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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

4

1 8 . März 198 7

11

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan nimmt Weinberger und Shultz in Schutz
- Präsident Reagans Rundfunkansprache -

Wick; Sowjetischer "Glasnosf-Kampagne mit Vorsicht begegnen
- Auszüge aus einer Ansprache vor dem Verband der amerikanischen
Werbewirtschaft -

HINTERGRUNDMATERIAL
An Erprobung und Stationierung von SDI festhalten
- Von Henry Kissinger -

Positive Einschätzung von Amerikas Rolle in der Welt - Unterstützung
für NATO
- Meinungsumfrage des Chicago Council on Foreign Relations -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Resistenzentwicklung bei chemischer Krebstherapie

* * * * * *

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'V,oN **

1 8 . März 1987

11

REAGAN NIMMT WEINBERGER UND SHULTZ IN SCHUTZ
- Präsident Reagans Rundfunkansprache -

WASHINGTON - (AD) - In seiner landesweit übertragenen wöchentlichen Rundfunkansprache erklärte Präsident Reagan am 14. März 1987, daß sowohl Verteidigungsminister Weinberger als auch Außenminister Shultz ihm eindringlich geraten hätten, keine Waffenverkäuf^ an den Iran zu unternehmen.
"Sie hatten
recht und ich unrecht" gestand der Präsident.
Präsident Reagans Ansprache hat folgenden Wortlaut:

Meine
amerikanischen
Mitbürger,
heute nachmittag möchte ich Sie von
den
wichtigen Veränderungen
unterrichten, die in jüngster Zeit in unserer
Administration
stattgefunden
haben und auch unser Programm für die
kommenden Monate beeinflussen werden.

Baker
als meinem Stabschef, Frank
Carlucci als Nationalem Sicherheitsberater und der Nominierung von Richter William Webster als neuem Direktor
des Geheimdienstes
ist meine
Gruppe für die nationale Sicherheit
wieder vollständig.

Zunächst einmal hat jede Regierung ihre eigene Arbeitsgruppe für
die nationale Sicherheit, eine Gruppe
von Beamten, die den Präsidenten bei
der Gestaltung der Außenpolitik unserer Nation
unterstützen.
Mit der
jüngsten Ergänzung von Senator Howard

Außenminister Shultz und Verteidigungsminister Weinberger sind seit
längerer Zeit Mitglieder dieser Arbeitsgruppe, und ich möchte hierbei
betonen, daß nie zwei Männer einem
Präsidenten in seinem Nationalen Sicherheitsrat besser gedient haben.

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Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Sie haben dieser Nation in langen
Jahren in verschiedenen wichtigen Regierungsämtern treu gedient. Die Nation kann ihnen genau wie ich dankbar
sein für ihre Intelligenz, ihre Hingabe und Integrität. Sie haben eine
feste Überzeugung und zögerten niemals, mir ihre unverblümten Ansichten
über anstehende Fragen der nationalen
Sicherheit mitzuteilen. Sie sind bereit, ihre Meinung zu äußern, ungeachtet der Stärke des Widerstandes in
der naturgemäßen Tendenz der Bürokratie, Kompromisse einzugehen oder denselben Weg einzuschlagen.
Deshalb
schätze ich sie so sehr.
Im Falle
der Waffenverkäufe an den Iran rieten
mir sowohl Außenminister Shultz als
auch Verteidigungsminister Weinberger
entschieden davon ab, diese Initiative weiter zu verfolgen. Ich habe ihren Rat überdacht, bin aber zu dem
Schluß gekommen, daß die Initiatve
das Risiko wert war und habe sie
fortgeführt.
Wie wir jetzt wissen,
hat
sich
herausgestellt, daß
sie
recht hatten und ich unrecht. Aber
sie haben ihre Pflicht als meine Berater und als meine Mitarbeiter erfüllt, und ich bin sehr dankbar dafür, daß sie mir in den nächsten Monaten weiterhin mit ihren Ansichten
zu unserem anstehenden Programm zur
Seite stehen werden.

Zur Außenpolitik möchte ich bemerken, daß Amerika sich in der Welt
großen Problemen, aber noch größeren
Möglichkeiten
gegenübersieht.
Wir
sehen
eine
Chance
für
bedeutsame
Fortschritte
bei den Verhandlungen
mit der Sowjetunion über einen Rüstungsabbau, wenn wir einen klaren
Kurs verfolgen und hart verhandeln.
Gleichzeitig müssen wir mit dem sowjetischen
Abenteurertum
fertigwerden.
Besonders Mittelamerika bleibt
für die Vereinigten Staaten von entscheidender Bedeutung.
Und hier muß
unser Kongreß wesentliche Entscheidungen darüber treffen, ob unsere Nation die Demokratie und den Widerstand gegen die Diktatur in einer Region ernsthaft unterstützen will, die
so nah an unsere grenzt. Mein Engagement
bleibt
felsenfest bestehen.
Ich werde jede Bemühung bekämpfen,
die eine Unterstützung für die nicaraguanischen
Freiheitskämpfer
beschneiden und sie dem Tod oder der
Niederlage preisgeben will.

In den kommenden Monaten wird das
Wort "Programm" Bedeutung erlangen.
Ich habe hier im Weißen Haus diese
wichtigen Veränderungen vorgenommen,
um dafür zu sorgen, daß wir wieder
das Steuer in der Hand haben und mit
dem fortfahren, zu dessen Vollendung
Sie mich gewählt haben.
Im Inland
wird unser Programm Veränderungen im
Bereich des Haushalts und auch weitreichende Reformen bei der Wohlfahrt
beinhalten, die den Kreis der Armut,
in den so viele bedürftige Amerikaner
geraten sind, durchbrechen sollen.

Bitte erlauben Sie mir, daß ich
mich nun anderen Fragen von erheblicher Bedeutung zuwende.
Zunächst
einmal bedeutete die Steuerreform vom
vergangenen Jahr, daß Millionen von
Amerikanern in diesem Jahr Formulare
(W-4) ausfüllen mußten, die sehr verwirrend waren.
Ich weiß das, weil
ich selbst ein solches auszufüllen
hatte.
Wir haben Ihre Beschwerden
vermerkt und zusammen mit der Steuerbehörde IRS (Internal Revenue Service) ein neues einfacheres Formular
erarbeitet, das in etwa einem Monat
erhältlich sein wird.
Das amerika-

- 2

Sowohl in der Innen- wie auch in
der Außenpolitik dreht sich alles um
denselben Kern. Wir haben eine Aufgabe, und wir werden diese in den
kommenden beiden Jahren mit Ihrer
Hilfe und Unterstützung auch ausführen.

�nische Volk ist also gegen den Fiskus
angetreten und hat gewonnen.
Dann hat unsere Administration
Anfang dieser Woche Reformen bei der
Bundesprüfstelle
für
Nahrungsmittel
und pharmazeutische Präparate angekündigt, die es Opfern von AIDS und
anderen lebensbedrohenden Krankheiten
leichter machen, neue Arzneimittel zu
erhalten, die sich noch im Versuchsstadium
befinden.
Dieser Schritt,
durch den der Regierungsapparat noch
weiter
zurückgedrängt wird, könnte
weniger Leid und Schmerz für Tausende
von schwer erkrankten Amerikanern bedeuten. Das wäre eine Maßnahme, die
im wahrsten Sinne des Wortes human zu
nennen wäre.
Wenn Sie mir erlauben, möchte ich
noch ein letztes Wort zu einem Thema
sagen, daß meine irische Seele betrifft, zum St. Patrick-Gedenktag.
Seit der Hundersnot in der Mitte des
vergangenen Jahrhunderts sind Millionen der Söhne und Töchter Er ins nach
Amerika gekommen, um hier ein besseres Leben zu finden. Aber ob irisch
oder nicht, fast alle Amerikaner verfolgen ihre Ahnenlinie bis hin zu
Vorfahren aus fernen Ländern, Männern
und Frauen, die mit dem festen Entschluß nach Amerika gekommen sind, zu
arbeiten und die nur Freiheit forderten.
Ich glaube daher, daß wir am
kommenden Dienstag als Amerikaner alle berechtigt sind, zu feiern.
Bis nächste Woche und vielen Dank
fürs Zuhören. Gott schütze Sie.

* * * * *
- 3 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

11

18. März 1987
WICK:

SOWJETISCHER "GLASNOST"-KAMPAGNE MIT VORSICHT BEGEGNEN
- Auszüge aus einer Ansprache vor dem Verband der
amerikanischen Werbewirtschaft -

WASHINGTON - (AD) - Der Direktor des US-Informationsamts (USIA), Charles
Z. Wick, hat am 13. März 1987 in einer Rede vor dem Verband der amerikanischen
Werbewirtschaft die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten dazu aufgerufen,
der neuen Kampagne der Offenheit oder "Glasnost" seitens der Sowjetunion mit
"Vorsicht und Wachsamkeit" zu begegnen. Das Ziel der neuen sowjetischen Strategie bestehe darin, "die Regierungen der Freien Welt - insbesondere diejenigen in Westeuropa, Japan und den Vereinigten Staaten - dazu zu drängen, im
Sinne der sowjetischen Interessen zu handeln".
Nachfolgend bringen wir die Ansprache von Direktor wick
lichen Auszügen:

Seit
1945 ist die Welt das
Schlachtfeld eines "Krieges der Ideen" gewesen - eines Krieges, in dem
die großen Traditionen der westlichen
Demokratien, wie etwa
die Philosophien von Jefferson, Madison und
Lincoln sich im Kampf gegen die Ideologien von Marx, Lenin, Stalin und
Mao befanden.
In jüngster Zeit ist dieser Wettbewerb jedoch immer subtiler geworden. Die Machtübernahme von Generalsekretär Gorbatschow hat einen neuen
und dynamischeren Führungsstil ermu-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

in ihren wesent-

tigt.
Die Sowjets vermarkten ein
neues Image der Offenheit gegenüber
der Welt.
Sie nennen ihr Produkt
"Glasnost". Aber "Glasnost" ist mehr
als ein Produkt. Es ist eine Kampagne der Öffentlichkeitsarbeit.
Die
Sowjets versuchen, den Krieg der Symbole zu gewinnen. Wenn sie ihn gewinnen, dann haben sie auch den Krieg
der öffentlichen Diplomatie gewonnen.
Was würden
verlieren?

wir

in

diesem

Fall

Am schlimmsten wäre, daß wir un-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�sere Sicherheit
verlieren könnten.
Wir müssen nicht eigens daran erinnert werden, daß es im Falle eines
Krieges keinen Gewinner geben wird.
Der Verlierer wird ebenso wie der Gewinner verlieren. Dies wird die endgültige
Bestrafung
einer
Fehleinschätzung sein.

- die Abkoppelung von SDI von
INF-Verhandlungen in Genf;

Längerfristig könnten wir, falls
wir den "Krieg der Ideen" verlieren,
die Seele der Freien Welt in Gefahr
bringen, ihre heutige Existenz und
ihr Versprechen für die Sicherheit
von morgen.

- die Enthüllungen in der sowjetischen Presse zu Katastrophen wie
Tschernobyl,
Schiffsunglücken,
dem Untergang eines Atom-U-Bootes
und
selbst
zu
innenpolitischen
Unruhen in der Sowjetunion;

Deshalb ist folgende Frage von
einem in unserer gesamten Geschichte
vielleicht niemals dagewesenen Ernst.
Kündigt dieses neue Image einen Wandel in den sowjetischen Zielen an,
oder hüllen sich die Sowjets lediglich in einen Deckmantel falscher Gerechtigkeit, falscher Wirtschaftspolitik, falscher Brüderlichkeit und
falscher Versprechungen?

- eine verstärkte Bereitschaft, auf
die westliche Kultur zuzugehen,
einschließlich
der Bildung von
Gemeinschaftsunternehmen.

Wie Sie es vielleicht ausdrücken
würden, entspricht bei "Glasnost" der
Inhalt der Verpackung oder handelt es
sich um eine Mogelpackung?
Dies ist heute die zentrale Frage. Und die Antwort darauf ist entscheidend
für all diejenigen, die
einen dauerhaften Frieden wollen.
Bis heute ist die Antwort unklar.
Aber wir beobachten täglich eine positive
und vielleicht vielversprechende Litanei sowjetischer Handlungen.
Sie verkaufen ein Image von
"Glasnost" und Fortschritt zu einer
besseren Welt.
Sie nehmen die Aufmerksamkeit von Menschen in der ganzen Welt gefangen, besonders dort, wo
die
Frontlinien
des
Ost-West-Konflikts verlaufen.
Denken Sie einen
Moment nach.
Wie reagieren Sie auf
das folgende:
- 2

- die Freilassung Andrei Sacharows,
Juri
Orlows, Anatoli
Schtscharanskis und anderer politischer
Gefangener;
den

Diese
Marketing-Bemühungen
sind
auf die Völker der Welt ausgerichtet.
Ihr strategisches Ziel besteht darin,
eine sowjetisch-informierte Weltmeinung zu schaffen, die Regierungen der
Freien Welt - insbesondere diejenigen
in Westeuropa, Japan und den Vereinigten Staaten - zu drängen, im
Sinne der sowjetischen Interessen zu
handeln.
Um
dieser
Bedrohung
energisch
entgegenzutreten, haben wir von USIA
unsere eigenen
Initiativen
entwikkelt, um den amerikanischen Wettbewerbsvorteil
in
diesem
weltweiten
"Krieg der Ideen" zu bewahren.
Zum Glück können wir dabei von
einer Position der Stärke ausgehen.
Jede gute Werbekampagne hofft auf
ein gutes Produkt. Wir besitzen ein
großartiges Produkt - die Wahrheit
über diese große Nation, ihr Volk,
ihr Leben und ihre Vision von der Zukunft .
Wer

ist dabei

unser Publikum und

�welches unser Markt?
Ich kann dies
kurz beantworten: die ganze Welt
besonders
aber
diejenigen,
denen
glaubwürdige Nachrichten und Informationen vorenthalten werden und die in
ihren stillen Kämpfen von besseren
Tagen träumen.
Warum aber die ganze Welt?
Erstens hängt unsere Sicherheit
von einer Welt ab, in der unsere
grundlegendsten politischen und wirtschaftlichen
Prinzipien
aufrechterhalten werden - die Prinzipien der
Selbstbestimmung und des freien Handels. Eine Welt, die diesen Prinzipien gegenüber feindselig eingestellt
ist, ist eine Welt, in der wir nicht
überleben können.
Es gibt aber etwas noch grundlegenderes - eine Verpflichtung gegenüber anderen Menschen.
Die Botschaft
unseres Produkts
ist umfassender als jede Gesellschaft
und jede Regierung. Sie ist im Grunde die Botschaft der Freiheit selbst,
und sie lebt in der Seele jedes Menschen als ein "inneres Maß" seines
höchsten und ehrenwertesten Trachtens.
Darin liegt die Grundlage unserer
Stärke.
Aber, mehr als das, die Freiheit
- und ihre Vorzüge - dient als Grundlage für die Einstufung von Regierungen und Völkern.
In der Werbung ist ein Markenzeichen das Merkmal zur Identifizierung
einer Ware, ein Symbol, daß gewisse
Merkmale des Produkts anzeigt, wie
etwa seine Qualität und Zusammensetzung und auch sein Prestige.
In der öffentlichen
Diplomatie
benutzen wir ebenfalls Identifizie- 3

rungsmerkmale
- ein Markenzeichen,
das die Lebensqualität eines Landes
sowie die Qualität seiner Institutionen und seiner Regierung symbolisiert.
Stellen Sie die Markenzeichen der
Bundesrepublik
Deutschland
und der
DDR, Nord- und Südkoreas, Nicaraguas
und
Costa
Ricas, Kambodschas
und
Singapurs gegenüber.
Jedes Länderpaar besitzt vergleichbare Kulturen,
Traditionen
und eine ähnliche Geschichte.
Und doch sind z. B. die
Bundesrepublik
Deutschland
und die
DDR Länder verschiedener Güteklassen
mit
verschiedenartigen
Identifizierungsmerkmalen.
In jedem Fall sind
die "Markenzeichen" der Freiheit
die Bundesrepublik Deutschland, Südkorea, Costa Rica und Singapur - in
ihrem wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Leben dynamisch.
Die anderen "Markenzeichen",
die sich unter Repression und Kontrolle abmühen - die DDR, Nordkorea,
Nicaragua und Kambodscha - entbehren
des Wachstums, der Hoffnung und Lebenskraft, die zum Markenzeichen ihrer Nachbarn gehören.
Wenn man dies unter dem Gesichtspunkt des Marketing betrachtet, dann
bedeuten diese Unterschiede an sich
schon ein bedeutendes Marketing-Mittel.
Aber, genau wie Sie, benutzen wir
eine Mischung von Techniken und Mitteln - einige alte, einige neue -, um
unsere Produkte zu verkaufen.
Die
unseren sind: Worldnet, ein neues
weltweites
Satelliten fernsehnetz...
die
Stimme Amerikas... ein
neuer
Dienst
für
Kuba, Radio Marti....
Eine
weltweite
Nachrichtenagentur,
die schon bald über Satellit direkt
mit den Nachrichtenzentren der Medien
der Welt verbunden werden soll...
Magazine...
Austauschprogramme
für
die Menschen...
kulturelle Darbie-

�tungen...
159 Bibliotheken...
200
Kulturzentren in 100 Ländern... drei
Auslandspressezentren
in
den
Vereinigten Staaten für 3 000 Auslandskorrespondenten...
sowie ein Vortragsprogramm in Übersee... Ausstellungen... Botschafter aus den Bereichen Sport und Kunst...
und unser
eigenes engagiertes Korps von Diplomaten in 206 Posten in 127 Ländern.
Alle diese Ressourcen werden täglich angewendet und ebenso wie bei
Ihnen im Geschäftsleben, erhalten wir
ein wichtiges "Echo" über die Auswirkungen, die sie auf unser Publikum
haben. Zuhörer und Zuschauer überall
auf der Welt schreiben uns ihre Reaktionen und Vorschläge. Unsere weltweiten
Dienststellen
beliefern
uns
mit Post unserer Hörer und den Stellungnahmen der ausländischen Medien
sowie von offizieller Seite.
Verschiedene Regierungsbehörden vermitteln uns Auswertungen unserer Schwerpunkte und Programme. Wir geben Projekte über ausländische Standpunkte
und Meinungen in Auftrag. Diese kontinuierliche und andauernde Auswertung - die sowohl eine informelle als
auch
eine
formelle
Meinungsumfrage
darstellt - ist uns bei der Bewertung
des Erfolges unserer Kampagnen und
bei der noch effektiveren Planung für
die Zukunft behilflich.
Dieses "Echo" ist die Grundlage
für meine allmorgendlichen Besprechungen
mit dem Außenminister und
seinen wichtigsten Vertretern, bei
denen ich sie über die Stellungnahmen
in der ausländischen Presse und über
gegenwärtige politische Tendenzen und
Themenkomplexe informiere. Die ganze
Nacht über treffen Fernschreiben allen Ländern der Welt in unserem Führungszentrum ein, werden zusammengefaßt und rechtzeitig vor meinem Morgentermin mit dem Außenminister zu
mir nach Hause geschickt.

Als Werbefachleute sind Sie sich
sicherlich bewußt, daß "Publikumsecho
und Auswertung" die entscheidenen Bestandteile jeder erfolgreichen Strategie sind. Dies hat heute ganz besondere Gültigkeit.
Die Einstellungen eines Volkes beeinflussen heute
mehr denn je die Handlungen, Politik
und in manchen Fällen sogar das Überleben eines Regimes.
Internationale
Rundfunksendungen
der Freien Welt haben zum Beispiel
dazu beigetragen, daß das polnische
Volk in Solidarnosc - Solidarität mit einer gemeinsamen Stimme sprechen
konnte.
In El Salvador, Haiti und
auf den Philippinen erlangten die demokratischen Kräfte aufgrund von Ideen ihren Sieg - Ideen, die in der
ganzen Welt durch die modernen Telekommunikationsmittel in den Wohnzimmern unterstützt
und dadurch noch
mächtiger wurden.
Wir werden niemals vergessen, daß
für unseren Kunden - Amerika - ein
Rückschlag im "Krieg der Ideen" eine
potentielle Bedrohung der nationalen
Sicherheit unseres Landes darstellen
würe.
Es ist daher nicht überrraschend,
daß die USIA-Bilanz im Verlauf der
letzten drei Jahrzehnte positiv war.
Von USIA durchgeführte Meinungsumfragen haben gezeigt, daß die Vereinigten Staaten und unsere demokratische
Lebensweise sich weiterhin einer hohen Wertschätzung erfreuen.
Die Beweise dafür sehen wir täglich.
Die Bürger der sogenannten sozialistischen
Demokratien
stimmen
weiterhin auf die einzige ihnen mögliche Art und Weise ab - mit ihren
Füßen. Wir haben noch nie davon gehört, daß jemand in die andere Richtung über die Berliner Mauer geklet-

�tert ist.

Prozent der Erwachsenen die "Stimme".

Seit 1979 ist die Welle der Demokratie sogar über zehn Länder Lateinamerikas hinweggerollt.

In Berlin beherrscht RIAS (Radio
im amerikanischen Sektor) mehr als 50
Prozent der Marktanteile und ist damit zweifelsohne der beliebteste Radiosender in der geteilten Stadt.

Wie effektiv ist die USIA-Strategie jedoch im einzelnen auf dem Markt
der Ideen?
Lassen Sie mich einige
Beispiele anführen.
In den ersten drei Jahren seit
seiner
Inbetriebnahme hat Worldnet
insgesamt vier Milliarden Zuschauer
erreicht. In diesem kurzen Zeitraum
haben wir weltweit mehr Medien erfaßt
als dieses Amt in den vergangenen 30
Jahren erreichen konnte.
Worldnet
genießt
bei
führenden
Journalisten und ausländischen Regierungsoberhäuptern hohes Ansehen und
viele von ihnen bitten regelmäßig um
Tonbandaufzeichnungen und Kopien von
Worldnet-Programmen.
In der Anfangszeit von Worldnet schrieb eine führende
belgische
Zeitschrift,
die
"Westliche Welt": "Langfristig könnte
sich dieses Kommunikationsbindeglied
zwischen Westeuropa und den Vereinigten Staaten als wichtiger für das
Bündnis erweisen als die 'Ankoppelung' der Verteidigung der beiden
Kontinente
durch die
Stationierung
amerikanischem
Pershing
II
und
Marschflugkörper in Europa".
Während das Fernsehen dramatische
Ereignisse in der Freien Welt verbreitet, ist der Rundfunk das einzig
wirkungsvolle
Mittel, um Millionen
von Menschen hinter dem Eisernen Vorhang und anderen unterdrückten Gebieten zu erreichen.
Unsere
treuesten
Zuhörer
haben
wir in Osteuropa, wo die Zuhörerschaft - oder der Marktanteil - weiterhin im Ansteigen begriffen ist,
vor allem in Polen.
Dort hören 45
- 5

Zusammenfassend möchte ich nochmals auf die eingangs von mir gestellte Frage zurückkommen: Ist dieses neue Image ein Anzeichen
für
einen Wandel der sowjetischen Ziele?
Oder hüllen sie sich nur in den messianischen Mantel falscher Gerechtigkeit,
falscher
Wirtschaftspolitik,
falscher Brüderlichkeit und falscher
Versprechungen?
Entspricht
bei
"Glasnost" der Inhalt der Verpackung
oder ist es eine Mogelpackung?
Wir vermuten letzteres.
Warum? - wird Ihre Frage lauten.
Können Sie uns diese Frage beantworten?
Ist es "Glasnost", wenn die Sowjets ständig die "Stimme Amerikas"
stören und dafür auf ihrem Staatsgebiet soviel ausgeben wie das gesamte
Budget der "Stimme Amerikas" weltweit?
Ist es "Glasnost", wenn die Sowjets den CIA fälschlicherweise des
Jim Jones Massakers in Guyana beschuldigen oder, wenn sie die US-Armee öffentlich der Erzeugung und Verbreitung des AIDS-Virus in Afrika beschuldigen, aber insgeheim zugeben,
daß dies nicht richtig ist?
Ist es "Glasnost" , wenn die Sowjets Dokumente fälschen und absichtlich Natur und Zweck unserer Strategischen Verteidigungsinitiative verzerren und dabei zynisch mit den Gefühlen unschuldiger Männer und Frauen
spielen, die auf eine bessere und
friedlichere Welt hoffen und für sie

�beten.
Ist es "Glasnost", wenn die Sowjets amerikanische Buchhandlungen in
der Sowjetunion nicht erlauben, wohingegen sowjetische Buchläden hier
überall zu finden sind?
Ist es "Glasnost", wenn unsere
für Rußland bestimmte Musik, unsere
Filme und Literatur zensiert, durchleuchtet und wegen des politischen
Inhalts abgelehnt wird?
Ist es "Glasnost", wenn die Sowjets hochrangigen Amerikanern das
Auftreten im sowjetischen Fernsehen
verweigern - mit Ausnahme einiger weniger Amerikaner bei feierlichen Anlässen - wogegen 43 hochgestellte Sowjets in den vergangenen Jahren ungehindert 200 mal im amerikanischen
Fernsehen erscheinen konnten?
Ist es "Glasnost", wenn die Freilassung einiger weniger sowjetischer
politischer
Gefangener
weltweit
Schlagzeilen macht, aber Hundertausende noch unter unerträglichen und
menschenunwürdigen Bedingungen gefangengehalten werden?
Lenin hat einmal gesagt: "Gedanken sind sehr viel tödlicher als Gewehre".
Die Sowjets haben zwar die
Macht der Gedanken längst erkannt,
haben aber Stil, Image, Öffentlichkeitsarbeit
und Werbung erst seit
kurzem Bedeutung beigemessen.
Langfrisitg gesehen erhebt sich
folgende Frage: Wird ihr "Glasnost"Produkt über den Zustand einer Erscheinungsform
hinausgehen
und
zu
einer wirklichen Öffnung werden und
damit Ausdruck des elementaren Wunsches des Menschen nach Freiheit und
Frieden?
Wird "Glasnost" den Deckmantel der Täuschung ablegen und anstelle
dessen wahre Gerechtigkeit,
- 6

wahre Wirtschaft, wahre Brüderlichkeit, wahre Abkehr von sowjetischer
Unterdrückung und Agression und das
wahre Versprechen zukünftigen Friedens schaffen?
Oder wird es "glossover-nost" sein, das Weitermachen wie
bisher, wobei die Täuschung und das
Verbreiten von Lügen über Amerika im
Mittelpunkt
stehen und wie jemand
einmal sagte:
"Wir werden Euch begraben" .
Die Antwort der Sowjets auf diese
Fragen wird letzlich über den Erfolg
der Marketingstrategie
der Sowjets
auf dem Markt konkurrierender Gedanken entscheiden.
Wenn ihr Produkt
echt ist - wenn es ein Waffenstillstand für Offenheit und Gerechtigkeit
ist, der nach innen auf das Streben
des Einzelnen nach größerer Freiheit
reagiert und nach außen den Wunsch
aller Menschen nach Frieden und Stabilität wiederspiegelt - dann wird es
ein erfolgreiches Produkt für eine
bessere Welt sein.
Ist dies nicht
der Fall, dann zeichnet sich zum wiederholten Male ein anhaltender Konflikt mit endlosen Spannungen ab.
Im Moment sind wir zwar unsicher,
aber dennoch voller Hoffnung, daß die
Sowjets bei der Entwicklung
eines
neuen Führungsstils und eines neuen
Image von dessen Annahme durch die
Freie Welt geleitet sind.
Kurzfristig gesehen soll "Glasnost" andauern
und dies ist eine positive Entwicklung. Wenn wir die Entwicklung jedoch vor dem geschichtlichen und philosophischen
Hintergrund
betrachen,
müssen wir wachsam und vorsichtig
bleiben.
Wie immer die Dinge sich auch
weiterentwickeln, USIA muß und will
ihre Arbeit fortführen und gute Arbeit leisten.
Im Wettkampf um den
"Krieg der Gedanken" dürfen wir nicht
selbstgefällig werden. Es steht zu-

�viel auf dem Spiel.
USIA, das auf die Bedürfnisse unseres Kunden - die Vereinigten Staaten zugeschnittene Amt, muß erfolgreich sein. Und ich darf Ihnen
allen versichern, daß wir nicht vorhaben, dieses Ansehen zu verlieren.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen weiterhin
alles Gute.

- 7

�^^°s^&lt;

'^7

"""

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

A&lt;

1 8 . März 1987

11

AN ERPROBUNG UND STATIONIERUNG VON SDI FESTHALTEN
- Von Henry Kissinger -

- (AD) - Das US-Informationsamt (USIS) druckt diesen Artikel mit freundlicher Genehmigung des Los Angeles Times Syndicate, wo dieser ursprünglich erschien.
Copyright (c) 1987, Los Angeles Times Syndicate.

Es ist bemerkenswert, wie bereits
geringfügige Veränderungen im Inland
das Grundmuster der Außenpolitik von
Supermächten
beeinflussen.
In den
Vereinigten
Staaten
verfolgt
eine
konservative Administration, die vor
sechs Jahren noch
leidenschaftlich
einen neuen Ansatz bei den Ost-WestBeziehungen
propagierte, heute das
traditionelle Programm der vergangenen zwei Jahrzehnte mit lediglich geringen Veränderungen. in der Sowjetunion sucht eine eindrucksvolle neue
Führungspersönlichkeit die heimische
Wirtschaft zu reformieren, aber im

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Bereich der Außenpolitik verfolgt er
die von seinem Vorgänger übernommene
Grundlinie, wenn auch mit erheblich
verbesserten Fähigkeiten bei der Öffentlichkeitsarbeit.
Grundeinstellungen
halten
sich
noch hartnäckiger.
Die Vereinigten
Staaten wurden über alle Regierungswechsel
hinweg von der nationalen
Überzeugung geleitet, daß Frieden den
Normalzustand darstellt und daß Spannungen
durch Mißverständnisse
oder
böswillig hervorgerufen werden. Jeder neue sowjetische Führer wurde mit

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�der Erwartung begrüßt, daß jetzt ein
neues und besseres Zeitalter heranbricht; wir haben das in den vergangenen Jahren dreimal beobachten können. Die amerikanische Hoffnung, daß
eine sowjetische Hinwendung zu westlichen Werten ein Ende der Spannungen
bedeuten könnte, hatte zu mangelnder
Übereinstimmung geführt, wodurch ein
leidenschaftliches Engagement für den
Frieden sich kaum in ein vollständiges Programm umwandeln ließ.
Als Leninisten
engagieren sich
die sowjetischen Politiker nicht für
die abstrakte Idee des Friedens. Für
sie ergibt sich Frieden - wie auch
jeder andere Aspekt der Außenpolitik
nicht als Ergebnis persönlicher
Präferenzen, sondern aus der richtigen
Beurteilung
eines
ausgewogenen
Machtverhältnisses.
Sowjetische Unterhändler kümmern sich nicht - wie
ihre amerikanischen Kollegen - um
Kompromisse oder persönliches Wohlwollen, sondern um das schrittweise
Vorantreiben von Verhandlungen, mit
deren
Hilfe
sich
die
sowjetische
Macht ausbauen läßt.
Wenn die Sowjets
zahlenmäßig
unterlegen
sind,
fordern sie gleiche Zahlen; in den
Kategorien, in denen sie uns voraus
sind, fordern sie beiderseitige Reduzierungen, die ihren verhältnismäßigen Vorteil verbessern.
Jeder Gipfel zwischen Politikern
aus Ost und West hat diesen unterschiedlichen Ansatz offengelegt. Das
jüngste Beispiel für diese "Personalisierung" der Außenpolitik waren die
beiden
Treffen
zwischen
Präsident
Reagan und dem sowjetischen Vorsitzenden Gorbatschow. Reagan als alter
Gegner des Kommunismus kam nach dem
ersten Treffen in Genf offensichtlich
zu der Überzeugung, daß er ein besonderes persönliches Verhältnis erlangt
hatte, das er bei zukünftigen Treffen
nutzen konnte, um auf diplomatischer
- 2

Ebene Durchbrüche zu erzielen. Daher
seine Bereitschaft, zu einem im wesentlichen unvorbereiteten Gipfel in
Reykjavik zu fahren und dort über ein
sowjetisches Papier
zu verhandeln,
das er nie zuvor gesehen hatte.
Gorbatschows Einstellung zu Genf
war eine ganz andere. Er betrachtete
es als eine Plattform, auf der er
sich selbst der öffentlichen Meinung
des Westens als versöhnlich präsentieren konnte; er muß damit gerechnet haben, daß er mit der Zusage für
zwei weitere Gipfel - in Washington
und Moskau - den Termindruck auf
einen Präsidenten verstärken konnte,
zu dessen Stärken nicht die Beherrschung von Detail fragen zählt. Aber
der Preis, den er dafür bezahlt hat Reagans
in Genf erworbene beherrschende Stellung in der Öffentlichkeit - war offensichtlich zu viel für
seine weniger phantasiebegabten Kollegen.
Das muß seine Entscheidung
herbeigeführt
haben, aus Reykjavik
faßbarere Ergebnisse mit nach Moskau
zu bringen; praktisch gesehen, ein
Dokument, daß sich in eine Verbesserung des "Kräfteverhältnisses" aus
sowjetischer Sicht umarbeiten läßt.
Die Sackgasse in Reykjavik spiegelt einen grundlegenden Unterschied
im Ansatz beider Gesellschaftssysteme
wider - einen Unterschied, der mir
während eines kürzlichen Besuchs in
Moskau wiederum bewußt wurde. Reformen im Inland haben es noch nicht
fertiggebracht, die enorme, von sowjetischen Gesprächspartnern errichtete Front aufzubrechen.
Hinweise
auf mehr Flexibilität werden sorgfältig gesteuert. Wenn ein sowjetischer
Wissenschaftler ein technisches Argument vorbringt, das geringfügig von
der
offiziellen
Linie
abweicht,
stellt sich in der Regel als Versuchsballon auf dem nächsten diplomatischen Schlachtfeld heraus.

�Amerikaner
hingegen
betrachten
Verhandlungen weniger als ein Mittel
zur Erlangung einer Zielsetzung, sondern vielmehr als Instrument zur Problemlösung.
In jeder amerikanischen
Delegation - auch in den offiziellen
- gibt es aufrichtige Unterhändler,
die ernsthaft daran glauben, daß sie
und die Sowjets nicht etwa als Gegner, sondern als Kollegen ein gemeinsames Problem behandeln.
Sie versuchen sich an möglichen Kompromissen, als ob sie an einem Seminar an
der Universität teilnähmen und geben
so den Sowjets wenigstens einen Überblick über mögliche Veränderungen in
der amerikanischen Position. Als ich
noch der Regierung angehörte, gab es
verschiedene Gelegenheiten, bei denen
unsere Beamten eine mögliche sowjetische Meinung als das wiedergaben,
was sie selbst dem sowjetischen Vertreter zugeschoben hatten.
Eine Reihe hochgeschätzter amerikanischer Prinzipien verleihen diesem
Prozeß Dynamik. Die meisten Amerikaner sind davon überzeugt, daß ein
Kompromiß der Mitte gefunden werden
sollte, wenn zwei Parteien sich nicht
einig sind. Aber bei diplomatischen
Verhandlungen
fördert
eine
solche
Maxime Unnachgiebigkeit.
Amerikanische Unterhändler verhandeln fast immer aus ihrer Position des Zurückweichens. Und die Sowjets bekommen zwei
Möglichkeiten, dies zu ändern: wenn
die Vereinigten Staten ihre Position
des Zurückweichens aufgeben und wenn
sie versuchen, Sackgassen durch einen
erneuten Kompromiß aufzustoßen.
Die
gegenwärtigen
Verhandlungen
zur
Strategischen
Verteidigungsinitiative liefern ein gutes Beispiel
für diese selbstauferlegten Hindernisse.
Zum Vor- oder zum Nachteil das von Reagan vorgeschlagene Verteidigungssystem ist zur Stationierung

im Weltraum gedacht. Der sowjetische
Vorschlag - daß jegliche Erprobung
von SDI nur in Labors stattfinden
sollte - zielte offenkundig darauf
ab, SDI zunichte zu machen. Seit der
Niederlage von Reykjavik haben die
Sowjets anklingen lassen, daß "Labor"
weitgehender definiert werden könnte,
und sie haben die Vereinigten Staaten
ermutigt, qualitative Einschränkungen
bei
der
Erprobung
vorzuschlagen.
Wenn diese Beschränkungen vorgelegt
werden, ist es vorauszusehen, daß die
Sowjets sie dazu nutzen werden, um
praktische
Einschränkungen
auszuarbeiten, mit deren Hilfe die Entwicklung von SDI so gut wie unmöglich
wird.
Und doch ist solch ein gänzlich
formaler Kompromiß genau das, was auf
breiter Front sowohl in den Vereinigten Staaten als auch bei den Verbündeten propagiert wird. All dies verdeckt die Realität, daß kein Kompromiß zwischen
der sowjetischen Absicht, SDI zunichte zu machen und dem
Engagement der Regierung möglich ist,
es aufrechtzuerhalten. Westliche Unterhändler sind vielmehr verpflichtet, an zwei Fronten zu verhandeln:
mit ihren sowjetischen Gegnern und
ihrer eigenen öffentlichen Meinung.
Diese zweite Debatte schließt zwei
unausgesprochene Annahmen ein.
Befürworter von SDI glauben, daß eine
Strategie, die sich auf die Massenvernichtung
einer
Zivilbevölkerung
stützt, Demokratien am Ende zum Pazifizmus führen wird. Gegner von SDI
sehen sie als Hindernis für ihre geliebte Rüstungskontrolle: sie wollen
die Bedrohung der Apokalypse nicht
abmildern, aus Angst, damit die Versuchung
für einen Nuklearkrieg zu
steigern.
Seit wenigstens zwei Jahrzehnten
wurden jeder neuen strategischen Waffe
von
leidenschaftlichen
Gegnern

- 3 -

�zwei widersprüchliche Argumente entgegengestellt: daß bestehende Waffen
zur Massenvernichtung ausreichen und
daß jede Superwaffe dieses Maß überschreite.
Die gestrigen Gegner der
MX-Raketen sind heute die Gegner von
SDI.
Die Sowjets unterliegen der Versuchung, das Ende dieser Kontroversen
abzuwarten, um festzustellen, ob sie
ihre Ziele ohne Gegenleistungen erlangen können.
Die
amerikanischen
Verbündeten
verstärken das Problem noch.
Zahlreiche Politiker
fördern den Eindruck, daß sie als Mittler zwischen
einem
unversöhnlichen
Amerika
und
einer nachgebenden Sowjetunion handeln. So sehr sie aber vom amerikanischen Schutz abhängig sind und an
amerikanischer Technologie teilhaben
wollen, so zurückhaltend sind sie,
wenn es darum geht, die Verantwortung
für eine Vereitelung amerikanischer
strategischer Programme zu übernehmen.
Sie neigen daher dazu, sich
hinter
Durchführbarkeitsuntersuchungen zu verbergen, die sich unendlich
verlängern lassen wie auch hinter Unterscheidungen zwischen Forschung und
Stationierung, was das Problem nicht
trifft.
Das Ergebnis
ist Wunschdenken.
Die
Reagan-Administration
engagiert
sich für SDI, Gegner im Inland versuchen eine Verlangsamung des Prozesses, indem sie Mittel abbauen und
eine Erprobung einschränken; die Verbündeten unterstützen die Erprobung,
aber behindern eine Anwendung, weil
sie einen Kompromiß herbeiführen wollen.
Die Vereinigten Staaten haben
einem Zehnjahresmoratorium über SDI
zugestimmt, das auf eine zweijährige
Verhandlungsphase folgen soll.
Der im Augenblick gepriesene Kom-

promiß will die Sackgasse bei den Rüstungskontrollverhandlungen
öffnen,
indem er die Erprobung von SDI im
Weltraum gestattet, aber deren Qualität einschränkt. Wie ich in Moskau
vernommen habe, sind Sensoren - Aufklärungssatelliten - für die Sowjetunion
möglicherweise
akzeptabel.
Aber die Erprobung von Geräten zur
Zerstörung von Raketen ist untersagt,
ebenso wie alle Systeme, die Zerstörungsmittel mit Sensoren in Verbindung bringen.
Das würde die Sowjets in die Lage
versetzen, die
Aufklärungsfähigkeit
ihres landgestützten Verteidigungssystems zur Raketenabwehr zu verbessern.
Zusammen mit einem Stationierungsmoratorium würde damit auch SDI
zunichte gemacht. Wenn die Sowjets wie auch einige amerikanische Beamte
- ihren Willen bekämen, wäre das Ergebnis eine in ihrem verheerensten
Zustand eingefrorene Nuklearstrategie.
Die größte Herausforderung
für
die Ost-West-Verhandlungen liegt damit in den Demokratien selbst. Rüstungskontrollverhandlungen, wie sie
im Augenblick
durchgeführt werden,
räumen den Sowjets fast ein Vetorecht
für
jegliche
neuen
Programme
des
Westens ein. Eine jüngste Stellungnahme der bundesdeutschen Regierung
verdeutlicht diese Position: "Für die
Bundesregierung ist es ein wesentliches
Kriterium,
ob
Entscheidungen
über das SDI-Programm und den ABMVertrag für die Genfer Verhandlungen
von Vor- oder von Nachteil sind".
Kein neues sowjetisches Waffenprogramm ist jemals durch westliche Bemühungen
herausgefordert
oder
zum
Stillstand gebracht worden. Aber von
der Neutronenwaffe über Mittelstrekkenraketen in Europa hin zu SDI hat
die Sowjetunion versucht, neue westliche Technologien dadurch zu behindern - es ist ihr bereits gelungen,

�diese zu verlangsamen - daß sie sie
als "Hindernis" für den "Rüstungskontrollprozeß"
bezeichnet
hat.
Es
bleibt die wesentliche Frage zu stellen: Für welche nützliche Rüstungskontrollmaßnahme genau stellt SDI ein
Hindernis dar? Ich fürchte, die Antwort dient der psychologischen Erleichterung über die bloße Tatsache
eines Abkommens.
Dies ist ebenso der einzige Vorteil der Abschaffung von sowjetichen
und amerikanischen Mittelstreckenraketen aus Europa, wie es jüngst auch
von Gorbatschow in einem separaten
Paket vorgebracht wurde.
Die sogenannte Nullösung baut auf keine bedeutende Art und Weise die sowjetische nukleare Bedrohung für Europa
ab.
Sie schafft das amerikanische
Instrument für eine Vergeltung von
Europa vollständig aus ab.
Sie ist
für die Rüstungskontrolle von geringem Nutzen; sie stellt ferner einen
wichtigen Schritt bei der politischen
Abkopplung Europas von den Vereinigten Staaten dar. Die nächste Herausforderung an die westlichen Demokratien wird die Frage sein, ob mit SDI
fortzufahren ist.
Dieser
Entscheidung
kann nicht
durch Durchführbarkeitsstudien ausgewichen werden; für zahlreiche Gegner
von SDI sind Durchführbarkeitsstudien
eine List, mit deren Hilfe das Prinzip angegriffen werden kann. Es kann
aber auch nicht durch eine juristische Auslegung von Abkommen verwirklicht werden, die vor 15 Jahren geschlossen wurden, als Weltraumverteidigung noch dem Bereich der Science
Fiction zuzurechnen war. Ich persönlich glaube, daß die weite Auslegung
des ABM-Vertrages eher korrekt ist
als die enge Interpretation.
Aber
ein
wichtiges
Programm
läßt
sich
nicht dadurch rechtfertigen, was manche als juristische Finessen bezeich- 5

nen. Es wäre besser, eine eindeutige
Stellungnahme darüber zu veröffentlichen, was die Vereinigten Staaten
wollen und diese dann in ein neues,
mit den Sowjets auszuhandelndes Abkommen einzuarbeiten.
und wenn sie
es blockieren
sollten, können die
Vereinigten Staaten immer noch, sollte dies notwendig werden, damit drohen, den ABM-Vertrag außer Kraft zu
setzen.
Wenigstens wird diese Verfahrensweise allen die Zielsetzungen
der Vereinigten
Staaten vor Augen
führen.
Dieser Ansatz ist auch für das
weitere Feld der Verhandlungen mit
den Sowjets relevant. Seit allzulanger Zeit war die amerikanische Haltung zur Rüstungskontrolle das Produkt von Verhandlungen zwischen gegnerischen Lagern innerhalb der Administration und deren Ergebnis ein widersprüchliches Paket, das Punkte zur
Beschwichtigung jeder Partei enthielt.
Der Präsident muß von seinen Beratern eine Verhandlungsposition fordern, die in sich geschlossen ist und
eine langfristige nationale Strategie
widerspiegelt. Er hat das Recht, zu
erwarten, daß die amerikanischen Verbündeten dies als Teil einer gemeinsamen Strategie betrachten und nicht
als Innenpolitik.
Die sich aus diesem Prozeß ergebende Haltung der Vereinigten Staaten
sollte folgende Elemente umfassen:
a) eine Stellungnahme
Strategie,

zur

gesamten

b)

eine Verpflichtung auf die Fortführung der Erprobung und Stationierung von SDI,

c)

ein Angebot an die Sowjets, quantitative Einschränkungen bei der
Stationierung und Erprobung von

�SDI vorzunehmen, die auf den Bestand der Offensivwaffen gerichtet sind (allerdings keine qualitativen Beschränkungen) ,
d)

ein Angebot zum Abbau strategischer Waffen auf eine Weise, die
die Fähigkeit für einen Überraschungsangriff auf beiden Seiten
beschränkt,

e)

ein erstes
Interimabkommen zur
Reduzierung strategischer Streitkräfte, einschließlich der Mittelstreckenraketen,
um
einen
festgesetzten Prozentsatz innerhalb von drei Jahren (etwa um 30
Prozent) , zusammen mit einer Erweiterung der Außerkraftsetzungsklausel für den ABM-Vertrag um
zwei Jahre.

Ein Programm, das diese Bestandteile umfaßt, würde zeigen, ob ein
mit westlichen Sicherheitsinteressen
zu vereinbarendes Abkommen zu erlangen
ist.
Die
Demokratien
können
nicht garantieren, daß Gorbatschow
ein ernsthaftes Programm akzeptieren
wird.
Aber sie sind sich selbst
Ernsthaftigkeit schuldig.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial
1 8 . März 1987

11

POSITIVE EINSCHÄTZUNG VON AMERIKAS ROLLE IN DER WELT - UNTERSTÜTZUNG
FÜR DIE NATO
- Meinungsumfrage des Chicago Council on Foreign Relations -

WASHINGTON - (AD) - In seinem Bericht über eine im Jahr 1986 durchgeführte
Meinungsumfrage kommt der Chicago Council on Foreign Relations, eine gemeinnützige Organisation, die sich die Schaffung eines verstärkten öffentlichen
Bewußtseins für die Außenpolitik der Vereinigten Staaten zum Ziel gesetzt hat,
zu dem Schluß, daß die Amerikaner "eine aktivere Rolle der Vereinigten Staaten
in der Welt zunehmend unterstützen". Damit stehen die Ergebnisse dieser Umfrage im Gegensatz zu ähnlichen, in den Jahren 1974, 1978 und 1982 durchgeführten Befragungen.
Nachfolgend bringen wir eine Zusammenfassung des Berichts:

Während die in den siebziger Jahren vom Chicago Council on Foreign
Relations (CCFR) in Auftrag gegebenen
Meinungsumfragen zum Ergebnis gekommen waren, daß sich die Amerikaner
vordringlich mit Fragen wie Inflation, Arbeitslosigkeit und Energieproblemen beschäftigten und eher dazu
tendierten, sich aus der internationalen
Verantwortung
zurückzuziehen
und sich ein Gefühl
militärischer
Schwäche und Unsicherheit breit gemacht hatte, ist die Besorgnis über
solche Probleme heute zurückgegangen.
Ein wachsendes Verständnis für die

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Bedeutung auswärtiger Beziehungen ist
offensichtlich und steht in Zusammenhang mit dem Wunsch nach einer größeren Rolle der Vereinigten Staaten in
der Welt.
Sowohl die amerikanische
Bevölkerung allgemein wie auch die
Führungskräfte sind heute davon überzeugt, daß ein befriedigendes Gleichgewicht mit der Sowjetunion wiederhergestellt wurde und daß die Vereinigten
Staaten
eine bedeutendere
Rolle in der Welt spielen. Aber obwohl die Amerikaner sich jetzt sicherer fühlen, läßt ihre Unterstützung
für
höhere
Verteidigungsausgaben

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�nach.
Die meisten Amerikaner sind
aber bereit, die Verteidigungsbemühungen auf dem jetzigen Niveau aufrechtzuerhalten.
Eine Konsequenz dieser Einschätzungen und Gefühle ist die andauernde
Unterstützung
der
Rüstungskontrolle
und eine geringfügig stärkere Befürwortung von Maßnahmen, die mit der
Entspannungspolitik gegenüber der Sowjetunion zusammenhängen.
Im Gegensatz zu ihrer Unterstützung der Wiederherstellung
des
militärischen
Gleichgewichts durch die Reagan-Administration
befürworten
die meisten
Amerikaner jedoch nicht einige der
aggressiveren Elemente ihrer Außenpolitik, darunter militärische Interventionen im Ausland, die aktive Förderung der Demokratie und die Anwendung der Reagan-Doktrin durch verdeckte Operationen gegen kommunistisch ausgerichtete Regime in Afghanistan, Angola und Nicaragua.
Trotz
wachsender
Meinungsverschiedenheiten über Handels- und Finanzfragen zwischen den Vereinigten
Staaten und ihren wichtigsten Partnern in der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), bleibt die Haltung
der Bevölkerung insgesamt gegenüber
Westeuropa und Japan weiterhin sehr
positiv; im Falle Japans ist sie etwas überraschend sogar noch positiver
geworden.
Dagegen ist seit Beginn
dieses Jahrzehnts das amerikanische
Interesse am Mittleren Osten zurückgegangen.
Die Bereitschaft der Bevölkerung zum Einsatz von Truppen in
Westeuropa
oder
Japan
betreffenden
Krisen ist größer denn je, während
das Widerstreben, Truppen in anderen
Regionen der Welt, wie etwa Mittelamerika, zum Einsatz zu bringen, unverändert anhält.
Die

Amerikaner

stellen

ihr Eigeninteresse
in den Vordergrund, und der Wunsch nach Schutz
amerikanischer Arbeitsplätze oder Sicherung des Zugangs zu Energie hat
weiterhin Priorität über solch altruistische Ziele wie Förderung der Demokratie, Verteidigung der Menschenrechte oder Verbesserung des Lebensstandards in anderen Ländern.
Es besteht weiterhin eine tiefe
Kluft zwischen den Haltungen der Bevölkerung allgemein und der Führungskräfte und, bei vielen Fragen, zwischen den Ansichten der Bevölkerung
und denen von Vertretern der ReaganAdministration.
Die Haltungen von
ausländischen Politikern und Regierungsvertretern stehen einander näher
als der Bevölkerung allgemein. Eine
interessante Entwicklung besteht jedoch
in der Herausbildung
starker
Meinungsunterschiede zwischen den Ansichten von Regierungsvertretern und
Vertretern
von Gewerkschaften, Medien, Bildungswesen und Kirchen.
Dies sind einige der wichtigsten
Schlußfolgerungen dieses Berichts des
Chicago Council on Foreign Relations
zur amerikanischen öffentlichen Meinung und der amerikanischen Außenpolitik. Die Studie baut auf folgenden
Grundlagen auf:

weiterhin
- 2 -

1.
Persönliche
Interviews
mit
einer repräsentativen Auswahl von
1 585
erwachsenen
Männern
und
Frauen in den Vereinigten Staaten, die von Ende Oktober bis
Mitte November von Gallup durchgeführt wurde.
2. Persönlichen und telefonischen
Interviews mit einer Auswahl von
343
führenden
Persönlichkeiten
aus Regierung, Wirtschaft, Gewerkschaften,
Universitätswesen,
Massenmedien, religiösen Institutionen, privaten außenpolitischen

�Organisationen und besonderen Interessengruppen,
die
von
Ende
September bis Ende November ebenfalls durch Gallup durchgeführt
wurde.
3. Aufgrund der Iran-Krise wurde
Gallup Mitte Januar vom Chicago
Council
beauftragt,
bestimmte
Fragen noch einmal zu stellen.
Bei diesen Fragen ergaben sich
keine
bedeutenden
Abweichungen,
mit Ausnahme eines Rückgangs in
der öffentlichen Einschätzung von
Ronald
Reagans Außenpolitik
im
allgemeinen und seinem Umgang mit
dem Problem des Terrorismus im
besonderen.

Wirtschaftliche Sorgen und Eigeninteresse
Die relative Bedeutung von Sorgen
über allgemeine wirtschaftliche Probleme, darunter Arbeitslosigkeit und
Inflation,
hat
abgenommen.
Eine
Mehrheit
der Amerikaner
betrachtet
die Außenwirtschaftspolitik weiterhin
unter dem Gesichtspunkt des Eigeninteresses, jedoch hat das Verständnis
für die Bedeutung und Interdependenz
von amerikanischer Wirtschaftsund
Außenpolitik in den vergangenen vier
Jahren
nachgelassen.
Obwohl
eine
Mehrheit
von Amerikanern
weiterhin
erkennt, daß die Außenpolitik bedeutende Auswirkungen auf den Benzinpreis, den Wert des Dollars im Ausland und die Arbeitslosigkeit hat,
ist die Anteilnahme an diesen Fragen
stark
zurückgegangen.
Trotz
des
weltweiten Überangebots von öl bleibt
der Zugang zu Energievorräten weiterhin wichtig.
Saudi Arabien wird von
der Bevölkerung allgemein weiterhin
als eines der für die amerikanischen
Interessen wichtigsten Länder angesehen. Unter den Führungskräften wurde
weiterhin Besorgnis über das hohe De-

fizit im Bundeshaushalt, die Staatsverschuldung und übertriebene Staatsausgaben geäußert.
57 Prozent der
Befragten äußerten sich besorgt über
diese Probleme, was einen Anstieg von
45 Prozent gegenüber der letzten Umfrage unter Führungskräften im Jahr
1982 darstellt.
Trotz des massiven Handelsdefizits hat sich in den vergangenen vier
Jahren gleichwohl die öffentliche Unterstützung
für
protektionistische
Maßnahmen meßbar abgeschwächt, während sich der Rückhalt
für Wirtschaftshilfe an andere Länder geringfügig verstärkte. Die Führungskräfte
befürworteten weiterhin energisch den
freien Handel - zwei Drittel der Befragten waren für die Abschaffung von
Zöllen auf Importwaren und weniger
als 30 Prozent glaubten an die Notwendigkeit von Zöllen.
Wie in der
Vergangenheit steht die öffentliche
Meinung dazu in scharfem Gegensatz;
53 Prozent waren davon überzeugt, daß
Zölle und Handelsbeschränkungen notwendig seien, und nur 20 Prozent befürworteten
ihre
Abschaffung.
Im
Verlauf des letzten Jahrzehnts haben
sich diese beiden Meinungstrends einander jedoch angenähert.
Die Führungskräfte sind etwas protektionistischer und die Bevölkerung etwas weniger
protektionistisch
geworden.
Die Kluft hat sich in den vergangenen
acht Jahren um 15 Prozent verringert.
Ein
weiteres
außenpolitisches
Thema
mit starken
wirtschaftlichen
Untertönen sind die Beziehungen zur
Regierung von Südafrika.
insgesamt
57 Prozent der Öffentlichkeit und 79
Prozent der Führungskräfte befürworteten
begrenzte
oder
harte Wirtschaftssanktionen gegen Südafrika.

Internationalismus

- 3 -

�Die "nach innen gerichtete" Haltung, die in den siebziger Jahren
charakteristisch für die meisten Amerikaner war, ist ebenfalls auf dem
Rückzug.
Die Gruppe der Führungskräfte ist innerhalb des vergangenen
Jahrzehnts praktisch der Meinung treu
geblieben, daß die Vereinigten Staaten eine aktive Rolle in der Welt
spielen sollten. In der Bevölkerung
ist die Anzahl derer, die sagten, daß
die Vereinigten Staaten eine "aktivere Rolle in der Welt" spielen sollten, von 54 Prozent im Jahr 1982 auf
64 Prozent im Jahr 1986 gestiegen.
Der Anteil der Bevölkerung, der ein
großes Interesse an Nachrichten über
fremde Länder oder die Beziehungen
der Vereinigten Staaten zu anderen
Ländern besitzt, ist ebenfalls stetig
größer
geworden.
Die
Nachrichten
über die Beziehungen der Vereinigten
Staaten zu anderen Ländern nehmen in
der Bedeutungsskala heute sogar den
zweiten Platz hinter den Lokalnachrichten, aber noch vor den nationalen
Nachrichten ein.
Ein weiteres bemerkenswertes Ergebnis der jetzigen Studie war der
erheblich größere Prozentsatz unter
der Bevölkerung und den Führungskräften mit der Meinung, daß die Vereinigten Staaten heute eine "bedeutendere" Rolle in der Welt spielten
als vor zehn Jahren. 41 Prozent der
Bevölkerung glaubten, daß die Vereinigten Staaten heute eine wichtigere Rolle spielen, im Vergleich zu 27
Prozent im Jahr 1982. 26 Prozent der
Bevölkerung und 27 Prozent der Führungskräfte glaubten, die Vereinigten
Staaten seien weniger bedeutend, im
Vergleich zu 44 und 52 Prozent vor
vier Jahren. Im Einklang mit diesem
Trend zu einer Höherbewertung der internationalen Rolle ist der geringfügig
stärkere
Rückhalt
für
Wirtschafts- und Militärhilfe an andere
Länder in der Öffentlichkeit.

Regionen von entscheidender Bedeutung
Wie
in früheren Untersuchungen
anerkannten die Bevölkerung insgesamt
wie auch die Führungskräfte, daß die
Vereinigten Staaten in vielen verschiedenen Landern vitale Interessen
besitzen.
Die Haltungen
gegenüber
verschiedenen Ländern sind immer bemerkenswert konstant geblieben, insbesondere im Hinblick auf Westeuropa,
Japan und unsere Nachbarländer, wo
eine hohe Einschätzung der vitalen
Interessen
registriert wurde.
Ein
hoher Prozentsatz der Führungskräfte
und der Bevölkerung insgesamt sehen
vitale Interessen in Westeuropa und
der westlichen
Hemisphäre, wo die
Vereinigten Staaten starke kulturelle, politische, wirtschaftliche wie
auch sicherheitspolitische Bindungen
unterhalten. Im Fall von Kanada und
Lateinamerika ist die geographische
Nähe ebenfalls ein wichtiger Faktor.
Japan
bleibt
Amerikas
wichtigster
Handels- und
Sicherheitspartner
in
Asien sowie ein wirtschaftlicher Konkurrent
auf
den
Industriemärkten.
Vitale
Interessen
werden
auch
im
Mittleren Osten angenommen, besonders
in Zusammenhang mit Israel, Ägypten
und Saudi Arabien.
Die Führungskräfte besitzen eine
umfassendere Sichtweise vitaler nationaler
Interessen,
obwohl
ihre
Prioritäten in den meisten Fällen die
gleichen sind.
Trotz scharfer Meinungsverschiedenheiten
zwischen
den
Vereinigten Staaten und Verbündeten
in Europa und Japan während der vergangenen vier Jahre werden diese Bereiche zusammen mit Kanada und Mexiko
weiterhin am höchsten bewertet.
In
all den Jahren sind die wichtigsten
Länder im Hinblick auf die von der
Bevölkerung und den Führungskräften

�angenommenen vitalen Interessen insgesamt gleich geblieben.
Im Jahr
1986 waren diese Länder für die Bevölkerung
insgesamt
Großbritannien,
Kanada,
Japan,
die
Bundesrepublik
Deutschland, Saudi Arabien und Israel.
Für die Führungskräfte waren
die sechs wichtigsten Länder im Jahr
1986 die Bundesrepublik Deutschland,
Japan, Mexiko, Kanada, Großbritannien
und die Volksrepublik China. Länder,
die seit 1982 zunehmend als wichtig
betrachtet werden, sind für die Bevölkerung allgemein Indien, Italien,
Südafrika, Südkorea und Syrien und
für die Führungskräfte Südafrika und
Südkorea.
Bei der Bitte an die Befragten
aus der Bevölkerung, die verschiedenen Länder auf einer Temperaturskala
der Gefühle einzustufen, wurden meist
dieselben Länder genannt.
Die führenden Staaten waren: Kanada, Großbritannien,
die
Bundesrepublik
Deutschland, Japan, Mexiko und Israel. Mit einer "mittleren Temperatur" von 61 Grad hatte Japan in den
letzten vier Jahren einen Zuwachs von
acht Grad, ein überraschendes Ergebnis, wenn man die bedeutenden Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und Japan sowie die harte Kritik
amerikanischer Führungskräfte aus Politik und Regierung, Wirtschaft und
Gewerkschaften
berücksichtigt.
Die
Philippinen wurden 1986 zum ersten
Mal einbezogen und erreichten in der
Bevölkerung den siebten Platz mit 59
Grad.

Europa
Die hohe Priorität, die den Beziehungen mit Westeuropa zugebilligt
wird, schlägt sich deutlich in der
andauernden
starken
Unterstützung
seitens der amerikanischen Bevölkerung und Führungskräfte für das Mili-

tärbündnis mit diesen Staaten und Kanada nieder, der NATO. Auf gleichem
Niveau wie vor vier Jahren meinen 70
Prozent der Bevölkerung und 85 Prozent der Führungskräfte, daß wir entweder
ein
verstärktes
oder
ein
gleichbleibendes militärisches Engagement in der NATO unterstützen sollten. Als die Führungskräfte vor die
Wahl gestellt wurden, die amerikanischen Truppen einstweilen in Europa
zu belassen oder sie in den nächsten
fünf Jahren abzuziehen und Europa
selbst für seine atomare und konventionelle Verteidigung sorgen zu lassen, sprachen sich 82 Prozent für den
Status Quo und gegen Veränderungen
aus.
Dies ist bemerkenswert, wenn
man die anhaltende Diskussion in den
Vereinigten Staaten über die Ratsamkeit unserer konventionellen militärischen Präsenz auf dem europäischen
Kontinent betrachtet.
Eine Reihe weiterer an die Auswahl von Führungskräften gerichteter
Fragen deutete keine bedeutende Verlagerung von Prioritäten nach Asien
auf Kosten Europas an. Auf die Frage, welche Region für die Vereinigten
Staaten wichtiger
sei, entschieden
sich 46 Prozent der Führungskräfte
für Europa und 18 Prozent für Asien,
während 34 Prozent meinten, beide Regionen seien gleich wichtig.
Die
amerikanischen Führungskräfte stimmten mit 69 zu 15 Prozent deutlich für
Europa und gegen Asien bei der Frage
nach der bevorzugten Region zur Vervollständigung ihrer Universitätsbildung für ihre Söhne und Töchter.
Eine ähnliche Frage nach bevorzugten
Fremdsprachen zeigte eine starke Tendenz zum Spanischen (34 Prozent) und
Französischen (22 Prozent) gegenüber
Japanisch (16 Prozent) und Chinesisch
(12 Prozent) . Es zeigte sich, daß
innerhalb der Gruppe der Führungskräfte diejenigen im Kongreß etwas
stärker als die Regierungsvertreter

- 5 -

�die weitere Stationierung von Truppen
in Europa und weiterführende Studien
in Europa bevorzugten, obwohl die
Auswahl von Personen hier sehr klein
war.

Der Mittlere Osten
Ein
weiterer
Themenkomplex von
vorrangiger Bedeutung in den vergangenen Jahren, der Mittlere Osten, hat
für die Außenpolitik der Vereinigten
Staaten etwas von der ihm beigemessenen
Dringlichkeit
verloren.
Dies
wurde offensichtlich, als die wichtigsten
Probleme der Außenpolitik,
mit denen sich das Land konfrontiert
sieht, oder die Bedeutung der öllieferungen und der damit verbundenen
Energieprobleme
behandelt
wurden.
Gleichzeitig hat sich im Verlauf der
letzten vier Jahre die bevorzugte
Einstufung Israels in der Öffentlichkeit weiter vergrößert; Israel und
Saudi Arabien werden als Länder von
vitalem Interesse für die Vereinigten
Staaten angesehen.
Wenig überrraschend befand sich der Iran an unterster Stelle des Thermometers mit 23
Grad, noch unterhalb der Sowjetunion
mit 32 und Syrien mit 34 Grad.

Militärische Angelegenheiten
Die deutlichste Verlagerung in
der Meinung der Bevölkerung und der
Führungskräfte, die sich im Verlauf
der vier von dem Chicagoer Rat für
Auswärtige Beziehungen durchgeführten
Umfragen abzeichnete, fand bei den
auf Verteidigungsausgaben
bezogenen
Themen statt. Zwischen 1974 und 1978
nahm die Unterstützung für wachsende
Verteidigungssausgaben
beträchtlich
zu. Die Umfrage des Rats deutet zusammen mit anderen Meinungsumfragen
darauf hin, daß in dem Zeitraum von
Ende der siebziger Jahre bis Anfang
- 6

1981 eine ausgeprägte Verlagerung in
der amerikanischen öffentlichen Meinung zugunsten zusätzlicher Verteidigungsausgaben beobachtet werden konnte. Im Jahr 1974 überwog die Befürwortung von Kürzungen gegenüber einer
Aufstockung des Verteidigungshaushaltes im Verhältnis von drei zu eins.
Bis 1978 gab es doppelt soviele Befürworter der Aufstockung als Anhänger einer Reduzierung des Verteidigungshaushaltes.
Die
Umfrage
von
1982 zeigte eine Umkehrung dieser
Tendenz mit großer Übereinstimmung der Mehrheit der Bevölkerung - bezüglich der Aufrechterhaltung des gegenwärtigen Umfangs der Verteidigungsausgaben im Gegensatz zu einer Aufstockung oder Kürzung. Im Jahr 1986
befürworteten sowohl die Bevölkerung
als auch die Führungskräfte die Beibehaltung des Status Quo und lehnten
zusätzliche Verteidigungausgaben ab.
Dies ist zwar keine Ermutigung der
Bemühungen der Reagan-Administration
um eine Erweiterung des PentagonEtats, aber die Bevölkerung ist auch
nicht für eine Kürzung des gegenwärtigen Umfangs der Verteidigungsausgaben.
Dieser
Mangel
an Unterstützung
für zusätzliche Verteidigungsausgaben
muß vor dem Hintergrund der Einschätzung der nationalen Stärke und der
vor allem in der Bevölkerung verbreiteten Meinung gesehen werden, daß die
Vereinigten Staaten der Sowjetunion
jetzt in militärischer Hinsicht ebenbürtig oder überlegen sind.
Frühere
Meinungsumfragen ergaben ein Gefühl
der Unterlegenheit gegenüber der anderen Supermacht.
Eine der bedeutendsten Errungenschaften der ReaganAdministration ist dieser Prozeß der
Meinungsbildung
in den Vereinigten
Staaten.
Mehr
als
in anderen Bereichen
scheint die Einstellung zu Verteidi-

�gungsausgaben vornehmlich von parteipolitischer Zugehörigkeit geprägt zu
sein. Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen der Zugehörigkeit zur
Demokratischen Partei mit der Unterstützung einer Kürzung der Verteidigungsausgaben und der Zugehörigkeit
zur Republikanischen Partei mit dem
Wunsch nach
einer Aufstockung des
Verteidigungshaushaltes.
Diese sich
bereits
im Jahr
1982 abzeichnende
Verbindung hat sich in den vergangenen vier Jahren verstärkt.
Die Ergebnisse
früherer
Meinungsumfragen
belegen, daß die parteipolitische Zugehörigkeit
in der gesamten Nachkriegszeit scheinbar eng mit der Einstellung gegenüber Verteidigungsausgaben verflochten ist.
In früheren
Jahren, besonders in den fünfziger
und Anfang der sechziger Jahre, war
das Verhältnis jedoch umgekehrt - die
Demokraten tendierten mehr zugunsten
von Verteidigungausgaben und die Republikaner waren weniger dafür.

Die Beziehungen zur Sowjetunion
Ebenso wie im Jahr 1982 waren die
Bevölkerung und die Führungskräfte im
Jahr 1986 über die Gefahren eines
Krieges und Fortschritte bei den Rüstungskontrollbemühungen mit der Sowjetunion besorgt. 1986 nannten zehn
Prozent der repräsentativ befragten
Personen einen Atomkrieg und damit
zusammenhängende Themen auf die Frage
nach zwei oder drei der gravierendsten Probleme, mit denen sich das
Land heute konfrontiert sieht.
Im
Gegensatz dazu nannten 1978 so wenige
der Befragten Krieg oder einen Atomkrieg als die größte Sorge, daß die
Antwort
nicht gesondert
aufgeführt
wurde. 17 Prozent der 1986 befragten
Führungskräfte sahen in der Rüstungskontrolle oder dem Mangel an Rüstungsbegrenzungsabkommen die schwierigsten Probleme des Landes. In den

Jahren 1982 und 1978 wurden dagegen
nur ein Prozent in dieser Spalte aufgeführt.
22 Prozent der befragten
Bevölkerung gaben die Beziehungen mit
der Sowjetunion als eines der außenpolitischen Probleme an, das für sie
am besorgniserregendsten ist, im Vergleich zu 15 Prozent, die dieses Thema im Jahr 1982 erwähnten.
Rüstungskontrolle und damit verbundene gemeinsame Maßnahmen mit der
Sowjetunion finden sowohl von der Bevölkerung insgesamt als auch von den
Führungskräften weiterhin starke Unterstützung.
Insgesamt 80 Prozent
der Bevölkerung und 95 Prozent der
Führungskräfte befürworteten Verhandlungen über Rüstungsbegrenzungsabkommen zwischen den beiden Supermächten.
78 Prozent der Bevölkerung und 98
Prozent der Führungskräfte sind für
die Wiederaufnahme
kultureller
und
bildungspolitischer Austauschprogramme.
57 Prozent der Bevölkerung und
82 Prozent der Führungskräfte möchten
einen Zuwachs der Getreideverkäufe an
die Sowjetunion und nur 37 Prozent
der Bevölkerung und 24 Prozent der
Führungskräfte
sind
für eine Einschränkung
des
amerikanisch-sowjetischen Handels.
Starker Widerspruch
gegen gemeinsame Unternehmungen zeigte sich einzig in so sicherheitsempfindlichen Bereichen wie dem Verkauf
moderner Computer und der Beteiligung
der Sowjets an technischen Informationen über die Verteidigung gegen
Raketenangriffe und - eine Frage, die
nur an die Führungskräfte gestellt
wurde - Subventionierung der Getreideverkäufe an die Sowjetunion. Diese
umfassende Unterstützung gemeinsamer
Unternehmungen
mit der
Sowjetunion
hielt über einen langen Zeitraum hinweg an.
Die gegenwärtige Einschätzung, daß die Vereinigten
Staaten
stärker im Vergleich zur Sowjetunion
sind, hat in gewissem Umfang die bereits beträchtliche Unterstützung der

- 7 -

�Entspannung noch verstärkt.
Insbesondere
im
Hinblick
auf
Atomwaffen ist die Bevölkerung insgesamt sowie vor allem die Gruppe der
Führungskräfte weiterhin der Ansicht,
daß die Vereinigten Staaten den Bau
von Atomwaffen nur dann einstellen
sollten, wenn die Sowjetunion das
Gleiche
tut..
Diese
Einstellung
herrscht bei 58 Prozent der Bevölkerung und 79 Prozent der Führungskräfte vor.
Bei den Befürwortern der
Einstellung,
daß
die
Vereinigten
Staaten den Bau von Atomwaffen einstellen sollte, selbst wenn die Sowjetunion ihrerseits nicht dazu bereit ist, war eine leichte Abnahme zu
verzeichnen.
Ein beiderseitiges Einfrieren der
Atomwaffen fand wie im Jahr 1982 große Unterstützung. 67 Prozent der Bevölkerung und 77 Prozent der Führungskräfte würden ein beiderseitiges
sofortiges Einfrieren, vorbehaltlich
der sowjetischen Zustimmung, befürworten. Nur 14 Prozent der Bevölkerung und acht Prozent der Führungskräfte waren der Meinung, daß ein
Einfrieren nur dann erfolgen sollte,
nachdem die Vereinigten Staaten ihre
Atomwaffen aufgestockt haben.

Interventionismus
Bei
der
langfristigen
Tendenz
einer allmählich ansteigenden Bereitschaft der Bevölkerung, amerikanische
Truppen unter bestimmten Umständen in
Übersee einzusetzen, zeichnete sich
weiterhin Kontinuität ab. Die Mehrheit der Bevölkerung und der Führungskräfte wären bereit, amerikanische Truppen zu entsenden, wenn sich
entweder Japan oder Westeuropa einer
Invasion durch die Sowjetunion ausgesetzt
sähen.
Zurückhaltung
zeigte
sich jedoch bei der Entsendung von

amerikanischen Truppen unter anderen
Umständen. Die Mehrheit der Bevölkerung war gegen den Einsatz von Truppen eingestellt, falls Nordkorea in
Südkorea
einmarschieren würde, die
Araber ihre öllieferungen an die Vereinigten Staaten einstellen würden,
Nicaragua in Honduras einmarschieren
würde, um die Stützpunkte der Contras
zu zerstören, die Regierung von El
Salvador von den Guerillas besiegt
würde oder falls arabische Streitkräfte in Israel einmarschieren würden.
Die Gruppe der Führungskräfte
war ebenso wie in früheren Umfragen
dem Einsatz von Truppen gegenüber
sehr viel positiver eingestellt. Die
Mehrzahl befürwortete einen Truppeneinsatz nicht nur in den bereits genannten Fällen Westeuropa und Japan,
sondern auch im Falle einer arabischen Invasion in Israel, eines nordkoreanischen Einmarschs in Südkorea
oder falls die nicaraguanische Regierung der Sowjetunion den Aufbau von
Raketenstützpunkten in ihrem Land gestatten würde. Die Reaktion der Bevölkerung auf die Frage der Raketenstützpunkte in Nicaragua war gleichmäßig aufgeteilt.
Die Mehrheit von
45 Prozent befürworteten den Truppeneinsatz, 42 Prozent waren dagegen.
Insgesamt kann man sagen, daß die Bereitschaft zum Einsatz von Truppen in
Übersee eng mit der Einschätzung der
vitalen Interessen verbunden ist.

Die Rolle des Kongresses und des CIA
Sowohl die Bevölkerung als auch
die Führungskräfte waren im großen
und ganzen für eine Unterstützung der
Administration im Herbst des Jahres
1986, vor allem im Vergleich zu 1982,
bezüglich der dem Kongreß bei außenpolitischen Belangen zufallenden Rolle. Bei beiden Gruppen nahm die Zahl
derer, die von einer zu schwachen
Rolle des Kongresses überzeugt waren,

�beträchtlich ab.
Innerhalb der Bevölkerung nahm die Zahl derjenigen
leicht zu, die den Kongreß als zu
mächtig einschätzten, wohingegen sie
sich bei der Gruppe der Führungskräfte bedeutend erhöhte.
Die Umfrage
vom Januar 1987 zeigte einen leichten
Anstieg der öffentlichen Unterstützung zugunsten einer stärkeren Rolle
des Kongresses. Eine ähnliche Verlagerung zeichnete sich sowohl bei der
Meinung der Bevölkerung als auch der
Führungskräfte
bezüglich der
Frage
ab, ob der CIA zu verdeckten Aktivitäten zum Sturz eines der Regierung
der
Vereinigten
Staaten
gegenüber
feindlich eingestellten Regimes ermutigt werden sollte. Ein beträchtlicher Meinungsumschwung von 13 Punkten
zeigte sich bei den Führungskräften
in bezug auf größere Unterstützung
der verdeckten Rolle des CIA und eine
ebenso krasse Abnahme zeigte sich auf
der Gegenseite. Innerhalb der Bevölkerung insgesamt war der Umschwung
weniger gravierend.

Die Kluft zwischen der Administration, der Bevölkerung und den Führungskräften
Zwischen den Meinungen der Führungskräfte und der Bevölkerung insgesamt herrscht eine tiefe Kluft bezüglich einer Vielzahl von außenpolitischen Themenkomplexen.
In einigen
Bereichen befinden sich die Ansichten
dieser beiden Gruppen im Widerspruch
zu der Politik und dem Vorgehen der
Reagan Administration. Die Führungskräfte befürworten weiterhin eine aktivere Rolle der Vereinigten Staaten
in der Welt, sind generell eher interventionistisch eingestellt und für
eine Unterstützung der "Reagan-Doktrin" der Hilfe für antikommunistische Guerrillas in einigen Ländern
der Welt.
Die Führungskräfte sind
auch weiterhin internationalistischer

eingestellt, vor allem bei der Unterstützung der freien Marktwirtschaft,
sowie bei Militär und Wirtschaftshilfe.
Die Führungskräfte messen der
Verteidigung der Sicherheit der Alliierten als Ziel der Außenpolitik hohe
Priorität bei und legen geringere Betonung auf die Stärkung der Vereinten
Nationen.
Insgesamt sind sie über
den
Schutz amerikanischer Arbeitsplätze im Inland und die Förderung
der amerikanischen Geschäftsinteressen im Ausland weniger besorgt. Die
Führungskräfte
zeigen geringe Neigung, dem Ziel der "Eindämmung des
Kommunismus" beizupflichten, sondern
sind mehr geneigt, die Machtübernahme
durch eine kommunistische Regierung
in Ländern wie Mexiko, Saudi Arabien
oder Frankreich als eine "große Bedrohung" anzusehen.
Ein hoher Prozentsatz von 42 Prozent der Führungskräfte unterstützt
Militärhilfe an
andere Länder und ist entschieden weniger besorgt über die Hilfe für Mittelamerika, die zu dem militärischen
Engagement
der Vereinigten
Staaten
dort führte. Ebenso wie die Bevölkerung insgesamt sind die Führungskräfte in überwältigender Zahl gegen Verhandlungen mit Terroristen.
Im Gegensatz zur Bevölkerung befürworten
sie eher einen militärischen Einsatz
zur Bekämpfung terroristischer Gruppen, aber neigen weniger zu einer Ermordung terroristischer Anführer.
Im Hinblick auf die Beziehungen
mit der Sowjetunion räumen sowohl die
Führungskräfte als auch die Bevölkerung insgesamt gemeinsamen Unternehmungen höhere Priorität ein als die
Reagan-Administration und stehen der
Handhabung der Beziehungen mit der
Sowjetunion durch die Administration
kritisch
gegenüber.
Beide Gruppen
nehmen ebenfalls zu dem Vorgehen der
Administration im Mittleren Osten und
auf Gebieten wie internationaler Handelspolitik, Menschenrechten und Ter-

- 9 -

�rorismus eine kritische Haltung ein.
Spürbare Differenzen zeigten sich
auch
innerhalb des
representativen
Querschnitts der Führungskräfte bezüglich
dem
Verteidigungshaushalt,
der "Reagan-Doktrin", der verdeckten
Rolle des CIA und einigen anderen
Themen.
Zwischen den Vertretern der
Administration und den Vertretern anderer Führungsschichten, insbesondere
der Bereiche Arbeitsfragen, Medien,
Erziehungswesen
und
Religion,
herrschten
außerordentlich
unterschiedliche Meinungen über eine Unterstützung der Invasion in Grenada,
der Bemühungen zum Sturz der Regierung von Nicaragua, der Bombardierung
Libyens und erhöhter Verteidigungsausgaben.
Ein
bedeutendes
Gesamtergebnis
dieser Umfrage ist, daß die Unterstützung durch die Bevölkerung für
eine aktivere Rolle der Vereinigten
Staaten in der Welt zugenommen hat.
Dies stellt einen Meinungsumschwung
verglichen mit früheren Umfragen dar
und spiegelt zweifelsohne die Einschätzung eines günstigen Wandels in
dem sowjetisch-amerikanischen Kräfteverhältnis wieder sowie die hohe Anerkennung der von den Vereinigten
Staaten zur Zeit in der Welt gespielten Rolle und der Rolle, die das Land
spielen sollte. Zusammenfassend kann
man sagen, daß es bezüglich spezieller politischer Themenbereiche starke
Meinungsverschiedenheiten
mit
der
Reagan-Administration gibt, aber die
Bemühungen
der
Administration
zur
Wiederherstellung
des
militärischen
Gleichgewichts - und größeres Vertrauen in die Rolle der Vereinigten
Staaten als Weltmacht - in hohem Maße
unterstützt werden.

+ + + + +
- 10

�AMERIKA DIENST
'VON

4

Wissenschaft und Technik
1 8 . März 1987

11

RESISTENZENTWICKLUNG BEI CHEMISCHER KREBSTHERAPIE

- (AD) - Nach anfänglichem Erfolg
bereitet die Chemotherapie von Krebs
jetzt
zunehmend
Schwierigkeiten.
Präparate, die während der ersten Wochen und Monate ihrer Anwendung gut
geeignet erschienen, Krebszellen und
Geschwülste abzubauen oder zumindest
an der Ausbreitung zu hindern, zeigen
plötzlich keine Wirkung mehr.
Der
Krebs kommt zurück und ist nun viel
hartnäckiger als zuvor.
Mit der Frage, was dieser "erworbenen
Resistenz"
zugrunde
liegen
könnte,
befaßt
sich
Dr.
Robert

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Schimke, Professor der Biologie an
der amerikanischen Stanford-Universität, seit fast zwei Jahrzehnten. Ein
erstes wichtiges Ergebnis seiner Untersuchungen war 1977 die Beobachtung, daß zum Beispiel Zellen aus
Mäusetumoren unter der Einwirkung von
Methotrexat entscheidende Veränderungen auf Gen-Ebene erfahren.
Dieses
Zytostatikum, seit 1948 bekannt und
in der Chemotherapie bestimmter Formen von Krebs auch recht gut bewährt,
wirkt krebshemmend, weil es ein Enzym
blockiert, das für die DNS-Synthese
wichtig ist.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Bei diesem Enzym handelt es sich
um Dihydrofolat-Reduktase (DHFR). Es
wird benötigt, um am Aufbau einer
identischen
Kopie
des
Desoxyribonucleinsäuremoleküls
(DNS) mitzuwirken, ehe sich die Zelle teilt. Mit
dieser Kopie werden sämtliche genetischen Informationen der Mutterzelle
an die Tochterzelle weitergegeben.
Die DHFR-Produktion wird durch
Gene gesteuert, die in ganz bestimmter Zahl vorhanden sind. Unter Methotrexat-Behandlung
beginnen
jedoch
manche Krebszellen
sehr viel mehr
solcher Gene hervorzubringen - ein
Phänomen, das der Biologe als "GenVerstärkung" bezeichnet.
Zellen mit
verstärktem DHFR-Gen produzieren das
Enzym in so großer Menge, daß therapeutische Dosen von Methotrexat die
Folsäurereduktase nicht völlig zu unterdrücken vermögen, um so die DNSSynthese zu blockieren.
Das bedeutet, daß die Zellteilung trotz Chemotherapie
weitergeht.
Krebszellen
vermehren sich wieder, bösartige Tumore wachsen erneut.
Zusammen
mit
dem
Krebsspezialisten Richard Horns fand Schimke vor
drei Jahren den gleichen Effekt bei
menschlichen Krebszellen, und zwar an
Blutzellen einer Patientin mit Leukämie:
Vor der Methotrexat-Behandlung
enthielten
die leukämischen
Zellen
nur ein einziges aktives DHFR-Gen,
nach Einsetzen der Resistenz gegen
das Chemotherapeutikum
drei Monate
später dagegen eine stark erhöhte Anzahl.
Auch bei Patienten mit Ovarial- und Lungenkrebs wurde dies inzwischen beobachtet. Andere Forscher
seien, so Schimke, zu ähnlichen Resultaten gekommen.
Bei seinen jüngsten Untersuchungen zur Klärung der Frage, auf welchem Wege
das
DHFR-Gen
verstärkt
- 2

wird, wies Schimke u.a. nach, daß es
keineswegs nur bei Anwendung des Zytostatikums Methotrexat zu einer GenVerstärkung kommen könne. Sie trete
auch bei Sauerstoffmangel, bei Einwirkung von ultraviolettem Licht und
von sogenannten karzinogenen Stoffen
bzw. Faktoren auf, die erfahrungsgemäß Krebs erzeugen können.
So verschiedenartig die genannten
"Ursachen" sind, eines haben sie doch
gemeinsam:
Wie Methotrexat hemmen
auch sie die DNS-Synthese. Nach Meinung Schimkes führt dies bei manchen
Zellen zu einer Fehlsteuerung in der
Weise, daß sie nun vor der Teilung zu
viele
Kopien einzelner
Komponenten
des DNS=Moleküls produzieren.
Zwar
gehe
die
Mehrzahl
solcher
Zellen
durch die Methotrexat-Behandlung zugrunde. Jene Zellen aber, die - mit
verstärktem
DHFR-Gen
überleben,
seien von nun an gegen das Zytostatikum resistent.
"Wir studieren einen
der fundamentalen Zellprozesse - die
Reduplikation des DNS-Moleküls", sagt
Prof. Schimke.
Die Wissenschaftler
müßten zunächst einmal im Detail verstehen, wie die normale DNS-Reduplikation funktioniere, ehe sie die GenVerstärkung und damit auch die Resistenzentwicklung von Krebszellen gegen Chemotherapeutika verstehen und
erklären könnten.

•

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan nimmt Weinberger und Shultz in Schutz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Reagans Rundfunkansprache -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wick: Sowjetischer "Glasnost"-Kampagne mit Vorsicht begegnen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus einer Ansprache vor dem Verband der amerikanischen Werbewirtschaft -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;An Erprobung und Stationierung von SDI festhalten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Henry Kissinger -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Positive Einschätzung von Amerikas Rolle in der Welt - Unterstützung für NATO&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Meinungsumfrage des Chicago Council on Foreign Relations -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Resistenzentwicklung bei chemischer Krebstherapie&amp;nbsp;</text>
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AMERIKA DIENS

1 . A p r i l 1987

12

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan fordert Sowjets zur Einhaltung ihrer INF-Verpflichtung auf
- Stellungnahme Präsident Reagans -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die wiedergeborene Null-Lösung
- Von Richard Burt(Der Artikel wurde am 18. März 1987 in der New York Times
veröffentlicht)

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Erleichterung durch AIDS-Medikament - vielleicht
- Chef des öffentlichen Gesundheitsdienstes fordert organisatorische
Vorsorge für Behandlung und Pflege der Seuchenopfer -

* * * * * *

United States Information Service
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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

12

1 . April 1987
REAGAN FORDERT SOWJETS ZUR EINHALTUNG IHRER INF-VERPFLICHTUNGEN AUF
- Stellungnahme Präsident Reagans -

WASHINGTON - (AD) - In seiner Ansprache vom 27. März 1987 erinnerte Präsident Reagan an die wiederholte Bestätigung des sowjetischen Parteiführers Gorbatschow in Reykjavik, daß "ein Interimabkommen zu den Mittelstreckenwaffen
längerer
Reichweite
(LRINF) auch
Beschränkungen
über
Kurzstreckenwaffen
(SRINF) enthalten sollte, um 'die Existenzfähigkeit und Wirksamkeit einer
Übereinkunft über INF sicherzustellen1".
Reagan zufolge sind die Sowjets "in den vergangenen Wochen von dieser Haltung abgewichen und sagen nun, das Problem der SRINF müsse aus den gegenwärtigen INF-Verhandlungen ausgenommen und statt dessen in getrennten Verhandlungen
behandelt werden". Der Präsident gab zu verstehen, dies "liege sicher nicht
in unserem Interesse oder in dem unserer Verbündeten".
Die Stellungnahme hat folgenden Wortlaut:

Gestern ging die besonders verlängerte Sitzung bei den Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion über Mittelstrekkenwaffen (INF), die Teil der Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen (NST) bilden, zuende. Wir haben diese Runde über den Schluß der
NST-Verhandlungen in anderen Gruppen
am 6. März hinaus verlängert, um weitere Fortschritte für unser langgehegtes Ziel der einschneidenden, beiderseitigen und wirksam verifizierbaren Reduzierungen amerikanischer und
sowjetischer LRINF zu erlangen, mit

United States Information Service
Embassy of the United States of America

dem Endziel , diese
schaffen.

vollständig

abzu-

Am 4. März legten unsere amerikanischen Unterhändler auf meine Weisung hin den Entwurf eines INF-Abkommens vor, der sich auf die von Generalsekretär Gorbatschow und mir bei
unserem Treffen in Island im Oktober
1986
vereinbarten
Formeln
stützt.
Wir haben inzwischen den Sowjets den
Text unseres Vertragsentwurfs im einzelnen
unterbreitet
und erläutert.
Der Entwurf fordert den Abbau auf
eine zwischenzeitliche Obergrenze von

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�100 Gefechtsköpfen auf amerikanischen
und sowjetischen Mittelstreckenraketen größerer Reichweite weltweit, von
denen keine in Europa disloziert sein
sollen, Einschränkungen bei den Mittelstreckenwaffen kürzerer Reichweite
sowie Bestimmungen zur wirkungsvollen
Verifizierung.
Amerikanische und sowjetische Unterhändler haben Arbeitsgruppen gebildet, die Gespräche über den von
uns vorgelegten Vertragsentwurf erleichtern sollen und arbeiten einen
gemeinsamen Text aus. Diese Gespräche mit den Sowjets waren sachlich
und produktiv.
Ich möchte betonen, daß sich unsere Haltung bei diesen Verhandlungen
auf enge Konsultationen mit unseren
Freunden und Verbündeten in Europa
und Asien stützt, deren Sicherheit
von der sowjetischen INF-AufStockung
sehr direkt betroffen ist.
Unsere
Verbündeten
haben
darüber
hinaus
einen umfangreichen Beitrag zu unseren Vorschlägen geleistet.
Wir haben zusammen mit unseren
Bündnispartnern den Sowjets gegenüber
klar zum Ausdruck gebracht, daß ein
INF-Abkommen wirkungsvoll verifizierbar sein muß. Wie ich bereits dargelegt habe, gibt es kein wichtigeres
anstehendes Problem als die Verifizierung. Der Text unseres Vertragsentwurfs enthält daher einen umfassenden Teil zur Verifizierung, um die
Einhaltung
des Vertrages sicherzustellen.
Wir verfolgen bei unseren Bestrebungen um Verifizierungsbestimmungen
drei Hauptzielsetzungen:
- Verbesserung
des Vertrauens
in
ein Abkommen, das als solches zu
größerer Sicherheit und Stabilität in Europa und Asien beitragen

wird;
- Abschreckung von Vertragsverletzungen durch Erhöhung des Entdekkungsrisikos und
- Ermöglichung einer schnellen Aufdeckung aller störenden Aktivitäten
und dadurch
Gewährleistung
einer zeitgerechten Warnung vor
der möglichen oder realen Bedrohung der Sicherheit aller Bündnispartner.
Inspektionen vor Ort werden einen
wesentlichen Bestandteil jeder wirkungsvollen Bestimmung zur Verifizierung ausmachen.
Solche Inspektionen
werden hilfreich sein, wenn es darum
geht, den anfänglichen Austausch von
Daten über INF-Systeme und die nachfolgende
Zerstörung, Demontage und
Umrüstung von LRINF-Systemen zu verifizieren, und sie werden eine wichtige Rolle bei der Sicherstellung der
fortdauernden Einhaltung von vertraglich
niederlegten
Beschränkungen
spielen.
Eine weitere Schlüsselbestimmung
unseres Entwurfs betrifft Kurzstrekkenraketen. Wir haben seit 1981 gemeinsam mit unseren Verbündeten klar
zum Ausdruck gebracht, daß Einschränkungen bei SRINF in einem ersten INFAbkommen wesentlich sind, so daß die
Sowjetunion nicht die Beschränkungen
für LRINF durch eine Aufstockung der
Kurzstreckenraketen unterlaufen kann.
Diese Einschränkungen müssen den Vereinigten Staaten das Recht auf einen
Gleichstand mit der Anzahl weltweit
stationierter sowjetischer INF-Systeme einräumen.
In Reykjavik haben Generalsekretär Gorbatschow und ich den wichtigen
Grundsatz bestätigt, der von unseren
Unterhändlern in den INF-Verhandlungen von 1981-1983 vereinbart wurde;

�danach muß ein Interimabkommen zu INF
Beschränkungen
über
Kurzstreckensysteme enthalten, um "die Existenzfähigkeit und Wirksamkeit eines Abkommens über INF sicherzustellen".
In
den vergangenen Wochen sind die Sowjets jedoch von dieser Haltung abgewichen und sagen nun, das Problem der
SRINF müsse aus den gegenwärtigen
INF-Verhandlungen
ausgeklammert
und
statt dessen in getrennten Verhandlungen behandelt werden.
Diese neue sowjetische Position
zu Kurzstreckensystemen würde der Sowjetunion ein dauerhaftes Monopol auf
diese Systeme sowie auch die Freiheit
einräumen, ihre bestehenden Streitkräfte zu erhöhen. Das liegt sicher
nicht in unserem Interesse oder in
dem unserer Verbündeten.
Das wichtigste Problem liegt nun
darin, ob die Sowjets bereit sind,
beiderseitige
Beschränkungen
bei
SRINF-Raketen
im
Zusammenhang
mit
einem ersten INF-Abkommen hinzunehmen
oder ob sie darauf bestehen werden,
in
diesem
wichtigen
Bereich
ihre
Überlegenheit über uns zu bewahren
und damit ein jegliches INF-Abkommen
zu unterlaufen.
Da die Vereinigten
Staaten solch ein Resultat nicht erlauben können, werden wir weiterhin
darauf
bestehen, daß beiderseitige
Beschränkungen bei den Kurzstreckenrakten
ein
integraler
Bestandteil
eines ersten INF-Abkommen werden.
Ich bleibe weiterhin der Erlangung eines ausgewogenen und verifizierbaren Abkommens zur Reduzierung
von INF verpflichtet.
Aus diesem
Grunde habe ich die jüngst erfolgte
Stellungnahme Herrn Gorbatschows zu
INF begrüßt, mit der ein von den Sowjets in Reykjavik aufgeworfenes Hindernis
für
Fortschritte
beseitigt
wurde. Die Vereinigten Staaten haben
nun den Sowjets einen umfassenden und

realistischen Vertragsentwurf zur Begutachtung vorgelegt.
Daher ist es
jezt an der Zeit, daß die Sowjetunion
ihren früheren Verpflichtungen zu INF
nachkommt und eine positive Haltung
für ein ausgewogenes Abkommen einnimmt.
Lassen Sie mich zum Schluß noch
ein Wort über die Stärke und Einheit
unseres Bündnisses sagen. Es war zunächst einmal der Zusammenhalt der
NATO bei der Durchführung ihrer Entscheidung zum Doppelbeschluß von 1979
über INF, der dazu beigetragen hat,
die Sowjets wieder an den Verhandlungstisch
zu bringen und sie zu
ernsthaften Verhandlungen zu bewegen.
Unser eigenes Engagement für die Sicherheit unserer Freunde und Verbündeten sowohl in Europa als auch in
Asien, die alle durch die Stationierung sowjetischer INF bedroht sind,
bleibt so stark wie bisher. Wir werden weiterhin eng mit ihnen zusammenarbeiten, um die sowjetische Zustimmung zu ausgewogenen und verifizierbaren Reduzierungen von INF zu erlangen.
Die Vereinigten Staten und die
Sowjetunion sind übereingekommen, die
VIII. Runde der Verhandlungen über
Kern- und Weltraumwaffen am 23. April
aufzunehmen. Das heißt, die Verhandlungsgruppe zu INF wie auch die Verhandlungsgruppen
über
strategische
Waffen und Verteidigung im Weltraum
werden zu diesem Zeitpunkt ihre Arbeit
wiederaufnehmen.
Gleichzeitig
sind die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion
jedoch
übereingekommen,
daß dieses Datum neu abgestimmt werden kann, wenn Außenminister Shultz
und
der
sowjetische
Außenminister
Schewardnadse vom 13. bis 15. April
in Moskau zusammentreffen, um diese
und andere Probleme der weitgesteckten amerikanisch-sowjetisch Tagesordnung zu besprechen.

+ + + + ++

�AMERIKA DIENST
'^7

"""

Hintergrundmaterial

Ä&lt;

1. April 1987

12

DIE WIEDERGEBORENE NULL-LDSUNG
Von Richard Burt

Der
nachfolgende
Artikel
wurde
am
18. März 1987 in
der New York Times
veröffentlicht.
- (AD) - Michail Gorbatschows Bereitschaft, dem Abbau von Mittelstreckenraketen in Europa - der sogenannten Null-Lösung - endlich zuzustimmen, hat eine Diskussion darüber
ausgelöst, ob ein solches Abkommen im
Interesse der westlichen Nationen läge. Dies wäre zweifelsohne der Fall.
Die Administration und die verbündeten
Regierungen gelangten vor
mehr als fünf Jahren zu der Schlußfolgerung, daß ein Abkommen über den
Abbau aller auf Europa gerichteten
SS-20 sowie der vor kurzem in Europa

United States Information Service
Embassy of the United States of America

stationierten amerikanischen Pershing
2 und Marschflugkörper zu einer militärischen
und politischen
Stärkung
des Atlantischen Bündnisses beitragen
würde.
Im militärischen Bereich sind die
Vorteile für den Westen offensichtlich.
Moskau hat bisher 270 SS-20
Raketen innerhalb der Reichweite Europas stationiert, die mit je drei
Gefechtsköpfen bestückt sind und damit die Fähigkeit zum Angriff auf 810
Ziele in Europa haben. Die Vereinigten Staaten dislozieren zur Zeit je-

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�doch nur Systeme, die maximal über
572 Gefechtsköpfe verfügen. Ein Abkommen würde daher den Abbau einer
sehr viel größeren Anzahl von Raketen
seitens der Sowjetunion als bei uns
zum Ergebnis haben.
Das Argument, daß die Null-Lösung
vielleicht kein gutes Geschäft ist,
scheint tatsächlich nahezu absonderlich.
Im Jahr 1981, als er zum ersten Mal von Präsident Reagan unterbreitet wurde, lautete die Hauptkritik an dem Vorschlag (dem ich einiges
abgewinnen konnte), er bevorzuge den
Westen so eindeutig, daß Moskau niemals zustimmen würde und er daher
einzig als eine werbewirksame Masche
angesehen werden könnte.
Jedes Rüstungsbegrenzungsabkommen
muß natürlich nach Kriterien beurteilt werden, die über seine militärischen Auswirkungen hinausgehen. Einige
europäische
und
amerikanische
Beobachter brachten das Argument vor,
daß durch den Abzug der amerikanischen Raketen die Verteidigung Europas vom amerikanischen strategischen
Abschreckungspotential
"abgekoppelt"
würde - in anderen Worten, Europa
würde nicht länger von dem amerikanischen nuklearen Schutzschild profitieren.
Dies ist ein sehr wichtiges, aber
aus drei Gründen falsches Argument.
Erstens sollte die Befürwortung
der Null-Lösung nicht als eine Lockerung der amerikanischen Verpflichtung
gegenüber Europa verstanden werden.
Diese Verpflichtung ist und bleibt
ein
wesentlicher
Bestandteil
der
westlichen
Strategie.
Wir
würden
weiterhin eine beträchtliche Zahl von
Atomwaffen in Europa stationieren und
die Vereinigten Staaten würden natürlich auch weiterhin über ein umfassendes strategisches Arsenal an In-

terkontinentalraketen verfügen.
Die "Ankoppelung" kommt zweitens
nicht nur durch die Präsenz amerikanischer Nuklearstreitkräfte in Europa
zustande, sondern auch aufgrund der
starken Präsenz amerikanischer Kampftruppen. Diese Präsenz bliebe bestehen.
Drittens
ist die "Ankoppelung"
sowohl ein psychologisches als auch
ein militärisches Phänomen.
Ein Rüstungsbegrenzungsabkommen mit Moskau
über Mittelstreckensysteme würde von
der Bevölkerung in Europa in hohem
Maße unterstüzt und die amerikanischen Beziehungen zu Europa langfristig stärken. Die europäische Bevölkerung würde größeres Vertrauen in
die amerikanischen Fähigkeiten setzen, die Beziehungen zu Moskau in
konstruktiverer
Weise
zu handhaben
und dies würde wiederum unsere Möglichkeiten bei der Bewältigung anderer transatlantischer Probleme verbessern .
Die Null-Lösung wird jedoch sicherlich nicht alle Sicherheitsprobleme Westeuropas lösen.
Auch ein
Rüstungsbegrenzungsabkommen
alleine
würde dazu nicht ausreichen.
Auch bei einem Abbau von Mittelstreckenraketen
bliebe
Westeuropa
weiterhin ungeschützt gegen sowjetische Paketensysteme kürzerer Reichweite und umfangreiche konventionelle
und chemische Kampftruppen.
Zur Bewältigung dieser Probleme wird das
westliche Bündnis Schritte zur Verbesserung des militärischen Gleichgewichts in Europa unternehmen müssen
und zwar sowohl durch Verbesserung
der Truppenstruktur als auch durch
Rüstungsbegrenzung.
Das vielleicht stärkste Argument
für die Null-Lösung in Europa ist ein

- 2 -

�politisches. Als sich die Allianz im
Jahr 1979 zum ersten Mal für eine
Antwort auf die Dislozierung der sowjetischen
SS-20
entschied
und
gleichzeitig
die
Bereitschaft
zu
einem Rüstungsbegrenzungsabkommen ankündigte, wurde diese Entscheidung
von der Linken und Friedensgruppen in
Europa
als
zynischer Trick kritisiert, der nur der Aufrüstung diene.
Einige der engagiertesten Verfechter des Bündnisses wie Bundeskanzler Helmut Kohl und Premierministerin Margaret Thatcher sahen sich
daher starkem Druck ausgesetzt, die
Stationierung weiterzuführen.
Sobald
die ersten amerikanischen Raketen im
Jahr 1983 disloziert wurden, drängten
dieselben Kritiker ihre Regierungen
zum einseitigen Abzug dieser Raketen.
Die Voraussagen dieser Kritiker
haben sich als falsch erwiesen. Die
Null-Lösung würde nicht nur die logische Entscheidung der Allianz für
die
Raketenstationierung
von
1979
rechtfertigen, sondern auch zu einer
Stärkung der politischen Handlungsweise derjenigen in Westeuropa beitragen, die in einer für das Bündnis
kritischen Zeit fest zu dieser Entscheidung gestanden haben.
Zusammenfassend kann man sagen,
daß eine der positivsten langfristigen Auswirkungen
eines Rüstungsbegrenzungsabkommens darin liegen könnte, der Bevölkerung in Europa und den
Vereinigten Staaten zu beweisen, daß
einseitige Abrüstung
zum Scheitern
verurteilt ist.

- 3 -

�v^° S ^

AMERIKA DIENST

VION ^

Wissenschaft und Technik

1. April 1987

12

ERLEICHTERUNG DURCH AIDS-MEDIKAMENT - VIELLEICHT
Chef des öffentlichen Gesundheitsdienstes fordert organisatorische
Vorsorge für Behandlung und Pflege der Seuchenopfer -

WASHINGTON - (AD) - In einem beschleunigten Verfahren hat jetzt die
amerikanische
Kontrollbehörde
für
Nahrungs- und Arzneimittel (FDA) die
Zulassung
für
das
Medikament
AZT
(Azidothymidin)
zur Behandlung
von
Patienten erteilt, die an der Immunschwächekrankheit AIDS erkrankt sind.
Seit dem 20. März 1987 darf es in den
USA auf Rezept und Sondergenehmigung
für den Arzt von Apotheken abgegeben
werden.
Trotz der Bedenken wegen
möglicher
schwerwiegender
Nebenwirkungen hat man sich zur Freigabe entschlossen, weil das Präparat unter

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Umständen
das rasche
Fortschreiten
des körperlichen und geistigen Verfalls verzögern kann.
Die Symptome
bestimmter Begleiterkrankungen treten
weniger
ausgeprägt
in Erscheinung.
Allerdings vermag AZT die Grundkrankheit nicht zu heilen.
In klinischen Versuchen wurde AZT
seit Februar 1986 an AIDS-Kranken erprobt und zuletzt im Rahmen eines
Therapie-Sonderplanes bei etwa 4500
Patienten mit Zustimmung der FDA angewandt. Es kommt unter der Handelsbezeichnung "Retrovir" auf den Markt.

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Telex: 8-85432

�Wie Dr. Robert Windom vom amerikanischen Gesundheitsministerium erklärte, müsse die Abgabe von Retrovir zunächst auf Patienten mit den schwersten
Symptomen
beschränkt
werden,
weil es noch nicht in ausreichenden
Mengen zur Verfügung steht. In Ä'rzteinformationen wird darauf hingewiesen, daß es vor allem bei AIDS-Patienten eingesetzt werden sollte, bei
denen die normalerweise seltene, nach
Infektion mit dem AIDS-Virus
(HIV)
jedoch häufig auftretende Lungenentzündung des Typs "pneumosystis carinii"
(PCP)
diagnostiziert
wurde.
Auch bei Krankheitsbildern, die dem
"AIDS-related complex" (ARC) zuzuordnen sind, sei es angebracht.
Dabei
handelt es sich um eine Kombination
von Symptomen, die für eine erworbene
Unfähigkeit des Organismus zur Abwehr
von Infektionen und zur Unterdrückung
bestimmter Arten von Krebs typisch
sind. In solchen Fällen ist anzunehmen, daß bei dem Patienten die AIDSErkrankung in absehbarer Zeit voll
zum Ausbruch kommt.
Die
Herstellerfirma
von
AZT,
Burroughs Wellcome Co. (New York),
hofft, die Produktion des Medikaments
in Kürze so ausweiten zu können, daß
das Präparat bis zum Jahresende für
alle AIDS-Kranken in den Vereinigten
Staaten verfügbar ist.
In England
soll es ab Mai auf den Markt kommen.
Nach Angaben des Unternehmens dürfte
die Behandlung pro Patient und Jahr
etwa 7000 bis 10 000 Dollar erfordern.
Das ist nur einer von vielen
Kostenfaktoren
im Zusammenhang
mit
der Seuche AIDS.
Dr. C. Everett
Koop, der ärztliche Chef des öffentlichen
Gesundheitsdiestes der USA,
äußerte bei einem Vortrag im Nationalen Presseclub in Washington große
Besorgnis darüber, wie künftig angesichts der Schwere der Krankheit die
notwendige und von den Umständen her

mögliche Versorgung der AIDS-Patienten finanziert werden soll. Er forderte dringend, daß sich Vertreter
von Bund, Einzelstaaten, Kommunen und
Privatsektor zusammensetzen und gemeinsam nach Wegen suchen, das Problem anzupacken.
Laut Dr. Koop sind in den Vereinigten Staaten bisher fast 33 000
Personen an AIDS erkrankt.
Bis zum
Jahresende dürfte sich diese Zahl um
weitere 23 000 erhöhen. Dem Seuchenüberwachungszentrum in Atlanta (Georgia) waren bis Mitte März 16 900 Todesfälle als Folge der Immunschwächekrankheit AIDS gemeldet worden. Davon waren 683 auf Bluttransfusionen
zurückzuführen, die in der Zeit vorgenommen wurden, als es noch keine
speziellen AIDS-Tests für Spenderblut
gab. Die Zahl der durch Transfusionen möglicherweise infizierten Personen wird auf ca.
12 000 geschätzt.
Bei den meisten haben sich jedoch
keine Symptome gezeigt.
"Wir alle mußten der langsamen,
aber unerbittlichen Ausbreitung dieser
Krankheit
in den
vergangenen
sechs Jahren zusehen", sagte Koop.
"Sie greift immer weiter in unsere
Gesellschaft ein - und wir sind einfach noch nicht in der Lage, dieses
Vordringen zu verlangsamen, geschweige denn zum Stillstand zu bringen."
Gegenwärtig erreichten die Kosten für
Forschung und Pflege bereits Hunderte
von Millionen
Dollar.
Vor Ablauf
eines weiteren Jahrzehnts könnten sie
leicht
Milliarden
in
zweistelliger
Zahl erfordern.
wie, so fragte Dr.
Koop, soll dieses Geld aufgebracht
werden?
Die
wenigsten
rungspläne sähen
Kosten
für eine
übernehmen.
Das
umso bedrückender,

Krankenversichederzeit vor, die
AZT-Behandlung zu
Kostenproblem
sei
wenn man die Ver-

�zweiflung der Menschen sehe, die aus
der Existenz eines Medikaments wie
AZT Hoffnung schöpften, es aber nicht
bekommen
könnten.
Es sei höchste
Zeit, Entscheidungen zu treffen, wie
eine solche Therapie, aber auch vieles andere im Zusammenhang mit der
Betreuung AIDS-kranker Personen finanziert
werden
soll.
"Angesichts
dieser Krankheit mit ihrem enormen
Potential,
das
Gesundheitsversorgungssystem
eines Gemeinwesens aus
den Angeln zu heben, müssen wir auch
darüber sprechen, welche Rolle die
Versicherungen übernehmen sollten."
Gleichzeitig besteht nach Ansicht
Koops die Gefahr, daß es künftig gar
nicht mehr möglich sein könnte, für
die wachsende Zahl von AIDS-Patienten
im letzten Krankheitsstadium Betten
in den allgemeinen Krankenhäusern bereit zu halten. Die Kosten sowohl in
bezug auf die Behandlung als auch das
erforderliche Personal "werden unser
Krankenhaussystem
einfach
zermalmen... Wir müssen ermitteln, welche
Art und welches Ausmaß von Pflege
notwendig
ist und wie wir dieser
Pflege in Hinwendung zum Patienten,
in fachlicher Hinsicht und, im Rahmen
der Ressourcen, auch effektiv gerecht
werden können".
Dr. Koop verwies ebenfalls darauf, daß AZT lediglich Symptome lindern könne, in erster Linie bei PCP
als Begleiterkrankung. Nach bisherigen Erfahrungen sei das Leben mancher
solcher AIDS-Patienten um einige Monate, vielleicht sogar um ein paar
Jahre zu verlängern.
Eine Heilung
von der eigentlichen
Krankheit,die
infolge der Infektion und Zerstörung
immunologisch wichtiger Zellen, insbesondere der T-Lymphozyten, die körpereigenen
Abwehrmechanismen
lahmlegt, sei mit dem Medikament jedoch
nicht möglich.
Von mehr als der
Hälfte
von
schätzungsweise
14 000

AIDS-Patienten
im
fortgeschrittenen
Stadium wisse man, daß bei ihnen diese besondere Form von Lungenentzündung aufgetreten sei.
Als weitere
Gruppe kämen Patienten mit ARC-Symptomen in Frage, bei denen sich weniger als 200 T-4-Zellen pro Kubikmillimeter Blut zeigen.
Normal wären
1000 bis 3000 T-4-Zellen.
Deshalb
zählten sie zu jenen Patienten, die
vorrangig mit AZT behandelt werden
sollten.
Ein paar weitere Medikamente, gegenwärtig
noch
im Forschungs- oder
ersten Erprobungsstadium, dürften Dr.
Koop zufolge, dasselbe bewirken: Sie
ermöglichten vielleicht die Behandlung von Symptomen einer in Verbindung mit AIDS auftretenden Krankheit,
aber
kaum
eine Therapie
für
die
Grunderkrankung.
Und mit einem sicheren und wirksamen AIDS-Impfstoff,
der allgemein verfügbar ist, sei wohl
erst Ende der neunziger Jahre zu
rechnen. Wohl gebe es schon experimentelle Vakzine - so haben Forscher
aus Frankreich und Zaire erste Versuche am Menschen aufgenommen, und in
den USA hofft man in der zweiten
Hälfte des Jahres so weit zu sein.
Aber wie schon die Entwicklung des
Hepatitis-B-Vakzins gezeigt habe, die
19 Jahre dauerte, müsse mit langen
Fristen gerechnet werden, sagte Koop.
Im Vergleich zum Hepatitis-B-Virus,
das relativ leicht zu verstehen war,
habe das AIDS-Virus eine viel komplexere genetische
Struktur, die den
Forschern
immer wieder neue Überraschungen bringe.
Der "Surgeon General", wie der
offizielle Titel Dr. Koops lautet,
machte darauf aufmerksam, daß zwar
nach wie vor Homosexuelle, bisexuelle
Männer
und Rauschgiftsüchtige, die
sich Drogen spritzen, den Hauptanteil
unter
den AIDS-Kranken
ausmachten.
Jedoch steige die Zahl der AIDS-Fälle

- 3 -

�unter
heterosexuellen
Männern
und
Frauen
außerhalb
der
Drogenszene
ständig an. "Es sieht sogar so aus,
daß allein ihre heterosexuelle Aktivität ihr eigentlicher Pisikofaktor
ist. Gegenwärtig betreffen vier Prozent aller gemeldeten AIDS-Fälle heterosexuelle Männer und Frauen. Während aber im Verlauf der nächsten
fünf Jahre die Zahl der AIDS-Erkrankungen
insgesamt
um das Neunfache
steigen dürfte, ist in der Gruppe heterosexueller Personen eine Zunahme
um das 20fache zu erwarten."
Auch die Schwerpunkte der AIDSHäufigkeit änderten sich, was zu weiteren Besorgnissen Anlaß gebe. Zwar
sei AIDS unter den sogenannten Risikogruppen von Städten wie San Francisco, Los Angeles und New York am
stärksten verbreitet. inzwischen berichteten aber auch weitere Städte
und
Bundesstaaten
über
zunehmende
Zahlen von AIDS-Fällen:
15 amerikanische Städte hätten jeweils mehr als
300 Erkrankungen
gemeldet, seitdem
1981 AIDS-Statistiken eingeführt wurden.

* * * * * *

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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

4

8. April

13

1987

I N H A L T

DOKUMENTATION

Reagan verspricht Unterstützung beim Kampf gegen AIDS
- Rede Präsident Reagans vor dem College of Physicians
of Philadelphia -

Nitze:

ABM-Vertrag verbietet lediglich Stationierung von SDI

- Rede über den Vertrag und die Verhandlungen -

HINTERGRUNDMATERIAL

Warum amerikanische Truppen in Europa bleiben sollten
- Von Richard R. Burt -

Die Interpretation des ABM-Vertrages
- Kommentar der "Stimme Amerikas "

* * * * * *

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�^^°s^&lt;

VON

AMERIKA DIENST
Dokumentation

&amp;

8. April 1987

13
REAGAN VERSPRICHT UNTERSTÜTZUNG BEIM KAMPF GEGEN AIDS

- Rede Präsident Reagans vor dem College of Physicians of Philadelphia -

WASHINGTON - (AD) - In seiner Ansprache vom 1. April 1987 vor dem College
of Physicians of Philadelphia betonte Präsident Reagan die erzielten Fortschritte beim Kampf gegen AIDS (acquired immune deficiency Syndrome = erworbene Immunschwäche). Der Präsident rief die Errungenschaften der letzten
sechs Jahre in Erinnerung, nämlich die Entdeckung des AIDS-Virus, die Entwicklung eines Bluttests zur Überwachung von Bluttransfusionen und die behördliche
Genehmigung eines Medikaments, mit dem AIDS-Patienten geholfen werden kann.
Er fügte wörtlich hinzu, daß "alle Spritzen und Medikamente der Welt nichts an
Tatsache ändern werden, daß Vorbeugung besser ist als Heilung." Er stellte in
Aussicht, daß die Regierung im laufenden Haushaltsjahr insgesamt 416 Millionen
Dollar für die AIDS-Forschung und -Aufklärung ausgeben will.
Nachstehend geben wir die Rede im Wortlaut:
Ganz Amerika
blickt in diesem
Jahr nach Philadelphia, denn wir Amerikaner erinnern uns, daß vor 200
Jahren in dieser Stadt eine kleine
Gruppe von Menschen die Selbstverwaltung als das größte Experiment in der
Geschichte der Menschheit erarbeitete:
die Verfassung der Vereinigten
Staaten von Amerika. Jene Gründungsväter waren die Vertreter des Volkes
dieser Nation, und sie legten ihr
Werk der Nation zur Ratifizierung
vor. Dies war ein Wendepunkt in der
Geschichte.
Denn niemals zuvor hat
sich ein ganzes Volk so friedlich und
erfolgreich zusammengefunden, um sich

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selbst zu regieren.
Die Verfassung sah eine Beschränkung staatlicher Eingriffe vor, und
in den seither vergangenen zwei Jahrhunderten haben sich viele Menschen
in der ganzen Welt gefragt, wie es
möglich ist, daß Selbstverwaltung und
begrenzte staatliche Einflußnahme in
Amerika so gut nebeneinander funktionieren. Die Antwort ist einfach und
Sie sind ein Teil dieser Antwort.
Wie bereits de Tocqueville erkannte,
warten wir Amerikaner nicht darauf,
bis die Regierung etwas tut, wenn wir

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�etwas in Bewegung bringen wollen.
Wir tun uns zusammen und nehmen es
selbst in Angriff. Und es gibt kein
besseres
Beispiel von Amerikanern,
die sich das Gemeinwohl zum Anliegen
machten - ebenfalls vor 200 Jahren
und ebenfalls -in dieser Stadt - als
die Gründungsväter einer der herausragendsten Akademien Amerikas zur Erörterung
von medizinischen Themen,
des College of Physicians.
Im Januar des Jahres 1787 kamen
unter Leitung von Dr. Benjamin Rush
24 Srzte zusammen, um "die medizinische
Wissenschaft
voranzutreiben
und...
das menschliche Leiden zu
verringern". Und seit 200 Jahren hat
das College genau das getan.
Seine
Führungsrolle
bei der
öffentlichen
Gesundheitsfürsorge
begann mit der
Bekämpfung der Gelbfieberepidemie in
Philadelphia im Jahr 1793 und dauert
bis heute an.
Dank seiner Vorrangstellung in der medizinischen Wissenschaft kann sich das College damit
rühmen, eine der ausgezeichnesten und
am häufigsten benutzten Bibliotheken
der Welt zu unterhalten, eine der besten Bibliotheken zur Geschichte der
Medizin, eine der wenigen medizinischen Museen Amerikas und eine Sammlung von Totenschädeln, die Hamlet
wahnsinnig gemacht hätte.
Seit zwei Jahrhunderten hat das
College of Physicians stets seinen
Wahlspruch "Nicht für sich selbst,
sondern für alle" verwirklicht und so
dazu beigetragen, die gesamte amerikanische Medizin zu dem zu machen,
was sie heute ist - die beste der
Welt.
Während wir in diesem Jahr der
Zweihundertjahrfeier
zurückblicken,
müssen wir meines Erachtens auch den
Blick nach vorne richten. Wir müssen
uns fragen: wie bereiten wir Amerika
auf die bevorstehende Reise vor? Wie

bereiten wir Amerika für das 21.
Jahrhundert vor?
Was für ein Land
werden wir unseren Kindern hinterlassen?
Werden unsere Kinder für die
Aufgaben und Möglichkeiten der Zukunft Amerikas bereit sein?
Diese Herausforderung - Amerika
auf das 21. Jahrhundert vorzubereiten
- bedeutet auch, Mittel und Wege zur
besten Nutzung unserer Wissenschaft
und Technik zu finden. Dies beinhaltet die Schaffung einer fairen, offenen
und wachsenden Weltwirtschaft,
aus der viele Berufe der Zukunft hervorgehen. Dazu gehört die Vergewisserung, daß das amerikanische Bildungswesen das beste der Welt ist,
das in unser menschliches und geistiges Kapital investiert, so daß unsere
Kinder für diese Berufe bereit sind.
Dies beinhaltet, die Bedingungen
für die Unternehmerleistungen und das
Wachstum bei uns zu Hause zu verbessern, so daß die einzigen Grenzen
dessen, was unsere Kinder erreichen
können, die
Grenzen
ihrer
Träume
sind. Der Schlüssel hierzu ist eine
Senkung der Steuersätze und weniger
nutzlose Vorschriften. Wir haben auf
diesen beiden Gebieten schon große
Fortschritte erzielt.
Aber die Arbeit ist erst dann getan, wie wir die
Ausgaben des Bundes unter Kontrolle
gebracht haben und die Steuern nicht
wieder ansteigen.
Darum ist es an
der Zeit, daß der Kongreß den Bundeshaushalt kürzt und das Familienbudget
unangetastet bleibt.
Und schließlich gehört zu dieser
Herausforderung - und dies ist der
Grund, warum ich heute hier bin - die
amerikanische Medizin auf das 21.
Jahrhundert vorzubereiten.
Wie ich
bereits sagte, ist die amerikanische
Medizin die beste der Welt.
Hierzu
brauchen wir
keine zweite Meinung
einzuholen, denn dies ist eine unbe-

t

;

�streitbare Tatsache.
Unser Wettbewerbssystem hat die beste medizinische Versorgung hervorgebracht, die
es jemals gab. Und mit jedem Jahr,
das vergeht, werden mehr Leben gerettet, werden Behandlungsmöglichkeiten
für mehr Krankheiten gefunden und das
Leben für mehr Menschen als zuvor
verbessert.
Die
ärztliche
Wissenschaft
in
Amerika ist in der Tat hochentwikkelt, und dehalb hat sich die Lebenserwartung des Menschen erhöht.
Die
früher üblichen Krankheiten wie Tuberkulose, Diphterie und Polio sind
heute fast vergessen.
Die Kindersterblichkeit sinkt, und die Anzahl
der
Amerikaner, die
aufgrund
von
Herzproblemen sterben, geht Jahr für
Jahr zurück.
immer häufiger werden
Krebserkrankungen
früh erkannt und
mit vollem Erfolg behandelt, und ich
selbst
habe
allen
Grund, hierfür
dankbar zu s.ein.
Operationen am grauen Star, die
einst sehr schwierig waren und von
denen man sich nur langsm erholte,
sind heute einfache Routinevorgänge
geworden.
Und für diejenigen, die
sich heute ins Krankenhaus begeben,
hat sich in den letzten zwei Jahren
die
durchschnittliche
Verweildauer
erheblich verringert.
Eine häufige Szene in Kinofilmen
zeigt einen Vater, der sein schwer
verletztes Kind auf dem schnellsten
Weg ins Krankenhaus bringt. Heutzutage wird er bei seinem Eintreffen
dort jedoch feststellen, daß die Arzte besser als jemals zuvor auf die
Situation vorbereitet sind. Die Einrichtung
von Intensivstationen
ist
heute nicht mehr die Ausnahme sondern
die Regel, was genauso auf Unfallstationen zutrifft, die rund um die Uhr
mit Chirurgen besetzt sind. Dies ist
ein wichtiger Grund, warum die Zahl

der Autounfälle mit Todesfolge in den
letzten
zehn Jahren
zurückgegangen
ist.
Unfallopfer
haben eine viel
bessere Uberlebenschance, wenn sie in
jener ersten kritischen Stunde behandelt werden, und dies trifft auf immer mehr von ihnen zu.
Fast alle heute bekannten Krankheiten können schnell diagnostiziert
und behandelt werden.
Die offenkundigste und beunruhigenste Ausnahme
ist AIDS.
Doch auch hier kommt die
Medizin voran. Vor sechs Jahren hatte die Welt noch nie etwas von AIDS
gehört.
Seither ist das AIDS-Virus
isoliert und identifiziert. Man hat
einen AIDS-Test entwickelt, der dazu
beiträgt sicherzustellen, daß Bluttransfusionen
frei von Verseuchung
sind.
Außerdem ist ein Medikament,
das AZT, entwickelt worden, welches
AIDS-Patienten helfen könnte. Gerade
vor zwei Wochen hat dieses Medikament
die Zulassung der Kontrollbehörde für
Nahrungs- und Arzneimittel (FDA) erhalten.
Weitere Medikamente werden
folgen.
Und amerikanische Forscher
werden bald mit der Erprobung von
Impfstoffen beginnen.
Dies ist ein beispielloser Fortschritt im Kampf gegen ein schlimmes
Virus. 40 Jahre Studium waren nötig,
um genau so viel über Polio herauszufinden. Und es dauerte 19 Jahre, um
einen Impfstoff gegen Hepatitis B zu
entwickeln.
Doch unser Kampf gegen
AIDS glich eher einer Notoperation.
Wir haben alles dagegen eingesetzt,
was uns zur Verfügung steht.
Wir haben AIDS zum schlimmsten
Feind unserer öffentlichen Gesundheit
erklärt. Während des laufenden Haushaltsjahres planen wir die Bereitstellung von 416 Millionen Dollar für
die AIDS-Forschung und
-Aufklärung,
und für das Gesamtprogramm 766 Millionen. Im nächsten Jahr wollen wir

- 3 -

�unsere Ausgaben
für Forschung und
Aufklärung um 28 Prozent steigern, so
daß der Gesamtumfang des AIDS-Programms 1 Milliarde Dollar beträgt.
Dem steht die Summe von 8 Millionen
Dollar vor nur fünf Jahren gegenüber.
Die Ausgaben für AIDS sind einer der
am
schnellsten wachsenden
Bereiche
unseres Haushaltes.
Und das ist nicht alles. Kürzlich haben Premierminister Chirac und
ich ein Abkommen angekündigt, mit dem
der Weg für eine Zusammenarbeit von
Forschern in Frankreich und den Vereinigten Staaten geebnet wird.
Wir
sind außerdem dabei, hinderliche Beschränkungen abzubauen, damit AIDSMedikamente
problemloser
vom Labor
des Pharmazeuten auf den Markt gelangen können.
Das AZT hat die Genehmigung der
FDA in nur 4 Monaten erhalten, also
in einem Fünftel der durchschnittlichen Uberprüfungsdauer von Medikamenten.
Die Grenzen der heutigen
AIDS-Forschung sind nicht finanzieller
Natur
oder
mangelnder
Wille.
Vielmehr sind die Kapazitäten bestehender
Forschungseinrichtungen
und
die Anzahl der Personen mit den nötigen
fachlichen Qualifikationen begrenzt.
Aber alle Impfstoffe und Medikamente dieser Welt können eine grundsätzliche Tatsache nicht ändern, nämlich, daß Vorbeugung besser ist als
Heilung.
Dies trifft besonders auf
AIDS zu, für das es derzeit keine
Heilungsmöglichkeit gibt. An diesem
Punkt setzt die Aufklärung ein. Der
öffentliche Gesundheitsdienst hat ein
"Informationsund Aufklärungsprogramm"
zur
AIDS-Bekämpfung
vorgestellt.
Die Rolle der Bundesregierung muß darin bestehen, den im Erziehungswesen Tätigen möglichst genaue Informationen über die Erkran-

kung zu geben. Aber wie diese Informationen genutzt werden, ist Sache
der Schulen und Eltern, nicht der Regierung.
Doch wir müssen auch ehrlich gegenüber uns selbst sein. Information über AIDS kann nicht "wertneutral" sein, wie es manche nennen.
Denn ist es bei der Verhütung von
AIDS nicht so, daß uns Medizin und
Moral die gleiche Lehre erteilen?
Die amerikanische Medizin macht
aus
Wundern
Alltäglichkeiten,
und
dies ist eine gute Nachricht, da Amerika sich eben jetzt auf das 21.
Jahrhundert vorbereitet.
Doch nicht
nur unsere Qualität ist die höchste
in der Welt.
Dies trifft ebenfalls
auf unsere Kosten zu. Im vergangenen
Jahr kletterten die Kosten im Gesundheitswesen sieben mal schneller als
die allgemeine Inflationsrate.
Wir
sind an einem Punkt angekommen, wo
viele Patienten den Eindruck haben,
daß ihr Krankenbett direkt neben der
Kasse stehen müßte.
Ob nun Arzte,
Patienten oder Versicherer - alle haben angesichts der steigenden Kosten
im Gesundheitswesen ein sehr schlechtes Gefühl.
Betrachtet
man
den
Anteil
am
Bruttosozialprodukt, geben wir annähernd doppelt so viel für das Gesundheitswesen aus wie unsere bedeutenden
Handelspartner Japan, Großbritannien
und Kanada. Eine der größten Herausforderungen bei der Vorbereitung auf
das 21. Jahrhundert liegt darin, diese Kostenexplosion im Gesundheitswesen unter Kontrolle zu bringen.
Am schlimmsten sind die NichtVersicherten und die alten Mitbürger betroffen, die im Rahmen von Medicare
versichert sind, wenn sie von einer
schweren Erkrankung betroffen werden.
Unser Vorschlag zur finanziellen Entlastung bei einer solchen schwerwiegenden Erkrankung wird diesen Medi-

�care-Versicherten zugute kommen. Ein
Teil dieses Gesamtpakets sieht vor,
die Einzelstaaten zu ermutigen, ihre
Befugnisse so anzuwenden, daß schwere
Erkrankungen im Rahmen des Krankenversicherungsschutzes durch Arbeitgeber abgedeckt werden. Das Ziel hierbei ist es, eine Krankenversicherung
anzubieten, die auch den Tankwart
oder den Angestellten im Geschäft um
die Ecke einschließt.
Aber in dem gleichen Maße, wie
wir die Verwundbarsten unter uns absichern, müssen wir auch etwas tun,
um die Kosten niedrig zu halten. Wir
wollen ruhig das Kind beim Namen nennen:
die Regierung hat eine große
Rolle bei der Kostenexplosion im Gesundheitswesen gespielt.
Wie schon
der Chefarzt eines Vorstadt-Krankenhauses vor nicht allzu langer Zeit
gegenüber
einem Reporter
bemerkte,
"haben Anreize bestanden, die Patienten in den Krankenhäusern zu halten,
mehr Tests und Verfahren anzuwenden
und die Kosten zu steigern". Als wir
die Regierung übernahmen, stand Medicare kurz vor der Pleite und die
Schuldzuweisungen durch die Öffentlichkeit trafen auch die Arzte. Die
Berichte über steigende Kosten und
übertriebene Rechnungen schadeten dem
Ansehen des gesamten Berufsstandes.
Vor vier Jahren änderten wir das
Zahlungssystem für Medicare-Krankenhäuser.
Ebenso haben wir Organisationen auf dem Gebiet der Gesundheitsfürsorge und wettbewerbsfähigen
medizinischen Programmen erlaubt, auf
Vertragsbasis Gesundheitsfürsorge zu
leisten.
Die Ergebnisse waren erstaunlich. Die Inflation im Gesundheitswesen wurde um die Hälfte reduziert. Die Leistungsfähigkeit stieg.
Ebenso der Umfang an Dienstleistungen.
Und der Medicare Trust Fund
wurde vor dem Sturz in den Abgrund
bewahrt. Um sicherzustellen, daß der

Fund auch bis ins Jahr 2000 stark
bleibt, müssen wir dennoch mehr tun.
Dies ist der Grund, warum ich ein
neues Paket mit Vorschlägen an den
Kongreß geleitet habe.
In diesem Paket sind eine Menge
von
Vorschlägen
verschnürt:
eine
größere Auswahl für die Begünstigten
von Medicare, mehr Anreize zur Steigerung
der
Leistungsfähigkeit
von
Ärzten sowie mehr Anreize für die
Einzelstaaten,
den
Medicaid-Versicherten
umfangreichere
Wahlmöglichkeiten anzubieten.
Aber lassen Sie
mich hier einen Punkt nennen, der
nicht in irgendeinem zukünftigen Paket meiner Regierung enthalten sein
wird:
ein obligatorisches Kostendämpfungssystem. Ich weiß, daß einige diesen Weg gehen wollen, doch ein
obligatorisches System würde Innovationen
behindern,
Dienstleistungen
einschränken, und einen Schritt zu
mehr Regierungskontrolle über die gesamte Ärzteschaft bedeuten. Das amerikanische Gesundheitswesen ist das
beste in der Welt, weil es privat
ist, und dabei muß es bleiben.
Lassen Sie mich nun zu einem der
wichtigsten Punkte bei der Kostenentwicklung kommen, die sich heute im
Gesundheitswesen und in vielen anderen Bereichen
stellen:
die Haftpflichtversicherung
und die Reform
des Schadenersatzrechts.
Im vergangenen Jahr hat ein Gericht einer Frau
einen Schadensersatzanspruch in Höhe
von einer Million Dollar zuerkannt.
Sie machte geltend, daß eine Computer-Tomographie
ihre
psychischen
Kräfte zerstört hätte. Kürzlich ist
in diesem Fall ein neues Verfahren
eröffnet worden, aber die Exzesse der
Gerichte haben ihren Tribut gefordert.
In der
Konsequenz
war
es
schwangeren Frauen in einigen Landesteilen unmöglich, einen Arzt für ihre
Entbindung zu finden, andere medizi-

- 5 -

�nische Dienstleistungen
und teurer geworden.

sind

rarer

Dies ist sowohl eine Angelegenheit des Bundes wie auch der Einzelstaaten. Als Minister Bowen Gouverneur war, reformierte Indiana sein
Gesetz
zur
Haftpflichtversicherung.
Zwei Drittel der Staaten, einschließlich Pennsylvania, haben sich seit
Anfang 1986 angeschlossen. Es ist an
der Zeit, daß daraus 50 werden und
sich auch der Kongreß anschließt.
Wir können über die Details debattieren, aber es ist wenig sinnvoll, die Juristen einen "hippokratischen Eid" schwören zu lassen, so daß
sie gemäß der Formel "niemandem in
Ausübung ihres Berufes Schaden zufügen". Ich glaube, daß für einige Juristen Schaden eine
Zwangshandlung
ist.
Ich habe heute über einige Herausforderungen gesprochen, mit denen
das
amerikanische
Gesundheitswesen
beim Eintritt in das 21. Jahrhundert
konfrontiert wird.
Manchmal ist es
einfach, sich bei der Suche nach den
Antworten an die Regierung zu wenden,
besonders wenn es um die Kostenproblematik geht. Es stimmt, die Regierung hat hier eine Verantwortung,
doch im Prinzip sind die Arzte für
diese Angelegenheit zuständig.
Und genau wie ein Chirurg entscheiden muß, wann er während einer
Operation
nach
dem
Skalpell, der
Klammer und dem Faden greift, müssen
Sie entscheiden, wann Sie nach den
Werkzeugen greifen, die Ihnen helfen,
die wachsenden Kosten im Gesundheitswesen zu bewältigen.
Einige wenige
fahrlässige Arzte können die Kosten
für die Gesundheitsfürsorge und die
Haftpflichtversicherung
zum
Schaden
aller in die Höhe treiben. Sie müssen entscheiden, ob ärztliche Ver-

einigungen gegen diejenigen vorgehen
sollen, die sich der Fahrlässigkeit
schuldig gemacht haben oder nicht den
ethischen Normen der Medizin genügen.
Da die Patienten mehr von der Medizin erwarten und mehr dafür bezahlen, möchten Sie auch mehr über ihre
Auswahlmöglichkeiten
erfahren.
Sie
müssen entscheiden, wie Sie den Patienten
die Information
vermitteln
wollen. Mit der zunehmenden Verfügbarkeit preiswerterer und einfacherer
Praktiken, müssen Sie entscheiden,
wann diese angewandt werden sollen.
Die große Tradition des amerikanischen
Gesundheitswesens
mit
ihrer
Heilung aller Bedürftiger unabhängig
von deren Wohlstand liegt in Ihrer
Hand.
Und lassen Sie mich noch einen
anderen Punkt hinzufügen, der für die
Zukunft unseres Landes entscheidend
ist und der in vielerlei Hinsicht
ebenfalls in Ihren Händen liegt: unser Kampf gegen den Drogenmißbrauch.
Sie können Ihre Patienten über die
gesundheitlichen Gefahren durch Drogen informieren.
sie können ihnen,
besonders den jüngeren Patienten zeigen, warum es wichtig für sie, ihre
Familien und ihr Umfeld ist, zu Drogen "einfach nein" zu sagen.
Ihre Hände werden die Zukunft des
amerikanischen Gesundheitswesens formen. Aber ich glaube, das ist ganz
einfach so, also ob man sagt, daß das
amerikanische Gesundheitswesen in den
besten Händen der Welt liegt. Vergleichen Sie einfach Ihre Kraft zu
heilen mit der in irgendeinem anderen
Land der Welt. Nehmen Sie zum Beispiel die Sowjetunion, die so viel
über die hervorragende Qualität Ihrer
Medizin spricht, aber wo die Hygiene
so schlecht ist, daß vor noch nicht
einmal zwei Jahren zwei Drittel aller
Operationen mit post-operativen In-

�fektionen endeten;
wo ein Drittel
aller Krankenhäuser nicht über ausreichende Anlagen für Bluttransfusionen verfügen;
wo, teilweise wegen
der schlechten medizinischen Versorgung, die Lebenserwartung
gefallen
ist
und
die
Kindersterblichkeit
steigt. Weder dort noch irgendwo anders müssen Sie sich einem Wettbewerb
stellen. Sie sind die besten.
,

i

'

Ich sage das im vollen Vertrauen,
denn ich kenne die Qualität und das
Engagement amerikanischer Arzte nicht
nur aus erster Hand, sondern auch
durch meine Familie. Mein Schwiegervater war Arzt.
Ich konnte seine
Hingabe zur Medizin beobachten. Ich
sah seine Hingabe für seine Patienten
und seine Studenten. Ich beobachtete
seine enorme Würde. Ich beobachtete
seine Hingabe an die Perfektion, wie
er dauernd nach besseren Möglichkeiten der Diagnose und Heilung suchte.
Und ich sah, wie er Menschen geholfen
hat, ganz gleich ob diese zahlen
konnten oder nicht, und wie er alle
Patienten mit der gleichen Höflichkeit und dem gleichen Respekt behandelte.
Während sich unsere Nation für
das 21. Jahrhundert vorbereitet, bin
ich beruhigt, daß sich das amerikanische Gesundheitswesen in guten Händen
wie den Ihren befindet.
Darum sage
ich Ihnen, die Sie zu den ausgezeichnetsten Ärzten dieses Landes gehören,
laße uns jetzt damit anfangen, uns
vorzubereiten, damit das amerikanisehe Gesundheitswesen im Jahr 2000
immer noch das beste und weitverzweigteste in der ganzen Welt ist,
und die Arzte in unserem Land sollen
immer noch voll Stolz sagen:
"Nicht
für uns selbst, sondern für alle".

+ + + + + +

- 7

�AMERIKA DIENST
r

%

""*"

Dokumentation

Ä&lt;

8. April 1987

13

NITZE:

ABM-VERTRAG VERBIETET LEDIGLICH STATIONIERUNG VON SDI
- Rede über den Vertrag und die Verhandlungen -

WASHINGTON - (AD) - Als Teilnehmer an den Verhandlungen zum ABM-Vertrag
von 1972 und heutiger Berater von Präsident Reagan und Außenminister Shultz in
Fragen der Rüstungskontrolle hat Paul Nitze am 1. April 1987 in einer Rede bei
der Johns Hopkins University School of Advanced International Studies seiner
Überzeugung Ausdruck verliehen, daß dieser Vertrag lediglich die Stationierung, nicht aber die Entwicklung und Erprobung neuer Raketenabwehrsysteme wie
der Strategischen verteidigungsinitiative untersagt.
Paul Nitzes Ansprache hat folgenden Wortlaut:

Die zentrale Frage in der gegenwärtigen außenpolitischen Debatte zum
Thema Rüstungskontrolle besteht darin, in welchem Ausmaß die Beschränkungen des ABM-Vertrages auf Entwicklung und Erprobung der strategischen
Verteidigung
(SDI) anzuwenden sind.
Diese Debatte hat sich auf zwei alternative Interpretationen der vertraglichen
Verpflichtungen
konzentriert, die sogenannte weite und die
enge Auslegung. Das Problem der Interpretation ergibt sich aus den Formulierungen
des ABM-Vertrages, die
bei der Behandlung gewisser moderner

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Technologien, die sowohl im Rahmen
des amerikanischen SDI-Programms (etwa Laser, Teilchenstrahlen und wuchtabhängige Geräte sowie passive Sensoren) als auch von der Sowjetunion erforscht werden, vieldeutig ist.
Wenn die Sprache eines Vertrages
vieldeutig ist, so sagen Standardwerke des Völkerrechts, dann können bei
der Interpretation des Vertrages die
Verhandlungsprotokolle sowie die von
den Vertragsparteien in der Vergangenheit geübte Praxis in bezug auf
diesen Vertrag zu Hilfe genommen wer-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�den.
Auch das Ratifizierungsverfahren im Senat hat Einfluß auf diese
Angelegenheit.
Eine
von
der
Administration
durchgeführte
Analyse der Verhandlungsprotokolle, zum ABM-Vertrag wurde
dem Senat übermittelt. Aufgrund dieser Analyse ist Präsident Reagan zu
dem Schluß gelangt, daß die weite
Auslegung völlig gerechtfertigt ist.
Wir unterstützen diesen Schluß weiterhin.
Vor sechs Wochen ordnete der Präsident an, daß auch bezüglich der
beiden anderen Materialkomplexe, die
auf die korrekte Auslegung des Vertrages Einfluß haben können, Analysen
angefertigt werden - die von den Vertragsparteien geübte Praxis sowie die
Unterlagen zum Ratifizierungsverfahren in den Vereinigten Staaten. Diese Studien sollten bis 30. April fertiggestellt sein. Die Administration
wird den Kongreß eingehend zu den Ergebnissen der Studien und zu den Auswirkungen aller drei Analysen auf die
zukünftige Durchführung des SDI-Programms konzultieren.
In der andauernden Debatte über
die Interpretation des ABM-Vertrages
ist es wichtig, die Parameter des
Problems zu verdeutlichen. Ich werde
versuchen, dies zu tun sowie auch
deutlich zu machen, warum meine Rückschau auf die Verhandlungen mich zu
der Überzeugung veranlaßt, daß die
sowjetischen Verhandlungsführer, was
die Sowjetunion selbst angeht, nur
den von einer weiten Auslegung des
Vertrages
gesetzten
Beschränkungen
verbindlich zugestimmt haben.

Der Charakter des Disputs
Zum überwiegenden Teil ist der
ABK-Vertrag, was seine Auswirkungen
- 2

auf das SDI-Programm betrifft, nicht
umstritten.
Das Problem der weiten
oder engen Auslegung bezieht sich auf
die Tatsache, daß zu der Zeit, als
der Vertrag ausgehandelt wurde, alle
damals stationierten oder zur Stationierung vorgesehenen ABM-Systeme auf
einer Kombination von ABM-Abwehrflugkörpern,
Abschußvorrichtungen
für
diese Flugkörper und ABM-Radarsystemen beruhten. Das Problem der weiten
und engen Auslegung betrifft lediglich die Entwicklung und Erprobung
von Systemen, die auf anderen physikalischen Prinzipien beruhen als diejenigen, die bei den genannten ABMAbwehrf lugkör per n , Abschußvorrichtungen und Radarsystemen sowie deren
Komponenten eine Rolle spielen.
Die
gegenwärtige
Debatte
hat
nichts mit der Frage einer Stationierung von Komponenten oder Systemen zu
tun, die auf anderen physikalischen
Prinzipien beruhen; es herrscht Übereinstimmung, daß die
Stationierung
solcher
Komponenten
oder
Systeme
nicht ohne vorhergehende Konsultation
und Änderung des Vertrages erlaubt
ist. Deshalb steht das Grundprinzip
des Vertrages - daß ohne Änderung des
Vertrages keine Seite Systeme oder
Komponenten stationieren darf, ausgenommen der in Artikel III vorgesehenen - außer Frage.
Auch gibt es kein Problem in bezug auf Forschung;
das Wort "Forschung" wird nirgendwo im Vertrag erwähnt.
Bei der Frage der Erprobung betrifft das Problem nicht die Erprobung stationärer, landgestützter ABMSysteme in vertraglich vereinbarten
Test- oder
Stationierungsgebieten,
unabhängig davon, ob ein Abwehrvorgang im Weltraum oder in der Atmosphäre
stattfindet.
Solche
Tests
sind gemäß Artikel IV erlaubt.
Das

�Problem betrifft auch nicht die Erprobung von auf anderen physikalischen Prinzipien beruhenden Systemen,
die stationär und landgestützt sind.
Das Problem betrifft nur die Erprobung von mobilen
(darunter auch
weltraumgestützten) Systemen und ihren Komponenten, die auf anderen physikalischen Prinzipien beruhen und an
die Stelle von 1. ABM-Abwehrflugkörpern, 2. AEM-Abschußvorrichtungen und
3. ABM-RadarSystemen treten können.
Der engen Auslegung zufolge wären
solche Tests nicht erlaubt, da laut
dieser Interpretation die Ersatzkomponente stationär, landgestützt und
in
einem
vereinbarten
Erprobungsoder Stationierungsgebiet disloziert
sein müßte. Der weiteren Interpretation zufolge würden sie jedoch allgemein zulässig sein, selbst wenn sie
mobil (auch weltraumgestützt) wären.

Vertragsbestimmungen
Um zum Verständnis des Interpretationsproblems beizutragen, ist es
nützlich, die einschlägigen Vertragsbestimmungen im Kopf zu haben, die
ich nun in gekürzter Fassung auflisten möchte.
Der volle Text ist
selbstverständlich
erhältlich,
für
diejenigen, die sich dessen bedienen
möchten.
Artikel l des Vertrages untersagt
die Stationierung
von ABM-Systemen
zur territorialen Verteidigung sowie
die Bereitstellung einer Basis für
eine solche Verteidigung. Er untersagt außerdem die Stationierung von
AB^-Systemen zur Verteidigung eines
Gebietes mit Ausnahme der Regelung
des Artikels III.
Artikel I beschränkt
also
die
Stationierung,
nicht die Erprobung, und begrenzt
ABT'-Systeme, nicht ABM-Komponenten.

Artikel II definiert ein ABM-System als "ein System zur Abwehr strategischer ballistischer Raketen oder
deren Bestandteile im Flug, das gegenwärtig besteht aus: "ABM-Abwehrflugkörpern, also Flugkörpern, die
für eine ABM-Rolle konstruiert und
stationiert
sind
oder
Flugkörpern
eines Typs, der für eine ABM-Funktion
erprobt wurde; ABM-Abschußvorrichtungen zum Abschießen von ABM-Abwehrflugkörpern; ABM-Radarsystemen, also
Radarsystemen, die für eine ABM-Rolle
konstruiert
und stationiert wurden
oder Radarsystemen eines Typs, der in
ABM-Funktion erprobt wurde.
Artikel III legt fest, daß keine
ABM-Systeme stationiert werden dürfen
mit Ausnahme derjenigen ABM-Flugkörper, Abschußvorrichtungen und Radarsysteme, die vertraglich zugelassen
sind. Der Artikel benennt anschließend die Gebiete, in denen ABM-Systeme oder deren Komponenten stationiert
werden dürfen und spezifiziert die
Anzahl, die in jenen Gebieten stationiert werden darf.
Artikel IV nimmt solche AEM-Systeme oder deren Komponenten, die zur
Entwicklung oder Erprobung benötigt
werden und sich innerhalb der vereinbarten Testreihen befinden, von den
in Artikel
III niedergelegten Beschränkungen aus.
Artikel V untersagt die Entwicklung, Erprobung und Stationierung von
see- , luft- und
weltraumgestützten
sowie mobilen landgestützten ABM-Systemen und ABM-Komponenten.
Artikel VI, Absatz (a) verbietet
die Ausrüstung von Raketen ohne ABMFähigkeit, Abschußvorrichtungen oder
Radaranlagen mit ABM-Fähigkeit oder
deren Erprobung auf eine mit ABM in
Zusammenhang stehende Art und Weise.

- 3 -

�Übereinkunft D - der Ausschluß
jeder Stationierung von ABM, es sei
denn, sie ist ausdrücklich nach Artikel III genehmigt - sieht folgendes
vor: wenn in Zukunft ABM-Systeme geschaffen werden, die sich auf andere
physikalische Prinzipien stützen als
solche, die für ABM-Komponenten im
Jahr
1972 angewandt
wurden, einschließlich der Komponenten, die in
der Lage sind, einen Ersatz für ABMAbwehrflugkörper,
Abschußvorrichtungen oder Radaranlagen zu bieten, müßten besondere Beschränkungen zu solchen Systemen und Komponenten im Einklang mit Artikel XIII diskutiert und
im Einklang mit Artikel XIV ausgehandelt werden.
Der Streit um die Auslegung dreht
sich um die Frage, welche dieser Bestimmungen auf mobile Systeme zutreffen, die sich auf andere physikalische Gesetze stützen, einschließlich
mobiler Komponenten, mit deren Hilfe
ABM-Komponenten ersetzt werden können.
Die enge Interpretation geht davon aus, daß Artikel V sich auf alle
mobilen ABM-Systeme und Komponenten
bezieht, auch wenn es sich nicht um
die in Artikel II definierte Komponenten handelt und ungeachtet der beteiligten physikalischen Komponenten.
Mobile Systeme, die sich auf andere
physikalische Prinzipien stützen und
deren Komponenten, die in der Lage
sind, konventionelle ABM-Komponenten
zu ersetzen, fielen somit unter das
in Artikel V ausgesprochene Verbot
über die Entwicklung und Erprobung.
Die weite Interpretation besagt,
daß Übereinkunft D den einzigen Teil
des Vertrages bildet, der sich mit
Systemen befasst, die sich auf andere
physikalische
Prinzipien
und deren
Komponenten stützen, und daß Übereinkunft D beiden Parteien gestattet,

solche Systeme zu "schaffen", d.h.
sie bis zum Augenblick der "Schaffung" zu entwickeln und zu erproben,
nicht aber, sie zu stationieren.
Ich bin weiterhin davon überzeugt, daß die amerikanischen Unterhändler, mich eingeschlossen, trotz
ihrer Versuche, ein Verbot über die
Entwicklung und Erprobung von weltraumgestützen
und
anderen
mobilen
Einrichtungen zu erzielen, die in der
Lage sind, ABM-Komponenten zu ersetzen, hier nicht das Maß an Sicherheit
haben walten lassen, das für wichtige
internationale
Abkommen
notwendig
ist. Alles, was wir auf eine Weise
erreicht haben, die die Sowjets als
für sich bindend betrachtet haben,
war ein Verbot zur Stationierung,
nicht aber zur Schaffung solcher Systeme und Komponenten.

Die Verhandlungsprotokolle
Das
Verhandlungsprotokoll
des
ABM-Vertrags
unterliegt,
wie
dies
auch bei anderen Verträgen üblich
ist, der Geheimhaltung.
Aus diesem
Grunde kann ich darauf auch in meinen
Ausführungen
nicht näher
eingehen.
Ich möchte vielmehr auf meine eigenen
Erinnerungen an die Vertragsverhandlungen, mit denen ich näher befaßt
war, zurückgreifen, die durch meine
jüngst erfolgte Einsichtnahme wieder
aufgefrischt wurden.
Die Vereinigten Staaten haben ohne Zweifel vesucht, nicht nur für die
drei in Artikel II definierten Komponenten Regelungen zu treffen - das
heißt, für ABM-Abwehrflugkörper, Abschußvorrichtungen und Radaranlagen sondern für alle Vorrichtungen, die
solche Komponenten ersetzen könnten.
Mit der Bestimmung, die schließlich
zu Artikel V wurde, haben wir versucht, die Entwicklung, Erprobung und

�Stationierung weltraumgestützter oder
anderer mobiler
(1) ABM-Flugkörper,
(2) Abschußvorrichtungen, (3) Radaranlagen und (4) anderer Vorrichtungen
zu verbieten, die die Funktion dieser
Komponenten übernehmen könnten.
Der
sowjetische
Vertragsentwurf
enthielt ebenfalls ein absolutes Verbot der Entwicklung, Erprobung oder
Stationierung im Weltraum, aber die
Sowjets haben seine Anwendung ausdrücklich
auf Raketen, Abschußvorrichtung und Radaranlagen beschränkt
und sich wiederholt dagegen ausgesprochen, daß der Vertrag sich auf
Vorrichtungen außer diesen Komponenten bezieht. Sie wiesen darauf hin,
daß es unmöglich sei, zu wissen, wie
die Komponenten eines Systems aussähen, das auf noch nicht angewendeten
Tecnnologien basiert, wie sie zu definieren und welche Regelungen für
sie zu treffen seien.
Nach längerem Hin und Her zu dieser Frage haben die Sowjets eine Änderung zu Artikel V vorgeschlagen und
den amerikanischen Unterhändlern versichert, daß die neue Sprachregelung
alle Arten von zukünftigen Komponenten betreffen würde. Wir haben dieser Änderung zugestimmt.
Die
sowjetische
Zusicherung
schien insofern einen Teil der amerikanischen Zielsetzung in die Tat umzusetzen, als daß sie sich auch auf
zukünftige
ABM-Raketen, Abschußvorrichtungen
und Radaranlagen
bezog.
Aber die von uns bei dieser Bestimmung akzeptierte Änderung führte aufgrund
sowjetischen
Drängens
zur
Streichung der amerikanischen Formulierungen, die sich auch auf Ersatzvorcichtungen solcher Komponenten bezogen.
Gleichzeitig lag den Sowjets ein
Entwurf von Artikel II vor, der einem

ABM-System drei konventionelle Komponenten zuordnete, und zwar ABM-Abwehrflugkörper,
Abschußvorrichtungen
und Radaranlagen. Darüber hinaus argumentierten die Sowjets weiterhin im
Hinblick auf amerikanische Bestrebungen um eine Regelung für Ersatz-"vorrichtungen", daß sie grundsätzlich
dagegen seien, Regelungen für Unbekanntes zu treffen.
Obwohl dieses Argument wiederholt
vorgebracht wurde und bei den Verhandlungen ein zentrales Thema blieb,
versuchten wir US-Unterhänder nicht
zu bestätigen, daß die Sowjets tatsächlich in Artikel V ihre Zustimmung
zu Regelungen über unbekannte Vorrichtungen gegeben hatten. Wenn wir
das getan hätten, wäre dies im Einklang mit der sowjetischen Haltung
geschehen. Sie hätten uns daran erinnert, daß die sich auf "Vorrichtungen" beziehenden Formulierungen aus
Artikel V entfernt worden seien, und
daß sie zugestimmt hätten, nur Regelungen über zukünftige "Komponenten"
zu treffen, wie sie in ihrem Entwurf
von Artikel II definiert sind, d.h.
ABM-Raketen, Abschußvorrichtungen und
Radaranlagen. Angesichts der darauffolgenden Ereignisse wäre jedes andere Ergebnis unglaubwürdig.
Mit dem Fortschreiten der Verhandlungen haben die Sowjets einen
von amerikanischer Seite vorgeschlagenen Kompromiß zu Artikel II akzeptiert, der die Formulierung "gegenwärtig bestehend aus" vor die Aufzählung der ABM-Komponenten stellt. Es
wurde argumentiert, daß der reviderte
Artikel II so betrachtet werden kann,
daß er die in Artikel V eingegangene
sowjetische Verpflichtung
zum Einschluß von Ersatzvorrichtungen erweitert hat. Dieser Forderung steht jedoch die Tatsache entgegen, daß die
Sowjets die revidierte Fassung nur
akzeptierten, nachdem wir ihnen aus-

- 5 -

�drücklich versichert hatten, daß der
Einschluß von Ersatzvorrichtungen an
anderer Stelle in Artikel II Eingang
fände.

daß sie sie davon abhält, nicht fest
stationierte
Komponenten
zu schaffen?
Auf diese Frage wurde in der
Erklärung nicht eingegangen.

Nach den Verhandlungen zu Artikel
II haben sich, die Sowjets weiterhin
Versuchen entgegengesetllt, Regelungen über Ersatzvorrichtungen zu treffen. Sie schlugen vor, daß wir für
möglicherweise in Zukunft geschaffene
Systeme und Komponenten, die sich auf
andere physikalische Prinzipien stützen, Diskussionen im Ständigen Konsul tativaussschuß
abhalten
werden,
dessen Einrichtung in Artikel XIII
vorgesehen ist.
Wir haben sie gefragt, was geschehen würde, falls
eine Einigung unmöglich sei.
Ihrer
Auffassung nach könnte dann jede Seite vom Vertrag zurücktreten. Ebenso
wie einige andere vertrat ich die
Meinung, daß dies ein zu extremer
Schritt sei. Das führte dann schließlich zu Übereinkunft D, in der die
Sowjets
zustimmten, daß
nach
der
"Schaffung" solcher Vorrichtungen deren
Stationierung, wenn überhaupt,
nur nach Diskussionen und Abkommen
erlaubt werden wird.

An einem Punkt der Verhandlungen
stimmten die Sowjets einem Aspekt der
amerikanischen Haltung bezüglich der
zukünftigen
Ersatzkomponenten
zu.
Ihre Zustimmung
folgte jedoch dem
Wortlaut einer von der amerikanischen
Seite sorgfältig vorbereiteten Stellungnahme, die nur den Vorschlag enthielt, daß die Vertragsparteien sich
auf
ein
Stationierungsverbot
und
nicht auf die Entwicklung oder Erprobung solcher zukünftigen Systeme oder
Komponenten einigen. In dem Dokument
wurde weiterhin an keiner Stelle zwischen stationären, landgestützten Ersatzsystemen und solchen unterschieden, die im Weltraum oder an einem
anderen Ort stationiert werden. Auch
Übereinkunft D enthält diese Unterscheidung nicht.

Einige Befürworter der engen Interpretation erinnern sich daran, daß
ein sowjetischer Unterhändler im Januar 1972 eine mündliche Erklärung
abgab, der zufolge Übereinkunft D den
einzelnen Parteien ausdrücklich erlaubt, feststehende futuristische Systeme zu entwickeln und erproben aber
nicht, sie
zu
stationieren.
Wenn eine solche mündliche Erklärung
abgegeben wurde, würde sie bestätigen, daß Übereinkunft D die "Schaffung" von Komponenten
in Betracht
zieht, die auf anderen physikalichen
Prinzipien basieren und daß "Schaffung" auch Entwicklung und Erprobung
einschließt.
Aber würde solch eine
unbestätigte mündliche Erklärung von
den Sowjets als so bindend angesehen,
- 6

Solange
keine
Definition
vorliegt, mit
der
eine
"Komponente"
eines auf anderen physikalischen Gesetzen beruhenden Systems von einem
"Element" oder nicht integrierten Bestandteil eines solchen Systems unterschieden werden kann, wäre eine
Begrenzung der Entwicklung oder Erprobung solcher Komponenten schwierig, wenn nicht sogar unmöglich in
durchgreifender, konsequenter und verifizierbarer Form anzuwenden.
Mit
diesem Problem sehen wir uns heute
konfrontiert.
Die sowjetischen Wissenschaftler
berichten uns von der Planung einer
Weltraumsonde, die sowohl einen ziemlich starken Laser als auch ein Teilchenstrahlgerät an Bord haben wird.
Sie haben vor, diese Erfindung an
einem der Marsmonde, dem phoebus, zu
erproben.
Nach ihren Aussagen ist
der Zweck dieses Versuchs, Stücke der

�Mondoberfläche
abzuschlagen, anhand
derer die spezifischen Eigenschaften
der
Mondoberfläche
bestimmt
werden
können.
Es wäre schwierig zu beweisen,
daß die Kraft, und Helligkeit sowie
die Verfolgungs- und Zieleigenschaften dieser Geräte für den Nachweis
ausgelegt sind, die Geräte hätten die
Fähigkeit, als Ersatzsystem für ABMKomponenten zu gelten. Ein ähnliches
Problem stellt sich mit Spiegeln, die
Laser- oder andere gebündelte Energiestrahlen reflektieren oder konzentrieren können. Unter welchen Bedingungen würde ein solcher Spiegel die
Definition erfüllen, nach der er die
"Fähigkeit besitzt, Ersatz für" ABMAbwehrflugkörper, ABM-Abschußvorrichtungen oder ABM-Radaranlagen zu sein?
Die Vertragssprache bietet wenig
Hilfe bei der Beantwortung dieser
Fragen. Übereinkunft D enthält keine
Definitionen der Komponenten, die fähig sind, ABM-Abwehrflugkörper, Abschußvorrichtungen oder Radaranlagen
zu ersetzen.
Sie enthält nur die
Feststellung, daß, falls solche Komponenten oder auf sie gestützte Systeme in Zukunft entwickelt werden,
sie im Ständigen Konsultativausschuß
diskutiert werden müssen und erst
nach einer entsprechenden Vertragsänderung disloziert werden können.
Für Raketen, Abschußvorrichtungen
und Radaranlagen ohne ABM-Fähigkeit
sieht Artikel VI, Absatz (a) vor, daß
sie nicht die Fähigkeit zum Abfangen
von strategischen ballistischen Raketen oder Teilen derselben während des
Fluges haben und nicht ABM-erprobt
werden dürfen. Dieser Artikel findet
natürlich keine Anwendung auf Geräte,
die nicht als Raketen, Abschußvorrichtungen
oder
Radaranlagen definiert sind.

- 7

Aufgrund meiner Erinnerungen an
den verhandlungsverlauf bin ich zu
der Überzeugung gelangt, daß die Sowjets verbindlich nur dem verbot der
Stationierung und nicht der Schaffung
(d.h. der Entwicklung und Erprobung)
von Systemen zugestimmt haben, die
sich auf andere physikalische Gesetze
gründen sowie deren Komponenten, die
gemäß Artikel II unabhängig von der
Art ihrer Stationierung in der Lage
sind, konventionelle Teile zu ersetzen.

Die sowjetische
Vertrages

Interpretation

des

Die Sowjets sind einerseits gegen
eine zu weite Auslegung des ABM-Vertrages,
legen
andererseits
jedoch
große Betonung auf Artikel I des Vertrages und auf die Auswirkungen, die
dieser Artikels ihrer Ansicht nach
auf SDI hat.
Die
sowjetische
Seite
stellt
fest, daß Artikel I sowohl die Dislozierung von ABM-Systemen zur Verteidigung des Staatsgebietes eines Landes als auch die Schaffung einer Basis für eine solche Verteidigung verbietet. Sie behaupten, daß SDI, insbesondere im Hinblick auf weltraumgestützte ABM-Systeme, eine Basis für
nationale territoriale Verteidigungssysteme beinhaltet und daß SDI daher
Artikel I verletzt.
Dieses Argument steht im Widerspruch zu den bisher von der sowjetischen Seite gemachten Aussagen.
In einer Grundsatzrede vor dem
Präsidium des Obersten Sowjet im Jahr
1972 sagte der damalige sowjetische
Verteidigungsminister Gretschko kurz
nach der Unterzeichnung des ABM-Vertrages, "der Vertrag legt den auf die
Lösung
der
Verteidigungsprobleme

�eines Landes gegen einen nuklearen
Raketenangriff
ausgerichteten
Forschungsvorhaben und Versuchen keine
Beschränkungen auf".
Gretschkos Ansicht zieht daher eindeutig die Möglichkeit in Betracht, daß beiden Seiten die Durchführung eines strategischen
Verteidigungsprogramms
frei
steht, wie SDI und ein vergleichbares
sowjetisches Programm es beinhalten.
Gretschos
Erklärung
ist jedoch
keine eindeutige Ablehnung des engen
Auslegungsrahmens.
Meine Schlußfolgerung, daß die Sowjets nicht bereit
waren, der engen Auslegung zuzustimmen, gründet sich auf unsere erfolglosen Bemühungen, die Zustimmung der
Sowjets
während
der
Verhandlungen
über die Sprachregelung sicherzustellen, die diese Auslegung verdeutlicht
hätten.

Schlußfolgerung
Als die Regierung im Oktober 1985
die Ergebnisse der Überprüfung der
Verhandlungsprotokolle
bekanntgab,
brachten wir unsere Absicht zum Ausdruck, daß wir - obwohl wir die weite
Auslegung für absolut gerechtfertigt
hielten - aus politischen Erwägungen
mit der Durchführung des SDI-Programms in seiner ursprünglichen Form
fortfahren würden, was mit der engen
Auslegung
im Einklang steht.
Das
Programm hat bis heute diese Form
beibehalten.
Es trifft jedoch auch zu, daß die
beim
SDI-Programm
gemachten
Fortschritte so umfangreich waren, daß
die Kosten der Beibehaltung der engen
Auslegung im Hinblick auf den Zeitund Ausgabenaufwand im Anstieg begriffen sind.
Die für das Programm
Verantwortlichen möchten es im Rahmen
unserer
Vertragsverpflichtungen
so
wirksam wie möglich durchführen.

Wir sind uns jedoch bewußt, daß
alle drei der für die Beweisführung
relevanten Materialkomplexe gegeneinander abgewogen werden müssen.
Das
ist das Verfahren, für das wir uns
entschieden haben.
Wie ich bereits ausgeführt habe,
werden wir unsere Analysen der Protokolle über die nachfolgende Anwendungspraxis und des Ratifizierungsverfahrens, sobald sie fertiggestellt
sind, dem Kongreß übermitteln, ebenso
wie wir es mit unserer Analyse der
Verhandlungsprotokolle
getan
haben.
Wir werden dann eine Reihe von Konsultationen in die Wege leiten, die
auf ein besseres Verständnis der Fragen bezüglich der Auslegung des Vertrages ausgerichtet sind und Richtlinien für die Entwicklungen im Bereich
von SDI und der damit verbundenen Erprobung erarbeiten, die auch weiterhin die Unterstützung des Kongresses,
der Verbündeten und der Bevölkerung
verdienen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'1,

•"""

Hintergrundmaterial

ck

8. April 1987

13

WARUM AMERIKANISCHE TRUPPEN IN EUROPA BLEIBEN SOLLTEN
- Von Richard R. Burt -

(Der folgende Artikel
Tribüne)

erschien am 25.

WASHINGTON - (AD) - Seit Jahren
gilt die Idee eines amerikanischen
Truppenabzugs aus Europa als Lieblingsthema der Linken
in Amerika.
Dieser Vorschlag erfährt heute auch
zunehmend Unterstützung aus dem konservativen Lager.
Er bleibt jedoch
eine schlechte Idee.
Einige,
unter
ihnen
Henry
Kissinger, haben generell über den
Abbau amerikanischer Truppen in Europa
als
Teil
eines
weitergehenden
Plans zur Reform der NATO gesprochen.
Andere, wie etwa Zbigniew Brzezinski,

United States Information Service
Embassy of the United States of America

März 1987 in der International Herald

präzisierten dies und forderten den
Abzug von 100 000 Soldaten.
Wieder
andere, darunter der neokonservative
Wirtschaftswissenschaftler und Autor
des Buches "How NATO weakens the
West",
Melvin
Krauss,
befürworten
einen vollständigen Rückzug der Amerikaner aus Europa und die Preisgabe
der NATO.
Sie haben unrecht. Die Erhaltung
eines freien, unabhängigen und demokratischen Westeuropa liegt weiterhin
vordringlich im strategischen Interesse der Vereinigten Staaten.
im

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�weltpolitischen
Rahmen
betrachtet,
käme
dem Verlust
Westeuropas
die
gleiche Bedeutung zu wie dem Bruch
zwischen China und der Sowjetunion und der Verlierer hieße Amerika.
In dieser Erkenntnis haben zwei
Generationen von Amerikanern und Europäern ein System der Sicherheit errichtet und verbessert, das auf dem
Engagement
amerikanischer
Macht in
Europa basiert - sowohl einer nuklearen Garantie als auch einer erheblichen Kampfpräsenz.
Dieses System
der
Sicherheit
mit
seinen
beiden
wichtigen
amerikanischen
Elementen
war über alle Erwartungen hinaus erfolgreich.
Seit vierzig Jahren ist
Westeuropa gefestigt und frei geblieben.
Die Argumentation für einen Abzug
der amerikanischen Truppen geht von
drei Trugschlüssen aus:
- Man
würde
damit
Geld
sparen.
Melvin Krauss weist darauf hin,
daß das Engagement in der NATO
die Amerikaner mehr als 130 Milliarden Dollar im Jahr kostet und
schlägt vor, das Geld könnte ganz
einfach durch einen Rückzug aus
Europa eingespart werden.
Aber
diese Einsparungen würden nicht
erzielt, wenn die aus Europa abgezogenen Truppen in die vereinigten Staaten oder anderswohin
verlegt würden.
Mehrere Untersuchungen aus jüngster Zeit weisen darauf hin, daß eine Verlegung wahrscheinlich mehr kosten
würde als der Status quo. In der
Bundesrepublik Deutschland stehen
den amerikanischen
Truppen zum
Beispiel mehr als 2 000 Einrichtungen mietfrei zur Verfügung.
Wenn die abgezogenen Truppen bei
ihrer Ankunft zuhause demobilisiert
würden, sollten wir einen solchen Ab-

bau als das betrachten, was er ist:
ein ungeheurer Schritt hin zu einer
einseitigen Abrüstung.
Damit würde
den Vereinigten Staaten eine Armee
von einer halben Million
Soldaten
verbleiben und sie würden von einer
Supermacht in einen militärischen und
politischen Zwerg verwandelt.
- Die Bedeutung Europas nimmt ab.
Zbigniew Brzezinski hat auf die
militärischen Probleme hingewiesen, denen sich Amerika in anderen Teilen der Welt ausgesetzt
sieht, insbesondere am Golf und
in Südwestasien, wo Energieprobleme und religiöser Fundamentalismus weiterhin westliche Interessen bedrohen.
Seiner Argumentation
zufolge würde es durch
eine Reduzierung in Europa leichter, auf Eventualfälle in anderen
Regionen, insbesondere in Mittelamerika, zu reagieren.
Für die Sowjets bleiben die Staaten Westeuropas jedoch der attraktivste Gewinn.
Von allen sowjetischen
Truppen sind die meisten, die fähigsten und die am besten ausgebildeten
gegen Westeuropa
aufgestellt.
Die
Europa
bedrohenden
konventionellen
und nuklearen Streitkräfte der Sowjets sind immer stärker geworden.
Bedrohungen bestehen auch in anderen Regionen, und Amerika muß sich
mit ihnen auseinandersetzen. Aber es
ist eine schlechte Strategie, seine
Fähigkeiten auf dem absolut wichtigsten Schauplatz zu schwächen, nur um
sie andernorts
zu stärken.
Damit
würde es wahrscheinlicher, daß Konflikte anderer Regionen auf Europa
überspringen, wo Amerika nach Abzug
wesentlicher Truppenteile im Nachteil
wäre.
- Ein
amerikanischer
Truppenabzug
würde die Entschlossenheit Euro-

�pas stärken.
In diesem Argument
liegt ein grundlegendes Mißverständnis bezüglich der europäischen Realitäten. Seit 1945 hat
Westeuropa sich allmählich wirtschaftlicher und politischer Einheit angenähert, aber dies war
nur aufgrund der Stabilität möglich, die durch die amerikanische
Truppenpräsenz gewährleistet wurde.
Die Europäer selbst geben zu, daß
sie von militärischer Selbständigkeit
weit entfernt sind. sogar die Franzosen, die größten Verfechter europäischer
Unabhängigkeit
und eigenständiger Verteidigung erklären, die
amerikanische Militärpräsenz sei gegenwärtig unersetzlich. So haben sie
zum Beispiel klargestellt, daß sie
nicht in der Lage wären, die amerikanische
Sicherheitsverpflichtung
gegenüber der Bundesrepublik Deutschland durch eine eigene Garantie zu
ersetzen.
Entgegen
einer
weitverbreiteten
Meinung stellen die Europäer heute
den
Großteil
der
NATO-Streitkräfte
für die Verteidigung Europas.
Sie
stellen 90 Prozent der Landstreitkräfte, 75 Prozent der Seestreitkräfte und 50 Prozent der Luftstreitkräfte in Westeuropa.
Die stärksten Befürworter
verstärkter europäischer Verteidigungsanstrengungen
sind
zufälligerweise
auch die energischsten Anhänger der
amerikanischen Militärpräsenz in Europa. Sie wissen, daß ein amerikanischer Rückzug diejenigen in Europa
stärken würde, die einseitige Abrüstung als Weg für eine Verständigung
mit Moskau bevorzugen. Deshalb würde
ein amerikanischer Truppenabzug gerade diejenigen entmutigen, die sich um
eine stärkere europäische Identität
im Verteidigungsbereich bemühen.
- 3

Die wahre Bedrohung für das Bündnis besteht in der unheiligen Allianz, die sich zwischen linken Kritikern des Bündnisses in Europa und
rechten Kritikern in den Vereinigten
Staaten abzeichnet. Es mag sich ein
perverses
Spiegelbild-Phänomen
entwickeln. Amerikaner, die mehr Unilateralismus
der Vereinigten
Staaten
fordern, werden diejenigen Kräfte in
Europa ermutigen, die eine Politik
der Beschwichtigung befürworten.
Die nächsten Jahre werden für die
NATO entscheidend sein.
Auf beiden
Seiten des Atlantiks wächst der Konsens darüber, daß die Verteidigung
Europas eine Verbesserung der konventionellen
NATO-Streitkräfte
erfordert. Außerdem besteht zunehmend die
in Reykjavik unter Beweis gestellte
Erkenntnis, daß ein geringeres Vertrauen auf Atomwaffen wünschenswert
ist.
Die Vereinigten Staaten könnten
zum Beispiel schon bald ein Abkommen
mit Moskau über die Abschaffung aller
amerikanischen und sowjetischen Mittelstreckenraketen in Europa erreichen. Wie würde sich ein erheblicher
Truppenabzug in die westliche Strategie zur Verbesserung der konventionellen Verteidigung, zum Abbau des
Vertrauens auf Atomwaffen und zur
Schaffung eines stabileren Truppengleichgewichts einfügen? Die Antwort
darauf ist klar: er würde all diese
Bemühungen untergraben.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

8. April 1987

13

DIE INTERPRETATION DES ABM-VERTRAGES
- Kommentar der "Stimme Amerikas" -

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend veröffentlichen wir einen Kommentar der
"Stimme Amerikas", der am 5. April 1987 ausgestrahlt wurde, Der Kommentar
gibt die Ansichten der amerikanischen Regierung wieder.

Die außerordentlich vielschichtige Herausforderung, mit der das Forschungsprogramm
einer
Strategischen
Verteidigung im Weltraum (SDI) seit
nunmehr
fünf
Jahren
konfrontiert
wird, ist die Suche nach einer Verteidigung gegen einen Angriff mit
nuklearen Raketen.
In dem gleichen Maße, wie die SDI
Forschung fortschreitet, sind Abrüstungsexperten
und
internationale
Rechtsgelehrte - innerhalb wie außerhalb der amerikanischen Regierung in eine gleichermaßen vielschichtige

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Debatte verwickelt. Es geht um die
Bedeutung des Vertrages zur Raketenabwehr (ABM-Vertrag) von 1972, und um
die Art von Raketenabwehrprojekten,
die der Vertrag zuläßt. Auch die Sowjetunion hat sich dieser Debatte angeschlossen, aber mit dem Ziel, den
ABM-Vertrag so auszulegen, daß dem
amerikanischen
SDI-Programm
die
größtmöglichen Beschränkungen auferlegt werden.
Einige zentrale Fragen in der Debatte über den ABM-Vertrag sind nicht
strittig.
Die Stationierung
eines

Postfach 20 03 00
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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�landesweiten Verteidigungssystems zur
Raketenabwehr, ob landgestützt oder
im All, ist nach den Bestimmungen des
Vertrages verboten. Andererseits ist
die Erforschung einer Raketenabwehr
weiter erlaubt. Für die Abrüstungsexperten liegt das Problem in den im
Bereich zwischen Forschung und Stationierung angesiedelten Arbeiten an
Raketenabwehrsystemen.
Viele
der
Technologien, die im Rahmen von SDI
studiert werden, gab es zur Zeit des
ABM-Vertrages noch gar nicht. Welche
Art der Erprobung und Entwicklung
dieser Technologien ist nach dem Vertrag erlaubt?

des obersten Sowjet mit der Bemerkung, daß der Vertrag "den auf die
Lösung
der
Verteidigungsprobleme
eines Landes gegen einen nuklearen
Raketenangriff
ausgerichteten
Forschungsvorhaben und Versuchen keine
Beschränkung auferlegt". Die Sowjetunion glaubte, ihre vor Unterzeichnung des ABM-Vertrages begonnenen Raketenabwehrprojekte
weiterhin
ungehindert fortsetzen zu können, einschließlich eines ehrgeizigen Laserwaffen-Programms.
Dieses
fortschrittliche
Raketenabwehrprogramm
wird heute noch fortgesetzt, obwohl
die Sowjets dies bestreiten.

Die Antwort liegt in den Aufzeichnungen über die Vertragsverhandlungen, die Verhandlungen im amerikanischen Senat - der die Macht hat,
Verträge zu ratifizieren oder zurückzuweisen - und in der Art, wie die
Sowjets
den ABM-Vertrag
auf
sich
selbst angewandt wissen wollen. Der
amerikanische
Botschafter
und
Rüstungskontrollberater Paul Nitze erklärt, was der ABM-Vertrag für SDI
bedeutet.
Nach seiner Meinung erlaubt der Vertrag von 1972 eine umfangreiche Erprobung und Entwicklung
der Art von Systemen, die im Rahmen
von SDI studiert werden, verbietet
jedoch deren Stationierung.

Im Gegensatz zu der Geheimhaltung, die die sowjetische strategische Verteidigung
umgibt, ist die
Diskussion in den Vereinigten Staaten
offen und dauert an - ein Zeichen,
daß die Vereinigten Staaten sowohl
SDI wie auch ihre vertraglichen Verpflichtungen ernst nehmen. Wie auch
immer man sich in dieser Diskussion
schließlich einigen wird, wird eine
allgemeine Richtlinie bei der Auslegung sicher angewandt:
der ABM-Vertrag muß für die Vereinigten Staaten
das gleiche bedeuten wie für die Sowjetunion.

Die derzeitigen sowjetischen Behauptungen, daß SDI mit dem ABM-Vertrag unvereinbar sei, entbehren nicht
einer gewissen Ironie. Wie Botschafter Nitze in Erinnerung ruft, waren
es bei Vertragsabschluß im Jahr 1972
die vereinigten Staaten, die danach
strebten, die Entwicklung und Erprobung von weltraumgestützten und anderen mobilen Systemen zu verbieten,
und es waren die Sowjets, die sich
weigerten, dies zu tun. Kurz nachdem
das Abkommen unterzeichnet war, erschien der sowjetische Verteidigungsminister Gretschko vor dem Präsidium
- 2 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan verspricht Unterstützung beim Kampf gegen AIDS&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede Präsident Reagans vor dem College of Physicians of Philadelphia -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nitze: ABM-Vertrag verbietet lediglich Stationierung von SDI&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede über den Vertrag und die Verhandlungen -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Warum amerikanische Truppen in Europa bleiben sollten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Richard R. Burt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Interpretation des ABM-Vertrages&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Kommentar der "Stimme Amerikas"&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
"VON**

15. April

14

1987

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan;

Amerikanisch-sowjetische Beziehungen kommen voran

- Ansprache vor dem Los Angeles World Affairs Council -

Kommission zur Untersuchung der Sicherheit in Moskauer Botschaft
eingesetzt
- Stellungnahme Präsident Reagans -

Glasnost und der Konsens im Westen
- Ansprache des amerikanischen Botschafters in Berlin -

WIRTSCHAFT
Amerikanisch-japanische Gespräche über Halbleiter ohne Ergebnis
- Erklärung des Büros des amerikanischen Handelsbeauftragten -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Hautkrebsrisiko wächst
- Vorsorgliche Maßnahmen gegen Ozonabbau dringendes Gebot

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 f onn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
V,oN^

Dokumentation

15. April 1087

14

REAGAN: AMERIKANISCH-SOWJETISCHE BEZIEHUNGEN KOMMEN VORAN
- Ansprache vor dem Los Angeles World Affairs Council LOS ANGELES - (AD) - Präsident Reagan zufolge kommen die amerikanischsowjetischen Beziehungen voran "ohne Grund für große Begeisterung oder für
große Besorgnis" zu bieten.
In einer Ansprache vor dem Los Angeles World
Affairs Council erklärte der Präsident am 10. April 1987, er habe Außenminister Shultz beauftragt, im Rahmen seines Besuchs in Moskau "ein breites
Spektrum von Problemen zwischen unseren beiden Ländern" anzusprechen.
Dazu
gehörten der Abzug der sowjetischen Truppen aus Afghanistan, Fortschritte für
ein Abkommen über Mittelstreckenraketen, ein beiderseitiger 50prozentiger Abbau der strategischen Atomwaffenarsenale, das Streben nach einem sichereren
strategischen Gleichgewicht durch verstärktes Vertrauen auf defensive Systeme
sowie die Lösung der Auswanderungsfrage.
Nachfolgend bringen wir die Rede des Präsidenten im Wortlaut:

Ich freue mich, heute hier vor
Ihnen über den gegenwärtigen Stand
der sowjetisch-amerikanischen Beziehungen sprechen zu können. Bevor ich
dies tue, möchte ich jedoch zu den
jüngsten
Enthüllungen
über sowjetische Spionageaktivitäten gegen die
amerikanische
Botschaft
in
Moskau
Stellung nehmen.
Es gibt keinerlei
Entschuldigung für das, was die Sowjets getan haben oder für die Art
und Weise, in der das Sicherheitsproblem in Moskau behandelt wurde.
Nun, denjenigen, die meinen, daß

United States Information Service
Embassy of the United States of America

diese jüngsten Ereignisse ein neues
Licht auf die sowjetisch-amerikanischen Beziehungen werfen, sage ich:
'Wo sind Sie denn gewesen?1
Jeder,
der mit dem Charakter des sowjetischen Regimes, seiner Ideologie und
seiner Absichten vertraut ist, weiß,
daß solche Handlungen der Sowjets
keine Überraschung darstellen.
Seit den frühesten Tagen dieser
Administration habe ich darauf bestanden, daß unsere Beziehungen mit
den Sowjets auf Realismus anstatt Illusionen
beruhen müssen.
Ja, die

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Telex: 8-85432

�Grundlage unserer Außenpolitik hat ja
seit Anbeginn gerade darin bestanden,
bei der Beschreibung der amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen
kein
Blatt vor den Mund zu nehmen - und
klar zu verstehen zu geben, wofür unserer Ansicht nach die Sowjets eintreten und wofür wir selbst eintreten.
Das
mag
einleuchtend
klingen,
aber als wir im Jahr 1981 die Regierungsgeschäfte
übernahmen,
bestand
die klare Notwendigkeit, dies erneut
zu erklären.
Lassen Sie mich heute
diese Ansichten darlegen und die Beziehungen
zwischen
unseren
Ländern
einer Überprüfung unterziehen.
Wir haben einen Rahmen für die
Auseinandersetzung
mit den
Sowjets
geschaffen; wir haben darauf bestanden, daß Fortschritte in vier entscheidenden Bereichen vorangetrieben
werden müssen:
Erstens, das Streben nach verifizierbarer
und stabilisierender
Rüstungskontrolle mit Betonung auf verifizierbar; zweitens, auf dem Verhandlungsweg
erzielte Lösungen
für
regionale
Konflikte; drittens, die
Förderung
der Menschenrechte
sowie
viertens, erweiterte Kontakte zwischen unseren Völkern.
Diese Tagesordnung verkörpert eine konsequente und langfristig angelegte Politik, in der sich unsere moralischen Werte, unsere strategischen
Interessen und unsere Verpflichtungen
gegenüber unseren Freunden und Verbündeten widerspiegeln.
Sie beruht
nicht auf falschen Hoffnungen oder
Wunschdenken bezüglich der Sowjets;
sie beruht auf einer freimütigen Einschätzung sowjetischer Handlungen und
einem langfristigen Verständnis ihrer
Absichten.

in
einigen
Bereichen
dieser
vier
Punkte Bewegung und Fortschritte erlebt haben. Nehmen Sie zum Beispiel
die Rüstungskontrolle.
Im Verlauf
unserer beiden Treffen - unserem Kamin-Gipfel in Genf und unseren Gesprächen im Hofdi-Haus in Reykjavik haben Herr Gorbatschow und ich bedeutende Schritte nach vorn unternommen.
Wir haben Hindernisse aus dem Weg geräumt und uns historischen Abkommen
zur
Reduzierung
der
strategischen
Atomwaffen und der atomaren Mittelstreckenraketen angenähert.
In den
Monaten
nach
Reykjavik
waren
die
Fortschritte langsamer als ich erhofft hatte, aber in den letzten Wochen haben die Sowjets eine neue
Ernsthaftigkeit gezeigt.
Es besteht
jetzt die klare Möglichkeit für einen
Durchbruch
in den Gesprächen über
Mittelstreckenraketen.
Nun zur Frage der Menschenrechte.
Auch hier haben wir einige positive
Entwicklungen festgestellt. Die Verbannung von Andrej Sacharow wurde
aufgehoben und er darf jetzt seine
Meinung frei äußern. Einige politische Gefangene wurden entlassen. Die
Auswanderungszahlen für März und April sind bis jetzt gestiegen.
Es
wird über Änderungen sowjetischer Gesetze gesprochen.
Ein weniger zentralistischer Ansatz für die sowjetische Wirtschaft ist im Gespräch, wodurch der Initiative des Einzelnen
mehr Raum gegeben würde. Wir werden
sehen, ob diese Diskussionen zu irgendetwas führen werden.
Im Bereich des bilateralen Austauschs, haben wir Einigung über erweiterte
sowjetisch-amerikanische
Kontakte erzielt. Austauschprogramme
in den Bereichen Kultur und Wissenschaft sowie zwischen den Bürgern
beider Länder sind seit Genf drastisch vermehrt worden.

Ich kann Ihnen berichten, daß wir
- 2 -

�Aber all dies aufzuzählen heißt
nicht, da3 man unrealistisch sein
oder die weiteren Zusammenhänge außer
acht lassen soll. Weiterhin bestehen
ernsthafte Probleme.
Bei den Rüstungsverhandlungen
zum
Beispiel
bleibt die Verifizierung wegen der
ungenügenden Einhaltung früherer Abkommen durch die Sowjets ein entscheidendes Problem.
Die
Sowjets
haben
auch
ihre
grundsätzliche Strategie nicht aufgegeben, diese Verhandlungen
zu dem
Versuch zu benutzen, unsere Verbündeten und Freunde in Europa und Asien
und die Vereinigten Staaten zu entzweien. Die Sorgen unserer Verbündeten sind von zentraler Bedeutung.
Wir können es beispielsweise nicht
zulassen, daß der Gewinn der Reduzierung von Mittelstreckenraketen längerer Reichweite durch ein weiterbestehendes Ungleichgewicht bei den Mittelstreckenraketen kürzerer Reichweite untergraben oder umgangen wird,
bei denen die Sowjets einen enormen
Vorteil besitzen.
Lassen Sie mich
noch einmal erklären: die Vereinigten
Staaten werden weiterhin enge Konsultationen mit ihren Verbündeten vornehmen und wir werden ihre vitalen
Interessen nicht preisgeben, nur um
ein Abkommen zu unterzeichnen.
Leider versuchen die Sowjets auch
weiterhin, die Strategische Verteidigungsinitiative zunichte zu machen.
Ich habe einige sehr entgegenkommende
Vorschläge
dergestalt
unterbreitet,
daß für eine gewisse Zeitspanne keine
strategischen
VerteidigungsSysteme
stationiert würden - während wir und
die Sowjets Verhandlungen über einen
kooperativen tibergang zu einer neuen
Art strategischen Gleichgewichts führen, bei denen die Abschreckung auf
dem Schutz von Menschenleben anstatt
ihrer Bedrohung beruht.

Herr Gorbatschow selbst hat unlängst das "Gleichgewicht des Schrekkens" als Strategie der Friedenserhaltung kritisiert und gefordert, die
Nukleardoktrinen wahrhaft defensiv zu
gestallten. Nun, ich stimme ihm zu.
Ein Friede, der auf strategischen
Verteidigungssystemen beruht, die einen Angriff abfangen und neutralisieren können - einhergehend mit radikalen Reduzierungen der Offensivraketen
-, dies ist der sicherste Weg von allen .
Wie ich schon nach dem Genfer
Gipfeltreffen
sagte, sind
Treffen
zwischen unseren höchsten politischen
Vertretern kein Gefallen, den eine
Seite der anderen tut.
Sie können
aber hilfreich sein. Und in diesem
Zusammenhang erkläre ich, daß meine
Einladung an Herrn Gorbatschow zu einem Besuch in den Vereinigten Staaten
weiterhin Bestand hat. Der Willkommensteppich bleibt ausgerollt.
Im
Bereich
der
Menschenrechte
sind unsere Sorgen ebenfalls grundlegender Natur. obwohl wir die Lösung
einiger weithin bekannter Einzelfälle
begrüßen, suchen wir nach Anzeichen,
daß die Sowjetunion beabsichtigt, ihren Verpflichtungen gegenüber allen
ihren Bürgern gemäß ihren eigenen Gesetzen und gemäß den Vereinbarungen
von Helsinki gerecht zu werden. Ein
System, das Europa
in künstlicher
Teilung beläßt, die Religion und religiöse Kontakte unterdrückt, weiterhin Radiosendungen stört und amerikanische Journalisten unter erlogenen
Anschuldigungen
verhaftet, bedeutet
ein Problem für andere Staaten. Keine Nation wird mit ihren Nachbarn in
Frieden leben, wenn sie nicht auch
Frieden mit ihren eigenen Bürgern
schließt.
Die
Menschenrechte
sind
also
nicht nur eine "innere" Angelegen-

- 3 -

�heit. Sie sind in Wirklichkeit eine
Frage des Friedens. Andrej Sacharow
hat dies sehr gut zum Ausdruck gebracht als er erklärte: "Ich bin davon
überzeugt, daß
internationales
Vertrauen, gegenseitiges Verständnis,
Abrüstung und internationale Sicherheit undenkbar sind ohne eine offene
Gesellschaft
mit
Informations- und
Gewissensfreiheit, der Freiheit zu
veröffentlichen und dem Recht zu reisen und das Land zu wählen, in dem
man leben möchte".
Leider sind die Nachrichten über
den noch verbleibenden Punkt auf unserer Tagesordnung nicht gut.
Ich
spreche von dem Problem der militärischen Konflikte in Regionen der Dritten Welt - wo die Tatsachen sowjetischen Vorgehens brutal, eine Gefahr
für den Frieden und unsere zukünftigen Beziehungen sind. Trotz des angeblichen Wunschs nach
friedlicher
Beilegung dieser Konflikte, trotz Ankündigungen
von
Waffenstillständen
und Reden über
"nationale Versöhnung",
führen
sowjetische
Truppen
weiterhin einen schrecklichen Krieg
gegen das Volk von Afghanistan.
Die militärische Bedrohung
des
mit uns befreundeten Pakistan eskaliert in einem Maße, daß sie das Risiko einer größeren Konfrontation in
sich birgt. In Äthiopien, Angola und
Kampuchea unterstützt die Sowjetunion
weiterhin die brutalen Kriege leninistischer Regime gegen ihre eigenen
Völker. In Nicaragua können wir eine
ebensolche Kampagne an unseren eigenen Küsten beobachten, mit der drohenden Destabilisierung ganz Mittelamerikas und der Verweigerung des
Rechts des nicaraguanischen Volkes
auf die Bestimmung seiner eigenen Zukunft.
Die Welt wird diese Politik des
globalen Expansionismus nicht länger

hinnehmen.
In den vergangen Jahren
konnten wir eine neue Tendenz beobachten - die Ausbreitung der Demokratie von Lateinamerika bis hin zu den
Philippinen, die von einer weltweiten
Revolutionierung des Wirtschaftsdenkens begleitet wurde - die Tendenz zu
politischer
und
wirtschaftlicher
Freiheit als Mittel, Wirtschaftswachstum und menschlichen Fortschritt in
der sich entwickelnden Welt zu fördern. Die Vereinigten Staaten stehen
zu ihrer Verpflichtung, diese Entwicklung
zu
größerer
persönlicher
Freiheit und nationaler Selbstbestimmung weiterhin zu unterstützen - und
jeglicher Versuchung nach einer Umkehrung derselben zu widerstehen.
In
der
jüngsten
Vergangenheit
machten sich Anzeichen bemerkbar, daß
die Sowjetunion nach diplomatischen
Wegen zu einer Beendigung ihres Krieges mit Afghanistan suchen könnte.
Die Sowjetunion sollte wissen, daß
die Vereinigten Staaten keinen strategischen vorteil in Afghanistan suchen.
Sie sollte aber auch wissen,
daß eine politische Beilegung des
Konflikts solange nicht durchführbar
sein wird, bis die Sowjetunion ihre
Truppen unverzüglich und vollständig
abzieht und dem afghanischen Volk
echte Selbstbestimmung gewährt.
Das
Widerstandsbündnis nimmt eine zunehmend bedeutendere Rolle ein und wir
werden
es
weiterhin
unterstützen.
Wir werden jede gerechte Beilegung
unterstützen, die ein wahrhaft unabhängiges
und neutrales Afghanistan
schaffen wird, das den Bedürfnissen
des freien afghanischen Volkes gerecht wird.
Desgleichen erreichte die Militär- und Wirtschaftshilfe des sowjetischen Blocks an das sandinistische
Regime in Nicaragua im vergangenen
Jahr noch nie dagewesene Summen in
Milliardenhöhe; Anzahl und Entwick-

�lungsstand der Waffenlieferungen haben ein gefährliches Ausmaß erreicht.
Wir haben das Recht und in der Tat
auch die Pflicht, unsere Freunde in
dieser Hemisphäre gegen eine solche
eklatante Intervention zu unterstützen.
Das sowjetische Verhalten wird
hier die Feuerprobe unserer Beziehung
bestehen müssen.
Auch in Angola können wir eine
Eskalation des sowjetischen und kubanischen
militärischen
Engagements
in dem vergeblichen Streben nach einem militärischen
Sieg beobachten.
Hier fordern wir eine politische Lösung und den raschen Abzug von Fidel
Castros 35 000 kubanischen Söldnern
aus Angola.
Kampuchea ist ein weiteres tragisches Beispiel der von Vietnam auferzwungenen und von der UdSSR unterstützten
Aggression
und Besetzung.
Das Volk von Kampuchea hat genug gelitten; es ist Zeit für wahrhafte
Selbstbestimmung
und
Frieden
in
Kampuchea.
Was steht also heute auf unserer
Tagesordnung?
Lassen Sie mich dies
im einzelnen ausführen.
Erstens muß die blutende Wunde
Afghanistan
geheilt
werden.
Ich
möchte die Aufforderung an die UdSSR
richten, noch im Verlauf dieses Kalenderjahres ein Datum festzusetzen,
an dem sie mit dem zügigen Abzug der
sowjetischen Truppen beginnt.
Zweitens fordere ich die Sowjets
auf, mit uns gemeinsam ein Abkommen
über
Raketen
mittlerer
Reichweite
voranzutreiben, das die Sicherheit
insgesamt und die militärische Stabilität verbessert. Die Themenkomplexe
der Verifizierung
und der flittelstreckensysteme
kürzerer
Reichweite
müssen auf eine Weise gelöst werden,

daß
die
Sicherheitsinteressen
Verbündeten gewahrt bleiben.

der

Drittens fordere ich die Sowjets
auf, mit uns gemeinsam eine 50prozentige Kürzung
unserer
strategischen
nuklearen Arsenale in der Form vorzunehmen, daß sie zu einer Stärkung der
Stabilität beiträgt.
Unser SDI-Programm sollte einer solchen Kürzung
nicht im Wege stehen - ebensowenig
wie die seit langem bestehenden sowjetischen
strategischen
Verteidigungsprogramme dieser Kürzung im Wege
stehen.
Viertens fordere ich die Sowjets
auf, mit uns gemeinsam ein sicheres
strategisches Gleichgewicht anzustreben, indem man sich weniger auf gegenseitige offensive Bedrohungen und
mehr auf defensive Systeme verläßt,
die niemanden bedrohen.
Und schließlich ist es an der
Zeit, das Thema Auswanderung zu lösen
- und zwar endgültig.
Es ist Zeit
für eine entschieden liberalisierte
Auswanderungspolitik
und
größere
Freiheiten
für
diejenigen
Juden,
Christen und Völker anderen Glaubens,
die in der Sowjetunion bleiben möchten. Wenn dies geschieht, werden wir
darauf antworten.
Wenn
ich
die
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen mit einem Wort
umreißen müßte, so würde ich sagen,
sie kommen voran. Dies ist weder ein
Grund für große Begeisterung, noch
für große Besorgnis. Und vielleicht
sollte man die Beziehungen mit seinen
Gegnern auf diese Weise charakterisieren.
Wir haben Hoffnungen, und
wir sind entschlossen, und wir kommen
voran. Um diesen Prozeß in Gang zu
halten, habe ich Außenminister George
Shultz beauftragt, nach Moskau zu
reisen und ein breites Spektrum von
Themen zu besprechen, die unsere bei-

- 5 -

�den Länder betreffen.
Wenn ich mir die sowjetisch-amerikanischen Beziehungen der vergangenen sechs Jahre betrachte, sollten
Sie wissen, daß ich dabei an die Antwort erinnert werde, die Harry Truman
gab, als jemand zu ihm sagte: "Mach
ihnen die Hölle heiß, Harry" und er
erwiderte:
"Ich habe niemals absichtlich
irgendjemandem
die Hölle
heiß gemacht. Ich sage ihnen nur die
Wahrheit...und sie denken, das ist
die Hölle".
Als die Vereinigten Staaten ihre
Bündnisse
und
militärische
Stärke
wiederaufbauten und den Sowjets gegenüber eine feste Haltung einnahmen,
erachteten einige dies als provokativ. Als die Vereinigten Staaten umfassende Vorschläge zum Abbau von
Waffen machten, sagten andere, unsere
Weigerung, sie sofort aufzugeben zeige Kompromißlosigkeit. Als die Vereinigten Staaten sich für die Freiheit aussprachen und an das Gewissen
der Menschheit angesichts totalitärer
Aggression oder Menschenrechtsverletzungen appellierten, kritisierten einige diese Beteuerungen als Gefährdung der heiklen Verhandlungen. Als
wir unsere Haltung zu SDI klarmachten
und in Reykjavik an ihr festhielten,
gab es wieder andere, die das Ende
der Abrüstungsbemühungen befürchteten.
Ich denke, was uns die letzten
sechs Jahre gelehrt haben - und daran
müssen wir uns jetzt erinnern, denke
ich - ist, daß die Schaffung eines an
Spannungen ärmeren Umfelds Realismus
und die Bereitschaft erfordert, im
Angesicht von Bedrohungen, Protesten
und sorgenvollen Vorhersagen für unsere Werte und Verpflichtungen einzutreten.
Wir müssen uns auch daran
erinnern, daß die Stimmen der Panikmacher oder der Beschwichtiger das
sorgsame Streben nach Frieden stören,

wenn sie in ihrer Hast, ein Abkommen
zu unterzeichnen oder einen Vertrag
in die Wege zu leiten, Gerechtigkeit
und weltweite Freiheit als Ziele der
amerikanischen Außenpolitik aus den
Augen verlieren.
Ich bin daher davon überzeugt,
daß der von uns in Verhandlungen erzielte Fortschritt darauf zurückgeführt werden kann, daß wir in unseren
öffentlichen
Erklärungen
aufrichtig
waren. Bei meinem Amtsantritt und im
weiteren
Verlauf
der
vergangenen
sechs Jahre habe ich meine Meinung
über die sowjetische Ideologie und
deren Absichten stets freimütig zum
Ausdruck gebracht.
Ich wollte nicht
unnötig
antagonistisch
sein,
ich
wollte mich nur zu einer der schwerwiegendsten Lektionen der Geschichte
bekennen: daß das erste Ziel aggressiver Mächte darin liegt, den Willen
der möglichen Gegner zu brechen - und
so die freien Nationen zu dem Gedanken zu verleiten, daß öffentliche Äußerungen der Wahrheit oder moralische
Proteste gegen Aggressionen in sich
selbst Akte kriegerischer Handlungen
sind.
Und die Geschichte lehrt, daß,
wenn - im Namen des Friedens - freie
Nationen solche subtilen Einschüchterungen
stillschweigend
hinnehmen,
dies den Zusammenbruch ihrer eigenen
Selbstachtung und Freiheit unmittelbar nach sich zieht. Die Geschichte
zeigt immer wieder, daß Konflikte aus
den
Fehleinschätzungen
aggressiver
Mächte entstehen, die den Willen demokratischer Nationen zum Widerstand
falsch einschätzen.
Freimut und Realismus gegenüber
den Sowjets haben dem Friedensprozeß
geholfen -i denn sie sind nicht nur
die unerläßliche Bestätigung unserer
eigenen moralischen Stärke, sondern
auch ein Signal an unsere Sowjet-

�ischen Gegenspieler, daß man jeglicher Versuchung der Ausbeutung westlicher
Illusionen widerstehen muß,
weil solche Illusionen nicht länger
existieren.
Heine Damen und Herren, ich habe
von der Zukunft oft als dem frischen
und stärker werdenden Wind der Zukunft gesprochen. In diesem Bild zu
sprechen bedeutet nicht, ein Volk
oder eine Nation zu bedrohen, sondern
nur, die heiligste Hoffnung und den
ältesten Traum der Menschheit zu erneuern: Fine Welt, in der materielle
Wünsche erfüllt und menschliche Freiheit bewahrt werden und Frieden und
Brüderlichkeit unter den Völkern vorherrschen.
Diese Ziele sollten gefeiert und diese Wahrheiten sollten
ohne Entschuldigungen gegenüber irgendjemandem verfolgt werden.
Abschließend möchte ich Ihnen von
einer kleinen Begebenheit berichten,
die ich gestern den Jugendlichen in
Purdue erzählt habe. Ich erhielt einen Brief, in dem ein Mann sagte, daß
man nach Japan gehen und dort leben
könne und nicht Japaner werden könne.
Daß man in die Türkei gehen und dort
leben könne und nicht Türke werde,
oder
nach
Griechenland
und
nicht
Grieche v/erde, oder nach Frankreich
und nicht Franzose werde.

Teil
men
ist
alle

Aber jeder, gleich von welchem
der Welt, kann nach Amerika komund Amerikaner werden.
und es
vielleicht an der Zeit, daß wir
dies begreifen.

- 7 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
15. April 1987

14
KOMMISSION ZUR UNTERSUCHUNG DER SICHERHEIT
IN MOSKAUER BOTSCHAFT EINGESETZT
- Stellungnahme Präsident Reagans -

WASHINGTON - (AD) - In einer Stellungnahme vor Journalisten hat Präsident
Reagan am 7. April 1987 seiner Besorgnis "über die Verletzung der Sicherheit
in unserer Moskauer Botschaft" Ausdruck verliehen.
Er kündigte die Einsetzung von Arbeitsgruppen der Regierung an, die innerhalb von 90 Tagen einen Bericht über die Hintergründe der Affäre vorlegen sollen. Gleichzeitig erklärte er, daß die Vereinigten Staaten ihr neues Botschaftsgebäude in Moskau nur dann beziehen werden, wenn sie von seiner Sicherheit überzeugt sind.
Nachstehend drucken wir die Erklärung des Präsidenten im Wortlaut:

Ich bin heute hierher gekommen,
um Ihnen mitzuteilen, daß ich über
die Verletzung der Sicherheit in unserer Moskauer Botschaft äußerst besorgt bin. Obwohl uns noch nicht alle Fakten bekannt sind, ist deutlich
erkennbar,
daß
die
Angelegenheit
weitreichende
Konsequenzen
für die
Sicherheit haben wird und daß ein
schnelles Handeln erforderlich ist,
um weiteren Schaden für unsere nationale Sicherheit abzuwenden.

Lage

Als vor zwei Wochen der Ernst der
klar wurde, habe ich eine Sit-

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Embassy of the United States of America

zung meiner nationalen Sicherheitsberater einberufen und Frank Carlucci
aufgefordert, unverzüglich mit einer
internen Bewertung des Schadens zu
beginnen. Und heute möchte ich einige zusätzliche Maßnahmen ankündigen.
Die Vereinigten
Staaten werden
ihr neues Botschaftsgebäude in Moskau
nur beziehen, wenn ich mich vergewissert habe, daß wir gefahrlos in ein
abgesichertes Botschaftsgebäude einziehen können.
Ebenso wird es der
Sowjetunion solange nicht gestattet
sein, ihre neuen Einrichtungen in

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�Washington zu beziehen, bis ein Umzug
beider Länder zur gleichen Zeit möglich ist.

wiederum
umfassende Emfehlungen zu
Spionageabwehr und Sicherheitsmaßnahmen, Vorgehensweisen und Verantwortlichkeiten vorlegen soll.

Ich habe den Außenminister angewiesen, die Sicherheit von Botschaften zum einem Haupttagesordnungspunkt
seiner
bevorstehenden Gespräche in
Moskau zu machen, und ich habe den
ehemaligen Verteidigungsminister Mel
Laird gebeten, den Vorsitz über eine
Arbeitsgruppe zu übernehmen, die im
Verantwortungsbereich
des
Außenministers steht und zur Überprüfung und
Bewertung der Lage dienen soll. Außerdem habe ich die Vorsitzende meines Beirates für die Auswertung von
Auslandsnachrichten
(PFIAB),
Botschafterin Anne Armstrong, damit beauftragt, die Abläufe und Maßnahmen
zu überprüfen, die weltweit in unseren Botschaften angewandt werden, um
amerikanische Einrichtungen zu schützen. Ich habe darum gebeten, daß mir
diese beiden Berichte vom Außenminister und vom PFIAB innerhalb von 90
Tagen übergeben werden.
Insbesondere sind sowohl der Außenminister wie auch der PFIAB damit
beauftragt worden, den derzeitigen
Zustand unseres neuen Gebäudes zu beurteilen und gleichzeitig festzustellen, ob das Gebäude jemals wieder sicher sein wird, oder ob ein vollständiger Abriß und Wiederaufbau nötig
ist.
Schließlich habe ich den Außenminister und den Verteidigungsminister
beauftragt, mir Empfehlungen auszuarbeiten, wie man in Zukunft das Sicherheitspersonal an der amerikanischen Botschaft in der Sowjetunion
und in anderen Ländern im Hinblick
auf die Dauer der Dienstzeiten, die
Auswahl der Mitarbeiter und deren Beaufsichtigung handhaben soll.
Diese
Berichte werden mit dem Nationalen
Sicherheitsrat
abgestimmt, der mir
- 2 -

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
r

1*

^

ckS

Dokumentation
15. April 1987

14
GLASNOST UND DER KONSENS IM WESTEN

- Ansprache des amerikanischen Botschafters in Berlin BERLIN - (AD) - In seiner Ansprache anläßlich der 14. Deutsch-Amerikanischen Konferenz der Atlantik Brücke in Berlin hat Botschafter Richard R. Burt
am 11. April 1987 erklärt, der Westen müsse sich sowjetischen Bestrebungen widersetzen, ein von Atomwaffen freies Europa zu schaffen. "Insbesondere müssen
wir Einigung darüber erzielen, daß es eine Grenze gibt, jenseits derer das
Bündnis der Erweiterung der Null-Lösung in der nuklearen Rüstungskontrolle ein
klares 'Nein' entgegenstellen wird." Es müßten "deutliche Verbindungen zwischen den konventionellen und nuklearen Verhandlungen in Europa" hergestellt
werden und weitere Reduzierungen bei den Atomwaffen könnten "nur im Kontext
neuer Fortschritte in Richtung auf ein Gleichgewicht bei den konventionellen
Streitkräften erfolgen".
Die Ansprache von Botschafter Burt hat folgenden Wortlaut:
Ein gutes Mittagessen bietet jedem Redner
eine Herausforderung
insbesondere die, jedermann wachzuhalten. Es ist ebenso eine Gelegenheit, Dinge zu äußern, die ohne eine
Grundlage von gutem Essen und gutem
Wein etwas schwer verdaulich wären.
Meiner Ansicht nach gibt es einige
wichtige Dinge, die gerade jetzt zu
den deutsch-amerikanischen und europäisch-amerikanischen Beziehungen gesagt werden sollten, und ich möchte
Richard Perle versichern, daß ich dabei nicht um den heißen Brei herumreden werde.

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Embassy of the United States of America

Ich
könnte
meine
Ausführungen
kaum an eine geeignetere Zuhörerschaft richten. Sie nehmen als Hüter
der deutsch-amerikanischen Beziehungen an dieser 14. Jahreskonferenz der
Atlantik Brücke teil. Sie sind diejenigen, die in oder außerhalb der
Regierung entscheidenden Einfluß darauf ausüben, was zwischen unseren
beiden Ländern vorgeht.

Ein neues Zeitalter für die OstWest-Beziehungen

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�Wir treten in einen neuen Zeitabschnitt der Ost-West-Beziehungen ein,
mit dem sich eine Reihe wichtiger
Herausforderungen und Chancen eröffnen.
Herrn Gorbatschows "Glasnost"Politik weist auf die Möglichkeit
wichtiger Entwicklungen innerhalb der
sowjetischen
Gesellschaft
hin.
Gleichzeitig haben die Sowjets positiv auf eine seit langem bestehende
Rüstungskontrollinitiative
des
Westens reagiert.
Es besteht jedoch kein Grund zu
der Annahme, daß Gorbatschow versucht, die Sowjetunion in eine Demokratie nach" westlichem Muster umzuwandeln. Es gibt keinen Beweis für
einen Wandel in der geopolitischen
Strategie der Sowjets, keinen Abbau
der
sowjetischen Unterstützung
für
die Diktaturen in Kuba, Nicaragua und
Vietnam, keine Lockerung der Besetzung Afghanistans, keine Auflösung
des osteuropäischen Reiches. Gorbatschow schafft seinem Volk neue Anreize und etwas mehr Preiraum, um die
sowjetische Gesellschaft gefestigter,
effizienter und produktiver zu machen
- so daß die Sowjetunion wirkungsvoller mit dem Westen konkurrieren kann.

die der Westen nutzen kann, wenn wir
uns in den kommenden Monaten über unsere Ziele und Taktiken einigen und
einen
Konsens darüber
herbeiführen
können, wie diese durchzuführen sind.
Meiner Ansicht nach werden wir jedoch
neue Möglichkeiten zur Schaffung einer
sichereren
und
kooperativeren
Grundlage für die Ost-West-Reziehungen
verschenken,
wenn
wir
nicht
schädliche Differenzen bei der Sicherheitsund
Wirtschaftspolitik
ausräumen, die die Zusammenarbeit im
Westen untergraben.
Heute möchte ich über drei Bereiche sprechen, in denen der westliche
und besonders der deutsch-amerikanische Konsens unerläßlich ist, wenn
wir uns die sich durch das neue Zeitalter der Ost-West-Beziehungen bietende Gelegenheit zunutze machen wollen. In solch einem vielversprechenden Moment
können wir
uns
keine
Kirchturmpolitik,
keinen
Provinzialismus
und
keinen
Protektionismus
leisten, wie sie auf beiden Seiten
des Atlantiks zunehmend in Mode kommen.

Wenn "Glasnost" bedeutet, daß der
Wettbewerb zwischen Ost und West auf
eine zivilisiertere Art und Weise
durchgeführt wird als in der Vergangenheit, sollten wir Gorbatschows Bemühungen begrüßen. Aber wie zivilisiert der Wettbewerb auch betrieben
werden mag, es wird dabei dennoch um
Grundsätzliches gehen.
Veränderungen in der Sowjetunion
zwingen westlichen Regierungen eine
Reihe neuer
Dilemmas und Probleme
auf, zu denen Entscheidungen getroffen werden müssen. Die gegenwärtigen
Veränderungen
in
der
Sowjetunion
scheinen eine Gelegenheit zu bieten,
- 2 -

- Erstens müssen wir uns dem Drängen
für
ein
atomwaffenfreies
Westeuropa
widersetzen
und uns
Rüstungskontrollabkommen
entgegenstellen, deren Ergebnis es wäre, Europa de facto in eine atomwaffenfreie Zone umzuwandeln.
- Zweitens müssen wir
uns gegen
mangelhaft durchdachte Vorschläge
für einen erheblichen Abbau amerikanischer Kampftruppen auf europäischem
Boden
wenden
und
gleichzeitig
romantische
Ideen
zurückweisen,
westeuropäische
Streitkräfte rein defensiv umzurüsten.
- Drittens müssen wir auch dem zunehmenden Druck für einen wirt-

�schaftlichen Protektionismus entgegentreten, der verheerende Auswirkungen auf den Welthandel hätte
und
ernstliche
politische
Spannungen hervorbringen würde.

Jenseits der Null-Lösung; Ein
sicherheitspolitisches Konzept für
Europa

Ich persönlich glaube und habe
auch schon an anderer Stelle darauf
hingewiesen, daß die Abschaffung aller
SS-20,
Pershing-Raketen
und
Marschflugkörper in Europa sowie die
Reduzierung der SS-20 in Asien westlichen Interessen entgegenkommen würde:

Lassen Sie mich zunächst auf das
Problem
der
Atomwaffen
eingehen.
Zwei Generationen von Amerikanern und
Europäern haben ein System der Sicherheit
errichtet und verbessert,
das Westeuropa seit vierzig Jahren
Stabilität und Freiheit geboten hat.
Es hat viele Umwälzungen gegeben,
aber die Grundlage dieses Systems ist
immer noch das anhaltende Engagement
der amerikanischen atomaren und konventionellen Macht in Europa.
Diese Grundlage könnte durch eine
kluge sowjetische Rüstungskontrollpolitik sowie durch mangelnde Einheitlichkeit im strategischen Denken des
Westens untergraben werden.
Wie jede Rüstungskontrollverhandlung und wie auch jeder Handel mit
einem Gegner waren die Verhandlungen
über Mittelstreckenwaffen umstritten
und sind dies umso mehr, je näher sie
ihrem Abschluß entgegen gehen.
Als Präsident Reagan im November
1981
die
"Null-Lösung"
vorschlug,
wurde dies von manchen als kluger Eröffnungszug zu komplexen Verhandlungen bejubelt und von anderen als Behinderung des Fortschritts verdammt.
Nur dadurch, daß die Sowjets dieses
Konzept als Grundlage für ein Abkommen akzeptiert haben, hat die NullLösung als Basis einer neuen strategischen Realität in der Öffentlichkeit zu Diskussionen Anlaß gegeben.

- 3 -

- Solch ein Abkommen wird, wenn
auch in geringem Maße, die Gefahr
eines Atomkrieges abbauen, Spannungen zwischen Ost und West lindern und die Aussichten auf einen
zukünftigen Rüstungsabbau verbes-'
sern.
- Der mit solch einem Handel einhergehende Austausch ist für den
Westen günstig.
Die NATO würde
572 noch nicht vollständig stationierte Pershings und Marschflugkörper im Austausch für die
Zerstörung von 1224 gegenwärtig
stationierten Gefechtsköpfen auf
SS-20 Raketen aufgeben. Bei einem
fehlenden Abkommen
könnten
die
Sowjets
ihre Stationierung
von SS-20 und deren Nachfolgesystemen verstärkt fortsetzen.
- Eine "Null-Lösung" wird wirkungsvoll die Fähigkeit der Sowjets
beschneiden, Europa mit atomarer
Zerstörung von einem sowjetischen
Sanktuarium aus zu bedrohen. Die
Sowjetunion
wird eine wichtige
militärische Option und ein politisches Instrument verlieren - es
wird ihr das Ziel verweigert werden, für das sie die SS-20 zunächst gebaut und stationiert hat.
- Schließlich wird der Abschluß einer solchen Übereinkunft das Vertrauen der Öffentlichkeit in die
Fähigkeiten
des Bündnisses zur
Handhabung der Ost-West Beziehungen erheblich stärken.
Er wird
die Unterstützung für die atlan-

�tischen Beziehungen erhöhen. Er
wird
diejenigen
rechtfertigen,
die sich, wie Präsident Reagan,
Bundeskanzler Kohl und Premierministerin Thatcher ernsthaft für
die europäisch-amerikanische Zusammenarbeit einsetzen und die in
den schwierigen frühen achtziger
Jahren für das Bündnis einstanden. Er wird den Beweis erbringen, daß wir nur ein Gleichgewicht durch Rüstungskontrolle erlangen können, wenn wir uns auch
- falls erforderlich - dazu bereit finden, ohne Rüstungskontrolle auszukommen. Das alte Paradoxon, daß wir "rüsten müssen,
um abzurüsten" wird sich als berechtigte Politik bestätigen.
Die Null-Lösung beinhaltet jedoch
auch Risiken.
Die NATO gibt damit
sowohl Waffen als auch militärische
Optionen auf - Waffen und Optionen,
bei denen wir bedeutende finanzielle
und erhebliche politische Investitionen vorgenommen haben.
Gleichzeitig
erhöht jedes Rüstungskontrollabkommen
mit seinem Abschluß die Bedeutung
dessen, was keiner Kontrolle unterliegt. Im Falle eines INF-Abkommens
erlangt das bestehende Ungleichgewicht bei den
Kurzstreckensystemen
sowie den konventionellen Streitkräften und chemischen Waffen zunehmende
Bedeutung. Aus diesem Grunde hat der
auf der Null-Lösung basierende Ansatz
für ein INF-Abkommen zu einer Reihe
von Einwänden
seitens aufmerksamer
und besorgter Beobachter Anlaß gegeben.
- Erstens besteht die Befürchtung,
der Abzug amerikanischer Pershing
II und Marschflugkörper aus Europa könnte die Verknüpfung zwischen
amerikanischer
strategischer Abschreckung und der Verteidigung Europas schwächen.

- Zweitens wurde die Sorge geäußert, die Strategie der flexiblen
Reaktion des Bündnisses sei ohne
die durch amerikanische Raketen
gebotene Fähigkeit zur Eskalation
nicht mehr realisierbar.
- Drittens besteht weitverbreitete
Besorgnis darüber - und dies ist
vielleicht der wichtigste Punkt
-, daß die Erlangung einer NullLösung bei Mittelstreckenraketen
längerer Reichweite in Europa unweigerlich zu einer Null-Lösung
bei allen Atomwaffen in Europa
führen könnte.
Durch die atomwaffenfeindliche Haltung zu beiden Seiten des Atlantiks könnten
westliche
Regierungen
so unter
Druck gesetzt werden, daß sie
weitere Abkommen schließen, die
Europa
gänzlich ohne nukleares
Abschreckungspotential
beließen.
Und die Sowjets könnten sehr wohl
bereit sein, ihre Kurzstreckensysteme aufzugeben und sich auf ihre Überlegenheit im konventionellen Bereich zu verlassen, um einen atomwaffenfreien Kontinent zu
beherrschen.
Diese Sorgen sind berechtigt und
ich teile sie. Aber ich glaube, daß
ein Abkommen über eine Null-Lösung
bei den INF-Raketen längerer Reichweite ein Risiko darstellt, das einzugehen sich lohnt. Gleichzeitig ist
es ein Risiko, das sorgfältige Überlegung und vorausschauende Vorbereitung
unsererseits
erfordert.
Wir
könnten uns bald einer neuen strategischen und politischen Situation gegenübersehen, die durch den Abzug
amerikanischer und sowjetischer Raketen längerer Reichweite aus Europa
hervorgerufen würde. Bevor diese Situation eintritt, müssen wir im Bündnis ein gemeinsames Konzept erarbeitet haben, wie wir diesen veränderten
Umständen gerecht werden und was wir

�als nächstes tun sollen.
Bevor wir
uns von der öffentlichen Meinung und
dem Druck seitens der Sowjetunion zur
Schaffung eines atomwaffenfreien Europa hinreißen lassen, müssen wir uns
auf eine alternative Strategie und
die Sicherung öffentlicher Unterstützung für diese sowie auf eine Reihe
alternativer
Zielsetzungen
für die
RüstungskontrollVerhandlungen einigen.
Bei Inangriffnahme dieser Aufgabe
sollten wir uns fragen, warum Gorbatschow die Null-Lösung bei INF überhaupt akzeptiert hat.
Die Antwort
besteht zum Teil darin, daß das Bündnis
angesichts
des
sowjetischen
Drucks und des öffentlichen Protests
Entschlossenheit gezeigt hat, als es
darum ging, die Stationierung von Raketen voranzutreiben.
Die sowjetische Kampagne der Angst, die das
Bündnis von der Stationierung der
INF-Systeme
abbringen
sollte, hat
nicht funktioniert. Aber wir sollten
uns nichts vormachen.
Wie ich bereits angedeutet habe, könnte Gorbatschows Entscheidung auch den bewußten
ersten Schritt
in einer
Strategie
darstellen, der NATO ihre nukleare
Abschreckung zu entziehen und somit
Europa den überlegenen konventionellen Streitkräften der Sowjets als
Geisel zu überlassen.
Das Bündnis
braucht daher nicht nur eine eigene
Strategie für zukünftige Verhandlungen, sondern auch politischen Mut Mut, um der unvermeidlichen Euphorie
zu widerstehen, die mit einem neuerlichen INF-Abkommen einhergehen wird.
Soweit ich das für die Zukunft
beurteilen kann, wird sich die Sicherheit des Westens auf nukleare Abschreckung
verlassen
müssen.
Das
wird bestimmt solange der Fall sein,
wie die Sowjets eine überwältigende
Überlegenheit bei den konventionellen
Streitkräften und chemischen Waffen
haben und solange, wie die sowjet-

ische Regierung weiterhin Gewalt und
die Androhung von Gewalt als Instrumente internationaler Politik anwendet.
Wenn der Westen sich weiterhin
auf Abschreckung verlassen muß, muß
Europa - und hier besonders die Bundesrepublik Deutschland - weiterhin
seine Sicherheitspolitik auf die erweiterte
Abschreckung
stützen, das
heißt, auf den nuklearen Schirm der
Vereinigten Staaten.
Meiner Ansicht nach hängt die
Glaubwürdigkeit
der
amerikanischen
nuklearen
Garantie
letztlich
immer
noch von der Stationierung umfangreicher
konventioneller
und strategischer
Streitkräfte der Vereinigten
Staaten in Europa ab.
Insbesondere
kann nur die Stationierung einer bedeutenden Anzahl und Vielfalt amerikanischer Atomwaffen in Europa die
unerläßliche Verbindung zwischen den
konventionellen Fähigkeiten des Bündnisses auf der einen und dem amerikanischen strategischen Abschreckungspotential
auf
der
anderen
Seite
schaffen. Und wenn wir nicht den politischen Willen besitzen, diese Waffen auf dem Territorium in Stellung
zu bringen, das zu verteidigen sie
bestimmt sind, wie könnte dann irgend
jemand glauben, daß wir entschlossen
sind, sie auch zu benutzen? Wir müssen George Shultz' Konzeption von einer "weniger nuklearen Welt" im Licht
dieser grundlegenden Prinzipien verstehen - sie ist keine Formel für ein
von Atomwaffen freies Europa.
In der Welt nach der Null-Lösung
werden eine erweiterte Abschreckung
und die flexible Reaktion weiterhin
ihre Gültigkeit als strategische Konzeptionen besitzen. Wir können diese
Konzeptionen mit einer geringeren Anzahl von Atomwaffen anwenden als wir
zur Zeit besitzen - dies ist aber nur

- 5 -

�dann möglich, wenn die strategische
Verpflichtung Amerikas in einer anhaltenden nuklearen Präsenz der Vereinigten Staaten in Europa verankert
bleibt.
Die Haltung des Westens bei den
RüstungskontrollVerhandlungen
muß
auch nach der Erreichung der "NullLösung" in den Verhandlungen über
Mittelstreckenraketen von der Notwendigkeit einer Aufrechterhaltung der
erweiterten
Abschreckung
bestimmt
sein.
Das Bündnis muß umgehend zu
einem Konsens über die Führung dieser
Anschlußverhandlungen kommen und einen
konzeptionellen
Rahmen entwikkeln, der es uns gestatten wird, alle
möglichen
Ergebnisse
auszuwerten.
Insbesondere müssen wir Einigung darüber erzielen, daß es eine Grenze
gibt, jenseits derer das Bündnis der
Erweiterung der Null-Lösung in der
nuklearen Rüstungskontrolle ein klares "Nein" entgegenstellen wird.
Zusätzlich müssen wir die Beziehung zwischen Verhandlungen über nukleare Streitkräfte in Europa und Bemühungen untersuchen, auf dem Verhandlungswege Reduzierungen der konventionellen Streitkräfte zu erreichen.
Diese Gespräche sollten sich
auf die Streitkräftekategorien
mit
offensiven Fähigkeiten konzentrieren,
besonders auf gepanzerte Kräfte und
Artillerie.
Wir
sollten deutliche
Verbindungen zwischen den konventionellen und nuklearen Verhandlungen in
Europa in Betracht ziehen und klarstellen, daß es einen Punkt gibt, an
dem wir nicht zu weiteren Reduzierungen der nuklearen Kräfte der NATO bereit sind, außer im Kontext neuer
Fortschritte
in
Richtung
auf
ein
Gleichgewicht bei den konventionellen
Streitkräften.

Die Herausforderung der konven-

tionellen Verteidigung
Damit komme ich zu der zweiten
Gruppe von Herausforderungen, denen
wir uns stellen müssen. Das Engagement der amerikanischen Nuklearmacht
ist nur eine Dimension der westlichen
Strategie. Das Engagement amerikanischer
konventioneller
Streitkräfte
ist ebenso unverzichtbar - und mit
der Annäherung an eine weniger nukleare Welt wird es noch wichtiger werden.
Es ist deshalb beunruhigend, das
Entstehen
einer
unheiligen Allianz
zwischen Elementen der europäischen
Linken
und
einigen
amerikanischen
Konservativen zu beobachten, die den
Abbau der amerikanischen Truppenpräsenz in Europa zum Ziel hat.
Auf
der
amerikanischen
Seite
gründet sich die Argumentation für
einen erheblichen oder totalen Abzug
amerikanischer Truppen aus Europa auf
drei schwerwiegende Trugschlüsse:
Erstens, daß wir dadurch enorme
Finanzmittel einsparen würden. Einige behaupten, die amerikanische Verpflichtung für die NATO koste uns bis
zu 150 Milliarden Dollar jährlich.
Sie meinen, wir könnten dieses Geld
einfach durch den Abzug aus Europa
einsparen - ein leichter und politisch schmerzloser Ausweg aus unseren
Haushalts- und Handelsbilanzdefiziten.
Nun, dies ist wirklich ökonomischer Voodoo-Zauber . Wir würden diese Einsparungen nicht vornehmen können, wenn aus Europa abgezogene Truppen in die Vereinigten Staaten oder
andere Regionen verlegt würden. Ja,
eine Verlegung würde letzten Endes
wahrscheinlich mehr kosten als wir
heute ausgeben.
Die

- 6

Vereinigten

Staaten

werden

�nur dann beträchtliche Einsparungen
erzielen, wenn die aus Europa abgezogenen Truppen demobilisiert werden.
Wenn dies der dahinterstehende Gedanke ist, dann sollten diejenigen, die
ihn unterstützen, offen kundtun, daß
sie einen ungeheuren Schritt einseitiger Abrüstung anstreben.
Der zweite Trugschluß kommt in
der
Behauptung
zum Ausdruck, die
strategische Bedeutung Westeuropas im
Vergleich zu anderen Regionen sei im
Schwinden
begriffen.
Zbigniew
Brzezinski
hat darauf hingewiesen,
daß die amerikanischen Interessen in
Regionen wie dem Persischen Golf,
Südwestasien und Mittelamerika direkt
bedroht sind.
Er argumentiert, daß
eine Truppenverminderung
in Europa
uns besser in die Lage versetzt, auf
Krisen in diesen und anderen Regionen
zu reagieren.
Leider teilen die Sowjets Zbigs
Einschätzung nicht.
Sie betrachten
Europa weiterhin als den entscheidenden strategischen Gewinn.
Die meisten, am besten ausgerüsteten und
ausgebildeten
sowjetischen
Streitkräfte sind gegen Westeuropa aufgestellt.
Diese
Streitkräfte
sind
ständig
stärker
geworden,
nicht
schwächer. In dem Ausmaß, in dem wir
Bedrohungen in anderen Regionen ausgesetzt sind, müssen wir uns diesen
stellen. Aber wenn wir dies nur dadurch versuchen, daß wir Truppen aus
Europa abziehen, machen wir es lediglich wahrscheinlicher, daß Konflikte
andernorts auf Europa überspringen,
wo wir nach einem Truppenabzug ernstlich im Nachteil wären.
Der dritte Trugschluß bezüglich
eines Truppenabzugs ist der schlimmste von allen. Er manifestiert sich
in dem Argument, daß sich die Europäer zusammenreißen und mehr für sich
selbst tun würden, wenn die Amerika-

ner weniger für Europa täten.
In
dieser Idee zeigt sich ein grundsätzliches Mißverständnis der
heutigen
Realitäten in Europa.
Teilweise ist gerade durch die
von der amerikanischen Truppenpräsenz
in Europa gewährte Stabilität die
allmähliche Annäherung Westeuropas an
wirtschaftliche und politische Einheit ermöglicht worden.
Die Befürworter eines amerikanischen Rückzugs
können nicht erklären, wie ihre Politik einen Antrieb für die noch stärkere Einheit bilden könnte, die für
die Entwicklung
eines
integrierten
westeuropäischen VerteidigungsSystems
notwendig ist. Selbst die Franzosen
erklären, daß die amerikanische Militärpräsenz
noch
unersetzlich
ist.
Sie sagen offen, daß sie nicht in der
Lage wären, die amerikanische Sicherheitsgarantie für die Bundesrepublik
Deutschland durch eine eigene zu ersetzen .
Natürlich
leisten die Europäer
schon jetzt eine großen Beitrag zur
Verteidigung der NATO.
Die meisten
unter Ihnen wissen zum Beispiel, daß
in Mitteleuropa über die Hälfte der
NATO-Truppen, 60 Prozent ihrer Kampfpanzer und 30 Prozent ihrer Kampfflugzeuge von den Deutschen gestellt
werden.
Die
Bundesrepublik
zahlt
über ein Viertel des NATO-Infrastrukturprogramms , fast so viel wie die
Vereinigten Staaten. Sie leistet bedeutende Militärhilfe
an Griechenland, die Türkei und Portugal. Ein
erweiterter
Blick auf das Bündnis
zeigt, daß die Europäer 90 Prozent
der Landstreitkräfte, 75 Prozent der
Seestreitkräfte und 50 Prozent der
Luftstreitkräfte der NATO in Westeuropa stellen.
Die "unaufrichtigen"
europäischen Verbündeten stationieren
Hunderte von amerikanischen mobilen
Raketen auf ihrem Boden während wir
Amerikaner noch nicht einmal eine

- 7 -

�einzige landgestützte mobile
in Stellung gebracht haben.

Rakete

Bei
Berücksichtigung
des
proKopf-Beitrags stellen die Amerikaner
mehr Geld, die Europäer mehr menschliches Potential für die gemeinsame
Verteidigung zur Verfügung. In einer
idealen Welt würde man sich vielleicht ein größeres europäisches Verteidigungsbudget und die Wehrpflicht
in Amerika wünschen, aber die heutige
Realität ist das Produkt einer historischen Entwicklung, die nur allmählich überwunden werden kann.
insgesamt gibt es keinen Grund
anzunehmen, daß eine Verminderung der
amerikanischen
Bemühungen hier
die
Europäer stimulieren würde, mehr für
die Verteidigung auszugeben, genausowenig wie man annehmen könnte, daß
Kürzungen in den europäischen Verteidigungshaushalten
die
Vereinigten
Staaten
zur
Wiedereinführung
der
Wehrpflicht veranlassen würden.
Ich
bin davon überzeugt, daß eine Verminderung der amerikanischen Truppenpräsenz genau den gegenteiligen Effekt
hätte.
Amerikanische Truppenverminderungen
würden
gerade
diejenigen
entmutigen, die sich für verstärkte
europäische
Verteidigungsbemühungen
einsetzen. Ein Abzug würde die Linken in Europa stärken, die behaupten,
die Vereinigten Staaten seien ein unzuverlässiger Verbündeter und die einer einseitigen Abrüstung als Mittel
zur Erzielung einer Verständigung mit
der Sowjetunion das Wort reden.
Somit spielen konservative Kritiker des Bündnisses in den Vereinigten
Staaten den linken Gegnern der NATO
in Europa in die Hände. Hier entspringt das Gerede von einer "Europäisierung
Europas" einer Neigung,
die Präsenz und Haltung der amerikanischen
und
sowjetischen
Truppen
gleichzusetzen und diese Präsenz als

Ursache anstatt als Symptom der Teilung Europas anzusehen. Entgegen allen historischen Erfahrungen besteht
Sympathie für die Ansicht, die Sowjets seien in Osteuropa verblieben,
weil die Amerikaner im Westen geblieben seien und daß sie abziehen würden, wenn wir das gleiche täten.
Die Endziele der amerikanischen
Unilateralisten und der europäischen
Linken sind einander entgegengesetzt.
Dies bedeutet aber nicht, daß sie bei
der Erreichung ihres Nahziels erfolglos sein werden - der Schwächung der
amerikanischen Verpflichtung für Europa.
Diejenigen unter uns, die an
die fortdauernde Bedeutung der atlantischen Bindung glauben - und ich
hoffe, daß dazu alle der heute hier
Versammelten gehören - sollten diese
Möglichkeit besser erkennen.
Die von mir angebotenen Rezepte
sind leichter auszusprechen als zu
verwirklichen.
Während wir uns auf
eine weniger nukleare Welt zubewegen,
muß Europa mehr, nicht weniger, für
seine
konventionelle
Verteidigung
tun.
Es muß sicherlich einäugigen
Vorschlägen
widerstehen, durch die
die europäischen Streitkräfte jeglicher Fähigkeit zur Durchführung offensiver Operationen beraubt würden.
In der Zwischenzeit muß der Kongreß
davon überzeugt werden, daß der langsame aber in den vergangenen beiden
Jahrzehnten stetige Aufwärtstrend bei
den
europäischen
Verteidigungsanstrengungen nur dann aufrechtzuerhalten ist, wenn die Vereinigten Staaten
weiterhin ihren Beitrag leisten.
Das Bündnis muß auch zu einem
besseren Verständnis der Sicherheitszusammenarbeit außerhalb Europas gelangen, wodurch die Vereinigten Staaten in die Lage versetzt werden, ihre
hier stationierten Streitkräfte wirkungsvoller für mögliche Einsätze au-

�ßerhalb ihres eigentlichen Stationierungsgebiets zu verwenden. Die Europäer selbst sollten mehr Verantwortung für den Schutz und die Förderung
westlicher Interessen in Gebieten der
Dritten Welt von entscheidender Bedeutung übernehmen. Wenn Europa dies
tut, sollten die Vereinigten Staaten
bereit
sein, engere
Konsultationen
durchzuführen und einseitige Lösungen
zu vermeiden.
Letzten Endes läuft alles auf das
folgende hinaus: zu einer Zeit, in
der wir
unser nukleares Abschrekkungspotential
reduzieren und über
gegenseitige Reduzierungen der konventionellen Streitkräfte verhandeln,
wäre ein einseitiger Abzug amerikanischer Truppen aus Europa bestenfalls
ein Hasardspiel.
Leider scheint es auf beiden Seiten des Atlantiks zu viele Möchtegernspieler
zu
geben.
Wir
haben
jetzt eine bedeutende Chance, unsere
Zusammenarbeit im Bereich der konventionellen Verteidigung zu festigen.
Es wäre eine Schande, wenn sich die
zu erwartenden politischen Dividenden
eines historischen Rüstungskontrollabkommens im nuklearen Bereich in gegenseitigen Beschuldigungen oder in
der Zurückweisung romantischer Phantasien auflösen würden anstatt dafür
verwendet zu werden, die Unterstützung der Öffentlichkeit für die Erfordernisse unserer gemeinsamen Verteidigung zu gewinnen.

Die wirtschaftliche Dimension der
westlichen Sicherheit
Ebenso wäre es eine Schande, wenn
wir wirtschaftliche Differenzen ausufern ließen.
Wir neigen dazu, die wirtschaftliche Dimension der Sicherheit außer

acht zu lassen oder zumindest herunterzuspielen.
Nach vier Jahrzehnten
des Wohlstands haben wir vergessen,
daß Wirtschaftspolitik ein integraler
Bestandteil
der
Sicherheitspolitik
ist. In einem neuen Buch mit dem Titel "Economic Security and the Origins of the cold War" weist Robert
Pollard, der gegenwärtig Mitarbeiter
in unserem Münchner
Konsulat ist,
darauf hin, daß "die politisch Verantwortlichen
in
den
Vereinigten
Staaten die Wirtschaftspolitik gegenüber dem Ausland von 1945 bis zum
Vorabend des Korea-Krieges als Hauptinstrument der amerikanischen Sicherheit benutzten" und daß "die wirtschaftliche Zusammenarbeit der wichtigsten
nichtkommunistischen
Mächte
nach dem Zweiten Weltkrieg die Aussichten für eine politische und militärische
Partnerschaft
grundlegend
verbesserte".
Heute, genau wie in der unmittelbaren Nachkriegszeit gilt, daß die
wirtschaftliche, politische und militärische
Partnerschaft
Teil
eines
Ganzen sind und daß, wie Pollard
feststellt, "wirtschaftliche Spannungen dem Bündnis irreparablen Schaden
zufügen könnten, wenn sie nicht eingedämmt werden".
Lassen Sie mich betonen, daß ich
damit nicht ein "Junktim" von sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen
Themen in manipulativer Weise andeuten möchte.
Es wäre unverantwortlich, den amerikanischen
nuklearen
Schutzschild oder die amerikanischen
Truppen
in Europa als Druckmittel
einzusetzen, um unseren Verbündeten
wirtschaftliche Konzessionen abzugewinnen.
Es steht jedoch eine der herausragendsten Errungenschaften der Nachkriegszeit, die Schaffung eines offenen westlichen
Handelssystems, auf

- 9 -

�dem Spiel. Auf beiden Seiten des Atlantiks können wir ein Wiederaufleben
Protektion istischer
Einstellungen,
wirtschaftlicher Kirchturmpolitik und
wirtschaftlicher Alleingänge beobachten.
Es ist das gewaltige amerikanische Handelsbilanzdefizit, das zur
Zeit
zur
größten
Besorgnis
Anlaß
gibt.
Das amerikanische Handelsbilanzdefizit
würde
natürlich
stark
verringert, wenn wir eine wirtschaftliche Rezession oder einen Sturz des
Dollars erleben würden. Entwicklungen dieser Art, die den Vereinigten
Staaten kurzfristig zu einer etwas
ansehnlicheren Handelsbilanz verhelfen könnten, würden jedoch alle treffen - nicht nur die Amerikaner, sondern auch die Europäer.
Die
Reagan-Administration
beabsichtigt, ihre Bemühungen zur Reduzierung des Haushalts- und Handelsbilanzdefizits
fortzuführen
und eine
solide Wirtschaftspolitik zu verfolgen, die auf die Aufrechterhaltung
eines vernünftigen Maßes an nichtinflationärem
Wachstum
ausgerichtet
ist.
Dies wird nur möglich sein,
wenn die freien Industrienationen bei
der weiteren Öffnung der Weltwirtschaft zusammenarbeiten können.
Schnelleres
Wachstum
außerhalb
der Vereinigten Staaten bildet einen
wesentlichen Bestandteil dieser Öffnung. Politische Maßnahmen, die eine
Verlangsamung
des
Wirtschaftswachstums und Unterdrückung der Gesamtnachfrage zur Folge haben, verhindern
Importe beinahe ebenso wirksam wie
Zölle und Quoten. In den vergangenen
Jahren hat Amerika die gesamte Weltwirtschaft mit sich gezogen.
Zwischen 1980 und 1982 belief sich das
Weltwirtschaftswachstum
im
Durchschnitt auf weniger als 1,5 Prozent
und verdoppelte sich in den nächsten

drei Jahren hauptsächlich weil sich
die Importe der Vereinigten Staaten
aufgrund der schnell wachsenden amerikanischen Wirtschaft um nahezu 40
Prozent
erhöhten.
Die Vereinigten
Staaten nahmen vom Zuwachs der Exporte der Entwicklungsländer mehr auf
als die gesamte übrige Welt.
Die Industrieländer profitierten
ebenfalls enorm von der wachsenden
amerikanischen Nachfrage.
Von 1983
bis 1986 wurden die Exporte der Bundesrepublik in die Vereinigten Staaten nahezu verdoppelt.
Da die Inlandsnachfrage in der Bundesrepublik
jedoch sehr viel langsamer anstieg
als in den Vereinigten Staaten, hielten die Importe nicht Schritt. Der
Überschuß
der
Bundesrepublik
beim
Handel mit den Vereinigten Staaten
belief sich auf mehr als 800 Prozent
und im vergangenen Jahr machte dieser
Überschuß mehr als ein Viertel des
gesamten deutschen Handelsüberschusses aus.
In dem Maße, in dem es den Vereinigten Staaten gelingt, ihr Handelsbilanzdefizit zu verringern, sehen sich die Exportländer gezwungen,
einen Ausgleich für die durch das
amerikanische Handelsbilanzdefizit in
der Vergangenheit bedingte Nachfrage
zu schaffen - oder sie sehen sich
ernsthaften
Schwierigkeiten
gegenüber.
Weltwirtschaftswachstum
ist
der einzige Weg, diese Nachfrage zu
wecken. Daher ist die Förderung des
ausgewogenen
und
anhaltenden,
auf
stabile währungs-, Steuer- und strukturpolitische
Maßnahmen
gegründeten
Wachstums durch die jeweiligen Länder
unerläßlich.
Wachsende Märkte haben jedoch nur
für diejenigen einen Wert, die Zugang
zu diesen Märkten haben. Der Marktzugang
ist elementarer
Bestandteil
eines offenen
internationalen Han-

- 10 -

�delssystems
- und
einer
wirksamen
wirtschaftlichen
Partnerschaft
zwischen den westlichen Staaten.
Inzwischen sollten bereits jedem
Kind die Folgen des Protektionismus
bekannt sein. Dem freien Handel entgegengestellte
Hemmnisse
- einschließlich künstlicher Exportsubventionen
- führen
zu
einer
unwirtschaftlichen
Nutzung
knapper Wirtschaftsressourcen
und
verlangsamen
damit das Wirtschaftswachstum, hemmen
Innovationen und behindern die Verbreitung neuer Technologien. Protektionismus verringert die Produktivität.
Durch Protektionismus werden
mehr Arbeitsplätze zerstört als neue
geschaffen.
Er führt zu einer Verzerrung der Märkte, Wechselkurse und
Kapitalflüsse.
Eine protektionistische Politik ist selten nützlich für
das Land als Ganzes, sondern nur für
einzelne
Interessengruppen.
Und
selbst "geschützte" Produzenten verlieren
häufig mehr Verkaufsanteile
auf ausländischen Märkten als sie auf
heimischen Märkten gewinnen.

Politischer Druck zur Bewältigung von
Inflation und Arbeitslosigkeit, die
sich wandelnde internationale Wettbewerbsstruktur
und
die
Forderungen
einzelner Interessengruppen drohen zu
einer immer protektionistischeren Politik auf beiden Seiten des Atlantiks
zu führen.
In
den
Vereinigten
Staaten
herrscht die weitverbreitete Ansicht,
daß die anderen Länder amerikanische
Exporte nicht so sehr nach den Regeln
des redlichen Wettbewerbs behandeln,
wie dies mit deren Exporten in die
Vereinigten
Staaten der Fall ist.
Das
hohe
Handelsbilanzdefizit
der
Vereinigten Staaten wird von den Amerikanern als ein Beweis dieses Arguments angesehen.

Um die möglichen Folgen des Protektionismus
in
seiner
extremsten
Form auszumachen, brauchen wir uns
nur die sowjetische Wirtschaft anzusehen.
Parteichef Gorbatschow ringt
wie jeder sowjetische Parteiführer in
den vergangenen 30 Jahren mit einem
Wirtschaftssystem, das - abgeschirmt
von der Konkurrenz von außen - nicht
in der Lage ist, genügend Wohlstand
zu erzeugen, um dem sowjetischen Volk
einen annehmbaren Lebensstandard zu
geben.

Der Präsident hat bis heute dem
Ruf nach mehr Protektionismus mit
großem politischem Mut widerstanden.
Im vergangenen Jahr verhinderte er
neue Bestrebungen nach Schutzzöllen
für die Produkte der Textil-, Druckund der heimischen Schuhindustrie.
Es wird schwieriger werden, diesen
Grundsatz in diesem Jahr beizubehalten. Viele der neuen Kongreßmitglieder haben in ihren Wahlkreisen Unterstützung für von Importen verdrängte
Arbeitnehmer und Industrien versprochen.
Und jetzt, da die Wahlkampfvorbereitungen
für
die
Präsidentschaftswahl im Jahr 1988 getroffen
werden, ergreifen einige Kandidaten
schon Partei für eine protektionistische Gesetzgebung
als ein Mittel,
sich die Unterstützung der Öffentlichkeit zu sichern.

Wir in der westlichen Welt legen
Lippenbekenntnisse für die Vorteile
des freien Handels ab. Aber wir alle
scheinen
unsere eigenen nationalen
Entschuldigungen für einmal getroffene Entscheidungen zu haben, die das
offene Welthandelssystem untergraben.

Protektionismus - und, als Spiegelbild
dessen,
Exportsubventionen
und Ausfuhrkredite - sind nicht die
einzigen Ursachen des amerikanischen
Handelsbilanzdefizits.
Wie ich bereits ausgeführt habe, spielt das
schnelle
amerikanische
Wirtschafts-

- 11 -

�kaum weiterbestehen könnten.

Wachstum eine große Rolle.
Und es
trifft ebenfalls zu, daß die mit einem sehr großen heimischen Absatzmarkt gesegneten amerikanischen Firmen
ihre Exportmöglichkeiten
nicht
entsprechend oder schnell genug entwickelt haben. Es ist jedoch unehrlich, wenn Deutsche behaupten, daß
die amerikanische Wirtschaft nicht
wettbewerbsfähig sei und dies zu einem Zeitpunkt, zu dem sie die Schutzmaßnahmen der Bundesrepublik für Kohle und Stahl, Schiffswerften, Fluglinien und Flugzeugindustrie, Telekommunikations- und
Rüstungsindustrie
und die Bauern vehement verteidigen.
Dem Verkauf amerikanischer Produkte
werden in Europa zunehmend Hemmnisse
in den Weg gelegt und zwar genau in
den Bereichen, in denen sie am wettbewerbsfähigsten sind.
Lassen Sie mich einige Beispiele
hierzu anführen.
- Die gemeinsame Agrarpolitik fördert den subventionierten Wettbewerb mit den amerikanischen Bauern sowohl auf den heimischen europäischen als auch auf den ausländischen Märkten und dies mit
einem
gewaltigen
Kostenaufwand
für den europäischen Steuerzahler.
- Umfangreiche und strikte Zulassungs- und Wettbewerbsregeln verhindern den Verkauf von ausländischem Telekommunikationsgerät und
den damit verbundenen Dienstleistungen in Europa. Regierungseigene
Telekommunikationsmonopole
kaufen
überwiegend
inländische
Produkte.
- Die europäischen Regierungen haben Millarden von D-Mark, Francs
und Pfund in Programme zum Bau
von
zivilen
Transportflugzeugen
investiert, die ohne diese Subventionen
höchstwahrscheinlich

- In weiten Bereichen der Rüstungsindustrie werden mit kostenintensiven europäischen Entwicklungsprogrammen
Fähigkeiten
erneut
entwickelt, die bereits von Anbietern in den Vereinigten Staaten geliefert werden.
Ich bin
ein Befürworter der deutsch-französische Zusammenarbeit auf dem
Gebiet der Sicherheit. Aber ist
es wirklich sinnvoll, wenn diese
beiden Länder Milliarden für die
Entwicklung eines neuen Angriffshubschraubers ausgeben, der nicht
vor Ende des nächsten Jahrzehnts
einsatzbereit sein wird, wenn ein
vergleichbares amerikanisches System bereits jetzt zur Verfügung
steht?
Wenn die Handelspartner der Vereinigten Staaten den Fluß der amerikanischen Handelsgüter genau dort umleiten, wo sie am wettbewerbsfähigsten sind, müssen sie sich nicht wundern, wenn der Ruf lauter wird, dasselbe mit ihren Handelsgütern vorzunehmen, ich bin kein Verfechter dieses Kurses. Ebensowenig ist der Präsident ein Verfechter dieses Kurses.
Es bedarf jedoch nicht viel Phantasie, sich seine Anziehungskraft für
eine Wählerschaft vorzustellen, die
davon überzeugt ist, ungerecht behandelt zu werden.

Auf dem Weg zu einer neuen internationalen Zusammenarbeit
Die Aufrechterhaltung eines lebensfähigen nuklearen Abschreckungspotentials, das anhaltende Engagement
amerikanischer
konventioneller
Streitkräfte in Europa, der Schutz
des offenen Handelssystems - dies alles ist von vorrangiger Bedeutung für
unsere Sicherheit.
Wie ich heute

- 12 -

�schon betont habe, sieht sich jedoch
unsere Fähigkeit, einen Konsens über
eine durchführbare Politik auf diesen
Gebieten zu erzielen, von der wachsenden Neigung zu amerikanischem Alleingang und europäischer Kirchturmpolitik bedroht.
Wie die diesjährige Veröffentlichung der jährlich vom Chicagoer Rat
für Auswärtige Beziehungen durchgeführten Meinungsumfrage über die amerikanische Außenpolitik belegt, ist
sich die Mehrzahl der Amerikaner der
weltweiten Verantwortung ihres Landes
bewußt und versteht die Notwendigkeit
von Konsultationen. Aber die Amerikaner hören nicht immer auf ihre
Freunde. Wir neigen dazu, ungeduldig
und nach schnellen Lösungen bestrebt
und nicht bereit zu sein, die Verzögerungen und Vielschichtigkeiten hinzunehmen, die ein gemeinsames Vorgehen mit sich bringt.
Die Europäer messen den engen Beziehungen, die sie im Bereich des
Handels und der Kultur untereinander
und mit den anderen Ländern der Welt
haben, einen hohen Wert bei.
Sie
ziehen es jedoch vor, ihre Bemühungen
bei der Bewältigung politischer und
sicherheitsrelevanter
Probleme
auf
Europa zu beschränken und unangenehme
Probleme andernorts anderen zu überlassen - gewöhnlich den Vereinigten
Staaten. Diese Tendenzen nähren und
verschärfen sich gegenseitig.
Während Europa versucht, sich von äußeren Bedrohungen zu isolieren, versucht Amerika, sie ohne angemessene
Beratung und Zusammenarbeit mit anderen zu bewältigen.
Der amerikanische Alleingang und
die europäische Kirchturmpolitik werden in den Vorschlägen sichtbar, Europa durch die Abkoppelung vom amerikanischen nuklearen Abschreckungspotential "atomwaffenfrei" zu machen.

Diese Einstellungen liegen auch den
Vorschlägen beider Seiten über einen
Abzug amerikanischer Truppen aus Europa zugrunde. Es ist diese Denkweise, die wir hinter den amerikanischen
Klagen über "europäische Schwächlinge" und die europäische Besorgnis
über die "Rambomanie" ausmachen können. Und natürlich führen sowohl Alleingänge als auch diese Kirchturmpolitik zu einem sehnsüchtigen Verlangen nach wirtschaftlicher Autarkie dünn verschleiert mit dem Argument,
daß protektionistische Lösungen die
unmittelbar anstehenden Wirtschaftsprobleme bewältigen könnten.
Meine Vision der Zukunft - und
auch Ihre, hoffe ich - räumt der
Partnerschaft
zwischen
Europa
und
Amerika einen zentralen Platz ein.
Die Nachkriegszeit ist vorüber. Europa hat sich vollständig von der
Verwüstung
erholt, die der Zweite
Weltkrieg für Menschen und Volkswirtschaften
brachte.
Die europäische
Wirtschaftsmacht hat wieder an Bedeutung in der Welt gewonnen. Die europäischen
Verteidigungsfähigkeiten
entsprechen denen einer Supermacht.
Europäische Entscheidungen haben einschneidende Auswirkungen auf die Menschen überall auf der Welt, nicht nur
die Europäer.
Dies alles bedeutet, daß Amerikaner wie Europäer lernen müssen, ihre
Beziehung neu zu überdenken und über
neue Formen der Zusammenarbeit nachzudenken, mit denen sie den Herausforderungen einer neuen Welt begegnen
können.
Es reicht nicht mehr aus,
daß wir unsere Beziehung "verwalten"
- nur die Äußerlichkeiten zurechtbasteln, während alles Wesentliche unverändert bleibt.
Wenn
es wirklich
eine
"reife
Partnerschaft" zwischen den Vereinigten Staaten und Europa geben soll,

- 13 -

�muß sie auf einen Konsens gegründet
sein - den Konsens darüber, wie die
Sicherheit in einer weniger nuklearen
Welt aufrechterhalten
werden kann,
wie die Abkoppelung
amerikanischer
Stärke von Europa verhindert werden
kann, wie ein offenes internationales
Handelssystem angesichts neuer Technologien und neuer Konkurrenten beibehalten und erweitert werden kann.
Eine sich wandelnde Welt eröffnet
neue Möglichkeiten, aber sie unterzieht unsere Beziehung auch neuen
Prüfungen.
Ob wir diese Prüfungen
erfolgreich bestehen werden, wird in hohem Mäße - von den heute hier
Anwesenden abhängen.
Ich danke Ihnen.

* * * * * *
- 14 -

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft

^rION

15. April 1987

14

AMERIKANISCH-JAPANISCHE GESPRÄCHE ÜBER HALBLEITER OHNE ERGEBNIS
- Erklärung des Büros des amerikanischen Handelsbeauftragten WASHINGTON - (AD) - Das Büro des amerikanischen Handelsbeauftragten (USTR)
hat am 10. April 1987 eine Erklärung veröffentlicht, wonach die zweitägigen
Gespräche zwischen Handelsexperten der Vereinigten Staaten und Japans die Vereinigten Staaten nicht dazu bewegen konnten, die Anhebung der Zölle für japanische Halbleiter-Produkte auszusetzen. Die lOOprozentige Anhebung der Zölle
für eine Reihe japanischer Halbleiter-Produkte soll am 17. April 1987 in Kraft
treten, da Japan sich nicht an die Vereinbarung gehalten hat, Halbleiter auf
Drittmärkten nicht unter den Herstellungskosten zu verkaufen. Ein weiterer
Teil der Vereinbarung, der den verbesserten Zugang amerikanischer HalbleiterProdukte zum japanischen Markt vorsah, ist amerikanischen Vertretern zufolge
ebenfalls nicht erfüllt worden.
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:

Die
Vereinigten
Staaten
haben
zweitägige Konsultationen mit Vertretern der japanischen Regierung über
das amerikanisch-japanische Halbleiter-Abkommen beendet.
Diese Gespräche waren von der japanischen Regierung gemäß den Bestimmungen dieses
Abkommens erbeten worden, die schnelle Konsultationen in besonderen Situationen vorsehen.
Im Verlauf dieser Konsultationen brachte die amerikanische Delegation erneut die Überzeugung der Vereinigten Staaten zum
Ausdruck, daß die Vereinbarung nicht
erfüllt worden ist.
Die amerikani-

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Embassy of the United States of America

sche Delegation
erklärte
außerdem,
daß konkrete Beweise für die Tatsache
benötigt werden, daß Halbleiter auf
Drittmärkten nicht
länger
zu Dumping-Preisen verkauft werden und daß
der japanische Markt für amerikanische Exporte geöffnet wird, bevor die
Delegation Präsident Reagan empfehlen
würde, seine Absicht zur Verhängung
von Sanktionen gegen japanische Exporte
zu ändern.
Unserer
Ansicht
nach haben die Konsultationen keine
Grundlage geliefert, um die Korrektheit der Daten bezüglich des Marktzugangs oder des Dumpings in Drittlän-

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�d e m in Frage zu stellen, auf denen
die Entscheidung des Präsidenten vom
27. März 1987 beruhte. Wie von der
Administration
wiederholt
erklärt
wurde, sind die Vereinigten Staaten
davon überzeugt, daß das Abkommen zur
Sicherstellung des fairen Handels mit
Halbleitern notwendig ist. Die Vereinigten Staaten möchten das Abkommen
nicht
kündigen.
Wir
werden
von
jüngst getroffenen Maßnahmen Japans
ermutigt, die eine Änderung der Handelspraktiken
im
Halbleiterbereich
zum Ziel haben und hoffen, daß dies
zur Einhaltung des Abkommens durch
japanische "nternehmen führen wird.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
r/

^7

^

&lt;£

Wissenschaft und Technik
15. April 198 7

14

HAUTKREBSRISIKO WÄCHST
- Vorsorgliche Maßnahmen gegen Ozonabbau dringendes Gebot -

- (AD) - über die Zunahme von Hautkrebs in "nahezu epidemieartigem Ausmaß"
in den Vereinigten Staaten berichtete kürzlich Dr. D. Rigel (Klinikum der Universität New York) einem Unterausschuß des amerikanischen Repräsentantenhauses.
Das Komitee hatte für Anhörungen zum Problem "Gefährdung der Ozonschicht" Vertreter von Regierung und Industrie sowie Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen geladen.

Dr. Darrel Rigel äußerte angesichts der Entwicklungen in den letzten Jahren u.a. die Vermutung, daß
wohl jeder siebente Amerikaner früher
oder später von Hautkrebs befallen
werde.
Zwar gehe es dabei zunächst
noch in begrenztem Umfang um die gefährlichste Form, das "maligne Melanom".
Dieser von den pigmentbildenden Zellen der Haut ausgehende Tumor
kann, wenn nicht rechtzeitig eingegriffen wird, Metastasen im ganzen
Körper
herbeiführen.
Die
meisten
Hautkrebsarten seien glücklicherweise
leichter in den Griff zu bekommen und

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Embassy of the United States of America

führten selten zum Tode,
rechtzeitig
erkannt
und
werden.

wenn sie
behandelt

Dr. Rigel zufolge nehmen aber gerade Erkrankungen an malignem Melanom
erschreckend zu - allein in den letzten sieben Jahren um 83 Prozent.
Noch vor fünf Jahren wurde angenommen, daß das Risiko bei 1:250 läge
und vielleicht bis zum Jahr 2000 auf
1:150 ansteigen werde. Dieser letztgenannte Schätzwert mußte inzwischen
jedoch auf 1:90 korrigiert werden.
Für mindestens 75 Prozent der Todes-

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�fälle an Hautkrebs sei, so Dr. Rigel,
das maligne Melanom verantwortlich zu
machen, das sich immer rascher ausbreite.
Derzeit
sei
eine
noch
schnellere Häufigkeitszunahme nur für
Lungenkrebs bei Frauen zu erkennen.
Noch vor fünf Jahren wurde Hautkrebs bei Personen unter 40 Jahren
selten diagnostiziert. Heute dagegen
erkrankten, wie Rigel berichtete, immer häufiger Zwanzig- bis Dreißigjährige. Viele Mediziner schrieben dies
u.a. der Tatsache zu, daß ungeachtet
der Warnungen von ärztlicher Seite
immer mehr Menschen, und gerade junge
Leute, ihren Körper mehr als früher
intensiver Sonnenbestrahlung aussetzten.
Solche Warnungen hätten aber
umso mehr Gewicht, als inzwischen so
gut wie erwiesen ist, daß die Ozonschicht in der Lufthülle unseres Planeten durchlässiger für ultraviolette
Strahlung geworden ist.
Bei normaler Dichte wird die für
alles Leben auf der Erde gefährliche
Ultraviolettstrahlung von der Sonne
durch die Ozonschicht zu mehr als 90
Prozent
zurückgehalten.
Die
als
"Ozon" bezeichneten dreiatomigen Sauerstoffmoleküle natürlichen Ursprungs
sind in der Stratosphäre in Höhen
zwischen etwa 12 und 50 km in unterschiedlichen
Konzentrationen
verteilt.
Die Gesamtmenge ist jedoch
gering.
Sie ergäbe, würde man das
Gas sammeln können, nur eine wenige
Millimeter dicke Schicht.
Aufgrund
der
Daten
von
Forschungssatelliten und vom Boden aufgelassenen Meßsonden wurde die Anfang
der siebziger Jahre von zwei amerikanischen Wissenschaftlern aufgestellte
Theorie, daß bestimmte Chemikalien,
vor allem Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FKW), an dieser lebenswichtigen
Schutzhülle in der Erdatmosphäre nagten, zumindest in bezug auf die "Ver-

dünnung" des Ozons bestätigt.
Wissenschaftler in den Vereinigten Staaten und in Europa befaßten sich eingehend damit, die dabei wirksamen
chemischen und physikalischen Prozesse aufzuklären und zu berechnen. Es
wurden Modelle erarbeitet, denenzufolge jetzt mindestens vier denkbare
Mechanismen
zur Diskussion stehen.
Aber die Materie erweist sich als so
komplex, daß man von schlüssigen Antworten noch weit entfernt ist.
Nach
Ansicht
von
Dr.
Robert
Watson, Chefwissenschaftler der NASA
für das Projekt "Lebensraum Erde"
("Global
Habitability
Project") ,
dürfte keiner der vier angenommenen
Hauptfaktoren allein für den Ozonabbau verantwortlich sein. Sicherlich
spielen anthropogene, also vom Menschen verursachte Einflüsse, eine wesentliche
Rolle, ebenso meteorologische Vorgänge, wahrscheinlich auch
die Sonnenaktivität.
Material
von
Vulkanausbrüchen und in die Lufthülle
einsickerndes Methan aus natürlichen
Quellen komplizieren zusätzlich Berechnungen für chemische Prozesse in
der
Atmosphäre, die
speziell
der
Stickstoff- und
Chlorchemie
gelten.
Man weiß z.B. inzwischen, daß ein
einziges FKW-Molekül, das in die Atmosphäre gelangt, etwa 10 000 Ozonmoleküle zerstören kann.
Neue Fragen werfen jüngste Forschungsergebnisse aus der Antarktis
auf, wo amerikanischen Wissenschaftlergruppen von August bis Oktober
1986 das berüchtigte "Ozonloch" studierten,
(über der Antarktis kommt
es, bisher sehr viel massiver als
über Skandinavien, im Frühjahr zu einer auffallenden Ausdünnung des stratosphärischen Ozons.)
Forscher von
der Universität Wyoming fanden nämlich bei Messungen* bis 30 km Höhe
heraus, daß u.a. zwischen 12 und 20
km der Ozonverlust insgesamt 35 Pro-

�zent betrug. Gleichzeitig waren aber
im Bereich zwischen 14 und 18 km mehr
als 70 Prozent und in einer weiteren
1 bis 5 km dicken Luftschicht sogar
90 Prozent gegenüber den Anfangswerten im August verloren gegangen. Für
die relativ enge "Schichtung" mit
ganz unterschiedlichen Ozonkonzentrationen gibt es noch keine Erklärung.
Interessanterweise
enthält
aber
das Ozonloch über der Antarktis, wie
Dr. Susan Solomon mit Kollegen von
der Bundesbehörde für Meeres- und Atmosphärenforschung
(NOAA) entdeckte,
das 20- bis SOfache der erwarteten
Werte für ein bestimmtes Chlormolekül
(0 Cl 0 ) . Dieses Molekül wird mit
den in der Atmosphäre außerordentlich
langlebigen FKW-Verbindungen in Zusammenhang gebracht.

&gt;

«

Aber nicht nur der Abbau von Ozon
in der Stratosphäre, sondern auch die
Anreicherung von Ozon in der Troposphäre schafft Probleme. Dieses unterste Stockwerk der Lufthülle reicht
von der Erdoberfläche bis etwa 12 km
Höhe
(Mittelwert).
Hier wird die
Ozonbildung unter Mitwirkung von Sonnenenergie in erster Linie durch photochemische Umsetzungen von Abgasen
und andere, durch menschliche Aktivitäten in die Luft eingebrachte Stoffe
ausgelöst bzw. gefördert.
Auch bestimmte natürliche Gase sind an den
Prozessen
beteiligt.
Dieser
eher
"künstliche" Ozon in der Troposphäre
ist Gift im Lebensraum der pflanzenund Tierwelt wie des Menschen. Mittel und Wege, ihn zu vermindern, sind
ebenso wenig bekannt wie eine Möglichkeit, Ozon in der Stratosphäre
anzureichern, um so die Erdoberfläche
besser gegen ultraviolette Sonneneinstrahlung (UV-Strahlung) zu schützen.

auf
auf

Die Auswirkungen von UV-Strahlung
die menschliche Gesundheit und
natürliche Ökosysteme zu Lande

wie im Wasser waren und sind Gegenstand zahlreicher Studien. So konnte
in den Vereinigten Staaten z.B. die
Hautkrebshäufigkeit unter dem Einfluß
von UV-Strahlung als eine Funktion
sowohl der geographischen Breite als
auch der Höhe über dem Meeresspiegel
recht gut dokumentiert werden.
Und
neuerdings scheint manches dafür zu
sprechen, daß Komponenten des UVLichtes auch das menschliche Autoimmunsystem hemmen. Dies erwähnte Botschafter Richard Benedick, der die
Vereinigten Staaten auf der jüngsten
Verhandlungsrunde der Partnerstaaten
des UN-Umweltprogramms in Wien vertrat, gegenüber europäischen Wissenschaftlern und Journalisten auf einer
Fernseh-Pressekonferenz.
Die Wiener Tagung im Februar 1987
brachte die Bemühungen vor allem der
Vereinigten Staaten um das Zustandekommen eines Protokolls zur "Konvention über den Schutz der Ozonschicht"
nun doch ein gutes Stück näher. Dabei geht es um die Einschränkung der
Produktion
und Emission ozonschädlicher Chemikalien, die bis in die
Stratosphäre gelangten. Entsprechende erste Maßnahmen haben die USA und
die skandinavischen Länder mit dem
Verbot von Treibgasen in Sprühflaschen schon vor Jahren getroffen.
Europäische Länder, Japan und die Sowjetunion
weigerten
sich
jedoch,
gleichzuziehen,
solange
nicht
die
wissenschaftlichen Fragen im Zusammenhang mit dem Ozonabbau
in der
Stratosphäre geklärt sind. Der Verlust beträgt inzwischen, weltweit gesehen, ca. drei Prozent. Somit wäre
Vorsorge auch ohne ausreichende wissenschaftliche Belege angebracht.
Eine weitere Verminderung der gegensätzlichen Meinungen insbesondere
von
Produktion
und Anwendung
von
FluorchlorkohlenwasserStoffen
erhofft
man sich nun von der Wiederaufnahme

�der Gespräche über das Ozonprotokoll
in Wien am 22. April. Diesen Gesprächen soll eine große diplomatische
Konferenz in Montreal vom 14. - 18.
September
folgen.
Botschafter
Benedick zeigte sich außerordentlich
beeindruckt von der Haltung einiger
Entwicklungsländer wie Ägypten, Argentinien, Brasilien oder Kenia, die
das Protokoll - und damit erhebliche
Einschränkungen für FKW-Stoffe in ein
paar Jahren - unterstützen. Denn die
Anwendung von Ersatzstoffen ist auch
eine wirtschaftliche Fragen.

* * * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Amerikanisch-sowjetische Beziehungen kommen voran&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache vor dem Los Angeles World Affairs Council -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kommission zur Untersuchung der Sicherheit in Moskauer Botschaft eingesetzt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Stellungnahme Präsident Reagans -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Glasnost und der Konsens im Westen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache des amerikanischen Botschafters in Berlin -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-japanische Gespräche über Halbleiter ohne Ergebnis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Büros des amerikanischen Handelsbeauftragten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Hautkrebsrisiko wächst&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Vorsorgliche Maßnahmen gegen Ozonabbau dringendes Gebot -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

2 2 . A p r i l 1907

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan: Shultz-Besuch ein Beitrag zur Förderung des amerikanischsowjetischen Dialogs
- Erklärung des Präsidenten zu Shultz-Gesprächen in Moskau -

Shultz: "Ziemliche Fortschritte" bei INF erzielt
- Pressekonferenz des amerikanischen Außenministers in Moskau

Shultz; Die Verbündeten werden die sowjetischen Abrüstungsvorschläge sorgfältig abwägen
- Erklärung des Außenministers zu den Gesprächen in Moskau -

WIRTSCHAFT
WeiBes Haus legt Gründe für Handelsbeschränkungen gegen Japan dar
- Faktenübersicht zur Erhebung von Zöllen -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Pläne für Raumstation revidiert

* * * * * *

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'Sw^

Dokumentation
22. April 1987

15

REAGAN:

SHULTZ-BESUCH EIN BEITRAG ZUR FORDERUNG DES
AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN DIALOGS

- Erklärung des Präsidenten zu Shultz-Gesprächen in Moskau -

SANTA BARBARA - (AD) - Präsident Reagan erklärte am 16. April 1987 auf
seiner Ranch bei Santa Barbara, bei den Gesprächen von Außenminister shultz in
Moskau, die "sehr zur Förderung des Dialogs zwischen unseren Ländern auf einer
Reihe von Gebieten beigetragen haben", seien "wichtige Fortschritte bei der
Rüstungskontrolle" erzielt worden.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Ich habe soeben von Außenminister
Shultz einen vollständigen
Bericht
über seine Gespräche in Moskau und
die Konsultationen mit unseren Verbündeten erhalten. Und wie das normalerweise bei ihm der Fall ist, hat
George unsere Positionen in Moskau
mit Festigkeit und großer Geschicklichkeit vertreten. Es ist mir klar,
daß der Besuch sehr hilfreich bei der
Förderung des Dialogs zwischen unseren Ländern auf .iner Reihe von Gebieten war - Menschenrechte, bilaterale Beziehungen, regionale Probleme
und Rüstungskontrolle.

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Die Kontakte des Außenministers
mit
auseinandergerissenen
Familien,
religiösen Gruppen und Privatpersonen
waren
eine öffentliche Anerkennung
für den Mut derjenigen, die in der
Sowjetunion
für die Menschenrechte
kämpfen. Er verdeutlichte dem ersten
Politiker
der
Sowjetunion,
daß
Selbstbestimmung für Afghanistan und
ein sowjetischer Truppenabzug grundlegende Voraussetzungen für den Frieden sind. Wichtige Fortschritte hat
es bei der Rüstungskontrolle gegeben.
Bei den Mittelstreckenraketen haben

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�wir den Abstand zwischen uns etwas
verringert.
Nach weiteren Konsultationen mit unseren Verbündeten werden
wir vielleicht neue Ideen anzubieten
haben.
Was ein Abkommen noch in diesem
Jahr angeht, so bleibe ich optimistisch.
Es gab Bewegung bei den Gesprächen über Atomwaffentests und dem
Verbot chemischer Waffen. Beim Abbau
des
strategischen
Potentials
und
Weltraumverteidigung
waren die Gespräche
detailliert
und
nützlich.
Sie werden an Intensität noch zunehmen.
Nach
meiner
Rückkehr
nach
Washington werde ich mit beiden Parteien des Kongresses zusammentreffen,
um den in dieser Woche erzielten
Fortschritt einer Überprüfung zu unterziehen, ich hoffe, daß der gegenwärtig
stattfindende Prozeß weiter
fortschreitet und daß Herr Gorbatschow und ich im Rahmen eines Gipfeltreffens ein historisches Abkommen
für
die
Ost-West-Beziehungen
abschließen können. Und in diesem Zusammenhang werde ich persönlich unsere NATO-Verbündeten zu den weiteren
Verhandlungen und Plänen konsultieren.
Ich möchte noch einmal sagen, daß
ich dem Außenminister sehr dankbar
bin.

Nach Abgabe seiner Erklärung beantwortete der Präsidente einige Fragen anwesender Journalisten:
Frage:
Möchten
Sie
unbedingt
ein
Gipfeltreffen
noch
in
diesem
Jahr, Herr Präsident, unabhängig davon, ob ein Abkommen über INF unterschriftsreif ist?

ein

Präsident:
Ich hoffe,
Gipfeltreffen abhalten

daß wir
können.

Es muß jedoch sorgfältig geplant und
vorbereitet sein und es muß etwas geben, das wir dabei erreichen können.
Frage:
Muß ein Rüstungsabkommen dabei auf dem Tisch liegen?
Präsident:
Es muß einige substantielle Vereinbarungen geben, die
es wert sind, ein Gipfeltreffen abzuhalten.
Frage:
Herr
Präsident,
haben
Sie gerade angedeutet, daß es kein
weiteres Gipfeltreffen geben wird,
außer, wenn eine Vereinbarung über
irgendeine Form der Rüstungskontrolle
praktisch feststeht?
Präsident:
Nein, ich sage nur,
daß es sorgfältig vorbereitet werden
muß und daß Aussichten auf substantielle Vereinbarungen bestehen sollten.

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

&amp;

22. April 1987

15

SHULTZ:

"ZIEMLICHE FORTSCHRITTE" BEI INF ERZIELT

Pressekonferenz des amerikanischen Außenministers in Moskau

BONN - (AD) - In einer Pressekonferenz nach seinen besprächen mit sowjetischen Politikern hat Außenminister shultz am 15. April 1987 in Moskau erklärt, daß in der Frage der INF-Verhandlungen "ziemliche Fortschritte" erzielt
worden seien.
Nachfolgend bringen wir die Pressekonferenz des Außenministers im Wortlaut:

SHULTZ: Ich hatte drei volle und
produktive Arbeitstage hier in der
Sowjetunion, und ich möchte meinen
Gastgebern für ihre Gastfreundschaft
danken. unmittelbar nach meiner Ankunft traf ich bereits Außenminister
Schewardnadse.
nie Treffen mit ihm
dauerten den ganzen Montag über an.
Ich hatte das große Privileg, am Montag abend in der Residenz des amerikanischen Botschafters an einem seder
teilzunehmen. Danach standen weitere
Verhandlungen mit Herrn Schewardnadse
auf dem Programm.

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Embassy of the United States of America

Am Dienstag hatte ich ein besonders interessantes Gespräch mit Ministerpräsident Ryschkow, bei dem wir
vornehmlich Wirtschaftsfragen behandelten. Am Nachmittag fand dann ein
langes Gespräch mit Generalsekretär
Gorbatschow statt, innerhalb dessen
wir ein breites Spektrum von Themengebieten diskutierten und wir meiner
Ansicht nach bei einigen wichtigen
Fragen Fortschritte erzielten.
Außenminister
Schewardnadse
und
ich
trafen
uns dann
nochmals
gestern
abend. nnsere Gespräche konzentrierten sich dabei auf regionale Probleme.

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�Heute morgen hatte ich die Ehre,
eine außergewöhnliche orthodoxe Kirche in Peredelkino zu besuchen und
kurz an einer Messe in Zusammenhang
mit der Karwoche teilzunehmen.
Außerdem hatte
ich Gelegenheit, das
Grab
des
Schriftstellers
Boris
Pasternak zu besuchen und, dank der
Gastfreundschaft von Frau Bogoslawskaja, eine zweistündige
Diskussion
mit sechs Einzelpersonen - Dichtern,
Schriftstellern und einem Bildhauer zu führen.
Für mich war dies eine
besonders interessante Diskussion, da
sie der Konzeption von Glasnost einen
realen Rahmen verlieh.
Heute nachmittag hielten wir dann noch einige
letzte Treffen allgemeiner Natur mit
Außenminister
Schewardnadse ab und
beendeten unsere Gespräche mit der
Unterzeichnung einer ... (unverständlich, anderen Informationen zufolqe
handelte es sich dabei um die Unterzeichnung
"einer Vereinbarung über
die Zusammenarbeit
bei der Erforschung und Nutzung des Weltraums zu
friedlichen Zwecken") Diese Übereinkunft war schon vor einigen Monaten
ausgearbeitet worden, und wir haben
die Gelegenheit dieser Treffen benutzt, um sie zu unterzeichnen.
Im
Verlauf
dieser
Treffen
haben
wir
praktisch alle Fraqen und möglichen
Chancen angesprochen, mit denen sich
unsere beiden Länder konfrontiert sehen. Wir haben die besorgniserregenden nachrichtendienstlichen Probleme
besprochen, die unlängst so viel öffentliche Aufmerksamkeit erregt haben
und die uns sehr stark beschäftigen,
was ich auch ausgedrückt habe. Wie
ich schon sagte, hatte ich einige gute Gespräche über Wirtschaftsfragen
und das neue Denken, über das ich informiert
wurde.
Perestroika
(Umstrukturierung) ist, glaube ich, das
Wort dafür.
Unsere

Gespräche

über

viele

der
- 2

bilateralen Fragen verliefen im Großen und Ganzen recht erfolgreich.
Ich hatte gute und lebhafte Gespräche über Themen in Zusammenhang
mit den Menschenrechten.
und natürlich ergab sich eine weitere Gelegenheit, eine Reihe von Leuten zu treffen, die in dieser Hinsicht auf die
eine oder andere Weise unmittelbar
von der sowjetischen Politik betroffen sind.
Ich war erfreut, heute
nachmittag
von Herrn
Schewardnadse
Informationen
über eine Reihe von
Fällen zu erhalten, die positiv gelöst wurden.
Wir haben über regionale Probleme
gesprochen, wie ich schon erwähnte,
sowie natürlich über eine Reihe von
Fragen in Verbindung mit Rüstungskontrolle.
Lassen Sie mich kurz rekapitulieren, wo wir im Hinblick auf die wichtigsten Fragen der Rüstungskontrolle
heute stehen. zunächst zum Thema der
INF-Verhandlungen, was von den Sowjets als Raketen mittlerer Reichweite betrachtet wird.
Meiner Meinung
nach haben wir ziemliche Fortschritte
erzielt und vielleicht können wir mit
einigen noch vor uns liegenden harten
Verhandlungen Aussichten für die Zukunft feststellen, Aussichten auf einen nahen Abschluß eines Abkommens in
diesem Bereich
Die Grundstruktur dieser Vereinbarung würde zunächst in der Formel
von Reykjavik bestehen, wonach je 100
Gefechtsköpfe auf Mittelstreckenraketen längerer Reichweite auf sowjetischer Seite in Asien und auf amerikanischer Seite in den Vereinigten
Staaten
stationiert
würden.
Ich
sollte sagen, daß wir weiterhin die
völlige Abschaffung dieser Waffen befürworten.
Wenn jedoch die sowjetische Seite darauf nicht eingeht, so

�werden wir auch
100 zustimmen.

der

Obergrenze

von

Wir haben den zeitlichen Rahmen
für diese Reduzierung auf ungefähr
vier bis fünf Jahre begrenzt.
Wir
stimmen beide überein, daß diese Vereinbarungen
Bestimmungen über
eine
sehr strenge und peinlich genaue Verifizierung enthalten müssen.
Die amerikanische Seite hat in
Form
eines Vertragsentwurfs
unsere
Gedanken zu dieser Frage in Genf auf
den Tisch gelegt. Und es wurde uns
dort mitgeteilt, daß die Sowjets der
Bedeutung einer strengen Verifizierung zustimmen und daß sie uns ihre
Gedanken vorlegen werden, wenn wir am
21. »pril die INF-Verhandlungen in
Genf wiederaufnehmen.
Ein bedeutendes Problem, das bis heute ungelöst
ist, bei dem wir aber meiner Meinung
nach beträchtliche Fortschritte gemacht haben, betrifft die INF-Raketen
kürzerer Reichweite - die beiden da
bei betroffenen Waffensysteme.
Wir
sind uns einig, daß für die Anzahl
dieser Waffen eine Obergrenze festgelegt wird. Wir stimmen überein, daß
unabhängig von dieser Obergrenze das
einzig
funktionsfähige Konzept ein
weltweites sein muß, da diese Waffen
sehr beweglich sind und leicht transportiert werden können - also muß man
sie in eine globalen Maßstab einordnen.
"nser Verhältnis wird vom Prinzip
der Gleichheit beherrscht, und unserer Meinung nach muß dieser Grundsatz
auch in diesem Bereich Anwendu^q finden. Wenn wir alle Probleme in den
gegenwärtigen
Verhandlungen
lösen
können, schön und gut. Wir gedenken
dieser Frage erste Priorität einzuräumen, wenn wir am 23. April zu den
Genfer Gesprächen zurückkehren.
Die
sowjetische Seite hat uns gegenüber
erklärt, daß sie nach Unterzeichnung

eines
INF-Abkommens
beabsichtigen,
die heute in der DDR und der Tschechoslowakei stationierten Raketen abzuziehen und zu zerstören und daß sie
in den Verhandlungen über die übrigen
Raketen die Position einnehmen werden, daß ein Gleichstand auf Null
richtig wäre.
Dies ist ein neuer
Vorschlag, und heute nachmittag haben
sie noch hinzugefügt, daß Null in einem Jahr erreicht werden sollte.
Wir sind Mitglied eines starken
Bündnisses und antworten auf Fragen
dieser Bedeutung natürlich nicht sofort. Wir konsultieren eingehend unsere Verbündeten, und ich werde diesen Prozeß morgen in Brüssel einleiten. Insgesamt glaube ich jedoch sagen zu können, daß sehr beträchtliche
Fortschritte erzielt wurden und daß
es möglich sein sollte, mit harter
Arbeit und kreativen Bemühungen eine
Vereinbarung in diesem Bereich zustande zu bringen.
Das gleiche kann ich nicht über
Fortschritte in den Bereichen strategische Waffen und Weltraum behaupten.
Es ist aber doch wichtig, festzustellen, wo wir
im Hinblick auf die
grundlegenden Ideen stehen. Wir sind
uns einig über die allgemeine Idee
einer 50prozentigen Reduzierung der
strategischen Waffen.
Wir sind uns
über die dabei zugrundeliegenden Zahlen einig.
Sie sind in der Formel
von Reykjavik einhalten - nicht mehr
als 6 000 Gefechtsköpfe und 1 600 Abschußvorrichtungen.
Wir
stimmten
überein, daß wir nach beiderseits be
friediqenden Wpqen suchen werda"
auch die seegestützten Marschflugkörper einzuschließen. Wir sind uns einig über die Zählweise für schwere
Bomber. Wir sind uns einig, daß die
Verifikationsregelung
zwingend
und
peinlich genau sein muß.

- 3 -

Ich bin sicher, daß unsere Erfah-

�rungen aus den INF-Verhandlungen uns
für die Frage der Verifizierung im
strategischen Bereich eine wichtiger
Leitfaden sein wird.
Und wir sind
uns
darin
einig, die
sogenannten
schweren ICBMs auf die Hälfte - 1 500
- zu reduzieren. Es gibt aber noch
eine Reihe von Gebieten, auf denen
Übereinstimmung noch erreicht werden
muß. Die amerikanische Seite ist der
Überzeugung, daß neben diesen Gesamtzahlen noch eine Reihe von Untergrenzen bestehen, die wir ständig in die
Diskussion einbrachten.
Wir werden
weiterhin
auf diesen verschiedenen
Untergrenzen bestehen, da sie notwendig sind, um diesem Vertrag reale Bedeutung zu verleihen.
Es gibt noch viele weitere The
men, die man ansprechen könnte, aber
dies sind meiner Meinung nach die
wichtigsten.

könnten. Wir haben die als CORRTEX
bekannte Methode vorgeschlagen.
Die
Sowjets
beziehungsweise
Herr
Schewardnadse - sagten, daß ihres Erachtens
die
sogenannte
seismische
Methode besser sei.
Wie Ihnen sicherlich bekannt ist, haben wir auf
dem Gebiet der Atomtests Gespräche
geführt und uns geeinigt, diese Gespräche fortzuführen und die Experten
dahingehend zu informieren, daß sie
die Gespräche, die Herr Schewardnadse
und ich über diese unterschiedlichen
möglichen Wege der verbesserten Verifikation hatten, wieder aufnehmen und
weitere Möglichkeiten für zusätzliche
Verifikationsmaßnahmen
ausarbeiten.
Wir erachten dies als eine konstruktive Vorgehensweise.

Im Weltraumbereich haben wir keine großen Fortschritte erzielt. Andererseits finden sehr substantielle
und
entgegenkommende
Verhandlungen
statt. Ich denke, daß eine der Grundideen dabei die allgemeine Ansicht
ist- daß man sich für eine gewisse
Zeit nicht vom ABM-Vertrag zurückziehen
sollte.
Was
die
Vereinigten
Staaten
angeht, so
ist
Präsident
Reagan der Überzeugung, daß die von
uns durchgeführten Forschungsarbeiten
für strategische Verteidigungssysteme
selbstverständlich
im Einklang mit
dem »BM-Vertrag stehen und wir nicht
auf eine Änderung dieses Vertrags aus
sind. Wir glauben, daß Forschung in
voller Übereinstimmung mit dem Vertraq durchgeführt werden kann.

Auch auf dem Gebiet der chemischen Waffen haben wir Gespräche geführt. Wir sind uns über die Bedeutung der Erarbeitung eines verifizierbaren
und
umfassenden
Verbots
chemischer Waffen einig. In der Angelegenheit
der Verifizierung, die
zwingend sein muß, haben wir unterschiedliche Meinungen. Wir haben Gespräche daüber geführt, daß die Vereinigten Staaten eine Vernichtungsanlage für chemische Waffen haben und
die Erwähnung einer solchen Anlage in
der Rede von Generalsekretär Gorbatschow vom vergangenen Freitag zur
Kenntnis
genommen.
Außenminister
Schewardnadse und ich haben uns daher
auf die Entsendung von Experten zur
Besichtigung unserer jeweiligen Anlagen und die Beobachtung des Vernichtungsprozesses als einen Schritt nach
vorne in dieser Angelegenheit geeinigt.

Auf dem Gebiet der Atomtests haben wir einige interessante Diskussionen
über
die
unterschiedlichen
Mittel geführt, mit denen der Test
selbst sowie das Testausmaß besser
eingeschätzt und verifiziert werden

Ein anderer Bereich, den ich erwähnen möchte, sind die Zentren zur
Verringerung des nuklearen Risikos,
nieser Themenkomplex ist bereits seit
einiger Zeit erörtert worden und beinhaltet Vereinbarungen, dank derer

�wir bei der Verringerung des Risikos
in diesem wichtigen Bereich zusammenarbeiten können. Hier haben wir echte Fortschritte erzielt.
In Kürze
werden wir eine weitere Gesprächsrunde abhalten und wir glauben, daß es
insgesamt
wahrscheinlich
ist, bei
diesem Treffen zu einer Einigung zu
kommen.
Sie sehen also, daß unsere Gespräche ein breites Spektrum abgedeckt haben, daß in einigen bedeutenden Bereichen Fortschritte
erzielt
wurden, wenn auch nicht in allen, und
natürlich werden wir diese Bereiche
weiter vorantreiben und in den einzelnen Foren, in denen wir regelmäßig
zusammenkommen, daran weiterarbeiten.
Sollten Sie jetzt Fraqen haben,
bin ich gerne bereit, diese zu beantworten.
FRAGE:
Herr
Außenminister,
können Sie uns sagen, wo die beiden
Seiten im Hinblick auf ein Mittel
streckenabkommen noch geteilter Meinung sind? Was muß noch getan werden?
ANTWORT:
Wir müssen das Thema
der Kurzstreckenraketen noch endgültig behandeln, und ich habe ausgeführt, wie weit wir dabei gekommen
sind. Wir haben ziemlich große Fortschritte gemacht, aber wir müssen
noch weitere erzielen. Wir haben eine
zwingende
Verifizierungsregelung
im Detail in Form eines Vertrags"
wurfes vorgelegt, und die Sowjets
müssen darauf noch reagieren- und
zwar nachdrücklicher, als nur mit der
Feststellung ihrer Zustimmung, daß es
sich um eine zwingende Verifizierungsregelung handeln muß. Sie haben
uns jedoch ihre Antwort zum Beginn
der Verhandlungen in Genf zugesagt.
Ob dieses Thema zu Meinungsverschiedenheiten
führen wird oder nicht,
kann ich nicht sagen. Es gibt eine

Vielzahl von Aspekten, die in vieler
Hinsicht sehr technischer Natur sind
- zum Beispiel, wenn man von einem
Ungleichgewicht ausgehend über einen
bestimmten begrenzten Zeitraum hinweg
reduziert, wie werden dann die einzelnen Reduzierungsphasen und die Art
und Weise der Durchführung definiert?
Ich möchte versuchen, hier nicht allzusehr ins Detail zu gehen, da dies
von den Unterhändlern ausgearbeitet
werden soll. Natürlich sind wir weiterhin davon überzeugt, daß es aus
vielfältigen Gründen besser wäre, bei
Mittelstreckenraketen längerer Reichweite den Weg ganz bis zum Punkte
Null zu gehen - also diese Klasse von
Raketen einfach ganz abzubauen - und
die Sowjets ziehen es vor. bei 100 zu
bleiben, wo wir auch enden werden,
wenn wir zu keiner anderen Lösung
kommen.
NITZE:
Wir wollen verhandeln,
müssen jedoch erkennen...(unverständlich) .
ANTWORT:
Ja, Herr
Botschafter
Nitze erinnert mich natürlich daran,
daß - wie ich bereits erwähnt habe die Sowjets während unseres Treffens
einen neuen Vorschlag zum Thema Mittelstreckenraketen kürzerer Reichweite vorgelegt haben, der so gestaltet
ist, daß ich naheliegenderweise unsere
Verbündeten
dazu
konsultieren
möchte und ich werde morgen früh in
Brüssel sein.
FRAGE:
Herr Außenminister, als
Frau Thatcher hier war und zweifelsohne seit dieser Zeit, hat sie öffentlich wie auch privat sehr deutlich gemacht, daß die Briten kein von
Atomwaffen freies Europa wünschen und
daß die Briten die Null-Lösung nicht
auf
Mittelstreckensysteme
kürzerer
Reichweite ausgedehnt sehen wollen.
Die Franzosen stimmen mit ihr sowohl
öffentlich als auch privat überein.

- 5 -

�Erwarten Sie ein Abweichen von diesem
Kurs bei Ihren Gesprächen mit Ihren
Verbündeten in der NATO zu diesem
Thema oder konnten Sie eine gewisse
Flexibilität in Ihren Gesprächen über
den neuen Vorschlag der Sowjets feststellen - daß sie bereit wären, Begrenzungen bei den Mittelstreckensystemen
kürzerer
Reichweite
(SRINF)
zuzustimmen?
ANTWORT:
Nun, natürlich werden
die Sowjets für sich selbst sprechen
müssen. Ich berichte Ihnen über die
Ergebnisse unserer Treffen. Und ich
werde Konsultationen mit den Verbün
deten führen, bei denen wir dieses
neue Angebot berücksichtigen werden.
Und ich kann Ihnen das Erqebnis noch
nicht mitteilen, da wir die Konsultationen noch nicht geführt haben. Es
ist offensichtlich, daß es hier eine
Vielzahl von Meinungen gibt, aber wir
werden einander konsultieren und sicherlich zu einem guten Ergebnis kommen.
FRAGE:
Hat
die
Sowjetunion
Gründe dafür angeführt, warum sie auf
100
Gefechtsköpfen
im
asiatischen
Teil der Sowjetunion besteht?
ANTWORT:
Nun,
das
ist
eine
Frage, die Sie ihnen stellen müssen warum sie sie behalten wollten? wir
würden sie gerne abgebaut sehen, und
wir denken dies aus einer Vielzahl
von Gründen, nicht zuletzt aus der
Sorge um die Länder, auf die sie gerichtet sind und nicht zuletzt aufgrund der äußerst beträchtlichen Auswirkungen auf die Qualität der Verifizierung, die sich daraus ergibt,
wenn man sich mit Null im Vergleich
zu 100 auseinandersetzt. Hier können
sehr
starke
Argumente
vorgebracht
werden. Dennoch haben wir in Reykjavik um diese Themen gerungen und haben eine Einigung erzielt, an die wir
uns halten werden, obwohl wir unserer
- 6

Ansicht
wären.

nach

mit

Null

besser

daran

FRAGE:
(Auf Russisch gestellte
Frage dahingehend, ein Gebiet Mitteleuropas zu einer atomwaffenfreien Zone zu erklären).
ANTWORT:
Ihre Frage bezog sich
auf eine atomwaffenfreie Zone in Mitteleuropa.
Dieses Thema wurde nicht
angeschnitten oder diskutiert.
Wir
vertreten den Standpunkt, daß das
Thema, auf das wir uns konzentrieren
müssen, der Abbau dieser Nuklearwaffen und die Erlangung des richtigen
Gleichgewichts ist. Und das Problem
ist natürlich nicht, wo sie stationiert sind, sondern wo sie treffen.
Und nach Ansicht des Präsidenten, und
ich gehe davon aus, auch nach Ansicht
des Generalsekretärs, ist der Hauptpunkt, daß es zuviele davon gibt und
daß wir den Prozeß in Gang setzen
müssen, die zahl der Nuklearwaffen zu
reduzieren. Und genau das tun wir.
FRAGE:
Herr
Außenminister,
gibt es Umstände, unter denen Sie
sich im Rahmen des neuen sowjetischen
Vorschlags, den Sie heute und gestern
gehört haben, die Fortführung der
flexiblen Reaktion in Europa vorstellen können, während die Sowjetunion
ihre Mittelstreckenraketen
kürzerer
Reichweite auf Null reduziert, ohne
daß
das
NATO-Bündnis
irgendwelche
seiner Mittel- oder Langstreckenraketen in Kurzstreckensysteme umwandelt?
Können Sie sich solche Umstände vorstellen?
ANTWORT:
Nun, die NATO-Strategie der flexiblen Reaktion gibt es
schon seit langem, schon vor der Dislozierung
der
sogenannten
Mittelstreckenraketen, also wird sie auch
weiterbestehen
"s ist eine gute
Strategie.

�FRAGE:
Herr Außenminister, haben Sie, abgesehen davon, daß Sie
Herrn Gorbatschow einen Brief des
Präsidenten
überreicht
haben, die
Aussichten für ein Gipfeltreffen besprochen, oder ist Ihre Position immer noch die, daß der Willkommensteppich ausgelegt und es an den Sowjets
ist, darauf zu reagieren?
ANTWORT:
Nein,
diese
"^ema
wurde zwischen Ihnen und dem Generalsekretär mehr diskutiert als sonstwo
im Stil Washingtoner Pressekon'"
renzen, daß man ihm mit Fragen zurief. Ich sagte ihm, daß er nicht zu
antworten brauche, aber er tat es
trotzdem.
Das Thema wurde kurz angerissen,
aber wie Sie ja sehen können, konzentrierten sich unsere Gespräche mehr
auf die Substanz als auf das Treffen.
Ich glaube, man kann fairerweise sagen, daß sowohl wir als auch die Sowjets die Ansicht teilen, daß ein
solches Treffen mit einem bedeutenden
Inhalt in Verbindung gebracht und daß
es ein gut vorbereitetes Treffen sein
sollte. Und so gehen wir es an.
FRAGE:
Herr Außenminister, die
Stellungnahme der Nachrichtenagentur
TASS über die gestrigen Bemerkungen
Gorbatschows Ihnen gegenüber ließen
auf eine etwas klarere und deutlichere sowjetische Haltung zu der Frage
schließen, welche Forschung für das
SDI Programm akzeptiert werden kann,
interpretieren
Sie
dies
als
eine
vielversprechende Neuformulierung der
sowjetischen Haltung und glauben Sie,
daß sich die sowjetische Haltung zu
SDI im Verlauf ihrer dreitägigen Gespräche geändert hat?
ANTWORT:
Wir haben ein wenig
darüber gesprochen.
Ich kann nicht
sagen, daß sich unsere Position als
Ergebnis der Diskussion sehr verän-

dert hat. Es ist unser Standpunkt,
daß der ABM-Vertrag bestimmte Arten
von Aktivitäten festlegt, die beide
Seiten unternehmen können
und wir
sehen keine Notwendigkeit, den ABMVertrag zu ändern.
unser Programm
ist so ausgelegt, daß es in vollem
Einklang
damit
steht.
Natürlich
überprüfen wir den Vertrag sorgfältig
im Hinblick darauf, was dieser erlaubt. Auf jeden Fall aber sind wir
damit zufrieden, am ABM-Vertrag festzuhalten .
Ich bin mit einigen neuen Vorschlägen auf dem Gebiet der Weltraumwaffen hierher gekommen, aber, wie
gesagt, wir haben dies nicht im größeren Umfang diskutiert.
Wie Sie
wissen, hat der Präsident in Reykjavik einen Zeitraum von zehn Jahren
vorgeschlagen, in dem wir vom ABMVertrag nicht abrücken und während
dem
alle
ballistischen
Flugkörper
vernichtet würden, so daß am Ende des
ZehnJahreszeitraums das, woqegen man
sich zu verteidigen sucht, vernichtet
worden wäre- und daher eine wesentlich verminderte Absicherung
nötig
wäre.
Dieser Vorschlag wurde zurückgewiesen. Also haben wir es noch einmal versucht und trugen einen anderen
Vorschlag vor, diesmal in Verbindung
mit der
50prozentigen
Reduzierung,
die wir bei den START Verhandlungen,
bei den strategischen Waffen, anstreben; und wir haben diesen Vorschlag
mit einer Reihe anderer Fragen verbunden, um eine berechenbares Umfeld
zu schaffen. Tch glaube, daß die Sowjetunion sagte, dies zu wünschen.
Dann haben wir einen Zeitraum von
sieben Jahren vorgeschlagen
in dem
wir vom ABM-Vertrag nicht abrückenalso bis 1994, und haben eine Reihe
weiterer
Dinge
vorgetragen.
Wir
schlugen einen jährlichen Austausch

- 7 -

�von Daten und von Plänen über die
Forschungsvorhaben
für das jeweils
kommende Jahr vor. Wir haben unseren
Vorschlag wiederholt, offene Labors
zu unterhalten, so daß jeder weiß,
was im allgemeinen gerade geschieht.
Und wir haben ebenfalls unseren Vorschlag wiederholt, daß sämtliche Versuche, die in Verbindung mit der Erforschung der strategischen Verteidigung durchgeführt werden, Versuche
wären, die wir beide im jeweils anderen Land beobachten können.
Wir haben uns also mit der sowjetischen
Ansicht
auseinandergesetzt, wonach diese ein berechenbares
Umfeld erwünschten, und dies sind einige der Inhalte dessen, was wir vorgeschlagen haben. Aber, wie gesagt,
wir sind bei der Erörterung dieser
Punkte wirklich nicht sehr weit gekommen. Natürlich stimmen wir darin
überein, daß dies sehr wichtige Punkte sind.
Wir haben ganz besonders
kompetente Unterhändler in Genf, und
wir werden diese Angelegenheit ganz
energisch vorantreiben.
FRAGE:
Herr Außenminister, haben
Sie
die
Handelsbeschränkungen
zwischen den vereinigten Staaten und
der Sowjetunion erörtert, und ist die
derzeitige Regierung dazu bereit, in
der Zukunft einige dieser Beschränkungen aufzuheben, während sich
hoffentlich - die Beziehungen verbessern?
ANTWORT:
Auf
die
Frage
der
Handelsbeschränkungen
wurde
verwiesen, aber sie wurde nicht im Detail
diskutiert. Wie Sie wissen, gehören
zu diesen Beschränkungen Vorbehalte
aufgrund
der
Auswanderungsproblematik, und genau deshalb floß die Angelegenheit in unsere Gesetzgebung ein.
•
t pi" leuchtend, *»" wir die in
allen
Teilbereichen
stattfindenden
interessanten Entwicklungen bei der

Neustrukturierung
der
sowjetischen
Gesellschaft auf vielen Ebenen sehr
genau beobachten, die Herr Gorbatschow angeregt und beschrieben hat.
Und bei den Auswanderungen sehen wir
Beweise für eine Zunahme, zu denen
sich die Sowjets entschlossen haben.
Wir begrüßen diese Schritte und wir
werden sie beobachten.
Die Diskussionen, die ich mit Herrn Ryschkow
geführt habe, gingen mehr auf das Wesen der Veränderungen und deren Art
hier ein, Ihrer Art hier, wie Sie Ihre Wirtschaft organisieren, und ich
fand es sehr interessant, etwas darüber zu erfahren. Wir haben eine Art
Gedankenaustausch über die Aussichten
der Weltwirtschaft gehabt und konnten
diesen Punkt ein wenig erörtern, aber
wir hatten keine Gelegenheit, uns in
diese Materie so detalliert zu vertiefen, wie wir beide es gewünscht
hätten.
FRAGE:
Können
Sie
erklären,
warum die Vereinigten Staaten angesichts der sowjetischen Bereitschaft
zur völligen Vernichtung dieses Typs
von
Mittelstreckenwaffen
kürzerer
Reichweite
darauf
bestehen,
diese
Waffen kontinuierlich weiter zu vermehren?
ANTWORT:
Die Antwort ist sehr
einfach und sehr wichtig.
Die Vereinigten
Staaten
sind
Teil
eines
Bündnisses mit einer Anzahl von Ländern, die unsere engen Freunde sind,
die unsere Werte teilen und mit denen
wir zusammenarbeiten, um jede Aggression gegen uns abzuschrecken.
Wir
nehmen dieses Bündnis sehr ernst.
Wenn immer also ein Vorschlag unterbreitet wird, ein neuer Vorschlag und dies ist ein neuer Vorschlag dann reagieren wir nicht einfach darauf; wir versuchen, diesen zu verstehen, und dann gehen wir zurück und
sprechen uns mit unseren Verbündeten
ab, und wir entwickeln gemeinsam eine

�Betrachtungsweise darüber, was zu tun
ist. Wir glauben, daß dies die richtige Art ist, wie man sich unter Verbündeten verhalten sollte. Und dies
ist der Grund, warum wir nicht Hals
über Kopf antworten. Dies ist eine dies hier beinhaltet schwerwiegende
Probleme, und wir möchten diese mit
unseren Verbündeten
sorgfältig betrachten.
Wir sprechen über Themen
von
außerordentlicher
Wichtigkeit,
und wenn wir etwas unternehmen, werden wir es durchdacht haben und uns
daran halten.
FRAGE:
Sie sagten, daß Sie Ihre Ansichten über das Thema Spionage
energisch vorgetragen haben.
Können
Sie uns etwas über diese Diskussion
sagen?
Gab es auf irgendeiner von
beiden Seiten - entweder auf Seiten
der Vereinigten Staaten oder der Sowjetunion - eine Übereinkunft, vielleicht nicht so aggressiv zu sein''
Wie verlief die Diskussion?
ANTWORT:
Es
gab
eine
harte
Diskussion in beide Richtungen. Ich
habe unsere Standpunkte vorgetragen,
wie der Präsident sie dargelegt hat.
Sie haben einige Standpunkte vorgetragen.
Es gibt keine Übereinstimmung irgendwelcher Art. Wie der Präsident erklärt hat, ist natürlich eines ziemlich klar:
bevor wir das
neue derzeit im Bau befindliche Gebäude fertigstellen und beziehen können, müssen wir uns mit den sowjetischerseits zur Verfügung gestellten
Materialien befassen, von denen wir
jetzt wissen, daß sie mit Abhörgeräten gespickt sind. Wir stellen einfach Betrachtungen darüber an, wie
wir damit umgehen sollen. Aber dies
wird ganz offensichtlich einige Zeit
in Anspruch nehmen, und es kann sein,
daß wir gezwungen sind, einige bauliche Veränderungen in dem Gebäude
vorzunehmen. Ich kann dies nicht beantworten.

Natürlich wird es dabei bleiben,
daß wir den Sowjets solange den Einzug
in
deren
neues
Gebäude
in
Washington
nicht gestatten werden,
bis wir in der Lage sind, in eine gesicherte Anlage einzuziehen.
Hier
muß es Gleichheit und Gegenseitigkeit
geben, wie in allen Angelegenheiten.
Da dies die letzte Frage ist,
lassen Sie mich noch eine weitere und
allgemeine
Betrachtung
anschließen.
Dies war eine sehr interessante Reise
für mich. E S ist recht deutlich geworden, daß einige wichtige Veränderungen in der Sowjetunion ablaufen.
Sämtliche politischen Führer und andere Personen, mit denen ich gesprochen habe, haben mir diese Veränderungen beschrieben, und ich war froh,
diese direkte Information bekommen zu
haben.
Wir haben viele Schwierigkeiten,
unsere beiden Länder, aber wir haben
auch eine große Verantwortung.
Es
ist selbstverständlich unsere Verantwortung, diese Schwierigkeiten
auf
eine realistische und direkte Art zu
behandeln, aber es ist auch unsere
Verantwortung, die Bedeutung der kontinuierlichen Suche nach einer konstruktiveren und dauerhafteren Beziehung im Interesse des Friedens in der
Welt im Auge zu behalten.

- 9 -

�«e-VJ5*

1-7

AMERIKA DIENST
Dokumentation

A«

22. April

15

1987

SHULTZ: DIE VERBÜNDETEN WERDEN DIE SOWJETISCHEN
ABRÜSTUNGSVORSCHLXGE SORGFÄLTIG ABWÄGEN
- Erklärung des Außenministers zu den Gesprächen in Moskau SANTA BARBARA - (AD) - Im Anschluß an sein Treffen mit Präsident Reagan,
bei dem Außenminister shultz ihm über seine Moskau-Reise berichtete, erklärte
er am 16. April 1987 vor Reportern, daß das Nordatlantische Bündnis die Vorschläge der Sowjetunion zum Abbau der Atomraketen in Europa trotz der Sorge
über die "überlegene Stärke" der konventionellen Streitkräfte des Warschauer
Pakts sorgfältig in Erwägung ziehen werde. Shultz nahm Berichte zur Kenntnis,
denen zufolge die Vorschläge von Parteichef Gorbatschow zu Raketensystemen
kürzerer Reichweite darauf ausgerichtet seien, die NATO in eine schwache politische und militärische Position zu "boxen".
Nachfolgend bringen wir die Erklärung des Außenministers im Wortlaut:

Ich habe gerade ein außerordentlich fruchtbares Treffen mit dem Präsidenten hinter mir, bei dem ich ihm
über meine Gespräche in Moskau und
über die Reaktionen unserer Verbündeten bei unserem Treffen in Brüssel
berichtet habe.
Ich war erfreut, daß ich dem Präsidenten einen sehr positiven Bericht
geben konnte und verständlicherweise
hatte der Präsident eine Vielzahl von
Fragen, die wir in einer tiefgreifenden Diskussion der Ereignisse erörterten.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Lassen Sie mich kurz die größeren
Zusammenhänge
umreißen.
Vor sechs
Jahren entschied der Präsident, daß
wir mit Entschlossenheit und Bereitschaft zu verantwortungsvollem
und
kreativem Fortschritt die Möglichkeiten für eine stabilere, sichere und
offene Welt schaffen könnten.
Auf
diesem Weg sind wir in einem Bereich
nach dem anderen weit voran gekommen
und ich bin davon überzeugt, daß die
Entwicklungen, die wir in dieser vergangenen Woche beobachten konnten, zu
neuen Hoffnungen Raum geben, daß wir

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�uns in unseren Beziehungen mit der
Sowjetunion auf dem Weg zu dieser sichereren und besseren Zukunft näher
kommen könnten.
Amerikas Zielsetzungen sind auf
eine Welt ausgerichtet, in der die
Menschenrechte nicht nur bewahrt sondern auch geschützt werden, in der
Aggressionen, wie wir sie in Afghanistan beobachten
konnten, beendet
sein werden und auf eine Welt, in der
die Menschheit aus dem Schatten eines
Atomkrieges heraustreten kann.
Unsere Gedanken und unsere Entschlossenheit zu allen diesen Themen
kamen in der vergangenen Woche in
Moskau mit einem Höchstmaß an aufzubietender Klarheit und Entschiedenheit zum Ausdruck, denen zudem der
außerordentlich gründliche Vorbereitungsprozeß
unter
der
Schirmherrschaft des Präsidenten zugute kam.
Ich
hatte
Gelegenheit,
viele
Stunden mit Generalsekretär Gorbatschow und Premierminister Ryschkow zu
verbringen und natürlich zu mehreren
Treffen mit Außenminister Schewardnadse.
Und die von uns behandelten
Themenkomplexe
deckten das gesamte
Spektrum der Bereiche ab, die erwartungsgemäß besprochen werden sollten.
Darüber hinaus traf ich während
meines Aufenthalts mit Angehörigen
von
auseinandergerissenen
Familien
zusammen, die auf eine Zusammenführung in Amerika hoffen und konnte an
einem Seder
anläßlich des PassahFestes mit sowjetischen Juden teilnehmen, die in den Westen auswandern
möchten.
Ich
lernte
sowjetische
Schriftsteller kennen, die mir gegenüber
ihre Ambitionen zum Ausdruck
brachten und ich muß sagen, daß ihre
Freude darüber, nun endlich die Dinge
veröffentlichen zu können, die sie
geschrieben hatten, mich wirklich be-

eindruckt hat. Es war für mich ein
höchst
interessanter
Zeitpunkt für
ein Treffen mit ihnen. Ich ging zur
Messe in einer kleinen russisch-orthodoxen Kirche in dem Dorf, in dem
ich auch Blumen auf das Grab von
Boris Paternak legen konnte.
Bei
allen diesen
Gelegenheiten
war ich, glaube ich, von dem Gefühl
geleitet, daß ich dem sowjetischen
Volk und den Hoffnungen für die Zukunft, die es mit uns teilt, Ehrerbietung erweisen könnte.
Zum entscheidenden Themenkomplex
der Rüstungskontrolle hat unsere Bereitschaft zu neuen Ideen im Verlauf
des vergangenen Jahres neue Aussichten auf Fortschritte eröffnet.
Das
Treffen zwischen dem Präsidenten und
Generalsekretär Gorbatschow in Reykjavik war insofern dramatisch, als
hier bedeutende neue Positionen auf
den Tisch kamen, über die beide Seiten eine generelle Einigung erzielten.
Daher haben wir versucht, die
Ergebnisse von Reykjavik weiterzuverfolgen und zu konsolidieren und den
dort gewonnenen Boden vorteilhaft zu
nutzen.
Bei den Treffen in Moskau wurde
das Thema strategische Waffen besprochen - und wir haben kleine Fortschritte gemacht, wenn auch keine
großen. Wir haben das Thema Weltraum
behandelt.
Auch dies war nützlich.
Gerechterweise kann man jedoch sagen
- glaube ich - daß wir im Bereich der
Mittelstreckensysteme jetzt klare Anzeichen eines Fortschritts ausmachen
können, die Kluft allmählich überwunden wird und die Möglichkeit eines
Abkommens für eine einschneidende Reduzierung der Nuklearwaffen in Sicht
ist.
Im Bereich der
Atomwaffentests
konnten
wird
etliche
interessante

- 2 -

�Entwicklungen
beobachten
und vielleicht können wir hier einen Weg zur
Verbesserung
der
Verifizierungsverfahren finden.
Sehr wahrscheinlich
werden wir auch Vereinbarungen ausarbeiten können, dank derer die Sowjets
unsere Vernichtungsanlagen für chemisehe Waffen und unsere Experten ihre
Einrichtungen dieser Art besichtigen
können.
•

»

daß der Präsident - sehr bald zu einer Antwort bereit sein wird.

Insgesamt gesehen war es also eine Reise mit einem breiten Spektrum
und einer Vielzahl von Kontakten. Es
war auch eine sehr interessante Erfahrung, eine halbe Stunde lang im
sowjetischen Fernsehen interviewt zu
werden.
Heute morgen hatte ich die Gelegenheit zu einem Zusammentreffen mit
unseren Verbündeten in Brüssel und
sie waren sich in ihrer Anerkennung
der Ergebnisse der Moskau-Reise einig
und begrüßten die von uns eingenommene Position, als Herr Gorbatschow
während meines Treffens mit ihm einen
neuen Vorschlag über INF-Systeme kürzerer Reichweite auf den Tisch legte,
der als Ergebnis unserer Gespräche
beim Treffen mit Schewardnadse weiterentwickelt wurde.
Dieser Vorschlag steht also jetzt
als sowjetisches Angebot, diese Klasse von Waffen innerhalb eines Jahres
nach Unterzeichnung des INF-Abkommens
weltweit abzubauen.
Wir haben dies
zumindest diskutiert und mehrere mögliche Alternativen und Optionen beleuchtet.
Ich bin der Überzeugung,
daß unsere Verbündeten an diesen Vorschlägen in höchstem Maße interessiert sind und unsere Haltung der
sorgfältigen Konsultationen mit ihnen
sehr positiv einschätzen, sowohl vor
als auch unmittelbar nach dem Treffen
in Moskau. Und natürlich werden wir
sehr gründliche Konsultationen durchführen und ich bin sicher, daß wir - 3 -

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft
22. April 1987

15

WEISSES HAUS LEGT GRÜNDE FÜR HANDELSBESCHRÄNKUNGEN
GEGEN JAPAN DAR
- Faktenübersicht zur Erhebung von Zöllen -

Washington - (AD) - Die Faktenübersicht des Weißen Hauses begründet die
Erhebung neuer Zölle auf einige japanische Güter durch Präsident Reagan damit,
daß eine Vereinbarung zur Förderung der freien Handels mit Halbleitern nicht
ordnungsgemäß erfüllt worden ist.
Nachstehend geben wir den Text der am 17. April 1987 veröffentlichten Faktenübersicht wieder.

Hintergrund
Am 2. September 198*1 unterschrieben die Vereinigten Staaten und Japan
eine Vereinbarung über den Handel mit
Halbleitern, die zur Förderung des
freien Handels mit Halbleitern nach
marktwirtschaftlichen Prinzipien bestimmt war.
Tn dieser Vereinbarung
verpflichtete sich die japanische Regierung, den Verkauf von in Japan unter den Herstellungskosten produzierten Halbleitern auf Drittmärkten zu
Verhinderung und die Verkaufsmöglichkeiten
für ausländische
Hersteller

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auf dem japanischen Markt zu steigern. Außerdem erklärte sich die japanische Regierung dazu bereit, ein
Dumping in den Vereinigten Staaten zu
verhindern.
Der Teil der Vereinbarung, der
das Dumping in den Vereinigten Staaten betrifft, scheint zufriedenstellend erfüllt worden 2u sein, doch die
Pestimmungen
über
das Dumping
in
Drittländern und über den Zugang zu
Japans Märkten sind nicht ordnungsgemäß eingehalten worden.

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�Im Oktober, November und Dezember
sind Vertreter der amerikanischen Regierung mit ihren japanischen Amtskollegen
zusammengetroffen, um die
Hauptprobleme dieser Vereinbarung anzusprechen. Am 28. Januar 1987 fanden darüber hinaus Dr inglichkeitskonsultationen in Japan statt, bei denen
Beweise für die japanische Nichteinhaltung der Vereinbarung über das
Dumping in Drittländern und die Bestimmungen über den Marktzugang angesprochen wurden.
VJährend der Konsultationen am 28.
Januar haben Vertreter der amerikanischen Regierung die japanische Regierung darüber in Kenntnis gesetzt, daß
die
Vereinigten
Staaten
geeignete
Schritte zur Durchsetzung der Vereinbarung unternehmen würden, wenn das
Dumping in Drittländern nicht innerhalb von 30 Tagen beendet und der
Verkauf von ausländischen Halbleitern
in Japan nicht binnen 60 Tagen ansteigen würde.
Eine vom Handelsministerium erstellte umfassende Analyse der japanischen Preispolitik auf Drittmärkten
beweist endgültig, daß am Stichtag
des 28. Februar immer noch ein beträchtliches Dumping vorgenommen wurde.
Zu diesem Zeitpunkt wurden die
von Japan produzierten DRAMS
(ein
weiter entwickelter Typ von Halbleitern) für durchschnittlich 59,4 Prozent ihres üblichen Marktwertes verkauft, während EPROMS
(ein anderer
weiter entwickelter Halbleiter) für
63,6 Prozent des üblichen Markwertes
verkauft wurden.
Falls das Dumping
in dieser Größenordnung
fortgesetzt
würde, hätten amerikanische Halbleiter-Firmen keine oder nur eine geringe Chancen, auf überseeischen Märkten
zu konkurrieren.
Der Stichtag zur Verbesserung des
Zugangs zu Japans Märkten für aus-

ländische
Halbleiter
war
der
28.
März.
Die Regierung der Vereinigten
Staaten hat die einschlägigen Daten
analysiert und erkannt, daß sich der
Marktzugang seit Unterzeichnung der
Vereinbarung nicht verbessert hat.

Maßnahmen des Präsidenten
Der
Präsident hat entschieden,
Sanktionen gegen bestimmte japanische
Exporte in die Vereinigten Staaten zu
erheben. Diese Sanktionen bleiben in
Kraft, bis die Vereinbarung über die
Halbleiter ordnungsgemäß erfüllt ist.
Am Montag, dem 30. März wurde im Bundesregister eine Eintragung der möglichen Produkte vorgenommen, gegen
die Sanktionen erhoben werden können.
Nach Ablauf des Zeitraums von 14 Tagen
für öffentliche
Stellungnahmen
und den zwei Tage dauernden öffentlichen Anhörungen am 13. und 14. April, hat die Regierung die Produkte
aus der Liste ausgewählt, gegen die
Vergeltungsmaßnahmen
ergriffen
werden. Mit dem heutigen Datum wird ein
Zollsatz von hundert Prozent auf japanische Produkte im Gesamtumfang von
ungefähr 300 Millionen Dollar wirksam, der die Absatzverluste der amerikanischen
Industrie
ausgleichen
soll.
Durch diese Sanktionen werden den
amerikanischen Konsumenten die Produkte nicht vorenthalten, gegen die
Vergeltungsmaßnahmen
ergriffen
wurden.
Alle Produkte auf der Liste
können von inländischen oder anderen
ausländischen
Herstellern
geliefert
werden.
Die höheren Zölle, die nur
gegen japanische Importe dieser Produkte erhoben werden, werden aufgehoben, sobald eine vollständige Erfüllung der Vereinbarung
festgestellt
wurde.
* * * * * *

,

\

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

15

22. April 1987

PLÄNE FÜR RAUMSTATION REVIDIERT

WASHINGTON - (AD) - Die von der US-Behörde für Luft- und Raumfahrt (NASA)
ausgearbeiteten neuen Pläne für den Bau einer bemannten Raumstation wurden von
Präsident Reagan gebilligt. Sie sehen den Aufbau in zwei Phasen vor. In der
ersten Phase soll ein vollfunktionsfähiges, aber kleineres System errichtet
werden, als ursprünglich vorgesehen war. Der Kostenaufwand wird auf 10,9 Milliarden Dollar geschätzt. Von 1996 an könnte die Station ständig mit Astronauten besetzt werden. (Der erste Kostenvoranschlag aus dem Jahr 1984 für eine Weltraumbasis ging von acht Milliarden Dollar aus.) Die Station in der
neuen Version ist erweiterungsfähig. Die Vergrößerung wäre Aufgabe der zweiten Aufbauphase, über die jedoch erst später entschieden v/erden soll.

Die
Zustimmung
des Präsidenten
bezeichnete Andrew Stofan, einer der
Projektdirektoren
für die amerikanische Raumstation, als "sehr bedeutsam". Die NASA habe während der vergangenen Monate versucht, ein Programm zusammenzustellen, das in wissenschaftlicher und technischer Hinsicht
den
Ansprüchen
genüge
und
trotzdem der finanziellen Situation
in der angespannten Haushaltslage gerecht werde.
Jetzt hoffe die NASA
auf Zustimmung vom Kongreß, auch hinsichtlich der Aufforderung an die Industrie, Vorschläge zu beiden Phasen

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des
revidierten
Projekts
"Raumstation" einzureichen.
Der Nationale
Forschungsrat werde, unabhängig von
den NASA-Berechnungen, bis zum 1.
September 1987 eine eigene Analyse
der Kosten und der technischen Auslegung unterbreiten.
Nach Ansicht Stofans gibt der revidierte Plan der NASA die Basis, um
"alles zu tun, was wir künftig zu tun
beabsichtigen...
auch Missionen zum
Mond oder zum Mars'
Pläne für eine
eingehende Erforschung '"es Planeten
Mars mit Hilfe einer Kombination von

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�Robotern gegen Ende dieses Jahrhunderts v/erden innerhalb der NASA mit
einiger
Zeit erörtert.
Vorgesehen
ist u.a. ein Rover-Fahrzeug, das automatisch Bodenproben nimmt und sammelt, sowie ein Gerät, das die Proben
zur Erde zurückbringt.
Sie könnten
vielleicht Aufschluß darüber geben,
ob es auf dem Mars jemals Leben gegeben hat.
Berichten zufolge planen
die Sowjets Ende der neunziger Jahre
eine ähnliche Mission.
in einer NASA-Verlautbarung von
Anfang April wird darauf verwiesen,
daß in der ersten Aufbauphase für die
kleinere Version der Raumstation Labors und Wohnmöglichkeiten für die
Astronauten
vorgesehen
seien,
"um
wissenschaftliches
Arbeiten,
insbesondere
in der
Werkstoff-Forschung
und auf biologisch-medizinischen Gebieten, in Astronomie und Erdbeobachtung zu ermöglichen und Missionen in
größere Tiefen des Weltraums vorzubereiten" .
Von anderen Ländern beigesteuerte
Elemente sind in die neue Planung
einbezogen.
So wird die Europäische
Weltraumbehörde (ESA) ebenso wie Japan je eines der vier Laboratorien
bereitstellen, die ständig mit der
Raumstation verbunden bleiben.
Außerdem kommt von der ESA eine freifliegende Plattform mit Instrumenten
zur Erdbeobachtung auf polarer Umlaufbahn.
Die europäische
Behörde
befaßt sich ferner mit dem Projekt
eines bemannten Labors, das von der
Raumstation abgekoppelt werden kann
und im Formationsflug mit ihr um die
Erde kreist.
Kanada wird eine weiterentwickelte Ausführung des Robotarms zur Verfügung stellen, der an
Bord des Raumtransporters verwendet
wird.
Für
von der

das Haushaltjahr 1988 sind
amerikanischen Regierung 767

Millionen
Dollar
für
das
Projekt
"Raumstation" angefordert; bis zum
Jahr 1990 sollen sich die Mittel für
diesen Posten im Rahmen der üblichen
Vorausschätzungen halten.
Nach den
Berechnungen der NASA könnte so der
Zeitplan für eine Inbetriebnahme der
Weltraumbasis im Jahr 1996 eingehalten werden.
I

* * * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Shultz-Besuch ein Beitrag zur Förderung des amerikanisch-sowjetischen Dialogs&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Präsidenten zu Shulzt-Gesprächen in Moskau -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shultz: "Ziemliche Fortschritte" bei INF erzielt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz des amerikanischen Außenministers in Moskau -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weißes Haus legt Gründe für Handelsbeschränkungen gegen Japan dar&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Faktenübersicht zur Erhebung von Zöllen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pläne für Raumstation revidiert</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

*

2 9 . A p r i l 1987

16

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan drängt auf sowjetische Antwort zu Verifizierungsvorschlägen
- Stellungnahme zum Auftakt der neuen Verhandlungsrunde -

WIRTSCHAFT
Reagan erörtert Handel zwischen USA und Japan

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Null-Lösung ist keine "Erbsenzählerei"
- von Paul Nitze -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Konfrontiert mit AIDS-Gefahr
- Ein Virus fordert verantwortliches Denken und Handeln bei jedem
einzelnen heraus * * * * * *

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�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

4

29. April 1987

16
REAGAN DRÄNGT AUF SOWJETISCHE ANTWORT
ZU VERIFIZIERUNGSVORSCHLÄGEN

Stellungnahme zum Auftakt der neuen Verhandlungsrunde -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat die Sowjetunion am 23. April 1987
dazu aufgerufen, durch eine Antwort auf die amerikanischen Vorschläge zur Verifizierung zu Fortschritten bei den Verhandlungen über die Mittelstreckenwaffen (INF) zu kommen. In einer schriftlichen Stellungnahme zum Auftakt einer
neuen Runde der Genfer INF-Gespräche betonte der Präsident, daß "eine weltweite Null-Lösung" das bevorzugte Ergebnis für die Vereinigten Staaten und seine
Verbündeten bleibt.
Nachstehend geben wir den Text der Verlautbarung des Präsidenten wieder:

Heute beginnt die neue Verhandlungsrunde zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion über INF,
eines der drei Elemente der Genfer
Verhandlungen
über
Kern- und Weltraumwaffen.
Die Vereinigten Staaten
kehren zu diesen Verhandlungen mit
der Entschlossenheit zurück, auf den
Fortschritten aufzubauen, die im Verlauf der Begegnungen von Außenminister Shultz in der vergangenen Woche
in Moskau erreicht worden sind. Obwohl noch eine Anzahl von zentralen
Problemen gelöst werden müssen und
noch vieles zu verhandeln bleibt,

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sind die Aussichten
kommen gestiegen.

auf ein

INF-Ab-

Generalsekretär
Gorbatschow und
ich haben uns über den grundsätzlichen Aufbau eines INF-Abkommens,
also über das Wesen und das Niveau
des Abbaus von INF-Raketen längerer
Reichweite, in Reykjavik
geeinigt,
und dies spiegelt sich in dem Vertragsentwurf wider, den die amerikanischen
Unterhändler
letzte
Woche
vorgelegt
haben.
Dieser
Entwurf
schlägt eine Verringerung auf eine
vorläufige weltweite Obergrenze von

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�je 100
Sprengköpfen
auf
amerikanischen und sowjetischen landgestützten INF-Raketen längerer Reichweite
im nicht europäischem Raum vor, bei
gleichzeitigen
weltweiten
Beschränkungen
von
INF-Raketen
kürzerer
Reichweite auf gleiche Niveaus, sowie
Bestimmungen für eine wirksame Verifikation.
Die Vereinigten
Staaten
und ihre NATO-Verbündeten bevorzugen
jedoch weiterhin bei INF längerer
Reichweite eine Null-Lösung - die
Vernichtung dieser gesamten Kategorie
von Raketen.

Es ist die Entschlossenheit der
Vereinigten Staaten und der Verbündeten
zur Aufrechterhaltung
unserer,
meines Erachtens weiterhin unteilbaren Sicherheit, die uns diese Gelegenheit gegeben hat, ein historisches
Abkommen zu erreichen, durch welches
zum ersten Mal atomare Waffen tatsächlich
verringert
würden.
Botschafter Glitman und die Mitglieder
der amerikanischen Delegation haben
bei diesen Bemühungen gute Arbeit geleistet, und sie genießen auch weiter
meine vollste Unterstützung.

Eines der zentralen Probleme, das
noch gelöst werden muß, ist das der
INF-Raketensysteme kürzerer Reichweite. Wir und unsere Verbündeten streben seit
langem nach angemessenen
weltweiten
Beschränkungen
bei
INF
kürzerer Reichweite innerhalb eines
ersten
INF-Abkommens.
Die Sowjets
haben früher einer Einbeziehung von
Beschränkungen
für
INF
kürzerer
Reichweite in ein erstes INF-Abkommen
zugestimmt, aber
nun scheinen sie
sich mit INF kürzerer Reichweite sowohl im Rahmen eines INF-Abkommens
als auch in separaten Verhandlungen
befassen zu wollen.

Die Verifikation ist ein weiteres
zentrales Problem, das gelöst werden
muß.
Wir können bei diesem grundsätzlichen Thema solange keine Fortschritte erzielen, bis die Sowjets
auf die umfassenden Vorschläge zur
Verifikation detailliert geantwortet
haben, die von den Vereinigten Staaten in Genf schon unterbreitet wurden. Die Verifikation würde erleichtert, wenn die Sowjets eine weltweite
Null-Lösung für INF längerer Reichweite akzeptieren würden.
Dies ist
das bevorzugte Ergebnis der Vereinigten Staaten und unserer Verbündeten,
und wir werden weiter nach der sowjetischen Zustimmung zu diesem Vorschlag streben.

Während der kürzlichen Begegnungen
von
Außenminister
shultz
in
Moskau haben die Sowjets deutlich gemacht, daß ihre Position in den getrennten Verhandlungen über INF kürzerer Reichweite eine Null-Lösung zum
Ziel haben würde, und sie schlugen
eine weltweite Lösung vor.
Die sowjetische Position bleibt jedoch in
ihren wesentlichen Teilen noch auszuarbeiten, und wir hoffen, daß dies
während der kommenden Runde geschehen
wird. Mittlerweile finden schon enge
Konsultationen mit unseren Verbündeten über dieses Problem statt, und
wir stehen ebenfalls mit den Führern
des Kongresses in Verbindung.

Wir
kehren hoffnungsvoll, aber
auch realistisch, zu diesen Gesprächen zurück. wir wissen, daß es eine
Anzahl von Problemen gibt, deren Lösung ein besonders hartes Verhandeln
erfordert. Aber in enger Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten in Europa und Asien sind wir bereit, unseren
Teil zu tun, und wir hoffen, daß die
Sowjets mit einer vergleichbaren Entschlossenheit
an den Verhandlungstisch zurückkehren.

- 2 -

+ +++++

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft

29. April 1987

16

REAGAN ERÖRTERT HANDEL ZWISCHEN USA UND JAPAN

WASHINGTON - (AD) - Am 25. April 1987 hielt Präsident Reagan seine wöchentliche Rundfunkansprache aus Camp David, Maryland. Im nachfolgenden geben
wir den Wortlaut der Ansprache wieder.

Meine lieben Mitbürger! Der japanische
Premierminister
Nakasone
wird mir nächste Woche im Weißen Haus
einen Besuch abstatten.
Ich messe
diesem
Besuch
besondere
Bedeutung
bei, da ich erwartungsgemäß das Thema
der Beziehungen mit unserem guten
Freund Japan wiederaufnehmen werde die im Großen und Ganzen ausgezeichnet sind - gleichzeitig jedoch auch
die jüngsten Unstimmigkeiten zwischen
unseren beiden Ländern über die Handelsprobleme ganz oben auf unserer
Tagesordnung stehen werden.

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Wie Sie vielleicht bereits gehört
haben werden, habe ich in der vergangenen Woche einige japanische Produkte mit neuen Zöllen belegt, als Reaktion auf die Nichteinhaltung der Abkommen, die die Japaner mit uns über
elektronische Geräte, die sogenannten
Halbleiter, geschlossen haben.
Solche Zölle, Handelsschranken oder Restriktionen jeglicher Art zu verhängen sind Schritte, die ich ungerne
unternehme.
Und als nächstes werde
ich Ihnen die folgerichtigen wirtschaftliche Gründe dafür benennen daß solche Handelshemmnisse langfri-

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�stig gesehen jeden amerikanischen Arbeitnehmer
und
jeden
Konsumenten
treffen.
Aber bei den japanischen Halbleitern liegt der Fall etwas anders.
Uns lagen klare Beweise vor, daß japanische Unternehmen unfaire Handelspraktiken anwendeten, die eine Verletzung des Abkommens zwischen Japan
und den Vereinigten Staaten darstellten.
Wir erwarten von unseren Handelspartnern die Einhaltung ihrer Abkommen. Wie ich immer wieder betont
habe, ist unsere Verpflichtung
zu
freiem Handel auch eine Verpflichtung
zu fairem Handel.
Sie sollten jedoch wissen, daß
wir mit der Verhängung dieser Zölle
nur versuchten, ein spezielles Problem in den Griff zu bekommen und
nicht, einen Handelskrieg auszulösen.
Ich
werde
also
Premierminister
Nakasone in der nächsten Woche eben
diese Botschaft übermitteln: Daß wir
bei den Handelsproblemen sehr gerne
zur Zusammenarbeit bereit sind und
diese
Handelsbeschränkungen
sobald
wie möglich gerne wieder
aufheben
werden.
Wir wollen dies tun, weil
unseres Erachtens sowohl Japan als
auch die Vereinigten Staaten die Verpflichtung zur Förderung des Wohlstands und der wirtschaftlichen Entwicklung haben, die nur durch den
freien
Handel herbeigeführt werden
können.
Diese Botschaft des freien Handels habe ich vor einigen Wochen führenden kanadischen Regierungsvertretern übermittelt und mir wurde dort
ein warmer Empfang bereitet. In der
Tat wird man sich überall auf der
Welt zunehmend der Tatsache bewußt,
daß der Weg zu Wohlstand für alle Nationen in der Ablehnung protektionistischer Gesetzgebung und in der
Förderung des fairen und freien Han-

dels besteht.
Hierfür gibt es natürlich gute
historische Gründe.
Diejenigen von
uns, die die Große Depression miterlebt haben, sind von den Erinnerungen
an die durch sie verursachten Leiden
tief gebrandmarkt.
Und heute argumentieren zahlreiche Wirtschaftsanalytiker und Historiker dahingehend,
daß die zu jener Zeit verabschiedete
Gesetzgebung der hohen Zölle, der sogenannte Smooth-Hawley-Zoll, die Depression noch gravierend verschärfte
und
die
wirtschaftliche
Gesundung
verhinderte.
Dies beweist Ihnen, daß es zunächst aussieht, als würde man die
patriotische Sache verfolgen, indem
man amerikanische Produkte und Arbeitsplätze schützt, wenn man sagt:
"Wir verhängen Zölle für ausländische
Produkte". Und manchmal kann man sogar kurzfristige Erfolge verzeichnen
- jedoch nur kurzfristige.
Was
schließlich
geschieht, ist
folgendes: Zuerst verlassen sich die
im Inland gewachsenen Industrien zunehmend auf den Schutz der Regierung
in Form von hohen Zöllen. Sie beenden den Konkurrenzkampf und verfolgen
nicht länger einen innovativen Führungsstil und technologischen Wandel,
die für den Erfolg auf Weltmärkten
unerläßlich sind.
Und während all
dies vonstatten geht, geschieht noch
etwas viel schlimmeres, da hohe Zölle
unweigerlich zu Vergeltungsmaßnahmen
des Auslands führen und heftige Handelskriege
auslösen.
Das Ergebnis
sind immer mehr Zölle, immer höhere
Handelsschranken
und
immer weniger
Wettbewerb.
Aufgrund der durch die
Zölle künstlich hochgehaltenen Preise, die einen Ausgleich für mangelnde
Leistungsfähigkeit und schlechtes Management schaffen sollen, hören die
Leute bald auf zu kaufen. Und dann

�kommt es zum Schlimmsten: Die Märkte
schrumpfen und brechen zusammen, Geschäfte und Industrien müssen schließen - und Millionen von Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz.
Die Erinnerung an diese Ereignisse der dreißiger Jahre hat mich, als
ich nach Washington kam, in dem Entschluß bestärkt, dem amerikanischen
Volk die protektionistische Gesetzgebung zu ersparen, die den Wohlstand
zerstört.
Dies war natürlich nicht
immer
leicht.
Ebenso wie in den
dreißiger Jahren gibt es auch heute
diejenigen im Kongreß, die auf den
schnellen
politischen
Vorteil
aus
sind;
die Amerikas Wohlstand zugunsten der kurzfristigen Anziehungskraft, die dies für einige spezielle
Interessengruppen besitzt, aufs Spiel
setzen wollen;
die vergessen, daß
mehr als fünf Millionen amerikanische
Arbeitsplätze direkt mit dem ausländischen Exportgeschäft und zusätzliche
Millionen mit Importen verknüpft sind.

über diese gefährliche Gesetzgebung
auf dem laufenden halten, denn sie
stellt nur eine andere Form des Protektionismus dar und um sie abzuschaffen, könnte ich Ihre Hilfe benötigen. Vergessen Sie nicht: Amerikas Arbeitsplätze und Wachstum stehen
auf dem Spiel.
Bis nächste Woche. Ich danke für
Ihre Aufmerksamkeit und Gott schütze
Sie.

Nun, diese Arbeitsplätze habe ich
nie aus dem Blick verloren. Und insgesamt gesehen, haben wir im Handelsbereich gut abgeschnitten.
In einigen ausgesuchten Fällen, wie bei den
japanischen
Halbleitern, haben wir
Schritte
zur
Beendigung
unfairer
Praktiken gegen amerikanische Produkte unternommen, aber wir haben stets
unsere
grundsätzliche,
langfristige
Verpflichtung zu freiem Handel und
Wirtschaftswachstum aufrechterhalten.
Für mein Treffen mit Premierminister Nakasone und angesichts des
bevorstehenden Wirtschaftsgipfels in
Venedig ist es daher von vordringlicher Bedeutung, Optionen des Präsidenten in diesen Handelsangelegenheiten
mit
ausländischen
Regierungen
nicht einzuschränken.
Bedauerlicherweise versuchen einige Mitglieder des
Kongresses genau das. Ich werde Sie
- 3 -

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'VON

Hintergrundmaterial

4

16

29. April 1987

DIE NULL-LÖSUNG IST KEINE "ERBSENZÄHLEREI'
- Von Paul Nitze -

Der folgende Artikel erschien zuerst am 24. April 1987 in der Washington Post.
Der Autor ist Sonderberater des Präsidenten und des Außenministers für Rüstungskontrollangelegenheiten.

Brent Scowcroft kritisiert mehrere der Argumente, die ich an dieser
Stelle am 30. März vorgebracht habe,
um die Position der Reagan-Administration
zur
Rüstungskontrolle
zu
verteidigen. Ich bleibe jedoch meinen Ansichten treu.
Scowcroft fährt mit seiner Kritik
an der Null-Lösung für Mittelstrekkenraketen fort und fragt, warum wir
uns überhaupt dazu entschlossen haben, Pershing II-Raketen und Marschflugkörper zu stationieren, wenn andere in Europa stationierte nukleare

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Embassy of the United States of America

Systeme ausreichen, um
nische Verteidigung an
koppeln.

die
die

amerikaNATO zu

Die Antwort ist zweifach und wurde im Doppelbeschluß der NATO von
1979 deutlich niedergelegt.
Erstens
entschied das Bündnis, daß es kriegsschauplatzgebundene Raketen mit der
Fähigkeit,
Ziele
auf
sowjetischem
Territorium
zu bedrohen, brauchte,
weil die Sowjets Raketen unterhalb
der
interkontinentalen
Reichweite,
also die SS-20, stationierten, wodurch die NATO-Länder von Sowjet-

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�ischem Territorium aus bedroht wurden.
Zweitens beschloß das Bündnis,
daß die Abschaffung der SS-20 und anderer sowjetischer Raketen dieser Kategorie die Notwendigkeit
für die
Stationierungen seitens der NATO aufheben würde. Mit anderen Worten: die
amerikanischen
INF-Systeme
dienten
dazu, die Verbündeten nochmals der
fortbestehenden Wirksamkeit der Abschreckungsstrategie der NATO angesichts der SS 20-Raketen zu versichern.
Wie die Verbündeten selbst
deutlich machten, wäre eine solche
Versicherung in Anbetracht der anderen Beiträge der Vereinigten Staaten
zur Verteidigung der NATO unnötig,
wenn die SS 20-Raketen beseitigt würden, wie dies die Null-Lösung vorsieht.

ten heißt, ist der dritte. Daß die
NATO über 4 000 nukleare Gefechtsköpfe in Europa behalten würde, um ihre
Doktrin der
flexiblen Reaktion zu
stützen und die Ankopplung zu sichern, ist ein vierter.
(Ich möchte
anmerken, daß die Administration frühere sowjetische Vorschläge für asymmetrische Reduzierungen bei den INFRaketen zurückgewiesen hat, weil das
Ergebnis ungleich gewesen wäre und
nicht in unserem Interesse lag.)
überdies würden asymmetrische Reduzierungen bei INF einen guten Präzedenzfall für die asymmetrischen Reduzierungen bedeuten, die wir für akzeptable Abkommen über konventionelle
Streitkräfte und chemische Waffen benötigen würden.

Scowcroft
betrachtet
außerdem
mein Lob für die Null-Lösung als einer guten asymmetrischen Reduzierung
mit Geringschätzung
und behauptet,
dies sei Ausdruck eines unwürdigen,
unkonzeptionellen
"erbsenzählerischen"
Ansatzes
zur
Rüstungskontrolle.

Im strategischen Bereich kritisiert Scowcroft die Administration
wegen des in Reykjavik unterbreiteten
Angebots eines zehnjährigen Zeitraums
des Nichtrückzugs vom ABM-Vertrag,
was seiner Meinung nach SDI gefährden
würde, im Austausch für Reduzierungen
der offensiven Systeme, die seiner
Meinung
nach
lediglich
symmetrisch
erfolgen würden.

Würde man sein Urteil über ein
Rüstungskontrollabkommen
einzig
und
allein auf die Anzahl der abgebauten
Waffen gründen, so wäre dies in der
Tat
gedankenlose
"Erbsenzählerei".
Andererseits sind die in Frage stehenden Zahlen ein Faktor, der zusammen mit anderen militärischen und politischen Gesichtspunkten zu berücksichtigen ist, die unsere und die Sicherheit unserer Verbündeten tangieren. Im Fall der INF-Systeme längerer Reichweite, bei denen ein Ungleichgewicht von fünf zu eins besteht, sind asymmetrische Reduzierungen zu unseren Gunsten bedeutsam.
Daß das Ergebnis einen Gleichstand
bei dieser Waffenkategorie bedeutet,
ist ein weiterer bedeutsamer Faktor.
Daß es Null in Europa für beide Sei-

Keine dieser Behauptungen
hält
einer
Überprüfung
stand.
Die
in
Reykjavik
vorgelegte
amerikanische
Offerte zu SDI war von der Beseitigung offensiver ballistischer Raketen
abhängig und hätte die Weiterführung
eines
umfassenden
Forschungs- und
Entwicklungsprogramms mit einem klaren Ziel zugelassen - Stationierung
nach 1996, falls die Verteidigungssysteme die von uns gesetzten Kriterien
erfüllen.
Die
Unterstützung
des
Kongresses für SDI wird durch die von
uns gemachten Angebote nicht gefährdet; sie wäre durch die unnachgiebige
Weigerung
der Vereinigten
Staaten,
die Angelegenheit zu diskutieren, gefährdet.

- 2 -

�Im offensiven Bereich würden die
von den Vereinigten Staaten vorgeschlagenen Untergrenzen im Zuge des
von beiden Seiten vorgenommenen 50prozentigen
Abbaus
zwangsläufig
zu
asymmetrischen Reduzierungen führen,
und zwar bei den Waffen, die wir für
die destabilisierendsten halten - für
Gefechtsköpfe ballistischer Raketen,
insbesondere
auf denjenigen ICBMs,
bei denen die Sowjets gegenwärtig im
Vorteil sind.
Dabei haben die Sowjets doch gerade zugestimmt, ihre
Gefechtsköpfe auf schweren ICBMs, den
bedrohlichsten von allen, um 50 Prozent zu reduzieren, wobei sie heute
davon 3 000 besitzen und wir Null.
Scowcroft erklärt, daß weniger Atomwaffen nicht ipso facto die strategische Stabilität erhöhen.
Dies ist
wahr, aber
für
unseren
Vorschlag
nicht zweckdienlich.
Schließlich
zieht Scowcroft es
vor, Henry Kissingers Forderung nach
einer
sofortigen
Stationierungsentscheidung für SDI zu ignorieren - die
ich als bis zu dem Zeitpunkt verfrüht
kritisiert habe, an dem wir entscheiden, ob Verteidigungssysteme überlebensfähig und kosteneffektiv und damit stabilisierend wären - und verteidigt Kissinger mit dem allgemein
gehaltenen Argument, daß wir SDI von
der amerikanisch-sowjetischen Tagesordnung absetzen sollten.
Mehr
als
die
meisten
anderen
sollte Scowcroft erkennen, daß dieser
Vorschlag
unrealistisch
ist.
Eine
Weigerung, SDI mit den Sowjets zu
diskutieren,
würde
sicherlich
der
Möglichkeit stabilisierender Reduzierungen der strategischen Offensivwaffen ein Ende bereiten und das SDIProgramm selbst im Kongreß ernsthaft
gefährden.

* * * * * *
- 3 -

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

29. April 1987

16

KONFRONTIERT MIT AIDS-GEFAHR
Ein Virus fordert verantwortliches Denken und Handeln bei jedem
einzelnen heraus -

WASHINGTON - (AD) - Der Direktor des "Nationalen Instituts für Allergie
und Infektionskrankheiten" der Medizinischen Bundesforschungsanstalten (NIH)
der Vereinigten Staaten, Dr. Anthony Fauci, erörterte in einer Fernsehsatellitendiskussion mit Wissenschaftlern in Europa die Problematik der Immunschwächekrankheit AIDS. Die Gespräche zwischen Dr. Fauci in einem Studio in
Washington und den Teilnehmern in Lissabon, Rom, Mailand, Bonn, Den Haag und
Istanbul zum gegenwärtigen Stand von Forschung, Vorbeugung und Therapie wurden
über das WORLDNET-System des US-Informationsamtes (USIA) ermöglicht.

Mit
beispiellosen
Anstrengungen
versuchen Mediziner aus Forschung und
Praxis, Epidemiologen, Mikrobiologen,
Pharmazeuten
sowie Mitarbeiter
von
Gesundheitsbehörden, national wie international, auf vielen Ebenen gegen
diese Krankheit anzugehen. Was Studien und wissenschaftliche Informationen anbelangt, hat die Zusammenarbeit selten so rasch und engagiert
eingesetzt wie angesichts der Aufgaben, die sich durch AIDS als Krankheit und gesellschaftliches Problem
stellen. Ein Erfolg in medizinischer
Sicht bei der Bekämpfung dieser erst

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seit wenig mehr als fünf Jahren bekannten Infektionskrankheit ist noch
kaum
erkennbar,
ihre
Ausbreitung
alarmierend.
Ein
Hoffnungsschimmer
für die Betroffenen: Das erste Medikament gegen AIDS, AZT (Handelsname
"Retrovir"), wurde in den USA im März
1987 freigegeben.
Mit diesem Präparat lassen sich
Symptome
bestimmter
Begleit- bzw.
Folgeerkankungen
von AIDS abschwächen. AIDS ist eine Virusinfektion,
die natürliche Abwehrmechanismen des
menschlichen
Körpers
lahmlegt
und

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�deshalb andere Krankheitserreger sowie bestimmte Arten von Krebs begünstigen. Eine Behandlung mit AZT kann
die Grunderkrankung AIDS nicht heilen, aber das Fortschreiten des körperlichen und geistigen Verfalls verlangsamen.
Wenn
mehr
Erfahrungen
über den günstigsten Modus für die
Dosierung undn mögliche zusätzliche
Medikationen
vorliegen,
hofft man
auch die unerwünschten Nebenwirkungen
besser in den Griff zu bekommen.
Der Erreger der erworbenen Immunschwächekrankheit AIDS ist ein überaus komplexes Virus aus der Gruppe
der Retroviren. Seit Jahrzehnten war
bekannt, daß Retroviren Tierkrankheiten auslösen.
Ende der siebziger
Jahre wurde ein Retrovirus, HTLV-I,
als Erreger einer seltenen Form von
Leukämie beim Menschen ermittelt. Im
Jahr 1982 wurde bei Dr. Robert Gallo
(NIH) ein weiteres HTLV-I ähnliches
Retrovirus gefunden, das mit der sogenannten Haarzell-Leukämie in Zusammenhang steht.
Es erhielt die Bezeichnung HTLV-II.
Ein Jahr später
schließlich entdeckte eine Forschergruppe vom Pasteur-lnstitut in Paris
unter Leitung von Luc Montagnier den
AIDS-Erreger, der damals den Namen
LAV
("Lymphadenopathie-assoziiertes
Virus") erhielt. Dr. Gallo und Mitarbeiter fanden wenig später, Anfang
1984, ebenfalls ein AIDS-erzeugendes
Retrovirus.
Sie nannten es HTLV-III
("Human T-Lymphotrophic Virus", Typ
III).
Als sich die Gleichartigkeit
von LAV und HTLV-III herausstellte,
einigte man sich auf die Umbenennung
beider
in HIV ("Human Immunodeficiency Virus").
Zwei Jahre später,
1986, wurde noch ein AIDS-verursachendes Retrovirus gefunden, bei dem
die Inkubationszeit bis zum Ausbruch
der Krankheit aber offenbar länger
ist.
Beide AIDS-Viren werden jetzt
mit
den
Bezeichnungen
HIV-I
und
HIV-II unterschieden.
Zu der letzt-

genannten Retrovirusgruppe zählt auch
das 1986 entdeckte HTLV-IV. Ob dieses ebenfalls AIDS auslösen kann,
weiß man noch nicht sicher zu sagen.

Ubertragungswege
Die Erkenntnisse über die Übertragungswege
für AIDS-Viren
durch
sexuelle Kontakte und Blut wurden in
letzter
Zeit
erheblich
erweitert.
Die frühere Meinung, daß insbesondere
Homosexuelle,
Rauschgiftsüchtige
(durch
das
Benutzen
infizierter
Spritzen) und Bluter (auch gelegentliche Empfänger von Bluttransfusionen) durch Blut und Blutprodukte von
infizierten Spendern gefährdet seien
bzw. bis zur Entwicklung von Verfahren zur Keimfreimachung von Spenderblut gefährdet waren, mußte revidiert
werden.
Heute steht fest, daß auch
bisexuelle und heterosexuelle Personen (durch Sperma und Vaginalflüssigkeit) die Infektion weitergeben. Babies erkranken an AIDS, wenn sie vor
und während der Geburt über das Blut
der
infizierten
Mutter
angesteckt
wurden.
In den Vereinigten Staaten
kennt man Dr. Fauci zufolge Hunderte
solcher
Fälle; in manchen afrikanischen Ländern dürften sogar bis zu
20 Prozent der Neugeborenen infiziert
sein.
Vor allem bei Rauschgiftsüchtigen
ist immer deutlicher eine "Rückübertragung" von Frauen auf Männern zu
erkennen. Dies war Dr. Fauci zufolge
auch bei Infizierten durch Blutkonserven und bei den weiblichen Sexualpartnern von Blutern zu beobachten.
Die umfangreichsten
"harten Daten"
zur
heterosexuellen
Ubertragbarkeit
von AIDS dürften aus Zentralafrika
kommen, wo es zweifellos eine primäre, sekundäre und tertiäre Ausweitung
gebe - von Männern auf Frauen, von
Frauen auf Männer, durch Anal- eben-

- 2 -

�so wie durch vaginalverkehr.
Die Anfang der achtziger Jahre
als risikofrei angesehenen Bevölkerungsgruppen werden, so Dr. Fauci,
immer kleiner, und es sei anzunehmen,
daß sich jetzt schon in jeder Bevölkerungsgruppe
infizierte
Personen
fänden.
Infektionen
bei
Heterosexuellen nähmen besonders rasch zu.
(Dr. C. Everett Koop, "Surgeon General" der USA, befürchtet, daß die
Seuche unter heterosexuellen Personen
eine
ähnliche
Ausbreitungsgeschwindigkeit erreicht wie dies Anfang der
achtziger Jahre unter Homosexuellen
der
Fall
war.)
Laut
Dr.
Fauci
schätzt man in den USA die Zahl der
Infizierten auf ein bis zwei Millionen, von denen in fünf Jahren 29 bis
30 Prozent das Bild der Vollerkrankung zeigen dürften. Das bedeute um
1991 etwa 270 000 AIDS-Kranke in den
Vereinigten Staaten.
Millionen - wahrscheinlich Millionen in zweistelliger Zahl - seien
in
Zentralafrika
infiziert.
Dort
dürfte der Prozentsatz der "Konversion",
d.h.
des
Übergangs
einer
asymptomatischen
Infektion
in
die
Vollerkrankung,
sehr
wahrscheinlich
genau so sein wie in den Vereinigten
Staaten. Deshalb sei mit einer enormen Zunahme von AIDS-Fällen in den
nächsten fünf Jahren zu rechnen. Ob
sich HIV-II bzw. LAV-II, die gegenwärtig in Westafrika
(Guinea-Bissau
und Kap Verde) vorherrschende Infektion, auch auf andere Teile Afrikas
oder auf die übrige Welt ausweiten
werde, könne man heute noch nicht sagen. Aber es gebe keinen Grund für
die Annahme, daß dies nicht geschieht.
Denn auch HIV-II wird auf
sexuellem Wege und durch infiziertes
Blut übertragen.
"Es hat ganz den
Anschein, daß wir künftig mehr von
diesen anderen Retroviren sehen werden", meinte Dr. Fauci.

Einige
Wissenschaftler
fragten
bei der WORLDNET-Ubertragung nach der
Bedeutung von Hautkontakten und dem
Austausch von Speichel beim Küssen
für eine Übertragung von HIV.
Dr.
Fauci
schließt eine Infektionsmöglichkeit durch Speichel nicht ganz
aus, obgleich bisher ungefähr nur bei
jedem 40. HlV-Infizierten Viren im
Speichel
festgestellt wurden.
Aus
diesem Grund empfehle man im Zusammenhang mit "safe sex", den Austausch
von Speichel zu vermeiden.
Was die
Langhans-zellen
und
Kerationozyten
(bestimmte Zellgruppen in Hautgewebe)
angeht, habe man, so Dr. Fauci, zwar
klare Beweise für die Möglichkeit einer
Infektion der Langhans-Zellen,
nicht aber der Keratinozyten mit HIV.
Es lägen keine überzeugenden Anzeichen dafür vor, daß HIV-Viren durch
Hautkontakt
übertragen
würden.
Hauptquellen
der
Ansteckung
seien
nach wie vor Sexualkontakt, Blut oder
Blutprodukte oder die Virusübertragung von der Mutter auf das Kind.

Lebensweise und Eigenverantwortung
Das Thema "Sexualverhalten" habe
deshalb eine ganz außerordentliche
Bedeutung.
Aufklärung und Information der Bevölkerung stünden, solange
es weder Impfstoffe noch Heilungsmöglichkeiten gebe, absolut im Vordergrund, sagte Dr. Fauci. Dabei müßten
die Aktionen auf jede einzelne Bevölkerungsgruppe
zugeschnitten
werden,
wenn das, was sie vermitteln sollen,
auch wirklich verstanden werden und
überzeugen
soll.
Jedem
einzelnen
müsse klar gemacht werden, wie wichtig sein persönliches Verhalten für
den eigenen Schutz und den des Partners, darüber hinaus für den Schutz
der nachfolgenden Generation tatsächlich ist.

- 3 -

�Aufklärungsaktionen
sei
es
zu
verdanken, daß man in den USA in
letzter Zeit unter Homosexuellen einen Rückgang neuer AIDS-Erkrankungen
und neuer Fälle von Rektalgonorrhoe
um mindestens 90 Prozent verzeichnen
könne.
Auf diese Risikogruppe konzentrierten sich in erster Linie die
Appelle, Kondome zu benutzen und den
Partnerwechsel
einzuschränken.
Mit
wesentlich mehr Problemen habe man
aber bei Drogensüchtigen zu kämpfen,
von denen viele - männlich wie weiblich - sich zur Beschaffung von Drogen prostituieren.
Der Masse der Bevölkerung müsse,
so Dr. Fauci, klar gemacht werden,
welcher Art die Risiken sind und welches Ausmaß diese haben.
Obgleich
Verhaltensweisen sehr schwer zu beeinflussen seien, hoffe man doch, die
richtigen Ansätze dafür zu finden.
Denn gegenwärtig seien dies der einzige Weg und die einzige "Waffe", um
der Weiterverbreitung der AIDS-Infektion entgegenzuwirken.
Deshalb halte, er, Dr. Fauci, neben Aufklärungsaktionen öffentlicher Stellen von der
kommunalen bis zur Bundesebene z.B.
auch
umfangreiche
Pressekampagnen,
Informationen über Funk und Fernsehen
für eine gute Sache, sofern sie qualifiziert sind. Sie können viel dazu
beitragen, Klarheit darüber zu schaffen, wo die Risiken liegen und wo sie
nicht
liegen.
Ebenso
können
und
sollten sie unnötige und irrationale
Ängste abbauen. Verantwortungsbewußter Journalismus sei hier ganz besonders gefordert.

Kinder als Opfer von AIDS
Bei Babies äußert sich eine AIDSErkrankung anders als bei Erwachsenen
und wird deshalb häufig erst spät erkannt. Während bei Erwachsenen eine
Lungenentzündung vom Typ Pneumocystis
- 4

carinii und das Kaposi-Sarkom Hinweise auf eine AIDS-Infektion geben, beobachtet man bei Kindern
zunächst
wiederholte, bakterielle, virale und
bestimmte
Pilzinfektionen, Enzephalitis, Lymphozytose in Verbindung mit
interstitieller Pneumonie.
Ähnliche
Erkrankungen gibt es aber auch bei
nicht mit HIV infizierten Kindern.
Deshalb ist bei geringstem Verdacht
in dieser Altersgruppe ein Test auf
HIV-Antikörper ungemein wichtig.
An
AIDS erkrankte Kinder bleiben in ihrer körperlichen Entwicklung in der
Regel stark zurück.
Es kommt zu
Krampfanfällen, Erblindung, abnormen
Bewegungen, Gehirnatrophie und Gefäßsklerosen im Gehirn. Für die geistige Entwicklung gibt es kaum eine
Chance - die fortschreitende Demenz
zeigt
einen
besonders
auffälligen
klinischen Verlauf.
Dennoch heißt auch bei Säuglingen
und Kleinkindern, ähnlich wie bei Erwachsenen, eine Infektion mit AIDSViren nach dem gegenwärtigen Wissensstand nicht, daß die Krankheit in
Vorstadien
oder als Vollerkrankung
tatsächlich zum Ausbruch kommen müsse, obgleich eine Infektion mit Retroviren niemals rückgängig zu machen
ist. Vielmehr scheinen bei einem gewissen
Prozentsatz der
Infizierten
immunologische Prozesse einzusetzen,
die es nicht zu den katastrophalen
Auswirkungen kommen lassen.
Der Situation infizierter Kinder
galten denn auch immer wieder Fragen
an Dr. Fauci, insbesondere im Hinblick auf einen Impfstoff gegen AIDS
und auf die Probleme AIDS-kranker
Kinder
in
wissenschaftlicher
und
ethischer Sicht.
Mit dem letztgenannten Fragenkomplex, zu dem auch
die gesellschaftlichen Probleme gehören, befasse man sich, so Dr. Fauci,
gegenwärtig sehr intensiv. Was Vakzine angehe, so bemühten sich in den

�USA derzeit mehrere Gruppen bei der
FDA (US-Bundesbehörde für Lebens- und
Arzneimittelkontrolle) um die Genehmigung
zu einer Erprobung
("Erste
Phase") verschiedener Impfstoffe am
Menschen.

Impfstoff und Medikamente
Dabei handle es sich in erster
Linie
um rekombinante
DNS-Proteine
des AIDS-Virus.
Tests an kleinen
Versuchstieren sowie an Affen, etwa
an Schimpansen, seien schon vorgenommen
worden
und
würden
weiterhin
durchgeführt.
Dabei achte man sehr
viel mehr auf Sicherheit als auf
Wirksamkeit, weil es keine strikte
Analogie zwischen dem Tiermodell und
dem menschlichen Organismus gebe. In
der Testfolge sei ratsam, die Vakzinmodelle mit rekombinanter DNS, dann
die rekombinanten Hüllenproteine oder
den wirksamen Vakzinanteil einzusetzen. An einen Totimpfstoff wage man
sich deshalb nicht heran, weil die
Gefahr bestehe, daß Nukleinsäuren des
Virus schädliche Gene in die Wirtszelle einbringen.
Die erste Phase der Erprobung am
Menschen dürfte Ende 1987 oder Anfang
1988 beginnen. Aber selbst wenn die
Entwicklung mit Erfolg weitergeführt
werden könne, sei im Hinblick auf die
Natur des Virus und der AIDS-Erkrankung kaum vor Mitte der neunziger
Jahre mit einem für die allgemeine
Bevölkerung einsatzfähigen Impfstoff
zu rechnen.
Im Hinblick auf Kinder
seien die Probleme besonders groß,
weil insbesondere Impfverfahren erst
einmal an Erwachsenen eingehend getestet werden müßten, ehe man daran
denken könne, sie bei Kindern anzuwenden.
Bei Medikamenten
anderes.
Dr. Fauci

sei dies etwas
berichtete, daß

z.B. in die laufenden Studien mit
"Retrovir"
(AZT
Azidothymidin)
jetzt auch Kinder einbezogen wurden.
Dieses Präparat könne den klinischen
Status von Patienten mit einer Enzephalopathie (nichtentzündliche Hirnschäden, z.B. mit Bewußtseinsstörungen, Psychosen, unter Umständen Koma)
verbessern. AZT kann die Blut-HirnSchranke passieren und die Vermehrung
von AIDS-Viren in den Gehirnzellen
blockieren.
Das Passieren der BlutHirn-Schranke sei ein ganz wichtiger
Gesichtspunkt auch bei allen anderen
Medikamenten
(z.B. DDC, Peptid T,
AL7-21) , die sich aber zumeist noch
im Frühstadium der Entwicklung befinden .
Die Wirksamkeit von AZT sei bei
erwachsenen AIDS-Patienten mit "Pneumocystis
carinii"-Lungenentzündung
(PCP) beobachtet worden. Jetzt liefen Studien an Patienten mit KaposiSarkom,
weitere
Testprogramme
bei
Kindern und bei neuro-psychiatrischen
Krankheitsbildern.
Untersuchungen
über den Einsatz von AZT bei fortschreitender allgemeinen Lymphadenopathie und bei asymptomatischen Virusträgern beginnen in Kürze.
DDC ist eine dem AZT analoge Verbindung. Nach Dr .Fauci habe man gewisse begründete Hoffnungen, daß DDC
niedriger
dosiert als AZT gegeben
werden könne und vielleicht weniger
toxisch sei. Mit AL7-21 habe man gerade eine erste Studie in vitro (d.h.
an Zellkulturen) in Angriff genommen.
Es scheint das Einnisten der Viren zu
blockieren.
Ob dies auch in vivo
(d.h. im lebenden Organismus) der
Fall sein werde, bleibe abzuwarten.
Peptid T schließlich erfordere weitere Studien, um eine frühere Beobachtung, daß es die Bindung des Virus an
die Zelle zu blockieren vermag, bestätigen zu können.
Erst wenn dies
nachgewiesen sei, denke man an eine

- 5 -

�Erprobung am Menschen.
Wegen der noch sehr beschränkten
Verfügbarkeit von Retrovir (AZT) werde in den Vereinigten Staaten das
Präparat im Verkauf derzeit nur für
Patienten mit symptomgesicherter HIVInfektion (AIDS) oder bei ARC (Symptomenkomplex in Verbindung mit HIVInfektion) und PCP oder bei einer
sehr niedrigen Zahl von T-4-Lymphozyten im Blut (200 pro cbmm und weniger) abgegeben.
Der niedrige T-4Lymphzytenspiegel mache deutlich, daß
das körpereigene Abwehrsystem zur Bekämpfung von Krankheitserregern nicht
mehr fähig sei.
Man hoffe von den
Ergebnissen der Studien weitere Kriterien zu erhalten, um AZT für mehr
Patientengruppen freigeben zu können
und die Anwendung flexibler zu gestalten - sofern nicht aus einer unzureichenden Verfügbarkeit des Medikaments Engpässe erwachsen.
Dr. Fauci hatte bereits in einer
vorangegangenen
WORLDNET-Diskussion
darauf aufmerksam gemacht, daß in den
Vereinigten Staaten immer mehr Arten
von Krebs in Verbindung mit einer
AIDS-Infektion
beobachtet
würden.
Sie beschränkten sich nicht mehr auf
das
Kaposi-Sarkom
und
B-ZellenLymphome. Vielmehr eobachte man z.B.
eine besorgniserregende Zunahme von
gewissen
soliden
Tumoren,
Bauchspeicheldrüsenkrebs,
von
T-ZellenLeukämie und Lymphdrüsengeschwülsten
bei einer Doppelinfektion mit HTLV-I
und
HIV.
Vermutlich
bekomme
man
künftig noch andere Neoplasmen zu sehen, deren Entstehung mit der Unterdrückung der immunologischen Abwehrreaktionen
durch die HIV-Infektion
zusammenhängt.
Auf die Frage, ob er in speziellen Impfprogrammen gegen die sogenannten opportunistischen Infektionen
bei AIDS-Patienten einen Sinn oder
- 6

eine Chance sehe, meinte Dr. Fauci,
daß man sich in der Praxis davon kaum
etwas versprechen
könne.
Denn es
handle sich bei den meisten Infektionen um nichts anderes als um Re-Infektionen.
Ein gutes Beispiel sei
das Cytomegalovirus, mit dem aller
Wahrscheinlichkeit nach ein AIDS-Patient nicht primär infiziert werde.
Viel eher dürfte eine alte Infektion
neu aufflammen. Dasselbe gelte z.B.
für Infektionen mit dem Epstein-BarrVirus und für Toxoplasmose. Auch gegen die anderen opportunistischen Infektionen (Parasiten bei PCP, M y k o bakterien) dürfte in der Praxis bei
AIDS-Kranken kein Impfschutz möglich
sein.
Zur
Inkubationszeit
für
AIDS,
d.h. der Zeit von der Infektion bis
zum Auftreten
von
einem
zunächst
vielleicht untypischen Krankheitsbild
und schließlich der Vollerkrankung,
könne man nur bedingt Aussagen machen, meinte Dr. Fauci, weil der Beobachtungszeitraum
einfach noch zu
kurz sei. Bisher sei z.B. bekannt,
daß eine HIV-Infektion sieben Jahre
und länger zurückliegen könne, ehe es
zu einer Vollerkrankung komme.
Und
von dieser wisse man ohnehin erst
seit Ende der siebziger Jahre. Für
exaktere und definitive Angaben seien
weitere Jahre der Beobachtung erforderlich. Allem Anschein nach gebe es
Faktoren, durch die aus einer latenten, gewissermaßen schlummernden Infektion plötzlich ein aktiver Prozeß
werde, wobei sich die Viren geradezu
explosionsartig vermehrten.

Pflege
Viele beschäftigte die Frage der
Pflege AIDS-kranker Menschen. In den
USA werde Dr. Fauci zufolge großer
Werte darauf gelegt, Pflegepersonal
und Angehörige medizinischer Berufe

�fortlaufend
über
die neuesten Erkenntnisse
zur Über tragbar keit und
anderen Aspekten einer HIV-Infektion
zu
unterrichten.
Krankenschwestern
seien angewiesen, die gleichen strikten Vorsichtsmaßnahmen wie bei Patienten mit Hepatitis-B anzuwenden d.h.
bei
Kontakt
mit
Blut
oder
Schleimhaut des Kranken Handschuhe zu
tragen.
"Astronautenkleidung"
sei
jedoch nicht erforderlich.
in Umsicht, Vorsicht und gesundem Menschenverstand sehe man die beste Garantie, um zu vermeiden, beispielsweise über eine eigene Hautverletzung
Keime aus dem Blut von HIV-Kranken,
etwa aus einer Spritze, aufzunehmen.
Dennoch käme zur Verhütung solcher
Infektionen, auch durch Sexualkontakt
mit einem infizierten, einem noch in
der Entwicklung befindlichen Verfahren zur Anwendung von menschlichem
Immunoglobulin (zur verstärkten Neutralisierung bestimmter, mit der Infektion
in
Zusammenhang
stehender
Prozesse) sehr große Bedeutung zu.

gen
ausgelöst
werden.
Die
Grüne
Meerkatze erkrankt selbst nicht. Das
könnte bedeuten, daß diese Spezies
über viele, vielleicht unzählige Generationen Anpassungsmechanismen entwickelt hat, so daß ihr die immunopathologischen Auswirkungen des Virus
nichts mehr anhaben. Andere Tierarten, z.B. Rhesusaffen, seien jedoch
nicht angepaßt, so daß für sie die
Infektion den Tod bedeute.

Nicht minder wichtig sei die Weiterentwicklung
der
Testverfahren.
Dr. Fauci verwies auf ein neues Verfahren, das zuerst an Serien afrikanischer
Patienten
getestet
worden
sei.
Es sei sehr billig, leicht
durchzuführen und bringe schon nach
wenigen Minuten das Resultat. Dagegen seien die üblichen Tests - ELISA
und "Western Blot" - sehr zeitaufwendig und relativ kostspielig.

Die Tatsache, daß sich AIDS in
manchen Ländern, wie etwa den USA und
neuerdings in Europa so rasch ausbreitete, in arabischen Ländern dagegen nicht, hänge wohl nicht zuletzt
mit den Sozialstrukturen, dem kulturellen Erbe und der Lebensweise zusammen, meinte Dr. Fauci. Die immer
wieder geäußerte Frage, ob vielleicht
bestimmte
Insekten
(z.B. Moskitos,
Mücken) als Überträger zu vermuten
seien, konnte
Dr. Fauci
aufgrund
zahlreicher
Studien
eindeutig
mit
"Nein" beantworten.

Quelle der HIV-Erreger

Wann Menschen erstmals von HIV
infiziert wurden, wisse man nicht.
Das klinische Syndrom kenne man seit
etwa zehn bis 15 Jahren. Jedoch existiere ein Blutserum aus Zaire aus
dem Jahr 1959, das sich beim ELISAund Western Blot-Test eindeutig als
HIV-positiv
erwies.
Möglicherweise
existierten, so Dr. Fauci, schon lange
Zeit unerkannt
Infektionsherde,
vielleicht in Zentralafrika. Ob auch
in anderen Teilen der Erde, entziehe
sich noch der Kenntnis der Wissenschaftler .

Die Wissenschaftler
sind
jetzt
überzeugt, daß AIDS aus Afrika kommt.
Als Quelle komme wahrscheinlich eine
Affenart, die Grüne Meerkatze, in
Frage.
Tierversuche hätten gezeigt,
berichtete Dr. Fauci, daß durch Viren
des Typs STLV-III von Grünen Meerkatzen bei Rhesus-Affen AIDS-Erkrankun- 7 -

�Glossar:
AIDS

"acquired immune deficiency Syndrome",
erworbene Immunschwäche

ARC

"AIDS related complex",
AIDS-assoziierter Symptomkomplex mit bestimmten
chronischen Krankheitsbildern

AZT

Azidothymidin ("Retrovir"),
Medikament in der AIDS-Therapie

Cytomegalovirus

Virus aus der Gruppe der Herpesviren, das bei
einer Infektion in der Schwangerschaft schwere
Mißbildungen verursacht, bei gesunden Erwachsenen nur ganz selten zu einer Erkrankung
führt. In AIDS-Patienten dagegen kann die Infektion Lungenentzündung, Entzündung der Netzhaut, der Leber, der Nieren und des Darmes
hervorrufen.

DNS

Desoxyribonukleinsäure,
Träger des Erbgutes zur Weitergabe von Erbmerkmalen.

ELISA

"enzyme-linked immunosorbent assay" ,
Test zum Nachweis von AIDS-Antikörpern im Blut

Epstein-Barr-Virus

vermutlich die Ursache für den "Burkitt-Tumor"
der Lymphknoten. Im tropischen Afrika, in
Lateinamerika und Neuguinea tritt die Erkrankung epidemieartig bei Kindern und Jugendlichen auf.

HIV

"human immunodeficiency virus",
Erreger der Immunschwächekrankheit beim
Menschen

HTLV

"human T-cell lymphotrophic virus",
befällt T-Lumphozyten, die für immunologische
Reaktionen eine Schlüsselfunktion haben.
Vier Typen von HTLV-Viren sind bisher bekannt.

Kaposi-Sarkom

Tumor der Blut- und Lymphgefäßwandung.

LAV

"lymphadenopathy-associated virus" ,
so bezeichnet von französischen Forschern in
ersten Berichten über den Erreger der AIDSKrankheit.

- 8-

�PCP

"Pneumocystis carinii pneumonia",
bei AIDS-Kranken besonders häufige, gefährliche
Infektion. Sie gilt als eine der opportunistischen Infektionen, die infolge des Fehlens
körpereigener Immunreaktionen auftreten, und
wird durch Parasiten des Typs Pneumocystis
carinii verursacht.

Western Blot-Verfahren

Nachweistest für eine Infektion mit AIDSErregern, der die Identifizierung von Antikörpern gegen spezifische Eiweißmoleküle ermöglicht. Er gilt als genauer für die Erfassung von Antikörpern gegen HIV in Blutproben
als ELISA, ist allerdings sehr zeit- und
kostenaufwendig.

* * * * * *

- 9-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan drängt auf sowjetische Antwort zu Verifizierungsvorschlägen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Stellungnahme zum Auftakt der neuen Verhandlungsrunde -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan erörtert Handel zwischen USA und Japan&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Null-Lösung ist keine "Erbsenzählerei"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Paul Nitze -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Konfrontiert mit AIDS-Gefahr&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ein Virus fordert verantwortliches Denken und Handeln bei jedem einzelnen heraus -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
"'V

"""""

A&lt;

6. Mai 1987

17

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan verspricht Unterstützung von Verhandlungen in Mittelamerika
- Ansprache vor dem Verband der amerikanischen Zeitungsverleger Reagan kritisiert Handelsgesetze des Kongresses
- Rundfunkansprache des Präsidenten Reagan; Rüstungskontrollabkommen in Reichweite
- Erklärung zu den START-Verhandlungen -

WIRTSCHAFT
Maßnahmen der Bundesbank zur Einschränkung der Geldmenge bestätigt
- Kommentare des Bundesbankpräsidenten Paul Volcker -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Internationale Zusammenarbeit lebensnotwendig
- Die wichtigste Lehre aus Tschernobyl -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
"4~

"**""

c&amp;

Dokumentation

6. Mai 1987

17

REAGAN VERSPRICHT UNTERSTÜTZUNG VON VERHANDLUNGEN IN MITTELAMERIKA
- Ansprache vor dem Verband der amerikanischen Zeitungsverleger -

NEW YORK - (AD) - In einer Ansprache vor dem Verband der amerikanischen
Zeitungsverleger auf Ellis Island hat Präsident Reagan am 3. Mai 1987 seine
"volle Unterstützung für jede Art von Verhandlungen, die in ganz Mittelamerika
zum Aufbau der Demokratie ohne weiteres Blutvergießen beitragen können" zum
Ausdruck gebracht. Gleichzeitig gab Reagan aber auch zu verstehen, daß die
Hilfe seiner Administration für die nicaraguanischen Freiheitskämpfer "nicht
eingestellt wird", bis das Regime der Sandinisten die demokratischen Bestrebungen des Volkes von Nicaragua erfüllt.
Die Rede des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Der Traum der Freiheit hat am
heutigen Tag, da wir uns hier auf
Ellis Island unter dem Blick der
Freiheitsstatue versammelt haben, für
uns eine besondere Bedeutung. Es wäre ein leichtes, hierher zu kommen
und wiederum die Geschichte derer zu
erzählen, die durch diese Tore gegangen sind, um einfach noch einmal die
Freiheiten zu feiern, die wir Amerikaner genießen.
Aber mein Auftrag ist heute ein
schwierigerer,
und
meine
Aufgaben
sind
dringlicher
- sie
betreffen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

nicht diejenigen, die in dieses Land
kamen sondern den Traum, der sie
hierhin führte. Heute sind noch andere Menschen auf der Suche nach diesem Traum, und sie haben uns ebenfalls eine erleuchtende Geschichte zu
bieten - eine Geschichte, die all denen aus dem Herzen sprechen muß, die
auf diese Insel gelangten und diese
großartige Dame hier im Hafen verehren. Ich spreche von der Bevölkerung
Mittelamerikas.
Lassen Sie mich mit dem Jahr 1981
beginnen. Ich frage mich, wie viele

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�unter ihnen sich daran erinnern, daß
wir auf eine fast fatalistische Anerkennung des kommunistischen Sieges in
diesem Land - wenn nicht sogar in der
ganzen Region - stießen, als wir das
erste Mal die Aufmerksamkeit auf die
Krise in El Salvador richteten.
Die Demokratie, so wurde behauptet, könne in El Salvador nicht funktionieren: das Volk sei zu arm; es
habe keine demokratische Tradition;
es lehne die von uns angebotene Chance der Demokratie ab; ja, seine Sympathie liege auf Seiten der kommunistischen Guerrilla.
Aber dann erhielt das schweigende, leidende Volk von El Salvador eines Tages die Möglichkeit, selbst zu
wählen, und trotz der Gewehrkugeln,
Bomben und Todesdrohungen der Kommunisten beteiligte sich das Volk von
El Salvador in Rekordzahlen und wartete stundenlang in Menschenschlangen, um zu wählen - um für die Demokratie zu stimmen,
Beobachter des Kongresses berichteten mir von einer Frau, die auf dem
Weg zur Wahlurne durch Gewehrfeuer
verwundet wurde. Sie weigerte sich,
die Schlange zu verlassen und ihre
Wunde versorgen zu lassen bis sie gewählt hatte.
Eine Großmutter, die
von den Guerrillas gewarnt worden
war, daß sie getötet werde, wenn sie
von der Wahlurne zurückkehre, erklärte diesen:
"Ihr könnt mich töten,
ihr könnt meine Familie töten, ihr
könnt meine Nachbarn töten, aber ihr
könnt uns nicht alle töten." Das war
die Stimme Mittelamerikas - das Zeugnis eines Volkes, das zur Freiheit
entschlossen war.
Viel ist seit 1981 erreicht worden,
in einer Region, in der Militärdiktaturen
die Gesellschaft beherrschten, schlägt die Demokratie

Wurzeln. Vor einem Jahrzehnt war nur
Costa Rica eine Demokratie.
Heute
sind zu Costa Rica gewählte Zivilregierungen in El Salvador, Guatemala
und Honduras hinzugekommen - nur Nicaragua bleibt eine Diktatur.
Aber
während der Trend zur Demokratie in
Mittelamerika unmißverständlich ist,
bleibt aufgrund des sandinistischen
Totalitärismus in Nicaragua eine gewaltige Bedrohung von Freiheit und
Demokratie in Mittelamerika bestehen.
Das Streben von Millionen Menschen
nach Freiheit ist weiterhin unerfüllt.
Die gewählten Führer der benachbarten
mittelamerikanischen
Staaten
verstehen dies; sie wissen, daß das
nicaraguanische Regime ihre Zukunft
und die Stabilität der Hemisphäre bedroht.
Sie wissen, daß die Errichtung
eines wahrhaft
demokratischen
Systems in Nicaragua - mit den vollständig garantierten Rechten der versammlungs-, Rede- und Pressefreiheit
- auf lange Sicht die einzig wirkliche Hoffnung für Frieden und Sicherheit der Region bietet. Sie wissen, daß ein solches System eine Kontrollinstanz für jede Art von Regierung bedeutet, den Militarismus entmutigt und das Recht des Volkes auf
die Wahl seines eigenen Schicksals
sicherstellt.
Aus diesem Grund sind die Ansichten
unserer
mittelamerikanischen
Freunde und die Bestrebungen des nicaraguanischen Volkes ein und dasselbe - die Schaffung einer umfassenden,
vom Volk gewählten und legitimen demokratischen Herrschaft in Nicaragua.
Was wir also für Nicaragua anstreben,
ist
denkbar
einfach:
Selbstbestimmung
durch das nicaraguanische Volk - das Recht, seine
Führer in freien, fairen und regelmäßigen Wahlen mit verschiedenen Parteien zu wählen.

- 2 -

�Die Mehrheit der Mittelamerikaner
hat diese Wahl getroffen - für Freiheit und Demokratie.
Und ich bin
heute hierher gekommen, um Ihnen zu
sagen, daß die Contras, die Freiheitskämpfer
Nicaraguas,
für
die
gleiche Sache kämpfen, für die diese
mutige Frau in El Salvador ihr Leben
riskiert hat - die Demokratie. Eine
wahrhafte Demokratie, die in gesunden, stabilen, demokratischen Institutionen verwurzelt ist und die volle
Bandbreite der politischen Freiheiten
und
Menschenrechte
gewährleistet.
Und ich bin hierher gekommen, um zu
erklären, daß die Regierung der Vereinigten Staaten dem amerikanischen
Volk das gleiche gelobt hat, das die
Freiheitskämpfer ihrem Volk gelobten
- daß unser Ziel in Nicaragua eindeutig ist: freie Wahlen.
Andererseits
haben Sowjets und
Sandinisten ebenfalls eine Wahl getroffen, nicht für die Demokratie,
nicht für eine freie Presse und nicht
für freie Wahlen, sondern für Kontrolle durch Gewalt.
Allein im Jahr 1986 betrug die
gesamte Hilfe des Ostblocks an die
Sandinisten über 1 Milliarde Dollar.
Diese sowjetischen Lieferungen haben
das kleine Land Nicaragua zu einer
aggressiven Nation mit der größten
Militärmacht Mittelamerikas gemacht,
die die Sicherheit der ganzen Region
bedroht.
Täuschen Sie sich nicht:
Die Sowjets stellen die Vereinigten
Staaten auf eine Willensprobe, was
die Zukunft dieser Hemisphäre anbelangt.
Die von ihr angebotene Zukunft besteht in ständig wachsender
kommunistischer Ausdehnung und Kontrolle.
Und dies ist die Wahl, vor der
der Kongreß und unser Volk stehen:
eigentlich
eine grundlegende Wahl:
- 3

zwischen Demokratie und Kommunismus
in Nicaragua, zwischen Freiheit und
sowjetisch unterstützter Tyrannei.
Was mich selbst angeht, so bin
ich entschlossen, mich dieser sowjetischen Herausforderung zu stellen
und zu gewährleisten, daß die Zukunft
dieser Hemisphäre von ihrer Bevölkerung gewählt und nicht von kommunistischen Aggressoren aufgezwungen wird.
Ich könnte stundenlang über unsere Verhandlungen mit den Sandinisten
erzählen: den CONTADORA-Prozeß
und
die Missionen meines diplomatischen
Unterhändlers
Philip
Habib.
Aber
seit den ersten Verhandlungen im Jahr
1979, als die Sandinisten eine demokratische,
pluralistische
Gesellschaft versprachen, haben wir erlebt,
daß diese Marxisten-Leninisten niemals beabsichtigten, diese Versprechungen einzuhalten; wir haben erlebt, daß sie immer wieder Verhandlungen benutzten, um zu verzögern und
um die Weltmeinung zu manipulieren.
Deshalb bleibt die Wahl immer noch
dieselbe: Demokratie oder Kommunismus, Wahlen oder Diktatur, Freiheit
oder Tyrannei.
Die Debatte über die Mittelamerikapolitik in diesem Land ist direkt
und hart gewesen - und bisweilen sogar hitzig.
Obwohl solche Debatten
gesund sind, wissen wir alle, daß ein
geteiltes Amerika nicht die Führungskraft stellen kann, die für die Gewährung von Unterstützung und Vertrauen für die entstehenden Demokratien in Mittelamerika notwendig sind.
Ich glaube nicht, daß es im Kongreß
irgend jemanden gibt, der die Errichtung einer weiteren Basis der sowjetischen Subversion, eines weiteren
Kuba, an den Küsten Amerikas erleben
möchte -' aber das ist genau das, was
gegenwärtig geschieht. Dies ist heute ein Problem, bei dem alle Amerika-

�ner sich einig sein müssen; es ist
einfach zu wichtig, um in den nächsten Wahlen Gegenstand von Auseinandersetzungen zwischen den Parteien zu
sein. Wenn wir die Freiheitskämpfer
fallen lassen, geben wir den Sowjets
freie Hand in Mittelamerika und bereiten
ihnen
einen
ihrer
größten
außenpolitischen
Erfolge
seit
dem
Zweiten Weltkrieg.
Ohne den Druck seitens der mittelamerikanischen Demokratien und der
Freiheitskämpfer würden die Sowjets
schon bald ihren Stützpunkt in Nicaragua festigen und die Subversion in
El Salvador würde Wiederaufleben.
Nicaragua hat sogar schon Costa
Rica mit seinen Agenten infiltriert sie warten nur auf das Startzeichen.
Bald könnte die Voraussage der Kommunisten von einem über Mittelamerika
hinwegfegenden "revolutionären Feuer"
Wirklichkeit werden.
Wir sollten uns keinen Illusionen
über das letzte Ziel des Milliarden
Dollar teuren Kriegs der Sowjets in
Nicaragua hingeben. Ich beabsichtige
nicht, dem nächsten
amerikanischen
Präsidenten eine solche Krise zu hinterlassen.
Fast vierzig Jahre hindurch haben die Vereinigten Staaten
einen
überparteilichen Konsens zur
Außenpolitik bewahrt. Die Demokratische Partei - die Partei von Franklin
Roosevelt, Harry
Truman
und
John
Kennedy - hat die Demokratie und unsere nationale Sicherheit fest unterstützt. Dies ist nicht die Zeit für
eine der beiden Parteien, sich von
dieser Tradition oder der Sache der
Freiheit zu entfernen - insbesondere,
wenn die Bedrohung geographisch so
nahe liegt. Das Überleben der Demokratie in unserer Hemisphäre erfordert eine Politik der Vereinigten
Staaten, die mit dieser überparteilichen Tradition im Einklang steht.

Ich möchte deshalb heute den Rahmen dieser Politik beschreiben, einer
Politik, die mit der Unterstützung
der stabilen, seit langem bestehenden
Demokratie in Costa Rica und der Verwurzelung der Demokratie in El Salvador, Guatemala und Honduras beginnt.
Viele Mitglieder des Kongresses haben
die Bedeutung der Aufrechterhaltung
ausreichender Niveaus an Wirtschaftshilfe betont, um diesen Demokratien
beizustehen. Meine Zustimmung hierzu
könnte nicht stärker sein. Aus diesem
Grund
muß
zusätzliche
Wirtschaftshilfe an die vier mittelamerikanischen Demokratien genehmigt werden.
Zweitens ist enge Zusammenarbeit
mit
unseren
demokratischen
Freunden in Mittelamerika ebenfalls
unerläßlich, und unsere Politik besteht heute wie schon in der Vergangenheit darin, die diplomatischen Bemühungen zur Erzielung eines dauerhaften Friedens weiterzuführen.
Präsident Arias von Costa Rica
hat dieses Jahr schon einen Vorschlag
vorgelegt, der auf die Erreichung einer friedlichen Lösung des Konflikts
in Nicaragua abzielt. Der Kern seines Vorschlags ist das Beharren auf
Demokratie in Nicaragua. Meine Administration hat regionale diplomatische Initiativen mit dem Ziel von
Frieden und Demokratie immer unterstützt, sei es durch CONTADORA, durch
persönliche Treffen mit der in Nicaragua herrschenden Partei oder durch
die
aktuellen
Mittelamerikainitiativen.
Lassen Sie mich dazu heute erklären, daß ich jeder Art von Verhandlungen meine volle Unterstützung gewähre, die in Mittelamerika zum Aufbau
der
Demokratie
ohne
weiteres
Blutvergießen beitragen können. Wie
Sie wissen, erhielt ich unlängst ein
von 111 Mitgliedern des Repräsentan-

�tenhauses unterzeichnetes Schreiben,
in dem intensive diplomatische Bemühungen gefordert werden, "um Frieden,
Sicherheitsgarantien für alle mittelamerikanischen Staaten, die Förderung
demokratischer Institutionen und den
Abzug sowjetischen und nicaraguanischen Militärpersonals aus Nicaragua
zu erreichen".
Obwohl ich nicht mit dem gesamten
Inhalt des Schreibens übereinstimme,
schließe ich mich gewiß den Kongreßabgeordneten bei der Forderung nach
Wiedereinführung von Presse-, Religions-, Versammlungs- und
Redefreiheit sowie von freien Wahlen an, die
samt und sonders von der Regierung
Nicaraguas verweigert werden. Unser
Senat hat mit 97 zu einer stimme eine
Resolution
verabschiedet,
aus
der
hervorgeht,
daß
ein
"dauerhafter
Frieden sich nur im Kontext demokratischer
Systeme
verwirklichen
läßt..., die der Abschaffung großer
Armut verpflichtet sind, der Schaffung von wirksamen Mitteln, mit denen
allen
Elementen
der
Gesellschaft
gleiche Möglichkeiten zur Verfügung
stehen ... und freien und regelmäßig
stattfindende Wahlen ...".
Obwohl ich keine Einwände gegen
die vom Kongreß angestrebte Herbeiführung einer friedlichen Lösung auf
diplomatischem Wege in Nicaragua erheben werde, können Sie feststellen,
daß die Demokratie der Schlüssel ist
und daß dies im Kongreß mehrheitlich
anerkannt wird.
Aus diesem Grunde
glaube ich fest daran, daß es eine
solide Grundlage gibt, auf der wir
gemeinsam mit dem Kongreß Anstrengungen zur Lösung dieses Konflikts in
Mittelamerika
unternehmen
können.
Ich möchte alle Bemühungen unternehmen, um auf diese Ziele hinzuarbeiten, und ich hoffe, daß sich der Kongreß mir dabei anschließt.

Das ist der Ansatzpunkt für das
dritte Element unserer Politik - unser Engagement und unsere Unterstützung für die Freiheitskämpfer, die
einem freien Nicaragua ihr Leben und
ihre Ehre geweiht haben. Die Unterstützung, die diese Regierung den nicaraguanischen
Freiheitskämpfern
in
ihrem Kampf für Frieden und eine demokratische Regierung leistet, wird
unverändert bleiben, bis das Regime
in Nicaragua den Hoffnungen des nicaraguanischen Volkes auf
Demokratie
Rechnung trägt.
Mit jedem Tag zeigt das nicaraguanische Volk mehr Empörung angesichts der Unterdrückung durch die
kommunistischen Machthaber.
Der demokratische Widerstand Nicaraguas, zu
dem die Freiheitskämpfer zählen, bietet heute die einzige Alternative zur
Diktatur der Vergangenheit und zum
Kommunismus der Gegenwart. Diese Alternative heißt Demokratie und sie
gewinnt zunehmend die Unterstützung
des nicaraguanischen Volkes.
Solange ich Präsident bin, habe
ich nicht die Absicht, diesen Bemühungen des Volkes von Nicaragua, das
seine Freiheit und das Recht auf die
Wahl seiner eigenen nationalen Zukunft erlangen will, unsere Unterstützung zu versagen.
In den nächsten Monaten werde ich den Kongreß
bitten, wiederum Mittel für die Freiheitskämpfer zu bewilligen.
Hierbei
möchte ich nochmals die Gefahr des
von einigen Kongreßmitgliedern verfolgten
Kurses
betonen:
daß
der
schnellste Weg zum Frieden in Mittelamerika in der Aufgabe unseres Einsatzes für die nicaraguanischen Freiheitskämpfer liegt.
Verzögerungen und mangelnde Entscheidungskraft im Inland können nur
zu unnötigem Leid in Nicaragua beitragen, das Vertrauen der in dieser

- 5 -

�Region entstehenden Demokratien erschüttern und unsere eigene Sicherheit gefährden. Wir haben in diesen
vergangenen sieben Jahren einen langen Weg zurückgelegt, um den Charakter des sandinistischen Regimes und
seine aggressiven Ziele gegen das eigene Volk
und
die
demokratischen
Nachbarn in Mittel- und Südamerika zu
verstehen. Es bildet sich ein neuer
Konsens beider Parteien heraus, der
all die alten Entschuldigungen außer
acht läßt.
Im vergangenen Jahr erhob die New
York Times in einem Kommentar mit der
Überschrift "The Road to Stalinism"
den Vorwurf, die von den Sandinisten
versprochene "pluralistische Revolution" werde "hoffnungslos verraten".
In dem Artikel heißt es: "Nur der
Leichtgläubige kann die jetzt hervortretenden Wurzeln des Polizeistaates
übersehen".
Sogar mein alter Freund
Tip O'Neill erklärte im Anschluß an
einen der offensichtlichsten Aggressionsakte der Sandinisten, daß Daniel
Ortega genau das sei, wofür er ihn
immer gehalten habe, ganz einfach ein
"marxistisch-leninistischer
Kommunist", der
eine
"Revolution
ohne
Grenzen" heraufbeschwören wolle.
Die Frage, die sich dem amerikanischen Volk und dem Kongreß der Vereinigten Staaten stellen muß, lautet:
"Was tun wir, um dem abzuhelfen?"
Obwohl die brutalen, totalitären
und subversiven Intentionen des sandinistischen Regimes fast überall anerkannt sind, steht die Antwort auf
die Frage der weiteren Hilfe an die
Freiheitskämpfer noch aus.
Aber ich glaube, es wird zunehmend erkannt, daß die Freiheitskämpfer die einzigen sind, die zwischen
den Sandinisten und ihren expansio-

-6

nistischen Zielen stehen; daß sie das
größte Hindernis darstellen, um das
gesamte Mittelamerika davor zu bewahren, vom "revolutionären Feuer" der
Kommunisten erfaßt zu werden; daß die
Freiheitskämpfer die einzigen sind,
die dem Volk von Nicaragua die Hoffnung auf Freiheit und dem stabilen
und dauerhaften Frieden in Lateinamerika eine Chance bieten.
Sie verdienen unsere Unterstützung. Deshalb wird die bevorstehende
Abstimmung im Kongreß darüber, ob wir
weiterhin die Freiheitskämpfer in Nicaragua unterstützen wollen, wohl die
wichtigste von unseren Abgeordneten
1987 getroffene Wahl und möglicherweise auch eine der wichtigsten in
ihrer Laufbahn in einem öffentlichen
Amt werden.
Für die Presse und die Medien ist
dies eine ebenso wichtige Frage. Ich
muß bemerken, daß in der neuen Demokratie von El Salvador kommunistisch
unterstützte Guerillas versuchen, die
demokratische Herrschaft zu Fall zu
bringen, und dies findet in den Medien kaum oder gar keine Aufmerksamkeit. Und doch kämpfen nur jenseits
einer Grenze in Nicaragua die Freiheitskämpfer
gegen ein
totalitäres
kommunistisches
Regime
und
werden
weit und breit als gesetzlose Terroristen oder noch Schlimmeres angegriffen.
Sie müssen entschuldigen, aber
diese Geschichte muß in den Zusammenhang gestellt werden. Dieser Zusammenhang wird vom aggressiven Charakter des Kommunismus der Sandinisten
geliefert.
Heute kennt das nicaraguanische Volk die Realität des sandinistischen Kommunismus: die Brutalität, die Armut und Unterdrückung,
und aus diesem Grund wissen sie, was
wir nur zu oft vergessen: daß es sich
für die Freiheit zu kämpfen lohnt.

�Es ist dieselbe genaue Kenntnis der
Unterdrückung und das Streben nach
Freiheit, das die tapferen afghanischen Widerstandskämpfer stärkt und
ihnen den Mut gibt, ihre Waffen gegen
die überwältigende Macht der sowjetischen Militärmaschinerie zu erheben;
dasselbe Wissen veranlaßt die tapferen Angolaner und Kambodschaner, in
langen Befreiungskriegen gegen ihre
von sowjetischer Seite unterstützten
Unterdrücker
zu
kämpfen;
dasselbe
Wissen veranlaßte das Volk von Grenada, amerikanische Soldaten, die ihr
Land befreiten, zu umarmen und Blumen
auf ihren Weg zu streuen.
Und war es nicht erhebend, auf
den Mauern nicht Graffiti von der Art
"Yankee
Go
Home",
sondern
"Gott
schütze Amerika" zu lesen. Sie haben
alle auf den Ruf nach Freiheit geantwortet - ein Ruf, der besondere Bedeutung erlangt in diesen Gebäuden,
auf dieser Insel, wo so viele unserer
Vorfahren
die
Freiheitsstatue
mit
Freudentränen begrüßten.

Dieser Wahl sehen wir uns gegenüber; zwischen dem Licht der Freiheit
und der Dunkelheit der Unterdrückung.
Als unsere Vorfahren nach schrecklichen Reisen, bei denen Krankheiten
und Leid überwunden werden mußten,
zuerst die Fackel der Freiheitsstatue
erblickten, wußten sie, daß ihnen ein
Licht
leuchtete
"those
huddled
masses, yearning to breathe free".
Für diejenigen, die nur die Bitterkeit des Verlangens und der Unterdrückung kennen, leuchtet diese Fakkel besonders hell. Heute ist Freiheit unser heiliges Gut, das Versprechen Amerikas an die gesamte Menschheit.
Wir sollten diese Flamme immer
hoch halten, damit sie die Welt erleuchtet, ein Leuchtfeuer, das über
diesen Hafen hinaus reicht, in die
Dschungelberge Nicaraguas, wo junge
Männer heute für dieselben Freiheiten
kämpfen und sterben, die uns teuer
sind, in die Herzen der Menschen, die
überall für Freiheit kämpfen.

Wir vernehmen den Ruf nach Freiheit in der Arbeit, der Sie Ihr Leben
verschrieben haben, und er ist klar
und stolz jeden Morgen und jeden
Abend auf den Seiten der freien Presse zu vernehmen. Obwohl in Nicaragua
dieser Ruf durch die Schließung von
"La Prensa" auf tragische Weise zum
Schweigen gebracht worden ist, vernehmen wir
immer noch die mutige
Stimme ihrer Herausgeber in, Violeta
Chamorro, die
klarmacht, daß
die
Presse zum Thema Freiheit niemals ihre Augen verschließen kann: "... Ohne
Pressefreiheit",
so
Chamorro,
"gibt es weder eine repräsentative
Demokratie noch die Freiheit des Einzelnen noch soziale Gerechtigkeit...
nur Dunkelheit, Rechtlosigkeit, Mißbrauch, Mittelmäßigkeit
und Unterdrückung" .

- 7 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON**

6. Mai 1987

17

REAGAN KRITISIERT HANDELSGESETZE DES KONGRESSES
- Rundfunkansprache des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Am 2. Mai 1987 hielt Präsident Reagan seine wöchentliche Rundfunkansprache an das amerikanische Volk, die wir nachfolgend im
Wortlaut veröffentlichen.
Meine lieben Mitbürger! Hier in
Washington liegt eine arbeitsreiche
Woche hinter uns, wobei die Frage des
internationalen
Handels
im Vordergrund stand.
Das
Repräsentantenhaus
verabschiedete ein Gesetz, durch das eine
neue Handelsschranke errichtet würde,
und hier im Weißen Haus führte ich
ausführliche Gespräche über Handelsfragen mit Premierminister Nakasone
aus Japan, einem der wichtigsten Handelspartner der Vereinigten Staaten.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Diese Entwicklungen sind für uns
alle bedeutsam, weil eine der schwerwiegendsten Bedrohungen für den wirtschaftlichen Aufschwung und amerikanische Arbeitsplätze
in protektionistischen
Gesetzen besteht, durch
die Handelsschranken
errichtet und
höhere Zölle verhängt werden.
Indem eine solche Haltung die
Vergeltung ausländischer Regierungen
bewirkt, leitet sie letztlich einen
Handelskrieg
ein, schließt ausländische Märkte und macht Wirtschaftswachstum in unserem eigenen Land zu-

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�Nakasone und
chen haben.

nichte.
Leider hat sich das Repräsentantenhaus entschlossen, diesen Weg zu
verfolgen, aber die Abstimmung hat
auch einen positiven Aspekt.
Sehen
Sie, dadurch, daß sie eine überparteiliche
Haltung
ermutigte,
haben
sich eine ganze Reihe von Demokraten
den Republikanern bei der Ablehnung
eines besonders schlechten Zusatzes
angeschlossen.
Die Abstimmung im Repräsentantenhaus diese Woche zeigt an, daß wir
uns in einer starken Position befinden, um die Verabschiedung schlechter
Vorschläge wie diesem im Kongreß zu
verhindern.
Glauben Sie mir, ich
würde gern vernünftige Handelsgesetze
unterzeichnen, aber ich werde meine
Unterschrift
nicht
unter
Vorlagen
setzen, durch die Märkte geschlossen
und die Schaffung weiterer Arbeitsplätze verhindert werden.
Was nun meine Gespräche über Handelsfragen
mit
Premierminister
Nakasone angeht, so sind die Nachrichten positiver.
ich habe schon
betont, daß wir gegen Protektionismus
und für freien Handel sind, aber es
gibt dabei noch eine andere Seite.
Freier Handel bedeutet auch fairen Handel.
Und das heißt, daß es
anderen Staaten nicht gestattet wird,
unsere
Handelspolitik
ihrerseits
durch die Errichtung von Handelsschranken auszunutzen.
Ich habe kürzlich höhere Zölle
für die Einfuhr bestimmter japanischer Produkte verhängt und damit auf
die Unfähigkeit Japans reagiert, unsere Vereinbarung über den Handel mit
Halbleitern » durchzusetzen.
Dieses
Vorgehen sowie unsere gesamten Handelsbeziehungen mit Japan waren eines
der
Themen,
die
Premierminister

ich ausführlich

bespro-

Wir sind uns in der Ablehnung
protektionistischer
Maßnahmen
auf
beiden Seiten des Pazifiks einig.
Ich
habe
meiner
Hoffnung
darüber
deutlich Ausdruck verliehen, daß unsere fortdauernde Überprüfung von Daten im Hinblick auf das Halbleiterabkommen Beweise für dessen Befolgung
erbringen und es uns gestatten wird,
die unlängst gegen japanische Produkte verhängten
Beschränkungen
einer
Revision zu unterziehen.
Der Premierminister brachte erneut das Engagement seiner Regierung
für die Erfüllung unserer Handelsvereinbarungen
und die
Zusammenarbeit
für den freien Handel im Pazifik und
in der ganzen Welt zum Ausdruck.
Premierminister Nakasone stimmte
überdies einer Ankurbelung der japanischen Wirtschaft zu, wodurch die
Nachfrage nach amerikanischen Produkten in Japan zunehmen sollte.
Ich möchte mich nun einer anderen, in dieser Woche behandelten Frage zuwenden, einer Frage, die den
Handel, den Haushalt und übermäßige
Ausgaben betrifft.
Unser Handelsdefizit spiegelt die
Tatsache wider, daß unser Land mehr
ausgibt als es einnimmt, und der
Schlüssel
zu diesem Problem liegt
darin, die Defizite der Bundesregierung unter Kontrolle zu bringen.
Vor zwei Jahren haben wir einen
bedeutenden Schritt in diese Richtung
unternommen, als
der
Kongreß
dem
Gramm-Rudman-Hollings-Gesetz
zustimmte, durch das nach und nach die Defizite reduziert und schließlich ein
ausgewogener Haushalt erzielt werden.

- 2 -

�Im Gegensatz zum Problem des Handels waren jedoch die Entwicklungen
dieser Woche an dieser Front nicht
ermutigend.
Zum Beispiel verabschiedete der Senat gewisse Verfahrensweisen, die eine Überschreitung der Ausgabenziele von Gramm-Rudman-Hollings
wesentlich leichter machen, von Zielen, die erst vor 17 Wochen vereinbart wurden.
Ihre unmittelbare
Reaktion
ist
die gleiche wie meine: Es ist doch
immer wieder dasselbe.
Der Kongreß verabschiedet weiter
Gesetze mit immer höheren Ausgaben
und ignoriert dabei fortwährend seine
Versprechungen an das amerikanische
Volk nach Gramm-Rudman-Hollings - das
Versprechen, aufzuhören, einen Mischmasch an überzogenen Ausgabengesetzen
zu verabschieden und stattdessen mit
einem umfassenden Haushalt aufzuwarten, der die Defizite unter Kontrolle
bekommt.
Wie ich schon immer gesagt habe,
besteht das Problem im Haushaltsverfahren des Kongresses selbst.
Der
Kongreß weigert sich schlichtweg, irgendeine
Haushaltsdisziplin
auszuüben. Aus diesem Grunde ist es unerläßlich, dem Präsidenten die Befugnis
zu verleihen, zu intervenieren und
der Verschwendung ein Ende zu machen.

schrieben würde.
Wenn der Kongreß
sich nicht selbst zur Disziplin anhalten kann, dann muß das amerikanische Volk nein sagen.
Glauben sie mir, die Ereignisse
der vergangenen Woche haben mir wieder gezeigt, wie wichtig diese beiden
Initiativen sind.
Das sind also die Neuigkeiten
dieser Woche.
Lassen Sie mich noch
einen Augenblick über die nächste Woche
und
einen
weiteren
wichtigen
Punkt unserer Tagesordnung, das Drogenproblem, sprechen.
Wir werden eine Konferenz im Weißen Haus für ein drogenfreies Amerika
ankündigen.
Dadurch wird uns die
Chance eröffnet werden, die bis jetzt
auf diesem Kreuzzug erreichten Fortschritte zu prüfen und danach eine
Plan für die Zukunft zu entwerfen.
Und das sind gute Neuigkeiten.
Bis nächste Woche, danke fürs Zuhören und Gott schütze Sie.

Um dies zu erreichen, benötige
ich dasselbe Instrument, das den Gouverneuren von 43 Staaten zur Verfügung steht: ein selektives Veto, ein
Instrument, um bei diesen massiven
Ausgabengesetzen
des Kongresses zu
intervenieren
und
verschwenderische
Haushaltsposten auszumerzen.
Und natürlich beweist der Kongreß
ebenfalls, daß wir wirklich eine Verfassungsänderung benötigen, durch die
ein
ausgewogener
Haushalt
vorge- 3 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

^r,oN^

6. Mai 1987

17
REAGAN:

RÜSTUNGSKONTROLLABKOMMEN IN REICHWEITE

- Erklärung zu den START-Verhandlungen WASHINGTON - (AD) - Einen Tag vor der Eröffnung der achten Runde der Genfer Verhandlungen über die Reduzierung strategischer Waffen (START) veröffentlichte Präsident Reagan am 4. Mai 1987 eine Stellungnahme, in der er erklärte,
die Vereinigten Staaten blieben "der Erlangung einschneidender, beiderseitig
verifizierbarer und stabilisierender Reduzierungen in den nuklearen Arsenalen
der Vereinigten Staten und der Sowjetunion voll und ganz verpflichtet". Reagan
bemerkte weiterhin, er sei "fest davon überzeugt, daß ein Abkommen über die
Reduzierung strategischer Waffen sogar noch in diesem Jahr in Reichweite ist,
wenn die Sowjets bereit sind, die verbliebenen noch ausstehenden Probleme zu
lösen".
Nachfolgend drucken wir den Text der Erklärung im Wortlaut:

Seit Anbeginn meiner Regierungszeit bestand das allererste Ziel im
Bereich der Rüstungskontrolle in der
Erlangung bedeutsamer und verifizierbarer Reduzierungen nuklearer Offensivwaffen - besonders der am meisten
destabilisierenden
schnellfliegenden
ballistischen Raketen.
Ich habe unseren amerikanischen
Unterhändler
bei START angewiesen,
die Bemühungen zur Erlangung eines
Abkommens zum Abbau strategischer Offensivwaffen um 50 Prozent zu intensivieren.
Im Hinblick darauf werden

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Embassy of the United States of America

die Vereinigten Staaten in Kürze bei
START den Entwurf für einen Vertragstext vorlegen. Dieser Text wird die
grundlegenden
Übereinkünfte
widerspiegeln, die Generalsekretär Gorbatschow und ich bei unserem Zusammentreffen in Reykjavik im vergangenen Oktober erzielt haben.
Er wird
auch auf von sowjetischer Seite nach
Reykjavik
vorgebrachte Anliegen
in
Betracht
ziehen
und
eine
breite
Grundlage
für die Schaffung eines
fairen und dauerhaften START-Abkommen
liefern.

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�sieben Jahre nach Inkrafttreten
eines START-Abkommens.

Morgen wird in Genf die achte
Runde unserer Verhandlungen mit der
Sowjetunion
über
eine
Reduzierung
strategischer Waffen und zu Fragen
der strategischen Verteidigung eröffnet.
Zusammen mit den am 23. April
wiederaufgenommenen
Verhandlungen
über
nukleare
Mittelstreckenwaffen
finden jetzt auf allen drei Ebenen
der
Verhandlungen
über
Kern- und
Weltraumwaffen Gespräche statt.
Wir haben bei START erhebliche
Fortschritte erzielt.
Ich bin fest
davon überzeugt, daß ein START-Abkommen sogar noch in diesem Jahr in
Reichweite ist, wenn die Sowjets bereit sind, die noch ausstehenden Probleme zu lösen. Das wichtigste dieser Probleme betrifft die Notwendigkeit, zum Zweck der Sicherung strategischer Stabilität bei Gefechtsköpfen
auf ballistischen Raketen Untergrenzen festzusetzen.
Wir werden ebenfalls Bewegung in
den Bereich der Verteidigung im Weltraum
bringen.
Unsere Unterhändler
kehren mit der Bereitschaft nach Genf
zurück, einen neuen
amerikanischen
Vorschlag auf den Verhandlungstisch
zu legen, den Außenminister Shultz
bei seinen Treffen in Moskau besprochen hat. Dieser neue Vorschlag umfaßt folgende Bestandteile:
- Sowohl die Vereinigten
Staaten
als auch die Sowjetunion verpflichten sich, bis zum Jahr 1994
nicht vom ABM-Vertrag zurückzutreten.
- Diese Verpflichtung würde von der
Anwendung der im Rahmen von START
verhandelten Reduzierungen abhängen, d.h. von einer SOprozentigen
Verringerung auf gleiche Niveaus
von 1 600 nuklearen Trägersystemen und 6 000 Gefechtsköpfen, mit
angemessenen
Untergrenzen
über

- Das Abkommen würde nicht die souveränen Rechte der Parteien nach
internationalem
Gewohnheitsrecht
verletzen, sich im Falle einer
erheblichen Verletzung des Abkommens oder bei Gefährdung ihrer
wichtigsten Interessen davon zurückzuziehen.
- Nach 1994 könnte jede Seite Verteidigungssysteme
nach
eigener
Wahl
stationieren,
wenn
dazu
nicht auf beiden Seiten anderslautende Vereinbarungen getroffen
werden.
Um auf beiden Seiten Vertrauen zu
schaffen, indem wir im Bereich der
strategischen Verteidigung
die Berechenbarkeit weiter verbessern und
als Reaktion auf vorgebrachte Besorgnisse der Sowjets schlagen wir weiterhin vor, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion jährlich Zahlenmaterial über ihre geplanten Aktivitäten austauschen.
Wir versuchen
ferner, für die Vereinigten Staaten
und
die Sowjetunion
wechselseitige
Informationsgespräche über ihre jeweiligen Bemühungen im Bereich der
strategischen Verteidigung und Besuche von damit in Zusammenhang stehenden Forschungseinrichtungen zu vereinbaren, wie wir dies auch bereits
mit unserer Initiative der offenen
Labors getan haben.
Darüber hinaus
haben wir Vorschläge zur Vereinbarung
beiderseitig anerkannter Verfahrensweisen für die gegenseitige Beobachtung der Tests von strategischen Verteidigungssystemen unterbreitet.
Seit der Eröffnung der Genfer
Verhandlungen über Mittelstreckenraketen (INF) gab es bei diesen Verhandlungen einige neue Entwicklungen.
Vergangene Woche unterbreiteten die

- 2 -

�Sowjets einen detaillierten INF-Vertragsentwurf, der nun zusammen mit
unserem eigenen Text auf dem Verhandlungstisch
liegt.
Wir
untersuchen
den sowjetischen Vorschlag genau und
bitten die Sowjets um Klärung einiger
wichtiger Punkte in ihrem Text.
Der sowjetische Vorschlag scheint
die von Generalsekretär Gorbatschow
und mir in Reykjavik erzielten Übereinkünfte über Obergrenzen bei Mittelstreckenraketen längerer Reichweite (LRINF) und den Grundsatz über ein
weltweites Gleichgewicht zwischen unseren beiden Ländern bei Raketensystemen
kürzerer
Reichweite
(SRINF)
widerzuspiegeln.
Trotzdem gilt es noch wichtige
Probleme zu lösen, bevor ein INF-Abkommen abgeschlossen werden kann; dazu zählen die Verifizierung und die
SRINF. Verifizierung ist ein besonders wichtiger Problemkreis.
Obwohl
der sowjetische Entwurf darauf hindeutet, daß sie sich darum bemühen,
in einigen grundlegenden Bereichen,
die zur wirksamen Verifizierung erforderlich sind, ein Abkommen herbeizuführen, müssen sie jedoch noch die
wichtigsten
Einzelheiten
mitteilen,
die zur Erarbeitung eines wirksamen
Systems der Verifizierung erforderlich sind.
Darüber hinaus sind sie
unseren
Bedingungen
zur
Inspektion
von Testgeländen nicht nachgekommen,
auf denen wir Verletzungen des INFAbkommens vermuteten.
Ein anderer
wichtiger
Problemkreis
betrifft
Kurzstreckensysteme.
Wir und unsere Verbündeten bestehen
auch weiterhin darauf, daß ein Abkommen zu diesen Systemen bilateraler
Art, dabei dem Umfang nach weltweit
gültig, im Einklang mit einem ersten
INF-Vertrag und wirksam verifizierbar
sein muß.
Darüber hinaus sind sowjetische Anstrengungen, Raketen an-

derer
Länder
als
der
Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion mit zu
berücksichtigen, offensichtlich nicht
akzeptabel. Wir setzen unsere engen
Konsultationen mit unseren Verbündeten in Europa und Asien über SRINF
und andere INF betreffende Fragen
fort.
Unsere Genfer Unterhändler - angeführt
von
den
Botschaftern
Max
Kampelman,
Mike
Glitman
und
Ron
Lehman - haben ausgezeichnete Arbeit
geleistet und noch viel zu tun. Wir
sind zu harten Verhandlungen bereit
und entschlossen, unseren Teil dazu
beizutragen, um - zum ersten Mal in
der Geschichte - wirkliche Reduzierungen bei Nuklearwaffen herbeizuführen.
Es ist jetzt an den Sowjets,
Entschlossenheit zu demonstrieren und
Bewegung in diese wichtigen Fragen zu
bringen.
Trotz all der in Genf erzielten
Fortschritte gibt es Ereignisse hier
im Inland, die das von uns so sorgfältig
gelegte Fundament
zerstören
könnten, das die Sowjets an den Verhandlungstisch zurückgeführt und sie
dazu bewogen hat, zum ersten Mal
ernsthaft über unsere jeweiligen nuklearen Arsenale zu verhandeln. Von
einigen Mitgliedern des Repräsentantenhauses wurden Anstrengungen unternommen, dem Verteidigungshaushalt Zusätze über Rüstungskontrolle beizufügen, die unseren Unterhändlern den
Boden unter den Füßen wegziehen und
unsere lebensfähigsten Verteidigungsprogramme untergraben würden - wie
etwa
unsere Strategische Verteidigungsinitiative.
Und jetzt sieht es
so aus, als ob einige Senatoren die
gleiche Richtung einschlagen wollten.
Damit keine Mißverständnisse aufkommen:
Ich werde mein Veto gegen
jedes Gesetz einlegen, das unsere Fähigkeit beschneidet, uns zu verteidi-

- 3 -

�gen und es den Sowjets freistellt,
ihre militärische Aufrüstung fortzuführen.
Die Vereinigten Staaten bleiben
der
Erlangung von einschneidenden,
beiderseitig verifizierbaren und stabilisierenden
Reduzierungen
in den
nuklearen Arsenalen der Vereinigten
Staten und der Sowjetunion voll und
ganz verpflichtet.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft

"V,ow *

6. Mai 1987

17

MASSNAHMEN DER BUNDESBANK ZUR EINSCHRÄNKUNG DER GELDMENGE BESTÄTIGT
- Kommentare des Bundesbankpräsidenten Paul Volcker -

WASHINGTON - (AD) Der Präsident der amerikanischen Bundesbank, Paul
Volcker, hat bei einer Anhörung vor einem Unterausschuß für das Bankwesen im
Repräsentantenhaus am 30. April 1987 bestätigt, daß die amerikanische Bundesbank in den letzten Tagen die Geldmenge verringert hat, damit die Zinssätze
anziehen und um den Dollar zu stützen.

"Wir waren etwas vorsichtiger damit, ... dem Markt Reserven zur Verfügung zu stellen" und haben eine
"weniger entgegenkommende Politik angewandt, die teilweise die Dollarschwäche widerspiegelt", so Volcker.
Ihm zufolge kann diese Politik als
eine "sachte und solide Methode" bezeichnet werden.
Volcker fügte hinzu, daß gleichzeitig mit der Verringerung der Geldmenge durch die amerikanische Zentralbank es "ganz und gar vernünftig
wäre, wenn im Ausland ergänzende Maß-

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Embassy of the United States of America

nahmen in umgekehrtem Sinne getroffen
würden", besonders in Japan.
Angesichts dieser von Volcker abgebenen Stellungnahme berichteten Beamte des Weißen Hauses, der japanische Premierminister
Nakasone habe
Präsident Reagan zu Beginn der zwei
Tage dauernden Gespräche in Washington erklärt, sein Land unternehme genau diese Schritte: er sagte, er habe japanische Banken angewiesen, ihre
kurzfristigen Zinssätze herabzusetzen.
In

einer

Pause

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der Anhörung be-

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�tonte Volcker
Reportern gegenüber,
die Maßnahmen der Bundesbank "seien
im Hinblick auf eine Korrektur der
Politik sehr beschränkt". Das Eingeständnis einer Verschiebung in der
Politik
ist
ungewöhnlich.
Solche
Maßnahmen werden in der Regel nicht
eher bestätigt, als bis sie vollständig durchgeführt worden sind.
Volcker
bemerkte, er habe die
Haltung der Bundesbank erwähnt, weil
"ich jegliche Verwirrung aus dem Weg
räumen möchte, die darüber eventuell
bestehen könnte".
Er bemerkte zur
herrschenden inflationären Marktpsychologie, "es sei gut für die Zinssätze, sie niedriger zu halten als
sie sonst sein würden" um zu vermitteln, "daß sich jemand um das Geschäft kümmert".
Der Bundesbankpräsident erwähnte
einige Faktoren, die zu dem beitragen, was er "psychologische Empfindsamkeit"
der
Finanzmärkte
nannte.
Dazu zählt, so Volcker, auch die gegenwärtige Debatte im Repräsentantenhaus über Vorschläge zu schärferer
Handelsgesetzgebung.
Die Besorgnis über die langsamen
Fortschritte der Regierung bei der
Bewältigung
des schwer
defizitären
Bundeshaushalts sei ein weiterer Faktor.
"Die Zeit ist gekommen, um bei
diesen ewig währenden Haushaltsüberlegungen
energisch vorzugehen", so
der Bundesbankpräsident.
"Was diese
Märkte wirklich brauchen, ... sind
Maßnahmen beim Haushalt und das Vertrauen darauf, daß diese Maßnahmen
auch durchgeführt werden.
Das gibt
es einfach nicht".
Auf die Frage eines Reporters, ob
der jüngste Rückgang des Dollars die
Anpassung "absolut und grundsätzlich"
weit genug vorangetrieben habe, antwortete Volcker, "absolut und grund-

sätzlich, so wahr ich hier stehe".
Auf die Frage, ob Beamte der
Zentralbank immer noch an bisherigen
Prognosen festhielten, daß die amerikanische Wirtschaft in diesem Jahr
Zuwachsraten von etwa 2,5 bis 3 Prozent
verzeichnen
werde,
erwiderte
Volcker, "Ich glaube nicht, daß irgendetwas geschehen ist, das einen
bedeutenden
Wandel
herbeiführen
wird", zumindest nicht in dieser Hinsicht.
Den angekündigten Schwerpunkt der
Anhörung des Unterausschusses bildeten Fortschritte der amerikanischen
und britischen Bankenaufsicht bei der
Errichtung eines gemeinsamen Systems
von Anforderungen im Hinblick auf Risikokapital
bei Institutionen, die
ihrer Aufsicht unterstehen.
Volcker
bemerkte,
diese
Aufsichtsbeamten
sollten
in der Lage
sein, bis zu diesem Sommer ein System
anzuwenden, das "einen Rahmen zur erheblichen Stärkung unserer gegenwärtigen Aufsichtsverfahren, um zu beurteilen, ob das Kapital ausreicht"
bilde. Das System würde weitere besondere Anforderungen ergänzen, die
bereits im Inland Anwendung finden
und die von den Banken verlangen, ein
Kapital zu halten, das bestimmten
Prozentsätzen
ihrer
Vermögenswerte
entspricht.
Volcker berichtete dem Ausschuß
von seinen Hoffnungen, daß Japan und
andere Länder gemeinsam mit den vereinigten Staaten und Großbritannien
später an einem Ansatz auf internationaler Ebene arbeiten werden. "Die
Globalisierung der Märkte hat zu einem erheblichen Anstieg des internationalen Wettbewerbs geführt und zu
einem Bewußtsein, daß Unterschiede im
Führungsstil der überwachenden Stellen rund um die Welt zu Verzerrungen

- 2 -

�im Wettbewerb führen können" und fügte hinzu, daß "die Gefahr in einem
internationalen Wettbewerb der Nachlässigkeit besteht".

* * * * * *
3 -

�AMERIKA DIENST
^

^

c&amp;

Wissenschaft und Technik

6. Mai 1987

17
INTERNATIONALE ZUSAMMENARBEIT LEBENSNOTWENDIG
- Die wichtigste Lehre aus Tschernobyl -

WASHINGTON - (AD) - Was die "lebensnotwendige Zusammenarbeit" unter den
Nationen bedeutet, wie sie in der Schlußakte von Helsinki vorgesehen ist, werde durch die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vom 26. April 1986 demonstriert.
Zum ersten Jahrestag jenes Ereignisses wiesen Mitglieder der USKommission für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE), Steny Hoyer und
Dennis DeConcini (als Vertreter des Repräsentantenhauses und des Senats des
US-Kongresses) auf die engen Zusammenhänge zwischen Umweltproblemen und anderen, im Helsinki-Abkommen angesprochenen Fragen hin, zu denen auch der freie
Informationsaustausch und die Ausweitung menschlicher Kontakte gehörten.
Die Erklärung der Kommissionsmitglieder hat folgenden Wortlaut:
"Der 26. April ist der erste Jahrestag des Nuklearunfalls im Kernkraftwerk Tschernobyl in der Sowjetunion. Dieses Ereignis demonstriert,
wie andere in den letzten Jahren
auch, die große Bedeutung von Zusammenarbeit zwischen den Nationen, wie
sie in der Schlußakte von Helsinki
vorgesehen ist. Dazu gehört auch das
Niederreißen der Mauern von Geheimhaltung, die zwischen ihnen bestehen,
damit wir für unsere Bevölkerung und
unsere Umwelt das Höchstmaß an Schutz
gewährleisten können. Es macht mehr
als alles andere zuvor klar, welch
enger
Zusammenhang
zwischen Umwelt

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Embassy of the United States of America

und anderen Helsinki-Fragen, etwa dem
freien Fluß von Informationen und der
Ausweitung menschlicher Kontakte, besteht.
Wir ehren jene, die bei der Bekämpfung der Brände im Werk Tschernobyl ihr Leben riskierten und von
denen manche es auch verloren.
Sie
handelten in vieler Hinsicht wahrlich
heldenhaft. Den Angehörigen der Menschen, die als Folge des Unfalls ihr
Leben verloren, gilt unser tiefstes
Mitgefühl.

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�Wir geben unserer Sorge um die
Tausende Ausdruck, die in den durch
Tschernobyl
am meisten
betroffenen
Gebieten lebten und arbeiteten. Die
Ängste und Schwierigkeiten, denen sie
sich im vergangenen Jahr ausgesetzt
sahen, waren in der Tat gewaltig.
Wir teilen auch die Enttäuschung derjenigen, die - ohne Erfolg - versuchten, Kontakte zu knüpfen, Care-Pakete
zu schicken oder auf andere Weise ihren in den betroffenen Gebieten lebenden Verwandten und Freunden zu
helfen.
Schließlich hoffen wir, daß unsere Anstrengungen im Rahmen des Helsinki-Prozesses, auch der Wiener-Folgekonferenz, zu einer Welt führen mögen, in der sich menschliche Tragödien wie diejenigen, die aus dem Unfall von Tschernobyl erwuchsen, nicht
wiederholen."
In einem Artikel vom 23. April
1987 auf der Titelseite der Zeitung
"The Washington Times" befaßte sich
Martin Sieff mit den Auswirkungen des
Unfalls auf Europa.
"In Osteuropa
verstärkte das Unglück vom 26.April
1986 die wachsenden Spannungen zwischen Moskau und seinen Satelliten im
COMECON, die schon durch die sowjetischen Maßnahmen zur Anhebung der ölpreise über das Niveau der Weltmarktpreise
belastet
waren",
schreibt
Sieff. "Die Westeuropäer waren total
verärgert,
daß
das
Unglück
von
Tschernobyl nicht rechtzeitig gemeldet worden war, um Maßnahmen zum
Schutz gegen Strahlenverseuchung von
landwirtschaftlichen
Produkten
und
Vieh ergreifen zu können.
Das anfängliche Schweigen des Kreml wurde
als Beweis gewertet, daß die 'Glasnost'-Politik von Michael Gorbatschow
eindeutige Grenzen hat.

von

Tiere, Gemüse und Milch im Wert
Millionen Dollar auf dem ganzen

Kontinent wurden vernichtet. Die Europäische Gemeinschaft verhängte für
Frischnahrungsmittel aus dem COMECONBlock einen zeitweiligen Einfuhrstop,
der die Satelliten Moskaus schätzungsweise 975 Millionen Dollar kostete.
In Polen, das von der radioaktiven Wolke am stärksten betroffen war,
gab die Untergrundorganisation
KOS
bekannt, daß die Radioaktivität im
Zentrum von Warschau um das 150fache
über der normalen Hintergrundstrahlung lag. In Nordskandinavien mußten
die Lappen unzählige Rentiere wegen
Strahlenverseuchung schlachten und so
wahrscheinlich für Generationen ihre
Lebensgrundlage vernichten.
Und in
einigen Teilen Bayerns war der radioaktive Niederschlag 30 bis 40 mal höher als bei allen vorangegangenen
Kernwaffentests. Sogar im englischen
Lake-Distrikt wurde das Hundertfache
des krebsverursachenden Radioisotops
Cäsium-137 gegenüber dem Normalwert
gemessen.
Dem Unfall folgte im November eine enorme Vergiftung des Rheins mit
Chemikalien.
Die beiden Ereignisse
verhalfen der Partei der Grünen in
der Bundesrepublik bei den Wahlen im
Januar zu dem eindrucksvollen Ergebnis von acht Prozent. Dies wiederum
veranlaßte die größte Oppositionspartei, die SPD, sich stärker nach links
zu orientieren - damit wurde ironischerweise die sowjetische Kampagne, Europa zu neutralisieren und der
Nuklearverteidigung der NATO die Zähne zu zeigen, noch verstärkt. Ebenso
gewannen in Österreich die Grünen im
November ihre ersten Sitze im Parlament. ..
Das von Soziologen so bezeichnete
'Tschernobyl-Syndrom' wirkt sich so
aus, daß in der Öffentlichkeit jeder
nukleare Unfall weithin
Bestürzung

- 2 -

�und fingste auslöst.
Verlautbarungen
der Regierungen, in denen die Gesundheitsbedrohungen überhaupt nicht angesprochen oder heruntergespielt werden, begegnet man mit Skepsis... In
Belgien mußte beispielsweise die Regierung auf Verlangen der Niederlande
Reaktoren eines Kraftwerks nahe der
holländischen Grenze abschalten, weil
die
Mehrzahl
der
Arbeiterschaft
streikte.
Die Regierung der Niederlande bezweifelte die Behauptung des
Nachbarlandes und engen Verbündeten,
daß die Sicherheit der Anlage von den
Auseinandersetzungen nicht betroffen
sei - eine Entwicklung, die zeigte,
daß Tschernobyl der erste Nuklearunfall mit Auswirkungen auf andere Länder war.

Nuklearprogramm ein größerer Unfall
ereignen, brächte dies umgehend Stimmen für die Labor-Partei.
Obgleich Tschernobyl die Europäer
erschauern ließ, hat die Verwendung
von Kernenergie auf dem Kontinent sogar zugenommen.
EUROSTAT, das Statistische Amt der Europäischen Gemeinschaft, berichtet, daß die Produktion von Kernenergie im vergangenen Jahr um 8,6 Prozent angestiegen
sei.
Führend auf diesem Gebiet ist
Frankreich, das nach der Ölkrise von
1973 den Bau von Kernkraftwerken forcierte.
Gegenwärtig
liefern
diese
dem Land 70 Prozent des elektischen
Stromes."

Das westdeutsche Nachrichtenmagazin 'Der Spiegel' warf der IAEO vor,
250 Geheimberichte über schwerere Unfälle und Pannen in Kernreaktoren in
den Mitgliedstaaten zurückzuhalten...
Am 17. April erklärte die IAEO, seit
1983, als zur Verbesserung der nuklearen Sicherheit ein Meldesystem für
Störfälle
eingerichtet worden war,
etwa 260 Berichte über Störfälle erhalten zu haben.
In
Großbritannien
erregte
das
Syndrom Ängste wegen der kontroversen
nuklearen
Wiederaufbereitungsanlage
von Sellafield, dem früheren Windscale bei Cumbria.
Bis Tschernobyl
stand es in dem Ruf, die gefährlichste und am schlechtesten betriebenen
zivile Nuklearanlage
der
Welt
zu
sein. Im vergangenen Jahr hieß es in
einem
britischen
Parlamentsbericht,
daß
infolge
ständiger
Lecks
von
Sellafield die Irische See zu dem am
stärksten radioaktiv verseuchten Meer
der Erde geworden sei... Die oppositionelle
Labor-Partei
verpflichtete
sich, Großbritannien als Nuklearmacht
auszuschalten. Sollte sich in Sellafield oder andernorts im britischen
- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan verspricht Unterstützung von Verhandlungen in Mittelamerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache vor dem Verband der amerikanischen Zeitungsverleger -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan kritisiert Handelsgesetze des Kongresses&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rundfunkansprache des Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Rüstungskontrollabkommen in Reichweite&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung zu den START-Verhandlungen -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Maßnahmen der Bundesbank zur Einschränkung der Geldmenge bestätigt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Kommentare des Bundesbankpräsidenten Paul Volcker -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Internationale Zusammenarbeit lebensnotwendig&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Die wichtigste Lehre aus Tschernobyl -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

1 3 . Mai 1987

18

I N H A L T

DOKUMENTATION

Reagan sieht "9olide Basis" für START-Abkommen
- Erklärunq des Präsidenten zum amerikanischen Vertraqsentwurf -

Weinberger:

Amerika "optimistisch" über Abschluß eines INF-Abkommens

- Rede bei Seminar der Euroqroup -

Amerikanischer Vertragsentwurf fordert einschneidenden Abbau von
Offensivwaffen
- Pressekonferenz mit Botschafter Lehman -

WIRTSCHAFT

USA erneuern Forderung nach wirtschaftlichen Impulsen durch Japan und
die Bundesrepublik Deutschland
- Rede von Finanzminister Baker bei OECD-Ministertreffen -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

V O N **

13. Mai 1987

18

REAGAN SIEHT "SOLIDE BASIS" FÜR START-ABKOMMEN
Erklärung des Präsidenten zum amerikanischen Vertragsentwurf -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan zufolge liefert der am 8. Mai 1987
bei den Verhandlungen über die Verringerung strategischer Rüstungen (START) in
Genf vorgelegte amerikanische Vertragsentwurf "eine solide Grundlage für die
Schaffung eines fairen und dauerhaften Abkommens". In seiner schriftlichen
Erklärung teilte der Präsident außerdem mit, er werde keine Beschränkungen für
das SDI-Programm gegen ein Abkommen zu den strategischen Waffen eintauschen;
SDI sei "lebenswichtig für die künftige Sicherheit" der Vereinigten Staaten
und ihrer Verbündeten.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Ich
habe
den
amerikanischen
START-Unterhändler
bei
den Genfer
Verhandlungen
über
Kern- und Weltraumwaffen (NST) angewiesen, bei dem
heutigen Treffen der START-Verhandlungsgruppe
einen
Vertragsentwurf
vorzulegen, der eine 50prozentige Reduzierung der amerikanischen und sowjetischen
strategischen
offensiven
Atomwaffen vorsieht.
Der Text des
amerikanischen Vertragsentwurfs spiegelt die grundlegenden Bereiche der
Übereinstimmung bezüglich der Reduzierung strategischer Waffen wider,
die von Generalsekretär Gorbatschow

United States Information Service
Embassy of the United States of America

und mir während unseres Treffens in
Reykjavik
im
vergangenen
Oktober
festgelegt wurden.
Unser Vertragsentwurf sieht vor,
daß beide Seiten über einen Zeitraum
von sieben Jahren nach Inkrafttreten
eines solchen Vertrags Reduzierungen
bis auf 1 600 strategische Trägerwaffen und 6 000 Gefechtsköpfe vornehmen, mit angemessenen Untergrenzen.
Er liefert eine solide Grundlage für
die Schaffung eines fairen und dauerhaften Abkommens.

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Zusätzlich zu allgemeinen Obergrenzen
gewährleistet der
amerikanische Vorschlag besondere Beschränkungen
bezüglich der
destabilisierendsten und gefährlichsten nuklearen
Systeme,
insbesondere der schnellfliegenden ballistischen Raketen. Er
beinhaltet
detaillierte
Regelungen
mit dem Ziel, jedwede Unklarheit über
das Vereinbarte auszuschließen sowie
umfangreiche Verifizierungsbestimmungen, um sicherzustellen, daß jede
Seite darauf vertrauen kann, daß die
andere Seite das Abkommen vollständig
einhält. Der Vertrag ist das Ergebnis intensiver Bemühungen aller zuständigen Behörden der amerikanischen
Regierung, ich habe den Vertrag eingehend überprüft, und er hat meine
Zustimmung.
Mit der Vorlage dieses Textes
streben die Vereinigten Staaten danach, auf den bedeutenden bei START
erzielten
Fortschritten
aufzubauen
und ein Mittel bereitzustellen, um
die
verbleibenden
Meinungsverschiedenheiten beizulegen.
Wenn die Sowjets bereit sind, mit uns bei den
noch ausstehenden Problemen zusammenzuarbeiten, insbesondere bei der Notwendigkeit - um die strategische Stabilität zu gewährleisten - von Untergrenzen bei den Gefechtsköpfen auf
ballistischen
Raketen, dann werden
wir in der Lage sein, einen wichtigen
Schritt in Richtung auf eine sicherere und stabilere Welt zu unternehmen.

Maßnahmen, die im Falle ihrer Akzeptierung durch die Vereinigten Staaten
SDI
ernstlich
beschränken
würde.
Dies ist unannehmbar.
ich kann und
werde
keine Maßnahmen
akzeptieren,
die
unser
SDI-Programm
verstümmeln
oder beseitigen würden.
Angesichts
der andauernden sowjetischen offensiven Aufrüstung, die mit den seit langem bestehenden sowjetischen Aktivitäten zur strategischen Verteidigung
einhergeht, ist das SDI-Programm lebenswichtig für die künftige Sicherheit der Vereinigten Staaten und unserer Verbündeten.
Wenn wir nun in detaillierte Gespräche mit den Sowjets über unseren
Vertragsvorschlag eintreten, sind wir
dazu entschlossen, unseren Teil dazu
beizutragen, um zum ersten Mal in der
Geschichte
echte Reduzierungen
bei
den strategischen Offensivwaffen zu
erreichen.
Ich hoffe, die Sowjets
werden eine ähnliche Entschlossenheit
zeigen und mit uns auf der Grundlage
unseres Vertragsentwurfs zusammenarbeiten, um die in Reykjavik erzielten
Bereiche der Übereinstimmung in konkrete Reduzierungen umzusetzen.

Obwohl
die Präsentation
dieses
Vertrags ein bedeutsamer Hinweis auf
unseren Wunsch nach möglichst baldiger Erreichung weitgehender, gleichgewichtiger und verifizierbarer Reduzierungen bei den strategischen Waffen ist, möchte ich die noch der Lösung bedürfenden schwierigen Probleme
nicht verharmlosen, insbesondere das
sowjetische Beharren auf einem Junktim zwischen einem START-Abkommen und
- 2 -

�AMERIKA DIENST
r

^7

"""""

Dokumentation

C&amp;

13. Mai 1987

18

WEINBERGER: AMERIKA "OPTIMISTISCH" ÜBER ABSCHLUSS EINES INF-ABKOMMENS
- Rede bei Seminar der Eurogroup -

WASHINGTON - (AD) - Verteidigungsminister Weinberger ging in seiner Rede
anläßlich eines Seminars der Eurogroup am 7. 1987 Mai auf die Besorgnis vieler
Europäer ein, ein Abkommen über Mittelstreckenraketen (INF) verstärke das Problem des konventionellen Ungleichgewichts in Europa. Weinberger bemerkte, er
sei "optimistisch" daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion ein "gutes
Abkommen" über INF erzielen könnten, das den "Sicherheitserfordernissen" des
NATO-Bündnisses gerecht wird.
Nachfolgend drucken wir den Redetext im Wortlaut:

Wie Sie wissen, treffen wir hier
an einem für unser NATO-Bündnis einmaligen
Augenblick
zusammen.
Und
ironischerweise ist es unser Erfolg nicht etwa Versagen -, der einige
traditionelle
Probleme
der
NATO
schärfer
hervortreten
läßt.
Ich
möchte zu Beginn auf unsere Fortschritte in Richtung auf ein INF-Abkommen eingehen und Ihnen meine Ansicht zu dessen Bedeutung für das
NATO-Bündnis darlegen.
Diese Frage
leitet direkt zu Überlegungen bezüglich der Abschreckung im Bündnis über
und der bemerkenswert schlecht vor-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

stellbaren Auffassung, Amerika solle
seine Truppenstärke in Europa abbauen.
Zum Schluß werde ich gern auf
Ihre Fragen antworten.
Seit der Amtsübernahme Präsident
Reagans haben wir versucht, unsere
Denkweise über Rüstungskontrolle zu
verändern.
Eine Art und Weise zum
Verständnis dieses Wandels besteht im
einfachen Ersetzen des Wortes "Kontrolle" durch "Abbau". Der Präsident
hat darauf bestanden - und wenn ich
das hinzufügen darf: gegen erheblichen Widerstand darauf bestanden -,

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�daß wir nicht lediglich eine Obergrenze akzeptieren, die zahlenmäßig
über dem heutigen Niveau liegt, uns
dabei keine Gedanken um wirkungsvolle
Verifizierung machen und dies dann
wahrhafte
Rüstungskontrolle
nennen.
Dies ist bei SALT I und II geschehen.
Dieses Abkommen vermittelte uns das
"Gefühl" des Fortschritts, aber dadurch wurden
lediglich
dramatische
Zunahmen im Arsenal der sowjetischen
Offensivraketen
vertraglich
festgelegt.
Allein nach SALT II haben die
Sowjets die Anzahl der Wiedereintrittsflugkörper in ihrem Arsenal von
Offensivraketen verdoppelt. Anstelle
einer
Pseudo-Rüstungskontrolle
hat
sich dieser unser Präsident für wirkliche Reduzierungen ausgesprochen.
Nach nunmehr sechs Jahren kontrovers geführter Verhandlungen, die die
Sowjets einmal verließen und der Drohung einer dauernden Einstellung der
START-Gespräche, stehen wir nun vor
einem Abkommen über die Abschaffung
einer gesamten Kategorie von Nuklearwaffen in Europa - eine wahrhaft
historische Leistung, wenn es dazu
kommt. Und es wäre ein noch besseres
Abkommen, wenn dadurch alle sowjetischen SS-20 in Europa und Asien abgeschafft würden.
unser Ziel waren
immer echte und umfassend verifizierbare Abkommen, die einschneidende Reduzierungen
hervorbringen
sollten,
bis hin zum Gleichstand auf beiden
Seiten, und wir stehen möglicherweise
vor dem Abschluß eines solchen Abkommens. Schließlich gibt es keine geringere Größe als Null.
Dies bedeutet also ebenso wie die
Art von Reduzierungen, für die wir
uns aussprechen, einen wirklichen Abbau des Niveaus der strategischen
Waffen.
Wenn es zum Abschluß eines
INF-Abkommens kommt, werden wir mehr
tun als zum vormaligen Status quo zurückzukehren, als Moskau im Jahr 1977

unnötigerweise und rücksichtslos mit
der Stationierung der SS-20 begann.
Wir werden uns unter dem Niveau der
sowjetischen Bedrohung in der Kategorie der Mittelstreckenraketen längerer Reichweite (LRINF) vom Jahr 1977
befinden, weil die sowjetischen SS-4
mit
dem
Abschluß
eines
Abkommens
ebenfalls
abgeschafft würden.
Wir
hoffen, mittels dieses Abkommens die
Abschaffung von mehr als 1 400 sowjetischen Gefechtsköpfen auf LRINF
zu erreichen wie auch die Sicherung
eines weltweiten Gleichstandes bei
den Gefechtsköpfen auf Mittelstrekkenraketen
kürzerer
Reichweite
(SRINF). Im Austausch dazu wird der
Westen von seiner vorgesehenen Stationierung von 572 Mittelstreckenwaffen absehen. Dies ist trotz der Einwände unserer Kritiker potentiell ein
sehr gutes Abkommen - ich sage "potentiell", weil wir es noch nicht abgeschlossen haben.
Es steht außer Frage, daß es noch
schwierige Verhandlungen geben wird,
sowie wir wichtige Aspekte dieses Abkommens wie etwa die Verifizierung
angehen.
wir werden kein Abkommen
unterzeichnen, das unseren sehr klar
umrissenen Erfordernissen im Bereich
der Verifizierung nicht gerecht wird.
Dies zu tun, wäre nicht nur unklug,
sondern vielleicht sogar selbstmörderisch.
Wir sind jedoch optimistisch, daß ein gutes Abkommen - das
den
Sicherheitserfordernissen
des
Bündnisses entspricht - erzielt werden kann.
Eine der ersten Reaktionen auf
die Möglichkeit eines INF-Abkommens
bestand in einer größeren Sorge um
das Ungleichgewicht der konventionellen Streitkräfte in Europa.
Manche
Kritiker
erheben den Vorwurf, ein
INF-Abkommen
würde
das
wichtigste
Standbein
unserer
Abschreckung
Nuklearwaffen - beseitigen und Stabi-

�lität nur auf konventionelle Streitkräfte stützen, bei denen wir erheblich übertroffen werden.
Ich nehme an, daß so etwas dramatisches wie die Aussicht auf ein
wichtiges Abkommen zum Rüstungsabbau
notwendig ist, damit einige das anerkennen, was die meisten von uns seit
den Anfängen des Bündnisses wissen.
Denjenigen, die sich zum ersten Mal
um das Ungleichgewicht bei den konventionellen Streitkräften in Europa
sorgen, kann ich nur entgegenhalten,
daß es gut ist, Sie hier zu haben.
Es ist müßig, dies zu sagen, aber das
Gleichgewicht
der
Streitkräfte
in
Europa war immer ein Problem.
Den
einzigen Wandel, den ein mögliches
INF-Abkommen im konventionellen Bereich hervorgebracht hat, ist die Sicherung eines geschärften Bewußtseins.
Tatsache ist, daß das Gleichgewicht der konventionellen Streitkräfte in Europa mit oder ohne INF-Abkommen ein wirkliches Problem darstellt.
Wir müssen die konventionelle Verteidigung der NATO verbessern - mit oder
ohne Abkommen, und wir müssen unser
Ziel der dreiprozentigen Zuwachsrate
im Verteidigungshaushalt aufrechterhalten - mit oder ohne INF-Abkommen.
Trotzdem stimme ich zu, daß das Ungleichgewicht im konventionellen Bereich angesichts der sich vor uns eröffnenden Aussichten einer Reduzierung von Nuklearwaffen größere Bedeutung
erlangt hat.
Dies
ist ein
Grund, warum wir so fest an das Programm der NATO zur Verbesserung der
konventionellen Verteidigung glauben,
warum wir so hart am Aufbau eines Munitionsvorrates
arbeiten und warum
wir andere Schritte zur Verbesserung
unseres Durchhaltevermögens unternehmen und warum wir uns die Unterstützung des Kongresses erhoffen, anstatt
daß dieser einen einseitigen Abbau
von Nuklearwaffen
fordert und uns

gleichzeitig
angemessene
Finanzierungsmittel für die notwendige Modernisierung und unsere Stärke im konventionellen Bereich verweigert.
Unsere
europäischen
Verbündeten
können an diesem Punkt einen besonders wichtigen Beitrag zur Sicherheit
im Bündnis leisten, wenn sie ihre erhöhte Besorgnis um ein Ungleichgewicht im konventionellen Bereich zum
Anlaß für neue Schritte nehmen, um
dies zu beheben.
Es scheint notwendig zu sein,
manche Leute kontinuierlich daran zu
erinnern, daß sich die harte Wirklichkeit der sowjetischen Macht nicht
verändert hat. Moskaus Zielsetzungen
und seine militärische Stärke, wie
sie in jüngster Zeit ihren Niederschlg in der von uns herausgegebenen
Veröffentlichung "Die sowjetiche Militärmacht 1987" fanden, bleiben als
vordringlichste Bedrohung für Frieden
und Freiheit in der Welt bestehen.
Zusammen mit unseren NATO-Verbündeten hat die Reagan-Administration
große Anstrengungen zur Stärkung der
konventionellen Abschreckung in Europa unternommen. Einhergehend mit der
konventionellen Stärke gibt es jedoch
noch andere unerläßliche Maßnahmen,
die von uns vorgenommen werden müssen, um sicherzustellen, daß die Abschreckung stark bleibt.
Und auch
hier müssen diese Schritte mit oder
ohne Abkommen unternommen werden.
Ein solcher Schritt besteht in
weiteren, energischen Bemühungen bei
der strategischen Verteidigung.
Es
wird häufig außer acht gelassen, daß
seit Beginn unseres SDI-Programms die
Verteidigung unserer Verbündeten ein
grundlegender Gesichtspunkt der gesamten Bemühungen gewesen sind. Unser
strategisches
Verteidigungsprogramm ist immer darauf angelegt gewe-

- 3 -

�sen, Verteidigung gegen Mittelstrekken- wie auch gegen Interkontinentalraketen zu gewährleisten. Die Gründe
für eine Verteidigung gegen strategische Nuklearwaffen - daß sie die
Abschreckung stärken wird, daß sie
eine Sicherung gegen sowjetischen Betrug bei Rüstungskontrollvereinbarungen bildet - können ja gerade auf die
Raketenbedrohung Europas vollständig
angewendet werden.
Wenn wir ein INF-Abkommen schließen, dann müssen wir uns vergegenwärtigen, daß Europa und die Vereinigten
Staaten weiterhin gegen Atomraketen
verwundbar bleiben. Was wir mit SDI
zu erreichen versuchen, ist die Entdeckung eines Weges, um diese Verwundbarkeit zu überwinden und damit
die Abschreckung zu stärken. Die erfolgreiche Stationierung selbst eines
nur teilweise wirksamen ATBM-Systems
zu irgendeinem Zeitpunkt in der Zukunft, das mit der stufenweisen Stationierung eines strategischen Verteidigungssystems einhergeht, könnte
einen unschätzbaren Beitrag zur Abschreckung in Europa leisten.
Trotzdem bin ich mir dessen bewußt, daß die Möglichkeit einer INFUbereinkunft hier und in Europa Fragen nach dem grundsätzlichen Engagement der Vereinigten Staaten für
das Bündnis hervorgerufen hat. Subtilere Kritiker
scheinen sogar zu
glauben, daß ein INF-Abkommen einen
Abkoppelungseffekt
für das Bündnis
haben könnte.
Wir sollten uns daran erinnern,
daß das amerikanische Engagement für
die NATO schon fast 40 Jahre vor der
Stationierung
von
Pershing II
und
Marschflugkörpern
überdauert
hat.
Und diese Stationierung bildete lediglich ein Gegengewicht gegen 1 400
Gefechtsköpfe auf sowjetischen SS 20Raketen. Weshalb sollte die Beseiti-

gung der Pershings und Marschflugkörper dieses Engagement verändern, insbesondere, wenn die Masse gerade der
Waffen, die zur Stationierung führten
- der sowjetischen SS 20-Raketen
ebenfalls beseitigt würde?
Mit der
Abschreckungspolitik der NATO, vielmehr mit der Strategie der flexiblen
Reaktion, wurde nicht erst im Jahr
1983 begonnen, und beide werden sicherlich auch nach Erzielung einer
INF-Vereinbarung Bestand haben.
Die Beseitigung der Mittelstrekkenraketen
längerer
Reichweite auf
beiden Seiten würde Amerika mitnichten von der Verteidigung Europas abkoppeln. Die Anbindung der Vereinigten Staaten an die Sicherheit Europas
würde weiterhin von unseren umfangreichen
konventionellen
Streitkräften, unseren verbleibenden Atomwaffen
und dem Engagement unserer strategischen Atomstreitkräfte gemäß unserer Strategie der flexiblen Reaktion
gewährleistet werden. Vor allem aber
sind wir mit der europäischen Sicherheit durch die einfache aber unabweisbare Tatsache verbunden, daß die
Vereinigten Staaten nicht in einer
Welt leben könnten, in der Europa von
den Sowjets überrannt und in Besitz
genommen wäre.
Wenn wir eine Übereinkunft zu INF
verwirklichen, sollten wir uns nicht
vor
einer
"Abkoppelung"
fürchten,
sondern wir sollten weiterhin genau
wie Europa aktiv und wirksam daran
arbeiten, unsere Verteidigung und Abschreckung stark, modern und leistungsfähig zu erhalten. Wir müssen
gegenüber den Bedrohungen, denen wir
ausgesetzt sind und gegenüber den Erfordernissen zur Bewältigung dieser
Bedrohungen vor oder nach Rüstungskontrollvereinbarungen eine realistische Einstellung bewahren.
Es

ist

deshalb

höchst

bedauer-

�lieh, daß wir zu einer Zeit, in der
wir ein neuerwachtes Interesse an einem realen konventionellen Gleichgewicht
in Europa festellen können,
ebenfalls zunehmend Unterstützung unter den Isolationisten in den Vereinigten Staaten für den Abzug amerikanischer Truppen aus Europa sichtbar
wird. Es werden eine Menge von Gründen dafür angeführt - die Europäer
sollten einen höheren Beitrag zu ihrer eigenen Verteidigung leisten, unsere Truppen in Europa kosten uns zu
viel Geld, es gibt andere Regionen in
der Welt, in denen unsere Truppen
dringender benötigt werden usw.
In Reden, Aussagen und Artikeln
habe ich unzählige Male auf diese
Kritik geantwortet, und ich brauche
mich dieser Gruppe gegenüber, die im
Bereich der Öffentlichkeitsarbeit so
viel unternommen hat, kaum zu wiederholen.
Lassen Sie mich lediglich
feststellen, daß diese hübsche Behauptung, die Vereinigten Staaten gäben zuviel für die Verteidigung Europas aus, nicht nur falsch, sondern
auf gefährliche Weise falsch ist. In
den siebziger Jahren erhöhten sich
zum Beispiel die Militärausgaben unserer NATO-Partner jährlich real um
zwei Prozent.
Im gleichen Zeitraum
verringerten sich die Militärausgaben
der Vereinigten Staaten real um 20
Prozent. Ich könnte viele Tatsachen
anführen, die das Ausmaß der NATOBeiträge seitens unserer Verbündeten
aufzeigen. Wir sehen uns in den Vereinigten
Staaten
jedoch mit einem
neo-isolationistischen Eifer konfrontiert, dessen Argumentation auf angestaubten Vorstellungen über überzogene Militärausgaben unsererseits in
Europa und auf politisch begründeten
Forderungen beruht, daß wir mehr für
politisch populäre Programme ausgeben
sollten. Ich weiß nicht, welche Bedeutung Fakten für diese Isolationisten besitzen. Vielfach suchen sie

nur nach einer Entschuldigung, um weniger für die nationale Sicherheit
auszugeben oder um einen Hebel für
Steuererhöhungen zu finden. Und warum Politiker
die Steuern erhöhen
wollen, ist nur eine der bizarren
Fragen, die der Kongreß uns zu stellen zwingt.
Weit davon entfernt, Truppen aus
der NATO abziehen zu wollen, hat Präsident Reagan den Kongreß gebeten,
die vom Kongreß eingeführte Obergrenze für die Truppenstärke in Europa
abzuschaffen. Wir sind nicht nur der
Überzeugung, daß die wachsende militärische Stärke des Warschauer Pakts
eine angemessene Reaktion der NATO
erfordert, sondern wir glauben auch,
daß der Präsident die Flexibilität
zur Anpassung der Truppenniveaus benötigt.
Und
wir
müssen
unsere
Streitkräfte vorne stationieren, wo
sie die Vereinigten Staaten am besten
verteidigen können.
Vergessen Sie nicht, daß selbst
die Andeutung, wir würden einen größeren einseitigen Truppenabzug
aus
Europa in Erwägung ziehen, der amerikanischen Führungsrolle in Europa und
sogar in der gesamten Welt Schaden
zufügt.
Es ist jetzt an der Zeit,
unsere Entschlossenheit
zur Unterstützung unserer Verbündeten zu bekräftigen und nicht, unsere grundsätzliche Verpflichtung für die Zukunft
Europas
zu
schwächen,
die
schließlich
auch
eine
feste Verpflichtung für die Zukunft der Vereinigten Staaten ist.
Lassen Sie mich schließen, indem
ich noch einmal wiederhole, was meiner Überzeugung nach die grundlegende
Wahrheit über das westliche Bündnis
ist. Es sind nicht einfach Territorium oder wirtschaftliches Wohlergehen, die durch unsere Verteidigungsaufwendungen erhalten werden sollen,

- 5 -

�sondern es ist die Freiheit für uns
und die westliche Zivilisation. Wir
sollten uns fragen, warum die NATO
geschaffen wurde.
Würden wir nicht
im Ausland
durch
die
sowjetische
Ideologie herausgefordert, die die
Idee der Freiheit an sich als Täuschung und Bedrohung betrachtet, dann
hätten wir den heutigen Tag mit anderen Dingen verbringen können, als
über das NATO-Bündnis zu diskutieren.
Wenn wir nicht im Inland von den
Kräften der Vergeßlichkeit, Unwissenheit
und Demagogie
herausgefordert
würden, dann könnten wir uns alle den
Luxus des Ausspannens gönnen.
Aber
diese Bedrohungen existieren, und sie
weisen mich darauf hin, daß der einzige Weg zur Bewahrung all dessen,
was die westliche Zivilisation uns
gegeben hat, in der Bereitschaft zur
Verteidigung dieser Ideen der Freiheit und der Gleichheit bestehen muß,
welche die Demokratie möglich machen,
genauso wie diese von all unseren
Vorfahren verteidigt wurden - die uns
das hinterließen, was viele zerstören
würden.
Verteidigung ist in einer Demokratie niemals populär, und sie ist
sicherlich nicht billig.
Aber wenn
Sie der Meinung sind, die Verteidigung sei teuer, dann denken sie einen
Augenblick lang an die Kosten einer
Niederlage.
Verteidigung wird von
uns verlangt, und ich danke Ihnen allen für Ihren Beitrag dazu, daß die
Freiheit in dieser gefährlichen Welt
überlebt.

* * * * *

�^° s ^

AMERIKA DIENST
Dokumentation
13. Mai 1987

18

AMERIKANISCHER VERTRAGSENTWURF FORDERT EINSCHNEIDENDEN ABBAU
VON OFFENSIVWAFFEN
- Pressekonferenz mit Botschafter Lehman GENF - (AD) - Nach der Vorlage des amerikanischen Vertragsentwurfs bei
den Verhandlungen über die Verringerung strategischer Rüstungen (START) am 8.
Mai 1987 erklärte der amerikanische Chefunterhändler, Botschafter Ronald
Lehman, die Vereinigten Staaten wünschten, gemeinsam mit der Sowjetunion Anstrengungen zu unternehmen, um einen endgültigen Vertrag "auszuarbeiten und
dann abzuschließen", der bis Ende des Jahres zu einer SOprozentigen Reduzierung strategischer Offensivwaffen führen würde. Der Vertrag umfaßt Botschafter Lehman zufolge "die verschiedenen, bereits bekannten Bereiche, in denen
entweder Übereinstimmung oder Uneinigkeit besteht, befaßt sich jedoch ausführlich mit Regeln für eine Zählweise, mit Definitionen, Verifizierung und zusätzlichen Beschränkungen".
Nachfolgend drucken wir den Text der Eingangserklärung Botschafter Lehmans
sowie die darauffolgende Pressekonferenz im Wortlaut:
LEHMAN: Wie Präsident Reagan am
Montag betonte, räumen die Vereinigten Staaten der Erlangung bedeutender
und stabilisierender Reduzierungen in
den Arsenalen nuklearer Offensivwaffen sowohl der Vereinigten Staaten
als auch
der
Sowjetunion
höchste
Priorität ein. Sie werden sich daran
erinnern, daß die Vereinigten Staaten
kürzlich einen Vertragsentwurf vorgelegt haben, der sich mit nuklearen
Mittelstreckenraketen
beschäftigte.
Wir haben jetzt gemäß den Anweisungen
des Präsidenten hier und heute in
Genf einen Vertragsentwurf vorgelegt,

United States Information Service
Embassy of the United States of America

der eine 50prozentige Reduzierung der
strategischen
Offensivwaffen
beider
Seiten vorsieht. Die Vorlage dieses
Vertragsentwurfs zur Reduzierung und
Beschränkung von Nuklearwaffen interkontinentaler Reichweite bedeutet für
die Verhandlungen über die Verringerung
strategischer
Rüstungen
einen
wichtigen Schritt nach vorn.
Im Verlauf der letzten Runde der
START-Verhandlungen
haben die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
erfolgreich damit begonnen, für die
Schlüsselelemente
eines
zukünftigen

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�START-Vertrages
eine
gemeinsame
Sprachregelung
zu
entwerfen.
Die
Grundzüge eines START-Vertrages sind
beiden Seiten klar.
Jetzt ist die
Zeit gekommen, um den Vertrag selbst
auszuhandeln, wir haben bereits viel
erreicht.
Wir
unterschätzen nicht
die noch bestehenden Schwierigkeiten
oder die zu überwindenden Hindernisse.
Sie liefern uns umso mehr einen
Grund zur Verdopplung unserer Bemühungen um eine Beilegung der verbleibenden Differenzen.
Das wichtigste dieser noch bestehenden Probleme ist das der besonderen Beschränkungen für Gefechtsköpfe
auf ballistischen Raketen, die notwendig sind, damit einschneidende Reduzierungen auf sichere Art und Weise
stattfinden können.
Die Vereinigten
Staaten haben eine Reihe solcher Beschränkungen vorgeschlagen, die den
von der Sowjetunion bei diesen Verhandlungen unterbreiteten ähneln, von
ihr aber im vergangenen Herbst wieder
zurückgezogen wurden.
Ein Vertrag,
der solche besonderen Beschränkungen
für Gefechtsköpfe ballistischer Raketen vorsähe, läge im Interesse beider
Seiten.
Die Vereinigten Staaten sind der
Ansicht, daß ein START-Vertrag zur
Verbesserung der Sicherheit der gesamten Menschheit noch vor Ende dieses Jahres ausgehandelt werden könnte. Wir blicken auf die Sowjetunion,
daß sie jetzt gemeinsam mit uns einen
endgültigen START-Vertrag ausarbeitet
und dann abschließt, der bis Ende des
Jahres zu einer wirkungsvoll verifizierbaren
50prozentigen
Reduzierung
strategischer
Offensivwaffen
führen
würde.
FRAGE:
Wenn es noch vor Ende
des Jahres zu einem Vertrag kommt,
was wird dann mit der Strategischen
Verteidigungsinitiative (SDI) gesche-

hen?
ANTWORT:
Wie Sie wissen, werden die mit SDI im Zusammenhang stehenden Fragen von Botschafter Kampelman und seinem Vertreter, Botschafter
Cooper, im Rahmen der Gespräche über
Verteidigungs- und
Weltraumwaffen
verhandelt. Bei diesen Verhandlungen
haben wir neue Vorschläge unterbreitet und versucht, auf sowjetische Anliegen einzugehen.
Aber, wie Sie
wissen, sind wir der Ansicht, daß
diese wichtigen und stabilisierenden
Reduzierungen strategischer Offensivwaffen nicht als Geisel für andere
Verhandlungen dienen sollten.
FRAGE:
Aber die Sowjets koppeln weiterhin die beiden Bereiche,
Verhandlungen über strategische Waffen und SDI.
ANTWORT:
Und
daraus
erwuchs
ein Hindernis.
Aber wir versuchen,
auf ihre Anliegen einzugehen.
Botschafter Kampelman hat einen neuen
Vorschlag eingebracht, aber wir glauben, daß es einen umfangreichen Komplex von internationalen und von Vertragsgesetzen gibt, die sich mit Verteidigungssystemen befassen. Aber wo
sind die bestehenden Verträge, die
sich mit Offensivwaffen beschäftigen?
Wir brauchen einschneidende Reduzierungen bei Offensivwaffen - das ist
unsere höchste Priorität. Wir glauben, daß die sowjetische Besorgnis
ungerechtfertigt
ist,
bemühen
uns
aber trotzdem, auf ihre Anliegen einzugehen.
FRAGE:
Haben die Sowjets heute
irgendeine Reaktion gezeigt, nachdem
Sie den Entwurf vorgelegt haben?
ANTWORT:
Sie haben eine Stellungnahme abgegeben.
Ich glaube, es
wäre nicht angebracht, meinerseits
einen Kommentar zu ihrer Stellungnah-

- 2 -

�me abzugeben. Aber es war eine sehr
konstruktive
und
produktive
erste
formelle Zusammenkunft unserer Gruppe.

FRAGE:
In
welche
Kategorie
fallen nun die SS-18 und SS-19?

FRAGE:
Die
Zahlen
in
Ihrem
Vertrag - stimmen sie mit den von
Präsident Reagan in seiner Erklärung
von Montag erwähnten überein?

ANTWORT:
Sie fallen unter die
Zahl der 1 650, jedenfalls die SS-18;
die SS-19 fällt unter die 3 300,
nicht unter die 1 650.

ANTWORT:
Ja, das tun sie. Der
Vertrag umfaBt die verschiedenen, bereits bekannten Bereiche, in denen
entweder Übereinstimmung oder Uneinigkeit besteht, befaßt sich jedoch
ausführlich mit Regeln für eine Zählweise, mit Definitionen, Verifizierung und zusätzlichen Beschränkungen.
Grundsätzlich ist vorgesehen, daß es
nicht mehr als 1 600 Trägersysteme
für strategische Waffen und nicht
mehr als 6 000 Gefechtsköpfe der betreffenden
Kategorie geben sollte.
Und wir haben vorgeschlagen, daß es
Untergrenzen geben sollte von 4 800
Gefechtsköpfen auf ballistischen Raketen, 3 300 Gefechtsköpfen auf Interkontinentalraketen
(ICBM)
und
1 650
Gefechtsköpfen
auf
schweren
ICBMs und anderen gefährlichen und
mit
Mehrfachgefechtsköpfen
ausgerüsteten ICBMs.

FRAGE:
Wie sieht
der Vereinigten Staaten
Abschaffung aus?

FRAGE:
Könnten Sie die untergrenzen, besonders bei der letzten
Kategorie, erklären?
ANTWORT:
Es
sind
die
klassischen Untergrenzen, wie sie allgemein bekannt sind;
sie wurden, wie
Sie sich erinnern werden, im SALT IIVertrag auf Trägersysteme angewandt.
Das heißt hier, es gibt eine Anzahl
von 6 000, von denen nicht mehr als
4 800 auf Gefechtsköpfe ballistischer
Raketen, nicht mehr als 3 300 auf
ICBMs und nicht mehr als 1 650 auf
diese gefährlichen
ICBMs entfallen
dürfen. So sieht der Prozeß aus. Er
ist dem von SALT II und auch dem in
SALT I vereinbarten Prozeß ähnlich.

die Haltung
zur völligen

ANTWORT:
Beide
Seiten
haben
als Ergebnis unseres Treffens in Moskau vereinbart, jetzt im Moment die
Frage von Reduzierungen beiseite zu
stellen, die höher als 50 Prozent
liegen und sich vielmehr auf Reduzierungen von 50 Prozent zu konzentrieren,
ich möchte bemerken, daß ein
Abbau von 50 Prozent eine beträchtliche Leistung ist, und ich glaube,
daß dies ein Bereich ist, über den
wir sicher vor Ende des Jahres verhandeln könnten.
FRAGE:
Wie viele Seiten umfaßt
der amerikanische Vertragsentwurf?
ANTWORT:
Das hängt vom Format
ab, aber es sind ungefähr 40 Seiten.
In der Form, wie wir ihn übergeben
haben, vielleicht etwas weniger.
FRAGE:
Es tut mir leid, daß
ich nochmals auf diesen Punkt zurückkomme, aber wie können Sie angesichts
der festen sowjetischen Haltung zu
SDI optimistisch darüber sein, daß
sie diese bis Ende des Jahres überwinden werden?
Ziehen sie die Möglichkeit in Betracht, diesen Bereich
möglicherweise
mit
den
Gesprächen
über Verteidigungs- und Weltraumwaffen in Zusammenhang zu bringen?
ANTWORT:
Nein, ich glaube, wir
wären dafür, daß ein Abkommen, wenn
es in einem Bereich erzielt wird, an-

- 3 -

�gewandt werden sollte; wenn es in
zwei Bereichen erzielt wird, sollte
es angewandt werden, und wenn es in
drei Bereichen von beiden Seiten Zustimmung findet, sollte es dort angewandt werden.
Aber wir sind nicht
der Ansicht, daß eine Gruppe als Geisel für eine andere benutzt werden
sollte.
Ich würde vorschlagen, daß
Sie beim nächsten Mal, wenn Sie mit
Botschafter
Kampelman
oder
seinem
Stellvertreter, Botschafter
Cooper,
zusammentreffen,
sprechen
sollten.
Aber im Bereich der Verteidigungsund Weltraumwaffen wurden beträchtliche Fortschritte erzielt. Wir sind
von der wesentlichen Frage aber noch
weit entfernt, die lautet, ob ein lebensfähiges, erfolgreiches und dynamisches
SDI-Programm
weiterbestehen
kann oder nicht. Wie Sie wissen, hat
die Sowjetunion einen Vorschlag unterbreitet, der im wesentlichen die
gesamte Forschung im Bereich des SDIProgramms abwürgen würde, d.h., im
wesentlichen die gesamte Forschung,
die im Rahmen des SDI-Programms Erfolg zeitigt.
Das geht über alles
weit hinaus, was im ABM-Vertrag vereinbart wurde, nach jedweder Definition.
FRAGE:
Sind Sie zu
chen Konzessionen bereit?

irgendwel-

ANTWORT:
Ich denke, Sie sollten mit Botschafter
Kampelman und
Botschafter Cooper sprechen. Ich bin
bereit, auf einige dieser Bereiche
einzugehen, aber ich würde es vorziehen, unseren Schwerpunkt auf die Gespräche über strategische Waffen zu
legen, weil dies mein Gebiet ist.
FRAGE:
Haben Sie
irgendwelche
Hinweise von sowjetischer Seite, daß
sie
einen
eigenen
Vertragsentwurf
vorlegen werden?
ANTWORT:

Wir

haben

sie

aufge- 4

fordert, gemeinsam mit uns beim Prozeß der Ausarbeitung eines Vertragsentwurfs zu arbeiten, und sie standen
dem nicht negativ gegenüber.
FRAGE:
Ist der Entwurf vollständig oder gibt es noch Lücken?
ANTWORT:
Wie immer gibt es einige Bestimmungen, bei denen man mit
der
anderen
Seite
zusammenarbeiten
möchte, als Teil des Verhandlungsprozesses. Das war immer in allen bisher
niedergelegten
Verträgen
der
Fall. Es gibt Dinge - zum Beispiel
die Nachfolgedokumente, wie etwa Protokolle - die wir noch nicht in Angriff genommen haben. Wie Sie wissen, haben wir bei den Verhandlungen
über
Mittelstreckenwaffen
erst
in
jüngster Zeit die zu diesem Vertrag
gehörenden Protokolle und Memoranda
vorgestellt.
FRAGE:
Hier
in dieser
Übersicht heißt es, daß die 50prozentigen
Reduzierungen
bis Ende 1991 abgeschlossen sein sollten.
Sie haben
gesagt, dies würde im Zeitraum von
sieben Jahren geschehen; die Sowjets
sagen, innerhalb von fünf Jahren.
Wenn ich bei 1987 anfange zu zählen,
komme ich auf vier Jahre. Können Sie
das erklären?
ANTWORT:
Sie haben Recht.
Der
ursprüngliche amerikanische Vorschlag
für den Zeitabschnitt der Reduzierung
wurde vor einigen Jahren unterbreitet
- als er acht Jahre umfaßte. Aber
danach hielten wir Verhandlungen ab,
bei denen beide Seiten über die Möglichkeit von zwei Phasen sprachen:
einem ersten Zeitabschnitt von fünf
Jahren und einer zweiten Phase von
fünf Jahren.
Wir haben vorgeschlagen, daß wir uns auf die ersten fünf
Jahre konzentrieren sollten und, daß
wir, um es beiden Seiten einfacher zu
machen, diesen Zeitabschnitt der Re-

�duzierung auf sieben Jahre ausdehnen
sollten. Wie Sie wissen, ist einer
der beide Seiten entzweienden Schlüsselbereiche das Problem der Untergrenzen von Gefechtsköpfen auf ballistischen
Raketen.
Offen
gesagt
glauben wir, daß sie ihre Vorschläge
aus taktischen Gründen zurückgezogen
haben. Trotzdem versichern sie, daß
unsere untergrenzen, obwohl sie den
vorherigen
sowjetischen
Vorschlagen
sehr ähnlich sind, bei ihnen Probleme
der Strukturierung aufwerfen.
Wenn
dadurch
innerhalb von fünf Jahren
Probleme in der Strukturierung entstehen, sollte es innerhalb von sieben Jahren für sie einfacher sein,
diese beizulegen.
Ich glaube, daß
dies nützlich für beide Seiten ist.
Natürlich haben uns die Sowjets, als
wir vor einiger Zeit acht Jahre vorschlugen, bedeutet, daß dies sehr zufriedenstellend sei.
FRAGE:
Es tut mir leid, wenn
ich diese Zahlen nur schwer verstehe...
Die schweren
landgestützten
Interkontinentalraketen, die die Vereinigten Staaten als einen der gefährlichsten Bestandteile der sowjetischen Streitkräfte ansehen - meinen
Sie die, wenn sie von Untergrenzen
sprechen; bilden sie das Kernstück
des Problems?
ANTWORT:
Im
Augenblick
haben
wir Fortschritte in diesem Bereich
erzielt. Die Sowjetunion hat der untergrenze bei Gefechtsköpfen auf ballistischen Raketen bei den Gefechtsköpfen auf schweren ICBMs nicht zugestimmt, aber sie war grundsätzlich
einverstanden, ihre schweren ICBMs um
die Hälfte abzubauen.
Daraus würden
sich unserer Ansicht nach 1 500 Gefechtsköpfe auf schweren ICBMs ergeben. Wir sind bereit, ihnen mehr zuzugestehen - 1 650. Aber diese Untergrenze würde nicht nur ihre derzeitigen schweren ICBMs, die SS-18,

betreffen, sondern auch
ihre, mit
zehn
Gefechtsköpfen
ausgestatteten
neuen SS-X-24, wenn diese stationiert
sind. Aber unsere Untergrenze würde
auch
die amerikanische
PEACEKEEPER
oder MX-Rakete betreffen.
Ihre Untergrenze wäre also etwas niedriger,
beträfe aber nur den einen Typ der
SS-18; unsere träfe sowohl auf ihre
SS-18 und SS-X-24, aber auch auf unsere
eigenen
MX-Raketen
vom
Typ
PEACEKEEPER zu.
FRAGE:
erwähnt?

Wird

die

Verifizierung

ANTWORT:
Sicher.
Wenn Sie den
letzten Satz anschauen, heißt es dort
"wirkungsvoll
verifizierbar".
Und
lassen Sie mich sagen, daß sich ein
wichtiger Teil des Vertrages mit wirkungsvoller
Verifizierung
beschäftigt, und zahlreiche Dokumente, zu
denen es Fragen gab und die später
vorqelegt werden - die weniger unerläßlichen, aber immer noch sehr wichtigen Dokumente, wie Protokolle und
Vereinbarungen - gehen ebenfalls auf
Einzelheiten der Verifizierung ein.
FRAGE:
Verifizierung
auf
selbe Art und Weise wie bei INF?

die-

ANTWORT:
Das
ist nicht
ganz
dasselbe, aber es gibt Ähnlichkeiten.
In unserem Vertrag gibt es viele Ähnlichkeiten mit dem INF-Vertrag.
Ich
würde annehmen, daß INF und START
sich in nächster zeit in ungefähr
demselben
fortgeschrittenen
Stadium
befinden werden.
FRAGE:
U-Boote
und Verifizierung - ist dies nicht eher schwieriger?
ANTWORT:
Ja, das stimmt, obwohl wir über die Jahre hinweg Verfahren entwickelt haben, mit denen
wir U-Boote in ihren Häfen beobach-

- 5 -

�ten.
Wenn sie sich einmal auf See
befinden, dann sehen wir - beide Seiten - sie natürlich nicht mehr. Wir
versuchen aber, die U-Boote in ihren
Häfen zu beobachten.
Sie haben jedoch Recht damit, daß wichtige Verifizierungsprobleme
bestehen,
die
nicht nur U-Boote sondern auch andere
Fragen betreffen, und wir haben mit
diesem Vertragsentwurf einige innovative Vorschläge unterbreitet.
FRAGE:
Erlaubt Ihr Vertrag unangekündigte Inspektionen vor Ort zur
Vermeidung jeglichen Betrugs?
ANTWORT:

Ja.

FRAGE:
Nach
Reykjavik
haben
die Vereinigten Staaten in Wien die
Sowjetunion beschuldigt, ihre Zustimmung bei den Untergrenzen zurückzunehmen. Sind Sie heute der Meinung,
daß die Russen sich auf dem Weg zurück zu den Vereinbarungen von Reykjavik befinden, oder hat das letzte
Zusammentreffen
in Moskau gezeigt,
daß sie immer noch ihre Positionen
von Wien vertreten?
ANTWORT:
Sie haben ihre Position etwas verdeutlicht. Lassen Sie
mich dies erklären.
In den ersten
Wochen nach Reykjavik war keine Rede
von einer Absage an die untergrenzen;
erst am 7. November 1986 erfuhren wir
durch ihren neuen Vorschlag, daß sie
ihre beiden hauptsächlichen Vorschläge zu den untergrenzen fallengelassen
hatten. Erst dann erfuhren wir - eigentlich zwei Tage davor -, daß sie
während
des
Shultz-SchewardnadseTreffens in Wien behaupteten, wir
hätten diese Untergrenzen in Reykjavik fallengelassen. Und selbstverständlich
erklärten wir, daß dies
nicht stimmt; diese Behauptung kam
für uns völlig überraschend. In Moskau behaupteten sie, daß wir sie tatsächlich
nicht
nur
fallengelassen

hätten, sondern auch, daß wir dies
deshalb getan hätten, um die Zählweise von Bombern durchzusetzen, wie sie
in Reykjavik vereinbart wurde. Nun,
dies ist eine neue Variante des Arguments, die gleichermaßen falsch ist.
Wir haben unseren Vorschlag von Untergrenzen in Reykjavik nicht fallengelassen; es war ja gerade der Fortschritt bei den Untergrenzen, der zu
Reykjavik führte. Und wir haben sie
nicht einseitig oder als Teil eines
Kompromisses oder Tauschhandels fallengelassen.
Meiner
Meinung
nach
weiß die Sowjetunion, was sie zur Erreichung eines START-Abkommens zu tun
hat.
FRAGE:
Sie
haben
früher
gesagt, daß die Möglichkeit bestünde,
einen Vertrag in diesem Jahr auszuhandeln.
Könnten Sie das etwas genauer ausführen - worauf gründet sich
Ihr Gefühl, daß Sie bis zum Ende des
Jahres 1987 einen Vertrag aushandeln
könnten?
ANTWORT:
Die zentralen noch zu
lösenden Probleme, wie etwa die Untergrenzen, sind nicht so zahlreich.
Was die letzte Runde und unsere Erfahrungen bei der gemeinsamen Arbeit
am Entwurf angeht, so muß ich meinen
sowjetischen Kollegen ein Kompliment
aussprechen. Gerade in dieser Runde
haben , sie
eine
sehr
nüchtern-geschäftsmäßige
Haltung gezeigt, und
wir waren in der Lage, eine Reihe der
bei einem solchen Entwurf auftretenden
Schwierigkeiten
auf geschäftsmäßige und effiziente Weise zu lösen.
Das hat uns davon überzeugt, daß die
Zeit für den Entwurf eines Vertrages
gekommen war; es war der logische
nächste Schritt. Das heißt, daß wir
jetzt noch eine Reihe großer Probleme
und vieles die Sprachregelung des
Vertrags
Betreffende lösen müssen,
aber wir sind davon überzeugt, daß
dies sowohl bei INF wie auch bei

�START möglich ist. Und obwohl tatsächlich einige wichtige Unterschiede
zwischen INF und START bestehen, gibt
es auch sehr viele Ähnlichkeiten.
Und deshalb werden Fortschritte in
einem auch Fortschritte im anderen
Bereich nach sich ziehen. Wenn wir
einen INF-Vertrag zuerst abschließen
- schön. Wenn wir einen START-Vertrag zuerst fertigstellen - schön.
Wenn wir beide zugleich fertigstellen
- auch schön. Das ist unsere Politik.
FRAGE:
Glauben
Sie, daß auch
nur die Möglichkeit besteht, einen
START-Vertrag vor einem INF-Vertrag
auszuhandeln?
ANTWORT:
Das hängt davon ab wir sollten anerkennen, daß mein Kollege, Botschafter Glitman, einige Wochen länger an diesem Prozeß arbeitet
und und daran erinnern, daß seine
Verhandlungen etwa sechs oder acht
Monate eher begonnen haben. Trotzdem
haben sich die Unterschiede enorm
verringert und könnten in den kommenden Wochen und Monaten weiter reduziert werden. Am Ende könnte es meiner Meinung nach von den speziellen
Problemen abhängen, wodurch jede dieser Verhandlungen
verzögert werden
könnte.
FRAGE:
Könnten
Sie irgendwelche Probleme nennen, die Ihrer Meinung nach beim Vertragsentwurf für
START, wie gegenwärtig bei INF, zu
Kontroversen
mit
den
europäischen
NATO-Verbündeten führen werden?
Ich
denke dabei speziell an die Frage, ob
den Russen Raum für eine Einbeziehung
der britischen und französischen Abschreckungspotentiale
und
ihre Anrechnung
bei
den
Gesprächen
über
strategische Waffen gegeben wird?
ANTWORT:
Ich glaube, bei START
haben wir die Frage der britischen
und französischen Streitkräfte ein-

deutig hinter uns gelassen. ich unterschätze aber nicht Talent und Fähigkeiten
der
sowjetischen
Seite,
Probleme erneut aufzuwerfen und Keile
zwischen uns und unsere Verbündeten
zu treiben. Lassen Sie mich aber erklären, daß ich gegenwärtig keinerlei
Probleme beim START-Vertrag sehe, die
speziell
bei
unseren
europäischen
Verbündeten große Sorgen hervorrufen
könnten.
Aber vergessen Sie nicht,
daß insgesamt die Debatte über INF
mit der Frage der Koppelung zusammenhängt. Und die Menschen sollten sich
fragen: Woran sind Sie angekoppelt?
Und die Antwort lautet: Sie sind an
den amerikanischen nuklearen Schutzschild angekoppelt, und bei START
verhandeln
wir
über
den
amerikanischen nuklearen Schutzschild. Deshalb glaube ich, daß unsere Verbündeten wünschen, daß wir ein gutes, solides
START-Abkommen
erzielen, und
ich habe von all unseren NATO-Verbündeten, mit denen wir gesprochen haben, nur die stärkste Unterstützung
erhalten.
FRAGE:
Wenn Sie so optimistisch über den START-Vertrag denken,
warum haben Sie dann mit den Verhandlungen nicht früher begonnen, am 23.
April, wie dies die Sowjets wollten?
Warum haben Sie erst am 5. Mai angefangen?
ANTWORT:
Dafür
gab
es
eine
Reihe von Gründen, von denen nicht
alle inhaltlicher Art sind.
Zu den
Gründen gehörte, daß wir am STARTVertrag arbeiteten und dann mittendrin plötzlich nach Moskau reisen
mußten.
Und dann treffen Sie die
Wahl: Sollte ich nach Moskau reisen
oder zuhause bleiben und an meinem
START-Vertrag
arbeiten?
ich
entschied mich dafür, nach Moskau zu
fahren.
* * * * * *

�reo s&gt;

VON

AMERIKA DIENST
Wirtschaft

*

13. Mai 1987

18
USA ERNEUERN FORDERUNG NACH WIRTSCHAFTLICHEN IMPULSEN
DURCH JAPAN UND DIE BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND

Rede von Finanzminister Baker bei OECD-Ministertreffen -

PARIS - (AD) - Dem amerikanischen Finanzminister James Baker zufolqe könnten Japan und die Bundesrepublik Deutschland mehr tun, um der Weltwirtschaft
Impulse zu geben.
In einer Rede beim Min ister treffen der Organisation für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris erklärte Baker
am 12. Mai 1987, daß "Länder mit geringer oder gar keiner Inflation und niedrigen privaten Investitionsraten vielleicht ihre Geldpolitik lockern sollten,
um das Binnenwachstum anzukurbeln". Industrieländer, die das Gleichgewicht im
Haushaltsbereich wiederhergestellt haben, insbesondere Japan und die Bundesrepublik, "sollten ihre Sparpolitik einer Überprüfung unterziehen".
Bakers Rede hat folgenden Wortlaut:

Herr Vorsitzender, Generalsekretär Paye, verehrte Kollegen:
Beurteilung der Fortschritte
Als ich vor zwei Jahren zum ersten Mal die Ehre hatte, vor dieser
Gruppe zu sprechen, schlug ich eine
Partnerschaft
des
Wachstums
vor.
Heute, so glaube ich, kann diese
Partnerschaft schon auf mehrere Leistungen
zurückblicken.
Sicherlich
bleibt uns noch mehr zu tun - und ich
werde mich mit diesen Punkten gleich
auseinandersetzen -, aber lassen Sie
uns zuerst eine Bestandsaufnahme dessen vornehmen, was wir erreicht haben.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Das Wichtigste zuerst: Die OECDLänder befinden sich heute im fünften
Jahr des wirtschaftlichen Wachstums und damit ist dies eine der längsten
wirtschaftlichen Erholungsphasen der
Nachkriegszeit. Wir sollten uns auch
dadurch ermutigt fühlen, daß die Entwicklungsländer, insbesondere diejenigen, die kein öl exportieren, nun
ebenfalls an diesem Wachstum teilhaben,
im vorigen Jahr entwickelten
sich diese Entwicklungsländer durch-

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�schnxttlich um 50 Prozent schneller
als der OECD-Durchschnitt, und die
Aussichten
sind
weiterhin vielversprechend.
Ebenfalls haben wir unsere Fortschritte gegenüber der Inflation konsolidiert.
Im vergangenen Jahr war
die Inflationsrate in den OECD-Staaten die niedrigste seit den sechziger
Jahren - und den Prognosen zufolge
werden die Preise in diesem und dem
nächsten Jahr nur zwischen 3 und 3,5
Prozent steigen. Wir dürfen uns jedoch nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen. Wir können es uns nicht leisten, unsere hart erkämpften Fortschritte wieder
preiszugeben.
Ich
meine aber, daß noch vor einigen Jahren nur wenige unter uns daran geglaubt haben, daß wir solch große
Fortschritte gegen die Inflation erzielen würden, wie dies der Fall war.
Weiterhin sehen wir heute handfeste Beweise dafür, daß wir begonnen
haben, die außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte zwischen den wichtigsten Industrieländer zu beseitigen.
Wir alle haben die Schlagzeilen vor
Augen, die sich mit nominellen Handelszahlen
beschäftigen.
Und doch
zeigen die Zahlen des tatsächlichen
Handelsvolumens, daß die Importe der
Bundesrepublik Deutschlands und Japans im vergangenen Jahr wesentlich
schneller wuchsen als ihre Exporte,
und daß ihre gegenwärtigen Leistungsbilanzüberschüsse real gesunken sind.
Was die Vereinigten Staaten angeht, so sind unsere Außenhandelsdefizite langsamer zurückgegangen als
wir erhofft hatten, aber das Handelsbilanzdefizit scheint sich im Verlauf
des vergangenen Jahres stabilisiert
zu haben, wenn man den Wert zugrundelegt.
Beim Handelsvolumen haben wir
bereits einen Umschwung festgestellt.

Auch beim Abbau des Haushaltsdefizits
machen
wir
Fortschritte
mehr, wenn ich das sagen darf, als
andere Länder dies bei der Förderung
des Wachstums tun. Unser Bundesdefizit betrug im Haushaltsjahr 1983 6,3
Prozent des Bruttosozialprodukts. Im
jetzigen Haushaltsjahr wird es voraussichtlich
3,9
Prozent betragen,
mit einem Rückgang von 40 Milliarden
Dollar
gegenüber
dem
vergangenen
Jahr.
Und im nächsten Jahr werden
wir voraussichtlich weitere Einsparungen vornehmen - Einsparungen von
mindestens
20
Milliarden
Dollar,
selbst wenn wir die Ausgabenkomponente der von den Demokraten unterbreiteten Haushaltsvorschläge zugrundelegen.
(Ich sage Ausgabenkomponente,
weil unserer Meinung nach Steuererhebungen kein Weg zur Verringerung unseres Defizits sind.) Und dies gilt
nur für den schlimmsten Fall.
Ich möchte außerdem darauf verweisen, daß unser allgemeines Staatsdefizit - einschließlich der Überschüsse
für die
Sozialversicherung
sowie die Regierungen der Bundesstaaten und Gemeinden - schon heute noch
niedriger liegen, als diese Zahlen
für das Bundesdefizit andeuten.
Das
allgemeine Defizit wird dieses Jahr
voraussichtlich
auf
lediglich
2,5
Prozent
des
Bruttosozialproduktes
fallen, eine Summe, die unter dem
OECD-Durchschnitt liegt.
Diese Kombination aus Defizitabbau und solidem Binnenwachstum steht
in scharfem Gegensatz zu den Vorgängen
in
den
Hauptüberschußländern,
Diese Staaten haben ebenfalls ihre
Haushaltsdefizite
verringert,
aber
sie haben währenddessen bei Binnenproduktion und Beschäftigun nur ein
träges Wachstum aufrechterhalten. Das
OECD-Sekretariat und der Internationale Währungsfonds (IWF) haben übereinstimmend
errechnet, daß während
die
amerikanische
Haushaltspolitik

�amerikanische
Haushaltspolitik
das
Binnenwachstum anqekurbelt hat, der
Abbau der Defizite in der Bundesrepublik Deutschland und Japan das Wachstum in den vergangenen vier bis fünf
Jahren behinderte.
Lassen Sie mich also erklären,
daß die Vereinigten Staaten eine umfassende Steuerreform sowie Reduzierungen der Spitzensteuersätze eingeführt haben, wodurch die Anreize, zu
arbeiten, sparen und investieren, gewachsen sind.
Obwohl einige wenige
unter den hier Anwesenden ebenfalls
Steuerabbau oder -reform in Erwägung
gezogen haben, ist es eindeutig, daß
auf der Angebotsseite ebenfalls noch
viel mehr getan werden kann und sollte.
Lassen Sie mich schließlich noch
die Fortschritte erwähnen, die wir
bei der internationalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit erzielt haben.
In den vergangenen zwei Jahren haben
sich die Wechselkursrelationen zwischen den wichtigsten Währungen so
verschoben, daß sie heute die wirtschaftlichen Grunddaten besser widerspiegeln - und wir erwarten, daß diese Veränderungen zu unseren gemeinsamen Bemühungen zum Abbau der außenwirtschaftlichen
Ungleichgewichte
beitragen werden.
(Lassen Sie mich
ebenso erklären, was ich schon früher
gesagt habe:
Alle der in der G-7Gruppe
zusammengeschlossenen
Länder
sind der Überzeugung, daß ein weiterer Fall des Dollar gegenüber den
wichtigsten anderen Währungen kontraproduktiv sein könnte.)
Wir haben
uns ebenfalls dafür eingesetzt, unsere Vorkehrungen zur besseren Koordinierung
unserer
Wirtschaftspolitik
weiter zu entwickeln. Das Louvre-Abkommen
bedeutete
einen
wichtigen
Fortschritt in diesem Prozeß.
Tatsächlich

werden

auf

dem

noch

in diesem Frühjahr in Venedig stattfindenden Wirtschaftsgipfel die Finanzminister der G-7 den Staatschefs
über
ihre übereinstimmende
Haltung
bezüglich eines Prozesses zur Durchführung der politischen Koordinierung
Bericht erstatten.
Der Bericht wird
die mittelfristigen Ziele und Einschätzungen umreißen und damit als
Grundlage für die Bewertung von Politik und Leistung dienen. Er wird Indikatoren, einschließlich der Wechselkurse, vorleqen, die angewendet
werden sollen, um zu bestimmen, ob
die
gegenwärtigen
wirtschaftlichen
Entwicklungen im Einklang mit diesen
Zielen stehen, und der Bericht wird
grundlegende Regeln fixieren, um zu
entscheiden, wann Konsultationen zur
Absprache von Abhilfemaßnahmen notwendig sind.

Anstehende Aufgaben
Die von uns weiterhin zu bestehenden
Herausforderungen
müssen
im
gleichen Geist der Zusammenarbeit angegangen werden. Unsere Tagesordnung
ist eindeutig: Beschleunigung unserer
Fortschritte bei der Korrektur außenwirtschaftlicher
Ungleichgewichte,
weitere Behandlung der Schuldenprobleme der Entwicklungsländer und Widerstand
gegen
protektionistischen
Druck. Ich werde jeden dieser Punkte
für sich ansprechen.
Ich glaube, wir sind alle der
Meinung, daß die Vereinigten Staaten
nicht länger der übrigen Welt wirtschaftliche Impulse geben können, indem sie immer qrößere Leistungsbilanzdefizite
auftürmen.
Der
nun
schon seit 54 Monaten anhaltende Aufschwung in den Vereinigten Staaten
geht auf die Binnennachfrage zurück.
Dieses Jahr erwarten wir ein langsameres Wachstum der Nachfrage aus binnenwirtschaftlichen
Quellen.
Das

- 3 -

�amerikanische
Wirtschaftswachstum
wird sich zunehmend auf ein verstärktes Nettowachstum der Exporte gründen
müssen.
Für die Weltwirtschaft lautet die
Fraqe: Wenn die Vereinigten Staaten
nicht weiterhin den Löwenanteil am
Weltwachstum tragen können, wer wird
dann an ihre Stelle treten? Mein eigenes Denken in dieser Frage wird von
mehreren Gesichtspunkten geleitet.
Länder mit geringer oder gar keiner Inflation und niedrigen privaten
Investitionsraten sollten vielleicht
ihre Geldpolitik lockern, um das Binnenwachstum anzukurbeln.
Ich meine,
daß dies getan werden kann, ohne der
Inflation neuen Auftrieb zu verleihen. Industrieländer, die das Gleichgewicht im Haushaltsbereich wiederhergestellt haben, sollten ihre Sparpolitik einer Überprüfung unterziehen. Insbesondere Japan und die Bundesrepublik Deutschland haben erhebliche Fortschritte beim Abbau der
Haushaltsdefizite erzielt und besitzen jetzt breiten Raum zur Expansion.
Ich werde von den unlängst erfolgten
Erklärungen Japans ermutigt, wonach
dieses Land beabsichtigt, seine Wirtschaft anzukurbeln und größere Verantwortung bei der Aufrechterhaltung
des Wachstums der Weltwirtschaft zu
übernehmen.
Eine Reform der wirtschaftlichen
Struktur - auf die ich später näher
eingehen werde - kann ebenfalls dazu
beitragen,
indem
sie
künstliche
Schranken
zum
Wachstum
abbaut.
Steuerreformen sowie die Liberalisierung des Arbeits- und des Finanzmarktes sind drei Bereiche, in denen dies
angebracht wäre.
Die neuen Industrieländer (newly
industrialized
countries
NICs)
Asiens sind jetzt ebenfalls bereit,

mehr
Verantwortung
für
das Wirtschaftswachstum und das Handelssystem
zu übernehmen.
Sie sollten dafür
sorgen, daß ihre Währungen besser die
Grundzüqe der Wirtschaft widerspiegeln, und sie sollten ihren Verbrauchern einen größeren Anteil an ihrem
wirtschaftliche Erfolg zukommen lassen, indem sie ihre Märkte dem Außenhandel und Investitionen öffnen.
Der
Definition
nach
erfordert
eine Partnerschaft in Richtung auf
ein Wachstum gemeinsames Handeln und
gemeinsame Verantwortung. Keiner von
uns kann diese Dinge allein leisten.
Indem wir die Last der Anpassung auf
internationaler Ebene teilen, können
wir unsere Aufgabe auf politischer
Ebene
im Inland erleichtern.
Als
Mitglieder der Industrienationen haben wir alle die Pflicht, einen Beitrag zu leisten. Es gibt, um es offen zu sagen, keinen Ersatz für unsere Führungsrolle und unsere Zusammenarbeit .

Das internationale Schuldenproblem
Ich glaube, daß wir in den vergangenen Jahren auch erhebliche Fortschritte gemacht haben, was die Erleichterung
der
internationalen
Schuldenlast angeht. Sicherlich müssen wir noch mehr tun, und ich verstehe die Anstöße von manchen für
allumfassende
Lösungen.
Aber
ich
glaube, daß es eine solche allumfassende Lösunq nicht gibt.
Ein Problem, das sich über viele Jahre hinweg entwickelt hat, kann nur in vielen Jahren gelöst werden - und dies
nur mit Geduld und unter beständigen
Anstrengungen.
Das Programm für ein anhaltendes
Wachstum
bleibt die beste und am
besten anwendbare Strategie zur Erleichterung der Schuldenlast, und ich

�glaube, daß hier bereits beträchtliche
Fortschritte
erzielt
worden
sind. Am meisten fällt auf, daß die
Schuldnerländer
selbst eine marktorientierte
Reformpolitik
anwenden,
staatliche Unternehmen dem Wettbewerb
aussetzen, Preiskontrollen aufheben,
ihre Rücklaqen erhöhen und ein Umfeld
schaffen, in dem die Kapitalflucht
eingedämmt wird.
Tm vergangenen Jahr belief sich
das Wachstum in den Hauptschuldnerländern durchschnittlich auf 3,5 Prozent, die beste Rate der
letzten
sechs Jahre. Die Inflation ist seit
1985 um mehr als die Hälfte gefallen.
Die Kapitalflucht ist in vielen Ländern entweder zurückgegangen oder hat
sich umgekehrt.
Neun der 15 Hauptschuldnerländer erhielten oder verbesserten im Jahr 1986 ihr Verhältnis
der Schulden zum Bruttosozialprodukt.
Dies ist ein guter Anfang, aber
es bleibt noch mehr zu tun. Und ich
kann nicht genug auf die Reformen
hinweisen, die die
Schuldnerländer
selbst durchführen müssen. Diese Reformen bilden die unerläßliche Grundlage des zukünftigen Wachstums. Nur
Länder, die Möglichkeiten im Inland
schaffen, werden in der Lage sein,
Investitionen und Kapital zu gewinnen, die für ein Wachstum unerläßlich
sind.
Wir glauben, daß die Industrienationen weiter wachsen und ihre Märkte
offen halten müssen.
Der erhebliche
Rückgang der Zinssätze seit 1984 hat
in großem Maße dazu beigetragen, aber
die verhaltenen Aussichten für das
Wachstum der OECD und der steigende
Druck
des
Protektionismus
liefern
Grund zur Sorge. Ein stärkeres Wachstum der OECD bildet einen Schlüssel
für weitere Fortschritte, und nur,
indem wir offene Märkte erhalten,
können wir den Schuldnern helfen, ih-

re Schulden zu begleichen.
Der Internationale Währungsfonds
und die Weltbank leisten ebenfalls
den Regierungen, die eine Reformpolitik durchführen wollen, wichtige Hilfe.
Auch der Pariser Club und die
Handelsbanken haben in den vergangenen 18 Monaten Mittel zur Finanzierung bereitgestellt.
Ich erkenne natürlich, daß das
Tempo der Finanzierung durch die Geschäftsbanken Anlaß zu Kritik gegeben
hat.
Und im letzten Jahr waren die
Kredite
der
Banken
enttäuschend.
Aber der Fortschritt der letzten Wochen gibt uns erneut das Vertrauen,
daß wir auf dem richtigen Weg sind,
mit der Aussicht, den Hauptschuldnern
in diesem Jahr erhebliche neue Finanzierungsmittel
gewähren
zu können.
Jüngste Abkommen umfaßten neue Finanzierunqsmechanismen,
die
verdeutlichen, daß alle Seiten die Fähiqkeit
zu Innovation und Flexibilität besitzen.
Wir glauben, daß die Geschäftsbanken sich auf diese neuen Mechanismen
stützen
können.
Insbesondere
möchten wir sie ermutigen, bei den
Mitteln eine Liste alternativer Optionen
auszuarbeiten, aus der sie
wählen können, um die weitere finanzielle Unterstützung der Reformen in
den Schulderländern sicherstellen zu
helfen.

Protektionismus
Ich denke, wir alle wissen, daß
sich der protektionistische Druck in
den
Vereinigten
Staaten
verstärkt
hat.
Ein solcher Druck bedroht das
Welthandelssystem mehr, als dies in
den vergangenen 40 Jahren der Fall
war.
Wir haben diesem Druck widerstanden - und wir werden ihm auch

- 5 -

�weiterhin widerstehen - trotz des hohen politischen Preises.
Aber unsere Aufgabe wird sicherlich leichter, wenn wir Fortschritte
beim Abbau von Handelsschranken auf
internationaler Ebene erzielen können.
Wir können nicht den freien
Handel verteidigen, wenn andere Nationen darauf bestehen, ihre eigenen
Handelsschranken aufrecht zu erhalten. Das GATT-System - und die neue
Uruguay-Runde der Handelsgespräche bieten die beste Gelegenheit zur Lösung von Konflikten in Wirtschaft und
Handel. Die Stärkung von GATT sollte
bei uns allen einen hohen Stellenwert
haben.
Um uns dem Protektionismus in den
Vereinigten Staaten zu widersetzen,
brauchen wir auch auf internationaler
Ebene Fortschritte beim Abbau des Ungleichgewichts im Handel und in der
Leistungsbilanz.
Änderungen
der
Wechselkurse können dazu einen Beitrag
leisten, aber
sie
erfordern
Zeit, um sich auf Handelsstrukturen
auszuwirken, und
wir
wissen, daß
Wechselkurse allein das nicht leisten
können. Wir müssen ebenfalls gemeinsam - und frühzeitig - etwas unternehmen, um in anderen Ländern das
Wachstum zu stimulieren und Schranken
zu beseitigen.
Ich sollte hinzufügen, daß angesichts der Politik des Protektionismus eine Strategie, die sich des
langsamen Wachstums oder einer Rezession in den Vereinigten Staaten bedient, um das amerikanische Handelsbilanzdefizit abzubauen, ganz einfach
nicht funktionieren wird.
Ebensowenig würden wir dies als annehmebare
Handlungsweise betrachten.
Die Lösung liegt in stärkerem Wirtschaftswachstum, nicht
in weiteren wirtschaftlichen Opfern.

Zusammenfassung
Lassen Sie mich zusammenfassend
sagen, daß mir der Tenor dieser Diskussionen Mut macht. Ich glaube, daß
wir bereits Fortschritte erzielt haben, und ich denke, daß wir an einem
Konsens arbeiten, um weiter gehen zu
können.
Jeder von uns muß dabei eine
Funktion übernehmen.
Die Uberschußländer müssen eine Politik verfolgen,
die das Wachstum im Inland stimuliert.
Den NICs mit großen Überschüssen in Asien fällt eine neue
Verantwortung
zur
Erhaltung
eines
freien und offenen Handelssystems zu.
Die Hauptschuldnerländer sehen sich
der Herausforderung gegenüber, weiterhin eine Reformpolitik zu verfolgen, die ihre Länder zu Anziehungspunkten für Investitionen und Möglichkeiten machen. Und die Vereinigten Staaten müssen - und wollen weiterhin Fortschritte dabei erzielen, ihr Haushaltsdefizit abzubauen.
Es gibt wirklich keinen Ersatz für
unsere gemeinsame Führungsrolle.
Vielen Dank.

* * * * * *

�</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
V,oN ^

20.

19

Mai 1 9 8 7

•

I N H A L T

DOKUMENTATION

Glasnost und das Bündnis
- Rede von Botschafter Burt vor der Deutschen Gesellschaft für
Auswärtiqe Politik -

HINTERGRUNDMATERIAL

Studie des US-Außenministeriums befürwortet weite Interpretation
des ABM-Vertrages
- Artikel über Informationsqespräche mit Sofaer und Nitze -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�;e° ST&gt;

AMERIKA DIENST
Dokumentation

20. Mai 1087

19
GLASNOST UND DAS BÜNDNIS

Rede von Botschafter Burt vor der Deutschen Gesellschaft
für Auswärtiqe Politik -

BONN - (AD) - In einer am 20. April 1987 vor der Deutschen Gesellschaft
für Auswärtiqe Politik in Bonn qehaltenen Rede hat der amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland, Richard R. Burt, die Sowjetunion aufqefordert, der Breschnew-Doktrin eine Absaqe zu erteilen. "Wenn die Sowjetunion
am Erfolq von Glasnost interessiert ist, muß sie die Breschnc-wDok tr in aufqeben. Die Teilunq Europas kann solanqe nicht erleichtert oder abqeschafft werden, wie sie von der Roten Armee aufrechterhalten wird, und dazu würde eine
Abkehr von der Breschnew-Doktrin neue Horizonte für Buropa und auch für die
Sowjetunion eröffnen."
Nachfolgend bringen wir die Rede des amerikanischen Botschafters im Wortlaut.
Vielleicht weht ein neuer Wind
aus der Sowjetunion.
Eine Gesellschaft, die so erstarrt, so unglaubwürdiq zu sein schien, scheint heute
Zeichen des Wandels zu zeiqen. Russische Wörter - "Glasnost" (Offenheit)
und "perestroika"
(Umgestaltung) - werden im qesamten Westen
vernommen.
Die Folqen sowjetischen
Verhaltens werden in der qanzen Welt
gespürt. Es gibt vielleicht kein anderes Volk, das diese Entwicklunq so
aufmerksam verfolgt, wie die Deutschen .

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Hier wie auch in meinem Land ist
die Hoffnung weitverbreitet« daß der
Wandel in cier Sowjetunion eine Veränderung zum Resseren mit sich bringt,
und zwar nicht nur für das sowjetische Volk, sondern auch für die sowjetischen
Beziehungen
zur übrigen
Welt.
Es besteht ein Gefühl neuer
Chancen werden in den Ost-West-Reziehunqen, insbesondere im Bereich der
Rüstunqskontrolle.
Die
Hoffnunqen
sind besonders hochgespannt im Hinblick auf den Abschluß eines Abkommens über Mittelstreckenwaffen - um
diese gesamte Kategorie von Waffen in

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Europa gemäß dem von Präsident Reagan
vor sechs Jahren unterbreiteten Vorschlag abzuschaffen.
Die
Reqierung
der
Vereinigten
Staaten teilt diese Hoffnungen auf
konkrete Fortschritte voll und ganz
und tut ihr möglichstes, um sie zu
erfüllen.
Die Vereinigten
Staaten
sind
besonders befriedigt darüber,
daß die Sowjetunion jetzt den Vorschlag des Bündnisses über IMF-Systeme aufgegriffen hat.
Der Abschluß
eines Abkommens über diese Kategorie
von Waffen würde einen wertvollen
Beitrag zur europäischen Sicherheit
leisten.

kontroll vorschlagen und, noch bedenklicher, Europa bilde einfach die Arena für den Wettstreit und die Vorherrschaft der Supermächte.
Das dagegen verordnete politische
Rezept heißt
"Europäisierung Europas".
Dieser Ansicht zufolge sollte
Europa aus den Klauen der Supermächte
befreit werden. In seiner extremeren
Form führt dieser Gedanke logischerweise zur sowjetischen Idee des Hauses Europa - der Befreiung Europas
von der nichteuropäischen Supermacht
- den Vereinigten Staaten.

Das Problem der europäischen Teilung
Das europäische
Sicherheitsprohlem liegt jedoch wesentlich tiefer
als das Problem der Rüstungsniveaus.
Der Rüstungswettlauf in Europa ist
sogar eher das Symptom des Problems
als dessen Ursache, und wenn wir uns
dieser Ursache zuwenden, müssen wir
die historischen Wurzeln des Problems
untersuchen.
Mit
Ihrer
Erlaubnis
möchte ich dies heute abend tun.
Es
gibt
zwei
weitverbreitete,
miteinander konkurrierende Meinungen
zum Wesen des europäischen Sicherheitsproblems.
Die eine besagt, daß
der Rüstungswettlauf das Grundproblem
ist und führt diesen wiederum auf den
Wettstreit der Supermächte in Europa
zurück.
Jüngste
Meinungsumfragen,
von denen ich Kenntnis erlangt habe,
besagen, daß solches Gedankengut allgemein verbreitet ist.
Laut einer
vom "Stern" im März veröffentlichten
Meinungsumfrage glaubten 49 Prozent
der
Befragten, daß Generalsekretär
Gorbatschow größere Anstrengungen für
Frieden
und
Abrüstung
unternimmt,
während nur 9 Prozent das gleiche von
Präsident Reagan annahmen. Ich finde
dies beunruhigend, da sich darin die
Meinung widerspiegelt, der Friede in
Europa sei das Produkt von Rüstungs- 2

Der zweite und produktivere Ansatz einer Betrachtungsweise des Problems der europäischen Sicherheit besteht darin, es als Ergebnis der Teilung Europas anzusehen.
Die europäische Teilung ist die Quelle des Problems, nicht das Wettrüsten oder der
Wettstreit der Supermächte an sich.
Und die Lösung des europäischen Sicherheitsproblems
besteht
in
der
Überwindung der Teilung des Kontinents.
Um Fortschritte bei der Überwindung der Teilung Europas zu machen,
müssen wir zunächst verstehen, warum
Europa geteilt ist. Und gerade hier
begeben sich viele auf Irrwege. Ich
persönlich bin tief davon berührt,
daß es hier in der Bundesrepublik
Deutschland wie auch in den Vereinigten Staaten jungen Leuten im Hinblick
auf die Teilung Europas oft an historischem
Bewußtsein
fehlt.
Dieser
allzu verbreitete unhistorische Ansatz führt oft zu der vereinfachenden
Diagnose des "Wettstreits der Supermächte" und zu ähnlich schlichten und
irreführenden Lösungen.
Die

Teilung

Europas

nach

dem

�Zweiten
Weltkrieq
veranschaulichte
ein in der Geschichte immer wiederkehrendes Phänomen. Wenn ein historisches Problem qelöst ist, taucht
ein
neues
auf.
Die
Niederlaqe
Deutschlands im Zweiten Weltkrieq bereitete
der katastrophalen
Politik
von Adolf Hitler und der Ausbreitunq
deutscher
Macht ein Ende.
Leider
brachte der Krieq jedoch auch die Rote Armee nach Mitteleuropa. Die Sowjetunion war nicht länger eine von
mehreren
europäischen
Großmächten.
Sie wurde zur dominierenden Macht Europas.
Die
Resetzunq
Osteuropas
durch die Rote Armee wurde zum grundleqenden europäischen Sicherheitsproblem der verqanqenen vier Jahrzehnte,
und dies ist auch heute noch der Fall.
Die daraus folqende Teilunq Europas kann deshalb aus den grundverschiedenen amerikanischen und sowjetischen Vorstellunqen von der Nachkrieqswelt heraus verstanden werden.
Die amerikanische Vorstellunq war von
Offenheit
qepräqt
- von
demokratischen Institutionen und einem freien
internationalen
Handelssystem.
Dazu qehörte die Erwartunq, daß die
Europäer unter dem Schutz eines überqeordneten, durch die Vereinten Nationen gewährleisteten
internationalen Sicherheitssystems ihre eigenen
Angelegenheiten
bewältigen
würden.
Die sowjetische Vorstellung, soweit
wir sie ermitteln können, sah ein geschlossenes System vor - die Grenzen
des sowjetischen Reiches würden nach
außen verschoben und sicherer v/erden.
In einem Essay über den kalten Krieg
hat
der
amerikanische
Historiker
Arthur Schlesinger diese gegensätzlichen Ansätze als den "universalistischen" und den der "Einflußsphäre"
beschrieben.
Um aufzuzeigen, wie Europa geteilt wurde, möchte ich fünf Thesen
zum amerikanischen und sowjetischen

Verhalten in der unmittelbaren Nachkriegszeit vortragen und zur Diskussion stellen.
ich hoffe, daß diese
detaillierte Untersuchung der historischen Tatsachen manche Fehlschlüsse
über diesen Zeitraum zerstreuen und
einige Hinweise darauf qeben wird,
wie das europäische Sicherheitsproblem heute wirksam anqegangen werden
kann.

1.

Erstens: die Ziele der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
im Nachkriegseuropa waren grundverschieden.

Die Vereinigten Staaten befürworteten Demokratie und nationale Unabhängigkeit, in seinem Ruch "The Cold
War as History" beschrieb Louis Halle
die amerikanische Vorstellung folgendermaßen: eine weltweite internationale Gemeinschaft, die in einer Art
von Parlament der Nationen demokratisch orqanisiert sein sollte und in
der alle Mitglieder Selbstbestimmung
durch freie Wahlen nach westlichem
Modell qenießen würden.
Diese Vorstellunq wurde recht problemlos in
ganz Westeuropa verwirklicht.
Daqegen
waren die
sowjetischen
Absichten in Osteuropa offen expansionistisch.
Zu Reqinn des Jahres
1945 erklärte Stalin dem jugoslawischen Kommunisten Milovan Djilas, was
dieser in seinem Ruch "Gespräche mit
Stalin" ber ichtet:
"Dieser Krieg ist nicht wie die
vergangenen; wer ein Territorium besetzt, zwingt diesem auch sein eigenes Gesellschaftssystem auf.
Jeder
setzt sein eigenes System durch, soweit eine Armee reichen kann.
Es
kann nicht anders sein."
Der stellvertretende sowjetische
Außenminister, Maxim Litwinow, er-

- 3 -

�klärte
1946:

in

einem

Interview

im

Jahr
2.

"In Rußland hat eine Rückkehr zum
veralteten Konzept von Sicherheit in
Form von Territorium stattgefunden je mehr man davon hat, desto sicherer
ist man."
Bei Krieqsende hatten die Sowjets
Teile von Finnland, die drei baltischen Staaten, einen Teil von Ostpreußen,
Ostpolen
und
Teile
der
Tschechoslowakei und Rumäniens direkt
annektiert. Der Großteil Osteuropas,
der nicht unmittelbar der Sowjetunion
einverleibt wurde, qelangte unter die
zunehmend straffe und repressive sowjetische Kontrolle.
Die
Forderung
der
Sowjetunion
nach absoluter Sicherheit für sich
selbst bedeutete absolute Unsicherheit für ihre Nachbarstaaten - Verlust von Gebieten, Entzug der nationalen Unabhängigkeit und Aufnötigung
harter totalitärer Regime.
Die Sowjets hatten ihr Sicherheitsproblem
gelöst - aber ein neues für all ihre
europäischen Machbarn geschaffen.
Noch alarmierender für den Westen
war Stalins offensichtlicher Wunsch
nach Expansion über Osteuropa hinaus.
Schon im Jahr 1945 übte er Druck auf
die Türkei aus, um diese zu veranlassen, zwei Provinzen im Nordosten abzutreten und den Sowjets Stützpunkte
in der Ägäis und an den Meerengen
einzuräumen - Forderungen, die bis zu
seinem Tod Bestand hatten.
Im Jahr
1946 etablierte das sowjetische Militär ein Marionettenregime im Norden
Irans.
Der vertraglich vereinbarte
Truppenabzug fand erst unter internationalem
Druck
statt.
Das sowjetische Verhalten war noch besorgniserregender, als für die Sicherheit
der Sowjetunion keine aktuelle Bedrohung bestand.

Damit komme ich zu meiner zweiten
These» Sie besagt, daß im Gegensatz zur Sowjetunion die Vereinigten Staaten abrüsteten und
sich in den ersten Jahren nach
dem Zweiten Weltkrieg militärisch
weitgehend aus Europa zurückzogen.

Stalin gegenüber erklärte Präsident Roosevelt im Februar 194 5 in
jalta,
daß
amerikanische
Truppen
nicht viel, länger als zwei Jahre nach
Krieqsende in Europa verbleiben würden.
Er blieb seinen Worten treu:
die amerikanischen Truppen wurden von
3 Millionen Mann im Jahr 1945 auf
391 000 im Jahr 1947 abgebaut.
Das
amerikanische
Verteidigungsbudget
fiel von 81 Milliarden Dollar im Jahr
1945 auf 13 Milliarden Dollar im Jahr
1947.
Die Wehrpflicht wurde in den
Vereinigten
Staaten
wieder
abgeschafft.
Die amerikanischen Verteidigungsbemühunqen
blieben nach
Kriegsende
fünf Jahre lang auf diesem niedrigen
Niveau,
während
der
sowjetischen
Machtübernahme in der Tschechoslowakei, der Blockade Berlins, des Falls
von China an kommunistische Kräfte
und der Explosion der ersten sowjetischen Atombombe im Jahr 1949. Amerikanische
Militärberater
warnten
Präsident Truman, daß alles, was über
einen
kleinen
Konflikt
im Ausland
hinausging,
eine
Teilmobilisierung
von Reserven erforden würde.
Erst
nach der nordkoreanischen Invasion in
Südkorea im Jahr 1950 begann schließlich der Ausbau der amerikanischen
militärischen Fähigkeiten.
Darüber hinaus besaßen die Vereinigten Staaten in den Jahren unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg weder ein bedeutendes Atomwaffenarsenal

�noch die erforderlichen Trägersysteme. Noch im Frühjahr 1047 wurde Präsident Truman von seinen Reratern informiert, daß lediqlich eine Handvoll
atomarer
Gefechtsköpfe
existierten
und keiner davon einsatzbereit war.
naqeqen
unterhielt die Sowjetunion in den Nachkriegsjähren ein umfangreiches stehendes Heer. nie meisten europäischen und amerikanischen
Beobachter schätzten die Gesamtstärke
der sowjetischen Truppen im Jahr 1948
auf vier bis fünf Millionen Mann qeqenüber einer amerikanischen Truppenstärke von 1,5 Millionen Mann weltweit. Der RAND-Forscher Thomas Wolfe
schätzt, daß mindestens dreißiq sowjetische Divisionen in Europa weniqer als
zehn locker
koordinierten
britischen, französischen und amerikanischen Divisionen qeqenüberstanden.
Die Europäer betrachteten dieses
militärische Unqleichqewicht als qefährlich, lanqe bevor viele Amerikaner zu der qleichen Einschätzunq qelanqten, und sie unternahmen im Jahr
1948 selbst den ersten Schritt zu einer qemeinsamen Verteidiqunq, indem
sie den Brüsseler Vertraq unterzeichneten, der ein Bündnis zwischen Großbritannien, Frankreich und den Benelux-Staaten ins Leben rief.
Lothar
Ruehl hat die militärische Laqe folgendermaßen charakterisiert:
"Nachdem Deutschland als Militärmacht ausqeschaltet worden war, konnten weder die volle Wiedererstarkunq
Frankreichs noch die fortqesetzte Mobilisierung
britischer
Streitkräfte
im Kräfteverhältnis zur Sowjetunion
auch nur ein annäherndes Gleichgewicht in den Konfliktoptionen aufrechterhalten;
denn
keines
dieser
westlichen Länder hätte die Mobilisierung seiner Streitkräfte und seiner Wirtschaft auf dem in Kriegszeiten erreichten Stand halten können."

Deshalb drängten die verantwortlichen
europäischen
Politiker
die
Amerikaner, ihr Engagement in Europa
wiederaufzunehmen.
Raymond Aron bemerkte dazu:
"... es geschah auf Verlangen der
Europäer, daß der Nordatlantikvertraq
unterzeichnet wurde, und es geschah
auf Verlangen der Europäer
ebenso
sehr wie auf Vorschlaq der Amerikaner, daß der Mann, der den Kreuzzuq
qeqen das Dritte Reich befehliqt hatte, als Befehlshaber der Streitkräfte
der Orqanisation des Nordatlantikvertrages nach Europa zurückkehrte."

3.

Meine dritte These besagt, daß
das Engagement der Vereinigten
Staaten in Europa in den frühen
Nachkriegsjahren hauptsächlich
dazu diente, die europäische
Wirtschaft wiederaufzubauen und
ein offenes Handelssystem zu
schaffen.

In einem Beitrag für die Zeitschrift
"Diplomatie
History"
beschrieb Robert Pollard die amerikanische Wirtschaftspolitik folgendermaßen :
"Die
politisch
Verantwortlichen
in den Vereinigten Staaten nahmen an,
daß ein Umfeld des freien Handels ohne Diskriminierung - die "offene Tür"
- durch das Prinzip der vergleichbaren Ausgangslage die Vorteile des
friedlichen Wettbewerbs, des gleichen
Zugangs zu Rohstoffen und der höchsten Effizienz bieten und gleichzeitig stabile und demokratische Gesellschaftssysteme
im
Ausland
stärken
würde."
Pollard bemerkt, daß die
Nachkr iegsgeneration verantwortlicher
amerikanischer
Politiker
durch
die
Große Depression und die Ereignisse,
die zum Zweiten Weltkrieg führten,

- 5 -

�grundleqend beeinflußt worden waren.
Sie waren davon überzeugt, daß nationalistische
Handelspolitik,
Protektionismus und wirtschaftliche Rivalitäten eine Hauptursache des Krieges
bildeten.
Sie waren entschlossen,
ein System ins Leben zu rufen, das
diese Gefahren vermeiden würde.
Die amerikanische Wirtschaftspolitik war auf eine allgemeine wirtschaftliche
Erholung
ausgerichtet,
nicht
darauf,
der
amerikanischen
Wirtschaft besondere Vorteile zu verschaffen.
Amerikanische
Investoren
zögerten, in Übersee zu investieren.
Im Jahr 1950, wie im Jahr 1940, investierten die Europäer vie] mehr in
den Vereinigten Staaten als Amerikaner in Europa. überdies waren wichtige
Bereiche
der
amerikanischen
Wirtschaft gegen den Abbau von Zöllen
und anderen Handelsschranken, der ein
zentrales Element der amerikanischen
Politik zur Förderung einer gesunden
Weltwirtschaft darstellte.
Die Vereinbarungen
von Bretton
Woods und der Marshall-Plan waren
ebenfalls dazu gedacht, den allgemeinen Wohlstand zu fördern.
Pollard
erinnert uns daran, daß das System
von Bretton Woods politisch neutral
sein und sowohl den kapitalistischen
wie auch den sozialistischen Ländern
dienen sollte.
Um sowjetische Unterstützung zu
gewinnen, wurde den Sowjets zum Beispiel ein Stimmrecht im internationalen
Währungsfonds
eingeräumt, das
viel bedeutender war, als aufgrund
ihrer wirtschaftlichen Rolle angemessen gewesen wäre. Dem IWF sollte jedes Recht verwehrt werden, den Wert
des Rubel zu regulieren.
Wie Pollard
bemerkte, entstand
der Marshall-Plan aus einem wachsenden Gefühl der Furcht amerikanischer

Regierungsbeamter, daß Westeuropa auf
einen
politischen
und
wirtschaftlichen Zusammenbruch zusteuerte. Der
Plan wurde unterschiedslos der Sowjetunion und den Staaten Europas angeboten.
Insgesamt lagen während des Zeitraums von 1946 bis 1949 die Wirtschaftsbeihilfen und Kredite der Vereinigten Staaten an das Ausland bei
mehr als fünf .Milliarden Dollar jährlich. Die von der Marshall-Plan-Hilfe angekurbelte industrielle Produktion Westeuropas wuchs von 1947 bis
1951 um ein Drittel.
nie Sowjetunion
lehnte das in
Bretton Woods entworfene offene internationale
Handelssystem
schließlich ab. Stattdessen hatte sie schon
Anfang
1945 damit begonnen, ihren
osteuropäischen Satelliten geschlossene und autark gelenkte Wirtschaftsformen
aufzuzwingen.
Umfangreiche
Reparationszahlungen wurden von der
sowjetischen
Zone Deutschlands und
von Osteuropa verlangt. Nachdem die
sowjetischen Vertreter zunächst Interesse
am
Marshall-Plan
bekundet
hatten, nahmen sie eine ablehnende
Haltung ein und zwangen die Tschechoslowakei und Polen ebenfalls zur
Absage, obwohl diese sich gerne beteiligt hätten. Außerdem zwangen die
Sowjets die Polen und die Tchechoslowaken, ihre Beziehungen zum IWF abzubrechen .

4.

Meine vierte These lautet:
Die
sowjetische Politik, die zur Teilung Europas führte, zog auch die
Teilung Deutschlands nach sich.

Die Sowjetunion begann bald mit
der Errichtung eines gesonderten Systems in der Ostzone Deutschlands.
Grundbesitz
wurde
konfisziert
und
kollektiviert.
Die Industrie wurde

- 6 -

�verstaatlicht.
Im Jahr 1946 wurde
die SPD der Ostzone und Ost-Berlins
zum Zusammenschluß
mit der Kommunistischen
Partei gezwungen.
Ostdeutschland wurde zum integralen Bestandteil
des
sowjetischen
Herrschaftsgebiets.
Zu
dieser
Zeit
schlössen
die
grundlegenden sowjetischen Interessen
aus der Sicht der Sowjets selbst ein
freies und vereintes Deutschland aus.
Das vorrangige sowjetische Interesse
lag in der Bewahrung ihres Reichs.
Es gibt einige historische Beweise für die sowjetischen Absichten bezüglich
der
Einheit
Deutschlands.
Djilas berichtet uns, daß Stalin und
andere sowjetische Regierungsvertreter im Jahr 1946 darauf bestanden,
daß ganz Deutschland
kommunistisch
sein sollte, und er führt diese optimistischen
Stellunqnahmen
darauf
zurück, daß die Sowjets vom Rausch
des Sieges und der Hoffnung auf die
wirtschaftliche und politische Auflösung Westeuropas erfaßt worden waren.
Im Jahr 1948 vermerkt Djilas jedoch
einen Wandel: Stalin sagte nun, daß
Deutschland in ein westlich orientiertes Westdeutschland und ein kommunistisches
Ostdeutschland
geteilt
werden würde. Der zentrale Bestandteil sowjetischer Politik war der Erhalt und, wenn möglich, die Erweiterung
der
sowjetischen
Macht
in
Deutschland:
entweder Wiedervereinigung
unter
kommunistischem
Regime
oder fortdauernde Teilung und Kontrolle des Ostens.
Die Niederschlagung der Arbeiterrevolte in der DDR im Jahr 1953, der
ungarische Aufstand im Jahr 1956 und
der Prager Frühling von 1968 lieferten nachdrückliche Beweise für den
vorrangigen Wunsch der Sowjets, ihr
Reich unbeschadet zu erhalten.
Der
frühere
hohe
sowjetische
Diplomat

Arkadij Schewtschenko hat berichtet,
daß sich die sowjetischen Hauptzielsetzungen früherer Jahrzehnte bis zum
Jahr 1970 nicht geändert hatten. In
jenem Jahr entschied das Politbüro,
daß Verhandlungen über die Wiedervereinigung Deutschlands nur stattfinden
könnten,
wenn
die
Bundesrepublik
Deutschland aus der NATO austräte und
ein kommunistischer Staat werden würde.
Die Stalin-Note von 1952 schien
eine
Wiedervereinigung
anzubieten.
Tatsächlich war dies jedoch nicht der
Fall, denn die grundsätzlichen Interessen hatten sich überhaupt nicht
geändert.
Der historische Zusammenhang verdeutlicht diesen Widerspruch.
Die
ursprüngliche
Stalin-Note
deutete nur vage an, wie eine Wiedervereinigung erreicht werden sollte,
und sie versprach keine freien Wahlen.
Die Verhandlungen wären wahrscheinlich in jene endlosen Streitereien ausgeartet, die auch die vorherigen Debatten zwischen den Sowjets
und den Alliierten über Deutschland
gelähmt hatten. Selbst wenn die Sowjets theoretisch freien Wahlen zustimmten, so hatten sie doch in der
Praxis die Institution der
freien
Wahlen in ganz Osteuropa zerstört.
Der einzig ernsthafte Versuch des
Ostens zu einer Wiedervereinigung war
die nordkoreanische Invasion in Südkorea im Jahr 1950.
Für die Westdeutschen schien eine wiederbelebte
Vier-Mächte-Kontrolle
überdies
die
schwer errungene Unabhängigkeit und
Freiheit der Bundesrepublik zu gefährden.
Es war kein Wunder, daß
westliche Staatschefs, einschließlich
Adenauer, die Stalin-Note nicht als
eine echte Chance betrachteten, obwohl sie die sowjetischen Absichten
mit einer Reihe von Noten sondierten.
Raymond Aron erläutert die westlichen
Zweifel:

- 7 -

�"Obwohl es zwischen 1953 und 1954
Anzeichen einer Bereitschaft zu Verhandlungen
über
Deutschland
gab,
sucht man verqeblich nach Beweisen
für eine sowjetische Billigung der
Zugeständnisse, die nötig gewesen wären, um irgendeiner dieser Verhandlungen zum Erfolg zu verhelfen. Hätten Stalins Nachfolger wirklich freie
Wahlen in einer demokratischen Republik zugelassen, auf die Gefahr hin,
das Gesicht zu verlieren und ihr Imperium zu schwächen?"
Seine Antwort
ist ein nachdrückliches Nein.

5.

Meine fünfte und abschließende
These lautet: Die Vereinigten
Staaten unternahmen nach dem Ende
des Zweiten Weltkrieges beträchtliche Anstrengungen zur Fortsetzung der kooperativen Beziehungen
mit der Sowjetunion, während die
Sowjetunion den Konflikt schon
für unvermeidbar hielt.

Arthur Schlesinger hat die Situation wie folgt beschrieben: "Im Jahr
1945 lag der Unterschied
zwischen
Amerika und Rußland darin, daß einige
Amerikaner grundsätzlich langfristig
an einen möglichen modus vivendi mit
Rußland glaubten;
während die Russen, so weit man dies sagen kann,
höchstens einen kurzfristigen modus
vivendi mit den Vereinigten Staaten
für möglich
hielten."
Schlesinger
vermerkt, daß der amerikanische Außenminister Byrnes von 1945 bis 1946
"seinen langen und fruchtlosen Werbefeldzug durchführte, um die Russen
davon zu überzeugen, daß Amerika nur
solche Regierungen in Osteuropa anstrebte, die sowohl freundschaftliche
Beziehungen zur Sowjetunion unterhalten als auch alle demokratischen Elemente des Landes repräsentieren sollten". Entsprechend stellten die Vereinigten Staaten der Sowjetunion im

Jahr 1946 285 Killionen Dollar als
besondere
Entlastungszahlungen
zur
Verfügung, und 45 Millionen Dollar
sogar noch im Jahr 1947, als sich der
kalte Krieg verschärfte.
Amerikanische Nachkriegs-Anleihen
für die
Sowjetunion im Umfang von einer bis
sechs Milliarden
Dollar wurden zu
verschiedenen Zeiten angeboten.
Die
Vereinigten
Staaten
legten
den
Baruch-Plan zur Abschaffung der Kernwaffen und die gemeinsame friedliche
Nutzung der Atomenergie vor. Im Verlauf der Jahre 1945 und 1946 schlugen
die Vereinigten Staaten eine Folge
von Austauschprogrammen mit der Sowjetunion mit so ungleichen Teilnehmern wie dem Chor der Roten Armee und
der Princeton Universität vor.
Schlesinger nennt als Gründe dafür, warum die Sowjetunion auf die
amerikanischen Gesten nicht im Geist
der Zusammenarbeit antworteten, die
sowjetische Ideologie, Stalins paranoide Persönlichkeit und die nationalen
sowjetischen
Interessen.
Er
zieht die Schlußfolgerung, daß sich
die Sowjetunion im Oktober 1945 für
den isolationistischen Weg entschieden hatte. nies bedeutete natürlich
ebenso die Isolierung des osteuropäischen Vorfelds der Sowjetunion.
Warum habe ich die unmittelbare
Nachkriegsgeschichte
so
detailliert
wiederaufgerollt?
Ich wollte damit
nicht andeuten, daß Gorbatschows Initiativen unbedeutend seien oder die
sowjetische Politik sich nicht ändern
könne. Ich wollte vielmehr hervorheben, wie und warum das grundlegende
Sicherheitsproblem Europas entstanden
ist.
Die wesentlichen Tatsachen des
heutigen europäischen Lebens - die
Existenz zweier Bündnissysteme, die
amerikanische militärische Präsenz in
Europa, der Rüstungswettlauf - haben
ihren Ursprung
in der erzwungenen
Teilung des Kontinents und der er-

�zwunqenen Teilung Deutschlands.
Die amerikanischen Truppen kamen
nach Europa als Reaktion auf die Teilunq Europas, nicht als deren Ursache.
Sie kamen, weil die politisch
Verantwortlichen
Westeuropas
sie
wollten, und weil sie qemeinsamen Sicherheitsinteressen
dienten.
Sie
bleiben in Europa, nicht um die Teilunq fortbestehen zu lassen, sondern
um das Selbstbestimmunqsrecht auf dem
qesamten Kontinent am Leben zu erhalten. Die amerikanischen Truppen werden gehen, wann immer ihre Anwesenheit hier nicht länqer erwünscht ist.
Dies ist der fundamentale Unterschied
zwischen der amerikanischen und der
sowjetischen Truppenpräsenz in Europa. Und wenn Sie mir qestatten, etwas provozierend zu sein - dies ist
ein Unterschied, den Sie als führende
Vertreter der deutschen Außenpolitik
der
jüngeren Generation
in diesem
Lande nicht hinreichend vermitteln.
Diejenigen, die zu einer "Europäisierunq Europas" auffordern, müssen
Sorge tragen, daß ihr Ruf nach einer
Abkopplunq der Supermächte von Europa
- insbesondere der Vereinigten Staaten - nicht die Rückkehr zu der unmittelbaren Nachkriegssituation herbeiführt:
ein Europa, in dem ein
Land - die Sowjetunion - die unangefochtene Herrschaft hat.
Ohne die
amerikanische Präsenz in Europa wären
die sowjetischen Streitkräfte denjenigen
Westeuropas
weit
überlegen.
Die Schranken, die Europa teilen,
würden nicht fallen - sie würden sogar noch höher werden. Eine einseitige westliche Abrüstung oder eine
Abkopplung von Europa könnte sehr qut
jene Kräfte in Bewequng setzen, die
sowjetische Expansion und politische
Einschüchterung
nach
dem
Zweiten
Weltkrieg in die vorderste Front gebracht haben.

Es ist daher offensichtlich, daß
die "Europäisierung Europas" eher ein
Schlagwort
als
eine
Antwort
ist.
Aber um echte Lösungen zu finden, ist
es wichtig, daß Westeuropa und die
Vereinigten Staaten zunächst zu einer
gemeinsamen
Einschätzung
der Natur
des Problems qelanqen;
beide müssen
sich zweitens auf eine wirksame Strateqie einiqen.
Wie ich angedeutet
habe, lieqt der Kern des europäischen
Sicherheitsproblems
in der Teilunq
Europas, und der Westen muß auf eine
allmähliche Verrinqerunq und schließliche Überwindung des Problems hinarbeiten.
Dies sollte das Hauptziel
westlicher Politik gegenüber der Sowjetunion und Osteuropa sein.

Glasnost und das Bündnis
Wie ich bereits angedeutet habe,
gibt es Anzeichen für einen Wandel in
der sowjetischen Haltung. "Glasnost"
wird von der Sowjetunion als ein bedeutender Schritt zur Offenheit innerhalb der Sowjetunion beschrieben.
Es ist jedoch angebracht, nach der
Bedeutung von Glasnost für Europa im
weiteren Sinne zu fraqen.
Für eine endgültige Beurteilung
ist es noch zu früh, aber wir schätzen
Gorbatschows
Initiative
als
ernsthaft und bedeutsam ein.
Innenpolitisch sind in der Sowjetunion
einige
wenige
konkrete
Schritte unternommen worden und es
gibt Hinweise darauf, was noch folgen
könnte. Einige wenige politische Gefangene wurden freigelassen, und die
Medien sind etwas offener geworden.
Es ist jedoch insgesamt gesehen noch
nicht klar, wie die Worte in Taten
umgesetzt werden oder ob sie dauerhafte Ergebnisse zeitigen werden.
Wir

- 0

können

davon

ausgehen,

daß

�Gorbatschow seine eigene politische
Tagesordnung verfolgt und nicht die
des Westens. Wie Henry Kissinger bemerkt hat, könnte Gorbatschows Hauptmotivation einzig darin liegen, eine
wirtschaftlich stärkere, leistungsfähigere und militärisch mächtigere Sowjetunion zu schaffen.
Für den Westen ist dies nicht unbedingt eine
günstige Entwicklung.
nie Westeuropäer
begreifen nur undeutlich die
verschlungene
innere
Dynamik,
die
diesem Prozeß zugrunde liegt. Direkte westliche Bemühungen zur Einflußnahme auf Entwicklungen im Innern der
Sowjetunion
könnten
unwirksam
sein
oder sogar eine gegenläufige Wirkung
haben. Die Außenpolitik des Westens
muß sich weiterhin auf eine solide
Analyse
der
westlichen
Interessen
gründen und nicht auf die Hoffnung,
den bevorzugten Gruppierungen innerhalb der sowjetischen Führung in irgendeiner
Form behilflich sein zu
können.
Insbesondere sollten keine
Konzessionen
gemacht
werden,
die
sachlich nicht gerechtfertigt sind.
Zusätzlich
zu einer
Auswertung
der Veränderungen, die im inneren der
Sowjetunion stattfinden, müssen wir
auch die Auswirkungen von Glasnost
auf die Außenpolitik der Sowjetunion
untersuchen.
Hier sollten wir mehr
tun als Gorbatschow beim Wort nehmen
- wir sollten Glasnost auf die Probe
stellen.
Insbesondere
sollten wir
die Sowjetunion auffordern, Glasnost
auf Osteuropa anzuwenden - ein solcher Wandel könnte die Teilung Europas mildern und schließlich beenden.
Nachdem Gorbatschow Glasnost in
der Sowjetunion in die Wege geleitet
hat, sieht er sich jedoch in Osteuropa mit einem Dilemma konfrontiert.
Die Ausdehnung von Glasnost auf Osteuropa wird in Moskau wahrscheinlich
dahingehend
interpretiert, daß man
die Kontrolle der westlichsten Pro- 1

vinzen des sowjetischen Reichs aufs
Spiel
setzen
würde.
Andererseits
würde Unterdrückung in Osteuropa angesichts der fortschreitenden Reformen in der Sowjetunion einen Widerspruch schaffen, der auf lange Sicht
nicht aufrechterhalten werden könnte.
Was ist die Lösung für Gorbatschows Dilemma?
Es wäre vielleicht
an der Zeit für die sowjetischen Regierungsvertreter, sorgfältig zu erwägen, ob die historische Entscheidung der Sowjets nach dem Zweiten
Weltkrieg, ein geschlossenes, imperiales System zu gründen, wirklich
von Vorteil war. Der relative Wohlstand des Westens und die Rückständigkeit des Ostens legen die Vermutung nahe, daß dies nicht der Fall
war.
Ebenso wie Chruschtschows Entstalinisierung in den fünfziger Jahren wird Gorbatschows Glasnost-Politik neue Strömungen in Osteuropa auslösen.
Die Sowjetunion ist vor die
Wahl gestellt, die Initiative zu ergreifen und die Ausweitung von Glasnost auf Osteuropa zu gestatten oder
von der ansteigenden Welle der Unzufriedenheit dort mitgerissen zu werden.
Die Ausweitung von Glasnost auf
Osteuropa würde die Ost-West Spannungen beträchtlich verringern. Die sowjetische Beherrschung ihrer aufsässigen Nachbarn war eine Hauptursache
der Instabilität im Europa der Nachkriegszeit.
Seit dem zweiten Weltkrieg
wurden
sowjetische
Truppen
dreimal zur Unterdrückung spontaner
Aufstände in Osteuropa in Bewegung
gesetzt.
Wenn den
osteuropäischen
Staaten mehr Freiheit zur Verwaltung
ihrer eigenen Angelegenheiten gewährt
würde, könnte diese unbeständige Lage
entspannt werden.

Glasnost und die Breschnew-Doktrin

�Mir scheint, daß sich die sowjetische Führunq dem grundlegenden Konflikt zwischen der Aufrechterhaltung
eines Reiches in Osteuropa und den
Erfordernissen
von
Glasnost
noch
stellen muß. Stattdessen besteht zur
Zeit eine unsichere und sogar gefährliche Situation, in der die sowjetische Führung die Vorzüge von Glasnost hochlobt, aber mit Gewalt reagieren könnte, wenn Glasnost tatsächlich auf Osteuropa ausgedehnt würde.
Die Zukunft der Breschnew-Doktrin
ist daher meines Erachtens die entscheidende Feuerprobe für die neue
sowjetische Politik.
Diese Doktrin
ist die Verkörperung der langfristigen sowjetischen Politik, sich die
Kontrolle über Osteuropa zu sichern
- mit Gewalt, wenn notwendiq.
Elementare
Bestandteile
von
Glasnost
sind Offenheit, Innovation und Aufhebung der Kontrolle. Eine von Moskau
gesteuerte und eingeschränkte Glasnost-Politik für Osteuropa wäre überhaupt
keine Glasnost-Politik.
Und
die durch Glasnost geweckten Erwartungen können auch nicht unterdrückt
werden. Die Sowjetunion muß sich daher zwischen diesen beiden unvereinbaren Spielarten ihrer Politik entscheiden:
der Breschnew-Doktrin und
wahrhafter Glasnost-Politik.
Das hinter der Einführung von
Glasnost stehende Eingeständnis der
Sowjets bedeutet, daß die Politik der
vergangenen
vier Jahrzehnte, deren
zentraler Bestandteil die BreschnewDoktrin
ist, schlecht
funktioniert
hat.
Die logische
Schlußfolgerung
ist, daß die alte Politik zugunsten
der neuen weichen sollte.
Diese These ist einfach aufgestellt:
Wenn die Sowjetunion am Erfolg von Glasnost interessiert ist,
muß sie die Breschnew-Doktrin aufge-

ben.
Sie muß in der Theorie wie in
der Praxis, im öffentlichen wie im
privaten Bereich abgeschafft werden.
Die Osteuropäer können keine offeneren Gesellschaften schaffen oder normale Beziehungen mit dem Westen gestalten, wenn sie militärischen Druck
oder eine Intervention der Sowjetunion fürchten müssen, sobald sie die
Grenzen
der von Moskau diktierten
Orthodoxie überschreiten.
Die Teilung Europas kann solange
nicht
erleichtert oder
abgeschafft
werden, wie sie von der Roten Armee
aufrechterhalten wird.
Im Gegensatz
dazu
würde
eine
Abkehr
von
der
Breschnew-Doktrin neue Horizonte für
Europa und auch für die Sowjetunion
eröffnen.
Natürlich sollten wir nicht nur
die Hände in den Schoß legen und auf
sowjetische Initiativen warten.
Der
Westen sollte zu einer gemeinsamen
Beurteilung des Problems kommen - der
Teilung Europas und ihrer Konsequenzen. Wir sollten unser eigenes Programm zur Förderung der Offenheit aktiv verfolgen.
Glasnost sollte in
Osteuropa auf die Probe gestellt werden.
Die Liberalisierung sollte auf
bilateraler
wie auf
multilateraler
Ebene ermutigt werden. Mehr Raum für
freies Unternehmertum
und offenere
politische
Systeme sollten
begrüßt
werden.
Das
KSZE-Instrumentarium
sollte
dazu verwendet werden, den Osten für
die Wahrunq der Menschenrechte in der
Form verantwortlich zu machen, wie
sie in der Schlußakte von Helsinki
verabschiedet
wurde.
Der
Westen
sollte mit Nachdruck die umfassende
Einhaltung der Verfügungen von Helsinki
über
Familienzusammenführung
und Besuche, freien Informationsfluß
und die Wahrung der Grundfreiheiten
verfolgen.
Die
Verfügungen
der

- 11 -

�Schlußakte
über Tourismus, Jugendtreffen
und
Kultur- und
Bildunqsaustauschproqramme sollten nachdrücklich
zur Förderung echter menschlicher Kontakte eingesetzt werden.

Deutschland und Berlin
Glasnost sollte vor allem dort
auf die Probe gestellt werden, wo das
Problem der Teilunq Europas am gravierendsten ist - in Deutschland und
Berlin.
Zu Recht unterstützt der
Westen weiterhin die Bemühungen der
Bundesrepublik
Deutschland,
die
menschlichen Bürden der Teilung zu
erleichtern.
Im Zeitalter Gorbatschows scheint die sowjetische Politik in diesem Bereich jedoch bisher
eher von der Sucht nach Kontrolle als
von irgendeinem Anzeichen von Offenheit geleitet zu sein.
Die Sowjetunion wacht mit besonders strenger Hand über die innerdeutschen Beziehungen.
Aufgrund offensichtlicher sowjetischer Einwände
sind Gespräche
auf höchster Ebene
zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR vereitelt worden.
Zu diesem und anderen innerdeutschen
Themen ist der sowjetische Ansatz von
altmodischem Mißtrauen und einer Verkrustung geprägt, die eher an die
Stalin-Sra erinnern als an den derzeitigen Reformeifer.
Nirgendwo ist die Realität der
Teilung
Europas
unmittelbarer
und
schmerzlicher als in Berlin. Die Sowjetunion hat eine anerkannte Rolle
als eine der vier Mächte, die für die
Stadt verantwortlich sind.
Die sowjetischen
Behörden
könnten
ihre
Macht
in Berlin zur Erleichterung
vieler Probleme der Stadt einsetzen.
Doch auch hier widersetzt sich das
sowjetische Verhalten in vieler Hinsicht hartnäckig einem konstruktiven

Wandel - also die Antithese zu Glasnost.
In ihren Bestrebungen zur Überwindung dieser Probleme, pflegt die
Bundesrepublik
ihre Beziehungen mit
der DDR mit einem hohen Maß an Geschicklichkeit
und einigem Erfolg.
Hier ist dem Gedanken der humanitären
Zusammenarbeit zwischen Ost und West
der Weg bereitet worden.
Die halbe
Million Bürger der DDR, denen im
letzten Jahr der Besuch im Westen bewilligt wurde, sind eine Anerkennung
der geduldigen Bemühungen der Bundesrepublik in den vergangenen Jahren.

)

k

Es könnte jedoch noch sehr viel
mehr getan werden, wenn die Sowjets
eine
positivere
Haltung
einnehmen
würden.
Der
innerdeutsche
Reiseverkehr
ist noch weit von einer Aufhebung der
Beschränkungen
entfernt.
Vielen
Deutschen im Osten sind alle Kontakte
oder Verbindungen mit dem Westen untersagt.
Die Berliner können zwischen den
beiden Teilen der Stadt nicht einfach
hin und her reisen. Dies sollte ihnen jedoch nicht nur in diesem 750.
Jubiläumsjahr, sondern auch in allen
anderen
Jahren
ermöglicht
werden.
Die Sowjetunion vereitelt die fortschrittlichen
Errungenschaften
des
Viermächteabkommens,
wie
die
Aufrechterhaltung
und Entwicklung
der
Bindungen Berlins an die Bundesrepublik Deutschland, während sie darauf
besteht, jede mögliche Restriktion zu
erzwingen.
sie boykottiert internationale Treffen in oder über Berlin.
Sie hat Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Ländern
des Warschauer Pakts behindert, indem
sie die wirksame Einbeziehung Berlins
zu blockieren versuchte.

I

�Das Traqischste für die Berliner
ist, daß der Schießbefehl und die
Berliner
Mauer
fortbestehen.
Eine
sowjetische Parteiführung, die sich
so meisterhaft auf Public Relations
versteht, müßte sich bewußt sein, wie
schädiqend diese Schrecken für ihr
Image in der Welt sind.
Die Sowjetunion
ist nicht der
Drahtzieher hinter allen derzeitigen,
die
innerdeutschen
Beziehungen
und
Berlin betreffenden Problemen, aber
ich bin der Überzeugung, daß diese
ohne ihre Zustimmung nicht fortbestehen könnten.
Viele dieser Probleme
sind den Konzeptionen der inneren Sicherheit zu verdanken, die von den
sowjetischen Lehrern gepredigt werden.
Die Situation Berlins und der
innerdeutschen Beziehungen würde sich
ändern, und vielleicht dramatisch ändern, wenn die Sowjetunion den Geist
von Glasnost in diesen Bereich einbringen würde.
Als eine der Schutzmächte Berlins
halten sich die Vereinigten Staaten
bereit, Bemühungen, der Stadt zu helfen, zu unterstützen.
Eine unserer
vordringlichsten Aufqaben ist dabei
die Aufrechterhaltung des Berlin-Status. Der Status ist nicht eine Angelegenheit
anachronistischer
Rechtsfragen. Er bildet die Grundlage für
die fortdauernde stabile Existenz und
Lebensfähigkeit der Stadt.
Er begründet das unbestrittene Recht der
Alliierten zum Schutz der Stadt und
der Freiheiten der Berliner. Er sichert die Lebensader des garantierten
Zugangs zur Stadt. Es ist die nachdrückliche Geltendmachung des besonderen Status Berlins, die die Stadt
davor bewahrt, der Willkür des Ostens
ausgeliefert zu sein.
Das Verhältnis zwischen Berlin
und der Bundesrepublik
Deutschland
ist ein zentraler Aspekt des Berlin-

Status, ein Aspekt, der weiterhin vom
Osten in Frage gestellt wird.
Das
Viermächteabkommen sieht vor, daß die
Bundesrepublik Deutschland die Interessen der Westsektoren Berlins international
in
allen
Angelegenheiten
vertritt, die den Status und die Sicherheit der Stadt nicht berühren,
und daß die Bindungen zwischen den
Westsektoren und der Bundesrepublik
aufrechterhalten und weiterentwickelt
werden sollen. Die Sowjetunion sowie
die übrigen Staaten des Warschauer
Pakts widersetzen sich der Anwendung
dieser
Bestimmungen
und behaupten,
die Westsektoren seien ein getrenntes
politisches Gebilde.
Diese Haltung
des Ostens schafft Spannungen zwischen dem Wunsch nach Fortschritten
mit dem Osten und den Erfordernissen
des Berlin-Status.
Die Vereinigten Staaten erwarten
weiterhin, daß die Sowjetunion und
die DDR Fortschritte mit der Bundesrepublik Deutschland auch auf Berlin
ausdehnen werden. Die Aufrechterhaltung einer positiven Lage in und um
Berlin erfordert es, daß die Westsektoren voll und qanz an den Vorteilen
verstärkter
Ost-West-Zusammenarbeit
teilhaben.
Wie der Regierende Bürgermeister Diepgen zu Recht ausgeführt hat, sind solche Fortschritte
nicht nur durch das Viermächteabkommen geboten. Sie sind auch zentraler
Bestandteil der in der Schlußakte von
Helsinki enthaltenen Vereinbarungen.
Es gibt jedoch einen entscheidenden Unterschied bei der Art und Weise, in der wir diese Ziele für Berlin
verfolgen können. Niemand stellt die
Vertretung
Bayerns,
Baden-Württemberqs oder Nordrhein-Westfalens durch
die Bundesrepublik in Frage. Niemand
bezweifelt ihre Bindungen an die Bundesrepublik, in Berlin jedoch werden
diese
grundlegenden
Prinzipien Tag
für Tag umstritten und müssen ebenso

- 13 -

�oft erneut geltend gemacht werden.
Andernfalls riskiert die Stadt, ankerlos
in der
Mitte Europas
und
Deutschlands zu treiben.
Das Ziel
des Westens muß weiterhin
in der
Stärkung der Bindungen zwischen den
Westsektoren und der Bundesrepublik
und der Beziehungen zwischen Berlin
und den Alliierten bestehen.
Die
Berliner
sollten
gleichermaßen
an
Fortschritten zwischen Ost und West
teilhaben.
Aber beim Streben nach
Chancen mit dem Osten müssen wir
sicherstellen, daß unsere Bemühungen
nicht die langfristige politische und
wirtschaftliche
Lebensfähigkeit
der
Stadt schwächen und die der alliierten
Schutz- und
Unterstützungsfunktion
zugrundeliegende
rechtliche
Grundlage sowie die volle Teilnahme
der Bürger Berlins am Leben der Bundesrepublik Deutschland.
Für uns ist es jedoch am wichtigsten im Gedächtnis zu behalten,
daß der Status nicht eine Behinderung
beim Abbau von Barrieren in der Stadt
ist, sondern ein Mittel, um sicherzustellen, daß diese Barrieren eines
Tages entfernt werden. Dies gilt besonders für den Anspruch des Ostens,
daß Ost-Berlin die Hauptstadt der DDR
ist und damit von den Rechten und der
Verantwortung
der vier Mächte für
Berlin als Ganzes nicht länger betroffen ist. Ost-Berlin als Teil der
DDR und als ihre Hauptstadt anzuerkennen bedeutet, die Dauerhaftigkeit
und Rechtmäßigkeit der Teilung der
Stadt einzugestehen. Die Aufrechterhaltung des Viermächtestatus Berlins
ist im Gegensatz dazu die Bekräftigung des Ziels eines wiedervereinigten Berlin und eines wiedervereinigten Deutschland.
Es ist vor allem
die
Präsenz
der
Verbündeten
in
Berlin, die weiterhin als Symbol für
die Welt steht, daß die deutsche Fra-'
ge offen und die gegenwärtige Teilung
des Landes unannehmbar bleibt.

Was ist über die Zukunft zu sagen?
Der Westen sollte den Osten
stets an die Unannehmbarkeit der andauernden
Teilung
von
Berlin,
Deutschland und Europa erinnern. Wir
sollten wahrhafte Offenheit mit Nachdruck verfolgen. Der Sowjetunion muß
die Erkenntnis näher gebracht werden,
und wir müssen sicherstellen, daß
auch unsere Jugendlichen dies erkennen, daß die Teilung Europas die Wurzel der Unsicherheit auf diesem Kontinent ist, daß sie die Hauptursache
des Rüstungswettlaufs und der Kriegsbedrohung hier darstellt, ebenso wie
sie unzähligen menschlichen Tragödien
zugrundeliegt.
Wie
der
griechische
Philosoph
Heraklit zutreffend feststellte, ist
es unmöglich, zweimal in den gleichen
Fluß zu steigen - das Vergangene ist
unwiederbringlich
verloren.
Aber
Arthur Schlesinger lenkt unsere Aufmerksamkeit auch zu Recht auf die
Zyklen der Geschichte. Nationen können sich mehr als einmal mit gleichartigen Situationen konfrontiert sehen.
Sie können gut, schlecht oder
ganz einfach anders reagieren.
Es
ist unmöglich festzustellen, ob die
heutige Zeit für die Sowjetunion eine
solche
Zeit der Entscheidung
ist.
Aber dennoch ist es unbedingt erforderlich, daß der Westen die sich möglicherweise ergebenden neuen Chancen
mit der Sowjetunion klar erkennt und
daß wir unsere Vorbereitungen treffen, um darauf reagieren zu können.
Wir
müssen
die
Sowjetunion
auch
furchtlos
dazu auffordern, bessere
Denk- und
Verhaltensmuster
anzuwenden. Vor allem ist es wichtig, nicht
der Vermutung zu erliegen, daß mit
dem Senken des Eisernen Vorhangs vor
mehr als vierzig Jahren das europäische Drama zum Ende gebracht wurde.
Im Gegenteil, ich bin davon
überzeugt, daß glücklichere Akte fol-

- 14 -

�qen werden, wenn sich dieser Vorhang
eines Tages - und das muß er - wieder hebt.

* * * *

- 15

�AMERIKA DIENST
4

^r

6

VION *

Hintergrundmaterial
20. Mai 1987

19

STUDIE DES US-AUSSENMINISTERIUMS BEFÜRWORTET WEITE INTERPRETATION
DES ABM-VERTRAGES
- Artikel über Informationsgespräche mit Sofaer und Nitze -

WASHINGTON - (AD) - Die Reaqan Administration qab am 13. Mai 1987 bekannt,
daß aus zwei Teilen einer Studie des Außenministeriums über den ARM-Vertraq
hervorqeht, daß eine "weite Interpretation" des Vertraqes seinem Wortlaut und
der Geschichte seiner Verhandlungen zufolge gerechtfertigt ist.

Der
Rechtsberater
im Außenministerium, Richter
Abraham Sofaer,
wies ebenfalls darauf hin, daß "keine
während des Prozesses der Ratifizierung
unternommenen Handlunqen
oder
abgegebenen
Stellungnahmen
die von
den
Sov/jets während
der
ABM- und
SALT I-Verhandlunqen für sich selbst
beibehaltene
Flexibilität
wirkungsvoll eingeschränkt haben".
Anläßlich
eines
Informationsgesprächs zur Vorlage der beiden Berichtsteile erklärte er, "die Sowjets
widersetzten
sich
unnachgiebig der

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Bestimmung, die unbekannte, auf zukünftiger Technologie basierende Teile betrifft und stimmten letztendlich
nur einer Beschränkung von deren Stationierung zu".
Sofaer zufolqe kommt die Studie
des Außenministeriums außerdem zu dem
Schluß, daß die Ratifizierung des
ABM-Vertraqes den Präsidenten im Sinne des Gesetzes nicht auf die enqe
Interpretation des Vertraqes festlegt.
Er betonte, daß die Reaqan-Administration ihre engen Konsultatio-

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�nen mit dem Kongreß und den Verbündeten darüber weiter fortführen wird,
"ob wir das Programm der Strategischen
Verteidigungsinitiative
umstrukturieren sollen, um uns die weite Interpretation zunutze zu machen".
Sofaer erklärte, mit dem Abschluß
eines dritten Teils der Studie, der
sich mit späteren Abkommen und Praktiken der Vertragsparteien befassen
wird, könne zum 1. Juni gerechnet
werden.
Bei
dem
Informationsgespräch
sprach auch der Sonderberater
des
Präsidenten für Rüstungskontrollfragen und Teilnehmer an den Verhandlungen zum ABM-Vertrag, Botschafter Paul
Nitze. Nitze erklärte, die Untersuchung der Verhandlungspapiere "stützt
in erheblichem Maße die Annahme, daß
sich die Sowjets nicht an die enge
Sichtweise gebunden haben, wenn man
die Maßstäbe anlegt, die sie bei der
Festlegung ihrer eigenen rechtlichen
Verpflichtungen gelten lassen".
Nitze wies darauf hin, daß die
Sowjets die von den Amerikanern vorgeschlagene Sprachregelung zurückgewiesen hätten, durch die sie "eindeutig an die enge Sichtweise gebunden
worden wären".
Botschafter Nitze betonte ferner,
daß "der Lauf der Verhandlungen für
eine weite Interpretation
spricht.
Der Präsident unterzieht diese Angelegenheit einer Prüfung. Er hat sich
verpflichtet, nicht die weite Interpretation anzuwenden, bevor nicht all
unsere Studien fertiggestellt und die
Angelegenheit nicht vollständig mit
dem Kongreß und unseren Verbündeten
besprochen worden ist" .
Sofaer verwies darauf, daß sein
Büro nach Fertigstellung der dritten
Studie über den Prozeß des ABM-Ver-

trages einen Bericht darüber vorlegen
wird, welches "Gewicht jedem Teil des
Beweismaterials" beigemessen
werden
soll.
Er erklärte, es stelle nach dem
Völkerrecht eine "Verpflichtung" dar,
einen Vertragstext in gutem Glauben
"im Hinblick auf den Zweck des Vertrages hin" zu interpretieren.
Sofaer wies darauf hin, Reagan
habe das Problem einer Interpretation
des ABM-Vertrages angeschnitten und
"wir erklären jetzt, daß die weite
Interpretation völlig rechtmäßig ist".
Angesichts
der
Einzigartigkeit
dieser Situation - des Wandels in der
Interpretation des Vertrages - bemerkte er, der Präsident sähe es als
notwendig an, dem Kongreß diese Veränderung zu erklären.
Sofaer wies darauf hin, daß die
Sowjetunion jetzt zu denjenigen gehöre, die behaupten, die Regierung habe
keine solide Grundlage für ihre Forderung, während die Reagan-Administration "nicht behauptet, daß die
Dinge eindeutig lägen - ein Weg wie
der andere...
wir haben behauptet,
daß die Dinge so vieldeutig sind, daß
an sie nicht der sowjetiche Maßstab
anzulegen
sei, wie sie
ihn sich
selbst in der Geschichte auferlegt
haben - der strikte Maßstab der Konstruktion".
"Die Unterlagen sind so unterschiedlich und so vieldeutig, daß sie
sich dadurch nicht gebunden haben",
erklärte Sofaer und fügte hinzu, "es
gibt eine solide Grundlage für das,
was wir getan haben".
"Wir meinen nicht, daß es darin
keine Tatsachen gibt, die sich nicht
zur Unterstützung einer engen Interpretation benutzen ließen", bemerkte

- 2 -

\

*

�Sofaer.
"Wir sagen, es gibt eindeutige Beweise, die das unterstützen,
was uns als eine sehr vernünftige
Leseart des Vertrages erscheint".

f

'

Sofaer erklärte, er würde nach
Durchsicht der Verhandlungsprotokolle
Reagan darauf hinweisen, "daß die Sowjetunion, wenn ihr diese Protokolle
vorlägen, in der Lage wäre - ihre
Praxis vorausgesetzt - zu sagen, daß
sie nicht an die enge Interpretation
gebunden ist".
Nitze erklärte, die Sowjets hätten in den vergangenen Jahren "eine
Haltung eingenommen, die meiner Ansicht
nach
vollständig
von
der
Sprachregelung des Vertrages und von
dessen
Verhandlungsprotokollen
abweicht" .

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Glasnost und das Bündnis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von Botschafter Burt vor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Studie des US-Außenministeriums befürwortet weite Interpretation des ABM-Vertrages&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Artikel über Informationsgespräche mit Sofaer und Nitze -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
^r,DN ^

27.

20

Mai 1 9 8 7

I N H A L T

DOKUMENTATION

Adelman:

Fortschritte bei Rüstungskontrolle nicht durch Besorgnisse

aufhalten
- Rede vor der Gesellschaft für Verteidigungsbereitschaft -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Der Kampf gegen Drogen
- UN-Konferenz soll Weg zu weltweiter Koordinierung ebnen

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
Dokumentation
27. Mai 1987

20

ADELMAN:

FORTSCHRITTE BEI RÜSTUNGSKONTROLLE NICHT
DURCH BESORGNISSE AUFHALTEN

Rede vor der Gesellschaft für Verteidiqungsbereitschaft

WASHINGTON - (AD) - Der Leiter der amerikanischen Rüstunqskontrollbehörde,
Kenneth Adelman, hat bei einem Treffen der amerikanischer. Gesellschaft für
Verteidiqungsbereitschaft (American Defense Preparedness Association) am 21.
Mai 1987 erklärt, die Verhandlungen über die Verrinqerung der Mittelstreckenraketen (INF) in Europa sollten trotz der Besorgnis über die Erqebnisse eines
diesbezüglichen Abkommens vorankommen. Man stehe "nahe vor dem Abschluß des
ersten Abkommens im Nuklearzeitalter, das zu echten Reduzierungen bei den offensiven Atomwaffen führen wird".
Die Rede Adelmans hat folgenden Wortlaut:

Die Reagan-Administration befindet sich heute in einer sehr merkwürdigen Situation.
In den vergangenen
sechs Jahren stand diese Administration wegen ihres angeblichen Versagens, schnell genug Ergebnisse in den
Rüstungskontrollverhandlungen zu erzielen, unter ständigem Beschuß. In
den vergangenen sechs Jahren haben
die Kritiker im Kongreß Änderung auf
Änderung vorgeschlagen und Resolution
auf Resolution eingebracht, um dem
Präsidenten die Hände zu binden und
ihn dazu zu drängen, irgendein neues
Rüstungsabkommen mit dem Kreml abzu-

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Embassy of the United States of America

schließen, in den vergangenen sechs
Jahren hat sich der Ruf des Kongresses, der Medien und der Rüstungskontrollgemeinde kaum abgeschwächt, der
da lautet:
"Verschafft und ein Abkommen.
Verschafft uns ein Abkommen." Bisweilen schienen unsere Kritiker zu sagen:
"Verschafft uns ein
Abkommen fast jeder Art, nur, damit
wir eines haben."
Trotz aller Kritik hat Präsident
Reagan
unbeirrt seine Tagesordnung
verfolgt.
Trotz aller Ablenkungsmanöver und Versuchungen und des Lärms

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�im Hinterqrund sind die Administration und das Bündnis ihren Grundsätzen treu geblieben, die standhafte
Verhandlungen ü'ber einschneidende Reduzierungen bei den offensiven Atomwaffen mit der Sowjetunion vorsehen.
Heute jedoch, wo ein Abkommen
ü'ber Mittelstreckenwaffen
(INF) in
Sicht ist, singen viele unserer Kritiker plötzlich ein neues Lied. Nun,
da wir nahe vor einem lang ersehnten
Abkommen stehen - und nicht vor irgendeinem Abkommen, sondern in vieler
Hinsicht vor einem besseren Rüstungskontrollabkommen als wir in der Vergangenheit je erreicht haben - werden
viele
unserer
Kritiker
plötzlich
nachdenklich und bekommen kalte Füße.
In den letzten Wochen scheinen einige
der energischsten Befürworter von Rüstungskontrolle plötzlich zu wiedergeborenen Kritikern der Rüstungskontrolle geworden zu sein. Und einige
derselben Leute, die sechs Jahre lang
Druck auf uns ausgeübt haben, damit
wir uns kopfüber in ein Abkommen mit
den Sowjets stürzen, warnen jetzt davor, daß die
Reagan-Administration
nicht Hals über Kopf ein kosmetisches
Abrüstungsabkommen eingehen dürfe.
Was geschieht hier eigentlich?
Ich sehe unter unseren
eine Menge Verwirrung.

Kritikern

Heute möchte ich auf diese Verwirrung eingehen und zu klären versuchen, wo wir in bezug auf das INFAbkommen stehen und was wir allgemein
bei der Rüstungskontrolle
erreicht
haben.
Dabei habe ich drei Feststellungen zu treffen:
1. Heute haben wir es mit einem
INF-Abkommen zu tun, das nach herkömmlichen Maßstäben in der Rüstungs-

kontrolle in vieler Hinsicht ein besseres Abkommen darstellt als wir es
in der Vergangenheit bei offensiven
Atomwaffen erzielt haben.
2. Ich bestreite die Ansichten
der Kritiker dieses Abkommens in allen Punkten. Ich glaube, daß sie unrecht haben.
3. Ich setze mich aber auch mit
einigen Verfechtern dieses Abkommens
auseinander.
ich
denke, daß
sie
ebenfalls unrecht haben - ironischerweise aus denselben Gründen, wegen
denen die Kritiker unrecht haben.
In der Tat bin ich der Meinung,
daß beide Extreme in dieser Debatte
zum Teil die gleichen Fehler machen.
Es ist wichtig, diese Fehler zu klären, wenn die Rüstungskontrolle unserer nationalen Sicherheit dienen soll.
Zunächst - was ist meiner Meinung
nach bei diesem Abkommen besser?
Drei Punkte.
Erstens wird es zu einschneidenden Reduzierungen der Atomwaffen führen, ich weiß nicht, ob die Menschen
sich
klarmachen, wie bemerkenswert
diese Tatsache ist. Wir haben mehr
als 25 Jahre hart an der Rüstungskontrolle gearbeitet - eigentlich seit
dem Anbruch des Atomzeitalters. Bis
jetzt ist es uns noch in keinem früher abgeschlossenen Vertrag mit den
Sowjets gelungen, sie zur Annahme bedeutender Reduzierungen der offensiven Atomwaffen zu bewegen.
Die SALT-Abkommen der siebziger
Jahre, die viele einst als Juwel in
der Krone der Rüstungskontrolle verehrten, hat praktisch ein enormes
Wachstum der nuklearen Arsenale zugelassen.
Heute besitzt die Sowjetunion ein strategisches Atomwaffenpo-

- 2 -

�tential, das viermal so groß ist wie
das, welches sie zahlenmäßig besaß,
als wir gemeinsam den SALT I-Vertrag
im Jahr 1972 unterzeichneten.
Und
seit Unterzeichnung von SALT II hat
sie die Zahl ihrer strategischen Wieder ein trittst lugkör per
verdoppelt.
Wenn den Senatoren, die die Ratifizierung von SALT I beschlossen haben,
im Jahr 1972 erklärt worden wäre, daß
SALT schließlich zur Erhöhung des sowjetischen Arsenals auf etwa 10 000
strategische
Waffen
führen
würde,
dann wäre dieses Abkommen, da bin ich
sicher, nicht annähernd so populär
qewesen.
Wenn wir also beim Abschluß eines
INF-Abkommens Erfolg haben, dann wird
dies das erste Mal im Atomzeitalter
sein, daß wir echte Reduzierungen der
offensiven Atomwaffen durch Rüstungskontrolle erreichen.
Und nicht nur
echte, sondern auch
einschneidende
Reduzierungen in den betroffenen Waffenkategorien. Wir werden nicht nur
zu dem Niveau der sowjetischen INFGefechtsköpfe zurückkehren, das bestand, als die Sowjets im Jahr 1977
mit
ihrer
nichtprovozierten Aufrüstung mit SS-20 Raketen begannen die Stationierungen, durch die dieser
gesamte Prozeß ins Rollen kam. Wir
werden unter dieses Niveau zurückkehren, da die sowjetischen Mittelstrekkenraketen der Typen SS-4 und SS-5,
die zu jener Zeit stationiert waren,
ebenfalls nicht mehr existieren. Es
wird das seit den frühen sechziger
Jahren niedrigste Niveau an INF längerer Reichweite sein - Null in Europa .
Dies ist wirklich der Hartnäckigkeit Präsident Reagans zu verdanken,
denn, als der Präsident im Jahr 1981
die "Null-Lösung" für Mittelstreckenraketen vorschlug, bestand unter den
Zeitungskolumnisten und Abrüstungsexperten
die vorherrschende Meinung,

dies sei unmöglich, weil es nicht
"verhandlungsfähig" sei - die Sowjets
würden dies in keiner Weise annehmen.
Zweitens
wird das
INF-Abkommen
besser sein, weil es zu ungleichen
Reduzierungen auf gleiche Obergrenzen
führen wird.
Mit anderen Worten:
die Sowjets werden wesentlich mehr
dieser Systeme abbauen müssen als wir
- etwa sechsmal mehr, wenn man die
INF-Gefechtsköpfe auf Raketen längerer Reichweite berücksichtigt.
Die
Sowjets
haben
heute
über
1 400
INF-Gefechtsköpfe
länqerer
Reichweite auf ihren SS-20 und SS-4
stationiert.
Wir besitzen 316 Gefechtsköpfe auf Pershing LI und landgestützten Marschflugkörpern.
Beide
Seiten werden auf 100 zurückgehen:
100 in den Vereinigten Staaten und
100 im asiatischen Teil der Sowjetunion.
Rein zahlenmäßig ausgedrückt
ist der Handel zu unseren Gunsten ungleich .
Schließlich
wird
das
Abkommen
einschneidendere
Verifizierungsmaßnahmen beinhalten als in der Vergangenheit. Es wird echte und ständige
lnspektionen vor Ort auf sowjetischem
Territorium
vorsehen.
ich
möchte
nicht den Eindruck erwecken, Inspektionen vor Ort seien ein Allheilmittel für die Verifizierung der Rüstungskontrolle.
Sie sind es nicht.
Aber sie sind unerläßlich für dieses
Abkommen.
Und, wie Reduzierungen,
sind sie etwas, was wir von den Sowjets seit langem bekommen wollten tatsächlich
während
des
gesamten
Atomzeitalters -, jedoch ohne jeden
Erfolg.
Wir befinden uns also in dieser
eigentümlichen
Situation
und qehen
davon aus, daß die Sowjets bereit
sind, unsere Bedingungen im Hinblick
auf Verifizierung und Kurzstreckensy-

- 3 -

�steme zu erfüllen. Wir befinden uns
also hier dicht vor dem ersten Abkommen im Atomzeitalter, das echte Reduzierungen bei nuklearen Offensivwaffen hervorbringen will.
Wir stehen
kurz vor einem Abkommen, das die Sowjets veranlassen würde, mehr Waffen
abzubauen als es uns dazu veranlassen
würde.
Wir stehen dicht vor einem
Abkommen, das die erste lnspektion
vor Ort zur Rüstungskontrolle auf sowjetischem Territorium mit sich bringen würde - was wir seit vier Jahrzehnten zu erreichen versuchten.
Und statt allgemeiner Zustimmung
herrscht Furcht. Statt Erleichterung
Besorgnis.
Statt Sicherheit Ambivalenz - und das häufig unter denselben
Leuten, die seit Jahren behaupten,
ein Rüstungskontrollabkommen bedeute
die Lösung all unserer Probleme.
Was sagen nun diese Kritiker und
warum glaube ich, daß sie sich irren?
Ich möchte im einzelnen auf vier
häufige Kritikpunkte eingehen.
Erstens weisen zahlreiche Kritiker darauf hin, daß das Abkommen
durch den Abzug amerikanischer Mittelstreckenwaffen
die
Vereinigten
Staaten
von Westeuropa
"abkoppeln"
will. Dies ist auch das Thema vieler
Strategie-"Gurus",
wie
etwa
Brent
Scowcroft
und
Jim
Woolsey, Henry
Kissinger und in jüngster Zeit sogar
Richard Nixon. ich glaube, diese Gurus haben unrecht.
Scowcroft, der Nationale Sicherheitsberater
unter
Präsident Ford,
schreibt, daß
der
Abzug
amerikanischer Mittelstreckenraketen mittels
eines
Abkommens
"einen
psychologischen Effekt der Abkopplung haben
muß, der dem ursprünglichen Zweck der
Aufstellung
widerspricht
unsere
Verbündeten zu abzusichern".
Nixon
- 4

und
Kissinger
gehen
noch
weiter.
Ihnen zufolge könnte das zukünftige
Abkommen "die tiefgreifendste Krise
des NATO-Bündnisses in seiner 40jährigen Geschichte hervorrufen".
Das ist eine sehr dramatische Behauptung.
Warum nehme ich Abstand
davon?
Im Grunde überschätzt es die
Leistung eines INF-Abkommens erheblich, sie sollten daran denken, daß
auf westlicher Seite nur eine Waffenkategorie betroffen ist, etwa 160 Abschußvorrichtungen oder 316 Gefechtsköpfe. Die strittigen westlichen Systeme gab es vor 1983 in Europa überhaupt noch nicht.
Es ist etwas lächerlich, sich im
Jahre 1987 dahingehend zu äußern,
als ob die amerikanische Garantie der
Sicherheit Westeuropas ausschließlich
von erst im Dezember 1983 begonnenen
Stationierungen
abhängt,
besonders
angesichts der Tatsache, daß die sowjetischen Systeme - SS-20 - die zu
solchen Stationierungen geführt haben, dann
fast völlig abgeschafft
würden.
Wir sollten zwei Dinge bedenken.
Erstens lag der wichtigste Grund für
die
ursprüngliche Entscheidung
der
NATO, zu verhandeln, und dann in Ermangelung
eines Abkommens für den
Stand Null, amerikanische Pershing II
und
bodengestützte
Marschflugkörper
zu stationieren, in der nicht provozierten
sowjetischen
Stationierung
neuer, mit drei Gefechtsköpfen ausgestatteter SS-20 im Jahre 1977. Nixon
und Kissinger sagen jetzt, es sei
"bedauerlich", daß die westliche Stationierung von INF auf dieser Grundlage gerechtfertigt war.
Aber die
Tatsache bleibt bestehen, daß es in
den späten siebziger und frühen achtziger Jahren die SS-20 waren, die in
Europa Angst auslösten. Es waren die
SS-20, die jedermann beunruhigten.

�Jetzt, da die Ausicht einer
fast
vollständigen Beseitigung dieser Raketen besteht, sind Kritiker plötzlich angesichts dieser Gefahr fast
gleichgültig geworden. Aber die Tatsache bleibt bestehen, daß mit der
Abschaffung
des
Löwenanteils
der
SS-20 der wichtigste Grund beseitigt
wird, aus dem wir die Stationierung
amer ikanischer
Mi ttelstreckenraketen
zunächst einmal benötigten.
Zweitens
sollten wir bedenken,
daß die größte Anzahl nuklearer Systeme der NATO von einem INF-Abkommen
nicht betroffen wäre. Die Sicherheit
der NATO ist weiterhin an die der
Vereinigten Staten "gekoppelt", wie
dies seit 35 Jahren der Fall ist und
nicht nur auf amerikanische luft-,
see- und bodengestützte Nuklearwaffen
- insgesamt mehr als 4 000 Nuklearwaffen in Europa - zutrifft, sondern
auch auf die 300 000 in Europa stationierten Soldaten.
Dieser Schutz
hat nicht erst vor vier Jahren mit
der
Stationierung
unserer
Mittelstreckenraketen im Dezember 1983 begonnen. Er wird nicht beendet sein,
wenn diese INF-Rakten abgezogen werden.
Im Grunde ist dieses Argument der
"Kopplung" ein theologischer streit,
und wie eine Reihe theologischer Dispute in der Rüstungskontrolle zeitigt
er
geringen
praktischen
Nutzen.
Manchmal denke ich, daß die "Theologie" in diesem Geschäft dem guten,
vernünftigen Denken über Politik und
Strategie im Wege steht.
Ich finde es zum Beispiel interessant, daß die lautstärksten Gegner
des
INF-Abkommens
Scowcroft,
Woolsey, Les Aspin, Lawrence Eagleburger, um nur einige zu nennen
gleichzeitig
große
Freunde
der
Midgetman-Raketc sind.
Diese beiden
Ideen passen zusammen; sie sind beide

das Produkt
Denkweise.

einer

sehr

abstrakten

ich möchte in dieser Diskussion
die "Sicherheitstheologen" den "Sicherheitspraktikern" gegenüberstellen.
Die Puristen oder "Theologen" wie Scowcroft und seine Anhänger
befürworten
die
kleine,
mobile
Midgetman-Rakete mit nur einem Gefechtskopf, weil sie den technischen
Ideen der Stabilität perfekt zu entsprechen
scheint.
Ihre
Mobilität
macht sie weniger
verwundbar; ihr
einzelner Gefechtskopf macht sie angeblich
weniger
"provokativ".
So
lautet zumindest die Theorie.
Die "Praktiker" betonen andererseits die politische Schwierigkeit,
in einem Land wie den Vereinigten
Staaten mobile Interkontinentalraketen (iCBMs) zu unterhalten, und sie
weisen auf die Kosten hin: 500 Gefechtsköpfe auf Midgetman werden 50
Milliarden Dollar kosten, während 500
Gefechtsköpfe auf 50 MX-Raketen 2
Milliarden Dollar kosten würden. Die
Praktiker würden es vorziehen, die
Ersparnis von 48 Milliarden Dollar
für bessere Verteidigungsausgaben zu
verwenden. 48 Milliarden Dollar sind
ein hoher Preis, um den abstrakten
Erfordnissen einer Theorie gerecht zu
werden, wenn es dringenden Bedarf an
anderer stelle und andere Methoden
zur Lösung des Problems gibt.
In bezug auf INF gefällt den
"Theologen" ebenso die bloße Idee der
"Ankoppelung", bei der Abschreckung
auf jeder stufe einer imginären "Leiter" der Eskalation verwirklicht wird
(trotzdem
seltsamerweise
ihrer Ansicht nach eine wichtige Sprosse auf
westlicher Seite bis vor vier Jahren
fehlte, als wir mit der Stationierung
von LRINF begonnen haben) . Auf der
anderer. Seite betrachten die "Prakti-

- 5 -

�ker" die politische Realtität - das
heißt, die Stationierunq von SRINF
wäre schwierig für Westeuropa, und
selbst, wenn sie politisch und finanziell machbar wäre, wäre sie nicht
den politischen Preis wert. Darüber
hinaus hat das Bündnis in den vergangenen 35 Jahren gut funktioniert, ohne daß es jede Sprosse der Eskalationsleiter gegeben hätte. insgesamt
- und praktisch - gesehen, neigen die
"Praktiker" dazu, das
INF-Abkommen
als gutes Geschäft zu betrachten.
Zusätzlich zu dem Streit über die
"Ankoppelung" gibt es weitere Kritikpunkte.
Manche Kritiker argumentieren, daß das INF-Abkommen wiederum
ein "Aufgeben" Europas mit sich bringen würde. Ich glaube auch, daß dies
eine Fehleinschätzung ist.
Bei
dieser
Meinung
ist
Henry
Kissinger führend. Kissinger zufolge
setzt das bevorstehende INF-Abkommen
"einen Prozeß fort, bei dem aufeinanderfolgende amerikanische Administrationen seit drei Jahrzehnten europäische Politiker verlassen haben, die
ihre politischen Haltungen von amerikanischen Vorschlägen für die atomare
Verteidigung Europas abhängig machten. Aus Italien und der Türkei wurden innerhalb von drei Jahren nach
deren
Stationierung
durch
die
Kennedy-Administration nach der KubaKrise Thor- und Jupiter-Raketen abgezogen.
Die Neutronenbombe wurde von
der Carter-Administration zwei Jahre
nach deren Annahme durch die NATO
aufgegeben. Jetzt mögen hier die INF
hinzukommen. Hier haben wir also ein
weiteres hartes urteil.
Was ist daran falsch?
Nun, es
wird hier keine Unterscheidung getroffen
zwischen
bilateralen
Rüstungskontrollabkommen und einseitiger Abrüstung.
Die Thor- und Jupiter-Raketen wurden einseitig von der

Kennedy-Administration
abgezogen.
Die Carter-Administration hat als Reaktion auf den Druck der Anti-Atombewegung des Westens einseitig Pläne
zur Stationierung der Neutronenbombe
aufgegeben.
Im Gegensatz dazu hat
die
Reagan-Administration
zusammen
mit den amerikanischen
Verbündeten
einem enormen
Druck gegen unseren
INF-Stationierungen widerstanden und
trotz dieses Drucks im Jahr 1983 mit
der Stationierung begonnen.
Deshalb sind wir heute in der Lage, einen Abbau und Abzug unserer
INF-Systeme gegen eine sechsmal größere Reduzierung sowjetischer INF-Gefechtsköpfe
einzuhandeln.
Mir
scheint, daß es einen eindeutigen Unterschied
zwischen der
einseitigen
Einstellung
eines Systems auf der
einen Seite und dem Kampf um dessen
Erhaltung und Benutzung als Unterpfand bei Verhandlungen auf der anderen Seite gibt. Die von Kennedy und
Carter
ergriffenen
Maßnahmen waren
einseitige Gesten.
Dies wird ein
beiderseitiges Abkommen werden, das
durch
westliche Entschlußkraft zustande
kommt.
Erst
recht
Henry
Kissinger sollte diesen Unterschied
verstehen.
Drittens
weisen
Kritiker
wie
Nixon und Kissinger darauf hin, daß
ein
INF-Abkommen
nicht
ausreicht.
Erstens, so sagen sie, sollten wir
auf einem echten stand von Null auf
beiden Seiten bestehen, das heißt,
die Sowjets sollten die 33 SS-20 Raketen aus Asien abziehen.
zweitens
sollten wir nicht dem vollständigen
Abzug unserer INF-Raketen zustimmen,
bis sich die Sowjets zu einem Gleichstand bei den konventionellen Streitkräften bereiterklären.
Zum ersten Punkt:
Wir stimmen
zu, daß die vollständige Beseitigung
der INF längerer Reichweite auf bei-

�den Seiton der Beibehaltung von 33
SS-20 Raketen in Asien durch die Sowjets
vorzuziehen
wäre.
Außenminister shultz hat sich für diese Lösung in Moskau eingesetzt.
Die Sowjets sagten "nein".
unsere Unterhändler in Genf setzen sich weiter
dafür ein. in jedem Fall ist das Abkommen meiner Meinung nach der Mühewert. Vom Standpunkt unserer Verbündeten und Freunde in Asien betrachtet, bedeutet es immer noch eine erhebliche Verbesserung, da die Zahl
der auf sie gerichteten SS-20 Raketen
von ca. 170 auf 33 reduziert würde,
zumal dieses Abkommen erreicht wird,
ohne den Preis einer Stationierung
amerikanischer INF-Raketen in Asien
zu zahlen.
Der
zweite,
von
Nixon
und
Kissinger angeführte Punkt ist jedoch
völlig unpraktikabel. Es ergibt einfach keinen Sinn, jetzt ein Junktim
zwischen einem INF-Abkommen und neuen
Verhandlungen über ein koventionelles
Gleichgewicht in Europa aufzustellen.
Erstens haben wir uns konsequent sowjetischen
Bemühungen
widersetzt,
eine Rüstungskontrollverhandlung mit
einer anderen zu verbinden, indem wir
darauf bestanden, daß Fortschritte in
unabhängigen Verhandlungen zu START,
INF sowie Verteidigungs- und Weltraumwaffen möglich sind. Würden wir
dem Rat von Nixon und Kissinger folgen, dann würden wir uns genau dieser
Praxis des Junktims bedienen.
Zweitens wäre die Nixon-Kissinger-Lösung
ein tödlicher Zusatz. Als diejenigen, die vor 13 Jahren die Gespräche
über
Beiderseitige
und Ausgewogene
Truppenverminderungen
in Europa in
die Wege leiteten, sollten sie sich
der Tatsache bewußt sein, daß in diesen 13 Jahren in der konventionellen
Rüstungskontrolle
nichts
erreicht
wurde und daß dabei auch wenig Aussicht auf Änderung besteht. Drittens
ist es unvernünftig, zu fordern, daß

dieser INF-Vertrag Abhilfe für alle
Probleme der westeuropäischen Sicherheit schafft. Es reicht, daß es uns
gelungen ist, das Problem der SS-20
zu lösen. Es reicht, so scheint mir,
daß wir zahlenmäßig bei den Verringerungen der Gefechtsköpfe auf Raketen
längerer Reichweite einen Vorteil von
sechs-zu-eins bekommen.
Damit komme ich zum vierten Argument der Kritiker.
Viele Kritiker
behaupten
heute,
das
INF-Abkommen
führe uns unweigerlich auf den Pfad
der Denuklearisierung Europas - eine
Denuklcarisierung, die aufqrund der
klaren Überlegenheit des Warschauer
Pakts über die NATO bei konventionellen und chemischen Waffen extrem gefährlich, ja katastrophal, sein wird.
Ich glaube, dies ist eine legitime
Sorge, aber ich bin überzeugt, daß
dieses Problem nicht aus solch einem
Abkommen resultieren würde.
Der scheidende Befehlshaber der
NATO, General Bernard Rogers, hat der
Zeitschrift 'Newsweek' gegenüber unlängst zu Recht erklärt:
"Wenn wir
letztlich alle Atomwaffen loswerden
und kein Gleichgewicht zwischen ihren
konventionellen Streitkräften und unseren erreicht haben, dann werden wir
eines Tages aufwachen und nach der
Pfeife der Sowjets tanzen."
Ich hege großen Respekt für General Rogers, und ich glaube, daß die
Gefahr, von der er spricht, real ist,
wenn seine Befürchtungen jemals wahr
würden.
Aber wir sind noch weit,
weit von einem denuklearisierten Europa entfernt. Wir werden auch nach
einem INF-Abkommen noch 4 000 Atomwaffen in Europa besitzen.
Und in
Abwesenheit konkreter Entwicklungen,
die das konventionelle und chemische
Ungleichgewicht beheben, besteht für
den Westen kein Grund, diesen Weg
einzuschlagen.

- 7 -

�Wo liegt das Problem bei dieser
Kritik? Es wird angenommen, daß wir
nach Unterzeichnung eines Abkommens
machtlos sein werden, um den Zug anzuhalten und auszusteigen.
Es wird
angenommen, daß wir dann gezwungen
sein werden, weitere Abkommen zu unterzeichnen.
Das INF-Abkommen könnte einen gefährlichen Weg zu einem gefährlich
denuklearisierten Europa darstellen,
wenn wir das zulassen. Aber es muß
kein gefährlicher Weg sein, wenn wir
bei der Rüstungskontrolle vernünftig
vorgehen.
Das bedeutet jedoch, daß wir als
Nation und als Bündnis beginnen müssen, bereitwilliger zwischen irgendeinem alten Rüstungsabkommen und einem guten Rüstungsabkommen zu differenzieren.
Wir müssen in der Lage
sein, Vereinbarungen, die in unserem
Interesse liegen, von Vereinbarungen
zu unterscheiden, die nicht in unserem Interesse liegen.
Es bedeutet,
daß wir in der Rüstungskontrolle lernen müssen "nein" zu sagen, wenn es
sich um ein schlechtes Geschäft handelt.
Dem Kongreß
fällt jedoch eine
Schlüsselrolle zu.
Der Kongreß der
Vereinigten Staaten muß lernen, im
Bereich
der
Rüstungskontrolle
ein
"nein" als Antwort zu akzeptieren,
wenn es in unserem nationalen Interesse liegt, dies auszusprechen.
Aus diesem Grund habe ich wenig
Geduld bei einem Teil der Kritiken,
die wir zum INF-Abkommen gehört haben
- zum Beispiel von Personen wie dem
Vorsitzenden
des
Streitkräfte-Ausschusses im Repräsentantenhaus, dem
Abgeordneten Les Aspin. Wenn man ihn
nach seinen jüngsten Äußerungen beurteilt, dann scheint der Abgeordnete

Aspin ebenso wie Ralph Waldo Emerson
zu
glauben,
daß
Konsequenz
das
Schreckgespenst der Popanz ist - weil
er selber alles andere als konsequent
gewesen ist.
in den vergangenen Monaten hat
der Abgeordnete Aspin seinen Photokopierer etwas zu sehr in Anspruch
genommen, um Woche für Woche Presseerklärungen herauszugeben, in denen
er
die
Reagan-Administration
angreift, da sie es, seinen Worten
nach, versäumt hat, bei der Rüstungskontrolle "den Speck nach Hause zu
bringen".
Nun, was meinen sie, geschah vor
zwei Wochen, als wir vor der Tür
standen und den Speck praktisch in
der Hand hielten, in Form eines möglichen Abkommens zu INF?
Der Kongreßabgeordnete Aspin wollte ihn zurückschicken.
Es stellte sich heraus, daß er doch nicht ein solch großer Liebhaber von "Speck" ist.
Nachdem er mit der Mehrheit des
Repräsentantenhauses
dafür
gestimmt
hatte, die Null-Lösung des Präsidenten für Mittelstreckenraketen im Jahr
1981 energisch zu unterstützen, beschloß Les Aspin urplötzlich, daß es
vielleicht doch nicht so eine gute
Idee ist. Nun, da der Speck für uns
in Reichweite liegt, mag er ihn nicht
mehr.
Les Aspin hatte sechs Jahre Zeit,
um zu entscheiden, ob er den Speck
mochte oder nicht. Heute ist es etwas spät, um sich für die koschere
Küche zu entscheiden.
Wenn eine Bedrohung besteht, daß
Europa auf westlicher Seite "denuklearisiert" wird, während die sowjetischen Vorteile bei konventionellen
und chemischen Waffen unverändert bestehen
bleiben,
dann
liegt
dies
8 -

�hauptsächlich an dem Druck für ein
Abkommen um eines Abkommens willen die Mentalität des "bringt den Speck
nach Hause" in der Rüstungskontrolle,
die vom Repräsentantenhaus, vom Büro
des Les Aspin und von anderswo in den
vergangenen sechs Jahren ausging.
Und das bemerkenswerte ist, daß
sogar - während diese Administration
von einigen im Kongreß dafür gescholten wird, daß sie bei INF zuviele
Fortschritte macht, während wir glauben, ein gutes Geschäft erzielt zu
haben und während die Sowjets auf unsere Vorschläge eingegangen sind einige Vertreter im Repräsentantenhaus genau in diesem Moment auf Zusätze drängen, die dazu angetan sind,
die Administration
für zu geringe
Fortschritte in anderen Bereichen zu
strafen.
Wenn wir sagen "aufwärts",
wollen scheinbar
viele im Kongreß
"abwärts" sagen. Wenn wir "abwärts"
sagen", scheinen viele "aufwärts" sagen zu wollen.
Vom Standpunkt des Erlangens einer guten Rüstungskontrolle sind diese sogenannten
"Rüstungskontrollzusätze" des Kongresses schlechter als
wertlos:
sie schädigen unsere Verhandlungsposition ernsthaft , indem
sie unseren Unterhändlern den Boden
unter den Füßen wegziehen. sie stellen heute die größte Bedrohung am Horizont
der
Rüstungskontrolle
dar.
Sie
institutionalisieren
einseitige
Rüstungskontrolle.
Um es einfacher
auszudrücken:
sie verfügen einseitige Abrüstung.
Sie erklären sowjetische
Rüstungskontrollvor seh läge
praktisch zum Gesetz für die Vereinigten Staaten.
Ein solcher Zusatz würde zum Beispiel die Erprobung eines amerikanischen
Anti-Satellitensystems
im
Weltraum verbieten, obwohl die Sowjets
bereits ein
funktionsfähiges

Anti-Satellitensystem
haben.
Damit
bekräftigt er ein sowjetisches Monopol in diesem Bereich.
Ein anderer
Zusatz würde die Herstellung binärer
chemischer Waffen beschränken, obwohl
die Vereinigten Staaten seit 17 Jahren keine chemischen Waffen mehr produziert haben, während die Sowjets
deren Produktion niemals eingestellt
haben.
Durch einen weiteren Zusatz
würden die Vereinigten Staaten gezwungen, Teile von SALT II einzuhalten, sogar obwohl es den Sowjets
freisteht, wichtige Bestimmungen dieses Vertrages zu verletzen, wie sie
es jetzt auf eine ernsthafte Art und
Weise tun. Wiederum ein anderer beschränkt unseren wichtigen Bedarf für
SDI-Mittel, obwohl die Sowjets weiterhin sehr viel für ihre strategische Verteidigung ausgeben und uns
im Bereich der strategischen Verteidigung in den vergangenen zehn Jahren
bei den Ausgaben um das fünfzehnfache
übertroffen haben. Ein weiterer Zusatz würde ein amerikanisches Moratorium über Atomtests von mehr als einer Kilotonne erzwingen. Das ist die
Formel des Kongresses: Wenn kein Abkommen zu erzielen ist, das die Waffen auf beiden Seiten beschränkt,
bauen wir nur die Waffen auf unserer
Seite ab, ungeachtet der Gefahr.
Und wissen Sie, worin die Ironie
liegt?
Der eine Bereich der Rüstungskontrolle, in dem wir eindeutige Fortschritte erzielt haben - der
eine Bereich, in dem wir bereit sind
"den Speck nach Hause zu bringen" ist genau das Feld der Rüstungskontrolle, in dem uns der Kongreß allein
läßt.
Im großen und ganzen hat der
Kongreß bei INF unsere Verhandlungsposition und die amerikanischen Stationierungen
unterstützt.
Und wir
erzielen Ergebnisse.
Ich habe gesagt, warum die Kritiker dieses Abkommens meines Erachtens

- 9 -

�unrecht haben. Jetzt möchte ich ausführen, warum manche Befürworter unrecht haben.
In der David Brinkley Show der
vergangenen Woche hat der Sprecher
des Repräsentantenhauses Jim Wright
erklärt, daß in den amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen
dies
"die
beste Möglichkeit ist, die wir seit
Ende des Zweiten Weltkrieges hatten".
An anderer Stelle wurde er mit dem
Ausspruch zitiert, es sei die beste
Gelegenheit seit der Oktoberrevolution von 1917.

revolution gehabt haben.
In vieler Hinsicht machen die besorgten Kritiker und die wilden Verfechter
dieses Abkommens
dieselben
Fehler;
- Erstens erwarten sie mehr von
diesem
Rüstungskontrollabkommen
(oder vielleicht von jedem durch
Verhandlungen
zustandegekommenen
Abkommen) - ob positiv oder negativ - als ein solches leisten
könnte.
- Zweitens unterscheiden sie nicht
zwischen
Rüstungskontrolle
auf
der einen und einseitiger Abrüstung auf der anderen Seite.

Dies sind kühne Erklärungen. sie
gehen viel weiter als alle Mitglieder
der Administration, die über dieses
Abkommen verhandeln, jemals gegangen
sind.
Der Sprecher des Repräsentantenhauses scheint ebenfalls dem Eindruck
zu unterliegen, daß dieses Abkommen
über INF-Raketen uns eine Menge Geld
sparen wird. Er sprach darüber, Mittel
anzuweisen,
um
"Kinder
aufs
College zu schicken" und die Gesundheitsfürsorge auszubauen.
Ich wäre glücklich, wenn mehr
Kinder aufs College gehen könnten,
und ich wäre ebenfalls froh, wenn
mehr Menschen eine bessere Gesundheitsfürsorge
erhielten.
Das wäre
wohl jeder Amerikaner.
Aber ich glaube nicht, daß ein
Abkommen mit der Sowjetunion über
Mittelstreckenwaffen
diese
Zauberei
hervorbringen
kann.
ich
glaube
nicht, daß dieses Abkommen uns Geld
sparen wird. Es könnte uns Geld kosten, besonders insofern, als daß wir
unsere
konventionelle
Verteidigung
verstärken müßten. Ich glaube nicht,
daß dies unbedingt die beste Möglichkeit ist, die wir seit dem Ende des
Zweiten Weltkrieges oder der Oktober-

- schließlich gehen sie davon aus,
daß
kein
Rüstungsabkommen
in
Sicht ist, dem wir angemessenerweise und selbstbewußt ein schallenden
"nein"
entgegenstellen
können.
Es sind genau diese Fehlannahmen,
die wir hinter uns lassen müssen, um
sicherzustellen, daß Rüstungskontrolle wirklich dem nationalen Interesse
dient und wahrhaft unsere Sicherheit
stärkt.
Das sind genau die Fehlannahmen, denen wir abschwören müssen,
wenn die westliche Sicherheit sich
nicht unter der Flut der Abrüstungspropaganda - sowohl alten als auch
neuen Stils - verschlechtern soll,
die gegenwärtig aus der Sowjetunion
zu vernehmen ist.
Anders als der Kongreßabgeordnete
Wright sehe ich nicht das Paradies
auf Erden in den nächsten Jahren vor
Augen, wenn wir auf der gepunkteten
Linie gemeinsam mit den Sowjets ein
Abkommen über INF unterzeichnen. ich
sehe nicht den Frieden ausbrechen.

- 10 -

Und dennoch befürworte ich dieses

�Abkommen.
ich befürworte dieses Abkommen nicht, weil es das Paradies
einläutet oder große Geldsummen einspart oder das Problem der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen löst.
Ich bin dafür, weil es das besondere
Problem lösen würde, das sich die
NATO zu lösen vornahm, als die im
Jahr 1979 ihren berühmten Doppelbeschluß faßte: das Problem der sowjetischen SS-20.
Im Jahr 1979 entschied die NATO, daß sie entweder die
SS-20 mit westlichen Stationierungen
übertreffen oder ein Abkommen erlangen mußte, um die SS-20 loszuwerden.
Dieses Abkommen ist der Abschaffung
der SS-20 sehr nahe. Wir üben weiterhin Druck auf die Sowjets aus, um
die völlige Abschaffung von Mittelstreckenraketen
längerer
Reichweite
herbeizuführen. In jedem Falle würde
das Abkommen, über das wir sprechen,
im Grunde das wichtige Problem lösen,
zu dessen Lösung es erarbeitet wurde.
Nicht mehr und nicht weniger.
Deshalb denke ich, solch ein Abkommen
wäre ein sieg für das westliche Bündnis, ein Sieg der festen Haltung, ein
Sieg der Entschlußkraft des Westens.
Es ist ein Sieg, aber wir müssen ihn
in der richtigen Perspektive sehen.
Das zugrundliegende Problem der sowjetischen Aggression, die zugrundeliegende Aufgabe der Stärkung der Abschreckung und Aufrechterhaltung der
Sicherheit des Westens bleiben besteh er..

* * * * * *

�^°J^&lt;

V,DN

AMERIKA DIENST

^

Wissenschaft und Technik
27. Mai 1987

20

DER KAMPF GEGEN DROGEN
UN-Konferenz soll Weg zu weltweiter Koordinierung ebnen

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Die bevorstehende internationale Konferenz der Vereinten Nationen über Drogenmißbrauch und illegalen Drogenhandel,
die für die Zeit vom 17. - 26. Juni 1987 nach Wien einberufen ist und zum ersten Mal auf Ministerebene stattfinden, wird von den Vereinigten Staaten als
"ein wichtiger Meilenstein im Kampf gegen Rauschgifte" betrachtet. Aber schon
im UN-Wirtschafts- und Sozialrat (ECOSOC), dessen 54 Mitgliedstaaten seit dem
4. Mai (bis Ende des Monats) in New York tagen, werden wichtige Punkte dazu
erörtert.
Allerdings machte die amerikanische Botschafterin Patricia Byrne
bei der ECOSOC-Tagung darauf aufmerksam, daß die Welt-Drogenkonferenz nur erfolgreich sein könne, "wenn aus ihr eine starke Verpflichtung der Nationen
hervorgeht, für die Eliminierung von Suchtstoffen als einer Bedrohung der
Weltbevölkerung unermüdlich zu arbeiten".

Patricia Byrne hält Konsens unter
den Partnerstaaten für dringend erforderlich, um den Kampf gegen illegale Drogen ausgewogen und an allen
Fronten gleich energisch zu führen.
Hauptziele seien die Verminderung von
Angebot und Nachfrage, die Ausschaltung des Drogenhandels sowie Fortschritte
in bezug auf Aufklärung,
Vorbeugung, Therapie und Rehabilitation.
Gelinge es jedoch den beteiligten Regierungen nicht, sich auf
einheitliche, ausgewogene und umfassende Maßnahmen zu einigen, oder ließen sich Delegierte einzelner Länder

United States Information Service
Embassy of the United States of America

in Verfolgung
eigensüchtiger
Ziele
von den Kernproblemen ablenken, könnten nur die Händler und jene, die unter ihren Einfluß geraten sind, den
Sieg davontragen.
Um das zu verhindern, müßten alle
Kon fer en z te iIn ehmer
en tschloss en
sein, "unsere Kinder und künftige Generationen vor den zerstörenden oder
gar tödlichen Auswirkungen des Drogenhandels zu retten", sagte die Botschafterin.
Eine solche Entschlossenheit berührt viele wesentliche Bereiche - Produktion, Handel, Konsum,

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�aber
auch wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Faktoren.
Darauf verwies der mexikanische Botschafter Mario Moya Palencia. Er erklärte, lateinamerikanische und karibische Länder hätten ebenso wie andere Entwicklungsländer gefordert, in
dem auszuarbeitenden Deklarationsentwurf
die Notwendigkeit
praktischer
Maßnahmen hervorzuheben, um "das Problem an seinen Wurzeln und nicht nur
an seinen Symptomen anzugehen".

frage, Drogenangebot, illegalen Handel und Therapie betreffen.
Darauf
verwies auf der ECOSOC-Tagung Tamar
Oppenheimer,
die
Generalsekretär in
der Weltdrogenkonferenz.

Drogenmißbrauch - Pest unserer Zeit

Zur Bekämpfung des Drogenhandels
ist die Ausarbeitung einer Konvention
vorgesehen.
Die
Fortschritte
zur
Realisierung dieses Planes soll eine
noch einzusetzende Expertenkommission
überprüfen.
Diese hätte sich außerdem um Resolutionen zu kümmern, die
die
Regierungen
verpflichten, mehr
für Erziehungs- und Informationsprogramme zu tun, die die negativen und
schädlichen Konsequenzen des Drogenmißbrauchs deutlich machen.
Weitere
Resolutionen
hätten
der
besseren
Überwachung des Exports von psychotropen Substanzen, von Optiatprodukten
für
medizinische
und
wissenschaftliche Zwecke sowie einer Neuordnung der für die UN-Programme zur
Suchtstoffkontrolle verfügbaren Geldmittel
und
der
Unterstützung
des
Fonds für Pläne zur Suchtstoffkontrolle im Rahmen von Länder Programmen
zu gelten.

Die für das Programm zuständigen
UN-Beamten ließen keinen Zweifel daran, daß sich Drogenmißbrauch in allen
sozialen Schichten und in allen Teilen der Welt ausbreitet - "die Pest
unserer Zeit", wie Tamar Oppenheimer
sagte. Es sei nach wie vor schwierig, das Drogenproblem zu quantifizieren. Jedoch seien auf dem illegalen Markt weiterhin die gleichen Mengen verfügbar wie in den vorangegangenen
Jahren.
Entwicklungsländer
seien nicht gegen das Händlerproblem
gefeit. Außerdem mache sich in Osteuropa, das bisher so stolz war, gegen illegalen Drogenkonsum immun zu
sein, das
Problem
des Drogenmißbrauchs
ebenfalls bemerkbar.
Auch
Afrika, wo bis in die jüngste Zeit
der Drogengenuß durch Traditionen unter gewisser Kontrolle gehalten wurde, falle immer mehr dem Drogenmißbrauch zum Opfer.
Da Entwicklungsländer nicht über angemessene Ressourcen zur Bekämpfung des Problems
verfügten, seien sie besonders anfällig.

Hauptdokument der Konferenz wird
ein
"umfassender
multidisziplinärer
Maßnahmenkatalog"
sein
(nach einer
englischen Bezeichnung "Comprehensive
Multidisciplinary Outline" CMO abgekürzt).
Der im Februar in Wien von
der
UN-Suchtstoffkommission
(CND)
fertiggestellte und den Regierungen
zugeleitete Textentwurf, umfaßt ein
ganzes Spektrum praktischer Maßnahmen, die auf nationaler, fachlicher,
akademischer
und lokaler Ebene ergriffen werden können und Drogennach-

Der Beginn der ECOSOC-Tagung in
New York fiel zeitlich mit einer vom
amerikanischen Außenministerium einberufenen
Drogenkonferenz
zusammen,
die die zuständigen Attaches bzw. Referenten aus 47 amerikanischen Botschaften mit hochrangigen Mitarbeitern der amerikanischen Bundesbehörde
für Drogenbekämpfung (DEA) zusammenführte.
Die
"Narcotics
Attaches"
sind auf ihren Auslandsposten für die
Koordination der Bemühungen um Suchtstoffkontrolle
und
entsprechender

- 2 -

*

�Maßnahmen verantwortlich.
in seiner
Ansprache
bezeichnete der amerikanische Außenminister
George
shultz
den Drogenhandel
als eine moderne
Form der Piraterie. Diese nehme noch
schlimmere Formen an, wenn "gewissenlose Drogenhändler versuchen, ganze
Länder als Geiseln zu nehmen.
sie
machen mit Terroristen und Guerilleros gemeinsame Sache, um die Bevölkerung
auszuplündern,
überkommene
Werte und Institutionen anständiger
Menschen zu zerstören...
Aber die
angegriffenen Länder schlagen zurück.
Das internationale Recht wird umgeschrieben, um die Händler festzusetzen und ihnen ihre Beute abzunehmen",
sagte Shultz. "Wir machen uns keine
Illusionen.
Der wirkliche Kampf gegen
Drogen,
ein
internationaler
Kampf, fängt gerade erst an... Das
Recht und ebenso realistische Anstrengungen sind jedoch auf unserer
Seite."

Regionale Zusammenarbeit
Zwar seien viele in Regierungsdiensten
stehende Personen
korrumpiert. Aber Millionen ehrlicher Menschen überall in der Welt lehnten
sich gegen sie auf. Zur Zeit führten
20 Länder Vernichtungsaktionen
von
Drogenanpflanzungen durch.
Die USA
unterstützten über eine Abteilung des
amerikanischen
Außenministeriums
14
dieser Länder mit Geld, Ausrüstungen
und Personal.
Regionale Zusammenarbeit, etwa der Andenländer oder in
Asien (Burma und Thailand, Indien und
Pakistan), auch der Vereinigten Staaten mit Mexiko, beginne Früchte zu
tragen.
Die Vereinten Nationen, die
Organisation
Amerikanischer
Staaten
(OAS), der ASEAN-Bund, SAARC und die
Europäische Wirtschaftsgemeinschaft sie alle haben die Drogenbekämpfung
als eine ernste internationale Aufgabe er kannt.

in den USA selbst werden die Aktivitäten von ca. 20 Bundesbehörden
sowie ihren einzelstaatlichen und lokalen Pendants, unterstützt vom Militär mit Helikoptern, Flugzeugen und
Radarballons, eng koordiniert.
Die
verstärkten
Anstrengungen
brachten
beachtliche Erfolge, wie DEA-Administrator John Lawn berichtete.
Zum
Beispiel
beschlagnahmten
DEA-Organe
allein im Jahr 1986 mehr als 27 000
kg Kokain, 800 000 kg Marihuana und
46 Millionen Dosen legaler, aber illegal verkaufter Suchtstoffe oder illegal
hergestellter
synthetischer
Rauschgifte.
Der letztgenannte Posten bedeutet im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um mehr als 75
Prozent - "ein Problem, das uns große
Sorge bereitet", sagte Lawn.
Denn
die Quellen seien im eigenen Land zu
suchen.
Dem jüngsten DEA-Bericht ist zu
entnehmen, daß 1986 in den USA 4,7
Millionen Marihuana-Pflanzen auf illegalen Anbauflächen vernichtet wurden.
Bei 1,8 Millionen handelte es
sich um die Sinesmilla-pf lanze, die
einen
besonders
hohen
Gehalt
von
Tetrahydrocannabinol
besitzt.
Dazu
kamen 125 Millionen geringerwertige
Cannabis-Pflanzen.
in Verbindung mit
diesen Aktionen wurden 5537 Personen
verhaftet, 1646 Waffen eingezogen und
Vermögenswerte in Höhe von 13,5 Millionen Dollar beschlagnahmt.
Manche
Bundesstaaten benutzen für die Pflanzenvernichtung Herbizide.
Dies ist
der DEA bis zur Fertigstellung von
zwei, im Jahr 1983 gerichtlich verfügten Umweltgutachten verwehrt; allerdings konnten aufgrund bestimmter
Ergebnisse des ersten Gutachtens 1985
auf bundeseigenem Land Sprühaktionen
mit Glyphosat
(nicht aber mit Paraquat und 2,4-D) wiederaufgenommen
werden.

- 3 -

�Aufklärung in Schulen zeigt Wirkung
Daß
Information
und Aufklärung
junger Menschen, wie sie vor allem
durch Nancy Reagan initiiert und in
den letzten Jahren auf breiter Front
gefördert wurde, ihre Wirkung nicht
verfehlen, zeigen Umfragen in amerikanischen Schulen. Kinder sind sich
der Gefahren, die aus Drogen, aber
auch aus Zigaretten und Alkohol erwachsen, heute weitaus stärker bewußt
als noch vor zwei oder drei Jahren.
Auch widerstehen sie sehr viel mehr
dem Druck von Altersgenossen, z.B.
Marihuana einmal zu probieren.
Das
von
Nancy
Reagan
geprägte
Motto:
"Einfach Nein sagen" zu Drogen, trägt
offensichtlich Früchte.
Schwerpunkt
zahlreicher
Aufklärungsaktionen sind in zunehmendem Maße Warnungen vor Zigaretten und Alkohol, die als Einstiegsdrogen betrach^
tet werden. "Wir müssen allen Drogen
den Glorienschein nehmen", erklärte
Dr. Donald ian MacDonald, der Direktor der Abteilung im Weißen Haus für
Bekämpfung
des
Drogenmißbrauchs.
"Kindern
klarzumachen, daß Alkohol
und
Zigaretten
süchtig machen und
deshalb 'Drogen' genannt werden sollten, ist der erste Schritt." im Gegensatz zu den Umfrageergebnissen von
1983 stehen heutzutage Schulen an erster
Stelle als
Informationsquelle
über die Gefahren der Drogen, während
das Fernsehen noch immer die Führungsrolle darin hat, Rauschmittel
und Trinken als besonderen Spaß anzupreisen .
Drogen bedeuten für jeden Sektor
der Gesellschaft eine Bedrohung
letztlich
auch,
wie
Außenminister
Shultz erklärte, für die Demokratie
und die nationale Sicherheit.
Die
Vereinigten Staaten hätten sich ehrgeizige Ziele gesetzt:
Schule, Ar-

beitsplatz, Verkehrsmittel, Wohnungen, das ganze Land soll drogenfrei
werden. Dr. MacDonald zufolge sei es
ungemein wichtig, den "Markt" auszutrocknen - die Nachfrage nach Drogen
und die zahl der Menschen, die Drogen
nehmen, immer
mehr zu reduzieren.
Einer der Schwerpunkte der Drogenbekämpfung sei heute auch der Arbeitsplatz. Die kleine Anzahl berufstätiger Personen, die Drogen nehmen, gefährden in bezug auf Sicherheit und
Leistung die große Mehrheit der arbeitenden Mitmenschen, die drogenfrei
sind.
Eine erst kürzlich gemachte
Erhebung zeigt, daß im vergangenen
Monat 23 Millionen Amerikaner aller
Altersgruppen über 12 Jahre, und die
meisten davon am Arbeitsplatz, Drogen
nahmen. Für das vergangene Jahr wurden 38 Millionen Personen ermittelt und wieder in der Hauptsache am Arbeitsplatz. "Wenn wir dem nicht beikommen", meinte MacDonald, "gibt es
wenig Hoffnung, Drogenkonsum in den
Vereinigten Staaten zu verringern."

Therapie
Der Direktor des Nationalen Instituts zur Bekämpfung des Drogenmißbrauches, Dr. Charles Schuster, berichtete von einem Rückgang des Konsums von Marihuana, PCP und einiger
anderer Drogen seit dem Jahr 1979.
Dagegen sei bei Kokain ein weiterer
Anstieg zu verzeichnen, der Verbrauch
von Heroin sei unverändert.
In der
Therapie
Süchtiger
zeichneten
sich
Fortschritte ab.
Nach sechsjähriger
Behandlung
seien
etwa
60
Prozent
vollkommen
drogenfrei.
Dies gelte
jedoch nicht für Heroin- und Kokainabhängigkeit.
Bei
Heroinsüchtigen
habe man ständig mit Rückfällen zu
rechnen, so daß eine Behandlung bis
zum Lebensende notwendig sei.
Die
Sucht könne nicht geheilt, aber doch
wirksam unter Kontrolle gebracht wer-

�den. So gut seien Behandlungsverfahren
für Kokainsüchtige noch nicht
entwickelt, jedoch mache man bemerkenswerte
Fortschritte,
sagte
Dr.
Schuster. Die Behandlung konzentriere sich derzeit nach der Entgiftung
auf die Zufuhr chemischer Stoffe, die
durch Kokainmißbrauch dem Gehirn entzogen wurden.
Geschehe dies rechtzeitig, sei die Gefahr gebannt, das
der Betreffende erneut beginne, Kokain zu nehmen. Allerdings sei noch
keine
endgültige
Bewertung
dieser
Therapiemethode möglich.

Zusätzliches Risiko
Fixer, d.h.
Rauschgiftsüchtige,
die sich Drogen intravenös spritzen,
riskieren
zudem
sehr
leicht
eine
AIDS-Infektion, weil häufig Spritzen
gemeinsam benutzt werden. Diese Beobachtung wird in zahlreichen Ländern
gemacht.
Dr.
C.
Everett
Koop,
"Surgeon
General"
der
Vereinigten
Staaten, warnte Anfang Mai in einer
Rede vor der Weltgesundheitsbehörde
(WHO) vor der Gefahr, daß in einem
Land der Beginn des Drogenmißbrauchs
in Form von Fixen gleichzeitig bedeute, daß dieses Land nun auch mit der
Ausbreitung von AIDS zu rechnen habe.

* * * * * *
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