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                    <text>ERIKA DIENST
*.

8

26. Februar

1936

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan fordert Abschaffung amerikanischer und sowjetischer
Mittelstreckenraketen
- Antwort auf Gorbatschows Vorschläge -„
Europa und das Bündnis - Rückkehr zum Zwei-Säulen-Konzept
- Rede des US-Botschafters Richard R. Burt vor dem
Oberseeclub in Hamburg -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
US-RAUMTRANSPORTERPROGRAMM

I

UNTER NEUER LEITUNG

- Erste Trümmer der rechten Feststoffrakete geborgen -

* * * * *

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�AMERIKA DIENST
'VoN

Dokumentation

4

26. Februar 1986

REAGAN FORDERT ABSCHAFFUNG AMERIKANISCHER UND SOWJETISCHER
MITTELSTRECKENRAKETEN
- Antwort auf Gorbatschows Vorschläge -

Washington - ( A D ) - Nach Aussagen von Präsident Reagan haben
amerikanische Unterhändler jetzt einen "konkreten Plan" vorgelegt, der in Europa und Asien die Abschaffung sowohl der amerikanischen Pershing II-Raketen und bodengestützten Marschflugkörper als auch sowjetischer SS-20-Raketen fordert.
In einer schriftlichen Erklärung vom 2 4 . Februar betonte
der Präsident, sein Plan fordere, daß "all diese Raketen bis
zum Ende dieses Jahrzehnts von der Erdoberfläche entfernt werden" .
Der Plan wurde als Antwort auf Generalsekretär Gorbatschows Vorschläge vom 1 5 . Januar vorgelegt. Reagan bat die
Sowjetunion, den neuen amerikanischen Vorschlag "sorgfältig zu
prüfen" und am Genfer Verhandlungstisch "konkret darauf zu
antworten".
Nachfolgend bringen wir die Erklärung Präsident Reagans im
Wo r 11 a u t:
Am 15. Januar habe i ch die Tatsache begrüßt, daß die Sowjetunion Rüstungskontroi lvorschläge vorgelegt hatte, von denen
wir erhofften, daß sie d en Fortschritt bei den Genfer Treffen
und anderen Verhandlunge n unterstützen würden. Ich stellte
fest, daß einige Teile d er sowjetischen Ankündigung konstruktiv zu sein scheinen und auf unseren Vorschlägen, die wir bereits zu einem früherem Zeitpunkt auf den Verhandlungstisch
gelegt hatten, aufbauen, Andere Teile widerspiegeln jedoch
frühere sowjetische Stan dpunkte, die ein ernsthaftes Hindernis
für den Fortschritt dars teilen.
Wir haben diese sowjetischen

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Ideen sehr genau analysiert

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�genau analysiert und uns eingehend mit unseren Freunden und
Verbündeten in Europa und Asien besprochen, bevor wir der Sowjetunion antworteten. Diese Konsultationen waren ausgezeichnet
und haben uns wichtige Denkanstöße gegeben; wir haben jetzt
unsere Analyse vervollständigt und eine Entscheidung getroffen. Ich habe dies den politisch Verantwortlichen unserer
Bündnisstaaten mitgeteilt und Generalsekretär Gorbatschow geantwortet.
Ich habe Herrn Generalsekretär Gorbatschow gegenüber meinen Wunsch zum Ausdruck gebracht, in den wichtigsten Foren der
Rüstungskontrolle und in den anderen Schlüsselbereichen der
amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen Fortschritte zu erzielen: bei den regionalen Fragen, Menschenrechten und bei bilateralen Angelegenheiten. Ich habe die Haltung der Vereinigten
Staaten bekräftigt, daß die ersten Schritte im Bereich der nuklearen Rüstungskontrolle in einschneidenden Kürzungen bei den
amerikanischen und sowjetischen Offensivwaffen bestehen sollten, über die im Augenblick in Genf verhandelt wird.
Im Hinblick auf das Konzept, das vom Generalsekretär als
sein "Plan" zur Abschaffung aller Nuklearwaffen bis zum Ende
des Jahrhunderts vorgelegt wurde, freue ich mich darüber, daß
die Sowjetunion im Prinzip unserem Endziel, der Hinwendung zur
- wenn möglich - totalen Abschaffung nuklearer Waffen,
zuzustimmen scheint. Man braucht nicht darauf hinzuweisen, daß
dies vorsichtig geschehen muß, im Einvernehmen mit den allgemeinen Anforderungen an die Sicherheit und Stabilität der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten.
Als Mittel zur Erreichung dieses Zieles unterstützen wir
einen Prozeß, durch den die vereinigten Staaten und die Sowjetunion die ersten Schritte unternehmen würden, indem sie auf
beiden Seiten das Prinzip der Verringerung von nuklearen Offensivwaffen um 50 Prozent verwirklichen und entsprechend anwenden sowie über ein Abkommen bei Mittelstreckenwaffen verhandeln. Wir glauben, daß wir uns weiterhin unmittelbar auf
die baldige Erfüllung dieser ersten notwendigen Schritte konzentrieren sollten.
Wir freuen uns auch darüber, daß die Sowjetunion jetzt öffentlich unsere seit langem eingenommene Haltung anerkannt
hat, daß die Verifizierbarkeit der verhandelten Abkommen den
wichtigsten Punkt darstellt. Wir beabsichtigen, am Verhandlungstisch, wenn nötig, alle Probleme der Verifizierung und
Gorbatschows öffentliches Angebot konkret zu untersuchen.
Auf der anderen Seite sind viele der besonderen Einzelheiten, die in den folgenden Phasen des sowjetischen "Planes"
vorgeschlagen wurden, zum gegenwärtigen Zeitpunkt eindeutig
noch nicht in Erwägung zu ziehen. Unserer Ansicht nach wird
die völlige Abschaffung nuklearer Waffen gleichzeitig die Be- 2-

�die Berichtigung des Ungleichgewichts bei konventionellen und
anderen Waffen erfordern und die völlige Erfüllung gegenwärtiger und zukünftiger vertraglicher Verpflichtungen, die friedliche Lösung regionaler Konflikte auf eine Art und Weise, die
Wahlfreiheit ohne Einmischung von außen erlaubt sowie ein von
der Sowjetunion gezeigtes Engagement für friedlichen Wettbewerb. Leider gehen die Einzelheiten des sowjetischen "Plans"
nicht auf diese gleichermaßen unerläßlichen Anforderungen ein.
Ich würde gern an all diesen Fronten Fortschritte erzielen.
Während wir uns allgemein um Fortschritt bemühen, gibt es
einen Bereich, von dem ich hoffe, daß wir hier zu einem unmittelbaren Fortschritt gelangen werden: bei den Verhandlungen
über nukleare Mittelstreckenwaffen. Heute haben unsere Unterhändler in Genf einen konkreten Plan vorgelegt, der die Abschaffung von amerikanischen Pershing-II-Raketen, bodengestützten Marschflugkörpern und sowjetischen SS-20-Raketen
nicht nur in Europa, sondern auch in Asien fordert und mit
dessen Hilfe alle Raketen dieser Art bis zum Ende des Jahrzehnts von der Erdoberfläche entfernt werden sollen.
Ich rufe die Führung der Sowjetunion auf, die Einzelheiten
unseres neuen Vorschlags sorgfältig in dem Geiste, in dem er
vorgelegt worden ist, zu prüfen und am Verhandlungstisch konkret darauf zu antworten. Ich fordere die Sowjetunion auf,
auch auf die konkreten und umfassenden Vorschläge zu antworten, die die Vereinigten Staaten am 1. November in Genf vorgelegt hatten. Diese Vorschläge betrafen alle drei Bereiche
der Nuklear- und Weltraumgespräche (NST). Unglücklicherweise
wurden unsere Vorschläge zu strategischen Nuklearwaffen
sowie Verteidigungs- und Weltraumwaffen nicht beantwortet.
Lassen Sie mich betonen, daß wahrer Fortschritt beim Abbau
nuklearer und anderer Waffen nur in vertraulichen Gesprächen
am Verhandlungstisch erreicht werden kann. Die vereinigten
Staaten tragen ihren Teil dazu bei, den praktikablen Prozeß
des Gebens und Nehmens, der zu einschneidender Abrüstung führen kann, bei den Nuklear- und Weltraumgesprächen zu unterstützen. Mit ebensolchem Einsatz unserer sowjetischen Verhandlungspartner sind wirkliche Fortschritte jetzt nähergerückt.

- 3-

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

VION &amp;

26. Februar 1986

EUROPA UND DAS BÜNDNIS Rückkehr zum Zwei-Säulen-Konzept

- HAMBURG - (AD) - In einer Red e vor dem Hambu rger Uberseeklub hat der amerikanische Botsc hafter in Bonn, Richard R.
Burt, am 25. Februar das Thema "Eur opa und das Bün dnis - Rückkehr zum Zwei-Säulen-Konzept" behan delt. Er erinne rte an die
Erfolge des Atlantischen Bündnisses beim Widerstan d gegen sowjetische Versuche, Sonderbeziehunge n zwischen den Verein igten
Staaten und der Sowjetunion auf Kos ten der europäi sehen Sicherheit herzustellen. "Wir werden uns auch weiter hin sowjetisehen Versuchen widersetzen, die Si cherheit des Bü ndnisses
durch die Herstellung eines separat en 'eurostrateg ischen'
Gleichgewichts zu unterteilen. Wir werden mit unse ren Bemühungen fortfahren, um sicherzustellen, daß Westeuropa ein Recht
auf Sicherheit behält, das unserem eigenen und jen em der Sowjetunion entspricht," betonte er.
Die Rede des Botschafters hat folgenden Wortlaut:
Herr Professor Stödter, Herr Präsident Schulz, Herr Senator Lange, Herr Generalkonsul Ezen, sehr geehrte Mitglieder
des Uberseeklubs - Ich freue mich sehr, in Hamburg zu sein und
betrachte es als ein Privileg, heute diese Gelegenheit zu haben, zu Ihnen über ein Thema zu sprechen, das meiner Ansicht
nach für die Überlegungen politischer Entscheidungsträger auf
beiden Seiten des Ozeans von zentraler Bedeutung ist - die Zukunft des westlichen Bündnisses.
Ich glaube, dies ist heute ein ganz besonders angemessener

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�besonders angemessener Ort, um meine Gedanken über das Bündnis
darzulegen. In seiner langen und stolzen Tradition als Mitglied der Hanse symbolisiert Hamburg seit Jahrhunderten für
Deutschland das Tor zur Welt und gehört bis heute zu den Städten Deutschlands mit dem wohl ausgeprägtesten internationalen
Charakter. Es ist darüber hinaus eine Stadt, die sich einer
langen und treuen Befolgung der Prinzipien von Demokratie und
Freiheit rühmen kann, die die Grundlage des Bündnisses bilden.
Und was könnte ein angemessenerer Rahmen für diese Ansprache
sein als der Uberseeklub, der mit Stolz auf seinen Beitrag zur
Neugestaltung der internationalen Beziehungen Deutschlands
nach zwei Weltkriegen zurückblicken kann?
Einige von Ihnen werden sich vielleicht fragen, warum ich
zu diesem gegenwärtigen Zeitpunkt gerade das Thema des Atlantischen Bündnisses gewählt habe, anstatt über die Aussichten
auf Verbesserung der Ost-West-Beziehungen und besonders auch
der Rüstungskontrolle zu sprechen. Dies ist, was die Ost-West-Beziehungen anbelangt, wirklich eine ereignisreiche Zeit, man
denke nur an die erfolgreichen "Kamingespräche" beim Gipfeltreffen im vergangenen November, die dramatische Freilassung
Anatolij Schtscharanskis vor zwei Wochen und die neuen Vorschläge, die in die Diskussion um nukleare und konventionelle
Rüstungskontrolle eingebracht wurden.
Natürlich besteht, sowohl in Europa als auch in den Vereinigten Staaten, großes Interesse an der Zukunft unserer Beziehungen. Aber wenn wir über das Atlantische Bündnis sprechen,
sprechen wir in gewissem Sinne über den Prozeß des Ost-West-Dialoges, zumal die Entwicklung einer einigen und einheitlichen globalen Vorgehensweise notwendige Voraussetzung für erfolgreiche Verhandlungen mit dem Osten darstellt. Dieses Axiom
ist nirgendwo stärker zum Ausdruck gekommen als in Genf, wo
die Solidarität und die Entschlossenheit des Westens zweimal,
in den Jahren 1982 und 1985, die Sowjetunion dazu brachten, an
den Verhandlungstisch zurückzukehren. Und ich bin fest davon
überzeugt, daß die Einheit und Entschlossenheit des Bündnisses
eine große Rolle bei der Anregung zu dem sowjetischen Gegenvorschlag vom letzten Herbst und auch bei den jüngsten Vorschlägen von Generalsekretär Gorbatschow gespielt haben und
somit dazu beitrugen, jene Möglichkeiten zu schaffen, die sich
uns jetzt vielleicht bei der Rüstungskontrolle bieten.
Eine Allianz in der Krise?
Erst vor einigen Jahren noch war es auf beiden Seiten des
Atlantik Mode, vom Bündnis im Zusammenhang mit einer fundamentalen Existenzkrise zu sprechen. Sogar heute wird manchmal die
Frage gestellt: Kann das Atlantische Bündnis überleben, und
wenn das der Fall ist: In welcher Form kann es überleben? Ich
glaube, daß Sie mir aber zustimmen werden, daß die Ereignisse

�die Ereignisse der vergangenen paar Jahre ziemlich eindeutig
gezeigt haben, daß es gar keine grundlegende Krise des Bündnisses gibt. Wir haben die Entscheidung über Mittelstreckenwaffen vom Dezember 1979 erfolgreich durchgeführt und dies angesichts systematischer und hartnäckiger sowjetischer Anstrengungen, die Entscheidung zunichte zu machen und dadurch die
Handlungsfähigkeit des Bündnisses zu untergraben. In der Zwischenzeit steigt die Unterstützung für das Bündnis seitens der
Regierungen und der Öffentlichkeit. Einer jüngsten Meinungsumfrage des Emnid-Instituts zufolge befürworten 87 Prozent der
westdeutschen Bevölkerung die weitere Mitgliedschaft in der
NATO - ein gesunder Anstieg von 9 Prozent gegenüber 1981 und
ein noch dramatischerer Meinungsumschwung gegenüber 1983. Ähnliche Studien zur Einstellung der Öffentlichkeit in anderen
westlichen Ländern - meines eingeschlossen - spiegeln die
deutschen Ergebnisse wider.
Obwohl wir eigentlich nicht länger vor einer Krise Angst
zu haben brauchen, können wir es uns doch nicht leisten, der
Zukunft des Bündnisses gleichgültig gegenüberzustehen. Sowohl
in Europa als auch in Amerika scheinen gegenseitige Ressentiments wieder zuzunehmen. Diese Vorbehalte gehen im Falle Amerikas von der Annahme aus, daß Europa nicht gewillt ist, seinen fairen Anteil an den Lasten des Bündnisses zu tragen, besonders was die Berücksichtigung gemeinsamer globaler Interessen betrifft. In Europa nährt diese Vorbehalte die Annahme,
daß die Vereinigten Staaten sowohl in Bezug auf ihre Wirtschafts- als auch auf ihre Sicherheitspolitik zu erdrückend
und auch zu rasch bereit seien, Europa in ihre eigenen Streitigkeiten zu verwickeln.
In einem 1984 erschienenen Essay hat Henry Kissinger diese
gegenseitigen Ressentiments sehr gut umrissen. Er schrieb:
"Auf beiden Seiten des Atlantik sehen wir uns von der
Dominanz der Innenpolitik über globale politische
Strategien bedroht. In Europa führt dies in allzu vielen
Ländern zu einem kaum verhüllten Neutralismus. In den
Vereinigten Staaten beschleunigt dies unsere bereits
starke Tendenz zu Unilateralismus und Isolationismus".
Ich zitiere diesen Passus nicht, weil ich ihm unbedingt
zustimme, sondern als ein Beispiel für die Art von Ressentiments, die sich aus der Vorstellung eines Ungleichgewichts innerhalb des Bündnisses ergeben.
Dieser Vorstellung eines militärischen und politischen Ungleichgewichts sind verschiedene Überlegungen entsprungen, die
sich für beträchtliche Veränderungen in der künftigen Struktur
und in der Zielsetzung des Bündnisses einsetzen, was letztlich
einer Entfremdung zwischen den Vereinigten Staaten und Europa
gleichkäme. Eine der Theorien, auf die ich in der Bundesrepu- 3 -

�der Bundesrepublik Deutschland gestoßen bin, vertritt die Ansicht, Europa müsse sich "europäisieren", indem es seine Verbindungen zu den Vereinigten Staaten lockere. So könne Europa
seine eigenen Interessen weitgehend mit einer Politik der
Äquidistanz zu beiden Supermächten verfolgen. Auf der anderen
Seite des Atlantik hat sich eine unilateralistische Bewegung
herausgebildet, die behauptet, die Vereinigten Staaten würden
nur allzu oft durch ihre Verbündeten gelähmt und müßten ihre
frühere Handlungsfreiheit in der Weltpolitik wiedergewinnen.
Diese Denkrichtung sieht Europa als zu schwach, unentschlossen
und unfähig an, der sowjetischen Herausforderung zu begegnen,
während es dadurch die Vereinigten Staaten an entschlossenem
Handeln hindert.
Ich kann keiner dieser beiden Theorien zustimmen. Durch
die Unterschätzung der wahren Stärke und des Potentials des
Bündnisses verzerren sie die Realität. Wir können uns weder
von den gemeinsamen Werten und Prinzipien, die das Rückgrat
des Bündnisses bilden, noch von den gemeinsamen Erfahrungen
der vergangenen vierzig Jahre abwenden. Ein Bruch zwischen den
europäischen und amerikanischen Partnern des Bündnisses ist
weder möglich noch wünschenswert.
Aber wir können es uns auch nicht leisten, diese beiden
Theorien einfach zurückzuweisen. Wir müssen mit den Gründen
fertigwerden, die sich hinter dieser Verstimmung verbergen.
Wir müssen auch weiterhin den Pfad der engeren Konsultationen
und Zusammenarbeit, wie auch einer gleichmäßigeren Lastenverteilung im Bündnis verfolgen. Zu diesem Zweck benötigen wir
für das Bündnis und dessen Zukunft auch einen theoretischen
überbau, ein Konzept, das nicht nur unsere alltäglichen Bemühungen leiten und inspirieren wird, sondern uns dabei hilft,
auch weiterhin die öffentliche Unterstützung für das Bündnis,
besonders seitens der jüngeren Leute, zu behalten. Die Idealvorstellung wäre dabei eine gleichberechtigte und reife Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und Europa, eine
Vision, wie sie Präsident Kennedy im Jahre 1962 in seinem Vergleich der zwei Säulen formuliert hat, der erst kürzlich wieder sowohl von europäischen als auch amerikanischen Regierungsvertretern bekräftigt wurde.
Um dieses Konzept und die mit ihm verbundenen Aufgaben in
einen angemessenen Rahmen zu stellen, würde ich gern kurz auf
die entscheidenen Jahre des Bündnisses eingehen und auch die
frühen Erfolge beim Aufbau eines vereinteren Europa und der
Förderung einer gleichberechtigteren Partnerschaft nachzeichnen. In seiner Anfangszeit im Jahre 1949 war das Nordatlantische Bündnis natürlich ganz anders, als es sich uns heute darstellt. Europa hatte gerade angefangen, sich wirtschaftlich
und politisch von dem verheerendsten und zerstörerischsten
Krieg seiner Geschichte zu erholen. Im Gegensatz dazu waren
die Vereinigten Staten mit einem erheblichen Zuwachs an wirt-

�an wirtschaftlicher Stärke, militärischer Kraft und politischem Einfluß aus dem Krieg hervorgegangen. Unter Mißachtung
ihrer isolationistischen Traditionen verwandten die Vereinigten Staaten ihre Energie darauf, Europa beim Wiederaufbau seiner Wirtschaft zu unterstützen und die westliche Verteidigung
gegenüber der sowjetischen Aggression und Subversion sicherzustellen. Die wirtschaftliche und politische Vorherrschaft der
Vereinigten Staaten spiegelte sich in der Verteidigungskonzeption des Bündnisses wieder. In diesen frühen Jahren hing die
Verteidigung Europas fast vollständig von der amerikanischen
strategischen Abschreckung ab und von der verbindenden Wirkung
amerikanischer Truppen in Europa.
In dem Jahrzehnt, das auf die Gründung der NATO folgte,
gelang es Europa, seine wirtschaftliche Stärke und politische
Stabilität wiederherzustellen. Das Wirtschaftswunder in der
Bundesrepublik Deutschland wurde von einem soliden, wenn auch
manchmal weniger dramatischen, wirtschaftlichen Wachstum in
den anderen Ländern Westeuropas begleitet. Wieder einmal näher
ten sich die Europäer dem amerikanischen Produktions- und
Konsumniveau an. Mit der Unterzeichnung der Römischen Verträge
von 1957 wurde ein wichtiger, konkreter Schritt zur Schaffung
einer größeren europäischen Einheit unternommen. Die Vereinigten Staaten ihrerseits unterstützten stetig den Wiederaufbau
der europäischen Wirtschaft und begrüßten das Hervortreten
Europas als echter wirtschaftlicher Partner.
In den frühen sechziger Jahren machte sich jedoch zu beiden Seiten des Atlantik ein wachsendes Gefühl der Enttäuschung
darüber breit, daß die voranschreitende wirtschaftliche Einheit Europas nicht mit einem vergleichbaren Fortschritt im politischen und sicherheitspolitischen Bereich einherging. Aus
diesem Grunde gab es in den späten fünfziger und frühen sechziger Jahren Bemühungen, der politischen und sicherheitspolitischen Zusammenarbeit in Europa einen Impuls zu geben.
Ein prominenter Amerikaner, der solch einen Anstoß geben
wollte, war Präsident John F. Kennedy. Das von ihm postulierte
Ideal war das einer gleichberechtigten Partnerschaft zwischen
den Vereinigten Staaten und einem stärker vereinten, verantwortungsbewußten Europa, die als zwei Säulen einer stärkeren
und leistungsfähigeren Allianz fungieren sollten. In seiner
Rede in der Independence Hall von Philadelphia am 4. Juli 1962
erklärte Kennedy:
"Wir betrachten ein starkes und vereintes Europa nicht als
Rivalen sondern als Partner...Ein vereintes Europa wird in
der Lage sein, eine bedeutendere Rolle in der gemeinsamen
Verteidigung zu spielen, großzügiger auf die Bedürfnisse
ärmerer Staaten zu reagieren, gemeinsam mit den Vereinigten Staaten und anderen Zollschranken abzubauen, Handels-,
Rohstoff- und Währungsprobleme zu lösen und eine

�und eine koordinierte Politik in allen wirtschaftlichen,
politischen und diplomatischen Bereichen zu entwickeln...
Wir sind bereit, mit einem vereinten Europa die Möglichkeiten zur Bildung einer konkreten atlantischen Partnerschaft zu besprechen, einer für beide Seiten vorteilhaften
Partnerschaft zwischen der neuen, sich gegenwärtig in Europa entwickelnden Union und der alten amerikanischen
Union, die hier vor 175 Jahren gegründet wurde."
Lassen Sie mich diesen historischen Überblick kurz unterbrechen um auf einen, mir in diesem Zusammenhang sehr wichtig
erscheinenden, Punkt einzugehen. Es wurde in der Vergangenheit, und es wird auch noch heute darauf hingewiesen, daß die
Vereinigten Staaten es lieber mit einem schwachen und zersplitterten Europa als mit einem starken und geeinten zu tun
hätten. Wie Kennedys Worte jedoch anschaulich beweisen, stimmt
dies einfach nicht. Amerikanische Führer vor und nach Kennedy
haben konsequent ein geeinteres Europa unterstützt. Präsident
Reagan tat dies besonders unmißverständlich während seiner Rede vor dem Europäischen Parlament im vergangenen Mai. Diese
Politik manifestierte sich kürzlich auch in der amerikanischen
Unterstützung für den Beitritt Spaniens und Portugals zur Europäischen Gemeinschaft.
Die amerikanische Unterstützung für ein vereinteres Europa
basiert nicht auf Altruismus, sondern auf Eigeninteresse, und
dies kann auch ihre Dauerhaftigkeit erklären. In einer 1982 in
London gehaltenen Rede stellte Henry Kissinger diesen Punkt
besonders klar heraus:
"Es ist den Vereinigten Staaten psychologisch - nicht
nur physisch - unzumutbar, die einzige oder auch nur die
Hauptquelle von Initiative und Verantwortung in der nichtkommunistischen Welt zu sein. Die amerikanische Unterstützung der europäischen Einigung war deshalb ein Ausdruck
von Eigeninteresse, auch wenn sie unter der Flagge des Altruismus segelte; sie bedeutete für uns einen Vorteil,
auch wenn wir manchmal dafür in Form von aufeinanderprallenden Sichtweisen bezahlten - vorausgesetzt, daß wir
einen Weg zu kreativer Einigkeit über grundsätzliche Fragen gefunden haben."
Trotz einiger fehlerhafter Anfänge schritt der Prozeß der
wirtschaftlichen und politischen Integration Europas während
der sechziger und siebziger Jahre stetig voran. Einige der
Projekte für mehr Integration, wie etwa das der Multilateralen
Nuklearstreitmacht (MLF), waren schlecht geplant und führten
zu nichts, und es gab Zeiten, in denen nationalistische Tendenzen sich wieder zu verstärken drohten. Jedoch ergab sich
während dieser Jahre durch den Eintritt Großbritanniens in die
EG sowie durch die Institutionalisierung außenpolitischer Konsultationen innerhalb des EG-Mechanismus auch eine Stärkung

�eine Stärkung der europäischen Struktur. Eine weitere bedeutende Leistung dieser Jahre bestand in der Schaffung des Europäischen Währungssystems, das eine Antwort auf die durch die
Ölkrise und die weltweite Rezession der frühen siebziger Jahre
verursachten Währungsschwankungen darstellte. Anders als in
den dreißiger Jahren brachten die wirtschaftlichen Erschütterungen der siebziger Jahre die Europäer einander näher, anstatt sie auseinanderzutreiben.
Während des gleichen Zeitraums bewegten sich die transatlantischen Beziehungen voran, wenn auch in einem etwas ungleichmäßigen Tempo. Besonders während des Vietnam-Krieges beschäftigten die Vereinigten Staaten sich zusehends mit ihren
Interessen und Verpflichtungen in anderen Teilen der Welt. In
den frühen siebziger Jahren wurde der amerikanischen Öffnung
nach China und der Verbesserung der Beziehungen zur Sowjetunion weitgehend eine höhere Priorität eingeräumt als der Pflege
des Verhältnisses zu Europa. Während mehrerer Jahre in den
frühen bis zur Mitte der siebziger Jahre wurde das Bewußtsein
Washingtons von innenpolitischen Streitfragen beherrscht. Als
Ergebnis dieser Ablenkungen dauerte es letztendlich weit länger als ein Jahr, um die Ziele des von Kissinger proklamierten
"Europäischen Jahres" zu verwirklichen. Am Ende dieses Jahrzehnts waren die Institutionen, Kanäle und politischen Praktiken der transatlantischen Zusammenarbeit in mehr oder minder
der Weise gestärkt, wie dies sich Kissinger 1973 vorgestellt
hatte.

In der ersten Hälfte der achtziger Jahre hat sich das Tempo der europäischen Integration und der transatlantischen Zusammenarbeit merklich erhöht. Meiner Ansicht nach, und dies
bringt mich zur Hauptthese dieser Rede, beobachten wir gegenwärtig in den Vereinigten Staaten und Europa eine Konvergenz
von Faktoren, die uns eine nie dagewesene Gelegenheit bietet,
der Realisierung von Kennedys Vision eines Bündnisses, das auf
zwei gleichen Säulen ruht, näherzukommen.
Wie kann ich diese optimistische Bewertung rechtfertigen?
Zunächst möchte ich auf die sichtbare Existenz einer neuen

�einer neuen Schubkraft hinter der Europäischen Integration
hinweisen. Zweitens ist die transatlantische Zusammenarbeit
nicht nur intensiviert worden, sondern sie besitzt auch eine
neue Qualität. Und drittens haben sich die Staatsmänner Europas und der Vereinigten Staaten erneut der Bildung einer wirklich ebenbürtigen Partnerschaft verschrieben.
Diese neue Schubkraft für die Integration erstreckt sich
nicht nur auf den Beitritt von zunächst Griechenland und dann
Spanien und Portugal zur Europäischen Gemeinschaft, wodurch
Europa der Einheit einen Schritt nähergekommen ist. Sie manifestiert sich außerdem in einer weiteren Intensivierung der
außenpolitischen Konsultationen innerhalb der Gemeinschaft und
in der jüngsten Ergänzung der Römischen Verträge zur Einführung des Mehrheitsentscheids und der Abschaffung von Binnenzöllen bis 1992. Diese Vertragsergänzung bildet einen der
wichtigsten und ehrgeizigsten Schritte zur Integration seit
Gründung der Gemeinschaft. Wir sind in den letzten Jahren auch
Zeuge einer wachsenden Bereitschaft zur Beschäftigung mit anderen Teilen der Welt seitens der Gemeinschaft auf der Grundlage einer gemeinsamen Politik geworden. Dabei denke ich beispielsweise an das im November 1985 in Luxemburg unterzeichnete Kooperationsabkommen mit den Staaten Zentralamerikas sowie
die engere Zusammenarbeit der EG mit den ASEAN-Staaten.
Die Verstärkung der französisch-deutschen Zusammenarbeit
im politischen und militärischen Bereich bildet die Grundlage
für diese neue Schubkraft hinter der europäischen Integration.
Zusammen mit der wachsenden Kooperation zwischen der Bundesrepublik Deutschland, Italien und Großbritannien bildet das
französisch-deutsche Verhältnis den Ausgangspunkt für die
Schaffung der zweiten Säule des Atlantischen Bündnisses.
Die Erhöhung des Tempos und der Qualität von transatlantischem Dialog und Zusammenarbeit ist in jüngster Zeit an verschiedenen Fronten zutage getreten. Besonders wichtig waren in
diesem Zusammenhang die Konsultationen innerhalb des Bündnisses zu den Verhandlungen mit der Sowjetunion - ein Thema,
auf das ich später noch einmal zurückkommen werde. Aber ich
möchte zusätzlich anmerken, daß die regelmäßigen Konsultationen zwischen den Vereinigten Staaten und der EG-Präsidentschaft offener und produktiver geworden sind. Und die Treffen
der Siebener-Gipfel, welche selbstverständlich auch Japan und
Kanada einschließen, haben sich zu einem wirksamen Mechanismus
zur politischen Koordinierung nicht nur eines breiten Spektrums von wirtschaftlichen und politischen Fragen, sondern wie die Erklärung von Williamsburg zeigt - auch von Sicherheitsfragen entwickelt. Durch diese Gipfeltreffen bekräftigen
die sieben Teilnehmerstaaten ihre weltweite Verantwortung und üben sie auch aus.
Die seit langem bestehende Verpflichtung der politisch

�der politisch Verantwortlichen in Europa und den Vereinigten
Staaten bezüglich des Ziels einer ebenbürtigeren Partnerschaft
innerhalb des Rahmens des Atlantischen Bündnisses ist von den
Fortschritten, die wir in den letzten Jahren in Richtung auf
dieses Ziel gemacht haben, sowohl stimuliert als auch gekräftigt worden. Es ist zutiefst beeindruckend zu sehen, mit welcher Festigkeit und Einstimmigkeit die führenden Politiker auf
beiden Seiten des Ozeans während des letzten Jahres das vor
zwei Jahrzehnten formulierte Ideal der zwei Säulen bekräftigt
haben. In seiner Rede während einer Sondersitzung des Straßburger Parlaments erklärte Präsident Reagan am 8. Mai des vorigen Jahres:
"...Wie vor vierzig Jahren bleibt Amerika der Einheit
Europas verschrieben. Wir betrachten ein starkes und
vereintes Europa auch weiterhin nicht als einen Rivalen,
sondern als einen umso stärkeren Partner. John F. Kennedy
hat...dieses Ziel zu einem Grundgebot der amerikanischen
Nachkriegspolitik erklärt. Diese Politik betrachtete die
Neue und die Alte Welt als Doppelsäulen einer
weitergefaßten demokratischen Gemeinschaft. Wir Amerikaner
betrachten die Europäische Einheit weiterhin als eine
lebenswichtige Kraft dieses historischen Prozesses."
In einer Ansprache in der Heidelberger Universität am 8.
Februar ging Bundesaußenminister Genscher direkt auf Präsident
Reagans Unterstützung für ein starkes und geeintes Europa ein,
indem er sagte:
"Für die Europäer bedeutete es die Botschaft, daß
Erwachsene auch die Verantwortung und die Pflichten von
Erwachsenen haben. Wenn wir so das Verhältnis einer
selbstbewußten, sich selbstfindenden Gemeinschaft der
europäischen Demokratien auf dieser Seite des Atlantik zu
den Demokratien Nordamerikas verstehen, dann gewinnt unser
Bündnis . "
Bundeskanzler Kohl hat seinerseits in seiner Rede vor der
Nordatlantischen Versammlung in Stuttgart vom 20. Mai 1985 die
Verpflichtung der Bundesrepublik Deutschland auf dieses Zwei-Säulen-Konzept wiederholt:
"Verstärkte sicherheitspolitische Zusammenarbeit der
Europäer gehört im besonderen Maße zu den aktuellen, uns
gestellten Aufgaben. Es geht darum, den europäischen
Pfeiler des Bündnisses und damit die Verteidigungsfähigkeit der Allianz insgesamt zu stärken."
Und der gleiche Tenor kam in der Ahlener Rede des Kanzlerkandidaten Johannes Rau vom 16. Dezember 1985 zum Ausdruck:
"Europa muß endlich als fester Pfeiler einer atlantischen

�einer atlantischen Brücke sein außen- und sicherheitspolitisches Gewicht in das westliche Bündnis und in die
Bündnispolitik einbringen."
In jeder dieser Erklärungen, aus denen ich gerade zitiert
habe, kommt die Erkenntnis zum Ausdruck, daß die europäische
Einigung am besten nicht durch den Gegensatz zu, sondern durch
Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten gefördert werden
kann.
So erzielen wir wichtige Fortschritte auf dem Weg zur
Schaffung einer ebenbürtigeren transatlantischen Partnerschaft. Weitere Fortschritte sind jedoch nicht selbstverständlich. Wie ich vorhin schon andeutete: wenn wir der Selbstgefälligkeit erliegen, riskieren wir, daß sowohl in Europa als
auch in Amerika die Ressentiments über die Fehler wachsen, die
der eine beim anderen sieht.
Um dem Fortschritt neue Schubkraft zu verleihen, müssen
wir weiterhin an der Schaffung dessen arbeiten, was ich als
reife Partnerschaft bezeichnet habe. In der Vergangenheit habe
ich diesen Begriff vorwiegend zur Charakterisierung des bilateralen Verhältnisses zwischen der Bundesrepublik Deutschland
und den Vereinigten Staaten benutzt. Er ist jedoch gleichermaßen auf die Beziehungen zwischen Europa insgesamt und den
Vereinigten Staaten anwendbar.
Wie können wir eine reife Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und Europa am besten hegen? Erstens müssen
beide Partner Versuchungen von Kirchturmpolitik auf der einen
Seite und Selbstisolierung auf der anderen widerstehen. Wir
Amerikaner beobachten in Europa bisweilen eine Tendenz, Probleme aus einer begrenzten regionalen Perspektive zu betrachten und über Ereignisse oder Herausforderungen in anderen Teilen der Welt hinwegzugehen. Einige Amerikaner meinen, daß die
Europäer sich nicht genügend mit dem ganzen Ausmaß der durch
das sowjetische und kubanische Eindringen in Zentralamerika
verursachten Bedrohung, dem sowjetischen Krieg gegen das Volk
von Afghanistan, dem Anwachsen der sowjetischen Militärmacht
im Pazifik und dem internationalen Terrorismus befassen. Andererseits gibt es in den Vereinigten Staaten eine nur unzureichende Würdigung des beträchtlichen Beitrags, den Europa
bereits für seine eigene Sicherheit wie für den Weltfrieden
leistet, aber auch ein unzureichendes Verständnis der unterschiedlichen historischen, sozialen und geopolitischen Umstände, unter denen die politisch Verantwortlichen in Europa und
in den Vereinigten Staaten ihre Entscheidungen treffen müssen.
Kirchturmpolitik in Europa und
Vereinigten Staaten schaukeln sich
gel an Bereitschaft in Europa, die
ter Perspektive zu sehen, ermutigt
- 10 -

Selbstisolierung in den
gegenseitig hoch. Der ManDinge in größerer, weltweiunilaterale Tendenzen in

�Tendenzen in den Vereinigten Staaten. Ein amerikanischer Mangel an Sensibilität für europäische Probleme verstärkt Tendenzen zur Kirchturmpolitik auf dieser Seite des Atlantik.
Eine reife Partnerschaft erfordert daher Ausweitung und
Verbesserung des transatlantischen Konsultations- und Entscheidungsprozesses in der Absicht, dieses Kirchturmdenken zu
überwinden und die Selbstisolierung unnötig zu machen. Wir
Amerikaner erkennen an, daß wir dabei eine wichtige Rolle
spielen müssen. Aber auch auf diesem Gebiet haben wir jüngst
bedeutende Fortschritte erzielt. Konsultationen mögen früher
einmal wenig mehr als Vorankündigungen des politischen Kurses,
den wir zu steuern beabsichtigten, für unsere europäischen
Verbündeten bedeutet haben. Heute stellen sie in zunehmendem
Maße einen echten Austausch von Ansichten und Vorschlägen dar,
der vor dem Fällen von Entscheidungen stattfindet.
Diese neue Qualität der amerikanisch-europäischen wie auch
amerikanisch-deutschen Konsultationen wurde in jüngster Zeit
bei drei Gelegenheiten anschaulich verdeutlicht.
Erstens gehörten die Konsultationen zwischen den Vereinigten Staaten und ihren europäischen Partnern vor und nach dem
Gipfeltreffen im November zu den wohl intensivsten und produktivsten, die es je gab. Die Staats- und Regierungschefs waren unmittelbar daran beteiligt. Im Verlauf dieser Konsultationen empfahl Bundeskanzler Kohl dem Präsidenten mit Nachdruck, sich so bald wie möglich mit Gorbatschow auf informelle
Weise unter vier Augen zu treffen. Dies war schließlich beim
Gipfel der Fall.
Ein zweites Beispiel dieser qualitativen Verbesserung der
Konsultationen zeigt sich in den Konsultationen zwischen den
Vereinigten Staaten und ihren europäischen Verbündeten über
die Genfer Nuklear- und Weltraumgespräche. In der Tat sind
die Häufigkeit und die Intensität dieser Konsultationen in der
Geschichte des Bündnisses beispiellos.
Schließlich - aber durchaus nicht am unbedeutendsten ist die lange und enge Zusammenarbeit zwischen Europa und
Nordamerika beim Helsinki-KSZE-Prozeß eine weitere Illustration dafür, wie die Konsultationen innerhalb des Bündnisses
nunmehr diese neue Ebene erreicht haben.
Die Durchführung des INF-Beschlusses vom Dezember 1979 hat
dem transatlantischen Konsultationsprozeß einen ganz wesentlichen Impetus verliehen. Die Besondere Beratungsgruppe der NATO
hat bei der Erarbeitung einer gemeinsamen Position bei der INF-RUstungskontrolle eine entscheidende Rolle gespielt. Als Ergebnis dessen haben die Vereinigten Staaten mit Erfolg in Genf
die Interessen ihrer Verbündeten geschützt - in deutlichem
Gegensatz zu den Erfahrungen mit den SALT-Verhandlungen in den
- 11 -

�in den späten siebziger Jahren, als Helmut Schmidt neben
anderen richtig erkannte, daß die Vereinigten Staaten den
europäischen Sicherheitsinteressen nicht die angemessene
Aufmerksamkeit zuteil werden ließen.
Daher haben wir bei den Genfer Verhandlungen seit 1981 mit
Erfolg den anhaltenden sowjetischen Bemühungen widerstanden,
eine besondere Beziehung zu den Vereinigten Staaten herzustellen, die dazu geführt hätte, daß Europa als eine zweitklassige
Region mit verringerter Sicherheit behandelt worden wäre.
Wir werden uns auch weiterhin sowjetischen Versuchen widersetzen, die Sicherheit des Bündisses durch die Herstellung
eines separaten "eurostrategischen" Gleichgewichts zu unterteilen. Wir werden mit unseren Bemühungen fortfahren, um sicherzustellen, daß Westeuropa ein Recht auf Sicherheit behält,
das unserem eigenen und jenem der Sowjetunion entspricht.
Diese Bereitschaft seitens der Vereinigten Staaten zum
Schutz der lebenswichtigen Sicherheitsinteressen ihrer Verbündeten kommt deutlich in Präsident Reagans Reaktion zu Beginn
dieser Woche auf Gorbatschows Rüstungskontrollvorschlag vom
15. Januar zum Ausdruck. In dieser Hinsicht sind drei Elemente
der Antwort des Präsidenten von besonderer Bedeutung:
Wir werden auch weiterhin auf dem Grundsatz beharren,
daß Verringerungen bei den nuklearen Mittelstreckensystemen
großer Reichweite (LRINF) in weltweitem Zusammenhang zu sehen
sind. Wir werden nicht zulassen, daß die Sowjets einen Keil
zwischen unsere europäischen und unsere asiatischen Verbündeten treiben.
Wir werden nicht im Namen der britischen oder der
französischen Regierung verhandeln, und wir werden nicht zulassen, daß die Sowjetunion einen Keil zwischen Nuklearund
Nicht-Nuklear-Staaten des Bündnisses treibt.
Insbesondere werden wir auf Kürzungen bei den nuklearen Mittelstreckensystemen kurzer Reichweite (SRINF) bestehen,
damit es der Sowjetunion nicht möglich wird, uns von unseren
deutschen Verbündeten zu trennen.
Neben dem Schutz der Interessen Europas im Nuklearbereich
sind die Vereinigten Staaten auch bereit, im Bereich der konventionellen Verteidigung enger und ausgewogener zusammenzuarbeiten. In den letzten Jahren wurde die Zweibahnstraße bei der
Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich immer mehr zu einer
Realität. Im Jahr 1980 überstiegen die europäischen Käufe von
amerikanischem Material die amerikanischen Käufe von europäischem Material in einem Verhältnis von 9 zu 1. 1985 war dieses
Verhältnis auf weniger als 3 zu 1 gefallen. Im Fall deutscher
Käufe von amerikanischem Material und vice versa ist der Wan- 12 -

�der Wandel noch dramatischer; von einem Verhältnis von 40 zu 1
im Jahr 1977 zu nahezu 2 zu 1 im Jahr 1984.
In dieser Hinsicht möchte ich auf den sogenannten Nunn-Gesetzeszusatz zum Bewilligungsgesetz des Verteidigungsministeriums von 1986 als ernsten und neuen Beweis für die amerikanische Reife und Bereitschaft hinweisen, eine echte Zweibahnstraße zu verfolgen. Dieses Gesetz stellt Mittel bereit, die
für Forschungs- und Entwicklungsprojekte im Bereich der
konventionellen Verteidigung verwendet werden sollen, die in
Zusammenarbeit mit den europäischen NATO-Ländern durchgeführt
werden. Von den letzteren fordert es jedoch auch ihren eigenen
fairen Anteil zu den Kosten für diese Projekte beizutragen.
Wir hoffen sehr, daß die Bundesrepublik Deutschland und unsere
anderen NATO-Verbündeten diese einzigartige Gelegenheit zur
Zusammenarbeit ergreifen werden, die das Nunn-Amendment bietet
Was bedeutet eine reifere transatlantische Partnerschaft
konkret für die Europäer? Sie bedeutet erstens, daß die Europäer auch weiterhin ihre Verfahrensweisen zur Koordination
ihrer Außen- und Sicherheitspolitik verbessern, damit sie
noch besser in der Lage sind, mit einer Stimme mit den Vereinigten Staaten zu sprechen. Das ist meiner Meinung nach
selbstverständlich .
Eine reife Partnerschaft bedeutet außerdem, daß die Europäer mit der Zeit in der Welt entsprechend ihrer gemeinsamen
Stärke, Bevölkerung und ihres Reichtums größere Verantwortung
übernehmen müssen. Europa hat bereits zur Aufrechterhaltung
einer stabilen internationalen Wirtschaftsordnung beträchtliche Verantwortung übernommen. Wir würden eine vergleichbare
Entwicklung im politischen und sicherheitspolitischen Bereich
begrüßen. Für Europa geht es schließlich in Gebieten außerhalb
Europas, genau wie für die Vereinigten Staaten, um sehr viel.
Ja, Europa liegt näher als Amerika an vielen der Unruheherde
dieser Welt und hängt stärker als Amerika von den internationalen Märkten und von externen Rohstoffquellen ab. Die Frage,
wie ein starkes, stabiles und gedeihliches Europa seinen Beitrag zu Frieden und Sicherheit der Welt verstärken kann, verdient immer neue Überlegungen.
Im Bereich der Sicherheit beinhaltet eine reife Partnerschaft zudem, daß Europa im Lauf der Zeit für seine eigene
Verteidigung größere Verantwortung übernimmt. Damit will ich
keinesfalls vorschlagen, daß wir die Konzepte der gemeinsamen
Sicherheit und der erweiterten Abschreckung aufgeben, die dem
BUndis zugrundeliegen. Ein Angriff auf ein Mitglied des Bündnisses muß auch weiterhin als ein Angriff auf alle angesehen
werden. Auch darf es keine Verringerung der amerikanischen
Verpflichtung zur Verteidigung Europas geben. Innerhalb dieser
Parameter ist meiner Meinung nach jedoch genügend Raum, damit
Europa nach und nach mehr tut.
Aber während
- 13 -

�Aber während die Forderung an die Europäer ergeht, im Verteidigungsbereich mehr zu tun, müssen die Amerikaner sich
stärker der Tatsache bewußt werden, wie erheblich die Last
ist, die die Europäer bereits tragen. Nirgends ist diese Last
wahrscheinlich deutlicher als in der Bundesrepublik Deutschland. Die Streitkräfte des Bündnisses, die in diesem dichtbevölkerten Land stationiert sind, beeinflussen das Leben Millionen Deutscher, die tagtäglich ihrem Tun ausgesetzt sind.
Dadurch, daß sie die Stationierung von so vielen ausländischen
Truppen auf ihrem Boden akzeptieren, leisten die deutschen
Bürger einen einzigartigen Beitrag zur Verteidigung des Bündnisses .
Wie ich bereits erwähnt habe, würden weitere Schritte in
Richtung auf die Entwicklung einer gemeinsamen europäischen
Außenpolitik von den Vereinigten Staaten unterstützt. Letztlich läge die wirkliche Probe auf diesen Prozeß in der Qualität und der Wirksamkeit der konkreten gemeinsamen Politik,
nicht aber nur in der Tatsache ihres Gemeinschaftscharakters.
Harmonisierung der Politik ist weniger ein Ziel an sich, als
ein Mittel zu einem einflußreicheren Europa. Die jüngsten Verfeinerungen der politischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit, die wachsenden deutsch-französischen Bindungen, die Wiederbelebung der Westeuropäischen-Union (WEU) sowie die verstärkte Bereitschaft zur Übernahme einer sinnvolleren Rolle in
Gebieten außerhalb Europas - all dies sind positive Elemente. Aber wenn Europa wirklich seine Stimme sowohl innerhalb
als auch außerhalb seiner Grenzen deutlicher hörbar werden
lassen möchte, dann muß seine gemeinsame Politik den sehr konkreten Einfluß, den sogar einzelne europäische Mächte besitzen, noch verstärken und ausweiten. In diesem Zusammenhang
scheint mir die Ergänzung der Römischen Verträge, in bestimmten Fällen Mehrheitsentscheidungen zu ermöglichen, als ein
wichtiger Schritt vorwärts zum Aufbau nicht nur eines geeinteren, sondern auch einflußreicheren Europas.
Reife Partnerschaft bedeutet nicht notwendigerweise, daß
Europa und die Vereinigten Staaten gleichermaßen an allen Aufgaben beteiligt sein sollten, die vor ihnen liegen. Hier ist
Raum für eine gewisse Arbeitsteilung. Sowohl aus geschichtlichen als auch aus politischen Gründen gibt es Aufgaben, die
die Europäer besser oder wirksamer bewältigen können als die
Amerikaner - und umgekehrt. So ist es zum Beispiel aus
historischen wie aus geographischen Gründen sinnvoll, wenn
Frankreich dabei vorangeht, dem Tschad behilflich zu sein,
sich gegen Libyen zu verteidigen, genau wie es sinnvoll ist,
wenn die Bundesrepublik bei der Hilfe für die Türkei, einem
der wichtigsten Verbündeten an der Südflanke der NATO, vorangeht. Aber die Vision einer umfassenden Arbeitsteilung, bei
der Amerika einen Großteil der Kosten und Risiken des Schutzes
der westlichen Interesse in den Unruheherden der Welt übernimmt, während sich Westeuropa darauf konzentriert, Brücken
- 14 -

I

�konzentriert, Brücken zum Osten zu schlagen, ist eine Teilung,
die sowohl für Amerika als auch für Europoa unannehmbar sein
sollte. Europa ist zu groß geworden, zu wohlhabend, zu stabil
und zu sicher - und es geht für es um zu viel - , als daß
es die schwierigen Aufgaben der Verteidigung der westlichen
Interessen in der ganzen Welt den Vereinigten Staaten überlassen könnte.
Und die vereinigten Staaten haben umgekehrt zumindest
gleiches Interesse daran und gleiche Verantwortung dafür, konstruktivere Ost-West-Beziehungen zu schaffen und müssen dies
akzeptieren. Außenminister Genscher selbst unterstrich in seiner Rede in der Heidelberger Universität am 8. Februar diesen
Punkt, daß sowohl die Vereinigten Staaten als auch Kanada in
das "große Konzept für eine friedliche Zukunft Europas" einbezogen worden seien, das die Schlußakte von Helsinki darstellt.
Die Entwicklung einer reifen Partnerschaft zwischen Europa
und Amerika wird in einem großen Maß von der anhaltenden Entwicklung der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und
der Bundesrepublik Deutschland abhängen. Die Bundesrepublik
hat enge und produktive Bindungen zu Frankreich, Großbritar
nien und ihren anderen europäischen Partnern entwickelt, und
der Prozeß der europäischen Integration dreht sich um diese
Beziehungen. Gleichzeitig besteht zwischen den Vereinigten
Staaten und der Bundesrepublik Deutschland eine ganz besondera
Beziehung, die sich auf Bindungen aus Geschichte und Gegenwart
wie auch auf die Präsenz von fast einer Viertelmillion amerikanischer Soldaten auf deutschem Boden gründet. Die Bundesrepublik Deutschland kann daher als ein Anker für die transatlantischen Beziehungen dienen und gleichzeitig der Motor bei
der Schaffung der europäischen Einigung sein. Diese Rollen
sind ganz und gar nicht unvereinbar. Bundeskanzler Kohl und
Außenminister Genscher haben beide betont, daß die deutschen
Bemühungen um die Förderung der europäischen Einheit und die
transatlantische Partnerschaft parallel laufen können und sollen .
So dürfte vielleicht deutlich geworden sein, daß das Bündnis keiner grundsätzlichen Krise ausgesetzt ist. Vielmehr
sieht es sich auf beiden Seiten des Atlantik einer wachsenden
Verstimmung ausgesetzt, die von dem subjektiven Eindruck eines
Ungleichgewichts innerhalb des Bündnisses herrührt. Wie ich
heute abend zu verdeutlichen versucht habe, haben wir während
der letzten Jahre beträchtliche Fortschritte bei der Überwindung dieses Problems erzielt. Europa ist stärker, einiger und
effektiver geworden, während die Vereinigten Staaten dadurch
eine neue Art von Reife gezeigt haben, daß sie ihre Verbündeten noch einger konsultieren und deren Interessen noch größere
Beachtung schenken. Aber wir können es uns nicht leisten,
selbstgefällig zu werden und müssen uns bemühen, diesen Elan
beizubehalten. Ich glaube, daß wir der Zukunft mit Optimismus
- 15 -

�mit Optimismus entgegensehen können, im Vertrauen darauf, daß
die politisch Verantwortlichen in Europa und in Amerika der
Aufgabe, ein stärkeres Europa und ein stärkeres Bündnis aufzubauen, gewachsen sind.

* * * * *

- 16 -

�^°-s^

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

26. Februar 1986

8

US-Raumtransporterprogramra unter neuer Leitung
- Erste Trümmer der rechten Feststoffrakete geborgen -

- (AD) - Kon teradmiral Richard H. Truly, Befehlshaber für
Raumflugaufgaben der US-Marine und ehemaliger NASA-Astronaut,
übernimmt die Le itung des amerikanischen Raumtransporterprogrammes sowie de r Untersuchungen der US-Behörde für Luft- und
Raumfahrt (NASA) zur Challenger-Katastrophe. Die Berufung
Trulys wurde am 20. Februar 1986 von Dr. William Graham, dem
amtierenden Verw altungschef der NASA, in Washington bekanntgegeben. Jesse W. Moore, der bisherige Direktor für bemannten
Raumflug, wird n euer Direktor des Johnson-Raumfahrtzentrums in
Houston (Texas) .
Konteradmiral Truly will, wie er erklärte, alles daran
setzen, das Problem zu finden und auszuräumen, das zu dem Unglück vom 28. Janaur 1986 führte. Der Prozeß der Entscheidungsfindung innerhalb der NASA müsse jetzt "bis ins allerkleinste Detail untersucht werden - und das wird auch geschehen". Durch die Überprüfung im Zusammenhang mit dem tragischen
Unfall müsse gewährleistet werden, daß die "Organisation und
die Verfahrensweisen der NASA die richtigen sind", sagte Truly
und fügte hinzu: "Wir haben auch zuvor sehr schwierige Zeiten
gemeistert".
Dem Astronautenteam der NASA gehörte Richard H. Truly von
1969 bis 1983 an. Im November 1981 war er Kopilot von Joe
Engle beim zweiten Raumtransporterflug (Columbia), und im August/September 1983 führte er als Kommandant die Challenger
während eines sechstätigen Fluges um die Erde. Es war der ach-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�der achte Einsatz einer amerikanischen Raumfähre. Zum ersten
Mal wurden damals Start und Landung bei Nacht durchgeführt.
"Als Vorsitzender der NASA-Stäbe für Konstruktion und Datenanalyse wird er (Truly) die Analyse des vorhandenen Materials
überwachen, das mit dem Challenger-Unglück zusammenhängt",
sagte Dr. Graham. "In dieser Position steht er an der Spitze
des Managements für das Raumflugprogramm."
William Rogers, der Vorsitzende der Untersuchungskommission des Präsidenten, räumte am 15. Februar in einer Erklärung
ein, daß es im EntScheidungsprozeß innerhalb der NASA vor dem
Unglücksstart "möglicherweise zu Fehlern gekommen ist". Die
Kommission forderte, daß NASA-Mitarbeiter, die an diesem Entscheidungsprozeß beteiligt waren, nicht an Untersuchungen im
Zusammenhang mit ihren eigenen Aktivitäten teilnehmen.
Aus einer von Rogers am 19. Februar herausgegebenen Erklärung geht hervor, daß mindestens drei hohe Beamte der NASA,
die an der Entscheidung zur Startfreigabe für Challenger mitwirkten, keine Kenntnis davon hatten, daß Ingenieure der Herstellerfirma der Feststoffraketen wegen des Kälteeinbruchs in
Florida vom Start abrieten. Die Kommission habe, so Rogers,
von der Empfehlung einiger Ingenieure der Firma Morton Thiokol
vom 27. Januar erfahren, Challenger angesichts der Wetterbedingungen nicht starten zu lassen. Jedoch habe die Firma noch
am selben Tag ihren Beschluß wieder zurückgenommen. Die Rogers
-Kommission gab Anweisung, bei der NASA und der Herstellerfirma alle Unterlagen (Dokumente und Memoranda) von Personen, die
offiziell an der umstrittenen Entscheidung für den Start beteiligt waren, zu sammeln und sicherzustellen.
Die Ingenieure waren vor allem besorgt, daß infolge der
Nachtkälte die Synthesegummi-Dichtungen zwischen den vier primären Motor Segmenten der Feststoffrakete ihre Elastizität verlieren und deshalb nicht mehr funktionstüchtig sein würden. In
einem solchen Fall könnten die extrem heißen Gase (mit Temperaturen von mehr als 3200 Grad Celsius), die durch den Mittelkanal strömen und mit dem Austritt aus der Düse am Ende der 45
m langen Rakete den Schub erzeugen, sich auch einen Weg quer
zur normalen Richtung nach außen bahnen, und zwar in Höhe der
Dichtungen ("0-Ringe"). Mit dem unterschiedlich zusammengesetzten Granulat des festen Treibstoffs, das nach zwei Minuten
ausgebrannt ist, werden gesteuert durch Hemmsubstanzen in bestimmten Höhenbereichen der Füllung von insgesamt 503 940 kg
Gewicht, Schubleistungen zwischen 1,5 Millionen kp und
908 000 kp erreicht.
Die "Nahtstellen" für die vier Hauptsegmente, die wiederum
aus 11 Grundsegmenten bestehen, werden von außen her durch
stählerne Bänder, Bolzen, Ringklammern mit Haken und weitere
Vorrichtungen gesichert. Außerdem sind die O-Ringe, die als
Primär- und Sekundärdichtungen dienen, zuvor einer Spezialbe-

�einer Spezialbehandlung unterworfen worden, die dem Synthesegummi optimale Dichtungseigenschaften unter den vorgesehenen
Betriebsbedingungen verleiht. Die Druckentwicklung im Inneren
der Motor Segmente nach dem Zünden der Rakete wird nämlich dazu
genutzt, mit Hilfe der O-Ringe die Nahtbereiche zwischen den
Hauptsegmenten regelrecht zu versiegeln. Spalten und Lücken,
die infolge kleiner Unebenheiten oder Versetzungen beim mechanischen Zusammenfügen der Hauptsegmente noch vorhanden sind,
werden durch sie geschlossen. Das funktioniert aber nur, wenn
das Material nicht durch Kälte, d.h. Temperaturen von weniger
als 4,4 Grad Celsius, versprödet ist und somit unter Druckeinwirkung nicht mehr elastisch reagieren kann. Temperaturfühler
hatten, wie sich inzwischen herausstellte, an der rechten
Feststoffrakete Minusgrade bis 13 Grad Celsius unter Null gemessen. Prof. Feynman, Mitglied der Rogers-Kommission,
schließt angesichts dieser starken Unterkühlung ein kleines
Leck im Sauerstoff- oder Wasser Stoffbehälter des externen
Flüssigtreibstofftanks nicht aus, weil die Nachtkälte allein
das wohl kaum habe bewirken können.
Flammendurchbruch
Das Studium der Einzelbilder auf den Hunderten von Filmen,
die den Startvorgang bis zur Katastrophe festhielten, ließ
sehr bald vermuten, daß an der Verbindungsstelle zwischen dem
untersten, 12,6 m langen Hauptsegment, das mit der Austrittsdüse für die Brenngase abschließt und dem 8,2 m langen vorletzten Hauptsegment der Feststoffrakete ein Flammendurchbruch
erfolgt war. Die erste Spur war ein Feuerschweif in diesem Bereich zwischen der rechten Zusatzrakete und dem externen
Treibstofftank, 58 Sekunden nach dem Start und ca. 15 Sekunden
vor der Explosion von Tank und Orbiter. Ein zweites, erst später bekannt gewordenes Indiz ist dichter schwarzer Rauch, der
bereits 1,4 Sekunden nach dem Start auf der vom Orbiter abgewandten Seite der rechten Zusatzrakete ausgestoßen wurde. Die
Schwarzfärbung könnte ein Hinweis auf Verbrennen der O-Ringe
zwischen dem vorletzten und letzten Hauptsegment des Motors
sein. Demnach müßten auch die kittähnliche Masse aus asbestverstärktem Zinkchromat und das Glasfaserband, die als Hitzeschutz für die Gummidichtungen dienten, zerstört worden sein.
Zu den im Zusammenhang mit der Unfallursache verdächtigen
Punkten gehören jetzt auch die Einlaßöffnungen von der Außenseite, von denen aus unmittelbar nach dem Zusammenbau der
Feststoffraketen-Segmente im Kennedy-Raumfahrtzentrum die
Dichtungsfunktion der O-Ringe unter Druck geprüft wird. Sie
müssen anschließend mit einem Schraubstöpsel verschlossen und
versiegelt werden. Geschieht dies unsachgemäß oder wird dabei
etwas übersehen, so ergäbe sich an einer solchen Stelle ein
Leck, aus dem Flammen austreten könnten.
Aus internen,

�Aus internen, von der NASA veröffentlichten Memoranda geht
hervor, daß mit den Synthesegummi-Ringen fast das ganze letzte
Jahr hindurch umfangreiche Tests durchgeführt wurden, nachdem
Zweifel an ihrer Funktionstüchtigkeit aufgekommen waren, in
einem Memorandum hatte Rüssel Bardos von der Arbeitsgruppe
"Antriebe" für den Raumtransporter am Marshall-Raumfahrtzentrum in Huntsviile (Alabama) erklärt, er stimme mit anderen Ingenieuren ebenso wie mit der Herstellerfirma Morton-Thiokol,
darin überein, daß gewisse Konstruktionsveränderungen erforderlich seie. "Die gegenwärtigen Konstruktionen und die Prüfmethoden für die O-Ring-Dichtungen müssen verbessert werden",
schrieb Bardos, fügte aber hinzu: "Ich halte das Problem nicht
für so schwerwiegend, um ihren Einsatz in fliegendem Gerät zu
untersagen". Die Veränderungen dürften ohnehin längere Zeit in
Anspruch nehmen. Sie würden hinsichtlich Konstruktion und Verfahrenstechniken Änderungen notwendig machen, die kostspielige Qualifikationsprozesse erfordern. "Ehe wir irgendwelche
Konstruktionsänderungen in die Wege leiten, sollten wir uns
vergewissern, daß wir die gegenwärtige Konstruktion und das
Problem, das es mit ihr gibt, voll und ganz verstehen. Meine
größte Sorge ist, daß versucht werden könnte, das Problem
übereilt zu lösen."
Hinsichtlich der Betriebsbedingungen wird darauf verwiesen, daß mit dem Zünden der Feststoffrakete der Innendruck innerhalb von 0,6 Sekunden von Null auf 63,3 kg/qcm ansteigt und
20 Sekunden lang bei diesem Wert bleibt. Dies bewirkt eine
Streckung der Stahlhülle und gleichzeitig eine Dehnung nach
den Seiten, wodurch z.B. die Hakenverbindung zwischen den Motorsegmenten eine leichte Kipp- oder Drehbewegung erfahren
kann. Sollte sich dadurch ein Spalt in der Nahtstelle vergrössern, würden -so ist es jedenfalls vorgesehen - Druckkräfte
aus dem Innern so auf die Gummidichtungen wirken, daß das Vordringen heißer Gase zur Wandung abgeblockt werden könnte.
Wracks der rechten Feststoffrakete geortet
Inzwischen hat ein Mini-U-Boot mit vier Mann Besatzung
kleine Teile der rechten Feststoffrakete, eines Zusatzträgers
für die Raumfähre Challenger, aus dem Atlantik geborgen. Weitere Wrackteile liegen ca. 64 km nordöstlich von Kap Canaveral
in 360 m Tiefe. Eine Anzahl größerer Teile wurden von der
U-Boot-Besatzung mit Fernsehkameras fotografiert.
Einem Bericht von Oberst Edward O'Conner zufolge, der als
Direktor der Such- und Bergungsaktion der US-Luftstreitkräfte
die Operationen zur Auffindung der Challenger-Wrackteile und
ihrer Trägerraketen leitet, wurde auf Grund der Seriennummer
an einem geborgenen Hydraulikteil das Wrack als die rechte
Feststoffrakete identifiziert. Bei den von der "Johnson Sea
Link 2" mit einem mechanischen Arm geborgenen Trümmern handelt

�Trümmern handelt es sich um Teile des kegelförmigen Heckmantels aus dickem Aluminium, der etwa zwei Meter lang ist und
fast 5,5 Tonnen wiegt.
Keines der bis jetzt geborgenen oder fotografierten Trümmer enthält die O-Ringe oder Teile aus dem Verbindungsbereich
für die Hauptsegmente. Wie O'Conner sagte, hänge der Fortgang
der Bergungsarbeiten davon ab, was die NASA für ihre Untersuchungen benötige. Die Bergungsoperationen, die künftig von
"Nr. 1", einem Atom-U-Boot der US-Marine mit sieben Mann Besatzung, unterstützt werden, könnten wegen der Wassertiefe und
der Strömungen Monate in Anspruch nehmen. "Wenn wir die gesamte rechte SRB (Feststoffrakete) bergen sollen, deren Trümmer
auf dem Meeresgrund verstreut liegen und die wir noch nicht
alle orten konnten, werden wir wohl vier bis sechs Monate
brauchen", meinte O'Conner.

5 -

�</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

4

19. Februar

1986

I N H A L T
DOKUMENTATION
Terror ismusbekämpfung: Der Einfluß der öffentlichen
Meinung
- Äußerungen von Botschafter Robert Oakley Anstrengungen der Vereinigten Staaten zur Verbesserung der
Menschenrechtssituation
- Äußerungen von Unterstaatssekretär Schifter UdSSR genügt internationalen Maßstäben bei Menschenrechten
nicht
- 10. Menschenrechtsbericht des US-Außenministeriums - Auszüge HINTERGRUND
Drogenkrieg unter neuen Aspekten
* * * * *

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
VON

*

Dokumentation

19. Februar 1986

TERRORISMUSBEKÄMPFUNG: DER EINFLUSS DER ÖFFENTLICHEN MEINUNG
- Äußerungen von Botschafter Robert Oakley -

- Washington - (AD) - Nach Ansicht von Botschafter Robert
Oakley, dem Direktor des Büros für Terrorismusbekämpfung und
Notfallplanung des amerik anischen Außenministeriums, kann von

einer Kombination amerika nischer Maßnahmen zur Terrorismusbekämpfung und Druck der öf fentlichen Meinung auf die europäisehen Staaten, ihrer eige nen Verantwortung im Hinblick auf die
Bekämpfung des Terrorismu s gerecht zu werden, "ein wichtiger
positiver Einfluß" auf de n internationalen Kampf gegen den
Terrorismus ausgehen.
Die Reagan-Administration hat in Oakleys Worten "intensive
einseitige Anstrengungen unternommen, ihre Fähigkeit zur Abwehr des internationalen Terrorismus zu verbessern".
Oakley machte diese Äußerungen am 13. Februar 1986 in Washington auf einer Konferenz über Terrorismus, Tourismus und
die Sicherheit von Reisenden.
Die Äußerungen von Botschafter Oakley haben folgenden
Wortlaut:
I. Einleitung
-- Es scheint, daß wir jeden Tag über die
Fernsehbildschirme, die Schlagzeilen der Tagespresse und die
Titelblätter unserer Illustrierten mit neuen terroristischen
Schreckenstaten konfrontiert werden.
-- Paris:

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�-- Paris: Letzte Woche wurden Sprengsatze in vielfrequentierten Geschäften, touristischen Zentren und sogar auf dem
Eiffel-Turm deponiert. Über die Identität der Täter, wie über
deren Ziele, besteht noch Unklarheit. Über zwanzig Unschuldige
wurden verletzt, aber niemand kann mit Sicherheit sagen, wer
dafür verantwortlich ist.
-- Rom und Wien: Am 27. Dezember 1985 ereigneten sich die
Flughafen-Massaker, die von Terroristen der Abu-Nidal-Gruppe
durchgeführt wurden. Achtzehn Unschuldige, die an den Abfertigungsschaltern warteten, darunter fünf Amerikaner, wurden getötet, über achtzig Menschen wurden verletzt. Vier der Terroristen sind tot; drei andere werden noch verhört.
-- Valletta, Malta: Am 23. November 1985 wurde eine ägyptische Verkehrsmaschine durch von Libyen unterstützte Angehörige der Abu-Nidal-Gruppe entführt; die Terroristen begannen,
die Passagiere nach und nach zu töten. Nach Beendigung des
Zwischenfalls waren sechzig Menschen, darunter ein Amerikaner,
tot und zwanzig weitere verletzt; ein Terrorist überlebte und
steht jetzt vor Gericht.
-- Libanon: Die Agonie der dort gefangengehaltenen Amerikaner hält weiter an. Ein Vertreter des Erzbischofs von Canterbury, Mr. Terry Waite, hat mehrmals Beirut besucht und sich
dort mit den Geiselnehmern getroffen. Nach wie vor sind die
Geiseln jedoch in der Gewalt der iranisch-beeinflußten Hizbollah-Organisation.
-- Bogota, Kolumbien: Anfang November wurden sechs Richter
des Obersten Gerichtshofes und Dutzende anderer Menschen im
Zuge blutiger Kämpfe im Palast der Justiz von Terroristen der
M-19-Bewegung umgebracht; alle Terroristen wurden getötet.
-- Port Said, Ägypten: Ende Oktober 1985 entführten Terroristen auf Befehl von Abu Abbas das italienische Kreuzfahrtschiff Achille Lauro und ermordeten den an den Rollstuhl gefesselten amerikanischen Rentner Leon Klinghoffer. Die vier
Täter wurden von den Vereinigten Staaten gefangengenommen und
warten gegenwärtig in Italien auf ihren Prozeß. Abu Abbas ist
flüchtig. Auf seine Ergreifung und Bestrafung ist eine Belohnung von 250 000 Dollar ausgesetzt.
Beirut, Libanon: Ende Juni 1985 ereignete sich die dramatische Entführung der Maschine des TWA-Fluges 847 und die tragische Ermordung des amerikanischen Seemannes Robert Stethem.
Die anderen Passagiere wurden befreit, während es den Entführern gelang, in der Anarchie des Libanon unterzutauchen. Wir
haben eine Belohnung von einer viertel Million Dollar für ihre
Ergreifung und Bestrafung ausgesetzt.
-- Jeden Tag scheinen wir mit neuen terroristischen Zwi-

�terroristischen Zwischenfällen konfrontiert zu werden. Aber
lassen Sie uns einen genaueren Blick auf terroristische Trends
werfen und darauf, wie die amerikanische Regierung den Terrorismus bekämpft.
II.
Lassen Sie uns die wahrscheinliche Entwicklung während der
nächsten Jahre betrachten.
-- Erstens muß gesagt werden, daß der Terrorismus für den
Rest dieses Jahrhunderts voraussichtlich ein bedeutender Faktor der internationalen politischen Landschaft bleiben wird.
-- In den späten siebziger und frühen achtziger Jahren
wurden ca. 500 terroristische Aktionen jährlich registriert.
1984 betrug diese Zahl 600, und 1985 hat sich die Zahl der
Zwischenfälle auf 812 erhöht, was einen Anstieg um sechzig
Prozent während der letzten beiden Jahre bedeutet.
-- Andauernde politische Unruhen, Streitigkeiten zwischen
Nationen und sozio-ökonomische Probleme erzeugen Frustration
und Haß, welche leicht in Terrorismus münden können.
-- Die weltweite Massenkommunikation stellt sicher, daß
terroristischen Akten augenblicklich Publizität zuteil wird.
-- Frustrierte Splittergruppen stellen zunehmend fest, daß
sie mit Gewalttaten leichter Zeichen setzen können als durch
normale politische Opposition.
-- Das Reisen zwischen verschiedenen Ländern ist wesentlich erleichtert worden, während die Grenzkontrollen, besonders in Europa, abgebaut wurden.
-- Durch den weltweiten Wettbewerb des Waffenhandels wird
es terroristischen Gruppen erleichtert, Waffen zu erwerben.
-- Die Massenvernichtungswaffen sowie zunehmend tödliche
konventionelle Rüstungen haben dazu geführt, daß die reguläre
Kriegführung, insbesondere gegen stärkere Gegner, potentiell
zu hohe Kosten verursachen würde. Deshalb betrachten einige
Regierungen den Terrorismus als ein billiges Mittel, um ihren
Feinden Schläge zu versetzen.
-- Zweitens tendieren wir dazu, Terrorismus als ein
amerikanisches Problem zu betrachten, während er jedoch in
Wahrheit ein internationales Problem ist.
-- Von insgesamt ca. 800 terroristischen Anschlägen, die
1985 begangen wurden, ereigneten sich lediglich zwei in den
Vereinigten Staaten, wo unsere Sicherheitsbehörden die volle

�die volle Berechtigung und die maximale Fähigkeit zu handeln
besitzen.
-- 1985 ereigneten sich 177 Zwischenfälle, von denen Amerikaner oder amerikanische Einrichtungen in Übersee betroffen
waren, im Vergleich zu 1984 mit 131 Zwischenfällen. Für beide
Jahre war dies ein Fünftel der Gesamtzahl aller Zwischenfälle.
Die Zahl der Getöteten oder Verwundeten machte weniger als
zehn Prozent der Gesamtzahl aus.
1985 wurden von Terroristen im Ausland 23 Amerikaner getötet und 139 verwundet (im Vergleich zu den 20 000, die in unserem Land bei Verkehrsunfällen ums Leben kamen). Bei jüngeren
Anschlägen, den Entführungen der Verkehrsmaschinen von TWA und
Egypt Air sowie der Achille Lauro und in gewissem Ausmaß auch
in Rom wurden Amerikaner bewußt als Ziele ausgewählt.
-- Weshalb scheinen die Vereinigten Staaten als Ziel ausgewählt zu werden?
-- Wegen unserer Position als mächtigstes Land der Welt
und weil man im Ausland glaubt, daß unsere Politik und unsere
Aktionen auf irgend eine Weise für die Situation/Politik/Aktionen in anderen Ländern verantwortlich sind. Deshalb ist es
für Terroristen attraktiv, amerikanische Ziele anzugreifen,
und für die Medien, Angriffe auf die Vereinigten Staaten hochzuspielen. Und selbstverständlich konzentrieren sich die amerikanischen Medien auf Angriffe, von denen Amerikaner betroffen sind.
-- Wegen der starken Präsenz der Vereinigten Staaten im
Ausland: Militär, Diplomaten, Auslandshilfepersonal, Geschäftsleute, Touristen. Aus verschiedenen Gründen halten sich
über eine Million Amerikaner im Ausland auf.
-- In Bezug auf die Terrorismusbekämpfung bedeutet dies,
daß die amerikanische Regierung und amerikanische Staatsbürger
im Ausland sehr stark auf den von ausländischen Regierungen
gewährten Schutz und die Zusammenarbeit mit ihnen angewiesen
sind.
-- Drittens sind terroristische Angriffe von zunehmender
Brutalität gekennzeichnet.
-- Während der letzten Jahre gab es einen ständigen Zuwachs an Toten und Verwundeten, der sogar stärker war als der
Zuwachs an terroristischen Zwischenfällen.
-- Viertens hat sich staatliche Unterstützung zu einem zunehmend dominanten Faktor des weltweiten Terrorismus entwikkelt.
-- Während

�-- Während der letzten Jahre sind der Iran, Libyen, Syrien, Kuba und Nicaragua zu den aktivsten, entschlossendsten
und systematischsten Unterstützern terroristischer Gruppierungen geworden.
-- Direkte Regierungshilfe mit Waffen und Sprengstoff,
Kommunikationsmitteln, Reisedokumenten, Geld und Ausbildung
kombiniert mit fanatischen Einzeltätern oder Gruppen, die von
Regierungen für politische Ziele benutzt werden, erhöhen die
tödliche Wirkung staatlich geförderter Terrorgruppen. Sie besitzen die nötigen Mittel und möchten die Taktik in Richtung
auf solche Bombenanschläge und bewaffnete Angriffe verändern,
die maximale politische Wirkung versprechen. Die staatliche
Unterstützung befähigt sie zu operieren, ohne sich Sorgen über

finanzielle Probleme oder die Beschaffung von Waffen machen zu
müssen.
-- Fünftens ist der Mittlere Osten zur Hauptquelle des internationalen Terrorismus geworden (378 Zwischenfälle), wo in
den letzten Jahren 35 Prozent der Zwischenfälle ihren Ursprung
hatten. 1985 stieg dieser Anteil auf 45 Prozent. Die vom Mittleren Osten ausgehenden terroristischen Aktivitäten ereignen
sich nicht nur in dieser Region sondern auch in Europa.
-- Es existieren im Mittleren Osten zwei Hauptkategorien
von Terroristen:
-- Fanatische Palästinenser, von denen die meisten sich
von der PLO-Hauptströmung unter Arafat getrennt haben - und
vielfach direkt gegen diese handeln. Diese besitzen oft die
direkte Unterstützung Libyens, Syriens oder des Iran; und
-- schiitische Eiferer aus verschiedenen arabischen Ländern, besonders aus Libanon, die vom Iran inspiriert und ausgebildet, oft bewaffnet und finanziert und in wechselndem Ausmaß geführt werden.
-- Die Ziele des mittelöstlichen Terrorismus können in
vier Hauptgruppen unterteilt werden: Israel; westliche Regierungen und Bürger, besonders die Vereinigten Staaten; gemäßigte arabische Regierungen und Vertreter, einschließlich der
PLO, sowie Jordaniens, Ägyptens, Kuwaits und Saudi-Arabiens;
Kritiker radikaler Regime, besonders Libyer, durch ihre eigene
Regierung.
-- Andere Regionen mit reger terroristischer Aktivität
sind Westeuropa (208 Zwischenfälle), wo eine Reihe einheimischer Gruppen existiert, die von ideologischen oder ethnischen/separatistischen Überzeugungen motiviert werden; und Lateinamerika (132 Zwischenfälle), wo die Wurzeln des Terrorismus aus einer Kombination von Ideologie, politischen und wirtschaftlichen Bedingungen und sozialen Mißständen und - in

�und - in jüngster Zeit - Rauschgiftterrorismus bestehen. Der
einheimische europäische Terrorismus hat sich letztes Jahr
aufgrund der empörten öffentlichen Meinung und verbesserter
Polizeiarbeit in Ländern wie Italien, der Bundesrepublik
Deutschland, Großbritannien und Belgien ein wenig verringert.
In Lateinamerika deutet der Trend nach oben, und Gleiches gilt
für die Angriffe auf die Vereinigten Staaten.
Das Anwachsen des mittelöstlichen Terrorismus hat negative
Auswirkungen auf den Tourismus, besonders auf den Tourismus
aus den Vereinigten Staaten. Die größte Bedeutung in diesem
Zusammenhang hatten anscheinend drei große Zwischenfälle aufgrund einer Kombination der terroristischen Akte selbst und
der großen Publizität, die ihnen zuteil wurde:
-- Die Entführung der TWA-Maschine 847 aus Athen,
-- die Entführung des italienischen Kreuzfahrtschiffes
Achille Lauro,
-- die Massaker auf den Flughäfen von Wien und Rom.
Obwohl wir keine genauen Zahlen besitzen, schätzt das amerikanische Außenministerium, daß die europäischen und mittelöstlichen Anrainerstaaten des Mittelmeers letztes Jahr über eine
Milliarde Dollar im Tourismusgeschäft verloren haben. Und dieser Trend wird sich dieses Jahr wahrscheinlich noch verstärken. Dies bedeutet einen Schlag für die Tourismusindustrie und
einen noch größeren Schlag für diejenigen Länder, die diese
Einnahmen aus wirtschaftlichen Gründen benötigen: Italien,
Griechenland, Ägypten, Tunesien und andere. Sogar Amsterdam
ist davon betroffen.
III. Die Bekämpfung des Terrorismus
Was wurde und was wird getan, um den internationalen Terrorismus zu bekämpfen?
Bei der Behandlung der terroristischen Akte, die sich ausserhalb der Vereinigten Staaten ereignen, gibt es eine Reihe
ganz konkreter Probleme.
-- Erstens sollten wir uns daran erinnern, daß die Regierung der Vereinigten Staaten nur beschränkt dazu in der Lage
ist, auf Situationen im Ausland Einfluß zu nehmen, insbesondere, wenn einige Regierungen tendenziell davor zurückschrecken,
mit uns zusammenzuarbeiten. Einige glauben fälschlicherweise,
aufgrund der Tatsache, daß die Regierung der Vereinigten
Staaten ein Hauptangriffsziel der Terroristen darstellt, würde
ihnen eine Zusammenarbeit mit uns mehr Ärger bereiten. Oder
sie haben nationalistische Gründe, um zu uns auf Distanz zu
bleiben.
-- Zweitens

�-- Zweitens unterhalten die meisten europäischen Staaten
engere Wirtschaftsbeziehungen mit dem Mittleren Osten als wir,
besonders mit den reichen ölstaaten, die Haupförderer des Terrorismus sind, vor allem Libyen und Iran.
-- Drittens glauben einige Regierungen, daß sie in einer
Art von Gentleman1s Agreement ein Übereinkommen mit mittelöstlichen Terroristen und den sie unterstützenden Staaten eingehen können: als Gegenleistung für eine pro-arabische Außenpolitik und die faktisch unbehinderte freie Ein- und Durchreise
von Personen aus Ländern des Mittleren Ostens (einschließlich
des Terrorismus verdächtigen) würden keine terroristischen Aktionen auf ihrem Territorium stattfinden. (Zum Pech der angesprochenen Regierungen sind Terroristen leider keine Gentlemen.) Sie tendierten außerdem zu dem Glauben, daß es "nicht
bei uns geschehen" werde, und vermieden deshalb die mühsamen
und teueren Maßnahmen, die zur Abschreckung terroristischer
Anschläge notwendig sind.
Nachdem wir die Probleme erkannt haben - es sind keine
leicht zu lösenden -, lassen Sie uns einige der von uns durchgeführten Maßnahmen mit Auswirkungen auf den Tourismus betrachten.
Verbesserte Sicherheit der Zivilluftfahrt war eine unserer
höchsten Prioritäten - und ein Gebiet, auf dem wir die ersten
Resultate beobachten können. Wir hatten tatsächlich die Gefahr eines Anwachsens der Zahl von Flugzeugentführungen und
Anschlägen durch Terroristen aus dem Mittleren Osten angenommen. Vor über einem Jahr begannen das Außenministerium und die
Bundesaufsichtsbehörde für die Luftfahrt (FAA) zusammen mit
befreundeten Regierungen, den Fluggesellschaften und der Internationalen Organisation für Zivilluftfahrt (ICAO) damit,
sich der Bedrohung zu widmen und Maßnahmen zur Abhilfe vorzuschlagen. (Dies schloß gemeinsame Bewertungen von Sicherheitsmaßnahmen auf Flughäfen und Hilfsangebote an Länder wie
Griechenland, Ägypten und mehrere Golfstaaten, sowie bestimmte
Zusätze zu den minimalen Sicherheitsanforderungen, die von der
ICAO gefordert werden, ein. Kanada erwies sich beim Drängen
auf solche Verbesserung als starker Partner.)
Leider war die Besorgnis der meisten anderen Regierungen
nicht so groß, bis sich die Entführung der TWA-Maschine, Flug
847 im Juni 1985 ereignete und in der Folge das amerikanische
Außenministerium seine Empfehlungen zur Vermeidung des Athener
Flughafens aussprach. Angeführt von Verkehrsministerin Elizabeth Dole und ihrem kanadischen Kollegen verabschiedete die
ICAO zu dieser Zeit prompt eine Reihe von zusätzlichen minimalen Sicherheitsanforderungen, während Griechenland zügig die
Verbesserungen auf dem Athener Flughafen durchführte, welche
seit ihrer Verabredung mit einem amerikanischen Team im Februar in Vergessenheit geraten waren. Außerdem nutzten mehrere
- 7-

�nutzten mehrere weitere Regierungen schnellstens Angebote des
Außenministeriums und der FAA, technische Hilfe und Ausbildung
in Sicherheitsmaßnahmen für die Zivilluftfahrt zu gewähren.
Heute entsendet die FAA Vertreter zu Flughäfen in aller
Welt, um deren Sicherheit zu überprüfen. Wenn Probleme auftauchen und diese nicht korrigiert werden, wird eine Reiseempfehlung von uns herausgegeben, wie dies im Falle des Athener
Flughafens geschehen ist. Bessere nachrichtendienstliche Informationen haben die FAA und andere amerikanische Regierungsbehörden außerdem dazu befähigt, mehr und frühzeitige Warnungen vor Bedrohungen an Fluglinien und Flughafenbehörden im
Ausland zu liefern. Die Zahl der Flugzeugentführungen hat sich
im zweiten Halbjahr von 1985 stark verringert. Die schärferen
Sicherheitsmaßnahmen bezogen sich jedoch nicht auf die öffentlich zugänglichen Bereiche, wo die internationalen und die
amerikanischen Flughäfen am verwundbarsten sind. Die meisten
Flughäfen wurden dazu gebaut, den öffentlichen Zugang zu erleichtern, nicht dazu, ihn zu erschweren. Seit den Anschlägen
von Rom und Wien sind auf den meisten großen Flughäfen Europas
zusätzliche bewaffnete Sicherheitskräfte stationiert worden
und hat sich die Wachsamkeit erhöht.
Ein neues Thema ist die Sicherheit auf See. Wir haben die
Entführung von Passagieren nicht vorausgesehen, weil es seit
über zwanzig Jahren keine solche mehr gegeben hatte; niemals
vorher hatte im Mittleren Osten derlei stattgefunden. Einige
Schiffahrtsunternehmen haben ihre eigenen Sicherheitsmaßnahmen
ergriffen, die jedoch die Reisen verteuern und nicht als allgemein notwendig erachtet wurden. Der tragische Unfall der
Achille Lauro hat die Vereinigten Staaten und andere Regierungen zu aktiveren Sicherheitsmaßnahmen für Schiffe und Häfen
bewogen, bei denen der Internationalen Seefahrtsorganisation
(IMO) und auch nationalen Maßnahmen eine größere Bedeutung zukommen soll. Innerhalb der US-Regierung ist eine spezielle,
behördenübergreifende Arbeitsgruppe der Küstenwache, des Ministeriums für Transport und Verkehr (DOT), des Außenministeriums und anderen Behörden eingerichtet worden, um das Problem
wirkungsvoller anzugehen. Von den Vereinigten Staaten vorgeschlagene, neue internationale Sicherheitsanforderungen wurden
von der Internationalen Schiffahrtsorganisation, die im Januar
zusammentraf, in Erwägung gezogen und gegen Ende dieses Jahres
verabschiedet - ein Durchbruch in der internationalen Schifffahrt.
Wir haben kürzlich informelle Treffen zwischen Vertretern
der US-Reiseunternehmen, des Außen- und des Wirtschaftsministeriums zur Entwicklung einer gemeinsamen effektiveren Strategie gegen das Problem des Terrorismus abgehalten. Es gilt
nun, beim Austausch unserer Ergebnisse zum Terrorismus enger
zusammenzuarbeiten, um Informationen über die Auswirkungen des
Terrorismus auf den Tourismus zusammenzutragen. Wir können das

�können das schlagkräftige Argument des Verlusts von Devisen
aus dem Tourismus als zusätzliche Waffe gegenüber anderen Regierungen einsetzen.
Die Administration hat ihrerseits hart an der Verbesserung
ihrer Fähigkeit zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus
gearbeitet. Das vom Kongreß 1984 verabschiedete Gesetz zur Bekämpfung des Terrorismus ist in die Tat umgesetzt worden: für
die Entführer und Mörder des TWA-Flugs Nr. 847 und der Achille
Lauro wurden Haftbefehle und Auslieferungsanträge ausgestellt
sowie Belohnungen zu ihrer Ergreifung ausgesetzt. Dadurch wurden das Justizministerium und das FBI direkt mit der Nachforschung und Verfolgung von Terroranschlägen gegen im Ausland
lebende Amerikaner betraut. Hiermit wird auch hervorgehoben,
daß es sich bei Terroristen nicht um irgendeine Art von romantischen "Freiheitskämpfern" handelt, sondern daß wir es mit
gemeinen Kriminellen zu tun haben. Entsprechende zusätzliche
Gesetzesvorlagen sind in Vorbereitung, ebenso wie ein neuer
Auslieferungsvertrag zwischen den Vereinigten Staaten und
Großbritannien, in dem Terroristen mit Verbrechern gleichgestellt würden.
In bezug auf das Terrorismusproblem gab es einen bedeutenden Anstieg bei den nachrichtendienstlichen Quellen; eine weitere Verbesserung bedeutet unsere Fähigkeit, im Ernstfall auf
terroristische Angriffe mit militärischen Mitteln reagieren zu
können. Der erfolgreiche Eingriff bei der Entführung der
Achille Lauro ist die offensichtlichste Bekundung dieser beiden Verbesserungen, bei denen die ausgezeichnete Arbeit des
Geheimdienstes mit zeitlich genau abgestimmten militärischen
Operationen auf eine präzise und ausgewogene Art und Weise
verbunden wurden. Weniger bekannt ist die Tatsache, daß im
Jahr 1985 über einhundert, gegen amerikanische Einrichtungen
im Ausland geplante Terroranschläge aufgrund von besserer
nachrichtendienstlicher Tätigkeit oder verbesserten Sicherheitsvorkehrungen vereitelt werden konnten.
Wir haben den Schutz für im Ausland stationierte zivile
und militärische Vertreter der US-Regierung beträchtlich erhöht, die Zusammenarbeit mit im Ausland ansässigen amerikanischen Privatfirmen verbessert und einen Beratungsausschuß für
Sicherheitsfragen im Ausland eingerichtet, der sich aus Mitgliedern des Außenministeriums und Vertretern privater Unternehmen zusammensetzt.
Die Abteilung für die Sicherheit des diplomatischen Corps
und die Abteilung für Ausreiseangelegenheiten im Außenministerium haben ihre Informationsprogramme für Reisende, Touristen und Geschäftsleute erweitert. Auf einen Telephonanruf
hin, ob es sicher sei, in ein bestimmtes Land zu reisen, können sie die neuesten Beurteilungen zur Verfügung stellen, die
auf Berichte unserer diplomatischen Vertretungen im Ausland
- 9 -

�im Ausland und den Geheimdienst hier in Washington zurückgehen. Im allgemeinen raten das Außenministerium und seine Vertretungen im Ausland nicht von Auslandsreisen ab, weil es im
betreffenden Land Terroranschläge gibt. Falls es Probleme in
einem bestimmten Land gibt, die besondere Aufmerksamkeit erfordern, aber nicht die Absage der Reise notwendig machen,
weisen wir darauf hin. Wenn die Probleme sehr ernst sind, wie
im Libanon oder in Libyen, oder für eine Weile auf dem Flughafen Athen im letzten Jahr, werden wir einen entsprechenden
Ratgeber für die Reise herausgeben.
Die Maßnahmen, die die Vereinigten Staaten ihrerseits zur
Bekämpfung des Terrorismus ergreifen können, werden von einer
bestimmten Anzahl von Faktoren eingeschränkt. Wir können zum
Beispiel nicht willkürlich Angriffstruppen auf dem Flughafen
einer befreundeten Nation landen lassen, um ein entführtes
Flugzeug zu stürmen, ohne vorher mit diesem Land entsprechende
Vorkehrungen auszuarbeiten. Wir können auch nicht selbst mutmaßliche Terroristen in den Slums von Beirut, den Wüsten Libyens oder den Dschungeln Mittelamerikas ausfindig machen.
Dieses Problem ist internationaler Art und wirksame Maßnahmen
darauf fordern eine internationale Zusammenarbeit.
Wie Außenminister Shultz in seiner Rede am 24. Juni 1984
sagte: "Der Terrorismus ist ein internationales Problem, das
die gemeinsamen Bemühungen aller freien Nationen fordert ...
Die Zeit ist gekommen für die Nationen, die dem Terrorismus
wirklich ein Ende setzen wollen, um sich, in welchen Foren
auch immer, zusammenzuschließen und notwendige Maßnahmen zu
ergreifen".
Die Erlangung von Übereinkunft für bestimmte internationale Vorgehensweisen ist ein schwieriger und langwieriger Prozeß
- das gilt auch für Ereignisse vor dieser Rede von 1984. Die
Bemühungen gehen vielmehr bis zu den terroristischen Anfängen
in den siebziger Jahren zurück.
Es ist keine leichte Aufgabe, und zwar sowohl aus den
Gründen, die ich vorhin genannt habe, als auch, weil es bei
manchen dieser Regierungen ein starkes Gefühl der Unabhängigkeit, wenn nicht gar des Vorbehalts gegenüber der Führungsrolle der Vereinigten Staaten gibt.
Es wurden jedoch Fortschritte erzielt. In jüngster Zeit
war Italien das kooperativste Land - einmal vielleicht, weil
es durch die Entführung der Achille Lauro aufgeschreckt war,
zum anderen vielleicht, weil seine Regierung durch die beachtlichen Erfolge bei der Bekämpfung des Terrorismus im Lande von
der Notwendigkeit schnellen Handelns überzeugt war. Großbritannien und die Bundesrepublik Deutschland verdienen besondere
Anerkennung für ihre energischen Bemühungen bei der Bekämpfung
des Terrorismus im eigenen Land und bei ihrem Einsatz für um- 10 -

�für umfangreichere multilaterale Zusammenarbeit gegen die gemeinsame Bedrohung.
Andere Regierungen waren weniger energisch und weniger kooperativ, indem sie Terroristen Unterschlupf gewährten und an
der überholten Politik festhalten, all jenen Zuflucht und Asyl
zu gewähren, die angeblich eine politische Motivation für Aktionen haben, die in Wirklichkeit abscheuliche Verbrechen
sind. Die Regierung der Vereinigten Staaten stimmt mit solchen
Praktiken absolut nicht überein und hat ihre Ansichten allseits zur Kenntnis gegeben.
Im allgemeinen hat sich die diskrete, aber wirkungsvolle
Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten im letzten Jahr erheblich verbessert, genauso wie wir
imstande waren, die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf
das Problem zu richten, indem wir bei den Vereinten Nationen
Beschlüsse gefordert haben, die den Terrorismus verurteilen.
Der Rat und auch die Sicherheitsausschüsse haben in den vergangenen Monaten entsprechende Resolutionen verabschiedet. Ein
wirkungsvolles, länderübergreifendes Handeln bei speziellen
Problemen oder Ländern liegt aber immer noch in weiter Ferne.
Unglücklicherweise reichten diese einseitigen und internationalen Maßnahmen nicht aus. Denken Sie nur an die Statistiken, auf die ich vorhin hingewiesen habe (1985 verzeichnete
der Terrorismus eine Zuwachsrate von zwei Dritteln gegenüber
1983) , und denken Sie an die Auswirkungen des Terrorismus auf
den Tourismus im Jahr 1985 und zu Beginn des Jahres 1986 im
Vergleich zu früheren Jahren. Es wurde seitens anderer Regierungen einfach noch nicht genug gegen Terroristen unternommen,
bevor sie zuschlagen können oder in bezug auf ihre Verhaftung
und Strafe, wenn sie ein Verbrechen begangen haben.
Das ist der Hauptgrund für den harten Kurs der Reagan-Administration bei den Attentaten von Rom und Wien. Diese Anschläge und noch ein weiteres Dutzend anderer gegen Ende des
Jahres 1985 tragen die eindeutige Handschrift von Oberst Ghadafi und der Organisation Abu Nidals. Vor diesem Hindergrund
und wegen der Zurückhaltung anderer Regierungen verstand diese
Regierung die Angriffe als einen klaren Aufruf zur Tat und zur
Übernahme der Führung, um noch mehr Todesfälle, auch bei Touristen, zu verhindern und weiterem Schaden an der Stabilität
und gemäßigten Haltung des Mittleren Ostens entgegenzuwirken beide gelten gleichermaßen als Zielscheibe für terroristische
Angriffe.
Nach eingehenden Beratungen entschied der Präsident sich
dafür, etwas gegen die libysche Unterstützung des Terrorismus
zu unternehmen. Er beendete die noch verbliebenen wirtschaftlichen und finanziellen Beziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und Libyen und forderte andere Länder auf, uns zu fol- 11 -

�zu folgen und Ghadafi und anderen Regierungen ein Zeichen zu
geben, endlich die staatliche Unterstützung des Terrorismus
einzustellen. Er stellte den Einsatz weiterer Aktionen - einschließlich militärischer Mittel - in Aussicht, wenn andere
unserer Führung nicht folgen oder Ghadafi zu fanatisch sein
sollte, um das Zeichen zu verstehen. Die Entscheidung forderte
entsprechende wirtschaftliche Opfer von den Vereinigten Staaten, die bereits Libyen-Geschäfte mit einem Jahresumsatz von
mehreren Milliarden Dollar aufgegeben haben, um unsere Position gegenüber dem Terrorismus zu verdeutlichen. Wenn wir
nicht die Führungsrolle übernommen hätten, hätte es niemand
anderes getan. Darüber hinaus verbat es die moralische Seite
der Angelegenheit der Regierung, anders zu handeln. Die Unfähigkeit oder mangelnde Bereitschaft anderer Regierungen, dem
Problem entgegenzutreten, ähnelte in gewisser Weise durchaus
der Passivität in den späten dreißiger Jahren gegenüber der
wachsenden Bedrohung durch Hitler.
Es ist natürlich noch zu früh, um zu sagen, welche Auswirkungen unsere Maßnahmen auf Libyen haben werden, aber es ist
keine Frage, daß Europa zu erwachen beginnt. Trotz einiger politischer Verlegenheit wegen der Führungsrolle der Vereinigten
Staaten gab es hinter der Bühne eine positive Haltung seitens
der meisten der neun Regierungen, die der Stellvertretende
Außenminister Whitehead und ich im letzten Monat besuchten.
Aussetzung der Waffenlieferungen an Libyen, einschließlich bestehender Verträge, keine Regierungskredite mehr für Exporte,
verschärfte Kontrollen für die Einreise und den Aufenthalt von
Libyern sowie das Versprechen, die abreisenden amerikanischen
Firmenangehörigen und Techniker nicht zu ersetzen - diesen
Punkten haben fast alle Regierungen zugestimmt. Einige sind
so- gar noch weitergegangen, besonders Italien, das jetzt von
al- len nordafrikanischen Besuchern seines Landes ein Visum
for- dert und seine gesamten Beziehungen zu Libyen einer
eingehen- den Prüfung unterziehen wird. Die Europäische
Gemeinschaft hat sich entschieden, ein Komitee auf höchster
Ebene zu bilden, um das Problem des Terrorismus zu beobachten
und Empfehlungen zu geben. Wir hoffen, daß hier ein Forum für
energisches Handeln entstehen wird.
Einer der Hauptgründe hinter diesen plötzlichen Maßnahmen
in Westeuropa war vielleicht auch der Verlust von Einnahmen
aus dem Tourismus, besonders aus den Vereinigten Staaten. Diejenigen Europäer, die in der Vergangenheit aus kommerziellem
Interesse zurückhaltend gegenüber Maßnahmen zur Bekämpfung von
Terroristen waren, verstehen jetzt, daß es noch eine andere
Seite der finanziellen Bilanzen gibt. Der Terrorismus kostet
sie Millionen für den verlorenen Tourismus, höhere Sicherheitsausgaben und ängstliche Investoren. Dazu kommt noch der
Druck der öffentlichen Meinung, die in den meisten europäischen Ländern mehr Maßnahmen seitens der Regierungen fordert
und ärgerlich über alles ist, was nach einer unangemessenen
- 12 -

�einer unangemessenen Antwort aussieht. In diesen beiden Bereichen können Gruppen, wie sie auch hier und heute anwesend
sind, möglicherweise zum Guten hin Druck ausüben und mit ihren
eigenen Mitteln deutlich machen, welche Regierungen ihrer Ansicht nach ihre Verantwortung zur Bekämpfung des Terrorismus
ernst nehmen und alle Menschen in ihrem Land schützen. Zusammen mit den Bemühungen der Regierung der Vereinigten Staaten
kann das eine wichtige positive Wirkung haben.

* * * * *

- 13 -

�AMERIKA DIENST
VON

4

Dokumentation
19. Februar 1986

ANSTRENGUNGEN DER VEREINIGTEN STAATEN ZUR VERBESSERUNG
DER MENSCHENRECHTSSITUATION
- Äußerungen von Unterstaatssekretär Schifter -

WASH INGTON - (AD) - In einer einleitenden Erklärung zur
Presseko nferenz , die am 13. Februar 1986 aus Anlaß der Präsentation d es zehn ten Jahresbe richts des amerikanischen Außenministeriu ms zur Lage der Men schenrechte in 164 Ländern in
Washingt on stat tfand, beton te der Unterstaatssekretär für Menschenrec hte und humanitäre Angelegenheiten, Richard Schifter,
daß die V e r e i n igten Staaten durch Taten versuchten, "die Lage
der Menschen zu verbessern, anstatt die Frage der Menschenrechte r ein dek lamatorisch zu behandeln".
In den letzten 20 Jahren hat es nach Schifters Angaben
eine klare Schärfung des Bewußtseins in Fragen der Menschenrechte gegeben. "Es ist jedoch noch nicht deutlich genug
geworden, daß es gleichzeitig einen erheblichen Anstieg bei
der Beachtung der Menschenrechte gegeben hat."
Die einleitende Erklärung des Unterstaatssekretärs hat
folgenden Wortlaut:
Wir sind heute hier zusammengekommen, um einen besonderen
Jahrestag zu würdigen. Das Dokument, das dieser Pressekonferenz zugrunde liegt - der Länderbericht 1985 über die Behand-

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Embassy of the United States of America

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�die Behandlung der Menschenrechte -, ist der zehnte, von der
Regierung der Vereinigten Staaten herausgegebene Bericht dieser Art. Es ist der sechste, der während der Amtszeit Präsident Reagans veröffentlicht wird.
In den ersten Jahren dieses Unternehmens gab es ernste
Zweifel an der Berechtigung und Eignung einer Regierungsstelle der Vereinigten Staaten - und insbesondere des Außenministeriums - zur Veröffentlichung einer Bewertung des Verhaltens
ausländischer Regierungen gegenüber deren eigenen Völkern.
Würden diese Berichte fair sein? Würden sie richtig sein? Und,
falls beides zuträfe, würden die ausländischen Staaten es
nicht als große Unverschämtheit betrachten, wenn die Vereinigten Staaten sich auf solch ein Unternehmen einließen?
All diese Fragen sind berechtigt. Da ich selbst bis vor
wenigen Monaten mit dieser Sache nichts zu tun hatte, betrachten Sie es bitte nicht als Selbstlob, wenn ich sage, daß unsere Länderberichte im allgemeinen für fair, korrekt und umfassend gehalten werden. Und obwohl es Leute gibt, die noch immer
behaupten, mit der Veröffentlichung dieser Berichte nähmen die
Vereinigten Staaten sich das Recht heraus, über andere zu urteilen, ein Recht, das sie nicht besäßen, sind die meisten interessierten Beobachter, auch viele Nicht-Amerikaner, davon
überzeugt, daß diese Länderberichte einen außerordentlich
wertvollen Beitrag zu den weltweiten Anstrengungen um eine Beendigung der Menschenrechtsverletzungen leisten. Erst vor wenigen Wochen nahm ich in Berlin an einer Diskussion teil, während der ein sozialdemokratischer Bundestagsabgeordneter uns
zur Qualität unserer Länderberichte beglückwünschte. Diese
Meinung wurde von vielen anderen der Anwesenden geteilt.
Die Berichte, die jedes Jahr vom Menschenrechtsbüro bearbeitet werden, sind zum integralen Bestandteil unserer Menschenrechtspolitik geworden. Sie waren als Berichte des Außenministeriums für den Kongreß gedacht, und dies sind sie auch.
Darüber hinaus sind sie jedoch auch zu Berichten für die Welt
geworden. Sie bilden eine maßgebende Beschreibung der Menschenrechtssituation in einem Land. Jedes Land, das um seinen
Ruf hinsichtlich Einhaltung der Menschenrechte besorgt ist,
wird unserer Beschreibung der Bedingungen ernsthafte Beachtung
schenken.
Weiterhin wird jedes Land, das insbesondere an seinem Ansehen in den Vereinigten Staaten interessiert ist, durch das
Studium unserer Berichte zu diesem Problem neue Erkenntnisse
gewinnen.
Bei der Zusammenstellung dieser Berichte beginnen wir
selbstverständlich mit einem bestimmten Standpunkt. Wir sind
für die Demokratie und für die Begrenzung der Regierungsmacht
- was in unserem Land als bürgerliche Freiheiten bezeichnet

�Freiheiten bezeichnet wird. Wir sind für die in unserer Unabhängigkeitserklärung und in unserer Bill of Rights enthaltenen
Ideale, die gleichen Ideale, die in der jüngeren Vergangenheit
auch in die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte eingebracht wurden. Wir glauben, daß die Beachtung dieser Ideale
die Chancen für den Weltfrieden erhöht und außerdem zur Verbesserung der Situation der Menschen auf vielfältige Art und
Weise beitragen wird.
Ich möchte mich bei den vielen Menschen, die für die Anfertigung dieser Berichte verantwortlich sind, bedanken. Sie
tun ihre Arbeit mit Hingabe und großem Professionalismus. Die
Qualität ihrer Arbeit kommt im Endprodukt zum Ausdruck, von
dem wir hoffen, daß es der Zustimmung für würdig befunden
wird. Das heißt jedoch nicht, daß in einem Dokument mit 1 440
Seiten sich in dem Bemühen um einheitliche Normen nicht hier
und da unbeabsichtigte Fehler oder Ungleichmäßigkeiten einschleichen können. Wir beginnen mit Entwürfen, die von verschiedenen Mitarbeitern bei über 150 diplomatischen Vetretungen und Büros des Außenministeriums erstellt wurden. Unser
Büro hat etwa 90 Tage Zeit, um Hunderte von Seiten an Material
zu sichten und die Endfassung zusammenzustellen. Ich möchte
betonen, daß wir an konstruktiver Kritik interessiert sind und
daß wir solche Kritik beachten werden, wenn wir mit unserem

nächsten Bericht beginnen.
Lassen Sie mich zusätzlich zu diesem Bericht noch einige
Worte zu den Menschenrechten selbst sagen. Bei einer Gelegenheit wie dieser taucht für uns normalerweise die Frage auf:
wie groß sind die Fortschritte, wenn es überhaupt welche gegeben hat, bei der Beachtung der Menschenrechte 1985 gewesen? Es
ist unmöglich, diese Frage generell zu beantworten. Ein Jahr
ist ein viel zu kurzer Zeitraum, um einen allgemeinen Trend
ausmachen zu können. Ein Jahrzehnt mag dafür noch nicht ausreichen. Im Zusammenhang mit ihren internationalen Beziehungen
haben sich Regierungen erst ungefähr seit den letzten zwanzig
Jahren systematisch mit dem Problem der Menschenrechtsverletzungen befaßt. Zweifellos ist während dieser zwanzig Jahre das
Bewußtsein in Bezug auf die Menschenrechte geschärft worden.
Es ist jedoch noch nicht deutlich genug geworden, daß es
gleichzeitig einen erheblichen Anstieg bei der Beachtung der
Menschenrechte gegeben hat.
Wie ich eben andeutete, ist es vielleicht so, daß der
Zeitraum der internationalen Diskussion der Menschenrechte zu
kurz gewesen ist. Vielleicht ist es auch notwendig, daß sich
das neue Bewußtsein und die Sorge um die Menschenrechte erst
festsetzen müssen, bevor sie das Verhalten von Regierungen
praktisch beeinflussen können. Dies glauben jedenfalls wir alle, die wir mit dieser Arbeit zu tun haben. Dies war sicherlich die Annahme, von der der Kongreß ausging, als er dieses
Gesetz verabschiedete, durch das die Vereinigten Staaten so

�Staaten so offensichtlich auf die Sache der Menschenrechte
verpflichtet werden; und dies ist die Annahme, aufgrund derer
die Administration handelt.
Wenn es eine Region gibt, in der wir vielleicht doch den
Beginn eines langfristig positiven Trends erkennen können, so
ist dies Lateinamerika. Es ist für uns alle zutiefst ermutigend, festzustellen, wie viele lateinamerikanische Staaten in
den letzten Jahren von der Diktatur zur Demokratie übergegangen sind. Indem sie dies taten, haben sie die Beachtung aller
Menschenrechte betont. Seit unseren letzten Berichten haben
demokratisch gewählte Regierungen in Uruguay und Guatemala die
Macht übernommen. Demokratische Wahlen, die die demokratische
Präsidentschaftsnachfolge sicherstellten, haben in Peru, Honduras und zu Beginn dieses Monats im traditionell demokratischen Costa Rica stattgefunden. Schließlich haben wir kürzlich
in Haiti das Ende einer Diktatur erlebt.
Was unsere eigene Rolle bei dem Versuch anbelangt, historische Entwicklungen zu beeinflussen, so orientiert sich unsere Politik am Resultat. Durch unsere Aktionen versuchen wir,
die Lage der Menschen zu verbessern, anstatt die Frage der
Menschenrechte rein deklamatorisch zu behandeln. Als Regierung, die für das allgemeine Wohlergehen der Nation verantwortlich ist, müssen wir natürlich sicherheits- und
wirtschaftspolitischen Gesichtspunkten zusätzlich zu den
Menschenrechten Beachtung schenken. Ich kann Ihnen aber
versichern, daß ich selbst ehrlich davon überrascht worden
bin, wie viel mehr Gewicht wir Besorgnissen über die
Einhaltung der Menschenrechte bei der Formulierung unserer
Außenpolitik geben, als andere Regierungen. Und gleichzeitig
erkennen wir auch, daß wir nicht alles Übel gleichsam mit
magischen Tricks beseitigen können. Unsere Macht und unsere
Reichweite sind nicht ganz so groß, wie einige denken mögen.
Aber es steht außer Frage, daß wir denen zu helfen versuchen,
die Opfer oder mögliche Opfer von Menschenrechtsverletzungen
sind. Dies ist unser ernsthaftes Bemühen.

* * * * *

�«fc° s t&lt;

VON

AMERIKA DIENST
4

Dokumentation
19. Februar 1986

UDSSR GENÜGT INTERNATIONALEN MASSTÄBEN BEI
MENSCHENRECHTEN NICHT
10. Menschenrechtsbericht des US-Außenministeriums
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - Richard Schifter, Unterstaatssekretär
für Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten im US-Außenministerium, legte dem amerikanischen Kongreß am 13. Februar
1986 den 10. Jahresbericht über Menschenrechte vor, der sich
zu diesem Thema über alle Staaten äußert, die von den Vereinigten Staaten Mittel erhalten sowie alle Länder, die Mitglieder der Vereinten Nationen sind.
Darin wurde deutlich, daß die Sowjetunion im Bereich der
Menschenrechte "nicht einmal den elementarsten international
gültigen Maßstäben" gerecht wird. Es gebe auch keinerlei Hinweis darauf, daß das "System der Unterdrückung" sowjetischer
Bürger einen Wandel erfahre.
Die wesentlichsten Auszüge des Berichtes haben folgenden
Wortlaut:
Die UdSSR i st ein zentralisierter Einparteienstaat, in
dem die Führung der Kommunistischen Partei , eine sich selbst
perpetui erende Elit e, unter dem Einsatz re pressiver Maßnahmen
der Gehe impolizei d en Versuch unternimmt, alle Aspekte des öffentlich en Lebens z u dirigieren, sich betr ächtlich in das einzumische n, was man im Westen als Privatsph äre erachten würde
und die Entwicklung von unabhängigen Zentr en politischen oder
ideologi sehen Einfl usses zu verhindern. Au ch im Jahr 1985 gab

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�1985 gab es bei diesem System der Unterdrückung keine Zeichen
der Veränderung.
... Das sowjetische Verhalten im Bereich der Menschenrechte genügt nicht einmal den elementarsten international gültigen Maßstäben. Die Verfassung enthält rein formell die meisten
der international gültigen Menschenrechte sowie Garantien hinsichtlich des Rechtes auf Ausbildung, medizinische Versorgung
und Arbeit. In der Praxis sind diese Rechte jedoch durch die
Prioritäten begrenzt, die den Interessen des Staates vorbehalten sind. Die Redefreiheit wird durch vage Gesetze verwehrt,
die Haftstrafen für Diffamierung des Staates vorschreiben...
Das Regime bestraft jene, die den Versuch unternehmen, ihre Rechte wahrzunehmen, mit Einweisung in Gefängnis, Arbeitslager oder psychiatrische Kliniken. Die Mißhandlung politischer Gefangener dauerte auch 1985 an. Schläge, ungenügende
Ernährung, Kleidung und Unterkunft sowie schwere manuelle Tätigkeit, unzureichende medizinische Betreuung, Isolierung,
lange Verhöre und Drohungen gegenüber den Familien der Gefangenen sind charakteristische Mißbräuche.
Vielen Gefangenen wird das Recht verwehrt, mit ihren Familien zu korrespondieren oder Besuch zu empfangen. Manche werden willkürlich in spezielle psychiatrische Anstalten oder in
die psychiatrischen Abteilungen normaler Krankenhäuser eingewiesen, wo sie oft einer grausamen und erniedrigenden Behandlung sowie der Verabreichung schwerer und schmerzverursachender Medikamente ausgesetzt sind, um sie zu bestrafen und einzuschüchtern, nicht aber, um eine Krankheit zu behandeln.
Die staatlichen Stellen zwingen auch weiterhin Gefangene
zur Verbannung in entlegene Gegenden der Sowjetunion oder zur
Auswanderung. Jedes Jahr stirbt eine Anzahl von Gefangenen in
Gefängnissen und Arbeitslagern aufgrund der so überaus harten
Bedingungen und der unangemessenen medizinischen Versorgung.
Die Verfolgung von Bürgern, die den Versuch unternahmen,
sich außerhalb der vom Staat kontrollierten Kanäle zu artikulieren, dauerte auch im Jahr 1985 an. Jene, die die Einhaltung
der Menschenrechte kontrollieren wollten, religiös Motivierte,
Befürworter größerer kultureller und politischer Rechte für
ethnische Minderheiten und Friedensaktivisten wurden verhaftet
und in Gefängnisse verbracht. Die Auswanderung jüdischer,
deutscher und armenischer Sowjetbürger hielt sich in engsten
Grenzen - trotz des Wunsches vieler Tausender nach Auswanderung.
Im Ausland dauert die sowjetische Besetzung Afghanistans
sowie die Unterstützung der vietnamesische Besetzung Kambodschas an. Es gibt Beweise dafür, daß die Sowjetunion in Afghanistan, Laos und Kambodscha für den Einsatz chemischer Waffen

�chemischer Waffen verantwortlich ist.
POLITISCHE MORDE
Es gibt verschiedentlich Berichte über ungewöhnliche Umstände, die den Tod von religiösen oder politischen Dissidenten oder von Mitgliedern ihrer Familien umgeben. Eine offizielle Verwicklung in derlei Taten kann jedoch weder nachgewiesen noch untersucht werden. Andererseits kommen jedes Jahr
aufgrund der harten Bedingungen - Schläge, erschöpfende körperliche Arbeit, schlechte Ernährung, extreme Kälte, Mangel an
angemessener medizinischer Versorgung - eine ganze Anzahl politischer Gefangener und gewöhnlicher Krimineller in den Gefängnissen und Arbeitslagern um.
Es ist unmöglich, die Zahl der Toten abzuschätzen.
Der prominente ukrainische Dissident und Dichter Wasil
Stus, Mitglied der mittlerweile aufgelösten Ukrainischen Helsinki-Überwachungsgruppe , starb im September nach Jahren brutaler Behandlung in einem Arbeitslager. Der armenische Aktivist Iskhan Mkrtchian und der estländische Aktivist Johannes
Hint starben gleichfalls 1985 in sowjetischen Gefängnissen.. .
FOLTER SOWIE GRAUMSAME, UNMENSCHLICHE ODER ERNIEDRIGENDE
BEHANDLUNG ODER BESTRAFUNG
Zweifelsohne kommt es bei Verhören und in Gefängnissen zu
Mißhandlung politischer Gefangener. Obgleich das Strafrecht
der russischen und anderer Sowjetrepubliken betont, daß Bestrafung nicht körperliches Leiden oder Schädigung der Menschenwürde verursachen soll, berichten verläßliche Quellen von
Schlägen, Isolationshaft, extremer Kälte, schlechten Nahrungsmitteln und Unterernährung, Zwangsarbeit; häufig wird den Gefangenen auch noch ihr begrenztes Recht verweigert, Post oder
Besuch von Familienangehörigen zu erhalten.
Gefangene können ihre Religion nicht ausüben oder werden
bestraft, wenn sie es versuchen. Sie werden von anderen Lagerinsassen, aufgestachelt von Lagerverwaltungen, geschlagen. Politischen Gefangenen wird zu Unrecht vorgeworfen, einen Aufruhr verursacht zu haben und aufgrund solch falscher Unterstellungen werden diese dann ins Lagergefängnis geworfen oder
zu Isolationshaft verurteilt.
1985 wurden Mitglieder der unabhängigen Friedensbewegung
"Gruppe zur Schaffung von Vertrauen zwischen der UdSSR und den
USA" von Polizisten bei verschiedenen Gelegenheiten zusammengeschlagen, als sie versuchten, in Moskau Friedensdemonstrationen abzuhalten. Der jüdische Kulturaktivist Juli Edelstein

- 3-

�Juli Edelstein wurde in dem Bestreben, ihn zur Aufgabe seiner
Religion zu bringen, von Arbeitslagerpolizei mehrmals geschlagen.
Gefangene, die durch Hungerstreiks protestieren, werden
oft unter Methoden zwangsernährt, die ihrer Gesundheit schaden
und zu medizinischen Problemen führen. Gefangene werden regelmäßig psychologischem Druck wie etwa Isolierung, langen Verhören und Drohungen gegen ihre Familie ausgesetzt. Für diese
Mißbräuche sind die Sicherheitsorgane der Regierung verantwortlich.
1981 erklärte der oberste Neuropsychiater des sowjetischen
Gesundheitsministeriums auf dem 7. Sowjetischen Kongreß der
Neuropathologen und Psychiater, daß 1,2 Prozent der Patienten
in psychiatrischen Kliniken in Moskau dort seien "in Verbindung mit Besuchen bei Behörden, um grundlose Klagen und verleumderische Erklärungen vorzubringen." Die Sowjetunion verließ im Februar 1983 lieber die World Psychiatric Association,
als sich der zu erwartenden Untersuchung dieser Vereinigung
hinsichtlich sowjetischer Mißbräuche im Bereich der Psychiatrie zu stellen.
Zu den Opfern solcher Mißbräuche gehörte im Jahr 1985 Rosalia Kijkbaiewa, die im Mai 1983 in eine psychiatrische Klinik in Kasachstan gebracht wurde, weil sie sich weigerte, ihre
Bemühungen um Emigration aufzugeben, und die am 8. Januar 1985
im Alter von 29 Jahren starb, weil man ihr keine ausreichende
medizinische Versorgung zuteil hatte werden lassen.
Lydia Keufman, Frau des verhafteten Hebräischlehrers Jewgenij Keufman, wurde wegen Beistands und Verteidigung ihres
Mannes gleichfalls in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.
Mindestens drei Mitglieder der "Gruppe zur Schaffung von Vertrauen zwischen der UdSSR und den USA" wurden für eine relativ
kurze Zeit in Moskauer psychiatrische Kliniken eingewiesen entweder um sie einzuschüchtern, oder um ihre Kontakte mit
Ausländern einzuschränken.
Andere politische Opfer des Mißbrauchs der Psychiatrie
verblieben in derlei Anstalten, viele von ihnen in speziellen
psychiatrischen Kliniken, die vom Innenministerium betrieben
werden. Einige Quellen schätzen, daß möglicherweise bis zu
1000 Menschen aus politischen oder religiösen Gründen in psychiatrischen Kliniken sind.
WILLKÜRLICHE VERHAFTUNG, GEFÄNGNIS ODER EXIL
... Eine neue Bestimmung des Strafgesetzes, wonach Gefangene in einem Arbeitslager noch zusätzlich bis zu 5 Jahre Haft
erhalten können für "bösartigen Ungehorsam gegenüber den Re-

�den Regeln des Arbeitslagers", wurde verwendet, um die Strafen
von Gefangenen zu verlängern, die aus Gewissensgründen in Haft
waren. Auf diese Weise ist auch wieder das Gespenst der Stalinzeit, die zeitliche unbegrenzte Haftstrafe, in den achtziger Jahren aufgetaucht.
Habeas Corpus oder ein Äquivalent gibt es nicht. Nach den
Gesetzen kann Untersuchungshaft bis zu neun Monaten dauern,
und Gefangene haben nicht das Recht, ihren Anwalt zu konsultieren, bis die Voruntersuchungen abgeschlossen sind. Auf diese Weise bedeutet verlängerte Untersuchungshaft letztlich eine
Form präventiver Haft.
Die Behörden können zudem Haftstrafen von bis zu 15 Tagen
verfügen. 1985 wurden mehrere Moskauer Friedensaktivisten wegen "Rowdytum" oder Widerstand gegen die Staatsgewalt eingesperrt. Sergej Petrow, der mit einer Amerikanerin verheiratet
ist, wurde am 20. September verhaftet, als er versuchte, in
einer Konsularangelegenheit die Amerikanische Botschaft zu betreten und wurde zu zwei Wochen Arbeitslager verurteilt. Willkürliche Verhaftung oder Hausarrest wurden eingesetzt, um Dissidenten davon abzuhalten, sich während eines Jugendfestivals
in Moskau im August mit Ausländern zu treffen.
Die Praxis, politisch Andersdenkende in die Verbannung zu
schicken - oft in die entferntesten Dörfer Sibiriens oder andere entlegene Gebiete -, geht auf die Zeit der Zaren zurück
und dauert unter der Herrschaft der Sowjets an. Die Verbannung
folgt oft auf die Haft und bedeutet praktisch eine zusätzliche
Gefängnisstrafe unter den Bedingungen extremster Kälte, Isolierung und Mangel an Nahrungsmitteln. Diese Bedingungen werden nur dadurch etwas erleichtert, daß man Lebensmittelpakete
von Familienangehörigen erhalten kann, sich in einem begrenzten Bereich bewegen darf, Arbeit aufnehmen (allerdings meist
weit unter dem eigenen Standard) und sich eine mehr als bescheidene Wohnung einrichten kann. Die Familie des Verbannten
kann mit ihm zusammenleben.
Juri Orlow, Gründer der Helsinki-Überwachungsbewegung, der
seine Strafe - nach Freilassung aus einem Arbeitslager im Jahr
1984 - in der Verbannung in einem entlegenen Teil Sibiriens
verbringt, wurde im April 1985 von Unbekannten zusammengeschlagen und muß jetzt in einer primitiven Hütte leben, die
noch nicht einmal sanitäre Anlagen hat.
Die Verbannung von Andrei Sacharow und seiner Frau Jelena
Bonner in der Stadt Gorki, die für Ausländer gesperrt ist, ist
das beste Beispiel für diese Praxis. Die staatlichen Stellen
verwehrten ihm praktisch im gesamten Jahr 1985 normalen Kontakt mit seinen Kollegen aus der Welt der Wissenschaft und unterbanden praktisch allen Kontakt zur übrigen Welt.
Diese Situation
- 5-

�Diese Situation änderte sich Anfang November, als die sowjetischen Behörden Frau Bonner die Erlaubnis erteilten, zwecks
ärztlicher Behandlung in den Westen zu gehen. Beide Sacharows
durften anschließend Telefongespräche mit ihren amerikanischen
Verwandten führen. Trotz dieser Gesten war Dr. Sacharow zu
Jahresende noch immer in der Verbannung...
Neben der inneren Verbannung zwingen die Behörden Personen
zum "freiwilligen" Exil im Ausland. So wurde zum Beispiel Irina Griwnina, die sich früher gegen den Mißbrauch im Bereich
der Psychiatrie einsetzte, befohlen, das Land im Oktober zu
verlassen. Durch die "freiwillige" Ausreise von Lydia Staskewitsch im September verloren die inoffizielle Moskauer
Pfingstvereinigung eines ihrer führenden Mitglieder...
ENTZUG DES RECHTS AUF ÖFFENTLICHE GERICHTSVERFAHREN
Die Kontrolle der Gesellschaft durch die kommunistische
Partei bezieht sich auch auf das Rechts- und Strafrechtssystem und findet in politischen Fällen Anwendung, um einem Angeklagten im Prozeß die Garantien der Objektivität und der Unabhängigkeit zu verwehren. Die sowjetischen Behörden stellen
regelmäßig sicher, daß politische Prozesse unter Ausschluß der
Öffentlichkeit stattfinden, indem dafür Genehmigungen notwendig sind, der Gerichtssaal mit Parteileuten aufgefüllt wird
und Beobachter vor dem Gerichtssaal eingeschüchtert oder verhaftet werden. Ort und Zeitpunkt solcher Verhandlungen werden
oft nur kurzfristig genannt und können praktisch ohne Angabe
von Gründen verlegt werden.
Journalisten und Diplomaten aus dem Westen bekommen regelmäßig keinen Zugang zu politischen Prozessen; sie erhalten
auch keine Erlaubnis, Städte außerhalb Moskaus zu besuchen, wo
die Prozesse stattfinden...
Eine verläßliche, von privater Seite erstellte Liste politischer Gefangener in der UdSSR - sie wurde von dem sowjetischen Emigranten und ehemaligen politischen Gefangenen Kronid
Lubarsky herausgegeben -, enthält fast 900 Namen, einschließlich einiger Menschen in der Verbannung in entlegenen
Dörfern. Da die Daten über die Anzahl politischer Gefangener
als Staatsgeheimnis betrachtet werden, sind dem Westen nur relativ prominente Fälle, wie etwa diejenigen auf Lubarskys Liste, bekannt. Obgleich die Schätzungen etwas auseinandergehen,
sind doch die meisten Beobachter der Ansicht, daß es bis zu 10
000 Menschen gibt, die wegen ihrer religiösen und politischen
Überzeugung inhaftiert sind.
WILLKÜRLICHES EINDRINGEN IN DIE PRIVATSPHÄRE
Häufig mischt

�Häufig mischt sich der Staat in das Privatleben seiner
Bürger ein. Die Behörden sehen es als die Pflicht des Bürgers
an, sie über ungewöhnliche Verhaltungsweisen von Familienmitgliedern und Freunden zu unterrichten. Sie überprüfen regelmäßig Aufenthaltsort und Telefonanschluß sowjetischer Bürger
und Ausländer mit elektronischen Mitteln. Die Verfassung garantiert die Unverletzlichkeit der Privatsphäre, und theoretisch kann niemand eine Wohnung gegen den Willen des Bewohners
betreten, "wenn keine rechtlichen Gründe vorliegen". In der
Praxis hat diese Bestimmung nur wenig Wirkung auf die Untersuchungsbehörden, und eindeutig belegte Fälle gab es auch 1985
wieder, wo gewaltsam und illegal Wohnungen durchsucht wurden.
Durch die Überwachung von Post und Telefon schränken die
Behörden selektiv den Kontakt zwischen Sowjetbürgern und Ausländern ein, wobei oft auch Postsendungen beschlagnahmt werden.
Die Regierung behindert auch weiterhin die meisten westlichen Radioübertragungen in Russisch oder anderen Sprachen eine Maßnahme, die den Vereinbarungen der Schlußakte von Helsinki klar zuwiderläuft. Sowjetbürger, die mit ausländischen
Touristen auch nur Zufallsbegegnungen haben, werden häufig
vernommen, und der Besuch eines ausländischen Gastes kann umfangreiche Verhöre zur Folge haben. Ausländer werden oft verhört und eingeschüchtert, nachdem sie Sowjetbürger besucht haben und sogar, wie es im Jahr 1985 in einigen Fällen geschehen
ist, des Landes verwiesen. Hierbei waren die Behörden der
Stadt Leningrad besonders aktiv.
MEINUNGS- UND PRESSEFREIHEIT
Die Verfassung enthält die meisten international gültigen
politischen Freiheiten, schränkt deren Ausübung aber insoweit
ein, als das Verhalten des Einzelnen mit den "Interessen des
Volkes und der Stärkung des sozialistischen Systems" einhergehen muß. Für die Praxis bedeutet das, daß die Regierung kein
kritisches Verhalten zuläßt und bisher nicht gezögert hat,
Menschen für die Ausübung ihrer Meinungsfreiheit einzusperren.
Alle Informationsmedien werden von der Partei oder der Regierung kontrolliert, die entweder als Besitzer oder Betreiber
fungieren. Veröffentlichungen, Filme sowie Manuskripte für
Rundfunk- und Fernsehsendungen werden von der 'Hauptverwaltung zur Bewahrung der Staatssicherheit in den Medien' zensiert.
Sowjetische Journalisten unterstehen der Kontrolle durch
die Kommunistische Partei und unterliegen den Anweisungen ihrer Vorgesetzten in der Redaktion, die selbst verläßliche Parteimitglieder sind. Diese Tatsache macht sie nicht zu Journalisten im westlichen Sinne, sondern vielmehr zum Sprachrohr

�zum Sprachrohr offizieller Regierungspolitik....
In den Medien erscheinen öffentlich keine, der Regierungsmeinung entgegenstehenden Auffassungen zu wichtigen politischen Fragen. Es wird keinerlei Kritik an Partei, Regierung
oder Führung zugelassen, es sei denn, um einen Mißbrauch durch
die Verwaltung richtigzustellen oder eine Person in Verruf zu
bringen, die gegen Parteigesetze verstoßen hat...
Die Regierung hält auch weiterhin eine strenge Überwachung
der Arbeit ausländischer Zeitungen aufrecht. Eine offene Zensur von Nachrichtenübertragungen aus dem Land ist selten, aber
die Behörden belästigen bestimmte ausländische Journalisten,
und es ist in einigen Fällen bereits vorgekommen, daß sie die
Ausstellung von Visa verzögern oder die bereits ausgestellten
Visa wieder zurückziehen.
VEREINIGUNGSUND

VERSAMMLUNGSFREIHEIT

Die Verfassung garantiert ihren Bürgern das Recht, sich in
öffentlichen Vereinigungen zusammenzuschließen "im Einverständnis mit dem Ziel, den Kommunismus aufzubauen". Für die
Praxis heißt das, daß öffentliche Vereinigungen von den Behörden organisiert werden oder scharfen Kontrollen unterliegen;
die Regierung unterdrückt alle Versuche, sich ihrer Kontrolle
zu entziehen. Ergebnis einer Kampagne der letzten Jahre ist,
daß nahezu alle Menschenrechtsorganisationen oder Friedensgruppen unterdrückt und nicht mehr funktionsfähig sind. Zu den
abgeschafften Gruppen gehören auch die Helsinki-Beobachtungsgruppen, die versucht haben, die Verletzung der Schlußakte von
Helsinki durch die Regierung zu überwachen, sowie die Psychiatrische Beobachtungsgruppe, die sich mit dem sowjetischen Mißbrauch der Psychiatrie beschäftigte. Mitglieder dieser Gruppen
wurden inhaftiert oder ausgewiesen, viele warten noch auf ihre
Verurteilung. Einige, die im Jahr 1985 den Versuch machten,
die georgische Helsinki-Überwachungsgruppe in Tiflis wiederzubeleben, wurden verhaftet oder sahen sich der Drohung von Verurteilung zu Straflager gegenüber....
Die sowjetischen Behörden unterdrücken weiterhin alle inoffiziellen politischen oder gewerkschaftlichen Vereinigungen,
die ihrer Ansicht nach eine Herausforderung des Staatsmonopols
darstellen. Wladimir Sitinski, ein Mitglied der "Freien beruf sübergreifenden Arbeitervereinigung" (SMOT, nach der russischen Schreibweise) wurde der antisowjetischen Verleumdung bezichtigt und im Mai von einem Leningrader Gericht zu einem
zeitlich unbegrenzten Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik verurteilt.
Die "Gruppe zur Vertrauensbildung zwischen UdSSR und USA"
wurde seit 1985 massiv unter Druck gesetzt, deren Mitglieder

�deren Mitglieder verhaftet, eingesperrt, in psychiatrische Anstalten gesteckt, geschlagen und ins Ausland ausgewiesen. Ein
Mitglied der Gruppe, Wladimir Brodski, wurde im August wegen
"heimtückischen Rowdytums" zu drei Jahren Straflager verurteilt. ...
RELIGIONSFREIHEIT
Die Verfassung garantiert "das Recht auf Ausübung oder
Nicht-Ausübung jeglichen Glaubens, auf Besuch von Gottesdiensten oder Verbreitung atheistischer Propaganda". In Wirklichkeit werden jedoch den Gläubigen zahlreiche Beschränkungen
auferlegt. Die Teilnahme an religiösen Zeremonien zieht den
Ausschluß aus der kommunistischen Partei nach sich und manchmal auch die Entlassung vom Arbeitsplatz.
Wiederholt gab es im Jahr 1985 Beispiele zur Unterdrückung
der Religionsfreiheit, der besonders eine kleine 170-Seelen-Gemeinde der Pfingstbewegung zum Opfer gefallen ist. Zehn Gemeindeführer, darunter Pfarrer Viktor Walter wurden zu Arbeitslager bis zu fünf Jahren verurteilt. Alle berufstätigen
Erwachsenen wurden entlassen. In der Zwischenzeit haben sowjetische Behörden wiederholt Eltern aus der Gemeinde mit Entzug
des Erziehungsrechts gedroht, weil diese ihre Kinder zum
Schutz vor fortgesetzten Belästigungen und Schlägen von der
Schule genommen hatten....
Unter den nichtgemeldeten Baptisten gibt es die meisten
Verhaftungen unter allen religiösen Gruppen in der Sowjetunion. Drei Baptisten aus Gagra am Schwarzen Meer, Iwan Peters,
Wilhelm Richert und Viktor Rogalski, wurden bereits Mitte Mai
zu zwei bis drei Jahren Arbeitslager verurteilt...
In der Ukraine wurde die Kampagne gegen die Mitglieder der
verbotenen Unierten Kirche fortgesetzt. Josef Terelia, ein
Führer der inoffiziellen "Initiativgruppe des Komitees zur
Verteidigung von Gläubigen der Katholischen Kirche" wurde am
20. August wegen antisowjetischer Agitation und Propaganda zu
sieben Jahren Arbeitslager und fünf Jahren Verbannung verurteilt. Sein Kollege Wassili Kobrin wurde im März wegen antisowjetischer Verleumdung verurteilt.
Beide Männer gehörten zu den führenden Köpfen hinter der
Samisdat-Chronik der Katholischen Kirche in der Ukraine, die
die fortgesetzte sowjetische Unterdrückung der Unierten Kirche
aufzeigte, wobei auch Kirchen in Brand gesetzt wurden. Die
Chronik hat die Weltöffentlichkeit auf die Tatsache hingewiesen, daß Hunderte von ukrainischen Katholiken ihrer Staatsbürgerschaft abgeschworen haben, um gegen die religiöse Verfolgung und sowjetische Unterwerfung der Ukraine zu protestieren. ..
In den

- 9-

�In den traditionell moslemischen Regionen Zentralasiens
und Aserbaidschans gibt es nur wenige offene Moscheen und
ebensowenige offiziell anerkannte Religionsführer. Moslemische, aber nicht behördliche anerkannte Führer werden in der
offiziellen Presse als "Vagabunden" bezeichnet. Einer von ihnen, Akwerdi Eschkulow, wurde, Berichten zufolge, 1985 in der
Region Samarkand verhaftet und zu zwei Jahren Straflager verurteilt, weil er ohne offizielle Genehmigung als Mullah tätig
gewesen war....
Das harte Durchgreifen gegenüber praktizierenden Juden und
Hebräischlehrern setzte sich auch im Jahr 1985 fort, besonders
bei den Personengruppen, denen bereits einmal die Ausreisegenehmigung verweigert wurde. Bis zum Ende des Jahres 1985 waren
fünfzehn von ihnen zu Strafen bis zu vier Jahren Arbeitslager
verurteilt worden, viele aufgrund von erfundenen kriminellen
Vergehen, die speziell zu dem Zweck angeführt wurden, um ihre
Sache in Mißkredit zu bringen...
Dem Leningrader Hebräischlehrer Roald Zelichonok wurde am
8. August der Prozeß gemacht; er wurde wegen antisowjetischer
Verleumdung zu drei Jahren Arbeitslager verurteilt, offensichtlich auf der Basis von Bemerkungen aus seiner privaten
Korrespondenz.
Jewgenij Keufman wurde in Dnjepropetrowsk wegen erfundener
Vorwürfe zum Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz zu dreißig
Monaten streng überwachtem Arbeitseinsatz verurteilt. Seine
Frau wurde wegen ihrer Versuche, ihren festgehaltenen Mann zu
unterstützen und zu verteidigen, in eine psychiatrische Klinik
gesteckt.
Ein weiterer Hebräischlehrer, Leonid Wolwowski, der bereits in die für Ausländer gesperrte Stadt Gorki verbannt worden war, wurde der antisowjetischen Verleumdung beschuldigt
und am 24. Oktober zu drei Jahren Straflager verurteilt. Sein
Prozeß fand in entsprechender Atmosphäre statt: Wände in der
Nähe seiner Wohnung waren mit antisemitischen Parolen beschmiert und in der offiziellen Lokalpresse gab es hetzerische
Artikel ... Im Herbst 1985 wurde die Zahl der inhaftierten jüdischen Aktivisten auf 22 geschätzt.
Im Februar und später noch einmal im September wurde im
sowjetischen Fernsehen und in mehreren Kinos ein Film mit dem
Titel "Konspiration gegen die sowjetische Nation" gezeigt. Der
Film griff nicht nur die Hauptfiguren unter den Dissidenten
an, sondern er suchte auch nach Verbindungen zwischen der jüdischen Auswanderung und Aktivitäten westlicher Geheimdienste.
Viele sowjetische Juden betrachten diese Art von Filmen, Büchern und Artikeln mit antisemitischem Inhalt als Beweis für
die von der Regierung angeregte, feindliche Haltung ihnen gegenüber .. .
RECHT AUF
- 10-

�RECHT AUF FREIZÜGIGKEIT
Das Recht auf Freizügigkeit ist weder im Gesetz garantiert
noch in der Praxis respektiert. Obwohl es den Bürgern in der
Regel freisteht, sich innerhalb des Territoriums der UdSSR
frei zu bewegen, unterliegen Reisen in bestimmte Landesteile,
z.B. in grenznahe Gebiete oder militärische Sperrbezirke, einer besonderen Genehmigung ...
Etwa zwanzig Prozent der Sowjetunion können formal nicht
von Ausländern bereist werden. Tatsächlich sind weitere siebzig Prozent entweder geschlossen oder praktisch nicht zugänglich . ..
Als Mitglied der Vereinten Nationen hat die UdSSR der
Übereinkunft zugestimmt, die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte anzuwenden und hat ferner weitere internationale
Dokumente angenommen, in denen den Bürgern das Recht auf Auslandsreisen zugestanden wird. In Wirklichkeit erkennt die Sowjetunion jedoch nicht das Recht ihrer Bürger an, aus freien
Stücken auszureisen; als einzig zulässige Begründung für eine
Ausreise gilt die Wiedervereinigung getrennter Familien ...
Die Ausreise von Juden wurde im Jahr 1985 weiter in erheblich beschränktem Umfang fortgesetzt. Die Zahl von 1.140 bedeutet nur einen geringen Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Trotz
weltweiter Besorgnis und Verurteilung gab es zum Jahresende
noch keine eindeutigen Anzeichen dafür, daß die sowjetischen
Behörden die Zahl der Ausreisegenehmigungen erhöhen würden.
Viele Juden warten seit mehr als zehn Jahren vergeblich
auf eine Genehmigung zur Ausreise. Jüdischen Quellen zufolge
gibt es immer noch mehr als 200 000 Juden, die das für eine
Ausreisegenehmigung erforderliche Einladungsschreiben aus Israel besitzen. Die Zahl der Deutschstämmigen und der Armenier,
die aus der Sowjetunion emigrierten, war auch 1985 niedrig.
Im Jahr 1985 löste die Sowjetunion einige Fälle auf der
von den Vereinigten Staaten vorgelegten Liste über getrennte
Familien. Diese Liste enthält die Namen sowjetischer Familien,
denen von sowjetischer Seite die Genehmigung verweigert wird,
zu ihren in den Vereinigten Staaten lebenden Verwandten auszureisen. Zum Jahresende gab es auf dieser Liste immer noch 130
Familien.
Auf der von der US-Regierung vorgelegten Liste über amerikanische Bürger befinden sich dreiundzwanzig Personen mit
doppelter - amerikanischer und sowjetischer - Staatsbürgerschaft, von denen einige bereits seit Jahrzehnten auf ihre
Ausreisegenehmigung warten. Von dieser Liste wurde im Jahr
1985 nur ein Fall gelöst.
Der einzige
- 11-

�Der einzige erwähnenswerte Fortschritt wurde 1985 in bezug
auf Personen erreicht, die auf der von der US-Regierung vorgelegten Liste von getrennten Ehepaaren stehen. Auf der Liste
befinden sich die Namen von mit US-Bürgern verheirateten sowjetischen Personen, denen von sowjetischer Seite die Genehmigung verweigert wurde, zu ihren Ehepartnern in die Vereinigten
Staaten auszureisen. Im Jahr 1985 wurden vierzehn Fälle gelöst, dennoch gab es zum Jahresende immer noch achtzehn Ehepartner auf der Liste ...
Obwohl sowjetische Emigranten in der Regel ihren sowjetischen Reisepaß bei sich haben, wenn sie die UdSSR verlassen,
wird ihnen nicht in jedem Fall die Rückreise gestattet. Einigen wird in Abwesenheit die Staatsbürgerschaft aberkannt und so
ihre Rückkehr unmöglich gemacht.
Jüdische Emigranten, die nach Israel ausreisen, müssen vor
der Abreise die sowjetische Staatsbürgerschaft aufgeben und
werden somit daran gehindert, als sowjetische Bürger in die
UdSSR zurückkehren zu können ...

* * * * *

- 12-

�:e° s?&gt;

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

19. Februar 1986

DROGENKRIEG UNTER NEUEN ASPEKTEN

- (AD) - In vielen Teilen der Welt gibt es eine direkte
Verbindung zwischen illegalem Drogenhandel und "Subversion,
internationalem Terrorismus und anderen verbrecherischen Handlungen". Darauf verweist die Internationale Kommission für
Suchtstoffkontrolle (INCB), eine Unterorganisation der Vereinten Nationen mit Sitz in Wien, in ihrem kürzlich veröffentlichten Jahresbericht.
Die INCB-Studie bezeichnet die oben geschilderte Situation
als "eine unheilvolle Entwicklung". Der illegale Anbau und
die illegale Produktion von Rauschgiften werde in einer wachsenden Zahl von Ländern betrieben - und "diese illegalen Aktivitäten werden von bestens organisierten Verbrechersyndikaten mit internationalen Verbindungen finanziert und betrieben",
In den meisten Teilen der Welt, so der Bericht, sei Drogenmißbrauch stark verbreitet und nehme in manchen Ländern
weiter zu. Aber ebenso wachse auch die Erkenntnis, daß es
sich beim Drogenproblem um eine schwerwiegende Sache handle.
Die Gefährdung des Wohlergehens von Bürgern und die Bedrohung
der politischen Stabilität und Sicherheit einer Reihe von Regierungen hat zu umfassenden Gegenmaßnahmen in bezug auf den
Anbau, die Produktion, Weiterverarbeitung, den Handel und Konsum gefährlicher Drogen geführt. Im Jahr 1985 räumte eine

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Embassy of the United States of America

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�räumte eine größere Anzahl von Ländern dem Krieg gegen Drogen
höhere Priorität ein und wandten mehr dafür auf, als je zuvor. Auch gab es mehr und verbesserte regionale und internationale Zusammenarbeit in diesem Kampf.
Im letzten Jahr wurde eine Reihe spezieller Maßnahmen in
Angriff genommen, um die Produktion von Suchtstoffen und den
Handel mit Drogen zu stoppen. In zahlreichen Regionen wurden
mit modernsten Methoden Anbauflächen für Rauschgiftpflanzen
aufgespürt, die Kulturen in Großaktionen vernichtet. Manche
Länder verschärften die Kontrollen für Chemikalien und Lösungsmittel, die zur Herstellung von Rauschgiften gebraucht
werden. Außerdem wurden zusätzliche Abkommen über die Auslieferung von Drogenhändlern ausgehandelt.
Der INCB-Bericht macht darauf aufmerksam, daß gegenwärtig
neue Suchtstoffe auf dem illegalen Drogenmarkt auftauchten.
Dabei handle es sich vor allem um synthetische und "umkonstruierte" Suchtstoffe, die durch Veränderung der chemischen
Struktur bestimmter illegaler Drogen hergestellt werden. Solche veränderten Suchtstoff-Verbindungen unterliegen nicht der
Kontrolle durch die vorhandenen Gesetze. Deshalb seien neue
nationale und internationale gesetzliche Maßnahmen erforderlich.
In amerikanischen Regierungskreisen wird die Tatsache, daß
sich die Völkergemeinschaft der großen Gefahren durch Drogenhändler und ihre Bundesgenossen stärker bewußt wird, als ermutigend gewürdigt. Als noch ermutigender sei jedoch die Bereitschaft von immer mehr Regierungen zu werten, mit konkreten
Maßnahmen gegen diese Leute vorzugehen.

* * * * * *

- 2 -

�</text>
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                <text>Amerikadienst 19.02.1986</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Terrorismusbekämpfung: Der Einfluss der öffentlichen Meinung&lt;br /&gt;- Äußerungen von Botschafter Robert Oakley -&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anstrengungen der Vereinigten Staaten zur Verbesserung der Menschenrechtssituation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Äußerungen von Unterstaatssekretär Schifter -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;UdSSR genügt internationalen Maßstäben bei Menschenrechten nicht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- 10. Menschenrechtsbericht des US-Außenministeriums -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;2. Hintergrund&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Drogenkrieg unter neuen Aspekten&amp;nbsp;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

^
12. Februar 1986
I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan: Freilassung Schtscharanskijs und anderer
ermutigendes Zeichen
- Pressekonferenz vom 11. Februar 1986 Präsident Reagan legt Haushalt 1986/1987 vor
- Haushaltskürzungen zur Förderung des Wirtschaftswachstums Demokratie und Kultur
- Rede von Richard R. Burt, Botschafter der Vereinigten
Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland,
gehalten am 8. Februar 1986 in der Universität Heidelberg
WIRTSCHAFT
Reagan: Wirtschaftliche Stabilität wird Wachstum stützen
- Wirtschaftsbericht des Präsidenten HINTERGRUNDMATERIAL
Die Haushaltsvorlage Präsident Reagans
- Die wichtigsten Fakten WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Warnung war nicht mehr möglich
- Untersuchungskommission für CHALLENGER-Unglück hat Arbeit
aufgenommen * * * * * *

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�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

e&lt;

12. Februar 1986

REAGAN: FREILASSUNG SCHTSCHARANSKIJS UND ANDERER
ERMUTIGENDES ZEICHEN
- Pressekonferenz vom 11. Februar 1986 WASHINGTON - (AD) - Auf einer Pressekonferenz teilte Präsident Reagan am 11. Februar 1986 Reportern mit, daß er das
Problem der Menschenrechte während des Genfer Gipfels "sehr
ausführlich" mit dem sowjetischen Parteichef Gorbatschow diskutiert habe. Er verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, daß die
Freilassung von Anatoli Schtscharanskij und anderen einen Anfang und ein Zeichen der Hoffnung darstelle.
In seiner Pressekonferenz nahm der Präsident zu folgenden
außenpolitischen Themenkreisen Stellung:
Lage auf den Philippinen
Auf die Frage, ob die Berichte amerikanischer Beobachter
über Betrug und Gewalt während und nach den Wahlen in den Philippinen die Glaubwürdigkeit der Wahl unterminierten und die
kommunistischen Rebellen im Lande stärkten, antwortete der
Präsident:
Ich möchte zu diesem Prozeß keinen Kommentar abgeben, so
wie diese (Beobachter) ihren ofiziellen Bericht nicht vor dem

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�vor de m End e der Stirnmenau szählung vorl egen werden . Ich glaube nie ht, d aß es gut wäre, dies zu tun. Ja, sie h aben mi r davon in eini gen k urzen Beme rkungen beric htet und st eilten klar,
daß si e jet zt no ch ke ine o ffiziell en Be rieht vorle gen wür den.
Aber s ie ha ben m ir be rieht et, daß es ei nen A nschei n von B etrug
gab un d gle ichze itig teilt en sie jedoch mit, daß e s zusätzlich
zu die sem a llgem einen Eind ruck kei ne su bstan tielle n Bewei se
dafür gäbe. Wir werd en al so weite r abw arten . Wir sind n eutral. Und wir h offen , daß wir dan n das glei che Ve rhältni s mit
dem ph Hipp inisc hen V olk h aben wer den, das w ir in all den vergangen en Ja hren gehab t hab en.
Auf eine weitere Frage nach möglicher Besorgnis über die
Glaubwürdigkeit der Wahl und möglichen Auswirkungen auf amerikanische Interessen in den Philippinen sagte der Präsident:
Ich meine, daß wir besorgt sind über die offenkundigen Gewaltakte und die Möglichkeit des Betrugs, obwohl all dies sich
auf beiden Seiten abgespielt haben mag. Gleichzeitig fühlen
wir uns jedoch von der Tatsache ermutigt, daß es offensichtlich auf den Philippinen ein Zweiparteiensystem gibt und eine
Art von Pluralismus, der dem Volk dort zugute kommt. Und wir
freuen uns, eine derartige Entwicklung feststellen zu können
und werden abwarten, bis wir das Wahlergebnis erfahren.
Angesprochen auf frühere Bemerkungen seines Stabschefs
Donald Regan, daß im Falle einer Wiederwahl von Präsident
Marcos, selbst durch Wahlbetrug, die Vereinigten Staaten weiterhin normale Beziehungen mit ihm unterhalten müßten, antwortete Reagan:
Wir können nur sagen, daß die Bestimmung der philippinischen Regierung Sache des philippinischen Volkes unbd nicht
der amerikanischen Regierung sein wird. Und, wie ich vorhin
schon sagte, wir werden versuchen, die Beziehungen mit jeder
durch das philippinische Volk eingesetzten Regierung fortzusetzen. Und dies ist alles, was ich dazu sagen kann.
Zu Argumenten, nach denen die Unterstützung eines Diktators den kommunistischen Untergrundkämpfern in die Hände spielen würde, während die Unterstützung demokratischer Kräfte die
Kommunisten schwächen würde bemerkte der Präsident:
Wir unterstützen die Kräfte der Demokratie, und die Menschen dort haben die Möglichkeit zu wählen. Die einzigen, die
die Wahlen boykottiert haben, waren die Kommunisten. Es gibt
große Unterstützung für beide Kandidaten. Mehr kann ich dazu
nicht sagen, bis die Stimmen ausgezählt sind.
Auf die Frage,

�Auf die Frage, ob die Vereinigten Staaten jeden Ausgang
der Wahl akzeptieren würden, selbst bei einem nie dagewesenen
Ausmaß an Wahlbetrug, sagte der Präsident, daß seine Administration sich auf die Entscheidung der philippinischen Volkes
verlassen würde. Es sei dessen Wahl und das Ende der Stimmen
auszählung müsse zuerst abgewartet werden.
Zur Bedeutung der amerikanischen Militärstützpunkte auf
den Philippinen meinte Reagan, daß diese Stützpunkte für die
Vereinigten Staaten, für den Westen und sicherlich für die
Philippinen selbst sehr bedeutend seien und daß es im Pazifischen Becken seiner Meinung nach keine wichtigeren Stützpunkte gäbe als diese.
Haiti
FRAGE: Spielten die Vereinigten Staaten irgendeine Rolle
bei der Entscheidung von Präsident Duvalier, Haiti zu verlassen? Und beabsichtigen Sie, die Wirtschaftshilfe für die
dortige neue Regierung zu erhöhen?
ANTWORT: Ich kann Ihnen nur sagen, daß wir hoffen, diese
Interimsregierung behilflich zu sein, wenn sie sich darum bemüht, in Haiti demokratische Verhältnisse zu schaffen. Unser
Beteiligung am Abgang Duvaliers bestand nur darin, ein Flugzeug zur Verfügung zu stellen, das ihn nach Frankreich bracht
FRAGE: Sie wiesen ihn zu keiner Zeit in aller Deutlichkeit darauf hin, das Land zu verlassen?
ANTWORT:

Nein.

Er fragte auch nie um irgendwelchen Rat.

Libyen
FRAGE: Die Vereinigten Staaten sind dabei, wieder mit
Operationen ihrer Streitkräfte im Mittelmeerraum in der Nähe
Libyens zu beginnen. Dies dient unter anderem dem Zweck, unser Recht zu demonstrieren, uns ungehindert in internationale
Gewässern zu bewegen. Warum haben wir dann nicht auch die Li
nie überschritten, die Ghadafi die Todeslinie nennt?
ANTWORT: Ich weiß nichts im einzelnen über die dort
durchgeführten Operationen, denn sie finden in verschiedenen
Bereichen des Mittelmeers statt. Wir haben schon zu Beginn
meiner Administration dort Operationen durchgeführt, und dabe
informierte man mich darüber, daß er bestimmte Gewässer für
sich reklamierte - etwa so, als forderten wir den Bereich zwi
sehen der Südspitze Floridas und der Grenze Mexikos für uns.
_ 3 _

�für uns. Dabei würden zwar die Manöver beinhalten, daß einige
Flugzeuge und Schiffe diese Linie überschreiten, nicht aber in
die libyschen Gewässer selbst kommen.
Ich gab damals meine Zustimmung. Das würde wieder so
sein. Wenn es diesmal keine Überschreitung gab, so war das im
Rahmen der Manöver wohl nicht notwendig.
FRAGE: Könnten diese erneuten Operationen nicht Ghadafi
in die Hand spielen, indem dadurch genau das Bild von uns projiziert wird, das er haben möchte?
ANTWORT: Nun, dem war nicht so beim erstenmal, und es geschieht auch nicht, um irgendwelchen Eindruck auf ihn zu machen. Es geschieht nur deshalb, weil wir der Meinung sind,
daß unsere Marine diese Manöver durchführen muß, um ihre
Kampfbereitschaft aufrechtzuerhalten.
Verhältnis zur Sowjetunion
Auf die Bemerkung, einige Mitgleider seiner Administration
würden zunehmend ungeduldig in bezug auf die Festsetzung eines
diesjährigen Treffens mit der Sowjetunion, erwiderte der Präsident, daß der seitens der Sowjetunion gewünschte Termin in
den Vereinigten Staaten mit der bevorstehenden Wahl zum Kongreß kollidiere und daher einem früheren Termin der Vorzug zu
geben sei. Seitens der Sowjetunion gäbe es "keine Anzeichen
dafür, daß sie aus der Sache aussteigen wollen, aber sie haben
uns bereits eingeladen - sie haben mich zu einem Treffen 1987
eingeladen". Zu der Frage, ob Generalsekretär Gorbatschow die
Absicht haben könnte, Zugeständnisse bei der Rüstungskontrolle
gegen eine Terminübereinkunft einzutauschen, sagte Reagan:
"Das glaube ich nicht. Diese Art der Verknüpfung würde nicht
funktionieren".
Befragt, ob er in der Freilassung des sowjetischen Dissidenten Anatoli Schtscharanski eine Propagandageste oder eine
wirkliche Änderung im Verhältnis der Sowjetunion zur Frage der
Menschenrechte sehe, antwortete Präsident Reagan, ihm stünden
"keine Möglichkeiten zur Verfügung, ihre Motive herauszufinden. Ich weiß nur, daß seit dem Genfer Treffen nicht nur er
(Schtscharanski), sondern auch andere Personen freigekommen
sind, viel mehr als in vielen Jahren. Ich werde dadurch ermutigt, weil ich die Frage der Menschenrechte in meinem Gespräch mit dem Generalsekretär sehr ausführlich behandelt habe. Alles, was wir tun können, ist zu hoffen, daß dies ein
Anfang ist - ein Anzeichen dafür, was noch folgen wird".
Der Präsident
- 4 -

�Der Präsident antwortete zur Berechtigung der sowjetischen
Meinung, der Dissident Andreij Sacharow sei ein Geheimnisträger und könne aus diesem Grund nicht freigelassen werden, daß
er nicht imstande sei, den Wert dieser Behauptung einzuschätzen. Er glaube aber fest daran, daß die erfolgte Austauschaktion den Anfang weiterer Freilassungen darstelle.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
'VoN

4

6

Dokumentation
12. Februar 1986

PRÄSIDENT REAGAN LEGT HAUSHALT 1986//1987 VOR
- Haushaltskürzungen zur Förderung des Wirtschaftswachstums

WASHINGTON - (AD) - Ausgabenkürzungen und Einsparungen bei
der Verwaltung sieht der Budgetvorschlag für das Haushaltsjahr
1987 vor, um zu einer scharfen Reduzierung der Defizite zu gelangen und damit ein "schwerwiegendes Hindernis" zu beseitigen, das dem weiteren Wirtschaftswachstum in den Vereinigten
Staaten entgegensteht. Dies betonte Präsident Reagan in seiner Haushaltsbotschaft am 4. Februar 1986 vor dem Kongreß.
Das Budget des Präsidenten nennt ein Defizit von 143,6
Milliarden Dollar für das am 1. Oktober 1987 zu Ende gehende
Haushaltsjahr; diese Verringerung des Defizits gegenüber dem
Haushaltsjahr 1986 um 59,2 Milliarden Dollar kann, wie der
Präsident betonte, ohne Steuererhöhungen geschafft werden:
"Eine Beseitigung unseres Defizits ist möglich, ohne die Steuern zu erhöhen, ohne unsere Verteidigungsbereitschaft in Gefahr zu bringen, ohne die legitimen Programme der Armen und
Alten zu beschneiden. Eine Steuererhöhung würde unsere wirtschaftliche Expansion gefährden und sich im Sinn ihrer Auswirkungen auf das Defizit durchaus als kontraproduktiv herausstellen. "
Der Haushaltsvoranschlag des Präsidenten stellt sich danach folgendermaßen dar:
Der wirtschaftliche

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�De r wirtsch aftli che Aufs chwun g, de ssen wir uns derzeit erfreuen , ist eine der stärkst en de r let zten 35 Jahre. Das Familien einkommen war noch nie mals so ho ch; Produktion und Produktiv ität stei gen; die Zuna hme a n Arb eitsstellen ist außergewöhn lieh groß und die Infi ation , die bei meiner Amtsübernähme noch mit zweis telligen Rate n wüt ete, wurde dramatisch
verrin gert. Di e Ver teidigun Oi di e wäh rend der siebziger Jahre
auf ge fährliche Weis e geschw acht worde n war, wurde wieder gestärkt und stel lte d amit wie der e in an gemessenes Maß der national en Sicher heit und der Absch recku ng vor einem Krieg her.
Zudem wurde ein em un erträgli chen Ansti eg der Steuerlast und
der st aatlichen Best immungen Einh alt g eboten.
Lassen Sie mich Ihnen ein paar zentrale Punkte nennen:
- Die Arbeitsplätze nahmen in den vergangenen drei Jahren um
9,2 Millionen zu, während die Arbeitslosenrate um 3,8 Prozent fiel; während der letzten drei Jahre vor meinem Amtsantritt stieg die Zahl der Arbeitsplätze nur um 5,5 Millionen, die Arbeitslosenrate stieg um 0,8 Prozent.
- Derzeit hat der höchste Anteil an unserer Erwachsenenbevölkerung (60 Prozent) einen Arbeitsplatz, mehr Schwarze
und Angehörige anderer Minderheiten (1A Millionen) haben
einen Arbeitsplatz als je zuvor.
- Die Inflation, die in den drei Jahren vor meiner Amtsübernahme im Durchschnitt jährlich 11,6 Prozent betrug, ging
in den vergangenen drei Jahren im Durchschnitt auf nur ein
Drittel davon - auf 3,8 Prozent - zurück.
- Das reale Bruttosozialprodukt stieg in den vergangenen
drei Jahren mit einer Jahresrate von 4,5 Prozent - im Vergleich zu einer Jahresrate von nur 2,2 Prozent Jahresrate
in den letzten drei Jahren der vorangegangenen Administration.
- Die Primarate und andere entscheidenden Zinssätze sind um
die Hälfte niedriger als zu meinem Amtsantritt.
- Jede Woche werden rund 11 000 neue Firmen gegründet und
seit Anfang 1983 stiegen die Betriebsinvestitionen real um
A4 Prozent.
- In den letzten drei Jahren stieg die Industrieproduktion
um 25 Prozent.
- Im gleichen Zeitraum stiegen die Firmengewinne um 117 Prozent und die Aktien verdoppelten sich fast im Wert.
Die Steuereinnahmen
- 2 -

�Die Steuereinnahmen des Bundes stiegen wieder auf die
außergewöhnliche Höhe von fast 18,5 Prozent des Bruttosozialproduktes, obgleich die Steuersätze insgesamt beschnitten und aufgrund der Inflation indexiert wurden.
Aufgrund all dessen stieg das Realeinkommen nach Steuern
während der vergangenen drei Jahre um 10,6 Prozent - ein
durchschnittlicher Anstieg von 2500 Dollar für jeden amerikanischen Haushalt.
Diese dramatische Verbesserung unserer Wirtschaftstätigkeit war kein Zufall. Wir haben eine Politik in die Wege geleitet, die unsere Verpflichtung widerspiegelt, das Eindringen
des Staates in den Privatsektor zu beschneiden und wir haben
viele Hindernisse beseitigt, die sich dem Prozeß der Kapitalbildung und des Wachstums in den Weg stellen. Wir halten auch
weiter unerschütterlich an den vier Grundprinzipien des Wirtschaftsprogramms fest, das ich im Februar 1981 vorgelegt habe
- Verringerung des Zuwachses staatlicher Ausgaben;
- Begrenzung der Steuerlasten;
- Befreiung der Wirtschaft von übermäßiger Reglementierung;
und
- Unterstützung einer soliden und stabilen Geldpolitik.
Jetzt sind die Bedingungen einer langen Ära nationaler
Prosperität geschaffen. Doch lauert am Horizont eine große
Drohung: das Haushaltsdefizit. Wenn dieses Defizit nicht
unter Kontrolle gebracht wird, laufen wir Gefahr, alles zu
verlieren, was wir erreicht haben - und mehr als das.
Das aber dürfen wir nicht zulassen. Deshalb hat das von
mir vorgelegte Budget als Hauptziel, das Defizit auf einen Weg
in Richtung auf einen bis zum Jahr 1991 ausgeglichenen Haushalt zu bringen. Dabei erreicht, ja übertrifft mein Haushalt
die Abbauziele, wie sie in dem Gesetz über einen ausgewogenen
Haushalt und Defizitkontrolle - gemeinhin aufgrund seiner
Hauptbefürworter als Gramm-Rudman-Hollings-Gesetz bekannt festgelegt sind.

- 3 -

�HAUSHALT - ZUSAMMENFASSUNG
(in Milliarden Dollar)
1985

1986

1987

Einnahmen

734,1

777,1

850,4

Ausgaben

946,3

979,9

994,0

Plus bzw. Minus

212,3

-202,8

-143,6

-171,9

•144,0

30,9

-0,4

Gramm-RudmanHollings-Ziele
Differenz

HAUSHALT - ZUSAMMENFASSUNG
(in Milliarden Dollar)

Einnahmen
Ausgaben
Plus bzw. Minus
1.3
Gramm-RudmanHollingsDefizitziele
0.0
Differenz

1988

1989

1990

1991

933,2

996,1

1 058,1

1 124,0

1 026,8

1 063,6

1 093,8

1 122,7

-93,6

-67,5

-35,8

-108,0

-72,0

-36,0

-14,4

-4,5

-0,2

-1,3

(Hinweis: Die Gesamtsummen beinhalten die Sozialversicherung,
die nicht zum Haushalt gehört.)
Gegen Ende der letzten Sitzung des Kongresses formte sich
ein überparteilicher Konsens heraus, daß etwas mit dem Defizit
zu geschehen habe. Das Ergebnis - Gramm-Rudman-Hollings verpflichtet sowohl den Präsidenten als auch den Kongreß zu
einem festgelegten Verfahren. Mit Vorlage dieses Haushalts
- 4-

�dieses Haushalts halte ich mich an das Gesetz und stehe zu
meinem Teil dieses Handels.
Dieses Budget zeigt zudem, daß die Beseitigung des Defizits möglich ist, ohne die Steuern zu erhöhen, ohne unsere
Verteidigungsbereitschaft in Gefahr zu bringen, ohne die legitimen Programme der Armen und Alten zu beschneiden. Eine
Steuererhöhung würde unsere wirtschaftliche Expansion gefährden und sich im Sinn ihrer Auswirkungen auf das Defizit durchaus als kontraproduktiv herausstellen. Wir können auf den
Ausbau unserer Streitkräfte nicht verzichten, ohne Verwirrung
unter Freund und Feind gleichermaßen hinsichtlich unserer Entschlossenheit hervorzurufen, unsere Verpflichtungen aufrechtzuerhalten und ohne unsere Aussichten auf sinnvolle Rüstungskontrollgespräche zu gefährden. Und ganz offen: Wir dürfen
das Vertrauen jener Armen und Alten nicht mißbrauchen, deren
Sicherheit von staatlichen Programmen abhängt.
Defizit und Wirtschaftswachstum
Bis zum Zweiten Weltkrieg war ein Gleichgewicht bzw. ein
Überschuß des Bundeshaushaltes in Friedenszeiten eigentlich
eine Selbstverständlichkeit. Doch in den frühen sechziger
Jahren begann diese Tradition staatlicher Disziplin und politischer Korrektheit zusammenzubrechen. In 24 der letzten 25
Jahre hatten wir Defizite. In den letzten zehn Jahren beliefen sie sich auf durchschnittlich 2,5 Prozent des Bruttosozialprodukts. Im vergangenen Jahr lag das Defizit jedoch
bei über 5 Prozent des BSP. Dieser Trend geht eindeutig in
die falsche Richtung und muß umgekehrt werden.
Das Defizit des vergangenen Jahres belief sich auf fast
1000 Dollar für jeden Mann, für jede Frau und für jedes Kind
in den Vereinigten Staaten. Um das Defizit einzig durch
Steuererhöhungen zu beseitigen, müßte man jedem amerikanischen
Haushalbt eine Steuerlast von weiteren 2400 Dollar aufbürden.
Aber die Steuern sind schon im Verhältnis zum BSP höher als
sie während der sechziger und der frühen siebziger Jahre waren
- bevor die Inflation sie auf ein Niveau hinauftrieb, das sich
als unerträglich erwies. Das amerikanische Volk hat gezeigt,
daß es eine höhere Steuerlast nicht ertragen wird. Die Ausgaben sind das Problem - nicht die Steuern -, und die Ausgaben
müssen beschnitten werden.
Das Programm der Ausgabenkürzungen und anderer, in meinem
Budget enthaltenen Reformen wird innerhalb von fünf Jahren zu
einem ausgeglichenen Haushalt führen und damit ein ernsthaftes
Hindernis aus der Welt schaffen, das einer anhaltenden wirtschaftlichen Expansion entgegensteht. Wie dieser Haushalts- 5 -

�dieser Haushaltsvoranschlag zeigt, können derlei Reformen in
geordneter Weise durchgeführt werden, ohne zu Verzweiflungstaten Zuflucht zu suchen.
Unangemessene und veraltete Programme sowie Aktivitäten,
die keine Kosteneffizienz ermöglichen, müssen eingestellt werden. Dienste, die wichtig sind, die aber nicht unbedingt vom
Staat geleistet werden müssen, können dem Privatsektor übertragen werden; sind sie ihrer Natur nach staatlich, können sie
auf bundesstaatliche oder lokale Ebene umgeschichtet werden.
Wie in dem heute von mir gleichfalls vorgelegten Managementbericht erklärt wird, kann Effizienz durch verbesserte Managementtechniken, durch erhöhte Produktivität und durch Programmkonsolidierung herbeigeführt werden.
Die Notwendigkeit der Vermeidung unnötiger staatlicher
Ausgaben und der verbesserten Behandlung notwendiger Programme
muß zu einem zwingenden Leitfaden unserer Politik werden. Ergebnis wird eine prägnantere, besser integrierte, reibungslosere Regierung sein - befreit von ihren marginalen, unwesentlichen und unangemessenen Funktionen und Aktivitäten, eine Regierung, die ihre Energien und Ressourcen gänzlich auf ihre
eigentlichen Aufgaben und verfassungsmäßigen Verantwortlichkeiten konzentriert. Damit werden die Mittel wirksamer eingesetzt - das, was der Staat am besten kann, wird der Staat tun;
das, was der Privatsektor besser kann, wird durch den Markt
erledigt werden.
Das Gesetz über einen ausgewogenen Haushalt und Defizitkontrolle (Gramm-Rudman-Hollings) erfordert, die Ausgaben im
Einklang mit einer vorgeschriebenen Formel zu verringern, wenn
die projektierten Defizite die Zielvorgaben übersteigen.
Dieser Mechanismus wird auf begrenzte Weise schon im laufenden
Haushaltsjahr funktionieren. Doch sollten wir in Zukunft
solche generellen Kürzungen vermeiden - und sie werden auch
nicht notwendig sein, wenn der Kongreß diesen Haushaltsvorschlag annimmt. Einsparungen werden besser dadurch erzielt,
daß man die relativen Prioritäten zwischen den Programmen in
Rechnung stellt, als daß man zu einer willkürlichen Formel
greift. Letzteres könnte auf gefährliche Weise vitale Programme schwächen - einschließlich der nationalen Sicherheit
oder der öffentlichen Gesundheit und Sicherheit, während
weniger wichtige Programme im Wesentlichen unangetastet
bleiben.
Wenn die Ausgabenkürzungen und anderen Reformen, wie sie
in diesem Haushalt vorgeschlagen sind, genehmigt werden, wird
das Bundesdefizit im Lauf der nächsten drei Jahre um 166
Milliarden Dollar verringert werden. Dies sind etwa 700
Dollar für jeden amerikanischen Bürger und etwa 1900 Dollar
- 6 -

�1900 Dollar für jeden Haushalt. Ich bin davon überzeugt, daß
dies der richtige Weg ist, um mit dem Defizit fertigzuwerden:
Beschneidung der exzessiven staatlichen Ausgaben - und nicht
Angriff auf das Familienbudget durch Steuererhöhungen, Gefahr
der geschwächten nationalen Sicherheit oder Mißbrauch des Vertrauens der abhängigen Armen und Alten.
Bundesregierung:
stammten Rolle

Umstrukturierung und Rückkehr zur ange-

Die Aufgabe der Verminderung des Defizits muß mit einem
Seitenblick auf die Begrenzung des gegenwärtig weitgesteckten
Rahmens der Regierungsaktivitäten weiterverfolgt werden, und
unter Beteiligung aller Steuerzahler muß die Bereitstellung
sowie der reibungslose Ablauf notwendiger und grundlegender
Dienstleistungen, und nur solcher, gewährleistet werden. Dies
ist die der Konzeption des diesjährigen Haushalts zugrundeliegende Philosophie. Lassen Sie es mich Ihnen verdeutlichen:
Prog ramme, denen eine hohe Priorität zukommt, sollten angernessen finanziert werden. Trotz der sehr angespannten Finanz läge steilt dieser Haushalt Mittel zur Aufrechterhaltung,
und in m anchen Fällen zur Weiterführung, von Programmen mit
hohe r Pr iorität zur Verfügung, die in entscheidenden Bereichen
des nati onalen Interesses liegen. Notwendige Leistungen und
Zusc hüss e zum Einkommen armer und älterer Menschen werden in
dies em B udget finanziell berücksichtigt. Das gleiche gilt
auch für andere Programme von nationalem Interesse, zu denen
die Drog enbekämpfung, die AIDS-Forschung, das Raumfahrtprogram m, n ichtmilitärische Forschung und nationale Sicherheit
gehö ren.
Währe nd P rogram me zu r nationalen S iche rhei t weite rhin eine
meiner hö chst en Pri oritä ten dars teilen , bliebe n sie n icht von
den allge mein en Spa rmaßm ahmen im Haush alt vers chont. Im 1 etzten Somme r st immte ich d em Kongr eß zog ernd zu, das ge plan te
Wachstum der Hausha ltsmi ttel für Verte idig ung 1986 zu ein em
bei Null lieg enden Realw achstum zurück zusc hrau ben und dan ach
jährlich auf ein Re alwac hstum vo n 3 Pr ozen t zu begren zen. Die
Beschlüss e de s Kong resse s zu den Mitte In f ür 1 986 und die darauffolge nden Zwang smaßn ahmen du rch Gr amm- Rudm an-Holl ings für
1986 habe n de n Vert eidig ungshaus halt u nter das Vorjah resn iveau
absinken lass en. D er vo n mir un terbre itet e Ha ushalt würd e die
Finanzier ung der Ve rteid igung in ein a nhal tend es, gut ver waltetes Wac hstu msgefü ge zu rückführ en, da s mi t den Progr ammp unkten, dene n be i der Verab schiedun g des Haus halt s im letzte n
Jahr zuge stim mt wur de, v ereinbar ist u nd a uch vereinb ar m it
den Bedür fnis sen un seres Landes in bez ug a uf u nsere n atio nale
Sicherhei t.
In den letzten

�In den letzten fünf Jahren haben wir den Rückgang der Ver^
teidigungsausgaben umgekehrt und entscheidende Fortschritte
bei der Wiederherstellung unserer militärischen Fähigkeiten
erzielt. Die jetzt geforderten mäßigen Anhebungen sind notwendig, um diesen Fortschritt aufrechtzuerhalten und uns in
die Lage zu versetzen, weiterhin sinnvolle Abrüstungsverhandlungen mit der Sowjetunion zu führen.
Unnötige Programme können wir uns nicht länger leisten.
Einige Regierungsprogramme sind jetzt überholt, haben ihren
ursprünglichen Zweck erfüllt, stellen ein ungeeignetes Feld
für Einmischung seitens der Bundesregierung dar oder sind bei
der momentan angespannten Haushaltslage zu unwesentlich. Es
wäre weder für den Privatsektor noch für die Regierung des
Bundes oder der Einzelstaaten angebracht oder durchführbar,
solche Aufgaben zu übernehmen: Dieser Haushalt schlägt vor,
daß Programme dieser Art sofort abgesetzt werden, planmäßig
auslaufen oder bei Ablauf ihrer gesetzlichen Bewilligung abgeschlossen werden. Beispiele hierfür sind Existenzgründungsprogramme, Zuschüsse zur Eisenbahngesellschaft Amtrak, Stadtentwicklungsdarlehen, die Kommission für die AppalachenRegion, die Wirtschaftsentwicklungsbehörde, das Bundesamt für
den Binnenverkehr, Garantien für Darlehen an die Marineverwaltung, Fortbildungszuschüsse für Angestellte im Gesundheitswesen, das Programm für ein leistungsabhängiges Lohnsystem, Zuschüsse für Flugzeugträger.
Viele andere Programme sollten auf ein angemesseneres Niveau zurückgeführt werden. Einige Bundesprogramme sind zu
sehr ausgeweitet oder mangelhaft durchgeführt worden oder sie
arbeiten angesichts der angespannten Haushaltslage auf einer
zu breit angelegten Basis. Dieser Haushalt schlägt Reformen
vor zur Kostendämpfung und zur künftigen Wachstumsbeschränkung
für Medicare und Medicaid, Wohngeld, Beamtenpensionen und
Krankenkassenleistungen, für Zuschüsse im Fernmeldewesen, für
Bundesautobahnen, das Forstwesen und viele andere Programme.
Die Regierung sollte nicht mit dem Privatsektor in den
Wettbewerb treten. Traditionell stellen Regierungen die Art
von benötigten Dienstleistungen zur Verfügung, die der freie
Markt nicht liefern kann. Mit den Jahren hat die Bundesregierung sich jedoch in stärkerem Maße kommerziellen Aktivitäten gewidmet. In den meisten Fällen wäre es für die Regierung
besser, aus dem Geschäft auszusteigen und den Wettbewerb mit
dem Privatsektor zu beenden. Ich schlage vor, daß wir den
Prozeß mit diesem Haushalt beginnen. Beispiele dieser Initiativen zur "Privatisierung" im Haushalt schließen den Verkauf
der Energie-Marketing-Behörde und der Treibstoffreserve für
die Schiffahrt ein sowie die Durchführung von Programmen für
Wohn- und Ausbildungsdarlehen. Ich schlage weiterhin den Ver- 8 -

�Ich schlage weiterhin den Verkauf nicht benötigter Vermögenswerte vor, wie zum Beispiel der Kreditplafonds und überschüssiger Immobilien, sowie Vergabe von Verträgen an Privatfirmen
zur Ausführung von geeigneten Dienstleistungen des Bundes.
Manche Dienstleistungen können besser von den Regierungen
der Bundesstaaten oder Gemeindeverwaltungen zur Verfügung gestellt werden. Mit den Jahren hat die Bundesregierung viele
Aufgaben übernommen, die normalerweise auf der Ebene der Einzelstaaten oder Gemeinden erledigt werden sollten. Dieser
Haushalt sieht ein Ende der ungerechtfertigten Einmischung der
Bundesregierung in Angelegenheiten der Einzelstaaten oder Gemeinden vor und die Wiederherstellung eines ausgewogeneren und
der Verfassung angemessenen Föderalismus mit klarer vorgezeichneten Rollen für die einzelnen Regierungsebenen. Die
Beispiele schließen die Verschmelzung vergleichsweise kleiner
Zuschussprogramme zu einem Zuschuss-Paket für das Verkehrwesen
und den Umweltschutz ein, zu gedrosselten Bundeskosten. Die
weitere Finanzierung der bereits bestehende Zuschusspakete für
soziale Dienste, das Gesundheitswesen, die Aus- und Fortbildung sowie die Entwicklung der Gemeinden wird aufrechterhalten.
Die Verwaltung der Beratungsdienste für landwirtschaftliche Betriebe sollte den Regierungen der Einzelstaaten und
Gemeinden überantwortet werden. Die Bundesregierung sollte
ferner davon Abstand nehmen, für Abwasser-Aufbereitungsanlagen
der Gemeinden, lokale Flughäfen, lokale Verbrechensbekämpfung,
Unterstützung der Seefahrtschulen in den Bundesstaaten und die
örtliche Küstenverwaltung zu bezahlen.
Die verbleibenden Aufgabenbereiche der Bundesregierung
sollten besser gelenkt werden. Mit dem fortschreitenden Abbau
des Defizits in den nächsten paar Jahren ist es wichtig, daß
alle verbleibenden Aktivitäten des Bundes gut geleitet und koordiniert werden, um doppelte Ausgaben zu vermeiden, Kosten zu
dämpfen und die dem Privatsektor auferlegte Vorschriftenlast
auf ein Minimum zu beschränken. Die Effizienz des Managements
muß den Prozeß der Entwicklung einer enger gefaßten, fester
umrissenen Rolle der Bundesregierung begleiten. Wir können
uns nicht länger einen unnötigen Kostenapparat und Leistungsunfähigkeit leisten, wenn wir die Rolle und die Kosten der
Bundesregierung zurückschrauben wollen.
Mit der Verfügung des Gesetzes zur Defizitverringerung von
1984 wurden erhebliche Einsparungen im Kostenapparat erreicht.
Wie in meinem Management-Bericht erwähnt, sind weitere Einsparungen möglich und die entsprechenden Punkte in diesen Haushalt eingearbeitet. Überholte und wenig leistungsfähige Systeme von Betriebskosten und Kreditwirtschaft der Behörden
werden ausgewechselt; Grundsätze und Verfahrensweisen der Ver- 9 -

�Verfahrensweisen der Verwaltung, deren Umgang mit automatischer Datenverarbeitung und die Struktur ihrer Arbeitsbereiche werden rationalisiert und verbessert; Verschwendung,
Betrug und Mißbrauch hingegen werden weiter eingeschränkt.
All diese Initiativen, die bereits einen Teil unserer Reformpläne für 1988 ausmachen, werden sich Grundsätze modernen Managements, verbesserte Kommunikationstechnik und neue Informationstechnologie zunutze machen. Wir werden die Bundesregierung wie einen Gewerbebetrieb führen, die Ausführung von
Dienstleistungen verbessern und die Last der Steuerzahler abbauen.
Die Verwaltung der Bundesbehörden soll durch die Anwendung
von strafferer Personalpolitik, Automatisierung von manueller
Arbeit, Zusammenlegung einander ähnlicher Prozesse und die Reduzierung der allgemeinen Verwaltungskosten leistungsfähiger
gestaltet werden. Zur Zeit läuft gerade ein Programm, daß für
das Jahr 1992 eine 20 prozentige Produktivitätssteigerung bei
den entsprechenden Regierungsstellen zum Ziel hat. Es wird
eine der Hauptanstrengungen sein, unserer altmodisches Management im Hinblick auf einen Kreditrahmen des Bundes von 250
Milliarden Dollar aufzupolieren. Diese Bemühungen werden die
Einrichtung von Vorauswahlverfahren, den Gebühreneinzug, Verwaltungs- und Strafgebühren, den Gebrauch von Einzugsbehörden,
die Belegung mit entsprechenden Zinssätzen und den Verkauf von
Anleihen einschließen.
Unser Programm zur Verbesserung des Managements wird eine
kompaktere und leistungsfähigere Struktur des Bundes zum Ziel
haben und es wird in meinem, gesondert vorzulegenden Management Bericht genauer beschrieben. Der Verbesserung des Managements der Bundesregierung muß eine entscheidende Rolle beigemessen werden und sie muß den Vorrang genießen, den sie verdient.
Wir müssen ferner unnötige Kosten und Lasten des nicht dem
Bund unterstehenden Sektors einschränken, und wir haben bereits entscheidende Fortschritte dabei erzielt, die den Betrieben, Einzelstaaten und Gemeinden auferlegten Kosten durch
Beschlüsse der Bundesregierung zu senken. Diese Einsparungen
werden über einen Zehnjahres-Zeitraum hinweg auf einen Gesamtbetrag von 150 Milliarden Dollar geschätzt. Wir haben die Anzahl neuer Vorschriften mit jedem Jahr, das ich im Amt bin,
verringert, und wir haben die Erfordernisse zum Ausfüllen von
Formularen um 500 Millionen Stunden gekürzt. Darüber hinaus
werden Vorschriften nun dahingehend entwickelt, daß sie der
Öffentlichkeit den größtmöglichen Schutz zu den niedrigsten
Kosten bieten und, wo immer es möglich ist, Marktstrategien
anwenden anstatt gegen sie zu arbeiten.
Schließlich sollten
- 10 -

�Schließlich sollten die Nutznießer von Dienstleistungen
für diese, wenn möglich, Gebühren entrichten. Diejenigen, die
von der Bundesregierung besondere Zuschüsse und Dienstleistungen erhalten, sollten sie auch bezahlen und nicht der
Steuerzahler schlechthin. Gemäß diesem Vorschlag setzt dieser
Haushalt Gebühren und Prämien für die von der Bundesregierung
übernommenen Garantien für Anleihen fest und erhebt zur Gesundung der Bundesregierung Gebühren für die Fleisch- und Geflügelbeschau, forstwirtschaftliche Einrichtungen und Nationalparks, die Benutzung von Häfen und Binnengewässern, Küstenwache und Zollabfertigung sowie für viele andere Dienstleistungen .
Reform der Durchführung des Haushalts
Mit den Jahren sind die einzelnen Ausgabenbestandteile des
Bundeshaushalts immer vordringlicher geworden. Teilweise wegen ihrer starken Befürwortung war der Kongreß immer weniger
in der Lage, seinen Haushaltsverpflichtungen nachzukommen.
Die Behandlung des Haushalts im Kongreß ist in Gefahr, fehlzuschlagen; im letzten Jahr ist sie wiederholt gescheitert.
Die Verabschiedung des Haushalts und entsprechender Gesetzesvorlagen kam Monate zu spät und somit wurden wenige echte Reduzierungen des Defizits erreicht.
Gramm-Rudman-Hollings bietet bedeutende Möglichkeiten,
diese Probleme in Zukunft zu vermeiden. Dieses Gesetz legt
nicht nur Defizitziele zur Erreichung eines ausgewogenen Haushalt im Jahr 1991 fest, sondern es hält auch einen Mechanismus
für automatische Ausgabenkürzungen bereit und beinhaltet bestimmte Reformen bereits in der Phase der Behandlung des Haushalts. Aber in diesem Punkt geht Gramm-Rudman-Hollings nicht
weit genug. Um der klaren Anforderung einer größtenteils gestärkten Behandlung des Haushalts entgegenzutreten, schlage
ich eine Reihe von zusätzlichen Reformmaßnahmen vor.
Wie schon einmal, so bitte ich jetzt den Kongress, der
Verfassung einen Zusatz für einen ausgewogenen Haushalt hinzuzufügen. Darüber hinaus fordere ich auch weiterhin die Verabschiedung eines selektiven Vetos, eine Vollmacht, die bereits
A3 Gouverneure unserer Nation besitzen. Ich dränge ferner
darauf, für 1988 und darüber hinaus, den Beschluß des Haushalts in einen gemeinsamen Beschluß zu ändern, der der Unterschrift des Präsidenten und der Aufstellung verbindlicher Ausgabenkategorien bei der Verabschiedung der Gesamtsumme des
Haushalts bedarf. Ich dränge darauf, daß Vorschläge für mehrjährige Maßnahmen und die Entwicklung eines positiven Haushalts Gegenstand ernsthafter Untersuchungen werden. Wie ich
bereits wiederholt betont habe, gibt es keinen Staat in unse- 11 -

�in unserem Bund, der nicht eine bessere Art der Durchführung
des Haushalts hätte als die Bundesregierung. Wir können - und
müssen - es besser machen.
Zusammenfassung
Wie ich gestern in meiner Ansprache an den Kongress gesagt
habe, ist die Lage der Nation gut und wird immer besser. Wir
hatten eine Reihe von außergewöhnlich guten Jahren und unserer
Wirtschaft geht es gut, während die Inflation kontrollierbar
wird. Wirtschaftswachstum und Investitionen steigen, während
Zinssätze, Steuern und Arbeitslosigkeit beträchtlich gesunken
sind. Unsere nationale Sicherheit wird wiederhergestellt.
Der Anwendung unnötiger und lästiger Bundesvorschriften wurde
Einhalt geboten. Es wurde ein bedeutsamer Anfang gemacht, um
das ausufernde und nicht aufrechtzuerhaltende Wachstum der Inlandsausgaben einzuschränken. Die Verbesserung der Regierungsverwaltung genießt hohen Vorrang und zeigt erste Ergebnisse. Ich denke, daß die meisten Amerikaner zustimmen würden, wenn ich sage, daß Amerika wirklich dabei ist, in Bewegung zu geraten.
Das große und hartnäckig anhaltende Haushaltsdefizit steht
wie eine dunkle, bedrohliche Wolke am Horizont. Sie bedroht
unseren Fortschritt und unsere Hoffnungen auf ein anhaltend
gesundes Wirtschaftswachstum.
Der Kongreß hat diese Bedrohung erkannt. Er hat für die
nächsten fünf Jahre eine schrittweise, geordnete Bewegung hin
zu einem ausgewogenen Haushalt angeordnet. Die Vorschläge in
diesem Haushalt stellen einen Entwurf zur Erreichung dieses
Ziels dar, während die berechtigten Programme für die Alteren
und Bedürftigen erhalten werden, für unsere nationale Sicherheit gesorgt wird, und all das, ohne unsere Steuern anzuheben.
Ich bin mir der Tatsache bewußt, daß es für gewählte Regierungsvertreter schwierig sein wird, die in diesem Haushalt
vorgesehene schwere Wahl zu treffen. Aber wir müssen den politischen Willen entwickeln, unseren Verantwortlichkeiten
nachzukommen und uns den Bitten von einzelnen Interessen widersetzen, deren "Zeitalter der Macht" in Washington ein Ende
haben muß: es kann nicht länger von den Steuerzahlern erwartet
werden, deren Lasten mitzutragen. All dies fordert hohe Führungsqualitäten. Wir müssen uns alle der Tatsache bewußt
sein, daß das Problem des Defizits auch eine Chance darstellt
- die Chance, eine neue, kompaktere, besser ausgerichtete und
gelenkte Struktur des Bundes zu erreichen. Packen wirs an.
Ich freue mich
- 12 -

�Ich freue mich darauf, mit dem Kongreß zusammenzuarbeiten
und diesen großartigen Herausforderungen zu begegnen. Darin
besteht unsere Arbeit. Lassen sie sie uns gemeinsam fortführen.

- 13 -

�AMERIKA DIENST
'^QN

Dokumentation

*

12. Februar 1986

DEMOKRATIE UND KULTUR
- Von Richard R. Burt, Botschafter der Vereinigten Staaten
von Amerika
in der Bundesrepublik Deutschland -

BONN - (AD) - In einer Rede anläßlich einer Feier zum
Jacob-Gould-Schurman-Tag und zum 600. Jahrestag der Gründung
der Ruprecht-Karl-Universität in Heidelberg sprach der amerikanische Botschafter Richard R. Burt am 8. Februar 1986 über
die engen kulturellen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik
Deutschland und den Vereinigten Staaten. Dabei betonte er,
daß die engen Bindungen zwischen beiden Ländern sich nicht nur
auf Sicherheitsinteressen, sondern auch auf gemeinsame kulturelle Werte und demokratische Überzeugungen gründen. Außerdem
verwies er auf die besondere Bedeutung der Universität Heidelberg für die Amerikaner.
Die Rede hat folgenden Wortlaut:
Es ist mir eine Ehre, heute im 600. Gründungsjähr dieser
Universität bei dieser Feier zu Ihnen zu sprechen und dabei
der Rolle zu gedenken, die Jacob Gould Schurman in der neueren
Geschichte der ältesten deutschen Universität spielte.
Ich freue mich

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Ich freue mich darüber, mit den Leitern drei der größten
amerikanischen Universitäten diesen Gedenktag gemeinsam zu begehen: Präsident Rhodes von der Cornell Universität, deren
langjähriger Präsident Botschafter Schurman war und an der ich
selbst mein Examen abgelegt habe, Präsident Silber von der
Universität Boston und Kanzler Massey von der Universität
Maryland.
Wir fühlen uns heute alle geehrt durch die Anwesenheit des
Außenministers der Bundesrepublik Deutschland, Hans-Dietrich
Genscher. Er leistete im vergangenen Jahrzehnt einen unvergleichlichen Beitrag zur Stärkung der Beziehungen zwischen den
Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland.
Gleichzeitig arbeitete er an der Errichtung eines stärkeren,
vereinteren und zuversichtlicheren Europas. Als Ergebnis davon ist heute die transatlantische Partnerschaft gesünder,
kräftiger und reifer als jemals in ihrer bisherigen Geschichte,
Die Universität Heidelberg
Diese Universität hat für Amerikaner eine besondere Bedeutung. Zu ihren Lehrern gehörten so bedeutende Humanisten wie
Weber und Troeltsch und so berühmte Naturwissenschaftler wie
Kirchhoff und Helmholtz. Vor und nach dem Zweiten Weltkrieg
schätzte sie sich glücklich, auch die beiden großen Philosophen Jaspers und Gadamer zu ihren Lehrern zu zählen.
Heidelberg ist schon seit langem einer der intellektuellen
Mittelpunkte Deutschlands und der Welt.
Viele dieser Geistesgrößen - besonders Max Weber, der seine größten intellektuellen Leistungen zu der Zeit erbrachte,
als er dem Heidelberger Lehrkörper angehörte - übten in unseren beiden Ländern einen großen Einfluß aus. Wir verstehen
heute Geschichte, politische Wissenschaften oder Soziologie
nur dann richtig, wenn wir uns Max Webers großer Errungenschaften in all diesen Disziplinen bedwußt sind.
Heidelberg war auch die erste deutsche Universität, die
nach dem Zweiten Weltkrieg wieder geöffnet wurde, und wir Amerikaner können stolz darauf sein, die entsprechenden Bemühungen unterstützt zu haben.
Lassen Sie mich noch ganz herzlich Dank sagen. Diese Universität und diese Stadt hießen Generationen amerikanischer
Besucher willkommen, darunter einige unserer berühmtesten Bürger. Der durchreisende Thomas Jefferson bewunderte das Heidelberger Schloß; Henry Wadsworth Longfellow verbrachte hier einige Zeit und wurde durch diesen Aufenthalt erheblich beeinflußt; Mark Twain kämpfte hier mit der deutschen Sprache. Ich
- 2 -

k

�Sprache. Ich verstehe jetzt, was er durchgemacht haben muß.
Carl Friedrich wurde nach seinem Studium in Harvard ein berühmter Professor für Verfassungsrecht und spielte beim Entwurf des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland eine entscheidende Rolle. Danach lehrte er sowohl hier als auch in
Harvard - ein bemerkenswertes Beispiel des deutsch-amerikanischen Kulturaustausches. Tausende amerikanischer Studenten
wurden bereits in diesen Räumen willkommen geheißen und haben
hier ihre Studienjahre genossen, viele andere amerikanische
Besucher sind bereits dem Charme dieser Stadt verfallen und es
kommen jedes Jahr mehr dazu.
General Otis und ich danken ganz besonders Herrn Oberbürgermeister Zundel und auch Ihnen für Ihre Gastfreundschaft gegenüber den etwa 30 000 amerikanischen Militärangehörigen in
Heidelberg. Ich möchte, daß Sie wissen, wie sehr wir Ihre
Hilfe schätzen.
Schließlich bin ich Ihrer Universität und Ihrer Stadt auch
sehr dankbar für die großzügige Unterstützung durch die Schurman-Gesellschaft und für die gemeinsame Unterstützung des
Deutsch-Amerikanischen Instituts in Heidelberg, das inzwischen
einen wesentlichen Bestandteil des kulturellen Lebens dieser
Universität und der Stadt Heidelberg ausmacht.
Jacob Gould Schurman
Über Jacob Gould Schurman ist hier und heute viel gesprochen worden. Einige Abschnitte seiner Laufbahn scheinen mir
jedoch für uns besonders relevant zu sein. Schurman war ein
Produkt unserer gemeinsamen westlichen Kultur. Er verbrachte
sein Leben in Kanada, den Vereinigten Staaten, Schottland,
England und Deutschland und leistete zu jedem dieser Länder
einen Beitrag. Zweitens war er ein Selfmademan und glaubte
fest an Individualismus, Eigeninitiative und Arbeitsmoral.
Drittens war Schurman ein Philosoph: er war der Gründer einer
philosophischen Schule in Cornell, danach für 28 Jahre deren
Präsident, und erst danach war er Diplomat und Staatsmann. Er
war sowohl ein Mann des Geistes als auch ein Mann der Tat.
Als der große Politiker und Philosoph Thomas Jefferson daran
ging, seine eigene Grabinschrift zu schreiben, wollte er nicht
sein Andenken als Gouverneur von Virginia und Präsident seines
Landes gewahrt wissen, sondern als "Verfasser der Unabhängigkeitserklärung, der Statuten Virginias für Religionsfreiheit
und Gründungsvater der Universität Virginia". Ich nehme an,
daß Schurman vielleicht ähnlich über den Wert seiner eigenen
Leistung gedacht hat.
Viertens bekundete
- 3 -

�Viertens bekundete Schurman seine Loyalität als ehemaliger
Student der Universität gegenüber, indem er eine halbe Million
Dollar von privaten amerikanischen Spendern für ein neues Universitätsgebäude sammelte. Er zeigte damit, wieviel ein einziger tatkräftiger Ehemaliger für die Ankurbelung einer Spendenaktion für seine Universität tun kann. Schurman blieb nur
ein Studienjahr lang an dieser Universität, aber wir gedenken
heute der großen Taten, die er für seine Alma Mater vollbracht
hat.
Und schließlich erkannte Schurman, wie auch die meisten
Amerikaner, bei zwei Gelegenheiten - einmal nach seinem starken Widerstand gegen die deutsche Regierung während des Ersten
Weltkriegs, und danach gegen Hitler und all dessen Untaten -,
daß es nach einer Zeit der Zwietracht auch wieder eine Zeit
der Versöhnung geben würde. Er war ein großer Amerikaner, ein
guter Botschafter in Deutschland, ein großer Sohn der Heidelberger und der Cornell-Universität.
Ich danke dieser Univers ität un d besonder s auch Pro fessor
Junke r, der he ute mor gen zu Ihnen ü ber B otsch after Schu rmans
Laufb ahn gespr ochen h at, für die Be mühun gen, Heidel berg zu einem Z entrum de s Studiums ame rikanis eher Gesch ichte und Kultur
zu ma chen. Ic h begrü ße beso nders d ie Er rieht ung de r Schurman
Bibli othek zur amerik anische n Gesch ichte und ihre B emüh ungen,
in un seren bei den Län d e m di e Geldm ittel zu i hrem erfo igreich en Betrie b aufzu bringen . Ich bin, siehe r mit Ihne n zusamme n, Herrn Bundesk anzler Dr. Hei mut K ohl, selbst ehe maliger
Stude nt dieser Univer sität, dankbar , daß er d en Ehr envo rsitz
des K omitees z ur Besc haffung finanz ielle r Mit tel fü r die Biblioth ek überno mmen ha t. Ich selbst bin glück lieh d arüb er, Ihnen h eute mitt eilen z u könne n, daß wir m it ei nem fi nanz iellen
Beitr ag und ei nem grö ßeren B ücherge sehen k zum Ausba u de r histori sehen Bes tände d ieser B ücherei beit ragen . Wir möc nten in
Zukun ft noch m ehr Hil fe leis ten.
Kulturprobleme der Gegenwart
Der Kult urausta usch zwisc hen un seren beiden L ändern hat
viel da zu be igetrag en, unsere gemei nsamen Uberzeu gungen zu
stärken . Wir alle kenn en die beruh mten D eutschen , deren Beiträge d en Am erikane rn h alfen, ihre Vorher rschaft auf den Gebieten der W issensc haft , der Bildun g und der Geis teswissenschafte n zu erlange n - Albert Einst ein, d ie Philo sophin Hannah
Arendt, der Dirigen t Br uno Wa lter, die Ba uhaus-Ar chitekten
Walter Gropi us und Mies van d er Roh e. Un d wir so U t e n nicht
John Pe ter Z enger v erge ssen, den Dr ucker und Verl eger, der vor
200 Jah ren d en Aufb au u nserer ameri kanisc he Tradi tion der
Pressef reihe it mitg esta ltete, ohne die es für ech te Kultur
keine A usdru cksmögl ichk eit ge ben ka nn.
Auf der anderen
- 4 -

�Auf der anderen Seite zeigt sich in vielen Fällen die Rolle Deutschlands bei der Bereitung des Nährbodens für herausragende kulturelle Leistungen in Amerika - Namen wie George
Bancroft, Lionel Feininger und W.E.B. du Bois drängen sich uns
auf. Heute leisten viele Amerikaner als Schauspieler und
Künstler, als Studenten und sogar als Manager in der Kunstszene ihren Beitrag - es gibt zum Beispiel bekannte Amerikaner,
die in Städten wie Frankfurt, Hamburg und Stuttgart Orchester
dirigieren sowie Opern und Ballettaufführungen inszenieren.
Nicht zuletzt auch bereisen jedes Jahr Hunderte unserer Studenten, Gelehrten und Künstler unsere beiden Länder und vermitteln und empfangen dabei ein sehr persönliches Verständnis
des Universalismus unserer gemeinsamen Kultur.
Die Bindungen zwischen dieser Universität und meinem Land,
wie auch die Karriere von Jacob Gould Schurman, demonstrieren
die große Offenheit unserer beiden Gesellschaften, die die
Quelle unserer fortdauernden Lebenskraft ist. Der Begriff
Universität selbst weist auf die Universalität des geistigen
Horizontes hin, den ständig zu erweitern Sinn und Zweck von
Institutionen wie der Ihrigen ist. "Ich bin ein Mensch",
schrieb der römische Dichter Terenz, "und nichts Menschliches
ist mir fremd." Und doch ist dieses Prinzip der Universalität
oft in Frage gestellt worden, wurde der Rahmen äußeren Einflusses manchmal beschnitten und hat sich bisweilen eine enger
definierte kulturelle Sicht durchgesetzt.
Der Wettstreit zwischen Weitläufigkeit und Engstirnigkeit,
zwischen internationaler und nationaler Kultur, existiert in
der einen oder anderen Form mindestens seit dem Zusammenbruch
des Römischen Reiches.
Meine eigenen Landsleute, die lange auf die amerikanische
Tradition des "Schmelztiegels" - und dessen Fähigkeit zur Absorption von Angehörigen verschiedener Völker und Kulturen stolz waren, betonen in letzter Zeit erneut die Notwendigkeit,
auch das Erbe der einzelnen Völkergruppen - der Spanier, der
Asiaten, der Schwarzen, der amerikanischen Urbevölkerung wie
auch der Europäer - zu bewahren, die in ihrer Gesamtheit die
Struktur unserer Nation ausmachen. Umgekehrt war Deutschland
lange Zeit ein Land, wo das Konzept von Kultur und Nation oft
synonym schien. Und doch ist die Bundesrepublik Deutschland
heute zu einem Land geworden, dessen Gesellschaft eine der offensten dieser Welt ist.
In unseren beiden Ländern dauert die Debatte zwischen jenen, die das außergewöhnliche Element einer nationalen Kultur
bewahren möchten, und denjenigen an, die neue Elemente aus anderen Quellen miteinbeziehen wollen. Letztlich gibt es jedoch
kein vollkommenes Gleichgewicht zwischen Bewahren und Erneu- 5 -

�und Erneuern, zwischen Stolz auf das eigene Erbe und Offenheit
gegenüber den Ideen anderer. Aus meiner Sicht heraus ist jedoch eine offene Gesellschaft fast immer auch eine optimistische Gesellschaft, eine pluralistische und demokratische Gesellschaft, eine rationale Gesellschaft - und eine Gesellschaft, in der das kulturelle Wachstum fest verwurzelt ist.
Gesellschaften jedoch, die es aus übertriebenem Stolz auf
ihre vermeintliche Einzigartigkeit vorziehen, sich Einflüssen
von außen zu widersetzen, neigen zu Pessimismus, zu autoritären Strukturen und zu Irrationalismus, wobei die bestehende
Fähigkeit zur kulturellen Erneuerung oft nur eine schmale
Grundlage hat und nur begrenzte Wirkung erzielt.
Unter Offenheit verstehe ich eine Bereitschaft, das Beste
anderer Kulturen zu akzeptieren - das heißt, die Anerkennung
der Tatsache, daß die Kultur bei all ihren nationalen Wurzeln
auch das Beste von dem mit einbeziehen sollte, was andere Nationen oder Gesellschaften anzubieten haben.
0 ffenhe it ge genu ber äu ßerem Einflu ß bed eutet nicht , alle
Wertu rteile aufz ugeb en und sich einem völli gen Re lativ ismus
hinzu geben, der davo n ausg eht, alle Ku lture n oder alle Ideen
seien gleic h gut . Vielmeh r beinhaltet eine solch e Offenheit
die B ereits chaft , anzuerke nnen, daß ma nche Mensch en ma nchmal
in di esem o der j enem Berei ch di e besseren I deen h aben. Wenn
man z u dies er Ei nsic ht gel angt ist, da nn so U t e n diese neuen
Betra chtung sweis en a uch au f irg endeine Art Teil d er ei genen
Kultu r werd en. Offe nheit sollt e aber auch nicht zur S chaffung
einer einzi gen h omog enen "Weltk ultur" führe n, der es a n lokalern o der ge schic htli ehern I nhalt gebric ht. Offenh eit k ann
vielm ehr un sere nati onalen Kult uren da durch stärk en, d aß an
ander em Ort Gewa chse nes er folgr eich ge kreuz t wird , wäh rend die
überk ommene n Wur zeln bewah rt we rden.
Wie ich schon sagte, verbindet man oft drei Eigenschaften
mit offenen Kulturen: Rationalismus, Optimismus und Demokratie. Unter Rationalismus verstehe ich, daß der Mensch sich
hauptsächlich durch Vernunft, nicht durch Gefühl leiten lassen
kann und sollte. Genauer gesagt, bedeutet Rationalismus meiner Überzeugung nach, daß die Meinung des Menschen in bezug
auf Politik und sein Urteil hinsichtlich Kultur am besten
durch seinen Verstand gelenkt werden - und nicht durch Emotionen.
Unter Optimismus verstehe ich unsere gemeinsame Überzeugung, daß die Menschen sich - gemeinsam wie individuell - rational verhalten und dadurch große Gesellschaften und kulturelle Leistungen hervorbringen können und ihren eigenen Frieden, ihre Sicherheit und ihren Wohlstand sichern.
Ich bin mir
- 6 -

�Ich bin mir durchaus bewußt, daß viele nur mit Mühe an einen solchen Optimismus glauben können - angesichts der Drohung
nuklearer Zerstörung, des Kriegslärms in der Dritten Welt, angesichts der Schrecken in Uganda, des klerikalen Faschismus in
Iran, der sowjetischen Zwangsarbeitslager und der Gewalt in
Südafrika.
Ich bin mir auch der Tatsache bewußt, daß ich mich dadurch
dem Argument aussetze, daß einige der größten Leistungen in
moderner Kunst, Literatur, Musik, Theater und Ballett unserer
Zeit mehr das Ergebnis von Sinn für Romantik und Entfremdung Sinn des Sichwidersetzens gegen die herrschende Strömung - als
von Vernunft sind. Diese Ansicht wurde erst kürzlich wieder
mit Nachdruck in einer Debatte auf dem Internationalen PEN
Kongreß in New York vertreten, die große Resonanz fand. Das
Thema der Debatte war die Entfremdung. Es ging um die Frage,
ob die Entfremdung die grundlegende Quelle der künstlerischen
Inspiration sei. Mehrere international bekannte Künstler haben dem Argument zugestimmt - wie auch dem Argument, daß die
Hauptaufgabe eines Künstlers darin besteht, das System anzugreifen, unter dem er lebt.
Sicherlich ist Innovation die raison d'etre des Künstlers,
und geistige Unabhängigkeit ist daher eine grundlegende Vorbedingung. Aber der Parthenon, die Kathedrale von Chartres und
die Sixtinische Kapelle sind kaum Monumente der Entfremdung.
Leonardo da Vinci, Michelangelo, Shakespeare und Goethe waren
keine Gegner des Establishments. Sogar die großen Äußerungen
des Protests von Voltaire, Rousseau, Zola und Steinbeck sind
die Werke von Menschen, die an eine bessere Welt glaubten und
die an ihrem Aufbau mitarbeiteten.
Die Diskussion des PEN-Kongresses über Entfremdung und Gegenkultur war zugleich eine Debatte zwischen Optimisten und
Pessimisten, zwischen den einen, deren zuversichtlicher Blick
einer besseren Welt galt, und den anderen, die vor sich ein
Bild der Unterdrückung, der zerstörten Umwelt und schließlich
der nuklearen Katastrophe hatten.
Man ist versucht, diese unterschiedlichen Denkansätze mit
den vertrauten Konzeptionen vom Zynismus der Alten Welt und
der Hoffnung der Neuen Welt in Verbindung zu bringen - mit dem
amerikanischen Selbstvertrauen hier und dem "Europessimismus"
dort. Ich bin aber lang genug in diesem Land gewesen, um zu
wissen, wie falsch diese Karikatur ist. Ich bemerke hier genau wie in Amerika - ein neues Gefühl des Selbstvertrauens
und des Optimismus, was die Zukunft anbelangt.
Erst vor drei Wochen habe ich hier den Heidelberger Technologiepark besucht, der in großem Maß Ergebnis der unermüd- 7 -

�der unermüdlichen Arbeit und Phantasie von Herrn Oberbürgermeister Zundel ist. Dabei hatte ich Gelegenheit, einiges dazuzulernen und die Erregung mitzuerleben, die von einer ganzen
Reihe wichtiger neuer Projekte ausging. Ich war zum Beispiel
höchst beeindruckt von der Arbeit Dr. Christian Birrs, der mir
die erheblichen Fortschritte beschrieb, die im Bereich der
Krebsforschung gemacht werden - Fortschritte, die die Hoffnung
erwecken, daß im kommenden Jahrzehnt die verheerenden Auswirkungen dieser Krankeit dramatisch zurückgedrängt werden.
Dies ist nur ein Beispiel für die Art und Weise, in der
das Zusammenwirken von Universität und Gesellschaft die Möglichkeiten des Menschen erweitert. In der entwickelten Welt
leben die Menschen heute länger, sicherer und in größerem
Wohlstand, in einer saubereren, gesünderen und attraktiveren
Umwelt als ihre Vorfahren. Die Wissenschaften - einschließlich der Sozialwissenschaften wie Wirtschaftswissenschaften,
Politologie und Soziologie - bieten uns die Möglichkeit, auch
das Schicksal unserer Kinder weiter zu verbessern.
Die kürzliche Tragödie der Raumfähre CHALLENGER ist eine
Mahnung dafür, daß die Wissenschaft Möglichkeiten, aber keine
Gewißheiten bietet, daß die Risiken der Forschung reduziert,
nicht aber aus der Welt geschafft werden können. Die Reaktion
meines Präsidenten und meines Landes hierauf besteht darin,
daß unser Trachten und Streben dem gewidmet bleibt, wofür auch
die CHALLENGER an den Start ging. Wir sind, wie Präsident
Reagan sagte, eine Nation der Entdecker. Und wir sind eine
Nation, die von Entdeckern - von europäischen Entdeckern - gegründet wurde und in der sich Entdecker aus allen Erdteilen
ansiedelten. Die Trauer- und Mitleidsbekundungen von Regierungen und Menschen aus allen Ländern zum Verlust der
CHALLENGER sind ein Beweis dafür, wie universell dieser Drang
nach Forschung und Entdeckung ist. Er ist meiner Meinung nach
in der Bundesrepublik Deutschland genau so stark wie in meinem
eigenen Land, und es ist dieses Gefühl von Hoffnung und Zuversicht, das es mir ermöglicht, mich jenen anzuschließen, die
mit Zuversicht in die Zukunft blicken.
Mit Offenheit und Zuversicht gehen Pluralismus und Demokratie Hand in Hand. Offenheit bedeutet die Möglichkeit der
Wahl, die Demokratie garantiert sie.
Unsere Regierungen sind beide ihrer Natur nach demokratisch und föderalistisch, wobei die höchsten Gerichtshöfe Gesetze für verfassungswidrig erklären können, und daher der
Wille des Volkes durch das Gesetz begrenzt und von einer dezentralisierten Regierungsform verwirklicht wird. Das ist
nicht überraschend, denn unsere beiden politischen Systeme
wurden von Männern entworfen, die die Lektionen der Tyrannei
- 8 -

�der Tyrannei sowie der Schwäche und Entscheidungsunfähigkeit
von Regierungen gelernt hatten - wobei letzteres für Sie in
der Weimarer Republik gilt und für uns für die Zeit zwischen
der Erringung unserer Unabhängigkeit und der Ratifizierung unserer Verfassung. Keiner von uns, glaube ich, behauptet, daß
sein System vollkommen sei. Aber die überwältigende Mehrheit
unserer Bürger ist davon überzeugt, daß die Demokratie einem
autoritären Regierungssystem vorzuziehen ist und daß wir mit
unserer jeweiligen Verfassung ein Mittel gefunden haben, diese
Demokratie zu wahren und zu fördern.
Mein A rgum ent war ebe n, d aß e ine Gese Ilse haft, die äußeren
Einf lüssen geg enüb er abge schl osse n is t, o ft z u Pes simis mus,
Irra tional ismu s und Autor itar ismu s neigt. Si cherl ich h at insbeso ndere die Gesc hichte des 20. Jahr hund erts geze igt, daß
Chau vinism us i n se iner ex trem sten For m zu m Sc hlimm sten, zu Totali tarism us u nd z u Unmen schl ichk eit führ t - zu Un terdr ückung,
Armu t, Düs tern is u nd Mani pula tion im poli tisc hen G emein wesen,
Wirt schaft und Kul tur, wo bei die erst en, die verni chtet werden, jene Inte llek tuellen sin d, d eren uto pisc he Tr äume sie anfang lieh a 11 d ies unterst ütze n li eß. Wir ken nen d ie Fo igen:
Mill ionen gefo Iter t, eing eker kert , hunger nd, unter drück t und
getö tet im Nam en d er Über lege nhei t dieser ode r jen er Na tion
oder Kultu r üb er a ndere. Cha uvin ismu s, j a, jede F orm d es extrem en Nat iona lism us, ist um so g efäh rlic her in di esem Nuklearze italte r, u nd d aher is t die Fö rder ung von mehr Offen heit
nur umso n otwe ndig er.
Die menschliche Natur hat ihre rationalen und irrationalen
Komponenten, aber die Vernunft ist es, die den Menschen über
das Tier hinaushebt. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde
der Irrationalismus vom zivilisierten Menschen zu einem positiven Leitbild für persönliches und politisches Verhalten erhoben. Das Endergebnis - wir wissen es alle - war Unmenschlichkeit in noch nie dagewesenem Ausmaß.
Natürlich kann auch der Rationalismus verzerrt werden, um
als Entschuldigung bestimmter Verhaltensweisen zu dienen - wir
brauchen uns doch nur anzusehen, welche Folgen in menschlicher
Hinsicht die Bemühungen hatten, den wissenschaftlichen Sozialismus zu verbreiten. Sicher ist jedoch meiner Überzeugung
nach, daß eine Gesellschaft nicht gleichzeitig offen und totalitär sein kann, denn Offenheit fördert und ermöglicht rationale Entscheidungen, und eben diese Möglichkeit der freien
Entscheidung ist ja die Quintessenz der Demokratie.
Ich meine damit nicht, daß der Mensch nur ein rationales
Wesen ist oder daß Freud ein Scharlatan war, als er die nicht
rationalen Elemente der Persönlichkeit beschrieb. Freud
selbst sagte, "Zivilisation ist Unterdrückung", was für ihn
- 9 -

�für ihn bedeutete, daß die Zivilisation die Unterdrückung der
irrationalen Instinkte des Menschen nötig hat. Aber wenn das
Verhalten der Menschen nur von ihren Trieben bestimmt wird und
insbesondere, wenn sie infolgedessen nur ihren irrationalen
Impulsen Vorrang geben, dann sind nicht nur der Mensch selbst,
sondern auch Gesellschaft und Kultur die Opfer.
Ich bin dav on üb erzeu gt, d aß di e Nach teile autor itärer Regierung sformen, zumi ndest in d en en twicke lten Indust riestaaten, al le kurzf risti gen V ortei le, d ie sie für einige von Zeit
zu Zeit zu habe n seh einen , bei weit em übe rtref fen, u nd dies
gilt me iner Mei nung nach auch für d ie Ent wickl ungslä nder. Ich
kenne d as Argum ent, daß d ie De mokra tie ni cht g edeihe n kann,
wenn ei n Land zu arm , zu unter entwi ekelt und e thnisc h oder religiös zu sehr gespa lten ist. Eini ge ame rikan ische Theoretiker der Entwick lungs polit ik ha ben - beson ders im Hin blick auf
Afrika - sogar von d en Vo rteil en de r "Entwickl ungsdi ktaturen"
gesproc hen. Ab er wi e vie le Di ktatu ren ha ben s ich wa hrhaft
wirtsch aftlich entwi ekelt ? Besonde rs wen n man sie m it den
Staaten des Paz ifisc hen B ecken s, di e entw eder demokr atisch
sind od er diese s Zie1 ver folge n, od er mit Bras ilien und Argentinien, die sie h ger ade e rst v on Mi litärh errsc haft b efreit haben, od er mit I ndien , der groß ten D emokra tie d er Wel t, vergleicht , dessen tech nolog ische n For tschri tten im Wes ten viel
zu weni g Aufmer ksamk eit g esche nkt w urde.
In der entwick elten Welt schei nt die Sache ebenso klar zugunste n der Demokr atie entsch ieden zu se in. Be trachte n Sie
das Ni veau an Wohl stand , Freiheit und ku lturell en Leis tungen
in den demo kratisc hen I ndustr iesta aten i m Vergl eich zu den
Staate n Ost europas . Natürlic h sin d kult urelle Leistun gen auch
Denk en Sie
in aut oritä ren ode r totalitär en St aaten möglich
nur an Tols toi und Dost ojewsk i ode r, heu te an S olschen izyn und
Sachar ow. In demo krati sehen Staat en sin d die k ulturel len Leistunge n jed och dyn amisc her un d dif ferenz ierter. Hier können
wir un s an der gan zen V ielfal t der Kultu r erfre uen, un d wir
können dies tun, w ann u nd wo es un s gefä 11t. D iese ku lturelle
Wahlfr eihei t bildet einen int egral en Bes tandtei 1 unser er Freiheiten
Es gibt einen speziellen Aspekt der Kulturkritik in demokratischen Industriestaaten, dem heute Aufmerksamkeit geschenkt werden muß: den Angriff auf die Massenkultur und die
Behauptung, daß die Natur und der Ursprung der Massenkultur
spezifisch amerikanisch sind.
Ich brauche dazu nur zweierlei zu sagen. Erstens fördert
eine offene, pluralistische und vielfältige Gesellschaft notwendigerweise das Wachstum von Massenkultur und Hochkultur
gleichermaßen. Ein autoritäres System unterdrückt die erstere
und strebt nach Manipulierung der letzteren.
Autoritäre Systeme
- 10 -

�Autoritäre Systeme stehen unter dem Zwang, Kultur zu manipulieren, um sie als Instrument zur Mobilisierung politischer
Unterstützung ihres Systems zu benutzen und alle Aspekte der
Kultur oder der Politik zu unterdrücken, die ihrer Meinung
nach dieses Ziel beeinträchtigen. Deshalb wird die Öffentlichkeit manipuliert und werden jene, die kulturelle Leistungen hervorbringen, als Instrumente der Manipulation benutzt.
Ein Zwe ites ko mmt h inzu: Ma g man a uch mi t einig en El ementen der Mas senkult ur ni cht über einstim men, s o wäre doch niemand von un s willens, a uch nur einen T eil un serer k ultur ellen
Frei heit an eine A utori tat abzu geben, die da rüber e ntsch eiden
würd e, was in der Masse n- als a uch der Hochk ultur g ut un d
schl echt is t. Ein gewi sses Maß an sog enannt er schl echte r Kultur ist ein kleine r Pre is für k ulturel len PI uralism us, k ultureile n Dynam ismus u nd de n Schutz unsere r wich tigen F reihe it.
Auße rdem be nötigt und e rzeugt jeder Ve rsuch, Kultur zu u nterdrüc ken ode r zu ma nipul ieren, s ei es d ie Kul tur der Mass e oder
die der Eli te, unv ermei dlich di e Art v on Mac ht, die imme r korrump iert un d deren Gebr auch imm er auf Kosten der pe rsönl ichen
Frei heit ge ht.
Hochkultur - das Beste an Literatur, Kunst und Musik kann von der Massenkultur nicht zerstört werden. Im Gegenteil
gedeiht Hochkultur am besten dort, wo sich all das entfalten
kann, was in der Massenkultur zum Ausdruck kommt. Denken Sie
wiederum an die Geschichte. Athen brachte mehr hervor als
Sparta. Die Renaissance begann in der Vielfalt der italienischen Stadtstaaten. Shakespeare schrieb über das Volkstheater. Ein Höhepunkt in Deutschlands weltweiter kultureller Führungsrolle wurde während der Weimarer Republik erreicht. Gewiß steht die Hochkultur in Deutschland und in Amerika heute
in Blüte: In Theater und Musik in Deutschland und in Kunst,
Musik und Ballett in den Vereinigten Staaten.
Natürlich möchte ich Kultur nicht nur auf die Geisteswissenschaften beschränkt sehen. Im Gegenteil, die heute in Mathematik, Naturwissenschaften und Technologie erzielten Fortschritte sind atemberaubend in ihrer Geschwindigkeit und revolutionierend in ihren Auswirkungen. Die Universität Heidelberg und das Land Baden-Württemberg sind in dieser Hinsicht
immer führend gewesen, und dies trifft heute mehr denn je zu.
Sie sind besonders führend in der Mikroelektronik und Biotechnik, zwei Spezialgebieten, die für die Revolution der
Hochtechnologie entscheidend sind. Kann man dasselbe auch von
einer Gesellschaft ohne Pluralismus sagen?
Wie wird also das Schicksal von Kultur, und besonders von
Hochkultur, in unserem Zeitalter des schnellen technologischen
Wandels aussehen? Kulturpessimisten erklären schon, daß ihr

�daß ihr Schicksal fast katastrophal sein wird, weil die Massenkultur von den elektronischen Medien so weit verbreitet
wird, daß die Hochkultur in der Flut von Fernsehprogrammen,
Filmen und Videobändern ertrinken werde.
Eine solche Ansicht ignoriert die Vorzüge des heutigen und
zukünftigen Kommunikationswesens. Die Technologie zum Beispiel, die für das Kabelfernsehen und direkte Satellitenübertragungen verwendet wird, hat zu größeren Möglichkeiten der
Diversifizierung, Stärkung und Erhaltung sowohl der Massenais auch der Hochkultur geführt. Heute sind wir in der Lage,
Programme live von anderen Kontinenten zu sehen. In Nordamerika hat man durch das Kabelfernsehen die Wahl zwischen 50 bis
60 Kanälen; und obwohl es stimmt, daß viele dieser Programme
nicht die höchsten Ansprüche befriedigen, würden viele andere
wiederum jegliche Definition von Hochkultur erfüllen. Niemals
zuvor hatten so viele die Möglichkeit, die Vielfalt kulturellen Lebens zu ermessen. Niemals zuvor wurden Oper, Ballett
und klassische Musik von so vielen Menschen gesehen und gehört. All dies stärkt und bewahrt das Beste an internationaler Kultur. Mehr noch, es führt zu offeneren Gesellschaften;
offen nicht nur für Entwicklungen innerhalb einer Gesellschaft, sondern für solche in anderen Kulturen. Der Endeffekt
dieser Offenheit besteht in der weiteren Demokratisierung unserer Gesellschaften.
Wie die Erfahrung des Fernsehens zeigt, kann dieses ein
Instrument zur Übertragung sowohl von Eliten- als auch von
Massenkultur werden. Technologie und Kommunikationsmittel an
sich sind wertfrei. Ich glaube, daß eine stabile, gesunde demokratische Gesellschaft, die von kulturellem Pluralismus erfüllt ist, voll in der Lage ist, sowohl die kulturellen als
auch die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen unserer sich schnell verändernden Zeiten zu bewältigen. Goethe hat es treffend ausgedrückt: "Nur der verdient
sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muß."
Es war diese Aufgabe, der Jacob Gould Schurman einen so
großen Teil seines Lebens widmete. Als amerikanischer Botschafter in Deutschland vertiefte er sich mehr denn je in alle
Aspekte deutschen Lebens, selbstverständlich unter Einschluß
der deutschen Kultur, die während seiner Studienzeit hier einen so tiefgehenden Einfluß auf ihn ausgeübt hatte. Darauf
verwendete er im Lauf der Zeit einen nicht unbeträchtlichen
Teil seines Vermögens. Er nahm aktiv an der Durchführung des
Dawes-Plans teil, mit dem die Führung der amerikanischen Wirtschaft Deutschland half, sich von den verheerenden Wirkungen
des Ersten Weltkrieges zu erholen. Sein enges persönliches
Verhältnis zu Ihrem großen Außenminister Gustav Stresemann
trug zu den Verhandlungen über den Briand-Kellogg-Pakt bei.
- 12 -

�Briand Kellogg-Pakt bei. Er sprach an vielen deutschen Universitäten sowie mit Universitätslehrern seines eigenen Landes
und förderte das Verständnis unserer Länder füreinander.
Ich bin mir sicher: Wäre er noch am Leben und heute hier
unter uns, er wäre überglücklich, daß sein geliebtes Heidelberg wieder seine angestammte Rolle im geistigen, kulturellen
und wissenschaftlichen Leben spielt, daß das Gebäude, das erst
durch ihn ermöglicht wurde, Generationen von Studenten - amerikanische wie deutsche - beherbergte und daß die Universität
alles tut, um ihre Büchersammlung zum Thema amerikanische Geschichte in einer Bibliothek zu erweitern, die seinen Namen
trägt.
Und ich bin sicher: Er wäre mit mir einer Meinung, daß
die engen Bande zwischen unseren beiden Ländern sich nicht nur
auf die gemeinsamen Sicherheitsinteressen gründen - so wichtig
diese auch sind -, sondern auf die gemeinsamen kulturellen
Werte und die gemeinsame demokratische Überzeugung.

- 13 -

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft

'VOM**

12. Februar 1986

REAGAN: WIRTSCHAFTLICHE STABILITÄT WIRD WACHSTUM STÜTZEN
- Wirtschaftsbericht des Präsidenten -

- WASHINGTON - (AD) - In seinem Wirtschaftsbericht an den
Kongreß vom 6. Februar 1986 verkündete der amerikanische Präsident Ronald Reagan, daß die Ziele seiner Politik sich auf
eine "Verpflichtung zu wirtschaftlicher Stabilität als Schlüss^lbeitrag zu anhaltendem Wirtschaftswachstum", auf stabile
Preise, abnehmende Zinssätze und ein Nachlassen der Arbeitslosigkeit gründen.
"Unsere längerfristigen Planungen basieren auf der Annahme, daß eine solide Wirtschaftspolitik weiteres Wachstum fördern wird und der Wirtschaft die benötigte Flexibilität bietet, um auf äußere Störungen zu reagieren."
Der Präsident brachte seine Überzeugung zum Ausdruck, daß
das Bruttosozialprodukt sich bis einschließlich 1988 jährlich
um 4 Prozent erhöhen wird. Von 1989 bis 1991 wird dann eine
leichte Abnahme des Wachstums angenommen.
Im Hinblick auf

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Im Hinblick auf die Reduzierung des Haushaltsdefizits
schreibt der Präsident, der Schlüssel zu diesem Problem liege
in der Vermeidung unnötiger öffentlicher Ausgaben, welche die
private Vermögensbildung verringerten und das Wirtschaftswachstum behinderten.
Der Wirtschaftsbericht des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
An den Kongreß der Vereinigten Staaten
Seit Beginn der Regierungszeit dieser Administration bestanden die Hauptziele unserer Wirtschaftspolitik in der Erzielung eines starken, anhaltenden und nichtinflationären
Wachstums und der Erweiterung der wirtschaftlichen Möglichkeiten für alle Amerikaner. Um diese Ziele zu erreichen, haben
wird eine Politik verfolgt, die auf längere Sicht im besten
Interesse dieser Nation ist.
Der Nutzen dieses Ansatzes ist heute offenkundig. Die
Wirtschaft befindet sich im vierten Jahr eines soliden Aufschwungs, durch den die Möglichkeiten für alle Amerikaner drastisch erweitert wurden. Millionen neuer Arbeitsplätze wurden
geschaffen. Neue Investitionsmöglichkeiten taten sich auf.
Der Lebensstandard ist gestiegen. Überdies wurden diese Erfolge ohne einen erneuten Anstieg der Teuerungsrate erzielt.
Wir sind der Fortführung und Ausweitung einer Politik verpfli chte t, die private Investitionen und Innovationen ermutigt , welche diesem Aufschwung zugrunde liegen. Wir werden
weit erhi n ein unnötiges Anwachsen der Staatsausgaben und ungerech tfer tigte Einmischung in die Privatwirtschaft ablehnen,
Ein fort dauerndes, starkes Wirtschaftswachstum beruht hauptsäch lieh darauf, daß man dem Funktionieren des marktwirtscha ftli chen Systems möglichst freien Lauf läßt. Freie Märkte
biet en g eeignete Anreize zu arbeiten, zu sparen und zu investie ren, und sie stellen sicher, daß den Interessen der Konsument en R echnung getragen wird.
Dies e grundlegenden Prinzipien waren Teil unseres Program ms d er wirtschaftlichen Erholung von 1981 und haben das
Prog ramm für Wachstum und wirtschaftliche Möglichkeiten meiner
zwei ten Amtszeit bestärkt. Diese Programme bieten keine adhoc Lösu ngen. Vielmehr basieren sie auf der dem System der
frei en M arktwirtschaft innewohnenden Fähigkeit, Ressourcen effizi ent zu verteilen und wirtschaftlichen Wohlstand zu förd e m . Die grundsätzliche Verantwortung der Bundesregierung
soll te i n der Bereitung eines stabilen Rahmens bestehen, innerh alb dessen Menschen wirtschaftliche Entscheidungen treffen
- 2 -

�Entscheidungen treffen können und nicht darin, ihnen diese
Entscheidungen abzunehmen. Zu diesem Zweck bestand unser erstes Programm aus den folgenden vier grundlegenden Elementen:
- Verringerung des Wachstums der staatlichen Ausgaben,
- Reduzierung der Besteuerung von Privathaushalten und Unternehmen ,
- Abbau eines Übermaßes an Reglementierung und
- Förderung eines stabilen und moderaten Geldwachstums.
Der gegenwärtige Aufschwung
Der Erfolg unserer Politik ist nun offensichtlich. Obwohl
sich 1985 das Wirtschaftswachstum im Vergleich mit den starken
Jahren 1983 undd 1984 etwas verlangsamt hat, hat sich der Aufschwung trotzdem in ermutigendem Tempo fortgesetzt. Bis jetzt
hat er schon vier Monate länger gedauert, als der durchschnittliche Aufschwung in Friedenszeiten seit dem Zweiten
Weltkrieg. Wenn dieser Aufschwung, wie erwartet, bis Ende
1986 anhält, wird es der drittlängste der Nachkriegszeit sein.
Die ser A uf schwun g wa r du rch u ngewo hnlic h höh e Real investitionen in Fa brik en u nd M asch inen chara kteri siert , die auf unserer e rfolg reic hen Infi atio nsbek ämpfu ng un d uns erer S teuerpolitik beru hen, wel che die Inves titio nstät igkei t stim uliert
haben, Die real en U nter nehm ensin vesti tione n hab en fas t zweimal so viel zum Anwa chse n de s rea len B rutto sozia lprodu kts
(BSP) i n die ser Aufs chwu ngph ase b eiget ragen , wie dies normalerweis e in Aufs chwu ngpe riod en de r Nac hkrie gszei t der Fall gewesen i st; a ls T eil des real en BS P sin d sie groß er als jemals
nach de m Kri eg. Meh r In vest ition en in den Verei nigten Staaten
bedeute n nie ht n ur e ine stär kere Wirts chaft heut e, son d e m
auch hö here Prod ukti vitä t un d die Mögl ichke it fü r sehn eueres
Wachstu m mor gen.
Das starke Anwachsen der Beschäftigung stellt ein weiteres
herausragendes Element dieser wirtschaftlichen Erholung dar.
Seit dem Ende der letzten Rezession im November 1982 hat die
Wirtschaft der Vereinigten Staaten über neun Millionen neue
Arbeitskräfte eingestellt. Außerdem fiel die Teuerungsrate
von 10,6 Prozent im November 1982 auf 6,9 Prozent im Dezember
1985. Trotz dieser dramatischen Verbesserungen werden wir uns
jedoch nicht zufriedengeben, bevor nicht alle amerikanischen
Arbeitskräfte Arbeitsplätze zu Löhnen finden können, die ihren
Qualifikationen angemessen sind.
Als wir unser

�Als wir u nser Progr amm der wirtsc haftl ichen Erho lung starteten , waren wir s icher , daß eine fin dige, flex ible Wirts chaft
ohne die Bela stung durc h übert riebene Regi erung seinm ischu ng
neue Arbeitsp lätze scha ffen wü rde. G leich zeiti g war en wi r davon ü berzeugt , daß ein gezügel tes Gel dwach stum die I nflat ionsrate reduzier en wü rde. Unser Optimis mus w ar be recht igt. Die
Infla tionsrat e bet ragt heute w eniger als e in Dr ittel derjenigen v on 1980. Wäh rend dieses Aufschw ungs hat s ich d ie In flation auf ihre m nie drigs ten Niv eau sei t übe r einem Ja hrzeh nt
beweg t - trot z des unge heuren Beschäf tigun gsans tiegs , den die
Wirts chaft er zeugt hat. Als t eilweis es Er gebni s der verm inderte n Teueru ngsra te si nd die Zinssät ze - beson ders dieje nigen
für 1 angfrist ige K redit e - das ganze Jahr 1985 hindu rch g efallen u nd errei chten Ende des Ja hres ih r nie drigs tes N iveau seit
sechs Jahren.
Unser e Erfolge bei der I nflation sbekäm pfung habe n man che
überrasch t. Als in den sieb ziger Ja hren d ie Te uerun gsrat e anwuchs, ve rschuld eten si ch ei nige Unt ernehm en un d Pri vatle ute,
um Vermög enswert e in der Erwartung z u erwe rben, daß das d urch
diese Ver mögensw erte pr oduzi erte Ein kommen mit der I nflat ion
steigen w ürde, w ährend die w irkliche Last des S chuld endie nstes
abnehmen würde, Mit de r Abnahme der Teuer ungsr ate s tieg jedoch die wirklic he Bela stung durch d en Seh ulden diens t an, während das von den meiste n Ver mögenswe rten p roduz ierte Eink ommen
abnahm, Diese K ombinat ion v on Ereig nissen hat einig e Fin anzinstitute in den Verein igten Staaten belas tet. Gefa llene Einkommen in der La ndwirts chaft haben d ie Fäh igkei t ein iger Bauern zur Z ahlung der Zin sen a uf Darle hen ge schmä lert. Gle ichermaßen hatten viele wenig er entwi ekelte Land er Sc hwier igkeiten be i der R ückzahl ung v on Kredi ten an Fina nzins titut
den Verei nigten Staaten . Die Beiast ung, d ie vo n dem uner e in
wünschten Anwach sen der Infi ationsra te und ihre m erw ünsch ten,
aber uner wartet schnell en Ab sinken f ür das Fina nzsys tem d er
Vereinigt en Staa ten ver ursac ht wurde , beweist d ie Wi chtig keit
der Erzie lung un d Erhal tung langfris tiger Preis stabi lität
Amer ikas Zuvers icht hinsic htlic h grö ßere r wirtschaftlicher
Chancen wird von Un tern ehmen u nd Ei nzelp erso nen auf der ganzen
Welt get eilt. Die Vere inigten Staa ten s ind und blei ben eines
der weni gen g roßen Einw anderer lande r ; au ch h ierin sp iegelt
sich die Fähi gkeit der Wirtsch aft w ider, wir tschaftl iche Chancen zu e röffn en. I m Ve rlauf d er ge genwä rtig en Expan sion haben
gewinnbr ingen de Gel danl agemögl ichke iten in d en Verei nigten
Staaten auch auslän disc hes Kap ital angez ogen , was zu einem
schnelle n Inv estiti onsa nstieg beige trage n ha t. Der ausländische Ka pital zufluß wei st auf eine stark e Wi rtschaft hin. In
dem Maß, in d em sie h au ch ande re St aaten mar ktorient ierten
Strategi en zu wenden und übermä ssige Regi erun gsausgab en, Besteuerun g und starr e St rukture n zu besch rank en suche n, schaf-

�suchen, schaffen sie gleichfalls steigende Anlagemöglichkeiten, die weiteres Wachstum und härtere Währungen mit sich
bringen, da mehr Kapital in ihre Wirtschaft fließt.
Die Aussichten der Wirtschaft
Viele F akto ren weis en a uf ein Anha lten der augenb lick
lieh en Expa nsio n hi n. Die wirtsch aftl ichen Bed ingung en s tellten sich ge gen Ende des Jah res 198 5 positiv er d ar als zu Jahresb eginn u nd w erde n si eh a H e r Wa hrsc heinl ichk eit na ch n och
weit er verb esse rn. Der Gel dmengen zuwa chs i m ve rgange nen Jahr
pass te sich har moni seh dem Wirtsc haft swach stum an. Die
Haup t-Wirts chaf tsin dika tore n sind in e lf de r ve rgange nen zwölf
Mona te gest iege n. Die Lage rbestän de s ind v ergl eichsw eise
nied rig und die Pro dukt ion sollte mit steig ende n Verk äufe n anwach sen, um die lee ren Lage r aufzu füll en. Die Zinssä tze sind
weit er gefa llen ; dadurc h so U t e zu sätz liehe Kau fkraft fre iwerden. Darüb er h inau s sind b islang kein e der War nsigna le, die
ahrnorm alerwei se d as E nde eine r Expan sion sphas e ei nläute
geno mmen wo rden . Wir s ind daher z uver sieht lieh , daß die augenb licklic he E xpan sion noc h bis E nde des J ahre s 1986 and auern
wird
Wir e rwar ten e inen weiteren Anstieg des Bruttosozialprodukt es vo n 4 Proze nt im Jahr 1986, der auch in den Jahren 1987
und 1988 anha lten wird, um zwischen 1989 und 1991 schrittweise
abzu sinke n, w enn d ie Wirtschaft ihren langfristigen realen
Wach stums tren d ere ichen wird. Angesichts der Währungs- und
Wech selku rsen twick lungen des vergangenen Jahres erwarten wir
in d en Ja hren 1986 und 1987 ein leichtes Ansteigen der Inflation . Wenn jedoch die Notenbank ihrem Ziel treu bleibt,
Prei sstab ilit ät zu erzielen, ein Ziel, das ich uneingeschränkt
befü rwort e, s ollte der Abwärtstrend bei der Inflation nach einige n Jah ren wiede r einsetzen.
Veränd erte Ums tänd e, u denen auch ein e fal sehe Währ ungsund Steuer politik zähl en, können jede Expa nsion zu einem frühen und un erwartet en E nde bringen . Unser länge rfri stige n Pläne b eruhen auf der Ann ahme , daß eine s tabi le Wi rtsc hafts politik anhält endes Wi rtsc haft swachst um mi t si ch br inge n und auch
die notwen dige Fle xibi litä t für d ie Wi rtsc haft scha ffen wird,
um a uf Stö rungen v on a ußen zu rea giere n. Das Z iel unser er politi sehen Bemühung en s pieg elt die se Ve rpfl ichtu ng z u wir tscha ftlich er Stabi litä t wi der als dem wich tigst en B eitra g zu
anha ltende m Wachst um, stab ilen Pr eisen , fallend en Z inssä tzen
und zurück gehender Arb eits losigke it. Das ameri kani sehe Volk
hat das Re cht, sol che Erge bnisse zu er wart en un d wi r hof fen
dara uf, mi t Hilfe des Kong resses und d er B undes bank dies e auch
weit erhin zu erzie len.
Die Rolle der

�Die Rolle der Regierung in der Wirtschaft
Be i der Ausf ormul ierung unseres Prog ramms für eine gesunde
und an halte nde w irtsc haftli che Expa nsion wäre n wir uns auch
der be schrä nkten Roll e bewu ßt, die die R egier ung s piele n sollte. D ie Bu ndesr egier ung ka nn keine n Woh lstan d und kein allgemeines Wirt schaf tswac hstum garantie ren; sie k ann 1 edigl ich
privat e Initiati ven, Innova tionen u nd un terne hmeri sehe Aktivitäten forde rn, d ie ne ue wir tschaftl iche Mögli chkei ten s chaffen. Eine überm äßig aktive Regieru ng be hinde rt de n wir tschaft liehe n For tschr itt. Die staa tlich en Au sgabe n abs orbieren je ne Mi ttel, die vom Pr ivatsekt or be sser genut zt we rden
könnte n. E ine ü bermä Oige B esteueru ng ve rzerr t Pre isver hältnis
und Ka pital verzi nsung . Durch die w illkü rlich e Mit telzu Weisung
wird d ie Wa chstu msfäh igkeit der Wir tscha ft be hinde rt. Daher
besteh t der best e Weg für d ie Regie rung, das Wachs tum z u fürd e m , darin , die Grün dlage einer st abile n, vo rhers ehbar en
Wirtsc hafts polit ik zu schaf fen, um sich dann zurüc kzuzi ehen
und de m seh öpfer ische n Pote ntial de s amerikan ische n Vol kes den
Vorran g zu lasse n.
Der Bundesregierung fallen einige klarumrissene Verantwortlichkeiten zu, denen sich meine Administration auch weiterhin stellen wird. Die erste besteht darin, eine angemessene nationale Verteidigung aufrechtzuerhalten. Der Weltfrieden
und die Weltsicherheit verlangen von den Vereinigten Staaten
als dem Führer der freien Welt, ihre Bereitschaft und Fähigkeit zur Verteidigung ihrer eigenen nationalen Sicherheit unter Beweis zu stellen und zur Verteidigung ihrer Verbündeten
beizutragen.
Darüber hinaus werden wir auch die weniger Begünstigten in
dieser Gesellschaft nicht vergessen. Meine Administration
stellt weiterhin ein entsprechendes Sicherheitsnetz für all
jene zur Verfügung, die Hilfe brauchen. Gleichzeitig arbeiten
wir daran, eine starke, kraftvolle, neue Möglichkeiten schaffende Wirtschaft aufzubauen, die der arbeitsfähigen Bevölkerung sinnvolle Arbeitsplätze zur Verfügung stellen kann. Die
wirtschaftliche Expansion hat viel mehr zum Abbau der Armut
getan als irgendein staatliches Hilfsprogramm. Der beträchtliche Rückgang des Prozentsatzes der armen Bevölkerungskreise
im Jahr 1984 zeigt sowohl den Erfolg unseres Programms als
auch die Stärke unserer Wirtschaft. Darüber hinaus wird die
Steuerreform die arme erwerbstätige Bevölkerung begünstigen.
Die von mir vorgeschlagenen Steuerreformen befreien diese Bevölkerungsgruppe von der Last der Einkommensteuer des Bundes.
Schließlich gibt es einige spezielle Fälle, wie zum Beispiel die Verschmutzung der Luft und des Wassers, bei denen
möglicherweise die Marktmechanismen allein unzureichend sind,
- 6 -

�unzureichend sind, obwohl wir glauben, daß der Markt in der
Regel seine Mittel am wirksamsten verteilt. In diesen Fällen
ist das Eingreifen der Regierung notwendig, was aber auf
marktorientierten Prinzipien beruhen sollte. Zum Beispiel hat
die Behörde für den Umweltschutz einem Arrangement zugestimmt,
bei dem Firmen, die ihre Emissionen unter den festgesetzten
Grenzwerten halten, zinsgünstige Darlehen bekommen, die sie
dann an andere Firmen weitergeben können, die sich bei der
Emissionskontrolle höheren Kosten gegenübersehen. Auf diese
Art und Weise wird die Qualität unserer Umwelt erhalten, während die Kosten sinken, die bei der Einhaltung der Vorschriften entstehen.
Kontrolle der Bundesausgaben
Die E rfüll ung diese r begrenzte n Ve rant wort lichk eiten verlangt jed och n icht das Ausmaß bzw. den Zuw achs der Bundes ausgaben, di e das Lan d bis lang e riebt hat . Trotz all unsere r Bemühungen sind die Ausga ben zu hoch und sin d ei ner d er Hau Ptgründe fü r das gro ße Ha ushalt sdef izit. Ni cht Steue rsenku ngen
brachten diese s große D efizit mit sich , im Geg entei 1: die momentanen Steue rein nähme n bild en de nsel ben Ante il de s Bruttosozialpro dukts wie in d en spa* ten s iebz iger Jah ren, auch n ach
der 1981 von u ns e ingel eitete n Sen kung der Ste uersä tze. Der
Schlüssel zur Lösu ng de s Defi zits im B unde shau shalt ist d ie
Einschrän kung der unnöt igen A usgab en. Die Ausg aben, nicht das
Defizit, sind der eigen tliche Indi kato r der Re gieru ngskos ten,
weil sie ja di e Su mme a 11 der Mitt el s ind, die vom Privat sektor abgez weigt wer den. Uberh öhte Ausg aben gre ifen die Wi rtschaft in schä dige nder Art un d Weise a n, u nabh ängig davon , ob
sie durch Steu ern, Schu lden o der I nfla tion fin anzie rt wer den.
Die Bildu ng vo n Pr ivatv ermöge n wir d einges chrä nkt, die Ge ldmittel si nd un rati onell verte ilt u nd d amit wir d das Wirtschaftswa chstu m ge dross elt.
Ich begrüße und unterstütze das neue Gesetz über einen
ausgewogenen Haushalt und Defizitkontrolle von 1985, gemeinhin
als Gramm-Rudman-Hollings bekannt, als einen Weg, in Zusammenarbeit mit dem Kongreß die Bundesausgaben und das Defizit zu
verringern. Ich beabsichtige, in jedem der folgenden Jahre
Haushaltsentwürfe vorzulegen, die den im Gesetz angegebenen
Zielen zur Begrenzung des Defizits gerecht werden, nicht etwa
durch Verzicht auf die Programme, die für die Nation von entscheidender Bedeutung sind, sondern indem die Programme geändert oder abgeschafft werden, die nicht wichtig oder nicht
leistungsfähig genug sind. Ich lehne den Vorschlag höherer
Steuern ab. Höhere Steuern wären nur ein Anreiz zu höheren
Bundesausgaben und würden die Fähigkeit der Nation zum Wachstum einschränken.

�Gramm-Rudman-Hollings genügt nur einem Teil der langfristigen Zielsetzungen bezüglich der Verantwortung der Regierung
für den Haushalt. Bei richtiger Anwendung wird dabei bis 1991
ein ausgewogener Haushalt herauskommen, aber dananch garantiert es keinen fortgesetzten ausgewogenen Haushalt mehr. Wir
müssen unser Augenmerk auf einen Anhang zur Verfassung richten, der ständig für ausgewogenen Haushalt sorgt. Diese beiden Maßnahmen werden zusammen den ordentlichen Übergang zu einem ausgewogenen Haushalt ermöglichen, die Bundesausgaben einschränken und sicherstellen, daß zukünftige Haushaltsentscheidungen im Sinn der nationalen Interessen liegen. Deshalb befürworte ich auch weiterhin die Annahme eines Anhangs zur Verfassung für einen ausgewogenen Haushalt. Außerdem strebe ich
ein Gesetz an, das dem Präsidenten ein selektives Vetorecht
bei den Zuteilungsmaßnahmen erlaubt. Ein solches Recht ist
unerläßlich, um sicherzustellen, daß nur leistungsfähige und
wichtige Regierungsprogramme finanziert werden.
Steuerreformen
über die Jahre hinweg hat die fortgesetzte Änderung des
Bundessteuerrechts zu einem komplexen Steuersystem geführt,
das viele Schlupflöcher enthält und künstlich einige Aktivitäten auf Kosten anderer begünstigt. Darüber hinaus hat die Inflation der siebziger Jahre das gesamte System der Kapitalversteuerung verzerrt, die persönlichen Einkommen in immer höhere
Steuerklassen verschoben und so der Spar- und Investitionstätigkeit entgegengewirkt. Unsere Maßnahmen zur Steuersenkung
haben viele dieser Verzerrungen und Ungleichheiten beseitigt.
Die Einkommenssteuersätze wurden heruntergesetzt und der Inflationsrate angepaßt; die effektiven Steuersätze auf neue Investitionen wurden beträchtlich gesenkt. Es muß jedoch noch
mehr getan werden.
Im Mai 1985 habe ich dem Kongreß eine umfassende Reform
des Steuerrechts vorgelegt, um dieses einfacher, fairer und
dem Wirtschaftswachstum dienlicher zu machen. Ich habe vorgeschlagen, die Grenzsteuersätze für Betriebe und Einzelpersonen zu senken, die Besteuerungsbasis zu erweitern, indem so
viele bestehende Schlupflöcher wie möglich verstopft und die
jeweiligen Aktivitäten einheitlich besteuert werden, damit
Geldmittel entsprechend des wirtschaftlichen Vorteils, nicht
aber aufgrund von Steuerüberlegungen eingesetzt werden; außerdem sollen die bestehenden Auswirkungen der Inflation auf die
Kapitalertragssteuer aufgehoben bzw. Ersatz dafür geschaffen
werden. Kurz vor der Parlamentspause hat das Repräsentantenhaus ein Gesetz zur Steuerreform verabschiedet, das einige dieser Prinzipien enthält. Trotz beträchtlicher Unterschiede
zwischen meinem Vorschlag und diesem Gesetz habe ich seine

�ich seine Durchführung angeregt, um den Gesetzgebungsprozeß
voranzutreiben. Wir werden nun gemeinsam mit dem Senat daran
arbeiten, ein faires und einfaches Steuerrecht hervorzubringen, das für die Familie ist, neue Arbeitsplätze und neues
Wachstum schafft.
Beseitigung kontraproduktiver Reglementierungen
Die Steuerr eform ist nur ein T eil un sere s Ziels , die Märkte in d ie Lage zu ve rsetzen, bei d er Ver teil ung der Mitt el eff izienter zu fu nktio nieren. Wir h aben a uch erhebli che A nstrengu ngen unt ernom men, um die st aatlic hen Regleme ntier ungen
herausz ufinden und z u beseit igen, die da s Ma rktgesc hehen behindern , den Wettbew erb beei nträch tigen oder den Fi rmen unnötige Ko sten bzw . den Verbrau ehern unnöti g ho he Prei se au fzwingen. D ie Regul ierun g der Öl preise im In land stellt ein gutes
Beispie 1 der nachtei ligen ök onomis chen A uswi rkungen dar, die
die Reg ulierung dadu rch hat, daß s ie Pre isre latione n ver zerrt
und die notwend igen Anpassun gsbewe gungen ver hindert . Die Ergebniss e der vo n mir im Janu ar 198 1 betriebe nen Fre igabe der
Olpreis e werden jetz t deutli eh. D ie Öle infu hren gi ngen zurück
und die OPEC is t nieht mehr instan de, ih re b isherig en ho hen
Preise aufrecht zuerh alten. Demgeg enüber lei det der Mark t für
Erdgas noch imm er un ter den durch die Pr eisk ontroll en ve rursachten Verzerr ungen . 1983 drängte n wir den Kongreß erfo iglos,
die Pre ise für Erdga s freizugeben, Wir werd en erne ut ei nen
Anlauf unterneh men, um zu Ge setzen zu ko mmen , die die Pr eise
für Erd gas voll stand ig freig eben. Außer dem schlage n wir eine
weitere Deregul ierun g im Ber eich d es Fer nver kehrs v or.
Uns ere Anstrengungen zum Abbau staatlicher Eingriffe werden sie h auch weiterhin ganz besonders auf zwei Wirtschaftsbereiche konzentrieren. Erstens bestehen im Bankenund Kreditwesen noc h immer Bestimmungen und Darlehensgarantien, die zu
Willkür licher Kreditvergabe führen und die Fähigkeit des Systems b eeinträchtigen, sich den wandelnden wirtschaftlichen
Bedingu ngen anzupassen. Zwar müssen wir auch weiterhin die
Öffentl ichkeit vor schwerwiegenden ökonomischen Störungen
schütze n, doch sollten wir den Finanzinstitutionen auch großere Frei heit dabei lassen, selbst die Zusammensetzung von Soll
und Hab en festzulegen, damit sie beweglicher auf die Veränderungen reagieren können, denen sie sich gegenübersehen.
Zweitens gibt es auch in vielen landwirtschaftlichen Märkten erhebliche staatliche Einmischung. Die als Lösungen gedachten staatlichen Maßnahmen haben die Anreize so verzerrt,
daß sie in Wirklichkeit einige der Probleme verursacht haben,
vor denen die Landwirtschaft jetzt steht. Die Gesetze, die
ich 1985 vorgeschlagen habe, dienten dem Zweck, die amerikan-

�die a merikan ische Land wirts chaft allmä hlich wieder dem freien
Markt zuzufü hren. Das vom Kongre ß End e 1985 verab schie dete
Geset z enthielt e inige der von mi r vorgeschl agenen Refo rmen,
ließ jedoch auch einig e der beste hende n poli tische n Ver fahren
beste hen, di e jet zt di e Lan dwirts chaft hemme n. In sbeso ndere
unter stützte es d ie ko ntrap rodukt ive s taatli che In terve ntion
in de r Milchwirts chaft , bei Expor tsubv ention en und den fortbeste henden kosts pieli gen V erzerr ungen des Z uckerm arkte s. Wir
werde n desha lb au ch kü nftig auf e ine w eitere Agrar refor m hinwirke n, die die s taatl iche Einmis chung in di ese Be reich e abbaut und die Mögl ichke iten für Ba uern verbes sert, erfol greich
auf d en Welt markt en zu konk urrier en.
Dienstleistungstransfer zum Privatsektor
Der Staat hat in imme r stä rker em Maß Diens tleistunge n an
sich gez ogen, die in Wirk lichk eit der Pr ivatse ktor mit g rößerer Effi zienz anb ieten ka nn. Um d ieses Proble m anzugehe n, habe ich e ine Arbei tsgruppe eing eset zt, di e untersucht, we lche
öffentli che Funkt ionen wi rksam in den Pr ivatse ktor zurüc kgeführt we rden könn ten. Da s eben ve röffen tlicht e Budget e nthält
gleichfa 11s einig e Initia tiven zu diesem Berei ch. Diese Strategie ma cht es ni cht unbe dingt not ig, Di enstle istungen z u beseitigen , die derzeit der Staa t bietet. Vielm ehr wird d ie Alternativ e des Privatsekto rs au fgez eigt. Solch eine Strat egie
sichert das Vorha ndensein von Dien stleis tungen , die der Verbraucher fordert - nicht von s olch en, di e die Bürokraten dafür
halten. Außerdem führt s ie zu ein em eff izient eren und k ostengünstige ren Angeb ot diese r Dienstl eistun gen un d schafft oft
Behinder ungen des Wettbew erbs aus der We lt, di e durch den
Staat ge schaffen wurden.
Aufrechterhaltung von freiem und fairem Handel
Uns er St reben nach unbehinde rten M ärkte n be schränkt sich
nicht a uf di e inl ändisc he Wirtsc haft. Unse re H andelspol itik
im inte rnati onale n Bere ich stütz t sich fest auf die Grün dlage
freier und o ffene r Mark te. Die Vortei le ei nes freien Ha ndels
sind wo hlbek annt: Er b ringt meh r Arbe itspl ätze , einen produktiveren Eins atz d er Res sourcen e ines L andes , raschere In novation un d höh eren Lebens Standard sowohl für dies es Land a ls
auch fü r seine Ha ndelsp artner. Währen d ein e einseitige VerPflicht ung z u fre iem Ha ndel unse rem La nd zu gute kommt, g ewinnen wir Amer ikane r noch mehr dan n, wen n auc h di e Handels partner Arne rikas ihre Markt e öffnen. Mein e Adm inis tration w ird
dieses Ziel aktiv verfo Igen. Ei n wich tiger Tel 1 unseres Handelspro gramm s besteht d arin, ein e neue Rund e mu ltilatera ler
Im Rahme n de s GATT streben
Handels verha ndlun gen zu eröffnen
- 10

�GATT streben wir danach, die Handelspartner Amerikas in umfassende Verhandlungen einzubinden, die zu freierem Handel, verstärktem Zugang für amerikanische Exporte und einem stärkeren
internationalen Handelssystem führen sollen. Zur Ergänzung
dieser Initiative werden wir auch weiterhin die Möglichkeit
der Errichtung bilateraler Freihandelszonen mit einigen Handelspartnern der Vereinigten Staaten untersuchen.
Wir verfolgen das Ziel des freien Handels nicht blindlings. Wir sind zugleich auch um gerechten Handel bemüht, indem wir die geltenden Handelsgesetze mit Nachdruck anwenden.
Unfaire Handelspraktiken im Ausland schädigen die amerikanischen Exporteure und verringern weltweit den Lebensstandard;
das ist unannehmbar. In einem bisher noch nicht dagewesenen
Schritt habe ich gemäß Sektion 301 des Handelsgesetzes von
1974 den amerikanischen Handelsrepräsentanten ersucht, mit Untersuchungen von unfairen Handelspraktiken zu beginnen. Ziel
dieser Untersuchungen sind nicht Vergeltungsmaßnahmen seitens
der Vereinigten Staaten, sondern das Ziel sind offenere Märkte
im internationalen Rahmen. Wir hoffen, damit ein Signal zu
setzen, daß im System des Welthandels, der in immer grösserem
Mass von Wechselseitigkeit lebt, freier und fairer Handel eine
Verpflichtung für alle ist.
Das große Handelsdefizit, das mit dem derzeitigen Aufschwung einherging, hat unsere freie und faire Handelspolitik
vieler Kritik ausgesetzt - insbesondere seitens des Kongresses. Im Lauf des letzten Jahres wurden mehr als 300 protektionistische Gesetzesvorschläge eingebracht und erörtert. Obgleich die Bedingungen, die zu diesem Handelsdefizit geführt
haben, durchaus negative Auswirkungen auf einige amerikanische
Industrien hatten, so ist doch verstärkter Protektionismus
nicht die Lösung. Protektionistische Massnahmen haben wenig
Wirkung auf die Handelsbilanz und würden nur den Lebensstandard verringern und Mittel innerhalb der Volkswirtschaft auf
ineffiziente Weise umverteilen.
Unser Abkommen mit vier anderen grossen Industriestaaten
im September 1985 bedeutete die Einsicht, dass gewisse Änderungen im wirtschaftspolitischen Bereich in allen Ländern
(nicht nur in den Vereinigten Staaten) wichtig sind, um die
weltweiten Handelsungleichgewichte zu korrigieren und die Währungen wieder in eine Ordnung zu bringen. Zu diesem Zweck bekräftigten wir erneut unsere Verpflichtung, mit den Anstrengungen fortzufahren, das Haushaltsdefizit dadurch zu verringern, daß wir die Ausgaben als Anteil des BSP senken. Um dieses Ziel zu erreichen, drängten wir den Kongreß darauf, das
Gramm-Rudman-Hollings-Gesetz zu verabschieden. Ihrerseits
verpflichteten sich die Handelspartner Amerikas, eine Politik
zu verfolgen, die eigeninitiiertes Wirtschaftswachstum und da- 11 -

�und dadurch auch die Nachfrage nach amerikanischen Exporten
fördern. Diese politischen Zielsetzungen haben auch für die
weniger entwickelten Staaten Bedeutung. Ja, ein zentraler
Punkt der jüngsten Initiativen des Finanzministers zur Hilfe
bei der Lösung der Schuldendienstprobleme dieser Länder besteht darin, ihnen eine Politik zu empfehlen, die das Wachstum
fördert, die Inflation senkt und Zahlungsbilanzanpassungen ermöglicht.
Schlußfolgerung
Meine Administration ist sich der Verantwortung der Bundesregierung bewusst, das Wirtschaftswachstum und die Chancen
des einzelnen dadurch zu fördern, daß sie eine Politik betreibt, die zu einem Höchstmass an Arbeitsplätzen, Produktion
und Kaufkraft führt. Wir beabsichtigen, diesen Kurs mittels
einer Politik zu verfolgen, die auch weiterhin ein starkes,
anhaltendes und nichtinflationäres Wachstum fördert und allen
vermehrte Chancen im wirtschaftlichen Leben bietet. Wir werden uns auch weiterhin verstärkten staatlichen Eingriffen als
Mittel zur Lösung kurzfristiger Probleme widersetzen. Derlei
Eingriffe waren in der Vergangenheit erfolglos und würden
letztlich mehr Teil des Problems als der Lösung sein. Mit Zusammenarbeit und Unterstützung des Kongresses und der unabhängigen Behörden werden wir die Politik weiterverfolgen, die
notwendig ist, um den derzeitigen Aufschwung fortzuführen und
die Preise zu stabilisieren.

* * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'%r,oN *

12. Februar 1986

DIE HAUSHALTSVORLAGE PRÄSIDENT REAGANS
- Die wichtigsten Fakten -

WASHINGTON - (AD) - Die von Präsident Reagan dem Kongreß
zugeleitete Haushaltsvorlage sieht bedeutende Steigerungen bei
den Rüstungsausgaben und scharfe Reduzierungen bei einer Anzahl von Inlandsprogrammen vor.
Die Ausgabenkürzungen würden das projektierte Defizit um
38,2 Milliarden Dollar auf 143,6 Milliarden für das am 30.
September 1987 endende Haushaltsjahr verringern. Damit würde
das Defizit das laut dem Gramm-Rudman-Gesetz zum Ausgleich des
Haushalts für das Haushaltsjahr 1987 vorgeschriebene Ziel ein
wenig unterschreiten. Dieses Gesetz schreibt vor, daß das Defizit der Vereinigten Staaten etappenweise bis 1991 auf Null
zurückgeschraubt werden muß.
Der Vorschlag des Präsidenten möchte dies ohne Steuererhöhungen erreichen, denn: "Eine Steuererhöhung würde unseren
Wirtschaftsaufschwung gefährden und könnte sich im Hinblick
auf ihre Auswirkungen auf das Defizit durchaus als kontraproduktiv erweisen," wie Präsident Reagan in seiner Haushaltsbotschaft an den Kongreß vom 5. Februar verkündete.
Allgemeine Haushaltsdaten

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�Allgemeine Haushaltsdaten
Vorschlag des Präsidenten für das Haushaltsjahr 1987
Gesamtausgaben:
Gesamteinnahmen:
Defizit:

994,000 Milliarden Dollar
850,400 Milliarden Dollar
143,600 Milliarden Dollar

Zukünftige Haushaltsansätze
Die folgenden Haushaltstrends werden bis zum Jahr 1991
angenommen:
Gesamthaushalte
(in Milliarden Dollar)

Ausgaben
Einnahmen
Defizite
Überschüsse

1985

1986

1987

1988

1989

946,3
734,1
212,3

979,9
777,1
202,8

994,0
850,4
143,6

1026,8 1063,6 1093,8 1122,7
933,2 996,1 1058,1 1124,0
93,6
67,5
35,8

1990

1991

1,3

Ausgaben in Prozent des BSP
Im Zuge der Verringerung des Haushaltsdefizits gegen Null
wird der prozentuale Anteil der Bundesausgaben am
Bruttosozialprodukt (BSP) von 23,4 Prozent 1986 auf unter 19
Prozent 1991 zurückgehen.
Haushaltsanteil am BSP
(in Prozent)
1986
Einnahmen
Ausgaben
Defizit

18,5
23,4
4,8

1987
18,7
21,9
3,2

1988
19,0
20,9
1,9

1989
18,9
20,2

1,3

1990
18,8
19,5
0,6

1991
18,9
18,9
0,0

Bundesausgaben
Wenn der Kongreß alle Empfehlungen des Präsidenten annimmt, wird der Gesamtbundeshaushalt im Haushaltsjahr 1987 lediglich um 1,4 Prozent steigen, während die Steigerungsraten
1986 noch 3,6 Prozent und 1985 11 Prozent betrugen. Bei Ein-

�Bei Einbeziehung der Inflationsrate würde sich die reale Kaufkraft der Regierungsausgaben 1987 um 2,4 Prozent und von 1987
bis 1989 um 0,8 Prozent jährlich verringern.
Die Militärausgaben sollen sich 1987 um 6,2 Prozent erhöhen (nach kleineren Streichungen 1986 gemäß dem Haushaltsausgleichsgesetz) und um 38 Prozent während des Gesamtzeitraumes
von fünf Jahren bis 1991. Der Haushalt sieht außerdem vor,
der Verteidigung einen noch größeren Zuwachs an Ausgabenermächtigungen zu gewähren, wodurch das Pentagon mit Mitteln für
Ausgaben in zukünftigen Jahren ausgestattet werden soll. Die
Ausgabenermächtigungen würden sich im Haushaltsjahr 1987, nach
Abzug der Inflationsrate um 33,2 Milliarden Dollar oder 8,2
Prozent im Vergleich zum diesjährigen Haushalt erhöhen.
Insgesamt entfallen auf die nationale Verteidigung 28 Prozent aller Bundesausgaben im Haushaltsjahr 1987, weitere 15
Prozent müssen für die Begleichung von Zinsen für die nationale Schuldenlast aufgewendet werden.
Hauptausgabenposten
(in Milliarden Dollar)

Nationale
Verteidigung
davon:
Streitkräfte
Andere Ausgaben
Internationale
Angelegenheiten
Raumfahrt und
Wissenschaft
Landwirtschaft

1986

1987

1988

265,8

282,2

258,4

274,3 290,7

1989

1990

299,1 322,3 344,8
313,3 335,5

1991
366,3
356,6

7,4

8,0

8,4

9,0

9,3

9,7

17,1

18,6

18,3

18,0

17,5

17,7

8,9

9,2

9,3

10,2

11,0

11,7

25,9

19,5

19,7

18,9

15,4

11,4

Bildung und
soziale Dienste

30,7

27,4

26,3

26,4

26,0

26,0

Gesundheit

35,7

35,0

36,7

37,9

39,4

40,7

Soziales

200,1 212,2 226,1 239,9 254,7 263,5

Nettozinsleistungen 142,7 148,0 145,1 136,0 125,6 115,9
Zusammenfassung der
- 3 -

�Zusammenfassung der Defizitreduzierungen
Der vom Prä sidente n vorg elegte Haus halt sieh t Einsp arungen
in Höhe von 38, 2 Milliarden Dollar bei existiere nden Bu ndesProgramm en auf der Bas is der "gege nwärt igen Dien ste" un d von
166 Mill iarden Dollar in den nächs ten d rei Jahre n vor. Für
die meis ten Pro gramme wird d er Beg riff "gegenwär tige Di enste"
definier t als "die erw artete n Kosten de r Fortfüh rung ge genwärtiger Bu ndespro gramme auf re alem 1 986er Niveau, ohne An derungen der Politik ; daß heißt, das si e kei ne der vo rgeschl agenen
neuen Ge setzesi nitiati ven de s Präsident en oder d es Kong resses
enthalte n, die gegenwä rtig n och ni cht i n Kraft s ind." Die
Hauptaus nähme b etrifft Progr amme d es Ve rteidigun gssekto rs, wo
das Nive au der "gegenw artige n Dien ste" definiert wird a ls die
Zahl, di e in der Haushaltsre soluti on de s Kongresses für 1986
enthalte n ist.
Fast die Hälfte aller Einsparungen fallen in die Kategorie
der Gesundheitswesens und der sozialen Leistungen, wie Kinderernährung, Bildung und Wohngeld. Einige der größeren Programmstreichungen betreffen:
- Beseitigung von ineffektiven, doppelt vorhandenen oder unnötigen Programmen:
Dies würde die Auflösung der Existenzgründungsbehörde, die
Beendingung von Entwicklungsprogrammen für bestimmte Sektoren,
wie z.B. die Wirtschaftsentwicklungsbehorde und die Kommission
für die Appalachen-Region, sowie die Abschaffung des Bundesamtes für den Binnenverkehr, das den Transport über Land regelt,
beinhalten.
- Reform sozialer Dienste:
23 Milliarden Dollar sollen über die nächsten drei Jahre
im Medicare-Programm, einem wichtigen Programm für die medizinische Versorgung von Senioren, durch höhere Beiträge und
Selbstbeteiligung an den Krankheitskosten eingespart werden.
Andere vorgeschlagene Kürzungen betreffen die Verminderung
subventionierter Schulspeisungen, die Streichung gewisser Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, die Reduzierung medizinischer
Leistungen für Veteranen und Einsparungen bei der Berufsausbildung.
- Reduzierung von Bundesprogrammen, die im Wettbewerb mit
dem privaten Sektor stehen:
Die Administration schlägt den Verkauf bestimmter staatlicher Elektrizitätsfirmen vor, den Verkauf der Treibstoffreserve für die Schiffahrt sowie den Verkauf von überflüssigem

�von überflüssigem Land in Staatsbesitz. Außerdem ist geplant,
die Subventionierung von Eisenbahnen und Erdabtastsatelliten
zu beenden und die Ernteversicherung abzubauen.
- Übertragung von Aufgaben an Staats- und Gemeindeverwaltungen:
Bundeshilfen für die Eindämmung der Umweltverschmutzung,
Gemeindeentwicklungsprogramme, landwirtschaftliche Bildungsprogramme und Energiesparmaßnahmen würden in einigen Fällen
gestrichen und in anderen Fällen auf niedrigerem Niveau den
Bundesstaaten übertragen werden.
- Benutzergebühren:
Gebühren und Prämien werden für Bundesgarantien auf Kredite, für die Beschau von Fleisch und Geflügel, die Benutzung
von Binnenwasserstraßen, Zollabfertigung und Benutzung von
Einrichtungen in Nationalparks und Wäldern erhoben werden.
Zusammenfassung der Ausgabenerhöhungen
Eine Reihe von Programmen werden als "vorrangige Initiativen" für den Haushalt 1987 bezeichnet. Diese beinhalten Verteidigungsausgaben, Sicherheitshilfe, Mittel zur Bekämpfung
des Terrorismus und für den Schutz amerikanischer Diplomaten
im Ausland, Bekämpfung des Drogenhandels, Grundlagenforschung,
Weltraumprogramme, Flugsicherheit und die Erforschung der
Krankheit AIDS.
Wirtschaftliche Annahmen
Die Haushaltschätzungen werden stark von Veränderungen der
wirtschaftlichen Rahmenbedingungen beeinflußt. Schwierigkeiten bei der Verwirklichung spezifischer Haushaltsziele resultieren in vielen Fällen aus der Komplexität und Ungenauigkeit,
denen Voraussagen der zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung
unterliegen. Im folgenden werden einige der wirtschaftlichen
Annahmen präsentiert, die von der Administration für ihre
Haushaltsansätze benutzt wurden:
1985
BSP (4.Quartal bis
4. Quartal)
Inflationsrate
Arbeitslosigkeit
Zinssatz
(91-Tage T-bills)

1986

1987

1988

2,5
3,3
6,9

4,0
3,7
6,7

4,0
4,1
6,5

4,0
3,5
6,2

7,5

7,3

6,5

5,6

* * * * * *

- 5 -

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'^ToN

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

12. Februar 1986

Warnung war nicht mehr möglich
- Untersuchungskommission für CHALLENGER-Unglück hat Arbeit
aufgenommen -

WASH INGTON - (AD) - Die von Präsi dent Reaga n ein gese tzte
unabhäng ige Komm ission , die das CHALL ENGER-Ungl ück v om 2 8. Januar 198 6 untersuchen soll, trat am 6 . Februar zu ih rer ersten
Sitzung zusammen
Zum Leite r der Kornmission wu rde d er N ew
Yorker J urist Wi lliam P. Rog ers, ehem aliger Jus tizmi nist er
(1957 - 1961) un d Auße nminis ter (1969 - 1973) d er Ve rein igten
Staaten berufen. Zwei ter Vo rsitzende r ist der frühe re A stronaut Nei 1 A. Arm strong . Als Kommanda nt von APO LLO 1 1 betrat
er 1969 als erst er Men seh de n Mond, Von 1971 b is 19 80 P rofessor für Luftfahr ttechn ik an der Unive rsität von Cinc inna ti,
übernahm Armstro ng vor mehr als fünf Jahren den Vors itz im
Vorstand der Fa. Compu ting T echnologi es for Avi ation , Inc. , in
Charlott esville (Virgi nia). Er ist s eit 1985 M itgli ed d er Nationalen Raumfah rtkomm ission
Dem 12köpfigen Untersuchungsausschuß gehören außerdem an:
Brigadegeneral a.D. Charles ("Chuck") Yeager, ebenfalls
Mitglied der Nationalen Raumfahrtkommission und Pionier
des Uberschallfluges. Der ehemalige Testpilot durchbrach

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Tel.: 0228-339 2035
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�Testpilot durchbrach 1947 mit einer Bell X-l als erster
Mensch die Schallmauer und flog 1953 mit einer Geschwindigkeit von mehr als 2600 km/h.
Dr. Sally K. Ride, im Juni 1983 als erste Astronautin der
US-Behörde für Luft- und Raumfahrt (NASA) beim zweiten
Einsatz der Raumfähre CHALLENGER dabei, studierte Physik
an der Stanford-Universität. Sie ist Missionsspezialistin
der NASA.
Dr. Albert D. ("Bud") Wheelon, promovierter Physiker vom
Massachusetts Institute of Technology (MIT), von 1961 1974 und erneut seit 1981 Mitglied eines Präsidialbeirats,
ist Präsident von "Space and Communications" der Hughes
Aircraft Company.
Robert W. Rummel, erfahrener Ingenieur für Luft- und Raumfahrttechnik, Träger hoher Auszeichnungen und Mitglied der
Nationalen Akademie für Technik, ist Präsident der Fa.
Robert W. Rummel Associates, Inc., in Mesa (Arizona).
Dr. Arthur N.C. Walker, Jr., Professor für angewandte Physik an der Stanford-Universität, ist Berater der Aerospace
Corporation, der Rand Corporation sowie der Fa. "R and D
Associates" in Los Angeles; Prof. Walker gehört einer Anzahl von amerikanischen und internationalen wissenschaftlichen Gesellschaften an.
Dr. Richard P. Feynman, Professor für theoretische Physik
am California Institute of Technology (CALTECH) in
Pasadena, ist Träger des Physik-Nobelpreises 1965 sowie
weiterer hoher wissenschaftlicher Auszeichnungen.
Eugene E. Covert, Ingenieur und derzeit Professor für
Luftfahrttechnik am MIT, ist u.a. Berater der NASA für Raketentriebwerke. Die amerikanischen Streitkräfte und die
NASA verliehen ihm hohe Auszeichnungen.
Robert B. Hotz, langjähriger Chefredakteur der Fachzeitschrift "Aviation Week &amp; Space Technology" und vielfach
ausgezeichneter Journalist, ist seit 1982 Mitglied der
allgemeinen Beraterkommission des US-Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung.
David C. Acheson, ehemaliger Vizepräsident der Fa.
"Communications Satellite Corporation" und gegenwärtig
Mitinhaber einer Anwaltskanzlei in Washington, wurde bereits 1948 als Jurist in die damalige Amerikanische Atomenergie-Kommission berufen und fungierte von 1961 - 1965
als Generalstaatsanwalt für den "District of Columbia".
Generalmaj'or Donald

�- Generalmajor Donald J. Kutyna (US-Luftstreitkräfte USAF), Direktor der Abteilung "Space Systems Command
Control and Communications" der Luftstreitkräfte, studierte Luft- und Raumfahrttechnik am MIT und ist mit einigen
Tausend Flugstunden ein erfahrener Pilot. Als Leiter des
Raumtransporterprogramms des amerikanischen Verteidigungsministeriums von 1982 - 1984 war er für die Planung und
den Bau der Startanlagen für den Raumtransporter an der
amerikanischen Westküste verantwortlich.
Arbeitsgrundlagen
Die bisherigen Ermittlungen der noch am Unglückstag eingesetzten Stäbe der NASA bilden eine wichtige Arbeitsgrundlage
für den offiziellen Untersuchungsausschuß. Inzwischen wurden
weitere Wrackteile am Meeresgrund geortet, bei denen es sich
möglicherweise um Trümmer der beiden 45 m langen Feststoffraketen (SRB) handelt. Mit Hilfe unbemannter, mit Foto- und
Fernsehkameras ausgerüsteter Unterwasserroboter werden diese
Objekte jetzt erst einmal inspiziert und identifiziert. Sobald feststeht, daß es tatsächlich SRB-Reste sind, will man
versuchen, sie zu heben. Dies dürfte nicht einfach sein, da
es vermutlich viele Tonnen schwere Objekte sind, die aus Wassertiefen bis zu 300 m geholt werden müssen. Die durch Funkbefehl abgesprengten Spitzen der beiden Feststoffraketen,
ebenso größere Teile des Orbiter, befinden sich unter den bereits geborgenen Trümmern.
Aufgrund einer Flammenerscheinung an der rechten Zusatzrakete einige Sekunden vor der Explosion des externen Flüssigtreibstofftanks, die den Orbiter in einen riesigen Feuerball
hüllte, konzentriert sich gegenwärtig der Verdacht auf diese
Raketen als mögliche Quelle für das Geschehen. Die Experten
betonen allerdings, daß dies vorerst nur Vermutungen seien.
Jedenfalls ist auf Filmaufnahmen, die mit einer automatischen
Kamera der NASA gemacht wurden, zu erkennen, daß offenbar unter der Hitzewirkung von Flammen aus dem Innern der Zusatzrakete an der Seite ein Loch in deren Stahlmantel gebrannt worden war. Zeitpunkt für diese Situation: 58 Sekunden nach dem
Start, 16 Sekunden vor der Explosion.
Die seitliche Flamme sei etwas ganz Ungewöhnliches, was
man bei Raumtransporterstarts nie zuvor gesehen habe, sagte
der amtierende NASA-Chef Dr. William Graham. Aus dem Loch im
Stahlmantel strömten Gase und Flammen in Höhe einer der vier
Verbindungsstellen für die Segmente der Festtreibstoffrakete
aus, und zwar etwa elf Meter oberhalb der Brenndüse und unmittelbar über der Stelle, an der die Feststoffrakete an der Seite des Flüssigtreibstofftanks befestigt war.
Jede der beiden
- 3 -

�Jede der beiden Zusatzraketen besteht aus vier aufeinandergestzten Segmenten, die ineinandergefügt und durch Stahlkammern miteinander verbunden sind. Der gummiähnliche feste
Treibstoff brennt mit Temperaturen von mehr als 3200 Grad Celsius. Einmal gezündet, gibt es keine Möglichkeit, das Feuer
zu stoppen, bis die Rakete völlig ausgebrannt ist. Bei allen
24 Raumtransporterflügen, die dem CHALLENGER-Start vom 28. Januar (Mission Nr. 51-L) vorausgegangen waren, brannten die
Feststoffraketen normal und lösten sich in 45 km Höhe automatisch ab.
Die Isolierung an der Innenseite der SRB-Zusatzraketen ist
so konstruiert, daß der 12 mm dicke Mantel aus gehärtetem
Stahl gegen die Hitze geschützt wird und nach der Bergung und
Überholung wieder verwendet werden kann - mindestens 20 mal.
Nach Angaben der Herstellerfirma "Morton Thiokol" war von den
Raketen für den Flug Nr. 51-L keines der Segmente öfter als
dreimal verwendet worden. Dr. Graham zufolge zählten die wiederverwendbaren Zusatzraketen zu den robustesten und zuverlässigsten Komponenten des Shuttle-Systems. "Nicht zufällig,
auch nicht infolge einer Fehleinschätzung unsererseits" habe
es bislang keine Pannen damit gegeben. Sie seien mit großer
Sorgfalt und viel Überlegung konstruiert, "und wir taten alles, um von vornherein Pannen irgendwelcher Art zu vermeiden",
sagte Graham vor Journalisten.
Ein Sprecher der Herstellerfirma "Morton Thiokol" bemerkte, daß die Raketen nicht bei Temperaturen unterhalb von 4,4
Grad Celsius verwendet oder Temperaturen unter Null für längere Zeit ausgesetzt werden dürften. Denn bei Kälte bestünde
die Gefahr, daß sich in der Feststoffmasse Risse bilden.
Durch einen solchen Riß könnten sich Flammen aus dem Innern
bis zum Stahlmantel durchfressen und diesen unter Umständen
aufschmelzen. Jedoch sei die Einwirkung der in Florida am
Starttag plötzlich eingefallenen Kälte zu kurz gewesen, um den
Feststoffraketen zu schaden. In einem 170 Seiten starken
NASA-Bericht vom Dezember 1985 wird u.a. eine Reihe von Verletzungen der Sicherheitsvorschriften für die Montage der
Feststoffraketen im Kennedy-Raumfahrtzentrum kritisiert. Dafür ist die "Lockheed Space Operations Company" zuständig.
Die NASA-Mitarbeiter empfahlen Änderungen der Arbeitspläne und
eine bessere Ausbildung für das Personal.
Durch Presseberichte, die NASA-Quellen zitieren, wurde inzwischen bekannt, daß Computer in der Kontrollzentrale Houston
wenige Sekunden vor der Explosion eine Reihe von Problemen erfaßt hatten. Aber diese traten nicht rasch genug auf den Monitorbildschirmen in Erscheinung, um die Astronauten zu warnen. Die Flugkontrolle hätte die Katastrophe in keinem Fall
verhindern können. Sensoren an den Feststoffraketen hatten,
- 4 -

�Feststoffraketen hatten, wie der Vergleich mit dem Film aus
der automatischen Kamera später zeigte, einen Druckabfall um
fünf Prozent im Innern der rechten Feststoffrakete zu dem
Zeitpunkt registriert, als im Stahlmantel der Riß auftrat.
Dr. Graham hatte aber bereits zuvor erwähnt, daß es bei den
Feststoffraketen im regulären Betrieb zu Druckschwankungen
komme und zunächst stets erst die Meßdaten mit den Nominalwerten verglichen werden müßten, um feststellen zu können, ob es
sich um eine Anomalie handle oder nicht.
Eine t echni sehe Frag
n de r di e In gerne ure gete ilte r
Mein ung si nd, d ürft e jet zt b eson dere Bea chtun g fi nden : Manche
Expe rten, so L. Kin g Isa aeso n, P rofe ssor für Masc hine nbau an
der Univer sität Uta h, ve rtre ten die Theo rie, daß sich bei
Fest stoffr akete n an den Verb indu ngss teil en de r Se gmen te
"Dru ckbarr ieren " au fbaue n kö nnte n, d ie z u Res onan zdru ckwe llen
führ en, we lche die Segme nte zusä tzli eher Bela stun g au sset zen.
Nach der Z ündun g ei ner F ests toff rake te s tröme n di e Ga se d es
bren nenden Trei bsto ffs d urch den all e vi er Se gmen te d urch laufend en Höh lkern hin unter zur Düs e. Und auf d iese m We g er geben
sich Turbu lenze n, d ie ge rade im Bere ich der S egme ntve rbin düngen stehen de Dr uckw eilen inn erha lb d es K erns erze ugen kön nten .
Ein schon vorha nden er Ri ß wü rde verg röße rt - und die seng ende
Hitz e könn te si ch e inen Weg zum Stah lman tel b ahne n. Aus solchen Uberl egung en e rhell t, w ie w icht ig e s ist , die Wr ackt eile
der Festst of f rakete n zu find en. Der en U nters uchu ng k önnt e
wohl am eh esten Hin weise auf die Urs ache des Ungl ücks bri ngen.

* * * * *

- 5 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Freilassung Schtscharanskijs und anderer ermutigendes Zeichen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz vom 11. Februar 1986 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan legt Haushalt 1986/1987 vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Haushaltskürzungen zur Förderung des Wirtschaftswachstums -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Demokratie und Kultur&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von Richard R. Burt, Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, gehalten am 8. Februar 1986 in der Universität Heidelberg -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Wirtschaftliche Stabilität wird Wachstum stützen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wirtschaftsbericht des Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Haushaltsvorlage Präsident Reagans&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Die wichtigsten Fakten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Warnung war nicht mehr möglich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Untersuchungskommission für CHALLENGER-Unglück hat Arbeit aufgenommen -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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AMERIKA DIENST

5.

Februar

1986

J»

I N H A L T

Dokumentation
Präsident Reagans Botschaft über die Lage der Nation
- 4. Februar 1986 -

WIRTSCHAFT
Schuldenstrategie der Vereinigten Staaten auf Strukturreform ausgerichtet
- Aussagen des Stellvertretenden Finanzministers
David C. Mulford -

Wissenschaft und Technik
Forschen nach Ursache der CHALLENGER-Katastrophe

KokainmiSbrauch
- Gesundheitsschäden - auch Babies als Opfer -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

4

5. Februar 1986

PRÄSIDENT REAGANS BOTSCHAFT ÜBER DIE LAGE DER NATION
- 4. Februar 1986 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 4. Februar 1986 vor beiden Häusern des amerikanischen Kongresses
seine in der Verfassung vorgeschriebene Botschaft über die Lage der Nation - State of the Union Message - verlesen.
Er verwies darauf, "daß der Zustand unserer Union besser
ist als vor einem Jahr und mit jedem Tag besser wird." Dem
amerikanischen Volk sprach er seinen Dank für 37 Monate ununterbrochenen wirtschaftlichen Wachstums aus. "Die Stärke Amerikas zu erhalten, ist für die nationale Sicherheit ebenso
wichtig, wie die Kontrolle der Bundesausgaben für unsere wirtschaftliche Sicherheit."
Die Botschaft des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich danke Ihnen, daß Sie es mir ermöglichten, meine Botschaft auf heute abend zu verschieben. Unser gemeinsames Innehalten galt der Trauer um unsere sieben CHALLENGER-Helden
und der Ehrung ihres Heldenmutes. Und ich hoffe, daß wir nun
bereit sind, das zu tun, was sie sicherlich von uns erwartet
hätten - schreite weiter vorwärts, Amerika, greif nach den
Sternen! Wir werden diese tapferen Sieben nie vergessen, aber
wir werden auch weiter vorwärtsschreiten.
Mr. Speaker,

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Mr. Speaker, darf ich - bevor ich mit meinem vorbereiteten
Text beginne - darauf hinweisen, daß dies heute nacht die
zehnte und letzte Botschaft über die Lage der Nation ist, bei
der Sie den Vorsitz haben. Und im Namen des amerikanischen
Volkes möchte ich Ihnen für Ihren Dienst an Kongreß und Vaterland danken.
Ich bin gekommen, um mit Ihnen den Fortschritt unserer Nation einer Prüfung zu unterziehen, von noch unvollendeter Arbeit zu sprechen und unseren Blick auf die Zukunft zu richten.
Ich freue mich, berichten zu können, daß der Zustand unserer
Union besser ist als vor einem Jahr und mit jedem Tag besser
wird. Heute abend blicken wir auf ein Amerika im Aufbruch,
einig im Geist, mächtig im Stolz und im Patriotismus - Amerika
hat sich in Bewegung gesetzt.
Aber es ist noch gar nicht so lange her, da blickten wir
auf ein ganz anderes Land - verschlossene Fabriktore und
Schlangen an den Tankstellen, unerträgliche Preise und Zinsen,
die das großartigste Land auf Erden in ein Land der gescheiterten Träume verwandelten. Der Regierungsapparat, ohne unser
Einverständnis immer weiter aufgebläht, war zu einem schwerfälligen Giganten geworden, der die Tore zum Glück versperrte
und damit drohte, sogar die Wurzeln unserer Freiheit zu zermalmen .
Was brachte Amerika auf seinen Weg zurück? Das amerikanische Volk selbst brachte uns darauf zurück - mit stillem Mut
und nüchternem Verstand; mit ungebrochenem Glauben, daß in
dieser Nation unter Gott die Zukunft uns gehören wird, weil
die Zukunft den Freien gehört.
Heute abend gebührt dem amerikanischen Volk unser Dank für 37 aufeinanderfolgende Monate des wirtschaftlichen Wachstums; für neugegründete Firmen und modernisierte Industrien,
durch die innerhalb von drei Jahren neun Millionen Arbeitsplätze geschaffen wurden; für halbierte Zinsen und für eine
Inflation, die von über 12 Prozent im Jahr 1980 auf heute unter vier gefallen ist; und für einen machtvollen Strom guter
Taten, für die Rekordhöhe von 74 Milliarden Dollar, die allein
im vergangenen Jahr an freiwilligen Spenden erbracht wurden.
Trotz des Drucks, den unsere moderne Welt ausübt, bleiben
die Familie und die Gemeinschaft moralischer Mittelpunkt unserer Gesellschaft, Wächter unserer Werte und Hoffnung für die
Zukunft. Familie und Gemeinschaft sind die beiden Sterne dieser Großen Wiederkehr Amerikas. Und ihretwegen sagen wir heute abend: Die Werte des einzelnen müssen im Mittelpunkt der
öffentlichen Politik stehen.
Was für die

�Was für die Familien in Amerika gilt, gilt auch für Amerika in der Familie freier Nationen. Die Geschichte ist nicht
Gefangene irgendwelcher Zwangsläufigkeit. Die Geschichte wird
von Männern und Frauen mit Vision und Mut gestaltet. Heute
abend ist die Freiheit auf dem Vormarsch. Die Vereinigten
Staaten sind das wirtschaftliche Wunder, das Modell, zu dem
sich die Welt erneut hinwendet. Wir stehen für eine Idee, deren Zeit jetzt gekommen ist: Nur wenn die Last von den Schultern aller genommen wird, kann ein Volk wirklich gedeihen und
kann der Frieden zwischen allen Nationen sicher sein.
Teddy Roosevelt sagte: Eine Nation, die Großes vollbringt, lebt für immer. Wir haben schon einiges geleistet,
aber wir können nicht am Fuß des Berges haltmachen, wenn ein
Everest lockt. Es ist an der Zeit, daß Amerika all das ist,
was es sein kann.
Wir sprechen heute abend von einem Fahrplan für die Zukunft, einem Fahrplan für eine Welt in mehr Sicherheit. Wir
sprechen über die notwendigen Maßnahmen, uns für die Herausforderungen zu stählen, die Wachstum, Handel und Sicherheit im
kommenden Jahrzehnt und im Jahr 2000 an uns stellen werden.
Und genau das werden wir tun - und dabei nicht mit unseren
ehernen Grundsätzen brechen, sondern uns losmachen von verfehlter Politik.
Fangen wir dort an, wo die Sturmwolken am düstersten dräuen - nämlich hier in Washington, D.C. In dieser Woche werde
ich Ihnen unsere detaillierten Vorschläge zusenden; heute
abend wollen wir von unserer Verantwortung dafür sprechen, die
Rolle der Regierung neu zu definieren: sie soll uns nicht
kontrollieren, nicht kommandieren, nicht einschränken, sondern
uns in Zeiten der Not helfen; vor allem soll sie eine Leiter
der Möglichkeiten hin zur Vollbeschäftigung erstellen, damit
alle Amerikaner auf ihr selbständig zu Wirtschaftskraft und
Gerechtigkeit gelangen können.
Aber wir können das Rennen um die Zukunft nicht gewinnen,
wenn wir an ein System gekettet sind, das nicht einmal einen
Bundeshaushalt verabschieden kann. Wir können dieses Rennen
nicht gewinnen, wenn wir von Pferdewagen-Programmen zurückgehalten werden, mit denen Steuergelder verschwendet und menschliches Potential verzettelt werden. Wir können dieses Rennen
nicht gewinnen, wenn wir in einem Meer von Vorschriften ertrinken.
Mr. Speaker, Sie, ich, das amerikanische Volk - wir alle
wissen es: das System des Bundeshaushalts ist gebrochen. Es
funktioniert nicht. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten,
es wieder funktionstüchtig zu machen. Dann können wir endlich
dem amerikanischen Volk einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen
Mitglieder des

�Mitglieder des Kongresses, die Verabschiedung des GrammRudman-Hollings-Gesetzes gibt uns eine historische Möglichkeit, das zu schaffen, was unserer nationalen Führung seit
Jahrzehnten nicht gelungen ist - die Bundesregierung zu zwingen, mit ihren Mitteln auszukommen.
Ihre Planung macht es
tion bis zum 15. April zu
an dem die amerikanischen
gets bezahlen müssen, die

erforderlich, die Haushaltsresoluverabschieden - gerade an dem Tag,
Familien die Rechnung für die Budvon Ihnen erstellt werden.

Wie oft lesen wir von einem Mann und seiner Ehefrau - beide arbeiten und mühen sich von einem Gehalt zum nächsten ab,
ihre Familie durchzubringen, eine Hypothek abzuzahlen, ihre
Steuern und ihre Rechnungen zu zahlen. Und doch sagen einige
im Kongreß, die Steuern müßten erhöht werden. Nein, es tut
mir leid, aber sie verlangen von den Falschen, den Gürtel enger zu schnallen. Es wird Zeit, daß wir den Bundeshaushalt
verringern und das Familienbudget unangetastet lassen. Wir
stehen nicht vor großen Defiziten, weil die amerikanischen Familien zu wenig Steuern zahlen; wir stehen vor diesen Defiziten, weil die Bundesregierung zu viel ausgibt.
Der detaillierte Haushalt, den wir vorlegen, wird den Zielen von Gramm-Rudman-Hollings nach Abbau des Defizits gerecht
werden; er wird unserer Verpflichtung entsprechen, eine starke
nationale Verteidigung sicherzustellen; unserer Verpflichtung
zum Schutz der sozialen Sicherheit und der wirklich Bedürftigen; und unserer Verpflichtung, die Steuern nicht zu erhöhen.
Wie können wir das erreichen? Nicht dadurch, daß wir denen etwas wegnehmen, die selbst in Not sind. Während die einen es aus eigener Kraft schaffen, muß die Regierung jenen
Schutz und Nahrung bieten, die dies nicht selbst vermögen.
Aber wir müssen jene Programme überprüfen oder ersetzen - und
die um des Mitleids willen erstellt wurden -, die den moralischen Wert der Arbeit herabmindern, die zur Spaltung von Familien ermutigen und die ganze Bevölkerungsgruppen in eine düstere und herzlose Abhängigkeit bringen.
Gramm-R udman- Holli ngs ka nn ei ne r adikal e Verb esse rung bedeute n. Ab er die Erfa hrung zeigt , daß die einfac he F estsetzung eines angest rebte n Defi zits nich t notw endige rwei se dessen
Erfül lung s ichert . Wir müssen we iter hin mi t den Refo rmen der
Grace -Kommi ssion gegen die V erwen düng vorge hen. U nd h eute
abend bitte ich S ie, m ir das zu g eben , was 43 Gou vern eure bereits haben - gew ähren Sie m ir di eses Jahr ein se lekt ives Veto. Geben Sie mi r die Vollm acht, der Verse hwendu ng E inhalt zu
gebie ten, u nd ich werd e die Veran twor tung d afür ü bern ehmen,
die K ürzung en vol lzieh en und die Situ ation entsch ärfe n.
Di ese Vollmacht

�Diese Vollmacht würde mir keine alleinige Machtstellung
einräumen, sondern ganz einfach verhindern, daß Ausgaben möglich werden, die sonst nicht aufgrund ihrer eigenen Vorzüge
angenommen worden wären; dabei lönnen Sie meinen Einspruch unterstützen oder überstimmen - so sollte das System funktionieren. Haben wir erst einmal die schwierige Entscheidung getroffen, sollten wir diese Errungenschaft in Form eines Gesetzeszusatzes zur Verfassung hinsichtlich eines ausgewogenen
Haushalts festschreiben.
Ich habe bereits erwähnt, daß wir unserer Verpflichtung
zur nationalen Verteidigung nachkommen werden. Wir müssen sie
einhalten. Die Verteidigung ist nicht einfach eine weitere
Haushaltsausgabe. Es liegt einzig und allein im Verantwortungsbereich der Bundesregierung, Amerika stark, frei und sicher zu erhalten; hier liegt die größte Verantwortung der Regierung. Wir haben fünf Jahre aufgewandt, in dem Versuch, eine
durch Illusionen und Vernachlässigung entstandene, gefährliche Lücke zu schließen. Und wir haben wichtige Errungenschaften gemacht. Dennoch besteht weiterhin eine erhebliche
Bedrohung durch die sowjetischen konventionellen und strategischen Streitkräfte, durch das sowjetische Streben nach Vorherrschaft, der Zunahme von Spionage und Staatsterror. Das
ist die Realität. Diese Realität ändert sich nicht dadurch,
daß wir unsere Augen davor verschließen.
Wir haben uns verpflichtet, das reale Wachstum der Verteidigungsausgaben so niedrig wie möglich zu halten. Mein Haushalt wird dieser Verpflichtung gerecht. Ich bitte nun den
Kongreß darum, das Seinige dazu zu tun. Die Sowjets müssen
wissen, daß Amerika seine Verteidigung nur aufgrund einer geringeren Bedrohung drosselt, nicht aber wegen mangelnder Entschlossenheit .
Die Stärke Amerikas zu erhalten, ist für die nationale Sicherheit ebenso wichtig wie die Kontrolle der Bundesausgaben
für unsere wirtschaftliche Sicherheit. Aber wie ich bereits
gesagt habe, ist die mächtigste Waffe, die wir gegen das Bundesdefizit einsetzen können, eine weiterhin frei und ungehindert expandierende amerikanische Wirtschaft.
Der Reiz der uns offenstehenden Möglichkeiten - uneingeschränkt, unerschöpflich, allen offen -: ist das nicht der
Ruf, der uns vereint? Ich glaube, daß unsere Steuersenkungen
mehr für die Menschen getan hat, um der Risikobereitschaft
Auftrieb zu geben und Amerikas Wirtschaft zu befreien als irgendein Programm seit John Kennedys Steuerkürzungen vor fast
einem Viertel Jahrhundert.
Jetzt fordert
- 5 -

�Jetzt fordert uns die Geschichte dazu auf, fortzufahren
mit den Bemühungen um eine historische Steuerreform, die neue
Chancen einräumen und dazu beitragen wird, daß alle ihren gerechten Anteil daran tragen - aber nicht mehr. Wir sind weit
gekommen. Werden Sie jetzt mit mir zusammen auch diese letzte
Etappe gehen?
Sie kennen meinen diesbezüglichen Standpunkt. Wir können
und werden keine Steuerreform akzeptieren, die eine bemäntelte
Steuererhöhung ist. Eine wirkliche Reform muß ein Motor für
Produktivität und Wachstum sein, und das heißt, daß der höchste persönliche Steuersatz nicht über 35 Prozent liegen darf.
Eine wirkliche Reform muß wahrhaft gerecht sein, und das bedeutet eine Anhebung des Steuerfreibetrags auf 2000 Dollar.
Eine wirkliche Reform bedeutet ein Steuersystem, das auf lange
Sicht hin die Familien begünstigt, neue Arbeitsplätze schafft,
Amerika und die Zukunft sichert.
Wenn wir die Wachstumshindernisse einreißen, müssen wir
unsere Bemühungen um einen freieren und gerechteren Handeln
verdoppeln. Wir haben bereits Maßnahmen getroffen, um unlauteren Handelspraktiken entgegenzutreten und nach bisher unzugänglichen Außenhandelsmärkten Ausschau zu halten. Das werden
wir auch weiterhin tun. Wir werden uns auch einer Gesetzgebung widersetzen, die vorgibt, Schutz zu gewähren, während sie
in Wirklichkeit einen amerikanischen Arbeiter auf den anderen
hetzt, einen Industriezweig auf den anderen, eine Kommune gegen die andere - und nur zu höheren Preisen für uns alle
führt. Wenn die Vereinigten Staaten mit anderen Staaten unter
gleichen Bedingungen Handel treiben können, dann können wir es
hinsichtlich Produktion, Wettbewerb und Handel mit jedem in
der Welt aufnehmen.
Die anhaltende Expansion unserer Wirtschaft und unserer
Exporte verlangt im Inland einen stabilen Dollar und verläßliche Wechselkurse auf der ganzen Welt. Wir dürfen nie wieder
wilde Wechselkursschwankungen zulassen, die unsere Bauern und
andere Exporteure lähmen. Besonders die Bauern haben in der
Vergangenheit unter unklugen Regierungsentscheidungen gelitten, und sie dürfen nicht mit Problemen allein gelassen werden, die sie nicht verursacht und auf die sie keinen Einfluß
haben. Wir haben zusammen mit unseren Haupthandelspartnern
mit der Koordination unserer Wirtschafts- und Währungspolitik
begonnen. Aber es gibt noch mehr zu tun, und heute abend weise ich Wirtschaftsminister Jim Baker an, herauszufinden, ob
die Länder der Welt sich nicht zusammensetzen sollten, um die
Rolle und das Verhältnis unserer Wechselkurse zu besprechen.
Im Vertrauen auf die Zukunft und in der Gewißheit unseres
Wertesystems streben wir Amerikaner vorwärts, dieser Zukunft

�dieser Zukunft entgegen. Das zeigt sich nicht nur in unserem
Aufschwung, sondern auch in den drei vollen Jahren einer sinkenden Verbrechensrate, im gemeinsamen Kampf von Familien und
Gemeinden gegen Pornographie, Drogen und Gesetzlosigkeit, um
ihren Kindern die sichere - und unschuldige - Kindheit zurückzugeben, die sie verdienen.
Das zeigt sich auch im neuerstandenen Erziehungswesen mit
seit drei Jahren ansteigenden positiven Ergebnissen bei Universitäts-Eingangsexamen - der Zuwachs im letzten Jahr war der
größte seit 1963. Es waren nicht die Regierung und die Lobby
in Washington, die das Erziehungswesen angekurbelt haben - es
war das amerikanische Volk, das sich bei seinem Streben nach
Qualität wieder auf die Grundwerte besann. Wir müssen den
Fortschritt weiterführen, indem wir die Disziplin in unseren
Schulen unterstützen; den Eltern das Recht auf freie Wahl bei
der Erziehung ihrer Kinder einräumen, und wir müssen unseren
Kindern das verlorene Recht wiedergeben, sich in ihren Klassenzimmern zu Gott zu bekennen.
Wir sind eine Nation von Idealisten; trotzdem gibt es heute einen Stachel in unserem nationalen Bewußtsein: Amerika
wird niemals eine Einheit sein, solange dem Ungeborenen das
von unserem Schöpfer gewährte Recht auf Leben abgesprochen
wird. Ich werde für den Rest meiner Amtszeit alles tun, damit
dieser Stachel eines Tages entfernt wird.
Bei unserem Bestreben, den amerikanischen Traum allen zugänglich zu machen, müssen wir auch den Zustand der amerikanischen Familie im Auge haben. Heutzutage ringen besorgte Eltern darum, wie sie ihren Kindern die Vorteile zugänglich machen können, die ihre Eltern ihnen selbst gewährt haben. Im
Sozialstaat hat der Zusammenbruch der Familie, seiner Keimzelle, krisenhafte Ausmaße angenommen - das zeigt sich in der Armut von Müttern mit Kind, Vernachlässigung von Kindern,
schrecklichen Verbrechen und schlechter werdenden Schulen.
Trotz der Hunderte von Milliarden Dollar für Programme gegen
die Armut nimmt das Elend der Armen immer schlimmere Ausmaße
an. Aber die Verschwendung von Dollars und Cents verblasst
vor dem tragischsten Verlust - der sündhaften Verschwendung
menschlicher Geistesund menschlicher Schaffenskraft.
Wir können diese schreckliche Wahrheit nicht länger ignorieren. Bereits Franklin Roosevelt warnte, als er vor 51 Jahren vor diesem Plenum stand: Wohlfahrt ist "... ein Betäubungsmittel, ein subtiles Zerstörungsinstrument des menschlichen Geistes". Wir müssen nun dem Spinnengewebe der Abhängigkeit entkommen. Heute abend erteile ich dem Innenausschuß
des Weißen Hauses den Auftrag, mir zum 1. Dezember 1986 eine
Bewertung von Programmen und eine Strategie für Sofortmaßnah- 7 -

�für Sofortmaßnahmen vorzulegen, um den finanziellen und sozialen Bedürfnissen sowie den Erziehungs- und Bildungsangelegenheiten armer Familien zu begegnen - ich spreche von einer
wirklichen und anhaltenden Befreiung, weil der Erfolg der Sozialleistungen daran gemesssen werden sollte, wieviele ihrer
Empfänger von ihr unabhängig werden.
Nachdem ich auch gesehen habe, wie sehr eine verheerende
Krankheit die finanzielle Sicherheit einer Familie zerstören
kann, weise ich den Gesundheitsminister Dr. Otis Bowen an, mir
zum Jahresende Empfehlungen darüber vorzulegen, wie Privatsektor und Regierung zusammenarbeiten können, um sich mit den
Problemen einer Versicherung auseinanderzusetzen, die jedermann bezahlen kann, ohne seine lebenslangen Ersparnisse anzugreifen, wenn eine lebensbedrohende Krankheit über ihn hereinbricht.
Heute abend möchte ich direkt zur jungen Generation Amerikas sprechen: ihr haltet das Schicksal unserer Nation in Euren Händen. Bei all den Versuchungen, denen junge Menschen
heute ausgesetzt sind, und die manchmal die Anziehungskraft
der freizügigen Gesellschaft ausmachen, werden ihnen oft übermenschliche Kraftakte der Selbstkontrolle abverlangt.
Aber
der Ruf der Zukunft ist zu stark, die Herausforderung zu groß,
um sich in den dunklen Abgründen von Verfall, Drogen und Verzweiflung zu verlieren.
Es gab niemals ein aufregenderes Zeitalter - eine Zeit der
mitreißenden Wunder und der heldenhaften Errungenschaften. Wie
hieß es in dem Film "Zurück in die Zukunft": "Wo wir hingehen, brauchen wir keine Straßen".
Heute schauen Physiker in die unendlich kleinen
subatomarer Teilchen und finden dabei Bestätigungen
bens an Gott; Astronomen bauen ein Weltraumteleskop
man bis an den Rand des Universums schauen kann und
sogar bis zurück zum Moment der Schöpfung.

Bereiche
des Glaumit dem
vielleicht

Diese Nation fühlt sich also weiterhin dem amerikanischen
Raumfahrtprogramm voll verpflichtet. Wir werden mit den Flügen unserer Raumfähre fortfahren. Wir werden unsere Raumstation bauen. Und wir werden die Forschungsarbeiten an einem
neuen Orient-Express weiterführen, der Ende des nächsten Jahrzehnts nach dem Abheben vom Flughafen Dulles, auf 25fache
Schallgeschwindigkeit beschleunigt, in eine niedrige Umlaufbahn gebracht werden oder in zwei Stunden nach Tokio fliegen
könnte.
Und mit der gleichen Technologie, die unser Leben verändert, kann das größte Problem des 20. Jahrhunderts gelöst wer-

�gelöst werden. Eines Tages kann ein Sicherheitsschild Atomwaffen überflüssig machen und damit die Menschheit aus dem Gefängnis des nuklearen Schreckens befreien. Amerika hat sich
einer historischen Herausforderung gestellt und ist auf dem
Mond gelandet. Jetzt muß Amerika eine neue Herausforderung
bestehen: die Realisierung unserer strategischen Verteidigung
für die Bewohner des Planeten Erde.
Laßt uns von unserer tiefsten Sehnsucht für die Zukunft
sprechen: unseren Kindern ein Land der Freiheit und Gerechtigkeit in einer friedlichen Welt zu hinterlassen. Ich hoffe,
daß unser Gipfeltreffen am Kaminfeuer von Genf und der kommende Besuch von Herrn Gorbatschow in Amerika zu einem stabileren
Verhältnis führen wird. Sicherlich gibt es kein anderes Volk
auf der Welt, das den Krieg mehr verabscheut und den Frieden
mehr liebt als wir Amerikaner.
Aber wir können den Weg in die Zukunft nicht mit kindlichem Vertrauen beschreiten. Unsere Differenzen mit einem
System, das offen ein angebliches Recht auf Herrschaft über
das Leben der Menschen und auf die gewaltsame Verbreitung seiner Ideologie verkündet und praktiziert, sind tiefgreifend und
fortdauernd.
Die Logik und die Geschichte zwingen uns, zu akzeptieren,
daß unser Verhältnis von Realismus bestimm^ sein muß: Stahlhart, klarsichtig, beständig und sicher. (Unsere Genfer Verhandlungsführer haben eine radikale Beschneidung der Offensivwaffen auf jeder Seite vorgeschlagen, ohne Betrug. Sie haben
klargemacht, daß die Erfüllung von Geist und Buchstaben jeden
Abkommens durch die Sowjets eine Grundbedingung darstellt.
Wenn die sowjetische Regierung ein Abkommen wünscht, das die
Zahl der Atomwaffen wirklich reduziert, dann wird es solch ein
Abkommen geben.^)
Rüstungskontrolle bildet jedoch keinen Ersatz für den
Frieden. Wir wissen, daß der Frieden den Spuren der Freiheit
folgt und daß Konflikte aufbrechen, wenn der Wille des Volkes
mißachtet wird. Deshalb müssen wir uns auf den Frieden nicht
nur durch die Verringerung von Waffen, sondern auch durch die
Förderung von Wohlstand, Freiheit und Demokratie wie und wo
auch immer wir können vorbereiten.
Jedes Mal, wenn wir uns für niedrigere Steuern, freiere
Märkte und gesunde Währungen einsetzen, fördern wir die Verwirklichung der versprochenen Möglichkeiten. Jedes Mal, wenn
wir mit unseren Verbündeten zusammenarbeiten oder belagerten
Freunden helfen, stärken wir die Familie der Freiheit. Und
wir können diese Familie von freien Völkern erweitern, wenn
wir die unveräußerlichen Rechte aller Kinder Gottes auf Verfolgung ihrer Träume verteidigen.
Denen, die von
- 9 -

SM

�Denen, die von unterdrückerischen Regimen eingekerkert
sind, denen, die geschlagen werden, weil sie es wagen, für
Freiheit und Demokratie einzutreten - für ihr Recht auf Religions- und Redefreiheit, die Freiheit, in der Familie freier
Staaten zu leben und zu gedeihen -, denen sagen wir heute
abend: Freiheitskämpfer, ihr seid nicht allein. Mit moralischem und materiellem Beistand wird Amerika nicht nur euer
Recht, für die Freiheit zu kämpfen und zu sterben, unterstützen, sondern auch euer Recht, für die Freiheit zu kämpfen und
zu gewinnen: in Afghanistan, Angola, Kambodscha und Nicaragua.
Dies bedeutet eine große moralische Herausforderung für
die ganze freie Welt. Sicher gibt es kein anderes Problem, das
für den Frieden in unserer Hemisphäre, die Sicherheit unserer
Grenzen und den Schutz unserer vitalen Interessen, wichtiger
ist als die Erlangung der Demokratie in Nicaragua und der
Schutz von Nicaraguas demokratischen Nachbarstaaten.
In diesem Jahr werde ich den Kongreß um die Mittel bitten,
um das zu tun, was für diese große und gute Sache getan werden
muß. Scoop Jackson, der Inspirator unserer Überparteilichen
Kommission für Zentralamerika, hat einmal gesagt: "In Fragen
der nationalen Sicherheit ist die beste Politik keine Politik."
Was wir dieses Jahr im Hinblick auf all die Herausforderungen erreichen, mit denen wir konfrontiert sind, wird unseren Kurs für den Rest dieses Jahrzehnts, ja für den Rest dieses Jahrhunderts, bestimmen. Nach all dem, was wir bis jetzt
getan haben, soll niemand sagen, daß diese Nation nicht das
Ziel unserer Träume erreichen kann. Amerika glaubt daran, Amerika ist bereit dazu und Amerika kann das Rennen in die Zukunft gewinnen - und dies werden wir auch.
Der amerikanische Traum ist ein Lied der Freiheit, das
durch die Winternacht erklingt. Lebhafte, sanfte Musik, die
unsere Herzen erwärmt, wenn die geringsten unter uns nach den
höchsten Dingen streben: ein waghalsiges Unternehmen zu wagen;
neue Schönheit in der Musik, Literatur und Kunst ans Tageslicht zu bringen; ein neues Universum in einem winzigen Silikonchip oder in einer einzigen menschlichen Zelle zu entdecken.
Wir sehen, wie dieser Traum im Entdeckergeist eines
Richard Cavoli verwirklicht wird. Während seines ganzen Lebens hielten ihn die Geheimnisse der Medizin gefangen. Und,
Richard, wir wissen, daß das Experiment, mit dem Sie schon in
Ihrer Schulzeit begonnen haben, letzte Woche gestartet wurde
und fehlgeschlagen ist. Aber Ihr Traum lebt weiter. Uns so
lange er Wirklichkeit ist, wird weiterhin Arbeit von ehrenvollem Ansehen geleistet werden: Arbeit, die eines Tages die
schädlichen Wirkungen von Röntgenstrahlen auf Patienten redu- 10 -

�Patienten reduzieren könnte und die es Astronomen ermöglichen
die goldenen Pforten der fernsten Sterne zu erschauen.
Wir sehen, wie der Traum in der enormen Begabung des
zwölfjährigen Tyrone Ford glüht. Als Wunderkind der GospelMusik hat er persönliches Unglück überwunden und ist ein vollendeter Pianist und Sänger geworden. Außerdem dirigiert er
die Chöre von drei Kirchen und ist im Kennedy Center aufgetreten. Mit Gott als Komponisten, Tyrone, wird Deine Musik die
Musik von Engeln sein.
Wir sehen, wie der Traum durch den Mut des 13jährigen
Shelby Butler gerettet wird. Als ausgezeichnete Schülerin und
Mitglied der Schülerlotsen ihrer Schule riskierte sie ihr Leben als sie sah, wie ein anderes Mädchen vor einem außer Kontrolle geratenen Schulbus vor Angst erstarrte. Sie zog dieses
Mädchen in Sicherheit. Mit einem Mut wie Deinem, Shelby,
braucht Amerika niemals um seine Zukunft zu fürchten.
Und wir sehen die Wiedergeburt dieses Traumes im freudigen
Mitleid eines 13jährigen namens Trevor Ferrell. Vor zwei Jahren, als Trevor elf Jahre alt war, sah er im Fernsehen, wie
Männer und Frauen die Nacht in verlassenen Hauseingängen verbrachten. Er verließ das Haus in einem Vorort von
Philadelphia, um den Hilf- und Heimatlosen Decken und Essen zu
bringen. Und heute helfen ihm 250 Menschen dabei, seine
nächtliche Mission zu erfüllen. Trevor, Du verkörperst den
lebendigen Geist brüderlicher Liebe.
Ich möchte Sie vier bitten, sich für einen Moment zu erheben .
Vielen Dank. Sie sind Helden unserer Herzen. Wir schauen
Sie an und wissen, daß es wahr ist. In diesem Land der erfüllten Träume, wo noch großartigere Träume vorstellbar sind,
ist nichts unmöglich, ist kein Sieg außer Reichweite und wird
kein Ruhm jemals zu groß sein.
Es liegt nun an uns, an uns allen, Amerika auf den Tag
vorzubereiten, an dem unsere Arbeit verblassen wird angesichts
der Größe von Amerikas Helden des 21. Jahrhunderts.
Die Hoffnungen der Welt ruhen auf Amerikas Zukunft. Die
Hoffnungen Amerikas ruhen auf uns. So laßt uns denn voranschreiten, um unsere Welt von morgen zu schaffen - im Glauben,
in Einheit und in Liebe. Gott segne Sie und Gott segne
Amerika.

# * * *

- 11 -

�^° s v

AMERIKA DIENST

'Vo^

Wirtschaft
5. Februar 1 9 8 6

S C H U L D E N S T R A T E G I E DER V E R E I N I G T E N S T A A T E N
AUF S T R U K T U R R E F O R M A U S G E R I C H T E T
- Aussagen des
S t e l l v e r t r e t e n d e n F i n a n z m i n i s t e r s David C. M u l f o r d -

W A S H I NGTON - ( AD) - Na ch de r vom amer ikan isch en Fin a n z m i nist er Ba ke r i n Se oul vorg eschl agenen Seh ulde nstr a t e g i e w e r d e n
betr ä c h 11 iche Summ en n euer Geld er not ig s e i n , um den ve r s c h u l dete n Sta aten beim Übe rgan g zu dauerh afte m Wi rtsc h a f t s w a c h s t u m
zu u nters tütze n. Jedo ch w ird k eine n och so g roße M e n g e G e l d e s
ausr e i c h e n wenn d ie b etro f fenen Land er k eine wir t s c h a f t l i c h e n
Refo rmen besch ließ en, die für d ie Seh affu ng e iner Grund 1 age
für stabi les W achs tum unab dingb ar sin d, w ie e s de r für i n t e r nati onale Anae lege nhei ten zustä n d i g e Stel Iver tret e n d e F i n a n z mini ster der~v erei nigt en S taate n, Dav id C . Mulfor d, aus d r ü c k t e
Nach M u l f o r d s A u s s a g e n vor einem U n t e r a u s s c h u ß des a m e r i k a n i s c h e n K o n g r e s s e s vom 2 3 . Januar 1 9 8 6 m ü s s e n z u s ä t z l i c h zur
B e r e i t s t e l l u n g von c a . 40 M i l l i a r d e n D o l l a r für die S c h u l d n e r länder in den n ä c h s t e n drei Jahren " S c h r i t t e u n t e r n o m m e n w e r d e n , um die S p a r - und I n v e s t i t i o n s t ä t i g k e i t in den e i n z e l n e n
Ländern a n z u r e g e n , um die Last der ö f f e n t l i c h e n A u s g a b e n zu
v e r r i n g e r n , W e t t b e w e r b s f ä h i g k e i t und L e i s t u n g s f ä h i g k e i t zu
s t e i g e r n und die p o t e n t i e l l e n V o r t e i l e a u s l ä n d i s c h e r I n v e s t i tionen und des H a n d e l s mit dem Ausland zu n u t z e n . "
Die D u r c h f ü h r u n g der a m e r i k a n i s c h e n S c h u l d e n s t r a t e g i e w e r de einen von Land zu Land v e r s c h i e d e n e n "lagen und k o m p l e x e n
Prozeß" erfordern.
Die A u s s a g e n

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Die Aussagen des Stellvertretenden Finanzministers vor dem
Unterausschuß des Wirtschaftsausschusses des amerikanischen
Kongresses haben folgenden Wortlaut:
Ich begrüße diese Gelegenheit zur Besprechung der amerikanischen Vorschläge zur Verbesserung der internationalen Schuldenlage. Wie Sie wissen, haben die Vereinigten Staaten im
letzten Herbst zwei bedeeutende Initiativen gestartet. Die
erste führte am 22. September zur Ankündigung einer Reihe von
wichtigen makroökonomischen Maßnahmen durch die Fünfergruppe
führender Industriestaaten, um die Aussichten für ein dauerhaftes Wirtschaftswachstum in den Industriestaaten zu verbessern und damit gleichzeitig auch eine stärkere Grundlage für
eine Erneuerung des Wachstums in den Entwicklungsländern zu
schaffen.
Die zweite Initiative bestand in dem amerikanischen Vorschlag für ein "Programm für dauerhaftes Wachstum" für die
Schuldnerländer, welches von Minister Baker während der Jahrestagung von IWF und Weltbank im Oktober erläutert wurde.
Obwohl die Schuldnerländer seit 1982 erhebliche Fortschritte
bei der Reduzierung ihrer Verbindlichkeiten gemacht haben,
waren wir davon überzeugt, daß noch mehr getan werden müsse
zur Bekämpfung der inneren Unausgewogenheit, zur Umkehrung der
Kapitalflucht und zur Schaffung des nötigen binnenländischen
Unterbaus für stärkeres Wachstum. Außerdem mußte der scharfe
Rückgang bei der Vergabe von neuen Krediten durch die Geschäfts- und Handelsbanken seit 1982 angesprochen werden, und
es mußte eine positive Antwort auf die überzogene Rhetorik und
Politisierung einiger Schuldnerländer in Bezug auf das Schuldenproblem gefunden werden.
Um diesen Problemen gerecht zu werden, schlug Finanzminister Baker ein Drei-Punkte-Programm vor, das auf der gegenwärtigen fallbezogenen Schuldenstrategie aufbaut und verstärkende Aktionen auf Gegenseitigkeit durch die Schuldnerländer,
die internationalen Finanzinstitutionen und die Geschäfts- und
Handelsbanken zur Verbesserung der Aussichten auf wirtschaftliches Wachstum der Schuldnerstaaten vorsieht.
Zunächst ist es besonders wichtig, daß die Schuldnerländer
umfassende makroökonomische und strukturelle Schritte unternehmen, um das Wachstum und den Ausgleich der Zahlungsbilanz
zu fördern und die Inflation zu reduzieren. Solche Programme
sollten beinhalten:
- vermehrtes Vertrauen in den privaten Sektor;
- vermehrte Aktionen auf der Angebotsseite zur Mobilisierung der Spar- und Investitionstätigkeit im Inland; sowie
- größere Betonung von Maßnahmen zur Marktöffnung zur Ermutigung ausländischer Direkt- und Wertpapierinvestitionen, Kapitalzufluß und Handel.
Zweitens anerkennt
- 2-

�Zweitens anerkennt unser Vorschlag die Tatsache, daß der
Internationale Währungsfonds eine zentrale Rolle bei der
Durchführung der internationalen Schuldenstrategie gespielt
hat und betont, daß dies auch in Zukunft so sein solle.
Gleichzeitig ist wichtig, daß die Weltbank und die anderen
multilateralen Entwicklungsbanken eine größere Rolle spielen,
um die Maßnahmen des IWF zu ergänzen.
Insbesondere haben wir vermehrte und effektivere Gewährung von Krediten durch die multilateralen Entwicklungsbanken
zur strukturellen und sektoralen Anpassung gefordert. Wir
stellen uns einen 50prozentigen Anstieg gegenüber den gegenwärtig von der Weltbank und der Interamerikanischen Entwicklungsbank (IDB) an die Hauptschuldnerländer ausgezahlten Geldern auf jährlich 9 Milliarden Dollar von 1986 bis 1988 vor,
was eine Gesamtsumme von 27 Milliarden Dollar für diesen Zeitraum bedeuten würde. Dies würde einen jährlichen Anstieg von
20 Prozent insgesamt ausmachen, nach den festgelegten Rückzahlungen, oder 20 Milliarden Dollar in neuen Nettokrediten während dieser drei Jahre.
Drittens schätzen wir einen Bedarf von 20 Milliarden Dollar in neuen Nettokrediten von den Handels- und Geschäftsbanken zur Unterstützung von wachstumsorientierten Schritten
durch die Schuldnerländer während der nächsten drei Jahre.
Dies ist gleichbedeutend mit einem Anstieg der jetzigen Bankbeteiligung um 2,5 bis 3 Prozent jährlich.
Wir deuteten an, daß wir gleichfalls bereit sein würden,
den Zeitpunkt und das Ausmaß einer generellen Kapitalerhöhung
für die Weltbank ernsthaft zu untersuche, wenn jeder der Beteiligten seinen Teil beiträgt und die Nachfrage nach Qualitativer Darlehensgewährung durch die Weltbank zunimmt.
Durchführung
Die Durc hfüh rung der Schu lden stra tegie wir d ein lan ger und
komp lexe r Pr ozeß sein . Der B egin n de r Ope rati onen wird nicht
durc h ei n ei nzel nes E reig nis qeke nnze ichne t se in. Dies er Prozeß hat soga r schon b egon nen. Un d die ame rika nisch e Sc huldeninit iati ve s teil t auc h ke inen Akt ions plan dar, der voll ständig
auf jede s Schuld nerla nd a ngew ende t we rden kann . Die Du rchführung wir d au f einer f allb ezog enen Gru ndlag e st attfi nden , wobei
die Init iati ve e inen Rahm en f ür k oope rativ e Ak tione n bi lden
wird , um die eig enen Anst reng unge n de r Seh uldn erlän der zur
Verb esse rung ihr er Wa chst umsa ussi chte n zu unte rstüt zen. Dies
wird von der ind ividu eile n Si tuat ion in de n Schuldn erlä ndern
sowi e von de n En tsche idun gen jede s Landes zur Durch führ ung der
z u s ä tzli chen wac hstum sori enti erte n Ma ßnahm en a bhäng en, die zur
Erqä nzun a de r schon b egon nene n An pass ungsm aßna hmen erfo rderlieh sin d.
Deshalb ist

�Deshalb ist es u n a n g e b r a c h t , nach " T e s t f ä l l e n " für die B e folgung des " B a k e r - P l a n e s " als Beispiel für die S c h r i t t e A u s schau zu h a l t e n , die wir von allen S c h u l d n e r l ä n d e r n e r w a r t e n
könnten.
Kein Modell wird als Ganzes auf die u n t e r s c h i e d lichen S i t u a t i o n e n dieser Länder z u t r e f f e n .
Einige sind schon
auf dem richtigen W e g ; andere haben e i n i g e A n p a s s u n g s m a ß n a h m e n
d u r c h g e f ü h r t , haben jedoch insgesamt nur b e g r e n z t e F o r t s c h r i t te erzielt oder haben in letzter Zeit b e d e u t e n d e R ü c k s c h l ä g e
e r l i t t e n ; und a n d e r e Länder beginnen g e g e n w ä r t i g g e r a d e erst
mit den n o t w e n d i g e n R e f o r m e n .
Es is t kl a r , da ß in nerh alb dies er dr ei b reiten Grup pen einige Land er a lle El emen te d i e s e r n euen I niti ative in An spruch
nehm en mü ssen . Ich würd e Ar g e n t i n i e n und Mex i k o dleser Gruppe
Me xiko b efin det sich zur Zeit mit Unter stütz ung des
zuor d n e n .
IWF in Ve rhan d l u n g e n üb er e in neues Prog ramm , während A rgentinien mit sein em exi stie rend en Progr amm w eite rhin e ng ml t dem
IWF zusam mena rbeite t. Wir g l a u b e n , daß es i n beid en Fä llen
wich tig i s t , e I n g rößer es A ugenmerk auf stru kturel le Ma ßnahmen
im Z usamm enha ng mit den IWF -Program men z u ri chten. Im Kontext
sekt orale r Da riehen der Wel tbank we rden dies e Land er au ch
stru kturp olit ische Maßn ahme n entwic k e i n .
Be ide we rden 1986
auße rdem erhe bliche Fin anzi erungspa kete der Handel s- un d Geschä f tsba nken benöt igen . Der Absch luß d iese r komp lexen Verhand lunge n wi rd ein e We ile dauern u nd so U t e nicht über Nacht
erwa rtet werd e n .

Dies trifft besonders auf diejenigen Länder zu, die alle
Elemente dieser Initiative in Anspruch nehmen müssen. Diese
Verhandlungen werden auf fallbezogener Basis auch die Beziehungen zwischen den Programmen des IWF und der Weltbank und
der Finanzierung durch die Handels- und Geschäftsbanken regeln
müssen, um sicherzustellen, daß alle drei Elemente zur Unterstützung wachstumsorientierter Reformen in den Schuldnerländern zusammenwirken. Dies wird eine engere Zusammenarbeit der
internationalen Finanzinstitutionen bei der Bewertung der
Wirtschaftspolitik und des Finanzbedarfs der verschiedenen
Schuldnerländer und unterstützende Finanzierung durch die Handels- und Geschäftsbanken erfordern.
Eine zweite Gruppe von Ländern braucht unter Umständen zu
diesem Zeitpunkt nur einen Teil der Initiative auszuschöpfen.
Ekuador etwa ist ein hervorragendes Beispiel für ein Land,
das bereits eine solide Wirtschaftspolitik betreibt, die von
grundlegender Bedeutung für den von uns vorgeschlagenen Weg
ist. Tatsächlich gibt es dort ein IWF-Programm, das genau innerhalb der Zielvorstellungen liegt. Es wurden erst kürzlich
Vereinbarungen über Finanzierungen durch Geschäftsbanken und
über Umschuldungen getroffen. Beträchtliche Erfolge wurden in
diesem Land auch schon dabei erzielt, eine Politik zu verwirklichen, die verstärkt Anreize für Spar- und Investitionstätig- 4-

�und Investitionstätigkeit bietet, die Märkte öffnet und staatliche Unternehmen privatisiert, um deren wirtschaftliche Effizienz zu vergrößern und das Wachstum zu stimulieren. Das sektorale Anpassungsdarlehen, das Ekuador in der vergangenen
Woche mit der Weltbank unterzeichnete, trägt zu einer weiteren
Intensivierung dieser Bemühungen bei; weitere solcher Darlehen
sollen auch in Zukunft noch ausgehandelt werden. Ekuador bemüht sich ganz offenkundig in einer nächsten Phase darum, zu
einem Status freiwilliger Darlehensnahme zurückzukommen, was
ein deutliches Zeichen des Erfolgs darstellen würde.
Andere Schuldnerländer befinden sich derzeit auf unterschiedlichen Stufen dieses politisch-finanziellen Stützungsplanes. Manche - wie etwa Kolumbien - sind dabei in seiner Umsetzung in die politische Wirklichkeit schon ein gutes Stück
vorangekommen. In anderen Staaten - wie etwa der Elfenbeinküste und Uruguay - gibt es vergleichbare IWF-Programme sowie
Finanzierungs- und Umschuldungspakete und sie sind dabei, mit
der Weltbank zusätzliche strukturelle Anpassungsmaßnahmen auszuhandeln .
Br a s i 1 i en be find et si ch i n ein er ande ren Lage . Das Land
erfre ut sich ein es q roßen Wac hstum s und einer sta rken Außenhande lsposit ion . Ma n wir d do rt je doch en ergi sehe Maß nahmen
ergre ifen mü ssen , um das soli de Wa chstum beiz ubeh alte n und die
Infla tion ab zuba uen. Der zeit hat Brasili en w i ssen la ssen, daß
es ni cht die Not wend igkei t si eht, ein for mell es I WF-P rogramm
auszu handeln . Dies stell t ei n Pro blem fü r eine jegli che Umschul düng de r of fizl eilen Kre dite im Rahm en d es C lubs von Paris d ar, wob ei j a di v Bet eili gung an eine m IW F-Hi lfsp rogramm
gefor dert wi rd. Sol ange dies es Pr oblem n och sein er L ösung
harrt , wird iede wei tere Fina nzier ung dur ch G esch äfts banken
von d eren Ur teil dar über abhä ngen, wie es um die Kred itwürdigkeit Brasili ens best eilt ist, wöbe i dies sich wie deru m zum
Teil auf die Sol idit ät de s br asili anische n Wi rtsc haft sprogramm s stützt.
Peru schließlich hat sich derzeit zu einem ganz anderen
Weg entschlossen und hat einseitig eine Obergrenze seiner Zahlungen für den Schuldendienst - im Sinne eines prozentualen
Anteils seiner Gesamtexporterlöse - festgelegt. Solange Peru
nicht eine konstruktivere Haltung einnimmt, werden seine einseitigen Maßnahmen sich als kontraproduktiv erweisen. Erst
jüngst hat auch Nigeria einen ähnlichen Kurs eingeschlagen.
Das Endergebnis wird in beiden Fällen wahrscheinlich ein in
Zukunft noch beschränkterer Zugang zu den so dringend notwendigen ausländischen Geldern sein, wenn nicht eine konstruktivere Haltung eingenommen wird.
Ich erwähne diese Beispiele, um zu zeigen, wie unterschiedlich Wirtschaftslage und -politik bei den Schuldnerländern sind. Die meisten von ihnen beteiligen sich bereits an

�bereits an den kooperativen Maßnahmen, die wir dargelegt haben
und es geht jetzt um die Frage, wie erfolgreich sie jetzt dabei sein werden, diese neuen Gelegenheiten zu ergreifen und
ihre Volkswirtschaften entsprechend anzupassen. Für diese
Staaten geht es nicht darum, sich den Baker-Plan auch formell
zueigen zu machen, damit dieser verwirklicht werden kann, sondern darum, die notwendigen innenpolitischen Reformen durchzuführen, um alle potentiell vorhandenen Möglichkeiten ihre
Volkswirtschaften in die Tat umzusetzen.
Die Rolle der Finanzinstitutionen
Die Reaktion auf unseren Vorschlag bei den internationalen
Finanzinstitutionen und den Handels- und Geschäftsbanken war
sehr positiv und ermutigend. Wir haben umfangreiche Erklärungen des geschäftsführenden Direktors des Internationalen Währungsfonds, des Präsidenten der Weltbank und des Präsidenten
der Interamerikanischen Entwicklungsbank erhalten, in denen
Unterstützung zum Ausdruck gebracht wird.
Die amerikanischen Banken, die 95 Prozent des von amerikanischen Handels- und Geschäftsbanken in den Hauptschuldnerländern angelegten Geldes repräsentieren, haben ihre Unterstützung zugesagt - ebenso wie die nationalen Bankengruppen und
die wichtigsten Banken aller Hauptgläubigerstaaten.
Was geschieht als Nächstes?
Um ihren Beitrag zu dieser kooperativen Strategie zu leisten, ist es für die internationalen Finanzinstitutionen wichtig, bei ihren eigenen Prozeduren Reformen durchzuführen, um
verstärkt strukturelle Anpassungsmaßnahmen zu betonen und die
Auszahlung bei vereinbarten Programmen so abzuwickeln, daß sie
das Verhalten der Schuldnerländer überwachen können, damit
sichergestellt wird, daß die Änderungen auch durchgeführt werden.
Wir hoffen, daß es zu einem wachsenden Fluß struktureller
und sektoraler - und von der jeweiligen Politik abhängigen Anpassungsdarlehen seitens der Weltbank sowie einer verstärkten Betonung der Privatisierung, der offenen Märkte und zunehmender Spar- und Investitionstätigkeit kommt. Die Entwicklung
von Kapitalmärkten in den Entwicklungländern - worüber die
Weltbank, die Internationale Finanzkorporation (IFC) sowie die
Interamerikanische Entwicklungsbank bereits mit der Bankenwelt
gesprochen haben - ist ebenso wichtig wie das Potential für
Schulden/Kapital-Tausch als Teil des Privatisierungsprozesses.
Öffentliche Unternehmen stellten eine erhebliche Belastung
für die staatlichen Mittel dar und trugen in den vergangenen
Jahren erheblich zu den Haushaltsdefiziten bei. Es ist wich-

�ist wichtig, dieser Vergeudung der Mittel eines Landes entgegenzutreten und einem starken und wachsenden Privatsektor als
einem Element der notwendigen Strukturreformen Erleichterungen
zu verschaffen.
Stärkere und offenere inländische Geldmärkte, Steuerreform
sowie eine Verbesserung des investiven Umfeldes können gleichfalls die Spar- und Investitionstätigkeit als Wachstumsstimulanz verbessern. Auch die Liberalisierung des Handels und die
Rationalisierung des Imports würden dem Export und der Wirtschafts als Ganzes zugute kommen.
Es ist doch praktisch so, daß es unrealistisch wäre, Unterstützung in Form freiwilliger Darlehen aus dem Ausland zu
fordern - gleich, ob von staatlicher oder privater Seite -,
wenn die inländischen Mittel selbst in die andere Richtung gehen. Der Kapitalflucht muß begegnet werden, wenn es wirklich
Aussicht auf weitere Mittel geben soll.
Dies sind also die Reformen, die die Weltbank und öer IWF
brauchen, um im Rahmen ihrer Darlehensprogramme Mut zu machen.
Wir werden auch eng mit der Interamerikanischen Entwicklungsbank zusammenarbeiten, um zu den notwendigen verfahrensmäßigen
und politischen Reformen zur Unterstützung der amerikanischen
Initiative zu ermutigen.
Schließlich wird auch die Bankenwelt ihre eigenen Mechanismen erarbeiten müssen, um ihren Verpflichtungen bei einer
Erhöhung der Nettokreditvergabe zur Unterstützung der wachstumsorientierten Wirtschaftsprogramme der Schuldnerländer gerecht zu werden.
Eine ganze Reihe von Ideen wird derzeit diskutiert. Was
uns angeht, so beabsichtigen wir nicht, zu diesem Zweck staatliche Garantien zu geben. Wir sind der festen Überzeugung,
daß diese Haltung dazu beiträgt, die Qualität der Außenstände
der Banken zu verbessern und deshalb im eigenen Interesse der
Banken jener Länder liegt, die eine solide, wachstumsorientierte Anpassung betreiben.
Schlußfolgerung
Sind angesichts der sich in in letzter Zeit verschlechternden Lage Mexikos die Beträge, die wir für die Arbeit der
Multilateralen Entwicklungsbanken und der Geschäftsbanken vorgeschlagen haben, für jene ausreichend, die bereit sind, die
notwendigen innenpolitischen Reformen durchzuführen? Wir
glauben, ja. Die jüngsten weltwirtschaftlichen Entwicklungen
haben die Voraussetzungen nicht wesentlich verändert, auf
denen unsere Schätzung bezüglich der 15 Hauptschuldnerländer
- 7-

�15 Hauptschuldnerländer sich gründete. Dazu gehörten eine
durchschnittliche Wachstumsrate der OECD von annähernd 3 Prozent und eine 5prozentige Wachstumsrate bei den beteiligten
Schuldnerstaaten im gleichen Zeitraum.
In der Tat sind die Zinsen zurückgegangen, wodurch die
jährliche Zinsbelastung dieser Staaten seit Anfang 1985 um
rund 7 Milliarden Dollar zurückgegangen ist. Die fallenden
Ölpreise andererseits haben die Finanzlage mancher Staaten
verbessert, die anderer wiederum verschlechtert. Insgesamt
gesehen hat sich die Lage seit vergangenem Sommer verbessert.
Ein Blick nach vorn zeigt, daß ein deutlicher Rückgang der
ölpreise eindeutig für die Entwicklungländer insgesamt von
Nutzen wäre. Allerdings würde ein radikaler Abfall ganz offensichtlich für jene Länder mit Anpassungsschwierigkeiten
verbunden sein, die von Ö'lexporten abhängig sind. Wir müssen
dies genau im Auge behalten. Das "Programm für dauerhaftes
Wachstum" ist flexibel und anpassungsfähig und ist so entworfen, daß es auch mit Verteilungsproblemen dieser Probleme
fertigwerden sollte. Es ist allerdings offensichtlich, daß
Staaten wie Mexiko und Nicaragua in naher Zukunft vor zunehmenden Geldnöten stehen werden.
Obglei ch u nse r Vo rsch lag e rheb lieh e Su mmen an n euen Geld e m beinh alte t, um d en S chuld ners taat en b ei ih rem Uberg ang zu
anha ltende m Wa chs tum behi lflic h zu sei n, s o wir d do ch ke ine
Fina nzieru ng a nge mess en s ein, sola nge dies e Sta aten nich t die
wirt schaft lieh en Maßn ahme n dur chfü hren , die not wend ig si nd, um
die Grundl age für ein Wac hstum zu scha ffen . Die In flati on,
die die Vo lksw irt scha ften der real en W achs tumsg ewin ne be raubt,
muß unter Kont rol le g ebra cht w erde n. Es m üssen Seh ritte untern ommen werd en, um die Spar- und Inv esti t i o n stäti gkeit in
den einzel nen Län d e m anz urege n, u m di e La st de r öf fentl ichen
Ausg aben z u ve rri nger n, W ettbe werb sfäh igke it un d Le istun gsfähi gkeit zu s tei gern und die pote ntie llen Vort eile ausl ändisch er Inv esti tio nen und des H ande ls m it d em Au slan d zu nutzen. Nur dies ka nn d ie s olide wir tsch aftl iche Grün dlage in
den einzel nen Län d e m seh äffen , die fü r ein bes sere s Wachstum
Vora ussetz ung ist

* # * * *

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V,oN^

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

5. Februar 1986

FORSCHEN NACH URSACHE DER CHALLENGER-KATASTROPHE

- (AD) - Die Trümmersuche dauert an. Fernsehkameras unbemannter Unterwasserfahrzeuge ermöglichten ein erstes Auffinden
von Teilen der Raumfähre CHALLENGER am Meeresboden, die in einem ca. 80 mal 160 km großen Gebiet niedergegangen sind und
mittels Ultraschall geortet wurden. Die Untersuchung der
Bruchstücke, von denen am küstennahen Bereich bereits einige
Tonnen geborgen wurden, sowie Analyse der Filmaufnahmen und
Computeraufzeichnungen bringen vielleicht doch Hinweise auf
die Ursache der Explosion.
Bis zur Einsetzung der offiziellen Untersuchungskommission, der Experten aus dem akademischen, wissenschaftlichen
und industriellen Sektor angehören sollen, leisten Stäbe der
NASA (amerikanisches Amt für Luft- und Raumfahrt) die Vorarbeiten. Dr. William Graham, der amtierende Leiter der NASA,
sagte: "Die Arbeitsgruppe der NASA konzentriert sich darauf,
sehr gründlich zu untersuchen, was geschah und was notwendig
ist, um uns allen die bestmögliche Gewißheit zu geben, daß es
nie wieder geschehen wird."
Der Verlust der CHALLENGER und der Tod der sieben Astronauten kurz nach dem Start am 28. Januar 1986 werde, so
Graham, "uns als Amerikaner nicht davon abhalten, auch künftig

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�auch künftig in der Forschung und im Weltraum an vorderster
Front aktiv zu sein... Wir werden unser Raumfahrtprogramm
fortsetzen, das gegründet ist auf das Zusammenwirken von Menschen und Maschinen, damit sie im Weltraum das bestmögliche
geben. Der Raumtransporter hat sich als ein sehr effektives
und zuverlässiges System erwiesen. Wir hatten in der Aufeinanderfolge von 56 erfolgreichen Starts seit Beginn des bemannten Raumfahrtprogramms keinen Verlust an Menschenleben zu beklagen. Der Raumtransporter... wird auf absehbare Zukunft unser wichtigstes Weltraumtransportsystem bleiben."
Angesichts der CHALLENGER-Tragödie hat die NASA bis zur
Aufklärung der Explosion, die sich 74 Sekunden nach dem Start
in Kap Canaveral in 16 000 km Höhe ereignete, das Flugprogramm
für Raumtransporter gestoppt. Nach Aussage von NASA-Mitarbeitern ist es zu früh, um über mögliche Ursachen zu spekulieren.
Jedoch seien Experten für Luft- und Raumfahrttechnik der Meinung, daß das Unglück irgendwie mit den Haupttriebwerken des
Orbiter, dem riesigen externen Flüssigtreibstoff-Tank oder den
beiden seitlichen Feststoffraketen zusammenhänge.
Die 37 m lange Raumfähre bezieht den flüssigen Treibstoff
für ihre drei Haupttriebwerke am Heck aus dem 47 m langen externen Tank an der Unterseite, der mit Metallstreben an Nase
und Basis des Orbiter befestigt ist. Er stellt das bei weitem
größte Einzelstück der Kombination beim Start dar. Mit der
Schubkraft der drei Haupttriebwerke (636 000 kp) hebt die
Raumfähre von der Erde ab. Der Treibstoff, flüssiger Wasserstoff und flüssiger Sauerstoff, wird durch dicke Leitungen aus
dem Außentank herübergepumpt. Sobald die Orbiter-Hauptriebwerke nach vier Sekunden 90 Prozent ihrer vollen Leistung erreicht haben, zünden die beiden seitlich montierten Zusatzraketen. Sie sind vom Antriebssystem mit Flüssigtreibstoff unabhängig und verstärken den Schub um je 1 170 000 kp. Ihr
Festtreibstoff, bestehend aus Aluminiumpulver und Ammoniumperchlorat, ist nach zwei Minuten Flug ausgebrannt. Sie werden vom Außentank durch kleine Raketentriebwerke abgesprengt.
Jede der beiden großen Zusatzraketen stößt drei Fallschirme
aus, an denen sie für eine Bergung durch Schiffe zur Wasseroberfläche schwebt. Diese Technik hatte 24 Mal gut funktioniert - bis zum 28. Januar 1986, als sich die Zusatzraketen
infolge der Explosion 74 Sekunden nach dem Abheben vorzeitig
lösten und, nach Angaben von Richard Smith, des Direktors des
Kennedy-Raumfahrtzentrums, von Sicherheitsoffizieren der amerikanischen Streitkräfte durch Funkkommandos zerstört wurden,
um nicht bewohnte Gebiete zu gefährden.
Normalerweise arbeiten die drei Orbiter-Haupttriebwerke
acht Minuten lang und haben erst Brennschluß, wenn der Orbiter
die Umlaufbahn erreicht hat. Dann wird auch der externe Tank
— 2 —

�externe Tank abgeworfen. Er besteht aus zwei Behaltern: Der
untere enthält 1,5 Millionen Liter von explosivem Flüssigwasserstoff, der obere ca. 500 000 Liter Flüssigsauerstoff zur
raschen Verbrennung des Wasserstoffs. Beide Treibstoffkomponenten strömen über separate, isolierte Leitungen aus, die aus
Aluminium und rostbeständigem Stahl bestehen. Die Zufuhrleitungen zu den drei Hauptriebwerken haben einen größeren Durchmesser als beispielsweise ein menschlicher Körper. Über den
Hauptmotoren des Orbiter verzweigen sie sich. Pumpen fördern
dort unabhängig voneinander Wasserstoff und Sauerstoff zur
Verbrennungskammer jedes der drei Triebwerke.
Wie die NASA berichtete, ereignete sich die Explosion, die
die CHALLENGER zerstörte, zu einem Zeitpunkt, an dem die
Haupttriebwerke auf volle Kraft geschaltet werden sollten,
nachdem die Flugastronauten die Motoren für 35 Sekunden auf 60
Prozent Leistung zurückgefahren hatten. Dadurch wurde die
Schwerebelastung in der Startphase verringert. Außerdem kam
die Explosion zu einer Zeit, in der für die CHALLENGER die Periode des stärksten aerodynamischen Drucks begann, d.h. wenn
durch Wind und andere atmosphärische Faktoren erhöhte Vibrationsbelastungen auf die Außenwand wirken.
Ingenieure vermuten, daß die Treibstoffleitung vom Außentank zu den Haupttriebwerken an einer Schwachstelle in dem Augenblick gerissen sein könnte, als wieder auf volle Leistung
geschaltet wurde. In diesem Fall könnte Wasserstoff nach außen gelangt und durch die Hitze von den Hauptriebwerken entzündet worden sein. Eine weitere Vermutung geht dahin, daß es
einen Defekt in der Isolierung des Außentanks gab. Dieser muß
während des Starts 2,8 Millionen kp Schubenergie von den Feststoffraketen und den Flüssigtreibstoff-Motoren absorbieren.
Die Tankwandung besteht aus einer Aluminiumlegierung, deren
Dicke zwischen zwei Millimetern und fünf Zentimetern variiert.
Auch gab es Vermutungen, daß von der Raumfähre abgebrochene Eisbrocken, die sich in dem ungewöhnlich kalten Wetter vor
dem Start und während des Starts gebildet hatten, den externen
Tank beschädigt haben könnten. Aber dies alles sind nach Ansicht der technischen Experten Spekulationen, die nicht weiterführen. Erst müßten mehr Fakten bekannt sein, ehe überhaupt etwas gesagt werden könne. Bei der Untersuchung von
Flugzeugunfällen habe man z.B. in manchen Fällen die Erfahrung
gemacht, daß eine zu Beginn vermutete Ursache sich später als
nicht zutreffend erwies und die tatsächliche Ursache ganz anderer Natur war.
Viele der führenden Firmen der amerikanischen Luft- und
Raumfahrtindustrie sind am Raumtransportprogramm beteiligt.
"Martin Marietta" liefert den externen Tank. Er wird im Werk

�im Werk New Orleans (Louisiana) gebaut und per Schiff zum
Kennedy-Raumfahrtzentrum in Florida transportiert, um dort ein
paar Tage vor dem Start mit den Flüssigtreibstoffen gefüllt zu
werden. Die Firma "Morton Thiokol" baut die Feststoffraketen,
die in Wasatch (Utah) mit Treibstoff gefüllt und dann nach
Florida befördert werden. Dort werden sie am Flüssigtreibstoff-Tank anmontiert. "Morton Thiokol" ist auch für die
Überholung und Neufüllung der ausgebrannten, aus dem Meer geborgenen Gehäuse der Feststoffraketen zuständig. Vertragspartner für die Herstellung der Haupttriebwerke für den Orbiter ist die "Rocketdyne Division" der "Rockwell International
Corporation". Bei der Firma Rockwell wurden auch alle vier
Raumtransporter gebaut. Die "Lockheed Corporation" ist für
die Überholung einer Raumfähre von der Landung bis zum nächsten Start verantwortlich. Das Unternehmen hat seinerseits
zwei große Partnerfirmen unter Kontrakt, nämlich "Grumman
Aerospace" und "Morton Thiokol".

* * * * * *

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V,oN^

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Wissenschaft und Technik

5. Februar 1986

KOKAINMISSBRAUCH
- Gesundheitsschäden - auch Babies als Opfer -

WASHINGTON - (AD) - Die seit 1984 in den Vereinigten Staaten gesetzlich verankerten Bestimmungen, Guthaben und Vermögenswerte aus Rauschgiftgeschäften zu beschlagnahmen sowie deren Erwerb und Gebrauch als kriminelle Handlungen zu verfolgen, machen Schule. Inzwischen gingen einige Länder zu ähnlichen Maßnahmen über, und Überlegungen zur Schaffung entsprechender juristischer Voraussetzungen werden jetzt u.a. in
der Bundesrepublik Deutschland angestellt.
ie der amerikanische Justizminister
In d en USA hab en si
Edwi n Me ese II I im Deze mber 1985 in Wien vor Mitarbeitern der
UN-K ommi ssion für Sucht stof fe und Rauschgiftkriminalität ausführ te, die be iden Haup tpro gramme der Drogenbekämpfung zum
Hint ergr und: Das eine will die Versorgung der Szene mit
Such tsto ffen u nter binde n, d as zweite gilt einer umfassenden
Eind ämmu ng der Nac hf rag e. "Wenn wir beides gleichzeitig anpack en, müßte es m öglic h se in, die gegenwärtige Situation beträc htli ch zu verb esser n", meinte der Minister. Dennoch komme
es i n er ster L inie auf die jungen Menschen selbst an, für ihr
Verh alte n "die ric htige Wah 1 zu treffen und sich so zu entsehe iden , daß sie droge nfre i bleiben."
Die amerikanische

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�Die amerikanische Regierung nehme ihre Pflicht sehr ernst,
sagte Meese, die Bevölkerung über die Gefahren des Konsums von
illegalen Suchtstoffen sowohl für den einzelnen als auch für
die Gesellschaft aufzuklären. Dies bedeute für viele Menschen
Umerziehung - kein einfacher Prozeß. Er erforderte, 'or allem
im Interesse der Jugend, eine beharrliche und engagierte Mitarbeit von Regierung und vielen Institutionen, von Eltern,
Lehrern und allen jenen Personen, die Leitbilder für die Jugend sein können. Auf das Risiko der Neugier, die Auswirkung
einer Droge wenigstens einmal kennenzulernen, kann gar nicht
eindringlich genug hingewiesen werden. Und das gilt heute in
ganz besonderem Maße für Kokain.
Trotz der straff koordinierten Aktionen der 13 regionalen
Arbeitsstäbe, die die Vereinigten Staaten zur Durchsetzung der
Maßnahmen gegen die Rauschgiftkriminalität im weitesten Sinne
aufgebaut haben, werden pro Jahr zum Beispiel Tausende von
Tonnen Kokain eingeschmuggelt. Die international organiserten
Syndikate bedienen sich dabei rasch wechselnder und äußerst
raffinierter Methoden. Auch Westeuropa wir 'nzwischen ^ner
stärker mit Kokain überschwemmt, wofür allein schon die beschlagnahmten Mengen sprechen.
Vergiftet - geringe Aussicht auf Heilung
Die physischen und psychischen Schäden, die der Dauerkonsument dieses als Freizeitspaß verharmlosten, oft auch als
leistungsfordernd angepriesenen Rauschgiftes davonträgt, sind
verheerend. Schon nach wenigen "Trips" wird der Hunger nach
dem Stoff immer größer. Kokain, das zunächst in einen euphorischen Zustand versetzt, dann zu Hallizunationen, Psychosen
und Depressionen führt, wirkt auf das zentrale Nervensystem
(ZNS) mit zunehmender zentraler Erregung. Es verändert die
ZNS-Funktionen in einer Weise, die unvorhersehbare Komplikationen im Gefolge haben können. Dazu zählen unregelmäßige,
meist überhöhte Herzschlag- und Atmungsfrequenz, Anstieg von
Körpertemperatur und Blutdruck (wobei dieser häufig stark
schwankt), Krampfanfälle, Lähnungen, Herzstillstand. Komplikationen solcher Art treten im Zusammenhang mit den neuesten
Varianten von Kokain, die jetzt in der New Yorker Drogenszene
aufgetaucht sind, sogar noch deutlich verstärkt auf.
Die typischen Vergiftungserscheinungen machen sich gewöhnlich erst nach zwei bis drei Jahren bemerkbar. Dann ist der
Gebrauch der Droge längst zur Sucht geworden. Dem körperlichen und geistigen Verfall der Abhängigen steht die Medizin
ziemlich hilflos gegenüber - und die Zahl derer, die Kokain
regelmäßig nehmen, wird einem Bericht der New York Times zufolge auf etwa fünf Millionen Menschen geschätzt! Bis zu 5000
- 2 -

�Bis zu 5000 Menschen täglich lassen sich neu darauf ein, Kokain zum mindesten zu probieren.
Unterentwickelte und kranke Babies
Besorgniserregende Folgen für die Babies von Müttern, die
während der Schwangerschaft zu Kokain gegriffen haben, beobachten Kinderärzte in zunehmendem MaGe. In Berichten aus einigen amerikanischen Kliniken und Rehabilitationsheimen für
drogengeschädigte Säuglinge und Kleinkinder wird darauf hingewiesen, daß die Auswirkungen des Drogenmißbrauchs der Schwangeren auf die fetale Entwicklung und die Entwicklung nach der
Geburt bei "Kokainbabies" sogar noch schwerwiegender als bei
"Heroinbabies" sein dürften.
Zu einer auffallenden Häufigkeit von Fehlgeburten oder
vorzeitigen Wehentätigkeit kommt es auch bei Frauen, die Kokain nicht regelmäßig, sondern nur gelegentlich genommen haben. Das Geburtsgewicht von Kokainbabies ist niedriger als
normal. In ihrer körperlichen Entwicklung bleiben sie zurück,
die Entwicklung der Grob- und Feinmotorik, der Fähigkeiten für
Wahrnehmung und Koordination ist gestört. Bei manchen Neugeborenen wurden Lähmungen entsprechend den Folgen von Sauerstoffmangel oder einer Blutung im Gehirn beobachtet - vermutlich zustandegekommen im Zusammenhang mit den starken Blutdruckschwankungen im mütterlichen Organismus unter Kokaineinfluß. Die akuten Entzugserscheinungen unmittelbar nach der
Geburt halten länger an, als man dies von "Heroinbabies" her
kennt. Mit Atmung und Nierenfunktion der Neugeborenen gibt es
häufig Schwierigkeiten.
Prognosen über den Fortgang der Entwicklung von "Kokainkindern" sind noch kaum möglich. Aber die Ärzte, die sich vor
allem in einigen amerikanischen Großstädten mit dem Problem
konfrontiert sehen, befürchten, daß geistige Behinderung, Verhaltensstörungen und erhebliche Lernbehinderung, dazu bleibende Behinderungen der körperlichen Bewegungsfähigkeit, das Leben dieser Kinder prägen werden.

* * * * * *

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagans Botschaft über die Lage der Nation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- 4. Februar 1986 -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Schuldenstrategie der Vereinigten Staaten auf Strukturreform ausgerichtet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Aussagen des Stellvertretenden Finanzministers David C. Mulford -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Forschen nach Ursache der CHALLENGER-Katastrophe&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kokainmissbrauch&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Gesundheitsschäden - auch Babies als Opfer -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON**

29.

Januar

1986

I N H A L T

DOKUMENTATION
Trauer um Tod der "CHALLENGER"-Astronauten
- Ansprache des amerikanischen Präsidenten nach Explosion
der Raumfähre NATO zur Vorlage eines Abkommens bei der KVAE in
Stockholm bereit
- Pressekonferenz des amerikanischen KVAE-Delegationsleiters Barry - (Auszüge)
USA appellieren an Pretoria: Freilassung Mandelas
- Rede von Unterstaatssekretär Michael Armacost INFORMATION
Reagan fordert ein Ende des Mordens in Afghanistan
- Besuch von verwundeten afghanischen Kindern im Weißem
Haus HINTERGRUNDMATERIAL
PEN-KongreQ: Sowjetische Schriftsteller werden weiterhin
verfolgt
.*

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Planet Uranus - wichtiger Markstein für die Forschung
- Raumsonde VOYAGER 2 auf dem Weg zu neuen Aufgaben in der
Außenregion unseres Sonnensystems * * * * *

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�AMERIKA DIENST
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Dokumentation

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29. Januar 1986

TRAUER UM TOD DER "CHALLENGER"-ASTRONAUTEN
Ansprache des amerikanischen Präsidenten nach Explosion
der Raumfähre -

WASHINGTON - (AD) - In einer landesweiten Ansprache, die
von Rundfunk und Fernsehen übertragen wurde, beklagte Präsident Reagan den Tod der sieben amerikanischen Astronauten, die
am 28. Januar 1986 bei der Explosion der Raumfähre CHALLENGER
ums Leben kamen und lobte ihren Mut.
Die Ansprache hatte folgenden Wortlaut:
Meine Damen und Herren, heute abend wollte ich eigentlich
über die Lage der Nation zu Ihnen sprechen. Aber die Ereignisse des heutigen Tages haben mich dazu bewogen, diese Absicht zu ändern. Heute ist ein Tag der Trauer und der Erinnerung.
Die Tragödie der Raumfähre CHALLENGER erfüllt Nancy und
mich mit tiefem Schmerz. Wir wissen, daß alle Menschen unseres Landes diesen Schmerz teilen. Dies ist wahrhaft ein nationaler Verlust.
Fast auf

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�Fast auf den Tag genau vor 19 Jahren sind drei Astronauten
bei einem schrecklichen Unfall vor dem Start umgekommen. Aber
wir haben noch nie einen Astronauten nach dem Start verloren;
wir haben noch nie solch eine Tragödie erlebt. Und wir haben
vielleicht zu selten an den Mut der Besatzung der Raumfähre
gedacht. Aber diese Menschen in der CHALLENGER Seven waren
sich der Gefahren bewußt; sie haben sie überwunden und ihre
Arbeit großartig gemacht. Wir betrauern sieben Helden:
Michael Smith, Dick Scobee, Judith Resnik, Ronald McNair,
Ellison Onizuka, Gregory Jarvis und Christa McAuliffe. Wir
alle als Nation betrauern ihren Tod.
Zu den Familien dieser sieben möchte ich sagen, daß wir
diese Tragödie nicht in ihrer ganzen Tragweite erfassen können. Aber wir nehmen Anteil an Ihrem Verlust und denken an
Sie. Ihre Familienangehörigen waren wagemutig und unerschrokken und besaßen eine besondere Gnade, nämlich eine Geisteshaltung, die besagt: gebt mir eine Herausforderung und ich werde
mich ihr mit Freude stellen. Sie strebten danach, das Weltall
zu erforschen und seine Wahrheiten zu ergründen. Sie wollten
dienen und das haben sie getan. Sie haben uns allen gedient.
Wir haben uns in diesem Land an Wunder gewöhnt. Es ist
schwierig, uns zu faszinieren. Aber das Raumfahrtprogramm der
Vereinigten Staaten hat genau das getan. Wir haben uns an die
Idee des Weltraums gewöhnt und wir vergessen vielleicht manchmal, daß wir erst am Anfang stehen. Wir sind immer noch Pioniere, wie auch die Mitglieder der Besatzung von CHALLENGER
Pioniere waren.
Und ich möchte auch noch etwas zu den amerikanischen
Schulkindern sagen, die den Start der Raumfähre vor Ort miterlebt haben. Ich weiß, daß es schwer zu verstehen ist, aber
manchmal passieren so schmerzvolle Ereignisse wie dieses. Sie
sind Bestandteil des Prozesses der Erforschung und Entdeckung.
Sie sind Bestandteil des Wagnisses, den Gesichtskreis des Menschen zu erweitern. Die Zukunft gehört nicht den Kleinmütigen, sondern den Wagemutigen. Die Besatzung von CHALLENGER
hat uns der Zukunft nähergebracht; wir werden ihr auch weiterhin folgen.
Ich habe schon immer großes Vertrauen und großen Respekt
gegenüber unserem Raumfahrtprogramm gehabt, und was heute passiert ist, trägt nicht dazu bei, diese Gefühle zu zerstören.
Wir verstecken unser Raumfahrtprogramm nicht. Wir haben keine
Geheimnisse und vertuschen nichts. Wir tun alles im Licht der
Öffentlichkeit. Das ist unsere Vorstellung von Freiheit und
wir würden sie nicht eine Minute lang eintauschen wollen.
Wir werden unsere Suche im All fortsetzen.

Es wird weite-

�wird weitere Flüge von Raumfähren geben, weitere Mannschaften
und auch weitere Freiwillige, Zivilisten und Lehrer im All.
Nichts ist jetzt zu Ende. Unsere Hoffnungen und unsere Reisen
werden bleiben.
Ich möchte noch hinzufügen, daß ich mir wünsche, jedem
Mann und jeder Frau, der oder die für die NASA arbeitet oder
an dieser Mission mitgearbeitet hat, sagen zu können, "Ihre
Hingabe und ihre Perfektion haben uns seit Jahrzehnten beeindruckt und bewegt. Wir sind uns Ihrer Qualen bewußt und fühlen mit Ihnen".
Am heutigen Tag treffen zwei Ereignisse zusammen: heute
vor 390 Jahrenn starb der große Entdecker Sir Francis Drake
auf seinem Schiff vor der Küste Panamas. Zu seiner Zeit
stellten die Weltmeere enorme Grenzen dar und später sagte ein
Historiker dazu: "Er lebte auf See, starb auf ihr und wurde
in ihr begraben".
Wir können heute sagen, daß die Besatzung der CHALLENGER,
wie auch Drake, ihre Bestimmung erfüllt haben. Die Besatzung
der Raumfähre CHALLENGER ehrt uns durch die Art und Weise, wie
sie ihr Leben gelebt hat. Wir werden sie niemals vergessen,
und auch nicht den Augenblick, als wir sie heute morgen zum
letzten Mal sahen, als sie sich für ihre Reise vorbereitete,
zum Abschied winkte und 'die sicheren Gefilde der :rde verließ, um 'das Antlitz Gottes zu berühren'
Vielen Dank.

* *

- 3 -

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

4

29. Januar 1986

NATO ZUR VORLAGE EINES ABKOMMENS BEI DER KVAE
IN STOCKHOLM BEREIT
- Pressekonferenz des amerikanischen
KVAE-Delegationsleiters Barry (Auszüge)

BRÜSSEL - (AD) - Botschafter Robert L. Barry, Leiter der
amerikanischen Delegation bei der Konferenz über Vertrauensbildende Maßnahmen und Abrüstung (KVAE) in Stockholm, erklärte
im Anschluß an ein Treffen des NATO-Rates in Brüssel am 24.
Januar 1986, die Mitgliedsstaaten des Nordatlantischen Bündnisses seien sich darin einig, daß es "nunmehr an der Zeit
ist, in Stockholm in die Entwurfsphase einzutreten, sobald unsere Delegationen dorthin zurückkehren."
Die Pressekonferenz von Botschafter Barry hat in ihren wesentlichsten Auszügen folgenden Wortlaut:
BARRY: ... Wir hatten heute im Rat ein gutes, sehr konstruktives und vorausplanendes Treffen. Zweck dieses Treffens
war es, den Fortschritt zu analysieren, den wir auf der Stockholmer Konferenz bislang gemacht haben, einen Blick in die
Zukunft zu werfen und auch darüber zu sprechen, wie sich die
Stockholmer Konferenz in das Gesamtbild der
Ost-West-Beziehungen einfügt.
Das wich tigste Ergebnis war meiner Meinung nach die Ankündigung des h eutigen Vorsitzenden, des Leiters der dänischen
Delegation, Botschafter Melben, daß die Leiter der NATO-Delegationen auf ihrem gestrigen Treffen übereingekommen sind, daß
es "nunmehr an der Zeit ist, in Stockholm in die Entwurfsphase
einzutreten, sobald unsere Delegationen dorthin zurückkehren
und daß wir versuchen werden, zu einer Einigung hinsichtlich
der ModalitS ten eines Entwurfs zu gelangen. Wir werden also
tatsächlich ein Abkommen entwerfen.
Es bleiben

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�Es bleiben uns bei der Stockholmer Konferenz nur 24 Wochen
Verhandlungszeit, d.h. die Konferenz endet am 19. September
und bis Beginn der Überprüfungskonferenz in Wien müssen wir
mit unserer Arbeit fertigwerden und deshalb damit anfangen,
die Dinge zu Papier zu bringen.
Wie die Erklärung, die nach meinem Treffen mit dem Präsidenten herausgegeben wurde, zeigt, ist dieser mit dem von uns
dort erzielten Fortschritt recht zufrieden und er ist der Meinung, es könne in diesem Jahr ein Abkommen erzielt werden, das
für die Gesamtheit der Ost-West-Beziehungen erhebliche Bedeutung hat. Meine Anweisungen bestehen darin, nach meiner Rückkehr ein solches Abkommen am Verhandlungstisch in Stockholm zu
verfolgen. Unser Ziel - wie auch das Ziel von uns allen innerhalb der NATO - ist ein Abkommen, das sich erstens im Rahmen
des Mandats bewegt, hinsichtlich dessen in Madrid Übereinstimmung erzielt wurde, das zweitens militärisch bedeutsam ist und
das drittens verifizierbar ist.
Dabei betone ich den Verifizierungsaspekt für die Vereinigten Staaten. Verifizierbarkeit bedeutet Inspektionen vor
Ort. Wir sind der Meinung, daß ein Abkommen dieser Art im Rahmen der Ost-West-Beziehungen eine ganze Reihe wichtiger Ziele
erfüllen kann. Wir arbeiten auf ein risikominderndes Abkommen,
nicht auf ein waffenverringerndes Abkommen hin, d.h. es geht
dabei um die unmittelbaren Ursachen eines Krieges, nicht um
Kriegswaffen an sich. Aber wir sind der Ansicht, daß ein Abkommen mit konkreten vertrauensbildenden Maßnahmen die militärische Lage in Europa vorhersagbarer - und damit stabiler machen kann, daß es den Einsatz militärischer Aktivitäten
zwecks politischer Einschüchterung verhindern kann und daß es
dazu beitragen kann, die Barrieren abzubauen, die Ost und West
trennen - und daß dadurch die Lage in Europa stabiler wird.
Wir betonten in der Erklärung des Präsidenten, ebenso wie
wir es alle im heutigen Ratstreffen betonten, daß die Stockholmer Konferenz Teil des gesamten KSZE-Prozesses ist, wie er
durch die Schlußakte von Helsinki in Gang gesetzt wurde, und
daß dadurch ein Beitrag zur Sicherheit im weiteren Sinn geleistet werden kann, in dem Sinne, der auch politische, wirtschaftliche, kulturelle und humanitäre Fragen, also Menschenrechte genau wie rein militärische Fragen, umfaßt. Es ist ein
grundlegendes Ziel der Vereinigten Staaten bei diesen Verhandlungen, zu einem solch umfassenderen Konzept von Sicherheit zu
gelangen.
Ich möchte abschließend noch betonen, welche Bedeutung die
Solidarität zwischen den NATO-Staaten bei diesen Verhandlungen
- wie auch bei den anderen Ost-West-Verhandlungen des Jahres
1985, die jetzt 1986 in ein konkreteres Stadium übergehen gespielt hat... Wir sind der Meinung, daß diese Art Solidarität einen erheblichen Beitrag zu unserer Verhandlungsposition

�unserer Verhandlungsposition leistet und sich dadurch unsere
Diskussionen wirklich auf das konzentrieren, was unserer Ansicht nach am wichtigsten ist: etwas konkretes zu erreichen,
das das Prinzip der Nichtanwendung von Gewalt unterstützt, das
aber nicht im Übermaß von rhetorischen Erklärungen dominiert
wird und das konkret ist im Hinblick auf seine Anwendbarkeit
und seine politisch bindende Natur.
Hier also stehen wir. Ich beantworte nun gern Ihre Fragen.
FRAGE:
(Zu den verbleibendenden Meinungsverschiedenheiten zwischen
Ost und West in Stockholm)
ANTWORT: Es gibt noch eine Reihe solcher Punkte, aber es
gibt meiner Meinung nach noch etwa drei oder vier entscheidende Bereiche, die es noch zu lösen gilt.
So etwa das Problem der Information bezüglich der Präsenz
und Aufstellung der Truppen in Europa. Unserer Ansicht nach
ist derlei Information von größter Bedeutung, weil sie die Datenbasis darstellt, die ein Urteil darüber erlaubt, was hinsichtlich militärischer Aktivitäten in Europa normal ist und
was nicht. Der Informationsaspekt ist also ein Punkt erheblicher Differenz zwischen Ost und West. Und ich glaube, daß
auch die neutralen und blockfreien Staaten diesen Informationen einen hohen Wert beimessen. Dies ist der eine Bereich.
Dann würde ich den Bereich der Einbeziehung von Luft- und
Seeaktivitäten in die Stockholmer Gespräche nennen. Es ist unsere Position, d.h. die Position des Bündnisses, daß diese
Fragen im Rahmen des Mandats gelöst werden sollten, das in
Madrid ausgehandelt wurde und nicht wieder aufgeworfen werden
sollten. Wir sind der Meinung, daß die militärischen Aktivitäten, um die es in Stockholm geht, allein die bodenbezogenen
Aktivitäten sowie die funktionell hiermit in Verbindung stehenden Luft- und Seeaktivitäten sein sollten. Das geht unserer
Meinung nach aus dem Mandat hervor.
Drittens möchte ich die Verifizierung als Hauptbereich der
Meinungsverschiedenheiten nennen. Wie ich schon sagte, bedeutet für uns Verifizierung Inspektion vor Ort. Der Osten ist
durchaus der Auffassung, die angemessenen Mittel der Verifizierung seien diejenigen, die das Mandat benennt, aber wenn es
zur Inspektion kommt, so gibt es da ganz offenkundig ein Problem.
Als vierten Punkt sollte ich die Frage der Beschränkungen
nennen, insofern als sie Begrenzungen bei militärischen Übungen und Manövern darstellen; auch hier sind die neutralen und
blockfreien Staaten der Meinung, solche Beschränkungen seien
- 3 -

�Beschränkungen seien notwendig. Bislang wurde unsrer Ansicht
nach noch keine einschränkende Maßnahme vorgeschlagen, die für
alle Beteiligten gleiche Wirkung hat. Wir sind gegenüber dem
Gedanken von Beschränkungen offen, bislang wurde aber noch
keiner formuliert, der uns gefallen hätte.
FRAGE: Sie nannten uns Bereiche, wo es erhebliche Meinungsunterschiede gibt. Vielleicht könnten Sie noch etwas auf
den Punkt der Information hinsichtlich der Standorte von
Streitkräften eingehen und was beide Seiten hier vorschlagen.
Zweitens: Wie sehen Sie die jüngsten sowjetischen Erklärungen
hinsichtlich einer offenkundigen neuen Bereitschaft bei Inspektionen vor Ort - zumindest in einigen Bereichen der
Rüstungskontrolle. Und drittens: Bei welchen Punkten gibt es,
wenn überhaupt, Übereinkunft?
ANTWORT: Es gibt einen breiten Konsens, der sich im Lauf
der letzten zweieinhalb Jahre in Stockholm hinsichtlich der
Tagesordnung herausgeschält hat. Wir sprechen jetzt mehr oder
weniger von denselben Themen.
Wir schlugen zum Beispiel gleich als diese Verhandlungen
1984 begannen, vor, daß militärische Aktivitäten ein Jahr im
voraus angekündigt werden sollten. Die neutralen und blockfreien Staaten schlugen dann gleichfalls vor, daß es Vorankündigungen militärischer Aktivitäten geben solle. Als dann Gorbatschow nach Paris kam, gab er eine Erklärung ab, in der er
gleichfalls von Vorankündigung militärischer Aktivitäten
sprach. Alle waren also der Meinung, man solle ein Jahr im
voraus die wichtigsten militärischen Aktivitäten benennen, die
auf der Tagesordnung stehen.
Desgleichen herrschte Übereinstimmung dahingehend, daß die
Ergebnisse von Stockholm einen erheblichen Qualitativen
Schritt nach vorn gegenüber dem in Helsinki Vereinbarten sein
sollten.
Wir sind alle der Meinung, daß die Notifizierungsschwelle
erheblich herabgesetzt werden müsse und daß das Abkommen verifizierbar sein muß, auch wenn es noch Meinungsunterschiede
dahingehend gibt, wie man es verifizieren kann.
Wir sind alle der Meinung, daß es in Fällen von nennenswerten Aktivitäten auch entsprechende Beobachtung geben soll,
d.h. es sollte viel mehr Beobachtung geben als bisher. Wir
sind wie die neutralen Staaten der Meinung, daß die Beobachtung in allen Fällen obligatorisch sein sollte - und die Sowjets haben dem nicht widersprochen.
Wir sind alle der Meinung, daß es einen Zusammenhang gibt
zwischen dem was hier in Stockholm geschieht und dem übrigen
KSZE-Prozeß, und daß die Ergebnisse dieser Konferenz genau wie
die Ergebnisse des gesamten KSZE-Prozesses in Wien einer Prüfung unterzogen werden sollten.
Des weiteren haben Sie einen Bereich erwähnt, in dem es

�dem es Meinungsverschiedenheiten gibt. Wir schlugen vor, daß
die Aufstellung militärischer Einheiten angegeben wird, damit
wir zum Beispiel sagen können, wenn Streitkräfte, die in diesen oder jenen Kasernen stehen, nicht mehr dort sind. Wir waren der Ansicht, daß eine solche Datengrundlage sehr wichtig
für den gesamten Notifizierungs-Verifizierungs-Prozeß ist. Die
neutralen und blockfreien Staaten haben zwar die Notifizierung
nicht wie wir als separate Maßnahme vorgesehen, aber ihre Vorschläge über die Vorankündigung militärischer Aktivitäten enthalten sehr konkrete Informationsaspekte. Die Sowjets hingegen
sagen noch immer, daß Vorkehrungen über diese Art von Information eine Legalisierung der Spionage bedeute.
Was den zweiten Teil Ihrer Frage angeht, so bin ich als
Unterhändler natürlich am Kleingedruckten von Erklärungen interessiert. Da macht die Erklärung Gorbatschows vom 15. Januar
keine Ausnahme. Es ist sehr wichtig, daß wir herausfinden, was
genau sich hierin verbirgt, und das werden wir erst, wenn wir
ihnen am Verhandlungstisch in Stockholm gegenübersitzen. Nun
hat Gorbatschow keine Vor-Ort-Inspektionen im Stockholmer Kontext erwähnt, sondern in einem anderen Zusammenhang. Da aber
die Sowjets nunmehr den Grundsatz von Vor-Ort-Inspektionen öffentlich in einer ganzen Reihe von Bereichen erwähnt haben, so
macht mich dies optimistisch, daß sie dieses Prinzip auch im
Stockholmer Rahmen akzeptieren werden.
Wir sind nun einmal der Meinung, daß dies ein entscheidendes Element eines Abkommens ist, denn wir sehen nicht, wie
sonst ein Abkommen verifiziert werden könnte.
FRAGE: Was ist mit den sowjetischen Vorschlägen bei der
KVAE hinsichtlich des Nichtangriffsteils, den die Sowjets einbezogen wissen möchten?
ANTWORT: Die Sowjets sind der Meinung, daß ein Teil des
Abkommens die Frage der Nichtanwendung von Gewalt abdecken
solle. Präsident Reagan unterstrich im Juli 1984 in Dublin,
daß wir in Stockholm eine angemessene Bekräftigung des Prinzips der Nichtanwendung von Gewalt im Rahmen einer Reihe von
konkreten Vertrauens- und sicherheitsbildenden Maßnahmen in
Erwägung ziehen würden, die diesem Grundsatz der Nichtanwendung von Gewalt Nachdruck verleihen würde. Und in der Tat werden wir uns in Stockholm mit dem Thema der Nichtanwendung von
Gewalt wie mit konkreten Vertrauens- und sicherheitsbildenden
Maßnahmen beschäftigen. Das Dokument, das sich aus der Arbeit
in Stockholm ergeben wird, wird eine Bestimmung über die
Nichtanwendung von Gewalt enthalten.
Wir sind allerdings der Ansicht, daß der Grundsatz der
Nichtanwendung von Gewalt in der Charta der Vereinten Nationen
bereits absolut angemessen definiert ist. Wir sind nicht für
eine Abänderung dieses Grundsatzes, denn eine jegliche Modifizierung dieses Grundsatzes würde ihn wahrscheinlich schwächen

�wahrscheinlich schwächen und seinen universellen Charakter
einschränken. Wir sind jedoch der Überzeugung, daß die Maßna
men, an denen wir arbeiten, bei der Verwirklichung dieses
Grundsatzes der Nichtanwendung von Gewalt behilflich sein we
den und meinen, daß dies im Abkommen selbst zum Ausdruck kom
men sollte.

- 6 -

�AMERIKA DIENST
^7

C&amp;

Dokumentation

29. Januar 1986

USA APPELLIEREN AN PRETORIA: FREILASSUNG MANDELAS
- Rede von Unter Staatssekretär Michael Arraacost -

Northfield, Minnesota - (AD) - Die Reagan-Administration
fordert die Regierung Südafrikas zur Freilassung des schwachen
NatLonalisbenEührers Nelson Mandela und anderer politischer
Gefangener und zur Eröffnung "sinnvoller" Gespräche mit den
"wahren" Führern der Schwarzen auf.
In einer Rede, die er am 24. Januar im Carleton College in
Minnesota hielt, sagte der Unter Staatssekretär für Politische
Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Michael
Armacost, daß es die Vereinigten Staaten "vermieden haben,
Vorschriften ?•! inachen", wie Südafrika seine Zukunft gestalten
solle.
"Die Entwicklung innerhalb Südafrikas miß von den im Lande
lebenden Menschen bestimmt werden," sagte er. "Es müssen jedoch sicherlich Verhandlungen mit den anerkannten Führern der
Schwarzen beqonnen werden, und dies kann nicht geschehen, wenn
diese Führer im Gefängnis sitzen. Deshalb haben wir an die
südafrikanische Reqierunq appelliert, Nelson Mandela und andere seit lanqem qefangengehaltene politische Häftlinge freizulassen und sinnvolle Gespräche mit den wahren Führern der
schwarzen Bevölkerung 4U beginnen."
"Die Herrschenden in Südafrika müssen allen, die dort leben, ein Signal geben, daß sie es ernst mit der Beendigung der
Apartheid meinen. Und die schwarzen Führer müssen zur Teilnahme an einem Dialog darüber bereit sein, welche Art von Zukunft
sie für Südafrika wünschen."
In der laut Außenministerium programmatischen Rede über

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�Rede über die Politik der Administration gegenüber Südafrika
wandte sich Armacost gegen den Abzug von Investitionen als
Mittel zur Bewirkung eines positiven Wandels in Südafrika.
"Ich glaube nicht, daß ein genereller Abzug von Anlagekapital zu einem vorteilhaften Ergebnis führen wird," sagte er.
"Im Gegenteil, statt sich aus Südafrika und der Region zurückzuziehen, sollten die Vereinigten Staaten vielmehr nach zusätzlichen Wegen für eine positivere Entwicklung suchen."
Im Hinblick auf andere Punkte der Regierungsdiplomatie im
südlichen Afrika erwähnte Armacost, daß die Unahängigkeit für
Namibia "ein Hauptziel" sei, welches in Verbindung mit dem
Rückzug kubanischer Truppen aus Angola verwirklicht werden
könne. Zusätzlich deutete er an, daß Vertreter der amerikanischen Regierung Gespräche mit dem Führer der UNITA-Freiheitskämpfer, Jonas Savimbi, während dessen für Ende Januar geplanten Besuches in Washington über den Bürgerkrieg in Angola führen würden. "Während dieses Besuches möchten wir darüber sprechen, wie die Vereinigten Staaten zur Verwirklichung der echten Interessen Angolas beitragen können," betonte er.
Wir bringen den Text der Rede von Unterstaatssekretär Armacost in leicht gekürzter Form:
Ziele der Vereinigten Staaten im südlichen Afrika
Ich spreche nicht nur von der Apartheid und unserem Wunsch
nach einem friedlichen politischen Wandel in Südafrika; ich
spreche auch von unseren Anstrengungen zur Förderung des regionalen Friedens im südlichen Afrika. Unsere Ziele sind klar:
Unabhängigkeit für Namibia; der Abzug der kubanischen Truppen
aus Angola; und ein Ende der grenzüberschreitenden Gewalt, die
die Bedrängnis der Bevölkerung in der ganzen Region noch verschärft hat.
Der Terminus "Interdependenz" könnte geprägt worden sein,
um die Situation im südlichen Afrika zu beschreiben. Die Länder in der Region sind durch Geographie, Geschichte, Wirtschaft, Verkehrs- und Kommunikationsnetz miteinander verbunden. Geschehnisse in einem Land des südlichen Afrika beeinflussen rasch auch dessen Nachbarn.
Deshalb erlauben Sie mir bitte, unsere Südafrika betreffenden Sorgen dadurch in die rechte Perspektive zu rücken, daß
ich mit dem weitergefaßten regionalen Lagebild beginne.
Förderung der Unabhängigkeit Namibias
Unabhängigkeit für Namibia bildet ein Hauptziel der amerikanischen Diplomatie. Namibia ist Afrikas letzte Kolonie. Es
- 2 -

�verlangt nach Freiheit und die gesamte Staatengemeinschaft ist
sich darin einig. Wir sind bereit, unser Teil dazu beizutragen. Seit einer Reihe von Jahren stehen wir in vorderster
Front der diplomatischen Anstrengungen zur Durchführung der
UNO-Resolution 435. Während der vergangenen fünf Jahre hat
sich unsere Diplomatie deshalb auf die Entwicklung eines regionalen Konsenses zur Versöhnung der verschiedenen beteiligten
Interessen konzentriert.
Entfernung ausländischer Truppen aus Angola
Die Situation im südlichen Afrika - und damit die Verwirklichung der Unabhängigkeit Namibias - wurde vor zehn Jahren
durch die Entsendung einer kubanischen Stellvertreterarmee
nach Angola durch die Sowjetunion enorm kompliziert. Diese Interventionsarmee, deren Stärke heute 30 000 Mann beträgt, bildet eine Bedrohung für die Sicherheit aller Staaten in der Region .
Jahre hindurch var Afrika ein Kontinent, der glücklich vom
militärischen Wettstreit zwischen Ost und West verschont war:
bis diese sowjetische Stellvertreterarmee erschien. Ihre Präsenz hat Angola destabilisiert und das Problem der Beendigung
des Bürgerkrieges in Angola noch verschärft; sie hat die sowjetische Macht in diese Region ausgedehnt und auf diese Weise
unsere eigenen strategischen Interessen verändert, insbesondere durch den von ihr geschaffenen Präzedenzfall. Die sowjetisch-kubanische Intervention bildete den ersten einer Reihe
von sowjetischen Schritten in der Dritten Welt in den späten
siebziger Jahren, die das globale Kräfteverhältnis auf gefährliche Weise in Frage stellten. Auf Angola folgten die sowjetischen Interventionen in Äthiopien, Kampuchea und Afghanistan:
Ereignisse, die zur Unterhöhlung der Ost-West-Beziehungen und
der Rüstungskontrolle während dieses Jahrzehnts beitrugen.
Deshalb möchten wir der kubanischen Militärpräsenz in Angola ein Ende bereiten. Es ist uns gelungen, die Zustimmung
Südafrikas zu erreichen, daß Südafrika im Falle der Lösung des
kubanischen Problems in Angola bereit ist, die internationalen
Abkommen für die Unabhängigkeit Namibias zu erfüllen. Gleichermaßen haben wir die angolanische Regierung dazu bewegen
können, dem Prinzip des kubanischen Rückzuges zuzustimmen. Wir
versuchen gegenwärtig beide Parteien zur Annahme eines Zeitplanes für diese wechselseitigen Schritte zu bewegen. Diese
Annahme würde ein Ende von Kubas destabilisierender Präsenz in
Angola, von Südafrikas Bedrohung der Sicherheit Angolas und
die Unabhängigkeit für Namibia bedeuten, alles Ziele, die jede
Mühe wert sind.
Obwohl vir mit der Regierung Angolas keine formellen diplomatischen Beziehungen unterhalten, haben wir regelmäßig

�wir regelmäßig Treffen mit angolanischen Vertretern abgehalten, um eine Regelung zu erreichen. Das jüngste Treffen fand
diesen Monat in Luanda statt, als der stellvertretende Aussenminister ehester Crocker Gespräche mit führenden angolanischen Regierungsvertretern führte.
Die Probleme Angolas werden jedoch nicht einzig und allein
durch ein Abkommen über Namibia gelöst werden. Der angolanische Bürgerkrieg ist eine Realität. Seit über einem Jahrzehnt
sehen sich die MPLA-Regierung und ihre sowjetischen und kubanischen Verbündeten einer zutiefst entschlossenen einheimischen Opposition gegen die marxistische Herrschaft konfrontiert. Freiheitskämpfer der von Dr. Jonas Savimbi geführten
UNITA haben trotz massiver sowjetischer Waffenlieferungen und
kubanischer Unterstützung ihren Widerstand in ganz Angola verbreitet.
Wir glauben jedoch, daß zu diesem Zeitpunkt eine militärische Lösung für den angolanischen Bürgerkrieg unmöglich ist.
Friede kann nur durch Versöhnung zwischen den konfliktfUhrenden Parteien erreicht werden. Dies ist eine Aufgabe der Angolaner, die jedoch nicht bewältigt werden kann, solange angolanisches Territorium von einer ausländischen Armee besetzt ist.
Wir haben seit langem Dr. Savimbis mutigen Kampf anerkannt, der trotz wachsender Nachteile durchgeführt wird. Wir
haben Kontakte mit der UNITA unterhalten, und wir haben die
Rechtmäßigkeit ihres Kampfes anerkannt. Dr. Savimbi wird in
Bälde die Vereinigten Staaten besuchen. Während dieses Besuches möchten wir besprechen, was die Vereinigten Staaten zur
Verwirklichung der wirklichen Interessen Angolas beitragen
können.
Verminderung der grenzüberschreitenden Gewalt
Die Flammen der Gewalt erstrecken sich über das ganze südliche Afrika. Wir sind entschlossen, alles in unserer Macht
Stehende zu tun, um die Gewalt zwischen den Staaten zu vermindern und zu beenden. Wir betrachten Terrorakte von GuerillaVerbänden über regionale Grenzen hinweg in Südafrika und von
Südafrika in Nachbarstaaten durchgeführte Militäraktionen als
gleichermaßen unannehmbar. Wir haben Südafrika und seine Nachbarn zur Zurückhaltung und zur Ersetzung von Gewalt durch Dialog aufgefordert.
Die Resultate dieser Anstrengungen waren gemischt. Mit der
Unterzeichnung des Nkomati-Abkommens verpflichteten sich Mozambique und Südafrika 1984 dazu, die Unterstützung für regierungsfeindliche Elemente im jeweils anderen Land einzustellen.
Dies war ein positiver Schritt in Richtung auf die Reduzierung
grenzüberschreitender Gewalt und die Lösung ihrer Differenzen
- 4 -

�ihrer Differenzen auf diplomatischem Wege. Wir haben unsere
Aufmerksamkeit außerdem auf die Verringerung der Spannungen
zwischen Zimbabwe, Lesotho und Botswana auf der einen Seite
und Südafrika auf der anderen gerichtet.
Diese Abkommen sind jedoch offensichtlich brüchig. Mit den
wachsenden Spannungen in Südafrika treten täglich neue Herausforderungen für den Frieden auf. Südafrikas Angriff nach Botswana letzten Sommer bedeutete einen Rückschlag für unsere
Friedensbemühungen und zwang uns zur Rückberufung unseres Botschafters aus Pretoria. Die während der letzten Wochen aufgetretene Gewalt an den Grenzen Zimbabwes und Lesothos bedeutet
eine neue Herausforderung für die regionale Stabilität.
Bete iligung Südafr ikas
Sogar während unserer Bemühungen um diplomatische und
friedliche Lösungen für die regionalen Konflikte zwischen den
Staaten im südlichen Afrika haben wir uns für friedlichen Wandel und Versöhnung zwischen den Völkern Südafrikas selbst eingesetzt .
Über die Politik der vereinigten Staaten gegenüber Südafrika ist viel gelästert worden - und sie ist oft mißverstanden
worden. Sie wird ausnahmslos als die Beschreibung der Beziehungen zwischen den Regierungen verstanden.
Aber dies ist falsch. Mit unserer Politik möchten wir einen positiven Dialog mit allen Kräften Südafrikas schaffen mit seiner Regierung und seinen Menschen aller Rassen. Und darüber hinaus ermutigen wir amerikanische Organisationen, sich
mit den entsprechenden Organisationen in Südafrika zu engagieren. Ich glaube, daß wir einander auf einem breiten Feld von
Beziehungen etwas zu bieten haben und daß wir damit fortfahren
sollten.
Wie Sie wissen, ist dies eine höchst problematische Aufgabe. Unser Einfluß, obwohl nicht unbedeutend, ist eben doch begrenzt. Gerade, wenn es darum geht, anderen soziale oder politische Ratschläge zu geben, dann ist Bescheidenheit angebracht. Wir besitzen keine Wunderformel für die Beseitigung
vergangener und heutiger Ungerechtigkeiten in Südafrika. Wir
gehen jedoch von der Annahme aus, daß ein Plan für mehr Gerechtigkeit und Harmonie zwischen den Rassen nur aus politischem Dialog und Verhandlungen zwischen den südafrikanischen
Behörden und den Führern der Schwarzen erwachsen kann. Wir
werden mit unseren Bemühungen für die Herbeiführung solch eines Dialogs fortfahren.
Für uns stellt sich in Südafrika nicht das Problem, ob wir
für das Ende der Apartheid kämpfen sollten. Das ist selbstver-

�ist selbstverständlich. Die Apartheid ist moralisch falsch.
Sie läuft unseren fundamentalsten Prinzipien zuwider. Sie verletzt unser Gerechtigkeitsempfinden. Die Apartheid muß beendet
werden. Das, so glaube ich, ist unvermeidlich. Die praktische
und ethische Frage ist, wie wir ihr Verschwinden beschleunigen
und die Förderung der Evolution zu einer gerechteren Gesellschaft am wirksamsten unterstützen können.
Und es steht auch außer Zweifel, daß wir Schritte zu einem
Ende der Gewalt ermutigen müssen. Ich spreche hier nicht nuc
von der Unterdrückung durch die Behörden, sondern auch von
bösartigen Akten Schwarzer gegen andere Schwarze, ich kann mir
keine amerikanische Administration vorstellen, die einen gewaltsamen Umsturz oder extremistische Lösungen begrüßen würde.
Der einzige Kurs, der mit amerikanischen Werten vereinbar ist,
besteht darin, daß wir uns für politische Lösungen, Verhandlungen und friedlichen Wandel zu einem gerechteren System einsetzen .
Einige bestehen darauf, daß wir Südafrika als Pariah behandeln sollten, so wie andere von uns verlangen, daß wir uns
nicht mit marxistischen Regierunugen in Angola oder Mozambique
einlassen sollten. Die Annahme solcher Ratschläge würde uns
jedoch wenig Raum für Diplomatie lassen. Es würde unsere Gegner in dieser Welt dazu ermutigen, die Instabilität, rassisches Unrecht und Gewalt als Mittel zur Ausdehnung ihres Einflusses in der Region zu benutzen. Es würde sicherlich unsere
Fähigkeiten zur konstruktiven Einflußnahme auf alle Parteien
beschneiden.
Die Nationen des südlichen Afrika haben außerdem kein Verlangen nach unserem Ausstieg. Sie wünschen unsere Beteiligung.
Mehr als jeder andere Staat besitzen wir das Vertrauen aller
Parteien. Dadurch werden wir befähigt, als Vermittler und ehrlicher Makler zu handeln. Wir müssen schwierige Entscheidungen
treffen, wenn wir garantieren wollen, daß die von uns eingesetzten Mittel zu den von uns angestrebten politischen Zielen
führen. Und damit komme ich zur Frage von Wirtschaftssanktionen.
Eine wachsende Wirtschaft als Kraft für den Wandel
Wir werden von vielen Leuten gefragt, warum die Reagan-Administration allgemein Widerstand gegen bestrafende Wirtschaftssanktionen gegen Südafrika geleistet hat. Lassen Sie
mich ohne Umschweife zu dieser Frage Stellung nehmen.
Erstens ist Südafrika der wirtschaftliche Gigant des südlichen Afrika. Was dort geschieht, ist wichtig für die Nachbarstaaten, die zu einem Großteil ihrer Nahrungsmittel- und
Industrieproduktion von Südafrika abhängen, Tausende von Ar-

�von Arbeitskräften nach Südafrika schicken, um dort in Minen
und Industriebetrieben zu arbeiten, und sich auf Südafrikas
gut entwickeltes Hafen- und Transportsystem für den Export ihrer Produkte verlassen. Wirtschaftliche Schwierigkeiten innerhalb Südafrikas würden allen schwarzen Staaten der Region noch
größsere Schwierigkeiten auferlegen. Und es ist außerdem für
die vereinigten Staaten und ihre Verbündeten unmöglich, das zu
ersetzen, was durch die südafrikanische Wirtschaft zur Verfügung gestellt wird. Wir sind außerstande, das Kapital, die
Märkte, die Transportmittel, die Dienstleistungen und die
Technologie zu liefern, welche die Region so dringend benötigt
Da der hauptsächliche Antrieb für den Wandel in Südafrika
internationaler Natur ist - und ich würde argumentieren, daß
dies so ist -, ist zweitens der größte Feind der Apartheid eine sich modernisierende Industrie und ein expandierender Arbeitsmarkt, denn beide benötigen Facharbeiter ohne Ansehen der
Hautfarbe. Es sind diese Realitäten, die die südafrikanischen
Behörden in den letzten Jahren dazu veranlaßt haben, die Investitionen für die Bildung der Schwarzen zu erhöhen, die sie
ermutigt haben, die Bildung schwarzer Gewerkschaften zuzulassen und die sie nach und nach dazu bewegt haben, durch die
Aufhebung von Beschränkungen, die Schwarze von einigen Berufen
ausschlössen, die Apartheid am Arbeitsplatz im wesentlichen zu
beseitigen.
Wirtschaftliches Wachstum führt nicht notwendigerweise zu
politischer Liberalisierung. Aber es kann, wie in Südafrika,
das Tempo des Wandels in eine konstruktive Richtung beschleunigen. Die Schädigung dieser Wirtschaft würde nicht nur das
Wirtschaftswachstum hemmen, sondern auch eine ganze Generation
junger Südafrikaner zu Arbeitslosigkeit und Verzweiflung verurteilen. Viele junge schwarze Südafrikaner sind jetzt schon
gebildet, politisiert und arbeitslos - eine explosive Mischung. Wir fühlen doch, wie drei Jahre wirtschaftlicher Rezession in Südafrika Frustration und Verbitterung unter der
Apartheid verschlimmert haben.
Ich möchte deshalb wiederholen, daß eine pulsierende südafrikanische Wirtschaft eine Kraft für den Wandel darstellen
kann. In einer schnell wachsenden Wirtschaft ist es zunehmend
schwierig, wenn nicht unmöglich, die Rassentrennung unter dem
System der Apartheid aufrechtzuerhalten. Es gibt einfach nicht
genug Weiße, um weiterzukommen. Der Beweis für diese Tatsache
besteht darin, daß es heute in Südafrika einen Mangel von 100
000 Facharbeitern gibt. Wenn es irgendeine Hoffnung auf politischen Wandel gibt, so hängt sie mit großer Sicherheit von
einem Klima dauerhaften wirtschaftlichen Wohlergehens ab.
Deshalb hat sich die Politik der Vereinigten Staaten gegen
bestrafende Sanktionen mit dem Ziel der Destabilisierung der
Wirtschaft gewandt. Andere westliche Verbündete sind zu ähnli-

�zu ähnlichen Schlüssen gelangt und haben den Druck auf die
südafrikanische Regierung aufrechterhalten, ohne Sanktionen zu
verhängen, die nur zusätzliches Leid schaffen würden, ohne zu
einer Lösung beizutragen.
Die Anordnung Präsident Reagans
In diesem Sinne hatte die von Präsident Reagan am 9. September 1985 erlassene Anordnung nicht das Ziel, Südafrikas
Wirtschaft zu schädigen oder einzelnen Südafrikanern zu schaden. Sie beabsichtigte, gezielte Sanktionen als ein klares
Signal der Unzufriedenheit der Vereinigten Staaten über das
Tempo der Reformen an die südafrikanische Regierung einzusetzen. Sie reflektierte die Empfindung innerhalb der Vereinigten
Staaten, daß schärfere Aktionen notwendig wären. Der Präsident
handelte, um zur Entschärfung des Klimas der Polarisierung und
Gewalt in Südafrika beizutragen. Aber er verschloß sich der
Forderung nach bestrafenden Sanktionen, welche die Wirtschaft
destabilisieren und schwarze Südafrikaner sowie die umliegenden schwarzen Staaten schädigen würden.
Die Anordnung spiegelte unsere Verpflichtung wider, eine
starke Präsenz in Südafrika aufrechtzuerhalten und amerikanische Firmen dazu zu ermutigen, dort Kräfte des Wandels zu bilden. Sie erhöhte außerdem die von der amerikanischen Regierung für Stipendien und Menschenrechtsaktivitäten bereitgestellten Mittel. Sie verbot in den meisten Fällen die Gewährung von Bankkrediten an Südafrika, Computerverkäufe an mit
der Aufrechterhaltung der Apartheid verbundene Behörden und
Sicherheitskräfte, Nukleargeschäfte und den Kauf von südafrikanischen Waffen. Sie schlug ein Verbot des Verkaufs des Kruger-Rand in den Vereinigten Staaten vor, das jetzt durchgeführt wird.
Am 19. Dezember 1985 kündigte Außenminister Shultz an, daß
zwölf hervorragende Amerikaner sich an einem Beratungsgremium
über Südafrika beteiligen würden. In den kommenden Monaten
wird dieses Gremium, dessen Vorsitz Bill Coleman und Frank
Cary führen, die Politik Südafrikas und der Vereinigten Staaten unter die Lupe nehmen und Außenminister Shultz seine Vorschläge unterbreiten.
Ich möchte wiederholen: Die meisten unserer westlichen
Verbündeten haben einen ähnlichen, vorsichtigen Ansatz bei der
Behandlung der Probleme dieser Region gewählt.
Argumente gegen den Abzug von Investitionen
Parallel zu dem Argument, daß die amerikanische Regierung
wirtschaftliche Sanktionen gegen Südafrika verhängen solle,

�verhängen solle, gibt es die Auffassung, daß amerikanische Institutionen ihre Investitionen bei in Südafrika tätigen amerikanischen Firmen abziehen sollten. Aus denselben Gründen, aus
denen ich glaube, daß generelle Wirtschaftssanktionen gegen
Südafrika kontraproduktiv sein würden, glaube ich nicht, daß
ein genereller Abzug von Kapital zu einem vorteilhaften Resultat führt.
Anstatt sich aus Südafrika und der Region zu entfernen,
sollten die Vereinigten Staaten vielmehr nach zusätzlichen Wegen suchen, um zu einem positiven Wandel zu kommen. Und hier
müssen wir zwischen Entscheidungen der amerikanischen Regierung und denjenigen unterscheiden, die von privaten Gebilden,
wie etwa den amerikanischen Privatfirmen, getroffen werden.
Im Gegensatz zu dem, was von manchen Kreisen geglaubt
wird, geht von den US-Firmen keine Dominanz der südafrikanischen Wirtschaft aus. Obwohl 300 amerikanische Firmen in Südafrika operieren, liegen die amerikanischen Direktinvestitionen dort noch unter zwei Milliarden Dollar. Neunzig Prozent
der Investitionen in Südafrika stammen von Südafrikas eigenem
Kapital. Die vereinigten Staaten repräsentieren weniger als
ein Fünftel der zehn Prozent, die aus ausländischen Quellen
stammen. Deshalb können die amerikanischen Investitionen kaum
als ein Druckmittel dienen, das allein zu einem Ende der
Apartheid führen könnte.
Zweitens: Selbst wenn die amerikanischen Firmen ihre Mittel abzögen und Südafrika verließen, würde sich wenig verändern, solange britische, deutsche, japanische und, was mehr
als wahrscheinlich ist, südafrikanische Firmen willens und fähig wären, zu produzieren, was zur Zeit von amerikanischen
Firmen produziert wird. Wenn Firmen sich entschließen, sich
zurückzuziehen, schicken sie ihr Personal und ihr Kapital nach
Hause: Fabrik und Ausrüstung bleiben an Ort und Stelle - und
werden oft zu Spottpreisen von jemand anderem erworben. Und
gleichermaßen wird die Verpflichtung zu rassischer Gleichbehandlung verschwunden sein, die von den meisten amerikanischen
Unternehmen Tag für Tag in ihren Handlungen und Beschäftigungspraktiken in Südafrika verwirklicht wird. Verschwunden
sein werden die bedeutenden Investitionen - über 100 Millionen
in den letzten Jahren -, die von amerikanischen Firmen für
Bildung, Ausbildung und Beschäftigung schwarzer Südafrikaner
ausgegeben wurden. Die Erfahrung hat gelehrt, daß, wenn eine
Firma sich einmal zurückzieht, dieser Entschluß wahrscheinlich
von Dauer ist. Aber die Wirkungen sind nicht unbedingt die beabs Lchtigten.
Ein bemerkenswerter Fall ist auch die seit 21 Jahren in
Südafrika ansässige Firma Motorola. Als das Unternehmen sich
1985 entschloß, seinen Betrieb einzustellen, kaufte eine südafrikanische Firma das Werk und die Anlagen auf und erstellt
_ g _

�und erstellt heute ähnliche Produkte wie ehemals Motorola. Ob
in dieser Firma die Schicksale schwarzer Arbeiter betroffen
sind, wissen wir nicht. Aber ich denke, daß diese Frage es
wert ist, gestellt zu werden.
U.S.-amerikanische Unternehmen spielen in Südafrika eine
konstruktive Rolle. Im Jahre 1977 untersuchte Pfarrer ueon
Sullivan, ein Bürgerrechtsführer aus Philadelphia, die Bedingungen bei der General Motors Corporation in Südafrika. Pfarrer Sullivan war das erste schwarze Aufsichtsratmitglied bei
GM. Als Ergebnis seiner Untersuchung stellte er fest, daß
U.S.-Firmen die Grundlage für Veränderungen bei amerikanischen
Firmen schaffen könnten, indem sie eine Reihe von Maßstäben
anlegten, die inzwischen als die 'Sullivan-Doktrin' bekannt
geworden sind.
Die Rol1e der Su11ivan-Doktr in
Die Sullivan-Doktrin fordert gleichen Lohn für gleiche Arbeit, einen gerechten Mindestlohn und eine Steigerung der Anzahl benachteiligter Südafrikaner in Verwaltungs- and Führungspositionen sowie gerechte Gewerkschaften.
Zusätzliche Regelungen schließen die Aufhebung der Rassentrennung in Kantinen, Aufenthaltsräumen, Umkleidekabinen und
Arbeitsstätten ein; ferner die Verbesserung der Lebensqualität
für Arbeiter außerhalb ihrer Arbeitsstelle durch Zuschüsse zu
Wohn-, Freizeit-, Gesundheits- und Fortbildungsprogrammen, sowie die Verbesserung von Ausbildungsprogrammen, mit deren Hilfe Nicht-Weiße auf ihre Aufgaben als leitende Angestellte,
Verwaltungsfachleute, Bürokräfte und Techniker vorbereitet
werden sollen.
Die Sullivan-Doktrin wurde im Laufe der Jahre immer weiter
entwickelt. Im Jahr 1977 hatten zwölf U.S.-Firmen die Sullivan-Doktr in übernommen. Heute richten sich 192 Firmen danach,
die Mehrheit aller amerikanischen Unternehmen in Südafrika.
Die U.S.-Firmen haben anderen, in diesem Land tätigen Firmen
den Weg vorgezeichnet.
Pfacrac Sullivan sagt selbst: " Wir können davon ausgehen,
daß die Grundsätze selbst einigen Einfluß auf den politischen
Wandel gehabt haben und daß sie den auch in Zukunft haben werden. Wenn man einem Menschen dabei hilft, seine wirtschaftlichen Rechte zu erlangen, wird man gleichzeitig den Zuwachs
seiner politischen Rechte fördern. Die Gleichheit an der Arbeitsstätte und massive Fortbildungsprogramme für schwarze und
nicht-weiße Arbeiter werden letztendlich jeden Bereich ihres
Lebens berühren, den öffentlichen wie den privaten. ... Um es
ganz einfach zu sagen: die Anhaltspunkte zeigen, daß die
Grundsätze einen Leitfaden der Arbeitsstätte darstellen, durch
- 10 -

�darstellen, durch den die Arbeiter lernen, weitreichendere gesellschaftliche Probleme anzugehen, die politischen Rechte
eingeschlossen. . .
Ich stimme dem zu. Ich bin der tiefen Überzeugung, daß unsere Sullivan-Unternehmen die Dinge in Südafrika verändern und
darin bestärkt werden sollten, fortzufahren. Unsere qemeinsame
Fähigkeit, den Wandel zu beeinflussen, wird sich verringern,
wenn sie gezwungen werden, das Land zu verlassen. Wir brauchen
schöpferischere Eingriffe in Südafrika und die Sullivan-Unternehmen sind eines unserer besten Zugpferde bei der Förderung
des Wandels zum Positiven. Ich möchte den Vorstand, die Lehrer
und die Studenten Carletons bitten, diese Überle gungen in Betracht zu ziehen, wenn sie über die weitere Linie bei diesem
wichtigen Problem entscheiden.
Ermutigender Dialog
Überdies fordern heute amerikanische Geschäftsleute zusammen mit südafrikanischen Firmen die Regierung auf, sich mit
den fechtmäßigen schwarzen Führern zu Verhandlungen zusammenzusetzen.
Dieser Dialog ist nicht einfach, zumal die Politik der
südafrikanischen Regierung ihn während der vergangenen 38 Jahre verhindert hat. Allseits herrschen Mißtrauen und mangelndes
Vertrauen. Schwarze und weiße Südafrikaner betrachten ihr Land
und sehen zwei sich widersprechende Bilder.
Die weißen Südafrikaner merken, wie viel sich in den letzten paar Jahren verändert hat. Es gibt keine Rassentrannung
mehr in privaten Schulen, Sportmannschaften spielen zusammen;
die Gesetzgebung gegen Unmoral und gemischtrassige Ehen wurde
abgeschafft; die Reservierung von Arbeitsplätzen, die nur
Weißen zugänglich sein sollten, wurde zunehmend umstritten; in
einigen Theatern, Restaurants und Hotels existiert keine Rassentrennung mehr; zum ersten Mal ist es auch Nicht-Weißen erlaubt, Sitze im Parlament zu erhalten; die Zwangsumsiedlung
schwarzer Bevölkerungsgruppen aus den sogenannten weißen Wohngebieten wurde ausgesetzt; schwarze Gewerkschaften wurden legalisiert; die Finanzierung von Erziehungsprogrammen für
Schwarze wurde ausgeweitet. Diese Veränderungen erscheinen
weißen Südafrikanern rapide, fast revolutionär. Bei manchen
Weißen rufen sie Furcht hervor; bei anderen Widerstand.
Die schwarzen Südafrikaner sehen den selben Vorgang natürlich mit anderen Augen. Die bereits erfolgten Veränderungen
erscheinen ihnen unwesentlich und widerwillig gewährt sowie
ohne die Konsultation Farbiger statisch. Es gab nur eine geringe Verständigung. Welche Konzessionen auch gewährt wurden,
es gibt immer noch keine Bürgerrechte für Schwarze; sie können
- II -

�sie können immer noch nicht wählen. Sie müssen immer noch die
verhaßten Pässe bei sich tragen. Schwarze Lohnarbeiter müssen
immer noch ihre Frauen und ihre Familien in den Homelands zurücklassen, wenn sie in dem Teil Südafrikas arbeiten, der nur
Weißen vorbehalten ist und der 87 % des Landes ausmacht. Dies
ist eine Zeit der steigenden Erwartungen seitens der Schwarzen
in Südafrika. Aber die Fronten haben sich in den fast zwei
Jahren der Gewalt, die mehr als tausend Menschenleben gefordert ha- ben, verhärtet.
Die Radikalisierung macht es den verhandlungsbereLten
Schwarzen immer schwerer, ihre Glaubwürdigkeit aufrechtzuerhalten, das Risiko auf sich zu nehmen und sich auf den Dialog
einzulassen. Dies ist eine Zeit, die Führungsqualitäten nicht
nur von weißen, sondern auch von schwarzen Führern fordert,
wenn der Friedensprozess fortgesetzt und der Kreis der Gewalt
gebrochen werden soll. Die Regierenden Südafrikas müssen es
allen Menschen, die dort leben, mitteilen, daß sie die Apartheid beenden wollen.
Was sich in Südafrika herausbildet, muß von den Menschen,
die dort leben, bestimmt werden. Die Vereinigten Staaten haben
es v/er mieden, hier Vorschriften zu machen. Es müssen jedoch
sicherlich Verhandlungen mit den anerkannten Führern der
Schwarzen begonnen werden, und dies kann nicht geschehen, wenn
diese Führer im Gefängnis sitzen. Deshalb haben wir an die
südafrikanische Regierung appelliert, Nelson Mandela und andere seit langem gefangengehaltene politische Häftlinge frei zu
lassen und sinnvolle Gespräche mit den wahren Führern der
schwarzen Bevölkerung zu beginnen.
Bestrebungen der Vereinigten Staaten ssuc Unterstützung der
Benachteiligten
Es gibt noch andere, konkretere Dinge, die die Vereinigten
Staaten tun und auch weiterhin fortsetzen werden, um einen
Wandel /.um Positiven voranzutreiben. Im folgenden einige Beispiele:
- Sin Fonds für Menschenrechte von mehr als einer Million
Dollar, der von der amerikanischen Botschaft verwaltet wird,
hilft bei der Unterstützung wichtiger Anti-Apartheid-Gruppen
in Südafrika, die an einem wirtschaftlichen, sozialen, rechtlichen und politischen Wandel arbeiten. Der Fonds wird verwendet für Seminare über Menschenrechte, Rechtsbeistand für Untersuchungsgefangene und ihre Familien, sowie die Bezahlung
von Anwälten, die bei den Gerichten als Herausforderer der
Apartheid auftreten.
- Die Vereinigten Staaten stellen im Augenblick jährlich acht
Millionen Dollar für Stipendien an schwarze und^n^chtweiße
- 12 -

�und nichtweiße Südafrikaner zur Verfügung und versetzen sie
damit in die Lage, sowohl amerikanische als auch südafrikanische Universitäten zu besuchen.
- Ein Programm über eine Million Dollar, daß von dem amerikanischen Gewerkschaftsverband AFL/CIO verwaltet wird, bildet
schwarze und nichtweiße Gewerkschaftsführer für Verhandlungen
und OrganisationsauEgaben sowie in anderen Bereichen aus, die
bisher den Schwarzen unter der Apartheidsgesetzgebung verschlossen waren und jetzt geöffnet sind.
- Ein Programm von zwei Millionen Dollar hilft schwarzen
High-School-Studenten bei den Aufnahmeprüfungen für die Univecsitäten.
- Mit Hilfe eines Drei-Millionen-Dollar-Programms werden
schwarze Unternehuiec darin ausgebildet, Kleinbetriebe ins Leben zu rufen und aus den jüngsten Änderungen in den Apartheid-Gesetzen ihren Nutzen zu ziehen, die es nun Nicht-Weißen
erlauben, Betriebe in zentralen Geschäftszentrnen zu eröffnen.
Andere Programme zielen darauf ab, sowohl bei der Entwicklung einer schwarzen Führungsschicht zu helfen als auch zwischen Weißen und Nicht-Weißen Südafrikas Brücken zu schlagen.
Wir bauen diese Programme weiter aus und fügen neue hinzu, mit
dem Ziel, schwarze und andere nicht-weiße Südafrikaner dahingehend umzurüsten, daß sie, politisch wie wirtschaftlich, eine wirkungsvollere Rolle in der Zeit nach der Apartheid spielen können.
Zu diesem Zweck laden wir auch Südafrikaner ein, unsere
eigene, durch viele Rassen geprägte, Gesellschaft zu besuchen.
Jedes Jahr bringen unser internationales Besucher- wie auch
das Fulbrightproqramm viele Südafrikaner zum Besuch oder zum
Studium in die Vereinigten Staaten. Neue Programme werden
schwarze südafrikanische Journalisten ins Land brinqen, um in
amerikanischen Medienorganisafcionen zu arbeiten, sowie schwarze Lehrer, um sich an amerikanischen Institutionen weiterzubtldfin .
In Südafrika selbst ziehen wir in Betracht, in Port Elizabeth das Konsulat wieder zueröffnen, um unsere Fähigkeit zur
Verständigung mit den Bevölkerungsgruppen in diesem immer
wichtiger werdenden industriellen Gebiet wiederherzustellen.
Über diesen Schritt beraten wir im Augenblick mit dem Kongress
und der südafrikanischen Regierung.

tun?

Was können amerikanische Einzelpersonen und Organisationen
'
"
Einige Maßnahmen der U.S.-Regierung haben wir aufgezeigt.
- 13 -

�wir aufgezeigt. Sie werden sich vielleicht fragen, was einzelne Amerikaner und Organisationen tun können, um ein Ende der
Apartheid in Südafrika herbeiführen zu helfen und Anstöße zu
Reformen zu geben. Ein Bereich geht dabei das Carleton-College
an: schwarze Südafrikaner müssen erhebliche Hindernisse überwinden, um die gleiche Ausbildung zu erlangen wie Weiße.
Ausbildung ist dabei eine Art Druckmittel. Indem wir
schwarzen Universitätsstudenten Ausbildungsmöglichkeiten anbieten, helfen wir Südafrika aktiv bei der Ausbildung zukünftiger schwarzer Führer. Sei es bei der Überwindung der Auswirkungen der Apartheid oder bei den Qualifikationen für die zukünftige Führungsrolle: sie brauchen unsere Hilfe.
Für einige Südafrikaner bedeutet das ein Grund- oder
Hauptstudium in den Vereinigten Staaten. Verglichen mit unseren BemUhungen In Nigeria, dessen Bevölkerung dreimal so groß
ist wie die Südafrikas, und von dem derzeit 20.000 Studenten
an amerikanischen Universitäten eingeschrieben sind, beträgt
die bestürzende Anzahl der schwarzen Südafrikaner in amerikanischen Institutionen nur 450. Was auch immer passiert: Südafrika wird ausgebildete schwarze Bürger brauchen, um Führungspositionen zu übernehmen.
Für andere benachteiligte Südafrikaner bedeutet es eine
Unterstützung, um in Südafrika selbst studieren zu können. Es
gibt eine Menge von Möglichkeiten für private Organisationen,
Hilfe zu leisten. Wegen des Wertverlustes des südafrikanischen
Rand gegenüber dem Dollar sind die Gesamtkosten für Unterkunft, Verpflegung und Studiengebühren für ein akademisches
Jahr an einer südafrikanischen Universität auf weniger als 3
500 Dollar gefallen.
Ich möchte noch anfügen, daß es eine bedeutsame Bewegung
gibt, um nichweißen, besonders schwarzen, Südafrikanern die
Gelegenheit zu einer Ausbildung ohne die Zwänge der Rassentrennung in diesem Lande zu verschaffen. Kürzlich haben fast
alle der traditionell weißen Universitäten ihre Absicht verkündet, allen Studenten ohne Ansehen der Rasse eine Ausbildung
zu ermöglichen. Zusätzlich ist eine Reihe von glaubwürdigen
privaten Bildungsinstitutionen entstanden, um angesichts des
ausserordentlich schädlichen Schulboykotts Schüler auszubilden.
Amerikaner sollten sich durch Radikale mit dem Motto "Revolution jetzt, Bildung später" nicht davon abhalten lassen, Studenten zu helfen, deren Bildung selbst ein Instrument für
Fortschritte der Schwarzen ist.
Welch bedeutenderen Beitrag könnten Amerikaner leisten als
die finanziellen Möglichkeiten zu schaffen, damit ein benachteiligte'- südafrikanischer Student eine Ausbildung erhält? Und
was könnte uns als Amerikaner mehr mit Stolz erfüllen, als uns
in einer positiven Weise zu verbinden, um etwas «u tun"? Es
- 14 -

�tun? Es gibt innerhalb Südafrikas eine Reihe von privaten Organisationen, die Studenten auswählen könnten, welche dieser
Stipendien würdig sind.
Amerikanische Institutionen haben eine lanqe und positive
Tradition auf diesem Gebiet. Durch die südafrikanische Niederlassung des Internationalen Bildungsinstituts, die SACHED, ist
nichtweißen Südafrikanern direkt und indirekt dazu verholten
worden, Bildungsdefizite zu überwinden. Das Carle ton College
könnte mit Organisationen wie dieser Kontakte anknüpfen.
Praktische Ausbildung ist ein weiterer Weg, um Hilfe zu
leisten. Während unserer Sommerferien herrscht in Südafrika
Winter. Zwischen Mai und Juli findet in den dortigen Schulen
Unterricht statt. Studenten aus Carleton könnten sich durchaus
als Lehrkräfte zuc Verfügung stellen, besonders in Mathematik
und Natur Wissenschaften, wo es einen Mangel an ausgebildeten
Lehrern gibt. Oder eine amerikanische Institution wie das Carleton College könnte Lehrkräfte für ein innerschulisches AusbLidungsprogramm für Lehrer der Naturwissenschaften in Südafrika zur Verfügung stellen.
Ich glaube, daß die Amerikaner im Hinblick auf Südafrika
etwas Positives tun wollen, statt zu den Rassenspannungen oder
3en v/i c tschaf tlichen Schwierigkeiten beizutragen. Das ist die
auerikanische Art - helfen statt schaden; etwas Besseres ?..\
fördern, anstatt die Lage zu verschlechtern.
Dies ist der Grund, warum unsere Regierung versucht hat,
las von uns -tllen angestrebte positive Ziel im Auge zu behalten und ihre Ablehnung der Apartheid durch eine aktive Rolle
bei der Unterstützung des Wandels zu demonstrieren. Es geht
hier nicht einfach darum, eine tugendhafte Pose einzunehmen.
Wir haben einigen Einfluß; deshalb haben wir die moralische
Pflicht, ihn verantwortungsbewußt einzusetzen.
Dadurch, daß wir die Südafrikaner zur Aufnahme des politischen Dialogs ermutigen, sind wir Erbauer und keine Zerstörer.
Durch die Benutzung unseres wirtschaftlichen Gewichts im
Dienste des Fortschritts der Schwarzen verschaffen wir den
sch-r-ir;v:.;n Südafrikanern Möglichkeiten und Hoffnung.
Ich lade Sie dazu ein, uns bei diesen Bemühungen zu unterstützen .

* * * * *

- 15 -

�^eos&gt;

AMERIKA DIENST
Information

^,DN ^

4

29. Januar 1986

REAGAN FORDERT EIN ENDE DES MORDENS IN AFGHANISTAN
- Besuch von verwundeten afghanischen Kindern im Weißen Haus Washington -(AD)- Präsident Reagan, der von den Verletzungen afghanischer Kinder, die ihn kürzlich im Weißen Haus besuchten, sichtlich betroffen war, forderte ein "Ende des Mordens in Afghanistan".
Reagan traf am 24. Januar mit den afghanischen Kindern zusammen, die zu einer ärztlichen Behandlung von Saudi-Arabien
und der 'Freien afghanischen Allianz', einer privaten amerikanischen Gruppe freiwilliger Helfer, in die Vereinigten Staaten
gebracht worden waren.
Die zu diesem Anlaß vom Weißen Haus herausgegebene Presse-Erklärung hatte folgenden Wortlaut:
Der Präsident traf heute mit fünf afghanischen Kindern,
Opfern des andauernden Krieges der Sowjetunion gegen das Volk
von Afghanistan, zusammen. Die Kinder werden in den Vereinigten Staaten wegen schwerer Verwundungen und Verbrennungen behandelt, die ihnen bei den Kämpfen in ihrer Heimat zugefügt
worden waren. Sie wurden von der 'Freien Afghanischen Allianz'
in die Vereinigten Staaten gebracht, einer privaten Organisation freiwilliger Flelfer mit Sitz in Cambridge, die die Kinder
in einer Zweigstelle des Massachusetts General Hospital behandeln und mit Prothesen versehen lassen will.
Diese Kinder stellen eine schmerzvolle Erinnerung an die
tausende von anderen Kindern dar, die seit der sowjetischen
Besetzung Afghanistans getötet und verletzt worden sind und
(He keine oder nur sehr geringe Aussichten auf angemessene medizinische Behandlung haben. Die Regierung der Vereinigten

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�der Vereinigten Staaten stellt mit Unterstützung des Kongresses den Freiheitskämpfern und Opfern des sowjetischen Krieges
die finanziellen Mittel für eine humanitäre Hilfe, einschließlich medizinischer Ausbildung, zur Verfügung. Das amerikanische Volk, besonders Gruppen wie die 'Freie Afghanische Allianz' und das 'Kommitee für ein freies Afghanistan' haben Spenden gesammelt, um die Not der Flüchtlinge und all jener, die
in Afghanistan bleiben mußten, zu lindern. Aber die wahre Lösung des Problems muß politischer Natur sein und den vollst-1-' i
digen Rückzug sowjetischer Truppen einschließen, Bedingunger
für eine sichere Rückkehr der Flüchtlinge beinhalten und dem
afghanischen Volk das Recht auf Selbstbestimmung garantieren.
Nach dem Besuch der Kinder bei Präsident Reagan sagte der
Präsident der 'Freien Afghanischen Allianz', Dr. Scott Kramer,
gegenüber Reportern, daß fast drei Millionen Menschen durch
die Kämpfe in Afghanistan nach Pakistan, in fast einhundert
Flüchtlingslager, vertrieben worden sind. "Wir schätzen, daß
seit der sowjetischen Invasion mehr als 100.000 Kinder getötet
oder verstümmelt worden sind", sagte Kramer.
Kramer zitierte Präsident Reagan mit den Worten: "Wir müssen das Morden in Afghanistan beenden". Er erklärte gegenüber
dem Präsidenten, daß die fünf Kinder für hunderte von anderen
Kindern stehen, die verletzt wurden und sich nun in ärztlicher
Behandlung befinden. Er sagte, daß vierzehn weitere schwerverletzte Kinder auf den Transport in die Vereinigten Staaten
war ten.
Kramer stellte eins der Kinder, ein verbranntes Opfer, als
Gulranga vor, der Name bedeutet 'Kleine Blume Gottes'. Für
Gulranga sind eine Reihe von Operationen zur Wiederherstellung
ihres Gesichts vorgesehen, das von einer sowjetischen Brandbombe zerstört wurde. "Sie konnte ein Auge nicht zumachen und
lief Gefahr, ihr Augenlicht ganz zu verlieren", sagte er, "und
sie wird noch erhebliche plastische Chirurgie benötigen. Sie
können hier sehen, was eine Brandbombe einer kleinen Blume antun kann". Kramer meinte von Gulranga, daß sie "schliesslich
ganz gut aussehen werde".
Charles Brockunier, ein Vertreter der Allianz, beklagte,
daß die sowjetische Strategie in Afghanistan darin bestehe,
"Krieg gegen die Zivilbevölkerung zu führen, was eine Verletzung des Genfer Abkommens über Kriegsführung darstellt. Wir
appellieren an Gorbatschow, den Führer der Sowjetunion, falls
er ein Mann des Friedens ist: er soll es uns 1986 am Beispiel
Afghanistan zeigen ... er soll uns 1986 zeigen, daß er ein
Mann ist, der den Krieg beenden wird".
Laut Kramer kommt der Presse eine "Vermittlerrolle" dabei
zu, die Sowjetunion zu bewegen, keine Waffen in der Form von
Spielzeug mehr zu verwenden, die bereits Hunderte von Kindern

�von Kindern getötet und verstümmelt haben. Die sogenannten
Spielzeugbomben seien "eigens dazu konstruiert, ganze Dörfer
zu terrorisieren und die Menschen zu vertreiben". Er sagte
ferner, daß der Gebrauch des 'gelben Regens', "sei es ein berechtigtes Mittel der Kriegführung oder nicht" wegen der internationalen Presse-Berichterstattung eingestellt worden sei.
Kramer berichtete von Gesprächen mit Mitgliedern der Nationalen Sicherheitsbehörde "in der Hoffnung, daß sie jetzt eine
Kommission für Kriegsverbrechen einrichten würde, um alles
festzuhalten für den Tag der Abrechnung, der sicher kommen
wird".
Dr. Haschmatullah Mojaddidi, der die fünf Kinder, die zur
Behandlung in die Vereinigten Staaten gebracht wurden, ausgesucht hat, berichtete den Reportern, daß er bei Präsident Reagan um Waffen gebeten habe. "Sie sollten uns wirksame Waffen,
speziell Raketen gegen Geschütze und Hubschrauber, schicken,
um der schweren Bombardierung dieser Dörfer und Städte" durch
sowjetische Truppen entgegentreten zu können.
Der Arzt sagte, er habe auch um medizinischen Bedarf und
Nahrungsmittel nachgesucht. Er berichtete, Präsident Reagan
"drücke seine große Besorgnis über die Situation aus" und er
sagte, daß Washington jede mögliche humanitäre Hilfe zur Verfügung stellen will.
Der stellvertretenden Regierungssprecher Larry Speakes
sagte zu dieser Forderung nach Waffen, "wir diskutieren nie
unser System der Hilfe für die afghanischen Freiheitskämpfer
und werden das auch in Zukunft nicht tun".

* * * * *

- 3 -

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial
29. Januar

SOWJETISCHE

1986

PEN-KONGRESS:
SCHRIFTSTELLER WERDEN WEITERHIN VERFOLGT

Washington -(AD)- Trotz vorsichtiger Hinweise darauf, daß
in Zukunft im Kleinkrieg gegen nonkonformistische Schriftsteller in der Sowjetunion einige Erleichterungen in Aussicht seien, wird deren Los zur Zeit dennoch weiterhin von Verfolgung
und Inhaftierungen bestimmt. Dieser Tatbestand wurde beim
kürzlich abgehaltenen PEN-Kongress durch gut unterrichtete
Kreise bestätigt.
Der Kongress ging an einem Punkt speziell auf das von der
langen Verfolgung des kommunistischen Systems herrührende,
schwere Schicksal der Schriftsteller in der Sowjetunion ein.
Im Namen von sieben verhafteten sowjetischen Autoren, deren
Gesundheit - vielmehr, deren Überleben - gegenwärtig von den
Bedingungen ihrer Gefangenschaft bedroht ist, wurde ein Telegramm an den sowjetischen Führer Gorbatschow gesandt.
Im Rahmen einer im Verlauf des Kongresses abgehaltenen
Pressekonferenz diskutierten Vertreter von PEN mit emigrierten
russischen Schriftstellern über die Einzelheiten einer Reihe
von Fällen und deckten dabei auf, daß 59 Autoren aufgrund von
Aktivitäten, die im Zusammenhang mit ihrer Arbeit stehen, in
der Sowjetunion inhaftiert sind. Der PEN-Dokumentation zufolge
starben in der letzten zwei Jahren wenigstens vier Schriftsteller in Arbeitslagern.
Bei einem der bekanntesten dringlichen Fälle handelt es
sich um die 30jährige Dichterin, Physikerin und Dissidentin
Irina Ratuschinskaja, die sich seit zwei Jahren in einem sowjetischen Arbeitslager befindet. Nach Unterlagen von PEN hat

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�PEN hat sich die Gesundheit der Frau in dem Umfang verschlechtert, daß nunmehr ihr Leben in Gefahr ist.
Lew Timofejew, ein in Moskau geborener Dramatiker und
Essayist, dessen Arbeiten sowohl in der Sowjetunion offiziell als auch in russischen Emigrantenzeitschriften inoffiziell erschienen sind, wurde vor einem Jahr verhaftet und wegen "anti-sowjetischer Verleumdung und Propaganda" zu sechs
Jahren Arbeitslager sowie fünf Jahren Verbannung verurteilt.
Der 65jähriger ukrainische Dichter, Romancier und Essayist
Mikola Rudenko verbüßt wegen "anti-sowjetischer Agitation und
Propaganda" gerade 12 Jahre Haft und Verbannung. Rudenko, ein
ehemaliges Ehrenmitglied der Ukrainischen Schiftsteller-Vereinigung, engagierte sich in den frühen siebziger Jahren in der
internationalen Menschenrechtsbewegung und verlor bald darauf
seine Freiheit.
Mikail Maylach aus Riga wurde verhaftet und sowohl wegen
des Besitzes und der Verteilung ausländischer Bücher, speziell
solcher von in der Sowjetunion verbotenen Autoren, als auch
wegen des Zusammentreffens mit ausländischen, speziell englischsprachigen Gästen unter Anklage gestellt.
Obwohl die Anzahl der Fälle weiterhin zunimmt und Informationen zufolge 1984 und 1985 vier Schriftsteller in den Arbeitslagern des Gulag umgekommen sind, gibt es nach Angaben
einiger Autoren doch Anzeichen einer möglichen Verbesserung
der Situation.
Der anerkannte US-Dramatiker und ehemaliger Präsident des
PEN-Clubs, Arthur Miller, beschrieb Reportern gegenüber die
Situation als die des "angehaltenen Atems", um zunächst die
Ergebnisse im Nachgang des Gipfeltreffens zwischen Reagan und
Gorbatschow Ende 1985 abzuwarten.
Er beschrieb seine Erfahrungen in der Sowjetunion zur Zeit
des Gipfeltreffens, als er sich im Rahmen eines bereits seit
Jahrzehnten durchgeführten Austauschprogramms mit sowjetischen
Autoren traf.
Miller berichtete vom Zusammentreffen in Vilnius kurz vor
dem Gipfel, wo die Veranstaltung bald zu einem Affront gegen
die amerikanische Politik und Gesellschaft ausartete und mit
der angeblichen Absicht des Treffens, des "Bekanntwerdens miteinander und der Diskussion von Literatur" nichts mehr zu tun
hatte. Angesichts der Art und Weise der Diskussion legte der
amerikanische Dramatiker den Russen eine Liste von inhaftierten sowjetischen Schriftstellern vor und vor allem auch das
Dossier der internationalen PEN-Vereinigung über den Fall Ratuschinskaja.
Miller erinnerte
- 2 -

�Miller erinnerte sich, daß die Sowjets empört waren und
leugneten, daß es sich bei dem Fall der Frau um etwas anderes
als den einer Physikerin und Chemikerin handele. Aber er blieb
hartnäckig und forderte sie zu Nachforschungen auf.
Eine Woche später, nach dem Treffen zwischen den amerikanischen und sowjetischen Staatsoberhäuptern, ging der amerikanische Dichter Alan Ginsberg, der Miller nach Moskau und noch
weiter begleitet hatte, zur sowjetischen Sehriftsteller-Vereinigung, um die Verlängerung seiner Aufenthaltsgenehmigung sicherzustellen. Hier begegnete er Herrn Fedorenko, dem Leiter
der sowjetischen Delegation beim Treffen in Vilnius.
Fedorenko berichtete ihm, daß es ihm gelungen sei, sich
die Gedichte von Frau Ratuschinskaja zu beschaffen. "Ich gebe
zu, daß sie Schriftstellerin ist", sagte der sowjetische Beamte, "Ich habe mich geirrt. Sie ist keine besondere Schriftstellerin, aber sie ist eine Schriftstellerin". Er bemerkte,
daß er die Gedichte Vertretern der Sehriftsteller-Vereinigung
zugänglich machen wollte.
"Ich habe mich in gewisser Weise seit 1966 mit den Russen
beschäftigt", sagte Miller, "und dies ist das erste Mal, daß
ich es jemals erlebt habe, oder davon gehört habe, daß jemand
anders es erlebt hat, daß irgendein Offizieller diese Art von
Vorwurf auch nur in Erwägung gezogen hätte. Ich weiß nicht
was, oder ob überhaupt irgendetwas dabei herauskommen wird,
aber es ist schon ein Ereignis".
Miller wies auch darauf hin, daß er in seinen Gesprächen
mit Schriftstellern und ihm bekannten Theaterschauspielern einen Eindruck der Hoffnung gewonnen habe - ohne konkrete Anzeichen allerdings - daß Gorbatschow "die Lage gern etwas erleichtern" würde. Die große Frage dabei war aber, "ob er es
schaffen könnte, daß sich im Apparat irgendetwas bedeutend bewegt" .
Der bekannte russische Schriftsteller und einstige praktische Arzt Wassili Aksionow (52), der 1980 in die vereinigten
Staaten auswanderte, beschrieb einen weiteren hoffnungsvollen
Fall zweier Autoren und Redakteure, Felix Swietow und seiner
Frau Soja Krachmalnikowa, die wegen ähnlicher Aktivitäten in
bezug auf ihre kreative Arbeit einige Jahre lang getrennt voneinander inhaftiert waren. Frau Krachmalnikowa erhielt vor einiger Zeit ein hartes Urteil, während ihrem Mann nach seiner
jüngst erfolgten Verhaftung eine relativ milde Strafe auferlegt wurde.
"Dies ist das einzig positive Anzeichen - andere sehe ich
nicht", berichtete Aksionow gegenüber Reportern. Als Gegenbeispiel führte er den Fall Timofejews an, dessen Urteil er als
"eine völlig gnadenlose, sinnlose Verurteilung - nur für das
- 3 -

�für das Schreiben von Büchern" bezeichnete, "er arbeitete mit
keinem Menschenrechtskomittee zusammen, er hat lediglich umstrittene Bücher geschrieben". Aksionow führte darüber hinaus
den Fall Maylach als Beispiel dafür an, daß sich der gegenwärtige Zustand fortsetzt.
Weitere Hinweise dafür, daß erst die Zukunft eine mögliche
Entspannung bringen wird, liegen in der Tatsache, daß acht
sowjetische Autoren, die als Ehrengäste zum PEN-Kongress nach
New York eingeladen waren, um mit internationalen Meistern wie
Saul Bellow und Susan Sontag aus den Vereinigten Staaten, Mario Vargas Llosa aus Peru, Kobo Abe aus Japan, Nadine Gordiiner
aus Südafrika und Wang Meng aus China zusammenzutreffen, ihre
Teilnahme absagten.
Es gibt Anzeichen dafür, daß die sowjetischen Behörden gegen die Anwesenheit und Teilnahme von so bekannten russischen
Emigranten wie Aksionow, Sergeji Dowlatow und Joseph Brodsky
Einspruch einlegten. Aksionow meinte hingegen, daß die Anwesenheit von Vertretern baltischer Emigrantenverbände bei der
Konferenz auch eine Rolle gespielt haben könnte. Und überhaupt, fragte er, "welche Art von Kulturaustausch wollen sie
mit diesen Maßnahmen fördern"?
Der Präsident der französischen Abteilung des PEN-Clubs,
Rene Tavernier stellte fest, daß sowohl internationale als
auch individuelle Anstrengungen fortgesetzt werden, da diese
offensichtlich ihrem Zweck dienen. Seine Gruppe hat zehn der
am meisten gefährdeten russischen Schriftsteller, die sich im
Gefängnis oder im Exil befinden, adoptiert.
Um den weiterhin notwendigen internationalen Druck zu unterstreichen, berichtete Tavernier von einer Unterhaltung mit
einem aus der Sowjetunion ausgewiesenen Schriftsteller.
"Ich fragte ihn, ob all unsere Bemühungen irgendetwas nützen würden, oder ob es nur Lärm sei, der unser Gewissen beruhigt. Er sagte, daß auch Inhaftierte schließlich von den Bemühungen der Leute erfahren. Es kann eventuell für das Verhältnis zwischen den Gefangenen und der Lagerleitung nützlich
sein. Aber, was nach Aussage des Schriftstellers noch wichtiger ist: es gibt ihnen das Gefühl, in der Welt nicht allein
dazustehen" .
Tavernier sagte weiterhin: "Darum tun wir das, was wir
tun, auch wenn wir manchmal sehen, daß nichts passiert. Wir
müssen es tun. Diese Menschen verdienen unser Gefühl der Solidarität" .

�AMERIKA DIENST
'VON

^

Wissenschaft und Technik

29. Januar 1986

PLANET URANUS - WICHTIGER MARKSTEIN FÜR DIE FORSCHUNG
- Raumsonde VOYAGER 2 auf dem Weg zu neuen Aufgaben in der
Außenregion unseres Sonnensystems -

- (AD) - Die Ergebnisse der Beobachtung von Jupiter und
Saturn durch die amerikanischen PIONEER- und VOYAGER-Sonden
waren gewiß sensationell. Daß es aber möglich ist, mit einer
Raumsonde wie derzeit mit VOYAGER 2 selbst aus drei Milliarden
Kilometern Entfernung der astronomischen Forschung eine so gut
wie unbekannte Planetenwelt fotografisch und durch vielfältige
Meßdaten zu erschließen, zeugt von einer kaum abschätzbaren
Qualität der Technik. Ihr Einsatz ist jedoch nur sinnvoll auf
der Grundlage einer detaillierten Kenntnis der Gesetze der
Himmelstechnik, der Gravitationskräfte der Körper im Raum und
deren Ausnutzung für eine präzise Kursführung.
Nun hat VOYAGER 2 mit seinem Vorbeiflug an Uranus (24/25.
Januar 1986) die Wissenschaftler auch mit diesem Planeten, dem
drittgrößten im Sonnensystem, bekannt gemacht. Zwar kommen
die Funksignale der Raumsonde unvorstellbar schwach hier an,
brauchen derzeit zwei Stunden und 45 Minuten bis zur Erde, und
mit wachsender Entfernung künftig sogar noch länger. Sie
bringen Informationen aus einer Region, die über 20mal weiter
von der Erde entfernt ist als die Sonne. Die Ausgangsleistung

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�Die Ausgangsleistung des Bordsenders, der seine Betriebsenergie aus einer Nuklearbatterie bezieht, beträgt nicht mehr als
20 Watt. Allein das Ausfiltern der VOYAGER-Funkzeichen aus
der elektromagnetischen Wellenflut um unseren Planeten und ihre Verstärkung bis zu dem Punkt, wo eine Bewertung und Deutung
durch Fachleute möglich wird, ist eine Meisterleistung für
sich.
Instrumente noch immer intakt
Mehr als acht Jahre sind seit dem Start von VOYAGER 2 (20.
August 1977) vergangen. Den elf Instrumenten an Bord hat jedoch der Flug durch den Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter, das Strahlen- und Materienbombardement am Jupiter (Juli
1979) und am Saturn (August 1981) offenbar nichts anhaben können. Das zeigt die erste Übersicht von Bildern und Meßdaten
vom Uranus, aufgenommen und gesendet aus dem "Nahbereich" in
ca. 82 000 km Abstand vom Planeten. Die eigentliche Datenflut
kommt sowieso erst noch. Mit den Analysen, die Aufschluß über
die tatsächliche Natur des Uranussystems geben sollen, werden
die Forscher monate-, ja jahrelang beschäftigt sein.
Individualist
Auf Fotos, die von der Erde aus gemacht werden, erscheint
Uranus als grünlich-blau leuchtendes Objekt mit etwas unscharfem Rand. Die Oberfläche unauffällig - es sind keine Strömungsvorgänge in der dichten Atmosphäre zu erkennen, die z.B.
Hinweise auf die Rotationsgeschwindigkeit oder Rotationsrichtung geben könnten. So werden von manchen Forschern anhand
spektroskopischer Messungen 12, von anderen zwischen 16 und 24
Stunden als Dauer einer Umdrehung vermutet. Wie kurz vor dem
VOYAGER-Rendezvous mit Uranus Programm-Manager Earl Montaya
auf einer Pressekonferenz in Washington berichtete, werde angenommen, daß der Planet mit seinem Ring- und Satellitensystem
von der Erde aus gesehen entgegen dem Uhrzeigersinn rotiert.
Die Lage der Planetenachse ist ungewöhnlich und nach bisherigen Erkenntnissen einzigartig im Sonnensystem. Im Gegensatz zu den anderen acht Planeten steht die Rotationsachse des
Uranus nicht senkrecht zur Ekliptik, d.h. der Umlaufebene um
die Sonne. Vielmehr rollt der Planet gewissermaßen auf der
Seite durchs All. Die Pole heben sich mit nur acht Grad Winkelabstand (statt der üblichen Winkel von oder nahe 90 Grad)
von der Ober- und Unterseite der Bahnebene ab. So kommt es,
daß zur Zeit - von Erde und Sonne aus gesehen - das Südpolgebiet direkt im Blickfeld liegt. Die Halbkugel jenseits des
'Äquators mit der Nordpolregion bildet die Nachtseite und ist
- 2 -

�und ist nicht zu sehen. Bei der Umlaufzeit von 84 Jahren des
Uranus um die Sonne beginnt für die Nordhälfte erst in etwa
zwei Jahrzehnten wieder "Dämmerung" und "Tag", und dies für
die Zeitspanne von 42 Jahren. Die Südhalbkugel wird sich dann
im Dunkeln befinden.
Fünf Monde waren in der "Vor-VOYAGER-Zeit", d.h. bis zum
Beginn der intensiven Beobachtung der Sonde ab November 1985,
aufgrund von Fernrohraufnahmen bekannt. Oberon, mit 1630 Kilometern Durchmesser der größte dieser Monde, umkreist Uranus
in ca. 670 000 km Abstand vom Planetenzentrum und bilden den
Abschluß des Systems. Dann folgen Titania (Durchmesser ca.
1600 km, A80 000 km Abstand), Umbriel (Durchmesser ca. 1100
km, Abstand 293 000 km), Ariel (Durchmesser ca. 1300 km, Abstand 213 000 km) und schließlich Miranda (Durchmesser ca. 500
km, Abstand etwa 140 000 km). Knapp 30 000 km unterhalb des
Mondes und ca. 82 000 km über der Wolkenobergrenze des Planeten durchflog VOYAGER 2 die Rotationsebene des Trabantensystems auf leicht schrägem Kurs.
Sie steht auf der Ekliptik nahezu senkrecht. Und dies war
der Grund dafür, daß aufgrund der Flugrichtung des VOYAGER für
seinen Durchgang (mit einer Geschwindigkeit von ca. 64 000
km/Stunde) und damit auch für Aufnahmen und Messungen vor Ort
nur wenige Stunden zur Verfügung standen. Angesichts der
schlechten Lichtverhältnisse in der großen Sonnenferne waren
die Aufnahmebedingungen ohnehin noch wesentlich ungünstiger
als beispielsweise am Saturn. Durch längere Belichtungszeit
mit gleichzeitigem Gegendrehen der Instrumentenplattform versuchte man diesen Nachteil so weit wie möglich auszugleichen.
Auch das Ringsystem ist in diese Rotationsebene eingebettet. Es liegt noch näher am Planeten und endet bereits 26 000
km über der Wolkenobergrenze. Zwischen ihm und Miranda folgte
VOYAGER 2 am 24. Januar 1986 seiner Bahn.
Zehn neue Monde, ein weiterer Ring entdeckt
Schon am 8. Januar 1986 hatten während des Anflugs auf
Uranus die Bordkameras einen sechsten Mond im Bild erfaßt. Er
hat 56 km Durchmesser und umkreist den Planeten ca. 60 000 km
über der Wolkenobergrenze, d.h. in ca. 85 800 km Abstand vom
Planetenzentrum. Das Auftauchen eines so relativ kleinen Körpers in diesem Bereich, 32 000 km außerhalb des Ringsystems
mit den bis dahin bekannten neun Ringen, brachte zunächst einige Verwirrung. Man hatte die Existenz weiterer Monde vermutet. Jedoch war analog zu den Erfahrungen aus der Beobachtung
des Saturn und seines Ringsystems angenommen worden, daß
Kleinstmonde auf dieses beschränkt seien. Wie beim Ringsystem
- 3 -

�beim Ringsystem des Saturn weisen nämlich auch die Ringe des
Uranus scharf abgegrenzte Konturen auf. Dies ist ein Hinweis
auf das Vorhandensein sehr kleiner Trabanten, die infolge komplexer mechanischer Wechselwirkungen mit den Ringpartikeln im
Randbereich diese daran hindern, abzudriften und sich aus dem
Verband zu lösen. Die Kleinstmonde in Planetenringen werden
mit Hirtenhunden verglichen, die die Schafherde zusammenhalten
Ul, wie der zuerst entdeckte neue Uranus-Mond vorläufig
bezeichnet wird, gehört offenbar nicht zu dieser Kategorie.
Aber bei den meisten der weiteren neun, die mit Hilfe von
VOYAGER 2 inzwischen gefunden wurden, scheint dies der Fall zu
sein. Auch ein weiterer Ring, der zehnte im System, wurde als
dünner Strich auf den Fotos erkennbar. Von der Erde aus gesehen erscheinen die Uranusringe als dunkle Objekte. VOYAGER 2
konnte zeigen, daß sie zwar von erheblich geringerer Leuchtkraft als die des Saturn sind, sich aber in der Farbe doch
voneinander unterscheiden.
D ie Au fnahmen von Ura nus aus der letzt en Phase währ end des
Anflu gs ma chen de utlich, daß die Atmo sphär e in der Polr egion
sehr wohl "Strukt ur" besi tzt, di e auf Strö mungsvor gänge
schli eßen läßt, Erst die Auswer tung der R adiosign ale k ann zu
Aussa gen d arüber führen. VOYAGE R 2 s andte sie aus , damit
Struk tur, Dichte und Druc kverhäl tniss e in der Atmo sphär e sowie
Masse und Schwere feld des Planet en Ur anus untersuc ht we rden
könne n. M it eine m Ultrav iolett- Spekt romet er hofft e man die
Verte ilung von Ha uptbesta ndteile n der Atmo sphäre z u erm itteln.
Bishe rige Ergebni sse steh en im G egens atz z u den Vo rauss agen,
denen zufol ge vor allem Wa ssersto ff un d Hei ium (let ztere s zu 40
Proze nt) z u erwar ten sein sollte n. D ie ta tsächlic he He liumKonze ntrat ion lie gt bei h ochsten s 15 Proze nt - ein Resu ltat,
das U ranus zu ein em beson ders in teres sante n Objekt im S onnensyste m mac ht. Au ch auf d er Sonn e ist Heli um in di esem Anteil
vorha nden, nicht aber bei m Jupit er, d er ja als "kl einer Bruder" der S onne gi lt, weil er meh r Energie abgibt a ls au fnimmt.
So kö nnte das Stu dium der Uranus -Atmo sphär e gewiss e Hin weise
auf d ie Zu sammens etzung d er Mate riene bei g eben, au s denen sich
Sonne und Planete n konden sierten
Angesichts der Position der Rotationsachse des Planeten
Uranus wird von manchen Wissenschaftlern vermutet, daß es irgendwann zu einer Kollision mit einem großen Objekt gekommen
sein könnte, die Uranus gewissermaßen umgekippt hat. Übrigens
sind auf den Großmonden Oberon und Titania Krater, ähnlich wie
beim Erdmond oder den Planeten Merkur und Mars, zu erkennen.
Auf einer Oberon-Aufnahme wurde außerdem eine ansehnliche Erhebung ausgemacht. Ob bzw. inwieweit Vulkanismus oder andere
Vorgänge eine Rolle dabei spielten, harrt noch der Untersuchung. Auch fällt auf, daß die Oberfläche der anderen Großmonde nahezu strukturlos erscheint. Weshalb, ist bisher unklar.
Magnetfeld - ja

�Magnetfeld - ja oder nein?
Bis zuletzt wurde herumgerätselt, ob Uranus ein Magnetfeld
besitzt oder nicht. Erst als VOYAGER 2 am 23. Januar 1986 die
"Bugwelle" der Magnetosphäre passierte, jene Zone also, wo der
Sonnenwind mit einem Magnetfeld kollidiert, war die Bestätigung für seine Existenz gegeben. Nach den vorläufigen Erkenntnissen ist aber seine Position ganz ungewöhnlich. Denn
die Achse zwischen den magnetischen Polen ist gegen die Achse
der geographischen Pole um 55 Grad geneigt. Dieser Umstand
bringt neue und ganz spezielle Gesichtspunkte für Ionisationsvorgänge in Atmosphäre und Ringsystem auf den Plan. Die Stärke des Magnetfeldes dürfte etwa ein Drittel so groß sein wie
die des Erdmagnetfeldes.
Nächstes Ziel:

Neptun

Noch bis Mitte Februar 1986 wird VOYAGER 2 das Uranussystem im "Gegenlicht" beobachten, da von der Sonde aus gesehen,
die sich jetzt im Außenbereich unseres Sonnensystems entfernt,
die Sonne hinter dem Planeten steht. Am 25. August 1989 ist
die Begegnung mit dem vorletzten Außenplaneten, dem Neptun, zu
erwarten. Und dann beginne, so Projektmanager Montoya, ein
neues großes Abenteuer - die Sondierung der unbekannten Grenzzone unseres Sonnensystems.
"Wir wissen nicht, wo diese Grenzzone liegt", sagte der
Wissenschaftler. "Die Theorie besagt, daß unser Sonnensystem
wandert und wahrscheinlich von einer 'Blase' umgeben ist, einem Regentropfen vergleichbar. Vom Innern dieses Tropfens
drückt der Sonnenwind gegen die Wandung, von außen drücken die
Kräfte anderer Sternsysteme. Es dürfte eine deutliche Grenzzone vorhanden sein, die 'Heliopause'. Wenn wir diese passieren, dann erst verlassen wir das Sonnensystem." Aber noch
keine der beiden PIONEER-Sonden - PIONEER 19 ist inzwischen
sechs Milliarden Kilometer von der Erde entfernt - hat den
Eintritt in diese Zone bisher gemeldet.

- 5 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Trauer um Tod der "CHALLENGER-Astronauten&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache des amerikanischen Präsidenten nach Explosion der Raumfähre -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;NATO zur Vorlage eines Abkommens bei der KVAE in Stockholm bereit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz des amerikanischen KVAE-Delegationsleiters Barry - (Auszüge)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA appellieren an Pretoria: Freilassung Mandelas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von Unterstaatssekretär Michael Armacost -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan fordert ein Ende des Mordens in Afghanistan&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Besuch von verwundeten afghanischen Kindern im Weißen Haus -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;PEN-Kongress: Sowjetische Schriftsteller werden weiterhin verfolgt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Planet Uranus - wichtiger Markstein für die Forschung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Raumsonde VOYAGER 2 auf dem Weg zu neuen Aufgaben in der Außenregion unseres Sonnensystems -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
7

-0r, O N ^

15. Januar 1986

I N H A L T

DOKUMENTATION
Erklärung des amerikanischen Botschafters in Bonn zu den
Maßnahmen der Vereinigten Staaten gegen Libyen
Weinberger: Sowjets bauen SS-25-Streitmacht aus
- Rede vor der Carnegie-Stiftung -

HINTERGRUNDMATERIAL
Gadhafi unterstützt radikale Regime und hilft Terroristen
- Dokumentation des amerikanischen Außenministeriums über
Libyen unter Gadhafi -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neue Generation von Wetterbeobachtungssatelliten
- Bessere Möglichkeiten für kurzfristige Veränderungen und
die aktuelle Warnung Lebenswunder im ewigen Eis
- Primitive Organismen - Modell für gentechnologische
Prozesse -

* * * * * *

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�,^° s ^&lt;

VON

AMERIKA DIENST

#

Dokumentation

15. Januar 1986

ERKLÄRUNG DES AMERIKANISCHEN BOTSCHAFTERS IN BONN
ZU DEN MASSNAHMEN DER VEREINIGTEN STAATEN GEGEN LIBYEN

BONN - (AD) - Zu Beginn eines Pressegespräches, das am 9
Januar 1986 um 14.00 Uhr in der amerikanischen Botschaft in
Bonn stattfand, gab Botschafter Richard R. Burt die folgende
einleitende Erklärung ab:
Wie Sie wis sen, hat Präsi dent Reag an zus ätzl iche Maßn ahmen
ange kündigt , die da zu di enen, der anda uernde n Be droh ung d urch
den von Lib yen unte rstüt zten Terr orism us Her r zu wer den. Diese
Maßn ahmen b ilde n ei nen k onkre ten Ausdr uck un sere r Üb erzeu gung,
daß es für die zivi lisie rten Nati onen absolu t un entb ehrli ch
ist, gegen die Mord er vo n Fra uen und K indem Ste llun g zu beziehen. Die b ruta len und g edank enlo sen M orde a n un schu ldige n Mensehe n in Rom un d Wien bi lden ledi glich die jüngs ten in ei ner
Seri e von t erro rist ische n Akt en, einsc hließl ich des letzt en
Vorf alles h ier in d er Bu ndesr epub lik D eutsch land , wo bei einem
Bomb enansch lag auf unser Eink aufs zentr um in Fran kfur t ein e groGe A nzahl v on u nsch uldig en Me nsch en ve rletzt wur de. Die Regierung der Ve rein igte n Sta aten hat in an gemess ener Wei se Ma ßnahmen getroff en, um d en un vermi nder t and auernd en 1 ibys chen Aktivitä ten, di e al le a kzept ierte n in terna tional en V erha ltens normen
verl etzen, gere cht zu we rden. We nn wi r uns jedo ch w irksa m mit
Liby en und mit dem weite rgefa ßten Prob lern de s in tern ation alen
Terr orismus bef asse n wol len, müss en di e Anst reng unge n let ztlich
mult ilatera 1 se in - und desha lb s uchen wir w eite rhin die Zusammena rbeit m it u nser en Ve rbünd eten , einschlie ßlic h de r Bun des-

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�der Bundesrepublik Deutschland, und anderen gleichgesinnten Nationen in der Welt.
Ich weiß, daß es Fra gen dazu g ab, wa rum die Vere m i g ten
Staa ten vor i hrer Entsch eidu ng kei ne Kon sult atio nen anbe raumten. In eini gen Fällen könn en Kon sultat ione n au ch a ls A usrede
dien en u m Ent sehe idungen zu vermei den. Sich er h at n iema nd daran g ezwe ifelt , welche Ma ßnah men in der 1 etzt en W oche in
Wash ingt on in Bet rächt g ezog en wur den un d es bes tand jed e Gelegenh eit für a nder e Regie rung en, ih re Ans icht en b ekan ntzu geben,
wie es a uch v iele getan habe n. Ma nchmal abe r sc hlie ßt e ine
Führ ungs posit ion auch ei n, s ich vo t die Mein ung der ande ren zu
stel len und s ie a nzuführ en. Wir s treben dan ach, ein en n euen
Kons ens unter den zivili sier ten Na tionen vor anzu trei ben, um dem
inte rnat ional en T erroris mus verstä rkt en tgeg entr eten zu können,
Präs iden t Reagan hat die not wendig e Entschei düng get roff en, um
den Weg zu we isen . Wir sehen zukün ftigen aus führ lieh en u nd bedeut same n Kon sult ationen mit der B undesr epub lik Deut schl and
entg egen

* * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON**

15. Januar 1986

WEINBERGER:

SOWJETS BAUEN SS-25-STREITMACHT AUS

- Rede vor der Carnegie-Stiftung -

WASH INGTO N - ( AD) Der amer ikanisc he V e r t e idigu ngsm inister
Casp ar W einbe rger hat am 9 . Januar 19 86 w ähren d ei nes Essens
der Carn egie Stift ung für Inte rnation alen Frie den zu d en Haushalt spro bleme n und der Not wend igkeit der Weite rf ührung von
Präs iden t Rea gans stra tegi sehe m Moder nisi erung spro gram m Stellung gen ommen . Dabei enth üllt e der M inis ter d ie T atsa che, daß
die Sowj etuni on be reit s 45 gef echtsmä Big stati onie rte SS-25Rake ten stati onier t ha t. Die SS-25 i st e ine m obil e In terkontine ntal raket e mit ein er R eich weite v on 1 0 500 km, die mit einem Gefe chtsk opf a usge rüst et i st. In sei ner R ede beze ichnete
Wein berg er di e SS- 25 a ls e ine "klare Verl etzun g" d es 1 979 mit
der Sowj etuni on ab gesc hlos sene n SALT- II-V ertra ges und als eine
"mäc htig e Bed rohun g de r Ab sehr eckung"
Nach seinen Worten bedeutet das strategische Modernisierungsprogramm der Vereinigten Staaten "eine notwendige Bedingung für jedes wirksame Rüstungsbegrenzungsabkommen" mit
Moskau.
Die Rede von

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�Die Rede von Verteidigungsminister Weinberger hat folgenden Wortlaut:
Ich nehme an, daß wir alle mit der Geschichte von Daniel
in der Löwengrube vertraut sind. Nun, als ich mich darauf
vorbereitete, mit Ihnen hier und heute über den Haushalt, Rüstungsabbau und unsere weltweiten Verpflichtungen zu sprechen,
da meinte jemand zu mir, daß dieses Treffen mehr nach einer
Geschichte vom Löwen in der Grube des Daniel aussähe. Und
wenn ich an die diversen in diesem Raum vertretenen politischen Auffassungen denke, so bin ich sicher, daß es für alles, was ich Ihnen heute sagen möchte, immer jemanden geben
wird, der damit nicht übereinstimmt. Auch wenn meine Worte
wahrscheinlich niemanden trösten werden: Ich hoffe, daß wir
durch sie dazu veranlaßt werden, etwas mehr über unsere nationale Sicherheit nachzudenken.
Ich möchte mit einer einfachen Frage beginnen: Warum
spricht Herr Gorbatschow jetzt über bedeutende Verringerungen
von Atomwaffen, obwohl der Kreml dies abrupt abgelehnt hatte,
als die Regierung Carter 1979 solch einen Schritt vorschlug.
Ist das ein Zeichen von gutem Willen? Eines ernsthaften
und neugefaßten Wunsches, Spannungen abzubauen und die Stabilität zu fördern? Einer Sinnesänderung?
Vielleicht können wir diese Fragen beantworten, wenn wir
uns kurz an das Jahr 1977 erinnern. Schon früh in seiner
Amtszeit stoppte Präsident Carter erstens die Produktion des
B-l Bombers; zweitens beschnitt er den beantragten Verteidigungshaushalt um 6 Prozent; und drittens tadelte Präsident
Carter uns wegen "einer übermäßigen Furcht vor dem Kommunismus". Im Zuge dieser tatsächlichen und rhetorischen Gesten
guten Willens schickte er seinen Außenminister mit folgendem
Vorschlag nach Moskau: Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sollten ihre strategischen Arsenale um 25 Prozent
reduzieren. Die Sowjetunion lehnte den Vorschlag von vorneherein ab; Breschnew wartete noch nicht einmal das Ende der
Präsentation durch Außenminister Vance ab. Anstatt hartnäckig
zu bleiben, ließ Präsident Carter sich auf Moskaus Lieblingsansatz ein. Nach einiger Zeit akzeptierte er das SALT-II-Abkommen: ein Abkommen, das sicherlich keine Rüstungsverringerung brachte.
Die Reagan-Administration übernahm die Regierungsgeschäfte
mit einem anderen Ansatz. Zunächst beschlossen wir, die wachsende militärische Unausgewogenheit umzukehren, das Resultat
eines Jahrzehnts, in welchem die amerikanischen Verteidigungsausgaben um 20 Prozent abnahmen, während die sowjetischen Investitionen in diesem Bereich um 50 Prozent anwuchsen. In den
siebziger Jahren führten die Sowjets acht neue strategische
- 2 -

�neue strategische Offensivsysteme ein, während die amerikanischen Ausgaben im Bereich strategischer Offensivwaffen zurückgingen und wir kein einziges neues Waffensystem einführten.
Eines dieser neuen sowjetischen Systeme ist die mobile Interkontinentalrakete SS-25, die eine klare Verletzung der
SALT-II-Ubereinkunft und eine mächtige Bedrohung der Abschrekkung darstellt. Ich kann heute bestätigen, daß die Sowjets zu
diesem Zeitpunkt 45 gefechtsmäßig stationierte SS-25-Raketen
besitzen, eine Anzahl, die für eine beständige Zunahme dieser
Bedrohung steht. Und diese Zahlen sind sogar noch sehr konservativ, da wir in der nahen Zukunft weitere Stationierungen
erwarten.
Einfach ausgedrückt waren wir 1981 gezwungen, der strategischen Modernisierung höchste Priorität einzuräumen. Dieses
Modernisierungsprogramm wurde von vielen Mitgliedern der vorherigen Administration, einer Anzahl von Kongreßmitgliedern
und einer Vielzahl von Hochschullehrern und Verteidigungsexperten abgelehnt. Sie behaupteten, eine wesentliche Steigerung der strategischen Kräfte sei unnötig und kontraproduktiv.
Ja, viele behaupteten im Ernst, daß diese Investitionen eine
gegenteilige Wirkung erzielen würden.
Anstatt der außerordentlichen sowjetischen Aufrüstung mit
strategischen Nuklearwaffen zu begegnen, schlugen sie vor, der
sowjetischen Pührung zu erklären: "Genug ist genug." Wir
sollten den Sowjets sagen, daß wir mehr als genug Atomwaffen
besäßen, um jeden sowjetischen Angriff abzuschrecken oder zu
beantworten. Wenn die Sowjets ihre Rubel zur Jagd nach der
Schimäre der Überlegenheit ausgeben wollten, so solle man sie
doch lassen, sagte diese Gruppe. Wir sollten weder davon beeindruckt sein, noch darauf antworten. Dies war jedoch die
Art von Philosophie und Fortschritt, die der Wähler 1980, genau wie wir, so klar ablehnte.
Unsere Ablehnung bestand weder aus Selbstüberschätzung,
noch aus einer Entschlossenheit, mehr oder größere Raketen als
Moskau zu besitzen. Im Gegenteil. Die Reagan-Administration
machte sich zuerst Sorgen über die Gefahr, die von der potentiellen Vorstellung der Sowjets ausging, daß für sie mit ihren
militärischen Kräften ein ausnutzbarer Vorteil in greifbare
Nähe gerückt sei. Was wäre, wenn unsere Anstrengungen, sie zu
"erziehen", keinen Erfolg haben würden? Was, wenn, aus ihrer
Sicht, ihr Vorsprung bei den strategischen Nuklearkräften ihnen ein zusätzliches politisches Druckmittel geben würde? Ihre Kräfte, ihre Stoßkraft und ihre Wahrnehmung unserer Inaktivität hätten sie zu einer katastrophalen Fehlkalkulation
verleiten können. Es wäre nicht das erste Mal, daß ein Land
die Entschlossenheit einer Demokratie unterschätzt oder unseren Wunsch nach Frieden mit purer Passivität verwechselt hätte.
Um diesem
- 3 -

�Um diesem Risiko gerecht zu werden, unternahm die ReaganAdministration sogleich Schritte, um diesen Trend umzukehren
und ihre Vorstellungen zu verändern. Wir hatten dabei nur ein
Ziel: Nicht die Sicherung von militärischer Überlegenheit,
sondern die schnellstmögliche Wiederherstellung von Bedingungen, bei deren Existenz die sowjetischen Führer keine Illusionen über die Benutzung ihrer Streitkräfte zur Erringung von
bedeutsamen militärischen oder politischen Vorteilen uns gegenüber hegen könnten.
Der Wiede raufb au d es s trat egis chen Atom waf fenpot enti als
der Vere inigt en St aate n ha t zw ei g roße n Zie len g edie nt: Nicht
nur hat er de n Sow Jets all e IIlusi onen auf Vorte ile verw ehrt,
er h at a ußerd em ei ne n otwe ndig e Vo rbed ingun g für Her rn
Gorb atsc hows Berei tsch aft zu G espr äche n übe r wesentl iche Reduzier unge n geschaff en. War um? Die Ant wort kann man in e inem
Wort zus ammen fasse n: Anre ize. Zu samm en mi t unserer Str ategisc hen Verte idigu ngsi niti ativ e ha t di e Mod ernis ieru ng d es Offens ivwa f fenpotent ials der Ver eini gten Staa ten e chte Anr eize
für die Sowje tunio n ge scha ffen , Rüstun gsver minde rung sabk ommen
in B etra cht z u zie hen und die Glei chhe it be i der Anz ahl von
Star tvor rieht ungen und Gef echt sköp fen prinz ipiel 1 zu akz eptieren. Di es wa r wed er d as R esul tat von gutem Will en, noch von
der Hoff nung auf S tabi litä t. Viel mehr könn ten d ie S owje ts dazu b erei t sei n, Ve rrin geru ngen bei ihr en ei genen str ateg ischen
Stre itkr äf ten als Prei s fü r die Be gren zung und R eduz ieru ng der
amer ikan ische n str ateg isch en W äffe n zu betr achte n. Ande rs wären sie besti mmt n icht daz u be reit , solche Reduz ieru ngen auch
nur in B etrac ht zu zie hen. Mo skau s Bereits chaft , ein Ab kommen
zu a kzep tiere n, wi rd p rimä r von de ssen Eins chätz ung der möglieh en S chrit te de r Ve rein igte n St aate n bei Abwe senh eit eines
Abko mmen s bestimmt wer den.
Deshalb bildet unser strategisches Modernisierungsprogramm
eine notwendige Bedingung für jedes wirksame Rüstungsverminderungsabkommen. Nur wenn wir unser Verteidigungsprogramm
fortführen, können wir die Anreize aufrechterhalten, die für
die Erreichung der sowjetischen Zustimmung und Einwilligung
nötig sind.
All dies sollte offensichtlich sein. Daß es das nicht
ist, zeigt, daß es in den Vereinigten Staaten einige grundsätzliche Verwirrung über die Art und Weise sowjetischer Verhandlungsführung gibt. Oft hören wir das Argument, daß wir
mit den Sowjets den Wunsch nach Vermeidung eines Atomkrieges
teilen und daß dies schon eine ausreichende Basis für die
Schaffung eines Rüstungskontrollabkommens darstelle.
Zweifellos wünscht der Kreml keinen Krieg, aber ebensowe-

�pluralistischen Welt zu leben. Moskau möchte die Früchte des
Krieges ohne Krieg ernten, wenn möglich. Die Sowjets erzählen
uns dies jeden Tag: Der Kapitalismus muß und wird zusammenbrechen. So bedauerlich dies ist, und so anstrengend dies in
unseren demokratischen Verfahren sein mag: Erfolg bei der Rüstungsverminderung stellt sich nur ein, wenn wir Moskau davon
überzeugen können, daß es im Unrecht ist. Wir sind bereit und
fähig, den Preis dafür zu bezahlen, um von einer Position der
Stärke zu verhandeln, und die Sowjets müssen dies wissen.
Als Verteidigungsminister habe ich unsere Modernisierungsanstrengungen mit dem Ziel geleitet, Anreize für die soowjetische Verhandlungsführung zu schaffen. Und ich hoffe leidenschaftlich, daß die durch das Verteidigungsprogramm des Präsidenten geschaffenen Anreize dazu führen werden, daß die Sowjetunion zum ersten Mal echten Reduzierungsabkommen zustimmt,
die Präsident Reagans Kriterien erfüllen.
Diese Kriterien sind folgende:
- kein Vertrag, durch den weitere Vermehrungen an Waffen legitimiert werden, sondern ein Abkommen zur wesentlichen
Verringerung der Anzahl offensiver Systeme;
- kein Vertrag, der Ungleichgewichte festschreibt, sondern
ein Abkommen, durch das Parität auf weit niedriger Ebene,
als die von beiden Seiten zur Zeit gehaltenen, erbringt;
- kein Vertrag, den die Sowjets ungestraft umgehen oder verletzen können, sondern ein verifizierbares Abkommen;
- kein Vertrag, der einen Rahmen bildet, innerhalb dessen
die Sowjets destabilisierende Vorteile erreichen können,
sondern ein Abkommen, daß zur einer breitangelegten Politik der Stärkung von Frieden und Stabilität beiträgt;
- und kein Vertrag, der defensive Forschung begrenzt.
Niemand kann bis jetzt sagen, ob Generalsekretär
Gorbatschow schließlich einem Abkommen zustimmen wird, das die
globale Sicherheit verstärkt und gleichgewichtige Reduzierungen verlangt.
Aber es ist sicher, daß nichts diese Suche so effektiv motivieren kann wie amerikanische militärische Stärke. Frieden
durch Stärke ist kein Motto: Es ist eine Tatsache des Lebens.
Es gibt keinen anderen sicheren, dauerhaften Frieden.
Sicherlich besteht unsere Friedensliebe aus mehr als diesen Anstrengungen zur Reduzierung atomarer Waffen.
Wir bilden

�Wir bilden heute das einzige Land, das in der Lage ist,
dem Ansturm einer Schar antidemokratischer Kräfte in der Welt
zu widerstehen. Konsequenterweise haben wir deshalb weltweite
Verpflichtungen, die eine Vielzahl unterschiedlicher Aktivitäten einschließen.
Diese Verpflichtungen sind Versprechen an Menschen: Menschen, die uns vertrauen, die sich auf unseren Schutz verlassen, Menschen und Regierungen deren Sturz durch eine sowjetische Aggression es uns unendlich viel schwerer machen könnte,
vielleicht sogar unmöglich, unsere Freiheiten zu behalten.
Und u nsere Ver pflieh tunge n si nd e ine Warnung für eine andere Grup pe, u nd z war fü r diejeni gen, die aufgru nd un serer
Macht ihr e Agg ress ion zu rückh alte n. Es s ind die se Ve rpflichtungen un d die se L eute, die v on d rast isch en Eins chnit ten in
unserem V ertei digu ngspot entia 1 betrof fen sind, In de r Hitze
der Debat te um Bud get un d str ateg ie d ürfe n wir n ie ve rgessen,
daß wir V erpf 1icht ungen gegen über Leu ten rund um den Erdball
haben; di e Ver pfli chtung en sc hütz en u ns v iel wir kungs voller
als die d rasti sehe n Erhö hunge n in uns erem Vertei digun gshaushalt, die ohne sol che Fr eunde und Ver bünd eten er forde rlich
würden, Es is t ni cht Se lbstl osig keit all ein, we shalb wir u nsere Stre itkrä fte in so viele n La nder n st ationie rt ha ben.
Wir sollten deshalb immer daran denken, welche politische
Botschaft wir durch unberechenbare Verteidigungshaushalte unseren Gegnern, unseren Freunden und all jenen schicken, die
nach einem Klima streben, in dem Frieden und Freiheit florieren, so daß Wirtschaftswachstum, Entwicklung und Glück für
Millionen erreichbar werden.
Unsere NATO-Verbündeten in Europa haben hart und mit unserer ständigen Ermutigung, um nicht zu sagen, mit unserem Anstacheln für die drei Prozent realen Zuwachses in den Militärausgaben gearbeitet, über deren Notwendigkeit für die zukünftige Sicherheit wir übereingekommen waren. Es ist ihnen auch
zu einem bedeutenden Ausmaß gelungen - wir haben jedoch noch
viele, die für einen gleichzeitigen Einschnitt in unserem Verteidigungshaushalt stimmen und sich beklagen, daß es keine
"Lastenteilung" seitens der Europäer, Japaner oder Koreaner
gebe.
Fast jeden Tag bestätigt sich die Solidarität unserer
westlichen Verbündeten durch ihre eigene Verpflichtung gegenüber der westlichen Verteidigung - von der Beteiligung bei der
Modernisierung von nuklearen Mittelstreckenwaffen bis zur
jüngsten Unterstützung der Strategischen Verteidigungsinitiative.
Ich denke,
- 6 -

�Ich denke, daß niemand wahrhaftig daran glaubt, daß wir
unsere Verpflichtung gegenüber der NATO fallenlassen oder radikal beschränken sollten. Aber wenn die Haushaltsausgaben in
dem Maße gekürzt werden, wie es einige im Kongreß jetzt fordern, werden die Verpflichtungen all unseren Freunden gegenüber unvermeidlich darunter leiden.
In Asien, der Heimat einiger der jüngsten und erfolgreichsten Demokratien - ein Erfolg, der manchmal einige unserer heimischen Industriezweige beunruhigt - sind wir genauso
wie in Europa verpflichtet, Frieden und Freiheit zu erhalten.
Allerdings beruhen diese Pflichten auf Gegenseitigkeit, da die
Stärke der NATO eng mit der Zukunft Asiens verknüpft ist, so
wie die Stärke von sowohl Europa als auch Asien eng mit unserer Fähigkeit verbunden ist, bei uns Frieden und Freiheit aufrechtzuerhalten. Wenn entweder Asien oder Europa politisch
neutralisiert wären und somit den Sowjets freigesetzt würden,
all ihre Bemühungen in eine Richtung zu konzentrieren, könnte
einer der beiden Kontinente einem solchen Druck standhalten?
Ohne Frage haben unsere militärische Macht und ihre beruhigende Präsenz bei der Geschichte des wirtschaftlichen Erfolges Asiens eine große Rolle gespielt. Wo der Frieden gesichert ist und Wahlfreiheit herrscht, wächst die Wirtschaft und
die Gerechtigkeit und die Menschen gedeihen.
Zum Bei spie 1 sind d ie Phil lppi nen - ei n gu ter Fr eund und
Verbünd eter - in ei nem besorgn iser rege nden Zus tand. Da die
Präside ntsc haft swah 1 herannaht , dränge n wi r al Ie pol itis chen
Akteure , ihren Wort en d er Demo krat ie e bens olch e Täte n fo Igen
zu lass en. Die Ver eini gten St aate n fr euen sie h auf die Zusammenarbe it m it jedem , der eine frei e un d fa ire Wahl g ewin nt und
die Bes orgn is a H e r dem okratis chen Fil ipin os ü ber di e wa chsende Bedr ohun g du rch die Neue Vo lksa rmee tei lt - eine Trup pe
brutale r, t otal itär er A ufständ isch er. Mit uns erer B esor gnis
ist jed och ein groß zügi ges Maß an Stol z und Ve rtraue n ve rbunden - S tolz auf die Ber uhigung , die im Lan d vo n unse rer militärisch en P rase nz a usge ht; Ver trau en, daß unse re Bern ühun gen
anerkan nt u nd u nser e We rte get eilt wer den.
Fast überall dort, wo amerikanische Interessen zu finden
sind, gibt es Menschen, die von Frieden und Stabilität abhängen, die das eigentliche Produkt amerikanischer Militärmacht
sind.
Obwohl wir verstehen, daß diese Welt eine Stätte der Vielfalt ist, kennen wir sie auch als eine der Gewalt. Angesichts
der vielen Gefahren und Bedrohungen des Weltfriedens, die von
einigen kriegerischen Nationen ausgehen, können wir uns nicht
einfach von unserer Pflicht als energischen Verfechtern der
Menschenrechte und Gerechtigkeit zurückziehen.
Das Problem

�Das Problem ist, daß, wenn uns nicht ausreichende Mittel
zur Ausführung unserer Verantwortung und Erfüllung unserer
Verpflichtungen gewährt werden, den trügerischsten Kräften der
Welt Tür und Tor geöffnet wird. Es gibt aber immer noch jene,
die argumentieren, daß wir den Verteidigungshaushalt kürzen
können, ohne negative Auswirkungen zu spüren zu bekommen. Daß
dies keinen Verlust unseres Einflusses und kein zusätzliches
Konfliktrisiko mit sich bringt.
Ungl ückl iche rwei se erke nnen die se L eute nicht das komp lizier te V erhä ltni s zw ischen poli tisc her und n ilitä risc her
Mach t. Wenn Ver bünd ete und Geg ner unse ren V ertei digu ngsha ushalt und des sen Verw endung betr acht en, sind sie n icht in e rster Lin ie m it d em " Erbsenz ähle n" u nser er Sy steme bes chäft igt,
obwo hl d eren Zah 1 zweifello s für sie wi chtig ist. Wa s sie am
meis ten besc häft igt oder si e ermuti gt, ist d ie Te nden z unserer
Ausg aben - ob wi r un s gleichmäß igen Seh ritte s fortbew egen, um
die inte rnat iona le S icherhe it z u er halt en un d zu erwe itern
oder ob wir unsc hlüs sig in eine m Kr eis von A usgab en u nd Kü rzung en p ende In, unte r offen sich tlic her Mißac htung uns erer eigene n Si eher heit und der un sere r Ve rbün deten , nieht z u red en
von der Tats ache , daß wir a lies , was wi r bra uchen , teurer als
nöti g ma chen wür den. Aber wede r wir noch un sere Verb ündet en
hege n ir gend welc he Z weifel über die Ten denz der s owje tisch en
Ausg aben . Ihre fort schreit ende , rücksi chtsl ose A ufrü stung demons trie rt i hre unbe irrbare Abs icht , die mil itäri sehe Vorh errscha ft z u er lang en u n d diese zum Zw ecke poli tisch er, wirtscha ftli eher und and erer Ge winn e au szub euten
Wir müssen der Tatsache ins Auge sehen, daß unsere militärischen Ausgaben über längere Zeit hinweg unberechenbar und
widersprüchlich waren, was von seiten der Verbündeten zur
Nachfrage nach unseren Absichten geführt hat und auch zur Verwirrung unserer eigenen Bürger über unsere letztlichen Absichten beitrug. Und, was vielleicht noch wichtiger ist, es hat
unseren Gegnern Möglichkeiten eingeräumt.
Ein Beispiel sollte bei der Klärung dieses Punktes helfen.
Von 1950 bis 1970 haben die Vereinigten Staaten jedes Jahr ungefähr 50 Prozent mehr in die Streitkräfte investiert als die
Sowjets. 1970 kehrte sich dieser Trend um, und im Verlauf der
70er Jahre überholte der Kreml unsere Ausgaben um 50 Prozent.
Obwohl es einige Hochs und Tiefs bei den sowjetischen Ausgaben
gab, sind sie doch im großen und ganzen stetig und beeindruckend angewachsen.
Sicher investierten wir noch in den frühen sechziger Jahre
ungefähr einen Dollar und vierzig Cents für jeden Dollar-Gegenwert sowjetischer Investitionen. Präsident Kennedy bestimmte, daß dies unzureichend sei und baute unsere Führung
- 8 -

�unsere Füh rung weit er au s. 1981 ha tten sich die Ding e bereits
geände rt u nd wi r ga ben n ur n och fün funds echz ig Ce nts für jeden
Sowjet isch en Do llar aus.
Un ser Hau shalt svor läge für 1986 würde die se L ücke bis auf n eunz ig Cent s für jed en in vest ierten
Sowjet isch en Do llar schl ieGe n. Die vom Kong reß g efor derten
Kürzun gen trübe n ab er un sere Aussic hten auf Besei tigu ng dieses
Unglei chge wicht s. Präsi dent Reagan ist stan dhaft in seiner
Entsch loss enhei t, d as Ha usha ltsdefi zit u nter Kont roll e zu
bringe n, o hne u nser e Ans tren gungen zu ge fähr den, wied er eine
De r Kon greß sehe int jedoch
ausrei chen de St ärke auf z ubau en.
ie
Vert
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eidig ungs ausga ben zu kürviel e
gewil
u sei n, d
aben
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hritt e zu unte rneh men, die
zen, a ls b ei de n In lands ausg
ren
kön
nten.
das De fizi t wir klic h red uzie
Schlußfolgerung
Kein e magi sehe For mel, die unse re we ltwei ten Verp flichtungen und die Gr ünde daf Ur ig nori ert, kann die Kris e de s Defizits lös en und gle ichz e i t i g uns eren zukü n f t i gen F ried en sieher n ; k ein Du rchb ruch in d er T echn ologi e w i r d un sere starke
Mili tärm acht ü berf lüss ig od er p reis günst ig m a chen ; ke ine Verhand lung wird den Char akter des phi losop h i s c h en u nd p olitisehe n Ka mpfes zwis chen Demo krat ie u nd To t a l i t aris mus ändern.
Wir soll ten un s vielme hr au f di ejen igen Dinge kon zent rieren,
die wir zur Ve rbes seru ng de r Ab sehr eckun g, un d Au swei tung der
Gren zen der Fr eihe it t un kö nnen und so d en Fr iede n si ehern,
trot z der unve rein bare n Unt ersc hied e zwi sehen Kornmuni smus und
Frei heit
Die Bemühungen um den Haushalt stellen ein ernsthaftes
Problem dar, weil dieser Haushalt der Welt gegenüber Bände
darüber spricht, was wir für Menschen sind, welche Art von Nation wir sein werden, wie stark wir als Beschützer der Freiheit dastehen und ob wir in der Lage sein werden, erfolgreich
mit der Sowjetunion zu verhandeln.
Wir wären weder die ersten noch die einzigen, die an der
zurückgehenden Stärke und dem zurückgehenden Einfluß Amerikas
leiden - es wären die Millionen Menschen, die auf uns als ihre
letzte Hoffnung in der Menschheit schauen. Am Ende liegt unsere Verantwortung im eigenen Interesse, aber es ist letzten
Endes viel mehr als das: Für die mit uns befreundeten Demokratien und all jene, die danach streben, so frei zu sein wie
wir.

* * * * * *

- 9 -

�AMERIKA DIENST
V,DN

4

Hintergrundmaterial

15. Januar 1986

GADHAFI UNTERSTUTZT RADIKALE REGIME UND HILFT TERRORISTEN
- Dokumentation des amerikanischen Außenministeriums über
Libyen unter Gadhafi -

WASHINGTON - (AD) - Nach Angaben des amerikanischen Außenministeriums hat der libysche Führer Muammar Gadhafi "den Terrorismus als eines der wichtigsten Instrumente seiner Außenpolitik benutzt und unterstützt radikale Gruppen, die sich terroristischer Taktiken bedienen".
In einer am 8. Januar 1986 veröffentlichten Studie mit dem
Titel "Libyen unter Gadhafi: Ein Muster der Aggression" kommt
das Ministerium zu dem Schluß, daß Gadhafis Vision seiner
selbst als Führer der Dritten Welt ihm "gleichzeitig ein Motiv
und eine logische Grundlage liefert, um radikalen Regimen militärische und wirtschaftliche Hilfe zu gewähren und um gemäßigte Regierungen durch die Unterstützung oder Bildung von
subversiven Gruppen und durch Hilfe für Terroristen zu untergraben".
Die Dokumentation des amerikanischen Außenministeriums hat
folgenden Wortlaut:
LIBYEN UNTER

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�LIBYEN UNTER GADHAFI:

EIN MUSTER DER AGGRESSION

Der Charakter der libyschen Politik
Muammar Gadhafi kam 1969 durch einen Militä rputsch an die Macht. Seit dem hat er mit gewaltsamen Maßnahme n versucht, die
libysche Ges ellschaft nach seinen revolutionäre n Vorstellungen
Jedoch erstreckt sich Gadhafis E hrgeiz nicht
zu verändern
nur auf Liby en. Er sieht sich gerne als Führer und Instrument
von historis chen Kräften durch die die Politik der Dritten
Welt nach se inem Geschmack neu geordnet werde, Seine Vision
liefert glei chzeitig ein Motiv und eine logisch e Grundlage für
die Gewährun g von militärischer und wirtschaftl icher UnterStützung für radikale Regime und für die Zerset zung von gemäßigten Regim en durch Unterstützung oder Bildung von subversiven Gruppen und durch Hilfe für Terroristen. G adhafis aggressive Politik hat sich in wachsendem Maße auf di e Aushöhlung
von amerikan ischen und allgemeinen westlichen I nteressen in
der Dritten Welt konzentriert, da er diese als das Haupthindernis für s eine radikalen und expansionistisch en Ziele ansieht. Gadh afis Engagement von politischen, ök onomischen und
militärische n Ressourcen zur Unterstützung anti -westlicher
Handlungen i n der ganzen Welt wird vielleicht n ur noch von der
Sowjetunion, deren osteuropäischen Verbündeten und möglicherweise von No rdkorea oder Kuba übertroffen. Sei ne besondere
Feindschaft gilt Israel und den Vereinigten Sta aten. Seine
Taktik beinh altet eine Mischung von Drohungen u nd materieller
Unterstützun g für den Terrorismus, Angeboten zu r Zusammenarbeit, wirtsc haftlichen Anreizen und Einschüchte rung sowie offene militär ische Aggression.
Die libysche Beteiligung am Terrorismus
Gadhafi hat den Terrorismus als eines der wichtigsten Instrumente seiner Außenpolitik benutzt, und er unterstützt radikale Gruppen, die sich terroristischer Taktiken bedienen.
Tripolis betreibt zahlreiche Ausbildungslager für Gruppen ausländischer Dissidenten, in denen der Gebrauch von Bomben,
Flugzeugentführungen, die Ermordung von Gegnern sowie verschiedene Techniken für Kommandounternehmen und den Guerillakampf gelehrt werden. Außerdem mißbraucht Libyen diplomatische Privilegien zur Lagerung von Waffen und Explosivstoffen
in seinen diplomatischen Einrichtungen, wie bei der Schießerei
vor seiner Londoner Botschaft im April 198A deutlich wurde.
Die Hauptziele libyscher terroristischer Aktivitäten waren
im Exil lebende libysche Dissidenten und führende Vertreter
gemäßigter arabischer und afrikanischer Regierungen. In fast
- 2 -

�In fast allen Fällen benutzten die Mörder Handwaffen zur Tötung ihrer Opfer, die in vielen Fällen von libyschen diplomatischen Einrichtungen in den betreffenden Ländern zur Verfügung
gestellt worden waren. Im allgemeinen benutzt Gadhafi Libyer,
um solche Operationen auszuführen; für andere Arten von Angriffen verwendet er gerne Stellvertreter oder Söldner.
1980 begann die libysche Regierung mit ihren koordinierten
Anstrengungen zur Ermordung von Gadhafi-Gegnern im Exil.
1981, am Ende der ersten Phase, waren 11 im Ausland lebende
libysche Dissidenten ermordet worden. 1985 unterstützte Libyen fünf Anschläge auf libysche Dissidenten im Exil. Die Zielpersonen dieser Anschläge lebten in Griechenland, der Bundesrepublik Deutschland, Zypern, Italien und "Österreich.
Mindestens zweimal versuchte Gadhafi libysche Oppositionelle in Ägypten zu ermorden, wobei seine Häscher jedoch jedesmal von den ägyptischen Sicherheitsbehörden abgefangen wurden. Beim jüngsten Versuch wurde letzten November eine Gruppe
von vier Libyern während eines versuchten Anschlages auf ein
Treffen von im Exil lebenden Libyern in der Nähe von Kairo
festgenommen.
Libyen hat auch Anschläge gegen Dissidenten in den Vereinigten Staaten geplant. Ein in Colorado lebender Exil-Libyer
wurde 1981 von einem von Libyen gedungenen Attentäter angeschossen und verwundet. Im Mai 1984 nahm das FBI zwei Libyer
in der Nähe von Philadelphia fest wegen des Versuchs, Handwaffen mit Schalldämpfer zu kaufen - die übliche Waffe für libysche Mordanschläge. Ein Jahr später, im Mai 1985, wurde ein
libyscher Diplomat bei den Vereinten Nationen zur Persona non
grata erklärt, und es wurde ein Ring von nichtoffiziellen Libyern im Zusammenhang mit einem Plan zur Ermordung libyscher
Dissidenten in vier Staaten gesprengt.
Eine weitere Zielscheibe Gadhafis bilden gemäßigte arabische Regierungen wegen ihrer Weigerung, den militärischen
Kampf gegen Israel weiterzuführen und wegen ihrer Verbindungen
zum Westen. Es gibt Beweise für von Libyen unterstützte Pläne
zur Ermordung von führenden arabischen Politikern, wie Präsident Mubarak von Ägypten und den früheren Präsidenten des Sudan, Numeiri. Zum Beispiel gaben die letzten November wegen
des versuchten Anschlages auf das Treffen libyscher Dissidenten bei Kairo Verhafteten an, daß auch Präsident Mubarak auf
Gadhafis Liste von Zielpersonen steht. König Hussein von Jordanien und Saddam Hussein im Irak stehen mit ziemlicher Sicherheit auf dieser Liste, da sie ihre Beziehungen zu Kairo
bzw. Washington wiederhergestellt haben.
Gadhafi war außerdem an Verschwörungen zur Ermordung anderer gemäßigter Staatschefs beteiligt. Im September 1984 ent- 3 -

�1984 enthüllte die Regierung des Tschad einen von Libyen unterstützten Plan, welcher die Detonation einer in einer Aktentasche versteckten Bombe während einer Kabinettssitzung unter
dem Vorsitz von Präsident Habre vorsah. In der jüngsten Vergangenheit vereitelten zairische Beamte eine von Libyen geförderte Verschwörung gegen Präsident Mobutu im September 1985.
Libysche Verbindungen zu radikalen Kräften im Mittleren Osten
Die schon länger existierende libysche Unterstützung für
radikale palästinensische Gruppen wächst weiter an. Gadhafi
hat diesen Gruppen einen sicheren Zufluchtsort, Geld und Waffen zur Verfügung gestellt - einschließlich der Volksfront für
die Befreiung Palästinas - Generalkommando, den Fatah-Dissidenten und der berüchtigten Abu-Nidal-Gruppe. Die Ausbildung
von Palästinensern und anderen Radikalen findet häufig an mehreren Orten Libyens statt. Diese gegen Arafat eingestellten
Palästinenser sind tief in terroristische Handlungen verstrickt und konzentrieren ihre terroristische Aktivität auf
Israel und die besetzten Gebiete. In der jüngeren Vergangenheit hat Libyen jedoch seine Unterstützung um logistische Hilfe für terroristische Operationen erweitert. Libyen hat z. B.
die Pässe für die Mitglieder der Abu-Nidal-Gruppe zur Verfügung gestellt, die in Wien den El AI-Schalter angegriffen haben. Die Abu-Nidal-Gruppe erscheint Gadhafi besonders attraktiv wegen ihres Registers von erfolgreichen terroristischen
Operationen. Abu Nidals Auswahl von gemäßigten Palästinensern
und gemäßigten arabischen Politikern als Zielpersonen stimmt
mit Libyens Antipathie gegenüber den Teilnehmern am Friedensprozeß überein. Nach libyschen Presseberichten haben sich Abu
Nidal und Gadhafi 1985 mindestens zweimal getroffen. Außerdem
gab Abu Nidal letztes Jahr einer deutschen Publikation ein Interview in Tripolis und traf sich mit Gadhafis 'Haupthandlanger
Abd-el Salam Jallud. Zusätzlich hat Libyen der Organisation
von Abu Nidal Zuflucht, Ausbildungshilfe und finanzielle Unterstützung gewährt. Nach verläßlichen Presseberichten und
anderen Quellen hat die Gruppe ihr Hauptquartier nach Libyen
verlegt. Es gibt Beweise, die auf Libyens Verwicklung in die
blutige Entführung des Egypt Air Fluges 648 hindeuten.
Libyen versucht seine Verbindungen zu anderen regionalen
Terrorgruppen zu verbessern. Gadhafi wünscht außerdem engere
Verbindungen zu den terroristischen Machenschaften Teherans.
Im vorigen Sommer verkündete er eine "strategische Allianz"
mit dem Iran, von der er sich ein Fundament für gemeinsam geplante terroristische Anschläge gegen verschiedene regionale
Gegner erhofft. Zusätzlich unterstützt er ägyptische und tunesische Dissidenten.
Libyen hat
- 4 -

�Libyen hat außerdem dem berüchtigten, international tätigen, Terroristen Carlos Zuflucht gewährt, der ein Netz von gedungenen Terroristen anführte. Seine Gruppe zeichnete für
zahllose bösartige Anschläge verantwortlich, darunter die Geiselnahme der OPEC-Ölminister in Wien 1975.
Libyscher Terrorismus gegen die Vereinigten Staaten
Während der letzten 18 Monate hat Gadhafi mehrmals öffentlich auf die sich ausbreitende terroristische Kampagne gegen
amerikanische Ziele hingewiesen. In einer Rede vom Juni 1984
erklärte er zum Beispiel seinen libyschen Zuhörern, daß "wir
fähig sind, den Terrorismus in das Herz Amerikas zu exportieren". Während einer Rede aus Anlaß des 16. Jahrestages seiner
Machtergreifung letzten September bemerkte Gadhafi, daß "wir
das Recht haben, Amerika zu bekämpfen, und wir haben das
Recht, den Terrorismus dahin zu exportieren..." Auf einer am
2. Januar abgehaltenen Pressekonferenz drohte er kürzlich "die
Bürger der Vereinigten Staaten in ihrem Land und in ihren
Straßen zu verfolgen", falls die Vereinigten Staaten Schritte
unternähmen, um auf Libyens angebliche Verwicklung in die terroristischen Anschläge von Rom und Wien zu reagieren.
Im Laufe der Jahre haben sich mehrere von Libyen unterstützte Angriffe auf amerikanische Interessen zugetragen.
Diese Ereignisse beinhalten die Verwüstung der amerikanischen
Botschaft in Tripolis 1979, sowie die Entdeckung eines libyschen Planes zur Sprengung des amerikanischen Clubs in Khartum
mittels in Lautsprechern versteckten Bomben durch die sudanesischen Behörden. Amerikaner haben außerdem auf Gadhafis
Liste von Zielpersonen gestanden, wie durch den Plan zur Ermordung unseres Botschafters in Kairo 1977 gezeigt wurde.
Radikalismus in der arabischen Welt
Gadhafis ganzer Ehrgeiz gilt der Beherrschung und Einigung
der arabischen Welt. Er vergleicht sich oft mit Garibaldi
oder Bismarck, und er hat seine Benutzung von Gewalt und Terrorismus gegen gemäßigte arabische Regime als Notwendigkeit
zur Erreichung der arabischen Einheit gerechtfertigt.
Wegen seines Friedensvertrages mit Israel bildet Ägypten
ein besonderes Ziel. Seit den siebziger Jahren sind libysche
Agenten in Ägypten aktiv, und Gadhafi hat verschiedenen Gegnern der ägyptischen Regierung seine Unterstützung angeboten.
Unmittelbar nach der Ermordung von Präsident Sadat rief
Gadhafi im Oktober 1981 die Ägypter dazu auf, ihre Regierung
zu stürzen; innerhalb einer Woche explodierten zwei Bomben im
internationalen Flughafen von Kairo, die in Gepäckstücken aus
Tripolis versteckt waren.
In jüngerer
- 5 -

�In jüngerer Zeit hat Gadhafi versucht, die Regierung von
Präsident Mubarak in Verlegenheit zu bringen und die ägyptische Wirtschaft auszuhöhlen. Ein libysches Schiff unter dem
Kommando eines höheren libyschen Marinekommandeurs legte Minen
im Roten Meer und im Golf von Suez, durch die im Juli und August 1984 insgesamt 18 Handelsschiffe beschädigt wurden. Im
Mai 1985 vereitelten die Ägypter eine Verschwörung radikaler,
von Libyen unterstützter Palästinenser, die die amerikanische
Botschaft in Kairo mit einer Lastwagenbombe zerstören wollten. Als Teil eines Versuchs, die angespannte Wirtschaftslage
in Ägypten unter Druck zu setzen, wies Gadhafi im vergangenen
Sommer mehr als 10 000 ägyptische Arbeiter aus Libyen aus nachdem er ihre Ersparnisse und den überwiegenden Teil ihres
Eigentums beschlagnahmt hatte. Außerdem nahm Kairo 1985 mehrere Gruppen durch Libyen unterstützter ägyptischer Dissidenten fest, die angaben, daß ihre Pläne in der Destabilisierung
der Regierung Mubarak durch Sabotage und im Schüren von Unruhen in der Bevölkerung bestanden hätten.
Auch der Sudan ist ein vorrangiges Ziel. Seit langen hat
Gadhafi sudanesischen Dissidenten Ausbildung und Unterstützung
gewährt sowie Sabotageakte gegen die Regierung des früheren
Präsidenten Numeiri gefördert. Er war die Hauptquelle der
Waffen und des Geldes an südsudanesische Rebellen, die vor
zwei Jahren einen Guerilla-Krieg gegen die Zentralregierung
begannen. Im Februar 1983 verhinderten die Sudanesen mit
ägyptischer Hilfe einen von Libyen unterstützten Umsturzversuch, und im März 1984 bombardierte eine libysche T-22 die
Stadt Omdurman im Sudan, um eine Radiostation zu zerstören,
bei der eine Verurteilung der Politik Gadhafis durch libysche
Oppositionelle übertragen worden war.
Seit Numeiris Machtsturz hat Gadhafi die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zum Sudan ausgenutzt, um mit Hilfe eines
Netzes der Unterwanderung den sudanesischen Bemühungen um eine
parlamentarische Demokratie entgegenzuwirken. Eine Reihe von
bekannten libyschen Terroristen sind vom Libyschen Volksbüro
(Botschaft) oder dem Büro der libyschen Fluglinie in Khartum
beauftragt. Ferner hat Gadhafi den sudanesischen Revolutionskommitees, einer kleinen Gruppe im Sudan, die sich der Errichtung einer Regierungsform nach libyschem Modell verschrieben
hat, Waffen, Geld, Ausbildung und wahrscheinlich Beratung zur
Verfügung gestellt. Im Mai kam ein ganzes Flugzeug von mit
Sturmgewehren bewaffneten Dissidenten in Karthum an.
Gadhafi arbeitet auch daran, seinen Einfluß im MaghrebRaum auszuweiten. Er weigert sich, mit Algerien zu verhandeln, um den genauen Verlauf der libysch-algerischen Grenze zu
bestimmen. Unter Umständen verärgert über den gemäßigten Präsidenten Benjedid, stellt Gadhafi den algerischen Dissidenten,
wie z.B. Ahmed Ben Bella, Geld zur Verfügung.
In Tunesien
- 6 -

�In Tunesien versucht Gadhafi seit langem, die prowestliche
Regierung Habib Bourguibas zu stürzen. 1980 griffen von Libyen unterstützte Guerrillas die südtunesische Bergbaustadt
Gafsa an. Als Frankreich Tunesien seine Unterstützung anbot,
zündete ein libyscher Mob die französische und die tunesische
Botschaft an, während Sicherheitskräfte untätig zusahen. Nach
Hungeraufständen in Tunesien im Januar 1984 sprengten aus Libyen kommende Saboteure eine Rohrleitung in der Nähe der libysch-tunesischen Grenze.
Bei seinen Bemühungen im vergangenen Jahr, die sozialen
Spannungen zu verstärken, wies Gadhafi über 30 000 tunesische
Arbeiter aus dem Land aus und beschlagnahmte ihr Eigentum.
Als tunesische Zeitungen im September Gadhafi wegen der Ausweisungen angriffen, versuchte ein libyscher Diplomat, Briefbomben an die kritischen Journalisten zu schicken. Einige davon explodierten und verletzten zwei Postarbeiter, was Tunis
veranlasste, die diplomatischen Beziehungen abzubrechen.
Libyen widersetzt sich standhaft dem Friedensprozess im
Mittleren Osten und Gadhafi tut sein möglichstes, um ihn zu
untergraben. Im Libanon flössen libysche Waffen und Geldmittel an verschiedene, die Regierung Präsident Gemayels bekämpfende Milizen und palästinensische Gruppen. Gadhafi ist besonders darauf bedacht, den Einfluß des PLO-Chefs Jassir
Arafat zu unterminieren, weil er ihn für nur zu bereit hält,
mit Israel eine Übereinkunft auf dem Verhandlungswege in Betracht zu ziehen. Aus diesem Grund gewährt Gadhafi radikalen
palästinensischen Gruppen - den von Abu Nidal geführten Fatah
Revolutionsrat eingeschlossen - Hilfe, die den andauernden
Krieg gegen Israel unterstützen. Seit 1981 hat Gadhafi diesen
Gruppen so gängige Teile wie Uniformen und so mächtige wie
Panzer und Mehrfachraketenwerfer BM-21 geliefert. 1984 nahmen
libysche Truppen an einem von Syrien unterstützten Angriff der
Truppen Arafats in Nordlibanon teil.
Der Persische Golf ist ebenfalls ein Schauplatz libyscher
Einmischung. Gadhafi hat sich mit dem Iran in dessen Krieg
gegen Irak verbündet und Teheran Panzer T-55, Panzerund Flugabwehrgeschütze, Munition und sogar SCUD-Raketen zur Verfügung
gestellt. Darüber hinaus liefert Libyen Waffen und Geld an
kurdische Separatisten im Nordirak und an die, der regierungsfeindlichen "Union irakischer Demokraten". 1984 und 1985 versuchten libysche Agenten, die islamische Pilgerfeier in SaudiArabien zu stören. 1984 wurden Flugzeuge voller libyscher
"Pilger" entdeckt, die Waffen bei sich trugen. Libyen hat der
Nationalen Demokratischen Front Unterstützung gewährt und
pflegt weiterhin gute Beziehungen zu dieser Organisation, die
aus dem marxistischen Südjemen gegen die Regierung Präsident
Salihs in Nordjemen operiert. Obwohl Libyen seine diplomatischen Beziehungen mit Somalia im vergangenen Mai wieder auf- 7 -

�wieder aufgenommen hat, brach Gadhafi seine Beziehungen zu
den, von ihm seit langem unterstützten, somalischen Widerstandsgruppen nicht ab.
Einmischung im Afrika südlich der Sahara
Tripolis betrachtet Schwarzafrika als eine Hauptarena zur
Bildung einer Gruppe radikaler anti-westlicher Staaten, die
Libyens Einfluß in internationalen Foren stärken und Gadhafi
den Status eines Führers der Welt verschaffen. Gadhafis Aggressivität wird noch gestärkt durch die Neigung der internationalen Gemeinschaft, seine oft eklatante Mißachtung der Souveränität kleiner afrikanischer Staaten zu ignorieren.
Der Tschad liefert sicher das ungeheuerlichste Beispiel.
1973 besetzte Gadhafi gewaltsam den nördlichen Teil des
Tschad, der als Aozou-Streifen bekannt ist. In den siebziger
Jahren unterstützte Libyen verschiedene Stammes- und Guerrilla-Gruppen im Tschad bei ihrem Versuch, in N'Djamena ein gefügiges Regime einzusetzen. Da ihm dies auf indirektem Wege
nicht gelungen war, marschierte die libysche Armee 1980 im
Tschad ein und versuchte, eine Union zwischen den beiden Ländern zu erzwingen. Die libysche Besatzungsmacht verließ das
Land im November 1981, kam jedoch 1983 zurück, als der pro-libysche Führer des Tschad, Goukouni Wueddei vom augenblicklichen Präsident Hissen Habre abgelöst wurde. Nur mit Hilfe bewaffneter französischer Truppen wurde die libysche Besetzung
flächenmäßig auf die 40 Prozent im nördlichen Tschad begrenzt.
Die französischen Truppen wurden im Herbst 1984 abgezogen.
Gadhafi mißachtet jedoch sein mit Präsident Mitterand getroffenes Abkommen und hält den nördlichen Tschad weiterhin mit
einer mehrere tausend Mann starken Armee besetzt.
Die von der Dürre heimgesuchten Länder der Sahel-Zone bieten Gadhafi viele Möglichkeiten der Einmischung. Gadhafi
stellt den nomadischen Tuareg-Stämmen auch weiterhin Waffen
und Ausbildung zur Verfügung, um diese in die Lage zu versetzen, die Regierungen von Mali und Niger zu unterwandern.
Gadhafi ist ebenfalls dazu entschlossen, Zaires Präsident
Mobutu zu stürzen. Er wird dazu bewegt von seiner Feindlichkeit gegenüber Kinshasas engen Bindungen zum Westen, der Anerkennung Israels und der Unterstützung von Präsident Habre im
Tschad. Gadhafi ist sich der Rolle Zaires als eines Hauptproduzenten von Kobalt und anderer strategisch verwendbarer Mineralien wohl bewußt. Tripolis stellt verschiedenen GuerrillaGruppen, zu denen auch die Nationale Front zur Befreiung des
Kongo und die Kongelesische Nationale Bewegung gehören, Ausbildung in Sabotage und Handwaffen zur Verfügung. In an Zaire
angrenzenden Ländern sind libysche diplomatische Vertretungen
- 8 -

�diplomatische Vertretungen Zentren der Unterstützung für all
diese Gruppen.
Einmischung in Lateinamerika und der Karibik
Gadhafis Vorsatz, die Interessen der Vereinigten Staaten
zu bekämpfen und seine Philosophie der Revolution zu verbreiten, hat zu einer aggressiveren libyschen Haltung in Lateinamerika geführt. Obwohl viele Regierungen und Gruppierungen
in dieser Region genug von Gadhafi haben, so sind einige doch
bereit, seine finanzielle und militärische Hilfe zu akzeptieren.
Tripolis betrachtet Nicaragua als Stützpunkt in Mittelamerika und versucht daher, die Diktatur der Sandinisten in
Managua zu unterstützen. Zusätzlich zu den mehreren hundert
Millionen Dollar Wirtschaftshilfe besteht Gadhafis Unterstützung der Sandinisten auch aus Flugabwehrgeschützen, SA-7 Boden-Luft-Raketen mit Abschußvorrichtungen und Handwaffen. Es
halten sich wenigstens einige Dutzend Personen libysches Militärpersonal in Nicaragua auf. Libyens Unterstützung hat die
Fähigkeit der Sandinisten erhöht, ihre Nachbarstaaten zu unterminieren. Darüber hinaus hat Libyen Geld und Waffen an die
Aufständischen in Guatemala und El Salvador und auch an die
terroristische Vereinigung M-19 in Kolumbien geliefert. Im
vergangenen Jahr hat Libyen einer stark linksgerichteten Gruppe von Terroristen, denen einen Schlüsselrolle zukommt, Ausbildung, Beratung und finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt und sie in die Lage versetzt, ihre bewaffneten Aktionen
gegen die chilenische Regierung auszudehnen.
Libysche Agenten waren, besonders seit dem Sommer 1984,
zunehmend auf den Karibischen Inseln aktiv. Der auf den Zusammenbruch der Bishop-Regierung im Jahr 1983 folgende Verlust
des Volksbüros in Grenada zwang Libyen zu dem Versuch, seine
subversiven Zentren in anderen Orten mit diplomatischen Vertretungen in der Region einzurichten. Gadhafi hat dort auch
die Religion als Deckung für geheimdienstliche Tätigkeit benutzt und islamische Konferenzen unterstützt, bei denen die
libyschen Teilnehmer oft Offiziere des Geheimdienstes oder
Funktionäre des Libyschen Revolutionskommitees sind. Linksgerichtete Führer aus der Dominikanischen Republik, Dominica,
Barbados, Antigua, St. Vincent, St. Lucia, den französischen
Departments und anderen Regionen wurden zu "Seminaren" oder
paramilitärischer Ausbildung nach Libyen eingeladen.
Besonders besorgniserregend sind die libyschen Bemühungen,
linksgerichtete Politiker zu ermutigen, eher gewaltsame Aktionen zu unternehmen als mit rechtmäßigen Mitteln die gemäßigten
Regierungen der Region zu ersetzen.
Süd- und Südostasien
- 9 -

�Süd- und Südostasien
Wie überall regeln die libyschen diplomatischen Vertretungen die Infrastruktur der libyschen Subversion, verteilen finanzielle Mittel und arrangieren die Ausbildung linker und anderer Dissidenten.
In Südasien konzentrieren sich die libyschen Bemühungen
auf islamische Staaten. Wenn man seine Abhängigkeit von sowjetischen Waffen bedenkt, ist Gadhafi zweifellos einer der
wenigen moslemischen Führer, die nicht die sowjetische Besetzung Afghanistans kritisieren. Obwohl Libyen Beziehungen zu
Pakistan unterhält, gab es Verbindungen zur terroristischen
Vereinigung "al-Zulfiqar". Darüber hinaus stellt Gadhafi den
Gegnern Präsident Erschads von Bagladesh Ausbildung und Geldmittel zur Verfügung.
In Südostasien konzentriert sich Gadhafi auf moslemische
Minderheiten. Er stellt seit einiger Zeit paramilitärische
Ausbildung für eine kleine Gruppe moslemischer Aufständischer
im Süden Thailands zur Verfügung. Auf den Philippinen unterstützt Libyen weiterhin die moslemischen Moro-Separatisten auf
Mindanao, obwohl ein Abkommen mit Manila von 1976 die Einstellung dieser Hilfe vorsieht. Obwohl Neukaledonien, im Südpazifik unter französischer Herrschaft, keine nennenswerte moslemische Bevölkerung hat, stellt Libyen dennoch der Sozialistischen Nationalen Befreiungsfront Kanak militärische Ausbildung
und Geldmittel zur Verfügung. Die Gruppe ist verantwortlich
für die meisten Gewaltakte zur Erlangung der Unabhägigkeit der
Insel. Es ist bekannt, daß Funktionäre des libyschen Geheimdienstes auf anderen Inseln Ozeaniens aktiv sind.
Die Zersetzung internationaler Normen
Gadhafis Subversionsbemühungen sind nicht auf diejenigen
Länder beschränkt, die das direkte Ziel seiner Ambitionen
sind. Die gesamte internationale Gemeinschaft leidet unter
Gadhafis Mißachtung internationaler Verhaltensmuster und anerkannter Verfahrensweisen. Gadhafi hat diplomatische Privilegien zu terroristischen Zwecken mißbraucht, internationale Abkommen verletzt und ein zunehmendes Maß an terroristischer Gewalt gegen politische Gegner angewandt. Darüber hinaus hilft
Gadhafis Unterstützung des Terrorismus, ungeachtet seines direkten Einsatzes in einer bestimmten terroristischen Aktion,
den Terrorismus als eine annehmbare politische Aktivität zu
rechtfertigen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST

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4

Wissenschaft und Technik

15. Januar 1986

NEUE GENERATION VON WETTERBEOBACHTUNGSSATELLITEN
Bessere Möglichkeiten für kurzfristige Veränderungen und
die aktuelle Warnung -

- (AD) - Verbesserte Kurzzeit-Vorhersagen und exaktere
Sturmwarnungen für einzelne Gebiete sollen neue Satelliten zur
Wetterbeobachtung ermöglichen, die ab 1989 zur Verfügung stehen. Die amerikanische Behörde für Luftund Raumfahrt (NASA)
hat inzwischen drei Exemplare des neuen GOES-Satelliten bestellt. GOES bedeutet "Geostationary Operational Environmental Satellites" d.h. Satelliten für Umweltbeobachtung auf stationärer Bahn (in 36 000 km Höhe). Vertragspartner ist die
Ford Aerospace and Communications Corporation), die gemeinsam
mit ITT (International Telephone and Telegraph) die Entwicklungen durchgeführt hat.
Während die gegenwärtigen GOES-Satelliten der NOAA (amerikanische Behörde für Meere und Atmosphäre) die Ermittlung von
Temperaturen, Feuchtigkeitsgrad und Wolkenfeldern über einem
Gebiet zulassen, das bis auf etwa zehn Kilometer eingegrenzt
werden kann, erhöht sich die Positionsgenauigkeit der neuen
Geräte auf zwei Kilometer Durchmesser für Bereiche an der Erd-

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�der Erdoberflache. Dies wird durch eine neuartige Stabilisierung des Satelliten erreicht. Anstelle der bisher üblichen
Drallstabilisierung wird die Stabilisierung über drei Achsen
eingeführt. Die Instrumente werden auf diese Weise ständig
zur Erde orientiert. Daraus ergeben sich genauere Meßprofile
für Temperatur und Feuchtigkeit in verschiedenen atmosphärischen Höhenschichten, was genauere Voraussagen von heftigen
Stürmen oder Springfluten erleichtert.
Im Gegensatz zu den heute gebräuchlichen GOES-Satelliten,
die mit einem Vielzweck-Instrument sowohl zur optischen Beobachtung als auch zur Meßdatenerfassung ausgerüstet sind, wurden bei der neuen Generation Optik und Meßdaten-Sondierung getrennt. Da die Instrumente jedoch, wie Burton Edelson von der
NASA erläuterte, zeitgleich aufnehmen, "bekommen wir die für
lokale Sturmwarnungen so wichtigen Meßdaten, ohne daß, wie
bisher, die Aufnahme von Wolkenfeldern unterbrochen wird.
Dies wiederum ist zur Berechnung von Windgeschwindigkeiten
notwendig".
Die Kamera liefert Aufnahmen von der Erdoberfläche, den
Meeren, der Wolkenbedeckung und der Entwicklung von Sturmfronten im sichtbaren Licht und im infraroten Spektralbereich.
Die Qualität im sichtbaren Licht sei, so Donald Rassier, Präsident von "Ford Aerospace", etwa dem Auflösungsvermögen einer
Kamera vergleichbar, "die die Landung eines Jumbo-Jets in 5000
km Entfernung vom Aufnahmeort beobachtet". Auch die Infrarotoptik sei gegenüber den heute gebräuchlichen Instrumenten erheblich besser, obgleich sie kleiner und billiger als die der
jetzigen Systeme sei. Wie die NOAA in diesem Zusammenhang
mitteilte, ist das Auflösungsvermögen für Infrarotmessungen
zur Wolkenidentifizierung viermal größer als bei den gegenwärtig verwendeten Instrumenten.
Die Sonde mißt atmosphärische Temperaturen, indem sie die
Intensität der von der Luft in verschiedenen Höhen abgegebenen
Infrarotstrahlung erfaßt. Jeder ihrer 19 Kanäle ist auf einen
anderen Bereich von Infrarotstrahlung abgestimmt, der jeweils
dem der Luftschicht entspricht, die bevorzugt diese Strahlung
abgibt. Laut "Ford Aerospace" beobachten und erfassen die
neuen GOES-Satelliten die Wetterentwicklung über den Vereinigten Staaten selbst, dazu über weite Teile des zentralen und
östlichen Pazifik und über dem zentralen und westlichen Teil
des atlantischen Ozeans.
Das amerikanische Wettersatellitenprogramm in seiner heutigen Form sei, wie Edelson erklärte, das Resultat der engen
Partnerschaft von NASA, NOAA (der Behörde, die die amerikanischen Wetterbeobachtungssatelliten betreibt) und der Industrie. Sie begann vor mehr als 35 Jahren. Zusammen mit neuen
Radaranlagen und Computern höchster Leistungsfähigkeit bilde
- 2 -

�Leistungsfähigkeit bilde das neue GOES-Satellitenprogramm das
Grundelement für die Verbesserung des NOAA-Wetterdienstes,
sagte Anthony Calio, Chef der NOAA. Das künftige System trage
dazu bei, öffentliche Sicherheit zu schaffen, Eigentum besser
zu schützen und die wirtschaftliche Entwicklung vernünftig zu
fördern. Zusätzlich zur Wetterbeobachtung erweitern die neuen
Geräte das internationale Such- und Rettungsprogramm SAR für
in Not geratene Flugzeuge und Schiffe, das bisher von den Vereinigten Staaten, Kanada, Frankreich und der Sowjetunion
durchgeführt wird. Eine Anzahl anderer Staaten beabsichtigen,
sich ihm anzuschließen.
Bei den neuen Wettersatelliten handelt es sich um die ersten Geräte dieses Typs, die von einem Raumtransporter aus gestartet werden können. Dadurch würden sich, wie Edelson erklärte, die Startkosten erheblich verbilligen. Auch trage die
Modularbauweise dazu bei, den Aufgabenbereich auszuweiten, ohne daß der ursprüngliche Anwendungszweck beeinträchtigt werde.

- 3 -

�AMERIKA DIENST
VON«''4

Wissenschaft und Technik

15. Januar 1986

LEBENSWUNDER IM EWIGEN EIS
Primitive Organismen - Modell für gentechnologische
Prozesse -

- (AD) - Bei Untersuchungen an Mikroorganismen, die in
winzigen Salzwasserkanälen im Eis der Meere um die Antarktis
leben, isolierten Wissenschaftler von der Universität Südkalifornien (USC) einen bisher unbekannten Typ eines Enzyms.
Es könnte für die Gentechnik sehr wichtig werden, weil es, wie
die Nationale Wissenschaftsstiftung der USA (NSF) mitteilte,
50 Mal wirksamer ist als die für klonierungsund Gensyntheseprozesse im Laboratorium verwendeten Substanzen.
Enzyme sind Eiweißverbindungen in pflanzlichen und tierischen Organismen sowie in Bakterien, die als eine Art Katalysator bestimmte biochemische Reaktionen auslösen oder beschleunigen. Aber sie bleiben gewöhnlich nur in Temperaturbereichen wirksam und stabil, in denen die Lebensprozesse der
betreffenden Organismen normalerweise ablaufen.
Dr. Cornelius W. Sullivan, Direktor der Forschungsabteilung für Meeresbiologie von USC in Los Angeles, befaßte sich
gemeinsam mit Dr. Hiroaki Shizuya und Dr. Hiromi Kobori mit
den Lebensbedingungen und der Bedeutung von Algen und Bakte-

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�und Bakterien, die im Eis der antarktischen Meere leben. Die
Region mit ihren extrem tiefen Temperaturen verlangt ja eine
spezielle Anpassung der biologischen Prozesse und physiologischen Reaktionen bei den Lebewesen, die dort zu Hause sind.
Sowohl im Gebiet des McMurdo-Sunds am Rande des RossmeerSchelfeises als auch des etwa 3000 km davon entfernten Schelfeises des Weddell-Meeres fanden die Forscher diese Kleinlebewesen in sehr dichten Populationen. Sie bilden für Krill und
andere Kleinkrebse eine wichtige Nahrungsquelle. Ungeachtet
der Dauerkälte vermehren sich bestimmte Gruppen der dort aufgefundenen Bakterien erstaunlich schnell, fanden die Forscher..
Das bedeute, so Sullivan, eine bemerkenswert gute Anpassung an
die Umwelt und einen sehr hohen "Nutzeffekt" der Syntheseprozesse für den Aufbau von Makromolekülen wie DNS (Desoxyribonucleinsäure), RNS (Ribonucleinsäure), Proteinen (Eiweißverbindungen) Kohlehydraten und Lipiden (Fettsubstanzen). Bei
DNS und RNS handelt es sich um jene chemischen Materialien, in
dem die genetischen Informationen für den Aufbau lebender Zellen gespeichert sind (DNS) bzw. mit dem die Protein-Produktion
in den Zellen gesteuert wird (RNS).
Sullivan und Mitarbeiter isolierten einen neuen Typ einer
alkalischen Phosphatase (APase) - eines Enzyms, das gewisse
Phosphatgruppen von DNS- und RNS-Molekülen abspaltet. Für
Klonierungs- und Gensyntheseprozesse im Laboratorium ist dieses Abspalten ein ganz wichtiger Schritt, für den gegenwärtig
eine aus dem Bakterium Escherichia coli gewonnene APase benutzt wird. Diese hat jedoch den Nachteil, sehr hitzebeständig zu sein, so daß sie sich durch einfache Wärmebehandlung
nicht inaktivieren läßt. Dafür ist aus dem genannten Grund
ein äußerst umständliches Verfahren erforderlich. Im Gegensatz dazu ist bei der APase aus antarktischen Meeresbakterien
- das Enzym konnten die Wissenschaftler inzwischen rein darstellen - nicht nur die Inaktivierung durch einfaches Erhitzen
sehr rasch zu bewerkstelligen, sondern es ist auch 50 Mal
wirksamer als die APase aus E .coli-Bakterien.
Die Forscher von der Universität Südkalifornien sind der
Ansicht, daß Bakterien aus Regionen der Antarktis überdies eine Quelle zur Identifizierung und Isolierung neuer Typen nützlicher Enzyme darstellen, die bis in den Temperaturbereich um
Null Grad (Celsius) wirksam sein oder die schon bei relativ
niedrigen Temperaturen inaktiviert werden könnten. Auch sei
es denkbar, daß diese Bakterien eine Quelle für die Entwicklung neuer Antibiotika darstellen. Entsprechende Untersuchungen zu diesem Fragenkomplex wurden bisher noch nicht in Angriff genommen.
Es zeigte sich, daß Bakterien aus der Antarktis sehr häufig ein Plasmid enthalten - ein ringförmiges DNS-Moelkül, das
- 2 -

�DNS-Molekül, das zusätzlich zum regulären Chromosomensatz aus
DNS in Bakterienzellen vorkommen kann. Diese Beobachtung lasse, wie Dr. Sullivan meint, darauf schließen, daß Plasmide in
den antarktischen Mikrobenpopulationen, die heute in den marinen Ökosystemen aus grauer Vorzeit leben, dort etwas alltägliches seien. Für Meeresökologen, die die Funktionen und die
Entwicklung von Plasmiden in einer von der menschlichen Zivilisation noch nicht berührten oder gar beeinträchtigten Welt
erforschen wollen, sei diese Tatsache von großer Bedeutung.

* *

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des amerikanischen Botschafters in Bonn zu den Maßnahmen der Vereinigten Staaten gegen Libyen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weinberger: Sowjets bauen SS-25-Streitmacht aus&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede vor der Carnegie-Stiftung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gadhafi unterstützt radikale Regime und hilft Terroristen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Dokumentation des amerikanischen Außenministeriums über Libyen unter Gadhafi -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue Generation von Wetterbeobachtungssatelliten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bessere Möglichkeiten für kurzfristige Veränderungen und die aktuelle Warnung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lebenswunder im ewigen Eis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Primitive Organismen - Modell für gentechnologische Prozesse -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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Information&#13;
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Dokumentation&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
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8. Januar 1986&#13;
&#13;
I N H A L T&#13;
INFORMATION&#13;
Amerikanische Handelsmaßnahmen gegen Libyen&#13;
- Schreiben des Präsidenten an den Kongreß Anordnung des Präsidenten der Vereinigten Staaten von&#13;
Amerika über Maßnahmen gegen Libyen&#13;
Pressekonferenz Präsident Reagans vom 7. Januar 1986&#13;
DOKUMENTATION&#13;
Reagan bekräftigt Unterstützung für das afghanische Volk&#13;
- Erklärung zum 6. Jahrestag der sowjetischen Invasion HINTERGRUNDMATERIAL&#13;
Martin Luther King, Jr.: Sein Einfluß in der Welt&#13;
- Von Botschafter Horace G. Dawson, Jr. Gadhafis langes Register der Beteiligung am Terrorismus&#13;
- Von Joseph V. Reed, US-Botschafter bei den Vereinten&#13;
Nationen WISSENSCHAFT UND TECHNIK&#13;
Rauchen - das größte Gesundheitsrisiko am Arbeitsplatz&#13;
- Jahresbericht 1985 des Öffentlichen Gesundheitsdienstes&#13;
der Vereinigten Staaten * * * * *&#13;
&#13;
Um Übef/endung von&#13;
ßclc9CKcmplciren&#13;
wird gebeten&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�8. Januar 1986&#13;
&#13;
AMERIKANISCHE HANDELSMASSNAHMEN GEGEN LIBYEN&#13;
- Schreiben des Präsidenten an den Kongreß -&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Im Rahmen seiner Anordnung hinsichtlich Handelsmaßnahmen gegen Libyen unterrichtete Präsident&#13;
Reagan am 7. Januar 1986 den Sprecher des amerikanischen Repräsentantenhauses sowie den Präsidenten des amerikanischen&#13;
Senats in gleichlautenden Schreiben, die folgenden Wortlaut&#13;
haben:&#13;
Sehr geehrter Mr. Speaker&#13;
&#13;
(Sehr geehrter Mr. Präsident)&#13;
&#13;
Entsprechend Abschnitt 204 (b) des Gesetzes über wirtschaftliche Vollmachten bei internationalen Notständen, 50&#13;
U.S.C., Abschnitt 1703, Abschnitt 505 des Gesetzes von 1985&#13;
über internationale Zusammenarbeit im sicherheits- und entwicklungspolitischen Bereich sowie Abschnitt 301 des Nationalen Notstandsgesetzes, 50 U.S.C. Abschnitt 1631, informiere&#13;
ich Sie hiermit darüber, daß ich mich meiner Amtsgewalt bediene, um eine nationale Notstandslage zu erklären und&#13;
- Käufe und Einfuhren aus sowie Ausfuhren nach Libyen zu&#13;
verbieten;&#13;
- amerikanisch-libysche&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�- amerikanisch-libysche Beziehungen zur See und in der Luft&#13;
zu verbieten;&#13;
- Handel in Dienstleistungen bezüglich Projekten in Libyen&#13;
zu verbieten;&#13;
- Kredite oder Darlehen oder den Transfer jeglicher Werte an&#13;
den libyschen Staat oder seine Staatsbürger zu untersagen&#13;
- ausgenommen von Eigentumsverhältnissen, die vor Wirksamwerden dieser Maßnahme bestanden oder von Transaktionen,&#13;
die aufgrund einer Erlaubnis für normale Aktivitäten von&#13;
Libyern möglich sind, die sich rechtmäßig in den Vereinigten Staaten aufhalten; sowie&#13;
- Transaktionen zu verbieten, die sich auf Reisen von Amerikanern nach oder in Libyen beziehen - mit Ausnahme kommerzieller Aktivitäten, die bis zum 1. Februar 1986 genehmigt&#13;
sind oder derjenigen, die zum Zweck sofortiger Ausreise&#13;
aus Libyen oder für Reisen von Journalisten notwendig sind.&#13;
Diese Einschränkungen unterliegen der Festsetzung durch&#13;
den Finanzminister. Einige dieser gesetzlichen Einschränkungen gelten vom 1. Februar 1986, 12.01 EST. Die restlichen&#13;
Einschränkungen treten mit sofortiger Wirkung in Kraft.&#13;
Ich füge eine Kopie der Durchführungsbestimmung bei, die&#13;
ich zum Zweck dieser Erklärung und zur Ausübung meiner Amtsgewalt erlassen habe.&#13;
Ich habe diese Schritte in Reaktion auf die Notlage genehmigt, zu der es durch den internationalen Terrorismus gekommen&#13;
ist - in diesem Fall die Aktionen und die Politik der libyschen Regierung. Deren Einsatz und Unterstützung von Terrorismus gegen die Vereinigten Staaten, andere Länder und unschuldige Bürger verletzen das Völkerrecht und die Mindestmaßstäbe menschlichen Verhaltens. Diese Aktionen und diese Politik stellen eine Bedrohung der Sicherheit der Vereinigten&#13;
Staaten sowie der Völkergemeinschaft dar. Die Sicherheit unserer Nation umfaßt die Sicherheit ihrer Bürger sowie ihr&#13;
Recht, sich zu Hause und im Ausland ungehindert zu bewegen.&#13;
Die terroristischen Aktivitäten Libyens sowie seine Unterstützung des Terrorismus stellen eine Bedrohung der lebenswichtigsten außenpolitischen Interessen der Vereinigten Staaten sowie&#13;
aller anderer Staaten dar, die dem Frieden und der Sicherheit&#13;
im internationalen Rahmen verpflichtet sind.&#13;
Seit Libyen im Jahr 1979 offiziell gemäß amerikanischem&#13;
Recht als Land gekennzeichnet wurde, das wiederholt Akte des&#13;
internationalen Terrorismus unterstützt hat, haben die Vereinigten Staaten in Reaktion auf die feindselige Politik und&#13;
- 2 -&#13;
&#13;
�Politik und Handlungen Libyens eine Reihe von Maßnahmen ergriffen. Wir haben Ausfuhrlizenzen untersagt, die dem Militärpotentials Libyens förderlich gewesen wären oder seine Fähigkeit verstärkt hätten, Akte des internationalen Terrorismus&#13;
zu unterstützen. Wir haben den Export des Großteils der Gegenstände verboten, die der nationalen Sicherheitskontrolle&#13;
unterliegen, sowie von Gütern oder technischen Daten, die unmittelbar dem Ras-Lanuf-Petrochemiekomplex zugutegekommen wären; außerdem von Flugzeugen, geländegängigen Fahrzeugen und&#13;
Teilen, die ein hohes Risiko in sich bergen, von Libyen zu militärischen Zwecken verwendet zu werden; schließlich von Ölund&#13;
Gastechnologie und -ausrüstung, die von Drittländern nicht erhältlich ist. Was die Einfuhren anbelangt, haben wir den Import libyschen Erdöls sowie, seit November 1985, die Produkte&#13;
libyscher Raffinerien verboten. Wir haben keine Libyer mehr&#13;
in den Vereinigten Staaten aufgenommen, um dort Erfahrungen&#13;
bei Flugzeugüberholungen, bei ihrer Flugpraxis oder bei nuklearrelevanten Studien zu sammeln. Wir haben Maßnahmen ergriffen, um die Ausweitung der Anlagen der libyschen UN-Mission&#13;
einzugrenzen. Wir haben außerdem wiederholt Unternehmen dazu&#13;
aufgefordert, amerikanische Bürger zu deren eigener Sicherheit&#13;
aus Libyen abzuziehen und wir haben die Reisemöglichkeiten für&#13;
Amerikaner dorthin eingeschränkt. All diese Maßnahmen haben&#13;
Libyen nicht von seinem Einsatz und seiner Unterstützung des&#13;
Terrorismus abgehalten. Zudem sind noch immer rund 1500 Amerikaner in Libyen.&#13;
Der Kongreß der Vereinigten Staaten hat wiederholt den&#13;
Einsatz und die Unterstützung des internationalen Terrors&#13;
durch das Gadhafe-Regime bedauert. Dies geschah erst kürzlich&#13;
wieder durch Erlaß von Abschnitt 504 des Gesetzes von 1985&#13;
über internationale Zusammenarbeit im sicherheits- und entwicklungspolitischen Bereich. Zudem habe ich Anweisung gegeben, Libyen dem Wortlaut eines weiteren Gesetzes zu unterwerfen, das der Kongreß gegen jene Staaten erlassen hat, die den&#13;
Terrorismus gegen die Zivilluftfahrt unterstützen - nämlich&#13;
des Gesetzeszusatzes Abschnitt 1114 des Bundesluftfahrtgesetzes von 1958.&#13;
Die Vereinigten Staaten fordern Libyen und alle, den Terrorismus unterstützenden Staaten erneut auf, sich von dieser&#13;
Art Politik abzuwenden. Die Vereinigten Staaten fordern außerdem die anderen Staaten auf, sich uns dabei anzuschließen,&#13;
die Terroristen und diejenigen, die ihn unterstützen, zu isolieren. Wir müssen durch tatkräftige politische und wirtschaftliche Sanktionen demonstrieren, daß die Völkergemeinschaft derlei Handeln nicht tolerieren wird, daß Staaten, die&#13;
derlei tun, nicht erwarten können, als Mitglieder der internationalen Gemeinschaft anerkannt zu werden.&#13;
Wenn es nicht&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
�Wenn es nicht gelingt, Libyen für seine Politik zur Rechenschaft zu ziehen, wird die zivilisierte Welt dem Terrorismus auf Gnade und Ungnade ausgeliefert sein. Diese Tatsache&#13;
hat die Maßnahmen nötig werden lassen, die ich heute ergriffen&#13;
habe. Die schrecklichen Tragödien von Wien und Rom zeigen,&#13;
daß keine Nation immun ist, daß jedes Land seinen gerechten&#13;
Anteil an der lebenswichtigen Bemühung gegen die Politik des&#13;
Terrors tragen muß. Ich fordere alle Nationen auf, dies jetzt&#13;
zu tun.&#13;
•&#13;
&#13;
Hochachtungsvoll&#13;
RONALD REAGAN&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
- 4-&#13;
&#13;
�8. Januar 1986&#13;
&#13;
1&#13;
&#13;
ANORDNUNG DES PRÄSIDENTEN DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA&#13;
ÜBER MASSNAHMEN GEGEN LIBYEN&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Die folgende Anordnung wurde von Präsident Reagan am 7. Januar 1986 erlassen:&#13;
Verbot des Handels und bestimmter Transaktionen mit Libyen&#13;
Durch die mir von der Verfassung und den Gesetzen der Vereinigten Staaten von Amerika als dem Präsidenten verliehene&#13;
Amtsgewalt, einschließlich des Gesetzes über wirtschaftliche&#13;
Vollmachten bei internationalen Notständen, des nationalen&#13;
Notstandsgesetzes, der Abschnitte 504 und 505 des Gesetzes&#13;
über internationale Zusammenarbeit im sicherheits- und entwicklungspolitischen Bereich, des Abschnitts 1114 des Bundesluftfahrtgesetzes von 1958 mit seinen späteren Zusätzen und&#13;
Abschnitt 301, Titel 3, des United States Code&#13;
verkünde ich, Ronald Reagan, Präsident der Vereinigten&#13;
Staaten von Amerika, daß die Politik und die Aktionen der Regierung von Libyen eine ungewöhnliche und außerordentliche Bedrohung der nationalen Sicherheit und der Außenpolitik der&#13;
Vereinigten Staaten darstellen und erkläre hiermit einen nationalen Notstand, um dieser Bedrohung zu begegnen.&#13;
Ich ordne&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�Ich ordne hiermit an:&#13;
Abschnitt 1. Die im Folgenden aufgeführten Aktionen sind&#13;
verboten, soweit sie nicht durch Ausnahmen in Bestimmungen,&#13;
die zu einem späteren Zeitpunkt erlassen werden können, betroffen werden.&#13;
(a) Der Import aller Güter oder Dienstleistungen libyschen Ursprungs in die Vereinigten Staaten, auöer Publikationen und Materialien, die zum Zwecke von journalistischen Veröffentlichungen oder Rundfunksendungen eingeführt werden;&#13;
(b) der Export von Gütern, Technologie (einschließlich&#13;
technischer Daten oder anderer Informationen) oder Dienstleistungen von den Vereinigten Staaten nach Libyen, außer&#13;
Publikationen und Spenden von Artikeln zum Zwecke der Verminderung menschlichen Leidens, zum Beispiel Nahrungsmittel, Kleidung, Medikamente und medizinisches Material, die&#13;
ausschließlich für medizinische Zwecke bestimmt sind;&#13;
(c) alle Transaktionen von Personen in den Vereinigten&#13;
Staaten, die sich auf den Transport nach oder von Libyen&#13;
beziehen; die Bereitstellung von Transport nach oder von&#13;
den Vereinigten Staaten durch libysche Staatsbürger oder&#13;
durch in Libyen registrierte Fahrzeuge oder Luftverkehrsmittel; oder der Verkauf von Lufttransport mit Aufenthalten in Libyen in den Vereinigten Staaten durch Personen,&#13;
die durch das Bundesluftfahrtgesetz dazu ermächtigt sind;&#13;
(d) der Erwerb von zum Export von Libyen in andere Länder&#13;
bestimmten Gütern durch Personen in den Vereinigten Staaten;&#13;
(e) die Ausführung von Verträgen zur Unterstützung von&#13;
industriellen oder anderen wirtschaftlichen oder öffentlichen Projekten in Libyen durch Personen in den Vereinigten Staaten;&#13;
(f) die Gewährung von Verlängerungen von Krediten oder&#13;
Anleihen für die Regierung von Libyen, ihre Mittler oder&#13;
von ihr kontrollierte Gebilde, durch Personen in den Vereinigten Staaten;&#13;
(g) Transaktionen von Personen in den Vereinigten Staaten, die sich auf Reisen von Bürgern der Vereinigten Staaten oder von ständig hier lebenden Ausländern nach Libyen&#13;
beziehen, oder auf Aktivitäten solcher Personen innerhalb&#13;
Libyens nach der Inkraftsetzung dieser Anordnung, außer&#13;
den für die Abreise solcher Personen aus Libyen erforder- 2 -&#13;
&#13;
�Libyen erforderlichen Transaktionen, der Ausführung von&#13;
bis zum 1. Februar 1986 erlaubten Handlungen, wie im Abschnitt 3 dieser Anordnung angegeben, sowie Reisen zum&#13;
Zwecke journalistischer Betätigung von Personen, die in&#13;
dieser Eigenschaft fest bei journalistischen Organisationen angestellt sind; und&#13;
(h) alle Handlungen von Personen in den Vereinigten Staaten, die irgendwelche der in dieser Anordnung verkündeten&#13;
Verbote umgehen oder ihnen ausweichen, oder die den Zweck&#13;
ihnen auszuweichen oder sie zum umgehen verfolgen.&#13;
Für die Zwecke dieser Anordnung bedeutet der Begriff "Person in den Vereinigten Staaten" jeden Bürger der Vereinigten&#13;
Staaten, jeden Ausländer mit ständigem Wohnsitz hier, jede juristische Person nach den Gesetzen der Vereinigten Staaten&#13;
oder jede Person in den Vereinigten Staaten.&#13;
Abschnitt 2. Im Lichte des in Abschnitt l(a) verkündeten&#13;
Verbots, werden Abschnitt 251 des Gesetzes zur Expansion des&#13;
Handels von 1962 mit seinen Zusätzen und Abschnitt 126 des&#13;
Handelsgesetzes von 1974 mit seinen Zusätzen in Bezug auf&#13;
Libyen außer Kraft gesetzt.&#13;
Abschnitt 3. Diese Anordnung tritt unverzüglich in Kraft,&#13;
mit Ausnahme der in Abschnitt l(a), (b), (c), (d) und (e) enthaltenen Verbote, die am 1. Februar 1986 um 12.01 EST in Kraft&#13;
treten.&#13;
Abschnitt 4. Der Finanzminister wird hiermit ermächtigt,&#13;
in Konsultation mit dem Außenminister, die notwendigen Schritte zu unternehmen, einschließlich der Verkündung von Bestimmungen zur Durchführung dieser Anordnung. Solche Schritte mögen das Verbot oder die Regulierung von Zahlungen oder Übertragungen von Vermögenswerten betreffen, oder alle Transaktionen in Zusammenhang mit der Übertragung von Dingen von wirtschaftlichem Wert von Personen in den Vereinigten Staaten an&#13;
die Regierung von Libyen, ihre Mittler oder von ihr kontrollierte Gebilde, oder an libysche Staatsbürger oder Gebilde,&#13;
die direkt oder indirekt dem libyschen Staat oder libyschen&#13;
Staatsbürgern gehören oder von ihnen kontrolliert werden. Der&#13;
Minister ist ermächtigt, diese Funktionen auf andere Beamte&#13;
oder Institutionen der Bundesregierung zu übertragen. Alle&#13;
Institutionen der Regierung der Vereinigten Staaten werden angewiesen, alle angemessenen Maßnahmen in ihrer Befugnis zu&#13;
treffen, um die Bestimmungen dieser Anordnung mit dem Datum&#13;
ihrer Inkraftsetzung durchzuführen, linschließlich der Aussetzung oder Aufhebung von Lizenzen oder anderen Vollmachten.&#13;
Diese Anordnung&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
�Diese Anordnung wird dem Kongreß übermittelt und im Bun.&#13;
desgesetzblatt veröffentlicht werden.&#13;
RONALD REAGAN,&#13;
WEISSES HAUS,&#13;
den 7. Januar 1986.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
- 4-&#13;
&#13;
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&#13;
8. Januar 1986&#13;
&#13;
PRESSEKONFERENZ PRÄSIDENT REAGANS VOM 7. JANUAR 1986&#13;
&#13;
WA SHINGTON - (AD) - In einer vom Fernsehen übertragenen&#13;
Presse konferenz verkündete Präsident Reagan am 7. Januar 1986&#13;
prakti seh den totalen Abbruch aller Wirtschaftsbeziehungen zu&#13;
Dabei brandmarkte er das Gadhafi-Regime als UnterLibyen&#13;
stütze r des internationalen Terrorismus. Durch seine Hilfe&#13;
für te rroristische Gruppen, die Angriffe auf amerikanische&#13;
Staats bürger durchgeführt hätten, habe Libyen an einer "bewaffne ten Aggression gegen die Vereinigten Staaten teilgenommen, g emäß der etablierten Prinzipien des Völkerrechts, so,&#13;
als ob es seine eigenen Streitkräfte dazu benutzt hätte".&#13;
Weiter sagte der Präsident, daß "zivilisierte Staaten die&#13;
Ermordung von Unschuldigen nicht weiter tolerieren" könnten.&#13;
Er zitierte den italienischen Premierminister Craxi mit der&#13;
Forderung nach Identifizierung derjenigen Staaten, die den&#13;
Schutz der Terroristen garantierten.&#13;
Auf Fragen von Journalisten erklärte der Präsident, daß&#13;
die Vereinigten Staaten Beweise für die Existenz von Ausbildungslagern der Abu-Nidal-Gruppe in Libyen hätten und dafür,&#13;
daß Gadhafi selbst direkt in die Aktivitäten dieser Gruppe&#13;
verstrickt sei.&#13;
Weiter führte&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�Weiter führte der Präsident aus, daß das Nahostproblem nur&#13;
auf dem Wege des Friedens zwischen den arabischen Staaten und&#13;
Israel gelöst werden könne und daß jede Nahost-Lösung das Problem der Palästinenser einschließen müsse. Dabei sollten besonders die Bewohner der großen Flüchtlingslager im Libanon&#13;
berücksichtigt werden, während den tausenden und abertausenden&#13;
von in anderen arabischen Staaten ansässigen Palästinensern&#13;
dort die vollständigen Bürgerrechte gewährt werden sollten.&#13;
Die Grundvoraussetzung für jede Lösung sei jedoch die Anerkennung Israels durch die potentiellen Verhandlungspartner.&#13;
Auf die Frage eines Journalisten nach der zögernden Haltung der europäischen Partner in der Frage von Sanktionen antwortete der Präsident, daß die Vereinigten Staaten diese Länder mit der Absicht konsultieren würden, sie zu mehr Kooperation in dieser Hinsicht zu veranlassen.&#13;
In einem weiteren Teil seiner Pressekonferenz ging Präsident Reagan auf die Beziehungen zur Sowjetunion ein. Dabei&#13;
betonte er, daß er das Problem des Terrorismus während des&#13;
Genfer Gipfeltreffens mit Generalsekretär Gorbatschow angesprochen habe und daß das Mißtrauen Washingtons in bezug auf&#13;
die Sowjetunion teilweise von Moskaus Unterstützung für&#13;
Gadhafi herrühre.&#13;
In bezug auf die Terminierung des nächsten Gipfels erklärte der Präsident, daß er aus Nachrichtensendungen erfahren habe, Gorbatschow wolle das nächste Treffen auf den Herbst verschieben. Konkrete Termine seien jedoch noch nicht genannt&#13;
worden, obwohl Gorbatschow in Genf den Vorschlag eines erneuten Treffens im Juni mit einem zustimmenden Nicken zur Kenntnis genommen habe.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
�8. Januar 1986&#13;
&#13;
REAGAN BEKRÄFTIGT UNTERSTÜTZUNG FÜR DAS&#13;
AFGHANISCHE VOLK&#13;
- Erklärung zum 6. Jahrestag der sowjetischen Invasion -&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat in einer am&#13;
27. Dezember 1985 veröffentlichten Erklärung zum 6. Jahrestag&#13;
des Einmarsches sowjetischer Truppen in Afghanistan unterstrichen, daß die Vereinigten Staaten fest auf der Seite des afghanischen Volkes stehen und dessen historischen Freiheitskampf&#13;
weiterhin unterstützen. Der Präsident betonte außerdem, daß&#13;
die Besetzung Afghanistans ein Hindernis für die Verbesserung&#13;
der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen darstelle und forderte eine Lösung des Problems auf dem Verhandlungswege als "einzig vernünftige Alternative zu der düsteren Aussicht eines militärischen Kampfes mit ungewissem Ausgang".&#13;
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:&#13;
Der heutige 27. Dezember ist durch den sechsten Jahrestag&#13;
der sowjetischen Invasion in Afghanistan gekennzeichnet. Seit&#13;
am 27. Dezember 1979 eine massive sowjetische Streitmacht die&#13;
afghanische Grenze überschritt, um ein taumelndes marxistisches&#13;
Regime zu stützen, hat der afghanische Widerstand zunehmend an&#13;
Wirkung gewonnen. Dem von den Sowjets unterstützten Regime in&#13;
Kabul ist es nicht gelungen, auch nur ein bißchen Unterstützung&#13;
durch das Volk oder internationale Anerkennung zu finden. In&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
Telex: 08-85432&#13;
&#13;
�finden. In ihren Anstrengungen, diesen nationalen Befreiungskrieg zu zerschlagen, haben die Sowjets und ihre afghanischen&#13;
Stellvertreter zu barbarischen Methoden der Kriegführung gegriffen. Wahllos durchgeführte Luft- und Artilleriebombardements gegen die Zivilbevölkerung, brutale Vergeltungsschläge&#13;
gegen Unbeteiligte, die der Unterstützung des Widerstandes beschuldigt werden, sowie die kalkulierte Zerstörung von Ernten&#13;
und Bewässerungssystemen haben das Land heimgesucht. Tausende&#13;
junger Afghanen werden zur "Umerziehung" in Ferienlagern, Universitäten und in speziell für diesen Zweck eingerichtete Institutionen in die Sowjetunion geschickt.&#13;
In seine r En tsch lossenhei t, de n In vasor en Wide rsta nd z u&#13;
leiste n blei bt d as a fghanisch e Vol k je doch unbeugs am. Die Widersta ndskäm pfer sin d zahlreieher, bes ser b ewaffne t un d ef fektiver als je mals zuv or. Da s ie de n Tr uppen Kabuls bei der&#13;
kämpfu ng des ver stär kten Wide rstan des nicht vertra uen könn Behaben die So wjet s begönnen, i hre e igen en Tr uppen i n ei ner en,&#13;
veren Gefech tsro lle einzusetz en. Dies e Ans trengun gen habe aktinen je doch w enig Nut zen gebra cht. Im letzt en Somm er, als n ihKämpfe ihren Höh epun kt erlang ten, habe n Wid erstand skäm pfer die&#13;
derhol t sowjetis che Fernmelde verbi ndun gen, Konvois , Kasern wieund An lagen ange grif fen und h aben ihre groß te, här test e un en&#13;
bestko ordini erte Off ensive in dies em K rieg durchge führ t. d&#13;
Widers tandsb eweg ung hat sich außer dem zu ei nem pol itis chen Die&#13;
Bündni s zusammen gesc hlossen, welch es i n ein deutige r We ise der&#13;
Welt d ie Sac he A fgha nistans z u prä sent ieren vermag und all e Aspekte des Be rfre iung skampfes zu ko ordi niere n in de r La ge i st.&#13;
Se it 1980 h aben sich die Vereinigten Staaten intensiv für&#13;
eine V erhandlun gslösung eingesetzt, welche die einzig vernünftige A lternativ e zu der düsteren Aussicht auf einen militärischen Kampf mi t ungewissem Ausgang darstellt. Seit diesem&#13;
Jahr v erabschie deten die Vereinten Nationen sieben Resolutionen&#13;
mit wa chsenden und überwältigenden Mehrheiten die zeigen, daß&#13;
die Ve reinigten Staaten mit dieser Ansicht nicht alleine stehen. Diese Res olutionen fordern den Abzug der ausländischen&#13;
Truppe n, die Wi ederherstellung der Unabhängigkeit und Blockfreihe it Afghan istans, die Selbstbestimmung sowie die freiwillige u nd sicher e Heimkehr der Flüchtlinge.&#13;
In den Gesprächen während des Genfer Gipfeltreffens haben&#13;
die Vereinigten Staaten im November ihre Unterstützung für Gespräche unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen wiederholt. Wir haben außerdem angedeutet, daß die fortdauernde&#13;
sowjetische Besetzung Afghanistans ein Hindernis bei der generellen Verbesserung unserer Beziehungen darstellt. Obwohl wir&#13;
jedes Zeichen für die sowjetische Bereitschaft zur Unterstützung von UN-geführten Friedensanstrengungen begrüßen, warten&#13;
wir weiterhin auf positive Entwicklungen und auf konkrete Beweise für den sowjetischen Willen, einem Zeitplan für den Abzug&#13;
ihrer Truppen zuzustimmen.&#13;
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&#13;
SEIN EINFLUSS IN DER WELT&#13;
&#13;
- Von Botschafter Horace G. Dawson, Jr. WASHINGTON - (AD) - Den folgenden Artikel veröffentlichen&#13;
wir aus Anlaß des Geburtstages von Martin Luther King, der am&#13;
20. Januar 1986 in den Vereinigten Staaten zum ersten Mal als&#13;
nationaler Feiertag begangen wird. Der Verfasser war amerikanischer Botschafter in Botswana und Stellvertretender Direktor&#13;
für afrikanische Angelegenheiten beim US-Informationsamt&#13;
(USIA). Er war für USIA auf den Philippinen, in Liberia, Nigeria und Uganda.&#13;
Kürzlich kam ein Mann in mein Büro und fing ein Gespräch&#13;
an, indem er sagte, er habe das Clark College in Atlanta absolviert und sei 1967 mit Martin Luther King ins Gefängnis gegangen. Zu seiner Ehre sei gesagt, daß er hinzufügte, "Ich&#13;
und 374 andere Personen".&#13;
Je mehr ich über Martin Luther King nachgedacht habe - je&#13;
mehr ich den Zeugnissen der Hochachtung für ihn zugehört habe,&#13;
je mehr ich über die bekannten Tatsachen seines Lebens nachgesonnen habe, umso mehr habe ich überlegt, wer von uns diesen&#13;
Mann wirklich kannte. Die drei bekannten Biographien Kings&#13;
weichen in ihren Details erheblich voneinander ab. Mrs. Kings&#13;
Buch über ihren verstorbenen Mann wiederum unterscheidet sich&#13;
von all diesen.&#13;
Im Herbst 1976 begleitete ich Kings Frau Coretta, seine&#13;
beiden Söhne, seine jüngste Tochter sowie den Freund der Familie Andy Young auf einer Fahrt durch drei Länder Afrikas, Sambia, Kenia und Nigeria. Ich erinnere mich lebhaft an die un-&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�die unterschiedliche Art und Weise, in der jeder von ihnen auf&#13;
den Mann reagierte, auf den Mrs. King immer als "Martin" hinwies .&#13;
Vielleicht ist die Lektion, die ich gelernt habe, auf alle&#13;
großen Persönlichkeiten anzuwenden: sie sind vielschichtig&#13;
und komplex - auf jeden Fall zu sehr, als daß ein Mensch sie&#13;
in ihrer Vielfalt erfassen könnte. Welchen Einfluß King auch&#13;
auf die internationale Politik ausübte, so war dieser immer&#13;
verbunden mit seiner Sorge über die Situation zuhause in den&#13;
Vereinigten Staaten. Ungeachtet des Nobelpreises galt Kings&#13;
persönliches Interesse an auswärtigen Angelegenheiten dem Ast,&#13;
nicht dem Stamm des Baumes.&#13;
Coret ta Sco tt Ki ng muß dies elbe n Ge dank en g ehabt haben,&#13;
als sie i m Okto ber 1 964 hör te, daß ihr Mann den Fried ensnobelIn i hrem Buc h 'M ein Lebe n mit Martin&#13;
prei s bek ommen hatte&#13;
Luth er Ki ng, Jr ." sc hrieb s ie: "Na türl ich freu te ich mich,&#13;
war aber gleich zeiti g nachd enkl ich. Wa rum? Wa rum wu rde&#13;
Mart ins B eitrag inte rnation ale Bede utun g be igem essen? Was war&#13;
die tiefe re Bed eutun g davon - e ine Bede utun 9, d ie wir noch&#13;
nich t in der La ge wa ren zu vers tehe n? Dies war nicht nur ein&#13;
Prei s für Bürge rrech te, son d e m für ein en B eitr ag zum Weltfrie den. Obwoh 1 wir uns fr eute n, w aren wir uns doch der ungeheur en Ve rantwo rtung bewußt , die ih m au ferl egt wurde. Dies&#13;
war natü'r lieh s eine größte bish erig e An erke nnun g, abe r wir&#13;
wüßt en be ide, d aß wi r noch eine n se hr 1 ange n We g gehe n mußten,&#13;
um z u erf üllen, was der Pre is a bver lang te".&#13;
Das war 1964. Vier Jahre später, 1968, war Martin Luther&#13;
King tot, im Alter von 39 Jahren.&#13;
Was mich am stärksten berührt hat, ist das vergleichsweise&#13;
junge Alter dieses Mannes, der den Lauf der Geschichte so radikal veränderte und die Kürze der Zeitspanne, in der er dies&#13;
tat.&#13;
Am Ende des Zweiten Weltkrieges war Martin Luther King&#13;
erst 17 Jahre alt. Von 1944 bis 1954 widmete er die meiste&#13;
Zeit seiner Ausbildung, und als er in Montgomery, Alabama,&#13;
eintraf, um die Leitung der Dexter Avenue Baptist Church zu&#13;
übernehmen, seine erste Position, war er erst 25 Jahre alt.&#13;
Im darauffolgenden Jahr begann der Busboykott von Montgomery,&#13;
durch den er bekannt wurde. Er wurde 1968 ermordet. In einer&#13;
Zeitspanne von 12 bis 13 Jahren wurde King so einer der Größen&#13;
der amerikanischen Geschichte.&#13;
Als er Jahre später darüber schrieb, was hätte sein können, betonte Dr. Benjamin E. Mays, der Präsident des Morehouse&#13;
College in Atlanta:&#13;
Ich hatte&#13;
&#13;
�"Ich hatte dem jungen King eine Position im Lehrkörper von&#13;
Morehouse angeboten, doch er wollte lieber Pfarrer werden.&#13;
Wenn er mein Angebot angenommen hätte, hätte er sich vielleicht nie zu der Art von Mensch entwickelt, der er ist..."&#13;
"Seine seltene Fähigkeit die Klassen als auch die Massen&#13;
zu führen und anzuspornen in einem Kreuzzug für soziale Gerechtigkeit, wäre vielleicht niemals entstanden."&#13;
Mit diesen Bemerkungen berührte der ehrenwerte Präsident&#13;
des Morehouse College, der übrigens auch die Totenrede bei&#13;
Kings Begräbnis hielt, und der selbst 1983 verstorben ist, eine bereits früher erwähnte Frage: Warum betrat King die Szene&#13;
überhaupt? Ja, wie sah diese Szene eigentlich aus?&#13;
1954 war das Jahr, in dem der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten in einem einstimmigen Votum die Rassentrennung in den öffentlichen Schulen für ungesetzlich erklärte.&#13;
Die gewalttätige Reaktion des weißen Südens auf diesen Beschluß wurde als "massiver Widerstand" bekannt.&#13;
Seit mehr als einem dreiviertel Jahrhundert war die Rassentrennung im Süden fest verankert. Sie wurde sowohl vom Gesetz als auch durch die Sitte erzwungen, und ihre Opfer, die&#13;
schwarzen Amerikaner, waren in tödlicher Gefahr, wenn sie es&#13;
wagten, dieses System herauszufordern. Jeder Aspekt des Lebens im Süden war von der Rassentrennung geprägt - Schulen,&#13;
öffentliche Transportmittel sowie öffentliche und private Einrichtungen aller Art.&#13;
Es waren Bedingungen wie diese, gegen die King sich wandte. In den folgenden Jahren beeinflußte der Funke, der 1955&#13;
in Montgomery gezündet worden war, die Situation im ganzen Süden und Kings Name wurde überall bekannt. Mit seiner Befürwortung der Gewaltfreiheit in Konfrontationen mit der Polizei,&#13;
die mit Wasserwerfern, Hunden und Ochsenziemern vorging, erwarb er sich Respekt und Sympathie in der ganzen Nation. Die&#13;
Bürgerrechtsrevolution, die sowohl im Süden als auch im Norden&#13;
eine Menge weißer Anhänger hatte, war in vollem Gange.&#13;
Schranken wurden schnell beseitigt, und die Parole jener Tage,&#13;
besonders im Süden, lautete "Integration".&#13;
Die Zeit von 1961 bis 1965 war eine kritische Periode.&#13;
Die Präsidenten Kennedy und Johnson amtierten im Weißen Haus&#13;
und beide unterstützten die Bürgerrechtsbewegung.&#13;
Es war in jener Zeit, als King mit dem Friedensnobelpreis&#13;
ausgezeichnet wurde. Sie werden sich erinnern, daß Frau King&#13;
- und ihr Mann zweifellos ebenso - sich Gedanken über dessen&#13;
wahre Bedeutung machten.&#13;
In Wahrheit&#13;
&#13;
�In Wahrheit wurde King zu dieser Zeit schon allmählich mit&#13;
einem Dilemma konfrontiert. Sturmwolken zogen sich zusammen.&#13;
King sah, wie sich der weiße Widerstand gegen konstruktiven sozialen Wandel an allen Ecken und Enden entwickelte.&#13;
Viele Schwarze begannen, den guten Willen der Weißen anzuzweifeln und wurden zunehmend ungeduldig mit dem Tempo des Fortschritts. Der Widerstand nahm solche Formen an, daß einige&#13;
jüngere Befürworter sich zu fragen begannen, ob Integration&#13;
überhaupt möglich oder wünschenswert sei.&#13;
Kurz, die Black-Power-Bewegung bildete sich als erste&#13;
wirkliche Herausforderung an Kings Führerschaft. Zusätzlich&#13;
begann King sein Augenmerk auf die Rassendiskriminierung im&#13;
Norden zu richten, wo, im Gegensatz zu seinen Erwartungen, der&#13;
Widerstand sogar noch hartnäckiger erschien als im Süden.&#13;
Man kann den leidenschaftlichen Glauben dieses Mannes an&#13;
das grün dsätzlich Gute in seinen Mitmenschen gar nicht genug&#13;
beto nen, einen Glauben, der auf christliche Prinzipien gegründet war. Er glaubte auch an die amerikanische Demokratie.&#13;
Für King war Amerika wirklich "das Land der Freien and die&#13;
Heim at d er Mutigen". Er glaubte, es sei lediglich notwendig&#13;
an d as G ewissen der Nation zu appellieren, wie er es getan&#13;
hatt e, d amit die Fehler und Ungerechtigkeiten korrigiert würden. Ei ne der besonders erinnerungswürdigen Passagen im Kings&#13;
berü hmte r Rede während der Bürgerrechtsdemonstration am&#13;
Wash ingt on Monument 1963 begann mit den Worten: "Ich habe einen Trau m, der tief im Amerikanischen Traum verwurzelt ist..."&#13;
Mit der Zeit begann Martin Luther King ein Bild zu sehen,&#13;
das umfassender und sicherlich komplexer war, als er ursprünglich angenommen hatte. 1967 veröffentlichte er ein Buch mit&#13;
dem Titel "Wohin gehen wir von hier: Chaos oder Gemeinschaft?" Obwohl nichts darin so berühmt geworden ist wie seine Ich-habe-einen-Traum-Rede oder seine Erklärung aus dem Gefängnis in Birmingham, glaube ich, daß er in diesem Buch eine&#13;
neue analytische und gedankliche Tiefe entwickelte, die für&#13;
das Verständnis dieses Mannes ebenso wichtig ist.&#13;
"Mit Selma (einem Sieg der Bürgerrechtsbewegung in Alabama) und dem Wahlrechtsgesetz (1965 vom Kongreß verabschiedet)", schrieb er, "wurde eine Entwicklungsphase der Bürgerrechtsrevolution beendet. Eine neue Phase begann, aber nur&#13;
wenige Beobachter erkannten dies oder waren auf ihre eigentliche Bedeutung vorbereitet. Für die überwiegende Mehrheit&#13;
der weißen Amerikaner war das vergangene Jahrzehnt, die erste&#13;
Phase, ein Kampf darum gewesen, den Neger anständig zu behandeln, und nicht ein Kampf für dessen Gleichheit. Das weiße&#13;
Amerika war bereit zu verlangen, daß der Neger von grober Brutalität und gemeiner Entwürdigung verschont werden solle, aber&#13;
- 4 -&#13;
&#13;
�solle, aber es hatte sich niemals wahrhaft dazu verpflichtet,&#13;
ihm aus seiner Armut, Ausbeutung und allen Formen der Diskriminierung herauszuhelfen. Warum", so fragte King, "wird die&#13;
Gleichheit so ausdauernd vermieden?"&#13;
Er versuchte auf folgende Weise eine Antwort auf seine eigene Frage zu finden: "Zum überwiegenden Teil kämpft Amerika&#13;
mit Unentschlossenheit und Widersprüchen. In seiner Begrüßung&#13;
des Wandels war es ernsthaft und sogar leidenschaftlich. Aber&#13;
allzu schnell kommen Apathie und Desinteresse zum Vorschein,&#13;
wenn die nächsten logischen Schritte unternommen werden müssen ."&#13;
Ein sehr besorgter Martin Luther King hatte weniger als&#13;
ein weiteres Jahr zu leben. Er hatte ein Problem, daß seit&#13;
der Gründung Amerikas sich jeder Lösung entzogen hatte, mit&#13;
tiefen und profunden Einsichten erleuchtet. Er zeigte, daß&#13;
eine Lösung nicht nur möglich, sondern für das Wohlergehen der&#13;
Nation als ganzes notwendig war.&#13;
King löste Opferbereitschaft und Zusammenarbeit über rassische Trennungslinien hinweg aus, indem er eine Theorie der&#13;
Gewaltlosigkeit in einem mit Gewalt belasteten Kampf artikulierte, und indem er bewies, daß Liebe in einer von Haß dominierten Situation möglich ist.&#13;
Wenn man sag t, daß er sich auf ame rikanis che Prob lerne konzentr iert e bedeu tet da s jedoch nicht, zu sage n, d aß e r ke ine&#13;
Die Bürgerr echt sbew egun g in&#13;
Bedeu tung für da s Ausland hatte&#13;
den V erei nigten Staate n, u nd be sonders viele von King s Me thoden, habe n Unabh ängigk eity sbewe gungen in Afri ka u nd i n de r Karibik sta rk beei nflußt . Man ka nn sage n, daß heut ige Demo nstrat ione n für soziale n Wa ndel in viel en west lieh en D emok ratien, in Großbri tannie n un d der Bundes republi k De utsc hlan d,&#13;
zum B eisp iel, Ki ng und sei ner S ache vi el zu v erda nken hab en.&#13;
Ich g laub e auch, daß M ensc hen ü berall in der Welt neu en R espekt für die Ve reinig ten Staat en und für die Dem okra tie insgesam t gewonnen haben, als sie sahen, wie Reg ieru ng u nd M ensehen gle icherma ßen ei nen Mensc hen bei dem St rebe n na ch G erecht igke it für die Un terd rückt en vert eidigte n un d so gar unterst ützt en.&#13;
Am Vorabend seiner Ermordung versicherte dieser tief religiöse Mensch seinen Anhängern, und in Wahrheit uns allen, daß&#13;
uns bessere Zeiten bevorstünden. King hatte ein Leben der&#13;
Nichtzusammenarbeit mit dem Bösen gelebt, und er schärfte uns&#13;
allen ein, auf unseren verschiedenen Wegen das Gleiche zu&#13;
tun. Das Ziel war, wie er standhaft glaubte, Frieden und Gerechtigkeit. Und mit der Zeit würde es erreicht werden.&#13;
"Ich war auf der Spitze des Berges," verkündete King,&#13;
- 5 -&#13;
&#13;
�verkündete King"... und ich habe das Gelobte Land gesehen.&#13;
Vielleicht erreiche ich es nicht mit euch zusammen. Aber ich&#13;
möchte, daß ihr wißt, ...daß wir als ein Volk das Gelobte Land&#13;
erreichen werden."&#13;
Meiner Meinung nach ist dies das eigentliche Vermächtnis&#13;
von Martin Luther King, sowohl national als auch international,&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
�Hintergrundmolerial&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
1&#13;
&#13;
8. Januar 1986&#13;
&#13;
GADDAFIS LANGES REGISTER DER BETEILIGUNG AM TERRORISMUS&#13;
- Von Joseph V. Reed, US-Botschafter bei den&#13;
Vereinten Nationen -&#13;
&#13;
NE W YO RK - (AD ) - Währen d an dere Staat smanner die t erroristisc hen Atte ntat e vo m 27. Deze mber , die 19 Mensc henle ben und&#13;
über 1 00 V erwu ndet e ge forder t ha tten , verurteilten , hatte einer vo n ih nen, Lib yens Muamm ar G adda f i, nichts als Lob und Unterstü tzun g fü r si e. Presse mitt eilu ngen z ufolge e rklär te er&#13;
am 1. Janu är R epor tern gegen über , daß es s ich bei diese n Angriffe n um "di e he ilig ste Ak tion der Welt" handele . Er rechtfertig te d ie A tten täte als " Verg eltu ngsakt e" für e inen israelische n An grif f au f da s Haup tqua rtie r der Palästin ensis chen&#13;
Befrei ungs fron t in Tun is im Okto ber. Die Liste vo n Gad daf is&#13;
Unters tüzu ng f ür u nd s eine V erwi cklu ng in den Terr orism us ist&#13;
lang. In eine r Rede a nläßli ch d er jüngste n Vollve rsamm lung&#13;
der Ve rein ten Nati onen ging der amer ikanis che Bots chaft er&#13;
Joseph V. Reed im einz einen auf dies es Reg ister ei n.&#13;
Im folgenden einige Auszüge der Ausführungen Reeds.&#13;
Libyens Aktionen auf der internationalen Bühne waren und&#13;
sind ungeheuerlich. Libyens Führer ist ein Diktator, ein&#13;
Drahtzieher bei abscheulichen und grausamen Aktionen. Libyens&#13;
starker Mann ist ein moderner Berberpirat.&#13;
Der Terrorismus wird bei dem starken Mann Libyens auch&#13;
weiterhin als ein wirksames und rechtmäßiges Mittel zur Verfolgung außenpolitischer Ziele betrachtet. Libyen hat wieder-&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�hat wiederholt Taktiken des Mordes und der Gewalt angewandt.&#13;
Auf libyschem Boden wurden Ausbildungseinrichtungen für Terroristen errichtet und Libyen hat bekannte Terroristen finanziert und bewaffnet und seine Gegner ermordet. Diese terroristischen Operationen werden nachweislich in 50 Ländern angewandt.&#13;
Obwohl die Litanei von Libyens Verwicklung in terroristische Aktivitäten bereits unglaublich lang ist, wächst sie&#13;
ständig. Libyen gewährte den Tätern der Morde bei den Olympischen Spielen in München Unterschlupf. Zu Beginn dieses Jahres forderte der starke Mann, daß unserem Präsidenten die Nase&#13;
abgeschnitten werde. Es ist schon eine gewisse Zeitspanne von&#13;
1972 bis zu den heutigen Worten und Taten des Hasses.&#13;
London, 11. April 1980: Ein freiberuflicher libyscher&#13;
Journalist wird bei der islamischen Hauptmoschee von zwei&#13;
Schützen ermordet. Die Schützen werden von Scotland Yard&#13;
festgenommen. Zwei weitere, als Libyer beschriebene Verdächtige, werden am nächsten Tag verhaftet.&#13;
Rom, 19. April 1980: Ein libyscher Geschäftsmann wird in&#13;
einem Cafe ermordet. Der Angreifer, ein Libyer, wird in kurzer Entfernung festgenommen. Warum wurde der Geschäftsmann&#13;
ermordet? Der Mörder gibt an, das Opfer sei umgebracht worden, weil es sich um "einen Gegner von Oberst Gaddafi" handele.&#13;
London, 25. April 1980: Ein libyscher Rechtsanwalt wird&#13;
in einem arabischen Rechtszentrum beschossen und getötet. Der&#13;
Schütze und ein weiterer Mann erkundigen sich namentlich nach&#13;
ihrem Opfer und gehen in sein Büro. Sie feuern mehrere Schüsse ab und töten ihn vor den Augen der anderen Angestellten.&#13;
&#13;
Bonn, 10. Mai 1980: Ein libyscher Geschäftsmann wird in&#13;
der Bonner Innenstadt erschossen. Der frühere Diplomat hat&#13;
vor seiner Ermordnung Todesdrohungen eines Libyers erhalten,&#13;
der Ende April in die Bundesrepublik Deutschland gekommen war.&#13;
Rom, 20. Mai 1980: Ein libyscher Geschäftsmann aus Tripolis wird erstochen und erwürgt in einer Pension aufgefunden.&#13;
Athen, 21. Mai 1980: Ein junger Libyer wird in seinem Appartment tot aufgefunden. Den örtlichen Behörden zufolge ist&#13;
das Opfer als unverblümter Kritiker des libyschen starken Mannes bekannt.&#13;
Vereinigte Staaten&#13;
- 2 -&#13;
&#13;
�Vereinigte Staaten von Amerika, Fort Collins, Colorado,&#13;
14. Oktober 1980: Ein libyscher Student wird von einem Besucher seiner Wohnung angeschossen und verwundet. Das Opfer ist&#13;
als Gegner des gegenwärtigen Regimes bekannt.&#13;
Vereinigte Staaten von Amerika, Ogden, Utah, 17. Juli&#13;
1981: Eine Leiche, möglicherweise die eines libyschen Studenten, wird im Kofferraum seines Wagens gefunden. Ein des Mordes verdächtiger libyscher Staatsbürger, ebenfalls Student,&#13;
wird im O'Hare International Airport in Chicago festgenommen,&#13;
als er von Bord eines Flugzeugs aus Utah geht. Er hat eine&#13;
beträchtliche Menge Geldes und Tickets für die Weiterreise bei&#13;
sich. Wohin? Tripolis.&#13;
Libanon, Dezember, 1982: Libyen schickt bewaffnete Truppen in den Nordlibanon, um mit Hilfe von Angriffen gegen multinationale Streitkräfte in diesem Gebiet Unfrieden zu stiften&#13;
Tripo lis, Februa r 1983: I n ei ner Reihe von Beschlüssen,&#13;
dene n der Volk skongr eß in Trip olis zus timmt , fordert der Kreis&#13;
poli tisch er Sc harlat ane i n Lib yen, ein en Te il d es durch Öl gewonn enen Wohls tandes für Waffe n au szug eben, "fü r alle revolution ären Kraft e in d er ar abisc hen und islam isch en Welt". Der&#13;
Gese tzese ntwur f ford ert d ie Bi ldun g vo n "Se lbst mordkommandos",&#13;
die sowoh 1 Ang rif fe im vo n Isr ael bese tzten ara bischen Landesteil ausf ühren als a uch g egen die Symb ole d es V errats auf dem&#13;
arab ische n Seh auplat z ant reten sol len, "dem , von den Vereinigten Staat en an geführ ten, impe rial isti sehen Lag er, den Anführ e m des weltw eiten Terro rismu&#13;
Schweiz, April 1983: Wegen Weitergabe von Waffen an zwei&#13;
verurteilte schweizerische Terroristen wird der stellvertretende Botschafter Libyens von der Regierung der Schweiz ausgewiesen.&#13;
Bundesrepublik Deutschland, April 1983: Libyen nimmt acht&#13;
deutsche Techniker als Geiseln um die Freilassung von libyschen Gewalttätern von der Bundesrepublik zu erpressen.&#13;
Jordanien, Juni 1983: Der libysche Gesandte im Haschemitischen Königreich läuft über. Er enthüllt Pläne des libyschen Machthabers, das Flugzeug mit König Hussein an Bord mit&#13;
Raketen abzuschießen.&#13;
Sudan, März 1984: Ein libyscher Bomber dringt in den sudanesischen Luftraum ein und greift eine Radio- und Fernsehstation an.&#13;
Tschad, Februar 1985: Die Regierung erhebt Beschwerde in&#13;
diesem Haus des Friedens, den Vereinten Nationen, und beschuldigt Libyen des Mordversuchs an Präsident Habre im September&#13;
1984. Fotografien der für den Anschlag vorgesehenen Aktentaschenbombe werden als Beweismittel vorgelegt.&#13;
Chicago, Vereinigte&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
�Chicago, Vereinigte Staaten von Amerika, Februar 1985:&#13;
Während einer Versammlung von Mitgliedern der Nation of Islam&#13;
unter ihrem Führer Farrakhan ruft der libysche Machthaber die&#13;
schwarzen Amerikaner über Betriebsfernsehen dazu auf, die Armee sofort zu verlassen und mit seiner Unterstützung für einen&#13;
unabhängigen Staat der Schwarzen zu kämpfen. "Wir sind bereit, euch Waffen zu geben", verkündet er.&#13;
Vereinigte Staaten von Amerika, Mai 1985: Unsere Regierung deckt einen libyschen Plan zur Ermordung von libyschen&#13;
Gaddafi-Gegnern in den Vereinigten Staaten auf. Aus diesem&#13;
Grund wird ein libyscher Diplomat bei den Vereinten Nationen&#13;
zur Persona non grata erklärt wurde.&#13;
Bangladesh, Juni 1985: Ein in Libyen ausgebildeter&#13;
Staatsbürger von Bangladesh, der schon bei einem früheren&#13;
Putschversuch von Libyen unterstützt worden war, wird wegen&#13;
geplanter Ermordung von Präsident Ershad verhaftet.&#13;
Plan e zu r Ermordung heutige r ar abisc her S taatsm anne r existie ren seit den siebzig er Jahr en. Liby sehe Pläne zur Ermordüng von ame rika nischen Botscha fter n in mehre ren St aate n des&#13;
Mitt lere n Os tens sowie i n minde sten s ein er eu ropäis chen Hauptstad t si nd a ufge deckt wo rden. Wie denkt die Welt d arüb er?&#13;
Liby sehe "Ki H e r -Kommand os" wur den in di e gan ze Wel t ge&#13;
schi ckt, um in e inem gen ereilen Ver such der E inschü chte rung&#13;
von Diss iden ten Exil-Lib yer zu ermo rden. Sol che Ko mman dos haben Exil -Lib yer in Itali en, Eng land , der Bund esrepu blik nigten&#13;
Deut schl and, dem Libanon , Griechenl and u nd in den V erei chlaStaa ten ange grif fen. Wo werden sie das nächs te Mal zus&#13;
gen? De r Di ktat or behar rt auf der Anord nung von Te rror ismus,&#13;
um D issi dent en z u beseit igen, d ie e r als Gefa hr bet räch tet.&#13;
Dies es R egim e un d seine Repräse ntan ten s ind t errori stis eh.&#13;
Mai 1985: Der libysche Machthaber&#13;
mit einer terroristischen Kampagne und&#13;
Terrorist. Wenn ich könnte, würde ich&#13;
bischer Staaten köpfen, die gegen mich&#13;
&#13;
droht "seinen Feinden"&#13;
betont: "Ich bin ein&#13;
die Führer anderer arasind."&#13;
&#13;
November 1985: Eine Gruppe bewaffneter Libyer wird von&#13;
den ägyptischen Behörden wegen eines erneuten Mordversuchs an&#13;
dem früheren Premierminister Bakoush verhaftet.&#13;
Die persönlichen verbalen Angriffe und Aktionen des libyschen Machthabers gegen Staatsmänner in aller Welt, einschließlich Präsident Reagans, manifestieren seinen Wunsch,&#13;
das normale Funktionieren gegnerischer Regierungen durch Subversion und terroristische Taktiken zu stören.&#13;
November 1985: Der libysche Machthaber droht, ich zitiere, "Amerika mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln von innen zu bekämpfen und unterminieren". Der libysche Machthaber&#13;
vergleicht Präsident Reagan, den Führer der freien Welt, mit&#13;
- 4 -&#13;
&#13;
�Welt, mit Adolf Hitler und wird zitiert mit dem Schwur, "den&#13;
Terrorismus in das Herz Amerikas zu exportieren". Der libysche Machthaber brüstet sich damit, daß, ich zitiere, "Libyen&#13;
die Fähigkeit zur physischen Liquidierung, Zerstörung und&#13;
Brandstiftung in Amerika besitzt". Im gleichen Jahr nennt de&#13;
libysche Machthaber Exil-Libyer "streunende Hunde im Ausland,&#13;
die nicht denken sollen, daß ihre Familien oder ihre Kinder&#13;
der Bestrafung entgehen werden".&#13;
Als libysc he D iploma ten v om L ondo ner Volks büro das Feuer&#13;
auf f riedliche Dem onstra nten eröf fnet en u nd da bei e ine zum&#13;
Schu tz d ieser dipl omatis chen Vert retu ng a bgest eilte bri tische&#13;
Poli zist in tot eten , so d emons trie rte dies es Vo rgehe n, d aß das&#13;
gege nwär tige 1 ibys che Re gime und sein e di ploma tisch en V ertreter alle , ich wied erhole alle , intern atio nalen Vert rage und&#13;
Gese tze verwor fen hat. Libye n ha t pr akti seh d ie Fa mili e der&#13;
Nati onen verla ssen und h at si ch v on d en z ivili siert en R egierung en g etrenn t. Als Re sulta t di eser vom liby sehen Mac hthabe&#13;
eing enom menen Posi tion u ntern ehme n Re gier ungen in a H e r Welt&#13;
die notw endige n Ma ßnahme n zum Seh utz ihre r Bür ger u nd i hrer&#13;
gesa mten natio nale n Sich erhei t vo r di eser Band e von Mör d e m ,&#13;
die sich als D iplo maten verkl eide n.&#13;
Wir können uns auf diese öffentlich bekannten Tatsachen&#13;
berufen, eine Reihe von Tatsachen, die lang genug ist, um jeden vernünftigen Menschen davon zu überzeugen, daß das libysche Regime es vorgezogen hat, außerhalb der akzeptablen internationalen Verhaltensnormen zu leben. Wir reden hier von&#13;
offenen Gewaltakten gegen Menschen auf fremdem Territorium,&#13;
von denen viele vom libyschen Regime frei und offen zugegeben&#13;
werden.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
�Uli/zen/chofl&#13;
und Technik&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
8. Januar 1986&#13;
&#13;
RAUCHEN - DAS GRÖSSTE GESUNDHEITSRISIKO AM ARBEITSPLATZ&#13;
- Jahresbericht 1985 des Öffentlichen Gesundheitsdienstes&#13;
der Vereinigten Staaten -&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - 'Arzte, der Kongreß, Ö ffentlicher Gesundheitsdienst und Arbeitgeber in den Verein igten Staaten machen, wie bisher schon zahlreiche Nichtrauche r-Initiativen,&#13;
jetzt energisch Front gegen das Zigarettenrau chen. Denn die&#13;
durch Rauchen verursachten Gesundheitsschäden samt den sozialen Folgewirkungen sind alarmierend, wie eine Anzahl 1985 veröffentlichter Studien zeigt. Als jüngstes Pr odukt einschlägiger Untersuchungen stellte Dr. C. Everett Kop p, der Leiter des&#13;
Öffentlichen Gesundheitsdienstes, zum Jahrese nde den 500 Seiten umfassenden neuen Jahresbericht zum Thema "Rauchen" vor.&#13;
Dieses Mal wurde "Rauchen am Arbeitsplatz" unter die Lupe&#13;
genommen. Quintessenz: Zigarettenrauchen verursacht unter&#13;
der berufstätigen Bevölkerung mehr Fehlzeiten, Arbeitsunfähigkeit, bleibende Gesundheitsschäden und vorzeitigen Tod als alle übrigen Risikofaktoren im Betrieb, die mit Krebs- und Lungenerkrankungen im Zusammenhang stehen. Zigarettenrauchen habe sich als eine Hauptursache von Lungenkrebs erwiesen und sei&#13;
in den Vereinigten Staaten für 90 Prozent der Todesfälle durch&#13;
chronische Lungenerkrankungen verantwortlich, heißt es in dem&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�in dem B ericht. Und wenn Arbeitne hmer a ußerde m kreb sausl osenden Stof fen wie Asbes t- o der Kohle nstaub , Baumwollpa rtike ln&#13;
oder Qua rzstaub ausge setz t seien, werde in Ver bindun g mit Rauchen, wi e Dr. Ko pp au f einer Press ekonfe renz e rgänzt e, da s Erkrankung srisiko um ei n Vi elfaches größer&#13;
Rau chen a H e i n erhöhe die Anfälli gkeit für Lungenkr ebs um das Z ehnfac he. Haben&#13;
Zigarett enrauche r aber be ispielswe ise zu sätzli ch mit Asbe st zu&#13;
tun, sei das Ris iko 5 Omal größer. Und e s steige sog ar au f das&#13;
90fache, wenn de r Zigaret tenkonsum mehr als ei n Pack chen pro&#13;
Tag betr ägt. Di e Kornbina tion von Risiko faktor en füh re zu physiologis chen, pa tholo gisc hen und r adiolo gische n Reak tione n,&#13;
die sich deutlic h von jen en Reakti onen u ntersc hieden , welche&#13;
Rauchen allein h ervor rufe&#13;
Und doch sei es "nie zu spät, mit Rauchen aufzuhören". Es&#13;
sei nämlich nachgewiesen, erklärte Dr. Koop, daß z.B. bei Asbestarbeitern, die das Zigarettenrauchen aufgeben, die Gefahr&#13;
einer Erkrankung an Lungenkrebs nach fünf bis neun Jahren des&#13;
Nichtrauchens erheblich zurückgehe, nach zehn Jahren und mehr&#13;
sogar noch geringer werde.&#13;
Aber auch die Tatsache, daß Industriearbeiter nach wie vor&#13;
stärkere Raucher seien als Bürokräfte, gebe Anlaß zur Sorge.&#13;
Dr. Koop zufolge sind 40 Prozent der männlichen berufstätigen&#13;
Erwachsenen als Industriearbeiter tätig. Bei diesen sei ohnehin das Risiko, sich eine Berufskrankheit zuzuziehen, größer.&#13;
Eine weitere Gefährdung ergebe sich daraus, daß Arbeiter im&#13;
Durchschnitt 14 Monate früher als in Angestelltenberufen tätige Personen zu rauchen begonnen hätten, und daß sie weniger&#13;
bereitwillig als Arbeitskollegen am Schreibtisch auf die Zigarette verzichteten. Von der erstgenannten Gruppe gaben inzwischen 34,8 Prozent das Rauchen auf, von der zweiten dagegen&#13;
48,1 Prozent.&#13;
"Aus vor liegenden Studien wissen wir", so Dr. Koop, "daß&#13;
bei Pers onen , die in jüngerem Alter zu rauchen beginnen, ein&#13;
dire kter Zus ammenhang mit erhöhter Sterblichkeit infolge Lungenk rebs , chronischen Lungenerkrankungen und anderen, durch&#13;
Rauc hen veru rsachten Krankheiten besteht." Außerdem sei nachgewi esen , daß Raucher mehr Arbeitsunfälle hätten, mehr bzw.&#13;
häuf iger Kra nkengeld bezögen und mehr Fehlzeiten aufwiesen als&#13;
Nich trau eher&#13;
"Das bedeutet, daß der Raucher den Arbeitgeber&#13;
teur er z u st ehen kommt als der Nichtraucher. Alles in allem&#13;
gese hen ist es wirtschaftlich vernünftig, Rauchen am Arbeitsplat z zu unt ersagen ."&#13;
Der amerikanische Gewerkschaftsverband AFL-CIO kritisiert&#13;
den Bericht. Er argumentiert damit, daß auf diese Weise Bemühungen um Gesundheitsschutzmaßnahmen im Betrieb beeinträch-&#13;
&#13;
�falsch dargestellt würden. Nicht durch das Einstellen des&#13;
Rauchens, sondern durch bessere Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz seien Berufskrankheiten zu verhindern.&#13;
Di e Statis tiken spr eche n jed och eine deu tliche Sprac he.&#13;
So mel dete kür zlich das Nat ional e Kr ebsf orsc hungsin stitu t der&#13;
USA (B ethe sda, Mary land ), d aß Ne uerk rank unge n an Lu ngenk rebs&#13;
unter Mann ern weiße r Ha utfa rbe m erkl ich zurü ckgegan gen s eien.&#13;
Diese seit 50 Jahre n zu m er sten Mal beob acht ete Ent wickl ung&#13;
treffe jed och auf w eibl iche Pers onen sow ie M änner s chwar zer&#13;
Hautfa rbe, die - au s recht versc hied enen Grü nden - Warnu ngen&#13;
vor Ra uche n we niger ode r ga r nieht b each tete n, noch kaum zu.&#13;
Dr. Vi ncen t DeVita, der Dir ektor des Ins titu ts, erw ahnte in&#13;
diesem Zus amme nhang , daß 19 64, a ls d er e rste Berich t übe r&#13;
"Rauch en u nd G esund heit " erschie n, e twa 55 P rozent der a merikanisc hen Bevö lkeru ng Z igar etten rau chte n. Anfang 1985 waren&#13;
es noc h kn app 50 Pr ozen t. In de n le tzte n pa ar Jahr en ha be&#13;
sich i n de n ei nzeln en B evöl kerun gsgr uppe n ge rade be i Man nern&#13;
weißer Hau tfar be di e üb erze ugung , daß es bes ser sei , nieht zu&#13;
rauche n, a m st ärkst en d urch geset zt.&#13;
Die a m e n kanisc he K rebs stat istik zähl t mehr als 460 000&#13;
Tote im Jahr, Mit 27 P roze nt s teht L unge nkrebs als T odesursach e da rin a n erst er S teil e. Im ver gang enen J ahr st arben&#13;
schä tzun gswei se 87 000 Amer ikan er und 38 000 Am erikan erinnen&#13;
dara n. In ei ner Re ihe von Bund esstaa ten wird b eobach tet, daß&#13;
inzw isch en me hr Fra uen dem Lung enkreb s als dem Brustk rebs zum&#13;
Opfe r fa llen. In e iner Fer nseh diskus sion über Satell it berieh tete Dr. Koop a ußer dem, daß in de n Ve reinig ten St aaten&#13;
jähr lieh 340 000 To desf alle dir ekt od er i ndirek t auf Rauchen&#13;
zurü ckzu führe n seie n. Sie war Anfang Nov ember 1985 v om US-Inform atio nsamt USIA anlä ßlic h de s WHO-Welt kongre sses ü ber Tabaka bhän gigke it, de r in New Yor k stat tfan d, unt er Bet eiligung&#13;
von Jour nalis ten in Brü ssel , Kopenhag en, Genf u nd Par is arrangier t wo rden. Dabe i kamen auch die k ardi ovasku lären Erkrankung en a ls Fo Ige de s Rauche ns z ur Spr ache&#13;
Vor kurz em fo rder te die medi zinis che Sta ndesorg anisa tion&#13;
AMA (Arnerica n Med ical Assoc iatio n ) , d ie 271 000 ame rikan ische&#13;
'Arzte ve rtri tt, j egli che We rbung für Zigaret ten, Ka utaba k,&#13;
Sehn upft abak und ande re Tab akpro dukte in den Verein igten StaaDa s gleiche so H e für den Beten gese tzli ch zu ver bieten&#13;
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Im Jahr 1984&#13;
&#13;
�Im Jahr 1984 hatte Dr . Koop beric htete, daß di e gesundheitss chädl ichen Auswirku ngen des Rau chens mit seh ätzungsweise&#13;
40 Mil liard en Do llar zusä tzlic her Kos ten pr o Jahr zu veranschlag en se ien. Im Septe mber 1985 ve röffen tlichte das Amt für&#13;
Techno logie bewer tung, das den amerika nische n Kongr eß in wissensch aftli chen Fragen be rät, Ergebni sse ei ner Stu die, derzufolge durch mehr Krankhei tskos ten, vo rzeiti gen Tod und Fehlzeiten in d en Be trieben w irtsc haftlic he Ver luste b is zu 65&#13;
Millia rden Dolla r pro Jah r ent stünden . Allein 12 bis 35 Milliarde n Dol lar, d.h. drei bis knapp n eun Pr ozent d er gesamten&#13;
Aufwen dünge n für das Gesu ndhei tswesen in de n USA, entfielen&#13;
auf di e Beh andlu ng von Lu ngenk rebs un d weit eren Kr ankheiten,&#13;
die mi t Rau chen in Zusamm enhan g stund en. P rodukti vitätseinbüßen am Ar beits platz sei en mi t 27 bis 61 M illiard en Dollar&#13;
anzuse tzen.&#13;
Verstän dlich , daß vie leror ts sowoh 1 die Bet riebs führu ngen&#13;
aus w irtsch aftli chen Grün den a ls auch nich traue hende Arbe itnehme r, die für sich selb st Ge sundheit sris iken durch rauc hende&#13;
Kolle gen be furch ten, zune hmend Druck a usüb en, u m wen igste ns zu&#13;
errei chen, daß R auch en am Arbe itsplatz ein geste 11t w ird. Der&#13;
Umfra ge ein es Fi rmen berat ungsu nternehm ens unter den größt en&#13;
Indus trie- und D iens tleis tungs betriebe n de r USA zufo Ige h atte&#13;
ein D rittel der Arbe itgeb er in zwischen Ein schrä nkung en fü r&#13;
Rauch en, be ispie lswe ise m it de r Schaffung von R auche rräum en,&#13;
einge führt, Dre i Prozent , u.a . die Flugze ugf irma Bo eing, untersa gten R auche n am Arbe itspl atz. An dere groß e Unt ernen men&#13;
(2,5 Prozen t) wi e di e Pac ific Bell Tel epho ne Co mpany mit mehr&#13;
als 1 5 000 Arbei tneh mern in fü nf ameri kani sehen Bund essta aten&#13;
verbo ten ga nz al lgem ein R auche n im Bet rieb&#13;
Rechte der Nichtraucher&#13;
Erstaunlicherweise gab es gegen solche Maßnahmen weder von&#13;
der Belegschaft noch seitens der Gewerkschaften Proteste oder&#13;
Widerstand, berichtete Dr. Koop. Vielmehr seien den meisten&#13;
Rauchern betriebliche Vorschriften, die das Rauchen erschweren, gar nicht ungelegen gekommen. Denn 70 Prozent hätten ohnehin den Wunsch, aufzuhören, aber bisher keinen Weg gefunden.&#13;
Selbst angesichts des oft militanten Verhaltens von Angehörigen der wie Pilze aus dem Boden schießenden NichtraucherInitiativen blieb die Atmosphäre friedlich, wenn Nichtraucher&#13;
auf ihre Rechte pochten. Sie sagen, sie hätten dort, wo sie&#13;
sich aufhielten, ein Recht auf saubere Luft, und sie hätten&#13;
das Recht, selbst zu bestimmen, welchen toxischen Substanzen&#13;
sie sich aussetzen. Diese Meinung werde, so Dr. Koop, in den&#13;
Vereinigten Staaten von 72 Prozent der Raucher respektiert.&#13;
Dr. Michael A.M. Russell,&#13;
&#13;
�\&#13;
&#13;
Dr. Michael A.M. Russell, der Direktor des Instituts für&#13;
Psychiatrie in London und Vorsitzender des WHO-Kongresses,&#13;
verwies in diesem Zusammenhang in der Fernsehdiskussion auf&#13;
die Ergebnisse einiger Studien zum Thema "Passivrauchen".&#13;
Zwar melden sich immer wieder Leute zu Wort, die zwangsläufig&#13;
"Mitrauchen" nicht als Problem anerkennen. Aber durch eine&#13;
Reihe von Studien wurde inzwischen eindeutig belegt, erklärte&#13;
Russell, daß Passivrauchen mehr ist als nur Irritation des&#13;
Nichtrauchers. Seine Lungen und anderes Körpergewebe nehmen&#13;
die Rauchprodukte auf. So habe z.B. eine umfassende Studie in&#13;
England ergeben, daß bei Schulkindern, deren Vater Raucher&#13;
ist, der Nikotinspiegel im Speichel dem Verbrauch von 30 Zigaretten im Jahr entspreche. Rauche die Mutter, entspreche er&#13;
50 Zigaretten, und wenn beide Eltern rauchten, dem von 80 Zigaretten. Gesundheitsbeeinträchtigungen bei Säuglingen und&#13;
Kleinkindern durch Tabakrauch in der Umgebungsluft sind ja bereits erwiesen.&#13;
Von neueren Studien, die in den Vereinigten Staaten durchgeführt wurden, nannte Dr. Koop eine Mitte 1985 veröffentlichte Statistik der Umweltschutzbehörde EPA, derzufolge jährlich&#13;
bis zu 5000 Todesfälle durch Lungenkrebs bei Nichtrauchern auf&#13;
Passivrauchen zurückzuführen seien. Der zwangsläufig vom&#13;
Nichtraucher eingeatmete Rauch, den die Zigarette als Seitenstrom dort abgibt, wo sie brennt, sei erheblich gefährlicher&#13;
als der Rauch, der durch die Zigarette geht und vom Raucher&#13;
direkt inhaliert wird. Denn Teer, Nikotin, Ammoniak, Cyanid&#13;
und all die anderen Rauchkomponenten vom brennenden Ende, die&#13;
in die Umgebungsluft gelangen, hätten eine höhere Konzentration als im direkt inhalierten Rauch. Schweden, wo mit Kampagnen gegen das Rauchen 1963 begonnen wurde, hat Entschädigungen für Gesundheitsschäden durch Passivrauchen bereits in&#13;
die Rechtsprechung aufgenommen.&#13;
&#13;
* *&#13;
&#13;
- 5 -&#13;
&#13;
�</text>
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                    <text>&lt;span style="left: 168.4px; top: 430.4px; font-size: 20px; font-family: monospace; transform: scaleX(0.913673);"&gt;&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Handelsmaßnahmen gegen Libyen&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;span style="left: 168.8px; top: 453.2px; font-size: 20px; font-family: monospace; transform: scaleX(0.95214);"&gt;&lt;em&gt;Schreiben des Präsidenten an den Kongreß&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;span style="left: 168.4px; top: 489.6px; font-size: 20px; font-family: monospace; transform: scaleX(0.944502);"&gt;Anordnung des Präsidenten der Vereinigten Staaten von &lt;/span&gt;&lt;span style="left: 168px; top: 510.4px; font-size: 20px; font-family: monospace; transform: scaleX(0.89891);"&gt;Amerika über Maßnahmen gegen Libyen &lt;/span&gt;&lt;span style="left: 168px; top: 549.2px; font-size: 20px; font-family: monospace; transform: scaleX(0.981075);"&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz Präsident Reagans vom 7. Januar 1986&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;2. &lt;/strong&gt;&lt;/span&gt;&lt;span style="left: 120px; top: 609.6px; font-size: 20px; font-family: monospace; transform: scaleX(0.974443);"&gt;&lt;strong&gt;Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;span style="left: 168px; top: 630.4px; font-size: 20px; font-family: monospace; transform: scaleX(0.948101);"&gt;Reagan bekräftigt Unterstützung für das afghanische Volk &lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;span style="left: 168.4px; top: 650.8px; font-size: 20px; font-family: monospace; transform: scaleX(0.929974);"&gt;&lt;em&gt;Erklärung zum 6. Jahrestag der sowjetischen Invasion&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. &lt;/strong&gt;&lt;/span&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="left: 120.4px; top: 711.6px; font-size: 20px; font-family: monospace; transform: scaleX(0.978863);"&gt;Hintergrundmaterial &lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span style="left: 168px; top: 732px; font-size: 20px; font-family: monospace; transform: scaleX(0.977347);"&gt;Martin Luther King, Jr.: Sein Einfluß in der Welt &lt;/span&gt;&lt;span style="left: 169.2px; top: 752px; font-size: 20px; font-family: monospace; transform: scaleX(0.94725);"&gt;- &lt;em&gt;Von Botschafter Horace G. Dawson, Jr.&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;span style="left: 168.4px; top: 792px; font-size: 20px; font-family: monospace; transform: scaleX(0.963553);"&gt;Gadhafis langes Register der Beteiligung am Terrorismus&lt;/span&gt;&lt;span style="left: 168.8px; top: 811.6px; font-size: 20px; font-family: monospace; transform: scaleX(0.963697);"&gt; &lt;em&gt;Von Joseph V. Reed, US-Botschafter bei den Vereinten &lt;/em&gt;&lt;/span&gt;&lt;span style="left: 168.4px; top: 830.8px; font-size: 20px; font-family: monospace; transform: scaleX(0.981516);"&gt;&lt;em&gt;Nationen&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="left: 120.4px; top: 892px; font-size: 20px; font-family: monospace; transform: scaleX(0.957777);"&gt;4. Wissenschaft und Technik &lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span style="left: 168.4px; top: 914px; font-size: 20px; font-family: monospace; transform: scaleX(0.981126);"&gt;Rauchen - das größte Gesundheitsrisiko am Arbeitsplatz&lt;/span&gt;&lt;span style="left: 169.2px; top: 934px; font-size: 20px; font-family: monospace; transform: scaleX(0.955242);"&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Jahresbericht 1985 des Öffentlichen Gesundheitsdienstes &lt;/em&gt;&lt;/span&gt;&lt;span style="left: 168px; top: 954px; font-size: 20px; font-family: monospace; transform: scaleX(0.951854);"&gt;&lt;em&gt;der Vereinigten Staaten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Handelsmaßnahmen gegen Libyen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Schreiben des Präsidenten an den Kongress -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anordnung des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika über Maßnahmen gegen Libyen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Pressekonferenz Präsident Reagans vom 7. Januar 1986&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan bekräftigt Unterstützung für das afghanische Volk&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung zum 6. Jahrestag der sowjetischen Invasion -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Martin Luther King, Jr.: Sein Einfluss in der Welt&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Botschafter Horace G. Dawson, Jr. -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gadhaftis langes Register der Beteiligung am Terrorismus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Joseph V. Reed, US-Botschafter bei den Vereinten Nationen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rauchen - das größte Gesundheitsrisiko am Arbeitsplatz&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Jahresbericht 1985 des Öffentlichen Gesundheitsdienstes der Vereinigten Staaten -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>nroimoiion
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

18. Dezember 1985

50

I N H A L T
DOKUMENTATION
Berlin und die Sache der Freiheit
- Rede des US-Außenministers in Berlin HINTERGRUNDMATERIAL
Die amerikanische Strategische Verteidigungsinitiative:
Eine ethische Wertung
•
- Von Paul H. Nitze Die Menschenrechte vor dem Hintergrund der Ost-WestBeziehungen
- Von Richard Schifter WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Vorstoß in die rätselhafte Welt des Uranus
- Raumsonde VOYAGER 2 kommt am 24. Januar 1986 zum
Rendezvous Wir wünschen unseren Beziehern ein
frohes und gesegnetes Weihnachtsfest
und ein
friedliches und erfolgreiches Neues Jahr
* * * * *

Um Uber/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�18. Dezember 1985

50

BERLIN UND DIE SACHE DER FREIHEIT
- Rede des US-Außenministers in Berlin -

BERLIN - (AD) - Der amerikanische Außenminister George P.
Shultz hat am 14. Dezember 1985 erneut die Verpflichtung der
Vereinigten Staaten zur Verteidigung der Freiheit in Berlin
bekräftigt.
In einer Rede vor der Berliner Pressekonferenz
sagte Shultz, es gebe keinen anderen Ort, "an dem die Vorzüge
der Freiheit offensichtlicher sind als in Berlin." Das Ziel
der Anstrengungen der Vereinigten Staaten und des Westens müsse die Überwindung der Teilung Berlins, Deutschlands und Europas sein.
Die Rede
Wortlaut:

des amerikanischen

Außenministers

Herr Meier, verehrter Herr Außenminister
Regierender Bürgermeister, liebe Berliner:

hat

folgenden

Genscher,

Herr

Berlin besitzt eine ganz besondere Qualität.
Ein Besuch
in dieser großartigen Stadt bedeutet, sich an die Segnungen
der Freiheit und an unser aller Verantwortung zu ihrer Erhaltung zu erinnern. Es ist eine erfrischende Erfahrung für jeden amerikanischen Außenminister. Zusammen mit mehr als 6 000
Amerikanern, die der Verteidigung Ihrer Freiheit verpflichtet
sind, bin ich stolz hier zu sein.
An keinem anderen Ort wird das entscheidend wichtige Problem, mit dem der Westen konfrontiert ist, klarer als in

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�als in Berlin. Sicherlich gibt es keinen anderen Ort, an dem
die Vorzüge der Freiheit offensichtlicher sind als in Berlin.
Es ist aber auch ernüchternd festzustellen, daß an keinem anderen Ort die Bedrohung unserer Demokratie, unserer Sicherheit
und unserer Lebensweise tiefer in die Landschaft eingegraben
ist als hier in dieser geteilten Stadt.
Ich habe diese Stadt schon einmal als Privatmann besucht.
Das war im Frühjahr 1982. Damals sah ich ein klein wenig davon, frei von den Dienstpflichten und ohne die Begleitmannschaft eines Außenministers.
Ich bewunderte die Schätze des
Dahlemer Museums und des Charlottenburger Schloßes. Aber ich
war gleichermaßen beeindruckt von Berlin als einer Stadt von
heute - einer lebendigen Stadt, einer Stadt voll jugendlicher
Energie und Frische und lebhafter Entwicklung.
Berlin kann stolz darauf sein, wieder eine der lebendigsten und beeindruckendsten Städte Europas darzustellen. Wieder zieht es junge Leute an, die etwas lernen und erleben wollen; es lockt Männer und Frauen vieler Nationalitäten auf der
Suche nach einem Neubeginn.
Seine Universitäten, die einst
eines der größten Zentren (europäischen) Lernens waren, haben
ihren außergewöhnlichen Ruf wiedergewonnen. Der Genius deutscher Kultur ist neu erblüht in Gestalt der Deutschen Oper und
des Schiller-Theaters, und die ganze Welt beneidet Sie um die
Berliner Philharmoniker.
Berlin ist auch eine Stadt, in der das freie Unternehmertum zu neuer Blüte gelangt ist. Berliner gründen neue Firmen,
vermarkten neue Produkte und probieren neue Geschäftsideen
aus. In den letzten fünf Jahren wurden über 300 Hochtechnologieunternehmen gegründet. Universitäten arbeiten eng mit Forschungsinstituten und der Privatindustrie zusammen. Das erinnert mich an meine Zeit bei der Universität Stanford, als ich
im Silicon Valley wohnte, wo man die selbe Art von Partnerschaft gut beobachten kann.
Das Gedeihen dieser Stadt ist ein Verdienst ihrer fähigen
Regierung. Gleichzeitig ist es aber auch ein Zeugnis für den
Charakter der Berliner - und, so möchte ich anfügen, für die
Stärke und die Kraft der Werte, von denen freie Menschen überall begeistert werden.
Diese Werte, die von Berlin verkörpert werden - das ist
es, worüber ich heute Abend zu Ihnen sprechen möchte. Sie,
die Sie in dieser Stadt leben, verstehen die Realitäten der
Ost-West Beziehungen, - ihre Grenzen wie ihre Möglichkeiten.
Sie sind Optimisten und Realisten zugleich.
Ihre Geschichte
seit 1945 enthält viele Lehren - Lehren die wir alle in der
freien Welt beherzigen sollten, wenn wir uns bemühen, das Verhältnis zwischen Ost und West zu verbessern.
Lassen Sie

�Lassen Sie mich diese Lehren benennen: Erstens ist es für
uns alle wichtig zu verstehen, was die Berliner begreifen,
wenn sie auf diese grausame Mauer blicken, die diese Stadt
teilt: Sie wissen, daß die Unterschiede zwischen Ost und West
viel mehr sind als lediglich Mißverständnisse. Berliner wissen, daß Zwang und Kontrolle die Grundlagen der Regierungsautorität auf der anderen Seite bilden, und deshalb verstehen
Sie, daß Kanonen, Panzer und Raketen ein Ausdruck dieses
grundsätzlichen Unterschiedes sind, nicht dessen eigentliche
Ursache. Die Berliner Mauer existiert nicht, weil Waffen existieren; die militärische Konfrontation beruht auf einem politischen System, das so sehr von Gewalt abhängt, daß es eine
Berliner Mauer errichten mußte.
Aus diesem Grunde hat sich
Präsident Reagan bemüht, die amerikanisch-sowjetischen Rüstungskontrollprobleme in ihren politischen Zusammenhang einzuordnen. Ost und West müssen Fortschritte in bezug auf unsere fundamentalen politischen Streitfragen machen um das Risiko
zu vermindern, daß wir unsere Waffen gegeneinander einsetzen
- und um die Anzahl der Waffen auf beiden Seiten zu verringern.
Zweitens ist die politische Trennungslinie, die Europa
durchschneidet, nicht das Ergebnis einer demokratischen Entscheidung der hier lebenden Menschen.
Berliner wissen, daß
ihre Stadt - wie ganz Deutschland - nicht geteilt ist, weil
ihre Bürger entschieden haben, daß dies so sein solle. Fast
einem Drittel des deutschen Volkes wurde das Recht auf Selbstbestimmung vorenthalten. Diese Menschen haben nicht dafür gestimmt, unter einem kommunistischen System zu leben oder von
ihren Freunden und Verwandten im Westen getrennt zu sein. Und
die Nationen Osteuropas haben niemals das Recht erhalten, das
in den Abkommen während und nach dem Krieg - einschließlich,
wie ich betonen möchte, des Jalta-Abkommens - festgelegt ist,
über ihre Regierungsform und ihr Gesellschaftssystem selbst zu
entscheiden. Im Gegenteil. In den Nachkriegsjahren haben wir
wiederholt beobachtet, daß die Menschen in Ostdeutschland und
Ostberlin sowie die Bürger Osteuropas nicht in einem durch
Stacheldraht geteilten Kontinent leben möchten, unter Regierungen, die auf militärischer Macht beruhen.
Drittens besitzt das strahlende Licht der Freiheit eine
Anziehungskraft, die von keiner noch so großen Einschüchterung
oder Unterdrückung ausgelöscht werden kann.
Die Mauer ist
nicht erbaut worden, um Invasoren fernzuhalten, sondern um die
Menschen am Verlassen des Landes zu hindern. Deshalb ist sie
ein schweigender, aber aussagekräftiger Zeuge des moralischen
Zustandes des kommunistischen Systems und für das Leuchtfeuer
der Freiheit, das die Westsektoren Berlins immer verkörpert
haben. In Westberlin wählen freie Männer und Frauen, die von
ihrem Schöpfer mit Rechten und freiem Willen ausgestattet wurden, ihre eigenen Führer und bestimmen selbst über ihre Zukunft. Es war Ihr Mut als Verteidiger der Freiheit, der John
F. Kennedy dazu veranlaßte im Namen aller freien Völker zu

�Volker zu sagen, daß wir alle Berliner sind. Alle freien Völker stehen in Ihrer Schuld, weil Sie so gut und unter solch
schwierigen Bedingungen die Lebenskraft und den Erfolg der
Freiheit demonstriert haben.
Niemand kann den Ost- und die
Westsektoren dieser Stadt besuchen und vergleichen, ohne mit
neuem Vertrauen in die Zukunft der Freiheit zurückzukehren.
Genausowenig kann der Besucher der Westsektoren irgendwelche Zweifel über die Absichten des Westens hegen. Warum sollten wir das Risiko eines Krieges eingehen wollen, wenn wir
geistig und materiell so viel in Frieden schaffen und erreichen können? Dies ist für uns die vierte Lehre von Berlin.
Fünftens wissen die Berliner, daß die Sowjets ihren Vorteil durch Druck zu erreichen suchen, wenn sie Schwäche und
Unentschlossenheit zu sehen glauben. 1948 haben sie versucht,
diese Stadt auszuhungern und die Alliierten zu ihrem Verlassen
zu zwingen.
Sie nahmen an, daß die Berliner, erschöpft vom
Kriege und von den Anstrengungen des Wiederaufbaus einer verwüsteten Stadt, einfach aufgeben würden, und daß die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich hilflos dabei zuschauen würden. Aber die Sowjets rechneten nicht mit dem Mut
der Menschen in dieser Stadt und mit der Einigkeit und Entschlossenheit der Westmächte, die die größte Luftbrücke der
Geschichte einrichteten. Als wir alle Sie entschlossen unterstützten und die Macht hatten, unserer Position Nachdruck zu
verleihen, blieb den Sowjets keine andere Wahl, als ihre Blokkade aufzugeben.
Gleichermaßen besaßen wir die Stärke und
Entschlossenheit, um allen sowjetischen Pressionen in den späteren Krisen um Berlin zu widerstehen.
Deshalb ist die sechste Lehre, daß westliche Einigkeit,
Stärke und Geduld notwendig sind, um die Freiheit zu sichern.
Sie sind außerdem Voraussetzungen für einen Abbau von Spannungen und für fruchtbare Verhandlungen mit unseren östlichen
Nachbarn.
Dies ist die wahre Bedeutung des Viermächteabkommens von 1971.
Wichtige praktische Verbesserungen für das
tägliche Leben, für Reisen und Kommunikation wurden erreicht,
weil der Westen sich stark und einig zu grundlegenden Prinzipien bekannte.
Es gibt noch weitere Beispiele. In den letzten zwei Jahren haben westliche Einigkeit und Festigkeit es uns ermöglicht, den NATO-Doppelbeschluß vom Dezember 1979 durchzuführen
und das Gleichgewicht bei den nuklearen Mittelstreckensystemen
in Europa zu wahren. Wir wurden nicht in Furcht und Schrecken
versetzt, als die Sowjets die Genfer Verhandlungen über strategische Waffen und Mittelstreckensystemen im Dezember 1983
verließen und sagten, daß sie niemals verhandeln würden, falls
die Raketen stationiert würden. Das Bündnis hielt fest zusammen, und die Sowjets kehrten 1985 an den Verhandlungstisch zurück. Dann sagten die Sowjets, sie würden über keine Ve rrin- 4 -

�keine Verringerung der Offensivwaffen reden - weder in den
Verhandlungen über strategische Waffen noch in denen über Mittelstreckensysteme - bis sich die Vereinigten Staaten zur Aufgabe der Strategischen Verteidigungsinitiative bereit erklärten.
Dies, so hat Präsident Reagan deutlich klar gemacht,
werden wir nicht tun. Und wieder erbrachte unsere Festigkeit
Resultate. Ungefähr vor zwei Monaten machten die Sowjets einen Gegenvorschlag.
Er hatte tiefgreifende Fehler, aber in
ihm akzeptierten die Sowjets das Prinzip tiefer Einschnitte in
das Offensivpotential, auf denen der Präsident schon seit langem bestanden hatte. Die Vereinigten Staaten haben mit eigenen neuen Ideen geantwortet und während des Treffens zwischen
dem Präsidenten und Herrn Gorbatschow in Genf wurde den Verhandlungen neuer Schwung verliehen. Wie in der Vergangenheit
hängen Fortschritte in der Zukunft in großem Maß von westlicher Einigkeit und Standfestigkeit ab.
Herausforderungen der Zukunft
Die Vereinigten Staaten und die Bevölkerung Berlins haben
zusammen einen langen Weg zurückgelegt. Wie sieht nun die Zukunft aus?
Als Präsident Reagan im Oktober vor der Vollversammlung
der Vereinten Nationen sprach, erinnerte er uns, daß dort, wo
Unterdrückung, Teilung oder gegenseitige Furcht herrschen,
oder wo wir unsere Augen von unliebsamen Tatsachen abwenden,
es keinen wahren Frieden geben kann. Wir wollen einen Frieden, der durch Regierungen garantiert wird, die freien Bürgern
verantwortlich sind, einen Frieden, in dem die Mauern der
Trennung offener Kommunikation Platz machen, einen Frieden,
der sich auf ein Gleichgewicht der Sicherheit gründet, nicht
aber auf ein Gleichgewicht des Schreckens; und wir wollen einen Frieden, in dem die Anwendung von Gewalt der echten Einhaltung der Charta der Vereinten Nationen durch alle Staaten
Platz gemacht hat. Der einzig wahre Frieden ist der, der sich
auf Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit stützt; diese Prinzipien sind die beste Grundlage einer sicheren, friedlichen
und glücklichen Welt.
Dies ist unsere Vision und wird es bleiben. Sie werden
sich daran erinnern, daß Präsident Reagan bei seinem BerlinBesuch im Jahr 1982 die Führung der Sowjetunion dazu aufforderte, sich ihm dabei anzuschließen, die Hoffnungen auf Einheit, Frieden und Wohlstand zu erfüllen, die diese Stadt repräsentiert. In seiner Berliner Friedensinitiative unterbreitete der Präsident neue Vorschläge, um die Gefahr eines Atomkriegs zu verringern und die Kontakte zwischen den Menschen in
Ost und West zu verstärken. Leider schien die Sowjetunion im
Jahr 1982 nicht in der Lage zu sein, auf die Vorstellungen des
Präsidenten einzugehen. Vielleicht gibt es heute mehr Hoff-

�mehr Hoffnung. Lassen Sie mich in diesem Sinne etwas über unsere Zusammentreffen mit Generalsekretär Gorbatschow in Genf
und über unsere Pläne und Ziele für die Zukunft sagen.
Das Genfer Treffen war für beide Seiten der Mühe wert,
weil es aus Realismus geboren wurde und sich zu einem wohldurchdachten Meinungsaustausch entwickelte.
Im Zeitalter der
thermonuklearen Waffen weiß jeder, daß unsere Meinungsverschiedenheiten in Schach gehalten werden müssen; unser Wettbewerb muß durch ein Gefühl für die gemeinsamen Gefahren und
durch das Bewußtsein unserer gemeinsamen Zukunft geregelt werden.
Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow sprachen
über die großen Fragen unserer Zeit. Der Präsident erklärte,
für wie bedenklich das amerikanische Volk und unsere Verbündeten seit einigen Jahren die umfangreiche sowjetische Aufrüstung und die Einstellung der Sowjetunion hinsichtlich der
Einhaltung bestehender Rüstungskontrollabkommen halten.
Der
Präsident erläuterte unsere Vorschläge für radikale Verringerungen - konrete, ausgewogene und verifizierbare Verringerungen, die das strategische Gleichgewicht stabiler machen und
die Kriegsgefahr weiter mindern würden. Er beschrieb unsere
Strategische Verteidigungsinitiative.
Er erklärte Herrn Gorbatschow, daß SDI-Forschung ein nichtnukleares Verteidigungssystem bedeutet - ein System zur Abwehr eines Angriffs, das
niemanden bedroht und möglicherweise eines Tages alle Nationen
von der Drohung gegenseitiger Vernichtung befreit. Wir wüßten
davon, so sagte er ihm, daß sowjetische Wissenschaftler seit
mehr als 15 Jahren Forschung auf dem Gebiet der gleichen Technologien betreiben und daß die sowjetische Militärdoktrin
schon immer den Wert von Verteidigungssystemen betont hat.
Der Präsident brachte seine feste Überzeugung zum Ausdruck,
daß wir - sollte sich unsere Forschung tatsächlich als erfolgreich erweisen - gemeinsam auf eine sicherere und von Defensivsystemen beherrschte Welt hinarbeiten sollten.
Die beiden Führer waren sich darin einig, unsere Meinungsverschiedenheiten auch weiterhin tatkräftig und zielstrebig
auszuhandeln - und ich betrachte dies als ein gutes Ergebnis.
Wir kamen des weiteren überein, einer ganzen Reihe anderer Rüstungskontrollbemühungen einen Ansporn zu geben - etwa in Einklang mit dem Vertrag von 1968 über die Verhinderung der Weiterverbreitung von Kernwaffen; den Abbau der Gefahr eines
Überraschungsangriffs in Europa; und die Beendigung der weiteren Ausbreitung chemischer Waffen. Natürlich haben die Vereinigten Staaten einen umfassenden und weltweiten Vertrag vorgeschlagen, der chemische Waffen verbieten soll.
Die beiden Seiten sprachen auch über die Gefahren, die
sich aus regionalen Konflikten für den Weltfrieden ergeben.
Der Präsident machte deutlich, daß unsere Sympathien stets mit
- 6 -

�stets mit jenen sind, die gegen Tyrannei für die Freiheit
kämpfen.
Aber er unterstrich auch, daß wir an politische,
nicht an militärische Lösungen denken. Die beiden Seiten kamen überein, über diese Probleme in Zukunft regelmäßige Gespräche zu führen und damit auf der Außenministerebene zu beginnen.
Der dritte Problemkreis, über den wir sprachen, waren die
Menschenrechte.
Die Geschichte vermittelt uns keine deutlichere Lehre als diese: Regierungen, die die Rechte ihres eigenen Volkes achten, achten naturgemäß auch die Rechte ihrer
Nachbarn.
Und das Lechzen nach Freiheit ist ein weltweites
Phänomen, ja, es steht im Mittelpunkt der meisten Unruhen, deren Zeuge wir auf der ganzen Welt sind. Daher sind die Menschenrechte, und das sagte der Präsident, keine abstrakte moralische Frage - sie sind ein Thema des Friedens.
Schließlich sprachen wir auch über die Hindernisse, die es
bei der Kommunikation zwischen unseren Gesellschaften gibt.
Die Amerikaner möchten mehr über die Menschen in der Sowjetunion wissen. Und die Menschen in der Sowjetunion haben unserer Ansicht nach ein Recht, mehr über die Amerikaner zu erfahren - über unser Verlangen nach Frieden und über die Funktionsweise unseres freien Systems.
Wir gelangten zu einem
neuen Abkommen über wissenschaftlichen, pädagogischen und kulturellen Austausch, und kamen des weiteren überin, daß er
künftighin verstärkt werden sollte.
Wie Sie wissen, war Herr Gorbatschow damit einverstanden,
die Vereinigten Staaten im nächsten Jahr zu besuchen, und Präsident Reagan wird im darauffolgenden Jahr die Sowjetunion besuchen. Wir sind uns der Grenzen wie auch der Möglichkeiten
von Gipfeltreffen bewußt. Aber wir sind der Ansicht, daß ein
weiterer Dialog der politischen Spitzen unter vier Augen uns
weiterbringen kann. Genau wie wir Illusionen auf unserer Seite zu vermeiden haben, müssen wir sie auch auf der sowjetischen Seite verjagen. Treffen wie dieses können dazu beitragen, sowjetische Illusionen hinsichtlich der Entschlossenheit
des Westens zu zerstreuen. Und das ist gut so.
Es dient der neuen sowjetischen Führung, wenn sie unmittelbarer Zeuge unserer Entschlossenheit wird.
Und es dient
der Welt sicherlich, wenn diese Männer sehen, daß die Demokratien gegen Druck fest bleiben - und auch, daß wir bereit sind,
mit ihnen konstruktiv über die ganze Bandbreite unserer Meinungsverschiedenheiten zu sprechen. Wir werden uns nicht einschüchtern lassen; aber wir sind für ein Geben und Nehmen bei
Verhandlungen und für gerechte Lösungen der Probleme bereit,
die uns trennen.
Dies sind Lektionen, die wir alle von den tapferen Einwohnern Berlins gelernt haben. Was wird nun die Zukunft für die-

�für diese Stadt bringen?
Es ist nicht überraschend, daß sich manche Berliner fragen, warum sie 40 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg noch immer
unter einem Besatzungsregime leben müssen. Sie fragen sich,
ob es nicht an der Zeit sei , die Überreste einer vergangenen
Zeit zu beseitigen, Aber ich glaube, wir alle begreifen, warum diese Überreste noch immer notwendig sind.
Die sowjetischen und ostdeutschen Ziele haben sich weder
in Deutschland, noch in Europa geändert. Europa, Deutschland
und Berlin sind noch immer geteilt.
Und diese künstlichen
Teilungen sind in sich selbst eine Ursache der Spannungen.
Ein grundsätzlicher Aspekt der westlichen Suche nach dem
Frieden muß die Überwindung dieser Teilungen sein. Aber solange es diese gibt, sind die westlichen Verbündeten bereit,
ihre Rolle beizubehalten und in Berlin als die Sachwalter der
geteilten deutschen Nation zu handeln.
Was schützen wir? Erstens das kostbare Recht aller Deutschen auf Selbstbestimmung. Die Teilung dieser Stadt und die
Teilung Deutschlands sind unnatürlich und unmenschlich. Wenn
wir in Berlin bleiben und hier unsere Rechte wahren, so demonstrieren wir zusammen mit unseren Verbündeten in aller Deutlichkeit vor der Welt, daß wir die Einverleibung Osteuropas einschließlich der Deutschen Demokratischen Republik und OstBerlins - in eine sowjetische Einflußsphäre nicht hinnehmen.
Wenn wir die Freiheit in Berlin aufrechterhalten, legen wir
Zeugnis für unsere Verpflichtung zur Freiheit von ganz Europa
ab.
Die Sowjets und die Ostdeutschen wissen das. Warum sonst
würden sie sonst so viele Anstrengungen unternehmen, die Lebensfähigkeit dieser Stadt durch Mauern zu blockieren und zu
untergraben? Das Gedeihen Berlins ist eine lebendige Herausforderung an ihre Ansprüche und ihre Ambitionen. Ich kann Ihnen versichern, daß sich die Vereinigten Staaten sehr genau
der wichtigen Rolle Berlins in Europa und in der westlichen
Welt bewußt sind. Unsere Verpflichtung zur Freiheit der Westsektoren ist unerschütterlich. Unser Beharren auf die strikte
Beachtung und volle vertragliche Einhaltung des Viermächteabkommens, wie es für alle vier Sektoren von Berlin Gültigkeit
hat, ist unerschütterlicher denn je.
Aber unsere Verantwortlichkeiten enden hier noch nicht.
Und auch nicht unsere Ziele oder Träume für diese großartige
Stadt. Wie sagte Bundespräsident von Weizsäcker, Ihr hervorragender ehemaliger Regierender Bürgermeister: Die Amerikaner
kamen 1945 nach Berin als Befreier - und wurden Verbündete und
Freunde. Wir glauben, in den letzten 40 Jahren sind wir auch
echte Partner geworden.
Im Bildungsbereich
- 8 -

�Im Bildungsbereich etwa gibt es die zweisprachige John F.
Kennedy-Schule; das Kennedy-Institut an der Freien Universität; die Gedächtnisbibliothek in Kreuzberg; und das Aspen-Institut, das der in New Hampshire geborene Shep Stone leitet,
der inzwischen Ehrenbürger von Berlin ist. Als wir uns heute
Nachmittag zusammen mit meiner Frau trafen entdeckte ich, daß
sie und er beide in Noshua im Staate New Hampshire aufgewachsen sind.
Wir sind auch Partner in Industrie und Entwicklung.
Die
amerikanische Industrie hat in dieser Stadt erheblich investiert.
Zehn Prozent der Industrieproduktion Berlins kommen
von amerikanischen Firmen.
Neue Investitionen kommen hinzu,
und wir in Washington tun alles in unserer Macht Stehende, um
amerikanische Firmen dazu zu ermutigen, sich in dieser hervorragenden Stadt niederzulassen.
Wir wollen aber noch mehr tun - weil wir daran glauben,
daß Sie uns nicht nur in unserer verteidigungspolitischen und
rechtlichen Eigenschaft bei sich haben wollen; weil wir uns
geehrt fühlen, mit dieser großartigen Stadt und ihren Einwohnern verbunden zu sein und weil wir Vertrauen in Ihre Zukunft
haben. Dies ist eine Partnerschaft, die beide Seiten bereichert. Wir sind der Überzeugung, daß wir durch unsere fortgesetzte Zusammenarbeit ein Ingredienz beisteuern, das diese
Stadt einmalig unter den deutschen Städten macht. Berlin ist
eine
wirklich
internationale
Stadt, eine
kosmopolitische
Stadt, ein Ort, an dem Europäer und Amerikaner für Freiheit
und Fortschritt zusammenarbeiten.
Berlin ist heute - wie all die Jahre seit 1945 - ein Modell für uns alle im Westen, ein Leuchtfeuer für all jene, die
sich - gleich wo - nach der Freiheit sehnen. Alle, die diese
Stadt besuchen, sollten über den Stacheldraht und die Mauersteine nachdenken, die diese Stadt zweiteilen. Aber sie sollten auch Berlins pulsierende Freiheit, die Dynamik und den
Geist der Stadt sehen. Sie sollten sich aus erster Hand ein
Gefühl für die Bedeutung von Freiheit verschaffen und für den
Mut, der sie bewahrt.
Das ist die eigentliche Lektion, die das heutige Berlin
erteilt.
Die Renaissance dieser großartigen Stadt, die 1987
ihren 750. Geburtstag begehen wird, ist ein Tribut an den
Glauben und an die Werte, die uns alle leiten; und sie ist eine Inspiration für den Blick in die Zukunft des Westens.

* * * *

- 9-

�18. Dezember 1985

50

DIE AMERIKANISCHE STRATEGISCHE VERTEIDIGUNGSINITIATIVE
EINE ETHISCHE WERTUNG
- Von Paul H. Nitze -

Der ameri kanische Sonderb erater
für Abrüs tungsfra gen, Bot Schafter Paul H. Nitze , hat deen Institut fü r Theologie und Frieden
in Barsbü ttel das nachfol gende
Referat z ur Verfü gung ges teilt,
Das Insti tut hat vom 5. b is 7.
Dezember 1985 in Bonn ein Symposium üb er "Die Strategi sche
Verteidig ungsinit iative: Versuch eine r ethisc hen Wert ung"
abgehalte n, in de ssen Rah men
der Beitr ag Nitze s veröffentlicht wur de, der in der d eutsehen Übe rsetzung folgend en
Wortlaut hat:
Im Rahmen interner Erwägungen der Außenund Verteidigungspolitik müssen selbstverständlich praktische Gesichtspunkte
des nationalen Eigeninteresses sorgfältig analysiert werden.
Aber für die Vereinigten Staaten, und ich nehme an, auch für

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�auch für die westlichen demokratischen Länder im allgemeinen,
schaffen ethische Überlegungen die Atmosphäre und die Grenzen
innerhalb derer die politischen Entscheidungen gefällt werden.
Daher ist es angebracht, daß ich die amerikanische Strategische Verteidigungsinitiative, oder SDI, auch vom ethischen
Standpunkt aus und nicht nur unter den üblichen Gesichtspunkten beleuchte. Es kommt mir besonders gelegen, das SDI-Programm aus dieser Sicht erörtern zu können, da der Hauptanstoß
zu dieser Initiative ein moralischer ist.
In einer Einführung zu diesem Symposium wurde erwähnt, daß
sich die moralische Beurteilung einer Handlung auf zwei reale
Aspekte stützt: Die Absicht einerseits, und die zu erwartenden Konsequenzen andererseits. Natürlich können solche "realen Aspekte" gleichzeitig schwer zu erfassen und kontrovers
sein. Ich möchte zunächst unsere geistige Einstellung zur Ethik unserer gegenwärtigen Position der Abschreckung untersuchen und dann auf unsere Absichten in bezug auf das SDI-Programm (über die ziemliche Klarheit herrscht) eingehen, um mich
dann dem Thema der zu erwartenden Konsequenzen der Dislozierung SDI-artiger Systeme zuzuwenden (über die die Meinungen
noch stark auseinandergehen).
Die Ethik der Abschreckung
Unser grundsätzliches Ziel ist es, in Frieden und in Freiheit zu leben. Um den Frieden zu wahren, ist es notwendig,
diejenigen, die sich aus Krieg oder Kriegsdrohungen Vorteile
versprechen, abzuschrecken.
Abschreckung basiert darauf, daß
potentielle Angreifer einen wirkungsvollen Widerstand zu erwarten haben, der ihnen einen eventuellen Vorteil verwehrt und
das Risiko eines unannehmbaren Schadens androht.
Abschrekkung, die sich auf die Fähigkeit zur Verteidigung gründet, ist
ethisch gerechtfertigt, weil sie es uns ermöglicht, unsere
Freiheit zu wahren. Wir sollten uns jedoch bemühen, Abschrekkung und Verteidigung mit der geringst möglichen Gewaltanwendung zu erreichen, die mit dem Zweck vereinbar ist. Wenn es
keine andere Alternative zur Drohung mit nuklearer Vergeltung
gibt, dann ist diese notwendig und moralisch gerechtfertigt.
Wenn es jedoch möglich ist, durch ausreichende Verteidigungsmaßnahmen, wie sie das SDI-Programm vorsieht, einen Angriff
dadurch zu verhindern, daß man einem potentiellen Angreifer
die Aussicht auf einen militärischen Erfolg nimmt, dann wird
eine Verschiebung des Schwerpunktes auf die Verteidigung zu
einem ratsamen und ethischen Vorgehen.
DIE ABSICHTEN

�DIE ABSICHTEN DER VEREINIGTEN STAATEN
Das Grundprinzip
Seit Präsident Reagan im März 1983 die amerikanische Regierung angewiesen hat, eine genaue Untersuchung der Möglichkeiten einer strategischen Verteidigung anzustellen, sind die
Handlungen der Vereinigten Staaten sowohl als Reaktion als
auch als Inspiration verstanden worden.
Die Strategische Verteidigungsinitiative der Vereinigten
Staaten ist teilweise eine Reaktion auf sowjetische Aktivitäten auf dem Gebiet der strategischen offensiven und defensiven
Waffen.
Als die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion 1972 den
ABM-Vertrag unterzeichneten, hofften wir und nahmen an, daß
die in diesem Vertrag niedergelegte strenge Begrenzung der
ballistischen Raketen es ermöglichen würde, bedeutende Reduzierungen in strategischen offensiven Kernwaffen auszuhandeln.
Man glaubte, daß das nukleare Verhältnis stabil sein würde, wenn jede Seite ein überlebensfähiges offensives Gegenschlagpotential hätte, das dem des Gegners ungefähr gleichkäme
und gleichzeitig praktisch einem Angriff durch ballistische
Raketen - und damit einem Gegenschlag
der anderen Seite
- schutzlos ausgeliefert sein würde. In solch einer Situation
hätte keine Seite einen Anreiz dazu, selbst unter den unheilvollsten Bedingungen einen Erstschlag zu versuchen. Man nahm
an, daß auf diese Weise eine Möglichkeit zu einer strategisch
bedeutsamen Begrenzung und Verringerung der offensiven Waffen
geschaffen worden sei.
Leider war dem nicht so. Im Laufe der SALT II- und der
START-Verhandlungen 1982-83 haben die Sowjets wenig echte Bereitschaft gezeigt, über ernsthafte Begrenzungen oder Verringerungen der Offensivwaffen zu sprechen.
Stattdessen haben
sie ihre strategischen Offensivarsenale in den Jahren nach
1972 stark ausgebaut. Die Sowjetunion hat die Möglichkeiten
der Kombination von Mehrfachgefechtsköpfen, großen ballistischen Raketen und erhöhter Treffsicherheit, die unter SALT I
und II erlaubt sind, voll ausgenutzt. Sie hat diese Kombination benutzt, um das beunruhigendste Element der gegenwärtigen
strategischen Gleichung zu schaffen - ein Arsenal von ballistischen Raketen, die in der Lage sind, praktisch alle Ziele in
den Vereinigten Staaten zu treffen, die den festinstallierten
landgestützten Teil unseres Gegenschlagpotentials ausmachen.
Diese Entwicklungen auf der offensiven Seite der Gleichung widersprechen völlig den Erwartungen, die wir 1972 hegten.
Im selben

�Im selben Zeitraum haben die Sowjets bedeutende Anstrengungen auf dem defensiven Sektor unternommen.
Im Laufe der
letzten 20 Jahre haben sie etwa ebensoviel für strategische
Verteidigung ausgegeben wie für ihre massive Aufrüstung mit
offensiven Kernwaffen. Als Folge dieser Ausgaben besitzt die
Sowjetunion heute ein dichtes Luftverteidigungsnetz, extensive
passive Verteidigungsanlagen und die einzigen einsatzbereiten
ABM- und Antisatellitensysteme der Welt. Darüber hinaus haben
die Sowjets seit Jahren große Mittel und Anstrengungen in die
Untersuchung derselben Technologien investiert, die wir jetzt
im Rahmen von SDI untersuchen.
Die Gesamtheit der sowjetischen offensiven und defensiven
Aktivitäten seit 1972 - von denen einige bestehende Rüstungskontrollverträge verletzen oder zumindest schwerwiegende Fragen bezüglich ihrer Einhaltung aufwerfen - ist ein überzeugender Beweis dafür, daß die Sowjets den Begriff der stabilen gegenseitigen Abschreckung, auf der wir den ABM-Vertrag aufgebaut geglaubt hatten, nicht akzeptiert haben.
Die amerikanische Strategische Verteidigungsinitiative ist
daher eine umsichtige Reaktion auf das sowjetische Vorgehen
und könnte schon auf dieser Basis alleine als moralisch gerechtfertigt verteidigt werden.
Aber sie ist weit mehr als
das. Sie entspringt weitgehend Präsident Reagans Überzeugung,
daß diese Initiative ein moralisches Gebot darstellt. Während
die Abschreckung, die auf der Androhung offensiver nuklearer
Vergeltung basiert, weiterhin die Grundlage der westlichen
Sicherheitspolitik bilden muß, solange es noch keine besseren
Mittel der Abschreckung gibt, dürfen wir uns auf die Dauer
nicht damit zufrieden geben. Präsident Reagan hat die Frage
aufgeworfen, ob es nicht möglich sein könnte, ein besseres und
freundlicheres Bild der Zukunft zu bieten - einer Zukunft, in
der sich die Abschreckung mehr auf die Fähigkeit zur Verteidigung gründet als auf die zur vernichtenden Vergeltung. Wenn
es einen besseren Weg gibt, sind wir verpflichtet, ihn zu
suchen.
Präsident Reagans Erklärung seiner Beweggründe für die
Strategische Verteidigungsinitiative weist eine erstaunliche
Ähnlichkeit auf mit der Darlegung der ethischen Kriterien für
die Abschreckung durch die deutschen Bischöfe in ihrem gemeinsamen Hirtenbrief von 1983. In diesem Hirtenbrief wird darauf
hingewiesen, daß Papst Johannes Paul II. erklärt hat, daß man,
um den Frieden zu sichern, sich nicht damit zufriedengeben
darf, das Vernichtungspotential auf ein Minimum zu reduzieren,
weil selbst ein geringes derartiges Potential immer die reale
Gefahr der Explosion in sich birgt. Die Bischöfe schreiben,
daß "deshalb alle Verantwortlichen in Staat und Gesellschaft
die dringende Pflicht (haben), mit aller Anstrengung nach Alternativen zur Androhung von Massenvernichtung zu suchen."
Präsident
Reagans
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�Präsident Reagans Suche nach Alternativen wurde von technologischen Fortschritten, die seit 1972 gemacht worden sind,
begünstigt. Ende der sechziger Jahre, als wir ABM-Systeme untersuchten, kamen wir zu dem Schluß, daß es beim damaligen
Stand der Technologie billiger war, mehr Offensivsysteme zu
bauen, um die ABM-Systeme zu überwinden, als mehr defensive
Systeme zu bauen. Die Technologie ist seitdem gewaltig fortgeschritten, und es mag in Zukunft sehr wohl möglich sein, zur
gegenteiligen Schlußfolgerung zu kommen.
Große Fortschritte sind gemacht worden in bezug auf die
Wirksamkeit und Kostensenkung auf vielen Gebieten, die mit der
Verteidigung gegen ballistische Raketen im Zusammenhang stehen, wie zum Beispiel auf dem Gebiet der Mikroelektronik, der
Datenverarbeitung und der Sensoren. Diese Fortschritte können
es nun ermöglichen, überlebensfähige und kostengünstige Verteidigungssysteme zu bauen, die noch vor 15 Jahren völlig außerhalb unserer technischen Möglichkeiten lagen.
Worum geht es bei dem Programm?
Bevor ich über die voraussichtlichen Folgen der Weiterführung des SDI-Konzepts spreche, wäre es vielleicht nützlich,
noch einmal genau darzulegen, worum es sich beim SDI-Programm
eigentlich handelt, denn es gibt da viele falsche Vorstellungen. SDI ist ein Forschungsprogramm, das die Machbarkeit neuer Verteidigungstechnologien auf der Erde und im Weltraum untersuchen soll. Wir haben keine Entscheidungen getroffen, die
über die Forschung hinausgehen.
Das Programm steht voll in
Einklang mit dem ABM-Vertrag, dem Weltraum-Vertrag und dem
Teststopp-Vertrag und wird entsprechend durchgeführt.
Sollte SDI erweisen, daß neue Verteidigungstechniken machbar sind, d.h. daß sie den hohen Anforderungen hinsichtlich
Überlebensfähigkeit und Kostenwirksamkeit entsprechen können,
so könnte man unserer Ansicht nach das strategische Gleichgewicht durch eine stärkere Betonung derartiger Verteidigungssysteme stärken. Überlebensfähige und kostenwirksame Verteidigungssysteme könnten die Erstschlagspläne eines potentiellen
Angreifers derart komplizieren, daß er einen Angriff nicht
ernsthaft in Betracht ziehen könnte, und das würde erhöhte Abschreckung bedeuten.
Außerdem würde beim Vorhandensein solcher Verteidigungsmöglichkeiten jede weitere Aufrüstung im Offensivbereich sinnlos, weil damit jeder Anreiz entfiele, sie
durch Verstärkung der offensiven Streitkräfte zu überwinden.
Vielmehr würden derartige Verteidigungssysteme einen mächtigen
Anreiz zur umfassenden Reduzierung des Offensivpotentials bieten, da mit ihrem Vorhandensein ballistische Offensivraketen
weitgehend ihren militärischen Wert verlieren würden.
Langfristig
- 5 -

könnte

�Langfristig könnte die Strategische Verteidigung einen
wichtigen Beitrag zur Beseitigung aller Atomwaffen leisten.
Die Erreichung dieses letztlichen Zieles würde natürlich weit
mehr Kooperationsbereitschaft im Ost-West-Verhältnis voraussetzen, also eine Atmosphäre, in der sich z.B. Bemühungen zur
Reduzierung der konventionellen Streitkräfte auf einen niedrigeren Stand und eine Stärkung des Vertrauens auf beiden Seiten
ebenfalls als erfolgreich erweisen müßten.
Doch selbst, wenn alle Atomwaffen beseitigt würden, so wären doch die technischen Kenntnisse, die zur Herstellung derartiger Waffen nötig sind, weiterhin vorhanden, und wir würden
uns mit der Gefahr des Hintergehens, bzw. der Ausnutzung durch
verantwortungslose Elemente auseinandersetzen müssen.
Nichtnukleare Verteidigungssysteme würden diese Funktion erfüllen.
Wir haben keine vorgefaßten Meinungen hinsichtlich der Ergebnisse des Forschungsprogramms, d.h. ob sich daraus brauchbare neue Verteidigungsmöglichkeiten ergeben werden, oder ob
die Abschreckung weiterhin fast ausschließlich auf einer offensiven nuklearen Vergeltungskapazität beruhen muß.
Unser
kurzfristiges Ziel im Bereich der Rüstungskontrolle ist eine
Rückkehr zu der Situation, die in den siebziger Jahren ins Auge gefaßt worden war, nämlich stark reduzierte und stabilere
Offensivkräfte und volle Einhaltung des ABM-Vertrages.
Die Ergebnisse des SDI-Forschungsprogramms werden die Informationen und Daten liefern, die eine künftige Administration und ein künftiger Kongreß brauchen werden, um irgendwann
in den nächsten zehn Jahren sachkundig darüber entscheiden zu
können, ob man zu einer Mischung von Offensiv- und Defensivpotential übergehen soll, bei der der Rolle der Verteidigung
größeres Gewicht beigemessen wird, als das zur Zeit der Fall
ist.
Konsequenzen
Ich habe versucht, das Wesen des SDI-Programms und die ihm
zugrunde liegenden Absichten im einzelnen darzulegen.
Ich
finde, daß es hinsichtlich dieser Realitäten eigentlich keine
Kontroversen geben dürfte. Mir ist jedoch klar, daß es hinsichtlich der voraussichtlichen Konsequenzen einer Weiterführung des SDI=Konzepts
zu Meinungsverschiedenheiten
kommen
kann, weil Voraussagen über die Zukunft immer eine gefährliche
Sache sind.
Was geschieht, wenn sich unsere Hoffnungen erfüllen?
Wenn die zukünftige Entwicklung unserer Hoffnungen entsprechend verläuft, dann kann es hinsichtlich der positiven
- 6 -

�der positiven Folgen für den Weltfrieden kaum Zweifel geben.
Wenn sich neue Verteidigungstechniken als machbar erweisen und
damit eine stärkere Betonung des Verteidigungsaspekts wünschenswert erscheint, denken wir an ein gemeinsames Vorgehen
mit der Sowjetunion, mit dem Ziel, eine ständige Kontrolle der
Offensiv- und Defensivsysteme beider Seiten zu gewährleisten
und damit das Vertrauen aller Länder in die Wirksamkeit und
Stabilität des strategischen Gleichgewichts zu stärken.
Ich sagte schon, daß wir nicht mit Sicherheit das Ergebnis
unserer Forschungsarbeiten voraussagen können. Wir wissen jedoch, daß Stabilität eines der Kriterien für die Entscheidung
darüber sein wird, ob eine Dislozierung gerechtfertigt ist.
Wenn ein Verteidigungssystem nicht ausreichend überlebensfähig
wäre, könnte der Gegner in einer Krise durchaus versucht sein,
den ersten Schlag gegen verwundbare Teile des Verteidigungssysteme zu führen. Unsere Kriterien zur Prüfung der Uberlebensfähigkeit garantieren, daß ein derart verwundbares System
nicht disloziert würde und jedes System, das tatsächlich disloziert würde, ausreichend überlebensfähig wäre, um die Sowjets davon zu überzeugen, daß sie es nicht mit Erfolg angreifen könnten.
Unser Kriterium für die Kosteneffektivität wird sicherstellen, daß ein disloziertes Verteidigungssystem ein starker
Anreiz sein würde, keine weitere Offensivwaffen zu entwickeln,
da solche Waffen mehr kosten würden, als die zusätzlichen Verteidigungsmittel, die man zu ihrer Abwehr brauchen würde. Wir
wollen deshalb bei unserer Auswertung der durch die SDI-Forschung entwickelten Möglichkeiten mit berücksichtigen, inwieweit bestimmte Defensivsysteme aufgrund ihrer Beschaffenheit
den Gegner zu dem Versuch reizen könnten, sie einfach mit Hilfe zusätzlicher Offensivwaffen zu überwinden, während andere
Systeme eine solche Gegenanstrengung verhindern könnten. Wir
streben Verteidigungsmöglichkeiten an, die den Gegner von einem Versuch, ihnen mit zusätzlichen Offensivwaffen zu begegnen, abhalten würden.
Sowjetische Reaktionen
Die Einschätzung möglicher sowjetischer Reaktionen auf die
amerikanischen Bemühungen im Bereich der strategischen Verteidigung spielt bei der Beurteilung der zu erwartenden Konsequenzen eine wichtige Rolle, und das ist einer der Gründe für
die heftige Debatte um die Strategische Verteidigungsinitiative (SDI). Zudem werden die Einschätzungen und Reaktionen der
Sowjets während der Forschungsphase wichtig sein, ohne Rücksicht darauf, ob sich im Zuge der Forschung neue Technologien
für die strategische Verteidigung als machbar erweisen oder
nicht. Wir glauben jedoch nicht, daß die Reaktion der Faktor
ist, auf den es ankommt. Wir glauben zwar, daß eine amerika-

�eine amerikanisch-sowjetische Kooperation beim Übergang zu einer stärker verteidigungsorientierten Einstellung wünschenswert wäre, können aber dennoch den Sowjets kein Veto-Recht bei
künftigen Dislozierungen zu Verteidigungszwecken einräumen.
Unsere moralische Verpflichtung (die sich mit unseren eigenen Interessen deckt) gegenüber den Sowjets besteht darin,
klar zum Ausdruck zu bringen, daß wir mit SDI positive Ziele
verfolgen und unser Wunsch eines gemeinsamen Übergangs zu einem stärker auf die Verteidigung ausgerichteten Gleichgewicht
aufrichtig ist.

Die Sowjets haben uns bisher wenig Grund zu der Annahme
gegeben, daß sie vom gegenseitigen Nutzen eines Gleichgewichts
der Abschreckung, das stärker auf Verteidigung ausgerichtet
ist, überzeugt sind.
Generalsekretär Gorbatschow hat dieses
Argument während seiner Gespräche mit Präsident Reagan am 19.
und 20. November energisch zurückgewiesen.
Er schien jedoch
gleichzeitig davon überzeugt zu sein, daß Präsident Reagans
Darlegung der Gründe für das SDI-Programm ehrlich gemeint war.
Die mangelnde sowjetische Bereitschaft, dem Vorschlag, daß
beide Seiten sich stärker auf die Verteidigung konzentrieren,
zuzustimmen, erklärt sich sicherlich zum Teil aus dem kurzfristigen politischen Gewinn, der sich mit Attacken gegen das
amerikanische SDI-Programm erzielen läßt, sowohl im Hinblick
auf die Förderung des inneren Widerstands in den Vereinigten
Staaten, als auch in bezug auf die Herbeiführung von Auseinandersetzungen zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten. Die Sowjets halten offenbar die Weiterführung ihres
eigenen strategischen Verteidigungsszstems für vorteilhaft.
Im übrigen wissen wir, daß sowjetische Positionen sich abrupt
ändern können, und wir sind überzeugt, daß bezüglich SDI bei

�SDI bei ihnen das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.
Wir können die Chancen für einen technologischen Erfolg
bei SDI noch nicht voll abschätzen. Wir können auch die politischen Konsequenzen unserer Bemühungen noch nicht mit Sicherheit voraussagen. Zuversichtlich können wir sein hinsichtlich
der moralischen Rechtfertigung der Strategischen Verteidigungsinitiative und unseres Bestrebens, dafür zu sorgen, daß
als Folge des Programms die Stabilität wächst und das Risiko
eines Krieges verringert wird.

- 9 -

�Hinterofundmaterial
United States Information Service
Embassy of the United States of America

18. Dezember 1985

50

DIE MENSCHENRECHTE VOR DEM HINTERGRUND DER
OST-WEST-BEZIEHUNGEN
- Von Richard Schifter -

Der U nters taat ssek retär für Me nsehen recht sfra gen und h umanitä re
Angel egenh eite n im amer ikanisc hen
Außen minis teri um, Richa rd Schi f ter,
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Lösun g des Pro blem s." Nachfol gend
der W ortla ut d er A usfüh rungen des
Unter Staat ssek retä rs in leicht gekürzt er un d be arbe itete r Form.

BONN - (AD) - Kurs vor der Genfer Gipfelkonferenz bot sich
mir die Gelegenheit, mit einer Reihe europäischer Journalisten
zu sprechen, und zwar über die Menschenrechtsfrage im Zusammen-

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�in Zusammenhang mit dem Genfer Gipfeltreffen.
Ich erklärte,
daß, zumindest was die Vereinigten Staaten beträfe, Menschenrechte eines der in Genf aufzuwerfenden Themen sei.
Bevor ich mich auf eine Diskussion über die dieses Thema
betreffenden Einzelheiten einlassen konnte, warfen einige Journalisten die umstrittene Frage auf, ob es denn für die Vereinigten Staaten richtig sei, während der Gipfelkonferenz das
Thema Menschenrechte anzuschneiden.
"Wir sehen der Gefahr eines Atomkrieges ins Auge," erklärten sie.
"Das ist hier die
Hauptfrage. Sollten die Vereinigten Staaten es riskieren, die
Stimmung zu verschlechtern und so die Möglichkeit eines Abkommens zum Abbau der Waffenarsenale zu verringern?"
Ich gab darauf eine zweifache Antwort.
Ich wies darauf
hin, daß die Sowjetunion unserer Ansicht nach bei Abrüstungsverhandlungen rational und nicht emotional handelt.
Für die
sowjetische Seite werde die Annahme oder Ablehnung eines Abkommens zur Reduzierung der Waffen nicht davon abhängen, ob gewisse andere, bei der Konferenz eingebrachte Themen ihr genehm wären oder nicht. Diese Entscheidung werde nur auf der Grundlage
einer in allen Einzelheiten ausgearbeiteten Beurteilung sicherheits- und wirtschaftsorientierter Überlegungen getroffen.
Was unsere Motivation, die Menschenrechtsfrage zur Sprache
zu bringen, betreffe, so erklärte ich weiter, müsse man im Auge
behalten, daß die Amerikaner genau dies von ihrem Präsidenten
erwarten.
Und über diese Erwartungen der amerikanischen Öffentlichkeit werde die Exekutive durchaus direkt in Kenntnis
gesetzt, sei es durch direkt an das Weiße Haus gerichtete Briefe oder Telefonanrufe, sei es indirekt durch den Kongreß. Und
obwohl der Präsident zweifellos eine moralische Verpflichtung
fühlte, die Menschenrechtsfrage in Genf zur Sprache zu bringen,
so sollten doch das Interesse der amerikanischen Bevölkerung an
dem Thema Menschenrechte und die daraus hervorgehenden politischen Prinzipien, nach denen ein amerikanischer Präsident handeln muß, nicht unterschätzt werden.
Zur Erklärung dieses Phänomens, des tiefgreifenden Interesses der amerikanischen Öffentlichkeit an der Menschenrechtsfrage, möchte ich sagen, daß, im Gegensatz zu den Europäern, die
Amerikaner die Außenpolitik im allgemeinen nicht so sehr vom
geographischen Standpunkt aus betrachten.
Der Durchschnittsamerikaner hat sich seit jeher durch zwei Weltmeere von den
Problemen der restlichen Welt abgeschirmt gefühlt. Demnach ist
er auch bedeutend weniger an Außenpolitik interessiert als der
Europäer. Er macht sich nicht allzuviele Gedanken über die Art
der diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen
den Vereinigten Staaten und irgendeinem bestimmten Land, es sei
denn, er wird persönlich und direkt betroffen, wie im Falle des
Imports von Produkten, die eine Konkurrenz für die von ihm
selbst produzierten Erzeugnisse darstellen, oder wenn es um

- 2 -

�es um Exportmöglichkeiten eines Produkts geht, an dessen Produktion und Verkauf er beteiligt ist.
Für die meisten Amerikaner ist es der Mangel an Nachbarländern, der sie dazu führt, sich mehr auf inländische Probleme
als auf die Außenpolitik zu konzentrieren.
Um das Interesse
der amerikanischen Öffentlichkeit an einer außenpolitischen Angelegenheit zu wecken, muß diese schon von äußerst großer Bedeutung sein. Und damit eine Angelegenheit heutzutage äußerst
wichtig erscheint, muß sie schon ausführlich und über einen
längeren Zeitraum hinweg in den allabendlichen Fernsehnachrichten behandelt werden.
Es gibt auch gewisse außenpolitische Angelegenheiten, die
durchaus von größerer Bedeutung sind und denen die amerikanische Öffentlichkeit daher ihr Interesse widmet, die gleichzeitig traditionelle Themen internationaler Politik sind.
Zum
Beispiel beschäftigen die Amerikaner sich sehr mit der militärischen Bedrohung durch die Sowjetunion. Vor nicht allzu langer
Zeit war es unsere Verwicklung in den Vietnamkrieg, die ihr Interesse in Anspruch nahm, und einige Jahre darauf die Besetzung
der amerikanischen Botschaft in Teheran.
Und dann gibt es das Interesse an Berichten über menschliche Schicksale.
Die Aufmerksamkeit der Amerikaner richtete
sich ganz intensiv auf die Dürre- und Hungerprobleme in Afrika
und auf die durch das Erdbeben in Mexiko ausgelöste Not. Wenn
sie der amerikanischen Öffentlichkeit nahegebracht werden, erzeugen solche Ereignisse bei dieser eine außerordentlich mitfühlende Reaktion; eine Reaktion, die sich in der Meinung ausdrückt, daß unbedingt etwas zur Linderung des Leidens der Menschen getan werden müsse.
Gleichermaßen gibt es auch ein Interesse an Leiden, die aus
politischer Verfolgung und Unterdrückung resultieren.
Und in
dem selben Maße wie die Amerikaner von ihrer Regierung erwarten, daß sie alle sonstigen Angelegenheiten zurückstellt, um
anderen Ländern bei der Überwindung von Naturkatastrophen zur
Seite zu stehen, so erwarten sie auch von ihr, daß sie sich bemüht, allen Handlungen ausländischer Regierungen zur Unterdrükkung ihrer eigenen Bürger ein Ende zu setzen.
Was ich hier soeben beschrieben habe ist die Reaktion des
Durchschnittsamerikaners; die Reaktion eines Amerikaners, der
sich nicht mehr mit dem fremden Land identifiziert, dem seine
Vorfahren entstammen; des Amerikaners, dessen Wurzeln man in
diesem Land über Generationen zurückverfolgen kann.
Es gibt
aber auch noch die Gruppe der neu Eingewanderten, die möglicherweise ein besonderes Interesse an den Angelegenheiten ihres Heimatlandes oder des Geburtslandes ihrer Eltern beibehalten, und deren Unruhe besonders geweckt wird, wenn sie erfahren, daß die Regierung jenes Landes ihre Verwandten oder Freun-

�oder Freunde unterdrückt.
Und sie erwarten von der amerikanischen Regierung, daß diese eingreift, um die Unterdrückung
dort zu beenden.
Die amerikanische Anteilnahme an der Menschenrechtsproblematik ist daher eine ganz natürliche Folge der einzigartigen
geographischen Lage unseres Landes. Sie ist jedoch bei weitem
nicht der einzige Faktor, der zu einer aktiven Menschenrechtspolitik beiträgt.
Der andere durchaus bemerkenswerte Aspekt
der amerikanischen Politik ist die relativ unbedeutenden Rolle
der Parteiorganisation und
-struktur bei der Wahl von Präsidenten und Kongreßmitgliedern.
Dadurch, daß die Partei hier
keine Vermittlerrolle übernimmt, sind die Amtsinhaber dem Wähler direkt verantwortlich.
Folglich wird das Interesse der
Wähler an Menschenrechtsfragen den Amtsinhabern, und letztendlich dem außenpolitischen System, weitaus direkter vermittelt,
als dies im Rahmen der europäischen parlamentarischen Demokratien der Fall ist.
Ich möchte betonen, daß sämtliche Faktoren, die ich soeben
aufgeführt habe, schon lange vor Präsident Carters formeller
Erklärung galten, seine Regierung werde sich weltweit für die
Förderung der Menschenrechte einsetzen. Ja, sogar schon 1907,
während der Präsidentschaft Theodore Roosevelts, protestierten
die Vereinigten Staaten bei der Regierung des Zaren Nikolaus
II. gegen die Verfolgung russischer Juden im Rahmen der damaligen Pogrome. Dies wurde übrigens als eine ungeheuerliche Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Russischen Reiches
zurückgewiesen.
All das soll jedoch nicht heißen, daß die Meinung, wonach
das Interesse an Menschenrechtsfragen ein wesentlicher Bestandteil amerikanischer Außenpolitik sei, nicht auch auf Widerstand
gestoßen wäre, und zwar von Seiten jener, die glauben, unser
Land müsse praktischer handeln und bei der Ausarbeitung seiner
Politik hauptsächlich auf seine geopolitischen und wirtschaftlichen Vorteile achten. Und genau diese Meinung ist über die
Jahre von einer ganzen Reihe von Berufsdiplomaten und auch Außenministern vertreten worden. Ich möchte Ihnen jedoch zu zeigen versuchen, daß das tiefe Interesse des amerikanischen Volkes sich wirkungsvoll bei unserer Regierung als für die Außenpolitik verantwortliche Instanz durchgesetzt hat - nebenbei bemerkt, ein hervorragendes Beispiel für das Funktionieren einer
wahren Demokratie. Und dies ist - um noch einmal an meine zu
Beginn gemachten Aussagen zu erinnern - der Grund dafür, daß
man vom Präsidenten der Vereinigten Staaten die Einbringung der
Menschenrechtsfrage in Genf erwartete.
Das große Interesse des amerikanischen Volkes an der Menschenrechtsproblematik
spiegelt sich in der Tatsache wieder,
daß die Stellung, die ich jetzt einnehme, nämlich die des Unterstaatssekretärs für Menschenrechtsfragen und humanitäre An-

�humanitäre Angelegenheiten, vor sieben Jahren durch ein vom
Kongreß verabschiedetes Gesetz ins Leben gerufen wurde.
Die
meisten meiner Kollegen nehmen als Unterstaatssekretäre Positionen ein, die administrativ durch den Außenminister im Rahmen
seiner weitreichenden Handlungsvollmachten geschaffen wurden.
Meine Stellung ist, wie bereits erwähnt, eine durch Gesetz geschaffene.
Weiterhin wurde ein Großteil der Aufgaben meines
jetzigen Amtes nicht durch eine administrative Entscheidung des
Außenministers, sondern durch Gesetze des Kongresses geschaffen.
Ich habe mich sehr bemüht, die Rolle der amerikanischen Öffentlichkeit insgesamt bei der Ausarbeitung der amerikanischen
Außenpolitik ausführlich zu behandeln, weil sie gelegentlich
vollkommen übersehen wird.
Manche Experten, vor allen Dingen
hier auf dem Kontinent, sprechen von den Menschenrechten manchmal als dem Rohrstock, mit dem die Vereinigten Staaten der Sowjetunion eins auf die Finger geben, und als lediglich einen
weiteren Aspekt in der Rivalität der Supermächte.
Sie werden höchstwahrscheinlich erstaunt sein, wenn ich erkläre, daß viele von uns die Dinge nicht in diesem Licht sehen. Ich muß hier betonen, daß unsere Schwierigkeiten mit der
Sowjetunion ganz und gar nicht daher stammen, daß die Sowjetunion und wir einen Streit haben, der sich von den Differenzen
aller Anderen mit den Sowjets trennen läßt. Wir befinden uns
nicht mit der Sowjetunion in einem Wettstreit über die Beherrschung von Rohstoffen oder Märkten.
Wenn man es sich genau
überlegt, dann müßte es - nach der traditionellen marxistischen
Lehre - ein Wettstreit zwischen den Vereinigten Staaten, Japan
und der Europäischen Gemeinschaft sein, der heute den Weltfrieden bedroht.
Ich denke es ist auch allen klar, daß wir nicht
daran interessiert sind, auch nur einen Quadratzentimeter sowjetischen Staatsgebietes in unsere Gewalt zu bringen.
Unserer Meinung nach sind unsere Meinungsverschiedenheiten
mit der Sowjetunion auf zwei Aspekte der sowjetischen Politik
zurü ckzuführen: ihren imperialistischen Expansionismus und die
TatsächMißa chtung der Menschenrechte ihrer eigenen Bürger.
lieh besteht eine Beziehung zwischen diesen beiden Aspekten der
Dabei sollte man jedoch die Tatsache
sowj etichen Politik.
nich t außer acht lassen, daß sowjetischer Expansionismus und
die sowjetische Einstellung gegenüber den Menschenrechten nicht
spez ifisch amerikanische Interessenbereiche berühren. Mit Ausnahm e des sowjetischen Eindringens in Mittelamerika ist der sowjet ische Expansionismus für jedes andere freiheitsliebende
Volk von ebenso großer oder sogar noch größerer Bedeutung als
für uns.
(Dabei möchte ich nicht sagen, daß die sowjetische
Roll e in Mittelamerika nicht auch für Europa von großer Bedeutung ist). Gleiches gilt auch für die Menschenrechte: Es handelt sich hierbei keinesfalls um einen marginalen Aspekt im
Wett streit zwischen uns und der Sowjetunion oder bei unseren
verm eintlichen Bemühungen um die Weltherrschaft. Für uns steht

�uns steht die Menschenrechtsfrage im Zentrum der Meinungsverschiedenheiten zwischen der Sowjetunion und dem Westen.
Sie
ist kein spezifisch amerikanisches Problem, sondern ein Problem, das alle freiheitsliebenden Völker angeht - ganz gleich,
wo Menschen ihrer Rechte beraubt werden und ganz gleich, wie
viele davon betroffen sind.
Es bleibt noch die Frage offen, was man tun könnte und
sollte, um eine positive Veränderung der Menschenrechtssituation in der Sowjetunion herbeizuführen. Manche sind der Meinung, man sollte darüber schweigen und in Anwesenheit der Vertreter totalitärer Staaten nur Themen zur Sprache bringen, über
die sich Einigung erzielen läßt. Ihr Argument: "Laßt den Dingen Zeit. Die Lage wird sich dann schon bessern."
Ich habe schon erklärt, warum die Vereinigten Staaten diesem Rat nicht folgen können. Unser Volk würde derlei nicht akzeptieren.
Dies ist jedoch nicht der einzige Grund, warum man die Menschenrechtsfrage zur Sprache bringen sollte.
Die Erfahrung
zeigt, daß internationale Entspannung nicht zur Lockerung der
internen Kontrollen in der Sowjetunion führt. Wenn wir einen
Blick auf die letzten dreißig Jahre werfen, sehen wir, daß das
Chruschtschow'sehe "Tauwetter" auf dem Höhepunkt des Kalten
Krieges kam.
Und es war dieses "Tauwetter", das letztendlich
zur Entspannung zwischen der Sowjetunion und dem Westen führte.
Umgekehrt fiel die Sowjetunion nur anderthalb Jahre nach Unterzeichnung der Schlußakte von Helsinki - also während der Entspannungsperiode - in eine Unterdrückungspolitik zurück, von
der wir alle gehofft hatten, sie sei ein für allemal Vergangenheit .
Außerdem setzten in der Sowjetunion gerade im Jahr 1977 also zu Beginn der Verhandlungen, die zum SALT II-Abkommen
führten - die Festnahmen, Verfolgungen und schweren Bestrafungen all jener ein, die auf die Einhaltung der Schlußakte gedrängt hatten. Die Unterdrückung dieser Dissidenten wurde in
den folgenden Jahren immer stärker - obwohl die Verhandlungen
über SALT II weitergingen, obwohl Präsident Carter in seiner
bekannten Notre-Dame-Rede an das amerikanische Volk erklärt
hatte, die unangemessene Furcht vor dem Kommunismus sei nun
überwunden und obwohl - oder vielleicht gerade weil - die amerikanische Regierung weniger über Menschenrechte in der Sowjetunion sprach als am Anfang der Carter-Administration.
Die Geschichte der letzten 30 Jahre belegt daher, daß internationale Spannungen von einem Tauwetter in der Sowjetunion
begleitet werden können und daß internationale Entspannung auch
von Verschärfung der Unterdrückung in der Sowjetunion begleitet
werden kann. Es sieht ganz so aus, als seien die sowjetische
Außen- und Innenpolitik nicht so eng miteinander verzahnt, wie

�verzahnt, wie dies manche glauben.
Was bewirkt unter diesen
ischen Menschenrechtspolitik?

Umständen

Kritik

an

der sowjet-

Wir können natürlich keine mathematischen Beweise dafür erbringen, daß die Kritik des Westens letztendlich zu einer Abwendung der Sowjetunion von ihrer Politik führen wird.
Doch
könnte dies durchaus der Fall sein:
Die sowjetische Führung
scheint sich nämlich über das allgemeine Bild, das die Welt von
ihr hat, Gedanken zu machen. Sie möchte die Anerkennung, die
ihrer vermeintlichen Größe und Bedeutung in der Welt entspricht. Und sie möchte nicht der Schande ausgesetzt sein, von
der Welt für eine der schlimmsten Tyranneien gehalten zu werden.
Sicherlich möchte die Sowjetunion auch noch aus konkreteren
Gründen der öffentlichen Kritik hinsichtlich ihrer Einstellung
zur Menschenrechtsfrage entgehen. Zur Förderung ihrer eigenen
außenpolitischen Ziele will sie sowohl in Westeuropa als auch
weltweit Sympathien gewinnen. Sie versteht, daß Berichte über
sowjetische Menschenrechtsverletzungen nur zu einem Sympathieverlust im Ausland führen und ihre außenpolitischen Ziele beeinträchtigen, wenn sie in der Öffentlichkeit diskutiert werden.
Sie werden sich vielleicht fragen, warum die öffentliche
Meinung eine so wichtige Rolle spielt, wenn doch das Verhalten
der Sowjetunion hinsichtlich der Menschenrechte letztlich von
internen Umständen abhängig ist.
Dazu zweierlei:
Zunächst
wird wahrscheinlich auf höchster Ebene eine grundsätzliche politische Richtlinie erlassen, um zum Beispiel jegliches Abweichen von der offiziellen Regelung zu unterdrücken.
Über die
praktische Durchführung jedoch, kann durchaus auf einer weit
niedrigeren Regierungsebene entschieden werden. Proteste gegen
empörende staatliche Maßnahmen könnten daher zu einer Änderung
der Taktiken führen, selbst wenn die grundsätzlichen Strategien
dieselben bleiben.
Daher ist eine Änderung der Taktiken zwar
nicht unbedingt die Lösung des zugrunde liegenden Problems, jedoch profitiert der einzelne, dessen Last dadurch etwas erleichtert wird, von einer solchen Änderung der Taktik.
Lassen Sie mich diesen Punkt veranschaulichen, indem ich
Sie daran erinnere, daß die übliche Verfahrensweise in der Sowjetunion, Dissidenten in psychiatrische Kliniken einzuweisen,
eine wahrhaft schockierende Verletzung der Menschenrechte bedeutet. Dieselben Dissidenten hätten der Verleumdung des Staates angeklagt und strafrechtlich verfolgt werden können.
Aus
irgendwelchen uneinsichtigen Gründen wird jedoch die Einweisung
in eine psychiatrische Klinik als geeignetere Strafe angesehen.
Man kann nur hoffen, daß der weltweite Aufschrei der Entrüstung
gerade gegen diese Form der Menschenrechtsverletzung die Sowjetunion bereits dazu veranlaßt hat, ihre Taktiken etwas zu
ändern und sie dazu bringen wird, diese grausame Verfahrenswei-

- 7 -

�grausame Verfahrensweise vollkommen einzustellen.
Eine Änderung der Taktiken hinsichtlich menschenrechtlicher
Praktiken sollte natürlich nicht unser einziges Ziel sein - und
hier komme ich zu meinem zweiten Punkt: Ich muß zugeben, daß
auch das gesellschaftliche System, zu dem wir gehören, seine
Probleme hat.
Außerdem muß ich zugeben, daß diese Probleme
sich nicht einfach durch Errichtung einer Demokratie und durch
Respektierung der Menschenrechte lösen lassen. Man kann jedoch
beim Blick auf das letzte ViertelJahrtausend der Geschichte der
westlichen Zivilisation sagen, daß die Ideen und Ideale, die
dem Zeitalter der Aufklärung entstammen, folgendes beweisen:
Sie haben den Menschen weltweit zu dem verholfen, was unsere
Unabhängigkeitserklärung als "Streben nach Glück" bezeichnet,
und dies war sicherlich alle Mühen wert. War es nicht Winston
Churchill, der sagte, die Demokratie sei die schlimmste Regierungsform mit Ausnahme aller anderen? Es scheint mir eine Tatsache, daß das westliche Modell besser als irgendein anderes
nur denkbares System funktioniert und daß die Achtung der Menschenrechte grundsätzlicher Bestandteil dieses Modells ist.
Ich möchte hier kurz eine Frage beantworten, die mir während der letzten Tage öfters gestellt wurde, warum nämlich die
Vereinigten Staaten nur Länder unter sowjetischem Einfluß und
nicht auch andere wegen Menschenrechtsverletzungen kritisieren.
Ich meine, die Annahme, die dieser Frage zugrunde liegt, ist
falsch.
Wir kritisieren Menschenrechtsverletzungen, wo immer
sie auftreten. Unser Interesse liegt nicht an Kritik, sondern
an der Lösung des Problems. Wir versuchen, wo immer dies möglich ist, die Probleme auf diplomatischem Wege zu lösen. Wenn
das gelingt, ist es nicht notwendig, an die Öffentlichkeit zu
treten. Nur wenn solche Versuche nicht zum gewünschten Resultat führen, oder wenn von vornherein klar ist, daß der Staat,
über den wir Beschwerde führen, nicht bereit ist, die Angelegenheit ernsthaft mit uns zu besprechen, appellieren wir an die
Öffentlichkeit.
Um nun auf mein Hauptthema zurückzukommen:
Wir haben
durchaus keinen Grund, uns unserer Ideologie zu schämen. Wir
können und sollten weiterhin für sie eintreten und sie verteidigen. Tun wir das, so wird unsere Botschaft zweifellos weit
über die Grenzen unserer westlichen Welt hinausreichen.
Wir
hoffen, daß diese Botschaft die heute für die Politik in der
Sowjetunion Verantwortlichen und jene, die sie in Zukunft bestimmen werden, erreicht.
Und dabei hoffen wir, daß die Sowjetunion allmählich im eigenen langfristigen Interesese handelt und nicht nur ihre Taktik, sondern auch ihre grundsätzliche Einstellung zur Menschenrechtsfrage ändert.
Es ist interessant, daß nach Abschluß des Genfer Gipfeltreffens Präsident Reagan vor dem Kongreß und Generalsekretär
Gorbatschow während einer Pressekonferenz bei der Erwähnung des

�Erwähnung des Themas, mit welchem ich mich hier auseinandergesetzt habe, annähernd dieselben Worte gebrauchten. Beide verpflichteten sich zur Vermeidung von Situationen, durch die sie
sich
möglicherweise in eine militärische Auseinandersetzung
verstricken könnten. Gleichzeitig erklärten jedoch beide, daß
die im Bereich der Ideen und Ideale bestehende Konkurrenz bleiben würde.
Was ich Ihnen hier übermitteln wollte, ist, daß wir den
Aufgaben, die sich aus einer solchen Konkurrenz ergeben, nicht
ausweichen sollten. Manche von Ihnen werden sich an die mutigen Worten von Otto Wels erinnern, der sich am 23. März 1933 im
Reichstag während einer Debatte über Hitlers Ermächtigungsgesetz erhob, um für die Sache der Freiheit, der Demokratie, der
menschlichen Anständigkeit und der Menschenrechte zu plädieren.
Der Sache, für die er sich damals einsetzte, gilt auch heute
noch unser Bestreben. Wir sollten ihn als ein Beispiel des Mutes in Erinnerung behalten. Wir, die wir im Gegensatz zu Otto
Wels nichts riskieren, wenn wir uns für die Menschenrechte einsetzen, sollten daher auch nicht zögern, dies zu tun.
Freiheit, Demokratie und menschliche Würde, sind eine Sache, die es
wert ist, dafür einzutreten. Unsere Unterstützung dieser Rechte soll auch weiterhin laut und deutlich sein.

* * * * *

- 9 -

�50

18. Dezember 1985

V0RST0SS IN DIE RÄTSELHAFTE WELT DES URANUS
Raumsonde VOYAGER 2 kommt am 24. Januar 1986 zum
Rendezvous -

- (AD) - In wenigen Wochen wird die amerikanische Raumsonde VOYAGER 2 den fernen Planeten Uranus passieren. Es ist die
erste von Menschenhand geschaffene Instrumentenplattform, die
Einblicke und Sondierungen "vor Ort" am drittgrößten Planeten
unseres Sonnensystems ermöglicht. Im Jahr 1781 durch den Engländer William Herschel entdeckt, bewahrte er lange Zeit seine
Geheimnisse. So sah man beispielsweise erst im Jahr 1977 mit
Hilfe eines sehr starken Teleskops, daß er, ähnlich wie Saturn, ein Ringsystem besitzt. Neun Ringe konnte vor dem Hintergrund eines sehr hellen Sterns ausgemacht werden. Sie zählen zu den dunkelsten Objekten im Sonnensystem.
Die Wissenschaftler vermuten, daß sie aus stark kohlenstoffhaltigem Material oder aus Methaneis bestehen. Auch fünf Monde hat man
bisher gefunden. Aber es ist durchaus möglich, daß ihn noch
mehr, allerdings kleine Trabanten
innerhalb des Ringsystems
umkreisen.
Die blaugrüne Welt des Uranus ist von der Erde aus einer
Beobachtung kaum zugänglich.
"Selbst bei den leistungsfähigsten Teleskopen erscheinen der Planet und seine Monde nur
als winzige Lichtflecke", sagt Burton Edelson von der Abteilung Weltraumforschung des amerikanischen Amtes für Luft- und

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Luft- und Raumfahrt (NASA). Zum ersten Mal in der Geschichte
der Forschung werde VOYAGER 2 das unbekannte Gesicht des Uranus enthüllen und Beobachtungen an einem Ort ermöglichen, "wo
bislang niemand war - in einer dunklen, kalten Region, im
Grenzbereich unseres Sonnensystems zum interstellaren Raum".
Grenzbereich - ein relativer Begriff. Denn mit einem mittleren Abstand von 2,872 Milliarden Kilometern von der Sonne (Erde: 149,6 Millionen km) nimmt Uranus eher eine mittlere Position in unserem Sonnensystem ein. Pluto, der äußerste Planet,
umkreist das Zentralgestirn auf einer mehr al5,,59 Milliarden
km entfernten Bahn.
Uranus ist nach Jupiter und Saturn der drittgrößte Trabant
der Sonne. VOYAGER 2, seit mehr als acht Jahren auf dem Weg
durch den interplanetaren Raum, übermittelte bereits 1979 und
1981 faszinierende und aufsehenerregende Fernsehaufnahmen mehr als 70 000 -, dazu unzählige Meßdaten von Jupiter und Saturn samt Monden und Ringsystemen zur Erde. Jetzt fliegt er
mit 72 000 km pro Stunde (relativ zur Erde) der blaugrünen
rätselhaften Welt des Uranus entgegen und wird am 24. Januar
1986 mit 81 500 km Abstand seine größte Annäherung erreichen.
Einen der fünf bekannten Monde, Miranda, wird die Sonde sogar
aus nur 29 000 km Entfernung beobachten können. Dieser Trabant hat knapp 500 km Durchmesser und gilt als der Innenmond
des Uranus.
In dem Zeitraum von vier Stunden vor bis zwei Stunden nach
dem Rendezvous mit dem Planeten werden die elf Instrumente an
Bord auf Hochtouren arbeiten. Schon im Frühsommer dieses Jahres wurde einer der Bordcomputer umprogrammiert, um z.B. die
Bilddaten so zu komprimieren und neu zu verschlüsseln, daß in
der wichtigsten Beobachtungsphase pro Tag 200 Aufnahmen zur
Erde übermittelt werden können. Von jedem einzelnen Bildelement wird dann nicht mehr der absolute, sondern der relative
Helligkeitswert gesendet. Die Zeit für die Übertragung läßt
sich dadurch auf weniger als die Hälfte reduzieren. Das jetzt
weitaus leistungsfähigere Kodierungssystem an Bord, das u.a.
Fehlerquellen im Datenstrom weiter einschränkt, machte allerdings kompliziertere Aufnahme- und Aufbereitungsverfahren in
den Empfangsstationen erforderlich.
Große Antennenanlagen in
der USA, Australien und Europa wurden zusammengeschaltet, um
die Empfindlichkeit zur Aufnahme der Signale zu erhöhen. Wegen der großen Entfernung der "Sendestation" VOYAGER 2 kommen
diese nur noch stark abgeschwächt hier an.
Wissenschaftliche Aufgaben beim Rendezvous von VOYAGER 2
mit dem Planeten Uranus sind u.a. Ermittlung seiner Rotationsgeschwindigkeit, Sondierung
seiner Atmosphäre, Beobachtung
bzw. Postionsbestimmung von Wolken, Messung von Windgeschwindigkeiten in der jetzt auf der Sonnenseite liegenden südlichen
Hemisphäre, Suche nach weiteren Monden und Ringen (zwei der
dünnen bisher bekannten neun Ringe sind stark exzentrisch),
Studium der Mondoberflächen - soweit dies möglich ist.
Angesichts der
- 2 -

�Angesichts der sehr kurzen Nahbeobachtungsphase wahrend
des Vorbeiflugs mit hoher Geschwindigkeit und der wegen des
schwachen Sonnenlichts notwendigen langen Belichtungszeit für
die Aufnahmen der Fernsehkamera ergibt sich ein besonderes
Problem.
Um das "Verschmieren" der Aufnahmen vom Uranus zu
verringern, muß die Bordkamera von VOYAGER 2 eine entsprechende Gegenbewegung ausführen.
Dies geschieht jetzt durch Drehung bzw. Gegenlaufen ihrer Montageplatte zur Flugrichtung.
Zusätzliche Schwierigkeiten ergeben sich aus der langen Laufzeit der Signale von der Sonde zur Erde oder von Funkbefehlen
von der Erde - sie beträgt beim Rendezvous von VOYAGER mit
Uranus zwei Stunden und 45 Minuten und ist bedingt durch die
große Entfernung.
Zwischen Erde und Sonne beträgt die Laufzeit nur acht Minuten.
Das erste Bild vom Uranus übermittelte die Sonde am 15.
Juli 1985. Der Planet habe ausgesehen wie ein "blauer, rasch
fliegender Tennisball", sagte Edelson.
Von seiner Gashülle
war nichts zu erkennen. "Aber wir erlebten doch schon einige
Überraschungen", meint der Wissenschaftler. So lasse das Fehlen von Radioemissionen vom Uranus auf ein sehr schwaches Magnetfeld schließen - sofern er überhaupt eines besitzt. Vielleicht sei es auch von ganz ungewöhnlicher Natur.
Bei seinem Umlauf um die Sonne liegt Uranus, im Gegensatz
zu allen anderen Planeten, gewissermaßen auf der Seite. Seine
Achse ist - vielleicht verursacht durch eine Kollision mit einem anderen Körper - um mehr als 90 Grad gekippt, so daß er
als einziger Planet im Sonnensystem nicht senkrecht oder zur
Senkrechten leicht geneigt, sondern horizontal und parallel
zur Umlaufebene rotiert.
Für eine Sonnenumrundung benötigt
Uranus 84 Jahre. Dabei ist der eine Pol jeweils 42 Jahre lang
der Sonne zugekehrt (gegenwärtig ist es der Südpol), während
sich der andere Pol im Dunkeln, auf der Nachtseite befindet.
Aufgrund dieser Faktoren dürften die Wetterbedingungen ganz
ungewöhnlich sein.
Möglicherweise habe sich ein besonderer
atmosphärischer Mechanismus entwickelt, meint Projektwissenschaftler Edward Stone vom "California Institute of Technology", um die am einen Pol deponierte Wärme zum kühleren Äquatorbereich und weiter zum anderen Pol zu transportieren. Eine
innere Wärmequelle scheine nicht vorhanden zu sein. "Wir werden uns das Wettersystem ansehen und auch auf der dunklen Seite des Uranus die Temperaturen messen, die als sehr tief angenommen werden."
Die mittlere Oberflächentemperatur wird mit
minus 200 Grad Celsius angegeben.
Nach Ansicht vieler Wissenschaftler besitzt Uranus einen
Gesteinskern etwa von der Größe der Erde (sein Volumen macht
das Fünfzigfache des Erdvolumens aus). Unterhalb seiner Atmosphäre und dunstigen Wolkenschicht könnte sich ein Meer geschmolzenen Eiswassers befinden, vermutet Stone.
Aufgrund
früherer Beobachtungen sei auch die Möglichkeit nicht von der

�von der Hand zu weisen, daß das Verhältnis von Wasserstoff zu
Helium in der Atmosphäre ganz anders als erwartet sein könne vielleicht gar mit einem Anteil von 40 Prozent Helium, was
einzigartig im Planetensystem wäre.
Die Nahbeobachtungen am Uranus
1986. Dann befindet sich VOYAGER 2
die Sonde weiterführt zum Planeten
Milliarden Kilometer).
Dort wird
treffen.

* * * * *

dauern
bereits
Neptun
sie am

bis zum 25. Februar
auf einem Kurs, der
(Sonnenabstand: 4,5
25.August 1989 ein-

�</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 18.12.1985</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Berlin und die Sache der Freiheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Außenministers in Berlin -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanische Strategische Verteidigungsinitiative:&lt;br /&gt;Eine ethische Wertung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Paul H. Nitze -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Menschenrechte vor dem Hintergrund der Ost-West-Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Richard Schifter -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vorstoß in die rätselhafte Welt des Uranus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Raumsonde VOYAGER 2 kommt am 24. Januar 1986 zum Rendevous -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

1 1 . Dezember 1985

49

I N H A L T

INFORMATION
John Poindexter zum neuen US-Sicherheitsberater ernannt
DOKUMENTATION
Abschreckung, Stabilität, Abrüstung; Ziele von SDI
- Ausführungen von US-Verteidigungsminister Weinberger in
Bonn anläßlich des 8. NATO Round Table HINTERGRUNDMATERIAL
Rüstungszusammenarbeit im Atlantischen Bündnis
- Von David M. Abshire, Ständiger Vertreter der Vereinigten
Staaten im Nordatlantikrat WISSENSCHAFT UND TECHNIK
US-Wissenschaftler gelingt Durchbruch in der Agrarforschung
- Blaues Licht fördert Pflanzenwachstum -

* * * * *

Um Übcr/cnduno von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�11. December 1985

49

John Poindexter zum neuen US-Sicherheitsberater ernannt

- (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 4. Dezember 1985
Vize-Admiral John Poindexter zum neuen Nationalen Sicherheitsberater ernannt.
Der am 12. August 1936 geborene Nachfolger
von Robert McFarlane wurde an der Marineakademie in Annapolis
ausgebildet, die er 1958 als Klassenbester verließ.
In der
Folge promovierte er in Nuklearphysik und diente als Assistent
in den Stäben dreier Marineminister.
Während seiner Marinelaufbahn fuhr Poindexter auf einer
Reihe von Kriegsschiffen.
Unter anderem kommandierte er den
Lenkwaffenkreuzer USS ENGLAND und das 31. Zerstörergeschwader.
Nachdem er dem Stab des Nationalen Sicherheitsrates schon
als militärischer Berater angehört hatte, war John Poindexter
am 17. Oktober 1983 zum Stellvertreter des Nationalen Sicherheitsberaters ernannt worden.
Während der öffentlichen Vorstellung des neuen Sicherheitberaters im Weißen Haus bezeichnete Präsident Reagan dessen
Leistungen in seiner vorherigen Funktion als "beispielhaft".
Er habe seit seiner Ernennung zum militärischen Berater des Nationalen Sicherheitsrates eine "Schlüsselrolle" gespielt. Mit
der Ernennung von Admiral Poindexter für diese "Schlüsselposition in unserer Nationalen Sicherheitsorganisation" habe er
dessen in der Vergangenheit geleisteten "wichtigen Beitrag zur
Formulierung und Ausführung unserer bedeutenden außenpolitischen Ziele" honoriert und gleichzeitig den "großen Wert", den
er selbst als Präsidentder "Kontinuität unserer Außenpolitik"
beimesse unterstrichen.
John Poindexter ist verheiratet und
hat fünf Söhne.
* * * * *

Postfach 20 03 00 rel W2Ö-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Dokumentation

i

United States Information Service
Embassy of the United States of America

11. Dezember 1985

49

ABSCHRECKUNG, STABILITÄT, ABRÜSTUNG:

ZIELE VON SDI

Ausführungen von US-Verteidigungsminister Weinberger
in Bonn anläßlich des 8. NATO Round Table -

BONN
- (AD)
- Der
amerikanische
Verteidigungsminister
Caspar W. Weinberger nahm im Rahmen des 8. NATO Round Table am
5. Dezember 1985 in Bonn ausführlich zu den Zielen der Strategischen Verteidigungsinitiative (SDI) der Vereinigten Staaten
Stellung. An der von der Konrad-Adenauer-Stiftung veranstalteten Podiumsdiskussion nahm unter anderem auch der Bundesminister der Verteidigung, Manfred Wörner, teil.

Die Ausführungen des amerikanischen
haben folgenden Wortlaut:

Verteidigungsministers

Vielen Dank, Herr Vorsitzender.
Es ist eine Freude für
mich, hier zu sein, und insbesondere, das Podium mit meinem guten Freund Manfred Wörner zu teilen, der solch ein fähiger und
außergewöhnlich brillianter Vertreter der Bundesrepublik ist,
und der dies vor ein paar Tagen gerade erst wieder in Brüssel

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�in Brüssel gezeigt hat. Es ist deshalb eine besondere Ehre und
Freude, von Ihnen eingeladen zu sein, um einige dieser höchst
wichtigen Dinge mit Ihnen zu besprechen, und deshalb freue ich
mich besonders auf die anschließende Fragestunde, eine Gelegenheit bei der ich sicher sein kann, daß ich wenigstens einer
Person etwas Interessantes sagen kann - der des Fragenden. Und
darauf freuen wir uns ebenfalls.
Ich glaube, daß der Ausgang des Genfer Gipfels ein extrem
positiver war, und daß es nun neue Hoffnung auf eine bessere
Zukunft gibt, die auf einem wesentlich gesünderen Verhältnis
zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion basiert.
Bis dahin ist noch harte Arbeit zu leisten. Es war nicht beabsichtigt, und es wurden ja auch wirklich keine definitiven EntSchlüsse bei diesem Treffen erreicht, aber den Sowjets boten
sich viele Gelegenheiten zu erkennen, was für eine Art von
Mensch der Präsident ist und selbst zu entscheiden, wie tief
und aufrichtig sein Friedenswille und wie fest er entschlossen
ist, die Maßnahmen zu treffen, die nach seiner Ansicht die besten zur Erreichung des Friedens sind.
Sie konnten außerdem
feststellen daß seine Ungeduld, ein Abkommen zu erreichen,
nicht irgendwelchen Motiven entspringt - daß sie sich nicht,
wie es leider schon oft geschehen ist, auf ihre Fähigkeit verlassen können, eine Entscheidung ungeduldiger Demokratien einfach auszusitzen, wie sie es auszudrücken pflegen.
Im Hinblick auf vergangene Probleme wurde während dieses
Treffens der Notwendigkeit von tiefgreifenden Verringerungen
der offensiven atomaren Waffen und der Uberprüfbarkeit breiter
Raum eingeräumt und es gab, wie ich glaube, am Ende bei den Sowjets ein klares Verständnis der Entschlossenheit des Präsidenten mit den Forschungsarbeiten für eine strategische Verteidigung fortzufahren.
Diese Forschung geht ohne Einschränkungen
weiter und es ist, wie ich glaube, sehr wichtig, daß die Sowjets im direkten Kontakt mit dem Präsidenten verstehen, welch
enorm hohe Priorität er diesem Programm beimißt, und seine
Gründe dies zu tun - welche sehr einfach sind. Nach der festen
Überzeugung des Präsidenten, bietet SDI der Menschheit mehr
Hoffnung als irgend etwas, was in der Vergangenheit vorgeschlagen wurde. Manche Leute haben es als das einzig wirklich neue
strategische Prinzip der letzten 40 Jahre bezeichnet. Ob dies
nun wahr ist oder nicht, ist meiner Meinung nach nicht so wichtig wie die Hoffnung, die es bietet, falls die Forschung die
Machbarkeit eines vollkommen zuverlässigen Verteidigungssystems
beweist - die Hoffnung, die es der Welt bietet, um dem Schatten
dieser furchtbaren Waffen zu entkommen, der seit ihrer Entdekkung über der Welt liegt.
Zusätzlich zu den Geschehnissen in Genf ist es meiner Meinung nach wichtig zu sehen, was in Brüssel geschehen ist. Unmittelbar nach dem Genfer Treffen begab sich der Präsident
dorthin, um die Regierungschefs über die Ereignisse von Genf zu
- 2 -

«
*•

r

�Genf zu unterrichten. Außerdem ist es wichtig zu beachten, was
sich vor ein paar Tagen in Brüssel zugetragen hat, als Manfred,
ich und die anderen Verteidigungsminister uns dort trafen, und
nicht nur die starke Unterstützung für die Verhandlungsführung
in Genf zu erleben, sondern auch die Einigkeit, den Zusammenhalt und die Stärke, die daraus für das Atlantische Bündnis erwachsen. Es war einmal eine populäre Behauptung - und in einigen Lagern mag dies immer noch zutreffen -, daß die NATO sich
in einer sehr schwierigen Lage befinde, daß sie von der Sowjetunion unter Druck gesetzt werden mit Versuchen, die Demokratien
über Problemen wie Abrüstung und strategische Verteidigung zu
spalten, und daß sie andererseits unter einer Vielzahl von natürlichen Meinungsverschiedenheiten leide, wie sie in einer Familie oft vorkommen. Pessimisten sagen uns, daß unsere 40jährige Verpflichtung zur kollektiven Sicherheit sich dem Ende nähert. Und sie sagen außerdem, daß durch die beispiellose sowjetische Aufrüstung die traditionellen Verpflichtungen überflüssig geworden sind, und daß das Bündnis gespalten sei, und
so weiter.
Glücklicherweise ist, wie ich meine, nichts davon
wahr.
Wir haben einige Kritiker in den Vereinigten Staaten die,
weil sie wissen wie unpopulär der Begriff des "Isolationismus"
ist, nun von Unilateralismus sprechen.
Nach dieser Theorie
können die Vereinigten Staaten irgendwie ihren Status als Weltmacht aufrechterhalten, ohne diese Bündnisse zu brauchen, die
sowieso immer von irgendwelchen Leuten zu Hause abgelehnt werden. Das ist selbstverständlich Unsinn. Es ist ein sehr gefährlicher Unsinn. Es ist ein Rückschritt hin zum Isolationismus, der in meinem Leben schon zweimal gründlich diskreditiert
worden ist. Und außerdem ist diese Meinung gänzlich unwahrhaftig, weil das Bündnis sehr stark und sehr einig ist, und weil
das NATO-Bündnis zur Zeit vielleicht stärker ist als je zuvor.
Diese Analyse - dieser isolationistische Versuch - mißversteht
gründlich die Wurzeln der westlichen kollektiven Verteidigung.
Ich habe dies schon mehrmals in meinem Lande und bei NATO-Treffen betont, daß die Vereinigten Staaten nicht aus rein altruistischen Gründen Mitglied der NATO sind. Es ist wahr, daß wir
die Freiheit verteidigen und daß wir mit unserer Mitgliedschaft
in der NATO zur Verteidigung Europas beitragen wie alle anderen
NATO-Partner. Aber es ist ebenso wahr, daß wir die Vereinigten
Staaten verteidigen, und mit unserer Präsenz verteidigen wir
auch die Freiheit. Wir verteidigen unseren gemeinsamen Glauben
an die Prinzipien der westlichen Zivilisation und daran, daß
das Bündnis einer Sache dient, die alle kurzfristigen Interessen überdauert. Die NATO verteidigt die westliche Welt und all
ihre erhabenen Traditionen wie Selbstregierung, die Traditionen
der Menschenrechte und der freien Wirtschaft. Wenn dies kein
gemeinsamer Glaube wäre, dann wäre die NATO wirklich ein hohles
Bündnis, das meiner Meinung nach schon vor Jahren zusammengebrochen wäre. Nach dem Brüsseler Treffen kam es auf der darauffolgenden Pressekonferenz übrigens zu einem interessanten klei-

�interessanten kleinen Vorfall: Aus dem Gefühl der Enttäuschung
heraus, daß es auf dem Treffen keine Konflikte gegeben hatte,
über die man hätte schreiben können, und weil demzufolge auf
die Journalisten eine uninteressantere Aufgabe wartete, fragte
mich ein Reporter in offensichtlicher Frustration, ob ich nicht
auch der Meinung sei, daß die NATO zu einer rein administrativen Institution geworden sei, die nur noch automatisch Kommuniques verabschiede. Nach mehr als 20 NATO-Treffen, die ich bislang mitgemacht hatte, mußte ich ihm jedoch sagen, daß die NATO
eine Gruppe absolut souveräner Staaten sei, und daß die Einigkeit, die sich aus den zwei letzten Treffen in Form unangefochtener Kommuniques und gemeinsam verabschiedeter Resolutionen
zur Unterstützung der Position des Präsidenten in Genf sowie
unserer Position bei der Rüstungsverringerung und ähnlichem gezeigt habe, nur ein umso deutlicherer Beweis für das Maß an Einigkeit sei, das derzeit im Bündis herrscht.
Natürlich sind
wir absolut souveräne Staaten und es wird immer Meinungsverschiedenheiten geben, aber ich glaube, unsere gemeinsame Hingabe an die demokratischen Werte und Entscheidungsprozesse des
Westens war nie deutlicher zu erkennen, als bei unserer derzeitigen Einigheit hinsichtlich der vielen politischen Beschlüsse,
die von so entscheidender Bedeutung sind. Dabei ist das deutlichste Beispiel für die Stärke der NATO und ihre Einigkeit die
Verwirklichung des Doppelbeschlusses, bei dem trotz des gewaltigen
Propagandadruckes, den die Sowjets seit 1979, als der
Doppelbeschluß gefaßt worden war, ausübten, die Dislozierung
begann und weiter fortgesetzt wird. Dabei gingen die Sowjets
sogar so weit, daß sie die Verhandlungen in Genf mit dem Hinweis Verliesen, sie würden nie mehr dahin zurückkommen.
Sie
kamen aber zurück und die Abrüstungsverhandlungen werden fortgesetzt, das Bündis ist stärker denn je und die Dislozierungen
gehen weiter.
Zusätzlich wurde die Solidarität des Bündnisses gestärkt
durch Beschlüsse, wie den der Bundesrepublik Deutschland, die
Wehrpflicht von 15 auf 18 Monate zu verlängern. Dies lässt den
Schluß zu, daß die Bündnismitglieder mutige politische Schritte
zur Sicherung der kollektiven Verteidigung unternehmen werden.
Es ist eine interessante Sache, es erinnert mich stark an die
Frühzeit in der politischen Karriere des Präsidenten, als er
als Gouverneur von Kalifornien einige schwierige, aber seiner
Meinung nach richtige, Schritte vorschlug und einige seiner Berater ihre Hände über dem Kopf zusammenschlugen und sagten:
"Aber Herr Gouverneur, wenn Sie das tun, werden Sie niemals
wiedergewählt."
Aber Präsident Reagan antwortete auf solche
Bemerkungen nur: "Aber ich bin doch nicht hier, um wiedergewählt zu werden." Und es ist nicht so, daß die Wähler politisch mutigen Entscheidungen nicht zustimmen würden. Die Karriere des Präsidenten beweist dies, und ich glaube, daß es
wichtig ist, festzustellen, daß in jedem der NATO-Länder, in
denen seit der Stationierung der neuen Mittelstreckenraketen
Wahlen stattgefunden haben, die Wähler Regierungen bestätigten,

�Regierungen bestätigten, die diese Stationierung unterstützt
hatten, in Großbritannien, der Bundesrepublik Deutschland, Italien und Belgien.
Ende Oktober beendete die Nukleare Planungsgruppe der NATO
ein Treffen, das wieder einmal, wie ich sagte,von Solidarität
und der Bereitschaft zur Vertretung einer gemeinsamen Position
bestimmt war.
Zusätzlich zur eindeutigen Unterstützung der
strategischen atomaren Abschreckung stellten die NATO-Minister
gemeinsam ernste Verletzungen von existierenden Rüstungskontrollabkommen durch die Sowjets fest - zum Beispiel die Stationierung der mobilen Interkontinentalrakete SS-25 nachdem die
SS-24 als von diesem Abkommen, das sie angeblich weiterhin einhalten, zugelassene Rakete notifiziert worden war,und der Bau
einer nicht zulässigen Raketenabwehr-Radarstation in Krasnojarsk.
Als sich Präsident Reagan mit Generalsekretär Gorbatschow
in Genf traf, tat er dies mit dem vollen Vertrauen des Atlantischen Bündnisses. Mit den Worten von Botschafter Abshire befindet sich das westliche Bündnis wieder "in Bewegung".
Ich schlage vor, daß sich die Unilateralisten noch einmal
mit den Gründen für die Schaffung des Bündnisses befassen. Die
Einheit des Atlantischen Bündnisses basiert auf der Nachkriegserkenntnis, daß in großem Maßstab die Welt durch zwei fundamental verschiedene politische Lehren gespalten wurde. Die fortdauernde Freiheit und der potentielle Wohlstand der westlichen
Welt hängen von der Pflege der politischen Bande zwischen Staaten mit gleichartigen Überzeugungen ab, wie den Vereinigten
Staaten und Westeuropa. Es ist nicht nur die Zukunft Europas,
die vom NATO-Bündnis gesichert wird, sondern das gleiche trifft
auch für die Vereinigten Staaten zu. Es wird allgemein anerkannt, daß die aggressive Natur der Sowjetunion eine möglichst
feste Antwort verlangt, wie sie nur ein enges Bündnis zu geben
in der Lage ist. Und nur ein enges Bündnis wird offene und offensichtliche Differenzen über einzelne Angelegenheiten haben
und wird diese ungestüm und lebhaft ausdiskutieren, wie wir es
tun, und zu der Einsicht gelangen, daß unsere Einmütigkeit und
Einigkeitein integraler Bestandteil unserer Stärke sind.
Ich kann während der letzten 40 Jahre keine Veränderung erkennen, durch welche das Bündnis seine Bedeutung oder Daseinsberechtigung verloren hätte. Es sind ja auch gerade die Unilateralisten, die, wie ich meine, uns als erste an die ideologische Kluft zwischen Ost und West erinnern.
Trotzdem möchten
sie, daß wir unsere stärkste Waffe und beste Hoffnung zur Sicherung der westlichen Demokratien aufgeben.
Das Bündnis ist gegenwärtig mit einer Vielzahl von Problemen konfrontiert, und es gibt zwei oder drei Möglichkeiten, sie
anzupacken. Die Methode des Warschauer Pakts, nach der unwil-

�der unwillige Staaten oft durch wirtschaftlichen und militärischen Druck dazu gezwungen werden, Positionen einzunehmen, die
sie eigentlich ablehnen - oder die freiheitliche Methode des
NATO die, natürlich, viele lebhafte politische Debatten und
Diskussionen und manchmal auch längere Treffen, als unser letztes in Brüssel, zur Folge hat, um diese Art von Übereinstimmung
zu erzielen.
Aber ich glaube, daß die größte Herausforderung der Zukunft
nicht nur die Einigkeit des Bündnisses ist, die wir sicherlich
brauchen, sondern die Frage, wie wir unsere atomare Abschrekkung stärken können; was wir tun können, um die NATO darin zu
unterstützen, ihre Ziele zu erreichen und ihren Erfolg fortzuführen. Ich führe nämlich die Tatsache, daß wir in den vergangenen Jahren die längste Friedensperiode der jüngeren Vergangenheit erlebten, ganz wesentlich auf die Stärke, Einigkeit und
gemeinsamen Ziele der NATO zurück. Eine Möglichkeit zur Stärkung der atomaren Abschreckung besteht meiner Meinung nach in
der Strategischen Verteidigungsinitiative.
Unsere Strategie
der flexiblen Antwort ist Teil eines Versuchs, Kriege über die
ganze Skala eines Konflikts zu verhindern. Wir haben die wichtige Stationierung der Mittelstreckenraketen.
Wir haben Möglichkeiten vor konventionellen und atomaren Konflikten, abzuschrecken, indem wir einen potentiellen Angreifer mit der Aussicht auf die von ihm selbst eingeschätzten Verluste konfrontieren - und das ist natürlich das Schwierige an der Abschrekkung. Man muß sich in die Köpfe der Sowjets hineinversetzen.
Es geht nicht darum, was uns abschrecken würde - es geht darum
was sie abschrecken würde. Ein möglicher Angreifer muß davon
überzeugt werden, daß seine Verluste zweifellos jedwede möglichen Gewinne übersteigen würden. Aber selbst im Hinblick auf
unsere extrem wichtige konventionellen Streitkräfte ist unsere
gegenwärtige Abschreckung letztlich in strategischen nuklearen
Arsenalen verankert. In den siebziger Jahren und davor meinten
wir, man könne die strategische Abschreckung durch die Aufrechterhaltung gegenseitiger Verwundbarkeit stabilisieren, eine
Bedingung, die angeblich ein fester Bestandteil des ABM-Vertrags von 1972 ist.
Bis vor kurzem herrschte die weitverbreitete Überzeugung,
daß diese Doktrin der vereinbarten gegenseitigen Verwundbarkeit
ein Naturgesetz sei - eine unveränderliche Tatsache des Lebens.
Es ist aber so, daß mukleare Strategien den Stand der Technik
reflektieren - die sichere gegenseitige Zerstörung (MAD) war
keine Strategie der NATO in den ganzen vierzig Jahren ihrer
Existenz - die menschliche Überlegungen spielen auch eine große
Rolle in der Auswahl von Strategien.
Strategische Doktrinen
ändern sich.Deshalb wurde sogar im ABM-Vertrag selbst festgestellt, daß der Stand der defensiven Technologie von 1972 keinen Bestand haben könnte, und es wurde ausdrücklich auf weitere
Verhandlungen verwiesen, falls eine strategische Verteidigung
durch die Technik ermöglicht würde.
Die
Technologie

�Die Technologie und der innovative Geist wurden weder von
der Entdeckung der Kernspaltung noch von der der Kernverschmelzung aufgehalten.
Gegenwärtig haben wir eine starke Abschrekkung, die auf starken Offensivwaffen beruht, und dies muß so
bleiben, bis etwas besseres oder anderes möglich ist. Aber wir
können deshalb nicht ohne weiteres annehmen, daß die Technologien, die heute zu einer Dominanz der Offensive führen, nicht
irgendwann in der Zukunft von Technologien abgelöst werden, die
einer defensiven Strategie zum Durchbruch verhelfen.
Tatsächlich ist unser SDI-Forschungsprogramm Monat für Monat rasch vorangeschritten, und es hat uns viele Beispiele für
bedeutende Fortschritte geliefert.
Interessanterweise bezog
sich dieser Fortschritt nicht nur auf das Ziel herauszufinden,
ob eine wirklich zuverlässige Verteidigung machbar ist, sondern
sie erbrachte auch eine Menge von enorm wertvollen Vorteilen
für die Menschen insgesamt, auf wirtschaftlichem Gebiet, wenn
Sie so wollen, und zusätzlich ergaben sich Möglichkeiten zur
Verbesserung unserer konventionellen Verteidigung.
Es gibt da ein oder zwei Beispiele die zeigen, wie schnell
dies alles voranschreitet.General Abrahamson, der unser Programm leitet, hatte vorher die Aufsicht über unser Raumfährenprogramm, mit dem wir die gleiche Erfahrung der Entwicklung von
anderen Technologien, quasi als Nebenprodukt, machten. General
Abrahamson beschrieb den Fortschritt bei der Strategischen Verteidigungsinitiative als eine Situation, in der Barrieren, von
denen wir in der Vergangenheit angenommen hatten, daß sie für
verschiedene bestimmte Ziele viel zu hoch seien, nun mit fortschreitender Forschung in sich zusammenfallen, und zwar viel
schneller als wir es für möglich gehalten hatten.
Ein kürzlich auf Hawaii durchgeführtes Experiment ergab,
daß wir die abschwächende Wirkung der Atmosphäre auf einen Laserstrahl ganz ausschalten können. In der Vergangenheit wurden
Laserstrahlen durch verschiedene Arten von Wetterstörungen negativ beeinflußt. Nun aber glauben wir, daß ein bodengestützter Laser einen hochwertigen Laserstrahl in den Weltraum projizieren kann. Dieser sowie andere Durchbrüche haben uns überzeugt, daß ein bodengestütztes Laser-Raketenabwehrsystem mit
raumgestützten Elementen bis zur Mitte der neunziger Jahre
machbar sein könnte.
Übrigens wird damit auch ein beliebtes
Argument der SDI-Gegner zunichte gemacht, daß dieses System
nämlich nur bei gutem Wetter funktionieren würde, und wir glauben, daß dies nicht der Fall ist. Jedenfalls bedeutet es ein
ziemlich wirkungsvolles Argument dagegen.
In einem weiteren bemerkenswerten, an einer unserer Universitäten, der Auburn-Universität erzielten Durchbruch wurde ein
neuartiger Kondensator mit einer hundertfachen Gewichtsverringerung entwickelt, um eine bestimmte Menge Energie zu speichern. Dies hat enorme Rückwirkungen für raumgestützte Vertei- 7 -

�raumgestützte Verteidigungselemente, und
reichende zivile Anwendungen finden.

es könnte

auch weit-

Als demokratische Staaten, so scheint es mir, sind wir verpflichtet, die bestmögliche Abschreckung zu entwickeln. In den
Worten von Bundeskanzler Kohl verdient "jede Möglichkeit, sich
vom düsteren Drohbild eines nuklearen Holocaust als letztem
Mittel der Kriegsverhinderung zu entfernen, gewissenhafte Prüfung" .
Und dies ist g enau d as, was wir mit der stra tegischen Ver
Es ist eine gewissen haft
teid igung im Begri ff sirid zu tun.
Prüf ung der Möglicl"ikeit, die Abschreckung durch verstärkt e Be
tonung und größere Verla ßlichkeit de fensiver Sys;teme zu erhö
hen.
Gleichzeitig geben wir jedoch unsere Offisnsive at omar
Absc hreckung nicht auf, sondern wir stärken und modernisiere
sie im notwendigen Maß. Ebenso versuchen wir, d ie Sowjet unio
in D iskussionen über einen gut d urchg eführten Übergang zu eine
stab ileren Welt einzubind en.
Ich glaube, daß es während der intensiven Diskussionen der
letzten Monate eine Menge Mißverständnisse über die strategische Verteidigung gegeben hat.
Es ist meiner Meinung nach
wichtig zu erkennen, was SDI nicht darstellt: Unsere Forschung
ist kein Versuch, nur die Vereinigten Staaten vor sowjetischen
Interkontinentalraketen abzuschirmen. Tatsache ist, daß, falls
die Strategische Verteidigungsinitiative Früchte trägt, es nach
Meinung der Wissenschaftler einen Schutz gegen ballistische Raketen strategischer sowie mittlerer Reichweite bieten wird.
Übrigens wird es etwas einfacher sein, mit den Mittelstreckenraketen fertig zu werden wegen ihrer spezifischen Flugbahnen.
Es würde jedenfalls die Abschreckung vergrößern und die Verteidigung Europas und der Vereinigten Staaten stärken.
Wegen des breiten Abschreckungspotentials hat Präsident
Reagan von Anfang an zu einer europäischen Teilnahme an der
Entwicklung dieser Technologien ermutigt.
Das wissenschaftliche und technologische Können der NATO-Verbündeten kann eine
überaus wertvolle Komponente des ganzen SDI-Forschungsprogramms
sein, und wir würden daher jede Art von Beteiligung, die die
Nutzung ihrer Fähigkeiten zu unser aller Verteidigung ermöglicht, begrüßen.
Manchmal wird auch behauptet, daß die einzigen Technologien, die sich aus diesem Programm ergeben würden, diejenigen
wären, die zur Abschreckung auf nuklearem Niveau beitrügen.
Aber wir sind, wie ich schon sagte, der Meinung, daß es überaus
wertvolle Nebenprodukte geben wird, die dem Studium der Lasertechnologie und den erheblich verbesserten Möglichkeiten im
Computerbereich entspringen werden, und die wir ohnehin benötigen, wenn die Forschung Früchte tragen soll. All dies könnte
einen erheblichen Beitrag sowohl zur konventionellen Abschrek- 8 -

�konventionellen Abschreckung wie auch zu unser aller Lebensqualität leisten. Von all diesen Beiträgen und den potentiellen
Beiträgen zu einer robusteren westlichen Abschreckung abgesehen, ist diese Forschung unserer Meinung nach aus zwei sehr
einfachen Gründen sehr stabilisierend - zwei Gründe, die uns in
unserer Überzeugung bestärken, daß die Forschung fortgesetzt
werden muß. Erstens betreiben die Sowjets selbst seit mindestens zwei Jahrzehnten mit größtem Nachdruck Forschung im Bereich der strategischen Verteidigung - und ich kann mir nichts
destabilisierenderes vorstellen als ein sowjetisches Monopol
bei verteidigungsbezogener Forschung.
Wir haben Bücher über
alles veröffentlicht, was unsere Geheimdienste uns über diese
Programme zu sagen erlauben. Sie sind uns, offen gesagt, auf
erschreckende Weise in manchen Bereichen voraus - in der Forschung der neutralen Teilchenstrahlen und der bodengestützten
Laser arbeiten sie schon lange Zeit. Mir scheint, ganz gleich,
was wir selbst über die strategische Verteidigung denken - ein
fortdauerndes sowjetisches Monopol in diesem Bereich kann jeden
nur mit der allergrößten Sorge erfüllen, zumindest all jene,
die an das Überleben der Freiheit glauben.
Der zweite Grund dafür, daß SDI die Stabilität erhöhen
kann , liegt seiilicht darin, daß die Ab schreckung, die sich auf
die Fähigkeit stützt, Leben zu retten und einen Angriff abzuschwächen, wei t stabiler ist als eine Abschreckung, die sich
auf das stützt., was Bundeskanzler Kohl das "düstere Drobild eines nuklearen Holocaust" nennt. Eine Stra tegie der Verteidigung ist wirkl ich glaubwürdiger als eine, die sich lediglich
auf Vergeltung oder auf das stützt, was d er Präsident häufig
einen "gegensei tigen Selbstmordpakt" nennt.
Ein Hauptziel der Genfer Strategie von Herrn Gorbatschow
bestand darin, das Programm dadurch aufzuhalten oder zu beschneiden, daß er die Vereinigten Staaten beschuldigte, den
Frieden durch - wie er es nennt - "Militarisierung des Weltraums" zu bedrohen. Die Wahrheit ist jedoch, daß unsere Strategische Verteidigungsinitiative in Wirklichkeit eine strategische Verteidigungsreaktion auf das Potential der Sowjets bei
dem System ihrer Art wie auch auf ihre gewaltigen Investitionen
im ABM-Bereich ist.
- Die Sowjetunion verfügt über das einzige einsatzbereite Antisatellitensystem der Welt.
- Die Sowjetunion besitzt das einzige einsatzbereite ABM-System. Es schützt Moskau und ist ein System, das immer wieder weiter verbessert wird.
- Seit Jahren betreiben die Sowjets intensive Forschung im
Bereich fortgeschrittener weltraumgestützter strategischer
Technologien, einschließlich Teilchenstrahlwaffen, Radiofrequenzwaffen, Waffen auf der Grundlage kinetischer Energie und Hochenergielaser.
Mehr als 10 000

�- Mehr als 10 000 sowjetische Wissenschaftler betreiben Forschung im Laserbereich; die Sowjets haben bodengestützte
Laser, die schon jetzt unsere Satelliten stören könnten,
und Ende der achtziger Jahre könnten sie Prototypen von bodengestützten Lasern haben, die in der Lage sind, ballistische Raketen zu treffen.
- Sie haben ein Radarsystem, das über die Fähigkeit verfügt,
als Teil eines landesweiten ABM-Systems verwendet zu werden.
Wir haben kürzlich im einzelnen diesen Teil der sowjetischen Bemühungen dokumentiert und wir haben auch, wie ich erwähnt habe, in unserer Publikation "Soviet Strategie Defense
Programs" alles dargelegt, was wir über ihre Forschung sagen
können.
Deswegen glauben wir, es ist unverantwortlich und es wäre
gefährlich, die Frage der strategischen Verteidigung außerhalb
des Kontextes der umfangreichen offensiven Aufrüstung der Sowjetunion, ihres aktiven ABM-Programms und ihres Forschungsprogramm der strategischen Verteidigung zu diskutieren.
Dr. Velikow, einer der führenden Experten in der Sowjetunion auf dem Gebiet der Hochenergie-Laserwaffen, der selbst
für einen Großteil ihres Verteidigungsprogramms zuständig ist,
ist der Mann, den sie einsetzen, um unsere Programme als aus
ihrer Natur heraus unerreichbar wie auch als unerwünschbar anzuprangern, und ihm ist die Aufgabe zugewiesen worden, sie in
die Lage zu versetzen, ihr Monopol aufrechtzuerhalten.
Einige Europäer brachten ihre Befürchtung zum Ausdruck, daß
unsere SDI-Bemühungen Amerika von Europa "abkoppeln" könnten.
Ich denke, daß dies völlig unbegründet ist. Nichts stünde mehr
unseren Interessen entgegen. Nichts würde oder sollte Amerika
von Europa abkoppeln, denn die Sicherheit der Vereinigten Staaten ist nicht von der Sicherheit unserer Verbündeten zu trennen.
Neben der Stärkung der Abschreckung würde die strategische Verteidigung dazu beitragen, eine konventionelle Aggression abzuschrecken.
Dies dadurch, daß sie die Fähigkeit der
sowjetischen Mittelstreckenraketen vermindert - sowohl der konventionellen als auch der nuklearen -, Ziele in Westeuropa zu
zerstören, die natürlich für unsere gesamte konventionelle Verteidigung von entscheidender Bedeutung sind. Wenn wir die Fähigkeit der Sowjets einschränken, diese zu zerstören, dann haben wir, wie ich meine, auch die konventionelle Abschreckung
gestärkt.
Schließlich bietet die strategische Verteidigung den Sowjets einen echten Anreiz zu bedeutsamen Rüstungsverringerungen.
Viele von uns sind enttäuscht von dem langsamen Fortschritt bei dem Rüstungsabbau. Dies rührt zu einem großen Teil
davon her, daß die Sowjets immer der Meinung waren, wie ich
- 10 -

�wie ich schon sagte, daß sie uns nicht nur durch Abwarten überholen könnten, sondern daß auch unsere Entschlossenheit, genügend Offensivstärke zu erhalten, schwach sei; daß wir den langen Atem nicht haben würden, die finanziellen und anderen notwendigen Opfer hierzu nicht bringen würden - insbesondere nachdem Amerika durch ein Jahrzehnt ging, in dem wir unsere Mittel
für die Verteidigung verringerten und sie keinerlei Anreiz hatten, eigene Verringerungen zu vollziehen, jedoch allen Anreiz,
einfach abzuwarten und Verringerungen auszuschlagen, wodurch
die Verhandlungen über Rüstungsverringerungen in den letzten
Jahren nicht sehr ertragreich waren. Bei einem echten Anreiz
glaube ich jedoch, daß auch echte Rüstungsverringerungen möglich sind, wenn wir mit ihnen in eine offene Diskussion über
eine Abschreckung eintreten, die sich auf Verteidigung gründet.
Sie hätten dann keinen Grund, mit ihren gewaltigen Investitionen bei den Offensivwaffen fortzufahren. Es ist ziemlich offenkundig, daß sie gern eine Rechtfertigung hätten, um damit
aufzuhören, damit sie in der Lage wären, einen größeren Teil
ihrer Mittel auf den Versuch zu verwenden, ihre katastrophale
wirtschaftliche Lage im Lande selbst zu verbessern. Wir müssen
erneut betonen, wie wir das schon mehrfach getan haben und wie
es auch der Präsident in Genf tat, daß die strategische Verteidigung kein neues Wettrüsten bedeutet. SDI ist nicht kein neuer Versuch, einen Vorteil in der Offensive anzustreben. Es ist
kein System, das Waffen aus dem Weltraum auf Ziele auf der Erde
richten wird. Es ist kein System, das dazu dienen soll, Menschen zu töten. bEs ist ein System, das dazu dienen soll, nur
Waffen zu vernichten.
Daher liegt eine große Ironie in der Tatsache, daß die
freien Staaten der Welt die wahre Hoffnung energischer Kreativität und technologischer Erfindungsgabe sind. All die Dinge,
die wir bereits geschaffen haben in Form von Computern, Laserschallplatten, Krebsheilmitteln, Geräten, die Rechenvorgänge,
für die es früher Wochen und Monate bedurfte, auf Sekunden zusammendrängen, Routineflügen zum Mond - all diese anderen Dinge, die wir tun können - sind Beweis dafür, daß unsere Staaten
und die Staaten, die die Rechte des einzelnen schützen, wirtschaftlichen Unternehmergeist fördern und belohnen und die den
Ausdruck der eigenen Persönlichkeit schätzen, bei der Technologie im Vorteil sind.
Und doch gibt es viele unter uns, die vor der größten aller
Herausforderungen zurückschrecken - einer Herausforderung, die
nach der Vereinigung von kreativer Technologie und kluger politischer Tat ruft: Die Herausforderung, die schreckliche Drohung eines Atomkriegs zu überwinden. Ist es nicht seltsam, daß
es noch freie Männer und Frauen gibt, die voller Furcht vor
dieser Herausforderung sind und so bestrebt, vor dem Fortschritt in Richtung auf etwas zurückzuschrecken, was der Präsident stets als ein edles Ziel beschrieben hat?
Sicher
wird
- 11 -

�Sicher wird unsere Strategische Verteidigungsinitiative,
selbst wenn sie sich als über unsere größten Erwartungen hinaus
als erfolgreich erweisen sollte, nicht alle unsere Probleme lösen.
Sie wird die Menschheit nicht für immer von der Furcht
vor Kriegen befreien. Aber sie kann eine haltbarere und weniger schreckliche Basis für die Abschreckung bieten und ungeheuer wichtige Wege der Zusammenarbeit zwischen den westlichen
Verbündeten - und sogar mit unseren Gegnern - eröffnen.
Und
sie kann die Welt erneut mit reichen technischen Wundern überhäufen, um unser aller Leben zu verbessern.
Die Menschen cles Westens - und insbesondere für die des
westlichen Amerika - sind von Natur aus voller Optimismus, und
vie lleicht ist es nur diese Tatsach e, die mich dazu führt, zu
sag en, daß wir - eher als die meist en denken - die vollkommen
ver läßliche Verteid igung h aben werdeii, die unsere Stra tegie erfordert. Aber ich glaube eigentlich , es ist mehr als OptimisUnd wenn ich recht h abe, dann liegt eine 1"lochst aufrec|enmus
und
eine, um ein vieles sich erere Zukunft vor uns.
de
Ich danke Ihnen.

* * * * *

- 12 -

�Hintcrgrundmaterial
United States Information Service
Embassy of the United States of America

11. Dezember 1 9 8 5

49

RÜSTUNGSZUSAMMENARBEIT

IM ATLANTISCHEN

BÜNDNIS

Von David M. Abshire
Ständiger Vertreter der Vereinigten Staaten im N o r d a t l a n t i k r a t

Der Stä ndige Ver treter der V e r einigte n Sta aten von Am erika im
Nordatl antik rat, Botsch after
David M . Abshire , hat in einemlängere n Art ikel in der Z e i t schrift der amer ikanisc hen
Streitk räfte "Ar med For ces
Journal " in der Dezembe rausgabe
1985 au sführ lieh zu der R ü stungsz usamm enar beit im Atlant
ischen Bündn is S tellung g e n o m m e n . D er Na chdr uck in deutscher
Uberset zung erfo Igt mit f r e u n d licher Geneh migu ng von "Armed
Forces Journ al I nternat i o n a 1" .
Copyright (c) 1985 Army and Navy
Journal Inc.

Seit über 35 Jahren hat das N o r d a t l a n t i s c h e Bündnis v e r s u c h t , durch R ü s t u n g s z u s a m m e n a r b e i t
kollektive
konventionelle
Streitkräfte a u f z u s t e l l e n .
Bereits im Jahr 1950 kam der Nordatlantikrat unter dem damaligen Vorsitz des a m e r i k a n i s c h e n A u ßenministers Dean Acheson ü b e r e i n , daß alle unnötigen
Über-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�unnötigen Überschneidungen
seitigt werden müßten.

in der industriellen Produktion be-

Das ist nie gelungen. Heute gibt es in Westeuropa zu viel
Überschneidung statt konstruktivem Wettbewerb:
- elf Firmen in sieben Bundesländern stellen Panzerabwehrwaffen her;
- 18 Firmen in
Luft-Waffen;

sieben

Ländern

entwerfen

und

bauen

Boden-

- 16 Firmen in sieben Ländern arbeiten an Luft-Boden-Waffen.
Im Fernmeldewesen, das von entscheidender Bedeutung ist,
wenn es darum geht, ein Bündnis zu einer kollektiven Streitmacht statt einer Kollektion von Streitkräften zu machen, entwickeln und dislozieren sieben Länder des Bündnisses sechs neue
taktische Fernmeldesysteme.
Keines kann mit dem anderen in
Verbindung treten und keines kann mit dem Integrierten Fernmeldesystem der NATO (NICS) in Verbindung treten.
Aus diesem
Grunde müssen diese sieben Länder jetzt noch zusätzliche Summen
ausgeben, um eine wenigstens begrenzte Verbindung unter ihren
Systemen zu entwickeln und herzustellen. Diese Situation wird
sicherlich nicht bereinigt durch die kürzliche Entscheidung der
amerikanischen Armee, das französische Gefechtsfeld-Fernmeldesystem RITA zu beschaffen, weil dies zwar ein wichtiger Schritt
aber im wesentlichen doch darauf angelegt ist, die interne
Fernmeldekapazität zu verbessern und nicht, eine Verbindung zu
anderen Streitkräften herzustellen.
Diese Art von Überschneidung stellt eine schändliche Verschwendung von Mitteln dar und trägt dazu bei, die militärische
Kapazität des Bündnisses zu schmälern.
So etwas könnte man
sich vielleicht leisten, wenn die Vereinigten Staaten noch einen Haushaltsüberschuß oder eine nukleare Überlegenheit gegenüber der Sowjetunion hätten - aber das ist nicht der Fall. Bei
einer nuklearen Parität können unnötigerweise schwache konventionelle Streitkräfte die NATO-Strategie der flexiblen Antwort
praktisch zunichte machen. Die Antwort der NATO auf eine Aggression soll aus einer bew.ußten und kalkulierten Eskalation zu
nuklearen Gefechtsfeldwaffen, nuklearen Mittelstreckensystemen
und dann zu nuklearen Interkontinentalwaffen bestehen - und
nicht in einer panischen Ausflucht zu nuklearen Kampfmitteln
angesichts einer bevorstehenden
konventionellen
Niederlage.
Der Oberste Alliierte Befehlshaber, General Bernard W. Rogers,
hat wiederholt davor gewarnt, daß im Falle eines Angriffs des
Warschauer Paktes die gegenwärtige Verteidigungsposition der
NATO ihn dazu zwingen würde, die Freigabe von Kernwaffen "in
Tagen, nicht in Wochen" zu fordern. Seit Anfang der siebziger
Jahre müssen wir mit dieser schrecklichen Aussicht leben. Damals war man sich jedoch einig, daß man dagegen nicht viel tun
- 2 -

�viel tun könne.
Heute herrscht Übereinstimmung darüber, daß
wir etwas tun müssen, können und werden. Was hat diesen Sinneswandel bewirkt?
I.

Schaffung eines neuen Konsenses - ein langer, schwerer Weg

Es ist interessant, diesen langen und schwierigen Prozeß
einmal aufzuzeigen.
Mein persönliches Engagement in diesen
Sinneswandel begann im Jahr 1973, als ich von meinem Posten als
Unterstaatssekretär für die Verbindungen zum Kongreß zurücktrat, um die Leitung des Zentrums für Strategische und Internationale Studien (CSIS) an der Georgetown-Universität zu übernehmen.
Das unglückselige Europa-Jahr hatte gezeigt, daß mit
dem transatlantischen Verhältnis wirklich etwas nicht stimmte.
Der damals neugewählte Senator Sam Nunn aus Georgia, der kürzlich dem Beratungsausschuß des CSIS beigetreten ist, schrieb
1974 einen Bericht über "Politik, Truppen und das NATO-Bündnis", in dem das Problem zusammengefaßt wurde:
"Die Nuklearschwelle in Europa ist ziemlich niedrig... Unser Plan, taktische Kernwaffen 'so bald wie nötig' einzusetzen,
steht sehr im Vordergrund - aber der zweite Teil, 'so spät wie
möglich' findet nicht sehr viel Aufmerksamkeit.
Ich bin der
Überzeugung, daß mehr Nachdruck auf den zweiten Teil gelegt
werden sollte."
Nach seiner Auffassung waren sowohl Europa als auch die
Vereinigten Staaten so abhängig von der "nuklearen Krücke" geworden, daß die konventionellen Streitkräfte der NATO praktisch
zu einem Stolperdraht geworden waren.
Im gleichen Jahr wurde uns der Bericht über "Amerikanischeuropäische wirtschaftliche Zusammenarbeit in Militär- und Ziviltechnologie" des Verteidigungsexperten
und Beraters des
SCIS, Tom Callaghan, vorgelegt.
Er zeigte, daß schädliche
Überschneidungen
konventionelle
Streitkräfte
hervorgebracht
hatten, die nur über eine begrenzte Fähigkeit verfügten, sich
gegenseitig beim Auftanken, Munitionieren, Verstärken oder bei
Reparaturen zu helfen, geschweige denn miteinander in Fernmeldekontakt zu treten.
Callaghan schlug eine Rückkehr zu dem
Zwei-Pfeiler'Konzept des Bündnisses und einer standardisierten
Bewaffnung sowie die Schaffung einer Zweibahnstraße im transatlantischen Rüstungshandel vor.
Er lenkte die Aufmerksamkeit
bereits damals auf etwas, was später als "strukturelle Abrüstung" bekannt wurde, d.h. die Beschaffung von immer weniger
Waffen mit immer mehr Geld bei ständig steigenden Stückkosten
und einer immer begrenzteren Kampfkraft.
Fortschritt Mitte

�Fortschritt Mitte der siebziger Jahre
Mitte der siebziger Jahre wuchs das Interesse an Fragen der
Rüstungszusammenarbeit.
Im Jahr 1975 erklärte Präsident Ford
auf dem dritten NATO-Gipfel in Brüssel, daß "wir unsere Verteidigungsmittel wirksamer und besser nutzen müssen. Wir müssen
unser seit langem gestrecktes Ziel gemeinsamer Verfahren und
gemeinsamen Geräts erreichen.
Unsere Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen müssen mehr sein als nur die Summe aller
Einzelanstrengungen.
In jenem Jahr forderten auch die Verteidigungsminister der EUROGROUP eine neue Institution, die zum
europäischen Endpunkt der Zweibahnstraße werden sollte.
Im Februar 1976 wurde die Unabhängige Europäische Programmgruppe (IEPG) ins Leben gerufen, um eine wirksame Nutzung der
europäischen Mittel für Forschung, Entwicklung und Beschaffung,
eine verstärkte Standardisierung und Interoperabilität des Geräts, die Aufrechterhaltung einer gesunden europäischen Verteidigungsindustriebasis und die Einrichtung einer realistischen
Zweibahnstraße zwischen Europa und Nordamerika zu erreichen.
Die Culver-Nunn-Gesetzeszusätze von 1975 und 1976 erklärten es
zur gesetzlich gebundenen Politik der Vereinigten Staaten, daß
unsere Waffen standardisiert oder zumindest mit jenen unserer
NATO-Verbündeten interoperabel sein sollten. Diese Zusätze ermutigten auch unsere europäischen Verbündeten, das Zweibahnstraßen-Konzept der militärischen Beschaffung funktionsfähiger
zu machen, indem sie ihre Verteidigungsindustriebasis zu einer
"vereinten und kollektiven Basis" gestalteten.
Aus der Überzeugung heraus, daß es zu den wichtigsten Problemen jener Tage gehörte, die Stärke und den Zusammenhalt des
Bündnisses zu festigen schrieb ich damals:
"Es fehlt nicht an Mitteln.
Die Herausforderung an die
Völker des Nordatlantischen Bündnisses besteht darin, diese
Mittel in Friedenszeiten zu mobilisieren, um den Führern des
Warschauer Paktes die Sinnlosigkeit dieses Wettbewerbs zu demonstrieren ..."
Nach meiner Auffassung sollte ein privates Gremium gegründet werden, um den europäischen und nordamerikanischen Standpunkten Ausdruck zu verleihen, wie das verwirklicht werden
könnte, und im Jahr 1976 gründete das CSIS eine Arbeitsgruppe
für transatlantische Politik, in dessen Vorsitz sich der frühere Chef des Gemeinsamen Stabes der amerikanischen Streitkräfte,
Admiral Tom Moorer und der britische Abgeordnete Alan Lee
Williams teilten; als vom amerikanischen Verteidigungsministerium beurlaubt und abgestellt wirkte Gerry Sullivan. Die Mitgliedschaft
der
Arbeitsgruppe
war
eindrucksvoll:
Manfred
Wörner, General Mitterrand, die Senatoren Bartlett, Culver und
Nunn, die Abgeordneten Bennet, Edwards und Whitehurst, bedeutende Vertreter der europäischen und amerikanischen Industrie

�amerikanischen Industrie sowie der Gewerkschaften und anderer
Die Arbeitsgruppe ging auf den Kern des ProOrganisationen
vor
dem
das Bündnis damals stand - und heute noch
blems ein,
steht. Sie stellte fest:
"Um den transatlantischen Fortschritt anzutreiben, ist eine
Tagesordnung des politischen Handelns notwendig.
Das politische Handeln ist notwendig, weil der Mangel an Erfolg in der
Vergangenheit auf das Versagen der führenden Politiker und Parlamente und gesetzgebenden Körperschaften der einzelnen Länder
zurückzuführen war, den Dingen die notwendige Aufmerksamkeit
zukommen zu lassen, oder auf eine Uberbetonung der eigenen unmittelbaren Interessen."
Die Carter-Administration
Nachdem er im Wahlkampf von der Notwendigkeit der Standardisierung der Waffen gesprochen hatte, zeigte Präsident Carter
den Weg zu einer weit stärkeren Zusammenarbeit im Bündnis auf.
Botschafter Bob Komer wurde zum NATO-Berater von Verteidigungsminister Harold Brown ernannt und zusammen mit Staatssekretär
Bill Perry gab er der Sache neuen Auftrieb.
Auf dem
Carter eine
er, daß die
den, und an

vierten NATO-Gipfel 1977 in London hielt Präsident
wirklich mitreißende Ansprache. Er hoffe, so sagte
Europäer die Zusammenarbeit weiter verstärken würdie Amerikaner gewandt erklärte er:

"Die Vereinigten Staaten müssen bereit sein, einen echten
zweibahnigen transatlantischen Handel in Verteidigungsgerät ins
Leben zu rufen. Die Entscheidungen meiner Administration bezüglich Entwicklung, Produktion und Beschaffung von Verteidigungsgerät werden unter sorgfältiger Berücksichtigung der Interessen aller Mitglieder des Bündnisses getroffen werden...
Ich werde mit dem Kongreß der Vereinigten Staaten in diesem
Sinne zusammenarbeiten.
Er tat es dann nicht, Präsident Carter ist auf das Thema
der Rüstungszusammenarbeit in der NATO niemals wieder zurückgekommen - nicht einmal als er vor dem 5. NATO-Gipfel sprach, der
einberufen wurde, um das in seinem Namen entwickelte langfristige Verteidigungsprogramm zu verabschieden.
Eine vom CSIS
herausgegebene und einige Monate vorher zu dem Zweck ins Leben
gerufene Publikation, die Transatlantische Arbeitsgruppe zu unterstützen, sprach von diesem NATO-Gipfel in Washington als von
einer "verpaßten Gelegenheit".
Etwa zu der Zeit der "verpaßten Gelegenheit" begann der Unterausschuß für das Repräsentantenhaus für Standardisierung,
Interoperabilität und Einsatzbereitschaft der NATO - ein Unterausschuß des Militärausschusses - unter dem Vorsitz von Dan

�von Dan Daniels seine Anhörungen. Ursprünglich ins Leben gerufen, um dem Kongreß und der Öffentlichkeit den Wert einer Zweibahnstraße schmackhaft zu machen, verlor der Unterausschuß während einer Europareise im Sommer 1978 seine Begeisterung für
die Idee. In jedem Gespräch mit europäischen Ministern und Regierungsvertretern wurde die Notwendigkeit hervorgehoben, daß
die Vereinigten Staaten mehr Waffen von Europa kaufen müßten.
Von einer Verbesserung der konventionellen Kapazität der NATO
war nie die Rede. Gespräche mit führenden Militärs zeigten jedoch, daß die Munitionsreserven der NATO weit unter akzeptablen
Normen lagen.
Gründlich desillusioniert kehrte der Unterausschuß nach Washington zurück und setzte seine Anhörungen fort
und legte 1979 einen Bericht vor, in dem eigentlich kein besonderer politischer, wirtschaftlicher oder militärischer Sinn in
einer Zweibahnstraße mit Europa gesehen wurde. Dies warf einen
Schatten auf das ganze Programm der Carter-Administration, das
auch niemals richtig in Gang kam. Rüstungszusammenarbeit war,
wie ein französischer Regierungsvertreter ausdrückte, "ein toter Fisch".
Von 1979 an nahm die Stationierung von PERSHING II und
Marschflugkörpern die Aufmerksamkeit der führenden amerikanischen, kanadischen und europäischen Politiker ganz und gar in
Anspruch.
Rüstungszusammenarbeit stand weiterhin im Hintergrund bis zum Frühjahr 1982 als der Roth-Glenn-Nunn-Gesetzeszusatz mit 87 gegen eins Stimmen vom Senat verabschiedet wurde.
Dieser Gesetzeszusatz forderte die Regierungschefs des Bündnisses auf, sich auf eine Strategie und eine Struktur für die Verbesserung der Rüstungszusammenarbeit im Bündnis zu einigen, sowie auf eine Politik, die schädliche Überschneidungen abschaffte und die finanziellen Lasten und wirtschaftlichen Vorteile
der NATO-Verteidigung gerechter verteilte.
Mit der Stationierung der nuklearen Mittelstreckensysteme
war die Zeit gekommen, sich wieder auf den Roth-Glenn-Nunn-Gesetzeszusatz zu besinnen. Das erforderliche Ausmaß der Zusammenarbeit lag eindeutig außerhalb der Zuständigkeit der Technokraten und Bürokraten. Es bedurfte einer politischen Tagesordnung und eindeutiger Handlungsanweisungen.
Die Politik der Reagan-Administration 1981-1983
Die Reagan-Administration wandte ihre Aufmerksamkeit ebenfalls den Problemen der Rüstungszusammenarbeit zu.
Im April
1982 forderte Richard De Lauer, Unterstaatssekretär für Forschung und Technik im Verteidigungsministerium, den Wissenschaftsausschuß des Ministeriums auf, eine Arbeitsgruppe für
den Bereich der zwischenstaatlichen Zusammenarbeit der Rüstungsindustire ins Leben zu rufen. Ziel dieser Arbeitsgruppe
unter dem Vorsitz von Malcolm Currie war es, Wege für die amerikanische Industrie ausfindig zu machen, um wirkungsvoller mit

�wirkungsvoller mit Industriezweigen in den verbündeten Ländern
bei Programmen der Rüstungskooperation zusammenzuarbeiten. Der
"Currie-Bericht" kam zu dem Schluß, daß die amerikanische Führungsposition im Technologiebereich sich verschlechtern und
letztlich verlorengehen werden, und daß zur Stärkung der Wirtschafts- und Verteidigungskraft die Investitionen für langfristige Forschung und Entwicklung erhöht werden müßten.
Dies
würde die meisten Bedenken der amerikanischen Industrie hinsichtlich der Auswirkungen verstärkter industrieller Zusammenarbeit verringern. Der Bericht verwies allerdings darauf, daß
dies einen Ausgleich zwischen dem gestärkten Bündnis, zu dem
verstärkte technologische Beteiligung führen dürfte, und dem
dadurch unvermeidlichen Wettbewerbsdruck für die amerikanische
Industrie beinhalten müßte.
Zur Zeit der Fertigstellung des Currie-Berichtes war ich
mit den Vorbereitungen zur Übernahme meiner Pflichten als neuer
Ständiger Vertreter der Vereinigten Staaten beim Nordatlantikrat beschäftigt. Bei den Anhörungen zu meiner Bestätigung betonte ich die Notwendigkeit verbesserter Zusammenarbeit im Rüstungsbereich als eine meiner vier Prioritäten.
Im Oktober
1983 unternahm die amerikanische NATO-Mission eine Anstrengung
in diese Richtung, die von Bob Callaway und Oberst Gerry
Wetzel, Mitarbeiter der Rüstungsgruppe der Mission, geleitet
wurden. In unserer Analyse, die wir nach Washington schickten,
umriß die Mission vier entscheidende Punkte:
1) Trends im Kräfteverhältnis der konventionellen Streitkräfte zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt waren zum
Hauptproblem der NATO geworden.
2) Die in zunehmendem Maß unzureichenden Kapazitäten bei
der konventionellen Verteidigung und die Frustration der Vereinigten Staaten, die sich aus ihrem Eindruck ergab, Europa sei
nicht gewillt, dieses Ungleichgewicht wieder auszugleichen,
schufen ein schwieriges politisches und militärisches Problem.
3) Als Folge dessen wurden die Verbesserungen der konventionellen Verteidigung zu einem transatlantischen Gebot.
4) Angesichts der begrenzten Mittel zur Verbesserung der
konventionellen Verteidigung mußte eine erheblich verbesserte
Zusammenarbeit im Rüstungsbereich ein entscheidender Aspekt
sein.
Die Mission unterbreitete zwei Hauptempfehlungen:
a) Schaffung eines Koordinierungsmechanismus für die Exekutive, um mit einer Stimme sprechen zu können; und
b) Einrichtung eines weitergefaßten Ausschusses, einer Korn-

�einer Kommission oder einer Beratergruppe, um um Unterstützung
bei Kongreß und Öffentlichkeit zu werben. Hinsichtlich dieser
letzten Empfehlung wurde ich durch meine Erfahrung mit dem
CSIS-Ausschuß als einem bescheidenen Prototyp beeinflußt.
Sowohl im Pentagon als auch im Außenministerium gab es Leute, die hinsichtlich dieses neuen Vorschlags nicht sehr begeistert waren; manche davon waren alte NATO-Kenner, die davon
überzeugt waren, daß diese neuen Anstrengungen genau wie die
der Vergangenheit zum Scheitern verurteilt wären. Dann wieder
gab es andere, die die Ideen der Mission unterstützten, wobei
der wichtigste Verbündete Minister Weinberger war.
Es wurde
einem ganz neuen Plan zugestimmt, der zu einigen raschen Erfolgen bei der transatlantischen Rüstungszusammenarbeit führen
würde, um dann längerfristige Kooperationsfragen anzugehen.
Die Mission verwies dabei auch darauf, daß ohne eine solche
Methode es dem Bündnis an Mitteln fehlen würde, um den schwindenden Konsens in vielen NATO-Staaten hinsichtlich der Verteidigung wiederherzustellen. Die Öffentlichkeit in den verschiedenen Ländern würde die Bündnispolitik nur dann unterstützen,
wenn sie davon überzeugt würde, daß Forderungen nach vermehrten
Verteidigungsausgaben mit einer militärischen und politischen
Strategie verbunden werden würden, die auch wirklich sinnvoll
war.
Im November 1983 ging ich in einer Rede vor der Vereinigung
der Atlantischen Gesellschaften (ATA) näher auf dieses Konsept
ein. Ich erklärte, das Bündis brauche vor allem eine "Ressourcenstrategie", die sich auf die klassischen Konzepte einer
Strategie stützte, die die Beziehung zwischen Mittel und Zielen
betont. Das Ziel einer solchen Strategie ist einfach: Verbesserung der militärischen Effizienz der NATO durch wirksameren
Einsatz ihrer Mittel. Ein zentraler Aspekt einer jeden derartigen Strategie muß dabei eine bessere Zusammenarbeit im Rüstungsbereich sein.
Nach der Rede bemerkte mein Vorgänger bei der NATO, Bob
Ellsworth, mir gegenüber, daß einige der Zuhörer verwirrt darüber waren, daß ich nicht einfach bei der "Zweibahnstraßen"Terminologie geblieben sei. Meine neue Methode gründete sich
darauf, zu sehen, welche Erfolge die verschiedenen Administrationen bei der Rüstungszusammenarbeit gehabt hatten.
Ich bin
davon überzeugt, daß sowohl politisch als auch strategisch die
Rüstungskooperation in einen größeren Zusammenhang der besseren
Verwendung der Gesamtmittel zum Ausgleich des Ungleichgewichts
bei der konventionellen Verteidigung gestellt werden muß, anstatt lediglich den Verkehr auf dreizehen "Zweibahnstraßen" mit
den europäischen Verbündeten zu regeln zu suchen.
Die
- 8 -

Ministertagung

�Die Ministertagung
des
Verteidigungs-Planungsausschusses
vom Dezember 1983 war ein Meilenstein auf dem Wege zur Änderungen der Haltung im Bündnis. Auf diesem Treffen kamen die Verteidigungsminister
der NATO hinsichtlich der Notwendigkeit
überein, eine besondere Anstrenung zur Verbesserung der konventionellen Streitkräfte der NATO zu unternehmen. Bundesverteidigungsminister Manfred Wörner empfahl einen konzeptionellen
Rahmen zur Strukturierung der vielen innovativen Ideen (wie etwa AirLand Battle, Follow-on Forces Attack, die Bemühungen im
Bereich neuer Technologien etc.), die vorgeschlagen worden waren, um das Leistungsvermögen der Streitkräfte des Bündisses zu
verbessern. Gleichzeitig waren sich die Minister der finanziellen und anderer Restriktionen bewußt, die die Fähigkeit der
NATO beeinträchtigen, die notwendigen konventionellen Verbesserungen in die Wege zu leiten, und mehrere Minister griffen die
Idee einer Ressourcenstrategie der NATO auf. Alle waren sich
der Tatsache bewußt, daß eine solche Strategie eine erhebliche
Verbesserung bei der Rüstungszusammenarbeit erforderlich machen
würde.
Schaffung klarer Verhältnisse

(1983-1985)

Die zwei Jahre seit diesem wichtigen Ministertreffen brachten wichtige Entwicklungen, die den institutionellen Rahmen für
verstärkte Rüstungszusammenarbeit festigten - und zu denen es
auf beiden Seiten des Atlantik kam.
In den Vereinigten Staaten erkannte Minister Weinberger,
daß ein Stab notwendig sein würde, um die Aktivitäten des
Pentagon im Bereich der Rüstungszusammenarbeit zu koordinieren.
Dies war ein zentraler Punkt der Empfehlungen unserer Mission
vom Oktober 1983 gewesen.
Demzufolge schuf der Minister die
Steuerungsgruppe des Verteidigungsministerium für Waffenkooperation im NATO-Rahmen unter der Leitung des Stellvertretenden
Verteidigungsministers (für kurze Zeit Paul Thayer, dann mit
sehr viel Geschick Will Taft). Erfahrene Mitarbeiter aus allen
Bereichen des Pentagon wurden einbezogen. Das Ziel der Gruppe
ist einfach:
die amerikanische Verpflichtung zur Rüstungszusammenarbeit mit Leben zu erfüllen.
Die energische Art und Weise, in der der Verteidigung sminister und sein Stellvertreter die Frage einer verbesserten Rüstungszusammenarbeit verfolgten, fiel mit einer neuerli chen
Aufmerksamkeit zusammen, die der Kongreß dieser Frage zu teil
werden ließ. Obwohl die ursprüngliche Empfehlung unserer Mission zur Schaffung einer Kommission, die die Unterstüt zung
durch Kongreß und Öffentlichkeit gewinnen sollte, nicht verwirklicht wurde, kam es dennoch zu dieser Unterstützung, Die
von den Senatoren Sam Nunn, William Roth und John Garner ei ngebrachten Gesetzesvorschläge stellen einen Meilenstein auf dem
Weg zu verstärkter Rüstungszusammenarbeit dar.
Die Entwick lung
- 9 -

�Die Entwicklung dieser Gesetze demonstriert, wie sich die
Haltung des Kongresses in ganz entscheidend positiver Weise
veränderte. Anfang Sommer 1984 hatte Senator Nunn seine Geduld
wegen des Gegensatzes verloren, der zwischen den Forderungen
der NATO-Strategie nach flexibler Antwort und der tatsächlichen
Fähigkeit der Verbündeten bestand, diesen Forderungen gerecht
zu werden.
Infolgedessen schlug er einen Gesetzeszusatz vor,
der den Abzug der amerikanischen Streitkräfte aus Europa androhte, falls die konventionelle Verteidigung der NATO nicht
verbessert würde. Obgleich der Zusatz schließlich zurückgewiesen wurde, stellte er dennoch eine Maßnahme dar, der die Enttäuschung im Kongreß gegenüber dem Bündnis und seine Ansichten
bezüglich der mangelnden Bereitschaft der Verbündeten zur Lösung grundlegender Probleme zum Ausdruck brachte.
Als Senator Nunn die NATO im März 1983 besuchte, war er von
den Veränderungen in der Haltung des Bündnisses und von dem
Elan beeindruckt, der inzwischen in der NATO zu finden war, um
zu einer Lösung ihrer Probleme zu gelangen.
Er konnte nicht
nur konkrete Ergebnisse, wie etwa die Verdopplung des Infrastrukturbudgets der NATO, sehen, sondern auch erkennen, daß die
NATO auf einen konzeptionellen Rahmen für den militärischen Bereich und eine Ressourcenstrategie hinarbeitete. Anstatt einen
weiteren Gesetzeszusatz bezüglich eines Truppenabzugs zu verlangen, schlug Seantor Nunn vor, der NATO bei ihren Bemühungen
behilflich zu sein, die konventionelle Verteidigung zu verbessern und ihre Mittel besser zu verwenden.
Unsere Mission erarbeitete zusammen mit den Mitarbeitern
von Senator Nunn ein erstes Konzept. Der Stellvertretende Verteidigungsminister Taft verkürzte den bürokratischen Weg und
gab dem von den Senatoren Nunn, Roth und Warner vorgelegten Gesetzeszusatz seine nachdrückliche Unterstützung, signalisierte
dieser doch einen neuen Weg. Er stellt gesondert 200 Millionen
Dollar für kooperative Entwicklungsprojekte zwischen den NATOStaaten bereit und ruft einen formellen Mechanismus zur Erörterung solcher Projekte schon in den frühen Stadien des Beschaffungsprozesses im Verteidigungsministerium ins Leben.
Senator Nunn sah, daß angesichts weniger zur Verfügung stehender Mittel eine Möglichkeit zur effizienteren Verwendung der
NATO-Ressourcen darin bestand, die ganze Aufmerksamkeit auf die
Ausgabenseite zu legen und die Verwendung der Mittel frühzeitig
festzulegen. Durch Konzentration auf die Forschungs- und Entwicklungsebene versuchte der Gesetzeszusatz, die Wirkung jener
Ressourcen zu verstärken.
Der andere Aspekt der Rüstungsentwicklung - Käufe von Fertigerzeugnissen - wurde ebenfalls angepackt, indem
dem Direktor der Abteilung für operationeile Versuche und Bewertung im
Verteidigungsministerium für Vergleichstests amerikanischer und
ähnlicher europäischer Systeme weitere 50 Millionen Dollar zur
Verfügung gestellt wurden.
Unter
der
_ 10 -

�Unter der Führung von Les Aspin wurde der Gesetzeszusatz
vom Repräsentantenhaus angenommen und danach von beiden Häusern
des Kongresses gebilligt.
Der Nunn-Roth-Warner-Gesetzeszusatz war nicht die einzige
positive Entwicklung für diejenigen im Kongreß, die der NATO
ihre Unterstützung angedeihen lassen. Eine weitere waren die
Gesetzesvorschläge der Senatoren Quayle und Roth, die sich auf
Gesetzeszusätze des Repräsentantenhauses stützten, die im vergangenen Jahr von Sam Stratton und Maajorie Holt in der Absicht
eingebracht worden waren, die bürokratischen Schwierigkeiten zu
überwinden, vor denen Projekte der Rüstungskooperation stehen.
Die Bedeutung dieser Gesetzeszusätze geht über das Finanzielle hinaus; dahinter steht auch das, was Senator Ted Stevens
eine Partnerschaft mit dem Kongreß zur Lösung der Probleme der
NATO genannt hat.
War der vorgeschlagene Truppenabzug ein Jahr zuvor noch eine negative Herausforderung der europäischen NATO-Mitgliedstaaten, so diesmal eine positive. In Europa gab es zudem auch einigen Fortschritt in Richtung auf einen besseren institutionellen Rahmen für verstärkte Rüstungszusammenarbeit. Die vielversprechendste Entwicklung in dieser Hinsicht ist die Unabhängige
Europäische Programmgruppe (IEPG). Unter der tatkräftigen Führung des niederländischen Staatssekretärs Jan van Houwelingen
wurde die IEPG zu einer wirkungsvollen Kraft in der europäischen Rüstungskooeration.
Sie hat rund 30 Programme benannt,
die verfolgt werden könnten; fünf davon sind bereits über das
Anfangsstadium hinausgediehen.
Erst zweimal hat sich die IEPG
bisher auf Verteidigungsministerebene betroffen, und doch wird
schon deutlich, daß Europa erkannt hat, daß politischer Wille
der entscheidende Faktor für echten Fortschritt ist.
Europa hat andere Ressourcen, auf die es zurückgreifen
kann. Obgleich nicht unmittelbar mit der Verteidigung in bezug
stehend, bietet die Gesamtheit der Hochtechnologieprogramme der
Europäischen Gemeinschaft doch eine Grundlage zur Analyse neuer
Technologien, die offenkundige militärische Relevanz haben:
ESPRIT: Europäisches Strategisches Programm
und Entwicklung in der Informationstechnologie;

für

Forschung

JET: Joint European TORUS;
BRITE: Grundlagenforschung
Europa;

in industrieller Technologie für

RACE: Forschung und Entwicklung in modernster Kommunikation
für Europa; und
EUREKA: Das von Frankreich

initiierte

Technologieprogramm,

�initiierte Technologieprogramme, in dem manche die europäische
Antwort auf die Strategische Verteidigungsinitiative der Vereinigten Staaten sehen.
Die Westeuropäische Union (WEU) und der Unterausschuß für
Rüstungszusammenarbeit der Nordatlantischen Versammlung sind
zwei weitere Foren, wo die Themen der europäischen Zusammenarbeit in größerem Maßstab von denjenigen bewertet werden, die
über die Verwendung von nationalen Mitteln zu entscheiden haben.
Da auf beiden Seiten des Atlantik Fortschritte erzielt wurden, ist es keine Überraschung, daß sich dies auf die Institutionen der NATO auswirkte.
In den ersten sechs Monaten von
1985 wurden in der NATO besondere Anstrengungen zur Verbesserung der konventionellen Verteidigung des Bündnisses in jeder
Beziehung unternommen.
Als Teil dieser Anstrengungen erhielt
die Konferenz der Nationalen Rüstungsdirektoren (CNAD), der
zentrale Mechanismus der NATO für Rüstungszusammenarbeit, unter
der neuen Leitung des früheren Kongressabgeordneten und jetzigen Beigeordneten Generalsekretärs Robin Beard neuen Auftrieb.
Die CNAD hat damit begonnen zu untersuchen, ob sie ihre Tätigkeit so effektiv wie möglich durchführt und wie man den Prozeß
verbessern könnte.
Ein kürzlich fertigestellter CNAD-Bericht
stellte fest, daß es in Wirklichkeit kein Rüstungsplanungssystem im Bündnis gibt, und daß alle Verbündeten sich bemühen
müssen, ihre begrenzten Ressourcen besser zu nutzen, um sich
den von den Ministern aufgezeigten kritischen konventionellen
Mängeln zu widmen.
Die CNAD kam überein, einen gemeinsamen
Ausschuß zur Untersuchung von Möglichkeiten im Zusammenhang mit
der Bekämpfung der Folgestaffeln des Warschauer Pakts (Followon-Forces-Attack) und zur Verdoppelung der Finanzmittel für das
Vorstudienprogramm der Industrieberatungsgruppe der NATO zu
bilden.
Lord Carrington und andere führende Mitglieder haben die
Rüstungskooperation jedoch nicht nur den Experten überlassen.
Das Bündnis hat erkannt, daß dieses Thema auf der politischen
Ebene behandelt werden muß, auf der diejenigen, die in den Regierungen harte Entscheidungen zu treffen haben, mit der Dringlichkeit des Problems konfrontiert werden. Deshalb haben sich
sich die stellvertretenden Verteidigungsminister der NATO-Länder, übrigens zum erstenmal seit 1950, Mitte November getroffen
um über die Rüstungszusammenarbeit zu sprechen.
II. Die Leistungen der letzten beiden Jahre - Grund zum Optimismus
Nachdem mit einer Reihe von möglichen Kooperationsformen
experimentiert wurde, ist die NATO jetzt meßbar stärker. Um
weitere Fortschritte zu erzielen, werden jedoch alle dieser
Formen benötigt.
Kooperative Forschung
- 12 -

�Kooperative Forschung und Entwicklung
Dies stellt die wünschernswerteste Form der Zusammenarbeit
dar, wie im Nunn-Roth-Warner-Gesetzeszusatz festgestellt wurde. Die Teilnehmer profitieren von Beschäftigungsmöglichkeiten
von einem Ende des Spektrums bis zum anderren - vom Wissenschaftler bis zum Soldaten. Ein besonders erwähnenswertes Beispiel für diese Art der Zusammenarbeit ist die gegenwärtig laufende Entwicklung eines endphasengesteuerten Gefechtskopfes für
das Mehrfachraketen-Abschußsystem.
Nach intensivem Wettbewerb
zwischen drei internationalen Konsortien wurde dieses Jahr ein
Vertrag mit einem multinationalen Konsortium abgeschlossen, das
aus den Firmen Thomson-Brandt (Frankreich), Martin-Marietta
(USA), Thorn EMI (Großbritannien) und Diehl GmbH (Bundesrepublik Deutschland) besteht.
Am Wettbewerb beteiligten sich transatlantische Gruppen und
nicht etwa die Vereinigten Staaten gegen eine oder mehrere europäische Firmen. Überdies existiert eine umfassende Zusammenarbeit von vier Industrien aus vier verbündeten Ländern in allen Phasen der Entwicklung und Produktion eines Systems, das
von allen Staaten des Bündnisses eingeführt werden wird.
Das größte gemeinsame Rüstungsprogramm in der Geschichte
des Bündnisses steht am Horizont: Die Entwicklung und der Bau
von 50 Fregatten mit einem geschätzten Gesamtwert von 20 Milliarden Dollar. Acht Nationen sind an diesem ersten koopoerativen Programm beteiligt, daß von den Marinen des Bündnisses begeistert unterstützt wird.
Es liegt auf der Hand, daß gemeinsame Programme dieser Art
sehr attraktiv für die Bündnisstaaten und ihre Industrien sind.
Gemeinsame Forschung und Entwicklung bedeuten geringere Entwikklungskosten für jede beteiligte Nation, und der größere Markt
für das Endprodukt bedeutet längere Produktionslaufzeiten und
geringere Stückkosten.
Die Vorteile der Standardisierung behalten ihre Wirkung lange nach der Einführung eines Waffensystems: Ersatzteile und -komponenten können in grösserer Stückzahl eingekauft werden; die Ausbildung des Bedienungs- und Wartungspersonals kann in einer effizienteren und kostenwirksameren Weise durchgeführt werden; logistische Systeme werden vereinfacht.
Im Ernstfall schließlich ist es ein unbezahlbarer
Vorteil sich auf die logistische Unterstützung durch die Bündnispartner verlassen zu können.
Gegenwärtig laufen in der NATO 59 Programme für gemeinsame
Forschung und Entwicklung.
Zusätzlich existiert noch eine
Vielzahl von weiteren gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungsprogrammen in bilateralem Rahmen außerhalb der formalen Mechanismen der NATO.
In einem sehr logischen Bericht, der Ende
1984 veröffentlicht wurde, stellte die EG fest, daß die Zukunft
Europas von dieser Art der Zusammenarbeit abhängt, sowohl auf
dem zivilen als auch auf dem militärischen Sektor.
Gemeinsame Produktion
- 13 -

�Gemeinsame Produktion
Viele der Vorteile gemeinsamer Forschung
und Entwicklung
werden auch von der gemeinsamen Produktion verwirklicht, jedoch
sind an letzterer keine Forschungsgemeinschaften von teilnehmenden Staaten beteiligt.
Vom ökonomischen und politischen
Standpunkt aus betrachtet ist sie deshalb weniger wünschenswert, da die beteiligten Länder nicht von der breiteren Wirkung
- über den militärischen Sektor hinaus - profitieren, der in
der Erforschung und Entwicklung neuer Technologien und ihrer
Verfahren besteht.
Das bekannteste Beispiel für erfolgreiche Zusammenarbeit
auf diesem Gebiet ist der F-16 Uberlegenheitsjäger.
Der F-16
wurde von der General Dynamics Corporation entworfen und entwickelt. Um die Vorteile des Zugangs zu einem größeren Markt
zu gewinnen, wurde der F-16 in Belgien, den Niederlanden, Norwegen, Dänemark und den Vereinigten Staaten koproduziert. Ein
weiteres umfangreiches F-16 Koproduktionsprogramm wird demnächst in der Türkei anlaufen. Selbstverständlich ergaben sich
aus diesem Projekt erhebliche wirtschaftliche Vorteile in Gestalt von Arbeitsplätzen und industrieller Erfahrung für die
produzierenden Länder. Gleichzeitig bringt diese Methode eine
substantielle Verbesserung der Fähigkeiten des Bündnisses.
Sowohl für die Vereinigten Staaten als auch für das Bündnis
war das F-16-Programm vorteilhaft, da es durch die europäische
Koproduktion dem Ziel der Erschließung eines größeren Marktes
für ein Hochleistungsflugzeug diente.
In diesem Zusammenhang
ist es interessant, daß die Europäer auf einer Kooperationsvereinbarung bestanden, mit der der Entwurf des Flugzeugs festgeschrieben wurde, wodurch wir zur Produktion einer relativ einfachen Maschine gezwungen wurden. Als Nebenprodukt dieser Zusammenarbeit erwarb das Bündnis ein Flugzeug, daß den Finanzierungsrahmen und den Zeitplan nicht überschritt.
Lizenzherstellung
Wenn das Bündnis mit Defiziten in seiner konventionellen
Verteidigung konfrontiert ist, gibt es oft den einen oder anderen Partner, der ein relativ ausgereiftes Modell präsentiert.
In solchen Fällen bietet sich ein Lizenzbau geradezu an, wodurch die Kosten von Entwurf und Waffentests durch das Verfahren der Herstellung nach einem Standardentwurf eingespart werden können.
Ein Beispiel für Lizenzherstellung ist die Kanone für den
amerikanischen Kampfpanzer. Sie wurde in den sechziger Jahren
als Lizenzbau der Royal Ordnance aus Großbritannien in den Vereinigten Staaten hergestellt. Auch die neue 120 mm Kanone für
unseren Abrams Kampfpanzer wird in den Vereinigten Staaten als
-14-

�Staaten als Lizenzbau der Rheinmetall GmbH aus der Bundesrepublik Deutschland hergestellt.
Selbstverständlich werden auch amerikanische Entwürfe in
Europa produziert: Beispiele sind die Boden-Luft-Rakete HAWK,
die Luft-Luft-Rakete AIM 9-L (SIDEWINDER) , das 155-mm Artilleriegeschütz für Streumunition M483 und viele andere mehr.
Käufe "von der Stange"
Im letzten Jahrzehnt tendierten die europäischen Staaten
generell dazu, mehr Rüstungsgüter von den Vereinigten Staaten
zu kaufen als umgekehrt.
Die Zeitschrift "Armed Forces Journal" hat das Problem dieser "Zweibahnstraße" in hervorragender
Weise beleuchtet. Logischerweise sollten wir uns der Tatsache
bewußt sein, ohne jedoch beunruhigt zu sein, daß es eine
scheinbar "unfaire" Handelsbilanz auf diesem Sektor unserer internationalen Handelsbeziehungen gibt.
Gleichzeitig sollten
wir jedoch auch sehen, daß dieser Handel in einem wirtschaftlichen Kontext stattfindet, in dem die Gesamthandelsbilanz sehr
zum Vorteil Europas ausfällt.
Verständlicherweise würden es die europäischen Staaten vorziehen, in der Produktion von Rüstungsgütern unabhängig zu
sein. In dieser Beziehung sind eine Reihe Reihe von Vereinbarungen getroffen worden, um die wirtschaftliche und politische
Akzeptanz direkter Käufe von in den Vereinigten Staaten hergestellter Ausrüstung zu erleichtern.
Eines der spektakulärsten Beispiele für direkte Einkäufe
besteht in der kürzlichen Wahl des französischen Kommunikationssystems RITA als Basis für das amerikanische Mobile Teilnehmersystem im Wert von 4,3 Milliarden Dollar. Dies bedeutet einen wirklichen Meilenstein, da der Wettbewerb zwischen zwei europäischen Entwürfen ausgetragen wurde. Die Industrie der Verbündeten wird Aufträge im Wert von über einer Milliarde Dollar
erhalten ohne irgendwelche Verrechnungszwänge.
Diese Leistung
signalisiert einen klaren Wandel in der amerikanischen Einstellung und könnte der Vorläufer für verstärkten Verkehr in östlicher Richtung auf dieser Zweibahnstraße sein.
Während des vergangenen Jahres haben sich die Vereinigten
Staaten auch für die Einführung des Waffensystems PATRIOT in
Europa eingesetzt, einem von der Firma Raytheon p roduzierten
Waffensystem. Die Bundesrepublik Deutschland und It alien haben
beschlossen, dieses System zu kaufen und einzuführen , genau wie
die Vereinigten Staaten.
Die Vereinigten Staaten haben auch
zugestimmt, von Deutschland und Italien produzierte Kurzstrekken-Flugabwehrsysteme zu kaufen und diese bei den St reitkräften
der Herstellerstaaten einzuführen. In diesen Fällen profitiert
jede Seite.
Eine
trad itionellere
- 15 -

�Eine traditionellere Form des Ausgleichs gibt es mit den
Niederlanden, wo die PATRIOT Rakete gleichfalls in naher Zukunft stationiert werden wird.
In diesem Fall hat sich der
amerikanische Produzent dazu verpflichtet, eine bestimmte Menge
von niederländischen Waren zu kaufen, als Kompensation für den
Aufwand an niederländischen Mitteln in den Vereinigten Staaten
für das PATRIOT System.
Finanzielle Unterstützung
Es gab eine Zeit, in der das Bündnis relativ weitgehend
standardisiert war, da der größte Teil seiner Ausrüstung in den
Vereinigten Staaten hergestellt und den Verbündeten entweder
zur Verfügung gestellt oder an sie verkauft wurde. Ein aktives
Rüstungsverkaufsprogramm bildet eine zusätzliche und oft übersehene Form von Rüstungskooperation im Bündnis. Im Rahmen dieses Programms werden bisweilen finanzielle Hilfen bereitgestellt in Fällen, in denen amerikanische Interessen eine Verstärkung des militärischen Potentials eines bestimmten Landes
gebieten.
Diese finanzielle Unterstützung ist der Schlüssel
für verbündete Staaten mit weniger entwickelten Rüstungsindustrien und Volkswirtschaften.
Ein gutes Beispiel für diese Art der Zusammenarbeit ist die
kürzlich verkündete Vereinbarung zwischen Bonn und Lissabon, in
der sich die Bundesrepublik zur Bereitstellung von 490 Millionen DM für den Bau von drei portugiesischen Fregatten auf deutschen Werften verpflichtet hat. Andere Bündnispartner beteiligen sich ebenfalls an diesem Programm. Zum Beispiel tragen die
Vereinigten Staaten mit ca. 300 Millionen Dollar zu dieser
Stärkung von Portugals Fähigkeit, Europas südwestlichen Zipfel
zu sichern, bei.
Am Ende einer Bestandsaufnahme von mehr als einem Jahrzehnt
von Initiativen, Hoffnungen und Enttäuschungen ist es ein positives Erlebnis, definitive Verbesserungen feststellen zu können.
Appelle an die Notwendigkeit der Zusammenarbeit gehen
nicht länger in der massiven Bürokratie unter. Wir diskutieren
die Probleme intensiv und regelmäßig in den höchsten Gremien
der NATO.
Es muß jedoch ein Mittel gefunden werden, um aus dieser Besorgnis auf höchster Ebene Nutzen zu ziehen, bevor diese Aufmerksamkeit durch Ereignisse in der Welt auf andere Gebiete abgelenkt wird.
Heute benötigen wir eine Ressourcenstrategie
mehr denn je. Die politischen Elemente einer solchen Strategie, die ich an anderer Stelle behandelt habe, scheinen den
richtigen Platz einzunehmen. Jetzt müssen die NATO-Partner die
Herausforderung ehrlich annehmen und positiv lösen, wenn wir
unsere politischen Chancen nutzen wollen.

* * * * *

- 16 -

�Wi/scn/chott
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

49

11. December 1985

US-WISSENSCHAFTLER GELINGT DURCHBRUCH IN DER AGRARFORSCHUNG
- Blaues Licht fördert Pflanzenwachstum -

- (AD) - Zwischen 50 und 70 Prozent mehr Wachstum erreicht
man im Zeitraum von drei Wochen bei Orchideen, wenn sie Licht
mit einem größeren Anteil von Blau erhalten. Das Phänomen der
Wachstumssteigerung unter der Einwirkung von Licht bestimmter
Wellenlängen ist bei vielen Pflanzenarten zu beobachten. Aber
welcher Mechanismus liegt dem zugrunde?
Dr. Eduardo Zeiger,
Professor für Biologie an der Stanford-Universität (Kalifornien), befaßte sich zusammen mit einigen Mitarbeitern eingehend
mit dieser Frage. Es gelang ihm, die "Sensoren" ausfindig zu
machen, die auf blaues Licht reagieren und bestimmte Zellen der
Blattoberflache so aktivieren, daß sich winzig kleine Poren
öffnen.
Diese lichtabhängige Pumpe erwies sich als eine zentrale Komponente für Prozesse, bei denen Zellreaktionen im Zusammenhang mit einer Anzahl biologischer Funktionen in Gang gesetzt werden. Das Wachstum der Pflanzen ist nur ein Teil davon.
Der Vorgang der Absorption von Licht und der Umwandlung der
Lichtenergie in Signale für den Stoffwechsel wird als "sensorische Transduktion" bezeichnet.
Dieser Mechanismus zur Übertragung von Energie, so erklärt Prof. Zeiger, erlaube Pflanzen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�erlaube Pflanzen die Wahrnehmung von Informationen aus ihrer
Umwelt, ähnlich dem Vorgang des Sehens bei Tieren.
Im tierischen Auge wird Licht von einem lichtempfindlichen Stoff, dem
Rhodopsin, absorbiert.
Dieses Pigment setzt, sobald es aktiviert wird, ganze Reaktionsketten in Gang, was schließlich Neuronen im Gehirn anregt, das Licht zu "sehen".

Der Lichtrezeptor auf den Blättern g:ibt Zeiger zufo Ige den
Anstoß zu einer Reaktionskette , in deren Verlauf winzig e Poren
auf der Blattoberfläche, sog. Stomata, schließlich veranlaßt
werden, sich zu öffnen. Um we lche chemische Verbindung es sich
bei dem Blaulic ht-Rezeptor handelt , konnte noch nicht geklärt
werden. Man weiß bisher nur, daß er innert"lalb der Deckzellen
liegt, clie jede dieser Poren umgeben und ihr Öffnen und Schließen regu lieren.
Pflanzen nehmen beispielsweise das für die Photosynthese so
wichtige Kohlendioxyd durch die Stomata-Poren aus der Luft auf.
"Wir wissen, daß sich diese Poren in Reaktion auf Licht öffnen", sagt Prof. Zeiger.
"Wir wissen ferner, daß Photorezeptoren vorhanden sein müssen, wenn wir eine 'Lichtreaktion1 beobachten".
Durch blaues Licht, das den Photorezeptor aktiviert, werde offenbar eine Pumpe in der Zellmembran "angeworfen", die Protonen, d.h. Wasserstoffionen mit positiver elektrischer Ladung, aus der Zelle treibt.
Dadurch entstehe ein
elektrochemisches Gefälle über die Zellmembran hinweg, was bewirke, daß nun Kaliumund Chlorionen in die Zelle wandern können.
Bei dieser Veränderung der Ionenkonzentration zwischen
Außenund Innenseite der Zelle ströme Wasser in die Deckzellen
ein. Sie beginnen zu schwellen. Und weil, wie Zeiger erklärt,
dabei die Zellwände radial, d.h. rundum versteift werden, öffnen sich die winzigen Poren. Ist die Pumpe mangels BlaulichtAnregung wieder stillgelegt, verschwindet auch das elektrochemische Gefälle. Überschüssige Ionen sickern durch die Zellwand
wieder nach außen, ebenso Wasser. Die Zellen schrumpfen, und
damit werden die Poren geschlossen.
In den Deckzellen findet sich aber, wie Prof. Zeiger erklärt, noch ein weiterer Photorezeptor, und zwar der in Chloroplasten enthaltene grüne Pflanzenfarbstoff Chlorophyll.
Die
Deckzellen sind Teil der epidermalen Zellschicht, welche über
die gesamte Zelloberfläche ausgebreitet ist.
"In der Regel
handelt es sich bei ihnen um den einzigen Zelltyp, der in diesem Gewebe Chloroplasten besitzt", sagt Zeiger.
Chlorophyll absorbiert vor allem Licht aus dem roten und
blauen Spektralbereich.
Im Verlauf seiner Experimente machte
Prof. Zeiger eine interessante Beobachtung: Wenn bei isolierten Deckzellen oder intakten Blättern die Aufnahmefähigkeit für
Licht erschöpft, das Chlorophyll mit rotem Licht "gesättigt"
ist und man anschließend noch eine winzige Dosis von blauem
Licht hinzugibt, schwellen die Deckzellen erneut für ein paar
- 2 -

�ein paar Minuten an.
Zeiger schließt daraus, daß nicht nur
Chloro phyll, sondern auch ein weiterer Photorezeptor auf dieses
blaue Licht reag iert.
Die V erfeinerung der Untersuchungsmethode gab Zeiger und Mitarbei tern die Möglichkeit, die Reaktionsweise der St omata bei Einwirkung von blauem Li cht aufzuklären
Dies wie derum führte zur Entd eckung der "Protonenpumpe".
Manche Kollegen bezweifeln, so Zeiger, daß den DeckzellenChloroplasten überhaupt eine Funktion zukäme. Vielmehr würden
sie nur als Überbleibsel aus einer sehr frühen Periode der Evolution betrachtet. Prof. Zeiger meint jedoch, daß sie nach wie
vor eine wichtige Funktion zu erfüllen haben, eben weil sie in
den Deckzellen erhalten geblieben sind. Vor kurzem gelang ihm
und seiner Mitarbeitergruppe der Nachweis, daß Deckzellen-Chloroplasten mit absorbierter
Lichtenergie
ATP(Adenosintriphosphorsäure) produzieren.
Diese Verbindung, die sich in allen
pflanzlichen und tierischen Zellen sowie in Mikroorganismen
findet, ist ein wichtiger Überträger von Energie für Stoffwechsel- und Aufbauprozesse - eine Art "Zellbrennstoff".
Zeiger
vermutet, daß die Funktion des Deckzellen-Chlorophylls darin
besteht, Energie für den elektro-chemischen Pumpmechanismus zu
liefern.
Die bisherigen Ergebnisse ihrer Forschungen wendet die
Gruppe Zeiger gegenwärtig bei Experimenten mit hawaiianischem
Zuckerrohr an, um einen höheren Ertrag zu erzielen.
Wissenschaftliche Berichte zu diesem Thema erscheinen in Kürze in den
Protokollen
der "National Academy of Science" sowie in der
Zeitschrift "Nature".

* * * * *

- 3 -

�</text>
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nroimciuon
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

4 . Dezembei

48

1985

[ N h A L T

DOKUMENTATION
Hochtechnologie:

Die neue industrielle Revolution

- Von Botschafter Richard R. Buit -

WISSENSCHAFT JND TECHNIK
Monteure im Raumanzug
- ATLANTI5-Unternehmen bereltetf

wichtige Zukunftspro jek 1 e

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ßckgcHcmpIcwcn
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�4. Dezember 1985

48

HOCHTECHNOLOGIE:

DIE NEUE INDUSTRIELLE REVOLUTION

- Von Botschafter Riciard R. Burt -

FRANKFURT
- (AD) - Der Botsch ifter der Vereinigten Staaten
vcn Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, Richard R. Burt,
hat am 4. Dezember 1985 vor der Am jrikanischen Handelskammer in
Frankfurt ausführlich über die \ erausforderung der modernen
Hochtechnologie für die heutige G esellschaft gesprochen.
Die
durch die Hochtechnologie herbeige führte Revolution habe nicnt
nur tiefgreifende Auswirkungen au f die Beziehungen der Industriestaaten untereinander und zi i den neuentstehenden Industrieländorn, sondern auch auf das Verhältnis zwischen Ost und
West. Dia Vereinigten Staaten unc die Bundesrepublik Deutschlc-nd, so erklärte Botschafter Burl , "sind führend in der Welt
auf technologischem Gebiet, und wi : müssen diese führende Rolle
dazu nutzen, die sozialen und wirt schaftlichen Probleme unserer
demokratischen Gesellschaften zu li isen." Der Erfolg dabei werde' unseren Wohlstand und unsere Sic herheit stärken.

Die Ansprache des amerikanischen Präsidenten hat folgenden
Wortlaut:
Schon bald nach meiner Ankunft in Bonn bat mich der Präsident dieser angesehenen Organisation, Fred Drake, Ihr Ehrenpräsident zu werden. Ich habe gern angenommen. Ich betrachte diesen Titel nicht nur als eine symbolische Ehre, die routinemäßig
je'dem amerikanischen Botschafter zuteil wird. Ich betrachte es
als eine Aufforderung, Ihre Aufgate aktiv zu unterstützen, und

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�unterstützen, und ich darf Ihnen versichern, daß Sie meine volle Mitarbeit haben werden. Ihre Präsenz hier in der Bundesrepublik Deutschland ist gut für die Bilanzen Ihrer Unternehmen
- zumindestens hoffe ich es. Amerikanische Investitionen bringen auch über eine Million Arbeitsplätze für die deutsche Wirtschaft. Das ist eine Leistung mi1. wichtigen wirtschaftlichen,
sozialen und politischen Folgen, auf die wir alle stolz sein
können.
In einem größeren Zusammenhang gesehen ist Ihre Präsenz hier auch eines der wichtigs:en Bande, die unsere beiden
Länder miteinander verbinden.
Ich möchte, daß dieses Band erhalten und gefestigt wird.
In früheren Reden habe ich der gegenwärtigen Stand der BeZiehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepub u k Deutschland als eine "reife Partnerschaft" bezeichnet,
Mit der jüngsten Erneuerung des amerikanischen Selbstbewußtseins ging hier in Deutschland eir wachsendes Vertrauen in die
wirtschaftliche Stärke und die po Litische Stabilität der Bundesrepubl:.k einher. Die Vereinigt en Staaten sind heute bereiter als in der Vergangenheit, ihre Macht und ihre Verantwortung
zu teilen. Wir Amerikaner sind we Tiger geneigt, einseitige LöSLingen der Weltprobleme zu suchen
Die Bundesrepublik ihrerseits ist eher bereit, sich als ei 1 führendes Mitglied der Völkergemeinschaft zu sehen. Die Deu tschen sind weniger in ihren
eigenen Angelegenheiten befangen, Ich möchte wünschen, daß wir
in diesem Geiste zusammenarbeiten, um kreativ auf die Herausforderungen des Wandels in der hei tigen Welt zu reagieren. Ich
möchte mi :h in meinen heutigen Au&lt; führungen auf eine der wichtigsten dieser Herausforderungen l onzentrieren:
Die Hochtechnologie.
Ich brauche einer Zuhörerschaf t von führenden Wirtschaftsleuten nicht zu sagen, daß wir m itten in einer rasch und in
viele Richtungen voranschreitenden wissenschaftlichen und technologischen Revolution stehen, d Le unsere Volkswirtschaften,
unsere Gesellschaften und unser tä gliches Leben verändert. Sie
sind diejenigen, die computerges :euerte Werkzeugmaschinen in
de;n Produktionsprozeß einbauen. £ ie sind diejenigen, die Computer an das Fernmeldenetz angesch ;lossen und radikale Veränderungen in unserer Arbeits- und Le bensweise vorgenommen haben,
Sie sind diejenigen, die die pharm azeutische, chemische und Lebensmitteiindustrie durch Biotechni k verändern werden.
Angst vor dem Neuen
Ich brauche Ihnen auch nicht ?u sagen, daß viele Leute im
Westen diese neue wissenschaftliche und technologische Revolution auch mit gemischten Gefühlen betrachten. Daß die Einführung neuer Technologien Gefühle der Angst und Entfremdung hervorrufen können, ist nichts Neues.
Die Menschen machen sich
Sorgen, daß sie ihren Arbeitsplatz verlieren könnten. Sie ha- 2 -

�Sie haben auch tieferliegende Befürchtungen, daß die Gesellschaftsordnung, die sie kennen, zerbrechen könnte - daß sie irgendwie die Fähigkeit verlieren konnten, ihr eigenes Leben zu
bestimmen. Wir alle erinnern uns an die Maschinenstürmer, die
die neuen Textilmaschinen zerschlugen, die Anfang des 19. Jahrhunderts in den englischen Midlands eingeführt worden waren.
Die heute in der Bundesrepublik zum Ausdruck gebrachten Befürchtungen mögen nicht so heftig sein, aber sie sind trotzdem
real und sie kommen auch in anderen Industriestaaten zum Ausdruck. Die Leute sagen, verstärkt? Automation bedeutet Verlust
an Arbeitsplätzen. Wenn man am Fließband gearbeitet hat, dann
kann man nicht lernen, Software zu entwickeln. Fabriken werden
schließen.
Ganze Gemeinden werden leiden.
Die biotechnische
Revolution läßt auch Besorgnisse bezüglich der öffentlichen Sicherheit und grundlegendere moralische Zwangslagen aufkommen.
Die neue Informationstechnologie fordert unsere Fähigkeit heraus, geistiges Eigentum zu schützen. Sie dringt in unsere Privetsphäre ein.
Ich vernehme auch allgemeinere mehr ins Philosophische gehende Fragen bezüglich der Auswir &lt;ungen der neuen Technologie
auf unsere gesellschaftlichen und politischen Systeme. Bedeutet die Forderung nach höchstkomp] izierten technologischen Fahigkeiten, daß unsere Gesellschaft elitär wird? Wie fair ist
die Verteilung der Erträge?
Wie sehen jene mit technischer
Ausbildung die politischen und v irtschaftlichen Trends, die
sich aus der Technologie ergeben? Wie sehen Politiker und Regierungsvertreter - selbst Botschal 'ter - , die keine technische
Ausbildung haben, die Kräfte des V andels in der heutigen Welt?
Wenn unsere führenden Persönlichk eiten schon Probleme haben,
wie geht es dann dem durchschnittli chen Wähler?
Regierungen und Meinungsmacher fürchten auch, daß ein anderes Land die Führung in der modernen Technologie übernehmen
könnte und sie in wirtschaftlicher Stagnation oder sogar sozialem Niedergang zurücklassen könnte.
Noch vor wenigen Jahren
wurde in weiten Kreisen der Bundesrepublik diese Befürchtung
zum Ausdruck gebracht. Sie kam gf.nz besonders deutlich in einem Buch mit dem Titel "The World After Oil" (Die Welt nach dem
öl), von Bruce Nussbaum, einem amerikanischen
Journalisten
deutlich, der 1983 schrieb: "Die technologische Grundlage, auf
die sich das deutsche Wirtschaftsvunder stützte, veraltet mehr
und mehr... Westdeutschland ist heute ein Land, das voll Vertrauen durch das 20. Jahrhundert ueht und sich überhaupt nicht
über die wirtschaftliche Katastropie im klaren ist, der es bereits ausgesetzt ist". Die Befürchtung, zurückzubleiben, ist
nicht auf Deutschland beschränkt.
Es gibt vielmehr eine Art
Pyramide von Besorgnis. Die Amerikaner sorgen sich darum, mit
Japan Schritt zu halten. Die Deutschen sorgen sich darum, mit
Japan und den Vereinigten Staaten Schritt zu halten. Die Franzosen und die Briten sorgen sich darum, mit Japan, den Vereinigten Staaten und Deutschland Schiritt zu halten usw. Ich fra- 3 -

�Ich frage mich, um wen sich die Japaner Sorgen machen - wahrscheinlich um Korea, Singapur und Taiwan.
Die durch die Hochtechnologie herbeigeführte Revolution hat
tiefgreifende Auswirkungen nicht nur auf die Beziehungen zwischen der Industriestaaten und ihren Konkurrenten unter den
neuentstehenden Industrieländern, sondern auch und vielleicht
am tiefgreifendsten auf das Verhältnis zwischen Ost und West.
Wenn Amerika sich Sorgen über eine mögliche japanische Führungen in der Technologie macht, wenn sich Deutsche über eine mögliche japanische und amerikanische Führung Sorgen machen, dann
darf man sicher sein, daß die Sowjetunion sich Sorgen über die
sehr viel größere und immer größer werdende Kluft zwischen sich
und den westlichen Nationen insgesamt macht.
Es ist einfach eine Tatsache, daß das sowjetische System,
ohnehin nicht besonders wettbewerbsfähig, selbst auf den Gebieten der Schwerindustrie, ganz abgesehen von der Landwirtschaft,
ganz besonders ungeeignet ist, mit der neuen technologischen
Revolution Schritt zu halten.
Dieses System ist nicht besonders ermutigend für Innovation, Unternehmertum und Risikofreudigkeit, die die heutigen
technologischen Durchbrüche hervordringen, und sie kommerziell
nutzbar machen.
Und in gleicher Weise sind die Gebiete, auf
denen diese Durchbrüche stattfinden - beispielsweise Mikroelektronik und Informationssysteme - gerade jene, die eine Verbreitung von Information und den EntScheidungsprozeß erleichtern
und voranbringen - Dinge, die im Gegensatz zum sowjetischen System stehen.
Wenn man von dem seit langem bestehenden Streben der Sowjetunion zur Aufrechterhaltung e.ner Verteidigung gegen ballistische Raketen ausgeht, dann dürfen wir sicher sein, daß ihre Ablehnung der Strategischen Verteidigungsinitiative Präsident Reagans nicht aus der Ablehnung des Konzepts der strategischen Verteidigung an sich entspringt. Diese Ablehnung entspringt vielmehr der Befürchtung diBr Sowjets, daß die technologischen Fähigkeiten des Westens diesem einen Vorsprung auf diesem Gebiet erlauben könnten. Und vielleicht macht man sich in
Moskau auch darüber Sorgen, daß dss SDI-Programm der technologischen Kapazität des Westens auch auf anderen Gebieten einen
Auftrieb geben könnte.
Der Westen mußte bereits den materiellen und personellen
militärischen Vorsprung der Sowjet;, durch die Aufrechterhaltung
eines qualitativen Vorsprungs in militärischem Gerät ausgleichen.
Die neuesten Technologien bieten uns die Möglichkeit,
diesen Vorsprung aufrechtzuerhalten.
Auf lange Sicht könnte
man hoffen, daß die jüngste Revolution in der Technologie und
der sowjetische Wunsch, auf diesen Gebieten wettbewerbsfähig zu
werden, auch sie zu einem offeneren, dezentralisierteren und
flexibleren Wirtschafts- und Gesellschaftssystem führen werden,
wie es offensichtlich China jetzt anzustreben scheint.
Falls die

�Falls die Sowjetunion sich zu solchen wirtschaftlichen und
sozialen Reformen entschließen könnte, würden sich die Möglichkeiten für den Ost-West-Handel zweifellos vergrößern.
Solange
jedoch die Sowjetunion westliche Interessen bedroht und einen
solch großen Teil ihres Reichtums und ihrer internen Anstrengungen dem militärischen Sektor widmet, müssen wir den Technologiefluß kontrollieren und verhindern, daß die Errungenschaften westlichen Erfindergeistes gegen uns gerichtet werden.
Technologie und Fortschritt
Wenn die Technologie eine Her ausforderung unserer Ges eilscha ften darstellt, so bietet sie auch größere Möglichkei ten .
Die Geschichte hat gezeigt, daß dit? neue Technologie zwar v ielleic ht zunächst neue Eliten hervo rbringen kann, daß aber auf
lang e Sicht die Erträge - wenn sie in die Wirtschaft aufge nornmen und über die Bildungssysteme weitergegeben wird - b reit
vert eilt verden. Gestern war der Computer noch etwas für ein
Heute tre ffen
Fers chungslaboratorium oder eine Riesenfirma.
Sie ihn in den meisten Büros und in vielen Wohnungen an. Die
rieh tige Antwort auf die Herausfoi derungen der technologis chen
Revo lution besteht nicht darin, dii 5 Technologie abzulehnen oder
sich , wie das manche Leute möchtei1, sich in eine Art vori nduDie richtige Ant owrt
st rieller Vergangenheit zurückzuzi ehen.
best eht darin, die Technologie seli ist zu nutzen, um die Pro bleme z u lösen, die aufgrund des techn ologischen Wandels entste hen.
Bei der Überwindung der Besorgnisse über Verluste von Arbeit splätzen und die industriellen Verzerrungen, die durch die
tech nologische Revolution hervorgeträcht wurden, können die Indu striestaaten aus ihren gegenseitigen Erfahrungen lernen, Aus
dies em Grunde treiben wir das Arbeitsprogramm für struktur eile
Anpa ssung voran, das in der OECD in Angriff genommen wo rden
ist. Wie wir in jedem Stadium der industriellen Revolution erfahr en haben, brauchen wir uns vor dem Wandel nicht zu fü rchten. Es war ironischerweise Karl 4arx, der vorausgesagt ha tte,
daß es die industrielle Revolution sei, die jene Prosper ität
herb eiführen werde, die dafür sorgen werde, daß für eine Verbess erung der Lage der Arbeiterklasse und eine geringere R adikeli tat sorge.
Was die Besorgnis der Bundesrepublik Deutschland angeht,
mit den Vereinigten Staaten und Japan "Schritt zu halten", so
giaube ich, daß die Wirklichkeit vielschichtig ist.
Die Art
von Pessimismus, wie sie Nussbaum zum Ausdruck gebracht hat,
ist sicherlich nicht gerechtfertigt, aber ebenso ungerechtfertigt ist Selbstgefälligkeit
Seit meiner Ankunft in Bonn habe ich versucht, mich aus
erster Hand darüber zu informieren, was die Bundesrepublik
Deutschland im Bereich der Hochtechnologie unternimmt.
Im
Oktober besuchte ich das Berliner Innovations- und Gründerzent-

�und Gründerzentrum, das gemeinsam /on der Technischen Universität und dem Senat finanziert wird.
Seit seiner Gründung im
Jahr 1983 sind 26 Firmen dort eingezogen oder wurden dort gegründet, die in Bereichen wie Software, Vollautomation und
elektronische Präzisionsinstrumente arbeiten. Das ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie Firmen mit einer Universität
zusammenarbeiten können. Anfang November hatte ich das Vergnügen, die Deutsche Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und
Raumfahrt in Oberpfaffenhofen zu jesuchen, wo ich das hochmoderne Kontrollzentrum für die D-i. Mission besichtigte.
Erst
jüngst stattete ich der Gesellschaft für biotechnologische Forschung in Braunschweig einen Besteh ab.
Gegründet mit Hilfe
eines Zuschusses der Volkswagen-Stiftung, bietet diese Gesellschaft dis Gewähr dafür, daß der Bundesrepublik - und insbesondere dem Land Niedersachsen - der Einstieg in eines der wichtigsten Gebiete der Revolution in Hochtechnologiebereich gelingt.
Auf derselben Reise sah :.ch noch mehr Beweise dafür,
daß Norddeutschland nicht gewillt ist, bei der Hochtechnologie
gegenüber dem Süden hintan zu s ;ehen.
Bei der Krupp Atlas
Elektronik in Bremen wurden mir auf eindrucksvolle Weise die
Möglichkeiten bei der Datenverarbeitung und bei Simulatoren für
Atomreaktoren und Umweltkontrollsystemen demonstriert.
Meine Beweisführung mag anekdo :ischen Charakter haben, aber
sie war eindrucksvoller Natur und wird durch das Wirtschaftsministerium der Bundesrepublik erhärtet, das in einer Untersuchung vom vergangenen Jahr zu dem Schluß gelangt, daß die Wettbewerbslage der Bundesrepublik Deutschland insgesamt noch immer
stark ist. Die Studie zeigte, daü die Vereinigten Staaten und
Japan noch immer im Bereich Computer und Mikroelektronik führend sind, daß jedoch - bei einer breiteren Definition des Begriffs hochtechnologische Produkte - der Anteil der Bundesrepublik Deutschland am Weltmarkt stabil geblieben ist.
Was für
die Bundesrepublik gilt, würde sicherlich für Europa als Ganzes
noch eher gelten, wenn die binneiwirtschaftlichen Hindernisse
beseitigt würden und ein echter gemeinsamer Markt bestünde.
Auch eine jüngere Untersuchung der Universität Sussex
stellt einige der herkömmlichen Kritiken an der angeblichen
Schwäche Europas in Frage, den technologischen Wandel zu vollziehen und von ihm zu profitieren.
Sie zeigt, daß Europa im
Bereich Forschung und Entwicklung zwar weniger als die Vereinigten Staaten, aber mehr als Japan aufwendet.
Sie verdeutlicht, daß Europas Stärke auf dem Gebiet der Chemie und der
Kernenergie liegt und daß es bei der Metallverarbeitung und bei
Automobilen vor den Vereinigten Staaten rangiert, vor Japan
aber im Bereich der Luftfahrt und bei den Technologien zur RohstofVerarbeitung.
Überraschenderweise zeigt die Studie auch,
daß Europa bei der Kommerzialisierung neuer Software-Produkte
vor Japan liegt sowie vor den Vereinigten Staaten bei der Vollautomatisation.
Hindernisse für

�Hindernisse für das Wachstum
Wenn man einige der pessimistischeren Urteile korrigiert,
sollte man jedoch nicht die Probleme aus den Augen verlieren,
die es noch immer gibt. In den vergangenen Jahren habe ich aus
den verschiedensten Quellen von Beninderungen und Verkrustungen
gehört, die es in der deutschen Wirtschaft gibt.
Herbert
Giersch, der Direktor des Instituis für Weltwirtschaft an der
Universität Kiel prägte den Ausdruck "Eurosklerose", um die Lage zu beschreiben. Der Analyse von Dr. Giersch zufolge ist die
europäische Industrie - zum größten Teil als Ergebnis staatlicher Subventionen und gewerkschaftlicher Verkrustungen - noch
nicht in der Lage, mit dem größeren Maß an Flexibilität Schritt
zu halten, das von einem weltwirtschaftlichen Umfeld verlangt
wird, dessen Wettbewerb sich auf dramatische Weise verschärft
hat.
Auch Hans-Dietrich Genscher hat in seiner überzeugenden
Rede über die technologische Herausforderung, die er im Dezember 1983 hielt, auf einige diese]' Probleme hingewiesen - und
einige einfallsreiche Lösungen vorgeschlagen.
Vier zentrale Problembereiche
Vielfalt der Kritik heraus.

kristallisieren

sich aus der

Erstens wird geltend gemacht, daß der deutsche Unternehmer
zu mehr Vorsicht tendiert als sein amerikanisches Pendant. Man
weist darauf hin, daß Absolventen von Universitäten in der Bundesrepublik Deutschland eher geneigt sind, in eine große, etablierte Firma einzutreten, als selbst eine neue zu gründen.
Während anerikanische Unternehmer ihr Auge mehr auf eine Marktstrategie werfen, die finanziellen Gewinn abwirft, neigen Deutsche mehr dazu, dem technischen Erfolg um seiner selbst willen
nachzugehen.
Man argumentiert auch, daß deutsche Unternehmer
eher darauf hinarbeiten, bestehende Technologien noch zu perfektionieren, als neue zu erproben.
Deutsche
Unternehmer
scheinen mehr an der Sicherheit des Arbeitsplatzes interessiert
und weniger bereit zu sein, Risiken einzugehen. In der Bundesrepublik neigt man dazu, einen Fehlschlag im Geschäftsleben als
ein dauerndes Stigma anzusehen, während Amerikaner auch nach
einem Zusammenbruch wieder Mut fassen und mit der Aufmunterung,
die ihnen die Gesellschaft gibt, einen neuen Anfang wagen können. John Diebold geht in seinem Buch "Making the Future Work"
(Bewältigung der Zukunft) sogar so weit, vorzuschlagen, wir
sollten zusätzliche Anreize bieten, um Risikobereitschaft und
Experimentierfreudigkeit zu verstärken. Seinem Argument zufolge wagt beim derzeitigen System niemand, Änderungen vorzuschlagen, weil er Angst davor hat, sich lächerlich zu machen, wenn
die Dinge schiefgehen. Wir müssen, so Diebold, das Recht auf
Fehlschlag haben.
Ein zweiter Problembereich, auf den viele Beobachter hinweisen, ist ein Mangel an Mobilität der Arbeitnehmer. Wie sie
feststellen, ist die deutsche Arbeitnehmerschaft zwar hervorra-

�zwar hervorragend ausgebildet, abtir neue Arbeitskräfte einzustellen, ist wegen der hohen Löhne und der kostspieligen Sozialleistungen teuer. So wurde zum Beispiel darauf hingewiesen, daß die Lohnnebenkosten, vor allem die Sozialleistungen,
in der Bundesrepublik Deutschland 80 Prozent der Lohnkosten
ausmachen - verglichen mit 28 Prozent in den Vereinigten Staaten.
Die europäische Verpflichtung der Nachkriegszeit zur
Vollbeschäftigung war unvereinbar mit den stagnierenden Wirtschaftsbedingungen Ende der siebziger und Anfang der achtziger
Jahre. Das Ergebnis war eine zunehmende Verkrustung - der Versuch, Arbeitsplätze sogar in rückgängigen Industriezweigen zu
garantieren. Aber die vielen Erschwernisse bei der Entlassung
von Mitarbeitern erschweren den Firmen die Anpassung, insbesondere in Hochtechnologiebereichen, wo neue Produkte schon nach
einigen Jahren wieder veraltet sind.
Ein dritter Problembereich, dei 1 einige Beobachter anführen,
ist die fehlende organische Bez: ehung zwischen akademischer
Welt und Geschäftswelt.
Die deu tsche wissenschaftliche Forschung ist von höchster Qualität, aber man sagt, daß deutsche
Wissenschaftler zögern, wenn es d arum geht, Teilzeitarbeit in
Firmen zu verrichten oder eine eic ene Firma zu gründen. Darüber hinaus sagt man mir, daß viele Universitäten in der Bundesrepublik Deutschland hinsichtlich einer Zusammenarbeit mit der
Wirtschaft die Stirne runzeln, d iß Wissenschaftler, die sich
dazu entschließen, in der oder fü r die Privatindustrie zu arbeiten, oft mit Geringschätzung bet rachtet werden.
Deshalb werden neue Entdeckungen in den Primärwissenschaften oft nicht in neue Produkte umgesetzt, die wiederum zu neuen
Umsätzen und neuen Arbeitsplätzen führen würden. Die meisten
neuen Produkte erfordern eine Kombination aus wissenschaftlichem Können, unternehmerischem
Geschick und Risikokapital.
Günstigerweise teilen die meisten der großen Universitäten in
den Vereinigten Staaten diese Abneigung gegen eine Zusammenarbeit mit der Privatindustrie nicht. Infolgedessen hat die Forschung an den Universitäten auf den Märkten Früchte getragen.
Viertens und letztens wird festgestellt, daß die etablierten Geldinstitute - trotz der Tatsache, daß es in der Bundesrepublik wahrscheinlich auch keinen Mangel an Risikokapital geben
würde - dabei zögern, jungen, unabhängigen Unternehmern Kredite
zu gewähren. Risikokapital ist ein entscheidendes Element bei
der Entwicklung und der Produktion neuer Hochtechnologieprodukte, wo die Entwicklungskosten in die Millionen gehen können.
Ein ermutigendes Signal in diesem Bereich ist jedoch die sich
breitmachende Erkenntnis in Europa, daß, wie Konrad Seitz vom
Auswärtigen Amt es formulierte, das Unternehmertum in zunehmendem Maße als der Weg angesehen wird, der dazu beiträgt, uns aus
den wirtschaftlichen Schwierigkeiten herauszubringen. Ein weiteres ermutigendes Zeichen in der Bundesrepublik war die verstärkte Gründung neuer Firmen im vergangenen Jahr - 260 000

�Jahr - 260 000 - nach dem rückläufigen Trend der siebziger Jahre. Ich trete nicht dafür ein, daß die Bundesrepublik Deutschland die Vereingten Staaten kopieren sollte. Unsere Kulturen
und Gesellschaften sind unterschiedlich. Es ist nicht überraschend, daß unsere persönlichen Prioritäten sich unterscheiden.
Die Unabhängigkeit, die Risikobereitschaft und die hohe Mobilität, die für mein Land charakteristisch sind, brachten zusammen
mit ihren Vorteilen auch einige Nachteile oder zumindest soziale Kosten. In der Hochtechnologie jedoch bieten sich die Chancen in schwindelerregendem Tempo. Um sie auszuschöpfen, sollten eine Wirtschaft und eine Gesellschaft so offen und flexibel
wie möglich sein. Der Schlüssel ;:ur Fähigkeit der Bundesrepublik Deutschland zur Aufrechterhaltung einer starken Position
in der Hochtechnologie könnte daher in ihrer Fähigkeit liegen,
einige ihrer Verkrustungen zu lösen. Derlei Veränderungen werden nicht, über Nacht kommen und sie werden sicherlich nicht
leicht sein.
Und Widerstand gegen Wandel ist nicht nur ein
Problem, das sich auf die Hochtechnologie bezieht. Es bezieht
sich auf die Wirtschaft und die Gesellschaft als Ganzem. Um
ein banales Beispiel anzuführen: Ich bin erstaunt über den Widerstand, der in der Bundesrepublik bezüglich der Liberalisierung der Ladenschlußzeiten zu bestehen scheint. Was diese Angelegenheit anbetrifft, so spreche ich lediglich als ein vielbeschäftigter Konsument, der gerne mehr Geld in der Bundesrepublik ausgegeben hätte, aber bisher wenig Gelegenheiten dazu bekommen hat. Sicherlich würde jedur Wirtschaftsfachmann bestätigen, daß weniger starre Ladenschlußzeiten sowohl Verbrauch
als auch Beschäftigung steigern würde. Ladenbesitzer und die
Gewerkschaften mögen sich vor einem solchen Wandel fürchten
- aber langfristig gesehen würden gerade diese Gruppen der
deutschen Gesellschaft aus derlei Gesetzesänderungen Nutzen
ziehen.
Ich habe jetzt genug von den Problemen gesprochen, die es
bei der Hochtechnologie gibt. Ich möchte mich nun den Vorteilen zuwenden - und insbesondere den Vorteilen, die sich aus enger deutsch-amerikanischer Zusammelarbeit ergeben können. Auch
hier brauche ich mich vor dieser Zuhörerschaft nicht über die
Vorteile auszulassen, da sie Ihnen wohlvertraut sind.
Unser
Leben wird ständig durch die Vorzüge bereichert, die man sich
noch vor einer Generation nur schwer vorstellen konnte - in der
Medizin, im Fernmeldewesen, im Umweltschutz, um nur drei Beispiele zu nennen. Die Hochtechnologieindustrie wächst rascher
a.\s die traditionelleren Sektoren.
Sie ist der Schlüssel zu
unserem zukünftigen wirtschaftlichen Wohlstand.
Während die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik auf
diesem Gebiet in einem - sicherlich heilsamen - Wettbewerb stehen, arbeiten wir gleichzeitig eng zusammen.
Wir Amerikaner
möchten mit der Bundesrepublik zusammenarbeiten, weil wir ihre
Fähigkeiten kennen.
Für mich war es keine Überraschung, daß
dieses Jahr ein deutscher Wissenschaftler mit dem Nobelpreis
- 9 -

�dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet wurde.
Wir sind uns
auch der Tatsache bewußt, daß sich die Regierung der Bundesrepublik Deutschland im Rahmen eines freien Marktes bemüht, die
deutschen technologischen Fähigkeiten zu vergrößern.
Die engere bilaterale Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik stehen überhaupt nicht im
Gegensatz zur Entwicklung von engeren Beziehungen der europäischen Staaten untereinander auf diesem Gebiet. Wir begrüßen
die kooperativen Programme der Europäischen Gemeinschaft und
wir verfolgen im gleichen Geiste die führende Rolle, welche die
Bundesrepublik in der Entwicklung des Eureka-Projektes übernommen hat. Unsere bilaterale Zusammenarbeit kann von den Früchten der europäischen Initiativen profitieren, und umgekehrt.
Gleichzeitig sollten wir aber nicht vergessen, daß der Großteil
des wirklichen Fortschritts auf diesem Gebiet nicht durch Regierungsprogramme oder durch Zusanmenarbeit zwischen Regierungen bewirkt wird, sondern durch das Ausmaß, in welchem unsere
Gesellschaften Risikokapital, mobile Arbeitskraft und unternehmerischen Geist zur Nutzung des Wardeis bereitstellen.
Was die Zukunft anbetrifft, £0 sehe ich drei Gebiete der
Hochtechnologie, auf welche sich die Kooperationsbemühungen der
Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik konzentrieren sollten:
bilaterale Programme, Abb&lt;.u von Handelsschranken für
Hochtechnologieerzeugnisse
und
-dienstleistungen
sowie die
Handhabung unserer Programme zur Ixportkontrolle auf eine Weise, die cen Fluß von Hochtechnoiocieerzeugnissen und -Informationen zwischen unseren Ländern nicht unnötigerweise behindert.
Unser Erfahrungsreichtum mit bilateralen Programmen ist
groß.
Der kontinuierliche Austausch von Wissenschaftlern und
Informationen zwischen unseren be.den Ländern auf Gebieten wie
Raumfahrt und Energie bis zu Gesuidheit und Verkehr wird durch
eine Reihe von Wissenschafts- und Technologieabkommen erleichtert.
Außerdem existiert eine Vielzahl von privaten Programmen. Zwei der aktivsten werden von der Alexander-von-HumboldtStiftung durchgeführt, wodurch jedes Jahr fast 200 amerikanische Wissenschaftler in die Bundesrepublik kommen.
Natürlich bildet die Raumfahrt den sichtbarsten und aufregendsten Sektor unserer Zusammenarbeit. Der besonders erfolgreiche Flug der D-1-Mission bilde :e den Höhepunkt von mehr als
20 Jahren gemeinsamer Arbeit, die in den frühen sechziger Jahren mit einem Versuchsraketenprogramm begann.
Vor mehr als
zehn Jahren startete die NASA die erste deutsche Sonnensonde
"Helios", die immer noch wertvolle Daten zurück zur Erde funkt.
Partner in einem Team zu sein, dessen Erfolg auf sich ergänzenden Fähigkeiten beruht, was im übiigen auch bei der multinationalen Spacelab-Besatzung der Fall war, bedeutete ein herausragendes Symbol gemeinsamer nationaler Talente und Ziele.
Wir
freuen uns schon auf die D-2-Mission 1988 und wir begrüßen den
- 10 -

�begrüßen den wesentlichen Beitrag zur bemannten Raumstation,
den die Bundesrepublik Deutschland über die Europäische Raumfahrtbehörde ESA zu leisten beabsichtigt.
Ein anderer Sektor, auf dem wi r eine engere Zusammenarbeit
erhoffen, ist die Strategische Ver teidigungsinitiative. Dieses
enorm komplexe Projekt, das eine A jsdehnung der Grenzen unserer
technologischen Fähigkeiten und wi ssenschaftlicher Erkenntnisse
zur Folge hat, benötigt die beste i Köpfe und die fortschrittlichsten Produktionstechniken der Welt. Wir wissen, daß diese
in der Bundesrepublik vorhanden si id, und wir hoffen, daß deutsehe Firmen und Forscher sich an d Lesem Projekt beteiligen werden. Wir sind bereit, mit der Bui idesrepublik Deutschland Vereinbarungen zu treffen, die dies ; Zusammenarbeit erleichtern
und es den beteiligten deutschen Firmen erlauben würden, den
größtmöglichen Gewinn aus dieser Be teiligung zu ziehen.
Ein zweites Gebiet der Zusam nenarbeit ist der Abbau von
Sehranken für den Handel mit Hochl echnologie. Auf einer kürzlieh abgehaltenen OECD-Konferenz t etonte die amerikanische Delegation, daß die enormen Anlau 'kosten für Innovationen in
Hechtechnologieindustrien den Zuc ang zu den internationalen
Märkten zur entscheidenden Frage m achen. Trotz dieser Tatsache
scheinen iie Schranken für den fre ien Fluß von HochtechnologieRegierungen
gütern und -dienstleistungen weit er zuzunehmen.
benutzen das Argument von der "Ind jstrie in den Kinderschuhen",
Etablierte öffentliche und
um neue Unternehmungen zu schützen
private Monopole versuchen, ihre privilegierten Positionen zu
erhalten.
In bilateralen Gespräc!ien zwischen den Vereinigten
Staaten und der Europäischen Gerne inschaft sowie in der neuen
Runde der GATT-Verhandlungen, die , wie wir hoffen, nächstes
Jahr beginnen und die die höchst wichtigen Verhandlunger über
dem Handel mit Dienstleistungen e inschließen wird, werden wir
eng mit der Bundesrepublik zusamme narbeiten, um die auf Gebieten wie Zöllen, Normen, öffentlicl ien Beschaffungen, Herkunftsnachweisen und geistigen Eigentums noch existierenden Schranken
abzubauen und in einigen Fällen gar z zu beseitigen.
In der Zwischenzeit haben wir mit bilateralen Konsulta tionen auf einem Gebiet begonnen, auf welchem amerikanische Fi rmen
mit extrem starren und restriktive n deutschen Richtlinien konfrontiert sind: dem Fernmeldewese^ i. Amerikanische Firmen wünsehen besseren Zugang zum deutsch sn Markt, die Besorgnis über
die Restriktionen der Bundespost r aben sich von der amerik anisehen Industrie auf die Administra tion und den Kongreß über tragen. Aber dies ist nur die eine S eite des Problems. Ein gr ößerer, wichtigerer, Teil liegt in c er negativen Auswirkung, die
selche Restriktionen auf die deuts che Wirtschaft haben, da sie
es für jede Firma schwieriger und kostspieliger machen auf diese;m Gebiet tätig zu sein. Die ne ]ativen Folgen für Innova tion
und wirtschaftliches Wachstum in D eutschland sind entsprech end.
E:.ne Runde von Informati- onsgesp rächen über dieses Thema hat
11 -

�Thema hat gestern in München begonnen. Ich hoffe, daß wir bald
Fortschritte auf diesem Gebiet erreichen können.
Was den dritten Sektor der Zusammenarbeit, die Exportkontrollen, anbetrifft, so möchte ich lediglich eine vorsichtige
Anmerkung wagen.
Die Notwendigkeit solcher Kontrollen liegt
auf der Hand.
Die Sowjetunion und ihre Verbündeten im Warschauer Pakt erwerben, und in einigen Fällen stehlen, westliche
Erzeugnisse und Technologie, mit denen sie ihr militärisches
Potential stärken können. Zum Beispiel werden einige von Ihnen
die Ähnlichkeiten zwischen der neuen sowjetischen Raumfähre und
unserer eigenen bemerkt haben. Ni n mag Nachahmung ja die aufrichtige Art von Schmeichelei sein. Wenn diese sich aber so
ausdrückt, daß unsere eigene Techrologie gegen uns selbst verwandt wird, dann kann solche Schmeichelei tödliche Folgen haben.
Die ceutsche und die amerikanische Regierung bemühen sich
ernsthaft, den Transfer solcher Guter und Technologien in den
Ostblock zu unterbinden. Wir müssen jedoch sicherstellen, daß
wir diese Kontrollen auf eine Weise handhaben, die den freien
Fluß von Handel und wissenschaftlichen Informationen zwischen
Ihrem Land und meinem nicht erstickt. Das große Interesse dieser Kammer an diesem Thema ist mir bewußt und, zusammen mit anderen Angehörigen meiner Botschaft, bin ich bereit, bei der Lösung aller auftretenden Probleme mit Ihnen zusammenzuarbeiten.
Ich möchte gleichzeitig anmerken, daß meiner Meinung nach Behauptungen, die Vereinigten Staaten benützten Exportkontrollen
zu ihrem eigenen wirtschaftlichen Vorteil oder zur Bewahrung
unserer technologischen Überlegenheit, jeder Grundlage entbehren. Amerikanische Firmen wären die ersten, die Ihnen erklären
würden, daß sie von der Art und Weise, wie die amerikanische
Regierung ihre nationale Sicherheit und ihre Exportkontrollen
handhabt, weit mehr benachteiligt werden als ihre ausländischen
Konkurrenten.
Zum Schluß möchte ich noch einnal betonen, daß ich von dem,
was ich in der Bundesrepublik Deutschland an hochtechnologischen Fähigkeiten gesehen habe, teeindruckt bin.
Franz-Josef
Strauss und Lothar Späth haben mir ihre Politik in Bayern und
Baden-Württemberg erläutert und, wie ich vorhin schon einmal
betonte, aufregende Entwicklungen finden nicht nur im Süden
dieses Landes statt. Der Bürgermeister von Hamburg, Klaus von
Dohnanyi, ermutigt Privatfirmen zur Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der neuen Technischen Hochschule dieser Stadt, um
die örtliche Wirtschaft zu stärken.
Als amerikanischer Botschafter würde ich es begrüßen, wenn sich die wirklich vorhandenen Stärken der Bundesrepublik auf diesem Gebiet vergrößern
würden - durch Lösung von Verkrustungen, durch die Innovationen
erstickt werden können, und durch Steigerung der zwischen unseren Ländern existierenden beiderseits vorteilhaften Zusammenarbeit. Ich fände dies gut, nicht nur weil die Deutschen unsere
Freunde sind und wir ihnen Erfolg wünschen. Die Bundesrepublik
- 12 -

i

�Die Bundesrepublik Deutschland ist auch ein führendes Mitglied
der Welthandelsgemeinschaft und des Atlantischen Bündnisses.
Die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik sind führend in
der Welt auf technologischem Gebiet, und wir müssen diese führende Rolle dazu nutzen, die sozialen und wirtschaftlichen Probleme unserer demokratischen Gesellschaften zu lösen.
Die
Wirtschaft muß bei dieser Zusammenarbeit in der vordersten
Front stehen. Ihr Erfolg auf diessm, wie auf anderen Sektoren,
wird unseren Wohlstand und unsere Sicherheit stärken.

* » * * *

- 13 -

�4. Dezombe N 1935

46

MONTEURE IM RfUMANZUG
ATL^NTI5-Unternehmen bereitere wichtige lukuiftsprojekte

voi -

- (AD' - Ein 14 m hohes Gerüst aus 95 Alumir iumiohren und
33 Verbintiung:;gelenken sowie eine auf dem Kopf stehende Pyramide aus 3,6 m langen Aluminiumst relien waren die eisten "Bauwerke", die Astronauten im Weltcaum montieiten und anachl eßend
wieder zerlerten.
Die Versuche wurden mehrmals wledeholt,
schließlich alle Teile zur Erde zui ückcjebrccht.
Beim zweiten Einsatz des amerikanischen Raumtranspnrters
ATLANTIS .26. November bis 3. Dezember 19B5) mit einer s ebenkepficen Besatzung an Bord ging es u.£. dsrum, wissenschaftlich
verweitbaie Daten für das menschliche; Leistungsvermögen unter
extrenen Bedingungen zu bekommen.
Außerdem wurden erstmals
"vor Ort" Techniken im Zusammen!-ang mit Montagearbeiter erprobt, die; in den neunziger Janren beim Aufbau der ernten, permanent besetzten Raumstation erforcerlich sein werden.
Mit S' ereoaufnahmen von Jerry Ross und Sherwood Sprint' während i.hre:: jeweils sechsstündigen Außenarbeiten in und ze tweise außerhalb der offenen Ladebucht der ATLANTIS, sollte jede
Körperbewegung der beiden Astronaiten erfaßt werden. D e m allein schon Belegungen und Körperhaltung lassen Rückschlüsse ajf
Kraftaufwand, bestmögliche Position oder auch Schwierigkeiten
beim Zusanmenfügen großer Teile im freien Raum zu - von Kommentaren der Astronauten, die ebenfalls aufgezeichnet, wurden, einmal ganz angesehen.
Axbeit sphysio.logen, Mediziner und Ingenieure brauchen Anhaltspunkte dafür, wie sich körperliche Arbeit im Weltraun ganz

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Weltraum ganz allgemein auf den menschlichen Organismus, auswirkt. Wie groß ist die tatsächliche BeLastung, wie groß das
Leistungsvermögen der Monteure im Raumanzug? Wann oder wodurch
kommt es zu Ermüdungserscheinungen?
Wie werden diese erkennbar, *ie wirken sie sich aus? Beispielsweise spürten Roas und
Spring an Ende der ersten sechsstündigen Außentätigkeit kaum
mehr :.hre Hände - höchste Zeit zur Rückkehr in die Kabine.
Exakte Synchronisation der i'ernsehkamer as zur ständigen
dreidimensionalen Beobachtung dei zwei Astronauten war eine
Methode von vielen, um Störungen bei den Arbeiten im Weltraum
zu erpass3n und später zu analysieren. Die in der Flugleitzentrale Hoistor aufgezeichneten Bi!der werden u.a. benut?t, um
Computermodel Le zum Kraft- und Zeitaufwand für die Durchführung
spezielle: Ajfgaben auszuarbeite 1.
Sie sollen helfen, die
bestgeeignete i Ausrüstungen für den Bau großer Strukturen im
A I sowie für sichere und optimale Montageverfahren zi entw. cke n.
Das Kernstück der künftigen Faumstation wird aus meoreren
D.'ucknodu Len zusammengesetzt.
S:e dienen als Wohnguartiere,
Laboratorien und Lager. Die Segmente dazu werden, wie auoh die
meisten zusätzlichen Komponenten, mit Raumtransportern in die
vorgesehene Umlaufbahn gebracht urd dort nont.iert. Die Bahnhöhe der Raumstation liegt allerdings ein paar Hundert Kilometer
über jeneT von ATLANTIS während der Montageexperimente, die
Ross und Spring ca. 340 km über de~ Erde ausführten.
Bei ihrem Jungfernflug (3. - 7. Oktober .'985) hatte ATLANTAS mit !&gt;15 -&lt;m den oisher größte! Erdabstand eines amerikanischen Ratmtrcnsporters erreicht.
Damals wurden bereits Flugtechniken erprobt, die für das Absetzen des rrehrere Tonren
sehwe~en Weltraumteleskops Mitte rächsten Jahres in fast 600 km
Höhe erforderlich sind. Von diesem Instrument, an dem länger
a.'.s ein Jahrzehnt gearbeitet wuroe, versprechen sich Astrophysiker in aller Welt wesentliche Fortschritte für die Erforschung de5 Universums.
Nachrichtensatellit auf Vorrat
Die ATLANTIS-Besatzung unter Kommandant Brewster H. Shaw
und Filot Bryan O'Connor hatte diesmal ein &lt;;ehr umfangreiches
Programm zu bewältigen. Schon wenige Stunden nac;a dem Start in
Kap Canaveral wurde der erste v Dn drei Nacnrichtensatelliten
aoges^tzt. Es war MORELOS-B, der im Auftrag der mexikanischen
Regierung gestartet wurde. In deo zwei nächsten Tagen folgten
AUSSÄT II für Australien und SATi:0M K-2 für das amerikanische
Fernm?ldejnternehmen "RCA American Communications Inc.".
Bai SATCOM K-2, einem Objekt im Wert von 50 Millionen Dollnr, hancelte es sich um den ersten kommerziellen Satelliten,
- 2 -

�kommerziellen Satelliten der nicht versichert war.
Wäre es,
wie s:hon mehrfach geschehen, zu einer schwerwiegenden Panne
gekomrren, hätte RCA das Verlustrisiko selbst tragen müssen.
Wie e;.n Sprecher der RCA vor dem Start erklärte, habe man sich
für diesen Modus entschieden, well angesichts der häufigeren
Inanspruchnahme der Versicherunger in jüngster Zeit diese die
Piämien von sechs bzw. acht Prozent des Objektwertes, wie vor
zvei Jahren noch üblich, auf 30 Prozent angehoben hätten.
De s Absetzen des 630 kg schweren MORELOS-B wurde ven Dr.
Rodolfo Neri Vela, dem ersten mexikanischen Astronauten an Bord
einer amerikanischen Raumfähre, überwacht. Dieser zweite Nachrichtensatellit für das Land Mexiko wird allerdings erst In ca.
drei Dahren in Betrieb genommen.
Bis dahin hält man ihn auf
seinei "Parkbahn" in Reserve. Er soll dann als Relaisstation
an Himmel in ständiger Verbindurg mit 12 Erdefunkstellen im
Fe'rnmeldedien:;t des Landes für Telefongespräche, Funk- und
FeTnsehsendungen, Faksimileübertregungen und die Übermittlung
ge'sche ftl:.cher Daten eingesetzt werden.
Die Regierung entschloß sich zum "Start auf Vorrat", weil in drei Jahren die
Transportqebühren etwa das Vierfache der zehn Millionen Dollar
betragen dürften, die sie jet^t ZJ entrichten hatte. Übrigens
wfir mit Rücksicht auf das Einsteiern dieses Satelliten in die
für ihn vorgesehene Bahn die Raunfähre ATLANTIS in der Nacht
geistartet worden - der zweite: Nechtstart, den die NASA seit
Aufnahme der Raumtransporterflüge .m April 198L ansetzte.

i

Während seines ersten Raumfluges führte Vela, von Hause aus
promovierter Physiker und Elektroniksoezialist, im Auftrug mex;.kan:.scher Wissenschaftler auch eine Reihe von medizinischen
und biologischen Experimenten durch. So betreute er u.a. eine
Studie zur Messung der Aufnahme /on Nährstoffen durch Bohnenpflanzen. Mit einer Spezialkamera machte er Aufnahmen von Mex:.ko sowie, für Geophysiker, von den vom jüngsten Erdbeban besonders hart betroffenen Regioner.
Von einem Teil der Fotos
e'hof*t man sich Hinweise auf noch unbekannte Mineralvorkommen
sowie auf Art und Umfang der Vegetation in weiten Teilen des
großen, oft nur schwer zugänglichen Landes. Vielleicht bringen
d .e Aufnahmen auch neue Informationen zur D/namik der Meere,
von denen Mexiko umgeben ist.
Auch Afrika wurde unter die Totolupe genommen. Mit einer
optisch besonders leistungsstarken Kamera fotografierte die
Astroiautin Mary Cleave während des ATLANTIS-Fluges immer wieder den riesigen Kontinent.
Bei der Bildauswertung geht es
hauptsächlich um noch unentdeckte Wasservorkonmen an oder unter
der Oberfläche.
Zeitweise konzentrierten sich die Aufnahmen
ganz auf Äthiopien und Somalia, *o katastrophaler Wassermangel
herrs :ht.
Selbstversuche
- 3 -

�Selbstversuche
Mit Spannjng werden die Ergebnisse einer Serie von Selbstversuchen erwartet, die Neri Vela im Auftrag mexikanischer Mediziner mit einem Gerät für Elektroakupunktur durchführte.
D&amp;s Experiment sollte helfen, herauszufinden, ob oder inwieweit
die Akupuokturmethode zur Bekämpfung der Raumkrankheit anwendbar ist. Da;; schon seit 400D Jahren im chinesischen Kulturkreis übliche Verfahren, mit dem durch Einstechen dünner Nadeln
an gaiz bestimmten Punkten in die Haut gestörte Regulationskreise im merschlichen Körper wiederhergestellt werden sollen,
findet inzwischen hier und dDrt auch Anwendung in der westlicher Medizin.
Eine der abgewandelten neuen Formen ist die
Eiektio-Akupunktur, bei der über die Nadeln schwache Stromstöße
in de i Körper geleitet werden. Sie sollen die Normalisierung
gestöiter Regjlationen unterstützen. Das Verfahren wird in bestimmten Fällen z.B. zur Schmerzbekämp *ung eingesetzt.
Etenfalls um die Raumkrankheic ging es hei einem medizinischen Experiment, an dem Vela und Dr. Charles Walker (von der
Firma McDonneLl Douglas) teilnahmen. Beide testeten im SelbstVersuch zuei Medikamente gegen die Bewegungskrankheit (T/lenol
und Seopedex) in verschiedener Dosierung. An Hand von Blutproben, die sie sich gegenseitig ahnahmen, soll u.a. ermittelt
werder, ii
welchem Umfang die Medikamente unter Weltraumbedingunger von Blut absorbiert werden.
Industrie setzt auf Biotechnik
Mit drei biotechnischen Experimenten waren die amerikanischen Firmen McDonnell Douglas und "3M Company" dabei. Dr.
Charles Walker, der jetzt zum dritten Mal an einem Raumflug
teilnahm, betreute sowohl das Elektrophorese-Experiment, das
seine Firma nun schon zum siebenten Mal im Weltraum durchführen
ließ, als auch das 3M-Experiment zur Züchtung organischer Kristalle.
Das 1stztgenannte Verfahren wurde vor einem Jahr zum ersten
Mal im Weltraum erprobt. Die 3M-Wissenschaftler hoffen, jetzt
mehr organische Kristalle höchster Reinheit zu bekommen.
Sie
sollen für "optische Schalter" sowie in Computern verwendet
werden können, in denen Informationen mit Licht anstatt mit
elektrischem Strom verarbeitet werden. "Hier auf der Erde wird
die Ausbildung solcher Kristalle von der Gravitation beeinträchtigt", sagt Christoph Chow, der Leiter des 3M-Laboratoriums für Weltraumforschung.
"Sie fallen im Reaktor, in dem sie
wachsen sollen, zu Boden und verklumpen dort wie Kohlestücke im
Ofen.
In der Schwerelosigkeit dagegen wächst jeder einzelne
Kristall voll aus, ohne mit anderen Kristallen zu verbacken.
Und die Moleküle, aus denen sich die Kristalle aufbauen, setzen
sich präzise an den ihnen zukommenden Stellen an." Diese prä.. 4 _

�Diese präzise Molekülorientierung sei eine ideale Vorbedingung
zur Übertragung von Signalen mit Licht. Nach Meinung mancher
Fachleute dürfte bereits die nächste Computergeneration mit Materialien ausgerüstet sein, die Informationsverarbeitung durch
optische Signale ermöglichen.
Schlagzeilen macht jedoch das Elektrophorese-Experiment der
Firma Mcfonnell Douglas.
Das Geheimnis um das Hormon, das
durch die Gewinnung im Weltraum in ausreichenden Mengen für medizinische Zwecke verfügbar würde, ist gelüftet:
Es handelt
sich jm Erythropoetin.
Dieses vorwiegend in Niere und Leber
ei zeugte Hormon regt die Bildung und Freisetzung von Pro-Erytfrozyten (Vorstufe für rote Blutkörperchen) im Knochenmark an.
Wenn sie von dort ausgeschwemmt sind, reifen sie innerhaLb weniger Tage im Blut zu Erythrozyten heran.
Eryth'opo Btin wäre in vielen Situationen von großer Bedeutung •• angefangen vor der Vorbereitung eines F'atienten auf eine
Operation, un eventuell Bluttransfusionen überflüssig zu machen, bis zur Dauerbehandlung von anämischen Personen, deren
Körper z.3. infolge bestimmter Schädigungen der Nieren da- Hormon nur unzureichend produziert.
Heute sind solche Patienten
noch auf regelmäßige Bluttransfusionen angewiesen. riies birgt
aber manche Cefahren in sich, die be'. Verfügbarkeit von hochreinem und kostenmäßig erschwinglichen Erythropoetin vernieden
wi rden.
Die Reinh eit des Produkts.die bei Gewinnung durch Elektrophorese im W eltraum nach Angaben des McDonnell Douglas-Forsc hungsteams zu fast 100 Prozent garantiert werden könne, ist
ein ganz wie!" tiger Faktor. Er spielt vor allem bei Patienten
eine Rolle, i Jie Langzeitbehandlung brauchen.
Aufgrund der im
Verlauf von e echs Raumflügen bei McDonneJl Douglas gesammelten
Ei fahrungen k önne gesagt werden, daß der Reinheitsgrad viermal
giößer ist al s bei Produkten aus stationären Laboratorien, und
deß die Ausbe ute im Weltraum bei Anwendung der ElektrophoreseMethode mit k ontinuierlichem Materialfluß bis zum 700fachen der
menge betrage n kann, die unter irdischen Schwerebedingunnen zu
ej zielen sei. Erythropoetin werde bisher vor allem deshalb reletiv wenig ;ingewandt, weil bei den herkömmlichen Gewinnungsve rfahren Net enprodukte, die dem Körper schaden, nicht ausgefiltert werde n können. Mitte nächsten Jahres werde ein neues
S} stem in der Weltraumproduktion verwendet, das wegen seiner
Gxöße nicht m ehr im Mitteldeck des Raumtransporters, sondern in
de r Ladebucht installiert werden müsse.
Es soll /4ma: leist ungsfäh iger sein als das jetzige.
Die Mikrobiologen und Biochemiker von McDonnell Douglas
kc nzentrieren sich auf der Suche nach einem geeigneten Hormontiäger auf eine Zelle, die mit gentechnischen Methoden in Mengen reproduzierbar ist, die für die Extraktion des Hormons genügend "RDhstoff" darstellen. Dank dieser Technik ergeben sich
- 5 -

�ergeben sich neue, vielversprechende Aspekte für die Medizin
- wenn es nämlich gelingt, Hormone oder F3roteine, die der gesunde Körper selbst produziert, d.e aoer bei bestimml.en Krankheiten fehlen, in der Schwerelosigkeit als reines Produkt zu
gewinnen und für therapeutische Zwecke verfügbar zu machen.

* * * * *

•

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