von&#13;
Steuerunfug zu beenden - die Möglichkeit, die ich in Kalifornien hatte,&#13;
als ich dort Gouverneur war:&#13;
Die&#13;
Möglichkeit, in diesen riesigen Ausgabentopf zu greifen und jegliche&#13;
Verschwendung&#13;
auszumerzen.&#13;
Es ist&#13;
Zeit für Taten, und ich beschwöre den&#13;
Kongreß nachdrücklich, Schritte zu&#13;
unternehmen und mit einem Reformpaket&#13;
aufzuwarten, das einige der himmelschreienden&#13;
Mängel&#13;
des derzeitigen&#13;
Haushaltsverfahrens beseitigt.&#13;
In der&#13;
Zwischenzeit werde ich&#13;
meine persönliche, öffentliche Verpflichtung&#13;
dieser&#13;
Sache&#13;
gegenüber&#13;
noch weiter ausbauen.&#13;
Ich werde Ihnen, dem amerikanischen Volk, den&#13;
Fall vorlegen.&#13;
Denn, glauben Sie&#13;
mir, wenn der Kongreß nicht in der&#13;
Lage ist, das Licht zu sehen, so bin&#13;
ich davon überzeugt, daß Sie ihn die&#13;
Hitze spüren lassen. Bei dieser ganzen Angelegenheit ist unser Einsatz&#13;
sehr hoch: Nichts Geringeres als unsere wirtschaftliche&#13;
Zukunft steht&#13;
auf dem Spiel.&#13;
&#13;
Meinung nach die Amerikaner zunehmend&#13;
der Tatsache bewußt werden, daß unser&#13;
in der Verfassung verbrieftes Recht&#13;
auf freie Wahlen, Versammlungsfreiheit, freie Meinungsäußerung und alle&#13;
anderen Formen politischer Freiheit&#13;
eine ebenso bedeutende wirtschaftliche Entsprechung haben. Das Recht,&#13;
nicht über Gebühr von zuviel staatlicher&#13;
Einflußnahme,&#13;
übermäßigen&#13;
Steuern, haushoher Inflation und hohen Zinssätzen belastet zu werden.&#13;
Das Recht auf eine Zukunft, in der&#13;
Sie und Ihre Kinder so weit gehen und&#13;
so hoch hinaufreichen können, wie Ihre jeweiligen Talente und Energien&#13;
Sie beflügeln werden - eine an Freiheit, Chancen und Wachstum reiche Zukunft - die Wirtschaft betreffende&#13;
Zusatzartikel&#13;
zur Verfassung.&#13;
Die&#13;
Einzelheiten werde ich in den nächsten Wochen ausführen.&#13;
Lassen Sie uns also weiter vorwärts gehen. Alle diese bedeutenden&#13;
Entwicklungen im Ausland, die ich bereits erwähnt habe, die neue Stärke&#13;
der demokratischen Verbündeten in der&#13;
Welt - eine Stärke, die Ihre und meine und die Zukunft unserer Kinder zu&#13;
einer sicheren und freien Zukunft machen wird. Diese Zukunft ist in Gefahr, solange wir hier zu Hause nicht&#13;
verantwortungsbewußt handeln.&#13;
Und dafür benötige ich Ihre Hilfe.&#13;
Lassen Sie uns in den vor uns&#13;
liegenden Wochen und Monaten gemeinsam daran arbeiten, Amerika wirtschaftlich stark zu erhalten, damit&#13;
es wie bisher siegreich für Frieden&#13;
und Freiheit in der Welt auftreten&#13;
kann.&#13;
&#13;
Daher bitte ich Sie heute abend&#13;
um Ihre Unterstützung.&#13;
Ich bitte um&#13;
Ihre Unterstützung, weil sich meiner&#13;
- 7 -&#13;
&#13;
* * * * * *&#13;
&#13;
�AMERIKA DIENST&#13;
&#13;
.*e° sr&#13;
&#13;
\GN&#13;
&#13;
Dokumentation&#13;
&#13;
4&#13;
&#13;
24. Juni 1987&#13;
&#13;
23&#13;
&#13;
ZIMMERMANN LOBT ERGEBNISSE DER NATO-KONFERENZ&#13;
- KSZE-Botschafter zur Sitzung des Nordatlantikrats WIEN - (AD) - Der amerikanische Botschafter bei der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) pries die Ergebnisse der Juni-Sitzung&#13;
der NATO in Island und erklärte "die Tagung hat entscheidend zu unserer Arbeit&#13;
in Wien beigetragen". Warren Zimmermann, Leiter der amerikanischen KSZE-Delegation, oetonte in einer Pressekonferenz am 16. Juni, daß die jüngste Sitzung&#13;
der NATO-Auuenminister des Nordatlantikrats (NAC) - die zweimal im Jahr zusammenkommen, um politische Richtlinien für die Organisation der 15 Mitglieder&#13;
auszuarbeiten - die Arbeit der KSZE in zwei bedeutenden Bereichen beeinflußt&#13;
habe. Laut Botschafter Zimmermann Detonte das Schlußkommunique des Nordatlantikrats insbesondere: - "ein stabiles Gefüge von Frieden und Sicherheit kann&#13;
nicht mit militärischen Mitteln allein geschaffen werden... wodurch dem KSZEProzeß außerordentliche Bedeutung zukommt".&#13;
N'achfolgena drucken wir die Pressekonferenz von Botschafter Zimmermann im&#13;
Wortlaut.&#13;
Ich möchte gleich zu Beginn einige Worte zu der Reykjavik-Sitzung sagen, da ich der Überzeugung bin, daß&#13;
diese Sitzung für unsere Arbeit in&#13;
Wien von besonderer Bedeutung war.&#13;
Diejenigen von Ihnen, die das Schlußdokument noch nicht gelesen haben,&#13;
möchte ich auffordern, dies zu tun.&#13;
Meiner Meinung nach enthält es zwei&#13;
Dedeutende Aspekte für den KSZE-Prozeß und das Treffen in Wien. Der erste Aspekt ist, daß es dem KSZE-Prozeß wirklich außerordentliche Bedeutung verleiht.&#13;
Das Dokument stellt&#13;
fest, daß ein stabiles Gefüge von&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Frieden und Sicherheit nicht mit militärischen Mitteln allein geschaffen&#13;
werden kann. Und dies ist natürlich&#13;
die Feststellung, die wir hier in&#13;
Wien&#13;
stets besonders&#13;
unterstrichen&#13;
haoen.&#13;
Das Dokument weist weiterhin&#13;
darauf&#13;
hin, daß&#13;
die&#13;
vollständige&#13;
Durchführung&#13;
aller Verfügungen&#13;
des&#13;
Helsinki-Prozesses&#13;
erforderlich&#13;
ist&#13;
und bezieht sich hier im besonderen&#13;
auf die Menschenrechte und menschliche Kontakte, die - und ich möchte&#13;
hier ein Zitat anführen:&#13;
"...das&#13;
fundamentale&#13;
Ziel&#13;
des&#13;
Bündnisses&#13;
bleiben". Das Dokument fordert eben-&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�falls ein substantielles und zeitgerechtes Ergebnis des Treffens von&#13;
Wien. Der zweite Aspekt, dem meiner&#13;
Meinung nach gleichrangige Bedeutung&#13;
zukommt, ist, daß das Dokument die&#13;
Übereinstimmung der NATO bei der Behandlung des komplexen Problems konventioneller&#13;
Waffen&#13;
widerspiegelt.&#13;
Es sind zwei Verhandlungsrunden auf&#13;
untergeordneter Ebene vorgesehen, mit&#13;
jeweils eigenem Mandat, und die im&#13;
Rahmen des KSZE-Prozesses stattfinden.&#13;
Die erste Verhandlungsrunde besteht aus einer Gruppe der 35 und bezieht die in Stockholm begonnene Arbeit&#13;
über&#13;
Vertrauens- und&#13;
Sicherheitsbildende&#13;
Maßnahmen&#13;
ein.&#13;
Die&#13;
zweite Verhandlungsrunde würde einen&#13;
StaDilitätsabbau&#13;
im&#13;
konventionellen&#13;
Bereich umfassen und aus der Gruppe&#13;
der 23 zusammengesetzt sein. Die 23&#13;
haben autonomen Status im Hinblick&#13;
auf die Themenkomplexe ihrer Verhandlungen, bezüglich der Teilnahme sowie&#13;
des Verhandlungsverfahrens. Die NATO&#13;
befaßt sich zur Zeit vordringlich mit&#13;
der Erarbeitung von Mandatsentwürfen,&#13;
die hier in Wien vorgelegt werden&#13;
können, und wir hoffen, daß dies so&#13;
bald wie möglich geschehen kann. Ich&#13;
bin jetzt gerne bereit, Ihre Fragen&#13;
&#13;
zu beantworten,&#13;
FRAGE:&#13;
Wie weit sind Sie genau&#13;
bei der Formulierung der westlichen&#13;
Vorschläge gekommen?&#13;
ANTWORT:&#13;
Diese Arbeit wird von&#13;
der aus hochrangigen Vertretern bestehenden Arbeitsgruppe bei der NATO&#13;
in Brüssel wahrgenommen, die sich mit&#13;
diesen Themen von Anfang an befaßt&#13;
hat.&#13;
Natürlich stützt sich die Arbeitsgruppe&#13;
auf Informationen, Empfehlungen und Eingaben, die hier von&#13;
'Wien aus zur Verfügung gestellt werden, aber die Hauptarbeit findet in&#13;
Brüssel statt.&#13;
FRAGE:&#13;
&#13;
Sie&#13;
&#13;
erwähnten,&#13;
&#13;
daß&#13;
&#13;
die&#13;
&#13;
23 Unterhändler im Hinblick auf die&#13;
Themenkomplexe, Teilnahme&#13;
und Verfahrensweisen autonomen Status haben&#13;
werden - worin besteht die Verbindung&#13;
zur KSZE?&#13;
Wie ist der Rahmen gesteckt?&#13;
ANTWORT:&#13;
Nun, ein Rahmen beinhaltet zweifelsohne die Anerkennung&#13;
seitens der NATO-Staaten, daß die Sicherheit aller 35 Teilnehmer im KSZEProzeß von Bedeutung ist. Ich möchte&#13;
zum Sinn des Wortes Rahmen nicht zu&#13;
sehr ins Detail gehen, da die Einzelheiten Bestandteil der beiden Mandate&#13;
sein werden, die gerade in Brüssel&#13;
erarbeitet werden.&#13;
ich kann jedoch&#13;
sagen, daß für die neutralen und&#13;
blockfreien Länder, also die Länder,&#13;
die&#13;
an&#13;
den&#13;
anderen&#13;
Verhandlungen&#13;
nicht teilnehmen, ausreichende Möglichkeiten zur Information über diese&#13;
Verhandlungen und Artikulierung ihrer&#13;
eigenen Ansichten gegeben sein wird.&#13;
Ein weiterer Aspekt des Arbeitsrahmens, der zusammenhänge, ist ein von&#13;
uns schon sehr lange vorgebrachtes&#13;
Argument, das auch von Außenminister&#13;
Schultz bei der letzten NATO-Sitzung&#13;
angeführt&#13;
wurde, die&#13;
im&#13;
Dezember&#13;
stattfand.&#13;
Das heißt, wir berücksichtigen, während das Mandat für die&#13;
Abrüstungsverhandlungen ausgearbeitet&#13;
wird auch die anderen Aspekte der Sicherheit mit größter Sorgfalt sowie&#13;
deren Einhaltung oder Nicht-Einhaltung seitens der Mitgliedsländer des&#13;
Warschauer Pakts. Dies wird bei der&#13;
Erarbeitung des Mandats über Reduzierungen ebenfalls eine Rolle spielen.&#13;
FRAGE:&#13;
Können Sie uns ein ungefähres Datum nennen, zu dem wir&#13;
konkrete Vorschläge in Brüssel erwarten können, und wie weit ist das Konferenzprogramm bereits in Verzug geraten?&#13;
ANTWORT:&#13;
Ich kann Ihnen nicht&#13;
genau sagen, wann die Vorschläge un-&#13;
&#13;
�terbreitet&#13;
werden;&#13;
sie werden in&#13;
Brüssel vordringlich behandelt.&#13;
Wir&#13;
hoffen, daß wir nicht sehr viel länger darauf warten müssen.&#13;
Bezüglich&#13;
Ihrer zweiten Frage, des allgemeinen&#13;
Zeitplans der Konferenz, würde ich&#13;
sagen, wenn wir den 31. Juli als Datum für die Fertigstellung annehmen,&#13;
dürfte es meiner Meinung nach schwierig sein, diesen Termin einzuhalten.&#13;
Andererseits habe ich nicht das Gefühl, daß wir mit unserer Arbeit tatsächlich so sehr im Verzug sind angesichts der enormen zahl von Vorschlägen, mit denen wir uns befassen müssen, nämlich nahezu doppelt so vielen&#13;
wie wir in Madrid zu bewältigen hatten. Ich finde also nicht, daß wir falls überhaupt - allzusehr im Rückstand sind.&#13;
Auf jeden Fall möchte&#13;
ich&#13;
die&#13;
von&#13;
Botschafter&#13;
Kaschlew&#13;
letzte Woche gemachte Andeutung zurückweisen, daß die NATO-Verbündeten&#13;
sich allzuviel zeit lassen. Das ist&#13;
absolut unrichtig.&#13;
FRAGE:&#13;
Besteht eventuell eine&#13;
Möglichkeit, daß die westlichen Vorschläge über Vertrauensbildende Maßnahmen zu einem früheren Zeitpunkt&#13;
vorgelegt werden als die über konventionelle Waffen?&#13;
ANTWORT:&#13;
Das&#13;
ist bisher noch&#13;
nicht besprochen worden, daher kann&#13;
ich Ihnen darauf keine Antwort geben.&#13;
FRAGE:&#13;
Wie sieht die NATO die&#13;
Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsoildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE)? Vielehe Themen werden behandelt?&#13;
Wo wird sie&#13;
stattfinden?&#13;
ANTWORT:&#13;
Ich nehme an, sie beziehen sich auf die Sitzung über Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen der 35er-Gruppe.&#13;
Wir wissen&#13;
nicht, wo sie stattfinden wird; dies&#13;
muß noch entschieden werden. Natür-&#13;
&#13;
lich wird dies Thema der Verhandlungen in dieser Sitzung sein. Auch das&#13;
Thema bleibt noch zu entscheiden.&#13;
Der allgemeine Themenkomplex sollte&#13;
unserer Meinung nach jedoch die Vertrauens- und&#13;
Sicherheitsbildenden&#13;
Maßnahmen&#13;
behanaeln,&#13;
die&#13;
entweder&#13;
nicht umfassend in Stockholm diskutiert oder&#13;
in Stockholm&#13;
überhaupt&#13;
nicht vorgelegt wurden.&#13;
Wir haben&#13;
das Gefühl, daß die Arbeit in Stockholm nicht im voller. Umfang ausgeschöpft wurde, trotz der Tatsache,&#13;
daß in Stockholm ganz beträchtliche&#13;
Erfolge erzielt wurden.&#13;
In diesem&#13;
Bereich bleibt also noch einiges zu&#13;
tun und wir gehen von der Annahme&#13;
aus, daß die im Anschluß an die&#13;
Wiener Sitzung stattfindende Tagung&#13;
sich mit den Themen befassen wird,&#13;
die in Stockholm nicht abschließend&#13;
behandelt werden konnten.&#13;
FRAGE:&#13;
Glauben&#13;
Sie, daß&#13;
die&#13;
Meinungsverschiedenheiten&#13;
zwischen&#13;
Frankreich und der NATO nach Reyjavik&#13;
vollständig&#13;
ausgeräumt&#13;
sind?&#13;
Wenn&#13;
ja, warum?&#13;
ANTWORT:&#13;
Ja,&#13;
ich&#13;
bin&#13;
davon&#13;
überzeugt. Denn jetzt haben wir eine&#13;
NATO-Position.&#13;
Es bedurfte einiger&#13;
Zeit, sie zu erarbeiten; sie wurde&#13;
mit&#13;
größter&#13;
Sorgfalt&#13;
und&#13;
einigen&#13;
Schwierigkeiten ausgearbeitet.&#13;
Aber&#13;
wie gewöhnlich in solchen Situationen, in denen die NATO eine Position&#13;
bezieht, ist es eine Position, zu der&#13;
wir alle stehen. ich habe keinerlei&#13;
Zweifel, daß wir zu diesem Thema völlige Einigung erzielt haben und uns&#13;
weiterhin einig sein werden.&#13;
FRAGE:&#13;
Diese&#13;
Frage&#13;
bezieht&#13;
sich nur auf die Konferenz im allgemeinen. Ich habe gehört, daß die Sowjets und der warschauer Pakt in der&#13;
letzten Woche vorläufige Arbeitspapiere vorgelegt haben.&#13;
Könnten sie&#13;
dazu einige Ausführungen machen?&#13;
&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
�ANTWORT:&#13;
Vorläufige&#13;
Arbeitspapiere sind informelle Papiere, die&#13;
auch in aen vorherigen KKSZE-Sitzungen aufgetaucht sind, normalerweise&#13;
zu einem sehr viel späteren Zeitpunkt&#13;
- dies war zum Beispiel in Madrid der&#13;
Fall. Vorläufige Arbeitspapiere sind&#13;
ein Instrumentarium zur informellen&#13;
Behandlung von Problemen.&#13;
Es gibt&#13;
natürlich noch viele andere Instrumentarien, um Probleme informell abzuhandeln, und wir haben diese gemeinsam&#13;
mit unsreren&#13;
Koordinatoren&#13;
aus den neutralen Ländern angewandt,&#13;
indem wir die Vorschläge auf gleiche&#13;
und unterschiedliche Elemente durchgesehen haben. unserer Meinung nach&#13;
hat sich dieses Vorgehen in der Vergangenheit&#13;
als produktiv erwiesen.&#13;
Und vor allem darauf konzentrieren&#13;
wir uns auch jetzt.&#13;
Vorläufige Arbeitspapiere könnten&#13;
eine Alternative hierzu darstellen.&#13;
Sie sind nicht das Manna vom Himmel,&#13;
wie sie von einigen Vertretern des&#13;
Ostblocks&#13;
bezeichnet&#13;
wurden.&#13;
sie&#13;
stellen vielmehr ein Instrumentarium&#13;
unter vielen dar, wie man sich auf&#13;
informelle Weise mit dem Problem befassen könnte. Ich erwarte, daß wir&#13;
zur gegebenen zeit selbst solche vorläufigen Arbeitspapiere haben werden.&#13;
Aber ich möchte sie davor warnen, der&#13;
Vermutung zu erliegen, daß das eine&#13;
oder andere Instrumentarium zwangsläufig alle Unklarheiten bei der Konferenz beseitigt&#13;
und ein Ergebnis&#13;
hervorbringt.&#13;
Dazu ist politischer&#13;
Wille und der Wunsch zur Lösung politischer Differenzen notwendig.&#13;
Dieser Wille ist nicht so offen zutage&#13;
getreten wie ich das gehofft hätte.&#13;
FRAGE:&#13;
Wird&#13;
die&#13;
Übereinkunft&#13;
von&#13;
Reykjavik&#13;
die&#13;
hiesigen&#13;
Fortschritte beschleunigen?&#13;
ANTWORT:&#13;
&#13;
Das denke ich doch.&#13;
&#13;
FRAGE:&#13;
Befürwortet&#13;
die&#13;
NATO,&#13;
daß beide Verhandlungen in derselben&#13;
Stadt angehalten werden?&#13;
ANTWORT:&#13;
Das ist die Frage und ein wichtiges Problem - aber es&#13;
handelt sich hier um eine Detailfrage, auf die beim Treffen zu einem&#13;
späteren Zeitpunkt eingegangen werden&#13;
wird. Ich kann dazu an diesem Punkt&#13;
nichts sagen.&#13;
FRAGE:&#13;
Überwiegt der Eindruck,&#13;
daß Vorschläge&#13;
nur langsam eingebracht wurden?&#13;
Wird sich das beschleunigen?&#13;
ANTWORT:&#13;
Ich habe die Ansicht,&#13;
daß nur sehr langsame Fortschritte&#13;
erzielt werden, nie geteilt. Es gibt&#13;
immer Zeitspannen bei KSZE-Treffen,&#13;
bei denen kein Fortschritt sichtbar&#13;
wird. Aber das trifft häufig zu, und&#13;
hier ist es der Fall, weil schwierige&#13;
und harte Arbeit am Text der Vorschläge geleistet wird. Ich haDe bereits darauf hingeweisen, daß dies&#13;
bei diesem Treffen komplizierter ist&#13;
als bei vorherigen Treffen, weil es&#13;
so viele Vorschläge gibt. Ich glaube&#13;
nicht, daß wir hier zeit verschwendet&#13;
haben, und ich trete den Anschuldigungen entgegen, die wir wiederholt&#13;
von Seiten des Ostblocks vernehmen&#13;
und die besagen, daß künstliche Erfolge&#13;
als Verzögerungstaktik&#13;
angewandt werden.&#13;
Ich glaube, daß es&#13;
sich hier nur um Bestrebungen handelt, die westliche Position als böse&#13;
Absicht hinzustellen, was sie ganz&#13;
sicher nicht ist. Das NATO-Kommunique zeigt eindeutig, daß wir das&#13;
Wiener Treffen erfolgreich und in angemessener zeit beenden wollten und&#13;
dies auch immer noch wünschen.&#13;
FRAGE:&#13;
Könnten Sie sich etwas&#13;
näher zu den Verfahrensweisen äußern?&#13;
Der Ostblock erwartet vom Westen ei-&#13;
&#13;
- 4 -&#13;
&#13;
�nen Vorschlag zum Bereich der militärischen Sicherheit. Kommt man hier&#13;
voran?&#13;
ANTWORT:&#13;
Es stimmt&#13;
natürlich,&#13;
was Botschafter Turovski (der österreichische Chefdelegierte) sagte, daß&#13;
das&#13;
Fehlen&#13;
eines&#13;
westlichen&#13;
Vorschlags zum Bereich der militärischen&#13;
Sicherheit Fortschritte in eben diesem Bereich schwierig gemacht hat.&#13;
Wir haben jedoch in diesem Bereich&#13;
einiges erreicht. Wir haben die Anwendung der sicherheitsoildenden Maßnahmen von Stockholm überprüft. Aber&#13;
wir hatten keinen eigenen Vorschlag.&#13;
Die Situation wird sich jedoch sehr&#13;
bald ändern, und wir werden in diesem&#13;
Bereich in der Lage sein, uns auf der&#13;
Basis eines westlichen und eines östlichen&#13;
Vorschlags&#13;
zu&#13;
engagieren.&#13;
Aber das ist nur die eine Hälfte des&#13;
Korbes bei diesem Treffen.&#13;
Es gibt&#13;
noch einen anderen Teil von Korb I,&#13;
der Grundsätzliches betrifft, es gibt&#13;
Korb II für wirtschaftliche Fragen,&#13;
und es gibt Korb III.&#13;
Es Desteht&#13;
überhaupt kein Grund, warum sich in&#13;
all diesen Bereichen keine Bewegung&#13;
zeigen sollte. Ich glaube, daß angesichts der Schwierigkeiten, über die&#13;
ich hier gesprochen habe, in all diesen Körben nützliche Arbeit geleistet&#13;
worden ist. und es bewies zweifelsohne eine starke westliche Haltung,&#13;
daß mit der Arbeit begonnen wurde,&#13;
als damit begonnen werden sollte, daß&#13;
diese fortgesetzt werden soll und daß&#13;
sie nicht an Probleme im Bereich der&#13;
militärischen&#13;
Sicherheit&#13;
geknüpft&#13;
werden sollte, die sich auf dem Weg&#13;
zu ihrer Lösung befinden.&#13;
&#13;
Mandat für die Gruppe zu Korb I, den&#13;
Vertrauens- und&#13;
Sicherheitsbildenden&#13;
Maßnahmen, darstellen, und das wird&#13;
in Brüssel erfolgen.&#13;
FRAGE:&#13;
Was denken Sie über die&#13;
gerade von Ihnen erwähnte Tatsache,&#13;
daß die Sowjetunion und die Länder&#13;
des Warschauer Paktes ihre Arbeit zu&#13;
den Körben I und II verlangsamen und&#13;
auf Vorschläge im militärischen Bereich warten?&#13;
ANTWORT:&#13;
Ich kann nicht sagen,&#13;
daß sie ihre Arbeit verlangsamen.&#13;
Was ich zu ihrer Tätigkeit&#13;
sagen&#13;
kann, ist, daß sie mit ihren vorläufigen Arbeitspapieren ihrerseits den&#13;
Anschein von Aktivität zu geben suchen, um den Westen zu beschuldigen,&#13;
daß er seine Arbeit verlangsamt. und&#13;
wie ich bereits sagte, weise ich diese Einschätzung voll und ganz zurück.&#13;
Der Westen arbeitet hart in allen&#13;
Körben und wird das auch weiterhin&#13;
tun.&#13;
Vielen Dank&#13;
keit.&#13;
&#13;
FRAGE:&#13;
Wird&#13;
dieser&#13;
Vorschlag&#13;
zur&#13;
militärischen&#13;
Sicherheit&#13;
hier&#13;
oder in Brüssel ausgearbeitet werden?&#13;
ANTWORT:&#13;
In&#13;
Brüssel.&#13;
Diese&#13;
Vorschläge werden Vorschläge für ein&#13;
Mandat an die Gruppe der 23 und ein&#13;
- 5 -&#13;
&#13;
für&#13;
&#13;
Ihre Aufmerksam-&#13;
&#13;
�AMERIKA DIENST&#13;
'VON&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Wissenschaft und Technik&#13;
24. Juni 1987&#13;
&#13;
23&#13;
&#13;
SUPRALEITFÄHIGKEIT - DIE ANWENDUNG RÜCKT NÄHER&#13;
Neue Materialien mit günstig hohen Sprungtemperaturen -&#13;
&#13;
- (AD) - Noch bis vor etwa einem&#13;
Jahr&#13;
galt&#13;
Supraleitfähigkeit&#13;
zwar&#13;
nicht mehr als Kuriosum, aber als&#13;
viel zu teuer für eine breite technische Anwendung.&#13;
Denn die Temperaturen der verwendeten Metalle, bei&#13;
denen sie ihren elektrischen Widerstand verloren und Strom ohne jeden&#13;
Energieverlust leiteten ("Sprungtemperaturen"), lagen in der Nähe des&#13;
absoluten Nullpunktes.&#13;
Dieser entspricht minus 273 Grad Celsius bzw.&#13;
Null Grad Kelvin.&#13;
Eine Kühlung auf&#13;
so tiefe Temperaturen ist nur mit&#13;
flüssigem Helium möglich, das bei 4,2&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Grad Kelvin (minus 269 Grad Celsius)&#13;
vom gasförmigen in den flüssigen zustand&#13;
übergeht.&#13;
Dieser&#13;
Kühlprozeß&#13;
ist ungemein kostspielig.&#13;
Seit 1911, dem Jahr der Entdekkung des Phänomens der Supraleitfähigkeit an Quecksilber durch den holländischen Physiker Heike Kammerlingh&#13;
Onnes,&#13;
waren&#13;
die&#13;
erforderlichen&#13;
"Weltraumtemperaturen"&#13;
die&#13;
größte&#13;
Hürde.&#13;
Einen gewissen&#13;
Fortschritt&#13;
gab es in den fünfziger Jahren durch&#13;
die Entwicklung einer Legierung aus&#13;
Niob und Titan, die nicht nur eine um&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�ein paar Grad höhere Sprungtemperatur&#13;
aufwies, sondern auch, im Gegensatz&#13;
zu den bis dahin getesteten Metallen,&#13;
in Anwesenheit starker Magnetfelder&#13;
ihre Supraleitfähigkeit nicht verlor.&#13;
So war wenigstens ein Weg zur Entwicklung großer superleitender Magnete gefunden.&#13;
Diese sind seit Ende&#13;
der sechziger Jahre in Gebrauch - zu&#13;
Beginn fast nur in Speziallaboratorien der physikalischen Forschung,&#13;
neuerdings auch bei technischen Versuchsanlagen&#13;
und bei medizinischen&#13;
Großgeräten&#13;
wie&#13;
dem&#13;
Kernspintomographen. Anfang der siebziger Jahre&#13;
fand man eine Niob-Legierung, die&#13;
schon bei minus 251 Grad Celsius (23&#13;
Grad&#13;
Kelvin)&#13;
superleitend&#13;
wurde.&#13;
Aber damit kam man an die Verflüssigungstemperatur von Stickstoff (minus&#13;
194 Grad Celsius), dessen Verwenaung&#13;
die supraleittechnik ganz zerheblich&#13;
hätte verbilligen können, noch lange&#13;
nicht heran.&#13;
Die Einstellung&#13;
der&#13;
Ingenieure&#13;
und der technischen Fachwelt zu dem&#13;
gesamten Gebiet&#13;
änderte sich aber&#13;
grundlegend&#13;
im&#13;
letzten&#13;
Jahr.&#13;
K.&#13;
Müller und Mitarbeiter bei IBM in&#13;
Zürich hatten 1983 mit Metalloxyden&#13;
zu experimentieren begonnen und entdeckten unter Hunderten eine Probe,&#13;
die schon bei 35 Grad Kelvin (minus&#13;
238 Grad Celsius) superleitfähig wurde. Es handelte sich um eine Verbindung von Barium, Lanthan, Kupfer und&#13;
Sauerstoff.&#13;
Im April 1986 erschien&#13;
der Bericht der Forscher in der deutschen wissenschaftlichen Zeitschrift&#13;
"Zeitschrift für Physik". Nun begann&#13;
in den großen Laboratorien der Welt&#13;
ein regelrechter Wettlauf, um Materialien mit immer höheren Sprungtemperaturen nicht nur zu finden, sondern sogar&#13;
zu "konstruieren", die&#13;
elektrischen Strom, d.h. den Strom&#13;
von Elektronen, ohne Wärmeentwicklung&#13;
und damit ohne Energieverlust bei&#13;
möglichst hohen Temperaturen trans- 2&#13;
&#13;
portieren.&#13;
"Hohe Temperatur" ist angesichts&#13;
der tatsächlichen Kältegrade allerdings ein relativer Begriff.&#13;
immerhin ist in der jüngsten Meldung, die&#13;
von&#13;
der&#13;
Wayne&#13;
State&#13;
University&#13;
(Detroit, Michigan) kommt, bereits&#13;
von 240 Grad Kelvin die Rede.&#13;
Das&#13;
entspricht minus 33 Grad Celsius, was&#13;
in bezug auf das Kühlverfahren für&#13;
das Material weder in technischer&#13;
noch in finanzieller Hinsicht Probleme bedeutete.&#13;
Aber es geht ja auch um den Nutzeffekt des Stromtransports in Supraleitern.&#13;
Und dabei scheinen sich&#13;
ebenfalls&#13;
Fortschritte&#13;
anzubahnen.&#13;
So wurde kürzlich bei IBM (International Business Machines) in den USA&#13;
demonstriert, daß Dünnfilme aus einem&#13;
der neuen Materialien in der Lage&#13;
sind, hundertmal mehr Strom zu leiten&#13;
als früher gemessen wurde. Damit ist&#13;
eine wichtige technische Barriere für&#13;
die künftige Anwendung in der Elektronik-Industrie&#13;
aus dem Wege geräumt. Auf der jüngsten Jahrestagung&#13;
der Amerikanischen Physikalischen Gesellschaft in New York war u.a. zu&#13;
hören, daß das Ziel, Supraleiter zu&#13;
finden, die Elektrizität verlustfrei&#13;
bei praktisch jeder Temperatur transportieren, vielleicht schon sehr bald&#13;
realisiert werden könnte.&#13;
Dann wären die Anwendungsmöglichkeiten fast grenzenlos. Manches wird&#13;
bereits anvisiert: Die Pläne reichen&#13;
von kleineren, schnelleren Computern&#13;
bis zur Speicherung von Elektrizität&#13;
in riesigen Magnet-Zellen, von leistungsfähigen Elektromotoren, die nur&#13;
ein zehntel so groß sind wie die von&#13;
heute, bis zu magnetischen Schwebebahnen&#13;
und&#13;
selbst&#13;
zu Autos, die&#13;
schweben und ohne Reifen fahren.&#13;
Das&#13;
&#13;
Argonne&#13;
&#13;
National&#13;
&#13;
Laboratory,&#13;
&#13;
�ein großes Kernforschungszentrum in&#13;
der Nähe von Chicago, meldete kürzlich eine Verbesserung der Stromleitfähigkeit eines neuen superleitenden&#13;
Drahtmaterials um das Dreißigfache.&#13;
Entwicklung und Ausbau der Technik,&#13;
aus spröden superleitfähigen Keramikmassen elektrische Drähte zu formen,&#13;
verspricht zu ganz wichtigen technologischen Durchbrüchen zu führen, die&#13;
vielleicht&#13;
auch&#13;
den&#13;
verlustfreien&#13;
Stromtransport&#13;
in&#13;
Überlandleitungen&#13;
ermöglichen.&#13;
Technische&#13;
Daten für&#13;
die&#13;
jüngsten&#13;
Argonne-Versuche:&#13;
Stromstärke 191 Ampere pro Quadratzentimeter gegenüber sechs Ampere/qcm&#13;
bei der vorangegangenen Serie von Experimenten.&#13;
Der&#13;
Draht&#13;
hat&#13;
einen&#13;
Durchmesser von 0,18 mm und wird mit&#13;
flüssigem Stickstoff gekühlt.&#13;
Zwar&#13;
sei es noch ein weiter Weg bis zu&#13;
einer&#13;
sinnvollen Anwendung, meinte&#13;
Roger Poeppel von Argonne, aber die&#13;
bisherigen Ergebnisse zeigten deutlich, daß das&#13;
Material&#13;
zu einem&#13;
brauchbaren Draht verarbeitet werden&#13;
könne.&#13;
Möglicherweise&#13;
ließen sich&#13;
superleitende Kabel eines Tages auch&#13;
in Fusionsreaktoren einsetzen. Auch&#13;
dürften&#13;
sie die Entwicklung einer&#13;
neuen Generation&#13;
von medizinischen&#13;
Kernspintomographen begünstigen.&#13;
Viele Forscher sind zwar überzeugt, daß erste praktische Anwendungen der Supraleitfähigkeit, etwa in&#13;
der Elektronik für Stromkreise und&#13;
Verbindungen&#13;
zwischen Computer&#13;
und&#13;
Chip, schon in einem Jahr auf dem&#13;
Markt sein werden. Bis zu einer Anwendung in der Großtechnik aber, beispielsweise&#13;
bei&#13;
Überlandleitungen,&#13;
wird sehr viel mehr zeit vergehen.&#13;
Laut Praveen Chaudhari, einem der&#13;
Forschungsdirektoren von IBM, stehen&#13;
die technischen Probleme, aus sprödem&#13;
superleitendem Keramikmaterial Werkstoffe zu produzieren, die geschmeidige elektrische Drähte und Bauteile&#13;
&#13;
ersetzen, ein wesentliches Hindernis&#13;
für die kommerzielle Anwendung dar.&#13;
So dürfte es mindestens fünf Jahre,&#13;
vielleicht auch erheblich länger dauern, bis Keramik-Draht zur Verfügung&#13;
steht, der in superleitenden Magneten&#13;
zu verwenden wäre.&#13;
Zu Forschungszwecken bemüht man&#13;
sich bei IBM um die Herstellung von&#13;
Einkristallen aus dem neuen Material,&#13;
um dessen physikalische Eigenschaften&#13;
besser&#13;
studieren&#13;
zu können.&#13;
Beispielsweise ist die Festigkeit noch&#13;
ein Problem.&#13;
Mit wachsender stärke&#13;
der Magnetkraft nehmen nämlich auch&#13;
die Kräfte zu, die dem zusammenhält&#13;
des Magneten entgegenwirken. Deshalb&#13;
muß das superleitende Kabel sowohl&#13;
biegsam genug sein, um eine Spule damit zu wickeln, als auch fest genug,&#13;
um den Drücken sehr starker magnetischer Felder standzuhalten.&#13;
Die vom US-Kongreß ins Leben gerufene&#13;
Studienkonferenz&#13;
für Umwelt&#13;
und Energie, die die Öffentlichkeit&#13;
über einschlägige Fragen informiert,&#13;
spricht bereits davon, daß superleitende Elektromagnete&#13;
zum Bau sehr&#13;
kleiner, hochleistungsfähiger und weniger kostspieliger Elektromotren für&#13;
Autos und Schiffe führen könnten.&#13;
Die verbreitete Einführung von Elektrofahrzeugen&#13;
würde&#13;
riesige&#13;
neue&#13;
Märkte eröffnen und angesichts der&#13;
Tatsache, daß der Verkehrssektor in&#13;
den USA der größte Ölverbraucher ist,&#13;
die Abhängigkeit vom Öl wesentlich&#13;
verringern.&#13;
Als eine Reaktion auf die wachsende&#13;
internationale Konkurrenz&#13;
in&#13;
der&#13;
Entwicklung&#13;
von&#13;
Supraleitern&#13;
brachten Abgeordnete beider Parteien&#13;
im Repräsentantenhaus und Senat einen&#13;
Gesetzesentwurf über die Einsetzung&#13;
einer&#13;
Nationalen&#13;
Kommission&#13;
für&#13;
Supraleiter ein. Die Kommission, der&#13;
führende Persönlichkeiten aus Regie-&#13;
&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
�rung, Industrie und von Universitäten&#13;
angehören würden, soll Wege zur beschleunigten Entwicklung von Supraleitern empfehlen. Außerdem soll sie&#13;
sich mit Möglichkeiten befassen, Privatfirmen wenigstens teilweise von&#13;
den Verpflichtungen der Antitrust-Gesetze zu entbinden, damit Forschung&#13;
und&#13;
Produktentwicklung&#13;
koordiniert&#13;
werden können. Die Nationale Akademie der Wissenschaften wurde vom USKongreß inzwischen gebeten, zu dem&#13;
Vorschlag Stellung zu nehmen, die&#13;
Verwendung von Forschungsgeldern des&#13;
Bundes in Höhe von 100 Millionen Dollar von einer einzigen Regierungsbehörde koordinieren anstatt, wie bisher, von mehreren Ministerien getrennt verwalten zu lassen.&#13;
&#13;
* * * * * *&#13;
&#13;
- 4&#13;
&#13;
�</text>
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                    <text>1 DOKUMENTATION&#13;
- Gute amerikanisch-deutsche Beziehungen bekräftigt&#13;
- Ansprache Präsident Reagans auf dem Köln-Bonner Flughafen &#13;
- zunehmender Konsens über geringere staatliche Eingriffe&#13;
- Präsident Reagans Rede zum Abschluß des Gipfeltreffens in Venedig&#13;
- Zimmermann lobt Ergebnisse der NATO-Konferenz&#13;
- KSZE-Botschafter zur Sitzung des Nordatlantikrats &#13;
&#13;
2 WISSENSCHAFT UND TECHNIK&#13;
- Supraleitfähigkeit - die Anwendung rückt näher&#13;
- Neue Materialien mit günstig hohen Sprungtemperaturen</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gute amerikanisch-deutsche Beziehungen bekräftigt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache Präsident Reagans auf dem Köln-Bonner Flughafen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zunehmender Konsens über geringere staatliche Eingriffe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Reagans Rede zum Abschluss des Gipfeltreffens in Venedig -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zimmermann lobt Ergebnisse der NATO-Konferenz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- KSZE-Botschaft zur Sitzung des Nordatlantikrats -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Supraleitfähigkeit - die Anwendung rückt näher&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Neue Materialien mit günstig hohen Sprungtemperaturen -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
%

^

Sonderdienst

^

25. Juni 1987

DER MARSHALL-PLAN:

POLITIK DER VISION

Rede des amerikanischen Botschafters Richard R. Burt in Berlin

SPERRFRIST:

25. Juni 1987, 16.00 Uhr (MESZ)

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�BERLIN - (AD) - In seiner Rede aus Anlaß des 40. Jahrestages der Verkündung des Marshall-Plans erklärte Botschafter Burt am 25. Juni 1987 in Berlin,
der Westen müsse "zu einer gemeinsamen Bewertung der anstehenden Probleme gelangen", um sich die Möglichkeiten zunutze zu machen, die Glasnost für die
Teilung Europas eröffnen kann.
Burt verwies ferner darauf, daß sich angesichts einer bevorstehenden Rüstungskontrollvereinbarung und heraufziehender Verhandlungen über konventionelle Waffen besonders die Ost-West Beziehungen an einem Scheideweg befänden.
Es sei deshalb "von vorrangiger Bedeutung, daß wir uns auf gemeinsame, diesem
neuen Zeitalter angemessene sicherheitspolitische Maßnahmen einigen und Abrüstungenverhandlungen jeglicher Art gemeinsam angehen".
Die Rede des Botschafters hat folgenden Wortlaut:

Herr
Regierender
Bürgermeister
Diepgen,
Herr
Minister
Bangemann,
Herr
Bundestagsvizepräsident
Cronenberg,
Frau
staatssekretärin
Berger, meine Damen und Herren.
Jahrestage bieten eine gute Gelegenheit,
die
Errungenschaften
der
Vergangenheit zu feiern. Wir sollten
solche Augenblicke nutzen, um uns zu
vergegenwärtigen, wie wir uns den
Herausforderungen der Gegenwart und
der Zukunft stellen können.
Es ist
ganz einfach unsere Pflicht, aus der
Geschichte jede nur mögliche Lehre zu

ziehen, so
sein mag.

riskant

diese Übung

auch

Die Welt von 1947 war das Produkt
eines
Viertel Jahrhunderts,
in
dem
Kirchturmpolitik, wechselweise in Gestalt von fanatischem Nationalismus,
Imperialismus,
Isolationismus
oder
grenzenlosem Protektionismus das internationale Staatengefüge zerrüttete. Jahre der Aggression, Beschwichtigungspolitik, der engstirnigen und
eigennützigen
politischen
Entscheidungsfindung und der Wirtschaftspolitik des einseitigen Vorteils gipfel-

�ten in sinnlosem Gemetzel und Zerstörung.
Amerika war
verhältnismäßig
unversehrt
daraus
hervorgegangen,
seine Selbstherrlichkeit war jedoch
schwer angeschlagen und die traditionelle
Politik
des
Isolationismus
zweifelhaft geworden.
Das zerstörte
und erschöpfte Europa sah einer Zukunft
wirtschaftlichen
und
politischen Zusammenbruchs, sozialer Zerrüttung und der scheinbar unweigerlichen Ausbreitung eines neuen totalitären Regimes entgegen.
Aber die Nationen der westlichen
Welt hatten doch etwas aus ihren Fehlern gelernt.
Ungeachtet der Verzweiflung
schuf diese außergewöhnliche Generation zum ersten Mal eine
funktionsfähige internationale Politik und ebensolche Institutionen
die Vereinten Nationen, Punkt Vier
des Abkommens von Bretton Woods und
als bemerkenswerteste
Leistung das
Programm
zum Wiederaufbau Europas,
das in diesem Monat vor 40 Jahren von
Außenminister George c. Marshall ins
Leben gerufen wurde.
Wie Außenminister Shultz es formulierte, liegt dem Marshall-Plan die
- im Jahre 1947 gewagte - Ansicht zugrunde, daß "wir nicht immer unsere
existentiellen
Eigeninteressen
auf
Kosten anderer Länder verfolgen sollten. Im Gegenteil besteht der effektivste
Weg
zur
Erlangung
unserer
grundlegenden Ziele darin, mit anderen an der Durchsetzung ihrer grundlegenden Ziele zusammenzuarbeiten".
Wir schweben heute meiner Ansicht
nach in Gefahr, diese einfache - zu
einem solch hohen Preis erfahrene Wahrheit zu vergessen.
Die Herausforderungen, denen wir uns im Jahre
1987
gegenübersehen,
unterscheiden
sich von denen des Jahres 1947. Aber
Kirchturmdenken
herrscht
nach
wie
vor, und damit sind unsere Probleme

heute so wenig zu lösen wie vor 40
Jahren. Es ist ungemein wichtig, daß
wir dieselbe Kreativität, großzügige
Gesinnung und denselben Weitblick an
den Tag legen, wie sie George C.
Marshall und seine Zeitgenossen bewiesen haben.
Ein kurzer Blick zurück mag uns
einigen Aufschluß darüber geben, wie
wir die Herausforderungen von heute
angehen könnten. Im Europa der Nachkriegszeit verfolgten Amerikaner und
Sowjets völlig unterschiedliche Ziele.
Die Amerikaner waren nicht an
einem eigenen Weltreich interessiert,
rüsteten schnell ab und zogen ihre
Streitkräfte nahezu vollständig aus
Europa zurück. Amerikanische Politiker hatten die Vorstellung von einem
Europa
der
unabhängigen,
demokratischen Nationen, das seine eigenen
Angelegenheiten untereinander und mit
dem Rest der Welt partnerschaftlich
bewältigt.
Die Vereinten Nationen
sollten dabei die Sicherheit der internationalen
Gemeinschaft
gewährleisten.
Ein freies
Handelssystem
sollte wieder für Wohlstand sorgen.
Genau
dieses
Denken
brachte
den
Marshall-Plan,
das
Abkommen
von
Bretton Woods und später die NATO und
die Europäische Gemeinschaft hervor.
Das ziel der Sowjets bestand darin, ein geschlossenes, stark zentralisiertes Weltreich zu schaffen, das
mit so weit wie möglich gezogenen
Grenzen die Sicherheit Rußlands garantieren würde.
Im Jahre 1945 erklärte Stalin dem jugoslawischen Kommunisten Milovan Djilas, daß "jeder
mit seinem System herrscht, soweit
seine Armee
reichen kann.
Anders
kann es nicht sein". Mit ihrem Streben nach absoluter Sicherheit für
sich selbst zwang die Sowjetunion ihren Nachbarn absolute Unsicherheit
auf.
Die sowjetischen Absichten in
Ost- und Südeuropa waren offensicht-

�lieh expansionistischer Art. Die Sowjetunion behielt ihr großes stehendes Heer bei und zwang damit die
Westeuropäer, die Gründung der NATO
und das erneute Engagement der Amerikaner in Europa voranzutreiben.
Der Gegensatz zwischen amerikanischer und sowjetischer Wirtschaftspolitik
ist
ebenso
bemerkenswert.
Der Plan von Marshall zielte, seinen
eigenen Worten zufolge, auf "die Wiederbelebung
einer
funktionierenden
Weltwirtschaft ab, damit die Entstehung politischer und sozialer Bedingungen ermöglicht wird, unter denen
freie Institutionen existieren können".
Die
amerikanische
Politik
trachtete
danach, die
europäischen
Volkswirtschaften
wiederaufzubauen,
ein offenes Handelssystem zu schaffen
sowie wirtschaftliche Gesundung und
allgemeinen Wohlstand zu fördern und
nicht etwa danach, der amerikanischen
Wirtschaft Vorteile
zu verschaffen
oder ein amerikanisches Imperium zu
errichten.
Ein offenes internationales Handelssystem war mit der sowjetischen
Politik
unvereinbar.
Die
Sowjets
hatten vielmehr bereits in den ersten
Monaten des Jahres 1945 damit begonnen, ihren osteuropäischen Satelliten
einschließlich der deutschen Ostzone
geschlossene, autark regierte Volkswirtschaften aufzuzwingen.
Die Sowjets verweigerten ihre Beteiligung
am Marshall-Plan und am Internationalen Währungsfonds und zogen es vor,
Osteuropa von der Weltwirtschaft zu
isolieren und ihm erhebliche Reparationen abzufordern.
Nichts
entspricht
weniger
der
Wahrheit als die weithin verbreitete
Ansicht, im Europa der Nachkriegszeit
hätten Amerika und die Sowjetunion
das gleiche
Ziel verfolgt
- die
Schaffung von Einflußbereichen.
Re-

visionistische Historiker können sicher auf Fehler und verpaßte Gelegenheiten verweisen. Aber die Tatsachen
sprechen für sich. Mit den amerikanischen, durch den Marshall-Plan belegten Verbindungen zum Europa der
Nachkriegszeit wurde nicht die Absicht verfolgt, ein Imperium oder
Einflußbereiche zu schaffen oder etwa
Europa zu teilen, sondern es sollte
eine offene, pluralistische und demokratische internationale Ordnung hervorgebracht werden.
Es war die Sowjetunion, die Europa und Deutschland teilte.
Es war
die sowjetische Politik, die amerikanische Truppen nach Westeuropa zurückbrachte, damit sie den Erhalt der
europäischen Selbstbestimmung unterstützen.
Sie werden abziehen, wenn
die Europäer ihre Anwesenheit nicht
länger wünschen.
Russische Truppen
werden Osteuropa dagegen nur dann
verlassen, wenn die Sowjets entscheiden, daß sie abziehen sollten.
Wie
durch die Breschnew-Doktrin und wiederholte militärische Interventionen
in Osteuropa verdeutlicht wird, besteht seit 40 Jahren das Ziel der Sowjetunion darin, ihr Weltreich mittels der Teilung Europas vollständig
zu erhalten.
Es ist das beständige
Ziel der amerikanischen Politik, diese Teilung Europas, Deutschlands und
Berlins zu überwinden.
Die Bedingungen, denen sich die
Europäer heute gegenübersehen - konkurrierende Bündnissysteme, die Präsenz amerikanischer Truppen in Europa, der Rüstungswettlauf - ergeben
sich aus der erzwungenen Teilung dieses Kontinents und dieses Landes.
Diejenigen, die Waffen als einzige
Bedrohung des Friedens betrachten und
den Rüstungswettlauf auf den Wettstreit der Supermächte in Europa zurückführen,
erliegen
dem
Trugbild
einer "Europäisierung Europas", die

- 3 -

�diesen Kontinent womöglich aus den
Klauen der Supermächte befreien könnte.
Weil Europa geteilt ist, besteht
das Problem der Sicherheit. Wie Präsident Reagan Anfang des Monats in
Berlin ausführte, liegt die Lösung
für dieses Problem in der Überwindung
der
Teilung
dieses
Kontinents.
Gorbatschows
neue
Glasnost-Politik
könnte Möglichkeiten für einen Aufbruch in die richtige Richtung bedeuten. Es ist kaum anzunehmen, daß er
versuchen wird, die Sowjetunion in
eine Demokratie nach westlichem Muster umzuformen. Henry Kissinger hat
sicherlich recht mit seinen Xußerungen, daß Gorbatschow danach strebt,
die sowjetische Gesellschaft stabiler
und leistungsfähiger zu machen, damit
die Sowjetunion eher mit dem Westen
konkurrieren kann. wir haben offensichtlich noch keinen Wandel in der
geopolitischen Strategie der Sowjets
wahrgenommen.
Dennoch ist es jetzt an der Zeit,
darüber nachzudenken, wie der Westen
die sich durch Glasnost eröffnenden
Möglichkeiten zur Beendigung der Teilung Europas am besten nutzen kann.
Um dies zu erreichen, müssen wir zu
einer gemeinsamen Bewertung der anstehenden
Probleme gelangen, einer
Bewertung, die sich auf das Verständnis der historischen Gegebenheiten
gründet.
Auf der Grundlage dieser
Bewertung
und
einer
zuverlässigen
Analyse westlicher Interessen müssen
wir eine gemeinsame Strategie entwikkeln. Wir sollten zu einer Einigung
über unsere Zielsetzungen und Taktiken gelangen und einen Konsens bezüglich ihrer Durchführung erarbeiten.
Aber bevor wir all dies in die Wege
leiten können, ist die Beilegung unserer Differenzen in Sicherheits- und
Wirtschaftspolitik
unbedingt
erforderlich, weil diese die westliche Zu-

sammenarbeit schwächen und untergraben. In einer zeit der Hoffnung können wir uns Kirchturmpolitik, Provinzialismus und Protektionismus nicht
leisten, wie sie auf beiden Seiten
des Atlantiks zunehmend in Mode kommen.
Das trifft besonders angesichts
der Diskussion über Mittelstreckenwaffen und Rüstungskontrolle zu. Wir
stehen jetzt kurz vor einem historischen Abkommen über diese umstrittene Waffenkategorie, und zu meiner
Überraschung
und
leichten
Enttäuschung betrachten manche Beobachter auf beiden Seiten des Atlantiks
dieses Abkommen bereits als eine Niederlage für das Bündnis und die militärische Strategie des Westens.
In
Wirklichkeit
wäre ein
INF-Abkommen
für den Westen ein entscheidender Erfolg mit Verstärkungsfunktion für das
Prinzip, daß Rüstungskontrolle
nur
durch die Solidarität des Bündnisses
und dessen entschlossene Bestrebungen
zur Aufrechterhaltung
des militärischen Gleichgewichts Erfolge zeitigen kann.
Sicher würde ein INF-Abkommen für
die Strategie und die militärische
Doktrin des Bündnisses wichtige Fragen aufwerfen.
Aber unbedachtes Gerede
über
"Entnuklearisierung"
und
"Abkopplung" dient nicht unseren gemeinsamen Interessen.
Wenn wir uns
nicht in acht nehmen, laufen wir Gefahr, uns selbst zu zermürben und die
Leistungen des Westens in einen sieg
für die Sowjetunion umzumünzen.
Wir dürfen daher die Grundregel
der Rüstungskontrolle im Bereich der
Mittelstreckenraketen nicht ignorieren: Solidarität im Bündnis und insbesondere deutsch-amerikanischer Zusammenhalt - und nicht die Vorschläge
von Herrn Gorbatschow - haben ein Abkommen möglich gemacht.

- 4 -

�Mit einer Rüstungskontrollvereinbarung vor Augen und heraufziehenden
neuen Verhandlungen über konventionelle Waffen stehen wir an einem
Scheideweg.
Es ist von vorrangiger
Bedeutung, daß wir uns auf gemeinsame, diesem neuen Zeitalter angemessene
sicherheitspolitische
Maßnahmen
einigen
und
Abrüstungsverhandlungen
jeglicher Art gemeinsam angehen. Die
Strategie des Bündnisses umfaßt fünf
wesentliche Prinzipien, auf die sich
jedwede von uns erarbeitete Politik
gründen muß:
Erstens muß amerikanische stärke
weiterhin mit einem Engagement auf
dem europäischen Kontinent verbunden
sein.
Die Strategie des Bündnisses
ist grundsätzlich vom Engagement der
amerikanischen Streitkräfte abhängig.
Zweitens
bleibt
nukleare
Abschreckung ein wesentlicher Bestandteil unserer Strategie. Dazu gehört
die andauernde Präsenz von Nuklearwaffen auf europäischem Boden ebenso
wie die Beibehaltung funktionsfähiger
Nuklearstreitkräfte
der
Vereinigten
Staaten.
Drittens werden die Vereinigten
Staaten wie auch die europäischen
Bündnispartner
weiterhin
an
einer
Verbesserung ihrer Fähigkeiten im Bereich der konventionellen Streitkräfte arbeiten müssen.
in einer Zeit,
in der wir zunehmend vom alleinigen
Vertrauen auf Nuklearwaffen abrücken,
muß unsere konventionelle Verteidigung gestärkt werden.
Viertens muß das Prinzip des gemeinsam getragenen Risikos erhalten
bleiben. Im Rahmen unserer Strategie
darf es nicht dazu kommen, daß irgendein
Bündnispartner
oder
eine
Gruppe von Verbündeten beträchtlich
größere Risiken auf sich nimmt als

die anderen tragen müssen. Die Vereinigten Staaten können von ihren europäischen Verbündeten nicht verlangen, einer Situation zuzustimmen, in
der ein nuklearer oder konventioneller Krieg allein auf ihrem Territorium ausgetragen würde.
Und fünftens müssen wir die besondere Bedeutung der Bundesrepublik
Deutschland innerhalb der Strategie
des Bündnisses erkennen.
In vieler
Hinsicht ist sie das verwundbarste
Land der NATO.
Durch ihre Lage an
der Trennungslinie zwischen Ost und
West ist die Bundesrepublik im geographischen Sinne direkt bedroht. Im
Gegensatz
zu
Großbritannien
und
Frankreich besitzt dieses Land keine
Nuklearwaffen.
Darüberhinaus ist es
ein geteiltes Land. Aus allen diesen
Gründen
ist
die
Bundesrepublik
Deutschland
für
Druck
von
sowjetischer Seite besonders anfällig und
daher vielleicht in stärkerem Maße
von ihren Freunden abhängig als jedes
andere Land innerhalb der NATO.
Heute
wird
die
Fähigkeit
des
Westens, einen Konsens über anwendbare politische Richtlinien in Bereichen von absolut vorrangiger Bedeutung zu erzielen, durch die wachsende
Neigung zu amerikanischem Alleingang
und europäischer Kirchturmpolitik bedroht.
Die Amerikaner
akzeptieren
die weltweiten Verpflichtungen ihres
Landes, sind jedoch häufig um schnelle Lösungen bemüht und vielfach ungeduldig angesichts der mit kooperativen
Vorgehensweisen
einhergehenden
Verzögerungen und komplexen zusammenhänge. Die Europäer arbeiten im Bereich des Handels und der Kultur untereinander und mit den anderen Nationen der Welt gut zusammen.
Sie
ziehen es jedoch vor, ihre Bestrebungen zur Bewältigung der sicherheitspolitischen Probleme auf Europa zu
beschränken und andernorts auftreten-

- 5 -

�de unangenehme Probleme anderen zu
überlassen - für gewöhnlich den Vereinigten Staaten.
Diese Tendenzen nähren sich gegenseitig.
Während
Europa
danach
trachtet, sich außenpolitischen Verpflichtungen zu entziehen, versucht
Amerika, Maßnahmen ohne angemessene
Konsultation und Kooperation zu ergreifen. Anstatt kreative neue politische Richtlinien und Programme hervorzubringen, verkümmerte unser Dialog zu amerikanischen Klagen über
"europäische Schwächlinge" und europäischer Verärgerung über amerikanische
"Rambomanie".
Die Neoneutralisten fordern die "Europäisierung"
und Entnuklearisierung Europas, während Amerikas Neoisolationisten endlose
Serien
außenpolitischer
Vorschläge entwickeln, die ebenso weit
von den Realitäten einer interdependenten Welt entfernt sind.
Verhaltensweisen wie diese gründen sich auf Unkenntnis der Geschichte und unzutreffende
Vorstellungen
von der Zukunft.
Wie ich versucht
habe auszuführen, können wir zu deren
Bekämpfung beitragen, indem wir zurückblicken, um herauszufinden, wie
unsere Vorgänger auf die damalige,
zugegebenermaßen andersartige, Krise
in der Geschichte der westlichen Welt
reagiert haben.
Der Marschall-Plan
und die anderen zu jener Zeit entworfenen
politischen
Richtlinen
und
Programme erkannten unser gemeinsames
Interesse
an
unserem
gemeinsamem
Wohlergehen. Ihr Ansatz war internationalistisch
im besten Sinne des
Wortes und gründete sich auf Partnerschaft statt auf Kirchturmpolitik, um
sowohl Europa als auch Amerika stark
und wohlhabend zu machen.

Amerika einen zentralen Platz ein.
Die
Nachkriegszeit
ist
vorüber.
Größtenteils dank des Marschall-Plans
hat sich Europa vollständig von der
Verwüstung
erholt, die der zweite
Weltkrieg für Menschen und Volkswirtschaften
brachte.
Die europäische
Wirtschaftsmacht ist wieder zu einer
führenden Kraft in der Welt geworden.
Die
europäische
Verteidigungsfähigkeit entspricht der einer Supermacht.
Europäische
Entscheidungen
haben
starken
Einfluß
auf
die
Menschen
überall in der Welt, nicht nur die
Europäer.
Wenn es also wirklich eine "reife
Partnerschaft"
zwischen
Amerikanern
und Europäern geben soll, müssen beide die Lektion neu lernen, daß sie
gemeinsam sehr viel mehr erreichen
können
als
allein.
Partnerschaft
zwischen den Vereinigten Staaten und
Europa muß sich auf einen Konsens
gründen - den Konsens darüber, wie
Sicherheit aufrechterhalten, die Beendigung der Teilung Europas herbeigeführt, wie ein offenes internationales Handelssystem im Zeitalter neuer Technologien und Konkurrenten beibehalten und ausgebaut und wie in der
Dritten Welt und überall auf der Erde
zusammengearbeitet werden kann.
Lassen sie uns ebenso kreative
Lösungen zur Bewältigung unserer Probleme suchen, wie sie unsere Vorfahren in der Nachkriegszeit fanden.
Lassen sie uns diese Lösungen gemeinsam suchen. Wenn uns dies gelingt,
werden sich vielleicht in 40 Jahren
unsere
Nachfahren,
die
Vertreter
eines wahrhaft geeinten Westens, hier
versammeln, in einem wiedervereinigten Berlin, im Herzen eines ungeteilten Europa, um dessen feierlich zu
gedenken, was wir erreicht haben.

Meine Vision der Zukunft - und
ich hoffe, auch die Ihre - räumt der
Partnerschaft
zwischen
Europa
und
- 6 -

+ + + + + +

�</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Der Marshall-Plan: Politik der Vision&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des amerikanischen Botschafters Richard R. Burt in Berlin -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST&#13;
^7&#13;
&#13;
C*&#13;
&#13;
24&#13;
&#13;
1 . J u l i 1987&#13;
&#13;
I N H A L T&#13;
&#13;
INFORMATION&#13;
&#13;
zum Tode von Arthur F, Burns&#13;
- Botschafter Burt würdigt seinen Vorgänger im Amt -&#13;
&#13;
DOKUMENTATION&#13;
&#13;
Amerikaner gedenken des höchsten Gutes der Freiheit&#13;
- Ansprache Präsident Reagans zum Unabhängigkeitstag Strafverfahren gegen Hamadei wird tatkräftig betrieben&#13;
- Pressekonferenz von Justizminister Meese in Hamburg -&#13;
&#13;
HINTERGRUNDMATERIAL&#13;
&#13;
Neuester Stand der amerikanischen Rflstungskontrollinitiativen&#13;
- Sonderveröffentlichung des US-Aussenministeriums -&#13;
&#13;
WISSENSCHAFT UND TECHNIK&#13;
&#13;
Neue Normen fOr Pestizidanwendung gesucht&#13;
- Es geht um Verringerung des Krebsrisikofaktors -&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�AMERIKA DIENST&#13;
'VON&#13;
&#13;
Information&#13;
&#13;
4&#13;
&#13;
24&#13;
&#13;
1. Juli 1987&#13;
&#13;
ZUM TODE VON ARTHUR F. BURNS&#13;
- Botschafter Burt würdigt seinen Vorgänger im Amt -&#13;
&#13;
BONN - (AD) - Aus Anlaß des Todes von Arthur F. Burns am 26. Juni 1987,&#13;
dem ehemaligen Botschafter der Vereinigten Staaten in der Bundesrepublik&#13;
Deutschland, veröffentlichen wir im folgenden den Nachruf von Botschafter Burt.&#13;
&#13;
Gemeinsam mit Millionen Deutschen&#13;
und Amerikanern trauere ich um Arthur&#13;
F. Burns, den außergewöhnlichen Botschafter&#13;
in&#13;
der&#13;
Bundesrepublik&#13;
Deutschland&#13;
und großen Staatsmann.&#13;
Er war ein persönlicher Freund und&#13;
Mentor.&#13;
Als&#13;
kluger&#13;
Ratgeber&#13;
war&#13;
mir&#13;
Arthur Burns während meiner Dienstzeit als Unterstaatssekretär für Europäische&#13;
Angelegenheiten&#13;
in&#13;
Washington in hohem Maße behilflich.&#13;
Als ich zum Botschafter der Vereinigten Staaten in der Bundesrepublik er-&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
nannt wurde, habe ich ihn viele Male&#13;
um Rat ersucht.&#13;
Arthur Burns war in allem, was er&#13;
während seines langen und erfüllten&#13;
Lebens vollbrachte, stets ein herausragendes Vorbild. Am 27. April 1904&#13;
in Stanislau im damaligen Kaiserreich&#13;
Österreich-Ungarn geboren, emigrierte&#13;
er im Mai 1914 mit seinen Eltern in&#13;
die Vereinigten Staaten.&#13;
Er begann&#13;
bereits im Alter von zehn Jahren zu&#13;
arbeiten und im Verlauf seines Lebens&#13;
wurde er ein überragender Gelehrter,&#13;
Wirtschaftswissenschaftler, Präsiden-&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�tenberater und Diplomat.&#13;
Kurz bevor er im Jahr 1985 seinen&#13;
Abschied von Bonn nahm, wurde Botschafter Burns in einem interview gefragt, ob er vorhabe, sich in den&#13;
Ruhestand zurückzuziehen. Er antwortete, daß er sich niemals zur Ruhe&#13;
setzen würde, daß er seit seinem&#13;
zehnten Lebensjahr&#13;
gearbeitet habe&#13;
und daß er sicherlich "mitten in der&#13;
Arbeit aus dem Leben gerissen" werde.&#13;
In der Tat sagte er häufig, daß seine&#13;
Arbeit ihm Kraft verleihe. Nicht zuletzt gelang ihm dies dank Helen&#13;
Burns Unterstützung und Ermutigung.&#13;
3ie war der wichtigste Mensch in seinem Leben.&#13;
Arthur Burns liebte die Deutschen&#13;
und ihr Land und er war ein großer&#13;
Bewunderer&#13;
ihres&#13;
Charakters,&#13;
der&#13;
Strebsamkeit&#13;
und des unermüdlichen&#13;
Fleißes der Deutschen. Und sie verehrten ihn.&#13;
Während&#13;
seiner Jahre als Botschafter in Bonn hat Arthur Burns&#13;
sich viele Male zu bedeutenden bilateralen und internationalen Themenkomplexen geäußert.&#13;
In einer Rede&#13;
vor der Gesellschaft für Auslandskunde in München im November 1983 sprach&#13;
Botschafter&#13;
Burns&#13;
einmal&#13;
von&#13;
den&#13;
"Herausforderungen der Demokratie in&#13;
Deutschland und Amerika".&#13;
&#13;
"die Bundesrepublik&#13;
Deutschland&#13;
in&#13;
den vergangenen 35 Jahren bewiesen&#13;
hat, daß ihre Bürger eine Gesellschaft zu würdigen wissen, die sich&#13;
fest auf das Prinzip der Demokratie&#13;
gründet". Er rief die Menschen ebenfalls dazu auf, die starke deutschamerikanische Partnerschaft zu pflegen. Er erklärte: "Ich betrachte sie&#13;
als entscheidend für das überleben&#13;
unserer jeweiligen Gesellschaften&#13;
für unser Leben als freie Menschen".&#13;
Diese weisen Worte sind ein bedeutendes Vermächtnis, das wir alle&#13;
im Gedächtnis bewahren sollten.&#13;
Er war ein enger Freund und Lehrmeister und Gahl und ich sind über&#13;
sein Dahinscheiden von tiefer Trauer&#13;
erfüllt. In dieser Zeit des schmerzlichen Verlustes möchten wir Helen&#13;
Burns&#13;
unser&#13;
aufrichtiges&#13;
Beileid&#13;
übermitteln. Wir alle haben den Verlust&#13;
eines&#13;
großen&#13;
amerikanischen&#13;
Staatsmannes und wahren Freundes der&#13;
Deutschen und ihres Landes zu beklagen.&#13;
&#13;
Er erklärte, daß "jede Generation&#13;
sich den Themen und Problemen, mit&#13;
denen sie sich in ihrer Zeit konfrontiert sieht, stellen muß... Eine der&#13;
Lektionen, die uns die Geschichte&#13;
lehrt, ist, daß in einer reifen Demokratie Extremismus dahin tendiert,&#13;
die Menschen abzustoßen". Er forderte die jungen Menschen in Amerika und&#13;
Deutschland&#13;
auf, den&#13;
Lehren, die&#13;
durch die Geschichte vermittelt werden können, mehr Aufmerksamkeit zu&#13;
widmen.&#13;
Und er verwies darauf, daß&#13;
- 2 -&#13;
&#13;
* * * * * *&#13;
&#13;
�AMERIKA DIENST&#13;
Dokumentation&#13;
1. Juli 1987&#13;
&#13;
24&#13;
&#13;
AMERIKANER GEDENKEN DES HÖCHSTEN GUTES DER FREIHEIT&#13;
Ansprache Präsident Reagans zum Unabhängigkeitstag •&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan erklärte, daß die Amerikaner am 4.&#13;
Juli "des höchsten Gutes der Freiheit gedenken werden - ein Gut, das unsere&#13;
Mitbürger stets verfochten und verteidigt haben.&#13;
"Dieses&#13;
Gut der Freiheit&#13;
ist eindrucksvoll&#13;
und weise&#13;
durch die&#13;
Unabhängigkeitserklärung und die Verfassung belegt, deren 200jähriges Bestehen&#13;
wir in diesem Jahr begehen" erläuterte der Präsident in seiner jährlichen&#13;
Ansprache zum Unabhängigkeitstag.&#13;
Nachfolgend drucken wir die am 29. Juni vom Weißen Haus veröffentlichte&#13;
Rede Präsident Reagans im Wortlaut:&#13;
&#13;
An diesem 4. Juli werden die Amerikaner wie in den vergangenen Jahren&#13;
die Unabhängigkeitserklärung und den&#13;
211. Jahrestag der Gründung unserer&#13;
Nation feiern. Aus diesem Anlaß werden Paraden im Stadtzentrum, Feiern&#13;
in den Rathäusern sowie Gedenkgottesdienste in Kirchen und Synagogen abgehalten, und unsere Bürger werden&#13;
ihre patriotische Gesinnung bei Picknicks, Feuerwerken und Baseballspielen unter Beweis stellen. Die Amerikaner im Ausland gedenken ihrer Heimat und dessen, was unser Land ihnen&#13;
bedeutet. wir alle sind von Staunen&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
erfüllt und erinnern uns voller Dankbarkeit, daß wir des höchsten Gutes&#13;
der Freiheit gedenken - ein Gut, das&#13;
unsere Mitbürger stets verfochten und&#13;
verteidigt haben.&#13;
Dieses Gut der Freiheit ist eindrucksvoll und weise durch die Unabhängigkeitserklärung und die Verfassung belegt, deren 200jähriges Bestehen wir in diesem Jahr begehen. Die&#13;
Unabhängigkeitserklärung&#13;
bestätigt&#13;
unseren feste Überzeugung, daß es die&#13;
vornehmste Pflicht einer jeden Regierung ist, uns das von Gott gegebene&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�AMERIKA DIENST&#13;
'Sr,oN^&#13;
&#13;
Dokumentation&#13;
&#13;
24&#13;
&#13;
l.Juli 1987&#13;
STRAFVERFAHREN GEGEN HAMADEI WIRD TATKRÄFTIG BETRIEBEN&#13;
- Pressekonferenz von Justizminister Meese in Hamburg -&#13;
&#13;
HAMBURG - (AD) - Nach der Entscheidung der Bundesrepublik Deutschland,&#13;
Mohammed Hamadei statt seiner Auslieferung an die Vereinigten Staaten vor&#13;
deutschen Gerichten wegen Flugzeugentführung, Mordes und anderer Vergehen anzuklagen, gab der amerikanische Justizminister Meese am 24. Juni eine Pressekonferenz in Hamburg.&#13;
Meese erklärte, ihm sei von bundesdeutscher Seite versichert worden, Hamadei "würde im vollem Umfang und mit Nachdruck aller Punkte angeklagt, für die&#13;
er auch in den Vereinigten Staaten vor Gericht gestellt worden wäre". Der Justizminister&#13;
bemerkte&#13;
ferner,&#13;
"diese&#13;
Handlungsweise&#13;
der&#13;
Bundesrepublik&#13;
Deutschland verweist auf die bindende Verpflichtung dieser Regierung gegenüber&#13;
dem Prinzip der Rechtsstaatlichkeit und der internationalen Zusammenarbeit bei&#13;
der Terror ismusbekämpfung".&#13;
Nachfolgend drucken wir den Text der Pressekonferenz im Wortlaut:&#13;
&#13;
Justizminister Meese: Guten Tag,&#13;
meine Damen und Herren.&#13;
Nach einer&#13;
kurzen Stellungnahme werde ich gern&#13;
auf ihre Fragen eingehen.&#13;
Die Regierung der Bundesrepublik&#13;
Deutschland hat heute erklärt, daß&#13;
Mohammed Hamadei in der Bundesrepublik wegen Flugzeugentführung, Mordes&#13;
und anderer Vergehen vor Gericht gestellt werden wird. Mit dieser Entscheidung&#13;
nimmt die&#13;
Bundesrepublik&#13;
ihre gesetzmäßigen Rechte wahr, die&#13;
unter diesen Umständen verlangen, daß&#13;
ein Angeklagter entweder hier vor Ge-&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
richt gestellt oder an die Vereinigten Staaten ausgeliefert wird.&#13;
Von&#13;
der Bundesregierung wurde versichert,&#13;
Hamadei würde im vollem Umfang und&#13;
mit Nachdruck aller Punkte angeklagt,&#13;
für die er auch in den Vereinigten&#13;
Staaten vor Gericht gestellt worden&#13;
wäre, einschließlich&#13;
einer&#13;
Anklage&#13;
wegen Besitzes von Sprengstoff, die&#13;
nur&#13;
nach&#13;
deutscher&#13;
Rechtsprechung&#13;
möglich ist. Wir haben der Staatsanwaltschaft seitens der Regierung der&#13;
Vereinigten Staaten und besonders von&#13;
Seiten des Justizministeriums unsere&#13;
volle Unterstützung bei der Vorberei-&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�tung&#13;
ihres Falles&#13;
zugesagt.&#13;
Die&#13;
Handlungsweise&#13;
der&#13;
Bundesrepublik&#13;
Deutschland verweist auf die bindende&#13;
Verpflichtung dieser Regierung gegenüber dem Prinzip der Rechtsstaatlichkeit und der internationalen Zusammenarbeit bei der Terrorismusbekämpfung.&#13;
Ich möchte&#13;
antworten.&#13;
&#13;
jetzt ihre Fragen be-&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Sie&#13;
haben&#13;
gestern&#13;
in&#13;
Bonn erklärt, die amerikanische Regierung sei in der Lage, eindeutige&#13;
Beweise gegen Hamadei vorzulegen. Um&#13;
welche Art von Beweisen handelt es&#13;
sich, und wann würden Sie diese unterbreiten?&#13;
Antwort:&#13;
Wir&#13;
werden alle uns&#13;
vorliegenden&#13;
Beweise&#13;
zur Verfügung&#13;
stellen, einschließlich der&#13;
Zeugen&#13;
und aller Unterlagen, mit denen wir&#13;
einen Beitrag leisten können, und wir&#13;
werden diese dann unterbreiten, wenn&#13;
die Staatsanwaltschaft sie zur Vorbereitung und Verhandlung ihres Falles&#13;
benötigen.&#13;
Frage:&#13;
Sprechen Sie&#13;
gieren des TWA-Fluges?&#13;
&#13;
von&#13;
&#13;
Passa-&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Da es sich&#13;
um ein&#13;
schwebendes Verfahren handelt, möchte&#13;
ich über den spezifischen Charakter&#13;
der Beweise nichts sagen. Wir haben&#13;
unsere volle Unterstützung bei der&#13;
Beweisaufnahme zugesagt.&#13;
Frage:&#13;
Glauben Sie, daß dies&#13;
einen politischen Schatten auf die&#13;
Beziehungen&#13;
zwischen Bonn und Washington werfen wird?&#13;
Antwort:&#13;
Ganz und gar nicht.&#13;
Wie Präsident Reagan erklärte, sind&#13;
wir über die Tatsache erfreut, daß&#13;
die Bundesrepublik Deutschland sich&#13;
&#13;
durch&#13;
ihre Verpflichtung&#13;
auf&#13;
das&#13;
Recht ausgezeichnet hat; das Recht&#13;
stellt es in das Ermessen der Bundesrepublik, ob sie den Fall hier verhandeln oder den Angeklagten an die&#13;
Vereinigten Staaten übergeben will,&#13;
damit dort das Verfahren gegen ihn&#13;
eröffnet wird.&#13;
In diesem Fall hat&#13;
man entschlossen, ihn - wie ich bereits erwähnte - hier wegen all der&#13;
Anklagepunkte vor Gericht zu stellen,&#13;
wegen derer wir ihn auch in den Vereinigten Staaten hätten belangen können, einschließlich der zusätzlichen&#13;
Anklage hier in der Bundesrepublik&#13;
wegen des Besitzes von Sprengstoff.&#13;
Frage:&#13;
Herr&#13;
Justizminister,&#13;
wie würden die Vereinigten Staaten&#13;
reagieren, wenn Hamadei schon kurz&#13;
nach dem Prozeß freigelassen würde?&#13;
Es kursieren bereits Gerüchte, daß er&#13;
nur einen Teil seiner Strafe verbüssen könnte. Wie würden die Vereinigten Staaten dann reagieren?&#13;
Antwort:&#13;
Die Zusagen, die wir&#13;
von der Bundesrepublik Deuschland erhalten haben - und ich glaube auch&#13;
die im Rahmen der heute abgehaltenen&#13;
Pressekonferenz abgegebene Erklärung&#13;
- besagt, daß eine solche Situation&#13;
in keiner Weise in Erwägung gezogen&#13;
wird.&#13;
Frage: Sind Sie mit&#13;
gerung zufrieden?&#13;
&#13;
dieser&#13;
&#13;
Fol-&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Wir&#13;
sind&#13;
zufrieden,&#13;
daß von der Bundesregierung die Bestimmungen des Gesetzes vollständig&#13;
erfüllt und die Zusammenarbeit bei&#13;
der Terrorismusbekämpfung vollständig&#13;
verwirklicht worden ist.&#13;
Frage:&#13;
Können Sie die letzten&#13;
24 Stunde der Verhandlungen in Bonn&#13;
beschreiben?&#13;
&#13;
- ? -&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
&#13;
Es&#13;
&#13;
handelte&#13;
&#13;
sich&#13;
&#13;
�nicht um Verhandlungen, sondern vielmehr um Diskussionen, die uns die in&#13;
Erwägung gezogene Absicht und inzwischen&#13;
getroffene&#13;
Entscheidung&#13;
der&#13;
Bundesrepublik Deutschland umfassend&#13;
erläutern&#13;
sollten.&#13;
Entsprechend&#13;
sollte ihr unsere Haltung verständlich gemacht werden und insbesondere&#13;
die Tatsache, daß wir auf jede nur&#13;
mögliche Art und Weise mit allen Beweisen zur Unterstützung bereit sind,&#13;
die sich in der Obhut der amerikanischen Behörden befinden.&#13;
Frage:&#13;
Was&#13;
ihr persönliches&#13;
gewinnen?&#13;
&#13;
hofften 3ie durch&#13;
Erscheinen hier zu&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Es&#13;
handelt&#13;
sich&#13;
um&#13;
eine&#13;
langfristig&#13;
geplante&#13;
Reise.&#13;
Seit einigen Wochen hatte ich hier&#13;
ein Gespräch mit Regierungsvertretern&#13;
vorgesehen. Zum ersten Mal hatte ich&#13;
die Gelegenheit, in Bonn mit meinem&#13;
Kollegen,&#13;
Innenminister&#13;
Zimmermann,&#13;
zusammenzutreffen und natürlich auch&#13;
mit Minister Engelhard, der in seinem&#13;
Amt als Justizminister noch relativ&#13;
neu ist.&#13;
Frage:&#13;
Bestand in diesen vergangenen Tagen Hoffnung auf eine Auslieferung?&#13;
Antwort:&#13;
Die&#13;
Absicht&#13;
bestand&#13;
darin, die von der Bundesregierung zu&#13;
treffende Entscheidung zu erörtern.&#13;
Mein Vorhaben bestand darin, sicherzustellen, daß - wie Präsident Reagan&#13;
es formulierte - Hamadei in allen&#13;
Punkten angeklagt wird. Ich bin der&#13;
Überzeugung, daß dies erfolgen wird,&#13;
und deshalb sind wir mit dem Ergebnis&#13;
sehr zufrieden.&#13;
Frage:&#13;
Herr&#13;
Justizminister,&#13;
haben sie von der Regierung in Bonn&#13;
irgendwelche Garantien erhalten, daß&#13;
Hamadei nicht kurz nach dem Gerichtsverfahren freigelassen wird? Gibt es&#13;
&#13;
irgendwelche Garantien, die Sie...&#13;
Antwort:&#13;
ich glaube, wir müssen hier einen Schritt nach dem anderen betrachten.&#13;
Er wird mit aller&#13;
Kraft&#13;
des&#13;
Gesetzes&#13;
strafrechtlich&#13;
verfolgt werden.&#13;
Ich bin der Überzeugung, daß Herr Schäuble dies zweifelsohne&#13;
heute&#13;
bereits&#13;
ausgeführt&#13;
hat, und es wurde uns wiederholt die&#13;
Zusage gegeben, daß in allen Punkten&#13;
und mit Nachdruck Anklage gegen ihn&#13;
erhoben wird.&#13;
Ich erwarte demnach&#13;
nicht, daß er zu irgendeinem Zeitpunkt&#13;
freigelassen&#13;
wird,&#13;
und&#13;
ich&#13;
glaube, daß ihm nach deutschem Recht&#13;
bei einer Verurteilung eine lebenslange&#13;
Freiheitsstrafe&#13;
bevorstünde.&#13;
Ich bin also nicht der Ansicht, daß&#13;
der von Ihnen angesprochene Fall eintreten wird.&#13;
Frage:&#13;
Ich&#13;
habe&#13;
gehört, Sie&#13;
haben an einer Konferenz der Polizeichefs hier in Hamburg teilgenommen.&#13;
Antwort:&#13;
&#13;
Ja.&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Was&#13;
ist mit&#13;
der Abschreckung, über die Sie immer wieder&#13;
gesprochen haben, daß nur Abrchrekkung eine Waffe zur Bekämpfung der&#13;
Terroristen sein könnte.&#13;
Wenn Sie&#13;
diese Art von Handel eingehen...&#13;
Antwort:&#13;
Einen&#13;
Moment&#13;
mal.&#13;
Hier gibt es überhaupt keinen Handel.&#13;
Frage:&#13;
&#13;
Doch, es gibt einen...&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Nein, es gibt keinen&#13;
Handel, gleich welcher Art. Absolut&#13;
keinen Handel.&#13;
Frage:&#13;
Aber das heißt,&#13;
nicht ausgeliefert wird...&#13;
&#13;
daß&#13;
&#13;
er&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Das Gesetz sieht zwei&#13;
Alternativen vor. Und diese Alternative liegt einzig im Ermessen der Re-&#13;
&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
�gierung, gleichgültig, um welche Regierung es sich handelt - in diesem&#13;
Fall ist es die Bundesrepublik Deutschland.&#13;
Der Regierung, in deren&#13;
Gewahrsam sich der Häftling befindet,&#13;
obliegt die Entscheidungsbefugnis darüber, wo ihm der Prozeß gemacht&#13;
wird. Hier, wenn die Regierung über&#13;
eine angemessene Rechtsprechung verfügt - was sie tut - oder ob das Verfahren gegen ihn in den Vereinigten&#13;
Staaten eröffnet wird. Es gibt hier&#13;
absolut keinen Handel.&#13;
In der Tat&#13;
wurde seitens der Bundesregierung die&#13;
bindende Zusage gegeben, daß es keinen Handel mit irgendjemandem geben&#13;
wird.&#13;
Frage:&#13;
Sie sind also nicht darüber besorgt, daß die Deutschen zu&#13;
irgendeinem Zeitpunkt Hamadei im Gegenzug für die Freilassung der deutschen Geiseln austauschen werden?&#13;
Antwort:&#13;
Ich mache mir keine&#13;
Sorgen.&#13;
Sie haben uns die bindende&#13;
Zusage gegeben, daß sie mit der Anklageerhebung beginnen werden.&#13;
Frage:&#13;
Verstehen Sie die&#13;
lungsweise der Bundesregierung?&#13;
Antwort:&#13;
Frage:&#13;
&#13;
Hand-&#13;
&#13;
Ob ich sie verstehe?&#13;
Politisch gesehen.&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Ich verstehe das Vorgehen, denn wenn wir in den Vereinigten Staaten&#13;
in derselben Position&#13;
wären, mit einem Häftling, der unserer&#13;
Gerichtsbarkeit&#13;
unterliegt und&#13;
gegen den wir tatsächlich in mehr&#13;
Punkten Anklage erheben könnten als&#13;
das andere Land, würden wir uns wahrscheinlich für ein Verfahren bei unseren Gerichten in den Vereinigten&#13;
Staaten entscheiden. Deswegen möchte&#13;
ich nochmals betonen, daß dieses Vorgehen in vollem Einklang mit den Bestimmungen des Gesetzes steht.&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Erwarten&#13;
Sie&#13;
Problem&#13;
mit dem Kongreß wegen dieser Vorgehensweise&#13;
bei der Bewältigung&#13;
des&#13;
Problems?&#13;
Antwort:&#13;
Nun, der Kongreß hat&#13;
mit dieser Angelegenheit nichts zu&#13;
tun.&#13;
Dies ist ausschließlich eine&#13;
Regierungsangelegenheit, die im hochsten Ermessen des Präsidenten und der&#13;
offiziellen&#13;
Behörden der&#13;
Exekutive&#13;
liegt.&#13;
ich sehe also nicht, welche&#13;
Rolle der Kongreß hier spielen sollte.&#13;
Frage:&#13;
Wie Sie wissen, wurden&#13;
im Kongreß zahlreiche Stimmen laut,&#13;
daß Hamadei ausgeliefert werden sollte.&#13;
Antwort:&#13;
Das&#13;
entscheidende&#13;
Kriterium&#13;
für diejenigen, die mit&#13;
diesen Rechtsangelegenheiten vertraut&#13;
sind, ist offensichtlich, daß Anklage&#13;
gegen ihn erhoben und er verurteilt&#13;
werden muß, und das ist genau das,&#13;
was hier geschieht.&#13;
Frage:&#13;
Haben Sie bereits&#13;
Präsident Reagan gesprochen?&#13;
&#13;
mit&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Ich&#13;
habe&#13;
nicht&#13;
mit&#13;
Präsident Reagan gesprochen. Ich habe im Verlauf des heutigen Tages mit&#13;
anderen Vertretern im Weißen Haus gesprochen. Es ist noch ziemlich früh&#13;
in Washington...&#13;
Frage:&#13;
&#13;
Was haben sie gesagt?&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
...und wir haben das&#13;
vollständige Einverständnis aller Regierungsvertreter, denen eine Verantwortung in dieser Angelegenheit zukommt, ja?&#13;
Frage:&#13;
Inwieweit&#13;
entsprechen&#13;
die Vermutungen der Wahrheit, daß die&#13;
Entführung von Charles Glass mit diesem Fall in Verbindung stehen könnte?&#13;
&#13;
l&#13;
&#13;
'&#13;
&#13;
�Antwort:&#13;
ich habe hierzu überhaupt keinen Kommentar abzugeben und&#13;
auch keinen Grund zu irgendwelchen&#13;
Vermutungen. Noch weitere Fragen?&#13;
&#13;
«&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Ihrer Ansicht nach gibt&#13;
es also überhaupt keine Mißstimmungen&#13;
in den Beziehungen zwischen Bonn und&#13;
Washington soweit es diesen Fall betrifft?&#13;
Antwort:&#13;
Die Beziehungen&#13;
zwischen Bonn und Washington sind immer&#13;
gut gewesen, und ich bin davon überzeugt, daß die Offenheit und das&#13;
vollständige Vertrauen, von denen unser Meinungsaustausch gekennzeichnet&#13;
war, diesen Beziehungen im Verlauf&#13;
der vergangenen Tage nur zuträglich&#13;
gewesen&#13;
ist.&#13;
Und natürlich trägt&#13;
diese Vorgehensweise, die in vollem&#13;
Einklang mit dem Gesetz steht, noch&#13;
dazu bei. Vielen Dank.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
�AMERIKA DIENST&#13;
'4-&#13;
&#13;
-""•&#13;
&#13;
ck&#13;
&#13;
Hintergrundmaterial&#13;
1. Juli 1987&#13;
&#13;
24&#13;
&#13;
NEUESTER STAND DER AMERIKANISCHEN RÜSTUNGSKONTROLLINITIATIVEN&#13;
- Sonderveröffentlichung des Außenministeriums -&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Die folgende Sonderveröffentlichung "Neuester Stand&#13;
der amerikanischen Rüstungskontrollinitiativen" wurde jetzt vom amerikanischen&#13;
Außenministerium herausgegeben.&#13;
Nachfolgend drucken wir den Bericht im Wortlaut:&#13;
Generalsekretär Gorbatschow im vergangenen Oktober in Reykjavik ÜberStrategische Offensivwaffen&#13;
einstimmung erzielt hatten, sieht auf&#13;
beiden Seiten den 50prozentigen Abbau&#13;
Am 8. Mai 1987 legten die Verbis auf 1 600 strategische Trägersyeinigten Staaten bei den Verhandlunsteme und 6 000 Gefechtsköpfe vor,&#13;
gen über Kern- und Weltraumwaffen in&#13;
mit angemessenen Untergrenzen und in&#13;
Genf den Entwurf zu einem Vertragseinem Zeitraum von sieben Jahren nach&#13;
text für Verhandlungen über die VerInkrafttreten des Vertrages.&#13;
ringerung&#13;
strategischer&#13;
Rüstungen&#13;
(START) vor, der einen 50prozentigen&#13;
Der amerikanische Vertragsentwurf&#13;
Abbau amerikanischer und sowjetischer&#13;
setzt zusätzlich zu den Obergrenzen&#13;
strategischer&#13;
Offensivwaffen&#13;
vorbestimmte Beschränkungen bei den desieht.&#13;
Der&#13;
Vertragsentwurf, der&#13;
stabilisierendsten und gefährlichsten&#13;
grundsätzlich die Bereiche widerspieNuklearsystemen fest - den schnell&#13;
gelt, in denen Präsident Reagan und&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�fliegenden ballistischen Raketen, besonders den sowjetischen schweren Interkontinentalraketen&#13;
(ICBMs).&#13;
in&#13;
diesem Bereich haben wir Grenzen und&#13;
Untergrenzen für Gefechtsköpfe auf&#13;
ballistischen Raketen, Raketen-Wurfgewichte und schwere ICBMs vorgeschlagen. Unser Vorschlag umfaßt detaillierte Bestimmungen, die darauf&#13;
abzielen, jeden Zweifelsfall bei den&#13;
bereits vereinbarten Punkten auszuschalten sowie ausführliche Bestimmungen zur Verifizierung, einschließlich Inspektionen vor Ort, mit denen&#13;
sichergestellt werden soll, daß jede&#13;
Seite auf die vollständige Einhaltung&#13;
des Abkommens durch den Vertragspartner vertrauen kann.&#13;
Mit der Vorlage dieses Vertragsentwurfs versuchen die Vereinigten&#13;
Staaten auf den bei START bereits erzielten&#13;
erheblichen&#13;
Fortschritten&#13;
aufzubauen und die Lösung noch ausstehender Fragen, besonders zur Notwendigkeit - zum Zweck der Sicherung&#13;
strategischer Stabilität - von Untergrenzen bei Gefechtsköpfen auf ballistischen&#13;
Raketen&#13;
voranzutreiben.&#13;
Leider wurde der Fortschritt durch&#13;
die beharrliche sowjetische Haltung&#13;
verzögert, ein Abkommen bei START mit&#13;
Maßnahmen koppeln zu wollen, mit denen die Strategische Verteidigungsinitiative&#13;
(SDI) effektiv beendet&#13;
würde. Die Vereinigten Staaten werden keinerlei Maßnahmen akzeptieren,&#13;
die das SDI-Programm lähmen oder zunichte machen würden. Das SDI-Programm ist aufgrund der von ihm gebotenen Aussicht auf ein sichereres&#13;
Mittel zur Abschreckung lebenswichtig&#13;
für die zukünftige Sicherheit der&#13;
Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten.&#13;
Die Vereinigten Staaten sind der&#13;
Ansicht, daß der Vertragsentwurf für&#13;
START eine solide Grundlage für die&#13;
Schaffung eines gerechten und dauer- 2&#13;
&#13;
haften Abkommen bietet, das - zum&#13;
ersten Mal in der Geschichte - einschneidende Reduzierungen in den Arsenalen strategischer Waffen sowohl&#13;
der Vereinigten Staaten als auch der&#13;
Sowjetunion herbeiführen würde. Die&#13;
Vereinigten Staaten sind bereit, ihren Beitrag zur Erreichung eines solchen Abkommens zu leisten und hoffen,&#13;
daß die Sowjets die gleiche Entschlossenheit an den Tag legen.&#13;
&#13;
Mittelstreckenwaffen (INF)&#13;
Die Entschlossenheit des Westens,&#13;
zu dem als Reaktion auf die sowjetische Stationierung der SS-20 getroffenen "Doppelbeschluß" der NATO&#13;
von 1979 zu stehen, zahlt sich jetzt&#13;
aus. Der Entschluß der NATO, das bei&#13;
INF bestehende Ungleichgewicht durch&#13;
eine&#13;
Stationierung&#13;
amerikanischer&#13;
Mittelstreckenraketen längerer Reichweite&#13;
(LRINF)&#13;
zu beseitigen und&#13;
gleichzeitig zu versuchen, mit den&#13;
Sowjets Verhandlungen über die Erlangung eines Gleichgewichts bei INF auf&#13;
dem niedrigsten möglichen Niveau anzustreben, hat uns zu dem Punkt geführt, an dem gute Aussichten für ein&#13;
amerikanisch-sowjetisches&#13;
Abkommen&#13;
über bedeutende Reduzierungen von INF&#13;
bestehen.&#13;
Am 4. März 1987 haben die Vereinigten Staaten bei den Verhandlungen&#13;
über&#13;
Kern- und Weltraumwaffen&#13;
(NST) in Genf einen Entwurf für einen&#13;
Vertragstext über INF vorgelegt. Die&#13;
Grundstruktur eines INF-Abkommens&#13;
die Art und das Niveau der Reduzierungen bei LRINF - wurden von Präsident&#13;
Reagan&#13;
und&#13;
Generalsekretär&#13;
Gorbatschow im vergangenen Oktober in&#13;
Reykjavik vereinbart und findet auch&#13;
im amerikanischen Vertragstext ihren&#13;
Niederschlag.&#13;
Dieser fordert Reduzierungen auf eine vorläufige weltweite obergrenze von jeweils 100 Ge-&#13;
&#13;
�fechtsköpfen auf LRINF auf amerikanischem und sowjetischem Territorium&#13;
- wovon sich keine in Europa befinden&#13;
sollen. Die Vereinigten Staaten und&#13;
unsere NATO-Verbündeten ziehen jedoch&#13;
weiterhin eine Null-Lösung bei LRINF&#13;
vor - die weltweite Abschaffung dieser gesamten Kategorie von Raketen und werden weiterhin die Sowjetunion&#13;
zur Aufgabe ihrer beharrlichen Haltung bei der Beibehaltung der verbleibenden LRINF drängen.&#13;
Als Reaktion darauf legte die Sowjetunion am 27. April ihren Vertragsentwurf zu INF vor, der die in&#13;
Reykjavik&#13;
zur&#13;
LRINF&#13;
vereinbarten&#13;
Punkte grundsätzlich aufnimmt.&#13;
Eine&#13;
Reihe von Kernproblemen müssen noch&#13;
gelöst werden. Das wichtigste dieser&#13;
Probleme betrifft die Verifizierung.&#13;
Jedes INF-Abkommen muß wirksam verifizierbar sein, wenn es die Stabilität verbessern und die Sicherheit der&#13;
Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten erhöhen soll.&#13;
Die Vereinigten&#13;
Staaten haben umfassende Verifizierungsmaßnahmen zur Verbesserung der&#13;
Einhaltung&#13;
vorgeschlagen.&#13;
Die Sowjets haben angemerkt, daß sie in&#13;
einigen grundlegenden Bereichen eine&#13;
Verifizierung anstreben, in denen wir&#13;
eine solche gefordert haben und die&#13;
Herr Gorbatschow im Prinzip in Reykjavik akzeptiert hat.&#13;
Dazu zählen&#13;
zum Beispiel der Austausch von Zahlenmaterial, Vor-Ort-Beobachtung der&#13;
Zerstörung, wirkungsvolle Überwachung&#13;
der verbleibenden Bestände von LRINF&#13;
und der dafür erforderlichen Einrichtungen&#13;
sowie&#13;
Vor-Ort-Inspektionen.&#13;
Sie müssten jedoch noch die notwendigen Einzelheiten vorlegen.&#13;
&#13;
einem ersten INF-Abkommen stehen sowie wirksam verifizierbar sein muß&#13;
und einen weltweiten Gleichstand hervorbringen sollte.&#13;
Sowjetische Bestrebungen zur Einbeziehung der Systeme anderer Länder außer den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion&#13;
in ein INF-Abkommen sind nicht akzeptabel.&#13;
Die Lösung dieser&#13;
und anderer&#13;
noch ausstehender Probleme wird sehr&#13;
harte Verhandlungen erfordern.&#13;
Die&#13;
Vereinigten Staaten leisten auch weiterhin ihren Beitrag, um diese Probleme zu lösen und sich einem INF-Abkommen anzunähern.&#13;
Es ist jetzt an&#13;
der Sowjetunion, dasselbe Engagement&#13;
für wahrhafte Fortschritte zu demonstrieren.&#13;
&#13;
Verteidigung im Weltraum&#13;
Sowohl bei den im April abgehaltenen&#13;
Treffen&#13;
von&#13;
Außenminister&#13;
Shultz in Moskau als auch im Anschluß&#13;
daran&#13;
bei&#13;
den&#13;
Verhandlungen&#13;
über&#13;
Kern- und Weltraumwaffen in Genf legten die Vereinigten Staaten einen&#13;
neuen Vorschlag zu Problemen der Verteidigung im Weltraum vor.&#13;
Dieser&#13;
neue Vorschlag umfaßt folgende Bestandteile:&#13;
&#13;
Ein weiteres Problem betrifft die&#13;
Kurzstreckensysteme (3RINF). Wir beharren gemeinsam mit unseren Verbündeten auch weiterhin darauf, daß ein&#13;
Abkommen über diese Systeme bilateralen Charakter haben, im Einklang mit&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
- die Vereinigten Staaten und die&#13;
Sowjetunion würden die Verpflichtung&#13;
eingehen, sich&#13;
bis&#13;
1994&#13;
nicht vom ABM-Vertrag zurückzuziehen.&#13;
- Diese Verpflichtung wäre abhängig&#13;
von der Anwendung der bei START&#13;
vereinbarten&#13;
Reduzierungen, das&#13;
heißt einem 50prozentigen Abbau&#13;
zum Gleichstand von 1 600 strategischen Trägersystemen und 6 000&#13;
Gefechtsköpfen&#13;
mit&#13;
angemessenen&#13;
Untergrenzen.&#13;
&#13;
�- Das Abkommen würde nicht die Souveränitätsrechte der Parteien abändern, wie sie nach internationalem Gewohnheitsrecht bestehen.&#13;
Die Vertragspartner könnten sich&#13;
im Falle eines erheblichen Bruchs&#13;
des Abkommens oder bei Gefährung&#13;
ihrer entscheidenden Interessen&#13;
zurückziehen.&#13;
- Nach 1994 könnte jede Seite Verteidigungssysteme&#13;
eigener&#13;
Wahl&#13;
stationieren, sofern nicht anders&#13;
vereinbart.&#13;
Um gegenseitiges Vertrauen durch&#13;
eine Verbesserung der Vorhersehbarkeit im Bereich der strategischen&#13;
Verteidigung aufzubauen und als Reaktion auf die vorgebrachten sowjetischen Anliegen schlugen die Vereinigten Staaten ferner vor, daß sie&#13;
selbst und die Sowjetunion jährlich&#13;
Zahlen über ihre geplanten Aktivitäten im Bereich der strategischen Verteidigung austauschen sollten. Darüber hinaus bemühen wir uns darum,&#13;
daß die Vereinigten Staaten und die&#13;
Sowjetunion&#13;
gegenseitige&#13;
Informationsgespräche über ihre jeweiligen&#13;
Bemühungen bei der strategischen Verteidigung und Besichtigungen der damit in Zusammenhang stehenden Einrichtungen durchführen, wie wir dies&#13;
bereits mit unserer Initiative der&#13;
offenen Labors vorgeschlagen haben.&#13;
Schließlich haben wir vorschlagen,&#13;
gemeinsam vereinbarte Verfahrensweisen für die gegenseitige Beobachtung&#13;
der Erprobung im Bereich der strategischen Verteidigung anzuwenden.&#13;
&#13;
wicklung, Herstellung, des Gebrauchs,&#13;
Transfers und der Lagerung chemischer&#13;
Waffen mit verschiedenen Mitteln zu&#13;
verifizieren sucht und damit sofortige und obligatorische Vor-Ort-Inspektionen in Zweifelsfällen verbindet.&#13;
Beim Genfer Gipfeltreffen vom November&#13;
1985&#13;
vereinbarten&#13;
Präsident&#13;
Reagan und Generalsekretär Gorbatschow die Intensivierung bilateraler&#13;
Gespräche über alle Aspekte eines umfassenden weltweiten Verbots chemischer Waffen und dessen Verifizierung. Seitdem haben wir fünf Runden&#13;
bilateraler Gespräche zu einem Vertrag über chemische Waffen abgehalten. Eine sechste Runde ist für den&#13;
Sommer 1987 vorgesehen.&#13;
&#13;
Chemische Waffen&#13;
&#13;
Obwohl die bilateralen Vertragsgespräche einige Meinungsverschiedenheiten&#13;
abgebaut&#13;
und die Sowjets&#13;
schließlich im März 1987 den Besitz&#13;
chemischer Waffen zugegeben haben,&#13;
bestehen bei einer Reihe von Kernproblemen noch große Differenzen. Zum&#13;
Beispiel haben die Vereinigten Staaten bei der wesentlichen Frage einer&#13;
Verifizierung der Einhaltung des Vertrages obligatorische "lnspektionen&#13;
in Zweifelsfällen" gefordert, um vermutete Verletzungen zu untersuchen.&#13;
Die Sowjets bestehen weiterhin darauf, daß die Zustimmung zu solchen&#13;
Inspektionen freiwillig erfolgen müßte.&#13;
Trotz ihres jüngst erfolgten&#13;
Hinweises, daß die Durchführung obligatorischer Inspektionen im Zweifelsfalle bei bestimmten Fällen zutreffen&#13;
könnte, bestehen sie weiterhin auf&#13;
einem Verweigerungsrecht, das eine&#13;
Konvention&#13;
über&#13;
chemische&#13;
Waffen&#13;
schwächen und die Möglichkeit zur Irreführung erhöhen würde.&#13;
&#13;
Im April 1984 haben die Vereinigten Staaten bei der Genfer Abrüstungskonferenz, an der 40 Nationen&#13;
teilnahmen, einen umfassenden Vertrag&#13;
vorgelegt, der das Verbot der Ent-&#13;
&#13;
Zusätzlich zu den Vertragsgesprächen arbeiten wir mit Verbündeten und&#13;
anderen befreundeten Nationen sowie&#13;
mit den Sowjets zusammen, um die Weiterverbreitung chemischer Waffen zu&#13;
&#13;
- 4&#13;
&#13;
�verhindern.&#13;
Besonders als Reaktion&#13;
auf die andauernde Verwendung chemischer Waffen im Krieg zwischen Iran&#13;
und Irak haben die Vereinigten Staaten und 17 andere westliche Industrienationen seit 1985 Konsultationen abgehalten, um Exportkontrollen&#13;
für mit chemischen Waffen in Verbindung zu bringenden Artikeln abzustimmen und andere Mechanismen zu entwikkeln, die der illegalen Verwendung&#13;
chemischer Waffen und deren gefährlicher Verbreitung in anderen Ländern&#13;
Einhalt zu gebieten. Wir haben ebenfalls in den beiden mit den Sowjets&#13;
im Jahr 1986 abgehaltenen bilateralen&#13;
Gesprächen Exportkontrollen und politische Schritte&#13;
überprüft, um die&#13;
Verbreitung chemischer Waffen einzuschränken.&#13;
&#13;
Atomtests&#13;
Die&#13;
Vereinigten&#13;
Staaten&#13;
verpflichten&#13;
sich weiterhin voll und&#13;
ganz zu Bestrebungen um wirkungsvolle&#13;
und verifizierbare Abkommen mit der&#13;
Sowjetunion&#13;
über die Einschränkung&#13;
von Atomtests.&#13;
Dazu hat der Präsident ein praktisches, Schritt für&#13;
Schritt durchführbares Verfahren vorgeschlagen.&#13;
Sein Vorschlag besagt,&#13;
daß die Vereinigten Staaten und die&#13;
Sowjetunion Verhandlungen über Atomtests aufnehmen sollten. Die Tagesordnung dieser Verhandlungen bestünde&#13;
zunächst&#13;
darin,&#13;
im&#13;
bestehenden&#13;
Schwellenvertrag (TTBT) und dem Vertrag über Atomexplosionen zu friedlichen&#13;
Zwecken&#13;
(PNET) Bestimmungen&#13;
zur Verifizierung zu verbessern. Sobald diesem Anliegen der Verifizierung entsprochen worden ist und die&#13;
Verträge ratifiziert sind, würden die&#13;
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sofort in Verhandlungen über&#13;
Möglichkeiten eintreten, um Schritt&#13;
für Schritt - in Zusammenhang mit&#13;
einem Programm zum Abbau und zur&#13;
&#13;
letztlichen Abschaffung aller Atomwaffen - ein parallel laufendes Programm anzuwenden, das auf die Begrenzung und letztlich die Beendigung von&#13;
Atomtests abzielt.&#13;
Die&#13;
Vereinigten&#13;
Staaten&#13;
haben&#13;
konkrete&#13;
und praktische Vorschläge&#13;
unterbreitet, um Fortschritte bei den&#13;
Begrenzungen von Atomtests zu erzielen.&#13;
Im Juli 1985 lud der Präsident&#13;
sowjetische Experten zu einem Besuch&#13;
amerikanischer Testgelände ein, damit&#13;
sie bei den dort durchgeführten Erprobungen&#13;
den&#13;
Detonationswert&#13;
mit&#13;
jeglichen, ihnen notwendig erscheinenden Geräten messen.&#13;
Im Dezember&#13;
1985 schlug er ein Treffen für offizielle amerikanische und sowjetische&#13;
Techniker vor, bei dem über Verifizierung gesprochen werden sollte. Im&#13;
März 1986 lud er sowjetische Experten&#13;
nach Nevada ein, um die CORRTEX-Methode (Continuous Reflectrometry for&#13;
Radius versus Time Experiment - hydrodynamische Meßmethode zur Bestimmung des atomaren Detonantionswertes,&#13;
der die Ausbreitung der unterirdischen&#13;
Druckwelle&#13;
einer&#13;
Explosion&#13;
mißt) zur Messung des Detonationswerts zu untersuchen, einer Präsentation des Systems CORRTEX beizuwohnen&#13;
und einen amerikanischen Test zu messen.&#13;
Schließlich haben die Sowjets im&#13;
Sommer 1986 zugestimmt, daß Experten&#13;
beider Seiten zu Diskussionen zusammenkommen&#13;
sollten, um&#13;
das&#13;
breite&#13;
Spektrum der sich im Bereich von&#13;
Atomtests ergebenden Fragen ohne Vorbedingungen zu besprechen.&#13;
Die Experten trafen sich im Juli, September&#13;
und November 1986 und im Januar und&#13;
Mai 1987 in Genf. Die Gespräche beschäftigten&#13;
sich hauptsächlich&#13;
mit&#13;
Verfahrensweisen der Verifizierung besonders bei CORRTEX - und auch mit&#13;
der Tagesordnung für formelle Verhandlungen über Atomtests.&#13;
Während&#13;
&#13;
- 5 -&#13;
&#13;
�des Besuchs von Außenminister Shultz&#13;
im April in Moskau vereinbarte er mit&#13;
dem&#13;
sowjetischen&#13;
Außenminister&#13;
Schewardnadse, daß die Experten gemeinsame Aktivitäten zur Verifizierung untersuchen sollten, die möglicherweise eine Bewertung der Wirksamkeit von Verfahrensweisen unterstützen könnten.&#13;
&#13;
samen Vertragsentwurf zur Errichtung&#13;
von Zentren zur nukleren Risikoverringerung in ihren jeweiligen Hauptstädten. Dieses Abkommen stellt als&#13;
direktes Ergebnis amerikanischer Initiative eine praktische Maßnahme zur&#13;
Stärkung der internationalen Sicherheit dar und baut gleichzeitig das&#13;
sich durch Zufälle, Fehlinterpretationen oder falsche Berechnung möglicherweise&#13;
ergebende Risiko eines&#13;
Konflikts&#13;
zwischen den Vereinigten&#13;
Staaten und der Sowjetunion ab. Die&#13;
Zentren würden beim Austausch von Informationen&#13;
und&#13;
Benachrichtigungen,&#13;
wie sie bestehende und in der Zukunft&#13;
mögliche Abkommen&#13;
zur Rüstungskontrolle&#13;
und&#13;
für&#13;
vertrauensbildende&#13;
Maßnahmen erfordern, eine Rolle spielen.&#13;
&#13;
Konferenz über Vertrauens- und&#13;
Sicherheitsbildende Maßnahmen und&#13;
Abrüstung in Europa (KVAE)&#13;
Die&#13;
Stockholmer&#13;
KVAE-Konferenz&#13;
mit&#13;
35&#13;
Teilnehmerstaaten&#13;
fand&#13;
schließlich&#13;
am 22. September&#13;
1986&#13;
statt. Es wurden eine Reihe konkreter Maßnahmen verabschiedet, die Offenheit&#13;
und Vorhersehbarkeit militärischer Aktivitäten in Europa verbessern sollten. Diese auf Vorschläge der NATO zurückgehenden Maßnahmen&#13;
sehen die vorherige Benachrichtigung&#13;
über alle militärischen Aktivitäten&#13;
oberhalb&#13;
einer&#13;
Größenordnung&#13;
von&#13;
13 000 Soldaten oder 300 Panzern vor,&#13;
sowie die Beobachtung militärischer&#13;
Aktivitäten oberhalb einer Grenze von&#13;
17 000 Soldaten und die jährliche&#13;
Vorhersage&#13;
bevorstehender&#13;
militärischer&#13;
Aktivitäten.&#13;
Das&#13;
Abkommen&#13;
enthält&#13;
ebenfalls Bestimmungen&#13;
für&#13;
Vor-Ort-Inspektionen in der Luft und&#13;
auf der Erde zwecks Verifizierung.&#13;
Trotz&#13;
ihres&#13;
bescheidenen&#13;
Umfangs&#13;
stimmen die Sowjets damit zum ersten&#13;
Mal einer Inspektion auf ihrem eigenen&#13;
Territorium&#13;
zur&#13;
Verifizierung&#13;
eines internationalen Sicherheitsabkommens zu.&#13;
&#13;
Bilaterale Vertrauensbildende Maßnahmen&#13;
Am 4. Mai 1987 erzielten amerikanische und sowjetische Unterhändler&#13;
eine Übereinkunft über einen gemein-&#13;
&#13;
Beiderseitige und Ausgewogene&#13;
penreduzierungen (MBFR)&#13;
&#13;
Trup-&#13;
&#13;
Am 5. Dezember 1985 legte die&#13;
NATO eine neue Initiative vor, die&#13;
auf Anliegen des Ostblocks eingeht.&#13;
Der Vorschlag stellt den Wunsch des&#13;
Westens nach einer Übereinkunft über&#13;
den&#13;
augenblicklichen&#13;
zahlenmäßigen&#13;
Stand der Streitkräfte noch vor Unterzeichnung&#13;
des Vertrages&#13;
zurück.&#13;
Die Sowjets hatten geltend gemacht,&#13;
daß diese westliche Forderung das&#13;
Haupthemmnis für ein Abkommen sei.&#13;
Der Vorschlag forderte ferner einen&#13;
zeitlich begrenzten, in einer ersten&#13;
Phase durchgeführten Abzug von 5 000&#13;
amerikanischen&#13;
und&#13;
11 000&#13;
sowjetischen Soldaten, dem eine dreijährige Verpflichtung aller dort Truppen&#13;
unterhaltenden Parteien folgen sollte, ihre Truppenstärke nicht zu erhöhen.&#13;
Im diesem Zeitraum würden die&#13;
Reststreitkräfte&#13;
durch&#13;
nationale&#13;
technische Maßnahmen verifiziert, sowie durch vereinbarte Ein- und Ausgangspunkte, den Austausch von Zahlen&#13;
und 20 jährliche Vor-Ort-Inspektio-&#13;
&#13;
- 6-&#13;
&#13;
�nen.&#13;
Bis jetzt haben die Sowjets&#13;
nicht konstruktiv auf die Initiative&#13;
des Westens reagiert.&#13;
&#13;
NATO-Arbeltsgruppe auf höchster&#13;
Ebene für konventionelle Rüstungskontrolle&#13;
Diese&#13;
Arbeitsgruppe&#13;
legte&#13;
dem&#13;
Nordatlantikrat am 11. Dezember 1986&#13;
ihren Bericht über Tendenzen der konventionellen&#13;
Rüstungskontrollpolitik&#13;
der NATO vor.&#13;
Bei dieser Sitzung&#13;
verabschiedeten die NATO-Minister die&#13;
"Erklärung von Brüssel", in der die&#13;
Bereitschaft der NATO zu neuen Verhandlungen mit dem Warschauer Pakt&#13;
dargelegt wird, die darauf ausgerichtet sind, ein "verifizierbares, umfassendes und stabiles Gleichgewicht&#13;
konventioneller&#13;
Streitkräfte&#13;
auf&#13;
niedrigerer Ebene" in ganz Europa vom&#13;
Atlantik bis zum Ural herzustellen.&#13;
Im Februar 1987 nahm die NATO Gespräche zur Erarbeitung eines Mandats für&#13;
neue Verhandlungen auf.&#13;
Die Erklärung von Brüssel fordert ebenfalls&#13;
getrennte Verhandlungen, die sich auf&#13;
die Ergebnisse der Konferenz über&#13;
Vertrauens- und&#13;
Sicherheitsbildende&#13;
Maßnahmen&#13;
und Abrüstung&#13;
in Europa&#13;
(KVAE) stützen und diese erweitern&#13;
sollen.&#13;
&#13;
Nichtverbreitungsvertrages sowie des&#13;
beiderseitigen Wunsches der Vereinigten Staaten und der UdSSR zur Stärkung der Internationalen Atomenergiebehörde.&#13;
Diese Konsultationen sind&#13;
keine Verhandlungen sondern eher Gespräche&#13;
zur&#13;
Überarbeitung&#13;
unterschiedlicher Themen, die zu gemeinsamer Besorgnis Anlaß geben. Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion&#13;
sind beide außerordentlich daran interessiert, die gefährliche Verbreitung nuklearer Waffen zu verhindern&#13;
und haben sich darauf geeinigt, diese&#13;
Konsultationen als Forum für Gespräche und einen Meinungsaustausch zu&#13;
benutzen.&#13;
&#13;
Nichtverbreitungsvertrag&#13;
Vom 15. - 18. Dezember 1986 kamen&#13;
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion in Washington zur achten&#13;
Runde einer&#13;
andauernden Serie von&#13;
Konsultationen über die Nichtverbreitung von Nuklearwaffen zusammen, die&#13;
im Dezember&#13;
1982 begonnen hatten.&#13;
Diese Konsultationen&#13;
umfassten ein&#13;
breites Spektrum von Themenkomplexen&#13;
einschließlich der vorgesehenen Förderung der internationalen Nichtverbreitungstheorie,&#13;
Unterstützung&#13;
des&#13;
- 7 -&#13;
&#13;
�Chronologie:&#13;
&#13;
1. Januar 1986 - 1. Juni 1987&#13;
&#13;
AMERIKANI3CH-30WJETI3CHE RÜ3TUNG3KONTROLLVERHANDUJNGEN&#13;
Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen&#13;
Rande&#13;
Runde&#13;
Runde&#13;
Runde&#13;
&#13;
IV&#13;
V&#13;
VI&#13;
VII&#13;
&#13;
Runde VIII&#13;
&#13;
16. Januar - 4. März 1986&#13;
8. Mai - 26. Juni 1986&#13;
18. 3eptember - 13. November 1986&#13;
15. Januar - 6. März 1987&#13;
(INF dauerten bis 26. März)&#13;
Aufnahme am 23. April (INF) und 5. Mai 1987&#13;
(3TART und Gespräche über Verteidigung im&#13;
Weltraum)&#13;
&#13;
Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen&#13;
und Abrüstung in Europa (multilateral)&#13;
Runde&#13;
Runde&#13;
Runde&#13;
Runde&#13;
&#13;
IX:&#13;
X:&#13;
XI:&#13;
XII:&#13;
&#13;
28.&#13;
15.&#13;
10.&#13;
19.&#13;
ein&#13;
&#13;
Januar April Juni&#13;
August Abkommen&#13;
&#13;
15. März 1986&#13;
23. Mai 1986&#13;
18. Juli 1986&#13;
19. September 1986 wurde geschlossen&#13;
&#13;
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa&#13;
Erste Runde der Nachfolgekonferenz:&#13;
4. November - 20. Dezember 1986&#13;
Zweite Runde der Nachfolgekonferenz:&#13;
27. Januar&#13;
- 11. April 1987&#13;
Dritte Runde der Nachfolgekonferenz:&#13;
4. Mai&#13;
- 23. Juli 1987&#13;
(vorgesehener Abschlußtermin)&#13;
&#13;
Abrüstungskonferenz&#13;
&#13;
(multilateral)&#13;
&#13;
Rumpfsitzung des Ausschusses für chemische Waffen:&#13;
13. - 31. Januar 1986&#13;
Frühjahrssitzung:&#13;
4. Februar - 25. April 1986&#13;
Sommersitzung:&#13;
10. Juni&#13;
- 29. August 1986&#13;
Konsultationen der Vorsitzenden des Ausschusses für&#13;
chemische Waffen:&#13;
24. November - 17. Dezember 1986&#13;
RumpfSitzung des Ausschusses für chemische Waffen:&#13;
6. - 30. Januar 1987&#13;
Frühjahrssitzung:&#13;
2. Februar - 30. April 1987&#13;
&#13;
- 8-&#13;
&#13;
�Beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen&#13;
Runde&#13;
Runde&#13;
Runde&#13;
Runde&#13;
Runde&#13;
&#13;
38&#13;
39&#13;
40&#13;
41&#13;
42&#13;
&#13;
30. Januar&#13;
15. Mai&#13;
25. September&#13;
29. Januar&#13;
14. Mai&#13;
(vorgesehener&#13;
&#13;
(multilateral)&#13;
&#13;
- 20. März 1986&#13;
- 3. Juli 1986&#13;
- 4. Dezember 1986&#13;
- 19. März 1987&#13;
- 2. Juli 1987&#13;
Abschlußterminj&#13;
&#13;
Zentren zur nuklearen Risikoverringerung&#13;
Runde I:&#13;
Runde II:&#13;
&#13;
13. Januar 1987&#13;
3. - 4. Mai 1987 ein Abkommen wurde ad referendum geschlossen&#13;
&#13;
AMERIKANISCH-SOWJETISCHE RUSTUNGSKONTROLLSITZUNGEN AUF&#13;
EXPERTENEBENE&#13;
Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen&#13;
11. - 12. August 1986 in Moskau&#13;
5. - 6. September 1986 in Washington&#13;
2. - 5. Dezember 1986 in Genf auf Unterhändlerebene&#13;
&#13;
Gespräche über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen&#13;
6. - 7. August 1986 in Moskau&#13;
10. - 11. September 1986 in Washington&#13;
&#13;
Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und&#13;
Abrüstung in Europa&#13;
14. - 15. August 1986 in Stockholm&#13;
&#13;
Gespräche über den Vertrag über chemische Waffen&#13;
28.&#13;
15.&#13;
1.&#13;
28.&#13;
16.&#13;
&#13;
Januar - 3. Februar 1986 in Genf&#13;
- 25. April in Genf&#13;
- 18. Juli 1986 in Genf&#13;
Oktober - 18. November 1986 in New York&#13;
Februar - 5. März 1987 in Genf&#13;
&#13;
- 9 -&#13;
&#13;
�Konvention über biologische und toxische Waffen&#13;
Expertensitzung: 31. März - 15. April 1987 in Genf&#13;
&#13;
Gespräche über die Nichtverbreitung von chemischen Waffen&#13;
5. 4. -&#13;
&#13;
6. März 1986 in Bern&#13;
5. September 1986 in Bern&#13;
&#13;
Atomtests&#13;
Erste Sitzung:&#13;
Zweite Sitzung:&#13;
Dritte Sitzung:&#13;
Vierte Sitzung:&#13;
&#13;
Fünfte Sitzung:&#13;
&#13;
25. Juli - 1. August 1986 in Genf&#13;
4. - 18. September 1986 in Genf&#13;
13. - 25. November 1986 in Genf&#13;
22. Januar 1987, am 9. Februar unterbrochen,&#13;
am 16. März wieder aufgenommen, am 20. März&#13;
in Genf beendet&#13;
18. - 29. Mai 1987 in Genf&#13;
&#13;
Zentren zur nuklearen Risikoverringerung&#13;
5. - 6. Mai 1986 in Genf&#13;
25. August 1986 in Genf&#13;
&#13;
Gespräche über die Nichtverbreitung von Nuklearwaffen&#13;
15. - 18. Dezember 1986 in Washington&#13;
&#13;
* * * * * *&#13;
&#13;
- 10 -&#13;
&#13;
�«fc° s *&lt;&#13;
&#13;
%^ON&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST&#13;
^&#13;
&#13;
Wissenschaft und Technik&#13;
&#13;
1. Juli 1987&#13;
&#13;
24&#13;
&#13;
NEUE NORMEN FÜR PESTIZIDANWENDUNG GESUCHT&#13;
- Es geht um Verringerung des Krebsrisikofaktors -&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Zur Ausschaltung&#13;
von durch&#13;
landwirtschaftliche&#13;
Pestizide in Nahrungsmitteln verursachte Krebsrisiken, sind einem Bericht des Nationalen Forschungsrates&#13;
(NRC) zufolge striktere Vorschriften&#13;
der&#13;
US-Bundesregierung&#13;
notwendig.&#13;
Zwar seien im Vergleich zu anderen&#13;
bekannten krebsverursachenden Faktoren diese Gefahren überaus gering.&#13;
Jedoch gebe es wegen der weitverbreiteten Anwendung von Insektiziden bei&#13;
Getreide und anderen agrarwirtschaftlichen Nutzpflanzen, von Herbiziden&#13;
zur Unkrautvernichtung und von Fungi-&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
ziden zur Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten immer größere Bedenken.&#13;
In dem 270 Seiten umfassenden Bericht&#13;
an&#13;
die&#13;
US-Umweltschutzbehörde&#13;
EPA&#13;
wird die einheitliche Einführung einer Norm für einen "unerheblichen Risikofaktor" gefordert.&#13;
Dieser Risikofaktor soll bei Frisch- und Fertigprodukten sowie alten und neuen Pestiziden Anwendung finden, die bei der&#13;
Erzeugung&#13;
von&#13;
Nahrungsmitteln&#13;
und&#13;
Tierfutter benutzt werden.&#13;
&#13;
wird&#13;
&#13;
Der&#13;
"unerhebliche&#13;
Risikofaktor"&#13;
in der Weise definiert, daß un-&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�ter je einer Million Menschen, die&#13;
der&#13;
chemischen&#13;
Substanz&#13;
ausgesetzt&#13;
sind, nicht mehr als ein zusätzlicher&#13;
Fall von Krebs auftreten dürfe. NRC&#13;
empfahl, jedes Pestizid zu verbieten,&#13;
durch dessen Anwendung bei Nahrungsmitteln&#13;
diese&#13;
Risikogrenze&#13;
überschritten werde.&#13;
Vor Journalisten erläuterte der&#13;
Präsident&#13;
der Universität Arkansas&#13;
und Vorsitzender des 17köpfigen NRCGremiums, Ray Thornton, das gegenwärtig gültige Gesetz. Dieses bewertet&#13;
Pestizidrückstände in Nahrungsmitteln&#13;
im Rohzustand nach weniger strengen&#13;
Maßstäben&#13;
als bei Fertigprodukten.&#13;
Jedoch sei seine praktische Anwendung&#13;
schwierig und biete nicht den besten&#13;
Schutz für die Gesundheit der Bevölkerung, erklärte Thornton.&#13;
Das Bundesgesetz vom Jahr 1954&#13;
für Nahrungs- und Arzneimittel&#13;
und&#13;
für kosmetische Präparate läßt onkogene (krebsverursachende) Rückstände&#13;
in Frischnahrungsmitteln nur zu, wenn&#13;
die Vorteile&#13;
der&#13;
Pestizidanwendung&#13;
schwerer&#13;
wiegen&#13;
als&#13;
die&#13;
Risiken.&#13;
Gleichzeitig&#13;
ist&#13;
es&#13;
aufgrund&#13;
der&#13;
"Delaney-Klausel" im Gesetz der Regierung untersagt, Toleranzwerte oder&#13;
zulässige&#13;
Höchstkonzentrationen&#13;
für&#13;
Pestizide festzusetzen, die sich in&#13;
verarbeiteten Nahrungsmitteln anreichern und bei Mensch und Tier krebsauslösend wirken können.&#13;
Thornton&#13;
zufolge gebe es aber&#13;
keinen wissenschaftlichen Grund, Pestizidrückstände&#13;
in&#13;
unverarbeiteten&#13;
Nahrungsmitteln rechtlich anders zu&#13;
behandeln&#13;
als&#13;
in&#13;
Fertigprodukten.&#13;
Hielte&#13;
man&#13;
sich&#13;
strikt&#13;
an&#13;
die&#13;
Delaney-Klausel, würde man nur etwa&#13;
die Hälfte der potentiellen onkogenen&#13;
Risiken ausschalten, die von den 28&#13;
von der Kommission untersuchten Pestiziden ausgehen könnten. Im Gegensatz dazu eliminierte man bei Anwen- 2&#13;
&#13;
dung einer einheitlichen "Norm für&#13;
den unerheblichen Risikofaktor" fast&#13;
alle potentiell krebsauslösenden Gefahren&#13;
durch&#13;
Pestizidrückstände&#13;
in&#13;
der Nahrung. Allerdings seien Fungizide (Präparate gegen Pilzbefall) ein&#13;
Sonderfall.&#13;
Wie Thornton erklärte,&#13;
erwiesen sich bei Tierversuchen im&#13;
Labor fast alle als onkogen. Jedoch&#13;
seien sie für eine wirtschaftliche&#13;
Erzeugung vieler Obst- und Gemüsearten von großer Bedeutung, und zur&#13;
Zeit würden nur wenige wirksame Alternativpräparate&#13;
entwickelt.&#13;
Die&#13;
NRC-Kommission empfiehlt, daß die EPA&#13;
über&#13;
Fungizide&#13;
als&#13;
Präparatgruppe&#13;
nach&#13;
Getreideart&#13;
entscheidet,&#13;
anstatt, wie bisher, von Fall zu Fall&#13;
Einzelpräparate&#13;
zu genehmigen oder&#13;
abzulehnen.&#13;
Alles in allem ist die Gefahr,&#13;
durch Pestizidrückstände in Nahrungsmitteln an Krebs zu erkranken, außerordentlich&#13;
gering.&#13;
Darauf verwies&#13;
das NRC-Mitglied Arthur Upton vom&#13;
Klinikum der Universität New York.&#13;
In den Vereinigten Staaten sterben&#13;
jährlich&#13;
etwa 450 000 Menschen an&#13;
Krebs, verursacht durch andere onkogene&#13;
Faktoren&#13;
- allein&#13;
mehr&#13;
als&#13;
100 000 an Krebs als Folge von Zigarettenrauchen.&#13;
Demgegenüber&#13;
ergebe&#13;
"eine grobe Schätzung des kumulativen&#13;
Risikos&#13;
durch&#13;
Pestizide&#13;
vielleicht&#13;
einen&#13;
Fall&#13;
auf&#13;
1000&#13;
als&#13;
obere&#13;
Grenze", meinte Upton. Ohnehin seien&#13;
die Schätzungen im Bericht zum Krebsrisiko wegen der vielen Unsicherheiten beim onkogenen Potential von Pestiziden, den Gewohnheiten beim Nahrungsmittelkonsum und der gegenwärtigen&#13;
Pestizidtoleranz&#13;
hypothetischer&#13;
Art. Jedoch gelte es, den Umfang der&#13;
Schädlingsbekämpfung mit nichtchemischen Mitteln immer mehr auszuweiten,&#13;
sofern sich dies als praktikabel erweise.&#13;
Mit dem Bericht wurde eine&#13;
&#13;
zwei-&#13;
&#13;
�jährige Studie abgeschlossen, an der&#13;
Toxikologen,&#13;
Juristen,&#13;
Mediziner,&#13;
Wirtschaftler und Agrarexperten mitarbeiteten.&#13;
&#13;
* * * * * *&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
�</text>
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                    <text>Amerikadienst 01.07.1987</text>
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                    <text>1 INFORMATION&#13;
- zum Tode von Arthur F, Burns&#13;
- Botschafter Burt würdigt seinen Vorgänger im Amt &#13;
&#13;
2 DOKUMENTATION&#13;
- Amerikaner gedenken des höchsten Gutes der Freiheit&#13;
- Ansprache Präsident Reagans zum Unabhängigkeitstag Strafverfahren gegen Hamadei wird tatkräftig betrieben&#13;
- Pressekonferenz von Justizminister Meese in Hamburg &#13;
&#13;
3 HINTERGRUNDMATERIAL&#13;
- Neuester Stand der amerikanischen Rüstungskontrollinitiativen&#13;
- Sonderveröffentlichung des US-Aussenministeriums&#13;
&#13;
4 WISSENSCHAFT UND TECHNIK&#13;
- Neue Normen for Pestizidanwendung gesucht&#13;
- Es geht um Verringerung des Krebsrisikofaktors </text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 01.07.1987</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zum Tode von Arthur P. Burns&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Botschafter Burt würdigt seinen Vorgänger im Amt -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikaner gedenken des höchsten Gutes der Freiheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache Präsident Reagans zum Unabhängigkeitstag -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Strafverfahren gegen Hamadei wird tatkräftig betrieben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz von Justizminister Meese in Hamburg -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neuester Stand der amerikanischen Rüstungskontrollinitiativen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Sonderveröffentlichung des US-Außenministeriums -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue Normen für Pestizidanwendung gesucht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Es geht um Verringerung des Krebsrisikofaktors -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
1-7

^

C0

8. J u l i

25

1987

I N H A L T

WIRTSCHAFT
Reagan fordert Abschaffung von Handelsschranken in der Landwirtschaft
- Erklärung zur Reform des Handels mit Agrarprodukten -

HINTERGRUNDMATERIAL
Chronologie der Ereignisse in Afghanistan
- Dezember 1986 bis Mai 1987 -

Themenindex AMERIKA DIENST (1. Halbjahr 1987)

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
VON

Wirtschaft

*

8. Juli 1987

25

REAGAN FORDERT ABSCHAFFUNG VON HANDELSSCHRANKEN IN DER LANDWIRTSCHAFT
- Erklärung zur Reform des Handels mit Agrarprodukten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan zufolge besteht das zentrale Ziel der
von den Vereinigten Staaten in Genf vorgelegten Vorschläge zum Handel mit Agrarprodukten in der Abschaffung aller Subventionen, Zölle, Quoten und anderen
Beschränkungen des freien Welthandels im Agrarbereich innnerhalb der nächsten
zehn Jahre. Bei der Ankündigung der Vorschläge am 6. Juli 1987 räumte Reagan
ein, daß die Verwirklichung dieses Ziels in der Uruguay-Runde von Handelsgesprächen nicht leicht sein werde.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Vorigen Monat habe ich zusammen
mit den Führern der anderen sechs
führenden Industrieländer in Venedig
eine durchgreifende Reform des Weltagrarhandels gefordert. Wir alle haben anerkannt, daß wir die jedes unserer Länder betreffenden Probleme in
der Landwirtschaft nur durch Zusammenarbeit lösen können.
In Genf werden die amerikanischen
Unterhändler
vom Landwirtschaftsministerium und vom Büro des amerikanischen
Handelsbeauftragten
heute
den ehrgeizigsten Vorschlag zur Re-

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Embassy of the United States of America

form des Welthandels mit Agrarprodukten unterbreiten, der jemals vorgelegt wurde. Die Vereinigten Staaten
werden den totalen Abbau sämtlicher
Maßnahmen, die den Handel mit Agrarprodukten verzerren, bis zum Jahr
2000 fordern.
Es ist deutlich geworden, daß
letztlich niemand von den gegenwärtig
weltweit angewandten Praktiken in der
Landwirtschaft profitiert - nicht die
Landwirte, nicht die Verbraucher und
auch nicht die Steuerzahler. Es ist
ebenso klar, daß kein Land einseitig

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�die gegenwärtigen Maßnahmen abschaffen kann, ohne durch die Politik der
anderen Länder ruiniert zu werden.
Die einzige Hoffnung besteht in einem
durchgreifenden
internationalen
Abkommen, durch das alle Länder zu
gleichgerichteten
Handlungen
und
Zeitplänen verpflichtet werden.
Der Kern unseres Vorschlages besteht in der Abschaffung aller Exportsubventionen, aller Beschränkungen unserer Märkte
(einschließlich
Zöllen und Quoten) und aller Binnensubventionen, die sich auf den Handel
auswirken, innerhalb von zehn Jahren.
Maßnahmen im Agrarbereich, die Zahlungen an Landwirte vorsehen und keine Auswirkungen auf Preisgestaltung
oder Produktionsentscheidungen haben,
wären davon nicht betroffen. Schließlich fordert unser Vorschlag die Einführung einheitlicher Nahrungsmittelvorschriften in der ganzen Welt, um
nichttarifäre Hemmnisse im Agrarhandel zu verhindern.
Ich bin mir der Tatsache vollkommen bewußt, daß dieser Vorschlag ehrgeizig
ist, daß die Verhandlungen
nicht leicht sein werden und daß ein
jegliches Abkommen nicht schmerzlos
ein wird. Wenn wir jedoch Erfolg haben, dann wird die Landwirtschaft in
der ganzen Welt nach der Befreiung
vom Joch staatlicher Eingriffe blühen
und Landwirten und Verbrauchern aller
Länder Vorteile bringen.
Ich erneuere heute meine Verpflichtung, die
ich zusammen mit unseren Handelspartnern in Venedig eingegangen bin, nämlich das Ziel freier Agrarmärkte in
der ganzen Welt bis zum Jahr 2000 zu
verwirklichen.

+ + + + + +

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'V,oN*&lt;

8. Juli 1987

25

CHRONOLOGIE DER EREIGNISSE IN AFGHANISTAN
- Dezember 1986 bis Mai 1987 -

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Chronologie der
Ereignisse in Zusammenhang mit der Besetzung Afghanistans durch Streitkräfte
der Sowjetunion; abgedeckt ist der Zeitraum vom Dezember 1986 bis Mitte Mai
1987.

8. Dezember

19. Dezember

Berichten
zufolge
werden
in
Kandahar etwa 600 Menschen - Zivilisten sowie Vertreter des Regimes
und der Miliz - getötet, als zwei sowjetisch-afghanische MiGs versehentlich einen Stadtteil bombardierten.
Der Überfall soll geschehen sein,
nachdem Mujahedin in Mahalajat, einer
kleinen
Stadt
45
Kilometer
von
Kandahar, aus einem Hinterhalt eine
sowjetische Panzerkolonne angriffen.

Sieben
Mitglieder
einer
Hochzeitsgesellschaft, unter ihnen drei
Frauen, werden getötet, als vier sowjetisch-afghanische
Kampfflugzeuge
zehn Meilen nördlich von parachinar
in der pakistanischen Provinz Kurram
zwei Dörfer bombardieren.
Die Toten
gehören dem Stamm der Mangal an, der
sich bis in die afghanische Provinz
Paktia erstreckt.

20. Dezember

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Embassy of the United States of America

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�In Kabul findet eine Trauerfeier
für einen bei Kämpfen in der Nähe von
Kandahar getöteten afghanischen General statt. Alle Straßen, die zum Ort
des Begräbnisses
führen, sind gesperrt.

23. Dezember
Berichten zufolge hat das Regime
in der Nähe von Sherkhana auf der
Straße von Kabul nach Jalalabad neue
militärische
Stützpunkte
errichtet.
Hierzu zählen auch zehn neue Posten
in der Nähe von Dakka.
Der zivile
Flugverkehr zwischen Kabul und Jalalabad bleibt weiterhin unterbrochen.

24. Dezember
Die afghanische Nachrichtenagentur Bakhtar berichtet, daß Najibullah
die Stammesältesten und Vertreter der
Provinzen Nangarhar, Kunar, Laghman,
Paktia und der Region Khost zur nationalen Aussöhnung und zu einem Ende
des Blutvergießens und Brudermordes
aufgerufen hat.

27. Dezember
Mujahedin
der
Hisb-e-Islami
(Gulbuddin Hekmatyar-Gruppierung) berichten von ihren Kämpfen gegen acht
militärische Stützpunkte, die sowjetisch-afghanische
Truppen
bei
der
strategisch wichtigen Garnison Barikot in der Provinz Kunar nur drei
Meilen von Pakistan entfernt halten.
Sie erklären, die Operation sei zum
Gedenken an den 7. Jahrestag der sowjetischen
Besetzung
Afghanistans
durchgeführt worden.

Berichten zufolge werden zwei sowjetisch-afghanische Hubschrauber bei
einem Raketenangriff der Mujahedin
auf den Flughafen von Jalalabad zerstört.
Etwa 4 000 von den Sowjets unterstützte afghanische Soldaten mit 600
Fahrzeugen
kämpfen gegen Mujahedin
der Jamiat-e-Islami-Gruppierung, die
im westlichen Teil der Stadt Herat
operieren.
Mitgliedern
der
Jamiat
zufolge halten die schweren Kämpfe
einige Tage an.

30. Dezember
Eine hochexplosive Autobombe zerstört eine Polizeistation in Peshawar
(Pakistan), dabei werden zwei Polizeibeamte getötet und einer verletzt,
als sie das in einem anderen Teil der
Stadt abgestellte Fahrzeug untersuchen. Für die Explosion werden Agenten des Kabuler Regimes verantwortlich gemacht.
Bei einer außerordentlichen Sitzung des Zentralkomitees der Demokratischen
Volkspartei
Afghanistans
(PDPA) erläutert Najibullah Einzelheiten des Programms zur nationalen
Aussöhnung, das eine ab 15. Januar in
Kraft tretende einseitige Waffenruhe
einschließt. Najibullah zufolge soll
die Feuerpause sechs Monate dauern,
und Streitkräfte des Regimes würden
nur als Reaktion auf "offene und direkte" Angriffe der Oppositionstruppen schießen. Er erklärt ferner die
Verhängung einer landesweiten Generalamnestie sowie die Verkündung des
Islam als Religion Afghanistans.

1. Januar
28. Dezember

Der amtierende

Sprecher

der Sie-

�ben-Parteien-Allianz
mit
Sitz
in
Peshawar
(Pakistan) lehnt die von
Najibullah vorgeschlagene einseitige
Feuerpause ab und nennt sie eine
"Falle".
Er betont, die Mujahedin
würden
weiterhin
kämpfen,
bis
Najibullah abgesetzt und eine islamische Regierung in Afghanistan eingesetzt ist.

2. Januar

gergebäude der Regierung beschädigt.

5. Januar
Der
Generalsekretär
der
PDPA,
Najibullah, empfängt den sowjetischen
Außenminister
Eduard
Schewardnadse
und den Generalsekretät des Zentralkomitees der KPdSU, Anatoli Dobrynin,
die auf Einladung der afghanischen
Regierung zu einem Arbeitsbesuch nach
Kabul gekommen sind.

In einer Worldnet-Videokonferenz
mit Journalisten in Kuwait erklärt
ein Vertreter des US-Außenministeriums, die Mujahedin würden trotz des
seit 1983 zunehmenden militärischen
und politischen Drucks der Sowjets
diese langfristig besiegen. Ein Mitglied des politischen Planungsstabes,
Zalmay Khalilzad, erklärt, die Mujahedin würden aufgrund ihrer "Ausdauer
und zunehmenden Stärke" gewinnen.

Die afghanische Nachrichtenagentur Bakhtar berichtet, daß 1 000 Mujahedin unter Leitung von Sayed Ahmad
in der Region Gozareh (Provinz Herat)
als Reaktion auf Najibullahs Aufruf
zur nationalen Aussöhnung ihre Waffen
niederlegen.

3. Januar

7. Januar

Die auf diese Sitzung folgende
Zusammenkunft
des
Revolutionsrates
des Kabuler Regimes verkündet eine
Erweiterung seines Programms zur nationalen Aussöhnung. Damit soll eine
offene Einladung an bewaffnete Oppositionsführer
außerhalb des Landes
einhergehen; diese sollen an Gesprächen mit der Regierung teilnehmen.
Das Regime garantiert den Oppositionsführern sicheres Geleit zu den
Gesprächen.

Der
sowjetische
Außenminister
Eduard Schewardnadse und der Generalsekretär
des Zentralkommittees der
KPdSU, Anatoli Dobrynin verlassen Kabul, um nach zweitägigen Gesprächen,
in deren Verlauf sie den Aufruf des
afghanischen
Staatschefs
Najibullah
zur nationalen Aussöhnung und das Angebot einer ab 15. Januar in Kraft
tretenden Feuerpause unterstützen.

6. Januar

8. Januar
Zehn sowjetisch-afghanische Flugzeuge verletzen pakistanischen Luftraum.
Sie überfliegen Pakistan etwa
zwei Kilometer weit und werfen 15
Bomben auf das Dorf Arandu in der Region Chitral. Dabei werden drei Männer und zwei Frauen getötet und 14
weitere
Personen verletzt.
Ferner
werden 30 Privathäuser und drei La- 3

Westliche
Diplomaten
berichten,
daß die an der pakistanischen Grenze
ansässigen Stämme für eine Kampagne
gegen die von ihrem Territorium aus
operierenden
Mujahedin
angeworben
wurden.
Der linke pakistanische Politiker Abdul Wali Khan vom Stamm der
Pashtun erklärte sich Berichten zu-

�folge bei seinem Besuch in Kabul im
vergangenen September bereit, solch
eine Mission zu den an der Grenze ansässigen Pashtun-Stämmen zu unternehmen.

Herbert Haggerty, wird im USIA-eigenen
Wordnet-Fernsehen
von
Journalisten in Caracas und Guatemala-Stadt
interviewt.

Das Regime behauptet, es habe in
den Provinzen Herat, Balkh, Paktia,
Badakhshan, Baghlan, Jowzjan, Faryab,
Nangarhar, Bamian und Samangan Kommissionen für die nationale Aussöhnung eingesetzt.
Es werden Einführungssitzungen abgehalten, bei denen
- nach Rezitiation von Koranversen Vertreter des Regimes und der Stämme
sowie Ulemas zur nationalen Aussöhnungspolitik sprechen.

15. Januar

11. Januar
Eine Gruppe von 50 prominenten,
nicht dem Regime zuzurechnenden Afghanen nimmt Berichten zufolge an dem
Treffen der Kommission zur nationalen
Aussöhnung in Kabul teil. Sie legen
ihre eigenen Bedingungen für eine
Aussöhnung vor, die den Abzug aller
sowjetischen Truppen umfassen sowie
die Freilassung aller politischen Gefangenen und ein Ende des Einsatzes
von Druck ausübenden Banden und des
erzwungenen Wehrdienstes. Najibullah
nimmt die Liste ihrer Bedingungen zur
Überprüfung entgegen.

Der stellvertretende Sprecher des
US-Außenministeriums, Charles Redman,
erklärt, das "Haupthindernis für eine
Regelung" in Afghanistan sei die andauernde Präsenz von 115 000 Soldaten
im Land.
Er beantwortete Fragen zu
der am 15. Januar in Kraft getretenen
einseitigen
Feuerpause des Kabuler
Regimes.
Der stellvertretende Pressesprecher
des
Weißen
Hauses,
Albert
Brashear, erklärt, die einzige Lösung
der Situation in Afghanistan bestehe
darin, daß die sowjetischen Truppen
vollständig abgezogen werden und das
afghanische
Volk
sein
Recht
auf
Selbstbestimmung ausüben kann.
Am ersten Tag des angeblichen
Waffenstillstands
wird eine sowjetische Panzerkolonne an einer schmalen Stelle der Salang-Paßstraße nördlich von Jabal-es-Seraj von Mujahedin
überfallen. Berichten zufolge werden
bei dem Angriff eine unbekannte Zahl
sowjetischer
Soldaten getötet oder
verwundet sowie mehrere Panzerfahrzeuge zerstört.

14. Januar
Ein Beamter des US-Außenministeriums bezeichnet die Forderung des
afghanischen Regimes nach einer einseitigen Feuerpause als "schlimmste
Art von Effekthascherei" und "Propagandageste", die nicht zur Wurzel des
Problems, dem sofortigen Abzug der
sowjetischen Truppen aus Afghanistan,
vordringt.
Der regionale Leiter der
Abteilung für den Nahen Osten und
Südasien
im
US-Außenministerium,

16* Januar
Der
amerikanische
Außenminister
George Shultz betont, eine kurzfristige Übereinkunft für den Abzug sowjetischer
Truppen aus Afghanistan
sei das fehlende "wesentliche Kriterium" für eine Regelung in Afghanistan, und wenn das geschehen sollte,
seien die Vereinigten Staaten "zu
einer Reaktion bereit".

�Westliche Journalisten - die einer Einladung nach Kabul folgten, um
die Feuerpause
und Veranstaltungen
zur nationalen Aussöhnung zu beobachten - bemerken das plötzliche Auftauchen einer großen Anzahl sowjetischer
Panzerfahrzeuge in den Straßen, was
zu Spekulationen darüber Anlaß gibt,
daß die Sowjets möglicherweise Angriffe von gegnerischen Gruppen im
Regime fürchten.
Gerüchten zufolge
wurde von Anhängern des entmachteten
Staatschefs Karmal ein Staatsstreich
gegen Najibullah versucht.
Bei
ihrer
streng
überwachten
Fahrt durch die Hauptstadt werden die
westlichen
Journalisten
wiederholt
daran
gehindert,
das
sowjetische
Kriegsgerät zu photographieren, und
bei einer Gelegenheit werden sie dabei von sowjetischen Soldaten beschossen.
Auf ihrem Flug nach Jalalabad erklären die Journalisten, sie hätten
eine große Anzahl sowjetischer Soldaten beobachtet, die zur Verteidigung
des Flughafens von Jalalabad eingesetzt worden seien.

werden, wenn sie unser Land verlassen, ohne Bedingungen zu stellen".
Die
Mujahedin-Führer
erklären
ferner
ihre
Übereinstimmung,
"daß
eine
Kommission
eingerichtet
wird,
die Rechte und Pflichten für eine
Ubergangsregierung ausarbeitet".
Das
Gremium will seine Arbeit am 1. Februar aufnehmen und der Führungsspitze
der Allianz innerhalb eines Monats
seine Vorschläge unterbreiten.
Die
Führer
verkünden,
daß
allgemeine
freie und gerechte Wahlen abgehalten
und unter Aufsicht der Ubergangsregierung ein Parlament eingesetzt würde. Eine Verfassung soll ausgearbeitet werden, um die Ausübung des Islam
in allen Lebensbereichen zu garantieren.

18. Januar
Westlichen Diplomaten liegen Berichte vor, daß die Polizeiakademie
des Regimes einige Afghanen heimlich
zu Agenten ausbildet. Sie werden bei
den von Pakistan aus operierenden
Mujahedin und in den Flüchtlingslagern einzugeschleust, um für der Plan
des Regimes zur nationalen Aussöhnung
werben.

17. Januar
Mujahedin-Führer der Sieben-Parteien-Allianz halten eine große öffentliche Zusammenkunft in Peshawar
ab, um formell mitzuteilen, daß sie
trotz der Aufforderung der Regierung
zur nationalen Aussöhnung und ihres
einseitigen Angebots einer am 15. Januar beginnenden Feuerpause den bewaffneten Kampf gegen das sowjetischafghanische Regime fortsetzen werden.
Sie weisen die Angebote als "Trick"
und "weiteres Komplott" zurück und
erklären, "der Vorschlag eines Waffenstillstands
mit
den
russischen
Streitkräften
kann
nur
diskutiert

Beim zweiten Kongreß der Bewegung
Nationales Vaterland (jetzt: Nationale Front) sollen Vertreter der linken
pakistanischen
Awami
Nationalpartei
des Wali Khan, der Ersten Kongreßpartei Rajiv Ghandis und der kommunistischen Tudeh-Partei Irans zu den
Teilnehmern gehört haben.

20. Januar
Der Erste Stellvertretende Außenminister
der
Sowjetunion,
Anatoli
Kowalew, trifft sich zu formellen Gesprächen über Afghanistan mit paki-

- 5 -

�stanischen
Politikern, unter
ihnen
Premierminister Mohammed Khan Junejo,
Außenminister
Sahibzada Yagub Khan
und der Staatssekretär im Außenministerium Abdus Sattar.
Er besucht
ferner Präsident Zia ul-Haq und übergibt diesem eine Botschaft des sowjetischen Generalsekretärs Gorbatschow.
Der stellvertretende sowjetische Minister unternimmt einen viertägigen
offiziellen Besuch.
Die Nachrichtenagentur des Regimes in Kabul, Bakhtar, berichtet, daß
eine 600 Mann starke Gruppe, unter
ihnen 200 bewaffnete Mujahedin, in
der Provinz Jowzjan den Aufruf zur
nationalen Aussöhnung begrüßten und
sich dort zur Zusammenarbeit mit den
Vertretungen des Regimes bereit erklärten.

21. Januar

kündet.
Die Anmestie soll auch Afghanen einschließen, die vor dem 15.
Januar in regierungsfeindliche Aktivitäten verwickelt waren und würde
auch bestimmte vom Regime inhaftierte
Gruppen von Gefangenen einbeziehen.

25. Januar
Nach
Informationen
westlicher
Diplomaten
fälscht
das
Regime
in
Kabul Berichte über
zurückkehrende
Mujahedin, die sich Beamten der Regierung als Reaktion auf deren Aufforderung zur nationalen Aussöhnung
ergeben haben sollen. Die Diplomaten
sprechen von verschiedenen Augenzeugenberichten, denen zufolge Angehörige der Dorfmiliz nach Kabul gebracht
wurden, um sich im staalichen Fernsehen "zu ergeben". Einem anderen Bericht zufolge handelte es sich bei
einer
Gruppe
von
im
regimetreuen
Fernsehen
gezeigten
"Bekehrten" um
genau dieselben Personen, die sich
bereits vor einigen Monaten ergeben
hatten.

Der Abteilungsleiter
für politische Angelegenheiten im US-Außenministerium, Michael Armacost, trifft
am 18. Januar in Pakistan ein, wo er
mit pakistanischen Politikern Gespräche über die Probleme Afghanistans
und die bilateralen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Pakistan führt. Ein Sprecher des pakistanischen Außenministeriums erklärt,
der Besuch bestätige die anhaltende
amerikanische Unterstützung der Bemühungen Pakistans, eine baldige Beilegung des Problems Afghanistan auf der
Basis vereinbarter Grundsätze zu erlangen.

Das Regime in Kabul behauptet,
Kontakt zu pakistanischen und iranischen Diplomaten in Kabul aufgenommen und deren Genehmigung für Charterflüge eingeholt zu haben, um rückkehrwillige Flüchtlinge nach Afghanistan
zurückzubringen.
Pakistan
vertritt jedoch die Auffassung, daß
sich
internationale
Organisationen
wie der Hohe Flüchtlingskommissar der
Vereinten Nationen um die Rückführung
etwaiger Flüchtlinge kümmert.

24. Januar

26. Januar

Auf einer außerordentlichen Sitzung des Präsidiums des DRA-Revolutionsrates wird als Bestandteil des
staatlichen Programms zur nationalen
Aussöhnung eine Generalamnestie ver-

Berichten der Nachrichtenagentur
Bakhtar zufolge behauptet das Regime
in Kabul, in Daulatabad in der Provinz Faryab hätte sich eine weitere
Gruppe von 186 bewaffneten Mujahedin

- 6

�ergeben. Insgesamt sollen sich damit
mehr als 4 000 bewaffnete Mujahedin
dem Regime zufolge seit dessen Aufruf
zu einer einseitigen Feuerpause ab
dem 15. Januar ergeben haben.

27. Januar
In der Provinz Parwan nehmen Mujahedin Berichten zufolge eine 14köpfige Delegation der Regierung gefangen, die sich dort zu einer Mission
der Versöhnung aufhält. Sie berichten, die Delegation des Komitees zur
Nationalen Aussöhnung sei von dem aus
der Region stammenden stellvertretenden
Minister
für
Fernmeldewesen,
Khalilullah Kohistani, angeführt gewesen. Wie verlautet, wurde die Delegation von einem lokalen Anführer
der Mujahedin, Farid, gefangengenommen.
Kohistani wird mit der Nachricht zurück nach Kabul gesandt, bis
die
Sowjets
Afghanistan
verlassen
hätten, könnten keine Vereinbarungen
mit dem Regime getroffen werden.

29. Januar
Ein hochrangiger Beamter des afghanischen Regimes in der Provinz
Kunduz wird von Mujahedin ermordet.
Abdul Ahad Arzbegi war ein Mitglied
des Vorstandes im Zentralrat der Nationalen Front des Regimes, Vorsitzender des Rates der Nationalen Front
für die Provinz Kunduz sowie Vorsitzender
des
Außerordentlichen
Ausschusses für die nationale Aussöhnung
in der Provinz Kunduz. Er wird bei
dem Versuch erschossen, mit den Mujahedin Bedingungen für eine nationale
Aussöhnung auszuhandeln.

30. Januar
Der

stellvertretende

UN-General-

sekretär Diego Cordovez verkündet in
seiner Eigenschaft als Hauptvermittler bei den unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen stehenden Afghanistan-Gesprächen, die nächste Runde der Annäherungsgespräche in
Genf würde "im Interesse einer Verbesserung der Erfolgschancen" um zwei
Wochen verschoben - vom 11. auf den
25. Februar.

1. Februar
Eine Autobombe explodiert in der
Nähe eines Büros und Vernehmungszentrums des Ministeriums für Staatssicherheit
(KHAD) in Kabul.
Dabei
werden 28 Personen verletzt oder getötet.
Ferner entstehen Schäden an
der indischen Botschaft, einem großen
sowjetischen Militärhospital und den
etwa 30 Meter enfernten Residenzen
der indonesischen und amerikanischen
Geschäftsträger.
Im Umkreis von 500
Metern bersten die Fensterscheiben.
Dreizehn Personen werden, vermutlich auf der Straße, getötet und 15
weitere in der indischen Botschaft
verletzt.
Obwohl
der
afghanische
Staatschef Najibullah die Expiosion
als Werk der Mujahedin verurteilt,
die die engen Beziehungen des Regimes
zu Indien zerstören wollen, schließen
westliche Diplomaten die Möglichkeit
nicht aus, daß zunehmende Spannungen
innerhalb der Regierung für die Explosion verantwortlich sein könnten.
Andere Quellen behaupten, die Mujahedin hätten die Bombe in der Nähe
der indischen Botschaft gelegt, weil
sie keinen günstigeren Zugang zu den
Büros der afghanischen Geheimpolizei
(KHAD) hatten.
Zwei Bombenexplosionen unterbrechen die Gaszufuhr nach Quetta, der
Hauptstadt der Grenzprovinz Baluchi-

- 7 -

�stan im Südosten Afghanistans.
Die
Explosion zerstört eine 22 Kilometer
von der Stadt enfernte Rohrleitung.
Bei
einer
dritten
Bombenexplosion
werden Eisenbahnschienen im 80 Kilometer von Quetta gelegenen Qila Abdullah zerstört.
Pakistanische Behörden machen dem Regime in Kabul ergebene Saboteure für die Explosion
verantwortlich.

2. Februar
Mujahedin berichten, sie hätten
bei Kämpfen in der Provinz Paktia 100
Soldaten des Regimes getötet.
Vier
Panzer und mehrere gepanzerte Fahrzeuge werden beschädigt und eine erhebliche Menge Waffen erbeutet.
Mujahedin greifen den Flughafen
von Kandahar an und zerstören Berichten zufolge vier Militärhubschrauber.

3. Februar
Das
internationale Komitee des
Roten Kreuzes erhält zum ersten Mal
seit vier Jahren die Erlaubnis, nach
Afghanistan
zurückzukehren,
nachdem
Ende Januar eine Übereinkunft mit der
afghanischen Regierung erzielt worden
war. Die Einreise ist beschränkt auf
Besuche von Gefangenen; zunächst finden im Februar Besuche im Pul-i-Charki Gefängnis in Kabul statt. Ferner
wird mit dem afghanischen Roten Halbmond ein Abkommen zur Entwicklung
eines Programms
zur
orthopädischen
Versorgung für Kriegsversehrte unterzeichnet.

4. Februar
In Jalalabad explodiert eine Autobombe.
Westlichen Diplomaten zufolge berichten Augenzeugen, daß die
- 8

gegen
das
Rundfunk- und
Fernsehzentrum gerichtete Bombe mehr als 50
umliegende Geschäfte
und ein Kino
zerstörte und in einem weiten Umkreis
Fenster und Türen herausriß. Etwa 35
Personen werden dabei getötet und
mehr als 200 verletzt.

6. Februar
Im Kabuler Stadtteil Chehelsitoon
explodiert eine Bombe.
Dabei werden
drei Afghanen getötet sowie zwei militärische und ein ziviles Fahrzeug
zerstört.
Am 2. Februar wird eine
große Bombe im Shahr-e-Nau Park gefunden und entschärft; am 4. Februar
findet und entschärft man eine kleinere Bombe nahe der Residenz eines
Beamten der Vereinten Nationen im
Stadteil
Wazir
Akhbar
Khan.
Die
willkürliche
Plazierung der Bomben
sowie die Tatsache, daß damit keine
wichtigen
Einrichtungen des sowjetischen oder afghanischen Regimes getroffen wurden, veranlassen westliche
Diplomaten
zu der
Schlußfolgerung,
daß die Bombenserie möglicherwiese
das Ergebnis zunehmender Zersetzung
innerhalb des Regimes selbst sowie in
der Demokratischen Volkspartei Ai.ghanistans (PDPA) sei.
Zwei Bomben explodieren in zwei
Hotels in Quetta.
Dabei werden 28
Menschen verletzt, von denen einer
später seinen Verletzungen erliegt;
zehn weitere Personen befinden sich
in einem kritischen Zustand.

8. Februar
In einem belebten Bazar in Peshawar explodiert eine Paketbombe. Drei
Personen, darunter ein Polizeibeamter, werden getötet und 26 weitere
verletzt.
Nach
der
Explosion
im
Stadtteil Ghantaghar
Chawk
in der

�Altstadt bricht nach der
einer Gasleitung Feuer aus.

Explosion

9. Februar
Mujahedin schießen mit einer Rakete in der Region Khost ein militärisches Transportflugzeug ab. Berichten zufolge werden dabei 30 afghanische Soldaten getötet.
Das Regime
berichtet in allen Medien ausführlich
von dem Vorfall und behauptet, es habe sich um ein nicht-militärisches
Flugzeug mit Zivilisten an Bord gehandelt.

11. Februar
Soldaten des afghanischen Regimes
feuern im Bezirk Chaman in der pakistanischen
Provinz Baluchistan
150
Artillerie-Salven ab.
Dabei werden
drei Personen getötet und zwei weitere verletzt.

14. Februar
Zwei sowjetisch-afghanische Flugzeuge verletzen pakistanischen Luftraum und werfen sechs Bomben auf Dosh
im Bezirk Chitral ab. Dabei wird ein
Angehöriger der Grenzmannschaft getötet und sieben weitere, unter ihnen
zwei Zivilisten, verletzt.
Eine von Terroristen gelegte Bombe explodiert in einem Autobus in
Bannu, einer Provinz an der nordwestlichen Grenze Pakistans.
Ein Kind
wird getötet und sechs weitere Personen verletzt.

17. Februar

vor der gemeinsamen Afghanistan-Arbeitsgruppe im Kongreß, die jüngste
Friedensoffensive der Sowjetunion sei
ein "schwach verbrämter Täuschungsversuch", weil sie nicht auf das Problem eines baldigen Truppenabzugs aus
Afghanistan eingeht.

18. Februar
Der Abteilungsleiter
für politische Angelegenheiten im US-Außenministerium, Michael Armacost, erklärt bei einem von USIAs Worldnet
übertragenen interview mit europäischen Journalisten, nur ein schneller
Rückzug sowjetischer Truppen und die
Bildung einer für die afghanischen
Flüchtlinge
annehmbaren
Regierung
könne den Frieden in Afghanistan herbeiführen.

19. Februar
Vor einer Grundschule in der Nähe
von Peshawar in Pakistan explodiert
eine von Terroristen in einem Lastwagen gelegte Bombe. Dreizehn Personen
werden getötet und mehr als 50 verwundet. Die Opfer sind hauptsächlich
pakistanische Kinder.
Schüler eines
nahegelegenen
Gymnasiums
verwüsten
das Büro der Jamiat-e-lslami, einer
afghanischen
Widerstandsgruppe,
bei
deren Büro der Lkw abgestellt worden
war. Die Schüler rufen gegen die afghanischen Flüchtlinge gerichtete Parolen und stecken zwölf Fahrzeuge der
Gruppe in Brand.
Sie plündern ein
weiteres Jamiat-Büro, bevor sie von
den bedrängten afghanischen Flüchtlingen, die Warnschüsse in die Luft
feuern, zurückgetrieben werden.
Das
rechtzeitige Eintreffen der pakistanischen Polizei verhindert eine Eskalation der Situation.

Ein Beamter des US-Verteidigungsministeriums, Fred Ikle, berichtet
- 9 -

�21. Februar
In Peshawar in Pakistan werden
die Geschäfte geschlossen, als Schülergruppen gegen den Mord der bei dem
Bombenanschlag der Terroristen am 19.
Februar getöteten Schulkinder demonstrieren und auf die Straße gehen, um
die
Ausweisung
der
afghanischen
Flüchtlinge zu fordern. Die Zahl der
Toten bei dieser Explosion steigt auf
14.
70 weitere Personen, meist Kinder, befinden sich noch in stationärer Behandlung.
Der Zustand einiger
Kinder ist als ernst zu bezeichnen.
Obwohl die pakistanische Regierung den Familien der Opfer eine Entschädigung zusagt, ist die Stimmung
in der Stadt von Wut geprägt, und zu
ersten Mal in acht Jahren gibt es Zusammenstöße zwischen Pakistanis und
afghanischen
Flüchtlingen.
Zwei
Flüchtlinge werden bei einem Feuergefecht in der Nähe des Explosionsortes
verletzt.
Die Demonstranten fordern
die Rückkehr der Flüchtlinge und den
Rücktritt
der Provinzregierung, da
diese nicht imstande sei, Sicherheit
zu garantieren.
Alle Universitäten
und die ihnen angeschlossenen Fakultäten in peshawar sowie alle Bildungseinrichtungen
in
der
Region
Peshawar werden auf unbestimmte Zeit
geschlossen.

22. Februar
Das afghanische Regime und die
Sowjetunion
unterzeichnen
in Kabul
ein Abkommen über die Zusammenarbeit
bei
Bewässerungsprojekten
für
den
Zeitraum 1986 bis 1989. Die Sowjetunion wird bei der Errichtung eines
Staudamms am Fluß Kokcha, dem Bau eines Kanals und der Bohrung tiefer
Brunnen mitarbeiten.
Die

Sowjetunion

wird

ferner

die

Instandsetzung
des
Bewässerungssystems im Norden des Landes und den
Bau von Pumpstationen beim Fluß Kunduz unterstützen.

24. Februar
Berichten der Mujahedin zufolge
wurden in den vergangenen drei Wochen
insgesamt 20 Flugzeuge sowjetischer
Herkunft abgeschossen, während
die
Kampfhandlungen eskalierten, weil die
Mujahedin den von der Regierung einseitig
verhängten
Waffenstillstand,
der angeblich am 15. Januar in Kraft
getreten war, nicht eingehalten hatten.
Sie behaupten weiterhin, 1 400
sowjetisch-afghanische
Soldaten
in
diesem gleichen Zeitraum getötet oder
verletzt zu haben.

25. Februar
Bei einer Pressekonferenz unmittelbar vor Wiederaufnahme der Annäherungsgespräche
zwischen
Afghanistan
und Pakistan erklärt der Sonderbeauftragte des Generalsekretärs der Vereinten Nationen bei den Verhandlungen, Diego Cordovez, daß der Zeiuplan
für
den
Rückzug
der
sowjetischen
Truppen der einzige, noch anstehende
Themenkomplex sei.
Die Vereinten Nationen veröffentlichen ihren dritten Bericht über die
Menschenrechtssituation
in Afghanistan und kommen zu der Schlußfolgerung, daß nach dem Waffenstillstand
und dem im Januar von dem Regime in
Kabul
verkündeten
Amnestie-Programm
"keine
entscheidende
Änderung"
zu
verzeichnen ist.
Der 12 Seiten umfassende Bericht
wurde vom Sonderberichterstatter der
Kommission, Felix Ermacora, für die
Menschenrechtskommission der Verein-

- 10 -

�ten Nationen erstellt.
Dem Bericht
zufolge dauern die Kämpfe in den
Grenzgebieten an, und die Zahl der
nach Pakistan strömenden Flüchtlinge
nimmt ständig zu.
Das internationale Kommitee des
Roten Kreuzes
(ICRC) erklärt, daß
seine Vertreter vom 4. März an afghanische Gefängnisse besuchen werden.

26. Februar
Bei einem Bombenangriff sowjetisch-afghanischer Kampfflugzeuge auf
drei pakistanische Grenzdörfer in der
Nähe von Miranshah in der Provinz
Nord-Waziristan werden mindestens 58
Menschen getötet und 190 verletzt.
Dreißig Minuten lang bombardieren 16
Flugzeuge
in zwei Formationen das
Dorf Moza Qilli Ghulam Khan, als die
meisten der afghanischen Flüchtlinge
auf dem belebten Bazar einkaufen.

27. Februar
Mindestens 25 Menschen werden getötet oder verletzt, als sowjetischafghanische Flugzeuge Dörfer in der
Region
Parachinar
(Provinz Kurram)
bombardieren.
Die
Bomben
treffen
Menschen, die gerade nach dem Freitagmittagsgebet auseinandergehen sowie ein Krankenhaus für afghanische
Flüchtlinge.

3. März
Bei einem Bombenangriff von vier
sowjetisch-afghanischen
Flugzeugen
auf ein Flüchtlingslager in der Nähe
von Chitral in Nordwest-Pakistan sind
zwei Tote und fünf Schwerverletzte zu
beklagen.

4. März
In Quetta, Pakistan, wird durch
eine von Terroristen gelegte Bombe
eine Person getötet und drei weitere
verletzt.

9. März
Berichten der afghanisch-islamischen Nachrichtenagentur
zufolge
einer
für gewöhnlich
zuverlässigen
Quelle, die der Widerstandsbewegung
zugeneigt ist - haben die Mujahedin
im Januar und Februar insgesamt 130
sowjetisch-afghanische Flugzeuge und
Hubschrauber abgeschossen.
Wie verlautet, wurden davon 77 im Januar und
26 im Februar über dem Gebiet von Afganistan abgeschossen.
Die meisten
dieser Behauptungen können nicht belegt werden.
Den Agenturmeldungen zufolge wird
außerdem am 4. März in der Nähe des
sowjetisch-afghanischen
Luftwaffenstützpunktes in Bagram, westlich von
Kabul,
ein
viermotoriges
militärisches Transportflugzeug
von einer
Rakete der Mujahedin
abgeschossen.
In dem Flugzeug befinden sich L5 Angehörige des afghanischen und sowjetischen Militärs.
Der Strom afghanischer Flüchtlinge nach Pakistan hält weiterhin an
und beläuft sich auf ca. 8 000 pro
Monat, berichtet der Flüchtlingskommissar der nordwestlichen Grenzprovinz Pakistans in einer Fernsehansprache.
Die Mujahedin starten vom Gebiet
der Grenzstadt Emam Saheb in der Provinz Kunduz aus einen Raketenangriff
auf
sowjetisches Territorium.
Der
Angriff hat Vergeltungsmaßnahmen sowjetischer Truppen zur Folge, die direkt aus der zentralasiatischen Pro-

- 11 -

�vinz Tadzhikistan entsandt werden.

10. März
Der Sonderbeauftragte des Generalsekretärs der Vereinten Nationen
für die Annäherungsgespräche, Diego
Cordovez, berichtet Journalisten in
Genf, daß die letzte Runde der zweiwöchigen Gespräche im Hinblick auf
den
vorgeschlagenen
Zeitraum
des
Rückzugs eine "entscheidende Verringerung der Kluft" zwischen den beiden
Gesprächsteilnehmern
- Pakistan
und
Afghanistan
- erbrachte.
Er
führt
aus, daß der Zeitraum jetzt "weniger
als ein Jahr" beträgt.
Berichten zufolge werden mehr als
100 sowjetische und afghanische Soldaten getötet und zahlreiche Militärfahrzeuge zerstört, als die Mujahedin
eine sowjetisch-afghanische Offensive
in der Provinz Kandahar zurückschlagen.
Bei einer weiteren Operation in
der Provinz Herat töten die Mujahedin
angeblich 54 sowjetische und afghanische Soldaten und zerstören drei
Panzer.

Gründung einer mit Funkgeräten und
hochentwickelten Waffen ausgerüsteten
Sondereinheit zum Einsatz gegen Agenten der afghanischen
Geheimpolizei
(KHAD), die
in Pakistan Terroranschlägen mit Bomben verüben. Er berichtet von mehr als 150 Bombenexplosionen im Jahr 1986 zumeist in den
nördlichen
Gebieten Pakistans, vor
allem in Peshawar.
Die Mujahedin verüben einen Raketenanschlag
auf den Flughafen von
Kandahar, feuern aus kürzester Entfernung mehr als 100 Raketen ab und
bringen den sowjetischen Truppen, die
vor kurzem von ihren Stützpunkten in
Herat und Shindand zum Flughafen verlegt worden waren, schwere Verluste
bei. Diese sowjetischen Soldaten waren an Operationen im südlichen Teil
der Provinz an der pakistanischen
Grenze beteiligt.

13. März
Westliche Diplomaten bestätigen,
daß die Landwirtschafts- und Gesundheitsminister des Regimes in Kabul
entsprechend einem im vergangenen November
begonnenen
Entlassungssohema
auf Ministerebene ihres Amtes enthoben werden.

Raketen beschädigen drei Häuser
in der außerhalb von Peshawar an der
Straße nach Khyber gelegenen Gemeinde
Hayatabad.
Mindestens fünf Raketen,
die offensichtlich von den Bergen um
den Khyber Paß aus abgeschossen wurden, treffen die Gemeinde. Vor diesem Zwischenfall war die Gemeinde bereits zweimal Raketenangriffen ausgesetzt, dieses Mal verursachen die Raketen jedoch ernsthaften Schaden.

Nach Aussagen westlicher Diplomaten werden drei Hubschrauber von Mujahedin in der Provinz Nangarhar abgeschossen.
Unbestätigten Meldungen
zufolge greifen sie ebenfalls den
Flughafen von Jalalabad an.

12. März

18. März

Der
erklärt

pakistanische
Innenminister
der Nationalversammlung die

15. März

Medien des Regimes in Kabul berichten, daß die Sowjetunion und das

- 12 -

�Regime einen 21 Millionen Rubel Vertrag zur Erschließung des Yateem-Tao
Erdgasfeldes
unterzeichnet
haben.
Die Erschließungsarbeiten sollen im
Juni aufgenommen werden und binnen 14
Monaten abgeschlossen sein.
Die Sowjets steuern 15 Millionen Rubel bei,
der restliche Betrag wird aus dem
Haushalt des Regimes finanziert.

20. März
Bei einer im Weißen Haus abgehaltenen besonderen Feierstunde aus Anlaß des Afghanistan-Gedenktages erklärt Präsident Reagan: "Ein Waffenstillstand, der nicht mit dem Abzug
der sowjetischen Truppen einhergeht,
ist bedeutungslos". Er verweist ferner darauf, daß die weitere Unterstützung
der
afghanischen
Widerstandsbewegung durch die internationale Gemeinschaft von entscheidender
Bedeutung ist, da deren Erfolge die
Sowjets bereits veranlaßt haben, offensichtliches Interesse an einer politischen Lösung zu zeigen.
Charles Dunbar, der Sonderberater
für Afghanistan im US-Außenministerium, erklärt bei einer Pressekonferenz
im Foreign
Press Center
in
Washington, D.C. , daß sich der Krieg
in Afghanistan zu einer nationalen
Bewegung entwickelt hat, die von einer neuen Generation von Intellektuellen und politisch bewußten Führungskräften angeführt wird.

23. März
10 bis 12 sowjetisch-afghanische
Kampfflugzeuge verletzen den pakistanischen Luftraum
über der Provinz
Kurram und bombardieren Teri Mangal.
Bei diesem Zwischenfall werden mindestens 51 Menschen getötet und mehr
als 100 verletzt.
Ungefähr 60 Ge-

schäfte, einige Häuser und eine Schule werden beschädigt.
Sechs
sowjetisch-afghanische
Kampfflugzeuge verletzen den pakistanischen Luftraum
über der Provinz
Waziristan, und bei einem Bombenangriff auf Angur werden 22 Tote und 26
Verletzte gezählt.
Unter den Toten
sind elf Pakistani.
Am darauffolgenden Tag, dem 24.
März, verurteilt
der Sprecher des
Außenministeriums Charles Redman die
Angriffe und bezeichnet sie als "brutale Versuche, einen Wandel in der
Afhanistan-Politik Pakistans zu erzwingen" .

25. März
80 Menschen, die meisten von ihnen afghanische Mujahedin, finden bei
einem
Bombenanschlag
sowjetisch-afghanischer Kampfflugzeuge auf Dörfer
in der Region Rabat an der gemeinsamen Grenze von Iran, Pakistan und Afghanistan den Tod, und mehr als 60
Personen werden verletzt.
Die der
Widerstandsbewegung zugeneigte afghanische islamische Presse berichtet,
daß 12 Düsenjäger Bomben über dem Gebiet abgeworfen haben, die auf das
Territorium aller drei Länder fielen.
Iranische Truppen nehmen die Flugzeuge unter Beschuß, ohne sie jedoch zu
treffen.
Das vorwiegend von Mujahedin und Flüchtlingen bewohnte Rabat
wird als einer der wichtigsten Luftkorridore von Afghanistan nach Iran
und Pakistan angesehen.

26. März
Der stellvertretende Generalsekretär und offizielle Beauftragte der
Vereinten Nationen für die Durchführung der Annäherungsgespräche, Diego

- 13 -

�Cordovez, betont während einer Pressekonferenz in New York, daß die in
Genf abgehaltenen Gespräche nur bestimmte, zu einer Aussöhnung führende
Voraussetzungen schaffen können und,
daß alle Afghanen mit dem Entwurf einer "Pax Afghana" für eine innenpolitische Lösung beginnen müssen.
Sowjetisch-afghanische Kampfflugzeuge bombardieren Kotri in der Nähe
von Teri Mangal in der pakistanischen
Provinz Kurram, wobei fünf afghanische Flüchtlinge getötet und acht
verletzt werden

27. März
Richard Murphy, Staatssekretär im
US-AuBenministerium
für Nahost und
Südasiatische Angelegenheiten erklärt
in einem Worldnet-Interview mit europäischen Journalisten, daß die Gefahr
einer Ausweitung des Krieges in Afghanistan besteht und daß dieser zu
einer
direkten Bedrohung
Pakistans
werden könnte. •

31. März
Westliche
Diplomaten
berichten,
daß die Mujahedin in den vorausgegangenen zehn Tagen 14 sowjetisch-afghanische Kampfflugzeuge sowie am 23.
März in der Nähe von Khost in der
Provinz Paktia drei, und in der Nähe
von Kandahar vier Hubschrauber abgeschossen haben.

2. April
Ein sowjetisch-afghanischer Hubschrauber wird abgeschossen, und in
Kandahar werden 14 Soldaten und ein
Offizier des afghanischen Regimes getötet. Berichten zufolge kam es zum
Ausbruch der Kampfhandlungen, als die
Ortsbewohner sich weigerten, von den
Sowjets zur Verfügung gestellte Nahrungsmittel und andere Hilfsgüter anzunehmen.

7. April
30. März
Zwei F-16 Flugzeuge der pakistanischen Luftwaffe schießen ein afghanisches Aufklärungsflugzeug ab, das
zusammen mit anderen Flugzeugen den
pakistanischen Luftraum bis in eine
Tiefe von 10 Meilen verletzt hat. Es
wird beobachtet, wie das sowjetischafghanische Flugzeug an einem Berg im
Norden von Parachinar im Zentrum der
Provinz Kurram zerschellt.
Später behauptet das Regime in
Kabul, daß es sich um ein ziviles
AN-26 Flugzeug mit 40 Passagieren an
Bord auf dem Flug von Kabul nach
Khost handelte, aber Pakistan besteht
darauf, daß das Flugzeug eine militärische Kennung hatte.

Ein mit 70 Mann besetzter sowjetischer Posten wird in der Näh~ von
Khinjan an der Autostraße im Norden
des Salang Tunnels von einer gewaltigen Lawine verschüttet. Nach Aussagen westlicher Diplomaten wird die
gesamte
sowjetische
Besetzung
des
Stützpunktes getötet und sowjetische
Streitkräfte müssen
zum Freiräumen
der
von
Schneemassen
blockierten
Straße Artillerie einsetzen.

8. April
Mujahedin
greifen mit Brandanschlägen die Stadt Pyandzh im sowjetischen Tadzhikistan an, wobei den
sowjetischen Medien zufolge zahlreiche sowjetische Bürger den Tod finden

- 14 -

�oder verletzt werden.
Der Angriff
wird
angeblich
vom KGB-Grenzschutz
zurückgeschlagen.
In Logar wird eine im Hinterhalt
liegende Mujahedin-Truppe von sowjetisch-afghanischen
Einheiten
angegriffen. Während der darauf folgenden heftigen Kämpfe werden angeblich
50 bis 60 sowjetische und afghanische
Soldaten getötet und vier gepanzerte
Fahrzeuge
zerstört.
Die Mujahedin
verlieren 17 Mann.

9. April
Bei einem terroristischen Bombenanschlag auf den Kashmiri Bazar in
Rawalpindi in Pakistan finden acht
Menschen den Tod, und nahezu 40 werden verletzt, sechs von ihnen schwer.
Die Bombe war angeblich von Agenten
des Regimes in Kabul gelegt worden.

12. April
Vier
sowjetisch-afghanische
Düsenjäger verletzen den pakistanischen
Luftraum und bombardieren den Westen
der Provinz Bajaur.
Sie kehren um,
als zwei pakistanische F-16 auftauchen.
Die
afghanische
Artillerie
nimmt ferner ein Dorf dieser Provinz
mit Granatfeuer unter Beschuß, wobei
eine Person getötet und eine weitere
verletzt wird.

15. April
Die Medien in Kabul beschuldigen
die Mujahedin, 13 Raketen auf Gardez,
die Provinzhauptstadt von Paktia, abgeschossen zu haben.
Die Mujahedin
behaupten, mehr als 50 Soldatn des
afghanischen Regimes in der Umgebung
dieses Gebietes getötet zu haben.

19. April
In einer Ansprache vor Investoren
der Privatwirtschaft in Kabul betont
Staatschef Najibullah, daß er eine
Isolierung
der
afghanischen
Wirtschaft von den internationalen Handels- und
Kapitalmärkten
bedauern
würde. Er erklärt, auch er wolle vom
gesamten Nutzen der "internationalen
Arbeitsteilung" profitieren und hoffe, ausländische
Investitionen
ins
Land bringen zu können.
Er betont,
daß das außerordentliche Plenum des
PDPA-Zentralausschuses
besonderen
Wert auf die politische Bedeutung der
wirtschaftlichen Aspekte der nationalen Aussöhnung legt.

21. April
Bakhtar, die
Nachrichtenagentur
des Regimes in Kabul, berichtet von
der Aufdeckung einer Verschwörung zur
Ermordung von Najibullah, an der sowohl der pakistanische Geheimdienst
als auch "Feinde des nationalen Aussöhnungsprozesses in Afghanistan" beteiligt
sind.
Spekulationen westlicher Diplomaten zufolge könn en an
der angeblichen Verschwörung Anhänger
der Demokratischen Volkspartei Afghanistans (PDPA) oder des Regimes beteiligt gewesen sein, die gegen Najibullah und sein nationales Aussöhnungsprogramm sind.
Seit der Aufdeckung der Verschwörung trat Najibullah zweimal, von acht sowjetischen
Sicherheitskräften
umringt, in der
Öffentlichkeit auf.

22. April
Der Vorsitzende des Staatskommitees für Auswärtige Beziehungen der
UdSSR, K. F. Katuschew, beendet einen
offiziellen Besuch in Afghanistan.

- 15 -

�Während
seines Aufenthaltes unterzeichnet er ein Protokoll über afghanisch-sowjetische Zusammenarbeit bei
verschiedenen Projekten.
Technische
und
wirtschaftliche
Durchführbarkeitsstudien werden für 171 der von
Afghanistan vorgeschlagenen Projekte
erstellt werden, dazu zählen 38 Projekte im privaten und gemischtwirtschaftlichen Bereich sowie 12 gemeinsame afghanisch-sowjetische Projekte
für den Privatsektor.
Die pakistanische Polizei berichtet, daß sie in einem Dorf in der Nähe von Peshawar drei KHAD-Agenten ergriffen und verhaftet sowie fünf andere Verdächtige zur weiteren Ermittlung
in Gewahrsam genommen haben.
Die Polizei kann eine als Spielzeug
getarnte
Streubombe
sicherstellen.
Die Agenten geben zu, daß die Bombe
aus Afghanistan stammt und an einem
dicht
bevölkerten
Platz
deponiert
werden sollte. Die Verhafteten sagen
aus, ihnen seien hohe Belohnungen
versprochen worden, wenn durch die
Bombenexplosion so viele Menschen wie
möglich umkommen würden.

24. April
Mujahedin berichten, daß sie vom
14. bis 25. April 14 sowjetisch-afghanische Militärflugzeuge abgeschossen haben.
Westliche Diplomaten stellen anhaltende Vergeltungsschläge
in der
nördlichen Provinz Kunduz fest - vor
allem im Gebiet von Emam Sahib, wo
die sowjetische Artillerie vorsätzlich Dörfer zerstört - und schlagen
vor, daß die Bevölkerung aus dem an
die Sowjetrepublik Tadzhikistan angrenzenden
Gebiet evakuiert werden
sollte, wo die Mujahedin vor kurzem
erfolgreiche
Überfälle
durchgeführt
hat.

27. April
Das Regime in Kabul feiert den
neunten Jahrestag der kommunistischen
Machtübernahme in Afghanistan wie gewöhnlich
mit
Militärparaden
und
scharfen
SicherheitsVorkehrungen.
Die diesjährigen Gedenkfeier der Säur
Revolution steht im Zeichen von Najibullahs
nationalem
Aussöhnungsprogramm.
Es herrscht Unklarheit über die
Zahl der Flüchtlinge, die dem Aufruf
des Regimes zur nationalen Aussöhnung
Folge geleistet haben und nach Afghanistan
zurückgekehrt
sind.
Der
Außenminister
des
Regimes,
Abdul
Wakil, erklärt im Verlauf der Jubiläumsfeier, "nahezu 35 000" seien zurückgekehrt.
Im Gegensatz dazu berichtet die Kabul New Times in ihrer
Sonderbeilage zur Säur Revolution vom
26. April, "44 000 Flüchtlinge" seien
in ihre Heimat zurückgekommen, wohingegen in der Ausgabe vom 16. April
von "mehr als 52 000" Heimkehrern die
Rede war.
In einer Ansprache verkündet Najibullah, in 1 681 Dörfern seien nationale Aussöhnungskomitees gegründet
worden.
Die offiziellen, jährlich
vom Regime veröffentlichten Statistiken führen insgesamt 31 413 Dörfer in
Afghanistan mit dem Hinweis auf, daß
davon bisher erst 6 Prozent über solche Komitees verfügen.
Auf Einladung des Regimes besichtigen 25 in Moskau und drei in Neu
Dehli akkredidierte westliche Journalisten die Grenzstadt Khost, in der
schwere Kämpfe stattgefunden hatten.
Die offiziellen Vertreter des Regimes
zeigen ihnen das Wrack eines Transportflugzeuges, das ihren Aussagen
zufolge Zivilpersonen an Bord hatte,

- 16 -

�als es von einer STINGER-Rakete der
Mujahedin
abgeschossen wurde.
Die
Journalisten können deutlich die militärische Kennung auf dem Flugzeug
ausmachen.

28. April
Burhanuddin Rabbani, Anführer der
Jamiat-e-Islami
WiderStandsgruppe,
die der Sieben-Parteien-Allianz angehört, erklärt den in einer Moschee in
Peshawar versammelten Gläubigen, daß
die Sowjetunion das Thema von Ex-König Zahir erneuter Machtübernahme absichtlich zur Sprache gebracht habe,
um in den Reihen der afghanischen Mujahedin Zwietracht zu sähen.

29. April
Pakistan
berichtet vom Abschuß
eines pakistanischen Flugzeugs auf
Patrouillenflug
entlang der Grenze
durch eindringende sowjetisch-afghanische Düsenjäger.
Der Pilot kann
sich jedoch mit dem Schleudersitz in
der Nähe von Miranshah in der Provinz
Nord-Waziristan retten.

4. Mai
Der indische Minister für Auswärtige
Angelegenheiten,
Narain
Dutt
Tiwari, erklärt anläßlich eines offiziellen Besuches in Kabul, daß sein
Land eine vertraglich ausgehandelte
politische Beilegung des AfghanistanProblems fordert, damit dauerhafter
Frieden in Asien geschaffen werden
kann. Er führt aus, daß es keine militärische Lösung für dieses Problem
geben kann und verleiht seiner Hoffnung Ausdruck, daß die Initiative der
Vereinten Nationen in den kommenden
Monaten weitere Fortschritte machen
werde.

Unbestätigten diplomatischen Berichten zufolge gibt der Außenminister des Regimes, Abdul Wakil, seinem indischen Amtskollegen gegenüber
zu, daß seit der Erklärung des einseitigen Waffenstillstands durch das
Regime, der mit Datum vom 15. Januar
für sechs Monate in Kraft ist, vermehrte Aktivitäten der Mujahedin zu
beobachten sind.
Der Minister räumt
ein, daß die Mujahedin einen Großteil
des Landes kontrollieren, droht jedoch mit "massiven" Vergeltungsschlägen, falls dies bei Beendigung des
sogenannten Waffenstillstands am 15.
Juli immer noch der Fall sei.
Den Berichten zufolge gelingt es
Wakil ferner nicht, Tiwari zur Zustimmung zu einer Mittlerrolle zwischen dem Regime und Ex-König Zahir
Shah zu gewinnen, der sich im Exil in
Rom befindet.
Der
abgesetzte
afghanische
Staatschef Babrak Karmal begibt sich
auf Einladung der sowjetischen Regierung und auf Anraten seiner Arzte zur
medizinischen Behandlung und Erholung
nach Moskau.
Während des Frühgebets explodiert
in einer Moschee in der Stadt Miranshah in der pakistanischen Provinz
Nord-Waziristan eine Bombe, der sieben Tote und elf Verwundete zum Opfer
fallen.
Eine weitere Bombe explodiert im Büro des Verwalters der afghanischen Flüchtlinge; es wird jedoch niemand verletzt.
Eine dritte
Bombe kommt in einem nahegelegenen
Park
zur Explosion.
Dabei werden
zwei Menschen verletzt.
Mehr als ein Dutzend sowjetischafghanischer
Kampfflugzeuge
werfen
Bomben über drei pakistanischen Dörfern in der Provinz Nord-Waziristan
ab, in denen sich zahlreiche afgha-

- 17 -

�nische
Flüchtlingslager
befinden.
Die Bomben
zerstören acht Häuser,
auch das Haus des Flüchtlingsvertreters am Ort. Zwei pakistanische Kinder sterben, und sieben weitere werden ernsthaft verwundet.

8. Mai
Zalmay Khalilzad, ein Mitglied
des
politischen
Planungsrates
des
Außenministeriums für dieses Gebiet,
erklärt, daß die Vereinigten Staaten
Afghanistan bei der Behandlung anderer Ost-West Themen mit der Sowjetunion nicht aufgeben werden. Er betont, daß Afghanistan das bedeutendste der regionalen Probleme zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion darstellt und eine Lösung
dieses Problems entscheidend zu einer
Verbesserung der Beziehungen zwischen
den
beiden
Supermächten
beitragen
würde.
Seine Ausführungen macht er
anläßlich eines von der "Stimme Amerikas"
und
der
Universität
von
Pennsylvania veranstalteten eintägigen
Afghanistan-Seminars
in
Washington, D.C.
Berichten
westlicher
Diplomaten
zufolge
demonstrieren
studentische
Anhänger
des
entmachteten
afghanischen Staatschefs Babrak Karmal der angeblich am 4. Mai nach Moskau
"ins Exil geschickt" wurde - vor dem
Innenministerium, bis sie von der Obrigkeit gewaltsam auseinandergetrieben werden. Ferner werden drei Bomben, die im Kabuler Stadtteil Microrayon
explodieren,
Karmal-Anhängern
zugeschrieben.
Andere Berichte deuten an, daß einige der Karmal-Anhänger verhaftet worden sein könnten.

9. Mai
Die

Kabul

New

Times

daß eine Delegation von Vertretern
der Parteien und des Staates aus
Balkh, Jauzjan und Samangan im Rahmen
der wachsenden wirtschaftlichen Verpflichtungen zwischen den nordafghanischen Provinzen und den angrenzenden
sowjetischen
zentralasiatischen
Republiken zu Gesprächen mit den Regionalbehörden von Surkhandarinskaya
Oblast, Samarkand, Tashkent und Ferghana in die Sowjetrepublik Uzbekistan
gereist ist.
Entsprechende Delegationen waren am 26. April von Uzbekistan nach Afghanistan gereist.

11. Mai
Dreiundsechzig Soldaten des afghanischen Regimes, die sich angeblich gegen ihre Offiziere auflehnten
und diese in ihren Kasernen ermordeten, entkamen nach Miranshah in der
Provinz Nord-Waziristan.

14. Mai
Vier Menschen finden bei der Explosion einer Paketbombe in einem Bus
im Busbahnhof in Peshawar den Tod,
und 32 weitere werden verletzt. Der
Bus fängt Feuer und brennt vollständig aus. Einige in der Nähe befindliche Busse werden beschädigt.
Der
Bombenanschlag
wird Saboteuren des
Regimes in Kabul zugeschrieben.

15. Mai
Die Mujahedin behaupten, in den
vorangegangenen 10 Tagen drei Hubschrauber über dem Gebiet von Kabul
abgeschossen
und damit die sowjetisch-afghanischen
Militärflugzeuge
zu verstärkten Nachtflügen veranlaßt
zu haben.

berichtet,
- 18 -

�16. Mai
Während der Kämpfe im Gebiet von
Charikar in der Provinz Parwan in den
vergangenen drei Tagen wird der strategisch wichtige Salang-Tunnel auf
der Hauptstraße zwischen Kabul und
der Sowjetunion für zwei Tage geschlossen.

21. Mai
Ein Beamter des US-Außenministeriums erklärt die Sowjetunion wegen
ihren Versuchen, in Kabul ein Vasallenregime zu gründen, zum Verursacher
der Menschenrechtsverletzungen in Afghanistan.
James Montgomery, stellvertretender Staatssekretär für Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten bezeugt bei der Anhörung des
Kongresses die Mißachtung der Menschenrechte in Afghanistan.
Seinen Aussagen nach können zunehmende Repressalien gegen Zivilisten beobachtet werden, einschließlich der "taktischen und strategischen Evakuierung von Gebieten" wie
zum Beispiel in den Provinzen NordKunduz und Takhar und "Vergeltungmaßnahmen sicherheitshalber" wie in den
Dörfern nördlich von Kabul und andernorts.
Montgomery erwähnt die Anwendung
"blinder Gewalt" entlang der Straßen,
die nicht nur die Zerstörung von
Wohnhäusern sondern sogar von Obstgärten und Weinbergen zum Ziel hat.
Laut Montgomery werden unbestätigten
Meldungen zufolge im Gebiet von Herat
chemische Waffen eingesetzt.
Der
Regierungsvertreter
beendet
seine Ausführungen mit der Schlußfolgerung, daß die einzige Lösung des
Menschenrechtsproblems im Rückzug der
Sowjets aus Afghanistan liegt.
- 19 -

�THEMENINDEX AMERIKA DIENST (1. Halbjahr 1987)
Nachstehend eine Liste der Themen, die im Amerika Dienst (1. Halbjahr 1987) erschienen sind. Sie gibt einen Überblick über die wichtigsten Themenkreise. Angegeben ist jeweils die Nummer der Ausgabe, in
der das betreffende Thema behandelt wird.

THEMENKREIS

NUMMERN DER AUSGABEN

Afghanistan

1

Mittelamerika

7, 17

Südafrika

8

Martin Luther King

2

Vereinigte Staaten
Haushalt 1987/88
Botschaft zur Lage der Nation
Reagans Jahreswirtschaftsbericht
Iran/Geiseln - Waffenaustausch
Tower-Kommission
45. Jahrestag "Stimme Amerikas"
Marshall-Plan
Nominierungen

2
4
5
9, 11
9
9
21, 22
10, 21

Ost-West-Beziehungen
und
Rüstungspolitische Themen
Abrüstung/Rüstungskontrolle

3, 5, 10, 11, 13, 15, 16, 17,
18, 20, 22
5, 6, 7, 8
14
16
11
11, 23
9, 12, 15, 18
10, 13, 19
18
23

Strategie zur Nat. Sicherheit
Spionage Moskauer Botschaft
Null-Lösung
SDI
NATO
INF
ABM
START
Reagan-Besuch in Bonn
- 1 -

�Internationale Probleme
Wirtschaft
Wirtschaftsgipfel Venedig
Sonderausgaben
Terrorismus
Kommunismus
Drogen
Menschenrechtsverletzungen
Tschernobyl
Persischer Golf

10, 14, 15, 16, 17, 18, 22
22, 23
21. Mai u. 1. Juni 1987
4,, 22
2
8, 9, 20, 21
10
17
21, 22

Wissenschaft und Technik
Rauchen
NASA
Weltraum allgemein
Forschung
AIDS
Krebs

2, 4, 15, 22
5, 21
3, 7, 23
12, 13, 16, 21
11, 14

- 2 -

�Reden und Erklärungen des amerikanischen Botschafters
Richard R. Burt
18. Januar 1987
Die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutschland:
Moderne Gesellschaftssysteme und ihre Herausforderungen
(Tönnissteiner Kreis)

11. Februar 1987
Die amerikanisch-europäischen Wirtschaftsbeziehungen:
Mythen und Verpflichtungen
(Industrie-Club, Düsseldorf)

1. A p r i l 1987
Die wiedergeborene Null-Lösung
( A r t i k e l für New York Times, 18. März 1987)

8. April 1987
Warum amerikanische Truppen in Europa bleiben sollen
AD Nr. 13 - 8. April 1987

15. April 1987
Glasnost und der Konsens im Westen
- Ansprache in Berlin -

5. Mai 1987
Burt: Deutsch-amerikanische Zusammenarbeit Schlüssel zur
Rüstungskontrolle
- Rede in Ansbach -

20. Mai 1987
Glasnost und das Bündnis
- Rede vor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik -

25. Juni 1987
Der Marshall-Plan: Politik der Vision
- Rede aus Anlaß des 40. Jahrestages der Verkündung des
Marshall-Plans in Berlin -

- 3 -

�Sonderdienste

März 1987
Die sowjetische Militärmacht 1987
(Sechste Dokumentation des US-Verteidigungsministeriums)

Juni 1987
Berliner Mauer niederreißen für die Sache des Friedens
- Ansprache Präsident Reagans vor dem Brandenburger Tor

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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan fordert Abschaffung von Handelsschranken in der Landwirtschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung zur Reform des Handels mit Agrarprodukten -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Chronologie der Ereignisse&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Dezember 1986 bis Mai 1987 -&lt;/em&gt;</text>
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AMERIKA DIENST

26

2 2 . J u l i 1987

I N H A L T

DOKUMENTATION

UN-Resolution für gerechten und dauerhaften Frieden am Golf
- US-Außenminister Shultz vor dem Weltsicherheitsrat -

Verifizierung grundlegend für Reform des Agrarhandels
- Worldnet mit dem US-Handelsbeauftragten Yeutter -

HINTERGRUNDMATERIAL

Wird Moskau die "echte Null-Lösung" akzeptieren?
•

- Von Kenneth L. Adelman -

HINWEIS: Wir bitten unsere Leser um Verständnis, wenn der
AMERIKA DIENST während der Urlaubszeit nicht immer mit der
gewohnten Regelmäßigkeit erscheinen wird.
Ihre Redaktion
* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
Dokumentation

22. Juli 1987

26

UN-RESOLUTION FÜR GERECHTEN UND DAUERHAFTEN FRIEDEN AM GOLF
- US-Außenminister Shultz vor dem UN-Sicherheitsrat VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Dem amerikanischen Außenminister
Shultz zufolge strebt die internationale Staatengemeinschaft nach einem gerechten und dauerhaften Frieden am Persischen Golf, "ohne Sieger und Besiegten, ohne Verlust nationalen Territoriums irgendeines Kriegsteilnehmers".
In seinen Ausführungen vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zur
Erklärung der amerikanischen Haltung gegenüber der Resolution zum Konflikt
zwischen Iran und Irak erklärte Shultz am 20. Juli 1987 außerdem, daß der
Krieg "neue und ernste Gefahren für die regionale Stabilität, für das Wohlergehen der nicht am Krieg beteiligten Staaten und in der Tat für den Weltfrieden darstellt".
Die Erklärung des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:

Ich bin heute aus einem zwingenden Grund zum Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gekommen: um mich an
seiner entschlossenen Aktion zur Beendigung
des
verheerenden
Krieges
zwischen Iran und Irak zu beteiligen.
Dieser Konflikt hätte niemals begonnen werden dürfen.
Sein Andauern
sollte nicht gestattet werden. Meine
Regierung kann einfach nicht erkennen, wie den Interessen des Irak oder
des Iran oder der internationalen
Staatengemeinschaft durch die Verlängerung dieses gefährlichen und zerstörerischen Konflikts gedient sein

United States Information Service
Embassy of the United States of America

könnte.
Im September wird dieser Krieg in
sein achtes Jahr gehen. Die blutigen
Kämpfe dauern nun schon länger als
der Erste oder der Zweite Weltkrieg.
Sie haben einen außergewöhnlich hohen
Tribut
an Menschenleben gefordert,
über eine Million Menschen - Zivilisten wie auch Soldaten - sind getötet oder verwundet worden.
Städte
sind durch Artillerie und Luftangriffe dem Erdboden gleichgemacht worden.
Chemische Waffen wurden benutzt, und
diese machen keinen Unterschied zwi-

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�sehen Kombattanten und Nichtkombattanten,
wodurch
dem
unendlichen
menschlichen Leid ein weiteres grauenhaftes Element hinzugefügt wird.
Die wirtschaftliche Infrastruktur
beider Länder wurde verwüstet.
Der
Konflikt hat das soziale und kulturelle Gefüge erschüttert, das die Lebensweise der Völker des Irak und des
Iran bestimmt. Dem reichen kulturellen Vermächtnis beider Nationen wurde
schwerer
Schaden
zugefügt.
Keiner
der Kriegführenden kann diesen Krieg
gewinnen, und beide Seiten zerstören
ihren wertvollsten Reichtum, ihre Jugend.
Trotz
jahrelangen
erbitterten
Kampfes kann keine Seite dieses zermürbende Patt durchbrechen. Sein Andauern und die Gefahr einer weiteren
Eskalation bedrohen auch die internationale Staatengemeinschaft im weiteren Sinne. . Der Konflikt stellt neue
und ernste Gefahren für die regionale
Stabilität, das Wohlergehen der nicht
am Krieg beteiligten Staaten und in
der Tat für den Weltfrieden dar.
Denken Sie nur an die zunehmende Zahl
von Angriffen auf die internationale
Schiffahrt im Golf.
Denken Sie an
die vermehrten Terrorangriffe und andere Formen der Aggression, die sich
gegen nichtkriegführende Staaten in
der Region richten.
Diese um sich
greifende Bedrohung darf nicht begünstigt werden.
Zu viele haben gelitten, und zu
viel steht auf dem Spiel. Im Namen
der Menschlichkeit, im Interesse der
kriegführenden und der nichtkriegführende Staaten der Region, im Namen
des Weltfriedens und der Sicherheit
hat sich die internationale Staatengemeinschaft
zusammengefunden,
um
Einhalt
zu gebieten.
Stoppt
den
Krieg jetzt.

- 2

Der Sicherheitsrat der Vereinten
Nationen wurde ins Leben gerufen, um
gerade diese Art von Konflikten zu
unterdrücken.
Die heute zur Verabschiedung
vorliegende
Resolution
stellt eine wirkungsvolle Aktion der
internationalen
Staatengemeinschaft
dar, um einen sofortigen Waffenstillstand zu bewirken und den Rahmen für
einen
Friedensschluß
zu
schaffen.
Der Generalsekretär hat bei der Beschleunigung des beispiellosen Prozesses, der zur Verabschiedung dieser
Resolution gemäß den Bestimmungen von
Kapitel VII der UN-Charta führte,
eine
entscheidende Rolle gespielt.
Er hat die ständigen Mitglieder des
Sicherheitsrates aufgefordert, ihrer
besonderen Verantwortung gerecht zu
werden.
Dies haben wir getan, und
der Rat als Ganzes hat in dem kollegialen Geist gearbeitet, wie er den
Vorstellungen der Begründer der Vereinten Nationen bei deren Schaffung
entsprach.
Mit dieser bindenden Resolution
strebt die internationale Staatengemeinschaft
danach,
einen
systematischen Rahmen für einen gerechten
und dauerhaften Frieden ohne Sieger
und Besiegten, ohne Verlust nationalen Territoriums irgendeines Kriegsteilnehmers zu schaffen. Die Resolution ist peinlich ausgewogen.
Deshalb fordere ich die Regierungen der
Republik Irak und der Islamischen Republik Iran auf, ihre Bestimmungen
vollständig und umgehend einzuhalten
- in ihrem eigenen Interesse und in
Erwiderung
des eindeutigen
Mandats
der
internationalen
Staatengemeinschaft.
Die Resolution verlangt einen sofortigen Waffenstillstand, die Einstellung aller militärischen Handlungen und den unverzüglichen Abzug aller Streitkräfte hinter die international anerkannten Grenzen. Die Re-

�Solution leitet außerdem einen Heilungsprozeß ein, indem sie den baldigen Austausch von Gefangenen und internationale
Bemühungen
zur Unterstützung des Wiederaufbaus nach dem
Krieg fordert. Die Resolution überträgt dem Generalsekretär eine besondere Verantwortung beim Zustandekommen des Waffenstillstandes und des
Truppenrückzuges, der Entsendung einer Beobachtergruppe zur Bestätigung
und Überwachung von Waffenstillstand
und Rückzug sowie zur Beaufsichtigung
der Durchführung anderer Bestimmungen
der Resolution.
Es ist bedeutsam,
daß die Resolution die Entscheidung
des Rats enthält, sich wieder zu
treffen, um weitere Schritte zur Sicherstellung ihrer Befolgung in Betracht zu ziehen.
Als Erstes und
Vornehmstes muß das Töten aufhören.
Sofort.
Die Resolution wird gemäß den
strengsten Verfügungen der Charta der
Vereinten Nationen - Kapitel VII, Artikel 39 und 40 - verabschiedet. Im
Rahmen des Völkerrechts ist ihre Einhaltung daher
bindend.
Schon die
Verabschiedung dieser rechtsverbindlichen Entschließung ist ein historischer Schritt an sich. Und dennoch
ist ihre Annahme erst der Beginn.
Die Verantwortung für die Einhaltung
liegt
grundsätzlich
bei
Irak
und
Iran.
Unterstützt von den Mitgliedern des Sicherheitsrates und allen
anderen Organen der Vereinten Nationen wird der Generalsekretär - dem
wir volles Vertrauen entgegenbringen
- wirksame Maßnahmen zur Erleichterung
ihrer Durchsetzung
ergreifen.
Präsident Reagan hat dem Generalsekretär
seinen persönlichen Beistand
für die vor uns liegenden entscheidenden Wochen zugesagt. Die amerikanische Regierung ist bereit, sich mit
anderen zur Unterstützung seiner Bemühungen zusammenzutun.

Meine Regierung ist entschlossen,
diese bindende Resolution nicht zu
einer inhaltslosen Hülle werden zu
lassen, die Zweifel an der Wirksamkeit der Vereinten Nationen als Organisation für den Frieden aufkommen
läßt.
Wir sind voller Hoffnung und
Vertrauen, daß die heutige Entscheidung respektiert wird.
Gleichzeitig
unterstützen wir jedoch auch die entschiedene Anwendung von Maßnahmen zur
Durchsetzung
dieser
Entscheidung,
sollte die eine oder andere Partei
der
Aufforderung
dieses
Gremiums
nicht Folge leisten.
Die Regierungen von Irak und Iran
sind es ihren Völkern, ihren Kindern
und der übrigen Welt eher schuldig,
einen Weg zur Annahme dieser umfassenden Verfügung zu finden als diese
abzulehnen. Wenn sie diese befürworten, ergeben sich vielfältige Möglichkeiten bis hin zur Rolle der Vereinten Nationen bei der Bewahrung des
Friedens in der Region. Meine Regierung
unterstützt
in vollem Umfang
diese mögliche Rolle der Vereinten
Nationen sowie andere internationale
Bestrebungen, die den Abbau von Gewalt und die Wiederherstellung von
Frieden, Stabilität und der gucen Beziehungen in dieser lebenswichtigen
Region der Welt zum Ziel haben.
Lassen Sie mich hier einige Worte
zur Haltung meiner Regierung gegenüber den sich im Konflikt befindlichen Parteien hinzufügen.
In der
Vergangenheit hatten wir sowohl mit
Irak als auch mit Iran gravierende
Meinungsverschiedenheiten.
Heute
pflegen wir gute Beziehungen mit dem
Irak.
über die von der iranischen
Regierung außerhalb ihrer Grenzen angewandte Politik und Praxis sind wir
ernsthaft besorgt. Zwar respektieren
wir das Recht des iranischen Volkes
zur Bestimmung
der eigenen Regierungsform, aber die Handlungsweise

- 3 -

�der Regierung in Teheran - bis hin
zur Unterstützung terroristischer Aktivitäten - läuft den Interessen unseres Landes und unserer Bürger ebenso zuwider wie den Interessen anderer
Länder und deren Bürger.
Wir sind
nach wie vor zur Diskussion mit dem
Iran über die gravierenden Probleme
bereit, die uns weiterhin trennen.
Eine positive Antwort des Iran auf
diese Resolution und eine Beendigung
der Aggressionen gegenüber
anderen
Staaten und deren Bürger würden viel
dazu beitragen, zukünftig bilaterale
Beziehungen zum gegenseitigen Nutzen
zu ermöglichen.

und für den Frieden.
beendet werden.
Der
muß beginnen,

Herr Präsident, mit der Verabschiedung dieser Resolution hat die
internationale
Gemeinschaft
einen
kühnen Schritt nach vorne getan. Gemeinsam müssen wir jetzt weitere entscheidende
Schritte
folgen lassen,
bis unsere Ziele - Frieden und Stabilität am Golf - erreicht worden sind.
Wenn je die Notwendigkeit für den Sicherheitsrat und die Vereinten Nationen bestand, Maßnahmen zu ergreifen,
so ist es jetzt an der Zeit. Wir haben die Möglichkeit, das vornehmste
Ziel zu verwirklichen, für das das
System der Vereinten Nationen geschaffen worden ist:
Einen schwerwiegenden
Friedensbruch
beizulegen,
der die Stabilität und das wirtschaftliche Wohlergehen unserer internationalen Völkergemeinschaft gefährden.
Abschließend möchte ich betonen,
Herr Präsident, daß wir die vorliegende Entschließung unterstützen, da
wir als Ständiges Mitglied des Sicherheitrates die Verantwortung dafür
tragen, eine friedliche Beilegung gewaltsamer Konflikte anzustreben. Wir
unterstützen die Resolution, da sie
die Interessen des Iran wie auch des
Irak gerecht und umfassend anspricht.
Diese Resolution ist gegen den Krieg
r

- 4 -

Der Krieg muß
Heilungsprozeß

Herr Präsident, ich danke Ihnen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

4

22. Juli 1987

26

VERIFIZIERUNG GRUNDLEGEND FÜR REFORM DES AGRARHANDELS
- Worldnet mit dem US-Handelsbeauftragten Yeutter WASHINGTON - (AD) - Dem amerikanischen Handelsbeauftragten Clayton Yeutter
zufolge ist die Verifizierung des Abbaus von Produktionssubventionen ein
grundlegender Bestandteil der von Präsident Reagan vorgeschlagenen weltweiten
Reform des Agrarhandels.
In einer am 16. Juli 1987 über Worldnet ausgestrahlten Fernseh-Pressekonferenz mit europäischen Journalisten erklärte Yeutter: "Ich bin davon überzeugt, daß wir dazu eine zumindest ausreichend genaue Meßmethode entwickeln
können."
Wir veröffentlichen die Pressekonferenz des US-Handelsbeauftragten in Auszügen :

Auf eine einleitende Frage zur
Bedeutung des am 6. Juli bei den
GATT-Verhandlungen eingebrachten amerikanischen Vorschlags, der den totalen Abbau aller Subventionen und Handelsschranken im Agrarbereich bis zum
Jahr 2000 vorsieht, antwortete Botschafter Yeutter:
"Nun, er ist bedeutend, weil die
Welt des Agrarhandels heute völlig
aus den Fugen geraten ist. Das ist
bedauerlich, aber in einem evolutionären Prozeß hat sich dies in den
vergangenen 20 bis 30 Jahren so ent-

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Embassy of the United States of America

wickelt.
In vielen Ländern, darunter den
Vereinigten Staaten, hat es sich ergeben, daß Subventionen und Einfuhrbeschränkungen sowie andere Arten von
Verzerrungen so weit in den Vordergrund getreten sind, daß bei den meisten Produkten auch nicht annähernd
ein freier und offener Handel besteht.
Dies ist nicht nur eine unglückliche Verzerrung der grundlegenden wirtschaftlichen Bedingungen sondern es fügt außerdem solchen Ländern
großen Schaden zu, die sich dies

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�wirklich nicht leisten können.
Wie Sie wissen, sind die meisten
weniger entwickelten Länder Agrargesellschaften, in denen die Landwirtschaft einen bedeutenden Stellenwert
einnimmt.
Diese Länder müssen landwirtschaftliche Produkte exportieren,
wenn
sie wirtschaftliches Wachstum
erzeugen wollen. Und sie können einfach nicht mit den Staatskassen der
Vereinigten Staaten, der Europäischen
Gemeinschaft und anderer konkurrieren, denen all diese enormen Subventionen zur Verfügung stehen. Von unserem Standpunkt aus betrachtet - dem
der Vereinigten Staaten, der EG und
anderer -, nehmen die Kosten dafür
astronomische Ausmaße an, und das ergibt keinen Sinn.
Zusätzlich zahlen
unsere Konsumenten die Zeche in vielfältiger Weise dadurch, daß Agrarprodukte viel teurer sind als sie sein
müßten, wenn wir einen freien und offenen Handel hätten."
Zum Thema des Abbaus von Unterstützungsmaßnahmen zur Erzielung von
Produktionseinschränkungen und deren
Folgen
für die Landwirte erklärte
Yeutter, daß relativ gesehen die Vereinigten Staaten in dieser Hinsicht
mehr unternehmen als die EG. Solche
Veränderungen seien auch nicht notwendigerweise schädlich für die Landwirte:
"Sie könnten kurzfristig gesehen nachteilig sein, aber ich bin
überzeugt, daß eine
durchgreifende
Reform landwirtschaftlicher Programme
nicht nur für die europäischen Steuerzahler und die europäischen Verbraucher, sondern
langfristig
auch
für viele europäische Landwirte gut
wären."
"Was die Vereinigten Staaten angeht, so werden wir im Jahr 1987 die
Anbauflächen erheblich einschränken weit mehr als in der EG an Anbauflächen eingespart wird.
Deshalb sage

ich, daß
die
Vereinigten
Staaten
schon jetzt einen erheblichen Beitrag
leisten."
Auf die Frage nach der Verifizierung von Subventionen, insbesondere
der versteckten, erklärte Yeutter:
'
"...dies wird
sicher eine der
großen
Herausforderungen
bei
der
Schaffung eines funktionsfähigen Systems
sein.
Mit
anderen
Worten:
Wenn wir eine durchgreifende Reform
der
landwirtschaftlichen
Produktion
in der weltweiten Handelspolitik erzielen wollen, dann bildet die Verifizierung oder die Meßmethode, wenn
Sie so wollen, einen wichtigen Teil
des Gesamtbildes."
Dabei habe die OECD schon einige
Meßmethoden entwickelt und die Regierungen Frankreichs und anderer Länder
befaßten
sich gegenwärtig
intensiv
mit diesem Problem.
Ferner beschäftigten sich das amerikanische Landwirtschaftsministerium
sowie
einige
akademische Institutionen in den Vereinigten Staaten eingehend mit der
Analyse dieser Frage.
"Ich
bin
überzeugt,
daß
wir
schließlich
zumindest eine hinreichend
genaue Meßmethode
entwickeln
können.
Zugegebenermaßen sind einige
Subventionen
schwierig
auszumachen
und zu quantifizieren.
Wir werden
eben das Beste in unserer Macht Stehende tun müssen.
Die Alternative
ist, gar nichts zu tun, und meiner
Meinung nach ist das einfach eine unannehmbare Lösung."
Auf die Frage, ob er eine Übereinkunft
zwischen
den
Vereinigten
Staaten und den Europäern über den
Abbau landwirtschaftlicher Subventionen für durchführbar halte, solange
die Preise garantiert blieben, antwortete Yeutter:

�sten kann."
"Nein. Diese Art von Lösung ist
über die Jahre hinweg immer wieder
vorgelegt worden, hat nie zu einem
Ergebnis geführt und wird dies auch
niemals tun.
Ich bin persönlich davon überzeugt, daß wir uns nicht nur mit den
Randgebieten dieses Problems beschäftigen können.
Das Problem ist zu
ernst und zu wichtig für die gesamte
Welt. Wie ich in einer Reihe von Reden gesagt habe, müssen wir bei der
Handhabung des Agrarhandels einen Quantensprung nach vorn machen.
Wenn wir also etwas tun, das lediglich marginale, nominelle oder geringfügige Auswirkungen auf die Lage
hat, dann ist das einfach nicht gut
genug. Ich kann verstehen, warum einige Besorgnis über die Auswirkungen
eines drastischeren Vorschlages bestehen, weil dies offensichtlich in
allen
Ländern,
einschließlich
der
Vereinigten Staaten, eine politisch
sensible Frage.ist. Tatsache ist jedoch, daß es an der Zeit ist, das
Problem am Schopf zu packen.
Und
deshalb ist unser Vorschlag so durchgreifend und revolutionär.
Unserer
Meinung nach ist das, was wir heute
in der Landwirtschaft benötigen."
"Diejenigen in Europa, die sich
heute über den von uns unterbreiteten
Vorschlag Sorgen machen werden noch
viel größere Sorgen wegen des Wirtschaftskrieges haben, der stattfinden
wird, falls wir diese Situation nicht
energisch in den Griff bekommen. Was
nämlich geschehen wird ist, daß wir
in einen Subventionskrieg
zwischen
den Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft und vielleicht
anderen
Ländern
eintreten
werden.
Ich glaube nicht, daß die Welt sich
eine Verschlechterung dieser Situation anstatt einer Verbesserung lei-

Auf die Frage nach der Bewertung
der EG-Entscheidung, die Sondersteuer
auf Fette und öle nicht einzuführen,
sowie nach möglichen Gegenleistungen
der Vereinigten Staaten erwiderte der
Handelsbeauftragte:
"Nun, sicherlich begrüßen wir die
Entscheidung...
weil dies zu einer
enormen Konfrontation
zwischen der
Europäischen
Gemeinschaft
und
den
Vereinigten
Staaten geführt hätte,
und eine solche Konfrontation liegt
in niemandes
Interesse.
Die Entscheidung, diesen Vorschlag auf den
Tisch zu legen, war also richtig richtig sowohl vom Standpunkt des europäischen Eigeninteresses betrachtet
als auch vom Standpunkt der Vereinigten Staaten.
Wir sollten diese Art von Programmen einfach nicht anwenden, um
die finanziellen Lasten unserer Agrarsysteme jemand anderem aufzuladen.
Ich wäre ebenso unglücklich, wenn die
Vereinigten Staaten versuchten, die
Last ihrer landwirtschaftlichen Programme auf den europäischen oder den
japanischen Steuerzahler oder ai ? jemand anderen abzuwälzen, wie ich es
über den Versuch der europäischen Regierungen bin, die Last den amerikanischen, brasilianischen oder argentinischen Exporteuren aufzuladen.
Dies ist einfach nicht der Weg,
die Agrarpolitik zu behandeln.
Es
ist ein Symbol für die in diesem gesamten Bereich bestehenden
krassen
Verzerrungen und ein klassisches Beispiel dafür, warum wir eine Agrarreform benötigen.
Die eigentliche Antwort besteht
für die EG darin, den Versuch zu unternehmen, ihren Finanzbedarf irgendwie aus ihren internen Ressourcen zu

- 3 -

�bestreiten bis wir mit Hilfe der Verhandlungen in der Uruguay-Runde zu
einer verbesserten weltweiten Agrarsituation gelangen können... Die EG
muß eine vorübergehende Lösung für
ihre Finanzprobleme finden, während
wir verhandeln.
Was wir tun sollten, ist, diese
Probleme langfristig am Verhandlungstisch zu lösen, so daß die Gemeinschaft es nicht mehr nötig hat, diese
Arten von Einnahmen zu erzielen, um
eine
Reihe
ungesunder
politischer
Maßnahmen zufrecht zu erhalten.
Niemand nimmt für sich in Anspruch, auf diesem Gebiet über jeden
Zweifel erhaben zu sein.
Ich meine
wahrhaftig nicht, daß unsere eigene
Agrarpolitik perfekt ist.
Ganz im
Gegenteil: Ich stehe dem, was in den
Vereinigten Staaten unternommen wird,
genauso kritisch gegenüber wie dem,
was in Europa getan wird. Ich möchte
Reformen überall erleben.
Das ist
die wahre Herausforderung, vor der
wir stehen."
Auf die Frage nach dem wachsenden
protektionistischen Druck in den Vereinigten Staaten antwortete Yeutter:

persönlich vorschlagen."
"Außerdem bin ich nicht so sicher,
daß
der
protektionistische
Druck wahrscheinlich zunehmen wird.
Dies hängt selbstverständlich zu einem erheblichen Ausmaß von den Handelszahlen ab.
Leider scheinen die
von uns vor zwei Tagen bekanntgegebenen Zahlen für den vergangenen Monat
anzudeuten, daß sich unsere Handelssituation wieder verschlechtert hat.
Ich messe monatlichen Zahlen jedoch
nicht allzu viel Bedeutung bei, weil
sie oft verzerrt sind."
"Das im Senat behandelte Handelsgesetz hat sicherlich eine Reihe von
Mängeln und, würde es in seiner jetzigen Form verabschiedet, würde der
Präsident dagegen sein Veto einlegen.
Ich muß aber sagen, daß ein ermutigender Aspekt des Gesamtbildes darin
besteht, daß die Teile des Gesetzes,
die den Handel betreffen - und dieses
Gesetz enthält eine Menge Vorschläge
von Ausschüssen, die relativ wenig
mit Handel zu tun haben - aufgrund
der Debatte im Senat sogar verbessert
worden sind, woraus ich entnehme, daß
der Protektionismus in den Vereinigten Staaten vielleicht doch nicht so
üppig wuchert, wie viele glauben."

"Man sollte den amerikanischen
Protektionismus nicht auf der Grundlage von Vorschlägen im Kongreß bewerten.
Diese Vorschläge sind noch
nicht Gesetz, und wir hoffen, daß
diejenigen,
die
protektionistisch
sind, niemals Gesetz werden."

Auf die Frage nach einer Reaktion
auf die mögliche Abschaffung aller
Subventionen und deren Substitution
durch
untragbare
Zollbeschränkungen
auf ausländische Produkte antwortete
Yeutter:

"Ich bin jedoch hoffnungsvoll,
daß wir jeglichem protektionistischem
Druck aus dem Kongreß widerstehen
können und daß sich letztlich eine
verantwortungsvolle Gesetzgebung herauskristallisiert.
Ist dies nicht
der Fall, dann hoffe ich, daß der
Präsident gegen solche Gesetze sein
Veto einlegen wird.
Ich werde dies

Unser Vorschlag behandelt Importbeschränkungen,
Exportsubventionen
und alle anderen Verzerrungen im Handel und zielt darauf ab, diese allmählich abzuschaffen. Was die Sicherung der Nahrungsmittel betrifft, so
haben daran offensichtlich alle Nationen
ein berechtigtes
Interesse.
Aber es stellt sich die Frage, an

- 4

�welchem Punkt man die Grenze zur unerläßlichen Sicherung der Nahrungsmittel ziehen soll und auf welche Art
und Weise diese erzielt werden soll.
Eine Methode besteht sicherlich
darin, alles im Inland zu produzieren
- auch wenn man dazu enorme Geldsummen in Form von Subventionen bereitstellen muß. Japan mit seinem Reis
liefert ein Beispiel für diese besondere Situation.
Die andere Methode
wäre, sie dort zu kaufen, wo sie rationeller
hergestellt, das Prinzip
des
verhältnismäßigen Vorteils genutzt und gelagert werden können.
Programme zur Lagerung können sicherlich ein Ersatz für die Produktion
sein, oder es wäre eine Verbindung
von Produktion und Lagerung möglich,
die durch langfristige vertragliche
Verpflichtungen ergänzt werden kann.
Die zentrale Frage in diesem Zusammenhang lautet aber auch: In welchem
Umfang sollte es einem Land gestattet
werden, auf internationaler Ebene die
Produktion und die Regeln des Handels
zu verzerren, um auf einem ihm angemessenen Niveau die Nahrungsmittel zu
sichern?
über dieses wichtige Thema
und darüber, wie und zu welchem Preis
die Sicherung der Nahrungsmittel erlangt werden kann, sollte auch bei
den Verhandlungen gesprochen werden.
Zu den von Botschafter Yeutter
hier angesprochenen Vorschlägen wurde
die Frage gestellt, ob amerikanische
Senatoren im Getreideanbaugebiet der
Vereinigten Staaten diese Vorschläge
so wohl akzeptieren oder ob sie ihre
Annahme ablehnen würden.
Es wurde
ferner die generelle Flexibilität der
Vorschläge angesprochen.
Botschafter
Yeutter
antwortete
darauf, für solche Prognosen sei es
zum jetzigen Zeitpunkt noch zu früh
und gab zu bedenken, die Verhandlungen nähmen eine beträchtliche Zeit-

spanne in Anspruch. "Wir hoffen, sie
in einigen Jahren abschließen zu können - je eher, desto besser.
Die
Welt braucht einen Abschluß bei dieser Art von Verhandlungen.
Je eher
wir auf internationaler Ebene ein Abkommen schließen und mit seiner Anwendung beginnen können, desto besser
für uns und speziell für die Entwicklungsländer, die Verbraucher auf der
ganzen Welt und natürlich für die
Steuerzahler in den Vereinigten Staaten und in Westeuropa".
"Wir wollen
ernsthafte, eingehende und umfassende
Verhandlungen abhalten. Aber ein Urteil können wir erst beim Abschluß
abgeben.
Der Senator
irgendwo in
Iowa wird auf der Grundlage entscheiden, was wir, die Vereinigten Staaten, als Gegenleistung für in diesem
Bereich erbrachte Konzessionen erhalten ."
Zur Flexibilität der Haltung der
Vereinigten Staaten erklärte Yeutter,
es sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt
noch zu früh, um diesen Punkt vor der
Welt preiszugeben, die Position sei
jedoch realistisch.
"Wenn wir, das
heißt die ganze Welt, bereit sind,
viel weniger zu akzeptieren als ein
freies
und
offenes
Handelssystem,
können wir ebenso gut bei unserer
jetzigen Position bleiben. Es stellt
sich die Frage, welche Zwischenlösung
es gibt. Mir scheint, daß alle davon
profitieren, wenn wir uns im Bereich
der Landwirtschaft einem freieren und
offenerem
Handelssystem
annähern
könnten".
Botschafter Yeutter ging in seinen weiteren Ausführungen auf die
Rolle des Programms PL-480 ein; das
Programm
'Nahrungsmittel
für
den
Frieden', im Rahmen dessen den Entwicklungsländern
landwirtschaftliche
Produkte als humanitäre Hilfsleistung
zur Verfügung gestellt werden, entweder als Zuwendung - das heißt, sie

- 5 -

�werden kostenlos gewährt - oder als
langfristige Kredite mit sehr niedrigen Zinssätzen, die sicher als Subvention gelten können.

die Europäische Gemeinschaft und andere über die Einstellung ihrer jeweiligen Programme zu verhandeln bereit sind.

Yeutter erklärte hierzu, die Vereinigten Staaten seien nicht bereit,
dieses Programm aufzugeben, weil es
so wichtig für die Entwicklungsländer
ist.
"Wir ermutigen vielmehr andere
Länder dazu, ihre Programme auszubauen. Es heißt, daß einige europäische
Länder wie etwa Frankreich dies tun
wollen, und das würden wir ermutigen". Von den in Genf unterbreiteten
Vorschlägen sind bona fide Hilfsprogramme
ausgenommen.
"Wir glauben,
daß diese angesichts des heute in der
Welt herrschenden Hungers immer noch
einen wesentlichen Bestandteil des
Gesamtbildes ausmachen.
Man möchte
hoffen, daß sie in 20 oder 30 Jahren,
in einem halben oder einem ganzen
Jahrhundert überflüssig werden. sicherlich sind sie heute notwendig.
Sie sollten ermutigt, angemessen definiert und von dem von uns in Genf
ausgearbeiteten Programm ausgenommen
werden.
Wir sind natürlich bereit,
ähnliche Programme Japans, der Europäischen Gemeinschaft und anderer Industrienationen auszunehmen".

Zur Frage, ob die Vereinigten
Staaten
ihr erhebliches Handelsbilanzdefizit abbauen können, indem sie
nur auf der Exportseite etwas unternehmen, erklärte Yeutter, "der Aufwärtstrend bei den Importen kann meiner Ansicht nach nicht länger anhalten.
Ich glaube, wir werden letztlich eine Verbesserung auf der Importseite erfahren, das heißt, einen
Rückgang beim Dollar-Wert der Importe
in die Vereinigten Staaten.
In den
Statistiken dieses letzten Monats war
dies jedoch nicht der Fall. Die Zeit
wird die Antwort auf diese Frage
bringen..."

Yeutter wurde weiter befragt, ob
man bereit sei, Programme zur Exportförderung
subventionierter
Exporte
nach Nordafrika und Osteuropa aufzugeben, worauf er erwiderte, man sei
bereit, alle Programme, die in irgendeiner Weise den Handel mit landwirtschaftlichen Produkten verzerren,
aufzugeben, mit Ausnahme von Zahlungen, die nichts mit der Produktion zu
tun haben und die den Bauern ein Sicherheitsnetz bieten sollen sowie mit
Ausnahme
der bereits
beschriebenen
bona fide Hilfsprogramme.
Im Rahmen
der Verhandlungen über die Einstellung von Subventionsprogrammen wird
Yeutter zufolge erwartet, daß auch

Zum
Export
hingegen
erklärte
Yeutter, "im letzten Monat weisen die
Statistiken einen erheblichen Anstieg
der Exporte auf.
Hier zeigt sich,
daß es auf der Importseite noch erheblich mehr Verkrustungen gibt. Das
heißt, daß Japan und andere Hauptimporteure in die Vereinigten Staaten
die Wechselkursanpassung
absorbieren
und hartnäckig Marktanteile zu gewahren suchen". Zu den zusätzlichen Bemühungen
seitens
der
Vereinigten
Staaten gehören Botschafter Yeutter
zufolge der Abbau des Haushaltsdefizits, während die anderen Industrienationen in ihren jeweiligen Ländern
das Wirtschaftswachstum anfachen müssen. All diese Faktoren sind miteinander verknüpft.
Solange nicht wenigstens eine erhebliche Verbesserung
im
Handelsdefizit
hervorgebracht
wird, werden
sich die Vereinigten
Staaten, so Yeutter, ernsthaftem politischen Druck ausgesetzt sehen, der
eine protektionistische Richtung einnimmt. Man nehme in den nächsten Monaten eine Verbesserung an, die jedoch nicht sehr dramatisch sein wird.

- 6 -

�Auf die Frage, welche praktischen
Schritte zur Anwendung der Politik
Präsident Reagans unternommen werden
sollen, bis zum Ende dieses Jahrhunderts alle Kontrollen abzuschaffen,
verweist Yeutter auf die gegenwärtig
laufenden Verhandlungen, "wir sollten
das Programm in Genf bei den Verhandlungen der Uruguay-Runde auf den Verhandlungstisch
bringen.
Der
Vorschlag sieht definitive Auslauf-Pläne
für alle Teilnehmerstaaten vor, die
von Produkt zu Produkt oder von Land
zu
Land
unterschiedlich
ausfallen
können. Es gibt Flexibilität bei der
Organisation dessen in einem bestimmten europäischen Land, in Japan, den
Vereinigten Staaten, Kanada oder anderswo, und das muß durch Verhandlungen erzielt werden. Wenn jedoch ein
Abkommen erzielt wird, sollen dieses
Programm oder diese Verpflichtungen
für den Zeitraum einiger Jahre verbindlich sein.
Sie müßten dann dem
Kongreß zur Billigung vorgelegt werden, so daß sie dann etwa im nächsten
Jahrzehnt angewendet und ausgeführt
werden können. Natürlich müßte dies
dann auch bei den europäischen und
allen anderen sich daran beteiligenden Ländern der Welt der Fall sein.
Der Botschafter
wurde befragt,
wie die Vereinigten Staaten vorschlagen könnten, daß die Europäische Gemeinschaft ihre Subventionen an euopäischen
Bauern
einstellen sollte,
wenn der Betrag, den die Vereinigten
Staaten
investieren, um ihre zwei
Millionen Farmer zu subventionieren,
genau dem entspricht, den die EG zur
Finanzierung
ihrer
zehn
Millionen
Bauern ausgibt.
Yeutter bezeichnete
diesen Vergleich
als
bedeutungslos
und erklärte, das Problem bestehe
vielmehr darin, daß beide Seiten zuviel für landwirtschaftliche Programme ausgeben und damit den Welthandel
erheblich verzerren.
Die Korrektur

dessen müsse sich am Verhandlungstisch vollziehen, und beide Seiten
müßten diese Situation erheblich verbessern. Wenn sich eine dramatische
Bewegung
zur
Reformierung
dieser
Praktiken vollziehen soll, müsse diese herbeigeführt werden, weil es im
allseitigen Interesse liege.
Yeutter erklärte, "dies beinhaltet einen schmerzhaften Anpassungsprozeß.
Der Kern unseres Problems
weist darauf hin, daß wir bereits einen größeren Teil dieser Anpassung
vollzogen haben als Westeuropa. Wir
haben in den vergangenen Jahrzehnten
einen großen Teil unserer Farmer zur
Aufgabe ihrer Farmen und Annahme von
Beschäftigungsverhältnissen
in
der
Stadt bewegen können.
Unsere Farmen sind größer und rationeller
geworden.
In Westeuropa
und in einigen anderen Ländern hat
eine geringere Anpassung stattgefunden.
Aber diese Anpassung muß bei
uns allen stattfinden, wenn wir eine
ausreichend effiziente und rationelle
landwirtschaftliche Produktion haben
wollen. Wir erwarten nicht, daß sich
dies in Europa über Nacht vollzieht.
Aus diesem Grund sind wir bereit, den
entsprechenden Zeitrahmen zu diskutieren und darüber, wie das Ziel erreicht werden soll. Wir glauben ganz
einfach, daß es wenig Sinn hat, Millionen von Dollar für landwirtschaftliche Produkte auszugeben, die niemand kaufen will und Millionen Dollar, die die internationalen Handelspraktiken stark verzerren und unseren
weniger
entwickelten
Partnerländern
großen Schaden zufügen".
Der Botschafter wurde weiter befragt, ob die Verhandlungen im Bereich der Landwirtschaft mit anderen
Verhandlungen in anderen Bereichen zu
einem 'Paket' verbunden werden könnten. Yeutter äußerte sich dazu posi-

- 7 -

�tiv und erklärte, "wir würden im Verhandlungsprozeß nicht so viel erreichen, wie ich wünschte, daß wir erreichen würden, wenn die Landwirtschaft von allem anderen abgekoppelt
wird.
Als praktisches Verfahren bestünde der beste Weg und ein Weg, etwas wirklich historisches zu tun und
etwas wahrhaft bedeutungsvolles im
Bereich der Landwirtschaft herbeizuführen, darin, den Bereich mit anderen Bestandteilen der Verhandlungen
zu verbinden. Es wird möglich sein,
ein
Paket
zusammenzustellen,
das
drei, vier oder fünf dieser Verhandlungsgruppen beteiligt und ein bestimmtes Gleichgewicht
unter
allen
Hauptteilnehmern schafft.
Zur Frage der Kontrolle eines
vereinbarten Systems verwies Yeutter
darauf, daß eine solche Kontrolle im
Rahmen des Verhandlungsprozesses erarbeitet werden müsse und teilweise
vom Wohlwollen der Regierungen abhängt.
"Wir hoffen, daß alle von uns in
der entwickelten Welt über Gesellschaften mit ausreichend hohem Entwicklungsstand und Integrität verfügen und daß wir uns mit Hilfe von
Programmen dieser Art auf unsere Verpflichtungen vorbereiten.

könnte kompliziert und eventuell auch
schwierig werden, aber genau das ist
es ja, was den internationalen Handel
eigentlich
ausmacht.
Aus
diesem
Grunde haben wir ja Regierungen und
deshalb entwickeln wir internationale
Organisationen zur Erreichung dieser
Ziele. "
Der Frage, warum die Vereinigten
Staaten
im Textilbereich
Maßnahmen
ergriffen haben, die insbesondere die
Produktion der Europäischen Gemeinschaft und Italiens betreffen, wurde
mit dem Argument widersprochen, daß
die Vereinigten Staaten keine Maßnahmen verabschiedet haben, die Westeuropa Restriktionen auferlegen.
Für
diesen Bereich gebe es Vorschläge des
Kongresses
oder
andere
rechtliche
Verfügungen, von denen jedoch bisher
keine als Gesetz verabschiedet worden
sind.
"Das derzeitige Textilprogramm
betrifft Westeuropa oder die Nationen
der Europäischen Gemeinschaft überhaupt nicht, daher können hier im Moment auch keinerlei Probleme ausgemacht werden."

Aber
abgesehen davon
benötigen
wir eine Art offizieller Berichterstattung - vielleicht Berechnungen auf jährlicher Basis im Hinblick auf
die erzielten Resultate und darauf,
ob die ausgehandelten Abkommen die
Zielsetzungen Jahr für Jahr über einen Zeitraum von 10 oder 12 Jahren
hinweg erfüllen.

"In bezug auf die Halbleiter haben wir Sanktionen verhängt, da Japan
ein mit uns im letzten Herbst geschlossenes Abkommen nicht eingehalten hat.
Unserer Meinung nach ist
ein Abkommen ein Abkommen und wenn
unsere japanischen Freunde sich verpflichten, kein Dumping von Halbleitern gleichgültig auf welchen Märkten
vorzunehmen, dann sollten sie sich
auch daran halten.
Da sie aber das
Dumping von Halbleitern auf Drittmärkten fortgesetzt haben, sahen wir
uns zur Verhängung von Sanktionen gezwungen. "

Im Rahmen des GATT wird ein Mechanismus zur Überwachung dieses Prozesses in der Anpassungsphase erarbeitet werden müssen. Ich sehe hierin keinen beunruhigenden Aspekt. Es

Bezüglich der Maßnahmen zur Lösung des Exportproblems von Nudeln
erklärte Yeutter, daß sich diese noch
im
Verhandlungsstadium
befinden.
Nach dem Besuch seines Amtskollegen

�Kommissar Leclerq und des Landwirtschaf tsskommissars
bei der Gemeinschaft,
Kommissar
Andriesen,
in
Washington, hoffe er, die begonnenen
Verhandlungen sehr bald, das heißt im
Verlauf der nächsten Woche, wieder
aufnehmen und diesen Themenkomplex zu
einem befriedigenden Abschluß bringen
zu können.
"Bedauerlicherweise sind
wir noch sehr weit voneinander entfernt und ich kann zu diesem Zeitpunkt höchstens vorsichtig optimistisch sein."
Auf die Frage nach dem Stand der
amerikanischen
Produktivität
und
Wettbewerbsfähigkeit
erklärte
der
Botschafter:
"Sicherlich
ist
die
Wettbewerbsfähigkeit eine Herausforderung für die Vereinigten Staaten vor allem in bestimmten Produktbereichen". Einige der amerikanischen Industrien seien Ende der siebziger und
zu Beginn der achtziger Jahre, als
die Vereinigten Staaten einen großen
Handelsüberschuß hatten, doch etwas
selbstgefällig geworden.
"Der Dollar
war schwach und wir nahmen unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit als
selbstverständlich hin."
"All dies hat sich in den vergangenen Jahren um 180 Grad gewendet.
Der Dollar stieg drastisch im Wert
und wir mußten sozusagen über Nacht
feststellen, daß wir
international
bei weitem nicht so konkurrenzfähig
waren, wie wir angenommen hatten zumindest nicht bei diesen Wechselkursen.
Natürlich
verschlechterte
sich unsere Handelssituation gravierend.
Nun stellt sich die Frage:
Können wir all dies rückgängig machen?
Und wenn ja, wie stellen wir
es an?
In gewissem Maße spielen
makroökonomische
Faktorn
wie
die
Steuer- und Währungspolitik eine Rolle"...
"und unsere Regierung oder
die europäischen Regierungen müssen
Antworten
zur
Verfügung
stellen.

Dies ist international gesehen Teil
des
wirtschaftlichen
Umfelds."...
"Wir alle müssen daran mitarbeiten,
zum Nutzen aller Geschäftsleute zusätzliche Stabilität in diesem Bereich zu schaffen...
Niemandem, der
mit internationalen Geschäften befaßt
ist,
gefallen
diese
gigantischen
Wechselkursfluktuationen,
die
Entscheidungen im Hinblick auf internationale Investitionen schwierig, wenn
nicht sogar unmöglich machen." Trotz
all dieser wichtigen Faktoren müsse
die langfristige Konkurrenzfähigkeit
gewährleistet sein.
"Meiner Meinung nach haben viele
amerikanische Unternehmen in den vergangenen drei oder vier Jahren auf
diese Herausforderung
reagiert und
ihre
Produktivität
enorm
gesteigert."...
"Meine Botschaft an Westeuropa und alle anderen Länder ist
daher: In der Zukunft werdet Ihr mit
sehr viel stärkerer Konkurrenz unserer
Geschäftsleute
rechnen müssen,
denn... wir in den Vereinigten Staaten sind heute sehr viel konkurrenzfähiger, als wir es noch vor zwei
oder drei Jahren waren. Wir in der
Regierung werden dabei so weit wie
möglich behilflich sein, ah r dies
ist eine Herausforderung für den Privatsektor, der meiner Meinung nach
bereits
auf
diese
Herausforderung
reagiert."
Die Frage, ob die Vereinigten
Staaten diese Vorschläge zu Agrarhandelsreformen aus der Überzeugung heraus vorgelegt haben, den Weltagrarhandel dadurch in einigen Bereichen
besser dominieren zu können, wurde
mit dem offenen Bekenntnis beantwortet, daß die Vereinigten Staaten sicherlich keine für sie nachteiligen
Vorschläge vorlegen würden. Alle Beteiligten müßten ihr Eigeninteresse
bei solchen Verhandlungen wahren, von
denen alle Länder in vielerlei Hin-

- 9 -

�Sicht profitieren könnten. Im Zusammenhang mit Agrarreformen solle man
nicht in schwarz-weiß Schemata denken
oder nur von Gewinnern und Verlierern
ausgehen. Von einer umfassenden Agrarreform
würden
Konsumenten
und
Steuerzahler sowie die international
konkurrenzfähigen Bauern - und auch
die Vereinigten Staaten in einigen
Bereichen - profitieren, "wenn unsere
Bauern auf die sich bietenden Möglichkeiten reagieren und sich auf das
Verhalten der Bauern in anderen Ländern der Welt einstellen." Der Markt
und die Bauern sollten die Entscheidungen, zum Beispiel über den Standort für Agrarerzeugnisse einer bestimmten
Produktkategorie,
treffen
und nicht die Regierungen, deren Beschlüsse zu der gegenwärtigen verzerrten Situation beigetragen haben.
Auf die Bemerkung, daß diese äussert überzeugende Begründung für eine
landwirtschaftliche
Null-Lösung
jedoch alle Handelsnationen und insbesondere die EG vor unüberwindliche
politische Probleme stellen würde und
die daran anschließende Frage, ob
dieser Vorschlag vor allem in Europa
nicht schlicht als Schachzug bei den
Verhandlungen angesehen werde, antwortete Botschafter Yeutter:
"Wenn
dieser Ansicht in Europa Glauben geschenkt würde, wäre es eine bedauerliche
Fehlinterpretation
unserer
Überzeugungen".
Er sei sich jedoch
dessen bewußt, wie brisant dieses
Thema überall, auch in den Vereinigten Staaten sei, da er selbst sein
ganzes Leben lang mit Landwirtschaft
befaßt gewesen sei und in den vergangenen 15 Jahren Tausende von Gesprächen mit Landwirtschafts- und Handelsministern sowie Agrarfirmen geführt und Europa häufig genug besucht
habe, um mit diesen politischen Problemen vertraut zu sein.
Daher unterschätze er die mit einer Reform
dieser
Größenordnung
einhergehenden

politischen Schwierigkeiten in keiner
Weise. Die Herausforderung liege daher darin, kreative und einfallsreiche Wege zur Überwindung dieser zweifelsohne bestehenden enormen Probleme
zu finden und sich nicht mit halben
Lösungen
zufrieden
zu geben.
Die
Probleme müßten mit Optimismus angegangen werden und es sei keine Zeit
für defätistische Einstellungen, da
in den vergangenen 30 Jahren am Agrarsektor
stets nur
herumgenörgelt
worden sei und die Situation sich
enorm verschlechtert habe. Wir alle,
die Vereinigten Staaten und die Europäische Gemeinschaft hätten uns dieser Herausforderung bereits vor mehr
als einem Jahrzehnt stellen müssen,
denn damals wäre es einfacher als
heute gewesen. "Dies ist umso bedauerlicher, da wir vor zehn Jahren dieselben Gründe anführten, weshalb wir
die Probleme nicht in Angriff nehmen
konnten - nämlich, daß es politisch
zu schwierig sei. Wenn wir uns jetzt
wieder drücken, dann werden wir in
zehn Jahren zu hören bekommen: 'Wie
sind wir in dieses Chaos geraten?
Warum hat nicht bereits vor einem
Jahrzehnt jemand etwas dagegen unternommen? ' "
Auf die in diesem Zusammenhang
gestellte Frage nach bestimmten Terminen antwortete der Botschafter, daß
definitiv in dieser Woche keine Sanktionen verhängt würden, da dem Verhandlungsprozeß zunächst jede mögliche Chance eingeräumt werden müsse.
Sanktionen würden erst dann verhängt,
wenn die Verhandlungen offensichtlich
aussichtslos erschienen.
Als Termin
sei zunächst der 1. Juli festgesetzt
worden, dann habe man gehofft, in der
vergangenen Woche zu einer Einigung
zu kommen, als die beiden EG-Kommissare in Washington waren, und jetzt
wolle man einen weiteren Versuch unternehmen.
Bezüglich
des
genauen
Termins wolle er keine Angaben ma-

- 10 -

�chen, da er dies persönlich mit Kommissar Leclerq besprechen wolle und
nicht wünsche, daß dies durch die Medien gehe.
Auf die Bemerkung, daß die Beendigung der Subventionen sich vorteilhaft für den Steuerzahler auswirken,
dagegen die mit dieser Politik einhergehenen
unvermeidbaren
Soziallasten den Steuerzahler belasten würden, verwies der Botschafter darauf,
daß man je nach Art der Soziallasten
unterscheiden
müsse,
jedoch
jede
Strukturanpassung soziale Kosten mit
sich bringe, die realistischerweise
in den politischen Entscheidungsprozeß eingebracht werden müßten.
"Unser Vorschlag bietet eine Möglichkeit, diese besonderen Soziallasten in den Verhandlungsprozeß einzubinden.
Daher wurde auch ein Sicherheitsnetz, das nicht an die Produktion gebunden
ist, von unserem
Vorschlag ausgenommen."
Die erforderliche Strukturanpassung "wird sich
nicht über Nacht vornehmen lassen und
sie wird Geld kosten. Wir werden dafür Sorge tragen, daß in allen Ländern ein Sicherheitsnetz geschaffen
wird, durch das die Soziallasten in
das System eingebracht werden."

* * * * * *
- 11

�AMERIKA DIENST
^7

Hintergrundmaterial

C*

22. Juli 1987

26

WIRD MOSKAU DIE "ECHTE NULL-LÖSUNG" AKZEPTIEREN?
- Von Kenneth L. Adelman -

(Der Autor dieses am 9. Juli 1987 in der New York Times veröffentlichten
Artikels ist Leiter des amerikanischen Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung. )

WASHINGTON - (AD) - Die Sowjetunion hat öffentlich vom Abschluß
eines Abkommens über atomare Mittelstreckenraketen
gesprochen,
das
rechtzeitig zu einem möglichen Gipfeltreffen im kommenden Herbst Zustandekommen solle. Wenn die Sowjets
es mit diesem Zeitplan ernst meinen,
können sie zu dessen Verwirklichung
insbesondere eines tun: mit uns zusammen auf die weltweite Beseitigung
sowjetischer SS-20 und SS-4 Raketen
und amerikanischer Pershing II und
landgestützter Marschflugkörper hinarbeiten.
Diese "echte Null-Lösung"

United States Information Service
Embassy of the United States of America

würde die Verhandlungen beträchtlich
beschleunigen und die Verifizierung
erheblich vereinfachen.
Wie die Dinge heute stehen, würde
es der INF-Vertrag, über den gegenwärtig verhandelt wird, den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion erlauben, 100 Gefechtsköpfe auf diesen
Raketen zu behalten - auf unseren Raketen in den Vereinigten Staaten und
denen der Sowjetunion im asiatischen
Teil
dieses Landes.
Darauf haben
sich Präsident Reagan und Generalsekretär Michail S. Gorbatschow in Reyk-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�javik im vergangenen Herbst verstandigt.
Ein solches Resultat wäre gegenüber der heutigen Situation, insbesondere unter dem zahlenmäßigen Gesichtspunkt, eine erhebliche Verbesserung. Die Bedrohung durch die SS20 würde radikal vermindert, wobei
die Sowjetunion über 400 dieser Raketen mit über 1 200 Gefechtsköpfen
vernichten müßte, die gegenwärtig Europa und Asien bedrohen, sowie über
100 SS-4 (mit je einem Gefechtskopf).
Das ist mehr als das Sechsfache
der Gefechtsköpfe, die auf den von
uns zu beseitigenden Pershing II und
langestützten Marschflugkörpern stationiert sind. Es übertrifft die Anzahl der 572 Gefechtsköpfe, die wir
ursprünglich
nach Durchführung
des
NATO-Doppelbeschlusses zu stationieren geplant hatten, um mehr als das
Doppelte.
Außerdem wäre dies das erste Abkommen, durch das die offensiven Nuklearwaffen
beträchtlich
reduziert
würden.
Berücksichtigt man die Tatsache, daß noch vor sechs Jahren Reduzierungen
dieses
Ausmaßes
als
"nicht
verhandlungsfähig"
abgetan
wurden, dann ist der heutige Portschritt ein Verdienst westlicher Entschlossenheit.
"Fast Null" ist gut, und wir sind
bereit, dies als Zwischenschritt zu
akzeptieren. Aber die echte Null-Lösung - die totale weltweite Abschaffung der Raketen - wäre weit besser.
Warum?
Erstens wäre die echte Null-Lösung einfacher zu verifizieren und,
was ebenso wichtig
ist, einfacher
durchzusetzen.
Im allgemeinen

sind Verbote ein-

facher zu verifizieren als Begrenzungen.
Wenn Moskau also der totalen
Abschaffung
der
Raketen
zustimmt,
dann könnte die Verifizierung vereinfacht werden. Insbesondere wären einige der im Falle einer vertraglich
erlaubten Beibehaltung einer geringen
Anzahl von Raketen und Abschußvorrichtungen erforderlichen einschneidenderen
Verifizierungsbestimmungen
in unserem Vertragsentwurf unnötig,
wenn
Produktion, Stationierung
und
Lagerung verboten würden.
Ein totales Verbot würde außerdem
das Vertrauen erhöhen, indem es das
Problem der Vertragseinhaltung vereinfacht. Bei fast Null können immer
wieder Frage auftauchen, ob entdeckte
mobile Raketen zulässig oder unzulässig sind. Bei der echten Null-Lösung
läge jedoch eine eindeutige, jedem
Bürger einleuchtende Vertragsverletzung vor, wenn wir eine Mittelstrekkenrakete
entdecken
würde.
Dies
könnte uns dabei helfen, endlose Kontroversen über die Frage sowjetischer
Betrügereien zu vermeiden. Es sollte
ebenfalls weniger Druck geben - wie
den Druck, dem wir heute aus gewissen
Kreisen ausgesetzt
sind -, sowjetische Vertragsverletzungen zu ignorieren oder hinzunehmen.

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                <text>Amerikadienst 22.07.1987</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;UN-Resolution für gerechten und dauerhaften Frieden am Golf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;US-Außenminister Shultz vor &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;dem Weltsicherheitsrat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Verifizierung grundlegend für Reform des Agrarhandels&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Worldnet mit dem US-Handelsbeauftragten Yeutter&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Wird Moskau die "echte Null-Lösung" akzeptieren?&lt;br /&gt; &lt;em&gt;von Kenneth L. Adelman&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
"V

^

c$

29. J u l i 1987

27

I N H A L T

INFORMATION

Zum Tode von Handelsminister Malcolm Baldrige
- Erklärung von Präsident Reagan -

DOKUMENTATION

Vereinigte Staaten "befriedigt" über sowjetische Unterstützung für
Null-Lösung
- Präsident Reagan zum amerikanischen INF-Vorschlag -

HINTERGRUNDMATERIAL

Die Verhandlungen über nukleare Mittelstreckenraketen
- Sonderbericht des amerikanischen Außenministeriums -

Die INF-Verhandlungen - Eine Antwort an Moskau
- V o n Max Kampelman -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
1»

""""'

Information

A&lt;

29. Juli 1987

27

ZUM TODE VON HANDELSMINISTER MALCOLM BALDRIGE
- Erklärung von Präsident Reagan -

WASHINGTON - (AD) - Zum Tode von Handelsminister Malcolm Baldrige, der am
25. Juli 1987 an den Folgen eines Unfalls verstarb, veröffentlichte das Weiße
Haus die folgende Erklärung des amerikanischen Präsidenten:

Die Nation hat durch den tragischen und viel zu frühen Tod von Minister Baldrige einen schweren Verlust erlitten.
Als erfahrener Geschäftsmann und
anerkannte Führungspersönlichkeit war
er ein begabter und engagierter Diener des Staates, dem nichts wichtiger
war als seinen Beitrag für Amerika zu
leisten, und genau das tat er auch.
Unter seiner Leitung spielte das Handelsministerium
eine
Schlüsselrolle
bei der Wiedergeburt unseres Wohlstandes, und wir alle schulden Mac
Baldrige dafür großen Dank.

Er war ein loyales Mitglied des
Kabinetts, dessen von gesundem Menschenverstand geprägte Erfahrung ich
oft vertraut und sehr geschätzt habe.
Mac und ich teilten eine besondere
Affinität für den Westen, und ich
werde seine Freundschaft sehr vermissen.
Nancy und ich sind ehrlich betrübt, und wir möchten Midge und der
Familie Baldrige unser tiefstes Beileid aussprechen. Sie werden in der
nächsten zeit in unseren Gedanken und
Gebeten bei uns weilen.

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
V,DN

*

Dokumentation

29. Juli 1987

27

VEREINIGTE STAATEN "BEFRIEDIGT" ÜBER SOWJETISCHE UNTERSTÜTZUNG
FÜR NULL-LÖSUNG
- Präsident Reagan zum amerikanischen INF-Vorschlag -

WASHINGTON - (AD) - Bei der Vorstellung des amerikanischen Vorschlages,
die Anzahl der Mittelstreckenraketen sowohl längerer als auch kürzerer Reichweite abzubauen, verlieh der amerikanische Präsident seiner Befriedigung darüber Ausdruck, daß "die Sowjets nun ihre Unterstützung für beide Konzepte bekundet haben".
Im Rahmen einer Ansprache in Washington führte der Präsident zu diesem
Vorschlag, der am 28. Juli 1987 bei den Genfer Verhandlungen eingebracht wurde, folgendes aus:

Heute unterbreitet unsere Delegation bei den Genfer Gesprächen über
nukleare Mittelstreckenraketen einen
formellen
amerikanischen
Vorschlag,
der zwei schon früher von den Vereinigten
Staaten gemachte Vorschläge
enthält.
Im November 1981 versprachen wir die Abschaffung der gesamten
Kategorie
von Mittelstreckenraketen
längerer Reichweite.
Am 15. Juni
schlugen wir dann formell vor, auch
die
Mittelstreckenraketen
kürzerer
Reichweite abzuschaffen.
Wie einige
unter Ihnen vielleicht wissen, hat
die Sowjetunion bis zur vergangenen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Woche auf einem möglicherweise wesentlichen Hindernis für unseren Vorschlag der doppelten Null-Lösung bestanden - auf dem Recht, einige ihrer
gegenwärtig
in Asien
stationierten
INF-Raketen zu behalten.
Vorigen Mittwoch verkündete Generalsekretär Gorbatschow jedoch, daß
er bereit sei, diese Forderung fallenzulassen.
Der von uns heute unterbreitete Vorschlag würde die Anzahl der Mittelstreckenraketen sowohl
längerer als auch kürzerer Reichweite
auf Null reduzieren, und wir sind be-

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�friedigt darüber, daß die Sowjets nun
ihre Unterstützung für beide Konzepte
bekundet haben.
Zwei lebenswichtige Elemente sind
ebenfalls darin eingeschlossen:
Die
Zerstörung der von diesem Vertrag erfaßten Raketen und Abschußvorrichtungen und das Verbot einer Umrüstung
dieser Systeme und Abschußvorrichtungen zu anderen Waffenarten.
In Genf bleibt noch vieles zu
tun, aber ich fühle mich durch die
Tatsache
ermutigt, daß
das
Klima
jetzt
für einen historischen Vorschlag dieser Art aufnahmefähig ist.
Die Vereinigten Staaten sind stolz
darauf, daß sie in der Lage sind,
diesen Vorschlag zu unterbreiten.
Ich kann nur noch hinzufügen, daß
auch noch andere Abrüstungsverhandlungen stattfinden, die strategische
und nukleare Langstreckenwaffen betreffen. Wir haben unseren Vorschlag
in Form eines Vertragsentwurfs zu
START auf den Verhandlungstisch gelegt.
Wir hoffen, daß die Sowjetunion desgleichen tun wird und ihre
Ansichten zu diesem Thema formell zum
Ausdruck bringt. Wie Sie sehen können, besteht unser Ziel nicht in Rüstungskontrolle, sondern in Rüstungsreduzierung,
und trotz der Skepsis,
auf die wir bei der Ankündigung dieser Pläne stießen, bewegen wir uns in
diese Richtung.

* * * * * *
- 2

�AMERIKA DIENST
'VoN

Hintergrundmaterial

4

29. Juli 1987

27

DIE VERHANDLUNGEN ÜBER NUKLEARE MITTELSTRECKENRAKETEN
- Sonderbericht des amerikanischen Außenministeriums -

WASHINGTON - (AD) - (Der folgende Sonderbericht zu den Verhandlungen über
nukleare Mittelstreckenraketen (INF) wurde im Juli 1987 vom amerikanischen
Außenministerium veröffentlicht.)

Abkürzungen
INF - Nukleare Mittelstreckenraketen
GLCM - Landgestützte Marschflugkörper
NST - Verhandlungen über Kernund Weltraumwaffen
LRINF - INF längerer Reichweite
SRINF - INF kürzerer Reichweite

Einleitung
Auf

dem

Weg

zu

einem

ameri-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

kanisch-sowjetischen
INF-Abkommen,
das den Sicherheitskriterien der NATO
genügen würde, sind bedeutende Fortschritte erzielt worden. Ein solches
Abkommen würde - zum ersten Mal in
der Geschichte - ganze Kategorien nuklearer Raketensysteme drastisch reduzieren
oder gänzlich
abschaffen.
Trotz dieser Fortschritte bleiben jedoch noch mehrere schwierige Probleme
bestehen.
Die Lösung dieser Probleme, darunter das der Verifizierung,
wird noch sehr harte Verhandlungen
erfordern.
Die Vereinigten Staaten
werden weiterhin ihr Teil zur Lösung

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�dieser Probleme beitragen, jedoch muß
die Sowjetunion erst noch ein gleiches Maß an Engagement zeigen.

27. April 1987 ihren eigenen Vertragsentwurf vor, der viele gleichgeartete Elemente enthielt.

Diese Fortschritte sind durch die
energische und einheitliche Antwort
der NATO auf die im Jahr 1977 begonnene destabilisierende Stationierung
der SS 20-Raketen in Europa durch die
Sowjets ermöglicht worden.
im Jahr
1979 beschloß die NATO den "Doppelbeschluß" als Antwort auf das wachsende
Ungleichgewicht im INF-Bereich:
(1)
Stufenweise
Stationierung
amerikanischer LRINF-Raketen in Europa und
(2) gleichzeitige Verhandlungen mit
den Sowjets zur Schaffung eines weltweiten Gleichgewichts bei diesen Raketen auf dem niedrigstmöglichen Niveau. Trotz erheblicher sowjetischer
Anstrengungen
zur Aushölung
dieses
Beschlusses blieb die NATO standhaft.
Der Zusammenhalt und die Entschlossenheit der NATO haben entscheidend
dazu beigetragen, die Sowjets davon
zu überzeugen, ernsthaft über INF zu
verhandeln.

Mitte April 1987 traf Außenminister Shultz in Moskau mit Generalsekretär
Gorbatschow
und
Außenminister
Schewardnadse
zusammen.
Im
Verlauf dieser Treffen schlug Herr
Gorbatschow die weltweite Abschaffung
amerikanischer und sowjetischer INFRaketen
kürzerer
Reichweite
vor.
(Die Vereinigten Staaten haben keine
SRINF-Raketen
stationiert; die Sowjetunion besitzt über 100 dieser Raketen. )

Jüngste Entwicklungen
Im Anschluß an eine Ankündigung
von Präsident Reagan vom 3. März 1987
legten die Vereinigten Staaten bei
den Gesprächen über Kern- und Weltraumwaffen in Genf einen Vertragsentwurf zu INF vor.
Der amerikanische
Entwurf reflektierte die grundlegende
Struktur der Obereinkunft, die vom
Präsidenten
und
Generalsekretär
Gorbatschow während ihres Treffens in
Reykjavik vom Oktober 1986 erzielt
worden war - eine gleiche weltweite
Obergrenze von 100 Gefechtsköpfen auf
LRINF-Raketen
für
die
Vereinigten
Staaten und die UdSSR, wovon keine in
Europa stationiert sein dürften, sowie Beschränkungen für SRINF-Raketen
als integraler Bestandteil eines INFAbkommens.
Die Sowjetunion legte am

Die Vereinigten Staaten führten
daraufhin
intensive
Konsultationen
mit
ihren NATO-Verbündeten
zu den
möglichen Auswirkungen einer Null-Lösung bei den SRINF durch. im Rahmen
des Treffens des Nordatlantikrats vom
11. bis 12. Juni 1987 unterstützten
die Außenminister der NATO die verifizierbare, weltweite Abschaffung aller amerikanischen und sowjetischen
SRINF-Raketen,
vorausgesetzt,
diese
sei wirksam zu verifizieren, bilde
den integralen Bestandteil eines bilateralen INF-Abkommens und schlösse
die sowjetischen SS-12 und SS-23 Raketen ein.
Die Vereinigten Staaten
unterbreiteten diesen SRINF-Vorschlag
am 16. Juni bei NST in Genf und betonten darüberhinaus die weiterbestehende Präferenz der Vereinigten Staaten für die weltweite Abschaffung der
amerikanischen
und
sowjetischen
LRINF-Raketen.

Der amerikanische Vertragsentwurf
Der
Text dieses
amerikanischen
Vertragsentwurfs, den die Vereinigten
Staaten am 4. März 1987 den Sowjets
in Genf zu unterbreiten begannen,
sieht gegenwärtig vor:

- 2 -

�Die stufenweise Reduzierung der
LRINF-Raketensysteme
auf
eine
temporäre
weltweite
Obergrenze
von
jeweils
100 Gefechtsköpfen
auf LRINF-Raketen für die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion - wovon keine in Europa
stationiert sein dürfen - bis zum
Jahr
1991.
Die amerikanischen
LRINF-Gefechtsköpfe
wären
auf
amerikanischem Territorium, einschließlich Alaska, erlaubt, die
sowjetischen
LRINF-Gefechtsköpfe
wären im asiatischen Teil der Sowjetunion zulässig.

haben von Beginn der Verhandlungen an
betont, daß jedes INF-Abkommen wirksam verifizierbar sein muß, wenn es
die Stabilität
verbessern und das
Kriegsrisiko verringern soll.
Die
Vereinigten Staaten verfolgen in dieser Hinsicht drei Ziele:
- Stärkung des Vertrauens in das
Abkommen, das an sich schon zu
größerer Sicherheit und Stabilität in Europa und Asien beitragen
wird.
- Abschreckung
von
Verletzungen
durch erhöhte Wahrscheinlichkeit
ihrer Aufdeckung.

Die
weltweite
Abschaffung
der
amerikanischen
und
sowjetischen
LRINF-Raketen (einschließlich der
sowjetischen SS-23 und SS-12) als
integraler Bestandteil eines INFAbkommens.

- Die Möglichkeit einer schnellen
Entdeckung von Vertragsverletzungen, wodurch eine
zeitgerechte
Warnung
vor einer
potentiellen
oder realen Bedrohung der Sicherheit der Verbündeten ermöglicht
wird.

Eine umfassende Verifizierungsregelung. Die Vereinigten Staaten haben mit voller Unterstützung ihrer Verbündeten - seit Beginn der INF-Verhandlungen im Jahr 1981 betont, daß
sie die weltweite Abschaffung aller
amerikanischen
und
sowjetischen
LRINF-Raketen vorziehen würden. Dies
würde die Verifizierung eines INF-Abkommens sehr erleichtern. Zusätzlich
betonen die Vereinigten Staaten, daß
die INF-Verhandlungen bilateral sind
und keine Systeme von Drittländern
beinhalten oder die Kooperation der
Vereinigten Staaten mit ihren Verbündeten betreffen.

Um diese Ziele zu erreichen, haben die Vereinigten Staaten eine Verifizierung sregelung
vorgeschlagen,
durch die die Einhaltung der Vertragsbestimmungen gefördert ur1 die
verbotene Produktion, Lagerung oder
Stationierung
von
vertraglich
beschränkten Systemen und damit in Verbindung stehender Ausrüstung entdeckt
werden sollen. Diese Verifizierungsregelung besteht aus sechs Grundelementen:

Verifizierung
Eine Reihe wichtiger Fragen muß
vor dem Abschluß eines INF-Abkommens
gelöst werden. Eine der wichtigsten
betrifft die Verifizierung. Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
- 3 -

- Bestimmung von Gebieten und Einrichtungen, in denen durch den
Vertrag beschränkte Raketensysteme untergebracht sein müssen mit
einem Verbot, sie andernorts zu
stationieren.
(Dies ist zwingend
erforderlich, da die durch einen
INF-Vertrag zu beschränkenden Systeme mobil sind und sonst praktisch überall stationiert werden
könnten.)

�- Gegenseitiger Austausch von spezifiziertem, umfassendem Zahlenmaterial
über
vertraglich
begrenzte Systeme sowie der dazugehörigen Einrichtungen und Geräte
vor Inkrafttreten des Vertrages.
- Einvernehmliche
dieser Daten.

Fortschreibung

- Spezielle Verfahren zur Verifizierung
von Vernichtung, Abbau
und Umrüstung von LRINF Systemen,
einschließlich
Vor-Ort-Inspektionen.
- Vor-Ort-Inspektionen/Uberwachung.
Dieser Bestandteil beinhaltet 1.)
eine einmalige, umfassende Inspektion kurz nach Inkrafttreten
des Vertrages zur Bestätigung der
Grunddaten über vertraglich begrenzte Systeme; 2.) Inspektionen
zur Verifizierung des Abbaus von
Systemen, die gemäß der Verfügungen des Vertrages reduziert werden sollen; 3.) kurzfristig anberaumte Inspektionen entsprechend
"deklarierter"
Einrichtungen
in
den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion; 4.) kurzfristig anberaumte
Inspektionen
anderer
amerikanischer
und
sowjetischer
Einrichtungen; und 5.) kontinuierliche
Überwachung
bestimmter
kritischer Einrichtungen zur Produktion,
Endmontage,
Reparatur
und Lagerung von vertraglich begrenzten Systemen in den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.
- Anwendung
und
Nichtbehinderung
von nationalen technischen Verifikationsmaßnahmen,
eine Bedingung zur Übertragung der technischen Meßdaten von Raketenflügen;
Verbot
der Verschlüsselung
und
das Verbot von Täuschungsmaßnah-

men, die der Verifizierung
derlaufen.

zuwi-

Die Vereinigten Staaten sind sich
bewußt, daß
Verifizierungsmaßnahmen
nie lOOprozentig sicher sind, glauben
jedoch,
daß
umfassende
Verifizierungsmaßnahmen
mit klar
umrissenen
und
zwingenden
Verifizierungsverpflichtungen - wie sie im amerikanischen
Vertragsentwurf
enthalten
sind - das beste Mittel der Gewährleistung dafür bilden, daß die Sowjets die Verfügungen des Vertrages
nicht verletzen.
Die Sowjetunion hat einigen der
von den Vereinigten Staaten geforderten grundsätzlichen Bestandteile des
Verifizierungspakets prinzipiell zugestimmt, einschließlich des Datenaustauschs,
der
Vor-Ort-Inspektion
bei Abbau und Vernichtung sowie VorOrt-Inspektionen
der
LRINF-Bestände
und dazugehörigen Einrichtungen. sie
muß jedoch noch zahlreiche wichtige
Einzeldaten zur Verfügung stellen sowie Vor-Ort-Inspektionen verdächtiger
Gelände zustimmen.

Die deutschen Pershing IA
Die Sowjets haben kürzlich zum
ersten Mal die Forderung aufgestellt,
daß amerikanische Gefechtsköpfe auf
deutschen Pershing IA-Raketensystemen
Bestandteil eines amerikanisch-sowjetischen Abkommens über den Abbau von
SRINF-Raketen sein müssen.
Die amerikanische
Position
ist eindeutig:
Die INF-Verhandlungen sind bilaterale
Verhandlungen und erstrecken sich daher ausschließlich auf amerikanische
und sowjetische Raketen und betreffen
nicht Systeme von Drittländern oder
bestehende Muster der Zusammenarbeit
mit den Verbündeten. Die NATO-Partner unterstützen diese Position voll
und ganz. Die Sowjets haben das The-

&gt;

�ma
der
deutschen
Pershing
bisher
nicht angeschnitten; zu einem solch
späten Zeitpunkt legen sie damit die
Vermutung nahe, sie versuchten, dem
erfolgreichen Abschluß der INF-Verhandlungen künstlich neue Hindernisse
in den Weg zu legen.

Vorausschau
Die Lösung dieser und anderer
ausstehender Probleme wird sich als
schwierig erweisen.
Die Vereinigten
Staaten werden weiterhin ihren Beitrag zur Lösung dieser Probleme leisten, aber die Sowjetunion muß noch
unter Beweis stellen, daß sie es
ebenso ernst meint.

Hintergrund

die sowjetische Entwicklung der SS-20
Raketen - trugen in den siebziger
Jahren zur Verlagerung der Situation
bei.
Die im Jahre 1977 begonnene Stationierung der SS-20 stellte sowohl
einen qualitativen und quantitativen
Wandel für die europäische Sicherheit
als auch eine Bedrohung für die Sicherheit unserer asiatischen Freunde
und Verbündeten dar.
Die SS-20 ist
zielgenauer als die SS-4 und die
SS-5. Ferner ist die SS-20 mobil und
kann schnell neu disloziert werden.
Schließlich trägt die SS-20 drei unabhängig steuerbare Gefechtsköpfe im
Gegensatz zu dem Einzelgefechtskopf
der Vormodelle, ihre Abschußeinrichtungen
können
schnell
nachgeladen
werden und zusätzliche Raketen abfeuern.
Bis Juli 1987 hatten die Sowjets weltweit 441 Raketen des Typs
SS-20 mit einer Gesamtzahl von 1 323
Gefechtsköpfen stationiert.
Darüber
hinaus haben die Sowjets weiterhin
112 Raketen des Typs SS-4 disloziert.

Nukleare Aufrüstung der Sowjetunion,
in den fünfziger und frühen
sechziger
Jahren
stationierte
die
UdSSR
gegen
Westeuropa
gerichtete
SS-4 und SS-5 Raketen. Bis Mitte des
Jahres 1977 waren ca. 575 in Stellung
gebracht.
Im Verlauf der fünfziger
Jahre dislozierten die Vereinigten
Staaten eine geringere Anzahl ungefähr entsprechender Raketen - Mace,
Thor und Jupiter - in Großbritannien,
Italien, der Bundesrepublik und der
Türkei.
Anfang der sechziger Jahre
zogen die Vereinigten Staaten diese
Systeme jedoch einseitig ab und motteten sie ein. Wir waren dazu aufgrund der überlegenen amerikanischen
strategischen Streitkräfte in der Lage, die eine angemessene Abschreckung
gegen
sowjetische Aggressionen und
Einschüchterung Westeuropas darstellte.

Mit dem Anwachsen der Zahl sowjetischer SS-20, denen keine in Europa
stationierten amerikanischen Raketen
gegenüberstanden, nahm die Besorgnis
der
europäischen
NATO-Staaten
zu,
Moskau könne - fälschlicherweise
glauben, die amerikanischen strategischen Streitkräfte könnten von der
Verteidigung des Bündnisses in Europa
abgekoppelt werden.
Solch ein Fehlschluß könnte die NATO-Strategie der
nuklearen Abschreckung und der flexiblen Reaktion in Frage stellen, die
seit vier jarhzehnten den Frieden in
Europa bewahrt hat.
Westeuropäische
Politiker betonten die Notwendigkeit
einer starken Reaktion der NATO.

Zwei
kritische
Entwicklungen
das Erlangen eines ungefähren strategischen
Gleichgewichts der Sowjetunion mit den Vereinigten Staaten und

Reaktion der NATO.
Nach intensiven Konsultationen mit dem gesamten
Bündnis entschied sich die NATO im
Dezember
1979
für
eine
simultan

- 5 -

�durchgeführte
"zweigleisige"
tion, den Doppeibschluß.

Reak-

- Ein "Gleis" bestand in der Umkehr
des bei INF bestehenden Ungleichgewichts durch die im Jahr 1983
einsetzende Stationierung von 572
amerikanischen
INF
längerer
Reichweite in Westeuropa - 108
Pershing II-Raketen und 464 bodengestützte
Marschflugkörper
(GLCM) - über einen Zeitraum von
fünf Jahren.
Obwohl diese Zahl
nicht genau der Anzahl der sowjetischen
Gefechtsköpfe
bei
den
SS-20 entspricht, wäre dies eine
Reaktion, die ausreicht, um eine
glaubwürdige
Abschreckung
aufrechtzuerhalten.
Im
Dezember
1986 hatten die Vereinigten Staaten 316 LRINF - 108 Pershing II
und 208 GLCM - stationiert.
- Das zweite "Gleis" verlangte von
den Vereinigten Staaten, mit den
Sowjets Verhandlungen zur Errichtung eines weltweiten Gleichgewichts bei den amerikanischen und
sowjetischen
LRINF
auf
dem
kleinstmöglichen
Stand
durchzuführen.
Ein jegliches Abkkommen
über LRINF müßte außerdem amerikanische
und sowjetische
SRINF
weltweit auf einem gleichen Stand
beschränken, um die Umgehung eines Abkommens über LRINF durch
Aufrüsten bei den Kurzstreckensystemen zu verhindern.
Die Vereinigten Staaten und die NATOVerbündeten betonten, sie seien
bereit, die Stationierungen amerikanischer LRINF einzuschränken,
zu ändern oder sogar umzukehren,
wenn das Ergebnis der Verhandlungen dies rechtfertigt.
Das
"Zweite
Gleis".
Die Sowjets weigerten sich anfangs, zu verhandeln und stellten die Bedingung,
die NATO müsse zunächst ihre Pläne

zur Stationierung der LRINF aufgeben.
Die Sowjets schlugen dann ein "Moratorium" zur Stationierung von INF in
Europa vor.
Damit wäre ihr Monopol
bei den LRINF bestätigt worden, das
die NATO gerade als unannehmbar zurückgewiesen hatte. Nur nachdem Moskau erkannt hatte, daß die NATO entschlossen war, in Ermangelung verhandelter Beschränkungen mit den Stationierungen fortzufahren, stimmten die
Sowjets schließlich
im Herbst des
Jahres 1981 Verhandlungen über INF zu.
Prinzipien
der
amerikanischen
Vorgehensweise bei den INF-Verhandlungen.
Die
amerikanische
Vorgehensweise bei den INF-Verhandlungen
hat sich auf der Grundlage weitreichender Konsultationen mit den Bündnispartnern
entwickelt
und
basiert
auf fünf grundlegenden Prinzipien:
- Ein Abkommen muß für den Gleichstand von Rechten und Begrenzungen
zwischen
den
Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion sorgen.
- Das Abkommen darf nur amerikanische
und sowjetische
Systeme
betreffen.
- Begrenzungen müssen weltweit gelten und damit das Übergreifen der
Bedrohung von einer Region auf
eine andere verhindern.
- Die konventionelle Verteidigungsfähigkeit der NATO darf nicht geschwächt werden.
- Jedes Abkommen muß wirksam
fizierbar sein.

veri-

Verhandlungen.
Die
formellen
Gespräche mit der Sowjetunion wurden
im November
1981 aufgenommen.
Zu
diesem Zeitpunkt schlugen die Vereinigten Staaten vor, daß alle ameri-

�kanischen
und
sowjetischen
LRINF,
einschließlich
der
sowjetischen
SS-20, SS-4 und SS-5 sowie der amerikanischen Pershing II und GLCM verboten oder abgeschafft werden sollten.
Die Sowjets wiesen diesen Vorschlag
zurück.
Obwohl
diese
weltweite
"Null-Lösung" weiterhin das bevorzugte Ergebnis der Vereinigten Staaten
ist, haben wir im im März 1983 ein
Interimsabkommen für die beiderseitige weltweite Begrenzung aller Gefechtsköpfe auf LRINF vorgeschlagen,
die
unter
dem
geplanten
amerikanischen Dislozierungsniveau von 572
liegen.
Die Sowjets haben die INF-Verhandlungen im November 1983 verlassen
und damit gegen die Stationierung der
ersten
amerikanischen
LRINF-Raketen
in Europa protestiert, obwohl sie im
Verhandlungszeitraum
die
Stationierung ihrer SS-20 fortgesetzt hatten.
Vom Beginn der Verhandlungen bis zu
dem Punkt, an dem die Sowjets den
Verhandlungstisch verließen, zielten
die
sowjetischen Vorschläge darauf
ab, die Stationierung einer einzigen
amerikanischen Pershing II oder GLCM
zu verhindern und gleichzeitig den
Sowjets die Aufrechterhaltung eines
umfangreichen Arsenals von SS-20 im
westlichen
Militärgebiet der UdSSR
zuzugestehen und mit der Aufrüstung
bei den SS-20 in Asien fortzufahren.
Im Rahmen der sowjetischen Vorschläge
wären Hunderte amerikanischer Flugzeuge aus Europa abgezogen worden,
die für die konventionelle Verteidigung der NATO unerläßlich sind.
Als Vorwand für dieses unausgewogene Ergebnis behaupteten die Sowjets, ihre SS-20 schafften den Ausgleich für die unabhängigen Nuklearstreitkräfte
Großbritanniens
und
Frankreichs. Zusammen mit der sowjetischen Weigerung, die im asiatischen
Teil der Sowjetunion
stationierten

SS-20 in die Verhandlungen einzubeziehen, steigerte sich dies zur Berufung auf das Recht seitens der Sowjetunion, mit den gesamten Streitkräften
aller
anderen
Atomstaaten
gleichzuziehen und somit die nukleare
Überlegenheit über sie alle zu erlangen. Die NATO hat diese sowjetische
Forderung wiederholt zurückgewiesen.
Im Januar 1985 erklärten sich die
Sowjets zur Wiederaufnahme der Verhandlungen bereit.
Im März 1985 haben die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion mit einer neuen Serie von
Rüstungskontrollverhandlungen
- den
Verhandlungen
über Kern- und Weltraumwaffen - begonnen, zu denen auch
INF zählt.
Im November 1985 haben die Vereinigten Staaten angeboten, ihre in
Europa stationierten Pershing II und
GLCM auf 140 Abschußvorrichtungen der zum 31. Dezember 1985 stationierten Anzahl - zu begrenzen, wenn die
Sowjets die Zahl der in Reichweite
der europäischen NATO-Staaten stationierten Abschußvorrichtungen für die
SS-20 auf 140 begrenzen würden und
wenn
sie gleichzeitig
proportional
einen Abbau der in Asien stationierten SS-20 vornehmen würden.
Die Sowjets wiesen diesen Vorschlag zurück.
Beim Gipfeltreffen
im November
1985 in Genf kamen Präsident Reagan
und Generalsekretär Gorbatschow überein, die Erarbeitung eines Interimabkommens
für
INF zu beschleunigen.
Bei ihrer Zusammenkunft im Oktober
1986 in Reykjavik haben sich die beiden Staatschefs im Prinzip auf eine
beiderseitige
weltweite
Begrenzung
von 100 Gefechtsköpfen auf LRINF-Raketen für jede Seite geeinigt, von
denen keine
in Europa stationiert
sein
sollten.
Die
verbleibenden
LRINF-Raketen würden jeweils im asiatischen Teil der Sowjetunion und auf

- 7 -

�amerikanischem
Territorium
stationiert werden. Damit wäre Europa zum
ersten Mal seit den fünfziger Jahren
frei von LRINF-Raketen.
In Reykjavik gaben die Sowjets
ferner ausdrücklich ihr seit langem
bestehendes Ansinnen auf, daß britische und französische Streitkräfte in
ein
INF-Abkommen einbezogen werden
sollten. Darüber hinaus vereinbarten
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
grundsätzlich, Kurzstrekkensysteme als integralen Bestandteil
eines
INF-Abkommens
einzubeziehen.
Trotzdem
bestand
Generalsekretär
Gorbatschow in Reykjavik auf einem
"Pakef'-Abkommen, bei dem INF an den
Abbau strategischer Waffen sowie an
Bereiche der Verteidigung im Weltraum, besonders an die Strategische
Verteidigungsinitiative,
gekoppelt
wird.
im Nachgang zum Treffen in Reykjavik unterbreiteten die Vereinigten
Staaten in Genf einen Vorschlag, der
die in Reykjavik vereinbarte gemeinsame Basis zur Grundlage nahm.
Im
November 1986 unternahmen auch die
Sowjets weitere Schritte, indem sie
einen Vorschlag
vorlegten, der in
Teilen die in Reykjavik erzielten
Fortschritte widerspiegelt.
Dennoch
bestanden die Sowjets bis Ende Februar 1987 weiterhin darauf, daß es im
Bereich von INF kein einzelnes Abkommen geben könne. Am 28. Februar 1987
änderte Generalsekretär
Gorbatschow
den Kurs und verkündete, daß die Sowjetunion jetzt zu einem separaten
INF-Abkommen bereit sei - eine Abkehr
von der seit dem Treffen in Reykjavik
von Oktober 1986 gehaltenen sowjetischen Position.
Die Vereinigten
Staaten nutzten diese Entwicklung und
unterbreiteten im März in Genf einen
Vertragsentwurf zu INF.
Der amerikanische Vertragsentwurf spiegelt die
Grundstruktur eines INF-Abkommen wi-

der, wie es von den beiden Staatschefs in Reykjavik vereinbart wurde.
Die Sowjetunion legte ihren eigenen
Entwurf am 27. April vor. Auf der
Basis dieser beiden Texte erarbeiten
amerikanische und sowjetische Unterhändler in Genf gegenwärtig einen gemeinsamen Vertragsentwurf.

* * *

�Reichweiten von Raketen

Waffenkategorie

Reichweite
über 5 500 km

Strategische Nuklearstreitkräfte

500 - 5 500 km
1 000 - 5 500 km
500 - 1 000 km

Nukleare Mittelstreckenwaffen
INF-Raketen längerer Reichweite
INF-Raketen kürzerer Reichweite

unter 500 km

Nukleare Kurzstreckensysteme

Stationierte Mittelstreckenraketen
Stand: 31. Dezember 1986

System

Ungefähre
Reichweite

Abschußanlagen
(Raketen)

Gefechtsköpfe

SS-20
SS-4

5 000 km
2 000 km

441 (441)
112 (112)

1 323

Pershing II
GLCM

1 800 km
2 500 km

108 (108)
52 (208)

108
208

LRINF
UdSSR

USA

112

SRI NF
UdSSR

SS-12
SS-23

USA

keine

900 km
500 km

* * * * *

- 9 -

100 (mehr)
100 (mehr)
werden gegenwärtig stationiert

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

*

29. Juli 1987

27

DIE INF-VERHANDLUNGEN - EINE ANTWORT AN MOSKAU
- Von Max Kampelman -

Der Autor ist Berater des amerikanischen Außenministeriums und Leiter der
amerikanischen Delegation bei den Genfer Verhandlungen über Kernwaffen im
Weltraum. Der nachfolgende Artikel erschien erstmalig am 21. Juli in der "New
York Times".

WASHINGTON - (AD) - In jüngster
Zeit haben einige sowjetische Regierungsvertreter,
hauptsächlich
mein
sowjetischer Kollege Juli M. Woronzow
die Vereinigten Staaten beschuldigt,
sie würden kurz vor dem Abschluß eines Abkommens über Mittelstreckenwaffen (INF) immer wieder Hindernisse
aufwerfen. Es gibt neue Hindernisse,
aber sie sind nicht auf die amerikanische Haltung zurückzuführen. Unsere Haltung befindet sich im Einklang mit den von uns seit der Aufnahme der INF-Verhandlungen im Jahre
1981 vertretenen Grundsätzen, und sie

United States Information Service
Embassy of the United States of America

repräsentiert eine gerechte ur.J ausgewogene Behandlung der Rechte und
Interessen beider Seiten,
Das Problem ist vielmehr die unerklärliche
sowjetische Entscheidung, ein Abkommen zu verzögern.
Nach den 28 Monaten der andauernden Verhandlungen haben sich unsere
Differenzen
erheblich
verringert.
Wir haben Übereinstimmung über die
Grundlinie eines Abkommens erzielt einen beiderseitigen Abbau auf 100
Gefechtsköpfe auf LRINF, von denen
keine in Europa stationiert werden

Postfach 20 03 00
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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�sollen.
Amerika ist bereit, solch einem
ersten
Schritt
zuzustimmen, obwohl
wir es vorziehen würden, diese Raketen völlig abzuschaffen.
Wir haben
ferner dem Vorschlag von Generalsekretär Michael S. Gorbatschow zugestimmt, die amerikanischen und sowjetischen Kurzstreckenraketen weltweit
abzuschaffen.
Die jüngsten Anstrengungen um einen Aufbau auf dieser gemeinsamen Basis waren bis vor einigen Wochen produktiv.
Seitdem
sind
die
sowjetischen Bemühungen in Genf faktisch
zum Stillstand gekommen.
Das trifft
nicht nur auf INF zu, sondern auch
auf die Verhandlungen über die Verringerung
strategischer
Rüstungen
(START).
Herr Gorbatschow erklärte den Bereich der strategischen Waffen zur
"Wurzel des Problems", und wir stimmen dem zu. Herr Gorbatschow ist mit
Präsident Reagan bei den Gipfeltreffen in Genf und danach in Reykjavik
übereingekommen, daß ein Abbau von 50
Prozent erfolgen sollte. Obwohl wir
vor neun Wochen in Genf bei START einen Vertrag unterbreitet haben, müssen uns die Sowjets noch ihren eigenen Vertrag vorlegen, und wir fragen
uns, ob Herr Gorbatschow etwa seine
Meinung geändert hat oder erwartet,
daß die Welt sich mit seinen Worten
statt mit seinen Taten zufrieden gibt.
Das verbleibende Problem in allen
Bereichen unserer Verhandlungen kann
gelöst werden, nicht jedoch durch
Krittelei
oder
Schuldzuweisungen.
Die Sowjets sollten wieder zur Sache
kommen.
Ein von den Sowjets erwähntes
"Hindernis"
bei
INF
betrifft
die
Pershing 1A-Raketen der Bundesrepu-

blik Deutschland.
Seit fast zwei
Jahrzehnten
führen die Vereinigten
Staaten
ein
gemeinsames
Programm
durch, im Rahmen dessen die Deutsche
Luftwaffe 72 Pershing lA-Raketen stationiert, deren nukleare Gefechtsköpfe von amerikanischen Einheiten verwaltet werden.
Seit Anbeginn der INF-Verhandlungen vertraten die Vereinigten Staaten
die Ansicht (der die Sowjets nun im
Prinzip zustimmen), daß die Verhandlungen
aufgrund
ihres
bilateralen
Charakters keine Systeme von Drittländern abdecken können.
Sie können
offensichtlich auch keine mit unseren
Verbündeten
eingegangenen
Bereiche
der Kooperation betreffen. Die NATOVerbündeten haben diese Haltung voll
und ganz unterstützt.
Während der fünf Verhandlungsjahre haben die Sowjets niemals Begrenzungen
bei
den
bundesdeutschen
Pershing
lA-Raketen und deren Gefechtsköpfen vorgeschlagen.
Sie haben eine solche Forderung auch weder
1985 beim Gipfeltreffen in Genf noch
beim Treffen in Reykjavik 1986 oder
kürzlich im April beim Besuch von
Außenminister
George P. Shult 7. in
Moskau
erhoben.
Jetzt
plötzlich
stellen sie diese Forderung, fünf vor
zwölf. Man muß sich fragen, wer hier
Hindernisse gegen ein Abkommen in
letzter Minute aufbaut?
Ein weiteres sowjetisches "Hindernis" betrifft die Umrüstung - die
Umwandlung einer vertraglich begrenzten Rakete in einen anderen Raketentyp. Hierzu möchte ich zunächst bemerken, daß eine wichtige Art und
Weise der Umrüstung unmöglich wird,
wenn die Sowjets unserem Vorschlag
einer
weltweiten Abschaffung
aller
INF-Raketen
(längerer
und
kürzerer
Reichweite)
zustimmen:
die amerikanischen Pershing lB kürzerer Reich-

�weite, zu denen die Pershing II umgerüstet werden könnten, würden verboten.
Da die Sowjets diesem Vorschlag
noch nicht zugestimmt haben, sieht
unser Vertragsentwurf vor, daß die
zur Abschaffung vorgesehenen INF-Raketen zerstört oder umgerüstet werden
sollen.
Beide
Seiten
hätten
das
Recht, zu wählen, wie sie ihre Raketen abbauen würden. Dadurch würde es
keine Raketensysteme mehr geben und
die jeweils andere Seite könnte dies
durch Vor-Ort-Inspektionen verifizieren.
Umrüstung ist ein seit langem
anerkanntes Mittel
zur Verwirklung
von Rüstungskontrollbegrenzungen und
eines, das die Sowjets früher selbst
vorgeschlagen
und angewandt haben.
Aber wenn die Sowjets in diesem Fall
aus verschiedenen Gründen keine Umrüstung zulassen wollen, können wir das
Problem auch lösen, indem wir bis auf
Null gehen. .
Ein drittes "Hindernis" betrifft
den Standort, d.h. wo die Vereinigten
Staaten
nach Vertragsabschluß
ihre
verbleibenden 100 LRINF stationieren
würden (angenommen, wir gehen nicht
bis auf Null).
Die Sowjets wollen
die
amerikanische
Stationierung
in
Alaska verhindern, von wo aus die Raketen
sowjetisches Territorium erreichen
könnten.
Dieses
Problem
stellt sich natürlich nur, weil die
Sowjets darauf bestehen, daß beide
Seiten 100 Gefechtsköpfen auf ihren
Raketen behalten anstatt sie abzuschaffen, wie
es
die
Vereinigten
Staaten und praktisch jedes andere
Land außerhalb des Warschauer Paktes
vorziehen würde. Bei einer Null-Lösung würde das Problem verschwinden.
Wegen der Reichweite, Mobilität
und
Transportfähigkeit
der
sowjetischen SS-20 stellt die Stationierung dieser Raketen irgendwo im asia-

tischen Teil der Sowjetunion eine Bedrohung
für unsere Verbündeten in
Asien und Europa dar, die wir als
gleichbedeutend mit einer gegen uns
selbst gerichteten Bedrohung betrachten.
Wir können nicht akzeptieren,
daß die Vereinigten Staaten davon absehen
werden,
solch
einer
sowjetischen
Bedrohung
entgegenzutreten.
Herr Gorbatschow hat mit seinem in
Reykjavik
unterbreiteten
Vorschlag,
unsere 100 Gefechtsköpfe sollten sich
in den Vereinigten Staaten befinden,
Alaska überhaupt nicht erwähnt.
Es
stellt sich also wiederum die Frage,
wer hier Hindernisse in letzter Minute aufwirft.
Herr Gorbatschow hat kürzlich erklärt, daß die Sowjetunion tatsächlich bereit ist, die letzten 100 Gefechtsköpfe auf INF abzuschaffen und
die "Null-Lösung" zu verwirklichen,
aber nur, wenn die Vereinigten Staaten ihre Flugzeuge mit nuklearen Fähigkeiten aus dem Fernen Osten abziehen. Aber der Verhandlungsgegenstand
sind Mittelstreckenraketen, und die
Vereinigten Staaten haben keine Mittelstreckenraketen im Fernen Osten.
Die Flugzeuge mit nukleren Fähigkeiten, die wir seiner Ansicht nach abschaffen sollten, werden zahlenmäßig
von sowjetischen Flugzeugen mit nuklearen Fähigkeiten übertroffen, die
Herr Gorbatschow mit seinem Vorschlag
nicht begrenzen will.
Die Vereinigten Staaten bleiben bereit und würden
es vielmehr vorziehen, all ihre INFRaketen weltweit abzuschaffen, wenn
die Sowjets das auch tun würden.
Und schließlich behaupten die Sowjets, die NATO versuche ein INF-Abkommen in zweifacher Hinsicht zu untergraben - indem sie ihren verbleibenden Kernwaffenbestand modernisiere
und gleichzeitig ein Junktim von INF
mit nuklearen Gefechtsfeldwaffen und
konventionellen Streitkräften fordere.

- 3 -

�In bezug auf das erste Argument
entschied die NATO im Jahr 1983 ihren
Bestand an Nuklearwaffen in Europa
einseitig auf das seit Jahrzehnten
niedrigste Niveau von 4 600 zu reduzieren und das verbleibende Arsenal
zu modernisieren, um die Aufrechterhaltung einer wirksamen Verteidigung
der NATO sicherzustellen. Daher entschied sich die Nato nicht - wie die
Sowjets geltend machen - für die Aufrüstung, sondern die Abrüstung, wie
wir seit vier Jahren immer wieder betonen.
Was das Junktim anbetrifft, so
sind es die Sowjets, die mehrmals auf
dem Junktim eines INF-Abkommens mit
Übereinkünften in anderen Bereichen
bestanden haben und es war Amerika,
das für den Abschluß eines INF-Vertrages
ohne
irgendeine
Art
von
Junktim plädierte.
Und dies bleibt
auch weiterhin unsere Position.
Die Vereinigten Staaten sind immer wieder die Seite gewesen, die
diese
Verhandlungen
vorangetrieben
haben. wir waren es, die als erste
Verhandlungen
einberufen haben und
wir haben den ersten Vorschlag unterbreitet als die Verhandlungen im Jahr
1981 eröffnet wurden. Wir haben wiederum den ersten Vorschlag vorgelegt,
als die Verhandlungen im
Jahr 1985
wieder
aufgenommen wurden, nachdem
die Sowjets die Verhandlungstisch unter Protest verlassen hatten.
Wir
waren die Seite, die als erste einen
INF-Vertragsentwurf auf der Grundlage
der in Reykjavik erarbeiteten Richtlinien unterbreiteten, und wir werden
die Arbeit unserer beiden Seiten bei
der
endgültigen Formulierung
eines
gemeinsamen
Vertragstextes
weiter
vorantreiben.
Bedauerlicherweise
scheinen
Sowjets die Bremsen anzuziehen.

letzter Minute haben sie das Thema
der deutschen Pershings angeschnitten, sie haben entscheidende Einzelheiten über ihre Position zur Verifizierung zurückgehalten.
Und sie haben es nicht nur abgelehnt, sich den
wichtigsten noch verbleibenden Problemen bei INF zu stellen, sondern
sie behandeln auch weder die START
Reduzierungen noch die anderen zentralen Bestandteile unserer Beziehung
wie zum Beispiel die Menschenrechte
oder Probleme auf regionaler Ebene.
Wir stehen zu unserer Verpflichtung, in Genf so bald wie möglich verifizierbare Rüstungskontrollabkommen
auszuhandeln.
Wir sind bereit, die
verbleibenden Themenkomplexe in konstruktiver Weise anzusprechen.
Aber
wir müssen bei unserem Wunsch nach
Abkommen sicherstellen, daß wir nicht
den Taktiken der Sowjets der letzten
Minute erliegen, die darauf ausgerichtet sind, Abkommen hervorzubringen, die unseren sicherheitsinteressen zuwiderlaufen. Die Sowjets sollten
sich
keinen
Fehlkalkulationen
hingeben.
unsere Position gründet
sich auf wohlüberlegte und traditionelle Prinzipien. sie ist das Ergebnis enger Konsultationen mit unseren
Freunden und Verbündeten.
Trotz der
von den Sowjets in den Weg gelegten
neuen Hindernisse werden wir von unserem Ansatz nicht abweichen.
Es hat mich gefreut, daß mein sowjetischer
Kollege seine Ansichten
vor einem amerikanischen Publikum zur
Diskussion gestellt hat und daß unsere Presse seine Meinung gedruckt hat.
Ich habe vor, der sowjetischen Presse
meine Ansichten zur Veröffentlichung
anzubieten und hoffe, daß sie ebenso
verfahren wird.

die
in

* * * * *

4 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Zum Tode von Handelsminister Malcolm Baldrige&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Präsident Reagan&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vereinigte Staaten "befriedigt" über sowjetische Unterstützung für Null-Lösung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsident Reagan zum amerikanischen &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;INF-Vorschlag&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Verhandlungen über nukleare Mittelstreckenraketen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Sonderbericht des amerikanischen &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die INF-Verhandlungen - eine Antwort an Moskau&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Max Kampelman&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
V,oH *
1 2 . August

28

1987

I N H A L T

INFORMATION

Reagan ernennt Verity zum neuen Handelsminister
- Kurzbiographie von C. William Verity -

DOKUMENTATION

Reagan;

Sowjets sollen Berliner Mauer niederreißen

Demokratie als Ziel in Mittelamerika
- Erklärungen von Präsident Reagan und Außenminister Shultz -

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
Information
12. August 1987

28

REAGAN ERNENNT VERITY ZUM NEUEN HANDELSMINISTER
Kurzbiographie von C. William Verity

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat den ehemaligen Geschäftsleiter
eines
Stahlunternehmens,
C.
William
Verity,
zum
Handelsminister
der
Vereinigten Staaten und damit Nachfolger von Malcolm Baldrige ernannt.
Bei Bekanntgabe der Nominierung am 10. August 1987 im Weißen Haus erklärte
der Präsident, Verity "teilt meine Verpflichtung zu freiem und fairem Handel"
und drängte auf eine schnelle Bestätigung durch den Senat, sobald der Kongreß
nach der Sommerpause wieder zusammenkommt.

"Seine reiche Erfahrung im Geschäftsleben und Überseehandel macht
ihn zu einem außerordentlich qualifizierten Anwärter für die Leitung des
Handelsministeriums in diesen schwierigen Zeiten", fügte Reagan hinzu.
Der Präsident verlieh seiner Erwartung Ausdruck, daß verity die von
Baldrige
gespielte
"entscheidende
Rolle als einer der führenden Gestalter der amerikanischen internationalen
Wirtschaftspolitik"
fortführen
und protektionistische Maßnahmen ablehnen werde.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Veritys Ernennung beendete zweiwöchige Spekulationen über Baldriges
Nachfolge.
Vorbehaltlich der Bestätigung durch den Senat wird er die
Leitung des Handelsministeriums vom
Stellvertretenden
Handelsminister
Clarence Brown übernehmen.
"Ich freue mich besonders über
diese Gelegenheit zu einem, meiner
Meinung nach, historischen Zeitpunkt
im internationalen Handel, an dem ein
Handelsgesetz
die einzelnen
Häuser
durchläuft", erklärte Verity anläß-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�lieh
seiner
Ernennung.
"Und
ich
möchte ganz klarstellen, Herr Präsident, daß
ich
Ihren
Ausführungen
vollständig beipflichte.
Ich freue
mich darauf, Ihnen bei der Aufgabe,
dieses
Land
wettbewerbsfähiger
zu
machen, behilflich sein zu können".
Ebenso wie Baldrige blickt der
siebzigjährige Verity auf eine Laufbahn in der Wirtschaft zurück.
In
Middletown, Ohio, gebürtig begann er
seinen Berufsweg 1940, ein Jahr nachdem er sein Studium an der Yale Universität mit dem Bachelor of Arts abgeschlossen hatte, bei Armco Incorporated, einem ortsansässigen Stahlunternehmen mit breitangelegtem Produktionsprogramm.
Im Anschluß an seinen Dienst bei
der US-Marine von 1942-46 nahm er
seine Tätigkeit bei Armco wieder auf,
um im Verlauf der Jahre 1965 zum Präsidenten und von 1971 bis 1982 zum
Vorstandsvorsitzenden
dieses
Unternehmens aufzusteigen.
Von 1980 bis 1981 hatte er das
Amt des Vorsitzenden der amerikanischen Handelskammer inne, das er aufgab, um die Leitung von Präsident
Reagans Beratergruppe für Initiativen
zur Belebung
des Privatsektors im
Jahr 1981 zu übernehmen.
Seit 1983
ist er Mitglied des Konsultativausschusses dieser Gruppe.
Im Jahr 1984 wurde Verity zum
Zweiten
Vorsitzenden
des
amerikanisch-sowjetischen Handels- und Wirtschaftsrates ernannt, einer von den
jeweiligen
Regierungsvertretern
zur
Ausweitung des Handels zwischen diesen beiden Ländern gegründeten Privatorganisation.
Seit jener Zeit hat
er seiner Besorgnis darüber Ausdruck
verliehen, daß amerikanische Firmen
aufgrund der strengen Exportkontrollen Millionen von Dollar bei mögli-

chen Verkäufen an die Sowjets verlieren könnten.
Als Vertreter der Stahlindustrie
kritisierte Verity die US-Regierung
dafür, diesem Industriezweig einerseits kostenintensive Umweltschutzgesetze aufgezwungen und andererseits
nicht stärkere Maßnahmen gegen ausländisches "Dumping" von Stahlprodukten auf amerikanischen Märkten und
unterhalb der Produktionskosten angesiedelte Preise ergriffen zu haben.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

&amp;

12. August 1987

28

REAGAN:

SOWJETS SOLLEN BERLINER MAUER NIEDERREISSEN

WASHINGTON - (AD) In seiner wöchentlichen Rundfunkansprache forderte
Präsident Reagan am 8. August 1987 die Sowjets auf, im Geiste echter "Glasnost" die Berliner Mauer niederzureißen, freie Wahlen zuzulassen sowie alle
politischen Gefangenen zu befreien.
Reagan erklärte, diese Offenheit solle ferner ein Ende des sowjetischen
Imperialismus in Osteuropa, Afghanistan, Angola, Kuba und Nicaragua bedeuten.
Die Rede Präsident Reagans hat folgenden Wortlaut:

Meine
amerikanischen
Mitbürger,
in dieser Woche wird auf der Welt ein
düsterer Gedenktag begangen. Am Donnerstag vor 26 Jahren marschierten
eine Minute nach Mitternacht Tausende
von ostdeutschen Soldaten aus ihren
Kasernen und errichteten im Schutz
der Nacht und mit Unterstützung der
sowjetischen Truppen die Mauer in
Berlin.
Die heutige Berliner Mauer unterscheidet sich sehr von dem groben
Stacheldraht, den die Berliner vor 26
Jahren am Morgen des folgenden Tages

United States Information Service
Embassy of the United States of America

vor sich sahen. Zu den Veränderungen
zählen zusätzliche Wachtürme, Panzersperren, rasiermesserscharfe Metallzäune, Flutlicht, Gräben und Hundelaufanlagen.
Die Mauer selbst ist
nunmehr vier Meter hoch und besteht
aus weiß angestrichenem Beton, so daß
jeder, der an ihr hochklettern will,
eine gute Zielscheibe bietet.
Eins hat sich jedoch über die
Jahre hinweg nicht verändert: Obwohl
die Mauer West-Berlin umgibt, sind
nicht die Westberliner die Gefangenen.
Eine
westdeutsche
Zeitung

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�drückte es am Morgen nach der Errichtung der Mauer so aus, "gestern wurde
Ost-Berlin offiziell in ein riesiges
Konzentrationslager verwandelt".

echte
Offenheit, zu
sprechen, zu
schreiben, zu reisen oder etwa zu
kaufen und zu verkaufen?
Oder ist
das eher ein Werbefeldzug?

Es ist mehr nötig als Mauern und
Gewehre, um den menschlichen Geist
einzusperren.
In den vergangenen 26
Jahren haben fast 5 000 Menschen diese Barriere überwunden und sind in
die Freiheit geflüchtet.
Einige haben Tunnel unter der Mauer hindurch
gegraben, andere haben sie mit Hilfe
von Tauen und Seilwinden überwunden,
manche mit Lastwagen die Checkpoints
durchbrochen, andere sind einfach zu
Fuß über das gelaufen, was sowjetische Regierungsvertreter des Ostblocks als "moderne Grenze" und die
Menschen in Berlin als "Todesstreifen" bezeichnen. Bei diesem Wettlauf
um die Freiheit haben wenigstens 74
Männer und Frauen ihr Leben gelassen.

Wie ich im Juni in Berlin erklärt
habe, wäre das Niederreißen der Mauer
eine Möglichkeit, mit der die Sowjets
Engagement für echte Offenheit demonstrieren könnten.
Aber sie könnten
noch mehr tun. Am Ende des Zweiten
Weltkrieges haben die Sowjets Osteuropa freie Wahlen versprochen.
Offenheit sollte die Erfüllung dieses
Versprechens bedeuten.

Im Juni habe ich auf meiner Rückreise vom - Weltwirtschaftsgipfel
in
Venedig Berlin besucht und die Mauer
wiedergesehen.
Wie
früher
bereits
habe ich gesehen, daß die Menschen
auf die frei zugängliche Seite der
Mauer kleine Kreuze gezeichnet haben
- im Gedenken an jene, die beim Versuch, sie zu überwinden, ums Leben
kamen.
Auf der einen Seite Todesstreifen, auf der anderen Andenken an die
bei der Überwindung Getöteten.
An
keinem Ort der Erde ist der Gegensatz
zwischen dem Gefängnis, das der Kommunismus darstellt und dem Geist der
Freiheit, der in der gesamten Menschheit
verwurzelt
ist,
deutlicher
sichtbar.
In den vergangenen Monaten haben
wir aus dem sowjetischen Einflußbereich viel über "Glasnost" gehört.
Glasnost ist ein russisches Wort, das
"Offenheit" heißt.
Aber bedeutet es

Offenheit
sollte ebenfalls die
Befreiung von politischen Gefangenen,
Regimegegnern und anderen Gefangenen
aus Gewissensgründen
bedeuten.
Es
sollte ein Ende des sowjetischen Imperialismus sein, sei es in Osteuropa, Afghanistan, Angola, Kuba oder
Nicaragua, kurz gesagt, sollte es Offenheit für alle unter sowjetischer
Herrschaft stehenden Nationen geben.
Im Juni habe ich in Berlin erklärt, daß wir in den Vereinigten
Staaten bereit sind, gemeinsam mit
den Sowjets der geteilten Stadt echte
Offenheit zu bringen.
Ich habe Diskussionen über vier
Vorschläge angeregt. Erstens sollten
Wege erforscht werden, um den Zugang
der Zivilluftfahrt nach Berlin auszubauen, so daß die Stadt eines Tages
zu einem Luftkreuz für den Luftverkehr Mitteleuropas werden kann. Zweitens sollten mehr internationale Zusammenkünfte und Konferenzen in Berlin stattfinden, zum Beispiel die
Versammlungen der Vereinten Nationen.
Drittens habe ich ein Austauschprogramm angeregt, so daß junge Ost- und
Westberliner sich leichter besuchen
und kennenlernen können.
Und viertens habe ich vorgeschlagen, daß irgendwann in der Zukunft die Olymp-

- 2 -

�ischen Spiele
sollten.

in

Berlin

stattfinden

Zusammengenommen würden all diese
Vorschläge mehr Offenheit in das Leben nicht nur der Berliner, sondern
auch der Menschen in Osteuropa und
der Sowjetunion bringen.
Wir
sollten daran denken, wie
wichtig dies für jeden von uns als
Amerikaner ist, als ein Volk, das den
Frieden unter den Nationen anstrebt.
Aufgrund
unserer
wiedergewonnenen
Stärke haben wir in den vergangenen
Jahren große Fortschritte in Richtung
auf den Frieden erzielt, besonders im
Bereich der Rüstungskontrollgespräche
mit der Sowjetunion.
Aber so ermutigend dies auch sein
mag, sollten wir doch nicht die Warnung
des tschechischen
Dissidenten
und Schriftstellers Wazlaw Hawel vergessen, der uns vor einiger Zeit
mahnte, daß "Respektierung der Menschenrechte die grundlegende Bedingung und einzig echte Garantie des
wahren Friedens darstellt.
Ein dauerhaften Frieden kann nur das Werk
freier Menschen sein".
Lassen Sie uns an diesem 26. Gedenktag der Berliner Mauer den Entschluß fassen, alles uns Mögliche zu
tun, um den Tag herbeizuführen, an
dem die Mauer niedergerissen und Berlin nicht nur zu einem Sinnbild für
Konfrontation, sondern für Zusammenarbeit zwischen den Völkern Europas
und der ganzen Welt geworden ist.
Bis nächste Woche, danke fürs Zuhören und Gott segne Sie.

- 3

�^£°s^

VON

AMERIKA DIENST
Dokumentation

*

12. August 1987

28
DEMOKRATIE ALS ZIEL IN MITTELAMERIKA

- Erklärungen von Präsident Reagan und Außenminister Shultz -

WASHINGTON - (AD) - Am 5. August 1987 wurde von Präsident Reagan ein Plan
vorgelegt, der darauf abzielt, mit Hilfe erneuter diplomatischer Bemühungen
die Kämpfe zwischen der sandinistischen Regierung und den demokratischen Widerstandskämpfern in Nicaragua zu beenden.
Der Präsident erklärte in diesem Zusammenhang, die vereinigten Staaten
verfolgten
in Mittelamerika mit der "Errichtung wahrhaft demokratischer
Staatsformen" dasselbe Ziel wie auch die Staaten in der Region und die nicaraguanischen Widerstandskämpfer.
Nachfolgend drucken wir die Erklärung Präsident Reagans und die Pressekonferenz mit Außenminister Shultz im Wortlaut:

Präsident
Reagan:
Guten
Morgen.
Ich möchte hier eine kurze
Stellungnahme verlesen, nach der ich
mich verabschieden muß. Der Außenminister wird dann Fragen dazu beantworten.
Ich habe gerade eine Zusammenkunft mit den Vorsitzenden der beiden
Parteien des Kongresses beendet und
freue mich, Ihnen mitteilen zu können, daß wir Einigung über eine erneute
diplomatische
Initiative
in
Mittelamerika erzielt haben, die sich
im Einklang mit dem gemeinsam mit dem

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Sprecher und den Parteivorsitzenden
im Kongreß ausgearbeiteten Friedensplan befindet. Demgemäß habe ich den
Außenminister angewiesen, dieses Dokument
den Staats- und Regierungschefs der fünf Länder Mittelamerikas
zu übergeben, die morgen in Guatemala-Stadt
zusammenkommen, damit
sie
diese Ansichten bei ihren Überlegungen berücksichtigen.
Wie ich bereits vor einigen Monaten auf Ellis Island ausgeführt habe,
hat diese Administration immer auf
Frieden und Demokratie ausgerichtete

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�regionale
diplomatische
Initiativen
unterstützt:
Die Bestrebungen unserer Nachbarn in Mittelamerika, der
demokratischen Widerstandskämpfer in
Nicaragua
und des
nicaraguanischen
Volkes gleichen sich in einem Hoffnungen - der Errichtung wahrhaft demokratischer Staatsformen in der Region mit den verbrieften Rechten der
Versammlungs-, Rede- und Pressefreiheit und dem einfachen Prinzip der
Selbstbestimmung.
Ich begrüße diese Bemühungen beider Parteien im Kongreß und ich möchte meiner Hoffnung Ausdruck verleihen, daß damit eine friedliche Lösung
des Konfliktes in Nicaragua herbeigeführt wird. Ich fordere die anderen
Nationen der Welt auf, diese Bemühungen ebenfalls
zu unterstützen und
keine Aktivitäten zu unternehmen, die
sie gefährden würden.
Frage:
Haben Sie Ihre Meinung
über die Sandinisten geändert, Herr
Präsident?
Frage:
Herr
Präsident,
warum
sind Sie jetzt bereit, den Sandinisten zu vertrauen und sich mit Ihnen
an den Verhandlungstisch zu setzen?
Trauen Sie Ihnen zu, daß sie ihren
Verpflichtungen nachkommen werden?
Antwort:
George
(Shultz)
diese Frage beantworten.

wird

Shultz:
Der
Präsident
war
stets
bereit, sich
für
regionale
Friedensinitiativen
einzusetzen
und
stellt sich voll und ganz hinter diesen Plan, zumal morgen in Guatemala
Stadt die Präsidenten Mittelamerikas
zusammentreffen sowie angesichts der
interessanten Entwicklung der Diskussionen zwischen den beiden Parteivorsitzenden im Kongreß über das, was
wir glauben und was wir vertreten
sollten.
Dies ist also keine Mei-

nungsänderung, sondern
sitive Entwicklung.

eine

sehr po-

Frage:
In
diesem
Plan
haben
wir Änderungen zum Arias-Friedensplan
vorgeschlagen - was wird geschehen,
wenn die Staatschefs einschließlich
Nicaragua übereinkommen, daß sie dem
Arias-Friedensplan zustimmen können?
Würden wir ihn dann unterstützen?
Antwort:
Wir unterbreiten hier
Ideen, die sich in zahlreichen Diskussionen, unter anderem unter der
Leitung
des
Sprechers
des
Repräsentantenhauses, Jim Wright, entwikkelt haben, und woran wir arbeiten
werden, ist der Erfolg.
Mit Erfolg
ist hier die Möglichkeit eines echten
regionalen Friedensabkommen in Mittelamerika
gemeint.
Darauf
zielen
wir ab.
Frage:
Das war aber nicht meine Frage.
Könnten - oder würden wir den Arias-Plan unterstützen, wenn
die Staatschefs ihn voll akzeptieren?
Antwort:
Dieser
jetzt
vom
Sprecher vorgelegte und von uns allen
erarbeitete Plan enthält im wesentlichen dieselben Bestandteile wie der
Arias-Plan, so wie ich ihn verstehe,
nämlich die Absicht, in ganz Mittelamerika
demokratische
Regierungen
einzuführen. Bezüglich des Zeitplans
gibt es noch einige Probleme, die für
alle Beteiligten sehr wichtig sind.
Wir sollten jedoch zunächst abwarten,
was die Diskussionen ergeben.
Frage:
Herr Außenminister, besteht Grund zu der Annahme - die
Sandinisten haben solche Vorschläge
früher oft in Betracht gezogen und
dann abgelehnt.
Was hat sich jetzt
geändert? Warum sollten wir glauben,
daß sie jetzt mehr Interesse dafür
zeigen?

�Antwort:
Natürlich möchte
ich
nicht versuchen, für sie einzutreten,
aber das, was hier vorgelegt wird,
ist vernünftig - es ist von vielen
Leuten hier unter vielen verschiedenen Aspekten diskutiert worden.
Es
befindet sich im Einklang mit den in
der
Region diskutierten
Problemen,
und ich glaube, wir sollten jetzt
einfach sagen, wofür wir sind; die
anderen müssen ihre Meinung vertreten.
Die wirtschaftlichen Bedingungen in der Region und besonders in
Nicaragua sind schrecklich, so daß im
Namen der Menschen in der Region noch
viel getan werden muß.
Frage:
Herr
Außenminister,
seitens der Demokraten
im Kongreß
herrscht großes Mißtrauen, daß die
Administration dies in Erwartung der
ablehnenden Haltung der Sandinisten
tut, und daß Ihnen damit für den Rest
dieser Präsidentschaft weitere Hilfe
für die Contras zugesichert wird.
Antwort:
Sie haben hier
Erklärung abgegeben.
Gibt es
auch eine Frage?

eine
dazu

Frage:
Ich
sage, daß
dieses
Mißtrauen bei vielen Demokraten im
Kongreß besteht. Was sagen Sie dazu?
Antwort:
Bei vielen Leuten mit
sehr
unterschiedlichen
Meinungen
herrscht Mißtrauen demgegenüber, und
ich glaube, daß wir die Bemühungen
beider
Parteien als Basis unserer
starken diplomatischen Bemühungen zugrunde legen und alles daransetzen
müssen, um das Ergebnis hervorzubringen, daß meiner Meinung nach jeder
anstrebt.
Frage:
Aber ist das nicht nur
ein Schachzug, um mehr Hilfe für die
Contras zu bekommen?
Frage:

Warum

haben

Sie

die

Führer der Contras nicht gefragt?...
Antwort:
Es
ist kein Schachzug, es handelt sich hier um ernsthafte Bemühungen. Und der Präsident,
der Sprecher und auch andere Diskussionsteilnehmer glauben daran.
Sie
sind heute morgen hierher gekommen
und haben offen gesprochen. Sie hatten eine fruchtbare und ernsthafte
Diskussion. Und wir werden dazu erhebliche Bemühungen unternehmen.
Frage:
Können
Sie
sagen, ob
bereits seitens der nicaraguanischen
Regierung irgendeine Reaktion erfolgt
ist?
Der Sprecher, Mr. Wright, hat
uns einen Brief gezeigt, in dem der
Botschafter, auch wenn er dies nicht
unterschrieben
hat, wenigstens auf
einige positive Reaktionen
zu den
Vorschlägen hinwies. Können Sie uns
sagen, ob Sie dasselbe gehört haben?
Antwort:
Das Treffen des Präsidenten mit den Parteivorsitzenden
hat gerade erst stattgefunden, und
das Dokument wurde abgesegnet.
Es
wird gerade, so schnell es die Bürokratie
im Außenministerium
zuläßt,
verteilt, so daß jeder den Text vorliegen hat. Die Vorsitzenden werden
sich nach Guatemala-Stadt begeben und
sich dort auf ihre Umgebung einstellen. Aber wir haben weder eine Reaktion vorbereitet noch waren wir in
der Lage, mit ihnen darüber zu sprechen, weil es noch nichts gab, über
das man hätte sprechen können.
Frage:
Was denken die Contras
darüber?
Sie sind Ihnen böse, weil
Sie nicht bereits gestern zu ihnen
gesprochen haben.
Antwort:
Sie treffen gegenwärtig mit dem Präsidenten zusammen, und
ich möchte dabeisein.
Aber meiner
Ansicht nach werden sie so weitermachen wie bisher - sie werden Frie-

- 3 -

�den, Demokratie und Freiheit in Nicaragua anstreben.
Dafür kämpfen sie.
Und wenn es einen Weg gibt, der dorthin führt, werden sie ihn einschlagen.
Frage

Warum haben sie nicht ...

Antwort:
Sie werden für
selbst sprechen, und sie sind
wohl in der Lage, das zu tun.

sich
sehr

Frage:
Wäre der Präsident
einem Waffenstillstand
bereit,
Contra-Hilfe einzustellen?

bei
die

Antwort:
Ist
verteilt worden?
Frage:
Ja, wir
de bekommen.
Antwort:
hier...

der

Friedensplan

haben

Lesen

ihn gera-

Sie

bitte

Frage:
Aber es ist unklar, was
angesichts
eines
Waffenstillstandes
passieren würde.
Antwort:
Das, was
vorgesehen
ist.
Im Hinblick auf Ihre Frage ist
der wichtigste Absatz...
Frage:

Frage:
Was ist, wenn militärische Hilfe erneut gewährt wird ...
Antwort:
Dort steht - humanitäre Hilfe würde weiterhin gewährt.
Frage:
Herr Außenminister, wie
steht es mit erneuten Lieferungen an
die
Contras
in
diesem
Zeitraum?
Strebt die Regierung das Recht an,
mit erneuten Lieferungen fortzufahren?
Antwort:
Es
heißt
hier, daß
Militärhilfe unter diesen auszuarbeitenden
Bedingungen
eingestellt
und
humanitäre Hilfe weiterhin geleistet
würde.
Wenn dies funktioniert, und
wenn die Leute wirklich bereit sind,
sich dafür einzusetzen, sehen wir einen Prozeß voraus, der einen Wandel
im Sinne einer Steuerung hervorbringen wird, so daß es Offenheit, Freiheit und eine Wahlkommission geben
wird, die Empfehlungen ausspricht.
Das ist ist diesem Zusammenhang
vorgesehen. Es sind allgemeine Prinzipien. Ich muß jetzt zu dieser Besprechung gehen.

Punkt Eins.

Antwort:
Unter
Punkt
Eins
steht: "Wir schlagen folgendes vor",
und sie sehen, daß ein Waffenstillstand für alle beteiligten Parteien
annehmenbare Bedingungen haben muß.
Dazu gehört auch die nicaraguanische
Widerstandsbewegung.
Und es ist vorgesehen, daß eine Reihe von Dingen
gleichzeitig
ablaufen würde.
Eins
davon
- wenn
all dies
überhaupt
gleichzeitig erfolgen kann - ist ein
Waffenstillstand,
und dann erfolgt
die Einstellung militärischer Hilfe.
Frage:
Aber
humanitäre
würde weiterhin geleistet?

Hilfe

* * * * *

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